flg. 214•» 43. fohtg. Msgabe A Nr. 104 BezuqSvreiS: BBAcntliA 70 Dkenni«, monaM» 8,— Riubimark voraus»all Idar. Unter ltremband für Deutlidlan». Sorui«. Saar- und äncaielqebier. Oesterreich. Litauen. Luiimbuc« 1,50 Rci-ii-mark. für das llbri«» Vuslanb 5.50 Ziei chemari vro Mo aar. Morgenausgabe ver.Dorroärtz' mit ber Sonrrtaa»» beilaae»Volk und Reif mit.Sieb- tun» unb Kleinaarten' sowie ber veilaae»llnterbaltuna unb Wissen' mib ssrauenbeilaae»lsraueustimm«' erscheint wochentZalich zweimal. Sonntaas unb Montaao einmal. lelearamm-Ubress«: .«»»ialbemekret«eeli»' Derlinev Volksblatt Zentralorgan der öoztaldemokratircben parte« Deutfcblands (10 Pfennig) Bnzetgenvrcise: vi«» t n i v a I t I a« Nonvareill» »eUe 80«Ziennia Zleklame,eil» 6.— Reichsmark...Klein, Sn, einen' das kettacbruckte Wort 25 Pienni« l»uli!lsta zwei iettaebruckte Worte,. lebes weitere Wort l? Pfennig. Stcllenaesuche ba« erste Wort lb Picnnia. lobe» weitere Wort 10 Dlennig. Worte über 15 Buchstaben»üblen für»wei Wort«. «lrbeitsmarkt Reile 50 Pfennig. Kemtilicnaniciflcn kür Abonnenten Seil« 40 Pfennia. Un»eiacn für die nächst« Nummer müssen bis lü. Ubr nachmittags im Vauvigelchüft. Berlin EW 58. Linden- Itralie 3. abaegeben werben. Teilffnet »sn Ubr früh bis t Übt nachm. Neüaktion und Verlag: S erlin SW. HS, Lindenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Sonnabend, den 8. Mai vorwärtS'verlag G.m.b.H., Serlin SW. HS, Lindenstr.Z Vostfcheckkont»! Berlin 87 534— Bankionto: Bank der Arbeiter. Angesteüteo unb Beamten. Waüftr. 45! Viskonto-Selelllchaft. Devofitenkasse iiubenftr. 3. Helft öen englifthen Kameraden! Ein Aufruf der Gewerkfchaften. Der Buiidesmlsschuß des ADGB. faßte gestern nach einem Bericht Leiparts und lebhafter Aussprache zum Streit in England einstimmig folgenden Beschluß: Ver Vundesousschuß erklärt einmütig seine volle Bereit. willigkeil, die englischen Gcwerkschaslen in der erfolgreichen Durch» sührung ihres großen Kampfe« nach Möglichkeit zu unter. fl ü h c n. In der Erkenntnis, daß der Ausgang de» Kampfes auch auf die Zukunft der deutschen Arbeiterklasse entscheidenden Einfluß haben kann, ruft der Bundesausschuß die Arbeiter Deutschland» auf. lroh der eigenen schwierigen Lage ihr Bestes zu tun, um den englischen Arbeitsbrüdern Hilfe zu leifleu und so auch in diesem Falle die allbewährte internationale Solidarität durch die Tal zu beweisen. Der Vundesvorsland wird ermächNgl, die von ihm vorbereitete allgemeine Sammlung schnellsten» zur Durchführung zu bringen. Die Orlsausschüsfes des Allgemeinen Deutschen Gcwerkschastsbundes im ganzen Reich werden verpslichlel, die für diesen Zweck bestimmten Sammellisten des Bundes sofort in Umlauf zu sehen. Andere Sammellisten als diejenigen des Allgemeinen Deutschen Ge- werkschaflsbundes sind in jedem Falle zurück- zuweisen. Alle Gelder sind zwecks Uebermilllung an deu Unter- nationalen Gewerkschaslsbund an die Bundeskafle des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaslsbunde» in Berlin abzuliefern. * 3m Anschluß an den vorflehenden Beschluß sprechen die unter- zeichneten Vorstände hiermit die bestimmte Erwartung aus. daß alle Mitglieder der angeschlossenen Gewerkschaften und darüber hinaus die Gesamtheit der deutschen Arbeiter und Angestellten der an sie gerichteten Aufforderung zur Unterstützung der eng- tischen Streikenden mit ganzer Opferwilligkeit entsprechen werden. Sammellisten sind von den Ortsansschüssen in Empfang zu nehmen und die eingehenden Gelder an diese zur Melterleitung abzuliesern. B e r l i n. den 7. Mai 1926. Die Bundesvorstände des Allgemeinen Deutschen Gewert- schaftsbundes und des Allgem. Freien Angestelllenbundcs. An der Tagung hatte auch ein Vertreter des AfA-Bundes teilgenommen, der sich mit dem gesamten Beschluß einver- standen erklärte und den Aufruf sogleich nntunterzeichnete. Verschärfung in England. Tie Regierung spielt mit der Militärdiktatur. V. Sek. London,?. Mai. sEig. Drahtberichl.) Die allgemeine Lage hat unverkennbar eine Verschärfung erfahren. Die Re- gierung hat Miliiär nach Ostlondon und nach den Bezirken vaiiersea vnd Elapham gelegt, was erbitternd wirken muß. Sie hat ferner eine Kundgebung an die bewassnele Macht gcrichiek. in der sie sagt, daß alle Akte der bewassneten Mach«, die von dem ehrlichen Villen diktiert seien, die Zioilbehörden zu unlerslühen, die Billigung der Regierung jetzt und in Zu- k u n s l finden werden. Die Vedenklichkeii dieser Kundgebung liegt aus der Hand: kann sie doch nur zu leicht als Ermächtigung zu llebergrisfen gedeutet werden. Die Gewerkschaften stehen vor wichtigen Eni- schcidongen. Das nationale Transporlkomiiee. ein Organ des Grneralrals der Gewerkschaften, fordert alle lokalen Komitee» aus. sämtliche bisher erteilte Transporlbewilligoagen einer nochmaligen Prüfung zu unterziehen. Diese Maßnahme wird durch drei Momente bedingt: l. Durch die Veigerong der Re- giernng, da» Angebot der Gewerkschaften ans llebernahme der Lebensmittelversorgung der Bevölkerung anzunehmen: 2. durch den M i ß b r a o ch. der mit den bisher erteilten Transporlbewilligongen getrieben worden Ist: Z. durch die Haltung gewisser politischer Or- gane. welche die bisher erteillen Bewilligungen als illegal be- zeichne« haben. Es muß mit der Möglichkeit einer Re- vision der bisherigen Slreikparole gerechnet werden. daß nämlich die zweite Linie, d. h. die bisher nicht zum Kampfe ausgerufenen Gewerkschaften in die Streikbewegung einbezogen werden, soweit sie nicht infolge Strom- oder Malerialmongel bereits ohne Arbelt sind. Außerdem ha» die Regierung olles Zeitungspapter be- schlag nahm», um das weitcrerscheinen des..British worker" zu verhindern. 3m Hauptquartier der Arbeiterpartei lehnte man elae Siel- lnr.gnohme zu diesen Mahnahmen mit der Begründung ab: wir für unser Teil wollen alles vermelden, was die Gemüter noch mehr erregen könnte. Provokationen überlassen wir ans- schließlich der Gegenseite. Bisher hat der große Komps den Charakter eines riesigen wirljchaslskampses und unbtuNgen Bürger- krieges gehabt. 3n diesen vier Tagen ist niemand«ms Leben ge- kommen und nur wenige sind bei Zusammenstößen verletzt worden. Diese vier Tage haben sogar weniger Opscr gekostet, als sonst vier Tage Arbeft in den Bergwerken nnd auf den Schienen erfordern. Ader wenn jetzt der Bürgerkrieg b l n i I g werden sollte, so wird die europäische Arbeiterschaft auch ihr Urteil darüber fällen und diese» Urteil würde nicht zugunsten der konservativen Regierung oussallcn. Der Stand des Kampfes. V. Sek. London, 7. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Bisher ist jede offizielle Aussprach« vermieden worden, für die nur dos Verhandlungskomitec zuständig ist. Aber eine offizielle Auesprach« kann jederzeit beginnen, wenn die Regierung irgendeine Form findet, ihre ultimative Forderung des Streikabbruchs wieder preiszugeben und, wenn die Gewerkschaften die Ueberzeugung ge- Winnen, daß die Regierung in der Kohlenfrag« unparteiisch auf der Grundlage des Berichts verhandeln will. Das verlangen die Gewerkschaften, das ist das Ziel ihrer Aktion: durch die Wirtschaft- liche Waffe des Streiks Verhandlungen zu erzwingen und damit das brutale Diktat der Lergherren aufzuheben, wonach am t. Mai die Löhne gekürzt werden. Gegenwärtig oerhandeln Macdonald, henderson und Thomas mit Baldwin über die Papierbcschlagnahme, um deren Aufhebung zu erwirken. Der„British Worker" teilt die Regierungsmaßnahme in seinem heutigen Leitartikel mit und be. zeichnet sie als Provokation und zugleich als eine Gefahr, weil dadurch aufreizenden Gerüchten freier Lauf gegeben wird. Weiter bringt.British Wörter" eine Erklärung des Generalrats der Gewerkschasleu. der die umlaufenden Gerüchte über bereits erfolgte Verhandlungen der Arbeiterführer kategorisch zurückweist:«s seien keinerlei offizielle oder inoffizielle Schritte unternommen worden. Die Erklärung formuliert den Standpunkt des General- rats wie folgt: »Vir sind jederzeit bereit, tu Vorbesprechungen(prcUminsr? ckiscussions) einzutreten mit dem Ziel der Aushebung der Aus- sperrungsbekannlmachung der vergherren, der Beilegung de» all- gemeinen Stillstandes feeneral stopping) und der Wiederausnahme der Verhandlungen zur vollen Beilegung de» konslrkls. Solche Vorbesprechungen müßten frei von irgend einer vedia- gung sein." Sodann wiederholt die Erklärung kurz den Standpunkt der Gewerkschaften über die Schuldfrage und den reinen gewerk- schaftlichen, vollkommen unpotitischen Charakter des Streiks. Im allgemeinen ist die SlreiNage unverändert. Eine Rückkehr von Organisterien zur Arbeit ist nirgends eingetreten, sondern es zeigt sich eher eine gewisse Tendenz nicht aufgerufener Verbände, sich der Bewegung sreiwillsig anzuschließen. Der General- rat der Gewerkschaften hat alle Mühe, solch«.wilden Streiks" zu verhindern. Des weiteren wird aus zahlreichen Städten gemeldet, daß Unorganisierte den Gewerkschaften neu bei- getreten sind und sich dem Streik angeschlossen haben. Der allgemeine Niederbruch in den betroffenen Industrien wird selbst von den Regierungsparteien zugegeben, dagegen behaupten sie bedeutende Fortschritte im Verkehrswesen. Richtig ist, daß eine ganze Anzahl von Zügen verkehrt und daß der Rotverkehr der Londoner Autobusse und Untergrundbahnen zugenommen hat. Aber diese Besserung übersteigt keineswegs die Erwartungen der Gewerkschaften, die genau wußten, daß es möglich sein würde. mit Hilfe von Erwerbslosen und Freiwilligen einen Notverkehr einzurichten. Der Güterverkehr ruht dagegen ooll- ständig mit Ausnahme der Lebensmittelzüge, die von den Ge» werkschaften zwar nicht selbst befördert, aber nicht gehindert werden. In diesem Punkt herrscht aber innerhalb der Transportarbeiter- verbände noch immer keine Klarheit und Einheitlichkeit. Die Stimmung der Streitenden und Ihrer Führer Ist nach wie vor sehr zuversichtlich und entschlossen. Mit be- sonderem Srolz wird auf die vorbildliche Ruhe tm ganzen Lande und auf das durchschnittlich sehr freundschaftlich« Der- hältnls zwischen den Streikenden nnd der Polizei hingewiesen. Papier nur für Provokation. Tie Liberale« brandmarke« die Regierungshetze. Loado«. 7. Mai.(TU.) 3m llnterhause sand heute eine Debalke über die Regierungszeitung.British Gozeite" statt, ver Liberale kenuworthy warf der Regierung vor. daß der 3nholt dieser Zeitung, deren Chefredakteur wohl W i n st o a Churchill sei. nur dazu beitrage, die Leideaschastca zu e n i s l o m m e n und zu Repressalien herausfordere. England im /Ausnahmezustand. Reiseuottzen. (Mit Flugpost verspätet eingetroffen.) V. Kost. London, 5. Mai, abends. Berlin. Montag, den 3. Mai, abends. Der D-Zug nach Blissingen ist nur mäßig besetzt. Die meisten Engländer. die Deutschland in diesen Tagen verlassen mußten, haben es naturgemäß vorgezogen, vor der Schicksalsstunde— Montag Mitternacht— in London einzutreffen. Nur wenige haben sich verspätet und reisen erst heute abend ab. Wenn man sie aber fragt, ob sie glauben, daß man Schwierigkeiten haben wird, um von der englischen Küste bis nach London zu ge- langen, so lachen sie einen beinahe aus.„Manche Züge werden bestimmt verkehren, besonders solche, die die Ver- bindung mit dem Konttnent aufrechterhalten." „Aber die Streikparole der Eisenbahnergewerkscl�iften läßt nur Ausnahmen für die Lebensmittelzüge zu?" „Es sind nicht alle Eisenbahner in der Gewerkschaft!" R o s e n d a a l, Dienstag, den 4. Mai, morgens. Die holländischen Blätter enthalten ausführliche Berichte über die große Untcrhausdebatte, aber wenig tatsächliche Meldungen über die Streikbewegung. Diese hat allerdings erst um Mitternacht offiziell eingesetzt. Nur eine Meldung des „Nieuwe Rotterdamsche Courant" besagt genug:„Heute abend wird der Dienst der Dampferlinie Hoek van Holland— Harwich eingestellt." Das ist nämlich eine englische Linie. Die holländische Zeeland-Linie Blissingen— Folkestone verkehrt weiter. Die Zuversicht der englischen Reisenden hat einen ersten Stoß erhalten... Blissingen. Dienstag mittag. Alles in allem dürs- ten nur etwa 30 bis 35 Passagiere an Bord der„Princcß Iuliana" sein. Dafür doppelt so viel Postsäcke und ein« Un- zahl von großen Kisten mit frisch geschlachtetem holländischen Fleisch. Sicherlich ist in der gegenwärtigen Situation die Frage der glatten Beförderungen des geschlachteten Bichs nach London für die britische Regierung die wichtigste Auf- gäbe. In zweiter Linie kommen die Postsäcke. In dritter Linie die Passagiere. Vor der englischen Küste, Dienstag nachmittag. Die See ist recht bewegt, aber dem geschlachteten Vieh in den Kisten dürfte das kaum geschadet haben, und daraus kommt es im Interesse des englischen Staates mehr an, als wie es den 30 bis 35 Passagieren ergangen ist. Die Felsen- küste von Dover wird sichtbar. Bald sieht man die Stadt selbst, an der man in etwa 300 Meter Entfernung vorbei- fährt, sehr deutlich: der Hafen ist seltsam leer und leb- los, kein Kran rührt sich, kein Schornstein raucht. F o l k e st o n e, Dienstag, 7 Uhr abends. Noch ehe der Dampfer gestoppt hat, ist der ganze Ernst der Lage klar er- kennbar. Der Londoner Expreßzug, der sonst unmittcl- bar neben der Landungsbrücke abfahrtbereit zu liegen pflegt, ist nicht sichtbar. Die Eisenbahnstation ist wie ausge- storben. Auf der Landungsbrücke stehen einige elegante Herren und Damen und winken englischen Passagieren zu. Inzwischen kommen die Einwanderungs- und Zollbeamten an Bord. Plötzlich taucht ein Schwärm von Männern in abge- rissenen Kleidern unter Führung eines Mannes in Dienst- uniform auf: es sind typische Arbeitslosenge st alten. wie sie aus englischen Wahlplakaten seit Jahrzehnten bekannt sind. Dieser erste Kontakt mit England bringt einem sofort die eine ungeheure Erschwerung ,zu Bewußtsein, die dem Streik der Gewerkschaften entgegensteht: das Heer der Arbeitslosen, dieser ersten und bedauernswertesten Opfer der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, kommt dem Kapitalis- mus als Streikbrecher zu Hilfe: das ist die Reserve- armee, wenn das Hauptheer rebelliert. Die Versuchung ist auch zu groß: seit Monaten, seit Jahren vielleicht arbeitslos und auf eine kümmerliche Erwerbslosenunterstützung ange- wiesen— und plötzlich winkt ibnen die Aussicht auf Arbeit und Lohn! Und doch ist das Solldaritätsgefühl auch unter den Arbeitslosen nicht erloschen: nur ein Bruchteil von ihnen hat sich gemeldet— die meisten haben der Versuchung wider- standen und begnügen sich weiter mit der Unterstützung. Immerhin: der Schwärm, der sich inzwischen verteilt hat. genügt, um die Löschungsarbeiten, wenn auch nicht gan� glatt und sachverständig wie sonst, zu oerrichten. Die Paßkontrolle vollzieht sich schnell und rei- bungslos. Die Schwierigkeiten, die man mir als Sonder- berichterstatter eines sozialistischen Blattes als wahrscheinlich in Aussicht gestellt hatte, sind nicht gemacht worden. Vielleichi ist der sehr liebenswürdige„Immigrations-Offizier", an den ich geraten bin, in seinem 5zerzen Arbeiterparteiler? Ei fragt mit deutlicher Ironie nach der voraussichtlichen Dauei meines Aufenthalts.—„Das wlli ich gern genau sagen. wenn Sie mir mitteilen können, wie lange der Streik dauern wird." Als Antwort überreicht er mir lächelnd die grüne Landungskarte, ohne die kein Ausländer den britischen Boden betreten darf. A u s englischem Boden. 7>-' Ubr abends. Die eleganten Herren und Damen, die ihre Verwandten von weitem begrüßt haben, sind Londoner, die ihnen mit ihre» die Hewertfthasten zur Zlaggenkrise. Ein Beschlutz des Bundesausschuffes. Der Bundssausschuß des ADGB. trat am frpitag in Berlin zu seiner dritten Tagung zusammen. Vor intritt in die eigentliche Tagesordnung wres der Vorsitzende L e i p a r t mit emdringlichen Worten auf die Anzeichen hin. die in der letzten Zeit die Gefahr neuer Lorstöße der rechts- gerichteten Organisationen gegen die Neichsverfassung und den Bestand der deutschen Republik wahrs�icinlich erscheinen lassen: Die Flaggenvarordnung der Reichsregierung zeige deutlich, wohin der Kurs gehe. Die Wiedereinführung der Fahne des Kaiserreichs im Ausland könne nur die Wirkung haben, das alte Mißtrauen gegen Deutschland wieder aufleben zu lassen, für dessen Ueberwindung sich gerade die deutschen Ge- werkschaften in den Jahren nach dem Kriege durch ihre tnter- nationalen Verbindungen erfolgreich eingesetzt haben. Di« Absicht der Reichsregierung, die Versammlungs- freiheit unter freiem Himmel zu beschneiden, weise m die gleiche Richtung. Die deutschen Gewerkschaften können zu diesen Bestrebungen nicht schweigen. Die inneren Gegner der beut- scheu Republik mögen damit rechnen, daß ieder Vorstoß gegen die Republik auf den geschlossenen Wider- stand der Gewerkschaften stoßen werde. Der Bundesausschuß nahm dann einstimmig folgeiche Entschließung an: Der Bundcsausschuß«hebt muncas der Mliurarn orgaai- fünf er Arbeiter einmütig den enffchiedenstea Protest gegen die aeve Ilaggeaverordauag, die gegen den Sinn und Wortlaut der Verfassung die Wonarchisteusahue wieder ausleben lassen und die Jahne der Republik herab- sehen sog. Daß mit der verwirktichung diese» monarchistischen Streben» gerade lm Ausland begonnen wird, zeigt deuMch dl« Absicht, der deotschen Republik einen Schlag zu versehen und muß zur Jolge haben, daß da» mühsam wieder erlangte Vertraue» de» Auelande» zu der Aufrichligkcil der Iriedenipolitik Deutschland» wieder zerstört wird. Die Gcwerkschaslen haben durch ihre iuternationalea Verbio- düngen in de« letzten Jahren in hohem Maße dazu beigetragen. ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen dem ehemals feindlichen Ausland und dem deutschen Volk wieder herbeizuführen. Sie protestieren deshalb laut und entschieden dagegen. daß durch die Herabsetzung der Zeichen der Republik dieser Erfolg wieder vernichtet werden soll. Gegenüber dem Streich der Regierung geloben die Gewerkschasien auss neue ihre unwandel- bare Treue zur republikanischen Verfassung de» nouen Deutschland» und ihre feste Euischlosscnhcik. allen rcoklioaären Gelüsten dt« geschlossene Macht der Arbeilerschafl c u lg e g en z v st c ll e n. Der Bundesausschuß trat bowt in«me Besprechung des Kampfes der englischen Gewerkschaften ein. über die wir an anderer Stelle berichten. Vor der Interpellation. Di« sozialdemokratische Interpellation, die am Dienstag zur Beratung kommt, wird von den Genossen B r« i t s ch e i d und David begründet werden. In der abschließenden Ab- stinrmung wird sich da? Schicksal der Luther-Regierunz ent- scheiden- Cine gemeinsame Beraiung von Bertretern der Regierungsparteien mit dem Reichsinnenminister Dr. Külz am gestrigen Rachmittag hatte kein positives Ergebnis. Ebenso konnte noch einer kurzen Froktionssitzung der Demokraten nur festgestellt werden,„daß eine Acnderung der Lage nicht eingetreten ist". Wenn„keine Aenderung der Lag«"«mtritt, da« heißt. wenn Zentrum und Demokraten bei ihrer bisherigen Haltung verharren, dann wird die Abstimmung über den sozialdemp- kratischen Mißbilligungsontrag zum Sturze Luthers führen. Daß bis zum kritischen Augenblick die Rettungsver- suche nicht ruhen werden, versteht sich von selbst: ebenso aber auch, daß die Sozialdemokratie von ihrer Kampfansage nicht zurückgehen wird. Ein etwaiger Versuch der Mittel- Parteien, schließlich doch noch die Regierung in ihrer bis- herigcn Zusammensetzung zu erhalten, hätte keine Aussicht auf Erfolg.- Unter diesen Umständen blieb eine kommunistische Sonderaktion, die gestern im Reichstag unternommen wurde und die nur bei den Völkischen Gefolgschaft fand, während sich die Sozialdemokraten der Stimme enthielten. vollkommen bedeutungslos. Empörung gegen üen ßlaggeajchmuggel. Zentrumswähler»ud Demokraten Protestieren. Die Entrüstung über den Luther-Stresemonnschen Hand- streich, der die fchwarzweißrotc Monarchisten- fahne den Auslandsmissionen aufzwingen will, nimmt bei den Wählern des Zentrunis und der Demokraten immer stärker« Ausmaße an. Die Berliner Zentrumsportei und die Windthorstbünde erlassen einen Aufruf, in dem es heißt: „Die Reichsregierung hat eine Flaggenverordnung unterzeichnet. Nach dieser soll von den Behörden des Reiches an außereuropäischen und au solchen Plätzen, die von Seehandelsschissen angelaufen wer- den, neben der Reichsflogge Schwarz-Rat-Gold auch die Handels- flagge Schwarz-Weiß-Rot mit der Gösch geführt werden. Damit ist die Flaggenfrage, die einig« Jahre geruht hat. aufs neue in v e r> f ch ä r f t e r Weise in die Oeffentlichkeit gebracht und dadurch größte Unruhe und Veflürzung in die Reihen der Zentrumswähler hiuetngetragea worden. Wir sehen mit dieser Verordnung de» Reichskabinetts schwcrc Gefahren für die deutsche Republik heraufkommen. Niemand kann voraussagen, zu welch schwer e n inneren. Krisen die Flaggenverordnung führen kann. Für uns Zeutnonsleute gilt es, einmütig und geschlossen zur Reichsflagge Schwarz. Rot-Gold zu stehen und keine Zugeständnisse an Schwarz- Weiß-Rol zu machen." Die Berliner Zentrumswöhler werden zur Teilnahme an einer Massenkundgebung am Montag. 1». Mai. abends S Uhr, in der Stadthalls, Klosterstraße, aufgefordert. Es sprechen Reichstagsabgeordneter Domherr U l i tz t a lRatiboch, Reichstogsabgeordneter H o f m a n n(Ludwigs- Hafen), Reichstogsabgeordneter Schönborn(Berlin). In der„Rhein-Mamischen Volkszeitung", dem Frankfurter Zentrumsorgan, heißt es unter der Ueberschrist„D i c Verhöhnung der Republik": „Die Reichsregierung selbst ist wahrscheinlich die einzige In- stanz, die an die Begründung glaubt, mit der die Ver. Ordnung ins Land gegangen ist..Die Auslandsdeutschen, die sich an die schwarzrotgoldenen Fahnen nicht gewöhnen können oder wollen, empfinden, wie die Regierung durch das MTB. versichern läßt,„die Verschiedenheit in den Floggen der deutschen Handelsschiffe und der amtlichen Reichsvertretung als unerträglich". Sie werden es jetzt wahrscheinlich erträglicher finden, wenn die verschiedenen Farben auf demselben Dache desselben Hauses wehen! Fauler Zauber! Die Sachs ist viel«nfacher: Die Handelsflagge ist schwarzweitzrot(mit einer schwarzrotgoldenen Gösch). Dies« Regierung der Herren Luther und Streseman» ist auch schwarzweißrot (mit einer schwarzrotgoldenen Gösch). Worüber scll man sich da eigentlich wundern? Wundern muß man sich über den Zeitpunkt der Verordnung. Di« Regierung hat bekanntlich den Plan, in der Frage der Fürstwwbsindung mit einem eigenen Gesetzentwurf her- vorzutreten. Sie braucht dazu die Mitarbeit der Republikaner. Wie kommt sie dazu, gerade jetzt dies« Repubtttan-r so schröss her. auszissordern? Wer hat«in Interesse daran, die Fürfienabfindunq mit diesem neuen Krisen st off zu verschärfen? Oder glaubt man. noch der ersten Aufregung werde sich alles schnell wieder be> ruhigen? Di« Gegenleistung an dl« Republikaner liegt jeden. fall» schon bereit: Der Herr Reichspräsident hat zugesagt, daß er demnächst auf heraldischem Wege„eine Vergrößerung der schwarzrotgoldenen Gösch" ins Auge lassen werde. Es ist nicht einmal fest beschlossen, er wird es nur„ins Auge fassen". was muß diese Regierung, die auch das zu veranlworten hatte, von den Republikanern denken, daß sie es wagt, die unerhörte Zumutung noch mit schlecht verhülltem Hohn zu begleiten? Wenn die Repa- blikaner jetzt nichi zu antworten wissen, nun. dann verdienen sie diese Regierung, diese Verordnung und diese doppelt schillernden Aarben.", Auch die demokratischen Organisationen rühren sich. Bon zahlreichen Verbänden und Ortsgruppen im Reich erhielt der Parteioorstand Proiesttelegroinme und Resolutionen. die sich mit Entrüstung gegen den Ueberfall durch dos Luther- Kabinett wenden. ?sttssa?a.'t?ös enlgdg«nKesahVen sind. Fü? sie ist das Problem der Weiterfahrt gelöst. Für die übrigen zwei Dutzend bleibt es offen. Oder viehnehr: man hat keine andere Wahl, so wenig sympathisch einem es auch sein mag. als die Dienste einer Autobusgesellschaft in Anspruch zu nehmen, deren Angestellte Richtgewerkschafter sind und daher einen Notdienst nach London(115 Kilometer, also etwa die Strecke Berlin— Magdeburg) seit heute verrichten. Das ist eins Ent- fernung. die man unmöglich zu Fuß zurücklegen kann, zu- mal mit Gepäck. Ich ssekenne offen meine Sünde, daß ich Streikbrecherarbeit in Anspruch nahm. Hätte ich einen der eleganten Privotautobesitzer gekannt, so würde ich diesen Akt gewerkschaftlicher Undifziplin»ermieden haben. Im übrigen: ich ward bestraft genug— fünf Stunden dauerte die Fahrt, fünf Aiuobusstunden als Krönung einer lOW-Kilo- meter-Reise. fünf Stunden im Qualm englischer opiumhaltiger Zigaretten, zwischen Kosfern eingepfercht und obendrein mit zwei Pannen. London. Mittwoch, den 5. Mai, 1 Uhr nachts. An sich ist da» Nachtleben in London auch in normalen Zeiten sowieso gering. �Besondere Schlüsse aus dem Bilde zit ziehen, das Trafalder-square in dieser Nacht bietet, hat also wenig das Trafalgar Square in dieser Rächt bietet, hat also wenig Zweck- Der Hotelporticr klart einen schnell auf: „Züge?"„Keine."„Autobusse?"„Keine."„Unter- grundbahnen?"„Keine."„Autodroschken?"„Ja."„Banken?" ..Offen"„Zeitungen?"„Keine."„Post- und Telegraphen- ämter?"„Offen, aber nur beschränkter Dienst." Mittwoch. 9 Uhr morgens. Ein grauer Tag. so wie bei uns im November. Auf der Straße werden„Zei- tungen" perkauft. Man muß«inen kleinen Kampf ausfeckzren. um ein Exemplar zu erholten. Es ist die„Times". Die „Times" ist sonst doppelt so groß wie der„Vorwärts", zählt etwa 20 Seiten und kostet ungssöhr 30 Pf. Heute besteht sie aus einem zweiseitig zinkographiorten Flugblatt in der Größe van„Volk und Zeit" und kostet dafür„nur" —?n Pf. Ein paar Nachrichten im Telegrammstil, aus denen deutlich hervorgeht, daß der Streik im vollen Umfange eingesetzt hat. Die soraföltio Sufgezählten Ausnahmen ver- stärken nur den Eindruck die,e> ffleständnisses. Denn was bedeutet es, wenn in Hull einige Eistnbahnbeamte angeblich gegen den Streik protestiert hoben, wenn in Vor! eine Zeitung wie gewöhnlich erschienen sein soll und wenn ein Zug nach Hastinga oder Leeds für die und die Zeit in Aussicht genommen ist? Tropfen auf den heißen Stein! Die Straßen bieten äußerlich, bis auf eine allerdings auf- fallende Ausnahme, den üblichen Anblick des ungeheuren, ver- wirrenden Verkehrs: denn bei der ohnedies riesigen Zahl von Privatalttos und da die Kraftdroschken verkehren, genügt das vollkommen, um die Straßen weit mehr zu füllen, als es in den gefährlichsten Derkehrsstunden am Potsdamer Platz der Fall ist. Doch wickelt sich dieser Verkehr heut« reibungsloser als sonst ab: denn die immerhin schwerfälligen Autobusse, die für gewöhnlich in endlosen Ketten den Londoner Straßen da, Gepräge geben, fehlen fast gänzlich. Dafür etwa« mehr Radfahrer und noch mehr Fußgänger als sonst. Denn auch die Untergrundbahn ist stillaelegr. Der mit Freiwilligen oder Arbeitslosen in Gang gefetzte Notnerkehr unter dem Boden kann ebensowenig in» Gewicht fallen, wie die paar Autobusse an der Oberfläche oder die ganz wenigen Züge nach den Vor- orten. Wer einen Begriff von den Entfernungen in der Acht» !nill«»n«nstadt London hat, wo sogar das eigentliche Stadt- mneue unvergleichlich umfangreicher ist als die sechs inneren Stadtbezrrke Berlin?, der«,rd sich ein Bild von den ver« beerenden Folgen machen können, die ein solcher Ver- keizrssimk für die Londoner Bevölkerung haben muß. Ge- wiß: alle Geschäft«. Banken usw. sind offen, aber von einem .Jukilves? usual", oon einem.Geschäftsleben wie gewöhn- lich". diesem stolzen Wahlspruch des Briten ouck) in den kritischsten Zeiten, kann gor keine Rede sein. Ohne Zweifel: der Streik wirkt, wobei der industrielle Streik sich Wirtschaft- lich mindesten» edenso fühlbar machen wird, wie der Verkehrs- streik. Rur daß der erste unsichtbar ist. zumal im Innern der Hauptstadt, während der zweite überall in Erscheinung tritt. 11 Uhr vormittags. Ecele-ton Square 33. Dos HauptquartierderLabourParty. Dieser auch in normalen Zeiten gebräuchliche Ausdruck für den Sitz des Parteivorstandes und der Gewerkschaftszentrole ist heute wirk- lich angebracht:«in Hauptquartier, das von Auwmobilen, Mowrradmi, Menschen umlagert wird, das man nur mit Legitimation betreten kann, die zivile Wachtposten mit roten Nelken im Knopfwch prüfen. Auf den Gangen stehen dutzend' weise Kuriere, die in die Stadt, m die Vororte und in die ent. fernteften Provinzstädte des Nordens und Südwales Briefe und sonstige Mfteilungen an die Ortsperbänd« bringen werden. Die Stimmung der Führer ist überaus zuversichtlich Man ist mit der Befolgung der S�reikporol«, die totsächlich einmütig gewesen ist. mehr als zufrieden. l Uhr mittags. Die Elettrizitätsordett«? find vom Streik zunächst ausdrücklich ausgenommen war- den.(Ebenso wie die Beamten, namentlich die Post- boomten, die ihren Dienst weiter versehen, so gut und schlecht es die Derkehr, Verhältnisse zulassen.) Infolgedessen braucht man um Licht nicht besorgt zu sein. Wie wichtig das ist. das wird sich nicht erst nach Sonnenuntergang erweisen. Denn erstens gibt es heute kein« Sonne, und zweitens ist es plötzlich binnen zehn Minuten(am S. Mai um 1 Ubr mittags!) Nacht geworden: der Londoner Nebel senkte sich über die Stadt, wie gesagt: ol, wären wir im November! 5 11 h r n a ch m i t t o g s. E? bat sich bald wieder auf- geklärt, auch die Menschen erscheinen wieder etwas freundlicher. Allgemeiner Presssempfang in Eccleswn Square: vierzig Iour- nalisten oller Parteisn und Länder in einem engen Raum. wo dar alte Gewerkschaftöführer Poulton sehr Zuversicht- lich«, entschlossene Auskünfte gibt. ssle Uhr nachmittags. Im Haufe der A d m i r a l i- tat Presseempfang der Regierung. Dieselben Journalisten tr»ff«n sich wieder. Ein hoher Regierungsbsomter gibt«inen Lagebericht: ebenso zuversichtlich, ebenso entschlossene Stim- mung wie im„anderen" Hauptquartier— und ebensowenig positive Nachrichten, obwohl es eigentlich Sache der Regierung wäre, konkret mitzuteilen, wie die Dinge stehen. Im übrigen haben dies« Presseempsänge wenig Zweck, da keine Blätter erscheinen_ £«« Ansmäett«« Ausschuß de» Reichstag» hat dem Handel«- ohfftmmen mit Dänemari und Schiedsvertrag mit Estland zu- gestimmt, d. h. es«mpnebtt dem Plenum Me Snnabm» Da» tufksahrtabkommen zwischen Entente(Bottchaftertcmse« rtttu), Deutschland. Belgien unp Frankreich ist in Paris uorläung untstzeichnat worden. Es dringt dem deutschen Fkugzeugbou größere frim Saperas Sorge. Kampf gcgea die Weimarer Verfassung. München, 7. Wo!.(Eigener Drahtbericht.) Di« zweite b a y« r i. (che Denkschrift zur Aushöhlung der Weimarer Verfassung ist seit Januar d- 3. fertiggestellt und seit diesem Zeitpunkt auch im Besitz de» Reichskanzler» und de» R«ich»präsidente»r Eine sofortige AeröfsentliÄung unterblieb damals auf Ersuchen de» Kanzler», der darum bot, alle di« durch die Denkschrift aufgeworfenen Fragen vor der Deröjsentlichung noch einmal mündlich mit der bayerischen Regierung durchzusprechen. Das Elaborat der bayerischen Regierung trägt den Titel „Denkschrift der bayerischen Staatsregierung über die fortschreitende UnterhAhlung der Eigenstaatlichkeit der Länder unter der Weimarer Verfassung". Die Denkschrift bezeichnet e» als ihre Aukgabe, auf Grund der Entwicklung der letzten Jahre zu zeigen. wie da» Reich auf den verschiedensten Gebieten der Gesetzgebung und Verwaltung die nach der Weimar« Persassung den Landern verbliebenen Recht« zum Teil unter Durchbrechung der Reichsver» fassumg mehr und mehr verkürzt und damit die Eigenstaatlichkeit der Länder in fortschreitendem Maße aushöhlt. Die Denkschrift zerfällt m drei HauvtteU«. Der erst« ollaemeine Teil besaßt sich mit der Dersassungssrooe überhaupt und mit dem durch feierliche Verträge besiegelten und auch noch der Verfassung anerkannten Recht Bayerns, im Rohmen de« Deutlch-n Reiche» ol, selbständiger Staat zu leben. Die Forderungen der ersten bayerischen Denkschrift vom Januar ll>Zs werden dabei in volle vi Umfange aufrechterhalten. Der zweit» Teil der Denkschrift bringt die Einzelheiten, au» denen noch Ansicht der bayerischen Regierung die VerwirMchuira der unitaristischen Ent- Wicklungstendenz hervorgeht. An einer Reih« von Beispielen wird dargelegt, daß das Reich sowohl auf dem Gebiete der Grund» sotzgesetzpebung wie auch der s o n st i g e n Gesetzgebung sich immer mehr Aufgaben und Zuständigkeiten anmaßt, die auf Grund der Reicbsverfossung ausschließlich Sachs der Länder sind. Auch bei den Staatsverträgen, in der Verwaltung und bei der Au-führung der Reichsgesetz« werden Beispiel« dafür angeführt, daß da» Reich die qesamte Gewoll im Staatsganzen an sich zu ziehen sucht. Einen besonder» breiten Raum nimmt dt« Kritik der Fond»- Verwaltungen ein. E» sind da» dt« Fälle, in denen do» Reich den Ä-g d«r Hov»bait»gel«izgebung„zum Einbruch in die Hoheit?. rechte der Länder" benutzt, indem e» im Reichshaushall zahlreichz Fonds für Aufgaben«richtete, deren Behandlung noch der Reich». Verfassung Landrnngelegenheil sein soll. Da» wichtigste Kapitel ist jenes über das Alnonzwescn. Die systematische Zentralisierung des Geldkredit, und Beschafsungswesens in Berlin soll zur fortschreiten- den Aushungerung der Länder geführt haben, wodurch der Artikel der Reichsoerfassung alz verletzt bezeichnet wird. Der dritte Teil der Denkschrift enchält einen konkreten Vorschlag für eine Slenderung der Reichsverfassuna Bayern fordert eine klare Ordnung in der Verteilung der Zuständigkeiten zwischen Reich uno Ländern sowohl in Gesetzgebung wie in Verwaltung. Deshalb ver> langt es eme wesentliche Erweiterung der Kompetenzen de» Reich»rat» und damit eine Ausdehnung und«ine stärkere ver- woltungsrechlliche Sicherung der Länderrcchte. Versassungsäirdcrun- gen, die unmittelbar oder mittelbar ein« Verkürzung der ver. tassungsmoßigen Rechte der Länder bedeuten, sollen hiernach nur mitZustnnmungdesReichsrats beschlossen werden können und als abgelehnt gellen, wenn sich mehr als ein viertel der ktimmen.zahl des Reichsrots dagegen ausspricht. «> Dem reaktionären Vorstoß durch die Flaggenverordnung der Reichsregierung folgt der neue Vorstoß der Regierung, der bayerischen Ordnungszelle auf dem Fuße. Es ist schon bezeichnend für den Geist des Vorgehens der bayerischen Regierung, daß die LeröfsenUichuna in München erfolgt. ehe di« Reichsregierung ihrerseits endgültig zu der Denkschrift Stellung genommen bat und trotzdem man die Münchener Regierung darum gebeten hatte, von einer frühzeitigen, Veröffentlichung abzusehen. Di« erste Denkschrift der baye- rischen Regierung ist heute vergessen. Die neue zweite Denk- schrift wird in kurzer Zeit ebenfalls vergessen sein. Di« Held- Regierung wird mit sieser Sammlung von Altweiberklagen keinen Ruhm ernten. Ihr Borschlag, durch eins Art S p e r r. gesetz die gesetzgeberisch« Initiative des Reichstages auf eigentlich allen Gebieten durch das Vetorecht eines Viertels der Reichsratzstimmen(!) ein- für allemal lahmzulegen, ist so grotesk und steht so sebr im Widerspruch mit den realen Bedürfnissen der wirtschaftlichen und gesetz- ?eib«risch«n Entwicklung, daß auf diese Katerideen nicht einmal ie engsten Freunde der Bayerischen Volkspartei im Reichstag werden eingehen können. Die Erlzebung der K r ä h» wtnkolei zum bleibenden Prinzip der innerdeutschen Ent- Wicklung mag m Tuntenhaus«« als staatsmännssche Wet£*c!f geliatt. Nußer�aV 5cf Grenzen Kefcs eigöwtfigeif deutschen.KuUurzentrunis" wird man in allen Lagern dar. über ander-, lenken. Die bayerisch« Regierung wird an der unausbleiblichen Tatsache, daß ihr weinerliches Ge» jammere über die schreckliche Entwicklung der deutschen Politik nirgends Echo findet, bald erkewnen, daß auch dieser Hieb ein Lufthieb gewesen ist.. potemkin-yetze. Die vaterländische Wmfeme. Di« B«r«nigten Vaterländischen Verbände veröffentlichen folgen- den Stuf ruf: ,Ln zahlreichen Berliner Theatern wird zurzeit der chetz- film.Panzerkreuzer Potcmkm* aufgeführt. Verherrlichung von Meuterei. Auflehnung gegen die Obrigkeit. Verhetzung der Massen sind die Tendenz des Films. In unoerhüllter Folge bereitet er die Einführung des Bolschewismus bei uns vor. Bezeichnend für die jetzige Zeit ist es. daß. trotzdem die bestehenden Reichsbehörden sür da? Verbot des Films eingetreten find, die anscheinend mit dikta» mrischen Dollmachten arbeitend« Film-Oberprüfungsstelle die Auf» ff-hrung des Films zugelassen hat. Daher fordern wir von den Fraktionen des Reichstags und de» Landtags, das Verbot des Films durchzusetzen und dadurch einer weiteren Derhetzung des deutschen Volkes EinHast zu tun.� Die Vaterländischen werden sich mit dem Gedanken abfinden muffen, daß in der Deutschen Republik das Gesetz regiert und nicht die Willkür irgendwelcher Personen, die das deutsch« Volk in att- preußischer Weise weiter bevormunden möchte». Die Film-Ober. prüfungstelle Hot mst gutem Bedacht den Film freigegeben und die Bolizei hat trotz der Provokationen von recht? keinen Anlaß gehabt. einzuschreiten. Die deutschen Zaristen- und Knutenfreunde werden mit ihrem Geschrei nur das ein« erreichen, daß wir diesen russischen nunmehr auch als einen deutschen Freiheitssilm empfinden. Ein neues Vereinsgesetz. Bedenkliche Eiuzelhettc». Der Entwurf eines neuen Reichsvereinsgefetzes. den er Reichsrat geaen Boyern i.izwifchen angenommen hat, ist nunmehr dem Reichstag zugelcstet worden. Der vorliegende Entwurf 'oll. wie von unterrichteter Seite erklärt wird, dazu dienen, das Vereinsgesetz mit den freiheitlichen Bestimmungen der Weimarer Verfassung in Einklang zu bringen. Als wesentliche Verbesse- rung des neuen Gesetzes wird der jetzt eingeführte Rechtsschutz betrachtet. Der neue Entwurf folgt u. a. dem Artikel 123 der Weimarer Berfasiung, der besogt, daß Versammlungen unter freiem Himmel durch Rcichsgcsetz onmeldepslichtig gemacht werden können. Der Entwurf will einen Rechtszustand schof- stm. so daß. soweit wie irgend möglich, auf dieAnwendungder Ausnahmegesetzgebung verzichtet werden kann. So ,st die Genehmigungspflicht für Versammlungen unter freiem Himmel s o r t g e f a l l e n und auf Grund der Verfassung durch eine Anmeldepflicht ersetzt worden. In Fortfall gekommen ist auch da? Verbot der Beteiligung Jugendlicher an politischen Ber- sommlungen. Bisher konnte die Auslösung einer Dersaminlung durch eine polizeiliche Verfügung erfolgen, so in Bayern. Hessen und Mecklenburg, ohne daß dagegen«in Rechtsmittel«ingelegt wer. den konnte. Diese» Rechtsmittel ist jetzt im neuen Entwurf vor- gesehen. Di« Anmeldung von Versammlungen unter freiem Himmel muß noch dem Entwurf 48 Stunden vorher erfolgen. Diese Frist ist entschieden zu lang. Immer Mieder wird es politische Ereignisse neben— wir erinnern an den Rathenau-Mord oder die jüngste Flaggenverordnung der Reichsregierung—, die Kundgebungen unter r-ilem Himmel noch am gleichen Tage dringend notwendig machen. Äiwrmmß der�Reichstog imbedingt filr eine Verkürzung der Frist loggen. Bedenklich ist auch, daß die Ueberwachung politischer Der- smmlungen durch Beauftragt« der Polizei«ester vorgesehen ist: allerdings, darf sie nur durch höchstens zwei Beauftragt« er- folgen und nicht durch ein umfangreiche» Polizeiaufgebot, wie da» meyrfach oorgetomnien ist_ Neckleuburger Wahlen. Herabsetzung der Ubgeorduetenzahl. Schwerin. 7. Mai. MTB.) Zur Derhonblung gelangte im Landtag«in völkischer Antrag auf Herabsetzung der Zahl der Abgeordneten, die zurzeit 6 4 beträgt. Nach diesem Anrrag soll aus je 10000 Einwohner ein Abgeordnetensitz entfallen: r? soll aber bei geringer Wahlbeteiligung die Derteistmgszahl soweit herabgesetzt werten, daß die Zahl der Abgeordneten 30 erreicht. Ein Vorschlag des Rechtsausschusses ging dahin, die Verteilungszahl auf ßOOO zu normieren und mindestens 30 Abgeortnete zu wählen. Dieser Antrag wurde angenommen. Der Zrankenfälstherprozetz. Notenfälschung ist regelrechter Staatsdienst, sagt Wiudischgrätz. Bvdapest, 8. Mm(Eigener Drahtbericht.) Vor dem Gericht»- bof des Präsidenten T ö r ö k y, der den,.Blutbuich vom helligen Doppelkreuz" ebenso angehört wie mehrer« der Angeklagten, hat heute der Prozeß gegen die ungarischen Frankenfälscher begonnen. Nicht weniger als 12 6 Angeklagte haben sich zu veroMworten. darunter Prinz Windischgrätz'mst seinein Kammerdiener und seinem Sekretär R a b o. ferner der ehemalige Laiidespollzeichef R a d o s s Y, der Generaldirektor der Postsporkasse und mehrere böher« Offiziere. Die beschlagnahmten Klischee» und Druckplasten, mit deren Hllse die Fälschungen hergestellt wurden, wiegen sieben Zentner. Der Ansturm zu der Verhandlung ist ungeheuer, jedoch -aßt der Verhandlungssaal höchsten» 200 Personen. Der Prozeß begann m>t der- Vernehmung de» Landespollzeichef» vadoffy. Er erklärte, von Prinz Widnischgrätz vor vier Iahren zur Ve> teiligung an der Frankenfälschung aufgefordert worden zu sein. Er habe zugestimmt, da e« sich um e,ne patriotische Be- strebung" gehandelt habe. Als Finanzsachverständige und zum Vertrieb der Fälschungen sei der Generaldirektor der Postspar- kasse und ein Privatbankier herangezogen worden. Die Fälschungen seien in» Ausland gebracht und mit ihrer Verwertung begonnen worden, als der Ministerpräsident davon er- fahrenhatte. Pnv; wlndtschgraß. der als Zweiter vernommen wurde, verweigerte auf zahlreiche Anfragen die Antwort. In den nationalen Kreisen seien die Fälschungen als ein erlaubtes Borgehen im nationalen Kampfe angesehen worden. Windischgrätz bezeichnet« die Fälschungen nicht als ein« privat« Arbeit einzelner Angestellter de, Karthogrophischen Institut», sondern als cm Unt-ruehmen des I n st, t u t» selbst. Das Munchener Karthographifche Institut hätte, so erklärte Windisch. grätz, mst dem Budapester nicht in Verbindung gestanden, es seien nur gewiss« Korrespondenzen vermittelt worden. Windischgrätz er- klärte. 130 000 Dollar Betriebskapital für die Fälschung, n vorgeschossen zu baden. Radon y habe al» oberster Hüter der Ordnung di, Aufgab« gehabt, darüber zu wachen. daß die falschen Franken nur im Smereis« Ungarn» verwendet werden. Zusammenfassend erklärt« Windischgrätz, er habe alle, mlk Msse« und mit Zusstmmuag der ungarischen Behörden gewacht. Die Angestellten de- Karthograph'schan Instituts feien für die Fälschungen nicht besonder? bezahst worden, da es sich um ein» rsgklrecht« Arbeit de» Inststut« gehandelt habe.______ der Kampf gegen§ 21s. Em Erfolg der Sozialdemokratie: Milderung der Strafe«. Di« gestrige Reichstag sschung eröffnete Präsident Lobe um 2�4 llhr nachmittags. Das Haus setzt die Beratung des sozialdemokratischen Antrags auf Abänderung des Abtreibungs- Paragraphen im Strafgesetzbuch fort. Abg. Frau Plum-Dusseldors(Komm.) wünscht ein« bessere Für- sorge für die schwangeren Frauen und wendet sich besonders gegen das Zentrum, das in dieser Frage nichts tue. Abg. Dr. Pfleger(Bayr. Lp.) wendet sich gegen die Forderung, die Abtreibung für straffrei zu erklären. Das sei ein« Tötung, und die sei sowohl nach dem Strafgesetz wie noch den chrisllichen Lehren verboten. Auch den sozialdemokratischen Antrag lehnt der Redner als zu weitgehend ab. Die Freiheit des Richters in der Bemessung der Strafen dürfe nicht zu weit gehen, deshalb lehne sein« Fraktion auch den Antrag de? Ausschusses ab. Abg. v. Ramin(Dölk.) gibt zu. daß der Schutz der Kinder- reichen in Deutschland noch sehr im argen liege. Aber auch in Sowjetrußland herrschten na-h amtlichen russischen Be ri ästen in dieser Beziehung sehr schlimme Zustände.(Lärm bei den Kam- munisien, mehrere Abgeordnete werden zur Ordnung gerufen.) Die völkischen hötken nicht« dagegen, wenn den Staatsbürgern jüdischen Glauben» die Abtreibung gestattet werde, den anderen aber müßte es verboten werden. Bbg. vr. Moses sGoz.) hätte von dem völkischen Redner eigentlich die Erklärung erwartet. daß diese ganz« Frage ein- jüdische Erfindung sei. Auch die Sozialdemokratie wünsche eine aktiv! st isch« Bevölko- r u n g s p v l i t i k. es fragt sich nur, was man darunter zu vor- stehen hat. Dem Vertreter des Zentrums schaudert es bei dem Worte Tötung, die in dein vorliegenden Falle nicht straflos bleiben dürfe. Auf der letzten Pazissstentagung hat keine Stelle lebhafteren Beifall gefunden, al» die Aeußerung eine» katholischen Priesters, es sei uusinnig. gegen da, verbrechea de» keimenden Lebens vor. zugehen, solange man nicht gegen den INassenmord des Krieges etwas Ernstliches unternehme. War es etwa von Gast gewollt, daß zwei Millionen Menschen im Weltkrieg getötet wurden? Aber auch im Frieden wird da» von Gott gewollte Leben nicht geschont. Dom Jahre 18 71 bis zum Jahre 1912 sind über 17 Millionen Säuglinge vor Ab- lauf des ersten Lebensjahres gestorben, von denen die Hälft« bis zwei Drittel unter günstigeren sozialen Verhältnissen hätten am Leben erhalten bleiben können.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Die jährlichen Abtreibungen sind etwa auf 700 000 bis 800 000 zu schätzen. 80 bis 90 Proz. find krimineller Natur. Daß wir mit allen Kräften bestrebt sein müssen, diese Zahlen aus das M i n d e st in a ß herunterzudrücken, darüber sind wir uns alle einig. Strittig find nur die anzuwendenden Maß- nahmen. Mit Strafen ist. wie die Erfahrung beweist, dagegen nicht viel zu machen, wir müssen Mittel nnwenden, die die sozialen Ursachen berücksichtigen. Moralisch« Entrüstung Hilst hier nicht. sondern nur di« Erkenntnis der soziale» Gründe und das Bestreben, die Ursachen zu beseitigen. Der§ 218 des Strafgesetzbuches ist nichts anderes als «in Ausnahmegesetz gegen die Iran des Prolelarials. denn die Frauen der Bourgeoisie finden mit Hllf« ihres Geld- b« u t e l s leicht einen Ausweg, während di« Frau des Proletariat» dem Elend und der Verzweiflung überlassen und dem Kurpmscher in die Haade getrieben werden.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Immer mehr und mehr kommt die medizinisch« Wissen- schast dazu, den Zusammenhang zwischen Srankheik und sozial« Lage zu berücksichtig«,. Die Ausgabe des Arzte» soll sein, an der Heilung ber sozialen Schäden mitzuarbeiten. Viele Äronkhesten können nur geheilt werden, wenn man den sozialen Ursachen zu Leib« aeht. Masern und Masern sind zmei verschieden« Krankheiten, j« nachdem ff« auf dem Berliner Kurfür st endomm oder aus dem W« d d t n o auftreten. Bei den Besitzenden wird da» Mittel dar sozialen Indikation schon angewendet, nur beim Proletariat soll es nicht angewandt werden. Eigenartig ist noch die Stellung einiger Autoritäten, die erklären, daß man den Modeströmungen nicht nachgeben, daß die Aerzte sich in diese Dingo nicht hinein- mischen dürsten. Es wird auch davon gesprochen, daß sich bei den Abtreibungen Tausend- von Todesfällen ereigneten. Das find lieber» treibungen. Bei sochgemäßer Behandlung ist die Zahl der Todes- fälle doch sehr gering. In einer medizinischen Zeitschrift wurde kürzlich ousgeführr. man müsse dem Publikum di« Geiahren der Abtreibung so schwarz malen wie möglich, in Wirklichkeit lägen die Dinge aber so: wenn die Unterbrechung der Schwangerschaft von einem fachkundigen Arzt vorgenommen wird, ist sie mit geringer Gefahr verbunden. Unglücksfälle ereigneten sich dabei im geringeren Maße als bei der Anwendung der Narkose. Der Berliner Frauen- arzt Dr. Hirsch hat in einer Statistik, di« vom Jahr« 1919 bis 1925 reicht, festgestellt, daß die Sterblichkeitsziffer gleich 0 war, die Krankheitsziffsr nur 1.S Proz. betrug. Eine Gefahr entsteht nur dann, wenn die Frauen in dl« Hände von Kurpfuschern fallen. Wir müssen sie au» dieser Atmosphäre herausheben und unter gesündere Zustände stellen. Man mag über Rußland denken wie man will, eines steht fest, auf dem Gebiete der Gesundheits. und Bevölkcrungspolitck ist Sowjetrußland bahnbrechend vorangegangen, wenn dort auch noch manches auf dem Papiere steht. Auf eines will ich noch hinweisen. Nach einer Statistik der Leipziger Krankenkasse ist unker den schwangeren Metallarbeiterionen dl« Zahl der Fehl- gcburken von IS auf 20 Proz. angewachsen. Bei den Arbeiterinnen des Schleifer- und Poliergewcrhes ist es sogar aus SZ.ö proz. Fehlgeburten gekommen. Auf die große Zahl von Fehlgeburten unter den schwangeren Frauen der Textil- Industrie ist bereits früher Hingewlesen worden, d. h. doch nicht« anderes, al» in dies«» Gewerben unter Stillschweige» de» Staate» und der Gcsellschast verbrechen am keimenden Leben begangen werden. Auch unser Ideal ist nicht die Fruchtabtreibung, sondern di« Fort- Pflanzung. aber wir wollen die sozialen und wlrffcheftllchen Vorbedingungen sür gesunde Eltern und gesund« Kinder herbeiführen. Heute wird die Mutterschaft vielfach noch als Zwang und als Geißel empfunden. Darum muß der 8 218 und sein Geist fallen. damit die ungezählten Tragödien und oll« die Opfer. di« dieser Paragraph fordert, endlich aushören. Don diesem Gesichts- punkt aus bitten wie Sie, unseren Antrag anzunehmen.(L«bhaft«r Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Illihka(Z.) sagt, daß die Verurteilung jeder Abtreibung durch da» kanonisch« Recht den naturlichen und ethischen Gesetzen entspreche. Eingriffe in das keimend« Leben hätten nnmer die scklimmsten Folgen für das körperlich« und fseffsche Befinden der Mutier, darum sollte vmn die Frauen dovor bewahren. Rosa Luxemburg Hobe sich nachdrücklich gegen d>« Propaganda des Gebärstreik» gewandt. Wer freilich fiir den Schutz des keimenden Lebens eintrete, der müsse auch dahin wirken, daß durch Verbesserung der sozialen Derhältniss« die Vnlkskraft geschützt werde. Abg. Frau llrendsee(Komm.) wendet sich gegen»« Tlus- führungen de» Abg. Ramin über Rußland. Abg. Dr. Spula(Dnatl.) bekämpft die Anträge auf Milderung de» h 218. In den nieisten Fällen entspring« da, Delikt der vor- ontwortungslostgkeit der Eltern. Abg. Frau Zuchgcz(Soz.) erklärt, daß die Einwände der Segner zum groß«, Teil von ££'«1114*« H«v»4le; mch yntgvntpj» Heg Lebens diktiert feien. Man könne doch nicht wegleugnen, daß die Zahl der Abtreibamgssälle außerordentlich groß sei. das beweis« doch, daß die bisherigen barbarischen Strafe« versagt haben. Verbessern Sie die sozialen Verhältnisse, schassen Sie die Wohnungsnot aus der Welt und Sie werden die Voraus- setzungen für die meisten dieser Fälle beseitigen. Wenn Sie von seelischen Konflikten sprechen, denen die schwangeren Frauen au»- gesetzt sind, dann schaffen Sie mit uns einen umfassenden Ausbau der sozialen Fürsorge, helfen Sie uns dabei, daß die Frauen sorglos ihrer Entbindung entgegensehen können, daß sie mit Freuden ihr« Kinder aufziehen, daß sie für ihre Kinder genügend Nahrung und Wohnraum haben, daß sie genug Zeit finden, um sich ihren Kindern zu widmen und nicht gezwungen sind, in die Fabrik zu gehen und di« Wartung der Kinder anderen überlosssn zu müssen. Wenn Sic das mit uns Um wollen, dam, ist es uns recht, dann aber können Sie aber auch ganz ruhig di« B e st r a- f u n g fallen lassen, dann wird fick die Zahl der Abort« und Ab- treibungen auf ein ganz kleines Maß vermindern.(Labhofler Beifall bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Aussprache. Zur Abstimmung steht nur noch der A u s s ch u ß a n t r a g. da di« Sozialdemokraten und Komm». nisten nach dem Gonge der Verhandlungen ihre weitergehenden An. träge nicht aufrsänerballc:, haben. 3n namentlicher Abstimmung wird mit 214 gegen 173 Stimmen der Antrag des Rechtsausschusses angenommen, den wir bereits mit- geteilt haben. Ein Antrag der Deutschnationolcn. der im Absatz 1 eine Mindeststraf« von drei Monaten Gefängnis vorschreiben will, wird abgelehnt. Daraus wird die Vorlage auch in der Schlußabstimmung der dritten Lefuog angenommen. das kommunistische Mißtrauensvotum. Es folgt nun die Abstimmung über das von den Kommmristen bei der Beratung der Fürstenabfindungsonträge gegen di« Reichs- regierung eingebracht« Mißtrauensvotum, da, nicht motiviert ist. Vor der Wstimntung erklärt Abg. Graf Westarp CDnatl.), dos kommunistische Mißtrauensvotum sei zwar nicht motiviert, aber es sei bei der Frag« der Fürstenabfindung gestellt, wo die Reichsregierung eine Haltung eingenommen habe, die der der Deutsch- nationalen entspreche. Darum würden di« Deutschnationolcn den Mißtrauensantrag ablehnen. An ihrer Opposition gegen das jetzige Kabinett werde dadurch nichts geändert. fihg. Müller-Franken(Soz-j Ich habe namens meiner Partei folgendes zu erklären: Das Miß- trauensvotnm der kommunistischen Fraktion ist zwar nicht in o t i- v l e r t, aber e» ist misdriicklich eingebracht zu dem Gesetz über die Cnteignimg der F ü r st e n o e r m ö g e n. Wir sind der Aussaffung, daß zu diesem Gesetz nach dem Ergebnis der gestrigen Abstimmungen nun das Volk da» Wort hat. Im übrigen haben wir in der Flatzgenfrag« interpelliert. Wir hoben auch die Er- klärung, die wir zur Debatte stellen werten, bereits veröffentlicht. Wir roerden bei dieser Debatte, di« der Aeltestenousschuß auf Dienstag festgesetzt hat, unsere Auseinandersetzung mit der Regierung führen. Wir sind der Ileberzeugung, daß das Mißtrauensvotum der Kommunfften uns nicht davon abbringen kann, die Debatte so zu führ«», wie mir si« für richtig und notwendig halten.(Große Unruh« und Zuruf« bei den Kommimisten.) W'r werden uns der Stimm« enthalten.(Gelächter und Zurufe bei den Kommunisten.)„ Abg. n. Groesc(Dölk.)«rtlärt. seine Freunde würden für da» Mißtrauensvobmi stimmen, weil sie in schärfster Opposition zu dieser Regierimg ständen, der ein Herr Dr. Stresemann augohöve. Abg. Stecker(Komm.) behauptet. Luther stütze sich auf ein« Ein- hestsfiont von den Deutschnationolcn bis zu den Sozioldemokraien. (G« l ä ch t e r.) Abg. v. Richthofen(Dem.) erklärt, daß die Demokraten bei anderer Gelegenheit ihre Stellung zur Regierung bekunde» und jetzt den konunun istischen Mißtrauene-antraa ablehnen würden. Lei der Abstimmung wird der kommunistische Antrag gegen die Skiminen der Völkischen und Kommunisten abgelehnt. Abstimmungen über Entjchließungen. Ohne Aussprach« wird darauf in zweiter und dritter Beratung mit der für Berfassw, gsändenmgen erforderlichen Mehrheit ein Ge- setzentwnrs angenommen, wonach für da, Reichstag spräfi- d tu m und die Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses und de, Ueberwachungsousschusses die Immunität auch für die Zeit zwischen zwei Sitzung», oder Wahlperioden des Riichstags bestehen bleibt. Ein völkischer Antrag aus Bereitstellung von 50 Millionen für zinslose Darlehen an Inflationsgeschädigte wirt abgelehnt. Auf Lorschlag de» Volkswirtschaftlichen Ausschusses wird gegen di« Stimmen der Eozialdenwkraten und Komnmnfftsn eine Entschließung angenommen, in der die Regierung ersucht wirt, bei einer Aenderung der Gewerbeordnung auch die Auswüchse des Straßen Handels und des Hausierhandels auszufchasten. Abg. Sonner(Z.) erstattet den Bericht des Dolkswirtfchasllichen Ausschusses über einen völkischen Antrag auf Herabsetzung der Zinssätze. Unter lebhosten' Hört, hört! der Linken teilt er mit, daß die Antragsteller es nicht der Müh« für wert gehalten haben. bei der Beratung im Ausschuß anwesend zu sein. Abg. Henning iDölk.) behauptet, der Abg. Schröder fei nur kurze Zeit aus der Ausschußsttzung herausgerusen worden, habe aber dann zu dem Antrag gesprochen Abg Slmon-Franken(Soz.) stellt demgegenüber als Borsitzender des Ausschusses fest, daß trotz vorheriger Berstä>sdigunq der völkischen Fraktion der Abg. Schröder nicht zur Begründung de» Antrag» er- schienen sei. Erst nachträglich sei er gekommen, als d>« Deboite schon im vollen Gange war.(Hört, hörtl) Di« Ausschußentschließimg wird angenommen. Donach soll die Regierung ersucht werden, mit Nachdruck auf ein« wesentlichc Ermäßigung der Zinssätze hinzuwirken, und für die Umwandlung der kurzfristigen Belastungen in Realkredite Sorge zu tragen. Gegen Fi Uhr vertagt sich dos.Haus auf Sonnabend 1 Uhr. Aus der Tagesordnung stehen die Anträge zur Alkoholfrag« und zun, Gemeindebestimmungsrecht. »Ein Volk- ein Reich r* Der Oesterreichisch- Deutsch« Bolksbund hält in Frankfurt(Main) vom 12. bis 14. Juni unter dem Vorsitz des Reickstagspräsidenten Paul Lobe seine diesjährig« Reichstagung ab, deren Bedeutimg durch ein« große Kundgebung in der Paulskirche:„Ein Volk ein Reich", gegeben ist. Zu dieser grotzdcutschsn ropubliko- nischen Kundgebung hat bereits der Vorsitzend« der Demokratischen Partei. Abg. Koch, zugesagt, dos Referat zu übernehmen. Außer- dem wird auf einer Tagung Reichsgerichtspräsid-nt Dr. Simons über.Rechtsangleichung", Kommerzienrat Böhm-Verlin Über.Per. kehr und Dntlchaft". und Prof. Brandl über..Schulangelegenheiten und Unterricht" sprechen. Zu dem Dartrag über die Rechtsan- gleichung hoben sich bereits heute ein« Reih« österreichischer Juristen _____ u....:____ GeVerMastsbewegung Nordseefischer haben ihren diesmaligen Fang nach ch a m b u r g statt, wie sonst, nach Nordengland geschickt. Auf der anderen Seite steigen die Kohlen- und Kokspreise. Die Zwisihenlösong See flrbeitslosenfursorge. Sie muh an den Reichstag. Die Reichsregierung hat der Vorlage des Reichsarbeitsministe- riums zur Zwischenlösung der Erwerbslosenfürsorge zugestimmt. Der Inhalt der Vorlage ist trotz einzelner Verbesserungen im ganzen wenig befriedigend. Daher auch das hartnäckige Schweigen der matzgcbenden Stellen über den Inhalt der Vorlage. Unter diesen Umständen halten die Gewerkschaften an ihrer Forderung, die Zwischenlösung im Wege der Gesetzgebung zu schaffen, unbedingt fest. Die Zwischenlösung steht übrigens aus ganz anderen Grundlagen als die bisherige Regelung der Unter- stützungssäge. Dieser Umstand und ebenso die von den Gewerk- schaften geforderte Beseitigung von der Bedürftig- keitsprüfung machen einen Akt der Gesetzgebung notwen- d i g. Die Regierung hat zugegeben, daß die Vorlage nicht nur an den Beirat bei der RcichsarbeitsverwaUung, sondern auch an den Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags koinnu. Der Reichstag hat es daher, wenn die Regierung jetzt den gleichen Weg wie bei der letzten Regelung der Unterstützungssätze einschlagen sollte, in der Hand, den Entwurf einer völlig unbefriedigenden Ver- Ordnung über den chaufen zu stoßen und mit Hilfe eines I n> t i a- t i v g e s« tz e s etwas Neues zu schaffen. keine �enöerung im Nummelsburger Streit. vis zur Durchführung der Sladkoerorduetenbeschlüsfe. In dem Streik der Eisenkonstruktionsarbeiter auf dem Neubau des Kraftwerkes Rummelsburg ist bis jetzt keine Aenderung eingetreten. Die Front der Streikenden ist nach wie vor geschlossen. Es wird abgewartet, wie sich die bauausführenden Eisenkonstruttionsfirmen zu den am Donnerstag gefaßten B e- schlüssen der Stadtverordnetenversammlung stellen werden, durch die die Forderungen der Streikenden als durckmus berechtigt anerkannt worden find. Die Streikenden sind jeden- falls fest entschlosien, ihren Kampf um menschenwürdige Entlohnung und Arbeitszeit so lang« fortzusetzen, bis sich die Unternehmer bereit «rtlSren, den Wünschen der Arbeiter Rechnung zu tragen. Auch die gesamt« Oeffentlichkeit ist gespannt darauf, wie sich der tonangebende Verband Berliner Metallindustrieller zu den Beschlüsien des Stadtoerordnetenparlaments nunmehr verhalten wird. Die Kaltschnäuzigkeit der Berliner Metallindustriellen in Existenzfragen ist ja hinlänglich bekannt. Ob sie aber die vormörzliche Ansicht oll- preußischer Militärs, daß der Gaul mehr gell« als der Mann, auch heute noch hinsichllich chrer Ardeiter teilen, werden die nächsten Tag« lehren._ Lebensmittel- und Getraukearbeiter! Morgen, Sonntag, kW, Uhr, ist im großen Saale des Ge« werkslbastshauie« eine wichtige Generalversammlung. Die Kommunisten planen wieder eines ihrer Manöver. Darum muß jeder auf tem Pollen kein. Fraktion für praktische Gewerkschaftsarbeit, Amsterdamer Richtung. Die Abstimmung der Vraoereiarbciker ergab nicht die statutarisch erforderliche Mehrheit für«inen Streik. Somit erfolgt keine Arbeitsniederlegung. «cht»"«». SPD. Zimmerer! Di« für beut« angesetNe Bersammlung s? gl kann llmliändrdolber nicht stattfinden. Der Aratti«»»»orftand. � Bchtnna. tlkkirdmanrer! Di« Taiitvertrdae für Akkordinaurer sind im Reu- druck«rlÄiicncn. Sir können ad Montaa, 10. Mai, im Bureau, Zimmer SS. abaebolt meinen. Deutscher Baugewerkebund. Bauarmerkschast Berti». Der Vorstand. Gewerkschaft deutscher P elkeleb rer und v-llelebreeinaen, Ortegruv»- Vre- Nu. Nächste Sibuna ci» Montaa. 10. Mai. 8 Ubr. im Zwtbaus. Zimmer SS. Ta-woordnuna: l...tzUbalt und Äuln der Ausbauschule- Zielerent:(benoffe Au-Iänder. Z. Glternbeiiatsivablen. Z. Ltkulfraaea im Etadtparlament. Pücktlliches und»absreiches Erscheinen ist Pflicht. Treie Semrrkschasteiustead. Beute. Sonnabend. VA Uhr. tagt die©ruope Moabit im Iuaendbeim Bremer Ecke Wiclefstraste. Beimbesprechun«...Der Ausbau der IsEA.* Berantm örtlich für Politik: Ernst Acuter! Wirtschaft: Aetur Satcrnu,: Eewerlschostodeweaung: Zriedr. Eßtorn: ffeuMeton: I. i. Döfcher: Lolale» und Sonstiaes grib Aarstödt: Anteiaen: Tb. Stocke: sämtlich in Berit». Berlaa: Lorwärts-Lerlaa•utmiinn. u-ni i Zur s �oTfäLT9 Frottegarn, Fr ott eh unstseide, Gardinen Serie III »»» Tau. 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Errtklatsig: Verpilej 0.1 g(M. ttag- u. Abendessen) im urbam Binz, B. dlajlo.it Bidinnunge- und Trinkgelder, 4. Kurtaxe rel, 5 Fd.iru in zum Besuch der Stbentwbrdig- kolton, B. Auel.« I n'ch Sellin od.B.hrtn, T. Dsirpternuiflng itsi Juni z. f tubbenkatnanr nc»., t. F.eier E ntritt ins r i ilM i n md, 9. Freier Eln'rifl z. d. Rennone o.Ttnzturn. um d. Frflhl.-Meistercclielt, 10. Andenk. n-KOgeneinb« ctiffen. Auexunft o.id Coupon-Hofte in«nserei Pelscburccus Leipziger Strasse und AlexanderplaU Nr. 214 ♦ 4Z. Jahrgang X. Heilage öes vorwärts Sonnabend, S.Mai 1926 Die Gesundheitswoche ist vorüber, und niemand wird bestreiten, daß sie dem Publikum viel Nützliches gebrocht hat. Aber es war und ist eben auch die Armut, die die gesundheitliche Vernachlässigung so breiter Schichten mit sich brachte, und die große wirtschaftliche Notlage, die den Menschen den Raum, auf dem sie leben dürfen, bisweUen nach Quadratzentimetern zumißt, so, daß für viele— gar nichts davon abfällt. Man soll und darf eben nicht glauben, daß mit solchen Propagandatagen für Hygiene alles getan sei, so gut und wertvoll sie sind; denn gerade wer das voll würdigt, wird auch sehen, wieviel zu tun noch übrig bleibt. Es hilft nicht, den Menschen nur zu zeigen, wie sie richtig gesundheitsgemäß leben müßten. Man muß ihnen auch die Möglichkeit geben, es zu tun. Ourchschnittsfälle. Kann das der Durchschnittsarbeiter der Gegenwart? Nicht Sonderfälle seien herausgegriffen: auch die Not der Arbeitslosen. der Nur-Rentenempfänger. der schlechtstbezahlten Heimarbeiter soll außerhalb dieser Betrachtungen bleiben. Zuerst mag der Tarif der Berliner Metallarbeiter sprechen. Danach sind die Mindeststunden- löhne für Jugendliche männlich weiblich von 1t bis IS Jahren 0,25 M. 0,33 TL . 15. 16, 0.81, 0,29, , 16, 17, 0,37, 0,34, , 17, 13. 0,43. 0,39. für weibliche Hilsarbeiterinnen über 18 Jahren 0,44 M., für Ar- beiter von 18 bis 21 Jahren 0,50 bis 0,55 M., für"Arbeiter über 21 Jahren 0,64 bis 0,66 M Da heute in zahlreichen Betrieben der Metallindustrie die'verkürzt« Arbeitszeit eingeführt ist. Meist man hoch, wenn man den normalen Wochenverdienst mit 40 Stunden ansetzt. Kommen gar Wochen mit kirchlichen Feiertagen, an denen die Arbeit gesetzlich ruhen muß, so ist er natürlich beträchtlich niedriger. So hat also der Arbeiter nach Abzug von Steuer und Versicherungsbeiträgen etwa ein wöchentliches Einkommen von 23 M., von dem er sich und seine Familie erhalten soll. Einer der günstigsten Fälle sei herausgegriffen: In einer typisch freudlosen Arbeitcrgegend liegt die bereits m Friedenszeiten gemietete, also noch preiswerte Wohnung, bestehend aus Stube und Küche, in der Mann, Frau, ein Kind, außerdem die alte Mutter des Mannes, die völlig erhalten werden muß, leben. Die zweifenstrige Stube ist groß genug, um zwei Betten, Vertiko, Sofa, Tisch, zwei Stühle und das Kinderbett, das aber schon schräg vor den Osen gestellt werden muß, zu fassen. Die Küche ist schmal, enthält außer W r-- - ZM_ W... den notwendigen Geräten das Bett der alten Mutter. Der Kleider- Krank steht auf dem engen, mit einer anderen Wohnung gemein- aftlichen Korridor. Stube und Küche glänzen vor Sauberkeit, und da das Haus sonst recht vernachlässigt ist, läßt die Wohnung erkennen, daß die Inhaber wohl eigene Auswendungen machten. um sie so instand zu hallen. Sie ist gut gelüftet, die Betten mit sehr ordentlichem Bellzeug überzogen. Um die notwendigen An- jchaffungen für den Lebensunterhalt und die Wirtschaft machen zu können, verdient die Frau mit. Doch hat sie als konfektions- arbeiterin nur zur Saison, also einige Monate im Jahre, zu tun. Bei täglich mindestens achtstündiger Arbeit verdient sie ohne Ab- züqe 13 TCL wöchentlich, woraus aber nicht nur laufende Ausgaben bestrillen werden dürfen, sondern auch Rücklagen gemocht werden müssen für die Zeiten, in der die Frau arbeitslos ist. Was für den wöchentlichen Lebensunterhalt dieser vier Personen ausgegeben werden darf, mag sich jeder selber ausrechnen. Die verhältnismäßig hygienische Wohnung verhindert hier nicht, daß ihre Bewohner alle die fahle, gelblich-grüne Gesichtsfarbe Schlechternährter zeigen. Aber wie gesagt handelt es sich hier noch um einen besonders günstigen Fall. Anders liegen die Dinge schon bei einem Mann mit gleichem Einkommen, dessen Frau aber herzkrank ist und nicht mitverdieneu kann.(Außerdem gibt es natürlich viele Frauen. die zwar gern mllverdiensn würden, aber heute keine Arbeit finden.f Dieser Mann wurde zudem vom Arzt für tuberkulös erklärt. In iehn Wochen Kurzarbeit hatte er ein Einkommen von ZOO M. Davon brauchte er für persönlich« Ausgaben: Fahrgeld.............. 18.— M. Mittagessen im Betriebe......... 20.—, Milch............... 21.—. Neuanschaffung einer Hose........ 10.—. Ein Paar Schuhe besohlen........ 5.—, Dazu kommen die Ausgaben für die Wirtschaft: Miete............... 72.—, Feuerung für die sehr kalte Wohnung... 20.50. Gas................ 8.—, ;-.r-■>-7>• 169.50 M. Der Frau blieben also für alle übrigen wirtschaslsausgaben ein- schließlich Kleiderauschasfung und-reparäluren für sich und die beiden schulpflichtigen Kinder 30,50 M. Ist es da ein Wunder, daß die Familie tu Schulden geriet, von denen sie sich nicht wieder freimachen kann, daß alle versetzbaren Wertgegenstände, natürlich auch die Trauringe, aus dem Hause wanderten und nun nicht ein- gelöst werden können, daß schließlich auch die Familie die Miete jchuldia bleiben mußte? Dabei ist dem Mann jetzt vom Arzt eine Sahnekur dringend empfohlen worden. Auch eine mehrmonatliche Verschickung des Mannes in eine Lungenheilstätte wurde in Aus- ficht genommen, doch sträubt sich der Mann augenblicklich dagegen, da er fürchtet, durch eine so lange Abwesenheit von der Arbeits- statte feine Beschäftigung zu verlieren.„Ich bin jetzt fünfzehn Jahre bei der Firma," sagte er,„und wenn mir hier was passiert, kriegen wenigstens meine Frau und meine Kinder eine kleine Rente." Also arbeitet er weiter, so lange es gehen will und teilt des nachts mit dem jüngsten Kinde das Bell, da nur für den größeren Knaben eine Kinderbellftellc da ist und der Kleine bei der nachts an Herz- beklemmungen aufschreckenden Mutter nicht schlafen will. Zu dieser Schilderung noch Worte zuzusetzen, hieße wohl ihre Wirkung nur abschwächen. Eine alleinstehenöe Iran. Der drille Fall mag die Lebensweise einer alleinstehenden Frau illustrieren, die ihren Verdienst in der Fabrik suchen muß. Es Handell sich um eine höchstbezahlte Arbeiterin, die einen Wochen- reinverdienst von 18,50 Iii. hat. Monatlich muß sie für ihre Schlafstelle 22 M. bezahlen, außerdem für Gasverbrauch 1,75 bis 2 M. Für ihr uneheliches Kind, dessen Vater nicht auffindbar ist, betragt das Kostgeld 20 M., außerdem ist es jetzt schulpflichtig geworden und braucht Bücher und bessere Kleider, als es sonst im Hause trug. Wie die Mutter alle diese Ausgaben, die Kleidung für sich, ihre» Lebensunterhall, im Winter die Heizung des Zimmers, von dem verbleibenden Rest von 32 M. bestreitet, ist ihr Geheimnis. Jeden- falls beweist ihr erschreckend elendes Aussehen, daß sie nicht gerade üppig davon leben kann, und daß ihr für Sonderausgaben, feien sie für einen gesundheillich noch so wichtigen Zweck, sicherlich kein Pfennig übrigbleibt. Ja. die Arme war sogar einmal genötiat, 20 M. Vorschuß zu nehmen. In der Osterwoche wurden ihr 5 M. Rückzahlung abgezogen.„Ich habe 7,50 M. ausgezahlt bekommen." sagt sie. Es sind absichllich hier nur Fälle aus der Metallindustrie herausgegriffen, um wahllos verschiedene Lebenshallungen auf der gleichen Basis nebeneinander stellen zu können. Durchaus nicht um die krassesten Fälle handelt es sich, denn alle drei beziehen sich aus Höchstoerdiener. Im Buchhandel, in der� chemischen'Industrie, in zahlreichen anderen Zweigen haben die kaufmännischen. Angestellten, die zudem oft wesemlich mehr als in der Fabrik Beschäftigte für Kleidung ausgeben müssen, kein nennenswert höheres Einkommen. Hier gibt es sogar noch besonders krasse Fülle: Der Bureaudiener, der dos 20. Lebensjahr überschritten hat, hat einen monatlichen Bruttoverdienst von 102 w. Am schlimmsten freilich ist ein noch von keinem Tarif erfaßter Teil der kaufmannisch Arbeitenden daran: die Adressenschreiber. Die Firma Adolf Schustcrmann, Runge- straße 22, zahlte ihren Angestellten für täglich achtstündige Bureau- arbeit zuzüglich etwa drei bis vier Stunden täglicher Heimarbeit nach Fortfall der Abzüge 18 M. bis herunter zu 5,25 M. für eine Woche Arbeit aus. Dabei ist Adressenschreiben durchaus nicht die mechanische Arbeitsleistung, als die sie gewöhnlich hingestellt wird. Fremdsprachliche Adressen stellen sehr häufig Anforderungen an eine höhere Bildung, und tatsächlich haben etwa zwei Drittel der in Berlin beschäftigten Adressenschreibcr das Abiturientencxamen oder Damile unker den Zedern. von Henri Bordeaux. (Berechtigte Ueberfetzung von I. Kunde.) Wie schlecht hatte er beobachtet, da er seine Schwester nicht von den anderen unterscheiden konnte! Ich lächelte mit- leidig und ließ die Erzählung seiner Manöver über mich er- gehen: er fieberte danach, sie zu berichten. Als Händler verkleidet, das Gesicht künstlich gebräunt, sah er wie ein Beduine der Wüste aus; der Keffije machte ihn vollends unkenntlich: die ersten Tage beobachtete er das Kommen und Gehen aller, die durch den Torbogen Omars Hans betraten. Schon nach kurzer Zeit gelang es ihm, mit verschiedenen Dienern zu sprechen. Er erfuhr so, daß die beiden Gatten sich wie in Chrar ihrem Liebesrausch Hingaben, auf Diwanen ruhten oder unsichtbaren, im Hofe postierten Musikern zuhörten. Sie können sich denken, wie es mich quälen mußte, diese Schilderung des Butros so kurz nach der im Friedhof vernommenen Unterhaltung zu hören. Der eine Diener, namens Ali, war von Butros in eine hafenschenke geführt und wider alle Gesetze des Propheten mit Wein und Schnaps trunken gemacht worden: er hatte ihn über alle Vortelle aufgeklärt, die für die Dienerschaft aus einer derartig absorbierenden Leidenschaft erwuchsen. „2Zu begreifst/ sagte er:„Die Aufsicht fehlt. Im Hause muß natürlich Ordnung herrschen: denn der Zorn des Ge- bieters ist schrecklich. Wenn man im Gebirge König auf der Jagd und zu Rosse gewesen ist. bleibt etwas davon selbst im Rausche übrig. Aber er hat eine offene Hand, lebt in einem Taumel und wir nützen das aus. Er war ein gefräßiger, lüsterner Bursche, ließ durch- blicken, welche Bortelle ihm persönlich erwuchsen, und verriet, daß sogar Rahil ihre Liebhaber im Hause empfinge. Rahil? Butros erkundigte sich nach dieser Rahil, die eine bedeutsame Rolle zu spielen schien. Sie stand dem Hauswesen vor, be- gleitete Pamile bei den Einkäufen von Schmuck und Kleidern: Omar wünschte, daß seine Frau reichen Luxus entfalte, wenn sie die Damen von Tripolis besuchte, und wollte, daß sie in enge Beziehungen zu ihnen träte. „Geht diese Pamile viel aus?" hatte Butros gleichgültig gefragt. „So wenig als nur möglich. Es gefällt ihr nur zu Haufe.' „hast du sie nie gesehen?" „Niemals," versetzte der unzuverlässige Diener mit einer Gebärde des Entsetzens.„Das wäre der Tod." ./ist Omar eifersüchtig?" .Kein anderer Blick als der des Gatten darf auf der Gattin zärtlich ruhen." „hat er keine andere Frau?" „Keine. Früher hatte er Jasmine. Aber die ist mit Ge- schenken nach Hause geschickt worden, bevor er die andere nahm." „Ich möchte sein Haus betreten." „Du? Um Teppiche oder Kleiderstoffe zu verkaufen?" „Nein. Um dieser Rahil zu gefallen." „Du kennst sie nicht?" .Ich will sie kennenlernen." „Sie hat, was sie begehrt." „Eine Frau chrer Art? „Du kennst sie schon!" Halle Ali, sich vor Lachen schüllelnd, erwidert. Sie waren übereingekommen, daß Butros, als Frau verkleidet, eingeführt werden sollte. .Ich hoffte," fuhr der seinen Schlachtplan entwerfende Butros fort,„unter diesen Bermummungen in das Gemach Jamiles zu gelangen und mich über ihre Ausgänge zu unter- richten. Aber diese Rahil, die ein waches Auge hat, ließ es nicht zu, daß ich mich im Hofe herumtrieb. Sie unterwarf mich einem peinlichen Berhör, durchschaute mein Manöver und drohte mich zu denunzieren. Ich mußte heucheln, daß sie mir gesagt, was nicht zutrifft, obgleich sie in ihrer üppigen Reife noch hübsch ist. Die Frauen sind leicht mit dem Anschein der Liebe, der sie schmeichelt, zu gewinnen. Ich hütete mich, die angefachte Glut zu löschen. Seitdem ist sie mir verfallen. Sie ärgert sich weidlich über ihre Leidenschaft, mußte sich ihr aber schließlich fügen. Ich versprach ihr, mich gefällig zu er- weisen, nachdem ich ihre Herrin schleierlos gesehen." „Wenn du sie erblickst," wehrte sie ab,„wirst du auf der ganzen Welt nur noch sie sehen!" Ich bestand darauf. Das Geld half mir. Sie hat mich für morgen in den Friedhof der Zitadelle bestellt. Was sagst du. Ich war einen Augenblick sprachlos. Dann wandte ich ein: „Und Omar?" „Er ist nicht vergessen worden," erwiderte Butros mit der überlegenen Miene, welche die Gewohnheit des Befehlens mit sich bringt.„Omar wäre der furchtbarste Gegner ge- wesen. Er durste nicht stören. Omar ist gestern nach seinem Landsitz in Akka aufgebrochen, wo er Zwistigkeiten schlichten muß. Es war die erste Trennung. Bon Rahil erfuhr ich, daß der Abschied herzzerreißend gewesen ist. Jamile vermochte es nicht, ihre Arme vom hals des Elenden zu lösen. Sie Hot einen ganzen Tag und eine ganze Nacht geweint und ließ sich nur bestimmen, auszugehen, weil sie es auf fein Verlangen ihrer Gesundheit wegen tat." „Ich geriet durch diese Enthüllung außer mir. Diese Jamile, die ich vor der Zitadelle gesehen und die mir wie das personifizierte Glück erschien, war ein Weib, welches den Schmerz der Trennung von ihrem Geliebten empfunden hatte. Wie herrlich mußte ihr Gesicht und ihr Auge erst sein, wie schmiegsam ihr Körper und wie leicht ihr Gang, wenn sie im Vollbesitz ihres Glückes war? Einigte denn die Liebe eine überirdische Gewall, eine götlliche Kraft der Ausstrahlung, die ein Wesen mit einem Lichtkreis umgab, so wie es Gestirne gibt, die vom Licht überflutet, größer erscheinen? Ja, sie war es. Jamile, die Liebende und Geliebte, umwogte ein Lichtkreis. Ich entriß mich der Qual dieser Vision und fragte: „Und wann kommt er zurück?" „Morgen abend," sagte Butros.„Wir können den Tag nicht wählen, heute wäre es wegen seiner Abwesenheit günstger gewesen: aber ich brauchte diesen Tag. um Rahil zu überreden. Sie hat mir geschworen, daß Omar erst spät nach Sonnenuntergang zurückkehren werde, sehr spät, wahr- scheinlich in der Nacht. Da sind wir schon längst mit unserer Bürde auf dem Weg nach Bescherre. Unsere Pferde sind frisch und ausgeruht; die seinen ermüdet: aber wir müssen damit rechnen daß der Wütende uns verfolgt. Erst mal im Libanon, sind wir die Herren der Situation." „Gut, also morgen." Morgen sollte Jamlle nicht mehr Omar gehören. Aber wem gehörte sie? Für wen entführten wie sie? Wie ich durch das Fenster auf das abendlich dunkle Meer und den Sternen- Himmel blickte, sah ich große Vögel mit ausgebreiteten Schwin- gen vorüberschießen. Und ich dachte an die wahnsinnige Flucht der Wachteln vor den Falken.... Am andern Morgen, frühzeitig, nahmen Butros und ich den Ort in Augenschein. Er wußte nicht, daß ich ihn schon kannte und daß er die Umgebung war, in der ich gewöhnlich meinen Grübeleien nachging. Ick) zeigte ihm auch nicht das Grabmal, hinter dem ich mich oersteckt hatte, um Jamile aus größerer Nähe zu sehen; aber er entdeckte es selbst. (Fortsetzung folgt.) wenigstens die Reifeprüfung für Obersekunda gemacht. Wohnungen und Lebensweise dieser Aermsten, die sich oft tatsächlich kaum an trockenem Brot sattessen können, sind grauenhaft. « Hier liegen Gebiete, die mit Hygienepropaganda scheinbar nur mittelbar zu tun haben: aber der, der nicht blind dafür sein will. wird leicht erkennen, daß dieser Schein trügt, daß nichts unmittel- barer Bezug auf die Gesundung und Gesunderhaltung eines Volkes hat, als diese wirtschasllichen Fragen. Eine Hygieneausstellung würde vollkommen sein, wenn vorblldliche Wohn- und Arbeits» anlagen den Ausstellungsraum einnehmen würden, der heute den Modellen von Siechen- und Krüpvelheimen mit Recht angewiesen werden muß. 2luf dieses Ziel hat die Allgemeinheit hinzuarbeiten. Der Arbeiter aber, ob mit Kopf ode. Hand, muß wirksamste Mit- arbeit leisten, wenn es erreicht werden soll: er kann es, wenn er sich den freien Gewerkschaften anschließt. ver Mörüer seines Kindes. Ein Todesurteil des Schwurgerichts am Landgericht III. Unter der Anklage des Mordes an seinem eigenen Kinde stand der Kraftwagenführer Ewald G ä d k e vor dem Schwurgericht des Landgerichts III. Gädke hatte 19'20 in Kiel geheiratet: die Ehe ge- staltete sich jedoch nicht glücklich, da die Flau ihm später eingestanden haben soll, an einer bösen Krankheit gelitten zu haben, so daß er der Meinung war, daß der hartnäckige, unheilbar erscheinende Ausschlag des Kindes auf diese Krankheit zurückzuführen war. Nach dem Tode seiner Frau wurde das Kind von ihm zunächst in verschiedenen Familien und Krankenhäusern untergebracht und kam schließlich nach Dürog bei Wustermark, wo der Angeklagte sich mit einem jungen Mädchen verlobte und das Kind bei den Eltern des Mädchens wie ein eigenes Kind oerpflegt und auch mit Arzneien behandelt wurde. Der Angeklagte zog unterdessen durch die Land« und wurde auch wegen Landstreichens bestraft. Als er. ohne daß die Braut eine Ahnung davon hatte, aus dem Gefängnis entlassen worden war, Weihnachten 192-1 wieder nach Dürog zurück- kam, gab er gleich von seinem Plane Kenntnis, das Kind jetzt in einem Krankenhans unterzubringen. Am 3. Feiertag zog die Braut deshalb das Kind warm an, bekleidete es mit einem Wollschal und band ihm auch ein Leinentuch um den Kopf. Der Angeklagte be- hauptete nun, von dem Bahnhos Wustermark mit dem Kinde nach Berlin gefahren zu sein und hier versucht zu haben, es in der Charite unterzubringen. Es sei ihm jedoch von Aerzten gesagt worden, er müsse sich an seinen Kreis wenden. Kurz vor ti Uhr abends will er dann wieder mit dem Kinde in Wustermark eingetroffen sein. Nach seiner Angabe wurde nun das Kind unterwegs sehr unruhig. Als seine Versuche, es zu beruhigen, fehlschlugen, will er dann in große Wut geraten sein und das Kind heftig am Schal gezerrt haben. Plötzlich fei es umgefallen und, wie er zu seinen, Schrecken feststellte, tot gewesen. Die Leiche versteckte er darauf in einem Graben, be- deckte sie mit Schnee, ging zu seiner Braut und schlief in der Woh- nung der Eltern seiner Braut ruhig die ganze Nacht. Am nächsten Morgen wollte er sich dann angeblich, nachdem er die Leiche seines Kindes geholt hätte, der Polizei stellen. Er habe es jedoch mit der Angst bekommen, weil zwei vor der Polizei stehende kleine Kinder ihm zugerufen hätten:.Jcgt wird man dem Mörder des Kindes den Kopf abschlagen." Tatsächlich ist der Angeklagte auch geflüchtet und hat sich ein Jahr lang unter falschem Namen in Mecklen- bürg verborgen gehalten. Erst Ende vorigen Jahres tonnte er verhaftet werden. Nach den Erklärungen der Sachverständigen steht seine Angabe. er habe an dem Schal gezerrt, mit dem Obduktionsbefund in Wider- fnruch. Das Leinentuch ist zweimal festgeknotet um den Hals des Kindes gewesen, so fest, daß man nicht einen Finger dazwischen stecken konnte und sich starke Strongulationsmerkmale vorfanden. Der Staatsanwalt war daher der Meinung, daß eine solche Tat ni-cht km Affekt geschehen sein konnte, sondern erhebsiche Zeit «nd. bestimmte Ueberlegung erfordert hätte. Der An- geklagte habe das Kind los sein wollen, weil ihn der Gedanke be- herrscht habe, daß es seiner zweiten Heirat entgegenstände. Er habe sein Kind deshalb kaltblütig umgebracht. Deshalb beantragte der Vertreter der Anklage wegen Mordes die Todesstrafe. Nach etwa einhalhstundiger Beratung verkündete das Gericht auch das Urteil: Der Angeklagte wird wegen Mordes zum Tode verurteilt. Der Jall Teppich. Das letzte Iürgens-llrteil vor dem Verufungsrichter. Die letzte Amtshandlung des verhafteten Landgerichtsdirettors Jürgens als Borsitzender des Schöffengerichts Eharlottenburg war, wie erinnerlich, die Verurteilungein er FrauTeppich zu 2 Jahren Gefängnis wegen Betruges. Bald darauf wurden Jürgens und Frau unter dem Berdacht des Versicherungsbetruges sowie des umfangreichen Kredüschwindels in Untersuchungshaft ge- nommen. Dieser Unistand gab dem Fall Teppich eine besondere Note, denn auch bei ihm Handelle es sich um große Kreditschwinde- leien, durch die Geschäftsleute um ungefähr 2ZlXX> Mark geschädigt und einzelne zum Ruin getrieben wurden. Das Interesse an dem Fall Tcppich ist um so größer, als nicht nur auf ein hohes Strafmaß erkannt worden war. Vor allen Dingen hatte Jürgens auch mit sehr scharfen Worten das Treiben der Kredit- fchwindler gegeihell. Ganz abgesehen davon, war schon in der Ver- Handlung die auffällige Beobachtung gemacht worden, daß der Vor- sißende Jürgens in den sonst unbekannten.Fachausdrücken der Schieber" gut Bescheid wußte und z. B. das Verschieben von Waren sachgemäß mit„unter den Nagel reißen" bezeichnet hatte. In der Begründung nannte Jürgens den Kreditschwindel einen Krebsschaden am Volkstörper. Da von Frau Teppich bezüglich des Strafmaßes Berufung eingelegt worden war, hatte jetzt der Berufungsrichter Gelegenheit, zu dem Urteil Stellung zu nehmen, was im Hinblick darauf, daß vielfach die Frage erörtert worden war, ob die Iiirgensschen Urteile angefochten werden könnten, größeres Interesse beanspruchte. Auch der Vorsitzende der Be- rufungsstrafkammcr des Landgerichts III, Landaerichtsdircktor Dr. Siegelt, hatte für das Treiben der Angeklagten sehr scharfe Worte. Er nannte ihre Taten eine Reihe von beispiellosen Ver- gehen, die aus der Not der Zeit geboren seien und jetzt eine typische Art von Verbrechen darstellten. Infolge der Schyzere der Zeit müßten die Geschäftsleute mit Leichtigkeit Kredite geben, um Umsatz zu erzielen und zu barem Gelde zu kommen. Da» würde gewissenlos von vielen Leuten in krimineller Hinsicht ausgenutzt: daher müßten derartige Vergehen strenger bestraft werden und eine besondere Ahndung finden. Mehr denn je seien Geschäftsleute auf Treu und Glauben angewiesen, und mehr denn je müßten sie deshalb geschützt werden. Die erkannte Strafe, sei sedoch trotzdem als zu hoch be- runden und infolgedessen auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis unter An- rechnung von 6 Monaren auf die Untersuchungshaft ermäßigt worden. Auffälliges Verschwinden eines jaugeu Mädchens. Da« Verschwinden einer 16 Jahre allen Kontoristin namens Elsbeth Doy6 aus der Steinst raße 6 zu Lichterfelde beschäftigt das Raubdezernot der Kriminalpolizei. Das jung« Mäochen, dos in einem Jmmobllienaefchäst angestellt war, zog am vergangenen Montagnachmittag in dem Hause Donau st raße Nr. 21 zu Neukölln, das ihre Arbellgeberin oerwaltet, 590 Mark Miete ein und ist seitdem verschwunden. Der Pförtner sah daß sie zwischen 4Vj und 4% Uhr das Hau» verließ. Seitdem fehlt jede Spur von ihr. Daß die Vermißte, ein leben». lustiges Mädchen, dos Geld unterschlagen hätte, erscheint aus- gefästosfen, denn sie hat die beiden Tage vorher je 1090 Mark Mieten eingezogen und pünktlich abgeliefert. Vermutet wird viel- mehr, daß ihr der Betrag geraubt worden ist und daß sie sich deshalb nicht wieder in das Geschäft oder nach Haufe zurücktraut. Sie kann auch einem noch schwereren Verbrechen zum Opfer ge- fallen sein. Die Vermißte ist 1.60 Meter groß und untersetzt, hat einen blonden Bubikopf und blaue Augen und tragt ein grünweiß kariertes Kleid, einen grauen Mantel, graue Strümpfe und schwarze Lackspangenschuhe, als Schmuck Kettenohrringe und auf dem linken Mittelfinger einen einfachen goldenen Ring. Mit- tellungen zur Aufklärung an Kriminalkommissar Werneburg, Dienst- stelle.<5 im Zimmer 80 des Polizeipräsidiums. Zoo-Ge«eralversamml«ng. Für die Oeffentlichkell ist es ohne erhebliches Interesse, wenn in den Generalversammlungen des Aklienoereins des Zoologischen Gartens alle Jahr« die nörgelnden Aktionäre dieselben Klogen vorbringen. Biel mehr Inleresse beansprucht die Tatsache, daß in der gestrigen Generaloersammlung ein Allionär es wagle, wenn auch nur nebenbei, den Aktienverein als„reines Erwerbsuiüer- nehmen" zu bezeichnen. Als er der Gesellschaft in der Jnflations- zeit schlecht ging, da war die Oeffentlichkell gut genug dazu, um Gelder zur Erhaltung des Gartens herzugeben. Sie gab es gern, weil sie damll ein für die großstädtische Bevölkerung unentbehrliches Belehrung»- und Erholungsinstitut erhallen konnten. Der Geschäftsbericht, der der Generalversammlung vorgelegt wurde, zeigt, daß im Jahre 192Z der Garten von l 296 94ö Er- wachsenen(1924: 1973 471) und von 201 004 Kindern(1924: 208 729) besucht wurde. Das Aquarium weist die Besucherzahl von 240 143(211 096) Erwafchenen und 30 272(36 716) Kindern auf. Vereinnahmt wurden I92S 2 143000 Mk.. 1924: 1881 000 Mt.. 1913: 1370 000 Mk. Derausgabt wurden 192ö: 1 468 000 M:„ 1924: 1 169 000 Mk.. 1913: 760 000 Mk. Der Bericht hebt dann die Vermehrung des Tierbcstandes durch Neuerwerbungen und Geschenk« hervor, weist auf die Zuchterfolge hin und vergißt auch nicht, die zahlreichen Tierhausneubauten zu erwähnen, wie das Affenpalmenhaus, die Errichtung von Gesellschaftskäfigen für Vögel und die Neuherstellung eines Hundezwingers. Ter Telbstmordlyriker. Die wildnationalisttfche„Deutsche Zeitung" macht manchmal auch in treudeutscher Lyrik, um für sich selbst Reklame zu schinden. Mll überorientalischer Gerissenheit schlägt der Propogandaches die schwarzweißrote Reklametrommel unter dem Motto: Da bleibt kein Hühnerauge trocken. Ein Mann, der sich aus nicht bekannten Gründen zu entleiben trachtete, sandte der Redaktion des Claß- Organs 30 Seiten gebündelte Lyrik, die die patriotischen Schmock» in übersprudelnde Siegerkranzbegcisterung versetzten. Vom Geiste Teuts ergriffen, bescheinigen sie ihrem Hymniker„Eine Innerlichkeit, die tiefstem, reinstem Daterlandsgefühl" entsprungen sein soll. Und aus welchem Grunde? Well der lebensmüde Vogel auch die Reklameabteilung de» Monarchistenorgans m einem mar- kigen Spruchepos angezwitschert hat. Und die nicht durch viel Beifallssonne verwöhnten Herrschaften zitieren freudestrahlend: „Aufwärts steige,„Deutsche Zellung", Wie der Adler in der Luft" usw. Im Anschluß an diesen rhythmischen Schrei soll sich der Un, glückliche im Oft Hafen ertrankt haben. Mag sein, daß ihm die deutschnationale Dersknackerpoesie die Ganglien gelähmt hat. Diese«chauermär tischt die„Deutsche Zeitung" mll dein ernstesten Gesicht der Well chren Lesern auf. Nicht am I.April, sondern am 6. Mai._ Tie Not der Altersreutner. Im Ledigenheim am Wedding fand in der vorigen Woche eine stark besuchte Versammlung der Alters- r entner statt. Di« R-dner der Rechtsparteien Kotten eS bisver verstanden, die alten Leute über die wabren Ursachen ihrer Keuiigen Notlage binwegzutäuschen. Als Vertreter unserer Partei sprach Ge- nasse Frankel über daS Themar Die Not der AlterSrentner und die bevorstehende Fürstenabfindung. Ausgehend von den unerhörten Forderungen der ehemaligen Fürsten, die zum Teil schon 200 bis 300 Pro,, anfgewertet worden sind, zeigte der Redner an weiteren Beispielen, daß heute in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen wird. Für die alten Leute, die heute nicht mehr arbeiten können, sind keine Mittel vorbanden. Die täglichen Selbstmorde ivrechen eine deutliche Sprache. Wtr Soiialdemokraten helfen allen Bedrängten und Unterdrückten und werden uns auch mit ganzer Kraft in den Parlamenten und Kommunen für die Linderung der Not dieser alten Leute einsetzen. Der darauf folgende Beifall und die Mehrzahl der Diskussionsredner zeigten, daß man gewillt ist, mit uns Schulter an Schulter zu kämpfen. Das Berliner Aquarium ist in diesen Tagen in den Besitz eine? mächtigen, ungefähr 60 Zentimeter langen Großen Neun- auges, auch Lamprete genannt, gekommen, das hier in der Nähe in einer Aalreuie gefangen wurde. Dies« Tiere leben für gewöbn- lich im Meere, steigen aber, um sich sortznpflanzen, in den Flüsten empor. Während dieser Zeit fressen sie anscheinend nicht und be» nutzen ihr eigentümliches, kreisförmiges, mit Lornzähnen besetztes Sougmaul nur, um sich festzuhalten. Haben sie dann gelaicht, so gehen sie zugrunde. Diese nur selten in Aquarien anmtreffende Art ist in dem langen Becken Nr. 13 aus der künstlich beleuchteten Seite der Süßwasserabteilung mll amerikanischen Saiblingen und Reaenbogenforellen untergebracht. vss Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 8. Mal. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 11.30 Uhr vorm.: Uebertragnng der Eröffnungsfeier der Großen Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen. 4 30 Uhr nachm.„Wohltätig ist des Gases Macht'. Eine Plauderei heim Gesangunterrioht. Werbe- Veranstaltung der Berliner Städtischen Gaswerke A.-G. 5 bis 6.30 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kanffman. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theaterdienst. 7—7.45 Uhr abends: Hans- Bredow-Schule. 7 Uhr abends: fBildnngskursel. Abteilung Sprachunterricht. Esperanto(Direktor Julius Glück). 7.25 Uhr abends: (Hochschulkureo). Abteilung Geschichte. Geb. Regierungsrat Dr. Hans Delbrück: Bilder aus der deutschen Vergangenheit(Der Ursprung des deutschen Volkstums). S Uhr abends; Persnnen- verzeichnis und Inhaltsangabe zux Uehertragung aus dem Großen Schauspielhaus. 8.16 Uhr abends: Versuchsübertragung ans dem Großen Schauspielhaus:, Alt-Heidelberg'. Schauspiel in fünf Aufrügen von Wilhelm Meyer-Förster. Karl Heinz, Erbprinz von Saohsen-Karlsburg: Alfred Braun; Staats minister v. Hangt, Exzellenz: Ernst Denaburg; Hofmarschall Freiherr v. Passsrgo. Exzellenz: Hugo Bauer; Kammorherr Baron v. Matzing; Kurt Mühlhardt; Kammorherr Baron v. Breitenboch: Richard Körner; Dr. phiL Jüttner: Karl Wallauer: Lutz, Kammerdiener: Wilhelm Krüger; v6m Korps.Saxonia': Detlev, Graf v. Asterberg; Georg Paesohke; Karl Bilz: Gerd Briese; Kurt Engelbreoht: Karl Wilu Vogt; v. Wedeil, Saxo orusse: Franz Baumann; Rüder, Gastwirt; Frit» Alten; Frau Rüder: Hanoi SchreoksNormaau; Frau Dörfal, daran Tante: Lue« Etiler; Kellermann: Erwin Kopp; Klthie: Marianne Kupfer; herzogliche Bedient«: Sohölenaanü: Richard Majtlonssen; Glan*: Hens Jeokner; Reuter: Fritz Kent- sert; Kammerherren; Offiziere; Studenten; Musikenten; Diener. Zwischen dem zweiten und dritten Akt liegt ein Zeitraum von einigen Monaten, zwischen dem dritten und vierten Akt von ungefähr zwei Jahren. Anschließend: Dritte Bekanntgab« der neuesten Tegsenaehriohten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnach- tiohten, Theater- und Fürndienst. 10 30—12 Uhr abends; Tanzmusik(Kapelle Kannbach, Leitung: Kapellmeister Otto Kern»- bach). KOnigswusterhausen, Sonnabend, den 8. Mai. 3—8.30 Uhr nachm.: Professor Dr. Amsel und Oherschnliehrer Westermann: Einheitskurzsohrift. 330— 4 Uhr nachm.: Oekonomie- ret Lembke:.Landwirtschaftlicber Kleinbetrieb und seine Bedürfnisse'. 4—4.80 Uhr nachm.: Dr. Matschen»;.Roggen- oder Weizenbrot?' 5— 530 Uhr nachm.: Fräulein Weither:.Fleisch- nahmng*. 830 Ukr ebenda: Uehertragung von Berlin. Schwerer Automifall am Anhalter Bahnhof. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen ewer Zyklonette und einer Kraftdroschke, bei dem drei Personen schwer verletzt wurden, ereignete sieh gestern abend gegen J/sll llhr an der Kreuzuno der Möckern- und Königgrätzer Straße. Die Zyklonette überschlug sich bei dem ZusammenpraU und der Chauffeur Otto S t e h l k e aus der llhlandftr. 13 wurde darunter begraben. Er zog sich einen Armbruch und schwere Kops- Verletzungen zu. Die Insassen der Autodroschke wurden gleichfalls arg mitgenommen. Der 26jährige Schleifer Ernst Weine rt erlitt schwere Kopfverletzungen. Er wurde zusammen mll dem schwer� verletzten Chauffeur St. nach dem Elisabetb-Krankenhaus transpor- tiert. Seine Begleiterin, die Aufwärterin Marie W., zog sich eine Hüftverletzung zu. Sie konnte nach Behandlung auf der Rettung»- stelle in ihre Wohung entlassen werden. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt._ Lustmord bei Hegermühle? Di« Mordkommission unter Leitung der Kommissare Albrecht und Engel wurden gestern abend noch in später Nachtstunde nach Hege r m ühle bei Eberswalde alarmiert, wo� zwischen Hegermühle und Schlagmühle im Walde von Waldarbeitern eine weibliche Leiche ausgesunden wurde. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß ein Lustmord vorliegt. Nähere Einzelhellen fehlen noch. Sonnabend 8,30 abends, Welle 1050. Wie uns die Internationale Transport arbeiter' Federation aus Amsterdam telegraphisäi mitteilt, wird sie om Sonnabendabend 8,50 Minuten«deut'die Zeit) durck die Rund- funkstation Hit Verl um(Wellenlänge 1060 Meter) neueste Be- rilbte über die Solidaritätsaktion der Transportarbeiter de» Kontinents übermitteln._ Ein Siebzigjähriger. Genosse Karl Petermann wird heut« 70 I a h r e all. Als Gründer. Kassierer und Vorsitzender des Wahl- Vereins im ehemaligen 1. Berliner Reichstagswahlkreis ist er weit über seinen Wirlungslreis hinaus� in der Parteigenossenschaft de- kannt. Mll seinen Freunden beglückwünschen auch wir den jungen Allen, der uns als Angestellter in unserem Hause besonders nahesteht. Platzkonzert der Schutzpolizei. Arn Sonntag, den 9. Mai, findet das Plagkonzert der Schutzpolizei von 12 bis 1 Uhr nachmittags auf dem Schloßplatz Charlollenburg mll nachstehendem Spielplan statt: 1. Hoch Heidecksburg. Marsch von Rudolf Herzer. 2. Fest- ouvertüre über ein thüringisches Volkslied, von Lassen, 3. Der Len.z. Lied von Hlldach, 4. Geschichten aus dem Wiener Wald, Walzer von Johann Strauß. S. Große Phantasie aus der Oper Lohengrin von Richard Wagner, 6. s) Marsch der Langen Kerle von Marc Roland. b) Göttcrsunkcn. Marsch von Rumohr. ver SPD-Ortsverein MIdau veranstaltet am Sonntag. 9. Mai' naibmittags 8 Uhr, seine Bannerweihe, aus der ReichStagSvräsiöent Genosse Löbe die Fest- und Weihereds halten wird. Die Direktion der Schwartzkopff-Werke in Wildau hat der Arbeitersckaft da» sonst zur Benutzung stehende einzige Lokal dc» Orte»„Kasino" entzogen. Die Demonstration am S. Mai soll gleichzeitig ein Protest gegen diese Handlung sein. l>le Dlrekkloa de» Lose-Theo'er» veranstaltet für unsere Leser eine V o l k S w o ch e und zwar für die Zeit vom Montag, den 10., bl< Sonn- abend, den 15. Mai 1026. Zur Auisührung gelangt täglich 8'/, Ubr da» von der Presse und vom Publikum mit prouem lkrlolg aufgenommene musikalische Voltsstück.LUll mutz beiraten'. Nähere» sieh« Inserat. Professor Dr. Fron, v. Soxhlek. der ordentliche Professor für Agrikullurchemie an der Technischen Hochschule in München, ist im Alter von 78 Jahren in München gestorben. Sozhlet ist durch seine Untersuchungen über den Fettgehalt der Milch und dos noch ihm benannte Verfahren zur Sterllisierung der Kuhmilch(für Säuglinge) bekanntgeworden.. Amundsens Ilordpüllufkschiff.Aorge" ist am Frellag vonnitiag 6% Uhr in Kingsbay auf Spitzbergen angekommen und glücklich gelandet. Das Schiff hatte auf dem letzten Teil seiner Reise mll starkem Nebel zu käinpsen. Nunmehr werden von der Besatzung de» Schiffes, die sich wohlauf befindet, die Vorbereitungen sürdic letzte Etappe des Nordpolfluges durchgeführt.— Pech hatte das Polarflugzeug„Alaska n" der Detroll-Polar- «xpedition des Kapitän Wilkins, das schwer beschädigt wurde, bevor es seinen ersten 600-Meilen-Flug antreten wollte. Arbeitersport. Urb«!t«fiihballlpiel. In unstrn:«tsltiflcn Anliwtigimg tffict ffuWallfoirTe k Sörliftcr Bahn. So. und Sonntaa. d. 8. und 9., PMchtveranstallung in Däpchin. So. abend Uhr Abfahrt von Eichwalb« per Auto vom Lokal Lindner. Fahrpreis 1 M. RachAllatler Sonntag 10 Uhr vormittag, ab Bhf. Känigswusterhausen.— Erkner. Sonntag, b. 9., Autofahrt noch Strausberg. Antreten bei Wirlina fResiaurant Waldheimi. Abfahrt pgnktlich 81g Uhr.— Fricbriiehain. So., b. 8.. Restaurant SchweiAeraartcn, Politisch-Salirischer Abend. Eintritt 1 M.—«reuAberg. Sonntag, b. 9.. PMchlsahrt nach Strau,- berg. Antreten moraens Tri Ubr mit Tambour korvs und Fahnen Schief. Bhk.. Südseite. Fahrgeld hin und Aurück IM.— Wcdbing. Sonntag, b. 9.. moraens 8 Uhr. Antreten der Kameraden Aur Fahrt nach Strausberg. Abt. 1 bei Sottschalk. Putbusser Etr. 24. Abt. 2 bei Müller. Uferstr. 12. Abt. 8 bei Ratsci. Brüsseler Str. 48. Fahrgeld für Auto 1,35 M. Angehörige der Käme- roden t'.effen sich vormittags 10 Uhr bei Müller Aur gemeinsamen Bahnfrhrt. Fahrgeld 1.95 M.— Nenkölln-Brift. Die Strausberafahrer treffen sich Sonntag vormittag 9 Uhr am Schief. Bhf. Dernau-Börnicke-Ladeburg. Sonntag früh 8.7 Uhr Antreten bei Modisch. Fahrt nach Strausberg. Fahrgelb 1.75 evtl. 1,85 M._ Gartrnbircktor Leffer unternimmt für die Humboldt. Hoch schule Sonntag, 9. Mai. eine Führung durch die vielen Berlinern noch nicht bekannten Sfient- lichen Per. fc. den Schillcrpark und den Humboldthain. Treffpunkt 10 Uhr vormittags vor dem Untergrunbbahnhof Scestraft«. Karten AU 1 M. während der Führung erhältlich._,,„. � Rcjchebunb iübischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin. BeAlrk Eharlotten- bürg veranllaltet am Dienstag. 11. Mai. eine Monatsvcrsammlung mit Damen im aroften Saal des Ovcrnb'us-Restaurants Eharlottenbura. Bismarck- strafte 84. 8V« Uhr. Referent: Dr. Felir A. Theilhaber. Thema-..Da, Scrual- Problem der Juden und die Bedeutung des Sports dafür". Gälte willkommen. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Freilag. den 7. ZNai. 1. R e n n. e n. 1. Balan(Ul. Klole). 2. Totila tZehmilch). 3. Ehe <21. Torfe). Toto: 151: 10. Platz: 59.47. At: 10 Feriier.lielen: Petronius,' Kloriamar, ZUbaibctga, Signot. BenuS, Schneeflocke, Chiistiano, Volks- räche, Rani, Baltin. Lori, Cyprienne 2. R e n n e n. 1. Frohsinn fPonce), 2. Nikotin(H. Blume), 3. Llic- seih tF. Williams). Toto: 81: 10. Platz: 18. IS. 12: 10. Ferner lieien: L nbwurm, Mouflafa Kemal, 53 ulfain VUI, General Höjer. Pan Ziobert, ÖermeS, Meteor. 3. R e n n e n. 1. Löwenherz II/« Uhr Vlhlorta 8 Uhr. interaaL Variete Sonntags 3 30 zu ermäß. Preisen d. volle Programm Theaterkas-e: LÜtlOW 1S51 Hose-Theater 8"« Uhr: um mna heiraten Circus Busch Letzter Spielmonai Taal 7'/j Uhr PniuSd Pt. bbtll.f. Uwe Stg. nehm auch 3 U. bei ganz kleinen Pr 25 PI. 75 PL, I Mk. bis 2.75 M. f. Loge °g7i>dM�gr°' auch nachm ungek Es klappert «He Mühle vo Sanssouci Lesslng-Ib. 8 Uhr: Gastspiel dSalten- burgs Bühnen v. fröhliche Weinberg Kleines Ib. 8'/, Uhr: Irrgarten der Liebe Besidenz-Theiu. 8'/, U,; Verbotene Küsse Revue in 13 Bildern Eugen Rex, Metelka Pr: 75 Pf. bis 4 M Uteoi. iL Westens uw: GrMifl Marita Operette v. Kaiman Ueber 300 mal 59 PIß. bis 6 Mark (Keine Bons) Sonnt, nchm.4 Uhr Grülln Mariza Halb. Pr. Abendbes. Biroowikj-BübDeD Theater ilOaigttrAtz.Str. TuHasenheid�UO 8 Uhr: Dr. Schmidt Homödleiiluins Tel.: Norden 6304 8 Uhr Der Garten Eden Die Trlbflne Tel.: Wiihclmö36S 8 Uhr Der Rubikon Heuet TU. am Zoo Tägl. ö Uhr; Der alte Dessaner Operette In 3Akien Charld Vespermann Falk, Kiper. Godau, Straaten, Hainisch Preise 0.50 bis 6 M. TUeatera.Kottli.Tor Tägl. 8 Uhr. Elite- Sänger Fabelhaftes Mal Berliner Tneaier >U Um: Donnerwetter, ganz famos Central- Theater Uhr; Eva Bonbeur Ilka GrQnlnn: ßasino-Tbeater tir. Preisabbau 1 Karten v. 50 Pr an Nn I Hjl. 6 Utir Nes! Das Recht auf Arbeit Dazu das neue Mal-Programm I Oentsehes Ufinstl.- Theater 8 Uhr Eio Walzertranin stz. 3. KurlBiittniisiiifli Tägl 8 Uhr; Rebbuhn od. Die neue Fassade Vallner-Thealer 8 Uhr Der hiiligi Brnnin Blanco Posnets Erweckung Metropol-Thea.'. Ciasisp. desTh.am Kurfürsiendamm. 8'/, Uhr■ Die HacOt der Hädite GroSes Schauspielhaus Täplxh 8>/, Uhr: Alt-Beidelberg Gastspiel Alfred Braun IN. in d. Klosterstr. um Heimat WM PARK In vollem Beirieb Urlia20 nene Attrantlonen Alle Betriebe Im Zeichen des Preisabbaues i Eintritt: Wochen- und Sonntags TO Pf ßfAmsstl 100 Qaitlungs-.Raball- u.Seklamemarken gegen Nachahmung gesetzt gcsch. fertigt seit 45 Jahr. als Spezialität Conrad HOller Programm| Schkeuditz-Leipzig. {Komlsdie Oper] | S1/« Direktion James Klein SV«! Die Neue Revue Kevue der Zukunft In 1b Bild. | Preise 1-7 ja Upi end Klglueiel Ich- Tageskasse ununterbrochen ah 10 Uhr geöffnet Volks büh ne Id. am Sdiiffbaiienlimm V/, Uhr: Die Freier Morgen 8 Uhr: sie Freier. Ibeatei am enicvpliti 71/, Uhr: FAUST Morgen 3: Don anldione 7'/, Uhr; FIDIT Relichshallen- Theater Abends 8 Uhr und Sonntags nachmittags 3 Uhr Stettiner Sänger □.wundervoll Programm Nadm. halbe Preist. Velin Atcndprsgr (Siehe Säulen-Plakate) Dönhoff-Brettl Variete i— Homert l— Tarnt des Union-Klubs Berlin NW 7, Scbadowatr 8. Annahme von Vor wetten in der Zentrale, SchadowstraSe 8, in allen Berliner Filialen und bei den grüß. Rennvereinen im Reiche Auszahlung der vollen Totalisatorquoten ohne jeden Abzug Schriftliche Aufträge u. Anträge auf kostenlose Errichtung von Konten sind nur an die Zentrale zu richten. Telegramm- Adresse: Wettannahme Berlin, Schadovstr. g Grolle Berliner Dienstag. ll.-IB.lHisniElfährtstaglMai 1926 Stidlischer ZenlniTiehhoI Besuch sehr lohnend I 2000 Mastllere von 500 Ausstellern Qualitätsvieh 1 Ranges aus fast allen Teilen Deutschlands firoter zanaanwenvowerip Große Fachgewerbl. iussiellnng für Landwirtschaft, Molkerei, Schlächtergewerbe, Verkehrswesen, Hauswirtschaft 160 Aussteller mit 3u00 qm vermieteter Ausstellunssfläche Staatspreise, 20000 M. Geldpreise, Massiv gold Medaillen, Ehren preise Eintritt II.Mai2Mn 12 u.U. Mal 1 M. In guten Qualitäten zu niedrigsten Preisen war bei kleinster Anzahlung*98 und leichtester wöchentlich, oder monatlich. 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Motorbootsrennen. 22-/25. 5. Verbandswehfahrten des Deutschen Segler- Verbandes. Verbindungen: Bahnhof Charlottenhof. Straßenbahn und„Stern'-Dampfer bis zum Ausstellungsgelände. Geöffnet von 10 bis 8 Uhr. Eintrittspreis t.— M- Haushaltsplan der WllW' UDO Melslmet zv Bedin für da» Rechnungsjahr|gZ6/Z7. A. swnahwen. KarnnieibellrSge"...... Bärfengebühren....... Mieten für Räume..... Miete» tür Nischen. Plätze,. Fernsprecheinrichtungen.... flulgssungsstelle....... Amtliche Kursberichte..... Drucklachen........ Sinsen.......... Peifchtedenes........ Reichsnachrichtenstelle.... Handelshochschule...... Kaufmännische Schulen.... Uebertrag aus 1925/26.... B. Ausgaben. Besoldung der Beamten. Angestellten. Hilfskräfte und Arbeiter und Beiträge zu den Sozial- Versicherungen............ Rnhegehätier, Witwen- und Waisengelber... Bekleibung der Unterbeamten....... Sachliche Berwattnng»- und Drundbisitz-Kosten Oeffentiiche Abgaben und Lasten...... Hqpotljctfn. Sinsen. nckschriste Bücher. Druckschrtflen....... Drucksachen.......... Belanntmachnngen Amtlich« Kursberichte...... Bureaubedürfntsse»nb Porti..,, Repräsentattons- und Reiielosten.. Berfdileben« lachliche Ausgaben.. Bärsen-Zernspredibetrteb..... 3ntcrcfTf riDCctr? tuuQCii...■•• Unterhaltung des Asythause»... UtUeritützungslafle........ Unvorhergesehenes........ Reichsnachrichtenstelle »anbFl&l)0£i)fd)ule.••• Kaufmännische Schulen,. .4 4 1 720 000 tö 1377 000- 449 832- 222 100- 182 000- .950 000— 303 650— 8< 000— 50 000- 39 045— 2ö0u0— 489 823— 323 789— 761 5531000 2377 000 225 000 15 000 266 800 180 500 43 250 53 500 108300 5 00O 217 000 134 000 60 000 2 300, 125 000 162 830 601.00 ROOOO 75 006 35 000 824 550 559 151! 3 579 u7l.— Berlin, den 16 April 1926 Die Industrie- und Handelskammer zu Berlin kränz v. Mendelssohn iÄ*. dagegen enffemt Krudox Ihre Htihneraugen ohne Pflaster und ohne Schmerzen. Herr Emü Kroll in Bleicherode a, Harz schreibt uns wie folgt(17.2.1926): „Habe soeben Ihr Krudox-Hühneraugea- bad erhalten und machte ich sofort einen Versuch damit. Ich kann Ihnen mitteilen. daß ich ein gutes Resultat damit hatte. Ich war ganz erschrocken, als ich sah. daß meine Hühneraugen und meine Hornhaut weg war.. KRUDOX BADESALZ 1» Apotbskea, Droferiea und Pidlmerlse K. 7.50 pro Packoar(«thUt 5 BldarU nmUUM& SCHULTZ C.H.B.H. BEB UM>38 Rr. 214 ♦ 43. Jafytgtttg 2. Beilage öes vorwärts SonnabenS. 8. Ria! 1926 Mbeiterfthast und Weltwirtsihast. Die Ergebuiffe der dorbereiteudeu Wirtschaftskonferenz.— Das Jutereffe der Arbeiter. Die vorbereitende Konferenz die die Aufgaben der Welt- ivirtschaftskonferenz zu bestimmen hatte, fand bekanntlich am letzten Sonnabend chren Abschluß. ZS Sachverständige waren dem Aus des Völterbundssekretariots gefolgt, um zum erstenmal ein wirklich internationales, von einseitigen Jnteressenströmun- gen unabhängiges Forum zu schaffen, auf dem die Probleme der internationalen Wirtschaftsregelung zur Sprache kommen sollten. Arbeiteroertreter waren unter diesen Experten, die zunächst ohne jegliche Bindung an staatliche Behörden in Meinungs- a u s t a u s ch treten und Gutachten darüber ausarbeiten sollen, die— gegebenenfalls unter Mitwirkung des Dölkerbundes— die durch nationale Grenzen in bestimmte, nicht immer der Allgemein- heit vorteilhafte Bahnen gelenkte Produktion international im Sinne eines Ausgleichs der gegensätzlichen Tenden- z e n beeinflußt weiden kann. Die ausgezeichneten Forschungen des ?nternatwnalen Arbeitsamtes haben bereits Hinweise gebracht, in welcher Richtung eine derartige Ueberwindung der Gegensätze gesucht werden kann. Im Dienst der kapitalistischen Interessen ist die intcr- nationale Handelskammer bereits in gleicher Richtung tätig. Was aber bisher noch fehlte, das war eine überstaatliche und immerhin mit weitgehenden Vollmachten ausgestattete Organisation, die ganz planmäßig auf die Entspannung von Jnteressenkonflikteo hinwirken kann, die sich aus der nationalen Gebundenheit der einzelnen Pro- duktionsgebiele ergeben. Was war von der Soafereaz zu erwarten? Die Tagung der Sachverständigen in Genf hatte es nur mit der Borbereitung der Fragestellung zu tun. In der Tat ein eng beschränktes Arbeitsfeld, auf dem vorläufig Positives zur wirtschaftlichen Völkerverständigung nur in dem Sinne geleistet »erden konnte, als eben der Boden für eine ge in einsame Arbeit geebnet wurde. Diese Aufgabe scheint bis zu einem hohen Grade erfüllt worden zu sein. Wir berichteten bereits seinerzeit darüber, daß Arbeitsausschüsse für die Spezialfrogen der inter- nationalen Ploduktion, des Warenaustausches, der Währung und für soziale Fragen gegründet worden sind, in denen Vertreter der ge- werksckaftltch organisierten Arbeiterschaft Sitz und Stimme haben. Den Kommissionen lagen bereits bestimmte konkrete Frage- st e l l u n g en vor. die man jetzt durch die Sammlung des Materials zu beantworten sucht. Diese Aufgabe ist nicht leicht angesichts der großen Verfchiedenheiien in den statistischen Methoden, mit denen die einzelnen Nationen ihre Produktion zu kontrollieren suchen, an- nesichts der Verschiedenheit der Maßstäbe für die Bewegung des internationalen Güterverkehrs und vor allem angesichts der gewal- ligcn Unterschiede in den Existenzbedingungen der Volkswirtschaft der einzelnen Länder, die sich aus Rohstoftvorkom- inen, Vcrarbeitunasmöglichkeit. Devölkerungsstand, Verkehrs- bedingungen und vielen anderen Faktoren ergeben. Weim man mm einen festen Rahmen für die weiteren Arbeiten der Sach- verständigen gefunden hat, so hat man auch bereits in hohem Maße den Inhalt der Probleme umrissen, die die internationale Kon- isrenz befchkiftigen sollen. Es muß anerkannt werden, daß das Arbeitsprojzramm der Ausschüsse alle wichtigen Fragen umfaßt, die zur Beurteilung der internationalen Wirtschaftslage von Wichtigkeit find und deren klare Beantwortung erst die neue Frage aufwirft. jtnis nun zweckmäßig durch den V o l k e r b u n d auf die Gestaltung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen eingewirkt werden kann. Damit Hot zunächst die Konferenz ihre Aufgabe erfüllt. Für die weiteren Arbeiten ist es ein gutes Vorzeichen, daß die meisten Teilnehmer der Tagung den Willen zur Gemeinschaftsarbeit mit- genommen haben und von dem Geist der Verhandlungen durchaus defriedigt waren. Die Rolle Deukschlends. Deutschlands Stellung zu den Veratungen ist keineswegs ran vornherein klar. Endgültlge Schlüsse aus den Verhandlungen wird erst der Völkerbundsrat zu ziehen haben. Ihm gehört Deutschland jedoch noch nicht an. Aus diesem Grunde können sich die Tellnehmer an den Beratungen nicht irgendwie amtlichen Charakter anmaßen und etwa die Stellung der deutschen Regierung sür den Fall vorwegnehmen, daß diese später in den Völkerbund eintritt. Das bedeutet ein schweres Hemmnis insosem, als man natur- ltch damit die Vewegungsfreiheit der Unterhändler einschränkt. Wenn trotzdem sozusagen nichtamtlich Vertreter der größten Organi- sationen der deutschen Wirtschast, der Industrie und der Gewerk- chajten sowie ein hervorragender Staatsbeamter, Ministerialdirektor Trendelenburg, noch Gens gegangen sind, so sicherlich nicht nur aus dem Grunde, um die gründlichen Erfahrungen«ities der größten Industriestaaten mit in die Wagschale zu werfen; vielmehr ,vcrr auch dabei der Wunsch maßgebend» die Stimme der beut- kchen Arbeiterschaft und der Industrie zur Gel- tnng zu bringen, damit chr Rechnung getrogen werden kann. wenn der Völkerbundsrat endgültige Entscheidungen trifft. Dieser Punsch liegt nahe, zumal sich die deutsche Wirtschaft in ihren Existenzbedingungen nicht nur von den reinen Agrarstaaten des Völkerbundes, sondern auch von vielen Industriestaaten unter- scheidet. Würde später, wenn der Dölkerbundsrat beschlossen Hot. zwischen diesen Entscheidungen und den Wünschen der deutschen .'iirtichast ein Widerspruch klassen. so würde das neues Wasser auf die Mühlen der Dölkerbundsgegner liefern. Hofft man doch in Judustriellenkreisen. daß die Gutachten der kommenden Wirtschasts- ionferenz in entscheidenden Wirtschastsfragen auf die Meinungs- bildung der ganzen Welt, und natürlich in erster Linie der Fach- kreise, von starkem Einfluß sein wird. Die Forschunosergebnissc werden in der Tat das Gewissen großer an der Wirtschafr beteiliater tlreij- beernstujsen. Und nur allzu nahe liegt die Vermutung, daß gerade die Freund« einer internationalen Wirtschaftsverständi- sung die Sprüche des Genfer Konzils als Dogma hinnehmen. Wenn man das aber schon erwarten muß, so will mau wenigstens die Interessen Deutschlands bei diesen Sprüchen berücksichtigt wissen. Das ist eine in der Industrie verbreitete Meinung. Die Stellung der Arbeiterschaft. Daraus ergibt sich auch mit zwingender Logik die Antwort auf die Frage, was die organisierte Arbeiterschaft auf der Weltwirtschafiskonferenz zu suchen, was sie von ihr zu erwarten hat. Man kann Anstoß daran nehmen, daß vielleicht nicht genug Arbeiteroertreter an der Beratung mitwirken. Ohne jeden Zweifel aber ist es dringend erwünscht, daß Gewerkschaftsvertreter bei der Sache sind, um die sozialen und gemeinwirtschaftlichen Forderungen der organisierten Arbeiterschast zu vertreten und so zu ver- hindern, daß die Konferenz mit«inseitig staatspolitisch oder unternehmerfreundlich eingestellten Gutachten endet. Es wäre eine Selbsttäuschung, wollte man erwarten, daß die anwesenden Unter- ncbmervertreter sich nun gleich über Nacht zur Anerkennung sozia- listischer Gedankengänge' bewegen ließen. Immerhin wird die Stimme der Arbeiterschaft dazu beitragen, daß die wirtschaftlichen Gutachten des Völkerbundes anders aussehen, a l» der S y n d i- k u s b e r i ch t einer internationalen Arbeitgebervereini. g u n g. Ein kleines Symptom der letzten Konferenz rechtfertigt diese Hoffnung. Von den 35 versammelten Sachverständigen war es allein die Arbeitnehmergruppe, die gleich bei Beginn der Tagung mit einem fest umrisfenen Programm zum Stu- dium der internationalen Lage für den Zweck der Völkerverständi- gung auftreten konnte. Wir haben dieses Programm seinerzeit ver- öffentlicht, und es ist für die gewerkfchasllichen Teilnehmer der Tagung eine große Genugtuung, daß Punkt für Punkt der Arbeiterforderungen in das Arbeitsprogramm des Eachver- ständigen übergegangen ist und in den Spezialkoinmissionen weiter beraten wird. Das geschlossene Austreten der Arbeitervertre- ter hat auf die Unternehmer starken Eindruck gemacht, zumal dies« trotz aller Verflechtung internationaler Kapitalsinteressen sozusagen mit leeren Händen zur Versaminwng gekommen sind und da fest- stellen mußten, daß noch große Meinungsgegensätze vorhanden waren. Es ist ein Anfang, der in Genf bei der vorbereiung der Wellwirtschaftskonferenz gemacht wurde. Er berechtigt zu der Hoff- nung, daß es gelingen wird, die Rivalität der einzelnen Länder auf wirtschaftlichem Gebiete einzuschränken und neue Wege der G e- meinschaftsarbeit der Völker zu finden. Es ist aber nur ein Ansang und man wird damit rechnen müssen, daß Jahre vergehen, bis nach den im Lauf« des Sommers und Herbstes vor- gesehenen Spezialberatungen positive Fortschritte aus diesem Ge- biete zu verzeichnen sind. Das darf jedoch nicht schrecken, angesichts des hohen Zieles, das die Weltwirtschastskonferenz zu erreichen hat: der wirtschaftlichen Befriedung der Welt! Reform öer fiußenhanöelsftatistik. Bessere Erfassung der Einfuhrwerte. Nachdem die Tages- und Fachpress« wiederholt auf die lln- zulänglichkeit der deutschen Außenhandelsstatistik hingewiesen hat, will das Statistische Reichsamt eine Reform anstreben. Eine«nt- liche Mitteilung sagt darüber folgendes: Um olle Möglichkeiten zu erschöpfen, die Zuverlässigkeit der Handelsstatistik zu erhöhen, schlägt das Statistische Reichsamt eine Reform der Einfuhrwert st atl st ik vor. Danach soll in Zukunft für alle eingeführten Waren der Wert vom Impor- teur selb st angegeben werden. Läßt dieser die Zoll- Abfertigung vom Spediteur vornehmen, so hat der Importeur entweder dem Spediteur den Wert vorher mitzuteilen, oder er hat ihn nachträglich dem Statistischen Reichsamt zu übermitteln. Zu diesem Zwecke sollen die Anmeldescheine von den Zollpapieren getrennt und einheitlich im Statistischen Reichsamt aufgearbeitet werden.> Die geplante Reform bedeutet naturgemäß sowohl für die Importeure wie für das Statistische Reichsamt eine gewisse Mehr- arbeit. Die große Bedeutung aber, die heute der Handelsstatistik für die Handelsvertragsverhandlungen, für die Kredit- und di« Reparationsfragen beigemessen wird, erfordert es, ihr« Zuverlässsg- keit auf jede Weise zu sichern. vom Vormarsch üer Rationalisierung. Bereinheitlichung von Modeware«. Der»verband deutscher Wäschegeschäfte und Wäschehersteller", der sich neuerdings sehr stark für die Durchführung von Ratio- nalisierungsmahnohmen auf dem Gesamtgebiet der Textil- und Bekleidungsindustrie einsetzt, ver- anstaltete am Dienstag einen großen Vortrags- imd Diskussions- abend über diele Frage. In einem einleitenden Referat gab In- genieur H e n t f ch e t vom Normenausschuß der deutschen Industrie einen allgemein gehaltenen Ueberblick über die Normunasbcstre- bungen in der Industrie, die sich teilweise bereits aus den Anforde- rungen der Kriegsmaterialbewirtschastung ergeben haben. In der ausgedehnten Diskussion, an der sich eine größere Anzahl von führenden Männern aus Textilindustrie und-Handel beteiligten, wurde in erster Linie über die A nw e n d u n g» mö g l i ch k e i t der Normung(Standardisierung und Typisterung von Grundstoffen, Warenbezeichnungen, Qualitäten, Abmessungen) in der Tertilwirt- schast gesprochen. Besonders Direktor Teuf er vom Gesamtoer-. band der textiloeredelnden Industrie gab hierbei eine Fülle von interessanten Anregungen, aus denen hervorging, wieviele Verein- heitlichungsmäglichkeiten selbst in der Bekleidungsindustrie gegeben sind, die, weil der Mode unterworfen, nach herkömm- licher Meinung jeder Art von Rationalisierung»grundsätzlich" per- schlössen sein soll. Uebrigens konnte festgestellt werden, daß in diesem Punkte eine weitgehendeEinigkeitaller Beteiligten, vom Maschinenbau für Textilmaschinen ange- fangen bis zum Warenhaus und zum kleinen Detailge�chäft, besteht, weil hier die Interessen der sich sonst vielfach bekampsenden Gruppen tatsächlich parallel laufen. Die Vereinfachung und Verbilligung der Produktion. die K a p i t a l e r s p a r n i s bei verringerter Lagerhaltung und die Steigerung des Absatzes bei einer derart möglichen Ver> billlgung der Einzelhandelspreise kommen ja schließ- lich ollen Süssen der Produktion und der Verteilung gleichmäßig zugute. Aus dein umfangreichen Rationalisierungsprogranim können hier mir einige EinzelheUen erwähnt werden. Es empfiehlt sich dabei, von der»eigentlichen Normung", die sich nur auf Grund- stofse, Qualitäten, Maße, Bezeichnungen und Hilfsmateriallen einer- seits, auf Massenbedarfsartikel andererseits beziehen kann, jene Maßnahmen streng zu unterscheiden, die auf eine»R a t i o n a l i» sierung"(d. h. hier wirklich im engen Sinne des Wortes: eine .Vernünstigmachung") der M o d e b c w e g u n g e n durch Ver- ringerung des allzu schnellen Modewechsels hinzielen. Für die eigentliche Normierung ergeben sich etwa folgende Ausgaben: Festlegung von bestimmten Qualitätstypen und von einheitlichen Warenbezeichnungen(Ausschaltung der Phantasienamen für Gewebe)— Standardisierung der Gewebebreiten, die noch vielfach auf Grund veralteter Maßsysteme hergestellt werden—, Normung von Fertigsabrikaten. die Massenbedarfs- a r t i k sind, z. B. Bettzeug, Hotelwäsche, Haus- und Küchen- wäfch«, Futterstosse und dergleichen. Ferner loinmt eine Normung der Hilssfobrikate für Bekleidungsindustrie und-Handel in Frage, unter denen nur Kartonnagen und Einschlagepapiere zu nennen wären. Und Endlich bedeutet die Normierung im kauf- männischen Apparat durch Vereinfachung der Geschäfts- und Buchungsformulare bis zur gewöhnlichen Postkarte die Möglichkeit zu weitgehender Vetriebsverbilliaiing. Es ist bemerkenswert, daß Äne Reihe dieser Programmpunkte bereits auf dem Wege zur Der- wirklichung sind. Auch auf dem Gebiet der Rationalisierung der Mode liegen bereits bestimmte Ansätze vor. Die mit einem besonder» Hohen Risiko arbeitende Strohhut industrie, deren Absatz in jedem Jahre von den Zufälligkeiten des Wetters abhängt, hat sich mit dem Handel, dessen Logerbestände durch jeden Modewechsel nahezu entwertet werden, in einem.Modeamt für Herrenhüte" zu- sammengefunden. Von hier aus werden alljährlich einige wenige Typen festgelegt werden, um eine Ueberschwemmung des Handels und des Marktes mit allzuviel Modeformen zu vermeiden.— In der Herrenwäscheindustrie ist eine Verständigung über die Kragen- formen und die Musterung der farbigen Hemdentuche in leder Saison geplant. Daß bei solchen Maßnahmen jede»Unisormie- rung" der Mode vermieden werden soll, ist dabei selbstverständlich. Jeder berechtigte S o n d e r w u n s ch des Käuserpublikuins soll natürlich seine Erfüllung finden, aber— und dos ist das Entscheidende— bei höheren Preisen, als sie für die relativ wenigen standardisierten Modetypen in Frage kommen. Die Verbraucherschaft wird sowohl bei der eigentllchen Nonniing als auch bei der Einschränkung des bisher von unverant- wortlichen Kräften»gemachten" schnellen Modewechsels große Vorteile durch die Belieferung mit einwandfreien und sicher erkenn- baren Qualitäten bei niedrigen Preisen zu erwarten haben. Sie hat also allen Grund, die l)auptsächlich vom Detailhandel getrogenen Rationalisierungsbestrebungen durch verständnisvolle Anpassung. vor allem aber durch gründliche Prüfung der Presse und der Qualitäten unter Bevorzugung der wirk- lich reellen undzuverlässigen Bezugsquellen nach- drücklich zu fördern. S00 Millionen Kapital des Moulaulrusts beschlossen. Die Der- einigten Stahlwerk« A.-G. haben in einer außerordentlichen General- Versammlung ihr bisheriges Aktienkapital von 60 000 Mk. aus 800 Millionen Mark erhöht und die Werke der fünf Konzerne mit Rückwirkung ab 1. April in die neue Gesellschaft übernommen. Damit ist die bisherige vorbereitende Swdiengesellschaft ausgelöst und die kaufmännisch« Einheit der fünf Montankonzerne in einer Firma her- gestellt. Gleichzeitig werden aus New Park Berhandlungen für eine 40- bis Sv-Millionen-Dollaranleihe gemeldet. Mit den Reserven wird die neue Gesellschaft damit über ein eigenes und fremdes Kapital von weit über einer Milliarde oerfügen. Der General- dlrektor Dr. Bögler ist aus dem Aufstchtsrat der Vereinigten Stahl- werke A.-G. ausgeschieden. An seine Stelle tritt der Leiter der Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G., Dr. Hüber, der Nachfolger Emil Kirdorfs. Ueber die Gründe des Ausscheidens von Dr. Vögler ist noch nichts bekannt. 50 Millionen mitteldeutsche kammunolauleihe. Um dem Kredit- bedürfnis zahlreicher Gemeinden und Kommunolverbände ent- sprechen zu können, beabsichtigt der Sparkassenoerband Sachsen- Thüringen-Anhalt, Sitz Magdeburg, der am kommenden Sonnabend in Bad Käsen zusammentretenden Bertreterversammlung einen An- trag zu unterbreiten, der dem Girooerband die Ermächtigung zur Auslegung einer mitteldeutschen Kommunawnleihe in Hohe von 50 Millionen Reichsmark gibt. vis drelSchönheitsfehler desMundes I. Der Zahnstein ist ein Absatt öes SpeWseb ähntim wie öer Kesselstein»es Wassers. Cr hat eine graugrüne, braune bis schwarze Färbung und Ist zunächst ein Schönheitsfehler, ber den Zähnen ein häßliches, ungepflegtes Aussehen gibt und einen Cblen. fauligen Geruch aus öem Munde verursacht. Er Isi aber auch ein höchst gefährlicher Feind des Gebisses, weil er Zahnfleisch- und Kiekers ch wund sowie Zahnfleischentzündungen und Eiterungen verursacht Er tsi äußerst festsitzend und hart: oh umkleidet er t» harter Kruste den ganzen Zahnhals, entblößt die Wurzel und verursacht ein Lock erw erden ter Zähne. 195 2. Mißfarbener Zahnbelag hervorgerufen durch starkes Rauchen von Zigarren und Zigaretten, ist weniger schädlich, aber ein um so auffallenderer Schönheilsfehler öes Gebisses Wie entfernt man Zahnstein und Zahnbelag? Weder mit Mundwasser noch mit sogenannten Lösungsmitteln: in dieser Beziehung ähnelt der Zahnstein auch dem Kesselstein, gegen den allerlei Lösungsmitte) sich als wirkungslos erwiesen haben und die rein mechanische Beseitigung sich am besten bewährt Millionen, die heute Chlorodont täglich Im Gebrauch haben und ihre schönen weißen Zähne dieser Zahnpflege verdanken, haben es selbst ausprobiert, baßMondwassefdle mechanische Reinigungskraft öer mikroskopisch(einen reinen Kreide im Chlorodont nicht ersetzen kann. 3. übler Mundgeruch als Folge mangelhafter Zahnpflege macht sich weniger dem davon Betroffenen, ala seiner näheren Umgebung bemerkbar. Neutrale Salze hn ChJoroöoiu. die eine vermehrte Speick, elblldung und dadurch eine natflrllche Mundreinigung bewirken, in Verbindung mit dem herrlich erfrischenden Pfefferminzgeschmadc beseitigen diesen markanten Schönheitstehler unmittelbar, leöer Tube Chlorodont ist eine genaue Gebrauchsanweisung beigefügt Chloroöont-Zahn- pzste und die dafür geeignete Chlorobont-ZahnbQrste mit gezahntem Borstenschnitt sind die besten Hilksmiitel gegen den ge- fürchteten Zahnstein, mißfarbenen Zahnbelag und den oft damit verbundenen üblen Mundgeruch. beseitigt Chlorodont-Zahnpaste/Mundwasser Der preußische Unterrichtsetat. Beratung im Landtag. am�reitag die zweit« Be- u n st und Volts- Der PreubischeLaodtag sei ratung des Haushalts für Wissen b i l d u n g fort. Abg. Sleinspehn(Soz.) beleuchtete die unsoziale Haltung des offiziellen Kirchentums. vor allem der evangelischen Kirche gegenüber der Not der Zeit. Die Forderung der Kirchen an den Staat betrage im dMSHrtgen Etat 70 590 800 M.. 10 Millionen mehr als 1925. Bei diesen Forderungen ist wenig Rücksicht auf die schlecht« Finanz- I"Abstrich von 600000 M. für Kirchenba» fällt nicht ins Cewicht, zumal der Titel immer noch 3 206 100 M. enthält. läge zu merken. Der Nach dem �ommunalbeamten" lind in Kirchen gel der letzten Zeit nicht weniger als 118 neue Kirchen gebaut worden. Da» in einer Zeit schrecklicher Wohnungsnot. Die Kirchen bauen Lirchen statt Wohnungen, obwohl die Geistlichkeit auch etwas von dem bekannten Wort Zilles:.Man kann einen Menschen ebensogut mit einer Wohnung wie mit einer Axt erschlagen" wissen könnte.(Sehr richtigl links.) Von Zentrumsseite wurde gesaat, der Staat müsse doch wenigstens das geaenüber den Kirchen leisten, was der alte Staat geleistet habe. Man vergibt dabei ganz, daß dl« Zuschüsse für die Geistlichen der evangelischen Landeskirche 1013 23,2 Millionen betrugen, 1924 dagegen 36,6. 1025 40.5 und 1926 43.5 Millionen. Die Zuschüsse für die katholische Pfarrerbesoldung stiegen von 7,4 (1913) auf 12,3(1928). Genosse Kleinspehn kritisiert dann scharf die unsoziale Kirchen st euererhebung, die gerade deshalb so ungererbt ist, weil fie an die ungerechte staatlich« Veranlagung sich anlehnt, lieber 70 Proz. des staatliche« Einkommens weroen von den Arbeitern ausgebracht, d. h. die Arbeiter zahlen auch die Kirchen- steuern. Das genügt aber noch nicht einmal den kirchlichen Behörden, wie der unverschämte Steuerdruck gewisser kirchlicher Stellen zeigt. So schrieb z. B. der Kirchenrendant 2 i n n e t o h l einer Mülhauser Kirche an einen Arbeitslosen einen Brief, worin diesem gesagt wird, er solle doch, wenn er kein Geld für die schuldige Klrrhensteuer in Höhe von 3 M. habe, Schneeglöckchen oder Pferdemlst sammeln und oerkaufen. Bei Krupp in Esten steht die Kirchensteuer aus den Lohntüten und wird direkt vom Lohn abgezogen, obwohl das ungcsetzll Wird da» Ministerium gegen diesen Unfug einschreiten? Schluß streift Kleinspeh» noch den Fall des evangelischen Prediger» Vogel. Man hört noch Immer nichts von der Antwort des Öberklrchcnrats zum Fall Vogel, obwohl bereits ein zweiter lolcher Fall vorliegt. Vogel hat am 24. April in Halle sich neue un- stätige Beschimpfungen gegen die Republik erlaubt und sich dabei zu dem Satz verstiegen, daß der deutsche Charakter kühn und blutdürstig seio müste: diese Blutdürftigkeit könne nur unterbrochen werden durch Sanftmut gegen die Kirche.(Hört, hört!) Die evangelische Kirche erträgt diesen Hosprcdiger, fie erträgt auch einen Pastor Münchmeyer, dessen Berkallen jeden Laien au» jeder össemlichen und kirchlichen Körperjchoft hinausgedracht hätte. Kein Wunder, wenn die Re- sormationsbewogung gegen diele» total entartete Kirckentum in den breiten Bolksmastei, immer stärker anwächst. Es ist heute schon stärker als die Recht« ahnt. Minister Decker. d«r hierauf das Wort nimmt, begründet die Schulgeld- «rhöhung mit der schwierigen Finanzlag« und mit dem Drängen der Städte, die die Erhöhung verlangten. Wenn Bayern ein igesetzllch Ist. iten? Zum lischen Hos- aerrngeres Schulgeld erheb«, dann deshalb, well Bayer» nur staatliche Mittelschulen kenne. Der Minister schildert«in- gehend die Resormen zur Verlebendigung und Entbureaukratisierung des Schulwesens und weist die Bemerkung von deutschnationaler Seite über die heidnische d e u N ch e Republik mit der Frage zurück:.3(1 das ein heidnischer Staat, in dem die Kirchen absolut Freie Sozialistische Hochschule Sonnabend, 8. Mai, T/, ühr abends, im Sitzungssaal des ehem. Herrenhauses, Leipziger Str. 8, Vortrag der Genossin Prot. Dr. Anna Siemsen-Jena. EörsjciMcs und proicMsöies BeMilsein In der modernen Dlddnnd BiDtrHtakarten zum Preise von SO PI. sind zu haben an der Abendkasse sowie Im Bureau d'S Bezirksausschusses, Undensrr 3, II Ho, ZTr., Zimmer 8, In cer Vorwärts-Buchhandlung. Llrdet ilr. Z, Im Zl"arren- «eschäft r orsch, Cngalufer 24, iS, Im Tahakvertneb GEQ. InselstraBe 6, beim Verband der graphischen Hilfsarr-elrcr. RitterstraBc I, und in den .Vorwärts'-Spedulonen. frei arbeiten und ihre vom Staat bezohllen Geistlichen frei einsetzen können?" Bolkotum und Völkerversöhnung, zwischen welchen die Deutschnationalen einen unüberbrückbaren Abgrund sehen, gehören nach der Auffassung des Ministers zusammen. Pflege des Bolkstum» ist Voraussetzung für eine Politik der Völkerversöhnung. Dolk und Jugend müsien zur Bejahung des Staates, des heutigen republikani- ' en Staates, erzogen werden. Das geht nicht ohne Respekt vor der ergangenheit. Völkerversöhnend stt auch die preußische M in d e r- heitenpolttlk. Wenn im Etat keine besonderen Mittel für die Minderheiten eingesetzt sind, so liegt das daran, daß wir unsere Minderheiten nod> den gleichen geseulichen Bestimmungen behandeln und au» den gleichen Fonds unterstützen wie die anderen Staats- bürger. Zur Ausbildung von Lehrern für die prlnlsch« Minderheit geben wir allern mehr als 200 000 M. aus, also mehr al» Polen tut. Sonnabend: Weiterberatung de» Kultuselat». N parteinachrichten ZifTlcnDaagcn rttr Biel«»abrit ItaB «trl«a e«t. M. BuiBenitrafc« i. für Grog-Serlin flet»-» Baa eejtrtatetmarirt 2. bei, I Ir«».««cht», ta zubtes Achtung. Partei, und GewerkschafkvfuakllonSre. Elternbeiräte der SPD.t Dienstag, den 11. Zlld, abend, 714 Uhr, findet Im Berliner Rakhaus, Stadloerordnetensihungsfaiil(Eingang königstr.), eine Konserenz mit folgender Tagesordnung statt: 1. Schiilpolttische Fragen der Gegenwart. Rrsrreat: Dr. Kurt Löweusleia, AI. d. R.: 2. Vit bevorstehenden Elker nbeirolowahlen. Referent: Lehrer Richard Schröter. Zutritt haben außer den Funktionären olle au der Ettern- beiratswahl inlcressierten Genosse».— Miig iedsbuch legUlmlcrl. Der Bezirksvorstand. » Z. JbzJ« Slernarttn, Neef«, Connobettb, t Ml«. VI ftrOeec, Butlitltr. 18. flzcisciBifianbsliauRit. Alle(Vnsflea tiebtn zu tvld-ftafn. t, nub Z. St«i» Bcatlauez Bern un; JFiicbtiduBsin.•Sikunjl der Sübusus- cuaHuftmitfllieb«« am äDtmii«, 10. Mai. pUnftli* Unr. Vi£ämiM, ffrmttta. Sfia, Abcedntuna bei Maifeier. Jede Zötcilua« muK seetzetrn fein.• 7.»res OatfsttmVnB rzb«acabf«.»eaett 5er Ctktma der fBiIcrwrAe* AJebemiiet ftabet die«Zchlt« IuriKische Epre-iiw-Bbe am SonnabenB U. Mal. fiait...„., 14. fttei» SeoliEa. fieute, Eonnatcub. ncdmnttos» Ben 3— 6 U7r, holnr die Obleute der®rternb«;räie Materie! vom-fTclcibuteau Slttfarftr. 5 ab. ».«nie StiBttL-nborl. M-v.tea. 10. Mal. 7 UV, Kl n«infn Skuneefsa? des«■afbeufes Wittenau Sikuna be« ermKinten fticisoorftairdei. S;e Otteul« der(SltetitbcitB e der«ir.wlnen Abieilunaen müsse« ebenfalle er- tibeke«. Alle für die Sitae-ibeiraislre.ble« in ssiaac lemmenben»enallrB und llienaslmurn werden auf die am Dienstaa. 11. ital, flattfirrtxnbe vroA. berliner ffanftionStbnfeteBa binoewieten. Heute, Sonnabend. S. Mai: I. Abt.« Ubr Vi Enael, Bartelftr. 7. ZZuntttenSrllwino. «. Abt. abarl» teabura. 7Z4 Üb- KackcUua ab Wildelmsbok. Senrttaa na*. mltloa(tabitmn>eibe de? SReidisbonners Wellend auf dem Spanbouct Selz. Wir bitten um re« Beteillauna der Patteioenegen. 107. Abt.«ll-Slienide. Die Bezirl-iüb-er werden ccbeien.»n bez Mitalleder. oer'cntmliuta am Mittwnb. 12. Mal, 7Zx tlbr. Im Lokal vsn Tbieme, ..Dalterttrrm'.«dirnrrllrade eiiuirfaNn. Drclrc«;„SUufcataa unb Selieentfi-eib*. Seferent:«aldemar neu«uttfamer. Hl. Abt.«lebe iSSrchaBleu. 7H IIb: in Lakai von»üblich. UblanbllraV. ffunktienSesiaunq.....__ m. Ab». WaBleBbur«. 8 Übt Vi«loa, DorfOt. 2.«udttaa BunttunSr. ilkunt. Alle Senossen mllllen ur.beblnat erlldeinen. Morgen. Sonakag. 9. Mai: »1. Abt. BricVuaa..�eroetlfne Dinkel oua dem allen Berlind Bllbtun« mit eriauternbe« erraiunqen durch Edrriltstellrr«beere Bamberaer. de- tannt aua dem Aundfunk als eine« der bellen Kenner Alt-Berlins. Treff- Punkt: eermiltaa» llZr Uhr in Friede nau, ÄaiftTtidjf, eher 10H Uhr am UntcTffrnntibabnbebnbef Svütrimartt.«Sülle aus anderen«blarlunaen i>er,l!chft willkemmen. �...... 111. Abt. Dehaebotf. Nachmittaa« 14 Uhr Abfahrt vom Skthnhck S'üneA »ur©ennentwiV des Dablvereins Wildau. Bahrkarten lind bis NiinillS» wuiterbauieB tu lifem._ Sozialistische flcbeltersugenü Groß-Oerlin. FericafaHri nach Thüringen: »er Bahrt 8 T-ae. Teil»ehmre werden noch»nqenemmr«. Dauer duneen inerden im vekeetariat entaeaenoenemmen. «cl- Achtnan, Amsterbam-Deiinebmerl Keule, Sonaadenb, pünktlich'j S14 Uhr. im OuqenNiclm Linbensiraste wichtige Belvrechuno. Alle Teil. Z nehmer mlljien erscheinen. Ans Vm Maifest»eeioeen aeeannen: Ein ereher Strprhul, ein BauftbeB, Zwei Runen. Die Sachen find cbzuaeten im Iuaendiekeetariat. Heute. Sonnabend. S. Mai: etcktenVea-K«»! Bahrt Seischow—(EdiänhoU. Treffpunkt%4 Uhr Stritt im Dabnicf. Morgen, Sonnlag. 9. Mai: DleabU l! Bahrt nach DapenVcw. Drrfkpunk! 8 Uhr Tum», ftf« Bei»- fkohe.— eMWnebctt Iii Iuerndbeiin ftouetttx. 15. 7 Uhr tilerarifdtei Abenbk — Weilen: Bahrt LöcknK. Treffeuntl I Ubr v�bnhef Blllewllrahe.—«hae- taitenharn: 3ua«nth-im Stelineustt. 4. Dsinai'lfahrlbelvrechunn.— eankwiHt Dtt'.ppenVsuch. Treffminkt» Ubr vor her Heilsarmee.— vlreüh l: Zu.aend- Vtm Albrechtftr. 47. abend» 8 Uhr.„Wandern".— AieVrfchZnemeide: Schule Aerliner Str. Hl. BuaendherVraswe: deta«.— Aen-LebirnVia i Bahrt irrd» dem Marie«. Treffpunkt 8 Uhr SohnM ttIrh»Rumm:Isbura.— Liilttenberg- SSittc; Bahrt Sellen— PSnlRsmirfl et bor'r* und Teilnahme am Wrrdrbeiirk». treffen CM Düker»interfr«. Treffnunkt 7 Uhr Bohnllei ktraieu-Rummebehune. — RtimdtBtoM-CB:„terba»', Rellben-itr. 48. Suitiae&hotUB(aieU. Gestbästliche Mitteilungen. AnlBtiNch Ve SrZffBBBa Ve AVA kAlleemein« Vaff«rfpBrf.An»fi«Bun, Ve«,dam 18281 finden am 8. Mai feleenb« Setanftaltuneen der Wesiersvort. perddnde statt: 8L0 Ubr Auffahrt der dem Sralerbund anoefchlollenen Ve!»- damer Sealerpereine. 11 Uhr Auffahrt dee dem Saect-Actratta�erein anae- sch lesseneu nub befreundeten Nufer verein«. 1I>>, Uhr«beschmebe: fahrt d»» Meter.?: cktt-Vrrbanb«». 8 Uhr Aufkehrt des Deuttiren Nanu-Verhaade». 4 Uhr ftanu-ftamsiroiele unb«ufbauoorfübrunaen ron Balthaoten. ADLER e/25 ,V80 Drei"Wigen«laettecJicr Spannirr» ft. J«a-ä dren tfrrs»A<, «o�ar do» DuronI 9.11■ Psl förasrm Adlcrwcrltc vorm. Hnnncli Kley er AitjenckcaeÜscliaft, Frankfurt a.M. FILIALEN BERLIN: Zimmcrsira�c 92/93 Unicr den Linden 12/13 Verkäufe In der Westentasche » des Herrn sowie in der Handtasche der Dame sollte niemals ein Päckchen WRIGLEY P. K.- Kau-Bonbons fehlen. EinKau-Konfekt ron erfrischender Wirkung für Mund und Atem» besonders nach dem Essen» Trinken und Rauchen. 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