Abendausgabe Nr. 20043. Jahrgang Ausgabe B Nr. 99 10 Pfennig Donnerstag 29. April 1926 = Vorwärts= Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Ferafprecher: Dönhoff 292-29% Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt Berlag und Anzetgenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Aktion des Zentrums. Suche nach einem neuen Fürstenkompromiß. Verzögerung der Entscheidung. Heute nachmittag wird im Reichstag die erste Lesung des Fürstenenteignungsgefeßes fortgeführt, und als erster wird Genoffe Saenger das Wort ergreifen. In der fich unmittelbar anschließenden zweiten Lesung werden dann auch die Anträge des Zentrums und der Demokraten mit zur Debatte gestellt werden. Es steht dann beim Reichstag, ob er in der zweiten Lesung alles ablehnen will, wodurch sich sowohl Ausschußberatung wie dritte Lesung im Plenum er übrigt, oder ob er die Anträge an den Rechtsausschuß vers weist. Im ersten Fall würde der Weg zum Volfsenscheid fofort frei werden, im zweiten wären die Ergebnisse der neuen Ausschußverhandlungen und der dritten Lesung im Plenum cbzuwarten. Das Zentrum bemüht sich inzwischen, eine Mehrheit für die Ausschußberatung zustande zu bringen, wo bei es sich auf den parlamentarischen Brauch berufen kann, nach dem die Ausschußberatung nicht verweigert wird, wenn eine große Partei fie fordert. Man muß also mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß die ganze Materie noch einmal an den Ausschuß verwiesen wird. Von einem Boltsentscheid schon am 30. Mai, von dem in einigen Zeitungen gesprochen wird, fönnte dann taum noch die Rede fein; man müßte mit einer Berzögerung um acht bis vierzehn Tage mindestens rechnen. Ebenso eröffnet sich dann aufs neue die Möglichkeit, daß dem Bolt nicht nur ein ein Entwurf, sondern zwei vorgelegt werden, der begehrte und der vom Reichstag abgeänderte Entwurf. Sollten zwei Entwürfe dem Bolt vorgelegt werden müssen, fo müßte noch die Frage geklärt werden, ob man für beide Entwürfe stimmen fann, ohne daß der Stimmzettel ungültig wird, oder ob nur das Stimmen für den einen oder den anderen Entwurf zulässig ist. Dazu wäre eine Novelle zum Gesetz über den Boltsentscheid notwendig. Wenn auch das Zentrum voraussichtlich die Ausschußberatung durchsetzen kann, so ist damit noch lange nicht gefagt, daß dabei etwas Positives herauskommt. Und dann ergibt sich eine weitere verfassungsrechtliche Frage: Bedarf ein neuer Entwurf, feinen verfassungsändernden Charakter vorausgesetzt, der Zweidrittelmehrheit im Reichstag, um mit zum Bolfsentscheid gestellt zu werden, oder genügt die einfache Mehrheit. Das Gesez über den Boltsentscheid sagt, daß ein Dom Reichstag beschloffenes Gesetz mit zur Boltsabstimmung zu stellen ist. Mit einfacher Mehrheit fann aber der Reichstag Preußen und die„ DAZ". Merkwürdige Kreditvermittelung. Nach dem Krach des Stinnes- Konzerns war auch die„ Deutsche Allgemeine Zeitung", die Hugo Stinnes in seinen Besitz gebracht hatte, gewissermaßen ein fäufliches Befizobjekt geworden. Sie murde von der Gesellschaft Salinger- Weber angetauft. Der preuBische Staat wiederum faufte die" Norddeutsche Buchdruckerei" und deren Gebäude in der Wilhelmstraße, da die Druckerei den Reichsund Staatsanzeiger" herstellt und der preußische Staat ein Intereffe an der Druckerei seines Amtsblattes hatte. Die Deutsche Allgemeine Zeitung", die gleichfalls in dieser Druderei hergestellt wird, hat der preußische Staat nicht erworben, zumal die Regierung die Absicht hat, ein offiziöses Blatt herauszu geben. Nun hört man aber, daß Salinger- Weber das Geld zum Ankauf der Zeitung durch Vermittlung oder wenigstens mit Billigung der preußischen Staatsregierung von der Seehand Iung( Staatsbank) zu ungewöhnlich günstigen Bedingungen, die der preußische Finanzminister ausdrücklich gebilligt hatte, bekommen hat; Salinger- Weber sollen das Geld fast oder ganz zinslos und ein Gesetz, das verfassungsändernd ist, nicht beschließen. Der Entwurf des Zentrums ist offenbar von der doppelten Absicht diftiert, wenn möglich einen Reichstagsbeschluß zu standezubringen, auf alle Fälle aber der Partei für den bevor stehenden Kampf um den Volksentscheid eine programmatische Blattform zu schaffen. Daß die gestern von Herrn Schulte verlesene Erklärung dazu nicht genügt, hat man im Zentrum wohl rasch begriffen. Ist es übrigens richtig, daß diese Er klärung nur ein Schatten ist, den ein großes Ereignis vorauswirft? Ist es richtig, daß innerhalb und außerhalb Deutschlands tatholische Adelstreise am Werke sind, um eine offizielle Einmischung der Kirche zugunst en derentthronten Fürstenfamilien herbeizuführen? Sollten solche Absichten bestehen, so könnte die Borlage, die schon von der Fraktionserklärung des Zentrums hervorgerufen wurde, als Warnung dienen. Man wird sich in allen Kreisen des Volkes mit dieser Erklärung noch lebhaft beschäftigen und zugleich mit der Frage, wen der Vorwurf der " Begehrlichkeit" trifft, das hungernde Bolt oder die Fürsten, und wo das vom Zentrum herbeizitierte Christentum in diesem Streit Partei nehmen müßte. Man sieht: wenn der Kampf durch die Aktion des 3entrums auch verlängert werden sollte, so wird er dadurch anSchärfe nicht verlieren. Menschenfalle Rummelsburg. Unzulängliche Sicherheitsvorrichtungen. Draußen im Osten, unweit der Spree, erhebt sich an der Köpenider Landstraße in Rummelsburg, abseits von dem Häusermeer der Großstadt, der gigantische Bau des Großtraftmerfs Rummelsburg. Im vorigen Jahre haben die Berliner städtischen Körperschaften nach monatelangen Beratungen sich dazu entschlossen, mit einem Kostenaufwand von nicht weniger als 60 Millionen diesen Bau zu errichten, um die gefährdete Stromversorgung Berlins endlich sicherzustellen. Das Großkraftwerk Rummelsburg mird der größte Bau seiner Art in Europa sein. Die Maschineneinheiten, die dort zur Krafterzeugung verwandt werden sollen, werden die ungeheure Leistungsfähigkeit von je 75 000 Kilowatt besigen. Der Bau selbst ist ein Terminbau. Nach den Erfahrungen des letzten Winters mit den ständigen Unterbrechungen der Stromversorgung, den dadurch bedingten starken Berkehrsstörungen und Hemmungen im Wirtschaftsleben soll das Kraftwerk im Oktober dieses Jahres wenigstens fo weit fertiggestellt sein, daß eine Turbine in Betrieb genommen werden kann. Dieses Programm bedingt eine st arte Eile und konzentrierte Arbeit. Freilich hat Deutschland schon einmal einen ähnlichen Riefenbau in noch viel fürzerer Zeit aus der Erde wachsen sehen: das Großkraftwert Golpa- Tschornewig ist während des Krieges in acht Monaten entstanden, während für den Bau von Rummelsburg immerhin über ein Jahr zur Verfügung steht. Die Bauzeit hätte noch weiter ausgedehnt werden können, wenn nicht im vorigen Jahre in der Berliner Stadtverordnetenversammlung wertvolle Monate dank des eigensinnigen Widerstandes bestimmter Kreise vertrödelt worden wären. Köln, 29. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Kölnische Volks. Es waltet ein furchtbarer Unstern über dieser großen zeitung" richtet am Donnerstag morgen heftige Angriffe neuen Schöpfung der modernen technischen Entwicklung. Nadhgegen Reichsregierung und Reichstanzler, weil von dem monatelang die Arbeit auf dieser Baustelle, die in dieser Seite bisher nichts getan worden sei, um in der Fürsten ihrem Umfang einem Stadtgebiet für sich gleichkommt, ohne abfindungsangelegenheit die Initiative zu ergreifen. Wörtlich jeden Unfall verlaufen ist, haben sich in den letzten Wochen die schreibt das Blatt:„ Es muß festgestellt werden, daß die Reichsregie- unglücksfälle von Tag zu Tag in erschreckender Weise gehäuft. rung und vor allem der Reichskanzler in unbegreiflicher Der Vorwärts" hat schon seit langem auf diese Zustände weise sich von jeder Initiative ferngehalten haben. Man wird hingewiesen. In der vorigen Woche gaben wir einen Bees für sehr zweifelhaft halten, ob es zu diesem jetzigen Fiasko gericht wieder, wonach seit Beginn des Baues nicht weniger tommen wäre, wenn vor allem der Führer der Reichsgeschäfte recht als 450 Unfälle zu verzeichnen gewesen sind. Die schwezeitig mit eigener Initiative eingegriffen hätte. Nachdem die Dinge ren Katastrophen der letzten Tage werden jetzt endlich auch so verlaufen sind, können die Parteien nicht mehr warten." die Deffentlichkeit aufgerüttelt haben und die Stimmung erzeugen, die offenbar notwendig ist, um endlich Maßnahmen gegen die Wiederholung dieser furchtbaren Unglüdsfälle zu erzwingen. Das Blatt begrüßt dann den Entwurf der Zentrumsfraktion und rechnet zuversichtlich damit, daß sich dem Gefeßentwurf des Bentrums auch die Demokraten anschließen. verwirklichen wollen!" Daraufhin hatte der Pfarrer Hell gegen den verantwortlichen Redakteur des Blattes, Genossen Friedrich Wendel, Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Herr Pfarrer Hell hatte aber auch den Geschmad besessen, eine Frau Keil, die Bitme eines der Erschossenen, wegen Verkaufs der betreffenden Lachen Links"-Nummer zu verklagen. Die Verhandlung in diesem Beleidigungsprozeß wurde am 27. April vor dem Strafgericht München aufgenommen. Benoise Wendel erklärte mit Nachdruck, er habe durch die Karikatur und ihren Text das empörend unchriftliche Verhalten des Geistlichen harakterisieren und geißeln wollen. Im Laufe der Verhandlung entschied der Richter, AmtsgerichtsDirettor Frant, für eine Aussehung des Verfahrens. Die Aussetzung war nötig aus verschiedenen Gründen. So hatte das Gericht als Beweismittel für die Schuld der Ange. flagten das erwähnte Schwurgerichisurteil angeführt, also ein Urteil, das, da es der Revision unterliegt, überhaupt noch feine Rechtskraft besitzt. Die Aussetzung des Verfahrens war aber auch durch einen umfangreichen Beweisantrag geboten, die die Anwälte hinsichtlich eines schuldhaften Verhaltens des Pfarrers Hell in der Berlacher Affäre stellten. Es soll unter Beweis gestellt werden, daß der Pfarrer Hell sich strafbar gemacht habe, indem er es unterließ, den Behörden von der bevorstehenden Berübung eines Verbrechens Mitteilung zu machen. Dabei wissen wir wohl, daß der gewaltige technische Aufstieg niemals ohne Opfer möglich ist. Die ungeheure Größe der Aufgaben schafft hier, wie in anderen ähnlichen Fällen, Berhältnisse, denen der Mensch nicht von vornherein gea wachsen ist. Der Bauplatz allein ist eine Stadt für sich. Hier arbeiten nicht zwanzig, dreißig Menschen, wie an einem ge= wöhnlichen Häuserbau, hier schaffen Tausende und Abertausende fleißiger Hände in ununterbrochener Arbeit Tag und Nacht. Hier sind allein weit über 100 Firmen an der Durchführung der verschiedensten Aufträge tätig. All das erhöht natürlich die Gefahrenmomente, die bei jeder Bauarbeit an sich schon groß genug find. Die Frage, die durch die Unglücksfälle aufgeworfen ist, ist aber die, ob wirklich alles geschehen ist, was zu ihrer Verhütung geschehen kann und geschehen muß. Ganz abgesehen von den Ursachen der gestrigen Katastrophe, die möglicherweise besonderer Art gewesen sind, muß verneint werden, daß bei diesem Bau die nötige Vorsicht und Sorgfalt obmaltet. Wenn in drei Schichten Tag und Nacht gearbeitet werden muß, so wird die Deffentlichkeit dafür Verständnis haben. Niemand wird aber verstehen, bei einem während der Nachtarbeit I auch zu sehr günstigen Rückzahlungsbedingungen erhalten haben. der Beklagten, Otto Landsberg- Berlin und Dr. Löwenfell- München, nicht für ausreichende Beleuchtung gesorgt wird. Die Druckerei selbst, der auch das Gebäude gehört, ist jetzt als Gefellschaft organisiert werden, deren Aktien vollkommen im Besiz des Staates find. Die„ Deutsche Allgemeine Zeitung" gehört nach wie vor zu jenen Blättern, die die gegenwärtige preußische Staatsregierng sehr scharf und feineswegs immer loyal bekämpfen. Man muß sich unter diesen Umständen wundern, daß Preußen dem Konzern Salinger- Weber das Geld zum Anlauf einer regierungsfeindlichen Zeitung zu außergewöhnlich günstigen Bedingungen von der Staatsbant verschafft hat. Der Fall des Pfarrers Hell. Prozeß gegen Lachen links". Der im Mai 1919 begangene Mord an den zwölf sozialdemofratischen Arbeitern von Berlach bei München ist bis zur Stunde noch ungefühnt. Das Schwurgericht München sprach in seinem Urteil vom Januar d. I. aus, daß die Erschießung der Leute zu Unrecht erfolgt sei, sprach jedoch die beiden Angeklagten Pölzing und Prüfert frei, da ihnen das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit ihres Handelns gefehlt habe. Das Urteil des Schwurgerichts München unterliegt zurzeit der Revision beim Reichsgericht. In der Deffentlichkeit hatte der Spruch des Münchener Schwurgerichts tiefgehende Erregung ausgelöst, zumal das Berhalten des evange lischen Pfarrers Sell in der Perlacher Affäre äußerst befremblich erscheinen mußte.„ Lachen Links" hatte, nachdem das Urteil im Schmurgerichtsprozeß gefällt war, den Pfarrer Hell in einer Karifatur angegriffen, deren Tert lautete:„ Los, schießen Sie! Immer feste umlegen! Das sind die Schweine, die das Christentum Natürlich würde in solches schuldhaftes Verhalten des Pfarrers Hell be stimmte Rüdwirtungen hinsichtlich der Ent schädigung der 12 Witwen und 52 Waisen von Perlach haben. So hat auch das Reichsfinanzamt, das Renten an die Hinterbliebenen der unschuldig Erschossenen zahlen muß, allen Grund, der neuen Entwicklung der Perlacher Mordaffäre erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen. Maifeierverbot in Mussolinien. Rom, 29. April.( EP.) Die italienischen Sozialisten haben trog aller Verbote dieses Jahr das Abhalten von Maifeiern geplant. Das Rundschreiben ihrer Parteileitung an die Sektionen war jedoch in die Hände der Faschisten gekommen, die die Polizei zu scharfen Maßnahmen zur Verhinderung jeder öffent lichen Maifeier veranlaßten. Die städtischen Elektrizitätsmerke müssen technisch dazu durchaus in der Lage sein, und die Kosten können nicht die geringste Rolle spielen. Biel katastrophaler wirken aber die Arbeitsverhältnisse bei den verschiedenen am Bau beteiligten Firmen. Unter der Peitsche drohender Erwerbslosigkeit herrscht ein An= treiber system schlimmster Art. U e berarbeitung durch zehn, elf, sogar zwölf Stunden Arbeit führt zu einer Ermüdung, die ganz naturgemäß ein Nachlassen der er= forderlichen Vorsicht zur Folge hat. Wenn immer wieder von Unternehmerseite betont wird, daß die Arbeiter selber an Unglücksfällen schuld seien, so flingt das angesichts der wirtlichen Ursachen wie eine Verhöhnung. Wer acht und zehn Stunden in schwindelnder Höhe jeden Augenblick in Lebensgefahr die schwierigsten Arbeiten verrichten muß, fann un möglich bis zum letzten Ende so widerstandsfähig und frisch sein, daß er in jedem Moment allen Gefahren gewachsen ist. Dazu kommt, daß die ungeheure Eisenkonstruktion, die das Gerippe des fünftigen Kraftwerkes darstellt, ohne jede Gerüstlicherung aufgestellt und montiert wird. Der bloße Anblick der Arbeit auf diesen über 30 Meter hohen Gerüsten ist schwindelerregend. Erst jegt wird davon gefprochen, daß man die dort beschäftigten Arbeiter durch be= fondere Borrichtungen sichern will. Diese Vorrichtungen werden wahrscheinlich eingebaut sein, wenn die eigentlich geFinanzeinigung in Paris. Der französische Haushaltsplan für 1926 ist in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag endgültig verabschiedet worden, nachdem zwischen Kammer und Senat eine Einigung in fämtlichen strittigen Punkten erzielt worden ist. Der Hausfährliche Arbeit der Errichtung der Eisenkonstruktion zu haltsplan veranschlagt die Einnahmen auf 37 499 Millionen Franken und die Ausgaben auf 37 338 Millionen Franken, so daß sich ein rechnerischer Einnahmenüberschuß von 160 Millionen Franken ergibt. Das Parlament ist bis zum 26. Mai in die Ferien gegangen. Ende ift. Daß die Verhältnisse bei dem Neubau nicht einwandfrei sind, geht mit voller Deutlichkeit auch aus den Erklä rungen der Bauleitung selber hervor. Wenn man verfichert, daß Sicherungsmaßnahmen getroffen werden sollen, dann bestätigt man damit indirekt die nicht mehr zu leugnende Tatsache, daß sie bisher gefehlt haben. Sie können nur gefehlt haben, weil die bauausführenden Fir men in unverantwortlicher Weise sich für die Sicherheit ihrer Arbeiter nicht interessiert haben. Sicherheitsmaßnahmen fosten Geld, und der Neubau in Rummelsburg ist für diese Leute dazu da, daß sie Geld verdienen. Die Berantwortung dafür trifft aber die Bauleitung, trifft die Leitung der städtischen Elektrizitätswerke, die Bauaufträge vergeben, und trifft die städtische Baupolizei, die die Verpflichtung gehabt hätte, gerade bei diesem Bau auf besondere Vorsicht und Aufmerksamkeit zu drängen. die = Die Toten der beiden gestrigen Katastrophen werden nicht wieder zum Leben erweckt, aber sie sind eine furchtbare Mahnung an alle, die es angeht, jetzt wenigstens mit äußerster Energie jede, aber auch jede Maßnahme zu treffen, damit das Menschenmögliche geschieht, um die Wieder fehr solcher Unglücksfälle zu verhindern. Zweifellos wird Berliner Stadtverordnetenversammlung fich in ihrer heutigen Sigung mit den Vorgängen beschäftigen. Sie wird sich nicht damit zufrieden geben fönnen, daß die üblichen beruhigenden Erklärungen abgegeben werden. Sie wird dafür sorgen müssen, daß alle notwendigen Maßnahmen auch wirklich durchgeführt werden, und sie wird die Durchs führung überwachen müssen. Wir wollen nicht, daß Berantwortungslosigkeit und fapitalistische 2ntreiber und Ausbeutungsmethoden noch mehr Menschenleben fordern. Die Zeit ist vorbei, die man die große" nannte, in der Menschenleben nichts galt. Mecklenburger Wahlgespräche. ,, Weiße Juden“ und„ Brunnenvergifter." " erfährt man, daß Mecklenburg in dieser seiner vermeintlichen| tung von den Interessenten und den interessierten ReichstagsabgeordGlanzzeit auch nur von„ weißen Juden" regiert worden ist neten abgelehnt. und von Brunnenvergiftern" dazu! Schnapsinteressenten und Monopol. Die Ursache der geringen Rentabilität. Der Untersuchungsausschuß des Reichstags über die Der Untersuchungsausschuß des Reichstags über die Verhältnisse in der Branntweinmonopolverwaltung, der in einer früheren Sigung einen Bericht des Abg. Diez( 3.) über die Orga nisation der Branntweinmonopolverwaltung entgegengenommen hatte, beschäftigte sich am Donnerstag mit der Tätigkeit des Beirats der Monopolverwaltung. Das Referat erstattete Abg. Eggerstedt( Soz.). Er stellte zunächst fest, daß der Beirat sehr weitgehende Befugnisse habe. Ihm obliege die Feſt fegung des Brennrechts wie auch die Festsetzung der Ankaufs- und Berkaufspreise. Die Zusammensehung des Beirats sei daher von größter Bedeutung, besonders, da auch von den Reichstagsvertretern mehrere, so Dietrich- Prenzlau( Dnat.) und Schulz- Gahmen( 3.) direkte Interessenten seien. In einer Denkschrift des Berjahres habe der Minister Schlieben festgestellt, daß ein großer Teil der Beiratsmitglieder eine Stellung eingenommen habe, die offensichtlich den berechtigten Intereffen der Monopolverwaltung widersprach. In dieser Denkschrift heiße es ferner: " Besonders bedenklich ist es, wenn die Bertreter der Brenner und der Branntwein abnehmer für die Abstimmung im Beirat über die Uebernahme und Verkaufspreise gewiffe Bereinbarungen über gegenseitige Unterſtüßung gegenüber den Anträgen der Monopolverwaltung treffen... Ein Mono pol, das unter folchen Bedingungen zu arbeiten gezwungen ist, tann taum noch als Monopol bezeichnet werden." Eggerstedt belegt dies durch ein Zitat aus der„ Destillateur. 3eitung", in deren Nr. 129 vem 25. Oftober 1925 es heißt: „ Es ist bekannt, daß sich die am Branntweinmonopol in tereffierten Gewerbe zu einer Gemeinschaft zusammengefchloffen haben, welche ein Einvernehmen über die Behandlung der Preis fragen während einer Beiratsfihung zum Ziel hat." In Mecklenburg haben sich Deutschnationale und Bölkische in den Haaren, die nationale" Regierung Brandenstein ist gestürzt, und ein Wahlkampf bereitet sich vor, in dem allerstedt fest, daß in vielen Fällen die Interessenten im Beirat bas hand liebliche Wahrheiten an den Tag kommen werden. Einen Borgeschmack des Kommenden gibt ein Aufsatz des früher auch einmal deutschnational gewesenen Herrn v. Graefe im„ Deutschen Tageblatt" gegen den deutschnationalen Parteiführer Dr. Knebusch und seinen Anhang. Da heißt es: Daß das parlamentarische System mit seiner Herrschaft der Zahl zu demagogischer Unaufrichtigkeit zweds Stimmenfang ver führt, liegt auf der Hand, und eben darum gibt es ja der per judeten Demokratie entschieden beffere Chancen, weil der spekulierende Geschäftsfinn dieser Kreise die Hemmungen weniger kennt und achtet, die dem ehrlichen Kaufmann" selbstverständlich find. Daß aber deutschnationale Minister und deutsch nationale Parteiführer dieser gleichen Versuchung derartig erliegen, daß sie offensichtlich zur plumpesten Wahlmache, die ein fachsten Wahrheiten in ihr traffestes Gegenteil umfälschen: das scheint mir, wenigstens in diesen Ausmaßen, eine neue Erscheinung zu sein, die in bedauerlichster Weise beweist, wie weit die poli tische Moral bereits vergiftet ist, und wie verheerend der jüdische Geist in der parlamentarischen Branche" Schule gemacht hat. Das Wort von den„ weißen Juden" gewinnt in verhängnisvollem Umfange Bedeutung. Ferner liest man von dem„ Giftgastampf" eines landwirtschafts fe in d lichen Landbundorgans" des„ Rostocker Anzeigers" und von, politischen Brunnenvergiftern", denen in ihr unsauberes Handwerk hineingeleuchtet" werden müsse. Es scheint das Schicksal jeder„ nationalen" Regierung in Deutschland zu sein, daß sie mit einer Kasperle- Komödie endet. Wenn irgendein Land von der„ roten Judenherrschaft" gründlich befreit zu fein schien, dann war es das glüdliche Mecklen burg. Wenn irgendeine Regierung in nationaler Reinheit glänzte, dann war es die Regierung Brandenstein. Jetzt aber Die Negerlegende. Bon Richard Rainer. Die Geschichtsverfälschung war von jeher eine der dauerhaftesten Waffen im edlen Wettstreit der Nationen. Sie durfte unbehelligt dem Antlitz der Wirklichkeit die plumpen Masken der Liebedienerei, des Eigenruhms, der Selbstrechtfertigung umhängen. Noch derber, ungeschminkter, freimütiger tritt die unwahrheit in den Dienst der Raffenfeindseligkeit. Ist die nationale Geschichts flitterung noch Lüge, bewußte Verfälschung der Tatsachen um eines Idols willen, so wandelt sich in der Rassenlegende die Lüge schon zum Ammenmärchen, zur wirr stammelnden Stimme des gleichen Bluts, das dumpf in Millionen Hirnen freist. Aber nicht nur unsere Völkischen, von Hitler bis zum Ku- Klug- Klan, haben aus einem Sud aller niedrigen Instinkte, aus uralten Mythen und aus allen mög. lichen, dekadenten Ottuitismen eine prächtige Arierlegende zusammen gebraut. Auch die anderen mehr oder weniger geringgeschäßten Raffen tun das ihre. Am fonsequentesten gehen dabei die zivilis sierten Neger zu Werke, konsequent in der Art und Gründlichkeit, wie sie die Methoden der weißen Kultur übernehmen: sie haben sich eine Berherrlichungslegende der schwarzen Rasse gezimmert, die sich getrost neben den prächtigsten Produkten unserer weißen Rassenideologie sehen lassen kann. Die junge Literatur der amerikanischen Neger nimmt einen ungeheuren Aufschwung. Darunter sind Werke von höchster Geniali tät, die tiefe Aufschlüsse über die Seele dieses neuen Bolkes geben, das drüben aus dem Schoße einer alten Rasse und jener jungen, ihr ursprünglich fremden Kultur ersteht. Aber daneben finden sich auch Bekenntnisse jenes Massengeistes, der unter dem Begriffe der Rasse alle kulturfeindlichen Instinkte sammelt. Darunter ist ein türzlich erschienenes Machwert von dem ehrenwerten Magister Artium J. M. Webb, dessen Titel„ Der schwarze Mann, der Bater der 3ivilisation" schon anzeigt, daß wir es hier mit einem treuen Gegerstück unserer eigenen Rassenverbohrtheit zu tun haben. Die Lächerlichkeit tötet; da wir sie bei uns selbst nicht mehr wahrnehmen, mußten wir sie bei den anderen wiederfinden. So dient dieses Bekenntnis einer stolzen Regerseele vielleicht zum Mebusenspiegel, der uns unsere eigene Fraße zeigt. Dr. Webb legt zunächst dar, daß seine Rasse nichts zu fürchten hat, und daß der weiße Mann eigentlich nur noch im Schatten ihrer fürchterlichen Stärte vegetiert. Die schwarzen Kolonialtruppen und andere schwarze Untertanen der britischen und franzöfifchen Re. gierung, im Berein mit den amerikanischen schwarzen Yanks ver halfen den alliierten Nationen zum Siege über Deutschland und seine Berbündeten. Der schwarze Mann war das Rückgrat des Krieges." Aber nicht genug damit. Als die Armeen des Kaisers zweimal vergebens auf Paris losgegangen waren, berichtete General Hinden burg zureifellos dem Kaiser, daß die schwarzen Truppen das Rüdgrat der alliierten Heere jeien, und daß es ihretwegen unmöglich sei, " Infolgedeffen find die Beschlüffe des Beirats in den Jahren 1919 bis 1925 in 12 Fällen von der Reichsmonopolverwaltung durch Beschwerde angefochten worden. In 6 Fällen mit teilweisem oder vollem Erfolg. 3usammenfassend stellt Eggerstedt fest, daß von einem freien faufmännischen Arbeiten der Monopolverwaltung nicht gesprochen werden könne. Der Beirat fönne gegen den Willen der Monopolverwaltung das Brennrecht festsetzen, bestimmt also ohne Rücksicht auf die Marktlage, wieviel Sprit angeliefert werde. Der Beirat tönne auch die Uebernahmepreise festsehen, ebenfalls gegen den Willen der Monopolverwaltung. Er erhöhe also ihre Ausgaben, schmälere zugleich aber die Einnahmen durch Herabsetzung der Verkaufspreise. Der Reichsrat als Einspruchsinstanz habe vollkommen versagt, zumal dann, wenn die Vertreter des Reichsrates im Beirat die gegen die Interessen der Monopolverwaltung gefaßten Beschlüsse mit angenommen hätten. Eine so eingeteilte Verwaltung tann nicht arbeiten. Wenn das Monopol froßdem noch nicht zugrunde gegangen ist, so verdanken wir das nur der Inflationszeit. Aber aus der Inflationszeit sind wir nun heraus. Jezt müffen die Mißstände beseitigt werden, vor allem muß die Stellung des Beirats geändert werden. Entweder dadurch, daß er nur gutachtliche Rechte eingeräumt bekommt oder dadurch, daß er die volle Ber antwortung für die geschäftlichen Ergebnisse seiner Tätigkeit zu tragen hat." An die Entgegennahme des eindrucksvollen Berichts schloß sich eine Fragestellung, da die Aussprache mit dem noch ausstehenden Bericht über die Spiritusschiebungen verbunden werden soll. Bon fozialdemokratischer Seite wird bei der Fragestellung die Ber ständigung der Interessenten im Beirat zur Erzielung von Sondervorteilen als typischer Fall der Gruppenforruption be zeichnet. Beschlossen wird auf Antrag der Sozialdemokraten, daß die Regierung zur nächsten Sigung in Ergänzung des Berichts Material vorzulegen hat, das ein Urteil darüber gestattet, welde finanziellen Auswirkungen die von den Vorschlägen der Monopolverwaltung abweichenden Beschlüsse bereits gehabt haben. Volksblock gegen Averescu. Bukarest, 29. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Bollzugsaus An Hand der Niederschriften der Beiratssigungen stellte Egger Brennrecht höher und die Preise für das Monopol un günstiger festgesetzt haben, als die Monopolverwaltung es vor schuß hat einstimmig das Angebot der Nationalpartei auf Vergeschlagen hatte. So ist z. B. am 20. Ottober 1924 von der Vereinigung der beiden Parteien angenommen. Die Führer beider waltung angesichts der großen Bestände ein Brennrecht von Parteien haben vereinbart, daß die Vereinigung erst nach den 50 bis 55 Broz. vorgeschlagen worden. Die Brenner schlugen Wahlen stattfinden solle, weil jetzt nicht genügend Zeit dazu wäre. 70 Broz. vor. Der Beschluß lautete auf 70 Pro 3. Der Grund Im Wahlkampf stellen beide Parteien eine Einheitsliste auf unter preis war von der Monopolverwaltung auf 40 m. vorgeschlagen dem Wahlzeichen der Bauernpartei. Die Sozialdemokratische Partei, worden. Beschlossen wurde 50 M. Am 19. Oftober 1923 war von die, wie schon gemeldet, mit der Bauernpartei ein Wahlbündnis der Verwaltung ein Grundpreis von 42 m. vorgeschlagen worden. abgeschlossen hat, wird ihre Kandidaten auch auf dieser EinheitsDie Brenner verlangten 70 m. Beschlossen wurde 60 M. Bei der liste aufstellen. Diesem Bolts blod find bis jetzt noch die BeFestsetzung der Berkaufs preise ergab sich das umgekehrte Bild. amtenliga und die Liga der Kriegsinvaliden beigetreten. Die Verwaltung schlug für vergällten Sprit 90 m. vor. Das Ge Sollten sich die Wahlen einigermaßen frei abspielen, so ist init werbe verlangte 60 M., was der Präsident als Berschleuderung" Sicherheit anzunehmen, daß der Voltsblock dem Regime Averescu der Bestände bezeichnete,„ die zum Zusammenbruch des Monopols eine schwere Niederlage bereiten wird. führen müsse. Beschlossen wurde 80 M., trotzdem der Präsident nochmals erklärte, daß er diesem Vorschlag mit Rüdficht auf die schlechte Finanzlage nicht zustimmen tönne. In der Sigung vom 19. Dezember machte die Monopolverwaltung den Versuch, den in der Sigung vom 19. Oktober beschlossenen Grundpreis von 60 auf 44,40 m. herabzufezen. Schließlich wird ein Preis von 55 m. be. fchloffen. In der Sigung vom 26. März 1925 teilt die Monopol verwaltung mit, daß ihre Bestände von 1,3 Millionen Hektoliter am 1. März auf 1,7 millionen Hettoliter am 1. Juli gestiegen sind. Um die Produktion zu drosseln, müsse man den Grundpreis auf 30 m. herabsetzen. Der Antrag wird nicht nur von den eigentlichen Interessenten, sondern auch von den Reichstagsabgeordneten Benthin( Deutsche Volkspartei), Schulz Gahmen ( 3entrum) und Dietrich- Prenzlau( deutschnational) bekämpft. Infolgebeffen wird der Antrag der Monopolverwaltung ab. gelehnt, so daß die Riesenschnapsflut weiter steigen fonnte. Aehnliches vollzog sich bei der Festseßung der Zuschläge und der übrigen Preise. Stets wurden die Anträge der Monopolverwalin Paris einzudringen. Darauf sagte der Kaiser:" Well, Hindenburg, mache eine standfeste Hindenburg- Linie." Gesagt, getan. Aber als der Kaiser erfuhr, daß ein schwarzer amerikanischer Vant ganz allein zehn deutsche Soldaten gefangen hatte und andere schwarze Yanks ähnliche heroische Taten vollbrachten, wurde es zuviel für den Kaiser, und die Hindenburg- Linie begann zu wanfen." Von diesem neugegründeten Fundament der jüngsten Geschichte tut Dr. Webb einen mächtigen Tauchsprung in die Tiefen biblischer Weisheit und revidiert die Heilswahrheit im Sinne der Neger belange. Er weiß, daß die heute noch politisch herrschenden unauf geflärten weißen Massen wie gebannt auf die Buchstaben der Bibel starren, und die Neger von ihnen desgleichen belehrt wurden. Er tann deshalb das Negergemüt nicht mehr erheben und den weißen Mann nicht ärger tränken, als durch den wissenschaftlichen Nachweis, daß die großen Propheten, daß der pfalmensingende Salomon, daß Chriftus selbst ein Reger gewesen sei. Die schwarze Königin von Saba hat bei dieser Untersuchung ihre Hand im Spiele. Redischer weise stüßt er seine Beweisführung dabei auf das Theorem der weißen Raffenbereiniger, daß eine noch sc geringe und entfernte Beimischung von Negerblut das Individuum und alle seine Abkömmlinge zum Neger stempelt. Dr. Webb schließt sein Standardwert der modernen Regerlegende mit dem erhebenden Hinweis, daß das fünfte Weltreich, wie es der schwarze Propeht Daniel vorausgesagt hat, „ Don einem schwarzen Mann mit wolligem Haar beherrscht werden wird." " Yes," sagt Dr. Webb, fein Haar wird wie reine Wolle sein, und das Schaf und der Neger haben als einzige Wesen rein wollenes Haar( siehe Daniel VII, 9).“ Hoffentlich geraten unsere Rassenschafe nicht noch mehr in die Wolle über diese niedlichen Aussichten, die übrigens G. B. Gham in Burück zu Methusalem" längst vorausgefagt hat. Aber was hat G. B. Shaw noch nicht vorausgefagt? " war. Die Modernisierung des Theaters. Dänemart, im Smoking oder im Gehrod auf, neben ihm Ophelia mit Auf einigen Bühnen tritt jetzt bekanntlich Hamlet, Prinz von Bubikopf und Plättbrettbuſen, wie es die Mode unserer Zeit er fordert. Das ist ein günstiges Zeichen der beginnenden Erneuerung des Theaters, das wirklich schon ein bißchen verstaubt und antiquiert Das Theater frantt an seinen Traditionen, und Hamlets Ueberalterung lag in seinem Sammetmäntelchen; mit dem Smoting und dem Gehrod tommt neues Leben über ihn. Da mun dieser Berfuch der Modernisierung des grüblerischen Prinzen von Dänemart jo glänzend geglückt ist, sollte man auf diesem Wege mit Be wußtheit weiter schreiten und auch andern alten. Kram aus der Bühnenrumpeltammer neu einfleiden oder auf neu plätten. Es eröffnen sich da unbegrenzte Möglichkeiten, und ein paar Borschläge, die Marco Ramperti in der Turiner„ Stampa" mast, fönnen zeigen, wie die Umarbeitung der berühmten, aber nicht mehr ganz gang baren Bühnenhelden und Bühnenheldinnen zu erfolgen hätte. Nehmen wir z. B. Wagner: Der Drage in den Ribelungen" wird Die Gegenmaßnahmen der Regierung bestehen darin, daß für die Wahlzeit einige Kontingente Don Reservisten unter dem Vorwande militärischer Notwendigkeit einberufen wird. Averescu hat mit den nationalen Minderheitsparteien ein Wahlbündnis abgeschlossen, denen Unterstüßung im Wahltampf und eine bestimmte Anzahl Mandate garantiert werden. Würde man nicht wissen, daß die magyarische Minderheit von ehemals siebenbürgischen Magnaten, wie Telefi und Bethlen geführt wird, die um ihre Güter bangen, wie auch die Sachsen unter der Leitung von reaktionären Industriellen stehen, so müßte man fich wundern, wie es möglich ist, daß die nationalen Minder. heiten für eine reaktionäre Regierung und gegen die demokratischen Parteien, die doch bis jetzt immer für Minderheitenrechte eingetreten. find, auftreten. Allein die Organisation der Juden hat es abgelehnt, unter den von der Regierung gestellten Bedingungen mit ihr ein Wahlabkommen zu treffen, und daß aller Boraussicht nach diese Organisation sich vor der Opposition schlagen wird. mit einem Maschinengewehr erledigt, und die Riesen kommen in einem Tant auf die Bühne. Im Lohengrin" sichtet Elsa von Brabant nicht mehr einen Schwanenflügel, sondern ein Periskop, denn Lohengrin erscheint im Unterfeeboot. Parsifal läßt sich mit einer Rafete( ganz neu!) zum Gral schießen. Und nun ein paar andere Sachen: Salome tanzt nicht mehr den Schleiertanz, sondern Shimmy, und Johann der Täufer wird dem elektrischen Stuhl überantwortet. Der alte primitive Scheiterhaufen das ist etwas für ein Stiftungsfest der freiwilligen Feuerwehr, aber nichts für eine moderne Kunstanstalt. König Marte fährt nach America, erwirbt das Bürgerrecht und läßt sich von 3jolbe ,, megen gegenseitiger Abneigung" scheiden. Romeo fährt im Lift zu Juliens Ballon empor. Das Aufhören der Nacht wird den beiden Liebenden nicht mehr durch das Berstummen der Nachtigall, sondern durch das Ende der Jazzbandmufit in einem benachbarten Kabarett angezeigt. Abälard läßt sich vom Dr. Woronow durch Einpflanzung von Affenbrüfen verjüngen; Manon fährt im Auto davon, und Prospero im Sturm" Insel nicht allzusehr langweile. Othello wird weiß, wogegen bekommt einen Radioapparat, damit er sich auf seiner einsamen Desdemona sich mit Braunolin Sommerfarbe anschminkt. Telepathie, Falirismus, Binchoanalyse, die vierte Dimension- alles sollte bei der Modernisierung des Theaters ausgenutzt werden. Halensee gestorben. Als Feuilletonist der Wiener Schule hat er auch in Berlin vielfach Beachtung gefunden; unsere Leser hat er allem burch seine Filmkritiken erfreut. Er gehörte zu den ersten, durch seine kleinen, formvollendeten Bilder aus dem Leben und vor die die Filmkritit auf ein höheres Niveau erhoben, er hat sich auch mit der Aesthetik und Psychologie des Films beschäftigt. In Novellen und Skizzen und zwei Romanen( ,, Das Narrenhaus" und Die wintende Gasse") und in einem kleinen entzückenden Grillparzerbüchlein bewies er seine literarische Berufung. Dr. Mar Prels ist nach langer, schwerer Krankheit heute in Römische Funde in Köln. Bei Erdarbeiten im Kölner Sportpart wurden Refte einer römischen Siedelung freigelegt. Es foll die besterhaltene tömische Gutshofanlage sein, die je gefunden wurde. Der Gutshof hatte etwa 250 Meter Durchmesser, er wies ein Herrenhaus, verschiedene Badeanlagen, tiefen Keller, Speicher, Stallgebäude, Borratsräume u. a. auf. Im ganzen wurden acht Gebäude etwa 20 bis 25 Zentimeter unter dem Aderboden aufgefunden. Der älteste Teil der Funde geht bis in das erste Jahr hundert n. Chr.( etwa um das Jahr 50 herum) zurüd. Das freigelegte Bad weist auf eine Zeit hin, die 200 Jahre später liegt. Am besten sind die Entwässerungsanlagen erhalten. Auch eine Herdanlage mit vielen Brandspuren wurde aufgedeckt. Berpachtung des Thalia- Theaters. Die Bollsbühnen- Direktion hat für die nächste Saison das Thalia Theater übernommen. Reichslomilees für die Filmindustrie fam zur Sprache, daß die überseeischen Ablehnung englife er Kriegsfilme. In einer Konferenz des Albritischen Dominions einhellig die Aufnahme englischer Kriegsfilme abgelehnt haben. Darunter befinden sich die Filme, Seebrügge" peru" und" Die ZütlandSchlacht. Kritik am Berliner Vertrag. Chamberlain studiert erst den Vertragstext. London, 29. April.( WTB.) Im Unterhaus fragte Oberst Wedgwood( Arbeiterpartei), ob die englische Regierung fich irgendwie der Auffassung Beneschs anschließe, daß die Locarnomächte berechtigt sind, von der deutschen Regierung zu verlangen, baß sie keine Neutralitätsverpflichtung gegenüber Rußland eingeht, die mit ihren fünftigen Verpflichtungen aus Artikel 16 der Völkerbundssagung in Widerspruch stehen könnte. Chamberlain erwiderte, die englische Regierung habe bei der Erhebung von Borstellungen gegenüber Deutschland wegen des deutsch- russischen Vertrages nicht im Benehmen mit einer anderen Regierung gehandelt. Wie er bereits in seiner Beantwortung einer Anfrage vom 21. April festgestellt habe, feien von der deutschen Regierung Zusicherungen gemacht worden, daß der deutsch- russische Vertrag mit der Völkerbunds jagung nicht unvereinbar sein werde, und er habe den Botschafter in Berlin beauftragt, die deutsche Regierung von der großen Bedeutung in Kenntnis zu setzen, welche England diesem Punkt notwendigerweise beimesse. Auf die weitere Frage Wedgwoods, ob Chamberlain dem Hause fagen tönne, aus welchen Gründen sich die englische Regierung der Auffassung Beneschs nicht anschließe, erwiderte Chamberlain: Nein. Der Text des Vertrages und des Notenwechsels liegt jetzt vor, aber ich habe noch nicht die Zeit gehabt, die Schriftstücke mit der erforderlichen Sorgfalt zu prüfen; ich möchte erst auf Grund eines eingehenden Studiums eine Meinung darüber äußern; andererseits habe ich mit Rücksicht auf die von der deutschen Regierung gemachten Zusicherungen nicht für notwendig gehalten, außer den hier erwähnten, weitere Borstellungen zu machen, und ich wurde auch von anderer Seite nicht dazu aufgefordert." Die Rummelsburger Unglücksstätte. Die Ermittelungen noch nicht abgeschlossen. Ein mißverstandenes Kommando? Die bisher aufgenommenen Ermittelungen über die Entstehungs-| notwendig. Es fann schon nicht anders als ein Standal bezeichnet ursache des legten Unglücks auf dem Gelände des Großkraftwerkes werden, wenn bei der höchft gefährlichen Kletterarbeit und den ungeRummelsburg durch den Kriminalrat Baumann des Polizeiamts nügenden Beleuchtungsverhältnissen kein systematischer SanitätsLichtenberg sind bisher noch nicht ganz abgeschlossen. Doch hat es dienst für die Nachtschicht bestand. Der Bertreter der Berliner Eletnach den uns gewordenen Mitteilungen den Anschein, als ob die trizitätswerke A.-G. gab noch an, daß das Werk ständig unter BauUrsache tatsächlich auf ein mißverstandenes Kommando fchleunigste Abstellung der bekannten Schäden Sorge zu tragen. Es fontrolle steht. Pflicht der Baukontrolle wäre es gewesen, für zurückzuführen ist. Nach den neuesten Ermittelungen hat sich das sind genug Arbeitsopfer gefallen. Der Kern des Uebels liegt jedoch Unglück folgendermaßen zugetragen: in dem ungeheuerlichen Antreibersystem, das im Rummelsburger Kraftwerkbau Prinzip ist. Nach der Darstellung des Unternehmers hat sich die Baupolizei den Kran angesehen". Angeblich soll ein gewerkschaftlicher Baukontrolleur eine Besichtigung vorgenommen haben. Als Kontrollinstanz fungierte die Polizei. Arbeiter geben an, daß man erst mehrere Minuten das durchdringende Schreien der Berunglückten und die erregten Stimmen der Arbeiter:" Sanitäter, Hilfe, Hilse" gehört habe. Erst nach einiger Zeit sei der Sanitäter gekommen, dem man daraus nicht den mindesten Vorwurf machen kann, da er feinen direkten Dienst versah und auf den entsetzlichen Unfall natürlich nicht vorbereitet war. Eine Besichtigung der Sanitätsbarade ergab übrigens, daß Berbands- und medizinisches Wertzeugsmaterial in genügender Menge vorhanden war. Kurz nach Bekanntwerden der Katastrophe begaben sich Vertreter der einzelnen freien Gewerkschaften an die Unglücksstätte, um die ersten Nachh forschungen vorzunehmen. In den Spätnachmittagsstunden des mit ben unerträglichen Zuständen auf dem Bau beschäftigt( 3ehngestrigen Tages hatte sich eine Belegschaftsversammlung bis Zwölfftundenschicht, Beleuchtungsmisere usw.) und entschieden Abhilfe gefordert. Die bei dem unglüd ums Leben gekommenen und schwerver: letzten Arbeiter waren mit der Montage zweier Lauf schienen beschäftigt. Während eine der Schienen bereits auf montiert, war, sollte die zweite Laufschiene hochgewunden werden. In beträchtlicher Höhe schwebte bereits der 40 Tonnen schwere Lauftrahn, der an zwei Halteseilen provisorisch befestigt war. Auf ein maßverstandenes Kommando des oben arbeitenden Monteurs wurde die Winde zu früh angezogen, so daß die Laufschiene ins Wanten geriet, herunterstürzte und dabei die beiden Halteseile förmlich durchschnitt. Im selben Augenblid stürzte der fchwere Krahn, jeden Haltes beraubt, in die Tiefe und begrub die unten Beschäftigten unter seiner Cast. Der Monteur, der oben arbeitete, soll furz zuvor von oben herab über angeblich ungeschicktes Arbeiten der unten Beschäftigten geschimpft haben. Die Bermutung, daß unter den Trümmern noch weitere Tote oder Berlegte begraben seien, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Noch in der geftrigen wert Beschäftigten namentlich aufgerufen, wobei sich herausstellte, Nacht wurden sofort an Hand der Arbeitslisten alle im Großtraftbaß außer den bereits bekannten Berunglückten niemand fehlte. Die Leichen der tödlich verunglückten Arbeiter wurden von der Kriminalpolizei beschlagnahmt und nach der Rummelsburger FriedBriand läßt den Vertrag prüfen. hofshalle in der Bornißstraße gebracht. Das Befinden der im Paris, 29. April.( TU.) Briand hat den Direktor der Auguste- Biftoria- Krankenhaus in Lichtenberg liegenden beiden Schwerverletzten ist nach wie vor sehr ernst. Wie bereits oben politischen Abteilung des Quai d'Orsay Berthelot mit der Abgesagt, sind die Ermittelungen noch nicht vollständig abgeschlossen, faffung eines Berichtes über die Prüfung des Berliner Bertrages und die Polizei ist mit der restlosen Klärung beschäftigt. beauftragt, der Ende der Woche vorgelegt werden und hierauf mit den in London, Rom und anderen alliierten Hauptstädten ausgearbeiteten Gutachten verglichen werden soll. Vandervelde gegen die Politik der Gruppierungen. Brüffel, 29. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Außenminister andervelde äußerte sich am Mittwoch im Haushaltsausschuß der Kammer über den deutsch- russischen Vertrag. Er erklärte, daß ein solches Abkommen unbedingt Beunruhigung verursachen und Mißtrauen hervorrufen müsse. Man fönne und müsse selche Rüdfälle in die Politit der Gruppierungen, der Bündnisse und des Gleichgewichts der Kräfte, die allerdings nicht nur auf der einen Seite vorfämen, bedauern, da hiermit leider die Politik der Vorkriegszeit wieder erneuert werde. Wenn der Vertrag feine anderen Bestimmungen enthalte als diejenigen, die bekanntgeworden sind, so enthalte er immerhin nichts gegen den Wortlaut und den Geist der Berträge von Locarno. Fortgang der Weltwirtschaftsdiskussion. Einsehung dreier Unterausschüsse. Genf, 29. April.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch vor mittag murde von der vorbereitenden Wirtschaftsfonferenz in einer nichtöffentlichen Sigung beschloffen, folgende drei Rommiffio nen von je 12 Mitgliedern einzusehen: 1. Für Landwirtschaft, Finanzen und Spezialprobleme: a) landwirtschaftliche Fragen( Unterausschuß); b) Währungs- und Finanzfragen( evtl. Unterausschuß): Stabilific rung der Währungen, Bechselkontrolle, Kreditpolitik, Kapitalnot, Eteuern( inbegriffen Doppelbesteuerung) und Budgetlasten aller Art; c) Bevölkerungsprobleme. Mitglieder: Belloni, Markovitch, Dubois, Kengomari, Quesada, Andrada, Eggert, Shaw, Brebbia, Gilbert, Chatterjee, Shortt. 2. Für Industrieprobleme: a) Gesamtprüfung der Weltlage, Untersuchung über die Hauptindustrien( Monographie), Rationalisierung der Produktion, Standardisierung, Schiedsgerichts tarkeit ufm.; b) Industrieabkommen über die Produktion, die Preise, die Tarife usw. Privatmonopole, insbesondere betr. die Hauptin dustrien und die Rohstoffe, Schlußfolgerurigen aus den im Intereffe des allgemeinen Wohles bereits erzielten Resultaten; c) Löhre Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen, Arbeitsverhältnis, Berfchiedenheit der Lebensgeftaltung.( Der deutsche Vertreter iſt Lammers.) 3. Für Handel und Abfagprobleme: a) Gesamt untersuchung über den Welthandel, Abhängigkeit der verschiedenen Länder vom Welthandel. Noch entwicklungsfähige Abjazgebiete; b) Zolltarije( Ein. und Ausfuhr): Grundsäße ihrer Aufstellung, Systeme, Preferenzzölle usw. Charakterisierung der Zölle: Unbe ftändige, Schutzölle usw. Auswirkungen der Zölle im Innern und nach außen. Warenverzeichnisse; c) Methoden für den Abschluß von Handelsverträgen, Aus- und Einfuhrverbote; d) andere Hindernisse für den freien internationalen Handel; e) Subventionen( direkte und indirette), Dumping; f) staatlicher Handel; g) Transportfragen; h) Berteilungsprobleme, 3. B. der Rohstoffe; i) Zwischenspesen ( Brovisionen, Kommissionen ufm.); k faufmännische Loyalität( unLauteres Geschäftsgebaren), gleichmäßige Behandlung. Die Arbeitervertreter sind wie folgt verteilt: Eggert Von den deutschen Vertretern gehören, neben Eggert im ersten, Lammers dem zweiten, Trendelenburg dem britten Ausschuß an. Als Präsident der ersten Rommission wurde der Italiener Belloni gewählt. Borsitzender der zweiten Kommiffion murde Hodac( Tschechoslowakei) und der dritten Kommiffion Young( Amerita). Die Kommissionen werden voraussichtlich noch weitere Unterausschüsse bilden und einzelne Spezialfragen bestimmten Mitgliedern zur Bearbeitung überweisen; auch werden für einzelne Gebiete besondere Sachverständige zugezogen werden. Länder mit mehreren Mitgliedern werden in zwei oder allen drei Kommissionen Vertreter erhalten, wie das für Deutschland der Fall ist. Arbeitnehmervertreter find in jeder Kom= mission zwei. Die Nachmittagssigung der Gesamtkonferenz. Am Nachmittag wurde eine öffentliche Sigung abge. halten, in der der Vorsitzende der Wirtschaftskonferenz Theunis noch einmal auf die Schwierigteiten der Konferenzarbeit hinwies. Die Konferenz trete aber, wenn auch ohne Illusionen, so doch auch ohne Stepfis an ihre Aufgabe heran. Aus den Andeutungen seiner Rede erfuhr man, daß die Konferenz auf einzelnen Gebieten auch umfassende materialbeschaffungen zu gründ lichen Studien nicht umgehen wird. Damit wird sich die Dauer Der vorbereitenden Wirtschaftsbesprechungen durch mehrere Monate hinziehen und zahlreiche einzelne Tagungen abgehalten werden. Zunächst ist beabsichtigt, daß bie Rommiffionen bis Sonnabend ihre Arbeitspläne im einzelnen aufstellen, und dann in einer öffentlichen Sigung der gesamten Kommissionen die jeßige Tagung geschlossen wird. Kein Sanitätspersonal? Der Vertreter der bauausführenden Firma, Direktor Wellmann, gab der Preffe die Auskunft, daß für die Nachtschichten Sanitätspersonal amtlich Dienst verfah Nach unseren Informationen ft im mt die Angabe nicht. Diese Sanitäternachtschicht soll erst ab Donnerstag eingeführt werden. Bis zum Mittwoch abend stand wohl in der benachbarten Sanitätsbarade ein Sanitäter bei besonderen Fällen zur Verfügung, der Mann verfah jedoch keinen besonderen Dienst. Dies ist eine Fahrlässigkeit, die um so mehr befremdet, als die lange Serie der Unglüdsfälle auf dem Großtraft werfbau die zuständige Stelle, d. h. die Bauleitung, hätte ſtugig machen müssen. Hier ist eine gründliche Untersuchung unbedingt Der Kampf um den Mieterschuh. Ein sozialdemokratischer Dringlichkeitsantrag. Die fortgesetzten Unfälle auf dem Neubau des Großtraftwertes raft wertes Rummelsburg haben die sozialdemo tratische Stadtverordnetenfrattien veranlaßt, einen Dringlichteitsantrag vorzubereiten, der folgenden Wortlaut hat: „ Der Magistrat wird dringend ersucht, unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um die fortgefehten schweren Bauunfälle beim Neubau des Großkraftwerks Rummelsburg zu verhüten, insbesondere Vorsorge zu treffen, daß der Raubbau an der Arbeitskraft der dort befchäftigten Arbeitnehmer durch ftrifte Einhaltung der achtstündigen Arbeitszeit fofort aufhört, sowie daß die Schuhvorschriften und die sanitären Maßnahmen im Zusammenwirken aller zur Kontrolle bestellten Faktoren schärfer als bisher durchgeführt werden." Der Antrag wird heute abend in der Sigung der Stadtverordneten zur Beratung tommen. Die her noch ungeflärten Ursachen die große Schmirgelscheibe. Stücke flogen umher und trafen Wendt an der Scäfe und im Gesicht. Schwer verletzt wurde der Berunglückte nach dem Moabiter Krankenhaus transportiert, wo er furz nach der Einlieferung an den Folgen der schweren Verlegung ver star b. Eine Untersuchung des Vorfalles ist eingeleitet. Feuer in Rummelsburg. Gestern nacht, turz nach 11 Uhr, wurden drei Löschzüge der Berliner und zwei Löschzüge der Lichtenberger Feuer= mehr nach Rummelsburg alarmiert, wo am Treptower Bark zwifchen Bahnhof Treptom und Stralau- Rummelsburg auf Bahngelände mehrere große Schuppen in Flammen standen. Ein riesiger Feuerschein, der Hunderte herbeilockte, hatte zu allerlei übertriebefeuer, auf den fünf Löschzüge an die Brandstelle eilten, zurückzunen Gerüchten Anlaß gegeben. Hierauf ist auch der Alarm Großführen. Nach langer Tätigkeit gelang es dann, das Feuer zur löschen. Die Entstehungsurfache ist bisher noch unbekannt. Ein frecher Straßenraub wurde gestern nachmittag in Zehlen do rf verübt. Gegen 5 Uhr stand ein 12 Jahre alter Schüler an der Ede der Anhaltiner und Ahornstraße mit seinem Fahrrad und sah Kindern zu, die sich dort auf dem Spielplat tummelten. Da kam Knaben das Rad aus der Hand, schwang sich hinauf und jagte daein Mann heran, entriß plöglich, ohne ein Wort zu sagen, dem pon. Die sofort aufgenommenen polizeilichen Ermittelungen hatten tein Ergebnis. Das Totenschiff. Im Bürgersaal des Rathauses hatten sich die Mieter beisiger von Groß- Berlin zusammengefunden, um den Vortrag des Genoffen Silberschmidt über die neuen Bestimmungen des Mieterschutzgesetzes zu hören. Der Referent mies darauf hin, daß es eine Legende sei zu glauben, daß die Republik schuld wäre an der Wohnungsnot.. Es sei an die offiziellen Rundgebungen während des Krieges zu erinnern, in denen denjenigen, die den Boden verteidigten, ein Anteil an diesem Boden versprochen wurde. Allgemein wurde damals ein neues Boden- und Wohnrecht als Auch die natürliche Folge des Krieges in Aussicht gestellt. Weimarer Berfaffung verspricht Siedlungs- und Wohnrecht. Statt dessen erfolgte schon bei Beratung des Mieterschutzgesetzes im Jahre 1923 eine starte Abschwächung der sozialen Vorlage der Regierung. Nachdem dieses Gesetz durchgebracht war, fegte eine wüste Hezze Nachdem dieses Gesetz durchgebracht war, fegte eine wüste Hege der Hausbefizer und der ihnen naheftehenden Wirtschaftsgruppen ein, die nicht ohne Wirkung auf die Regierung blieb. Die Folge ist der neue Abänderungsentwurf des Mieterschußgefeßes, der jezt im Wohnungsausschuß zur Beratung steht. Böse Bungen behaupten, daß fogar schriftliche Abmachungen über merkwürdige Zufaminenhänge zwischen Zollvorlage und Abbau des Mieterschutzes bestehen. Wenn auch kein direkter Beweis für diese Behauptungen zu führen ist, so besteht doch die Tatsache, daß die Hausbesizer sich verabschiedet wurde, eine schriftliche Zusage nach dieser Richtung rühmen, an demselben Tage, an dem die Zollvorlage im Reichstage erhalten zu haben. Im Wohnungsausschuß stellen Wirtschaftspartei erhalten zu haben. Im Wohnungsausschuß stellen Wirtschaftspartei und Deutschnationale Anträge, die auf völlige Aufhebung des einzig und allein auf die Zustimmung der Kommunisten angewiesen. Mieterschutzes abzielen. Wir sind bei unseren Verbesserungsantragen 3u§ 1 des Entwurfs hatten die Rechtsparteien einen Antrag eingebracht, die freie Kündigung wieder einzuführen und dem Mieter ein Einspruchsrecht binnen acht Tagen zu gewähren. Der§ 3 sieht die Aufhebung des Mietverhältnisses vor, wenn der Mieter mit ber Zahlung der Miete einen Monat im Rückstand geblieben ist. Bei Begründung der Vorlage entschuldigte sich der Reichsarbeitsminister Begründung der Vorlage entschuldigte sich der Reichsarbeitsminister damit, daß diese Borlage ausgearbeitet jei zu einer Zeit, als die Arbeitslosigkeit noch nicht so groß gewesen wäre. mung müsse aber aufrechterhalten werden, weil gegen böswillige Zahler ein ethisches Zwangsmittel vorhanden sein muß. Da aber find, ist unseres Erachtens diese Maßnahme nicht gerechtfertigt. böswillige Zahler nur in verschwindend kleiner Zahl vorhanden Ferner enthält der Entwurf eine Bestimmung, nach welcher Ersatz: raum nur bei öffentlichem Interesse gestellt werden müsse. Es ist bezeichnend, daß selbst die bayerische Regierung diesem Baffus nicht zustimmte und zwar, wie sie ausführte, im Interesse der Gemeinben, die bei Obdachlosigkeit eingreifen müßten. Bon Regierungs. feite wurde darauf hingewiesen, daß der jegt für Wohnbauzwecke zur Berfügung gestellte 200- Millionen- Fonds für Behelfsbauten ver: wandt werden sollte mit einer Lebensdauer von 30 Jahren. diese Behelfsbauten aber fertig sind, fann bei Aufrechterhaltung Endlose der Regierungsbestimmungen die Obdachlosigkeit ins wachsen. Die Größe der Gefahr, die in diesem unsozialen Abbau des Mieterschutzes liegt, ist gar nicht zu übersehen. Auf der einen Seite wird eine billigere Produktion mit billigeren Löhnen und er höhter Arbeitszeit verlangt, auf der anderen Seite werden die mieten verteuert. In der Diskussion betonte Genosse Ruben, daß für die Hinzuziehung der Laien auch für die höheren Instanzen der Gerichtsbarkeit verlangen müssen. Wenn wir uns mit einer internationalen Regelung des Mieterrechts beschäftigen, so haben wir zwei Gesichtspunkte in den Vordergrund zu stellen: Einfügung der Grundrechte des Mieters in das allgemeine Recht und die Er: haltung bzw. Erweiterung des Laiengerichts. Es gelangte eine Entschließung zur Annahme, die gegen jede Verschandelung des Mieterschutzgesetzes protestiert und in diesem Sinne einen Appell an die politischen Barteien richtet. Die Laienrichter verlangen Ausdehnung der Laienjustiz auf alle Wohnungsstreitigkeiten, Hinzu. ziehung von Laien zu den Schiedsstellen. Es wird gefordert, daß ber beabsichtigte Abbau der Mieteinigungsämter und Wohnungsstück abbrennen. Etwa 500 Arbeiter werden dadurch arbeitsämter in Groß- Berlin unterbleibt. Im Intereffe der Erhaltung von Altwohnungen und Häusern wird der soziale Ausbau der Wohnungspolizei dringend gefordert. Im Betrieb getötet. Die Bestim Bis Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich heute vormittag gegen % 10 1hr im Stahlmert Heinrich Rothe in der Morse. straße 2 in Charlottenburg. In der Schleifereiabteilung war der Präsident Coolidge hat das Schuldenabkommen mit Italien 32jährige Schleifer Paul Bendt an feiner Maschine mit dem Abschleifen von Eisenteilen beschäftigt, Blößlich zersprang aus bis unterzeichnet. 20 marottanische Schwarzfahrer im Kohlenbunter erstickt. Das Petit Journal" in Paris berichtet aus Marseille von einem grauenhaften Funde auf dem Passagierdampfer Sidi Ferrud", der von Algier gestern in Marseille eingetroffen ist. Im Kohlenbunker wurden die Leichen von zwanzig tarottanern entdeckt. Ein Unternehmer hatte die Marottaner dort untergebracht, um das Fahrgeld zu sparen. Er hatte unter dem Heizraum Höhlen gegraben, um die Marokkaner der Kontrolle zu entziehen. Die Araber find wahrscheinlich während der Fahrt erstickt. Eine Untersuchung ist eingeleitet. worden. und in den Kohlenbunfern versteckt worden feien. Ueber das SchidNachricht besagt, daß insgesamt 45 Maroffaner heimlich eingeschifft sal der übrigen 25 Mann werde man erst am Ende der nächsten Reise des Schiffes Auskunft erhalten können, da es sich bei den Kohlenvorräten um mehrere hundert Tonnen handle, die erst dann verbraucht sein würden. Die angeſtllten Untersuchungen hätten übrigens ergeben, daß in Algier eine Organisation für Frelfahrten bestehe und daß diese Helfer an Bord des Dampfers gehabt hätte. Bisher find vier Heizer verhaftet worden. Eine weitere Unglüd eines Caftautos der Schokoladenfabrik Hildebrandt. Ein Haus von einem Auto umgefahren. Wie das„ Chemnitzer Tageblatt" aus Waldheim berichtet, fuhr ein Lastauto der Berliner Schokoladenfirma Hildebrandt u. Sohn an einem fteilen Bergabhang infolge Berfagens der Bremse gegen ein aus. Der Anprall war so start, daß das Haus zum Teil einstürzte. Der Chauffeur wurde beim Zusammenstoß getötet, der Beifahrer schwer verletzt. Aus dem Die Pianofortefabrik Grotrian Steinway in Flammen. Braunschweig, 29. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Pianofortefabrik von Grotrian- Steinway Nachfolger in Braunschweig steht feit Donnerstag morgen 7 Uhr in hellen Flammen. Fabrifgrundstück schlagen haushohe, helle Flammen. Da die trode= nen Holzvorräte nicht zu retten sind, dürfte das ganze Fabrifgrund 10s. Die Feuerwehr ist seit Stunden bemüht, das Feuer einzudämmen, sie ist aber trotz aller Schlauchlagen nicht dazu imstande. Es dürfte taum etwas von der großen Fabrit gerettet werden. Beim Fußballspiel tödlich verlegt. Am Sonntag spielte in Reisensburg der Fußballflub Reifensburg gegen Offingen. An dem Spiel beteiligte sich der Weichenwärterssohn Josef Weishaupt von Offingen, der einen so furchtbaren Stoß gegen den Unterleib erhielt, daß er sofort umsant und mit einem Fuhrwerk heimgefahren werden mußte. Ain Tage darauf verschied der erst Siebzehnjährige an inneren Verblutungen. Gewerkschaftsbewegung Vom Bahnhof Alexanderplat. gelegenheit insgesamt für a cht Bersonen, trotzdem 45 Bersonen diesen Raum in Anspruch nehmen. Das weibliche Etagenpersonal, Zimmer- und Reservemädchen, sowie die Hoteldiener ziehen sich zum Teil in einem Raum um, die weiblichen Angestellten im übrigen in einem Durchgang, durch den sich das Service abspielt. Im übrigen muß der Aufenthalt in diesen Kellerräumen infolge der Schwefelbämpfe, die von der Eismaschine herrühren, die alle Arbeitsund Aufenthaltsräume durchziehen, als außerordentlich gesundheits Eine Entlüftungsanlage ist schädlich betrachtet werden. vorhanden, aber seit Jahren nicht in Ordnung. | schiedene Maßnahmen zur Steigerung des Ablages von ungarischer Kohle an. Handelsminister Walto erklärte, daß bereits solche Maß nahmen getroffen worden seien. Die Einfuhr ausländischer Kohle sei eingeschränkt worden. Weitere Maßnahmen zur Steuerung der Arbeitslosigkeit würden folgen. Der Bolkswohlfahrtsminister stellte der Abordnung weiter größere Darlehen für Bauzwede in Aussicht. Der Personalmangel und der Herr Inspektor. Die Gepädabfertigung des Bahnhofs Alerander. lag hat einen Schalter geöffnet, weil für die Bedieming weiterer Schalter fein Personal vorhanden ist. Die Reisenden stehen zeitweise bis auf der Dirdfenstraße. Der Durchschnitt der von dem viel zu wenigen Personal zu leistenden Arbeit beträgt täglich 2400 Positionen Gepäd, das ordnungsgemäß abgefertigt werden soll. Das bedeutet für die Bediensteten eine Schinderei, die um so größer ist, als der Dienststellenvorsteher nicht felten Arbeitszeiten von dem einzelnen Mann fordert, die fich Abstellung bestimmt versprochen. Die Arbeit der behördlichen Organe nicht aufgegeben. Die Tagung der Bergarbeiterdelegierten ist heute Don mittags 1 Uhr bis nachts 1 Uhr ausdehnen; obwohl Dienstschichten, die um 1 Uhr mittags beginnen, um 10 Uhr abends planmäßig beendet find. Man fordert von den schon neun Stunden im Dienst stehenden und durch die über menschliche Arbeitsleistung total ermüdeten Eisenbahnern noch drei leberstunben. Dabei find draußen Hunderttausende arbeitslos. Troß des hier offentundigen Berfonalmangels baut die Reichsbahndirektion noch weiter ab. Fernfahrtartenschalter, an denen Fahrkarten für alle Streden Europas verkauft werden, sind dort nur zwei geöffnet. Der Dienst an diefen zwei Schaltern ist auch nicht beneidenswert, denn außer den Fahrtarten müffen auch Telephonmarten vertauft und Auskunft gegeben werden. Eine dritte Kraft, die plan mäßig bei Verstärkung des Berfehrs mit eingreifen foll, tommt erst nicht dazu, weil von ihr die Erledigung der schriftlichen Ar beiten, das Leeren der Automaten und anderes mehr verlangt wird, zurzeit ist es gänzlich unmöglich, die sogenannte dritte Kraft zur Geltung zu bringen, da sie während des Urlaubs auch die Ber tretung des jeweils beurlaubten Beamten übernehmen muß. So kommt es, daß die Reisenden die Sonnabendzüge vielfach verpassen, weil nicht alle Reisenden rechtzeitig ihre Fahrtarten bekommen. Auch der diesjährige Osterverkehr auf dem Bahnhof Alexanderplatz litt unter dieser Wirtschaft. Die sogenannte ,, wirtschaftliche Betriebsführung" der Deutschen Reichsbahn tommt hier so recht auf Kosten des Personals zur Geltung. Ein Kapitel für fich ist, wie das Personal der Gepäd abfertigung und der Fernfahrtartenausgabe von dem Dienst. stellenvorsteher, einem Eisenbahninspektor, behandelt wird. Trotz des Ortsbeamtenrats seht sich der Herr Inspektor über alle Berordnungen und Verfügungen hinweg. Er lehntes dirett ab, fich mit dem Ortsbeamtenrat bei Aufstellung der Dienstpläne ins Benehmen zu setzen; troßdem im Beamten räteerlaß die Mitwirtung der Beamtenvertretung bei dem Aufbau von Dienstplänen angeordnet ist. Auch die Mitwirkung des Beamten rats nach§ 43 des Beamtenräteeriasses bei der Aufstellung des jährlichen Urlaubsplans wird von dem Dienststellenvorsteher perhindert. Unter dem Berfonal ist eine ziemliche Erregung zu beobachten, weil fein beauftragter Bertreter jederzeit vom Dienst stellenvorsteher mit nichtsfagenden Worten abgefertigt wird. Irgendwelche vom Ortsbeamtenrat gemachten prattischen Vorschläge, wie die zu leistende Arbeit am besten bewältigt werden fann, nimmt der Dienststellenleiter lächelnd entgegen, ohne danach zu verfahren. Wie fönnte auch ein Beamtemrat es wagen, ihm Berbefferungsvorschläge zu machen. Der Generaldirektor Defer sagte wohl: Wir brauchen wirtschaftlich eingestellte Beamte, die aus fich heraus versuchen, für die Berwaltung das Beste zu leisten!" Und im§ 42 des Beamtenräteerlaffes heißt es: Die Beamtenräte und Domänner haben die Aufgabe, erstens die Berwaltung durch Rat zu unterstüßen und da durch mit ihr für einen möglichst hohen Stand der Leistungen und für möglichste Wirtschaftlichkeit des Betriebes zu sorgen." Menn aber der Ortsbeamtenrat seine Pflicht erfüllt, dann glaubt der Leiter der Dienststelle im Recht zu sein, wenn er der Beamtenvertretung zur Antwort gibt: Das geht den Beamtenrat nichts an." Daß ein solches Berhalten nicht geeignet ist, den Betrieb zu heben und die Dienstfreudigkeit des Personals zu fördern, liegt auf der Hand. Es wäre also an der Zeit, daß sich die Reichsbahndirektion Berlin die Prattifen des selbstherrlichen Inspettors nom Bahnhof Aleranderplaß einmal genauer ansieht und ihn auf seine Vorschriften aufmerffam macht, die er als Eisenbahninspektor zu befolgen hat. Die Innungen in Berlin. Im Bezirk der Berliner Handwerkskammer bestanden Ende März 1926: 423 3mangsinnungen gegen 413 Ende September 1925, und 312 Freie Innungen, zusammen also nicht weniger als 735 Jnnungen. Daneben außerdem noch 128 Gewerbe, Mittelstands und freie Bereinigungen sowie 45 Fachverbände des Kammerbezirks. Insgesamt sind es 939 Berufsvertretungen der felbständigen Handwerter. Gegen diese Zustände ist der Betriebsrat und auch die Gewertfchaft bei der Gewerbeaufsichtsbehörde eingeschritten. Es haben wiederholte Besichtigungen stattgefunden, die zur Anerkennung der Unhaltbarkeit der Zustände führten. Das Gewerbeaufsichtsamt hat Diesing, ständig behindert. Diefing behauptete, daß Pläne zum Umbau schon lange eingereicht seien. Wie sich aber herausstellte, war ein solcher Umbau nicht einmal projeftiert, viel weniger ein gereicht. Wie in diesem Fall, so wurde auch sonst versucht, die Behörden hinter das Licht zu führen. Nach Monaten ist bis heute nichts hörden werden fabotiert. Die Belegschaft verlangt nunmehr, daß zur Abhilfe geschehen. Die bereits erlassenen Anordnungen der Be init anderen Mitteln Abhilfe zu schaffen versucht wird. Personenschiffahrt! Auf Grund zahlreicher Anfragen aus den Reihen der werftätigen Bevölkerung, von Bereinen, Parteis und Gewerkschaftsorganisationen, mit welchen Personenschiffahrtsreedereien die Lohn- und Arbeitsbedingungen tariflich und zufriedenstellend geregelt sind, teilen wir hier mit, daß eine tarifliche Regelung nur mit der Reederei Langwaldt u. Schmolte besteht. Diese hat ihren Siz in Berlin C2, An der Stralauer Brüde 8 ( Baiſenbrüde), und ist telephonisch unter Alexander 4200 zu er reichen. Wir bitten, diese Mitteilung auszuschneiden und auf zu bewahren, da sie nicht öfter gebracht werden kann. Deutscher Bertehrsbund, Mitgliedschaft Binnenschiffer und Wasserbaupersonal der Elbe, Oder und Märkischen Wasserstraßen, Berlin SD 16, Michaeltirchplatz 2, II. Telephon: Morigplak 10670. Tagung der Bergbauangeftellten. Der Reichsfachausschuß der Bergbauangestellten im Bentralverband der Angestellten tagte am Sonntag, den 25. April 1926, in Berlin. Neben tariflichen und organisatorischen Fragen stand die Novellierung des Reichstnappihaftsgefeßes im Bordergrund des Intereffes. Ein instruktiver Bericht der Reichsfachgruppenleitung schilderte nach furzem historischem Rückblick umfassend den gegenwärtigen Stand der parlamentarischen Beratungen über die Novelle. Novelle. Die Stellungnahme der Bertreter des Zentralverbandes der Angestellten bzw. des AfA Bundes im Reichstage zu den einzelnen Kernfragen fand die einmütige Billigung des Reichsfac ausschusses. Außerdem wurde die bisherige Tätigkeit des 3entral verbandes der Angestellten für die Hebung der wirt schaftlichen und sozialen Lage der Bergbauangestellten anerkannt und auch der Ueberzeugung Ausdrud verliehen, daß nach wie vor für die kaufmännischen Bergbauangestellten der 3b 2. die gegebene Interessenvertretung ist. Die Krisis im Salgo- Tarjaner Kohlenrevier. Budapest, 29. April.( WTB.) Eine Abordnung der Salgo Tarjaner Bergarbeiter erschien gestern mittag beim Handelsminister Walto. Der Führer der Abordnung berichtete über die traurige Lage der Arbeiter im Salgo- Tarjaner Kohlenrevier und regte verAm 27. April starb unerwartet nach langer Krankheit unsere Mitarbeiterin Antonie Liers im Alter von 58 Jahren. Wir werden der treuen Mitarbeiterin und lieben Rollegin ein ehrendes Anbenten bewahren. Berfonal u. Geschäftsleitung der Vorwärts Buchbenderei und Berlagsanftalt. Einäfcherung am 30. April, 9% Uhr Dorm, im Krematorium Wilmersdorf. Berliner Elektriker Genossenschaft angeschl. dem Verb.soz.Baubetriebe Berlin N. 24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 6525, 6526 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4. Tel.: Pfalzburg 9831 Ausstellungsräume und Lager: Alexanderstraße 39-40( Alexander Passage), Telephon: Königstadt 540 Herstellung elektr. Licht-, Kraft- und Signalanlagen. Verkauf aller elektr.Bedarfsartikel Ausführg. sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit In der Einheitsgemeinde Groß- Berlin gibt es nun feineswegs etwa 900 verschiedene Handwertszweige, sondern vielfach ein Duzend und mehr 3mangs- und freie Innungen eines einzelnen Gewerbes. Bergegenwärtigt man sich, daß den Innungen die Fürsorge für das Herbergswesen und den Arbeits nach meis obliegt, die nähere Regelung des Lehrlingsmefens und die Fürsorge für die technische, gewerbliche und fittliche Ausbildung der Lehrlinge, sowie die Entscheidungen Don Streitigteiten zwischen Innungsmeistern und ihren Lehrlingen, daß die Innungen außer bem befugt find, Innungstrantentassen zu errichten, Fachschulen zu unterhalten, Schiedsgerichte zu errich ten ufm., daß bei jeder Innung ein Gesellenausschuß bestehen soll, dann fann man sich einen ungefähren Begriff von Der Kräftezersplitterung und vergeudung machen, die die Eristenz dieser 735 Berliner Innungen bedeutet. Da jedes Obermeisterlein samt dem oder den Ehrenobermeistern seiner Innung an seinem Pöstchen flebt, zumal dann, wenn damit eine fleine Aufmandsent schädigung verbunden ist, fällt es natürlich schwer, ganz abgesehen non perschiedenen Richtungen, wie z. B. den Friseur- und den Haarformerinnungen, die Innungen eines Gewerbes unter einen Sut DER KLEINE BROCKHAUS zu bringen. In der Einheitsgemeinde Groß- Berlin dürfte für ein Gewerbe nur eine Freie oder Zwangsinnung zugelassen werden. Die geplante Schaffung von Pflicht". Inmungen( d. h. allgemeinen 3waansinnungen) dürfte dieser Zersplitterung ein J. H. W. Dietz Nachf. G.m.b. H. Ende machen. " Der Prozeß um den Reichsbahn- Schiedsspruch. Gegenüber einer Darstellung der Deutschen Reichsbahngefellchaft, wonach die Eisenbahnengewertschaften frog wiederholter bahin gehender Berfidherumgen noch immer feine Berufung gegen Das befannte Urteil des Landgerichts I eingelegt hätten, meist der prozeßführende Allgemeine Eisenbahnerverband darauf hin, daß diese Berufung deshalb noch nicht eingelegt worden fei, weil die Deutsche Reichsbahngesellschaft als die in erster Instanz erfolgreiche Partei das berufungsfähige Urteil der vorläufig unterlegenen Bartei oder ihren Anwalt noch nicht habe zugeben laffen Sinter den Auliffen des Kaiserhofs". Im Laufe des legten Winters führte die Arbeitnehmerschaft des Hotels Der Raiserhof" wegen der Umfleide und Garderobenräume hes Berfonals Beschwerde. Die fraglichen Räume dienen als Um. fleideraum, Braum und Aufenthaltsraum mährend der Baufen. Im Winter war es megen des Fehlens einer Heizung es geht nur ein Rohr in einer Ede durch- in der GarderobeberKellner nicht zum Aushalten. Dieser Raum, der von 45 Kellnern in Anspruch genommen wird, hat 60 Rubikmeter Rauminhalt, ist im Reller gelegen und hat als Fenster lediglich ein eller Inc. In dem Raum befindet sich ein Tisch für zwei Berjonen und Sig Preis M. 23, Zu beziehen durch Berlin SW. 68, Lindenstraße 2 ( Abteilung Sortiment) und sämtl. Vorwärts- Ausgabestellen KrausePianos zur Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Karfürstenstraße Pumpen Adolf Hoffmana Robre Ersatzteile, Preisliste gratis! Koblank& Puinpenfabrik, Berlin N 65, Reinickendorfer Straße 95. Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Ministerzeit. Prets 1 Mort. Borto 5 Pfennig. Borrätig in allen BarwärtsAusgabestellen. Der Konflikt im englischen Bergbau. London, 29. April.( WTB.) Die Lage in der Kohlenfrage wurde heute morgen in Anbetracht des Aufhörens der Regierungsbeihilfe mit dem 1. Mai als fritisch betrachtet. Trozdem ist die Hoffnung, einen Ausweg aus den Schwierigkeiten zu finden, noch um 9 Uhr eröffnet, aber auf 12% Uhr vertagt worden. Die Arbeitslosigkeit in Leningrad und Moskau. ( RSD.) Dem Gewerkschaftscrgan Trud“ vom 7. April wird aus Leningrad geschrieben: „ Die Arbeitslosigkeit in Leningrad nimmt zu. In den letzten acht Monaten ist die Zahl der Arbeitslosen bei dem Arbeitsnach weis von 54 500 auf 82 500 gestiegen. Zu gleicher Zeit ist die Zahl der in den Gewerkschaften registrierten Arbeitslosen von 67 500 auf 79-500 geftiegen. Hierbei ist ein Teil der in den Gewerkschaften registrierten Arbeitslosen im Arbeitsnachweis verzeichnet, während ein anderer Teil, und zwar 31 000, dort nicht registriert ist. Dem. nach übersteigt die Gesamtzahl der Arbeitslosen in Leningrad die Zahl von 100000. Arbeiter, die viele Jahre in den Fabriken und Werken Die erdrückende Mehrheit der Arbeitslosen in Leningrad find gearbeitet haben. So hat eine Ende vorigen Jahres vorgenommene untersuchung der arbeitslosen Gewerkschaftsmitglieder( von denen 60 Broz. auch im Arbeitsnachweis eingetragen jind) erwiesen, daß ihre durchschnittliche Arbeitsdauer 12 Jahre be trägt, darunter 9,4 Jahre in einem Berufe. Biertel von ihnen sind alleinstehende Personen. Alle diesen Arbeitslesen haben meist Familie. Bloß ein Bei den Berheirateten ist die Familie im Durchschnitt drei bis vier Personen groß. Bon diesen Familienmitgliedern hat nur ½ Pro3. einen felbständigen Berdienst. Die materiellen Bedingungen sind folg lich sehr schwer, besonders, wenn man berücksichtigt, daß 35 Proz dieser Arbeitslojen feit über einem Jahr feinen Berdienst haben. Die Berficherungstaffe gewährt Arbeitslosenunterstützung ledig lich an etwa 30 000, d. h. weniger als an 30 Broz. aller Arbeits lofen, die Gewerkschaften unterstüßen etwa 20 Bro3. gewerkschaftlich organisierter Arbeitslosen, wobei die durchschnittliche Höhe der gewertschaftlichen Unterſtüßung nur 6,24 Rubel, d. h. etwa 13 m. im Monat beträgt. In Mostau hatten die Arbeitsnachweise am 1. April 135 918 Arbitslose eingezeichnet, 31 713 mehr als am 1. März Die Zunahme betrifft alle Arbeiterfategorien, worunter die Hilfsarbeiter mit 16 853 vertreten sind, die Bauarbeiter mit 4948 und die Induftrieabeiter mit 4707. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten 2.-G., Berlin, Wallftr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend Don 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Berantwortlich für Bolitik: Richard Bernstein; Wirtschaft: Artur Saternus; Gemerlichaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. B. Döscher: Lokales und Sonstiges: Frik Raritädt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Bormärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Juny Gebr. A.-G. Das große Warenhaus des Nordens Swinemünder Straße 86 Donnerstag Freitag Sonnabend Billige Sonderpreise in Lebensmittel Frisch gebrannter Kaffee Hering in Gelee Pfund..... 2.20 Dose ca. 2 Pfd. Inhalt 15 Pt. Feinster Gebirgs- Fettheringe Himbeersaft Flasche 1.50 .. Feinster alter 10 Stück... 55 PL Weinbrand Verschnitt Gelsardinen 1, Fl. 2.95 inkl. Fl. Gr. Dose... 65 Pf. Backpflaumen Makrel- Bucklinge Pfund P. ... 35 Pf. Pfund..... 20 Pt. Brest. Brühwurst Tafelbutter Pfund.... 90 Pt. 1- Pfd.- Paket 90 Pt. Berl. Mettwurst Tafel- Margarine Pfund .... 1.10 Pfund. 56 Pf. Pr. Ochsenfleisch la Mettwurst Tilsiter Käse gefr. Plund 48 Pt. Pr. Kalbfleisch Pfund.. 68 Pf. Schweinebauch Pfund.. 98 Pl. Schweinsköpfe frisch, Pfund 48 Pt. nach Braunschweig. 140 Pfd.. 75 u. 95 Pf. Art Pfund Schweineschmalz Limburg. 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