�benSausgabe Nr. 22? 4 43. Jahrgang Msgabe B Nr. 104 BttuflsBeblRBinweB ttni Bmifaeiwtttf« fitii in tKr Morsinausgabe onaeaeicn HcDatfion: SA». SS. ClaOenflcaijc 3 Semipreäin: VSnhofs 292— 297 XcU.U&tencSojlalbcae(tal Berlin Derlinev Volksblatt (lO Pfennig) Mittwoch 12. Mol 1426 Verla« snb Vatetcenattetlun«: SelchSlt-iett fr-8 Übt Anleger. Oocmdtla'Oet lag lvmbh. Snlia SA». SS. Cinbcnfltabe 3 Zer-Iprecher: VSnhofs 292— 297 Zrntralorgan der Sozialdcmokrati feben Partei Deutfcblands Der Plan Oer Putschisten. Aufdeckung einer rechtsradikalen Verschwörung.- Hugenberg. Clatz, Nicolai, Kirdorf verdächtig.— Gegenaktion der Behörden: Verbot politischer Verbände. Haussuchungen im Reiche. Die Aktivisten in den rechtsradikalen Verbänden hoffen auf eine Verwirklichung ihrer Putschpläne gegen die Reiiys» Verfassung in der nächsten Zeit. Ueber ihre Organisation, ihre Kampfvorbereitungen und ihre putschistischen Pläne heben wir in den letzten Tagen umfangreiches Material ver- vffentlicht. Die Polizei hat bei den Führern der Putschisten zu- gegriffen. Es haben Haussuchungen stattgefunden bei dem früheren kaiserlichen Admiral v. Schröder, beim All- deutschen Verband, auf der Geschäftsstelle der Ver- einigten vaterländischen Verbände, beim Führer des Bundes der Großdeutschen, Herrn Dr. Stadt- l e r, beim Schriftführer des Bund Wiking, auf den Ge- fchäftsräumen der Olympia und beim Schriftleiter der „Deutschen Zeitung", Major a. D. Hans v. S o d e n st e r n. Bei letzterem in der Wohnung und auf der Redaktion.— Umfangreiches und belastendes Material ist den Behörden in die Hand gefallen. An den Putschvorbereitungen sind führende Persönlich- keiten des politischen und wirtschaftlichen Lebens beteiligt. Ueber ihren allgemeinen Plan unterrichtet die folgende Ver- öffentlichung des Amtlichen Preußischen Pressedienstes: Die Tätigkeil der vaterländischen verbände, die in letzter Zeit die Oefsenllichkeit wiederholt beschäftigte, wird, wie bereits seit einiger Zeit erkennbar ist, von einem kreis politischer Persönlichkeiten nach außen unsichtbar geleitet. Die Durchs uchungen ergaben, daß dieser kreis einen genauen Plan für die her- betführung der Diktat ur se st gelegt hat. Diese Diktatur sollte dadurch ermöglicht werden, daß nach dem kurz über lang zu erwartenden Rücktritt der gegenwärtigen Reichsreglerung— gedacht war vor allem an die Fürsten- enleignung— eine vom Reichspräsidenten ernannte Regierung von Außenseitern nach Ablehnung eines Vertrauensvotums den Reichstag auslöst und die Zeit bis zur Reuwahl zur Mobilisierung der völerländischen verbände im RahmenderReichswehr nützt. Sosern eine genügend starke hausmacht bereit stand, beabsichtigte man, nach freiwilligem Rücktritt des Reichspräsidenten, an dessen Stelle ver- sastnngsmäßig der Reichskanzler zu treten hätte, die Diktatur herbei- zuführen. Das erste Manifest der Regierung sah die Aushebung de: versastung de» Deutschen Reiche» vom It. August 191? und der tänderversossungen vor. Die sür die Durchführung dieses ungeheuerlichen Plane» vor- gesehenen Männer sind: . der Bürgermeister von Lübeck, Dr. Reumann. al» Reichskanzler. Geheimeat hugenberg als Reich-finanzminifler. der Industrielle Dr. w e g e a e r aus Kreuth in Layern als Relchelnnenminister, General von M ö h l als Reichswehrminister. der Vorsitzende der Rheinischen Landwirts chaslskammer nnd Führer der Rheinischen Bauernvereine. Dr. Freiher v. LS- n I n a in Bonn al« Ernähruna'diktntor. Die Direktoriiimspläne vom Herbst 19?3 werden wieder lebendig. Es sind dieselben Männer wie damals, die heute den Rutsch der Rechtsradikalen vorbereiten. Sie haben nicht nur bereits die Männer des Direktoriums bestimmt, sondern auch das erste Manifest, die erste Verord- n"ng des Direktorli'ms festgestellt. Mir veröffentlichen dies Manifest nachfolgend im Wortlaut: Die Authentizität dieses Programms ist nicht anzuzweifeln, weil es d'i-ch urstrsiwillige Hcroabe aus dem Besitz einer der Perfön- sM'nten stammt, d'e führend den Kreisen angehören, die den Gedanken einer Diktatur propagieren und vorbereiten. D''e verorönunst öer putlckisten. Diktatur.— Todesstrafe.— Terror. 8 l. Die Verfassung des Deutschen Reiche» vom tt. Auousl 1919(RGBl. S. 1333) und die nach dem 9. Roocmber 1913 eilassenen Verfassungen der Länder und oller kommunalen verbände sind ausgehoben. 8 2. Der Znb-grlsf der Slaalegewalt, da» Recht der Gesetzgebung. Verwaltung und Vollstreckung sowie die oberste Lesehlsgewalt ist aus den Reichsverweser übergegangen, der sie nach Bedarf an nur ihm verantwortliche Amts- inhaber überträgt. 8Z. Alle auf Grvnd der In S 1 genannten Verfassungen gewählten parlarien«arischen Körperichasien in Reich und Ländern einschließlich aller ans Wahlen beruhenden Vertrelungs- körperschalten in Provinzen. Bezirken, Kreisen, Gemeinden und Gemeindeverbänden find ausgelöst. wer an einer hiernach ausgelösten Körperschaft weiterhin t e i l n i m m l und wer zur Teilnahme ausjorderl, wird mit dem Tode best rast. 8 4. Alle Amtsinhaber der Reichs-, Staats- und Selbstver- waltungen, die ihre Berufung, Anstellung oder B e- förderung ausschließlich einer Parteizugehörigkeit verdanken, sind entlassen. Im übrigen sind unzuverlässige und un- fähige Beamte nach Ermessen des Reichs- und Landesverwesers zu e n t s e r n e n. In den vorgenannten Fällen ist jeder Rechts« anspruch aufgehoben. Die weitere Vornahme von Amtshandlungen seitens der hienach Entlassenen wird mit dem Tode bestrasl. Die- selbe Strafe trifft diejenigen, die in Kenntnis des Tatbestandes der Entlassung Anordnungen auf Grund solcher Amtshand- lungen ausführen oder befolgen. Luther vor öem Sturz. Stimmenthaltung der Teutfchnationaleu beschloffen. Im Reichstag ist der Kamps um die Regierung Luther in vollem Gange, ohne daß sich bis zur Stunde genau übersehen läßt, welchen Berlauf d!« Dinge nehmen werden. Die Demokraten halten an ihrem Mißtrauensvotum gegen Luther bis zur Stunde fest und haben es durch ihren Fraktionsführer Dr. Koch eingehend be- gründen lassen. Die Rede Kochs ist eine scharfe Kampf- ansage an Luther. Der Rücktritt der demokratischen Minister Dr. Külz und Dr. R e i n h 0 l d ist noch nicht vollzogen, aber für heute nachmittag nach vollzogener Abstimmung in sichere Aussicht gestellt. Das Reichskabinett trat am Vormittag zu einer kurzen Sitzung zusammen. Die von der„B. Z." verbreitete Meldung, daß Luther zurückgetreten sei, erwies sich sehr bald als falsch. Es wird be- hauptet, daß Lucher beabsichtige, den Reichstag auszulosen und daß der Reichspräsident bei Annahme des Mißtrauensantrages zurück- treten wolle. Es läßt sich noch nicht übersehen, ob diese Behaup- tungen nicht nur ein Bluff sind. Während des Plenums— im Augenblick des Redaktions- schlusses spricht der Kommunist Höllein— finden u n u n t e r- brochene Verhandlungen zwischen dem Reichskanzler und verschiedenen Parteisührern statt. Roch 2 Uhr wird bekannt: Die deulschnatlonale Reichstags- fraktioa hat beschloflen. sich bei der Abstimmung über sämtliche Miß- trouensvolen der Stimme zu enthalte o. Damit Ist aller Wahrscheinlichkeit nach da» Schicksal des ka- binetts Luther besiegelt. Es hat keine Aussichlen aus eine Mehr- heil mehr. Fällt durch die hier angeordnete Entlassung der Vorstand einer Behörde oder der Leiter der Geschäftsabtei- l u n g einer Behörde aus, so übernimmt bis zur endgültigen Rege- � lung der dienstälteste Beamte die Geschäfte. Amtsverweige- rung wird mit dem Tode bestrast. Im übrigen sind die innerhalb eines Dienstbetriebes erforder- lichen Geschäfte hiernach durch den Borstand der Behörde derart zu regeln, daß der geordnete Dienstbetrieb aufrechterhalten bleibt. 8 S.� Li» zum Erlasien einer Verfassung treten au die Spitze der Regteruug in den Ländern die vom Relchsverweser ernannten und nur ihm veraalwortllchen Landesverweser, denen der Reich»- verweser hierdurch bis aus weitere» die volle Staalsgewalt für den Bereich der Staatsverwaltung überträgt. Zn derselben weise treten au die Spitzen der Provinzen. Be- zirke, Kreise. Gemeinden und Gemeindeverbände Amtsver- weser, die vom Reichs- oder Landesverweser er- nannt werden. Sobald eine solche Ernennung nicht bereit» er- folgt ist, üben die bisherigen leitenden Amtspersonen oder die nach § 4 Abs. 3 an ihre Stelle Tretenden diese Amlsverwesung aus. Diese Amtsoerweser sind al» Inhaber der örtlichen Be- sehlsgewall bis aus weitere» berechtigt, unter Beobachtung der in dieser Verordnung enthaltenen Grundfähe selbständig Anordnungen scder Art. auch Slrasandrohungen, je nach örtlichen Bedürs- nisten, zu erlassen. 8 6. An Stelle der nach 8 3 Abs. I aufgelösten parlamentarischen und sonstigen Vertrelungskörpcrschasten treten Beratung»- k ö r p e r. die von den Landesverwesern und den Amtsverwesern nach Ihrem freien Ermessen ohne Rücksicht aus lokale oder private Interessen lediglich nach Verdienst und Würdigkeit aus den sähigsten und charaktervollsten Männern ihres Zyständig- keitsberichs zu ernennen und zu berufen sind. Diese Röte sollen je nach Bedürfnis aus nicht weniger o<» drei und nicht mehr als 50 Personen bestehen. Unbegründete Amtsverweige- rung wird mit dem Tode best rast. 8 7- Den Landesverwesern und Amtsvorftehern steht bis aus weitere« das Recht zu. innerhalb ihres Amtsbereichs den ösfentlichen Bedarf, insbesondere an Geld, Rahrungsmilteln, Betriebsstossen. Bekleidung und Verkehrsmitteln durch Umlagen nach ihrem freien Ermessen auszuschreiben und mit ösfentlichen Zwangsmitteln beizutreiben. Regelung des Ersatzes bleibt vor- behalten. 8«., Im Interesse des Wflemeinwohls wird die öffentliche Arbeits- dienstpflicht und die össentliche hilsspolizeidienstpslicht angeordnet. Jeder Deutsche männlichen oder weiblichen Ge- schlecht» vom Iii. bis zum 30. Lebensjahr ist zum öfsentlichcn Arbeitsdienst: jeder Deutsche männlichen Geschlechts vom 18. bis zum 45. Lebensjahr ist zum öffentlichen Hilfspolizeidienst verpflichtet. Das zur Durchführung der öffentlichen Dienstpflicht Erforder- liche verordnen die Landes- und Amtsverwefer. Insbesondere sind verhanölungen in England. Bor einer Einigung? London. 12. Mai.(MTV.) Die angekündigten Be- sprechungen zwischen Verkrekera der Regierung und dem Generalrat de» Gewerkschaftskongresses sind heule kurz vor 12 Uhr aufgenommen worden. Hotfchast ües Generalrats. An die Arbeiter der Welt. London, 1?. Mol.(Eigener Drahtbericht.) Den Londoner Berichterstattern der ausländischen sozwlistischeo Presse erklärte der Presserefereut des Generalrols der Gewerkschaften: Die britische Arbeiterbewegung, die sich in einem ernsten wict- schastlichen Kamps sür die Verteidigung der Lebenshaltung der vrillschen Bergarbeiter befindet, sendet der europäischen A-beiier- klaffe ihre brüderlichen Grüße. Der Kamps ist nicht von uns gewollt worden. Er ist das Ergebnis einer bewußten Hcrans- förderung durch die vereinigten Kapitalisten, wir kämpfen nicht für irgend ein politische» Ziel. Unsere Akton ist voll ständig oersassungsmäßig in ihren Methoden und Forderungen. Sie kämpft lediglich und au-schließlich. um die eogllscheu Bergarbeiter vor einer unerträgllchea Herabsetzung ihrer Lebens- Haltung zu schützen. Da ihr Schaden ein Schaden für alle wäre nnd sed?» Leid, das die britischen Bergarbe'ter trifft, zu e'ncr Herabsetzung der Lebenshaltung aller Arbeiter Europas führen würde, so ist die britische Arbeiter- und Gemerkschaslsbewegung überzeugt, daß sie aus die volle Hilfe und Solidarilöl der europäischen Arbeiterschaft rechnen kann. In der Ueberzeugung, daß ein solcher Kamps sür die gesamte Zukunft der Arbeiterschaft Europas entscheidet, verkündet die britische Arbeiterbewegnng den Kameraden in Europa ihre Absicht, sür das große Prinzip f e st zu bleiben. Das einmütige Gefühl und die Kraft der britischen Arbeiter in der Durchführung dieses Kampfes ist eine wunderbare Bekundung des Willens, den Kamps auszusechten. Der Geist, in dem fle den Kamps führen, gibt den Kameraden in Europa die Gewißheit. daß sich die britischen Arbeiter gegenüber dem vollen Ein- sah der Bemühungen der Regierung und der Kapilalisten als u n- erschütterlich erweisen werden. » Das Ergebnis einer Gemeindewahl in einem Londoner Vorort ist ein bezeichnende» Stimmungsbild für die Mißstimmung gegen die konservative Regierung. Dort war ein konservativer Gemeinde- rot gestorben, der mit 994 gegen 522 Stimmen der Arbeiterpartei gewählt worden war. Bei der Ersatzwahl wurde der Arbeiter- kandida« mit 1041 gegen nur 377 Stimmen gewählt. Ausländische Unterstützungskelder beschlagnahmt. London. 12. Mal.(Reuter.) Der Gewer kschostsrat teilt mit, daß dl« omerlkanlschen. kä nadischen. sranzöslschen. deutschen und österreichischen Arbeiterorganisationen die sinanz'.etle Unterstützung der englischen Streikenden zugesagt haben. Dem Rat sei jedoch die Rachridjt zugegangen, dag die englische Regierung alle aus dem Auslände für den Rat angewiesenen Gelder ml» Beschlag belegk Hai. foforf Stammrollen unter Feststellung der derzestkgen BeschZstlgung aufzustellen. � Die Aushebung zum öffentlichen Dienst ist unabhängig von der ivcrtifl'tcllung der Stanimrolleii und geschieht bis auf weitere« nach freiem Ermessen der Amtsverweser je nach dem ort- lichen Bedürfnis. Die Aushebung ,um f?ilfspo!izeidienst hat sofort erfolgen, und rwar derart, daß jedem Amtsverweser innerhalb kürzester Frist ein die Ordnung und Ruhe des Bezirks sichernder Dienst zur Ver- sügung steht Anbcgründele Dienslpslichtoerweigtrung wird mit dem Tode bestrast. K 0. lieber das gesamte Reichsgebiet wird der velagerung»zustand verhSn-it. auf dessen Durchführungen die Bestimmungen de» Preußi- schon Gesejzes vom 1. Juni 1851(ÖS. 1S51 6. 451 ff.) sinngemäh .lnwendung finden. Für Bayern wird der Kriegszustand erklärt. Auster den in diesem Gesetz verfügten Beschränkungen sind b,s auf weiteres Beschränkungen der persönlichen /sreiheit. des Bech«, der freien Meinungsäusterung. Eingriffe in das Brief-, Vost-, Tele- grophen- und Aernsprechgeheimni», Anordnung v-m hau». such-.inien und Besch'agnahmen, sowie Beschränkung de» Eigentums austcrhalb der gesetzlichen Grenzen zulässig. 5 10. Bis zum Erlasse besonderer Verordnungen ist den Landes- und umisverwcsern die Ausführung des Belagerungs» zu st an des überkragen. Die Amtsverweser haben insbesondere di« zur Durchführung Be.agerungszuslandes und zur Ausführung dieser verorduung erforderlichen Siandgerichke sofort zu bestellen. Stondgerichle sind nach dem freien Ermessen der Landes- und Amtsverweser in der erforderlichen Anzahl cinzurich-en. . stede» Standgericht besteht au» drei unbescholtenen Personen monn'ichen Geschlechts, die über 30 Zahrc alt fein müssen. Den Bor- ich führt ein aktiver oder in Ehren verabschiedeter Of s|j j e r oder»lne rcchlekundige perfon. Der Angrschuldigle ho» rg» chechl, einen Beistand zu verlangen. Da» Standgericht hat inner- halb 24 Stunden nach Ergreifung des Angeschuldigten zu entscheiden. Das Urteil kann nur auf Tode» st rase oder Frel- sprcchung lauten. Rechtsmittel finden nicht statt. Es ist durch Erschienen, im Falle ehrloser Gesinnung durch Erhängen zu vollstreSen. Z n. Bis auf weiteres ist die preffesreiheit ausgehoben. Zeitungs- l.nternehmunge» und Unternehmungen von Druckereierzrugntlsen jeder Art, von denen nach ihrer bisherigen Betätigung anzunehmen ist, dost sie der Neuordnung der Dinge»nigegeniretcn, sind sofort ?u schliesten. Ihre Einrichtungen find im Znterrsse der Allgemein. heit zu beschlagnahmen. Für dl? durch diese Bestimmung nicht betroffenen Zeltungen, Zeitschriften und Lerlagsanstalten wird bis auf weiteres verordnet, daß jede der Regierung und ihreir Maßnahmen abträgliche Aeußcrung neben der Bestrafung der verantwortlichen Personen mit entschä- digungsloser Enteignung de» Verlages geahndet werden wird. 8 12. Da« Bere'ns- und Borsammlungtrecht ist bi« auf w.lteres aufgehoben. Alle Parteien und olle politischen Slerein». auch solche, die hinter anderen Zwecken politisch- verbergen, sind aufgzlüst. Ihre Vermögen sind beschlagnahmt. Alle Arbeitgeber- und Arbestnchmorverbände sind ausgelöst. ?hre Vermögen sind beschlagnahmt. ß 13. 5eb« Aussperrung seitens des Arbeitgebers und jede tkiaslel- lung der Albeitn'hmer wird mit dcm Tod? bejtrafl. Wer Arbeitgeber oder Arbcisnehmer mündlich, schrlfllich oder durch Handlungen sonstiger Art zu Aussperrungen oder Arbeit». e'mslellung aussordert. wird mit dem Tode bestrask. Da? gejcmte bewegliche und unbewegliche Vermögen der in Deutschland aushültlichcn Angehörige» de» jüdischen Volkstum» ist beschlagnahmt. Das gesamte bewepliche»nd unbewegliche Vermögen offen- kundiger oder nachweislicher Wucherer und Schieber ist beschlag- nahmt. 8 15. Wer Vermögen oder Bermögensanteile, die nach dieser Ver- ordnung zugunsten der Allgemeinheit beschlagnahmt sind, zu ver- heimlichen, zu verbergen, zu verschieben oder sonstwie beiseite zu bringen und der Beschlagnahme zu entziehen sucht und wer hierzu Hilf- leistet, wird mit dem Tod? bestraft. Tragöüie öes Alltags. Von Max Spanier. Karl kam nach Haue. Warf seinen Schal ob, schmiß sein« Mütze in die Stubenecke und fluchte. Spuckte durch'» offene Fenster in den Hos:„Und jetzt?" Sech» hungrig« Gesichter saßen um den Tisch und starrten ihn an.„Auch du?"—„Fragt nicht! Warum ich nicht, wo doch alle." Ein leibhaftes Wesen stieg au» dem Dunkel, setzle sich zu ihnen an den Tisch. Sein Alem umsäuselte sie, daß ihr« Stirnen sich senk- ten und ihre Augen sich trübten. Sein« Stimme sprach lauter. Sie vernahmen deutlich seine Prophezeiung. Die Flamm«, die au« dem Herde schlug, malte das Grausige blutigrrt. Und die Nacht, die vpr dem Fenster die Welt oerbarg, gähnte wie ein Grab. „Noch ist der Vater da," tröstet« die Mutter lächelnd, um Mut zu zeigen, obwohl sie selbst hossnung»lo» war, in ihrem Leibe der Schmerz sich groß sraß. Und dann— nach Wochen— kam der Vater. Sie hörten'» an seinem schleichenden Schritt, lasen'» aus seinen verweinten Augen, von den wutverzerrten Lippen. Seine geballte Faust schlug schmetternd auf den Tisch:„Auch ich!"—.Auch du?" Di« um den Tisch erschraken, horchten nach der Tür. al» müsse der Heiland«in- tieten und sprechen: Ich sättig« euch. Und jetzt? Der Pater hielt sich die Ohren.zu, um nichts zu hören. Grete! näht- ihrem Goldröschen ein neues Kleidchen au, alten Läppchen. Adolf hockt« am Fenster und brütete Phantasien. „0 ja." höhnt- Karl und reckte sich..Der Himmel wird un« schon helfen." „Nirgendwo gibt e« Arbeit." „Wenn ich Seid hätte, würde ich»In« Bäckerei anfangen." „Wir müssen un» mit Rußland verbünden," meinte Theodor, „Das kann uns retten." „Wieder Krieg ansangen: eher wird's nicht bei!«.* „Früher mar'» doch so schön.... Kommt d«r Kaiser nicht balh wieder?" fragte Gretes. .Du bist wohl ganz dämlich." schnauzte der Vater. „So einen Gemüseladen wl« di« Nachbarin.... Best« al» nichts," meint« die Mutter. „Ja, wenn wir Geld hätten!" „Ich würd« mir ein Photy kaufen und di« schönen Leute in den Restaurant» photographieren, Do, wäre etwa» für mich," träumte Adols. .Dann wär« un« ollen geholfen." .Warum gerade wir?" D-e Bater richtet« sich steil aus..Ich bi» unschuldig. Und du, und du, und du?...." „Aus wo» warten wir?...." .Bis wir krepieren." D« stämmig« Karl«arf sich über da» Bett, schlug mit den Händen und schluchzte,__ § 16. Das nach dieser Verordnung beschlagnahmte Vermögen ver- waltet bis auf weiteres der örtlich jeweils zuständige Amtsverweser al» Treuhänder des Reiche». 8 17. (Ist gestrichen.) Z 18. Bis auf weitere» wird dle allgemeine verkehrssperre angeordnet. Der gesamte Eisenbahn-. Lust-, Kraft-, Post-, Posttelegraphen- Und Telephoaoerkehr wird eingestellt, soweit er für den Bedarf der Reichs- und Staot»gewalt und für die lebensnotwendigen Erforder- niste nicht aufrechierbalten bleibt. Sämlliche kraslvcrkehrsmlllel nebst den Belriebsflosfoorräten sind beschlagnahmt. Die Amts- vcrweser treffen sofort Bestimmungen darüber, wohin di» Abliefe- rung der beschlagnahmten Verkehrsmittel zu erfolgen hat. Anträge auf Freistellungen oder Rückgabe sind nach freiem Ermessen sofort zu erledigen Nicht abgelieferte Kraftoerkehrsmittel werde» ent- schädigungslo» enteignet. Im übrigen bleibt Regelung des Ersätze» aus össcntlichcn Mitteln vorbehalten. 8 IS. Bis auf weiteres wird die allgemeine Bankensperre angeordnet. Der gesamte Bonkenoerkehr untereinander und mit den Kunden wird eingestellt. Auszahlungen finden nur zum Zwecke der Deckung von Haushaltskosten und Löhnen statt. Die Amtsverweier treffen nähere Anordnungen über Zulässigkeit, Höhe und Nachweis der Srhebungsberechtigung. Der Bekehr an den Börsen ist bis auf weitere» geschlossen. 8 20. Die Veräußerung beweglichen und unbeweg- lichen Vermögen», auch im Wege der Schenkung, ist b i» aus weiteres oerboten. Dieses Verbot erstreckt sich insbesondere auf Akte der freiwilligen Gerichtsbarkeit, des notariellen Verkehrs und(olche Entscheidungen von Gerichts- und Verwaltungsbehörden, auf Grund deren Uebcrtragungen von Gegenständen od« Rechten erfolgen. Verbotswidrsge BerLußerungsgeschäft« sind nichtig. Da» au» solchen Geschäften Geschuldete fällt der Retchskaste zu. Ausgenommen von diesem Verbot sind alle Geschäfte des täg- lichen Bedarfs, soweit sie nicht der Lususfteueroerordnung nach der bisherigen Gesetzgebung unterliegen würden. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen in Abs. l werden an jedem Teilnehmer mit dem Tode bestraft. 8 21. Alle bisherigen Preisvereinborungen und Preisverab- redungen sind aufgehoben und bis auf weiteres oerboten. 8 22. Alle Luxu»stätien und Luxusbetrieb« sind zu schließen. Das Nähere hierzu oerordnen je nach den örtlichen Verhältnissen di« Amtsverweser. 8 23. Sämtliche Waffenhandlungen sind zu schließen und stehen zur Verfügung der öffentlichen Gewali. Unbefugter Waffen- besitz wird mit dcm Tode bestraft. 8 24. In Gewerbebetrieben oller Art, di« durch Ausführung dieser Verordnung ihren Unternehmer oder Betriebsleiter verlieren, hat, sofern keine anderweitig» Regelung erfolgt, der dienstälteste Direktor. Prokurist oder Handlungsbevollmächtigte unter Verant- wortlichkcit gegenüber der ossertllichen Gewast die Gefchäftsleitung ZU übernehmen. Anzeige hierüber ist an den örtlich zuständigen Amtsverweser zu erstatten. 8 25. Außer den In dies« Berordnunq genannten Bergehen(§ 3 Abs. 2. ij 4 Abs. 3 und§ 4 Abs. 6. 8$ Abs. 6.§ 13.§ 15. 8 17 Abs. 3 und 4. 8 19 Abs. 3. S 20 Abs. 3.§ 23 Abp,§ 24 Abs. 2) werden mit dem Tode destrast: 1. alle Bnbrechen und Bergehen gegen die Person de» Reich». verwcser» und der Mitglieder der von diesen ernannten Reichsregie- rung. der Landesverweser und der Mitglieder der von diesen er- nannten Landesregierungen sowie der Amlsoerwes«: 2. alle Unternehmungen, welche auf Berhlnderung. Umsturz oder gewaltsame Aenderung der neuen Slalasordnung gerichtet sind: 3. Landesverrat: Da fchrl« jemand laut, und sie horchten auf. Die Zeitungsfrau war's mit dem Abendblatt. Da stand unter Tagesneuigkeiten, fett. gedruckt..... Der Vater los vor: In der Kurzgass« wurden heut« früh der Hilfsarbeiter Knock mit seiner Frau und seine» fünf Kindern tot aufgefunden. Der Gasschlauch.... Die Köpf« senkten sich stumm zueinander. Neun Stimmen schau- ten andachtsvoll ins Licht. Auch der fremde Gast in ihrer Mitte richtete sich auf. Ihre Augen umarmten sich brüderlich, und ihre Hände vereinten sich, um beieinander Kraft und Trost zu finden. Di« Sirene einer fernen Fabrik zerriß die Stille. D« voter stand auf. und seine Söhne folgten ihm. Au» ihren Leibern brach ein Wort und ballte sich zu einem Willen: Nein und nein. flu« üer Geschichte üer Norüpolfiüge. Der glücklich gelungene Flug des amerikanischen Fliegers Ka- oitän Byrd über den Nordool verwirklicht endlich eine«Sehnsucht oee Menschheit, di« siÄan mehr al» 2000 Jahre alt ist. Ist doch der Grieche Pythea» der stzste gewesen, d« um» Jahr 325 v. Chr. nach der„ultima Thüle" aufbrach, um nach dem nördlichsten Punkt unseres Erdball» zu gelangen. Freilich ihm ebensowenig wie den zahllofen anderen kühnen Forschern, die nach ihm kamen, ist es osfchieden gewesen, die» Ziel zu»rreichen. Die Schwierigkeiten, di« sich auftürmten, waren so rtelengroß, daß sie die menschlichen Kräfte überstiegen, und e« bedurste erst der Eroberung der Luft durch den Menschen, bevor da» Ziel der E«»ichung de» Nordpol» in greifbare Nähe gerückt wurde. E» war«in naheliegender Ge- danke, daß die Polarforschung ihre Ausmerksamkeit auf den Lust- weg richtete, um auf ihm die Eroberung des Pols durchzusetzen. Sind doch die Polarreisen stet» die am längsten dauernden und die anstrengendsten gewesen. Man hat mit derartigen Versuchen nicht gewartet, bi» sich im lenkbaren Luftschiff und im Flugzeug wirklich brauchbare Apparate darboten, sondern der ungeduldige Eifer der Menschen hat schon früher mit unzulänglichen Mitteln derartige Versuche unternommen. Der bekannteste unter diesen Vorläufern de» Polarsluges war der schwedisch« Professor A n d r ö, der vor drei Jahrzehnten die Welt durch den Plan in Aufregung versetzt«, mst einem Freiballon von Spitzbergen au» nach Alaska zu gelangen und dabei den Nordpol zu überfliegen. Die schwe- dische Regierung interessierte sich für dieses Unternehmen! ander« Länder sagten ihre Unterstützung zu, und so traf dieser sanatische Apostel der Polareroberung sein« Vorbereitungen. Andre war ein Gelehrter, der die theoretijchen Grundlagen der Polarforschung beherrscht«, ober er war kein Praktiker, und sein Plan war so phantastisch, haß er pon einsichtigen Männern schon damals zun, Scheltern verurteilt wurde. Di« Reise, die Andre im Freiballon durchführen wollte, erstreckte sich auf mehr als 3000 Kilometer, während noch niemand vorher damit mehr al» 300 Kilometer zurückgelegt hotte. Als er daher 1897 den Aufstieg von der Nord- westeck« Spitzbergens unternahm, wurde von ihm und seinen beiden Begleitern inchis mehr gehört, und die verschiedenen ausgesandten Stettunasexpeditionen konnten nur dürftig« Spuren der Verschplle- neu«nidecken. 4. Diebstahl(§8 242 fs.) und Hochoerrok(8 2S8b): 1 5. alle Fälle d?» Wuchers(88 302a bis 3028 des StGB.): 6. Beamtenbestechung(§§ 331 bis 335 StGB.) und der AmtSz Unterschlagung(§ 350 ss. StGB.). Teilnahme, Bersuch und Be-l günsiigungcn werden wie Täterschaft bestrast. Alle mit dem Tode bedrohten Verbrechen und Betgehen werde» slandgerichtlich abgeurteilt(vgl. 8 10). 3n jedem Falle der Berurteilung zur Todesstrafe«folgt Ein. ziehung des gesamten beweglichen und unbeweg. lichen Bermögen» des B«urteilten zur Reichstass«. Wegen Berwaltung diese» B«mögens gilt bis aus weiteres das in 8 16 Angeordnete. Amnestien und Berjährung sind wirkungslos, srüh«e Ber. vrteilungea sind aufgehoben. 8 27. Wer vom Reichsverwescr in R e i ch s a ch t getan wird, genießt in Deutschland keinen Rechtsschutz. Wer in Reichsacht Erklärten Hilfe leistet, wird mit dem Tode bestrast. § 28. Alle mit der Durchführung von Ruhe und Sicherheit beauf- tragten Personen, Beamten, Angestellion und zugezogenen Hilfs- kräfte sind berechtigt und oerpflichtet, jedem Widerstand gegenüber von d« Waffe Gebrauch zu machen. 8 29. Zw übrigen bleibe« die bisherigen Gesehe in Kraft, soweit sie nicht dieser Berordnung und den nachfolgenden Erlasien wider- sprechen od« ausgehoben werden. Die Träger der Staatsgewalt. Reichsvnwefer und Landesver- «es«, können alle Akt« der Gesehgcbung. Berwaltung und Rechtsprechung. die seit dem Rovemberverbrechen des Jahres 1916 ergangen sind, nachprüfen und abändern. Sie sind durch dle Rechtskraft von Entscheidungen nicht gebunden. 8 20. Dies« Verordnung tritt unter dem heutigen Tage mit ihrer Ver. tündigung in Kraft. Umfassenöe Gegenaktion üer GehorÜen. Auflösung putschistischer Verbände.— Weitere Hans« suchungen im Rheinland.— Hngenberg, Clast, Nicolai» Kirdorf verdächtig. lleb« dle Schritte d« Behörden und das Ergebnis d« Durch- suchungen wird mitgeteilt: Bei dem preußischen Ministerpräsidenten Braun fand heute eine Bespeechung statt, an der Polizeipräsident Grzesioski und der teil« der Abteilung I» des Polizeipräsidiums. Regieruags- dlreklor windlsch. teilnahmen. Minister Severing tst zurzeit auf selaem sechswöchigen Urlaub außerhalb verlin». Las bei den umfangreichen Durchsuchungen von d« politischen Polizei gefundene Material hat die preußische Regierung ver. anlaßt, die sofortige Auslösung dn völkischen„Sport- Vereinigungen" Werwolf, Wiking und Olympia zu be- schließen. Da» Auflösungsdekret wird voraussichtlich noch heul« unterschrieben werde« und In Kraft treten. Der Führer der Olympia. Oberst von Luck. wurde die ganze Rächt hindurch aus dem Polizeipräsidium vernommen und dann oorläusig in host behatten. Er befindet sich im polizeigesöngnl» am Alexauderplatz. v« bei ihm beschlagnahmte Ausmarschvlan gegen V«lla tst von einem Mitglied der Olympia ausgearbeitet worden. Heul« vormittag sind eine ganze Reihe von weiteren hau». suchungen vorgenommen worden, und zwar bei t m politischen Leben sehr bekannten persönltchkelten. deren Ramen tm Znleresie der Untersuchung noch nickst genannt werden können. Unter den Führern der rechlsradlkaten Kreis«, die gestern den überraschenden Besuch der Polizei erhielten, besindet sich auch der durch seine Tätigkeit ln und nach dcm Kriege vielgenannte Oberst Rlrola«: nach den dem Polizeipräsidenten zugegangenen llnsor- matlonen sollte er im putschfall« die Berteiiuug der Wassen an die wehrverbände übernehmen. Die Haussuchung bei Ihm förderte jedoch keinerlei belastende» Material zutage, wie wir weiter erfahren, ist die Polizei bei Seitdem ist der Plan, den Nordpol durch den Fing zu er- reichen, nicht mehr zur Ruhe gekommen. Der nächste Versuch de» Amerikaners W e l l m o n. der einen Lenkballon von sehr ktzongel» Haft« Konstruktion benutzte, wurde mit mehr Reklame als Stich» kenntnis unternommen. Aber seine Anstalten, die von 190« bi» 1909 die Welt in Atem erhielten, haben doch viel dazu beigetragen, diesen Gedanken der Menschheit nahezubringen. Es war Welmans Glück, daß er bei seinen Aufstiegen stets Mißgeschick hatte, sonst wäre er sicherlich dem Schicksal Andres nicht entgangen. Unter» dessen gestatteten di« Fortschritte der Flugtechnik, den Plan auf wissenschaftlicher Grundlage zu erörtern. Die bedeutendsten Arbeiten in dieser Hinsicht sind von dem Grafen Zeppelin in gemein- sainer Arbeit mit dem Meteorologen Hergesell geleistet worden. Die beiden unternahmen 1910 eine Studienreise nach Spitzbergen. um die Witterungsverhöttnisse zu erforschen, und wenn auch die Ausführung ihrer Absichten durch den Krieg verhindert wurden, so haben doch die eingehenden Denkschriften, die von der Berliner Gesellschast für Erdkunde ausgearbeitet wurden, erst die Grund- lag« geschassen, aus der nach dem Kriege weitere Nordpolflugver- suche unternommen werden konnten. In den letzten Jahren war hauptsächlich A m u n d s e» der Träger dieses Gedankens, und lein Name wird in der Geschichte des Nordpoliluges stet» an erster Stelle genannt werden, wenn es auch nun freilich einem andcren gelungen ist, al, erster diese» so sang« umkämpste und ersehnte Ziel zu«rreichen. Segen die körperliche Züchligtrng in der Erziehung wendet sich der„Bund entschiedener Schulreformcr" nochmals in einem Schreiben an den Minister für Wissenschaft. Kunst und Volks- bildung. Hierin wird nochmals verwiesen aus ein- Eingabe vom April 19Z2 an dle Bolksbildungsministerien sämtlicher deutscher Länder, in der die Stellungnahme de, Bundes entschiedener Schul- reformer zu den Schulstrofen eindeutig sestgelcgl ist:„Soweit „Strafen" unerläßlich erscheinen, müssen sie in unmittelbarem fach- lichen Zusammenhang mit dem Erlebnis stehen, die Wiedergutmachung eine» Fehlers bezwecken oder einen Persönlichkeitsmaiigel des Jugendlichen(am besten durch Selbsterziehungl zu beseitigen suchen. Wo kein Schaden entstanden oder keine Wiederholung zu befürchten lst, ist„Strafe" ein Unsinn. Kein« Strafe wirkt erzieherisch, wenn nicht der Schüler den Zusammenhang zwischen der„Strafe" und seinem Vergehen einsteht, dos Verfahren al» unooreingenomnien anerkennt»nd sich innerlich unterwirft. In ihm muß also der durch Ersahrnngen erworbene Glaube lebendig sein, daß sein Lehrer gütig und gorecki ist, und daß die Sckiule seinem sjlllich-menschlichen Wachs- tum»nd Wohlergehen dient. Dazu mich sie mehr mit Geboten als mit Verboten, mehr helfend als strafend weiten. Das schlteßl nicht aus, daß die Gewalttat eine» mit Bewußtsein gewaltsam vor- gehenden Menschen durch Gewalt paralysiert wird, körperlich», geistige oder seelisch« Züchtigung jedoch ist unter allen Umständen zu verwerfen." T«»klirsil«rfefl l??S ln Ehemnih, AIS Feflsladt für daZ 5«. Tonkfinller- feit de» Allgemetnen Deutjchen Nusitrereins wurde Chemnitz erwähn. Dt« flestwsche»tun»5.— SS. Mai dringt drei Oichefter» und»wit cksinmerlonjerte. Da» Programm zeigt auSjchll-dlüh ztUg«nössische nusitowte. zahlreichen fahrenden persdnNchkelten der W l r k- schast. auch auherhalb Berlins, gnvcsen. in Berlin war sie unter anderem in der Wohnung des Nationalökonomen pro, fessor Bernhardt. Vor allen Dingen haben sich die Ermittlungen der politischen Polizei aus die g e h e i m n i s v o l le Rolle, die wirtschastssührer im Ruhrgebiet in dem von den WehrverbSnden geplanten putsch zu spielen scheinen, erstreckt. Es sieht fest, daß wohl auch der bekannte Ruhrindustrielle Kirdorf in Essen der Polizei verdächtig erscheint, denn bei ihm fand ebensalls eine Haussuchung statt. Die Nolle von Claß.— hngenberg als viktator. Bei den Durchsuchungen hat man auch einen interessanten Briefwechsel beschlagnahmt, den der Geh. I u st i z r a t C l a ß. der bekannte Führer des Alldeutschen Verbandes, mit politi- schen Persönlichkeiten, W i r t s ch a f t s s ü h r e r n und höheren Militär» a. D. geführt hat. Aus der Abschrift eines Briefe» an den früheren Kaiser nach Doorn ergab sich, daß Geheimrat Tlaß erklärt hat, er sei mit seinen Getreuen in unerschütterlichem Willen am Werke, in dem gereinigten und befreiten Batcrlande das hohenzollern- Kaisertum in erhöhtem Glänze aufrichten zu helfen. Der ehemalig« Kaiser hat die Bemühungen de, Justizrats Claß durch einen Brief belohnt, in dem er ihm für seine Bemühungen seine Anerkennung zollt. Gleichzeitig hat er ihm sein Bild gewidmet. Tlaß hat sich jedoch nicht nur auf einen Schriftwechsel dieser Art beschränkt, sondern er hat auch genau« Pläne aufgestellt, um zunächst die Diktatur auf Grund de» Artikels 48 der Reichs- Verfassung zu erreichen. Das geht aus einem Brief an den Sohn des Reichspräsidenten, Mafpr v. chindenburg, hervor, in dem Claß bemerkt, daß der Parlamentarismus zurzeit abgewirtschaftet habe und nur die Diktatur noch helfen könne. Luther sei als Diktator teinesweg der geeignete Mann, da er durch Locarno das Vertrauen der vaterländischen Kreise un- wiederbringlich verloren habe und seine offensichtliche Unwahrheit ihn in den vaterländischen Kreisen unmöglich mache. Luther könne daher niemals zu einer Diktatur eine Mehrheit im Reichstag finden, der Mann, der sie finden könne, se, vielmehr unter eingehender Anführung seiner Vorzüge einzig und allein chugenberg, der ein staatsmännischer Kopf größten Formats wäre. In einem anderen Brief erklärt Claß. daß eine Diktatur Luther- Strefemann das letzte Unglück wäre, das unser Vaterland tragen könne. Ehrharöt, vüfterberg, Suchrucker geflohen! In Ergänzung der Pressemeldungen über die Vorbereitungen der Rechtsverbönde für einen putsch erfährt der Rcichsdiens« deutscher presse von bestinsormierter Seile: Zu den allgemeinen Nachrichten, die dem preußischen Innen- Ministerium und den polizeistellen zugingen und die gestrigen Haus- suchungen veranlaßlen, kamen bestimmte Informationen noch hinzu, daß Kapitän Ehrhardt und Oberst Düsterberg vom Stahlhelm seit eiuigen Tagen unausslndbar seien und sich zumindest vorübergehend in verlin ausgehalten hätten. Außerdem ist Majorvuchrucker.der bekannte Führer der Schwarzen Reichs- wehr, seit einigen Tagen von der Festung Gollnow. wo er seine Festungshaft verbüßt, beurlaubt worden, und war e b« n f a l l, nicht zu ermitteln. Der Kampf um Sie Schule. Zur Vorbereitung auf die am 6. Juni zu vollziehenden Elternbeiratswahlen fand am Dienstag eine Konserenz von SPD.» Elterbeiräten und Funktionären der Partei und der Gewerkschaften statt. Neichstagsabgeordnetcr Schulrat Genosse Dr. L ö w e n st e l n» Neukölln gab einen Ueberblick über die z u r Lösung drängen- den schulpolitischen Fragen der Gegenwart. Eine zielklare Schulpolitik muß, so führte er aus, Realpolitik sein. Sie soll dem werdenden Geschlecht einen neuen Inhalt geben, darum darf sie nicht auf das Heute gerichtet sein. Den jungen Menschen muß sie auf das Morgen vorbereiten, das aus der Entwicklung der Pro- duttion und der Gesellschaft sich ergibt. Die Schule l st in u n- serer Zeit ein Faktor von hoch st er Wichtigkeit sür das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben geworden. Zur Schulpolitik»miß daher die Arbeiterklasse eine ganz andere Stellung einnehmen als bisher. In anderen Paneien erkennt man die Bedeutung der Schulpolitik viel besser; die ganze Reaktion legt auf sie ein außerordentliches Gewicht. Die Schulpolitik Hai im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Entwicklung eine so hohe Be- deutung erlangt. Durch die heutige Produktioneweise ist die Ab- hängigkeit der Menschen von einander radikal geändert worden. Die Gemeinschaftsproduktion legt dem einzelnen eine hohe Bcrantwor, tung auf. Aber die alte Schule mit ihrem Auroritätsprinzip kann nicht zum Verantwortungsgefühl erziehen. Im Staat ist die Monarchie durch die Republik abgelöst worden, in der Schule muß die Unterordnung durch die Einordnung abgelöst werden. Wir brauchen in unseren Schulen«ine Erziehung zu den demokratischen Formen des Lebens. Auch Erziehung zur Wirklickkeit ist nötig. Sie kann Menschen sonnen, wie der heutige Produktionsprozeß sie fordert. Genosse Löwenstein ging dann auf die Personal- Politik im Schulwesen«in, die sür die Macht über das Schulwesen von großer Bedeutung ist. Im Unterrichtsministerium findet man viele Männer rechtsstehender Parteien, aber nur ver» einzelt auch Sozialdemokraten. In Berlin wird der unbesetzte Stadt- schulratsposten im Nebenamt durch einen deutschvolksparteilichen Stadtrat verwaltet, den in Krankheitsfällen eine deutschnational« Stadträtin vertritt. Dies« Zustände darfd'e Arbeiter» beoölkeruna nicht länger dulden. Im Schul- und Er- ziehungswefen kommt es neben der wissenschaftlichen Leistung dach auch aus die Gesinnung an. Hier den Einfluß nationalistischer Gesinnung noch zu stärken, ist geradezu Selbstmord. Sehr wichtig ist auch die Frage der Lehrerbildung. Dem Nachwuchs der Arbeiter- klasie versperren wirtschaftliche Hindernisse den Lehrcrberuf. In der Organisation des Schulwesen, oerdient die A u s b a u s ch u l« be- sondere Förderung. Sie ist, wie die Aufbauschule Neuköllns zeigt, anderen Schularten nicht nur gleichwertig, sondern sogar überlegen. Auch die weltliche Schule gehört zu unserem Schulprograinm. Sie entspricht unserer Forderung, die Kinder zur veranwor» tungsbewußten Einordnung zu erziehen. Der Redner betonte zum Schluß die starke politische Auswirkung, die von dem Ergebnis der Elternbeiratswahlen zu erwarten ist. Es darf nicht durch Nachlässigkeit verschuldet werden, daß sie eine Stärkung der Reaktion bringen.Di« Masse der Elternschaft wird unser« Schul- Politik wollen, weil ste in der gesellschaftlichen Entwicklung liegt. (Lebhafter Beifall.) Genosse Schröter sprach sodann über die Elternbeirat,- mahlen. Er warnte vor einer Unterschätzung der sich ch r i st l i ch° unpolitisch nennenden Gruppe, die gut organisiert sei. Besonders gegen diese Schutztrupp« der Reaktion müsse der Kampf sich richten. Bei den vorigen Elternbeivaiswahlen ist unseren Gegnern die Sache dadurch sehr leicht gemacht worden, daß wir in vielen Schulen keine Listen aufstellten. Das darf sich diesmal nicht wieder» holen. In der sich anschließenden Debatte betonten alle Redner, daß bei diesen Elternbeiratswahln die ganz« Kraft ein gefetzt werden muß. Angenommen wnrdetl zwei von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer beantragte Erklärungen. Die eine sorderf, daß im„Vorwärts"' die Kultur- und Schulpolitik mehr Raum als bisher erhalten möge. Die andere weist die sozialdemokratische Fraktion dos Preußischen Landtages auf die Perjfonalpolitik des Un- terrichtsministeriums hin und ruft gegen diese Entrechtung unserer Partei zur Abwehr auf. Mit einer Mahnung zu regster W« r h e a r b« i t schloß der Borsitz?nde, Genosse K ü n st l« r, die gut besuchte Konferenz. fluf der Suche nach dem Strausberger Mörder. Aufgebot der.großen Fahndungsstreife. Zur Aufklärung de, Skrausberger Mordes und zur Ermittlung des verdächtigen Mannes, der dem Charlottenburger Kaufmann an der Zentralmarkthalle eine goldene Damenarmbanduhr und«inen Halsschmuck anbot, hat die Mordkommission die ganz« groß« Streif«, 460 Mann, aufgeboten. Die Beamten suchten gestern und in der vergangenen Nacht all« Lokale, Kaschommen. Koller usw. aus und fahndeten nach der beschriebenen Person, fanden sie aber nicht. Ein„Wurstmaxe" teilte mit, daß auch ihm ein Plann mit zerkratztem Gesicht Schmucksachen angeboten habe. Ob«s ober dieselben sind, die der Charlottenburger Geschäftsmann zu kaufen ablehnt«, steht nicht fest. Die Nachforschungen werden heute energisch fortgesetzt. Es ist aber auch, wie wir gestern schon andeuteten, möglich. daß der Mörder seine Beute in Berlin bereits verkauft hat und daß er mit dem Erlös wieder in die Umgegend oder die Provinz gegongen ist. Auch nach dieser Richtung sind alle Maßregeln getroffen. Die Schulserlen sind für Großberlin und für Potsdam, Nowawes, Sirausberg, Bernau und Velten im Schuljahr 1926/1927 so festgesetzt(Tag des Schulfchlusses bis Tag de» Schum i iangs): Osterfericn 31. März bis 13. April, Pfingstferien 21. Mai Ms 1. Juni. Sommerferien 2. Juli bi, 10. August, Herbstserien 1. Oktober bi, 12. Oktober, Weihnachisserien 22. Dezember bis 7. Januar, Osten ferlenanfang 8. April 1927. In der Mark Brandenburg ohne die obengenannten Ort« liegen die Oster-, Pfingst» und Weihnachts- fcrien ebenso, dagegen enden dort die Sommerferien schon am 3. August und die Herbstferien erst am 19. Oktober. Ttatnadsen überfliegt den Nordpol. Flaggenabwurf über dem Pol. Oslo, 12. Tltal, vormittags. Wie hierher gemeldet wird, traf aus k i n g b a y um S4 Uhr früh die Nachricht«in. daß Amundscn» Polluftschiss.Norge" den Pol um 1 Uhr erretcht hol. Als die Lcob- ochlungen ergaben, daß sich das Schifs über dem Pol befand, ging man In Erdnähe, stoppte und warf die norwegische Flagge auf den Pol hlnab. Amundsen vollzog diese Handlung persönlich, weiter wurden noch die amerikanisch« und die italienische Flagge abgeworfen.. Am Pol mar leichie» Nebelwetter festzustellen. New Port, 12. Mai. Der Korrespondent der„New-Vork- Times", der sich an Bord des Amundsenfchisfes befindet, meldet durch Funkspruch um l-aß. Uhr, daß sich das Schiff auf 10 Grad östlicher Läng« und 86 Grad nördlicher Breite befindet. Die Temperatur stand 10 Grad unter dem Gefrierpunkt. Dos Tempo betrug 92 Kilometer in der Stunde, die Flug- höhe 570 Meter. Das Wetter war durchaus günstig, die Möglichkeit zu intensiver Beobachtung gegeben. Der Korrespondent schildert den Anblick als„unbeschreiblich großartig". Gewaltig« Eismasien wurden gesichtet. Wie weiter gemeldet wird, nahm d>« „Norge" nach dem Flaggenabwurf Kurs südlich nach Barras. Auch hier wurden riesig» Eiskomplex« sestgeftellt. Das Wetter Ist gut. Wie die„Associated Preß berichtet, gab di«.Norge� einen Funkspruch ab, in dem sie ihren wohlbehaltene» Flug über dos Poloreis mitteilt. Amundsen beabsichtigt, länger« Zeit wegzu- bleiben,»m gründlichere Beobachtungen anstellen zu können. Ge- fahren für die Polarfohrt können ollein durch eoeuiuell austretend« Nebel eintreten. Nach der Erklärung des Kapitäns Nobile war«Ine Landung am Nordpol nicht beabsichtigt. 9er Kampf i Koch gegen bei Vor Bvginn der heutigen Reichstagssitzung läuft das Gerücht durch di« Wandelgange, daß der Reichskanzler bereits sein« Demission gegeben habe. Dieses Gerücht er- weist sich aber al» falsch, da gleich nach der Eröffnung der Sitzung durch den Präsidenten Lobe um 11 Uhr Reichskanzler Luther und neben ihm noch einige andere Mitglieder des Kabinet!» die Plätze auf der Regierungsbank einnehmen. Di« Tribünen sind wiederum sehr stark besetzt, der Eitzungssaal beginnt sich erst zu füllen, als der Redner der Demokraten das Wort nimmt. �bg. koch(dem.) Der Führer der Demokratischen Partei setzt sich w, Anfang semer Ausführungen mit den Vorwürfen auseinander, di« gestern sowohl von den Deutschnationalen wie von den K o m m u n i st c n gegen seine Fraktion erhoben worden sind. Aus der einen Teste habe man ihr Haltlosigkeit vorgeworfen, Gras Westarp dagegen habe Protest gegen die Tyrannei und die übertriebenen Ansprüche der Demokraten eingelegt, er habe dabei nicht nur den Kanzler be- müht, sondern sich auch noch an andere Stellen gewandt. (Hört! hört! linke.) Ein Wort an di« Sozialdemorratssche Partei(unter stürmischer Heiterkeit ruft der völkische Abgeordnete v. Gräfe:„Vorsicht!") Wenn wir die Sicherheit hätten, daß di« Srzialvemokratie so talkräftia wie am Sturze der Regierung auch dazu bereu wäre, an der Bildung einer neuen Regierung mitzuwirk«», dann wären di« Gefahren, die mit der Herbeiführung einer Krise verbunden sind, weniger groß gewesen. Darüber bestehe Einigkeil, daß di« Schwierigkeiten einer Partei, an tiner Regierung teilzuhaben, an deren Spitz« ein unpolitischer Kanzler steht, nicht gering sind. Die Demokraten hätten nicht ohne schwer« Sorge die Krise verfolgt, die der Reichskanzler durch sein unüberlegtes vorgehen herbeigesührt hol. ohne Rücksicht aus die außenpolitisch«, wirtschaftliche und Handels- polnische Situation. Nur unser« Bedenken, daß wenn man auf diese Dinge nicht genügend Rücksichten nähme, di« Schwierigkeiten noch vergrößert werden würden, haben uns veranlaßt, nicht so- fori den Standpunkt dch? Sozialdemokratie zu teilen. Schließlich hat ebtt and) bei uns tef Standpunkt gesiegt, bah ohne Not die Krise herbeigeführt worden ist und daß ein Zusammenarbelleu mit diesem Kanzler nicht mehr möglich ist. Die Demokraten, so führt« der Redner weiter aus, wollten sich der Mitwirkung an der Lösung der Flog gensrag« nicht entziehen, aber sie würden nur einer Lösung zustimmen, di« der Republik gerecht wird und der Fahne der Republik ihr« Bedeutung gibt.(Beifall lmts.) Aber gerade wenn man eine solche Gesamt- lösung wünscht, müsse man cmerkennen, daß eine Teillösung wie st« der Reichskanzler vorgenommen Hot. überslüsng. gefährlich und lächerlich ist.(Lärm rechts; Sehr richtig! links.) Will man jetzt eine neu« Flagg« einführen und wiederum nach einig«» Monaten noch einmal eine neu«? G«rad« durch dies« Teillösung ist«in« Gesamtlösung der Flaggenfrage er- schwert worden. Wir hätten«» verstanden, wenn die Regierung ihre Verordnung zurückgezogen hätte, um ein« Gesamtlösung herbei- zuführen. Aber wir wendn uns dagegen, daß man glaubt, durch „Formulierungen" ein« Lösung herbeiführen zu können. Daß die Verordnung nur deshalb nicht sofort in Kraft treten solle, weil ihre Ausführung«inig« Monat« Zeit erfordere, ist lediglich ein« Ausrede. Man kann uns nicht vorreden, daß im Zeitalter des Radio der Weg von Berlin bis nach Tokio in drei Monaten zurückgelegt werden muh. Durch feine gestrigen Erklärungen hat Dr. Luther sür die veulschnaiionalen optieri.(Beifall links.— Unruhe rechts.) Da, Kabinett hat schon längst in innerpolitischen Fragen sich nach den Forderungen der Rechten gerichtet; es wird sich nunmehr auch in der Außen Politik dem Willen der Rechten beugen müssen. So sehen wir. welche große Bedeutung diese Flaggenoerordnung bat. Al» dem Redner von der Rechten zugerufen wird, er seh- diese Dinge nur so an. weil er nicht Minister sei. erwiderte er: Sie sehen diese Dinge lediglich au, der F r o s ch p e r s P e k t i v e an.(Lebhaste Heiterkeit.) Gegen diese Verordnung wenden sich die Demokraten desbalb. weil sie ohne die Regierungsparteien ge, nacht i'iid in ihrer politischen Wirkung verhangmsvoll sei. Wir erkennen durchaus an. daß der gegenwärtige Zustand unerwünscht ist und wir wollen un, für eine Einheitsflagye einsetzen, um diesen Zustand zu beseitigen. Aber ist et denn richtig, daß die answäriigen Gesandt- schast, n dies« Verordnung g-billia» haben? Der Redner verliest unter großer Aufmerksamkeit de? Hause» den Brief eines Gesaodlen. in dem das Flaggenkompromiß als eine schwere Schädigung de» deutschen Ansehen» im Ausland« bezeichnet wird. Nicht die Auslends deutschen wllnschtsn die neue Regelung, sondern nur jene kreise, die parteipolitisch rechts eingestellt sind. Der Gesandte verlangt von der Regierung, daß clle diesenigen geschützt werden, die seit Iohr und Tag sür die R-ichsslaggr e-ngetret-n sind, trotz aller Desovouierungen durch die Heimat.(Hört! hört!) Wenn di« Republik ihre Zeichen nicht jekdst ehrt, dam, soll sie sich nicht über da» hämische n Reichstag. Reichskanzler. Lächeln wurdern, mit dem das Ausland di« jetzigen Vorgänge begleitet. Dem Ausland erscheine dt« Verordnung al» eine Lösung nach dem Mollo:„Wampe halb und halb". (Lebhoste Heiterkeit.) Der Gesandte erklärt schließlich, daß Deutschland gegenüber der Dar- wurf der Doppelzüngigkeit erhoben werde, wenn diese doppelte Bc- slaggung doch noch erfolgen solle. Die Demokraten, so erklärte der Redner weiter, sind deshalb der Meinung, daß die Verordnung sachlich falsch ist und daß sie überall im Auslande nur Schaden anrichten muß. Wenn man in dieser Frage den Reichs- Präsidenten bemüht hat, warum denn dann nicht auch den Reichstag und das ganze Volk? Aber gewisse Stellen sagen sich jetzt, dabist der Beginn des allgemeinen Abbaues der Republik, der erst« Schritt richtet sich ge�en die Farben Echwarzrotgold. Der demokratische Redner wendet sich dann gegen die von deutsch- nationaler Seite erhobenen Vorwürfe, daß seine Partei sich der Verantwortung für die Handlungen des Führers der Regierung entziehen wollte, an der sie selbst beteiligt seien. Er erinnert die Deutschnationalen an ihr Verhalten nach Locarno, Der Reichskanzler hat die Abrede gebrochen, di« zwischen ihm und den Regierungsparteien getroffen worden ist. Erst am Abend vor der Verordnung hat er die Regiernngspaneien informiert und die Minister hat er an eine Vertraulichkeit gebunden. die es ihnen unmöglich machte, sich mit ihren Parteien zu besprechen. Die Haupioerantwortung für das Geschehene trifft den Reichs- kanzler.(Abg. v. Kardorff(D. vp): Und die Minister, die zugestimmt haben?) Sie smd ja auch nicht immer mit Dr. S t r e s«- mann einverstanden!(Heiterkeit.) Wenn gelegentlich mit einer S t a a t s k r i s e gedroht wird, so bin ich überzeugt, daß der Reichs- Präsident sein Amt zu hoch einschätzt, um sich bloß als eine Ver- längerung der Reichsregierung zu fühlen.(Sehr gut! bei den Demo- kraten!) Wenn auch unsere Arbeit, den Reichspräsidenten zum Vertreter und Repräsentanten des ganzen Voltes zu machen, durch dieses Vorgehen des Reichskanzlers vorübergehend gestört worden ist, so werden wir doch daran weiterarbeiten und wir freuen uns darüber, daß Organisationen wie das Reichsbanner mit der schwarzrotgoldenen Fahne sich vor dem Prösidenten zeigen. Wir werden dafür sorgen, daß das weiter geschieht. Der Reichskanzler scheint sene Ausnahmestellung für sich in Anspruch nehmen zu wolle», die früher einmal für die oberste Kommandogewalt bestand, daß sie Im Reichstag nicht kritisiert werden durfte. Ein solches Vorrecht sieht aber die Verfassung nicht vor.(Sehr gut! links.) Die Rechte beruft sich auf die Regelung der Nation alhy m nenfroge durch den Reichspräsidenten Ebert; sie hat kein Recht, sich auf Tbert zu berufen, da sie seine Arbeit für das Land so schlecht gelohnt hat(Lebhafte Zustimmung links und in der Mitte) und auch weil jene Lösung«ine E i n h e l t s- lösung war. In d«n letzten sechs Iahren sind massenhaft Republikaner wegen des Hissens und Zeigens der Fahne der Republik physisch mißhandelt und wirtschaftlich boykottiert worden.(Sehr wahr link, und in der Mitte.) Wir lassen un» mit Gewalt nicht einen Fuß brell von dieser Fahne abtrennen. MillionenundoberMIlljonenhabenunlerdleser Fahne zum ersten Mole Staatsgesinnung bekannt und bewiesen. Diese Millionen in Staatsgcsinnung zu erkalten. ist unsere erste und wichtigste Ausgab«.(Beifall links und in der Mitte.) Die sonstigen Verdienste Dr. Luthers werden ihre Aner- kenrning finden aber ein Reichskanzler, der diese Frage so de- handelt, kann nicht mehr erwarten, daß wir mit Ihm zusammen arbeite». Wenn diese Reichskanzlerkrise allgemein zur Erkennt- nie führt, daß derjenige, der die Gefühlswerte der neuen Zell nicht verstehl und würdigt, nicht deutscher Reichskanzler sein kann, dann ist diese Krise nicht umionsl gewesen!(Lebhaster Beifall link» u y d in der M i t le. Zischen recht» und ironische Ruf« »Frei Hein rechts. Abg. v. Gräfe(Volk.) sucht den Vorredner durch die Bezeichnung al» Reichsminister a. D. und im Wartestond, sowie durch sonstige Witzchen zu verspotten und sagt dami. Luther ollein sei doch nicht schuld, sondern nach dem parlamentarischen System auch a n- der« Minister, besonders Strefemann.(Der Reichs» kanzler und der Außenminister werden gerade an dieser Stelle vom Abg. Scholz(D. Vp.) zu einer Be, iprcchung herausgeholt.) Der ganze Konflikt sei verschuldet ourch den Weimarer Nationalversammlungsbcschluß aus Einführung von Schwarzrotgold. Jetzt wolle man sogar die unselige Gösch, die nur mit einer Stimme Mehrheit sür di« Handelsflagge beschlo'ien wurde, auch noch auf die Seebehördenstagg« daraufjetzen. Diese Erweiterung der schwarzrotgelben Farben lei ein« Berfas- s n n g s ä n d e r u n g, zu der man den Reichspräsidenten mißbraucht habe.(Das Haus ist bei dieser Red« ja st leer, woraus es wohl zurückzuführen ist, daß der Redner ungestört fortwährend von schwarzrot gelb roden kann.) Der völkische Redner begründet dann noch das Mißtrauensvotum, daß seine Partei gegen das Ge- jamtkabinett auch bei dieser Gelegenheit eingebracht hat und pro. testiert schließlich gegen di« Haussuchungen bei Vorstands- Mitgliedern der Vaterländischen Verbände. Der völkische Redner wird vom Präsidenten darauf auf- merksam gewacht, daß die Reichsflagge nicht fchwarzrotgeld, sondern schwarzrotaold ist. Daraus spricht Abg. Höllem von der kommunistischen Fraktion. I Iilmexploflon W einem Kknotheater. Zlm Dienstag abend um 10 Uhr, kurz vor Schluß der Dar» .iJIung, ereignete sich im Vorführungsraum der„Peters- burger Lichtspiele" in der Petersburger Straße ö7a eine Filmexplosion, unmittelbar darauf setzte eine Stichflamme auch den Raum in Brand. Der Vorführer konnte sich glücklicherweise recht- zeitig in Sicherheit bringen. Die Feuerwehr, die inzwischen alarmiert wurde, hatte über eine Stunde mit der Ablöschung des Feuers zu tun. Der Raum ist total ausgebrannt. Die Entstehungs- Ursache ist bisher noch unbekannt. Das ist in kurzer Zeit der z w e> t e F i l m b r a n d trotz der außerordentlich scharfen polizeilichen Sicher- heitsmaßnahmen._ Zusammenstoß zwischen Straßenbahn und Kraftwagen. Zwischen einem Stroßenbahnzug der Linie 13 und einem Last- kraftwagen mit Anhänger der Firma Goldacker ereignete sich heute mittag gegen?L12 Uhr an der Straßenkreuzung Paul-Singer-Straß« und Krautftraße ein schwerer Zusaminenstoß, bei dem eine Per- s o n schwer und mehrere leicht verletzt wurden. Der Straßenbayruug fuhr dem Kraftwagen direkt in die Flanke und schob sich zwischen diesen und den Anhängerwagen. Der auf dem Bock des Anhängewagens sitzende Mitfahrer B. wurde hierbei schwer verletzt. In bewußtlosem Zustand wurde er in das Krankenbaus am Friedrichshain transportiert. Der Lastkraftwagn und der Anhänger wie auch der Vorderperron der Straßenbahn wurden schwer be- schädigt. Mit chilfe eines inzwischen eingetroffenen chilfswagens konnte dann die aus den Schienen geworfene Straßenbahn In die Schienen zurückgebracht und abgeschleppt werden. Durch den Vor- fall entstand eine längere sehr empfindliche Verkehrsstörung. Unfall auf dem Großkraftwerk Rummelsburg. Am Dienstag nachmittag, kurz nach 3 Uhr, stürzte beim A b- montieren eines Wasserrohres, anscheinend durch Schwindclanfall, der bei dem Großkraftwerk Rummclsburg beschäf- tipte SO Jahre alte Schlosier G. Mix aus der Pannierstraße in Neu- kölln von einer etwa 8 Meter hohen Mauer des Turbincnhauses ob. Er hat sich schwere innere und äußere" Verletzungen zugezogen und muhte ins Augusto-Viktoria-Krankenhaus gebracht werden. Tie Not der Artisten. Um der großen Nat, die augenblicklich in Artistenkreisen herrscht, zu steuern, hat sich eine Not st ands-Varietä-Kom Mission gebildet, die zur Internationalen Artisten log« gehört. Diese Kommission veranstaltet am Donnerstag und mn folgenden Sonntag und von Pfingstfonntag ab täglich abends in der„Neuen Welt", chassnheide, Vorstellungen mit Varieteprogrammen, die einei' rein sozialen Charakter trogen. Der Neinertrag kommt lediglich nur den r�ttätigen, erwerbslosen Artisten zugute. Es wäre zu wünschen, daß die Veranstaltungen regen Besuch"aufweisen. Die Vorstellung beginnt um 7 Uhr, das Konzert um 0 Uhr. Eine Lichikuraustalk am Zoo. In den Räumen der früheren Reichsgetreidestellc, Kursürjtcndamm 23 7, wurde eine neue Lichtkuranstalt eröffnet. Sie dürfte an Reichhaltigkeit ihrer Appa- rate wohl eine der größten in Deutschland, wenn nicht des Konti- ncitts überhaupt sein. Besitzer und Leiter des chcilinstitutes ist Ingenieur Julius Held, der auf Grund einer dreißigjährigen Er- fahrung aus dem Gebiete der Lichttherapie diese Anstalt ins Leben gerufen hat. In 80 geräumigen, mit allem Komfort der Neuzeit e-ngerichtetcn Sälen und challen sind sämttiche üblichen lichttherapcu- tischen Systeme zu sniden. Außerdem die Spezialeinrichtungen, die der Zlnstaltrlsiter im Laufe seiner langjährigen Tätigkeit in Gemein- schaft mit vielen ärztlichen Kapazitäten des In- und Auslandes kon- struisrt und mit Eriolg praktisch verwertet hat. Ingenieur chold war es auch, der 1902 erstmalig das von Madame Curie entdeckte Radium seinen Zwecken dienstbar machte. Die Behandlung der Patienten erfolgt ausschließlich nach ärztlicher Vorschrift: auch wurden den Acrzten zu Behandlungszwccken Räume und Apparate zur freien Verfügung gestellt. Minderbemittelten wird auf Grund des ärztlichen Nachweiies weitestgehende Vergünstigung zuteil. Dahnrennen des Arbeiler-Radsahrerbundes. Am chimmelfahrts- tag findet im Stadion Grunewalds ein Radrennen der Rennfahrer des Arbeiter-Radfahrerbundes„Solidarität" statt. Die Rennen sind gedacht als Werbeoeranlialtung und als Auftakt zum Reichs- orbeitersporttag: das Programm ifi dementsprechend zugeschnitten. Da zu den einzelnen Rennen zahlreiche Meldungen vorliegen, so sind scharfe Kämpfe zu erwarten, zumal die besten Fohrer am Start er- scheinen. Das Programm umfaßt Fliegerrennen, ein Aus- scheidungsrennen über lO Kilometer ist gleichfalls vorgesehen, se dürfte dem Sieger nicht leicht werden, den ersten Platz zu erlangen. Auch den Wulst- und Drahtreifen-Fohrern sind einzelne Kämpfe zu- geteilt, so daß ein interessantes Programm geboten wird. Beginn vormittags 10 Uhr. Die Verwaltung des Stadions erhebt 50 Ps. Eintrittsgeld. Die Lrkogruppe Berlin des louristenvereins„Die Naturfreunde" veranstaltet am chimmelfahrtstag ein Treffen auf dem Gelände ihres Landheims w Meißnershof bei Henningsdorf. Neben dem sonstigen frohen Treiben der Jugend bringt der Nochmittag(3 Uhr) einige Darbietungen mit eigenen Kräften. Die„Naturfreunde" heißen alle Parteigenossen und Essinnungsfreunde herzlich willkommen. Groß-Serlmer Partemachrichten. S7. Abt. Ehor'otteabur-. Der Z-HIebend tllr die L Srupve tagt nicbt bei Tbunert. sondern bei«rnd». Kantstr. ül. Genosse Dr. Joffe spricht Uder Kommunalpolitik und Gesundheitowejen. Sozialistische /lrbeiterjugenö Gr.-Serlin Werbebezirk Sienkölln. Achtung Köriofabrerl Spielmann« Schuld wird doch gespielt. Allen ardeiislolen Mitwi, lendcn wird da» Fahrgeld erseht. Treffpunkt: Heute abend 7'/, Uhr SörliZer Bahnhos. vortrage, vereine unü Versammlungen. Fnffball-Sntscheiduog»splel um die Adte>lung«metst»rschast im Norden heute, Mittwoch abend S Uhr, aus dem„Teutonia�-Eporipiah tu der Thristiantastraße. Sport.. Boxkampf Irland— Berlin. Am Freitag werden im Sportpalast die besten Amateurboxer Berlins gegen eine ausgezeichnete irische Mannschaft kämpfen. Die Eintrittspreise sind oclkstümlich gehalten, der Beginn der Kämpfe auf 8 Uhr angesetzt. GewerMastsbewegung Der Streik im Kraftwerk Nummelsburg. Die streikenden Metallarbeiter des Kraftwerkboues Rummels bürg nahmen am Dienstag erneut zu der Streiklage Stellung. Ge nasse Fuchs vom Metallarbesterverbcnd wies in seinem Situations bericht darauf hin, daß sich die bauaussührenden Firmen des V B M I. in ihrer Besprechung am Montag auf den Stand punkt stellten, daß die mit der„Bewag" und der AEG. verein- borten Preise es ihnen unmöglich machten, Lohn- erhöhungen zu gewähren. Ihre Stellungnahme zu den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung ist nach wie vor die gleiche. Sie erklärten die von der Arbesterschaft aufgestellten und von der Stadtverordnetenversammlung als be- rechtigt anerkannten Forderungen als völlig iin- diskutabel. Alles in allem hält der BBMI. an seinem abschlägigen Bescheid nach der ersten Verhandlung am Montag voriger Woche fest. Wenn die Firmen die Löhne ihrer Arbeiter mit 1,38 M. in den Lieferpreisen einkalkulieren, tatsächlich aber nur SS bis höchstens 75 Pfennig Stundenlohn für gelernte Ar- bciler zahlen, wie aus den der Streiklcitting vorliegenden Lohntüten hervorgeht, dann ist das bezeichnend für die Glaub- w ü r d i g k e i t der Argumentationen der Unternehmer, keine höheren Löhne zahlen zu können. Die Unternehmer glauben anscheinend, durch diese Manöver die Verhandlungen hinausschieben und dadurch die bisher geschlossene Front der Streikenden ins Wanken zu bringen. Nach dem Kampf- geist der Streikenden, der auch in dieser Versammlung erneut zum Ausdruck kam, kann aber angenommen werden, daß es bei dieser Hoffnung bleiben wird. Vom M a g i st r a t muß jedoch verlangt werden, daß er sich endlich energisch dafür einsetzt, daß die Metall- industriellen ihren Machtstandpunkt aufgeben und die berechtigten Forderungen der nicht um des Streikes willen Streikenden anerkennt. Die Stadt Berlin muß nicht nur«in Interesse daran haben, ein Kraftwerk zu errichten, das in seiner Ausdehnung und Leiswngs- fähigkeit in der West unübertroffen dasteht, sondern daß dieses Werk auch unter menschwürdigen Lohn- und Arbeitsbedingungen errichtet wird. vor üer Entsche-üung Ses Neichsbahngsrichts. Wie uns mitaeteilt wird, ist jetzt der letzte Bericht deS ReiätSarbeitSininisteriumS in Sachen des von ihm iür verbind« lich erklärten Schiedsspruches auf Erhöhung der Eilen- bahnerlöhne»m einen bzw. zwei Pfennige, an das ReichSbahngericbt in Leipzig abgegangen. Die Entscheidung darüber, ob die Reichsbahngeiellscbaft zur Anerkennung deS verbindlichen ScbiedS- sprucheS verpflichtet ist. oder aber der Kompetenz der Sckli-htungS- ordnung nicht untersteht, dürfte nunmehr in kürzester Frist zu erwarten sein._ Schluß mit üem Lohnabbaul Zum Konflikt in der westsächsischeu Textilindustrie. Im Lohnstreit der westsächsischen Textilindustrie ist jetzt eine Wendung eingetreten, die ohne Zweifel von allgemeiner Bedeutung ist. Seit langem erstreben die sächsischen Tertilunternehmer eine Lohnreduktion: insbesondere sollen die Akkordlöhne ah- gebaut werden. Diesem Verlangen trug ein Schiedsspruch vom 19. April Rechnung. Die Arbeiter lehnten den Schiedsspruch ab, während die Unternehmer seine Verbindlich keitserklä- r u n g beantragten. Diese ist aber nun vom Reichsarbeitsministe- rium nicht vorgenommen worden, und zwar mit der Begründung, „daß der Schiedsspruch eine Bestimmung über die Regelung der Akkordlöhne enthält, denen in der vom Tarifstreit betroffenen In- dustrie besondere Bedeutung zukomme". Weiter wird in dem Bescheid des Reichsarbeitsministeriums betont, daß angesichts der Stellung- nähme der Parteien„eine Durchführung des Schiedsspruches iin Wege staatlichen Zwanges dem Witrfchaftsfrieden nicht dienen kann". Deshalb sind neue Verhandlungen für Dienstag kommender Woche anberaumt worden. Mst dem Amt eines Schlichters hat das Reichs- arbeitsminifterium den Oberrcgierungsrat Küttig betraut. Die Abwehr der Lohnreduktion durch den Textilarbeiterverband ist nicht nur eine nackte Lebensfrage für die Arbeiter, sie kann auch aus rein volkswirtschaftlichen Gründen heraus nur begrüßt werden. Es ist zu wünschen, daß die Arbesterschast sich fester als je zusammen- schließt, um die Lohnreduktionen ein für allemal unmöglich zu machen. Mit dem System der Hungerlöhne wird unsere Krise zur Katastrophe._ Ter Arbeitskonflikt in England. C. T. C r a m p, der Sekretär des englischen Eisenbahner- Verbandes, teilte der ITF. gestern vormistag telephonisch mst, daß der Streik unverändert andauert, und daß im Gegensatz zu ollen anders lautenden Berichten eher eine Ausbreitung als eine Abschwächung des Streikes zu verzeichnen ist. Ein Telegramm des englischen Gewerkschaslsbunde». Von dem englischen Gewerkschaftsbund ist nachstehendes Tele- gramm eingelaufen:„Der englisch- Gewerkschaftskongreß verurteill die Handlungsweise aller Organisationen, die, gleichgüuig wie, dessen festen Willen, den britischen Arbeitern den Sieg zu sichern, stört oder schwächt." Dieses Telegramm ist die Erwiderung auf eine von der ITF. auf Beschluß der in Ostend« stattgesundenen Konferenz an den eng- tischen Gewerkschaftsbund gerichtete Anfrage betreffend dessen Hol- tung gegenüber dem englischen Seeleuteoerband(Ratio- nal Sailers and Firemen's Union) unter Leitung von Havelock Wilson, der sich offiziell dem Streik nicht angeschlossen hat. Wie fie berichten. „Unzufriedenheit mit dem Generalrat"— nämlich dem der englischen Gewerkschaften— überschreibt Öle„Rote Fahne" einen Bericht der„I n p r e t o r r" aus London, der wie auf Bestellung gearb-itet ist. Die Zurückweisunaderrussi scheu Gelder, trotz der behaupteten„engen freundschaftlichen Beziehun- gen" zwischen den russischen und englischen Gewerkschaften ist für die Moskauer weitaus peinlicher, als für den englischen Generalrat. Anstatt nun offen die G r ü n d e für diese Zurückweisung anzugeben, die an sich nichts Verletzendes für die russischen Gewerk- schaften in sich birgt, vielmehr auf die Nichtzugehörigkeit der in der „Roten Gewerkschaftsinternationale" vereinigten Arbester zum In- ternationalen Gewerkschaftsbund zurückzuführen ist, dem die eng- tischen Gewerkschaften angehören, verlegt man sich auf Winkelzügc. Es würde wirklich nicht schwer fallen, den russischen Gewcrkschaf- ten klarzumachen, warum und weshalb die Streikleitung in England Gelder von nicht verbündeter Seite ablehnen muß, objchon sie ihr an sich nur willkommen fein könnten. Ohne sich an die Reuter- Mel- dung zu klammern, nach der Gelder ausländischer Gewerkschaften überhaupt, also auch solche der IGB.-Gewerkfchaften zur Unterstützung der Streikenden abgelehnt würden. Statt dessen lassen die Moskauer die kommunistische Presse aus London berichten, der Beschluß des Generalrats, die russischen Gelder zurückzuweisen, habe stark« Unzufriedenheit unter der englischen Arbeiterschaft bervorgerufen, die diesen Beschluß ihres Generalrats nicht begreisen könne. Denn anstatt die Solidarität des internationalen Proletariats im Interesse des Sieges in die Wagschale zu werfen, trete der Generalrat den Rückzug vor der Regie» r u n g an, indem er die Unterstützungsgelder zurückweise. Die Moskauer stellen sich also so bearisssstutzig. als könnten sie das Verhalten des Generalrats nicht verstehen, um sich für die Abweisung ihrer Ausdringlichkeit zu rächen, indem sie den Generalrat der englischen Gewerkschaften v e r d ä ch- tigenundbeschimpfen. Offenbar haben sie damit in England selber wenig Erfolg, weshalb sie es mst um so größerem Eiser im Auslande versuchen..__. Abgesehen aber von den rein taktisch-sachlichen Gründen für die Zurückweisung der russischen Gelder, weiß man natürlich auch in England, daßdieMostauernichtsumsonsttun. sondern in ihrer bekannten„Bescheidenheit" aus ihrer Hilfsbereitschaft gewisse Ansprüche herleiten, sich einzumischen, um die»rechten F ü h r e r" z u„e n t l a r v e n". wer von Moskau»ßk. stirbt daran. Die Geschlossenheit der Streikenden in England und die ihrer Organisationen ist für den Erfolg des Streiks weit notwendiger und wertvoller, als ein Moskauer Danaer-Gefchenk. 75. verbanüstag üer Dachdecker« Friedrichsroda, 10. Mai(Eigenbericht.) Am ö. Mai wurde der Derbandstag im Genossenschaftsserienheim Friedrichsroda eröffnet. Der Vorsitzende Th. T h o m a s- Frankfurt eröffnete die Tagung und begrüßte besonders die Kollegen Paeplow vom Bau- gewerksbund, Schlimme und Sachs vom A D G B. und Fischer vom Zimmererverband. Kollege Schlimme wies in seiner Begrüßungsansprache auf den Kampf der Arbeiter um die Mitbestimmung in der Wirtschaft hin, die das Ziel habe, mit einer neuen Wirtschaft«in« neue Gesellschaft zu errichten. Ader auch die politischen Vorgänge in Deutschland erforderten die Aufmerksam- keit und Geschlossenheit der Arbesterschaft.— Begrüßungsschreiben hockten der österreichische Bruderoerband und der Mit- begründer des Verbandes, der Kollege Schauerte-Franfurt ge- sandt. Ferner wurde ein Sympathietelegramm an die streikenden englischen Arbeiter geschickt. Ms Vorsitzende wurden Thomas- Frankfurt, Piepenbring- Köln und Stolzenhain- Berlin gewählt. In der Montagssitzung wurden die Geschäflsberichle entgegengenommen. Thomas berichtet«, daß seit dem letzten Der- bandstag 1921 in Schloß Tännich die Organisation sich in jeder Be- ziehung gefestigt hat, so daß der Zukunft ruhig entgegengesehen werden kann. Trotz der Arbeitslosigkeit, die von den Mst- gliedern des Verbandes oft nur einen geringen Prozentsatz verschonte, blieb die Mitgliederzahl im Berichtsjahre hindurch nicht nur stabil. sondern es gelang noch, die Abgänge, die zum Teil infolge von Ab- tretung einzelner Sparten an Nachbarverbände zu oerzeichnen waren, wieder aufzuholen. Gegenüber der Regierung hat der Verband wiederholt in Eingaben die Jnteresien seiner Mitglieder oertreten. Die Agitation unter der Jugend wurde besonders durch Herausgabe des„I u n g- D a ch d« ck e r" mit Erfolg gefördert. Ein Konkurrenzblatt der Handwerksmeister ging nach kurzer Zeit wieder ein. Thomas betonte, daß mit den Kommunisten im Verband— von wenigen Ausnahmen abgesehen— gut zusammengearbeitet wurde, und sei dies auch in Zukunft möglich, so lange der Verband nicht zum Tummelplatz porteitommunistischer Parolenpolitiker werde. — Die Zusammenarbeit zwischen Vorftynd und Angestellten im Lande war die denkbar beste. Eine Abgrenzung der Gaue soll vorgenommen werden, um an Verwaltungskosten zu sparen.— Der Stand der Erwerbslosigkeit der Mitglieder ist zurzest 4 3 P r o z., nachdem sie im Dezember 71 Proz. betrug. Besonders ging Thomas noch auf die Verhältnisse in der Berliner Filiale ein, die nicht gerade besonders schön zu nennen sind und die die Agitationsarbeit dort lahmlegen. Der Verbandskassierer Diel gab den Kassenbericht, aus dem hervorgeht, daß der Verband, der vor zwei Jahren vor einem Nichts stand, heute wieder ein Vermögen hat, mit dem er der Zukunft ohne Sorgen entgegensehen kann. Den Bericht des Verbandsausschusses erstattete K o h l r a u tz- Düsseldorf. Neben organisatorischen Fragen befaßt« sich der Ausschuß noch mst einigen Beschwerden gegen Ausschlüsse, die abgelehnt wurden, well in den betresserden Fällen grobe Verstöße vorlagen. Ueber die Verbands zeitung berichtete Thomas Er habe dem Blatt ein besonderes Gepräge gegeben, um besser an die Kollegen heranzukommen und sei mit dem Erfolg zufrieden. Die weitere Aus- gestattung der Zeitung habe auch in den Berichtsjahren Fortschrille gemacht. Zu politischen Fragen sei nur zweimal— und zwar, als es notwendig war— Stellung genommen worden. Er ersuchte, die Anträge, die sich gegen die Haltung des Blattes aus- sprechen, abzulehnen. Die Berichterstattung der Filialen müsse besonders in beruslichen Fragen noch besser werden. Die Debatte über die Berichte stand durchweg auf aner- kennenswerter sachlicher Höhe und bewegte sich— mst einigen Ausnahmen— im zustimmenden Sinne. Bemerkenswert waren be- sonders die Ausfuhrungen des Kollegen Paeplow über die sozialen Baubetriebe, die in der Debatte ein« große Rolle spielten. Die Zustände in der Berliner Filiale wurden ebenfalls ausgiebig erörtert und einer sachlichen, aber scharfen Kritik unterzogen. Hierauf wurde die Debatte oertagt. Berantwor'llck fflr Politik: Graß Snitct: ffiirlfdjaft:> tar Caiftaa«: Secoerkschaftsdiweaun»: Friede. Cftfota; Feuilleton: SL 8. Töschcr: Lotale» und Eontiiac» Isritz Karstidt: Aneeiaen: Tb. Slocle: sllmtticd in Acricn. Seeiaa: Borwär:».VerIaa©. m. b. 6. Berlin. Druck: BorroSris-Buckdruckeret und Verloaoanitalt Paul Sinacr u. To. Berlin EW KS. LindcnitroK» Z. Semner- ksisirifter- Lenvssenzasii KerlinX24,LIsÄ55er8tr.86-88 I Rlinle Westen, Wilrnersdon Fernsprecher; kionten 63£> u. 65 26' tanclhäusBira&el. Tel.: Pfalzbun 9831 Ansslennaysrllrtnte nnck Lafter fliexanderstr. 30 40 Cätexander- Passage) TcL: HOaiOskaill 340. Elektriacho Anlagen jeder Art n. jeden Umfangek zu kulanten Zahlungsbedingungen Belenehtungskörper und Osram-Lampen zu Fabrikpreisen. 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