Abendausgabe Nr. 21743. Jahrgang Ausgabe B Nr. 107 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Montag 10. Mai 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Dönhoff 202-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Hindenburgs Brief an Luther. Neuer Angriff auf Schwarzrotgold.- Wankender Kanzler- schwankende Mitte. Die Haltung der schwarzweißroten Regierung LutherStresemann in der Flaggenfrage entpuppt sich imuner mehr als gewollte Provokation der republikanischen Parteien. Die Regierung überfällt Reichstag und Deffentlichkeit mit einer Flaggenverordnung, die nach dem Wunsche der Deutschnationalen mit dem Abbau von Schwarzrotgold im Ausland den Anfang macht. unterwerfen? Weil die Regierung mit den interessierten schwarzweißroten Verbänden über die Abschaffung von Schwarzrotgold verhandeln will, wollen die Demokraten in die schwarzweißrote Front einrücken? Parlamentarisch bedeutet die Haltung von Demokraten und Zentrum, daß die Entscheidung über das Schicksal des Kabinetts Luther in die Hände der Deutschnationalen geEin Sturm der Entrüstung erhebt sich im republikanischen legt wird. Eine Regierung Luther von Gnaden der Deutsch Lager. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion internationalen ist der Anfang des Bürgerblocks unter schwarzpelliert und bringt ein Mißtrauensvotum gegen den Reichs- weißroter Flagge. fenzler ein. Die Regierung erflärt, es habe ihr ferngelegen, Schwarzrotgold anzugreifen, sie verhandelt mit den Regierungsparteien und fündigt ein Rompromiß an. Das ist der Inhalt des„ Kompromisses": Reichspräsident Hindenburg wird im Laufe des heutigen Tages einen Brief an die Reichsregierung richten und die Regierung in diesem Brief auffordern, eine verfaffungsmäßige Lösung des Flaggenstreites durch Schaffung einer Einheitsflagge für das Deutsche Reich vorzubereiten. Die Einheitsflagge" ist als eine Bereinigung der Reichsflagge und der Handelsflagge gedacht." Das Kompromiß" besteht also in nichts anderem als einem allgemeinen Angriff auf die Reichs farben Schwarzrotgold überhaupt. Die Regierung stellt sich harmlos und leugnet politische Absichten, hinter diefer Maste der Harmlosigkeit organisiert sie eine reaktionäre Offensive gegen das neue republikanische Deutschland und fein Symbol. Sie schafft durch eine uner hörte Provokation eine Flaggenfrage, um die so entstandene Situation zum Vorwand zu nehmen, auf Hinterwegen die schwarzweißrote Fahne einzuschmuggeln. Dahinter sollen feine politischen Absichten stehen? Daß es auf eine Provckation der Sozialdemokratie und aller Republikaner abgesehen ist, ist klar. Daß die Sozialdemokratie aus dieser Provokation die Konsequenzen zieht und den Kampf aufnimmt, ist ebenso flar. Gegenüber einer schwarzweißroten Regierung, die das Spiel der Gegner der Republik unterstützt, gibt es nur eine Haltung die der unversöhnlichen Opposition. Der parlamentarische Kampf gegen Luther wird am Dienstag und Mittwoch ausgefochten. Auf den Schultern des Zentrums und der Demofraten ruht dabei eine große Verantwortung. Es wird versichert, daß die Führer beider Parteien dem schwarzweißroten Kompromiß" zugestimmt hätten. Besonders die Demokraten hätten den Brief Hindenburgs zum Vorwand genommen, um von der Absicht, für das sozialdemokratische Mißtrauensvotum zu stimmen, herunterzukommen. Hier ist der Inhalt dieses Briefes: Die große Verantwortung, die auf dem liegt, der eine folche Entwicklung hervorruft, wird von den Mittelparteien, wie es scheint, zu leicht genommen. Sie lassen sich durch die Recensarten von der Notwendigkeit, die grollenden Schwarzweißroten, die Anhänger des Kaiserreichs zu versöhnen, auf eine gefährliche Bahn schleifen. Sie werden vielleicht Anschluß an die Rechte damit finden aber sie werden auf der anderen Geite alle ehrlichen Republitaner in eine erbitterte und unversöhnliche Kampfstimmung treiben. - Es ist eine sehr gnädige Absicht der Regierung, gegenüber dem Kaiserreich und seinen Traditionen das neue Deutschland" berüdsichtigen zu wollen. Nicht einmal das Wort„ Republik" spricht diese schwarzweißrote Regierung aus! Herr Luther will mit dem Symbol die Sache treffen: er will Schwarzrotgold abbauen, um die Republik abzubauen. Mit dem neuen Rompromiß" und dem Briefe Hinden burgs ist allerdings eine neue Situation entstanden. Es geht nicht mehr um die Abwehr einer Provokation und einer Berlegung der Empfindungen aller verfassungstreuen republikanischen Staatsbürger, es geht um die Abwehr eines Versuches, auf faltem Wege zum Abbau der demokratisch- parlamentarischen Republit, zur Restauration der Regierungsmethoden des Kaiserreichs vorwärts zu schreiten. Es gibt dabei fein Kompromiß! Die Regierung, die von versöhnlichem Ausgleich" redet, drängt mit ihrer Provofation die Republikaner, und vor allem die republikanische Arbeiterschaft, die in den schwersten Tagen der deutschen Republik die treueste Stütze des Staates gewesen ist, in eine erbitterte Opposition. Sie ist gewarnt! Die Er regung der republikanischen Massen sollte ihr zeigen, daß das republikanische Volt fühlt, was sich hinter dem Kampf um die Flaggensymbole verbirgt. Demokraten und 3entrum sind ebenfalls ge= warnt. Es gibt in der Frage: Republik auf demokratischparlamentarischer Grundlage oder Rückkehr zu den Regierungsmethoden des Kaiserreichs kein Kompromiß, sondern nur den Willen zum Unbedingten. Wollen sie ins schwarzweißrote Lager gehen? Wollen sie fapitulieren vor den Kräften, die auf eine Systemkrise des Parlamentarismus drängen? Wollen sie die große Zweiteilung des Volkes aus der Zeit des Kaiserreiches wiederherstellen und damit den Kampf, der die unvermeidliche Folge ist? Sie sind auf gefährlichem Wege! * Nach Meldungen der letzten Stunde gilt im Lager der Regierungsparteien trotz aller Kompromißbemühungen der Sturz Cuthers immer noch für wahrscheinlich. Die Haltung der Demokraten. Der Sozialdemokratische Pressdienst teilt mit: Auf Grund eingehender Erkundigungen fönnen wir feststellen, daß am Sonntag zweiffellos eine Zustimmung der 3entrumsvertreter und der Parteiführer der Demokraten zu dem von dem Reichstanzler Luther aus. geflügelten Plan für die Beilegung des Flaggenkonfliftes bestanden hat. Auf Grund der Veröffentlichungen mit ihrer scharfen Kritik haben die Demokraten ihre Zustimmung zurüdgezogen. Disziplinarverfahren gegen Hörfing? beim Auch noch Hehe gegen republikanische Beamte! Der schwarzweißrcie Reichskanzler Luther hat preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun Beschwerde gegen den Oberpräsidenten Genossen Hörsing erhoben. Anlaß dazu hat ihm die Rede des Genossen Hörsing bei der Protestfundgebung tes Reichsbanners in Nürnberg gegen die Flaggenverordnung ge= Das Ziel der Beschwerde ist die Einleitung eines geben. Disziplinarfahrens gegen Hörsing. Das fehlte gerade noch, daß republikanische Beamte gemaßregelt werden, die gegen das Attentat auf Schwarzrogold protestieren! Die internationale Solidarität. Ostender Tagung der Transport- und Bergarbeiter. binden, aufrecht zu erhalten. Sie hat auch die Möglichkeit geprüft, den englischen Schiffen keine Kohle mehr zu liefern und die Lebensmitteltransporte zu verhindern, sowie die Anwerbung von Matrojen auf englische Schiffe zu bekämpfen. Selbstverständlich follen diese drei Maßnahmen in jedem Lande nur getroffen werden in voller Uebereinstimmung mit der Gewerkschaftskommission und der entsprechenden Arbeiterpartei. Brüssel, 10. Mai.( Eigener Drahlbericht.) In Offende fand| port von einem europäischen Hafen nach England zu unterSehr geehrter Herr Reichskanzler! Die zweite Verordnung am Sonnabend und Sonntag die gemeinsame Sitzung der Komitecs über Flaggen vom 5. Mai ist in der Deffentlichkeit erheblichen der Bergarbeiterinternationale und der TransportarbeiterinternatioMißverständnissen begegnet. Die außen- und wirtschafts- nale statt. Die deutschen Bergarbeiter waren vertreten politischen Ereignisse der letzten Zeit, die einer neuen Geltung durch Husemann, Berger und Cimberg, die Trans. Deutschlands im Auslande den Weg ebneten und uns wieder in die portarbeiter durch Jochade. Von den Engländern Weltwirtschaft eingliederten, erfordern eine flatte Mitwirkung waren zugegen Hodges und Richardson für die Bergder Deutschen im Auslande und ein freudiges Be- arbeiter Millford und Camp für die Transporttennen aller Auslandsdeutschen zum Deutschtum bei öffent- arbeiter. Cook und Herbert Smith waren im letzten Augenblick lichen Kundgebungen. Dem stand im Auslande unter besonders verhindert. Die englischen Delegierten kamen im Flugzeug Folgende Länder waren vertreten: Belgien, faweren Begleitumständen der unfelige Flaggenzwist nach Ostende. hindernd im Wege. Diesem Uebelstande soll durch die Verordnung England, Deutschland, Holland, Spanien, die Tschechoslowakei, vom 5. Mai 1926 abgeholfen werden, und ich bin überzeugt, daß Luxemburg und Frankreich; entschuldigt waren Schweden, Norwegen, Rumänien und Polen. Die beiden Komitees hielten am Sonndieser Zweck mit der Verordnung auch erreicht wird. abend getrennte Sigungen ab und prüften lange und reichlich die Cage. In einer neuen Sigung am Sonntag morgen wurde von den Bergarbeitern folgende Entfchließung einstimmig angenommen: Nights liegt mir wie ich Ihnen bereits wiederholt zum Ausdruck gebracht habe- ferner, als die durch die Verfassung bestimmten Nationalfarben zu beseitigen. Ich bin vielmehr nach wie vor fest entschloffen, die Flaggenfrage nur auf der Grundlage der Berfassung zu behandeln. Leider hat sich aber aus den Erörterungen in Preffe und Oeffentlichkeit erneut ergeben, wie verhängnisvoll und gefährlich für unser Bolk der schwebende Streit um die Flagge ist. Hier in absehbarer Zeit auf verfassungsmäßigem Wege einen verföhnenden Ausgleich zu schaffen, der dem gegenwärtigen Deutschfest, land und feinen 3ielen entspricht und zugleich dem Werdegang und der Geschichte des Reiches gerecht wird, ist mein innigfter Wunsch. Ich bitte Sie deshalb, Herr Reichskanzler, 3ur geeigneten Stunde sowohl mit den gesetzgebenden Fattoren im Reiche als auch mit den an dieser Frage besonders interessierten Bereinigungen in Berbindung zu treten, um dlejem Ziele nachdrücklichst zuzustreben. Möge der Zeitpunkt nicht fern sein, wo sich das deutsche Bolf wieder friedlich um ein und dasselbe Symbol seines staatlichen Daseins schart! Mit der Versicherung meiner hohen Wertschätzung und mit freundlichen Grüßen bin ich Ihr sehr ergebener gez. Hindenburg. Also, meil die Regierung Luther von der ersten zur zweiten Brovokation vorwärts schreitet, wollen die Demokraten sich dem persönlichen Regiment des Herrn Luther Das Internationale Bergarbeiterkomitee hat in seiner Sigung in Ostende nach Entgegennahme eines Berichtes die Lage, wie jie Alle versich aus dem Generalfireit in England ergibt, geprüft. Maßnahmen getroffen find für die genaue Einhaltung der tretenen Cänder stellen fest, daß überall die notwendigen Beschlüsse der Zusammenkunft von Brüssel vom 16. April und stellen feft, daß mit Hilfe der internationalen Transportarbeiterorganisationen jede Ausfuhr von Kohlen nach England unterbunden ist und daß in allen angeschloffenen Ländern wichtige Maßnahmen ergriffen worden sind zur Unterstützung der Streifenden in England. Das Komitee beglüdwünscht lebhaft die englischen kameraden für ihre Entschlossenheit und für die verföhnliche Einstellung, die sie an den Tag legen, verkündet die Solidarität mit den englischen Kameraden und erflärt sich bereit, gegebenenfalls umfangreichere Maßnahmen zu ergreifen, in enger Zusammenarbeit mit den Delegierten der Streifenden. Das Komitee gibt erneut der Ueberzeugung Ausdruck, daß es im Bergbau feinen dauerhaften Frieden geben wird ohne eine Zusammenarbeit zur internationalen kontrolle im Bergbau. In einer darauffolgenden gemeinsamen Sihung der beiden Internationalen der Bergarbeller und Transportarbeiter unter dem Vorsitz von Brown wurde ein Bericht entgegengenommen über die getroffenen Maßnahmen, um den englischen Kameraden in ihrem gewaltigen gegenwärtigen Kampfe zu helfen und die vollkommene Uebereinstimmung der beiden Organisationen der Bergarbelter und Transportarbeiter in der Idee und der Aftion festgestellt und darüber im allgemeinen Interesse der Freude Ausdrud gegeben. Mit Nachdruck wird den Arbeitern die Beobachtung der Beschlüsse empfohlen und die englifchen Streifenden der Solidarität versichert und sie beglückwünscht für die Energie, die sie bewiesen haben in dem riesigfter: fozialen Kampfe, der sich dieser Tage abspielt. Der Sigung wohnten immen und Oudegeest bei. Baldwins Rundfunkrede. Eine sofort entwertete Zusage. V. Sch. 2ondon, 9. Mai.( Durch Telephon.) Ministerpräsident Stanley Baldwin hat in einer Rundfunkrede u. a. gesagt: Der Generalstreik wurde wahrscheinlich unternommen, um das Parlament und die Deffentlichkeit zu zwingen, sich dem Willen des Generalrates zu beugen. Der Generalrat der Gewerkschaften hat erklärt, der Generalstreit sei lediglich eine industrielle Auseinandersetzung. Diese Methode aber, die Bergarbeiter zu unterstützen, bedeutet einen Angriff auf die Allgemeinheit. Die Regierung fämpfte nicht für eine Herabsehung des Lebensstandards der Bergarbeiter oder anderer Arbeiter. Bevor die Die internationale Transportarbeitertonferen; Regierung Verhandlungen eröffnen fann, muß hat befchloffen, ihre Eatfóließung, jeden kohlentrans der Generalstreit aufgehoben werden. Dann fann die Rohlenfrage geregelt merben. Das ist das Igi für das Proletariat noch viel mehr als für das| abend zwei Knüppelangriffe auf die zehntausendföpfige Menfeni faire Borgehen. Tausendmal beffer ist es, so zu verfahren, als einen Bürgertum. Kampf fortzusetzen, der nur das Elend und Unglüd vermehren wird. Ich bin ein Mann des Friedens, ich sehne mich nach Frieden, ich arbeite für den Frieden, ich bete für den Frieden. Aber ich werde die Ruhe und Sicherheit der britischen Verfassung nicht den Drohungen der Gewalt ausliefern. Diese Rede bedeutet immerhin einen, allerdings nur fehr leinen Schritt zur Vernunft, die nur zur Berständigung raten tann. Immerhin unterscheidet sich die Rede des Ministerpräsidenten, deren Hörer zum großen Teil aftive Mitkämpfer des Generalstreiks find, im Wesen von den Hegereien der Daily Mail" und der sonstigen großbürgerlichen Organe und von den Provokationen, die sich der Innenminister Joynson Hicks bei jeder Gelegenheit leistet, womit er allerdings seine Einschätzung durch die Arbeiterpartei gleich bei seinem Amtsantritt nur als richtig bestätigt. Die Rede Baldwins enthält als Erfolg des Arbeiterkampfes die moralische Verpflichtung der Regierung, sich dafür einzusehen, daß eine Senfung des Lebensniveaus der Arbeiter nicht eintritt. Aber diese Zusage wird leider nur ganz allgemein gemacht, während Baldwin dagegen wieder holt, daß die Voraussetzung aller Berhandlun gen die bedingungslose und vollständige Wiederaufnahme der Arbeit sei. Die Wiederholung dieser schroffen, für die Gewerkschaften unannehmbaren Forderung entwertet den positiven Teil der Kundgebung Baldwins ganz. Der British Worker", dessen dritte Nummer heute, Sonntag abends erschienen ist, bringt die offizielle Er widerung des Generalrats der Gewerf schaften auf diese Kundgebung des Kabinetischefs. Darin werden zunächst noch einmal die Beweise der Gewerkschaften zur Kriegsschuldfrage" und für den un politischen Charafter des Großstreiks wiederholt, wie denn beide Parteien in unablässiger Wiederholung ihre Argumente ins Bolf hineinhämmern. Die Antwort der Gewerkschaften fagt weiter, wenn Baldwin den Wunsch habe, wie er behauptet, feine Sorge für das Allgemeinwohl zu beweisen, dann müßte er, statt dem Krieg bis zum Ende das Wort zu rcben, sich beftreben, Gerechtigteit für alle zu üben, und das tue er mit seiner einseitigen Stellungnahme nicht! Das Einzige, wofür die Gewerkschaften kämpften, sei, die Lebenshaltung der Bergarbeiter zu schüßen. Der Generalrat sei bereit, je den Augenblick die Verhandlungen bei dem Bunfte, wo sie von der Regierung abgebrochen wurden, wieder aufzunehmen. Diese Antwort ist heute vom Generalrat der Gewerkschaften gemeinsam mit der Leitung der politischen Arbeiterpartei und ihrer Parlamentsfraktion beschlossen worden; auch Ramsay Macdonald hat daran teilgenommen. und dieser Antwort der Gewerkschaften mit dem Ton der Immerhin: wenn man den Ton der Rede Baldwins Kundgebungen aus den ersten Tagen vergleicht, so ist doch ein fleiner Fortschritt festzustellen, der die Möglichkeit einer baldigen Beilegung etwas näher rückt. Freilich, die Regierung hat sich viel zu fehr auf die Formel bedin gungslose Zurücknahme des Streitbefehls" festgelegt, und darum ist zu befürchten, daß eine Aufforderung zur Wiederaufnahme der Arbeit non einem großen Teil der Streifenden jetzt nicht verstanden und ihre Befolgung verweigert werden würde. In der Arbeiterschaft herrscht ausgesprochene Kampfstimmung, und es ist sehr unflug und unvorfichtig von der Regierung, den Tendenzmeldungen von Kampfmüdigkeit und zunehmender Geneigtheit der Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit Glauben zu schenken; die Regierung aber läßt diese unseligen Falschmeldungen auch noch durch ihr Blatt und durch den Rundfunk verbreiten. Die Sprichwörtliche Hartnäckigkeit und Zähigkeit der Engländer " Tandaradei- Dramatik. Joseph Freiherr v. Eichendorff hat viele schöne Lieder gedichtet, z. B.„ Es war, als hätt der Himmel" und" In einem kühlen Grunde". Leider aber hat er auch„ Wer hat dich du schöner Wald" und das romantische Verslustspiel„ Die Freier" geschrieben. Das Lustspielchen ist ein lyrischer Sang, dessen Handlung an Shatespeares Lustspiele von der Art des„ Sommernachtstraums" oder Was ihr wollt" erinnert. Nur besteht ein kleiner Unterschied zwischen Shakespeare und dem Freiherrn v. Eichendorff. Im „ Sommernachtstraum" leben und weben Lyrik und frohe Dramatit, in den Freiern" fäuselt beschaulich und erquicklich lyrische Stimmung. Aber die Dramatik fehlt. In der Bearbeitung von Otto 3off, die am Sonnabend im Theater am Schiffbauer damm" aufgeführt wurde, ist der lyrische Stimmungsgehalt teilweise erhalten geblieben. Die Dramatik hat 3off dadurch zu beleben versucht, daß er die Handlung vereinfacht und ins Poffenhafte hinüberschiebt. Die Handlung ist die harmloseste von der Welt und erfordert einen starken Kinderglauben, wenn sie auf uns heutige wir fen soll. Der Graf und die Gräfin wollen in Liebe zueinander und tun es nicht. Da müssen schelmische Verwechselungen- und drastische Rüpelszenen herhalten, bis sie sich friegen. Der Graf nähert sich ihr als fahrender Musikant und die Gräfin spielt ihre eigene Kammerzofe, und die mangelnde Ebenbürtigkeit dieser für uns heute ganz wefenlose Begriff ergibt den tragischen Konflikt. Es schalmeit und tandaradeit voller Schalthaftigkeit drei Stunden lang in den " Freiern". Und das füßliche Klingling der Worte, unterbrochen durch alberne 3offsche Wortwize, legt sich uns allmählich beklemmend aufs Gemüt. Das an sich schon' neckische Spielchen brachte der Bearbeiter, der selbst den Regisseur machte, in findlich schelmischer Manier heraus. Die Schauspieler wandten sich, wie in einer Kindervorstellung, stets ans Publikum, damit ja keine von den neckischen Flöteien verloren gche. Besonders Paul Hendels als spillriger, verlebter Hofrat, und Magda Simon taten sich in dieser Beziehung hervor. Hermine Sterler, eine berückend schöne Frau zwar, blieb als Gräfin fühl bis ans Herz hinan und schaffte sich keinen Kontakt mit dem Bublifum, obrsohl die ganze Vorstellung darauf eingestellt war. Gillis v. Rappard spielte nicht einen Inrijch besaiteten, hoffnungslos verliebten Grafen, sondern war ein unheimlicher Düfter ling mit unstetem Blick und beständig vorgedrücktem Bauch. Das einzige, was den Abend erträglich machte, war der überfandidelte schrende Komödiant des Herrn Aribert Wäscher. Seine Rolle ist die neckischste des ganzen Lustspiels, und doch legte Wascher etwas genialisch Verstiegenes, versonnen Verträumtes hinein. Er war ein romantisch bramarbasierender Poseur von unnachahmlicher Grandezza, in der stets ein föstlicher Ton von Wehmut aufklang. Ernst Degner. 3 Für Montag ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Streifparole auf die Beleuchtungs werte ausgedehnt wird. Obwohl die Regierung für diesen Fall ein Riefenaufgebot von Technischer Nothilfe, Heeres- und Marinespezialisten usw. vorbereitet hat, würde der Lichstreik doch eine sehr ernste Verschärfung der Lage bedeuten sowohl wirtschaftlich und sozial( wegen der Erbitterung der Streifenden gegen ihren militärischen Ersatz), als auch wegen der dann höheren Gefahr der Ausnutzung der Finsternis durch Gesindel zu Plünderungen usw. Das ist wohl auch der Grund, warum diese Ausdehnung des Streiks bisher unterblieben ist. Der Sonntag selbst ist nicht anders verlaufen als die porhergegangenen Streiftage. London macht bis auf die feldmäßig ausgerüsteten Soldaten auf Posten und als Begleiter von Autobussen usw. einen durchaus friedlichen, aber fehr ernsten Eindruck. Von der berühmten englischen Fröhlichkeit merkt man jetzt nichts. Deffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht, mit Ausnahme einiger wenig bedeuten. den Autobus- und Untergrundbahnlinien. Im ,, British Worker" schildert ein Berichterstatter seine dreitägige Reise durch England und Schottland. Es ergibt sich daraus, daß der Stillstand von Industrie und Berkehr in der Proving womöglich noch größer ist als in London. Die örtlichen Streif fomitees forgen für Beschäftigung der nicht auf Streit posten und sonst im Streifdienst stehenden Arbeiter, so durch rasch organisierte Fußballspiele. Auch verbringen sehr viele Streifenden einen großen Teil der Zeit in der Kirche. Es ist ja bekannt, daß die englischen Arbeiter, ja selbst ihre Klassenbewegung, zum großen Teil tiefreligiös sind. Daher auch das starte Intereffe der Geistlichkeit an einer Beilegung des Streifs. Der Generalrat entsandte zum Sonntag eine Reihe führender Politiker und Abgeordneter der Arbeiterpartei mittels der ihm zur Verfügung stehenden Autos nach allen Teilen Englands, um die Streifenden überall zu unterrichten; fie alle mahnten eindringlich zur Ruhe, Ordnung und Disziplin. In Wimbleton fand ein Fußballwett= tampf zwischen streifenden Eisenbahnern und Polizisten stait. Auf Anregung des Generalrats tragen die Streitenden im ganzen Lande ihre Kriegs= dekorationen, um der Agitation mit der unpatriotischen" Einstellung der Streifenden entgegenzuwirken. Neben den Bischöfen bemühen sich auch die Universitätsprofessoren von Cambridge darum, daß Verhandlungen auf genommen werden. Die Regierung dementiert jedoch all die vielen Gerüchte, die behaupten, daß schon ein Anfang dazu gemacht sei. vorbehalten geblieben, zu entdecken, daß der Großstreit ein Dem liberalen Abgeordneten Sir John Simon ist es Bertragsbruch sei, dessen Veranstalter für den Schaden diesen liberalen Liebesdienst fräftig auszunußen. Nun be haft bar seien! Die Scharfmacher haben nicht verfehlt, richtet aber auch das Regierungsblatt British Gazette", daß die Regierung bezüglich der Frage der Ungefeßlichteit des Generalstreiks und der Haftbarkeit seiner Beranst a lt er, auf die Sir John Simon in einer Unterhaus rede hinwies, eine Aktion erwäge! " Die Kriegführung der Regierung. London, 10. Mai.( WTB.) In Preston mußte die Polizei gestern viermal mit Knüppeln gegen eine vieltausendföpfige Menge vorgehen, die versuchte, die Polizeistation zu stürmen, um einen Verhafteten zu befreien. Verschiedene Polizisten wurden durch Steine und Ziegel getroffen. Sechs Personen wurden verhaftet. Auch in Hull fanden neue Ausschreitungen und Plünderungen statt, die bis in den frühen Morgen fortdauerten. 40 Personen wurden verlegt, darunter zwei Polizisten. In Newcastle mußte die Polizei gestern Hatte Miethe recht? Wir erinnern uns noch alle des Aufsehens, das vor einiger Zeit die Mietheschen Versuche erregten, aus Quecksilber Gold herzustellen. Zahlreiche Forscher beteiligten sich an der Erörterung darüber, ob hier der alte Alchymistentraum in Erfüllung gegangen sei. Das Er gebnis sprach schließlich gegen Miethe; denn Haber, einer der berühmtesten der lebenden Chemiker, fonnte bei einer äußerst sorg fältigen Wiederholung der Versuche kein Gold erhalten, so daß die Annahme wahrscheinlich wurde, daß Miethe feine absolut goldfreien Ausgangsstoffe benutzt habe. Vor allem war es der Quarz der von Miethe beugten Quecksilberdampflampe, der in den Verdacht geriet, rinzige Menge an Gold enthalten und im Laufe der Versuche von sich gegeben zu haben. Die Frage, die durch Haber erledigt zu sein schien, lebt heute mit einem Male wieder auf. Ein früherer Mitarbeiter Miethes hat nämlich den umgekehrten Versuch gemacht, aus Gold Quecksilber herzustellen. Das tat er, indem er den Bestandteil, der bei den Mietheschen Versuchen vom Quecksilberatom abgetrennt wurde, nämlich einen Wasserstoffatomtern, zu Gold hinzufügte. Die moderne Atomlehre hat uns gezeigt, daß die Atome aller Körper in gleicher eise aufgebaut sind, und daß der Kern des Atoms vor allem fich hauptsächlich aus Kernen von Wasserstoffatomen zusammensetzt. Nach der Theorie müßte der Quecksilberfern einen Wafferstofffern mehr enthalten als der Goldfern; gelang es daher, dem Gold einen Wasser. stofftern hinzuzufügen, so mußte Quecksilber entstehen. Dazu diente eine Art Geißlersches Rohr, das ein Goldblech enthielt und mit Wasserstoff gefüllt worden war. Nachdem dieser soweit wie möglich weggepumpt worden war, wurde hochgespannte Elektrizität an die Pole gelegt und dadurch die wenigen, noch im Rohre verbliebenen Wasserstoffatome mit großer Geschwindigkeit gegen das Goldblech geschossen. Nachdem das 30 Stunden lang fortgesetzt worden war, fonnten in der Tat unter dem Spektroftop die charakteristischen Linien des Quecksilbers nachgewiesen werden, von denen vorher feine Spur zu sehen war. Damit ist der Verfuch als gelungen zu betrachten und es wäre der Beweis erbracht, daß Miethe doch recht gehabt hat. Freilich muß man noch das Ergebnis der wissenschaftlichen Debatten abwarten, die sich zweifellos auch an diese Mitteilung anschließen werden. Dr. H. Das Rätsel der Eisheiligen. Die in fast jedem Jahre in der Zeit vcm 11. bis 13 Mai( oder früher) regelmäßig wiederkehrende Erfcheinung der sogenannten Eisheiligen oder drei gestrengen Herren ist trotz aller Forschungen bisher ein ungelöstes Rätsel geblieben. In manchen Jahren ist der Kälterückfall so stark, daß die Frühjahrsfaat erfriert. Besonders in den nordischen Gegenden läßt sich ein starker Rückfall feststellen. In anderen Jahren hingegen treten die Eisheiligen nur ganz schwad) auf, wie beispielsweise im Jahre 1924. Drei Erklärungen von Bedeutung gibt es für diese Naturer fcheinung. Die erste verweist darauf, daß bei eintretender Frühjahrswitterung ungeheure Eismassen des Atlantischen Ozeans und der Nordsee nach Süden treiben. Je näher diese Eismassen dem Süden zutreiben, desto stärker schmelzen sie ab. Man nimmt nun an, daß die = menge madjen. Im Bergwerksgebiet wurden mehrere meiters Gems Attentate gegen Eisenbahnen unternommen. Meilen nördlich Newcastle wurde der größte Teil der Fensterscheiben eines Zuges eingeworfen. Verschiedene Passagiere erlitten Rere legungen. Ein Signalhäuschen wurde in Brand gesteckt. In der Grafschaft Durham wurde Erplosionsmaterial, das auf die Schienen gelegt worden war, durch eme Lokomotive zur Erpiofion gebracht. Schaden wurde nicht angerichtet. London, 10. Mai.( WTB.) Der amtlichen Gewertschaftszeitung The British Worker" zufolge ist dem Generalrat mitgeteilt worden, daß eine militärische Postentette um das Gebiet des Londoner Dods herum gezogen worden ist. Der Generalrat fordert die Arbeiter auf, sich von diesem Gebiet fernzuhalten und so jede Möglichkeit eines Konflikts mit den Militärbehörden zu vermeiden. „ The British Worker" berichtet, daß die Regierung ihre Lebensmitteltransporte von den Docks nach dem Hydepark von Panzerwagen, Kavallerie und berittener Polizei begleiten läßt. Das Blatt wirst der Regierung vor, dem Publikum Furcht einjagen zu wollen, indem sie es in den Glauben versetze, daß der Streit gewalttätige revolutionäre Ziele habe. Appell an die Arbeitenden Englands. 5 Proz. vom Lohn für den Streiffonds. London, 9. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Generalrat der Gewerkschaften fordert alle Arbeiter Großbritanniens, soweit sie sich noch in Arbeit befinden, auf, 5 Prozent ihres Lohnes dem Streitfonds zur Verfügung zu stellen. Potemkin und Kapp. Der Kampf um einen Film. Johannes W. Harnisch, einst Pressechef der Kapp- Regierung, jezt Redakteur bei Hugenberg, schreibt im„ Montag" einen Artikel gegen den Film„ Potemkin". Er fürchtet von der Weiteraufführung schwere Gefahr für die republikanische Staatsordnung und fordert ein Verbot. Daß ein solcher Film aufgeführt werden kann, ist freilich schlimm. Häiten wir die Kapp- Regierung behalten, wäre so etwas nicht passiert. Denn dieser Film hat eine sehr gefährliche Tendenz. Er zeigt, daß sich Menschen nicht alles gefallen lassen. Johannes W. Harnisch nennt diese Tendenz, kommunistisch". Wäre sie es wirklich, so fönnte man sich mit dem Kommunismus aussöhnen, und Schiller- eine Grenze hat Tyrannenmacht“ wäre dann auch ein Kommunist gewesen. Was mir aber den Kommunisten vorwerfen, ist ja gerade, daß fie an die Grenze der Tyrannenmacht nicht glauben, sondern mit einem gehörigen Drud von oben alles regulieren möchten. Und darum meinen wir, daß der Film„ Potemfin" geeignet ist, Erziehungsarbeit an allen Regierenden zu leisten, besonders auch an denen in Rußland. Ueberhaupt sind Filme, die uns erlebte Geschichte wieder vor Augen führen, wertvoll. Wir müßten davon mehr haben. Wer fchenft uns 3. B. einen Film des Kapp. Putsches? Es wird interessant sein, Johannes W. Harnisch als Beglücker des deutschen 29 Volfes an der Arbeit zu sehen. Vielleicht stellt er sich selber als Darsteller für diesen Film zur Verfügung. Man wird dann wenigstens genau wissen, wie die Leute aus schen, die den Potemfin" verboten haben wollen! sc ind " 1 Die polnische Dauerkrije wollte Staatspräsident Wojciechowski dadurch lösen, daß er den von der Linken als Berberber Bolens betrachteten W. Grabski- mit der Bildung eines Beamtenfabinetts betraute. Gegen Grabski hat aber Marschall Pilsudski Einspruch erhoben- im Namen der Armee, obwohl er nicht aktiv ist! Damit war dieser Plan erledigt und jetzt stellt Wites eine Rechtsregierung zusammen. starte Abschmelzung der Eismaffen zu einer Abfühlung führt und dadurch der Kälterüdfall eintritt. Nach der zweiten Erklärung soll die gerade erwachte Vegetation mit ihrer Verdunstungskälte die Ursache der Eisheiligen sein. Der Naturforscher Nen nimmt auf Grund der Durchschnittsresultate, welche die forstlichen Versuchsstationen des Wasserverbrauchs erhalten haben, an, daß ein Hektar deutscher Wiesen täglich 52 100 Liter vers dunstet, ein Heftar Roggenfeld 22 600 Liter, ein Heftar Tannenwald 8000 Liter. In der Zeit vom 24. April bis zum 13. Mai, wo die Begetation zu erwachen beginnt, verdoppelt sich der Verbrauch, und aus dieser Erscheinung sollen sich die gestrengen Herren erklären. Aber die Regelmäßigkeit des Auftretens der Gisheiligen fetzt eine Regelmäßigkeit des Begetationsbeginns voraus, der in Wirklichkeit nicht an einen Tag gebunden fein kann. Die dritte Erklärung endlich nimmt an, daß die von den Polarströmungen ausgehende Hochdrud bewegung die Kälte auf den Kontinent trägt. Wenn der Hochdruck über den britischen Inseln oder dem Ozean liegt, stellt sich eine nordwestliche, vom Ozean gegen das Land gerichtete Luftbewegung ein, die Kälte hereinbringt und Kälterüdfälle und Spätfröfte bewirkt. Daß aber diese Erscheinung sowohl bei Westwinden mit niedrigen, wie bei Ostwinden mit hohem Barometerstand eintritt, spricht nicht für den Zusammenhang mit der Luftzirkulation. Das Rätsel der Eisheiligen wird also noch weiter seiner Lösung harren. Eine Ausstellung„ Die Hochschule". Die Stadt Bonn plant für 1928 im Einvernehmen mit den Hochschulen, dem preußischen Kultus ministerium und dem Reichsministerium des Auswärtigen eine große internationale Ausstellung„ Die Hochschule", die einen geschlossenen Ueberblick über das gesamte geistige Schaffen, die Entdeckungen und Errungenschaften der Universitäten sowie über ihre Beziehungen zum geistigen und kulturellen Leben der Völker geben soll. Die Ausftellung soll auch ein Versuch sein, die internationalen Beziehungen zwischen Wissenschaft und Hochschulen, die durch den Krieg zerriffen find, wieder neu zu knüpfen. Die Preffe in den Sowjetländern. Laut Angaben der Preffeabteilung des Zentralfomitees der Kommunistischen Partei betrug die Zahl der in den Ländern des Sowjetbundes erscheinenden Zet: tungen am 1. Februar d. J. 599 mit einer Gesamtauflage von 8 300 000 Exemplaren. In der Ukraine erscheinen 83 3eitungen. Die für die Bauernschaft bestimmten Blätter werden in ukrainischer Sprache herausgegeben. In den Sprachen der in der Ukraine lebenden nationalen Minderheiten erscheinen zehn Zeitungen bzw. Zeitschriften. Die Nof des Kunsthandwerks. Die beteiligten Fachverbände laden zır einer Aussprache und Kundgebung ein, die am 12., abends 7 1hr, im Plenarsaal des Herrenhauses stattfindet. Eine Gesellschaft für das Süddeutsche Theater wurde in München gegründet. Die Hauptversammlung 1927 foll in Salzburg stattfinden. Ortsgruppen find bereits in Budapest, Wien, Graz, Klagenfurth und Salz burg gegründet worden. Ein Hebbel Museum in Kiel. Unter Beteiligung der Bebörden, der zirr Hauptversammlung bier weilenden Bühnenvereinsmitglieder und von Nachkommen des Dichters wurde in Kiel im Gebäude des Theatermuseums ein Hebbel Museum eröffnet. Die Republik den Republikanern! Aufruf des Republikanischen Reichsbundes. Der Reichsvorstand des Deutschen Republitanischen Reichsbundes hat an die Reichstagsfraktionen der der republikanischen Parteien nachstehendes Schreiben gerichtet: „ Die deutsche Reichsregierung hat unter Umgehung der gewählten Vertreter des deutschen Volkes, des die demokratische Staatsgewalt repräsentierenden Reichstags und unter gleichzeitiger Mißachtung der von ihr und dem Reichspräsidenten beschworenen Berfaffung eine Berordnung zur Neuregelung der Flaggenfrage erlassen, die dazu beitragen soll, die Farben Schwarz rotgold allmählich zu beseitigen. Auftakt zur Jugendherbergswoche. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich trotz des unfreundlichen Wetters das unter Leitung des Genossen Stadtrat Schneider stehende Eröffnungsfest auf der wundervollen Frei lichtbühne im Tempelhofer Feld. Die Kapelle III der Berliner Schutzpolizei erfreute mit ihren Weisen, der Neuköllner Lehrergesangverein sang schöne Volkslieder und die Berliner LabanSchule tanzte einen feierlichen schreitenden Auftakt, Kampf und fröhlichen Ausflang. Oberbürgermeister Böß, von roten, schwarzrotgoldenen und bunten Wimpeln der Jugend umgeben, nahm dies zum Anlaß, um das Gemeinsame der Jugendherbergswoche zu unterstreichen. Er pries die Schönheit unserer märkischen Heimat, die noch viel, viel mehr unserer Jugend durch Jugendherbergen erDieses Volkswille und Reichstag gleichmäßig mißachtende Verschlossen werden müsse. Er schloß mit der Aufforderung, mit noch halten der Reichsregierung ist lediglich eine notwendige Folge des größerer Kraft fich für die Jugendherbergen einzusetzen. Musik, Vorführungen einer proletarischen Kindergruppe, die allgemeines EntUmstandes, daß die führenden Männer der Reichsregierung ausgezücken hervorriefen, und die ekstatisch- frohen Boltstänze des Berliner sprochene Gegner des republikanischen Staates, seiner Verfassung Bolkstanzringes beendeten die schöne Feier, die von vielen Tausenden Bon Ministern, die gemäß ihrer parteipolitischen Stellung besucht war. Mit Musik und fröhlichen Liedern, so wie sie gekommen, zog die Jugend dann wieder demonstrierend davon. Alle Züge Republik durch die Monarchie, Schwarzrotgold durch Schwarz- führten Tafeln mit sich mit der Aufforderung: Schafft Jugendherbergen!". Die Fröhlichkeit der Jugend gab der Feier ihr schönstes weißrot ersetzen wollen, überrascht ein solches Vorgehen nicht. Gepräge und ließ die Ungunst des Wetters vergessen. Hier war über alles Parteiliche hinweg ein gemeinsames Erleben, das alle 3er flüftung überbrückte. Alle wirften sie mit für das große Biel, Jugendherbergen zu schaffen und so der licht- und sonnenhungrigen Großstadtjugend die Natur zu erschließen. Vielleicht wäre die Feier noch eindrucksvoller geworden, wenn die Jugend in noch reicherem Maße zur festlichen Mitwirkung aufgefordert worden wäre. und seiner Farben sind. nahme die Grundlagen des neuen Deutschland bekämpfen, die Während diese Regierung außenpolitisch die Politik der voraufgegangenen republikanischen Regierungen fortsetzt, betreibt sie innenpolitisch die Geschäfte der monarchistischen Reaktion. Die Verordnung der Reichsregierung ist der Auftakt zu weitfragenden innerpolitischen Kämpfen, tie entweder die endgültige Festigung der demokratischen Republik oder ihre innere Aushöhlung bringen werden. Die schwarzrotgoldene Fahne ist das Symbol eines neuen freien, geistigen Deutschland, ist das Wahrzeichen Großdeutschlands, bedeutet die Verfündung der Ideen von 1848. Das alte Deutschland, das nicht nur an dem verlorenen Krieg, sondern vor allem auch an der inneren Unwahrhaftigkeit seines Systems, an der Ungeistigkeit seines Wollens zerbrach, ist unwiderruflich dahin und mit dem Schwarzweißrot, die die Fahne Kleindeutschlands, das Feldzeichen der hohen zollernbynastie. Die historische Aufgabe der deutschen Republikaner in dieser Stunde aber ist es, mit mannhafter Entschlossenheit die Leitung der Staatsgeschide jenen zu entreißen, die den Staat in seiner Form und mit seinem Geist verneinen. Die deutschen Republikaner erwarten von den republikanischen Abgeordneten nicht nur den Sturz des Reichskanzlers, fondern vor ellem die sofortige und schnelle Bildung einer republikanischen Regierung. Die Republik den Republikanern! Der Reichsvorstand des Deutschen Republikanischen Reichsbundes. Oberbürgermeister Dr. Luppe- Nürnberg, Stadtrat Ernst BerReder Frankfurt, Polizeisekretär Sigler Frankfurt am Main. Nun erst recht Schwarzrotgold! Die Sonntagskundgebungen des Reichsbanners. Am Sonntag fanden im ganzen Reich Rundgebungen des Reichsbanners gegen die Flaggenverordnung der Recierung statt. Aus allen Landesteilen wird eine starte Anteilnahme der Reichsbannerkameraden berichtet. Vor allem ist bemerkenswert, daß bei allen Kundgebungen, und zwar ohne Ausnahme, Vertreter des Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemo fraten eine völlig einheitliche Meinung über den Flaggenerlaß zum Ausdrud brachten und in allen Versammlungen einstimmig Entschließungen gegen den Reichskanzler Luther und seine Regierungsmethoden angenommen wurden. In der Reichshauptstadt werden am Montag und Dienstag auf den verschiedensten Plätzen die Angehörigen des Reichsbanners nochmals aufmarschieren. In Augsburg sprach u. a. General v. Deimling. Er führte u. a. aus:„ Wenn ich als ehemaliger taiferlicher General für die Republik einstehe, dann geschieht es, weil ich nicht wie so viele Tausende meiner Standesgenossen gleichgültig beiseite stehen will, sondern weil ich mithelfen will am Wiederaufbau des Baterlandes. Der Kaiser, dem ich vor 55 Jahren den Treueid geschworen habe, ist nicht mehr da, aber das Baterland ist noch da, und dem will ich dienen mit meiner ganzen Kraft. Das einzige Mittel, um zukünftige furchtbare Kriege zu vermeiden, ist der Völkerbund, und darum muß Deutschland hinein. Es wäre aufs tiefste zu bedauern, wenn jetzt durch den Vertrag mit Rußland der Eintritt in den Bölferbund erschwert würde. Trok aller Machenschaften der Reaktion wird die Deutsche Republik ihren Kampf fiegreich bestehen, denn sie hat eine machtvolle Reserve: das Reichsbanner! Die neueste Flaggenverordnung bedeutet geradezu ein Schlag ins Gesicht der Republif. Unser Volt wird sich im Auslande dem Gespött der Welt aussetzen. Das Ausland wird in der Verordnung einen Sieg der Reaktion über die Republik erblicken. Es weiß, daß Schwarz- Weiß- Rot die Farben des Revanchefrieges sind. Die Regierung hat dadurch die Brandfadelins Bolt hineingeworfen. Dieser Vorstoß ist der erste Schritt zur Beseitigung der schwarzrotgoldenen Fahne. Das lassen roir uns nicht gefallen!( Stürmischer Beifall!) Die Reichsfarben find uns das Symbol des neuen Deutschlands und des Wiederaufstiegs, und daran laffen wir nicht rütteln. Wir fordern, daß der verantwortliche Reichstanzler Luther von der Bildfläche verschwindet, und wir fordern eine Regierung, bei der man nicht dauernd in Angst sein muß, daß sie die Republik aushöhlt und abbaut Stein um Stein, sondern eine Regierung, die die Verfaffung hochhält und weiter entwidelt.( Stürmischer Beifall.) Von den republikanisechn Reichstagsparteien verlangen wir, daß sie die Forderungen in die Tat umsehen. Wenn sie Angst vor der eigenen Courage befommen sollten, dann muß ihnen das Reichsbanner den Rücken stärken und daran erinnern, daß 3½ Millionen Frontkrieger hinter ihnen stehen und sie den Teufel nicht zu fürchten haben! Unsere Losung ist: Nun erst recht Schwarz- Rot- Gold! Faschistenkrawalle in Paris. Eine Schlacht mit der Polizei. Paris, 10. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag fam es kei der Feier der rechtsradikalen Verbände zu Ehren der Jungfrau von Orleans zu zahlreichen schweren Zusammenstößen mit der Polizei. Die Regierung hatte, um alle Zwischenfälle zu vermeiden, Umzüge jeder Art verboten. Trotzdem versuchten Abteilungen der patriotischen Jugend" zum Denkmal der Jungfrau Dcr= zubringen. Bon dem Kranz, den die Regierung hatte niederlegen laffen, riß eine Gruppe unter Führung des Abg. Taittinger die Schleife ab. Darauf griff die Polizei ein, und es kam zu wilden Schlägereien. Insgesamt wurden etwa. 100 Personen verlegt, über 300 verhaftet. Gegen 50 Polizeibeamte wurden schwer und cima 100 leicht verletzt. gefchloffen. Die Anleihe wird durch ein unter Führung der Preußischen Staatsban? und der Deutschen Bant stehendes Banten. fonsortium zum Kurje von 90 Proz. zur Zeichnung aufgelegt werden. Der Erlös der Anleihe dient zur Förderung des Wohnungs und Siedlungsbaues, zum Bau von höheren Schulen, Berufs- und Fachschulen, von Kranken- und Badeanstalten, Bureau. dienstgebäuden und Tiefbauten, für das Feuerlösch- und Gesundheitswesen und zur Zahlung weiterer Kaufgeldraten für den Dauerwald. Der Strausberger Mord. Der Täter noch immer nicht ermittelt. Die Reihe der Strausberger Sittlichkeitsverbrechen, die mit dem Luftmord an der Gräfin Lambsdorff am vergangenen Freitag einen graufigen Abschluß fand, beschäftigt immer noch unausgesetzt die Ortsbehörden und die Berliner Mordkommission. Leider ist es bisher nicht gelungen, den Täter zu faffen. Um das Publikum zur Mitarbeit an der Aufklärung des schweren Verbrechens anzuregen, wird Berlin eine Belohnung von 2000 mart ausgesetzt für von dem Regierungspräsidenten und dem Polizeipräsidenten von Mitteilungen, die zur Ergreifung des gemeinen Mörders dienen fönnen. Wahrscheinlich wird die Stadt Strausberg im Interesse der zahlreichen Kurgäste ebenfalls eine Belohnung ausschreiben. In den nächsten Tagen werden die bekannten roten Mordplafate wieder überall angeschlagen werden. Die äußere Erscheinung des Morders ist ziemlich genau bekannt; er ist etwa 1,65 bis 1,70 Meter groß, hat ein blasses, scharfgeschnittenes, jetzt durch Rawunden entfelltes Geficht, und trug während feines Auftauchens in Etrausberg eine graugrünliche Militärjoppe den Hals ein dunkles Krüpftuch. Uebrigens ist es ein junger Mensch chne Gurt, eine blaue Tüße mit Kordel und Tuchschirm, und um von etwa 22 bis 25 Jahrer. Wichtig ist auch, daß er der Gräfin verschiedene Emudstücke geraubt, z. B. eine goldene Rettenarmbanduhr, an der die arabische Biffer 12 rot war. Das Armband war mit einer um das ganze Gelent gehenden Sicherheitsfette versehen, und ein als geschmeide aus vergoldetem Silber, einem altnordischen Schmuckstüd, das aus fleinen, im Geviert daumenbreiten Blatten besteht, die mit allerlei eingelassenen Steinen besetzt sind. Diese Platten sind fortlaufend durch fleine Kettchen miteinander verbunden. Dieses Schmuckstück muß, wenn der Mörder versucht, es zu Geld zu machen, unbedingt auffallen. Sein Auftauchen muß jojort der Berliner Mordkommission im Zimmer 102 des Polizeipräsidiums oder der Strausberger Kriminalpolizei mitgeteilt werden. Die Bernehmung von Ortsbewohnern Echte Jugend im Rundfunt. Nach der verlogenen Jugendlich feit im Alt- Heidelberg"-Kitsch, der Saufgelage, durchzechte Nächte und verbummelte Tage mit sentimentalem Gejaule feiert, erflang am Sonntag nachmittag doppelt angenehm echt jugendfrischer und -froher Sang durch den Rundfunk. Die flaren Stimmen der Märfifchen Singschar fangen hell von Wanderfreude und Wanderluft, schöne alte und neue Volkslieder, zu denen die Sänger und Gängerinnen sich selbst auf ihren Instrumenten begleiteten. Aber wurden sie nicht noch von anderen Musikanten unterstützt? Manch mal überdeckte die Instrumentalbegleitung den Gesang empfindlich; bei fünftigen Darbietungen dieser Art müßte eine größere Borsicht walten. Doch alles in allem war diese frühlingsheitere Stunde kunstlosen Jugendgefanges ein geglückter Versuch, der gern wiederholtergab, daß der Kerl aber schon ver dem 1. d. M. in der Gegend werden kann. Die stimmungsvolle Ansprache von Stadtrat Schnei mehrfach gesehen wurde. Er strich ziellos durch den Wald und machte durchaus den Eindruck eines Landstreichers. Einer der der, dem Vorsitzenden des Werbeausschusses der Jugendherbergs. woche, ergänzte durch eine Schilderung eines Jugendwanderers dieſes Bild von Wanderlust und weckte vielleicht in manchen Stubenhockern die Sehnsucht ins Freie, die bald zu lobenswerter Tat werden wird. Durchaus unschön und störend mußte man aber die minderwertigen Orchesterbarbietungen empfinden, die die Gesangdarbietungen mehr- führung in die Familiengruft in der Heimat vorgesehen. fach unterbrachen. Beugen sah ihn, wie er, mit dem Rüden an eine Riefer gelehnt, fich Großfeuer in der Königstraße. Dachstuhlbrände am Sonntag. Ein größerer Fabrikbrand, der sich von seinem Entstehungsherd im vierten Stock auch auf den Dachstuhl ausdehnte und diesen vernichtete, beschäftigte heute früh um 25 Uhr vier Züge der Berliner Feuerwehr in der Königstr. 9/10. Jm vierten Stockwerk des Fabrik. gebäudes befinden sich größere Schneiderwerkstätten. Als die Feuerwehr eintraf, hatte das Feuer, das an leicht brennbaren Gegenständen reichlich Nahrung fand, bereits soweit um sich gegriffen, daß aus dem Dachstuhl ebenfalls die Flammen herausschlugen. Unter Leitung des Baurats Paple murde mit vier C- Rohren über zwei mechanische Leitern und über die stark verqualmien Treppenhäuser gegen das Feuer vorgegangen. Die Wertstätten und der Da ch st u hl wurden zum größten Teil vernichtet. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis in die späten Vormittagsstunden hin. Am gestrigen Sonntag nahmen drei Brände die Wehr in Anspruch. Ein Fabrifbrand in der Chauffeeftr. 104, wo in einer im vierten Stod gelegenen Druckerei Feuer ausgebrochen war, beschäftigte die Wehr am Abend. Ueber eine mechanische Leiter und vom Treppenhause aus fonnte das Feuer nach längerem Wassergeben niedergefämpft werden. Um 11 Uhr vormittags wurde die Feuerwehr nach der Fliederstr. 6 alarmiert, wo der Da ch stuhl in Flammen stand. Nach zweistündiger Tätigkeit war die HauptGefahr beseitigt. Ein weiteres Großfeuer, das den Dachstuhl eines großen Ed vorderhauses in Treptow in der Klinger traße 2 in Asche legte, beschäftigte kurze Zeit darauf die Neufüllner und Brizer Behren etwa 5 Stunden lang. Das Feuer ist sehr spät bemerkt worden, so daß beim Eintreffen der Wehren der Dachstuhl lichterloh brannte. Die obenliegenden Wohnungen haben sehr unter Wasserschaden gelitten und mußten von den Bewohnern geräumt werden. Die Entstehungsursache steht hier ebenfalls noch nicht einwandfrei fest. Es wird immer schöner. = Wie man einem Diffidenten„ Kirchensteuer" abnimmt! Daß Diffidenten noch mit unberechtigten Kirchensteuerforderungen belästigt werden, haben wir im Vorwärts" in vielen uns bekannt gewordenen Fällen immer wieder gezeigt. Jetzt erfahren wir von einem sehr einfachen Verfahren, dem vermeintlich noch firchensteuerpflichtigen Dissidenten die verlangte Kirchensteuer auch abzunehmen. Ein im 59. Lebensjahr stehender Buchdrucker, der seit Monten frant und erwerbsunfähig ist, erhielt auf die ihm früher vom Lohn abgezogene Einkommensteuer den Betrag von 42,50 m. zu rüdvergütet. Da er besonders jetzt Geld brauchen fann, war ihm der an seine Tür flopfende Geldbriefträger sehr willkommen. Mit Ueberraschung las er aber auf dem Bostanweisungsabschnitt den Bermert, daß ihm 5 M. für Kirchensteuer" abgezogen worden seien, so daß nur 37,50 m. ausgezahlt werden fonnten. Er, der bereits im Jahre 1910 jeinen Austritt aus der Kirche in der vorgeschriebenen Form erklärt hat, ist längst nicht mehr firchensteuerpflichtig. Trotzdem wird ihm noch jetzt Kirchensteuer" nicht nur abgefordert, sondern sogar von dem ihm zu erstattenden Einkommensteuerbetrag abgezogen! Seine Gattin ist gleichfalls Diffidentin. Sie hat im Jahre 1919 ihren Austritt aus der Kirche in der vorgeschriebenen Form erklärt, so daß auch fie schon seit Jahren nicht mehr firchensteuerpflichtig ist. Hiermit fällt die Vermutung, daß die 5 M. Kirchensteuer" etwa auf das Konto der Gattin zu setzen wären. Das Finanzamt wird nun die ein behaltenen 5 Mart an die Kirche abführen, die tat fächlich keinen Anspruch auf eine Kirchensteuer" des Diffidenten hat. Ist es nicht ein unerträglicher Zustand, daß für die Kirche, die fich um ihren Mitgliederbestand nicht selber zu fümmern braucht, in diefer Weise vorgegangen werden darf? Dem Dissidenten, der zugunsten der Kirche um 5 Mart geschädigt worden ist, haben wir ben Rat gegeben, beim Finanzamt auf Rückzahlung zu bringen und nötigenfalls dieselbe Aufforderung an die firchliche Körperschaft zu richten. Wir wollen abwarten, was man ihm antworten wird. Genehmigung der 45- Millionen- Stadtanleihe. Der Stadt Berlin ist die Aufnahme einer Anleihe im Betrage von 45 Millionen Reichsmart auf Feingoldbasis genehmigt worden, von denen die Hälfte, alfo 22 500 000 Mart, in diesem Jahre durch Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den Inhaber begeben werden soll. Die Anleihe ist mit 7 Broz. verzinslich und in 20 Jahren mit jährlich 2½ Proz. zuzüglich der erfparien 3infen nur durch Austojung fündbar. Eine verstärfte Tilgung und Gesamtkündigung ist bis zum Jahre 1931 ausfonnte. Sein ganzes Gebaren läßt darauf schließen, daß der noch Unbekannte eine besondere Vorliebe für die Strausberger Gegend haben muß. Die Beerdigung der Ermordeten wird voraussichtlich am fommenden Mittwoch stattfinden. Für spätere Zeit ist eine Ueber Das Reichsbanner in Weft und Oft. Am Sonntag nachmittag veranstaltete die Kameradschaft Westend des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold unter starter Be teiligung der Bevölkerung Westends und der Kreise Charlottenburg und Spandau auf dem Friedrich- Carl- Play in Charlottenburg eine Bannerweihe. Die Weihrede hielt Dr. Ja ene de, der an die Ge schichte der Fahne Schwarzrotgold erinnerte, zur Flaggen verordnung und Fürsten abfindung Stellung nahm, zur Wachsamkeit gegen die gesteigerte Attivität der Butschisten Ehrhardt und Nikolai mahnte und schließlich die Bedeutung des Reichsbanners für Westend, dem Borposten an der Peripherie Berlins hervorhob. Rettor Jesrich überbrachte Grüße und Glückwünsche der Demokratischen Bereinigung Charlottenburgs. Ein Bolksfest auf dem Spandauer Bod, wo der frühere Landtags abgeordnete Jahnte eine zündende Ansprache hielt, schloß die in jeder Hinsicht gelungene, harmonisch verlaufene Veranstaltung. Strausberg, das freundliche Städtchen am Straussee, hatte am Sonntag seinen großen republikanischen Tag: Weihe des Banners der Strausberger Reichsbanner- Ortsgruppe. Der Berliner Osten und Norden hatte jete Achtung gebietenden Massen mobil gemacht und sie nach Strausberg geworfen. Die dortigen Reaktionäre machten große Augen, als Lastauto auf Lastauto nebst Anhängern, ema 20 im ganzen, hochbejezt mit singenden Reichsbannerleuten in das sonst so stille Städtchen einzogen. Selbst aus dem weitentlegenen Zehlen dorf war eins gekommen. Es rasselte und dröhnte in den Straßen Strausbergs wie nie zuvor. Dazu Marschmusik der Weddinger Reichsbannerkapelle. Die Köpenicker spielten eine schmetternde Fanfarenmusik. Man unterschätze nicht einen solchen Aufmarsch in den kleinen märkischen Städten, in denen senst nur Stahlhelm, Jungdo und Bismärder ihren faulen Zauber veranstalten. Ein prachtvolles Bild auf dem geräumigen Marktplatz nach dem Aufmarsch. Ministerpräsident a. D. Stelling hielt die Festrede: Unsere ZusammenProtest gegen die Maßnahme der Reichsregierung, die fich gegen funft dient nicht nur einer Feier, sondern sie soll sein ein flammender die Deutsche Republik und damit auch gegen ihre Schüßer, Förderer und Stüßer richtet. Die Republif ist in Gefahr! Angeblich soll die Flaggenverordnung nur eine praktische Bedeutung haben. Für die vielen Millionen deutscher Republikaner aber hat sie eine hervorragende politische Bedeutung. Die alte Fahne Schwarzweißrot ist das Symbol der Monarchie, der Hohenzollern und des Obrigkeitsstaates. Unter ihr sind die schändlichen Mordean Erzberger und Rathenau verübt worden. Unter ihr ist Ebert zu Tode ge hezt worden. Unter diesen durch Mord, Feme und Berleumdung entweihten Farben marschieren Stahlhelm, Jungdo, Wicking und die Kleinkaliberschützenvereine. Auch als gute Deutsche müssen wir gegen diese Farben für Schwarzrotgold fämpfen, weil die Wirkung eines Sieges von Schwarzweißrot auf das Ausland unabsehbar wäre. Soll etwa wieder ein persönliches Regiment eingeführt werden? Bagt man mit einer Staatstrije zu spielen? Will man auf faltem Wege die Republit beseitigen? Das Barometer steht auf Sturm! Reichsbanner, sei auf der Wacht! Seid bereit, unser Land, unser Reich, unser Bolt zu schützen. Brausender Beifall. Dann spricht der Gauvorfigende Friz Koch unter den längen des Liedes Dom guten Rameraben ergreifende Gedenkworte für die Toten und weiht die neue Fahne. Um Nachmittag und Abend herrschte in der schön geschmückten und geflaggten Stadt fröhliches, festliches Treiben. Einsturzkatastrohe auf der Hütte Phönix. Duisburg, 10. Mai.( WTB.) Heute vormittag 9% Uhr stürzte auf der Hütte Phönig das Hallendach des Schnell- und Feinwalzwertes ein und begrub die darin beschäftigten Arbeiter unter sich. Bis 10 Uhr hatte man zehn Berlehte und einen Toten geborgen. Zwanzig Arbeiter liegen noch unter den Trümmern. Bon der Verwaltung der Hütte Phönig wird zu der Katastrophe, deren Ursache noch nicht festgestellt werden konnte, mitgeteilt: Die Zahl der Toten beträgt sicher drei. Zwei weitere Arbeiter wurden schwer, 12 leicht verletzt. Sämtliche Berunglückten find geborgen. Das Rotorschiff Baden- Baden, das infolge schwerer See erst in der Nacht zum Montag Sandyhoof passierte, ist Montag früh 3 Uhr 30 Min. an der Quarantänestation von New Dort angelangt. Groß- Berliner Parteinachrichten. 48. Abt. Die aut Dienstag bekanntgegebene Funktionärsigung findet heute Montag Abend bet Reller. Fürftenftr. 1, statt. 111. Abt. Bohnsbarf. Morgen Dienstag, abends 8 Uhr, bei Groß, SchulzendorferStraße, Gründung einer Ortsgruppe des Arbeiter- Samariterbundes. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Gewerkschaftsbewegung Generalversammlung der Gemeindearbeiter. Ueber 25 000 Mitglieder in Berlin. Die Filiale Berlin des Verbandes der Gemeinde. und taatsarbeiter hatte am Freitag im Gewerkschaftshaus ihre dentliche Quartalsgeneralversammlung. Der 1. Bevollmächtigte, Gencffe Polenste, ging in seinem Geschäftsbericht zunächst auf die in diesem Quartal geleistete Arbeit ein. Der Agitationsapparat innerhalb der Verwaltung ist im Interesse des Auf- und Ausbaues der Organisation erweitert worden. Er ging dann auf die Lohn- und Tarifbewe gungen in den einzelnen Gruppen ein. Die Gewährung der Wirtschaftsbeihilfe an die Reichs- und Gemeindearbeiter fonnte nicht durchgesetzt werden, trotzdem z. B. in Berlin die Beihilfe von der Stadtverordnetenversammlung zweimal beschlossen wurde. In den städtischen Werten wurde das Lohnabtommen nicht gekündigt, da von der Schlichtungsinstanz eine Erhöhung der unzureichenden Löhne nicht zu erwarten war. Infolge der Winfelzüge der Verwaltung der städtischen Güter war es bis heute noch nicht möglich, einen Tarifvertrag für die Güterarbeiter abzuschließen. Die Verwaltung will den Abschluß eines Tarifvertrages den Landbünden zuschieben, deren Tarife bei der Arbeiterschaft fattsam bekannt sind. Es ist jetzt von der Organisation der Schlichtungsausschuß angerufen worden, ber hoffentlich die städtische Güterverwaltung zum Tarifabfchluß zwingen wird. Die Verhandlungen über die Wiedereinführung der 48stündigen Arbeitswoche für die Arbeiter der städtischen Gaswerte fonnten leider noch nicht zu Abschluß gebracht werden. Polenske ging dann ausführlich auf die reaktionäre Arbeiterpolitik des Reichsarbeitgeberverbandes der deutschen Gemeinden und Kommunenverwaltungen ein, besonders in den Fragen des Urlaubs und der Sonntags- und Feiertagsarbeit. Die Arbeitervertreter in den größeren Gemeinden müssen alle Kraft auf wenden, ihre Gemeinden der Beeinflussung dieses reaktionären Arbeitgeberverbandes zu entziehen. Nach einem furzen Hinweis auf die Bedeutung des englischen Riefentampfes empfahl Polenske die Annahme einer Entschließung, die den englischen Arbeitern die vollste Sympathie ausspricht und ihnen die moralische und finanzielle Unterstügung versichert. Der Kassierer, Genosse 3ietemann, erläuterte dann den gedruckt vorliegenden Kassenbericht. Danach balanzieren die Einnahmen und Ausgaben der Hauptkasse mit 125 560,21 M. Der Kassenbestand der Lokaltasse betrug am Schluffe des 1. Quartals 110 967,36 m. gegenüber 87 553,93 m. am Schluffe des 4. Quartals 1925. Die Mitgliederbewegung hat auch in diesem Quartal einen erfreulichen Aufschwung genommen. Es war im 1. Quartal eine Zunahme von 778 Mitgliedern zu verzeichnen, jo daß der Mitgliederbestand am Quartalsschlusse 25 055 gegenüber 24 267 am vorigen Quartalsschluß war. Nach einer längeren Diskussion, in der von den Rednern der ,, Opposition" meist nur Kritik um der Kritik willen geübt wurde, fand die Entschließung betreffs der englischen streifenden Arbeiter einstimmige Annahme. Es wurden dann noch Berichte gegeben von der Beirats: tagung in Görlitz und der Konferenz der Reichs- und Staatsarbeiter, zu denen eine Diskussion nicht gewünscht murde. Proteft der Rohrleger und Bauklempner. Die Baurohrleger und Bauflempner nahmen gestern abend in einer überfüllten Versammlung in Kliems Festsälen Stellung zu dem am 3. Mai vom Schlichter für Berlin gefällten Schiedsspruch. Die Unternehmer hatten zum 31. März das Lohnabkommen gekündigt und einen Abbau der Löhne um 10 Pf. pro Stunde gefordert. Ebenso verlangten sie die Abänderung des zwar nicht gefündigten Mantelvertrags zuungunsten der Arbeiter. Da die Verhandlungen zwischen den Parteien ergebnislos verliefen, riefen die Unternehmer den Schlichtungsausschuß an, der dann am 7. April den bekannten Schiedsspruch fällte, die Löhne bis zum 31. März 1927 um 5 Pf. niedriger als bisher festzuIcgen und den Mantelvertrag bis zum gleichen Termin unDerändert zu verlängern. Die Bauflempner und Rohrleger lehnten diesen Schiedsspruch, ab, worauf die Unternehmer die Verbindlichkeitserklärung beantragten. In der Berbindlichkeitsverhandlung am 26. April fam es zu teiner Einigung. In einer neuen Verhandlung am 3. Mai fam es nach Zustimmung des Vertreters der Ortsverwaltung zu einem für beide Burteien bindenden Schiedsspruch, der bis zum 1. Oftober eine Reduzierung der Löhne um 5 Pf., ab 1. Oftober die Wiederzahlung der jezigen Löhne und die Verlängerung des Manteltarifes bis zum 31. März 1927 vorsieht. Genosse Urich begründete die Stellungnahme der Ortsverwaltung sowie des Hauptvorstandes, im Interesse der sich in Sachsen und Mitteldeutschland entspinnenden großen Kämpfe von einem Kampf in Berlin Abstand zu nehmen und sich diesem Schieds. spruch zu unterwerfen. Die Versammlung protestierte in stürmischer Weise gegen die von Urich begründete Auffassung der Ortsver waltung und des Hauptvorstandes. Jedoch selbst Niederkirchner fonnte nicht umhin, in der Begründung der Stellungnahme der beiden Branchenfommissionen anzuerkennen, daß es Situationen gebe, in denen eine Gruppe Abstand nehmen müsse von einem Kampf zugunsten einer anderen Gruppe, deren Löhne viel elender und aufbesserungsbedürftiger feien Gewiß mag es einer fampfentschlossenen und straff organisierten Arbeitergruppe nicht leicht fallen, Städtische Oper Charlottenburg Deutsches Theater 72 Uhr. Die Jüdin Abonn- Turnus| Neues Th. am Zoo Tägl. 8 Uhr Der alte Dessauer Operette in 3 Akien Charlé Vespermann Norden 10334-38 8 Uhr: Unsere Kinder Großes Schauspielhaus Täglich 8 Uhr: Alt- Heidelberg Gastspiel Alfred Braun Verlängert bis 31. Mal 1926 Berliner Tik- Trio Kammerspiele Neukölln. Norden 10334-38 < Uhr: Falk, Kiper. Godau, Week- end Straaten. Hainisch Preise 0.50 bis 6 M.( Ueber'n Sonntag) Theater a. Rottb. Tor Die Komödie Täel. 8 Uhr EliteBismarck 2414, 7516 14 Uhr Sänger Viktoria Baumblote in Werder Reichshallen- Theater Abends 8 Uhr und Sonntags nachmittags 3 Uhr Varieté! Stettiner Sänger Hadım, halbe Praise, Valles Abendprog D.wundervoll Programm ( siehe Säulen- Plakate) Dönhoff- Brettl Konzert! Tanz Lahnstr. 74/751 Schenkt Fest! Bücher zu jedem J. H. W. Dietz Nachfl., G.m.b. H. Lindenstraße 2. HUNDE Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. Tierärztliche Poliklinik Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr einem nicht aussichtslosen Kampf auszuweichen, doch muß fie auch| Geldsammlung des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes aus Solidaritätsgefühl zu diesem Opfer bereit sein. Ein aufgeschobener Kampf ist noch lange nicht aufgehoben. Betriebsratswahlen der Bankangestellten. Genf, 10. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Bundesvorstand des schweizerischen Gewerkschaftsbundes hat an die Leitung der englischen Gewerkschaften ein Sympathie- und Solidari tätstelegramm gesandt und beschlossen, daß alle angeschlossenen VerDie bei der Commerz- und Privatbant, Mitteldeutschen Credit- bände zur Unterstützung des englischen Generalstreifs Geld samm bant, Darmstädter und Nationalbank und der Discontogesellschaftungen durchzuführen haben, die einen Mindestbetrag von 1 Frank stattgefundenen Betriebsratswahlen ergaben von 51 Betriebsrats- für jedes Mitglied zu ergeben haben. Die schweizerische Arbeiter. igen für den Allgemeinen Verband der deutschen Bank- chaft wird damit mindestens 200 000 Franken für die Streifenden in England aufbringen. angestellten allein 36, den Deutschen Bantbeamtenverein 10, die Vereinigung der Oberbeamten vier Size. Der Deutschnationale Handlungsgehihfen- Verband brachte es auf nur einen Sig. Die noch bevorstehenden Wahlen in der Deutschen Bank und der Dresdener Bank dürften die starke Position des Allgemeinen Verbandes in diesen Instituten weiter verstärken. " Freiwillige". Mehrarbeit. Leipzig, 8. Mai.( WTB.) Die 5. Straffammer des Landgerichts Leipzig beschäftigte sich heute als Berufungsinstanz mit der Strafsache der beiden Bankdirektoren Kosterlitz und Fuchs sowie des Rechtsanwalts Schulz von der Commerz- und Privatbant, Filiale Leipzig, die im vorigen Jahre von dem Schöffengericht in Leipzig wegen Verstoßes gegen den§ 11 der Arbeitszeitverordnung zu 5000 resp. 300 Mr. Geldstrafe verurteilt worden waren. Die Berufungs instanz fam nach längerer Beratung zur Freisprechung sämtlicher Angeklagten, da die Beweisaufnahme ergeben habe, daß ein Bergehen gegen den§ 11 der Arbeitszeitverordnung nicht vorliege, weil die Angestellten die Mehr arbeit freiwillig geleistet hätten. Würden die Angestellten diefe freiwillige" Mehrarbeit verweigert haben, wären sie deshalb nicht abgebaut worden? Doch, sie wären abgebaut worden! „ Vorläufig nicht streiken!" Die Parole Havelod Wilsons. Während Citrine, der Sekretär des englischen Gewerkschaftsbundes der ITF. mitteilte, daß die meisten englischen Seeleute sich den Streifenden angeschlossen haben, hat der Bor figende des englischen Seeleuteverbandes, der nicht gerade rühmlich bekannte Havelock Wilson, Gegenorder gegeben. Eine Abstimmung fönne vor Donnerstag oder Freitag nicht abgeschlossen werden. ,, Ergibt sich eine Mehrheit für Streif, wie er zu fürchten fcheint, so fann ich heute schon darauf hinweisen, daß die Aus zahlung von Streifgeldern auf unüberwindliche Hindernisse stoßen würde. Der 2. Sekretär dieses Verbandes, Henson, hat seinen Posten niedergelegt. Veranlassung hierzu dürfte nach ITF. wahrscheinlich der Umstand bilden, daß die Leitung des englischen Seeleuteverbandes die Funktionäre und mit= glieder des Verbandes, die sich an dem Streit beteiligen, gerichtlich verfolgen läßt. Die deutschen Buchdrucker zum englischen Streik. Der Britische Gemertschaftsbund benachrichtigte den Internationalen Gewerkschaftsbund, daß britische Verleger versuchen, eng. lische Zeitungen auf den Kontinent drucken zu lassen. Der Ver. bandsvorstand der Deutschen Buchdrucker wendet sich daraufhin im Rorrespondent" an die Verbandsmitglieder mit dem Ersuchen, jedwede Streifarbeit zu verweigern. Geburten in verschiedenen Ländern 1913 u. 1925 Auf je 10 000 Einwohner Niederlande Italien Norwegen Spanien Z 150 153 124 127 123 106 89 102 118 Deutschland 82 Ungarn 66 118 103 Großbritannien 66 98 Schweden 61 17 19 Frankreich 1913 1925 Sinalco Trinkt nur Die echte Bilzbrause nahrhaft erfrischend, bekömmlich, da aus bestem Zucker und naturreinem Fruchtaroma hergestellt Pumpen Fr Ersatzteile, Preisliste grails Roblank.. Pumpenfabrik. Berlin N 65, Reinickendorfer Straße 95. Solidarität der lettländischen Gewerkschaften. Riga, 10. Mai.( TU.) Der Vorstand der lettländischen Ge werkschaften hat der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale eine größere Summe zur Unterstüßung der streifenden englischen Arbeiter überwiesen. Amerikanische Geldhilfe für den Streik in England. Washington, 9. Mai.( WTB.) Das republikanische Mitglied des Kongresses Schneider aus Wisconsin hat für den Streik in England 100 Lollar zur Verfügung gestellt. Auch die Gewerkschaften von Milwaukee und Wisconsin planen eine finanzielle linterstützung des Etreifes. Jahreskongres des französischen Bergarbeiterverbandes. Paris, 9. Mai.( WTB.) Der französische Bergarbeiterzusammentreten. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Prüfung der verband wird am 14. und 15 Mei in Paris zu einem Jahreskongre zusammentreten. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Prüfung der gegenüber dem englischen Streit einzunehmenden Haltung. Sport. Wittig Sieger auf der Olympiabahn. Das Programm des gestrigen Renntages der Olympiabahn fonnte vor einer zahlreichen Besuchermenge ausgefahren werden. Von den Dauerfahrern hatten Sawall, Kruptat, Wittig, Saldow und Brunier gemeldet. Wittig ging in allen drei Dauerrennen als Sieger hervor. Im Maien Preis" über 10 Kilometer hielt er die Spitze vom Start bis zum Ziel. Keiner seiner Gegner vermochte aufzukommen. Im Preis von Zehlendorf", der über 20 Kilometer ging, hielt zunächst Saldow die Führung, trok scharfer Angriffe Bruniers, der schließlich zurückfiel. In der 44. bis 45. Runde übernahm dann Wittig die Führung bis zum Schluß des Laufes. Sawall versuchte zwar auch hier wieder vorzustoßen, fiel jedoch, wie im vorhergehenden Lauf, auf den letzten Platz zurück. Brunier ging im Hauptrennen Fünf Trümpfe" in Front, fämpfte gegen den angreifenden Sawall und mußte schließlich dem leicht vorstoßenden Wittig die Spize abtreten. Fliegerrennen, die das Programm umrahmten, sahen u. a. den Australier Spears am Start, der im Endlauf des Hauptfahrens als Sieger gegen Hahn hervorging. Resultate: Fliegerrennen: Hauptfahren über 1200 meter. Endlauf: 1. Spears, 2. Habn, 3. Jenssen, 4. Cozzy. 20- StundenBunftefabren: 1. Sabn 11 min. 53,2 Set. 18 B., 2. Spears 17 B., 3. Steinbach 12 P., 4. Cozzi 11 P. Ausscheidungsjahren: 1. Schwab, 2. Häusler, 3. St. Strüger, 4. Linsener. " " 0 Dauerrennen: Maien Preis" über 10 Rm. 1. 23 ittig 8 Min. 37,1 Set., 2. Brunier 70, 3. Struptat 180, 4. Caldom 360, 5. Sawall 840 Meter zurüd. Preis von Zehlendorf" über 20 Km. 1. Bittig 16 Min. 57,3 Ser., 2. Saldom 110, 3. Brunier 230, 4. Strupfat 390, 5. Samall 500 Meter zurüd. ,, ünf Trümpfe"( 1 Stunde). 1. Bittig 70,190, 2. Samall 69,850, 3. Brunier 69,340, 4. Galdom 68,840, 5. Rruptat 66,490 m. gefahren. Rennen zu Karlshorst am Sonntag, den 9. Mai. 1. Rennen. 1. Dr. R. Lengfellners Rasvidr( Blod), 2. Märchenpring, 3. Mumpit. Toto: 103. Plag: 25, 15, 14. Ferner liefen: Ganymed, Sorfina, Parioli, Drdensritter. 2. Rennen. 1. Frhr. H. v. Bodenhausen und D. v. Miglaffs Maral ( b. Lewinski), 2. Stattliche, 3. Myron. Toto: 91. Plak: 25, 13. Ferner liefen: Valuta, Luftpost, Mirafel. 3. Rennen. 1. J. Stühns Tod und Leben( Derfel), 2. Perilles, 3. Lobredner. Toto: 20. Play: 14, 19. Ferner lief: Grazie. 4. Rennen. 1. J. Friedländer und R. Goschs Balamon( Bismark), 2. Dioscur, 3. Narr. Toto: 25. Plak: 12, 15, 14. Ferner liefen: Herzog Sambur, Mamlacz, Nebich. 5. Rennen. 1. Dr. A. Schönbergs Escorial( G. Freese), 2. Borussia, 3. Porta Westfalica. Toto: 40. Plat: 22, 66, 30. Ferner liefen: Carl Ferdinand, Königsadler, Niederwald, Räuberhauptmann, Denar. 6. Rennen. 1. A. Gittlers Ostiels( Edler), 2. Erdferkel, 3. Friedchen. Toto: 17. Platz: 12, 14, 21. Ferner liefen: Maiprinz, Eulalia, Missa, Sturm, Ulster. 7. Rennen. 1. Frhr. v. Cottas Madi( Menz), 2. Fechterin, 3. Pipifar. Toto: 49. Platz: 25, 21, 18. Ferner liefen: Eisenfappe, Bytunia, Centrifugal, Wetterscheide, Antin, Stummer Teufel, Demetrius. Berantwortlich für Bolitif: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus: Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Entorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Gonitiaes: Frik Rarstädt: Anzeigen: Tb. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerel und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SW 68, Lindenstrake 3. 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