Abendausgabe Nr. 211 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 104 Bezugsbedingungen und Anzeigenvretfo Find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Donnerstag 6. Mai 1926 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszett 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 63, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Luther in der Krise. Scharfe Kampfansage der demokratischen und Zentrumspresse gegen den Reichskanzler. Folgen der Flaggenverordnung: Regierungskrise. Die Regierung der schwarzweißroten Flaggenverordnung wiesen. Hoffentlich zieht die Reichsregierung daraus die Lehre, daß st unmöglich. Sie hat keine Mehrheit im Parlament. Sie hat die Mehrheit der Regierungsfoalition gegen sich. Zwei Regierungsparteien, das Zentrum und die Demokraten, richten in ihrer Presse Angriffe gegen den Chef der eigenen Regierung von einer Schärfe und Erbitterung, wie sie sonst nur die Preffe einer erbitterten Opposition zeigt. Die Regierung hat leichtfertig eine Krise heraufbeschworen. Die Folgen ihres Tuns find am besten dadurch gefennzeichnet, daß die extrem- nationalistischen Schwarzweißroten darin eine Systemtrise des Parlamentarismus, Etappe auf dem Weg zur Rechtsrichtung fehen. Die unmögliche Regierung Luther ist in der Krife. Rühl versichert der Lokalanzeiger": die von ihr häufiger beliebte methode der Ueber. raschungen doch nicht immer die richtige ist und zu Schwierigkeiten führen kann, die bei rechtzeitiger und engerer Füh| lungnahme mit den Regierungsparteien vermieden werden könnten. Das hat sich ja schon gezeigt, als vor Monaten der demokratische Finanzminister das Parlament mit der Ankündigung feiner Steuerreformen überraschte. Das parlamentarische Regierungssystem verlangt nun einmal die ständige enge Fühlungnahme zwischen der Regierung und den Parteien. " eine Wenn Herr Luther vor den Reichstag tritt, um sich zu verteidigen, wird man sehen, welche Konsequenzen die Demokraten und das Zentrum aus der Brüstierung des Reichstags durch Herrn Luther, und aus ihren eigenen Kampfrufen gegen den Chef der Regierung ziehen. Sozialdemokratische Interpellation. Die Interpellation der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, die von der Regierung Rechenschaft über die Flaggenverordnung fordert, wird heute im Laufe des Tages im Reichstag eingebracht werden. Nationalistische Göhendämmerung! in der Wiederaufrollung der Flaggenstreitfrage zum nationalistischen Fluidum umdestilliert. Herr Stresemann scheint schlecht beraten zu sein von den deutschen Auslandsmissionen, wenn er an eine fünftige Einheitsfront der Auslandsdeutschen glaubt. Er möge sich aus dem Archiv feines Auswärtigen Amtes nur mal die Akten geben laffen über den Skandalfall der Einweihung des deutschen Kriegerdenkmals auf dem deutschen Friedhof in Buenos Aires. Aber vielleicht ist auch dieser Bericht, wie so mancher andere, umfrisiert" worden. So seien dem Herrn Außenminister von Augenzeugen die standalösen Borgänge der deutschen Einheitsfront im Ausland" wie sie bei der Einweihung des deutschen Kriegerdenkmals in Buenos Aires 1920 zum Gaudium der mitanwesenden Argentiner und Deutschargentiner sich zutrugen, ins Gedächtnis zurüdgerufen. Schon die Einladungskarten zur Teilnahme an den Einweihungsfeierlichkeiten waren eine ProDozierung der deutschen Staatsform seit 1918. Sämtlich waren sie mit Kaiserkrone und schwarzweißroter Umranbung in auffälligster Form versehen. Der deutsche Gesandte in Buenos Aires, Dr. Pauly( Bonner Borusse), tat, was er tun mußte; mehr repräsentativ, als mit dem Herzen, schickte er zur Teilnahme an den Einweihungsfeierlichkeiten einen Gesandschaftsrat mit großen Lorbeerfranz, gefchmidt mit großer fch marzrot. platz einnehmen sollte. Sollte! Denn der Gesandschaftsrat ist wohl bis zum Denkmal gekommen, aber nicht der Kranz. Die Buenos Aireser Auslandsdeutschen standen in schönster Einheitsfront ausgerichtet vor dem Portal des Friedhofs und wie den Stier das rote Tuch! so pacte diese auslandsdeutschen Einheitsfrontkämpfer die Wut, der vom Gesandtschaftsrat im Auftrage der Gesandtschaft gewidmete Lorbeerfranz mit schwarzrotgoldener Schleife wurde von den empörten" Einheitsfrontmannen ge padt und alles in tausend Stüde zerrissen, vor dem Portal des deutschen Friedhofs zerstreut zur höheren Ehre Deutschlands natürlich! Versteht sich! Zu welchem Zwecke denn sonst? Genügt Ihnen das, Herr Stresemann? Dieses kleine, leider aber nur zu wahre Momentbild von der„ Einheitsfront der Auslandsdeutschen." Ein Beitrag eines republikanischen Auslandsdeutschen goldner Schleife, der am Fuße des Dentmais den Ehrenzur Flaggenfrage. Man muß annehmen, daß die verantwortlichen Männer, die an der Spitze des Reiches stehen, fich der politi. schen und parlamentarischen Folgen des gestrigen Entschlusses Doll bewußt gewesen sind, zumal ja. die Herren vom Zentrum, von den Demokraten und von den Sozial demokraten es an der gehörigen Auftlärung zur rechten Zeit nicht fehlen ließen. Wir sind damit unversehens wieder einmal in eine schwere Regierungstrife hineingeraten." Das Berliner Tageblatt" fündigt die Möglichteit eines Rückzuges der Demokraten aus der Regierung an: ,, Wir stehen also vor der Tatsache, daß eine wichtige Regierungsmaßnahme von zwei Regierungsparteien, hinter denen mehr als die Hälfte der Regierungsfoalition steht, einmütig in der dentbar schärfften Form gemißbilligt und ver. Die Nationalsozialisten wittern Morgenluft! Nicht genug damit, worfen wird. Es ist damit über Nacht eine Regierungstrije ent- daß der Reichskanzler, Herr Luther, kürzlich den Eltern des standen, und zwar in einer Frage, deren Aufwerfung in diesem Augen- Ruhrkampffabotageafteurs Schlageter ein Telegramm schickte, blid völlig sinnlos und überflüssig war. das alle Republikaner aufhorchen ließ wer hat wohl jemals in der großen Deffentlichkeit etwas davon erfahren, daß das pracht rolle Denkmal des im Anfang des Krieges gefallenen sozialistischen Reichstagsabgeordneten Dr. Frant- Mannheim seinerzeit ebenso wie jetzt das Schlageter- Grabmal von Bubenhänden besudelt wurde und fein Reichstanzler an die Hinterbliebenen Franks telegraphierte! hat jetzt sein spiritus rector, Herr Stresemann, den Locarno- Geist Die demokratische Frattion steht jetzt vor der Frage, ob sie es noch weiter verantworten fann, mit ihrer Billigung die demokratischen Minister im Reichstabinett zu belassen. Vor der Entscheidung dieser Frage wird sie vorausfichtlich mit dem Parteivorstand, der Montag in Berlin zu fammentritt, und mit dem Partei ausschuß, dessen Einberufung bevorsteht, Fühlung nehmen. Wir geben im übrigen fein Geheimnis preis, wenn wir darauf hinweisen, daß in der bemokratischen Reichs tagsfraktion eine äußerst starte mißstimmung gegenüber der Regierung zum Ausdrud gekommen und einstimmig die Ansicht vertreten worden ist, daß die Verantwortung für diese Art der Geschäftsführung nicht länger getragen werden kann." Die Germania" schlägt überaus drohende Töne gegen den Reichskanzler Luther an und erklärt ihm den Kampf: „ Das Bertrauen des 3entrums zu dem Reichs. tanzler Luther hat einen Stoß erhalten, der nicht ohne Einfluß bleiben fann auf das Verhältnis der Partei zu dem gegenwärtigen Chef der Regierung. Das deutsche Bolt hat sieben Jahre lang in einem Irrtum gelebt. Sieben Jahre lang hat es sich eingebildet, unter parlamenta rischem Regime zu leben. Reichskanzler Luther ist gerade dabei, dem deutschen Bolte zu zeigen, daß wir nach wie vor unter dem Regime der Geheimräte leben. Wir bestreiten auch ernstlich die Verfaffungsmäßig. feit der Verordnung. Das Ganze ist nichts als eine Kraftprobe auf die Cammesgeduld des Zentrums. Die erste vorläufige Antwort hat die Fraktion dem Herrn Reichskanzler gestern in würdiger Form erteilt. Wenn unsere Parteien sich die ihnen widerfahrene Behandlung gefallen lassen, so verdienen sie fein befferes Los, als das von Statisten bei den Regiekünften des Herrn Reichskanzlers Luther, dieses Fachmannes", wie er im Buche steht haben aber unsere Parteien auch nur einen unten eigenen Willens und nur einen Funten politischen Gefühls, auf dessen Manto Herr Luther sich soviel zugute tut, so werden sie merfen, um was der Etreit tobt und werden die Konsequenzen aus dieser Er. fenntnis ziehen. Sie werden den ihnen hingeschleuderten Fehdehandschuh aufheben und den„ Kampf mit dem Fachmann" nicht fcheuen. In einem Lande mit politischer Tradition wäre die Entfcheidung feinen Augenblid zweifelhaft. Herr Luther fann viel, er fann auch fallen." Das ist der offene Kampfruf: Luther muß fort! Selbst der Pressedienst der Deutschen Boltspartei beschwert sich über die von Luther häufig beliebte Methode der Ueberraschungen: Manche Aufregung wäre allerdings vermieden worden, wenn die Reichsregierung sich nicht auf die einmütige Zustimmung der Bertrauensmänner der Parteien im Kabinett beschränkt, sondern enge Fühlung mit den Frattionen felbft aufgenom men hätte, um sie rechtzeitig über die wirkliche Bedeutung der Verordmung zu informieren. Der Schluß, daß auch die Fraktionen ausnahmslos denselben Standpunkt einnehmen würden, wie die Don ihnen ins Kabinett gesandten Minister, hat sich, wie die Kritik her Demokratischen Partei und des Zentrums zeigt, als irrig erEin Auslandsdeutscher teilt uns folgende Erfahrungen aus Buenos Aires mit: Cru Streikdebatte im Unterhaus. Keine Aenderung der Kampflage. London, 6. Mai.( WTB.) In der Debatte über die von der Regierung eingebrachte Gesegesvorlage über das Aus. nahmerecht erklärte der Innenminister, die Regierung hoffe, daß es nicht notwendig sein werde, die Bollmachten über einen Monat hinaus zu verlängern. Der Arbeiterführer Henderson erklärte, die Gewer?= fchaftsführer scien für den Abbruch der Verhandlungen nicht verantwortlich. Er selbst sei über die Lage ebenso beunruhigt wie jeder andere. Er habe danach gestrebt, die Katastrophe möglichst zu vermeiden, und trete dafür ein, daß sogar jetzt noch das Haus neue Anstrengungen machen möchte, um zu sehen, ob man nicht wieder an dem Punkte beginnen fönnte, an dem man Montag nacht war. Man solle versuchen, eine Formel zu finden. Lloyd George erklärte: Die Liberalen hielten die Berordnungen unter den augenblicklichen Verhältnissen für not. wendig, und würden sich ihnen nicht widersetzen. Die Regierung habe bei den Schritten, die sie jetzt unternehme, den größten Teil der öffentlichen Meinung hinter sich. Der Arbeiterführer Thomas hob hervor, daß es sich nicht um eine gegen die Regierung gerichtete Herausforderung handele. Der Generalrat des Gewerkschaftstongreffes hat Anweisung ergehen lassen, daß jeder, der zum Ungehorsam oder zur Meuterei der Truppen oder der Marine aufreize, abgewiesen werden soll. Denn er wünsche diese Aktion zu einem industriellen Streit und zu nichts anderem zu machen. Der Arbeiterführer Hayden- Guems trat für Berhandlungen ein. Er äußerte die Befürchtung, daß irgendeine übereilte oder unüberlegte Aktion von Higlöpfen eine Katastrophe herbei. führen fönnte. Der Generalsekretär der Bereinigten Berbände der Lokomotiv. maschinisten, Bromley, gab zu, daß, wenn alle Hilfsquellen der Regierung gegen die Arbeiter angewendet würden, diese not wendigerweise besiegt werden würden. Aber dies würde in den nächsten Wochen noch nicht der Fall sein. Er ersuche das Haus, die furchtbaren Schäden zu erwägen, die dem Staate dadurch zugefügt werden würden. Der Redner zollte schließ lich dem Bremierminister für seine Bemühungen zur Erhaltung des Friedens Anerkennung. Sir E. Cliffe erklärte im Namen der Direttoren einer Gruppe Don Zeitungen mit einer Auflage von mehr als, 10 Millionen Exemplaren möchentlich, er sei bereit, in jeder Ausgabe zwei Spalten solcher Mitteilungen zu veröffentlichen, die von der Arbeiterpartei geliefert würden. Er behielt sich das Recht vor, diese zu kommentieren. Der gelieferte Stoff dürfe allerdings nicht gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen. Das Parlamentsmitglied D. Connon fagte, das Haus folle das Motto beherzigen: 3urüd vom Schlachtfeld in das Beratungszimmer. Das Ende dieses Kampfes würde dasselbe sein wie das des Weltkrieges, wo auch Sieger und Besiegte schließlich hatten einsehen müssen, daß sie alle Besiegte waren. Die Würde irgendeines Mannes bedeute nichts gegenüber der Katastrophe, der das Land gegenüberstehe. Im weiteren Verlauf der Debatte folgte eine längere Auseinandersetzung über die genauen Gründe des Abbruches dec Berhandlungen am Sonntag abend, aus der hervorging, mit welchem Ernst alle Beteiligten bei den Verhandlungen eine Lösung des augenblicklichen Konfliktes zu erreichen versucht hatten. An der Debatte beteiligten sich auch Thomas und Macdonald. Macdonald richtete an das Haus die Frage: Rann man nicht etwas tun?" und fuhr fort: Will das Haus nicht den Willen und die Vernunft zeigen und prüfen, ob wir diese Frage nicht regeln fönnen? Er spreche allerdings nicht für den Gewerkschaftsfongreß, sondern nur für sich selbst. Er habe keinen seiner Freunde zu Rate gezogen. Er erkenne aber, was die Folgen sein werden, wenn die Lage so fortdauere. Wenn er eine Zurüdweisung erfahren sollte, so habe er sein Bestes getan und niemand werde ihm einen Vorwurf machen können. Premierminister Baldwin, der nach Macdonald das Wort ergriff, erklärte u. a., teine Regierung fönne unter irgendwelchen Umständen je einem Generalstreit nachgeben. In dem Augenblid, wo der Generalftteit bedingungslos abgesagt werde, sei die Regierung bereit, die Ber handlungen wieder aufzunehmen, die, wie sie hoffe, zu einem erfolg reichen Ergebnis führen würden. Am Schluß der Unterhausdebatte ergriff Premierminister Baldwin nochmals das Wort und sagte, bevor der Generalstreit aus dem Wege geräumt sei. sei jeder Fortschritt unmöglich, und zwar vollständig unmöglich. Auch im Oberhaus fand eine Erörterung über die Notvollmachten der Regierung statt, Zweieinhalb bis drei Millionen Streikende. Condon, 6. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der„ British Worter" gibt die Zahl der Streifenden mit 2½ bis 3 Millionen an, Die Regierung für Schutz der Streikbrecher. Eine amtliche Erklärung. Hamburg exportiert deutsche Kohle. Hamburg, 6. Mai.( WTB.) In steigendem Maße spürt auch der Hamburger Hafen die Ausmirfungen des englischen Streifs. Die ausländischen Kohlendepots, die die Bunkerung der Schiffe besorgen, sehen sich nach deutscher Kohle um. Die dirette Rohlenzufuhr von England, die gegenwärtig 4 bis 6 Dampfer täglich besorgten, ist eingestellt. Herr Staatsanwalt! London, 6. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der britische Berg. arbeiterverband hat ein Manifest erlassen, in dem betont wird, daß der Angriff auf die Bergarbeiter nicht nur diesen, sondern allen anderen Arbeitern des Landes und der gesamten britischen Gewerkschaftsbewegung gegolten habe. Die Unterstützung, die die Bergarbeiter gefunden haben, gebe ihnen die Gewißheit, daß die Sache der Arbeiterschaft erfolgreich sei. Die regierungsoffizielle British Gazette" vom Donnerstag veröffentlicht eine Erklärung, daß die britische Regierung feinerlei Wo bleibt das Vorgehen gegen Wulle, Kube, Ahlemann? zufünftigen Beilegung des gegenwärtigen Konfliktes ihre ZuDie gestrige Aussage des Grütte Lehder vor dem preußistimmung erteilen werde, die nicht die in Arbeit verbliebenen Arbeitschen Untersuchungsausschuh bedeutet für die völlischen Führer nehmer vor einer zufünftigen gewerkschaftlichen Maß= Wulle, Kube und Ahlemann die glatte moralische Kataregelung wirfiam schüßte. In Gewerkschaftstreifen verstrophe. Die Rechtspresse ist denn auch so tonfterniert, daß sie ihren tritt man die Auffassung, daß diese Erklärung der Regierung unter Lesern kaum andeutungsweise den Inhalt der Aussage vorzusetzen Umständen einen entscheidenden hemm schuh für die künftige Bei- wagt. Die„ Kreuz- Zeitung" schweigt in allen Tonarten. Aus der legung des Konfliktes bilden wird. völlisch- nationalen Deutschen Zeitung" erfährt man nichts weiter, als daß Grütte- Lehder so schnell gesprochen habe, daß ihn der Vorsitzende ermahnt, langsamer zu sprechen. Das scheint allerdings das wichtigste an dieser Aussage gewesen zu sein! Der Vorwärts" in England. In der„ B. 3." erzählt Herr G. Kauder, der von seiner Zeitung als Sonderberichterstatter nach England entsandt ist, von seiner Reise dahin folgendes: In Folkestone werden die 21 Passagiere in ein scharfes Baß. verhör genommen. Der Paß allein genügt nicht. Man muß Rede und Antwort stehen. Es geht durch alle Höflichkeiten und Liebeswürdigkeiten wieder etwas Kriegspsychose. Als ich 1920 zum ersten Male nach dem Kriege wieder nach England fam, fragte man mich im Hafen geradezu, ob ich zu Spionagezwecken tomme. Diesmal fragte man mich, ob ich vielleicht auch für den Vorwärts" arbeite. Der Vorwärts" ist in England ständig durch den Korrefpondenten des„ Soz. Pressedienstes", Gen. Dr. E. Bertheimer, vertreten. Aus Anlaß des Streifs ist unser Redationsmitglied Gen. Bittor Schiff am 3. Mai nach London abgereift und hat dort, wie unsere Lefer aus dem heutigen Morgenblatt ersehen, seine Arbeit bereits aufgenommen: Von Schwierigkeiten, die die britischen Behörden der Tätigkeit unserer Mitarbeiter in den Weg gelegt hätten, ist uns nicht das geringste bekannt. Gewerkschaftlicher Aufruf an die Streifenden. London, 5. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Generalrat der Gewerkschaften richtet in seinem ersten offiziellen Streitbulletin eine Botschaft an die Arbeiterschaft, in der er betont, baß es sich um einen reinen Arbeitsfampf handele. Es werde von jedem Arbeiter, der im Streit stehe erwartet, daß sein Benehmen vorbildlich sei und daß er der Polizei teinerlei Anlaß zum Ein jchreiten biete. Der Ausbruch von irgendwelchen Unruhen märe für die Aussichten des Streifs äußerst schädlich. Der Generalrat fordert insbesondere die Streifposten auf, sich in den gefeßlich erlaubten Grenzen zu halten. Zugverkehr auf einzelnen Strecken. London, 6. Mai.( WTB.) Die London- und Nordost bahn gibt bekannt, daß sich der Zugverkehr im Laufe des Tages ge. bessert habe. 112 Personenzüge und 15 Milchzüge seien im Gebiet südlich von Doncaster gelaufen. Im nordöstlichen Bezirk hätten 110 Züge verkehrt. Die Midland and Scotish Railway Gesellschaft teilt heute mit, daß fie in der Lage war, einen verstärkten Dienft zu betreiben und im ganzen über 300 3üge habe verkehren lassen. Verschärfung des Londoner Verkehrsstreiks. London, 6. Mai.( BTB.) Die Bertehrsschwierigkeiten in Lon don werden heute, Donnerstag, eine Verschärfung erfahren. Gestern abend hat die Vereinigung der Autobroschtenführer beschlossen, sich um Mitternacht dem Generalstreit anzuschließen. Die Briefe werden zensiert. Man müht sich rechts, Grütte- Lehder als pathologischen Phan taften abzutun. Einen derartigen Eindruck hat Grütte- Lehder aber Eeine Aussagen gestern auf keinen einzigen Zuhörer gemacht. waren absolut flar, bestimmt, widerspruchslos und logisch völlig in ich geschlossen. In der Tat: welche andere psychologische Erklärung, als die, der Anstiftung durch höherstehende, soll man dafür finden, wenn ein siebzehnjähriger junger Mensch zu einer so grauenhaften Tat, wie der des Mordes an einem angeblichen oder wirtlichen Berräter schreitet?! In seinem eigenen Gehirn fann dieser Gedanke ebensowenig entstanden sein, wie der des Attentates auf Severing. Und welchen Grund follte Grütte Lehder, der rechtsfräftig Verurteilte, haben, die schwersten Anschulbi gungen gegen die Männer fich aus den Fingern zu faugen, zu denen er damals als zu feinen Führern in unterwürfiger Berehrung auf geblickt hat?! Und wie sind die Herren Bulle und Kube dazu gekommen, einem Siebzehnjährigen derartig phantastisch weitgehende Bollmachten auszustellen, daß man ihm die Organisation einer ganzen Provinz übertrug?! Zudem ist jetzt schon flar, daß Herr Wulle mindestens in einem Bunfte das Gegenteil der Wahrheit gesagt hat, als er nämlich seine Bekanntschaft mit Grütte- Lehder öffentlich glatt ab leugrete. Grütte- Lehder hat Beweismaterial dafür erbracht, daß er mit den völlischen Führern, namentlich auch mit Herrn Bulle, auf intimſtem Fuße gestanden hat. Man fann sich des Eindrucs nicht erwehren, daß im Falle, es würde sich bei dem Ganzen um fommunistische Führer und die Tat eines Angehörigen des Roten Jungsturms handeln, Herr Ahlemann spätestens gestern verhaftet, gegen Wulle und Rube spätestens gestern der Antrag auf Aufhebung der mmunität gestellt worden wäre. Hier aber spricht es Bände, daß in der Hauptverhandlung gegen Grütte- Lehder das Gericht unter Vorsitz des Herrn Landgerichtsdirettors Bombe auf Grund spitfine dige: juristischer Unterstellungen es abgelehnt hat, die der Anstiftung zum Morde Beschuldigten ulle und Kube auch nur als Zeugen zu rernehmen. Wenn dieses Bertuschungssystem weiter von den Justizbehörden fortgefekt wird, so werden wir bald um einen neuen Justiz standal reicher sein. Preußen und die Fürstenfrage. Die Hohenzollernauseinandersetzung vor dem Haushaltsausschuß. Im Haushaltsausschuß des preußischen Landtages nahm bei der Beratung des Etats des Finanzministeriums der Finanzminister London, 5. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Am heutigen Tage Dr. Höpfer- Aschoff auch zu dem Stand der Auseinander. wurden die ersten Fälle von Briefzen fur festgestellt. Bei der Unabhängigen Britischen Arbeiterpartei eiintreffende Briefe trugen den Stempel L. P. D. und wurden von der Benfurbehörde mit einem neuen Ruvert verschen Morgenweg. Bon Jens Lornsen. So frühe führte es mich heute hinaus, selbst die Bögel hatten. noch nicht die Augen aufgetan. Es war erst ein fahles vorgraues Fluten überm Often, ein Atem vom Schlaf auf allen Wegen und von der Erde bis zum Himmel schien es gar nicht so weit, wie das helle Tageslicht uns oft glauben macht. Alle Weiten rundum waren noch standen sie auf schwankenden grauen Mauern dicht umher und flohen unbestimmt, niemand konnte sagen, lagen sie wirklich fern oder erst mit unsern Schritten in ihre Winkel und Standquartiere. So still war es dabei, so unirdisch fahl zwischen den Tannenspizen und Apfelwipfeln, es gehörte wirklich Besinnung dazu, sich wieder aus dem Gespenstischen dieses Lichts zu sich selbst zu finden. Wäre der Weg nicht so gnädig, immer dicht vor mir aus allen blaffen Dämpfen und Nebeln zu festem Boden zusammenzurüden, man möchte sich wirklich in einer verzauberten Fremde glauben, jenseits von Schlaf und Wachen in einer dritten Welt. Bergab muß ich gehen. Grau ist der Tann, von einem halb hellen Schleier der Feuchte überspannt, der jeden Zweig weißlich überfärbt und alle grünen Bärte, die man tagsüber so fröhlich zupfte, eisgrau und alt scheinen lassen. Alle Gräser haben das gleich matte Morgengewand und selbst das grelle Gelb der Trollblume ist unter dem feinsten Linnen versteckt und rührt sich nicht. Der jandige Weg bröckelt an meinem Fuß, ich reiße die Nezze der Nacht auseinander und weiß doch, daß der Dunst am Weg lange vor dem aufspringenden Rot im Often, lange vor dem ersten Lerchenlied noch alles wieder überspinnen wird zu dieser seltsamen Welt der umgitterten Wirklichkeit, übersponnenen Härte und in eins verbundenen Rinden und Erden. Erst wenn der Beg sich weitet, das Licht mit dem Wind aus der Ferne höher brauft und die Waldwipfel sich schlaftrunken regen, wenn die Schatten sich gegen die Frühe dunkler zeichnen, wird dieser blassen Erden ein Gesicht eingerigt, wird der Morgen zu belebter Form, wird aus dem matten Grau ein bewegtes Antlitz. Aber erst unten im Moor flieht der silberne Frost. Die Weite breitet sich zu schillernden Wassern, die im Morgengrün des Himmels cufleuchten. Das Birkhuhn rollt, alle Gräser schälen sich aus teppelten Schatten. Bom Himmel hängen graue Sapfen nieder, kleine Nebelwirbel, die von Tau tropfen und im Licht schmelzen. Unter ihnen aber wachsen die Stümpfe der Erlen, hier, dort, wie Tropffteine im flachen Moor, immer gerade unter den 3ipfeln der Höhe. Die Spierstaude am Weg öffnet die weißen Dolben zu ihren berückenden Düften, die Rohrkolben rauschen, riesige Bärenflauen und Schierlingföpfe neigen sich aus den Gräbern auf. In Beite und Höhe reden sich Büsche und Bäume, schütteln sich dem roten Farbstreif im Often entgegen. Die Birfen leuchten, die Waffer be ginnen zu blühen, alles Kraut und Geäft hat seine fahlen Spizen fegungsfrage des Preußischen Staates mit den Hohenzollern Stellung. In bezug auf die von der Reichsregierung nach dem Scheitern der Kompromißverhandlungen geplante Regierungsvorlage schien auch der Finanzminister pessimistisch zu sein. Es bleibe abverloren und taucht auf in den Tag. Das fummi und fingt, rauscht und loht auf, zwitschert und atmet tief, steigt, redt sich und wartet Sehnsüchtig dem roten Feuer entgegen, das wie aus einer Muschel Mund im Osten über die Erde klafft. Konzerte. In unserer vorigen Notiz über Berliner Musit ist der Name des van Laar Quartetts falsch gebrudt worden. Wir berichtigen dies unter ausdrücklicher Hervorhebung, daß die zu dem Laar- Quartett gehörenden Herren das äußerst schwierige QuarDurchfeilung vorgetragen haben. In einem populären Konzert des tett von Ernest Bloch mit großem Schwung und guter technischer Deutschen Lyzeums war ein Trio für drei Celli angezeigt. Man hörte ein sehr ansprechendes, formgeschicktes, im ersten und dritten Saz liebliches, im Adagio schwelgerisches Wert und hätte ohne Programm auf einen Zeitgenossen oder Schüler Mozarts geschlossen, etwa Süßmaner. Genannt wurde das Werfchen als Op. 87 von etwa Süßmayer. Genannt wurde das Werfchen als Op. 87 von Beethoven. Die Echtheit fann bezweifelt werden. Es ist jüngst in einem Konzert einmal ein Wert von einem Komponisten namens Ganswird gespielt worden, von dem durchaus nichts in der Literatur geschichte befannt ist. Ob die zu luftigen Streichen aufgelegten Hindemiths dieses Wert selbst tomponiert haben? Opus 87 von Beethoven müßte ein Wert aus der Höhe feines Schaffens fein. Danach flingt dieses Trio nicht. Eher nach einer sehr hübschen Ge. legenheitsarbeit. Armin Liebermann führte mit dem ersten Cello viel zu robust und vorbringlich, während Frig oppe und Karl Lenzewsti ihre Celli vorsichtiger, stärker auf die Kleinheit des Raumes eingestellt, meiſterten. Die Arie der Marcellina ließ in Ingrid Brebec eine Sängerin von guten Vortragsmanieren und ( bis auf die etwas gepreßte Höhe) schön gebildeter Sepranstimme erkennen, die sich schließlich in der schweren Norina- Arie des Don Pasquale ganz frei fang. Im legten Konzert des Sinfonievereins fonnte man Eva Heiniß, die jugendliche Cellistin, beim H- Moll Konzert von Dvorak bewundern. Musikalität zeichnet ihr Spiel aus, und die Fingertechnik ist höchst gewandt, der Ton fauber und wohl gebildet. Schrattenholz dirigierte das von ihm glänzend ge Schulte Dilettantenorchester mit Sicherheit und unter vollkommener Beherrschung des Klangapparats. Der erste Saz der C- Moll- Sin fonie ven Brahms war in Präzision und Ausbruck glänzend gefungen, R. G. Die Pflege öffentlicher Denkmäler. Der Chemiker der Berliner Museen, Prof. Dr. F. Rathgen, gibt jetzt mit Unterstützung des über die Pflege von öfentlichen Denkmälern in Stein und Bronze Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung seine Studien heraus. Man erinnert sich, daß im vorigen Jahre die Maßnahmen, die die Stadt Berlin zur Reinigung von Begas Schillerdenfmal traf, die öffentliche Strifit herausfordern mußten. Rathgen hat nun untersucht, welche Gründe den allmählichen Berfall der öffentlichen Denkmäler herbeiführen. Vor allem find es die in der Atmosphäre enthaltenen Säuren, schweflige und Schwefelsäure, die den Marmor an der Oberfläche zerseßen. Durch langjährige Versuche konnte Rathgen feststellen, daß dieselbe Marmorart in der gleichen Beobachtungszeit in Groß- und Industriestädten viel schneller verwittert als in Kleinstädten. Die Verwitterungszahl ist in Berlin 522, in Hamburg 427, in Schleswig 98. Bei den Bronzedenkmälern wird | zuwarten, ob durch den Boltsentscheib eine neue Lage ge schaffen werde. Aus Zweckmäßigkeitsgründen will der Finanzminister die jetzt dem Finanzministerium unterstehenden beschlagnahmten Vermögensmaffen( sogenannte Krongutsverwaltung) an die be teiligton Ministerien aufteilen; so sollen die Museen, die Theater usw. an die Kultusverwaltung, die Domänen und Forsten an das Landwirtschaftsministerium übergehen. Die Soziala demokraten brachten zum Ausdrud, daß fie eine solche Regelung noch vor der endgültigen Entscheidung, die ja durch den Volksentscheid in allerfürzester Zeit fallen müffe, für durchaus unzwed. mäßig halten. Dieser Auffassung schlossen sich alle übrigen Frattionen an. Die Deutschnationalen fündigten an, daß fie auf die politische Seite der Fürstenabfindung" bei der Beratung des Etats vor dem Plenum eingehen würden. Die sozialdemokratische Fraktion wird den Vertretern der Fürsteninteressen auf alle Fälle zu dienen wissen. Die bei diesem Etat naturgemäß besonders zahlreich auftauchenben Beamtenfragen wurden einem Unterausschuß überwiesen. Gegen Reinholds Finanzpolitik. Aufhebung der Ermäßigung der Börsensteuer beantragt. PP Die sozialdemokratische Reichstagsfrattion hat zu der vom Reichsfinanzminister verordneten Ermäßigung der Börsenumsag steuer im Reichstag zwei Anträge gestellt. Der erste Antrag verlangt gemäß§ 62 des Kapitalverkehrssteuergesetzes, der dem Reichstag das Recht gibt, Berordnungen der Regierung über die Börsenumsatzsteuer aufzuheben, die Aufhebung der Ber. ordnung vom 29. April. Die Aufhebung soll rüdwirkend vom 3. Mai 1926 in Kraft treten. Der zweite Antrag verlangt die pöllige Aufhebung des§ 62 des Rapitalvertebrs. steuergefeges, also der Bestimmung, die der Regierung bas Recht gibt, die Steuerfäße felbständig auf dem Verordnungswege zu verändern. Da anzunehmen ist, daß jetzt auch andere Parteien das Weiterbestehen der Ermächtigung für bedenklich halten, dürfte für ihre Beseitigung eine Mehrheit im Reichstage vorhanden fein. Besteuerung der Autos. Ein Gesetzentwurf im Steuerausschuß. Der Steuerausschuß des Reichstages begann am Mittwoch die Beratung der Vorlage der Reichsregierung über die Aenderung des Kraftfahrzeugsteuergeseges. Der Gesezentwurf sieht eine Erhöhung der bisher erhobenen Sätze um etwa 50 Proz. vor, außerdem an Stelle der bisherigen Borause leistungen Zuschläge von 25 Proz großen Ganzen unter den Barteien Uebereinstimmung darüber, daß Die ziemlich ausgedehnte General debatte ergab im bis zur vollständigen Neuregelung der Kraftfahrzeugsteuer eine 3wischenlösung gefunden werden müsse. Von verschiedenen Seiten wurde eine Befristung des vorliegenden Gesezes auf ein Jahr verlangt. Die Stellung der Sozialdemokratie zur Vorlage prä zisierte Genosse Simon- Schwaben. Er wies darauf hin, daß das heutige Auftommen aus der Kraftfahrzeugsteuer ungenügend fei, um den Anforderungen, die der Straßenbau erhebe, Rechnung zu tragen. Man müsse also mit einer Erhöhung rechnen. Es fönne ſich aber heute nur um ein Brovisorium handeln, das baldigst einem Definitivum weichen müffe. Sabineffstrije in Belgien. Der Innenminister Jacquemyns ift wegen der Steuergeseßvorschläge der Kabinettsmehrheit zurüdges treten. Der Kolonialminister Carten ist seinem Beispiel gefolgt. Das polnische Kabinett ist zurückgetreten. Ministerpräsident Strzinsky erklärte, er hoffe auf die Bildung einer parlamentarischen Koalition. Die Friedensverhandlungen in Maroffo werden am Donnerstag wieder aufgenommen. Der weitere Verlauf der Verhandlungen wird von den neuen Instruktionen abhängen, die die Vertreter des Rifs bei Abd el Krim eingeholt haben. Ueber ihren Inhalt ist bisher noch nichts bekannt. fast überall die graue bis schwarze, mehr oder weniger rauhe Oberfläche beflagt, an Stelle der grünen oder braunen Edelpatina, die man an vielen Altertumsfunden unserer Museen bewundert. Rath gen hat etwa 900 Standbilder untersucht und ist zu dem Ergebnis gefommen, daß der schlechte Einfluß nicht in erster Linie von einem Zint oder Arfengehalt stammt. Als erste Borbedingung für das Entstehen einer guten Patina fordert Rathgen, daß die Oberfläche des Denkmals vollkommen glatt ist. Als Schutzmittel empfiehlt er für Marmor einen leichten Bachsüberzug, für Bronzen fyftematische sellschaft für Gartenbau zeigt auf ihrer jetzt eröffneten Ausstellung Reinigungen, denen ein Nachreiben mit weichen Tüchern folgen soll. eine Geranienart, die bisher völlig unbefannt war. Sie ist entdeckt worden in dem Fenster eines alten Häuschens in Someret, und die Botanifer nehmen an, daß es sich um eine Pflanze handelt, die in früheren Jahrhunderten größere Berbreitung hatte, deren Spur jedoch inzwischen verloren gegangen war. Die Blätter der Pflanze haben einen ausgesprochenen Pfefferminzgeruch an sich, mit dem sie einen ganzen Raum erfüllen. Die Blüte hat eine blaffe Malven farbe. Die Nachtigall im Rundfunt. Die englischen Rundfunthörer legen besonderen Wert darauf, das Lied der Nachtigall unter den Darbietungen der Funkstunde zu finden, und deshalb hat man in einem Garten in Surrey, wo sich eine besonders tonfräftige Prima donna der Bogelwelt findet, einen Aufnahmeapparat aufgestellt, der nach 11 Uhr, am besten turz vor Mitternacht, dieses Programm ftüd übermitteln soll. Eine Cellistin läßt zu dieser Zeit die flagen. den Töne ihres Instruments erklingen, um die Nachtigall zum Ge fang anzuregen, und sie hat damit gute Erfahrungen gemacht. Sie hat herausbekommen, daß der Schwan" von Saint- Saens und das Ave Maria von Gounod den Ehrgeiz der fleinen Sängerin am meisten anstacheln, so daß sie felbft im Regen aus voller Rehle zu fingen beginnt. Nur starter Wind hält sie ab und bringt dann das Rundfunkpublikum um seinen Genuß. In der Bollsbühne, Theater am Bülowplah, findet am 7. abends 8 Ube in diefer Spielzeit die letzte Boritellung von Sturmflut mit Seina rich George als Granfa Umnitsch ftalt. " Trele fozialistische Hochschule. Am 8., abends 7, Uhr, fpricht Benollin Anna Siemien im großen Sigungsfaal des ehemaligen berrenbaules, Leipziger Str. 3, über: Bürgerliches und proletarisches Bewußtsein in der modernen Dichtung. Karten zum Preise von 50 Pl. in der Buchhandlung Diet, Lindenstr. 2 und an der Abendlaffe. Die Frühjahrsausstellung der Zifademie der Künfte wird am 8., mittags 12 Uhr, mit einer Ansprache ihres Präsidenten Mag Liebermann feierlich eröffnet. Nachtvorstellung der Bühnengenollenfchaft in der Alhambra. Um S., abends 11'/, findet in der Alhambra, Kurfürstendamm 68, die legte Beranstaltung für bie Wohlfahrtstassen der Bühnengenossenschaft statt. Shre Teitmirtung haben sugefaat: Lotte Schöne( Stäbliche Dber), Prof. Freberic Lamond, Prof. Kulentampff und Dr. Felg Günther. Die Prometheus- FilmGesellschaft hat eine Vorführung des Panzerfreuzer Potemlin" zur Ber fügung gestellt. " Eine Dig- Erwerbung der Nationalgalerie. Die Nationalgalerie hat fo eben ihr erstes Bert von Dtto Dig erworben: das Bildnis von Maz geler, dem Philosophen der Kölner Universität. Die Dame ohne Fahrschein. Im Autobus auf der Fahrt zwischen dem Halleschen Tor und dem Bahnhof Dorfstraße. Ich bin am Halleschen Tor aufgestiegen und habe noch einen Sizplaz ermischt. Neben einer Dame. Einer feinen Dame... Sie lieft in einem Buch Liest, troßdem der rumpelnde Autobus die Buchstaben vor den Augen tanzen läßt. Das Buch muß sehr interessant sein. Sonst würde die Dame dareuf verzichten, es während der Rumpelfahrt zu lesen. Die Dame ist fein" angezogen: ein teures Hütchen trägt sie auf dem Kopfe, ein Belztragen schmiegt sich um ihren Hals, ein weicher, glänzender Seidenmantel hüllt ihren Körper ein und an den Fingern trägt sie blinkende und glitzernde Ringe. Daß sie nach Parfüm riecht, ist Selbstverständlich. " Der Schaffner tommt:" Noch jemand ohne Fahrschein?" Ich melde mich. Der Schaffner fassiert. Fragt nochmals:" Noch jemand..?" Niemand mehr! Gut. Die Dame neben mir liest.. Ihren Kopf hat sie noch dichter an das Buch herangebracht. Der Inhalt des Buches muß furchtbar spannend sein. Die Fahrt geht weiter. Da am Bahnhof Dorfstraße taucht ein Kontrolleur im Wagen auf.„ Die Fahrscheine bitte!" Jeder gibt seinen Schein hin. Auch ich. Der Kontrolleur macht einen Bleistiftstrich über den Schein und ich erhalte ihn wieder. Er bittet die Dame neben mir um den Fahrschein. Die blickt von ihrem Buch auf, holt ein Markstück aus ihrer roten Saffiantasche und sagt pitiert:„ Ich möchte zahlen!" Der Kontrolleur fragt erstaunt: Wo sind Sie denn aufgestiegen?" Ueber rotgeschminkten Lippen schlüpft eine Lüge: Am Halleschen Tor!"( Und das war, vom Interesse der Dame aus gesehen, eine sehr dumme Lüge.) Der Kontrolleur wundert sich noch mehr und ruft etwas barsch den Schaffner, um ihn anzufahren:„ Die Dame hier hat noch keinen Fahrschein! Wie fommt das?" Der junge Schaffner, der sicher erst seit furzer Zeit im Dienst ist, man sieht es auch seiner neuen Uniform an, wird rot, will etwas stammeln, bringt aber im Moment nichts heraus. Die Dame blickt beide Beamte triumphierend an. Der Kontrolleur will wieder zum Schaffner, der ganz verdußt ist( er hat doch ein paarmal gefragt, wer noch ohne Fahrschein sei...), etwas sagen, als ich mir gestatte, den Mund aufzutun, um die Erklärung vom Stapel zu lassen, daß erstens die Dame längst im Wagen saß, als ich am Halleschen Tor aufgestiegen war und zweitens fie ihre Nase immer tiefer in das Buch geſtedt hatte, wenn vom Schaffner der Ruf nach den Fahrschein ertönte. Alles um mich herum ist platt. Der Schaffner lächelt befreit, der Kontrolleur beglückt jetzt mit seinem strengen Blick die„ feine" Dame, und die Zechprellerin seibst, für die der Schaffner büßen. sollte, rollt wütend ihre Augen. Sie ist blamiert und muß einen Fahrschein nachlösen. Nur einen! Braucht feine Strafe zu zahlen... Weil sie eine feine" Dame ift.. Wehe, wenn es feine feine" Dame gewesen wäre, sondern ein armes Mütterchen, das zwei Groschen sparen wollte... .. Zum Abschluß der Pariser Luftfahrtverhandlungen. Der Ausbau der internationalen Luftverkehrsffreden. Der Abschluß der Pariser Luftfahrtverhandlungen, der die Aufhebung der sogenannten„ Begriffsbestimmungen" nach genau vierjähriger Dauer bringt, rückt nunmehr den viel erörterten Ausbau der internationalen Luftverkehrslinien in unmittelbare Nähe. Da hierzu von französischer Seite bereits eine Reihe von Behauptungen und Mutmaßungen ausgesprochen werden, die nicht ganz den Tatsachen entsprechen, jei folgendes festgestellt: Der deutsche Standpunkt in dieser Frage geht dahin, daß die von Deutschland geforderte Wiederherstellung der Lufthoheit erst dann volizogen ist, wenn auf Grund der Bariser Berhandlungen die Zurüdziehung des Garantiefomitees erfolgt ist. Rechtlich würde erst in diesem Moment den Franzosen beispielsweise wieder das Recht zustehen, die Linie Paris- Prag unter Ueberfliegung deutschen Ge bietes und mit eventueller Zwischenlandung in Nürnberg- Fürth in Betrieb zu nehmen. Sollten von deutscher Seite in Anbetracht der vorgeschrittenen Luftverkehrssaison in diesem Buntte möglicherweise Bugeständnisse hinsichtlich einer früheren Eröffnung dieser Luftver tehrslinie gemacht werden, dann würde als Kompensation von Deutschland sofort mit den Versuchsflügen auf der der Strede Berlin- Paris- Madrid begonnen werden. Diese wichtige Linie dürfte in organisatorischer und technischer Hin ficht weitgehende Borbereitungen erfordern, so daß mit einem regelmäßigen Passagierdienst Berlin- Madrid und umgekehrt wohl erst im nächsten Jahre zu rechnen wäre. Weiterhin ist zu bemerken, daß die in Kürze zu erwartende Linie Berlin- Paris unbedingt gemeinsam beflogen werden wird, so daß deutsche Flugzeuge in Paris, franzöfifche in Berlin erscheinen werden. Eine französische Linie Baris- Berlin- Mostau ist weniger wahrscheinlich, die Franzosen dürften für diese Berbindung vielmehr die fübliche Route über Prag benutzen. Auch die Betriebseröffnung der Strecke Dresden- Brag- Bien im Anschluß an die Strede Malmö- Berlin- Dresden wäre jezt in Bälde zu erwarten. Der verprügelte Taschendieb. Unter dem dringenden Berdacht des Taschendiebstahls wurde fürzlich ein 25 Jahre alter Kaufmann" Karl Linden laub von den Beamten der Sonderstreife der Kriminalpolizei mit feinem Bruder zusammen festgenommen. Er mußte aber vom Untersuchungsrichter wieder entlaffen werden, weil weder ihm noch feinem Bruder ein Diebstahl nachzuweisen war. Jetzt beschwerte er sich über die Kriminalbeamten, die ihn unsanft angefaßt haben sollten. Während die Untersuchung dieser Beschuldigung noch fchwebt, tauchte Lindenlaub gestern in der Zentralmarkthalle auf Hier ging er mit einem Bleistift hinter dem Ohr und ohne Kopfbedeckung eifrig hin und her, etwa wie ein Bureauangestellter, der bald hier, bald da Notizen zu machen hatte. Dabei fuchte er nach Möglichkeit Gebränge auf, um unbemerkt in fremde Taschen zu greifen. Plöglich fühlte ein Standinhaber eine frembe Hand in seiner Kitteltasche. Als er zufaßte, zog der Fremde die Hand rasch wieder heraus und zeigte dem Geschäftsmann, daß sie leer war. Aus der Kitteltasche war aber die Brieftasche verschwunden, und andere Leute hatten gesehen, daß der„ Bureauangestellte" fie aus seiner Hand hatte zu Boden gleiten laffen. Jest fiel man über den Dieb her, prügelte ihn windelweich und übergab ihn dann der Polizei. Es war Lindenlaub, der jetzt auf dem Bolizei präsidium reumütig erklärte, daß er sich doch von ihr noch viel lieber festnehmen laffe, als vom Publitum. Frühlingskonzert in der Neuen Welt". An den Tischen, unten im Saal in der Neuen Welt", fizen die eltern, Berwandte und Bekannte, sie sehen mit Vergnügen den ersten Schritten zu, die ihre kleinen Mädchen ins öffentliche Konzertleben unternehmen. Oben auf der Bühne singt der Neuköllner Jugendchor unter Leitung Direktor Mendzas. In der Mitte steht ein Flügel, von dem Nendza aus seinen Chor leitet, an der Rampe fizen vier Mädels mit 3upfgeigen, dahinter baut fich der Chor auf. Man fingt mit mirflicher Freude am Singen ganz einfache, bekannte Dinge, wie die Geschichte vom Männlein im Walde eder von dem Bogel, der geflogen fam. Rein und anspruchslos flingen die Stimmen, Naturgesang ohne jebe Biererei. Immer wieber muß fich Nendza verbeugen, es herrscht allgemeine Freude. Dazwischen tanzt eine junge Dame eine Gavotte, ondere Solotänze folgen, dann fingt Lucie Jung Brahms und Mahler, und eine Gruppe bringt rhythmisch- gymnastische Tänze. Bis in die Nacht dauert dieses Frühlingskonzert, überall Frohsinn, und selbst die Erwachfenen geben für ein paar Stunden ihre würdige Haltung auf. Die wahren Dolchstößler. Feststellungen im Ausschuß zur Klärung der Schuldfrage. einen Im Barlamentarischen Untersuchungsausschuß hielt Abg. Dr. Moses( Soz.) am Mittwoch das Korreferat zu dem von dem Sachverständigen Dr. Bredt eingereichten Gutachten über den Deutschen Reichstag im Belt frieg". Nach der Auffassung des Sachverständigen hat es der Reichstag unterlassen, Berständigungsfrieden durchzusehen: Hätte hinter dem damaligen Reichskanzler eine feste Reichstagsmehrheit mit bestimmtem Willen gestanden, dann wäre die Oberste Heeresleitung machtlos gewesen. Wenn Deutschland im Krieg einen wirklich großen Staatsmann gehabt hätte, dann hätte dieser nur die eine Aufgabe haben können, den General Ludendorff in festen Schranken zu halten". Abg. Dr. Moses( Soz.) wies zunächst darauf hin, daß man die Frage so ftellen müsse: Was haben die einzelnen Parteien des Reichstags im Weltkrieg getan, um die Kriegführung auf ein vernünftiges Ziel zu lenken, um das parlamentarische Regime durch Im einzelnen führte Dr. Moses u. a. aus: Die Konservativen haben seit der Einsegung des Verfassungsausschusses allen Verfuchen zur Demofratisierung Deutschlands den heftigsten Widerstand entgegengesetzt. Wir haben den Militarismus nötiger als den Parlamentarismus", war ihr Grundsaz. Graf Bestarp lehnte den Verfassungsausschuß und jede innerpolitische Reform mit der Begründung ab, daß fein Bedürfnis für eine Neuorientierung vorliege. Die Oberste Heeresleitung, d. h. Ludendorff, arbeitete in schärffter Form allen auf die Demokratisierung gerichteten Bestrebungen entgegen. " Während des Krieges und vor dem Kriege hat tatsächlich nur die Sozialdemokratie ernsthaft das parlamentarische Regime angestrebt. Das gleiche Bild bot der Kampf um den Verständigungsfrieden und die Durchführung der Friedensresolution. Auch hier frieden und die Durchführung der Friedensresolution. Auch hier war es die Oberste Heeresleitung Ludendorffs und das in ihrem Banne stehende deutsche Bürgertum, die den großen Widerſtand leiſteten. Der Kaiser aber schrieb:„ Ein Wilson- Berständigungsfrieden wird weder vom Bolt noch vom Heer noch vom Kaiser afzeptiert. Es ist gut, daß Wilson hinausgeschmissen wird." Unfer Führung Stegerwalds vertraten selbst die chriftlichen Gewerkschaften den Standpunkt:„ Wenn wir in der Lage find, einen Machtfrieden erlangen zu können, find wir unter allen Umständen für einen Machtfrieden". Dabei war der Verständigungsfrieden nach Bredt die einzige Reffungsmöglichkeit für das deutsche Volt". Dr. Bredt erscheint die Ablehnung des gleichen Wahlrechts in Preußen der eigentliche Grund für den Sturz der Monarchie. Dr. Moses fonnte darauf hinweisen, daß vor dem Kriege nur die Sozialdemokratie den Kampf für das gleiche Wahlrecht geführt hat, weil sie schon damals erkannte, daß die in Preußen maßgebenden Machtfaktoren den Einfluß auf das Reich ausübten und die Bureaukratie nur das gefügige Werkzeug des agrarischen und industriellen Großfapitals fowie des Hofes war. Am 10. März 1916 verlangte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion von der Reichsregierung, dafür zu sorgen, daß gleichen Pflichten auch gleiche Staatsbürgerrechte gegenüberstehen." Die Regierung ließ erwidern, daß eine Neuorientierung der inneren Politit während des Krieges nicht angängig fei. In seinem Gutachten kommt der Sachverständige Bredt zu der Auffassung, daß die konservativen Kreise um Weftarp, die bewußt die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für Preußen während des Weltkrieges fabotierten, die eigentlichen Schuldigen an dem Sturz der Monarchie in Preußen- Deutschland gewesen, zu Dolchstößlern der Monarchie geworden find. ,, Der eigentliche Anlaß zur ganzen späteren Umwälzung liegt im Grunde hier und nirgends anders", ist die Schlußfolgerung von Dr. Bredt, einst freifonservativer Abgeordneter, der sich noch heute politischen Rechtsparteien zuzählt. Die Frontsoldaten wollten teinen Wechsel auf Sicht. Als die Oberste Heeresleitung im Oftober 1918 fich für eine schnelle Berabschiedung der Wahlrechts vorlage einsekte, war es zu spät. Wie in allen anderen innen- und außenpolitischen Fragen haben die bis zum Herbst 1918 herrschenden außenpolitischen Fragen haben die bis zum Herbst 1918 herrschenden Mächte auch in der Wahlrechtsfrage vollkommen versagt, das ist die Schlußfolgerung des Sachverständigen, dem Dr. Moses auch zu ftimmte, wenn er sagte: „ Wenn man vom Dolchstoß redet, kann man unmöglich das preußische Wahlrecht und feine Betrachtung herauslaffen. Der eigentliche Anlaß zur ganzen späteren Umwälzung liegt im Grunde hier und nirgends anders." Liebestragödie in Berlin W. Eine furchtbare Liebestragödie spielte fich heute vormittag um 211 Uhr in einem Hotel in der Joachimstaler Straße in der Nähe des Kurfürstendamms ab. Hier war der 28jährige Generaldirektor Dudersteedt aus Lübed zusammen mit seiner 23jährigen Geliebten Annemarie 3 b bius. gleichfalls aus Cübed, abgestiegen. Heute vormittag ertönte plöhlich aus dem Zimmer ein Schuß. Hotelangestellte, die sofort herbeieiiten, fanden D. mit einem Schläfenschuß und geöffneten Pulsadern leblos vor. Seine Geliebte hatte sich gleichfalls die pulsadern geöffnet. Ein fofort hinzugezogener Arzt fonnte bei D. nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen. Die Verlehungen der 3. find zwar schwer, doch besteht keine Lebensgefahr. Sie wurde in ein Krankenhaus übergeführt. Das Motiv zur Tat ift Sie wurde in ein Krankenhaus übergeführt. Das Mofio zur Tat ift bisher noch unbekannt. Ein Zweiundfiebzigjähriger als Poftmarder. Ein Mann mit schneemeißem Haar machte sich gestern an ben Paketen, die vor dem Bostamt 27 in der Magazinstraße abgeladen wurden, verdächtig zu schaffen. Die Boftbeamten, die ihn zunächst für einen greifen Lagerarbeiter hielten, als er zwischen den Baleten hin und herging, beobachteten ihn, als er in das Bostamt hineinging und faben, daß er aus den Bateten sich mehrere heraussuchte und aneignete. et nahmen sie ihn fest und übergaben ihn der Kriminalpostdienststelle. Diese fah in ihm einen alten Bekannten wieder, einen 72 Jahre alten früheren Kaufmann Mag Schüße, der bereits im Jahre 1889 bei den Strafbehörden fein Debut gab. Schüße, damals als gewerbsmäßiger Glücksspieler mit dem Kümmelblatt", der schwarze Mag" genannt, heißt jeßt in feinen Kreisen in der Gegen der Alexandrinen- und Prinzenstraße der Altmeister". Nachdem er mit dem Kümmelblättchen ausgespielt hatte, wandte er sich dem Warenhausdiebstahl zu, der ihm ebensoviel Erfolg, aber auch nicht weniger Strafen brachte. In der letzten Zeit betätigte er fich als Postmarder, besonders auf den Aemtern im Zentrum der Stadt. Er lebte nunmehr ausschließlich von dieser Spezialität, und gibt das auch zu. Seine legte Strafe hatte er wegen eines Dieb. ftahls im Schalterraum des Boftamts 19 erhalten. Jetzt wird er wohl auf längere Zeit wieder in Plößenfee oder Tegel untergebracht werden. Ein größerer Fabrifbrand beschäftigte gestern abend in der Brinzenallee 9 längere Beit bie Feuerwehr, wo in dem Lager der Firma Bogel, in dem sich größere Mengen Badpapier, Bindfaden und Kreppapier befanden, Feuer ausgebrochen war. Nach einstündiger Tätigkeit gelang es, den Brand zu löschen und ein Uebergreifen auf ein anschließendes Lager zu verhindern. vormittag um 10 Uhr wurden die Feuerwehren aus Wilmersdorf, Schmargendorf und Grunewald nach der Berliner Str. 84 in Heute Am Schluß seines Referats wies Dr. Moses auf die immer unerträglicher werdenden Ernährungsverhältnisse während des Krieges hin, die von der Ernährungspolitik angesichts des rück. fichtslosen Egoismus der Agrarier nicht gemeistert werden konnten. Papst, Reichstag und Michaelis. Am Donnerstag setzte Abg. Dr. Moses sein Korreferat zu dem Sachverständigengutachten über den Deutschen Reichstag im Weltkriege fort. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Be antwortung der Bapst note, die, wie überhaupt die Frie densbemühungen des Sommers 1917 und ihre Rückwirkungen auf die innere Lage, von dem Sachverständigen mit bescenderer Eindringlichkeit behandelt worden ist. Tatsache ist, daß auf die am 1. August eingelaufene Papstnote erst am 21. August ein Zwischenbescheid und dann erst am 19. Geptember die offizielle Antwort der deutschen Regierung erfolgt ist. Tatsache ist, daß darin trotz des Drängens der Sozialdemokratie im Siebener Ausschuß die Parteien sich damit einverstanden erklärten, nichts Direktes über Belgien zu sagen, sondern nur einen Hinweis auf die Friedensreso. lution vom 19. Juli zu geben. Bredt weist nun mit besonderem Nachdruck darauf hin, daß nach dieser formellen, aber nichtssagenden" Antwort am 24. September ein Brief von Michaelis an den Nuntius Pacelli gerichtet worden ist, der als die ,, eigentliche" Antwort zu gelten hat. In diesem Brief ist im Gegensatz zu den Erflärungen der offiziellen Note von Absichten und nötigen Forderungen" in bezug auf Belgien die Rede. Tatsache ist nun, daß von diesem Brief weder Scheidemann noch Erzberger noch Kühlmann etwas gewußt haben. Der Brief ist zuerst von Erzberger am 25. Juli 1919 in der Nationalversammlung unter dem Sturm der Entrüstung der Deffentlichkeit zur Kenntnis gebracht worden. Das Verhalten von Michaelis ist deshalb besonders verurteilenswert, meil, nach der Auffassung des Sachverständigen Bredt, der Kaiser im vorausgegangenen Kronrat von Bellevue sich für den Berzicht auf Belgien ausgesprochen haben soll. Dr. Moses war in der Lage, einige besonders belastende Schrift. stücke aus den Aften des Auswärtigen Amts zum Vortrag zu brin gen, aus denen hervorgeht, daß die deutsche Reichsreglerung vom Heiligen Stuhl noch im letzten Augenblick verschiedene Male dringend um eine Präzisierung der Aeußerung über Belgien ersucht wurde. Die Veröffentlichung dieser Dokumente ist aus außenpolitischen Gründen vom Auswärtigen Amt bisher nicht freigegeben worden. Der Sachverständige Bredt faßt sein Urteil fiber Michaelis in die Worte zusammen: " Hier ist ein Punft, wo man sich einfach scheut, die logische Folgerung zu ziehen. Nach Dr. Mofes wird die Aufgabe des Ausschusses sein, sich nicht zu scheuen, diese Schlußfolgerung zu ziehen. Dr. Mofes wirft in Ergänzung des Bredtschen Gutachtens die Frage auf: Was wäre wohl geschehen, wenn die Reichstagsmehrheit rechtzeitig erfahren hätte, daß hinter ihrem Rücken von der Reichsregierung das Gegenteil der Friedensresolution über Belgien erflärt worden war?" Zusammenfassend erklärt Dr. Moses: Wie schon Stresemann fich am 13. Oftober 1918 in einer Berfrauensmännerversammlung feiner Partei feftzuftellen genötigt jah, ist der Reichstag fortgesetzt falsch orientiert worden. Wenn in der Deffentlichkeit behauptet werde, der Reichstag habe in den entscheidenden Momenten die Nerven verloren", so müsse nach Stresemann, demgegenüber betont werden, daß die Erschütterung des letzten Reftes von Siegeswillen ausgegangen fet von der Obersten Heeresleitung und von niemand anders..... Die anders reden und schreiben, betrügen das deutsche Bolt." Zum Schluß refümierte Dr. Moses folgendermaßen: Durch das Gutachten des Sachverständigen Bredt sei zum ersten Male der ganze Komplex der Heimatpolitit behandelt worden. Es fei von größter Bedeutung für die politische Weiterentwicklung wie für die hiftorische Klarstellung, daß endlich die verhängnisvollen Rüdwirkungen der Annegionspolitit, des Dreiflaffenwahlrechts und der Verhinderung des parlamentarischen Regimentes auf den„ Kriegswillen" des deutschen Bolles festgestellt sind. Das Gutachten Dr. Bredts fei eine glänzende Rechtfertigung der Politit, die während des Weltkriegs von den Cintsparteien getrieben wurde. Es schlage eine große Bresche in die Lügenmauer, die einen großen Teil des deutschen Boltes noch immer von der geschichtlichen Wahrheit trennt. Wilmersdorf gerufen, wo eine Schlosserei und Schmiede in Flammen stand. Beim Eintreffen der Wehren war das Feuer schon soweit fortgeschritten, daß es troß größter Anstrengungen unter Leitung des Baurats Spohn nicht gelang, den großen Schuppen vor der völligen Vernichtung zu retten. Es wurde über eine Stunde lang aus 3 C- Rohren Wasser gegeben. Ein angrenzender Schuppen, in den eine Tischlerei untergebracht ist, hatte bereits Feuer gefangen und fonnte im letzten Augenblid gerettet werden. Das Feuer ist wahrscheinlich auf Funkenflug aus einer Feldschmiede zurückzuführen. Durch einen Einbruch in der Nacht von Mittwoch zu Donners. und Damenartikelgeschäfte von Leo Höflich und Reinhardt u. Freund tag wurden die in dem Hause Potsdamer Str. 43 befindlichen HerrenIchmer geschädigt. Die Spizbuben, die aus der über den Läden befindlichen Wohnung durch Aufstemmen des Fußbodens Eingang in die Läden genommen hatten, suchten sich in aller Ruhe Herrenstoffe, Oberhemden, Damenwäsche, Handschuhe usw. aus. Dabei jedoch bevorzugten sie nur die besten und teuersten Qualitäten und ließen Baumwollsachen liegen. Die Beute war so umfangreich, daß sie zu ihrer Fortschaffung einen Wagen benutzt haben müssen. Der Schaden beläuft sich auf 3irfa 10 000 bis 12 000 Marf. Mit Frau und Kinder in den Tod. Nach einer Meldung aus Rageburg fand man dort den Briefträger Brüß, seine Frau und feine drei Kinder tot auf. Brüß hatte feinen Kindern und seiner Frau nach Betäubung durch Gas die Kehle durchschnitten und schließlich sich selbst durch Einatmen von Gas vergiftet. Prüß werden dienstliche Berfehlungen zur Laft gelegt, die aber dem Bernehmen nach nur gering sein sollen. Sechs Jahre Zuchthaus wegen verfuchten Brudermordes. Bor dem Bochumer Schwurgericht wurbe der Prozeß gegen den Landwirt Bedbauer aus Erdenschwid verhandelt, der an geflagt war, zweimal versucht zu haben, seinen Bruder durch Gift zu ermorden. Der Angeklagte wurde zu einer Zuchthausstrafe von fechs Jahren und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für die Zeit von zehn Jahren verurteilt. Dampferkatastrophe im Schwarzen Meer. Ein russischer Dampfer ist auf der Fahrt von Odessa nach Alexandria auf der Höhe von Constanza auf ein Felfenriff aufgelaufen und untergegangen. 30 Passagiere sind ertrunken. Die Rettungsarbeiten gestalten sich infolge des hohen Wellenganges äußerst schwierig. Groß- Berliner Parteinachrichten. 6. Kreis Kreuzberg: Achtung, Abteilungsleiter! Freitag, den 7. Mai. abends 7% Uhr. bei Bieler, Dieffenbachstr. 76, wichtiges Material in Empfang nehmen. Jebe Abteilung muß vertreten fein Jungfozialisten Gruppe Prenzlauer Berg: Seute Donnetstag, abends 8 1hr, im Jugendheim, Danziger Str. 62, Mitgliederversammlung. Gewerkschaftsbewegung Arbeitersolidarität oder KPD.- Reklame. Die Resolutionsmacher an der Arbeit“. " Die KPD. hat wieder einmal das dringende Bedüfnis gefühlt, an den ADGB. einen Brief zu schreiben. Der Brief ist in der heutigen Roten Fahne" auf der ersten Seite groß und fett zu lesen. Einleitend wird bemerkt, daß ,, durch die Genossen Thälmann und Heckert im Bundesvorstand des ADGB. eine Reihe von Vorschlägen zur Unterstützung der englischen Arbeiter und zur Ausnutzung der durch den Generalstreif in England geschaffenen Lage zugunsten der deutschen Arbeiterklasse" gemacht worden seien.. Diese Mitteilung muß den Eindrud ermeden, als hätten die Abgesandten der KPD. der Sizung des Bundesvorstandes beige wohnt und dort ihre Anträge dargelegt. Richtig ist, daß die beiden Abgesandten der KPD. mit einem Brief in der Inselstraße erschienen, als der Bundesvorstand des ADGB. bereits get agt und feine von uns in der heutigen Morgenausgabe veröffentlichten Beschlüsse gefaßt hatte. Da sich niemand mehr von den Mitgliedern des Bundesvorstandes in den Bureauräumen befand, gingen die beiden Abgesandten der KPD. mit dem Brief in den Reichstag und über gaben ihn dem Genossen Graßmann. Auf der zweiten Seite der„ Roten Fahne" wird dann möglichst unauffällig der Beschluß des ADGB. mitgeteilt und einleitend bemerkt, daß dieser Beschluß unter dem Druck der aus der Arbeiter. schaft kommenden Forderungen und genötigt durch den Schritt der KPD." zustande gekommen sei. Die Antwort des Bundesvorstandes des ADGB. auf den Brief der KPD., die wir weiter unten veröffentlichen, zeigt am besten, was es mit diefer einfältigen Reflame. fucht der KPD. auf sich hat. Ichaftsmitgliebern in fürzefter Frift zur Kenntnis gelangenben Be schlüsse ihrer Verbandsleitungen und der Bundesleitung tatträftig zu unterstügen. Mit gewerkschaftlichem Gruß Der Borstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes. gez. Leipart. Die Gesundheitsverhältnisse der Eisenbahner. Die Folgen des Systems Siemens. Wie sich die Lohnpolitik und das Verlangen der Reichsbahn nach höchster Arbeitsintensität auf die Gesundheitsverhältnisse der Eisenbahner auswirkt, zeigen am besten die aus den Reichsbahn- Betriebsfrankenkassen stammenden Krantenziffern. So ergab sich am 1. März bei 411 605 Mitgliedern ein Krankenstand von 24 548, das sind auf je 100 Mitglieder durchschnittlich 5,96 Kranke. Im Jahre 1913 betrug der durchschnittliche Krankenstand 2,83 Prozent der Mitglieder, ist also jezt um 110 Broz. höher. Die privaten Betriebs-, Knappschafts- und Ortskrankenkassen, die vor dem Kriege einen weit höheren Durchschnittskrankenſtand hatten als die Eisenbahnfrankenkassen, weisen nach dem Kriege einen weit niedrigeren Krankenstand als die Reichsbahnfassen auf. So meldeten die Ortskrankenkassen, die unter der Arbeitslosigkeit ganz besonders schwer zu leiden haben, am 1. Februar einen Krankenstand von 4,69 Broz. Die Reichsbahnverwaltung versucht natürlich, als Ursache des hohen Krankenstandes alle möglichen und unmöglichen Gründe anzuführen. So wurde in einem Referat des Reichsbahnrats Traut mann u. a. der Niedergang der Volksgesundheit seit der Kriegszeit, die schlechten Wohnungsverhältniffe, die freie Arztmahl, insbesondere bei Bergütung nach Einzelleistungen, das zu hohe Krankengeld(!) und die Fortzahlung der sozialen Zulagen in den ersten 6 Wochen der Krankheit, der Abbau( 1), das Zeit und Aushilfsarbeitersystem und die gesunkene Moral(!) als Hauptursachen angeführt. Das sind aber nicht die Ursachen des hohen Krantenstandes, sonDas sind aber nicht die Ursachen des hohen Krantenstandes, sondern, soweit sie zutreffen, die Folgen der gesamten Personalpolitif der Reichsbahn. Ergänzend fönnten wir noch hinzufügen, daß der Borstand des ADGB. beschlossen hat, morgen den Bundesausschuß zu einer außerordentlichen Sigung einzuberufen, Mit den von Herrn Trautmann empfohlenen Mitteln, wie um zu den aus dem Kampf der englischen Arbeiter für die deutschen Gewerkschaften sich ergebenden Maßnahmen Stellung zu nehmen. Wir schärfere Krankenkontrolle und Kontrolluntersuchung, Herabsetzung des Krankengeldes, Entfernung solcher Arbeiter aus dem Eisenbahnfügen weiter hinzu, daß heute eine außerordentliche Kondienst, die gegen die Krankencrdnung gröblich verstoßen und die ferenz des Deutschen Verkehrsbundes stattfindet, die Kaffe offensichtlich auszunuzen suchen, fann man den Krankenstand gleichfalls sich mit der Durchführung der Beschlüsse zu befassen hat. nicht reduzieren. Die Reichsbahn sollte endlich zu einer verEs ist eine durch sieben Jahre erhärtete Tatsache, daß die KPD. nünftigen Entlohnung der Eisenbahner übergehen, die hinter den Ereignissen mit Aufrufen, Refolutionen und Briefen her eine gute Ernährung ermöglicht, die Dienstschichten verfürzen und das Gedingesystem durch ein ordnungshinft, aber so tut, als sei sie es gewesen, die diese Ereignisse herbei mäßigeres Arbeitssystem ersetzen. Ebenso müßten an Stelle der geführt und beeinflußt hat. Soweit sie selbst einmal versucht, die Zeit- und Aushilfsarbeiter wieder Stammarbeiter treten. Initiative zu ergreifen, fann man mit unfehlbarer Sicherheit anAber von solchen Dingen will ja die Reichsbahn nichts wissen. nehmen, daß diese Initiative mit einem läglichen zu= Die Beratungen werden schließlich damit enden, daß irgendjammenbruch endet. welche für die Mitglieder nachteilige Beschlüsse gefaßt werden, die aber sicher den erhofften Erfolg ins Gegenteil perfehren werden. Ob es die Reichsbahn jemals lernen wird, sich durch soziales Verständnis und Entgegenkommen, durch Berstehen der arbeiterpinhe em arbeitsfreudigeres Berjonal zu schaffen, darf man faum mehr hoffen. Niemand kann die KPD. hindern, sich weiter lächerlich zu machen. Wenn sie sich aber aus politischer Reklamesucht bemüht, in eine Aftion einzugreifen, von der sie nichts versteht und die nicht zu ihrer Kompetenz gehört, dann muß ihr flar gemacht werden, daß sie sich auf ihr eigentliches Gebiet zu beschränken hat: auf das der Fabrikation von Refolutionen. Die Bergarbeiter- Internationale einberufen Zu Sonnabend nach Ostende. Bochum, den 6. Mai( Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag vormittag ist beim Deutschen Bergarbeiterverband die telegraphische Einladung des Generalsekretärs der Bergarbeiter- Internationale Frank Hodges zu der Sigung des Egekutivlomitees am Sonn abend in Ostende eingelaufen. An den Verhandlungen wird für die deutschen Bergarbeiter Husemann teilnehmen. Die Antwort des ADGB. Eine verdiente Abfuhr. Auf den Brief der KPD. hat der Bundesvorstand heute vor mittag folgende Antwort erteilt: Werte Genossen! Ihr Schreiben von gestern abend haben wir erhalten. Selbstverständlich hatte der Borstand des ADGB. und hatten auch die Vorstände der in Frage kommenden Berbände die notwendigen Maßnahmen für die Unterstützung des Großkampfes der britischen Gewerkschaften bereits getroffen, ehe Sie Ihren Brief geschrieben haben. Das hätten auch Sie voraussetzen können, wenn Sie, wie wir doch annehmen müssen, die deutschen Gewerkschaften und die von jeher bei ihnen übliche internationale Soli barität fennen. Zum Streit im Beamtenwirtschaftsverein. Die streifenden Bäcker und Konditoren des Beamtenwirtschafts. vereins haben gestern durch Einschreibebrief ihre Kündigung, Entlassungspapiere und den Lohn für die zwei Arbeitstage erhalten. Die 8 gemaßregelten Bäder jedoch erhielten gestern per Rohrpoſt brief die Aufforderung, spätestens heute morgen um 6 Uhr zur Arbeit zu erscheinen, um den Rest ihrer Kündigungsfrist abzuarbeiten. Die Bader haben jedoch dieser Aufforderung nicht Folge geleistet, da sie sich nach§ 124 der RGD. berechtigt fühlen, dem Beamtenwirtschaftsverein die Arbeitsleistung zu verweigern, zumal ihnen bei ihrer Entlassung das Betreten des Betriebes verboten wurde. Da es der Geschäftsleitung bisher nicht gelungen ist, Streifbrecher zu bekommen, gibt sie jetzt in verschiedenen Ber liner Bädereien Bestellungen auf, um ihre Mit glieder mit Backwaren versorgen zu können. Es ist selbstverständlich Pflicht aller übrigen Bäderejarbeiter, bei außergewöhnlichen Bestellungen darauf zu achten, ob sie nicht vom Beamtenwirt schaftsverein ausgehen. Ebenso müssen die Kutscher und Austräger jede Belieferung der Verkaufsstellen. des Beamtenwirtschaftsvereins verweigern. Die Streifenden erwarten von ihren Berufskollegen, daß sie aus Solidarität jebe Streitarbeit verweigern und sie dadurch in dem aufgezwungenen Kampf unterstützen werden. Ein königlicher Hof- Kunstschloffermeister. So etwas gibt es noch! Die Firma Ferdinand Paul Krüger ( Inhaber R. Ruhland und S. Blonst), Neukölln, Glasomstraße 42, stellt ihren Arbeiter Zeugnisse aus, die sie zur Verschönerung" als Königlicher Hof Kunstschlossermeister unterzeichnet. Wir haben aber noch nicht gehört, daß die Firma ihren Betrieb nach Doorn zu verlegen beabsichtigt. Vor einem Streik der französischen Beamten. Es ist ebenso selbstverständlich, daß die Gewerkschaften über alle möglichen Schritte in dieser Angelegenheit selbständig ent fcheiden müssen, da sie allein die notwendigen Er. fahrungen besigen und die Berantwortung vor der deutschen und der internationalen Arbeiterschaft zu tragen haben. Wollen Sie Ihren guten Willen, den englischen Arbeitsbrüdern Solidarität zu beweisen, durch die Tat befunden, so fordern Sie Ihre Parteiangehörigen und besonders ihre Parteipreffe auf, die Anfeindungen der Gewerkschaften wenigstens vorübergehend einzustellen und dafür die den Gewert- ments Rhone beschlossen in den Streif zu treten. Berliner Elektriker Gardinen! e Genossenschaft angeschl. dem Verb. soz. Baubetriebe Berlin N. 24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 6525, 6526 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4. Tel.: Pfalzburg 9831 Ausstellungsräume und Lager: Alexanderstraße 39-40( Alexander Passage), Telephon: Königstadt 540 Herstellung elektr. Licht-, Kraft- und Signalanlagen. Verkauf aller elektr.Bedarfsartikel Ausführg. sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Sonderangebote und in Gelegenheitskäufe Gardinen..2.90 KünstlerMadras Gardinen.. 4.Stores.... 2.20 1 bettig Bettdecken 4Bettdecken 8.2 bettig Spez.- Gardinenwerkst. 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Die letzte Zählung der Arbeitsmarttziffern zeigt einen neuer lichen Rückgang der Arbeitslosigkeit in Desterreich, der jedoch nicht mehr so groß wie in den verflossenen Wochen ist. Die Zahl der Arbeitslojen beträgt jezt in ganz Desterreich ungefähr 160 000. Konflikt um die Arbeitszeit in Australien. Sydney, 6. Mai.( WTB.) Die Bemühungen, den Streit wegen der 44stündigen Arbeitswoche zu regeln, find fehlgeschlagen, so daß bamit zu rechnen ist, daß neben den bisher entlassenen 30 000 bis 40 000 Maschinenarbeitern binnen furzem noch zahlreiche weitere Arbeiter zum Feiern gezwungen werden. Der Schiedsspruch zur Urlaubsregelung für die kaufmännischen und technischen Angestellten der Siegerländer Gruben- und Hüttenindustrie vom 29. März ist vom Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt worden. Ebenso der Schiedsspruch im Tarifftreit der Tafelglasindustrie vom 30. März. folgende Beranstaltungen statt: Treptow, Jugendheim. Bildenbruchſtr. 54( Rinder, Jugendgruppe bes 3. b. A. Heute, Donnerstag, abends 7 Uhr, finden hort), Arbeitsgemeinschaft über Bhilo ophie"; Hermannplay. Jugendheim, Sobrechtstr 34, Ede Ganderstraße," Ein führungsabend; Steglig, im Reſtaurant Die Albrechtshof( Schüßenallee), Albrechtstr. 2, Jugendfeier für jung und alt Bufunft, die wird unser sein." Mufit, Rezitation, Ansprache, Jugendspiel, Hans Sachs- Spiel. Eintritt fret. Hierzu sind alle Verbandsmitglieder vom Werbebezirk Steglitz herzlichst eingeladen! Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Wirtschaft Neue Hand- und Nachschlagebücher. Eine wertvolle Ergänzung der Salingschen Börsenjahrbücher und des Handbuchs der Aktien gesellschaften ist das in neuer Bearbeitung erschienene Sandbuch der Deutschen Gesellschaften mit beschränkter Haf tung von C. Greulich, Verlag Jastrow, Berlin. Es behandelt 40 000 mit Goldkapital arbeitende G. m. b. H. in Deutschland, in Saar, Danziger- und Memelgebiet, und gibt über Gründung, Höhe und Art des Kapitals, 3wed des Unternehmens und teilweise auch über Bilanzen Auskunft. Der großen Bedeutung der Gesellschaftsform der G. m. b. H. in Deutschland entsprechend, gibt es für die Beobachtung der nicht zur öffentlichen Rechnungslegung verpflichteten G. m. b. H. wenigstens einige Handhaben. Die ganze mit den Geschäften der Privatwirtschaft verbundenen Welt will in 15,000 Stichworten und Auffäßen das im Weltbund- Verlag, Hamburg, erschienene Georgs Handels- Lexikon erfassen. Das Werk leidet fast unter der Vielseitigkeit der behandelten Gegenstände ( darunter auch Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände, Betriebsrätegesetz, selbst Fremdworterklärung!), so daß die Spezialbehandlung des privatwirtschaftlichen Interessenfreifes im einzelnen manchmal etwas zu furz tommt. Jedenfalls ist die Behandlung aller privatmirtschaftlichen Dinge bis in die fernsten Ausläufer der Politik Ein eigentliches Reflame- und und des Rechtes erschöpfend. Berbebuch, das den Kunden der deutschen Maschinenfabrikanten ein Bild von den Produkten und der Leistung der Maschinenindustrie geben will, aber doch als Nachschlagewerk geeignet ist, hat der Berband Deutscher Maschinenbauanstalten herausa gebracht. In systematischer Anordnung nach Namen, Orten, Telegrammadreffen und Spezialitäten, gibt er ein Verzeichnis sämtlicher dem VDMA. in seinen 103 Verbänden oder unmittelbar ange fchloffenen Mitglieder die 93 Broz. der deutschen Maschineninduſtrie darstellen und 700 000 Arbeiter und Angestellte beschäftigen. Dem Ziele bes BDMA. vorangestellt. Im zweiten Teil gibt eine große Berzeichnis ist eine Darstellung der Organisation, Aufgaben und Anzahl deutscher Maschinenfabriken einen furzen Abriß der Tätigkeit ihrer Werke mit Bildern ihrer Spezialprodukte, die vielfach durch geschichtliche und statistische Daten ergänzt sind. Um vollständig und ausreichend für den voltswirtschaftlichen Gebrauch zu sein, bedürfte das Buch noch des Ausbaus. Kutirol ift faniert. Durch die gerichtliche Bestätigung eines Swangsvergleiches, der den Gläubigern 60 Broz. ihrer Forderungen bringt, wurde die vielgenannte Rufirolfabrit Rurt Krisp in Groß- Salze bei Magdeburg faniert. Damit sind die Zahlungs schwierigkeiten beseitigt und es erlischt die seinerzeit auch von uns ge meldete Geschäftsaufsicht. Ilfeder Hütte, der größte Trägerfiahlproduzent. Aus einem Prospekt, mit dem die Ilseder Hütte in Beine sich 10 Millionen Dollar zu beschaffen sucht, werden interessante Tatsachen bekannt. Danach ist die Iljeder Hütte, an der auch das Reich beteiligt ist, mit ihren über 10 000 Arbeitern und Angestellten die größte Produzentin von eisernen Trägern und nach Art des U geformten Stahls in Deutschland. Sie ist im Eisenerzbezug unabhängig vom Ausland und verfügt nach vorsichtiger Schäßung über eine rareserve von 220 Millionen Zonnen, die nach dem heutigen Produktionsstand für 150 Jahre vorreichen würde. In ihren Herner Zechen verfügt sie über Rohlenlager von 150 Millionen Tonnen, die für die Bertokung besonders geeignet sind. Die Hütte liefert 28 Prozent der gesamten deutschen Produktion an Trägern und U- Stahl. 1924 wurden für über 60 Millionen, 1925 für über 70 Millionen Mark Produkte abgesetzt. Die Anleihe, von der zunächst 7% Millionen Dollar aufgelegt werden, soll der Intensivierung der Betriebe dienen. Das Aktienkapital beträgt 40,5 Millionen Mart. Berantwortlich für Bolitik: Richard Bernstein: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: R. 8. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. S.. Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderek und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Freitag enorm billige Sonn- Preise! abend Michels LEIPZIGERSTRASSE ECKE MARKGRAFENSTR dieser Woche KURFÜRSTENDAMM ECKE BANKESTR STEGLITZ SCHLOSS- STR.34 Lampenschirm- Gestelle sowie sämtl. Zubeh. wie Seide, Batis Seidenfrans., Wickelband usw. in la Qualität billig in den Spezialgesch. Japana: 30 cm Durchm. 0.80 M Dorotheenstraße 58, neben der Kirche, 40-> 50-> 60-> 70-> 1,201.502-Königgrätzer Str. 44, nahe Anh. Bahnh., Brunnenstr. 159, Ecke Anklamer Str, Dreibundstr. 48, a Nord- Südbh. Kreuzb Hohenzollerndamm' 16, Ecke Uhlandstr, Alle Formen gl. Pr. Chari, Sesenheim. Str 12, E.Bismarckstr. 2.70• PEL Fahrräder Die Weltmarke MR. 300 Nur wöchentl Vorführg Teilzahl Kostenlos SHERLOCK- GES. m.b.H. 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