Nr. 185 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 94 Bezugspreis: Böentlich 70 Bfenxia. monafid B- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar und Remelgebiet, Defterreich, Litauen. Zuremburg 4,50 Reichsmart, für bas Abrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit mit„ Gieb. lung und Aleingarten" fowie ber Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich aweimal Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abrene: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 80 Bfennia. Reklamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 25 Bfennts ( auläffia awei fettaedrudte Worte). fedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erite Wort 15 Bfennig, tebes weitere Bort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch Faben aählen für amei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Bauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden fcake 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8% Ubr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Mittwoch, den 21. April 1926 Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftichedkonts: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft. Depotentaffe Lindenstr. 3. Regierungserklärung zur Fürstenfrage Der Freispruch von Chemnih. Kompromiß und Enteignungsgesetz verfassungsändernd. Der Rechtsausschuß des Reichstages begann gestern nachmittag die Beratung des neuesten Kompromißantrages zur vermögensrechtlichen Auseinandersetzung mit den vormals regierenden Fürstenhäusern. Vor Eintritt in die Tagesordnung ersuchte Dr. Rosenfeld die Regierung um Auskunft über die Behandlung des Voltsbegehrens durch die Reichsregierung. Er drückte sein Erstaunen darüber aus, daß der Gesezentwurf des Voltsbegehrens noch immer nicht dem Reichstage zugeleitet sei. Diese Behandlung des Boltsbegehrens habe im deutschen Bolte bereits eine gewisse Beunruhigung hervorgerufen. Längst wiffe doch die Regierung schon, daß das Bolksbegehren die nötige Unterſtüßung gefunden habe. Namens feiner Freunde verlange er die unverzügliche Weiterleitung des Gesezentwurfs zur Fürstenenteignung an den Reichstag. Für die Begründung im einzelnen berief sich der Minister auf die schriftliche Begründung, die er dem Ausschuß überreichte. Dr. Rosenfeld bemängelte, daß die Regierung nicht wie versprochen auch zu der Frage einer Berfassungsänderung burch den Gesezentwurf des Boltsbegehrens Stellung genommen habe. Er fragte ferner, ob die Zeitungsnachrichten richtig seien, nach welchen bei den Beratungen des Kabinetts der Reich sinnenminister verneint habe, daß eine Verfaffungsänderung vorliege, während das Justizministerium durch Staatssekretär Jo el den verfassungsändernden Charakter behauptet habe. Er fragte ferner, ob es richtig sei, daß das Kabinett lediglich mit Stimmenmehrheit gegen den Reichsinnenminister die Frage der Verfassungsänderung bejaht habe. Reichsinnenminister Külz erklärte hierauf, daß er hier nicht als Reichsinnenminifter, sondern als Vertreter der Reichsregierung gesprochen habe.( Dr. Rosenfeld: Jetzt kommt erst die Frage, die ich gestellt habe, denn das wußten wir schon.) Hierauf habe er nichts mehr zu anworten. Die Reichsregierung halte auch den Gefeßzentwurf des Volksbegehrens auf Enteignung der Fürsten für verfassungsändernd. Stöder( Komm.) fragte, ob auch die lettere Erklärung auf Rabinettsbeschluß beruhe. Reichsminister des Innern Dr. Külz antwortete, daß er dem Anfragenden insofern eine Enttäuschung bereiten müsse, als die Regierung fich nicht mit dem Gesez habe befassen fönen, bevor das Ergebnis des Boltsbegehrens amtlich festgestellt sei. Diese Festftellung lei am 14. April erfolgt, am 19. April sei ihm dies mitgeteilt worden und bereits am nächsten Tage habe er den Gefeßentwurf mit seiner Stellungnahme an das Kabinett weitergeleitet. Dies werde sich unverzüglich mit dem Gefeß beschäftigen und dann werde es sofort dem Reichstag vorgelegt werden. Abg. Neubauer( Komm.) erklärte, daß das Berhalten der Re- Enteignungsgefes beschäftigt habe, bevor die Boltsabstimmung statt gierung den Vorwurf der Sabotage des Boltsbegehrens rechtfertige und auf eine Provokation der 12% Millionen, die das Bollsbegehren unterzeichnet hätten, hinauslaufe. Reichsminister Dr. Külz weist die Vorwürfe Neubauers zurüd. Von Verschleppungsabfichten der Regierung fänne teine Rede fein. Sofort nach der Mitteilung des amtlichen Ergebnisses habe er selbst Etellung genommen und dem Kabinett eine, Borlage gemacht. Nach § 41 des Boltsentscheidgesetzes sei ein anderes Verfahren nicht zuläffig gewesen. Die Kompromißvorlage. Nunmehr trat der Rechtsausschuß in die Beratung der Rompromißvorlage ein. Abg. Schulte( 3.) brachte die Vorlage ein, indem er ertlärte, daß der Antrag lediglich von einzelnen Abgeordneten der Deutschen und Bayerischen Boltspartei des Zentrums und der demokratischen Fraktion eingebracht sei. Die Ergebnisse der Beratungen erster Lesung hätten nicht befriedigt. Auch die bisherigen Kompromißvorschläge seien unzureichend gewesen und man habe daher unter Teilnahme des Reichsinnenministers und des Reichsjustizministers in neu en Berhandlungen, die auf Einlodung des Reichskanzlers stattgefunden hätten, den jegt vor. liegenden Rompromißoorslag formuliert. Die Frat tionen selbst hätten zu dem neuen Antrag noch feinerlei Stellung genommen. Der Reichsfanzler und andere Mitglieder der Reichsregierung hätten ihre Uebereinstimmung mit der Borlage bekundet. Ministerialdirektor Erythropel erklärte namens des preußischen Finanzministeriums, daß die Nachrichten des Demokratischen Zeitungsdienstes, nach denen die Hohenzollern etwa 7 Millionen Mart an rückständigen Steuern dem Staate schuldeten, unzutreffend feien. Tatsächlich hätte das Hohenzollernhaus bei der Krongutsverwaltung fämtliche Steuern gezahlt, bei der Hofkammerverwaltung feien nur für das erste Bierteljahr 1926 247 306,20 Martrüdständig, die bis 30. April 1926 gestundet seien. Und bei der Generalverwaltung des vormaligen Königshauses für nach träglich veranlagte Rhein- und Ruhr, sowie Brotversorgungsabgabe 54 336,, 85 Mart sowie bei der Schatullver= waltung 16 500 Mart. Insgesamt betrage die geftundete Steuerschuld rund 318 140 Mart. Auch andere Steuerzahler hätten Stundung nachgesucht. Die Stellung der Reichsregierung. Auf Anfrage des Vorsitzenden Dr. Kahl erklärte dann Reichsinnenminifter Dr. Külz: Der jetzt vorliegende Kompromißvorschlag erscheine der Reichsregierung tragbar. Das Kabinett halte ihn aber für verfaffungsändernd. Allerdings sei die Zuständigkeit des Reiches gegeben, da es sich um bürgerlich- rechtliche Ansprüche handele und auch bei den öffentlich- rechtlichen Tatbeständen nach der Ver faffung die Zuständigkeit des Reiches gegeben sei. Es werde auch nicht die verfassungsmäßige Bestimmung verletzt, nach welcher niemand seinem gesetzlichen Richter entzogen werden dürfe, da dies nur Berwaltungsbeamten, nicht aber dem Gesetzgeber verboten sei. Ebenso wenig werde die Bestimmung der Berfaffung verlegt, nad) welcher alle Deutschen vor dem Gesetz gleich seien. Denn auch diese Bestimmung richte sich an die Verwaltungen und nicht an die Ge fezgebung. Dagegen verstoße der vorliegende Entwurf gegen Artikel 153 der Berfaffung, der zwar eine Enteignung zulaffe, aber nur zum Wohle der Allgemeinheit. Dieser Begriff werde in Theorie und Braris, insbesondere in der Rechtsprechung des Reichsgerichts dahin ausgelegt, daß die Enteignung zur Ausführung eines be. stimmten, der Allgemeinheit dienenden Zwedes notwendig sei. Die bloße finanzielle Bereicherung des Staates durch die Weber führung von Privatbefik in die öffentliche Hand sei noch teine solche Enteignung. Es sei eine bloße Bermögenstransaltion, und eine folche zu beschließen, bedeute eine Aenderung der Verfassung. Auch wenn durch die Berbefferung der Finanzlage der Staaf in den Stand gefeht werde, in erhöhtem Maße zum Wohl der Allgemeinheit Ausgaben zu machen, fei eine Verfaffungsänderung für vorliegend za erachten. Minister Külz bejahte dies. zum Prozeß Asmus. Chemnik, 20. April.( Eigener Drahtbericht.) Kurz nach 5 Uhr wurde das Urteil im Asmus- Prozeß verkündet. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich vor dem Gerichtsjaal eingefunden. Tribünen und Zuschauerraum sind überfüllt. Zu Beginn der Sigung warnte der Vorsitzende, Amtsgerichtsdirektor Dr. Margirius, vor irgendwelchen Kundgebungen während der Urteilsverkündung. Dann verkündete er den Freispruch des Gerichts: Im Namen des Boltes: Der Angeklagte wird freigesprochen. Die Gerichtskosten fallen der Staatstaffe zur Caft." as 3n einer längeren Begründung behandelt das Gericht dann die Ursachen des Verfahrens. Es heißt in der Begründung u. a: Dem Angeklagten wurde zur Cast gelegt, sich in fieben Fällen nach§ 346 vergangen zu haben. Es steht fest, daß der Angeklagte am 1. April 1922 Oberstaatsanwalt in Freiburg wurde. Daraus ergibt sich, daß er als Beamter anzusprechen ist. Was feine Perfon anlangt, steht fest, daß er der Sozialdemokratischen Partei angehörte, also nach links eingestellt ist und seine Arbeit nach den Jntentionen der damaligen Regierung ausgeübt hat. Daraus erklärt sich, daß er der Reichswehr, die nicht links eingestellt ist, ein Dorn im Auge war. Das Gericht hat die Ueberzeugung erlangt, daß der Angeklagte die nötige Fähigfeit zu feinem Amte besitzt. Das Gericht fah bei seiner Prüfung davon ab, was den eigentlichen Anlaß zu diesem Prozeß gab. Fest steht aber, daß das Verfahren der beiden Rechtsanwälte einen nicht unerheblichen Anstoß dazu gegeben hat. Das Gericht hatte zu prüfen, ob ein hinreichender Tatverdacht gegeben sei und ob dieser Tatverdacht durch die Ergebnisse aus den einzelnen Fällen bestätigt wurde. 3n vier von den sieben Fällen ist erwiesen( die Urteilsbegründung fommt hier auf die sieben Asmus zur Laft gelegten Fälle zu sprechen), daß er vorfählich gegen den § 346 verstoßen hat. Es fam darauf an, ob er es in der Ablicht getan hat, die Betreffenden der Strafe zu entziehen. Das Geein- richt richt ist der Ansicht, daß er nicht einzelne der Strafe entziehen wollte, daß er vielmehr nach der Intention feiner ReDas hat zu feiner Freigierung zu handeln glaubte. iprechung geführt. Abg. Neubauer( Komm.): Wenn das Kabinett sich schon mit dem gefunden habe, dann hätte sie sich auch mit dem Boltsbegehren befchäftigen tönnen, bevor die amtliche Stimmenfeststellung erfolgt war. Der Ausschuß beschloß alsdann die Aussprache über das Gutachten der Reichsregierung erst später vorzunehmen, wenn die schriftliche Begründung der Regierung im Ausschuß vorliege. Dr. Rosenfeld forderte sodann, daß zunächst über den neuen Rompromißvorschlag eine General debatte stattfinde.( Wider Spruch bei den Kompromißparteien.) Bors. Kahl erklärte, daß dadurch eine Verzögerung eintreten würde. Eine Generaldebatte jei nicht erforderlich, weil das neue Kompromiß sich von dem früheren nicht allzu weit entferne. Dr. Rosenfeld betonte demgegenüber, daß es doch üblich fei, zunächst eine Generaldebatte stattfinden zu lassen. Er verstehe nicht, daß man hier von dieser Uebung abweichen wolle. Abg. Wunderlich( D. Vp.) erklärte, daß der neue Antrag doch gar nichts Neues enthalte. Abg. Bell( 3.) erwiderte, daß man der Gepflogenheit gemäß zunächst eine allgemeine Aussprache vornehmen solle. Nach längerer Geschäftsordnungsaussprache wird diesem sozial demokratischen Verlangen schließlich stattgegeben. Generaldebatte über das Kompromiß. Abg. Landsberg wies darauf hin, daß der neue Kompromißvorschlag nicht völlig durchdacht sei. Wenn eine Frist von sechs Monaten vorgefehen werde für das Anrufen des Gerichts, so tönne das eine schwere Schädigung der Länder bedeuten, in welchen eine faumfelige Regierung die Frist nicht innehalte. Dafür könne doch das Land nicht bestraft werden. Das Gericht müsse von sich aus auch ohne einen in bestimmter Frist gestellten Antrag eingreifen können. Abg. Wunderlich erklärte die Festlegung einer Frist für er forderlich, damit eine beschleunigte Erledigung der ganzen Auseinandersegungsfrage erreicht werden könnte. Dr. Rosenfeld führte aus, daß bei der Festhaltung an einem Anrufen des Gerichtes die Gefahr bestehe, daß das ganze Gesetz überhaupt teine prattijdhe Bedeutung erlange. Daß den Fürsten das Recht gegeben werde, eine Auseinandersetzung herbeizuführen, liege doch nicht im Sinne derjenigen, die durch das Gefeß dem Volke helfen wollten. Im Interesse des Boltes aber sei die Anrufung des Gerichts doch höchstens von der preußischen Re gierung zu erwarten. Und vielleicht noch in Thüringen bezüglich Roburg- Gotha. Wenn das aber die ganze Wirkung des neuen Gefeges fei, so sei das ganze Gefeß nicht sehr wichtig. Auch nach dem neuen Vorschlag sei die Mitwirkung von Laien im Gericht nicht gewährleistet, das Mitwirkungsrecht wäre den Richtern vorbehalten. Ganz unzureichend seien die Bestimmungen über die Rüdwirtungen festgesetzt. Als Asmus mit seiner Frau nach dem Freispruch am Hauptportal erschien, wurden ihm von einer riesigen Menschenmenge begeisterte Dvationen dargebracht. # In der großen Reihe der politischen Prozesse der letzten Jahre bildet das Verfahren gegen den sozialdemokratischen Oberstaatsanwalt Asmus in Freiberg immer noch eine Be sonderheit. Nicht etwa in der Art seiner Einleitung und Durchführung, auch nicht in seinem Ausgang, obschon der Freispruch gegen einen republikanischen Beamten heute fast geradezu befremdlich wirkt, wenn nicht wenigstens eine erstinstanzliche Berurteilung zu entehrender Strafe vorausgegangen war. Was den Fall Asmus" vor anderen politischen Fällen" ähnlicher Art auszeichnet, ist die Tatsache, daß hier ein Staatsanwalt unter Antlage gestellt wurde wegen dienstlicher Entscheidungen, die er nach bestem pflichtgemäßen Ermessen" getroffen hatte und die zum guten Teil die Billigung seiner vorgesezten Behörde fanden, daß aber trotzdem diese vorgesetzte Behörde gegen ihn das Berfahren betrieb, das mit seiner Diffamierung enden sollte. Der Fall Asmus" ist damit in Wirklichkeit zu einem Fall Generalstaatsanwalt" und des sächsischen Justizministeriums geworden. Das letztere hat sich seit seiner Dolfsparteilichen Leitung redlich bemüht, republikanische Beamte zu beseitigen. Wie das gemacht wurde, davon ist auch im Prozeß Asmus die Rede gewesen. Der Vertreter des Generalstaatsanwalts taucht als Aufsichtführender bei der örtlichen Staatsanwaltschaft auf und legt dem Leiter dieser Behörde, also hier dem Oberstaatsanwalt Asmus, nahe, sein Abschiedsgesuch einzureichen. Wäre er darauf eingegangen, hätte es wahrscheinlich keinen Asmus- Prozeß gegeben. Andere Beamte sind so freundschaftlichen Winken oder einem verstärkten Drude ge folgt. Asmus hat das Anerbieten abgelehnt, er wurde deshalb unter Anklage gestellt, weil er schweres Amtsverbrechen begangen, nämlich als„ Be a mter, welcher vermöge seines Amtes bei Ausübung der Strafgewalt... mitzumirten hat,... in der Absicht, jemand der gesetzlichen Strafe rechtswidrig zu entziehen, die Verfol gung einer strafbaren Handlung unterlassen" haben sollte. Um die Schwere und gleichzeitig die Unhaltbarkeit dieses Vorwurfs verstehen zu können, muß man sich des vom Gericht leider abgelehnten Beweisantrages erinnern, der die Ladung des sächsischen Generalstaatsanwalts v. Bizthum als Dieser Vorgesehte des OberstaatsBeuge forderte. anwalts Asmus sollte befunden, daß er dem jetzt Angeklagten bei der Verfolgung nationalsozialistischer Butsch ist en durch die Berfügung in den Arm gefallen ist. einen dem Generalstaatsanwalt befreundeten Stu= denten nicht in Saft zu nehmen und vor einer später etwa beabsichtigten Verhaftung zunächst wieder ihm, Besonders unerträglich sei die weitere Anerkennung früher ergangener rechtskräftiger Urteile, die eigentümlicherweise dann noch besonders geschützt würden, wenn sie nicht erst in der Republit, sondern schon in der Monarchie gefällt worden seien. In der Frage der preußischen Kronfideikommißrente enthalte der Entwurf allerdings eine gewisse Besserung. Ob fie Beamter, aber ausreiche, den Anspruch der Hohenzollern von 17 Millionen auf 8 Millionen herabzumindern, fei doch recht fraglich. Er wünsche hierüber eine Erklärung der preußischen Regierung. Die Kompromißparteien, scheinen sogar zu fürchten, daß möglicherweise bei der Festseßung von Renten die Fürsten besser megtommen fönnten als vorher, sonst würde nicht die ausdrückliche Bestimmung in das Gesetz hineingebracht sein, daß die Gerichte keinesfalls höhere Renten bewilligen dürften als auf Grund dieses Gesetzes vorBe gefehen seien. Besonders bedenklich sei die neue ftimmung, daß der Gefährdung der öffentlichen Ordnung, insbeson dere der Staatssicherheit und auch bei Gefährdung der Sittlichkeit -man dente an die Mecklenburger Mätreffen die Deffent. lichfeit ausgeschlossen weroen tönne. Damit entfalle die so dringend notwendige Kontrolle der Deffentlichkeit. Der ganze neue Borschlag befriedige beshalb feineswegs. ( Fortsetzung fiehe 3. Seite.) dem Generalftaatsanwalt, zu, berichten". Ber da weiß, was| dies berichten" im Amtstrott bedeutet, weiß auch zur Genüge, welchen Einfluß eine solche Aufforderung auf die Entscheidung des Untergebenen auszuüben vermag. Der Generalstaatsanwalt v. Vigthum ist immer noch im Amt. Der volksparteiliche sächsische Justizminister hat sein Berhalten jogar noch am Dienstag im sächsischen Landtag gebedt. Ihm wird feine Anflage blühen. Aber der Republikaner und Sozialdemokrat Asmus mußte fich wochenlang gegen den Vorwurf verteidigen, daß er nicht im Stile altpreußischer Staatsanwälte gegen hun gernde Arbeiter in den schweren Zeiten des Inflationsjahres 1923 vorgegangen ist, daß er kontrollausschüsse" als eine Don der Regierung anerkannte Einrichtung gewürdigt und ihre Mitglieder nicht wegen Amtsanmaßung und sonstiger Berbrechen hinter Schloß und Riegel gebracht hat. Hätte er wie ein Berserker gegen die Arbeiter gewütet, hätte er in dem öligsten Pathos Antlagereden gegen sie gehalten, er wäre ganz im Sinne des polfsparteilichen Justizministers verfahren imb hätte ,, höheren Orts" auf Anerkennung und Beförderung rechnen fönnen. So aber, da er das Gegenteil tat, da er Berständnis auch für die Psyche der Arbeiter aufzubringen suchte, brachte man den Ankläger vor das Tribunal des erweiterten Schöffen. gerichts. Und der gleiche Bertreter des Generalstaatsanwalts, der ihm das Anfinnen stellte, geräuschlos aus dem Amt zu verschwinden, sprach geräuschvoll DON den treaturen Beigners", sprach und sprach fieben volle Stunden, um durch viele Worte nur die Brüchigkeit der Anklage zu bemänteln. Denn er mußte es erleben, daß man ihm nachwies, wie er felbft Entscheidungen, wegen derer Asmus angeklagt war, als Dienstaufsichtsbehörde ausdrücklich gebilligt hatte. Damals war freilich noch nicht ber voltsparteiliche Juftizminifter vorhanden, der das Berfahren gegen Asmus parlamtarisch zu vertreten den Mut hat. Damals waren noch aufgeregte Beiten in Sachsen und Deutschland, damals war es auch für einen Generalstaatsanwalt nicht gerade lockend, gegen einen pflichtmäßig arbeitenden Beamten zu ent scheiden, wenn dieser die berechtigte Erregung der hungernden und darbenden Massen pflichtmäßig berücksichtigte. Daß aber der gleiche Beamte nach solchen vernünftigen Entscheidungen die Anflage gegen den gleichen Oberstaatsanwalt erhebt, den er vorher deckte, daß er deffen ganzes Aftenmaterial durchstöberte, um schließlich fieben Fälle eines vermeintlichen Berbrechens herauszuschälen, daß er um diese fieben Fälle sieben Stunden lang redete, daß er sich zu den unmöglichsten Behauptungen und zu einem ungeheuerlichen Strafantrag verstieg- das kennzeichnet nicht nur die Person diefes Generalantlågers, sondern gleichzeitig das System, das ihm die Bollmacht zu solchem Borstoß gab. Das Gericht hat Asmus freigesprochen. Es hat zwar erklärt, daß nach seiner Ueberzeugung der Angeklagte in einigen Fällen von den sieben dem§ 346 des Strafgeleg buchs zuwidergehandelt habe, aber nicht in der Absicht, jemand der gefeßlichen Strafe rechtswidrig zu entziehen. Mit dem Nichtvorhandensein dieser Ab ficht" fällt aber die Anwendung der ganzen Strafbestimmung. Der Freispruch war die einzig mögliche Folgerung. Das Gericht hat aber darüber hinaus als feine Anficht ausgesprochen, bas Asmus zu feinem Amte die volle Fähigkeit befize. Das mar augenscheinlich die Antwort auf das Wort von den Kreaturen Beigners", das der Antlagenertreter herausge Sprudelt hatte, um es nachträglich zurüdzunehmen. Es war aber vielleicht auch eine nachträgliche Entschuldigung des Gerichts dafür, daß es ursprünglich den Angetlagten be banbelt hatte, als sei sein Berbrechen" schon gerichtsnotorisch. Der Freispruch war eine Selbstverständlich teit Daß er aber als eine Ueberraschung empfunden motrb, daß man das Gegenteil diefes Selbstverständlichen faft als sicher anzunehmen geneigt war, zeigt, wie weit das Bertrauen in die deutsche Justiz bereits geschwunden ist. Ten denzprozeffe hat es zu allen Zeiten gegeben. Aber daß die Der Drehorgelspieler. Bon Mar Barthel Die Jungfernheide löft einen Teil des nördlichen Berlin ganz schnell in weite Dünenlandschaft und schwarze Riefernwälder auf An den gelben Sandbergen zerfallen graue Häuserblocks, die Fabriten sind ganz nahe, aber schon atmet die grenzenlose Freiheit und Schwermut der Landschaft. Wie ein breiter Gürtel liegen zwischen den Häuferblocks und den Wäldern große Friedhöfe, gerade so, als müsse erst der Tod überschritten werden, ehe das Leben tommt. An einem. Frühlingstage wanderte der Schlosser Wunderlich durch diese Gegend. Er war dreißig Jahre alt, hatte den Krieg mit. gemacht und bei Berbun seinen Heimatschuß bekommen. Im Lazarett Don Heidelberg murde sein rechter Fuß amputiert. Das war am Tage des Waffenftillstandes. Als Wunderlich im April nach Berlin zurückkam, versuchte er zuerst, in einem Betrieb unterzutommen, menn auch nur als Portier, aber es war vergeblich. Da aber der Mensch leben will, auch wenn er nur ein Bein hat, lieh sich der Schloffer Wunderlich einen Beierfasten und musizierte in den Berliner Hinterhöfen. Armut hilft der Armut, und viele Jahre drehte der Krüppel feinen Raften und erntete sein Brot auf den schmußigen, lichtlosen Höfen. Oft tanzten auch fleine Kinder zu feinem Spiel. Manchmal fangen vierzehnjährige Mädchen begeistert die Schlager der neuesten Operetten mit. Und der einbeinige Schlosser Paul Wunderlich flapperte Jahr für Jahr die Höfe ab, mar glüdlich und unglüdlich dabei, und einmal berechnete er, daß er jeden Tag zwanzig Rilometer mit seinem Stelzfuß laufen mußte. Das waren jährlich fünftausend Kilometer. Sechs Jahre mujizierte der Krüppel schon... Mensch", sagte er einmal zu sich selbst, breißigtausend Kilometer in fechs Jahren, und das immer nur in Berlin! Deutschland ist groß, aber die Welt ist noch größer. Also los auf die Tippelei! Die Mundharmonita tuts auch, wenn schon Mufit fein soll. Und Mufit foll fein, das ist ja mein Brot." Schon am nächsten Tage wanderte er los, tam an den Fried höfen vorbei und wollte über Spandau nach Nauen und von da nach Hamburg. Er fam niemals nach Rauen und niemals nach Hamburg. Im Kriege hatte er lange Jahre in den zerschoffenen Wäldern gelegen, aber in den letzten Jahren war er sehr wenig aus Berlin herausgekommen. Als er nun den wolfenlofen Frühlingshimmel über sich jah, wilde Kronen eines schwarzen Waldes, der eigentlich nur das schwache Schattenbild eines vollkommenen Waldes mar, da über tam ihn plöglich die Angst. Er war nicht zur Wanderschaft geboren. Da blieb der Mann auf der Straße stehen. Ja, was follte er in Hamburg! Was soll ein Krüppel in der Welt! Dann schon lieber in Berlin bleiben. Dann sah er den Frühlingswald, jah die Jungfernheide und liebte plöglich die hohen, schwarzen Riefern, die Sandberge bahinter und ben fleinen See, der blau aus einem schmalen Grunde hervor. himmerte. Da verließ er die Straße, bog in den Wald ein, fuchte Rechtsprechung sich mit einer erstaunlichen Regelmäßigkeit fönnte, ist eine agitatorische Konstruktion, durch die ein gegen Beamie richtet, die Anhänger der bestehen. Sufammenschluß der bürgerlichen Parteien verhindert werden foll den Staatsform sind, das ist bisher doch nur in der Die Nachtausgabe" erhofft Berhandlungen über den Deutschen Republit möglich gewesen. Der Prozeß Wiedereintritt der Deutschnationalen in die gegen Asmus war ein solcher Tendenzprozeß. Er war nur Luther- Stresemann- Regierung schon für Mitte der nächsten möglich, weil der Angeflagte ein Sozialdemokrat und Woche. Wozu sind sie aber erst aus der Regierung her. Republitaner war. Gegen völkische Richter und Staats- ausgelaufen, wenn sie schon wieder in sie hinein wollen? anwälte ist noch nirgend eine Anflage erhoben worden, meil ihr pflichtmäßiges Ermessen ein Verbrechen gegen§ 346 des Strafgesetzbuches enthielte. Solche Anflage tonnte mur gegen einen republikanischen Beamten ausgedacht werden. Und das ist die Schmach für die Republit, die diefes ganze Verfahren gegen Asmus tennzeichnet. Die gleiche Schmach. die von den thüringischen und leider auch manchen preußischen Prozessen ausdünstet und die, je länger je mehr, das Gefühl brennender Scham aufsteigen läßt über die Tatsache, daß das republikanische Bolt eine folche Justiz auch nur einen Tag länger duldet! Fürstenkompromiß und Deutschnationale. Aufforderung zum Tanz. Montag Auswärtiger Ausschuß. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat befannlich die Einberufung des Auswärtigen Ausschusses verlangt, der bisher über die Verhandlungen mit Rußland noch gar nicht unterrichtet wird. Die Sigung des Auswärtigen Ausschusses wird am nächsten Montag nachmittag abgehalten werden. Beschlüsse des Parteiausschusses. Sachfenkonflikt.- Bolksentscheid. Matteotti- Ehrung. Der Parteiausschuß faßte am Dienstag nach den Berichten eines Barteivorstandsvertreters und je eines Vertreters der fächsischen Franktionsmehrheit und minderheit über den Sachsenkonflitt einstimmig folgenden Beschluß: „ Der Parteiausschuß nimmt die Berichte über den Sachjenfonflitt zur Kenntnis und bringt auf die schleunige Durch führung der eingeleiteten Ausschlußverfahren. Das er. heischt, daß alle hierbei beteiligten Genossen und die sächsischen Or ganisationen mit der Einsegung eines gemeinsamen Schieds. gerichtes einverstanden sind. allen Bersuchen, die organisatorische Einheit der Sozialdemokra allen Bersuchen, die organisatorische Einheit der Sozialdemokra tischen Partei zu zerstören, sofort energisch begegnen wird." Der Parteiausschuß nahm dann einen Bericht über den parlamentarischen Stand unseres durch das Boltsbegehren ge= stellten Antrages zur Fürstenenteignung entgegen; er war fich einig darüber, alle Vorbereitungen für den Boltsentscheid zu treffen. Der Parteiausschuß erwartet, daß der Parteivorstand Die Deutschnationalen haben bisher öffentlich den Standpunft vertreten, daß die Fürsten alles zu bekommen haben, was sie als ihr Eigentum beanspruchen, und daß jeder Ber fuch, ihnen etwas davon zu nehmen, Raub und Diebstahl, falte Revolution und schleichender Bolschewismus fei. Ganz so ernst, wie sie hun, tönnen sie es aber damit nicht meinen, sonst könnte die zu drei Bierteln deutschnationale und zu einem Viertel volksparteiliche„ Tägliche Rundschau" nicht auf den Gedanken fommen, sie zur Teilnahme am Fürstenkompromiß einzuladen und diese Einladung folgendermaßen zu begründen: fenigen Kreise, die sich gegen eine zu weitgehende Entschä Man gebe sich doch feiner Täuschung darüber hin, daß diebigung der Fürstenhäuser wenden, eine Menge von Anhängern in den Kreisen des deutschen Bürgertums haben. Die schwerste Einbuße, die Deutschland durch den Weltfrieg erlitten Gentry, die alle ihre Ersparniffe hergeben mußte, hat, ift die Proletaristerung seiner geistigen und wirtschaftlichen und die heute darbt und hungert und ihre Lebensarbeit vernichtet fieht, weil fie in ihrem patriotischen Sinn das Reich an erste Stelle und ihre persönlichen Interessen an die legte Stelle feßte. Bom Rechte, das mit uns geboren wurde, ist sehr wenig für das deutsche Bolt übrig geblieben. Das tann getragen werden und muß getragen werden um des Staates willen, der leben muß. Aber es muß auch von allen getragen werden. Beite, und nicht die schlechtesten Streise gerade des nationalen Bürgertums haben es auch ordneten der sozialdemokratischen Fraktion des fächsischen Landvermißt, daß schon während des Krieges von dem großen Schloß, tages erwiderten am Dienstag auf die von der„ Fraktionsmehrheit“ Haus- und landwirtschaftlichen Besitz der Fürstenhäuser Gebrauchtlärung gab eine Darstellung der Entwicklung des Konflikts vom in der letzten Landtagssigung abgegebenen Erklärung. Die Er gemacht wurde, um sie beispielsweise für diejenigen, die für das Baterland geblutet haben, zur Verfügung zu stellen. Standpunkt der 18 Abgeordneten aus. die Enteignung der Fürsten bisher geschrieben wurde, Die„ Tägliche Rundschau" hat damit zu dem, was für einen der allerbesten Beiträge geliefert. Aber den 3wed, ben sie erstrebt, tann fie gar nicht erreichen. Ein Rompromiß, das den Deutschnationalen annehmbar ist, mürbe zweifellos fo aussehen, daß es von der Sozialdemokratie abgelehnt werden müßte, bann fehlt aber die 3 meidrittelmehrheit, bie nach der Meinung der Regierung erforderlich ist. Die Deutschnationalen werden billiger. Die Deutschnationalen haben im Reichstag Mißtrauens anträge gegen 2uther und Strejemann geftellt, fie haben bort und in ihrer Breffe die Außenpolitif ber Regierung in Grund und Boden nerdommt, und dabei hat sich Herr Sugenberg in feinen Blättern durch persönliche Angriffe auf Stresemann besonders hervorgetan. Jezt aber schreibt Hugenbergs Nachtausgabe": Die Behauptung demokratischer Blätter, daß eine Imbil. bung der Regierung burch den Zutritt der Deutsch nationalen nur nach dem Sturz des Reichstanzlers Dr. Luther und des Außenminifters Dr. Strefemann erfolgen und fand den Weg zum See unb blieb lange im Anblid des leuchtenden Waffers und der sich wiegenden Baumtronen figen und lächelte. Da war die Weinstraße im grauen Nordoften. Das war eine Welt für sich. In der Barnimstraße stand mit verlogenen Türmchen das Beibergefängnis. Bar der Often nicht eine einzige Teufels. infel? Dann die Brunnenstraße im hohen Norden. Das war auch ein fremdes, fernes Land, war Büfte in Chile oder Peru. Ober der gepflegte Weften. Das waren Sübfeeinseln. Zehlendorf und Dahlem: war das nicht auch so schön wie Italien oder Griechenland? Und so ging er an diesem Frühlingstage noch einmal durch alle Straßen und erlebte dabei die ferne, schöne und wunderliche Welt. Als die Sonne fant, raffte er sich auf und fuhr dann mit der Untergrundbahn nach dem Alexanderplaß zurüd. Am nächsten Morgen schob er wieder seinen Leiertaften durch die Straßen Berlins, drehte die kleine Drgel, fah Kinder tanzen und hörte junge Mädchen fingen. Er lächelte und wollte nicht mehr in die Welt. Berlin, bie große Stadt, war seine Belt. erzählte er mir die Geschichte seiner verunglüdten Wanderschaft. Mit diesem Manne tam ich vor einigen Tagen zusammen. Dabei Er sprach fühl und steptisch über diesen einen Tag, er verstand ihn felbft nicht mehr, aber als er von den fünftausend Kilometern er zählte, die er im Jahre tippelte, da glänzte sein Geficht, und in seiner Stimme war etwas von bem hohen Klang, mit dem die alten Land streicher von ihren Fahrten erzählen. Fünftausend Kilometer im Jahr, das macht mir fein Zippelbruder nach. Sechs Jahre türme ich schon durch Berlin. Das sind dreißigtausend Kilometer, Ich habe den Aequator umwandert, Mann Gottes, fagte er triumphierend. ,, Und immer mit Mufit?" fragte ich Genossen Matteotti, sollen im Reiche Bersammlungen Am 10. Juni, dem Todestag des ermordeten italienischen und Geldfammlungen veranstaltet werden. Auf Anregung der Internationale werden die Gelder einem MatteottiFonds zur Errichtung eines Denkmals für Matteotti und zur Bekämpfung des Faschismus zugeführt. Dresden, 20. April( Eigener Drahtbericht.) Die 18 bge Aufang Mai Handelsvertragsverhandlungen mit Deutsch. Oesterreichisch- Deutsche Verhandlungen. öfterreich. Anfang Mai werden wiederum die Verhandlungen der öfterreichischen Delegation, die unter Führung von Sektionschef Dr. Schoeller nach Berlin kommt, aufgenommen werden. Aller Voraussicht nach wird zu den bisher bereits bestehenden zwei gufagberträgen noch ein dritter Bujasbertzag in Arbeit genommen werden, da die Gesamtheit des Tarifes nicht auf einmal erlebigt werben fann. Die biesmaligen Berhandlungen werden laut Konjunktur- Korrefpondenz etwa zehn Zollpofitionen der gegenwärtig am meisten intereffierenden Waren zum Gegensand haben; barunter befinden fich einige landwirtschaftliche Produkte und event. auch Holz und Holzwaren. Corriere della Sera", ift, nach Mitteilungen der italienischen Breffe, Senator Luigi Albertini, der frühere Befther und Deiter des als Führer der Oppofitionsparteien an Stelle des verstorbenen Abgeordneten Amendola in Aussicht genommen. | Klima bescherte, von dem heute noch seine Rohlenschäße zeugen. Auch die isländischen Bulfane werden erläutert. Die fegensreiche Wirkung des Golfftroms, der Norwegen bis zum hohen Norden zu einem grünen und bevölkerten Lande macht, während Grönland im gleichen Breitengrade pereift und tot ist, wird deutlich gemacht. Die Städtebilder, ein Ausflug ins Lappland mit seinen Renntierherben, Freude am Schauen femmt aber darüber nicht zu furz. Norwegische das öde, dauernd von Bulfanen bedrohte und doch von einer hoch stehenden Bevölkerung bewohnte Island, vor allem aber die Gletscherwunder Spigbergens bieten reiche Augenweide. Spinbergen, das Land der Gletscher, die von den Bergen direkt ins Meer ftürzen, entfaltet wahre Märchenpracht in Formen und Farben des Eises. Der Film hat fie in aller Herrlichkeit feftgehalten und gestattet so auch denen, die feine Fahrt dahin machen können, sich ihrer im Erschauen zu erfreuen. Gaffspielreisen der Berliner Staatsoper. Im Laufe des Sommers wird die Berliner Staatsoper, die durch die Ueberfiedelung während des Umbaues zu Kroll sowohl im Ensemble als auch im Orcheſter bedeutend verstärkt ist, mit einem Teil des Ensembles auf 180 Mann angewachsene Orchester find Gastspielreisen in bie auf Gaftfpielreisen gehen. Berhandlungen schweben mit holland und den skandinavischen Ländern. Für das durch die Ueberfiedelung deutschen Provinzftädte geplant. Die Boltsbühne, die bisher im Krollhause täglich 1200 Bläge nach einem Abkommen mit dem Kultusministerium für ihre Mitglieder innehatte, wird in der Umbauzeit am Montag, Dienstag und Mittwoch sämtliche Bläße des Krouhauses erhalten, während an den übrigen Tagen für die Abonnenten der Staatsoper das Haus freibleibt. Aufdedung einer frühchriftlichen Grabstätte. Bei Ausgrabungsarbeiten in Beilen( Brov. Drenthe, Holland) wurde eine Begräb nisftätte aus der Beit um 500 nach Chrifti Geburt aufgedeckt. Die erften Ergebnisse der planmäßigen Nachgrabungen berechtigen zu End chriftliche Graber bloßgelegt sowie verschiedene Schmudsachen gefunden worden. Auf dem gleichen Gelände sind auch die Spuren einer alten sächsischen Siedelung gefunden worden ,, Rein, nicht immer mit Musit, sehr oft mit Hunger im Bauch großen Erwartungen. Bis jetzt sind bereits 63 verschiedene heidnische und mit Haß im Herzen, aber ich habe die Welt gesehen." ,, Die ganze Welt?" und ihren Schatten, das alles habe ich gesehen, hier in Berlin, in der Ja, die ganze Welt! Ihre Schönheit und Gemeinheit, ihr Licht großen Stadt." Ein Kulturfilm vom Nordland. Bei der Vorführung feines Norwegen, Jsland und Spigbergen) in der Urania neuen Filmes( Polarfahrt des Lloyddampfers München nach sprach Oberingenieur Dreger verständige Borte über die Be deutung des Reisefilmes: er tann wirkliche Kenntniffe von anderen Bölfern, von ihrer Eigenart wie ven ihren Leistungen, vermitteln und fo zur gegenseitigen Achtung erziehen. Aber Borauslegung ba bei ist, daß der Film wirklich in die Tiefe dringt und daß das Wort dazu hilft. Beides trifft bei diesem Film zu. Er gibt nicht nur intereffante Bilder der Seefahrt, veranschaulicht nicht nur Land und Leute, sondern erffärt auch mit Zridbilbern mancherlei Erscheinun gen. So wird dem Zuschauer ein ganzes Rapitel Erdgeschichte in Borbeigehen beigebracht: bie Banderung des Boles, der in früheren Erdepochen einmal viel füblicher lag und Spigbergen ein marmes Malbe" am Sonnabend Sigrid Onegin die Brangane, Helene Bildbrunn die Jn der Städfifchen Over fingen in der Aufführung von Eriftan und Sjolde, Erik Enderlein den Tristan. Die Schwedische Kunstausstellung im Stronprinzenpalats wird Freitag, plaftil von 90 schwedischen Künstlern der älteren wie der jüngsten Generation. mittags 12 Uhr, eröffnet. Sie umfaßt 900 Werte der Malerei und Klein 3m Ceffingmufeum sprechen Donnerstag 8 Uhr Inge Stier und Dstar 2ange überis Dichtungen von Mag Jungni del Ueber Frankreichs Wirtschaft left an der Universität im Sommer femefter einstünbig Dr. R. v. Ungern Sternberg Anfang: Frei tag, ben 7. Mai. Bölferbundsaffion gegen den Kinoidhund. Die Sonderfommission bes Böllerbundes für Kinderschuh bat eine Resolution angenommen, in der empfohlen wird, in jedem Lande eine zentrale Senfuritelle aus Erziehern und Bertretern der Elternschaft einzurichten, beren Aufgabe es iein soll, bie Borführung von bemoralifierenden Filmen zu verhindern. Switchen eingerichtet werden, um eine Befämpfung bes Rinofhundes in internatio ben Benfurftellen ber einzelnen Länder foll eine ftandige Fühlungnahme nalem Maßstabe zu ermöglichen. Generaldebatte im Rechtsausschuß. Abfindungskompromiß und Volksentscheid. Abg. Kahl( D. Bp.) führte aus, daß die non Dr. Rosenfeld geforderte Wahl der Richter burch den Reichstag den Grundvarstellungen von einem objektiven Gericht widersprechen mürde. Wenn das Sondergericht ohne Antrag von Amts wegen alle Auseinanderlegungen nachprüfen follte, fo würde bas jahrelana dauern. Das aber fei sehr bedentlich, zumal ein Bedürfnis zu einer Wiederaufrollung dieser Fragen, da wo Land und Fürstenhaus zu frieden seien, überflüssig set. Abg. Bell( 3.) erklärte, daß man die Ausschußberatungen loyal führen wolle. Das müffe man schon deshalb tun, da man eine möglichst große Mehrheit für das Gesez brauche. Der neue Borschlag sei doch viel besser als der frühere. Abg. Neubauer( R.) machte geltend, daß nach dem Kompromiß. vorschlage nur ein fleiner Teil der von den Fürsten geforderten 2,6 Milliarden dem Bolt erhalten bleiben würde. Die große Be teiligung am Boltsbegehren in allen Ländern beweise, daß eine Be ruhigung über die Auseinanderſegungen noch nirgends eingetreten fei. Durch das Kompromiß folle die Boltsbewegung nur gefchwächt werden. Abg. Eberling( Dnat.) führte aus, daß das neue Rompromiß dem Boltsbegehren noch näher fomme als das frühere. Man babe für die Sozialdemokratie, soviel getan, daß mehr zu tun faft nicht übrig blieb. Die Deutschnationalen blieben dabei, daß nur das Reichsgericht enffcheiden tönne Barteipolitiker müßten von der Mitwirtung ausgeschlossen fein. Beim Boltsbegehren fei mit Terror und Lügen gearbeitet morden, um die Wähler zum Einzeichnen zu veranlaffen. Dafür werde er denmächst Beweise bringen. Das Brivateigentum werde überhaupt nicht mehr geachtet. Auch vor Richtersprüchen wolle man nicht mehr haltmachen und sogar das Bürgerliche Gesetzbuch antasten. Sogar die Erfügung werde nicht mehr als Rechtserwerb aner fannt, obgleich sie nach deutscher Tradition Recht schaffe.( Abg. Landsberg: 1000 Jahre Unrecht wird nicht ein Jahr Recht.) Die Deutschnationalen felen nicht in der Lage, dem Ausnahme. recht, das gegen die Fürsten geschaffen werden folle, zuzuftimmen. Abg. Richthofen( Dem.) erklärt, daß diese Kritif der Deutsch nationalen ben Sozialdemokraten beweisen müsse, daß das neue Gesez doch viel volkstümlicher sei.( Abg. Landsberg: Everling ist doch nicht für uns Autorität.) Die von Dr. Rosenfeld fritifierten Bestimmungen feien nicht so schlecht, wie er dargelegt habe. Die Fürsten sollten nicht beffer behandelt werden als die anderen Staatsbürger, die unter den Birtungen des Staatskonturfes zu leiben hätten. Dr. Rosenfeld wünscht, daß der preußische Finanz minister an den späteren Beratungen teilnehme, um Auskunft über die Wirkung des neuen Kompromiffes auf die Auseinander. fegung mit den Hohenzollern gebe. Borf. Kahl erflärt darauf, daß er den preußischen Finanzminifter für Donnerstag laden wolle. Damit ist die Generalbebatte gefchloffen. Die Spezialbebatte wird Mittwoch begonnen. Eine amtliche Erklärung. BIB. melbet: Gegenüber mehrfach in der Breffe aufge tauchten Nachrichten, wonach in der entfeibenden Sigung des Reichskabinetts ein fleinerer Teil der Minister unter Führung des Reichsinnenministers in der Frage der ber. AuDie Feme in Bayern. 10 Feststellung des Reichstags- Untersuchungsausschusses zum Fall Hartung. DOT. feine Arbeiten wieder aufgenommen. Allerdings liegt für die Unter Der Femeausschuß des Reichstags hat ant Dienstag fuchung über die Schwarze Reichswehr" vorläufig noch so gut wie gar fein Material vor. Die Buchruder- Aften braucht der Oberreichsanwalt, und das Reichswehrministerium hat mitgeteilt, daß weder bei ihm noch bei dem Gruppenfommando II! irgendwelche Atten über die Schwarze Reichswehr oder die Arbeitskommandos vorhanden sind. Der Ausschuß wird also pon den Behörden glatt im Stich gelaffen. Dagegen lag dem Ausschuß eine Dentshrift des badischen Innenministers Darin wird ausgeführt, daß eigentliche Femeorganisationen in Baden nicht bekannt sind, dagegen sind gewisse politisch rechts eingestellte Organisationen militärischen Charafters vorhanden. Sie besigen eine eigene Disziplin und Gerichtsbarkeit. Die Haupttätig. feit übt ein Hauptmann a. D. Damm aus, der nach Auflösung der Orgesch den„ Südwestdeutschen Zeitungsdienst" gründete, um rechtsradikale Ziele zu fördern. Die Bestrebungen Damms gehen auf die Beseitigung der republianischen Staatsform und die Wiedereinführung der Monarchie hinaus. Seitdem fein Beitungsdienst" in Baden verboten ist, fekt er feine Tätigkeit in Württemberg fort, wo er einen Bund für Freiheit und Recht" gegründet hat. Der Ausschuß beschloß, die Denkschrift des badischen Innenministers in Drud zu geben. ( S03.) erstattete Referat befaßte sich in der Hauptsache mit der Das nach einer langen Geschäftsordnungsdebatte von Dr. Levi Ermordung des Kellners Hartung. Auf Grund der Aften stellt sich der Fall folgendermaßen dar: Am 3. März 1921 wurde bei 3usmarshausen in Bayern eine Leiche geländet, die elf Schüsse aufwies, darunter einen lödlichen Herzfchuß. Am Kopf und Füßen war sie mit Pflastersteinen beschwert. Es handelte sich um den Kellner Sartung, der in Mitteldeutschland als Spigel gegen die Kommunisten gearbeitet hatte. Am 5. Februar 1921 war er nach München an einen Oberleute nant Braun, den Leiter des Wirtschaftsdienstes der Münche ner Einwohner mehr, empfohlen worden. Am 15. Februar hat Hartung von Braun 200 m. bekommen; am Abend des gleichen Tages soll er überfallen und schwer verletzt worden sein. Am 2. März hatte Braun nochmals eine Unterredung mit Hartung, wobei er Anspielungen über Berrat an die Entente gemacht haben foll. All das ergibt sich aus einem Schriftfak, mit dem Braun zur münchener Bolizei fam, als noch gar nicht allgemein bekannt war, daß die Leiche des Hartung gefunden und seine Ermordung in Beziehung zur Einwohnerwehr gesezt worden war. Braun will durch den Oberamtmann Frid vom Münchener Polizeipräsidium davon in Kenntnis gesezt worden sein. Die weitere Untersuchung ergab, daß in jener Nacht ein Auto der Wirtschaftsabteilung der Münchener Einwohnerwehr mit Hartung durch Zusmarshausen gefahren war und furz darauf einige Schüffe gehört wurden. Führer des Laftautos war der Student Neunzert, Begleiter waren ebenfalls Studenten. Sie wurden verhaftet, aber der zweite Staatsanwalt von Augsburg hob am 14. März den Haftbefehl wieder auf. Auch die vier be fchlagnahmten Pistolen wurden zurüdgegeben. Ein Jahr später erfolgte ein neuer Haftbefehl, worauf die Beschuldigten eiblich vernommen wurden mit dem Erfolg, daß das Berfahren abermals einfaffungsändernden Natur des Kompromißentwurfes der Der 368. und die englische Bergbaukrise. Regierungsparteien über die nermögensrechtliche Auseinanderlegung mit den normals regierenden Fürstenhäusern überftimmt morben fei, ist festzustellen, daß das Reichstabinett ein stim. mig den Entwurf für verfassungsändernd erklärt hat. Bestechungen und Durchstechereien. Sisyphusarbeit im Spritweber- Prozek. Im Spritweber- Brozeß steigt man immer tiefer in den Sumpf der Bestechungen hinein und begreift nicht, daß die Angeklagten ihr Spiel monatelang treiben fonnten. Die Aufgabe des Gerichts, Klar. heit in die verwickelten Verhältnisse der gegenseitigen Beschuldigun gen der Finanzbehörden und der Kriminalpolizei und über die Grenzen der Tätigkeitsgebiete von beiden zu schaffen, ist nicht leicht., Reine einfache Sache ist es auch, sich in dem Netz der Beamten beftechlichfeit zurechtzufinden. Die Zeugen sind oft menig willens, die Sachlage aufzuklären. Ihre Aussagen bewegen sich nicht selten hart an der Grenze des Meineids. Da erscheint der vielgenannte Herr Ropp Peters Ber trauensmann als Zeuge und erflärt, mit biefem nie über Sprit angelegenheiten gesprochen zu haben. Er will auch nie Peters Geld. gefchente gemacht haben. Ob er aber den Beamten des Reichsmonopolamtes 3uwendungen gemacht habe barüber verweigert er feine Aussage; er darf dies, da er ja nicht veranlaßt werden fann, sich einer strafbaren Handlung zu bezichtigen. Zeugen treten auf, die behaupten, daß Peters sich stets Don Ropp die Zechen habe bezahlen lassen. Andere erklären, Beters habe Kopp einen Wint gegeben, daß es für ihn Zeit fei, davonzugehen. Peters bestreitet dies alles. Aber eine halbe Stunde nach Kopps Flucht war die Kriminalpolizei in seiner Wohnung. Und bei Peters ist ein Sched gefunden worden, der von Ropp unterzeichnet war. In einem Kaffiber, den er Bayer schrieb, hieß es: Bieber Herr Bayer, ben Shed Ropp foll Weber übernehmen."-Eine verdächtige Angelegenheit. Ueberhaupt dieser Bayer. Er beschlagnahmt und Peters hebt die Beschlagnahme auf. Baŋer staunt darüber und läßt es beim Staunen bewenden. Bei Kopp wird plöglich eine Repifion gemacht: gemeinsam mit der Kriminalpolizei erscheinen in dem Betriebe auch Regierungsrat Cilers von der technischen Abteilung bes Reichsmonopolamtes und Regierungsrat Alodow vom Strafbezernat. Das sind die beiden Regierungsräte, auf deren Bericht hin Peters seinen Bericht über die glänzende Lage des Roppfchen Betriebes fertiggestellt haben will. Eigentüm fiche Regierungsräte und noch eigentümlichere 3eugen. Eilers er flärt, er habe feinen günstigen Einbrud von dem Koppichen Betrieb erhalten. In seinem Bericht heißt es aber: Gesamteindruc ersttlasfiger Betrieb mit modernsten Einrichtungen. Der andere, Regierungsrat Klodow, hatte den Ein brud, daß der Betrieb nicht im Gange war, daß die Bücher geprüft werben müßten, damit man sich eine richtige Borstellung Don den Dingen machen fönne. Trogdem unternimmt er nichts, als der Betrieb nach wie vor seine 50 000 bis 75 000 Liter Spiritus monatlich bezog. 50 000 Liter! während nach der Aussage des Oberzollinspektors Preuß ein Betrieb von 150 Arbeitern monatlich nur 12 000 Liter Sprit verarbeiten fonnte. Weiter: zwei hilfsbeamte der Kriminalpolizei, Karich und Bitsch, die von Beters beschäftigt wurden, merden abgebaut. Defers behält fie, ihr Gehalt beziehen fie von Weber, fie find aber überzeugt, daß sie vom Reichsmonopolamt bezahlt werden. Das glauben auch die anderen Beamten. Ein anderer Hilfsbeamter namens Rolbow wird abgebaut. Peters bringt ihn bei den Deutschen Politurwerken, bei ben angeflagten Brüdern Simte, unter. In einem Schreiben Peters' an Leopold Simte ist zu lesen: Der alte Herr, den ich bei Ihnen untergebracht habe, ist über unfere Interessen nicht unterrichtet. Das Wort nicht ist unterstrichen. Peters meiß dazu mur nichtssagende Erklärungen zu geben. Die Berhandlung wird heute um 2 Uhr fortgefest aufgegriffen. gestellt wurde. Im Jahre 1924 wurde der Fall zum drittenmal Nunmehr gab der Augsburger Staatsanwalt zu Protokoll, dak er feinerzeit durch einen Hilfsarbeiter bei der Landesleitung der Orgesch in einem Automobil des Forstrats Escherich zur fofortigen Berichterstattung zu dem Juffizminiffer nach München geholt worden sei. Nad der Berichterstattung im Juftizminifterium sei die Aufhebung des Haftbefehls und die Einstellung des Verfahrens erfolgt. Am 30. März 1924 wurden die Studenten Neunzert und Ball mangels Beweisen freigesprochen. Alle übrigen Teilnehmer an jener Autofahrt maren flüchtig gegangen. Bezeichnend ist die Begründung jenes Freispruchs, bie nicht nur eine Rechtfertigung des Fememordes, sondern eine dirette Aufforderung darstellt: „ Die Straftat führt zurück in die Zeit, in der die Kontrollfommission der Entente in unserem niedergetretenen Deutschland die größten Anstrengungen machte. alles was noch irgendwo an Waffen und Ausrüstung aus der Kriegszeit vorhanden fein mochte, ausfindig zu machen und zu vernichten, während die Einwohner. mehr und die Baterländischen Verbände im Interesse und zum Schuß des gefnechteten Vaterlandes dem entgegenzuwirken fuchten. Zu diesem Zwed hatte sich in München um den ehemaligen Oberleutnant Braun, den Leiter der Wirtschaftsstelle der Einwohnerwehr, ein Kreis entschlossener junger Leute geschart, denen die Bergung von Waffen und Ausrüstungsstüden und die strengste Geheimhaltung solcher Aufträge als vaterländische Pflicht, ein Bruch dieser Berschwiegenheit oder sonstiger Waffenverraf aber nach den ganzen damaligen Berhältnissen als bedrohliche Gefahr für das Baterland und deshalb als schändlicher Baferlandsverrat erschien. Je mehr sich die Fälle häuften, in denen das reichlich fließende Geld der Ententetommission wurzellose und brüchige Elemente zu Verrätern an ihrem eigenen Baterland zu machen wußte, desto mehr gemann damals in weiten Kreisen nicht immer nur bei jugendlichen Heißspornen und unbesonnenen Brausetöpfen die Anschauung an Boden, und zwar es fei nicht schade um foldh feile Kreaturen, der notwendige Schuh des Vaterlandes erfordere es vielmehr geradezu, gefährliche Verfonen solcher Art auf die kürzeste Weise unschädlich Ja, man scheint sich da und dort sogar in den Glauben hineingelebt zu machen und damit ein abschredendes Beispiel zu geben. zu haben, daß eine derartige Bluttat von den Behörden gat nicht einmal ernstlich verfolgt werden würde Der Berichterstatter mies zum Schluß darauf hin, wie ein Fememord in den anderen übergreift, wie man über. all auf Personengleichheit stößt, wie unzweifelhaft die Morbe an Gareis, Hartung, Bauer, Dobner und dem Dienstmädchen Sand. meier aufs engste zusammenhängen und auf eine Feme iuftig in der bayerischen Einwohnerwehr schließen lassen. Wie im Fall Hartung, wurde auch im Fall Bauer der Haft. befehl gegen den Gauleiter des Blücherbundes und den berüchtigten Regierungsbaumeister Schäfer aus Darmstadt nicht ausgeführt. Der Ausschuß jezt seine Berhandlungen am Mittwoch forf. Die Marokko- Verhandlungen. Noch kein Fortschritt. Antwort an die Rote Internationale. Amsterdam, 20. April.( WTB.) Auf die beim Sekretariat des Jufernationalen Gewerkschaftsbundes eingegangene felegra- Abd el Krims, der sich im Flugzeug nach dem Rif begeben hat, un Paris, 20. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Abgesandta phische Aufforderung des Bolzugsausschusses der Mostauer Rüdsprache mit Abd el Krim zu nehmen, ist am Dienstag auf den toten Gewerkschaftsinternationale, eine gemeinsame Attion gleichen Wege nach Taurirt zurückgekehrt. Nach einer turzen Be zum Schuhe der Rechte und Jntereffen der englischen Berg- fprechung mit seinen Kollegen sowie mit den Franzosen ist et arbeiter zu unternehmen, ist heute das vom Sekretär des inter- mieber im Flugzeug zu Abd el Krim zurückgekehrt. Inzwische nafionalen Gewerkschaftsbundes Brown unterzeichnete Antwort werden die Besprechungen zwischen den in Taurirt verbliebene telegramm an den Moskauer Bollzugsausschus abgegangen. Delegierten fortgeführt. Die Antwort hat folgenden Wortlaut: Der internationale Gewerk. Man hat in Paris anscheinend damit gerechnet, daß die Rife fchaftsbund arbeitet bezüglich der englischen Bergwerkstrife be- tabylen den von Frankreich und Spanien gestellten Forderunge reits mit dem englischen Gewerkschaftsbund zu starken Widerstand nicht entgegensehen würden. Bom franzöfi fammen, welch lehterer eine der ihm angeschloffenen zentralen schen Auswärtigen Amt wird erklärt, daß Frankreich und Spanies Organisationen darftellt." an ihrer Forderung, insbesondere nach Borverlegung der französi schen Front, festhalten müßten und die eigentlichen Friedensverhand lungen erst nach Annahme dieser Vorbedingungen beginnen fönnten. Wie verlaufet, ift der Sekretär Brown vom JGB., der für die weiteffmögliche Unterfiühung der englischen Bergarteifer iff. in Uebereinstimmung mit dem industriellen Komitee des englischen Gewertschaftsbundes mit der Vertretung des Infernationalen Gemertschaftsbundes bei der Behandlung der englischen Bergarbeitertrife betraut worden. Brown wird sich zu diesem Zwed, sobald die Umstände es erfordern nach England begeben. Die Genfer Studienkommision. Bisherige Teilnehmerlifte. Die Telegraphen- Union meldet aus Genf: Nach den im Bölferbundsjettetariat vorliegenden Mitteilungen merden in der Studienkommission zur Ausgeftainung des Bölterbundsrates vertreten jein: England durch Lord Robert Cecil und den juristischen Sachverständigen Sir Cecil Hurst, Frant. reich durch Paul Boncour und Fromageot, Brasilien durch Mello Franco, Italien durch den Senator Scialoja, bie Schweiz durch Bundesrat Motta, Polen durch den Minister. präsidenten Strzyniti, der im Berhinderungsfalle von dem Minister Sofal vertreten würde, Spanien durch den bisherigen Berner Gesandten Balaciot, Japan durch den Gesandten Profeffor Matsuda, Belgien durch den Genoffen de Broudère und den Juristen Rollin, die Tschechoslowakei durch den Berner Ge fandten Bevelta, Schweden durch den Unterstaatsfetretär Sjoe. borg, Uruguan durch den Gesandten Guani. Besonderes Intereffe verdient die Teilnahme der maßgebenden juristischen Berater der Rheinpattmächte. Es fehlen noch genaue Angaben über die Bertreter Chinas und. Argentiniens und Deutschlands. Die Unterbrechung der Berhandlungen hat angeblich feins Kenderung in der seit einigen Tagen von den Riffabylen einge haltenen Waffenruhe hervorgerufen. Waffenstillstand. London, 20. April.( EP.) Der Korrespondent der Britis United Breß" meldet aus Madrid, daß das spanische Oberkommand in Marokko die Truppen angewiesen habe, die Feindselige teiten fofort einzustellen. Auch die Rifleute hätten Be fehl erhalten, die Spanier nicht mehr anzugreifen. Spanische Preßfreiheit. Leitartikels, der, wie eine offiziöse Mitteilung besagt, zur Unzu. Madrid, 20. April( BTB.) Wegen der Veröffentlichung eines friedenheit und Disziplinlosigkeit aufreize, wurde das Organ der früheren tonjervativen Partei„ La Epoca" Do ber Regierung verboten und mit einer erheblichen Gelbbuße belegt. Die polnische Krise. Abberufung der sozialistischen Minister. Warschau, 20. April.( Rd.) Durch den heute nachmittag erfolgtes Beschluß der Bolnisch- sozialistischen Partei, ihre Minister que rüdzuziehen, ist die Regierungstrife formell eröffnet, wen auch noch nicht gesagt werden kann, ob es sich um eine parttel oder eine Strise des Gesamtkabinetts handelt. Der vorläufige Fort Es ist hier schon vor Tagen geäußert worden, daß Deutschland bestand einer auf vier Parteien beschränkten Koalition hängt vo in der Kommission nicht lediglich durch den Juristen Ministerial der Haltung der nationalen Arbeiterpartei ab. Selbst nach der direktor Dr. Gaus vertreten sein sollte, da die meisten anderen Austritt diefer Bartei tönnte Strzynsti eine Rekonstruktion feines Länder auch Bolititer in die Kommission entfenden würden. Stabinettes versuchen. Diesen Plan fördert Abg. Witos, der Führet Die obige Liste bestätigt die Auffassung. Wohl sind Männer mie der Bauernpartei Piat. Er befürwortet die Imgestaltung unter Cecil, Bencour und Scialoja gleichfalls Juristen, aber in der Haupt- Hinzuziehung von Fachmännern. Dabei soll Skrzynski dal fache find fie doch Bolitiker. Deshalb wird Deutschland gut tun, Bräsidium und das Außenministerium behalten. Nach Ansicht Witol neben dem hervorragenden Völkerrechtsspezialisten Gaus, der fönne die Regierung so eine Mehrheit im Sejm finden. Alle Part gleichteien übrigens bei den Locarno- Mächten in hohem Ansehen steht, gleich. teien fordern raiche Klärung, um die Finanzfragen schnell zu er falls einen Bolitiker nach Genf zu entfenden. Arthur Cabriola, der frühere italienische Arbeitsminister, ber in den letzten Jahren der Sozialistischen Bartei wieder beigetreten war, ift von seinem Amte als Profeffor an der Universität Neapel abgelegt worden, weil er sich geweigert hatte, eine Erffärung gegen die Freimaurerei zu unterzeichnen. Labriola, der sich als Minister erfolgreich bemüht hatte, den Konflikt der Fabritbefeßungen im Jahre 1921 ohne Blutvergießen beizulegen, ist einer der führenden Röpfe der italienischen Sozialwissenschaften. ledigen. Nach den Neuwahlen in Zürich besteht das Parlament in Ranton Rürich, um 87 Size berringert, aus 132 Bürgerlichet ( früber 167), 84 Sozialbemotraten( 75), 4 Kommunisten( 10) Jns Bafeler Kantonparlament wurden gewählt: 70 Bürgerlide einschlieklich Evangelife( 68), 38 Sozialdemokrated ( 46). 22 Sommunisten( 16). Meldungen von einer Niederlage unferer Genossen find also falich, denn der sozialdemokratisc Anteil in den beiden Kantonalräten ist ja bedeutend gestärkt. Der Kampf um den Bauarbeiterschuh. Die Unternehmer gegen Kontrolleure aus Arbeiterfreisen. hi e fich in erschredender Weise mehrenden Bauunfälle und damit| fchaftsangestellte feien. Es müsse verhindert werden, daß Berbindung die schweren Schädigungen der baugewerblichen Ar- staatliche oder kommunale Aufsichtsorgane ihre Dienstanwei beiter an ihrem höchsten Gut ihrem Leben und ihrer Gesundheit fungen von den Gewertschaften erhielten. Schließlich in der letzten Hälfte des Jahres 1925 lenften die besondere Auf- wurde gefragt, ob der Wohlfahrtsminister es für richtig halte, daß merksamkeit der baugewerblichen Arbeiterorganisationen auf die für diese gewerkschaftlichen Zwede öffentliche Mittel in immer ffandalösen Zustände auf den Bauten. Hier muß Wandel geschaffen höherem Maße aufgewendet würden. werden, und er ist insofern angebahnt worden, als die behördlichen Stellen, auf die Mißstände aufmerksam gemacht, ihrer Abstellung nähergetreten sind. So hat der preußische Minister für Bolkswohlfahrt unter dem 14. November 1925 ein Rundschreiben an die ihm untergeordneten Behörden gerichtet, worin er den Baupolizeibehörden zur Pflicht macht, bei den polizeilichen Besichtigungen der Neu- und Umbauten auf die genaue Innehaltung der zum Schuße der Bauarbeiter erlassenen Borschriften zu achten. Durch die Nachprüfung an Ort und Etelle müßten sich die Ortspolizeibehörden die Ueberzeugung verwirklich vorhanden sind. schaffen, daß die vorgeschriebenen Sicherheitsvorrichtungen auch Bei diefer Ueberwachung hat sich nach den in vielen Orten gesammelten Erfahrungen die Hinzuziehung von Baukontrolleuren aus dem Arbeiterftande bewährt. Unter Hinweis auf den Erlaß des Herrn Staatsfommiffars für das Wohnungswesen vom 13. Dezember 1918 ersuche ich deshalb, erneut dafür einzutreten, daß namentlich in den Orten, in denen bereits amtlich bestelltes Baupersonal vorhanden ist, auch Personen herangezogen werden, die aus dem Bauarbeiterstande hervorgegangen find." Vor diesem Rundschreiben des Wohlfahrtsministers hatten sich bie Berliner baugewerblichen Arbeiter bereits mit einer Eingabe an den Magistrat gewandt, worin unter Hinweis auf die sich andauernd mehrenden Bauunfälle um weitere Anstellung von Baufontrolleuren aus den Kreisen der baugewerblichen Arbeiter organisationen ersucht wurde. Diese Eingabe wurde abschlägig beschieden. Die Stadtverordnetenpersammlung dagegen faßte auf die gleiche Eingabe hin im Februar 1926 den Beschluß, dem Magistrat die weitere Anstellung von 18 Baufontrolleuren Auch der Verband der Baugeschäfte Berlins hat in einer Eingabe an den Magistrat S den letzten Jahren viele Indifferente feffelte, find restlos Der. schwunden. Auch die christlichen Gewertschaften sind nach den bisherigen Ergebnissen zurüdgegangen. In 22 Großbetrieben wurden im vorigen Jahre 3. B 108 freigewerkschaftliche und 22 christliche Arbeitervertreter gewählt, während das jezige Ergebnis 110 freigewerkschaftliche und 10 christliche Arbeitervertreter aufweist. Auch die Neuwahlen im Rheinisch westfälischen Elektrizitätsmert, das bisher immer eine Hochburg der kommunisten war, brachten für die freien Gewert. schaften einen oollen Erfolg. Sie erhielten sieben Size, während die Christen mur einen Sig befammen konnten. In der Köln- Deuzer Gasmotorenfabrik brachte die Wahl den freien Gewerkschaften elf Size, den christlichen Gemertschaften zwei. Hier haben die freien Gewerkschaften zwei Size von den Christen gewonnen. Wiedereinführung des Achtstundestags. dieser Neuregelung eine rationellere und erhöhte Ar. beitsleistung. gegen jede Neueinstellung von Bautenkontrolleuren Stellung genommen. Darin wird scheinheilig versichert, das Berliner Baugewerbe sei jederzeit bereit, an einer Bekämpfung und Beschrän fung der Unfallgefahren, die im Baugewerbe niemals beseitigt werden Köln, 20. April.( Eigener Drahtbericht.) Die theinisch- westtönnten, tatkräftig mitzuwirken. Es müßten jedoch Maßnahmen abfälischen Sprengstoffwerte in Troisdorf im Rheinland, gelehnt werden, die Aufwendungen aus öffentlichen Mitteln ercm Wert, das viele hunderte Arbeiter beschäftigt, hat sich nach Berforderten, welche in feinem Berhältnis zu dem voraussichtlichen Erhandlungen mit den Gewerkschaften entschlossen, nach Baufontrolleuren handle es sich um eine solch verhältnismäßig Arbeitszeit einzuführen. Die Betriebsleitung erhofft von folge ständen. Bei der Neueinstellung einer größeren Zahl von einer Reorganisation des Betriebes wieder die achtstündige fostspielige, im Erfolg völlig ungewisse Maßnahme, so daß der Verband sich mit allem Nachdrud gegen eine weitere Einstellung von Baufontrolleuren aussprechen müsse. Der Verband der Baugeschäfte berechnete die Kosten für die Einstellung von 18 Baufontrolleuren mit 65 000 mt., wozu noch weitere Ausgaben hinzu fämen, so daß der Etat für die Städtische Baupolizei sich jährlich um etwa 75 000 Mart erhöhen würde. Eine weitere Belastung der Wirtschaft" müsse nicht nur aus allgemeinen Gründen abgelehnt werden, sondern auch deshalb, weil nach fachmännischer Ansicht die Tätigkeit weiterer Baukontrolleure die erhöhte Belastung nicht rechtfertigen würde. Kurzum, mit allen Mitteln versuchen die Unternehmer und ihre Presse, einen wirksamen Bauarbeiterschuß zu verhindern. Im Gegensaz zu der Behauptung des Verbandes Berliner Baugeschäfte erklären die Bauarbeiter, die ihre Haut zu Markte tragen müssen, daß es eine dringende Aufgabe der Berliner Stadtgemeinde ist, das Leben und die Gesundheit der Bauarbeiter nach besten Kräften zu schützen, da alle bisherigen Erfahrungen gezeigt haben, daß die bestehenden Einrichtungen dazu nicht ausreichen. Die ganzen Schuhvorrichtungen famt den vorhandenen Rontrollorganen haben nicht genügt, bie teilweise geradezu liederlichen Zustande auf den Baustellen, auch auf denen des Verbandes Berliner Baugeschäfte, zu verhindern. Der Einwand, daß Baukontrolleuren aus den Reihen der Bauarbeiter die erforderliche technische Ausbildung und die un falltechnische Sachkenntnis fehlen, ist hinfällig. Die technischen Auffichtsbeamten haben hauptsächlich die Lohnbuchprüfungen in den Betrieben vorzunehmen, fommen also für die leberwachung der Unfallverhütungsvorschriften auf den Baustellen kaum in Betracht. Alle Vorschriften find zwecklos, so lange sie nur auf dem Papier stehen. Borauf es ankommt, ist die gehörige Ueber machung der Unfallschuhmaßnahmen und ihre Durch führung. Die Bermehrung der Baufontrolleure aus Arbeiterzu empfehlen. Dieser Beschluß war für die Unternehmer das Signal zu einem Steffeltreiben gegen diesen Beschluß. Für die Unfallverhütung im Baugewerbe fei bereits so viel geschehen, daß das Gewerbe weitere Ausgaben für den Bauarbeiterschuß, insbefondere eine weitere soziale Belastung nicht mehr ertragen fönne. Da es mit den sachlichen Gründen ziemlich schwach bestellt war, mußten selbst die schäbigsten Argumente herhalten. Weil der ADGB. im Februar und März Bauarbeiterschuhfonferenzen einberufen und hierzu auch angestellte Baufontrolleure eingeladen hatte, richtete Das Baugewerbe" eine Anfrage an den Minister, ob die Baufentrolleure unabhängige staatliche bzw. fommunale Aufsichtsorgane oder nur aus öffentlichen Mitteln bezahlte Gemert- treisen ist deshalb nach wie vor eine zwingende Notwendigkeit. Betriebsratswahl im AEG.- Kabelwerk Oberspree. Erfolg der freigewerkschaftlichen Einheitsliffe. Auch in diefem Betrieb macht sich ein fortschreitender Gesundungsprozeß bemerkbar. Die KPD., die noch im borigen Jahre eine Sonderliste anfgestellt hatte, mußte bei ber jezigen Wahl den Unfug einstellen. Als Erfolg der Einheitsliste fann man eine Bablbeteiligung von 91 Proz und das Verschwinden des christlichen Vertreters feststellen. Das Resultat im Einzelnen ist folgendes: Bahlberechtigt 3758 Personen. Abgegebene Stimmen 3075. Freigewertschaftliche Liste 2821 14 Arbeiterräte u. 2 Ersagmitgl. Chriftliche 166- 0 0 Bei den Angestellten fand feine Wahl statt, da eine Einbeitsliste vorlag. Der Betrieb hatte noch im Vorjahre eine Bes legichaft von 7013 Personen, zurzeit sind es nur noch rund 3900. Das Reichsbahngericht und der verbindliche Schiedsspruch. Die Entscheidung des Reichsbahngerichts in der Streitsache der Reichsbahnverwaltung gegen die Reichsregierung fann, wie im Gegenfag zu einigen Pressemeldungen festgestellt werden muß, noch nicht in den nächsten Tagen erfolgen. Vor der Stellungnahme des Reichsbahngerichts wird erst noch das Reichsarbeits= ministerium auf die letzte Gegenäußerung der Reichsbahnverwaltung antworten. Das wird, wie wir erfahren, erst im Lauf der nächsten Woche geschehen. Forderungen der Eisenbahner. Beschluß der Bezirkskonferenz in Leipzig. Nach einem eingehenden Referat von Breunig- Berlin und der sich daran anschließenden Aussprache fam die am 18. April in Leipzig tagende Bezirkskonferenz der Betriebs- und Beamtenräte des Reichsbahndirektionsbezirks Halle a. d. S. zur Annahme jol gender Entschließung: Die Arbeitskraft der einzelnen Menschen ist das wertvollste Gut des deutschen Voltes. Dauernde wirtschaftliche Höchstleistungen C Spittelmarkt Ecke Wallstraße Alexanderplatz mahe Aschinger König- Str. 55 gegenüber Rathaus W Friedrich- Str. 195a Boke Leipziger Straße Friedrich- Str. 150 Leipziger Str. 113 Ecke Mauerstraße Link- Str. 1 Ecke Potsdamer Straße N Schönhauser Allee 81 am Bahnhof Nordring Friedrich- Str. 106 Ecke Ziegelstraße Invaliden- Str. 164 Ecke Brunnenstraße Invaliden- Str. 117 am Stettiner Bahnhof Chaussee- Str 72 nabe Müllerstraße O Prankfurter Allee 14 nahe Tietz D fönnen nur bei pfleglicher Behandlung und weitgehendem gefeßlichen Schuß der Arbeitstraft und durch eine alsbaldige Ber befferung der Arbeitsbedingungen erreicht werden, beren Sicherung nur durch starke, auf das uneingeschränkte Roalitionsrecht geftüßte Gewerffchaften und ein ein heitliches Arbeitsrecht erfolgen tann. Insbesondere erfordert das gegenwärtige Arbeitssystem bei der Deutschen Reichsbahn eine baldige ausreichende Bezahlung Beamtenrechts. Die Berabschiedung eines neuzeitlichen Beamten der Arbeiter und Beamten und eine Ausgestaltung des Arbeiter- und rätegefeges und des Arbeitsgerichtsgefeßes nach den Beschlüssen des sozialpolitischen Ausschusses des Reichswirtschaftsrats iſt zu beschleunigen. An die Stelle der willkürlich von der Reichsbahngesellschaft erlassenen Personalordnung hat eine Vereinbarung Der Arbeits- und Besoldungsbedingungen treten. Die Konferenz hat von dem Urteil des Landgerichts Berlin I in dem Lohnstreit Kenntnis genommen und erflärt: Dieses Urteil steht im Widerspruch zu dem Rechts empfinden des Eisenbahnpersonals und darüber hinaus der gesamten deutschen Arbeitnehmerschaft. Die Konsequenz des Urteils wäre, daß die Reichsbahn vollkommen aus dem deutDie Konferenz erwartet, [ chen Recht ausscheiben würde. daß diefes unhaltbare, mit der deutschen Geseßgebung im Wider spruch stehende Urteil schon in der nächsten Instanz forrigiert wird, da die Aufrechterhaltung dieses Urteils zu einem für die Reichsbahner unerträglichen Rechtszustand führt, der Machtkämpfe auslösen und schwere wirtschaftliche Erschütterung zur Folge haben muß. Die Konferenz gelobt, alles zu tun, um den Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands zu stärken und seine Schlagkraft zu erhöhen, damit eine Berbesserung der Arbeits- und Lebensbedin gungen der Eisenbahner, wenn erforderlich, durch Anwendung aller gewerffchaftlichen Mittel durchgesetzt wird. Betriebsrätewahlen in Köln. Köln, 20. April.( Eigener Drahtbericht.) Im Kölner Wirtschaftsgebiet ist bisher erst ein Teil der ordentlichen Betriebsrätewahlen erfolgt. Die aus diesen Wahlen vorliegenden Ergebnisse zeigen eine Stärkung der freien Gewertschaftsbewegung. Die Sonderlisten der sogenannten Opposition, die noch in baß Jor Kneifer oder Ihre Brille nicht mehr gut fist, fich Fehler oder Mängel zeigen, so tommen Sie bitte ungeniert in eines unserer Geschäfte, ebe aus Meinigfeiten teure Reparaturen entstehen. Denn jede, selbst die gute Nuhnle- Faffung leidet im Ge brauch. Schrauben und Gläser lockern sich, die Feder läßt nach der Steg verschmust und anderes. Solche Mängel beseitigen wir stets gern und ohne Kosten für Sie. Baffen Sie Jbre Kneiser und Brillen mit gleicher Sorgfalt pflegen wie Ihre Kleidung, die Sie doch auch ständig reinigen und bessern lassen. Beginnen Sie noch heute damit, besuchen Sie eines unferer Geschäfte regelmäßig, dann werden Sie Ihre Freube haben an dem forretten Sig und dem eleganten Aussehen Ihrer Aneifer und Brillen. Sie find uns ebenso herzlich willkommen, auch wenn Sie noch nichts bei uns getauft haben, denn mi ha ten uns zur Pflege sämtlicher Augengläser, zur Förderung des Wohlbehagens aller Brillen bedürftigen verpflichtet. Folgen Sie der Ein ladung und besuchen Sie uns recht bald. Sehen Sie Frühjahrstagung im Internationalen Arbeitsamt. Genf, 20. April.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag beginnt der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes seine ordentliche Frühjahrstagung, die bis Freitag oder Sonnabend dauern wird und zum erstenmal im neuen Gebäude des Amtes stattfindet. Behandelt werden das Budget für 1927, der Vierteljahresbericht des Direktors Thomas, ein Bericht der Wanderungskommission fowie ein solcher über die Untersuchung über die Löhne und die Arbeitszeit in der Kohlenindustrie und schließlich die legte Vorbereitung der Geschäfte der diesjährigen 8. Internationalen Arbeitskonferenz. In dem Budget ist vorgesehen, daß Deutschland für das Jahr 1927 zum ersten Male den vollen, der Bölkerbundsskala entsprechenden Beitrag von 600000 fen statt bisher 274 000 Franken zahlt. Die Reichsregierung foll diesen Betrag auch dann entrichten, wenn der Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund Ende 1926 noch nicht vollzogen sein sollte. Bon deutscher Seite wird im Zusammenhang mit der geforderten Bei tragserhöhung eine angemessene Bermehrung der deutschen Beamten geltend gemacht. Es ist anzunehmen, daß diesem Wunsche weitgehend Rechnung getragen wird. Verschiedene Ausschüffe des Berwaltungsrats haben schon am Dienstag mit ihrer Arbeit begonnen. Die Verhandlungen im englischen Bergbau. ran Condon, 20. April.( Eigener Drohtbericht.) In der Kohlenindustrie haben sich seit Freitag hinter verschlossenen Türen gewisse Entwicklungen vollzogen. Es ist unverkennbar, daß die Weigerung in den Bergbaubezirfen, einzeln mit den Unternehmern zu verhandeln, ferner der Druck der öffentlichen Meinung und ein Wint des Ministerpräsidenten die Unternehmer veranlaßt haben. den Entwurf eines neuen Lohnablommens fertigzustellen. Dieser Entwurf sieht eine Neua regelung der Prozentverhältnisse zwischen Lohn und Profit vor und wird die neuen Grundsäge enthalten, nach benen nach Auffassung der Unternehmer die Mindestprozentjäße der Löhne zu regeln sind. Er läßt die Möglichkeit eines nationalen Lohnabkommens und einer bezirksweisen Lohnregelung offen. Heute, Mittwoch, wird zunächst eine Besprechung Baldwins mit den Unternehmern und hierauf voraussichtlich die dritte Bu fammenfunft zwischen Unternehmern und Arbeitervertretern stattfcheidendes Stadium treten. finden, womit die Verhandlungen nach zehn Tagen in ihr entEin Organ für die italienischen Arbeiter in Frankreich. Der vor dem Kriege von der Generalfommission der Bewert schaften Deutschlands( ADGB.) herausgegebene L'operaio italiano" ( Der italienische Arbeiter) soll jetzt in Frankreich, wo 180 000 italie. Wie nische Arbeiter beschäftigt find, wieder neu erstehen. aus Paris gemeldet wird, wird ab 1. Mai das Blatt als ein Organ des französischen Allgemeinen Gewerkschaftsbundes( CGT.) und des internationalen Bauarbeiter- Sefretariats( Siz Hamburg) erscheinen. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Freie Gewerkschaftsjugend. Seute, Mittwoch, 7% Uhr, tagen die Gruppen: Renkön 1: Jugendheim Bergstr. 29, Hof. Eine Gewerbegerichtssigung( Fragen des Jugendichuzes). Schöneberg: Jugendheim Rubensstraße( Sportplan). Diskussion: Bolls begehren Bolfsentscheid". Südwesten: Jugendheim Bärwaldstr. 64. Bor trag: Die russische Gewerkschaftsbewegung". Rorben: Jugendheim Linienftvaße 83/85. 1. Bortal 2 Trp. Luftiger Rofegger- Abend. Nordring: Jugendheim Eberswalder Str. 10. Literarischer Abend: Jack London. Charlotten burg: Jugendheim Berliner Str. 137.( Deutscher Krankenkassenverband). Bor trag: Aus der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung". Dftkreis: KreisIpielabend auf der Spielwiese im Friedrichshain. Berantwortlich für Bolitik: Richard Bernstein: Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher: Lokales und Sonstiges. Frik Karstadt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanftalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68 Lindenstrake 3. Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Unfere hentigen Breise: Kneifer mit und ohne Randfaffung: aus beftem Ridel M. 0.75 1.25 1.50 aus Gold- Doublé. 2.- 3-4-6.- 8.- 12.aus echtem 14 farät. Gold M. 15.- 20.- 24.- 88.- 42.Brillen mit und ohne Randfassung: aus bestem Nickel M. 0.75 2.- 2.50 aus Gold- Doublé M 4.- 8.- 10-12.- 15aus echtem 14 farät. Gold M. 36.- 42.- 52.Mob. Brillen mit Zelluloid- Näadern, hell und duntel: M. 3-4.- 8.- 10.- 12.Mob. Horn und Schildpatt- Brillen: M. 2.50 5.- 8.- 9.- 20.- 30.Gläser werden extra berechnet: Rathenower Bi- Gläser nur M. 1.-p. Baar Punttorik- Menisken. 8.. 2" ● Reparaturen billigst und sofort. ● Sind's die Augen, geh' zu Ruhnke! 35 Geschäfte in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Magdeburg, Essen, Basel u. Zürich; Fabriken to Rathenow- Neue Schleuse u. Berlin. SW Friedrich- Str. 228 Ecke Hedemannstraße Belle- Alliance- Str. 4 nahe Jandort SO Oranien- Str. 44 zw Moritz- u. Oranienplatz. Charlottenburg: Tauentzien- Str. 15 zw. Marburger a Rankestr. Joachimsthaler- Str 2 nahe Bahnhof Zoo Neukölln: Berg- Str. 4 Ecke Ziethenstraße Friedenau: Rhein- Str. 18 Ecke Kirchstraße Schöneberg: Haupt- St. 21 Ecke Akazienstraße Wilmersdorf: Berliner Str. 132-133 nahe Uhlandstraße igs. �.hrg°°g t. Seilage des vorwärts Mittwoch, 27. flpril 1�26 Seit langer Zeit wieder einmal geht ein geheimnisvolles Rhu- nen durch den europäischen Blätterwald. Sopfschüttelnd und un> gläubig, etwas angenehm angegruselt und schon halb überzeugt, lieft der gebildete Mitteleuropäer von den tollen Dingen. Die Okkul- listen spüren freudig da» Wässerletn auf ihrer Mühle, und Spin- tisten rüsten zu gewichtigen Expeditionen. In Friedrichshain im Eulengebirge, im Hankehaus, wo ehemal» der Dorfschalk Florian hauste und ins Jenseits hoppste, moppst stch etwa». E» spukt____! Ts läßt stch nicht bestreiten: denn einwandsreie Zeugen(so heißt es!) und durchaus nüchterne, ganz phantasielose Menschen, die gar nicht an Eulenspiegeleien denken, bestätigen es. ,3m Hankehaus spukt est' Nacht», wenn anständige Menschen der polizeilich gebotenen Ruhe pflegen, wird es in dem kleinen Bauernhäuschen im Schlest- fchen lebendig. Es beginnt hier und da zu klopfen, rhythmisch, knöchern, melodiös, wie Schlegel einer Geister-Jazz-Band: es schlur- fen, gleiten, trampeln unheimlich« Schritte, ominöse Füße in Geister- Pantoffeln: es klinken, knarren, poltern Türklinken: es werden Stimmen laut, akustisch gedämpft, gruselig gefärbt, Schüttelfrost und Gänsehaut erzeugende» Rhabarber-Rhabarber einer unsichtbaren Gespcnsterkomodie: es wird ungemütlich und der Krach geht manch- mal über die Hutschnur— man sieht nach. Erfolg: niemand an- wesend, da» Hau» leer, die Türen verschlosten! Da» Hankehaus- Gespenst ist sogar noch erbötiger: ein Stuhl, aus dem ein« mit Wasser gefüllte Schale steht, tanzt plötzlich freibleibend durch die Stube. bald Walzer, halb Fox: in den tkurven hat er Schwung, daß das Wasier au, der Schale spritzt: ermüdet begibt sich der Stuhl wieder aus seine gewohnte Stell«— eine Attraktion, wert des Winter- «arten», unbezahlbar selbst bei Prvminentcngoge: denn dieser Stuhl spaziert in der Lust herum, wie man so schön sagt: ganz von alleine. ahne Mechanismus und ohne Apparat! Doch Florian, de« Hanke- Hauses vermutliche» Gespenst, kann auch lieblich unterhaltsam sein— von Zeit zu Zeit hört man den Alten gern! Dann läßt er. merk- würdigerweise au» dem Kamin heraus,.ein leise», inniges und getragene» Gesangskonzert mit Zimbalbeglcitung' oernehmen, eine herrliche Probe auch ins Jenseits importierten echtdeutlchcn Volks- gemüts, alter Männerchorlust! Doch, wie gesagt: die Herkunft all' dieser.Geräusche" schien unerklärlich— sie tun sich in leeren, ver- schlosienen Zimmern, aus dem verrammelten Boden- sogar össent- lich: Durchsuchungen sind ergebnislos. Aber trotzdem stellte sich bei näherem Nachprüfen— wie der.Vorwärts" mitteille— die ganze Spukgeschichte als ein« Mnsllsikation herau». Sie häkle dm Zweck, die Eigentümerin de» Hauses zu ärgern. Kinder, liebe Nach- barn. Katzen und Wind waren die Gespenster. Historisthe okkulte Fälle. Schon in der Apestelgeschichte, aus alten Römerschrist«(Taci- tust, aus namentlich mittelalterlichen Chroniken hören wir von Fällen, die sich bei näherer Betrachtung als okkult herausstellen. Der.Mönch von St. Gallen'(zur Zeit Karl» des Großen) erzählt uns von einer Spuk-Schmiede, wo zur llkachtzeit dl« Hämmer, ohne von Menschenhand gciührt zu werden, auf den Amboß schlugen: mittelalterliche Bericht« erzählen von Häusern, wo nächtlicherweis« Klopfgeräusche, Stimmengewirr, fliegend« Schemel und in Stuben taumelnde Milchhäfen stch«rlustierten— meist kam dann der Pfarrer und bald darauf brannte eine Unschuldige als Hexet Johannes Wier(Ansang des IS. Jahrhunderts) weiß davon zu be- richten und vor Hcrenbrennen aus derartigen Anlasten wie fein mutiger Kampfgenosse Friedrich von Spee zu warnen. Berühmt ist der mittelalterllche danische Spuksall vtm»Söge hustors". dem »Hausübel" in Köge bei Kopenhagen— er gluckste wie eine Henne aus Bettkissen, schreckte die Kinder, riß Türen, Tor und Schränke auf, spielte mit Menschen eine Art Fußball, warf mit Gegenständen !ierum, ohne daß man irgendeine menschliche Hand oder ähnliches ah—. Schließlich wurde der Spuk als.Satan" ausgetrieben und eine Unschuldige als»Hexe" verbrannt! Ein typisch okkulter Fall, der sich mit modernen Fällen durchaus(mit Ausnahme der Teufels- Lustreibung und Hexenverbrennung natürlich!) oergleichen läßt. Ein eigenartiger, gut bezeugter Fall wird uns von Lord Eombermere au» dem Zahr« 1809 erzähl». Eombermere stellte in einem Grab- gewölbe jedesmal, wenn es für eine neue Beisetzung geöffnet wurde, ein Durcheinander der zentnerschweren Särge fest. Jedesmal ließ er mühsam die Särge wieder zurechtstellen, da» Grabgewölbe sorg- fältigst vermauern. Doch der Spuk blieb der gleiche— die Särge waren stet» verschoben, einer, den acht Männer sogar nur mit An- strengung verrücken konnten, stand bei einer Oesfnung sogar auf- recht Darauf ließ Eombermere das Gewölbe beobachten, den Fuß- boden mit Sand bestreuen, die Tür versiegeln, einwandfrei« Zeugen bestellen. Do» Resultat war. wie immer: die Särge waren durch. einander verschachtelt, ohne daß die Siegel oerletzt, Fußspuren auf dem Sand sichtbar, eine Erklärung möglich waren. Auch die neueren Fälle ermöglichten trotz de« durch die modernere Zeit erhöhten Skeptizts- mus kein« Erklärung. Berühmt sind hier solgend« Fälle: da» Spot- haus in Eleversulzbach, von dem uns kein Geringerer als Mörit« erzählt. Dort, im wohloerschlostenen Pfarrhaus, ertönten rätselhafte Klopfgeräusche, wurden bei geschlossenen Läden die Fensterscheiben zum Trommeln gebracht, wurden Kästen gerückt, verschlossene Türen geöffnet, ohne daß eine menschliche Hand tatig war: Poltern, Stoßen, Schnaufen, Stöhnen war vernehmbar selbst in nächster Nähe, ohne daß ein Mensch sichtbar war. Mörike, der seine Bekundungen als »gewissenhaft und wahrheitsliebend", und als Pfarrer aufschrieb, hatte diese Phänomen« erlebt, erzählt sogar, daß in Anwesenheit Fremder der Spuk sich nicht stören ließ und u. a. einmal selbst beim Gespräch wie mit einer Gerte aus den Tisch mehrmals lgut auf- gepeitscht habe. Noch berühmter ist der Spuk von hydesoille, der die spiritistische Bewegung begründete. zeigten sich dort(in Nordamerika) in einem Dorshause okkulte Phänomene, Klops- geräusche, die stch sogar auf Kommando eines Kindes betätigten, in wunschgemäßer Taktsolge und Klopszahl. Schließlich gelang dort eine Verständigung mit dem Spuk: durch Klopfzeichen erklärte sich der Spuk als ein Händler, der im Hause ermordet worden sei und im Keller vergraben lieg«. Eine Untersuchung förderte tatsächlich Knochen und Haare. Der Fall erregte internationales Aufsehen; au» weiteren Experimenten der Familie Fox entdeckte man baml das Tischklopsen und Tischrücken, die bewährtesten Attraktionen der Spiritisten. Uebrigens hören wir schon aus dem römischen Alter- tum von Marcellinus von Tisch rückenden Okkultisten, so daß diese Erfindung zu unrecht den modernen Spiritisten zugeschrieben wird. Nun kam natürlich eine Hochflut okkulter Fälle, die mehr oder weniger nicht ganz einwandfrei waren. Beglaubigt sollen ferner sein die Fälle im Hause Zoller(Kanton Unterwalden 1862), wo Klopfgeräusche, frei sich bewegende Möbelstücke, wandernde Bilder und rätselhafte Nachahmungen von Uhrausziehen, Spinnradtreten. Singen usw. sich bemerkbar mochten: weiter der Spuk von Port Glasgow, der 1864 ähnlich verlies und sich sogar schon musikalisch zeigte, und der Spuk von Großerlach(1916). Dort in dem badischen Dörfchen, also wieder in einem Bauernhause, vergnügte sich der Spuk erst im Stall, wo er vor den Augen von Zeugen das erschreckte Vieh abband— die Zeugen sahen, wie die stet» wieder gebundenen Ketten sich rätselhast lösten—; dann ging er zum Generalangriss auf die Wohnung über: Klopfgeräusche, selbständig durch die Luft fliegende Holzscheite, herumwirbelnde Milchhäfen: allmählich wurde der Spuk grob und unhöfsich, warf mit Eegensianden nach Menschen, ließ beim Mittagesten die Eßschüsseln wandern und schikanierte nach Astralleibeskräften! Z. B.: vom Speicher kam ein Kinderwagen heruntergesaust: man brachte ihn wieder hinauf— der kindische Spuk ließ ihn wieder hinunteijousen. Oder: ein Zeuge griff ei» sreischwebendes Glas aus der Lust und stellte es wieder auf den Tisch, schon flog ihm ein Gegenstand a» den Oppositionsschädel. Ein Eimer spazierte amtsmüde aus dem Haus, Türen flogen aus den Angeln, und sogar dem Gemeindediener, der Obrigkeit also, wurde die Mütze vom Kopf geschlagen, ohne daß jemand hinter ihm stand. Großerlach» Spuk war— alle Hochachtung!— der einzige Spuk, der auih vor der uniformierten Behörde kewen Respekt hatte. Er trieb e» so toll, daß schließlich dos Hau» verlassen und zu- geschlossen werden mußte., » Die Spiritisten wandern nach Friedrichshain, wo es spukt. Profestoren werden begutachten und beäugen. Und wenn es Flv- rian paßt, wird er klopfen und feine Mätzchen machen. Es ist merk- würdig— okkulte Phänomene sind bezeugt, sind bis dato noch nicht enträtselt worden, sind vorhanden. Aber— sie sind so unsagbar komisch, so kindisch, so lächerlich, daß e« einem als gebildeten Mittel- europäer doch ums Jenseits leid tut! Oder sollte vielleicht alle« harmloser zu erNären sein? vie LiebestragSüie am Oftbahohof." Zu der Tragödie, die sich in der vorvergangene« Nacht W Haufe Am Ostbahnhof 10 abspielte, ist noch folgende» mitzuteilen'. Der 30 Jahre alte Posischassner Walter Hirsch hatte den 25 Jahre alten Wickler Gerhard Pick schon als Junggeselle kum Freunde Nach der Verheiratuno Hirsch» lernte Pick auch seines Freunde» Frau kennen. Als Hausfreund mißbrauchte er das Vertraue« Hirsche, und trat, ohne daß dieser etwa» ahnte, zu seiner Fron in Beziehungen. Weil sie sich aber offen nicht angehören konnten, sv beschlosten die Verliebten, gemeinsam aus dem Leben zu scheide«: Pick oerließ gestern abend seine Wohnung und nahm Blume« und eine Flasche Sekt mit. Er besuchte Hirsch und steckt«. ohne daß dieser es sah, der Frau zu. was er mitgebracht hatte. Dann begleitete er den Freund nach der Dienststelle und kehrte in Zamile unter den Zedern. 151 von Henri Bordeaux. (Berechtigt« Uebersetzung von I. Kunde.) lieber Vamile! Wir sollten über Vamile urteilen! Und ich befand mich unter den Richtern. Trotz ihrer Schuld, trotz ihrer Treulosigkeit konnte ich solch ein Amt übernehmen? Entsetzen bannte mich an den Fleck, wenn ich mich davon- Aistehlen gedachte Ich wohnte stumm dieser qualvollen Verhandlung bei. Einer der weitzbartigen Alten ersuchte um ein« Auskunst: „Warum hat der Bei von Akka diese Fuchsstute im Stall zurückgelassen?" Raschid-el-Hame deutet« die Hand- lungsweise des Fremden so an:„Ich glaube euch Antwort geben zu können, denn ich habe darüber nachgedacht. Jedes Land hat seine Sitten und seine Religion. Wenn ein Moslem eine Frau nehmen will— und ihr wißt, daß sie mehrere in ihre Harems führen können— gibt er den Eltern jener, die er gewählt hat, eine Hälfte der Mitgift. Er empfängt keine, wie bei uns: er zahlt sie aus. Die andere Hälfte wird der Frau— für den Fall seines Todes oder bei etwaiger Echei- dung_ sichergestellt. Oma»Bei-«l-Hussein hat mir die Mitgift für meine Tochter nach dem Brauch und der Religion seines Landes geben wollen. Seine Fuchsstute ist von unberechenbarem"Wert. Ich bin trotzdem bei dem Handel hinteraangen worden. Er läßt mir ein Pferd und hat mir mein Kind gestohlen.".... »Weh über ihn!" nef der Kapttan. Web über ihn!" rief wieberholend der Scheik. dessen scheinbare Ruhe ein schlimmes Vorzeichen war.»Aber weh auch über Domile!",.--»,•«. Der zweite Alle stellte gleichfalls ferne Frage: »Wie tonnte es geschehen, daß niemand die Tritte der Pferde auf der Dorfstraße hallen horte? »O. das ist sehr einfach." erwiderte Butrvs. man um- wickelt die Füße mit Tuchlappen. Yamlle faß auf der weißen Stute auf. Die Nacht war dunkel, der Mond schien nicht. „Woher weißt du." fragte ich. daß Yamile die weiß« Stute bestieg? Ist ihr wer begegnet? Hat sie ,emand gesehen?" „Niemand. Aber dies« Stute ist eigens zu dem Zwecke hierhergebracht worden. Die Expedition war von langer Hand vorbereitet worden."„_......_ Aber die Versammelten verstanden nicht, was uh damit meinte und was für Folgerungen ich daraus zog. Der Scheit suchte die Zeremonie abzukürzen und den Urteilsspruch über sein Kind zu beschleunigen. „Vamile ist schuldig. Ich zeihe sie des Treubruchs gegen ihren Bräutigam." „Nein," sagte ich,„sie hat mir die Treue nicht gebrochen. Sie hätte mir mein Wort zurückgegeben." „Ohne meine Einwilligung? Ohne meine Zustimmung konnte sie sich weder verloben noch ohne dieselbe die Verlobung aufheben." � � Er stützte sich auf seine väterliche Autorität. Wenn ich keine Einwendungen machte, so unterließ ich dies nicht aus Feigheit, sondern weil ich, um noch einen Versuch zu Vamiles Rettung zu machen, auf meinem Posten bleiben wollte. .Llußerdem wird dieses Vergehen", fuhr Raschid-el-Hame fort,„noch von einem anderen übertroffen. Meine Tochter hat ihre Rasse und ihren Glauben verraten. Sie hat sich einem Feinde, einem Ungläubigen hingegeben. Niemals ist in unserem Kadischatale solche Schmach einer Familie zugefügt worden. Unsere Herzen sind rein wie die Wasser, welche von unseren Berggipfeln kommen. Ich sage euch: Pamile ist nicht mehr meine Tochter." Er war aufgestanden, hatte die Arme zum Fluch erhoben und wirkte in seiner langen, schwarzen, goldgestickten„abaje" übergroß und Furcht einflößend. Darauf brach er jäh wie eine vom Blitz getroffene Zeder zusammen und wir mußten ihn stützen. Der Priester sprach als erster, ohne Rücksicht auf die Zerrüttung des Daters, die sich an einem späteren Tage wiederholen sollte, das verhängnisvolle Wort aus, welches ich schon minutenlang wie den Flug eines schwarzen Bogels in der Luft zu vernehmen glaubte: „Sie verdient den Tod." „Den Tod." pflichteten die Alten bei. „Den Tod!" kam es mit tieferem Stimmenklang als dem der anderen von Butros Lippen. � Vf Ich fürchtete, daß diese schrecklichen Silben durch die Türe des Frauengemachs, wo Meryem und Muntaha weinten. dringen könnten. Ich verlangte inmitten de« Wirrwarrs der geforderten Schuldigsprechung das Wort. Der Scheik, wieder Herr seiner selbst, stimmte zu: „Ihr oerurteilt eine Abwesende und dazu hat niemand ein Recht. Das Evangelium ermächtigt uns nicht, ein Urteil zu fällen, ohne den Schuldigen zu hören. Und selbst dann wlll es. daß wir verzeihen. Der. welcher verzeiht, steht hoher als die anderen." ,4>ie Schuldigen müssen bestraft werden." heischte der Priester., Liefe ist Ehebrecherin, Meineidige und Abtrünnige. Ihre Verurteilung soll ein Exempel für die maronitischen Mädchen sein." Der einzige Ausweg, den meine zurückgestoßen« Liebe fand, war die Verteidigung dieser nur allzu sehr gesiebten Schuldigen: ich suchte ihn in einem wahren Rausche: „Nein," behauptete ich.„Ihr könnt Uamile erst verur- teilen, wenn ihr besser über den Fall unterrichtet seid. Wer beweist euch, daß sie nicht entführt wurde? Was berechtigt euch, an ihr Einverständnis zu glauben?"„Aber sie hat ihr» Kammer oerlassen," warf Butros scharf dazwischen.„Drt- stehen sich die Moslem nicht auf Zauberwirkung aus der Ferne? Auf Beschwörungssonneln? Haben sie keine Be- Ziehungen zu bösen Geistern?" „Sie haben sie," erklärte der Priester.„Pamile ist viel- leicht eine Besessene." „Seht ihr. ehe ihr sie zum Tode verurteilt, hebt ihr die Pflicht, sie zu befragen. Die beiden erfahrenen Alten nickten zustimmend: ,Ler junge Mann ist verständig: Jamile muß besragt werden." „Aber sie kehrt nicht zurück," protestierte Butros. Der Scheik, der die Sitzung als Gerichtsherr hoheitsvoll leitete, und doch gegen das Schicksal seiner Tochter nicht gleichgültig sein konnte, vertagte die Verhandlung alsbald und befahl seinem Sohn, als Richter und Bater zugleich: „Ich gebe dir den Auftrag. Butros. deine Schwester. aus den Händen unserer Feinde zurückzubringen. Khalil Khurry wird dich bei diesem Unternehmen begletten, zu dem wir dich kraft unseres Amtes beauftragen, und das du zu unserer Zufriedenheit auszuführen hast. Die Verhandlung ist beendet und wird ausgesetzt bis zu dem Tage, wo Pamile hier anwesend, auf unsere Fragen antworten und endgültig ihr Urteil oernehmen wird." So hatte mein Einspruch einen Austchub für die Flüch- ttge erwirkt. Aber ich hatte die Pflicht übernommen, sie bis zu ihrem Verführer zu oerfolgen. „Wie sollen wir ihre Spur wiederfinden?" fragte ich Butros.„Das Gebiet von Akka ist groß, die Dörfer sind zahlreich und liegen vom Gebirge bis zum Meere weit aus- einander." „Komm," sagte er zu mir. Und er führte mich zu den Ställen, wo er mir die Fuchs- stute zeigte, die er streichelte und siebtoste..Liest hier". erklärte er,„wird uns den Weg zeigen."(Forts, folgt.) Tragisches Ende einer Bierreise. deffen Wohnung zurüd. Hier hatte unterdessen Frau Hirsch einen| aufweisen, so daß fie in verfehrstechnischer Beziehung als nicht mehr| doch erhebliche Widersprüche, deren Brüfung und Marstellung geBettel geschrieben, daß sie mit Pid ihren Rosenmontag" feiere. ganz einwandfrei gilt. Es ist im Interesse der öffentlichen Sicher raume Zeit in Anspruch nehmen dürfte. Nachdem sie den dreijährigen Knaben Harry in fein Bettchen gelegt heit dringend zu wünschen, daß, falls diese Meldung zutrifft, für hatte, füllten die beiden eine Schale mit Sand, stellten drei fofortige Chauffeerneuerungsarbeiten gesorgt wird. Lebenslichte" hinein und umgaben sie mit den Blumen. In den frühen Morgenstunden tranten sie die Flasche Seft aus und zündeten endlich die Lichte an. Um 4% Uhr hörten die Hausgenossen. im 3. Stod, wo Hirsch wohnt, die Schüsse als startes Geräusch. Als Hirsch um 7 Uhr nach Hause fam, sand der entsetzte und fassungslose Mann seine Frau, den Freund und den Sohn aus Ropfwunden blutend vor. Ein Arzt stellte bei dem Knaben nur noch den Tod fest. Der Mann ließ Pick und die Frau nach dem Krantenhaus am Friedrichshain bringen; dort liegen sie sehr schwer danieder. Die drei Lichte brannten noch, als Hirsch vom Dienst heimkehrte und sich der schrecklichen Lage gegenüber sah. Zehn Minuten vom Sportpalast... Wer nicht das Geld hat, um im Sportpalast die Matadore des Borens, Breitensträter und Paolino, Samson- Körner, Diener und Bhil Scott, zu bewundern, braucht nur etwa zehn Minuten die Botsdamer Straße weiter herauf zu marschieren: für zwanzig Pfennige wird er sich dann ergößen fönnen an Kämpfen„ hart auf hart", bis zur Entscheidung und einschließlich jämtlicher Fachausdrücke, die das Herz nur begehren kann. Hier, an der Grenze von Schöneberg, in einer Gegend, die ein Mittelding ist zwischen dem„ vornehmen" Westen mit den bayerischen Gtraßennamen und den Arbeitervierteln von Neukölln oder Lichtenberg liegt ein echter Berliner Rummelpla mit all feinem Drum und Dran. Auf einer Berg- und Talbahn schunkeln, mährend der Fahrt durch den Tunnel noch enger als zuvor aneinandergeschmiegt, sonnige Pärchen. In einer geheimnisvollen Bude mit einer vermummten Evastochter Davor, fann, wer von Wissensdurst beseelt ist, tiefgründige Erkenntnisse erwerben über Berden und Bergehen des Menschengeschlechtes". Lieblinge der Fortuna gewinnen für zehn Pfennige pro Los am Glücksrad einen Storbseffel, einen ausgewachsenen Teddybären oder einen Reisefoffer; Minderbegünstigte begnügen sich nebenan mit einem Spidaal vom Umfang eines ftattlichen Regenwurms. Alles Gebotene aber wird schon durch die homerische Stimme des Ausrufers in den Hinter grund gedrängt von den internationalen Bor und Ringtämpfen", die alle halbe Stunde um phantastische Meistertitel und noch phantastischere Auslobungen von Geldsummen durch gefochten werden. hige!" Ich bitte die Herren, eben einmal vorzutreten!" Und auf der Rampe vor dem Kampfzelt marschieren sechs maftige, schweißduftige Männergestalten in Bademänteln auf. Meine Damen und Herren, mas wir Ihnen bieten, ist nur erstklassiger Sport Ein Groß Berliner Bublifum ist gewohnt, nur Brima- Prima- Sachen seine aufrichtige Bewunderung zu zollen." Mag die Stimme dieses btederen Spreeatheners auch heiser sein, sie ist äußerst weittönend und durchdringend. Hier sehen Sie den Meister von Pommern, unfern Mar Lemke. Er ist bis oben heran voll von KampfesDer Meister von Bommern pruftet sich auf, droht mit der Faust in einer Abart des Faschisten- Grußes und schmettert:" Ich wer's ihm schon geben! Scheinbar nur mit Mühe beruhigt der Manager vons Janze" den mutigen Stettiner und fährt fort: Und hier sehen Sie, ein leuchtendes Beispiel für die vollkommene soziale und wirtIchaftliche Umwälzung in den letzten Jahren, zum erstenmal in cinem deutschen Ring den Freiherrn Don Rütow ahlem Jawohl, den Freiherrn von Rütom- Sohlem! Und wer pon thnen zweifelt, meine Herrschaften, fann sich durch die Papiere des Freiherrn von Ritom- Sohiem persönlich von der tatsächlichen Bersönlichkeit des Freiherrn von Rütom- Sohlem überführen!" Und Dann wird noch einige Male gefreiherrt. Der aufmerksame Beschauer merkt übrigens deutlich, daß den rech gutmütig dreinschauenden Baron diefe pojaunenhafte Brollamierung feines Ramens nicht angenehm ist. Aber: Geschäft ist Geschäft. Ind er darf sich sagen, daß sein Broterwerb auf dem Rummelplatz tausendfach anständiger ist als die Beschäftigung seiner Standesgenossen Freiherr von Genden und Kompagnie, die Räuberbanden aufstellen und Fememorde inszenieren Nachdem uns auch noch vier meitere Champions vorgestellt find, schließt der Ausrufer mit Stentorstimme: Alle unsere Herren find Sportsleute genug, um gleich scharf im Rehmen und im Geben zu sein und bis zur Entscheidung ihren Mann zu stehen."( Bis zur Entscheidung", ertönt es im Chorus.) Also treten Sie bitte redyt zahlreich ein, meine Herrschaften. Sowas wird Ihnen nicht wieder geboten!" Und im Gänsemarsch verschwindet die Kolenne im Innern des Zeltes ... Die eigentlichen Rämpfe dauern nur 20 Minuten, und trotz allen Fauchens, Schnaubens und wütigen Augenrollens ist alles Komödie. Aber diese Komödie wird so schlecht gespielt, daß sie gerade deshalb amüsant wirft. Nur einige allzubiedere Hausmütter fallen auf den Schwindel herein und stellen bewundernd feft: Die haben fid's aber richtig gegeben!" Der Berliner im allgemeinen ist helle genv. den Rummel zu durchschauen, aber er hat auch den nötigen Humor, die Sache von der heiteren Seite zu nehmen. Und sehr oft hört man die Worte: Die Leute wollen doch auch ihr Geld verdienen!" Ja, das wollen fie. Und weil dem so ist und das Bublifum dafür Berständnis hat, sind mir die Bogtämpfe auf dem Rummelplatz fympathischer als die Schlachten im Sportpalaft, wo sich die großen Kanonen um zehntausend Mark, oft unter Pfeifen und Heulen, die Badzähne ausschlagen. Automobilunglück auf der Landsberger Chaussee. Eine Person getötet, zwei schwerverletzt. Ein furchtbares Automobilunglüc ereignete fich gestern nach mittag gegen 4 Uhr auf der Landsberger Chaussee zwischen Alt Landsberg und Marzahn in nächster Nähe des Ortes Seeberg. Es ist dies seit Sonnabend der dritte schwere Unfall, der sich auf der Landsberger Chauffee ereignet hat. Der 37jährige Einfahrer Hans Müller aus der Weisestr. 26 in Neukölln wollte zusammen mit zwei Kollegen, dem Monteur Wilhelm Baubryer, wohnhaft Weidenweg 70, und Mag Rolyrba aus der Simon- Dach- Straße 17 einen Kraftwagen ein: fahren. Zu diesem Zweck unternahmen sie am Nachmittag eine fängere Autotour, die sie weit hinaus bis nach Alt- Landsberg führte. Auf dem Rückweg überließ Müller seinem Kollegen Mar K. das Steuer. Als diefer in ziemlich schnellem Tempo eine Chausseekurve nehmen wollte, rutschte der Wagen seitlich fort, prallte gegen einen Chauffeebaum und überschlug sich. Die drei Insassen wurden aus dem Wagen geschleudert und blieben fämtlich mit fchmeren Berlegungen bemußilos liegen. Kurz nach dem Bekanntwerden des Unfalls erschien ein inzwischen alarmierter Arzt und ein Wagen des städtischen Rettungsamts. Bei Hans Müller mar jedoch jede ärztliche Hilfe vergebens, da er furz nach dem Unglück an den Folgen eines Schädelbruches und schmerer innerer Berlegungen verstarb. Wilhelm Baubryer hatte schwere Kopf- und Armperlegungen erlitten, Mar Rolyrba imere Berlegungen und mehrere Rippenbrüche. Beide fanden im Hubertustrankenhaus in Lichtenberg Aufnahme. Es ist im Augenblid nicht nachzuprüfen, ob die Fahrer Opfer der eigenen Rajerei geworden sind. Immerhin soll die verhältnismäßig schmale Laudsberger Chauffee große Mängel Tod eines unschuldigen Kindes durch einen Polizeischußz. Der Fuhrhalter N. und dessen Arbeiter B. jagten im November vorigen Jahres in alkoholisierter Stimmung mit ihrem Wagen die Chauffee nach Eichwalde entlang. Bei sich hatten sie die beiden Kinder des A. Sie gerieten mit einem Radfahrer in Wortwechsel und N. und B. schlugen bei dieser Gelegenheit deffen Bekannten K. In Eichwalde stellte aber der verprügelte R. den B. zur Rede. Dieser erklärte, er sei Polizeibeamter. Als solchen bezeichnete er sich auch gegenüber wirklichen Polizeibeamten, die bald darauf in die Gastwirtschaft traten. Als sie von ihm eine Legitimation verlangten, wurde ihm die Sache doch zu brenzlich; er schob schnell einen der Polizeibeamten zur Seite, lief auf die Straße, bestieg seinen Wagen und jagte zusammen mit dem 2. und dessen Kindern davon. Die Polizeibeamten nahmen die Verfolgung auf. Eine Bahnbarriere veranlaßte die Flüchtigen umzukehren und nun ging es im Galopp den Bolizeibeamten entgegen. Diese glaubten, daß es sich um ein gestohlenes Fuhrwert handele und als B. nicht haltmachen wollte, fchoffen sie in der Dunkelheit aufs Gerate woh! in der Richtung des Bagens. Als B. die Pferde zum Stehen gebrachyt hatte, entdeckte man, daß das dreijährige Kind des A. durch einen Schuß verlegt worden war. B. und A. weigerten sich nin, den Beamten auf die Wache zu folgen und verlangten zuerst nach einem Arzt. Die Sträubenden wurden jedoch mit Gewalt auf die Wache geschleppt und hier stellte es fich heraus, daß das Kind bereits tot war. Die erste Instanz hatte den A. unter der Begründung, daß er durch den Tod feines Kindes bereits hart bestraft sei, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und den B. zu neun Monaten. Die Anklage lautete gegen 2. auf Amtsanmaßung, Widerstand usw. In der Berufungsverhandlung, die jetzt stattfand, verneinte das Gericht den Tatbestand des Widerstandes und setzte die Strafe für B. auf sechs Monate fest. Der Staatsanwalt erklärte, daß die Einleitung des Strafverfahrens gegen den Beamten, dessen Schuß das Kind tödlich verletzt hat, bis zur Beendigung des Verfahrens gegen B. und A. zurückgestellt worden sei. Er sehe aber nach dem Verlauf dieses Verfahrens feinen Grund zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen den Beamten. im Kleinen Tiergarten non der Bresse gerügt worden, daß die SchußSoeben ist es anfäßlich der Erschießung des jungen Burschen waffe bei der Polizei doch noch recht lose sigt. Auch dieser Fall bemeift, welche böse Folgen der übereilte Gebrauch der Schußwaffe durch Bolizeibeamte haben kann. Die Vergehen des B. waren wirklich nicht derartig, daß der Beamte das Radifalmittel der Schußwaffe anwenden mußte, um des B. habhaft zu werden. Um die Polizeistunde. Angriffe auf Severing weil er auf Urlaub geht. In der Berliner Presse ist wieder einmal ein heftiges Kesseltreiben gegen den preußischen Innerminister Severing, weil dieser auf einen Brief des Berliner Magistrats, in dem Berlängerung der Polizeistunde gefordert wurde, nicht sofort eine Entscheidung in diesem Sinne getroffen hat. Außer dem hat Genosse Severing das Unrecht begangen, einen Erholungsurlaub anzutreten, ohne die deutschnationale Bresse vorher um Erlaubnis zu fragen. Besonders erregt gebärdet sich die„ Deutsche Zeitung". Wenn darauf hingewiesen wird, daß früher, in jenen herrlichen Zeiten des Obrigkeitsstaates, ein Magistrat nie so lange auf Antwort Hätte zu warten brauchen, wie heute, so darf pielleicht an den Berliner Oberbürgermeister Kirschner erinnert werden, der Monate und Jahre warten mußte, bis er seine Bestätigung im Amt fand Jimmerhin also ein Vorgang, der erheblich michtiger erscheint als die Berlängerung der Polizeiftunde, die großen Schichten von Angestellten und Lohnempfängern nur eine gesteigerte Ausbeutung bringen würde. Die deutschnationale Presse möge sich gedulden; auch wenn in der nächsten Zeit teine Berlängerung der Polizeistunde eintritt, so besteht nicht die Gefahr, daß irgendein. Nachtschwärmer verhungert oder verdurftet am nächsten Morgen in den Straßen Berlins aufgefunden werden wird. *** Großfeuer in Onkel Toms Hütte. Ein gemaltiges Feuer beschäftigte gestern abend mehrere Stun den lang die Feuerwehren der westlichen Vororte. In dem bekannten Ausflugsrestaurant Ontel Toms Hütte in Zehlendorf mar Feuer ausgebrochen. Das Feuer fam im Dachstuhl des zum Restaurant gehörenden Wohnhauses aus und wurde gegen 9 Uhr bemerkt, als es bereits ziemliche Ausdehnung angenommen hatte. Auf den Feueralarm eilten als erste die Feuerwehr aus Zehlendorf und weiterhin die Feuerwehren aus Steglig. Friedenau, Rifolassee, Wannsee, Lichterfelde, Dahlem und Charlottenburg an die Brandftelle. Es wurde ziemlich zwei Stunden lang aus einem B- Rohr und vier C- Rohren Waffer gegeben. Die Löscharbeiten wurden durch den herrschenden Wind und die starte Rauch- und Hizeentwicklung start erschwert. Troß angestrengter Tätigkeit der Feuerwehren brannte der Dachstuhl in seiner ganzen Ausdeh. nung vollständig nieder. Die darunterliegenden Wohnräume haben unter Wasserschaden start gelitten. Ein Ueberspringen auf die angrenzenden Gebäude fonnte güdlicherweise verhindert merden. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis in die späten Nachtstunden hinein. Eine Brandwache verblieb an der Brandstelle. Die Entstehungsurfache ist bisher noch nicht bekannt. Ein Holzhaus ausgebrannt. Ein gefährliches Feuer beschäftigte gestern abend mehrere Stunden lang die Feuerwehr in Lichtenrade, Kronbergstr. 47, wo das Holzhaus, aus drei Zimmern, Küche und Dachgeschoßräumen bestehend, in Flammen stand. Das Feuer war furz nach 7 Uhr bemerkt worden, als es bereits ziemliche Ausdehnung angenommen hatte. Aus mehreren Rohren wurde längere Zeit Wasser gegeben. Gegen 9 Uhr war die Hauptgefahr beseitigt. Das Haus ist nahezu niedergebrannt, das Mobiliar fast restlos vernichtet. Der Schaden ist erheblich und trifft die Befizerin des Haufes, eine mittellofe Witwe, besonders schwer. Zu dem in der gestrigen Morgenausgabe mitgeteilten Groß. feuer in Charlottenburg erfahren wir noch, daß der Schaden auf etwa 300000 Mart beziffert wird. Die Ent ftehungsurfache konnte noch nicht aufgeflärt werden, doch besteht die. Bermutung, daß das Feuer durch eine schadhafte Hei. zungsanlage entzündet wurde. Die Unterschlagungen beim RdA. Zu den Unterschleifen bei dem Reichsverband der Automobilindustrie wird noch mitgeteilt, daß die Kriminalpolizei während des ganzen geftrigen Tages mit dem Befragen von Zeugen beschäftigt war. Erst gegen 9 Uhr abends fonnte mit einer protokollarischen Aufnahme der Aussagen begonnen werden. Nach Abschluß dieser Bernehmungen wurde dann Dr. jur. Kurt Sperling befragt. Er bestreitet ganz entschieden, irgend eine strafbare Handlung begangen zu haben und betont, daß es bei der umfangreichen Geschäftstätigkeit des Berbandes für einen einzelnen unmöglich war, sich um jedes Kaffengeschäft zu fümmern. Die Uebermeifung der 780 000 m. non der sicheren Bleichröderbank auf die Inflationsban! Held u. Blant will Dr. Sperling ebenfalls in gutem Glauben auf die Bonität diefer Firma vorgenommen haben. Zwischen den Aussagen des Dr. Sperling und denen der anderen Bernommenen Maffen jeDer Reichsverband der Automobilindustrie selbst läßt durch WIB. bekanntgeben, daß die Mitteilungen, die sich auf die Persönlichkeit des stellvertretenden Geschäftsführers im Reichs verband der Automobilindustrie Albert Hilsmann beziehen, unzutreffend find. Hilsmann ist nach wie vor als stellvertretender Geschäftsführer im Amt tätig und durch die Vorgänge in feiner Weise belastet. Unrichtig ist auch die Höhe des erwähnten ver untreuten Betrages, der erheblich niedriger ist als angegeben und zum größten Teil durch Grundstücsübereignungen gesichert ist. Der junge Ankläger. Eine wahre Geschichte aus einem Gerichtssaal Der etwa 24jährige Referendar an der Staatsanwaltschaft plädiert: Meine Herren Richter! Der Angeklagte leugnet. Er ist jedoch des schweren Diebstahls im Rückfalle überführt. Er stand Schmiere, als sein bereits in dieser Sache verurteilte Kollege I. im Herbst des Jahres 1923 die Stride durchschnitt, mit denen die Möbelstoffballen am Handtarren befestigt waren und zwei Kollis Mildernde Umstände davontrug. Er ist mehrfach vorbestraft. liegen nicht vor. Ich beantrage 1 Jahr 2 Monate Zuchthaus. Der Angeflagte in feinem letzten Wort: Meine Herren Richter! Ich verstehe nicht, wiejo der Staatsanwalt mein Leben vernichten will. Ich bin erst 30 Jahre. Ich habe ftets gearbeitet. Damals befand ich mich in Not. T. hatte mich aufgefordert, mit ihm mitzugehen. Das war leichtsinnig. Seitdem habe ich aber ac arbeitet, und ich bin gewillt, mein Leben ehrlich zu leben. Ich bitte um mildernde Umstände. Der Vorsitzende begründet das Urteil: Das Gericht hat den Angeklagten wegen schweren Diebstahls verurteilen müssen. Eigentlich steht auf das Verbrechen Zuchthaus. Das Gericht hat aber dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt und auf Gefängnis erkannt. Der Angeklagte ist geständig. Er ist erst zweimal wegen Diebstahls mit geringen Geldstrafen vorbestraft. Auf Zuchthaus fonnte schon aus dem Grunde nicht erkannt werden, weil sein Komplize, der fünfmal vorbestraft war, nur zu neun Monaten Gefängnis in dieser Sache verurteilt wurde. Die Strafe für G. mußte deshalb niedriger ausfallen. Das Gericht hat 6 Monate Gefängnis als zureichend erachtet. Angeklagter, nehmen Sie das Urteil an?„ Ja“. Der Berurteilte mendet beim Abtreten sein intelligentes und lebenverwittertes Geficht dem jungen Milchgesicht des neugebackenen Referendars zu und blickt ihn mit vermunderten Augen an. Weshalb mag dieser junge Mensch sein Verderben gewollt haben? Ja, dieser junge Referendar! Man möge ihm seine Jugend, feine Unerfahrenheit zugute haften und ihm dieses Mal noch mildernde Umstände zuerkennen. Sollte er aber im Umjpringen mit Menschenleven rückfällig werden, jo wird das Urteil über ihn ebenso hart ausfallen, wie dies über Tausende seiner Kollegen Tas für Tag geschieht. Ein Wohnungsschwindler. Aus lauter tleinen Leuten bestanden die Opfer des Wohnungs vermittlers Mar Schrage, der es fertig gebracht hatte, zehnmal hintereinander ein und dieselbe Wohnung an Wohnungsfuchende zu verkaufen. Schrage ist auf dem Gebiet des Wohnungsschwindels feine unbekannte Erscheinung, denn er ist erst fürzlich wegen Berleitung, die mit diesen Dingen zusammenhing, ou einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus verurteilt worden. Dies mal stand er in Gemeinschaft mit der Frau Emma Albrecht wegen Betruges vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte. Schrage hatte Wohnungsreffeftanten immer zu Frau Albrecht geschickt, die in der Petersburger Straße eine Wohnung besaß, die sie angeblich gegen Entgeld abtreten wollte. Wurde man einig, so mußten die Leute 30 bis 300 mart Abstand zahlen, mellten sie jedoch einziehen, fo war die Wohnung immer zufällig noch von Flüchtlingen bescht, und wurden die Leute dann schließlich grob, dann schloß Schrage mit ihnen einen Vertrag, laut dem sich Frau Albrecht verpflichtete, die Abstandssumme in Teilbeträgen zurückzuzahlen. Das geschah natürlich nie. Außerdem hatte Schrage noch raffiniert einen Bertrag gefälscht. Er erhielt zwei Jahre Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust, mährend Frau Albrecht mit sechs Monaten Gefängnis davon fam. Sonderzug zur Banmblüte nach Guben. Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, mird am Sonntag, den 25. April, ein Sonntagsfonderzug 4. Klasse mit 33% Prozent Fahrpreisermäßigung von Berlin nach Guben verfehren. Der Zug fährt ab Berlin- Charlottenburg 6,22 morgens, ab Bahnhof 300logischer Garten 6,29, ab Bahnhof Friedrichstraße 6,42, ab Bahnhof Alexanderplatz 6,50, ab Schlesischer Bahnhof 7,00.. an Guben 9,28 1hr morgens. Die Rückkehr erfolgt ab Guben 9,28 Uhr abends, an Schlesischer Bahnhof 12,12 Uhr nachts, an Bahnhof Alexanderplatz 12,26, an Bahnhof Friedrichstraße 12,33, an Bahnhof Zologischer Garten 12,45 und an Charlottenburg 12,52 ihr nachts. Die Fahrpreise für die Hin und Rückfahrt betragen ab Berlin Stadtbahn 6 M., ab Fürstenwalde a. d. Spree 3,80.. Der Fahrkartenberfauf beginnt am Donnerstagmorgen und erfolgt nur bei der Fahrkartenausgabestelle des Bahnhofs Friedrichstraße sowie im Mitteleuropäischen Reisebureau, Potsdamer Bahnhof. Kraft und Schönheit durch Gefundheit Schönheitsmittel follten immer zugleich Gefundheitsmittel fein; fie follten die Schönheit von innen heraus fördern, nämlich die echte Schönheit, die auf blühender Gefundheit beruht, im Gegensatz zur unechten, aufgefchminkten und darum kurzlebigen Schönheit Zur echten Schönheit gehören blitzfaubere Zähne und ein frifcher Atem. Dazu verhilft regelmässige Mund- und Zahnpflege mit ODOL. Jn diefem Sinne ift ODOL, nicht nur das befte Mittel zu einer vernünftigen Mund- und Zahnpflege, fondern zugleich ein Mittel zu echter Schönheit. Die Parole der Reichs- Gefundheitswoche: ODOL Genoffinnen, verteilt die ,, Frauenstimme"! Die Einlegung dieses Extrazuges zum Besuch des den Berlinern| dürfen. Man mutet nun diesen Beamten zu, in der sogenannten unbekannten wunderbaren Gubener Blütenlandes, aber auch die an anderer Stelle mitgeteilte Erweiterung der Gültigkeit der Sonntags rückfahrkarten ist dankbar zu begrüßen. Hoffentlich entschließt sich die Direktion auch zur Einsegung von durchgehenden, regelmäßig fahrenden Sonntagszügen in das prachtvolle Waldgebiet von Freienwalde und des Spreewaldes. Schwierigkeiten auf den Finanzämtern. Wer nicht Bescheid weiß, fann lange warten! Ueber die Schwierigkeiten bei der Abfertigung auf den Finanzamtern geht uns folgende Klage zu, der wir um so lieber Raum geben, da wir dadurch eine Besserung für die Zukunft ermarten: Meine Erwerbslosigkeit gestattete mir, die Forderungen von Geschwistern und Bekannten bei den einzelnen Finanzämtern zu ver treten. Auf allen Finanzämtern dasselbe Bild: Hunderte Don Menschen warten auf Abfertigung und müssen oft zwei, drei Stunden und länger stehen, bis die Reihe an fie fommt. Was es bedeutet, in schmalen Kerridoren diese Zeit stehend zuzu bringen, besonders für Frauen, die mit fleinen Kindern tommen, fann fich wohl jeder leicht vorstellen. Es soll anerkannt werden, daß einzelne Finanzämter fich Mühe geben, dem Publikum das Warten einigermaßen erträglich zu machen. Besonders da, wo Nummern ausgegeben werden. Es kann dann wenigstens jeder, der das Bedürfnis hat, an die Luft zu gehen, seinen Platz verlassen. Anders in den Finanzämtern, mo es feine Nummern gibt. Ein Beispiel vom Finanzamt Friedrichshain. Im vierten Stod eines Industriegebäudes in der Bfüelstraße, wo das Finanzamt untergebracht ist, ftaut sich schon furz nach 9 Uhr das wartende Publikum vor dem Zimmer 421 zu einer langen Reihe. Niemand weiß, daß auch im 3. Stock noch Anträge abgefertigt werden. Plötz lich fommt ein Beamter, teilt ven den hinten stehenden, aber zuletzt Gefommenen eine Anzahl ab und schickt sie eine Treppe tiefer. So kann es doch schließlich nicht gehen. Es wäre wünschenswert, wenn auch beim Finanzamt Friedrichshain Nummern ausgegeben würden. Beiter wäre zu prüfen, ob die Finanzämter im allgemeinen nicht mehr tun fönnten, um eine schnellere Abfertigung zu erzielen. Mancher hat viele Stunden gewartet und atmet erleichtert anj, menn endlich die Reihe an ihn fommt. Trotz aller Bapiere fann er dann noch erleben, daß den Finanzämtern so leicht nicht beizukommen ist. Einige Beispiele: Finanzamt Lichtenberg. Meine Birtin, deren Anspruch ich dort vertrat, ist Witwe und geht jet wieder arbeiten. Seit 1. März 1925 hat fie Stellung. Eine Be scheinigung der Erwerbslosigkeit vom Arbeitsnachweis ist nicht zu erbringen, weil nicht gestempelt wurde und sie während ihrer Ehe auch keine Beschäftigung gehabt hat. Nachweis wird aber verlangt. Eine Reichsversicherungsfarte, die die Nr. 1 trägt und am 1. März 1925, also am Beginn der Tätigkeit, ausge. stellt ist, wird als Ausweis abgelehnt. Nach vielem Hin und Her gelingt es schließlich doch, die Anerkennung durchzusehen. Finanzamt Friedrichshain. Eine Bollmacht wird be= anstandet. Der Polizeibeamte, der die eigenhändigte Unterschrift beglaubigte, hat an Stelle Krenzte Kranzle geschrieben. hartem Wortgefecht geht es aber trotz des Schreibfehlers. Beim felben Finanzamt ein anderer Fall Die Frau eines Freundes ist feit Ende Mai 1925 ohne Arbeit. Auf dem Arbeitsnachweis ist fie nicht gemeldet, bezieht auch teine Unterstügung. Als Nachweis ist nur die Reichsversicherungsfarte möglich Sie wird abgelehnt: fchließlich wird aber eine eidesstattliche Versicherung anerkannt. Außerdem wird die Lohnsteuerbescheinigung bean. ft andet. Diese Bescheinigung besagt, daß innerhalb 5 Monaten 961 m. verdient sind und davon 67 M. an das Finanzamt abgeführt rourden. Sie hätte lauten müssen vom 1. Januar bis 31. Mai 1925. Meinem Einspruch bei einem höheren Beamten, die Reichsversiches rungstarte als Ausweis anzuertennen, wurde endlich stattgegeben. Die Lohnsteuerbescheinigung genügte jedoch nicht, trojdem ich dar. quf hinwies, daß nur die fünf Monate in Frage kommen fönnen, für die im Jahre 1925 Reichsversicherungsmarten ge. lebt find. Ich habe mun das Gewünschte von der Firma besorgt. Bom Glüd begünstigt, war ich vor 1 Uhr wieder beim Finanzamt. Jezt fam mir zugute, daß ich mußte, daß im 3. Stoc auch Anträge abgefertigt wurden und so tam ich bald an die Reihe. Im vierten Stod hätte ich beqrem noch ein bis zwei Stunden warten müssen. Jedoch wenn ich nun dachte, es wäre alles in Ordnung, so hatte ich mich wieder einmal geirrt. Ich wurde jetzt in einem anderen 3im. mer abgefertigt. Dort wurde der Antrag abgelehnt, meil die Steuerfarte für 1926 fehlte. Mein Hinweis, daß teine Steuerfarte für 1926 ausgestellt ist, weil die Frau nicht mehr arbeitet, genügte nicht. Die Steuerfarte muß herbeigeschafft wer. den, sonst gibt es fein Geld. Erst beim höheren Beamten gelingt es mir endlich, mich durchzusehen. Ich hätte, wenn ich nach den Anforderungen der einzelnen Beamten gehandelt hätte, unter Im ständen an drei Tagen je drei Stunden auf dem Finanzamt zubringen tönnen. Nach Daß unter den geschilderten Umständen viele, wenn die Summe nicht zu hoch ist, auf Rüderstattung verzichten, ift mohl erflärlich. Es ist doch sicherlich nicht zu viel verlangt, wenn die Beamten angewiefen merden, Erstattungsanträge nach allge. meinen Grundsäßen zu erleichtern. Berlängerte Gültigkeit der Sonntagsrückfahrkarten. Die Sonntagsrüdfahrkarten, die bisher nur an den Sonn- und Festtagen zur Rüdfahrt benutzt werden durften, gelten fünftig versuchsweise auch noch am Montag und am Tage nach ben bekanntgegebenen Festtagen zur Rüdfahrt. Die Rüdfahrt muß an diefem Lage von der Zielstation oder einer Unterwegsstation spätestens um 9 1hr vormittags angetreten und darf an diesem Tage nicht mehr unterbrochen werden. Die Ausdehnung ber Geltungsdauer der Sonntagsrückfahrkarten für die Rückfahrt tritt erstmals für die am 1. und 2. Mai 1926 gelösten Karten in Kraft. Unzweckmäßige polizeiliche Sportübungen. Ueber die Ausbildungsmethoden der Schutzpolizeianmarter dringt nicht viel an die Deffentlichkeit. Es gibt eine Anzahl Polizeischulen, die sich mit der Ausbildung befassen und die Grundlagen" vermitteln, von denen aus wohl in der Hauptsache die Beamten felber weiterbauen müssen. Aber diefe Grundlagen find doch wichtig, weil fie zweifellos die Richtung für die Zukunft angeben. Was man in dieser Hinsicht über die Polizeischule in Branden. burg a. d. h. hört, deren Leitung ein Graf Boninsfi hat, ist nicht besonders vertrauenerwedend, und man befommt den Eindruck, daß die Auszubildenden mehr als Soldaten, denn als Beamte ausgebildet werden. So wird uns berichtet, daß in einem Anwärterlehrgang für Beamte im Alter von etwa 30 bis 40 Jahren, die zum Teil schon vor dem Krieg aktiv gedient haben und auch bereits bei der Echußpolizei Oberwachtmeisterdienst versehen haben, neben dem theoretischen Unterricht das Haupt gewicht auf Ererzieren gelegt wird, d. h. Karabiner nach Zählen auf die Schulter nehnten, Wendungen, Grußübungen(!) und Felddienstübungen. Bei den Sportübungen, die auch von den älteren Beamten gern gesehen werden, wird dennoch wenig oder gar keine Rüdsicht darauf genommen, daß es fich eben mcht um junge Leute non 20 Jahren, fondern um 30 bis 45jährige handelt, heren Sportübungen doch ganz anders aufgebaut werden müssen. Beth das jchon jeder Zurnmart des fimpelsten Turnvereins, so sollte man eine joíche Erkenntnis in einer Bolizeischule erst recht erwarten Estaladierbahn folgende Hindernisse hinterein. ander zu nehmen: 1. eine 1,10 Meter hohe Bretterwand( über die Flanke zu machen ist); 2. eine etwa 2,50 Meter hohe Bretterwand ( die zu übersteigen ist); 3. eine fleine sogenannte Hürde und 4. ein etma 2,50 meter breiter und 1 Meter tiefer Graben( die zu über springen find). Bereits am zweiten Tag nach Beginn dieser Uebungen zog fich ein Polizeioberwachtmeister beim Rehmen des Grabens einen Knöchelbruch zu. Trogdem wurden die lebungen meitergeführt. Der 3med eines jeden polizeilichen Unter richts foll sein, die Beamten zu befähigen, in wirksamer Weise für füglich bezweifeln, daß zu einer solchen Ausbildung das Rehmen den Schuh des Staates und seiner Bürger einzutreten. Man muß ciner 2½ Meter hohen Bretterwand und eines 2% Meter breiten Grabens gehört, und die Polizeischule in Brandenburg sollte fich bemühen, für Beamte im reiferen Alter andere und zwedmäßigere Leibesübungen auszudenken. Einen Graben von 2% Meter Breite zu nehmen, soll man Pferden überlassen und nicht Menschen. Man follte die Estaladierbahn einfach aus dem Lehrplan für ältere Beamte streichen.. Das Licht- Luftbad zu Neukölln. Ein Musterbeispiel proletarischer Lebensreform. Das Lufts, Licht und Sonnenbad des Naturheilvereins Reutölln E. B., in dem schönen Waldbestand der Schießstände an der Fontane, Ede Karlsgartenstraße, gelegen, vom Hermannplatz in 8 Minuten zu erreichen, ist jetzt wieder geöffnet. Da es sich hier um ein Wert der organisierten arbeitenden Bevölkerung felbft handelt, so ist ein kurzer Rückblick auf den Werdegang dieses proletarischen Lebensreformunternehmens angebracht. Bereits im Jahre 1893 errichtete die in Rigdorf bestehende Magnetische Gesellschaft zu Rigdorf" auf einem Baubengelände an der Weserstraße ihr erstes Luft- und Sonnenbad. Die Naturheil. bemegung hatte damit in Rigdorf die ersten Wurzeln geschlagen. Der Verein entwickelte sich immer mehr, fo daß er im Jahre 1905, als der Verein der Bodenspekulation weichen mußte, dazu übergehen tonnte, ein größeres Gelände am Dammweg zu pachten. Hier wirkte der Berein 14 Jahre. Bon der richtigen Erkenntnis aus. gehend, daß nur durch Zentralisation eine Bewegung gefördert werden kann, trat der Verein, der inzwischen den Namen Berein für naturgemäße Lebens- und Heilweise Neukölln angenommen hatte, zunächst dem Deutschen Bunde für naturgemäße Lebens- und Heilweise E. B. bei. Leider blieb auch der Verein von dem unheil pollen Kriege nicht verschont, denn so mancher wadere Luftbadefreund mußte sein Leben lassen. Im Jahre 1920 mußte der Verein abermals einer Siedlung weichen. Der damaligen Bereinsleitung, die weder Mühe noch Kosten scheute, gelang es, ein Stüd der früheren Schießstände in der Hafenheide, das jezige herrliche Ge lände, das etwa 1400 Quadratmeter umfaßt, auf 20 Jahre zu pachten. Hier wurde nun das heutige Luft- und Sonnenbad er. richtet, und die junge Organisation, die inzwischen auf den Namen „ Naturheilverein Neukölln E. B. umgetauft worden war, entwidelte fich so gut, daß fie selbst der schweren Inflationszeit wader und unentwegt stand hielt. Mit dem steten Anwachsen des Vereins ging auch zugleich ein neuer Zug durch die Mitglieder, der zum Austritt aus dem bürgerlichen Deutschen Bund und dem Ein. fritt in den Berband Boltsgesundheit in Dresden, der auf dem Boden der sozialistischen Beltanschauung steht, führte. Wer heute den fröhlichen und munteren Betrieb im Luftbad be obachtet, mer fieht, wie fich Männer, Frauen und Kinder der nervenStärkenden Luftbäder erfreuen, der tann nur aufs tiefste bedauern, baß die Berliner Arbeiterschaft bisher nicht die Kraft gefunden hat, auch in den nördlichen und öftlichen Vororten derartige Luftbäder u gründen. Voraussetzung dazu ist allerdings, daß alle proletarischen zu gründen. Vorausseßung dazu ist allerdings, daß alle proletarischen Lebensreformer aus den bürgerlichen Vereinen austreten und daß in den eigenen Organisationen und Unternehmungen politische Auseinandersetzungen unterbleiben. Sonntage eines Großstädters in der Natur. Jeder Großstädter sollte im Befiße dieses schlichten und darum besonders schönen Büchlein fein, daß von Kurt Grottewig verfaßt wurde und jetzt, gerade zur geeigneten Zeit, da fich die Berliner zu den ersten Ausflügen in die schöne Mart rüsten, vom Berlag H. B. Diez, Lindenstraße 2, als billiges Buch der Woche heraus gegeben wird. In diesem Jahre hält der Frühling mit besonderer Milde seinen Einzug und zeigt uns in seiner ganzen Schönheit und umnier neuen Pracht die Auferstehung und die Kräfte in der Natur. Die nervenzerrüttenden Großstadtmenschen atmen auf und strömen hinaus in Wald und Flur, um an der Wiedergeburt in der Natur teilzunehmen. Es ist nur freudig zu begrüßen, daß der Touristen verein Die Naturfreunde", Zentrale Wien, nach inneren schweren Auseinanderlegungen und endgültigem Lossagen von der Mostauer Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 21. April. 9 Außer dem üblichen Tagesprogramm: 19 Richtung seine eigentliche Tätigkeit als Ratgeber und Führer für Wanderungen und naturwissenschaftlicher Aufklärung für die Berliner Arbeiterschaft wieder aufnehmen kann. Es ist jedem Berliner zu empfehlen, die Aufrufe und Schriften der Naturfreunde mehr wie bisher zu beachten und ihre Veranstaltungen zu besuchen. Mit dem Thema„ Sonntage eines Großstädters in der Natur" veranstaltet der Touristeriverein ,, Die Naturfreunde", Zentrale Wien, cm Freitag, den 23. April, abends 7% Uhr, in der Aula des Luisenstädtischen Gymnasium, Gleimstraße 49, einen Lichtbilder portrag, in dem Dr. Klose, Kommissar der Provinzialfommiffion für Naturdenkmalpflege in der Provinz Brandenburg, ein hervor Grottewig verfaßten Büchleins, sprechen wird. Während dieses ragender Renner der Mart, unter Zugrundlegung des von Kurt Bortragsabends foll auch das Bolts- und Wanderlied zur Geltung fommen. Alle Besucher werden deshalb gebeten, sich an dem gemein schaftlichen Gesang unter Mitwirkung der Musikgruppe zu beteiligen. Biederterte werden tostenlos verteilt. Eintrittskarten( 50 Pf.) find zu haben in der Vorwärtsspedition Greifenhagener Straße, in der Bolfsbühnenzahlstelle Driesener Straße 23 und an der Abendtaffe, wo auch das Büchlein Sonntage eines Großstädters" von Kurt Grottewiß zum Bertauf ausliegt. Ein zweiter Vortrag mit dem felben Thema und Bortragenden findet im Bezirk Tiergarten am Donnerstag, den 29. April, abends 7% Uhr, in der Schulaula Bochumer Straße 8b statt. Potsdamgeklapper im Zirkus. Zirtus- Schau- und Boltsstüd Es flappert die Mühle ven Ja, also. Der 3irfus Busch hat sich wieder ein neues Sansiouci" gebaut. Damit der nationalistische Faden nicht ahreißt, spielt's diesmal im Potsdam des Alten Frig und der ihm be nachbarten historischen Mühle. Es wird herrlich schön Hohen30llerngefchichte gemacht, so in der Art, wie's in der Borfriegsschule geliebt wurde und heute noch geübt wird. Der Dichter Boltaire äppelt und zum Schrecken derselben Leute von dem Alten Friz in wird weiblich zum Gaudium des vaterländischen Publikums ver Schutz genommen.( So ehrlich mußte man halt auch im Zirkus fein.) Es versteht sich ferner, daß auch etliche, sichtlich schlecht genährte Männer in Uniform ihr Wesen trieben, die sich zur Freude Alte Frig war, je nach Bedarf, leutselig, grob oder pathetisch, dazu der Erschienenen als fridericianische Grenadiere vorstellten. Der langweilig, daß er beinahe lächerlich wirkte. Lächerlich wirkt auch fenft noch vieles, was blutig ernst gemeint war. Aber was soll eine unglückliche Zirkusdirektion machen, um auf irgendeine Weise das Haus zu füllen? Die„ vaterländischen Verbände und die ihnen feelenverwandten Organisationen werden schon das Publikum stellen. ( Die Nachtausgabe des„ Tag" spricht bei der Angelegenheit nedisch von der Heldensehnsucht des Bolles".) Anerkannt soll werden, daß es einige hübsche Bilder und einige originelle Tänze zu sehen gab. . Drei Tofe und drei Schwerverletzte bel einer Schwarzfahrt. Personen bei Breslau unternahm, ftieß der Kraftwagen gegen Bei einer Schwarzfahrt, die ein Chauffeur mit fünf anderen einen Brellstein, wobei das Auto umstürzte und sämtliche Jniafier unter sich begrub. Zwei Personen wurden auf der Stelle getötet, Krankenhause seinen Verlegungen erlegen. die anderen schwerverletzt. Auch der Chauffeur ist inzwischen im Jolly überbobbyt! Am Dienstag abend 7,30 Uhr beendete der Hungerfünstler Bobby in Köln seine Hungerkur und stellte damit eine neue Belthöchstleistung von 46 Tagen und 1 Stunde auf. Bobby hat im ganzen 14 Kilogramm eingebüßt. Er wurde ins Krankenhaus übergeführt. Vielleicht gelingt es einem dieser Künstler doch noch einmal zum Rugen der Wissenschaft, des Sports und der Sensation vollends zu verhungern. Explosion an Bord eines amerikanischen U- Bootes. An Bord des im Hafen von New London( Vereinigte Staaten von Amerika) Dor Anter liegenden Unterseebootes S. 49 wurden durch eine Explosion 12 Mann der Besagung verwundet, darunter einige fchwer. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftstelle: Berlin S. 14. Sebaftianftr. 87/38. Sof 2 St. Tiergarten. Ramerabfdjaft Westen: Do., b. 22., 7 Uhr, Uebungs abend, Derfflingerfte. 18a, Schule.- Friebrichshain. Do., b. 22., Kreuzberg 6% Uhr, Antreten Baitenplak are Eröffnung des Sportplakes. .. d. 23., 6 Uhr, erifer Gportabend des gefanten Areifes auf dem Sport plak Rakbaditraße. Wilmersdorf. r., b. 23., 8 Uhr, bei Alingabeil, Salenfee, Johann- Georg- Str. 13. Verfammlung der Kamerabfdjaft West. fáeinen Blicht. Stealis, Zantwik, Lichterfelde. Do., b. 22., 8 Uhr, Turnhalle. Funktionärsikuna. Erscheinen aller Borstandsmitglieder, BugGruppenführer Blicht. Fr., b. 23., Kreisvorstardshikung bei Schulz, Birtbuidhe traße 90 Köpenid Fr., b. 28., 7 Uhr. Stadttheater, fleiner Gail. Bunter Abend mit Damen. Eintritt frei. Beißenfee. Do., d. 22., 8 Uhr, Mitgl.- Berf. Bortrag über Boltsfürfonge. Grüner Baum. Berliner Handwerkerverein Mittwoch, 21. April, 8 Uhr, Sophienste. 18. Bortrag von Brofeffor Otto Befchin: Des Meer unb die Schiffahrt", cr Täutert burch Lichtbilder. Anfaliekend Fragebeantmortimg. Arbeiterverein für Biochemic und Lebenszcjazm i. B. B. Bezier Limten bera: 96 23. April laufend jeden Donnerstag 8 Uhr wird eine weitere Beratungsstelle eingerichtet im Lofal ron Wartala, Sohenlohestr. 3. Dafeloft aud Beitragszahlung und Neuaufnahmen. Reichsbunb bez Kriegebefchädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerbinter. bftebenen. Ortsgruppe Neurölin, Gefchäftsstelle Donauftr. 128. Freifga. 28. April, 7% Uhr, im Lokal Sdeal- Rofino, Beichfelftr. 8. Sintecbliebenene verfammlung. Freireligiöse Gemeinde. Donnerstag, 22. April, 7% Uhr, in Schmidts Gefellschaftshaus, Fruchtstr. 80a. Deffentlicher Lichtbildervortrag des Herrn C. Witthauer: Tatsachen der Vererbung". Eintritt frei. Gäste willkommen. Sport. Deutschland- Frankreich in Treptow. Die am nächsten Sonntag auf der Radrennbahn reptom zur Abhaltung temmenden Rennen bes anspruchen ein größeres Interesse, da bier zum ersten Male in biefem Jabre metgute Franzosen gegen met unserer zurzeit bestem Bertreter an den Ablauftommen. Miquel und Parisot find Namen, die in der ganzen Welt einen guten Klang haben. Auch Bittig und eis zählen zur guten internationalen Stlaffe. Miquel was der erfle französische Fahrer, der im März 1924 zum ersten Male nach dem Striege auf einer deutschen Bahn, und zwar in Treptow an den Start ging. 4-6 Uhr nachm.: Sendespiele. Abteilung: Jugendbühne. Spielzeit 1925/26 Leitung: Alfred Braun. 10. Veranstaltung. Die Journalisten". Lustspiel in vier Akten von Gustav Freytag. Oberst a. D. Berg: Ferdinand Gregori; Ida, seine Tochter: Eva Holberg; Adelheid Runeck: Margarete Schön; Senden, Gutsbesitzer: Heinz Bernecker; Professor Oldendorf, Redakteur der Zeitung Union: Theodor Loos; Konrad Bolz, Redakteur der Zeitung " Union": Alfred Braun; Bellmaus, Mitarbeiter der Zeitung Union: Hellmuth Kassing; Schmock, Mitarbeiter der Zeitung Coriolan": Meinhart Maur; Piepenbrink, Weinhändler und Wahlmann: Albert Patry. Kämpe, Mitarbeiter der Zeitung„ Union"; Buchdrucker Henning, Eigentümer der Zeitung Union; Müller, Faktotum; Blumenberg, Redakteur der Zeitung Union"; Lotte, Frau des Weinhändlers Piepenbrink; Berta, ihre Tochter; Kleinmichel, Bürger und Wahlmann; Fritz, sein Sohn; Justizrat Schwarzeine fremde Tänzerin; Korb, Schreiber vom Gute Adelheide; Karl. Bedienter des Obersten; cin Kellner, Ressourcengäste, Deputationen der Bürgerschaft. Ort der Handlung: Die Hauptstadt einer Provinz. 6.35 Uhr abends: Geh. Sanitätsrat Prof. Dr. Eugen Holländer:" Der Arzt in der Vergangenheit". 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprach- m gleichen Tage gab Wittig als erster deutscher Fahrer in Paris auf der Buffalo unterricht. Englisch( R. Herdman Pender). 7.25 Uhr abends: Astronom Kurt Kiẞhauer, Jena:, Das Geheimnis der Sternwarten ( eine astronomische Plauderei). 7.50 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Hochschulkurse). Abteilung Rechtswissenschaft. Geh. Justizrat Prof. Dr. Ed. Heilfron: Streifzüge durch das bürger liche Recht"., Familienrecht: Verlobung Eheschließung Ehescheidung". 8.30 Uhr abends: Das Tempo der Zeit( Walter Mehring). Am Start: Der Dichter, Paul Graetz. 9.30 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Schauspiel. Leitung: Alfr. Braun. Lohengrin, eine Groteske von Kurt Goetz. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10 30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Funktanzkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski). Königswusterhausen, Mittwoch, den 21. April. 3-3.30 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann aus London: Englisch für Anfänger.. 3.30-4 Uhr nachm. Studienrab Friebel und Lektor Mann aus London: Englisch für Fortgeschrittene. 4-4.30 Uhr nachm.: Geh. Rat Prof. Dr. Sievers, Wannsee: Die Romantiker. Zusammenhang mit Dichtung und Musik. 5 bis 5.30 Uhr nachm.: Frl Anna von Gierke: Gesundheitliche Gefahren für das Schulkind. 7-7.30 Uhr abends: Direktor Lehmann: Gesundheitssicherung, eine Aufgabe der Krankenkassen. 8.30 Uhr abends: Uebertragung von Berlin. Bahn jein Debut. Durch die Hingunahme des Franzosen Parijot, der auch fchon in Treptow große Rennen gefahren hat, und des Frankfurters Wets, ber zurzeit in besonders großer Form ist, wird das Rennen zu einem großen Länderkampf Deutschland- Frankreich geftempelt DUNLOP CORD BALLON Landtagsbeginn. Minderjährigenfürsorge. Erwerbslosenfürsorge. Der Landtag, der gestern nach den Osterferien feine erste Sigung abhielt, stimmte zunächst nach furzer Debatte in zweiter Lesung über den Entwurf einer preußischen Berwaltungs. Rechtsanwaltsordnung ab. Im Hammelsprung findet mit 146 gegen 118 Stimmen ein deutschnationaler Aenderungsantrag Annahme, der die Zulassung auch dann versagen will, wenn der Antragsteller durch ehrengerichtliches Urteil von der Berwaltungs Rechtsanwaltschaft ausgeschloffen ist. Im übrigen stimmt das Haus bem Gelegentwurf nach den Ausschußbeschlüffen en bloc zu. Der Landtag fegte dann die zweite Beratung des Haushalts des Minifteriums für Boltswohlfahrt beim Rapitel 21lgemeine oltsmohlfahrt fort. bg. Frau Heßberger( 3.) schildert die Not der weiblichen Er werbslosen und fordert Maßnahmen zum Schuß der Jugendlichen Abg. Frau Chriftmann( Soz.) wendet sich gegen die Prügelstrafe in den Fürsorge. anstalten. Mit Dunfelarrest müsse endlich Schluß gemacht merben. In privaten Anstalten würden die ministeriellen Erlasse nicht ausgeführt. Ein besonderer Beirat müsse für die nötige Kon trolle sorgen. Weiter sei für die Fürsorgezöglinge eine gute Be rufsausbildung zu fordern. Sie dürfen nicht, wie es oft geschehe, lediglich zu landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogen merden. Auch feien regelmäßig ärztliche Untersuchungen, besonders auf den Geisteszustand der Böglinge, vorzunehmen. Die Angestellten müßten in ihren Bezügen bessergestellt werden. Die Berteilung der staatlich zur Verfügung gestellten Mittel sei höchst ungerecht und benachteilige die Arbeiterorganisationen. Ohne Unterschied der Religion und Weltanschauung müßten diese von der Allgemeinheit aufgebrachten Mittel verteilt werden. Nach Ausführungen der Abg. Frau Dr. Spohr( Dnat.) fordert Abg. Frau Dr. Lauer( 3.) Umgestaltung der Fürsorgeanstalten zu Erziehungsanstalten. Nicht erziehbare 3öglinge müßten auf Grund eines besonderen Reichsgesetzes im Interesse der anderen aus geschaltet werden können. Abg. Haese- Wiesbaden( Soz.). fragt, ob die Erwerbslosenfürsorge nicht endlich verbeffert werden soll. Der Gesezentwurf über die Erwerbslosenver. ficherung mit einer Erhöhung der Unterstützungen müsse endlich tommen. Die Mittel für die produktive Erwerbslosenfürsorge seien längst aufgebraucht. Es müßten weitere Mittel bereitgestellt werden. Besonders groß sei die Arbeitslosigkeit der Frauen. Gerade unter den weiblichen Erwerbslosen sei das Elend unbe. Schreiblich groß; ihre Betreuung sei energischer zu betreiben. An der Lahn müsse nicht nur der Teil zwifchen Limburg bis Oberlahn Stein, sondern auch der von Beglar bis Limburg fanalisiert werden, damit eine billigere Beförderung der Produtte ermöglicht werde. Abg. Kloft( 3.): Bei den Rotstandsmaßnahmen der Gemeinden müsse gestoppt werben, weil tein Geld mehr da sei. Deshalb müsse ein erheblich höherer Betrag in den Etat eingesetzt werden. Es müßten mindestens 200 millionen für Notstandsarbeiten zur Verfügung gestellt werden. Der Rebner äußert Bedenten gegen die Regelung der Erwerbslosenunterſtüßung nach hem Lohntlassensystem. Er hält das gegenwärtige Syftem für beffer. Nach Ausführungen des Abg. Sellheim Komm.) fordert Abg. Frou Kirschmann( Soz.) baß bie auszubauende vorbeugende Jugendpflege ein Gebiet des Wohlfahrtsministeriums bleibe und nicht etwa ber Bolizei übertragen werde. Der Reichsgesundheitswoche wünsche bie Sozialdemokratische Partei vollen Erfolg. Sie möchte aber miffen, mieniel staatliche Mittel und an welche Drganisationen fie gegeben wurden. Im übrigen müffe bie Befolei" als Experiment betrachtet werden, genau fo mie das Urteil über den Bert oder Unwert der Wohlfahrtslotterien noch nicht gefällt werden fönne. Die Rebnerin verlangt ein Berzeichnis aller feit 1924 ge jpielten Botterien und menbet fich gegen bevorzugte Behand fung von Botterien zugunsten der Städte. Zum Schluß wenbet fie fich gegen eine amtliche Aeußerung in der Rheinproving über die Buständigkeit der charitativen Berbände und ber Arbeiter wohlfahrtsorganisationen. Darin merde erflärt, der auffgein fet für die Zuständigkeit das Entscheidende. Das Koalitions. minifterium dürfe eine so einseitige Haltung nicht billigen. Abg. Frau Dönhoff( Dem.) feßt sich für das Bestehenbleiben des Wohlfahrtsministeriums ein, weil eine zentrale Stelle für die Wohl. fahrtspflege notwendig sei. Abg. Benscheid( Romm.) nennt die Erwerbslosenfürsorge eine Berhöhnung des Bolles.(!) Minister Hirffiefer führt bann etwa folgendes aus: Menn nach den Ursachen für die Steigerung der Zahl der Fürsorgezöglinge und der Ausgaben für bie Fürsorge gefragt wird, so sind diese Ursachen einmal in der mährend des Krieges vielfach notwendig erfolgten mangelhaften Erziehung, dann auch in der außerordentlich schlechten Arbeitsmarkt. Tage zu suchen, die die Abneigung gegen die Fürsorge etwas in den Hintergrund treten läßt. Hinzu kommt noch das Wohnungselenb. Wir hoffen aber, daß mit befferen Berhältnissen auch auf diesem Gebiete wieder eine Abnahme der Ziffern und Ausgaben eintritt. Was die Erwerbslosenfürsorge anbelangt, so ist in der Zahl der Unterftügungsempfänger eine Abnahme zu verzeichnen. Die Balfie auf diesem Gebiete erscheint immerhin, wenn sie auch nicht erheblich ist, doch als ein gutes Zeichen. Am 1. März d... zählten wir 1247 000 Erwerbsloje; am 1. April waren es nur noch 1188 000. Dies stellt ein mirtliches Seichen der Besse rung dar, noch dazu menn man bedenkt, daß auch die Zahl der Weselprotefte zurüdgegangen ist. Man kann daraus fchließen, daß viele Betriebe ihre Arbeit wieder aufnehmen fönnen. Die Entwidlung zum Befferen tann auf diesem Gebiete nicht fprunghaft sein. Die Abschaffung der Bedürftigfeits. Das Getränk der Millionen: KATHREINERS MALZKAFFEE der Gehalt mocht 6! Einzige alkalische Thermen Deutschlands gegen Zucker, Gallensteine, Magen-, Darm-, Leber-, Nieren-, Blasenleiden, Gicht und Katarrhe TBINK- UND BADEKUR Vielseitige Unterhaltungen, jegliche Art Sport Badeschriften durch die Verkehrsbureaus u. die Kurdirektion Bad Neuenahr( Rheinland) prüfung bet den Erwerbslofen fann bei den ungeheuren Anfor berungen an Staat und Reich zurzeit leider nicht erfolgen. Es merden aber auch höchstens 5 Proz. der Erwerbslosen von der Bedürftigkeitsprüfung betroffen. Die Fragen bezüglich der Beteiligung des preußischen Staates an der Düsseldorfer Ausstellung für Gesundheit, foziale Fürsorge und Leibesübungen beantworte ich dahin, daß der preußische Staat für die Gefolei" einen Zuschuß in Höhe von 60 000 m. gegeben hat. Selbstverständlich ist der gesamte Zuschuß nur an die amtlichen Stellen gegeben worden; den privaten murde bisher fein Zuschuß bewilligt. für die Zukunft bestrebt sein, mit der privaten Bohlfahrts. Der Minister betont dann, vor allem merde das Ministerium pflege so eng und innig wie möglich zusammenzuarbeiten, weil es davon überzeugt sei, daß durch die staatlichen Maßnahmen allein nichts Umfassendes erreicht werden kann. Um 6 Uhr vertagt sich das Haus auf Mittwoch 12 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen eine große Anzahl fleiner Vorlagen und, in Forisegung der zweiten Beratung des Ministeriums für Bolts wohlfahrt, die Besprechung des Abschnitts Wohnungs- und Siedlungswesen. wird Arbeitersport. Bezirkstag des 4. Bezirks. Am Sonnabend und Sonntag waren die Delegierten des 4. Bezirks vom Arbeiter- Turn- und Sportbund in Woltersdorf bei Ludenwalde zu einer wichtigen Tagung versammelt. Im Bordergrund stand die Neuorganisation der Bezirke sowie die damit Bordergrund stand die Neuorganisation der Bezirke sowie die damit zusammenhängende Spartenfrage. Nach dem vorliegenden Plan die Hauptleitung und Hauptarbeit in Zukunft Agitation für alle Sparten ihres Bereichs obliegt. Die Zahl der in den Sparten geregelt werden, während den Bezirten die Bezirke foll von vier auf drei herabgesetzt werden, um sie dem Fußballbetrieb anzupassen. Die Turnersparte beschloß am Sonnabend die Bildung von 5 Gruppen innerhalb des 4. Be zirts, wobei Fichte und die Freie Turnerschaft Groß- Berlin je eine Gruppe bilden, Zwischen Turnen und Leichtathletik sind mancherlei Differenzen entstanden, die sich durch den beiderseits betriebe nen Sportbetrieb erflären. Der Spartenbeitrag wurde auf 10 Pf. festgelegt, als Vorfigender Willi Konrad- Ludenwalde und als Raffierer Schulze Luckenwalde gewählt. Am Sonntag fand die gemeinsame Tagung aller Sparten des 4. Bezirks statt. Den ganzen Bormittag füllte die Beratung des neuen Kreisstatuts aus. Nachmittags gab Ronrad den Vorstandsbericht. Der 4. Bezirk hat 8500 Mitglieder, davon find 5200 Turner, 1200 Tur nerinnen, 1250 Fußballspieler, 300 Wassersportler. Die Arbeiter. turnzeitung" wird in 1802 Eremplaren bezogen, darunter in der Freien Turnerschaft Groß- Berlin 669, Fichte 625(!). Die Fichtebelegation protestierte gegen die Ausführungen des Genossen Shred Bielefeld, der nicht energisch genug die Interessen des Arbeitersports bei den Geldbewilligungen im Reichstag vertreten hätte. Nachdem Kosel Freie Turnerschaft Groß- Berlin darauf hingewiesen hatte, daß im Parlament nicht die Arbeiterparteien die Mehrheit haben und sie daher auf Kompromiffe mit den Bürgerlichen angewiesen sind, brachte Fichte einen Antrag ein, der von den Bundesmitgliedern verlangt, daß sie sich politisch und gewerf. fchaftlich organisieren fowie aus der Religionsgemeinschaft aus. treten. Dieser Antrag wurde angenommen. Die weiteren Berichte und Aussprachen ergaben ein gutes Bild der Entwicklung. Am 17. bnd 18. Juli findet ein Bezirtssportfest für alle Sparten in Luckenwalde statt. Zur Durchführung wird ein Bezirks. beitrag von 5 Bf. pro Mitglied erhoben. Rum Kreisiugend. treffen wurden 50 Mart bewilligt. Die Wahlen zum Bundestag finden in den Sparten statt. Beschlossen wurde eine Refolution gegen die erf[ portvereine, die auf dem Bundestag als befonderer Tagesordnungspuntt behandelt werden sollen. Einige Bahlen beendeten die Tagung. Unser Parteiblatt, die uden malber Boltsmacht, hatte zu Ehren des Bezirtstages eine besondere Arbeitersportbeilage ausgegeben, die den Delegierten überreicht wurde. ausgegeben, die den Delegierten überreicht wurde. Solidarität. Straßenrennen des Arbeiter- Radfahrerbundes Baut Beschluß des Bezirkssportausschuffes merben anlaßlich der Be girtsausfahrt nach Glienice am Sonntag, den 25. April, einige Rab rennen auf der Strede Wittenau- Hermsdorf- Birtenwerder ufm. ausgefahren. Die Straßenrennen sind offen für Schlauchreifen-, Drahtreifen- und Wulftreifenfahrer. Start früh 7 Uhr in Wittenau bei Eberhardt, Lebuser Straße 94/95, hinter Station Wittenau. Straßenbahnlinie 68. Der radsporttreibenden Arbeiterschaft wird hier Gelegenheit geboten, dem Start und der Rückkunft der Renn Touren- und Saalfahren, welche gewillt find, dem ARB. Solidari fahrer beizuwohnen. Für diejenigen Rennfahrer und Freunde von tät fich anzufchließen, ift benfalls dort die Möglichkeit geboten. Meldungen nehmen Friz Jefer. Simplonftr. 33, R. Meinert, Brüden straße 5b, und Erich Karras, Morigftr. 14/15, entgegen. Fußballresultate vom 18. April. betribenreiter Storbista reichlich hoch mit 0: 6 aegen Alemannia. Gisthal Der vergangene Sonntag war ber Tag der Ueberraschungen. Go valor gelang es, den Arbeiter- Sportverein 24 mit 2: 1 au schlagen. Der Arbeiter Turnverein Vantom unterlag gegen Wader 20 mit 1: 5. bler 08 Bonnte gegen Gifenfpalterei nur mit 3: 0 gewinnen. Amateure fertigte Briefelang mit 5: 2 ab. Sm Often hich die Barole: Wiederholungsspiel Bertha gegen Tas mania auf dem Stralauplak. Tasmania hatte Anstoß, tommt aber nicht weit. Schnell greift Sertha an, tann aber nur eine Ede erzielen, bie vom Torwart aut abgewehrt wird. In der 6. Minute verpakt bie Mitte Berthas eine sichere Gelegenheit. Weiter bleibt Sertha im Anariff. In der 11. Minute spielen fie fich gut burch, und unhaltbar errinat Halblinks bas erste Tor. Sekt lebt auch Tasmania auf. Gute Anfähe zur Rombination werden von ber Mitte verliebt. Bei Sertha Klappt es besser. In ber 20. Minute hat sich Salbrechts gut burch nefpielt und fendet aum zweiten Erfolge ein. Tasmania gibt sich aber noch nicht verloren, doch werben alle Sachen verfiebt. Wieder acht Bertha Bor, unb Nr. 3 fht im Rek. Rura vor der Baufe fest Lintsauken von Bertha 1 Meter Borm Tor eine Rerse barber hinweg. Nach Wiederanstoß geht Tasmania qut Dor, boch endet ber Ball im Aus. Den Abftok fängt Serthas Salbrechter auf. unb unhaltbar fikt der Ball zum vierten Male im Net. Mehr und mehr greift Tasmania an und verläkt fich Bertha auf Durchbritdhe. In der 52., Minute Lann Tasmania zum verdienten Tor einfenben. Eine Minute( päter ftellt des öfteren vor, doch wird vom Sturm au ungenau gefchoffen, Serthas Ber teidigung wird nun reichlich unsicher. Doch ber Sturm arbeitet sicher, und eraielen fie in regelmäßigen Abständen drei weitere Tote. Tasmania enttäuschte febr. Bon einer Spikenmannschaft hatte man mehr erwartet. Treptomer Ballspielflub batte auch gegen Ablershof ein Gild und mußte eine 2: 3 Rieberiage binnehmen. Sparta unterlag gegen Brandenbura 02 mit 0: 4. Ein unrühmliches Ende nahm das Treffen Lichtenberg III gegen Oberforee. Beim Stande 4: 0 mußte es abgebrochen werden. Einen Überlegenen Sieg errana Berein für Bewegungsspiele fiber Saboma mit 5: 1. Friedrichshagen Derlor gegen Johannisthaler Ballspielflub mit 3: 5. 3m Südwesten unterlag Wilmersdorf gegen Frisch- Auf- Budenwalde mit 0: 2. Rreuaberg gemann gegen Berolina mit 3: 1. Siniseiken von Sertha bas alte Berhältnis wieder her. Tasmania tommt jekt Parteinachrichten Cinfendungen für diese Stabrik find Berlis B. 68. Sinbenstraße 3, für Groß- Berlin fets en bas Bestrtsjefretariat 2. Sot, 2 Eres. rechts, au richten 5. Kreis Friedrichshain. Freitag, 28. April, 6% hr. Besirtsverfammlung im Rathaus, Stadtverordnetenlikungsfaal. Cintastarten ab 64 Uhr beim Genoffen Fischer, Eingang Spandauer Straße. Legitimation: Mitglieds buch. 20. Kreis Reinidendorf. Donnerstag, 22. April, 7 Uhr, im feinen Sikungsfaal des Rathauses in Bittenau. Sigung aller Elternbeiräte bes Rreises. Vortrag des Genoffen Richard Schröter. Erscheinen ist unbedingt er forberlich. Heute, Mittwoch, 21. April: 49. Abt. Schwerhörige. 7 Uhr im Jugendheim Sindenstr. 3, 2. Sof 3 Em Hints. Mitgliederversammlung. Borinag: Gozialdemokratie und Bolls entscheid". Referent: Erich Froenbel. Alle Mitglieber und Sampathi fierenben werben gebeten, au erfcheinen. 57. bt. Charlottenburg. L. Gruppe: 7% Uhr wichtige Funktiondrigung bef Rappainali, Rrumme Str. 47. Morgen, Donnerstag, 22. April: 32. 24 7 Uhr bei Aromphardt, Grüner Weg 49. BorBandsfkung. Gruppenleiter und Obleute ber verschiedenen Ausschüsse find ebenfalls ein geladen. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, 21. April: 78. Abt. Schöneberg. 8. Beairt: 8 Uhr bei Rönig, Bring- Georg Ede Feurig ftraße. Frauenabenb. Bortrag: Soziale Dichtung aller Seiten". Re ferent: Genoffe Löwenthal. Gäfte wiltommen. Frauenveranstaltungen am Donnerstag, 22. April: 7. Areis Charlottenburg. Kreisfrauenabend 7 Uhr bei Bogel Spreefir. 8. Bortrag: Ferdinand Laffalle". Referentin: Genoffin Schenbalowfti. Gäſte millkommen. 109. Abt. Friebrichshagen. 7% Uhr bei Otto, Rird- Ede Bilhelmstraße. Bortrag: Die Frauen und bie Schule". Referent: Genoffe Lude. 138, bt. Reinidenborf- Oft. 7% Uhr im Geebad. Refibenaftraße. Bortrag ..Sozialdemokratie und Boltsentfcheib. Referent: Wilhelm Ridster. Arbeiterwohlfahrt Charlottenburg. Donnerstag, 22. April, 7% Uhr, in Charlottenburger Rathaus, Berliner Str. 72/73, 8immer 2. Bortrag: Schuk aufficht und Vormundschaft Referentin: Dr. Sellinger. Die Ebertkarten und Wohlfahrtsmarken müssen unbedingt an diefem Abenb abgerechnet werden. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Gruppe Rehlendorf: Donnerstag, 22. April, nachmittags 4 Uhr pünktlich, in der Norbschule, Botsdamer Straße. Spielen der Rinder. Die Genoffen werden gebeten, ihre Rinder dorthin an Gruppe Brik: Heute, Mittwoch, 21. April, 7% Uhr, findet int faiden. fprechen unferen 1. Mai und unferen Elternfpaziergang am Sonntag. Sugendheim Rathaus, 2 Treppen, unfere Elternverfammlung ftatt. Bir be 25. April, nach der Rönigsbeide. Genoffen find beralicht eingeladen. Sozialistische Arbeiterjugend Gr.- Berlin Ronzertkarten des Jungen Chor" für Sonnabenb, 24. April, find in Gefre tariat zu haben. Eintritt 1. Die Photographien von dem Ofterkursus kind eingetroffen. Gleichfalls von bem Erwerbslofenturfus. " Heute, Mittwoch, 21. April, abends 7% Uhr: Webbing: Schule Antonstraße. Bortrag:„ Erfte Silfe bei Unglüldsfällen. Selmholzplak: Schule Eberswalder Str. 10. Bortrag: Die Frau im Er werbsleben früher und jekt". Baltenplak: Jugendheim Rigaer Str. 103. Vortrag: Unsere Stellung au Religion und Kirche". Often B.- B.: Jugendbeim Eberinftr. 12. Aussprache: Barum find wir Jugendlichen organisiert?" Barschauer Biertel: Jugendheim Tilfiter Str. 4. Aussprache: Behr vertrag". Süboft R.- B.: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Bortrag: Lebensreform". Wannsee: Schule Charlottenstraße. Ausfprache: Baru bin ich in der SAJ.?" Fallenberg: Sugendheim Am Faltenberg 117. Bor trag: Bolts- und Mobetana". Friedrichshagen: Jugendheim Scharnwebetftraße 105. Aussprache: Unfere Fahrten". Friebrichsfelbe: Jugendheim Berliner Ede Schloßstraße. Vortrag: Arbeiterjugend und Fürstenenteignung". Lichtenberg- Mitte: Sugendheim Doffeftr. 22, Rimmer 1. Mitgliederverfamm Tung. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Lichtenberg: Jugendheim Pestalozzi- Enaeum, Brina- Albert- Straße. Bortrag: ..Sexuelle Fragen" 2. Teil. Rez Werbebezirk Schöneberg: Schule Tempelhofer Weg. Beginn des Gymnaftil turfus 9 Uhr. Adung, Revueprobe und Brobe an Zollers Bandlung" um 18 Uhr im Ulap", Eingang t- Moabit. Treffpunkt 7 Uhr Billowbogen. Es lönnen noch neue Kräfte mitwirken. H Büro- Arbeit wird mühelos und angenehm durch Wrigley P. K.- Kau- Bonbons. Sie üben eine hervorragende Wirkung aus auf die geistige Sammlung und zur Beruhigung der Nerven, besonders wenn das gewohnte Rauchen nicht zulässig ist. Millionen Menschen in Arbeitsräumen aller Art erfreuen sich dauernd angenehmer Wirkung der Wrigley P. KKau- Bonbons, welche zur Reinigung und Erhaltung der Zähne von Aerzten und Zahnärzten vielfach empfohlen werden. Päckchen- 4Stück- 10 Pf. Ueberall erhältlich! F.G.4 WRIGLEY P.K KAU- BONBONS WRIGLEY P.K PFEFFERMEN KAUCONBONS WRIGLEY AKTIEN GESELLSCHAFT. FRANKFURT A.M Bad Neuenahr Wohnung im KURHOTEL Einziges Haus mit Bädern aus den Heilquellen Vorzügl. streng diätetische Küche genau nach Vorschrift d. Arztes a. in vielen anderen Hotels, Pensionen und Privathäusern. Für Hauskuren Versand des Neuenahrer Sprudels. Rein natürliche Füllung. Hiesige Sprudel- Niederlage: Dr. M. Lehmann, Yorckstr. 59. J. F. Heyl& Co., Chariottenstr. 66. Nr. 185+43. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Gefahren der Subventionspolitik. Das Reich als Sanierungsbureau. Die wirtschaftliche Betätigung von Reich, Land und Gemeinden ift im allgemeinen den Vertretern der Industrie, des Handels und des Bankwesens ein Dorn im Auge. Man erinnert sich noch der Untergangsprophezeiungen aus der Seit, in der, im Zusammenhang mit der Erfassung der Sachwerte, eine allgemeine Beteiligung des Reiches an den Großunternehmungen zur Debatte stand. Erst fürzlich wurde gemeldet, daß unter Führung des Zentralverbandes der Banten ein Ausschuß von Unternehmerverbänden eingesetzt worden sei zur Sammlung von Material über, oder richtiger, gegen die wirtschaftliche Betätigung öffentlicher Körperschaften, und es ist kaum notwendig, in diesem Zusammenhang noch besonders an das ständige Klagen über staatliche Einmischung in die allein seligmachende freie Wirtschaftsführung auf dem Gebiete der Sozialpolitik und der Lohnpolitik zu erinnern. Aber trotz aller Heftigkeit, mit der bei festlichen Gelegenheiten die Feindschaft gegen staatliche Wirtschaftsbetätigung zum Ausdruck gebracht wird, fann man diesen Kreisen des Unternehmertums feine starre Intransigenz vorwerfen. Sie können auch Ausnahmen von ihrem Prinzip machen, und sie haben im legten Jahre bewiesen, daß es ein Gebiet gibt, auf dem sie sehr tolerant gegen Eingriffe des Reiches zu sein vermögen. Man hat nämlich weder aus der Industrie, noch aus der Bantwelt einen Protest da gegen gehört, daß das Reich seit Beginn der gegenwärtigen Krise, also ungefähr seit Jahresfrist, eine erhebliche Tätigkeit als Sanierungsbureau in der deutschen Wirtschaft zu entfalten begonnen hat. Rehmen ist eben für das Unternehmertum feliger als geben! In der Sanierungstätigkeit des Reiches sind zwei Hauptgruppen praktisch zu unterscheiden. In einer ganzen Reihe von Fällen hat das Reich durch llebernahme von Garantien, die meist mit einer verbilligten Kreditgewährung durch öffentliche Banten fombiniert worden sind, einzelne Großunternehmungen vor der Betriebseinstellung oder dem Zusammenbruch bewahrt. Neben dieser ersten Gruppe der Einzelsanierungen stehen eine Reihe von anderen Fällen, die größtenteils noch in der Schwebe find, in denen man entweder auch mit dem Mittel der Garantie und der Kreditgewährung oder selbst mit dem Mittel direfter Subventionen nach der Abfazmenge ganzen Gewerbezweigen über die Krije hinweghelfen will. Es sei hier nur erinnert an die im Interesse der landwirtschaftlichen Breduzenten befürworteten Garantien für die Flachsverarbeitung und die Stärkeindustrie und an die Erörterung der Subvention für den Siegerländer Erzbergbau. In allen Fällen, in denen das Reich mit seiner Finanzkraft für notleidende Unternehmungen eingesprungen ist, geschah es mit Begründungen, in denen fich wirtschaftliche mit politischen Momenten ver. mischten. So ging denn auch die Befürwortung der Hilfsaktionen von ganz verschiedenen Reichsressorts aus. Neben dem Reichswirt schaftsministerium erscheint das Ernährungsministerium; selbst das Reichswehrminifterium hat nicht ganz gefehlt, und in einem Falle, der allerdings infolge des Widerspruchs im parlamentarischen Ausschuß in der Bersentung verschwunden ist, trat das Außenministe. rium als Befürworter der Kreditfubventionen auf. Staatliche Wirtschaftsführung oder neuer Merkantilismus? Wir, die wir im Gegensatz zu den Bertretern des Unternehmer. tums niemals das Glüd des freien Spiels der wirtschaftlichen Kräfte gepriesen haben, mir, die wir überzeugt sind, daß die wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Körperschaften fich in einer ständigen Ausdehnung befinden muß, haben feinen Anlaß, grundfäßlich Eingriffe öffentlicher Stellen zur Krisenmilderung oder Krisenüber mindung zu befämpfen. Wohl aber haben wir alle Beranlassung, Dieses System der Subventionen besonders dann, wenn es zugunsten einzelner Unternehmungen oder ihrer Bantgläubiger zur Anwen dung tommt, fritisch zu überwachen. Denn se wenig wir den Staat von wirtschaftlichen Funktionen ausschließen wollen, jo fehr müssen wir eine Bolitit ablehnen, die darauf hinausläuft, den Staat für Berluste einspringen zu laffen, ohne ihn an den Gewinnen der Unternehmungen zu beteiligen, oder eine Politik, die darauf hinausläuft, nicht lebensfähige oder schlecht geführte Unternehmungen oder Wirtschaftszweige fünftlich auf Roften der Allgemeinheit aufrechtzuerhalten. Eine Betätigung des Staates in irgendeiner Form innerhalb der hochkapitalistischen Wirtschaft muß ich grundsäglich unter. scheiden von den alten merkantilistischen Formen der Subventionspolitik, die in der Zeit des Anfanges der kapitaliſtiſchen Entwicklung, in der Zeit des beginnenden Ueberganges der europäischen Länder zur Industriewirtschaft, üblich war. In dieser frühen Periode betrachtete man jede Heranziehung einer neuen Induftrie als ein Glüd, und jede Erhaltung eines einmal in einem Lande bestehenden Gewerbes als eine Pflicht des Staates. Es wäre müßig, heute darüber zu diskutieren, in welchem Maße diese Auf faffung etwa im 18. Jahrhundert richtig oder falsch gewesen ist. Auf jeden Fall unterliegt es teinem Zweifel, daß staatliche WirtschaftsIndustriewirtschaft gemacht werden, von einer anderen Geistes eingriffe, die heute im Zustande der hochentwickelten tapitalistischen richtung beherrscht sein müssen. Die Staatseingriffe in der nach liberalen Epoche dürfen feinen Rückfall in die Ideen der vor liberalen Epoche bedeuten. Wir wissen heute, daß zur Entfaltung der höchsten produktiven Kräfte der Wirtschaft eine rationelle Berteilung des Arbeitsprogrammes innerhalb eines Landes und innerhalb der Länder der wirtschaftlichen Belt notwendig ist. Da aber die Entwidlung in der Vergangenheit und Gegenwart feineswegs immer direkt auf die günstigste Berteilung der Arbeits und wirtschaftlichen Revolutionen unserer Zeit die Lebensbedingungen stätten hingesteuert ist, da sich im Berlauf der ständigen technischen der einzelnen Gewerbe und Unternehmungen fortwährend verändern, so gehört es zum Prozeß der Rationalisierung, baß das Ueberhelte, das nicht mehr Lebensfähige, zugrunde geht, daß es ausgeschaltet wird aus dem Wirtschaftsprozeß, um eine Kräftevergeudung zu verhüten. Deshalb dürfen auch im Sanierungsprozeß öffentliche Mittel teinesfalls mit der Borstellung eingesetzt werden, daß die Erhaltung des Bestehenden an sich ein volkswirtschaftlicher Borteil sei. Nur dann, wenn die Gewißheit gegeben ist, daß eine Krisenerfcheinung auf ganz vorübergehenden Einflüssen beruht, und daß unter diesen Einflüffen eine Zerstörung von Werten droht, über deren wirtschaftliche Lebensfähig feit auf die Dauer fein Zweifel besteht, nur dann scheint uns ein Einspringen des Staates grundfählich gerechtfertigt. Aber auch wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, sollte die Hilfe aus öffentlichen Mitteln niemals bebingungslos ge währt werden. Wenn der Staat im Augenblick der Krise die Sa nierung übernimmt, so muß er, genau wie eine Privatbant im Sanierungsprozeß zu tun pflegt, fich bei dieser Gelegenheit den notwendigen Einfluß auf die fünftige Wirtschaftsführung sichern, und er muß dafür Sorge tragen, daß die Allgemeinheit, die heute einen Anteil an den Verlusten übernimmt, in 3utunft auch entsprechend an den Gewinnen partizipiert, die nach geglückter Sanierung erzielt werden können. Die Gefahr der, Beziehungen". Mittwoch, 21. April 1926 Parlamentarische Kontrolle. Die wesentlichste Grundlage der Subventionspolitik des Reiches bildet der§ 2 Abfaz b des Reichshaushaltsgejeges. Nach diesem Paragraph wird der Reichsminister der Finanzen ermächtigt, zur Befriedigung unabweisbarer durch die Nachwirtungen des Krieges hervorgerufener Bedürfnisse. mit Genehmigung des Ausschusses des Reichstags für den Reichshaushalt nötigenfalls Garantien zu übernehmen, sofern dadurch eine Ausgabe vermieden wird, der sich das Reich sonst nicht hätte entziehen tönnen." Es ist mun die Uebung eingerissen, die Nachwirtungen des Krieges sehr meitherzig auszulegen und die Bedingung der Bermeidung von Ausgaben des Reiches fehr leicht durch den Hinweis auf sonst entstehende Arbeitslosigkeit mit Unterstützungspflichten als erfüllt zu betrachten. Immerhin unterliegt die Uebernahme von Garantien der Kontrolle des Unterausschusses des Reichshaushaltsausschusses, und es find erfreu licherweise auch Fälle vorgekommen, in denen geplante Subventionen verlangen, daß der Reichstagsausschuß es mit seiner Ueberwachungsam Widerspruch in diesem Ausschuß gescheitert find. Man muß mohl aufgabe auf diesem Gebiete sehr ernst nimmt. Man muß in diesem Zusammenhang auch darauf hinweisen, daß die Garantie auf Grund des zitierten Paragraphen ja meistens nur ein Instrument ist, auf Grund dessen dann in der Regel unter Einschaltung öffentlicher Bantinstitute( Reichskredit- 2.- G. eder Preußische Seehandlung) indirekt aus Reichsmitteln effettive Kredite gewährt werden. Diese Kredite werden nun, sei es unter Erlaß von Zinsen, sei es zu Binsbedingungen, die wesentlich unter den normalen Sägen liegen, eingeräumt. Auf dem Wege der 3insverbilligung wird Geftalt von nicht eingehenden Zinsen erscheint aber in der Hausdie Garantie zur unmittelbaren Subvention. Diese Subvention in haltsrechnung des Reiches nirgends als Ausgabe. Sie ist lediglich ein Berzicht auf eine mögliche Einnahme des Reiches oder einer Reichsunternehmung, und dieser mögliche Einnahmeaus fall entzieht sich der Kontrolle des Etats. Dieser Zustand ist höchst unerfreulich, und man muß die Forderung aufstellen, daß das Reid zum mindesten öffentlich Rechnung darüber a blegt, welche Summen in diesen Subventionsformen Unternehmungen oder Ge werbegruppen zugewiesen worden sind. Je schärfer man die Deffentlichkeit dieser Borgänge faßt, je mehr man die Einzelheiten der öffentlichen Kritit zugänglich macht, desto größer find die Aussichten, zu vermeiden, daß voltswirtschaftlich begründete Subventionen praktisch zur Begünstigung einzelner Interessenten( insbesondere der Großbanfen!) werden. Soweit die Subvention nicht in der Kreditform, sondern als direkte Zuwendung ermogen wird, ist es selbstverständlich, daß die dafür erforderlichen Mittel in einem Nachtragsetat angefordert merden müßten, und daß ihre Verwendung fomit im Einzelfall der parlamentarischen Kritik und Entscheidung zu überlassen wäre. Busammenfassend möchten wir sagen, daß es uns, auch wenn mir die Politik der Subventionen nicht grundsäglich bekämpfen, Pflicht zu sein scheint, gegenüber einem drohenden Ueberhandnehmen dieser wirtschaftspolitischen Form zu bremsen, und daß die parlamentarischen Ueberwachungsrechte gerade auf diesem Gebiete ausgeübt werden müssen mit einer gehörigen Dosis der demotratischen Zugend des Mißtrauens. Friz Naphtali. Günstiger Abschluß der„ Preußag". Die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Betriebe. Die unter dem Namen Breußag betannte Breußische Bergwerts. und Hütten Attiengesellschaft, eine ftaatliche, faufmännisch" organisierte Betriebsgesellschaft, an die das Land Preußen den Großteil seines Besizes an Bergwerfen, Gruben, Salinen, Hütten usw. verpachtet hat, gibt jetzt den Jahresabschluß für 1925 befannt. Während die privaten Unternehmungen der Schwerindustrie, mit deren Großfonzernen die Breußag ohne weiteres zu vergleichen ist, im abgelaufenen Birt fdjaftsjahr über schlechten Geschäftsgang und ungünstige Ertrags. verhältnisse flagen und zumeist teine Dividende zur Berteilung Aber selbst wenn im Einzelfall diese Borausfegungen für die Gubventionspolitik erfüllt wären wir wellen es im Augenblic ununtersucht laffen, wieviel oder wie wenig dies bei den Subven tionen des letzten Jahres der Fall gewesen ist. selbst dann bleibt ein sehr schweres Bedenten gegen dieses System der Einzeljubvention und seine Fortführung bestehen. Dieses Bedenten flegt in der Rich tung der Auswahl derjenigen notleidenden Unternehmungen oder Gewerbezweige, die der Hilfe der öffentlichen Hand teilhaftig werden. Es besteht die ernste Gefahr, daß es dem Regierungsapparat felbft bei bestem Willen nicht immer möglich sein wird, die richtige Auslese zu treffen. Die Aussicht, an das Reichs. fanierungsbureau heranzukommen, wird allzu leicht abhängig fein von dem Grad der Beziehungen des Unternehmers oder seiner Bant. Besonders wenn die Entscheidung in derartigen Fällen nicht bei einer ftreng fachlich urteilenden Instanz tonzentriert ist, sondern wenn der Weg zur Kaffe des Reiches über viele ministerien führen tann, ist die Gefahr einer Günstlingsbringen, fann die Preußag auf einen durchaus zufriedenwirtschaft, wenn nicht einer Rorruption, nicht gering zu veranschlagen. Gerade die Barteien, deren Einstellung zu den Subventionen nicht eine grundsäglich aus liberaler Wirtschaftsauffassung ablehnende ist, haben deshalb die besondere Pflicht fergfältigfter Ueberwachung dieser neuen Form der deutschen Wirtschaftspolitik. ftellenden Ertrag zurückblicken. Der Betriebsreingewinn beträgt 17,60 mill. M.; hierzu treten noch 2,09 Mill. M. Gewinn aus Beteiligungen und 1,55 mill. M. aus dem Gewinnvortrag des Borjahres. Aus dem sich sonach ergebenden Reingewinn vou 21,23 Mill. M. werden, wie von uns bereits berichtet wurde, Verkauf bon RM 50000000.- 6% zinfigen Schazanweisungen der Deutschen Reichspost und RM 10000000.- 6% zinsigen Schahanweisungen des Freistaates Preußen Bedingungen. Von einer Gesamtemission von RM 70 000 000.- 6% zinfigen Schazanweisungen der Deutschen Reichspost und RM 30 000 000.- 6½zinfigen Schabanweisungen des Freistaates Preußen, die werbenden Anlagen dienen sollen, gelangen durch die unterzeichneten Banffirmen RM 50 000 000.- 6%, zinfige Schahzanweisungen der Deutschen Reichspost RM 10 000 000.6%, 3insige Schahanweisungen des Freiftaates Preußen 3m freihändigen Berkauf. rüdzahlbar zum Nennwert am 1. Oftover 1930 Die Deutsche Reichspoft ist nach dem Reichspostfinanzgefes vom 18 März 1924( Reichsgefetblatt Tell I, Seite 287) eine Reichsanstalt. Ihr Sondervermögen, das faft unbelastet ist und rund 2 Milliarden RM beträgt, ist ein Teil des Vermögens des Reichs, der von dem übrigen Reichsvermögen getrennt berwaltet wird. Dieses Sondervermögen haftet für die obige Schuld, es haftet nicht für die sonstigen Verbindlichkeiten des Reichs. Die Bestimmungen internationaler Verträge bleiben unberührt. Die Schapanweisungen werden in Stücken von RM 500, 1000, 5000, 10 000 ausgefertigt. Die Zinsen für die Zeit vom 1. April bis Ende September 1926 werden am 1. Oftober 1926, die weiteren Binfen werden fährlich am 1. Oktober für die Zeit vom 1. Oktober des vorhergehenben bis Ende September des laufenden Jahres fällig. Der Berkaufskurs beträgt 98% Raufanmeldungen werden in der Zeit vom 21. bis 28. April d. J. bei den im Anhang zu diesem Profepekt genannten Banken, Banffirmen und deren Zweigniederlaffungen während der üblichen Geschäftsstunden entgegengenommen. Den Käufern steht es frei, in ihrem Antrag den Wunsch zu äußern, daß ihnen im Falle der Ueberzeichnung der von ihnen gewünschten Gattung, soweit dieses möglich ist, Stúde der anderen Gattung geliefert werden. Vorzeitiger Schluß des Berkaufes bleibt vorbehalten. Die Buteilung der Stúde auf Grund der Anmeldungen erfolgt baldmöglichst nach Ablauf der Anmeldefrist und bleibt dem Ermeffen der Verkaufsstelle überlassen. Anmeldungen auf Stüde mit 6 monatiger Sperrberpflichtung werden bei der Buteilung vorzugsweise berücksichtigt werden. Die Bezahlung der zugeteilten Stüde hat in der Zeit vom 4. bis 8. Mai d. J. bei derjenigen Stelle, welche die Anmeldung entgegengenommen hat, zu erfolgen. Die Käufer erhalten zunächst Kaffenquittungen, gegen deren Rüdgabe später die Ausgabe der endgültigen Stüde erfolgt. Anmeldungen auf bestimmte Abschnitte fönnen nur insoweit berücksichtigt werden, als dies mit den Intereffen der anderen Zeichner verträglich erscheint. Die Einführung der Schahanweisungen an den deutschen Hauptbörsenplägen wird alsbald nach Erscheinen der endgültigen Stüde veranlaßt werben. Beide Anleihen find als verbriefte Schuldverbindlichkeiten des Reichs bzw. Preußens gemäß $ 1807 8.G.B. mündelsicher. Die 6% sinsigen Schahanweisungen der Deutschen Reichspost fönnen im Lombardverkehr der Reichsbant gemäß§ 21 Ziffer 3 des Bankgeseges vom 30. Auguft 1924 beliehen werden und find auch im Die Lombardverkehr bei der Preußischen Staatsbant( Seebandlung) als Dedung zugelassen. 6ginfiger Schahanweisungen des Freistaates Preußen werden auf Verlangen von der Preußischen Staatsbont belieben. Je RM 20 Millionen von den Gesamtemissionen find mit 6 monatiger Sperrverpflichtung bereits feft begeben. zuzüglich Stüdzinsen vom 1. April b. F. bis zum Zahlungstage unter Abzug ber Kapitalertragsteuer. Die Börsenumsatzsteuer geht zu Basten des Käufers. Im April 1926. Berlin, Breslau, Dresden, Effen, Frankfurt a. M., Hamburg, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Mannheim, München. Berliner Handels- Gesellschaft. S. Bleichröder. Commerz- und Privatbank Affiengesellschaft. Reichsbant. Preußische Staatsbant( Seehandlung). Delbrüd Schidler& Co. Deutsche Bant. Deutsche Girozentrale Deutsche Kommunalbant. Darmstädter und Nationalbant Kommanditgesellschaft auf Affien. Direction der Disconto- Gesellschaft. Dresdner Bank. 3. Dreyfus& Co. Hardy& Co. G. m. b. H. Deutsche Landesbankenzentrale 2. G. Mendelssohn& Co. Mitteldeutsche Creditbant. Preußische Zentralgenoffenfchaftstaffe. F. W. Krause& Co., Banfgeschäft, Kommanditgesellschaft auf Attien. Gebr. Arnhold. Sächsische Staatsbant. Simon Hirichland. E. Heimann. Lincoln Menny Oppenheimer. Reichs- Kredit- Gesellschaft Aktiengesell chaft, C. Behrens& Söhne. Jacob S. H. Stern. Norddeutsche Bant in Hamburg. Vereinsbant in Hamburg. M. M. Warburg& Co. Lazard Speyer- Elliffen. Allgemeine Deutsche Credit- Anstalt. Straus& Co. U. Levy. A. Schaaffhausen'scher Bankverein A.-G. Sal. Oppenheim jr.& Cie. Bayerische Hypotheken- und Wechselbant. Bayerische Staatsbant. Bayerische Vereinsbant. Rheinische Creditbank. Süddeutsche Disconto- Gesellschaft A.-G. Außer den obengenannten Banken und deren Zweiganstalten nimmt Anmeldungen entgegen in Berlin: Kur- und Neumärkische Ritterschaftliche Darlehnskaffe. S MIL M. ant ben preußischen Staat abgeführt, 3 min. m. für denselben zurückgestellt und 1,61 Mill M. auf neue Rechnung vor. getragen; der Reft verteilt sich auf Abschreibungen, Rüdftellungen, Steuern usm. Bei der Beurteilung diefer Ertragsziffern ist in erster Linie zu berüdstichtigen, daß umfangreiche Betriebserweiterungen( Mus und Neubauten) stattgefunden haben und daß die PreußagBetriebe, trop vielfach sehr ungünstiger natürlicher Bedingungen ( so im oberschlesischen Kohlenbergbau), bie Berpflichtung haben, in technischer und auch in sozialer Beziehung als Muft er betriebe" zu gelten. In der Form der Berichterstattung über die Arbeit des Jahres 1925 zum mindeſten ist diese Pflicht, Mustergültiges zu bieten, tat fächlich erfüllt. Der Leser erhält höchst umfangreiche detaillierte An. gaben über den Betriebsgang und die Betriebsergebnisse, Erfaz der Rationalisierungsmaßnahmen, sowie endlih über Lohnhöhe, Lohnsteigerungen und Soziallaften. Die Gesamtbelegschaft der Breußag umfaßt 31011 Köpfe, moon 28 850( 93 Broz.) Arbeiter, 1360 Angestellte und 801 beurlaubte Staatsbeamte. Die Gesamtsumme der Löhne und Gehälter beirug rund 49,6 mill. M. bei einem Gesamtumfaß von 101,7 min. m.( gegen 68,2 mil. M. i. 2.). Die sozialpolitische Gesamtbelaftung einschließlich der von den Belegschaftsmitgliedern zu zahlenden Beiträge in Höhe von 4,63 mi. M., stellt sich auf 12,81 mill. m., b. i. 25,8 Proz. des Lohn- und Gehaltsbetrags, ( ober, wenn man die 4,63 Mill M. die durch Lohnabzüge ein fommen, abzieht, auf 16,6 Broz.) mobei allerdings zu berüdfichtigen ist, daß die Breußag durch Ausgaben für Benfionen, artegeldern, Unterstügungen, Deputaten usw., Wohlfahrts. und Bildungszwede meit stärter als irgendein privates Unternehmen belastet ist. Gegenüber dem 2ohnstand pom Dezember 1924 ergibt fid), nach den Zahlen für Dezember 1925, eine durchschnittliche Steigerung pon 23,7 Broz. Dabei läßt sich aber feststellen, daß durch erfolgreiche Rationalifierung in fast allen Fällen die Arbeitsleistung je Kopf min destens in einem der Lohnsteigerung entsprechendem Maße er. höht werben fonnte. Im oberschlesischen Kohlenbergbau, mo Die Lohnsteigerung im Jahresdurchschnitt 12 bzw. 12,2 Proz. betrug, Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Lessing- Tb. Opernhaus 6% Die Meister singer Opernhaus am Königsplatz 7%, Uhr: Tiefland Schauspielhaus 8 U. Herodes und Mariamue Schiller Theater 8 Uhr: Gastspield Saltenburgs Bühnen D. fröhliche Weinberg 8: Kyritz Pyritz Kleines Th. 8 Städtische Oper Heute& Uhr: Charlottenburg 74 Uhr: Pique- Dame Abonn- Turnus il Reiner Tisch Lustspiel von Lonsdale Großes Sehauspielhaus Far Beutsches Theater Dich Norden 10334-38 8 Uhr: VUS CHARELL- REV Unsere Kinder TAGLICH 800 Volksbühne Theater am Bülowplatz Th. am Schiffbagerdamm 8 Uhr: 8 Uhr: Sturmflut Marlborough Morgen 7 Uhr: Faust Morgen& Uhr: Marlborough Komische Oper 84 Direktion James Klein 84 Die Neue Revue Berlin ohne Hemd Revue der Zukunft in 16 Bild. Preise 1-7,50. Lagan cad Klahsessel 10, Tageskasse ununterbrochen ab 10 Uhr geöffnet Rose- Theater Casino- Theater 3 U.: Der Traum vom Glück Theat. d. Westens Uhr: Täglich& Uhr Nar bis 30. April Eine Nacht Fahrstuh! u. das bunte Pro r Ab Sonnabd, 1 Maj Prinzessin Hasch. Recht auf Arbelt Ab morgen 8 Uhr: Kammerspiele Residenz- Thear Gräfin Mariza 8 Uhr: 50 Norden 10334-38 Platonische Liebe Pro Pl. bis 6M 398 Uhr: 8 Uhr: finden im Vorwärts Thalia- Theater tellenangebote Die Nackten kleiden. Kavalier Jack Die Komödie T.Kommandantenstr. 84 Uhr: Bismarck 2414, 7516 Kabarett d.Komiker 8 Uhr Viktoria Th. a. Hollendoripi. Tägl. 8 Uhr: Robitschek/ Morgan Deutsches MetropolVarieté Das Kabarett d. Funktreunde mit dem großen April- Progr. Die billigen Konsumpr. beste Beachtung Eintr: 0,50 bis 3 M. WINTERGARTEN Künstl.- Theater Preisabbau auf allen Plätzen! Heute 8 Uhr Eintritt. Ein Walzertraum Lose und Terrasse Th.a. Kurfürstendamm 8 Uhr: M: Speisekarte verbilligt! Kein Weinzwang! 0,75 Der alte Dessauer Mieze u.Maria Saisonschluß 80. April 1926 Operette in 3 Akten Charle Vespermann Lustspielhaus Falk, Kiper, Godau, Geschlossen! Straaten. Hainisch Ab 24.4 Gastspiel des Herrnfeld- Th. Zum 1. Male: SCALA König Tutankhamen 8 Uhr Sprung- and Tauch- Sensation mit WasserOwen u. Girls 10 und Ein 3 001. Traum v. Ant. Herrnie d Wallner- Theater 8 Uhr Kolportage Central. Theater 8 10 Uhr: Eva Bonheur Attraktionen Ilka Grüning Berliner Theater Rauchen gestattet! Elite- Sänger Täglich Kottbusser Str.6 8 Uhr Der neue Schlager 3 Uhr ..Wenn Frauen streiken" und der große Solotell. Reichshallen- Theater Abends 8 Uhr und Sonntags nachmittags 3 Uhr Stettiner Sänger Parket 1 M., Logen 2 M Nachm. balbe Preise. Velles Abendprogr Tageskasse 11-2 Uhr. Dönhoff- Brettl Trianon Theater Messalinette Varietet Konzert!- Tanz 8 U: Ein naektes Mädel Lustsp. v. Birabeau 8116 Uhr An ang 8 Uhr. Sonntags 51%, Uhr ift 3. B. eine Leistungssteigerung der Gesamtbelegschaft| dann weiter: Das Geschäftsjahr 1925 brachte auch auf diesem Ge um 19,7 bzw. 22,25 Broz.( für Hauer: 29,1 und 29,2, für biet eine starte Verminderung des Umfages, der be Untertagearbeiten: 18,2 bam. 17,3 Broz.) eingetreten und daß greiflich ist angesichts der Tatsache, daß dieses Jahr für die Marga treg der durch die Lagerungsverhältnisse erschwerten Abbaumög. rineindustrie ein Jahr des Verschwindens einer ganzen Reihe von lichkeiten!- In Gleiwig( Eisengießerei und Maschinenfabril) Inflationsunternehmungen war. Der Del tu chen martt bes Inmurde, bei nur unerheblicher Bermehrung der Belegschaft, die landes litt unter den befannten Geldschwierigkeiten der LandwirtProbuftion im Lauf des Jahres von 210 Tonnen( Januar) fchaft, und in der Ausfuhr an Delfuchen war der Absah verhältnisauf 448 Tonnen( Dezember) gesteigert. Im Ibbenbürener mäßig gering, da im Hauptausfuhrgebiet, in den nordischen LänBergbaubezirk stieg die Förderleistung je Mann und Schicht der dern, ein großes Ueberangebot vorhanden war. Wenn die GesellGesamtbelegschaft von 601 auf 706 Kilogramm, im Rüdersdorfer fchaft in Uebereinstimmung mit zahlreichen anderen Fabrikationsgewerben die mißliche Lage glaubt durch Forderung erhöhten Ralfbergbau von 9,85 Rubifmetern auf 10,72( Jahresdurchschnitt). Schuzzolls beseitigen zu können, fo muß demgegenüber darauf hingewiesen werden, daß diefer erhöhte Schußzoll nur höhere Preise für die Margarine selbst bringen fann und damit zu einem verringerten Konsum an Margarine führen muß. Biel richtiger ist der zweite Weg, den die Gesellschaft eingeschlagen hat, nämlich der, fich von allen Beteiligungen und Betrieben zu be. Freien, die ihr wesens fremd find. Sie hat ja schon die guma- Nahrungsmittelabteilung abgestoßen und hat den Weberei betrieb erheblich eingeschränkt. Im laufenden Geschäftsjahr ist nach Mitteilung der Verwaltung eine Besserung der Geschäftslage festzustellen. Es sind Aufträge vorhanden, die den Berfen bis in den September Beschäftigung sichern. Die Preise sind allerdings sehr gebrüdt; doch ist das Unternehmen in der Lage, sehr billig zu faltulieren, ba aus dem Lohnverarbeitungsgeschäft für den übrigen Betrieb sehr zahlreiche Zuschüsse geleistet merden können. Die Bilanz schließt bei einem Aftienfapital von 14 Millionen Mart mit einem Reingewinn von 678 737 M., aus dem eine pierpro. zentige Dividende zur Berteilung gelangt. Produktion und Absag in fast allen Zweigen des umfangreichen Tätigkeitsgebietes der Preußag( neben Steinfohlen bergbau mit Koferei und Brifettfabritation find zu nennen: Gieße reien, Blei-, 3int, Kupfer, Silber- und Goldproduktion, Eisenerz und Braunfohlengruben, Salz, Rali, Kalt, Bernstein- Produktion und Berarbeitung und Betrieb landwirtschaftlicher Güter!) zeigen höhere 3ahlen als im Vorjahr. Besonders erwähnenswert und bebeutsam für die Leistungsfähigkeit eines gemeinwirt fchaftlichen Unternehmens auf dem Gebiete des 2bfages scheint uns die Tatsache, daß die Berluste durch faule Schuldner insgesamt noch nicht ½ pro Mille( also 0,03 Broz.!) des Gesamt umfazer erreichen. Bas gerabe den öffentlichen" Unternehmungen von der Brivatwirtschaft gewöhnlich abgesprochen wird, nämlich die fauf männische Voraussicht und Vorsicht, finden wir hier bei der Breußag, die in völlig freter Konturrenz mit Privatfirmen um der Breußag, ble in völlig freter Konturrenz mit Privatfirmen um den Abfag fämpfen muß, in einem Maße, wie wohl bei teiner privaten Unternehmung vorhanden. Zur Lage in der Margarineindustrie. Die Bereinigte Har burger Delfabrif 2.-G., beren Aftienmehrheit sich in den Händen bes befannten holländischen Margarinefonzerns van den Bergh befindet, stellt in der Hauptfache Dele für die Margarinefabrikation her. Ihr Haupttätigkeitsgebiet besteht barin, daß ihr von dem Konzern Delfaaten und Delfrüchte geliefert werden, aus denen fie gegen Lohn das Del herauspreßt. Daneben arbeitet sie noch für eigene Rechnung, d. h. fie fauft Delfaaten ein und verarbeitet diese KAFFEE HAG Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken Deutsche Hypothekenbank in Meiningen, Frankfurter Pfandbrief- Bank Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M., III Leipziger Hypothekenbank in Leipzig, TV Mecklenburgische Hypotheken- und Wechselbank in Schwerin, V Norddeutsche Grund- Credit- Bank in Weimar, VI Preußische Boden- Credit- Action- Bank in Berlin, VII Schlesische Boden- Credit- Actien- Bank in Breslau, VIII Westdeutsche Bodenkredtianstalt in Köln. In den heutigen Generalversammlungen wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 1925 eine Dividende von 8% zu verteilen, deren Auszahlung gegen Rückgabe der mit dem Firmenstempel oder dem Namen des Einreichenden zu versehenden Dividendenscheine vom 21. April ab, unter Abzug der 10% igen Kapitalertragssteuer, an den Kassen der Gemeinschaftsbanken statt findet. Die Dividendenscheine auten, soweit sie zu ehemaligen Papiermark- Aktien gehören, im Text auf das Geschäftsjahr 1925; soweit sie zu neuen Reichsmark- Aktien gehören, tragen sie bei I die Nr. 19. bei II die Nr. 38, bei III die Nr. 3, bei IV die Nr. 2, bel V die Nr. 56, bei VI die Nr. 53, bei VII die Nr 3 und bei VIII die Nr. 32. Wir machen bel dieser Gelegenheit darauf aufmerksam, daß jeder Aktionär, der die entsprechende Anzahl von Aktien über RM. 20, RM. 60 oder RM. 120 bei einer Gemeinschaftsbank einreicht, verlangen kann, daß ihm diese Aktien gegen Stücke zu RM. 100 oder- soweit verfüglich einem Mehrfachen von 100 im gleichen Gesamtnennbetrage umgetauscht werden; Spitzenausgleich bereitwi ligst. Meiningen, Frankfurt a. M., Leipzig, Schwerin, Weimar, Berlin, Breslau, Köln, den 19. April 1925. „ URANIA" 19. bis 25. April, 5 und 7 Uhr Filmvortrag Obering. Dreyer, Hannover Polarfahrt mit dem Lloyddampfer München" nach Norwegen Island Spitzbergen Der Film gewaltiger polarer Romantik. Interessante Trickund Zeichenfilme. Mitternachtssonne. Gletscherbewegung. Golfsiromdriften. Film der Döring- Film- Werke Hannover. Vorverkauf: Urania- Kasse Theaterkasse Wertheim Näheres siehe auch Plakate. El Circus Busch Berlins billigste Sonnt auch 3 Uhr der gefunden,& Stein unt Steinen Rennen zu Strausberg Volkskunst- und Unterhaltungsstätte Hierauf: Brandstifter Vorzeig dies zahlt Barnowsky- Bühnen Theater des Kassenpreises! Königgrätz.Str. TaHasenheid.2110 8 Uhr: 50 Proz. Neues Th. am Zoo Mittwoch, den 21. April nachmittags 3 Uhr Fahrplan der Extrazüge: Große Darbietungen! Kleinste Preise! 50 P. 1.- 1.50 2.- 2.50 3.- bis 4. fir Galerie 8Uhr Heute 8 Uhr Mrs. Cheneys Ende Charlottenburg... ab 12 13 1 Heine Bons! Zum 100. Male! Guido Zoolog. Garten...... Komödienhaus Friedrichstraße.... Tel.: Norden 6304 Alexanderplatz 8 Uhr: Berlin, Schles. Bhf. 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Uebungen im Sommer 26: Vorlesungen Geschichte der Weltpolitik Dr. Richmond Lennox You 1870 bis 1919 Staatu. Gesellschaft d. roma- Dr. Peter R. Rohden nischen Völker seit 1870 Psychologie der Politik Die geistigen Grundlagen der französischen Politik Deutscher Metallarbeiter- Verband Kolonialpolitik Die Branchenversammlung der Bau- u. Geldjchrantfchloffer finbet nicht am Mittwoch, fondern am Donnerstag, den 22. April, nachm. 5%, Uhr, im großen Saal der Sophioufäle". Sophieafte. 17/18, ftatt Donnerstag, den 22. April, abends 7 Uhr, imSigungsfaalbes Berbaubsbaules, Linienstraße 83/85: Branchenversammlung der Bauanschläger. Donnerstag, den 22. April, nachmittags 5 hr, im Garde- Safino", Sophienste. 34: Branchenversammlung aller in der chirurgischen Branche bejchäft. Kolleginnen u. Kollegen. Donnerstag, ben 22. April, abends 7 Uhr, bei Bollschläger, Adalberiste. 21: Branchenversammlung der Drahtarbeiter. Donnerstag, den 22. April, abends 7 Uhr, im Swinemünder Gefellfchaftshaus, Swinemünder Str. 41: Branchenversammlung der Eisenformer u. Berufsgenoffen. Tagesordnung in allen Beriammlungen: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl ber Branchentommiffion. 3. Berbands und Branchenangelegenheiten. Ohne Mitgliedsbuch ein Zutritt. Die Ortsverwaltung. Jed.Laiek.sof.ohn.Vorkenntn.ohn Risiko Geld durch mit wenig Linksol- Gas Wanzen Motten, Fliegen, Flöhe, Lause usw. samt Brut in 8 Std. totsich. restlos beseitigt, selbst dort, wo alie and. Mittel versagt, Kein Risiko-, Geld- od. Zeltverlust Warne dringend vor zu eichten u minderwert. Nachahmung. Hervorrag Dankschr. In Droger. erhä Grundlagen der Geopolitik ( mit Lichtbildern) Einführung in das Recht Grundzüge d. Verwaltungsrechtes Dr. W. Haas Privatdoz. Dr. B. Groethuysen Gouverneur z. D. Dr Schnee, M. d. R. Dr. Adolf Grabowsky Professor Dr. Kaskel Ministerialdirektor Dr. C. Falck Vergleich. Verfassungskund. Dr. Theod. Heuss, M.d.. Deutschld. u. d. Völkerbund Professor Dr. Bilfinger Das Problem d. Anleihedckg. Geheimrat Professor L. Deutschland u. 1. Ausland Dr. H Dietzel Wirtschaftspolitik Privatdoz. Dr. M. Palyi Organisation u. Technik des Dr. E. Dovitat deutschen Zeitungswesens Uebungen in der politischen Debatte, über englische Politik seit 1919, über die politischen Gegenwartsprobleme Frankreichs, über Geopolitik, über politische Psychologie. Vorlesungsverzeichnisse, Auskünfte, Anmeldungen: Sekretariat Berlin W. 56, Schinkelplatz 6 OPEL Nur wochent Vorführg Fahrräder Die Weltmarke MR. Teilzahl Kostenlos SHERLOCK- GES.m.b.H OPEL- NIEDER LAGE Alexanderstr. 279 Tel. Königst. 9610-12 Kurbeginn: 12. April bis Oktober. Bei Gicht, Ischias, kneumatismus, Frauen leiden seit üb.50 Jahr.hervorragend bewährt Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg Bez. Halle a. Saale Bahn Berlin- Wittenberg- Ellenburg- Leipzig Herrliche Waldgegend, großes Kurhaus mit Versammlungsräumen für Kongresse usw. F. Links, Leipzig, Humboldstraße 16. 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Mit schmetterndem Lachen hielt in Edston der Frühling seinen Einzug. Kam mit dem strahlenden Sefunkel, der Wärm« und dem knospentreibenden Strom der Sonnen lieber Berg und Tal breitete sich ausgespannt de? blaue Himmel. Und die Berge sind so hoch, daß der Qualm der Fabriken nicht bi» zu ihnen gelangt. «- -Lch arbeite in der Hufeisenfabrik. Wurde in den Schweiß- räum abkommandiert. Hier herrscht eine unerträglich« Hitze, und es wurde mir immer wieder schwindelig. Aber man muß eben schuften. Bekommt jetzt so schwer Arbeit. Ich schweißt« mit aller Ärast das Eisen. Dom Rücken floß mir der Schweiß, und auch von der Stirn. Zugluft strömte herein, und ich kann jetzt kaum die schultern bewegen." So sprach mein Arbeitsgefährte. Er war blaß. Bracht« nur schwer die Wort« hervor. Keucht«. »Freilich, es war da tüchtig eingeheizt. Bier Rächt« konnte ich überhaupt nicht schlafen. Fühlte nichts anderes als meinen schwer- zenden Rücken." Das ist die Hufeisenfabrik. * Und die Webereien? Auch die sind nicht bester. Augenblicklich wlrd in ihnen nur an vier Togen gearbeitet. Die Fabrikanten sind jetzt zu einer anderen Methode übergegangen, sie bauen nicht an einem Ort«ine ungeheure Fabrik, sondern in verschiedenen klei- ncren Städten kleiner« Betrieb«. Die Eastoner Spinnerei hat auch in Rorthemptown und in anderen umliegenden Ortschaften Fabriken. Diese sind nicht groß. Haben zweihundert bi» dreihundert Arbeiter. In jede der Fabriken wird ein.Super"(Letter) gesteckt, und dieser.erledigt" alle». Mit den vielen kleinen Fabriken wird das Ziel verfolgt, dl« Löhne nach Belieben drücken zu können:«in Streik in Eoston wird durch die Arbeiter in Southemptown niedergebrochen und umgekehrt. Die einzelnen Arbeiter bedienen vier Webstühle. .Es ist schon ein« schwere Arbeit. Es gibt immer wieder etwas auszubessern. Man muß unablässig von einem Webstuhl zum anderen rasen. Das Schiffchen springt heraus. Verletzt einen sehr leicht." * Trotzdem wollen von hier nur wenige in die Heimat zurück. .Wir arbeiten jetzt nur an vier Tagen in der Woche. Doch habe ich trotzdem viel zu tun. Besitze«in kleine» Feld, und es ist an der Zeit, es zu bestellen. Und ich habe auch«in« Kuh und einig« Hühner. Auch die Frau hängt an dem Feld. E» ist ja wahr, daß es jetzt nicht viel einbringt, doch hänge ich trotzdem an ihm." Cr seufzt auf: .Es wäre schon gut, wenn man sich eine klein« Farm kaufen könnte"— sagt er..Da, Leben dort ist trotz allem schöner als w der Weberei." Er dachte sicherlich an die vier Webstühle, die unablässig de. dient werden müssen. �- • Einer berichtet über die Darre» Feundry(Stahlwerk). Dort arbeiten Russen, Litauer, Ungarn. Ltaliener, überall, wo«tu« schwere Arbeit zu verrichten ist. Amerikaner sind nur unter den Facharbeitern zu finden. Cr klagt: .Die Italiener sind schwer zu organisieren. Einmal wurde unserer Schicht«in Italiener zugeteilt, und e« erwartete ihn bei uns eine viel schwerere Arbeit als in seinem früheren Arbeitskreis. Der .fonnau*(Vorarbeiter) sagt«:.Du bekommst«inen Dollar mehr al» früher."—.Thinlc yoo*(Dante) antwortete der Ltaliener. Darüber lachte auch der kormeo. Aber es war wirklich nicht zum Lachen, denn auf dies« Art kommen die Arbeitgeber erst recht auf den Gedanken, noch niedrigere Löhn« zu zahlen." » Ich steige mit meinem Freund den Berg hinan. Betrachte sein Jrühlingsiöpll in Holland. Gesicht, das verbrauchte Arbeitergesicht. Ewer spricht ihn an:.Du siehst sa au», als ob w dich die Seele nur noch schlafen ginge." .Tja, die Hufeisenfabrik"— seufzt er und locht auf. Cw bitteres und müdes Lachen: JSRit hat da» Hufeisen kein Glück gebrwht" .Warum nimmst Du den««ine Arbeit an, der Du nicht g«» wachsen bsst?"— entgegnete der andere. .Wenn man wählen könnt«! Bedenke, ich war m Bethlehem «in halbe» Jahr arbeitslos. Da freut man sich dann jeder Arbeit. die man bekommt." Er oerscheucht von der Stirn die finsteren Gedanken. .E» wird schon besser werden. Ich konnte vier Nächte nicht schlafen, die Seite schmerzte mich. Aber heut« schlief ich wieder." Es gibt auch im Leben des Arbeiters freudige Ereignisse. ... Er konnte nachts schlafen. * Mit wunderbarer Schönheit schickt die Frühlingsfonn« ihr« Strahlen auf die gebenedeite Erde. Die Felder werden gepflügt. Mit Pferden. JHaHo!... Hoho!...— hört man von hier und auch von dort. Es ist Samstag. Die Automobil« werden instandgesetzt. E» tut so wohl, ain Sonntag«inen Aueflug zu machen. Hinaus ws Frei«. In die Fremde. Den frischen, tobenden Frühling genießen. Ich höre den Arbeiter aus der Weberei spreche«: „Man hängt ja doch an seinem kleinen Feld... Und«» ist sso gut, eine Kuh zu haben.. „Drei Helper"(Hilfsarbeiter) find heute an meiner Geste zusammengebrochen"— erzählt der Arbeiter aus dem Stahlwerk. Und während er dies erzählt, denkt er keinen Augenblick daran. daß einmal auch er hinter seinem Dorarbester zusammenbrechen wird und was dann mit ihm geschehen werde. Er ist heute ein junger, kräftiger Mensch und hält die Arbest aus, das Tempo... Di« Maschine treibt an. Der Dorarbester treibt an... Em Auto winkt, mit dem man Sonntage irgendwohin in den blühenden Frühling fahren kann.... Denn in Eastoa blüht jetzt der Frühling. Auf den Bergen stt die Luft so tristallrew. In der Ferne versinken die Fabrikschlote. Die Knospen bersten... und die Bäum« stehen w voller Blüte. In taufend Farben prangt der Frühlingsnachmsttag. Und die Lust stt. ob Ihr es glaubt oder nicht, von Bogelsong erfüllt... wer weiß etwas! er» von Iaroslav Hulta. ll. Wenig Dmg« bleiben den Leuten verborgen, wenn sie sie fahren wollen. Und so blieb selbst das Schicksal des Bettler» Sturm den paar Besuchern des Kaffeehauses und seiner Besitzerin nicht verborgen. Man erfuhr auch, daß er wirklich Sturm hieß- Aber niemand von den Eingeweihten verriet dem Allen weder durch ein Wort noch durch einen Blick, daß man sein ganze» Geheimnis kenne. Die Geschichte halle«m Schlosser aus der Königshojer Ma- schwensabrik ausfindig gemocht. Er war der anerkannte Detektiv »die lange Rase". um sich gegen einen �... oertraut« er die Ge- schichte nur denjenigen an. auf deren Derjchwiegenhest er fest vertrauen konnte. Der alle Sturm war vor Iahren vom Land« nach Brünn ge- kommen, wo er fest lewer Jugend bei einem Lauern gedient hatte. Er wurde all. und der Bauer Holl« dadurch da» Recht, ihn hinaus- zuwerfen. Der Greis mußte sich, wenn er nicht Hungers sterben wollte. da er auf die Mildtätigkeit der Gemeinde angewiesen war, auf« Belleln verlegen. Bald erkannte er. daß da» Essen wohl auf dem Land« wachse, ober von den geizigen Händen der Bauen, fest- gehalten werde. Und inmstten des reifenden Korn» und Weizens. inmitten de» Ueberflusse» an Milch aus den Eutern der gütigen Kühe, bestand fem« größte Sehnsucht in einer Schnitt« Brote» und einem Topfe Milch._. (Er»chlief über einem«stalle, was im Winter angenehm, im Sommer jedoch unerträglich war. Er beklagt« sich beim Vorsteher. Dieser sagte zu ihm:.Sturm, so all du bstt, so dumm bstt du. Dos doch qefund! Di« Doktor«» empfehlen da» den Leuten, die es auf der Brust haben. Wenn it an deiner Stelle war, möcht it mir noch gratulier',,!"_, Sturm aber nahm sich den guten Rat mcht zu Herzen und wollte sich lieber auf der weichen Wiese ausschlafen. Bald aber«r> fuhr er. daß man sich nicht ungestraft auf dem Grase wälzen dürfe. Di« Bäuerinnen, die Dauern, die Jungen, alle gaben es ihm zu verstehen, daß er da» Gnadenbrot esse Mll der Zell gelangte er zur Einsicht, daß die Menschen lugen, wenn sie das»rot ein Geschenk Gottes nennen...,__ Er nahm sich vor. noch Brünn zu resten. m der Hoffnung, dort mehr Leute und daher auch mehr Wohüaier zu finden. -' �''"50 Kilon»' Sem Dorf war ungefähr ometer von Brünn eittseritt. Zwanzig fuhr er mit dem Zug«, dreißig aing er«, Fuß. da er sich dacht«: Lch darf mein ganze» Geld mÄ für'd» Bah« verausgaben. Ich muß mir etwa» für den Anfang lassen! Als er vom Bahnhof hsrausfchritt. überwältigte ihn die Stadt mit ihrem Geschrei. Er lehnte sich an eine Mauer an. Langsam nahm der Lärm ober ab. weil er sich an ihn gewöhnt«. Im Piowollschen Gasthause empfahl ihm ein guter Mensch ein billiges, möbliertes Zimmerchen. Und so begann also der alle Sturm sein Leben in der Stadt zu fristen. � Er versucht« es. zuerst zu leben ohne zu betteln. Er reinigt« in «wer Großhandlung Petroleumflaschen. Roch drei Tagen erhiell er die Kündigung, weil er nicht die vorgeschrieben« Anzahl erreichte. Dann band er Holz zu Bündeln zusammen. Aber auch hier be- hiell man ihn nicht lange. Er war zu alt. Schließlich hatte er einen großen braunen Haufen Kartoffeln in einem feuchten Keller zu verarbeiten, indem er die gesunden aus den ocrsaullen aus- sortierte. Diese Arbest ermüdet die Augen sehr, weil im Keller wenig Licht ist. So wenig, daß man nicht unterscheiden kann, wo der gebückt« Mensch aufhört und sein Schallen ansängt. Stach ein paar Tagen bemerkt« der Aufseher, daß der AU« zu genau arbeitete und auch die weniger angesaullen Kartoffeln wegwerfe. Er sprach Nur die ganz saulen dürfen zu ihm:.Wo kämen wir denn hin? Sie wegwerfen! Er ontworteie:„Aber dann muß sie doch der wegwerfen, der sie kauftl" Der Verwaller gab keine Antwort. Am nächsten Tage wurde der Grei» entlassen. Der Unternehmer konnte«ine zu große Rechtschofsenheit nicht brauchen. Ietzl war da» Maß voll. Der Alte verlegte sich aufs Betteln. Er faß auf einer niedrigen Mauer beim Bahnhofe und pflegte zu sagen: „Seien Sie um ein Almosen recht schön gebeten?" Sein« Worte waren ober viel zu leise für die Ohren der Vor- übergehenden. Und es gab ja auch ja viel« Bettler! Er enstchloh sich also, lauter zu flehen. Für sein letztes Geld taust« er sich beim Trödler ein« Ziehharmonika. Es fehlten ihr zwar zw« Baßtöne. aber das tat nichts, well die Leute ja nicht auf die Qualität der Musik achteten. Rur aus Gewohnheit wollten sie etwa» für ihr Geld hoben. Der alte Sturm verstand zu spielen. Die meisten Dienstknecht« vom Lande verstehen das Harmonikaspiel. Und er spielte:„In einem kühlen Grunde" und einen Walzer au» der.Dollarprinzessin", den er einem Drehoraelspieler ohne Fuß abgelauscht Halle. Seine Einnahmen wurden größer, und schon de»« bald, weil er durch seinen regungslosen Blick den Eindruck«ine» Blinden machte. Davon wußte er aber nichts. Selbst fung«, elegant« Herren ließen schließltch ihr« Finger mit einem Almosen in seinen Hut gleiten, um den sie begleitenden, auf. gedonnerten Fräuleinchens zu beweisen, daß sie wirklich«in gute« Herz besäßen, wie sie ihnen durch ihre feurige Rede zu beweffen luchien, wobei sie an Wein, träumerische Musik und an dt« Orient- Bar dachten, Und allen Leuten, die vorübergingen, den bösen und den guten, spielte der alt« Sturm seine Licdchen gewstsenhaft vor. so wie er einst gearbeitet hall«. Durch diese Gewissenhastigkest verlor der Beuel für ihn viel von seinem erniedrigenden Namen. Damals besucht« er noch nicht den.Mohren". Mittag« kehrte er in einem kleinen Wirtshause auf dem Dominikanerplatze ein. Er oerzehrte einen Teller Suppe, zu welchem er sich«in Stück Brot vergönnte. Der dicke Wirt, der die flennet ewig aufgerollt hatte."""~ trinken, welches tags «ine groß« Gurkenslasche i Appetit, weil er vom Lande die Ueberzeugung mitgebracht Halle, daß das Bier dem Menschen Kraft gebe. Kein Mensch gibt jedoch etwas umsonst her. Und gibt jemond etwas täglich, so erscheint ihn, doch nach einiger Zeit diese Kleinig- keit, die er in den Kanal aießen oder im besten Falle in das Spül- wasser schütten würde, als etwa» Großes, und er denkt, wie er daraus Nutzen ziehen tönnie. Und der feiste Wirt gab dem ollen Sturm schon zwei Monate lang den Abguß. Und deshalb sollt« er dafür wenigstens jeine Gäste unterhalten. Und er dachte sich folgende» au«. Eines Tages befand sich in der Gurkenflasche mehr gelbes Bier als fönst Nachdem Sturm»in paarmal davon getrunken Halle und sich wiederum anschickte, die Flasche zu seinem Munde zu führen (er trank direkt aus der Flasche:«in Halbesliterglas schmutzig machen, das wäre für umsonst zuviel gewesen), sagt« der Wirt wie beiläufig:„Heute wollte ich das Blech auf dem Pult« reinigen, und da stellte ich die Flasche auf den Boden. Und man möcht es nicht glauben, unser B�la, dies« Kanaille, kommt daher, tritt zur Flasche. hebt die Pfote und nicht vielleicht, daß sie es daneben machen würde. nein, gerade hinein! Ja, warum machst du denn das Kanaille? 6' hat holt ein gutes Herz, das Tier, so wie ich. S' wollt' hall dem Alten«in bisserl dazugeben!" Klirr! Die Flasche zerbricht am Boden. Das Bier fließt in kleinen Bächleu, herum. Doch der alle Sturm hat sie nicht absichtlich auf die Erde fallen lassen. Durch den Schreck, durch den Ekel entglitt sie seinen Händen. Das war aber doch ein bißchen zuviel! Alter Lump! Das�ganze Wirtshaus ist �sttuge. Zwei Monate hindurch gibt ihm der Mensch umfang Dier.� I Und je gute» Bi«. bitte, man hat e» selbst manchmal eingelassen. Di« Suppe rechnet man ihm statt fünfundzwanzig nur zwanzig. Und setzt soll« sich ab« packen. Kann er für den Hund?(Es war nicht wahr, ab« der Wirt wollte, daß man es glaube.) Wer weiß denn, wovon ein« nicht dick wird! Aber wie« beretts gejagt hat:„Jetzt soll er sich ab« packen! Nutzen hat man wahrlich keinen von ihm gehabt! Und« möge sich i« nicht wieder im Lokal blicken lassen!"— (Fortsetzung folgt.) Versandabteilungs TIETZ Billige Bücher Leipziger Strasse Alexanderplatz Romane u. Novellen 95. Früher 1,50 bis 4, Artzibaschew, Familie Wilde. Basile, Der Pentamerone oder Er zählungen d. Franen 4. Prinzen Thaddeus. Baudelaire, Proezashriften, Crailsheim, Das schlecht vertel. digte Hers. Dill, Die kleine Stadt. Eichacker, Die Gaston Meber. Lichen des Elchinger, Prinswala Schandi. Eje, Exzellens von Madagaskar. 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[ 1772b Ortskrankenkasse der Gäriler zu Berlin Einladung zur Ordentlichen Ausschußfihung am Donnerstag, den 29. April 1926, nachmittags 5 Uhr, im Kaffenlotal Dranienste. 138. 57/7 Tagesordnung: 1 Bahl des Aus schußvorfizenden. 2. Abnahme der Jahres rechnung für das Jahr 1925 und Bericht des Rechnungsausschusses. 3. Besprechung bes Geschäftsberichtes 1924/26. 4. Befchlir faffung über die Aenderung der Dienstordnung. 5. Berschiedenes. Berlin, den 20. April 1926. Der Vorstand. Karl Röber, Berfigenber Einladungstarte dient als Ausweis. Verkäufe Beachtenswert! Deutsches Teppichhaus Emil Lefevre feit 1882 1ur Oranien. Straße 158. Reinerlei Beziehungen guz Firma gleichen Namens Botsdamerftraße. Reißzeuge( Richter- Bräaifton), Giches beits- Goldfullfeberbakter. Bureaubebarfs hans Lindner. Reutöln. Raifer Griebrich- Stoake 96/37. auch Elektromotoren, Neulieferuna. Umtausch, gegen gang bequeme RabJungsbedingungen, liefert Beinrich Scheier. Bindersinstraße 3. 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