Abendausgabe Nr. 224 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 110 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: SB. 68, Cindenftraße 3 Fernsprecher: Dönhof 292-29% Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Freitag 14. Mai 1926 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmb Berlin SW. 68, Lindenstraße 31 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Pilsudski Herr der Lage. Regierung Witos geflüchtet.- Eine Gegenaktion eingeleitet. Bon der polnischen Grenze, 14. Mai.( TU) Wie ge-| meldet wird, ist die polnische Regierung nach Posen geflüchtet. Die Nachricht, daß Wilna fich in der Hand der Anhänger Pilfubftis befindet, wird auch von anderer Seite bestätigt. In der Stadt find Unruhen ausgebrochen. Die Bahnhöfe find militärisch besetzt. Auch auf dem Bahnhof Grajewo find Militärpoften, anscheinend Anhänger Pilsudskis, poftiert. Auf der Strede Bialystok- Warschau ist die Eisenbahnbrüde in die Luft gesprengt worden. Die Truppen der Garnison Bialystot, die nach Warschau abtransportiert werden sollten, mußten in ihre Garnison zurüdfehren. Die Telephonleitungen Danzig- Warschau sind auf polnischem Gebiet teilweise zerstört. Teschen, 14. Mai.( EP.) Aus allen Teilen Polens werden große mitärische Umgruppierungen gemeldet, da sich nach dem Scheitern der Berhandlungen zwischen Pilsudski und Wifos beide Lager zum Kampf um die Macht vorbereiten. Pilsudski erhält starken Zulauf aus kongreßpolen, während sich weftlich von Warschau die dort eingetroffenen Posener Truppendivi fionen zu einem Angriff entwidelt haben. Die Posener verhandeln mit dem Marschall, der sich dem Korps von Cublin angeschlossen hat. General Siforsti, der Militärtommandant von Posen und ehemalige Kriegsminister, hat Selbstmord verübt. General Rozwadowski wurde zum Oberkommandanten der Regierungs fruppen ernannt. In Lemberg veranstaltete die Arbeiterschaft große Demonftrationen für Pilsudski Ueber die Feftung Przemysl wurde der Belagerungszustand verhängt. Die Züge aus Warschau sind mit Reisenden überfüllt, da befürchtet wird, daß infolge der wirtschaftlichen Not die Haltung der Arbeiterschaft und der Regierung zu einem Bürgerkrieg führen wird. Eine friedliche Beilegung des Kampfes gilt nahezu als ausgefchloffen, da die Erbifferung in den letzten beiden Tagen außerordentlich gefflegen ist. Die volle Beruhigung der Hauptstadt Warschau ist nur eine Frage von wenigen Stunden und deren Berzögerung ist nur darauf zurückzuführen, daß Marschall Pilsudski weitere unnötige Opfer vermeiden will. Die heranziehenden Militärtrupps vereinigen sich mit dem Militär, das bereits unter dem Befehl von Marschall Pilsudski steht. In der Proving herrscht vollständige Ruhe. Eisenbahner gegen Truppentransporte- Der Zloth fällt Mährisch- Offrau, 14. Mai.( WTB.) Aus den Meldungen, welche gestern in der Nacht an der polnisch, tschechischen Grenze im Teschener Gebiet aufgefangen werden fonnten, fann geschlossen werden, daß die Berwirrung in Polen zunimmt. Die Stellung des Marschalls Pilsudski befestigt sich, denn er soll sehr zahlreiche Anhänger nicht nur bei den Warschauer Truppen, sondern auch in dem größten Teil der anderen Garnisonen befizen. Bisher hat sich nur die Armee an den Kämpfen um die Macht in Bolen beteiligt; doch droht nunmehr die Gefahr, daß auch die Arbeiterschaft in den Konflikt eingreifen wird. Gestern hielten die Eisenbahnangestellten in Dziedziß Beratungen ab und beschlossen, teine Transporte von Truppen zuzulaffen. Bei den Beratungen wurde auch die Meinung geäußert, daß die Eisenbahner den Eisenbahnbetrieb einstellen sollten. Die Preise für Nahrungsmittel und andere Gegenstände des täglichen Bedarfs steigen seit den ersten Stunden der am Mittwoch erfolgten Ereignisse rapid. In den polnischen Grenz bezirken- äußert sich diese Lage in dem massenhaften Verkauf von Zlotys. Für einen Dollar zahlte man gestern in Bolen 12 3loty und eventuell auch mehr. Der Eisenbahnverkehr nach Polen und von dort wird zwar noch aufrechterhalten, doch treffen die Züge aus Polen mit erheblichen Verspätungen ein. Der Aufruf der Linken gegen den Rechtskurs. Wie wir verspätet aus Lemberg erfahren, erließen die polnischen Bilfubftis folgenden Aufruf: Gekränkte Unschuld. Zur Naturgeschichte des Putschismus. Die Bereinigten Baterländischen Berbände" haben für den Sonntag Straßenfundgebungen in Berlin angekündigt. Wir nehmen an, daß diesen Demonstrationen nichts in den weg gelegt werden wird. In den Zeiten des Herrn v. Jagow diente die Straße allein dem Verkehr". Heute dient sie auch der politi. chen Propaganda. Es ist nicht zu vermeiden, daß gerade diejenigen Organisationen, die, wenn sie nur könnten, die Freiheiten der Demokratie am gründlichsten beschneiden würden, am eifrigsten von ihnen Gebrauch machen. Die Polizei ist ja in den letzten Tagen nicht müßig ge= wesen. Sie hat sich von den Plänen, die vom radikalen Flügel der Baterländischen" geschmiedet werden, Kenntnis verschafft. Drei Organisationen, die putschistischen Vorbereitungen dringend verdächtig sind, sind auf Grund des Gesetzes zum Schuße der Republik aufgelöst worden. " Nun wollen die Baterländischen" dagegen und gegen manches andere, was ihnen nicht gefällt, demonstrieren. Mögen fie! Ihre Bedeutung für Berlin ist gering. Sie werden am Sonntag ganz gewiß nicht putschen, weil sie wissen, wie schlecht ihnen das bekommen würde. Die Bevölkerung Berlins ist in ihrer erdrückenden Mehrheit republikanisch gesinnt. Sie wird am besten tun, sich am Sonntag um das Getrommel und Getute der schwarzweißroten Jünglinge so wenig wie möglich zu kümmern. neue kämpfe im Gange. Pilsuditi ift in Warschau vollkommen Warschau, 14. Mai.( EP.) Seit gestern abend 7 Uhr find Linksparteien gegen die Witos- Regierung noch vor dem Eingreifen ist die Aufgabe der Polizei. Herr der Lage. Die Regierung Witos ift mit den ihr freu geHoffentlich werden das auch die Kommunist en noch in letter Stunde einsehen und die angekündigten Gegendemochrationen wieder absagen. Auch sie erfassen nur einen Bruchteil der Berliner Arbeiter. Eine Reilerei am Sonntag würde feinen politischen Nutzen stiften, aber ein paar Menschen Schaden bringen, und das wäre zu bedauern. Es wäre nicht weniger zu bedauern, wenn rechtsgerichteten Raufbolden irgendein Borwand geliefert würde zur Entfaltung jener Tätigkeit, die ihnen die liebste ist. Mein, sie sollen feinen Borwand haben, und daß fie manierlich bleiben, dafür zu sorgen, Wegen der Haussuchungen der letzten Tage und der erfolgten polizeilichen Bereinsauflösungen werden am Sonntag immer dieselbe Sache: fie selber wollen an die Macht, und und auflösen, was ihnen nicht paßt, und jeden erschießen wenn sie an der Macht sind, dann wollen sie alles verbieten oder aufhängen, der ein Gesicht macht, als ob er sagen wollte, daß er mit ihnen nicht ganz einer Meinung fei. Empfängt aber nur einer von ihnen einen höflichen Besuch der Polizei, wird einer einen Tag lang festgehalten oder wird gar eines ihrer selbstverständlich harmlosen Kränzchen verboten, so beschweren sie sich sofort mit dem Aufwand der größten sittlichen Leidenschaft über ganz unerträgliche Beschränkungen der republikanisch- demokratischen Freiheit. Die Bertreter der Polnischen Sozialistischen Partei, der Die bliebenen Truppen in Belvedere eingeschlossen. Die Zitadellen Byzwolenie", der Bauernpartei und des Arbeitsflubs stellen an. große Töne geredet werden. Es ist mit den Herren Butschisten haben fish aus Pofen eingetroffen. Die Aufstandsregierung verhängte den Be- gesichts der Bildung des Kabinetts durch Herrn Witos fest, daß dieses aus Pofen eingetroffen. Die Aufflandsregierung verhängte den Be- Rabinett, welches jowohl in wirtschaftlich- sozialer als auch in poli: lagerungszustand über Kongreß- Bolen. tischer Beziehung die Reaktion bedeutet und von einer Partei abhängig ist, die öffentlich gegen die republikanische Staatsform auftritt, ein Kabinett, das ferner feine ständige Leitung in der Außenpolitik und im Militärwesen hat, Auch Warschaus Umgebung in Pilsudstis Hand. mährisch- Offrau, 14. Mai.( Tschechoslowafisches Breffebureau.) Die Barschauer Schnellzüge fahren gegenwärtig nicht bis Barschau, fondern nur bis zu der 66 Kilometer von Warschau entfernten Station Stiernievice und fehren von dort wiederum nach Dderberg zurüd. Hinter der Station Stiernievice sind die Eisenbahnschienen nach Warschau aufgerissen, ebenso find die Tele. phon- und Telegraphenleitungsdrähte zerrissen. Auf der Strecke stehen Truppen Bilsudseis mit Maschinen gewehren und lassen niemand nach Warschau. Die nach Warschau gewehren und lassen niemand nach Warschau. Die nach Warschau tommenden Truppen werden durch Militärabteilungen Pilsudskis zur Rüdfehr genötigt. Dies geschah auch bei den aus Posen von der polnischen Regierung zur Hilfe gerufenen Truppen. Aber auch die Militärabteilungen, welche eintreffen, um sich an die Seite Bilsubstis zu stellen, müssen in ihre Garnisonen zurückkehren. Es geschieht dies auf ausdrücklichen Wunsch Pilfubftis, welcher erklärt haben soll, daß die Truppen, über welche er bisher verfügt, genügen, um Warschau zu halten. Pilsudski ernennt einen Außenminister. Danzig, 14. Mai.( WIB.) Aus Warschau wird gemeldet: Pilsudski hat zum außerordentlichen Kommiffar des Außenministeriums den bisherigen Gesandten in Angora, Roman& noll, ernannt. Pilsudski über seine Ziele. eine Provotation ist, die der gesamten polnischen Demokratie entgegengeschleudert schaftslebens sein. wird. Die Regierung Witos wird unter diesen Bedingungen eine Regierung der Ausbeutung der arbeitenden Massen, Dabei soll feineswegs geleugnet werden, daß im Berder Niederlagen in der Außenpolitit, des weiteren lauf einer derartigen Polizeiaktion auch der oder jener, der Zusammenbruches der Kräfte der Staatsverteidigung und der lauf einer derartigen Polizeiaktion auch der oder jener, der völligen Unmöglichkeit des Wiederaufbaus des Wirt- Berdacht kommen und einige Unbequemlichkeiten erleiden an der Sache in Wirklichkeit unbeteiligt ist, in falschen fann. So etwas ist auf alle Fälle zu bedauern. Aber wenn irgend jemand behaupten würde, daß in Deutschland gegen Verschwörer und Rechtsputschisten mit allzu großer Schärfe und Härte vorgegangen werde, so würde sich ob einer solchen Behauptung von Kamtschatta bis nach Feuerland ein einaiges Weltgelächter erheben. Angesichts dieser Tatsache sagen die obengenannten Parteien der Regierung Witos, die übrigens feinerlei Gewähr für die moralische hebung des polnischen Staatslebens gibt, den entschlossenen Rampf und die fchärffte Oppofition an. Die genannten Parteien stellen gleichzeitig fest, daß sie ihre Kräfte zu gemeinsamer Berteidigung der Rechte des Volkes und der Zukunft des Staates vor Anschlägen reaftionärer Regierungen konselidieren werden, indem sie weiter die gebildete Zusammenarbeit aufrechter halten werden." Belagerungszustand in Polnisch- Oberschlesien. Safforih, 14. Mai.( WTB.) Im Laufe des gestrigen Tages ist über die Wojewodschaft der Belagerungszustand verhängt worden. Das in Tarnowig in Garnison stehende Militär ist mit unbekanntem 3iel abgerüdt. Es scheint, als ob die in Belvedere belagerte Regierung Witos zum Erfaß Truppen aus den Wojewodschaften heranzieht. In Rattowiß herrscht Ruhe. Die Fernsprechverbindungen zwischen Deutschland und Bol nisch- Oberschlesien sind durchweg gesperrt. Der Telegraphen vertehr wird aufrecht erhalten. Kein Fernsprechverkehr mit Polen. In einer Unterredung mit einem Warschauer Journalisten, die der Reichsdienst der deutschen Breffe veröffentlicht, erklärte Pilsudsti: Als Gegner von Gewaltmaßnahmen, was ich zu fener Zeit bewiesen habe, als ich das Amt des Staatsoberhauptes innehatte, habe ich mich nach schwerem inneren Kampfe mit mir felbst dazu überwunden, eine Kraftprobe mit ali deren Konfe quenzen aufzunehmen. Ich habe mein Leben lang um die Bedeutung von alle dem gefämpft, was man Imponderabilien nennt und ich warb um Ehre, Tugend, Tapferkeit, mit einem Wort: um stört. Auch am heutigen Freitag vormittag war es nicht möglich, alle inneren Kräfte des Menschens Es darf in einem Staate mit Warschau ober polnischen Provinzstädten zu sprechen. nicht zu viel ungerechtigteiten benen gegenüber geben, die ihre Arbeit für die anderen hingeben. Ebenso wie ungerechtig feiten nicht geduldet werden können, darf es nicht zu viel Mißbräuche in einem Staate geben." In der Umgebung Pilsudffis wird nach einer Warschauer Rd.Meldung von heute früh erklärt: Bei den Berhandlungen mit der Regierung stellte Marschall Pilsudski die kategorische Forderung cines fofortigen Rüdtritts der Regierung Witos. Die Person des Staatspräsidenten stand überhaupt außerhalb all dieser Berhandlungen. Die Manifeftationen der Armee waren ausschließlich gegen die Regierung itos gerichtet, aber feineswegs gegen die Rechte des Staatspräsidenten, die ihm auf Grund der Verfassung gebühren. Die letzten Ereignisse und Borfälle führen zu keinerlei Konfequenzen für die Außenpolitik der polnischen Republik wie auch für deren innere Struffur. Der Fernsprechverkehr mit Polen ist seit Mittwochabend geAdenauer nach Berlin berufen. Als Kanzlerkandidat. Köln, Wie wir hören, ist der Oberbürgermeister Adenauer, heute vormittag telephonisch nach Berlin gebeten worden. Man nimmt an, daß die Reise Adenauers mit der Regierungsbildung in Zusammenhang steht. Adenauer, der zu den bekanntesten Führern des Zentrums gehört, und Vorsitzender des Preußischen Staatsrates ift, wurde schon früher wiederholt als Sanzlerkandidat genannt. Die belgische Kabinettsbildung. Kammerpräsident Genoise Brunet hat infolge der Beigerung der Biberalen feinen Auftrag zur Rabinettsbildung zurüdgegeben. Nein, die Sorge, daß die Persönlichkeitsrechte der Herren Rechtsputschiften in roher Weife getränkt werden könnten, ist wirklich ganz unbegründet. Und viel begründeter ist die ent gegengesetzte Sorge, daß die eingeleitete Aktion ausgehen tönnte wie das Hornberger Schießen nicht etwa, weil sich der Verdacht der Polizei als unberechtigt herausstellte, sonbern, weil ihr Borgehen von anderer Seite durchkreuzt mer den fönnte. Die Bolizei fann ja naturgemäß mir Vorarbeit leisten für die Just i z. Die Justiz steht aber wahrhaftig nicht in dem Ruf, gegen Rechtsputschisten in blinden Borurteilen und grausamer Härte befangen zu sein.... Nein, die Herren Putschisten haben hierzulande wahrhaftig fein zu schlechtes Leben! Immerhin begreift man aber ihren Merger über die Lieblosigkeit, mit der die Polizei ihre Pläne allzufrüh ans Tageslicht gezogen hat. Denn auch das gehört zu den natürlichen Eigenschaften der Putschisten, daß sie wünschen, bei ihren Vorbereitungen ganz ungestört zu bleiben, und daß sie in dem Augenblick, in dem eine Störung erfolgt, die getränkten Biebermänner markieren. Ist es nicht unerhört, dem Sportverein Olympia", dem Witing", dem, Wehrbund Ostmart" irgendwelche unfreundliche Absichten gegen die Republik in die Schuhe zu schieben? Sind nicht der Justiarat Cia ß, der Kapitän Ehrhardt und der Hugenberg- Redakteur Harnisch durch ihre ganze Lebensgeschichte vor dem Berdacht des Berschwörertums gefeit? Es ist wahrlich ein erhabenes Bild, diese Helden mit einer zerdrückten Träne der Entrüstung im Auge ihre Unschuld beschwören zu sehen.... " Alles in allem: wir sind nicht optimistisch genug, zu er warten, daß die Aktion der Polizei zu einer ausgiebigen Be strafung der ertappten Berschwörer führen wird. Was wir aber bescheidenerweise von ihr erwarten und was schließlich auch von Rugen sein kann, das ist eine vollkommen flare aller Aufdeckung 3usammenhänge. Bom Zentrum der Berschwörung gehen Fäden einerseits zur Deutschnationalen Partei, andererseits zur Reichs wehr. Bir find well entfernt von der Annahme, daß die ganze Deutschnationale Partei putschlüstern und daß die ganze Reichswehr in irgendeine Konspiration verstrickt sei. Aber, um zunächst nur von dem einen zu reden: die Rolle, die der deutschnationale Geld- und Pressegewaltige Herr Hugen berg in dieser Angelegenheit spielt, ist doch intereffant genug, um zu verdienen, vollständig aufgeklärt zu werden. # Auf der anderen Seite wird man sich cuch nicht bei der Erklärung beruhigen fönnen, der„ Olympia"-Oberst v. Lud habe keinen Hochverrat begehen können, denn er habe geglaubt, im Interesse der Reichswehr zu handeln, und die Reichswehr begehe teinen Hochverrat. Diese Erklärung ist geradezu ein Monstrum juristischer Unlogit. Denn erftens fann es nicht als ein Ariom aufgestellt werden, daß alle der Reichswehr angehörenden Personen von vornherein über den Verdacht der Teilnahme an einer Gesetzesverletzung erhaben feien. Zweitens fann man aber sehr wohb im Glauben sein, man handele im Interesse der Reichswehr, und dennoch Hochverrat begehen. Wer einen gewaltsamen Umsturz erstrebt mit dem Ziel, der Reichswehr die politische Ge= malt in die Hände zu spielen, der glaubt ganz gewiß, im Interesse der Reichswehr zu handeln, begeht aber gleichwohl Hochverrat. Alle diese noch unverständlichen und geheimnisvollen Dinge müssen aufgeflärt werden. Bir wollen nichts find die des Butfchismus gegen die Sonnenstrahlen der Wahr anderes als Licht. Von allen politischen Krankheitsteimen heit am empfindlichsten. Revolutionen, die angesagt werden, und Butsche, die aufgedeckt werden, finden nicht statt. Neumann Hugenberg. Claß Ein belaftender Brief an Bürgermeister Neumann, Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Angesichts der Erklärungen, die der Lübecker Bürgermeister Dr. Neumann abgegeben hat, und die den Anjohein ermedten, als ob die Beröffentlichung des Amtlichen Breußischen Presiedienstes über die aufgebedien Butschpläne in bezug auf seine Person fehlgingen, sei folgender Brief mitgeteilt, den Justizrat Dr. Claß noch vor ganz furzer Zeit an Dr. Neumann geschrieben hat: Seiner Magnifizenz Berlin B. 10, Rauchstraße 27. 23. April 1926. Herrn Bürgermeister Dr. Neumann( aus Lübeck) Lieber Freund! zurzeit Karlsbad Tschechoslowakei Haus Edinburg am Schloßberg. Auf Ihr Schreiben vom 18. b. M. teile ich mit, daß ich es richtig dahin verstanden zu haben glaube, daß Sie im äußersten Fall zur Berfügung stehen. Unser Rohbratener Freund war von dieser Aussicht sehr eingenommen und hat eine derartige Lösung für sehr glücklich erflärt. 3m übrigen gehen unsere Bemühungen, wie ich glaube, erfolgreich welter, und ich mage zu hoffen, daß wir doch ans Ziel kommen, besonders wenn sich gewiffe Dinge jeht zuspihen, wie es doch den Anschein hat. Die Hauptsache ist jest, daß Sie sich ebenso schön und gut und gründlich erholen, wie das unser Freund Robbraten Die Waffen der Wehrverbände. Wie wir erfahren, haben sich in der Nacht zum Donnerstag in den Wäldern von Großbeeren bei Teltow rechtsradikale Verbände versammelt, um dort Waffenausgrabungen vorzunehmen. Die Polizei ist augenblicklich damit beschäftigt, in diefer Angelegenheit genauere Feststellungen zu machen. Kapitän Ehrhardt hat die Unverfrorenheit, in einer längeren Erklärung den Wikingbund als ein harmloses Unternehmen zu bezeichnen, das weder militärisch organisiert noch im Besize von Waffen sei. Ganz abgesehen davon, daß Ehr hardt ein Individuum ist, das monatelang wegen M eineids steckbrieflich verfolgt wurde und mit dessen Namen fast alle Butschversuche der letzten Jahre und der Mord an Rathenau verknüpft sind, so daß seine Glaubwürdigkeit angezweifelt werden muß, beweisen die Borgänge bei Teltow, was von den Ableugnungsversuchen der ertappten Geheimverbände zu halten ist. Räubergeschichten. Severings Reisen ,, inkognito". Um die Aufmerksamkeit von ihrem eigenen Treiben abzulenten, unternimmt die„ Deutsche Zeitung" den hintenden Bersuch, ihren Lesern aus angeblich gut unterrichteter" der preußischen Regierung aufzuffären. Quelle über die einzig wahren und wahrhaftigen Absichten Zweifellos ist die Deutsche Zeitung" der Herren Claß und Sodenstern die geeignetste dazu, über die Absichten der preußischen Regierung Licht zu verbreiten. Besonders gewichtig sind diese ihre Mitteilungen: Severing wisse ganz genau, daß er von allen Seiten, auch in feinem Minifterium, überwacht werde, aber auch, daß er sich auf die Berichte, die er aus der Provinz erhalte, nicht bedin. gungslos verlassen fönne. Sein Urlaub dient also dem 3wed, fich persönlich zu orientieren und Material zu jammeln. Er werde in gauz Preußen herumreifen, fich von den Polizeiorganen unterrichten lajjen, aber auch felbft versuchen, infognito Eingang in rechts gerichtete reise zu erlangen, um etwas Positives zu erfahren. Der Berichterstatter betonte, daß es sich hierbei in allererster Linie darum handele, die Beziehungen zwischen Verbänden und Reichswehr einwandfrei festzustellen. Wenn der Minister Severing, der schwarze Mann aller Rechtsradifalen, sich demnächst infognito", also unter Dec namen, als Mitglied im Bitingbund oder Werwolf oder bei dem Diympia- Ersatz aufnehmen laffen wird, so dürfte das den Höhepunkt feiner politisch- polizeilichen Betätigung darstellen! Zweifellos wäre seine Leistung dann fast ebenso groß wie der Bär, den die Deutsche Beitung" ihren Lesern mit der Meldung von den Inkognitoreisen Severings aufzubinden für gut hält. Im übrigen ist das Geständnis des Wikingblattes zu registrieren, daß Severing selbst in seinem Ministerium von den Leuten der Butsch freise überwacht" wird. Deutsch- dänischer Handelsvertrag. Ausschußannahme gegen Rechtsparteien und Kommunisten. Im handelspolitischen Ausschuß des Reichstages fand heute die zweite Lesung des Handelsvertrages mit Dänemart statt. Nach kurzer Aussprache murde der Vertrag mit 14 gegen getan hat. Ich selbst muß Anfang Mai nach Bien und will sehen, 13 Stimmen angenommen. Die Sozialdemokraten und Demofraten menn es irgend möglich ist, ein paar Tage ruhig in Gastein zustimmten geschlossen für die Annahme. Die Mittelparteien waren figen. gespalten. Gegen den Bertrag ftimmten mit den Deutsch. nationalen und Böltischen auch die Kommunisten, trotz der Bedeutung, die dieser Bertrag für die Ausfuhr nach Dänemark und damit für die Arbeiterinteressen besitzt. tit vielen guten Grüßen an Shre liebe Frau und Sie selbst Ihr( gez.) Cla§. Zum vollen Berständnis des Briefes fei noch ermähnt, daß der Rohbratener Freund" fein anderer als Herr Ge heimrat ugenberg ist. Wie lose das Geld noch sitzt! Bon Henni Lehmann. Bor einigen Tagen war's. Ich fuhr in der Eisenbahn von Leipzig nady Berlin, 3. Klaffe, Gilzug. Mit mir im Abteil mehrere: neben mir ein nettes junges Mädel, Säuglingepflegerin, frant gewesen, fährt heim zu den Eltern, fleinen Beamten. Mir gegenüber zwei andere Typen, Bubiföpfe, Lippen und Brauen gemalt, fniefreie Röde, Seidenflorstrümpfe fleischfarben. Erstes, als fie einsteigen: Borziehen der Puderdosen, intensives Bemühen der Berfchönerung. Dann sprechen sie über ihre( schwarzhaarigen) Bubitöpfe. Im Sommer bin ich immer blond," sagt die eine. Neben den beiden drüben einfacher, gut aussehender Mann, neben der Kindergärtnerin auf einer Seite Jüngling, ber sich bemüht, flott und elegant auszusehen, Weltmann zu marfieren. Durch große horn. gefaßte Brillengläser sehen ungewöhnlich nichtssagende Augen. Unter einem breiten, dicen Mund fißt ein ganz fleines, dummes Kinn. Nachdem ich von meinen Mitreisenden Renntnis genommen habe, schlafe ich ein, denn ich bin müde, da ich gestern spät gearbeitet habe und heute früh aufgestanden bin. Hinter Wittenberge fahre ich hoch. Lärm und Gelächter wedt mich. Neues Bild. Drüben sigt neben dem Herrn ein lebhaft reden der blonder Mann, drei Karten auf den Knien, zwei Coeur, ein Treff, die er verdeckt unaufhörlich rasch durcheinanderwirft. Gegen die Tür des Abteils lehnt ein Dider, schwarz, mit pfiffig beobachten den Augen. Daneben steht, auch vor der Tür, ein anderer blonder Unauffälliger. Geldscheine fliegen auf die Karten, 10-, 20- Martscheine, besonders von den beiden an der Tür Stehenden. Gie scheinen Glück zu haben. Der die Karten auf den Knien hat, zahlt immer wieder doppelt den Einsaß zurück, wenn nämlich ihr Einsah auf der einen schwarzen Karte gelegen hat. Aber das pasfiert mert würdig oft. Der die Karten auf den Knien hat, fordert uns alle zum Mitspielen auf. Den Jüngling mit der Hornbrille und dem dummen Kinn reizt das rasche Gewinnen der zwei an der Tür. Er wirft einen Behnmartschein auf die Karte, gewinnt, nun wird er Feuer und Flamme, wirft 20 m., verliert, noch einmal 20 M., verliert wieber. Das Bubitopfmädel- bie, welche im Sommer blond ist wirft 5 M., gewinnt." Fräulein," jage id, fegen Sie jetzt nicht mehr. Mein Dank ein wütender Blid des Mannes mit den Karten auf den Knien. Sie seht doch 20 M., 10 M., verliert, aber mein Kopfschütteln scheint zu helfen. Mehr seht sie nicht, die Leute an der Tür gewinnen noch immer. Der Weltmann mit dem dummen Kinn wirft noch 10. und 20- Martscheine, der mit den Karten jammert, er habe 50 m. verloren. Da Jüterbog! Der Zug hält, der dicke Schwarze an der Tür reißt sie auf, springt hinaus, der neben ihm, der mit den Karten hinterher fie rennen davon. Alle guden ihnen nach. Langsam begreifen sie, daß dies ein Kleeblatt pon Gaunern mar, Hierauf fand eine vorläufige Aussprache über den deutsch spanischen Handelsvertrag statt. In dieser Aussprache spanischen Handelsvertrag statt. In dieser Aussprache wurde sowohl vom volfsparteilichen Abgeordneten Dr. Schneider „ Es ist wohl das berühmte Kümmelblättchen gewesen," sage ich, „ Bauernfänger." 25 M. habe ich verloren," seufzt das Mädel mit dem schwarzen Bubitopf, der im Sommer blond ist. .90 ich," fagie etwas jämmerlich der weltmännische Jüngling mit der Hornbrille. Bie schwer muß ich das verdienen," sagt die fleine Säuglings pflegerin. Er scheint darüber nachzudenten, weshalb dieser Berluft für ihn besonders schmerzlich ist. Nun hat er's. Dafür hätte ich mich heut in Berlin noch schön amüsieren fönnen," sagt er. Da fährt es mir heraus: Ja, oder es einem erwerbslosen Arbeiter geben, der hätte mit seiner Familie einen Monat davon leben tönnen." Die Augen unter der Hornbrille stieren mich blöde an, und das fleine Kinn fieht noch dünner aus als vorher. Frühlingstänze. Wer einmal beobachtet hat, wie um die Frühlingszeit die Kinder draußeri zu springen und hüpfen beginnen, wird die Behauptung Bielands nicht von der Hand weisen, daß der Frühling den Tanz geboren habe. Es ist daher kein Wunder, daß bereits die frühesten Berichte darin übereinstimmen, daß zur Zeit des beginnenden Frühlings Tänze aufgeführt wurden. Alle Frühlingsfeste und gottesbienftlichen Uebungen waren mit Tänzen verbunden, und auch die Feier der Ueberwindung des Winters bei den alten Germanen wurde durch Tänze verschönt. Der Sing- und Springetanz um den Mais baum, der sich noch in merkwürdigen Umzügen erhalten hat, ist die älteste Form des noch in unserer Zeit bekannten Tanzes um den Maibaum, und alle Maispiele und Maifeste, welche die Kirche auf die Pfingstzeit legte, haben in diesem Singe- und Springetanz eine befondere Anziehungskraft erhalten. Später hat dann die Geistlichkeit diese Tänze verboten, weil sie Reste altheidnischer Gebräuche waren, und die vornehmen Kreise, die sich ja immer mehr von den niederen Schichten absonderten, verachteten den Tanz um die Dorflinde erst recht. Der börperische Reihen", der später in der Allemande" mieder modern wurde und der Vorläufer unferes Walzers geworden it, geriet schließlich bei den Bornehmen ganz in Berachtung. Alle diese Frühlingstänze find von Neidhart von Reuental befungen worden, der für sie im 13. Jahrhundert auch frische Lieder gedichtet hat. Zu den Frühlingstänzen gehören auch die alten Schaufeltänze der Litauer, die in Ostpreußen zur Zeit des Ordensmeisters Binrich von Kniprode wegen ihres heidnischen Charafters in Acht und Bann getan wurden. Aus Deutschland berichten alte Chroniten vom Spiegelianz. In jedem Schlafzimmer mußte am Abend vor Pfingsten ein Spiegel aufgehängt werden, und man glaubte, daß sich darin alle Ereignisse des fommenden Jahres spiegeln würden. Am Pfingst. morgen mußte der Spiegel vom Eigentümer verhängt werden. Dann wurden alle Spiegel auf eine Wiefe gebracht und nach Sonnenuntergang unter Abfingung des Spiegelliedes in grotester Form um als von Ber Abgeordneten Sender( S03.) Sarauf hingewiefen daß gegenüber dem Provisorium die deutschen Exportinter effen zu furz gefommen find megen allzugroßer Rüdsichtnahme auf die Interessen der Agrarier. Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt, da der Bertrag dem Ausschuß vom Blemum noch nicht überwiesen ift. Der erledigte Münchmeyer. Ein Vergleich im Borkumer Prozek. Borfum, 12. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Nach viertägigez Berhandlungsdauer, in deren Berlauf den Angeklagten Dr. Bög tein, Dr. Scharrig und Bels der Wahrheitsbeweis gegen den Rebenfläger Münchmeyer in volltommenem Lim fang gelungen war, fam auf Borschlag von Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil- Berlin, einem der Berteidiger der Angeklagten, ein Vergleich zustande, der nach erfolgter Einwilligung des Landeskirchenamts am 17. Mai rechtsfräftig wird. Der Jur halt des Vergleichs und also auch das Ergebnis des Verfahrens ist die Erzielung eines Burgfriedens für Borfum. Münch meyer tritt einen Erholungsurlaub von sechs Monaten an, während dessen er sich jeder politischen Betätigung zu enthalten hat, und er unterwirft sich in dieser Hinsicht einem Schiedsgericht. Nach Ablauf dieser Frist mu z Münchmeyer auf Ver langen seiner vorgesezten Behörde Bortum verlassen. Die Borfumer Bevölkerung begrüßt besonders angesichts der beginnenden Saison dieses Ergebnis, von dem man nach der wirtschaftlichen sowie nach der politischen und fonfessionellen Seite hin eine allge= meine Entspannung der Lage erwartet. Luthers Sturz. Der Eindruck in Paris. Paris, 13. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Rücktritt des Kabinetts Luther hat hier feine Ueberraschung hervor. gerufen. Die Breffe beschränkt sich hauptsächlich auf die Melbungen ihrer Korrespondenten aus Berlin und bezeichnet in ihren Kommen taren Luther als ein Opfer seiner unentschiedenen politischen Haltung, die weder Klarheit noch Mut gefunden habe, sich endgültig für die Reaktion zu entscheiden, der er innerlich angehört. Die Ansicht ist allgemein, daß Luther nur das völlige Auswirten der mit Locarno verbundenen Außenpolitik und den Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund habe abwarten wollen, um dann nach Genuß dieser Früchte dem Staatsschiff den endgültigen Rud nach rechts zu geben. Der Mangel an politischer Initiative ist nach der hiesigen Ansicht der Hauptgrund für die Gebrechlichkeit des Kabinetts Luther gewesen, weshalb man dann auch seinen Sturz oder Aus einanderfall hier seit langem erwartete. Man nimmt in bezug auf die Gleichzeitigkeit gewiffer politischer Ereignisse in Deutschland kein Blatt vor den Mund und man ist nicht geneigt, das Zusammenfallen oon Flaggenerlaß und rechtsradikalen Puffchplänen als zufällig zu betrachten. Die Berson Hindenburgs spielt in den an sich schon fnappen franzöfifchen Kommentaren nur eine geringe Rolle. Doch ist gelegentlich darauf hingewiesen, daß das Mißtrauensvotum des Reichstags mittelbar auch eine Kritik an der Amtsführung des Reichss präsidenten darstelle. Ob man von der politischen Krise in Deutsch land eine außenpolitische Aenderung in der Haltung des Reichs ermartet, wird hier nicht gefagt. Im Gegenteil scheint man stillSchweigend vorauszusehen, daß diese Haltung unverändert sei. Daß die Lösung der ausgebrochenen Rrise nicht ohne Schwierigkeiten vor fich gehen werde und obwohl man sich im allgemeinen irgendwelcher Borausfagungen für die nächste 3ufunft enthält, glaubt man do. baß die politische Laufbahn des früheren Reios. tanglers Buther erledigt ist. Auf Grund des deutsch- franzöfifchen Cufffahrtablommens hat ein franzöfifches Flugzeug om Mittwoch und Donnerstag einen erften Berfusflug auf der Linie Kopenhagen- Baris über Deutschland zurückgelegt. Das Flugzeug stieg Mittmod um 9,10 Uhr in Kopenhagen auf und landete in Köln um 8,10 Uhr nach einer 3mischenlandung in Hamburg. In Köln stieg es am Donnerstag um 11 Uhr auf und landete um 1,26 Uhr in Paris, | tanzt. Das Spiegellied fegte sich aus lauter Befchwörungsformen zusammen, die auf den uralten mythischen Ursprung dieses Tanges fchließen laffen. In einem mitteldeutschen Dorfe war noch im letzten Biertel des 18. Jahrhunderts der Frontanz üblich. Der Landsknecht eröffnete den Tanz unter einer umzäunten Linde, nachdem jeder Tänzer seinen Ramen vor dem die Aufsicht führenden Stadt- und Landrichter an gegeben hatte. Wer nicht mitmachte, mußte einen Gulden Strafe zahlen." Der Ursprung dieses Tanzes ist jedoch heute ebensowenig mehr nachmeisbar wie der des pommerschen Schustertanzes, der Pfingsten gefeiert murde. Am Berabend brachte eine Mufiferichar Ständchen. Am ersten Pfingsttag folgte dann ein Umzug der teil weife verkleideten Schuster. An ihrer Spize marschierte der bunt geschmückte Maigraf. Diefer führte auf der Pfingstwiese einen ziera lichen Tanz auf, bei dem er allerlei Wendungen machen mußte, die eine große Gefchicklichkeit erforderten. Zu dem anschließenden Ball hatten nur Schusterfamilien Zutritt. Heute werden solche Pfingst tänze in der Hauptsache nur noch von Kindern aufgeführt. K. M. Durch Nordamerika. Ingenieur Wilhelm G. Dienes zeigt in der Urania Reisefilme, zu denen er unter dem Titel„ 16000 Rilometer mit dem Automobil durch Norda amerifa" einen Vortrag hält. Unwillkürlich drängt sich einem die Ansicht auf, für den einzelnen, dem nur sein eigener Geldbeutel zur Verfügung steht, ist es heute schwierig, wenn nicht sogar un möglich, einen guten Reisefilm herauszubringen. Die vielen, mit reichen Mitteln ausgestatteten Filmegpeditionen haben in wiffen fchaftlicher und künstlerischer Hinsicht derartig hochstehende Werke geschaffen, daß man schon sehr verwöhnt ist. So mutet es befremdfich an, wenn einem erzählt wird, es ist fast ausgeschlossen, Henry Ford vor die Kamera zu bekommen, und es ist nicht ratsam, ein Chinesenviertel zu photographieren. Auch reicht die Begabung des einzelnen faum aus, um die vielgestaltigen Ansprüchen eines Reise films gerecht zu werden. So fehlt bei den Aufnahmen vom Jellow stonepart, vom Banamafanal und von den tausend Inseln des St.- Lorenz- Stromes die wahre Erfaffung der Landschaft, sowie der Tier und Pflanzenwelt voltommen. Die Bilder sind intereffant, doch haben sie teinen Charakter. Ganz anders ist es, sobald von Wunderwerken der Technik Bericht erstattet wird. Hier wußte der Fachmann sofort, worauf es antam; zubem ist ihm der Rhythmus der Technit wohlbekannt. Daher waren die Streifzüge durch New Port( Wolfentraßer, Brücken, Berkehr), ber Besuch von Coney Is land und die Arbeitsbilder aus der Automobilstadt Detroit außerordentlich eindrucksvoll. In den Ford- Werken sah man denn auch die zur Maschine gewordenen Arbeiter und hörte zugleich ein hohes Loblieb auf diese Rationierung. Mit freudiger Begeisterung wurde von denen eingestimmt, die nicht dazu verurteilt sind, Tag für Tag denselben Handgriff zu tun. e. b. Spielplanänderung. Die auf Freitag in der Romödie" angefekte Erstaufführung von Franz Molnars Einaltern Theater!..." ist auf Sonnabend verlegt worden. NO In der Volfsbühne findet die Uraufführung von Baul Zechs Drama Dastruntene Schiff am 21. unter der Regie von Erwin Biscator Die Rolle des Rimbaud spielt C. 2. Achas, ben Berlaine Leonhard Stedel, die Bühnenbilder sind von George- Groß. ftatt. Neuer Weg zur Hochschule. Von Frig Kursen. Kürzlich konnte man in einem Berliner Rechtsblatte einen Auf- sag unter der für die Leser dieses Blattes offenbar sehr beunruhigen- den Ueberschrist lesen:.In drei Jahren von der Hochschule zur Universität." Ein Herr Studienrat Engel setzt darin sehr eingehend auseinander, daß unser heutiges Schulsystem unter dem Gesichtspunkt sozialer Gliederung und Fürsorge für die Kinder aller Bevölkerungsschichten nicht nur alle berechtigten Forderungen erfülle, sondern teilweis« schon zu viel tue. Gäbe es doch heute namentlich in Berlin Erzichungsbeihilfen für Minderbemittelte, gäbe es doch freie Lehrmittel für bedürftige Schüler aus einem großen Fonds, der nach seiner Angabe die erstaunliche Höhe von 1000 M für jede Schule betragen soll, gäbe es doch für alle Begabten noch eine stattliche Reih« von Aufbauschulen— er rechnet HO bis 120 allein für Preußen!—, die auch denen den Aufstieg ermöglichten, die aus irgendwelchen Gründen nach vierjährigem Besuch der Bolks- schule den Anschluß an eine weiterführende Lehranstalt noch nicht gesunden hätten und nun nach sieben Iahren Volksschule in einem sechsjährigen Kurs ohne Zeitverlust die Reife für die Universität erlangen könnten! Also wird nach Engels Ansicht»in reichem, man möchte fast sagen, überreichem Maße für begabte, minder- bemittelte Schülern gesorgt". Denn e» gibt auch unter den so vor- sorgten Schülern manche Unbegabte, die sogar sitzen bleiben, und dann haben wir— smmer nach Engel— die folgend« sozial untrag- bar« Tatsache:.Der einzige Befähigungsnachweis für dies« Schüler ist der Lohn- und Steuerzettel des Vaters." Es liegt eine unfreiwillige Ironie in diesen Worten. Denn Tatsche ist, daß die höheren Schulen, deren Kosten fast ganz von den öffentlichen Körperschaften und trotz aller Erhöhungen des Schulgeldes nur in geringem Maße von den Schulgeld zahlenden Eltern getragen werden, von einem sehr hohen Prozentsatz von Schülern besucht werden, deren einziger Befähigungsnachweis in umgekehrtem Sinn in dem S t e u e r'z e t t e l und in den S t a n d e s- anschauungen des Sater« liegt. Wir sind gewiß olle der Meinung, daß die höheren Schulen nur von solchen Schülem besucht werden dürften, die die nötige Begabung dafür mitbringen. Aber dann bitte gleiches Recht für alle! Keiner soll wegen des Steuer. zettel« zurückgesetzt oder— bevorzogt werden! Fort von den höheren Schulen anch mit ollen den Schülern, die es sich infolg« der guten Verhältnisie ihrer Eltern leisten können, mehrfach sitzen zu bleiben! Nehmen wir im übrigen einmal an, daß die Angaben über die sozialen Erleichterungen zutreffen. Was sollen 1000 M. zur Lehrmittelbeschosfung für Schulen wie die unsrige, wo ein Drittel der Eltern von etwa �00 Schülern gelegentlich arbeitslos war?— Was sollen die von Engel angegebenen 10 bis IS Erziehungsbeihilfen von je 300 M. für eine solche Schule?— Sie können kaum in den allerschwersten Fällen die Not lindern. So bleiben schon von dem rein wirtschaftlichen Standpunkt aus geradezu durchschlagende Gründe für die meisten proletarischen Eltern, ihre Kinder, selbst wenn sie hochbegabt sind, nicht auf die Höhere Schule zu schicken, sie sogar, wenn sie schließlich dem Drängen der Lehrer nachgegeben und sie noch zur Ausbau- schule gegeben haben, wieder herauszunehmen, damit sie ver- dienen. Wer wagt demgegenüber zu behaupten, daß für oll« diese vielen Menschen kein Weg nach Art der Arbeitskurse mehr gesunden zu werden brauche, der sie im Interesie der Gesamtheit auch später noch an die Stelle bringt, für die sie die Eignung haben?! Aber abgesehen von dem rein wirtschaftlichen Gesichtspunkt. sollen denn die sozialen und pädagogischen Motive ganz unbeachtet bleiben, denen schon die Aufbauschule ihr« Entstehung verdankte? Ist e» denn nicht«in« unleugbare Tatsache, daß der Riß. der da» deutsch« Volk durchzieht, nicht zum wenigsten auf der frühen Trennung beruht, die die Schule zwischen den Kindern vollzieht und durch verschiedenartig« Bildung immer mehr vertieft? Man sollte eigentlich denken, daß nach den vielen Reden, die über die Grundschule gehalten worden sind, dieser Gedanke Gemeingut aller derer wäre, die über Volkspädagogik schreiben. E» liegt für jeden, der sehen kann, doch aus der Hand, daß Menschen, die wie unsere Arbeiterschüler nicht nur die gesamt« Volksschule mit ollen Kindern des Volkes durchgemacht heben, sondern nachher auch durch ihren harten Beruf mit dem tätigen Leben und den in ihm stehenden Dolksgenosien zusammengekommen sind, diesen mit ihren Freuden und mit ihren Leiden ganz ander» nahe stehen al» jene, dt« mit 18 Jahren nach einer behüteten Schulzeit den ersten Bück m das wirkliche Leben tun und sich an dieses recht oft erst gewöhnen, nachdem sie viele Illusionen geopfert haben. Und gilt denn auch der pädagogisch« Gesichtspunkt nichts: Daß eigentliche Begabungen, die den Desuch einer höheren Schule begründen, erst mit etwa 13 bis 14 Jahren auftreten, daß vor allem hier erst jenes Selbstbewußtsein in dem jungen Menschen empor- wächst, da» ihn befähigt, aus eigener Richtungsbestim- mung seinen Weg zu gehen? In wieviel höheren Älasien gilt bat von unseren Arbeiternschülern, die im Lebenskampfe ge- standen haben, die dort in ihrem Kreise zum ersten Male Gelegen- heit hatten, sich als Führer zu bewähren, die nun auf die schon er- wordene Stellung verzichten müssen, um noch einmal unter schwie- rigsten Umständen mit Lernen anzufangen. Es gehört schon eine ganz ungewöhnlich« Energie dazu, 5 bis 6 Stunden tag- lich schwere körperlich« Arbeit zu tun, um die notwendigsten Sub« ststenzmittel zu verdienen, dann die lausend« Dorbereitung für den Unterricht zu leisten und am nächsten Morgen um%7 Uhr im Sommer und Winter wieder auf vier Stunden in der Schule zu erscheinen und das drei Jahr« hjndurchl Da» aber haben unsere Aröeiterkursisten fertig zu bringen. Ich glaub«, da» Zutrauen ist berechtigt, daß Menschen, die solche» auf sich nehmen, die diesen starken Willen bekunden, schon vor allem Urteil über ihre spezifische Begabung«in Bildungsmaterial darstellen, da» turmhoch aber dem gewöhnlichen Schüler der Sexta steht. Der wirtschaftliche, der soziale und der pädagogische Gesichts- punkt begründet in gleicher Weise die Notwendigkeit der Arbeiterturse. die in etwa drei Iahren zur Universitotsreif« führen. Und darum sind sie auch ohne jede gegenseitige Fühlung- nahm« an verschiedenen Stellen, in Stuttgart, in Hamburg und in Wien entstanden. Aus solcher Notwendigkeit werden sie auch leben. Erkannt« Lücken in unserem Bildungssystem fordern unbeschadet der bestehenden Wege einen neuen Weg in unserer immer stärker disserenzierten Gesellschaft! Und dos Schreckgespenst der �sozialdemokratischen Funktionäre" kann nur dem' erscheinen, der die Unbildung der Massen als Hinlergrund für dt« Klassen- Herrschaft einer Minderheit konsequent erhalten will. ober die Republik bekämpft, deren Vorbedingung die Bildung der Massen ist. An diesem feudalen Argument ist die Weltgeschichte doch wohl längst vorübergegangen. Nur eine Behauptung könnte wirklich, wenn sie begründet wäre, unser« Forderung der Arbeiterkurse innerlich zu Fall bringen: Daß es nicht möglich sei, in drei Iahren die Unioersitätsreife M erreichen! Wir sind in der glücklichen Lage, sie gründlich zu können. 3a unserem Neuköllner Arbeiterkurs. der vor noch nicht drei 3ahren auf die ZniKakive des Stodirak» Dr. töwenstein mit Unterstützung des Reichsministeriums des Innern ins Leben gerufen wurde und der unker meiner Leitung stand, haben vor zwei Wochen die ersten vier von uns vorbereiteten und zugelassenen Arbelier die Prüfung bestanden, und zwar mit so viel Auszeichnung, daß der Vertreter der Behörde diesen erfreulichen Eindruck auch außeramtllch besonders zum Ausdruck brachlei Soziale Gerechtigkeit der Arbeiterschaft gegenüber verlangt den Arbeiterkursl Sie üemokratifche Jugenü für volksentfcheiü. Der Rcichsbund Deutscher Demokratischer Jugend veröffentlicht folgende Kundgebung: „Der Deutsche Reichstag hat in der Frage der Abfindung der Fürstenhäuser ein« annehmbare und die Volksinter- essen ausreichend berücksichtigende Lösung trotz monatelangcr Be- ratungen nicht gesunden. Nun hat der B o l k s e n t s ch e i d das Wort. Wir Jungdemokraten lassen keinen Zweifel daran, daß wir uns am Volksentscheid nicht nur geschlossen beteiligen werden, sondern daß wir darüber hinaus die Werbearbeit für die Beteiligung am Volksentscheid bewußt und mit allen Mitteln weiterführen werden. Wir richten hierdurch an alle unsere Gau- und Gruppenorganisationen im Reiche bereits heute die Auf- fockierung, sich mit aller Kraft in den Dienst der V o l k s b« w e- gung zur Ablehnung der maßlosen Fürsten» ansprüche zu stellen. Nehmt den Fürsten, was de» Volkes ist! Rcichsband Deutscher Demokratischer Jugend. Lemmer. � G y ß l i n g. Wie wir hören, schließt sich mich der Reichsbund Deutscher Demokratischer Studenten dieser Kundgebung an. Der Cifenbahnerftreik geht weiter. Verhandlungen mit den EisenbahngeseUschasten. London, 14. Mai.(EP.) Die Vollzugsausschüsse der koUcktioverbände der Eisenbahner haben einen vries an die Eisenbohagesellschaste« gerichtet, in dem sie diese um die Mik- leilung ihrer Bedingungen für die Wiederaufnahme der Arbeit ersuchen, ver Direktor der Gesellschaft hat die vele- gierte« der Eisenbahner ersucht, heute vormittag mit ihnen zu unterhandeln. Einige Gesellschaften haben bereit» erklärt. daß sie keineswegs die Absicht hätten, dl« Löhne der Eisen- bohner herabzusehen, ver ftormalbckricb könnte indessen nicht «her ausgenommen werden, bis eine Einigung erzielt sei. wo» vier oder fünf Tage dauern könnte. Bereit» gestern Macht hat eine Unterredung der Delegierten der Verkehrsarbeiter mit der Direktton der Londoner Untergrundbahn stattgefunden. Allgemeine Arbeitsaufnahme nur durch die Gewerkschaften London. 14. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der Generolrat Hot an die organisierten Arbeiter Großbritanniens einen Aufruf ge- richtet, der die Aufforderung enthält, lediglich auf Grund von Weisungen der Gewerkschaften die Arbeit wieder aus- zunehmen. Di« Gewerkschaften würden die Ausreckst er Haltung der alten Verträge sichern. Die Etsenbahngesellschasten haben ihren zur Arbeit zurückkehrenden Arbeitern«ine Formel zur Unterzeichnung vor- gelegt, wonach sich die Gesellschaften das Recht vorbehalten, ihr« An- gestellten in Zukunft wegen Kontraktbruch zu verfolgen. Daraufhin haben drei führende Eisenbahngewerkschasten ihre Mit- glicder angetviesen, bis zur Regelung der Streitfrage die Arbeit noch nicht wieder auszunehmen. Tie Bedingungen der ZeituugSverleger. London. 14. Mar.(EP) Die Schriftsetzer der Zeitungen hoben bis jetzt die Arbeit noch nicht voll aufgenommen, weil die Zeitungsbesitzer die Bedingungen für die Wiederaufnahm« der Arbeit noch nicht mitgeteilt haben. Es verloutet, daß die Zeitung»- besitz»? folgend« Bedingungen stellen werden: 1. Die Schriftsetzer müssen sich verpflichten, in keiner Weisein die Politik der Zeitung einzugreifen. Diese Forderung hat auf dt« Haltung der Setzer der„Daily Mail" Bezug. 2. Die Vorarbeiter müssen sich verpflichten, keinerlei Gewerkschaften anzugehören.(I) Baldwin verhandelt mit beiden Seiten. London. 14. Mai.(EP.) Nach der Besprechung, die Baldwin gestern mit den Mitgliedern des Vollzugsaueschusses.der Berg- arbeiterverbände hatte und die bis �11 Uhr abends dauerte, wurde ein Kommunique heroüsgegeben, in dem mitgeteilt wird, daß die Fortsetzung der Aussprache auf heut», Freitag vormittag, vertagt worden sei. Vorher werde Baldwin eine Unterredung mit den Grubenbesitzern haben. Schwierigkeiten bei der Wiedereiristellnng. London. 15. Mai.(MTB.)„Times" berichtet ans Glasgow, daß in Wcst-Sck,ottland noch keine allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit stattgefunden hat. Di« Arbeitgeber erklärten in den meisten Fällen?»en zur Arbeit zurückkehrenden, sie müßten persönliche Antröge aus Wiedereinstellung in ihre alten Posten machen. Es beftehe bei den Unternehmern Abneigung, ihre Arbeiter wieder auf- zunehmen. In gqwisien Bezirken Glasgows trugen Arbeiter- Prozessionen Plakate mit der Ausschrist„Nieder mit Thomas" (Führer der Eisenbahnarbeiter) und mit der Erklärung, daß die Eisenbahner den Streit verloren hätten. Aus L e« d s berichtet .Tärnes": Nur wenig« Moschinensabriken in Porlshir« waren in der Lqge, 90 Proz. ihrer Arbeiter wieder einzustellen, bei vielen waren es nur 40 Proz. Aus Manchester berichtet„Times", daß keine Anzeichen für ein« Beendigung des Streiks bei den Zeitungen vorhanden feien. Aus Liverpool meldet das Blatt, daß die Arbeiter in allem vom Streit berührten Industrien die Arbeit nicht wieder aufnehmen werden, wenn die Arbeitgeber sich nicht bereit erklären, sie in sg e so m t wieder»inzustellen. Nach einer Meldung der„Times" aus Cardiff scheint der Streik in Südwoles ebenso allgemein zu sein, wie bisher. In Eardiff befänden sich sowohl die Gifenbahner. wie die Straßenbahnaug« stellten im Ausstand. Srunets ffliftion gescheitert. Die belgische Regierungskrise. Brüssel. 12. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Versuche des Kammerpräsidenten, Gen. Brunei, zur Lösung der Regierungskrise sind gescheitert. Die Liberalen hatten beschlossen, die Teilnahme an der Regierung nicht grundsätzlich abzulehnen, aber sie stellten für die Zusammensetzung der Regierung V e d i n g u n g e n, die für die So- zialdemokraten kaum annehmbor sind." Die liberalen Ansprüche be- ruhen auf der Annahme, daß der Bankier Franqui das Finanz- Ministerium nur bei Beteiligung der Liberalen übernimmt, was noch keineswegs sicher ist._ Aus der Paßkonferenz de» Völkerbundes verlangten mehrere Teilnehmer die allgemeine Aufhebung der Sichtvermerke. Man will aber nur mildern und verbilligen. Der künstige Genfer Rat. Erhöhung der Mitgliederzahl. Gens. 13. Mai.(Eigener Drahchericht.) Die Siudienkommifjion des Völkerbundes befaßte sich am Donnerstag zunächst geheim, dann öffentlich mit der Bermehrung der Ratsfig«. Als erster Redner be- gründete der spanisch« Vertreter den Anspruch seines Lande» auf einen ständigen Sitz. Er wies auf die hohe Bedeutung Spaniens als Bindeglied zwischen Europa und Amerika, auf die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten seines Landes und seine bisherige Mitarbeu im Völkerbund hin. Der brasilianische Vertreter kündigte für Freitag die Begründung eines ähnlichen Antrages an. Es gab dann eine kurze Verlegenheitspause. nach der Lord Cecil vorschlug, die nichtständigen Rotssitze aus neun zu erhöhen. Demgegenüber bezeichneten der italienische und der japanische Vertreter als das zunächst Wichtigste, daß die Gesamt- zahl der Sitze festgesetzt werde. Scialoja deutete eine Höchstzahl von 12 oder 13(einschließlich Deutschlands) an. Tentschösterreichischer Reformvvrschlag. Gens, 13. Mai.(TU.) Die österreichisch« Regierung hat durch ihren Vertreter beim Völkerbund die SnZdientonrmission auf den Dorschlag«ine» Oesterreichers zur Umgestaltung des Völker- bundsrates aufmerksam gemacht, der seinerzeit von der englischen Regierung den Großmächten zur Beachtung empfohlen wurde. Der Vorschlag geht von der Zusammensetzung des Verwoltungsrates des Internationalen Arbeitsamts aus und empfiehlt für den Dölkerbmrdsrat eine analoge Gruppierung. Die einzelnen Mitgliederstaaten sollen im Rate nach ihrer Dedeutung ver- treten sein. Zu diesem Zweck stellt der Verfasser die internationale Bedeutung jedes einzelnen Staates fest, die von seiner Ben ölte- rungsziffer, der Gestaltung seiner Grenzen, den internationalen Beziehungen der Völker unterein- ander, je nachdem ob sie günstig oder ungünstig sind, dem Waren- a u s t a u s ch, dem Verkehr und der kulturellen Bedeutung eine» Staates, seiner Roll« im internationalen Rechtsleben usw. abhängig ist. Mit Ausnahme der vier dem Völkerbundsrat onge- hörenden Großmächte und Deutschlands ordnet der Verfasser samt- liche Völterbundsstaaten nach diesen Punkten»in und schlägt vor, baß den bedeutendsten unter ihnen ständige Ratssitz« vertiehen werden sollen. Er hofft mit diesem Borschlage, den Weg der obs ek- tiven Beurteilung und Bedeutung«ine» Staate» gewiesen zu haben. völkerbunüsarbeiten. Gens. 14. Mai.(Eigener Drahtbencht.) Die Paßkonferenz beschloß, von der Einführung eines besonderen internationalen Identitätsbüchleins für Auswanderer abzusehen. Zwei Vor- schlüge, daß die Pässe auf wenig st en» 2 oder bi» zu 5 Iahren Gültigkeit ausgestellt und die Gebühren dafür möglichst niedrig angesetzt werden, fanden Annahme. Die wichtigsten Punkte aus der Tagesordnung der Juni-Session des Völterbundsrates sind die Prüfung der Berichte über die Reorganisation des Aölkerbundsrat» sowie über die vorbereitende Wirtschafts- und Abrüstungskonferenz und Konseren; der Wasfenfabritation. Die diesjährige Arbeitskonferenz wird von Delegierten aus über 50 Ländern bejuckt werden. Di« japanisch« Delegatton ist mit 30 Personen bereits eingetrpsfen: japanischer Arbestervertreter ist Marasati. Vorsitzender de» Seelepteverbandes. Regierungssturz m Litauen» Durch die Neuwahle». »awna. 12. Mai.(DTB.) Nach dem norlaufigan Ergebnis der Wahlen zum lstauischen Seimas dürste der bisherige Regierung»- block 29 Sitze gegen 43 bisher erhalten. Dem stehen 5S Sitz- der übrigen Parteien, einschließlich der Minderheiten und der fünf memelländischen Abgeordneten gegenüber. Im Memelland sind nur deutsche Bürgerliche gewählt: gegenüber der dortigen Landtagswahl hoben nur die Litauer und die Kommunisten gewonnen, aber beide haben noch längst kein Mandat errungen. Serrott gestorben. Au» Rom kommt die Meldung, daß der langjährige frühere Ehesrcdakteur des„Lvanti", Serrati, am Tower See plötzlich einem Herzschlag erlegen ist. Mit Serrati scheidet au, der italienischen Arbeiterbewegung einer der bekanntesten nick ältesten Parteiführer aus. Am meisten ist Serratis Name im Ausland in der Nachkriegszeit bekannt geworden. Bei den Verhandlungen über den Anschluß der staltenischen sozialistischen Partei an die Dritte Internationale, bei den Konferenzen über den Zusammen- schluß der verschiedenen Internationalen war er der Wortführer der italienischen Partei. Unter seinem Einfluß hatte sich die italienische Partei sehr früh der Moskauer International« angeschlossen. E» kam zur Trennung, als Moskau den Hinauswurf der„R e f o r- misten" verlangt«. Serrati hat danach lange Zest versucht, eine Mittel st ellung einzunehmen. Nach der Verschmelzung der Unabhängigen und der Mehrheitssozialisten in Deutschland wurde diese Haltung für ihn unmöglich. Nach langen Auseinandersetzungen ist er schließlich wieder zu Moskau zurückgekehrt. In- zwischen wa? die«Inst stolze und geschloffen« italienische Partei zcr- schlagen. Die Taktik Serratis, sein unentschlossene» Hin- und Her- pendeln und die Ablehnung einer Regierungsbeteiligung, hat Mussolini hochkommen laffen. Schwankungen am Devisenmarkt. Lire,«srank und Zloty fallen. Angeffchts der beffcren Meldungen über die Freigabeangelegcn- hest haste man eine festere Tendenz vorbörslich erwartet. B« Fest- setzung der ersten Kurse zeigte sich ober ein« einheitlich schwächere Haltung, die verursacht war durch den Eindruck der ungelösten Kanzlerkrise und starker Schwankungen am internationalen Devisenmarkt. Besonder» fiel die schwächere Haltung der italienischen Valuta auf. So wurde London gegen Mailand anfänglich mit 135 Ii gehandelt. Damit hat die italienische Währung in zwei Tagen 15 Punkte verloren. Im Zusammenhang mtt der pol- nischen Krise ging auch der Zloty stark zurück. Die Frankvaluten— Frankreich und Belgien— lagen ebenfalls schwächer: französischer Frank 15614 und belgischer Frank 158 M-. Dagegen hat sich London gebeffert und wurde mit 4�8617 K gehandelt. 3n Peking ist ein R e g« n t s ch a f t s k a b i n e t t mit Dr. y e n als Ministerpräsidenten gebildet worden. Außenminister ist der bis- herige Gesandte in Washington Alfred S i. Marschall Wupeisu soll da» neue Kabinett gebilligt haben. Tjchangtsolin schwer Gewerkschaftsbewegung Gelbe Verbindungen sind keine Gewerkschaften. Deutschen Bertehrsbundes, Mitgliedschaft Allgemeine Deutsche Postgewertschaft, und des 3entralver. bandes der Angestellten. Zum Streit im Kraftwerk Rummelsburg. Die Berliner Eisenkonstruktionsarbeiter nahmen am Mittwoch Sie möchten aber deren Rechte haben. Die Betriebsrätewahlen in den Berliner Groß- Betrieben haben in einer außerordentlichen Branchenversammlung im Verbandshaus bewiesen, daß der Anhang, den die Gelben haben, trotz aller Re- Linienstraße Stellung zu dem Streif auf dem Neubau des Rummelsflame ihrer Bresse nicht im entferntesten den Erwartungen ihrer burger Kraftwerks. Genosse Tuchs vom DMV. gab einen einSchugherren, nämlich der Unternehmer, entspricht. Beweis dafür ist, gehenden Bericht über die gesamten Lohn- und Arbeitsverhältniffe daß in letzter Zeit, vornehmlich aber im Siemens Konzern, der dort beschäftigten Eisenkonstruktionsarbeiter, wie sie vor dem die Direktionen von den Betriebsräten bezw. Gruppenräten verStreit waren; sie sind wiederholt in der Arbeiterpresse dargelegt worden. Er forderte zum Schluß seiner Ausführungen die Verlangen, daß die Sekretäre der Werksgemeinschaften zu den Be fammelten auf, in ihren Betrieben Gelder zu sammeln zur Unter. triebsversammlungen zugelassen werden sollen. Im§ 47 BRG. heißt es jedoch:" An den Betriebsverfamm fübung der Streifenden, damit es möglich sei, auch die zu unterstützen, die statutarisch noch nicht bezugsberechtigt lungen tann je ein Beauftragter der im Betriebe vertretenen seien. Die Versammlung stimmte dem Vorschlag auch zu und bewirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitneh mer mit beratender Stimme teilnehmen." Wenn also die Beleg schloß einstimmig, fofort eine Unterstüßungsattion schaft einen Vertreter nicht zulassen will, so muß er aus dieser einzuleiten, um den Streifenden ein längeres Ausharren im Kampfe zu ermöglichen. Bersammlung verschwinden. Die Frage, was ist eine wirtschaftliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer, ist ebenfalls zur Genüge geflärt. Flatow sagt in Jeinem Kommentar, daß die sogenannten Gelben, jetzt im National. verband deutscher Gewerkschaften zusammengeschlossenen Bereinc, von der maßgebenden Organisation der Arbeitgeber und Arbeit. nehmer vom Staat nicht als wirtschaftliche Vereinigungen anerfannt sind. Die Gelben bringen in ihrer Zeitung Deutsche Werksgemeinschaft" vom 2. Mai 1926 unter dem Titel„ Mit Blindheit ae schlagen" einen Bescheid der Reichsarbeitsverwaltung, der folgenden Wortlaut hat: In seiner Sizung vom 4. Februar 1926 hat der nach Artifel I Nr. 2 der Verordnung über Abänderung des ANG. vom 30. Oftober 1923( RGBl. I, Seite 1065, RABI., Seite 731) von ter Bollversammlung des Verwaltungsrats ausdrücklich für diesen 3wed ermächtigte Ausschuß für Arbeitervermittlung Ihre nut Schreiben vom 16. Februar 1926, Nr. 305/26 überfandte Bor fchlagslifte für den landwirtschaftlichen Fachausschuß des Reichs cmts für Arbeitsvermittlung nicht zugelaffen. Die Nicht zulaffuna wurde damit begründet, daß der vorläufige Reichswirtschaftsrat feinerzeit die Gewertsgemeinschaft der Arbeitnehmer gruppe des Reichslandbundes verneint hätte, und daß auch noch in letzter Zeit diese Auffassung bei Ausschußfikungen des vorläufigen Reichswirtschaftsrates unwidersprochen als Richtlinie genommen worden sei. Der Ausschuß glaubte von dieser Auffassung des vorläufigen Reichswirtschaftsrates um so eher nicht abweichen zu sollen, als seine Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreler von dem vorläufigen Reichswirtschaftsrat gewählt worden sind(§ 29, Absah 2 des AKG.)." Auch daraus ist zu entnehmen, daß die Werksgemeinschaften ( Gelben) nach wie vor nicht als wirtschaftliche Vereinigung im Sinne des Gesezes anzusehen sind, und daß ihre Beauftragten an Betriebsversammlungen und Betriebsratssigungen, soweit sie Be triebsfremde find, nicht teilnehmen fönnen. Bevorstehender Abbau in der Turbinenfabrik. Die Belegschaft der Turbinenfabrik der AEG. nahm in einer Betriebsversammlung Stellung zum Bericht des Betriebsrates. Nach dem der Vorsitzende des Betriebsrates einen eingehenden Bericht über die wirtschaftliche Lage des Betriebes gegeben hatte, machte er die Mitteilung, daß die Firma bei der Behörde den Antrag gestellt hatte, bis Juni 1926 etwa 1000 Arbeiter zur Ent lassung zu bringen. den Die Bersammelten ftimmten einer Refulution zu, wonach fie am Generalstreif beteiligten englischen Kollegen volle Sympathie aussprachen und sich verpflichteten, diesen Kollegen jebe Unterstützung zufommen zu lassen. In der Versammlung hatte sich auch der Vertreter des Industrie. rerbandes, Beyer, eingefunden. Die Versammelten lehnten es aber ab, seinen Ausführungen zuzuhören und es wurde beschloffen, ihm nicht das Wort zu geben. Damit haben die Turbinen arbeiter bewiesen, daß fie jebe Gewerkschaftszer splitterung auf das energischfte befämpfen. Betriebsrätewahlen bei der Reichspoft. Am 15., 16. und 17. Mai finden bei der Deutschen Reichspost Die Betriebsrätemahlen statt. Die christlichen und alle mehr oder minder gelben Arbeitnehmergewerkschaften machen mobil, um die Arbeiter und Angestellten der Deutschen Reichspoft vor ihren Rarren zu spannen. Mit den demagogischsten Mitteln machen fie für ihre Vorschlagslisten Propaganda und spekulieren auf die Ver geßlichteit der Postbediensteten. Jeder denkende Anaeftellte und Arbeiter der Reichspost weiß jedoch, was es mit dem Maulheldentum dieser Organisationen auf sich hat. Ihre Taten haben oft genug bewiesen, daß es ihnen um eine wirkliche Intereffenvertretung ihrer Mitglieder und Anhänger nicht ging. Sie heben sich nur zu oft als Sachwalter der Verwaltung erwiesen, so daß es einem um die Verbesserung seiner Lebenshaltung und seiner Arbeitsbedingungen besorgten Arbeiter und Angestellten unmöglich ift, feine Stimme einem Kandidaten dieser Organisationen zu geben. Die Mehrheit der Arbeiter und Angestellten der Deutschen Reichspoft hat längst erkannt, daß nur die freien Gewertschaften ihre mahren Interessenvertretungen sind. Sie werden auch bei diesen Wahlen beweisen, daß sie hinter den freien Gewerkschaften stehen und ihre Stimme abgeben für die gemeinsamen Listen des Unsere Weiß Leinen- Schuhe in den modernsten Ausführungen von 90 Sandalen Tennisschuhe Turnschuhe an Seglerschuhe Turnschlüpfer Braun echt Boxkalf- Span genschub, sehr vornehm. 9 Faschismus und Teno. Propagiert vom Reichsarbeitgeberverband Deutscher Gemeinden. Der Versuch, der Technischen Nothilfe zum weiteren Ausbau einer besonderen Nothelferpropaganda Geldquellen flüssig zu machen, wurde jüngst im Vorwärts", Nr. 202, aufgededt. Nunmehr sollen von Förderern dieses Planes auch im weiteren Umfange Ge meindemittel flüssig gemacht werden. Die deutschen Gemeinden und Gemeindevorstände haben bekanntlich lediglich aus der 3wedmäßigteitserwägung heraus, eine zentrale Zarifftelle zu haben, den Reichsarbeitgeberverband Deutscher Gemeinden gebildet. Immer deutlicher jedoch gewinnt dort eine Geschäftsführung Einfluß, die eine Entwicklung weit über diese enge Zweckmäßigkeitsaufgabe hinaus anstrebt. Um die jüngsten Pläne der Technischen Nothilfe zu fördern, hat der Borstand des Reichsarbeitgeberverbandes Deutscher Gemeinden und Kommunalverwaltungen ein Rundschreiben herausgebracht, in dem es heißt: " Für den Zusammenhang der geworbenen, ausgewählten und eingeteilten Nothelfer hat sich die Zeitschrift der Technischen Nothilfe als unentbehrliches Bindeglied erwiesen. Es wird jedoch nicht immer möglich sein, die Nothelfer selbst zum Bezuge der Zeitschrift zu veranlassen. Die an der Einsatzbereitschaft der Technischen Not hilfe interessierten Kreise sind daher vielfach dazu übergegangen, die Zeitschrift für die Nothelfer selbst zu bestellen oder ihnen den Bezug durch Bereitstellung von Mitteln zu ermöglichen. Wir beehren uns, von vorstehendem Kenntnis zu geben mit dem Anheimstellen, zu erwägen, durch den dortigen Bezirksverband ein mal den angeschlossenen Dienststellen, die über die Organisation der Technischen Nothilfe unterrichtet sein müssen, den laufenden Bezug der Zeitschrift„ Die Räder" zu empfehlen und zum anderen bei den Mitgliederverwaltungen anzuregen, für die an den Einfaßbereit schaften für die fommunalen Verwaltungen und Betriebe beteiligten Nothelfer die Zeitschrift zu halten oder Beträge dafür im Benehmen mit der jeweils zuständigen Technischen- Nothilfe- Dienststelle zur Berfügung zu stellen. Dieser Versuch der Geschäftsführung ist das Glied einer Kette. Faschistische Propaganda in der Verbands zeitschrift„ Magazin hat bereits vorgearbeitet. So führte z. B. die Oktobernummer 1925 in einem Artifel Nationale und internationale Politit" aus: " So berechtigt die Forderung ist, daß Vaterland über die Bartei zu stellen, so überaus fragwürdig ist es, ob wir das Recht haben, die Idee eines Völkerbundes als wahrhafte Interessen vertretung aller Nationen, die in ferner Zukunft liegt, über das dringende und notwendige Interesse des eigenen Volkes und Landes zu stellen. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß der Bert einer Gemeinschaft mit ihrer Größe machse und sich steigere. Die Schlußbetrachtung des Themas, das auf Kosten der Gemeinden zu erörtern zweifellos niemals Grund vorlag. lautete: Unter Umständen fann der nationale Gedanke in sehr intereffanter Weise mit dem internationalen zusammen gehen. Dafür ist der Faschismus in Italien das Beipiel, der im Gegensatz zum Kommunismus den nationalen Ges banken in jeder Weise stärken und stüßen will.... Deswegen hat er fich neuerdings entschlossen, den nationalen Gedanken international zu propagandieren und so in internationaler Weise den nationalen Gedanien gegen die Internationale auszuspielen." Was fagen die Mitgliederverwaltungen zu diesem und manchem anderen Betätigungsdrange ihrer, für einen durchaus bescheidenen 3med gegründeten Organisation? Bunächst ist der verantwortliche Vorstand, der es vermocht hat, sich im Laufe einer unkontrollier baren Entwicklung die Stellung eines Oberhauses zu verschaffen, bemüht, den Einfluß der Mitgliederverbände und Mitglieder städte, die die hauptsächlichsten Massen der städtischen Arbeiter be. fchäftigen, im Vorstand immer mehr auszuschalten. Die sozial demokratischen Fraktionen der Gemeinden und die parteigenössischen Mitglieder der Magistrate und Senate haben Ursache, den Be strebungen des Borstandes des Arbeitgeberverbandes, Mittel der Gemeindeverwaltungen für diese reaktionären 3wede zu verwenden, mit aller Entschiedenheit entgegen zu treten. Die Lage in England. Nach dem Bericht von C. T. Cramp hat die große Mehrheit der Eisenbahner und Transportarbeiter, obgleich der allgemeine Streit aufgehoben worden ist, die Arbeit noch nicht wieder aufgenommen. Die Eisenbahngesellschaften machen bei der Rückkehr der Streifenden zum Dienst Schwierigteiten Eine fombinierte Sigung der drei Eisenbahnerorganisationen wird gemeinsam die weitere Haltung bestimmen. Im Hinblick auf die Fortdauer des Konflitts im land und die Bebunkerung englischer Schiffe weiter zu verhindern. Bergbau wurde ersucht, die Verschiffung von Kohlen nach Eng Ein Telegramm von Bevin. In den ersten Nachmittagsstunden des 13. Mai ging beim Sefretariat der ITF. ein Telegramm von E. Bevin, Sekretär des Allgemeinen Transportarbeiterverbandes Englands, ein, in dem folgendes mitgeteilt wird. ,, Arbeit noch nicht aufgenommen. Leute warten auf Abtommen mit den Unternehmern, wonach die Arbeit in organisierter Form wieder aufgenommen werden kann." Konferenz der Transportarbeiter Föderation. Mittwoch abend tagte in Duisburg unter Leitung der ITF. eine Konferenz von Vertretern des holländischen Transportarbeiterverbandes, des Deutschen Verkehrsbundes und des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer zur Besprechung der Möglichkeit, durch Stillegung des Kohlentransportes nach Rotterdam auf dem Rhein für holländische Firmen die Bebunterung englischer Schiffe zu unterbinden, um dadurch den Kampf der englischen Arbeiterschaft wirksam zu unterstützen. In einer eingehenden Aussprache legten die anwesenden Ber treter der verschiedenen Organisationen die Lage dar für die in Betracht kommenden Arbeitergruppen. Eine definitive Beschlußfaffung fand nicht statt, weil durch die während der Konferenz eintreffende Nachricht des Abbruches des englischen Generalstreifs eine neue Lage geschaffen war, die mangels Klarheit eine entscheidende Beschlußfaffung nicht zuließ. Befchloffen wurde jedoch, daß die ITF. fich sofort die notwendigen Informationen in England einholt, daß die holländische Organisation betreffs der Bebunferung englischer Schiffe die Unterlagen beschafft und daß die deutschen Organisationen ihren Borständen Bericht erstatten zur Beschlußfassung, ob und welche schärferen Maßnahmen eventuell anzuwenden sind. 15. Verbandstag der Dachdecker. Friedrichroda, 13. Mai.( Eigenbericht.) Der dritte Tag begann mit einem Referat des Verbandsvorsitzenden über die Lohn- und Arbeitsbedingungen im Beruf Thomas schilderte ausführlich die Lage, in der sich der Verband im gegenwärtigen Kampfe um den Neuabschluß des Reichstarifs befindet. Grundsäglich sei der Reichstarif einer bezirklichen oder örtlichen Regelung vorzuziehen, weil sonst Rückschläge unvermeidbar feien, die nur ungünstig auf den Verband einwirten würden. Der Kollettiv arbeitsvertrag sei nicht nur ein Lohnabkommen, sondern darüber hinaus eine Anerkennung der Kraft der Organisation, sei ein Aus druck des Gemeinschaftsgeistes gegenüber dem sozialen Egoismus. Der Referent verbreitete sich weiter über interne Fragen des gegenwärtigen Tariffampfes und riet dem Verbandstag, einem zuzustimmen. neuen Abschluß des Tarifvertrages Die Debatte über das Referat war sehr lebhaft. Es tamen die Bedenken zum Ausdrud, die sowohl gegen den tariflosen Zustand, aber auch gegen eine Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Reichstarif bestehen. Gegen zwei Stimmen wurde folgende Entschließung angenommen: „ Der Verbandstag erkennt die Arbeiten der bisherigen Tarif fommission an und beauftragt dieselbe, die Berhandlungen im bis. herigen Sinne weiter und zu einem befriedigenden Abschlusse zu führen. Die Kommission empfiehlt, eine Tariffommission zu wählen, die aus drei Gauleitern und drei im Beruf stehenden Kollegen besteht. In dieser Kommiffion soll möglichst jeder Gau vertreten sein. Diese Kommission wird beauftragt, die Berhandlungen zum Abschluß des Reichstarifvertrages gemeinsam mit dem Zentralvorfizenden zu i führen; sie erhält Bollmacht, einen Reichstarifvertrag abzuschließen. Ueber die Zwangsinnungen im Dachdeckergewerbe referierte Rollege Biepenbring. Köln. Er sprach ausführlich über den neuen Entwurf einer Reichshandwertsordnung, die nicht nur den betroffenen Arbeitern Nachteile bringt, sondern die auch ben Handwerksmeistern eine Borrechtstellung im sozialen Leben einräumt. Eine wichtige Aufgabe der Gemert schaften und der Arbeiterparteien ist es, dafür zu sorgen, daß dieser Entwurf nicht Gesetz wird. Es wurde einstimmig eine Ent Schließung angenommen, in der die Beseitigung der wirt. schaftlichen Zwangsorganisation( 3wangsinnungen) und eine völlige Umgestaltung der öffentlich- rechtlichen Unternehmer. Berufsfammern zu paritätischen Wirtschaftskammern gefordert wird. Ein Berichterstatter des fommunistischen Thüringischen Bolts. blattes", dessen völlig wahrheitswidriger erster Bericht dem Verbandstage vorlag, wurde auf Antrag gegen vier Stimmen zu den weiteren Sigungen nicht mehr zugelaffen. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Berantwortlich für Bolitik: Eraft Renter: Wirtschaft: Artur Caternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Estorn: Feuilleton:. S. Discher; Lokales und Sonstiges: Frik Raritäbt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Berlaasanstalt Vaul Singer u. Co. Berlin GB 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. ngsischlager 12 Blond fein Leder- Modeschuh mit dunkler Lederbordüre u. Komtebabsatz 12.50 Conroy 50 www. Brauner Herren- Halbschuh mit grau echt Nubuk- Einsatz • 1650 Unsere Schuhwaren sind von auserlesener Qualität! Brauner Dam.- Spangen50 schuh, gediegene Ausfüh- 105 rung, moderne Form • Blond echt ChevreauSpangenschuh, die moderne Farbe. • Fe nfarb. Ia.Chevr.Modeschuh, grau und blond, mit Spanngummi u, Seitendurchbruche 14,50 1750 Brauner Herren- Halbschuh, echt Rindbox, hochfein, weiß gedoppelt. 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Zuerst fam der Star, als noch Schnee lag, und nun ist auch der Garten rotschwanz, als einer der letzten aus dem sonnigen Süden, nieder bei uns eingefehrt. Und alle flöten und trillern ihre luftigen Gefänge. Es gewährt einen unvergleichlichen Genuß, einen schönen Maimorgen in einem von Singvögeln belebten Walde zuzubringen. Alle Kehlen wetteifern miteinander und suchen sich zu überbieten. Da schweigt keiner, und selbst der rotköpfige Würger, der feinen eigenen Gesang hat, sondern nur den Gesang der anderen Vögel nachahmen kann, beteiligt sich an dem Konzert. Der Kudud gibt mitten in der Nacht mit seinem einförmigen Ruf in der Regel den Ton an. Nicht lange nach ihm beginnt der Pirol ihn mit seinen Orgeltönen zu begleiten. Raum zeigt sich eine Spur der Morgen bämmerung, so stimmen der Fliegenfänger und der Garten rotschwanz ihre melancholischen Weisen an. Die Königin aller, die Nachtigall, mit ihren schmelzenden Harmonien, die Amsel und die Drossel schmettern ihre Gesänge dazwischen. Auerund Birthahn poltern darein. Das Blaufehlchen läßt feinen leisen, von wenig lauten Tönen untermischten Gesang vom Geäft herabflingen, und auch das Rottehlchen mit seinem furzen, aber feierlich vorgetragenen Gesang fehlt da nicht. Ist Feld in der Nähe, so hört man auch die Feldlerche ihr Liedchen wirbeln. Woher sind sie gekommen? Vom blauen Nil, von Kapstadts Küstensaum, von Afrika, aus dichten Urwäldern oder aus dem warmen Aegypten, wo sie glückliche Tage verlebten. Ein geheim nisvoller Ruf führte sie nach Norden. Und nun sie hier sind, lernten fie auch den schweren Ernst des Nordens kennen, seine eisigen Winde, jeine falten Nächte im Mai. Aber sobald die Sonne über den Horizont lugt, beginnt ihr Konzert, das im Mai und Juni zu hören ist. Dann wird es wieder stiller in den Gärten, Parks und Wäldern. Die Autokatastrophe bei Rudow. Die Folgen einer Kneipfahrt. Zu der in unserem heutigen Morgenblatt gegebenen Nachricht über die Autofatastrophe bei Rudow erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Der furchtbare Auto- Unfall, bei dem zwei Personen( nicht, wir irrtümlich gemeldet wurde, drei) getötet, drei schwer und etwa fünfzehn leicht verletzt wurden, beschäftigt zurzeit die Berliner Kriminalpolizei und die Behörden des Kreises Teltow. Wie bisher festgestellt werden konnte, trifft die volle Ber antwortung für den furchtbaren Vorfall den Fahrer Kal. lasch, der mit einigen Freunden am Himmelfahrtstage eine Herrenpartie unternommen und reichlich dem Alkohol zugesprochen hatte. Mit fünfzig Kilometer Geschwindigkeit fuhr er dann an der Unglücksstelle in den etwa 200-300 Mann starten Zug hinein. R. wußte offenbar in der Trunkenheit nicht mehr was er tat. Durch das Geschrei und die Hilferufe der Berunglückten hatte er vollends den Kopf verloren, so daß er weiter und alles überfuhr. was nicht rechtzeitig zur Seite springen konnte. Er und die Infaffen der Droschke ergriffen die Flucht. Einige Zugteilnehmer holten den Chauffeur aber ein und verprügelten ihn derart, daß er im Neuköllner Krankenhaus ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Die Toten find der achtzigjährige Johann Krause qus Mahlsdorf und der Lagerverwalter Böhler aus der Juliusstr. 1 in Neukölln, Der Angestellte Hirsch aus der Niemeßstraße in Neukölln, die Ar beiterin Mtta v. Gleisenberg liegen im Krankenhaus schwer banieder. Die übrigen Berlegten dürften mit dem Leben davon tommen. Mit welcher Bucht die Droschte in die Menschenmenge hineingefahren ist, geht schon aus der Tatsache hervor, daß mehrere der Berlegten in den Chauffeegraben eder auf das rechts von der Chauffee gelegene freie Feld geschleudert und erst später von der Feuerwehr bewußtlos aufgefunden wurden. Kallasch ist nach Jeiner Bernehmung auf dem Polizeirevier 218 in Brig heute vormittag durch die Kriminalpolizei verhaftet und dem Unterfuchungsrichter vorgeführt worden. Tätlicher Angriff gegen einen Schupomann. In der Seestraße wurde gestern abend der Polizeibeamte Fischer, der eine Person wegen 3ech prellerei festnahm, von dem 23jährigen Kaufmann Wilhelm Gräff aus der Schönholzer Straße und noch fünf anderen Personen, die an einer Kremserfahrt teilgenommen hatten, tätlich angegriffen. Die Angreifer versuchten dem Beamten die Waffen zu entreißen, außerdem wurde Fischer von Gräff geschlagen und erheblich verlegt. Die Täter flüchteten daraufhin im Kremserwagen, wurden aber in der BadStraße angehalten und konnten sämtlich festgenommen werden. Jugendherbergsfest in Groß- Köris. Der geftrige Tag der Jugendherbergswoche gehörte der Jugend selbst. All die Helfer am Bert hatten sich eingefunden, um bei Spiel und Tanz einen Tag im Freien zu verbringen. Arbeiterjugend und Gewerkschaftsjugena mar gekommen. Abends zuvor waren die Wanderer eingetroffen. Die Jugendherberge hatte für alle Raum. Am nächsten Morgen ging es in aller Frühe hinaus in den Wald. Bolfstänze, Sport und Spiel waren bald im Gange. Dann ein gemeinsamer Gejang. Ueber den Wert der Jugendherbergen, die es den jungen Menschen er möglichen, für wenig Geld Heimatwanderungen zu unternehmen, prach Stadtrat Schneider, der die Groß- Köriser Jugendherberge in raftlosen Eifer geschaffen hat. Zum Abschluß wurde Spielmanns Schuld" gespielt. Deforation war der Wald, Bühnenbemalung das frische Grün. Auf dieser Bühne wirfte das Spiel von der Jugendsehnsucht nach der freien Natur doppelt. Mit KlampfenSpiel und Singsang ging es abends wieder zurück. Der Fassadenkletterer vom Kaiserhof. Freitag, 14. Mai 1926 auf hart geht und haben die Pflicht, Ohren und Augen offenzuhalten und die Freunde" der Republik schärfer denn je zu beobachten. Eins steht für uns fest: so glimpflich wie 1918 würden Mor.archisten und Reaktionäre im Ernstfalle nicht mehr davonfommen.( Stürmische Zustimmung.) Wir schüßen die Republit und schwören zu Schwarzrotgold trotz aller Bedrohung. Darauf weihte der Redner die neue Fahne mit einem Spruch E. M. Arndts: Hebt das Herz, hebt die Hand/ Wehe schwarzrotgoldne Fahne/ Daß sich jede Brust ermahne/ Für das heilige Vaterland./ Mache, stolzes Ehrenzeichen,/ Alle Männer ehrenfeft, Daß fie tausendmal erbleichen,/ So nur einer dich verläßt. Das Lied vom guten Kameraden erflingt. Kamerad Küter gedenkt der gefallenen Kameraden des Weltkrieges und der gemeuchelten und zu Tode gehezten Republikaner in schlichten Worten. Dann formiert sich ein endloser Zug zu einer wuchtigen Demonstration. Kameradschaftliches Beiſammensein beschloß die Fahnenweihe der auf hartem Posten stehenden Republikaner Neuruppins. * Frühlingsfest des Reichsbanners Charlottenburg. Im Rahmen eines Frühlingsfestes des Reichsbanners Charlottenburg in den Gefamträumen des Schillertheaters sprach Chefredakteur Georg Bernhard die Feſtworte. Er betonte besonders, daß die deutsche Jugend Ideale und Symbole brauche, um in ein inneres herzliches Ver die geistige Schutzgarde der Republik werden. Aus dem gut aus hältnis zur neuen Staatsform zu tommen. Das Reichsbanner muß gewählten, allerdings viel zu langen Programm sei besonders Arnold Meister erwähnt, der mit seinen, durch gute Mimit besonders wirk Jamen luftigen Schlagern und Barodien stürmische Lachsalven auslöite. Von den zahlreichen Gesangsdarbietungen gefiel Margarete Hastert mit gut ausgewähltem, äußerst wirksam vorgetragenem Programm. Der Meister der Fassadeneinbrecher. Unter ungemein starkem Andrange des Publikums begann heute früh vor dem Schwurgericht des Landgerichts I die Verhandlung wegen des Aufsehen erregenden Fassadeneinbruches im Hotel Kaiser. hof, der durch die Entschlossenheit des schweizerischen Versicherungsdirektors Hollinger vereitelt wurde, so daß es gelang, einen der gefährliften Berbrecher unschädlich zu machen. Die Anklage gegen den 31 Jahre alten Arbeiter Wilhelm Raßner lautet auf versuchten und vollendeten schweren Raub mit Waffen und versuchten Totschlag. mit geschmeidiger Figur und zeigt in seiner fließenden Sprechweise Der Angeklagte ist ein schlanker, fräftig gebauter junger Mann einen hohen Grad von Intelligenz. Er ist der rechte Typ des modernen Gentlemeneinbrechers. Da er bei dem Absturz aus dem Fenster des ersten Stockes des Kaiserhofes, aus dem er durch Direktor Hollinger hinausgestoßen war, einen schweren Oberschenkedbruch erlitten hat, so lahmt er jest start. Die Schilderung seines Borlebens und seiner Verbrecherlaufbahn flingt wie ein Spannender Abenteurerroman. Er hatte eine trübe Jugend, mußte Später wurde er Leichtmatrose. Schon auf dem Schiff hatte er morgens 3eitungen austragen und ging dann zur Schule. eine große Geschicklichkeit im Klettern gezeigt und deshalb den Spitznamen Wiesel" erhalten. Ueberhaupt gilt er als der Mann, der in Deutschland zuerst die Fassadenfletterei als Einbruchsspeziali- jährige Siegfried Meloner und die siebenjährige Hella tät begonnen hat. In Berlin begann er 1919 zusammen mit seinem Bruder seine Verbrecherlaufbahn und wurde bei einem Versuch, die Außenwand eines Hotels in Lübeck zu erflettern, abgefaßt. Damals betam er 1½ Jahre Zuchthaus. Kaum aus der Haft entlassen, verübte er einen neuen Einbruch. Am 12. Oktober soll er nach der Anflage nachts in eine Wohnung in der Königin- AugustaStraße eingedrungen sein und einen amerikanischen Studenten mastiert und mit vorgehaltenem Revolver ausgeplündert haben. Abend darauf um 10% Uhr passierte der Borfall im Kaiserhof. Am Direktor Hollinger war mit seiner Gattin gerade aus der Schweiz angekommen und mit dem Auspacken seiner Koffer beSchäftigt. Als Hollinger das Badezimmer betrat, sah er an dem Fenster des Badezimmers das Schatten bild eines Mannes, und er ging ins Schlafzimmer zurück. In demselben Augenblick stand vor der Fensterbrüftung ein Mann in der Mitte des Schlafzimmers. mit erhobener Schußwaffe trat er auf Hollinger zu. Diefer pacte ihn aber mit voller Kraft, und es fam zu einem erbitterten Kampf. Hollinger gelang es, den Räuber gegen das Fenster zu drücken, über die Brüstung zu heben und zum Fenster hinauszustoßen. Kaßner, der der Räuber war, wurde auf dem Pflaster schwer verlegt aufgefunden. Neben ihm lag ein scharfgeladener entsicherter Revolver. Bersicherungsdirektor Hollinger und dessen Frau haben dem Gericht telegraphisch mitgeteilt, daß sie dem vom Gericht ausgesprochenem Wunsche entsprechen und als Zeugen in Berlin erscheinen werden. Beide Zeugen waren im Laufe des Vormittags jedoch noch nicht in Moabit eingetroffen. Banner der Republik. Die märkische Stadt Neuruppin stand am Mittwoch und Donnerstag ganz im Zeichen der schwarzrotgolbenen Reichsfarben. Gewaltige Demonstrationszüge, veranstaltet von der dortigen Kameradschaft des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold mit tatkräftiger Unterstüßung auswärtiger Kameradschaften, zeigten den völlisch nationalen Spießern und Reaktionären dieser Stadt immer wieder die gehaßten Farben. Dem am Mittwoch abend prächtig verlaufenen Fadelzug folgte am Donnerstag in den Nachmittagsstunden die Fahnenweihe. Der Aufmarsch der Reichsbannerleute bot ein im posantes Bild: Links und rechts von der Rednertribüne nahmen die Fahnendeputationen Aufstellung. In seiner Begrüßungsansprache wies der Rechtsanwalt Kamerad Genrich unter lebhafter Em pörung der Kopf an Kopf stehenden Menge darauf hin, daß der magistrat der Stadt Neuruppin lebhaften unwillen über das Beflaggen der städtischen Masten mit den Reichs. farben geäußert habe.( Dabei zeigten die Masten, die im übrigen bei einer schwarzweißroten Veranstaltung die Monarchistenfahne trugen, ohne daß der Magistrat Unwillen geäußert" hätte, außer den Nationalfarben auch noch die Farben der Stadt Neuruppin.) Man hatte im magistrat bereits erwogen, wie man am besten die schwarzrotgoldenen Fahnen herunter. holen tönnte!( Stürmische Pfuirufe.) Sie sollen, rief der Redner aus, nur tommen, wir sind zur Gegenwehr mit allen Mitteln bereit!( Lebhafte Zustimmung.) Troßig erflingt der Reichsbannermarsch. Nach einer packenden Ansprache des Oberstudiendirektors Genossen Dr. Müller Potsdam hielt Kamerad Küter vom Gauvorstand die Weiherede, die ein leidenschaftliches Betenntnis zur republikanischen Staatsform war. Luthers falter Butsch hat die Massen überall aufgerüttelt. Sie wissen, daß es jetzt hart Swei Kinder von einer Motar überfahren. Am Donnerstag abend wurden beim Ueberschreiten des Fahrdammes vor dem Hause Müllerstraße 59 zwei Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren von einer Motag( Motorraddroschke) überfahren. Es sind dies der fünfMeldner aus der Müllerstraße, die schwerverlegt im PaulGerhard- Stift Aufnahme fanden. Der Chauffeur der Motag wollte einen Kraftwagen überholen und überfuhr hierbei die Kinder, die gerade den Damm überqueren wollten. „ Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und " Der Kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Die„ Norge" im Unwetter. Das Schiff bisher noch nicht gelandet? New York, 14. Mai.( TU.) Nach den letzten Funksprüchen, die bei den kanadischen Küstenstationen vorliegen, scheint die Nachricht, daß Amundsens Norge" bereits in Alaska ge= landet ſei, etwas verfrüht gewesen zu sein. Es erscheint durchaus nicht unwahrscheinlich, daß das Luftschiff in ein schweres Unwetter geraten ist, das nach den Wetterberichten der dortigen Gegend augenblicklich herrscht. Seitdem das Schiff Point Barrow passierte, sind nunmehr 24 Stunden verstrichen, und die einzelnen Funkstationen versuchen noch immer, zum Teil mit recht geringen Beitabständen, an Bord der" Norge" gehört zu werden. Nach einem Funkspruch, den die Station Fairbanks aufgefangen haben will, ist wetters gelandet und hat geanfert. Es ist jedoch auch möglich, daß die Norge" zwischen Point Barrow und Nome wegen des Undie„ Norge" vor dem Unwetter zurückgewichen ist und gezwungenermaßen nördlich von Alasta freuzt und dabei die Erforschung des Polargebietes weiter ausdehnt. Ein deutsches Flugzeug in Paris. Nach einer Pariser Meldung ist in dem dortigen Flughafen am Himmelfahrtstage das erste deutsche Verkehrsflugzeug mit fieben Passagieren an Bord, von Köln fommend, eingetroffen. Wie die Deutsche Lufthansa hierzu mitteilt, handelt es sich dabei nicht um eine Maschine der Lufthansa, sondern allem Anschein nach um einen von privater Seite veranstalteten Flug. Der Termin für die Aufnahme des offiziellen Luftverkehrs Berlin- Ba. ris, der befanntlich von Deutschland und Frankreich gemeinschaftlich betrieben werden soll, steht noch nicht feſt. Groß- Berliner Parteinachrichten. 11. Kreis. Schöneberg. 78. Abt. Alle Eltern, die Rinder in der 1., 10., 11. Ge meindeschule und 1. Silfsschule Feuriastraße haben, werden dringend ge. beten, sich betreffs der Elternbeiratswahlen fofort an den Genossen Beterfon, Feurigstr. 66, Laden( auch Sonntags anzutreffen), zu wenden. Auch Kinderlose Genossen aur Hilfsarbeit sehr willkommen. 17. Kreis. Lichtenberg. Heute Freitag, den 14. Mai, abends 8 Uhr, imt Restaurant Rusche, Marktstr. 7, Bersammlung aller soz. Eltern ber Knabenmittelschule Marktstraße, Lichtenberg. 19. Areis. Bankow. Heute Freitag, den 14. Mai, abends 7 Uhr, aroke Boltsversammlung bei Lindner, Pantow, Breite Straße. Tagesordnung: Der Fall Fenten. 80. Abt. Schöneberg. Die schreibgewandten Mitglieder werden gebeten, fich heute Freitag nachmittag um 4 Uhr in der 8. Gemeindeschule, Rubens. ftraße, zum Abschreiben der Wählerlisten einzufinden. Jungfozialisten. Gruppe Schöneberg. Heute Freitag, pünktlich abends 8 Uhr, im Jugendheim, Rubensstraße, Vortragsabend. 125. Abt. Weikensee. Sonnabend, den 15. Mai, abends 8 Uhr, bei Gallas, Funktionärfikung mit Elternbeiväten und Gewerkschaftsfunktionären. Tagesordnung: Aufstellung der Kandidaten zu den Elternbeiräten. 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Und so ist den Bestrebungen der Einberufer einer Versammlung, die gestern in Zehlendorf- Mitte stattfand, und sich mit der Bebauung eines idyllisch gelegenen Geländes in Zehlendorf zu diesem 3med befaßte, voller Erfolg zu wünschen. Zwar scheinen sich noch erheb liche Schwierigkeiten, namentlich in der Geldbeschaffung zu zeigen, da die Wünsche der betreffenden Künstler nach Größe des Atelierraumes usw. in Widerspruch mit den Bestimmungen der Berleihung von Hypothefen aus der Hauszinssteuer stehen, doch dürften diese, ein Berständnis der maßgebenden Behörden vorausgefeßt, bald überwunden werden. Indifches Sexualleben. Auf Einladung der Gesellschaft für Serualreform sprach Jaddar Kheiri aus Delhi( Indien) über Das Geschlechtsleben der Inder." In seinem mühsam in deutscher Sprache gehaltenen detaillierten Bortrag ging der Redner auf das rituelle Fundament der indischen Ehen ein. Das Primäre ist der Rult, der mancherlei seltsame Zeremonien aufweist. Die RechtlosigUm 10. Mai entschlief fanft nach Tangem, fchwerem Leiben mein lieber Gatte, unfer herzensguter Bater Joseph Hartmann int 64. Lebensjahr. Dies zeigen tiefbetrübt an 18425 Frau Mathilde Hartmann geb. Mielke, nebst Kinder. Die Beilegung erfolgt am Sonn abend. 15. mai, auf bem Städtischen Friedhof, Kremator. Baumschulenweg. Am 10. Mai verstarb nach furzem, schwerem Leiben meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Großmutter Stanislawa Hensel im Alter von 46 Jahren. Dies zeigen tiefbetrilbt an [ 1841 b Paul Hensel nebst Rindern. Einäfcherung 15. Mai, abends 6 Uhr, im Arematorium Baumschulenweg. Allgemeine Ortskrankenkasse für den Verwaltungsbezirk X! der Stadt Berlin Schöneberg- Friedenau. Am Freitag, ben 21, Mai, abends 7 Uhr, findet im Kaffenlofal Berlin- Schöneberg. Grunewaldstr. 30 pt., eine ordentliche Ausschußfihung ftatt mit folgender Tagesordnung: 1 Wahl bes Borfigenden des Ausschuffes. 2. Ge fchäftsbericht file 1925 3. Berichte der Kaffenprüfer, Nachbewilligungen 4. Beitritt au Bereinbarungen betr. Ueberweisungen 5 Raffenangelegenheiten. Die Gigung int nicht öffentlich. [ 57/14 Berlin- Schöneberg, den 12. Mai 1926. Der Borstand: Shuldt, Borsigenber. Spezial bebandi. Bar för Ischias Hoft, Gesh und Bein, wann Arzil. festgestellt In 15 Tagen sind sbware Falle baseitigt warden. Unantastbare Heilarialge In riesiger Auswahl bunt, Künstler- Garnituren wei, 10-3.60 Künstler- Garnituren 29-6.50 Bankel Madras- Falt.- Garo. 29.- 18.75 Halbstores 86.4.50 2.50 30 1- und Bettdecken bei alle Preislagen -bettig Steppdecken doppelseitig Satin 23.- 24.50 17.50 18.00 Gobelin- Tischdecken 22.73 16.- 12.00 Gobelin- Divandecken 30 24.Teppiche 2 mal 3 Meter 125Läuferstoffe 95.- 65.- 30.00 pro Meter von 2.00 an Vorleger. von 5.00 an Alle Waren ohne Aufschlag bei Tellzahlung. Lieferung bei Anzablong! Sächsisches Gardinenund Einrichtungshaus nur Heukölln, Hermannstr. 32 Schenkt Bücher zu jeden Fest! Rastätigung and Referenzen, ärzti. empfohlen. J. H. W. Dietz, Nachf, G.m. b. H nvalidenstraße 106. 9-11. 1-4. Sonatas 10-12. Jacobs Lindenstraße& Westerland ist das Bequeme Reisewege ideale Nordseebad Mägige Preise feit der indischen Frau, ihre sflavische und die autoritative Stellung des Mannes find bekannt. Der Harem geheiligter Ort ift der Sammelpunkt aller Mitglieder der Familie. Die pitante Vorstellung, tie man in Eurepa mit dem Begriff Harem verbindet, ist nach Jaddar theiri in Indien unbekannt. Das indische Geschlechtsleben ist trok gewiffer primitiver Formen äußerst differenziert; auf seine Betäti gung außerhalb des Harems steht schwere Strafe. Der Redner vermißt beim europäischen Mann in seiner Einstellung zur Frau zu sehr die ästhetische Berspektive. Die Hindurelegion verbietet die sehr die ästhetische Berspektive. Die Hindurelegion Derbietet die Prostitution, andere Religionen gestatten sie. Die religionsloje ma terialistische Auffassung Europas führt nach des Inders Meinung zur Anarchie. In der Diskussion machte sich eine sehr starte Oppo fition gegen Kheiris Standpunkt bemerkbar. Man warf ihm u. a. vor, eine Programmrede für den 3slam gehalten zu haben. eine rührige Gruppe interessierter deutscher Auslandskapitalisten feien, gegen die die Konsulate, die ja im. Grunde nur noch Vertreter der einzelnen industriellen Gruppen find, durchaus machtlos feien. Schwarzweißrot bringt diesen Leuten beijere Geschäfte. Holitscher bemerkte ein auffälliges Absterben der Auslandsviertel. Englands und Frankreichs Machtpofitionen feien sichtlich im Schwinden. In Honglong entwickelte England eine fieberhafte Bautätigkeit, indes man in Prospekten zugleich„ Südafritas Golfpläge" empfiehlt. Der fluge Mann baut vor. Zum Schluß seines Vortrages sprach sich Holitscher entschieden gegen evtl. neuen deutschen Kolonialerwerb aus. 3th April 22000 Fremde weniger als im März. Nach einer Uebersicht des Einwohnermeldeamts des Polizeipräsidiums Berlin betrug die Zahl der in den Gasthöfen, Fremdenheimen und in sonstigen Anstalten beherbergten fremden im Monat April 121994 gegen 144240 Fremde im Monat März. das sind 22 246 Frembe weniger. Chinas Entwicklung. In der, Liga gegen Kolonialgreuel und Unterdrückung" sprach anläßlich einer Aufführung des russischen Chinapropagandafilms„ Das Licht im Osten", Prof. Arthur olitser über die Ergebnisse seiner Chinareise. Die Das Luftbad des Ostens in Friedrichshagen wird am Korruption und der chaotische Wirrwarr auseinandelaufender In- Sonntag, den 16. Mai, nachmittags 4% Uhr, mit einem Vortrage tereffen sind nach der Ansicht des Redners die Ursachen von Chinas über Wert und Art der Luft, Lichtluft- und Sonnenbäder eröffnet Niedergang. Nur im Süden, in Ranton, fönne man zu optimerben, zu dem jedermann bei freiem Zutritt willkommen ist. Im mistischeren Ergebnissen fommen. 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