flbenSausgabe Nr. 273» 4Z. Jahrgang Ausgabe g Nr. ISS «?,uS5bidkgunz«n und SnHeistnrr-is« Und i» der Zkorgenausoad» an«sa«b«n KtbatUou: STD. 68, ClaOcufltatl« 3 Zernsprecher: SSnftaff 293— 29T Xel.'Vl)ten*:5a$ialtt«nio(tat Berlin sw W Devlinev Vollrsvlatt (�10 Pfennig) Zreitag 7. Mo! 1<>26 SetUf 8*6 Xii}et(€nabt«il8RS; »-8 U», Verleger: Oonoärla-tlctlag verNn SW. SS, Linde« strah» 3 Feenlprecher vSohoff 292— 292 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Versthärfung öer Streiklage. Die Schuldfrage.— Baldwins Verantwortung. London. 7. Mol. Reuter gibt heule mittag folgeudca Bericht aus: Die Stceiklage ist unverändert. Der versuch, den Straften- bahnbetriebmit Freiwilligen wieder auszunehmen, wurde durch die seindselige Haltung der Menge verhindert. Die Polizei muftte von Gummiknüppeln Gebrauch machen. In London wurden gestern 47 Omnibusse von der Menge beschädigt. Die Leben». mittelversorg uu g ist zusriedenstellend. In einer Anzahl Restaurant» ist da» Personal in den Streit getreten. Zsast auSnnhmSloS ruhiger Verlauf. London, 7. Mai.(Eigener Drcchtbericht.) Der Donnerstag ist im ganzen Lande ruhig verlaufen, auch im Londoner Osten, wo sich am Mittwoch ein« gewisse Unruhe bemerkbar gemacht hatte, ist der Tag ohne Zwischenfälle vorübergegangen. In E d i n» bürg wurden sechs Personen, die am Mittwoch bei Ausschreitungen einige Fensterscheiben zertrümmerten und Polizeibeamte mit Steinen bewarfen, zu je 80 Tagen Gefängnis verurteilt. Ein Gerücht von der Tötung eines Polizeibeamten in London hat sich als falsch herausgestellt. Nur im Osten von Glasgow kam es zu ernsteren Zwischen. fällen. Es oerbreitete sich das Gerücht, daft in einem Straßenbahn- dcpot Streikbrecher untergebracht seien. Darauf stürmte die Menge mehrfach auf das Depot. Die Polizei nahm 66 Aerhaftungen vor. Der Streit der Droschkenchauffeur« ist völlig ge» l u n g« n! seit Donnerstag abend sind die Autodroschken aus dem Londoner Verkehr verschwunden. Die„British Gazette' veröffentlicht am Freitag morgen einen Leitartikel„von einem Kabinettsminister'. Dieser Artikel stellt ein« Beantwortung der Festfiellungen des Generalrate der Ge» wcrkschaften dar, und beschäftigt sich ebenfalls mit der Schuld» frage am Ausbruch des Streik». Die Regierung hätte in den kritischen Stunden des Sonntags nicht nachgeben können, weil sonst der Eindruck hätte entstehen können, daft sie au» Angst vor der Generalstreildrohung kapituliert Hab«. Staatlicher Grubenbetrieb mit Streikbrechern. London. 7. Mai.(Eigener vrahlbertchh. Gräfte Er- r r g u a g verursachte im Unterhau» die Mittellung de» General- stl-atsanwalt» auf eine Ansrage eine» Arbeltersührer». daft durch eine Rotverorduung den Grubenbesihern staatlicher Schuh g.'währt werden soll, um stillgelegte Gruben mit HUfe von Arbeitslosen neu zu eröffnen. Der kommunistische Abg'. Saklatvala wurde vom Londoner Polizeigericht wegen aufreizender Reden im hydepark zu 2 Monaten Gefängnis oerurteilt. Die Verantwortung öalöwins. V. Sch. London. 7. Mai.(Eigener Drahtbcricht.) Da» Pro- blem der voraussichllichen Dauer des Kampfes beginnt brennend zu werden. Nach den Aeußerungen der Gewerkschaftsführer sind aber die Gewerkschaften imstande, den Ausstand noch wachen- lang fertzuführen. Man muft bedenken, daft der Ausdruck„Gene- raistreit" falsch ist.(Es sind nur wenige g r o ft e Gewerkschaften. die daran beteiligt sind: Eisenbahner. Lokomotivführer. Transport. arbeit«, Buchdrucker und einige kleinere Kategorien, aber nicht die Beamten, keine AngesteMen und keine Arbeiter anderer Kategorien. Daher wird da» Wort.Generalstreik' von den Gewnkschaften selbst vermieden, die Bewegung wird ofjiziell als.kombinierte gewerkschaftlich« Aktion zugunsten der Bergarbeiter' bezeichnet. Aber die Gewerkschaftsführer haben Mühe genug, die Streik- lust anderer Verbände im Zaume zu halten. Der Eifer, mit dem die Streikenden der Solidaritätsparole gefolgt sind, weist darauf hin. daft weiter» Streikparolen ebenso einheitlich befolgt werden würden. Wenn die Gewerkschaftsführer sagen, daft die Bewegung « r st i m A n f a n g sei. so ist das richtig. N o ch ist es kein General- streik. Deshalb war Baldwinsehrunvorsichtig.alser schon am Sonntag die Forderung aufstellt« und wiederholt«: Zunächst Streikabbruch, dann Wiederausnahme der Berhandlungen. Das be- deutet die Forderung einer Kapitulation der Gewerkschaften. Daran ist ebensowenig zu denken wie an einen bedingungslosen Rückzug der Regierung. Baldwin gilt auch in Arbeiterkreisen keineswegs als�Scharfmacher, sondern nur als ungeschickt und durch die Diehard» in der Regierung und aufterhalb der Regierung durch die Faschisten und schwerindustriellen Scharfmacher leicht be- « i n f l u ß b a r, die bei dieser Gelegenheit der Gewerkschaftsbewe- gung ein für allemal Herr werden möchten. Unter diesem Einsluft hat Baldwin versäumt, rechtzeitig in den Kohlenkonflikt «inzugreifen. Unter ihrem Einstuft hat er den nebensäch- lichen Zwischenfall In der„Daily Mail' benug». um alle Derhand- lungen abzubrechen und ein Ultimatum an den Gewerkschaftskongreß zu richten, obwohl er inzwischen im Unterhaus zugeben muftte. daft die Unterhändler der Arbeiterpartei von dem Zwischenfall nichts wußten und erst durch ihn davon erfuhren. Unter dem Einfluß der Diehard, hat er da, auch bei un» bekannt« Schlagwort der R« b»n- regierung der Gewerkschaften gebraucht und die B«w«. gung Kamst beschuldigt, politischen Charakter zu trogen, obwohl er ebenso gut wie jeder in England wußte, daft der Name Thomas ollein dafür bürgt, daft es sich um eins rein gcwerkschaft. l i ch e Aktion handelt. Die Frage ist: Wird sich Baldwin diejem Einfluß entziehen? Manche Anzeichen sprechen dafür. Zum Beispiel soll er wesentlich dazu beigetragen haben, daft die unglaublich« Provokation d« Streikenden durch das Vorgehen des Innenminister» Iohnston Hicks gegen den„Daily Herold' wieder rückgängig gemacht wurde. Sollte ab« der englische Ministerpräsident dauernd unter dem Cinfluft jener Scharfmacher bleiben, die den begonnenen Riesen- kämpf nicht mst einer Berständigung, sondern mit einer Unter. werfung der Arbeiter beenden wollen, dann sind Dauer und Folgen dieser gigantischen Auseinandersetzung nicht abzusehen. Der Buchdruckerstreik vollstäudig. London. 7. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In ganz England erscheinen mit Ausnahme der beiden Streikblätter der Gewerkschaften und der Regierung so gut wie gar kein e�Z e i t u n g e n. Nur der„Time s' gelang es gestern und heute, je eine Ausgabe von 4(statt 26 bis 32) Seilen zu veröffentlichen. Nach amtlichen Angaben sollen im ganzen Lande 80 Blätter in Notausgaben er- scheinen. Da» bedeutet, daft der Streik im Zeitungsgewerbe fast vollständig ist. London, 7. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In ihrer Frestag- nummer greift die„British Gazette' die Gewerkschaften an wegen der Herausgabe ihres Streikblalles und versucht, daraus nachzu» weifen, daft der Streik im Zeitungsgewerbe ein poli- tischer Streik gegen polstisch anders gerichtete Zeitungen sei. Demgegenüber ist festzustellen, daft die maßgebende Gewerkschasts- organifation die Zustimmung zur Herausgab« eines Nachrichten- blatte» erst ertestte. als die Regierung in ihrem durch Streik- brecher hergestellten Organ den Feldzug gegen die Gewerkschaften eröffnet hatte. Frankreichs Buchdrucker solidarisch. Pari», 7. Mal.(Eigener vrahlberichk.) Di« französische vuchdruckergewerkschafk ist von ihrer englischen Schwesterorganifallou und dem Generalkomitee des englischen Gewerkschoftsvnbandes de- vachrichligl worden, daft die englische Groftpresse versuchen wird. in Pari» und in einigen französischen Provinzftädten e n g l i- sche Zeitungen drucke» zu lassen, varanshin hat der vor- stand der französischen Druckereigewerkichast seine Anhänger zur Wahrung der Solidarität mit ihren eng'ischen Kollegen ermahnt und sie ausgefordert, sede Arbeit für englische Druckereien abzulehnen. Eingreisen des Internationalen(Kewerkschaftsbundes. Amsterdam. 7. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der Internatio- nale Gewerkschaftsbund wurde vom englischen Gewerkschaftsbund darauf aufmerksam gemacht, daft Bestrebungen im Gange sind, di« englischen Zestungen in Paris oder anderswo drucken zu lasten. Der International« Gewerkschaftsbund Hot sofort olle Organi- sationen telegraphisch von diesem Plan unterrichtet und der Crwor- tung Ausdruck gegeben, daß überall Solidarität geübt wird. Auf telegraphische» Ansuchen aus London hat der Internatio- nale Transportarbeiterverband die nötigen Maßnahmen getroffen. daß jede Fischausfuhr von Holland nach England eingestellt wird. Beim Internationalen Gewerkschaftsbund sind aus allen Teilen der Welt Sympathiekundgebungen für die englischen Arbeiter eingetroffen. �dHS. gegen Zlaggenverorünung. Dritte Tagung des Ausschusses. Der Aueschuft de» AVGB. krnl heule morgen zu sein« dritten Tagung zusammen und nahm vor Eintritt in dte Tagesordnung«in? Entschlieftung gegen die Alaggenverordnung d« Reichsregierung an. Zm Anschluß daran berichtete t e> p a e t üb« den Komps in England. Wespen. Die Wirkung der Rede Scheidemaun». Di« kräftig« Rede Scheidemann» in der gestrigen Reichstag». sitzung hat den Schwärm der Wespen aufgescheucht. Di« Recht»- preste überbietet sich in Beschimpfungen des sozial�nokratifchen Sprechers. Den Bogel schießt wieder einmal di«„Kreuzzeitung' des Grafen Westarp ab. Ihr Parlamentsredakteur ist erst vor einigen Tagen wegen Beleidigung des preuftischc» Ministerpräsidenten zu 1000 M. Geldstrafe verurteilt worden. Aber da» hindert ihn nicht, wieder einen Sozialdemokraten in der bei ihm üblichen Art anzu- greifen. Cr nennt Scheidemann«inen„roten Hellten von der traurigen Gestalt", spricht von setner„abgründigen Verlogenheit', von„kaltschnäuziger Komödie". Schlieftlich muß sogar Bethmann Hollweg herhatten, um die Wahrheitsliebe der„Kreuzzcitung' zu illustrieren. Noch ihr soll Scheidemann AnfangNoocmber 191S dem Reichskanzler Bethmann H o ll w« g erklärt haben, dies« müste dem Kaiser den Rücktritt nahelegen. Jede» politische Kind weift aber, daft Bethmann Hollweg bereit» imIahr«1917 von seinem Amt zurückgetreten war, weil Luden. dorff e« so»erlangt hattet Aktivität öer Putschisten. Ehrhardt und Picolai. Die Rechtsputschiften wittern Morgenluft. Wie da»„Berliner Tageblatt' mitteilt, haben Ehrhardt und Nicolai im Westen »ine rege Tätigkeit entwickelt, um die putschistischen Organisaionen eng« zufammenzuschlieften. Jenseits von Raum unö Zeit. Für alle Ewigkeit vorgesorgt. Dugauo. Anfang Mai 1926. Gegen den greisen Juristen Senator Luigi Lucchini liegt seit längerer Zeit ein Strafantrag vor wegen Beleidigung Mustolini». Er hat eine der zahlreichen Reden dieses Ministers in seiner„Rivifta Penale' abgedruckt mit der Bemerkung, daß die Wiedergabe erfolge,„wegen des tri- m i n a l i st i s ch e n Interesses", das die Rede biete. Wir zweifeln nicht daran, daß derselbe Senat, der den Generaldirektor der Polizei De B o n o freigesprochen hat, den Rechtsgelehrten verurteilen wird. Nichts ist heute ge- fährlicher, als das Kind beim rechten Namen nennen. Die Rede, die Mussolini bei Gelegenheit der Wiederaufnahme der Kammerarbeiten am 29. April gehalten bat, gebort offenbar eher in eine psychiatrische als in eine strafrechtliche Zeitschrift, aber man kann nach den Erfahrungen Lucchini? keinem der Irrenärzte des Senats den Rat geben, diejes Dokument in den Bereich feiner Spezialität zu ziehen. Früher schallte in den Reden Mussolinis beständig das „3ch wieder: i ch befehle, i ch heische, i ch spreche meine hohe Genugtuung aus. Dann kam der„plurnli» mafc-statia" aber der war gleichzeitig schon von Farinacci in Anspruch genommen. Jetzt spricht Mustolini von sich selbst in der dritten Person.„Die Kugeln gehen vorbei, Mussolini bleibt", sagt er in Mailand und tritt für dieses Wort eigens ein zweites Mal auf den Balkon. In der Kammer sagt er: „Mustolini hat seinen eignen unverkennbaren Stil und liebt seinen Teil vom Risiko." Cr spricht für die Geschichte: er ist sein eigner Tacitus. Aber die Perspektive der Ewigkeit hat der Faschisten- führe? nicht nur in dem Sinne, daß das bloße Stenogramm seiner Reden schon Weltgeschichte ist: mit der Ewigkeit in der Geschichte ist es dem Faschismus nicht genug. Er rüstet, sich dazu, in alle Ewigkeit die Geschichte selbst zu machen. Man lese und überdenke die nachstehende Rede, wobei man sich vorsichtshalber aller Nebenbetrachtungxu nach Mag- lichkeit enthalte: „Die Episode, di« diese eure bed«u>«b 4 Komödie„Nickel und die 86 Gerechten" mutz aus einen späteren Termin oerschoben »erden. Albert voffermann kommt wieder aack» Lcrlla. Zwischen Direktor Taktendurg und Albert Bassermann ist ein Abkommen geti offen worden, wonach A bert Baflermann m der kommenden Epielzeit mehrere Monat« oolauSsichttich am Lessing-Theater tätig sein wird. ver viswarckfilm wegen llnfiltlU tetl verboten. Die Zentur hat de« in Bra- im deutschen Kino oorgesührleu BiSmarcksilm sür die fZ"a»->v wegen Uas M chtett verboten. Der Herr Kommerzienrat aus Gießen. Don Hans Bauer. An Wilhelm Liebknechts Geburtshaus in Gießen darf keine Gedächtnistafrl angebracht werden. Der Besitzer dieses Hauses, ein deutschnationaler Kommerzienrat, erlaubt es nicht. Es ist nichts dagegen zu sagen. Ein Grundstück gehört nicht denen, vi« es be- wohnen und die mit ihm verwachsen sind, sondern dem, auf dessen Namen die Grundbucheintragung erfolgt ist. Es bildet einen Be- standteil dieses Mannes, ja, oft genug sein Charakteristikum... denn wa» wäre manch einer, wenn er eben nicht dieses Eine wäre: ein Hausbesitzerl.. und so ist der Kommerzienrat im vollen Recht«, wenn er es nicht duldet, daß an einem Stück seiner selbst, eben an seinem Haus«, die Erinnerung an einen ihm verhaßten Mann g«. pflegt wird. Trotzdem: wenn der Gießen«? Hausbesitzer auch das Aeußerfie verhindern konnte, daß sein gerichtsnotorisches Eigentum mit dem Namen eines roten Umstürzlers bemokell wurde, so wird er es doch nicht vermeiden können, daß, trotz der fehlenden Tafel, fein Haus im Bewußtsein der Bevölkerung als das„Wilhelm- Liebtnecht-Haus" westerleben wird und daß die fremden Besucher Gießen» es mit neugierig-grüßendem Blick mustern und leis vor sich hinsprechen werden, wenn sie vor ihm stehen: Dieses Haus sst«in historisches Hau». Hier drinnen- ist der all« Liebknecht geboren worden. Was aber manch« Leute sich auch beifallen lassen! Sick begnügen sich nicht damit, so, wie es sich gehört, pünklich ihre Miete zu bezahlen, die Hausordnung zu befolgen, den Herrn Hofbesitzer zuerst auf der Straße zu grüßen und, wenn ihr Stündlein geschlagen hat, hübsch unaussällig abzutreten und ihr«, mit der Unterzeichnung des Mietver- träges«ingegangenen Verpflichtungen an ihre Erben zu übertrogen, nein, sie fetzen dann noch Kinder in die Welt, deren Namen strahlend über dem Lande aufgeht und der es sogar vermag, das Zinshäuschen eines Kommerzienrat«» in den unerwünschten Glanz des öffentlichen Interesse» zu setzen. Wo bleibt da die Heiligtest des Eigentums, wenn dieser Begriff sich nur auf die greifbare Substanz, nicht aber auch auf di« Seele der Ving« erstreckt, wenn ein beliebige, Kind von einfachen Mietsleuten jederzeit dem Besitztum eines Kommerzienrats den Stem- pel seiner Persönlichkeit ausdrücken kann,«» mit dem Schlag seine» Herzens zu umweben vermag I vi« lebenden Gesinnungsfreunde de» großen Toten haben sich zu helfen gemußt. Sie haben ihr« Tafel an einem Gebäude auf der anderen Straßenseite angebracht und auf ihr vermerkt, daß.diesem Hause gegenüber" der groß« proletarische Kämpfer das Licht der Well erblickte. So wird dem Kommerzienrat olles Sträuben nichts nützen. Es ist ihm gelungen, dort, wo er unmittelbare Macht hat, di« Buchstaben de» ominösen Namen» zu verbannen, aber schon wenige Schritt« außerhalb de« Bereiche» seiner Wacht jjsejst«« an her Mauer ge- schrieben: Wilhelm Liebknecht. Und was nun gar dessen Geist betrifft, so hat er sich in die Wett ergossen und nicht einmal die Besitzgewall über die Stube, in der er Körper und Bestall annahm, vermag es, ihn zu verstopfen. Schlechte Zeiten für Kommerzienräte! plauöerkomöüie in üer Königgrätzer Straße. Ladislaus Fodor plaudert leicht und sehr gewandt ein Lustspiel zusammen. Pointen und Einfälle, auch Anleihen, die mst Grazie verschleiert werden. Der Budapester ist in die Parsser Schule gegangen. Er war ein talentvoller Schüler, der eine Prämie oerdient. Schon das Thema: Aktuell und doch wieder für den Geschmack des wohlerzogenen Parketts. Pikanterien, die niemals vollkommen schlüpfrig werden.' Titel dementsprechend sanft aufregend„Fräulein Dr. Schmidt". Das Fräulein Doktor sst Aerztin. Sie sagt zu Herren und Damen:„Bstte ziehen Sie sich aus." Da» Aus- ziehen wird gewöhnlich nur angedroht, höchstens bei der Dame oberflächlich vollzogen. Und Fräulein Dr. Scknnidt, eben noch etwas derb und sehr selbstbewußt, wird im Zwesten Akt honiasüß und ganz weibchenweich. Man kann sich denken, mst welcher Inbrunst sie zum Schluß des drstten Aktes in den Ehehafen einläuft. In diesem Lustspiel zwei Szenen, die mehr als Plauderei sind. Sie sind nämlich köstliche Satire. Das Fräulein Doktor und der berühmte Professor sollen Konsilium abHallen. Sie tun es unter vier Augen, indem sie sich nur über ihre Privatsachen und über die Honorare einigen, die sie ankreiden wollen. Und als Fräulein Dr. Schmidt nicht mehr daran denkt, in di« Klinik zurückzugehen, gibt sie zwsschen vielen Küssen, ihr ausgeschmatzt von ihrem künstigen EHcHerrn, Anordnungen sür die Fernbehandlung der Patienten. Sehr hübsch, wirklich komödienhaft. Ladislaus Fodor oersteht es. Amüsement mit Klughest zu mischen. Ladislaus D a j d a, der Regisseur, wurde aus Budapest einge- laden, die ungarische Komödie zu inszenieren. Er gab seinen Künstlern denn auch papriezietten Furor ein. Er heizt« die Schauspieler an. Er fand in Frau Konstantin die gelehrigste Mithelferin, di« Anmut und Gefühl, lleberlegenheit und Zärtlichkeit spielen ließ, damst Fräulein Dr. Schmidt die Rechte ihrer gelehrten Schwestern auf das kleine Frauenglück durchsetzt. Die Aufführung in der Königgratzer Straß« mußre gefallen, da Hedwig Mangel und Willy B e n d o w mit chrer wohldisziplinierten Komik die närrische Seit« de» Lebens immer wieder fröhlich beleuchteten. Walter Janssen und Anne Kirsten hatten den sentimenlalen Part. _ M H. vi« Entwicklung der Zeitungswissenschaft. Die noch junge Zei- tungswissenschaft kann jetzt ihr zehnjähriges Jubiläum als akademi. lches Lehrfach feiern. Im Weltkrieg, der ja die ungeheure Be» deutung des Zeitungswesens uns Deutschen in der feindlichen Propaganda schmerzlich vor Augen stellte, wurde die erste„Zeitungs- wissen schastliche Fakultät" begründet, und das Interesse an dieser neuen Wissenschast sst dann in steigendem Maße gewachsen. In den „Berliner Hochschulnachrichten" gibt Dr. Fritz"Körner einen zu- sammenfassenden Ueberblick über diese« erste Jahrzehnt der Zei- tungswissenschaft an den Unloersstätoi, da» 191« durch di« Aaggenverorünung/ Luthertrise. Dentschnationale Hoffnungen.— Krise auf jeden Fall. Unternehmer gegen Krankenkassen. Der Uuternehmcrprofit mutz erhalten bleibe«. Die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände führt in chrer Zeitschrift„Der Arbeitgeber"' nicht nur einen Kampf gegen die Sozialversicherung; sie fährt auch schwerstes Geschütz gegen die vom Hauptverband deutscher Krankenkassen geschaffene„Heilmittelversorgung deutscher Krankenkassen A.-G." auf. Dieses Unternehmen ist zu dem Zwecke gegründet worden, um eine Einkaufszentrale, wie sie übrigens auch bei anderen privaten und öffentlichen Körperschaften besteht, zu schaffen, von der die Kranken- lassen die Heilmittel beziehen können, die sie an die Ver- sicherten selbst abgeben. Die„Heilmittewersorgung" ist bei der Skaller A.-G. beteiligt, die Derbandstoffe und Bandagen herstellt. Auf diesem Wege sollen die Krankenkassen in die Lage oersetzt werden, gute Ware zu billigen Preisen für die Versorgung ihrer Versicherten zu beziehen. Die Regierung und die Gesetzgeber hätten alle Veran- lassung, diese Selb st Hilfeeinrichtung tatkräftigst zu fördern. Hier soll mit dem gering st en Geldaufwand der höchste Nutzeffekt erziest werden. All diese Maß- nahmen laufen auf eine Entlastung der Beitragspflichtigen hinaus. Das viel beredete Sparen gewinnt hier praktische Gestalt. Aber auch hier enthüllt sich die Doppelzüngigkeit des Unternehmertums. Es soll gespart werden; geschieht es am richtigen Platze, dann erhebt sich ein Geschrei über„So- ziallsierung des Gesundheitswesens". Die Unternehmer for- dern vermehrte Selbschilfe; wird Gebrauch davon gemacht, dann soll die Gesetzgebung das verhindern.„Die Wirtschaft aber, die die Beiträge zu den Ortskrankenkassen aufbringen muß, wird durch eine derartige Betätigung der Ortskranken- lassen auf das empfindlichste geschädigt." Also verkündet es ein Dr. Erdmann im„Arbeitgeber". Er verschweigt, daß zwei Drittel der Beiträge von den Arbeitern und Ange st eilten aufgebracht werden. Jetzt ist auch der Reichsverband der deutschen Industrie auf den Plan getreten. Er hat unter Mitwirkung des Der- bandes zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie, des Zentralverbandes der deutschen elektrotechnischen In- dustrie, des Reichsverbandes der optischen Industrie und des Reichsverbandes der deutschen Dentalfabrikanten dem Reichstag eine Denkschrift eingereicht. Durch Aen- dcrung der Reichsversicherungsordnung soll den Kranken- lassen verboten werden, auf dem Wege der Selbsthllfe den dreimal geheiligten Unternehmerprofit zu ge- f ä h r d e n. Dr. Erdmann leistet sich im„Arbeitgeber" den frechen Witz, zu behaupten, daß die Krankenkassen mit ihren Selbsthilfeeinrichtungen einen Kampf gegen die freie Wirt- schaft führen. So dumm kann Dr. Erdmann nicht sein, daß er selbst glauben würde, ausgerechnet in der chemischen, elektrotechnischen und optischen Industrie herrsche die„freie Wirtschaft". Regierung und Reichstag haben die Pflicht, die Träger der Krankenversicherung gegen die frechen Unternehmer- angriffe zu schützen und die Bestrebungen der Krankenkassen auf dem Gebiete wirtschaftlicher Selbsthilfe zu fördern. Kreüitbürgschastea ües Reichs. Wahrung des Budgetrechts des Reichstags. Der Beschluß des Haushaltsausschusses, keine Kreditvorlagen zu beraten, bevor nicht die verlangte» Nachwcisungen der vom Reich übernommenen und noch laufenden Bürgschaften eingegangen seien, hat schnell gewirkt. Bereits gestern abend ging diese Rochweisung den Mitgliedern des Ausschusses zu. Der Ausschuß beschäftigte sich daher in der Sitzung vom Freitag von neuem mit den Vorlagen wegen der Uebernahme von Garantien durch das Reich für die Leinen- und die Traktoren- industrie, für die Deutsche Reichsbahngefellschast. über die wir be- reits berichtet haben. Nach einer längeren Debatte wurde der Ankrag de» Vorsitzenden, in eine sachliche Beratung im Ausschuß nicht einzu- treten, weil der angezogene ß /Öcs Etatgesetzes nicht zutreffe, mit allen bürgerlichen gegen die sozia-demokratischeu und kommunistischen Slimmen abgelehnt. Da aber die Berechtigung der Einwände des Borfitzenden von allen Seiten, auch von der Regierung anerkannt wurde, fand eine von der Bolkspartei und dem Zentrum eingebrachte Resolution Annahme, in der die Regierung aufgefordert wird, zu prüfen, ob nicht«ine besondere gesetzliche Bestim- m u n g notwendig sei, um die Uebernahme von Garantien durch das Reich in besonders gelagerten Fällen auf einem abgekürzten Wege zu ermöglichen. Der Ausschuß stand auf dem Standpunkt, daß der betreffende Paragraph des Etatsgefetzes von jetzt ab nur streng einschränkend auszulegen fei. In der sachlichen Beratung nahmen die bürgerlichen Fraktionen für die F l a ch s i n d u st r i e den Antrag an. daß das Reich gegen- über der Rcichskreditgefellschaft die Ausfall- und Liqui- ditätsbürgfchaft für den der deutscheu Flachswirtschaft zu gewährenden Produktionskredit von 9 Millionen Mark übernimmt. Gleichfalls, und zwar mit den Stimmen der Sozialdemokratie, wurde beschlossen, daß der Traktorenindustrie unter den in der Dorlage dargelegten Boraussetzungen und Bedingungen eine Reichsgarantie bis zur Grenze von IS Millionen und die Bereit- ftellung eine» Rcichskredits von S— 6 Millionen gewährt werde. Die Sozioldemokratie knüpfte an ihre Zustimmung die Bedingung, daß die bewilligten Gelder nur zur Erhaltung des deutschen Trat- torenbaues und in keiner wie immer gearteten Form etwa zur Befriedigung der bisherigen Gläubiger verwandt werden dürfe. Die Vorlage über die Reichsbahn fall am Dienstag noch Be- fprcchung in den Fraktionen behandelt werden. Die Rufwertung öer Sauöarlehen. Dem SlufwertuugSgcfetz angcpastt. In seiner letzten Sitzung vor Ostern hatte der Reichstag den von der Sozialdemokratie beantragten Gefetzentwurf angenommen, der es den Ländern unmöglich macht, die durch das Finanzausgleich- gefetz bewirkte Senkung des Aufwertungssatzes für Baudarlehen von 40 auf 25 Proz. zu umgehen. Auf Antrag der württembergischen Regierung erheb der Reichsrat gegen diesen Gesetzentwurf Einspruch. Die Reichsregierung brachte darauf einen eigenen Gefetzentwurf ein. der grundsätzlich an der Sen- kung von 40 aus 2S Proz. festhielt, ober für die Umrechnung der Papiermorkdarlehen in Goldmark die Meßzahlen des Aufwertimgs- gefctze« fstatt des Dollarkurfee) einfügte und weiter bestimmte, daß dort, wo der Goldmarkwert der Darlehen auf einen höheren als den nach den Meß, zahlen fich ergebenden Betrag festgesetzt ist (Württemberg), aus Antrag de» Eigentümer, noch billigem Ermessen ein« Ermäßigung zu gewähren ist. gerner sollt« nach diesem Entwurf In den Ländern, die mit Papiergeld beliehen« Se- bäude statt mit einer Srundfchuld mit der Hauszinssteuer belasten. eine entsprechende Ermäßigung dieser Steuer gewährt werden. Der Steuerausschuß des Reichstages Hot bei Beratung dieser Borlage einmütig einoni Antrag« Dr. Schesfer(Ztr.) und Keil(Soz.) zugestimmt, der wiederum die Ermäßigung der Grund- schuld von 40 aus 2B Proz. zur Voraussetzung hat und weiter be- stimmt, daß der Eigentümer auch dann«inen Anspruch auf Die Entscheidung über das Schicksal des Kabinetts Luther fällt am Dienstag bei der Abstimmung über das sozialdemokratische Mißtrauensvotum gegen Luther. Die Regierungsparteien ohne Demokraten verfügen über 160 Stimmen, Sozialdemokraten und Kommunisten über 176 Stim- men. Führen die Demokraten ihren Beschluß durch, für den sozialdemokratischen Antrag zu stimmen, so liegt das Geschick Luthers in den Händen der 125 Deutschnationalen und Döl- kischen. Darauf gründen die Deutschnationalen Hoffnungen. Der.Lokalanzeiger" schreibt: „Ohne weiteres leuchtet aber ein, daß das Kabinett Luther, und daß der Reichskanzler persönlich ver» l o r e n find, wenn die Deutschnationalen bei dem sozial- demokratischen Antrag sich der Stimm« nur enthalten und sie nicht gegen das Mißtrauensvotum abgeben... Krise? Vielleicht. Möglicherweise. Austritt der Demokraten aus der Regierungskoalition? Dielleicht. Möglicherweise. Fest steht nur das eine: daß die Regierung Luther allein mit Unter- stützung der Deutschnationalen ihr Leben wird fristen können. Eine Tatsache von außerordentlichem politi- schen Belang. Eine, die sich unbedingt weiter wird auswirken müssen." Nach der demokratischen Presse ist die Regierungskrsse unvermeidlich, auch wenn der sozialdemokratische Mißtrauens» antrag mit Hllfe der Deutschnationalen abgelehnt würde. Das„Berliner Tageblatt" schreibt: .Ledeissalls kann aber kein Zweifel darüber sein, daß die d e m o- kratifche Reichstagsfraktion den jetzigen Zustand als unerträglich ansieht. Wenn kein« unvorhergesehene Wendung eintritt, wird die demokratische Reichstagsfraktion nicht nur nicht gegen den sozialdemokratischen Mißbilligungsantrag. sondern für ihn stimmen. Würde der sozialdemokratische Antrag, der dem Reichskanzler die Mißbilligung ausspricht, am Dienstag zur Annahme gelangen, so würde wohl das gesamte Kabinett seinen Rücktritt erklären. Aber auch im Falle der Ablehnung des sozialdemokratischen MißbMigungsantrages wäre eine Regierungskrise wohl kaum zu vermeiden. Denn wenn die demokratische Reichstagsfraktion diesem Mißbilligungsantrag zu- stimmen wird, dann würden zweifellos auch im Falle seiner Ab- lehnung durch eine Mehrheit die demokratischen Reichs- minister die Konsequenzen ziehen und ihrPorte- feuille zur Derfügung stellen müssen." Die„Germania" hält ebenfalls die Regierungskrise für wahrscheinlich: »Dagegen ist es zweifelhaft, welchen Ausgang die Flaggen- frage nehmen wird. Die Rechtsparteien und die Rechts- presse, die auf einen Winl von oben ihre Freude über die Flaggen- Verordnung verbirgt, haben»och nicht erkennen lassen, welch« Stellung sie einzunehmen gedenken. Es ist nicht ausgeschlossen, sogar wahrscheinlich, daß das Mißtrauensvotum gegen den Reichs- kanzler eine Mehrheit findet und damit eine Regierungskrise eintritt, die Herr Lutlzer selbst heraufbeschworen hat. Herr Reichs- kanzler Luther soll die Absicht geäußert haben, auf alle Fälle zu demissionieren, wenn eine der Regie- rungsparteien gegen ihn stimm t." In der„B o s s i s ch e n Z e i t u n g" sieht Georg Bernhard voraus, daß die Krise über kurz oder lang zur Auflösung des Reichstags führen werde, und er wünscht diesen Weg zur end- gültigen Ensscheidung des Flaggenstreits: »Es. scheint dringend notwendig, daß die Kluft, die wegen der Farbensrage durch das ganze Boll geht, endlich einmal geschlossen wird. Aber das kann natürlich nicht auf dem Verordnungswege, sondern nur auf parlamentarischen Wegen geschehen. Die Hauptsache ist, daß über die wirkliche Meinung im Balte Klarheit geschaffen wird. Das kann auf dem Wege des Boltsent- scheids geschehen. Aber unter Umständen ist der einfachere Weg der, der sich über kurz oder lang aus der jetzt zu erwartenden Kabinettskrise sowieso ergeben wird, nämlich der Weg der Auflösung des Reichstages." Ermäßigung hat, wenn der Goldmarkbetrag des Darlehens bisher auf einen höheren Satz festgesetzt war. Zur Ermäßigung ist also nicht ein Antrag erforderlich und sie ist auch nicht vom billigen Ermessen der Landesbehörde abhängig. Ausgenommen sind von der Ermäßi- qung die schon erfolgten Rückzahlungen und die Fälle, in denen der Unterschiet, zwischen der früheren und der jetzigen Berechnung weniger als 50 Mark beträgt. Auch soll eine nachträgliche Rückerstattung der für den bisherigen höheren Grundschuldbetrag zuviel bezahlten Zin sen unterbleiben. Das Berlangen der württemberaischen Regierung, den Unterschiedsbetrag, der unberücksichtigt bleiben soll, auf 100 Mark statt auf SO Mark festzusetzen, fand im Ausschuß keine Unterstützung. Die württembergische Regierung, die durch«inen groben Verstoß gegen ein Reichsgesetz die Anpassung der Aufwertung der Baudarlehen an die allgemeine Aufwertung verhindern wollte, ist damit zum zweiten Male zurechtgewiesen worden. Hegen Sie politische Justiz. Protestkundgebungen in Dresden. Dresden. 7. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Sazialdemo- kratifche Partei Graß-Dresdens veranstaltete in den vier größten Sälen Dresdens Protestkundgebungen gegen die politische Justiz in Deutschland, die alle sehr gut besucht waren und einen glänzenden Derlauf nahmen. Rechtsanwalt Dr. Leo«, der Verteidiger im Asmus-Prozeß und Berichterstatter im Feme-Unterfuchungsausschuh des Reichstages, sprach in zwei Versammlungen und behandelte unter stürmischer Zustimmung der Versammelten eine Anzahl krasser Fälle deusscher Rechtsprechung. Auch die anderen Redner, die Landtagsabgeordneten Menke und Edel fanden lebhaften Beifall der auch von großen Teilen des Bürgertums besuchten Versammlungen, die sich mit dem A s m u s» Prozeß, dem sächsischen Solksnotopferskandal und dem Sumpf der Fememörder beschäftigten. In allen vier Der- sammlungen fand folgende Entschließung einstimmige Annahm«: »Die stark besuchte Kundgebung der SPD. Groß-Dresbens gibt ihrer tlefsten Empörung Ausdruck über die heute geübte Rechts- pflege. Sie erblickt in den harten Urteilen gegen Arbeiter und Re- publikaner und in der milden Beurteilung von Vergehen rechts- stehender Kreise einseitig politische Maßnahmen gegen Republik und Arbeiterbewegung. Sie ver- urteilt daher auch die Beschlüsse des Landtages, nach denen Ab- geordnete der Arbeiterparteien wegen politischer Bergehen der bür- gerllchen Justiz ausgeliefert werden. Dem Oberstaat«- Der Reichskanzler Luther ist unmöglich geworden. Am kommenden Dienstag wird er die Flaggenverordnung vor dem Reichstag zu verteidigen haben. Dann entscheidet sich sein Geschick. Rustritt öer öemokratischen Minister. Eine Forderung der Hamburger Demokraten. Hamburg, 7. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der Vorstand der Demokratischen Partei Hamburgs hat der Presse eine Entschließung übergeben, in der scharf Stellung genommen wird gegen die Flaggenberordnung, die als Vergewaltigung der staotstreuen Republikaner bezeichnet wird. Es wird schärsster Kampf gegen die zweideutigen Bestrebungen monarchi- stischer Minister gefordert. Sollte die Verordnung ausrecht erhalten werden, so erwarten die Hamburger Demokraten den Austritt der demokratischen Minister aus dem Kabinett. Sonntagsüemonstrationen Ses Reichsbanners. Magdeburg, 7. Mai(Eigener Drohtbericht.) Der Bundes- vorstand des Reichsbanners Schwarz. Rot- Gold hat die Gauleitungen im Reiche angewiesen, alleOrtsgr Uppen aufzufordern, am Sonntag gegen den Flaggenroub durch den Reichskanzler Lucher zu demonstrieren. Es wird erwartet, daß alle Ortsgruppen von sich aus die notwendigen Vorbereitungen treffen, daß am Sonntag durch ganz Deusschland gewaltige Kundgebungen zustandegekommen gegen das Verhalten der Reichsregierung. Rbwehr des fittentats aufSchwarzrotgolö. Adam Röder— Mitglied des Reichsbanners. Magdeburg. 7. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die „Magdeburger Bolksstimme" veröffentlicht folgenden Brief, den der Zentrumsabgeordnete Adam Röder an den Ober- Präsidenten H ö r f i n g richtet: „Hierdurch ersuche ich höflichst, mich in die Mitglieder- liste des Reichsbanners einzeichnen zu lassen. Als alte? Christlich-Konservativer, der ober den gegenwärtigen Staat bejaht, weil er diesen als eine geschichtliche und logische Konsequenz der politischen und sozialwirtschastlichen Entwicklung anerkennt, habe ich bisher Bedenken gehabt, mich dem Reichsbanner anzuschließen, da man Traditionen— in diesem Falle die schwarzweißrote Farbe—> die durch geistig-gemütliche Umstände dem Herzen verhastet sind, nicht ohne weiteres abschüttelt. DieDerordnungderReichsregierung, nach meiner Auffassung ungesetzlich und der Verfassung wider- sprechend, zwingt mich aber jene Bedenken beiseite zu setzen und mich dem Reichsbanner anzuschließen. Es ist unbegreiflich, wie die Reichsregierung, die nicht nur als Hüter der Rcichsverfassung berufen ist, sonder» ihr Amt ohne autoritative Auslegerei zu verwalten hat, eine Maßregel treffen kann, die dem Geist der Weimarer Der- fassung entgegensteht. Wer kein politischer Naivling ist, kann es mit dem Stock fühlen, daß mit der Verordnung ein Schlag ,,. gegen Geist. Sinn und Absichten des Werkes von Weimar geführt wird. Die Anhänger der politischen und sozialen Reaktion jubeln-, r und fassen die Einsetzung der schwarzweißroten Farben in die legi»'»' tim« Vertretung des Reichs und seine Repräsentation nach außen als einen ersten Schritt zur veseiligung der verfassungsmäßigen Farben schwarzrolgold, als einen Schlag gegen Sinn und Zdee de» Gegenwartsstaates, als eine von Reichs wegen uolsrstühle Kraft- äußerung der Reaktion ans. Aus diesem Grunde meld« ich mich beim Reichsbanner an. Ich wünsche von Herzen, daß viele, die aus ähnlichen Erwägungen wie ich bisher beiseite standen, den gleichen Schritt tun möchten. Die Reaktion macht mobil. Es ist notwendig, daß die Bataillone der Abwehr sich verstärken. Hochachtungsvoll ganz ergebenst Adam Röder. Das ist die Antwort eines wahrhaft verfassungstreuen Mannes I Seine Mahnung an die Republikaner wird nicht ungehört bleiben. anwalt Asmus spricht die Dersammlung ihre Anerkennung aus für seine verständnisvolle Stellungnahme gegenüber dem Vergehen Minderbemittelter in wirtschaftlich schwerer und politisch auf- geregter Zeit. Die Dersammlung fordert von der SPD., daß sie bei den kommenden Landtagswahlen alles daran setzen wird, in Sachsen eine sozialistische Mehrheit zu erringen, die ihre Politik dem Rechtsempfinden der Arbeiterschaft anpaßt." Die Ministerkrife in Belgien. Mmisterpräsident Poullet rechnet auch weiterhin damit, neue Mitarbeiter zu finden. Die Sozialisten beschlossen, in der Regierung zu verbleiben, sie werden dem Ein- tritt neuer Persönlichkeiten keinen Widerstand entgegensetzen, so. weit sie die Hauptpunkte des Regierungsprogrammes sich zu eigen machen. Poraussichllich werden die Liberalen einen Eintritt in dt« Regierung ablehnen._ Mus öer Partei. Orgamsalorische Borbereituagea zum Volksentscheid. Run der Termin für das Stattfinden des Volksentscheids in sichtbare Nähe gerückt ist, werden auf Anweisungen des Partei- Vorstandes die Agitationsarbeiten in den Bezirken sofort aufge- nommen. Die Bersammlungetätigkeit wird in der nächsten Zeit wieder reger einsetzen. Zur Unterstützung der Referenten gibt der Parteivoriiand an die Bezirksvorstände einiges besonderes Material heraus. Zur Verteilung an die Wähler und Wählerinnen wird eine Broschüre in Massenauflage hergestellt, die Alwin Eaenßers vortressliche Reichstagsrede vom 29. April enthält. vier wirkungsvolle Bildplakate sind unseren größten Parteidnick»- rcien zur schleunigen Anjertigung in Auftrag gegeben. Zwei Flug- blätter wenden sich besonder» an die F r a u« n, um sie für unseren zum Dolksentscheid gestellten Antrag zu gewinnen. Eine Anzahl kleinerer Flugblatt- und Handzettelentwürfe(zum Teil illustriert) find fertiggestellt und werden in den nächsten Tagen den Bezirken zur Ansicht und Auswahl zugesandt; um«ine schnelle Herstellung ermöglichen, werden auf Wunsch den Bezirksvorständen davon atern zugestellt. Die Agitation für den Volksentscheid muß seder Bezirk für den ganzen Dereich seines Derbreitungsgebiets allein vornehmen: sie gleicht einer Agitation für eine Wahl, zu der unsere Partei ihre volle agitatorische und organisatorische Kraft selbständig einsetzen muß. Da die Kosten für diese größte Wahlbeweaung, die Deutschland bisher erlebt hat, sehr erhebliche sind, müssen die freiwilligen Geld- sammlungen eifrig betrieben werden. SsWerMoDbewegung Vie es zum englisthen Großkampf kam. üMhur pugh über die lehke Cnkwlcklung bez Konflikts. Sit einer außerordentlichen Konferenz der Exekutiven der dem Britischen Gewerkschoftsbund angeschlossenen Organisationen sprach Arthur Pugh, der Präsident des Britischen Gewerlschostsbundes, über die eigentlichen Ursachen, die zu dem Konflikt in England führten. Er weist zunächst aus die Lage hin, wie sie sich im oer- gangenen Jahre und in den letzten Tagen darstellte. Im ver- aangenen Jahre waren die Bergarbeiter" unmittelbar von Lohn- Herabsetzungen, der Lerlängerung der Arbeitszeit und der Abschaf- fung des Minimoilohns bedroht. Auch in diesem Jahre drohten diese Gesahren, es log jedoch— und dies ist der wesentlich« Unterschied— der Bericht der königlichen Kohlenkommission vor. Diese Kommis- sion kam zu dem Schluß, daß die Industrie besser organisiert werden tmrß und kann. Es sind demnach nicht die Arbeiicr, die für die schlechte Laxe der Industrie verantwortlich sind. An die Arbeiter gerichtete Vorwürfe betr. die politische Agitation und die Einschränkung der Produktion wies die Kommstswn zurück. Desgleichen lehnte sie die Lorschläge der Unternehmer ab. In dem Bericht wird un- zweideutig gejagt, daß die Kommission die Ansichten der Unter- nehmer nicht gutheißen konnte, wonach wenig oder nichts zur besseren Organisation der Industrie getan werden könne und die einzig praktische Lösung die Lerlängerung der Arbeitszeit und die Herab- setzunq der Löhne sei. Als die königliche Kommission im Mai ihre Vorschläge unter- breitete, stellte sie nachstehende klare Bedingung auf: „Bevor von den in der Industrie Beschäftigten irgendwelche Opser verlangt werden, muß definitiv fe st gelegt werden. daß alle praktischen Mittel zur besseren Organi- lation so schnell wie möglich angewandt werden." Die Arbeiter hofften, daß die nachfolgenden Verhandlungen im Hinblick auf diese Feststellung geführt würden. Dies war aber keineswegs der Fall. In den Diskussionen über den Bericht der Kohlenkommission wurde die Frage der Lohnhcrabsetzungen in den Lordergrund geschoben und die Besprechung der grundlegenden Fragen vernachlässigt. Aui alle Fälle taten die Unternehmer alles, um die Dinge in dieser Richtung zu beeinflussen. Man verlangte sozusagen von den Bergleuten mate- rielle Opfer, o b n e daß Sicherheit darüber bestand, daß die In- dustrie auch talsächlich den Empfehlungen der Kommission zufolge umgestellt und so in die Lage versetzt werde, anständige Löhne zu bezahlen. Dies ist der eigentliche Grund, weshalb die Verhandlungen schon vor einer Woche auf dem toten Punkt anlangten und seither keine wesentlichen Aenderungen mehr eintraten. Die Unternehmer kündigten unterdesien an den Grubeneingängen die neuen, herab- gesetzten Löhn? an und sperrten damit die Arbeiter aus. Sie unter- breiteten wohl einen Entwurf betr. ein nationales Uebereinkommen, weigerten sich jedoch entschieden, über die Einführung irgend- welcher nationaler M i n i m o l s ä tz e zu reden. Desgleichen wall- ten sie auch von einer nationalen Besprechung von Distrikt-säken nichts wissen. Da es die Regierung ebenfalls unterließ, auf die Unternehmer einen Druck auszuüben und auf die wesentlichen Punkte des Koblenberichts hinzuweisen, mußte es schließlich zum offenen Konflikt kommen. Die englischen Arbeiter stehen mit sauberen Händen da!_ Internationale SoUüaritätsaktion. Zugunsten des englischen Grohkampfes. Aus Amsterdam wird uns von der Internationalen Transport- arbeiter-Föderation mitgeteilt: Am 5. Mai fand in Rotterdam auf Veranlassung der ITF. ein« gemeinsame Sitzung von Vertretern der belgischen und holländischen Transportarbeiterverbände statt. Es konnte festgestellt werden, daß die von der ITF. herausgegebene Parole: 1. den Export von Kohlen nach England zu oerhindern. 2. keine eng- lischen Schiffe zu bebunkern, auch in Belgien streng befolgt wird. Vom Deutschen Perke hrsbund, der sowohl Trans- portarbeiter als Seeleute und Binnenschiffer erfaßt, ist der ITF. mitgeteilt worden, daß dessen Vorstand b- schlössen hat, den Kampf der englischen Arbeiter in der von der ITF. angedeuteten Weise zu unter st ützen. Gleiche Mittellungen sind der ITF. zugegangen von dem tschechischen Eisenbahneroerband„Unie". sowie der Interskandinavischen Föderation der Trans- Portarbeiterverbände. Vie vominlons un) üer englische Streik. Die Arbsilcr find solidarisch. Sydney, 7. Mai.(WTB.) In Erwiderung auf das Ersuchen des Sekretärs der Amsterdamer International? beschloß der Gswert- schaftsrat von Sydney, sich mit der Union der Seeleute, dem Berg- arbeiterverband und den Kohlenträzsrn in den Häsen in Verbindung zu setzen und sie zu ersuchen, daß sie keine besonderen Vorräte an Kohle aus die brittschen Schisse verladen sollten und daß keine Aus- suhrkohle an Bord fremder Schiffe gebracht werde, die nach Eng» land bestimmt sind. Der Rat beschloß ferner, die britischen Borg- arbeiter zu unterstützen. Zohannesburg, 7. Mai. lWTB.) Der nationale Vollzugsrat des südafrikanischen Gewerkschaftskongresses beschloß, dem britischen Gewerkschastskonzreß bei feinen namens der Streikenden aukgenom- menen Bemühungen jede Unterstützung zu gewähren. Es wurde eine Entschließung angenommen, d's den Vollzugsausschlih ermächtigt, sich sofort mit allen Organisationen in Verbindung zu setzen, um jeden Versuch, Waren nach Großbritannien zu erpor- tieren, zu verhindern. In einer weiteren Entschließung werden die Drucker aufgefordert, es abzulehnen, irgendetwas zu drucken, was geeignet wäre, die Sache der britischen Arbeiter zu schädigen. Sympathiekundgebung der New 3)orker Gewerkschaften. Rem Vork. 7. Mai.(WTB.) Der Aentralausschuß der hiesigen Gewerkschaften hat einstimmig«ine Entschließung angenommen, in der den streikenden englischen Arbeitern die Sympathie der New Uorker Gewerkschaften ausgesprochen wird. Die amerikanischen Bergardeiter für den englischen Streik. Mw ZZork. 7. Mai.(TU.) Der Präsident des amerikanischen Bergarbeiterverbandes, Farrington(?)»Jllinois hat den eng- lischen Bergarbeitern seine volle Unterstützung zugesagt. Tschechoslowakische Arbeiter zum Streik. Prag, 7. Mai.(WTB.) Die Organisation der Bergarbeiterver- bände und der Verband der Eisenbahnangestellten haben in einer gemeinsamen Sitzung beschlossen, eine Erhöhung der Kohlenaus- fuhr zu v e r h i n d s r n. Es soll zu geeigneten Kontrollmaßnahmen in den einzelnen Grenzstationen geschritten werden. Sollte festge- stellt werden, daß der Kohlenexport über das normale Ausmaß steigt, werden sofort die notwendigen Abwehrmaßnahmen ergriffen werden. Sympathiestreik der australischen Bergarbeiter. London. 7. Mai.(TU.) Wie aus Melbourne gemeldet wird. beben die Bergarbeiter Rcusüdwales beschlossen, morgen in den Sympathiestreil für die englische Arbeiterschaft zu treten. Tie japanische Arbeiterschaft unterstützt den Streik. London. 7 Mai.(TU.) Wie aus Tokio gemeldet wird, schließt sich die japanische Arbeiterschaft der internationalen Bewegung zur Unterstützung der englischen Streikenden an. Ein'größerer Spenden- betrag ist nach Englano überwiesen worden. Die Solidarität der Jugend. Das Sekretariat der Sozialistischen Iugend-Internationale hat an den Internationalen Gewerkschaftsbund folgendes Telegramm gerichtet: Die in der Sozialistischen Iugend-Internationale vereinigte arbeitende Jugend verfolgt mit großer Anteilnahme den Riesenkampf der englischen Arbeiterschaft. Sie übermittelt dem Internationalen Gewerkschaftsbund das Gelöbnis, daß die jung« Garde des inter. nationalen sozialistischen Proletariats an der Durchführung aller aus diesem Anlaß notwendig werdenden Unterstützungsaktionen der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung mit aller Kraft mit- helfen wird. Die sozialistische Jugend ist erfüllt von dem Bewußt- sein, daß der Kampf der englischen Arbeiterschaft um menschen- würdige Lebensbedingungen gleichzeitig ein Kampf für eine hellere Zukunft der arbeitenden Jugend ist. Zum Streit im öeamten-Nlrtichafisveeein. keine Drolzufuhr mehr. Auf Einspruch des Deutschen Rahrungs- und Genußmittel- arbetteroerbandes gegen die Liejerung von Brot und Backwaren durch die Berliner Broifabriken hat am gestrigen Tage, wie heute der Organisation mitgeteilt wurde, der Verband der Brotfabrikanten beschlossen, die Belieferung des Veamtenwirtschafrs- verein- einzustellen. Es ersolgt durch die Berliner Brot- fabriken ab heute weder eine direkte noch indirekte Be- lieferung. Mit diesem Beschluß hat sich die Organisation einverstanden erklärt und wird von weiteren Maßnahmen gegen die Brotfabriken absehen. Die Streikenden und die Organisation werden weiter scharf beobachten, ob Lieserunoen von anderen, außerhalb des Verbandes der Brotfabriken stehenden Bäckereien erfolgen. Sollte dies ein- treten, wird die Organisation über diese Backerei rücksichtslos die Sperre verhängen._ Die öetriebsratSVc-hlen im Gsrgbau. Durchschlagende Erfolge der freien GewrrZschafken.> Trvtzdem es noch nicht möglich ist, ein abgeschlosienes Bild des Ergebnisses der Betriebsrat!: wählen im deutschen Bergbau zu geben, ist doch mit aller Klarheit zu erkennen, daß die freien Eewerk- schajten überaus glänzend abgeschnitten haben. Aus der �istammenstellung der bisher vorliegenden Gesamtresultate ergibt sich jolgendes Bild: Im Rnhrbezirk erhielten die freien Gewerkschaften von 2228 Mandaten 1560, das sind über 70 Proz., die E h r i st- lichen 539 Im Kölner Bezirk enisallen von insgesamt 229 Mandaten 152 oder über 66 Proz. aus die freien und 75 aus die christlichen Gewerkschaften. Im Bezirk Aachen bekamen von 155 Mandaten die freien Gewerkjchastcn 106 oder über 63 Proz. und die christlichen 49. Im Bezirk Nord Hau sen cittsallen bei insgesamt 160 Mandaten 159 oder 99 Proz. aus die freien und 1 Mandat aus die christlichen Gewerkschaften. Im Waldenburaer Bezirk können die freien Gewerkschasten 150 oder rund 78 Proz. und die christlichen 8 von insgesamt 192 Mandaten für sich buchen. Im Bezirk Luaau bekamen d-e freien G«verkschasten alle 82 Mandate. Nach den bisher vor» liegenden Teilergebnissen erhielten im Bezirk Halle: freie Ge- werkschaften 263. Christen 9 von 290 Mandaten: im Bezirk Hannover: freie Gewerkschaften 109, C h r i st e n 8 von 119 Mandaten; im Bezirk Zeitz: freie Gewerlschaften 251. E h r i st e n kein? von 254 Mandaten. Im Senftenberger Bezirk: freie Gewerkschasten 299, C h r i st e n 2 von Z1Z Mandaten und im Bezirk München: freie Gewerkschaften 113. C h r i st e n 29 von 146 Mandaten. Es fehlen noch hie Ergebnis!« aus Zwickau, Herborn und Oberschlesien. Aus Zwickau wird jedoch berichtet, daß dort wie in Lugau olle Mandate von den freien Gewerkschaften erobert wurden. In den Bezirken Her- dorn und Obcrschlesien dürfte das Ergebnis genau dasselbe sein wie in den übrigen Bezirken. Die G e l b e n und sonsttgen Splitterorganisationen sind bei den diesjährigen Betriebsrotswahlen fast ganz abgefallen. Es war ihnen nur möglich, in einigen Bezirken und dort auch nur eine im Verhällnis zur Zahl der gesamten Mandate geringe Anzahl von Mandaten zu erhallen. Die Zahl der Wähler war auch im Vergleich zu früheren Wahlen verhältnismäßig hoch, haben sich doch 80 bis 96 Proz. aller Wahlberechtigten an der Wahl beteiligt. Selbst das Jnteresienorgan der Schwerindustrie, die„Deutsche Bergwerks- zellung", gerät über den Ausgang und die starke Wahlbeteiligung ms Staunen und schreibt in ihrer Nr. 78 vom 2. April u. a.: „Immerhin ist ein solches Wohlinteresie doch sehr bemerken?- wert und oerdiente vor allem im bürgerlichen Lager die größte Be- achtung." Die Bergbauunternehmer, die sich jedes Mandat der Gelben Tausende haben kosten lasien, müssen mit Beängstigung sehen. wie stark der Wille ihrer Arbeiter ist. mitbestimmeno in der Wirtschaft zu werden._ Die Sparkasse der Dank der Arbeiter. Angestellten und Beamten A..(5.. Bettln, wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von S— Z Uhr und 5—7 Uhr. Sonnabends von 9—1 Uhr geösjnet. N»rantv>ortlick> fllr Politik: Siuhard B«>>»«,»: Wirtschast:«>tar Sötern»-: Dewerkschoftobuoetiuns: Fried r. Es>k»r»! Feuilleton: St. K. Löscher: Lokale» und Sonllioes: Feit, ftarßädt: Lnaeiaen: ld. Sl-xk«: sämtlich in Berlin. verlern: Voewär:»-Verlaa 9. m. d. 8., Berlin. Druck: Borwärto-Buchdrueierei und Berlonoaniialt Paul Sinner u. Co. Berlin SW SS. Lindcnitrane 3. fcieejn 1 veilaae. Am Montag, den S. Mai loz«, starb plöiilich»nd unerwartet insotge eine» Schiazanfalle» unier Irüherer Anze- stellt« und Kollege, der Pensionär Herr] Max Prüfert im 62 Lebenojnhre. Der Berstordene war ZS Jahre im s Dtenste de: Nasse tätig und von grober Pflichttreu« deieelt. Sein Anden'en werden wir immer{ in Ehren hallen. Der vorstand und die«»gestallt«, der Znunogskrantelltaste der vostwirte.Innung zu Berlin. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, den 8. Mai 1026. nachmttiage 3 Uhr. im strematortum Baumschulen» weg statt. * HUNDE ♦ Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. Tlerarzflldie PollKlInitt ChausseestraSo 93 neuen Kriepervereinshaus Sprechstunden; 11-1 u. 4-6 Uhr ❖ HERRENSTOFFE direkt an Private feinste Qualitäten, auch englische zu Fabrikpreisen von einer in Liquidation befindlichen Großhandlung, nur einige Tage, Verkaufszeit 9—6 Uhr SchfitzenstraSe 60/63, IV. Etg.(Fahrstuhl) iZ'«d Hugo Ahronfeld Große Frankfurter Straße 117 AllS�:;«r. PraH. 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