flbenöausgabe Nr. 209» 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 103 B altertes Weib, runzlig und aufgedunsen, aber ihre Sinne brennen noch ungeheuer. Da sie selbst von Göttern entstammte, tonnte sie ihrem Gatten Jason die ewige Jugend und die ewige Lendenkraft erzaubern. Doch Jason spürt kein Verlangen mehr danach, seine Männlichkeit bei der runzligen Barbarin zu genießen. Das junge Griechenmädchen umwirbt er als Bräutigam, da die Ehe mit der Barbarin ihm nicht als gesetzliches Bündnis erscheint. Und diese Braut Iasdrls wird gerade von dem Sohne Jasons als Braut be» gehrt. Alle Menschen dieses Trauerspiels sind ganz und gar in ihre Sinne eingewickelt. Sie wüten ihre Brunst aus ohne Hem» mung, mit so deutlichen Worten, daß von den geheimsten Dingen der letzte Schleier fällt. Und dazu noch andere Greuel. Die Augen, die Medea einem Sklaven herausreißen läßt, werden von der Barbarin in die flache Hand genommen und geliebtost als Beute ihrer Rache. So wird Ekel erregt. Trotzdem sind all diese Worte unge- wohnlich stark. Sie schmettern nieder, die Ereignisse zerreißen den Zuhörer. Sic zwingen zur Rebellion. Doch es spritzt Talent aus dem Dichter. Er ist schon jetzt ein energischer Logiker der Bühne. Die allerschlimmstcn und viehischsten Veftrrungen in Wort und Tot sind irgendwie begründet. Dann setzt das Drama zu einer wirtlich ausgebauten Architektur auf. Kein Motiv geht verloren, auch nicht das scheltßlichste. Man ist angewidert durch den mechanistischen Ge- brauch, den der Dichter von der Sexualpathologie macht. Und dann wieder sagt iimn sich, daß dieser Dichter geheilt und noch ein tüch. liger Mann werden könnte. Die Schweiger«! in allerhand Ver- irrungen ist vorläufig höchst krainpshaft und krankhaft. Hans Henny Jahnn versucht seine psychologische Ausdeutkmg des alten Mythos zu begründen. Er will das traurige Menschen» herz entdecken Daß er es nur entdeckt in der furchtbar verzerrten Niedrigkeit des primitivsten Geschlechtstriebes, ist seine Tragik. Cr überlastet die Menschen, auch die Menschen der Antike, mit einem Gefühlsleben, das gar nicht mehr zu uns gehören will. Zunächst Ekel, dann Abgestumpstheit, schließlich kann man sich nur durch einen Sckerz retten. Der Regisieur Jürgen Fehling gestattete, daß�der Theater- architekt die chorinlische Holle wie einen Berliner Trockenboden ausbaut«. In dcesem nüchternen, nur sür Menschliche» scheinbar bestimmtem Räume, soll nun das Uebermenschliche spielen. Kein Wunder, daß die Schauspieler vom ersten bis zum letzten Worte lärmend in den Saal donnern. Das Geschrei wird zum Stile. „Die Wirkung im Ausland und im Inland muß g e- radezu kläglich sein. Soll wirklich jetzt in Paris und in Lon- don und in Wien neben der schwarzrotgoldenen auch die schwarz- weißrote Fahne gehißt, soll wirklich dem Ausland in dieser Form vor Augen geführt werden, daß die Republik ihre Farben nicht zu behaupten weiß, weil es eine Anzahl Ausländsdeutsche- gibt, die aus fanatischer Abneigung gegen die Republik auch deren Fahne beschimpfen? Will man den Auslands» deutschen jetzt in den Rücken fallen, die treu zu Schwarz-Rot-Gold gehalten haben? Wie will man verhindern, daß dann. Schwarz. Rot-Gold ganz hinter Schwarz-Weiß-Rot zurücktritt, daß die Gösch immer kleiner wird, daß an dem Hauptslaggenmast die schwarzweiß- rote Fahne aufgezogen wird und an irgendeinem verschwiegenen Seitenpförtchen vielleicht auch noch Schwarz-Rot-Gold zu sehen ist? Glaubt man der Würde des Deutschen Reiches zu dienen mit einem Zustand, angesichts dessen die fremden Staaten überhaupt nicht mehr wissen, welche Fahne als amtliche Flagge des Deutschen Reichs anzu- sehen ist?" Die„Vossische Zeitung" hebt hervor, welche inner- politischen Wirkungen der Zwiespalt zwischen Regierung und Regierungsparteien haben muß: „Es bedarf keiner näheren Ausführung, was es bedeutet, wenn zwei in der Regicrung vertretene Parteien sich in einer Frage von solcher politischen Bedeutung mit geschlosse- ner Front gegen das Kabinett wenden. Es ist aber auch ohne weiteres klar, welche unberechenbaren poli- tischen Wirkungen sich daraus ergeben können, wenn durch die beabsichtigte Flaggenvererdnung der Flaggenstreit, statt begraben zu werden, aufs neue und mit Heftigkeit entbrennt." Trotz dieser einmütigen Ablehnung der Flaggenver- ordnung in den Reichstagsfraktionen von Demokraten und Zentrum, trotz der einmütigen Stellungnahme der Presse zweier großer Regierungsparteien bleibt die Re» gierung auf ihrer Absicht bestehen, die Ver- ordnung herausgegeben. Sie schafft sich selbst«inen s ch w e- r e n K o n f l i k t s f a l l und sie muß sich daniber klar sein, daß es für sie sehr schwer sein wird, aus diesem Konflikt ihre E x i st e n z zu retten. Der Rnleihealtbesitz. Starke Ueberschreitung der ersten Schätzung. Die Anmeldung des Anleihealtbesitzes zwecks Umtausch in Anleiheablösungsschuld, die bis zum 31. März geschehen mußte. läßt sich nunmehr übersehen. Sie beziffert sich auf 33 Mit- liarden Mark statt 20 Milliarden, die bei Beratung des An- leiheablösungsgesetzes von der Reichssinanzverwaltung geschätzt worden waren. Die Anmeldungen habq� also die Kleinigkeit von 15 Milliarden mehr ergeben. Räch den Vorschriften des Anleiheablösungsgesetzes bedeutet das einen Mehraufwand für Til- gung und Verzinsung der Anleiheablösungsschuld von jährlich rund 90 Millionen aus dreißig Jahre. Man glaubt, Anhalts- punkte dafür zu haben, daß bei Kleinbanken und sonstigen Anmelde- stellen zahlreiche falsche Bescheinigungen sür den Altbesitz aus- gestellt worden sind, und es sind daher eine Reihe Untersuchungen eingeleitet worden. . Vernehmung von Grütte-Lehüer. Im??cme-UutersuchungsauSsch«st dcö Landtags. Der Feme-Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtag» beschloß heute morgen nach einem Referat des Abg. Kuttner, Grütte-Lehder als Zeugen zu vernehmen. Die Vorführung von Grütte-Lehder zur Vernehmung ist bereits heute mittag p Uhr erfolgt. Reuer Rückgang der Frankenwährungen. Gegenüber den Berliner Echlußkursen vom Dienstag ist am Mittwoch an den maß- gebenden Auslandsplätzen ein neuer Rückgang der- beiden Franken- Währungen eingetreten. Paris notiert« London 152 gegen 119,50 und Brüssel 156,31 gegen 151,75 am Vortage. Die Worte, die schon heiß genug sind, werden ständig überhitzt. Nichts wird mehr gestuft. Die Steigerung ist von Anfang an so mächtig, daß neben der moralischen Ermüdung auch die körperliche unerträglich wird. Dabei war die, Virtuosenleistung der Frau Straub als Medea bewunderungswürdig. Doch nur die Virtuo- sität tonnt« angestaunt werden. Sie hatte als Medea sich einer häßlichen und schlampigen Negerin gleich geschminkt und aufgetakelt. Nun paßt« dieser Naturalismus des Aeuhcrlichen absolut nicht zu der hochgestelzten Sprache. Die hexenhaste Medea ist schließlich doch eine Tochter der Göttin und nicht ein Unhold aus dem afrikanischen Busch. Der Regisseur hätte da irgendwie still- sieren und den Naturalismus unterbinden sollen. Er tat es, als er die Chöre sprechen ließ. Doch seine Choristen standen an der Wand, wie die Kinder Israels an der Klagemauer Jerusalems. Sie beteten im Singsang. Es geht ober nicht an, Hellas mit Iudäa zu verwechseln._ Max H o ch d o r f. Ein neue» Bühnenbildexperlment in der Volksbühne. Mitte Mai findet im Theater am Bülowplotz die Berliner Erstaufführung von Paul Zechs„Das trunkene Schiff" statt. Es wird dabei zum ersten Male ein neuartiges Bühnenbildexperiment angewendet. Man stellt drei weiße Leinwandslächen in den Bühnenräum, auf die man die Szenenbilder projiziert. Auch Massenszenen und Kom- parsen erscheinen als projizierte Bildteile aus den Leinwandflächen. Dieses System ermöglicht eine außerordentlich leichte Verwand- lung des Bühnenbilde». Die farbigen Bilder sind von Georg» Groß. Regie führt Erwin P i s c a t o r. vusonis Dritleltonharinonium. Von der Staatlichen Musikhochschule wird mitgeteilt: Ferruccio Busoni, der schon in dem„Entwurf einer neuen Aesthettt" im Jahre 1907 sür ein Tonsystcm mit Drittel- und Sechsteltönen eingetreten ist, hatte bereits in Amerika sich Zungenstimmen anferttgen lassen, aus denen Drittel- und Sechsteltöne dargestellt werden konnten. Diese Stimmen brachte er mit nach Deutschland und versuchte hier Inter- cssenten sür sein Harmonium zu finden, sür da» er bereits geeignet« Zungenstimmen besaß. Seine Ideen wurden erst in den letzten Iahren wieder ausgenommen. Mit Hilfe von Freunden der Busoni- schen Kunst wurde von der Firma Schiedmaycr. Pianofortesobrik, Stuttgart. Neckarstrab« 12, der Bau eine» Dritteltonharmonmms nach dem Entwurf Busoni» in Angriff genommen. Busoni selbst konnte noch auf seinem Krankenlager Anweisungen für den Bau des Har- moniüms geben. Auf Grund seiner Anregimgen und Zeichnungen ist nunmehr von der Firma Schiedmayer ein völlig neues Instru- ment fertiggestellt worden, das genau den Forderungen Busoni» nachkommt. Ea enthält somit aus 2 Manualen die Reihe der Ganz- und Halbtön« und außerdem die Drittel- und Sechstellön«. Das In- strument, dos mit Hilf« von Freunden der Busonischen Kunst und mit Unterstützung der Firma Schiedmayer in vorbildlicher Form gebaut wurde, ist Eigentum der Hochschul« für Musik. Eine internationale Schriststcllertagung In verlin. Dom 16. bis 19. Mai findet in Berlin die viert« internationale Tagung der PEN.-Cluvs statt. Gastgeber ist der deutsche PEN.-Elub, dessen Vorsitzender Ludwig Fulda ist. Die Tagung wird außer den Arbeitssitzungen auch eine Reihe offizieller Beranstaltungen bringen. Garantievorlagen üer Reichsregierung. Ffür die Seinen- und Traktorenindustrie. Dem Rcichshaushaltsausschuß sind vom Reichsmiinster der Finanzen, dem Rcichswirtschaftsininisler und dem Minister sür Ernährung und Landwinschaft zwei Vorlagen zur Uebcrnahme von Reichsgarantien und Gewährung von Reichskrediten zugegangen, die auf Grund von§ 2 des Etatsgesctzes direkt von, Haushaltsausschuß erledigt werden sollen. Die erste Vorloge will die Gefahr beseitigen, daß der Flachs» bau in Deutschland vollständig eingeht Diese Gefahr soll bestehen, wenn der Landwirtschaft nicht die Aussicht geboten werde, die bei ihr ruhende Flachsernte und auch die Ernte des nächsten Jahres abzusetzen. Ein Eingehen des Flachsbaues brächte auch die Flachs- rösterei zum Untergang. Es sei darum erforderlich, daß der Flachs- wirtschast Mittel zur Verfügung gestellt werden, die die B c w c- gung der deutschen Flachsernte in den nächsten Jahren gewährleisten. Die Röstindustri« Hobe zur Ausnahme der Flachsernte 1925 einen Kredit von rund 3 Millionen Reichsmark notwendig. Für die Spinnerei sei ein Kredit von 6 Millionen Mark erforderlich. Die Kredite sollen mit 1 Proz. über Reichsbankdiskont verzinst und nach 15 Monaten zurückgezahlt werden. Die Reichskreditgesellschait habe sich bereit erklärt, der Flachsrösterei und Flachsspinnerei diese Kredite linier der Voraussetzung zu gewähren, daß das R e i ch die A u s f a l l s- und Liquiditätsbürgschast übernehme. Mit der zweiten Borlage erbitten die beteiligien Ministericn vom Haushaltsausschuß die Zustimniung zur Uebcrnahme einer Reichsgarantie bis zur Grenze von 15 Millionen Reichsmark in Verbindung mit der Bereitstellung eines Reichs- kreditcs bis zu 6 Millionen Reichsmark für die Diederankurbelung der wichiigsten Fabriken von Traktoren(Krastschl-ppern und Kraftpflügen). Die umfangreiche Vorlage begründet diesen Antrag damit, daß die deutsche Traktorenindustrie im letzten Jahr zwar gut gearbeitet habe und auch in der Rationalisierung tüchtig vorangekommen sei. Infolge der W i r t s ch a s t s k r t s e stocke aber zurzeit der Absatz von Krastgeräten vollständig und die Traktorenindustrie sei anderer- seits infolge der allgemeinen Kreditschwierigteiten nicht in der Lage, aus Bor rat z-u arbeiten. Die gesamte deutsche Traktorenindustrie stehe daher vor dem Ruin. Komme ober die deutsche Traktorcntndustrie zum Erliegen, so sei nach aller Urteil ihr Aufbau in absehbarer Zeit nicht wieder möglich und der deuli.be Markt eine leichte Beute der amerikanischen Traktorenindustrie, insonderheit Fords. Di« deutsche Landwirtschast werde dann a..?- schließlich auf den Bezug fremder Geräte angewiesen sein. Die schätzungsweise 8000 bis 10 000 in deutschen landwirtschastlichen Betrieben laufenden deutschen Kraftgeräte würden in Verhältnis- mäßig kurzer Zeit unbrauchbar werden, da die Ersatzieiie noch Zusammenbruch der deutschen Fabriken nicht mehr erhältlich sind. Durch den Zusammenbruch der deutschen Traktoreniv.dustc-e würde auch eine Erhöhung der Arbeitslosenziffer eintreten. Diese Industrie habe etwa noch vor einem halben Jahr 9000 Arbeiter beschäftigt. Um den Absatz deutscher Iraktoren in der deutschen Land- wirtschast nach Möglichkett zu erleichtern, werde im Einvernehmen mit den beteiligten Kreisen au» der Bankwett. der Landwirtsthast und der Traltorenindustrie beabsichtigt, ein« Finanzierungs- g e s« l l s ch a s t für den Absatz von Traktoren zu bilden mit einem Aktienkapital von etwa 2 Millionen Mark, das zur Hülst- von einem Bankkonsortium, zum anderen Teil von der Landwirtschaft über- Nammen werden solle. Die verlangten Mittel werden benötigt, unedle Finanzieruugs- pesellschast instand zu setzen, das beabsichtigte System des Ankaufs i.on Traktoren auf Abzahlung durchzusühren, und den Traktoren- firmen. mtt denen die Finanzierungsgesellschast arbeitet, zu ennög- lichen, ihren Betrieb und die Herstellung der Geräte bis zu dem Zeitpunkt zu finanzieren, in dem dos Abzahlungsgeschäft wirksam wird. Voraussetzung für ein Eintreten des Reichs durch eine Aus. sallbürgschast und ein Darlehen sei, daß das Reich in der Finanzie- rungsgesellschast und durch diese oder unmittelbar auch aus die in Betracht kommenden Firnren einen maßgebenden Einfluß erlangt. Am 16. Mai wird«ine Vorstellung in der Städtischen Oper sür die fremden Gäste stattsiiiden, die am folgenden Tag« Gäste der Stadt Berlin im Rothaus sein werden. Am 17. Mai wird eine Festvorstellung im Staatsthealer stattsinden, bei der Hebbels„Herodes und Mariamnc" zur Aufführuna gelangt. Es liegen bereits jetzt An- Meldungen zahlreicher bedeutender Schriftsteller des Auslandes vor. Gründung elne» Laban-vundc«. Anhänger der Ideen und Ziele Rudolf von Labans aus ganz Deutschland" haben sich zu einem Bund zusammengeschlossen. Sie haben sich die Ausgabe geietzt. durch Feiern, Dorträge und Arbeitsgemeinschaften theoretisch»nö vrattisch an dem Wert de» neuen Tanzes zu arbeiten, die«rzieher scheu Momente des Bewegungstunstwcrkes zu pflegen, eine»cvc Festkultur vorzubreiten und Bewegungschöre zur Verwirklichung dieser Ziele ins Leben zu rufen. Rudolf von Laban Hot d- Protcktorat des Bunde,'übernommen. Mitglied kann jeder Int: essierte werden. Zuschriften sind zu richten an den 1. Vorsitzende: Dr. P. L. Buchholz, Berlin W. 50, Prager Straße 29. Der älteste vlenschenschädel? In einer Sitzung der„Dritis Medicial Association" in Melbourne hiett Dr. Collin Mackenzie ein Vortrag über einen Schädel, den er bei Ausgrabungen in Eohln an dem Murrayjlusse gefunden hat. Dem Redner zufolge ist dies Schädel älter al» die andere» bis jetzt bekannten Menschenschädel, c der von Pilldave, die aus Rhodosim und der von Talgai. Macke»,;. Mg in seinen Behauptungen noch weiter. Er behauptete, daß da Murray-Flußtal in Australien als das belangreichst« Gebiet anthro pologischer Untersuchung», soweit die Urzeit in Frage kommt, de trachtet werden müsse. Das Thermometer Im vtenste der Seeslscherel. Abgesehen van Heringen und Makrelen, die an bestimmten Stellen in Schwäriuc» auftreten und in bestimmten Richtungen ziehen, sind deute noch die Fischer beim Suchen der Fänge in der See aus den Zufall und ihr gutes Glück angewiesen. Neue Versuche haben indessen so gute Er, gebniss« geliefert, daß dieser Faktor der Unsicherheit bald als aus- geschaltet zu betrachten sein dürfte. Durch da» Mittel eines beson. der» konstruierten Thermometer», das in dos Seewasser versenkt wird, kann ma» nämlich feststellen, ob die angezeigte Temperatur dem Leben bestimmter Fischarten günstig ist, so daß man auf die Anwesenheit dieser Fische an einer bestimmten Stelle schließen darf. Man hat beispielsweise feststellen können, daß Kabeljau und Schell- sisch nur in Tiefen anzutreffen sind, die elne Temperatur von 10 bi, 12 Grad Celsius ausweisen. Dorsche und Kabeljau sind besonders empfindssch für extreme Temperaturen Die Versuche erstreckten sich über Hunderte von Ouadralmcilen und dürfen deshalb als zuver- lässig gettcn. Da»»eaerbauke Znslilu« Gr ltiuillgeschich« an der Kölner UuIverfüS» wurde in Geacnwart von Vertielern der Jedörden, Siffentchnft und«Zunft eingeweiht. Ter neben der Universität geirzen« Vau ist tin Berk bcä Hagener Architekten Leovotd Ludwig. Rodlo In der Tropseeiahihle. Ter emerikanitche Redlotechniker Mearg« Z9. Miller bat tllrziich im Maniton-Gebiig« in Evlchado in e wa ZS>X>:V!e:cr Höhe eine Radioantig« in der bkrüdmten„Höhle der Winde- angebracht, die 600 Meter lief im Gebirge liegt. Die Tropiiteine, um die er die Au- tenne legte, erweben sich, da fie au» kohlensaurem Kalk beliehen al?>» vorzügliche Ziolatorcn. das; Miller im'iande war. die Sendungen einer mehr al? 1600 Kilometer entserliten Radlo-Station zu empfangen. Die internationale Solidarität. Tie Sympathie der deutschen christlichen Gewerkschaften. Lochum. S. Mai.(XU.) Die»R h e i n i s ch» W« st f ä l i s ch e Zeitung" schreibt: Wie wir erfahren, wird der Gewerkoerein Christlicher Bergarbeiter in den nächsten Tagen zu dem General- streik in England Stellung nehmen.. Auch wird eine gemeinsame Aeuherung der vier Lergarbeilerverbändc zu dem englischen Generalstreik erworlel. Es kann gesagt werden, daß der Gcwerlvcrein Christlicher Bergarbeiter mit bei» Streik im englischen Bergbau insofern sympathisiert, als es sich darum handelt. eine Verlängerung der Arbeitszeit und eine Kürzung des Lohnes abzuwehren. Eine Verlängerung der Arbeitszeit im englischen Bergbau werde in allen Ländern Europas zweifellos einen Kon- kurrenzkampf entfachen, der alle bcrgbautreibendcn Länder in Mit- Icidcnschaft ziehen würde. Materielle-Hilfe der österreichischen Metallarbeiter. Wien. 5. Mai.(TU.) Der Vorstand des österreichischen Metall- erbeiterverbande», der gröhten österreichischen Gewerkschaft, hat in seiner gestern abgehaltenen Sitzung folgenden Beschluß gefaßt: ..Der Vorstand des österreichischen Metallarbcitcroerbandes b e- g r üch t im Namen der österreichischtn Metallarbeiterjchast die in« Abwehrkampf stehenden englischen Kameraden: überzeugt, daß ihr Kampf eine überaus wichtige Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit Ist. und daß er«ine Folge der Bestrebungen darstellt, eine kapitalistische cherrschast auf Kosten der Arbeiter wieder auszurichten, versichert er die englischen Käme- raden seiner Synipathie und wünscht ihrem Kampfe vollen Erfolg. Der vorstand des österreichischen Melallarbeilcrverbande» ist ent- schlössen, den englischen Kameraden auch materielle Hilfe der österreichischen Arbeiter zuteil werden zu lassen. Zur Ausklärung der österreichischen Arbeiter über die ungeheure Bedeutung des ge- waltigen Ringens in England«erden Arbeiterverjamm- l u n g e n. abgehalten werden." Tic amerikanischen Bergarbeiter. wiltesbarre. 5. Mai.(MTB.) Der Exekutivausschuß der Vereinigten Bergarbeiter von Amerika hält zurzeit eine besondere Sitzung ab, um über ein Schreiben der englischen Berg- arbeiterverbände zur Krise im englischen Bergbau zu beraten. Ein Gcwerkschaftsbeamter äußerte, er sähe keine Möglichkeit zu einem Sympathie st reit» der amerikanischen Anthrazitgrubenarbeiter. denn die Gewerkschaft könne die mit den Bergwerksbcsitzern abge- schlossenen Verträge nicht annullieren. Washington. S. Mai.(MTB.) Der Präsident der amcrikani- schen Federation os Labour,>G r e e n, erklärte, sein Verband sei der Ansicht, daß das Verlangen der englischen Bergarbeiter nach Löhnen. die eine ongemesiene Lebenshaltung sichern, berechtigt fei. Er gab der hosfnung Ausdruck, daß die gesunde Ueberlegung und Urteilssähigkcit, die das englische Volt in allen kritischen Lagen aus- gezeichnet habe, eine rasche Einigung herbeiführen werde. hazelton(Pennsylvanien), 5. Mai.(MTB.) Der Sekretär der Dereinigten Bergarbeiter, Kennedy, erklärte, ein unmittel- barer Schritt der Bergarbeiterorganisaion im Zusammenhang mit dem englischen Bergarbeiterftreik sei nicht in Aussicht ge- nommen. Pillsburg. 5. Mai.(MTB.) Der Rationalkonvcnt der So- zlalistischen Partei faßte eine Entschließung, in der die amerikanischen Arbeiter aufgefordert werden, ihr möglichstes beizutragen, um den Sieg der englischen Bergarbeiter zu sichern. Tie kanadischen Arbeiter zur finanziellen Hilfe bereit. Ottawa. 5. Mai.(MTB.) Der Präsident des kanadischen han- dels- und Arbeiterrats M o o r e hat an den britischen Gewerkschasts- kongreß ein Telegramm gerichtet, in dem er ihm im Namen der kanadischen Arbeiter volle moralische Unterstützung bei dem Streben nach Aufrechterhaltung des.bereits knappen Lebens- standards der britischen Arbeiter" zusagt. Moore hat ferner die Erklärung abgegeben, daß ein durch lange Dauer des Generalstreits etwa notwendig werdender Wunsch nach sinanzie.ller U n t e r st ü tz u n g auf eine großzügige Antwort seitens der kanadischen Arbeiter rechnen könne. Gewerkschaftskongrest in Südafrika einberufen. Johannesburg, ö. Mai.(MTB.) Der südafrikanische Gewerkschaftskongreß erhielt von der Amsterdamer Jnter. nationale einen Aufruf um Unterstützung im Zusammenhang mit dem englischen Generalstreik. Der Gewerkschaftskongreß fordert daraufhin alle südafrikanischen Arbeiterverbände auf. Vcr- treter zu einem nationalen Kongreß am Donnerstag zu entsenden, auf dem über die zu befolgende Politik Beschluß ge- faßt werden soll. Tie Anteilnahme der indischen Arbeiterschaft. Bombay, kl. Mal.(Reuter.) Der allindische Gewerk- s ch a f t s k o n g r« h hat an den englischen Gewerkschastsrat ein Telegramm gerichtet, in dem er die S y m p a t h i e der indischen Arbeiter zum Ausdruck bringt und den britischen Arbeitern in ihrem großen Kampfe für die Aufrechterhaltung des Lebensstandards seine chilfe anbietet. Rückwirkungen auf üie Weltwirtschost. Eine Zunahme deutscher Kohlenverkäufc crtuartet— Bersteisung des Frachtenmarktes. Esten, 5. Mai.(TU.) In maßgebenden Kreisen des Ruhr» bergbaues herrscht stark« Zurückhaltung wegen der eoen- tuellen günstigen Auswirkung de, englischen Generalstreiks auf den Absatz der deutschen Kohl«, da man damit rechnet, daß der Streik nicht lange andauern kann. Wenn man erwägt, daß die Lagerbe stände des Ruhrkohlenbergbaues zirka 8 Millionen Tonnen betragen, so müßte der englisch« Streik, um diese deutschen Bestände zu räumen, von sehr langer Dauer sein. Tatsache ist. daß bereits«ine größere Anzahl Nachfragen bei dem Rhelnlfch-Westsälifchen Kohlensyndikat eingegangen sind. Allerdings ist es zu festen Abschlüssen noch nicht gekommen. Durch die englische Arbeitskrste ist die.R h e i n s ch i s f a h rt ebenfalls noch nicht in erheblichem Maße gesteigert worden. Der heutige Dutsburg-Ruhrorter Frachtenmarkt entwickelte zwar eine lebhafte Tendenz. So konnten sich die chollandsrachten um 10 Pf. pro Tonne erholen. Ebenso erfuhren die Antwerpener und Genfer Frachten eine Erhöhung. Da die Anfuhr von Kohle noch den See- Häfen erhöht ist und die Nachfrage ledhaft bleibt, werden die Frachten voraussichtlich noch weiter anziehen. Di« rhelnifchen Bergsrachten haben sich ebenfalls befestigt, so z. B. nach Mannheim. Der vorhandene unbeschäftigt« Rheinschiffsraum wird her in d»n nächsten Togen lebhafter wordenden Nachfrage völlig entsprechen können. Der niedrige Preis der Ruhrkohle wird bewirken, daß voraus- sichtlich viele Schiff«, die sonst in England bunkern, in k o n t i n e n. tolen Häfen die Kohlen übernehmen. So verlautet von der holländischen Grenze, daß in dieser Woche in dem Rotterdamer Hafen große Zuftchren von deutscher Kichle erwartet weiden. Die weibliche Uniform. Während sich die modegewordene Uniformierung des Mannes nur auf das äußere Gewand erstreckte, umfaßt die weibliche Uniform die gesamte Persönlichkeit der Frau. Körpermaß, Gefichtsausdruck — und Kolorit. Geste und natürlich vor allem die Kleidung müssen — um für modern zu gelten— streng egal mit allen übrigen Mit- fchwestern sein. Früher hieß elegant außergewöhnlich, heute heißt es Gleichheit, und keine der Typsmodedamcn wird es wagen, ihren persönlichen Geschmack durchsetzen zu wollen. Als leuchtendes Vor- bild dienen hauptfächlich die Filmstors. Sie wirken auf der Leine- wand, sie erreichen stets, was sie wollen— wenigstens auf der Leinewand— und so trachtet man, es ihnen gleich zu tun, um dem heißersehnten Glück Tür und Tor zu öffne». Die Gesichtscreme, die sie benutzen und deren Güte sie durch Photographie mit persön- lichcr Widmung gerne bestätigen, wird ausgestrichen. Ihr Bubikopf, mag er sich noch so ost verändern, ist in seiner jeweiligen Form der einzig kleidsame, und ihre Kleidung natürlich maßgebend sür die Mode. Vor dem Spiegel übt man fleißig ihr bezauberndes Lächeln, den lässig-müden Gong, die Haltung der Hände, im Salon: Finger leicht gespreizt, den Mittelfinger nach innen gekrümmt: aus der S.traße: fromm über dem Bauch gefaltet, lind die klugen Schöpfer all der äußeren Herrlichkeiten, sie schassen für das große Heer der ..kleinen" Madedamen aus billigstem Material die gleichen Gebilde. Wie lange die Freude daran währt, soll ihre kleine Sorge sein. Schließlich zwingen sie ja keine, all die Modelaunen und Torheiten mitzumachen. Aber sie wollen es doch nun einmal. Und wie wenig wichtig ist dies alles doch! Der Frau der früheren Zeiten, die bloß schön zu sein hatte, konnte man dies olles eher zubilligen. Aber heute? Das Leben ist verflucht ernst ge- worden und die Frau steht, ob sie will oder nicht, mitten im Kampf. Hier kommt c» einzig und allein aus ihre Persönlichkeit an, und besitzt sie die. dann versteht sie es auch sehr gut, sich geschmackvoll und persönlich zu geben, und die Uniform in der Kleidung zu über- winden. Die öefreiung des kinSes. Eltern schaffk euren Kindern weltliche Schulen! In Schöneberg regt sich in den Kreisen der den Geist der neue» Schule begreifende» Eltern immer stärker der Wunsch, auch hier weltliche Schulen entstehen zu sehen. Die Elternversamm- l u n g, die zur Förderung dieser Bestrebungen am Dienstag ver- anstaltet wurde, war gut besucht. Der Neuköllner Gemeindeschul- reltor Genosse Jensen gab in seinem Vortrag über„Befrei- ung des Kindes durch die weltliche Schule" einen Ein- blick in das Wesen dieser neuen Schule, die unter Verzicht aus den starren Zwang zur Aneignung toten Wissens sich an den Schaffens- trieb des Kindes wendet. Das s ch öpserisch sich betätigende Kind und das sozial gerichtet« Kind sei, betonte Jensen, das Hauptziel der weltlicben Schule. Aus eigenem Trieb und in eigener Kraft müsse da» Kind an die Arbeit herangehen, die Schule müsse zu einer Stätte froher Hugend werden, zu einer Stätte des Glückes für das Kind und auch für den Lehrer. In einer solchen Schule zeigt es sich, daß die Kinder nicht, wie so mancher Pädagoge der alten Schule glaubt,„van Natur faul" sind Hier wird die Liebe zur Arbeit manchmal so stark, daß man dem Eiscr sogar Hall gebieten muß. Jensen wünschte, daß auch in Schöneberg eine solche Schule zustande kommt. Die Freie Schulgemeinde, die in Schöneberg schon seit längerer Zelt besteht, hat sich dieses Ziel gesteckt. Sie wird es erreichen, wenn weiteste Kreise der Elternschaft das Verlangen nach weltlichen Schulen unterstützen. Der Spritweber-prozeß. Am Montag konnte Sprit-Weber endlich seine Erklärungen geben. Der Generaldirektor Hermann Weber ist, wie erinnerlich, angeklagt, al» Hauptabnehmer des von den sogenannten Sprilschicbern zu ermäßigten Preisen bezogenen Sprits figuriert zu haben. Nicht mehr �ind nicht weniger als rund 2 Millionen Liter hat er erhalten Seine Tätigkeit begann er im Jahre 19A1 mit der Gründung der Süddeutschen Spirituosen-Aertricbsgesell- schaft. Das Gründungskapital machte damals 20 000 M. aus. Sein erstes großes Geschäft, eine Spiritusvermittlung zwischen der Tschechoslowakei und Holland bildete die Grundlage zu seinem weiteren Wohlergehen. Als sein erster Kauf von 680 000 Litern Spiritus durch das Schiedsacrichtsoerfahrcn vom Reichssinanz- Ministerium als ordnungsmäßig vollzogen anerkannt wurde, traten zum erstenmal Monopolbeamte mit Andeutungen an ihn heran, daß sie sich für ihn eingesetzt hätten und sich an den Aktien bo- teiligen wollten. Unter diesen Beamten befand sich auch der Regierungsrat Kaiser. Im Jahr« 10Z2 gründete er dann die Deutschen Spirituosenwcrte: Dr. Cantrup trat als Organisator des Innenbetriebes bei ihm ein. Hermann Weber bestreitet, je Sprit zu ermäßigten Preisen bezogen zu haben. Er gibt aber zu. daß die Süddeutsche Spirttuosenvertriebsgesellschast das ganze Quantum Sprit, das er bezog, an die Deutschen Spirituosenwerke abtrat. Der Oberregierungsrat Wüst, der ihm übrigens um eine Anstellung oder Beteiligung gebeten halt«, habe ihm erklärt, daß dagegen nichi» einzuwenden sei. Der Sachverständige Oberregierungsrat Weidner behauptet ober, daß dies unter keinen Umstände» gestattet war. Mit aller Entschiedenheit bestreitst Hermann Weber, je mit Kopp. Simke, Rüben, Stahn verhandelt zu haben. Daß der hochprozen- tige Sprit in den Büchern al»„neutraler Sprit" eingetragen wurde, sei nur aus geschäftlichen Gründen geschehen. Daß die Nomen der Lieferanten nicht genannt wurden, sei ohne Bedeutung. E» wird festgestellt, daß die Namen Stahn und Kopp einmal in veränderter Form tn den Büchern genannt worden waren und daß im Dank- journal mehrfache Radierungen vorhanden sind. In der g« st r i g c» Verhandlung wurde in der Dauptsache ein Bestechungsfall erörtert, der Peters betrifft. �Er wurde nämlich im Jahr« 1320 von dem früheren Neichskommiffar einer Kriegswirtfchastsstell? und dem Generaldirektor der Vereinigten Aluminiumwerke A.-G. (Lautawerk) v. d. Porten, beaustragt. Ermittlungen gegen einen Prokuristen des Werkes anzustellen, da dieser in Verdacht stand, eine Suloatschlebung vorgenommen zu haben, durch die da, Werk und damit da» Reich um 20 OOO�Goldmark geschädigt worden war. Für die Wiedcrbeschassung der Summe war eine Belohnung von 10 Proz. zugesichert worden. Der Vater des Prokuristen erklärte sich bereit, die Summe zu zahlen: Peters zog für sich die 2000 M. B e l o h n u n g. ob, von denen er 1000 M. dem Kriminalassistenten Bosse, der an den Ermittlungen beteiligt war, gab, anstatt das ganze Geld, wie er es ordnungsgemäß hätte tun müsse», seiner vor- gesetzte» Behörde abzuführen. Es wird ibm auch vorgeworfen, daß er anstatt ein Strafverfahren gegen de» Prokuristen einzuleiten, die Sache auf dem Vergleichswege aus der Welt gcschasst habe. Insofern läuft die Annohme der 2000 M. auf eine Bestechung hinaus. Die Weiteroerhandkung findet heute statt. Ein Auto in die Luft geflogen. Durch einen Bergaserbrond explodierte heute vormittag kurz vor �11 Uhr in der Bismorckstraße in Charlnttenburg der Benzintank eine» Privatkrostwagens, so daß dieser in die Luft flog. Bor dem Hause Bismarckstraße 8« an der Ecke Sesenh-imer Straße befindet sich eine öffentliche Bcnzintonkstelle. Gegen Mll Uhr hielt an der Tankstelle ein Prioatkrastwogcn, um den-rschöpsten Benzin- oorrat zu ergänzen. Als nach dem Füllen der Chauffeur des Kraft- wagens den Motor ankurbeln wollte, entstand ein Dergoserbrand, der den Benzintank zur ErplwM»» brachte. Ein« ungeheure Stichflamme schlug heraus und traf den Kutscher eines gerade vorübersahrenden Eiswagens. Er erlitt Brand- wunden im Gesicht und an den Händen uud erhielt aus der nächsten Rettungsstelle die erste Hilse. Eine vorübergehende Frau wurde gleichfalls von der Flamme ersaßt, doch gelang es. sie noch rechtzeitig«or körperlichem Schaden zu bewahren. Der Chauffeur selbst, der vor dem Wagen stand, blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Die Fcuerwchr, die wenige Minuten später eintraf, konnte wenig zur Ablöschung tun. Bon großein Glück ist, daß der Tankapparat trotz der großen Hitzecnt- Wicklung, der er auezesetzt war, nicht explodierte. Aon dein Kraft- wagen ist nicht« weiter als ein rauchender Trürn in�r- hausen übriggeblieden. Der Herr öaron. Die armen Neinen ZNädchen. Mit einem schön klingenden Namen lockte ein neuer Schwindler viele junge Mädchen an, um sie gründlich auzzlibenten, bis er jetzt endlich sestgenomine» und entlarvt wurde. Ein angeblicher Baron von Einsiedel, ein kleines schmächtiges Männchen von 25 Jahren, dem das Geld stets fehlte, bcsnchte ständig bei schönem warmen Welter die Gruncwaldscen. Er machte sich an junge Damen heran, bei denen er etwas Geld vermutete. Ihnen erzählte er, daß er der„Sproß einer verarmten Adelsjamilic" joi. Sein Vater sei Grubendireklor geweselr, habe aber kein nennens« wertes Vermögen hinterlasse». Er selbst beziehe von einer Adels- stistung eine laufende Unterstützung, die aber auch nicht allzu hoch sei. Diese Verhältnisse waren ja nun nicht gerade sehr glänzend. aber der Name war für die jungen Mädchen so verführerisch, daß sie einen Heiratsantrag des„Barons" gern annahmen. In der Aussicht,„Frau B a r o» i n" zu werden, opferten sie ihm bereit- willig auch alles, was sie besaßen. Der Bräutigam ließ sich aus den gcmcinschattlichcn Slusflügcn nicht n»r freihalten, sondern borgte seine Bräute auch noch um bares Geld an. Auf seine Liebesbriefe, die glühend lauteten und ekenso glühend er- widert wurden, drückte er mit einem Stempel„sein Wappen" mit einer siebenzackigen Krone. Diese Krone stickten ihm mehrere Bräuta auf seinen Wunsch auch in ein Ziertalchentuch, das sie ihm widmeten, dazu seinen Wahlspruch.vjiii.vicki.rid",„respjee tinlm*. Daß darin einige i statt e standen, fiel nicht weiter aus. Wenn bei den Mädchen nichts mehr zu holen war, so ließ der junge Mann sie im Stich und wandte sich anderen zu. Ein Verwandter einer Braut schöpfte endlich Verdacht und unterrichtete die Kriminalpolizei. Diese ermittelte jetzt den Schwindler»nd entlarvte ih« als einen Schlosser Arthur H i l l> g. aus Rudolstadt, der früher schon unt�z den Name»„von Bötticher",„von Tresckow" Heiratsschwindel betrieben hat. Er war schon einmal nach seiner Heimat abgeschoben worden, aber wieder nach Berlin zurückgekehrt. Jetzt wurde er wieder nach Moabit gebracht. Mitteilungen van weiteren Betrogenen nimmt Kriininalkommifsar Dr. Wächter im Polizeipräsiidum entgegen. Tanzrhylhmen aus Welle 505. Einen Ueberbl'ck über die Ent- wicklung des Tanzes wollte das Dienstagabendkonzert des Berliner Senders bringen. Vis auf die Pavane, einen Tanz des 16. Jahr- Hunderts hatte man zurückgegriffen, und van den modernen Tänzen »och den Charlefta» in die Bartragsfolge einbezogen. Zu loben war es dabei, daß die Auswahl der älteren Tänze, trotzdem man sich auf eine recht kleine Anzahl beschränken muhte, sachlich geschickt und musikalisch ausgezeichnet war. Daß man es oorgczogen hatte, statt einer„echten" eine„unechte" Pavane zu bringen, die Leo Delibes, ein Kind des 16. Jahrhunderts komponierte, war aus musiktech- nischen Gründen recht günstig. Nicht ganz verständlich ist es aber. weshalb man den modernen Tänzen einen so sehr breiten Platz ein- räumte. Weniger als die Holste der hier gebotenen Tänze hätte völlig genügt und Zeit gespart für die Tanzkompofttionen«twa Beethovens»nd Schuberts, die so fehlen mußten. Bruno Seidler-Winkler mit dem Funkvrchester leistete wieder Bortresslichce. Aber wann wird der Berliner Rundfunk es einmal lernen, Elnsllhrungen in seine Darbictimgen zu geben, die wirklich imstande sind, den Hörern gerade, für die es am wichtigsten wäre, das Berständni» dosür zu erschließen?- Die Worte Alfred Schattmann» diesmal waren kaum mehr als eine freundliche Borstellung des Proaramms. Ein größerer Dachslublbrand kam heute nachmittag gegen 1 Uhr in dem Hause'Lehderstrahe 9 in Weißensee zum Ausbruch. Mehrere Züge der Wcißenseer und Berliner Feuerwehr eilten an die Brandstelle. Bei Redaktionsschluß dauert das Feuer noch an. Eröffnung de» Freibades Müggelsee. Am Sonnabend. 7. d. M., wird da» vollständig neu renovierte Freibad am großen Müggelsee eröffnet. Das Freibad ist auf herrlichen Waldungen von der Bahnstation Rahnsdorf in 10 Minnten zu erreichen. Der Eintrittspreis für Erwachten« bcträgt 10 Pf., Kinder zahlen S Vf. Neu Ist das Freibad-Restaurant, in dem gute Speisen und Ge» tränke aller Art zu mäßiaen Vreisen zu haben sein werden. Ferner befindet sich Im Freibad ein Milch-Pavillon der Molkerei Bolle, ein« Bäckerei und eine Fleischerei. Zlrkns Busch wird nicht neschlossen. Die Nachricht, daß der Zirkus Busch inlt Ende dieser Spiclzeit geschlossen werden soll, ent- spricht, wie wir von der Direktion des Zidiis Busch«rfcihrer, nicht de» Tatsachen Alljährlich schloß dieser Zirkus am 15. Mai seine Berliner Spicl'cit ab,>:m nach Hamburg über'-isiedeln und dann im Herbst in Berlin die neue Spielzeit zu eröffnen. Mich« Juni gedenkt dir Direttlon in Hoinburg mit der neuen Spielzeit zu be» ginnen. Entlassungen von Personal haben in ganz geringem Um» fang« sfnltgesunden: es sind aizs dem Schauspiclerperianol und au» dem Balletpirsonal nur nicht mehr verwendbare Kräfte nurge- schieden, die durch andere ergänzt werden sollen. Die artistischen Nummern weiden, wie überall, nur für einen Monat verpflichtet und ebenso werden die bei den Manegeschouspielen mitwirkenden Schauspielkräste nur sür die Dauer dieses Manegeichoilivteles enga- giert. Das übrige Personal, das Haus- und technische Personal, �die chausariisten usni. werden auch über die Vnuse hinaus bemhll. Im Herbst wird der Zirkus Busch in Berlin wie gewöhnlich wieder seine Spielzeit eröffnen. �_ �bflua See„nerge". Centngrad, 5. Mai.(WID.) Das Polschiff„N o r g e" ist heut« vormittag 9 Uhr 28 Minuten nach Spitzbergen abgeslogen. Schweres Autounglück bei Kassel. Drei Kraftwagen zertrümmert. Auf der Strecke Hann.-Münden fuhren nach einer Meldung au» Kassel im Nebel zwei kurz hintcreinonder fahrende, von Hann.« Münden nach Kassel laufende Auto? in einer Kurv« aus einen von Kassel kommen Krostwagen aus. Alle drei Autos wurde» zertrümmert. Einer der Fahrer wurde soiart getötet. Sieben weitere Personen wurden schwer verletzt. Zwei Tage vor» her hatte sich on der gleichen unübersichtlichen Stell« «in Krastwogenunglück dadurch ereignet, daß gleichfalls zwei Krast» wogen aufeinander fuhren, wobei cm Kasseler Bäckcrineiiter schwer. drei andere Mitfahrer leicht verletzt wurden. Hroß-Serlmer Partewachrichten. ».«dt. Ciannttlto«, den g Stai. adend, f, US», migitiflf Is»nltl»n!>r.»-rt,ini» lim« b»l»riiger.ann»n»«ih, aar de» SAuUiaf In Wildau. Reichstageprasid»»! stenasii Ltd- hält die Weid«,«»,. Kam der»annetawlh, Umzug durch den Ort mit Mus» nach Alnia-mast». Haasea.»as cht iahend tat»ahnhaiahatel»Sntgawustarhaasin zraßer Seftdatt GewerMostsbewegung Sehrens und Meper als Geldnehmer. Geldquellen der christlichen Landarteiter. Der Deutsche Lundarbeiterverband ließ kürzlich dem Gesamt- oerband der christlichen Gewerkschaften durch eine Pressenotiz wissen, daß sich gegen den deutsck) nationalen Zentral- verband der Landarbeiter neues Belastungs- Material angesammelt hat. Aus dem Material geht hervor, daß die Angestellten dieses Verbandes bis in die letzte Zeit hinein mit den landwirtschaftlichen Arbeitgeberoerbänden münd- lich und schriftlich in Verbindung standen und daß diese Ver- bände fortlaufend Zuschüsse an den Zentralverband leisteten. Der Gesamtverband ist über diese Mitteilung mit völligem Stillschweigen hinweggegangen. Er hat es auch unterlassen, den Deutschen Landarbeiterocrband um eine Einsichtnahme in das Material zu ersuchen. Ueber die Zweckmäßigkeit dieser Haltung läßt sich streiten. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund wäre sicherlich anders ver- fahren. Nachdem sie aber nun schon einmal gewählt ist, erscheint es an der Zeit, der Ocsfentlichkcit zu zeigen, um was es sich handelt. Für heute soll das durch die Wiedergabe eines Schreibens geschehen, das am 7. Juli 1925 aus dein Hauptbureau des Zentralocrbandes der Landarbeiter an den Direktor Schule im Landbundhaus i n Käthen gesandt wurde. Das Schreiben lautet: Berlin, den 7. Juli 1S2Z. Herrn Direktor Schule Käthen fAnhalt) Landbundhaus. Setzr geehrter Herr Direktor! Bezugnehmend auf unsere diesbezüglichen Vereinbarungen bitte ich Sie höflichst, dafür Sorge tragen zu wollen, daß d i e fälligen Beträge für Juni und Juli umgehend über- wiesen werden. Ferner wollen Sie gütigst veranlassen, daß die Gelder in Zukunft jeweils zum Monatsansang abgesandt werden, da wir auch alle Zahlungen im voraus leisten müssen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener (Unterschrift.) DRs Schreiben spricht für sich, so daß jeder Kommentar dazu überflüssig erscheint. Wir werden die Wirkung der Veröffentlichung abwarten und gegebenenfalls weiteres Material in den nächsten Tagen der Oefsentlichkeit zugänglich machen. Ein Kapitel zur Hauskrankenpflege. Der ZNagistrak drückt sich um die Verantwortung. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bedingen naturgemäß auch ein« größere Kranlheitsziffer. Die Berliner städtischen wie auch privaten Krankenhäuser sind mangels genügender Bettenzahl nicht in der Lag«, olle Kranken aufzunehmen. Ein großer Prozentsatz muß im Hause verbleiben und muß sich mit der mangelhaften Pflege seiner Angehörigen begnügen. Die Eharitasoerbände Berlins sind aus ver- fchiedenen Gründen nicht in der Lage, die Hauskrankenpfleg« voll zü erfüllen. Ihre Einrichtungen sind mangelhaft; sie sind vor allen Dingen auf Weltanschauung eingestellt. Das ist das Primäre bei diesen Verbänden. Aber wenn dies auch nicht der Fall wäre, sind immer noch zwei wichtige Punkte zu beachten, nämlich Mangel genügender Arbeitskräste und weiter Mangel genügender Mittel. Der llllagistrat ist auf die gegenwärtigen Mißstände wieder- bolt aufmerksam gemach» worden. Er hat sich veranlaßt gefühlt, am 17. März 1926 neben Vertretern der Charitasverbände auch Ver- treter der Berufsorganisationen des Krankenpflegepersonals zu einer Besprechung in dieser Angelegenheit zu laden. In dieser Sitzung kam die einheitliche Aussassung zum Ausdruck, daß dem Magistrat aus der gegenwärtigen Situation gegenüber den Kranken Pflichten erwachsen. Di« Vertreter des Magistrats erkannten dies natürlich an. Wie der Magistrat semen Pflichten nachkommen will, dafür ein Beispiel: Nach seiner Auffasiung sollen künftig die Charitasver- bände in erster Linie für die Bereitstellung von Arbeitskräften für die Hauskrankenpflege in Betracht gezogen werden. Sie sollen zu den Personen, die die Hauskrankenpfleg« ausüben, in eine Art Arbeitgeberverhältnis treten. Mit anderen Worten, die Einstellung?- und Entlassungsbedingungen sowie die Bezahlung der Krankenpflegepersonen werden von den Charitasverbänden geregelt. Wenn die Eharitasoerbände den übernommenen Pflichten nicht gerecht zu werden vermögen, so sollen die Berufsge- nossenschaften helfend eingreifen. Auch diese sollen zu den Pflegepersonen, die die Hauskrankenpfleg« üben, in eine Art Arbeit- geberoerhältnis treten. Es sollen dafür von den betreffenden Be- zirksämtern Pauschalbeträge gezahlt werden. Di« Ver- rechnung soll in jedem einzelnen Fall nach Schluß der Hauskranken- pflege mit dem Bezirksamt und dem Verband« erfolgen. Aus diesem Borschlag ergibt sich, daß es beim alten bleiben soll. Einmal deswegen, weil die Eharitasoerbände in Rücksicht auf ihre Weltanschauung nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung werden stellen können und weiter deswegen, weil man den Berufsorganisationen nicht zumuten kann, mit dem zu ver- mittelnden Hauskrankenpslegepersonal in ein« Art Arbeitgeberoer- hältnis einzutreten, das für die Verbände nicht ohne Risiko bleiben würde. Demgegenüber ist nur«ins möglich, nämlich, daß den einzelnen Gesundheitsämtern aufgegeben wird, die Anzahl der Haus- kranken in ihrem Bezirk festzustellen. Entsprechend dieser Feststellung können sie Arbeitskräfte dann beim städtischen Fachnachweis für die Hauskrankenpflege beziehen. Der Fachnachweis ist zur Vermittlung einer entsprechenden Zahl von Hauskrankenpflegepersonen jederzeit in der Lage. Die Bezirksämter müssen selbstverständlich Arbeit- geber sein und haben somit auch die Auszahlung an die Hanspkranken» Pflegepersonen direkt zu leisten. Die Rechte und Pflichten der Pflege- Personen können Mischen dem Magistrat und den Berufsorganifa- Aon« besonders geregelt werken. Dieser Lorschlag ist gegenüber dem vom Magistrat gemachten weniger umständlich. Er bietet weiler die Gewähr dafür, daß Hauskrank«, die keiner christlichen Wellanschauung huldigen, nicht ohne Krankenpflege bleiben. Das Hauptgcfundheitsamt verwirst aber diesen Vorschlag in Rücksicht auf die Mehrarbeit und die. angebliche geldliche Mehrbelastung, die er zur Folge haben würde. Setzt sich das Hauptgesundhsitsamt mit seiner Auffassung durch, so erleben wir auf dem Gebiete der Hauskrankenpflege noch üble Erscheinungen. Es wird notwendig sein, daß unsere Parteigenossen im Rathaus den Magistrat auf seine Pflichten der kranken Bcvölre- rung gegenüber aufs deutlichste aufmerksam und ihm klar machen, daß es nicht angehen kann, diese Frag« nur nebenher zu behandeln. Denn sie ist im Interesse der Berliner Bevölkerung von eminentem Wert. 5ort mit der Technijchen Nothilfe. Eine Antwort der Hauptstelle. Zu dem in Nr. 202 des„Vorwärts" veröffentlichten Artikel schickt uns die Hauptstclle der Technischen Nothilfe folgende Er- widerung: „Für die Frage der Notwendigkeit der TN. kann nicht allein der Gesichtspunkt entscheidend sein, in welchem Umfange ihre Ein- ietzung notwendig war. Bei den Etatsberatungen im Reichstag wurde bereits von der Regierung der durch die Mehrheit gebilligte Standpunkt vertreten, daß gegenwärtig der Zeilpunkt für eine völlige Beseitigung noch nicht gekommen sei. Die TM sei eine Vorsichts- Maßregel, eine prophylaktische Maßnahme. Man könne nicht aus der Zahl der Einsäge auf chre Notwendigkeit schließen. Es wurde vergleichsweise darauf hingewiesen, daß man die Notwendig- keit der Polizei nicht mit der Zahl der Festnahmen, die Notwendig- keit der Feuerwehr nicht mit der Zahl der Brandfälle begründen könne. Ahnlich liege es bei der TN. Ihr Vorhandensein allein hat oft genügt, daß die Notstandsarbeiten von der Arbeiterschaft ausgesührt und dadurch eine Einsetzung der TN. nicht nötig wurde. Der Rückgang der Einsatztätigkeit erklärt sich ganz einfach damit, daß Arbeitsniederlegungen in lebenswichtigen Betrieben in der letz- ten Zeit deshalb kaum zu verzeichnen waren, weil von Arbeits- kämpfen infolge der großen Arbeitslosigkeit abgesehen wurde. Behauptungen» es bestehe eine„klingende Verbindung" zwischen TN. und Unternehmerorganisationen, entsprechen nicht den Tatsachen. Die TN. arbeitet vielmehr nur mit den ihr zur Verfügung gestellten Reichsmitteln. Private Geldquellen werden von ihr nicht bean- sprucht. Auch davon kann keine Rede sein, daß die TN. für ihre Abge- bauten neue Wirkungsgebiete suche. Die Werbung von Nothelsern, ihre Ausbildung, die«Schulung der Führer sind für die von der TN. verlangten Gewähr der Einsatzbereitschaft unentbehrliche Maß- nahmen. Es sind dies Aufgaben, wie sie in ähnlicher Weife bei jeder Organisation, gleich welcher Art sie sind, anfallen. Die praktische Einsatztütigkeit vollzieht sich aus Grund der zu- ständigen Richtlinien. Vorbedingung für jeden Einsag ist nicht ein ausdruckliches Verlangen der Unternehmer, sondern die auf Grund eines festgestellten öffentlichsn Notstandes erfolgte Anforderung der zuständigen Verwaltungsbehörde. Ist diese Vorbedingung nicht er- füllt, dann findet ei» Einsatz nicht statt. Es liegen Fälle vor, wo von den Arbeitgebern beantragte Einsätze von der TN. oder von der Verwaltungsbehörde obgelehm wurden. Die TN. kann daher als eine im Dienste der Unternehmer stehende Streikbrecherorganisation nicht angesprochen werden, sondern ist eine durchaus neutrale und überparteiliche Organisation, deren Tätigkeit der Aufsicht des Reichs unterliegt." Wir müssen schon sagen, daß diese Antwort keine Antwort ist. Wir haben ganz bestimmte, mit Namen und Daten belegte Tatsachen angeführt. Die Hauptstelle der Technischen Nothilfe oermeidet ängst- lich, darauf einzugehen. Sie drückt sich mit allgemeinen Redens- arten darum herum. Sie weiß, warum. So wenig wie wir vor dem Kriege eine Technische Nothilse brauchten, so wenig brauchen wir sie heute. Der mühselige Vergleich mit der Feuerwehr und der Polizei ist so lächerlich und aufgeblasen, daß sich eine Erwiderung erübrigt._ Die ,Rote Jahne" verleumdet. In der Schuttabladestelle„Aus den Betrieben" veröffentlichte die „Rote Fahne" am 23. April eine Zuschrift, die sich mit den Zu- ständen in der Hutsabrik Siegfried Bock. Lichtenberg, Frankfurter Allee 135, beschäftigte, in Wirklichkeit sich jedoch gegen den Betriebs- rat und dessen Vorsitzenden, Genossen Kahl, wandte, der zugleich Vorsitzender der Zahlstell« des Hutarbeiterverbandes ist. Darauf schickt« Genosse Kahl unter Berufung auf dos Preßgesetz folgende Berichtigung, die die„Rote Fahne" bis heute nicht veröffentlicht hat: „Es sst nicht richtig, wenn bekauptet wird, der Arbeiterschaft wäre ihr Lohn teelösfelweise gezahlt worden. Richtig ist, die Ar- beiterschast hat ihren Lohn regelmäßig erhalten. Bei einigen Lohnzahlungen ist es vorgekommen, daß der Lohn in zwei Raten am fälligen Freitag und der Rest am nächstfolgenden Tag«, Sonnabend, restlos gezahlt wurde. In Zeiten der schlechten Beschäftigung ist die Firma der Arbeiterschaft mit Vorschuß- Zahlungen entgegengekommen, die zum Teil heute noch nicht zurückgezahlt sind., Es ist nicht richtig, daß der Betriebsrat im vorigen Jahre die Arbeiterschaft aufgefordert hat. Stunden zu arbeiten, vielmehr ist richtig, daß Ueberstunden auf Grund tariflicher Ver- «inbarung(Arbeitszeitabkommen) geleistet wurden, und m i t 25 Proz. Zuschlag bezahlt worden sind; genau wie in anderen Betrieben der Woll- und Haorhutbranche. Die Einrichtungen des Betriebes entsprechen den gewerbepoli- zeirtchen Vorschriften. Die Belegschaft bringt zum Ausdruck, daß sie sich mit dem Artikelschreiber nicht identifiziert und die unrichtigen Behauptungen als einen Akt der persönlichen Gehässigkeit ansieht. Die Vertretung der gesamten Belegschast bittet hiermit ergebenst zur Richtigstellung der unrichtigen Angaben um Aufnahme vorstehender Bericht!. gungen." Da uns wiederholt Klagen von angegriffenen Gewerkschaftlern über die„Rote Fahne" zugingen wegen der Unterschlagung von Berichtigungen, empfehlen wir in Zukunft, das Blatt eventuell ge- richtlich zu zwingen, feine Verleumdungen zurückzunehmen. WirtslHaft Der Sohlenverbrauch Berlins. Ein welch riesiger Verbrauchsplatz eine Großstadt klt, zeigen auch die Mengen, die Berlin an Kohlen in einem Jahre verbraucht. So gelangten im Jahre lS25 3 555 588 Tonnen Stein- kohlen einschließlich Koks und Steinkohlenbriketts nach Berlin, zu« züglich 2 246 171 Tonnen Braunkohlen und Braunkohlenbriketts, was eine Gesamtzahl von rund 6 Millionen Tonnen ausmacht. Damit ist der Friedensverbrauch bereits überjchritten. Gegenüber dem Borjahre ist eine Zunahme von über einer halben Million Tonnen zu verzeichnen. Im Pergleich zu den Friedens- zahlen muß man in Rechnung stellen, daß infolge der inzwischen wesentlich oerbesserten Heiztechnik eine bessere Aus- Nutzung der Kohle ermöglicht worden ist, und außerdem muß in Bc- tracht gezogen werden, daß feit 1918 elektrischer Strom über die Fernleitungen nach Berlin gelangt. Um welche erheblichen Mengen von elektrischer Energie es sich hierbei handelt, kann man daraus ersehen, daß allein im Jahre 1925 von den Elektrowerken 494 Millionen Kilowattstunden nach Berlin geliefert wurden. Bemerkenswert ist es im Vergleich zu den Vor- kriegsjahren, daß der Steinkohlenbezug nachgelassen, während der Braunkohlenbezug sich verstärkt hat. Auch sind nach der Herkunst nicht unwesentliche Veränderungen eingetreten. So hat sich der Ver- brauch an englischer Kohle, der 1913 fast die Hälfte des Berliner Kohlenoerbrauchs ausmachte, nachdem er während des Krieges naturgemäß ausgeblieben ist, seit der Stabilisierung der deutschen Währung stark erhöht. 1925 sind aus England rund 699 999 Tonnen Kohle eingeführt worden. 1913 waren es rund 1,6 Millionen Tonnen. Aus W e st f a l e n hat Berlin rund 829 999 Tonnen Steinkohle bezogen und aus Deutsch-Ober- f ch l e s i e n rund 1,5 Millionen Tonnen. Die in Berlin oerbrauch- ten Braunkohlenbriketts kommen zum größten Teil aus dem Nied er lausitzer Revier. Hirsch, Kupfer- und Messlngwerke-A.-G., Berlin. Das große Berliner Kupfer- und Messingwerk, das noch im Vorjahre sehr stark verschuldet war und infolgedessen die Hüttenwerke C. Wilhelm Kayser, Berlin, wieder abstoßen mußte, hat 1925 seine Finanz» läge bedeutend verbessert. Die Bilanz von 1924 wies, noch offene Schulden im Betrage von 22,19 Millionen aus, die Ende 1925 auf knapp 13 Millionen reduziert worden sind. Wenn auf der anderen Seite auch die Außenstände bederckend verringert sind und auch jetzt noch die eigenen Wertpapier« und die Vorrate zum Aus- gleich der laufenden Verpflichiungen herangezogen werden müssen. so werden jetzt doch für annähernd 19 Millionen Mark laufende Zinsen erspart. Der Betriebsüberschuß wird niedriger ausge- wiesen als im Vorjahre, mit 6,65 gegen 7,43 Millionen. Mindestens um die zurückgezahlten Schulden muß �r aber höher gewesen sein, so daß zweifellos 1925 sehr viel verdient worden ist. Bei den Generalkosten, die mit 4,43 Millionen um 1,7 Millionen niedriger sind als 1924, werden die Zinsersparnisse deutlich sichtbar. Die Rück- zahlung der Schulden hat offenbar ohne Umsatzverluste zu ge- ringeren Kosten geführt, so daß die Gewinne steigen konnten. Dieser Akt finanzieller Rationalisierung dürfte noch höher anzuschlagen sein als die technische Rationalisierung, die in der endgültigen Vereinigung der Produktion in Eberswalde und Jlfenburg ihren Ausdruck fand. Als Reingewinn wird ein Betrag von 874 999 M. ausgewiesen, der wie der Rohüberschuß um die erfolgte Schuldentllgung natürlich höher zu denken ist. Im Gegensatz zum ZZorjahr, wo um des guten Eindrucks willen eine 6prozentige Dividende verteilt wurde, erfolgt in diesem Jahr« kein« Dividendenausschüttung. Di« Belegschaften, die durch die Stillegung der Werk« in Reinickendorf und Neukölln bisher schon die Hauptkosten der Rationalisierung zu tragen hatten, werden aber gut tun, sich das nicht als Zeichen der Schwäche auslegen zu lassen. Es ist ein Zeichen der Stärk«: die Gewinn« werden aufgespeichert.— Nach den Mitteilungen der Generalversammlung sst die Gesellschaft sowohl auf dem Messingwerk Eberswalde, als auch auf dem Kupfer- werk Jlfenburg gut beschäftigt. Das Messingwerk Eberswalde arbeite zurzeit mit 75 Proz. der Höchstleistung, das Kupferwerk Jlfenburg sogar mit noch etwas höherer Ausnutzung. Allerdings sst dabei zu berücksichtigen, daß die Messingwerke Reinickendorf und Neukölln stilliegen. In der Zahlungsweis« sei eine Besserung fest- zustellen. Es würden heute drei Viertel der Aufträg« bar bezahlt und nur für ein Viertel Wechsel gegeben. Die Aschlnger-Anleihe über acht Millionen Mark, über die wir bereits kürzlich belichteten, wird in der Zeit vom 5. bis 12. Mai zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Der Zeichnungskurs ist auf 95% Proz. festgesetzt worden, der Zinssatz ist 8 Proz., so daß sich die eigentliche Rente für den Zeichner auf nahezu 8�> Proz. errechnet. Die Anleihe ist auf fünf große in Berlin gelegene Grundstücke hypo- thekarisch sichergeste�li. Die Tilgung kann vor dem 1. Mai 1931 nur zum Kurse von 192 Proz. erfolgen, von da ob bis 1959 zu pari. Die Aschinger-Gesellschaft bezissert ihre Dividende für das vergangene Geschäftsjahr ebenso hoch wie im Porjahr, nämlich 12 Proz. Zusammenschluß in der Tabakindustrie. In der Münchener Tabakindustrie hat sich ein bemerkenswerter Zusammen- schluß vollzogen, und zwar durch Fusion der Privatfirma Carl Philip Ww. und der staallichen Produktionsfirma der Oester- reichischen Tabakregie in München zu der Austria Tabak G. m. b. H. In diese Fusion eingeschlossen wurde auch die Zigarettenfabrik P e r u s a, die bisher dem Älleininhaber der erst- genannten Privatfirma, dem politisch sehr betriebsamen Geh. Kom- merzienrat Zentz gehörte. Das Gcfamtkapital der neuen Gesellschaft beträgt 4 Millionen Mark. Die Ursache der Fusion ist der immer schärfer einsetzende Konkurrenzkampf innerhalb des deutschen Tabakgewerbes, ferner das Bestreben, die doppelte Umsatzbesteuerung zu oermeiden und schließlich der Zweck. die Fabrikation zu vereinheitlichen und eine Art Typisieruna der Fabrikate des österreichischen Tabakmonopols in Deutschland sicher. zustellen. Berantwortlick, für Politik! Rickm-d«ernstein: Wirttibaft:»'tnr«nteen»,! Sewerkslbattsbewenun«: Friedr.«ttknr»! geuilleton: 4».«. Döscher: Lokale» und Eonitiae, ffti« N-rltädt: Anreiaen: Ib. Glocke: sitmtlick in Berlin. Lerlaa: LorwSrt»-VerIaa