Abendausgabe Nr. 198 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 98 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in ber Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donioff 292-297 Tel.- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Mittwoch 28. April 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Das Fürstenkompromiß gescheitert! Der Rechtsausschuß stellt die Arbeit ein. ein.- Verwirrung Verwirrung in der Koalition. Der Reichstag beginnt heute mit der Beratung des Volksbegehrensgefeges über die Fürstenenteignung. Die Frage der Fürstenenteignung tritt in das entscheidende Stadium. Das Fürstenfompromiß ist gescheitert. Der Rechtsausschuß hat vier Monate darüber verhandelt um am Schluffe zu erklären, daß er nicht weiter fommt. Regierung und Regierungsparteien haben versucht, die Fürstenfrage unabhängig von dem Willen des Boltes, im Gegensatz zu dem stürmischen Verlangen der 12% Millionen Unterzeichner des Boltsbegehrens auf dem Wege des Kompromisses zu lösen. Sie haben bei diesem Verfuche weder Verständnis für das gezeigt, was das Bolt bemegt, noch flaren Willen und Entschiedenheit. Das Fürstenfompromiß, dreimal abgeändert, ist in den Beratungen des Rechtsausschusses von einer Krise in die andere geschleppt morden. Sachlich entscheidende Abstimmungen fonnten die Regierungsparteien in den letzten Tagen im Rechtsausschuß nicht mehr wagen. Nun ist der Versuch, den. Voltsentscheid mit einem fertigen Fürstenkompromiß zuvorzutom men, am Ende. Der Rechtsausschuß hat heute morgen seine Berhandlungen über das Kompromiß abgebrochen. Die Verficherung der Regierung in ihrer famosen Kriegserklärung gegen den Volksentscheid, daß sie das Kompromiß mit allen Kräften fördern wolle, ist überholt. Die Regierung mußte sich deshalb im Rechtsausschuß von den eigenen Regierungsparteien bittere Wahrheiten sagen lassen. Diese Sigung des Rechtsausschusses war eine Widerspiegelung der Verwirrung, die bei den Regierungsparteien herrscht. Die Absicht der Demokraten, einen Abänderungsantrag zum Enteignungsgesetz im Plenum einzubringen, hat die Bermirrung vollständig gemacht. Die Regierungsparteien erheben untereinander die heftigsten Vorwürfe. Seit gestern abend tagt die Fraktion des Zentrums, ohne daß fie bisher zu einem Entschluß gekommen wäre. Sie berät über die Situation, die für die Regierungsparteien und die Regierung durch das Scheitern des Kompromisses und den demokratischen Antrag entstanden ist. In ihren Beratungen ist der Gedanke aufgetaucht, das Enteignungsgesetz durch das Plenum des Reichstags zunächst einem Ausschuß überweisen zu lassen, offenbar um Zeit zu gewinnen. Die Preffe des Zentrums und der Deutschen Boltspartei fürchtet das Auseinanderfallen der Regierungstoalition. Die Tägliche Rundschau" schreibt zu dem Antrag der Demokraten: Die Demokraten glauben wahrscheinlich, dadurch auf die Verabschiedung des Kompromißentwurfs einen Druck ausüben zu können. Tatsächlich aber stellt ihr Antrag eine Begünstigung des Boltsentscheides dar, da der Zufaßparagraph nur allzu ge eignet ist, verwirrend auf das Urteil der Abstimmenden einzuwirken. Bringen die Demokraten tatsächlich einen solchen Zusatzparagraphen ein, fo würden fich daraus wahrscheinlich innerpolitische Komplifationen ernfter Art ergeben." Die„ Germania" versichert: ,, Dieser Zusatzantrag hat aber feine Aussicht, eine Mehrheit zu finden. Abgesehen davon, daß die Sozialdemokraten ihm nicht zu stimmen werden, kann auch das 3entrum diesem Antrag nicht beipflichten, weil sein Ausgangspunkt immerhin das Begehren auf radikale, entschädigungslose Enteignung ist. Da die Demokraten ihr Vorgehen auch mit der bisherigen Haltung der Deutschen Volkspartei begründen, ist die Regierungsfoalition gefährdet, wenn es in der heutigen Sigung des interfraktionellen Aus schusses nicht gelingt, die Regierungsparteien wieder auf eine gemeinsame Basis zu bringen." Die Regierungsparteien haben also feine gemeinsame Basis mehr und müssen sie mühselig erst wieder suchen. Das Volk steht also vor foigender Sachlage: Regierung und Regierungsparteien haben fich in viermonatiger Beratung als unfähig erwiesen, die Fürstenfrage einer gerechten Lösung zuzuführen. Die Regierung hat trog ihres Brogramms nichts unternommen, um der stürmischen Forderung des Bolkes nach Gerechtigkeit Genüge zu tun. Sie schmäht die Unterzeichner des Boltsbegehrens, aber sie läßt die Fürstenfrage im luftleeren Raum. Die einzige Lösungsmöglichkeit bleibt der Bolfsentscheid. Die Gefahr besteht, daß die Fürsten mit Hilfe der Gerichte ihre maßlojen Forderungen durchsetzen, wenn das Bolf nicht selbst als Gesetzgeber die Fürstenfrage löst. Da die regierenden Parteien im Parlament ihre Unfähig teit dokumentiert haben, muß das Bolt felbft fprechen. Der Rechtsausschuß am Ende. Nach vier Monaten Beratung. Der Rechtsausschus des Reichstages trat heute morgen zu feiner 36. Sigung wegen des Fürstenfompromis zufammen. Bor Eintritt in die Tagesordnung erflärte Abg. Seite für das 3 en trum, daß die legten Verhandlungen im Ausschuß ergebnis. Los gewefen feien und daß seine Freunde deshalb feinen Weg mehr für eine fruchtbare Arbeit fehen, bevor nicht die großen politischen Fragen geklärt seien und die Deutschnationalen und die Sozialdemokra ten nicht in ganz klarer Weise zu erkennen gegeben hätten, ob sie gewillt seien, auf einer mittleren Linie eine billige Lösung der Fürstenauseinandersetzung herbeizuführen. Der heute veröffentlichte demokratische Antrag jei ihm vorher nicht be. tannt gewesen. Er müffe abwarten, bis die Demokratische Partei loyal die Fühlung mit seiner Partei aufnehmen werde. Er bean trage Bertagung der ganzen Berhandlung. Genosse Rosenfeld erklärte, sich in den häuslichen Streit des Sentrums mit den Demofraten nicht einmischen zu wollen, es schiene doch fo, als ob nunmehr auch die Regierungsparteien eingesehen hätten, daß ein kompromiß, wie das in Aussicht genommene, nicht möglich sei. Auch er beantrage namens seiner Freunde die Ausse zung der Berhandlungen, allerdings aus anderen Gründen als der Abg. Schulte. Seine Freunde seien der Meinung, daß, nachdem der Gefeßentwurf des Volksbegehrens an den Reichstag gelangt jei, schon aus Respekt vor dem Willen des Volkes die Weiterberatung der Parteianträge abgebrochen und dem Gesetz des Volkes der Borrang eingeräumt werden müsse. Was das Kompromiß selbst betreffe, so hätten seine Freunde immer die Fehler und Mängel des ganz unzureichenden Kompromißentwurfes dargelegt. Sie hätten immer flar zum Ausdruck gebracht, daß in der von den Kompromißparteien gewünschten Weise eine Berständigung nicht möglich sei. Jetzt aber solle die Volksvertretung der Republik abwarten, was das Volk ſelbſt ſage. Die weiteren Ber handlungen im Ausschuß hätten feinen 3wed mehr. Abg. v. Richthofen( Dem.) bemerkt, daß der demotra. tische Antrag noch nicht dem Reichstag eingereicht ſei, und daß die Veröffentlichung dieses Antrages, noch dazu in falscher Formulierung, gegen den Willen seiner Frattion erfolgt sei. Seine Freunde seien der Meinung, daß der Reichstag die Pflicht habe, zunächst Klarheit über den Boltsentscheid herbeizuführen. Abg. Wunderlich( Bp.) bestätigt, daß Dr. Rosenfeld immer die Mängel des Fürstenkompromisses dargelegt habe, so daß 3weifel an der Haltung der Sozialdemokraten aar nicht möglich gewesen seien. Er stimme mit Rosenfeld auch insofern überein, daß nunmehr der eigentliche Gesetzgeber, das Bolt, zuerst zu sprechen habe. Bolt, zuerst zu sprechen habe. 3um demokratischen Anrag wolle er nunmehr sagen, daß er sich keinen Abänderungsvorschlag zum Bolksbegehren denken könne, der das Enteignungsgefez seinen Freunden schmackhaft machen könne. Abg. Barth( Dnat.) hebt hervor, daß die Demokratische Partei durch den neuen angekündigten Antrag nur neuen Konflikt. it off geschaffen habe. Seine Freunde seien schon bis an die Seine Freunde feien schon bis an die äußerste Grenze des für sie Möglichen gegangen, hätten aber bei den Mittelparteien fein Entgegenkommen gefunden, da diese immer mehr nach links, statt nach rechts gegangen seien. Die Deutsch nationale Partei werde unter teinen Umständen dem Kompromiß zustimmen. Abg. Schulte( 3.) führt aus, daß der Reichstag sich ein Armutszeugnis ausstelle, wenn er nach viermonatiger Arbeit fein Gesetz verabschiede. Es sei ein Vabanquespiel, alles jetzt auf den Bolksentscheid abzustellen. Die Konsequenzen feien unübersehbar, auch für die Struktur des Deutschen Reiches. Es sei Pflicht aller, diese hochpolitischen Fragen zu erwägen, da in der Entwicklung so große Gefahren lägen, wie wir fie feit der Resolution nicht mehr erlebt hätten. Abg. Haas( Dem.) schließt sich diesen Aeußerungen an. Auch er sei der Meinung, daß eine Ratastrophe fommen könne, wenn nicht im legten Augenblid eine Berständi gung erfolge. Die Kritik der Volkspartei, die den Borwurf der mangelnden Loyalität enthalte, müsse er zurück. weisen, weil der demokratische Antrag nur entgegen dem Willen feiner Freunde bereits veröffentlicht worden sei. Abg. Wunderlich( D. Bp.) erwidert, daß er dem Eindruck entgegentreten müsse, als ob der Reichstag versagt habe. Die Kompromißparteien hätten sich doch vier Monate lang um eine Berständigung bemüht. Leider habe sich die Regierung in führender Weise nicht beteiligt. Ihre Aufgabe wäre es gewesen, besonders nach den Erklärungen des Reichsfanglers, es nicht so weit tommen zu lassen. Reichsjustizminister Marg macht darauf aufmerksam, daß, wenn die Regierung eine Vorlage eingebracht hätte, die Vorarbeiten sehr lange Zeit hätten in Anspruch nehmen müssen. Die Regierung habe aber die Parteien bei der Ausarbeitung des Gefeßentwurfes unterstüßt. Genoffe Rofenfeld erflärt, daß er sich auch jetzt in den Streit zwischen den Kempromißparteien nicht hineinmischen wolle. Die Situation fei jetzt völlig klar, daß auch unter den kompromißparteien die größten Meinung verschiedenheiten beständen. Es fet allerdings eine Tatsache, daß die Reichsregierung völlig versagt hätte, indem sie den Dingen ihren Lauf ließ und erst verspätet eingriff. = Auf den Appell der Regierungsparteien müsse er für seine Freunde erwidern, daß sie von vorherein die Situation ernst geprüft und nicht im geringsten darüber überrascht seien, daß sich jetzt das Kompromiß, wie sie von Anfang an gesagt hätten, als unmöglich herausgestellt habe. Seine Freunde hätten die jeßige Situation tommen sehen, und sie begrüßen den Lauf der Dinge, da sie von vornherein gewollt hätten, daß das Volk selbst die Fürstenauseinandersetzung vornehme. Die bürgerlichen Parteien hätten die Abficht gehabt, die Volksabstimmung durch das kom promiß taputt zu machen. Das wäre ihnen nicht gelungen, jegt jei vielmehr das Kompromiß taputt. Die große Volksbewegung für die Fürstenenteignung werde eine Festigung der Republit und eine vernichtende Niederlage für die offenen und heimlichen Monarchisten im Lande bringen. Von einer Gefährdung der Republik durch die Volksabstimmung fönne feine Rede sein. Weite Kreise der bürgerlichen Parteien ständen hinter dem sozialdemokratischen Verlangen auf Enteignung der Fürsten. Es handele fich nicht um einen Konflikt im Volk selbst, das überwiegend für die Enteignung der Fürsten sei. Es handele fich mehr um einen Konflikt zwischen den Bertretern der bürgerlichen Parteien und ihren eigenen Anhängern, die ihnen davonliefen und mit den Sozialdemokraten für die Fürstenenteignung eintreten. Wenn also die Bürgerlichen einen Konflikt fürchteten, so sollten sie ihn dadurch vermeiden, daß sie gemäß dem Willen ihrer eigenen Wähler die Fürstenenteignung beschließen. Vorsitzender Kahl hält darauf den Arbeiten des Ausschusses die Grabrede. Er hebt hervor, daß man 36 Sigungen hinburch fleißig gearbeitet habe, und daß der Wert des Kompromisses doch höher sei, als man jetzt annehme. Er sehe die Zeit kommen, bas wolte er fagen, ohne wie ein Prophet des alten Testaments zu fein, daß man noch einmal auf das Kompromiß zurückgreifen werde. Der Ausschuß beschloß alsdann einstimmig, die weitere Berafung auszusehen, bis von den Parteien ein Wunsch auf Fortsehung der Verhandlungen geäußert werde. Einberufung des Hauptvorstandes der Demokratischen Partei. Wie der Demokratische Zeitungsdienst meldet, ist der Hauptvorstand der Deutschen Demokratischen Partei zu einer Sigung am Donnerstag, den 6. Mai, nach Berlin einberufen worden. In dieser Borstandsfizung soll die politische Lage und im besonderen die Frage der Fürsten abfindung erörtert werden. Russenvertrag und Polen. Mächtegruppierungen oder Völkerbund? Der deutsch russische Freundschaftsvertrag ist so ziemlich in der ganzen Welt mit zurückhaltung aufgenommen worden. Man ist in einiger Verlegenheit, was man aus ihm machen soll. Die Nationalisten des Auslands, besonders Frankreichs, find freilich schnell bei der Hand, um ihn als einen Schlag gegen den Bölferbund und die Politit von Locarno zu deuten. Die Regierungen aber und die anderen ihrer Berantwortung bewußten Kreise halten sich von einer folchen Deutung fern, einmal, weil sie für die gesamte Weltpolitik unabsehbare Konsequenzen hätte, vor allem aber auch, weil sie in dem Wortlaut des Bertrags feine Stüße findet. Am stärksten ist die Beunruhigung in Polen, und das läßt sich sehr gut verstehen. Bolen liegt mitten zwischen Rußland und Deutschland, so wie Deutschland französisch- polnische Freundschaft in Deutschland vielfach bezwischen Frankreich und Bolen liegt. Wenn schon die enge unruhigend wirkt, so kann ein deutsch- russischer Vertrag auf Bolen feine andere Wirkung haben. Frankreich und Bolen find, obgleich ungleich stärker bewaffnet, zusammen an BeDölkerungszahl nicht viel stärker als Deutschland allein. Deutschland und Rußland zusammen haben aber fünf, bis eine dank seiner entwickelten Industrie, das andere dank seiner fechsmal soviel Einwohner wie Bolen. Sie sind beide, das ungeheuren Ausdehnung, Wirtschaftsmächte erſten Ranges. Polen ist wirtschaftlich und politisch schwer bedrängt. Seine Handelsbeziehungen zu seinen großen Nachbarn sind ungeordnet. Die Nationalitätenfrage schafft im Innern nicht geringe Schwierigkeiten. Dazu fommt eine außenpolitische Lage, die feineswegs befriedigend ist. Je enger sich Deutschland und Rußland. zusammenschließen, desto stärker wird der Wunsch, die Beziehungen zu den Westmächten, besonders zu Frankreich, weiter auszubauen, desto stärker aber auch die Sorge, ob die beiderseitigen Bündnissysteme ein wirkliches Gleichgewicht der Kräfte gewährleisten. Zweifellos tut sich hier für die Politik Europas eine Gefahrenquelle auf. Zwei Mächtekoalitionen, von denen die eine für Bolen, die andere gegen Polen ist das wäre eine Wiederholung jenes gefährlichen Gleichgewichts der Kräfte", das vor dem Kriege bestand. Glücklicherweise gibt es heute eine folche Scheidung noch nicht, und jede mirkliche Friedenspolitik muß darauf gerichtet sein, sie zu verhindern. " Strejemann hat in seiner Note an Krestinsti zum Ausbrud gebracht, daß Deutschland als tünftige Böllerbundsmacht feine Berpflichtungen loyal zu erfüllen entschloffen fei. Als Bölkerbundsmacht aber hätte Deutschland die Pflicht, sich an dem Schuh Polens gegen einen Angriff Rußlands zu beteiligen. Mit der Erwähnung dieser extremsten Möglichkeit soll natürlich nicht angedeutet werden, daß Rußland friegerische Absichten gegen Polen hätte; das ist nach unserer Ueberzeugung in feiner Weise der Fall. Es soll damit nur gezeigt werden, daß der deutsch- russische Vertrag niemals den Charatter eines gegen Polen gerichteten machtpolitischen Bündniffes annehmen kann, wenn Deutschland und dafür zu und dafür zu mirten, ist die Sozialdemokratie entschlossen- feine fünftigen Pflichten als Bölkerbundsmacht loyal erfüllt. Benn fich im nationalistischen Lager Bolens jetzt Stimmen gegen den Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund er heben, so ist das nur ein neuer Beweis dafür, wie der Nationalismus gegen alle Baterländer wütet. Wenn der augenblidliche Zwischenzustand, in dem der deutsch- russische Vertrag, aber noch nicht der Locarnovertrag in Kraft ist, seine Bes denken hat, so hat er fie besonders auch für Bolen, und Bolen müßte am meisten wünschen, daß Deutschland jetzt so rasch wie möglich in den Bölkerbund eintritt, um dadurch zu verhindern, daß der Russenvertrag eine Bedeutung erhält, die er nicht hat und nie bekommen soll. In Deutschland fönnen sich über die Beunruhigung, die heute in Polen herrscht, nur politische Kinder freuen. Bermünftige Leute werden tun, was in ihren Kräften steht, um sie zu befchwichtigen, und zwar nicht nur durch Worte, sondern auch durch Laten. Da trifft es sich gut, daß im Mai die Handelsvertragsverhandlungen mit Polen wieder aufgenommen werden. Eine fluge Politik auf beiden Seiten würde sich darum bemühen, fie in einer Atmosphäre stattfinden zu lassen, die sich von der früheren günstig unterscheidet, um zunächst einmal auf wirtschaftlichem Gebiet den Grund für ein besseres Einvernehmen zu legen. Deutschland von Frankreich und Polen eingefreist". Bolen von Deutschland und Rußland eingefreist", hie die eine, dort die andere Mächtegruppierung das gäbe schlechte Aussichten für den Frieden! Frankreich, Deutsch land, Polen und, sobald es will, auch Rußland- miteinander im Bölferbund, das ist erheblich besser. Darum meinen wir, daß Deutschland gerade jeht nach Abschluß des Ruffenvertrags erst recht Völkerbund- und Locarnopolitik treiben soll, besonders mit Polem Das Gemeindebestimmungsrecht. Beschlüsse im Hauptausschuß des Reichstages. Die Abstimmungen über die zum Gemeindebestimmungsrecht( GBR) gestellten Anträge im Reichs= haltsausschuß hatten das folgende Ergebnis: Mit 26 Stimmen bei 2 Enthaltungen wurde angenommen, die Reichsregierung zu ersuchen, das vom Reichstag schon am 18. Februar verlangte Schußgesez gegen den Alkoholismus nunmehr schleunigst vorzulegen. Mit großer Mehrheit wurde ferner die folgende Zentrumsentschließung angenommen: Die Reichsregierung zu ersuchen, baldigst in eine Prüfung einzutreten über 1. die derzeitigen Mißstände im Schantstättenwesen unter dem Gesichtspunkt der Boltsgesundheit, des Familienlebens und des Jugendschußes; 2. die Mißstände bei Berleihung von Ronzessionen; 3. ob aur Betämpfung diefer Miß ſtände eine stärkere Heranziehung von Gemeindeangehörigen bien lich ift. Schließlich wurde noch mit 15 Stimmen die Entschließung Rauch( Bayr. Bp.) angenommen: die Reichsregierung zu ersuchen, baldigst in eine Prüfung einzutreten 1. über die Mittel zu einer mirtjamen Bekämpfung des Alkoholmißbrauches und über den Schutz der Boltsgesundheit und des Familienlebens, besonders aber unserer Jugend gegen die Gefahren des Alkohols; 2. über eine Neuregelung des Ronzeffionswesens unter Heranziehung der zur Förderung und leberwachung der Boltsgesundheit zuständigen Faktoren. Angenommen wurde ferner noch folgende Entschließung: die Reichsregierung zu ersuchen, durch geeignete Maßnahmen ficher Herr Hauptmann Jürgens. Bon Paul Steegemann. Daß dieser Mensch heute noch lebt, ist purer Zufall. Bir waren, in den heiligen Nächten des 9. November, drauf und bran, ihn leibhaftig zu erschlagen. Wie sein Freund Luden dorff, so tam auch er mit einer blauen Brille davon, floh feige, verantwortungslos. Draußen fnatterten im Straßenkampf unsere Maschinengewehre: er saß, als Kaufmann Warmbold verfleidet, in Raftens Hotel beim Champagner, flüchtete aber dann am anderen Tage mit den Papieren eines Unteroffiziers Meyer nach Hildesheim. Und so weiter. Benn Sonne über Hannover liegt, dann ist diese Stadt schön, strahlend, leuchtend. Die Menschen hier sind schlank, hochgebaut, ein blonder. nordischer Typ; vital, intereffiert, mit Sinn für Nuancen, für die Distanz. Das öffentliche Leben rollt ab im Zentrum der Stadt, auf der Hauptstraße. Jeder fennt jeden. Ein neu renoviertes, aufgefioctes Kleinstadtidyll Auf dieser Hauptstraße, auf der Georgstraße, in den Kriegs jahren, schritten sie dahin, in straffer Uniform, mit der Reitpeitsche in der Hand, wiegenden Ganges, den Damen feß unter den Hut schilend, umbuhlt von den Spizen der Creme, zwangsläufig gegrüßt von vielen Menschen: der Generalleutnant v. Rogomffi, Sar des 10. Armeekorps, und sein Freund, der Herr Hauptmann Bernhard Jürgens, feit 1916 Chef der Abteilung Abwehr", weiland Untersuchungsrichter in Essen an der Ruhr. " Diese beiden marfanten Vertreter des deutschen Heldengeiftes installierten hier frech- fröhlich eine Ortsgruppe der Etappe Gent. Es gibt kein Berbechen aus der sadistischen Sphäre, das der Jürgens, immer gedeckt von seinem Borgeseßten, nicht begangen hätte. Ein Caligula in der vorderen Hosentasche. Da sind tausend Fälle der Freiheitsberaubung, der Beleidigung, der Nötigung, des Mißbrauchs der Dienstgewalt. Da find Kaufleute, Handwerker, Händler, Arbeiter und Ausländer, die er einsperrte, quälte, beschimpfte, an die Front oder in das Internierungslager ichob. Da ist die Firma Ahrberg, von der er ganze Ladungen Fleisch und Burst für sich und seine Sippe im Rohlrübenwinter_erpreßte. Da ist der Kaufmann Friedrich Stock, der Warenhausbesitzer Bär junior, der Schlächtermeister Busse, der Deutschamerifaner de Buhr, der Biehhändler Meyer, der Joseph Pincus, der Arbeiter Engel. Diese Menschen wurden mochenlang, monatelang eingesperrt, bei den Haussuchungen bestohlen, beschimpft, getreten, geschlagen. Da ist eine Familie Ungern- Rosenberg, die ehrsam ihren Althandel betrieb. Nichts lag gegen sie vor. Aber Herr Jürgens ist Antisemit Weshalb er zunächst einmal, am 31. Juli 1917, die beiden Söhne durch sechs Polizisten aus der Wohnung verhaften ließ, fie fünf Tage ins Gefängnis sperrte, dann weiter auf acht Monate ins Gefangenenlager Holzminden abschob, von da weiter zuftellen, daß von den bei Rapitel 2 Titel 52 im Haushalt des Ministeriums des Innern bewilligten Mitteln mindestens ein Teilbetrag von ein Drittel ausschließlich praktischen Zweden, der Rest aber feinesfalls der Propaganda für das GBR. zugute kommt. Bayern gegen die Reichspolitik. Held gegen Luther. Aschaffenburg, 28. April.( WTB.) Am zweiten Tage seiner unterfranfenfahrt erklärte Dr. Held in einer Rede auf dem BeUnterfrankenfahrt erklärte Dr. Held in einer Rebe auf dem Be grüßungsabend in Aschaffenburg u. a.: Das Deutsche Reich sei für den Staat Bayern das, was der Staat Bayern für jede wirtschaft liche Instanz in Bayern selbst sei. Wenn er, was die Außenpolitit betreffe, feine eigene Meinung ausfpreche, jo fei dies fein gutes Recht. ( Starker Beifall.) Man dürfe ihm daraus feinen Vorwurf machen. Es folle dies auch keine Kritik der Reichsregierung sein. Nie mand zu Liebe und niemand zu Leide, aber immer aus dem Gefühl heraus, der gesamten Nation einen Dienst zu erweisen. Der jenige liebe das Baterland am meisten, der im gegenwärtigen Augenblid den Mut besize, auch einmal eine Warnung auszusprechen, auch wenn es der Frankfurter Zeitung" nicht gefalle. Die Rede wurde mit starkem Beifall aufgenommen. Herr Dr. Held polemisiert gegen die Frankfurter Zei tung", aber er meint die Reichsregierung. Trog des erregten Protestes des Reichskanzlers im Reichsrat hält er hartnädig daran fest, daß Bayern ein Recht zur Sabotage der Außenpolitik des Reiches habe. Herr Luther hat- troß seines Münchener Besuches zu allen Sorgen um Fürstengesetz und Aufwertungsvolksbegehren noch den schönsten Bayernkonflikt. Parlamentskrach in Weimar. Der völkische Dinter von der Sihung ausgeschlossen. Weimar, 28. April.( WTB.) In der heutigen Landtagsfizung fam die sozialdemokratische Abgeordnete Frau Sachse auf das Bestehen einer Schwarzen Reichswehr zu sprechen und übte Kritik an der politischen Einstellung der Landesregierung. Auf einen Zwischenruf des nationalsozialistischen Abgeordneten Dinter entspann sich eine kurze Auseinandersetzung Dinters mit einem anderen Abgeordneten, die fast zu Täflichkeiten führte. Die Sigung wurde schließlich unter allgemeiner stürmischer Bewegung unterbrochen, nachdem Dinter vom Präfidenten von der Teilnahme an der Sizung ausgeschlossen war und den Saal verlassen hatte. Ifidor Kreil. Der bestrafte Verleumder. Augsburg, 28. April.( Eigener Drahtbericht.) Ifidor Kreil, das bekannte Werkzeug deutschnationaler und völkischer Berleumder Eberts, war Anfang März vom Augsburger Gericht wegen Betrugs zum Schaden der deutschnationalen und völkischen Geldgeber zu zwei Jahren Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte Kreil Berufung eingelegt, die jetzt in Augsburg zur Verhandlung steht. Er behauptet auch heute noch, daß er in der Schweiz Material gegen Ebert per borgen habe, ohne sich aber bereit zu erklären, diese Dokumente herbeizuschaffen. Die Bernehmung der deutschnationalen und deutschvölkischen Beugen ergab, daß diefe mehr aber weniger auf gespanntem Fuße leben. Rreil ist besonders schlecht auf seinen ehemaligen Begleiter, ben völkischen Architekten Thurn, zu sprechen, von dem er sich hintergangen fühlt, während Thurn wiederum Kreil beschuldigt, daß dieser ihm den Eingang eines größeren von Freiherrn von Forstner gesandten Geldbetrages verschwiegen habe. Kreil behauptet auch, daß er mit einer Ausnahme von allen seinen deutschnationalen und völkischen Auftraggebern„ belogen und betrogen worden" sei. Die Berufung wurde dann vom Gericht verworfen. 9 Monate Untersuchungshaft wurden angerechnet. für Monate nach Lichtenhorst brachte. Nie ist eine Anflage erhoben, nie eine Gerichtsverhandlung anberaumt worden. Der Bater dieser Jungen wurde zweimal für Wochen ins Gefängnis geholt, ebenfalls ohne Anklage, ohne Berhör. Dann erfranfte die Mutter, die alte Mutter, lebensgefährlich. Sie schrie nach ihren Söhnen. Was tat der Herr Hauptmann? Er gab den Söhnen keinen Urlaub. Er fnauzt dem Bater ins Gesicht: Ist deine Frau wirklich so schwer frank? Dann wollen wir ihr eine Feuerwehrsprize hinschiden." So geht das weiter in den Atten, Material auf Material, Anflagen auf Antlagen. Hier hat die blonde Bestie gehaust, gehurt und verhaftet. Kein Mensch war seines Lebens sicher, überall faßen Spione herum, die nach Spionen fuchten.... Ein beliebtes Objekt, ein gefährliches Subjeft war Iwan Kaß, damals noch friedlich sozialdemokratischer Redakteur. Fast jeden Tag gab es bei ihm Berbote, Haussuchungen und gelegentliche Verhaftungen. Bis auch er an die Front fam. Auch mich hat der Jürgens verhaften laffen, auf eine Denun ziation hin. Das ging fehr fir. Und war sehr tomisch. Meine Wohnung wurde durchsucht, meine Briefe beschlagnahmt, meine Bibliothek durcheinandergeschmissen. Dann wurde ich, wie ein Schwerverbrecher gefesselt, durch die Straßen geschleift, stundenlang verhört, von morgens bis Mitternacht eingesperrt und schließlich fruchtlos entlassen. Daß ich turze Zeit danach eingezogen wurde und an die Front sollte, ist selbstverständlich. Jetzt fizt dieser Mann, dieser Jürgens, in Moabit. Jegt werden ihm nicht harmlose Dinge aus der Etappe Gent vorgeworfen, jetzt find es fonkrete, handgreifliche, in Paragraphen gespannte friminelle Bergehen. Was wird ihm geschehen? Einstweilen liegt er bereits im Lazarett. Und damit es ihm nicht allzu langweilig wird, hat er einen Oberleutnant als Stubengenoffen befommen. Das tommt davon, wenn man fein Republikaner ist. = Märtyrer ihrer Ueberzeugung. Aus Florenz wird uns ge= schrieben: In der Eingangshalle der Florentiner Universität steht die Bildsäule des Phyfiters und Aftronomen Galileo Galilet, der wegen seiner Lehre vom Umlauf der Erde um die Sonne im Dominikanertioster S. Maria sopra Minerva vor dem Gerichtshof der Heiligen Inquifition zu Rom sein letztes Berhör unter Androhung der Folter bestand und wahrscheinlich auch ihren ersten Grad erlitt ( examen rigorosum peinliche Befragung), bevor er friend am 21. Juni 1633 seinen Irrtum abschwur. Der an beginnender Blind heit, an einem schweren Bruch und Wassersucht leidende Gelehrte war so schwach, daß er sich nach dem feierlichen Widerruf nicht mehr erheben fonnte, sondern vom Boden aufgehoben und von den Mönchen in seine Kerkerzelle zurüdgetragen werden mußte. Bis zu feinem am 8. Juni 1642 erfolgten Tode blieb Galilei in der Villa Arcetri bei Florenz wie uns sein Besucher John Mitton be zeugt- unter strenger Bewachung der Inquisition. Die Professoren der Florentiner Hochschule erweisen fich ihres großen Vorbildes würdig. Der Historiker G. Salvemini nahm unschuldigerweise I Finanzfrage und Heeresreform. In Frankreich. Zur Borbe Straßburg, 28. April.( Eigener Drahtbericht.) sprechung des Pfingstfongresses der Sozialistischen Partei Frankreichs tagte hier eine Konferenz der elsässischen Sozialisten. Sie hat mit 40 gegen 16 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen eine Entschließung Weill angenommen, die energische Maßnahmen zur Sanies rung der Finanzen fordert; fie betont außerdem die Schwierigkeiten der Entspannungspolitik seit dem Sturz Herriots und fordert nachdrücklichst die Lösung der schwebenden politischen Probleme, wie Marotto, Syrien und Völkerbund, sowie die Reduzierung der Heeresdienstzeit und Durchführung der Sozialversicherung. Zum Schluß wendet sich die Entschließung gegen die autonomiſt i= fchen Bestrebungen im Elsaß, die eine Gefahr für den durch die Berträge von Locarno konsolidierten Weltfrieden darstellten. Die Heeresreform ist bereits im Gange. Sie bringt eine stufenweise Verkürzung der Dienstzeit von jetzt 18 Monaten auf 16 und schließlich( 1929/30) auf 12 Monate, daneben jedoch die Schaffung besonderer Stäbe zur Vorbereitung der Mobilmachung mit einem General an der Spize in jedem Korpsbezirf, sowie die Erhöhung der Zahl der weiterdienenden Unteroffiziere von 60 000 auf 105 000. Kriegsminister Painlevé erklärte, diese Reform erläuternd, daß sie nur zur Sicherung der Landesverteidigung bestimmt sei; Frankreich werde nie als erster zur Waffe greifen. Die Verhandlungen mit Amerifa. Paris, 28. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Hauptmider fiand, der sich in der amerikanischen Schuldentommiffion gegen dent französischen Entwurf erhoben hat, richtet sich gegen die Betragsfestsetzung der ersten Jahreszahlungen. Diese hat, im Gegensatz zu dem Caillaug'schen Vorschlag vom Dezember v. J. mit 40 Millionen Dollars, Berenger nur mit 20 Millionen vorgeschlagen. Troß dieser Meinungsverschiedenheit scheint man in der amerikanischen Schuldentommiffion ziemlich optimistisch über die Möglichkeiten einer Verständigung zu denken. Der französische Botschafter in Washington, Berenger, hat um neue Instruktionen in der Frage der Bezifferung der ersten Jahreszahlungen nachgesucht, und man erwartet bereits für morgen die Wiederaufnahme der Besprechungen durch die amerikanische Schuldenkommissien. Poincarés Finanzmanöver. Paris, 28. April.( Tul.) Der frühere Borsitzende der Finanztommission der Kammer, Vincent Auriol( Soz.), machte in einer Rede zu Montpellier die aufsehenerregende Mitteilung, es set ein geheimes Schriftstüd vorhanden, das der Finanzminister Poincarés, Francois Marsal, unterzeichnet habe, und aus dem hervorgehe, daß sich die Regierung Poincaré von privaten Bantinstituten auf illegale Weise verstedte Kredite von 2½ Milliarden Franken für den StaatsSchatz verschafft habe.( Das Bankentapital wird diese Riesentrebite gewiß nicht ohne Gegenleistung gewährt haben und die Regierung Poincaré schon gehörig an die Kandare genommen haben. Red. d.„ V.“) Schwarzes Brot für Frankreich. Paris, 28. April.( EP) Der Ministerrat hat eine Berordnung des Landwirtschaftsministers gutgeheißen, die bestimmt, daß dem Brot8 Proz. Roggen beigefügt werden müffen, um die Einfuhr ausländischen Beizens vor der franzöſiſchen Ernte- zu verhindern, was den Franten aufs neue bedrohen müffe. Wieder ein ruffisches Todesurteil Der Borfigende der früheren transfafpischen Regierung, Funtifoff, der während der eng lischen Oftupation im Einvernehmen mit den englischen Behörden 26 Sowjetkommissare aus Batu und zahlreiche Führer der transtautasischen Arbeiterbewegung erschießen ließ, wurde vom Militärfollegium des Obersten Ge richtshofes in Baku zum Tode verurteilt. schmere Mißhandlung und Einterferung, Absehung und Eril auf fich. Ihm folgt jetzt der Philosoph Sarlo. Die in Mailand verfammelten Philosophen hatten nahezu einstimmig( gegen den Protest des Faschisten Carlini aus Pisa) die Tagesordnung angenommen Im Namen der Freiheit der Forschung und der besten Tradition in der italienischen Wissenschaft protestiert der 6. nationale Kongres für Philosophie gegen einen Alt der Bergewaltigung, der vergebens versucht, die Ausübung der Philosophie und das Leben des Geistes zu hemmen." Auf telegraphische Weisung aus Rom verschloß dafür ber Geburtshelfer Mangiagalli den Philosophen augenblidlich die Räume der Mailänder Universität; gleichzeitig ist gegen Sarfo und vierzehn Kollegen das Disziplinarverfahren auf Amtsentlassung era briola verlor seinen Lehrstuhl an der Universität Reapei. öffnet worden. Auch der ehemalige Arbeitsminister Arturo Raiser Domitian verbannte alle Philosophen als durchaus unnütze und schädliche Geister" aus der Hauptstadt, und gleichwohl steht heute noch die Reiterstatue des Philosophen Marc Aurel auf dem Rapitol zu Rom. Ein Kulturfilm- Theater. An die Berliner Filmfunstfreunde mendet sich ein neues, von der Ufa ins Leben gerufenes Unter nehmen. Am 30. d. M. wird das U. T. Kurfürstendamm stillen Abschied von seinem bisherigen Spielbetrieb nehmen, um am 1. Mai als Bühne der Berliner Filmtunstfreunde" wieder eröffnet zu merden. Das neue Kulturfilm- Theater am Kurfürstendamm wird fein Kino im herkömmlichen Sinne fein. Der Spielplan wird eine Mischung von Spiel- und Kulturfilm darstellen. Das Programmr wird halbwöchentlich wechseln, so daß also mindestens neun Programme im Monat geboten werden. Bon der Leinewand herab werden Spielfilme grüßen, die vor Jahren entweder berechtigtes Aufsehen erregt haben oder wegen ihres überhohen Kunstwertes unverstanden ins Filmlager zurüdwandern mußten. Also nicht nur Kulturfilme, fondern Filmkunft überhaupt, hin und wieder mit einleitendem Vortrag, immer mit musikalischer Illustrierung, Kulturfilme mit und ohne wissenschaftlichen oder populären Vortrag, aber immer nur Filme ohne störendes Beiwert und grundsätzlich nur geistig und ethisch hochwertige Filme. Die Ufa will Filmfunstfreunde in einer ganz neuen Art organifatorisch zusammenfaffen, und zwar durch eine übertragbare Rabattfarte, die sich auf normale Eintrittspreise aufbaut und dem regelmäßigen Besucher erhebliche geldliche Vorteile gewährt. Der Symphonie- Berein( Dirigent: Prof. Leo Schrattenbols) veranstaltet am Donnerstag, den 29. April in der Hocichule sein II. Konzert. Zur Aufführung gelangen Beethovens Egmont Duvertüre, das Tello- Konzert von Doorat und die C- moll- Symphonie von Brahms. Tätigteit in der Staatsoper wieder auf. Heinrich Schlusnus nimmt am 1. Mai als Tonio in Bajazzi" feine Einladung der Deutschen Gefellschaft für Vererbungswissenschaft hat der Ein internationaler Kongreß für Bererbungswissenschaft in Berlin. Auf Internationale Ausschuß zur Vorbereitung bes nächsten Vererbungstongresses einstimmig beschlossen, daß der Kongres in der zweiten Hälfte September 1927 in Berlin stattfinden soll. Neue Schießternit. In der bentigen Neuen Berliner" lieft man mort. lich:" Das wütende Trommelfeuer, bas Graf Bestarp gegen die Außenpolitit des Stabinetts Luther- Stresemann dieser Tage vom Stapel gelaffen hat..." Luther über Deutschlands Wirtschaft. Eine Rede vor dem Industrie- und Handelstag. Im Plenarsizungsfaal des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates begann heute vormittag die Bollversammlung des Deutschen Indu strie- und Handelstages. Reichsfanzler Dr. Luther führte in einer Ansprache aus: Benn wir heute die allgemeinen Zustände in Politik und Wirtschaft mit den Verhältnissen bei Kriegsende, somie bei Beendigung Des Ruhrkampfes vergleichen, so sehen wir, daß sich in einer ver hältnismäßig nicht langen Zeit die Lage Deutschlands erheblich verbessert hat. Dieser Feststellung steht allerdings die Notlage der deutfchen Wirtschaft gegenüber, die uns zeigt, daß wir von einer mirtlichen Genesung noch weit entfernt find. Die Erwerbslosen ziffern find erschreckend; dazu ist die Eingliederung Deutschlands in das Weltwirtschaftsgetriebe noch lange nicht in dem Maße erfolgt, wie es notwendig ist. llm bie uns auferlegten Laſten abzutragen und die aus unserer Berschule bung entstandenen Zinsverpflichtungen abzudecken, brauchen wir eine attive Handelsbilanz. Es hat sich in der legten Zeit unver fennbar eine Verschiebung der Handelsbilanzverhältnisse ergeben. Seit Ende 1925 ist unsere Ausfuhr im Steigen. Daneben besteht die Tatsache, daß Deutschlands Anteil am Belt handel, der 1913 ein Achtel betrug, 1925 nur noch ein Bierzehntel aitsmachte. Dazu kommt, daß die 3iffern der Erwerbs= losen und Kurzarbeiter eine Höhe erreicht haben, die den entsprechenden Zahlen bei Beendigung des Ruhrkampfes und mäh. rend der Nachwirkungen der Inflation nicht viel nachstehen. Es muß auch festgestellt werden, daß in anderen Jahren sich zu dieser Seit eine weit fühlbarere Befferung der Arbeitsverhältnisse gezeigt nat. Dennoch wäre es das Berfehrteste, angesichts dieser Zahlen mutlos zu werden. Wir fönnen jezt aber in dem Bewußtsein an Die Arbeit gehen, daß mir nicht mehr auf Sand bauen, daß die wirtschaftliche Genesung beginnt, wenn nicht unvermutet neues Unheit eintritt. Die Anzeichen bafür sehen wir in den Zunahme der Spartäfigkeit, ohne die fein Wiederaufbau möglich ist, in dem Wachsen der Spareinlagen und Bankdepofiten, in dem vermehrten Abfaz von Pfand briefen. Es ist heute die Shinde gefommen, wo von der Wirtschaft jede nicht unbedingt erforderliche Untoftenbelastung genommen merden muß. Die Reichsregierung begrüßt daher jede Sentung der 3ins und Previsionsjage, und hofft, daß auf diefem Wege weitergeschritten wird.( Beifall.) Den Gefahren der Aufwertungsbestrebungen, die völlig unerfüllbar find, ist seitens der Reichsregierung durch einen Gefeßentwurf entaegengetreten worden. Das Ziel, ruhige Berhältnisse zu haffen, ist Leitschnur der Regierungspolitit in der Innen- und Außenpolitit, damit auch das ausländische Rapital fich bereit findet, für unseren Wiederaufbau tätig zu sein. So umstritten die einzelnen Probleme auch find, so kann ich doch feststellen, daß im letzten Jahre wichtige Fortfchriffe in der Befriedung Europas gemacht worden sind. Als ich im vorigen Jahre an dieser Stelle sprach, mar das Ruhrgebiet und die erste Rheinlandzone entgegen den uns gemachten Bersprechungen noch befeht, mährend sie heute frei sind. Auch die Verhandlungen in Genf gehen trop des noch nicht erfolgten Beitritts Deutschlands zum Völkerbund weiter, und mit dem inzwischen abgeschlossenen Bertrag zwischen Deutschland und Rußland ist ein weiterer erheblicher Fortschritt auf der Bahn der friedlichen Zusammenarbeit in Ergänzung der Verhandlungen von Locarno erzielt worden. Hin fichtlich dessen, was der Staat für die Wirtschaft tun tann, dürfen wir natürlich nicht in die Fehler der Bortrisezeit zurückfallen. Es ist selbstverständlich, daß Deutschland, das globe Gebiete vers loren hat, nach Möglichkeit eine Stärkung des inneren Marites erstrebt Bie notwendig eine Stärkung ber. Landwirtschaft ist, dafür hat die vorige Ernte ben Beweis geliefert. Die Absicht Der Reichsregierung, der Landwirtschaft nach Möglichkeit zu helfen, will ich an dieser Stelle nochmals unterstreichen. Gleichzeitig müfien mir aber alles tun, um uns in den weltwirtschaftlichen Baren. austausch so start wie möglich einzufügen, und zwar durch Handelsverträge, durch internationale Berständigung und durdj private Berständigungsmaßnahmen. Den Arbeiten der Weltwirtschaftsfonferenz ist vom deutschen Standpunkt bester Erfolg zu wünschen. Wie notwendig private Berständigungsbestrebungen find, beweist das Beispiel der Rohle, deren Produktionsmöglichkeiten außerordentlich gesteigert worden find. Die berechtigten Bünsche der beteiligten Wirtschaftskreise müssen oft zurüdgedrängt werden im Gebanten an die Schicksalsgemeinschaft des deutschen Boltes. Deshalb richte ich an dieser Stelle die dringende Bitte an die Wirtschaft, den Sorgen der deutschen Landwirtschaft in jeder Weise Rechnung zu tragen. Unser Hauptziel bleibt die Erhöhung des Warenaustausches zur Kräftigung der Wirtschaft der Welt und damit auch Deutschlands. In erster Linie wird unsere Aufgabe aber immer die Pflege der Qualitätsarbeit sein. Die Reichsregierung ist vor allem be müht, in Rußland gewissermaßen eine industrielle Ausrüstung und damit neue Absatzgebiete für die deutsche Industrie zu schaffen. Die Berhandlungen über die Finanzierung dieser Auftroge werben hoffentlich bald abgeschloffen fein. Grundsäglich noch bedeutungsvoller wird vielleicht die Beteiligung des Reichs an der Förderung des deutschen Exports fein, ber nach aller Tunlichkeit gesteigert merden soll. Ebenso selbstverständlich ist es, daß dies nicht durch unbegründele Hochhaltung der Inlandspreise, geschehen darf. Das Reich hat sich zu einer Steuerfentung bis an die Grenze des Möglichen entschlossen. Diese Attion märe vielleicht durchgreifender gewesen, wenn die Realsteuern gejenft worden wären, die jedoch der Zuständigkeit der Länder unterstehen. Immer hin handelt es sich fast um eine halbe Milliarde Steuern, die entweder in Preissenkungen zum Ausdrud tommen oder als Betriebsmittel der Wirtschaft verbleiben wird. Sehr start belasten uns noch die öffentlichen Verwaltungstoften, die überall auf die Möglichkeit einer Berringerung nachgeprüft werden müßten. Daneben ist auch eine Verringerung der Verwaltungsaufgaben notwendig. Reichstanzler Dr. Luther fam dann auf die Notwendigkeit der gemeinschaftlichen Arbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu sprechen, wobei er der Hoffnung Ausdrud gab, bas burch gegen feitige Berständigung die meisten Streitpunkte gelöst werden fönn ten, wenn erst möglichst allen Boltsgenossen Arbeit gebracht wor den fei. Allerdings werde sich diese Berständigung auf parteipolitischem Bege taum erreichen lajien(!), wie es überhaupt fegensreich wäre, wenn gerade von der Wirtschaft die Berständigungsbestrebungen im deutschen Bolte ausgingen. Breissenkungsaktion der Reichsregierung, so fuhr er fort, hätte zwar nicht uneingeschränkten Beifall gefunden, fei aber troß ge legentlicher Preissteigerungen auf einzelnen Gebieten feineswegs erfolgles geblieben. Er schloß mit den Wor ten: Es geht zwar nur langsam und schrittweise vorwärts, aber 3meifellos auf hoffnungsvoller Bahn! Die Tagesbilanz von Kaltulta. Am 27. April murden bei den fich täglich wiederholenden Feindseligkeiten in Rolfutta, die dem Ston feffionshaß zwifchen Hindus und Moslim entspringen, 14 Personen getötet und 50 verleht. Die Polizei ging mit Maschinen gewehren gegen die Ruheftörer vor. Auftakt im Schulgarten. Leider noch nicht alle Groß- Berliner Boltsschulen, aber doch schon eine größere Anzahl, gewöhnlich mehrere vereint, haben dan! der Fürsorge der Bezirksämter ihren eigenen Schulpflanzgarten außerhalb des Schulgebäudes. Gleich nach den Osterferien hat mieder das große Bitten um Zulassung zum selbständigen Pflanzen oder richtiger zum Pflanzenlernen begonnen. Für einige tausend Beete fann natürlich mir eine ebenso große Minderzahl von sich meldenden Kindern zugelassen werden, deren Auswahl nach einem bestimmten System geschieht. Mit der Zeit haben ja die die Aufficht führenden Lehrer und Lehrerinnen herausgefunden, welche brüder lofafer Unruhen. Aus Anlaß des Krönungstages hatte bic Gruppe der perfischen Studenten in Berlin zu einer Protest fundgebung gegen den reaktionäären Staatsstreich in Berfien und das Blutbad in Schiras( Militärfeuer gegen oppositiotalischen Organisationen waren eingeladen. Die Berjammlung ergab nelle Demonstranten) aufgefordert. Die Repräsentanten der oriendie entschiedenste Opposition der persischen Studentengruppe gegen Riza Khans Machenschaften und ein entschiedenes Bekenntnis zum sozialen Fortschritt. Die Gruppe plaidiert für ein Berfien auf autonomer Grundlage. „ Deutschlands Not und Rettung." Kinder durch ihre besonderen Eigenschaften, Gefundheitszustand, soziale Lage der Eltern den Vorrang beanspruchen dürfen. Deshalb spricht jetzt auch der Schularzt ein Bort mit und weist auf geeignete Rinder hin. Hier und da ist auch der kleinen Sonderklasse für geistig urückgebliebene Kinder, die an Gartenarbeit meist viel Gefallen empfinden, ein eigenes Pflanzfeld zugewiesen. Beim ersten Antritt mit Hade und Spaten harrt der Lehrer und Kinder in jedem Früh jahr eine unangenehme Erscheinung. Unberufene find in die während des Winters verlassenen und abgeschlossenen Schulgärten eingedrungen, haben die Zäune zerstört, die Rafenrabatten zertrampelt und manches schon hübsch gewachsene Bäumchen beschädigt oder vernichtet. Dazu ist ein Schulpflanzgarten nicht da, wenn man auch fonft der Jugend alle möglichen Freiflächen zugänglich machen soll. Die Bezirksämter müssen dann immer wieder zur Beginn des Vortrags ging Heller auf den Locarno- und den Ostvertrag feitigung der Schäden in den Beutel greifen und könnten das Geld hierfür besser anwenden, um beispielsweise bedürftige Kinder mit Aussaatpflanzen zu versehen. Ueberall wird jetzt von den jungen Knochen tüchtig geschafft beim Umgraben, Schmuzbeseitigen, Ab stechen der Beete und Düngen. Ohne Fleiß auch hier kein Preis. Wer den erst nach der Revolution eingerichteten Schulpflanzgärten feinen oder nur geringen Wert beimessen will, hat für das Jugend wohl, dem alle verfügbaren Mittel und Bege offenstehen müffen, nicht das richtige Verständnis. Es ist schon ein großer Borteil, wenn auf diese Weise wochentäglich einige tausend Kinder mehrere Stunden lang ohne 3wang den Gefahren der Großstadtstraße entzogen werden. Dachstuhlbrand in der Friedrich- Wilhelm- Straße. Menschenleben in Gefahr. Zu einem größeren Feuer wurden gestern nacht gegen 12 Uhr fünf Löschzüge der Berliner Feuerwehr nach dem Hause Fried. rich Wilhelm- Straße 6, in unmittelbarer Nähe der Herkules Brüde gerufen, wo der Dachstuhl des Quer Hertules- Brüde gerufen, wo gebäudes in Flammen stand. Gleichzeitig mit der Feuermeldung erging der Alarm Menschenleben in Gefahr". Unter Leitung des Branddirektors Blöter und der Bauräte Berg, Spohn und Lindner auch Oberbranddirektor Gempp war erschienen wurde mit fünf C- Rohren und einem B- Rohr über die Treppenhäuser und über eine mechanische Leiter gegen das Flammenmeer porgegangen. Das Feuer muß bereits längere Zeit gewütet haben, denn bereits nach dem ersten Löschangriff loderten auch im rechten Seitenflügel, wohin das Feuer übergegriffen hatte, aus den Boden lufen die Flammen heraus. Durch die starke Rauchentwicklung bestand für die im 4. Stodmert wohnenden Mieter große Erstickungs gefahr. Es gelang aber, die Bewohner über die start verqualmien Treppen glücklich ins Freie zu bringen. Einem Maler, der im vierten Stod wohnt, und dem der Weg über die Treppe durch den Qualm abgeschnitten war, gelang es, sich über das Dach hinweg in Sicherheit zu bringen. Erst gegen 1 Uhr war die Hauptgefahr beseitigt. Nachdem zwei Ablösungszüge eingetroffen waren, fonnte mit den Aufräumungsarbeiten begonnen werden. Der Dachstuhl des Quergebäudes und ebenso der des rechten Seitenflügels find um größten Teil vernichtet. Die Entstehungsurfache fonnte bisher noch nicht geklärt werden. Ebenso ist die Höhe des angerichteten Schadens noch unbekannt. Trog der späten Nachtstunden, in der das Feuer austam, hatten sich viele Buschauer eingefunden, die die Zugangsstraßen besetzt hielten. Ein Schupoaufgebot riegelte aber die Brandstelle ab und hielt die Orbnung aufrecht. Großer Dachstuhlbrand im Grunewald. Jim Hause Königsallee 28 im Grunewald fam heute mittag turz nach 41 Uhr im Dachstuhl des Hauses aus bisher noch unbekannten Gründen Feuer aus. Auf den Alarm eilten drei Lösch züge an die Brandstelle, die mit vier Rohren gegen das Feuer vor. gingen. Bei Redaktionsschluß dauerte das Feuer, das eine große Ausdehnung gewonnen hat, noch an. Spritschieber und bestechliche Beamte. Das Urteil im kleinen Spriffchieberprozeß In dem sogenannten fleinen Spritschieberprozeß Derurteilte nach zehntägiger Verhandlung das Schöffengericht Bedding den Zollsekretär Beder wegen Bestechung, Amtsverbrechens und Monopolvergehens zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust sowie zu 26 000 m. Geldstrafe; den Zollbeamten man they zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis und 165 000 m. Geldstrafe; den 30lbeamten Krause zu 4 Monaten Gefängnis; ben schuldigen Beamten wurde auch die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf längere Zeit abgesprochen. Der Hauptfchuldige bei den Spritschiebungen, Kading, erhielt megen Bestechung und Monopolsteuerhinterziehung 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 250 000 m. Geldstrafe; der Kaufmann Beber 5 Monate Gefängnis und 250 000 m. Geldstrafe; ferner der An geflagte Beitinger megen Beihilfe 3 Monate Gefängnis und 85 000 m. Geldstrafe. Von den übrigen 11 Angeklagten wurde ein Teil freigesprochen, die anderen wurden teilweise in recht empfindliche Geldstrafen genommen. Noch ein Sonderzug nach Guben! Bie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, haben fich die zuständigen Reichsbahndirektionen Berlin und Often entschlossen, den Sonntagsfonderzug IV. Klasse mit 33% Broz. Fahrpreisermäßigung, ber bereits am 25. April etma 1000 Teilnehmer nach Buben brachte, infolge bes guten Ergebnisses am 2. Mai zu mieberholen. Der Zug fährt ab Charlottenburg 6.22 morgens, ab Bahnhof Zoologischer Garten 6.29, ab Bahnhof Friedrichstraße 6.42, ab Bahnhof Alexander plag 6.50, ab Schlesischer Bahnhof 7.00, an Guben 9.28 morgens. Die Rückkehr erfolgt ab Guben 9.28 abends, an Schlesischer Bahnhof 12.12 nachts, an Bahnhof Alexanderplat 12.26, an Bahnhof Friedrich ftraße 12.33, an Bahnhof Zoologischer Garten 12.45 und an Char fottenburg 12.52 nachts. Die Fahrpreise für die Hin- und Rückfahrt betragen ab Berlin- Stadtbahn 6 M., ab Fürstenwalde/ Spree 3,80 m. Der Fahrtartenverlauf beginnt am Donnerstag morgen und erfolgt nur bei der Fahrkartenausgabe des Bahnhofs Friedrichstraße sowie im Mitteleuropäischen Reisebureau, Potsdamer Bahnhof. Bei den persischen Studenten. Bitus Heller, Führer der christlich- jozialen Reichspartei und Herausgeber der Wochenschrift„ Neues Boll", der vor wenigen Jahren schon der partikularistisch- reaktionär monarchistischen Bolitik der Bayerischen Volkspartei die Gefolgschaft aufsagte und eine Gruppe für radikalfoziale und raditalchriftliche Bolitit" in Würzburg tonstituierte, sprach in der Aula des Friedrich- Wilhelm- Gymnasiums in der Kochstraße über, Deutschlands Rot und Rettung" vor einem recht zahlreichen Publikum. Wenn auch manches, was heller aus. führte, recht abstraft und legten Endes viel zu unpolitisch gesehen war, jo muß man vor dem entschiedenen sozialen Ethos dieses aufrechten und fonsequenten christlichen Lintsrepublikaners alle Achtung haben. Vitus Heller ist sicherlich ein Weggenosse, mit dem sich, trog fultureller Gegenfäße, in zahlreichen Dingen sehr viel gemeinsam schaffen läßt. Wohltuend berührt sein tapferer Pazi fismus, den er aus der christlichen Glaubenslehre herleitet. Zu Be ein, deren praktischen Auswirkungen er steptisch gegenübersteht. Solange der Geist der Nationen militaristisch und nationalistisch sei, bliebe alle Bertragspolitit nur Dedungs- und Bündnispolitif einzelner Mächtegruppen gegeneinander. Nicht die Außenpolitik iſt nach Heller für uns zurzeit primär, sondern die Innenpolitif. Bas zu beweisen wäre. Sehr heftig wandte fich der Redner gegen ben Militäretat, der bei einer Arbeitslosenziffer von fast zwei Millionen mit 500 Millionen Marf an das Militärbudget von 1913 heranreiche. Für 784 000 Kriegsbeschädigte nur einige hundert Millionen Mark für den dringend notwendigen Wohnungsneubau 200 Millionen Kredit, und für die finnlose Soldatenspielerei eine halbe Milliarde; 48 Millionen für Munition!. Das ist typisch für den Geist unserer Militärbureaufratie. Mit überzeugenden Worten wandte fich Heller gegen die Fürstenforderungen und erläuterte aus christlicher Ideologie heraus die gebieterische Notwendig feit des Boltsentscheids auf Fürstenenteignung. Einen breiten Raum nahm die soziale Frage in Hellers Bortrag ein, auch den Fememordfomplex ließ der Redner nicht unbeleuchtet. Reichsgesundheitsmochen schafft man nicht durch Ausstellungen, sondern durch soziale Taten. Die Schutzzollpolitik der schwerindustriellen Regierung war ein Fiasko, die Arbeitslosentrise ist durch die Untätigkeit der LutherRegierung chronisch geworden. Wir dürfen weder Rechtspolitit, noch eine Politit der Mitte, sondern müssen entschiedene Linkspolitit treiben. Konzert für Erwerbslose. Der große Saal des„ Orpheums" in der Hasenheide war überfüllt. Der Gesangperein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer Typographia" gibt unter seinem Chormeister Alexander einbaum ein Konzert für die Erwerbslosen. Begeistert folgt die große Schar der Zuhörer, und tief empfunden ist der Dank, den ein Erwerbsloser dem Chor und dem Solisten Jcsef Wolfsthal, dem ersten Konzertmeister der Staatsoper, ausspricht. Die Chöre flingen machtvoll, der Ton füllt den großen Gaal, wächst und wird beinahe zu groß für den Raum. Weinbaum schattiert die Stimmen virtuos, dämpft, deckt ab und läßt sie zu größter Intensität anschwellen. Der Chor singt Volkslieder, Chöre und das Lied des Steuermanns aus Wagners Fliegender Holländer". Der Beifall mächst nach jeder Darbietung. Josef Wolfs that spielt Baganini, Tartini, Glud, einen ungarischen Tanz non Brahms und ein Wiener Boltslied in der Bearbeitung von Kreisler, pernehm, ruhig, mit breitem Strich, fein Instrument hat einen prachtvoll fonoren Ton. Wolfsthal spielt fein großes Konzert, aber Stüde, die zünden und den Bebrüdten mehr geben, als ein großes Biolinkonzert Don Mozart, Beethoven oder Mendelssohn. Weinbaum ist ein anpaffungsfähiger, tezenter Begleiter. Es wäre münichenswert, wenn auch andere Chöre dem Beispiel der„ Inpographia" folgen würden. * Gestern abend veranstaltete der Boltschor esten" sein erstes Werbefonzert in der Aula der Gemeindeschule Hohenstauffen ftraße. Der Chor ist Anfang Oftober porigen Jahres gegründet worden und zählt heute etwa vierzig Mitglieder. Da im Westen teine Boltschöre bestanden, erscheint diese Gründung als Notwendig teit, und es wäre zu wünschen, daß die Mitgliederzahl fich bald Dervielfältigen möge. Hauptsächlich will sich der Chor der Pflege bes Bolksliedes mibmen. Schon heute fann man feststellen, daß der Dirigent fehr gut die Stimmen ausgeglichen und den Chor im Tempo gefchult hat. Mängel in der Rhythmisierung sind auf die kurze lebungszeit zurückzuführen. Preis der Liebsten"," Dein Herzlein mild" und„ Es fiel ein Reif" fiangen rein und ausgefeilt im Bortrag. Hoffentlich gelingt es bald, den Cher als vollwertig den anderen Chören des DASB. gleichzustellen. " Der männliche Sommerhut. Das Modeamt der Hut- und Müzenbranche" lub zu einer Besprechung bes löblichen Vorhabens ein, der Herrenhutbranche durch einen sogenannten„ Strohhuttag", ber in nächster Beit stattfinden soll, ein wenig auf die Beine zu helfen. Die Gefahr der Sommerzeit und der damit verbundenen großen Mehrheit der unbehüteten Männer macht ihnen Sorge und sie wollen alles daranseßen, den Hutmachern nach Kräften beizustehen. Selbstver ständlich teilt das Huimachergewerbe sein Schicksal des schlechten Geschäftsganges mit allen anderen Branchen und man fann es verstehen, daß jede Zunft bestrebt ist, mieder etwas hochzukommen. Die Hauptaufgabe des Modeamtes( die Bezeichnung flingt etwas start bureaukratisch) besteht darin, die von den verschiedenen Fabrifanten vorgelegten Muster zu prüfen und daraus die nach ihrer Ansicht besten Fabrikate auszuwählen und auf den Markt zu bringen. Die Art der Reflame soll bereits im Auslande vielfach Nachahmung gefunden haben, was die Hutmacher nicht als Kon turrenz, fondern als gutes Omen betrachten. Man ist versucht zu bemerken: Der Herr behüte euch, oder besser gesagt, jeber Herr behüte" sich! Der Stlarz- Prozeß. In dem Betrugsprozeß gegen den Kaufmann Heinrich Stlarz stellte der Angeklagte, nachdem die Verteidiger ihre Berteidigungsreden, die auf Freisprechung hinaus. zielten, beendet hatten, noch eine ganze. Serie von Beweisanträgen, bie in nicht weniger als 150 Buntten neue Beweisermittlungen forderten. Das Gericht wird seine Stellungnahme zu diesen neuen Anträgen zugleich mit ber Urteilsverkündung, die vom Amtsgerichts. rat Reßner auf Sonnabend mittag anberaumt worden ist, befannigeben. Zwei schwere Explosionstatastrophen. Am Dienstag vormittag ereignete fich in den Staatlichen Bulverfabriken in Leoben in Defterreich eine schwere Explosion, durch die das Mitschwert in die Luft flog. 3 mei Arbeiter murden getötet. Die zerstümmelten Leichen fand man in einer Entfernung von 40 Metern Wie aus Datland( Bereinigte von der Explosionsstätte. Staaten) gemeldet wird, explodierten bei Sprengungsarbeiten in Stüde gerissen wurden. 1500 fund Dynamit, wodurch vier Arbeiter völlig Am Sonntag fand in Teheran in Berfien bie Krönung Riza Rhans als Schah von Bersten statt. Der theatralische Bompaft des perfischen Gewalthabers mar sozusagen der offizielle Schlußpunkt hinter einer feit etwa fünf Jahren bestehenden Machttatsache. Im Jugzufammenstoß in Belgien. In der Nähe von Antwerpen Jahre 1921 gelang es Riza Khan durch einen Staatsstreich das Heft in die Hand zu bekommen. Er betätigte sich, wie die Bulletins find z mei Arbeiterzüge zusammengestoßen. 50 Reisende melden, als energischer Reorganisator" und erfolgreicher Unter- find berlegt worden, davon 15 schwer. Gewerkschaftsbewegung Eine längst fällige Ratifizierung. Kinderarbeit in der Landwirtschaft. Es wird gegenwärtig viel von dem Schutz der landwirtschaftlichen Kinderarbeit geschrieben und gesprochen. Dabei erscheint es angebracht, darauf hinzuweisen, daß bereits die 3. Tagung des Internationalen Arbeitsamts am 25. Oftober 1921 den Entwurf eines llebereinkommens betr. das Alter für die Zulassung DOR Kindern zur Arbeit in der Landwirtschaft" an genommen hat. Nach dem§ 1 des Entwurfs dürfen Kinder unter 14 Jahren in öffentlichen oder privaten landwirtschaft. lichen Betrieben oder ihren Nebenbetrieben nur außerhalb der für den Schulunterricht beftimmten Stunden beschäftigt werden Diese Beschäftigung dari jedech den Schulbesuch nicht beeinträchtigen. Im§ 2 wird finngemäß gesagt, daß zum Zwede praktischer Berufsausbildung die Unterrichtszeiten und die SchulStunden so geregelt werden dürfen, daß die Kinder bei leichter landwirtschaftlicher Arbeit und besonders bei leichter Erntearbeit beschäftigt werden fönnen. Der Schulbesuch während des ganzen Jahres darf jedoch nicht weniger als acht Monate betragen. Dieje Bestimmungen sind feine Jdeallösung.. Ein Einführung in Deutschland würde aber unter den heutigen Berhältnissen einen wesentlichen Fortschritt ausmachen. Angesichts dessen erscheint es mehr als befremdend, daß sich trog vieler Anregungen besonders von sozialdemokrotischer Seite bisher feine Reichsregierung gefunden hat, die den ut zur Ratifizierung des ermähnten Uebereinkommens befigt. Collie sich auch in dieser Frage wieder die verhängnisvolle Rolle der Bureaufratie des Reichsernährungsministe riums bemerfbar mochen, von der bekannt ist, daß fie alle arbeiterfreundlichen Maßnahmen unterbindet, dafür aber die Politik des Reichslandbundes zur Richtschmur des Handelns nimmt? Kraftwerk Rummelsburg und Bauarbeiterschutz. Wieder zwei schwere Bauunfälle. In der Nacht zum 28 April ereignete fich um 2 lihr auf dem Kraftmert Rummelsburg ein schwerer Bauunfall bei der Eijen fonfruttionsfirma Duo w. Zwei Arbeiter dieser Firma waren am Borbau tamit beschäftigt, durch einen Flaschenzug fdjwere Werfstüne in die Höhe zu schaffen. Plöglich zerriß die eiserne Kette des Flaschenzuges, weil fie der ich weren Belastung nicht gewachsen war. Der Flaschenzug brach infolgedessen zusammen und ris zwei Arbeiter in die Tiefe. Beide wurden sehr schmer verlegt in bas Auguste- Bittoria- Krankenhaus in Lichtenberg eingeliefert. Bon der städtischen Baupolizei ist jetzt tagsüber ständig ein BauPontrolleur auf dieser Baustelle postiert. Es wird indeffen notwendig, daß and nachts für die gehörige Uebermadung gesorgt wird. Bor allen Dingen notwendig ist jedoch, daß die Eisenfonstruflions firmen zuverlässiges Material für die dortige Arbeit zu liefern haben. Die Leichtfertigteit, mit der dort bie Arbeiten obne jebe uhvorritungen ausgeübt wird, spottet einfach jeder Beschreibuno. Die Arbeiterschaft hat das Recht, von den Firmen zu verlangen, daß die Unfallverhütungsvor schriften durchaus beachtet werden. Zonkonflikt in den Berliner Brauereien. Crabfiimmung über einen Streif. Eit 1. Januar besteht für die Brouerciarbeiter fein festes Lohnabfempien mehr. Der Lohntarif mar von den verirag fchließenden Arbeiterorganisationen zum 31. Dezember gefündigt und eine Erhöhung der Löhne gefordert worden. Da die Internehmer feinerzeit fede on erhöhung mit der Begründung ablehnten, infolge ihrer schled ten wirtschaftlichen Lage, der Sentung der Inderziffer und der proßen Arbeitslofqfeit dazu nicht in der Lage zu sein, beschloffen die unttionäre, ohne festen Tarif weiter zu arbeiten Am 13. April wurde auf Beschluß der Funktionäre den Brauunternehmern erneut eine Forderung unterbreitet, in der die Erhöhung fämtlicher Löhne um 7 Mart pro Woche gefordert wurde. Darauf antworteten die Unternehmer mit ainem Schreiben, in dem es u. a. wie folgt heißt: Die Beratung innerhalb des Vereins und der Tarifgemein schaft der Berliner Brauereien über diese Forderung haben zu der Feststellung geführt, daß eine Lohnerböhung anaejichts der weiteren Gestaltung der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse und im Hinblick auf die Lane der Brauereiarbeiter im Verhältnis zu den Rezügen und Beschäftigungsmöglichkeiten der Arbeitnehmer anderer Industrien nichi begründet werden kann. Wir vermögen uns baher von Berhandlungen der beider feitigen Tariffommissionen einen Erfolg nicht zu ver iprechen. Zu dieser glatten Ablehnung ihrer Forderung wie über haupt jeder Verhandlung nahmen die Funktionäre gestern abend im Rosenthaler Hof Stellung und beiloisen ein stimmig, so fchnell wie möglich in den Betrieben eine Ur abstimmung über Streit oder Weiterarbeit zu den jezigen Löhnen vorzunehmen. Sollten die Berliner Brauereten, deren Dividendenausschüttungen beweisen, daß fie fehr wohl in der Lage sind, den berechtigten Forderungen ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen Rechnung zu tragen, nicht noch in letzter Stunde ihren ablehnenden Standpunkt aufgeben, so dürfte es zu einem schweren konflikt in den Brauereien kommen. Die Tätigkeit der Berliner Holzarbeiter. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes hat vor einigen Tagen über ihre Tätigkeit im Vorjahre einen gedrudien Bericht herausgegeben, auf 128 Seiten ist darin in übersichtlicher Form nicht nur die Tätigkeit der engeren Verwaltung, sondern auch der einzelnen Kommissionen und Branchen festgehalten. Aus dem geschickt zufammengestellten Tabellenmaterial feien hier nur einige furze Auszüge wieder. 18. Abteilung. Am Montag, den 26 April, veritarb unfer langjähriger, bewährter Gertosse Wilhelm Derzowsky Freienwalder Straße 17, im Alter Don 72 Jahren. Ehre seinem Andenken! Einäicherung am Donnerstag, den 29, nach 2 Uhr im Krematorium Geridtffrage Nege Beteil cure wond erwartet. Die Abteilungsleitung. gegeben. Durch den zehntägigen Streit der Roffermacher wurde eine Erhöhung des wöchentlichen Durchschnittsverdienstes Bon 36,80 auf 50,60 m. erzielt. Durch die Streits der Ristenmacher und Bodenleger erhöhte sich der Durchschnittsverdienst von 41,40 m. auf 48,30 m. bzw. von 64,40 m. auf 71,30 M. Die Auswirkung des Organisationsverhältnisses auf die Lohngestaltung zeigt am besten der Gegensatz zwischen der gut organisierten Branche der Bodenleger und den schlecht organisierten Rorbmachern. Die Bodenleger steigerten ihren Lohn von 1.15 M. am Anfang des Jahres auf 1,55 M. am Schlujie des Jahres, das sind 34,78 Proz. Schluß des Jahres 77 Pi. Lohn, das ist eine Steigerung un nur Die Korbmacher hatten am Anfang des Jahres 70 Pf., und am 10 Proz. Weitere Tabellen geben Aufschlüsse über die Tätigkeit der Kontrollkommission, der Mitgliederbewegung im allgemeinen und in den einzelnen Branchen, die Wochenzahlen der Arbeitslosen und weises. Zum Schluß sind die Einschreibungs-, Abstempelungs- und Kranten während des Jahres sowie der Tätigkeit des Arbeitsnach Bermittelungszeiten der einzelnen Branchen auf dem Arbeitsnachveis und die wichtigsten Adressen von Behörden und der Berliner Zahlstellen aufgeführt. Jedenfalls ist das Buch ein unentbehrliches Nachschlagewert für Mitglieder und Funk tionäre des Holzarbeiterverbandes, die ein Interesse an den Vorgängen innerhalb ihrer Organisation und an ihrem Ausbau haben. Es wird an die Mitglieder unentgeltlich im Bureau der Ortsverwaltung abgegeben. Ein frommer Wurstfabrikant. Bom Zentralverband der Fleischer wird uns geschrieben: Herr Banl Stupin, Inbaber einer Bursifabrit in Lichtenberg, Tasdorfer Str. 9, ist allgemein als sehr frommer Mann bekannt. Damit ist jedoch seine beharrliche Weigerung, einen ihm von der Bauptfürforgeſtelle für Striegebefchädigte überwiefenen arbeitslosen leifchergesellen einzustellen, nicht recht in Einklang zu bringen. Der Mann, der seine Gefellen bis über 60 Stunden pro Woche beschäftigt, bat angeblich feine Arbeit für einen Kriegsbefchädigten, was von Kundigen stark bezweifelt wird. Damit stellt sich der Meister Sluvin in die Reise der sogenannten„ ehrbaren" Fleischermeister, mit denen die Fleischerinnungen feinen Staat machen fönnen. Der pfändungsfreie Teil des Lohnes. Die Frage, ob von dem pfändungsfreien Teil des Lohnes Steuern und Versierungsbeiträge abgezogen werden dürfen, unterlag der Beurteilung der Kammer 7 des Gemerbegerichts aus Anlaß des folgenden Falles. Ein Arbeiter hat Alimente zu zahlen, die der Arbeitgeber auf Grund eines Gerichtsbeschlusses vom Lohn einzubehalten und der Alimentenempfängerin auszuzahlen hat. Das Gericht hat den pfändungsfreien Teil des Lohnes dieses Arbeiters auf 28 Mart für die Woche festgesetzt. Er verdient 31 Mart, also wurden ihm 3 Mart zugunsten der Alimentenempfängerin einbehalten. Von den 28 Mart hat der Arbeitgeber die Steuern und Versicherungsbeiträge abgezogen. Der Arbeiter hält das für unberechtigt. Er ist der Meinung, die pfändungs freien 28 Mart stellen sein durch Gerichtsbeschluß anerkanntes Eristenzminimum dar und dieses müsse ihm unverkürzt verbleiben. 1 Er klagte daher beim Gewerbegericht auf Rückzahlung der abgezogenen Steuern und Versicherungsbei fräge. Das Gericht trat der Auffassung des Klägers bei und verurteilte den beklagten Arbeitgeber, diese Abzüge zurüdzuzahlen. 33 Verbandstag der Werkmeister. Der Tag der Berufsfragen. Bremen, 26. April. Der letzte Tag des Kongresses galt den Berufsfragen und dem inneren Ausbau des Ber bandes. Diese Arbeiten wurden durch ein grundlegendes Referat des Berbandsvorsitzenden Buschmann Düsseldorf eingeleitet. T Buschmann stellte den Wertmeister in seiner beruflichen und sozialen Position in den Verlauf der fapitalistischen Wirtschaft und ihrer Betriebsmethoden. Aendern sich dieje, so wirkt sich das in den Funktionen des Berfmeisters und auch in seiner sozialen Geltung aus. Es ist charakteristisch, daß die sogenannte Rationalisie rung sich besonders starf in der Stellenlojigkeit gerade der älteren Wertmeister ausmirkt. Diese Art der Rationalisierung hot geradezu zu einer Verjüngung des Werkmeisterstandes in den Betrieben geführt. Die technische Entwicklung hat den Werkmeister aus vielen Arbeitsfunktionen verdrängt. Es hat sich aber gezeigt, daß die Eigenart der deutschen Wirtschaft eine völlige Ausschaltung der praktischen Betriebserfahrung nicht zuläßt. So manche Betriebsfarthotet jei schon wieder abgebaut worben. Die Wirtschaft jei, bei aller Notwendigkeit der Technik und Theorie, ohne die aus der Praxis erwachsene Erfahrung des Werfmeisters nicht möglich. Richtig sei, daß jo mancher Unternehmer felbständig denkende Bertmeister nicht liebe, aber auch der Werkmeister selbst müsse Bertmeister nicht liebe, aber auch der Wertmeister felbft müffe seine berufliche Bildung vermehrt pflegen. Statistische Erhebungen des Deutschen Wertmeisterverbandes haben ergeben, daß über 90 Broz. der Bertmeister auf dem Wege der Selbstbildung zu ihrer derzeitigen Position gekommen feien. Der Ameritafimmel", die Illusion fließenden Band werde bald wieder verschwinden. Die Vorauslegung der Massenproduktion sei Mossenbedarf; er tönne sich unter den derzeitigen limständen in Deutschland nicht so leicht entwickeln. Die Laft der Dawes Pflicht zwinge zu qualifizierter Arbeit und zu Expert. Dom Der Berbandstag beschloß den Monatsbeitrag von vier Mart Der Termin für die Inkraftjehung der neuen Unterstügungsfäße wurde dem Vorstand überlassen. Der nächste Verbandstag findet in Köln a. Rh. statt. Die englische Kohlenkrise. Die Blätter melden eine BeiseLondon, 28. April.( WTB.) Die Blätter melden eine Besserung der Aussichten auf Regelung des Kohlenkonflikts. Laut Daily Erpreß" waren alle Parteien gestern abend optimistischer gestimmt. Wirtschaft Die Betriebsform des größten Binnenhafens. Die preußische Staatsregierung hat die Abficht, aus den Duis burg- Ruhrorter Hafenanlagen eine Attiengesellschaft unter Führung des preußischen Staates zu machen. Diese Absicht ist nicht neu: fie stand schon bald nach dem Kriege zur Diskussion und verdichtete sich dann zu einer Vorlage der preußischen Regierung, die indes im Jahre 1924 abgelehnt wurde. Nun hat das preußische Staatsministerium dem Staatsrat erneut einen Gesezentwurf wegen llebertragung der staatlichen Hafenanlagen zu Duisburg an eine Attiengesellschaft zugehen lassen. Um welche ungeheuren Interessen und Werte es sich bei den Duisburger Hafenanlagen, bekanntlich bem größten Binnen= hafen der Welt, handelt, ergibt sich aus dem Gebietsumfang, der 677 Heftar umfaßt. Die maschinellen Leistungen des Güterumschlages werden von 116 Kränen, 169 Ladebühnen, 9 elektrischen Kippen, 14 mechanischen Kippen, 21 Elevatoren und 116 Speichern und Schuppen besorgt. Der Umschlag, der im Jahre 1860 uur 1,6 Millionen Tonnen betrug, stieg im Jahre 1913 auf 27,26 Millio nen Tonnen. Die Besetzung des Duisburger Hafens und der passive Widerstand im Jahre 1923 brückten diese Zahl auf 3,4 Millionen Tonnen herunter. In den beiden letzten Jahren haben sich die Verfehrsziffern wieder bedeutend erhöht. Der Umschlag betrug im Borjahre 23,21 Millionen Tonnen. Die hervorragende Rolle, die die Duisburger Hafenanlagen bei der Bewältigung des Güterumschlages im rheinisch- westfälischen Industriegebiet spielen, verlangt eine schnelle Anpassung an die be sonders gegenwärtig schnell wechselnden Wirtschaftsverhältnisse. Das ist durch die bisherige Verwaltungsform des Hafenbetriebes erschwert. Deshalb beabsichtigt die preußische Staatsregierung die Gründung einer Aktiengesellschaft, in die der preußische Staat und die Stadt Duisburg ihren Hafenbesitz einbringen sollen. Das Verhältnis dieses Besizes soll maßgebend für die Bemessung der Beteiligung fein. Hierbei würden bei einem Aftienfapital von 18 Millionen Marf etwa zwei Drittel auf den preußischen Staat und ein Drittel auf die Stadt Duisburg entfallen, und in gleichem Verhältnis soll auch die Bejezung des Aufsichtsiats erfolgen; den Vorsitzenden Das Gesamtvermögen stellt Preußen, die Stadt den Stellvertreter. der neuen Aktiengesellschaft wird nicht weniger als 46 Millionen betragen. Eine private Kapitalsbeteiligung ist nicht beabsichtigt, doch soll auch den Hafeninteressenten Gelegenheit zur Mitwirkung an der Verwaltung gegeben werden, und zwar durch einen von der Industrie- und Handelskammer Duisburg- Wesel zu wählenden Hafenbeirat. Bemerkens Was die Arbeiter und Angestellten angeht, die zurzeit im Dienste der Hafenanlagen beschäftigt werden, so wird versichert, daß die Umstellung unter Wahrung der Interessen der Arbeitnehmer und unter Vermeidung von Härten vor sich gehen soll. Es werden zurzeit mit den Vertretungen der Arbeiter und Angestellten neue Tarifverträge vereinbart, die dann in Kraft treten folien. mert erscheint noch der Umstand, daß das Unternehmen nicht fisfalisch betrieben werden soll. Es soll auf eine Gewinnausschüttung verzichtet werden, und die Generalversammlung sol über die Vers wendung der Ueberschüsse nur zugunsten der Gesellschaft beschließen. Der Sitz der neu zu gründenden Aktiengesellschaft wird Duis burg sein. * Der preußische Staatsrat hat dem Gesetzentwurf zur Ause gestaltung des Duisburg- Ruhrorter Hafens zugestimmt. Der Landtag wird sich demnächst mit der Vorlage zu befassen haben. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamlen .- G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Aus der Partei. Auf dem Bezirksparteitag in Chemnih referierte Genoffe Arzt über die Sachfenkrise. Der Bezirksparteitag billigte den vom geordneten und forderte weiter strengstes Eingreifen gegen jeden, der Bezirksvorstand verhängten Ausschluß der disziplinbrüchigen Abdie Spaltungsabfichten der Ausgeschloffenen unterstüßt". In nament licher Abstimmung erklärten sich 198 Delegierte für die Entschließung, 25 bagegen. Die Delegierten des 15. Unterbezirks( Mittweida) und die des 19. Unterbezirks( Schneeberg- Stollberg) stimmten geschlossen für diese Resolution, während von den Delegierten des 17. llnter= bezirks( Glauchau) zwei, vom Olbernhau Bichopauer Bezirk einer und von den Mitgliedern des Bezirksvorstandes 5 dagegen stimmten; vom 16. Unterbezirk( Chemniz- Stadt) stimmten 46 Delegierte dafür, 18 dagegen. Die tattische und grundsägliche Haftung der Boltsstimme" wurde gegen 20 Stimmen gebilligt. Zum Bezirkspor izenden wurde Genosse Büchel mit 171 gegen 32 Stimmen, die auf einen anderen Kandidaten entfielen, wiedergewählt. Wahlerfolge in Heffen. In zwei fleinen Gemeinden in Hessen fiegten bei der Beigeordnetenwahl( Stellvertretender Bürgermeister) unfere Kandidaten. In Sprendlingen erhielt unser Kandidat 2109 Stimmen, der Gegner 1034. In Niedererlenbach wurde unser Genoffe mit 239 gegen 235 gegnerische Stimmen gewählt. Totenliste der Partei. In Neustadt in der Pfalz verstarb im Alter von 55 Jahren unser Genosse Hermann Hartmann, ein Vorfämpfer in der sozialistischen Arbeiterbewegung der Bfalz. Der Ber storbene war während einer Beriode bayerischer Landtagsabgeordneter und auch eine Zeitlang Stadtrat in Neustadt. Berantwortlich für Bolitik: Richard Bernstein: Wirtschaft: Artur Saternns; Lokales Gemertfchaftsbewegung: 3. Steiner; feuilleton:. S. Döscher: und Gonftiaes: Frik Raritäbt: Anaciaen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlan: Borwärts- Berlaa 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin G 68. Lindenstrake 3. Führer des Sozialismus Berliner- Elektriker- Genossenschaft Pumpen sind erschienen in Pestkarten Karl Marx/ Friedi ich Engels Ferdinand Lassalle/ August Bebel Wilhelm Liebknecht Friedrich Ebert Beste Ausführg./ Getreue Wiedergabe Preis der Serie: 6 Festkarten 50 Piennie Wiederverkäufer erhalten Rabatt Zu haben in alien Parteibuchhandlungen oder beim Hunstverlag Max Herzberg Auf Teilzahlung! Berlin SW 68, Neuenburger Str.37 Kinderwagen HUNDE Kleine Bequeme Anzahlung!* Abzahlung! 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