BALUSCHEKNr. 203 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 103 Bezugspreis: Bhentlich 70 Bfennig, monatta Reichsmart voraus sahlbar. Unter Areuzband für Deutschland, Danzig. Gaav und Memelgebiet. Defterreich, Litauen, Lucemburs 4.50 Reichsmart, für das übrige Rusland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts mit ber Gonntags Beilage Bolt und Reit" mit Gieb.. Luna und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Billen und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags unb Montags einmal. Telegramm- Adresse: Bezialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfvaltiae Nonpareille Beile 80 Bfennig. Reflamezeile B- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgedrudte Wort 25 Bfennts ( suläffia zwei fettaedruckte Borte), febes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erfte Wort 15 Bfennia, tebes weitere Wort 10 Pfennig, Worte über 15 Buch ftaben zählen für amei Worke Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Nur für ein Jahr- dank der Zerrissenheit der deutschen Arbetterbewegung. So ist der Welffelerfag der Arbeit auch in Deutschland wiederum ein Kampfesfag geworden, der in jedem Jahr, in jeder Stadt, in jedem Beruf, jeder Fabrik, von jedem Arbeiter immer wieder von neuem erobert werden muß. Und doch ist der Gedanke der Maifeier mit der Empfindungswelt der heufigen Generation der klassenbewußten deutschen Arbeiterschaft untrennbarerbunden, weil er fle von Jugend auf begleitete und den Inhalt ihres Lebenskampfes widerspiegelt. So wie in Deutschland auch in anderen Ländern. Darin allein liegt schon die Gewähr, daß die der Maifeler zugrunde liegenden Jdee der Völkerfreiheit ihren Siegeszug über die Erde vollenden wird. Die schweren Kämpfe, die von den Gewerkschaffen in nunmehr 36 Jahren um diesen Gedankens wegen ausgefochten werden mußten, das Elend, das die Jahr für Jahr wiederkehrenden Aussperrungen und Maßregelungen über die am 1. Mai der Jdee des Arbeiterschutzes und der Völkerverföhnung huldigenden Arbeiter brachte, und von ihnen immer wieder getragen wurde, zeigt schon heute ein Kampfesbild von wahrhaft heroischer Größe. Als die Vertreter der Arbeiterschaft von 20 Nationen im Jahre 1889 in Paris in den Tagen der 100jährigen Wiederkehr des Bastillesfurmes, dem Beispiel der amerikanischen Federation of Labor folgend, den Beschluß faßten, in allen Ländern der Erde am 1. Mai des Jahres 1890 für den achtstündigen Arbeitstag durch Arbeitsruhe zu demonstrieren, war dies ein Wagnis besonderer Art. Waren doch mit Ausnahme Englands die gewerkschaftlichen Organisationen nicht die machtvollen Gebilde von heute, sondern erst in ihrer Entstehung begriffen. Lastete doch auf der deutschen Arbeiterklasse noch das Sozialistengesetz fluchwürdigen Angedenkens, jenes Geseß, das dazu bestimmt war, die Sozialdemokratie mit Stumpf und Stiel auszuroffen, die freilich durch ihre Taktik im Kampf gegen dieses Gesetz rofe Wangen und pralle Lenden bekam. Krieg dem Krieg! Ton der Not! Endlich einmal muß die Seif kommen, in der der Verzweiflungsruf: Hunger! Hunger!" nicht mehr über die Erde gellf. Endlich einmal muß die Zeit kommen, in der der arbeitsfreudige Mensch nicht vergeblich nach, Arbeit und Brot seine Stimme zu erheben braucht. Dann wird Wahrheit geworden sein, was Goethe im Fauft den Chor der Druiden in der Walpurgisnacht von der Sonne des ersten Maientages singen läßt: Dein Licht, wer kann es rauben!" Ollo Wels E Sozialismus unsere Zukunft. Von J. Ramsay Macdonald Führer der Arbeiterfraktion im englischen Parlament. chsende den deutschen Genossen und der gesamten foziafiffifchen Bewegung Deutschlands meine herzlichsten Grüße zu ihrer Maifeier. Es wird immer deuflicher und deutlicher, daß der Sozialismus die einzige Hoffnung des europäischen Kontinents geworden ist. Reaktion und Kommunismus bedeuten Untergang. Der Sieg des Sozialismus mag langsam kommen und es mag sein, daß wir manchmal ungeduldig werden, aber er iff die einzige fichere Hoffnung der Arbeitnehmerschaft. Mansa Macdonne Bölkerbund und Arbeiterschaft. Bon L. Jouhaug Generalsekretär des franzöfifchen Gewerkschaftsbundes. erfeldigung der Eroberungen der Arbeiferschaft, Verteidigung des Friedens und der Freiheit, das ist das Programm der französischen Organifationen, das ihre Aktion mit der der ArbeiterNur beharrliche Nüßlichkeitsarbeit, wie sie der deutschen schaft aller Länder in Uebereinstimmung bringt Arbeiterklasse von Männern wie Auer, Bebel und und neben den nationalen Eigentümlichkeiten der Aktion Carl Legien gelehrt wurde, konnte die Schwierigkeiten unserer Demonstration am 1. Mai ihren Charakter geben wird. überwinden, die der Durchführung der Maifeier entgegenWie für das gesamte Proletariat der Welt, bedeutet für standen. Freilich fand der erste Maifeiertag die deutsche uns die Verteidigung der Errungenschaften der Arbeiterschaft Arbeiterschaft in gehobener Stimmung, voll Kampfbereitschaft in erster Linie die Sicherstellung des Achiff und enund Siegeszuversicht. Am 20. Februar 1890 batte fie fene fags und die Rafifizierung des Abkommens große Schlacht geschlagen, die die verfolgte und geachtete Don Washington. Das will fagen, daß wir den Partei zur Siegerin des Wahlkampfes machte, das Aktionen, die von den Gewerkschaffen und Sozialiffen für Sozialistengesetz nach einer Dauer von elf Jahren, elf Mo- diefes Siel unternommen find, unfere ganze Unterstüßung nafen und elf Tagen gerbrach und Bismarck für3fe, geben. Der Achtstundentag ist mehr als eine ungeheure Verder den Sozialismus im Blut der deutschen Arbeiter zu er- befferung der Lebensbedingungen der Arbeiter: Er ist auch die franken entschloffen war. Auf der anderen Seife aber schuf berbürgfe Soffnung auf die Befreiung der diefer Sieg durch die sinnlose Angst des Bürgertums und der Arbeit. Um keinen Preis darf man ihn antasten lassen; herrschenden Gewalten für die erste Maifeier in Deutschland mit allen Mitteln muß er verallgemeinert und gefestigt die Gefahr eines gewaltsamen Zusammenstoßes. Das Militär blieb in den Kasernen konfigniert. Mit scharfen Patronen persehen, um dem drohenden Umfturz zu begegnen. Angftvoll öffnete am 1. Mai der Spießer des Morgens die Fensterläden seiner Wohnung, um einen scheuen Blick auf die Straße zu werfen und voll Furcht zu lauschen, ob der dröhnende Schrift der Arbeiterbataillone bereits hörbar sei. So wie die Maifeier nach ihrem glänzenden Erfolge in der ganzen Welt, obwohl zunächst nur für das Jahr 1890 befchloffen, von selbst zu einer dauernden Einrichtung wurde, erweiterte sich auch der Inhalt, den fie durch das Zusammenwirken der Arbeifer aller, Länder erhielt. Mit ftürmischer Gewalt hatte der Gedanke der Maifeier die Herzen der Arbeiter in allen Ländern ergriffen, die um ihre Befreiung aus sozialer und ökonomischer Knechtschaft und politischer Unterdrückung kämpften. werden. Die Verteidigung des Friedens, der Rampf gegen den Militarismus, gegen den politischen und wirtschaftlichen Nationalismus beschäftigen uns gleichfalls in erster Linie. Dieser Kampf ist umso notwendiger, weil die Situation gegenwärtig unsicherer geworden ist und weil eine sehr große Anstrengung gemacht werden muß, um die Unsicherheit und Unruhe zu beseitigen, die durch die Schlappe der letzten Vollversammlung in Genf hervorgerufen wurden. Wir sind feft überzeugt, daß die Organisierung und die Garantie des Friedens nur möglich ist innerhalb des erweiterten lich von allen Ueberbleibfeln der alten Diplomafie gefäubert und demokratisierten Völkerbundes, der endwerden muß. Die französische Arbeiterklasse wird ihre Antrengungen in dieser Richtung fortfehen, um zur materiellen und moralischen Abrüftung zu gelangen. Sie ist andererseits der Auffaffung, daß eine dringende Aufgabe auf demselben Gebiete die wirtschaftliche Reorganisierung der Welt und ganz besonders EuroDeutschland war damals so sehr die stärkste militätische pas ift. Der wirkliche Friede findet fich in der wirkungsvollen Macht Europas, mie es heute wohl seine schwächste ist. Bon Solidarität der Völker, die vereinigt find zu er Deutschland aus hatte der Militarismus feinen Stegeszug überzeugen und das Dasein der Menschheit in auffteigendent den europäischen Kontinent angetreten und wie überall wurde Sinne zu entwickeln. er besonders in Deutschland von der Arbeiterschaft als das Instrument der herrschenden Klassen gegen das fozialistische Proletariat und eine Gefahr für den Weltfrieden empfunden. Stärker noch als der Ruf nach dem Achtstundentag hallte deshalb in der Folgezeit am 1. Mai der Ruf durch die Lande: Rieber mit dem Militarismus! Krieg bem Kriege!" Bis jenes große Verhängnis des Jahres 1914 über die Welt hereinbrach. Der Weltkrieg hatte den Glauben an die infernationale Solidarität der Arbeiterklasse erschüttert. Trotzdem erhoben fich faft als erffe internationale Erscheinung der Nachkriegszeit aus Blut und Brand, wie der Vogel Phönig aus der Asche, die internationalen Organisationen der Gewerkschaften und der sozialistischen Parteien. Im Rampfe geläutert, um furchtbare Erfahrungen reicher geworden, nahm die internationale Arbeiterwelt die Arbeit der Verständigung und der moralischen Abrüstung des affes auf, um langfam, langsam auch die bürgerliche Welt zu der Erkenntnis zu bringen, daß der Wiederaufbau Europas nur im Zeichen einer europäischen Solidarität möglich ist. In dieser Arbeit fand der Maigedanke feine Auferstehung. Die in Hamburg im Jahre 1923 neu geeinte fozialistische Arbeiterinternationale und der internationale Gewerkschaftsbund verfolgen hierin nicht nur die gleichen Ziele; fie marschieren gemeinsam auf gleicher Straße. Die Beschlüsse der infernationalen Sozialistenkongreffe in Hamburg und Marseille, der Gewerkschaffškongreffe in Rom und Wien, sowie die des vom internationalen Gewerkschaftsbund einberufenen Weltfriedenskongreffes im Haag find Meilensteine auf dem Wege zur Erfüllung der Gedanken, die jeder klaffenbewußte Arbeiter aus der Maifeier schöpft. Die Umstände wollen es, daß diese Aktion für den Frieden eng verbunden ist mit der Verteidigung der Freibeit. Die sammften Gefahren der Stunde find die, die werden, um sie zu beseitigen. Das liegt im Intereffe aller Diktaturen hervorrufen. Es muß alles ins Werk gefeßt Nafionen, vor allem der Arbeiterschaft, denn außerhalb der Freiheit sind für die Arbeitersaft günstige Existenz- und Zukunftsbedingungen unmöglich. Auch auf diesem Gebiete werden die Rameraden aller Länder, werden alle, die die soziale Gerechtigkeit und den sozialen Fortschritt wollen, die französischen Arbeiterorganifationen geschlossen und wohlvorbereitet an ihrer Seite finden. Gorkaup Für Frieden und Verständigung. Bon William Green Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsbundes. m Namen der Arbeiterschaft Amerikas fende ich den Lohnarbeitern Deutschlands an biefem befonders für Europa bedeutungsvollen Arbeiterfeiertag die brüderlichen Grüße. Dieser Tag ist geweiht durch die Rämpfe um Jdeale, deren Symbol er ft. An diesem Jahrestag freuen wir uns mit Euch der Fortschritte, die 3hr zur Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts Europas und des guten Willens zwischen den Nationen gemacht habt. Der gute Wille ist unerläßlich zu klarem Denken und konstruktiven Plänen, während Haß und Mißgunst dagegen Hinterlift und Intrige erzeugen. Der gute Wille führt zur Verständigung und zum Frieden. Wert des Friedens schäßen gelernt, und wir wissen, daß es Aus unseren schlimmsten Erfahrungen haben wir den nicht genügt, die Sprache des Friedens zu sprechen. Wir müssen den Geist des Friedens in unseren Herzen fragen und in die Gewohnheiten und Einrichtungen der Menschheit die Umgangsformen des Friedens einführen. In dem gemeinsamen Bedürfnis nach Frieden sind die Völker zu einer größeren Einheit gekommen. Wir finden, daß die wirtschaftlichen und finanziellen Interessen aller Nationen eng miteinander Derbunden sind. Finanzielle Unsicherheit und niedriger Wirtschaftsstand in irgendeinem Lande wirken sich aus auf die Märkte aller anderen Länder. Das wirtschaftliche Gedeihen der Lohnarbeiter jedes Landes ist untrennbar verknüpft mit bem wirtschaftlichen Fortschritt des gleichen Landes. Wir Gewerkschaftler fragen wesentlich zum Ausbau des industriellen Fortschritts bei und wir sind der bedeutendste Faktor bei der Steigerung der Zahl derer, die feilnehmen an den Erträgnissen der Berbesserung der Produktion. Wie aus der gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit aller Länder eine wesentliche Einheit sich entwickelt, so ist zwischen den Lohnarbeitern aller Länder eine Verftändigung und ein 3usammenarbeiten notwendig. Schriftliche und mündliche Verbindungen find für uns notwendig. Die brüderlichen Vertreter, die die deutschen Gewerkschaften zu uns schickten, haben zur Förderung der gegenseitigen Verständigung und Zuneigung viel getan. Weil wir gemeinsame Probleme haben, so haben wir auch aus dem Austausch der beiderseitigen Erfahrungen und Methoden viel zu lernen. Die Organisierung des Zusammenwirkens muß auf den gemeinsamen 3nteressen beruhen. Das arbeifende Bolk feht in allen Ländern die Kräfte in Tätigkeit, die das Gedeihen und die Entwicklung der Lohnarbeiter fördern. In nationalen und industriellen Angelegenheiten obliegt der Arbeiterbewegung, die Arbeit zu vertreten und zu stützen. Da jetzt Industrien im Weltmaßstabe organisiert sind und einander den Weltmarkt streitig machen und da die Fluten des menschlichen Lebens in Ziel und Strömungen international find, ist es notwendig, daß zwischen der Arbeiterbewegung der ganzen Welt ein Zusammenwirken besteht. Obwohl wir in der Methode und in der Behandlung der innerpolitischen Probleme uns unterscheiden mögen, so gibt es doch eine breife Grundlage für internationale Beziehungen, auf der die Arbeiterschaft aller Länder sich in Uebereinstimmung befindet. Die amerikanische Arbeiterhaft hat das dringende Bedürfnis, Frieden und Vertändigung in der Welt zu fördern. Wir sind für den Frieden und für die Förderung des Friedens. Wir find bereit und bestrebt, zusammenzugehen mit den Vertretern der Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt, um Frieden, Brüderlichkeit und Verständigung zwischen allen Rationen der Erde zu fördern. Und wir sind gewillt, uns den aufbauenden Bewegungen anzuschließen, die eingeleitet wurden, um in praktischer Weise das wirtschaftliche und politische Gedeiben aller Völker der Welt zu fördern Green Die beiden Maiparolen. Bon Emile Bandervelde Belgischer Minifter für Auswärtige Angelegenheiten ie beiden Parolen der internationalen Maldemonstration sind: Friede und Achtstandentag. Was den letzteren betrifft, so scheinen die Aussichten gegenwärtig günstiger als im vorigen Jahre. Wir kennen und würdigen die Bemühungen, die in dieser Beziehung von den Arbeiferorganisationen Andererseits berechtigt Deutschlands gemacht werden. die Londoner Ronferenz der Arbeitsminiffer Deutschlands, Belgiens, Frankreichs und Großbritanniens zu der Hoffnung, daß die Rafifizierung des Washingtoner Abkommens in diefen vier Ländern binnen kurzem erfolgen wird. Was Belgien anbetrifft, wo die Regierung entschlossen war, auch ohne vorherige Abmachung mit dem Beispiel voranzugehen, ist die Eröffnung der Debaffe im Parlament nur noch eine Frage von Tagen. Leider können wir, was die Frage des Friedens anbetrifft, nicht mit dem gleichen Optimismus sprechen. Seit dem Sonnenstrahl von Locarno haben sich manche Wolken am Horizon. angesammelt. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ist hinausgeschoben. Die Weigerung der Sowjets, an der Abrüstungskonferenz teilzunehmen, die Meinungsverschiebenheiten zwischen den anderen Staaten über das Programm dieser Konferenz, die ganze gegenwärtige polifische Atmosphäre Europas berechtigen kaum zu der Hoffnung, daß, wenigstens was die allernächste Zukunft angeht, große Ergebnisse erzielt werden. Der Imperialismus und die koloniale Expansionspolitik nehmen eine drohende Haltung ein. Wir sehen auf verschiedenen Seifen ein Wiederauferstehen Jener abscheulichen Politik der Staatengruppierungen and der Militärbündnisse, die vor 1914 so viel Unheil angeffiffet hat. Das sind natürlich keine Gründe, um zu verzweifeln. Denn die breiten Massen wollen frog alledem den Frieden, und selbst diejenigen, die die Verantwortung der Macht tragen, wären blind oder wahnsinnig, wenn sie nicht begriffen, daß ein neuer Krieg das Ende Europas und der europäischen Zivilisafion bedeuten würde. Aber es find entscheidende Gründe dafür, daß die sozialistischen Arbeiter sich über die Grenzen hinweg mehr und mehr die Hände reichen und den Krieg und die Kriegsfreiber gemeinschaftlich bekämpfen. Der erste Mal bietet uns die Gelegenheit, die gemeinschaftlichen Gefühle, die uns beseelen, zu bekunden. Laffen wir sie nicht ungenüßt. Wan Die Kulturtat des Achtstundentags. lise Durführung des Abfftunbentages in demokratie und die freie Gewerkschaftsbewegung in dengerBon Th. Leipart Borsitzender des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. deutete. ie traditionellen ftaatlichen und kirchlichen Feiertage sind der Erinnerung an bedeutende Ereignisse der Vergangenheit geweiht. Die 3dee eines einer besseren Zukunft geweihten Festes konnte nur von der Klaffe ausgeben, bie in allen Industrieländern unter dem Druck der technischen Revolution und der Entwicklung zum Großbetrieb in die Rolle der Parias der kapitalistischen Gesellschaft hineingedrängt wurde, ausgeschlossen von der Sicherung ihrer Eristenz und damit von jeder wirtschaft lichen Freiheit, die für die anderen Volksschichten die Grundlage nicht nur eines Jorgloferen und reichlicheren Lebens, fondern auch ihrer Zeilnahme an bem kulturellen Erbgut der Nationen, auf den vorhandenen Bildungsmöglichkeiten beDiese gewaltige und wachsende Schicht des Proletariats, die fich Jahrzehnte hindurch in rascherem Tempo vermehrte, als die Produktivität der Wirtschaft in ben verschiedenen Industriestaaten flieg, kam nur allmählich zu dem Bewußtsein, daß fie eine durch das gleiche Schicksal geschlagene foziale Klaffe bildete, deren Angehörige für sich und ihre Rinder und Kindeskinder dazu verurteilt waren, von Geschlecht zu Geschlecht die Mühjale der gleichen Fron zu tragen, unter der auch ihre Väter geliffen hatten. Das proletarische Gemeingefühl, die Erkenntnis, daß sie nur als Ganzes, nur dann, wenn ein Geist genossenschaftlichen Zufammenstehens die formlose Masse der auf ihre Arbeitskraft allein Angewiesenen in kraftvollen Verbänden organisierte und ihnen Slel und Richtung gab- diese Solidarität des Handelns, diese schöpferische, organisierende Energie erwachte nur langsam in denen, deren Tun und Treiben im eigentlichen Sinne des Wortes nur ein Abmüben war. Jeber Tag ihres Lebens, die Art ihrer Arbeit, die Zahl der Stunden, die sie mit ihren Frauen und Kindern den Unternehmern zur Verfügung halfen, alle Bedingungen, unter denen fie in den Fabriken arbeiten mußten, waren pon fremder Hand bestimmt. In hoffnungsloser Vereinzelung standen sie Mächten gegenüber, gegen die jeder Widerstand vergeblich schien. Die Stunden, in denen sie sich felbft gehörten, waren karg bemessen, kaum ausreichend zur Wiederherstellung der erschöpften Kräfte, mit denen sie in der Morgenfrühe des nächsten Tages die Arbeit wieder aufnehmen mußten. Das Glück, auch nur in den engster Grenzen, selbst über ihr Leben bestimmen zu können, schien ihnen auf ewige Zeiten versagt. Jahrzehnte vergingen, ehe die Möglichkeiten organisierter Selbsthilfe, die sich das Proletariat in den Gewerkschaften schuf, den Arbeitern den Glauben sieghaft vermittelte, daß fie ihr Schicksal menden könnten. dem Sinne verhandelt wird, daß seine Geltung als Regel der schiedenen Ländern an unserer Bewegung abprallt und Arbeitszeit grundsäglich kaum noch beftriffen wird, daß der es sich im Gegenteil zeigt, daß die Gewerkschaften mehr, als Kampf vielmehr in der Hauptsache um das Maß der zu- je an den sozialdemokratischen Auffassungen und Methoden laffigen Ausnahmen geführt wird. Freilich keine gefeßliche durch die sie in den wichtigsten Ländern des Kontinents Regelung der Arbeitszeit wird die Durchbrechung der Regel groß geworden sind festhalten, wenn wir ferner die in der Praris verhindern, wenn nicht in der Arbeiterschaft gute, froh äußerst ungünstiger Verhältnisse während& Jahren bas Bewußtsein lebendig bleibt, daß ihre organi- bolfchemiffischer Spaltungsarbeit nicht getrübte Bundesfierte Macht die einzige Gewähr der ftrikten Durch genossenschaft zwischen den selbständigen führung des Achtstundentages ift. Gerade die deutsche Ar- Arbeiterparteien und den Gewerkschafen in beiterschaft ist aus der Erfahrung der letzten Jahre hinreichend Betracht ziehen, so glaube ich, daß die Arbeiterkaffe das darüber belehrt. Recht hat, den 1. Mai mit voller Freude und Zurserficht zu feiern. Die Arbeiterbewegung in den einzelnen Ländern muß ihrer Auffassung über die Gestaltung des staatlichen und gesellschafflichen Lebens der Nation zum Siege verhelfen, wenn sie die Beziehungen der Nationen untereinander in ihrem Geift geffalten will. Die Seifen find vorbei, in denen es genügte, daß die Arbeiterbewegung am 1. Mai das Gelöbnis ablegie, fich für die allgemeine Idee einzusehen, die Ihre Richtung beffimmt. Die allgemeine Idee der Arbeiterbewegung hat sich heute in allen großen Industriestaaten zu einer Fülle konkrefer Aufgaben verdichtet. Sie ist nicht mehr nur die Verheißung einer fernen Zukunft, eine ausschließlich innerhalb der Arbeiterschaft selbst wirksame und die Köpfe revolutionierende Idee, fie iff seit langem eine die gesamten fozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse umgestaltende raff geworden. Sie gibt dem Zeitalter sein eigentümliches Gepräge, sie zwingt auch die Gegnet in thren Bannkreis. Fest. Kein 3weifel, daß auch heute noch der Feiertag der Die Feier des 1. Mai war ein der Zukunft geweihtes Arbeit diesen Charakter trägt. Aber wenn man die Zeit von 1890 mit der Epoche vergleicht, die wir heute durchleben, so Zukunft schon in der Erweiterung der Rechte greifbar kann es keinem Zweifel unterliegen ,, daß die erftrebte bessere geworden ist, die sich die Arbeiterschaft durch ihre politischen Bewußtsein der großen unbestreifbaren Erfolge in den letzten und wirtschaftlichen Organisationen erkämpft hat. Das stolze darf sich die Arbeiterschaft auch durch die Schaffen der Wirt Jahrzehnten, auf die die Arbeiterbewegung zurückblicken kann, schaftskrise, die große Arbeitslosigheit nicht verdunkeln lassen. 3n unbeirtbarem Glauben muß sie den durch ihre eigene Kraft gebahnten Weg vorwärts schreiten. Leizpart Gruß den deutschen Arbeitern! Bon Arthur Henderson Generalsekretär der englischen Arbeiterpartei, m Namen der britischen Arbeiterpartei sende ich der deutschen Arbeiterschaft herzliche, brüderliche Grüße. Die Feier des 1. Mai wird den Arbeitern der Welt wieder in befonderem Maße die gemeinsamen Bande und gemeinsamen Interessen einer großen internationalen Kameradschaft in das Bewußtsein zurückrufen, und ich hoffe, daß wir uns auch in Sukunft in unerbifflichem Kampfe gegen Militarismus, Imperialismus und Krieg vereinigt finden werden. Mehr Freizeit! Für keinen bedeufefe die Erfüllung dieser Forderung in gleichem Maße mehr Leben als für die moderne Arbeiterschaft. Von allen weltschauenden Gewerkschaftsführern ist deshalb der Durchführung des Act- 2 ftundentages mit Recht oft ein höherer Wert beigelegt morden, als der Verwirklichung lohnpolitischer Forderungen. Die Forderung, die Eroberung und die Verteidigung des Achtstundentages ist daber mindestens ebenso die Achse der Gewerkschaftspolitik mie die Erhöhung der Löhne, Kapitalistische Ausbeutung, reaktionäre Unterdrückung deren allgemeines veau in starkem Maße von der Produk- halfen die Arbeiterschaft in verschiedenen Ländern noch immer Hvität der Wirtschaft bestimmt wird und im wesentlichen nur in Fesseln und verweigern thr auch nur die elementærften innerhalb dieser Grenzen gewerkschaftlichem Einfluß unterliegt. menschlichen Rechte. Arbeitslosigkeit bedroht weiter in Die Forderung des Achtstundentages wird mit Recht von schwerem Ausmaße die Arbeiterschaft. Ihre Lebenshaltung der Gewerkschaftsbewegung in erster Linie kultur- it auf eine bedenkliche Weise heruntergedrückt worden und politif begründet, fo viel fie felbft wie die Arbeitswiffen- Millionen haben ihre politische Freiheit verloren. schaft auch für die wirtschaftliche 3 weckmäßigkeif des Achtstundentages anzuführen weiß. Durch die Begrenzung der Arbeitszeit zwingt sie der kapitalistischen Wirtschaft einen Rahmen auf, der nicht nach privatwirtschaftlichen Maßen zugeschnitten ift. Nicht der Mensch ist für die Wirtfchaft da, ihrem blinden Spiel der Kräfte wehrlos unterworfen, sondern die Wirtschaft muß sich nach übermirffchaftlichen Forderungen richten, nach den berech figten Ansprüchen aller in ihr Täfigen an ein höheres Maß von Freiheit. Die Grenzen der Selbstbestimmung über das eigene Leben müssen für jeden einzelnen Arbeiter so erweitert werden, daß der Druck feiner Abhängigkeit während der Arbeitszeit aufgehoben wird. durch die Stunden, in denen er sich selbst gehört. Je mehr die Arbeiterbewegung, je mehr insbesondere auch die Gewerkschaftsbewegung zu einer fieferen Erfassung ihrer eigenen wirtschaftsorganisatorischen Siele, zu einer konkreten Feststellung ihrer Aufgaben innerhalb jedes Volkes, von den besonderen geschichtlichen Voraussetzungen in jedem Lande aus, gelangte, je mehr die Gewerkschaften aus vom Staat mißachteten, von den Unternehmern verfolgten, relativ bedeutungslosen Vereinigungen zu den anerkannten Interessenvertretungen der Arbeitnehmerschaft wurden, um so tieferen Inhalt gewann auch die Maifeler. Nur durch Fortschritt des Sozialismus, fowohl des fozialiftischen Denkens als der sozialistischen Pratis und nur im Gefolge einer Verwirklichung der einigen sozialistischen Demokratie auf der ganzen Welt vermögen wir jene neue soziale Regierung zu errichten, die unser gemeinsames Ziel ift. Möge der Maitag des Jahres 1926 eine neue Etappe auf unserem Marsche zum 3iele bedeuten. Es lebe die inter nationale sozialistische Arbeiterbewegung! halten Banduary Die geschlossene Arbeiterfront. Bon J. Oudegeeft Sekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes. eurteile ich die gegenwärtige Weltlage richtig, fo kann der 1. Mai unter günstigeren Vr Als sie zuerst in Deutschland gefeiert wurde, haben nur aussichten gefeiert werden, als bies in Den die mufigsten unter den zielbewußten Führern an den schnellen letzten Jahren der Fall war. Die allgemeine SuAufschwung der Gewerkschaften geglaubt. Aber auch fie nahme der Anzahl der sozialdemokrat chen konnten nicht voraussehen, daß die Gewerkschaffen nach drei Stimmen bei Wahlen und im Zusammenhang damit der EinJahrzehnten mit der zwanzigfachen 3ahl der Mit- friff sozialistischer Minister in die Regierungen verschadener glieder eine Macht im Staate und in der Wirtschaft bilden -wenn auch kleinereuropäischer Länder erfülle nicht würden, an deren Ausschaltung auch ihre erbittertsten Gegner nur die sozialistische Partei, sondern vor allem auch e Geim Ernst nicht mehr denken können. Das Bestehen so macht- werkschaften mit Zuversicht und geben der Hoffnung Raum, voller Gewerkschaften bedeutet praktisch schon den Anfang baß bie Seit für einen neuen Aufmarsch kommen wird, einer grundsäglichen Aenderung der kapitaliffifchen Wirt- fobald das europäische Wirtschaftsleben wieder normalere schaftsverfassung, eine Demokratifierung der Formen angenommen hat. kapitalistijden Wirtshaft, deren Fahrer noch Dor einem Jahrzehnt jebes Verhandeln mit den Vertretern Der organisierten Arbeiterschaft ablehnten. Wobin würde die Arbeiterschaft in einer Wirtschaftskrise, wie sie heute wieder die deutsche Wirtschaft lähmt, ohne die Gewerkschaffen gelangen! Was würde aus der Arbeitszeit, deren rücksichtslose Verlängerung ein Teil der Unternehmer fordert! 3u melchen Tiefen würden die Löhne herabgleifen, wenn die Gewerkschaffen dem Verfall der Kaufkraft nicht einen Damm entgegensetzten! Die Gewerkschaffen find die areigene Schöpfung der Arbeiterklasse. 3hre Macht ist gleichbedeutend mit der fiefgreifenden Wandlung, die bie Stellung der Arbeiferschaft im Staaf wie in der Wirtschaft erfahren hat. Ein Zeichen dieser Wandlung, die von den Arbelfern nur zu leicht vergeffen wird, ift die Taffache, baß heute von Arbeitsministern der größeren europäischen Staaten über die internationale gefes Wenn wir unsere Arbeiterorganisationen, die polisisch und wirtschaftlich nicht nach Zerstörung, sonder nach dem Wiederaufbau streben, stärken und aufbauer wenn wir ferner an den Methoden und Errungenschaften fAft halten, die der Arbeiterklasse bereits so viele Vorteile gebracht haben, so ist dies die beffe Bürgschaft für den Frieden, zwischen den Völkern, das Wachstum eines wirklich bemokratischen Völkerbundes und die schließliche Errichtung der Vereinigten Staaten von Europa. Hoch die freien Organisationen der sozialfischen Arbeiter und der Gewerkschaften! Partei und Gewerkschaften. Bon A. Hneber Borsigender der Gewerkschaftstoamission Deutschösterreichs. Infere politische Matt im Parlament, ein Ergebnis des einheitlichyn Willens und Handelns, hat der organisierten Arbeiterschaft an fozialpoli tischen Arbeiferuggeseßen soviel gebracht, daß wir zur Stunde loon wesentlichen Dingen eigentlich nur noch um die Alters- und Invalidenbersicherung tingen wissen. Damit stehen wir vor der Krönung und dem Abschleiß eines gewaltigen und historisch großen fozialpolitischen Werkes. Daß etwa eine Angelegenheit wie die Feier des 1. Mai bei uns in Desterreich unerschütterlich feststeht. brauche ich wohl nicht erst zu befonen. Der 1. Mal ist zum gefeßlichen Staatsfeiertag erklärt und daber schon allen Streitigkeifen entrüd. Aber wiewohl hier unser Sieg ein so vollständiger ist, daß von einem Kampfobjekt gar nicht mehr die Rede sein kann, wird bei uns die pollständige Arbeitsrube am 1. Mai mit einer Begeisterung gefeiert, die allein fchen beweift, welche fiefe Verbundenheit der Maffen mit den schichtlichen Idealen des Klaffenkampfes In Defterreich noch besteht. Die Gewerhaften haben von der Partei wirklich das erhalten, was jahrzehntelang als erftrebenswertes Ideal angefeben batft. Das ist, von allen anderen ebenso wich figen politichen Errungenschaften abgesehen, ein Erfolg desenheitlichen Wirkens auf der ganzen Lipie des mittelbaren Klaffenkampfes. Es konnte gar nicht anders werden, wenn man bedenkt, daß die Gewerkfchaffen au organisatorisch, froh des getrennt geführtén Organisaficskörpers, von der kleinsten 3elle der Parteiotganisatie bis hinauf zur Parteipertretung und Parlamentsfiktion überall mitvertrefen sind und überall fleißig mitarbeiten. Bei allen großen und kleinen Arbeiten, bie wir im Inteffe der Gesamtarbeiterschaft zu verrichten haben, wird die einheitliche fosialistische Willenskungebung gemeinsam erfolgversprechend herausgearbeitet. Die Reibungswiderstände, die sich bei einer fo so groß Bewegung natürlich nicht vermeiden laffen, schleifen fich ef einer folchen Methode wie der unsrigen auf das geringte Maß ab. • Auf Schrift und Tritt fühlt man die eiferne Disziplin in dieser so organisierten und von der Dike auf 1sialistisch erzogenen Masse. Die solcherart gesilten und doch einheitlichen Organisatioen der Partei und Gewerkschaften erleichtern eine zielbewußte Führung, insbesondere in Zeiten schwerster Wirtschaftskrisen. Es ist darum kein Zufall, daß der Kommunismus in Defterreich zur Bedeutungslosigkeit verurteilt ist. Der softematisch klare and zielbewußte Aufbau der beiden miteinander arbeifenden Organisationen hat es ermöglicht, daß es uns in Defterreich gelungen ist, auch in den Zeifen der Rückläufigkeit nach der Revolution eine unerschüttert machtoolle Partei zu bleiben. Unser großer verewigter Viktor Adler schrieb mir Dor etwa 20 Jahren, als der Neutralitätsdusel von Deutschland aus seine Wellen zu uns herüberschlug, folgendes Bekenntnis: Die Partei hat in Defferreich für die Gewerkschaffen fo viel gefan wie in keinem anderen Lande. Sie hat auch von den Gewerkschaften so viel empfangen wie in keinem anderen Lande. Partei und Gewerkschaften find bel uns fiamesische 3 willinge. Das hat seine Unbequemlichkeit, aber sie zu frennen, wäre eine lebensgefährliche Operafion für beide. Diesen Sag möte i teftamentarif festlegen. Er wird länger Geltung baben, als ich lebe, und ich werde den ganzen Reft meiner Kraft aufbieten, Erfreulich ist vor allem auch, daß die demokratium jedem Versuch, diese gefährliche Operation zu unternehmen, fchen Elemente in Deutschland und chen Clemente in Deutschland und die entgegenzutreten. Von Ihnen, lieber Freund, erwarte ich, daß beutsche Republik frog der mörderischen griffe der Sie dabel an meiner Seite stehen werden, wenn es ernst bürgerlichen und kommunistischen Elemente zu bends er- wird!" ftarken. Die kürzlich durchgeführte Volksab fimmung über die Enteignung der Fürstenhäuser, die fich offenbar über noch heute die Gewerkschaffen in Defferreich. So wie Bikfor Abler bachte, so benken und arbeifen die gewaltigen, dem deutschen Volke zugefügten Schäden die gewaltigen, dem deutschen Volke zugefügten Schäden immer noch nicht klar find, war eine überraschende Geiftesoffenbarung, mit der man im Auslande nicht regnete Die Tatsache, daß es trotz aller Gegenperfuche der bürgerlichen Regierung den Arbeitern gelungen ist, den von der Arbeiterklaffe eroberten Afft undantag mit wenigen Ausnahmen felbst in den Selfen großer Arbeitslosigkelf aufrechtzuerhalten, gibt Mut für die Zukunft. besonders auch im Hinblick darauf, daß die beitslosigkeit thren Höhepunkt überschriften hat. Wenn wir ehen, wie ble feindliche Kampagne Sowjet- Ruslands gegen die SozialHulyon L Friede und Arbeit. Von Pierre Renaudel Mitglied der französischen Kammer. rbeit, ermöglicht durch Frieden, Friede gestützt auf Arbeit, das sind die beiden Leitgedanken, die in diesen Maitagen die Arbeiterklasse aller Länder in Versammlungen und großen Rundgebungen, in denen sich ihre stets wachsende Kraft zeigt, zur Geltung bringen will. Wie sich in der Natur der Saft fändig erneuert, so fühlt sich das Proletariat jedes Jahr kräffiger, und der Keim, den die Väter des Sozialismus gesät haben, beginnt sich wie ein Baum mit weitem Gezweig zu entfalten. Die nod allzusehr verbreitete Unwiffenheit gerade derjenigen, denen der Sieg des Sozialismus Nußen bringen foll, bedeutet as stärkste und das am schwierigsten zu überwindende Hinternis. Trotzdem gelingt es der Arbeiterschaft allmählich, diese Unwissenheit durch ihre Organisation zu befeifigen. Das Vertrauen, das diese Organisation in größerem Maße erwirbt, rird die Anstrengungen des Proletariats unwiderstehlich maden und wird ihm erlauben, die Methoden seines Kampfes und seiner Aufbautätigkeit zu vervollkommnen. Die Unwiffent pit auf dem Gebiete der internationalen Politik vor allem muß der Sozialismus bekämpfen, um den binden Nationalismus, der uns dem Verderben und dem Toe ausliefern würde, auszuroffen. Man sei auf der Hut! Esenügt nicht, Abscheu vor dem Kriege zu haben. Abscheu vor der Kriege empfindet jeder und bekundet jeder. Aber wenn der Krieg da ist, wenn der blutige Sturm ausbricht, ist es zu spät im Handeln. Schon wenn die Wolke fich zusammenzieht, mu man die nötigen Vorkehrungen treffen, um sich in Sicherheit zu bringen, und deshalb ist vielleicht der größte Dienst, den man der nach Frieden dürftenden Menschheit erweisen kann, ihr in den schwierigsten Stunden das zu geben, was ihr nat den Worten Jean Jaurès' im Jahre 1914 fehlte: die eit zum Denken! Aus diesem Grunde sind die Einrichtungen so wichtig, die die Gegner zwingen, sich an einen Tisch zu sehen und ihre Ansprüche und Rechte zu begrnden, und die sie verpflichten, zur Lösung ihrer Konflikte ie Wege des Rechtes einzuschlagen, bevor sie zu den Mit In der Gewalt greifen. Deshalb unterstützt der Sozialismus en Völkerbund, deffen Ziel und Aufgabe es ist, die Völker aus diesen Weg zu führen. Die Sozialisten geben sich zwar davon Rechenschaft, daß die wirtschaftlichen und sozialen Gegenfäße, ind daß der Kapitalismus, der fiets neue Absahmärkte und obstofflager zu erwerben sucht, daß dies alles kaum den Ge anken aufkommen läßt, daß die Kriege schon jetzt endgültig ven' chwinden werden, bevor die kapitalistische Gesellschaftsordnung selbst verschwindef. Aber der Sozialismus weiß auch, daß heute seine Kräfte groß genug sind, um auf die Ereignisse einzu- l nisse den Völkern in ihrer Mehrzahl verstehen machen müssen, daß das durch Jahrhunderte Aufgebaute fallen muß, um Platz für das Neue zu schaffen. wirken. Durch Aufklärung der Völker über ihre Pflichten| nach dem neuen aus, aber es ist natürlich. daß erft fiefe Erlebund Rechte durchkreuzen die sozialistischen Parteien das Spiel der Staatsmänner und Diplomaten, die in erpresserischer Einbildung noch an der Auffassung festhalten, daß die großen Lebensprobleme der Völker nur mit brutaler Gewalt gelöst werden können. Das ist die Parole der organisierten Arbeiterschaft aller Länder an diesem 1. Mai, an dem sie in der ganzen Welt ihre Friedensideale verkünden. Allmählich räumt die Unwissenheit das Feld. Die Proletarier überlassen es ihren Herren heute nicht mehr, das Schicksal der Massen zu bestimmen. Sie bringen es fertig, das Spinneß der routinierten Diplomaten zu durchblicken und die Rüstungsgelüfte der rohen Militärs zu durchkreuzen. Sie wissen heute besser als je, daß Geheimdiplomatie und Kriegsrüstungen keine Gewähr für den Frieden darstellen. Für das Proletariat kann sich der Friede nur auf die Arbeit gründen, der Quelle des Wohlseins und alles Lebens. Nur wenn Friede auf Erden herrscht, kann die Arbeit sich entfalten, können die Proletarier als freie Menschen leben, stark und brüderlich. Das ist die wahre Bedeutung dieses 1. Mai, an dem wir die anderen heute doppelt zeitgemäßen Worte von Jean Jaurès' wiederholen:« Heute ist die Entwaffnung der Völker die höchste Aufgabe, die dem Proletariat zufällt. Freiheit und Friede. Bon Th. Stauning Ministerpräsident von Dänemark. uropas Länder werden lange kranken an den 3 erstörungen durch den Krieg, aber selbst unter diesen schweren Bedingungen muß Wiederholungen vorgebeugt werden, und die Arbeiterklaffe in allen Ländern hat die Pflicht, ihren Teil für den Wiederaufbau der Kultur und die Wiederaufrichtung des internationalen Zusammenwirkens zu fun. Die Arbeiterklasse muß alle Mittel, die zu ihrer Verfügung stehen, benutzen, muß die Wege gehen, die zum Ziele führen, und niemals einen demokratischen Fortschritt für so bedeutungslos ansehen, selbst wenn dieser nicht so weit reicht, wie es wünschenswert wäre. Die Nachkriegszeit zeigt uns eine Reihe von Ländern in wirtschaftlichem Zusammenbruch, die Wirklichkeit hat die kapitalistische Wirtschaft für ungeeignet zur Aufrechterhaltung der Ordnung erwiesen. Größere und größere Teile der Völker erkennen den Zusammenbruch des alten Systems und spähen Hier liegt die Aufgabe der Arbeiterklasse. Sie muß mit aller Kraft danach streben, sich für die Riesenarbeit zu erfüchfigen, die Gesellschaftsentwicklung in neue Bahnen zu lenken, fie muß, und sei es Schrift für Schritt, ihre historische Mission erfüllen. Ein wichtiges Glied in dieser Arbeit liegt im polifischen Leben. Vor allem muß viel Gewicht auf die Demokratisierung des öffentlichen Lebens wie der Produktion und des Umsatzes gelegt werden. Das ist unbedingt notwendig, wenn man eine gesunde und organische Entwicklung will, wenn man auf dem Selbstbestimmungsrecht aufbauen und Zusammenarbeit an die Stelle von Ausbeutung und Unterdrückung setzen will. Der Abschluß des Krieges gab Europas Völkern weder Frieden noch Freiheit, aber gerade Frieden und Freiheit müssen die Forderungen sein, die von den Arbeitern aller Länder vorangestellt werden. Diese Forderungen können wohl durch die internationalen Vereinigungen und neugeschaffenen Institutionen unterstützt werden, aber sie können nicht von diesen durchgeführt werden. Die Bevölkerung eines jeden Landes muß ihre Kämpfe auf nationalem Boden auskämpfen, die Arbeiterklasse eines jeden Landes muß sich Einfluß und Macht in ihrem Lande schaffen, Opfer müssen gebracht werden und harte Kämpfe werden zu führen sein. Es ist leider nicht anders, aber auch über diese Stufe in der Entwicklung müssen die Völker hinweg. Der siegreiche Ausgang dieser Kämpfe aber ist abhängig von dem 3 usammenhalt und der Reife der Arbeiterklaffe. Jede 3ersplitterung als Folge nationaler, religiöser oder politischer Verschiedenheiten dient dem Vorteil der Anhänger der kapitalistischen Gesellschaft und bewirkt eine Verlängerung des Kampfes, ein Hinausschieben des Sieges. Der stärkste 3usammenhalt sowohl in der Arbeit für die kleinen Fortschritte wie für die fernen Ziele ist das Erste und Notwendigste für die Klasse, deren Befreiung ihr eigenes Werk sein soll. Wohl können verschiedene Mittel in den einzelnen Ländern angewandt werden, aber diese Mittel müssen doch stets davon zeugen, daß die Arbeiterklasse zu höherer Kultur und zu höheren Gesellschaftsformen hinstrebt als denen, die die kapitalistische Gesellschaft den Arbeitern zugewiesen bat. Das 3iel muß Freiheit und Friede sein, denn über Freiheit und Friede geht der Weg zu der befreiten Arbeiterklasse, zur Selbstherrschaft des Volkes, zum Sozialismus. Dr. Staning Mai- Veranstaltungen der Partei und der Gewerkschaften. and la Vormittags 10 Uhr: dais Baugewerksbund: Orpheum, Hasenheide( friher Happoldt). Sammelpläge: Bezirk Moabit 28 Uhs Bredow- Ecke Wiclefstraße, Bezirk Wedding 7 Uhr Schulftra e 114, Bezirt Often 8 Uhr Tilsiter Straße Ede Frankfurter Allee, Bezirk Neukölln 9 Uhr Karlsgarten, Karlsgarten raße, Bezirk Schöneberg 29 Uhr Kaiser- Wilhelm- Blag. Bekleidungs- und Textilindustrie( Bekleidungsarbeiter Friseure, Hutarbeiter, Textilarbeiter): Germaniasäle, Chauffee straße 110. Böttcher: Rosenthaler of, Rosenthaler Straße 11'12. Dachdecker: Sminemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42. Einheitsverband der Eisenbahner: Böhmisches Brauhan S Landsberger Allee 11/13. Nahrungs- und Genußmittelindustrie( Fleischerverband, Lebensmittel- und Getränkearbeiter, Hotels, Restaurant- und Caféangestellten, Nahrungs- und Genußmittelarbeiter): Mo a biter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24. Sattler und Tapezierer: Neue Welt, Hasenheide. Schuhmacherverband: Boeters Festsäle, Beberstr. 17. Steinarbeiterverband: Haberlands Festsale, Neue FriedrichStraße 35 Tabakindustrie: Brachtfäle Märchenbrunnen( früher Schweizergarten). Am Friedrichshain. Berkehrsbund: Gemertschaftshaus, Engefufer 24/25. Sammelpläge: Bülowplaß, Dönhoffplay, Reuterplatz Neukölln, Wittenbergplatz und Mühlenstraße a. d. Oberbaum brücke. Zimmererverband: Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain 16/23. vereinshaus, Alexanderplatz( Großer Saal). Rezi tation: Gertrud Ensoldt. Referent: Reichsminister a. D. Wilhelm Sollmann, M. d. R. Unterausschuß Schöneberg: Schloßbrauerei Schöneberg, Hauptstraße 122. Unterausschuß Spandau: Neue Welt in Spandau." Unterausschuß Tempelhof: Graßl's Gesellschaftshaus, Mariendorf, Chausseestraße 305. Ainterausschuß Wilmersdorf: Bittoriagarten, Wilhelmsaue. Die Gewerkschaftsmitglieder, die in diesen Bezirken wohnen, nehmen an den Bezirks- Maifeiern teil. Mitgliedsbuch legitimiert. Referenten: Emil Barth, Eugen Brückner, Artur Crispien, Wilhelm Dittmann, Emil Dittmer, Otto Gael, Emil Girbig, Hermann Harnisch, Otto Seßler, Adolf Hoffmann, Franz Künstler, Dr. Kurt Löwenstein, Walter Maschte, Otto Meyer, Wilhelm Reimann. Rosin, Gustav Sabath, Sievers, Wieloch. Fabritarbeiterverband: Dresdener Kasino, Dresdener Str 96. Bersammlung aller Af- Gewerkschaften: Berliner Lehrer Filmgewerkschaft: Blücherfest säle, Blücherstraße 61. Gärtnerverband: Dörings Festsäle, Naunynstraße 27. Gemeinde- und Staatsarbeiterverband: Gesamträume der Bod brauerei, Fidicinstraße. Sammelpläge: Norder und nördliche Bezirte 9 Uhr Wedding, Sellerstraße; Zentrum, Moabit 9% Uhr Johannisstraße, Osten, Nordosten und östliche Bezirke 9% Uhr Stralauer Platz, Südoften, Süden und Westen 10 Uhr Planufer Ede Bärwaldstraße, Bezirk Neukölln 9% Schönstedtstraße, Bezirk Tempelhof, Mariendorf, Lichtenrade 10 Uhr Bahnhof Tempelhof. Graphisches Gewerbe: Große Spielwiese im Friedrichs= hain, Eingang Werneuchener Srtaße. Sammelpläße: 9 Uhr Michaelfirchplay, Andreasplay, Humboldthain( GustavMeyer- Allee, Brunnenstraße), Dönhoffplatz( Krausenstraße). Holzarbeiterverband: Neue Welt, Hasenheide. Lederarbeiterverband: Schmidts Festsäle, Brinzenallee 33. Maler und Cadierer: Sophiensäle, Sophienstraße. Maschinisten und Heizer: Sophiensäle, Sophienstraße. Sammelplatz: Engelufer, Gewerkschaftshaus. Metallarbeiterverband und Kupferschmiede: Walhalla Theater, Weinbergsweg. Sammelpläge: 1. Bezirk Weißenfee Antonplatz 8 Uhr, 2. Bezirk Andreas plag 8% Uhr, 3. Bezirk Gürtel Ede Oberstraße 8 Uhr, 4., 21., 22. Bezirt Warschauer Platz 8 Uhr, 6. und 7. Bezirk Maybachufer Ede Rotibuffer Damm 8 Uhr, 5. Bezirt Mariannenplay 8% 1hr, 8. und 8a Bezirk Michaelfirchplatz 8½ Uhr, 11. und 12. Bezirk Schöneberg Kaiser- Wilhelm- Platz 7% Uhr, 10. Bezirk Jerusalemer Kirche 8% Uhr, 9. Bezirk Hausvogteiplag 8% Uhr, 18. Bezirk Monbijouplay 9 Uhr, 13. Bezirk Charlottenburg Wilhelmplatz 8 Uhr, 14. Bezirk Charlottenburg Kleiner Tiergarten 8% Uhr, 15. Bezirk Boltshaus Reinickendorf West Scharnweberstraße 7% Uhr, 16. Bezirk Leopoldplay 8% Uhr, 17. Bezirk Liesenstraße 8% Uhr, 19. Be zirt Straffunder Straße 9 Uhr, 20. Bezirk Schweden Ede Koloniestraße 8% Uhr, 23. Bezirk Spandau( Lehrter Bahnhof), 24. Bezirk Gustav- Meier- Allee 8% Uhr, 25. Bezirk Siemens- Stadt( Lehrter Bahnhof) 8% Uhr. Branche der Rohrleger Bülomplag 9 Uhr, Branche der Kupferschmiede Roppenplay 8% Uhr. Porzellanarbeiter- und Glasarbeiterverband: Staatliche Borzellanmanufattur, Charlottenburg, BegeliStraße( am Bahnhof Tiergarten). Wannie: 10 Uhr im Reichsadler", Königstr. Rudow: 10 Uhr im Lofal Wedler, Bendastr. 52. Köpenid: 9 Uhr Umzug mit Musik nach Neu- Heringsdorf. Friedrichshagen: 10 Uhr im Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Bohnsdorf: 10 Uhr im Lotal Groß, Schulzendorfer Str. Blankenburg- Buchholz- Karow: 11% Uhr im Lokal Bum Bantgrafen" Bankgrafenstr. 3. Redner: Mar Fechner, Karl Liffe, Hermann Lempert, Wilhelm Richter. Nachmittags und abends: oden effort Friedenau: Restaurant Schilling, Am Untergrundbahnhof. Dahlem- Dorf. Lankwitz: Festhalle in Lankwitz, Dillgesstr. Schöneberg: Schloßbrauerei, Hauptstr. Steglitz- Lichterfelde: Lichterfelder Festfäle, Zehlendorfer Str. 5. Tempelhof- Mariendorf- Marienfelde- Lichtenrade: Graßl's Gefellschaftshaus, Mariendorf, Chausseestr. 305. Neukölln: Neue Welt, Hasenheide. Treptow: Lokal Nitschke, Am Treptower Part 26( VittoriaGarten). Baumschulenweg: Spreeschloß, jenseits der Spree. Oberschöneweide: Blumengarten, Ostendstr. Niederschöneweide: Gesellschaftshaus, Berliner Str. 81. Adlershof: Lokal Wöllstein, Bismardstr. 73/75. Adlershof: Lokal Wöllstein, Bismarcstr. 73/75. Johannisthal: Bürgergarten, Bartstr. Alt- Glienide: Lokal Bohn, Grünauer Str. 55. Köpenid: Stadttheater. Friedrichshagen: Hotel ,, Bad Bellevue". Grünau: Werner, Köpenider Straße. Bohnsdorf: Lokal Schulze, Dorfplatz. Rahnsdorf: Waldschänke von Andrae, Wilhelmshagen. Schmödwitz: Lokal Müller, An der Brücke. Lichtenberg: Lokal Schwarz, Möllendorfstr. 25/26. Friedrichsfelde: Lokal Tempel, Prinzenallee 30. Karlshorst: Waldschänke Sadowa. Biesdorf: Schillerfäle, Königstr. 120. Kaulsdorf: Saalneubau Eschrich, Ecke der Dorf- und Frankfurter Straße. Kaulsdorf- Süd: Etablissement ,, Sanssouci", Moltkestr. 1/2. mahlsdorf: Lokal Anders, Am Bahnhof. Mahlsdorf- Süd: Lofal Heidefrug",( Besizer Dräger), Köpenider Allee 99. Weißensee: Stadthalle, Pistoriusstr. 23. Falkenberg: Lokal Meier. Pankow: Lindners Konzerthaus, Breite Straße. Niederschönhausen: Schloß Schönhausen, Ecke der Lindenund Kaiserin- Augusta- Straße. Blankenburg: Lokal Klug, Dorfstr. 2. Buch: Lokal Göpfert, Am Bahnhof. Karow: Lofal Bum Pantgrafen", Pantgrafenstr. 3. Reinidendorf- Ost: Lokal ,, Schüßenhaus", Residenzstr. 1. Reinidendorf- West: Hartmanns Brauerei, Scharnweberstr. 104. Tegel: Lokal Strandschloß". Rosenthal I: Lokal Manthey, Hauptstr. 1. Hermsdorf: Lokal ,, Altes Forsthaus", Auguste- Vittoria- Straße. Ansprachen und künstlerische Veranstaltungen. Mitte: Walhalla- Etablissement, Weinbergsweg 19/20. Tiergarten: Ulap, Alt- Moabit. Wedding: Bharusfäle, Müllerstr. 142. Prenzlauer Berg und Friedrichshain: Saalbau Friedrichshain, Max Heydemann, Dr. S. Kawerau, Dr. Alfred Klee, Theodor Kohur. Am Friedrichshain. Kreuzberg: Bodbrauerei, Fidicinstr. 2/3. Charlottenburg: Spandauer Bod. Spandau: Lotal Karlsluft", Hafenfelde. Cladow: Lotal Bäumann. Wilmersdorf: Bittoriagarten, Wilhelmsaue 114/115. Wannsee: Lotal Bum Reichsadler", Königftr. Ansprachen halten: Clara Bohm- Schuch, Karl Bublik, Alwin Brandes, Arfür Crispien, Wilhelm Dittmann, Erich Fraenkel, Gustav Hädide, Artur Häußler, Hermann Harnisch, Alfred Henke, Fronz Künstler, Erich Kuttner, Wilhelm Canda, Karl Leid, Dr. Richard Lohmann, Dr. Kurt Löwenstein, Hermann Lüdemann, Offo Meler, Willy Möbus, Dr. Julius Mofes, Dr. Ostrowski, Fr. v. Puttfamer, W. v. Puffkamer, Wilhelm Reimann, Artur Richter, Wilhelm Richter, Philipp Scheidemann, Georg Schmidt, Dr. Schühinger, Martin Stein, Bruno Theet, Dr. Siegfried Weinberg, Dr. Erich Witte Nr. 203 43.Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, den 1. Mai und Sonntag, den 2. Mai 1926 Regierungsvorlage zur Fürstenabfindung. Offizios wird gemeldet: Keine Verschleppung des Volksentscheids! Das Reichskabinett hat in seiner geftrigen Sihung einftimmig beschloffen, einen Gefehentwurf über die„ vermögensrechtliche Auseinanderfehung mit den ehemals regierenden Fürstenhäusern auf dem normalen Wege der Gesetzgebung, d. h. über den Reichsrat einzubringen. Als Grundlage sollen die Kompromißentwürfe der Regierungsparteien dienen. # Die Reichsregierung hat durch ihren einstimmig gefaßten Beschluß einstimmig die schwerste Antlage gegen fich felber erhoben. Jegt also foll ein Regierungsentwurf über die Fürftenvermögen, eingebracht werden, jegt soll der ,, normale Weg der Gesetzgebung" beschritten werden! Ja, warum hat man biefen normalen Weg der Gesetzgebung nicht schon längst beschritten? Die Regierung hat sich bisher ftets gegen den Vorwurf zu verteidigen versucht, fe habe es in der Fürftenfrage an der nötigen Initiative fehlen lassen, einen Vorwurf, der aus dem Lager ihrer eigenen Regierungsparteien, des Zentrums und der Demokraten, besonders leb haft gegen fie gerichtet wurde. Noch vorgestern hat auch der Borstzende der Volkspartei, Herr Dr. Scholz, einen vergeblichen Fußfall vor dem Reichstanzler getan, damit er die Sache noch in letter Minute in die Hand nehme. Und jetzt auf einmal diese Ankündigung. Der Reichstag hat heute den zum Boltsentscheid gestellten Antrag nebst den Abänderungsanträgen des Zentrums und der Demokraten noch einmal in den Rechtsausschuß verwiesen. Auch bei dieser Gelegenheit ergab sich wieder ein Auseinander flaffen der Regierungsparteien, da die BoIfspartei mit den Deutschnationalen und Kommunisten gegen die Ausschußberatung stimmte. Die Volkspartei achtete also den Parteien gegenüber, mit denen sie zusammen in der Regierung fizt, nicht einmal den parlamentarischen Brauch, sie wollte ihren Anträgen nicht einmal die Ehre der Ausschußberatung erweisen. Indem die Sozialdemokraten, für die Ausschußberatung stimmten, achteten fie diefen Brauch und gaben der Boffsvertretung die gewünschte Möglichkeit zu einem aller legten Berfuch, die Materie von sich aus zu regeln. Genosse Hermann Müller gab aber bei dieser Gelegenheit die Er flärung ab, baß die Sozialdemokratische Fraktion auf raschefte Erledigung brängen und feine Ber schleppung bulben werde. Die Fraktion unterstrich Diese Erklärung durch einmütigen Beifall is 15/03 Und jest jetzt kommt bie Regierung womit? nicht einmal jest tommt fie mit einem fertigen Borschlag, der sofort an hen Rechtsausschuß des Reichstags gehen soll, sondern mit einer Anfündigung, mit der Anfündigung, daß ein Ent murf ausgearbeitet und auf dem normalen Bege" über den Reichsrat eingebracht werden foll. Wie lange wird es Dauern, bis die Regierung ihren Entwurf fertig hat, wie lange wird es bauern, bis sich der Rechtsausschuß des Reichs tags mit ihm beschäftigen fann, und wie lange wird es fchließlich dauern, bis der Entwurf im Reichstag selbst zur Erledigung tommt? wird. Dann ist die Bahn frei für den Bolts| Charakter ihres Entwurfes festhält, fich andererseits aber an das entscheid an einem Sonntag im Juni! Während so der Boltsentscheid- wir wollen es hoffen! im Eilzugstempo feinem Ziel entgegenbrauft, soll auf einem Nebengeleis die Rangiermaschine der Regierung hin- und her fahren, um einen neuen Zug zusammen zu foppeln. Diese ganze Arbeit wird mit einem Schlage hinfällig werden, wenn der Bolfsentscheid fein Ziel erreicht. Nur im entgegengesetzten Fall wird die Möglichkeit und die Notwendigkeit bestehen, sie fortzusetzen. Für die Sozialdemokratische Fraktion ist mit ihrer Hal tung vom geftrigen Tage die äußerste Grenze des Entgegentommens erreicht. Sie hat den Parteien, die da glauben, noch etwas im Reichstag zustandebringen zu fönnen, noch eine furze Galgenfrist gegeben. Sie erwartet, daß die Parteien dieses Zugeständnis nicht mißbrauchen wer den. Sechsunddreißig Sizungen hat der Rechtsausschuß schon abgehalten. Das Ergebnis war 0,0. Eine Wiederaufnahme des alten Fadens, ein Wiederkäuen aller schon vorgebrachten Gründe und Gegengründe würde den Ausschuß und den Reichstag selbst zum Gefpött machen. Bom Haus, das dem deutschen Bolte gehört, darf das deutsche Bolt auch endlich eine flare Antwort verlangen! Es ist so viel( chon unterhandelt, Es ist gesprochen fort und fort, Es ist geschrieben und gefandelfGo[ precht nun euer letztes Wort! Dann aber, menn dieses letzte Wort der Wolfsvertretung gesprochen ist, wird das Bolt felber sprechen. Die Hoffnung auf den Reichsrat. Der Sozialdemokratische Bressedienst" meldet: Das Reichskabinett hat am Freitag nach mehrftündiger Sizung beschloffen, dem Reichsrat einen Gefeßentmuri aur Rege ung der Fürsten abfindung vorzulegen. Dieser Entwurf foll umgehend fertiggestellt und bereits am Dienstag dem Reichsrat vorgelegt werden. Die Möglichkeit hierzu besteht, da das Gesez des Reichsfabinetts fich im wesentlichen nicht nur den Inhalt, sondern auch die Faffung des bürgerlichen Abfindungsfompromisses zu eigen machen wird, für das im Rechtsausschuß die erforderliche Mehrheit weder mit der Sozialdemokratie noch den Deutschnationalen zu finden war. Auch der Regierungsentwurf wird also zu einer Berabschiedung sowohl im Reichsrat mie im Reichstag einer 3 meidrittelmehrheit bedürfen Da die Reichsregierung die Absicht hat, auch die legten Bebenten der preußischen Regierung zu berücksichtigen und Breußen beshalb für das Gesez stimmen wird, dürfte die 3meidrittelmehrheit im Reichsrat gesichert sein. Die Regierung erwartet von diesem Ausgang der Beratungen des Reichsrats eine farte moralische Rüd wirtung auf den Reichstag, ohne ich aber über die Mehrheit flar zu fein, die im Plenum des Parlaments das Abfindungsgeleg verab. schieben soll. Da die Regierung an dem verfaffungsändernden von den Deutschnationalen grundsäglich verworfene bürgerliche Kompromiß start anzulehnen gedenkt, scheint sie zunächst die Absicht zu verfolgen, ihren Entwurf möglichst mit den Stimmen der Sozialdemokratie zu verabschieden. Ein Versuch hierzu soll unter allen Umständen noch vor dem Boltsentscheid gemacht werden. Die Beratungen des Rechtsausschusses über die am Freitag vom. Reichstag überwiesenen Anträge der Demokraten und des Zentrums werden ohne Rücksicht auf die gesetzgeberische Arbeit der Regierung aufgenommen und wahrscheinlich schon zum Abschluß gebracht werden, bevor der Reichsrat den Regierungsentwurf verabschiedet hat. Man berechnet damit, daß dem Reichstag dieser Entwurf spätestens Anfang der übernächften Woche zugeht. Unchriftliches zum 1. Mai. Der Deutsche über den Arbeiterfeiertag. Der Deutsche" ist die Zeitung des Herrn Stegerwald und der christlichen Gewerkschaften. Er selbst nennt sich an feinem Kopf Tageszeitung für deutsche Volfsgemeinschaft". Sein betontes Deutschtum und Christentum sollten ihn eigentlich zu etwas Toleranz und Taft veranlassen, nicht nur den Unternehmern gegenüber, woran es nie bei ihm fehlt, sondern auch den sozialdemokratischen und freigewerkschaftlich organisierten Arbeitern gegenüber, die doch die Kame raden der Christlichen in Bergwerk und Fabrik sind. Niemand hätte es dem ,, Deutschen" verdacht, wenn er an dem 1. Mai, ber nun einmal seine Sache nicht ist, schweigend vorübergegangen wäre. Mit aller Schärfe aber muß es zurückgewiesen werden, wenn er den feiertag der Arbeit mit einer erbärmlichen Reiferei wie dieser behandelt: Mas haben aber die Sozialdemokraten aus diesen quellfrischen Ueberlieferungen gemacht: Boltsversammlungen, die mit zertretenem Grün, aertnülltem Papier, umhergestreuten Apfelsinenschalen und zurückgelassenen Blechbüchsen einen traurigen Ausblid auf unsere tulturelle Armseligkeit eröffnen. Demonstrationen, die mit roten Fahnen und agitato rischen Hezreden Unfrieden und Aufruhr in den blauen Frühlingstag hinauszerren. Parteiveranstaltungen, die sich in ben eng ften Horizonten verbohrter Parteis in dottrin bemegen, auf denen das Aegende, Trennende, Riaffen fämpferische mit polemischer Einseitigkeit immer wieder hervor. gehoben wirb. Diefer Zug verbeter. unzufriedener Menschen, die mit pindhologisch raffinierter Taftit in einen dauernden Aufruhr bes ergens getrieben werden, ift teine frohstimmende Frühlingsfeier, die doch ein Ausbrug nature inniger Freude über die wieder neu emporschießenden Gäfte und Kräfte sein soll. So armfelig ist tein Mensch, daß er diesem Natur gefühl verfchloffen bliebe. Aber selbst dieses legte Unantastbare mird in den Dienst parteipolitischer Agitation gestellt. Das ist das Be brüdende, das man als Mensch über diese Aufmachung und Drapierung der Maifeier empfindet. Der Kampf im englischen Bergbau. Letzte vergebliche Einigungsversuche. Ueber die Absichten, die die Regierung mit ihrem Entwurf nerfolgt, find die Meinungen geteilt. Die einen glauben, es folle eine Vorlage gemacht werden, die nicht verfassungsandernd ist und die mit Hilfe der Deutschnationalen zustande gebracht werden soll. Eine solche Borlage fönnte aber weiter nichts sein als Sand in die Augen und weiße Salbe, voraus gefeßt, daß die Deutschnationalen überhaupt dazu die Hand böten, in diefe Frage gesetzgeberisch einzugreifen. Die anderen wieber meinen, die Regierung molle noch einmal versuchen, ihre Regierungsparteien und die Sozialdemokratie unter einen Hut zu bringen, also einem verfassungsändernden Gefek mit Zweidrittelmehrheit zur Annahme zu verhelfen. Für diese zweite Bermutung spricht der Umstand, daß in der offiziösen Ankündigung gesagt wird, als Grundlage für den neuen Entwurf follten die Rompromißent beiden Parteien, zwischen den Vertretern des Generalrats der Ge- den Vertretern der Bergarbeitergewerkschaft, fich für die AufCondon, 30. April.( Eigener Drehtbericht.) Die Situation| Wiederaufnahme der Arbeit am Sonnabend früh ermöglichen. Der im Bergbau hat heute eine neue anßerordentliche Verfärfung außerordentliche Gewerkschaftskongreß, der sich bereits zweimal vererfahren. Da die Aussperrungsfündigungen am Freitag fagt hat, ist am Freitag abend zufammengetreten, um für alle mittag noch nicht zurüdgezogen waren, fo ist die Aus- Fälle in Bereitschaft zu stehen. sperrung tatsächlich bereits in Wittsamfelt getreten. Die Arbeiter find am Freitag nicht mehr zur Nachtschicht eingefahren. Im Laufe des Tages haben unzählige Konferenzen im Schoße der Regierung felbst, zwischen der Regierung und den wertschaften und den Bergarbeitern stattgefunden. Arbeiter sollen dafür einer ein stündigen Berlängerung der Arbeitsjelf 3uftimmen. Diese Verlängerung der Arbeitszeit foll bis Dezember 1929 Gülfigkeit haben und dann nachgepelift werden. Die Unternehmer von Nordwales haben sich diesen Vorschlägen nicht angefchloffen, sondern erklären sich bereit, am gegenwärtigen Berträgen festzuhalten. Offiziere als Zivilkommissare! 2m späten bend erbot fich Ministerpräsident Baldwin gegenüber Condon, 1. Mai, halb 1 Uhr morgens.( Eigener Drahtbericht.) hebung des Aussperrungsbeschluffes einzusehen, wenn die Gewerkfchaften sich berelt erklärten, über den Vorschlag der Unternehmer zu verhandeln. Da dieser Unternehmervorschlag jedoch, wie schon geder Arbeitszeit hinausläuft, erklärten die Bergarbellerdelegierten nach nochmaliger Rüdsprache mit den Vertretern des Generalrats aller Gewerkschaften und in Uebereinstimmung mit den Beschlüffen des Gewerkschaftstongreffes, über diesen Unternehmervorschlag nicht vorhandeln zu können. Als dieser Beschluß dem Ministerpräsidenten zur Kenntnis gebracht worden war, erklärte Baldwin, nunmehr außerftande zu sein, fich für die Aufhebung des Aussperrungsbefchluffes einzusehen. An den Besprechungen Innerhalb der Arbeitervertretung hatten für die Arbeiterpartei Genoffe Arthur Henderson und, froh feiner schweren Krankheit, auch Genoffe Ramsay Macdonald teilgenommen. Zur Stunde berät der Gewerkschaftstongreß über die Organifierung des Streits und über die Unterstützung der Streltenden durch alle Gewerkschaften. würfe der Regierungsparteten gelten. Freilich find diese Kompromißanträge im Rechtsausschuß gescheitert, Die Entwicklung des Freitags flellt fich folgendermaßen dar: imd alle Verbesserungsanträge der Sozialdemokraten wurden Am Nachmittag hat der Ministerpräsident den Bergarbeitern send. abgelehnt. Es wird interessant fein, zu untersuchen, ob der gültige Vorschläge" der Unternehmer vorgelegt. Danach erklären Regierungsentwurf auch diese Berbefferungsanträge berüc fich die Unternehmer bereit, für ganz England einen Mindestprozent- melbet, auf eine Cohuherabfehung bei leichzeitiger Verlängerung fichtigen wird. Und wie weit wird er die neuen Vorfah von 20 Broz. über den föhnen von 1914 zu zahlen. Die ichläge des Sentrums und der Demokraten mit zur Grundlage nehmen? Der neue demokratische Antrag erkennt bekanntlich die Enteignung grundsäglich an und will den Fürsten nur eine Abfindung gewähren, deren Bemessung in das Belieben der Länder gestellt ist. Der neue Zentrumsantrag fordert maßgebende" Mitwirkung von Laien bei dem einzusehenden Gericht und zieht die Grenze für Die Borschläge der Unternehmer wurden nachmittags dem das anzuerkennende Brivateigentum der Fürften enger, als Delegiertenkongreß der Bergarbeiter vorgelegt und einstimmig fie in den bisherigen Kompromißanträgen gezogen worden ist. verworfen. Inzwischen ist der Faden zwischen Unternehmeru Diesen Borschlägen hat aber die Baltspartei sogar die und Gewerkschaften völlig abgerissen, da die Mitglieder Ausschußberatung verweigern wollen! Glaubt die Regierung des Generalrats der Gewerkschaften und die Vertreter der Bergdie Bolkspartei umftimmen zu fönnen? Oder hält sie es für arbeiter in Uebereinstimmung mit dem am Donnerstagabend gemöglich, daß die Sozialdemokratie ein Kompromiß abschließt faßten Beschluß die Berhandlungen nicht mehr fortfehen konnten. unter Berzicht auf Forderungen, die sogar von der De- Am Nachmittag iff ein außerordentliger ministerrat mofratie und dem 3entrum erhoben worden find? zufammengetreten, und der König hat seinen Aufenthalt in Windfor abgebrochen, um an einer Sigung des Geheimen Staatsrats teilzunehmen. Die Regierung beabsichtigt, falls in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend feine Cöfung gefunden werden folite, am Sonnabend früh den Ausnahmezustand zu verkünden. Die Proflamationen hierfür find bereits fertiggestellt. Wie der Londoner Bertreter des S03. Preffediest" erfährt, hat die OMS., die britische Technische Nothilfe, am Freitagabend bereits Aufrufe in Bir mir erfahren, besteht die Absicht einer solchen Ber- Drud gegeben, in denen von der Verhängung des Ausnahmebindung nicht. Unabhängig von den Beratunguflandes als von einer Taffache die Rede ist. Die Druder gen über den neuen Regierungsentwurf folt haben fich jedoch geweigert, diesen Aufruf zu der Boltsentscheid feinen Laufnehmen. Das sehen. heißt, der Rechtsausschuß soll sich schleunigst schlüssig werden, Das Eigenartige der Lage befteht darin, daß froh der Entwiddann soll in den nächsten Tagen im Plenum des Reichstags lung, die die Dinge im Laufe des Freitag genommen haben, auch bie dritte Lesung vorgenommen merden, die voraussichtlich in den Gewerkschaftstreifen die Ueberzeugung vorherrscht, daß Jehr furz fein und mit der Ablehnung aller Anträge enden Baldwin furz vor Mitternacht noch Borfchläge machen wird, die eine Aber das alles ist nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist die Frage, in welches gefeßgebungstechnische Verhältnis der neue Regierungsentwurf zum Boltsbegehren gebracht werden soll. Eine Berbindung in der Weise, daß der Re gierungsentwurf als Abänderungsentwurf zum Boltsbegehren eingebracht würde, wäre eine Verschleppung und ganz unerträglich! 99 Die Liste der bei Berhängung des Ausnahmezustandes einzusehenden Ziviltommiffare umfaßt zu 90 Pro3. attive Militärs, die die Verantwortung für die öffentliche Ordnung zu fragen haben. Die Lebensmittelversorgung ist der Regierung direkt unterstellt. Faschistische Mai- Vorfeier. Schüsse auf das Brüffeler Parteihaus. Brüffel, 30. April.( Eigener Drahtbericht.) Jn der Nacht vom Donnerstag zum Freitag haben unbekannte Personen Revolverfchüffe auf das Gebände des Brüffeler Peuple", des Zentralorgans der Sozialdemokratischen Partei Belgiens, abgegeben. Wahrscheinlich find die Altentäter Faschisten, deren immer frecheres Treiben bereits die Aufstellung einer Arbeiterwehr notwendig gemacht hat. Was würde der Deutsche" wohl sagen, wenn ein fozial. gewöhnlichen Leben einen Menschen, der überhaupt felne politische Was würde der Deutsche" wohl fagen, wenn ein fozial- Meinung bemokratisches Blatt" einen fatholischen Feiertag in ent- Meinung gehabt, sondern sie nur vorgetäuscht hat und sie infolge sprechender Art und Weise behandeln würde? Für Millionen beffen beliebig wechseln kann. Mit dem Ausdruck ist immer die sprechender Art und Weise behandeln würde? Für Millionen Deutscher Arbeiter aber ist der 1. Mai mindestens basselbe, Borstellung verbunden, daß der mit ihm Bezeichnete seinen poli deutscher Arbeiter aber ist der 1. Mai mindestens basselbe, tischen Glaubenswechsel aus Charafterlosigkeit vollzogen was den Katholiken ein fatholischer Feiertag ist. Und trotz habe. Diese Vorstellung wollten auch Düsterberg und sein Anwalt dem scheut sich der Deutsche nicht, über diesen Tag mit erweden, als sie Grüßner einen Renegaten nannten. Der Landeinem widerwärtigen Gefreische ohnmächtiger Wut herzu- gerichtsdirektor Thor west hat durch sein gewolltes Schweigen fallen. Man fönnte als den Verfasser dieses Schimpfartikels den durch den als Zeugen vernommenen Polizeipräsidenten Degle auch Man könnte als den Verfasser dieses Schimpfartikels den fie fich zu eigen gemacht, trotzdem er wissen mußte und es zudem Herrn Reichstagsabgeordneten Schulte vermuten, wenn aftenfundig gemacht worden war, daß Grüßner nur deshalb pon dieser nicht seine berühmte Erklärung über die erregte Be Düsseldorf nach Merseburg versetzt worden war, weil er in seinem gehrlichkeit breiter Boltsmassen" wieder feierlich zurüd: Kampf gegen die Besagungsbehörden sich im Intergenommen hätte. Der elende Schimpfartikel beweist, daß der esse Deutschlands so weit exponiert hatte, daß er der Geift, der aus jener Erklärung sprach, trotz allen Widerrufs einzige höhere preußische Beamte ist, dem die Rückkehr ins in gewiffen Zentrumstreifen fortlebt. Und diese unsoziale und unchriftliche Geist macht sich am meisten im Deutschen" bejezte Gebiet auch nach den Vereinbarungen von London 1924 und Locarno 1925 noch nicht gestattet iſt. breit, der sich mit Unrecht für ein Blatt nach dem Geschmac Alle diese Dinge hat der Landgerichtsdirektor Thorwest nicht der christlichen Arbeiter hält und sich mit Unrecht ein Blatt für Boltsgemeinschaft nennt. gewußt und nicht beachtet. Er hat den höchsten politischen Beamten des Regierungsbezirts Merseburg öffentlich vor Gericht als einen cha ratterlosen Menschen, als einen„, Renegaten“ beschimpfen lassen, ohne das er eingegriffen hätte. Er hat durch das Berhalten zum Ausdrud gebracht, daß er die Beschimpfung billigt! • Die Kreuzzeitung" meldet an der Spize ihrer Ausgabe vom Freitagabend: Da die sozialistische Maifeier der Buchdrucker die technische Herstellung der Sonnabendabend und der Sonntagnummer der Berliner Zeitungen unmöglich macht, erscheint außer morgen früh die Kreuzzeitung" erst am Montagabend." Düfterberg und seine Richter. Eine neue Blüte vom Baum der deutschen Justiz. Zu den übelften Segern der nationalistischen Front gehört der Stahlhelmführer von Halle, der frühere Oberstleutnant Düfter berg. Dieser stand am 27. April wieder einmal vor Gericht, und zwar wegen Beamtenbeleidigung. Er hatte den Regierungspräsidenten von Merseburg, Genoffen Grügner öffentlich auf das schwerste angegriffen und beschimpft. Grüner hatte Strafantrag gestellt und sich dem staatsanwaltschaftlichen Berfahren als Reben. fläger angeschlossen. In erster Instanz war Düsterberg verurteilt worden, er hatte aber Berufung eingelegt, und so fam die Sache vor der Be. rufungstammer des Landgerichts Halle, deren Borsigender der Landgerichtsdirettor Thorwest ist, zur Berhandlung. Hier ereignete sich nun folgender, für unsere Justizverhält. niffe bezeichnender Vorgang. In seiner mündlichen Berufungsbegründung hatte Düfterberg die Stirn, den als Zeugen und Nebenfläger anwesenden Regie rungspräsidenten Grüßner als einen Renegaten zu bezeichnen. Der Borsigende fand es nicht für notwendig, gegen diese ungehörige Bemertung auch nur ein Wort zu sagen. In der Meinung, daß diese gewollte Beleidigung vom Borfizenden überhört worden sei, nahm Genoffe Grüßner, nachdem der Angeklagte seine ausführlichen Darlegungen beendet hatte, Veranlassung, den Vorfigenden ausdrücklich auf die Beschimpfung hinzuweisen und auszusprechen, er hätte erwartet, daß der Borsigende diese Beleidigung zurüdgemiesen hätte. Der Landgerichtsdirektor Thorwest entgegnete jedoch auch jetzt nichts, nur schien er eine Zeitlang zu überlegen, was er tun follte, denn es entstand eine Pause in der Verhandlung. Nach deren Berlauf fuhr er ober ohne weiteres in der Verhandlung fort. Dieses dbftttthe Shweigen wurde wahrscheinlich von dem Ber. teidiger Düfterbergs als stiltschweigende Billigung des Asbruds angesehen, so daß er sich herechtigt glaubte, das Wort Renegaten" noch einmal zu wiederholen und es damit zu begründen, daß Grüßner nicht immer Sozialdemokrat gemejen fei, sondern früher eine andere politische Ueberzeugung gehabt habe. Es gibt nicht nur unter den deutschen Beamten sehr viele, die während des Krieges und gerade durch thre Kriegserlebniffe ihre frühere politische Ueberzeugung verloren haben und daher zur Sozialdemokratie gekommen sind. Das trifft auch für Grüßner zu. Unter" Renegat" versteht man im Morgen flammt Frührot auf. Wir ftanden an stampfenden Maschinen, den langen Tag. Unsere Hände brennen und in den Wimpern schlummert schwarzer Ruß. Knarrende Tore fallen hinter uns zu, wir sind frei! Die legten Sonnenstrahlen tasten mild an unseren Kleidern, als verachteten sie nicht den Arbeitsstaub. Wenn über die schweigenden schwarzen Berge filberrein das Mondlicht flutet, verstummt das Surren in den Ohren und mit den weißen Nebeln steigt der graue Tag zu Tal. Morgen flammt Frührot auf! Dann schleichen mir nicht durchs fahle Dämmern zur graufig getürmten Fabrit, mir schreiten im harten Taft des Arbeiterheeres mit, über uns rote Symbole er. machender Menschheit. Deine schwielige Hand, Bruder Mensch, brennt nicht in der meinen. Dein Blick entzündet sich nicht an dem fieghaften Flattern unferer Fahnen. Schlug dich die harte Geißel der Arbeit zum Krüppel? Fluch der Fabrif, fie brach deine Flügel! Ihr aber, junge Kameraden der Arbeit, werdet mitschreiten, eure hellen Stimmen geben unserem Kampflied metallenen lang Hätten wir alle eure Begeisterung und euren Mut, der morsche Beltbau würde erzittern und zusammenfallen: Millionen Hände drängen zur Arbeit, ein neues Haus entsteht, über dem starken Fundament der Arbeit erhebt sich der lichte, kulturelle Ueberbau, jedem weit geöffnet, der wertschaffende Arbeit leistet. Wir wollen ja arbeiten, jedes Stück Brot jei ehrlich verdient, aber Sklaven der Arbeit werden wir nie! Die Spanntraft zur Arbeit tommt aus der Freude am Schaffen. Verliert sie nicht, ihr zur Untätigkeit gezwungenen Brüder! Schreitet mit! Unter den Symbolen einer neuen sozialen Ordnung, die nur erfämpft und nicht geschenft wird, fällt auf euer dunkles Los der helle Schein der Hoffnung. Oft ängstigt uns das rasende Rad der Zeit, die nervöse Unraft des Tages. Morgen gehen mir abseits und feiern eine schöne Stunde, Freude hat Sinn, Leben braucht Sinn. Wir mollen nicht in dunklen Kneipen den Weltfeiertag entwürdigen, sondern einmal Zeit und Andacht haben für den Wald, für die Rinder und die tiefsten Gloden in unseren Herzen. Morgen flammt Frührot auf! Wir denken nicht der starren Retten, die uns an die Arbeit schmieden, unsere Arme streben jubelnd auf zum Himmel, daß mir ein Teil der schaffenden, lebendigen Kräfte, die Leben in die Starre werfen. Und trogiger Stolz erfüllt die Brust, daß durch unseren Billen die Räder der Fabriten für einen Lag still stehen. Wir sind ja mehr als stumme Hebel im großen Räderwerke, die fich mechanisch einschalten laffen, wir sind Menschen! Ueber uns flingt die Senje der Zeit, doch nur die schwachen Halme zittern. Bolt der Arbeit, wage zu wachsen und die Hand zu greifen, die man Schicksal nennt! Benn rings noch Rebel die Tale brücken, hebt aus dem Arme der NachtDie Sonne! Hans Heinrig Strätzer Nun hat, wie wir erfahren, Regierungspräsident Grüner gegen ihn die Dienst auffichtsbeschwerde beim Landgerichtspräsidenten von Halle eingereicht. Man wird neugierig auf dessen Entschließung warten fönnen. Inzwischen wollen wir aber durch diefe Mitteilungen auch das preußische Justizminifte rium auf den Vorgang aufmerksam gemacht haben und erwarten, den gleichen Mantel liebevollen Schweigens deckt, den es daß es über Düfterberg und feinen Richter nicht etwa sonst so trefflich zu handhaben weiß. Reinholds neues Finanzprogramm. Gegen neue Aufwertung für Vereinfachung der Berwaltung. Hamburg, 30. April.( Eigener Drahtbericht.) Im Ueberfeeflub Hamburg fprach Reichsfinanzminister Dr. Reinhold über, Birt fchaft's politit und Staatsfinanzen. Er fündigte einleitend an, menn England auch nach dem 1. Mai noch Kohlen. fubventionen gemähre, werde auch Deutschland notgedrungen Maßnahmen zur Festigung seiner Kohlenwirtschaft anwenden. Unter feiner Bedingung werde die Regierung eine neue Erschütterung der Währung zulassen. Aus diesem Grunde sei sie auch gegen das Boltsbegehren für Aufwertung. Jede neue Aufrollung der Aufwertung gefährde die Wirtschaft, durch ein Gesetz werde die Regierung diefe Gefahr endgültig beseitigen. Die vielen Gelder feien aus der Wirtschaft durch Steuern herausgeholt und zum Teil in Wirt fchaftsbetriebe unnötig hineingeftedt. Gut wirtschaftenden Internehmungen habe man das Geld weggenommen, um schlecht wirtschaf tende zu unterstützen. So etwas werde die Reichsregierung nicht tun. Nur in besonderen Fällen, z. B. in Oberschlesien, seien solche Stüßungsaftionen erlaubt. Im übrigen müsse der Saß gelten: Was fallen will, foll man noch stoßen. Herabefßung der Re al steuern würde für die Wirtschaft am vorteilhaftesten sein. Aber das sei Sache der Länder und Gemeinden. Der Steuerabbau im Reich dürfe nur ein Anfang sein. Zunächst müsse die Reform der Verwaltung geschaffen werden, die eine gerechte Lastenverteilung ermögliche. Der viel zu schwere Panzer unserer Verwaltung muß erleichtert werden, damit die Bermaltung billiger wird und die Birte schaft leben und atmen fann. Eine Zentralisation wie in Frankreich ist bei uns nicht möglich. Aber es brauchen doch nicht zwei Berwaltungen nebeneinander zu bestehen. Der Parlamentarismus fetzte früher Der Parlamentarismus setzte früher feinen Stolz darein, bei Regierungsforderungen Abstreichungen zu machen. Jetzt ist es ingefehrt. Die Regierung hat die Pflicht zu einer Aenderung zu drängen, etwa zu einer Anpaffung an das eng lische Vorbild der Ausgabenbegrenzung. Ein Grundgefeß muß die steuerliche Höchstleistung eines und desselben Dbjeftes feft feßen, die finanzielle Selbstverwaltung aller Körperschaften, die GelDer Dichter des„ Renommist". Zu Zacharias 200. Geburtstag am 1. Mai. Der große Dichter gestaltet aus der Umwelt ein Bild, das er durch seine Persönlichkeit bestimmt; der kleine muß sich damit bedauerndes Zeugnis feines Schaffens hinterlassen will. Ist auch der gnügen, die Wirklichkeit lebendig widerzuspiegeln, wenn er uns ein poetische Wert gering, so bleibt doch der fulturgeschichtliche frisch durch die Jahrhunderte. ber bewilligen, aber herstellen. Ber die Ausgaben befchließt, muß für die Dedung sorgen. Redner zielt dabei nicht auf das Zenfuswahl. recht ab, sondern auf die Gemeine autonomie. Eine baldige Ermäßigung der Eintommensteuerfäße ist zu erwarten. Sie wird den Mittelstand unterstützen und wieder Kapitalbildung ermöglichen. Die augenblickliche Geldflüffigteit nüßen die Gemein den für Anleihen aus. Es ist aber nötig, die Sparkapitalien in die Wirtschaft zu führen. Die Reichsregierung wird mit den Ländern gedämmt werden kann. Der Umbau der Arbeitslosenfürsorge in prüfen, wie die Anleihe wirtschaft der Gemeinden ein. die Arbeitslosenversicherung muß dazu helfen, daß der Arbeits. wille erhalten bleibt(?!). Namentlich auf dem Lande dürften die Unterstügungsfäße nicht die onfüge überschreiten. Der Liefstand des Wirtschaftslebens ist unbedingt überschritten. Wir haben die Bertrauenstrife überwunden und sind damit aus dem Schlimmsten heraus. Die zahlreich erschienenen Hamburger Kaufherren spendeten dem Vortrag außerorbenltich lebhaften Beifall, was man bei den zahlreichen Romplimenten des Ministers vor der privaten Birt schaft nicht verwunderlich finden kann. - Geschäftsordnungsreform im Reichstag. Vorschläge des Präsidenten Löbe. nächsten Dienstag das Gemeindebestimmungsrecht auf Im Aeltestenrat des Reichstags wurde beschlossen, daß am die Tagesordnung der Plenarsizung gesezt werden soll. Der Reichstagspräsident ō be hat außerdem dem Aeltestenrat eine Reihe von Reformvorschlägen für die Form der Beratungen im Plenum unterbreitet, die fich auf folgende Aenderungen beziehen: Berbot des Berlesens von Reden, Verteilung der Redner nicht mehr nach der bestimmten Reihenfolge der Parteien entsprechend der Mitgliederzahl, weitere Bertürzung der Redezeit für fleinere Vorlagen, unterschiedliche Redezeit für große und fleine Fraftionen, Zulassung von einzelnen Rednern, die nicht im Namen der Fraktion sprechen wollen. Diese Vorschläge sollen bis zur nächsten Sigung des Aeltestenrates in den Fraktionen ge prüft werden. Schuldenabkommen Frankreich- Amerika. Enttäuschung in Paris. Am Donnerstag ist nach jahrelangen Berhandlungen endlich ein Schuldenregelungsabfommen zwischen den Bereinigten Staaten und Frankreich in Washington unterschrieben worden. Damit ist eins der schwierigsten Probleme, das auf der cusmärtigen Politik Frankreichs, aber auch auf seiner internen Finanzpolitik lastete, gelöst. Ueber den Inhalt des zwischen dem Staatssekretär Mellon und dem Botschafter Béranger unter zeichneten Abkommens verlautet, daß die Gesamtzahlung Frankreichs auf 6,874 milliarden Dollar festgesetzt ist, die während 66 Jahre abgetragen werden sollen, wobei Frankreich in den ersten zwei Jahren je 30 Millionen Dollar, in den folgenden zwei Jahren je 32,5 Millionen Dollar und in den weiteren 63 Jahren Raten, die bis 125 Millionen Dollar steigen sollen, zu bezahlen haben wird. Der Zinssatz steigt von 1 Proz. in den ersten zehn Jahren bis 3% Proz. in den letzten 22 Jahren. . Das Abkommen ist nicht gerade günstig für Frankreich, das im Oktober 1925 durch seinen damaligen Finanzminister Caillaur ein Angebot unterbreitet hatte, das nur eine Ge famtsumme von 6,230 milliarden Dollar enthielt. Allerdings hat Amerita gleichfalls um etwa 650 Millionen feine Forderungen vom nergangenen Herbst ermäßigt. Die jest nereinbarte Gelamijumie beträgt etwa 50 Proz. der von Frankreich urkundlich geschul beten Gesamtsumme. Insofern ist Frankreich als Schuldner Ameritas etwas günstiger davongekommen als England, aber erheblich ungünstiger als Italien, dem fast dreiviertel seiner Gesamtschulden durch das jetzt ratifizierte Mellon- Bolpi- Abkommen nachgelassen worden sind. In Paris hat die Nachricht der Unterzeichnung dieses Bertrages Ueberraschung und Enttäuschung hervor. gerufen, einmal weil die öffentliche Meinung darüber noch nicht sich damals die Gesamtfultur, die von der Schwerfälligkeit und der ungefügen Grobheit des Barods zu jener Verfeinerung und Berschönerung der Sitten vordrang, die die Keime für die große Zeit unferer flaffischen Literatur enthielten. In Raufbold und Sylvan, Den Helden dieses Epos, sind die beiden Typen, zwischen denen sich die Lebenshaltung um 1750 bewegte, mit erstaunlicher Schärfe der Beobachtung und prächtigem Humor festgehalten. Da finden wir den ,, Renommiſten", den Vertreter des alten, rohen, ineip- und rauf. luftigen Studentums, das damals noch in Jena seinen Hochsiz hatte. und in dem„ petit maitre" ben stußerhaften Musensohn der neuen 3eit, der im Klein- Baris" an der Bleiße mit zierlichem Galanterie. begen, im famtenen Modefrack, weißfeidenen Strümpfen und Schnallenschuhen, pomadisiert und parfümiert einhertänzelt. Wie diese beiden Gestalten und ihre Ilmwelt aufeinanderprallen, das gibt den ammutigen Konflikt der lustigen Schilderung, und der Dichter hebt mit feinem Gefühl an beiden Barteien das Lächerliche hervor, an den relegierten Jenenser Burschen, die nun ihren Tabats- und Sauffomment nach Leipzig übertragen wollen, an den Häschern des Leipziger Rates, die gegen fie ausgeschickt werden, und ebenso an den galanten Stußern und ihren verzierten Damchen, an den fächsischen Stubenmädchen und den französischen Haartünstlern. So ist ein föftliches Zeitbild entstanden, das in dem Schrifttum jener 3eit ganz einzig dafteht. Friedrich Wilhelm Zacharia, den die Literatur. geschichte zu den Bremer Beiträgern stellt, weil er seine ersten Werte in dieser wichtigen Zeitschrift veröffentlichte, mar gemiß ein fleines dichterisches Licht, aber er ragt heute noch über die Mit strebenden jener Epoche hervor, weil er den Mut und das Glüd feiner Zeit im Spiegel gutmütig luftiger Satire darzustellen. Das hatte, ins volle Menschenleben hineinzugreifen und einen Ausschnitt Studentenwesen um die Mitte des 18. Jahrhunderts, die derbe und zugleich spießbürgerliche Haltung des deutschen Bürgertums in jenen Jahren, da sich aus dem Schwulst des Barods die feinere Gefittung des Rototo herausbildete, ist nirgends besser festgehalten als in feinem fomischen Epos Der Renom mist". Durch dieses vor. treffliche Zeitfolorit hat das anmutige Alexandrinerwert noch heute fizen. Auch in seinen anderen tomischen Epen, wie dem„ Schnupfeinen feinen Reiz, wie ihn etwa die gleichzeitigen Borzellanfiguren be Erftaufführungen der Woche. Mont. Slokbart b.:„ Der tuch", den Berwandlungen" und dem„ Phaeton" finden sich einzelne blaue Heinrich". Trianon.h: Alraune". Dienst. Staatsth.: Szenen, die die Mode der Rofofozeit, die gezierte Geselligkeit jener Medea". Donnerst. Th. i. d. Königgräger Str.: Dr. Schmidi". Lage, das luftige Leben auf den Gütern des Adels, die behäbige iller b.: Rijpel. b. 36 Gerechten". Th. a. Shiffbauer b. i. d. Klosterstraße: Als ich noch im Flügelfleide". Freit. Ehrsamkeit der Städter gut wiedergeben, aber die Handlungen dieser damm: Die Freier". späteren Dichtungen find doch mit einer so dichten Buderschicht über. deckt wie die Berüden, die man damals trug, und bieten mur noch dem Literarhistorifer imd Kulturhistorifer eine wichtige Quelle. Gänglich veraltet sind die späteren Arbeiten des gelehrten Brofeffors und Ramonitus, der in steifen Herametern Klopstod nachahmte und es in seinem groß angelegten Epos Cortes wie in seinen nach englischen Vorbildern gedichteten Tageszeiten", seinen Dden und musikalischen Gedichten", auf die er selbst so hohen Wert legte, doch nur zu Stümperwert brachte. Urania- Borträge. Mont.( 5., 7.):. Die Biene Maga und ihre Abenteuer". Montag bis Sonntag( 5, 9.). Bergsteigerin Rot Dienstag bis Sonntag( 5, 7, 9): Die Biene Maja der Tierseele. und ihre Abenteuer". Mittw.( 7): Die Geheimnisse Staatsoper. Wegen des Umbaus des Dpernbanjes Unter den inden muß die Oper am Rönigsplay an brei Tagen ieber Boe( in dem angekündigten Spielplan zunächst am 4., 5., 6. und 10. Mai) den Besucherorganisationen zur Verfügung ge stellt werden. Es gelangt deshalb an diesen Tagen nur eine beschränfte Anzahl von Eintrittstarten zum Verkauf. An den übrigen Zagen der Woche ist das Haus ausjhließlich den Abonnenten und dem laufenden Bublifum vorbehalten. Wolfgang 3eller als Filmfomponift. Der Silhouettenfum Die Ge matinee im heater am Bülowpla& vor einem geladenen Bublikum schichte des Brinzen Achmed von Rotte Reiniger, der in der Sonntags zur Uraufführung gelangt, ist der erfte vielaftige Film dieser Art. Die Seller, der fie auch birigieren wird, im engen Anschluß an bie bildliche with über Neue Wege bes Films sprechen. Beftaltung tomponiert. In einem einleitenden Bortrag wird Dr. Karl Zachariä ist und bleibt der Dichter des„ Renommisten", dieses ersten und fomischen Epos der neueren deutschen Dichtung, das er als junger Student in Leipzig aus inniger Bertrautheit mit der damaligen Welt der Universitäten schuf. Seine Vorbilder waren Boileaus„ Chorpult", der den Stil für die Parodie des ernſten Epos mit" ber umständlichen Göttermaschinerie, den gravitätischen Gleichnissen geschaffen hatte, und Bopes entzückender Lockenraub", der das galante Milieu des Rototo so unnachahmlich diefem antiquiazugehörende Musik wurde vom Leiter des Boltsbühnenorchesters, Balfgang fierenden Rahmen eingefügt hatte. Auch bei den Deutschen finden wir die poffierlich groteste Rototo- Mythologie, diefe merkwürdigen Götter und Göttinnen des Kaffees und des Tabats, der Mode und der Galanterie mit ihrer Schar von Sylphen und dem Heer von Menschen Schicksale und Gefühle lenten. Aber diese phantaftisch Romplimenten" die mit pugiger Würde und Schalthaftigkeit der perzierte Götterwelt fchlingt nur ihre bunten Schmörtel um das echte Bild der Wirklichkeit, in der die Menschen des deutschen Rotoko fich naturgetreu bemegen. Im deutschen Studentenleben spiegelte Neuerwerbungen der National- Galerie. Die Rational- Balerie bat foeben Die Dper von Bordeaux 3Dei neue Bilber erworben. Ein Bild von Karl Spizmeg: Enge lander Ruinen betrachtenb" und ein neueres bon Dscar Refolta: Mostan darf wieder fangen. Bie- aus Roßlau gemeldet wird, hat bie Sowjetbehörde nunmehr die Biebereröffnung der bisher geschloffenen Lanz lolale geftattet. Fogtrott und Zango bleiben jedoch dauernd verboten unterrichtet war, daß die Dinge schon so weit gebiehen waren, ferner aber auch meil man fogar den Caillaugschen Vorschlag vom vorigen Herbst für zu weitgehend hielt und das neue Abkommen dennoch erheblich darüber hinausgeht. Allerdings erhält Frankreich für die erften drei Jahre die Möglichkeit eines Zahlungsaufschubs, ähnlich wie er Deutschland durch den Dames- Plan gewährt worden ist. Und es ist als sehr wahrscheinlich anzunehmen, daß Frankreich davon Gebrauch machen wird, da es sich mitten in seiner finanziellen Gesundungsfrise befindet und Gefahr laufen würde, bei einer sofort einsetzenden Jahreszahlung von 30 Millionen Dollar gleich etwa 900 Millionen Papierfranten die jest mühsam zustande gefommene Herstellung des Gleichgewichts in seinem Budget wieder zu verlieren. Andererseits stand Frankreich bisher unter dem Drud einer onterifanischen Kreditsperre, die die führenden französischen Kreise der Finanz und der Wirtschaft veranlaßte, auf eine schleu nige Regelung um jeden Preis zu drängen. Da der Vertrag zu= erft vom franzöfifchen Parlament genehmigt werden soll, ehe er dem amerikanischen Senat unterbreitet wird, dürfte die Entschei dung in Paris noch in diesem Monat fallen. Sie wird, so schwer sie auch der Regierung und den Regierungsparteien fallen mag, zweifellos in bejahendem Sinne erfolgen, weil der bisherige Schwebezustand einfach unerträglich war. Außerdem gibt man sich Erhöhung der Invalidenrenten. Sozialdemokratische Anträge. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstages behandelte am Freitag den sozialdemokratischen Antrag, der die Renten der Invalidenversicherung erhöhen will, und zwar den Grundbetrag von 168 auf 228 Mart und den Reichszu schuß von 72 auf 132 Mart in jeder Rente. Daneben will er die er höhten Witwen- und Baisenrenten und das Kindergeld auch für die Empfänger, deren Renten schon vor dem 1. Auguft 1925 liefen, bewilligen. Die Regierung ließ erklären, daß die Annahme des Antrages bezüglich des Reichszuschusses eine jährliche Mehr belastung Don 142 Millionen ausmachen würde, bezüglich der Erhöhung des Steigerungsbetrages eine Mehrbelastung von 108 Millionen und für die Witwen etwa 71 Millionen. Insgesamt würde die mehr ausgabe einschließlich der Erhöhung des Kinderzuschusses rund 320 Millionen Mart betragen. Der Ausschuß beschloß, von der Regierung zunächst genauere statistische Unterlagen über die Auswirkungen der beantragten Erhöhungen zu verlangen. Der 1. Mai in Wien. Die Vorfeier. Benn die deutsche Großstadt an der Donau heute eine Jogiain Frankreich der Hoffnung hin, daß Amerita nach diefem franzölistische Zweibrittelmehrheit und dementsprechend eine altionsfähige fifchen Beweis grundsätzlicher Zahlungsbereitschaft mit der Zeit und vorbildlich arbeitende sozialistische Gemeindevertretung hat, fo einen gänzlichen Schuldennachlaß bewilligen werde. Neuer Krieg in Marokko? Baris, 30. April.( ED.) In Udschda war heute vormittag feine Eigung, da die franzöfifchen als auch die spanischen Delegierten die Antworten ihrer Regierungen zu dem Ergebnis der gestrigen Berhandlungen abwarten. Der Sonderberichterstatter der Agentur Radis hält das Scheitern der Friedenskonferenz für sicher, falls fich nicht in legter Stunde eine, allerdings unwahrscheinliche, Ueberraschung ereigne. Es sei nicht einmal sicher, ob die Rifbele gierten fich überhaupt mit einer Fortsetzung der Berhandlungen ein verstanden erklären würden, da sie eine Annahme der französisch- spa. nischen Bedingungen hinsichtlich der Entfernung Abd el Krims und der Entwaffnung für vollständig unmöglich erflären. Da der Waffenstillstand am 1. Mai ablaufen dürfte, mürden also beide Teile morgen bereits ihre Handlungsfreiheit zurüderhalten. Baris, 30. April.( Eigener Drahtbericht.) Kriegsminister Bailevé hat im Anschluß an eine Konferenz mit dem Minister. präsidenten und dem Marschall Betain folgende Erklärung ab. gegeben: Frankreich und Spanien feien bis zur äußerst en Grenze des möglichen Entgegenkommens bei den Friedensver handlungen in Moroffo gegangen. Die Bertreter des Rifs seien ermächtigt worden, sich noch einmal mit Abd el Krim in Verbin dung zu sehen, bevor sie ihre definitive Antwort geben. Ihre Rüd. fehr werde am 2 oder 3. Mai erfolgen. Man erwarte, daß sie angesichts des neuen Beweises des guten Willens Frankreichs und Spaniens ebenfalls den Weg der Verständigung be treten werden. In den diplomatischen Kreisen hegt man indes nicht große Hoffnungen, daß diese Rückfrage bei Abd el Krim ein Nachgeben zur Folge haben werde und glaubt, daß der Abbruch der Berhandlugen unvermeidlich sein wird. HUG ist das nicht zuletzt auch eine Folge jener Durchführung der Maifeier von 1890 an, die Wien geradezu die klassische Maifeierstadt zu nennen berechtigt; jahrelang war die volle Arbeitsruhe und der große Aufmarsch über die Ringstraße in den Brater die stärkste Demonstration für die Forderungen des Proletariats, voran für das allgemeine, feit 1897 dann für das gleiche Wahlrecht, und wie ganz Wien stets am 1. Mai im Banne der Arbeiterfeier stand, so hat sie auch höchste Werbekraft für Partei und Gewerkschaften entwidelt. Diesmal brachte schon der gestrige Vorabend einen Fadel aug der Arbeiterjugend vom Rathaus, wohin bezirksmeife anmarschiert wird, zum Karlsplay, wo eine Massenfundgebung gegen die Lehrlingsfeindlichkeit der bürgerlichen Barteien und für den internationalen Befreiungskampf des sozialistischen Proletariats abgehalten ward. Gleichfalls am Vorabend wurden die meisten Bläge der beiden Staats- und von drei Privattheatern durch die Stunft. stelle der Wiener Parteiorganisation an Barteimitglieder vergeben und außerdem gab es in allen 21 Stadtbezirken fünstlerische Abend feiern usw. In der Lehrermaifeier sprach Bürgermeister Rarl Seiß, der einft als junger Lehrer wegen seiner Agitation von der damals christlichsozialen Gemeindeverwaltung mit Dienstentlaffung bestraft worden ist. Heute Sonnabend vormittags sind auf dem Ring, umfäumt von den Monumentalgebäuden Votivfirche, Universität, Rathaus, Burgtheater, Parlament, vier Meetings, burch Turmmufit eingeleitet. Die judetendeutsche Arbeiterabordnung, die jetzt die Wiener Gemeinde- und Parteieinrichtungen besichtigt, überreicht da ein Band zur Fahne, die die Sozialistische Arbeiter- Internationale dem Wiener Proletariat geschenkt hat. Der Republikanische Schutzbund stellt dieser Fahne die Ehrentompagnie. Am Nachmittag vor dem Rathaus: Borführungen der ermadhjenen und findlichen Arbeiterturner. Die Arbeiter tinderfreunde veranstalten besondere Mai feiern für ihre Schüßlinge Stresemanns Mairede. Im Rundfunk. Der Herr Reichsminister der Aeußern spricht heute, am Abend des 1. Mai, im Berliner Rundfunk über den neuen deutsch- russischen Bertrag. Er, nämlich dieser Vortrag, tritt an die Stelle eines anderen, der bisher für dieselbe Zeit angekündigt war und der vom Auslandsdeutschtum, seinem Sinn und seiner Bedeu. tung handeln sollte. Sinn und Bedeutung des Ruffenvertrags schwanken in der Zeitgeschichte. Von London, Baris, selbst von Brüssel, von Genf, Brag, gar von Warschau und Bukarest kommen grämliche Klänge, Sauerwein und Im- Bertinag wollen gar nicht zur Maienfreude passen, die einem auch noch durch scheiternde Fürstenkompromisse verderbt wird. Die Reichstagsparteien haben im Ausschuß alle den Bertrag gebilligt, da tönnen sie nicht gut feinetwegen interpellieren und des hohen Reichstags Geschäftslage fieht für die nächste Zeit eine Redemöglichkeit für Stresemann über den Russenvertrag zum Fenster hinaus an alle nicht vor. So ver fiel er wohl wir hoffen, nicht ohne vorher in Erwägungen eingetreten zu sein und sie bis zu gedeihlichem Ergebnis gepflogen zu haben auf die geduldigen Wellen 504 und 571, somie Königs. wusterhausen 1300, auf daß sie seine Worte auf Flügeln des Ge fanges zuleiten Gerechten und Ungerechten. Das Staatswohl er. forbert vermutlich, daß den Irrmeinungen, Verdächtigungen und Entstellungen ehetunlichst entgegengetreten werde, aus maßgebendem munde sozusagen; und gemäß dem altbewährten Grundsatz, daß eine Rede teine Schreibe ist, geschähe dieses zunächst wohl fach. gemäß und pfleglich auf dem rednerischen Wege, wobei die spätere Korrigierung und Expedierung eines erläuternden Aide- Memoire immerhin vorbehalten bleiben könnte. Warum aber Herr Dr. Stresemann gerade den 1. Mai als Redetag, den Arbeiterfeiertag für diese Arbeit wählt? Na, was geht der 1. Mai den Volksparteiler an, es wäre denn, in maifeier. wegen aussperrender Fabrikantgemeinschaft. Wenn am 1. Mai soundsoviele Rundfunkteilnehmer um diese Zeit bei den Feiern find recht geschieht ihnen, wenn sie zur Strafe dafür Herrn Stresemann nicht hören fönnen. Aber vor allem gilt die maifeierliche Minister. rebe wohl dem Zeitungserfaß; da es am 1. Mai teine Abend und am 2. Mai teine Morgenblätter gibt, sollen die Leute wenigstens nicht nur rote Arbeiterpolitit sehen, sondern auch höhere Staatsmannsweisheit hören. Wenn die guten Bürger von diesens Streifbrüchlein nur befriedigt sind! Genoffe Wilhelm Bod bittet uns um die Aufnahme folgender Sufchrift: Für die mir bei meinem Eintritt in das einundachtzigste Lebensjahr in so überreichen Maße zuteil gewordene Sympathie und die Glückwünsche sage ich auf diesem Wege meinen aufrichtigen herz lichen Dank. W. Bod." Dr. Richard Weiskirchner ist in Wien gestorben. Er tam als magistratischer Wahlmacher bei den Christlichsozialen so in Gunst, daß sie ihn zum Bürgermeister, zum Minister und zum Barlaments präsidenten machten, was er auch in der Republik noch war. Bor einigen Jahren wurde er Bantpräsident und zog sich von der Politit zurüd. Berantwortlich für Bolitik: Richard Bernstein; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Tb. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderel und Berlaasanstalt Baul Ginger Co., Berlin SW 68. Lindenstrake& Sieran 5 Beilagen, Unterhaltung und Wissen und Aus der Filmwelt. Nfsrael 5 Serien Kleiderstoffe Vorzügliche Qualitäten zu extra billigen Preisen Waschseide ( Kunstseide), in aparten Schottenmustern.. Wolltaft- Schotten Mtr. für leichte Sommerkleider, Muster.......... Mtr. reizende Bordüren- Wollmusselin bedruckt in aparten Musters...... ... Mt. 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Nicht geheimrätliche Gesetze diftierten seine aufrüttelnde, erhebende Kraft sondern der Impuls jener Millionen, denen man nichts ließ, als den Mut, auf sich selbst unerschütterlich zu vertrauen. Wie reagierten doch die Stüßen von Thron und Altar auf diese große Bewegung der Arbeitermassen? War es nicht immer das gleiche ohnmächtig- brutale Säbelraffeln, mit dem man die Rebellen, die doch nichts als ihr Recht auf Nuznießung der Mühen um Kultur und Wirtschaft verlangten, in die Schranken der ,, bürgerlichen Ordnung" zurückweisen wollte? Ob in Berlin, in Moskau, London oder Paris die roten Fahnen der Freiheit und Menschenversöhnung durch die Straßen wehten, die speergewappnete Ramarilla zu Fuß und zu Roß war zur Stelle, um den ,, Begehrlichen" die Zähne zu zeigen. Durch schwere Erschütterungen ist die Arbeiter. bewegung gegangen der Krieg kam und die Flut des Hasses, die Giftnebel der bezahlten Schürer verwirrten den Weg. Der 1. Mai ist uns heute wieder ein tiefgreifendes Bekenntnis zu Licht, Wärme und Leben. Feierstunden sind unerläßlich, und ihre aufbauenden Kräfte schier ohne Grenzen, wenn das Fluidum einer Idee fie innerlich beseelt. Gewiß ist dieser Maibeginn ein Rampftag, aber ein Kampftag der Liebe und des sozialen Bekennt nisses. Tausend kulturelle Bindungen, tausend soziale Hoffnungen, tausend politische Möglichkeiten werden an ihm wach; in dem Duft des ersten unverbrauchten Frühlings löst fich die düstere Kruste der Bitternis, der Verzweiflung und des tötenden Haffes, ja, des Hasses, die die Fron der langen freudlosen Werkwochen gebildet hat. Der Men Der Mensch ist frei. Auch wenn er in Retten geboren wurde. So feiern wir das helle Licht des 1. Mai. Im unerbittlichen Rampfe der Liebe, der Wahrheit, der endlichen Gerechtigkeit. Im Zeichen der werdenden Natur. Im Zeichen der werdenden sozialen Republik. Wie der 1. Mai wurde. Wie war's doch? Am 1. Mai 1890 beging das internationale Proletariat zum ersten Male den historischen Feiertag. Die Welt, Deutschland, war von Bluffs und Spannungen intereffierter Reporter und böswilliger Tendenzenmacher der kaiserlichen Zeit übervoll. Die Bourgeoisie, vor Schreden fast hysterisch, hielt den Atem an. Da find sie, die Gewalthorden der Straße!" freischt es in den offiziellen Gazetten. Die neue große Revolution... Im fleinen fingen wir Dor 36 Jahren an. Natürlich pilgerte in den Berliner Straßen ein Maffenaufgebot pideibehaupteter Polizisten. Es wäre ein glücklicher, 24] yamile unter den Zedern. Von Henri Bordeaux. ( Berechtigte Uebersetzung von J. Kunde.) ,, Er liebte es, andere Horizonte zu sehen, Städte voller Leben wie Damaskus oder tote Städte wie Palmyra, die Wüste." Er hat keinen Wunsch mehr. Keinen Wunsch, welcher Mensch ist ohne Wunsch?" Er." " Aber mit was beschäftigt er sich hier?" ., Er liebt. Sein Begehren war Yamiles und er war Damiles Begehren. Was ist die Welt, wenn man die Liebe hat? Und wir, die Gärtner und Diener des Hauses, die Fellahs, welche das Land bestellten, wir liebten sie um ihrer Liebe willen. Born und Eifersucht bewältigten mich: Was geht uns das Glüd anderer an?" " Das ist auch ein Glüd. Glaub mir, junger Mann, freue dich am Glück der anderen; wir können uns mehr darauf verdich am Glück der anderen; wir können uns mehr darauf verlaffen als auf unser eigenes." Ich kannte dieses Glück genügend: das fließende Blut meiner Wunde zeugte davon. Ich hatte als Waffe gegen diese Liebe nur meinen Schmerz. Und wünschte ihn so groß, daß er jene überragte. Da der Gärtner sich in Einzelheiten feines Berufs verlor und mir erklärte, wie eine besondere Rosenart beschnitten würde, gab mir Butros, den die lange Dauer des Gesprächs ungeduldig machte, einen Wint, das felbe abzubrechen. Er hielt es für eine Unflugheit, so lange im Bart unseres Feindes zu verweilen, der früher oder später unferen Besuch erfahren würde. Aber ich hörte nicht auf ihn. Der Tag war schon so weit vorgerückt, daß wir Tripolis nicht mehr erreichen fonnten; es war also beffer, bis morgen zu warten. Du vergiftest dich," sagte er ,,, diese Blumen find für dich schädlich. Ich tränke meine Waffen mit ihrem Gift." Recht fo.1 Ich hatte meine Renntnisse bereichert; die Gärtnerei bot mir feine Geheimnisse mehr. Ich dankte dem Manne, der mich in allen Feinheiten seines Faches eingeweiht hatte, und RK amerten Sonnabend, den 1. Mai und Sonntag, den 2. Mai 1926 mai! ein großer Gedanke, fchrieb, damals der Borwärts Leitartikel. ,, Genug, was feine Macht der Erde jemals vermochte, das hat das Arbeitervolt vermocht es schuf einen internationalen Weltfeiertag." Kundgebungen im Freien waren verboten. So riefen Berliner Gewerkschaften und Partei zu Ausflügen in die Umgebung. Und in den Sälen ging die Begeisterung hoch. Der brave Bürger atmete höhnisch auf und fafelte von Niederlage. Die gefürchtete sizilianische Besper war ausgeblieben.. 1893. August Bebel spricht, vor 9000 Begeisterten in der Neuen Welt"! Hell donnert das Hoch auf die Sozialdemokratie. ,, Neuen Welt"! Hell donnert das Hoch auf die Sozialdemokratie. Wilhelm Liebknecht, der Alte, unermüdliche, mahnt, von Taufenden umjubelt, im Restaurant ,, Eisfeller" die Massen. Singer findet denselben Anklang im Südosten. Größere Arbeitsruhe. Baustellen, Fabriken liegen öde und still. Die Bewegung wächst... Und auch die Gegenwehr. Aber sie können die Flamme nicht aufhalten. wir fehrten, Butros ärgerlich und ich im tiefften erregt, in die ärmliche Hütte des Yusuf Abdud zurück. Wir teilten ihm unseren Entschluß mit; er tonnte seine Enttäuschung nicht verhehlen. Wir entschädigten ihn mit ferundlichen Worten und mit Geld für die ihm aufgenötigte Gastfreundschaft; er zeigte sich sehr unempfindlich für jene und schien es nicht zu bemerken, daß wir fürkische Pfundnoten, scheinbar aus Unachtsamkeit, auf den Möbeln herumliegen ließen; fie verschwanden sofort, ohne daß wir noch ein Wort darüber zu verlieren brauchten. Die Diskussion trieb er fo weit, daß er sich nicht einmal bedankte. Aber das Abendessen, das nicht so frugal war wie die anderen Mahlzeiten, belehrte uns, daß wir ihn genügend belohnt hatten. Wie die Nacht gekommen war, veranlaßte ich Butros, Fuchsfallen zu stellen, worüber der Alte, angesichts so vieler Lift, vor Freude außer sich geriet; er war völlig felig darüber, Daß sein Hühnerhof nun nicht mehr so heimgesucht werden fonnte. Ich aber schlich mich in das Dunkel hinaus. Ich wollte in die Gärten Omars zurückkehren. Zäune gab es dort nicht, wie man solche im Orient überhaupt wenig anlegt. Ich setzte über den Graben und schlich zwischen den Bäumen hin. Gewiß, ich wagte mein Leben. Jeder, der in der nächsten umgebung des Balastes, selbst wenn der Gebieter abwesend und der Harem leer war, betroffen wird, ist dem Tode verfallen. Ich horchte, ob die Hunde meine Anwesenheit durch Gebell verraten würden: sie schienen in ihren Stall einge schlossen oder waren dem Bei- Abdul- Rajat zur Falkenbeize zur Verfügung gestellt worden und noch nicht zurücgefehrt. lebrigens, was bedeutete die Gefahr für mich? Hatte ich den Ort meiner Bein nicht selbst gewählt? Die Gärten schlummerten im Mondschein. Am Rande des Horizontes, dort, wo die Sonne untergegangen war, lag es noch wie ein matter Lichtstreif. Die Sterne schienen aus unendlichen Höhen des blausaminen Firmaments niederzuftrahlen. Sie schienen noch ferner auf dem Grunde des Bassins. Die monotone Klage der Wasserspiele wurde im Schweigen der Nacht noch vernehmlicher. Und der Duft der Blumen betäubender. Diese Einsamteit war erfüllt von Damile. Damile, die einzige, umgab mich wie ein Reigen von Frauen, und jede von ihnen, sowie sie mein Blid traf, war die schönste. Es gab eine Yamile, die mir an einem Wintertage ihre Hände reichte, damit ich sie erwärmte und eine Damile unter den Zedern, welche, schon, vom Blid 1900. In 17 Versammlungen demonstriert die Partei, noch zahlreicher die Gewerkschaften. Die Gewerkschaftskommission ruft zur Arbeitsruhe auf. Bruderhand dem Freund! Rein Waffenstillstand mit dem Feind!" Jules Guesde, Emile Bandervelde, Filippo Turati, 5. Branting, Hyndman, Pleca. now richten beschwörende Worte an die deutschen Genossen, und der Jubelruf der Arbeitermarseillaise klingt durch die Gassen der Berliner Arbeiterviertel. 1910. 83 Rundgebungen der Sozialdemokratie! Der erste Mai steht im Zeichen des erbitterten Wahlrechtskampfes. Die Herren". gegen die Volksrechte! Bethmann Hollweg führt den Streich: Die Dreillaffenschmach soll noch verschlechtert werden. Umzugsverbot. Riefenbeteiligung. Und kurz vorher hatten 300 000 auf den Straßen zum ersten Male demonstriert. ... Und dann.. 1. Mai 1914. Wie leise Trayer flingt es durch die Kampffanfaren. Es lebe der Bölferfrieden! ruft der ,, Borwärts". Drei Monate später steht die Welt in Brand. In Gas und Eisen erstarrt Europas Kultur. Mahnung und Schwur: Nie wieder! Schließt die Front... Wie wir ihn begehen. Heute öffnen sich die Türen der muffigen, gesundheitswidrigen Wohnungen im Hinterhausviertel, Rellergelasse geben ihre Insassen frei, aus dem Elend der Mietskasernen strömt das Volf Berlins ins Freie, um seinen Ehrentag würdig zu begehen. In unendlichem Zuge werden die Massen des schaffenden Berlin aufmarschieren, um, wie schon so oft, ihr unerschütterliches Befenntnis zum fozialen und fulturellen Fortschritt, zu Republik und Freiheit abzulegen. Alte und Junge, Zermürbte und Hoffnungsstarke in einer unbeugfamen und nie erlahmenden Front. Vor allem der Jugend wird der 1. Mai immer lebendig gehören. Dieser Arbeiterjugend, die sich heraussehnt aus der Enge ihres freudenarmen Industrielebens, die die Vielgestalt des lebendigen Lebens begreift, ohne doch nur ein einziges Mal das große Ziel aus dem Blidfeld zu verlieren: Alles dem Bolte und für die Freiheit das Leben! Noch ist der Feind nicht geschlagen. Gerade zurzeit sammelt er sich zu neuen Attentaten auf Boltsgesundheit und Volkswohl. Ueberaus start zeichnen sich die sozialen Spannungen unserer Tage. Unerträgliches Wohnungselend, 2 Millionen Opfer der Arbeitskrise sind die Wetterwolfen am Horizont dieses 1. Mai. Reichsgesundheitsparaden sollen dem Volke das Auge für seine Nöte verschleiern, verbrecherische Putschisten freveln mit Staatsstreichgelüften. Wacht. Mit wachem Blid für die Aufgaben des Tages with bas Gegen alle Ränke steht die Arbeiterschaft unausgesetzt auf der Berlin der Werkstätten diesen 1. Mai, das eigentliche Fest der demokratisch- sozialen Republit, feiern: Bruderhand dem Freund! Kein Waffenstillstand dem Feind! Omars fasziniert, tanzte. Eine Yamile, die voller Bangen zu mir herüberfah, wie ich das Paket mit dem zurückgegebenen Schmuck öffnete. Eine Vamile im Hofe des Harems, welche für meine Güte dankte und mir mein Wort zurückgab. Da war eine Yamile, die mich am Vorabend der Flucht mit verzweifeltem und doch so lieblichem Ausdruck, in unendlicher Trauer, ansah. Endlich erblickte ich die verschleierte Yamile auf der weißen Stute; fie ritt an mir vorbei, um sich nach der Wohnung ihres Gatten zu begeben, in dieses weiße Haus, das ich am Ende der Allee bemerkte; fie tam an mir vorbei, hielt ihr Pferd an und bot mir Trog: diefe Yamile hatte angesichts des Todes, dessen Drohung sie fühlte, keine andere Waffe als ihre Liebe. Sie war ihre größte Macht. Und so gewaltig, daß ich dieses Glück vielleicht nicht ertragen hätte, berauschte ich mich doch schon an den Wonnen des Schmerzes. Ein Kreis von Frauen, die alle den Namen Vamile trugen, umschloß mich, und ich war ihr Gefangener. Mein Harem war noch nicht vollständig. Ich beschwor andere Damiles: jene, die in diesen Gärten allein oder mit ihrem Geliebten gewandelt war; jene, die in dieser Stunde auf Kissen gelagert, von der Höhe einer Terrasse das Meer von Tripolis rauschen hörte. Hatte ich sie nicht eben wirklich gerufen, mit einem zarten geflüsterten Hauch, der wie ein Seufzer flang oder wie ein Geigenton über dem Wasser?! Damile, Yamile...!" " Die ganze Nacht antwortete ja. Hatte nicht jenseits des Partes ein Nachtigallenmännchen meinen Ruf vernommen oder stimmte es feine mächtige Kantilene an, um sein Weibchen zu bezaubern? Aus weiter Ferne drang diese füße Stimme herüber und erquickte mich. Da erwachten die Gärten. Aus allen Büschen stiegen die Töne aufwärts und fluteten in ihre Harmonien zurück; so schnellen Wasserkünfte auf einen Drud der Feder empor, ehe fie sich in leichten Sprüngen auflösen. Rings im Park nisteten die Nachtigallen, und ich deutete ihre himmlischen Melodien. Bald ließen sie unendlichen Variationen den angebeteten Namen ertönen, bald wiegte sich ihr Gesang auf den drei Silben; fie ließen sie anschwellen zu einer folchen Fülle, zu einer solchen Bracht, daß diefer Name die ganze Flur erfüllte; von überall her gegen das Himmels. gewölbe schlug. Der Gesang der Gärten, des Parts, der ganzen Erde galt Yamile.. Was für eine Wonne ist es doch, geliebt zu werden, wenn es schon so herrlich ist, zu lieben?... ( Fortsetzung folgt.) Oer Kampf beginnt! Volk�tscheiv kommt, kaum besteht noch ein Zmetfek 8aran. �"�delehebar, mit einer fast zynischen Aleichgültigkeit gegenüber der Aollsstimmung, doktern die bürgerlichen Parteien an den Para- ihr«? unr.röglichen Kompromißgcsetzcs herum. Es ist klar, dzZ hie sie lxncl.' halb Willionen Stimmberechtigt«, die un» zum(End« s'.�g fehlen, in der Hauptsache au? den Massen der politisch In. differentxn, der Gleichgültigen und Säumigen gewonnen werden müjfeit. lind da wird ee viel Arbeit geben! Letzthin bracht« ich in einem Speise lgkal die Sprache auf den Volksentscheid, als ein« ältere Frau aus dm sogenannten mittleren Ständen sagte, sie hätte schon beim « r st e n m a l unterschrieben, da braucht« sie diefesmol nicht hinzu. gehen l Und es war nicht leicht, der guten Frau den Unterschied zwischen Volksbegehren und Volksentscheid klar zu machen. Ohn« AwKifel gib? es gerade unter dem verhältnismäßig uninteressierten und schwerfälligen Bürgertum viele, die nicht besser unterrichtet find, und der„ßokol-Anzeiger" beispielsweise wird es sich wenig angelegen sein lassen, hier belehrend zu wirken. Bekennermut ist nicht die Stärke aller Erdenbürger, und vor» nehmllch in der Provinz, in den kleinen Stödten und Landflecken, wo dar begüterte Bürgerstand den größten Einfluß besitzt und für den Handwerker di, stärkst« wirtschostliche Macht darsiellt, hat es sich beim Volksbegehren gezeigt, daß gar mancher vor der Eintragung seiner gesamten Personalien aus Furcht vor einem Boykott zurückgeschreckt ist. Es wird gut sein, in diesen Kreisen bei der Propaganda immer wieder darauf hinzuweisen, daß es sich diesmal, beim Volks» emsche'ch, nur um«in« bloße Stimmzettelabgabe mir Jü." oder„Kam' an der chand der Wahllist«» ohn« besandeoe Eintragung von Namen und Stand handelt. Und auch bei etliche i überängstlichen Berlinern— so etwas gibt es leider selbst h'ut« noch innner!— dürft« es manchmal oon Nutzen sein, di«» zu erwähnen. Der gegnerischen Press« wird ihre Aufgab«, den Aolksentscheid zum Scheitern zu bringen, dadurch erleichtert, daß Parteien, die dos Volk nicht ausklären, sond:rn oerdummen wollen, ja schon ou» grund- sätzlichen Erwägungen heraus, auf di« Wahrheit nicht di« mindest« Rücksicht nehmen und Lüge auf Lüg« Hausen. Dies wurde mir in den letzten Tagen wieder einmal klar: Ein würdiger alter Herr, seine» Zeichens pensionierter Beamter der Unterstufe, warnt« davor, die slüheren regierenden Häuser ondenBettelstabzu bringen. Und das werde doch, wie er.an seiner Zeitung" gelesen Hab«, nach der geplanten radikalen Enteignung der Fall sein. Wortlich fuhr er fort: ..Bedenken Sie nur. welche Blamage es für Deutschland im Ausland mar«, wenn unsere Fürsten mit dem Leierkasten hausieren gehen müßten!" Ich dachte zwar an di« vielen Arbeitslosin und Kriegs- krüppel, die in uusirm Vaterland auf ähnlich Weif« ihr karges Brot zu verdienen such», und oermochte auch nicht einzusehen, inwiefern die bcuischn außenpolitischen Interessen durch die Orgeldreherkünste des Fürsten von Renh mittlerer Linie oder di« Betätigung b«ispi«l»> weis« der dicken Mathilde von Sachsen als Harfenjul« dedroht wären. Dennoch beruhigt« ich den alten Mann und teilt« ihm mit, daß auch mich dar wünschenswerten Annahme des Cnteignungsgesitzes d« ver. slossenen Potentaten noch immer zu den besser gestellten Baoölkerungsschichtsn gezählt werden müßten. Welch Füll« von VermSgensmerten ist oon unseren einstigen Landesvätern allein in den letzten acht Jahren in Sicherheit gebracht worden! So Hab« ich diesen ehrenwerten Alten für den Volksentscheid gewonnen, und ih glaub«, daß«» richtig sein wird, gerade alten Leuten gegenüber in der Propaganda ähnlich zu verfabren. An di« Arheit! Tauschen wir unser« Erfahrungen au», lernen wir ooeemander und seien wir unermüdlich tätig! Dann wird der Sieg hia Bokkes sicher fein! /wfhebuag üer huoöespcrre. Do» 3L Fiat ab. Xachdem die Tollwut in Berlin erloschen M. hat der Polizei. Präsident die gegen die Seuche erlasseneu Schutzmaßnahme»«'U TBitkunq«kub 3. Mai ab wieder ausgehoben. Die Stadl Berti« ist von Mesim Zag« ad van der hnpdesperre frei. UntersuchungsausIchuA in NummeZsbarg. Der Ausschuß, der in der Stadtverordnetenversammlung ge- wählt wurde, trat gestern, wie bereits kurz mitgeteilt, zur Fest. ftellung der Ursachen, di« zum Unglück im Großkraftwerk geführt baden, zusammen. Es wurden folgende Fragen der Unter, suchung zugrunde gelegt: Erstens: Sind di« Firmen leistungs- fähig, di« an dem Bau beteiligt find? Zweitens: Sind die Bau- iteäen genügend gesichert durch Zlbdeckung? Drittens: Wie konnte da» Unglück geschehen? Alertens: Trägt di« schlechte Beleuckaung dazu bei? Fünften»: Sind die Termin« so kurz? Sech st«n s: Ist die Arbeitszeit, die Bezahlung und di« Art der Arbeit tariflich geregelt? Siebenten»: Die sanitären Ein. Achtungen. Es kann al» feststehend« Tatsache hingenommen werden, daß die Firmen, die am Lau des Großkraftwerks beteiligt sind, für diefe Spezialarbeck durchaus leistungsfähig sind.' Aber ein Teil der Firmen arbeitet mit den modernsten»echnilchen Hilfsmitteln, ander« bmgegen höben di« technischen Errungenichaften noch nicht in An« mendung gebracht. Daraus ist auch zu erklären, daß z. B- di« vier Firmen, die»in und dieselbe Arbeit auszuführen haben, oe.rfchieden mit den Arbeiten vorgeschritten sind. Bei den Firmen, die mit den veralteten Hilfsmitteln arbeiten, besteht die Gefahr, daß sie di« fest. gesetzten Termine nicht einhalten können. Deshalb versuchen sie, trotz'Unzulänalicher Hilfsmittel die Arbeiten zu forcieren, um'keine Konvennonalstrosen zu zahlen. Di« Arbeiter werden an. p'trieden und so erstehen die Unglücksfälle. D«r zweit« arotz« Mangel ist, daß nicht für genügend« Abdeckung gesorgt worden 'st Besonder» rigoros sollen sich die Firmen I o ch a u und D o l g a u benommen haben. Diese Firmen haben nämlich chren Arbeitern mit Entlassung gedroht« wenn sie di« Anbringung von Schutzvorrichtungen wünschten. Gegen solch« Finnen, di« so ihr« Arbeiter behandeln, muß mit der ganzen Streng« des Gesetze» vorgegangen werden. Ein« weiter« Gefahrenquelle ist die zu schlecht» Bezahlung der Arbeiter und da» mangel. hafte Zusammenarbeiten, da, durch di« Einstellung ungeübter Arbeiter zur Ersporung von Lohn entsteht. Es muß dringend ver. langt werden, daß zu solch schwierigen Arbeiten nur Spezia- listen herangezogen werden dürfen. Dazu kommt, wie einwandfrei festgestellt wurde, bei einzelnen Firmen«in« übermäßig lang« Arbeitszeit. So wurde z. B. bis zu 6S Stunden in der Woche asarbeilet. Die Beleuchtung aus diesem Lau ist tatsächlich mangelhaft, trotzdem die b luau-iuyrend« Firma da» Licht von der Bewag kostenlos geliefert bekommt- Auf di« Berteilung de» Lichtes ist viel zu wenig Rücksicht genommen. Dadurch erscheint trotz de» Dorhondenieins von genügend Lampen die Beleuchtuna äußerst mangelhast. Die Direktion der Bewag hat zugesagt, daß die Bau- stelle noch durch drei groß« Scheinwerfer beleuchtet werden soll. Die Böstchtigung hat welter ergeben, daß zur ersten Hilfeleistung bei llngliickssällen ein besonderer Sanitätsroum vorhanden ist. mit drei im Sanität»di«nst ou»gebildeten Personen, von denen bei seder Schicht«in Sanitäter standig anwesend ist. Ader der Samtätsraum ist zu klein. Es lst IM Einvernehmen mit der Bauleitung und den «i«gierten der dort beschäftigten Firmen ein Sicherheit». a u s s ch u ß gebildet worden, der Lorschläg« zu machen hat über zu verbefiernde e-chutzrnaßnahmen. Der Vertreier der LEG- al» Haupt- Unternehmer erklart« weiter, daß«» jeder Firma zur Pflicht ge» macht worden sei, sür die nötigen Schutzvorrichtungen zu sorgen. Di« bauleitende Firma hat zur Durchführung dieser ihrer Anord» nung einen besonderen Beamten erst letzt angestellt, besten Aufgabe es einzig und allein sein soll, die genaue Jnnehaltung der Unfall verhütungsoorschristen zu überwachen. Die Unglücksstätte vom 28. April macht einen sehr niederbrückenden Eindruck. Völlig zertrümmert liegt der 40 0S0-Tonnen-Kran da.» Die zer rissenen Drahtseile hängen an der hohen kahlen Wand und man wird beim Anblick der Unfallstelle das Gefübl nicht los: Hier ist leichtsinnig gearbeitet worden. Die Seile sind viel zu schwach für die Last, die fi« zu tragen hatten. Die vorhandenen Winden müsien genau untersucht werden. Alles wird setzt auf das falsch« Kommando gesetzt. Aber es wurde einwandfrei von den Arbeitern festgestellt, daß die vorhandene Bremse an der Wind« nicht in Ordnung war. und daß die zur llusfübrung der Arbeit be- stimmten Arbeiter bereits von morgen» tz Uhr bis abends 9 Uhr ununterbrochen arbeiteten. Daß bei einer solchen Arbeitszeit der menschlich« Organismus versagen muß. ist nur zu verständlich. Schutzgerüst«. Fangnetz« oder Sicherheitsleinen zur Verhütung von Abstürzen sind so gut wie gar nicht vorhanden. Nicht selten kann man beobachten, wie einzeln« Kolonnen von Arbeitern ungeschützt übereinander arbeiten, un. bekümmert um di« Bestimmungen der Polizeiuerordnung zum Schutze der bei den Eisenbauten beschäftigten Personen. Aber auch die Maurer arbeiten in ungefähr 20 Meter Höhe im Akkord. Allem Anschein nach gilt für sie dos Verbot de» U«der- dt«. Hand-Mauern» auch nicht.- Wir haben nacki all dem dort Ge'chehenen mit allem Nachdruck zu forhern, daß ausreichend« Schutzbeftimmimgen angebracht werden. daß die normale Arbestszeit eingehasten und ein anständiger Lohn gezahll wird. ver NanbmorS in Kegermühle aufgeNart. Einer der Tätet verhaftet. Da» Kapitalverbrechen, besten Opfer in den Morgenstunden des 2l. April di« 7S Jahre alt« Gastwirtin Witwe W i l h e l m i n e Schröder im Schützenhaus zu Hegermühle wurde, stt aufgeklärt worden. Nach langem Suchen war aus Liesenthol die Meldung eingelaufen, daß dort am Nachmittag de» Mordtage« vier Wandere durschen aufgetaucht waren, und es wurde festgestellt, daß einer von ihnen der des Morde» dringend verdächtig« Hermann PIrt war. Kriminalkommissar Werneburg begab sich nach verlin. sucht« mit seinen Beamien di« Herbergen und Quartier« in der Um gebung des Stettiner Bahnhof« ob, fand auch Pirk in einem dieser Quartier? imd nahm ihn fest. Er bestritt nicht, daß er um die Zeit de» Morde» in Hegermühle und anderen Ortschaften der Segend gewesen war. leugnete aber jede Teilnahme an dem Verbrechen. Er wurde an den Tatort ge» bracht und legte noch anfänglichem Leugnen ein Geständnis ab. Hiernach hat er den Raubmord mit einem am ll. Dezember 1898 in Hohenielde bei Angermünd« geborenen Arbeiter Johann Hermann Straß aemeinfam verübt, mit dem er auch gemein. fam gewandert war. Mit Straß kam er am 29. Avrll noch Heger. mühle. Be'de warteten auf der Straße, bis im Schützenkau» das letzte Liebt erlosch. Si» nobmen j»tzt an. daß Frau Schröder ihre Schlafstube ausgesucht und sich zur Ruhe qeleat Hab», stiegen über einen Zaun auf da» Gehöft, öffneten mit einem Dietrich, durch. wübll«n unten di« oanzen Räum« nach Geld, landen aber nicht». Weil Pirk nun wußte, daß die alte Frau Geld im Hause haben mußt«, so beschlollen si». abzuwarten, bi» si» herunt«rkomm«, sie dann niederzuschlagen, zu knebäln und zu beraub« n, besonders die Schlafstube zu durchsuchen. Unterdesten war auch schon der Morgen herangekommen. Straß nabm nun den abae» brochenen schweren eisernen' Fuß einer Markierunosfabne. ein Stück de? Gerät«, dl» der im Schützenbaus tagend« Fußballklub hier untergestellt Haft, und stellt» sich auf die Seite, um Frau Schröder zp erwarten. Dies» war inzwischen aufgestanden und hatte zum Fenster hinaus noch mit einem Einwohner von Heaermühl» ge. svrocben. Al» sie ohnungsln« henmterkam. schlug Straß sie mit dem Eisenstück zu Loden. Obwohl ihr der S ch 2 d« l z« r t r ü m> m»rt war, blieb Frau Schröder bei Bewußtsein und rief um Hille. Jetzt kam auch Pirk au» seinem versteck heraus. Beide versuchten, ihrem Opfer den bereitaehasteven Knebel, m den Hals zu stecken. Al» dos nicht gelang, ließ sich Pirk, den Frau Schröder ia kannte, von seinem Mordgenosten besten Mester geben und stach 5« bis klmal auf die am Boden liegende Greisin«in. bis st« tot war. Di« Verbrecher hatten nun kein« Zeit mebr zu verlieren, weil die Stund« gekommen war, zu der hi« Wirtschaft geöffnet>u werden pflegte. Si« eilten in di« Schlafstube hinauf, durchwühlten auch hier die Behältnisse und fanden, wie Pirk be- houptet, im ganzen 2?0 M., die sie stch teilten. Mit der Beul« ginaen sie durch den Garten nach dem Finomkanal zu. kletterten auch vier über den Zaun und gwqen davon. Hier wurden auch ihre Fußspuren gefunden. Pirk wurde moraens noch, bevor da» Der. brechen entdeckt war. in Heg«rmübke gesehen, war dann aber ver. schwunden. Er wurde gestern nach diem Amtsgerichtegefängnis in Eberswalde gebracht und wiederbalt» dort dem Richter sein G«. ftändni». Sofort wurden all« Maßnahmen getroffen, um auch de» Mittäter» Straß habhaft zu werden. Schwerer Unfall i« Dölkerknndemnsenm. Ein schwerer Unfall, bei dem zwei Arbeiter leben«» ge« ährlich verletzt wurden, ereignet« sich am Freitag nach- mittag gegen X2 Ubr in den Räumen d«« Pölkerkundemuseums in der Prinz-Albrecht�Straß«. wo zurzeit«in« größer« Zahl von Schlossern und Malern mit Renovierungsarbeiten bekchä'tiat ist. Der ZZfährige Schlosser Otto Gröumann au» d«r Pasteurstraße<7 und der 3Zjährig« Maler Arthur Fleischer au» der Hobrecht- straß« 81 in Neukölln waren inst Arbesten an einem schweren eisernen Schrank beschäfttgt. al«»in dicht danebenstehender, mehrere Zentner schw«r»r Eis«nschrantum stürzt« und dabei auch d«n anderen Schrank umriß. Graumann und Fleisch«? tonnten sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen und würden unter dem Eisenschrank begraben. So'ort hinzu«il»nhe Kollegen befreiten die Verunglückten, die dann durch«inen inzwischen herbei- gerufenen Wagen de» Städtischen Rettung»amt«« nach dem Kranken» hau. Am Urban gebracht wurden Beide bab«n schwer« Kopf» und innereverletzungen davon getragen, vi« Ursachen de» Unglücks sind bisher noch nicht bekannt. Die Organisation der..Borführdawen". All« sogenannten„freien Berufe', vor allem natürlich diejenigen. di« kein« belonderen körperlichen oder geistigen Fähigketten bedinaen. leiden stark unter unang, ahmen Zwifchenföllen im Berufsleben. Einmal ist es di» Willtür d«» Arbeitgeber»,«in andermal plötzlich eingetretene Arbeiteunfähigklit, die ihr« Exstenz bedrohen, oder ganz unterbinden. Es ist daher ungemein wichtig, daß sich gerad« in diesen Berufen di« Arbeitnehmer organisi«r«n, um bei derartigen Anläsien Schutz und Hilfe zu erhatten. Unter der h«utia«n starken Geichänslofigke« tn d«r Konfiktion und d«m übergroßen Angebot an Arbeittckräfttn l«id«n di« Vorführdamen ganz befand«?», denn»» werden überhaupt nur ganz wenige«ingestellt und die Gehälter sind erheblich h«rabg«s«tzt. Außerdem kommt« dann noch vor, daß die Dam«n von gewissenlosen„Unternehmern" für«in« Modeschau engagiert werden, Zeit und Geld vergeuden und schließlich unter irgendeiner faulen Ausrede um ihr« Gage geprellt werden. Um dies in Zutunst zu verhindern, soll ein« Organisation geschaffen werden, di« vor allem nur wirklich gut aelchulte, Personal al» Mitglieder aufnimmt, womit auch den Arbeitgebern sehr gedient sein wird. Di« Stellenvermittlung soll durch dies« Organilotion «folgen und gewährt ihre» Mitgliedern in allen Streitfällen Schutz und Hilfe. .Gelüverölenen' ist ü!e Hauptsache! „Die Leute werden schon fressen." Bor einiger Zeit mußten wir oon den geradezu unglaublichen Zuständen berichten, die in den Geschäftsräumen des Fleischer- meisters Edmund Hegel in der Warschauer Straße 83 herrschten. Rind- und Schweinefleisch befanden sich in einem Zu» stand der Fäulnis und die Arbcitsräume sowie der Laden wie auch die Maschinen strotzten vor Schmutz, so daß auf eine An. zeige«ine, Angestellten die Polizei einschritt. Es wurden etwa 65 Kilogramm Mettwurst, 50 Kilogramm Pökelrindsleisch, 105 Kilo- gramm Abfall und Ausputzsleisch, 116 Kilogramm Schweinepökel. fleisch und 81 Kilogramm Blutwurst in einem verdorbenen Zu. stand« gefunden, wie er im Höchstmaße dazu geeignet war. die Ge- sundhest der Verbraucher aus das schwerste zu xejährden. Gegen den gewissenlosen Schlächtermeister wurde ein sofortiges Handels. verbot erlassen, gegen da» dieser jedoch Beschwerde einlegte. Am 30. April sollte nun das Handelsverbot in Kraft treten. Die Befchwerdeocrhandlung fand gestern in der Handelserlaubnis. stelle im Polizeipräsidium in der Magazinstraße statt. Die Ver- Handlung, die mehrere Stunden dauerte und zu der eine große Zln- zahl Zeugen gelaidev war, legte di« skandalösen Zustände klar, die in dem Betried von Hegel herrschten. H. betreibt in der Warschauer Str. 83 eine Fleischerei, der noch ein Marktgeschäst angegliedert ist. Er beschäftigte drei Gesellen, einen Ladenmeistcr und eine Mamsell. Dem in der Verhandlung als Hauptzeugen aus- tretenden Schlächter und Ladenmesster Schmidt ist ps zu ver- danken, daß auf feine Anzeige, da er die Veranwortung für dielen Schmutzbetrieb nicht weiter übernehmen wollte, die Polizei einschritt. Die Zeugenaussagen des Gesellen W i t t i g, des Ladenmeistsrs Schmidt, der Zeugin und Vertäuserin B e n d i; und eines weiteren Gesellen legten die Verhältnisse in erschreckender Weise dar. So hatte zum Beispiel der Ladenmeister Schmidt angeordnet, e-nen größeren Topf Sülze, die bereits verdorben war, zu vernichten. Der Inhaber Hegel beauftragte jedoch fein« Gesellen, die verdorbene Sülz« in der Blutwurst mit zu verarbeiten, wo» di'se indes ablehnten. Nachdem die Sülze dann noch weitere acht Tage im Keller stand und in Gärung übergegangen war. verarbeitet« Hegel die Sülze selbst in die Blutwurst, die sür den mensch. lichen Genuß vollkommen ungenießbar war. Gestern wollte er sich damit herausreden, daß er die Sülze nur zu Versuchszwecken mit der Blutwurst oermischt habe. Einmal wollte die Verkäuferin ver- dorbenes, schlechtes Hackfleisch fortwerfen. Frau Hegel. die gerade dazu kam, war über das Vorhaben der Verkäuferin empört und nahm das Fleisch wieder mit in den Laden. Gclegent» lich einer Reinigung im Laden wurden in den Eecken und in den Regalen verdorbene Fleischreste, zwei große Käse, in denen die Maden wimmelten, oerschimmelte Pökel» f'.eischreste und Schwarten und verfaultes Obst vor. gefunden. Nach dem Gutachten de» Polizcisachverständigen und Tierarztes herrschte in den Räumen starker Verwesung». g e r u ch. 65 Kilogramm Mettwurst, die durchschnitten wurden, befanden sich in völlig verfaultem Zustande. Schinken und Schulterblätter, Eisbeinen und Schweinebacken entströmte ei» Verwesungsgeruch, der nur von einem sehr weit vorgeschrittenen Verwesungsprozeß stammen konnte. Der Hauptbelastungszeuge Schmidt sagt« noch aus, daß er nach seiner Meinung von dem In» haber Hegel nur deswegen angestellt worden sei, weil sich die Kund- schaft der schlechten Ware wegen zurückzog und er als schein, barer neuer Inhaber die Kundschaft wieder anziehen joltte. Wieberholt ist es vorgekommen, daß Frauen das Fleisch zurück» brachten. Zu Schmidt lieh sich Hegel einmal folgendermaßen aus: ..Die Leute werden schon fressen, Hauptsache ist Geldverdienen." So aver wie die Ware sür den mensch- lichen Gebrauch ungenießbar war, herrschte auch w den Arbeits- räumen Schmutz und Unordnung. Der Vertreter des Polizei. Präsidiums beantragte die Aufrechterbaltunq de» IVait. delsoerbotee und Zursickweksung der Beschwerde, da die Un- ziiverlSisiakeit des Schlächtermeisters in vollem Maße erwiesen, ist. Die Bevölkerung, die gerade im Osten Berlins in einem ausge- sprochenen Droletariervieriel um die Warschauer Straße herum in besonderer Dichte wohnt, muß vor diesen Leuten geschützt werden. Nicht nur, daß sie für Ihr G'ld schlechte Ware erhalten, sondern, daß sie noch Gefahr laufen müssen, an ihr« Gesundheil durch Ver. nftungen Schaden zu nehmen. Der Verteidig« des Angeklagten i'eantroat« Verhandlungsausetzung bi» zur Entscheidung des Strai« verfahren». Im übrigen warf er dem Hauptzeugen Schmidt D0r. daß er die Anzeig« aus Noid gemocht hätte. Auch der Angeklagt« behauptet, daß seine ehemaligen Angestellten ihn nur ruinieien wollten. Der Vorsitzende oerkündete das Urteil: Der Ein, pruch gegen die Veriügung des Polizeipräsidenten wird zurückge. wiesen. E» ist Aufgabe der Polizei, im beschleunigten verfahrrn jegen unlautere Elemente mit aller Schärfe und Unnachsichtigkest m Interesse d« Volksgesundheit und Oesfentlichkest vorzugehen. Eine Norölanöreise im paöSeiboot. Am kommenden Sonntag werden zwei Mitglieder der Freien Kanufahrer Berlin" eine Reise im Paddelboot .Rund um Skandinavien" antreten. Der Start ersolgt um Uhr morgens am Bootshaus in Köpenick, Marienstraße(Stadion». Zwischen 8 und 0 Uhr wird die Berliner Mühlendammschleus« »assiett. Der offizielle Abschied der beiden Paddler von den Berliner Arbeiterwassersportlern ersolgt bei der Maifeier der Sportler am.Birkenschlag", beim Longen See. in Grünau. Die kühnen Seefahrer gedenken durch den Berlin.Stetttner Großschiss» iohrtskanal, die Ostsee zu erreichen, um von Saßnitz aus nach der Insel B o r n h o l m und weiter nach Schweden und F i n n> and zu gelangen, um schließlich in Rußland über Winter zu bleiben. Im kommenden Jahre wird dann von Petersburg aus über Archangelsk Norwegen, das Nordkap und Hammerseft bgesahren. Dort findet wiederum eine Ueberwinterung statt. Im Jahre 1028 wollen die Paddler an der norwegisch, schwe» dttchen Westküste entlang durch das Kattegat, Dänemark an. laufen, um schließlich durch Elbe, Havel und Spree wieder in ihrem Bootshaus zu landen. Da» selbstgebaute Boot.S i n d b o d" ist ein durchaus normales Paddelboot von 5,75 Meter Länge, das ein« Besegelung von 4,5 Quadratmeter mitführt. Die nächste Zlummer des„Vorwärts" gelangt des Zstai- eiertages wegen am Montag, den 3. Mai zur Ausgabe. ODOL imr OD OL -denn Odol iTt das befte. bewähr« tefte und verbreitetfte aller exiftie- ifenden Mundpflegemittel! Das können Sie nicht nur in ganz Deutfchland. fondem auch im ganzen Auslande täglich hören, vom Publikum wie von den Ärzten. Nehmen Sie Odol für Ohre Mundpflege, holen Sie ücb eine Flafche Odol Beginn der, Badefaifon in Wannsee. vorteilhaftefte präsentieren. Jeder Beruf hat eben feine eigenen. Kopfschmerzen: Die Hutmacher wollen auch leben und prophezeien, daß das unbedeckte" Haupt weder schön noch gefund ist. Worüber man je nach Geschmack und Neigung natürlich auch anderer Meinung fein fann. Ein größerer Brand beschäftigte am Sonnabend furz nach 45 Uhr die Feuerwehr in der Alten Satob str. 144, mo in umfangreichen Kellereien Regale, die mit Papier und Stoffballen angefüllt waren, in Brand gerieten. Es wurde mehrere Stunden lang aus drei Rohren Waffer gegeben. Der größte Teil des wertpollen Inhalts ist vernichtet worden. Ein weiteres Feuer beschäftigte gestern die Feuerwehren in a row. Hier war in der Bahnhofstraße in dem Dachstuhl eines Wohnhauses, Feuer ausgefommen. Die Flammen griffen mit größter Schnelligkeit um fich und vernichteten den Dachstuhl und das obere Stockwert. Ein großer Teil der Möbel fiel den Flammen zum Opfer. Nach mehrbeiden Fällen ist die Entstehungsursache bisher noch unbefannt. minister Stresemann im Berliner Rundfunk über den„ Berliner Stresemann im Rundfunk. Heute abend 7,50 1hr wird ReichsBertrag zu hören sein. Das Freibad Wannsee, das im Besiz der Stadt Berfin ist, eröffnet heute die diesjährige Badesaison". Der 1. Mai ist als der Tag des offiziellen Beginns festgelegt, aber inoffiziell hat der Badebetrieb eigentlich schen um Milte April begonnen. Die linden Tage, die der April uns diesmal gebracht hat, haben manchen Wetter. festen verlockt, es schon mit einem fühlen Wasserbad zu versuchen. Wer aber danach noch fein Verlangen hat, dem bietet der Badestrand die beste Gelegenheit, ein erfrischendes Luft- und Sonnenbad zu nehmen. Der Aufenthalt am Badestrand des Freibades Wannsee ist in dieser Zeit besonders angenehm, weil die Ufer des Wann fees iegt im Frühlingsfomud prangen. Reizvoll ist tie Mischung des dunklen Grüns der Nadelhölzer mit dem lichten Grün der Laubbäume. Auch das Freibadgelände selber bietet ein freundliches Bild, ein freundlicheres noch als im vorigen Jahre. Oben am Haupteingang ist innerhalb der Umwehrung mehr Siz gelegenheit geschaffen worden, so daß man von dort aus den präch- stündiger Tätigkeit konnten die Wehren wieder abrücken. In tigen Ausblick über den Wannsee in Behagen genießen tann. Die Grünanlagen des Uferabhanges sind erneuert und verbessert worden und die Treppe hat einen Bretterbelag erhalten, der einen bequemen Abstieg zum Strand ermöglicht. Der zwischen dem Uferabhang und dem Badestrand hinter den Wirtschaftsgebäuden sich hinziehende Weg hat jetzt festes Pflaster, so daß man hier nicht mehr durch den Sand zu spazieren braucht, der am Strand willkommener ist. Auch an der Erfrischungshalle ist durch Anpflanzungen für ein bißchen Grün gesorgt worden. Die Anpflanzungen an dem vom Bahnhof Nitolassee zum Freibad führenden Weg entwickeln sich gut. Freibad Wannsee rüstet zum Empfang der Lufthungrigen und Badeluftigen, die in diesem schönsten und größten Freibad ber Umgebung Berlins ihre Erholung suchen. Die Eintrittspreise find gering, wie im vorigen Jahre: für Erwachsene 10 B., für Kinder 5 Pf. Schulen haben in Begleitung der Lehter und Lehrerinnen freien Eintritt und erhalten auch in der Gastwirtschaft bedeutende Ermäßigung „ Räuber" aus Verzweiflung. Miffellos in der Großstadt. Ereignisse stürmen mitunter orfanartig über den Menschen hin meg, laffen ihn kaum zur Besinnung tommen, schleudern ihn aus dem gewohnten Gleise und lassen ihn dann zerbrochen auf der Straße des Lebens liegen. Und die Mitmenschen? Anstatt dem Entgleisten die helfende Hand zu bieten, versehen sie ihm den letzten Stoß. Dann fommt er zur Besinnung, schaut um sich und kann nicht begreifen, wohin er geraten ist. Ein junger Bauernbursche tommt nach Berlin und findet hier durch ein Bermittlungsbureau Arbeit als Hausdiener in einem Hotel. Seine Eltern besigen ein fleines Gehöft in Deutsch- Bolen. Bon Kindheit an half er dem Bater bei der Arbeit. Im Jahre 1921 optiert er für Deutschland. Sollten etwa auch die alten Leute Haus und Hof verlassen? Im Jahre 1923 wird er aus Polen aus. gewiesen. Nun ist er von der heimatlichen Scholle vertrieben, ist entwurzelt und muß sich in seinem neuen- alten Vaterland um. sehen. Er findet Arbeit in Lichtenrade bei einem Bauern. Als nach anderthalb Jahren das Gut den Besitzer wechselte, geht er nach Bernau. Zwei Monate später ist es mit der Landarbeit aus; er femmt nach Berlin. Als Hausdiener findet er Anstellung in einem Hotel; dann wird er arbeitslos. Arbeitslosenunterstügung wird ihm vermehrt. Er ist ja erst seit zwei Monaten in Berlin. Mittellos steht er in der Großstadt. Keine Menschenseele, auf die er sich stügen tönnte. Was tun? Stehlen bei unbekannten Leuten? Un möglich. Er holt aus dem Hotel, in dem er gearbeitet hatte, einen Koffer mit Schokolade und Zigaretten, sowie eine Geige. Das Geld, das er für das Gestohlene erhielt, ist bald ausgegeben. Was nun? Durch das Wohlfahrtsamt empfängt er vom Almosenverteiler 10 Reichsmart. Wo er während der Zeit gelebt hat, mit mem Arbeiter- Kulfurfarfell Groß- Berlin. Sonntag, den 2. Mai: Rette Proletarische Feierst unde im Großen Schauspielhaus, Karl fraße, Beginn pünktlich 11, Ubr vormittags. Seid umschlungen Dehmel. Ansprache. 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Millionen. Weltenfeiertag" von Franz Rothenfelder. Mailied" von Mitwirkende: die Damen: Emmy von Stetten( Sopran); Marie Schulz Dornburg( Alt), die Herren Waldemar Henke( Tenor), Eduard Kandl( Bag), der Chor der Städtischen Oper, das verstärkte Berliner Sinfonie- Orchester ( musikalische Zeitung Kapellmeister Jascha Horenstein). Der Sprechcor für Proletarische Feierftunden( fünstlerische Leitung Albert Florats). Breis der Karte 1.20 m. Karten find zu haben im Bureau des Bezirks. bildungsausschusses, Lindenstr. 3, II. of 2 Tr., Bimmer 8, im Drts. ausschuß des ADGB., Engelufer 24/25, in den Bureans der Verbände, im Bentralverband der Angestellten, Belle Alliance- Str. 7/10, im Bigarren geschäft Horsch, Engelufer 24/25, im Tabakvertrieb( GES., Inselstr. 6, Bei den Bildungsobleuten der Kreise und Abteilungen und in den Vorwärts. Speditionen. gestern abend einem Kreis von geladenen Gästen seine neuen Attraktionen Der Lunapart, der am 1. Mai seine Pforten wieder öffnen wird, führte bor. Das Publikum wird auf der Höhe der Terrassen von einem über das ganze Etablissement fallenden Lautsprecher empfangen werden. Es wird auf einer rollen den Treppe, die ftündlich 8000 Bersonen befördern, tann, in die Gefilde der Freude hinabbefördert werden. Dort werden feiner außer den bekannten Darbietungen eine technisch fabelhaft tonftruierte Beuchtfontäne warten, die ihre Strahlen bis zu 100 Meter hochperfen wird und eine entzüdende Liliputanerstadt, die von fünfzig zierlichen Männern und Fräulein bevölkert wird, wahrscheinlich zur hellen Freude der Kinderwelt. Abonnement für sechs Berliner Theater: Deutsches Theater, Rammer piele( Direktion Mag Reinhardt), Theater in der Königgräger Straße, Komödienhaus( Direktion Bittor Barnowsky), beater am Nollendorsplay, Die Tribüne( Direktion Eugen Nobert). Am Sonntag, ben 2. Mai, be ginnt in den aufgeführten Theatern der Verkauf des gemeinsam aufgelegten Abonnements. Das Abonnement umfaßt zehn Borstellungen in der Spiel geit 1926/27. In allen sechs Theatern wird zehn Monate gespielt. Der Abonnent erhält in jedem Monat eine Borstellung. Im übrigen wird auf bas Inserat in der heutigen Nummer verwiesen. Schmiede, der Film des werftätigen Bolles, läuft von Montag, ben 3. bis Donnerstag, den 6. Mat, in den Elite- Lichtspielen bes Suboftens, Naunynstr. 6. 4 Der Berliner Unwalt- Berein bat eine ein ft teilige Berfügung gegen einen Rechtskonsulenten, der sich dem Publikum gegenüber als Rechts ber Sivillammer des Landgerichts I erwirkt. Näheres finden unsere anwalt ausgegeben und bei den Gerichten entsprechend betätigt hat, bet Leser im Anzeigenteil der heutigen Nummer. er Umgang gehabt, was in seinem Hirn vorgegangen mar, bleibt Parteinachrichten unaufgeklärt für die 10 m. fauft er sich aber eine Pistole Nun ist er in ihrer Gewalt. Eines Tages-es mar Dezember fteht er um die Mittagszeit im Bernauer Gehöft, auf dem er ge arbeitet hatte, vor der Frau des Bauern und berlangt von ihr mit porgehaltenem Revolver 300 m. Der hof ist voll Menschen. Man ruft um Hilfe, er flieht. Was nun? Noch eine Wohnung fennt er in Berlin, die des Almosenverteilers. Einige Tage später sucht er Einlah bei dessen Frau. Sein Verfuch miß. lingt. Ein zweites Mal glüfft es. Er bringt ein Patet vom Wohlfahrtsamt." Die Frau schöpft Verdacht, fordert thn auf, die Wohnung zu verlassen. Er wirft sich auf sie und würgt sie, steckt ihr einen Knebel in den Mund, erbricht die Geldkassette und erbeutet 8,50 M. Die Nachbarn hören das Geräusch, man schreit nach Hilfe, ein Schupomann perfolgt den Burschen bis in dessen Wohnung. Die Tür muß erbrochen werden. Man findet die Gashähne geöffnet, durch einen Schuß hatte der junge Mensch sich zu töten rersucht. Schlimm, sehr schlimm! Aber fe chs Jahre Zucht. haus, 12 Jahre Ehrverlust, Bolizeiaufsicht? So bestimmte die erste Instanz. Er fonnte dieses Urteil nicht verstehen. Er legte Be rufung ein Gestern stand der junge Bursche R. por den Berufungsrichtern. Er fämpft immer wieder mit Tränen, bat wiederholt um Milde, versprach wieder ein anständiger Mensch zu werden. Wo fonnte ihm Hilfe merden, wenn nicht bei seinen Richtern? Aber auch diese ver sagten ihm mildernde Umstände wie die anderen in der ersten Inftanz. Nur ein Jahr schentien sie ihm. So wurden es 5 Jahre 3uchthaus. Er nahm das Urteil an. Was mird das Buchthaus aus ihm machen? Sollte er mirtlich nicht zu einer Gefängnisstrafe begnadigt werden können? Er hat für Deutschland optiert. Sein Vaterland hat ihn wie ein Stieftind behandelt. 99 Der Strohhuttag. Warum auch nicht? Früher gab es min destens jede Woche einen Tag, der für eine befondere Tätigkeit eine besondere Bezeichnung hatte. Also: Sämtliche Hutladen haben min destens ein Schaufenster mehr oder weniger geschmackvoll mit Stroh hüten dekoriert. Ein Fremdenrundfahrtauto, vollbepadt mit ftrohbedeckten Häuptern, machte eine Propagandafahrt durch Berlin, warf Reflamefarten unter die staunende Menge, es wurde fleißig photographiert und gefilmt. Man gibt sich eben reblich Mühe, bie Butterblame" oder Kreissäge auf das eble Manneshaupt zu pirigieren und die Herren der Schöpfung auch in der Sommerzeit aufs PT Sinfendungen für diese Rubril find Berlin 3. 68. Sindenftraße 3, dorffftrake. Ronsert, Resitationen: fred Beferle, hermetische und s liche Vorführungen, Tanz u. a. Mittwoch, den 5. Mai, abends 7 Uhr, Kreisvorstandsüßung im Restaurant Fris Albrecht, Borhagener, Ede Bahnhofftrake. 18. Kreis Weißenfec. Unfere Maifeier findet heute abend 7 Uhr in der Stadthalle, Bistoriusftr. 23, ftatt. Eintritt 50 Bf. Erwerbslose Genoffen haben gegen Borzeigung der Stempelfarte und des Mitgliedsbuches für fich und die Frau freien Eintritt. Heute, Sonnabend, den 1. Mai: 76. Abt. Dahlem. Maifeier bei Schilling. Dahlem, Rönigin- Buie- Str. 42. gemeinsam mit der Abteilung Friedenau. 81. Abt. Friedenau. Maifeier in Dahlem, Restaurant Schilling. Rönigin- Luife. Straße 42, am Untergrundbahnhof Dahlem- Dorf. Beginn nachmittags 4 Uhr. Treffpunkt bort aller Friedenauer Organisationen, die auf fozia. listischem Boden stehen. 84, Abt. Lantwik. Die Cenpffen beteiligen fich reftlos an der Maifeier in der Gemeindeschule Dillgestraße. Anfang abends 8 Uhr. Eintrittkorten a75 Bf. noch an der Abendtaffe erhältlich. Montag, den 3. Mai: 29. Abt. 8 Uhr bei Bura. Brenzlauer Allee 189, Funktionärsikung 77. Abt. Schöneberg. 1. Arbeitsgemeinschaft über Verfassungsrecht von 7 bis 8 Uhr Apoftel- Baulus- Str. 7. 117. Abt. Lichtenberg. 7% Uhr Funktionärskung bei Brunn, Türrschmidt. ftroke 40. Dienstag, den 4. Mai: 106. Abt. Johannisthal. 7% Ubr Sikung fämtlicher Funktionäre bei Gobin, Roonite. 2 Frauenveranstaltungen am Montag, den 3. mai: 3. 6. 7 Uhr im Saal 2 des Gemertschaftshaufes, Engelufer 24-25, Bortvag: Boltsentscheid und Sozialdemokratie". Referentin Minna Todenhagen. 81. bt. Friedenau. 8 Uhr im Restaurant Rabe, Sandiernftr. 60-61, Bor. trag: Die weltliche Schule". Referentin Lehrerin Life Nick. 84. Abt. Lantwik. 8 Uhn bei Lehmann, Kaifer- Wilhelm- Str. 29-31, Bortrag: Seimtultur". Referentin Genoffin Gotthelf. * Junglozialisten. Gruppe Zankwik: Die Mitglieder beteiligen fich refos an der Maifeier der Partei in der Lantwiker Festhalle, 8 Uhr. Anfang abends Gruppe Tiergarten; Montag, den 3. Mai, abends 7% Uhr, im städtischen Jugendbeim Bremer, Ede Bielefftraße, gemeinsame Veranstaltung mit der GA3.. Werbebesirt Moabit: Jugend und Elternhaus". Genoffe Dr. Siegfried Bernfeld- Wien. Referent Gruppe Reinidendorf: Montag, 3. Mai, 8 Uhr. im Geebad Reinidendorf- Oft. Resibensstr. 49, Beginn des Rurfus Einführung in den Marrismus"( 2. Teil: Die ökonomischen Lehren Rarl Marx'). Leitung: Dona Fabian. Bartei und Arbeiteriugendgenossen find eingeladen. Kreis Mitte. Arbeitsgemeinschaft der Rinderfreunde. Montag, den 3. Mai, piluttlich abends 8 Uhr, Selferfikung im Seim Blumenftr. 77. Tagesordnung: Unfere Bfinaitfahrt. Kritik zur Malfahrt. Berschiedenes. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfrennde Groß- Beriin. Mit moch, den 5, Mai, versammluna. ebends 7% Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3. 2 Sof, 3 Tr. Hints. Seifer. 3. Selferversammlung im Juni. 4, Verschiedenes. Tagesordnung: 1. Rinderfreunde- Maitan. 2. naftfahrten. Gruppe Ziergarten: In den Bfingstferien vom 25. bis 29. Mai Fünftägige Dampferfahrt nach Stettin und zurüd. Berpflegung( Frith ſtild, Mittag, Abend brot) und Uebernachten zusammen 8 M. Barteigenoffenfinder önnen teilnehmen. Anmeldungen bis Dienstag, den 4. Mai, im Jugendheim Wiclef. ftvake 6, Rimmer 6, abends 6 Uhr. Werbeansschr bez Bost unb Telegraphenbeamten und anwärter. Dienstag, den 4. Mai, abends 8 Uhr, in Saverlands feftfälen, Neue Friedrichstraße, Eingang Rochstraße, öffentliche Beamtenversammlung. Thema: Beamte und wirtschaftlicher Sozialismus". Referent Neichsbagsaba. Siegfried Aufbäufer, Wir ersuchen um rege Beteiligung. Sport. Haymann Samson sählägt Haymann nach Punkten. Unter stärkstem Beifall stiegen Ludwig Kampfring. Besonders Samsen- Körner, der absolut nichts an seiner ( 170 Bfd.) und Baul Samson- Körner( 163 Bfb.) in den Popularität eingebüßt zu haben scheint, wurde von allen Geiten stürmisch begrüßt. Bald ertönt der erste Gongschlag, der die beiden Anwärter auf den deutschen Schwergewichtsmeistertitel zum Kompi Bandagen mit größter Erbitterung auf beiden Seiten über alle zehn Runden. Samfon- Körner legte. fnapp gber einwandfrei nach Punkten. Großer Beifall, aber auch ein ziemlich hörbares Pfeiffonzert des Publitums, das mit dem uricil nicht zufrieden war, quittierte für die Leistungen der Borer. für Groß- Berlin beginn auffordert. Es ging mit Bier- Ungen- Handschuhen und harten ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts. au richten Alle Genoffinnen und Genoffen werden aufgefordert, sich recht zahlreich am Sonntag, den 2. Mai, an dem Mai- Jugendtag der Sozialistischen Arbeiterjugend auf der Spielwiefe des Treptower Parks zu beteiligen. Beginn nachmittags 2½ Uhr. Anschließend Demonstrationsumzug. 3. Kreis Webbing. Beute, Sonnabend, ben 1. Mai, in den Gesamträumen der Bharusfäle, Müllerstr. 142, Maifeier. Anfang 4 Uhr. Alle Genoffinnen und Genossen find herzlichst eingeladen. Die Abteilungen schiden bie. Fahnen gegen 2 Uhr. Eintritt 70 Bf. 7. Kreis Charlottenburg. Deffentliche Elternverfammlung am Diens tag, den 4. Mai, abends 8 Uhr, in der Aula der Hindenburg- Realschule, Guerideſtr. 32. Bortrag bes Genoffen Reichstagsabgeordneten Dr. Kurt Löwenstein über Schule und Elternschaft". Wir bitten um recht rege Beteiligung. 9. Rreis Wilmersdorf. Montag, den 3. Mai, abends 9 Uhr, sehr wichtige Gigung des angeren Kreisvorstandes mit den Abteilungsleitern und der Fraktion bei Kroihs, Holsteinische Str. 60. Beginn 9 Uhr, nicht 8 Uhr. 11. Kreis Schöneberg- Friedenau. Sonnabend, den 1. Mal, nachmittags 8 Uhr, Maifest der Arbeit in der Schloßbrauerei, Sauptstr. 122-128. Garten Zonzert, Gesangsvorträge bes Schöneberger Männerchors Freundschaft". Die Arbeiterjugend Schönebergs mird Tollers Wandlung" aufführen. Regitationen: Erich Weinert. Ansprache: Dr. Schüringer. Erwerbslofa holen sich die Eintrittstarten von den Abteilungsleitern ab. 3mm großen Gaal ab 7 Uhr Sans.( 1 M, Nachzahlung.). Eintritt 50 F Dieng tag, ben 4. Mai, abents 8 Uhr. Sigung der Zeitungskommiffion in der Spedition Belaiger Str. 27. Alle Abteilungen milffen vertreten fein. 12. Rreis Steglik. Bankwin, Bichterfelde. Montag. ben 8. Mai, abends 7% Uhr. Frattionsligung im Rathaus Steglis. Sämtliche Stadt und Bezirks verordneten fowie Birgerdeputierten müffen erscheinen. 14. Rreis Reutöln. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, Maifeier in sämtlichen Räumen ber Neuen Welt". Mitwirkende: Berliner Schubert- Chor, unter Leitung von Jascha Sozenftein, Seinrich Witte vom Staatstheater, Sosia Tiftische Arbeiterjugend, Freie Turnerschaft Neukölln- Briz. Eintritt 50 Bf. Rinder und Kinderfreunde fpielen nachmittags von 3 Uhr ab im Boltspart Gemeinsamer Abmarsch 2 Uhr nachmittags vom Stadtpark, Ganghoferstraße. Montag, den 8. Mai, abends 7 Uhr, in den Baffage Westfälen. Bergftr. 151, Rreisfunktionärversammlung. Tages pronung: Der Börterbund und die Genfer Vorgänge". Referent Dr. Baut Lepn. Auch Richtfunktionäre haben gegen Borzeigung des Mitglieds buches Rutritt 17. Kreis Lichtenberg. Sonnabend, ben 1. Mai, Matfeftumaug. Treffpunkt Mittelpromenade Frankfurter Allee. Ede Kronprinsen frpage. Abmarich pünktlich nachmittags 4 Uhr. Die Abteilungen züden geschloffen an. Rote Fahnen find mitzubringen. Maifeier in Schwarzes eftfälen, Möllen Rennen zu Mariendorf am Freitag, den 30. April. 1. Rennen 1. Etashöferin( H. Schröder), 2. Konsul( B. Sedert). 3. Zudora( G. Lautenberger). Toto: 51: 10 lak: 13, 13, 33: 10 Ferner Hefen: Dante, Linscott jr., Notula, Katharina, Conur Maid, Mirabellis I. 2. Rennen 1. Manrico( E. Treuberz), 2. Koblenkönigin( B. Hedert), 3. Monaftatos( M. Ringius). Toto: 13:10. Blag: 11, 13, 14: 10 Ferner liefen: Möglich. Die Lekte, Cofimo, Sphing I 3. Rennen. 1. Invasion( 2. Weiß). 2. Fiametta( Mills), 3. Matter ( M. Ringius). Loto: 40: 10. Blab: 14, 13, 15: 10. Ferner liefen. Diagonale, Torrero, Barameter, Wasserlauf, Prinzessin Etawah, Willy A.. Copal. 4. Rennen. 1. Native Forbes( M. Ringius), 2. Interpellant ( CH. Mins), 3. Craffus( Alf. Schula). Toto: 38: 10. Blab: 15, 21, 22:16 Ferner liefen: Margot I, Bolmin, Königsabler, Baron Axworthy, Lodung Allene. 5. Sennen. 1. Abteilung: 1. Erfter Wolferfomer( D. Robbraf) 2. Ratzbach( D. Kleinau). 8. Heiderose B.( A. Frömming). Toto: 185: 10 Play: 49, 38, 21: 10. Ferner liefen: Altgold, Lump, Weinminge, Quera Angriff. Benedict, Zeitgeist, Natalis. 2. Abteilung: 1. BrinzeffinFortuna( E. Pert), 2 Blaue Adria( Th. Nehti), 3. Barometer( B. Herforth) Toto: 32: 10. Blah: 20, 23, 84: 10. Ferner liefen: Coriolanus, Prins Adbell, Francisco, Blaumeise, Handfeft, Jimiene. Nachtfaller, Jeffries jr. 6. ennen. 1. Marcel( W. Lemzer), 2. Zora( Ch. Mills), 3. Setmar ( Bauß). Toto: 435: 10, Blog: 56, 17, 42: 10. Ferner liefen: Edith Worthy, Frankenstein, Doritha, Al Kahri Gilt, Progres, Kittyscher, Trotteur, Carleta, Bes. 7. Rennen 1. Sonntagspring( Weidner jr.), 2. Radiola( Bauß jr.), 3. Malta( B. Hedert). Toto: 211: 10. Blab: 20, 25, 15:10 Ferrer liefen: Freibeuter, Champion Goud, Cuitte B., Anna Laura, Citelfried, Joachim, Deutscher, Lindenbummler, Dr. Lem jr., Terraria, Kronsbecre Küraffier, Simplon, Karta, Malmö. 8. Mennen. 1. Flatterrose( 3. Mills). 2. Kammerfänger( B. Hedert). 8. Michelangelo( E. Treuberz). Zoto; 22: 10. Blag: 10, 11:10. Ferner lief: Fenelon Borwiegend bewölft obne wesentliche Regenfälle. Kein weiteres awachsen Welterbericht der öffentlichen Wefferdienststelle für Berlin.( Nachdr, verh) ber Temperaturen. Für Deutschland. Ueberall fortbauer des molligen und warmen Wetters. Nur in Ostdeutschland geringe Abfühlung. 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Der Beirat beschloß, auch bei den diesjährigen Wahlen Mehrheits- und Minderheitsliften zuzulassen, doch sieht das Wahlreglement verschärfte Bestimmungen vor, um unlauterer und unzuläffiger Bahlagitation zu begegnen. Der Bericht der Raffenverwaltung zeigte die gewaltigen finanziellen Leistungen, die der DMB. in Gewährung von Untertügung an feine Mitglieder aufzuweisen hat. Im Jahre 1925 floffen rund 70 Broz. der Hauptkasseneinnahmen wieder in Unterstützungen an die Mitglieder zurüd. Und in den ersten.vier Monaten 1926 wurden rund zwölf Millionen Mark als Unterstützungen an die Berbandsmitglieder gezahlt, von benen rund 22 Prog. erwerbslos und ein weiterer, erheblicher Teil als Rurzarbeiter in Frage kommt. Einmütig faßte der Erweiterte Verbandsbeirat folgende Entschließung: Der Erweiterte Beirat begrüßt, daß die zum 1. Januar 1926 Durchgeführte Beitragserhöhung in allen Verbandsgebieten und ohne Mitgliederverluste trot schwerer Wirtschaftskrise durchgeführt werden fonnte. Diese Tatsache befundet die Solidarität der Ge. famtmitgliedschaft und steigerte die Leistungsfähig. teit der Organisation. Ronnte der DMB. bisher jedem Mitgliede die Auszahlung der ihm zustehenden Unterstützung gewähr leisten, so muß diefe Sicherung auch für die Zukunft gegeben fein. Der Erweiterte Beirat ftimmt der vom Borstand und Ausschuß zum 1. April 1926 vorgenommenen Erhöhung der Unterftüßung für Streifende und gemaßregelte Verbandsmitglieder zu. Angesichts der anhaltenden Krise, deren Dauer noch nicht abgesehen werben tann, ist zurzeit von einer Erhöhung der Erwerbslofenunterstützung abzusehen. Der Erweiterte Beirat geht einig mit dem Vorstand und AusSchuß, die Kampftraft und finanzielle Leistungsfähigkeit der Organi fation auch weiter zu erhalten. Er erwartet, dabei das Berständnis und die Unterftügung aller Verbandsmitglieder zu finden." Nach Erstattung eines Berichts über die vom Borstand an den tommenden Berbandstag zu stellenden Anträge und Berufstonferenzen folgte ein Referat über Arise, Arbeitslofenprobleme und Verbandsaufgaben". Neben der Unterstüßung feiner Mitglieder war der Borstand unab. Lässig bemüht, für die Erwerbslosen und Kurzarbeiter eine beffere Staatliche Unterstüßung zu erwirfen. Das gleiche gilt für die Durch führung umfassender Notstandsarbeiten, u. a. Arbeitsbeschaffung. Diese Bemühungen waren nicht umsonst. Allerdings: das Ergebnis wäre ein besseres, wenn alle Schichten der werftätigen Bevölkerung bei politischen Wahlen für die Arbeitervertreter eintreten würden. Die zu erwartende gefeßliche Regelung der Arbeitslofenversiche= rung, bes Arbeitszeitgefeßes u. a muß uns auf dem Bosten finden. Die Unternehmer laufen Sturm gegen die Tarifper. träge, möchten Lohn, Ferien, Affordregelung, Arbeitszeit u. a. verilechtern. Bisher gelang es dem DMB., die tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen zu sichern und ben Blanen ber Unternehmer zu begegnen. Es ist notwendig, alle in der Eifen- und Metallindustrie beschäftigten Urbeller und Arbeiterinnen im DMV. zu vereinen, um jedem Anfturm auch zukünftig gewachsen zu fein. Mit der ernsten Mahnung, dahin zu wirken, wurde die Zagung gefchloffen. Der Bauarbeiterschutz in Rummelsburg. Stellungnahme der Gewerkschaften. Arbeiter, Angestellte und Beamte! Die unterzeichneten örtlichen Spihenkörperschaften der freigewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer Berlins haben euch, wie in den Jahren zuvor, auch in diesem Jahre aufgerufen, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu begehen. Wir erwarten von euch, daß ihr einmüftg und gefchloffen diesem Rufe Folge leistet. Denn mehr als je hat die Arbeitnehmerschaft gerade in diesem Jahre Ursache, ihren Gegnern durch Einheit und Geschloffenheit ihren Willen zu demonstrieren. Unentschloffenes und feiges Beiseitestehen stärkt nur den Willen eurer Gegner, ermutigt die Reaffionäre aller Schaffierungen. Das tönnt und dürft ihr nicht wollen! Arbeiter, Angestellte und Beamte! Seht ihr nicht, wie die Reaffion immer drohender the Haupt erhebt; wie fie immer dreifter und frecher wird und nur auf den ihr geeignet erscheinenden Augenblick wartet, ihre alte Herrschaft wieder aufzurichten, um auch die letzten Refte der revolutionären Errungenschaften zu vernichten? Herrschaft der Reaktion aber bedeutet Enfrechtung und Unterdrückung des arbeitenden Boltes in Werkstatt und Bureau, aller nach Fortschritt und Freiheit ringenden Werftätigen in Stadt und Cand. Die Republik ist der Reaffion ein Dorn im Auge. Sie will die Monarchie und mit ihr die Rüdfehr aller jener Parafiten, die auf den Thronen faßen oder sich um die Throne fammelten, um ihr ungestörtes Drohnenleben weiterführen zu können. Bureaukratie und Justiz arbeiten dabei mit offener und brutaler Rüdfichtslosigkeit in die Hand. Die heutige deutsche Republik ist gewiß nicht das Ideal der Arbeitenden. Noch fehlt ihr der soziale Inhalt, die wirkliche und unverfälschte Demotrafie. Und dennoch müffen wir alle Kräfte zusammenfassen und sie dafür einsetzen, daß die Republit erhalten bleibt. An euch, Arbeiter, Angestellte und Beamte, liegt es, fie mit dem Geiste und Inhalt zu erfüllen, der fie zu einer wirklichen sozialen und demokratischen Republif in des Wortes bester Bedeutung.macht Reaktion bedeutet Böllerverhehung, neuen Krieg und Bernich tung menschlicher Kultur. Soll die Welt die Kulturschande von 1914 bis 1918 noch einmal erleben? Nie und nimmer! Die Arbeitenden der ganzen Welt wollen Versöhnung und Frieden, durch friedliche Berständigung und Zusammenarbeit aller Nationen wieder aufbauen, was die Internationale Reaktion im Weltfriege an Sulfur und Kulturgütern zerstört hat Der 1. Mai hat für das internationale Proletariat aber nicht nur politische, fondern ebenso eine eminent foziale Bedeutung. In einer Zeit der größten wirtschaftlichen Not, in der Millionen von Arbeitnehmern erwerbslos find, andere Millionen furz arbeiten und mit den Sorgen des Lebens ringen. Kinder nach Brot schreien, Millionen verarmt find und nicht einmal den allerbescheidensten Lebensunterhalf fristen tönnen, fordert das organisierte Unternehmertum Bertretern des Baugewertsbundes, der„ Ausgeschlossenen ber Allgem. Deutscher Gewertschaftsbund, Ortsausschuß Berlin Am Mittwochabend fand eine gemeinsame Zusammenkunft von Bimmerer und Metallarbeiter statt, die sich mit dem jüngsten Unfall beim Rummelsburger Kraftwert befaßte. Festgestellt wurde, daß zwar die Unfallverhütungsvorschriften für die Bauarbeiter beachtet werden, die für die Eisentonftrutteure jedoch um die es sich hier hauptsächlich dreht sehr mangelhaft sind. Die Hauptschuld an den Unfällen wird auf die u berlange Arbeitszeit zurückgeführt. Nach einer Besprechung mit der Bauleitung wurde erklärt, die Arbeiter feien nicht mehr gezwungen, länger zu arbeiten. Trotzdem besteht ein gewisser Drud zur Längerarbeit, Der insbesondere durch die äußerst niedrigen Löhne gegeben ist. Obwohl bei dem Bau viele gelernte Arbeiter gebraucht werden, werden selbst die Schloffer als llngelernte zu einem Stundenlohn von 65 bis 75 f. eingestellt. Die Forderungen der Arbeiter, den Eisentonstrufteuren eine Ge fahrenzulage auzubilligen, wurde vom BBMI. abge lehnt. Während bisher die Arbeiter vielfach direkt an der Bau ftelle oder sonstwie eingestellt wurden, sollen sie pon jest ab vom Arbeitsnachweis angefordert werden. Bugegeben, daß bei den Eisentonftruttionsarbeiten nicht immer ganz genau nach den Schutzvorschriften verfahren werden fann; nichtsdestoweniger wird bei der Befolgung der Vorschriften schwer ge fündigt. Notwendig wäre vor allem, daß die Schußvorrichtun gen von einer besonderen Firma ausgeführt werden. Bei Der Beteiligung einer ganzen Reihe von Firmen an diesem Bauwerf fommt es vielfach vor, daß die Transportvorrichtungen und Kräne der einen Firma von anderen Firmen mitbenutzt werden. Der Geilbruch bei dem leßten Unfall hätte nicht vorkommen Betten 80 Bettfedern 7.30 Daunen 080 Abbau der fozialen Gefehgebung, Kürzung der Löhne und Gehälter, Berlängerung der Arbeitszeit und Beseitigung aller sozialen Errungenschaften der Beamten. Dies verlangt das Unternehmerfum, weil es glaubt, dem durch Rot und Elend zermürbten Proletariat den Fuß auf den Naden setzen zu können. Es spekuliert auf die Schwäche der gewerkschaftlichen Organisationen. Teilerfolge, und wenn sie noch so flein waren, haben es ermutigt. Aber es wird sich fäuschen. Noch stehen die Organisafionen unerschüttert da. Sie haben Lebenswillen und Lebenskraft genug. auch diese schwere Zeit der Not zu überwinden. Und wenn die organisierte Arbeiternehmerschaft auch manches hat zähneknirschend über sich ergehen laffen müssen, so hat sie doch den festen und unerschütterlichen Willen, gestüht auf ihre Organisafionen, um ihren Aufstieg weiter zu tämpfen. Den Glauben an sich selbst und an die fiegverheißende Zukunft ihrer Klaffe hat fie trotzdem und alledem nicht verloren. Urbeiter, Angestellte und Beamte! Wir rufen euch darum auf, bei euren Bersammlungen und Demonstrationen am 1. Mai erneut das Gelöbnis abzulegen, eurer Organisation die Treue zu bewahren, die Organisationen aufzubauen zu einem starten und unüberwindlichen Hort. Einzeln seid ihr nicht, vereint alles! Nur mit der Organisation und durch die Organisation werdet ihr euch den Weg bahnen zu einer Zukunft, die euch Lebensfreude und Freiheit bietet. Mit dem internationalen Proletariat demonffriert darum aud die deutsche, und an ihrer Spike die Berliner Arbeitnehmerschaft am 1. Mai für Einigkeit, Geschlossenheit und internationale Sofidarität, gegen Reaktion und für Fortschritt, gegen Monarchie und für die Republik, gegen Böllerverhehung und für Bölferversöhnung, gegen Krieg und für den Weltfrieden, gegen Verlängerung der Arbeitszeit und für den Achtftundentag, gegen Abbau der sozialen Gefehgebung und für den Ausbau des Arbeitsschuhes in jeder Form, für den Schuh der werdenden Mütter und Wöchne rinnen, für den Schutz der Kinder und Jugend, für ein dem Geist der neuen Zeit entsprechendes Arbeitsund Beamtenrecht, für Abbau und Reform aller den Fortschritt und die Freiheit hemmenden Gesetze,... gegen Klaffenjuffiz und reaktionäres Richtertum. sist Arbeiter, Angestellte und Beamte, das find eure Forderungen am 1. Mai! Steht zu ihnen und bekräffigt sie mit dem Ruf: Hoch die internationale Solidarität aller Arbeitenden und Unterdrädfen! Hoch der Weltfeiertag der Arbeit! Algem. freier Angestelltenbund, Ortstartell Berlin Flatan Reichelt Sabath. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund, Ortsausschuß Berlin Körber fönnen, wenn genügend Fachleute am Blaze wären, die zu gehöriger| technischer Brüfung des Baumaterials imftande sind. Ein besonderer Uebelftand bildet die äußerst mangel. hafte Beleuchtung der Baustelle. Nach allem muß gefordert werden, daß nicht Ungelernte mit den Arbeiten von Fach arbeitern beschäftigt werden, daß die Ueberstunden, die sich auf 12 Stunden, teilweise sogar bis zu 16stündiger Arbeitszeit aus. dehnen, unterbleiben und für gehörige Beleuchtung gesorgt wird, andernfalls die Nachtarbeit überhaupt ver boten werden muß. Die Belegschaft des Kraftwerks beschloß, fortab nicht länger als acht bzm. neun Stunden zu arbeiten, und leberstunden nur mit 3ustimmung der gesetzlichen Betriebsvertretung zu machen. Die Gefahrenaulage soll erneut gefordert werden. Bei einer Besichtigung des Verbandsraums, dessen Ausstattung als einwandfret befunden wurde, mußte dennoch festgestellt werden, daß der Raum zu tlein und zu fehr abgelegen ist. Vor allem wird gefordert, daß bei der großen Unfallgefahr ständig ein Krantenauto zur Verfügung steht. Kopfkissen u. 4.25 80x80 em graurot, mit graden Federn 390 1290 Weidmann. Wie die Reichsbahn sich verteidigt. Ihr Abbau für die Privatindustrie. nicht Die Hauptverwaltung der Reichsbahn bedachte einige alle- Reichstagsabgeordnete mit einem Schreiben folgenden Wortlauts, das offensichtlich als Polemit gegen die Angriffe des„ Vorwärts" gedacht ist: „ Es ist in der Deffentlichkeit zur Genüge bekannt, daß die Reichsbahn nach dem Kriege aus innerpolitischen Gründen Beamte und Arbeiter über ihren Bedarf einstellen mußte. Weiter ist genügend bekannt, daß im Laufe der Zeit aus wirtschaftlichen Gründen der Abbau dieser über 400 000 Röpfe zu erfolgen hatte. Es war dies eine aus wirtschaftlichen Gründen diftierte Maßnahme, die naturgemäß bei dem Personal Unzufriedenheit erregte und bei Ländern und Gemeinden mißbilligt wurde, da die Entlassenen zum Teil der Erwerbslosenfürsorge zur Left fallen. Heute ist der Abbau bei der Reichsbahn zum allergrößten Teil burchgeführt. Im allgemeinen stehen nur noch Entlassungen bei dem Werkstättenperfonal bevor, nachdem die Neuorganisation des 15 Daun.- Kopfkissen 25 Deckbett- Bezug 1515 3 Pfd.Mandarinen- Daunen echt türkisch rot mit Mandarinen- Dannen Deckbett 90 GroßesDeckbett 3050 Pld Mandaries- Dakot nit u. 13.50 graurot mit granen Federn 130 x 200 cm, weiß 55 Kopfkissen- Bezug 80x80 cm welk 48 50 Daun.- Beckbait 180 × 800 Mandarinen- Daunen türk.ret, m.4 Pfd. cm, echt Kaufen Sie Mandarinen- Daunen echt wines. KASAK L Stadtbahnhof Börse Steppdecken Daunendecken 3 Pfd. zam Deckbett die gute Bettenfüllung Pfd. 750 15- Staeter Ost Handarbeit 150x200 cm 160X215 cm m. pa. pa. 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Außerdem ist injorge des gefundenen Berkehrs der Arbeitsanfall ein viel schwächerer cls vor dem Kriege. Es stehen zurzeit 7000 Lokomotiven und eignet, Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin ble Saupt abt ber Grenzsmart Bofen- Beffprechen dem Sonntag, den 2. Mai auf der Volkswiese in Treptow Maifest Spiel SportTanzaufführungen der Jugend Jugendfeiern Dichterfreis/ Ansprache Unterhaltung für Kinder Gemeinfamer Gesang/ Beginn nachm. 3 Uhr/ 7 Uhr Schlußkundgebung Teilnehmerkarte 20 Pfennig wirtschaftlichen Berfall entgegenzuführen. Für die zur Entlassung tommenden 800 Bediensteten besteht teine Möglichkeit der Unterbringung in der Privatindustrie, da größere Werke nicht vorhanden sind und bestehende Betriebe teilweise Stillegung vorgenommen haben." Porzellanarbeiter und Glasarbeiter! Nach der Einstellung der Porzellanarbeiter ist zu erwarten, daß die heutige gemeinschaftliche Maiversammlung der Porzellanund Glasarbeiter zu fommunistischen Zwecken mißbraucht wird. An Mahnung, einer Aufforderung zu einer gemeinsamen fommunistischen Demonstration, ohne ein Wort darüber zu verlieren, nicht zu folgen. 120 000 Bagen auf den Gleisen herum, da Transporte für sie nicht Parteigenoffen, beteiligt Euch an der Feier der Jugend! bie SPD.- Teilnehmer der Bersammlung ergeht daher bie vorhanden sind. Wenn dieses Wagenmaterial auch unterhalten werden muß, so ist doch der Reparaturanfall in den Werkstätten ein geringerer. * Treffpunkte zum Maifeft: Die Buchbinder( Oppofition) haben durch Rundschreiben zur Betionen auf der Spielwiese im Friedrichshain aufgefordert. Zdu.- Bezirksversammlungen. Es ist deshalb verständlich, daß die Reichsbahn aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen ist, in Durchführung ihres Programms Werbebezirk Brenzlauer Berg 1: 2 Uhr Danziger Straße, Ede Prenzlauer Allee. teiligung an der gemeinsamen Maifeier der graphischen OrganisaAbfahrt mit Laftouto pünktlich 43 Uhr. Fahrgeld 30 Bf. Werbebezirk Diten: der Nationalisierung Wertstätten und Werkstättenab142 Uhr am Baltenplak. Werbebezirk Areuzberg: 2 Uhr Görliker Bahnhof. teilungen zu schließen. Sie ist leider dadurch gezwungen, Bünktlich 3 Uhr Abmarfch. Werbebezirk Schöneberg: 2 Uhr am Raiser Wilhelm- Blag. Werbebezirk Teltowkanal: 13 Uhr Bhf. Treptom. Musik. weitere Arbeiter zu entlassen, um auf eine Zahl zu inftrumente und Fahnen mitbringen. Werbebezirk Neukölln: 22 Uhr Sohentommen, die dem Wirtschaftserfordernis und dem Arbeitsaufkommen sollernplak. Werbebezirk Müggelsee: 41 Uhr Köpenid, Röllnischer Blaz. Werbebezirk Oberfpree: Abt. Faltenberg trifft sich 12 Bbr Bhf. Grünau. entspricht. für Ober, Niederschöneweide und Johannisthal Abmarsch 2 Uhr Oberschöne meide, Rathenauplas. Für Baumsdulenweg Abmarsch% 43 Uhr Baumschulen Werbebezirk Ostbahn: 2% Uhr Frankfurter Allee, Ede trake, Ede Rrugallee. Gürtelstraße( Schwarzer Adler). Abt. Schönhauser Borstadt I: 1 Uhr Bhf. Schönhauser Allee. Bringt rote Fahnen mit. Abt. Senefelber- Biertel: 1 Uhr Wörther Blak( Normaluhr). Abt. Südwest:% 42 Uhr Hallesches Tor. Bankow: 1 Uhr Jugendheim Breite Str. 32. Abmarsch 2 Uhr Martiplag. 30 Vf. Fahrgeld. So geht es vielen Betrieben in Deutschland. Dort verschließt man sich nicht diesen netwendigen Erfordernissen der Wirtschaftsführung. Der Reichsbahn glaubt man solche wirtschaftlichen Maßnchmen zum Borwurf machen zu sollen. Unter Rücksichtnahme auf älteres Personal und möglichste Milde. rung der Härten bei der Entlassung müssen Werte gefchloffen und eingeschränkt werden. Die Reichsbahn ist durch ihre wirtschaftliche Lage zu diesen Maßnahmen gezwungen. Sie tann nicht einen Kopf mehr beschäftigen, als ihr Betrieb es rechtfertigt. Bei den erschreckend sinkenden Einnahmen der Reichsbahn muß unbedingt auf eine weitere Rationalisierung des Betriebes gedrängt werden. Sächliche Ausgaben noch weiter einzuschränken, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Der Arbeitsanfall ist bei geringerem Verfehr natürgemäß ein geringerer. Deshalb werden besonders für die Reparaturen des rollenden Materials weniger Kräfte gebraucht. Bei steigendem Berkehr wird es vielleicht einmal möglich fein, mehr Personal zu beschäftigen." Soweit die Verteidigungsschrift. Sie versagt in dem entfcheidenden Bunfte. Die Reichsbahngesellschaft muß einmal angeben, welchen Reparaturanfall etwa 1913 und 1925 die bahneigenen und die Privatndustriemerte hatten. Jedermann wird dann sofort verstehen, daß die Werkstätten nicht gefchloffen werden, weil teine Aufträge vorhan den sind, wie das Schreiben darzutun versucht, sondern weil alle Aufträge der Privatindustrie zugeschanzt werden, müssen die Werke geschloffen werden. Weshalb übrigens stellt die Berwaltung der Reichsbahn felche Rechtfertigungen nicht auch den sozialdemokratischen Ab. geordneten zu? Die Speditionsangestellten gegen Gehaltsabbau. Der non den Unternehmern geforderte Abbau der Ge= halter hat endlich einmal wieder die Angestellten der Berliner Speditionsbetriebe geschlossen auf den Plan gerufen. Die vom Zentralnerband der Angestellten für Donnerstag, den 29. April, in das Reichskafino, Neue. Königstraße, einberufene öffentliche Versammlung war überfüllt. Kollege Swolinsky vom 362. berichtete über die von den Spediteuren in mündlicher Verhandlung erhobene Forderung auf einen Gehaltsabbau von 5 Broz. und stellte das Maizena das Kraftmehl Suppen für Saucen Gemüse Montaa, 3. Mai, abends 8 Uhr: Charlottenburg: Restaurant Ed. mann, Scharrenstr. 3. Nordwesten: Achtung, neues Lotal! Markt. Referent ballen Restaurant, Am Arminiusplak( nicht mit Arminius- Sälen zu ver mechfeln!). Amerika und die Bereinigten Staaten von Europa. Rollege Dr. Otto Suhr. Schöneberg: Restaurant Verwiebe, Ebersstr. 18, Röpenick: Restaurant Lichtbildervortrag. Referent Rollege Erich Bredow. Autopeter, Berliner 27. Streifallge durch das Gebiet des Arbeits- und Gozialversicherungsrechts." Referent Kollege Paul Machate. Unsinnige der für die Berechtigung dieser Maßnahme gegebenen weibe, Brüdenftt. 15, 8 Uhr. Begründungen fest. In der überaus regen Aussprache kam der einheitliche Wille der Speditionsangestellten zum Ausdrud, sich mit allen Mitteln gegen jede Verschlechterung ihres Einkommens zu mehren. Die Meinung der Versammelten fam in der einstimmigen hagen: Reſtaurant Scholz, Friedrichstr. 81, 8 Uhr. Dichtung der Arbeit Annahme folgender Resolution zum Ausdrud, deren Inhalt für die fommenden Verhandlungen als Richtlinie dienen soll: Dienstag, 4. Mai. Oflen: Andreas- Rafino, Andreasftr. 3, 7 Uhr. Referent Adolf ,, Enteignung des Volkes oder Enteignung der Fürsten?" Soffmann. Bilmersdorf: Restaurant Rofdinat, Giefelerftr. 18-19, Ede Sohenzollerndamm, 8% Uhr. Die materialistische Geschichtsauffassung." Re ferent Rarl Liedtke. Niederschöneweibe: Restaurant Räthel, Niederschöne ,, Kulturarbeit und Gewerkschaften." Referent Rollege Sans Arauß. Brig: Restaurant Rabbak, Chauffeeftr. 39, 8 Uhr. ,, Kultur und Sozialismus. Referentin Dr. Dora Fabian. Wahl des Werbe ausichuffes. Breis Ablershof: Restaurant Lehngut, Gedanftr. 3, 8 Uhr. abbau oder Lohnabbau?" Referent Rollege Curt Smolinsky. Friedrichs Dichtung der Revolution!" Bortragender Carl Reik Rowawes: Restaurant Gebauer, Wallstr. 62, 8 Uhr. Lichtbildervortrag. Referent Rollege Erich Bredow. Die am 29. April 1926 im Reichskasino versammelten Angestellten nehmen mit Entrüstung davon Kenntnis, daß die Arbeit geber, statt der Not in den Kreisen der Angestellten Rechnung zu tragen, den Mut aufbringen, einen Gehaltsabbau zu for bern. Sie sehen in dem Vorgehen der Arbeitgeber eine Ver höhnung einer Angestelltenschaft, die, ungeachtet größter wirtschaftlicher Sorgen, sich mit allen Kräften in ben Dienst der Unternehmungen stellte. Sie empfehlen den Unternehmern, wenn schon von einer Notlage der Betriebe gesprochen werden soll, den gleichen Abbau bei leitenden Personen vorzunehmen, wie er ohne Rücksicht auf die sozialen Verhältnisse bei den unteren Angestellten durchgeführt wurde. Sie fordern, in Berücksichtigung ihrer Not, an Stelle des Abbaus eine endliche Angleichung ihrer Gehälter an die wirtschaftlichen Notwendigkeiten, welche die Lage der Angestellten geradezu unerträglich gestaltet haben. Soll diese Forderung Wirklichkeit werden, so ift erforderlich, daß sich die Angestellten der Spedition wieder restlos in die freie Gewerkschaft, den 3d2. hineinfinden. Proteft gegen Reichsbahnabban. Schneidemühl, 30. April.( TU.) Der in Schneidemühl tagende Provinziallandtag der Provinz Grenzmart Posen- Westpreußen be schäftigte fich u. a. mit der geplanten Stillegung eines Teils der Schneidemühler Eisenbahnwerkstätten, durch die mehrere hundert Arbeiter brottos würden. Ein Entschließungsantrag folgenden Wortlauts fand einstimmige Annahme:„ Der Landtag der Proving Grenzmart Posen- Westpreußen nimmt Kenntnis von den Massenentlaffungen bei der Reichsbahn und erhebt dagegen schärf ften Protest. Die Schließung der Abteilung Wagenbau des Eisenbahnausbefferungswerts Schneidemühl mit zirfa 400 Mann und die weitere Entlassung von 400 Mann im Hauptbau sind ge Achtung, Steinträger! Am Montan, den 8. Mai, gleich nach Arbeitsschluk. gemeinsame Bersammlung der Atfordfteinträger des Baugewerksbundes und bes Bereins der Affordsteinträger in ben Andreas- Feftfälen, Andreasstr. 21. Alle Steinträger beider Organifationen haben die Pflicht, au erscheinen. Die Versammlung ber Steinträger des Baugeworksbundes am Sonntag, den 2. Mai, fällt wegen der gemeinsamen Berfammlung aus. Bericht von den Verhandlungen am endgültigen Abschluß des Affordtarifvertrages. Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Berein der Affordfteinträger Groß- Berlin. Jugendgruppe bes 8b ir beteiligen uns an der Maiverfammlung bes Ortstartells im Lehrervereinshaus, Alexanderplan. Treffpunkt für alle Teilnehmer pünktlich 8% Uhr auf bem Spittelmarkt am Brunnen. Wimpel und Fahnen mitbringen! Achtung Rimmerer! Die Rameraben des Beatris 12 treffen fich Taut Be fahluk am 1. Mai vormittags um 8 Uhr im Bezirkslokal bei Medienburg Raveneftr. 6, aum Abmarsch nach Saalbau Friedrichshain. Die Bezirksleitung bes Deairis 12. Achtung, Bauarbeiter! Die Rollegen des Baugewerksbundes obne Unterschied der Fachgruppen treffen fich zum gemeinsamen Abmarsch zur Maifeier fo frühzeitig in ihren Berkehrslokalen bam. an ben von ben Bezirken festgefekten Gammelplähen, baß die Rüge im BersammlungsTotal Orpheum, Safenheide, 10 Uhr vormittags eintreffen önnen. Seben Rollege bat am Rune teilzunehmen. Mitaliebsbuch nicht veraeffen. Deutscher Baugewerksbund, Bangewerkschaft Berlin. Der Borkende. HAG Ihr Kaffee Hag ist wirklich großartig, und zwar positiv- an Aroma und Geschmack, negativ durch Fehlen jeder schädlichen Wirkung auf Herz- und Nervenkranke. * Sanitätsrat Dr. Gorster, Braunfels Stiller 120 blond, beige und braun echt Chevreau und Boxpalf, mit L. XV.- Abs, entzückende Ausführung 12 50 YYYYYYY braun echt Boxcalf, in allerneuester Form, prima Fabrikat, mit feinfarbigen Einsätzen... 16.50 bringt immer das Richtige Alteltes Schuh- Spezialhaus in Berlin, allergrößte auswahl, altbewährte fachkundige Bedienung, nur allerbeste Qualitäten billigfte Preise! Qualitäts- Strümpfe die berühmte Spezial- Marke„ Golda" in den aller nenesten Farben mit 3 fachem Rand, 3 Paar S.50 Paar 295 blond a. grau echt Chevreau Zug14: schuh, mit Pompadour- Absatz, in verschiedenen Ausführungen grau und weiss prima Leinen, mit L. XV.- Absatz, in hoch( 5% 90 eleganter Ausführung, blond.... 6.90 Nr. 203 43. Jahrgang 4. Beilage des Vorwärts Konkurse und ihre Wirkungen. Reinigung ohne Rationalisierung! Es ist eine weit verbreitete Auffaffung, daß die hohe Bahl der Konkurse und der ,, falten Bankrotte"( Geschäftsaufsichten) wie auch die gemeinhin weniger beachteten zahlreichen stillen Liquidationen legten Endes doch eine Art grober Rationalisie. rung seien. Die Vernichtung der vielen überflüssigen Betriebe wirte fich als eine Art natürliche Zuchtwahl aus- so wird ange nommen. Hier soll einmal im Zusammenhang untersucht werden, ob jene Auffassung nicht ganz erheblicher Einschränkungen bedarf. Der Verlust an Kaufkraft. Vor allem: Durch den Zusammenbruch eines Betriebes wird nicht nur eine Produktionsstätte beseitigt. Die entlassenen Arbeiter finden häufig genug nicht so bald andere Beschäftigung, fie werden demnach als Kauftraft ausgeschaltet. Was das allein schon bedeutet, möge ein sehr einfaches Erempel beweisen. Sowohl der Reichsverband der Industrie, wie auch in ihrer Gegendentfchrift die freigewerkschaftlichen Spizenorganisationen, rechnen bei rund 21 Millionen Lohn- und Gehaltssteuerpflichtigen mit einem Jahreseinkommen von rund sechsundreißig Milliarden. Da etwa zehn Prozent jener 21 Millionen heute Erwerbslosenunter Stügung beziehen und die Unterstützung, die sie erhalten, etwa mit dem Einkommenausfall gleichgesetzt werden fann, den Ausgesteuerte und nicht unterſtüßte Kurzarbeiter erleiden, so muß man mit einem allgemeinen Rauftraftausfall durch Arbeitslosigkeit rechnen, der monatlich etwa drei Milliarden Mark beträgt! Weiter verschwinden aber die Verluste, die bei Konkursen, Geschäftsaufsichten, freiwilligen Vergleichen und Liquidationen heraustommen, nicht ohne weiteres im Schornstein. Sie erscheinen bei den Gläubigerfirmen als Ausfälle und müssen hier aus anderen Eininahmen abgedeckt werden; die lebenden Betriebe merden mit den Beerdigungskosten der gestorbenen Betriebe belastet! Wie steht es nun mit der Auswahl der Tüchtigen"? Sehr gewichtige Tatsachen forrigieren in der Praris diese allzu bequeme Reinigungs- und Rationalisierungstheorie. Betrachten wir nur die allerauffälligsten der wirklichen Tatbestände. Die Schwierigkeiten vieler Betriebe liegen gar nicht ohne weite res in ihrer technischen oder organisatorischen Rückständigkeit, sondern in bem Mangel an flüffigen Mitteln, an mobilem Betriebskapital. Es würde zu weit führen, wenn hier mit aufgezeigt würde, daß jener Mangel in erheblichem Umfange aus der törichten Ueberschäzung der Sachwerte durch die industriellen Fachleute entstanden ist. Sier seien nur die Auswirkungen jener Tatsache erörtert. Der Mangel an flüssigen Mitteln erstickt auch durchaus moderne und wirtschaftlich an fich lebensfähige Betriebe, während irgendein glücklicher Umstand man denke z. B. an Kursgewinne-, der zu ausreichenden flüssigen Mitteln führt, so manches Mal den wirtschaftlich Untüchtigeren am Leben erhält. Die Fehlleistung von Krediten. Bor den flüssigen Mitteln stehen die Herrscher des Geldmarktes, bie Banken. Sie geben demjenigen Kredite, der die Unterlagen Dedungent bringt, die ihnen am sichersten erscheinen. Am sichersten im Banffinne sind die Deckungen, die im Bedarfsfalle am leichtesten mobilisierbar, am raschesten verwertbar sind, und das ist so manches Mal ein Attienpaket, eine Bürgschaft, das Giro eines Dritten viel eher als ein noch so rationell eingerichteter Betrieb, deſſen Gebäude, Grundstücke und Maschinenpart in ihrem Werte durch die Menge der Aufträge und durch die Absatzmöglichkeit, also durch den Warenmarkt, bestimmt wird. Kurzfristige Rohstoffkredite, der Warenwchsel, ja das gesamte Produktionskreditgeschäft wird dann nicht in erster Linie durch pro: duktionswirtschaftliche Gesichtspunkte, sondern aus geldwirt schaftlichen Erwägungen beurteilt. Es ist zu beachten, baß ja auch beim Reichsbankwechsel die Mitunterschrift einer Bant notwendig ist! Bu all dem tommt weiter hinzu, daß dort, wo das Wasser bis zur Rehle steht, naturgemäß am lautesten nach Hilfe geschrien wird. Manchem wirklich wegen seiner wirtschaftlichen Minderwertigkeit im Sterben liegenden Betrieb ist so schon öffentlicher und halböffentlicher Kredit zugeflossen! Dieser setzt die ihm als Geschent des Himmels zufließenden Mittel nach seiner Methode ein. Es ist schon vorgekommen, daß auf diese Art der bessere Betrieb durch den technisch rüdständigeren niedertonfurriert wurde. Mit den Krürken, die der Lahme befommt, schlägt er auf den ein, der gerade noch auf eigenen Beinen stehen fann. Die Rolle der Kartelle. Eine ganz merkwürdige Rolle spielen für die sogenannte Auslefe die Kartelle. Sie versuchen jämtlich, sich vor allem auf die Art zu halten, daß sie die Preise nach oben drücken und den voy handenen Markt, sei er auch noch so fümmerlich, unter sich aufteilen. Damit hat sich bisher in den Industrien und Branchen, die auf CON ANCO Grund irgendwelcher Umstände fest fartelliert sind, so mancher minderwertige Betrieb zu halten vermocht. Es ergibt sich mitunter auch das Umgekehrte. Bor dem Kartellgericht sind Fälle verhandelt worden, bei denen sich herausstellte, daß ordentliche Betriebe durch unfaubere Startellfollegen heimlich unter dem abgemachten Breise aus der Konkurrenz gedrängt wurden, während sie selbst auf Grund des Kartellvertrages mit allen Mitteln daran gehindert wurden, die sie erstickende Kartellfeffel abzuwerfen. Das sind nur einige der wichtigeren Gründe, die zeigen, daß die sogenannte Reinigung durchaus nicht ohne weiteres eine Ratio nalisierung der Wirtschaft bedeutet. Ein entscheidender Punkt sei noch berührt. Dadurch, daß ein Betrieb nicht zusammenbricht, daß er übrig bleibt", ist er noch lange nicht rationalisiert. Er wird weder in seiner technischen Apparatur, noch in seiner Betriebsorganisation und im besonderen auch durchaus nicht in seinen leitenden Personen automatisch nunmehr als der ausgewählte" auch für die Zukunft der bessere sein. Die Reinigungskrise ist also, genau untersucht, durchaus nicht ohne weiteres ein Schritt zur Rationalisierung, zur vernunftgemäßen Produktion. Diese würde erst dann gewährleistet sein, wenn an die Stelle der natürlichen Zuchtwahl" eine planwirtschaftliche, don gemeinnützigen Gesichtspunkten geleitete Uusleje tritt. Auch unsere derzeitige Wirtschaft hat an sich in der Reichs. bank, in den übrigen öffentlichen Kreditinstituten, und nicht zuletzt im Reichswirtschaftsministerium und in den Parlamenten diese Möglichkeit. Aber sobald sich hier wirtlich einmal etwas regt man denke an die Preisabbauaflion seligen Angedenkens, an die Kartellgerichtsbarkeit, an die Handelsvertragsverhandlungen usw. usw. dann schreien die großen Unternehmerbünde und sonstigen Interessenorganisationen solange Zeter und Mordio, bis alle guten Absichten wieder zu den Atten" geschrieben find. Die„ Rationalisierung" durch natürliche" Auslese, wie sie jetzt vor sich geht, zerstört eben so viel Gutes wie Kurt Heinig. Schlechtes! Der Wasserverbrauch steigt. Die Berliner Städtischen Wasserwerke im Jahre 1925. Die Berliner Städtische Wasserwerte A.-G. veröffentlicht ihren Geschäftsbericht für 1925. Die Städtischen Wasserwerke werden betanntlich, ebenso wie die Gas- und auch die Elektrizitätswerke, in der Form einer Aktiengesellschaft betrieben, der die Werke als Bachtung übergeben sind. Sämtliche Aktien sind in den Händen der Stadt. Es handelt sich also bei dieser Gesellschaft im Grunde nur um eine neue Form der temmunalen Verwal tung, eine Form aber, die sich in den beiden Jahren ihres bisherigen Bestehens gut bewährt hat und hervorragende Erfolge aufweisen kann. Die Berliner Städtischen Wasserwerke zeigen im Jahre 1925 gegenüber dem Vorjahre eine bedeutende Steigerung ihrer Wasserförderung wie ihrer Wasserabgabe. Der Verkauf nach Wassermesser im Jahre 1925 befrug 116 Millionen Rubitmeter gegenüber 89 Millionen Rubikmeter im Jahre 1924. Die Steigerung beträgt also 30,4 Proz. Der Mehrbedarf rührte teils von dem sehr warmen Better des vergangenen Sommers her, teils, was sehr interessant ist, liegt die Ursache darin, daß die Bevölkerung jetzt im allgemeinen mehr Wasser verbraucht als früher. s. Der Wasserbedarf wurde auch am Tage der höchsten Belastung anstandslos durch die vorhandenen Anlagen gedeckt. Der Wasser. preis, der im Jahre 1924 erst 21, dann 19 Pf. pro Kubikmeter betragen hatte, wurde im ersten Halbjahr 1925 auf 17 Pf. und im zweiten Halbjahr 1925 auf 15 Bf. herabgesetzt. Letzterer Preis ift noch heute in Kraft. Er liegt, für den Durchschnitt des heutigen Versorgungsbereichs der städtischen Wasserwerke berechnet, 1,7 unter Bortriegspreis. Die Preisjentungsattien, die in den Jahren 1924 und 1925 durchgeführt wurde, ist eine hervorragende wirtschaftliche Leistung, wenn man bedenkt, daß fie erfolgte unter gleichzeitiger Aufrechterhaltung des finanziellen Status der Werke und unter Entnahme bedeutender Mittel aus dem Betriebe für die Modernisierung zahlreicher veralteter Betriebsanlagen. Sonnabend, den 1. Mai und Sonntag, den 2. Mai 1926 Busch, Wuhlheibe, Tempelhefer Berg und Müggelsee wurden zahlreiche Veränderungen und Erweiterungen vorgenommen. Großen Umfang hatten auch die Erweiterungen des Rohrnezes. Es wurden Hauptrohre von Wuhlheide nach dem Kottbusser Tor und von Kaulsdorfer Busch nach Lichtenberg verlegt. Bolltommen neu belegt mit Rohren wurden die bisher noch nicht angeschlessen gewesenen Ortsteile& ladom, Gatow, heiligensee, Schulzendorf, Ronradshöhe, Tegelort, Blantenburg, Karow, Malchow, Faltenberg und Wartenberg. Ferner wurden zahlreiche Siedlnugen und schwach bebaute Gebiete in den frühe. ren Vorortgeeminden mit Rohren belegt, trotzdem in diesen Teilen auf eine Rentabilität des investierten Kapitals vorläufig nicht zu rechnen ist. Die neue Einheitsgemeinde Berlin ist damit fortgefahren in der Erfüllung ihrer Berpflichtungen gegenüber den eingemeindeten Außenbezirken. Im ganzen wurden im Jahre 1925 rund 203 Kilometer Rohre verlegt, womit die Gesamtlänge des Rohrnezes auf rund 2910 Kilometer gewachsen ist. Die Aufwendun gen der Wasserwerke für Neubauten, Umbauten, Berbesserungen und Rohrverlegungen betrugen im Jahre 1925 insgesamt 10,7 mil. lionen Mart. Die Zahl der technischen und kaufmännischen Angestellten der Wasserwerfe ist von 413 Ende 1924 auf 447 Ende 1925 gestiegen, die Zahl der Arbeiter hat sich im gleichen Zeitraum von 900 auf 916 vermehrt. Die Arbeiterzahl stieg im Sommer während der Higeperiode vorübergehend bis auf 1004. In der geringen Zunahme der Belegschaft frog Steigerung der Wasserförderung um rund ein Drittel äußert sich die Modernisierung der Betriebsanlagen, die im Laufe des Jahres 1925 durchgeführt wurde. Die vorzügliche technische und wirtschaftliche Entwicklung der städtischen Waffermerte tritt auch in den finanziellen Ergeb nissen des abgelaufenen Geschäftsjahres in die Erscheinung. Die Abgabe der Werte an die Kämmereiverwaltung, das ist der unmittelbare petuniäre Gewinn, den die Stadt aus den Wasserwerfen gezogen hat, ist im Jahre 1925 rund 1 Million Mart größer gewesen als im Vorjahre, er ist von 0,9 millionen Mart im Jahre 1924 auf 1,9 Millionen Mart im Jahre 1925 geftiegen. Dieses Ergebnis wurde erzielt, während der Wasserpreis gesenkt wurde und während gleichzeitig alle Personalausgaben für Arbeiter, Angestellte und Ruhegehaltsempfänger bedeutend stiegen. Die Wasserwerke, die vor dem Kriege immer ein finanzielles Sorgenfind der Stadt gewesen sind, sind damit zu einem Ueberschuß= betrieb geworden. Das ist eine außerordentliche Leistung der tommunalen Verwaltung. Die vorzügliche Wirtschaft der Berliner Wasserwerke beruht nicht zum menigsten auf dem Zusammenschluß der früher getrennt gewesenen Stadt- und Landgemeinden in der Einheitsgemeinde Berlin, die erst eine weitgehende Rationalisierung und Modernisierung der Waffer. Mjt. gewinnung und verteilung möglich machte. Hohe Kosten der Verwaltung. Was Geschäftsberichte nicht erzählen. Um die Rationalisierung der Betriebe geht ein großes Ringen. Nicht daß sie überhaupt gemacht wird, ist umstritten, sondern daß sie vor allem vernünftig und nicht einfach auf Kosten der Löhne und Gehälter gemacht wird. Denn alle technische Rationali fierung ist umsonst, wenn sie nicht mit billigeren Breijen größeren Absatz bringt. Die Arbeiterschaft im besonderen ist daran interessiert, daß die Betriebsgewinne durch Rationalisierung nicht von dem Wasserkopf aufgeblähter Werfs- und Konzernverwaltungen aufgefogen werden. Daß das sehr oft geschieht, darauf hinzuweisen hatten wir schon vielfach Gelegenheit. Ein günſtiger Bufall, der uns das Material dazu brachte, gibt neuerdings Anlaß zur Kritik. Es handelt sich um die Carlshütte A. G. für = Gifengießerei und Maschinenbau WaldenburgAltwasser in Schlesien, die dem Oberbedarftonzern angehört. Rein sehr bedeutendes Wert; zwei Millionen Attienkapital, nicht mehr als in der Friedenszeit. Aber das Wert verteilt für 1925 teine Dividende. Nach rund 93 000 M. Abschreibungen bleibt ein Reingewinn von 20 270 m., der vorgetragen wird. Im Geschäftsbericht wird über die schlechte Wirtschaftslage, ungenügende Preise, steigende Lohn, Steuer und Soziallaften, auch einen Streit geklagt, die das Unternehmen ohne den erwarteten Gewinn gelassen haben. Es wird aber auch gesagt, daß sich der Umsak gegenüber 1924 um 60 Pro 3., von 3,27 auf 5,24 Millionen Mark, erhöht habe und daß Ende des Geschäftsjahres ein sehr günstiger Auftragsbestand von rund 3½ Millionen vorlag, der für fechs Monate Befchäftigung gewährt. Soweit der Ge schäftsbericht. Die Bautätigkeit der Wasserwerke war im Jahre 1925 Wenn man berücksichtigt, daß es sich bei der Carlshütte um ein außerordentlich lebhaft. Die im Jahre 1924 begonnenen Umbauten Unternehmen handelt, das mit seinen verschiedenen Abteilungen wurden fortgefeßt und zahlreiche neue Erweiterungen und Berbesse( Aufbereitungs-, Transportanlagen, Maschinen- und Bumpenbau) im rungen in Angriff genommen. Im Wasserwerk Tegel wurde eine wesentlichen an den Bergbau und die Verhüttung gebunden ist, so neue Anlage von ganz modernen Dampfturbopumpen, System AEG., in Betrieb genommen. Gleichzeitig wurde das Zwischenwert scheint der en ungünstige Lage auch diejenige der Carlshütte leicht Westend stillgelegt, das 53 Jahre lang an der Wasserversorgung Westend stillgelegt, das 53 Jahre lang an der Wasserversorgung zu erklären. Aber der Bericht, der dem Aufsichtsrat,( also von Alt- Berlin wesentlich mitgearbeitet hatte. An den Werken nicht den Aktionären und der Deffentlichkeit) gegeben worden ist, Spandau, Jungfernheide, Stolpe, Raulsdorfer läßt die Sache in einem ganz anderen Lichte erscheinen. Da Ein Wunsch der Raucher ist erfüllt! جمعون VERA JOSETTI 66329 VERA Unsere seit 30 Jahren rühmlichst bekannte Josetti Vera Cigarette ohne Mundstück ( dickes rundes Egypter Format) erscheint jetzt in handlicher fester 20 Stks Packung zum Preise von Einer Mark. Verlangen Sie, bitte, ausdrücklich diese Packung von Jhrem Händler! Theater der Woche. zefgt fich nämlich, daß es noltanbig- perfehlt it, we auf die Lohnsteigerung hingewiesen wird als Grund, der die Erträgniffe droffelt. Bergleicht man nämlich die Steigerung des Durchschnitts Iohns der Werfftattarbeiter von 1913 bis Ende 1925( 41 Pf. auf 56 Pf.!!), fo zeigt die Steigerung des Auftragsbestandes non 1913 bis 1925( von 6,35 auf 8,76 Mill.) eine mindestens gleich starte Erhöhung. Was die Zahl der Belegschaft betrifft, fo erfuhr diefe 1924/25 troß der Vermehrung der Aufträge von 5,3 auf 8,8 Millionen Mart( gleich 60 Broz. mehr) eine Verringerung um fast ein Sechstel, vpn 1137 auf 949 Mann. 84 Proz. der Be legschaft bewältigen also im Verhältnis zu 1924 160 Boz an Aufbaus: Täglich Der Garten Eden. trägen. Selbstverständlich ist an dieser Mehrleistung auch die Angestelltenschaft beteiligt. Der Bahl nach war diese 1925( 318) gegen 1924( 296) nicht wesentlich erhöht. Gegenüber 1913 aber, mo auf einen im Tarif stehenden Angestellten im Durchschnitt 212,12 Mart monatlich entfielen, foftete ein Angestellter 1925 das Bert mur 192,73 m.(!!) Das find 9 Broz weniger, trop der Teuerung feitdem. Demgegenüber aber ist die Summe der 1925 gegenüber dem lehten Borkriegsjahr 1913 gezahlten Behälter auf fast das 2½fache, von rumb 400 000 m. auf rund 920 000 m. erhöht. Gegenüber 1924 liegt, obwohl nur eine 10prozentige Erhöhung der Tarifgehälter stattgefunden hat, eine Bermehrung der Gehälteraus gaben von 167 000 m. vor. Es ist evident, daß sowohl die enorme Motellungsmitgliederversammlungen am Montag, 7½ thr: Moabit 1: 6dule Baldenferitz. 20. Roobit I: Gemeindefcule auz Stepbansplak. Sabost( Görliger Bierbel): Jugendbeim Sauptstr. 66. Schöneberg II: Sugendheim Sauptfte, 15. Beften: Jugendheim Haupts Straße 15. Sermsborf: Jugendheim Roonstroke. Stab Vorträge, Vereine und Versammlungen. Vom 2. bis 10. Mai 1926. Boltsbühne: 2., 3., 5., 6., 8., 9. Fauft. 4., 7. Shirmffut. 10. Judith. Deutsches Theater: Taglia Unsere Kinder. Rammerspiele: 2, 3., 4. Die Die Komödie: Täglich Biltoria adten Heiben. 95. Week- end. Leffing- Theater: Täglich Der fröhliche Beinberg. Theater in ber Rönig. gräger Straße: Bis 5. Mrs. Chenens Ende. Ab 6. Dr. Schmidt. per Charlottenburg: 2. Der Barbier von Sevilla. 3. Bique Dame. 4 Das Rheingold. 5. Die Walküre. 6. Die Fledermaus. 7. Siegfried. 8. Gefchloffene Großes Schauspiel Borstellung. 9. Die Götterdämmerung. 10. Die Silbin. Theater bes Bestens: Täglich Gräfin Mariza baus: Täglich Alt- Heidelberg. Renaissance- Theater: 38. bis 9. Totentanz. Die Tribune: Täglich Der Rubicon Deutsches Künstlertheater: Täglich Ein Balzertraum. Romöbien. Berliner Theater: Täglich Donnerwetterganz famos! Reues Theater am 800: Täglich Der alte Deffauer-Trianon. Theater: 2. Revue der Einafter. Ab& Alraune. Refibenz- Theater: Täglich Berbotene Rüffe. Bentral- Theater: Täglich Eva Bonheur. Theater am Schiffbarerdamm: Bis 7. Marlborough. b 8. Die Freier. Luftfpielhaus: Serenfeld- Gastspiel Metropol- Theater: Täglich Die Nacht der Nächte. Theater am Kurfürstendamm: Täglich Rebhuhn. Rleines Theater: 2. Reiner ifch. b 3. Sergarten ber Biebe Ballner- Theater: Töglich Der heilige Brunnen und Bianco Bosnets Erwedung. Rofe Theater: Täglich Lilli muß heiraten. Rafino Theater: Täglich Das Recht auf Arbeit klosterstraße: 2. Sohannisfeuer. 8., 4. Schmetterlingsschlacht. 5., 8. Seimat. 6., 7., 9. ls to noch im Filigeltleibe, 10. Chre. Schloßparl- Theater Steglig: Glaube und Geimat. Ab 8. Der blaue Seinrich. Theater in ber Bigom. ftraße: Täglich Spreewaldmöbel. Bintergarten und Scala: Internationales Barieta. Rahmittagsspellungen: Boltsbühne: 2., 3. Dok Quichotte. Theater bes Bestens: 2 Gräfin Mariza Sentral- Theater: 2, 9.: Goa Bonheur 1 9 Theater in bez Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefdäftstelle: Berlin S. 14. Sebaftionftr. 87/38, Hof 2 Tt. Charlottenburg: Sonntag. ben 2, Jugendfamevabchaft 12% Uhr Fahrgelb 30 Bi. Antreten Bhf. Charlba nad Friedrichshain. Wilmersdorf: Di., Es tönnen fich auch die übrigen Rameraden beteiligen. b. 4, abends 8 Uhr, Withnerbefprechung bei Rroihs. Borstand und Kame radfchaftsführer tagen ab 6% Uhr bortselbst. Do., d. 6., Kreisvollverf. in den Johann- Georg- Sälen, Salenfee, Johann- Georg- Straße. Referent Reichstags Damen abgeordneter Ramerad Dr. Baas. Erscheinen Pflicht. Republikaner und Herren als Gäfte willkommen. Schöneberg- Friebenau: Mo., b. 3., abends, verfammein fid fämtliche Rameraben zum Anmarsch nach dem Sport Neukölln plas in der Turnhalle am Wattbartaplah. omarich 7 Uhr. Brig: Sonntag, den 2., Propagandamarf bes Kreisvereins Friedrichshain, Sammelftelie Rüftriner Blak. 1% Uhr. Mo., 5. 3., Radfahrerzufammenkunft Treptow( Kreis): bet Büttner, Saale, Ede Unftrutstroke, um 7% Uhr. Anmeldungen für Sophin nur noch bis 3. Mat. Angehörige( Frauen), bie mitfahren wollen, müfen bei ben Ramerabfchaftsführern aber bei Ram. Borg 1 mann, Tel. Oberschöneweide 27, fofort gemeldet werden. Autofahrt 2 M. Kreuzberg: Sonntag, ben 2, nadm. 1½ Uhr, Antreten sämtlicher Kameraben mit Tambourtorps und Fabnen Rüftriner Blah, Rahe Schlef. Bhf. Mo.. b. 3., abends 18 Uhr, Abt. 13, Beri. bei Eichhols, Cuornstr. 23. Di., b. 4.. abends 8 Uhr, wbt. 8, in bet Schneetoppe": bt. 7 bei Ende, Lulfenufer 21. Mi., b. 5., abends 8 Uhr, Abt. 4, Lucullus- Reller, Bilhelmftr. 24: 6t. 9 bei Biebler: Abt. 10 bei Mendler. le attiven und paffiven Rameraden müffen Bermehrung der Gehälterlaften gegenüber 1913 wie auch der Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin.deinen größere Teil der neuen Gehaltsausgaben im letzten Jahr für die Berwaltung draufgegangen ist die Tarifangestellten haben Letter cafunben. die Tarifangestellten haben davon nur wenig befommen! Eftentafe mit Schlüffelbund und Rundfchreiben an unfere Wotellungs letter gefunden. Meldungen fofort beim Jugendfefretariat. Goz. Arbeitsgemeinschaft für bilbende Runft. 3. Mai( Mondoe) Eneffen Gruppe Graefen 4% Uhr Stußbaum": Gruppe Geelig 5 5-, Ede Ball firaka. Heute, Sonnabend, den 1. Mai, Beteiligung an den Maifeiern der Parteiabteilungen: Gilboft( Görliker Biertel): Bormittags Beteiligung an der Maifeier ber Schon Gewerbfchaften: madmittans Maifeier Bodbrauerei, Fidicinstraße. hauser Borstabt I: Scalbau Friedrichshain. nachmittas 4 Uhr im Garten. Santwik: Enaeum, Dillaeftrake. Steglik I: Sertels eftfäle, Lichterfelde, Rehlendorf: Sm Linbenpart. Treff Rehlendorfer Straße. Beginn 4 Uhr. punkt abends 7 Uhr Bhf. Reblenborf.- Köpenid: Bingergarten. Treffpunkt 5% Uhr am Rathaus. Stieberschönereibe: Maifeier. Aufführung des JugendIpiels Bergfried" auf der Feler der Sieberschöneweider Barteiabteilung. Ren- Lichtenberg: Boltstänize auf der Oberschöneweider Barteiabteilung. Treffpunkt 4 Uhr an der Sistorischen Gäule: um 7 Uhr bei Schwark, Möllen Berliner Esperanto- Bereinigung Aan Dienstag, ben 4. Mai, abends 8 Uhr, findet im Café Softn, Potsdamer Plat( obere Räume), ein Ronver fationsabend ftatt. Gäfte find herzlich willkommen. Eintritt ist frei. Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform i. B. B. Montag, beit 3. Mai, 8 Uhr, findet im Botal von Rösler, Reinidendorf- Oft, Residengitr. 100, unfere Beşirtsgrlindungsversammlung statt. Wir ersuchen alle fympathifieren. ben Genoffen, hievan teilzunehmen. Freireligiöse Gemeinde, Sonntag vormittag 11 Uhr, Pappelallee 15, Bortrag des Herrn A. Domben: Religion und Freiheit. Sarmonium: Lied ohne Worte( Efaitomstn). Gäste miltomment. Reidjsbund ber Kriegsbesmabigten, Kriegsteilnehmer und Ariegerhinder bliebenen, Begirl Webbing 3. Mitgliederversammlung Montag, ben 3. Mai. 8 Uhr, Chauffeefte. 64, Bakenhofer. Bezirk Rentrum: Montag, 3. ai 8 Uhr, im Rofenthaler Sof, Rofenthaler Str. 12, Monatsversammlung. Arbeiter- Rabfahrerverein Groß- Berlin. Am 1. Dai, nachmittags 4 Uhr, nad Treptow bei Ritfchte zur Maifeier. Gonntag, 2. Mai, früh 6 Uhr, nech Speerenberg bei Soffen( Bergwerksbefichtigung). Rachmittags 1 Uhr nach Lichtenvade, Dorfftt. 10, 2otal Stiefer. Start Waldemarstraße, Ede Mariannen. plat Wie außerordentlich start non 1923 bis Ende 1924 und im Jahre 1925 selbst die Arbeiterleistung pro Ropfund Tag der Werkstatt und Montagearbeit gestiegen ist, das zeigt eine Zusammenstellung im Aufsichtsratsbericht. Danach wuchs der Rundenverfand pro Arbeiter und Tag: 1923/24 von 5,1 auf 9,6 kilogramm, 1924/25 von 9,6 auf 16,1 Silogramm und in den drei Monaten 1926 von 16,1 auf 20,0 Kilogramm. Das sind geradezu schlagende Ziffern dafür, was an Mehrleistung aus dem ein gefnen Arbeiter herausgeholt worden ist, auch dafür natürlich, was durch Rationalisierung aus dem Betrieb herausgeholt werden kann. Nun mag es wirklich so sein, daß verschärfte Konkurrenz und Leerlauf einzelner Abteilungen die Preise drücken und manche Betriebstoftenteile hochhalten. Es fann aber gar fein 3weifel sein, daß das Wert trotzdem gut abgeschloffen haben würde, wenn nicht der Aufwand für die Berwaltung über Geschäfts- Matfest auf der Boltswiefe in Treptow ab nachmittags 3 Uhr: bürfen, daß am Montag, den 3., und am Dienstag, ben mai, der Ber unfosten so ganz unverhältnismäßig geftiegen märe. Würde doch schon allein die Gehaltsvermehrung, die nicht auf die 10prozentige Tariferhöhung der Angestellten entfällt, auf das 2 Milpnich 43 Uhr. chraels 30 Bf. lionen Aftienfapital eine Dividende von 5 Broz erlaubt haben! Man ertennt, wie ganz anders der Abschluß eines Wertes aussieht, wenn man ihn nicht nur durch den Geschäftsbericht, sondern auch durch den Bericht an die Aufsichtsräte beurteilen darf. Die Krise am Berliner Arbeitsmarkt. Auf dem Berliner Arbeitsmartt ist auch in der letzten Woche die Berschlechterung vorherrschend geblieben. Wenn auch die Zunahme der Arbeitsuchenden mur rund 300 beträgt, so ist doch auch damit der Abstieg gefennzeichnet. Bor allen Dingen tritt ein Rüdgang der Beschäftigungsverhältniffe in der Metall. und Holzindustrie in Erscheinung. Dieser äußert sich auch in er neyten Betriebsschließungen und stillegungen fomie in erhöhter Ein. führung der Kurzarbeit. Ein hervorstechendes Mertmal des Arbeitsmarftes ist auch, daß die Jugendlichen in ziemlich hohem Um fange, und zwar mit 7503 am ber Arbeitslosigkeit beteiligt find. As Hauptaufnahmegebiet für diese fommt gegenwärtig nur die Land mirtschaft in Frage. Bei der Einstellung von Facharbeitern tritt immer mehr hervor, daß die Industrie langjährig erfahrene Arbeits fräfte bevorzugt. Hierunter leidet naturgemäß die Einstellung von Jungarbeitern mit nur turzfristiger, felbftändiger Tätigkeit. Die 3ahl dieser Arbeitsuchenden muß namentlich für die Metallindustrie als recht hoch bezichnet werden. Die eingetretene Befferung in ben Außenberufen ist bagegen zu geringfügig, um eine günstige Bendung in der Entwidlung herbeizuführen. Hierbet ist noch bemertensmert, daß auch der Bedarf an landwirtschaftlichen Arbeits Fräften hinter dem der Borjahre bedeutend zurüdbleibt. Es waren 245 889 Perfonen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen, gegen 245 507 der Borwoche. Darunter befanden sich 164 417 ( 164 607) männliche und 81 452( 80 900) weibliche Perfonen. Untet früßung Bezogen 132 081( 133 698) männliche und 56 683( 56 914) melbliche, ingesamt 188 764( 190 612) Berfonen. Am 29. April 1926 waren bei Roistandsarbeiten beschäftigt 3964 Bersonen. Außerbem mutben bei anderen Arbeiten der Stadtgemeinde Berlin am 29. April d. 3. 12 322 Personen beschäftigt. Die Rohellenindustrie bleibt eingeschränkt. Die führenden Synbi fatsverbände der deutschen Schwerindustrie, die Robstahlgemein schaft, der Stabeisenverband und der A- Brobuftenverband hielten amt 29. April in Düsseldorf ihre Monatsversammlung ab. Die Robftabigemeinschaft hat für den Monat Mai die gleiche Einschränkung der Rohstahl erzeugung von 35 Bro mie bisher befchloffen. Neu aufgenommen wurden als Mitglieder der Rohftahlgemeinschaft die Burbacher Hütte und die Hüttengefell fchaft Rote Erbe. 3m A Broduttenverband und dem Stabeifenverband wurde die Marftlage besprochen. Be Schlüffe über Breisveränderungen wurden im Hinblick auf die un veränderten Abjahnerhältnisse nicht gefaßt. Sowohl im A- Produkten. verband wie im Etabeisenverband wurden als neue Mitglieder auf. genommen die Burbacher Hütte, die Hüttengesellschaft Rate Erde und die Gelsenkirchener Bergmerts- Attien- Gesellschaft Aus der Linoleuminduftrie. Die bekannte Binoleumhandels firma Poppe u. Birth M.-G., melche bei einem Aftientapital Don 1,8 millionen Mart einen Reingewinn von 159,962 m. erzielte und daraus eine Dividende non 6 Broz ausschüttet, erflärte in der Generalversammlung, baß das neue Geschäftsjahr fich fehr fchlecht angelaffen habe. In her legten Zelt hätten sich zwar die Umfage etwas gehoben, aber fie feien immer noch unbefriedigend, fie feien niedriger als zu der gleichen Zeit des Vorjahres. Eine Belebung des Gefchäftes sei zu erwarten, wenn der Baumartt eine größere Beschäftigungsmöglichkeit gewähre Großbritanniens Anteil am Welfausfuhrhandel. Im englischen Unterhaus erflärte der Präsident des Handelsamtes, Lister, u. a.: Im vergangenen Jahre betrug der Antell Großbritanniens am Weltcusfuhrhandel 11,9 Proz gegenüber 19 Broz im Jahre 1913. faren fofort zum Ulay. borffftraße. Westen: Treffpunkt 14 Uhr Magdeburger Blag. Nachsilaler Bankow: Reinidendorf- Oft: Gdikenhaus. Ricberschönhausen bei Schönherr abends Ronzerthaus, Breite Str. 35, 4 Uhr. 6 Ubz. Moabit II: Ulap. Morgen, Sonntag, den 2. Mai: * Werbebezirk Brenalaner Berg I: Treffounft zure Maifeier ber Barbei Gonn abend 4 Uhr Danziger Straße, Ede Brenzlauer Allee. Abfahrt mit Laftauto Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 1. Mai. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Geschäftliche Mitteilungen. Rue Morgenstunbe tellt uns die firma Baez Gohn A.-G., Berlin, Aleiber merte, Chauffeeftt. 29-90, folgendes mit: Wegen des fortfalls der Sonntags. nummer bitten wit, den Räufern ber Morgenstunde mitteilen sit tauf in bisher üblicher Weise stattfindet. Es liegen diefesmal fogar gar be fonders vorteilhafte Angebote verlaufsbereit." Dep Esfolg beweist es." So beginnt mit großen Lettern bas 3nferat ber Firma Kaufhaus Fr. Sahn am Alexanderplak in ber beutigen Ausgabe. Geit über 100 Jahren hat die Firma ben Grundfos. nur wirklich reelle und gute Waren zu gana außergewöhnlich billigen Breisen au verkaufen. In der heuti gen idweren wirtschaftlichen Seit ift es für das laufende Publikum ein großer Bortell, menn man für wenig Geld aut unb preiswert eindaufen tann. Daher möchten wir unferen Lefern bei dem feht eintretenden Pfingstbedarf gans besonders auf die heutigen Angebote des altbekannten Raufhauses Fr. Sahn am Mexanderplas aufmerksam machen. Waffer und Wäsche. Wenn bie Hausfrau raflos vor threm Waschteffet 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner FunkBeht, weil die Bauge tros des auten Waschmittels nicht schäumen will, bann kapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kanffman. Anschließend: wünscht fie fich wohl Großmutters Reiten zurüd, wo das Baldaffer aus dem Ratschläge fürs Haus, Theaterdienst. 6.35 Uhr abends: Medizinisch- biden Regenfoß gefchöpft wurbe, bas in feinem unengründlichen, altersgrauen hygienische Plauderei( San.- Rat Dr. Paul Frank). 7 Uhr abends: Baud bas weide Regenwaffer aufbewahrte. Das Broblem, hartes affer Geh. Justizrat und Ob.- Reg- Rat Kühnast: Das AuslandsdeutschLeitungswaffer ift faft immer hart- meidh a machen, hat schon feit tum. Seine Bedeutung für die Heimat". 7.25 Uhr abends: Leopold hat fein Stegenfak meht aute Berfilauna: fte fit auf Leitungswaffer angewiefen. Tängerer Zeit unfere Biffenfchaftler Befchäftigt. Die Sausfrau ber Großstadt Lehmann: Im Arbeitszimmer der Reichsregierung". 7.50 Uhr Das idealfte Mittel, bartes Waffer weich zu machen, b. h. feinen Ralfgebalt abends: Reichsminister Dr. Stresemann: Der Berliner Vertrag. au binben, ftellt ohne Rweifel eine besondere Enthärtungsanlage bar, wie fie 8.30 Uhr abends: Orchesterkonzert. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. auch in der Inbuficie vielfach Bermendung findet. Allerdings ift eine folde 1. Beethoven: Ouvertüre zu der Oper Fidelio. 2 Wagner: Anlage für häusliche Berhältniffe etwas tonfpielig, was wohl ihrer allgemeinen Waldweben aus der Oper Siegfried 8. Wagner: Einzug der Cinfilhrung Binderlich fein bilrfte. Rum Güd aibt es aber noch andere Mittel, bie fich um Weichmachen des affers aut eignen, und ba ift an erster Stelle Gäste aus der Oper, Tannhäuser". 4. Wagner: Wotans Abschied bie Bleidioba au nennen, ble bie Sausfrau fa auch zum Einweiden der Wäsche und Fenerzauber aus der Oper„ Die Walküre. 5. Bizet: Vor gebraucht. Rur einige Sandosll Bleichsoba genügen, einen großen Reffet poll spiel zum dritten Akt der Oper Carmen". 6. H. v. Bronsart: Waffer in wenigen Minuten zu enthärfen, Man gibt u hiefem Smed die Zwei Sätze sus der Frühlingsfantasie: a) Frühlingsahnen, Bleidfoda einige Reit vor Bereitung ber Baue Ins toite Walfer und Toit b) Frühlingshymnus. 7. Mascagni: Fantasie aus der Oper fie burd Untrühren auf. Bleichfode hat bie Fähigkeit, ben übermäßig hohen Cavalleria rusticana. Berliner Funkkapelle. Anschließend: Dritte Raffgehalt, ber die Särte Des Waffers hervorruft, au binben und nieberBekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeftansage. Wetterauflagen. Der Borteil bes baburch ergielten weiden Baffers liegt in ungleich befferer Auswertung bes Bafmittels, erhöhter Shaummietung und wefent 12 Uhr abends: Tanzmusik( Funktanskapelle. Leitang: Konzert dienst, Sportnachrichten. Theater und Filmdienst. 10.30 bis fi fparfamerem Baften! meister Franz v. Szpanowski). Königswusterhausen, Sonnabend, den 1. Mal. 8-8.80 Uhr nachm.: Prof. Dr. Amsel and Oberschullehrer Westermann: Einheitskurzschrift. 8.30-4 Uhr nachm.: Oekonomierat Lembke: Landwirtschaftliches Versicherungswesen. 4-4.30 Uhr nachm.: Dr. Matschens: Der Kampf mit dem Unkraut. 5 bis 5.30 Uhr nachm.: Frl. Hetty Walther: Jm ein Linsengericht. 8.30 Uhr abends: Uebetragung von Berlin. Sonntag, den 2. Mai. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 11.30 Uhr nachm.: Konzert des 1. Berliner Bandonion- Streichorchesters. Dirigent: Max Schäffer. 1. Jessel: Vom Fels zum Meer, Marsch. 2. Fétras: Auf rosigem Stradella. Noak: Heinzelmännchens Wachtparade, Charakter Pfad, Walzer. 3. Flotow: Ouvertüre zu der Oper„ Alessandro 4. stück. 5. Eilenberg: Am Mühlbach, Idylle. 6. Herzer: Mein letzter Gruß, Marsch. 12.20 Uhr nachm.: Max und Paul( Max Hansen und Paul Morgan). Ein Opti- und ein Pessimist 3 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Landwirtschaft Landforstmeister Gernlein! Waldbrände, ihre Verhütung und Bekämpfung. 3.30 Uhr nachm.: Fankheinzelmann ( Märchen aus der Funkheinzelmann- Märchenbuch, 1. Band) Funkheinzelmann im Märchenwald" von Hans Bodenstedt. Erzählt vom Funkheinzelmann. 4.15 Uhr nachm.: Robert Kempner:„ Albanien, das unbekannteste Land Europas. 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzert meister Ferdy Kauffman. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theaterdienst 7.15 Uhr abends: Dr. Hans Harmsen: Der Deutsche Muttertag" 7.45 Uhr abends: Marine- Baurat Engberding: Mit Luftschiff und Flugzeug in die Eiswüste des Nordpols.( Die Aussichten der Amundschen Nordpolarexpedition mit dem italienischen Luftschiff„ Norge). 8.30 Uhr abends: Due und Duett 1. Halvorsen: Passacaglis, Duo für Violine und Bratsohe, frei nach Händel( Konzertmeister Josef Wolfsthal, Violine; und Hans Mahlke, Bratsche). 2. a) Bach: Aus der Kantate„ Jesu, der du meine Seele", b) Händel: O holder Friede, aus Judas Makkabaus( Nora Pisling- Boss, Sopran, und Maria Seret van Eyken, Alt; am Flügel: Prof. Oskar Wappenschmitt). 2. Mozart: Duo für Fagott and Cello( K. V. 292)( Louis Scheiwein, Fagott, und Adolf Steiner, Cello). 4. a) Schumann: Sommerruh( Ohr. Schad), b) Schumann: Botschaft( aus dem Spanischen Liederbuch, über setzt von E. Geibel)( Nora Pisling- Boas und Maria Seret van Eyken). 5. Mozart: Duo für Violine und Bratsche, B- Dur, AdagioAllegro Andante cantabile Andante con Variazioni( Konzertmeister Josef Wolfsthal und Hans Mahlke). 0.80 Uhr abends: Eine halbe Stunde zum Träumen. 1. Rubinstein: a) Romanze( Die Nacht), b) Forster- Larrings: Reigen, c) Del Monte: Vieille histoire. 2. a) Bound: Au pays de lotus d'or, b) Bruinier: Nächte im Mai, c) Dickens: Tango. a. a) Percy Kahn: Ave Maria, b) Gillet: Ceur brisé, c) Coda: Sur l'aile du rêve( Frans S Bruinier, Klavier; Franz v. Spzanowski, Violine; Julius Berger, Cello). Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater and Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). 9799 VOLKSFEUERBESTATTUNGS- VEREIN vormals Volks- Feuerbestattungs- Verein Gross- Berlin V.V.a.G Unter Reichsaufsicht Geschäftsgebiet: Deutsches Reich, Memelgebiet und Danzig Hauptgeschäftsstelle: Berlin NW 40, Roonstr. 4( am Königspl.) Eig. Verwaltungsgebäude:: Fernruf: Hansa 1747/48, 5240/41 Nach einmonatiger Mitgliedschaft unbedingten Rechtsanspruch auf kostenlose, pietätvolle Bestattung Ohne ärztliche Untersuchung! 86/14 Kein Kirchenaustritt! Mitglieder anderer Feuerbestattungsvereine haben beim Uebertritt keine Aufnahmegebühr zu zahlen und sind sofort, also ohne jede Wartezeit, vollberechtigt. Man verlange kostenfrelen Prospekt oder unverbindlichen Vertreterbesuch. Zuban Torwart Den Wert nahezu 50jähriger Erfahrung in der Fabrikation edler Orientzigaretten lernt jeder Raucher schätzen, der mit Bedacht unsere Formart- Bigarette raucht und prüft. Der Vorstand. Eine einfache Sache- man muß sie nur kennenHenko henter's Wasch und Biteich Sold Was ist weiches Wasser? Waschen Sie verehrte Hausfrau, einmal Hände und Gesicht mit Regenwasser, unehmen Sie zum Vergleich Wasser aus der Leitung Bei Regenwasser Bei Leitungswasser ein weiches wohliges Gefühl auf der Haut und kräftige Schaumbildung bei spar samstem Seifenverbrauch. weniger Schaum trotz guter Seife und Mehrver brauch! Also: das weiche Regenwasser braucht weniger, das harte Leitungswasser aber mehr Seife oder Waschmittel! Bedenken Sie, was das bei Jhrer Wäsche ausmacht! Lösen Sie auf jeden Eimer Wasser den Sie zur Wäsche gebrauchen vorher eine Handvoll Henko hentels Wasch Bleich Soda auf- Dann haben Sie das schönste weiche Wasser Sie waschen sparsam, Sie waschen angenehm und kennen keine Kalkflecke 928244 டீ Einladung zur Besichtigung der Ausstellung Badekleidung Strandneuheiten Sommerkleider Beginn: Montag 3. Mai 1926 Kräuselstoff, hellgemustert_in schönen Farbenstellungen. Für Damen und Herren. 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Bevollmächtigter Dr. v. Preger glaubt Beranlaffung zu haben, die gestrigen Bemerkungen des Abg. Saenger( Soz.), wo. nach Bayern tein Rechtsstaat sei, als unerhörte Beleidigung des bayerischen Staates zurüdzuweisen.( Lebhafte zurufe links.) Abg. Koch betont gleichfalls, baß eine nelle Entscheidung herbeigeführt werden müsse. Unter großer Bewegung des Hauses erklärt er, daß seine Partei teine Desperado- Polifit treiben wolle, wie es die Deutsche Voltspartei fue. Abg. Wunderlich( Bp.) versichert, daß es feiner Frattion fern Sonnabend, den 1. Mai und Sonntag, den 2. Mai 1926 foll sich entschuldigen.( Sozialdemokraten, Böltische und Deutschnationale umftehen zahlreich und heftig geftitulierend die Rednertribüne. In bem großen Lärm gehen die Ausführungen des Abg g. Otter polltommen verloren.) Als der Redner auf den Tribünen wieder verständlich wird, polemisiert er gegen den Abg. Schwent. Oberhausen( W. Bg.), dem er vorwirst, daß er anbauernd fcharfmacherische Reben halte, weil die Firma Schwent Grubenbedarfsartitel an die Bechen Hefere.( Abg. Schwent: Ich halte gar keine scharfmacherischen Reben! Bleiben Sie doch bei der Wahrheit.) Plöglich entsteht im ganzen Haufe große Hetterfelt. Der völlische Abg. Bog betritt, mit einem Regenschirm bewaffnet, den Sigungsfaal. Nach einiger Zeit spannt er feinen Schirm auf und marschiert demonstrativo, unter anhaltender Heiterkeit, durch den Raum. Es ftimmen schließlich Sozialdemokraten, DemoDer Abg. Offer( Soz.) weist zum Schluß die Behauptung zurüd, traten, 3entrum und Bager. Boltspartel für leber baß die foziale Belastung bes beutschen Bergbefizes zu groß weifung der Abänderungsanträge an den Rechtsausschuh, fei und verlangt, daß auch den Einzelunfällen im Bergbau Deutschnationale, Deutsche Boltspartel, Bol- fel fifche und kommunisten dagegen. Da zuerst zweifelhaft größere Aufmerffamleit geschenkt wird. ist, wo die Mehrheit steht, muß Auszählung erfolgen. Diefe ergibt die Annahme des Antrags auf Ueberweifung mit 200 gegen 141 Stimmen. Die völkischen Anträge werden abgelehnt. Es folgten eine Reihe von Abg. Rosenberg( Romm.) wünscht, daß der Reichstag aufliege, Defperado- Politit zu treiben. gelöst werde, wenn er das Gefeß des Boltsbegehrens ablehne. An bem endgültigen Ergebnis des Boltsentscheids würden auch neue Berhandlungen über ein Kompromiß nichts ändern. Die gefährlichste Haltung nähmen die Demotraten ein, weil sie den Fürften auf Umwegen das verschaffen wollen, was diefe beanspruchen. In feinen Erinnerungen habe Herr v. Tirpitz von Wilhelm II. berichtet, daß er vor wichtigen Entscheidungen nervöse Erregungszustände er litten habe. Beder vom geschichtlichen noch vom rechtlichen oder vom politischen Standpunkt ließen sich die Fürstenansprüche rechtfertigen. Durch die Teilnahme der preußischen Regierung an den Rompromißverhandlungen sei der Einbrud des Boltsbegehrens geschwächt worden. Die Sozialdemokratie sei schuld daran, daß ble deutsche Republit noch fein Staat der werftätigen Maffen geworden fei, Benn Hindenburg die Rolle des französischen Marschalls Mac Mahon spielen wolle, fo werde er ein schmähliches Fiasto erleben. Abg. Kube( Bölt.) verlieft unter großer Heitertelt eine, Bestrebe, die der Innenminister Rülz gehalten hat, als er sich noch zur Monarchie befannt hatte. Abg. Saenger habe wie ein echter Komödiant gesprochen, seine Rede werde außerhalb des Reichstags feine Wirkung haben. Abstimmungen über Entschließungen, beren Erledigung bel ber Beratung des Reichshaushaltsplants grid gestellt worden war. Eine Entschließung der Boltspartel, bie Reichs regierung zu ersuchen, einen Gefeßentwurf vorzulegen, der bie Rechtsgrundlagen für die Privatfoule gemäß Ar tifel 147 ber Reichsverfaffung festlegt und durch wirksame Maßnahmen das Erliegen der Brivatschule verhindert, wird in nament licher Abftimmung mit 230 gegen 147 Stimmen angenommen. Abgelehnt wird eine sozialdemokratische Entschließung, ble von der Regierung einen Nachweis über die Berwendung der für die Technische Nothilfe im Jahre 1925 veausgabten Beträge und ein Bericht über die Tätigtett der Nothelfer verlangt. Abg. Colbl( Bayer. Bp.) wendet sich gegen einige Bemertungen des Abg. Saenger über Bayern. Der ehemalige Rronpring Rupprecht habe 1917 einen Frieden unter Berzicht auf An negionen und Entschädigungen verlangt und sich damit als meit blidender Staatsmann erwiesen. Die militärische Lage feitigten Betriebseinschränkungen und Stillegungen im Koblenbergbau von ihm zutreffend erkannt worden. Er habe davor gewarnt, bie amerikanische Hilfe für die Entente zu unterschäßen zu einer Seit, wo maßgebende Kreise darüber nicht hinwegsehen wollten.( Buruf lints: 5ergt) 3ur inneren Bolitit habe er in dem Briefe nur geschrieben, baß das Reich nicht in Preußen aufgehen und die Selb Ständigkeit der Einzelstaaten nicht beschränkt werden dürfe. Das ver lange auch jetzt jeber gute Bayer. Damit ist die erste Beratung des Gefehentwurfs über die Ent. eignung der Fürstenvermögen beendet. Nach einigen persönlichen Bemerkungen entspinut sich eine längere Geschäftsordnungsdebatte über die Frage, ob der Gefeßentwurf und die dazu eingebrachten Abänderungsanträge bem Rechtsausfchuß überwiesen werben follen, mie es Zentrum und Demokraten beantragen. Abg. Stoeder( Romm.) wendet sich dagegen, weil baburch bie Entscheidung über die Frage nur verzögert werden würde. Auch Abg. Wunderlich( D. Bp.) wünscht die sofortige Erlebigung des Gefehentwurfs, da endlich in der Angelegenheit der Fürstenabfindung Klarheit geschaffen werden müffe. Das liege auch im Intereffe ber ähler, bie für das Boltsbegehren geftimint haben. Abg. Müller- Franken( Soz.) erklärt gegenüber bem legten Bedner, er folle es ber Sozial. bemotratie überlassen, den Willen der 12% millionen Wähler, die fich für die entschädigungslose Enteignung ausgesprochen haben, auszuführen. Festzustellen sei, daß auch bei dieser Gelegenheit die Parteien der Mitte auseln anderfallen. Auch dieses Schauspiel, das die Regierungsparteien bieten, laffe nicht annehmen, daß es ihnen gelingen werde, aus der augenblicklichen Situation herauszutommen. Die fozialdemokratische Frattion habe bie Ueberzeugung, daß bei der Ausschußberatungen nichts mehr heraustommen würde. Wenn fie trotzdem der Ueberweisung an den Rechtsausschuß nicht widerspreche, so folge sie dem Brauch, daß die Uebermeifung vorgenommen werden müffe, wenn eine große Fraktion es verlangt. Aber wir erflären, daß wir nicht daran denfen, einer Berfleppung der Entscheidung den Weg zu ebnen. Die Beratungen müffen in aller Rürge zu Ende geführt werden. Bir find der Ueberzeugung, daß Innerhalb weniger Tage Klarheit geschaffen werden muß. Wir stimmen also lediglich aus formellen Gründen der Ueber meifung zu. In der weiteren Geschäftsordnungsdebatte erklärt Abg. Guerard ( 3.), daß die ablehnende Haltung des Rebners der Boltspartei im Gegenfah steht zu dem Ergebnis der interfraffionellen Besprechungen zwischen den Regierungsparteien. Auch seine Fraktion sei der Mei. nung, daß wenige Tage genügten, um im Rechtsausschuß Klarheit zu schaffen. Es müßten aber noch eine Reihe schwieriger Fragen untersucht werden, bevor die endgültige Entscheidung gefällt werden tönne. Mufilaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Mufiterverbandes, Berlin 027, Andreasstr. 21( Königstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbefuch Angenommen wird eine sozialdemokratische Entschließung, einen aus Bertretern der Unternehmer, Arbeiter und Angestellten paritätisch zusammengesetzten Ausschuß einzusehen, der bei beabsich befugt ist, eine Prüfung der Verhältnisse dieser Betriebe Dorzunehmen. Der Antrag der Sozialdemokratie auf Vorlage eines Reichsmilchgefeges wird abgelehnt, dagegen eine von der Sozialdemokratie vorgelegte Entschließung angenommen, die Reichs regierung zu ersuchen, einen zahlenmäßigen Nachweis barüber vor. zulegen, welchen Dienstgrad die penfionierten Offt. ziere ber alten Wehrmacht vor dem Kriege be. fleidet haben und welche Bension sie jetzt nach dem Urteil des Reichsversorgungsgerichts vom 21. Oftober 1924 erhalten. Auf Antrag des Abg. Dittmann( Soz.) wird beschlossen, bie Beratung des Einspruchs des Reichsrats gegen das vom Reichstag be. fchloffene Gefeß zur Abänderung der Berordnung über die Fürsorge pflicht in einer der nächsten Sizungen zu verhandeln. Gegen 5% Uhr vertagi sich das Haus auf Dienstag nach mittag 3 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen neben einer Reihe von Berichten bes Rechtsausschusses bie Anträge zur Altoholfrage und zum Gemeindebestimmungsrecht. Sturm im Landtag. Baltischer Krawall. Im Bandiag tam es gestern nach der Rebe bes Handelsminifters Schreiber während der Debatte über den Handelsetat zu stürmi fchen Auftritten. Die Zusammenstöße wurben burch das luftreten des rühmlichft bekannt gewordenen völtischen Abgeordneten Ratfer Antiam provoziert. Abg. Kaifer- Anflam( Bölt) wird von der Linken mit lebhaften Surufen wie Der 3ech prefler spricht zum Zechenmesen!" und eine 3eche ohne Katser!" empfangen.( Großer Lärm bei ben Bölkischen. hört der Präsident nicht! Unverfchmtheit!"- Bräsident Abg. Boß( Bölk.) ruft erregt:„ Die Anpöbelungen Bartels: Benn Sie, Herr Abg. Boß, Ihren Zuruf wiederholen, werde ich andere Maßnahmen ergreifen!") Der Rebner wendet sich gegen die Bestrebungen auf Förderung der Abwanderung deutscher Erwerbslofer, wie sie fich im Ausschuß gezeigt hätten. Der Rebner wird dauernd von der Linken unterbrochen, und erklärt schließlich, es Semprefferei vor, die eine Flasche Bier, die lege feine er getrunken habe, habe er auch bezahlt. Als der Abg. Otter( S03.) als nächster Rebner bas Wort erhält und fich dagegen wendet, daß zum Bergetat immer Leute sprechen, die vom Bergwefen nichts verständen, tommt es zu einem Zwischenfall. Abg. Otter wirft dem Borrebner, dem völlischen Abg. Raiser, vor, er habe von der Zeche am Kurfürstendamm mehr Ahnung als von den Zechen in den Bergrenleren. Die Völlischen drängen erregt und laut fchreiend zum Rebnerpult. Schließlich ergreift der Abg. Otter sein Wafferglas und ent leert es über den Köpfen der Demonstranten. Die Sigung muß fchließlich unterbrochen werden. Nach Wiedereröffnung teilt Präsident Bartels mit, daß der Abg. Otter ben Zwischenfall bedaure und ihn mit seiner großen Erregung entschuldige, Als der Abg. Offer( Soz.) das Wort zur Fortsetzung feiner Rebe erhalten hat, feßt der Lärm bei den Böllischen und bei einigen Deutsch nationalen erneut ein. Es ertönen laute Rufe: Er PammBangoli Abg. Marfin( Dnat.) erörtert die schlimmen Folgen der Stille. gungen, von denen die Ruhrbevölkerung am meisten getroffen fel und fordert, um beffere Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, Ausbau ber Berkehrsverbindungen. Abg. Steger( Str.) verlangt Ausgleich der durch die englischen Subventionen im deutschen Bergbau entstandenen Schäden. Abg. Canber- Oberhausen( D. Bp.) bezeichnet eine Gemeinschaftsarbelt zwifchen Unternehmer und Gewerkschaften auf dem Boden der fozialen Gleichberechtigung als erwünscht. Abg. Heurt( Dem.) warnt vor einem Abbau der Wohlfahrtseinrichtungen. Die Abgg. v. Waldhausen( Dnat.) und Krämer( D. Bp.) setzen fich für die höheren Bergbeamten ein. Abg. Sobottfa( Romm.) fordert größeren Einfluß der Arbeiter in ber Snappschaftstaffe. Damit schließt die allgemeine Besprechung. In der Einzelberatung setzt sich Abg. Fries- Siegen( Soz.) besonders für die Intereffen des Siegerländer Erzbergbaus ein. Damit ist ber Etat der Bergverwaltung in zweiter Lefung erlebigt. Die Abstimmungen werden ausgefeßt. Nach 4 Uhr vertagt sich der Landing auf Donnerstag, den 6. Mai, mittags 12 Uhr: Ruftusetat. Aus der Partei. „ Die Bücherwarte." Das foeben erschienene Matheft der Bücher marte" bringf einen inftruttiven Artikel von Anna Siemsen Soziale Dichtung' der die wichtigsten Erscheinungen der Weltiiteratur unter dem, Ge fichtspuntt ihrer Bedeutung für den proletarischen Befreiungstampi. wie auch für die Erkenntnis der gesellschaftlichen Umwelt wertet. Es folgen zahlreiche Besprechungen aus folgenden Gebieten: Ar beitsrecht; Dichtung und Drama; Erzählende Literatur; Geschichte: Hand- und Nachschlagebücher; Heimatfunde; Naturkunde; Politische Geographie; Technit; Theater und Film; Bölter- und Länderfunde und Boltswirtschaft. Die Zeitschriftenschau ist in dieser Nummer ausschließlich der pädagogischen Zeitschriftenliteratur gewidmet. In der der Büchermarte" beiliegenden Arbeiterbil dung" intereffiert vor allem der Artikel von Albert Rudolph:„ Il nfere Bildungsarbeit und die Ermerbslosen", der bas brennende Broblem ber Heranziehung der Erwerbslofen, ins befondere der jugendlichen Erwerblofen zu den verschiedenen Bilors bungsveranstaltungen behandelt. Wertvoll für alle Funktionäre der Bildungsbewegung ist der Ausfah von H. Frister: Hilfsmittelquo für die Bildungsarbeit, in ber die wichtigsten Schrifien für den Bilbungsfunktionär genannt werden. Eine Rebebispo zur Sonnwendfeier von B. Eschbach sind besonders für unsere jition von Karl Bröger zur Sonnmendfeier, sowie Programine Jugendorganisationen von praktischer Bedeutung. Ein Verzeichnis der in diefen Sommer vom Reichsausschuß für sozialistische Bil dungsarbeit organisierten Ferienturse beschließt die Nummer der Zeitschrift, die wir unseren Lesern angelegentlicht empfehlen. Breise von 1,50 m. für das Bierteljahr durch die Bost oder Buch Die Bücherwarte" mit Beilage Arbeiterbildung" ift zum handlung zu beziehen. Einzelnummern tosten 75 Bf. Der Reichsausschuß für fozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW. 68, LindenStraße 3, ftellt Brobenummern gern zur Verfügung. Bom Bezirksparteitag in 3widau. Zu unserem Bericht über ben Bezirksparteitag in 3midau werden wir auf einen fachlichen Irrtum aufmerffam gemacht. Es war darin gesagt, daß bei der Kandidatenaufstellung zum Landtag an Stelle der Ausgeschlossenen die Genoffen Graupe und Kautsch- 3widau auf. gestellt worden seien. Das ist unrichtig. Genosse Graupe gehört dem fächsischen Landtage bereits seit dem Februar 1919 und Genosse Rautsch- Zwidau feit dem Juni 1922 ununterbrochen an. Sie find wieder aufgestellt worden, also feine neuen Kandidaten. EOS Schuh Pflege finlcigonentn MSchuffelsfer Moderne fertige Frühjahrs Kleidung für den Herrn! Berin Aerren Knaber Kleidung Straßen- Anzüge. von 4900| Sport- Anzüge mit 2 Hosen 6200 Frühjahrs- Mäntel von 4500 Windjacken 00 Nur eigenes Fabrikat! Gummi- Mäntel.... von 18 Breeches... . von 20 von 1000 f Dow Kennern bevorzugt! Plänomen M. Schulmeister Kottbuser Tor: Maipreife fie machen Damen- Schlüpfer Baumwolle, mittelstark, In schönen Farben Gr. 42-48......... Stück 95PL Netzjacke Baumwolle mit Satinbesalz. Gr. 4. 5. Stock 95 PL 5, 6........ Stock das Kaufen Herren- Garnitur leicht! Kleider APRIL machen Leute! Elegante Herren- Moden fertig und nach Maß nur eigene Anfertigung, daher gut und billig empfiehlt, auch auf Teilzahlung Maßschneiderei J. 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Auch Sonntags. Sonnabend, den 1. Mai und Sonntag, den 2. Mai 1926 „ Panzerkreuzer Potemkin." ( Apollotheater.) Aus der Film- Welt Es war im Juni 1905, als ein merkwürdiger Vorgang in der russischen Schwarze- Meer- Flotte die Welt aufhorchen ließ. Durch feine fatastrophalen Niederlagen im Kriege mit Japan war der tönerne Koloß des zaristischen Rußland bedenklich ins Wackeln geraten, fonvulfivische Zuckungen gingen durch seinen ungeheuren Leib. Alle Freiheitsfreunde verfolgten die Entwicklung mit gespanntester Aufmerksamkeit. Da verbreitete der Telegraph die Nachricht, daß der Panzerfreuzer Potemkin" gemeutert hatte und daß das Bolt Odessas sich der Bewegung anschloß, aber durch eine grausam tücksichtslose Metzelet der Rosalen bald wieder zur Ruhe gebracht wurde. Der Panzerfreuzer Potemkin" felber war unbehelligt enttommen und wurde im rumänischen Konstanza interniert. " Der Dieses Ereignis, dem damals die Welt mit ungeheurer Spannung folgte, hat in diesem Film seine monumentale Wiedererstehung und historische Verewigung erfahren. Die von der Sowjetregierung begründete Filmfabrit Gostino in Moskau hat in ihm ein Produkt von stärkster Potenz geschaffen. Hier sind nicht dichterisch gesehene Episoden aus der zurückliegenden russischen Geschichte( wie beim Bolytuschka" und Postmeister") gestaltet, sondern hier ist ein Vorgang der unmittelbaren Vergangenheit mit dem Aufwand größter Mittel und mit dem glänzendsten Gelingen filmisch belebt worden. Dieser historische Film läßt alle seine Vorgänger in den anderen Ländern bis auf einige amerikanische Ausnahmen weit hinter sich; denn hier ist mit entschlossener Hand ein großes historisches Ereignis mit seinen tieferschütternden menschlichen Folgen gegeben und weiter nichts. Reine alberne Liebesaffäre, feine sentimentalen Nebenhandlungen verunstalten den gewaltigen Eindruck der einheit. lich und groß sich entwickelnden Handlung. Dieser Film hat Berfpektiven, obwohl die Handlung sich in dem gegebenen Rahmen streng abschließt; aber man ahnt und spürt, aus welchen Vorbedingungen, aus welchen Erschütterungen sich diese Empörung entwickelt. Man sieht mit eigenen Augen, welche Folgen sie im russischen Volk auslöst, und man fühlt, wie sie weiter wirken und zünden werden in dem seinem Untergang zustrebenden Gewaltherrscherreich. Regiffeur S. M. Eisenstein wird von jetzt ab zu den Größen der Filmregie gerechnet werden müssen, er versteht sich sowohl auf die Sachlichkeit, mit der die Vorgänge an Bord eines Riesentriegsschiffes vorgeführt werden, wie auf die Maffenregie großer Volksszenen, die trog bes großen durchflutenden Rhythmus doch auch wieder die individuelle Belebung aufweisen. Der ganze Film steht unter dem Gesetz ungeheurer Erregung und Spannung. Ruhepunkte bilden darin prachtvolle Naturszenen des Meeres, die zwischen den Erplo: fionen der Handlung wie beruhigende ausspannende Pausen sich einschieben. Der Panzerfreuzer selbst spielt mit. Die einzelnen Bersonen verschwinden in dem Gesamtorganismus dieser riesigen Maschinerie, die mit gleicher Eindringlichkeit und gleicher Liebe vor geführt wird, wie die Menschen, die sie bevölkern. Die Meuterei felber, wie sie aus einer fonfreten Ursache entsteht, wie sie langsam wächst und erst durch die Brutalität des Kommandanten, der die Unzufriedenen mit einem großen Segeltuch bedecken und dann insgesamt erschießen laffen will, zum Ausbruch fommt, ist mit größter Exaktheit dargestellt. Bon ergreifender Schönheit ist es, wenn dann die Leiche des Matrosen Wakulintschuk, der seine Führerrolle mit dem Tode bezahlt hat, nächtlicherweile Meer und Himmel trauern gewissermaßen mit am Hafen von Odessa aufgebahrt wird und nun am nächsten Morgen die Massen herbeiströmen, um ihre Trauer, ihre Verehrung, ihren Protest und ihre Empörung, aber auch ihre bloße Neugier zu bezeigen. In Scharen schwärmen die Segelboote dann aus, um den Matrosen Lebensmittel zuzuführen. Es ist wie ein fröhliches Volksfest. Aber dann jetzt mit einem Male unerwartet der Gegenschlag ein. lleber die breite Treppe, auf der Tausende am Hafen stehen, schiebt sich die fojatische Senterstruppe vor, die rücksichtslos Greise, Frauen und Kinder niederknallt und fein Erbarmen fennt. Erschütternde Szenen spielen sich auf dieser Treppe des Bluts ab gegen die von der anderen Seite die Berittenen anstürmen. Ein paar Schüsse vom Potemkin" setzen den Bunkt dahinter. Der letzte Aft dieser revolutionären Episode geht wieder auf dem Panzerfreuzer vor sich. Es ist Morgengrauen. Der ganze Dampfer wird lebendig, in ungeheurer Erwartung dessen, was tommen wird. Das Schiff wird in Kriegsbereitschaft gesetzt. Die Munition wird in die Panzertürme geführt, die Maschine steht auf Bolldampf, da taucht auch schon das Admiralsgeschwader auf. In troziger Entschloffenheit fährt der" Potemkin" ihm entgegen, bereit, ben Kampf mit ihm aufzunehmen oder die Kameraden auf seine Seite zu bringen. Alle Nerven sind aufs höchste gespannt, als die Panzerkreuzer Potemkin Das gesamte Proletariat Im Apollo Theater Friedrichstr. 218( Untergrundbhf. Kochstr.) Sonnabend, 1. Mai und Sonntag, 2. Mai: 3 Vorstellungen 530 715 900 66 Panzerkreuzer Potemkin" der große russische Monumentalfilm in 6 Akten. Kassenpreise: 0.80-1.80 3. Vorverkauf 13-7 for Theaterkasse. Schiffe in Kampfnähe fommen. Wird ein neuer blutiger Kampf ausbrechen und das Schicksal der Empörer besiegeln? Die Matrosen geben sich Signale von beiden Seiten, und im letzten Augenblid, wo eben die Kanonen anfangen wollen, ihr Machtwort zu sprechen, fiegt das Gefühl der Brüderlichkeit, unversehrt läßt die Admiralsflotte den Banzerkreuzer passieren. So endet diese Episode mit einem der heißungsvollen Symbol. Die Einzeldarsteller hat das Moskauer Künstlerische Theater geliefert und außerdem die Organisation des Proletfults; fein Name wird genannt, obwohl gute Leistungen darunter find. Denn dies ist ein Kollektivfilm; bewundernswerter noch als die Einzelleistungen ist das wunderbare Ensemblespiele und die ungeheure Disziplinierung der Massen, die von allen Leidenschaften beseelt und durchglutet sind. Die Musik zu der deutschen Bearbeitung hat Edmund Meisel tomponiert. Sie wirkt mit ihren starken Rhyth men außerordentlich erregend, elektrisierend und fortreißend. Es ist keine Musik im üblichen Sinne, es sind mehr Geräusche, die den Rhythmus der Handlung aufs stärkste unterstreichen und steigern. Einer der stärksten Filmeindrücke dieser Saison, gewiß aber der geschlossenste. „ Die Frau in Gold." ( Primus- Palast.) D. Man hat sich eine Original- Idee von Walter Wassermann und Motive aus Franz Kappus' Roman„ Die Frau des Künstlers" aeborgt, um in diesem Film allerlei Geschehen eine tüchtige Bortion Sentimentalität beijehen zu können. Zu Anfang lebt das gefeierte Rünstlerehepaar äußerst glücklich, denn er komponiert die HauptOperettenrollen für seine Frau und sie, eine hochbegabte Sängerin, führt sie glücklich durch. Aber bald verstrickt er sich in eine Liebschaft, spricht Karten und Wein zu und hat sich ausgeschrieben. Da will er das Werf ihres Jugendfreundes stehlen, sie sagt erst nein, Und billigt aber schließlich die Tat aus Liebe zu ihrem Mann. dann kommt es, wie es im Film fommen muß. Der Jugendfreund. der inzwischen in Amerika berühmt geworden ist, fehrt zurück und der Mann verunglückt rechtzeitig tödlich. Folglich wird der Jugendfreund die Sängerin heiraten, während er in einer Anwandlung von komischem Edelmut den Toten als den Komponisten der Operette „ Die Frau in Gold" gelten läßt. Man kann sich mit diesen Handlungen nicht befreunden, die in so falsche Richtungen gedrängt sind. Der Regiffeur Pierre Marodon schwelgt in einem übertriebenen Lurus, den ein großer Teil des Publikums sich schon gründlich übergesehen hat. Lotte Neumann spielte die Hauptrolle, rein filmisch Baudin verkörperte den Komponisten nicht nur interessant, sondern betrachtet muß man sagen, sie hat in der letzten Zeit verloren. Henri was wichtiger ist, auch wahr. Ernst Verebes war der Jugendfold freund. Rollen, die solch großes Maß von gesellschaftlichem Schliff erfordern, sind wir gewöhnt anders bejezt zu sehen. Jhre kleine Majestät." ( Mozart- Saal.) e, b. Beilage des Vorwärts „ Zwei Personen suchen einen Pastor." ( Gloriapalast.) Wenn er und sie einander lieben, wollen sie gerne heiraten, und in Amerika ist das recht leicht. Man braucht ja nur die nötigen Papiere und einen Pastor. Und um den zu finden, zog der einfalls. reiche Regisseur Alf Goulding einen echt amerikanischen Film auf. Das Paar, die scharmante Norma Shearer als verwöhnte Schöne und der sympathische Konrad Nagel als Rekordbrecheroffizier haben es mit der Heirat wirklich eilig, denn sein Schiff geht bald in See. Folglich wird man die Fahrt nach dem Bahnhof unterbrechen, damit man sich trauen läßt. Nachdem dann Automobilunfälle usw. überstanden sind, kann man das Haus des Pastors nicht betreten, meil dort schwarze Pocken herrschen. Na, man wird sich im Zug trauen lassen, zumal ein Pastor einsteigt. Der verwandelt fich aber prompt in einen Bergnügungsreisenden und ist trotz eifrigen Suchens nicht wiederzufinden. Das junge Paar hat natürlich schon einen gemeinsamen Schlafraum, aber sie kann dort ohne Pastor nicht schlafen. Das gibt den ersten Krach. Seine frühere Freundin steigt ein, worauf der zweite Krach folgt. Während das Paar sich zanft, füllen die Teilnehmer an einer Bastorenkonferenz für furze Zeit, nämlich bis zur nächsten Station den Zug. Urfomisch wirten diese so und so oft verpaßten Gelegenheiten. Plöglich, als die Prediger schon ausgestiegen sind, bemerkt er die Möglichkeiten. Und flugs haben die Amerikaner, was sie wollen, ihre Sensation. Er verpaßt den Bug, was zu der bekannten Wettfahrt zwischen Zug und Aeroplan führt. Die Flugzeuginsassen sehen die Brücke brennen, die der Zug passieren muß. Durch ihre rechtzeitige Warnung dommen feine Menschen zu Schaden, obzwar die Lokomotive und eiche Wagen abstürzen. Diese Katastrophe ist mal wieder von ganz fabelhafter Wirkung. Und das Paar? Na, es wird inzwischen wahl einen Pastor gefunden haben. Gleichzeitig lief Das Land des Glücks", ein chinesisches Märchen, ein Marionettenfilm des auf diesem Gebiete berühmten Reg.feurs Starevitch. Er ist ganz bizarr in seinen Einfällen. Wunderbar gelang ihm der Tanz der Insekten auf den Blumen, das par eine leichtbeschwingte, weltenferne und märchenfrohe Angelegenheit. Diese Filme find interessant ob der Eigenart, aber zur Nachahmung nicht zu empfehlen, denn die stereotypen Bewegungen werden schließlich doch einem vollen Genuß zum Hindernis. „ Der Bandit." ( Tauenhienpalast.) e. b. Eine erfilmte, amerikanische Magazingeschichte mit Wildwestund Goldgi äberromantif, mit sehr viel Tränen, Heldenmut und Opferbereitsa aft. Der Bandit ist Besizer einer ertragreichen Goldmine, raubt it zwei anderen dunklen Existenzen aus einer einfamen Farm ein Madchen, das er den beiden abkauft und heiratet. Zuerst Strindbergsche Liebeshaß, die Frau fehrt zu ihrem Bruder zurüd, ihr Mann wirst weiter um sie, und schließlich endet alles über der Wiege des Erstgeborenen in Harmonie. Anfäße einer Zersetzung des amerikanischen Abenteurerfilms zeigen sich hier. Der Regisseur Reginald Barter versucht eine psychologische Untermalung der Vorgänge zu gellen, wird dabei aber langweilig, der Einfluß des europäischen Films erscheint verderblich, wenn das Schauspielermaterial anders gehult ist. Die gedehnten Szenen zwischen Mann und Frau, das zurü haltende Werben des Mannes und die Kälte, die sie ihm entgegensett, Scheitern an der Wandlungsfähigkeit der Schauspielerin Alice Terty, die über ein verweintes Madonnengesicht und den damit verknü, ften, feelenvollen Augenaufschlag nicht hinaus fommt. Der amerikanche Film hat hier seine Geschlossenheit per foren. Mag man zu diesen Wildwestabenteuerlichkeiten stehen, wie verzettelt. Ein Kompromiß diefer Art ist ummöglich. Ausgezeichnet man will, das Tempo forinte ihnen niemand abstreiten. Hier wird es rado, die Einsamkeit der Gebirgswelt Arizonas, die zerklüftete Wilddie Photographie und die landschaftliche Kuliffe, die Ranons des Rofo mentalen Landschaft wirkt das Geschehen zu flein, trotzdem der heit der Berge und die Deine der Hochfläche. Aber vor dieser monuSchauspieler Conwen Tearle über die große Geste verfügt. Manches ist mitreißend: eine Flucht in den engen Kanons vor den Hochwaffern des Kolorado au abgehegten Pferden, ein Ritt über das Gebirge bei Wolfenbruch, dies ist bis ins Letzte rhythmisch gestaltet, Don wildem Tempo. Daneben verblaßt alles andere. Schauspielerisch am besten die Nebenrollen, vollendete Typen der Prärieabenteurer F. S. An diesen Svenska- Film darf man nicht die großen Erwartun gen stellen, die man sonst den Schwedenfilmen unbesehen einräumt. Es ist eine lustige, harmlose Sache, die munter plätschernd und manch. mal auch in der Breite versichernd dahinfließt. Ein Jungmädchen ftüd, wie es in der Jungmädchenliteratur ficher schon unzähligemal geschildert ist: die Geschichte eines Troßkopfes, der vor lauter Ülebermut seine Streiche spielt und schließlich durch die Liebe kuriert wird und nun ficher eine ausgezeichnete Frau und brave Mutter wird. Das eigentlich Schwedische kommt in diesem Film wesentlich nur in der Landschaft zur Geltung, die auch hier wieder als inter grund mitspielt. Das junge Mabel ist diesmal die Tochter eines Obersten, die mutterlos aufwächft und den Herrn Bapa nach Belieben in die Tasche ftédt. Sie läßt sich natürlich einen Bubitopf schneiden, tollt herum wie ein Junge und geht eines Tages vell Abenteurerlust mit einer Schmiere durch. In dem Augenblic, wo sie ihre erste Rolle zu spielen gedenkt, erscheint natürlich ihr Vater und bereitet ihrer Karriere ein schnelles Ende. Zur Besserung ihrer Sitten wird sie einem Verwandten, einem Pfarrer, anvertraut, der fie auf die rechte Bahn bringen soll. Dieser Pfarrer ist nicht vom Durchschnitt. Er sieht ihre Streiche zunächst mit Milde an, indem Köchin, die unter ihrem Juckpulver und dem Salz, das sie ihr statt er sich verleugnet. Das Ziel ihrer Bosheiten ist die dicke behäbige des Buders vorjeßt, meidlich zu leiden hat. Schließlich wird das fleine Nest rebellisch, denunziert seinen Seelenhirten bei seiner Be hörde, und schon ist der Konsistorialrat im Anzug, um eine hochnot- geben Wallace Beern und George Cooper. peinliche Untersuchung anzustellen. Jetzt zeigt das Mädel seine diplomatische Kunst, scheinbar abreifend empfängt sie den Untersuchungsrat am Bahnhof, flärt ihn über alles auf und weiß ihn so für sich einzunehmen, daß er vollständig zufriedengestellt ist. Sie selber verkündet dann ihre Verlobung mit dem Pfarrer und alles ist in Butter. Marghita Alfven war der tolle Backfisch, der auch die Zuschauer für sich einzunehmen wußte, Gunnar Telna es ihr Gegenspieler, der sich in seine Rolle als Zuschauer und Objekt ihrer Launen recht gut fand. „ Menschenleben in Gefahr." ( Alhambra, Kurfürstendamm.) r. Luciano Albertini ist verpflichtet, im Film halsbrecherische Kunststücke auszuführen. Aiso muß der Verfasser des Manuskripts die nötigen Sensationen heraufbeschwören. Ein vollkommen unmotivierter Verdacht wirft daher den Helden Luciano ins Zucht haus. Zwölf Jahre, symbolisiert durch einen fließenden Wasserfall, fichtbar gemacht durch Augenblicksaufnahmen des im Garten mit Blumentöpfen hantierenden Luciano, des im Bureau Privatbriefe lefenden Luciano, des mit einigen Gefangenen im Kreise wandernden Luciano. Man braucht die Zuchthäusler nur, damit fie meutern fönnen und Luciano durch unerhörten Heldenmut und Geschicklichkeit, Aber durch die er den Zuchthausdirektor rettet, glänzen kann. zwölf Jahre sind eine lange Zeit, und mit einer Tat fäme Luciano ( eigentlich follte man seinen Namen immer in Fettdruck sezen) wirklich zu billig davon. Also läßt der Zuchthausdirektor im Winter eine wenig bewachte Sträflingsfolonne zu Waldarbeiten ausrücken, die er selbst mit seinem fleinen Kinde begleitet. Die Sträflinge betragen sich wie eine guterzogene Schulklasse; aber das Kind stürzt in einem unbewachten Augenblick in den Abgrund, wird von Luciano( Fettdruck) gerettet, der selbst scheinbar dabei untergeht. Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder: während entlaubte Bäume und vereiste Wasserfälle feinen Zweifel an der Tatsache laffen, daß es jetzt gerade Winter ist, herrscht nicht allzuweit entfernt von diesem Orte heißester Sommer, und ein vergnügtes Liebespärchen tummelt sich in Badetrikots am Strande. Warum? Damit Luciano dem Manne die Kleider stehlen kann, nicht ohne ihm die Brieftasche wiedergegeben und einen seelenvollen Zettel:„ nicht ein Dieb, sondern ein Verzweifelter nahm die Sachen" zuzufügen. Er tommt also heim, gerade zurecht, um das vom Blitz angezündete Haus zu sehen und seine Tochter zu retten. Der Schurke, natürlich, verbrennt, nachdem er vorher alles gestanden hat. Und das Schlußbild wird eine schöne, rührende Familienszene. " Beinahe so vergnüglich wie dieser Film ist das Lustspiel, das vorher läuft. Pat und Patachon auf der Wolfsjagd" ergößen wieder durch ihre heiteren Landstreichertypen, die fie in einem ihrer würdigen Rahmen zeigen dürfen. Die an fich unwesentliche Handlung wird lebendig durch die Komit der Gestalten, die mit trefflichem Sinn für Humor wie für Charakteristit zueinander gestellt sind. Die wunderschönen, perspektivisch überaus geschickten Landschaftsaufnahmen seien noch besonders gerühmt. Les. Besuchen Sie heute zur Mai- Feier den neuerbauten Germania- Palast Größtes Kino- Varieté Berlins Frankfurter Allee 314 Charlie Chaplin in seinem berühmten Filn Goldrauseh Auf der Bühne Das große Welt- Varieté Volkstümliche Preise von 80 Pfennig an Heute: Beginn der ersten Vorstellung 5 Uhr Kassenöffnung 4.30 Uhr Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Lessing- Tb. Opernhaus 7: Cavaller. rusticana Bajazzo Sonntag 6; Parsifal Opernhaus 8 Uhr: Gastspield Saltenburgs Bühnen am Königsplatz D. fröhliche 8 Uhr: Pulcinella Joseph- Legende Sonntag 24: Charleys Tante 72 Weinberg Uhr: Tiefland Kleines Th. 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Abonnementspreis Kaffenpres 9-47.. 5.-N. 12- a 19- Mt. *.3.50" 1-4)... 2.Reihe 1-4 Der Gesamtpreis des Abonnemente für 10 Dorftellungen beträgt also: Mr. 50.- reip. 35.- refp. 20.Anzahlung je nach dem gewählten Plak: Mt. 10.- Mt.1.- Mt.4.Reft in Raten. Der Verkauf der Abonnements beginnt Sonntag, 2. Mai, an den Kassen sämtlicher obengenannter Theater sowie an der Kasse der Komödie( Kurfürstendamm 206). Verkaufszeit täglich von 10-2 und 4-7 Uhr. Uta- Palast am Zoo Die lustige Woche! Storta- Palast Zvel Personen suchen einen Pastor Außerdem: Das Land des Giteks Ele chinesisabes Filmaplel Ab Dienstag: Ein König im Exi Kurfürstendamm Zur Chronik von Grieshous Tauentzienpalast Theater am Bollendorfplatz Mazartsaal Hollendorfplatz Kammerlichtspiele Friedrichstraße Tarmstraße Königstadt Alexanderplatz Weinbergsweg Friedrichshain Der Bandit Metro- Goldwyn- Film der Ufa Falsche Scham Gunnar Tolnaes Ihre kleine Majestät in Conrad Veldt In seiner Doppelrolle in Die Brüder Schellenberg Harold Lloyd in Mädchenscheu Jugendliche haben Zutrie Frau Bettys Eheirrungen Ossi Oswalda in Die Fahrt ins Abenteuer Auf der Bühne: NIZZA Eine Karnevals- Szene Elisabeth Bargner in Der Geiger van Florenz Auf der Bühne: 7 Sun Hsiang Jung, chinesische Gaukler Hugo und Pepita, humoristischer Musikal- Akt Henny Porten in Rosen aus dem Süden Frau Bettys Eheirrungen Vom 30. April- 3. Mal: Mady Christians in Nanette macht alles Vom 4.- 8. 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Die Zeit, gewitterschwer und drohend, von einem unterirdischen Wühlen nach Befreiung von unerträglichem Zwange durchtobt, vom Fieberwahn einer grenzenlofen Bereicherungssucht geschüttelt, die Zeit, die doch auch in ihrem Schoße die Kräfte werden ließ, die zur Sammlung und gemeinsamen Zielsehung drängten. Damals war es noch eine große Tat, ein Aufsspielsezen der ganzen proletarischen Existenz, dem Mairuf zu folgen oder gar ihn selbst auszustoßen. Biele haben diese Pionierarbeit mit Hunger und Elend, mit Haft und wohl gar mit ihrem Leben bezahlen müssen, viele aber auch fanden ihres Lebens schönsten Inhalt und höchste Krönung darin, Sämann und zugleich Erweder zu sein. Uns Spätgeborenen steht es an, in Schweigender Ehrfurcht die Toten und ihr Wert zu ehren. Am ge meinsamen Kreuze bekannter und namenloser Streiter laßt uns einen Kranz roter Rosen aufhängen, Sinnbild der Liebe und Treue, GeLöbnis, immer von gleichem Geist erfüllt zu sein! Gehen wir so zur Feier, wird sie uns eine hohe Stunde der Weihe. Bor einem Großen, Gewaltigen stehen wir wortlos und flein, verwirrt, mit dem Tafte der Maschinen noch in den Ohren, den Sinn beschwert mit dem Sentblei der Pflicht, dem Dunkel ver. schworen, dem Werfeln verloren. So tief schon sahen wir in die finsteren Gewässer der Entsagung, daß wir, in die Helle des Maien evangeliums gestellt, zuerst geblendet sind. Bom weltweiten und weltwandelnden Inhalt überzeugt, tommts doch wieder wie Rausch über uns, denten wir ber Größe der Idee und ihrer Schönheit. Zweifach ist dieser Rausch: einmal vom Blütenmyfterium und Blaugold draußen in der Natur und zum anderen von der tiefen Mensch lichkeit der Maienbotschaft. Mit ihr ist das uralte Recht des Menschen auf Leben wieder aus dem Sumpfe profitgieriger Müz lichkeitspolitik gerettet worden; der Mensch als das Maß aller Dinge ist wieder in den Mittelpunkt alles Geschehens gestellt. Bom Drud und 3wang entwächst unser Gefühl zu befreitem Berströmen in den Gärten der Freude, die Begeisterung flaggt ihre leuchtendsten Farben darüber hin, Gemeinsamkeit des Wollens und Handelns füllt alle Becher mit schöner Befriedigung: so feiern wir .. Es ist eine ernste Feler, die wir begehen. Eingeteilt zwischen ein unerbittliches Müssen, umbrandet vom Wutmeer der Neider und Widersacher, ist diesem Tage der Molltlang einer tiefen Berantwort lichkeit eigen. Noch ist der Weg weit bis in den Garten Eden des Sozialismus, und wir alle wissen, daß wir seine Pforten nur aus eigener Kraft erschließen fönnen. Noch stehen viele abseits mit Hohn auf den Lippen und dunfler Berzweiflung im Herzen. Trohalledem hegen wir die stolze Hoffnung auf den Sieg, weil mit uns das Recht hegen wir die stolze Hoffnung auf den Sieg, weil mit uns das Recht ist, das Menschenwürde und Menschlichkeit heißt. Massenmaßregelungen der Feiernden der Partei enorme Opfer auferlegt wurden. U. a. wurde das stets opferwillige, in allen Rämpfen der Partei als festestes Bollwert geltende Hamburg auf längere Zeit nahezu tampfunfähig gemacht, und ähnlich lagen die Berhältnisse in Berlin und an anderen Orten." Gewiß werden auch heute noch Maßregelungen vorgenommen, aber fie erreichen nicht mehr das Ausmaß der Anfangsperiode. August Bebel hat ja später selbst die wuchtigsten Maifeiern erlebt, seine Zuversicht und feinen Glauben an die fieghafte Arbeiter schaft gerade aus dem Erlebnis der Maitundgebungen gefchöpft und seine ursprüngliche pessimistische Auffassung über den Erfolg der internationalen Rundgebungen der Arbeiterschaft belächelt. Er beklagte vor allen Dingen den Mangel an Einheitlichkeit der Beranstaltungen. Wenn schon ein internationaler Beschluß vorliegt, am 1. Mai allgemeine Arbeitsruhe einzuhalten, so mußte nach der Auffassung Bebels dieser Beschluß auch durchgeführt werden. Und Die Brücke. Hört ihr den tausendfachen Schriff? Die Brüde dröhnt von seiner Wucht. Es wirbt und lodf: Kommt mit! Kommt mit! Ihr alle, die ihr fämpft und sucht. Nicht zagend in die Nacht geftiert! Marschiert! Marschiert! Tief unten zieht der breite Fluß. Er brauft und brandet ohne Ruh Und wühlt fich, wie er will und muß Dem fernen Hafenziele zu. Hell aus dem Brausen triumphiert: Marschiert! Marschiert! Und unten Strom und oben Strom, Sie reißen fort die faule Zeit. Groß auf der Brüde wächst ein Dom Und öffnet seine Hallen weit, Darin sich neue Welt gebiert. Stolz war. Marschiert! Marschiert! Karl Bröger. Bellage des Vorwärts Zwei Welten. Bon Trude E. Schulz. Benn der Direttor gute Freunde des Hauses durch die Fabrik führte, so sprachen die wohl vom Rhythmus der Arbeit, von dem tlingenden Sang werftätigen Schaffens, und zartempfindende Frauen erinnern sich gern an beliebte Industrieromane, die den Befizer des Wertes, groß und breitschultrig, patriarchalisch mit seinen Arbeitern, redend, als sichtbaren Mittelpunkt des Ganzen zu schildern wußten. Und so nahmen diese Männer und Frauen denn das Getriebe in fich auf, wie Bilder, mit malerischen Farbtönen der lodernden Feuer, des blinkenden, bewegten Metalls, mit harten, scharf gezeichneten Linien scheinbar bewegungsloser Maschinen und Menschen, grau in grau getönt, oder anknüpfend an irgendwo gelesene Schilderungen als Uebersezung längst geschriebener Worte. Man tonnte es so auffassen, und jedenfalls war es ftimmungsvoll und angenehm, sich solchen ästhetischen oder sentimentalromantischen Empfindungen hinzugeben, und dann herauszutreten aus den ewig von künstlichem Licht erfüllten Räumen, in die Sonne zu blinzeln und zueinander zu sagen: Was für ein farbenprächtiges Bild das war, jener bewußte, halbnadte Mann vor dem leuchtenden Feuer!" oder„ Wissen Sie noch, das interessante Buch von X., das ich Ihnen einmal lieh? Der fleine Bursche mit der Eisenstange erinnerte mich so an die Stelle, in der geschildert wird, wie der jüngste Sohn des Direktors in der Fabrit lernen muß und vor feiner Arbeit zurückschreckt." Aber alle, die die Dinge so gut gesehen hatten, daß sie sich klug und beredt stundenlang davon unterhalten tonnten, wußten doch nicht so viel von dem Wert, wie eben jener fleine Lehrling, der die Eisenstange trug, und der ein bißchen schwach im Kopfe war, weil die Schwester, die ihn warten mußte, als er noch flein war, und die doch kaum viel älter gewesen war als er, ihn einmal auf die Steinstufen vor dem Hause hatte fallen fassen. So schöne Dinge wie jene feinen Menschen hätte er freilich nicht sagen fönnen, und wenn man ihn um seine Eindrüde von der Fabrit befragt hätte, so wäre eine Antwort wohl überhaupt nur ein blödes Grinsen gewesen; denn er hätte nicht begriffen, was man von ihm wolle. Aber als vor etwa einem Jahr nach vielem Bitten der Mutter der Knabe in die Fabrit aufgenommen worden war, da hatte er wochenlang jeden Abend auf seinem Bettrand gefeffen und bitterlich geweint. Denn das Hämmern und Tosen, das Summen und Kreischen, das ihn den ganzen Tag umgab, flirrte auch abends in seinem Kopfe, als sollte der davon zerspringen, und schreckte ihn sogar des Nachts in den Träumen. Und schließlich schmeckte ihm selbst das hier erlebte er anfangs bittere Enttäuschungen. Teilweise wurden die Aufrufe des Parteivorstandes und der Reichstagsfraktion be folgt, meistens aber nicht berücksichtigt. Bebel schmerzte besonders der Mangel an Disziplin. Hatte doch das Ausland gerade von Deutschland bie disziplinierteste Durchführung des internationalen Be- Essen nicht mehr, das sonst die einzige Freude feines nie ganz satten ber trog aller Internationalität auf die deutsche Sozialdemokratie fo Tag bauerte das Fieber, noch einen, den dritten Tag; ba sagte schließ schluffes erwartet. Das fräntte ganz besonders unseren alten Bebel, Rörpers war, und er legte sich ins Bett und wurde frant. Einen lich die Mutter:" Ja, wenn's gar nicht geht, müssen wir sehen, daß Aber wenige Jahre später tonnte auch August Bebel mit be bu etwas anderes beginnst." Aber ihr war schwer dabei, denn fie rechtigtem Stolze auf die deutschen Arbeiter schauen, die mit Opfer mußte selber arbeiten gehen und hatte noch ein jüngeres Kind zu mut, Begeisterung und Rühnheit ihren 1. Mai feierten. Heute find verforgen, und die Fabritarbeit des Jungen warf doch wenigstens unsere Maifeiern zu gewaltigen und gigantischen Kundgebungen ge- fchon etwas ab. Und der Knabe, der die Frage, welchen Eindruck worden, die fast von der gesamten Arbeiterschaft mit Arbeitsruhe be er pon der Fabrit habe, gewiß nicht zu beantworten vermocht hätte, gangen werden und sich tief in das Bewußtsein des internationalen eingelebt haben und heute fännte. Auguft Bebel noch Sorgen feiner Mutter ganz genau. Ich versuch's fon Sohlengruben an der Ruhr und in Belgien, der Gießer am Hoch stolzer auf diefe felbstbewußte Arbeiterschaft sein, die einmal über den wieder, hatte er gefagt, und war am nächsten Morgen wieder an fen, der Tischler in der Werkstatt, Weltfeiertag! Feiertag der Arbeit und der Arbeiter: Ihr Bille meißelte ins unaufhörliche Auf und Ab des Schaffens diesen Tag. Nie mehr ist er wegzuwischen. Er ist gleichsam mit der Arbeit ge boren und gibt ihr Sinn und Inhalt, Farbe und Rhythmus. Alle Räder stehen still! Der Spinnereiarbeiter in den Fabriken von Saltutta ist vom gleichen Wollen beseelt wie der Bergmann in den minen Afrifas und der Kult auf den chinesischen Reisfeldern. Der Fanfarenstoß des Matentages läßt alle die Namenlosen, die Ernie. brigten und Beleidigten nebeneinander treten. Der Massenschritt der Millionen zittert über den Erdball; die Gemeinsamkeit des Wollens gibt ihnen ihre Unüberwindlichkeit. So weitet sich der Maientag zum Tag des Kampfes und der Sammlung. An den Quellen unserer ewigen Ideen wollen wir heute neue Kräfte in uns aufnehmen, um den Weg durch die Wüste der Stumpfheit und Indifferenz fortzusehen und solange am Bau einer bürgerlichen Anschauung zu rütteln, bis alles zusammenstürzt und aus den Trümmern ein Genosse heraustritt. Jedes Steinchen zum großen Haufe des Sozialismus ift für alle eine Verminderung der Leidenszeit, jeder neue Stämpfer potenziert sich selbst zum Wirken Tausender. Weltfeiertag: ein Tag der Arbeitsruhe aus unserem eigenen Billen, ein ernster und würdiger Feiertag, voll Stolz und Zuversicht, ein Tag der Erfrischung und Stärkung zu neuem Kampfe, ein Tag des Gelöbnisses, der Menschlichkeit und Liebe! Bebel über den 1. Mai. 1. Mai nicht. Wenn es auch heute noch nicht zur gänzlichen Arbeits. So leicht wie heute feierten die Arbeiter vor Jahrzehnten ihren ruhe gekommen ist, der 1. Mai noch nicht zum gefehlichen Feiertag murde und sehr viele Arbeiter den 1. Mai noch nicht feiern wollen, fo ist aber trotzdem die Bucht der heutigen Beltmaifeiertage nicht mit den Maifeiern um die Wende des Jahrhunderts vergleichbar. Mit welchen Schwierigkeiten die damaligen Genoffen zu tämpfen hatten, wie groß die Widerstände der Bourgeoisie waren und wie wenig noch die damalige Arbeiterschaft diszipliniert war, ergibt sich aus einigen Bemerkungen Auguft Bebels über den 1. Mai, die er anläßlich der fritischen Durchsicht des auf dem internationalen Arbeiterfongreß zu Paris im August 1889 angenommenen An trages zur Broflamierung eines internationalen Meetings machte. Dieser von Lavigne im Auftrage des Nationalverbandes der fran zöfifchen Synbitatstammern und Korporativgruppen eingebrachte Antrag lautete: | 1. Mai zum Siege schreiten wird. Der Arbeitstag. Bon Karl Marg. Was ist ein Arbeitstag? Wie groß ist die Zeit, während deren das Rapital die Arbeitskraft, deren Tageswert es zahlt, fonsumieren darf? Bie weit tann der Arbeitstag verlängert werben über die zur Reproduktion der Arbeitskraft selbst notwendige Arbeitszeit? Auf diese Fragen antwortet das Kapital: Der Arbeitstag zählt täglich volle 24 Stunden nach Abzug der wenigen Ruhestunden, ohne die die Arbeitstraft ihren erneuerten Dienst ab folut versagt. Es versteht sich zunächst von selbst, daß der Arbeiter feinen ganzen Lebenstag hindurch nichts ist, außer Arbeitskraft, daß baber alle ſeine disponible Zeit von Natur und Rechts wegen Ar. beitszeit ist, also der Selbstverwaltung des Kapitals angehört. Zeit zu menschlicher Bildung, zu geistiger Entwicklung, zur Erfüllung fozialer Funktionen, zu geselligem Berkehr, zum freien Spiel der physischen und geistigen Kräfte, selbst die Feierzeit des Sonntagsund wäre es im Lande der Sabbatheiligen reiner Firlefanz Aber in seinem maßlos blinden Trieb, seinem Werwolfsheißhunger nach mehrarbeit, überrennt das Kapital nicht nur die moralifchen, sondern auch die rein physischen Beit für Wachstum, Entwicklung und gesunde Erhaltung des Kör magimalschranten des Arbeitstages. Es ufurpiert die pers. Es raubt die Zeit, erheischt zum Verzehr von freier Luft und Sonnenlicht. Es fnidert ab an der Mahlzeit und einverleibt sie womöglich dem Produktionsprozeß selbst, so daß dem Arbeiter als bloßem Broduktionsmittel Speisen zugefeßt werden, mie dem Dampf teffel Rohle und der Maschinerie Talg oder Del. Den gefunden Schlaf zur Sammlung, Erneuerung und Erfrischung der Lebens. fraft reduziert es auf soviel Stunden Erstarrung, als die Bieber. belebung eines abfolut erschöpften Organismus unentbehrlich macht. Statt, daß die normale Erhaltung der Arbeitskraft hier die Schranke des Arbeitstages, bestimmt umgekehrt die größte, täglich mögliche Berausgabung der Arbeitskraft, wie frankhaft, gewaltsam und peinlich auch immer, die Schranke für die Raftzeit bes Arbeiters Das Kapital fragt nicht nach der Lebensdauer der Arbeitstraft. Was es interessiert, ist einzig und allein das Maximum von Arbeitskraft, das in einem Arbeiter flüssig gemacht werden kann. Es erreicht dies Ziel durch Berkürzung der Dauer der Arbeitskraft, wie ein habgieriger Landgesteigerten Bodenertrag durch Beraubung der Bodenfrucht barkeit erreicht. ,, Es ist für einen bestimmten Zeitpunkt eine große internationale Manifestation zu organisieren, und zwar dergestalt, daß gleichzeitig in allen Ländern und in allen Städten an einem betimmten Tage die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten( Bewirt hörden) die Forderung richten, den Arbeitstag auf acht Stunden festzusetzen und die übrigen Beschlüsse des internationalen Kongreffes von Paris zur Ausführung zu bringen." Der Sinn dieses Antrages wurde damals start umstritten. Die einen glaubten, man wolle mit dieser Rundgebung eine Machtprobe zwischen Bourgeoisie und Proletariat veranstalten; andere glaubten wieder, das Proletariat wolle mit der Demonstration feine Gleich berechtigung als Klaffe erzwingen. August Bebel sah aber den 3wed der Demonstration darin: ,, dem Gedanken der Solidarität der Arbeiterklasse in allen Kultur ländern Ausdrud zu geben, indem man gleichzeitig und einmütig für seine Forderung eintrat, von der alle überzeugt waren, daß fie ohne internationale Regelung schwerlich Aussicht auf Erfolg habe." Heute streiten sich die Arbeiter nicht mehr um den Sinn des 1. Mai. Bebels Auslegung ist auch heute noch die richtige. Wie schwierig die Abbaltung der Maifeste mar, ersehen wir aus einem Artikel August Bebels, der 1892 in der„ Reuen Zeit" erschien. 11. a. schrieb er: Das Fazit der ersten Maifeier war, daß überall, wo die De monstration durch Ruben der Arbeit begangen worden war, fo ins 1 besondere in Hamburg, teilweise in Berlin und anderwärts durch Die fapitalistische Produktion, die wesentlich Produktion von Mehrwert, Einsaugung von Mehrarbeit ist, produziert also mit der Berlängerung des Arbeitstages nicht nur die Berkümmerung der menschlichen Arbeitskraft, die ihrer normalen, moralischen und phn fischen Entwidlungs- und Betätigungsbedingungen beraubt wird. Sie produziert die vorzeitige Erschöpfung und Abtötung der Arbeitstraft felbft. Sie verlängert die Broduktionszeit des Arbeiters während eines gegebenen Termins durch Verkürzung seiner Lebenszeit. Der Wert der Arbeitstraft schließt aber den Wert der Waren ein, die zur Reproduktion oder zur Fortpflanzung der Arbeiterklaffe erheischt sind. Wenn also die naturwidrige Verlängerung des Ar. beitstages, die das Kapital in seinem maglofsen Trieb nach Selbft verwaltung notwendig anstrebt, die Lebensperiode der einzelnen Arbeiter und damit die Dauer ihrer Arbeitskraft vertürzt, wird rafdierer Erfaß der verschliffenen nötig, also das Eingehen größerer Berschleißkosten in die Reproduktion der Arbeitskraft, ganz wie der täglich zu reproduzierende Wertteil einer Maschine um so größer ist, je rascher sie verschleißt. Das Kapital scheint daher burch fein eigenes Intereffe auf einen Rormalarbeits tag hingewiesen. seine Arbeitsstelle gegangen. Heute nun hatte er sich längst an den Lärm gewöhnt, und wenn eine zu gewichtige Eisenstange ihm einmal die Schulter durchschumd, so rieb die Mutter sie ihm abends mit Schmalz ein. An anderen Uebeln litt er jetzt nicht mehr. Ja, und der halbnadte rußige Mann vor dem Feuerloch, der hätte zwar auch nur die Schultern gezudt und etwas Unverständ liches vor sich hin gebrummt, wenn jene gutgekleideten Leute ihn gefragt hätten, was denn er von der Fabrik wiffe. Aber nicht, weil er um die Antwort verlegen gewesen wäre. Nur hatte er, solange er denken konnte, das ganze halbe Jahrhundert hindurch, das er nun schon lebte, nie Zeit für etwas Ueberflüffiges gehabt, und diesen Fragern seine Antwort zu sagen, wäre ihm sehr überflüssig vorgekommen. Das war die Fabrit: Ein riesiges dunfles Ungeheuer, das am Morgen mit seinen geöffneten Toren nach den Arbeitern schnappte, die von Abendessen und Nachruhe und Frühstück einige Kräfte ge fammelt hatten, und das sie am Abend wieder ausspie, leere, aus. gepreßte Hülsen. So trieb sie es Tag um Tag, Jahr um Jahr. Wie Bampire saugten sich die Maschinen brinnen an den Menschen fest und tranken ihr Blut, und das Feuer, das die färglichen grünen Westchen im heimischen Herbe nicht anzufachen vermochten, dörrie hier mit höhnischer, glühender Flanime das Mart in den Knochen. Stunden täglich die Gehirne. Büng, Tscheng, Büng, Ticheng zerschlugen die Hämmer neun Das, genau das war die Fabrit, und wenn die lächelnden Ge. spräche solcher neugierigen Besucher einmal die Gedanken aller Arbeiter in Worte befreit hätten, so wäre diese Antwort auf ihre Frage wie ein einziger Schrei zum Himmel gestiegen. So aber schlief fie in Hirnen und Herzen. Für alle, die in der Fabrit arbeiteten, gab es teine Feiertage. Feiertage, das hieß: Tage, an denen gefeiert werden mußte, an benen der Verdienst fortfiel. Gewiß, die meisten Männer und Frauen hier hatten Kinder daheim, und wenn Weihnachten fam, gab es für die wohl einen Pfefferküchen und vielleicht gar noch eine Kleinigkeit dazu. Aber die Freude der Kinder hieß Hunger und Entbehrung der Eltern, denen der Tag gerade das nötigste brachte, das zum Leben gebraucht wurde, und deren Feiertage schon ohne die kleinsten Geschenke Tage des Darbens gewesen wären. Aber trotzdem bekamen die Kinder, wenn es irgend anging, zu Weihnachten ihre bescheidene Gabe, und Ostern und Pfingsten wenigstens eine extra faubere Schürze um oder eine Hofe an, deren Schäden die Mutter noch schnell in der Nacht vorher unter manchem sorgenden Seufzer geheilt hatte. Aber dann gesellten sich piöglich noch neue Ruhetage zu den von der Kirche eingefeßten. Schon lange war das Gespenst Kurzarbeit" heimlich umgegangen, hatte die Köpfe der Arbeitenden ein wenig tiefer noch gedrückt und des Nachts dié faum Entschlummerten mit einem jähen Rud wachgerüttelt. Dann gewann es eines Tages Ge ftalt. Zwei neue Feiertage in der Woche bescherte es die Erschreckten. Blaffer noch wurden die Gesichter, müder die Schritte. Der Frühling wuchs in Sonne und Regen. Der Festtag der Arbeit nahte. Ja, der war ein Festtag, tein Feiertag wie bie übrigen, bie traurige Stirnen und befümmerte Herzen grüßten. O, der halbnackte Mann vor dem Feuerloch hatte schon manchen ersten Mai gesehen, und manchen schaffen helfen. Nicht leicht war das oft gewesen, und an den einen freien Tag hatten sich anfangs gleich frete Wochen geschlossen; denn die Aussperrung war gefolgt. Aber der Stampf war gefämpft worden, immer wieder, Jahr um Jahr, und der Kampf war ihre Maifeier gewesen. Treulich hatten sie die Tage aneinander gereiht, der Zukunft einen Weg zu bauen. Denn nicht um des Wtta�chm Glanzes wMen begehrten ste sa �hren� Tag. Sondern sie schmückten ihn ein wenig und ehrten ihn in ihren heften Gewändern, eben weil e»„Ihr" Tag war, weil er den Blick erschloß in eine künftige, besser« Zeit: denn das Symbol der Einig- kcit aller Arbeiter muß und wird eines Tages die Einigkeit oller Arbeiter schaffen, und jeder von ihnen wird dann fühlen, daß er nichts ist als ein Teil aller, und daß Leid oder Freud« ihn treffen und alle mit ihm. Wenn aber dann di« Arbeiter aller Stände und Nationen sich zu der«inen gigantischen Gestalt des Arbeiters»er- schmolzen hoben, dann wird er die Welt umschmieden nach seinem Gesetz, und sie wird Raum und Nahrung haben für olle. Das wußte der rußige Mann vor dem Feuerloch, daran glaubte er, und daran lehrte er die Jungen glauben. Und so waren alle Jahre mehr Menschen aus der Fabrik am ersten Mai ausgezogen, die Zukunft zu grüßen. Dann stand auf den Stirnen der Männ«r und Frauen ein leichter Glanz, w«nn die Lippen dt« Worte lächelten: „Unseren Kindern!"' Denn all« die Erwachsenen begriffen wohl, daß sie nur die Bereiter eines Weges waren, den ein« künftig« Generation gehen würde. Aber gerade das machte sie froh, daß es ihnen oer- gönnt wa.r, neben der vergänglichen, traurigen Arbeit ihres M- tags Besseres, Unvergängliches zu leisten. Diesmal freilich gab es in den Familien manch« sorgenvollen Gesichter, wenn vom ersten Mai gesprochen wurde.„Bedenke. Mann. noch ein freier Tag in der Woche", sagt« auch manche sonst tapfere Hausfrau traurig. Ja, noch ein Tag ohne Verdienst, das war schon schlimm. Aber eigentlich gab es ja in der Fabrik reichlich Arbeit, mehr, als bewältigt werden könnt«. Dielleicht würde sich der Direktor bewegen lassen, wenigstens statt des ersten Mai» an einem anderen Tag arbeiten zu lassen. Also ging der rußige Mann vor dem Feuerloch eines Tages zu ihm. Mit stockenden und ungefügen Worten bracht« er fein An- liegen vor, denn die Einwände des Redegewandten sprangen ihm immer als Hindernisse dazwischen: und als sie ihn nicht scheitern ließen, formten sie sich zum unmißverständlichen„Nein". So gab es in dieser Woche eben nur drei Arbeitstag«, aber �viel, viel Sonne am ersten Mai, und blitzsaubere Kleider, deren zahlreiche Schäden sorglich ausgebessert waren, und blitzsaubere Menschen, die ihren knurrenden Magen vergaßen bei dem träft- lichen Gedanken:„Unseren Kindern!" Der Direktor aber hatte eine� sorgenvollen Tag: denn er wußte ja am allerbesten, daß ganz and«r« Gründe al» Arbeitsmangel die Einführung der Kurzarbeit bestimmt hatten. Und nun blieben noch mehr der dringendsten Arbeiten liegen, und der Tag war nicht mehr fern, an dem wieder mit der Dollarbeit begonnen werden mußte. Cr war recht ärgerlich. Doch als am Abend des ersten Mai» fein erster Sohn geboren wurde, freute er sich sehr, und beschloß--- den Geburtstag des Kindes künstig am zweiten Mai zu feiern. " Drei Köpfchen. von Scholem illejchem. (Aus dem Jüdischen von A. Suhl.) Hätte der Dichter statt der Feder den Pinsel des Malers oder merngstens den Apparat des Photographen, dann würde ich dir, Fre�Irtb, ein BfCb zum Pfingstg«schenk machen, eine erlesene Gruppe von drei jungen, schönen, prächtigen Köpfchen dreier armer, halb- nackter, barfüßiger jüdischer Kircher. Alle drei Köpfchen sind schwarz, di« Haare gelockt, die Augen groß, alänze-nd. brennend� und wie verwuichert gucken sie euch an und fragen die Welt: Warum? Ihr schaut sie an tnch bestaunt sie, und ihr fühlt euch wi« sündig vor ihnen, als wenn ihr wirklich daran schuld wäret, daß sie erschaffen wurden— noch drei über- flüssige Wesen auf der Welt erschaffen!... Die drei schönen Köpfchen, Abramtschik, Mossiejtschik und Dewojrka, sind zwei Brüder und ein kleines Schwesterchen. Abram- tschik und Mojssejtschik— so tost sie ihr Vater. Pejsse der Buchbinder, auf russische Art. Wenn er sich nicht vor seinem Weib« Pessi schämt« und nicht so bitterarm war, würde er seinen eigenen Namen auch umändern: aus„Pejsse der Buchbinder" in„Peti Pereplotfchik". Doch da er fein Weib Pefsi ein bißchen fürchtet und da er— nicht euch zugedacht— ein rechter Habenichts ist. behielt er vorläufig seinen alten Namen„Pejsse der Buchbinder", bis die gute Zeit cimnal kommt, jene glückliche Zeit, wo alles anders werden wird. so wie Bebel sagt, und so wi« Karl Marx sagt, und so. wi« alle guten, klugen Leute sagen— dann, ja dann wird alles anders werden!... Doch bis die gute, glückliche Zeit einmal kommt, muß man vorläufig vom frühen Morgen bis zum späten Abend dastehn und Pappe schneiden uvd Kästchen und Schachteln leimen... Und Pejsse der Buchbinder steht den ganzen Tag auf den Füßen und schneidet Pappe und llebt Schachteln und singt dabei alte und neue jüdische und nichtjüdische Liedchen, meist fröhlich-traurige mit fröhlich- trauriger Melodie. „Ob du wohl mal aufhörst mit deinen Christenliedern?! Hat sich da ein Mensch nicht zu knapp in die Christen verliebt! Seit wir in die groß« Stadt gezogen sind, ist er ein ganzer Ehrist geworden. du Nebe Zeit!" * Alle drei, Abramtschik, Mojssejtschik und Dewojrka, stnd am gleichen Ort geboren und aufgewachsen: zwischen der Wand und dem Ofen: all« drei haben jeden Tag ein. und dasselbe vor Augen: den fröhlichen Dater, der Pappe schneidet, Schachteln klebt und Lieder singt, und die sorgenvolle, dürre Mutter, di« kocht und backt und fegt und räumt und niemals fertig ist. Beide find stets bei der Arbeit: die Mutter am Ofen, der Vater stets bei den Schachteln. „Wozu braucht man so viel Schachteln? Wer braucht denn so viel Schachteln? Da muß vielleicht die gange Welt voll Schachteln sein?..." Sa denken die drei schönen Köpfchen und könnens kaum er- Marten, daß fich viel« viele Schachteln beim Bater ansammeln und er sie allesamt aus den Kopf und in di« beiden Arm« nimmt— vielleicht taufend Schachteln— und daß er mit ihnen auf den Markt geht und zurückkommt ohne Schachteln, aber mit Geld für die Mutter und mit Brötchen, Bretzeln oder Zuckerzeug für die Kinder. Ein guter, och, ein guter Vater ist das bei ihnen, ein Goldvater! Die Mutter ist auch gut, aber streng. Es fetzt bei ihr oft einen Klaps, einen Rippenstoß, oder sie zieht einen an den Ohren. Sie liebt es nicht, daß man ihr einen Schweinestall macht. Sie will nicht, daß die Kinder Dater und Mutter spielen: sie will nicht, daß Abramtschik die.Pappabsälle schneidet, daß Mojssejtschik beim Bater Kleister maust und daß Dewojrka Brot aus Sand und Wasser backt... Die Mutter will, daß die Kinder sMsitzen, sittsam, die, Mutter weiß wahrscheinlich nicht, daß jung« Köpfchen arbeiten, daß jung« Seelen lortstreben. fortstreben, fortstreben— wohin?... Hinaus zum Licht! Zum Fenster! Zum Fenster! • Alles in gllem«in Fenster,«in bißchen Fenster. Alle drei Köpfchen streiten sich um da, bißchen Feister. Und was sieht man dort: eine Wcnch. Eine hohe, breite, graue, nasse Wand, Immer und ewig ist sie naß. Sogar im Sommer!... Kommt hier einmal die Sonne her? Freilich kommt hier einmal die Sonne her. Das heißt, nicht die Sonn« selber, sondern ein Abglanz von der Sonne. Und dann ist's ein Fest. Alle drei schönen Köpfchen drücken sich an das bißchen Fenster, gucken hinauf, ganz nach oben hinau und sehen einen langen, schmalen, blauen Streifen, wie ein langes, blaues Band. „Da! Seht ihr, Kinder? Dos ist der Himmel!" So sagt Abramtschik. Abramtschik weiß es. Abramtschik geht in die Kleinschule. Er lernt schon das A. Die Kleinschul« ist eben da in der Nähe das nächste Haus, das Hecht die nächste Tür. Ach, was Abramtschik bloß für verwunderliche Sachen von der Schule erzählt! Abramtschik erzählt, daß er es selbst gesehen hat, er möge so olles Gute sehen, einen Schornstein, einen hohen Schornstein. Mai. Das ist der erste Tag im Mai, Voll Vogelsang und Blütenfreude. Das lockt und ruft: Herbei. Herbei! Die Wiese steht im Feierkleide. Das ist im Mai der erste Tag! Er kommt, uns seine Kraft zu leihen. Die Hände ruhn, kein Hammerschlag Soll diesen unfern Tag entweihen. Ein Schweigen ist, das lauter spricht, Als aller Heere Waffengrollen. Tief atmend reckt sich auf zum Licht Ein Riese, stark in seinem Wollen. „Ich will/ so klingt sein Donnerwort, „Daß endlich Friede sei auf Erden!* Ein Echo hallt von dort und dort: »Ja. Friede, Friede soll es werden!" Die Saat steht grün. Die Hoffnung weht Wie Morgenbrise frisch im Maien. Geduld! Im warmen Mittag steht Der Bund der Völker und der Freien. Und nicht gebückt, nein, aufrecht frei, Umflutet von des Tages Schöne, Zieh'n in den ersten Weltenmai Der freien Arbeit stolze Söhne. Otto Meier. r~rr-rrr-rrn�rriTi�� und aus dem Schornstein raucht's... Abramtschik erzählt, daß er es selbst gesehen hat. er möge so alles Gute sehen, eme Maschine, auf der näht man ohne Hände... Abramtschik erzählt, daß er e» selbst gesehen hat, er möge so alles Gute sehen, einen Wagen, der fährt ohne Pferde. Und noch mehr solcher Wunder erzählt ihnen Abramtschik aus der Schule und schwört dabei, wie die Mutter schwört— er möge alles Gute sehen... Und Mojssejtschik und Dewojrka hören ihm zu und' seufzen und beneiden ihn. daß Abramtschik alles weiß, alles! « Zum Beispiel: Abramtschik weiß, daß ein Baum wächst. Aller- dings, er selbst hat noch, so wenig wie sie, gesehen, wie«in Baum wächst. Es gibt keine Bäunie äuss der Straße. Es gibt kein'el Er weiß aber(in der Schule hat er es gehört), daß auf dem Baume Früchte wachsen, und deswegen sprechen wir über eine Frucht den Segen.dem Schöpfer der Frucht des Baumes". Abramtschik weiß (was weiß er denn nicht?), daß Kartoffeln z. B. oder Gurken oder Zwiebeln oder Knoblauch auf der Erde wachsen— unh deswegen sprechen wir über sie.dem Schöpfer der Frucht der tkrde". Alles weiß AbramtschiiI Er weiß nur nicht, wie und wi�so das wächst, denn da gibt's kein Feld, gibt's keinen Garten, gjIl s kein Gräschen — es gibt keins! Gibt keinsl In ihrer Straße gibt's riesige Häuser, graue Wände, hohe Schornsteine, aus denen es raucht, und Fensterchen viel in jenem riesigen Hause, tausend, tausend Fensterchen, und Maschinen, die ohne Hände nähen, und Wagen, die ohne Pferde fahren— und sonst nichts, gar nichts! Sogar ein Böglein sieht man hier selten. Verirrt sich mal ein Spatz hierher, ja, der ist grau wie die graue Wand. Pickt, pickt die grauen Steine, steigt auf und fliegt davon... Don Geflügel kriegen sie einmal zum Sabbat«tn Viertel Huhn zu sehen mit ejnem blassen, ausgestreckten Fühchen. .Wieviel Fühchen hat ein Huhn? Selbstverständlich vier! Guck doch ein Pferd!" So entscheidet der ältere Abramtschik. Und Abramtschik weiß ja alles!... Die Mutter bringt mal ein Hühnertöpfchen vom Markt mit gebrochenen Aeuglein, überzogen von einem dünnen weißen Häutchen....'s ist tot!" sagt der ältere Abramtschik, und alle drei Köpfchen gucken einander an mit großen schwarzen Augen und seufzen. Geboren und ausgewachsen in her großen Stadt, in dem riesigen Hause, in großer Enge, in Elend und Armut, haben alle drei Kinder noch me Gelegenheit gehabt, weder Geflügel, noch Rind, noch sonstiges Getier lebend vor Augen zu sehen, außer einer Katze. Da haben sie eine eigene, eine lebendige große Katze, grau wie die große nasse Wand.., Die Katze ist ihr ganzes Vergnügen. mit der Katze spielen sie stundenlang, binden ihr ein Tuch um den Kops, nennen sie.Frau Gevatterin" und lachen, lachen, lachen über die Maßen! Da erblickt'» die Mutter und teilt ihnen aus: schenkt dem einen Klaps, dem einen Rippenstoß, den zieht sie beim Ohr. Die Kinder gehen auseinander, jedes an feinen Ort hinterm Ofen. Der ältere Abramtschik erzählt etwas, und die kleineren Mojssejtschik und Dewoirka hören zu, gucken ihr älleres Brüderchen mit großen Augen an und hören zu. Abramtschik sagt, daß man mit einer Katze nicht spielen darf, weil eine Katze ein sündhaftes Tier ist und ein Teufel. Alles weiß Abramtschik, alles! Gibt es wohl etwas auf der Welt, was Abramtschik nicht weiß? * Alles weiß Abramtschik! Abramtschik weiß, daß es ein Land gibt, ein fernes Land, ein sehr fernes Land, das nennt man Amerika. Dort, dort in dem Amerika ist's den Inden, unberufen, gut und fröhlich. Dorthin, nach dem Amerika, werden sie hinüberfahren, wenn Gott will, übers Jahr, wenn sie von dort Schiffskarten be- lonnnen werden. Ohne Schiffskarten kann man nicht nach Amerika fahren, weil da Meer ist, und aus dem Meer ist ein Sturniwind, und es wirft fürchterlich hin und her— alles wecß Abramtschik. Alles! Sogar wie's im Jenseits aussieht. Zum Beispiel, er weiß, daß es im Jenseits ein Paradies gibt, für Juden natürlich: im Paradies gibt's Bäume viel, mtt den schönsten Früchten. Bäche, die von Oel fließen, Brillanten und Diamanten liegen in den Gassen umher, bück dich, nimm und stopf dir die Taschen voll: fromme Juden sitzen dort Tag und Nacht und lesen die heiligen Schriften und sonnen sich im Abglanz Gottes... Sa erzählt Abramtschik, und bei Mojssejtschik und bei Dewojrka brennen die Augen, und sie beneiden ihr älteres Brüderchen, daß er alle» weiß, alles weiß tri Sogar Wirt in Himmel-usfiehi. Abramtschik schwört, daß zweimal im Jahr— Laubhüttenfest in der Nacht und Pfingsten in der Nacht— sich der Himmel öffnet, Allerdings, er selbst hat noch nie gesehen, wie sich der Himmel öffn«. weil es bei ihnen keinen Himmel gibt Dafür aber haben es seine Kameraden gesehen. Sie schwören, daß sie es selbst gesehen haben, sie mögen so alles Gute sehen. Sie werden doch nicht falsch schwören. Wie darf man falsch schwören? Schade, daß es bei ihnen auf der Straße keinen Himmel gibt. Es gibt einen langen, schmalen Streifen, wie ein langes, schmales blaues Band. Was kann man auf so einem Stückchen Himmel sehen, außer zwei, drei kleinen Sternchen und einen Abglanz vom Mond?... Und um seinen jüngeren Bruder Mojssojischik und sein kleine« Schwesterchen Dewojrka davon zu überzeugen, daß der Himmel sich öffnet, geht Abramtschik zur Mutter, zieht sie an der Schürze: »Mutter, nicht wahr, heute zu Pfingsten Mitternacht öffnet sich »der Himmel?" .Den Kopf werde ich dir öffnen!" Von der Mutter so übel abgefertigt, wartet Abramtschik auf den Bater. Der Vater ist auf den Markt mtt einem wahren Reichtum an Schachteln. .Kinder! Run ratet mal, was uns der Dater heute vom Markt mitbringt?" So sagt Abramtschik und die.Kinder" fangen an zu raten« was der Dater ihnen vom Markt mitbringen wird. Sie zählen an den Fingern alle» her, was es auf dem Markt gibt, alles was des Menschen Auge sehen und des Menschen Herz gelüsten kann. Brötchen und Bretzeln und Zuckerzeug— und keiner hat's erraten, und ihr werdet's, fürchte ich, auch nicht erraten! Pejsse der Buchbinder, brachte diesmal weder Brötchen, noch Bretzeln, noch Zuckerzeug: Gras brachte er mit, einen Packen Gras, merkwürdige, lange. dustende, grüne Gräser. Und alle drei schönen Köpfchen, Abramtschik, Mojssejtschik und Dewojrka, umringten den Vater: .Vater, wa» ist das. das da?" .Das ist Grünes." .Was heißt das, Grünes?" .Grünes zum Feiertag. Juden brauchen Grünes am Feiertag." »Wo kriegt man das, Vater?" .Wo man es kriegt? Hm.«. auf dem Markt kaust man'«. auf dem Markt..." So jagt der Dater, und er wirst das grüne, duftend« Gras über die eben gefegte Stube auseinander, und er strahll, daß es grün ist, und daß es duftet, und er sagt zur Mutter, fröhlich, wie e» seine Art ist: .Pessi, frohe Feiertage!" .Ich gratuliere, ein neuer Schweinestall! Seine Rabenkinder werden wieder was zu dreckern haben!.. So antwortet ihm die Mutter, unzufrieden wie immer, und schenkt, wie immer, den Kindern: dem einen Klaps, dem einen Rippenstoß, den zieht sie am Ohr. Eine merkwürdige Mutter ist das d« ihnen! Niemals ist sie zufrieden, stets unwirsch, immer in Sorgen, genau das Gegenteil vom Daterl Und die drei schönen Köpfchen gucken auf die Mutter, gucken auf den Bater, gucken aufeinander. Und wenn sich die Ettern weg- wenden, werfen sie sich alle drei auf den Boden, wühlen das Gesicht ins duftende Gras ein, küssen dos duftende Gras, das man Grünes nennt und das Juden zum Feiertag brauchen und das man auf dem Markt kauft... Alles gibt's auf dem Markt, sogar Grünes. Alles kauft der Vater.. Alles brauchen Juden, und olles haben Juden. Sogar Grünes. Sogar Grünes!,,,___ ' V I Gruß an Sie weit. Du, wer immer du seist! Du Sohn oder Tochter England»! Du aus den mächtigen Slawenstämmen und-reichen! Du Russe in Rußland! Du dämmerentstammter schwarzer, göttlich beseelter Afrikaner, groß, schmalschädlig, rassig gebaut, zu Stolz geboren, du gleich und gleich mit mir! Du Norweger, Schwede, Däne, Isländer, Preuße! Du Spanier und Portugiese!' D» Mann oder Weib aus Frankreich! Du Belgier! Du Freiheitsfreund in den NiÄerlanden(du Stamm, aus dem ich selber erwachsen)! Du standhafter Oesterreicher, Lombarde, Ungar und Böhme! Lauer in Steiermark! Du Nachbar der Donau! Du Werkmann vom Rhein, von Elbe und Weser! Du verkftau auch! Sardinier! Bayer! Schwabe! Sachse! Wallache! Bulgar! Du Römer! Grieche und Neapolitaner! Du geschmeidiger Matador in Sevillas Arena! Du rechtlos lebender Bergräuber im Tauru» und Kaukasus! Du kroatischer Pferdehirt, dein« Stuten bewachend und Hengste fütternd! Du schöngewachsener Perser, aus dem Sattel in vollem Galopp Pfeile schießend ins Ziel! Du Chinese in China! Tatar in der Tatareil Ihr Weiber der Erde, unter eure Arbeit gebeugt! Du Jude, pilgernd im hohen Aller durch alle Gefahr, um einmal auf syrischem Boden zu stehen! Ihr anderen Juden, wartend in allen Ländern auf euren Messias! Du gedankenvoller Armenier, sinnend an einem der Euphratflüsse! auftauchend zwischen den Trümmern Ninioesl steigend empor zum Berge Ararat! Du wundfllßiger Pilger, grüßend da» ferne Blinken der Minarette von Mekka! Ihr Schelks und Herrscher eurer Sippe und Stämme entlang der Enge von Suez bis Bab-el-Mandeb! Ihr Olivenbauer, die ihr eure Früchte zieht auf den Feldern von Nazareth, Damaskus und See Tiberias! Du Händler aus Tibet im weiten Hochland oder schachernd in den Ländern von Lhassa! Japaner, Mann und Weib! Bewohner von Madagaskar, Ceylon, Sumatra. Borneo! Alle vom Festiande ihr in Europa. Asien, Afrika, Australien, gleich. viel wo! Alle ihr von den zahllosen Inseln der Archipels der See! Und ihr, Jahrhunderte später Geborene, wenn ihr mir lauscht! Und du, ein jeder und überall, den ich nicht nenn«, doch mtt um» schließe: Hell euch allen und guten Wut von mir und Amerika! Jedes von uns unerläßlich, Jedes von uns unbegrenzt— jedes von uns mtt seinem und ihrem Recht auf die Erde, Jedes von uns beteiligt am ewigen Sinn der Erde, Jedes von uns so göttlich hier wie irgendeins. Walt Whitman. (Ammkanischer Dichter 1819—18924