Abendausgabe Nr. 207 ♦ 43. Fahrgaag Ausgabe B Nr. 102 «c,ugsbel>ingunz«n unk Vntciseuutttf« lind in der SlntRenaunnabt snatueken Hedafllon: STD. 69, Cindeaflcab* 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 297 lel.-vdresse: Sozial demolrot Berlin Verlinev VoMsblatt (�10 Pfennig} » Dienstag 4. maf 1�26 Stilat unk BnietflenaktcUunt: «rschäftoirit 9—8 Ukt v-riegeri vorwärto-verlag GmbH. Berlin STD. 68, Llndenffrahe 3 Fernsprechern Dönhoff 202— 307 Zcntralorgan der Sozialdcmohratifchcn parte« Deutfchlands Dem volksentftheiö entgegen. Im Nechtsausschnsj alles abgelehnt.— Dritte Lesung im Reichstag bevorstehend. Volksentscheid voraussichtlich Mitte Juni. Der Rechtsausschuß des Reichtags hat heute morgen das Volksbegehrensgesetz und die zum Gesetz gestellten Abände- rungsanträge der Demokraten und des Zentrums beraten. Am Schluß der Beratung wurden sowohl das Volks- begehrensgesetz als auch die beiden Anträge ab- gelehnt, das Volksbegehrensgesetz mit 10 gegen 17 Stim- men, der demokratische Antrag mit zwei gegen alle übrigen, der Zentrumsantrag mit 6 gegen 21 Stimmen. Die Arbeit des Rechtsausschusses ist damit erledigt. Der Regierungs- entwurf, der heute im Reichstag beraten wird, hat mit dem Volksentscheid nichts zu tun. Die dritte Lesung des Dolksbegehrensgesetzes im Plenum des Reichstags ist nun in kürzester Frist zu erwarten. Das Ergebnis der Beratung wird, rme vorauszusehen ist, die Ablehnung des Volksbegehrensgesetzes sein. Damit ist die Bahn frei für den Volks- entscheid. Als Termin für den Volksentscheid kommt voraussichtlich Mitte Juni in Detraiyt. Die Sitzung Oes Nechtsausschusses. Der Rechtsausschuß des Reichstage trat unter Vorsitz des Abg. D. Dr. Kahl(D. Dp.) wiederum zusammen, um die Fürstenabsin- dungsfrage zu beraten. Vor Eintritt in die sachliche Beratung erklärte Abg. Schulte- Breslau(Ztr.), es erscheine erwünscht, zunächst über die aufgetauchten verfassungsrechtlichen Fragen eine Aussprach« im Ausschuß und eine Stellungnahme der Reichsregierung herbeizu- führen. Neben das durch das Voltsbegehren oerlangte Ge- fetz seien durch die Anträge der demokratischen Fraktion und des Zentrums zwei abändernde Gesetzesvorschläge gestellt worden. Bevor m die n materielle Beratung dieser Gesetzesoorschläge eingetreten werde, empfehle es sich die Frage zu klären, m i t welchen Mehrheiten diese abändernden Gesetze angenommen werden müßten, um neben das Dolksbegehrensgesstz gestellt werden zu können. Insbesondere sei es erwünscht, daß seitens der Reichs- regierung erklärt würde, wie sie sich zu diesen oerfasiungsrechtlichen Fragen stelle. Er bäte also, zunächst ein« Aussprache über diese Fragen zu beschließen. Abg. Dr. Haas(Dem.) schloß sich diesen Ausführungen des Zentrumsredners an. Abg. Dr. Rofeafeld(Soz.) erklätte namens seiner Fraktion: Die sozialdemokratische Fraktion hat der Ueberweisung des Gesetzentwurfs für das Volksbegehren und der von den Demokraten und dem Zentrum zu diesem Gesetzentwurs gestellten Abänderung?- antrüge an den Rcchtsausschuß lediglich deshalb zugcstimm«, weil die Veralung im Ausschuß von zwei großen Fraktionen des Reichs- tags gewünscht wurde, nicht aber, weil uns eine Beratung im Aus- fchuß aus sachlichen Gründen als geboten erschien. Der G es e tz- entwurf des Volksbegehrens ist als sozialdemokratischer Abänderungsantrag zum Kompromißvorschlag der Regierungspar- teien bereits in zwei Lesungen«ingehend beraten worden, so daß eine neue Beratung im Ausschuß neue Gesichts- punkte nicht mehr zutage fördern kann und daher zwecklos erscheinen muß. Auch der materielle Inhalt der von den Demokraten und dem Zentrum gestellten Abänderungsanträge ist in allen Sitzungen des Rechtsausschusses durchgesprochen worden, so daß auch die Ausschußberatung dieser Anträge� überflüssig ist. Die Fraktionen der Demokraten und des Zentrums fordern außer- dem in der Form von Abänderungsvorschlägen so weitgehende Aenderungen des Volksbegehrens, daß durch sie das Volksbegehren auf Enteignung der Fürstenoermögen in einer Weife umgestaltet werden würde, die den Wünschen der 12� Millionen Wähler und Wählerinnen, die das Volksbegehren gesordett habest, in keiner Weise entsprochen würde. Der demokratische Antrag läuft daraus hinaus, au» der Ent- eionung der Fürstenhäuser eine bloße Abfindung derselben zu mächen. Der Fentrumeontraq bringt keine endgültige Entscheidung. sondern lediglich die Verweisung der Entscheidung an ein Gericht. eine Regelung, die unsere Zustimmung nicht gesunden hat. sondern immer von uns bekämpft worden ist. Es kommt hinzu, daß das Volksbegehren der schleunigsten Behandlung bedarf und daß es, nachdem fast ein Drittel des deutschen Volkes die Abstimmung über den Ge- setzentwurj des Volksbegehrens gefordert hat, geboten erscheint, zu- nächst der Durchführung des Volksbegehrens freien Lauf zu lassen. Bei dieser Sachlage werden meine Freunde sich bei der Beratung des Nechtsausschusses die äußerste Beschränkung auserlegen, in der Debatte nur eingreifen, wenn irgendwelche unvorhergesehene Er- örterungen stattfinden sollten, und alles tun. um so schnell wie möglich die veralunq des Ausschusses zu Ende zu führen und das Volks- begehren durchführen zu lassen. Auch die Vertreter der übrigen Parteien stimmten darin über- ein, daß jetzt mit allergrößter Beschleunigung be- roten werden müßte und langwierige Verhandlungen vermieden werden müßten. Freiherr v. Richthofen(Dem.) wünscht eine Klärung der Frage. ob zur Gegenüberstellung eines Gesetzentwurfs gegenüber dem Volksbegehren eins einfache Mehrheit des Reichstages aus- reiche. Der Ausschuß tritt alsdann in die Erörterung dieser Frage ein. Genosie Rosenfeld erklärt, daß nach der Auffassung seiner Freunde weder der Gesetzentwurf des Volksbegehrens noch die Gegenvorschläge des Zentrums und der Demokraten verfassungs- ändernden Charakter trügen, infolgedessen auch nur ein- fache Mehrheit zur Gegenüberstellung der Zen- trums- und demokratischen Anträge gegenüber dem Volksbegehren erforderlich sei. Die Regierung aber und die bürgerlichen Parteien seien anderer Meinung. Wenn also wirklich diese Anträge die Verfassung änderten, sei eine Zwei- drittelmehrheit erforderlich, um sie dem Volksentscheid entgegen- zustellen. Die Vertreter der Demokratischen Partei und des Zentrums vertraten den entgegengesetzten Standpunkt, i Für die Regierung erklärte Ministerialdirektor Brecht, daß, wenn die Abänderungsanträge einen verfassungsändernden Charak- ter trügen, was die Regierung annehme, dann auch nach seiner Auffassung— die Reichsregierung habe noch nicht Stellung ge- nommcn— eine Zweidrittelmehrheit erforderlich sei, wenn außer dem Gesetz zum Volksbegehren noch Anträge anderer Art zur Volks- abstimmung gestellt werden sollten. Dieselbe Auffassung vertrat auch Ministerialrat Teisenberg, der auf Grund des Gesetzentwurfs zum Voltsentscheid dieselbe Aus- fassung hat. Aus ein« Anfrage des Genossen Landsberg erwiderte Mini- sterialdirektor Brecht, daß eine Aerösfentlichung des vom Reichstag be- schlossenen Gegengesetzes im Reichsgesetzblatt Nicht zu erfolgen habe. Abg. v. Richllzosen erklärt, daß nach dieser Auffassung der Reichs- regierung eine weitere Erörterung überflüssig sei, es käme nur in Frage, das Gesetz für den Voltkentscheid dahin zu ändern, daß eine einfache Mehrheit ausreiche/ Ministerialdirektor Brecht erwiderte, daß ein« Aenderung des Gesetzes wünschenswert sei, da die von ihm aus Grund des geltenden Gesetzes vertreten« Ansicht nicht befriedigen könne. Der Ausschuß wendet sich dann der Frage zu, ob bei einer Abstimmung über zwei Entwürfe die Wahlberechtigten für beide Entwürfe stimmen könnten. Nach dem Vortrag entgegengesetzter Auffassungen durch die Vertreter der verschiedenen bürgerlichen Parteien erklärt Ministerialrat keysenberg, daß eine Eventualabsiimmung nicht zulässig sei, die Wähler könnten entweder nur für den einen oder den anderen Gesehentwurs stimmen. Nunmehr tritt der Ausschuß in die sachliche Beratung der Anträg>e ein. Der Gesetzentwurf des Volksbegehrens wird von 17 Stimmen aller bürgerlichen Parteien gegen die 1l) sozialdemokratischen und kommunislisthen Stimmen a b g e> lehnt. Für den d e m o k r a t i s ch e n Antrag, der den Fürsten eine angeinessene Absinduna geben will, stimmen nur die beiden Demokraten. Der Zentrumsantrag auf Einsetzung eines Gerichtes, das eine angemessene Auseinandersetzung vornehmen soll, findet nur die Zustimmung des Zentrums und der Demokraten. Der Antrag wird mit 21 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Damit hat der Rechtsausschuß entschieden, daß nur der Gesetz- entwurf des Volksbegehrens zur Volksabstimmung gelangt. Schließlich soll der Ausschuh noch sich gutachtlich darüber äußern, ob der Gesetzentwurf des Bolksbegehrens vertassungsändern- den Charakter habe. Genosse Rofenfeld beantragt, die Vor- legung eines Rechtsgutachtens des Reichsministers Preuh, in welchem dieser ausgesprochen hat, daß die Enteignung der Fürsten ohne Ver- fassungsänderung durchgeführt werden könne. Die Regierung er- klärt sich bereit, das Gutachten vorzulegen. Bei der Abstimmung spricht sich der Rechtsausschuß mit 14 gegen 12 Stimmen dahin aus, daß der Gesetzentwurs vecsassungsänsern- den Charakter habe. Damit.sind die Beratungen des Rechtsaue- schusscs beendet. Der Gesetzentwurs hes Volksbegehrens gelangt nun- mehr zur Bornahme der zweiten und dritten Lesung an das Plenum des Reichstags. Der Generalstreik durchgeführt. Abbruch aller Verhandlungen- Völlige Berkehrsruhe im Lande. eondon. 4. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Schlag Mitter- noch« stellten die Omnibusse und Untergrundbahnen ihren DIeffst ein und wurden ordnungsgemäß, entsprechend den Weisungen der Streikleitung, in ihre Depots zurückgebracht. Die Sewerk- schaft der Elsenbahner hat angeordnet, daß um Mitternacht der gesamte Zugverkehr eingestellt wird. Aus der Cuslen-Eisenbahn- slation. die den verkehr mit dem Norden vermiltel». beendeten die Eisenbahner ordnungsgemäß die Nachtschicht, doch meldete sich niemand zur Frühschicht. Aus der Waterloo-Station gingen, nach einer um 1,30 Uhr eingegangenen Mitteilung, die Züge regelmäßig ab. bis die Eisenbahner ihre Arbeitsschicht beendet hatten. Der Nachtdienst der Straßenbahnen, der um 7 Uhr morgens endet, ist durchgeführt worden. Von den Londoner Morgenblätlern waren bis zwei Uhr morgens„Daily GraphicR„Daily News".„West- minsker Gazette- und das Arbciterblat«„Daily herald- hcraus- gekommetz� zum Teil mit eingeschränkter Seitenzahl. Von..Daily Mirror- und„Daily Telegraph- wurden nur einige Exem- p l a r e ausgegeben, die im nächsten Augenblick vcrgrissen waren. Zn den frühen Morgenstunden erschienen weiter„Daily Chroniclc-, „Daily Expreß-,„Times- und„Morning Post-, zum Teil m i t stask eingeschränkter Blätterzahl. London. 4. Mai. vormittags.(Eigener vrahlberlcht.) Die Straße bietet das bei Verkehrsstreiks gewohnte Bild einer endlosen Völkerwanderung von Angestellten, die den Weg zu ihren Arbeitsplätzen zu Fuß zurücklegen. Es verkehrt kein Omnibus. keine Trambahn, keine hock,, oder Untergrundbahn: dasür sieht man viele private Motorfahrzeuge, wobei die ältesten Wagen wieder in Dienst gestelN wurden. Eonvent Garden, das Zentrum für die Gemüse- und Obstversorgung Londons, bietet einstweilen das gewohnte Bild, jedoch sind die P r e i s e u m 50 P r o z. gestiegen, trotz der„Festsetzung von Höchstpreisen-. Die Milchversorgung geschieht noch hu 50 Proz„ die übrige Milch ist nach der von der Regierung eingerichteten Zentrale für die Milchversorgung Im Hude- Park geschafft worden. Der Eiscnbahncrocrband sowie sämtliche übrigen verbände, in denen Cisenbahnbedienstete organisiert sind, hoben an sämtliche Ortsgruppen noch am Montag nacht die Weisung ausgegeben, keinerlei Züge zu fahren. Diese Weisung ist durchweg befolgt worden. Die Bahnhöfe sind gesperrt. Die Zeitungen wurden In der Rächt zwar noch größtenteils gedruckt, aber nicht mehr ausgegeben. Der Verband der S e lz e r halte für seine Mitglieder folgende Weisung ausgegeben: Die Tagarbeiter beenden ihre Arbeit am Montag abend, die Rachlarbeilcr zur normalen Stunde am Dienstag früh, die Schichtarbeiter arbeiten zuletzt die am Montag nacht beginnende Schicht. Aehnlich lausende Znstruk- tionen sind von den Gewerkschaften der Elsen- und Stahlindustrie. der Metall- und chemischen Industrie, ferner für die Arbeiter des Baunewerbes und der Erzeugung von Elektrizität und Gab für Kraft ausgegeben worden. Soweit sich die Lage am Dienstag morgen übersehen läßt, sind die Weisungen der Gewerkjchajte« durchweg befolgt worden. Millionen von Arbeitern haben erst heule früh von dem tatsächlichen Znkrasltreten des Generalstreiks Kenntnis erhallen. flllgemelne Stillegung im ganzen Lan5e. London, 4. Mal.(WTB.) Reuter verbreitet folgende Mit- teilung: Es bestehen zurzeit keineneuenAnzeicheu sureine Wiederausnahme der Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Gewerkschaslskongreß. Aus dem ganzen Lande wird die allgemeine Stillegung der lebenswichtigen Betriebe gemeldst. Znsbesondere in Manchester und S ü d w a l e s ruht der Eisenbahn- und Straßen- bahnverkehr vollkommen, wo noch Verkehrsmittel in Betrieb sind, wird der Dienst von Freiwilligen geleistet. /lufforSerung zum Streikbruch. London, 4. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Regierung erlieh durch Rundfunk einen dringenden Appell an die Buch- d r u ck e r und Seher, sich an bestimmten Sammelplätzen zur verjügung zu stellen. Sie garanliert den Streikbrechern Schuh, sowie Sicherstellung ihrer Zukunft. Das Unterhaus biNigt den Ausnahmezustand. Entgegen dem gestern eingetroffenen Bericht über die Unter- Haussitzung, wonach Macdonald zu krank gewesen sei, um zu sprechen, wird ergänzend mitgeteilt, daß der Führer der Arbeiter- partes doch gesprochen hat. Macdonald erklärte: Wenn lliiter- nehmer und Arbeiter sich selbst überlassen bleiben und die Lohns rage lösen sollen, wird es nicht zu einer Einigung kommen. Solange es in der Kohlenwirtschast keine Gleichberechtigung der Interessen gibt, so lange ist auch keine Einigung möglich. Wenn sich Rne Bergarbeiter mit einem Wiederaufbauproglramm einverstanden erklären sollen, das eine Verminderung der Löhne enthält, so müssen die Bergarbeiter erst das Wiederausbauprogramm sehen. Zum' Schluß erklärte Macdonald, er nehme keine seiner jrühercn Aeußerungen zurück, in denen der Generalstreik verurteilt wird(?). Die Debatte selbst endete damit, daß Baldwin die Proklamalio.« des Königs, die den A u s n a h m e z u st a n d verhängt, zur Keinitniz brachte und den Antrag stellte, eine Adresse an den König zu beschließen, in der das Parlament das Vorliegen des Notslandes anerkennt und die Proklamation nachträglich billigt. Die Adresse wurde mit 308 gegen 108 Stimmen bei 200 Stimm ent- Haltungen angenommen. Die hohe Zahl der Stimm ent- Haltungen ist auf die Liberalen und eine Menge K o n s e r v a- t i v e.r zurückzuführen— gewiß jene, die in Arbeiterbczirken ge- wählt sind. Der Aussprache sin Unterhaus wohnte auch der Herzog von Jork, der zweite Sohn des Königs, sowie eine Abordnung der Bergarb eiterlnt«rnationale unter Führung Hodges bei. Der Prinz von Wales ist aus Biarritz nach England zuriükgcriifcn wardcn. Ter erste Haftbefehl. Gegen den kommunistischen Abg. Satlatvala. den In London gewählten Inder, ist ein Haftbefehl erlasien worden, weil er am Sonntag im Hydepark eine aufrührerische Rede gehalten haben soll. Tie Rüstungen der Regierung. London. 4. Mai.(MTB.) Alle Spezial-Konstabler wurden aufgeboten. Kriegsschiffe wurden von Portsmouth nach den verschiedenen Teilen des Landes gesandt, um die Ordnung auf- recht zu erhallen. In, Hydepark wird eine M i l ch v e r t e i» lungszcntrale errichtet, und schon vor Einbruch der Nacht war in der Nähe des Marmorbogcns eine ausgedehnte Buden- st a d t aufgestellt. Ein Fernsprechamt und ein geräumiges Gc- schäftszimwer für die Leitung waren mit unter den ersten Bauten. die fertig wurden. Am frühen Abend kamen eine Anzahl Güter- wagen an, die mit Lebensmitteln, Feldküchen und Zelten be- laden warcn. Eine Verbands st ation wurde in der Mitte des Parks errichtet... Ter Aufruf an die Gcwerkfchgften.— Tas unzeitige Ultimatum. London, 4. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der Generalrat der britischen Gewerkschaften hat noch in der Nacht von Mentag zu Dienstag eine Proklamation an die Mitglieder er. lassen, in der er den Kampf einen Verteidigungskampf nennt, der nicht gegen das Volk gerichtet sei. Die volle Verantwor» tung für die Folgen falle aus die Regierung und die Unternehmer, die den Versuch unternommen haben, die Lebenshaltung der brtti- schen Arbeiterschaft herabzudrücken. Ueber die Vorgänge in der Nacht von Sonntag zu Montag erfährt der Korrespondent von unterrichteter Seite, dast das Ultimatum der Regierung ällf Zurücknahme der General- streikparele gerade in dem Augenblick einlief, als dieser mit der Exekutive der Bergarbeiter positive und konkrete Vorschläge an die Regierung formuliert hatte, die den- Ausbruch des Generalstreik» verhindert und eine ehrenhafte friedliche Regelung ermög- licht hätten. Das Ultimawm der Regierung hat aber dem General- rat die Unterbreitung dieser Vorschläge unmöglich gemacht. Die Durchführung der Generalstreikparole ist im Lause des Dienstagvormittag völlig planmäßig verlaufen. Nach den in den Hauptquartieren der beteiligten Gewerkschaften eingelaufenen Berichten ist der Generalstreik praktisch überall durch- geführt.« Macüonald über öie vorwänüe üer Negierung. London, 4. Mai.(MTB.) Macdonald sagte gestern abend auf einer Konserenz der Londoner Arbeiterpartei, die Regierung habe die Schuld an dem Generalstreik auf den Gewerkschaftskongreß abgeschoben. Sie habe auf ihre Würde gepocht und sei nach Hause gegangen, ohne die Verhandlungen zu beenden, oder dem Gewerkschaftskongreß die Möglichkeit zu geben, dies zu tun. Mit srlchcn erbärmlichen Vorwänden stürz« die Regierung das Land in alle Arten von Schwierigkeiten. Wenn die andern mächtiger feien als man selbst, dann dürfe man nicht so töricht jcien, gegen ihre Bajonette anzurennen, sondern müsse erst in Stellung gehen, wenn man stark sei. Er könne nicht sagen, ob dieser Kampf lang oder kurz, ob erfolgreich oder erfolglos sein werde. Wenn man die Menschen nicht dazu bringen könne, für da» Recht zu kämpfen, ohne Rücksicht aus den gegen- wärtigen Erfolg, dann könne man sie überhaupt nicht zum Kampf bringen. Man müsse sein Bestes tun. einen Erfolg zu er- zielen. In den n ä ch st e n Tagen werde vielleicht eine große Zahl Menschen in dem ehrlichen Glauben, daß die Verfassung und die Grundlagen des Landes bedroh-t feien, zur Regierung stehen, ober sobald die Gefahr vorüber und der Frieden wiederher- gestellt sei, würden bestimmt Tausende sich gegen die Regierung wenden und verlangen, daß sie gehe. Nrbeltersoliüarität im englischen Großkampf Warum die englischen Gewerkschaften den Generalstreik proklamierten. Die„Tägliche Rundschau" bringt eine Darstelbing der Konflikt- Ursachen im englischen Bergbau, die nicht sonderlich durch Sach- kenntnis getrübt ist. Am Schluß dieser Darstellung wird behauptet. daß die englische Regierung beabsichtige, die Garantie sür eine große Anleihe zu übernehmen, die zur Reorganisierung des englischen Bergbaues verwendet werden soll. Am Zinsendienst dieser Anleihe sollen sich, behauptet die„Tägliche Rundschau", die Bcrgwcrksbesitzer und die Gewerkschaften beteiligen. Es ist natürlich ein aufgelegter Blödsinn, zu behaupten, die Gewerkschaften würden sich irgendwie an dem Zinsendienst dieser Anleihe beteiligen, die den Bergwerksbesitzern zugute kommen soll. Die„Tägliche Rundschau" verbreitet diesen Blödsinn aber nur, um zu behaupten, daß die englischen Bergarbeiter durchaus einig feien, mit der Regierung und den Bergwerksbesitzern zur Nieder- konkurrierung des deutschen Bergbaues. Wie es mit dieser Einigkeit bestellt ist, zeigt ja am besten der englische Generalstreik. Die„Tägliche Rundschau" setzt diesen Blödsinn jedoch nur des- wegen in die Welt, um von den deutschen Bergarbeitern zu ver- langen, sie sollen durch Verfahren von Ueberschichten den englischen Bergarbeitern in den Rücken fallen. Die Stellung der„Täglichen Rundschau" beweist die enge Solidarität zwischen den deutschen und den englischen Kapitalisten. Unter den vielen Aufrufen, die die Kommunisten veröffentlichen, worunter sich in der heutigen„Roten Fahne" auch ein Aufruf des Exekutivkomitee» der sogenannten Kommunistischen Internationale befindet, der über drei Seiten breitgetretene Belanglosigkeiten ent- hält, Ist auch ein Aufruf des Zentralkomitees der KPD. zu ver- zeichnen. Dieser Ausruf polemisiert hauptsächlich gegen die deutschen Gewerkschaften. Es wird auf das Beispiel der englischen Gewerkschaften hingewiesen, die den Bergarbeitern gegen- über durch den Generalstreik ihre Solidarität bezeugen. Nun wird auch den Verfasient dieses Aufrufes nicht unbekannt sein, daß ein derartiger Generalstreik in England noch nicht dagewesen ist. Warum aber haben die englischen Gewerkschaften diesmal von vorn- herein zu dem äußersten Mittel der Solidarität gegriffen? Die Erklärung der„Roten Fahne", daß dieses Vorgehen dem Einfluß der kommunistischen Minderheit(8000 Mitglieder in ganz England) zu danken sei, ist vor allen Dingen ein Armutszeugnis für die deutschen Kommunisten. Wenn es den paar englischen Kommu- nisten gelingt, die großen konservativen Gewerkschaften Englands vor Moskaus Parteikarren zu spannen, Leute wie Thomas und Mqcdonald in die Dienste Moskaus zu pressen, wie unfähig müssen doch die deutschen Kommunisten sein, daß ihnen nirgend auch nur die kleinste„Verbreiterung der Kampffront" gelingen will. In Wirklichkeit ist der Einfluß der Kommunisten auf den eng- tischen Generalstreik ungefähr ebenso groß wie der der Mars- bewohner. Seit dem Waffenstillstand im Juli 1925 haben alle englischen Unternehmungen sich außerordentlich große Kohlenvorräte hingelegt. Man kann annehmen, daß die englische Industrie, die Eisenbahnen und Kraftwerke für m i n d e- stens einen Monat mit Kohlen eingedeckt find. Ohne den Generalstreik wäre der englische Bergarbeiterstreik so gut wie aussichtslos. Diese Tatsache, die den englischen Gewerkschafts- führern natürlich genau bekannt ist, zwingt die gesamte englische Arbeiterschaft zur sofortigen aktiven Solidarität, wenn nicht nach kurzer Zell der Lohnabbau auch in den anderen Berufen verallge- meiner! werden soll. Die englische Regierung und die gesamten englischen Unternehmer haben sich acht Monatelang— während der Zahlung der Staatszuschüsse— aus diese Entscheidungsschlacht vorbereitet. Die englischen Arbeiter müssen jetzt— unter gewiß nicht sonderlich günstigen Bedingungen— diese Schlacht annehmen. Einstellung öes Kohlentransports nach England. Amsterdam. 4. Mai.(WTB.) Der Geschäftsführende Vorstand der Transportarbeiterinternat lonale trat gestern hier zur Besprechung des großen Arbeitskonflikts in England zu- sammen. Bon den der JTF. angeschlossenen englischen vrgani» sationen, sowie vom Internationalen Berg arbeitersekretariat waren Telegramme eingelaufen, in denen die der ITF.�angcjchlossenen Organisationen des europäischen Festlandes zur Solidarität mit den englischen Arbeitern aufgefordert werden. Auf Grund der im April gefaßten Beschlüsse des(tzeneralrats der JTF.(daß nämlich im Fall eine» englischen Kohlengräberstreiks und nach Aufforderung aus England die Zufuhr ausländischer Kohle nach England eingestellt werden soll. Red. des„Vorw.".) wurde beschlossen, sc fort die nötigen Maßregeln zu treffen, um dem Ersuchen der englischen Organisationen stattzugeben. Die Transportarbeitervcrbände der wichtigsten europäischen Länder sind telegraphisch angewiesen worden» die Steinkohlenaussuhr nach England, sowie jede A n- Musterung für englische Schstfse zu verhindern. Der 5? o l l ä n d i s ch e Zentrale Transportarbetterbund hat einen Aufruf an die holländischen Hafenarbeiter und Seeleute gerichtet, in dem diese ausgefordert werden, die britischen Gewcrkschasten bei ihrem Kampfe soweit wie möglich zu unterstützen, deshalb keine Steinkohle nach England zu verschisfen. an Schisse, die ursprünglich Bunterkohle in englischen Häfen einnehmen sollten und statt desien nach Holland kämen, die Verladung dieser Bunkerkohle zu verweigern und sich ferner nicht für englische Schiffe anmustern zu lassen. Amerikanische Hilfsaktion? Coshoclon(Olo), 4. Mai.(MTB.) Der Vorsitzende des Amerika- nischen Arbeiteroerbandes, Green, erklärte, er würde die Stellung- nähme der organisierten Arbeiterschaft Amerikas zum Bergarbeiterkonflikt in Engalnd wahrscheinlich heute bekanntgeben. Vorher werde er noch mit anderen Beamten des Verbandes Rücksprache nehmen. Tie internationale Solidarität. Amsterdam. 4. Mai.(EP.) Der Sekretär der Gewcrkschasts- internationale, O u d e g e e st, hat in einem Interview erklärt, daß die Gewerkschastsinternationale, die über ein Vermögen von 200 Millionen Gulden verfüge, die englischen Streikenden unter- stützen werde. Die Gewerkschastsinternationale habe bereits ein Rundschreiben an die einzelnen Vcrbandsinternationalen mit de: Aufforderung gesandt, die englischen Arbeiter zu unterstützen. Wenn die englischen Arbeiter nur auf ihre eigenen Mittel angewiesen wären, so könnten sie zwar den Sireik in vier bis fünf Wochen siegreich beenden. Wenn sie dagegen die volle Unterstützung ihrer ausländischen Kameraden erhielten,, so könnte der Ausstand infolge dieser moralischen und finanziellen Unterstützung noch länger dauern. Stimmen öer englischen presse. London, 4. Mai.(WTB.) Das Arbeiterblatt„Daily Herald" schreibt im Leitartikel, die Regierung habe nicht nationale sondern Klassen- und Partelinteressen vertreten. Die Nation werde das endgültige Urteil fällen. Wenn die Arbeiter, bevor ihr Sieg komme, Leiden auf sich nehmen müßten, würden sie dies im Interesse der großen Sache, um die es gehe, gern hm. Die Opfer würden nicht vergebens gebracht sein. Die radikale„Daily News" spricht in einem Leitartikel die Ansicht aus, daß die Bergleute das Recht auf ihrer Seit« hätten. Sie seien aufgefordert worden, einer sofortigen Lohnoerminderung zuzustimmen gegen dos b e d l n h t e Versprechen, daß die Gruben- besitzer, und die Regierung Reformen vornehmen würden. Die Berg- leute seien berechtigt gewesen, an dem Willen und vielleicht auch an der Fähigkeit dieser beiden anderen Parteien zu z w e i f e l n, die Reformen durchzuführen. .Times" sagt: Das Uedergreifen des Streiks von einer InlM- strie auf alle Industrien habe seinen Charakter geändert. Jetzt sei die Freiheit der Verfassung Englands in Gefahr. Die Tatsache, daß die Verhandlungen zwischen Grubenbesitzern und Bcig- leuten ständig erfolglos blieben, werde später in ruhigen Zeiten vielleicht die Einsetzung eines Lohneinigungsamtes nach dem Vorbild des für die Eisenbahnen bereits bestehenden erforderlich erscheinen lassen, aber diese Frag« müsse ebenso wie die Frage d:r Reorganisatton der Bergwerksindustrie aufgeschoben werden, bis bessere Zeiten gekommen seien. Kunst aus Schweöen. Zlusskellung im ehemaligen Sronprinzenpalais. Schwedens Maler waren von jeher Lehrlinge des Auslands. Im 18. Jahrhundert erlernten sie ihre Kunst bei den Rokokomeistern Frankreichs. Später kamen sie zu uns: die Genremaler gingen nach Düsseldorf, die Histoitenmaler nach München. Mancher wurde Franzose, einige siedelten sich in Deutschland an. Seit einem Menschenaller ist wieder Paris die Lehrstätte. So hat sich eine bodenständige, wurzelechte Maleret, wie die schwedische Volkskunst sie hervorbrachte, in der Kunst der Künstler nicht entwickelt. Die Motive sind schwedisch: die Landschaft, die Kostüme. Technil und Auffassung stehen im Bann fremden Wesens. Starke Persönlichkeiten entstanden nicht. Dafür eine stattliche Zahl technisch solider, kulti- viert, geschmackvoll Schafsender. Fester, sicherer Boden, den andere urbar gemacht haben. Achtenswertes Gesamtniveau, dem die ragen- den Gipfel fehlen. Gut bürgerliche Kunst. Kunst der goldenen Mittelstraßc. Der stärkste unter den auf der Ausstellung Dertretencn ist Isaak Grünewald(173—184), von urwüchsiger, malerischer Kraft, aus dessen festgemauerten Flächen eine elementare Farben- sprach« spricht. Neben ihm die temperamentvolle, schmissige Vera N i l s s o n(422—438), monumental in dem Sommcrbild(427) mit dem knallenden Rot, das neugierig aus grünem Felde heraussticht. Nils von Dardel(95— 106), dessen Primitivität zuweilen gesucht wirkt(100), ganz eigenartig in der Kunst, aus halbkarikatu- ristischen Schmuckformen Seelisches zu gestalten und Anekdotisches restlos in Farbe und Linie zu übersetzen(97). Leander Eng- ströms(l 10— 118) kühne Farbigkeit berauscht die Sinne und dringt nur einmal>110) zögernd ins Herz. Die Arbeiten von Nil» K r e u g e r(323— 336) sind alle in ihrer Art vortrefflich, nur ist die Art nicht Eigenart: van Goghs und Segantinis Geist hat sie be- ichattet Immerhin gelingen im Bilde des„Weißen Kalbes"(326) wirkungsmächtige flächenrhythmische Kontraste. Die ältere Gene- rativn ist durch Oskar Björck vertreten, der elegante, gut arrangierte Bildnisse(6V— 76) zeigt. Dann durch Richard Bergh (48— 53), den die impressionistische Dunkelmalerei des ehemals gc- feierten Franzosen Eugen Carriere beeinflußt und dessen Strind- berg- Porträt(48) in theatralischer Ausmachung kalt läßt. Schön- farbige, in ihrer Schlichtheit sympathische Landschaften des P r i n- z e n Eugen(127— 143), naturalistische Momentaufnahmen aus dem Tier- und'I-igdleben mit starker koloristisch-dekorativer Note, von Bruno Liljefors<35,5— 364), altmeisterlich solide, vornehme Malereien von Ernst Iosephson, ohne rechte Wucht und Kraft, aber eine Freude für Genießer farbiger Finessen, die schweren Farbenklänge Karl N o r d st r ö in s(437— 444) und die mit virtuoser Braoour Hingcstrichenen Impressionen von Anders Zorn(567— 580) runden das Bild der älteren Generation, von der Carl Lorsson(337— 354) mit seinen technisch braven, etwas weichen, kokett selbstgefälligen Arbeiten ins Fahrwasser der Jungen hinüberleitet. In diesem Fahrwasser— nicht das Lebensalter, sondern die Richtung ist bestimniend— segilt man vor allem mit französischen Winden. Rasfaelli. Rousseau, der Zöllner, und andere treiben manches Segel. Karl Jsakjons Stilleben mit ihren hellen, locker abgesetzten Farbflächen(235—241) sind von Matisse beein- flußt. Eugen Iansson malt Stockholmer Landschaften (264— 267), wie sie Whistler gesehen, ober ungleich stärker und seiner gegeben hätte. Der Rest steht im Zeichen verislischer Auffassung: der farbig vornehme Erik Hall ström(190—197): Aroid F o u g st e d t(146— 150) mit seiner unpathetischen, präraffaelitischen Freude am sauberen, schmückenden Detail: die minutiös spielerische Kleinkunst Gunnar Soenssons(547—555), Otto S k ö l d s (526— 536) linienklare Gegenständlichkeit, die— seltsam— bei der Gestaltung eines italienischen Motivs(532) ihren Charakter ändert. malerisch und temperamentvoll wirkt. Kultivierter Geschmack, technische Gewandtheit und eine gewisse liebenswürdige, behäbige Biederkeit sind die Kennzeichen fast aller dieser Maler. Es fragt sich nur, ob diese Eigenschaften für die g e- s a m t e schwedische Kunst der Gegenwart charakteristisch sind. Ob die Schau im Kronprinzenpalais ein richtiges Bild gibt. Die Arran- geure sind ältere schwedische Akademiker und Museumsleute. Es besteht der Verdacht, daß sie uns zeigten, was in Schwedeix,war und ist, aber nicht das, was wird. John Schikowski. Die Dresdener Gartenbauausstellung. Die Iubiläums-Gartenbauausstellung, die in der letzten April- woche in Dresden eröffnet wurde, hat schon bei ihren Vorberei- tui.igen so starkes Interesse aus sich gezogen, daß sie bereits am ettjten Sonntag nach der Eröffnung von 30 000 Personen besucht wurde. Ueber ein Drittel des Großen Gartens ist in die Aus- stillung einbezogen worden, so daß die jungen Anlagen von 1926 in einen Rahmen hineinkomponiert werden tonnten, dessen Schön- heit seit 200 Iahren neben der Sixtina, dem Zwinger und der Sächsischen Schweiz den Ruhm der sächsischen Landeshauptstadt bildet. Seine volle Schönheit wird dieser Teil der Ausstellung freilich erst entfalten, wenn im Juni der„riesengroße Rosengarten iz» Glänze seiner Blütenpracht strahlen und der Grüne Dom, das Zentrum aller Anlagen, wirklich grün geworden ist.„i)ier ist es" -■ nach den Worten des Schöpfers des Gesamtentwurfe» Gustav Allintzer(Berlin)—„nach großen Anstrengungen gelungen, alle biteiligten Aussteller so sür den Gemeinschastsgedanken zu begei- stcrn, daß sie sich der Idee, einen nie gesehenen Blumen- und silütenpark zu schaffen, freudig Hingaben. Unverrückbar eingefügt iii den alten, wundervollen Baumbestand, geboren aus dem Wesen d»r Landschaft, so fügen sich hier die Pflanzen. Wege, die Gestal- tmg des Erdbodens, der Mauern und Bauten zu einem Ganzen, Hessen zwingendem Zauber wohl keiner entgehen wird, der jemals in diesem Park gewandelt ist." Es ist noch gar nicht lange her, daß die Tulpe bei uns nur «ine geringe Beachtung fand. Daß man ihr heute wieder die Stel- lung einräumt, die dieser plastischsten und leuchtendsten Frühlings- lünstterin zukommt, zeigt die Frühjahrsblumenschau an ollen Enden. «linmal bedeckt sie in großen Flächen die„große Schmuckanlage", iiann stehen Tulpen wie leuchtende Lampion» entlang der Sied- iungshäuser: an einer anderen Stelle hat man die ganze Gesell- lchaft gemischt und ruft so verblüffende Wirtungen hervor. In !en Hallen aber herrschen jetzt die Dresdener Spezialgewächle: Aza- üen, Rhododendron, Kamelien und die verschiedenen Formen der ltrika. Wenn man schließlich an anderer Stelle die Stamnijormen der Pellogonie neben den gärtnerischen Erzeugnissen in dieser Blumcnart sieht, wenn man die neuen Hortensienjormen bewundert und über die an Bizarrheit unübertrefflichen Orchideen immer aufs neue entzückt ist, dann gewinnt man allerhand Hochachtung vor den Leuten, die uns dieses Blumenwunder schenkten. Dr. Kurt Schumann(Dresden). ver dramatlsierke Hann» Heinz Ewer». Siegfried Geyer hat aus dem heute bereits recht oerstaubten Roman des Hanns Heinz Ewers„Alraune" ein Theaterstück gemocht, das sich als ein Märchenspicl für die angefaulie reifere Jugend mit perversen Neigungen erweist. Die dramatische Spannung des Stücks besteht darin, daß die Titeldarstellerin freigebig von Akt zu Akt mehr von ihren körperlichen Reizen enthüllte, bis sie im letzten Bild ganz nackt auf der Szene erscheint. Die Vorstellung im Irianon-Iheater stand unter dem Niveau einer schlimmen Vorstadtbühne. Der Theater- kritiker ist hier nicht mehr zuständig. D g r. Die Orientoölker in Sowjetrußland. Die Deutsche Gesellschaft zum Studium Osteuropas veranstaltet in dieser Woche in ihren Räumen Friedrichstraße 103 eine Ausstellung von Publikationen der Nationalverlage der in Sowjetrußland lebenden Völker des Orients. Die Ausstellung wurde eröffnet durch einen Vortrag von Prof. I a k o w l e w au» Moskau, dem Vorsitzenden des dort soeben begründeten Komitees für Erforschung der Sprachen und Kulturen der Orientvölker in der Sowjetunion. Seinen Ausführungen ent- nehmen wir folgendes: Die Orientvölker setzen sich in Sowjetrußland zusammen aus hundert verschiedenen Stämmen mit eigenen Sprachen und einer Bevölkerungszahl von 32 Millionen. Mehr als die Hülste von ihnen schafft sich erst jetzt ihre nationale Kultur und ihr nationales Schrift- tum. Hunderte von Alphabeten werden ausgearbeitet, und in den Schulen und in den umfangreichen Publikationen wird die natio- nale Sprache zur Anwendung gebracht. An verschiedenen Univer- sitäten sind Lehrstühle sür diese nationale Literatur begründet wor- den, die«inen Stamm von Gelehrten sür die Arbeit unter den Orientvölkern heranbilden sollen. Innerhalb dieser Völker macht sich ein starker Drang nach der europäischen Kultur bemerkbar. Bezeichnend hierfür ist die Tatsache, daß viele Stämme ohne weiteres die lateinischen Schriftzeichen ihren Sllphabctcn zugrunde- gelegt hoben. Prof. Iakowlew sprach den Wunsch aus, daß sich auch deutsche Gelehrte an diesem Kulturwerk beteiligen möchten, deren Mitarbeit� von Sowjetrußland mit Freuden begrüßt werde. Vogelschutz durch die velchibohn. Die ReichSl'abngescllschast kiat die Anordnung getroffen, dnu mit Rücksicht aus die in den Hecke» nii'enden Vögel künstig in der Zeit von Ansang März bis Milte September jede» Beschneiden der Hecken aus den Bahngeländen zu unieibleiben bat. Ein Spttzenmuieom w Ealai». Die Stadt Calais hat beschlossen, ein Spitzeninulenm, veibunden mit einer Schule für dekoiatioe Kunü einzn- richten. In diesem Museum soll die Entwicklung der Spitzeiiindustrie von» Jahre 1816 bis zum heutigen Tage gezeigt werden. 3m Englischen Seminar in Berlin ND. 7, Torotbeenssr. 6, spricht am Freitag, den 7. Mai. 6.30 nachmittags, der bekannte amerika- nifche Schriftsteller H.'K. Schefsauer über den moderne» Romaoschrijt- steiler Jack London. Die Reichsbahnretlame. Ausweichende Erklärungen der Reichsbahn. Zu den Mittt..ungen in unserer gestrigen Abendausgabe erklärt die Deutsche Reichskxchngesellschast, es sei unrichtig, das; sie von der ReichsbahnrcklamegeseÜschaft die der Reichsbahn zustehenden Ertragsanteile nicht oder nur zum geringsten Teile erhalten habe. Die Reichsbahn hatte vielmehr— so wird sehrunbestimmt erklärt— etwa 40 b i s SV P r o z. dieser ihr zustehenden Beträge erhalten. Was unsere weiteren Angaben betrifft, daß die Reichs- bahngesellscha t nunmehr den nicht erfüllten Vertrag, statt ihn wegen der Nichterfüllung aufzuheben, erst noch k ü n d i» gen wolle, so sagt die Reichsbahngesellschaft, daß sie ein Recht zur Aufhebung dieses Vertrages zu ihrem Bedauern nicht habe: der Vertrag lasse die Reichsbahn nicht Herr im eigenen Hause sein, aber trotzdem könne sich die Reichsbahn von diesem Vertrag nicht auf kurzem Wege befreien. Endlich, so erklärt die Reichsbahn zum Schluß, gäben unsere Mitteilungen über eine geplante Ablösung des Vertrages in einer für Herrn Edmund Stinnes überaus vorteilhaften Weise nur das Angebot des Herrn Stinnes wieder, aber keineswegs sei die Reichsbahn geneigt, auf dieses Angebot einzugehen. Insbesondere komme ein Ablösungsbetrag von vier Millionen Mark, ein Generaldirek- torengehalt für den Direktor und auch die Uebernahme der Schuld„Stinnes" von einer Million Mark zu 15 Proz. jährlich nicht in Frage. Die Tatsache, daß ein so ungeheuerliches Angebot des Herrn Edmund Stinnes gemacht worden ist, wird also nicht in Abrede gestellt und es wird auch nicht erklärt, daß die Reichsbahn ein derartiges Angebot rundweg zurückgewiesen habe. Mehr ist jedoch über den Inhalt der Verhandlungen, die dieses Angebot zur Folge gehabt zu haben scheinen, aus der Reichsbahngesellschaft nicht herauszubekommen. Nach diesen Erklärunaen steht also fest, daß die Reichs- bahn verhandelt, und daß sie Kausabsichten hat. Vor wenigen Tagen noch leugnete sie beides ab. presse unü Justiz. Ter Rclchsverband der Presse gegen die Ausweisung des„VorwärtS"-Vertreters aus dem«erichtssaal. Wolfs» Bureau meldet: Die Mitgliederversammlung de» Be> zirtsverbandcs Berlin im Reichsverband der Deutschen Presse beschäftigte sich zunächst mit der Revision der Verband»- setzungen, für die sowohl der Vorstand de» Rcichsverbandes wie der Vorstand de» Bezlrksvcrbandes Entwürfe vorgelegt hatten. Sodann crfolgte die Wahl der Delegierten für den am 2?. und 30. Mai in Düsseldorf stattfindenden Verbandstag. Zu Delegierten Verlin» wurden gewählt vie Kollegen Ackermann, Baecker, Bernhard, v. Bicdcrman, Dr. Breslauer, Dr. Dooifat, Goeres, Leo Joseph, KIüh», Kurt Mahner, Neumann, Pfeiffer, Dr. Pollaczek. Dr. Pofcncr, Rippler, Saternus, Schieferdecker und Steinbcrg. Zu dem nächsten Punkte der Tagesordnung:„Die Penstonsvcrsicherung" wurden eine Reihe von Beschwerden vorgebracht, die der Geschäft»- führende Vorsitzende Richter dem Dcrwaltungsrat der Versorgung»- anstatt der Deutschen Presse zu unterbreiten oersprach. Auch über die Krankenversicherung wurden Klagen laut, doch soll über dieses Thema noch in einer besonderen Mitgliederversammlung verhandelt werden. Endlich nahm die Versammlung e i n st i m m I g folgende Resolution an: „Die Mitgliederversammlung de» Bezirksverbandes Berlin im Reichsverband der Deutschen Presse nimmt mit Befremden Kennt- ni» von dem vorgehen des candgerichlbdireklor» Schulze gegen den Derichterslatlcr des„vorwärts", Leo Rosenthal, der auf die irrtümliche Behauptung hin, daß der Berichterstatter zeichne, ausgewiesen wurde, ohne dah der Vorsitzende ihm überhaupt die Möglichkeit gewährte, diesen tatsächlichen Irrtum aufzuklären. 3n diesem verhallen des Gcrichlsvorsihcndcn liegt eine INtßachlung de» 3ournalislenslandc». gegen die die INilgiiederverjammlung des Vczlrksverbande» Prolest erhebt." Neue Reinigung. Endgültiger Ausschluß von Tchwarz und Norsch. Die„Rote Fahne" teilt mit: Das Zentralkomitee der KPD. faßte am 30. April folgenden Beschluh: 1.„Das ZK. oeschlieht: die Genossen K o r s ch und Schwarz werden aufgefordert, ihre Reichstag»mandate bis Montag, den 3. Mai, mittag» 1 Uhr, niederzulegen. 2. Ist diesem Beschluh in der vorgeschriebenen Zeit nicht Rech- nung getragen, so tritt automatisch der Aueschiuh au» der Partei in Kraft. Dieser Ausschluß ist dann sofort der OeffenUichkeit mitzuteilen." Korsch und Schwarz haben ihre Mandate nicht nieder- gelegt, wohl aber haben sie da» Rcichstagsbureau aufgefordert, die Diäten In Zukunft nicht mehr dem Sekretariat der Kommu- nistischen Fraktion, sondern ihnen persönlich au»zuhändigen. Mit dem Ausschluß von Korsch und Schwarz hat die Partei auch fonnal den Bruch mit Elementen vollzogen, die m i t dem Kommunismus nichts mehr zu tun haben. Ihre konterrevolutionären Auffassungen sind bereit» eingehend widerlegt worden. Hinzu kam noch, dah K o r s ch und S ch w a r z eine Reihe organisatorischer Mahnahmen gegen die Partei unter- nommen haben. Fraktion»konferenzen wurden in Dort- inund, Hannover und Berlin abgclzalten. Noch am Karfreitag waren Korsch und Schwarz mit dem ausgeschlossenen K a tz zusammen in einer Reichstonferenz. in der eine Reche Beschlüsse, die sich gegen die Partei richten, gefaht wurden. Da» ZK. muhte infolgedessen die notwendigen Mahnahmen treffen, um die Tätigkeit dieser parteifeindlichen Elemente zu unter- binden. Do» ZK. fordert alle Genosien auf, jede Verbindung mit den Ausgeschlossenen Korsch und Schwarz abzubrechen. Genossen, die noch weiter die Verbindung mit den Ausgeschlossenen aufrechterhalten, stellen sich damit außerhalb der Reihen der Partei. Zentralkomitee der KPD. Damit ist nur der endgültiae Trennungsstrich gezogen. Daß die KPD. mit diesem Beschluß so lange gezögert hat. erklärt sich aus den starten inneren Schwierigkeiten. Die Aus- geschlossenen haben in allen wichtigen Organisationen ihre Vertrauensmänner und Verbindungsleute. Von ihnen gehen die Fäden zu den übrigen linken Gruppen und die Zentrale wünscht die„Absplitterungen" auf ein möglichstes Mindest- maß zu beschränken. Wie weit ihr das gelingen wird, muh die Entwicklung der nächsten Zeit zeigen. Clternbeiratswahlen! Die Wahlperiode für die Ellernbeiräte ist abgelaufen. Das Provinzialschulkollegiuin hat als Termin für die Elternbeiratswahlen für sämtliche öffentlichen und privaten Schulen Sonntag, den S. Juni lSZö. festgesetzt. Alle Elternbeiräte, auch die erst vor kürzerer Zeit für zwei Jahre gewählten, sind neu zu wählen. Die Wahlordnung in der Fassung des Erlasse» vom 12. April 1922 bleibt unverändert maßgebend. Die Verjügung an die Schulen zur Aufstellung der Wählerlisten ist bereits ergangen. Die Auslegung der Listen muh spätestens in der Zeit vom 9. bis 22. Mai erfolgen, zweck- dienlich werktäglich von 5— 7 Uhr lOchmittags und-�Sonntags von 10 Uhr vormittags bi» 4 Uhr nachmittags. Anderwette Regelung ist gegebenenfalls im Benehmen mit dem bisherigen Elternbeirat zu treffen. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerlisten sind nur bis zum 30. Mai 1926 zulässig. Die Kandidatenlisten müsien spätestens am 27. Mai eingereicht sein. Ihre Veröffentlichung muh bis zum 29. Mai erfolgen. Wir kommen wahrscheinlich mit der Elternbeiratswahl in die Aktion für den Volksentscheid hinein, was den Anhängern des Schul- fortschritts den Wahlkampf erschweren wird. Die Christlich-Un- politischen als Vertreter der Reaktion werden dadurch im Aortell sein, dah sie ihre Schäflein sicher am Bändel haben und in geschlos- senen Veranstaltungen, in der Kirche und durch stille, emsige Haus- agitation einen festen Stamm von Anhängern gesammelt haben, während das Interesse der Arbeiterschaft durch den Volksentscheid stark in Anspruch genommen ist. Die Gleichgültigkeit der Arbeitereltern war bisher der beste Bunde» ge- nosse der Reaktion. Betrug doch ausgerechnet in Arbeiter- vierteln die Beteiligung an der Eltembeiratswahl nur IS bis 30 Proz. Die Anhänger de» Schulfortschritt» werden also diesmal noch mehr als bisher all« Kräfte anspannen müssen, um den Christlich-Unpolitischen da» Wasser abzugraben. Das„Rote Berlin' darf auch in Schul- und Erziehungsfragen den Schwarzen keine Mehrheit gestatten._ Ein tolles diebesftück. Die Einbrecher im Koffer. An ein Stück aus einem Detektivroman erinnert ein Einbruch, der gestern morgen in der R o s e n t h a l« r Str. 68 entdeckt wurde. In einem Pensionat, da» hier im 2. Stock über einem Kon- fektionsgeschäst im 1. Stock liegt, stiegen am Donnerstag voriger Woche ein Mann und eine Frau ab, die sich Moritz Stein und Berta M a r k o w i t s ch nannten und angaben, dah sie in gemeinsamen Geschäften au» Warschau nach Berlin gekommen seien. Sie nahmen ein Berber- und ein Hinterzimmer. Bald nach ihrer Ankunft fuhr ein Rollwagen vor, der als Gepäck zwei große altertümliche Koffer brachte, die sehr schwer waren. Der Kutscher und zwei Begleiter schassten sie hinaus. Auch der Wirt legte noch mit Hand an. Die Gäste gingen gar nicht aus und räumten auch selbst ihre Zimmer aus. Der Mann hielt sich stets im Hinterztmmcr auf, die Frau meistens im Vordcrzimmer. Die Wirtsleute wunderten sich zwar etwas über das seltsame Verhalten der Gäste, dachten aber doch an nichts Böses. Gestern morgen um Uhr zogen die Leute aus, nachdem sie die Rechnung beglichen hatten. Ein Platten- wagen holte noch in ihrer Anwesenheit die beiden grohen Koffer ob. Sie waren immer noch sehr schwer.„Stein," der Wirt, der Kutscher und ein Begleiter hallen Mühe, sie hinabzutragen und zu verladen. In den beiden Zimmern war nicht zu sehen, daß sich irgendetwas verändert hätte. Sie blieben zunächst so liegen, wie sie verlassen worden waren. Um 9 Uhr kamen der Inhaber des Konfektionsgeschäftes und seine Leute, die alle Türen ordnungsmähtg verschlossen fanden. Drinnen aber sah c» wüst aus. Einbrecher hatten unler der Wäsche, den Kleidern und den Stoffen gründlich ausgeräumt. Sie waren, wie jegt festgestellt wurde, von dem Hinterzimmer de» Pensionats durch ein Loch in der Decke heruntergekommen, hatten auch die Beute durch das Loch hinausgeschafft und in die Koffer gepackt. lieber das Loch hatten sie wieder da» vorher weggerückte Sofa ge- stellt, so daß oben nichts zu sehen war. Nach dem ganzen Befunde können„Stein" und die ,. Markowitsch' den Einbruch allein nicht ausgeführt haben. Sie müssen Helfershelfer in den Koffern mitgebracht und vor ihrer Abreise herausgelassen haben. Mitteilungen zur Ausklärung werden an die Dienststelle B. 5 der Kriminalpolizei erbeten. Das Fuhrwerk, das die Beute wegschasfte, war ein gewöhnlicher mit einem braunen Pferd bespannter Platten- wagen, der Kutscher ein grober starker Mann mit einem gestutzten Schnurrbart._ Heimreise der Wolgadeutchsen. Auf Grund der Verordnung des Zentralvollzugsausschujses und des Rates der Volkskommissare der autonomen sozialistischen Räte- republit der Wolgadeutschen vom S. April 1924 können Wolgadeutsche Flüchtlinge, die während der Hungersnot 1921/22 das Gebiet der jetzigen Wolgarepubltk ohne behördliche Erlaubnis verlassen haben, amnestiert und zur Rückkehr in ihr« Heimat zugelassen werden. wenn ihr« Anträge um die Rückkehrerlaubnis bis 9. Mai 1926 bei de r Botschaft der U. d. S. S. R. in Berlin eingereicht werden. Neuerdings hat die Wolga- republit die Bereitwilligkeit zur Uebernahme auch aller anderen Wolgadeutschen erklärt, sofern ihr« Rückwanderungsgesuch« bis zum 9. Mai 1926, der Ablaufefrist der Amnestieverordnung,«ingereicht werden._ All« in Deutschland lebenden Wolgadeutschen, die nach ihrer Heimat zurückkehren wollen, müssen daher sofort Rückwand«- rungsgesuche unter Beifügung von drei Paßbildern sür sede Person von 16 Iahren und darüber einreichen, und zwar beim Verein der Wolgadeutschen, Berlin W. S2. Schloß Bellevue. der für Weiter- leitung der Gesuche und etwaige Ergänzung der Unterlagen Sorge tragen wird._ Eine„Landrudermaschine". Gestern nachmittag wurde auf der Avus da» sogenannte Curry„L a n d» t i f s" der Presse und dem Publikum vorgc- führt. Es handelt sich hierbei um eine von dem Arzt Manfred Curry erdachte Landrennmaschine, bei der da» R u d e r p r i n z i p zum Antrieb verwandt wird. An einem leichten Aluminiumgestell sind vier normale Fahrradräder montiert, die natürlich in Kugel- tigern laufen. Der Fahrer sitzt auf einem gepolsterten Rollsitz und betätigt eine vorn angebrachte Freilauftrommel, die ihre Kraft auf die vorderäder überträgt. Durch die rechte Fußplatte, die schwenk- bar angebracht ist, werden die Hinterräder mittels Seilzug und ge- koppelten Winkeihebeln gesteuert. Zum schnellen Abstoppen der Fahrt ist eine kleine und einfache Handbremse, die auf an einem Vorderrad angebrachtes Bremsrad wirkt, vorgesehen. Die Maschine dürste sicherlich als Sp o r t f a h r z e u g von großer Bedeutung sein. Ob sie sich, wie der Erfinder hosst, auch als Gebrauchvfahr- zeug durchsetzen wird, erscheint fraglich, denn die Preise der ersten Maschinen sind relativ hoch, wenn man sie beispielsweise mit einem Motorrad oergleicht. Sicherlich wird die schon setzt recht gelungene Konstruktion noch durch mancherlei Verbesserungen ausgestaltet werden. Wenn in den Prospekten übrigens ein« Geschwindigkeit van 4S bis 50 Kilometer angegeben wird, so werden naive Ge- müter glauben, daß man tatsächlich in einer Stunde diese erhebliche Strecke zurücklegen werde. Das ist natürlich ein Irrtum. Diese Gejchwiiidigkeit wird nur in gewissen Augenblicken erreicht, die Durchschnittsschuelligkeit liegt ganz erheblich unter dieser Zahl. Immerhin ist das Gerät leistungsfähiger als ein Fahrrad, denn nach einigem Training wird man mit ihm Tagesstrccken von 100 bis 150 Kilometer ohne besondere Anstrengung zurücklegen können. Englische Eisenbahnbeamte in Serlin. 100 englische Eisenbahnbeamte besichtigten das A u s b e s s e« rungswerk Brandenburg-West. Die Einrichtungen fan- den ungeteilten Beifall der englischen Fachleute. Heute, Dienstag, besichtigen die Engländer die L o k o m o t t v b a u a n st a l t der AEG in Hennigsdorf, insbesondere auch die Signalfabri- kation. Morgen, Mittwoch, wird den Eiigländern die modern st e Rangiertechnit auf dem Bahnhos Wustermark vorgeführt wer- den und nach einer abschließenden Führung durch das Verkehrs- und Baumuscum in Berlin fahren die Engländer Mittwoch abend nach Dresden weiter. Wegen des damals drohenden und inzwischen ausgebrochenen Generalstreiks in England lind einige der Rciseteil- nchmer in ihre Heimat zurückgerufen worden. Bankett für Amerikaner. Dreihundert amerikanische Hotelbesitzer in Berlin, von ihren deutschen Staudesgenosscn mit gebührender Festlichkeit cmpsangen in der klassischen Stätte derartiger Dinge, dem großen Bankettsaal des Zoorestaurants. Unter den Männern herrschen die klugen energischen Gesichter vor, nicht durchaus mit dem Typus dessen behaftet, was man bei uns«Hotelier" nennt. Sie waren durch die vielen Besichtigungen schon ziemlich ermüdet, wandten sich aber heroisch den köstlichen Dingen zu, mit denen man ihrem Magen zu huldigen sich besliß. Reichs-, Staats- und städtische Behörden waren durch ihre Häupter vertreten. Der Außenminister Dr. Stresemann fand, stürmisch von den amerikanischen Gästen begrüßt, verständige und sreundschaftserfüllte Wort«. Er sprach von der Not Europas, von der Einheit der Völker, die beinahe schon alle wollen, lobte das amerikanische Hotelgewerbe, pries seine Individualität und wandte sich gegen«inen Welttrust der Hotels. „Grüßen Sie,' so sagte er wörtlich,„wenn Sie zurückkehren, den großen Repräsentanten Ihres Volkes, den Präsidenten Eoolidge. Sagen Sie ihm, wie sehr wir ihm auch dankbar dafür sind, daß er uns Persönlichkeiten von der Bedeutung und dem Charakter eines Houghton und Schurman nach Berlin gesandt hat. Bewabren Sie auch dem, was Sie in Deutschland gesehen und erlebt haben, eine gute Erinnerung in Ihrem Herzen und lassen Sie uns so hoffen, daß Ihr Besuch in den Ländern des alten Erdteils mit eine Basis sein möge für Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern der Erde." Der amerikanische Botschafter dankte dem Minister und im Namen der amerikanischen Gäste sprach Mr. Ehavley G e h r I n g in launigen Worten von den Gefühlen der amerikanischen Gäste. In, Laufe des Abend» wurde dann noch viel Herzliches geredet und wenn es nur darauf angekommen wäre, dann wäre heute aller Konflikts- stofs endgültig aus der Welt geschafft. Die Gaarfrage. Im Rahmen einer Tagung des Saarvereins im Hohenzollern- saal des Landwehrkasions Charlottenburg sprach der ehemalige Chef- redakteur der„Saarbrücker Zeitung" Posselt über das Thema: Wie steht es heute um die Saarsrage?" Der Vertrag von Locarno hat keine Klärung gebracht. Uebereilter Optimismus war nicht be- rechtigt. Trotzdem heute ein Kanadier Präsident des Saargebiets ist, zeigt sich im Grunde keine Aenderung, denn die wichliastcil Ressorts, wie die der Finanzen und des Bergbaus, sind in den Hän- den des Franzosen Maurice oerblieben. Nur die Methoden haben aewechsell. Als die Lockmittel Frankreichs nichts nutzten und die Bevölkerung in ihrer Treue zu Deutschland verharrte, also der fran- zösische Annexionswillc gebrochen war, versuchte Frankreich, wenig«_ stens so viel wie möglich aus dem Saargebiet für sich herauszuholen. Frankreich und die Saarregierung tun nichts für das Saargebier. Alle Gelder wandern nach Frankreich, alle indirekten Steuern auf Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände gehen an Frankreich ab, hin-' � zu kommen die Rücksichtslosigkeit des Grubenfiskus und die Vorzugs- preise für die Bahnbeförderuna der Saarkohle sowie eine weitgehende Zollstundung sür französische Waren. Für das Saargebiet bleibt so gut wie nichts übrig. Unzureichende Sozialversicherung, ungenügende Entlohnung, die Inflation des französischen Franken zermürben die Bevölkerung. Da» Saargebiet steht vor schwerer wirtschastlicher Erschütterung, wenn Frankreich seine Saarpolitit nicht ändern wird. Gesicht und Geschlecht. Aus Einladung der Physiognomischen Studiengesellschaft sprach am Sonnabendabend Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschseld im Ernst-Häckel-Saal In den Zelten 9a. über da» Thema:„Gesicht und Geschlecht". Zu Beginn stellte der Redner bestimmte kritische Sätze über die Wechselbeziehungen von Physiognomie und sexus auf. So steht er der These von dem Rück- schluß: Gesichtsbildung— Geschlcchtlichkeit zweifelnd gegenüber. Jedenfalls yält Hirschseld die Annahme nicht sür bestätigt, z. B. von stark entwickelter Lippenbildung auf eine besondere rege Sinnlich- keit schließen zu können. Nach lebenden Demonstrationen zwischen- geschlechtlicher Varianten, die Hirschseld dem Material seines sexual- wissenschaftlichen Instituts entnabm, ging der Vortragende im Detail a» Hand von zirka 50 Lichtbildern auf die physiognomische Aus- Wirkung geschlechtlicher Anormalitäten, sogenannter Geschlechts- Mischungen ein. Prägnante Beispiele der Homosexualität, des Trans- und Eievestitentums sind physiognomislch sür ein geschutteres Auge sogleich erkennbar. In der anschließenden kurzen Diskussion betonte Dr. Cohn, der Vorsitzende der Gesellschaft, daß er Hirsch- selds Standpunkt nicht ganz teile. Gewisse Gesichtsbildungen lassen keineswegs nur hypothetische Rückschlüsse auf die geschlechtliche Tätig- keit zu. Aus der Zuhörerreihe wurde sodann noch mit Recht auf die Bedeutung der Hände für die geschlechtliche Forschung hinge. wiesen. Umlenkung von Straßenbahnlinien. Wegen Bauarbeiten an der Ecke Mauerstraß« und Leipziger Straße werden in der Nacht vom 5. zum 6. Mai von 9 Uhr abend» ab die Linien 40, 43, 60 und 72 durch die Charlottenstraße und von 12 Uhr ab die Linien 13. 69. 74, 76. 176, 88. 91 und 191 über Leipziger. Jerusalem»?. Zimmer-, Prinz-Albrecht- und Königgrätzer Straße, die Linien 40» 54» 60, 72 von der Charlottenstraße ab ebenfalls über Mauerstraße, Prinz- Albrecht-Straße. Königgrätzer Straße umgeleitet. Ebenfalls wegen Bauarbeiten in der Elbinger Straße. Ecke Kniprodestraße. werden in der Nacht vom 6. zum 7. Mai von 1 Uhr ab die Wagen der Linien 4 und 9 ab Danziger Str. über Greifswalder Str., Königs- tor. Am Frtedrichehain, Kniprodestraße. Elbinger Straß« geführt. »epubNI-nIsche«edaerkurse. Unentgeltliche«»«»ildung»um Redner! Für Ansänger finden die Kursukabende siets Dienstag 8 Udr statt. Aus- nahm- finden republikanisch Gesinnte, die sich»um regelmäßigen Besuch der UebungSabende silr ein Bierleijabr verpflichten. Restaurant„Alter klStanier"(tleine« Zimmer), Anhaltstir. lt. Für 100 000 Mark Grubenholz»erbrannl. Durch Unvorsichtig- keit von Waldarbeiiern brach in dem dem Freiherrn von E a r n a p- Hahnen selb gehörenden Walde bei Landsberg 0. d. Warthe ein großer Brand aus, durch den 4 000 F- st m e t e r zugerichtetes Grubenholz ein Raub der Flammen wurden. Das Grubenhalz war schon in das Eigentum der R h e i n i ch- W e st f a l i s ch e n Grube nholzeinkaussgeselljchaft übergegangen uns soll nur zum geringen Teil versichert gewesen sein. 15 Personen bei der Einschlfsuag ertrunken. Im Hafen v»n Warna ereignet« sich ein schweres Unglück. Bei der Einschiffung aus den Dampfer„Sofia' wurde ein Boot mit 35 Personen an Lord bei dem starken Wellengang abgetrieben. Es kenterte. 15 Personen, meist angesehene Bürger der Stadt Warna, ertranken im Meer. Die übrigen 20 konnten gerettet werden. OewerLschastsbewegung vie polnischen wanöerarbeiter. Zuerst Unterbringung deutscher Arbeitsloser. Die abschließende Regelung der Beschäftigung polnischer Wanderarbeiter in Deutschland, die unmittelbar nach Ostern in An. griff genommen werden sollte, wird, wie wir von maßgebender Stelle erfahren, erst im Lause des Monats Juni erfolgen. Zur Vorbereitung der Verhandlungen von Regierung �u Regierung finden dies« Woche im Reichsarbeitsministerium zwischen den zu- ständigen Stellen Besprechungen statt. eines Kontin- will billige ß Tausende und aber Tausende Arbeitsloser für landwirtschaftlich« Arbeit zur Verfügung stehen. Bei den in verschiedenen ostelbischen Bezirken geradezu elenden Landarbeiterwohnungen kann natürlich im Augenblick nicht auf die bedürfnisloseren polnischen Wanderarbeiter verzichtet werden. Aber 50 000 dieser Saisonarbeiter genügen vollauf denn eine ganze Menge polnischer Wander- arbeiter ist in Deutschland geblieben und nicht nach Polen zurückgekehrt. In unterrichteten Kreisen schätzt man die Zahl der allein im letzten Jahr zurückgebliebenen Polen auf etwa 80 000: dazu kommen dann die Zurückgebliebenen aus den Vor- jähren und die Landarbeiter deutscher Abstammung, die in den letzten Jahren aus Polen und Rußland nach Deutschland e i n g e- wandert sind, � so daß man mit einem fremden Landarbeiter- bestand von etwa 200 000 Mann rechnen kann. Im vorigen Jahr bei einer verhältnismäßig normalen Arbeits- losigkeit war das Polen bewilligte Kontingent nicht übermäßig groß. Anders liegen die Dinge heute in der Zeit der Massen- arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seit« ist Polen nur infolge der Arbeitslosigkeit gezwungen, ein möglichst hohes Kontin- gent zu fordern. An sich hat die polnische Regierung kein großes Interesse mehr daran, große Mengen von Wanderarbeitern nach Deutschland gehen zu lassen: denn polnische Landarbeiter sind in großer Zahl nach Belgien und besonders nach Frankreich gegangen. Auf die Dauer lassen sich die deutschen und oolnischen Jnter- essen in der Saisonarbeiterfrage ausgleichen: im Augenblick jedoch kreuzen sie sich. Die deutsche Arbeiterschaft muß darauf bestehen, daß inan soweit wie möglich zunächst für die Arbeitslosen Arbeit aus dem Lande schafft. Die Erfahrung, die man mit der Verwen- diiug von Arbeitslosen aus Westfalen und dem Freistaat Sachsen in der mitteldeutschen Landwirtschaft gemacht hat, sind durchaus erfreu- lich. Das wird auch von den amtlichen Stellen anerkannt. Wo es die Wohnungsvsrhältnisse zulassen, müssen, u n ä ch st deutsche Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt werden. Im übrigen muß für die Vermehrung gesunder Land- arbeiterwoh nungen gesorgt werden. Es ist deshalb be- dauerlich, daß soeben erst im Preußischen Landtag der Antrag, der im Vorjahr von den Sozialdemokraten und in diesem Jahr von den Demokraten bei dem Landwirtschaftsetat eingebracht wurde und der für jeden in der Landwirtschaft beschäftigten fremden Arbeiter eine Abgabe zu? Schaffung eines Baufonds für Land- arbeiterwohnungen verlangt, von den Rechtsparteien niedergestimmt worden ist. Streik auf üem Großkraftwerk Nummelsburg. heule Verhandlungen. Die Belegschaft, die bei dem Bau de» Großkraftwerks Rummels- bürg be'chösligt ist. hat infolge der skandalösen Zustände, die zu den vielen Unglücksfällen geführt haben, dh?" Arbeit nledei> gelegt. Die Belegschaft fordert insbesondere die Einhaltung der achtstündigen Arbeitszelt und einen Bttndesttoha von 1,25 M. pro Stunde, wie wir erfahren, finden darüber heute zwischen dem Deutschen Metallarbeiteroerband und dem verband Berliner Metallindustrieller Verhandlungen statt. vie Leiftungsfähigkeit in üer Seehanölung. Die Arbeiter leisten nichts. Uns wird geschrieben: Das Beispiel der Deutschen Reichsbahn macht Schule. Bei der diesjährigen Ausschüttung aus dem Oeschästsgcwinn nach Titel 3 und 10 des Haushaltsplans 1925 der Preußischen Staatsbank(See- Handlung) haben die Beamten und Angestellten ganz erhebliche Zu- Wendungen erhalten in Form einer Leistungszulage. Früher erhielten alle Beschäftigten, ob Beamte, Angestellte oder Arbeiter, eine Gratifikation. Dann kam im Jahre 1923 die Bank- zulage, die den Beamten und Angestellten von Gruppe 4 auswärts gezahlt wurde, so daß jetzt noch jeder Beamte und Angestellte außer dem Gehalt noch jeden Monat eine Zulage be- kommt(z. B. Gruppe 8 monatlich etwa 6V M.) und nach aufwärts mehr. Die Arbeiter dieses Instituts wurden dieses Jahr mit dieser Zulage nicht bedacht, obwohl im Haushallsplan steht, daß außer den Löhnen und Gehältern Zuwendungen aus dem Ge- schäftsgewinn an nichtbeamtete Personen gewährt werden sollen. Es ist aber wie bei der Deutschen Reichsbahn, nur Beamte„leisten"' etwas!' Die Arbeiter werden bei den Behörden als Menschen zweiter Klasse behandelt. Daß aber die Arbeller bei der Preußi- schen Staatsbank(Seehandlung) produktive und auch banktechnische Arbeit leisten, will die Generaldirektion nicht anerkennen. Die Arbeiter, wenn sie mehr leisten, wohlverstanden über acht Stunden täglich, also quantitativ, bekommen dafür Ueberstunden bezahlt, so wurde vom zuständigen Abteilungsdirektor behauptet, um die Leistungszulage zu begründen: außerdem könnten die Ar- beiter überhaupt zufrieden sein, daß sie in Lohn und Brot stehen und arbeiten. Es ist hier also, wie allgemein üblich, daß diejenigen, die am schlechtesten bezahlt werden, nichts brauchen! Da in der Staatsbank über 100 Arbeller einschließlich der Reim- zungssrauen beschäftigt werden, die bei der Ausschültung nicht» erhalten haben, trotzdem sie am Reingewinn mitgearbeitet haben, so ist es erklärlich, daß die Lust und Liebe zu der Arbeit in der Preußischen Staatsbank dadurch nicht gefördert wird. Ist es nicht eine Ungerechtigkeit großen Stils, daß verheiratete Arbeller, die seit Iahren dort beschäftigt sind, nichts bekommen? Es ist eine Zurücksetzung der Arbeitskraft der Arbeiter, daß, wenn eine all- nne Ausschüttung stattfindet, nur die Beamten und Angestellten >amit bedacht werden und die Arbeiter leer ausgehen. An wem liegt das? Und wie kann die Preußische Staatsbank sich über die Bestimmungen des Haushaltsplans hinwegsetzen? Daß die Leistungsfähigkeit der oberen Beamten nach der Kutisker-Afsäre noch besonders belohnt werden muß, ist jedenfalls überraschend. Um Sie unkündbare flnftellung. Einspruch der Eisenbahnbeamten. Di« Eisenbahnerorganisationen haben zu der von der Reichs- bahn angeordneten Neuregelung der Bestimmungen für die unkünd- bare Anstellung der Reichsbahndeamten Stellung genommen. Diese Neuregelung bringt sürteinen Teil der Reichsbahnbeamten, und zwar für die Gruppen VI bis IX die seinerzeit vom Reichstag geforderte Gleichstellung mll den Reichsbeamten. Die Gruppen I b i» V werden schwer benachteiligt. Die Eisenbahner- organisationen haben der Reichsbahngesellschaft deshalb ein Ein- spruchsschreiben übermittelt, in dem es u. a. heißt: „Die Reichsbahngesellschaft ist nach den gesetzlichen Bxstim- mungen berechtigt, eine Rechtsordnung für die Reichsbahnbeamten aufzustellen, sie ist aber gehalten, diese Rechtsordnung den Rechtsnormen des Reiches anzupassen, soweit nicht die Reichsbahngesetze etwas anderes ausdrücklich bestimmen. Die von der Reichsbahngesellschaft getroffene Regelung der unkündbaren Anstellung schafft aber 1. für die Mehrheit der Reichsbahnbeamten gegenüber dem geltenden Reichsbeamtenrecht erhebliche V e r- fchlechterungen und 2. wiederum im Gegensatz zum Reichs- recht für die unter die Person fallenden Besoldungsgruppen starke Rechtsunterschiede. Die unterzeichneten Organisationen legen daher Wert auf die ausdrückliche Feststellung, daß sie sich mit den in der „Reichsbahn" Nr. 15 veröffentlichten Acnderungen der Person nicht einverstanden erklären können. Die Organisationen glauben zum Schluß nicht unerwähnt lassen zu sollen, daß nach einem Urteil des höchsten deutschen Gerichts vom 19. März d. I. die Stellen der Reichsbahngesellschaft als Reichsbehörden und das Dienstver- hältnis der R e i ch s b a h n b e a m t e n als das von mittelbaren Reichsbeamten im staatsrechtlichen Sinne bezeichnet werden." Schiedsspruch im Speditionsgewerbe. In der Speditionsbranche war das Abkommen über die Löhne der Arbeiter von den Unternehmern zum 1. März gekündigt und ein Abbau um 5 Proz. gefordert worden. Da die VerHand- lungen zwischen den Vertragsparteien wegen des Festhaltens der Unternehmer an ihrer Forderung scheiterten, wurde von den Unter- nehmern der Schlichtungsausschuß angerufen. Dieser fällt« gestern einen Schiedsspruch, nach dem der bisherige Lohn weitergezahlt werden soll und das Lohnabkommen fortab mit lätägiger Frist zum Monatsersten kündbar ist. Es ist damit zu rechnen, daß die Parteien, die in den nächsten Togen zu dem Ergebnis Stellung nehmen werden, dem Schieds- fpruch zustimmen._ Lohn- und Gehaltsabbau iu Koblenz. Koblenz. 3. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Im Koblenzer Handelsgewerbe hat das organisierte Unternehmertum einen Generalangriff aus die Gehälter und Löhne der Arbeiter und Angestellten unternommen. Den Arbeitern und Angestellten des größten Unternehmens des Koblenzer Handelsgewerbes, der Firma T i e tz, wurde ein zehnprozentiger Abbau der Tariflöhne und ein fünfprozentiger Abzug von den Leistungszulagen angekündigt. Die von dieser Lohnreduzie- rung betrosseneu Angestellten und Arbeiter haben in diesen Abbau eingewilligt. Der Wirtschaftsoerband des Koblenzer Handelsgewerbes hat daraufhin, durch diese Passivität ermutigt, weitere Lohnreduzierungen für die gesamten Arbeiter im Koblenzer Handelsgewerbe angekündigt. Ter Kölner Einzelhandel gegen die Angestellten. Köln, 3. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der Arbeitgeberverband des Einzelhandels hat mit Wirkung vom 30. April den A n g e- ftelltentarifvertrag gekündigt. Die von dem Arbeit- geberoerband erhobenen Forderungen bedeuten eine ungeheure Verschlechterung der Angestelltenbedingungen. Der Zentraloerband der Ange st eilten hatte, um über die bisherigen Verhandlungen Bericht zu erstatten, zu einer Dersamm- lung ausgerufen, die zu einer großen Protestkundgebung der Kölner Angestellten wurde. Ueber einige tausend Personen hatten sich zusammengesunden, um zu dem Konflikt im Einzelhandel Stellung zu nehmen. Die Versammlung nahm eine E n t- s ch l i e ß u n g an, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß die An- Sefttllten sich mit starker Entschiedenheit hinter ihre gewerkschaftliche rganisation, den Zentralverband der Angestellten, stellen, um den Kamps um ihre Existenz mit aller Energie auszunehmen. Kougrest der Postbeamten in PariS. Varl», 3. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der Nationalkongreß des Gewellschoftsoerbandes der Postbeamten ist am Montag. vormittag in Paris eröffnet worden. Es wurde zunächst die wich- tigste der aus der Tagesordnung stehenden Fragen, die von den Postbeamten seit langem geforderte Angleichung chrer Gehälter an die der übrigen Beamtenkategorien behandelt. Die Unzufrieden- beit der Postbeamten hatte bereits mehrfach die Gefahr eines General st reiks in unmittelbare Nähe gerückt. Nach der ersten Sitzung des Nationalkongresses ist jedoch eine Entspan- nung der Situation zu verzeichnen. Der Handels- minister Daniel Vincent hat in einem an den Gewerkschafts- verband gerichteten Schreiben wissen lassen, daß die mit der Prü- sung der Forderungen der Postbeamten beauftragte Sonder- kommission bereits in den nächsten Tagen ihren Bericht im Bureau der Kammer hinterlegen und dem Parlament gleich nach seinem Zusammentritt am 27. Mai eine Kreditforderung zur Angleichung der Gehälter der Postbeamten unter- breitet werde. Der Berichterstatter des Kongresses hat deshalb er- klärt, daß angesichts dieses Versprechens der Regierung die Erklä- rung des Generalstreiks vorläufig aufgeschoben werden könne, sich der Verband aber vorbehalte, im Falle der Nichtbefriedigung seiner Forderungen auf die Absicht, den General st reik zu er- klären, zurückzukommen. Wirtfibaft Exportkreditverftcherung überall. Der Kampf um die Absatzmärkte nimmt immer groß- zügigere Formen an. Fast hat es den Anschein, als ob gegenwärtig die Fragen der handelspolitischen Regelung zwischen den einzelnen Staaten gegenüber der in allen Ländern ausgenommenen oder mindestens angestrebten Exportkreditversicherung in ihrer Bedeutung zurücktreten. In Deutschö st erreich zum Beispiel beabsichtigl man gegenwärtig, eine Exportvcrsicherung nach deutschem Muster einzurichten. Anlaß dazu gaben das Scheitern der Verhandlungen zwischen der Oesterreichischen Nationolbank und den Vertretern der Sowjetunion über die Eskomptierung der russischen Wechsel. Da aus einer ganzen Reihe von erwarteten Geschäften nach Rußland an- scheinend nichts wird, verlangt man von der Regierung möglichste Unterstützung der Exporttätigkeit. Von ganz besonderem Interesie sind die Erweiterungen, die man bei der englischen E x p o r t v e r s i ch e r u n g s st e l l e, der Exportkreditsacilities und deren Tätigkeit, plant. Die Regierung soll die Möglichkeit erhalten, statt der bisher vielfach zu niedrig empfundenen Rifikobcteiligung von 42 X Proz. des Exportgeschäftes in Einzelfällen sich bis zu 75 Proz. zu beteiligen. Es sind demnach folgende Kreditierungsmöglichkeiten gegeben. Die Regierung über- nimmt 75 Proz. des Risikos oder die Regiernug übernimmt die Garantie für die Zahlung, läßt aber den Rückgrifs aus den Expor- teur offen: drittens: die Vereinigung beider Möglichkeiten, die Re- gierung garantiert bis zu 75 Proz. und läßt den Rückgriff auf den Exporteur zu einem geringeren Satze, der von Fall zu Fall fest- zusetzen ist, offen._ Rückgang der Konkurse lm Aprll. Nach Mitteilung des Statifti- schen Reichsamts wurden im April d. I. durch den„Reichsanzeiger 1302 neue Konkurse— ohne die wegen Mossenmangels ab- gelehnten Anträge auf Konkurseröfsnung— und 923 angeordnete Geschäftsaufsichten bekanntgegeben.— Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 1871 bzw. 1481 Konkurse und Ge- schästsaufsichten. Amerika gegen die hohen kalipreise. Der Handelssekretär der Vereinigten Staaten, H o o v e r, hat sich in seinem Kampf aeaen die Monopolisierung der Rohstoffe schon mehrsach auch gegen das Kalimonopol deutsch-sranzösischer Kaliproduzenten gewandt. Vom amerikanischen Standpunkt ist dos sehr begreiflich, da die amen- konischen Farmer fast den gesamten Kalibedarf in Europa deckten �ind jährlich etwa für 50 Millionen Dollar nach Amerika eingeführt werden muß. Neuerdings hat Hoover im Bergwertsausschuß des Repräsentantenhauses die Annahme der vom amerikanischen Senat bereits im April bewilligten vierjährigen Bereitstellung von je 550 000 Dollar verlangt zur Erforschung der Kalilagerstätten in den Vereinigten Staaten. Wenn die Vereinigten Staaten Kali vxodu- zieren würden, sei die H er abdrückung der Kalipreise auf d i e H ä l f t e möglich.— Nun ist in dieser Rede Hoooers gewiß viel Zukunftsmusik. Aber das deutsche Kalisyndikat sollte den amen- konischen Anstrengungen Aufmerksamkeit schenken. Das neue Ab- kommen von Lugano zwischen den deutschen und den elsässischen Kaligruben bedeutet praktisch das P e l t k a l i nll> n o p o l, das die Preise diktiert. Bei aller Reserve gegenüber den amerikanischen SpezialWünschen ist es sehr beachtlich, daß Hoover von einer möa- lichen Preissenkung auf die Hälfte Ipricht. Angesichts der gegenwärtig im Wintershall beschlossenen Dividende von 15 Proz„ die ausgeschüttet wird, obwohl die a r be i t e n d e n Werke das Vier- fache produzieren könnten, und obwohl 10 Proz. der gesamten Roh- einnahmen der deutschen Kaliwerke zur Dioidendenverteiluna an die nichtarbeitenden Werke verteilt werden, ist eine ersola- reiche Konkurrenz mit starkem Preisdruck auf die Dauer zweifellos möglich. Geheimrrat Rosterg, bei' Herrscher des Kalisyndikats, hat gelegentlich der Auflegung der 300-Millioiien-Kalianleihe besonders mit Rücksicht auf die deutsche LandwiNschaft eine Politik niedriger Preise ausdrücklich versprochen. Daß er heute von Amerika eine Lektion darüber erhält, wie er entgegen seinem Ver- sprechen, den inneren Wiederausbau der deutschen Landwirtschaft durch niedrigere Preise fördern könnte, das ist nicht nur eine amerikanische, sondern leider auch eine sehr ernste deutsches Angelegenheit._ Mus öer Partei. Ein Bezirksparkeitag für Ostsachsen findet am 9. Mai in D r e s- den statt. Aus der Tagesordnung steht außer Geschäfts- und Tätigkeitsberichten über Organisation, Kasse, Arbeiterwohlsahrt auch Neuwahl des Vorstandes, ein Referat des Genossen Arzt über die politische Situation in Sachsen und im Reick Erfolge der Jugend-Werbewoche. Nach den jetzt vorliegenden Berichren hat die von der Sozialistischen Arbeiterjugend mit Hilfe unserer Parteiorganisationen in der Zeit vom 21. bis 28. Mär; veranstaltete Werbewoche einen guten Erfolg gehabt. Rund 15 0 00 neue Mitglieder wurden gewonnen. Nach guter Vorbereitung durch Parteipresse, Handzettel, Bekannt- gäbe in Partei- und Gewerkschaftsveronstaltungen waren die Werbe- feiern der Jugend allgemein gut besucht, häufig sogar überfüllt. Besonders die Borführung der Wcrbe-Lichtbildferien und der Iugendtagsfilm« zeigten vollbesetzte Säle und hatten überall zündende Wirkung auf jung und alt. Verantwortlich fllr Politik: Slicha'd«er-gei»: Wirtschaft:»:t»r Saternn»: Scwerkschaftobewcauna: griedr. EAkorn: Feuilleton: IL t. Tischer: Lokale» unt> Eonstiocs: Trit itarstödt: An»cioen: TIi. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwarto-Berlaa G. in. d. 6.. Berlin. Druck: Borwärti-Buchäruckcrei und BerlaasanNalt Paul Einacr u. Co.. Berlin EW SS. Lindenltrake 3. Stellare out einqelülir e,'llu- nriert.ze!lschristsuchi IllchtigeAdonnenIen. sammler u. Inserat- Vertreter. Hohe Be- zlla! Offerie unier „l-. R. 7412" anSiudoIf Moste. Stuttgart. *2$- ________ Ecke kopenickenitr. Kein laden! 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An den Kassen folgender Verbände: Zentralverband der Angestellten, SW6I, Belle AHiance Str 7/10. Zentralverband der Fleischer, O, Zorn- dorfer Str. 32 Verband der Lebensmittel- u deirinke- ai heiter, C. MulacKstr 10. BauhDtte Berlin, W. Wilhe'mstr. IDA. Ve band der aeut chen Bcchorucker, Dr ib.ndstr. 5