Nr. 208 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 106 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlid B- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzig. Gaar- und Memelgebiet. Desterreich, Litauen, Lucemburs 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied. lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Bisfen und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die eini valtiae NonpareilleGeile 80 Bfennia. Reflamezefle 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettaedrudte Wort 25 Binato ( auläffia zwei fettgedruckte Worter ledes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erite Wart 15 Pfennig, tedes weitere Wort 10 Bfennia. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worce Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennia. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linben. traße 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 8% Ubr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Mittwoch, den 5. Mai 1926 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bofticheatonto: Berlin 37 530 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3. Der Riesenkampf in England. Durchführung des Generalstreiks.- Aufruf zur internationalen Solidarität! Der gigantische Kampf, der jetzt in England im Gange ist, tennt seinesgleichen nicht in der Geschichte Englands, ja der ganzen Welt. Man könnte höchstens den Generalstreit mit ihm in Vergleich stellen, der in Deutschland zur Niederwerfung des Kapp- Butsches durchgeführt worden ist. Aber dieser Vergleich kann nur für den Umfang und die Intensität des Streifs gelten, nicht für seinen Charakter, denn der deutsche KappStreit war ein politisches Unternehmen mit dem Ziel, die gewaltsam gestörten verfassungsmäßigen Rechtszustände wiederherzustellen, der englische Generalstreit ist aber in seinem Kern eine gewerkschaftliche Angelegenheit mit tiefen wirtschaftlichen Hintergründen. Die Arbeiterschaft der ganzen Welt, vor allem auch die Deutschlands, verfolgt diesen Riefenkampf mit angehaltenem Atem. Unendlich viel hängt auch für sie von seinem Ausgang ab. Ein Fehlschlag in England würde in der ganzen Welt den Uebermut der kapitalistischen Kreise steigern, und mehr denn je würde die verhängnisvolle falsche Methode, in Lohnfürzungen und Arbeitszeitverlängerungen den Ausgleich für die Rückständigkeiten der wirtschaftlichen Organisation zu fuchen, als die allein maßgebende betrachtet werden. Umgetehrt muß ein Erfolg der englischen Bewegung Mut und Selbst vertrauen bei allen Lohn- und Gehaltsempfängern mächtig steigern und auf das Unternehmertum in allen Ländern als nachdrückliche Warnung wirken, den, Bogen nicht zu über spannen. Der Ruf nach Solidarität, den die Bertreter der englischen Arbeiterschaft jezt an die arbeitenden Massen Deutsch lands richten, wird daher nicht ungehört verhallen. Deutsche und englische Arbeiter haben vier Jahre lang in den Schützengräben gegeneinander gelegen. Wie sehr hat sich seitdem heute in einem Vorkampf für die Interessen des Welt die Situation geändert. Die englische Arbeiterschaft steht proletariats und ruft die deutschen Arbeiter auf, im Kampf gegen einen gemeinsamen Gegner Pflichten gewerkschaftlicher Solidarität zu üben. Sie zu erfüllen gebietet den deutschen Arbeitern ihr eigenes Interesse mie ihre eigene Ehre. Der Ausgang eines Kampfes wie des gegenwärtigen hängt in erster Linie ab von dem reibungslosen Funktionieren der Organisation. Die Organisation, die ihn in erster Reihe führt, find die englischen Gewerkschaften, die mit den deutschen und den anderen Gewerkschaftsorganisationen zur Amsterdamer Internationale zusammengeschlossen sind. Alle notwendigen Maßnahmen werden also auf englische Anregung, nach gemeinsamer Beratung von der gewerk schaftlichen Internationale zu fassen und von den Landesorganisationen durchzuführen sein. Die internationale Drganisation fordert internationale Disziplin. Durch Disziplinlosigkeiten könnte man ihr höchstens Bären dienste ermeisen. des Zentrums der Stadt zur Folge, so daß an den Hauptverkehrspunkten die Automobile und sonstigen Fahrzeuge bis zu einer Biertelstunde dichtgedrängt warten mußten. Während in den frühen Morgenstunden der Verkehr der Untergrundbahnen, Omnibusse und Straßenbahnen völlig still stand, ist es im Laufe des Tages einer der fleineren Untergrundbahngesellschaften gelungen, Züge in Zwischenräumen von 20 minuten abzulaffen. An eine auch nur einigermaßen genügende Bewältigung des Berfehrs ist nicht zu denken. Die größten Omnibusgesellschaften Londons, deren Berjonal organisiert ist, haben den Weisungen der Gewerkschaft Folge geleistet. Bemerkenswert ist, daß selbst die wenigen fahrenden Omnibusse trotz des Mangels an Berkehrsmöglichkeiten vom Publifum faum benugt werden. Die Zeitungen find am Dienstag nicht mehr erschienen, Die einzige Nachrichtenquelle für die Deffentlichkeit ist der Rundfunt, durch den täglich fünfmal die amtlichen Reuter meldungen verbreitet werden. Da die Buchdruckergewerk. schaft die Parole der Arbeitsniederlegung aus prinzipiellen Gründen auch auf die Arbeiterpreffe ausgedehnt hat, kann selbst der Daily Herald", das offizielle Blatt der Gemertschaften, nicht erscheinen. Das Fehlen einer offiziellen Informations quelle der Gewerkschaften wird auf allen Seiten beklagt. Sämtliche Geschäfte Londons waren heute geöffnet. Es zeigte sich keinerlei Neigung des Publikums, Lebensmittel zu hamstern. Sn den Geschäften, die nicht der unmittelbaren Versorgung mit Lebensmitteln dienen, konnte eine allgemeine Rauf unfuſt feſtgestellt werden. Die Theater und Kinos spielen einst: weilen, wie sonst. Die Milch wird von Mittwoch an unter staat licher Kontrolle bewirtschaftet und von der zentralen Milchsamme! ist mit amtlicher Zustimmung infolge der verteuerten Belieferung stelle im Hydepark an den Einzelhandel abgegeben. Der Milchpreis um 8 Cents pro Liter erhöht worden. Die Eisenbahner haben einen großen Teil der Milch und Lebensmittelzüge in die Personen bahnhöfe geleitet, um auf diese Weise es den Eisenbahngesellschaften unmöglich zu machen, mit Hilfe von Streifbrechern oder Soldaten Bersonenzüge abgehen zu lassen. Auf den Londoner Vorortstrecken ruht der Verkehr völlig. Dem Streit haben sich auch die Arbeiter der großen staatlichen Waffen- und Munitionsfabrik Woolwich und der Staatsdruckerei angeschlossen. Das Arsenal in Woolwich ist von einem starten Truppenaufgebot besegt; vor den geschlossenen Toren des Werkes stehen neben den Streitposten zahlreiche Militärposten. Das gleiche Bild bietet die Staatsdruckerei. London, 5. mai, 1 Uhr morgens.( Eigener Drahtbericht.) Aus der Haltung, die der offizielle Sprecher der Regierung in der in der Admiralität ftattfindenden Pressekonferenz einnimmt, ebenso wie aus der Haltung des amtlichen Blattes, das heute morgen zum erstenmal erschienen ist, geht hervor, daß eine großemoralische Offensive gegen die gewerffchaftliche Arbeiterbewegung unter der Parole Schutz der Verfassung" eingeleitet werden soll. Aufzählungen von Beispielen angeblicher Nidftbefolgung der Streifparolen spielen eine große Rolle. Gerade die von der Regierung angeführten Beispiele beweisen jedoch, daß es sich um verschwindend kleine Gruppen von Arbeitern handelt, die man mit 2 Proz. fast schon zu hoch einschätzt. Ein von dea amtlichen Stellen mit besonderem Nachdruck angeführter Fall ist die Nichtbefolgung der Streitparole der 10 000 Arbeiter der chemischen Fabrit Brunner- Mond in Sheffield. Hier handelt es sich aber um ein Unternehmen mit Gewinnbeteiligung der Arbeiterschaft, die zum größten Teil nicht organisiert ist. Der Eisenbahnverkehr ist im wesentlichen praktisch völlig stillgelegt. 3m ganzen Norden Englands find nur einige Züge von freiwillen Hilfskräften gefahren worden, jedoch tein Eilzug. Internationales Zusammenwirken. Zürich, 4. mai.( Eigener Drahtbericht.) Das Sekretariat der Sozialistischen Arbeiterinternationale hat an den Internationalen Gewerkschaftsound in Amsterdam folgendes: Telegramm gerichtet: „ Bei Ausbruch des größten gewerkschaftlichen Kampjes, den die Welt bisher gesehen hat, ist das sozialistische prole. schwere, gefahrvolle Ringen der englischen Arbeiter zum fiegreichen fariat aller Länder einig in dem heißen Wunsch, daß das Erfolg führe und einig in dem entschlossenen Willen, alle kraft auffchloffen, diese Aktion zu führen im feften Einvernehmen mit dem zubieten, um feine internationale Solidarität, moralisch und mateschloffen, diese Aktion zu führen im festen Einvernehmen mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund, der die internationale Strategie dieses gewerkschaftlichen Kampfes zu bestimmen hat. Das Sekretariat der Sozialistischen Arbeiterinternationale hat heute den Bureaumitgliedern den Vorschlag unterbreitet, die Sihung des Bureaus vorzu verlegen und bereits am 11. Mai in Amsterdam abzuhalten. Wir bitten um fofortige Nachricht, zu welchem Zeitpunkt im Anschluß an diese Bureaujihung eine Fühlungnahme riell, zu befunden. Die Sozialistische Arbeiterinternationale ist entmitdem Borstand des Internationalen Gewertschaftsbundes möglich ist. Für das Sekretariat der SAJ.: Friedrich Adler." ( Weitere Meldungen auf der dritten Seite.) Ein Schlag gegen Schwarzrotgold. Ein solcher Bärendienst wird den englischen Kämpfern zum Beispiel auch erwiesen, wenn die fommunistische Presse findisch renommiert, daß die in England völlig bedeutungslosen Kommunisten die eigentlichen Treiber des Kampfes feien. Flaggenverordnung der Reichsregierung. Der Ausgang des Kampfes hängt davon ab, auf welche Seite fich das englische Bolt mit seinen Sympathien stellt. Das englische Bolt lehnt die Bolschewierung Englands mit einer Mehrheit von Taufend gegen Einen ab und weil die Arbeiterfeinde in England das wissen, darum versuchen sie, den Anschein zu erwecken, als sei der Generalftreif eigentlich ein bolichemistisches Unternehmen. Wer dieje gründ lich falsche Behauptung unterstützt, unterstützt damit die Feinde der Arbeiter und fällt den Arbeitern in den Rücken. Die englischen Arbeiter fämpfen in der Berteidi gung gegen einen Angriff des Unternehmertums. Ihr Ziel ist die Erhaltung ihres Lebensstandards, die möglich gemacht werden soll durch eine bessere Organisation der Urproduktion. Erreichen sie dieses Ziel, so wird der von ihnen erfochtene Sieg der gewerkschaftlichen und sozialistischen Bewegung der ganzen Welt zugute kommen. Darum sind wir alle an diesem Sieg brennend intereffiert, alle, jeder an seinem Platz, nach Kräften zu ihm beizutragen verpflichtet. Das können wir weder durch bloße Sympathiebezeugung noch durch eigen mächtiges Handeln, sondern nur durch überlegtes und diszipliniertes Tun in Reih und Glied der großen gewertschaftlich und politisch international organisierten Arbeiterbewegung. London, 4. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Das Straßen bild Londons hat feit den heutigen Morgenstumden teine wesentlichen Veränderungen erfahren. Die Verwendung jämtlicher im Privatbesiz befindücher Fahrzeuge hatte in den Nachmittags stunden eine beängstigende Berstopfung der Straßen Durch eine Verordnung des Reichspräsidenten follen die auswärtigen Miffionen, Botschaften, Gesandtschaften und Konjulate verpflichtet werden, neben der schwarzrotgoldenen Reichsflagge auch die schwarzweißrote Handelsflagge mit der schwarzrotgoldenen Gösch zu zeigen. Zugleich sollen die Reichsbehörden zur See, die bisher Schwarzweißrot mit dem Staatswappen führten, die schwarzrotgoldene Gösch annehmen. Die Verordnung foll vom Reichskanzler gegengezeichnet werden. Sie hat bereits die Zustimmung des Kabinetts gefunden. In der demokratischen Reichstagsfraktion, die gestern nachmittag vom Reichsinnenminister Dr. Külz über diesen Borgang unterrichtet wurde, herrscht starke Erregung. Man sieht in der geplanten Verordnung einen Schlag gegen Schwarzroigold. Die Fraktion hat ihren Borsigenden Dr. Koch beauftragt, ihre Bedenken beim Reichskanzler geltend zu machen. Auch in der Fraktion des Zentrums herrscht über die geplante Berordung Unruhe. Nach einer Mitteilung des Nachrichtenbureaus der VD3. will das Kabinett mit Rücksicht auf die starken Bedenken zweier Regierungsparteien sich noch einmal mit der Angelegenheit beschäftigen. Am Abend hatte der Reichsaußenminister Dr. Strese mann auch eine Unterredung mit Genossen Hermann Müller, der ihn über die Stimmung in der sozialdemokra tischen Reichstagsfraktion unterrichtete. Herr Stresemann wird nicht überrascht gewesen sein, als er erfuhr, daß in fozialdemokratischen Kreisen über den geplanten Streich gegen Schwarzrotgold helle Entrüstung herrscht. Schwarzweißrot auf die Auslandsmissionen Die neue Flaggenverordnung ist nach außen eine Schädigung der deutschen Interessen und nach innen eine Herausforderung der republikanisch gesinnten Bevölkerung. Es muß im Ausland den allerschlechtesten Eindruck machen, wenn auf den deutschen Missionen mit einemmal wieder die Flagge der deutschen Reaktion und des Kaiserreichs aufgezogen wird. Man denke an die Wirkung dieses Farbenwechsels in Frankreich, England, Amerika, wo Deutschland doch gerade nur von den Elementen Entgegenkommen erwarten kann, die mit seiner demokratisch- republikanischen Entwicklung sympathifieren. Man denke aber auch an die Wirkung in anderen Ländern, besondes in Desterreich, wo die schwarzrotgoldene Flagge des An= schlusses durch das gleichzeitige Aufziehen von Schwarzweißrot entwertet wird! Mit dem Geist der Verfassung ist die Flaggenverordnung nicht zu vereinbaren. Das üble Kompromiß zwischen Schwarzweißrot und Schwarzrotgold für die Handelsslagge ist bekanntlich damit begründet worden, daß die schwarzrotgoldenen Farben auf See nicht so leicht zu erkennen feien wie die schwarzweißroten. Für die Beflaggung der auswärtigen Missionen tann diese Begründung unmöglich mit herange30gen werden. Darüber hinaus ist überhaupt das Verordnungsrecht des Reichspräsidenten in dieser Angelegenheit stark umstritten. Der Reichspräsident und die Reichsminister haben geschworen, daß sie die Verfassung schützen wollen. Das Wesentliche zum Schutz der Verfassung scheint uns zu sein- und das hat man im Kabinett geflissentlich übersehen, daß man fich auf diejenigen Kreife Ser Bevölkerung fügt, die bereit find, die Berfajfung zu schüßen, daß man also diese Kreise menigstens nicht in ganz überflüssiger Weise verlegt und herausfordert. Das tut man aber, indem man die Farben Schwarzweißrot begünstigt und den Feinden der Berfassung Rongeffionen macht. mitteln sich gegen die Berordnung menben wirbe. Sie werbe| nififen Standpunti tämpfen tann, shne bur gegebenenfalls jogar überlegen, ob sie den bemokratischen Minister mechanische Mittel von jeber Barteiarbeit und von den Mitgliedern isoliert und schließlich aus nicht aus dem Kabinett zurückziehen solle. der Partei ganz ausgeschlossen zu werden. Auch das Zentrum nicht einverstanden. Die Zentrumsfraktion des Reichstags beschäftigte fich gestern Erinnert man sich an gewisse Dinge, die vorausgegangen nach der Plenarsizung in längerer Sigung mit der Verordnung find, vor allem an die schnodderige Art und Weise, mit der die zur Flaggenfrage und kam zu dem Ergebnis, daß eine solche Aktion Reichsregierung ihre Gegnerschaft gegen das Bolfsbe= aurzeit(!) nicht als angebracht angesehen werden tönne. gehren der Fürstenenteignung befundet hat, so verstärkt nach Schluß der Sigung wurde der Beschluß dem Reichsaußenfich der Eindrud, daß es sich hier um eine absichtliche Häufung minister zur Kenntnis gebracht. Don Provokationen handelt, die natürlich nicht ohne Antwort bleiben fann. Dieser Eindrud fann auch nicht vermindert werden durch die Mitteilung, daß das Kabinett in dieser Angelegenheit einmütig gewesen sei; höchstens fönnte man aus ihr schließen, daß die wenigen Mitglieder des Kabinetts, die bisher in republikanischen Kreisen Vertrauen genossen, im Begriff sind, auf dieses Vertrauen zu verzichten. Schwarzrotgold find die Farben der Republik. Ihnen Achtung zu verschaffen, ist die Aufgabe der Reichsregierung. Die Reichsregierung hat statt dessen vor den Feinden der perfaffungsmäßigen Farben einen Rüdaug angetreten. Sie Reichsbanner marschiert auf! Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold hat seine Groß- Berliner mitglieder für heute, Mittwoch, abend 8 Uhr zu einer auf dem Gendarmenmarkt stattfindenden Proteftversammlung gegen die neue Flaggenverordnung aufgerufen. Die Versammlung muß eine machtvolle Kundgebung für die Republik und für die Erhaltung des republikanischen Hoheitszeichens SchwarzRot- Gold werden! ſelbſt mag ja die Sache anders empfinden, weil sie die Unkommunistisch und unleninistisch. Feinde von Schwarzrotgold als ihre Freunde betrachtet. Aber das Berhältnis der aufrichtigen und entschiedenen Republikaner in Deutschland zu ihr ergibt sich daraus erst recht von selbst. Wenn sich die Reichsregierung darauf beruft, daß die Auslandsmissionen selbst diese Neuregelung ange regt haben, so darf man an das Wort Bismards erinnern, daß die Auslandsmissionen einzuschwenken hätten wie die Unter offiziere. Jetzt scheint das Berhältnis umgekehrt zu sein, und die Reichsminister schwenken vor den schwarzweißroten Herr schaften, denen sie selbst die Bertretung deutscher Auslands intereffen anvertraut haben, wie die Unteroffiziere ein.. Die Aufgabe, den Farben der Republit Achtung zu verschaffen, fällt damit ausschließlich den republikanisch gesinnten Boltsmassen selbst zu. Der Protest der Demokraten. Der Demokratische Zeitungsdienst" schreibt: In den Kreisen der demokratischen Reichstagsfraktion, die erst in den legten Stunden von der geplanten Berordnung erfahren hat, find gegen diesen Plan die ernstesten Bedenken laut geworden. Nach den Mitteilungen von unterrichteter Seite soll die geplante Regelung erfolgen auf Grund der Berichte, die die deutschen diplomatischen Bertreter im Ausland der Berliner Zentrale eingesandt haben. Auch diese Berichte tönnen einstweilen die ernsten Bedenten formeller und materieller Natur nicht zum Schweigen bringen. Neben der verfassungsrechtlichen Frage muß vor allem die politische Seite der Frage ins Auge gefaßt werden. Es will scheinen, als ob hier Kräfte am Wert sind, die auf faltem Wege die schwarzmeißrote Flagge wieder einführen wollen. Das fönnen die Demofraten nicht zulassen. Dann ist schon weit eher der flarere meg der Boltsentscheidung vorzuziehen. Die Demofraten scheuen diesen Boltsentscheid nicht, und es obliegt den Freunden der schwarz meißroten Flagge, als den Rechtsparteien, diese gefeßliche Möglich feit auszunuzen. Auch diejenigen Demokraten, die früher für die Beibehaltung der schwarzweißroten Flagge eingetreten sind, hegen gegen den jezigen plan die schwersten Bedenten Schwarz- Rot- Gold ist die Flagge der Republif, und solange das deutsche Boll nichts anderes beſtimmt, muß dieser Flagge in Deutschland und in der Belt nachdrücklichst Achtung verfchafft merbendaz 4 Koch bei Luther. Ueber den Besuch des bemokratischen Fraktionsvorfigenben Roch Beser beim Reichstanzler Dr. Luther wegen der Flaggenverordnung erfährt Ill., daß der Abgeordnete Roch im Namen der Demokratischen Reichstagsfraktion entschiedenen Proteft gegen die beabsichtigte Berordnung erhob. Er betonte, daß die Demokratische Fraktion mit allen parlamentarischen Der Heldenkampf. Bon Hans Bauer. Seit einigen Tagen ist der Ramschladen schrägüber geschloffen. Die Rouleaux find heruntergelassen und die Tür öffnet sich nicht mehr. Wohin ist der Besizer gegangen? Nun, in Konkurs. Gestern traf ich ihn auf der Straße und wiewohl ich nur selten bei ihm gekauft hatte, und wir uns nur oberflächlich fannten, beließ er es nicht beim einfachen Gruß, sondern blieb stehen, nickte refigniert mit dem Kopf und überschüttete mich mit einer Flut von aufflärenden Details.„ Es ist einfach nicht zu machen gewesen," jagte er.„ Und ich habe doch getan, was ich fonnte. Also ich habe gearbeitet von früh bis abends, bin höflich gewesen mit der Rund fchaft, habe die besten Erfahrungen mitgebracht ins Geschäft, habe mich nicht auf fremde Leute verlassen, habe selber eingekauft und bedient Aber die schlechte Lage und die miserablen Zeitum. stände!" Der Befizer holte tief Atem und flopfte auf meine Schulter: Ich habe einen Heldentampf ausgefämpft ich bin unterlegen. Er sagte es ohne Pathos und Sentimentalität. Die Resignation des Gescheiterten ohne Schulb lag in seiner Stimme. Ein Besiegter flagte das Schicksal an und vermochte nicht, es zu deuten. Er fand es finnlos und töricht, ungerecht und dumm. Er fand feinen Zusammenhang zwischen dem Einsatz seiner Leistung und dem Resultat. Er verstand die Welt nicht. O, ich fonnte mir die Einzelheiten des Heldenkampfes vorstellen, den der Mann bestanden hatte. Er war gewiß unermüdlich ge mefen im Besuch von Auktionen und im Auftauf von Konkurs maffen. Er hatte einen täglichen, erbitterten, aufreibenden Klein trieg gegen seine Gläubiger geführt. Er hatte seine Gedankenfraft auf neue Streditquellen fonzentriert. Er hatte um die Seele jedes Räufers mit allem Nerveneinfaz und aller Zungenfertigkeit gerungen. Er war dauernd bemüht gewesen, neue Methoden zur Berringerung feiner Spesen, zur Bermehrung seiner Einnahmen zu finden. Er hatte seine Lebensaufgabe in der Belebung seines Ge. schäfts gesehen und hatte sich tapfer herumgeschlagen mit Wechsel terminen, Zinsforderungen, Steuerformularen und Rechnungsaussügen. Alles war vergebens gewesen. Der Helbenkampf hatte ruhmlos geendet. Korschs Antwort an die KPD.- Zentrale. Reichstagsabgeordneter Rorsch hat an die Zentrale der KPD. ein Schreiben gerichtet, in dem er die Gründe ausein andersetzt, die ihn veranlaßten, trotz der Aufforderung fein Reichstagsmandat nicht niederzulegen. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: Berlin, den 2. Mai 1926. Sefr. 1/2. Un bas Zentralfomitee der RPD. Berlin . G. Auf Euren Beschluß vom 30. April 1926 habe ich Euch folgende Erklärung abzugeben: Ich erkenne vollständig an, daß die kommunistische Führung einer tommunistischen Partei das unbedingte Recht hat, von den Parteimitgliedern die Niederlegung eines Reichstagsmandates, welches sie im Auftrag der Partei ausüben, zu verlangen. Ich er femme vollständig an, daß jedes Parteimitglied einer solchen Aufforderung fofort nachzukommen, verpflichtet ist. Benn ich trotzdem erkläre, daß ich Eurer Aufforderung zur zeit feine Folge leisten werde, so geschieht dies aus folgenden Gründen: Nach meiner Ueberzeugung ftellt die gegenwärtige Führung der PD. eine rechte Parteiführung dar, die immer mehr die Cinie einer opportunistischen, d. h. untommunistischen und unleninistischen politik verfolgt. Sie unterdrückt zugleich durch ein Regime ideologischen Terrors und polizeilicher Methoden alle in der Partei bisher noch vorhanden gewesenen Reste von Parteidemokratie, so daß der Kampf für die Wiederher. ftellung einer tommunistischen Politit innerhalb der Partei heute fast überhaupt nicht mehr möglich ist. Auch die gegenwärtige Aufforderung an mich und den Genossen Schwarz ist weiter nichts als die mechanische Unterbrudung einer politischen Opposition gegen die rechte Bolitit der Parteiführung. Wir sollen nicht nur unsere Mandate niederlegen, sondern unmittelbar danach aus der Partei ausgeschloffen werden, wie dies mehrfach bereits offiziell angefündigt worden ist. Wenn wir unter dielen Umständen unsere Mandate jetzt niederlegten, so würden wir tatsächlich dabei mitwirften, daß die Opposition gegen die rechte Polifit der Parteiführung unterdrückt, und die Kommunistische Partei der unkommunistischen Politit ihrer gegenwarfigen Führung ausgeliefert wird. Ich ertiäre ausdrücklich, daß ich mein Mandat fofort nieber legen werde, wenn ich mich überzeugt habe, daß die Politit der Bartei wieder eine kommunistische, d. h. proletarisch revolutionäre Bolttit geworden ist, oder daß auch nur jo piel Barteibemo tratie und Distuffionsfreiheit innerhalb der Partei wiederhergestellt ist, daß die entschiedene und flare 2inte in der Partei für ihren tommu -Sobald eine dieser Borausfeßungen erfüllt ist, werde ich mein Mandat niederlegen, und zmar auch dann, wenn diese Niederlegung für mich infolge des von 1923 her gegen mich schmebenden Hochverratsverfahrens den Berzicht auf offenes Auftreten und legale Barteiarbeit bedeutet, Mit fommunistischem Gruß Rarl Rorsch Damit hat Rorsch auch von sich aus die Verbindung mif jener Gruppe der KPD. zerrissen, für die das Wesen des Rommunismus in dem blinden Gehorsam gegen Moskau besteht. Braunschweigische Gerechtigkeit. Verzeihende Milde für Reaktionäre. Ein Gegenstüd zum Stoelkel- Prozeß murde in Brauns ( meig verhandelt. Dort hat der Oberstaatsanwalt bu Roi, der bis zum Herbst 1923 Leiter der Bandesstrafanstalt in Wolfenbüttel mar, ein Strafverfahren gegen den Rebatteur des Boltsfreund". Thielemann, angestrengt, weil der Volksfreund" behauptet hatte, daß du Roi aus Anstaltsbeständen für sich und seine AngeBreifen getauft hatte. Zur Verhandlung erschienen 37 Zeugen. hörigen Borräte und 2ebensmittel zu billigen In der Beweisaufnahme fagte u. a. der frühere Minister Grotemohl aus, daß auf Grund der Berichte, die ihm amtlich zugegangen feien, festgestellt sei, daß du Roi sehr viele Waren für fich getauft habe. Du Roi, der auch eine Schmeinezucht betrieb, hat einmal, am 21. Juni 1923, drei Zentner Gerfie bezogen, die er in zwei Raten, am 16. 2ugust 1923 und am 29. November 1923, bezahlte, als der Dollar feinen Höchststand erreicht hatte. Auf diese Weise hat er die Waren fast gafhentt erhalten. Während bu Roi fich und andere Beamte( so auch den Generalstaatsanwalt in Braunschweig) aus Anstaltsbeständen billig belieferte, mußten umgefehrt das Kreis gefängnis in Braunschweig und die Landesstrafanstalt felbft die gelieferten Waren zu teuren Preisen bezahlen. Du Roi hat z. B. am 3. September 1922 3 Zentner Gerste für 3600 Mr. bezogen, während der Marktpreis am gleichen Lage 8700 Mt. war. Ein anderer Beamter bezog am 8. Juli zwei Zentner Hafer zu je 500 mt. Am gleichen Tage mußte die Landesstrafanstalt felbſt 900 Mr. für den Zentner bezahlen. Am 9. September 1923 faufte du Roi drei Zentner Gerste zu je 1200 mf., während am gleichen Toge das Kreisgefängnis Braunschweig 3000 Mr. an die Landesstrafanstalt bezahlen mußte. Der Tagespreis war an diesem Tage 2500 Mt. Oberstaatsanwalt du Roi fuchte diese Unregelmäßigkeiten als politische Heße zu erklären. Die Staatsanwaltschaft, die im Stoelgel Prozeß jedes Telephongespräch nachrechnete, sucht in diesem Brozeß alle Ber gehen mit der Inflationszeit und den Berhält. nissen, die damals herrschten und die magtiger als die Menschen gewesen seien, zu entschuldigen. Das Gericht folgte diesen Spuren. Es hat nach tagelangent Berhandlungen am Dienstag abend das Urteil verkündet. An Stelle einer verwirften Gefängnisstrafe von einem Monat" wurde Thielemann zu einer Gelbftrafe von 500 m. und zur Tragung ber Roften verurteilt. In der Begründung wird ausgeführt, der jeßige Oberftcatsanwalt du Roi sei als Leiter der Strafanstalt Boffenbüttel zu feinen rechtlichen Räufen aus Anstaltsbeständen be rechtigt gewesen und habe nicht mehr als jeder andere Beamte bezogen. Daß er in der Inflationszeit feine Schulden nicht rechtzeifig bei der Anstalt bezahlt habe, läge an den Verhältnissen, die mächtiger gewesen seien als die Menschen. Er trage feine Schuld, wenn er die Waren zu billig erhalten habe, denn die Raffenbeamten feien verpflichtet gewesen, die Beträge recht zeitig vom Gehalt abzuziehen. In der Urteilsbegründung wird ganz einseitig zugunsten des Oberstaatsanwalts Stellung genommen und mehrfach versucht, die Schuld von ihm auf untere und mittlere Beamte abzuwälzen. lichen Mißgeschid eine ethische Deutung und nahm die Sauberteit| lich ist. Troelstra stellt die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerintereffen feines Strebens für sich in Anspruch. D, es gibt noch andere Heldentämpfe als diesen des Kleinbürgers, dem die Schulden über den Kopf wuchsen: die wirklichen, die, in denen nicht mit prolongierten Wechseln um den Bestand eines Kramgeschäftes, sondern in denen mit dem Einsatz der Eristenz, des Rufes und gar des Lebens für neue Lehren und neue Werte gefochten wird, Heldentämpfe, in denen die süße Gewißheit des einstigen Sieges der Idee für die Rauheiten des Strettes entschädigt, Heldenkämpfe, die auf die Nachwelt übergehen und die die Erde vormärts bringen. Aber ist nicht gerade dies die Tragit eines aus. sterbenden Standes, des Standes des verhärmten eingeschäftsmannes, daß er von der Distanz der Heldenbegriffe zueinander nichts weiß? Mein Geschäftsmann verabschiedete sich von mir, und ich sah ihn um die Ecke biegen. Vielleicht zog er die Konsequenz aus seiner Pleite und ging in ein deutschnationales Parteibureau, um fich als Mitglied einschreiben zu lassen. Er sah ganz darnach aus. Ich merde seiner nicht spotten, wenn er mir jemals im politischen Leben begegnen sollte. Ich meiß, daß er es gut gemeint hat und daß es nicht an der Konstruktion seines Herzens, sondern an der seiner Be griffswelt liegt, wenn er sich den Himmel, in den er dereinst kommen möge, als eine große Stadt vorstellt, in der die braven Seelen mit einem gutgehenden Edgeschäft in einer Laufstraße belohnt werden. Der Dichterstaatsmann Troelstra. innerhalb dieser Bartei einander gegenüber, und feine feine Ironie brüdi fich darin aus, daß er gerade den Erzbischof selbst vor. Nicht minder fein ist es, daß dem Einafter jede religiöse Polemik wiegend als Sprecher der Arbeitgeberinteressen auftreten läßt. fehlt. In jambischem Bermaß weiß er jede seiner Berfonen, den Erzbischof, den Baron, den hohen Geistlichen, der zugleich Kirchenpolitifer ist, und den Profeffor so zu belichten, daß sie uns mit einer Deutlichkeit wie auf einem Gemälde von Rembrandt vor Augen stehen. Pieter Jelles schrieb, wie er selbst in seinem Borwort sagt, diesen Einafter, um auf die heraufziehende faschistische Gefahr hinzuweisen. den Weg zur Ueberwindung dieser Gefahr, ben Beg einer demokratischen Als getreuer Edehard des niederländischen Boltes meist er zugleich Neuorientierung, der bei der gegenwärtigen Einstellung der römischfatholischen Staatspartet auf so ungeheure Schwierigkeiten stößt. So ist das Bertajen, das in unserem Amsterdamer Barteinerlag Ontwiffeling" erschienen ist, nicht nur eine Gegenwartspolitik, fondern von geschichtlicher Bedeutung. Der Ausbau des Deuffchen Museums". Am 6. und 7. Mai werden die Mitglieder des Borstandsrates und der Ausschüsse des Deutschen Museums" in München zusammentreten, um über die Fertigstellung des Muſeums und den Ausbau der Bibliothek, die Errichtung von Denkmälern und die Wahl von leitenden Persönlich feiten Entscheidungen zu treffen. Am 7. Mai findet die Ausschuhfizung im Ehrensaal des Deutschen Museums" statt, an die sich die Eröffnung der neuen Mufcumsgruppen Schiffsbau, Wasserkraft. maschinen, Refselanlagen und Meteorologie anschließen wird. Brofefforen- Berbannung. Nachdem bereits der größte lebende Pieter Jelles Troelstra ist im Auslande als der eigentliche Schriftsteller Spaniens Prof. Unamuno megen seiner Haltung gegen Schöpfer der marristisch orientierten niederländischen Sozialdemoüber der Diftatur in die Berbannung gehen mußte, ist jetzt im Zu fratie, dagegen noch viel zu wenig als Dichter bekannt geworden. fammenhang damit eine neue Profefforenverbannung in Spanien In seiner Heimat nennt man ihn ben Dichterstaatsmann, weil seine erfolgt. Die Regierung hat ben Profeffor für Strafrecht an der Stammerreben zur Geltung tamen, sondern auch in seinen Dichtun ihn nach einer fleinen Infelgruppe an der Küste von Marokko, den ftaatsmännischen Führereigenschaften nicht nur in feinen großen Universität Madrid Dr. Jimenez Afua feines Boftens enthoben und gen, die selbst die Augenblickspolitik den Lejern oder Hörern unter Ghafarinas, verbaunt. Er soll nach der offiziellen Anklage feine Gefichtspunften von ewiger Allgemeingültigkeit nahebringen. So Stellung dazu mißbraucht haben, die Studenten zu einem Brotest hat er auch jest wieder mit seiner politisch- dramatischen Stizze, mit Stellung dazu mißbraucht haben, die Studenten zu einem Protest dem Einafter wohingehen wir?" unmittelbar in die Gegen gegen bie Ernennung des Profeffors Leopoldo Juan Garoia zum Nachfolger Unamunos aufzuheben. Einige Studenten, die wartsfonflikte des niederländischen Rolfes eingegriffen, um unbarmherzig jene politische Eiterbeule aufzustechen, die nach außen hin als protestierten, wurden zu 15tägiger Gefängnisstrafe verurteilt. eine Regierungsfrise von 113 Tagen mit völliger Lahmlegung jedes Ja der Staatsoper find während der Sommermonate die Eintritts. politischen Lebens in die Erscheinung trat. Die Handlung des Einafters ist schlicht und einfach: eine Ausbreiſe wefentlich herabgefest. Su allen Aufführungen find Parkett. plage on von 5 M. an erhältlich. Schloß unterbrochen durch eine fozialdemokratische Straßen demonftration für Auflösung der zweiten Rammer, bie durch Auf tauchen einer studentischen Gegendemonstration und das brutale Eingreifen der Polizei in einem wirren Durchethander endigt. Aber in diefer einfachen Handlung wird der Borgang als die Krije des heutigen niederländischen Staates entschleiert. Die farholische Staatspartei steht im Mittelpunkte, weil fie, die eine bemokratische Reuorientierung mit Hilfe einer Lintstoalition unter Einschluß unserer Genossent ablehnte, für diese Krise in erster Linie verantwort Der Mann stand vor mir: apathisch, zerquält, ergeben, überzeugt, daß ihm ein namenloses Unrecht zugefügt worden war, übersprache führender fatholischer Polititer in einem erzbischöflichen zeugt, daß der Zusammenbruch seines Ramfchladens ein Loch in die Beltordnung reiße. Er hatte keine Phrase ausgesprochen umb fich feiner burlesfen llebertreibung bedient, als er von einem Heldenkampf geredet hatte. Er hatte es wörtlich gemeint. Ez emp. fand den Begriff in feinem ganzen Umfange und wendete ihn in feiner ganzen Schwere an Er fühlte fich als Märtyrer einer guten Sache und hielt dafür, daß ihm feiner bie fittlichen Qualitäten seiner Rampfenergie ftreitig zu machen vermöge. Er gab feinem gefchäft. Das Staatliche Supferffidfabineff eröffnet amt 4. Mai eine Gedächtnis. Bennell. austellung bes irzlich perſtorbenen amerikanischen Graphiters Josef Die Galerie Goldschmidt- Wallerstein, Echöneberger Ufer 36 a, zeigt in ihrer Malausstellung neue Aquarelle von Christian Rohlfs. Neue Ausgrabungen in Bagdad. Die von der Drforber umb Pennsyl bania Univerfitat peranstalteten Ausgrabungen in Bagdad baben zur Auf bedung des Balastes des Königs Dungi geführt, ber um das Jahr 2250 B. Chr. regierte. Entbedt murben eine Anzahl interessanter Rupfer ftatuen. Verfolgte Unschuld. Die harmlosen Kleinkalibrigen. Unsere Beröffentlichungen über die putschistischen Pläne Ber Aftinisten in den Baterländischen Verbänden" werden von Major v. Sodenstern in der Deutschen Zeitung" mit einem Leitartikel beantwortet. Er redet von einem„ Generalangriff auf die Baterländischen Verbände". Er versichert, er und seine Freunde wären die ruhigsten und friebfertigsten Staatsbürger, die es gibt, man molle mur ihnen das Recht her freien Meinungsäußerung" nicht gestatten, im übrigen vertrauen sie auf die ruhige Entwicklung", aber: H " Da man aber im Lager der verfaffungstreuen Republikaner sehr mit Recht fürchtet, daß bei dieser Entscheidung sich die Bag schale zugunsten derjenigen senken würde, die diese Republik nicht lieben, so ist man eifrig bemüht, eine ruhige Entmid lung nicht auftommen zu lassen, sondern immer mieber Unfrieben zu stiften, durch Berleumdungen und Ummenmärchen eben diesen ruhigen Gang der Entwidlung aufzu Falten. Arme verfolgte Unschuld! Sie mill die ruhige Entmidlung, aber die bösen Republikaner stören sie. Ruhige Ent midlung mit Mobilmachungsplänen, Mobilmachungsplägen und Kleinkalibrigen mir danken bestens für solche ruhige Entwicklung". llebrigens die Rleintaliberbüchsen! Herr v. Sodenstern schreibt, der or märts" fasele von Kleinfaliberbüchsen, die für Straßenfampfzmede erprobt seien. Sollte Herr v. Sodenstern wirklich noch nichts von der bekannten Wehr mann Büchse gehört haben, die im Aussehen und Gemicht durchaus dem Gewehr Modell 98 gleicht? Musteroffiziere. Erfolge der Geßlerschen Erziehungsarbeit. Auf Grund der Meldung, daß eine Anzahl von Reichs mehr. offizieren an der von den Baterländischen Verbän den" in Berlin unter Führung des Sportvereins Olym. pia" veranstalteten deutschen Feier des ersten Maien, an der auch Prinz Eitel- Friedrich anwesend war, teilnahm, hat das Reichs wehrminifterium eine Disziplinaruntersuchung gegen die in Frage kommenden Offiziere eingeleitet. Der Besuch der Feier war, ganz abgesehen davon, daß Beranstaltungen der Baterländischen Berbände für die Reichswehr generell verboten sind, noch besonders untersagt worden.. Der Fall Jahnke. Vernehmung im Feme- Ausschuß. Jahnke bestreitet. Der Feme Ausschuß des Landtages hielt gestern eine öffentliche Sigung ab, um den deutschnationalen Landtagsabgeord neten 3a hnle über seine Beziehungen zu fememordverdächtigen" Berfonen zu vernehmen. Der Beuge erflärt, daß er von Fememorden erst durch die Zeitungen erfahren habe; vorher habe er im Auftrage der Reichsregierung 1923 einmal amtlich mit Oberleutnant Schulz zu tun gehabt. Er habe mit ihm aber nie über Fememorde gesprochen. Die Frage des Abg. Riedel( Dem.), melche Stelle Jahnfe den damaligen amtlichen Auftrag erteilt hat, wird von dem Abg. Roth( Dnat.) beanſtandet. Abg. Riedel erwidert, dieſe Beanstandung genüge ihm Der Beuge erflärt auf weitere Fragen, er habe auch nicht an einer Sigung im September 1923 im Bureau der Böllischen Frei heitspartei in der Deffauer Straße teilgenommen, wie das aus einemt Bericht des preußischen Innenministeriums zu entnehmen war. Er fet in der Dessauer Straße nie gemefen. Der Zeuge wird dann über das Beweisthema vernommen, ob er an Bestrebungen teilgenommen hat, die zur Beseitigung bzw. Ermordung der Minister Stresemann und Severing führen follten. Der Zeuge Jahnie verneint diese Frage. Es entsteht dann eine Gefchäftsordnungsdebatte darüber, ob die Frage des Abg. Riedel( Dem.) zugelaffen werden soll, daß Jahnke an be stimmten Sigungen teilgenommen hat, die zu dem 3wede der Beseitigung Stresemanns und Severings führen fellten. Als der Abg. Riebel auf Zeitungsnachrichten für seine Fragestellung verweist, erflärt der Abg. Dalmer( Dnat.), es habe feinen Sinn, sich auf diese Zeitungsmeldungen zu beziehen, da es sich dabei doch nur um Meldungen handele, die aus mehr oder minder schmußigen Redaktionsfingern gejogen jeten. Die Abgg. Buffner( S03.), Dr. Schwering( 3.), Stolt( Romm.) weisen diese Beschimpfung der Bresse zurüd. Auch der Abg. Eichhoff ( D. Bp.) bebauert, daß der Abg. Dallmer feinen Angriff auf die Breffe fo allgemein gehalten habe. Der Abgeordnete erklärt weiter, er habe allerdings mit einigen Vertretern der Presse schlechte Er fahrungen gemacht. Der Vorsitzende, Abg. Schmidt- Lichtenberg( 3.) stellt fest, er habe die Aeußerung des Abg. Dallmer nicht so aufgefaßt, als fei fie gegen die gesamte Bresse gerichtet. Der Zeuge Jahnte verwahrt sich zum Schluß entschieden gegen die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen, als habe er irgendetmas mit den im Ausschuß ihm vorgeworfenen Dingen zu tun. Auch gegen die Berunglimpfung seiner Tätigkeit in Amerita erhebe er den Schärfften Proteft. Damit war tie heutige Bernehmung Jahnfes beendet. Der Ausschuß hielt sofort anschließend eine nichtöffentliche Sigung ab. In dieser Sizung beantragten die Deutschnatio. nalen den Fall Jahnte abzuschließen; von fommunistischer Geite wurden jedoch noch weitere Beweisanträge angefündigt. Der Ausschuß beschloß, den Zeugen Jahnte nach Borliegen des ftenographischen Profofolls über feine Vernehmung zu vereidigen und am Mittwoch mit der Behandlung der Fälle Pannier und Grüffe- Lehder zu beginnen. Oberjustizrat Würk erklärte, die Atten Bannier feien beim Reichsgericht, und es werde baher zmedmäßig fein, eine Er flärung über den Endentſcheid des Reichsgerichts abzuwarten. Zum Fall Grütte- Lehder stellte Abg. Dr. Körner( Böll.) um fangreiche Beweisanträge, über die am Mittwoch Beschluß gefaßt werden soll. Der Ausschuß will in der Mittwoch- Sigung, die nicht öffentlich sein wird, den Vorbericht des Abg. Kuttner und den Bericht des Bertreters des Justizministers entgegennehmen, wenn diefer rechtzeitig die Aften erhalten fann. Reichsrat und Aufwertung. Ueber die Fürftenabfindung längere Verhandlungen. Der Gesezentwurf der Reichsregierung, der einen Boltsentscheid in der Frage der Aufwertung berhindern will, ist jetzt von den zuständigen Ausschüssen des Reichsrats behandelt und fast ein stimmig angenommen worden. Er steht bereits auf der Tagesordnung der Boligung des Reichsrats am nächsten Donnerstag. Der Regierungsentwurf aur rage ber ürften abfindung madt noch längere Berhandlungen in den Ausschüssen des Reichsrats notwendig. Er fann daher in der näch ften Volfizung des Reichsrats noch nicht erledigt werben, sondern mirb erst in ber Sigung des Reichsrats vom 11. Mai zur Abstim mung Lommen Der Ruf zur Solidarität. Botschaften britischer Arbeiterführer an die deutsche Arbeiterschaft. London, 4. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Vorsitzende der britischen Arbeiterpartei, Robert Williams, über mittelt unserem Vertreter folgende Erklärung zum Streif: Unsere erste Pflicht als Arbeiterpartei war in diefer historischen Stunde ein 2ppell an die Solidarität der beltischen Arbeiter, die Bergarbeiter in ihrem Kampf um ein lebenswürdiges Dasein zu unterstützen. Die britische Gesamtbewegung hat diese Solidarität in einer geschichtlich noch nie dagewefenen Art und Weise gezeigt. Wir fönnen deshalb nunmehr auch an die internationale Soli darität appellieren. Jede Hilfeleistung, die wir von der europäischen und ganz besonders von der deutschen Arbeiter. ichaft erfahren können und werden, wird uns ein Beweis dafür fein, daß wir einen gerechten Kempf für den menschlichen Fortschrift führen. Generalsekretär Coot hat im Namen der Exekutive der britischen Bergarbeiter unserem Londoner Bertrefer folgende Erflärung zur llebermittlung an die deutsche Arbeiterschaft abgegeben: Die britische Bergarbeiterschaft hat die Nachricht von der Unterftüßung, die ihr Kampf durch die deutschen Bergarbeiter findet, mit großer Freude vernommen. Die Uffion der deutschen Bergarbeiter hat schon jetzt die Internationale der Bergarbeiter fester als jemals zuvor verkiftet. Sie beweist, daß die Bergarbeiter Juter. nationale eine Realität ist, die in Zeiten der Not zu handeln bereit ist. Unsere nächste internationale Aufgabe wird fein, die Arbeitsbedingungen und Verträge der Bergarbeiterinternationale in Uebereinstimmung zu bringen. Die Unternehmer haben sich geirrt, wenn fie gehofft hatten, die Bergarbeiter zu isolieren und niederzuwerfen. Unsere Hoffnung ruht auf der wahren internationalen Solidarität. London, 4. Mai.( WEB.) Der Generalrat ber Gewerkschaften hat heute vormittag Berichte entgegengenommen und über bie Lage beraten. In einer Kundgebung ermahnt der Generalrat, der auch eine Besprechung mit den Vertretern der Bergarbeiter hatte, die Arbeiter, Gewalttätigkeiten und Störungen der Ordnung zu vermeiden. Die deutschen Bergarbeiter zum Generalftreit. Bochum, 4. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Deutsche Bergarbeiterverband ist am Dienstag von dem Generalsekretär der Bergarbeiter- Internationale, Frant Hodges, telegraphisch von dem Beginn des Streits in Kenntnis gesetzt worden. Der Borstand des Deutschen Bergarbeiterverbandes hat als Antwort an den Vorsitzenden des englischen Bergarbeiterverbandes, Herbert Smith, ein Telegramm gerichtet, in dem ausgeführt wird, daß die deutschen Bergarbeiter die Haltung der englischen Bergarbeiter in ihrem Kampfe gegen eine Berlängerung der Arbeitszeit und eine Reduzierung der Löhne be grüßen und der Deutsche Bergarbeiterverband, ent sprechend dem Brüffeler Beschluß, die erforderlichen Ber. handlungen aufgenommen habe. Zwischenlösung der Erwerbslosenfürsorge. Die Vorlage fertig-die Regierung noch unentschieden. Die Vorlage des Reichsarbeitsministeriums für die Zwischen. fösung in der Erwerbslofenfurforge ist fertiggestellt. Sie wird noch in dieser Woche das Rabinett beschäftigen und, vermutlich am 10., dem Verwaltungsrat der Reichsarbeitsverwaltung vorgelegt werden. Danach soll sie dem Reichsrat und dem Sozial politischen Ausschuß des Reichstags zugehen. Wie wir erfahren, steht bis jetzt noch immer nicht fest, ob die Zwischenlösung in Form einer Berordnung eder auf geset geberischem Wege erfolgen soll. Das Kabinett hat angeblich geberischem Wege erfolgen soll. Das Kabinett hat angeblich diese Frage noch nicht entschieden. Die Gewerkschaften werden sich jedenfalls nur mit einer Regelung durch den Reichstag zufrieden geben. Hindenburg in Hamburg. Im Zeichen der Republik. Hamburg. 4. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Reichspräsident Hindenburg traf am Dienstag nachmittag 1% Uhr zu einem offiziellen Besuch in Hamburg ein. Zu seinem Empfang waren große Borbereitungen getroffen. Ueberall an den Durchfahrtsstraßen hatte man Flaggenmasten errichtet, von denen das Schwarzrot. gold der deutschen Republik neben dem Weißrot Hamburgs wehte. Küstenwehr Reichsbannerabordnungen Aufstellung genommen. Ebenso = bildeten Reichsbannerleute mit Hunderten schwarzrotgoldener Fahnen auf dem größten Teil des Weges, den der Magen bes Reichspräsidenten nahm, Spalier. Auf dem übrigen Teil hatten die„ vaterländischen Verbände" Aufstellung genommen. Nach dem Abschreiten der Front einer auf dem Rathausmarkt aufgestellten Hundertschaft der Hamburger Schußpolizei murde der Reichspräsident im Rathause vom Hamburger Senat und dem Prä fidium der Bürgerschaft begrüßt. Gleich darauf wurde die Fahrt zum Hafen angetreten. Auf dem Wege dorthin bildeten die Kinder aller Schulen Spalier, denen von der Unterrichtsverwaltung Tausende schwarzrotgoldener Fähnchen ausgehändigt worden waren. Um 7 Uhr abends fand dann im Rathaus ein offizielles Festessen statt, bei dem Bürgermeister Dr. Petersen eine Rede hielt, in der er ausführte, daß Hamburg mit seiner ein Jahrtausend alten republikanischen Staatsform die Kraft der Perfönlichkeit in einer Demokratie beweise. Er fönne nichts Befferes fun, als dem Reichspräsidenten das gleiche zu sagen, was auch dem hochzuverehrenden ersten deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert an der gleichen Stelle gesagt worden sei. Auf Hamburgs Boden und auf Hamburgs Schiffsplanten werde Reichsverdrossenheit nie. mals gedeihen, wohl aber Treue zum Reich und Liebe zur deut. fchen Republit. Reichspräsident Hindenburg feierte bann Hamburg als die Brücke, die das deutsche Vaterland mit der Belt verbinde. Mit dem fahrplanmäßigen Nachtzug fehrte der Reichs präsident nach Berlin zurück. Trauer um Max Pfeiffer. Ju Deutschösterreich. Wien. 4. Mai.( BTB.). Die weitgehende herzliche Teilnahme am Ableben des Reichsgesandten Dr. Pfeiffer befundet sich hier burch zahlreiche Ronbolenz besuche, die bereits vom frühen Morgen an erfolgten. Die Gesandtschaft hat halbmaft geflaggt. Die Beilegung des Gesandten soll am Wohnort feiner Mutter in Speyer stattfinden, wo er als ältester Sohn noch im Herbst bes vorigen Jahres mit 11 Geschwistern den 70. Geburtstag der Mutter feiern fonnte. Der Gemertverein christlicher Bergarbeiter hat bis. her noch feine Stellung zu dem Generalftreit der englischen Bergarbeiter genommen. Die deutschen Bergarbeiterorgani fationen werden in den nächsten Tagen zusammen eten, um die Lage gemeinsam zu besprechen. Frankreich und der Riefenkampf. zöfifchen Gewerkschaften der Transportarbeiter, Seeleute, Eisen. Paris, 4. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Bertreter der fran. bahner und Bergbauarbeiter sind am Dienstag zusammengetreten und haben sich mit Fragen befaßt, die für die französischen Gewerf. haften durch den englischen Generalftreit entstehen fönnen. Es ist anzuweisen, den Transport englischer Kohle zu ver beschlossen worden, die Mitglieder der betreffenden Gewerkschaften meigern. Andere Beschlüsse sind vorläufig nicht gefaßt worden. Nach Ausgang der Sigung erklärte der Sekretär der Bergarbeitergemerffchaft, daß die Möglichkeit eines internationalen Streits der Bergarbeiter nicht ausgeschlossen sei. Hiesige Wirtschaftstreise glauben, daß der französische Außen. handel sowie der franzöfifche Rohlenbergbau gewiffe Borteile aus der Lahmlegung des englischen Exports ziehen tönnte, wenn die Ausfuhr nach England nicht unterbunden wird. Die franzöfifchen Eisenbahnen verweigern bereits die Annahme von Bütern nach England. Es wird unter anderem befürchtet, daß England zur Verteidigung seiner Währung die in seinem Besitz befindlichen Frantenbeträge auf den Markt wirft und auf diese Weise einen weiteren Sturz des Franken veranlaßt. Kein Parlament.- Offiziöser Lagebericht. London, 4. Mai.( WTB.) Das Unterhaus vertagte sich, ohne über den Generalstreit zu debattieren. Zum erstenmal in der Geschichte des englischen Barlaments fonnte bei der Eröffnung der heutigen Unterhausfigung teine Tagesordnung ge. brudt und unter die Abgeordneten verteilt werden. Nur in der Bibliothek mar die Tagesordnung angeschlagen. Vor der Bertagung der fürzen Sizung wurde ein Geschäftsordnungsantrag der Regierung angenommen. wonach bis Pfingsten alle Sigungen ausschließ lich den von der Regierung eingebrachten Anträgen vorbehalten bleiben sollen. Die Desorganisation der Eisenbahnen hat nachgelassen. Ein beschränkter Verkehr ist zwischen London und den Vororten aufrechterhalten worden, besonders auf den elektrischen Linien. Einige Züge verkehren noch zwischen London, York, Manchester, Leeds, Bedford, Derby, Nottingham und einigen anderen Großstädten. In Schottland verkehrt ebenfalls eine gewisse Anzahl Züge. In Edinburg führen Studenten die elektrischen Straßenbahnen und die Autobusfe. Alle Pferderennen sind abbestellt worden. In London halten alle Autobuffe, die nicht der Allgemeinen Autobus gesellschaft gehören, ihre normalen Fahrten aufrecht. Tausende von Tarametern und Gesellschaftsautos aus den volkstümlichen Seebädern versehen den Dienst. Ueber die Krankheit Dr. Pfeiffers wird mitgeteilt, daß er git einer frühzeitigen Arterienverfaltung mit Erscheinungen von Schrumpfniere litt. Beileidstelegramme. Außenminister Dr. Stresemann hat an die Mutter Dr Pfeiffers folgendes Telegramm gerichtet: Die schmerzliche Nachricht von dem Hinscheiden Ihres Herrn Sohnes hat mich tief ergriffen. Erlauben Sie mir, daß ich warm empfundenen Anteil an Ihrem Schmerz nehme. Das Auswärtige Amt verliert in Ihrem Sohn einen seiner wertvollsten Mitarbeiter. Es wird dem Dahingeschiedenen für seine treue Arbeit im Dienste des Reiches ein treues und dankbares Andenken bewahren." Ebenso hat Reichstanzler Dr. Luther den Hinterbliebenen telegraphisch sein und der Reichsregierung herzliches Beileid aus. gesprochen. Stegerwald wird nicht Gesandter. München, 4. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Seinerzeit ist die Meldung aufgetaucht, daß Adam Stegerwald zum Gesandten in Bien ausersehen sei. Aus zuverläffiger Quelle erfährt hierzu die Bayerische Boltspartei- Korrespondenz, daß an eine solche Berufung Stegerwalds nicht zu denten ist. Die christliche Gewerkschaftsbewegung fönne auf ihre marfanteste Führerpersönlichkeit im jezigen Augenblic weniger denn je verzichten. Deutsch- dänischer Sichtvermerk aufgehoben. Ab 20. Mai nur Auslandspaß nötig. Kopenhagen, 4. Mai.( BTB.) 3wischen der deutschen und der dänischen Regierung ist die gegenseitige Aufhebung des Sichtver merfszwanges mit Wir fung vom 20. Mai 1926 vereinbart worden. Von diesem Zeitpunkt an fönnen Reichsdeutsche das dänische Staatsgebiet und Reichsdänen das deutsche Reichsgebiet über die amtlich zugelassenen Grenzübergangsstellen jederzeit lediglich auf Grund eines gültigen Heimatpasses ohne Sichtvermert betreten und verlassen. Für Kinder unter 15 Jahren genügt an Stelle eines Passes ein amtlicher Ausweis über Namen, Alter, Staatsangehörigkeit, Wohnfiß oder dauernden Aufenthalt, bei Kindern über 10 Jahre mit einem Lichtbild versehen. Mit Rücksicht auf die gegen. wärtig start gespannte Lage des Arbeitsmarties der beiben Länder müffen Angehörige des einen Staates, die im Gebiet des anderen Staates eine Stellung antreten wollen, eine vor der Einreise bei der zuständigen Auslandsvertretung des Ziellandes zu beschaffende Bewilligung zum Stellenantritt haben. Der für Sammelpässe erforderliche Sichtvermert wird gebührenfrei erteilt. Dänische Journalisten in Berlin. Eine Anzahl dänischer Journalisten, darunter auch zwei unserer Parteigenossen, sind zu Studien und zur Anknüpfung tellegialer Be ziehungen in Berlin eingetroffen. Am Montag abend empfing der Reichsverband der deutschen Preffe die Gäfte in feft licher Weise. Die Reden des Borsigenden, Landtagsabgeordneten Baeder, des Reichsministers des Innern, Külz, des dänischen Besandten 3a hle und eines der Gäste gedachten alle in herzlichen Borten der deutsch- dänischen Stammesverwandtschaft und der leb haften geistigen und freundlichen politischen Beziehungen zwischen beiden Nachbarländern. Justizfonferenz in Preußen. Am Dienstag fand im preußi. fchen Justizminifterium die jährliche Zusammenfunft der Präsidenten fämtlicher preußischer Oberlandesgerichte und des Rammergerichtspräsidenten statt. Im Mittelpunkt der Aussprache ftand die Frage der Regelung der Strafauslegung mit Bemährungsfrist. Gewerkschaftsbewegung Der Streit beim Großkraftwerk Rummelsburg. Die Verhandlungen find gescheitert. Am Dienstag nachmittag wurde zwischen dem Verband Berliner Metallindustrieller und dem Deutschen Metall arbeiterverband über die Beilegung der Differenzen am Großfrcftwert. Rummelsburg verhandelt. Die Forderungen, die der Deutsche Metallarbeiterverband im Auftrage der streifenden Arbeiter vertreten hat, lauteten: 2. Lehnt der Arbeitgeberverband diese Forderung ab, dann Ab eines Tarifvertrages für die Eisenkonstruktionsfirmen, die zurzeit Arbeiter am Großkraftwerk Rummelsburg beschäftigen. 3. Erhöhung des Stundenlohnes auf 1,25 m. pro Stunde und 25prozentige Gefahrenzulage. wenig gearbeitet worden. Bersuche der bauausführenden Firmen, mit dem Herrn Geheimrat" auf gütlichem Wege einen Ausgleich zu schaffen, scheiterten, da der Herr sich in sein Arbeitszimmer, für jeden unnahbar, zurückgezogen hatte. Wie die Unternehmer ihre Rechtsansprüche an die Hotelgesellschaft geltend machen, soll unsere Sorge nicht sein. Dessen kann aber der Herr Geheimrat" versichert sein, solange von den dort beschäftigt gewesenen Bauarbeitern noch welche arbeitslos find, solange werden die Bauarbeiten von anderen Bau arbeitern nicht fortgeführt werden. Es scheint, als ob der Herr Geheimrat", nachdem er mit den Hotel- und Gastwirtsangestellten wenig Erfolg gehabt hat, jetzt mit den Bauarbeitern es versuchen will. Die Antwort der Bauarbeiter wird aber noch deutlicher sein. 1. Tarifliche Regelung der Löhne für alle in den EisenHandelt es sich für die notleidenden Unternehmer darum, ihren fonstruktionsbetrieben beschäftigten Arbeiter, soweit die Firmen Machtfigel zu befriedigen, dann mag es kosten was es will, Geld im Verband Berliner Metallindustrieller organi- pielt feine Rolle. Die Arbeiten werden jetzt mindeſtens fiert sind. nicht früher fertig, trotzdem sie durch die Scharfmacherei wesentlich verteuert werden. Und bei einiger Ueberlegung mußte der Bauherr sich die Frage vorlegen, ob es ein wesentlicher Unterschied ist, wenn Bauarbeiter, die am 1. Mai gefeiert haben, von der Baustelle vertrieben werden und schließlich dieselben oder andere Bauarbeiter, die am 1. Mai an einem Bau die Arbeit ruhen ließen, wieder herangezogen werden, um die unterbrochenen Arbeiten im Hotel Erzelsior zu Ende zu führen. Es liegt jedoch im Wesen der Scharfmacherei, daß fie feine vorherige Ueberlegung duldet. Die kommt dann immer erst hinterher. Die Unternehmer gebrauchten allerhand. Ausreden. Sie stellten u. a. die Behauptung auf, daß die Löhne der Arbeiter, die im Akkord erreicht würden, durchschnittlich für einen ungelernten Arbeiter bis zu 75 Pf., für einen Schlojjer 85 bis 90 Bf. und für einen Monteur 1,05 bis 1,10. betrügen. Sie betrachteten die Löhne als vollständig ausreichend und im übrigen habe sich ja seit dem Streit vor sechs Wochen bis heute nichts geändert. Die Löhne hätten vor dem Krieg immer unter den Löhnen der übrigen Metallarbeiter gelegen. Selbst die Berliner Stadtver ordnetenversammlung oder irgendein Ausschuß könne den Arbeitgebern nicht vorschreiben, mie sie ihre Arbeiter entlohnen. Nach kurzer Beratung der Arbeitgeber unter sich teilten sie der Verhandlungskommission der Arbeitnehmer folgendes mit: Der Abschluß eines Tarifvertrages wird abgelehnt. Es wird ferner. abgelehnt, nur für die Firmen, die für das Großkraftwerk Rummelsburg in Frage kommen, eine Regelung zu treffen. Cohnzulagen gibt es nicht! So zeigten die Firmen unter der Diktatur des Verbandes Ber: liner Metallindustrieller den Arbeitern und der Berliner Stadtnerordnetenversammlung die talte Schulter. Hat doch der Ausschuß der Stadtverordneten in seiner Sizung am Montag ein stimmig beschlossen und die Stadtverordnetenver sammlung wird am Donnerstag ebenso einstimmig den Beschluß des Ausschusses billigen, der die Zahlung tariflicher Löhne nebst den entsprechenden Gefahrenzuschlägen fordert. Die Stadtverordnetenversammlung wird den Magistrat für die Zukunft beauftragen, bei Vergebung von Aufträgen für die Stadt Berlin nur solche Firmen zu be= rücksichtigen, die menschen würdige Löhne zahlen. Die Arbeiter werden natürlich den Streit fortführen, sie werden aber aus dem Verhalten der Arbeitgeber die Lehre zu ziehen haben, und das gilt für alle übrigen Arbeiter Berlins und namentlich für die der Metallindustrie: wollen die Arbeiter ihre Lage verbessern, so müssen sie ihren Feind, der in diesem Fall in der Potsdamer Straße fiẞt, überwinden. Die Arbeitgeber stehen den Arbeitern geschlossen in einer vor: bildlichen Organisation gegenüber. Es ist daher höchste Zeit, eine geschlossene Front aller Metallarbeiter im Deutfchen Metallarbeiterverband zu schaffen. und Maifeiernachklänge im Hotel Exzelfior. Der wildgewordene Herr Geheimrat. Im Hotel Ergeliior werden zurzeit Umbau Renovierungsarbetten vorgenommen. Nach altem, selbst verständlichem Brauch feierten die dort beschäftigten Maurer, 3immerer, Stuckateure usw. den 1. Mai durch Arbeitsruhe. Am Montag früh wurde die Arbeit von allen Bauarbeitern wieder aufgenommen. Um 10 Uhr aber brach das Gewitter herein. Der Herr Geheimrat" erschien in höchst eigener Person und entlud feinen Zorn über die dort arbeitenden Bauarbeiter. Eine hochnot peinliche Konferenz aller mit der Bauleitung beauftragten Personen wurde zusammen gerufen, und um 12 11hr mittags das Ergebnis Dieser Konferenz verkündet: Sämtliche Bauarbeiter haben sofort mit allem Werkzeug und Material den Bau zu verlassen. Die braven Maler, Tapegierer und Deforateure, die am 1. Mai gearbeitet hatten, durften weiter arbeiten. Auf die Frage des Baudelegierten an den nach dem Herrn Geheimrat" funktionierenden Generaldirektor. warum die Arbeiten eingestellt würden, erklärte dieser, es sei zu Bäckerstreit im Beamtenwirtschaftsverein. Er Wie bereits im gestrigen Morgenblatt des„ Borwärts" berichtet wurde, hat der Beamtenwirtschaftsverein, dessen Leitung erhebliche ideelle Nachteile" von der Arbeitsruhe am 1. Mai befürchtete, zu Maßregelungen gegen die Bäckereiarbeiter gegriffen. hat nicht nur zwei, sondern a cht Bädern gekündigt. Diese Kündigungen sollen jedoch erst die Einleitung der Maßregelungen bedeuten, da die Absicht besteht, nach und nach sämtliche Bäckerei arbeiter aus dem Betriebe zu entfernen, weil sie am 1. Mai nicht gearbeitet habeit. Die Bäckereiarbeiter haben den geplanten Streich pariert, indem sie beschlossen, die Kündigung ihrer acht Kollegen mit dem Streif beschluß zu beantworten. Der Streit hat heute früh eingesetzt, nachdem die gestern noch vorhandenen Teigvorräte aufgearbeitet wurden. Nimmt der Beamtenwirtschaftsverein die Kündigungen zurüd und verzichtet auf die geplanten Maßregelungen wegen der Mai feier, dann wird der Streif bald beendet sein. Andernfalls werden die Mitglieder des Beamtenwirtschaftsvereins einstweilen fein Brot ous ihren Warenverteilungsstellen beziehen können. Das wäre für die Mitglieder schließlich zu ertragen, allein sie werden es wohl doch faum ohne weiteres hinnehmen, daß ihr Konsumverein, der Beamtenwirtschaftsverein, das einzige Unternehmen ganz Berlin ist, das gegen maifeiernde Arbeiter mit Maßregelung vorgeht. Um diesen zweifelhaften Ruhm ist der Verein feineswegs zu beneiden. Selbst dann nicht, wenn er sich mit dem Vorgehen seiner Leitung die besondere Gunst einiger deutschnatioal gerichteter Mitglieder erworben haben sollte. in | Kein Kartell der Eisenbahnerverbände. Der Zentralgewerkschaftsbund springt ab. Wie die BS.- Korrespondenz mitteilt, haben sich die Verhandlun gen auf Abschluß eines Kartells zwischen den Eisenbahnerverbänden zerschlagen. Der Hauptvorstand des Zentralgewert schaftsbundes Deutscher Reichsbahnbeamten und Anwärter hat auf feiner gegenwärtig stattfindenden Tagung beschlossen, den anderen Organisationen mitzuteilen, daß er die Gründung des geplanten Kartells gegenwärtig nicht für möglich halte. Er hat fich dagegen bereit erklärt, in anderen Fragen mit den übrigen Gewerkschaften von Fall zu Fall zu verhandeln und die Einsetzung eines Geschäftsausschusses vorgeschlagen, dem Vertreter aller Eisenbahnerorganisationen angehören sollen. Wie uns von freigewerkschaftlicher Seite dazu mitgeteilt wird, stimmt leider diese Meldung. Es sei insbesondere zwischen den Vertretern der christlichen Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner und den Vertretern des Zentralgewerkschaftsbundes zu heftigen Auseinandersegungen wegen der vom Zentralgewerkschaftsbund lancierten, gegen die anderen Eisenbahnerverbände gerichteten Pressenachrichten ge= kommen. Darauf sei nun ohne Angabe von Gründen die erwähnte Mitteilung erfolgt. Wir können diesen Beschluß nur aufs tiefste bedauern. Statt einen Schritt vorwärts zur unumgänglich notwendigen Einigung zu machen, ist mit diesem Beschluß ein bedenklicher Schritt nach rückwärts erfolgt. Eine internationale Schauspielerkonferenz. In einer Sigung am Dienstag hat sich der Kartellverband der Theater Deutschlands, Deutschösterreichs und der Tschechoslowakei über die Erste Internationale Schauspielerkonferenz geeinigt, die in den Tagen vom 23. bis 26. Juni in Berlin stattfinden soll. Diese Konferenz soll zur Gründung einer Internationalen ,, Union der Bühnenangehörigen" führen. Vorläufig wurde ein Statut entworfen, das von der Internationalen Konferenz gutzuheißen ist. Bis jetzt sind Vertreter aus 15 Ländern zur Konferenz angemeldet worden, darunter auch aus Skandinavien, aus den Randstaaten des Baltikums und aus Polen. Es ist schon jetzt eine Tagesordnung vorgesehen, die den ganzen Komplex der wirtschaftlichen, sozialen und ästethischen Fragen angeht, die die Schauspieler in internationaler Zusammenarbeit zu lösen haben. Da heute die meisten Schauspielerorganisationen der Welt gewerk. fchaftlich organisiert sind, merden auch Vertreter der Gemerffchaftsinternationale und des Genfer Arbeitsamtes beim Völkerbund an den Berliner Tagungen teilnehmen. Luruspapierbranche. Berband der Buchbinder und Vapierverarbeiter. Chromo-, Bhoto und Luruspapierbetriebe. Heute 5 Uhr in Haverlands FestAllgemeine Branchenfälen, Neue Friedrichstr. 35( Eingang Rochstraße). versammlung. Berband der Maler und Ladierer. Morgen, Donnerstag, 7% Uhr. im Metallarbeiterverbandshaus, Linienſtr. 83, Varterrefaal. Mitgliederversammlung. Bortrag über Gesundheits- und Bauarbeiterschuk. Diskussion. Behandlung des Die Ortsverwaltung. Antrages auf Erhöhung des Lokalauschlages. Jugendgruppe des Rentralverbandes der Angestellten. Heute, Mittwoch, 7½ Uhr, finden folgende Veranstaltungen statt: Lichtenberg: Jugendheim Goklerftr. 61( Schule). Mitgliederversammlung. Neukölln: Jugendheim Mogatitr. 53. Unterhaltungsabend. Wedding/ Gesundbrunnen: Jugendheim Charlotten Schönstedtstr. 1( Ledigenheim, 5 Treppen). Gruppenbesprechung. burg: Jugendheim Rosinenste. 4. Lefeabend. Schöneberg: Jugendheim Sauptstr. 15( Frankenlandzimmer). Gruppenbesprechung. Freie Gewerkschaftsjugend. Seute, Mittwoch, 7% Uhr, tagen die Gruppen: Landsberger Blak: Spielen im Friedrichshain. Reukölln I: Jugendheim Bergftr. 29, Sof. Heimbesprechung. Musik- und Liederabend. Schöneberg: Jugendheim Rubensstraße Südwesten: ( Sportplak). Heimbesprechung. Bortrag: Der neue Haushalt". Jugendheim Bärwaldstr. 64. Heimbesprechung. Diskussion über gewerkschaftNorden: liche Fragen. Sübosten: Wir besuden die Gruppe Schöneberg. Jugendheim Linienſtr. 83/85, 1. Bortal 2 Treppen. Heimbesprechung. Lieder abend. Rorbring: Jugendheim Eberswalder Str. 10. Heimbesprechung. Dis. fusion: Der Aufbau der FGJ." Charlottenburg: Jugendheim Berliner Straße 187( Deutscher Krantentassenverband). Seimbesprechuna. Sur Heimbesprechung Zutritt mut mit Seimausweisen. Der Skandal der Zechenstillegungen. Die Ruhrbevölkerung will nicht länger zusehen. Dortmund, 4. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Eine Konferenz von Bertretern des Bergarbeiterverbandes, Führern der Sozialdemokratischen Partei des westlichen West falens und Abgeordneten des Ruhrgebietes beschäftigte sich mit dem System der 3echenstillegungen im Ruhrgebiet, das sich zu einem wirtschaftspolitischen Standal ersten Ranges auswächst. Da der Reichstag Ende der vergangenen Woche einen Antrag angenommen hat, der die Einfegung eines paritätischen Stillegungsausschusses mit den ent sprechenden Befugnissen fordert, verlangen Gewerkschaften Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: K. S. Döscher: Lokales und Partei des Ruhrgebietes, daß der Reichswirtschaftsminister unverzüglich zu dem Antrag Stellung nimmt und dem Reichstage einen entsprechenden Gesezentwurf unterbreitet. Schnelles Handeln ist um so mehr geboten, als die Entrüstung der Ruhrbevölkerung über das Vorgehen des Zechensyndikats einen Grad erreicht hat, der zu Befürchtungen An= laß gibt. ver. Großes Aufsehen ruft im Augenblick besonders die bevorstehende Stillegung der Seche Glüdauf Segen" her. Sie ist von Vertretern der Bergbehörde und der Regierung Arnsberg bereits gebilligt worden, trotzdem die Zeche im Jahre 1925 einen Durchschnittsgewinn von 1,30 m. pro Tonne erzielte. Verantwortlich für Politik: Richard Bernstein: Wirtschaft: Artur Saternus; und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeiaen: Tb. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlaasanstalt Baul Ginaer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Biffen". KAFFEE HAG für Kenner: ,, Gut bis zum letzten Tropfen" Oeffentliche Zeichnung auf nom. RM 8000 000.- 8% ige Hypothekaranleihe der Aschinger's Aktien- Gesellschaft in Berlin auf Feingoldbasis, rückzahlbar bis 1. Mai 1931 mit 102 Proz., von da ab zu pari innerhalb 20 Jahren. Eingeteilt in Stücke zu RM 1000.-, RM 500.-, RM 200.- und RM 100.Die im Jahre 1900 gegründete Gesellschaft betreibt in Berlin 50 Gaststätten, darunter 25 Bierquellen, 15 Cafés und Konditoreien und 4 erstklassige Hotels: Fürstenhof, Palasthotel, sowie als Majoritätsbesitzer die Berliner Hotel- Gesellschaft( Kaiserhof und Hotel Baltic). Das verantwortliche Kapital der Gesellschaft beläuft sich nach der Bilanz vom 31. 12. 1925 auf ca. RM 13 000 000.-, und zwar beträgt das eingezahlte Aktienkapital RM 3 000 000.-, die offenen Reserven ca. RM 10 000 000-. Dabei sind die Grundstücke, deren Wehrbeitrags- bezw. Friedenswert RM 50 000 000.- übersteigt, in dieser Bilanz mit nur rund RM 21 000 000.- bewertet. Als Spezialsicherheit für die Anleihe haften daneben fünf bestgelegene und wertvolle Grundstücke an 1. Stelle und zwar Weinhaus Rheingold, Potsdamer Str. 3 und Bellevuestr. 19/20 mit 4922 qm Flächeninhalt, Spittelmarkt( Leipziger Str. 60/61) mit 545 qm Fächeninhalt, Friedrichstr. 79 a mit 648 qm Flächeninhalt, Friedrichstr. 97( Eckhaus am Bahnhof Friedrichstraße) mit 879 qm Flächeninhalt, Fabrikgebäude Saarbrücker Str, mit 6813 qm Flächeninhalt mit einem Gesamtschätzungswert von über RM 20 000 000.einschließlich allem beweglichen und unbeweglichen Zubehör. Soweit auf diesen Grundstücken Vorkriegshypotheken( von zurzeit etwa RM 1 100 000.-) haften, erfolgt die Eintragung an bereitester Stelle mit der MaßBerlin, im Mai 1926. gabe, daß, sofern diese Hypotheken zurückgezahlt werden, die Anleihe entsprechend vorrückt. Die Einführung der Anleihe an den Börsen zu Berlin u. Dresden ist beabsichtigt. Die Tilgung der Anleihe ist bis 1950 vorgesehen. Soweit eine solche bis zum 1. Mai 1931 geschieht oder Gesamtrückzahlung bis zu diesem Termin erfolgt, geschieht die Rückzahlung zu Der Zeichnungspreis beträgt 102% 95% vom Nominalwert zuzüglich Stückzinsen vom 1. Mai und Börsenumsatzsteuer. Zeichnungen werden vom 5. bis 12. Mai 1926 einschließlich in Berlin und Dresden bei der Dresdner Bank, bei dem Bankhause Gebr. Arnhold, Die bei der Commerz- und Priva!-Bank Aktiengesellschaft entgegengenommen. Vorzeitiger Schluß der Zeichnung bleibt vorbehalten. Zeichnungsstellen behalten sich auch die Höhe der Zuteilung vor. Zahlung hat bis zum 19. Mai d. Js. zu erfolgen. Zeichnungen mit mindestens sechsmonatiger Sperrverpflichtung werden vorzugsweise berücksichtigt. Dresdner Bank. Gebr. Arnhold. Commerz- u. Privat- Bank Aktiengesellschaft. Nr. 208 43.Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Fork mit der Versowendung im Haushalt Normung Einheitsware Sparsamkeit In unseren großen und fleinen Industriewerken ist heute die| Vereinheitlichung der Erzeugnisse, Rohstoffe, Werkzeuge usw. einer der wichtigsten Gesichtspunkte, die zu einer wirtschaftlichen Führung des Betriebes, Vereinfachung und Verbilligung der Erzeugung und Erzeugnisse führen sollen. Man benutzt Gewinde, Maschinenteile, Schrauben, Werkzeuge, Rohstoffe, die von den in Frage kommenden Industrieverbänden zusammen mit dem deutschen Normenausschuß einheitlich festgelegt, d. h. genormt sind. heute Jeder Ingenieur, jeder wirtschaftlich denkende Mensch erkennt die Vorteile der Normung: Berminderung der unzählig vielen, voneinander oft nur unwesent. lich abweichenden Formen eines Gegenstandes, dadurch erreicht man einheitliche Herstellung in größeren Mengen und vereinfachte Lager haltung, bessere Ausnutzung der Rohstoffe, Maschinen und Arbeitsfräfte, Berbilligung und leichte Ersatzbeschaffung genormter Teile und vieles mehr. Erst langsam und in allerletzter Zeit dringt die Normung auch zu den Gegenständen des täglichen Bedarfes vor, eine Nachricht, die den vielgeplagten Hausfrauen, die heute nur unter Anspannung aller Kräfte ihren schweren Aufgaben gerecht merden fönnen, sehr willkommen sein wird. Wer kennt nicht ihre vielen Sorgen und Mühen? Wo es irgend möglich ist, muß gerade ihr die Arbeit erleichtert werden. Auch die Normung fann und soll dazu beitragen. Vielgestaltigkeit als Plage. Ist es nötig, daß die Hausfrau stundenlang in den Geschäften umherläuft, um für den Gasanzünder die passenden Feuersteinchen zu finden? Muß es furze und lange, dice und dünne Steinchen geben, wenn eine oder höchstens zwet statt der jetzt so vielen Derfchiedenen Fermen ausreichen? Muß der Fleischwolf unbedingt drei Wochen außer Dienst kommen, weil das Schräubchen, das die Kurbel festhält, verloren gegangen ist und erst von der Fabrik beschafft werden muß? Das einfachste wäre doch, daß alle die Kurbeln von Fleischwölfen, Semmelreibern, Kaffeemühlen und die zugehörigen Schräubchen einheitlich gemacht werden, so daß man bei Bruch oder Verlust beim nächsten Eisenwarenhändler passenden Ersaz findet. Ebenso schlimm steht es zum Beispiel bei den Einfochgläsern. In jedem Haushalt findet sich eine Sammlung vermaister Gläser und verwaiſter Deckel! nichts paßt zueinander. natürlich auch nicht die Gummiringe. Der Händler zuckt die Achseln: „ Ja, dieses Glas führe ich nicht" oder„ Diese Gläser werden von der Fabrit nicht mehr hergestellt." Brauchen wir 50 oder mehr ver. schiedene Deckelgrößen und Deckelformen und jedes Jahr neue? Ge nügen nicht auch fünf, die immer beibehalten werden? Erfreulicher 26] Yamile unter den Zedern. Von Henri Bordeaux. ( Berechtigte Uebersetzung von 3. Kunde.) Der Händler bereitete uns einen geradezu großartigen Empfang. Sein Haus sollte das unfrige sein, solange es uns zu bleiben gefiel. Trotz der Sympathie, die er uns einflößte, hüteten wir uns, ihn in unseren Plan einzuweihen: er hätte feiner Ausführung den äußersten Widerstand entgegengesetzt. Die Metzeleien von Sahle und Dar- el- Ramar waren noch zu frisch in der Erinnerung, als daß nicht ein jeder vor dem Gebanken zurückgeschreckt wäre, die Glut, die den Libanon verheert hatte, aufs neue zu entfachen. Sind die politischen Birren nicht der Ruin des Handels? Die Frau eines vornehmen, Mohammedaners aus Tripolis zu entführen, das wäre unserem Manne nicht nur irrfinnig, sondern verbrecherisch erschienen; er würde uns sicher entrüstet in unsere Berge zurückgeschickt haben, wenn er sich eines so fühnen Borhabens bei uns versehen hätte. Er glaubte, mir seien hergefommen, um uns mit dem Seehandel vertraut zu machen, und wir mollten ein wenig unsere Jugend in den Schenken des Hafens austoben; wo sich, wie in allen solchen Küstenstädten, viel verdächtiges Volk herumtreibt; er wollte uns mit seinem Rate dienen und zur Vorsicht mahnen: ,, Und die Liebe, ihr jungen Männer?" fragte er, wie wir bei Tische saßen, er dachte, schlüpfrige Anekdoten zu hören. Er war ein Mann, der alle Laster tennengelernt hatte, ohne feinen Ruf oder sein Bermögen zu schädigen. Wir lächelten nur. Die Liebe war bei uns etwas Reineres und Grausameres. Butros Plan forderte, daß wir uns in der Umgebung des Hauses aufhielten. Wir mußten uns mit den örtlichen Berhältnissen, den internen Gewohnheiten vertraut machen, mußten wissen, wieviel Diener Omar hatte, wo sie wohnten und wo die Frauengemächer lagen. Um zu seinem Riel zu gelangen, faufte Butros einen Posten Teppiche und Seidenstoffe auf, die von Damastus nach Beirut unterwegs waren, und mietete im Suf eines der Fandats, die in nächster Um gebung der Torwölbung lagen. Dann fleidete er fich, einschließlich des Turbans, orientalisch. Mich hielt er von seinem Berkaufsraum fern. ,, Du bist zu ungeschickt," erflärte er, jeder wird dir beinen Liebeskummer ansehen." weise wird auf diesem Gebiet schon erfolgreich gearbeitet. Der Normenausschuß wird alsbald der Deffentlichkeit Vorschläge unterbreiten, wie dem Uebel gesteuert werden kann. Verminderung der vielen Typen von Gläsern, beſſere Austauschbarkeit der Deckel und Gläser untereinander, Erleichterung der Ersatzteilbeschaffung sind die Ziele dieser Normung. Wohlverstanden, nicht eine strenge Schemalisierung ist geplant; der technische Fortschritt soll nicht gehemmt, sondern in für alle vorteilhafte Bahnen gelenkt werden!, Möge dieser Arbeit ein voller Erfolg beschieden sein! Gewiß wird noch manches Vorurteil besiegt, manche Aufklärungsarbeit geleistet, mancher Widerstand bekämpft werden müssen, aber der als richtig erkannte Weg muß beschritten werden. Das Verständnis und die Unterſtüßung weitester Kreise wird nicht ausbleiben. Noch eine Reihe anderer Aufgaben harren der Lösung, von denen hier nur einige wenige an gedeutet werden können: Die Normung von Ofenringen, damit beim Bruch eines einzelnen nicht der ganze Saß ausgewechselt zu werden braucht; einheitliche Abmessungen für Campenzylinder; Verminderung der Zahl und Formen von Dedeln für Kochtöpfe aus Eisen, Aluminium und Ton; Normung von Einzelteilen hauswirtschaftlicher Maschinen, zum Beispiel Messer für Fleischmaschinen, Kurbeln, Schrauben; Einheitlichkeit in der Dice und Form von Nähmaschinennadeln, weil gerade hier die Beschaffung von Ersatz besonders schwierig ist. Sicher gibt es noch viele Gebrauchsgegen stände, die eine Durcharbeitung im Sinne der Vereinheitlichung und Vereinfachung dringend fordern. Selbstverständlich achtet die Normung den persönlichen Geschmad. Kunst und Kunstgewerbe sollen fich weiterhin frei betätigen. Niemand wird es einfallen, etwa Blumenvasen, Tafelgeschirr oder dergleichen in starre, einheitliche Formen zu bringen. Aber der persönliche Geschmack wird sich be stimmt nicht an Ofenringen oder Semmelreibern betätigen wollen; hier entfcheidet allein die zweckmäßigkeit. Und hier ist das Zwed mäßige das Selbstverständliche und Schönste. Wer das erkennen will, vergleiche eine moderne Dampfturbine oder elektrische Maschine, die in ihrer Gedrungenheit und Zweckmäßigkeit überwältigend mirft, mit einer Maschine aus der Großväterzeit, die mit gußeisernen dorischen Säulen und antiken Kapitälen geschmückt" ist. Wie die Vereinheitlichung der Verbrauchsgegenstände in erster Linie der Hausfrau zugute kommen soll, ist auch die Hausfrau be rufen, dabei entscheidend mitzuwirken. Sie soll auf bestehende Mängel hinweisen, Anregungen geben und Vorschläge machen, die Berständnis und den Willen zur Besserung finden werden. Der Normenausschuß ist dazu die zuständige Stelle. Bon hier aus wird sicher alles geschehen, um auch die Hausfrauen an dem großen Streben neuzeitlichen Lebens nach Wirtschaftlichkeit und den hieraus erwachsenden Vorteilen teilnehmen zu lassen. ,, Was soll ich aber tun?" ,, Ich brauche dich später. Geh spazieren." Mittwoch, 5. Mai 1926 Leerstehende Schlösser. Ein Teil der Schloßgärten und Parkanlagen, die in Berlin und Umgegend für die kaiserlichen Privatvergnügen in verschwenderischer großer Anzahl vorhanden waren, sind durch die Revolution für das erholungsbedürftige Volt frei geworden. Sie haben so eine nüßliche Verwendung gefunden. Doch in diesen Gärten und Anlagen steht so manches prächtige Schloß, das zu betreten allen vermehrt ist. Die Türen sind verschlossen und verriegelt, die Fenster ganz oder zum Teil verhängt, und von den Wänden bröckelt der Puzz ab. Kein Mensch weiß, was sie in ihren Mauern bergen. Im Schloßpart Niederschönhausen z. B. gibt es das schmucke Schloß Schönhausen. Sonntags, wenn der arbeitende Norden Erholung sucht, flüchtet er nach dem von der Pante quer durchschnittenen Park mit den hundertjährigen Eichen und sieht sich voll Bewunderung die Anlagen an und kopfschüttelnd das leerstehende Schloß. Die oberen Fenster sind nicht verhängt, und so sieht man, daß die Räume leer find. Unten jedoch sind alle Türen verriegelt, verschlossen und verhängt gehalten. Man weiß nicht, was dahinter steht. Vielleicht noch ein prinzliches Bett oder ein in die Rumpelfammer gehörendes Zepter. Genug: Man fragt sich: wozu das? Gäbe es nicht ein schönes Kinderheim? Für das Spiel den großen Park und für die Ruhe das Schloß. Dann hätte es eine gute Verwendung gefunden. Gegenwärtig schweben Verhandlungen zwischen dem Bezirksamt Pankow und der Kronverwaltung. Das Bezirksamt will das Schloß pachten. Man kann nur wünschen, daß diese Verhandlungen recht bald zum Abschluß gelangen. Der Sturz aus dem Fenster. ,, Bevor nicht Blut fließt, greift die Polizei nicht ein." Am 3. Oktober vorigen Jahres wurden die Bewohner eines Hauses auf dem Wedding durch den Sturz der Ehefrau Würfel aus dem Fenster des vierten Stockwerkes in höchste Erregung versetzt. Der Ehemann, der einige Minuten später auf dem Hof erschien und sich um seine Frau zu schaffen machte, erklärte, sie sei aus dem Fenster gesprungen. Der einzige Zeuge des Vorfalls, das noch nicht fünfjährige Töchterlein der Beiden, Friedel, sagte zwei Stunden später zum Kriminalbeamten:„ Der Olle hat die Mama an den Rod gefaßt und herausgeschmeißt." Der Staatsanwalt hatte Anflage megen Mordes erhoben. In der Gerichtsverhandlung ging er auf Totschlag zurück. Das Gericht verurteilte den Tiefbauarbeiter Paul Würfel unter Versagung mildernder Umstände wegen Totschlags zu acht Jahren Zuchthaus und acht Jahren Ehrverlust. Die Ereignisse, die zum Unglück geführt haben- denn ein Unglüd war es, einerlei ob Totschlag oder Selbstmord vorlag hatten sich folgendermaßen gestaltet: Paul Würfel stammte aus geordneten häuslichen Verhältnissen; aus weniger einwandfreiem Milieu hingegen seine Frau, die er im Jahre 1912 heiratete. Ihre Eltern lebten in Scheidung. Die ersten Mikhelligkeiten zwischen den Ehegatten begannen während des Krieges: die Frau vernach lässigte die Kinder, blieb auch dem Mann nicht treu. Er hatte ihr verziehen; doch schen im Jahre 1921 wurde das Verhältnis zwischen den beiden Gatten ein höchst unleidliches. Würfel fand als Gatte bei seiner Frau nicht genügend Entgegenkommen; fie verstand es auch schlecht, das Wirtschaftsgeld und die Wirtschaft zusammenzuhalten. Er lieferte hr zwar den Wochenlohn ab, nahm ihn ihr aber dann zum großen Teil wieder ab und pertrant ihn. mißhandlungen und Schläge blieben nicht aus, Drohungen, sie aus dem Fenster zu werfen, wiederholten sich in einem fort. Am schlimmsten ging es am Lohntag zu. Oft flüchtete die Frau nachts zu den Nachbarn, bat auch die Polizei um Schutz gegen den Mann. Als der Armenvorsteher sich für sie im Revier verwandte, erhielt er zur Antwort: Bevor nicht Blut fließt, greifen wir nicht ein." Der Armenvorsteher ließ sich aber nicht abspeisen, stellte Antrag auf Untersuchung des Geisteszustandes des Mannes. Die Untersuchung durch den Arzt blieb ohne Erfolg. So ging es fast 4½ Jahre. Die Frau fonnte pen ihrem Manne nicht lassen. Am Tage des Unglücks hatte die Frau mit dem Kinde den Mann um 2 Uhr von der Arbeit abgeholt. Da es Lohntag war, fauften fie für die ganze Woche Fleisch und Fisch ein und taten sich in zwei Lokalen gütlich an Bier und Schnaps. Als sie zu Hause an famen, waren beide ein wenig angetrunken. Bald darauf hörten die Nachbarn lautes Sprechen und Gepolter in der WohAber dafür, daß sie einen Ungläubigen gewählt, einen Feind unserer Rasse und Religion, dafür verdiente sie die Strafe, hindern. Ich war ja auch nur nach Tripolis gekommen, um bei ihrer Entführung behilflich zu sein. Wie gern hätte ich tagelang darauf gewartet, daß Ya- welche Butros vorbereitete, und ich hatte kein Recht, ihn zu mile ausging! all von Obstbäumen gegen das Meer drängte, feffelte mich. Ich sog den Zitronen- und Orangenduft ein, der sich mit der Atmosphäre der Häfen mischt, die sich aus Meeresluft und Wieviel Zeit verlor ich, Kohlengeruch zusammensett. während die Gedanken abschweiften, dem Ein- und Ausladen der Dampfer und Segelschiffe zuzusehen! Manche trugen die Flaggen der fernsten Länder. Sie brachten baumwollene Stoffe und alle Gegenstände, welche die alten Zivilisationen zum Schmud der Wohnungen, zur Bequemlichkeit und für den Toilettenstand fabrizieren. Ich irrte also durch die drei Städte, El Mina, das ein Unser Syrien gab ihnen dafür die Fülle seiner Getreidefrüchte, seiner Woll- und Seidenstoffe. Ich gefellte mich zu dem einen oder andern dieser Auslader, welche auf das Eintreffen oder Abfahren der Schiffe warten. Sie gehen nach ihrem Belieben an Bord und sind die Herren der Kais. Eines Tages fündigten sie mir eine Bergnügungsjacht an. Sie täme von Aegypten, fönnte ein oder zwei Passagiere zu mäßigen Preisen aufnehmen, und sie machten mir den Vorschlag, die Jacht zu besichtigen. Es war ein Schiff von 700 bis 800 Tonnen und trotz seiner eleganten zierlichen Bauart geneigt, den Geestürmen Widerstand zu leisten; es war ein Idyll der Liebe. Seine mit Seidenstoffen ausgeschlagenen Kabinen, deren Teppiche persischer Herkunft waren, machten es zu einem auf dem Wasser schwimmenden Palast aus Tausendundeiner Nacht. Meine Gedanken bewegten sich im gewohnten Gleise und ich gab mich der Vorstellung hin, ich flüchtete mit Damile auf diesem Schiff von dem verhaßten Geftade, wo sie die Sflavin Omars war. Wenn ich sie vor dem Tode rettete, der sie mit der Sicherheit des eine Wachtel erspähenden Falten verfolgte, würde sie dann aus Dantbarfeit nicht gewillt sein, den verschmähten Schmud anzunehmen und mit mir einen neuen Himmel zu suchen? Aber auch diefer Traum fonnte mich nicht länger betrügen. Nein, die Dankbarkeit führte nicht zur Liebe. Ich hörte noch immer die barkeit führte nicht zur Liebe. Ich hörte noch immer die Worte: Ich habe dich lieb, du bist gut!" Am Brunnenrande des väterlichen Hauses hatte sie mir dies gefagt, während sie meine Hände mit einem Ausdrud füßte, der eine Bitte um Hilfe war. Sie gehörte zu denen, welche nur einmal lieben. Jungen auf mich zugesprungen und bot mir Schwämme an, Während ich so grubelte, fam eine Schar halbnadter melche noch an den Korallen hingen, die sie der Tiefe des Meeres entrissen hatten; auch Münzen aus dem phönizischen Altertum, die sie im Felsgebirge oder in Grotten gefunden, wollten sie mir verkaufen. Sie glaubten, ich wäre verrückt, als ich sie mit Fluchworten verjagte; es war mir zumute ge wesen, als wenn ich von ihnen den Preis für das Blut, das vergossen werden sollte, empfinge. Und ich verließ den Hafen; mich quälte diese Freiheit, zu der immer wieder der Anblick des Wassers und der abfahrtbereiten Schiffe lockt. Ich war bis an mein Ende ein Gefangener. Wo ich hingehen würde, immer ging meine Liebe mit mir. Und hat sie mich nicht seit 50 Jahren durch die ganze Welt, überall hin, begleitet und mich nicht ausschließlich zu den Orten zurückgeführt, wo ich am meisten gelitten? Rubbe, die obere Stadt, welche fich am Rande eines Hügels hinzieht, bot fein Interesse für mich. Dort fand ich nichts von ihr, während die alte Stadt, wo sie wohnte, von ihrem Atem erfüllt war. Ich erwog alle Möglichkeiten, ihr zu begegnen. An die frische, würzige Luft unserer Täler gewohnt, mußte sie in dem Haus erstiden, das man durch den Torbogen in dem engen Gäßchen betrat, selbst wenn der Umfang des Hofes es ermöglichte, daß neben den Blumen auf den Beeten einige Bäume wuchsen. Sie mußte, nach arabischem Brauch, ausgehen, um in den Sufs einzufaufen, um Frauen ihres Ranges zu besuchen oder Spaziergänge zu machen. Ich poftierte mich in der Nähe der von Käufern am meisten umftandenen Auslagen. Würde sie nicht eines Tages weiche Teppiche aussuchen, um ihre nackten Füße darauf zu sezen oder um ihren schönen, liebesmatten Körper darauf zu lagern? Würde sie Teppiche aus Buchara wählen, mit LanzenSpigen auf rotem, das Auge erregenden Grund oder afghanische Teppiche mit schillernden Farben, sametne aus Tur testan oder einen, der aus dem persischen Täbris stammte? Diese sind wegen der Feinheit ihrer Figuren und der Mischung von matten und warmen Tönen bevorzugt. Oder ich hoffte fie an den Ständen, wo Stoffe feilgeboten werden, zu sehen. ( Fortfegung folgt.) nung und sahen dann die Frau die Treppe hinunterstürzen. Sie blutete am Munde und wies an der Stirn eine Beule auf. Der Mann brachte die auf dem Treppenflur Zusammengebrochene in die Wohnung. Sie veranlaßte unter Angstgebärden einige Nach barinnen, mit hinaufzukommen. Hier gab ihr der Mann auf ihre Bitte ein wenig Wasser und beruhigte fie. Sie wurde zu Bett gebracht. Kaum hatten sich aber die Nachbarn entfernt, als es ein Klirren gab und im nächsten Augenblick lag die Frau mit zerbrochenen Gliedern auf dem Hof. Der erste Gedanke aller Bewohner war: Würfel hat seine Frau aus dem Fenster geworfen. Das Gericht nahm an, daß der vorhergegangene Streit bei dem Manne einen Erregungszustand verursacht hatte, der ihn unter dem Einfluß des Alkohols veranlaßt hat, den Gedanken, mit dem er sc. oft ge= spielt, in die Tat umzusetzen. Dies der einfache Tatbestand. Die Lösung des Rätsels, wie sich der Sturz der Frau aus dem, Fenster ereignet hat, wäre nur auf Grund eines Geständnisses des Mannes möglich. Aber ob Mord oder Selbstmord das Grauenhafteste bei diesem Unglück bleibt, daß die Behörden, deren Aufgabe Schuz des Bürgers ist, verjagt haben. Acht Monate vor dem Ereignis hatte der Armenporsteher das Unglüd vorausgesagt. Die Polizei mußte aber erst Blut sehen, um eingreifen zu fönnen. Ats Blut gefloffen war, war es aber zu spät, einzugreifen. Gescheitert! Der Student der„ blonden Heddy". Einer Liebschaft mit einer Bardame hat ein junger Student der Bolts- und Landwirtschaft, der in Berlin bereits zwei Prüfungen gut bestanden hat, seine ganze Eristenz und wohl gar seine Zukunft geopfert. Der junge Mann war, auf eine Anstellung wartend, gezwungen, fich irgendwie durchzuschlagen, bewarb sich um eine Aushelferstelle bei ber Poft und erhielt sie auf einem. Amt in Wilmersdorf. Mit den 70 Mart monatlich, die er dort bezog, richtete er sich ein, so daß er durchfam. Zu seinem Unglüd lernte er da eine Bardame fennen, die am Kurfürstendamm unter dem Spiz namen ,, bie blonde heddy" befannt ist. Diese Bekanntschaft führte zu Ausgaben, die über sein geringes Einkommen bald erheb lich hinausgingen. So fam der junge Mann dazu, Geldbriefe zu unterschlagen. In einem fand er auch einen Gepäckschein über einen Koffer, der auf einem Berliner Bahnhof lagerte. Er holte den Koffer ab und nahm ihn mit nach Hause. Einige Schmud ſtücke, die er außer der Kleidung und Wäsche enthielt, legte sich seine Freundin an. Auf dem Postamt hatten die Beamten inzwischen unter sich einen Kontrolldienst eingerichtet, um das Verschwinden der Wertbriefe aufzuflären. Der Verdacht fiel auf den Studenten und perbichtete fich so, daß die Kriminalpostdienststelle beschloß, ben Studenten festzunehmen. Die Beamten fanden ihn in seiner Wohnung nicht, wohl aber den Koffer, der indessen leer war. ermittelten jetzt die Behausung der blonden Heddy", trafen aber bei ihr zunächst nur einen anderen jungen Mann.„ Die blonde Heddy", die die aus dem Koffer entwendeten Schmucksachen trug, wollte den Aufenthalt des Gesuchten nicht kennen. Die Beamten durchforschten aber die ganze Wohnung und entdeckten schließlich den Ungetreuen in einer leeren Speisekammer. Hier hatte ihn die Freundin verftedt, aber nicht vor den Beamten, sondern vor dem anderen jungen Manne, ihrem richtigen" Bräutigam, wie sie sagte, der unerwartet zu Besuch gekommen war. Der Entgleifte wurde auf dem Polizeimeil fein Fluchtverdacht vorliegt. Die Freundin" will nicht wiffen, präsidium vernommen, aber vorläufig wieder auf freien Fuß gefeht, woher der Verhaftete sein Geld und die Schmucksachen hatte. Der Lützow- Prozeß. Sie Die gestrige Gerichtsverhandlung wurde durch eine Erklärung des Rechtsanwalts Dr. Fren eröffnet. Sie ging dahin, daß der Schöffe, der Gärtner Rahl, gelegentlich eines Berhandlungstermins in Nitolassee einem Chauffeur zu verstehen gegeben habe, daß er fich über Lützows Schuld bereits ein Urteil gebildet habe. Außerdem foll er sich auch in beleidigender Form über Lützow ausgedrückt haben. Begen dieser Beleidigung sei auch Strafanzeige gestellt warden. Es sei allerdings in diesem Stadium nicht möglich, einen Richter als befangen abzulehnen. Es stehe jedoch dem Schöffen frei, fich selbst als befangen zu erklären und sein Amt niederzulegen. Nachdem der Schöffe Gärtner Kahl Dr. Freys Schriftfatz zur Einficht bekommen und auch das Gericht von ihm Kenntnis genommen hatte, erklärte der Schöffe, daß er sich nicht befangen fühle. Er bestreite die Beschuldigungen, die gegen ihn angeführt werden. Die Beweisaufnahme selbst brachte wenig Neues Ein sechzehn jähriger Schüler erzählte die üblichen Dinge über Schläge, die er erhalten habe, und über die besonders dicken Hosen, die er und auch seine Kameraden stets anlegten, sobald sie eine schlechte Note befamen. Von einer gewissen Bedeutung war die Aussage des Oberregierungsrats Dr. Schneider, der seinerzeit die Lüzowsche Anstalt in Budom im Auftrag des Ministers revidiert hatte. Er habe dem Angeflagten zwar geraten, mehr Abstand zu feinen Schülern zu halten, die Knaben hätten aber ein frisches und fröhliches Benehmen gezeigt; irgendwelche Beanstandungen fonnten nicht gemacht werden. Die nächste Verhandlung findet heute statt. 69 Mark Jahresrente. 3 Die Arbeiterin 3., Kriegermitwe und Mutter eines 11jährigen Kindes, war bis zum 2. Februar 1924 bei Siemens beschäftigt, als fie durch einen Unfall im Betriebe( Sturz von der Leiter) erwerbsunfähig wurde. Nachdem sie 52 Wochen Krankengeld bezogen hatte, befam fie bis zum 1. April 1926 eine vorläufige Rente" von 11,60 M.( 20 Pro3.) im Monat. Diese färgliche Rente wurde ab 1. April 1926 auf eine sogenannte ,, Dauerrente"( es flingt mie ein Hohn!) von 69,60 Mart im Jahre, v. h. 5,80 m. im Monat reduziert( 10 Broz.). Da die Witwe noch immer völlig erwerbsunfähig ist, weiß sie nach dieser fürstlichen" Rentensicherung nicht, wie sie das Leben für sich und ihr Kind bestreiten soll. Mit Recht wandte sich die Erwerbsunfähige an die Landesver ficherungsanstalt Berlin, um ihren Anspruch auf In validenrente geltend zu machen. Dieser Anspruch wurde am 17. November 1925 in einem Schreiben der Behörde abgelehnt. Die Arbeiterin legte Berufung ein, die seltsamerweise zurzeit noch immer in der Schwebe ist. Währenddessen kann die Arbeiterin zusehen, wie sie mit einem Einkommen von 5 Mark und 80 Pfennigen ihre Wirtschaft führt. Am 23. September 1924 hatte das Versorgungsamt Berlin- Schöneberg der 3. folgendes bescheinigt:„ Die am 18. September 1924 porgenommene ärztliche Untersuchung hat ergeben, daß Sie als erwerbsunfähig im Sinne des§ 37, Abfah 4 des Reichs persorgungsgesetzes anzusehen find." Die schäbigen Methoden, mit denen die zuständigen Stellen hier mit einer invaliden Arbeiterin umspringen zu fönnen glauben, find symptomatisch für die unsoziale Einstellung gewisser Elemente der Bureaukratie. Bogel friß oder stirb, ist das brutale Prinzip des Verkehrs mit den Brads der tapitalistischen Gesellschaftsordnung. Dachstuhlbrand auf dem Wedding. In dem Edhaus Solbiner Str. 112, Grünthaler Str. 69 bradh am Dienstag in den ersten Abendstunden ein Dachstuhlbrand aus, der innerhalb furzer Zeit den ganzen Dachtompler in einer Ausdehnung von zirfa 40 Metern in Flammen sezte. As gegen 7 Uhr der Zug Stockholm an der Brandstätte eintraf, gab er das Signal Mittelfeuer", worauf die Züge Wedding und Oderberg alarmiert wurden. Bon zwei Geiten und zwar von den Treppen fluren Grünthaler und Soldiner Straße wurde die Bekämpfung des Feuers in Angriff genommen. Nach etwa zweistündiger Tätig. feit war die Gefahr des llebergreifens der Flammen auf den vierten Stod beseitigt und das Feuer isoliert. Der Dachstuhl hat zum Teil argen Schaden erlitten und ist besonders an der Grünthaler Giraße faft pöllig ausgebrannt. Die Größe des Schadens tonnte noch nicht festgestellt werden; auch ist die Ursache unbekannt. Das Feuer muß verhältnismäßig lange Zeit unentdedt geblieben sein, denn als der Alarm cintraf, Loderten bereits die hellen Flammen empor. Oberbranddirektor Gempp war persönlich anwesend. Die Löscharbeiten wurden von Branddirektor 3ilius geleitet. Größere Menschenmengen hatten sich an der Brandstätte angesammelt. Die Umgebung des Unglückshauses war von der Schuhpolizei abgesperrt worden. Dänische Journalisten bei Siemens. Die in Berlin weilenden dänischen Journalisten besuchten gestern, Dienstag, anläßlich ihrer Studienreise auch die Betriebe der Siemens halste A.-G. und der Siemens- Sudert G. m. b. in Berlin- Siemensstadt. Bei der Führung wurden die Ausstellung der Schwachstrominstrumente und Automaten, der Starfstrommotorenbau und die Kabelfabrikation gezeigt. Besonderen Eindrud machte ein Film, der von Fräulein Dr. Draeger erläutert wurde und der die fozialen Einrichtungen der Siemens- Betriebe beleuchtete Beweis dafür, daß die Wohlfahrtspflege der Gemeinden und des Staates noch immer nicht ausreichen, um den Anforderungen der modernen Fabrikation an die Gesundheitspflege der tätigen Arbeiter zu genügen. ein der Blizz ein. Die Spieler, die Richter sowie ein Teil des Publikums wurden zu Boden geworfen, Ionnten sich jedoch nach einiger Zeit bis auf den Verteidiger Wäsch wieder erheben. Dieser war vom Bliz direkt getroffen worden, der beim Kinn in den Körper eindrang und ihn vollkommen durchschlug. Wäsch war fofort tot, zwei weitere Spieler haben die Sprache verloren und ein dritter war völlig gelähmt worden; diese drei letteren erholten sich jedoch nach einiger Zeit wieder. Alle übrigen Spieler flagen über Kopfschmerzen. Das Publikum wurde von einer Panit betroffen. Arbeitersport. Fußballresultate vom 2. mai. Verschleppt? Seit einigen Tagen wird die 16 Jahre alte 3eitungsbotin Ella Ambrosius aus Der Heidelberger Straße 29 zu Neukölln vermißt. Die Eltern können sich das Verschwinden des jungen Mädchens nicht erklären und befürchten, daß es in unsaubere Hände gefallen und verschleppt worden ist. Die Bermißte ift 1,60 Meter groß, hat mittelblondes Haar, blaue Augen und ein frisches Gesicht und trug zuletzt ein schwarzes Kleid, graublaue Florstrümpfe und schwarze Spangenschuhe. gen über ihren Verbleib an die Kriminalpolizei des Polizeiamis Der fcharfe Schuk geht jedoch gegen die Batte und von bort ins Aus. Herthas Neukölln. 3m zweiten Spiel um die Bezirksmeisterschaft des Oftens ftanden fich Lichtenberg III und Hertha 22 gegenüber. Etwa 1200 Ruschauer maren Reugen eines Rampfes der verpakten Gelegenheiten". Was hier an Tormöglichkeiten ausgelaffen wurde, ist taum glaublich. Gleich zu Anfang läkt Serthas Mitte eine todfichere Sache aus. Auf der anderen Seite hält Salblinks den Ball zu lange, bis jede Aussicht versperrt ist und Serthas Läufer mit dem Ball auf und davon ist. Aber nur eine Ede ist die Ausbeute, die gut getreten voi Torwart noch beffer abgewehrt wird. In der 19. Minute erhält Sertha einen Elfmeter zugesprochen. Der jedoch vom Towart Lichtenbergs blendend gehalten wird. Lichtenbergs Sturm ist zwar des öfteren vor dem Sertha- Lot, boch fehlt ber erfolabringende Torichuk. Dagegen find die Angriffe Serthas much tiger. Sier fteht ihnen aber im Torwart ein uniberwindliches Hindernis gegenüber. Sn der 36. Minute geht Lichtenberg gut vor; ber mittelstürmer fann sum erften Tor einsenden. Dadurch wird Sertha aufgerittelt, und ſis eröffnen ein richtiaaehendes Trommelfeuer auf das Lichtenberger Sciliatum. Alle Schiffe werden aber entweder gehalten, aber fie verfehlen ihr Riel Rura vor der Baufe hat Hertha wieder Gelegenheit zum Ausgleich. Der Mittel firmer läuft aut burch, doch steht Halblints abseits und vereitelt fo einen Mitteilun ficheren Erfola. Nach Wiederanstok ist es Lichtenberg, die fofort losziehen. Angriffe fcheitern alle an der Unentschloffenheit vor dem Tor. In ber 18. Minute geht 2intenbenas Lintsauken gut vor. Seine nach der Mitte gegebene Flante schießt die Mitte scharf aufs Tor, doch noch beffer hält der Torwart. Gleich läuft Serthas Mittelftirmer allein vor, und mit blenden dem Schuß ist in der 21. Minute der Ausgleich erzielt. Sekt wird das Spiel reichlich aufaereat. Sertha brüdt ständig, und Lichtenberg verteidigt mit 6 Mann. Sichtenberg ist nur noch auf einzelne Durchbrüche angewiesen, die aber auch fehr gefährlich wirken. In der 42. Minute gelingt wieder ein Durch gegeben, wird der Ball von Halbrechts zum fiegbringenden Tor eingebrüdt. Die lekten Minuten werben noch sehr brenalich für Bertha, doch mit Glid und Geschid tann der Torwart alles halten. Sertha war unweigerlich bie beffere Mannschaft. Schnelles Rufpiel zeichnete den Sturm aus. Doch damit fönnen teine Tore errungen werden. Borher spielten die Jugendmannschaften von Frisch- Frei und Adlershof 2: 0 und die Schüler vom Berliner Sportverein 22 gegen Sparta 1: 0. Sm Südwesten brachte es Frif Auf ferita. Alemannia murde von fichte- Nord mit 1: 2 ge fchlagen. Adler 08 unterlag gegen Beltener Ballspielflub mit 2: 3. Sozialismus in Sowjetrukland. Die Freunde der Internationalen Klein arbeit veranstalten am Mittwoch, den 5. Mat, abends 8 1hr, im Vorwärts. haus". Lindenstr. 3( juristisches Sprechzimmer) einen Vortragsabend. . Abramowitfch( Borfizender der Auslandsvertretung der Sozial demokratischen Arbeiterpartei Rußlands)( pricht über: Der Sozialismns in Sowjetrußland". Die Wohlfahrtsstadt. Ein Gang durch die Düsseldorfer Ausstellung. Die Kunststadt Düsseldorf hat für den Sommer 1926 ihre Physiognomie aufgegeben zugunsten ihrer eigen und einzigartigen Beranstaltung, der Gesolei", der großen Ausstellung für Gefundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen. Gerade, wer vielleicht einige Wochen zuvor die Berliner Hygienemesse gesehen hat, erkennt in Düsseldorf, was auf dem großen Gebiete allgemeiner Hygiene geschaffen werden kann. bruch, ben Bertha noch mit aroker Mithe nach ber Ede lenten fann. Gut einim Entscheidungsspiel gegen, Bittoria nicht anzutreten. Im Rorben gab es einige Ueberraschungen. Sport. Als gewandter Boger entpuppte si Baus II Anflam i. Bom. fonnte. Der deutsche Polizeimeister Waste PSB.( 122 fund) ( 118 Pfund), der den immerhin technisch einwandfrei borenden Röhler PSV.( 122 Pfund) glatt nach Bunften slagen vermochte gegen den norddeutschen Meister Blizz Anflam i. Bom. ( 122 Bfund) nur unentschieden herausholent. Der deutsche Bolizeimeister im Beltergewicht Pau Anflam i. Bom. ( 135 Bfund) blieb nach drei Runden über Riemann I PSV. ( 132 Pfund) Punttsieger. Der Mittelgewichtler Hase Hermes ( 138 Bfund) flegte nach drei auf beiden Seiten, erbittert geführten Runden über Frische PSV.( 142 Pfund) verdient nach Buntten. Schließlich trafen sich noch im Halbschwergewicht der preußische Bolizeimeister Anforg BSV.( 154 Pfund) und rißiche Tennis- Boruffia( 161 Bfund). Frißsche zeigte sich als ziemlich gewandter Borer, der durchaus gefährlich werden kann. Die Gegner Die Bor- Abteilung des Polizei- Sport- Vereins Berlin veran Auf einem Gelände von etwa 400 000 Quadratmeter Ausdeh- staltete im Saalbau Friedrichshain wieder einen größeren, in allen Den Ein nung stehen Ausstellungsgebäude mit einer Fläche von nahezu Gewichtsklassen gutbesetzten Borkampfgbend. 120 000 Quadratmetern. Direkt am Rhein, an der großen Brücke leitungsfampf bestritten die Jugend- Papiergewichte Campe beginnend, zieht sich die 160 Objefte umfassende Gesolei PS3.( 76 Pfund) und Feuer- Maccabi( 74 Bfund). Campe wurde überlegener Bunttsieger. Der Fliegengewichtler Sun3 Kilometer lang hin. Neuartig, weil in der Praxis bisher in größerem Rahmen noch nicht durchgeführt, ist die einheitliche Geiger Hermes( 101 Bfund) punktete Schmidt PSV.( 99 Pfund) ftaltung aller großen, offiziellen Ausstellungshallen durch Prof. Borussia( 109 Bfund) fnapp aber einwandfrei nach Buntten. aus. Onderfa PSB.( 109 Pfund) schlug Ebeling TennisWilhelm Kreis, den künstlerischen Leiter der Ausstellung. Die Auch Kräfer PSB.( 112 Pfund) fonnte im Federgewicht Madageradlinige Architektur der mächtigen Gebäude, deren Fronten dem Rhein zugewandt sind, zeigt eine interessante Mischung römischer linski Hermes( 114 Bfund) nach Puntten abfertigen. Klassik und moderner Formgestaltung. Endpunkt der Achse ist das zum Ehrenhof der Ausstellung führt. Hier finden wir die Kunst. mächtige Blanetarium, von dem herab eine breite Freitreppe ausstellung und gegenüber im Gebäude" Der Mensch" plastische Darstellungen der Menschheitsentwidlung, unter besonderer Be rücksichtigung des Rheinlandes und des Ausstellungszwedes, Ge- So- Lei, der überall wieder hervorkommt, besonders dort, wo die Industrie, die Verbände, die Staaten und Kommunen ihre Arbeit deigen. Eine der Sensationen der Gesolei ist die Halle des A11 gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, nach Blänen des Berliner Architekten Mar Taut. Schon äußerlich fällt dieser Bau ganz aus dem Rahmen der anderen weißgetünchten Gebäude mit seiner spiegelnden, durch rote Klinkersteine zusammen gehaltenen Glasfassade. Alles in diesem Hauſe iſt edig, in frischem roten Holz gehalten, das abends durch gleichfarbige Scheinwerfer Die einzelnen Gewerkschaften zeigen in Kojen noch verstärkt wird. durch Modelle, Statistiken und eindrucksvolle Bilder die heutige Lage der einzelnen Gewerbe und ihre Mißstände. Das Material, das dem Beschauer vor Augen geführt wird, ist neuartig und beweist, daß die Gewerkschaften mit ihren Leistungen wohl mit denen der Cine Sonder allgemeinen Fürsorge verglichen werden fönnen. Buch des Arbeiters" mit anschließendem Lesesaal und Schreibabteilung des Gewerkschaftshauses zeigt eine Ausstellung:„ Das zimmer, während ein anderer Teil des Erdgeschosses die vorbildliche Einrichtung einer Arbeiterwohnung veranschaulicht. Ein 44 Meter hoher Feuerwehrturm, von der deutschen Zementindustrie in 40 Tagen errichtet, flantiert eine lange Reihe von Ausstellungsbauten, die als Wohnung und Siedlung" zusammengefaßt find, unter anderem auch die Sondergruppe„ Die Frau" enthalten. Diese Hallen finden in dem großen Festplatz ihren Abschluß, um jenseits desselben in einer Reihe Einzelobjekte zum Nordwestende zu führen. Hier erhebt sich eine große Bergnügungsstadt für Boltsbeluftigungen aller Art, während man dem Festplatz vorgelagert einen etwa 500 Meter langen Sporthafen angelegt hat. Das ganze Gelände wird von der Liliput- Bahn befahren, die auf der Münchener Berfehrsausstellung 1925 großes Auffehen erregte und hier befonders gut zu gebrauchen ist. Millionenschaden bei einem Fabrikbrand. In der Nacht zum Montag brach in der schlesischen Holzwarenfabrik von Artur Gläfer in Donneran bei Wüstegiersdorf ein Feuer aus, das in den großen Lagervorräten überreiche Nahrung fand. Die Löschungsarbeiten der aus den umliegenden Ortschaften herbeigeeilten Feuerwehren wor fo aut wie erfolglos. Das große Werf brannte bis auf die Umfassungsmauern nieder, wodurch ein Schapen von Millionen entstand. 250 Arbeiter sind dadurch brotlos geworden. Ein Blih in eine spielende Fußballmannschaft gefahren. Am Sonntagnachmittag wurde in Oppau in der Pfalz während eines Getvitters ein Fußballspiel ausgetragen. Als sich beide Mannschaften im Strafraum vor dem einen Tor befanden, schlug Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 5. Mai. Anschließend: RatAußer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6.30 Uhr abends: Für unsere Kinder. schläge fürs Haus, Theaterdienst. 7.15 Uhr abends: Inhaltsangabe und Personenverzeichnis zu der Uebertragung aus der Staatsoper. 7.30 Uhr abends: Uebertragung aus der Staatsoper am Königsplatz. Spielzeit 1925/26. 21. Uebertragung. Rigoletto", Oper in vier Akten von G. Verdi. Herzog von Mantua; Rigoletto, sein Hofnarr; Gilda, dessen Tochter; Graf von Monterone; Graf von Ceprano; die Gräfin, seine Gemahlin; Marullo, Kavalier; Borea, Höfling Sparafucile, ein Bravo; Maddalena. seine Schwester; Giovanna, Giddas Gesellschafterin; ein Gerichtsdiener; ein Page der Herzogin; Herren und Damen vom Hofe; Pagen; Hellebardiere: Diener. Ort der Handlung: Mantua und Umgegend. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen, Mittwoch, den 5. Mai. 3-3.30 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann aus Englisch für Fortgeschrittene. 4-4.30 Uhr nachm.: Geh. Rat Prof. London: Englisch für Anfänger. 3.30-4 Uhr nachm: Wie vor: Dr. Sievers, Wannsee: Französischer Einfluß. Der Impressionismus. 5-5.30 Uhr nachm.: Frl. A. v. Gierke: Schulspeisung. 8.30 Uhr abends: Uebertragung von Berlin. trennten sich unentschieden. Rennen zu Mariendorf am Dienstag, den 4. Mai. 1. Nenné n. 1. The Kitty( S. Grube), 2. Fiametta( J. Mills), 3. Königsadler( S. Rautenberger). Toto: 58: 10. Platz: 21, 18: 10. Ferner liefen: Lodung, Cotta, Terrazzo. 2. Rennen. 1. Arnfried( BryzrembeD), 2. Duitte B.( F. Schmidt), Ferner liefen: iegrimm, Sir Caid, Peter Hall, Eitelfried, Dancing Girl, 3. Erbpring jr.(. Dinie). Toto: 70: 10. Play: 15, 13, 23: 10. Die Lekte, Puella, Erifa. 3. Rennent. 1. Küraffier( W. Lemzer), 2. Anna Laura( J. Mills), 8. Quantität( Weidner jr.). Toto: 40: 10. Blak: 18, 25, 15:10. Ferner liefen: Lindenbummler, Champion Goud, Kreuzritter, D'Capt. Leerberg, angmacher, Stronsbeere, Dr. Lew jr., farmelle, Freibeuter, Möglich, Deutscher, Starta, Malmö, Mantua, Konig Robert. 3. 4. Rennen. 1. Harry 2.( Rauß fr.), 2. Traffus( Alf. Schulz), Margot I( Herm. Schleufener). Toto: 38:10. Blak: 13, 12, 18: 10. Ferner liefen: Baron Arworthy, Cadiac Agworthh, Fenelon, Michelangelo. 5. Rennen. 1. Baron Tregantle( 2. Saale), 2. Natter( v. Sofobl), 8. Coriolanus( S. Höhne). Toto: 88: 10. Blah: 28, 15, 45: 10. Ferner liefen: Quera, Barometer, Blaue Adria, Salome, Blaumeise, Heiderose B., Prinzeß Fortuna, Mac Gregor, Jimiene, Zeitgeist. 6. Rennen. 1. Karneval( 3. Mills), 2. Trottette( Th. Neiter), 3. Colonel Bosworth( Stokes) als 1. disq. Toto: 11:10. Dret liefen. 7. Rennen. 1.+ Beraktion( Herm. Schleutener). Toto: 13:10. Blat: 20: 10. 1. † Belwin( E. Treuberg). Toto: 17: 10. Blaz: 19: 10. Quifi quafi( B. Lemzer). Ferner lief: Frida Magoman. 8. Rennen. 1. Abteilung: 1. Matador I( E. Treubera), 2. Fürft ( B. Rautenberger), 3. Aberglaube( Brogmann). Toto: 62: 10. Blak: 21, 33, 21: 10. Ferner liefen: Heidefee, Ballonfönigin, Carl Alexander, Bring Adbell, Nachtfalter, Francisco, Sybill. 2. Abteilung: 1. Bebra ( Sauß jr.), 2. Jeffries jr.( W. Lemzer), 3. Erdmann( Hedert). Toto: 60:10. Ferner liefen: Handsest, Ludmill I, geideprinz I, Blab: 28, 29, 27: 10. Frankenstein, Lump, Fafner I. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin.( Nachbr. verb.) Helter bis mollig. Etwas wärmer. Borwiegend troden. Für Deut ch land. Jm Norden langiame Erwärmung. Heiter bis wollig. Troden. Im Süden und Südwesten vielfach trübe und Niederschläge. Temperaturen unverändert. SCHUTZ MARKE DE THOMPSON'S SEIFENDULY SCHUTZMAR Fur richtigen Behandlung der Wäsche ist eine Seifenlauge erforderlich, die frei von allen schödlichen Bestandteilen ist und durch ihren großen Fettgehalt den Schmutz fast ohne Jhr Zutun entfernt. Verwenden Sie da her hierfür nur Dr Thompson's Seifenpulver Die innere Verschuldung des Reiches. Anleiheschulden in Vergangenheit und Gegenwart. brauchsabgaben die hohen Ueberschüsse in die Reichskaffen geliefert hatten. Die Vertreter des Finanzministeriums überboten sich, die Finanzlage grau in grau zu malen. Selbst die geringfügigsten Mehranforderungen für soziale Zwecke suchte man mit der stereotypen Bemerkung abzudrosseln, die benötigten Summen seien nicht vorhanden. Dabei schwamm man im Gold. Man suchte deshalb den Reichstag über diesen Tatbestand im dunkeln zu lassen und verschwieg, mas man bei objektiver Darstellung hätte sagen müssen. Die Denkschriften bestätigen diese Behauptungen aufs neue auch mit den folgenden Angaben: verbundenen Schahanweisungsanleihen der Reichspost und des Landes Preußen( zusammen 40 Millionen) wird gleichfalls eine „ erhebliche Ueberzeichnung" gemeldet. Es scheint aller. dings, als ob die Nachfrage der anlagebedürftigen Banten( von einer Nachfrage des eigentlichen Kapitalisteapublikums" fann wohl jezt faum gesprochen werden) sich in erster Linie auf die Werte der öffentlichen Organisationen richtet, während InIm Dawes Gutachten haben die ausländischen Sachver.| zu Lasten derer getrieben wurde, die mit Cohnsteuer und Ber- dustrieobligationen nicht so start begehrt werden. ftändigen ausgesprochen, als Folge der Inflation sei Deutsch lands innere Schuld so gut wie getilgt". Diese Auffassung hat sich vom Dames- Gutachten aus insbesondere im Auslande verbreitet und ist dort zum Schaden Deutschlands die allgemein herrschende geworden. Die Auffassung ist aber falsch. Sie wird bündig mider legt durch die bei den Anleihedenkschriften, die der Reichs finanzminister feit der Stabilisierung der Währung dem Reichstag vorgelegt hat, und von denen die eine das Jahr 1924, die andere das Jahr 1925 umfaßt. Diese Anleihedenkschriften bilden feine furzmeilige und leichte Lektüre. Sie bergen indessen eine Fülle inter effanten Materials in sich und geben zum Verständnis der Finanz gebarung des Reichs und der tatsächlichen Finanzverhältnisse in den Berichtsjahren Aufschlüsse, die sonst nur schwer zu finden sind. Entstehung und Höhe der alten Schulden. Nach der Dentschrift 1924 betrug die Reichsschuld am 31. De zember 1924 rund 823 Billionen Mart. In dieser Summe sind die verschiedensten Wertgrößen enthalten, denn reine Goldmarkbeträge erfcheinen 3 a hlenmäßig als dasselbe wie Papiermarkbeträge. Wertmäßig stehen die in den Jahren 1914 bis 1918 aufge nommenen riegsanleihen mit einem Ausgabewert von rund 45 Milliarden an der Spize. 3ahlenmäßig sind die verzinslichen Schahanweisungen von 1923 und 1924 mit rund 822,9 Billionen die höchsten. Dazu kommen die bis 1914 ausgegebenen Reichsanleihen mit rund 5 Milliarden, die Sparprämienanleihe von 1919 und die 3wangsanleihe von 1922 mit rund 311 Milliarden und fchließlich die Staatsschulden der Länder, die bei llebernahme der Eisenbahnen vom Reiche übernommen werden mußten, mit rund 14 Milliarden. Die dritte Steuernotverordnung vom 15. Februar 1924 beftimmte, daß die Berzinsung und Einlösung von Marfanleihen des Reichs und der Länder bis zur Erledigung jämtlicher Reparationsverpflichtungen nicht gefordert werden fann. Sie beseitigte also praktisch die ganze Schuld des Reichs und der Länder. Als die ausländischen Sachverständigen einige Monate später Deutschlands Finanz- und Wirtschaftslage prüften, fonnten fie daher zu der Auffassung tommen, daß Deutschland faum noch innere Schulden habe. Die Sachverständigen berücksichtigten aber nicht, daß Deutschland in seiner Notlage neue innere Schulden aufzunehmen haben würde. Sie fonnten auch bei Abfassung ihres Gutachtens noch nicht wissen, daß das Reich unter dem Drud der enteigneten Maffen jene Annullierungsbestimmung der dritten Steuernotverordnung aufheben und eine, wenn auch unzulängliche Aufmertung zugestehen mußte. Für diese Aufwertung der Ansprüche aus den früheren Martanleihen des Reichs fommen nach der Denkschrift 1925 Berte von 773 Billionen Mark in Betracht. Art und Höhe der Aufwertung. ift im Anleihe ablösungsgefeß vom 16. Juli 1925 geregelt. Der genaue Betrag der dadurch entstehenden neuen Anleiheab Lösungsschuld des Reichs ist noch nicht zu berechnen. Die Denkschrift fett denn auch bei der Aufstellung der Höhe der Schulden feinen festen Betrag für die Anleiheablösungsschuld ein. Borsichtige Schägungen tommen zu einem Rapitalbetrag von 700 bis 750 millionen Reichsmart, as some Entstehung und Höhe der neuen Schulden 38 R Zu diesen Schulden, die aus der Aufwertung der alten Anleihen entstanden sind, find ferner neue Schulben hinzuge tommen. Bei allen Reichsverwaltungen sind in den letzten Jahren Ausgaben entstanden, die normalerweise aus Anleihen zu Deden gewesen wären. Hierhin gehören u. a. die Ausgaben zur Dedung von Ausgaben für die Ausführung des Friedensvertrages, aus Anlaß der Demobilmachung, zum Bau von Handelsdampfern in Ablösung besonderer Verpflichtungen, zur Abwehr der durch den Einbruch in das Ruhrgebiet entstandenen Schänden und für das Darlehen an die Deutsche Reichsbahngesellschaft. All diese Ausgaben machen, im Gesamtbetrage 646 millionen Reichsmart aus. Tatfächlich brauchten aber zur Deckung dieser Ausgaben nur 134 Millionen aus Anleihen genommen zu werden, meil aus anderen Quellen als aus Anleihemitteln 512 Millionen gedeckt werden konnten. Diese Abdeckung von 512 Millionen Reichsmart wäre allein ans den Einnahmen der verschiederfen Verwaltungen nicht möglich gewesen, da diese naturgemäß nicht bedeutend sind. Sie fonnte er folgen nur, meil aus dem Münzwesen ein Ueberschuß von 90 Millionen erzielt wurde, weil auf die an notleidende Länder gewährten Darlehen Rückzahlungen im Betrage von 30 millionen eintamen, vor allem aber, weil aus dem ordentlichen Haushalt eine Summe von 309 Millionen Reichsmart zur Verminderung der Reichsschuld bereitgestellt werden konnte. Im Boranschlag des Etats waren für diesen 3wed mur 164 Millionen vorgesehen, tatsächlich fonnten 309 Millionen, also 145 Millionen mehr, zurückgezahlt werden. Die Reichsschulden am 31. Dezember 1925. Das Reich hatte also am 31. Dezember 1925 folgende Schulden: Anleiheablösungsschuld rund 750 Millionen Mt. Schazanweisungen d. Reichs von 1923 20 Auslosbare Schazanweisungen des Reichs von 1923„ K“ Unverzineliche Schaganweisungen von 1924„ E" Unverzinslicher Rentenbankfredit Schuld bei der Reichsbank Dames- Anleihe . 1 188 1077 226 " 950 2 3157 Millionen Wit. Rund 34 Milliarden Schulden ist für ein wirtschaftlich so ge schwächtes und finanziell so belastetes Land wie Deutschland eine sehr hohe Summe, wenn auch gegen 1914, als die Schulden des Reichs zirka 5 milliarden, die der Länder zirka 15 Milliarden be trugen, ein sehr bedeutender Rückgang zu verzeichnen ist. Die Auffassung der ausländischen Sachverständigen, daß die Inflation zwar Millionen von Einzeleristenzen vernichtet oder mindestens aufs schwerste geschädigt habe, daß dafür aber wenigstens die öffentlichen Körperschaften, insbesondere das Reich, von allen Schulden befreit worden feien, trifft daher nur sehr bedingt zu. Finanzlage und Finanzverwaltung in den beiden Berichtsjahren. Die Dentschriften ermeisen aufs neue, welche großen über die Boranschläge hinausgehenden Summen der Reichsfinanzverwaltung in 1924 und 1925 im ordentlichen Haushalt zur Verfügung geftanden haben. Solche günstige Finanzentwicklung war gewiß 34 begrüßen. Sie wäre noch erfreulicher gewesen, wenn die Finanz verwaltung entgegen allen Bersicherungen nicht eine Thefaurierungspolitit getrieben hätte, die um so mehr zu verurteilen mar, weil fie " Der Gesamtbetrag der für das Rechnungsjahr 1924 be milligten Anleihefrebite beläuft sich auf 348 071 227 Reichsmart. Da die Ausgaben des Außerordentlichen Haushalts für das Rechnungsjahr 1924, soweit fie der Anleihe zur Last fielen, durch Flüssigmachung älterer Kredite gedeckt worden sind, ist dieser Gefamtkredit entbehrlich geworden. Auf die Inanspruchnahme des Kredits wird daher verzichtet." Auf Grund des Gesetzes über die vorläufige Regelung des Reichshaushalts 1925 vom 27. März 1925 ist der Reichsminister der Finanzen ermächtigt worden, 100 Millionen Reichsmart im Bege des Kredits flüssig zu machen. Das Gesetz über die Fest. stellung des Reichshaushaltsplans vom 13. Januar 1926 hat den Kredit auf 62 369 301 Reichsmart herabgesetzt. Der Kredit war am 31. Dezember 1925 noch nicht in Anspruch genommen." Bur vorübergehenden Verstärkung der ordentlichen Betriebsmittel der Reichshauptkaffe ist für das Rechnungsjahr 1925 auf Grund des Gesetzes vom 27. März 1925 in Verbindung mit dem Gesetz vom 30. Januar 1926 ein Kredit von 150 mil lionen Reichsmart eröffnete Diefer Sredit ftand am 31. Dezember 1925 noch voll zur Verfügung." Aus diesen Mitteilungen geht also hervor, daß man Don Krediten in Höhe von 560 Millionen Reichsmart, die in den beiden Berichtsjahren von der Reichsfinanzverwaltung angefordert und durch den Reichstag bewilligt worden waren, bis zum 31. Dezember 1925 auch noch nicht einen Pfennig gebraucht hatte! 31. Dezember 1925 auch noch nicht einen Pfennig gebraucht hatte! Man forderte sie aber regelmäßig, obwohl die Reichstaffe im Gelde schwamm, weil man gerade das vertuschen wollte. Die Dentschriften find interessant und lehrreich für jeden, der einen genaueren Einblid in unsere Finanzverhältniffe gewinnen mill. Sowohl für unsere außenpolitischen, aber auch für unsere finanziellen Sowohl für unsere außenpolitischen, aber auch für unsere finanziellen Verhältnisse sind ihre Feststellungen bedeutsam. Wie man auch zu Einzelheiten stehen mag, die Schlußfolgerung aus ihnen wird nicht zu umgehen sein: Mißtrauen gegen die Angaben der Reichs finanzverwaltung ist auch heute noch berechtigt, denn von wirklicher Objektivität ist man dort noch weit entfernt. Hugo Heimann, M. d. R. Die Arbeitsmarktlage Anfang Mai. Die Entwidlung des Arbeitsmarktes ist nach den Bes richten der Landesarbeitsämter für die Woche vom 26. April bis 2. Mai nach wie vor unbefriedigend geblieben. Die Zahl der Erwerbslosen ist zwar in den meisten Bezirfen weiter zurüd gegangen; doch vollzieht sich der Rückgang nur sehr langsam und ist im Bergleich zum Vorjahr und zu früheren Jahren für die vor geschrittene Jahreszeit sehr schwach. Im Steinkohlenbergbau und in der Metallindustrie haben infolge von Stillegung und BetriebsFeinschränkungen weitere umfangreiche Entlaffungen ſtattgefunden. In anderen Industriegruppen blieb die allgemeine Lage mit Ausnahme der chemischen Industrie ungünstig, nur unter beson deren Bedingungen irat örtliche Nachfrage nach Arbeitsfräften auf. Es sind in erster Linie Facharbeiter mit langjähriger Erfahrung gesucht, deren ungelernte und jugendliche Arbeiter im allgemeinen nur schwer unterzubringen sind. Das alte Berliner Spezialwert für Maschinen und Werkzeugbau 10 Proz. Dividende bei Ludwig Loewe u. Co., A.-G., Berlin. Ludwig Loewe u. Co. arbeitet bekanntlich mit seinen über 3000 rArbeitern und Angestellten seit Wachen mit starker Einschränkung. Im Geschäftsbericht für 1925 wird dazu bemerkt, daß die Befchäftigung von August bis Dezember rückgängig war und sich im neuen Jahr auch nicht gebessert habe. Deshalb sei ab 10. April die Arbeitszeit auf 4 Tage in der Woche beschränkt worden. Berücksichtigt man den Geschäftsrüdgang in den letzten 5 Monaten von 1925, so muß in den ersten sieben Monaten reichlich verdient worden sein. Gelegentlich einer Dividendenanfündigung für 1925 verlautete auch, daß die reichliche Beschäftigung in dieser Zeit den Geschäftsrüdgang im letzten Jahresdrittel aufgewogen habe. Die Bilanz macht einen etwas angespannteren Eindruck als im Vorjahr. Nach dem Geschäftsbericht hat sich die Firma mit 2 Millionen verschuldet, um ein Attienpaket des Elektrizitätsmert Schlesien A.-G. zu der früheren Beteiligung hinzuzuerwerben. Statt dessen wurden zwei Pafete der Knorr- Bremfc 2.-G. und der Süddeutsche Bremſe 2... verkauft. Die Erhöhung des Beteiligungsfontos von 8,34 auf 10,51 Millionen Mark wiegt die 2 Millionen Kredite für die neue Beteiligung auf, Eine stärkere finanzielle Anspannung ist immerhin in dem 2% fach größeren Wechselbestand( 0,45 gegen 0,17 Mill.), in den vermehrten Lagerbeständen( 4,37 gegen 3,50 Millionen) und in den verringerten Bantguthaben( 1,08 gegen 1,77 Mill.) zu erkennen. Diese Anspannung dürfte sich zwanglos aus den schwierigeren Bahlungs- und Kreditverhältnissen Ende 1925 erklären. Sie bedeutet nichts gegen den sehr günstigen Gewinnabschluß. Die Fabrikationsüberschüsse und Beteiligungsgewinne find mit 4,35 gegen 4,11 Mill. höher als im Vorjahr. Noch stärker gestiegen ist der Reingewinn: von 1,43 auf 1,85 Millionen. Daraus werden 10 Broz. Die Dividende verteilt auf das Kapital von 15 Millionen. Abschreibungen betragen 1,33 gegen 1,53 Mill. im Vorjahr ( 50 Broz. auf alle Betriebs- und Fabritationsmaschinen, der Zu gang auf Modelle, Werkzeuge, Utensilien und Fuhrpart ist mit 100 Proz. abgeschrieben). Die Gesellschaft setzt ihre Vorfriegspolitik alfo fort, durch große Abschreibungen starte innere Referven zu bilden. Für den Rohüberschuß heißt das, daß er immer mehr als Rein überschuß anzusehen ist, was sich die Belegschaft zwedmäßigerweise merken wird. Der Umfaß hat 1925 ziffernmäßig den Barkriegsumfaß überschritten, was für 1924 noch nicht der Fall war. eine enigstens läßt dies die Mitteilung über das„ befriedigende" Beichnungsergebnis der Klöckner Anleihe( über 40 Millionen) vermuten, wo von einer„ erheblichen Ueberzeichnung" nicht ge= sprochen wird. Ulleberhaupt kann man die überschnelle Ausweitung der inländischen Emissionstätigkeit nur mit einiger Sorge betrachten, da bei wiederkehrendem Kapitalbedarf der Unternehmungen ein Massenangebot an feftverzinslichen Werten zu befürchten ist, das zu einer schweren Erschütterung des neuentstandenen Kapitalmarktes führen muß. Diese Entwicklung wird zunächst dadurch verschleiert, daß die Uebernehmer der neuen Emissionen sich in fast allen Fällen zu einer längeren Sperrfrist verpflichten müssen( meist 6 Monate), binnen derer fie verpflichtet sind, die Papiere nicht an der Börse zum Berkayf zu bringen. Der Erlös aus den jezt herausgebrachten Anleihen der Unter nehmungen dient fast ausschließlich zur Konsolidierung der furzfristigen Bantschulten und führt den Betrieben feine„ neuen" Mittel zu. Der Bedarf an solchen wird aber früher oder später wieder recht groß werden. Dann sind Notverläufe und große Berluste unvermeidlich. Gegen die Beschränkung der Gemeindeanleihen, die neuer dings von einzelnen Gruppen der Privatindustrie und sogar vom Reichsfinanzminister befürwortet wird, wendet sich die Dis. conto Gesellschaft, indem sie in ihrem Bericht zur Wirtschaftslage betont, daß die Schaffung werdender Anlagen im Anleihewege auf eine ganze Reihe von Jahren berteilt werden müsse. Die dazu erforderlichen Mittel dürften nicht mehr aus laufenden Steuererträgnissen entnommen werden. Zuweilen sind eben selbst Privatbanken flüger als ein Reichsfinanz minister. Die Spartätigkeit im Deutschen Reich. Nach der soeben er< ichieneren Sparkassenstatistik für das Deutsche Reich im Monat März 1926 betrugen die Einzahlungen im Berichtsmonat 306,32 Mill. M. und die Auszahlungen 199,22 mill. M. bei den Spareinlagen, so daß sich die Spareinlagen am Ende des Berichtsmonats auf 2044,61 Mia. M. erhöhten gegenüber 1937.52 mia. M. Ende Februar. Der Bestand der Giro, Sched und Kontotorrenteinlagen stellte sich auf 1006,88 will. M. Guthaben und 1381,11 Mill. M. Schulden. Die Einzahlungen betrugen hier im März 1986,04 Mill. M. und die Auszahlungen 1965,84 Mill. M. Pleitegeier und Prozesse. Die in diefen Tagen erscheinenden Mitteilungen der Industrie- und Handelstammer zu Berlin" führen zur Jllustration der ungeheuren Zunahme der Prozesse in folge der Wirtschaftskrise u. a. aus, daß zum Beispiel die giffer der Mahnfachen am Amtsgericht Berlin- Mitte 1912 158 379 war, während sie im Jahre 1925 601 100 betrug. Die Ziffern lassen in den ersten Monaten des Jahres 1926 noch ein starkes Steigen erkennen. Auch die gewöhnlichen Prozesse, die im Jahre 1912 282 504 betrugen, dürften im laufenden Jahr auf 4-500 000 an steigen. Die Prozesse am Landgericht I zu Berlin weisen eben. falls eine außerordentliche Steigerung auf. Sie sind gegenüber 1912 von 18 716 im Jahre 1925 auf 42 930 gestiegen; auch hier lassen die Ziffern im Jahre 1926 bereits ein weiteres Ansteigen erkennen. Abfah des Kalisyndikates. im April. Der Absatz des Deutschen talisynditates im April 1926 betrug 572948 dz Reinfalt. Der Ge famtabiat in den 12 Monaten des Düngerjahres 1925/26( 1. Mai bis 30. April) beträgt 11 288 480 dz Reinfali gegen 11 480 861 dz Reintali im Düngerjahr 1924/25. Millionen Menschen alt und jung, in allen Teilen der Welt, erfreuen sich der angenehmen Wirkung und des hervorragenden Wohlgeschmacks von WRIGLEY P.K.Kau- Bonbons. Erfrischend, von dauerndem Aroma, vorzüglich für Zähne und Mund. Regen den Appetit an und fördern die Verdauung. G.F.S Päckchen- 4 Stück- 10 Pf. Ueberall erhältlich! WRIGLEY Die Leistungsfähigkeit des Kapitalmarktes. Die Emissionstätig feit für festverzinsliche Werte( und, freilich in weit geringerem Umfange, auch für Attienwerte) im Inlande nimmt immer noch bis drei fleinere Inlandsanleihen von Städten oder Industriefirmen weiter zu. Fast täglich werden jezt, neben Auslandsanleihen, zwei begeben, deren Summe sich immerhin auf etwa 10 Millionen im Tagesdurchschnitt stellt. Am gestrigen Tage wurden z. B. neu ge meldet eine 5 millionen Anleihe der N G.( Nationale Automobilgesellschaft), eine 4 millionen Anleihe der Bereinigten Deutschen Tertilmerte A.-G., 2.Millionen Anleihe der Brestowerte, ferner Aus. landsanleihen der rheinischen Städte und der Alseder Hütte, von denen Teilbeträge auch in Deutschland untergebracht werben beren. Ertrag an die deutschen Kommunen und Kommunalverbände Jollen. Die Inlandsanleihe der Deutschen Girozentrale, meitergeleitet wird, ist angesichts der guten Zeichnungsergebnisse, die sich besonders aus dem Anlagebedürfnis der Sparkassen ergeben, von 40 millionen um 20 Millionen und nochmals um meitere 10 Millionen erhöht morben. Bei den in der Zeichnung WRIGLEY AKTIEN GESELLSCHAFT, FRANKFURT AM P.K KAU- BONBONS WRIGLEY P.KI PFEFFERMIN KAUBONDONS Das Bodenreformgeseh. Erfte Beratung im Reichstag.- Stellung der Parteien. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete Präsident Cöbe in der gestrigen Reichstagssigung dem am Montag in München gestorbenen deutschen Gesandten in Desterreich, Dr. Pfeiffer, einen herzlichen Nachruf. Der Dahingeschiedene habe lange Jahre dem Reichstag als Schriftführer angehört, viele Abgeordnete haben seine Hilfsbereitschaft fennen gelernt. Seine feinsinnigen Reden seien stets mit großer Aufmerksamkeit angehört worden. Bei der Uebernahme seines neuen Amtes sei er aus dem Reichstag ausgeschieden; in Wien habe er stets den Glauben an die Vereini gung Deutschlands mit Desterreich aufrecht erhalten und fie vorzubereiten gesucht. Das Haus werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Der Gesetzentwurf über 3011erleichterungen für dä nische Erzeugnisse und Behandlung deutscher Handlungs reifender in Dänemark wird dem Handelspolitischen Ausschuß überwiesen. Es folgt die Beratung des mündlichen Berichts des Ausschusses für Wohnungswesen über den demokratischen Antrag auf Vorlegung eines Bodenreformgesetzes. Der Ausschuß empfiehlt den Antrag in folgender Fassung anzunehmen: die Reichsregierung zu ersuchen, alsbald ein Wohnheimftättengefeh im Sinne des Entwurfs des„ Ständigen Beirats für Heimftättenwefen beim Reichsarbeitsministerium" vorzulegen", ferner folgende Entschließung anzunehmen: Der Bodenreform zu erhalten. Die Geldmittel dazu sollen durch die Bert zu wachsft euer und burch die Hauszins. Parteinachrichten steuer aufgebracht werden. Das bisher hier vorhandene Durcheinander muß durch das neue Gesetz beseitigt werden. Nur Böswilligfeit fönne behaupten, daß durch das zu schaffende Gefeh das Eigentum gefährdet werde, folle doch gerade zahllojen fleinen Leuten Eigentum an Grund und Boden gegeben werden. Durch die bisherigen Berhältnisse sei ein traffer Mißbrauch mit dem Boden betrieben worden. Abg. Dr. Bredt( Wirtsch. Vgg.) meint, daß man diese Dinge nicht durch Geseze regeln fönne, sie müßten der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Die Kardinalfrage sei, daß Wohn- und Arbeitsstätten heute nahe beieinander liegen und dadurch die Preise für Siedlungsboden in die Höhe getrieben werden. Mit der Wiedergesundung der Wirtschaft werde auch die Wohnungsfrage gelöst werden, nicht aber durch gewaltsame gefeßliche Eingriffe, wie sie hier beabsichtigt seien. Abg. Seiffert( Bölf.) stimmt den Grundgedanken des Antrags zu, bevor man aber feine Wohnungsstatistik habe, fönne etwas Grundlegendes nicht geschaffen werden. Wenn die Regierung allerdings in der bisherigen langsamen Weise die notwendigen Mittel flüssig mache, würden wir in der Wohnungsfrage nicht voran tommen. In der Inflationszeit hätten die Gemeinden sehr viel billiges Land gekauft, das sollten sie jetzt zum Wohnungsbau zur Berfügung stellen. Abg. Benthien( D. Bp.) behauptet, daß die Bodenreform in den letzten Jahren immer mehr zum Tummelplag von Theorien geworden sei und sich vom realen Leben entfernt habe. Durch den vorliegenden Antrag foll das Selbstbestimmungsrecht des einzelnen noch mehr eingeschränkt werden. Die Deutsche Volkspartei sei grundsäßlich gegen jedes 3wangsgesetz und für freie Entwicklung im Wohnungsbau. Abg. Puh( Komm.) stimmt den Ausschußanträgen zu. Die Notwendigkeit eines solchen Gesetzes beweise schon das Geschrei der Bodenspekulanten. die Reichsregierung zu erfuchen, einen umfaffenden Wohnungsgrundsäglich bauplan auszuarbeiten und dabei Vorschläge vorzulegen, durch die der erforderliche Boden zu annehmbaren Preisen sichergestellt wird. Bei der Beseitigung der Wohnungsnot find weitgehend die Gedanken der Wohnungsreform zu verwirklichen." Ueber die Verhandlungen des Ausschusses berichtet Abg. Silberschmidt( Soz.): Abg. Tremmel( 3.) erklärt, daß die Zentrumsfraktion nicht gegen die Aufhebung der Zwangswirtschaft im Wohnungswesen sei, wenn man den Arbeitern und Angestellten das Mehreinkommen garantiere, das für die erhöhte Miete notwendig sei. Auf dem Gebiete des Wohnungsbaues müßten alle irgendwie geeigneten Mittel angewendet werden. Es sei durchaus fein Eingriff in das Eigen tum, wenn die Gemeinden dazu angehalten würden, Bodenvorratswirtschaft zu treiben. Die Sozialdemokratische Partei betrachte die Ausführung der bem Antrag zugrunde liegenden Gedanken als eine un aufschieb bare Notwendigkeit, und zwar aus fulturellen, sozialen und wohnungspolitischen Gründen. Die Gemeinden müßten mehr als bisher zur Durchführung eines großzügigen Wohnungsbauprogramms angehalten werden. Es muß dafür gesorgt werden, daß auf dem zur Verfügung stehenden Boden soviel Wohnungen errichtet werden, daß ein gesundes Geschlecht heranwachsen fann. Der notwendige Boden muß zunächst von den Gemeinlich, den und Kreisen bebaut werden, nur soweit, als diese auf die Befignahme verzichten, dürfe das Privattapital ihn für sich in Anspruch nehmen. Höher als die Interessen der Bodenspekulation stehen die Interessen der Allgemeinheit.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Befiher den Boden nicht zu einem angemessenen Breife hergeben will, muß er in beschleunigtem Verfahren enteignet werden. Abg. Schirmer- Franken( Bayr. Bp.) stimmt dem Antrag des Wohnungsausschusses zu. Es sei zwar nicht mögjeder deutschen Familie ein Eigenheim zu verschaffen, wie das manche Bodenreformer glauben, aber es müsse endlich auf dem Gebiete des Wohnungswesens vorwärts gehen. Damit ist die Aussprache beendet. Die Abstimmung über den Ausschußantrag wird Mittwoch vorgenommen. Gegen 6 Uhr vertagt sich das Haus auf Mittwoch nachmittag 2 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Beratung der heute nicht erledigten Punkte, sowie Anträge aus dem Hause. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, an richten. 5. Kreis Friedrichshain. Mittwoch, 5. Mai, 7% Uhr, fehr wichtige Gigung der Abteilungsmietervertreter. Jede Abteilung muß unbedingt vertreten fein, 14. Kreis Reukölln. Donnerstag, 6. Mai, 7% Uhr, erweiterte Kreisvorsbandsfizung an bekannter Stelle. Die nicht verkauften Maifeiertarten milffen umgehend im Bureau Nedarstraße abgeliefert werden, andernfalls gelten die Karten als verkauft. Heute, Mittwoch, 5. Mai: 82. bt. Steglik. 8 Uhr bei Thiel, Albrechtstr. 87. Sigung der Barbei- umb Gewerkschaftsfunktionäre. Alle Elternbeiräte müffen erscheinen. 104. Abt. Rieberschöneweibe. 8 Uhr bei Thiele, Berliner Str. 38. Borsbands fikung mit den Bezirksführern und den Revisoren. 146. bt. Reichsbruderei. Nachmittags 3% Uhr im Lotal Sennia, Merandrinenftraße 44. Wichtige Versammlung. Bortrag: Die europäische Birtschafts lage". Referent: Erwin Barth. Wir bitten um rege Beteiligung. 26. Abt. 7 " Morgen, Donnerstag, 6. Mai: Uhr Funktionärskung bei Seiles, Brenzlauer Allee Ede Meger Strake. Alle Genoffen müssen erscheinen. 43. Abt. 7 Uhr Sikung der Genofsinnen und Genossen, die fchulpflichtige Rinder haben, bei Reim, Urbanstr. 29. Wichtige Tagesordnug Erscheinen unbedingt erforderlich. 78. Abt. Schöneberg. 8 Uhr bei Rönig, Feurig Ede Brinz- Georg- Straße. Wichtige Borstandssikung. 33. Abt. Die für heute, Mittwoch, bei Lojat angefekte Funktionärsikung findet umständehalber erst am Freitag, 7. Mai, 7 Uhr, bei Wertalla, Sohen Toheftr. 3, statt. Genoffe Kräkia, M. d. R., spricht über: Die Behandlung des Boltsbegehrens im Reichstag". Die Obleute der Elternbeiräte nehmen an der Sigung teil. Achtung! Um 6½ Uhr ebenda wichtige Borstands fikung. Wildau. Am Sonntag, 9. Mai, nachmittags 3 Uhr, findet auf dem Schulhof zu Bildau die Bannerweihe des dortigen Parteinereins ftatt. Die Berliner Abteilungen werden gebeten, sich zahlreich zu beteiligen. Die Weiherede hält Reichstagspräsident Genosse Baul Löbe. Jungsozialisten. Gruppe Tiergarten: Mittwoch, 5. Mai, 8 Uhr, in der Borwärtsspedition Wilhelmshavener Str. 48. Das Gemeindebestimmungsrecht". Referent: Genoffe Artur Sildesheim. Gäfte willfommen. Gruppe Steglig: Donnerstag, 6. Mai, 72 Uhr, im Jugendheim Albrechtftr. 46. Mitglieders versammlung mit Aussprache über die Generalversammlung der JGB. Frauenveranstaltungen. 17. Kreis Lichtenberg. Donnerstag, 6. Mai, 7 Uhr, im Reichenfaal der Schule Marktstr. 10. Bortrag des Genoffen Dr. Georg Lömenftein über: ,, AerztTiches über den neuen Strafgefchentwurf". 53. Abt. Charlottenburg. Donnerstag, 6. Mai, 8 Uhr, bei Lur. Sutten ftr.26. Vortrag: Liln Braun". Referentin: Margarete Schenkalowfty. Jm Anfchluß daran geselliges Beisammensein. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 13. Kreis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelbe, Lichtenrade. Die Einäfcherung unserer verstorbenen Genoffin Hanna Grapentin findet am Donners tag, 6. Mai, nachmittags bereits um 3½ Uhr( nicht, wie irrtümlich angegeben, um 4 Uhr) ftatt im Krematorium Wilmersdorf, Fehrbelliner Blag. Wir bitten um rege Beteiligung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Die Beteltunasfeier findet am Donnerstag. 6. Mai, nachmittags pünktlich Die Lösung dieser Frage darf nicht den Ländern überlassen werden, das Reich muß das Rahmengesetz schaffen, nach dem sich Länder und Gemeinden zu richten haben. Die Reichsregierung hat ihr Einverständnis mit dieser Ordnung der Frage gegeben, auch sie sei der hältlich. Breis 50 Bf. Meinung, daß es höchste 3eit sei, die Durchführung des in dem Antrag niedergelegten Planes zu beginnen, der Reichstag müsse fich jegt einmütig gleichfalls dafür erklären.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Freie Sozialistische Sochschule. Rarten für den 8. Mai: ,, Bürgerliches und proletarisches Bewußtsein in der modernen Dichtung" find im Sekretariat erAuf dem Maifest verloren: Ein Fauftball und eine Rune. Es wird gebeten, die Sachen im Sekretariat abzugeben. Fahrtteilnehmer Thüringen bzw. Sächsische Schweiz. Donnerstag, 6. Mai, 28 Uhr, im Jugendheim, Lefezimmer, Besprechung. Teilnehmer werden noch angenommen. Wander- und Spielleiter! Donnerstag. 6. Mai, 28 Uhr, im Reichensaal der Schule Rochstr. 13. Lichtbildervortrag: Märkisches Wandern". Referent: Genosse Willi Beiersdorf. Aussprache über Wandern und Spielen. Alle Gruppen müssen vertreten fein. 8. Abt. Am Freitag. 30. April, verfchied nach langer schwerer Krankheit im Alter von 47 Jahren unser Genosse Wilhelm Schla, An der Apostelfirche 6. 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Bir bitten um rege Beteiligung. 30. Abt. Nach langem schweren Leiden verstarb unsere liebe Genoffin Marie Kriedemann am 1. Mai. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung am Donnerstag, 6. Mai, abends 7 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um rege Beteiligung. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Abg. Dr. Steiniger( Dnat.) stimmt der Entschließung bes Ausschusses zu, wendet sich aber gegen den Ausschußantrag, weil ihm der Entwurf des Ständigen Beirats für Heimstättenmesen beim Reichsarbeitsministerium undurchführbar erscheint. Die gegen die Bodenspekulation gerichteten Bestim= mungen dieses Entwurfs würden auch jehr bedenkliche Nebenwirkungen haben. Der Entwurf enthalte nicht nur ein Berkaufs, sondern auch ein Enteignungsrecht. Auch ohne ein foldes Gefeß jei es jetzt jeder Gemeinde möglich, genügend Land für Abteilungsmitgliederversammlungen heute, Mittwoch, 7% Uhr: Mitgliedstarten mitbringen. Sermsboff. Kr. b. 7., 7 Uhr, Bersammlung Wohnungsbau zu erwerben. Die Erfahrungen mit dem alten Heimstättengeset seien nicht ermutigend für ein neues reichsgesetzliches Vorgehen dieser Art. " Abg. Rönneburg( Dem.) weist auf die große Bedeutung der Bodenfrage für die gesamte Bevölkerungspolitik hin, der Boden sei feine Bare", er dürfe deshalb nicht unter das Warenrecht gestellt werden. Im Süden Deutschlands seien die Bodenverhältnisse günstiger als im Norden, hier seien Mietskasernen der Typus des Wohnungsbaues geworden. Der Begriff der Heimat" sei für viele Millionen Deutscher ohne jeden Inhalt, weil sie gar feine Heimstätte haben. Jezt sollen die Gemeinden die Möglichkeiten erhalten, die Initiative auf dem Gebiete des Wohnungsbaues nach den Gedanken Theater, Lichtspiele usw. Staats- Theater Opernhaus am Königsplatz 7% Uhr: Rigoletto Schauspielhaus 8 U.: Herodes und Mariamne Schiller Theater 8 Uhr: Minna von Barnhelm Lessing- Tb. 8 Uhr: Gastspiel d SaltenVolksbühne Achtung Abteilungskassierer! Sette, Mittwoch, von 5-7 Uhr, Abrechnung. Ausgabe der Mai- ,, Jugend voran!" und der Arbeiterjugend". Webbing: Schule Antonftraße. Selmbolkplak: Schule Eberswalder Str. 10. Rosenthaler Vorstadt: Schule Elisabethstr. 19. Norbring: Schule Scherenbergstr. 7. Baltenplag: Jugendheim Rigaer Str. 103. Südost R.- B.: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Tempelhof: Lyzeum Germaniaſte. 5/6. Wannsee: Schule. Charlottenstraße. Fallenberg: Jugendheim Am Fallen. berg 117. Kauls Friedrichsfelde: Jugendheim Berliner Cde Schloßftraße. borf: Schule Adolfftr. 25. Niederschöneweide: Schule Berliner Str. 31. sichtenberg- Nord: Jugendheim Bartaue 10. Reu- Lichtenberg: Jugendheim Brinz- Albert- Straße. * Weißensee I: Jugendheim Roeldeftr. 157. Funktionärsigung. Osten B.- B.: Jugendheim Ebertnftr. 12. Bortrag: Rörperpflege". ± 4 Werbebezirk Oftbahn: Morgen, Donnerstag, 7% Uhr, im Jugendheim Doffeftr. 22. Werbebezirksvorstandssikung. Alle Abteilungsvorsitzenden find hierzu ebenfalls eingeladen. Theater am Bülowplatz| Th. am Schiffbauerdamm Theat.d. Westens 712 Uhr: 8. Uhr: Heute 8 Uhr: Zum 300. Male FAUST Marlborough Gräfin Mariza Morgen 7% Uhr: Morgen 8 Uhr: FAUST In Anwesenh. des Komp. Kalman u Großes Schauspielhaus Täglich 81 Uhr: Alt- Heidelberg Gastspiel Alfred Braun 8 Residenz- Theat.| Marlborough d. Autoren Grün- 8% U.: Verbotene Uhr: Berliner k- Trio burgs Bühnen Berliner D. fröhliche Neukölln. Weinberg Städtische Oper Kleines Th. Charlottenburg 612 Uhr: Die Walküre Abonn- Turnus IV Sommerd. F.Lobe 8% Uhr: Irrgarten der Liebe Barnowsky- Bühnen Theater Königgrätz.Str. Deutsches Theater T: Hasenheid.2110 Norden 10334-38 8 Uhr: Heute geschloss. Donnerstag 712 Zum 1. Male Dr. Schmidt Komödienhaus Tel.: Norden 6304 Unsere Kinder Kammerspiele Norden 10334-38 Der Garten Eden 8 Uhr: 8 Uhr Die Tribune Week- end Tel: Withe.m 5365 8 Uhr ( Ueber'n Sonntag) Der Rubikon Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr Viktoria SCALA 8 Uhr Ein 8 Uhr Neues Th. am Zoo Sensationelles Tägl. 8 Uhr: Der alte Dessauer Operette in 3 Akien Charlé Vespermann Falk, Kiper. Godau, Straaten, Hainisch Preise 0.50 bis 6 M. neues Programm! Theaterkasse: Lotzow 7557 Lahnstr.74/ 75 L wald u Brammer Pr. 50 Pf bis 6 M. Keine Bons ALHAMBRA Direktion Artur Rupp Kurfürstendamm 68. Ab heute: Das größte Filmwerk der Gegenwart Panzerkreuzer Potemkin Regie: S. M. Eisenstels Denlig- Wooho uni Cahnonschau Alfred Kerr schrieb:... werk, ein Wunderwerk Berliner Tageblatt: . ein Wunderden gewaltigste und kunstvollste Film, den die Weit sah ( E. Blass) Vessische Zeitung alles in diesem großen Werk ist bes elt Urban) Börsen- Courier:... ein Bildepos, dessen Wirkungen zu den gröuten gehören, was Menschengeist und Ereignis in den letzten Jahren geschaffen haben( Herbert lbering) B. Z.:... dieser Film ist ersten Ranges, ganz großen Formats, von aufwühlender Stobkratt ( Dr. Roland Schacht) Wochentags 6.30, 9.00 Sonntags 4.30, 6.30, 9.00 Preise der Plätze von 1 bis 4 Mark Küsse Revue in 13 Bildern Eugen Rex, Metelka Trianon- Th Sommerd. M. Bing Alraune Pr: 75 Pf. bis 4 Mv. Hans Heinz Ewers Komische Oper 814 Direktion James Klein 8% Die Neue Revue Berlin ohne Hemd Revue der Zukunft in 16 Bild. Preise 1-7,50. Logen und Klubsessel 10, Tageskasse ununterbrochen ab 10 Uhr geöffnet Elite- Sänger Täglich Kottbusser Str.6 8 Uhr Der neue Schlager 3 Uhr 99 Wenn Frauen streiken" und der große Solotell. Reichshallen- Theater Abends 8 Uhr und Sonntags nachmittags 3 Uhr Stettiner Sänger D.wundervoll Programm Machm. halbe Preise. Volles Abendprogr ( Siche Säulen- Plasate) Dönnott- Brettl Honzert! Varieté! Tanz Rennen zu Hoppegarten Mittwoch, den 5. Mai nachmittags 3 Uhr Gefchäftsstelle: Berlin S. 14. Sebaftianftr. 37/38. Sof 2 St. Tiergarten. Rameradschaft Westen jeden Do. 7 Uhr Uebungsabend Schule Derfflingerstr. 18a. Fr., b. 7. Kameradschaftsversammlung bei Bollen- Müller, Potsdamer Str. 118c. Friedrichshain. Die Sportabende finden von jest an jeden Do. 7 Uhr im Friedichshain, Blah III, statt. Lichtenberg nebst Untergruppen. Do., b. 6., 6% Uhr, Antreten bei Werner, Wilhelmftr. 3, mit Spielmannszug und Fahnen, Fr., b. 7., 7 Uhr, Sikuna ber Rug und Ortsgruppenführer bei Krüger. 8 Uhr Rugfikung in den befannten Lokalen. Dortfelbst ist das Fahrgeld für Neuruppin bei den Bugführern abzugeben( 2 M.). Weißensee. Do., d. 6., Monatsvollgerfammlung. bei Böttcher, Waldsee. Ede Berliner Straße. Bortrag des Ram. Fraentel über Faschismus. Eichwalbe. Mi., b. 5., 8 Uhr, im Lokal Lindner. BollKarls versammlung. Anschließend geselliges Beifammensein mit Damen, horst. Do., d. 6., 8% Uhr, im Fürstenhaus. Oeffentliche Versammlung mit dem Thema: Die kommenden Aufgaben des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold". Referent: Kamerad Berls, Berlin. Borher Werbeumzug des Reichsbanners mit Spielmannszug. Abmarsch 7% Uhr Stolzenfelsstraße. Für Mitglieder Erscheinen Pflicht. Arbeiter Abstinenten- Bund. Ortsgruppe Moabit: Am 8. Mai, 7 Uhr, Sikung im Jugendheim Wiclefftr. 5. Thema: Der Kartellverband und wir Arbeiter Abstinenten". ,, Auf Tierfang en Abeffinien" betitelt fich ein Filmvortra, ben die Ber. einigung von Aquarien- und Terrarienvereinen am Gonnabend, 8. Mai, 8 Uhr, im Friedrich Wilhelmstädtischen Gnmnasium, Rochftr. 13, veranstaltet. Rarten beim Hausmeister des Gymnasiums und an der Abendbase. Berliner Theater Central. Theater Rose- Theater Th. in d. Klosterstr. Damos Uhr: Eva Bonheur 8% Uhr: Lili mus Uhr Uhr: Donner8 Heimat wetter, ganz Ilka Grüning heiraten Viktoria- Lichtbildtheater Schwarzer Adler ( Prachtsäle des Ostens) Frankfurter Allee 48 Dienstag, den 4. Mai bis Donnerstag, den 6. Mai 1926 Paul Wegener Frankfurter Alice 99 Olga Tschechowa Ab Dienstag, den 4. Mai 1926 in Der Mann aus dem Jenseits ( Feldgrau) Das Schicksal eines Heimgekehrten in 6 Akten. Außerdem: Er kam- sah- siegte Eine Kammerrevue in 10 Bildern Wochentags 5, 7u. ca. 19 Uhr Sonntags 3, 5, 7 u. ca. 1,9 Uhr Achtung! Im Rahmen der Revue werden von der Parfümerie Gustav Lohse Spenden verteilt.. Panzerkreuzer Potemkin Das große russische Monumental- Filmwerk Auf der Bühne: Die fabelhafte Bühnenschau! Wochentags 5, 7.u. ca. 19 Uhr Sonntags 3, 5, 7 u. ca. 19 Uhr Deutsches Künstl.- Theater 8 Uhr Ein Walzertraum Th.a.Kurfürstendamm Tägl. 8 Uhr: Rebbuhn od. Die neue Fassade Wallner- Theater 8 Uhr: Der heilige Brannen Blanco Posnets Erweckung Metropol- Theat, Gastsp. des Th.am Kurfürstendamm. 8 Uhr: Die Nacht der Nächte Casino- Theater Gr. Preisabbau! Karten v. 50 Pi an Neu! Tägl: 8 Uhr Hea! Das Recht auf Arbeit Dazu das neue Mai- Programm! Circus Busch Tagl. 7 Uhr. Stg. auch 3 U. Nur noch bis 15. Mat Das gr H gr. Abschieds- Pro50 Pf. Billige Sommer. Preise M. f. Galerie Loge Keine Bons! Volksstück mit Ges. und Tan Es klappert dle Mühle von Sanssouci Labero mit den Zoo- Löwen und das große Circus Programm! Trauerfpenden jeder Art lie'ert preiswert Paul Golletz, Dormals Robert Meyer, Mariannenstr.3. Amt Morigpl. 10303 Mittwoch 5. Mai 1926 Unterhaltung und Wissen Die Reise nach dem Mond. Bon Richard Rainer. Lionardo da Vinci, vollkommenster Typ des Universalmenschen aus der Blüte der Renaissance, der mit dem schöpferisch- trunkenen Auge des Künstlers den Gedankenhochflug des Ingenieurs vereinigte, hat irgendwann einmal geäußert:„ Die Mechanik ist das Paradies der Mathematit, denn hier reifen ihre Früchte." Da man unter den nachgelassenen Papieren dieses genialen Mannes sehr eingehende Entwürfe von Flugmaschinen nach dem Prinzip des Bogelfluges gefunden hat, ist anzunehmen, daß er die räumlichen Grenzen dieses neueren Paradieses nicht allzu eng gezogen glaubte. Seine fühnsten Träume werden aber übertroffen von den wahrhafi kosmischen Bezirken, die der befannte und erfolgreiche Gelehrte Prof. H. C. Goddard vom Clark College in Worcester, USA., und gleichzeitig aber unabhängig von ihm sein deutscher Kollege Prof. Hermann Oberth- München der menschlichen Mechanik eröffnen mollen. Die beiden Gelehrten beabsichtigen kurzerhand eine Reihe von Raketentrips in das umgebende Planetensystem. Schon vor einiger Zeit veröffentlichten beide ihre wissenschaftlichen Berichte; in diesem Sommer aber nun will Professor Goddard seine Idee in die Wirklichkeit umsehen: Mit dem Abstecher einer vorerst noch unbemannten Rakete nach dem Monde soll der Anfang des interplanetarischen Berkehrs gemacht werden. Ich muß sehr bitten, dies ganz ernsthaft aufzunehmen. Die journalistische Sauregurtenzeit hat noch nicht begonnen, so daß an der Aufrichtigkeit von Zeitungsmeldungen fein 3weifel mehr erlaubt ist. Auch möchte ich von vornherein eine Ber wechslung mit dem bekannten Romanwerfe des phantasiebegabten Jules Verne ausschließen. Der schlotternde Dilettantismus dieses Herrn hat alle Ursache, sich vor den egaiten rechnerischen Konstruftionen der Erfinder zu versteden. Mit Hilfe riesiger Repulsingeschoffe, die durch die Rückstoßmirfung explosiver Safe vorwärts getrieben werden, soll das einzige bedeutende Hindernis, das sich einem Weltflüchtigen unserer Lage entgegenstellt, nämlich die Erdanziehung, überwunden werden. Den erforderlichen 60prozentigen thermischen Wirkungsgrad( wie die Gelehrten dazu sagen) will der Amerikaner in den Eigenschaften des reuchlosen Nitrozellulosepulvers begründet missen, während der nach Ansicht der Fachleute sehr viel gründlichere Deutsche seine Hoffnung auf flüssigen Altohol und Wasserstoff baut. Gegenüber diesen grundlegenden Dingen erscheint alles, was der menschliche Organismus an Rücksichten erheischt, als nebensäch lich. Luft und Wärme nimmt man natürlich mit, zu melchem Be hufe die Passagierfammer ais Thermosflasche ausgebaut wird. Auch will man sich für den Anfang mit der noch erträglichen Beschleuni gung von 35 Sekundenmetern begnügen, so daß nach etwa 5 Minuten die zur leberwindung der Erdschwere nötige Geschwindigkeit von 11 Kilometer pro Sefunde erreicht sein wird. Einmal den Armen der Mutter Erde entronnen, ist es im schwerefreien Raum ein Icichtes, mit ganz geringem Kraftaufwand zu echten kosmischen Gejdwindigkeiten vorzubringen. Dem peinlichen Gefühl seines Nichts, dem der Kosmostrotter durch den völligen Verlust seines Eigen gewichts ausgesezt ist, muß man begegnen, indem man sich vor fichtig anschnallt und durch leichten Zug in die jeweils gewünschte Lage versetzt. Die Rückkehr zur Schnullerflasche wird angesichts der vergeblichen Bemühungen, den Inhalt eines Gefäßes auszu gießen, eine bringende Notwendigkeit sein. Will man einen Nachbar. planeten ansteuern, so braucht man sich nur in deffen Gravitations feld fallen zu lassen und ordentlich bremsenden Rüddampf geben. Der Mathematifer und Physiker also hat seine Schuldigkeit getan. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, haben fie auch den Dritten im Bunde, den Astronomen, als Kron zeugen gefunden. Auf der Grundlage der Oberthschen Forschungen Amerikanische Landstreicher". Von Artur Hene. In St. Louis warer heute 42 Grab Hize! Annheuser Busch. die größte Brauerei der Welt", pumpte den Mississippi halb leer und braute Lagerbier daraus, denn die Nachfrage war ungeheuer. Swei staubige, sonnverbrannte Gesellen famen langsam die Straße herabgeschlendert, gudten einen Moment durch das offene Tor dem fieberhaften Treiben auf dem Hofe der Brauerei zu und bummelten reiter. Die rotglühende Sonne schien ihnen in die sorglosen, ein bißchen verwegenen Gesichter und verschönte ihre abgetragenen blauen Anzüge durch einen violetten Schimmer. Die beiden sahen aufmert. fam umher, fie fuchten etwas. Rechts von der Straße waren Bahngleise, links eine endlose Bretterplante. Die Sonne hatte ihre Pflicht redlich erfüllt und verschwand unter dem Horizonte. Die Wanderer schritten rascher aus, der Lärm der Stadt verklang hinter ihnen, es wurde dunkel. Die raftiosen, flinken Dampfboote auf dem Strome pfiffen sich ein Gutenacht zu, und ein leichter Dunst stieg con dem Waffer auf. Da war die Planke und die Stadt zu Ende. Der eine späte durch ein Astloch hinein und rief seinen Rameraben zurück. Der sah auch hindurch und nickte mortlos. Sie folgten der Umzäunung noch ein Stückchen links nach dem Strome zu. Dann warfen sie einen raschen Blick um sich und stiegen darüber. Es war ein Lagerplak für ausgediente Fässer der Brauerei. Cine riesige offene Tonne, die einsam direkt am Flußufer lag, felfelte ihre Aufmerffomfeit besonders. Was meinst du, wenn wir in diefem Hotel absteigen?" fragte der eine. Der eine spähte durch ein Astloch hinein und rief seinen Kameein paar leere Säcke und lag sicher eine Meile von der nächsten Bolizeiftation entfernt. Diese Vorzüge mußten die beiden Tramps zu würdigen und richteten sich in dem Fasse ein. Sie brannten sich ihre Pfeifen an und streckten ihre lahmgelaufenen Beine aus. Der eine, ein breitschultriger Hüne, brummte:„ Also der Tabat ist auch alle! Bei meiner armen Seele, morgen müssen wir uns auf fo einem Windhund von Flußboot anmustern laffen." Ich habe zwar meine erste Seefahrt nicht gerade in angenehmer Erinnerung, aber es bleibt nichts übrig. Ich will dir die nette Historie von der Merrid" mal erzählen!" sagte sein Gefährte und legte die Arme unter den Kopf. Er war ein raffereiner Panfce, lang, hager, fehr mustulos, mit großen, lebendigen Augen und ener gischem, ruhigem Gesicht. „ Es war an dem gefegneten Tage, als sie mich in Baltimore fanft aus der John Hopkins Universität herausefelten, meil Mr. Rufus Talbot, hoz engros", eine wunderschöne Bleite gemacht hatte und sein Sohn teine Vorlesungsgelder mehr bezahlen tonnte. 00 Ostpolitik. So ist sie falsch. So ist sie richtig. 00 hat der Münchener Astronom Mar Balier einen bis in alle Einzel heiten durchgedachten Plan zur Eroberung des Weltenraumes aus. gearbeitet und in seiner bei R. Oldenbourg erschienenen Schrift „ Der Vorstoß in den Planetenraum" zur Distuffion gestellt. In ebentiefem Verlage ist auch das Buch Oberths Die Rafete zu den Planetenräumen herausgekommen. Die wissenschaftliche Abhand lung Prof. Goddards erschien im letzten Jahresbericht des angesehenen Smithsonian Instituts. Inzwischen hat der nach dem Experiment durftende Amerifaner feine Rafete gezimmert und an gefündigt, daß er sie im Sommer unter allen Umständen mit dem Mondziele abfeuern werde. Die Einrichtung einer regelmäßigen Berkehrsverbindung wäre somit nurmehr eine Sache des Kaufmanns und Verkehrsorganisators. Für eine zu erwartende gute Allverkehrstonjunktur spricht die Tatsache, daß Profeffor Goddard bereits 52 Anmeldungen von Weltraumpassagieren bekommen hat, die bereit sind, bas erste waghalsige Experiment ins Ungewisse mit machen zu wollen. Für die wissenschaftliche Laufbahn der AstroDa besah ich meine Hände: sie waren stramm genug, daß fie irgendein nüßliches Werkzeug packen und damit Dollars verdienen konnten. Das erste, was fam, war zwar nicht das beste, sondern es war ein Seelenverfäufer. Er verfaufte mich für brei Dollar fünfzig Cent auf die Merrid" als Heizer. Die fuhr seit zwanzig Jahren mehr Schlecht als recht Bananen von Jamaila nach Baltimore, und ich Aber sie war eben alt und half einige Reisen lang dabei. schwach und fraß mächtig viel Kohlen. Bei gutem Wetter machte fte noch acht Seemeilen, bei schlechtem eine halbe unb torfelte dann auf der See herum wie ein beschwipster Nigger. Das ist für die Bananen ein bißchen langweilig, die faulen unterdessen. Das Boot wurde immer sehr hübsch angemalt, rielleicht mar die Farbe das einzige, was den Kahn noch zusammenhielt. Well, sie war hoch versichert und Reeder und Kapitän zwei so smarte, gerissene Jungen, wie sie nur je die Sonne Marylands beschienen. Der Alte hatte nur eine fleine Schwäche für alten Jamaikarum. Auf der letzten Reise faufte er einen größeren Boften recht billig unter der Hand. So fam es, daß er vor der Chesapeale- Bai immer noch einen schweren So fam es, daß er vor der Chesapeate- Bai immer noch einen schweren figen hatte, sonst wurde er regelmäßig auf der Höhe von Savannah nüchtern, denn da war der Rum alle. Er ging selbst Bache, war voll wie ein Soldat am vierten Juli und jagte den Raften mit voller Kraft vor Kap Mac Henry auf den Sand und auf einen hübschen, teinen, scharfen Felsen. Es war in der Silvesternacht 1906 um 11 Uhr. Ich rannte gerade mit der Teekanne über Ded, wir wollten Punsch machen. Da gab es einen Ruck und Krach, es scharrte und tnirschte unter den Füßen, die Stagleine brach knallend und rollte sich wie eine Spiralfeder am Fockmast auf. Ich sah noch so was wie eine Funkengarbe, die wie ein Feuerwerf aus dem Schornstein sprühte, die alte„ Lady Merrick" fuhr im Todeskampfe vorn hoch wie ein Ziegenbod, dann ein gewaltiges Krachen und Bersten, das Achterded brach glatt meg und schautelte sanft und ruhig 20 Fuß tief unter Wasser in den wohlverdienten Ruhestand hinab. Nun machte auch das übrige halbe Schiff Feierabend und legte sich auf die Seite. Ich rutschte mit merkwürdiger Geschwindigkeit das Dec entlang und benüßte die Teekanne als Rodelschlitten, sah noch den Kapitän mit einem sehr eleganten Hechtsprunge von der Kommandobrüde abgehen und im Waffer verschwinden, dann bemerkte ich nichts mehr; denn Godfrey Talbot, bisher Student der Philosophie, paddelte selbst im Atlantit herum, noch ehe er einen armseligen Taft aus Danteedoodle pfeifen fonnte, wie ein guter Amerikaner tun soll. Well, es sollte ein gemütliches Stranden werden und wurde ein ungemütliches Scheitern. Bon dem Felsen hatte die alte Rumbottel nichts gewußt. Der hatte cs dem Boote so gründlich besorgt, daß jezt nichts mehr zu sehen war als elu bißchen Strudel und ein paar hundert Lattentisten mit Bananen. So welt ich sehen fonnte: Bananen, Bananen! Wir hatten Deckladung gehabt. Eine lebende Seele fonnte ich nicht entdecken. So schwamm ich denn los. Es war eine wundervolle, stille Nacht. ganz wenig Seegang und eine große Frechheit von unserem Alten. Beilage des Vorwärts nomen eröffnet sich damit die glänzende Aussicht, an den Schaltern der interplanetarischen Verkehrsgesellschaft angestellt zu werden. Im übrigen aber muß ich die Weltfremdheit unserer modernen Gelehrten verurteilen, deren Gedanken immer gleich derart in die Ferne schweifen. Sieh, das gute Amerika liegt so nah! 3. R. III hat für die amerikanische Route immerhin etwa 70 Stunden ge braucht, und auch Flugzeuge, die in Etappen über die im Atlantik geplanten Armstrong- Inseln sehen werden, können die 6000 Kilo meter höchstens in 25 Stunden bewältigen. Mit einer Oberthschen Wafferstoff Doppelrafete hingegen würde man, wie der Leser feines Buches leicht nachrechnen kann, dazu knapp 20 Minuten brauchen. Der Rededrang unserer Staatsmänner würde eine mehrfache Er leichterung erfahren, und mit den Zungen mürden sich vielleicht die Herzen näherkommen. Internationale Filmlieblinge, die sich bis spät abends in den europäischen Metropolen bewundern ließen, tönnten( man beachte die Zeitdifferenz) noch am hohen Mittag desselben Tages in Hollywood ihren falifornischen Starverpflichtungen nachkommen. In San Francisco wird der Empfänger Briefe eher in Händen halten, als sie in Moskau aufgegeben sind. Die Menschen werden dann im Sinne Lionardos dazu kommen, von paradiesischer Bewegung zu sprechen. Was mich betrifft, so merde ich es jedoch weiterhin mit der Ruhe meines friedlich übersonnten, ein wenig ungeordneten Schreibtischparadieses halten. Scharlacherreger und Scharlachserum. Bis vor kurzem war der Erreger des Scharlachs den Aerzten noch völlig unbekannt. Die einen nahmen ein unsichtbares Gift an; andere vermeinten, in gemissen Arten von Batterien, und zwar Don Streptofoffen, die Urheber gefunden zu haben, ohne allerdings schlüssige Beweise erbringen zu fönnen. Dementsprechend ergaben auch die empfohlenen Heilsera höchst unsichere Erfolge. Eine Bor beugung mar gänzlich unmöglich; wenn in einer finderreichen Fa milie Scharlach ausgebrochen war, so mußte man es dem Schicjal überlassen, ob auch die gesunden Geschwister erkrankten oder nicht. Erst in letzter Zeit ist es amerikanischen Aerzten gelungen, das Scharlachproblem zu lösen. Das Ehepaar George F. Did und Gladys H. Did hat den vielgesuchten Erreger des Scharlachs ge funden. Sie züchteten aus der Fingerwunde einer Krantenpflegerin, die sich bei einem Scharlachfranten angesteckt hatte, eine Streptofoffenart, die rote Blutkörperchen aufzulösen vermag; sie rieben die Erreger auf Rachen und Mandeln von Versuchspersonen ein. und diese ertranften prompt an typischem Scharlach. Weiterhin gelang es den Amerikanern, in etwa 100 Scharlachfällen gleichfalls die genannten Batterien nachzuweisen. Auch das eigentliche spezifische, von den Streptotoffen erzeugte Echarlachgift fonnte von dem Ehepaar Dick nachgewiesen werden. Sprigt man einer Bersuchsperson ein Zehntel Rubilzentimeter dieses Giftes ein, so entsteht ein typischer Scharlachausschlag. Auch die Feststellung, wie weit ein Mensch für Scharlach empfänglich oder dagegen gefeit( immun) ist, wird durch die neuesten Forschungen ermöglicht. Nachdem der Erreger gefunden war, folgte alsbald die Schuh impfung gegen Scharlach auf dem Fuße. Wenn man in steigenden Dojen Scharlachgift einimpft, fo find die Geimpften in 70 Broz. der Fälle völlig immun gegen Scharlach; in 30 Broz. verläuft die Die Dauer Scharlachertrantung in start abgeschwächter Form. des Schutzes beträgt 9 bis 14 Monate nach der Impfung, die gänzlich gefahrlos ist. Schließlich hat man noch ein zur Behandlung geeignetes Serum gewonnen, indem man ähnlich wie bei der Diphtherie Pferden die Scharlacherreger einimpfte und dann den Tieren das Blutserum mit den darin befindlichen neugebildeten Schuß und Heilstoffen entnahm. Bei den unkomplizierten Fällen tritt schon 12 bis 24 Stunden nach der Impfung ein erstaunlicher umschmung des gesamten Krankheitsbildes" ein: der Ausschlag ver. zu machen. Die Wirkung des Scharlachheilserums scheint also die Ihwindet, bie Temperatur fällt brüst herab, um Wohlbefinden Blaz bes Diphtherieheilferums noch erheblich zu übertreffen. Unter diesen Umständen wäre es ihm wohl verdammt schmer ge worden, sich auf dem Seeamt in Baltimore herauszuschwindeln. Des halb hatte der alte Fuchs also einmal im Suffe davon geschmafelt, daß er bas Nilpferd von Bootsmann ins Ded hineinprügeln wolle, menn er nicht darauf sähe, daß die Boote immer in Ordnung wären. Ja, der Rum und der Felsen! Und in der Küche hatte ein fetter Truthahn gebraten; den fraß jetzt ein verdammter Hai. Meine Kollegen vielleicht auch denn wie ich auch rief und gudte, ich sah niemand. Die hatte der alte Schuft auch auf dem Gewissen, ver dammt sei seine Seele! Weit hinten im Westen blinkte das Feuer von Mac Henry. Das Wasser mar leidlich warm. Ich hatte Jacke und Schuhe ausgezogen und schwamm munter darauf zu. Eine Stunde vielleicht verlief alles gut. Dann ging ich wieder mal hoch und spähte hinüber. Da friegte ich doch einen fleinen Schred: das Feuer war weg! Die Ursache erkannte ich bald: es wurde ein bißchen nebelig, unsidjtig", mie mir fagen. Schön, da mar's jett 3eit zum Danteedoodie Pfeifen. Ich hatte mun soviel Aussicht, den Strand zu erreichen, wie den schändlich ersoffenen Silvestertruthahn noch zu bekommen. Trotzdem schwamm ich fest voraus, bald auf dem Bauche, bald auf nur ins neue dem Rücken zum Ausruhen Wohin, wußte ich nicht Jahr und vielleicht in die Ewigkeit hinein! Es ist ja die gemeine Geschichte: man denkt, man steuert gerade. ous, und schwimmt dabei im Kreise herum, denn der rechte Arm ist stärker und macht größere Stöße. So mar ich auf einmal wieder zwischen ein paar Bananenkisten und flammerte mich daran fest. Mir waren Arme und Beine hübsch steif geworden. Dann fam wieder ein Nachschub von Energie, ich schoß wieder davon, aber nicht lange. Der Nebel war dicht und weiß um mich: Mein Leichentuch! In meinem Kopfe hämmerte eine Schmiede, alle Muskeln versagten, der Rebel wurde rot vor meinen Augen. Ich dachte noch einmal an meine Kameraden und wünschte den Kapitän herbei, um ihm die Gurgel durchzubeißen. Schwach, verloren und verlassen trieb ich und schluckte immer mal einige Happen Seewasser zur Vorbereitung auf die unfreiwillige Tieffeeforschung, die ich vor mir hatte. So sollte ich also hier jämmerlich wie ein gefactes Räßchen an der Küste meines Vaterlandes ertrinfen! Ein Gedanke flog noch einmal hinüber über seine weiten Brärien und seine Millionenstädte, die den Nachthimmel mit den Gluten ihres tosenden Lebens röteten. The stars and stripes for ever! Dann machte ich noch einige mechanische Bewegungen; das Blut sang mir in den Ohren das Lied der Emig teit! Eine Welle miegte mich hoch Donnerwetter, das Geräusch fannte ich doch! So braufte und donnerte die Brandung an einer Rüfte! Jauchzend schnellte ich vorwärts, dieser köftlichen Brandung zu. Dann hatte sie mich, ich wurde herumgerissen und gewirbell, auf und ab geschleudert, dann fühlte ich etwas Hartes unter ben Füßen, und zerschrammit, verbeult, zerfchunden troch ich zitternd auf allen Bieren ans Land und füßte es und heulte wie ein Schul. mabel. Nur eine Minute trieb ich's so, danach fiel ich um wie ein Sad. ( Schluß folgt.) Billige Preise Seidenstoffe nene moderne reine Seide, schwarz, es. 100 cm breit........... 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Für die zahlreichen herzlichen Glüd wünsche und foftbar en Blumenspenden, mit denen ich anläßlich meines Jubilä ums so boch erfreut worden bin, lage meinen Zeitungsboten, Bartelfreunden und Belannten sowie den Angefiellten und den Genoifinnen und Genoffen des Borwärts- Verlages meinen beften Dant Desgleichen fage ich den Genofien der Gefchäftsleitung und Breßlommiffion lowie gefchäftsführenden Genossen licher für be ionBeren Aufmerjamleiten meinen berz Ginaf Cherung fimbel am Dommersi Deutscher Metallarbeiter- Verband en des Bortoli 13 flir ble Beben 6 Mai, abends 7 1hr in Kre matosium Gerichtftraße ftat 22/11 Aranzfpenben parbeten! Rach langem, fchwerem Reiben ift am Sonnabenb, ben 1. Mai. unsere Don allen fehr geachtete Genoffin Marie Kriedemann im 64. Lebensjahre gestorben. Chre ihrem Aubenten! Die Funktionäre der 30. Abtlg. SPD. Baurohrleger u. Baullempner! iften Dent Paul Böhm. Donnerstag 6. Mai, abends? Uhr, bel liem, Hajeuheibe 13-15: Gemeinsame Versammlung Führer des Sozialismus aller Baurohrleger und BauHempner. Tagesordnung: unsere Bohnverhandlungen. Beright ber Die Bertrauensleute milffen Bereits um 5% Uhr anmefend fein. Die Ortsverwaltung. Cinä( cherung: Donnerstag,&. Mat Achtung! Jugendl.Vertrauensleute abenbs 7 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße Danksagung 22/12 Allen Berwandten u. Betannten fo mie Gemertfchafts- u Bartelgenoffen für die innige Teilnahme bei der Einascherung unseres lieben Baters fagen wir biermit unsern tiefgefühlten Dant Für die Hinterbliebenen 122/18 Mar Derzowsty. sind erschienen in Postkarten Karl Marx/ Friedrich Engels Ferdinand Lassalle/ August Bebel Wilhelm Liebknecht Friedrich Ebert Beste Ausführg./ Getreue Wiedergabe Preis der Serie: Wiederverkäufer erhalten Rabatt Donnerstag, den 6, Mai, abends Zu haben in allen Parteibuchhand6, he, im Jugendheim bes Berbandshauses. Linienfte. 83/85: Bertrauensmännertonferenz aller jugendlichen Bertrauensleute. 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