Nr. 227 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 116 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monaftid 8,- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Lucemburs 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Eonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied. lung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Bisfen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adreffe: .Sozialdemokrat Berlin* Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille seile 80 Pfennig. Reklamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgedruďte Wort 25 Pfennig ( auläffia awei fettgedruckte Worte). fedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Bfennig, fedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Aus den Berichten, die der von mir mit der Klärung der politischen Lage betraute Reichswehrminister Dr. Geßler mir erstattet hat, habe ich ersehen müssen, daß eine Aenderung der parteipolitischen Berhältnisse und Zusammenfeßung entweder überhaupt nicht oder nur nach langwierigen, im Erfolge zweifelhaften Verhandlungen erreicht werden könnte. Eine solche lange Regierungstrije verträgt aber die gegenwärtige Lage des Reichs nicht. Es erscheint mir daher zur Ueberwindung der gegebenen Schwierigkeiten und zur Lösung der vor uns liegenden Aufgaben notwendig, daß die bisherige Reichsregierung ihre Tätigkeit unter neuer Führung fortsetzt, und ich bitte Sie daher, Herr Reichsminister, als das älteste Mitglied der Reichsregierung und als Bertreter der größten in ihr enthaltenen Partei, das Amt des Reichstanzlers zu übernehmen. Mit der Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung bin ich Ihr ergebener gez. v. Hindenburg. Dr. Marg hat sich seine Entschließung bis Sonntag mittag vorbehalten. * Die Zentrumsfraftion des Reichstags trat um 6 Uhr abends zu einer sehr langen Sizung zusammen, um zu den neuen Vorschlägen für die Regierungsbildung Stel fung zu nehmen. Es herrschte eine nach Lage der Dinge begreifliche Erregung gegen die Bolkspartei, die das Steuer nach rechts herumreißen möchte. Das Zentrum hat, wie aus den Zieußerungen zahlreicher Redner hervorging, aber feine Neigung, fich zum Schleppen= träger der volksparteilichen Wünsche zu machen. Um 11 Uhr wurde die Fraktionssitzung auf heute vormittag 9 Uhr vertagt, ohne daß ein Beschluß gefaßt wurde. Es spricht jedoch alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Fraktion ihrem Führer Dr. Marr nahelegen wird, den Auftrag zur Regierungsbildung nicht anzunehmen, mas auch seinen eigenen Wünschen entsprechen dürfte. Da gegen ist damit zu rechnen, daß das Zentrum von sich aus dem Reichspräsidenten einen anderen Kandidaten spricht von Dr. Brauns, dem bisherigen Reichsarbeitsminister in Vorschlag bringen wird. Die Volkspartei brüstiert ihre Koalitionsgenossen. Das Nachrichtenbureau des BD3. verbreitet folgende Erklärung Adenauers: " ,, Wie die Bresse bereits zutreffend gemeldet hat, ist der Oberbürgermeister Dr. Adenauer aus Köln auf Wunsch der Zentrumsfraktion des Reichstagès gestern in Berlin eingetroffen zu Berhandlungen mit der Fraktion über eine Löfung der Regierungsfrise. Dr. Adenauer hat sich sofort dahin ausgesprochen, daß eine wirklich ersprießliche Regierung bei den außerordentlich schmierigen innen- und außenpolitischen Verhältnissen nur auf Grund einer festen Mehrheit im Reichstag möglich sei. Unter dieser Boraussetzung und zu dem Zmed, endlich eine Befestigung der politischen Verhältnisse zu schaffen, würde er einem etwaigen Rufe des Reichs präsidenten Folge geben. Auf Wunsch der Vertreter der Zentrums partei nahm er mit dem geschäftsführenden Reichskanzler, Herrn Reichswehrminister Dr. Geßler, der von dem Reichspräsidenten mit der Führung der Verhandlungen über die Regierungsbildung beauftragt ist, sowie mit Führern der Deutschen Volkspartei und der Sozialdemokratischen Partei Fühlung. Die Fühlungnahme ergab, daß die Deutsche Volkspartei weder für jetzt noch auch nach Erledigung der schwebenden Streitpunkte für abfehbare Zeit der Herbeiführung der Großen Koalition, der zurzeit allein möglichen Mehrheitsbildung, geneigt ist. Unter diesen Umständen erklärte Dr. Adenauer bei einer zweiten Unterredung mit dem stellvertretenden Reichstanzler, daß er die Zentrumsfraktion des Reichstages gebeten habe, von dem Vorschlag seiner Person gegenliber dem Reichspräsidenten Abstand zu nehmen." Die demokratische Reichstagsfraktion faßte in ihrer Sonnabendsigung feinen formellen Beschluß. In der Debatte wurde aber übereinstimmend der Meimmg Ausdrud gegeben, daß die Große Roalition gegenwärtig wohl nicht durchführbar sein werde. Die Fraktion steht grundfäßlich auf dem Standpunkt, daß jeber Kanzler unterstügt werden müsse, der ein Kabinett auf der bisherigen Grundlage bilde und teine farmale Bindung nach rechts eingeht, Mary Mary beauftragt. fchen Preffe" beleuchtet nicht uneben die politische Schieber Der dem Zentrum nahestehende„ Reichsdienst der Deut tätigkeit der Deutschen Volkspartei Stresemanns: Benn in der Deutschen Boltspartei immer wieder und nun auch im Reiche das Experiment wiederholt wird, das im Jahre 1925 Stresemanns Außenpolitit erschwerte und in Preußen die dortige Stellung der Volkspartei hoffnungslos machte, so spielen dabei doch wohl immer wieder die nämlichen Spekulationen auf den sogenannten Rechtsflügel der Zentrumspartei eine Rolle... Das Zentrum ist gerade jezt am wenigsten geneigt, den genannten Spekulationen in der praktischen Politik entgegenzukommen. Heute kann das Zentrum weder in der Frage der Fürsten abfindung noch in der der Reichsfarben eine ausgesprochene Rechtspolitit machen. Die Deutsche Volkspartei wird aber nicht nur im Hinblick auf das Zentrum die Politik der Mitte fortsetzen müssen, sondern vor allem im Hinblick auf die Außenpolitit des volksparteilichen Führers Strese mann. Hier müßte man eigentlich annehmen, daß in der Volks: partei überhaupt keine Meinungsverschiedenheiten herrschen dürfen." Diese Annahme scheint uns durchaus irrig. Die Boltspartei ist durch viel innigere Bande, als solche ideologischer Art, an die Freunde von rechts gebunden. Glückliche Landung der Norge." Im äußersten Norden Alastas. Bancouver, 15. mai.( WEB.) Die Norge" ist um zwei Uhr öftliche Zeit in Teller, nördlich von Nome, eingetroffen und glatt gelandet. Rom, 15. Mai.( WIB.) Frau Nobile erhielt aus Nome folgendes Telegramm: Glüdlich angekommen. Teller ( Alaska). Diese Reise scheint mir ein Traum. Küsse. Herzliches Gedenken. Nobile. Ein anderes Telegramm erhielt die in Florenz wohnende Schwester Elsworths. Amundsen telegraphierte an eine norwegische Dame in Florenz, daß alles wohlauf sei. Wiliamsburg( Birg.), 15. Mai.( WT.B.) Präsident Coolidge, der zurzeit hier weilt, empfing einen Funkspruch von Lincoln Elsworth an Bord der Norge, wonach der Flug über den Nordpol gelungen ist. Die Landung wird bei dem Fehlen von Landungsmast oder Halle gewiß den Verlust des Füllungswasserstoffs bedeutet haben, so daß ein Wiederaufsteigen und Weiterfliegen nicht in Betracht kommt. Die Landungsstelle liegt aber nur 100 Kilometer von der ersten Weißenansiedlung Nome. Bei Zurücklegung dieser Entfernung wird für die kühnen Luftschiffer, die tagelang über der Polarwüste durch die eisige Luft gesteuert und zum Schluß noch durch furcht baren Sturm abgetrieben und in höchste Gefahr gebracht worden sind, eine überhaupt nennenswerte Schwierigkeit taum bedeuten. Man wird ihnen gemiß fofort Flugzeuge und, wenn das die Schneehöhe oder gar Bereifung nicht verhindert, auch Autos entgegenschicken. Nahrungsmittel haben sie genug und in der Gondel auf festem Land werden sie es auch noch jo lange aushalten. So ist denn Roald Amundsen endlich gelungen, was er feit Jahren immer wieder versucht hat: den Nordpol zu über fliegen. Kurz vor ihm hat Byrd dasselbe im Flugzeug geleiftet. Aber wenn nicht Be ar y seinerzeit doch vielleicht Recht gehabt hat noch hat feines Menschen Fuß den Nordpol betreten oder, da dieser mathematische Punkt wohl im Waffer liegt, kein Boot oder Schlitten auf diesem Punkt gehalten, um den sich unsere Erde dreht. Der Arbeitsplan des Reichstags. Der Aeltestenrat des Reichstags beschloß, die Plenarsihungen nicht wegen der Regierungsfrise auszusetzen, sondern nach dem vorgenommenen Plan auch in der nächsten Woche Sizungen abzuhalten. Es ist beabsichtigt, noch zu erledigen den spanischen und portugiesischen Handelsvertrag in zweiter und dritter Lesung, den Nachtragsetat für 1925 und einige Anträge über die sollen mit der Beratung des Knappschaftsgesetzes begennen werden. Die Regierungserklärung wird, wenn überhaupt möglich, für Mittwoch oder Donnerstag erwartet. Die Schuld am Zusammenbruch. Außerdem Im Untersuchungsausschuß zur Feststellung der Ursachen des Zusammenbruchs hatte am Sonnabend Abg. Scheidemann( S03.) Gelegenheit, an Hand der Aufzeichnungen seines Tagebuches feine Quffaffung, wie er fie in seinem Buche ,, Der Zusammenbruch" nieder gelegt hat, vorzutragen. Der Sozialdemokratie, jo faßte er seine Feststellungen zusammen, habe man die Regierung übergeben, als bie Oberfte Heeresleitung alles verloren jah. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedkonto: Berlin 37 536 Bankfonto: Bank der Arbeiter, Angestellten unb Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstr. 3. Für die Republik! Die Sozialdemokratie und die Regierungskrise. Herr Adenauer, der Kölner Oberbürgermeister, war nicht lange in Berlin. Gestern um drei Uhr nachmittag ist er nicht zu entdecken vermochte. Seine Erfahrungen hat er in fchon wieder weggefahren, weil er bei der Volkspartei irgendwelche Neigung, seinen Plänen entgegenzukommen, abdruden. einem Dokument niedergelegt, das wir an anderer Stelle Wenn die Volkspartei die Behauptungen des Herrn Adenauer zu bestreiten versucht, so handelt sie nach einer altbeliebten Taftit. Sie will die Sozialdemokraten nicht in der Regierung haben. der Regierung haben. Sie will auch feine Mittelregierung mit einer offenen Tür nach links, sondern sie will eine Mittel regierung mit mehreren offenen Türen nach rechts. Bei alledem will sie aber doch um keinen Preis als die Schuldige erscheinen, wenn die Große Koalition, in der Herr Adenauer und viele andere Bolitiker die einzige Lösung der Schwierigkeiten erblicken, nicht zustande kommt. Die Unaufrichtigkeit ihres Berhaltens hat den lebhaften 3orn des Zentrums erregt. Das Zentrum merkt- und das müßte selbst ein Blinder mit dem Krückstock fühlen-, daß es in eine neue Rechts kombination hineinmanövriert werden soll. Gegen die Demokraten herrscht bei Zentrum und Bolkspartei stärkste Berstimmung, weil sie Luther gestürzt haben. Aber auch zwischen Zentrum und Bolkspartei ist heftiger Streit. Das Ganze heißt Arbeitsgemeinschaft der Mitte". * Einstweilen liegt die Initiative beim abgedankten Kabinett. Es macht Borschläge über die Wahl des Reichs fanglers aus seiner Mitte. Brauns wurde in Erwägung gezogen, dann trat aber wieder Marr in den Vordergrund, der um 7 Uhr abends zum Reichspräsidenten berufen wurde. Er hat sich Bedenkzeit bis heute morgen ausgebeten. Und um 11 Uhr vormittags tritt das Kabinett wieder zusammen, sei es, um Mary als feinen Herrn und Meister zu begrüßen, sei es, um über die Lösung der Kanzlerkrise noch einmal gründlich nachzudenken. Das zweite gilt als der wahrfcheinlichere Fall. Man erwartet vor Montag feine Ent scheidung und macht sich auch auf eine noch längere Dauer des Rätselspiels gefaßt. * Die Sozialdemokratische Partei hat ihre grundfäßliche Bereitwilligkeit erklärt, an der Lösung der Krise positiv mitzuwirken und sie hält an dieser Erklärung feft. Ihr Entschluß ist in den Reihen ihrer Anhänger richtig verstanden worden. Wir befinden uns, deutlich erkennbar, in einem Zustand der Umschichtung der politischen Kräfte. Die Linksströmung wächst, und die Zeit scheint nicht mehr ferne, wo ein verfassungsmäßiges Regieren ohne Sozialdemokraten in Deutschland überhaupt nicht mehr möglich sein wird. In der Zwischenzeit aber gilt es, die Augen offen zu halten und die verfassungsmäßigen Einrichtungen des Reiches zu schützen. Dieses Ziel fann erreicht werden, entweder indem sich die Sozialdemokratie an der Bildung der neuen Regierung beteiligt oder indem sie zu ihr sonst eine Stellung geminnt, die ihr einen Einblick in die Entwickelung der Dinge und einen gewissen Einfluß auf sie gestattet. Niemand kann erwarten, daß eine Regierung des Uebergangs, wie sie jetzt allein möglich ist, Reformen von einschneidender Bedeutung in Angriff nehmen tönnte. Niemand würde daher auch an eine Beteiligung der Sozialdemokraten an einer Rabinettsbildung unter den gegenwärtigen Umständen übertriebene Erwartungen knüpfen. Allgemein aber ist die Einsicht verbreitet, daß ein Abruffchen der politischen Macht weiter nach rechts jetzt eine Gefahr wäre, die im Interesse der ganzen zufünftigen Entwicklung vermieden werden muß. Bei den Deutschnationalen besteht im Augenblick eine besondere Neigung, auf die Pläne jener Bolksparteiler einzugehen, die am liebsten jetzt schon eine neue Rechtsregierung etablieren möchten. Nur der landbündlerische Flügel möchte gern an die Macht, um die handelspolitischen Interessen der Großlandwirtschaft wahrnehmen zu können. Die andern rechnen mit der Abneigung des Zentrums, eine Roalition mit ihnen einzugehen, und sind überdies im Zweifel, ob sie ihre Ziele überhaupt noch auf verfassungsmäßigem Wege erstreben sollen. Und in der Tat- tann man Fraktionskollegen des Herrn Sugenberg zumuten, noch einmal einen Eid auf die republikanische Reichsverfassung zu schwören? Gewiß, für den frisch- fromm- fröhlichen Butsch von heute Aber ihre auf morgen sind die wenigsten von ihnen. Spekulation ist darauf gerichtet, daß sich das parlamentarische System durch die Zersplitterung der Par teien und die unheilbare Schwäche der Mitte eines Tages als undurchführbar ermeisen wird und daß infolgedessen Ber midlungen eintreten werden, die ihnen gestatten fönnten, aus eigener Machtvollkommenheit die Hand an das Ruder des Staates zu legen. Mit einem Wort: Sie wollen den Verfall, die Verwirrung und wenn ihnen die Kommunisten den Gefallen täten, aber das tun sie nicht mehr- am liebsten den Butsch pon links, um dann im Trüben fischen zu können. -Die Interessen der Sozialdemokratischen Bartei sind die gerade entgegengesetzten. Das parlamentarische System funktionsfähig zu halten, die Rechte des Boltes zu schüzen, das ist die nächste Aufgabe. Darum ist die Sozialdemokratische Partei heute zur 3 ufammenfaffung der Kräfte zu einer Koalition bereit, wobei sie sich vor= behält, sich über einzelne ihrer Weggenossen ihre eigenen Gedanken zu machen. Wer fönnte auch z. B. glauben, daß eine fog. Große Roalition ein auf reine Aufrichtigkeit und volle Gesinnungsgemeinschaft aufgebauter Herzensbund wäre? Einen solchen idealen Bund stellt natürlich feine Poalition dar. Immerhin hat die geschichtliche Erfahrung gezeigt, daß 3entrum, Demokraten und Sozial demokraten dem Reich in allerschwerster Zeit durch gemeinsame Arbeit große Dienste zu leisten vermochten. Heute rechnet man aus, daß einer Regierung der Weimarer Koalition, obwohl diefe Koalition viel stärker ist als die bisherige der Mitte, einige Stimmen aur Mehrheit fehlen. Würde sie deshalb stürzen? Mit der Auflösungsorder in der Tasche könnte sie wahrscheinlich sehr lange regieren und mit der Auflösungsorder im Reichsanzeiger" noch länger! Thre nächste Aufgabe mükte fein, das renublikanische Regiment zu fichern und durch Erlaß des längst fälligen Ausführungsgesetzes zum Art. 48 der Verfassung jedem Mißbrauch dieses Artikels vorzubeugen. | Hoffnung, daß ich mich zustimmend erklären würde, habe ich in einem ersten Briefe in höflicher und freundschaftlicher Weise wiederum ablehnend beantwortet. Dieser Privatbrief, der sich, wie gesagt, nur auf die legale Boraussetzung einer etwaigen Neubildung bezog, habe ich von Justizrat Claß noch nicht zurückerhalten." Neumann fügt hinzu, daß die phantastische" Notverfassung" ihm erst durch die Veröffentlichung bekannt geworden set. Er mißbillige derartige gar nicht ernst zu.nehmende Umsturzpläne auf das Schärffte. Strafantrag gegen den ,, Lübecker Bolksboten". Cubed, 15. Mai.( WEB.) Bürgermeister Dr. Neumann hat gestern die Schriftleitung des sozialdemokratischen„ Lübecker Boltsboten", der die Beröffentlichungen des Amtlichen Preußiichen Breffedienstes zum Anlah nahm, heftige Angriffe gegen Dr. Neumann zu richten und feinen sofortigen Rücktritt zu fordern, bei Staatsanwaltschaft Strafantrag wegen öffentlicher Beleidigung gestellt. der Lübecer Oldenburg gegen den Flaggenerlaß. Antrag auf Aufhebung der Verordnung. Wie der Reichspressedienst von unterrichteter Seite hört, dürfté in dem Verfassungsausschuß des Reichsrats von oldenburgischer Seite der Antrag gestellt werden, daß die Flaggenverorda nung der Reichsregierung wieder aufgehoben wird. Der oldenburgische Antrag ist die Folge einer Entschließung gleichen Sinnes, die der oldenburgische Landtag mit den Stimmen der Sozial demokraten, der Demokraten und des Zentrums gegen die Stimmen der übrigen Parteien angenommen hat. Der völkische Kußpriester von Borkum. Landeskirchenamt gegen Vergleich. Claß sitzt noch immer nicht! Er wünscht Reichsexekution gegen Preußen. Die ,, Deutsche Zeitung", das Organ des noch immer frei herum- tüdgenommen hatten. Die drei Angeklagten erklärten ferner, daß laufenden Cla ß, veröffentlicht einen Artikel, in dem es heißt: Entschließt sich jetzt das Zentrum nicht endlich schon um der Selbsterhaltung willen, dem sozialdemokratischen Preußenfabinett ein Ende zu machen, dann ist es höchste Zeit für eine Reichseretution, wie ehemals in Thüringen! zu einer Erefution gegen Claß! Der Oberreichsanwalt entschließt sich aber noch immer nicht Die Aufgelösten. organisation. die Gründe, die zum Berbot des Wehrbundes Ostmark geführt haben: Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht nachstehend Der Wehrbund Ostmark, Deutschnationaler Jugendbund" ist im Herbst 1924 mit dem Sitz in Frankfurt a. d. D. gegründet und am In der verflossenen Woche fand bekanntlich vor dem Schöffen gericht in Emden ein Prozeß statt, den der völkische Pfarrer Münchmeyer auf Borfum gegen Dr. Völklein, Rechtsanwalt Dr. Charig und Dr. Pels angestrengt hatte, da er sich durch eine Broschüre„ Der falsche Priester" beleidigt fühlte. Vor dem Schöffen gericht war ein Vergleich vorgeschlagen worden, in dem die drei Angeklagten und Pfarrer Münchmeyer, der fich dem Verfahren als Rebenfläger angeschlossen hatte, gegenseitig alle Beleidigungen zufie die gegenüber dem Landeskirchenamt in Hannover geäußerten Beleidigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknehmen und Münchmeyer beantragte in dem Vergleich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit einen Erholungsurlaub bis zum 10. Oftober. Beklagte und Nebenkläger gaben fernerhin die Versicherung ab, daß sie für den von ihnen vertretenen Personenfreis einen vollkommenen Burgfrieden in Borkum eintreten lassen würden. Für den Fall, daß die letzte Vereinbarung nicht eingehalten werden würde, sollte ein Schiedsgericht fünftighin neue Streitfälle schlichten. Pfarrer Münchmener verpflichtete sich noch Hennover seine Bersehung aus Borkum zu beantragen, por Ablauf seines Urlaube's beim Landestirchenamt in während Dr. Völklein den von ihm herausgegebenen„ Borfumer Beobachter" nicht mehr erscheinen laffen wollte. nach fünfftündiger Sizung dem Vergleich seine Zustim Indes hot die Sozialdemokratische Partei noch nie im Der Wehrbund ,, Oftmark" eine staatsfeindliche MilitärKampf um Bortefeuilles die Türen der Reichskanzlei belagert. Sie hat noch nie erflärt, eine Regierung bloß deshalb bis aufs Meffer befämnfen zu wollen, weil sie in ihr nicht vertreten ist. Sie ist keine Freundin von häufigen und langen Regierungsfrisen. Das heißt, sie ist bereit, in jeder Weise 3r Beendigung der Krise beizutragen mit der einzigen 12. Oftober 1924 in das Vereinsregister des Amtsgerichts in Frant. Emden am fommenden Montag weitergeführt werden wird. Das Einschränkung, daß fie einer Auslieferung der Republit an ihre einde den allerftärksten Widerstand entgegenzusehen entschlossen ist. So find die Dinge, soweit es sich um die Haltung der Sozialdemokratie handelt, vollkommen flar. Entscheidung und Verantwortung liegen bei den Parteien der Mitte. Claß- Neumann. Ein Beitrag zum Briefwechsel. Cübed, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Bürgermeister Dr. Neumann übergibt heute nachmittag die angebliche Antwort auf den gestern veröffentlichten Brief des Justizrats Claß. Dieser Brief hat folgenden Wortlaut: Burzeit Karlsbad, 25. April 1926. Schloßberg 5. Herrn Justizrat Claß, Berlin. Lieber Freund! Herzlichen Dank für Ihre freundlichen Zeilen vom 23. d. M., die ich sogleich noch beantworten muß, weil ich fürchte, daß Sie fonft das suaviter in modo( die milde Tonart) meines ersten Briefes mißverstehen tönnten. Ich möchte also bitten, meine zurückhaltende Aeußerung nicht irgendwie nach der posi. fiven Seite zu deuten. Inzwischen habe ich erneut erfahren, daß ich mit meiner jenigen fleinen Aufgabe oft mehr zu tun habe, als mir lieb ist, und hier liegt doch die nächste Bflicht. Herzlichst Ihr Ihnen stets getreuer N. Neumann erklärt über den Ursprung des Briefwechsels weiter: Ich habe auf eine mündliche Frage des mir seit langem befreundeten Justizrats Claß, die sich auf eine evtl. Uebernahme eines Reichsamtes bei einer gefeßlichen Neubildung der Regierung bezog, zunächst mündlich ablehnend geantwortet. Die dann schriftlich von ihm auf einer Postkarte ausgesprochene Die Jodenbreetstraat. Bon Salamon Dembiger. Kennt ihr die Jodenbreetstraat in Amsterdam? Zweimal find heine Füße über ihre Steine geschritten, zweimal haben meine Augen die mir so fremd gewordenen Brüder geschaut. Es war an einem heißen Sommernachmittag. Die Sonne brannte unbarmherzig, und der Staub legte sich einem auf die furt a. b. D. eingetragen worden. Nach§ 2a der am 12. Oktober 1924 errichteten Sagung ist das Ziel des Bundes: Der Bund will ein Kameradschaftsbund sein, in welchem sich Gleichgesinnte zu einer Arbeits- und Pflichtgemeinde zusam menschließen. Das Verhältnis der Mitglieder ist aufgebaut auf dem Vertrauen der Führer. Der Bund ruht auf christlicher und nationaler Grundlage. Demgemäß will er seine Mitglieder zu ferndeutschen und zu jedem Opfer für das Vaterland bereiten Männern erziehen." Im Gegensatz zu diesem fagungsmäßigen Zweck ist der Bund den vorliegenden Urkunden und Zeugenbefundungen werden die als militärischer Kampfverband anzusehen. Nach militärischen Formationen zusammengefaßt, nach männlichen Mitglieder jeder Ortsgruppe in geschlossenen militärischen Dienstgraden eingeteilt. Sie tragen gleiche Uniform. Tätigkeit und Ausbildung der einzelnen Formationen ist rein militärisch. Die Mitglieder werden in der Handhabung des Militärgewehrs praktisch unterwiesen und halten auch mit solchen Gewehren Schießübungen ab. Der Bund hat es bisher verstanden, diesen seinen wahren Swed als militärischer Kampfverband vor der preußischen Staatsregierung geheimzuhalten; daß dies auch beabfichtigt war, zeigt schon die im Gegensatz zur wahren Betätigung harmlos gefaßte Swedbestimmung im§ 2a der Eagung. Die nachgewiesene praftische Unterweisung der Mitglieder in der Handhabung des Militärgewehrs Modell 98 und die Veranstal tung von Schießübungen mit diesen Waffen sowie die Auffindung von Militärmunition beweisen, daß Mitglieder der Drganisation unbefugt Waffen besigen. Der Bund verfolgt nach den vorliegenden Unterlagen staatsfeindliche innerpolitische 3wede in der Richtung einer Untergrabung der verfassungsmäßigen republikanischen Staatsform. Danach rechtfertigt sich das Verbot und die Auflösung des Wehr. bundes Ostmart" gemäß den gesetzlichen Bestimmungen. Schar schmutziger Kinder um ihn und glotte bald ihn, bald die am Eingang prangenden großen Blafatbilder an. Man fah es den erregten Gesichtern der Kinder an, was sie dafür gegeben hätten, die Kinowunder und-herrlichkeiten zu sehen! Sie träumten davon, wie große, schlechte Menschen Unschuldige in den Abgrund warfen, wie schöne, junge Mädchen vor Sehnsucht starben, von Indianern, Kanonen, Schiffen O, ihr armen jüdischen Kinder! Die drückende Luft der engen Wohnungen treibt sie auf die sich • · Das Landestirchenamt in Hannover hat am Sonnabend mung versagt, so daß der Prozeß vor dem Schöffengericht in scheint uns auch das Zweckmäßigste. Denn was bisher schon über den völlischen Seelenhirten zeugeneidlich erwiesen wurde, ist so schön, daß es selbst dem Landeskirchenamt Hannover schwer fallen dürfte, den Kußpaulus einer anderen Gemeinde aufzudrängen. Zur Subvention der Junkerswerke. Protest der Flugzeugindustrie. Die Junterswerte in Deffau sollen nach den Beschlüssen des Reichsverkehrsministeriums und des Luftfahramts weiterhin Dom Reich unterstützt werden, wenn auch in beschränkterem Umfang, als es Professor Junkers für die Minorität der Aktionäre wünscht. teristisch für ihre Stellungnahme, iſt ein Protest aus den Kreiſen Aus Konkurrenzgründen begreiflich, aber doch außerordentlich charak der übrigen Flugzeugindustrie, die sich gegen die einfeitige Förderung der Junkerswerke und der Aufbauschung ihrer Bedeutung für die Gesamtindustrie wendet. Der finanzielle Zusammenbruch der Junkerswerte sei, so wird ausgeführt, den Fachkreisen durchaus nicht unerwartet ge tommen, da schon die Sanierungsaktion im Herbst das lebel nicht an der Wurzel gepackt hätte. Die deutsche Flugzeug- und Flugmotorenindustrie hätte die ungeheuren Propagandaausgaben der Firma Junkers feit langer Zeit mit Kopfschütteln verfolgt. Ihr Aufwand für die Werbetätigkeit widerspreche angesichts der Absatz- und Verdienstmöglichkeifen auf dem Weltmarkt dem Gebaren eines wirtfchaftlich denkenden Kaufmanns. Dieser Aufwand sei die Ursache fomohl der alten wie der neuen Schwierigkeiten. Auch schon für die Zeit vor dem ersten Eingreifen des Reichs habe die ungeheure Schuldenlast die Unfähigkeit bewiesen, den Junkersbetrieb auch nur einigermaßen wirtschaftlich zu leiten. Gegenüber der Aufbauschung der technischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Juntersmerte müsse gesagt werden, daß die übrige Flugzeugindustrie Deutschlands vielfach erheblich höher bewertet werde als die Junkerswerke. Die in Storonel geschaffene neue Armrhythmit. Eine Klärung und synthetische Fortbildung Labanfcher Grundlagen. Raumgestaltung zuerſt in der sinkenden dynamischen Stala des Schlag, Schneide- und Gleitrhythmus, dann- als praktische Nuzanwendung variierenden Zusammenstellungen der einzelnen Bewegungsformen. Lauter reinliche, anatomische Präparate des künstlerischen Tanzorganismus, dessen lebendiger Körper in gruppentänzerischen For mungen und, zum Schluß, in der bewegten Architektur der Tanzenden Kulissen" erscheint. Die demonstrierende Entwicklung nicht immer Bruft. Müde und troden lag die Straße da. Die vor den Haus Mutter den Geschäften und Pflichten des Tages nachgehen. Die legisch und nicht ganz lückenlos. Rein geschloffenes System, sondern türen auf Riften fizenden Bewohner sahen matt und abgespannt aus, und nur ab und zu flüsterte einer dem anderen zu: Das ist einer, der guden kommt!" Wie konnten sie auch wiffen, daß nicht Neugierde mich hertrieb, sondern daß mein Herz weinte, weil es hier so aussah An den Straßeneden herrschte troß der Schwüle reges Leben. Junge und alte Männer redeten lebhaft und geschäftig, lachten, beobachteten hin und wieder das Leben ringsumher und schwiegen. Am Martensteg standen mehrere Männer mit einer Karre, auf der kleingeschnittene Gurken auf Brettern ausgebreitet lagen. Dicht daneben pries eine Frau mit lauter Stimme billige Kirschen an. Eine Menge zerlumpter, verwahrlofter Kinder umftanden fie. Starkes Gedränge herrschte in diesem Gang. Kinder wühlten im Schmuß, mährend ihre Mütter mit den Nachbarinnen im Gespräch vertieft auf den Türschwellen saßen. Eine andere Kindergruppe bildete einen Kreis, hielt sich bei den Händen und tanzte. Ein vorüber gehender Junge warf eine Apfelfinenschale nach ihnen. Irgendwo öffnete sich ein Fenster, aus dem eine Mutter ihrem Kinde etwas zurief. Eigentlich rief in der ganzen Straße alles durcheinander, und der Sonnenhimmel schien die wirr durcheinander brausenden Stimmen zu sich emporzuziehen. Kinder spielen mit Steinchen oder Knöpfen, fingen zuweilen ein Lied im Chor, bis sie vor dem Kino mit den bunten Bildern. anfangen und von dort von dem Ausrufer davongejagt werden. Es find ja armer Leute Kinder. mit schiefgetretenen Schuhen und zerfeßten Kleidern, die Knaben laufen mit heraushängenden Hemdgipfeln umher. In ihren ungewaschenen Gesichtern steht deutlich geschrieben: " Wir sind die Kinder der Jodenbreetstraat." „ Es ist erst Beide Eltern rennen seit dem Morgen durch die reichen Straßen der Stadt und wiegen Gemüse und Obst ab, das sie laut schreiend anpreisen, so daß die reichen Faulenzer aus dem warmen Schlaf geweckt werden. Da steckt auch schon einer den ungefämmten Kopf aus dem Fenster und schimpft auf die Ruheftörer neun Uhr! Nicht einmal schlafen lassen sie einen!" Aber Bater und Mutter fümmern sich nicht darum. Wenn sie des Abends müde nach Hause kommen, erzählen sie von den Widerwärtigkeiten, welche Straßen den besten Absatz bieten, welche Hausfrauen gut oder schlecht zu verdienen geben. die aber doch Weg und Ziel deutlich erkennen lassen. Bollkommen reiner, abstrafter Stil, ohne alle dekorativen und pantomimischen Faktoren. In der Klaffe zuweilen noch ein wenig troden, linienhaft, gymnastisch, in der Gruppe bereits mit seelischem Ausdruck und Eigenleben erfüllt, Sede Kompofition aus schlichten, technisch anspruchslosen Motiven in der Reigenführerin Storonel zu vollendeter Meisterschaft erblüht. erwachsend und doch reich, zuweilen überreich an tänzerischen Neu formungen. Gesamteindruck: In der ideenreichen und phantasievollen Komponistin Storonel entwickelt sich eine schöpferische Begabung, die berufen fein kann, im Zusammenwirken mit dem pädagogischen Genie der Trümpy der deutschen Tanzbühne den Weg zu neuen Gipfeln eigenartiger Schönheit zu erschließen. Nicht alle Sieges Pfade führen zu Wigman oder Balucca. J. G. Die ganze Jodenbreetstraat entlang, wo überall Brotrinden, hauen und doch nicht ahnen, daß es eine schönere Welt gibt, in der zeug wurde ihm zu einem Instrument des Geistes. Aus solcher Bapier, Apfelfinenschalen verstreut lagen, reihte sich Laden an Laden, Eier- und Geflügelgeschäfte, Galanterieläden mit Auslagen, in welchen die verschiedensten Dinge wie in einem Basar nebeneinanderlagen. Im Vorübergehen bemerkte ich manchmal hinter dem Ladentisch ein junges Mädchen, ein Buch in der Hand Wenn fie gerade den Blick erhob und hinausschaute, fonnte ich in den dunklen, träume rischen, mandelförmigen Augen ein wohlbekanntes Feuer sehen jenes Feuer, das von Mädchenträumen und ewiger Sehnsucht nach Glück erzählt Eure Träume werden sich nicht erfüllen, ihr Mädchen der Jodenbreetstraat! Aber ich glaube, ihr seid flug genug, die Alltäglichkeit der Welt zu durchschauen.. Prinzen und Ritter, die sich in arme jüdische Mädchen verlieben, gibt es nicht mehr. Einstmals, da ist es vorgekommen, daß ein spanischer König ein jüdisches Mädchen auf den Thron erhob und König Kasimir von Polen die Tochter eines jüdischen Schmiedes in feinen Armen hielt und ihr die schönsten Geheimnisse des Lebens zuflüsterte.. haben wir andere Zeiten, jezt kommt es vor allem darauf an eine eurer Schwestern hat es mir verraten einen Mann zu triegen, der mehr als achtzehn Gulden wöchentlich verdient. .. Jetzt In einem anderen Gang befand sich ein Kine Ein Portier in der Uniform eines russischen Generals, einen langen Stab in der Hand, stand vor der Tür und rief mit dröhnender Stimme: Manna, fenfationelles Drama in fechs Aften." Wieber brängte fich eine dann O, ihr jüdischen Kinder der Jodenbreetstraat! Wenn ich eure blaffen, gewöhnlichen Gesichter sehe, eure frühreifen Manieren, eure verständigen Augen, die so selbstbewußt und raffiniert in die Welt die Kinder an heißen Sommertagen, von Eltern oder Erzieherinnen behütet, in schattigen Gärten spazierengehen oder spielen, meint mein Herz; denn ich weiß, daß ihr verdammt seid, in eurer häßlichen Welt zu bleiben. Ihr werdet, wenn ihr älter seid, gleich euren Bätern und Müttern Karren mit Gemüse und Früchten durch die reichen Straßen schieben oder frische Blumen verlaufen:„ Sechs für ein Dubbeltje!" Bielleicht werdet ihr Zeitungen verkaufen, und wenn das Schicksal es besonders gut mit euch meint, werdet ihr es zu einem eigenen Laden mit alten Kleidern bringen. Die Komödie" zeigte gestern drei Einafter von Franz Molnar mit dem Gammeltitel„ Theater". Es sind fein zise lierte Bilder eines kultivierten Dichters und Menschenkenners von den Intimitäten des Bühnenlebens. Ein genußreicher Blick hinter die Kulissen und ein anregender Abend. Alfred Abel und über allen Maria Orsta mit ihrer leisen 3artheit und feden Frische entzückten das Publikum befonders im zweiten Einafter 3 mifchenspiel im Theaterbureau". Dgr. Tanzschule Trumpy und Bera Sforonel. Ein Schulalend im Blüthneriaal. Die Elemente des modernen Tanzes werden gezeigt in Studien, Laban- Schwüngen, neuen Techniken, Gruppenbewegungen. Am intereffanteften und zukunftsreichften die von der Peter Jeffen gestorben. Peter Jessen, dessen am Sonnabend er folgter Tod nicht unerwartet fam, war ein praktischer Kunsthistorifer oder: ein gelehrter Handwerker. Er hat sich mit Tischlerei und Schmiedewerf, mit Töpferei, Glaserei und allem, was zur Herrenund Damenmode gehört, beschäftigt; er ist dabei immer von der Werkstatt ausgegangen. Keine Technik blieb ihm fremd, jedes Wertnüchternen Auffassung und aus der Gesinnung ehrlicher Gegenwart heraus veranstaltete er durch zwei Jahrzehnte und länger im Ber liner Kunstgewerbemuseum Ausstellungen, die außerordentlich erzieherisch gewirkt haben. Auch flare, ebenso gründliche wie leicht les ständliche Borträge gehalten: stets das Geschichtliche auf die Gegenbare Bücher hat er geschrieben und vortreffliche, jedermann verwart beziehend und immer den guten Geschmack und die handwerk liche Solidarität der Werftätigen fördernd. Das Beste aber, was Peter Jessen wirfte und hinterließ, ist die Staatliche Kunstbibliothet, eine der schönsten, bestorganisierten, reichhaltigsten und lebendigsten Büchersammlungen Deutschlands. Hier gibt es ohne bureaukratische Schwierigkeiten alles, was der funstintereffierte Handwerker zu sehen und zu lesen wünscht, aber auch Fachmann und Gelehrter fönnen in unerschöpflichem Reichtum schwelgen. Durch diese Bibliothek allein hat Peter Jessen sich den Dant des Boltes verdient. Die Akademie gegen den Opernhausumbau. Prof Mar Lieber mann, der Präsident der Akademie, fendet uns folgende Mitteilung: ,, Die Preußische Akademie der Künfte hat sich in der letzten Sigung ihrer Sektion für die bildenden Künste mit der Frage des geplanten Umbaues des staatlichen Opernhauses beschäftigt. Bei aller Würdi gung der praktischen Notwendigkeit, für die Sicherheit des Bühnenpersonals Sorge zu tragen, hält es die Afademie doch für ihre Pflicht, international anerkannte Weltrekordliste weise wiederholt die Namen Dornier und Rohrbach, jedoch nicht ein einziges Mal den Namen Junkers auf. Auf dem wichtigen Gebiet des Motorenbaus herrsche nicht nur Ueberproduktion, die Junkerswerte hätten bisher auch keine selbstschöpferische Leistung zu verzeichnen. Nur durch Massenvermendung durchschnittlicher Serienbauten zusammen mit der großen Propaganda sei der Eindruck erwedt worden, als ob Junters gleichbedeutend mit der deutschen Flugzeugindustrie sei. Es liege daher kein Bedürfnis vor, öffentliche Mittel einem unwirtschaftlichen Betriebe zuzuführen. Eine nochmalige Hilfe mit öffentlichen Mitteln wäre ein Entgegenkommen des Reiches, wie es fa um verant. wortet werden fönnte. Getragen wird dieser Protest von acht Firmen, darunter einige mit den bekanntesten Namen. Es ist unseres Wissens der erste Fall, daß Kreise der Industrie öffentlich gegen die staatliche Förderung eines Unternehmens des gleichen Zweiges protestieren. Das mag nebenbei vermerkt sein. Im übrigen sind die Konkurrenten der Junkerswerte faum berufen, über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Junterswerke und die Zweckmäßigkeit ihrer Förderung aus öffentlichen Mitteln sachgemäß zu urteilen. Das muß neben den beteiligten Aemtern der Deffentlichkeit vorbehalten bleiben. Das Reichsverkehrsministerium teilt übrigens mit, daß bei den gegenwärtigen Schulden von 17,5 Millionen das Werk nur in fleinerem Umfang aufrechterhalten werden könne. In der Zeit von Dezember bis 31. März sei es den Be auftragten des Reiches gelungen, die Gesamtschulden von 35 Millionen auf 24,8 Millionen zu ermäßigen. Pilsudski, der Befreite. Wie er aus der Zitadelle entkam. Die Deutsche Oberste Heeresleitung hatte Pilsudski, den Schöpfer der polnischen Legion, wegen seines Widerstandes gegen die Errichtung einer Monarchie Polen internieren lassen und ihn in die Magdeburger Zitadelle geschickt. Dort wurde er als gefährlicher Mensch mit altpreußischer Freundlichkeit behandelt, während man seinen Legionen zumutete, unter deutschem Oberkommando weiter zur höheren Ehre einer mit einem deutschen Prinzen gezierten fünftigen polnischen Monarchie zu kämpfen. Eines Tages aber war Pilsudski aus der Zitadelle verschwunden. Mit ihm auch andere, die sein Interniertenschicksal teilten. Denn am Morgen des 8. November 1918 war auch in Magdeburg die Revolution ausgebrochen, indem die Soldaten aus den Rafernen ausrückten und vom Gefängnis zur Arrestanstalt und vom Arresthaus rückten und vom Gefängnis zur Arrestanstalt und vom Arresthaus zum Gefängnis zogen, um ihre inhaftierten Kameraden zu befreien. So wurde auch die Zitadelle geöffnet und alle Häftlinge in Freiheit gesetzt. Pilsudski achtet das Parlament. Zweistündiger Besuch beim Sejmmarschall. Witos' Rücktrittsbegründung. Bei jeder Betrachtung der letzten Ereignisse in Polen ist| Ruhe zu bewahren und die Armee gleichzeitig aufforderte, sich festzuhalten, daß dem Truppenaufgebot und Vormarsch ehrenhaft und würdig zu verhalten. Pilsudskis die nächtliche Beschießung seines Hauses durch die reattionären Rechtsschüßler" vorausgegangen ist. Dieses Attentat hat den Butsch erst ausgelöst, hat die militärischen Anhänger Pilsudstis erst fürchten gemacht, daß unter der Rechtsregierung Witos das Leben des so volkstümlichen Marschalls bedroht sei und hat auch erst ihn selbst zur Initiative veranlaßt, die gewiß einer Rechtsdiktatur zuvorkommen wollte; andernfalls hätte er ja schon längst losschlagen können, dauert doch die Krise seit Jahr und Tag. Die politisch- parlamentarischen Verhältnisse in der polnischen Republik sind insofern schwierig, als Rechte und Linte ziemlich gleich start an Bersplitterung und an Mandaten sind, aber scharf gegeneinanderstehen. So hätte die reine Rechtsregierung Witos auch kaum eine sichere Mehrheit gehabt, sobald sie vor das Parlament getreten wäre. In der Linken sind die Sozialisten( PPS.) die stärkste Gruppe und die Forderung der Linken nach einem gründlichen Wandel in der Minderheitenpolitik( zur gerechten Behandlung und selbst zur Autonomie statt zur Unterdrückung und Verfolgung) sichert der Linken die Stimmen der Minderheiten, die gegen 10% Millionen unter den 39 Millionen der Gesamtbevölkerung Polens ausmachen. Dennoch bedeutet das Vorgehen Pilsudskis einen nach der republikanisch- demokratischen Berfassung unberechtigten Eingriff in die Rechte des Parlaments und des Staatspräsidenten auf parlamentarische Mehrheitsregierung, wenn auch das Kabinett Witos sich über den Besitz einer Mehrheit noch nicht ausgewiesen hatte. Keine demokratische Partei ist für das Vorgehen Pilsudskis verantwortlich, insbesondere nicht die, aus der er hervorgegangen ist, die PPS.; indirekt verantwortlich sind aber jene Rechtsschüßler" und ihre Hintermänner, auf deren erste Aktion eben die raditale Antwort erfolgt ist. Wenn jetzt die PPS. sich für Pilsudski erklärt, ihren alten Mit- und Vorfämpfer in der Heldenzeit der illegalen Arbeit gegen die zarische Fremd- und GewaltherrIchaft, so deshalb, weil es nun gilt, zwischen Pilsudski und feinen urreaktionären Gegnern zu wählen. Die Sozialisten sind offenbar überzeugt, daß der Sache der Besiglosen und der bisher stets um die oft versprochene Aufteilung des HerrenBerständigung mit den Nachbarstaaten von Pilsudski teine landes gebrachten kleinen Bauern, der Minderheiten und der Gefahr, von einer Herrschaft seiner Gegner um so größere Gefahr droht. Gegen das Parlament hat Bilfubfti nichts unternommen, während die Rechtsparteien mit den schlimmMinderheitsvölfer schon lange umgehen. Man fann einstſten Plänen auf Wahlentrechtung der Unbemittelten und der meilen von einer Militärdiktatur Pilsudskis nicht sprechen. Benn, wie gemeldet, die sozialistischen Führer Dr. Maret und Niedzalkowski die Verbindung zwischen Pilsudskis Stab und dem Parlament besorgen, so scheint das ein Beweis Aber angesichts der Fülle ihrer Aufgaben konnte sie sich um Pilsudski nicht kümmern. Als daher Korfanty aus Berlin ein gegen einen Diktaturcharakter der Aktion Pilsudskis zu sein, Telegramm mit bezahlter Antwort fandte mit der knappen Frage: Denn die. PPS. ist genau so wie alle sozialdemokratischen Bar Telegramm mit bezahlter Antwort fandte mit der knappen Frage: teien unbedingt bemptratifch- parlamentarisch. Auf ihrem Wo ist Bitfubfti?". fonnte ihm mir ebenso fnapp.geantwortet Warschauer Neujahrstongreß erflärte ein Redner unter ein Berben, daß Pilfubfti längst über alle Berge fei, ohnemütigem Beifall: Die PPS. ist gegen jede Dittatur, wäre fich in Magdeburg vorschriftsmäßig abgemeldet zu haben. es selbst eine Diktatur Pilsudskis." Das war die Befreiung des polnischen Befreiers! Die Soldatenrévolte legte den Zusammenbruch des alten Systems bloß. Der Polizeipräsident von Magdeburg, ein altpreußischer Junker, rief den sozialdemokratischen Bezirkssekretär um Hilfe an. Seine Machtmittel reichten nicht, um dem„ Unfug zu steuern, er möchte fich auch nicht gern einmischen, ob nicht die So zialdemokratie die Leute beruhigen fönnte und wollte...! Das hat sie denn auch sofort getan. Einem solchen Verlangen durfte sie nicht widerstehen. Da die Macht" des Obrigkeitsstaats versagte, mußte die Sozialdemokratie in die Bresche springen und der wilden Revolte eine Leitung und Führung geben. In Magdeburg wie anderorts. Südafrika und die Farbigen. Senat und Abgeordnetenhaus Südafrikas, haben in gemeinsamer Sigung nach sehr erregter Aussprache das Sperrgefeß gegen die Farbigen, durch welches die Berwendungsmöglichkeit Eingeborener und Farbiger in gewissen gelernten Berufen eingeschränkt wird, mit 83 gegen 67 Stimmen angenommen. gegen die aus der Ausführung des Umbaues sich mit Gewißheit er gebende weitere Berunstaltung des Knobelsdorffichen Baus und gegen die unausbleibliche Beeinträchtigung der Wirkung des Franz- JosephBlazes und der Hedwigskirche entschieden Einspruch zu erheben. Daß dem Opernhaus, das zu den künstlerisch vollkommensten Gebäuden Berlins zählt, schon übel genug mitgespielt worden ist, berechtigt nicht au weiteren Eingriffen in seine bauliche Gesamterscheinnug, sondern follte für die maßgebenden Instanzen ein Grund mehr sein, feiner weiteren Verunstaltung energisch Einhalt zu gebieten. Der anliegende Plaz ist schon durch die Aufstockung der Dresdener Bank ästhetisch geschädigt. Berlin ist nicht reich an guten alten Gebäuden und noch weniger reich an gut gestalteten Blägen; mit liebevoller Sorgfalt müßte deshalb das noch vorhandene Künstlerisch- Gute erhalten und gepflegt werden. Die Atademie kann sich nicht davon überzeugen, daß in der Opernhausangelegenheit die fulturelle Frage gegenüber den praktisch- technischen Rücksichten genügend abgewogen ist, fie glaubt, daß unter allen Umständen ein Ausweg gesucht und gefunden werden muß, der die kulturelle Frage nicht in den Hintergrund stellt oder ganz beiseite schiebt. Die Akademie erkennt selbstverständlich an, daß für Sicherheit der Bühnenangehörigen gesorgt werden muß, sie ver langt aber, daß auch den Interessen der Erhaltung hoher fünstlerischer Werte gebührend Rechnung getragen wird. Ein als Provisorium er fennbarer Anbau würde erträglicher sein als ein stilgerechter" Ausbau, der doch nur eine Verfälschung des Alten bedeuten würde. Die Architekten der Akademie werden fich noch eingehend mit der ganzen Angelegenheit beschäftigen, um möglichst positive Borschläge für eine befriedigende Lösung der ganzen Frage machen zu fönnen." Das Gesetz zur Bewahrung der Jugend von Schund- und Schmuhschriften hat in den Ausschußberatungen, die jetzt abgeschlossen find, seinen bedenklichen Charakter in der Hauptsache behalten. Die maßgebenden Verbände der Kunst und des Schrifttums haben sich zusammengeschlossen, um die Deffentlichkeit über die zu befürchtenden Wirkungen des Gefeßes aufzuklären. Die vereinigten Berbände merden durch geeignete Maßnahmen versuchen, das Gefeß, das die Freiheit de künstlerischen und literarischen Schaffens auf das schwerste bedroht und unter Umständen eine neue Ler- Heinze werden fönnte, abzuwehren. Neue Tempelfunde in Karnat. Bei den letzten Ausgrabungen in Karnar hat man einen im vorigen Herbst gemachten Fund in intereffanter Weise ergänzen fönnen. Es fanden sich nämlich zu den beiden damals gefundenen Statuen des Pharao Khu- n- Aten sechs weitere; alle acht Exemplare, die übrigens inzwifchen nach Kairo gebracht find, gleichen einander genau. Außerdem hat man im Anschluß daran die ersten Spuren eines Grabtempels dieses Pharaos entdeckt, über den die alegandrinischen Historiker berichtet haben, der aber bis jetzt nicht gefunden werden konnte. Im Herbst sollen die Ausgrabungen fort gesetzt werden. Tofio froht dem Erdbeben. Die Waleda Universität, eine der zablreichen brivaten Hochschulen in Tolio, wird zu Ehren ihres Stifters, des Marquis Dluma, ein Ruditoriumsgebäude errichten, das von einem sieben Stod hohen Turm gefrönt werden wird. Die Kosten werden durch Studierende aufgebracht. Der größere der beiden Hörsäle, die in dem Gebäude untergebracht werden, foll 6000 Berfonen faffen. Bauplak ist der Garten von Dlumas Bohnfig, der an die Universität grenzt. Pilsudski besucht das Parlament. Warschau, 15. Mai.( WTB.) Gegen 9 2hr vormittags fraf Marschall Pilsudski im Sejm ein und hatte eine längere Konferenz mit dem Sejmmarschall und einstweiligen Präsidenten der Republik, Rataj. Nachdem Marschall Pilsudski das Sejmgebäude um 11 Uhr verlassen hatte, tonferierte Sejmmarschall Rataj mit dem Abgeordneten Bartel( Arbeitsklub) und Moraczewski( polnische fozialistische Partei), ferner mit Abgeordneten der chriftlichen Demofraten und des Nationalverbandes, sowie einem Vertreter des Wyzwolenie- Klubs. Rataj soll den Abgeordneten Bartel mit der Neubildung des Kabinetts betraut haben. Dieser hat den Auftrag angenommen. Neuwahl des Staatspräsidenten. Warschau, 15. Mai.( WTB.) Sejmmarschall Rataj hat bei der Uebernahme der provisorischen Regierung von Witos erklärt, er werde in den nächsten Tagen den Termin für die Einberufung der Nationalversammlung festsetzen, die die Wah! des neuen Staatspräsidenten vornehmen soll. Der Generalstab des Marschalls Pilsudski hat ein Kommuniqué veröffentlicht, in dem es heißt: Der Staatspräsident verzichtet auf die Regierung zu gunsten des Marschalls Pilfubfti, das Kabinett Witos wurde entlassen. Pilsudski arbeitet gemeinsam mit dem Marschall Rataj an der Bildung einer neuen Regierung, die sich aus ehrlichen und vertrauenswürdigen Persönlichfeiten zusammensetzt. Die Kämpfe find beendet, die Militärabteilungen werden wieder in ihre Garnisonen zurückgeschickt. Pilsudski feinerseits erließ einen Aufruf an das Bolt, in dem er es bittet, Die Genfer Studien. Einigung im Prüfungsausschuß. Genf, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) In der Studienkom die ungenannte Adresse Brasiliens die Bemerkung, daß Argentinien mission des Völkerbundsrats richtete der Bertreter Argentiniens an teinem Lande das Recht zuerkennen könne, direkt oder indirett irgendwo Südamerika zu vertreten. Der deutsche Botschafter von Hoesch erklärte, daß der Vorschlag Lord Cecils auch Deutschland als eine geeignete Grundlage für die Neugestaltung des Bölferbundsrats erscheinen, indem damit eine angemessene Turnus= wahl gesichert und andererseits die Möglichkeit gegeben sei, mertvolle Mitglieder und Persönlichkeiten wieder zu wählen. Er möchte jedoch die Gewißheit haben, daß es jederzeit der völligen Freiheit der Bölkerbundsversammlung anheimgestellt ist, die zur Wiederwahl in Frage kommenden Mitglieder zu bezeichnen. Was die Zahl der nichtständigen Ratssige anlange, so gebe er einer möglichst ge ringen Vermehrung den Vorzug, doch werde er sich einem einstimmigen Beschluß der Kommission unterwerfen. Der Anspruch Südameritas auf drei nichtständige Ratssize finde bei der deutschen Regierung fympathische Aufnahme Lord Robert Cecil erflärte sofort, daß die Bölkerbundsversammlung bei Wiederwahl von Ratsmitgliedern immer völlig freie Hand behalte. Diese Erklärung nahm Hoesch mit Genugtuung entgegen und der Vorsitzende Motta unterstrich die beiden Erklärungen als besonders wertvoll. Er fügte hinzu, die ganze Kommission stimme der pertretenen Auffassung bei Zu dem Rücktritt der Regierung Witos teilt das hiesige Bureau der polnischen Telegraphen- Agentur mit: Gestern abend hat in Wilanow in Anwesenheit des Präsidenten der Republik ein Ministerrat stattgefunden. Der Präsident der Republik hat vom Ministerrat Antwort auf die Frage gefordert, ob es im Zusammen. hang mit der Befezung der Hauptstadt durch den Marschall Pil sudski und dem weiterhin drohenden Bürgerkrieg geboten sei, den Kampf fortzusehen oder einzustellen. Von der einstimmigen Ueber. zeugung ausgehend, daß die Fortsetzung der Kämpfe unter diesen Berhältnissen zum Bürgerkriege zwischen den einzelnen Provinzen führen müsse, ferner in Anbetracht der Notwendigkeit der Erhal tung der Einheit der Armee zum Schuße der durch diesen Krieg bedrohten Landesgrenzen, endlich in Anbetracht dessen, daß eine Spaltung der Landesprovinzen, der Nation und Armee in zwei feindliche Lager unbedingt beseitigt werden müsse, wurde die Einstellung der weiteren Kämpfe als Forderung der Stunde beschlossen. In der Ueberzeugung, daß es der neuen Regierung leichter gelingen werde, diese Aufgabe durchzusetzen, beschloß der Ministerrat seine Demission zu geben und dem Präsidenten der Republik gleichzeitig von dem Beschluß seiner Amts niederlegung Mitteilung zu machen. Keine Erzeffe in Warschau. Warschau, 15. Mai.( WTB.) Nach einer Meldung der pol nischen Telegraphen- Agentur find sämtliche Nachrichten über angebliche Ausschreitungen, Pogrome, Zerstörung von Geschäften und allgemeines Chaos vollkommen unbegründet und falsch In Warschau und ganz Bolen herrscht Ruhe und Ordnung Sämtliche Aemter und Sicherheitsbehörden arbeiten vollkommen ungestört. Die Generalstreikparole widerrufen. Warschau, 15. Mai.( WTB.) Der von den Sozialisten ange fündigte Generalstreit wurde angesichts der Tatsache, daß Pilsudsk unbestrittener Herr der Lage ist, rüdgängig gemacht. Einstellung der Gegenaktion? Hindenburg( OS.), 15. Mai, abends.( Eigener DrahtEinigung in der Form zustande gekommen, daß die Truppen bericht.) Durch Verhandlungen der polnischen Parteien ist eine in ihre Garnisonen zurüdbefördert werden. Das bedeutet praktisch die Einstellung der Gegenaktion gegen Pilfubfti. Von der oberschlesischen Grenze. Luck Sattowiß sind aus Krafau Meldungen eingelaufen, nach denen am Hindenburg( O.-G.), 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) In späten Abend die Truppen Pilsudstis das Belvedere gestürmt, aber niemanden von der Regierung mehr vorgefunden hatten. Die WitosRegierung erhält aus den ihr treugebliebenen Garnisonen Zuftrom. Dagegen sind aus Chelm und Lublin( Ostpolen) zur Unterſtügung Bilsubftis mehrere Regimenter abgerückt. In Bolhnnien, Lud und Lemberg werben ginile Hilfstruppen für Bitos mobili. fiert 2000 Rrafauer Studenten haben sich der Hilfsaktion der Barschauer Studenten angeschloffen und marschieren nach Warschau. Der Eisenbahnerstreit zugunsten Pilsudstis kann sich nur langsam durchsetzen, da der Nachrichtenapparat noch teilweise in der Hand der Pilsudsti- Gegner ist. Trozdem hat die Abwehraktion bereits zu einem Erfolg in Sosnowice geführt. Die aus der Wojwodschaft Schlesien Witos zu Hilfe geschickten Regimenter wurden nach übereinstimmenden Pressemeldungen entwaffnet. Im Zusammenhang damit kam es am Abend in Sosnowice zu heftigen Kämpfen. Die tommunistische Generalstreitparole hat im Industriegebiet zu feinem Erfolg geführt. Fabriken und Gruben arbeiten ungestört weiter. Die PPS. ftellt sich in einem Aufruf ihres Zentralfomitees auf die Seite Pilsudskis. In Lemberg ist gegen die Streifenden ein bürgerliches Abwehrtomitee gebildet worden. Ein am 13. Mai im Belvedere unter zeichneter Witos- Aufruf wird erst jezt in den witosfreundlichen Blättern veröffentlicht, wendet sich an sämtliche Bürger Polens um Unterstützung der rechtmäßigen Regierung und fordert zur Organi fierung des Widerstandes gegen Pilsudski und seiner Anhänger auf. Die oftoberschlesische Partei der christlichen Demotraten will Maßnahmen gegen Pilsudski ergreifen. Hohenlinde b. Beuthen, 15. Mai.( WTB.) Polnisches Militär mit Maschinengewehren beginnt die Grenze zu besetzen. Es wird befürchtet, daß die Beträge, die für die Lohnzahlungen not wendig sind, von der Bank Polski nicht ausgezahlt werden können. 51 Gefallene. Prag. 15. Mai.( WTB.) Wie aus Barschau gemeldet wird, fand heute vormittag unter Teilnahme von 50 000 Personen das Begräbnis der 51 gefallenen Soldaten statt. Anschließend erklärte der Bertreter Spaniens, seine Regierung werde die Beschlüsse des Völkerbundes mit aller gebührenden Achtung entgegennehmen, er sehe aber für Spanien teine mög lichkeit zu einer weiteren Mitarbeit, wenn ihm nicht ein ständiger Ratssitz eingeräumt werde. Am Schluß einigte man Bahl der ständigen und die Gesamtzahl der Ratssige im Bericht sich dahin, neun Nichtständige vorzuschlagen, während die nicht genannt werden soll. Zweite Lesung nach der Junitagung des Rats. Bei den Berner Kantonsrafwahlen haben die Sozialdemo= fraten ihren Besitzstand von 63 Mandaten behauptet bei erheblichem Stimmenzuwachs in einer Reihe von Wahlkreisen. Innerhalb der bürgerlichen Barteien haben die Freifinnigen einige Size auf Kosten der Bauern- und Bürgerpartei gewonnen. Letzte Nachrichten. Feuer im Lunapark. Um 12 Uhr brach im Maschinenhaus des Lunaparts ein Feuer aus, das größeren Umfang anzunehmen drohte. Auf die Meldung eilten die Löschzüge unter Leitung des Baurats Spon an die Brandstelle. Durch das tatkräftige Eingreifen der Behren gelang es, den Brand zu lokalisieren. Die Aufräumungsarbeiten zogen fich noch längere Zeit hin Gewerkschaftsbewegung Konferenz der Maschinisten und Heizer. Zur Sicherung des Achtstundentags. Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer hielt am 9 Mai in Hamburg eine Konferenz des Verbandsvorstandes, des Ausschusses und des Beirates ab. Auf der Tagesordnung stand u. a. die Stellungnahme des Verbandes zur Arbeitszeit frage und die Lage des Verbandes in der gegenwärtigen Wirt schaftskrise. Sum ersten Punkt hielt der Verbandsvorsitzende Klebe das Referat. Grundlage der Ausführungen des Bortragenden sowie der Diskussion war die Arbeitszeitverordnung, das Bashingioner Arbeitszeitabfommen, die Londoner Vereinbarung und das fünftige Arbeitszeitgesetz. Nach einer ausgiebigen Diskussion gelang folgende Entschließung einstimmig zur Annahme: „ Der Verbandsvorstand, Beirat und Ausschuß des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands sieht in der Art und Weise, wie von den Regie rungs- und Schlichtungsstellen die Arbeitszeitverordnung vom 23. Dezember 1924 ausgelegt wird, eine were wirt schaftliche und moralische Schädigung der Berufsinteressen der Maschinisten, Heizer und Berufsgenossen. Ganz entschieden wendet sich die Konferenz gegen die Auffassung der Bereinigung deutscher Arbeitgeberverbände, wie sie im lekten geheimen Rundschreiben dieser Körperschaft niedergelegt worden ift, daß die Beschäftigungsverhältnisse der Maschinisten und Heizer usw, insbesondere die Bedienung automatischer oder halbautomatischer Kesselanlagen usw. als Arbeitsbereit fchaft gelten sollen, wie sie dent Artikel 6a des Protokolls über die Landoner Konferenz der Arbeitsminister ausgesprochen worden ist. Die traditionelle Einstellung des Reichsarbeitsministe riums in Deutschland läßt die Befürchtung zu, daß auf Grund der Ministerbesprechungen in Genf und London tatsächlich dem Standpunkte der Arbeitgeber in Deutschland im weitesten Make Rechnung getragen wird. Von diesem Gesichtspunkte aus muß dem neuen Arbeitszeitgefchentwurf des Reichsarbeitsministeriums das größte Mißtrauen entgegengebracht werden. Im Gegensatz zu der Auffassung der Arbeitgebervereinigung meift die Konferenz mit Nachdruck darauf hin, daß die Bedie mung von Krafterzeugungsanlagen und Kraftmaschinen jeder Art dauernd angeffrengte Aufmerksamkeit verlangt. Dazu kommt die nach Gejez und Recht bestehende Berantwortung für Leben und Gesundheit der Mitarbeiter sowie der volkswirtschaftlichen Werte, die in diesen Anlagen verkörpert sind. Eine wirksame Abwehr der Bestrebungen zur Verschlechte= rung der Arbeitsverhältnisse unserer Berufstodegen kann nur durch eine einheitliche und geschlossene Berufsorganisation, wie fie unser Verband darstellt, erfolgen. Unsere Funktionäre und alle Mitglieder fordert die Konferenz auf, alle Kräfte einzusetzen und durch Stärkung der Organisation in moralischer und finanzieller Hinsicht die Anschläge auf unseren Beruf abzuwehren und den Achtstundentag zu sichern." Zum weiteren Punkt der Tagesordnung referiert der VerBandskaffierer Insel, der umfangreiches Zahlenmaterial vortrug, aus dem hervorging, wie stert durch die gegenwärtige Wirtschaftstrife die Verbandskasse belastet ist, aber auch die Finanzkraft des Berbandes beleuchtet wurde. Trogdem 80 Broz. aller Einnahmen für Unterstügungen und Interessenvertretung wieder an die Mit glieder zurückfließen, steht der Verband nach wie vor sehr schlagfräftig da. Auch diesem Referat folgt eine reichliche, aber auch fehr fachlich gehaltene Diskussion, die einzig von dem Gedanken geleitet war: Der Verband müsse ungefährdet durch die Wirtschaftsfrise geführt werden, um auch bei deren Abflauen in der Lage zu N Sakko- Anzug aus reinwollenem Sport- Anzug modern gemustert, 4 teilig, marineblauen Twill, Sakko, Weste, Pumphose Breeches wie Abbil- 68.- oder Bros..66.dung.... und lange BERLIN C. KONIGSTR. SPANDAUERSTA fein, allen Anschlägen der Arbeitgeber auf die Lohn- und Arbeits.| verzeichnet ist, was anläßlich einer Berhandlung vor dem Gewerbe bedingungen gerüstet gegenüber zu stehen. In der einstimmig an- gericht bestritten wurde. genommenen Entschließung heißt es: ,, Da eine Befferung des Wirtschaftslebens in absehbarer Zeit faum zu erwarten ist, beschließt der Beirat, es werden ab III. Quartal 1926 weitere 10 Proz. der Beitragseinnahmen an die Hauptkasse abgeführt, um die Hauptkasse in die Lage zu verfegen, auch in der Zukunft die Interessenvertretung nachdrücklichst durchzuführen und die Unterstügungssäge in der alten Höhe und Bezugsdauer weiter gewähren zu fönnen." Damit die Lokalkaffen eine Schwächung infolge Annahme dieses Antrages nicht erfahren, wurde noch beschlossen, daß der Beitrag für die Lokalkassen nicht unter 20 Pfg. pro Woche betragen dürfe. Zum Rummelsburger Streik. Auch die Bauarbeiter in Mitleidenschaft gezogen. In dem Streit der Metallarbeiter auf dem Neubau des Kraftwertes Rummelsburg, der jetzt schon zwei Wochen unvermindert anhält, ist bis jetzt noch keine Aenderung eingetreten. Irgend stattgefunden. Allerdings wird jetzt die Situation dadurch kritischer, als die Bauarbeiter infolge des Streits der Eisenkonstruktionsarbeiter teilweise nicht mehr weiter arbeiten fönnen. Auf einigen Baustellen wird deshalb schon verfürzt gearbeitet und Entlaffungen von Bauarbeitern für die nächsten Tage in Aussicht gestellt. Die streikenden Eisenkonstruktionsarbeiter, die am Sonnabend wieder zu der Streillage Stellung nahmen, sind nach wie vor feſt entschlossen, ihren Kampf durchzuführen, zumal ihnen die eingeleitete Unterstützungsaffion das längere Aushalten im Kampfe ermöglicht. Sie erwarten aber trotzdem von der Stadtverordnetenversammlung, daß sie sich in ihrer nächsten Sizung am Dienstag wieder mit der Angelegenheit befassen und auf die Durchführung der von ihr gefaßten Beschlüsse dringen wird. Unehrliche Wachgesellschaften. Unhaltbare Zustande im Berliner Wadhwesen. In Berlin bestehen neben großen einwandfreien Wachgesellschaften noch eine große Reihe von Unternehmen, die durch hochflingende Namen das Publikum irreführen. Während die namhaften Gesellschaften mit dem Deutschen Verkehrsbund im Tarif verhältnis stehen und neben den Tariflöhnen freie Nächte, Krankengeldzuschuß usw. gewähren, sieht es bei den anderen Gesellschaften in dieser Beziehung traurig aus. Gegen einige Gesellschaften sind bereits Landgerichtsurteile erwirkt worden, wonach Nichtbezahlung der tariflichen Löhne als unlauterer Wett bewerb anzusehen ist. Der Bürgerschuh", eines dieser Gebilde, zahlt Löhne von 120 M. und 130 M. Da der Tariflohn 165 M. pro Monat beträgt, die Firma verpflichtet ist, auch diesen Lohn zu zahlen, ist der Inhaber auf einen sehr originellen Gedanken, gekommen. Bei Bezahlung 3. B. von 130 m. stellt Herr Remmlinger eine Bescheinung aus, daß er dem Wächter noch 35 M. für den Monat schuldet und der Wächter diese Schuldsumme später erhalten soll. Diese Hand lungsweise ist eine glatte Umgehung des Tarifvertrages, um so mehr, als der Wächter, wenn sich dieses Experiment mehrere Monate wiederholt, wohl schön beschriebenes Papier in seinem Besiz, aber kein Geld zu sehen bekommt. Ueber die Ausübung der Bewachungen selcher Institute noch ein Wort zu verlieren, erübrigt sich. Eine andere Gesellschaft, der Märkische Sicherheitsdienst", ist ebenfalls auf einen originellen Gedanken gekommen. Der Inhaber, ein Herr Finger, zahlt gleichfalls nicht die tariflichen Löhne, glubt es auch nicht nötig zu haben, weil er feine Wachgesellschaft, sondern einen Sicherheitsdienst habe! Nebenbei sei bemerkt, daß im Telephonbuch für 1926 dieſe Gesellschaft unter dem Namen Märkische Bach- und Schließgesellschaft" " Ein Wächter des Märkischen Sicherheitsdienstes flagte vor dem Gewerbegericht auf Zahlung des tarifmäßigen Lohnes auch für zurückliegende Zeit. Finger bestritt die Zuständigkeit des Gerichts, und zwar deshalb, weil seine Gesellschaft etwas ganz anderes darstelle, als eine Wachgesellschaft. Befragt, welche besseren Leistungen seine Gesellschaft ausübe, fonnte er feine Antwort geben. Das Gericht tonnte nicht zu der Ueberzeugung kommen, daß der Märkische Sicherheitsdienst ein anderes Unternehmen sei, als die übrigen Wachgesellschaften und fällte ein entsprechendes Urteil. Der Berater des Herrn Finger scheint aber auch in anderer Beziehung nicht auf der Höhe zu sein. Angeblich besteht ein Tarifvertrag mit der christlichen Organisation, der niedrigere Lohnfäße vorsieht, der aber, selbst wenn er besteht, durch die Allgemeinverbindliche rflärung des mit dem Deutschen Berkehrsbund abgeschlossenen Vertrages gegenstandslos ist. Bezeichnend ist es immerhin, daß eine Arbeiterorganisation es fertig bekommt, den Unternehmern Hilfsdienste zu leisten, ein Beginnen, das zum Schaden aller Wächter sich auswirken kann. Die Bachangestellten können hieraus ersehen, daß nur der Deutsche Verkehrsbund die Interessen der Arbeitnehmer vertritt. Landbundgeschwäh. Der Reichslandbund verbreitet in feiner gleichnamigen Zeit schrift Nr. 19 vom 8. Mai eine Notiz, in der behauptet wird: ,, Auf der jüngsten Generalversammlung des Landarbeiterverbandes sprach es dessen Vorsitzender Herr Georg Schmidt, offen aus, daß der Landarbeiterverband finanziell unterhalten wird von der Generalfommiffion und der Sozialdemokratischen Partei. Er hätte nod) hinzufügen müffen, vom Reichsbanner Schwarz- RotGold." Eine ähnliche unwahre Notiz brachte schon der deutschnationale Zentralverband der Landarbeiter in seiner vom Unternehmertum finanzierten ,, Rundschau" Nr. 8 vom 11. April. Dazu ist zu sagen: Der Deutsche Bandarbeiterverband ist in der Vorkriegszeit von der Sozialdemokratischen Partei und der Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands unterſtüßt worden. Das hat auch der Verbandsvorsißende, Georg Schmidt, gefagt. In der Nachkriegszeit ist feinerlei finanzielle Unterffügung weder durch die Partei noch von anderen Gewerkschaften Es ist zudem ein erfolgt, zumal fie nicht mehr notwendig war. fleiner Unterschied, wenn der Deutsche Landarbeiterverband früher aus Mitteln der organisierten Arbeiterschaft unterstützt wurde, während für gelbe Verbände die Unterstützung durch die Unternehmer charakteristisch ist. Die Behaup tung, daß das Reichsbanner den Landarbeiterverband unterstützt habe oder noch unterstüße, ist so lächerlich, daß sie sich von felbft richtet. Konflikt in der mitteldeutschen Metallindustrie. Halle, 15. Mai.( WTB.) Der Verband der mitteldeutschen Metallindustriellen hat den am 11. Mai vom Schlichtungsausschus Halle gefällten Spruch, der die Geltung der bisher gezahlten Löhne berlängert, abgelehnt und gleichzeitig für das Wirtschaftsgebiet Magdeburg den Manteltarif gefündigt. Daraufhin hat der Deutsche Metallarbeiterverband das Arbeitszeit abkommen gekündigt. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 2. Seite der 3. Beilage.) Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus: Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Rarstädt: Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärts- Berlaa 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanftalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW 68. Lindenstrake 3. Hierzu 4 Beilagen, Unterhaltung und Wiffen", Aus der Film- Belt und Blid in die Bücherwelt" srae Herrenkleidung Damenkleidung Kinderkleidung Trikot- Badeanzug für Damen, Sakko- Anzüge gran gemust. Jumper- Bluse aus weißem Stoff, moderne 39.- 58.- Voll- Voile m. farbigem 2.90 Form.. Gabardine- Mäntel impägniert 58.- 98.Loden- Mäntel Schlüpfer oder Bozener Form.. 22.- 32.Lüster- Sakkos m.Armel- 6.75 13.75 Windjacken g. imprägn. 9.80 16.75 Stoffe... Hut Liséré geflecht mit Band garn... 2.90 Schal..... 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Jagdleinen mit Lederhaube und Lederträgern für Kinder1.95 Damen 4.95 für Herren 5.95 Pfadfinder- Beutel 1.75 RETOSTI Kr. 227 ♦ 4Z.�ahrgaks 7. Seilage öes Vorwärts Sonntag, 1 ö.Mai 7426 \l M c?" �.1 �5�» f�A'.-Sa wo er schädigend wirkt, muß eine Schuhhecke errichtet werden. Daß »-», �~2 die klimatischen Verhältnisse vor allem bei der Sortenouswahl«ine '•jxf? � Rolle spielen, liegt auf der Hand: wärmebedürstige Sorten wird � man nicht in der Nähe der russischen Grenze pflanzen. Durch die Arbeit amtlicher und privater Stellen liegen über diese Frage nun schon abschließende Ergebnisse vor, so daß es dem Anbaulustigen leicht wird, sich von dem eigenen Experimentieren freizuhalten. Die Bc- leuchtungsverhällnisse müssen hier auch noch erwähnt werden, da sie namentlich bei Spalierobst eine Bedeutung haben: Winterbirnen und Winteräpfel sowie der Wcinstock haben das stärkste Licht- und Wärmebedllrfnis und können daher auf der Südseite untergebracht werden, während die anderen Obstarten, auch Pfirsich und Aprikosen, sich für die Ost- und Westseite geignet erweisen. 5 r* U S- Der Großstädter ergötzt sich in jedem Frühjahr an dem male. rischen Bilde-der Obstbaumblüte: auch wenn er nicht nach Werder oder neuerdings nach Guben fährt, hat er doch meist Gelegenheit. zahlreiche blühende Bäume in Laubenkolonien und Vorortgärten zu bewundern. Und wenn er diese Pracht sieht, Tausende von Blüten an einem Baume schätzt, so wird er bei sich denken: na, dos muh dieses Jahr doch eine ganz besonders glänzende Ernte werden, und er freut sich schon im voraus auf die Genüsse, die er für wenig Geld haben kann! Ist dann der Sommer da, findet er die Preise in alter Weise so hoch, daß ein wirkliches Schwelgen in dem gesundheitlich so dienlichen Obst ausgeschlossen ist. Daß vielfach die Preisspanne vom Einkaufspreis beim Erzeuger zum Verkaufspreis durch die verschiedenen Groß- und Kleinhandelsstationen zu groß ist, wurde schon oft sestgestellt, ober dieses kaufmännische Moment würde dann von selbst ausgeschaltet sein, wenn das Obst in verschwenderischer Fülle vorhanden wäre(wie es z. B. bei Pflaumen sich ja zuweilen gezeigt Hot). Dies ist nun aber nicht der Fall, und es liegt daran, daß nicht jede Blüte auch eine Frucht gibt. Gute und schlechte Gbftanlagea. Wo der Obstgarten in erster Linie der Versorgung des eigenen Haushalls dient, ist ein großer Sortenreichtum angebracht, damit das Obst vom Frühsommer bis zum Spätherbst stets frisch dar- geboten werden kann. Anders muß der Erwerbsobstzüchler rechnen. Er hat die Aufgabe, entweder für den Bedarf der nahen Märkte oder für die Belieferung einer Fabrik der Obstkonservenindustrie zu sorgen. In ersterem Falle wird er diejenigen Sorten kultivieren, die„marktgängig� sind, im letzteren sich den Wünschen der Fabrik unterordnen. Natürlich wird er nur solche Sorten wählen, die für seine Gegend als besonders geeignet erkannt worden sind. Der Obstbau setzt also eine Zndivibualijicrung der Betriebe voraus, wie sie in gleicher Weise die übrige Landwirtschast und auch die Gärtnerei nicht kennt. Dazu kommt, daß nun auch der Boden, der dem Obst» züchter zur Verfügung steht, hinsichtlich seiner Geeignetheit zur Obstbaumanpslanzung gewissen Erfordernissen entsprechen muß. Im allgemeinen kann hierüber gesagt werden, daß ein von Natur ärmerer, leichter Boden sich besser eignet als nur schwerer, da es ver- hältnismäßig leicht ist, den Boden für die Kultur der Obstbäume her- zurichten, so durch Gründüngung der ganzen Fläche und Verbesserung des Bodens in den Pslanzgruben, während bei schwerem Boden eine etwa in geringer Tiefe sich hinziehende undurchlässige Erdschicht lz. B. Lette) das Gedeihen der ganzen Pflanzung in Frage stellen kann. Die nach unten gehenden Wurzeln der Bäume können diesen Boden nicht durchdringen, der Baum stirbt ab. Auch der wind ist ein Faktor, der bei der Anlage in Betracht gezogen werden muß: die Gefahrea während der Slüte. Nehmen wir nun an, daß der Obstzüchter seine Kulturen allen Ansorderungen gemäß eingerichtet hat, so ist der Erfolg trotz aller dieser Aufwendungen und Mühen noch nicht gesichert. Die Baum- blüke, die von Mitte April bis Mitte Mai stattfindet, kann in einer Nacht durch den Frost vernichtet resp. stark beschädigt werden, und auch noch der junge Fruchtansatz läuft die gleiche Gefahr. Der Städter, der am Tage die schneeigen Blüten im grellen Sonnenlicht bewundert und die sich schon bemerkbar machende Wärme durch den Ostwind gemildert fühlt, ahnt nicht, daß gerade dieser Ostwind in der Nacht darauf die Temperatur unter Null Grad sinken läßt. Die Möglichkeit, sich dagegen zu schützen, ist durch die Erzeugung von Rauch gegeben, und wo verständige Obstzüchter auf kleinem Raum sich zusammenfinden, wird auch davon Gebrauch gemacht, aber der einzelne, allein Liegende ist schon übel daran, wenn er noch zur Tagesarbeit die Last einer durchwachten Nacht hinzufügen soll. Und in den Kreisen der Siedler und Kleinagrarier herrscht vielfach auch ein Optimismus, der sie an die drohende Gefahr nicht glauben läßt. Hier liegt noch ein weite» Feld genossenfchasllicher OrganisaNon vor, und zwar gilt dies sowghl für den Norden wie den Süden unseres Vaterlandes: auch süddeutsche Obstbaugebiete haben schon des öfteren schweren Schaden durch Frühjahrsfröste erlitten. Neben der Gefahr des Erfrierens liegen aber noch andere vcr, die die Reichhaltigkeit der Obsternte beeinträchtigen. Sie betreffen die Tatsache, daß Obst- bäume reich blühen, aber nicht.ansetzen'« Maßnahmen zur Erhöhung öes Iruchtanfatzes. Wie der Frost einen vernichtenden, so übt„schlechtes" Wetter einen schädigenden Einfluß aus. Und zwar umfaßt hier der Begriff .schlecht" beide Extreme der Witterung. Ist die Temperatur niedrig und strömt kalter Regen herab, so.fliegen" die Insekten nicht und die von iljnen verrichtet« Arbeit der Befruchtung unterbleibt. Ist dagegen das Wetter sehr heiß, so trocknet der von der Narbe ab- gesonderte Saft ein, der den Pollen sestzuhalten bestimmt ist. Gegen diesen Schaden hilft in etwas eine vor der Erschließung der Blüte vorgenommene durchdringende Bewässerung, auch wird Bespritzung der Bäume in den frühen und späten Tagesstunden empfohlen. Andere Ursachen der Unfruchtbarkeit sind: Verkrüppelung der Ge- schlechtsorgane einzelner Bäume, wogegen nur Umpfropfung Ab- Hilfe schafft, dann ober auch Berstopfung der Narben durch den in der Nähe von Industriestädten umherfliegenden Ruß, dessen Ge- sundheitsgesährlichkeit sich also nicht nur aus Schädigungen des mensch- lichen Organismus erstreckt. Eine andere den Ertrag störende Ur- fache ist die Tatsache, daß zwar ein reicher Ansatz vorhanden ist, die sich bildenden Früchte aber bald abfallen. Man erklärt dies aus dem Bestreben der Edelsorten, auch.ohne Samenonsatz Fruchtfleisch zu bilden". Da aber die Samenerzeugung die Hauptsache ist, so stößt der Baum die nutzlosen Bildungen wieder ab. Zu nasses Wetter oder übermäßige Bewässerung üben gleichfalls schädigenden Einfluß aus, und dies macht sich schon beim Blütenansatz bemerkbar: durch die Nässe kommt der Baum gewissermaßen nicht zur Ruhe: starke» Wachstum, reiche Blallbildung, aber kein Ertrag. Auch übermäßige Slickstossdüngung wirkt in der gleichen Richtung. Andererseits gibt die Natur uns einen Fingerzeig in der Blühwilligkeit von Pflanzen, die sich auf trockenem Boden befinden. Man wird durch Kolk- düngung in dieser Hinsicht verbessernd und anregend wirken können; ist der Baum dann zur Knospenbildung geschritten, so ist durch genügende Bewässerung eine gute Entwicklung des Ansatzes herbeizu- führen. In wie hohem Maße die Bekämpfung der die Frucht und den Baum selbst zerstörenden Insekten Nutzen bringt, ist auch dem Laien bekannt: wertvoll ist das Kalken der Stämme, sofern ein vorheriges Abkratzen der Rinde damit verbunden ist, wodurch zahlreiche Nester entfernt werden. Auch die Klebegürtel leiste» gute Dienste. Natürlich muß der Obstzüchter ständig sein Augenmerk auf etwa neu austretende Verheerungen richten, um gleich durchgreifend ein- schreiten zu können. Die vögelplage ist oft eine ziemlich große: man wird aber bei dem Kriege gegen diese Mitesser stets sich des großen Vorteils bewußt bleiben müssen, den namentlich die Singvögel als verlilger der den Obstbäumen schädlichen Znseklen bieten. » Man sieht aus diesen Betrachtungen, daß auch der Obstzüchter die Hände nicht in den Schoß legen darf, will er seine Anlagen dauernd auf der Höhe halten. Und das gilt nicht nur für den Er- wcrbsgärtner, sondern auch für den kleinen Kolonisten, der an seinen Obstbäumen mit besonderer Liebe hängt. Nicht nur Arbeit ist zu leisten, auch an die Intelligenz des Züchters werden Ansprüche ge- stellt, die sich bei anderen Zweigen der Landbcarbeitung nicht in gleichem Maße auswirken. Jeder Baum ist ein pflanzliches Indi- viduum, das für sich besonders behandelt werden muß. Verkehrszählung auf der Berliner Stadt- und Ringbahn. Am 2. P s i n g st f e i e r t a g, Montag, den 24. Mai 1926, wird auf der Berliner Stadt- und Ringbahn und den Vorort- bahnen eine Verkehrszählung unter Verwendung beson- derer Zählkarten vorgenommen, die ein Bild über den Ausflugs- verkehr an einem Feiertag, an dem die Eisenbahn besonders stark benutzt wird, ergeben soll. Die Reisenden werden nach Inhabern von Zeit- und Einzelkarten unterschieden und erhalten beim Antritt der Fahrt je besondere Zählkarten, die an den Sperren der Ankunfts- stationen mit den eigentlichen Fahrtausweisen abzugeben sind. Das reisende Publikum wird gebeten, der Zählung durch williges Jnnc- halten der auf allen Bahnhöfen aushängenden Bestimmungen über die Annahme und Abgabe der Zählkarten zum Erfolg zu verhelfen. Die Zählkarten werden kostenlos ausgehändigt. Die Reichsbahn- Verwaltung wird alle Maßnahmen treffen, um eine glatte Durch- fllhrung der Zählung zu gewährleisten. Zamile unker den Zedern. 35f Von Henri Dordeaux. (Berechtigte llebersetzung von 3. Kunde.) „Vamile," flüsterte ich und Hoffnung ließ mich er- schauern. Ohne sich zu verschleiern, hatte sie sich mir genähert: „Mit dir, mein Freund, werde ich sprechen. Nicht mit ihnen. Wozu auch? Du liebst mich noch und du erwartest nichts von mir." Ihre Worte ließen keinen Zweifel. Ihren Sinn ver- stehend, schrie ich auf:„Bamile, willst du deinen Tod?" Und ein starkes Gefühl der Ehrfurcht gesellte sich zu meiner Liebe. In die Knie hätte ich vor ihr sinken mögen. Nötigte mir die Nähe des Todes diese Ehrfurcht ab oder das Mitleid, das so viel Größe in mir weckte. Sie sah mich er- staunt an und lächelte leise. Es war das letztemal, daß ich ihr Lächeln sah. Es kleidete sie gut, daß ihre zumeist ernsten Mienen einen kindlichen Ausdruck annehmen konnten.„Ja, Khalil," antwortete sie.„Ja, es muß wohl sein." Sie hatte sich damit abgefunden. Empörte sich nicht. Ihr junger Körper bäumte sich nicht gegen den Tod auf. Mir blieb nur noch eine Viertelstunde, um sie umzustimmen. Ich rief meine ganze Leidenschaft, alle Macht meiner Liebe zu Hilfe. Ich erzählte ihr von meinem Schmerz nach ihrer Flucht, wie ich gegen die Anklage aller Protest einlegte und von unserer Verfolgung bis Chrar, wo wir sie nach Omars Haus reiten sahen.„Ich hörte die Stute meines Vaters wiehern," unterbrach sie mich,„aber ich habe euch nicht ver- raten." Ick) vcrhelte, daß wir, Butros und ich, nacheinander das Gewehr auf sie angelegt hatten. Ich kam auf meine Träume- reien in den Gärten Omars zurück, auf Tripolis, auf die vielen Stunden, die ich auf dem Friedhof und vor dem Schloß verbrachte. ..Du bist es also, der mich verraten hat," stöhnte sie auf. Ich schwur, daß ich ihre Spaziergänge nicht verraten hatte. „Du warst aber doch dort, wie sie mich fortgeschleppt haben. Warum ließest du das zu? Ich gehöre immer Omar. Niemand hat die Macht, mich ihm zu nehmen." Dieses Wort entfachte meine Eifersucht aufs neue. „Nein, Pamile, du wirst Omar nicht mehr gehören, während du die meine noch sein kannst. Ich liebte dich früher als er. Erinnere dich jenes Winterabends, wo ich— auf dem Wege nach Hamm war es— deine erstarrten Hände wärmte. Ich habe dich so lange und geduldig erwartet. Wir fahren übers Meer, fern von hier, in ein Land, wo es keine Vergangenheit mehr für uns gibt, nichts als ein gegen- wärtiges Glück und die Zukunft eines eigenen Herdes. Sie wollen dich töten, Bamile, begreifst du das nicht? Das ist unmöglich. Ich will es nicht. Pamile, ich liebe dich. Yamile, willige ein, meine Frau zu werden, und du Haft dein ganzes Leben vor dir. Und ich, ich werde dir verzeihen, ver- gessen Ich meinte die Worte vom Verzeihen und Vergessen ehr- lich: ober kaum waren sie über meine Lippen, da fühlte ich schon ihre Nichtigkeit. Ich hatte gedacht, ich könnte auch eine heroische großartige Rolle spielen wie ihr Vater, da er sie zum Tode verurteilte. Ich gewährte ihr meine Hilfe, gab ihr meinen Namen, meine Stellung, schaffte ihre Verirrung aus der Welt. Müssen denn die Menschen bis ins Unglück hinein posieren? Ich beugte mich nachsichtig zu ihr herab. Während die Schatten des Todes schon über ihr schwebten, dachte ich an nichts anderes als mein Liebesverlaimen zu verwirklichen. Ich schämte mich dieses verächtlichen Spieles. „Nein, Damile, so ist es nicht. Ich bin der, welcher zu bitten hat." Meine Liebe hatte in mir alles, was sie nicht war, zer- stört: Eifersucht, Stolz, Eitelkeit, jede heftige Wallung, selbst die Begierde: sie glich einer jener Feuersbrünste, welche die Erde von Schmarotzerpflanzen befreien, damit sie die Saat des Lebens aufnehmen könne. Verwundert über meinen Ton, drängte sie mich sanft von sich. „Ziehst du den Tod meiner Liebe vor? beschwor ich sie. Sanft wehrte sie ab:„Du kennst meinen Geliebten nicht." Und mit ihrer melodischen Stimme, sich zuweilen unter- brechend, sang sie— ich finde keinen anderen Ausdruck dafür — sang sie ihre Liebe, so wie die Nachtigallen der Gärten von Chrar das Dunkel mit ihrem Namen erfüllt hatten. Wußte sie es, ja sie wußte es, daß sie ihrem Schmerz, mit sechzehn Jahren sterben zu müssen. Ausdruck verlieh. So mußte das Lied der Tochter Iephtas geklungen haben, als sie mit ihren Gefährtinnen auf einem Hügel ihre Opferung erwartete. So und doch nicht fol Denn die Tochter Iephtas liebte nicht und wurde nicht geliebt. Ich habe versucht, diese Hymne der Freude, die ein letzter und herzzerreißender Ab- fchied war, im Gedächtnis zu bewahren. Aber ich fürchte den Rhythmus nicht richtig wiedergeben zu können und den Reiz abzuschwächen. Mit Konvention, Scham und Bescheidenheit, mit Zurückhaltung und Vernunft hatte dieser Hymnus nichts zu tun. Er war Jugend, Verwegenheit, Opfer. Nur die Strophen des Hohen Liedes könnten eine Vorstellung von ihm geben. Zur Erinnerung an dieses eigenarttge Bekenntnis, bei dessen Anhören ich meinen Schmerz nicht mehr empfand, habe ich sie meinem Gedächtnis eingeprägt. Wie der Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Geliebter unter den jungen Männern. Ich habe mich gelagert in seinem Schatten, denn ich verlangte nach ihm. Seine Frucht schmeckte süß meinem Munde... Bringt mir Blumen, erquickt mich mit Früchten, denn ich verschmachte nach Liebe... Das ist die Stimme meines Freundes. Er kommt: er springt über die Berge, hüpft über die Hügel. Mein Ge- liebter gleicht dem Reh oder dem jungen Hirsch. Er steht hinter der Mauer, sieht vom Fenster her und blickt durch das Gitter. Mein Freund ist das: er spricht zu mir: Stehe auf, eile dich, Geliebte, meine Taube, meine einzige Schön- heit, o komm. Schon floh der Winter: die Regengüsse sind verronnen und verschwunden. Die Blumen sprießen auf unserer Erde: es ist«Zeit, den Wein zu beschneiden: die Turtcl- taube hört man auf den Fluren. Der Feigenbaum zeigt schon seine Früchte: die blühende Rebe verströmt ihren Duft. Auf, Geliebte, du meine einzige Schönheit, komm. O meine Taube, die sich im Steingeklüft verbirgt, zeige mir dein Gesicht, da- mit ich deine Stimme höre: denn deine Stimme ist süß und dein Antlitz lieblich... Mein Freund ist mein und ich bin sein, und wir freuen uns unserer Liebe, bis der Tag erwacht und die Schatten abnehmen. Komm zurück, mein Geliebter, und gleiche dem Reh und dem jungen Hirsch auf den Bergen des Libanon... Und dann klingt es aus: ... Ich höre die Stimme des Geliebten: er klopft an meine Tür: öffne mir, meine Schwester, meine Freundin, meine reine Taube... Ich stand auf, um dem Geliebten zu öffnen, aber er war schon weggegangen. Es war, als wenn meine Seele beim Klang seiner Stimme schmölze. Ich habe ihn gesucht und fand ihn nicht: ich rief und er hat mir nicht geantwortet... Gewiß, das sind nicht die Worte aus Pamiles Mund, aus diesem Munde, der einem Purpurband glich, das feucht war von seiner Frische. Sie sind es nicht, aber sie ähneln ihnen. Ich habe darin dos gleiche Feuer, ihre Glückseligkeit, die Leidenschaft, die Hingabe, die Bilder gefunden. Um dieser Aehnlichkeit willen hat mein Gedächtnis sie behalten. (Fortsetzung folgt.) Kulturaufgaben des Sozialismus. Für die Vereinigung sozialdemokratischer Studenten sprach am Freitag abend im Dorotheenstädtischen Realgymna fium der Reichstagsabgeordnete Genosse Sollmann über die Kulturaufgaben des Sozialismus. Er ging aus von dem Wort Fichtes, daß für die Menschen Zweck des Erdenlebens sei, daß sie in demselben alle ihre Verhältnisse mit Freiheit nach der Vernunft ordnen". Das bedeutet in die moderne Sprache überfest, an Stelle der Planlosigkeit die Planmäßigkeit, an Stelle der Anarchie die Organisation zu errichten. Mag Adler nannte daher mit Recht Fichte den ersten deutschen Sozialisten. In der Zeit der Befreiungstriege handelte es fich für Fichte um die Volfsgemeinschaft, die nicht mehr Wissende und Unwissende, Kulturträger und Kulturlose tenne. Die Besiglosigkeit war teine Massen erscheinung, wie sie mit dem größten Revolutionär, dem Kapitalismus, in Erscheinung trat, der das Industrieproletariat schuf. In seiner ersten Phase entwickelte es sehr fulturelle Utopien wie zum Beispiel im Handwerksburschentommunismus Beitlings, das Proletariat fämpfte eine Zeitlang gemeinsam mit dem Bürgertum um die Niederwerfung des Feudalismus, bis sich die Arbeiterschaft felbständig um ihre politischen, wirtschaftlichen und jozialen Kämpfe gegen das zur Macht gekommene Bürgertum einfezzen mußte. Der Redner gab dann in großen Linien einen Ueberblick über die Entwicklung der sozialistischen Bewegung und den ethischen Gehalt des Klassentampfes. Er wies nach, wie die Bergesellschaftung des Arbeitsprozesses die Arbeitermassen zur Solidarität erzieht, die empfinden, wie ohnmächtig sie auf sich allein gestellt sind. So wird der Klaffentampf zu einem jittlichen Gebot, zum Mittel einer Höherorganisierung der Gesellschaft in ihrem materiellen und geistigen Bestand. Der Kapi talismus braucht verläßliche Werkzeuge, aber feine Charaktere, weshalb die Intellektuellen fein Interesse an ihm vom fulturellen Stand punkt aus haben dürften. Die Sozialdemokratie vertritt ein einziges großes gefchloffenes Kulturprogramm, es feien nur ihr Kampf gegen die Bobenspekulation, ihr Eintreten für Wohnungswesen, Siedlungs politit, Schulwesen mit einheitlichem Aufbau von der Grundschule zur Hochschule, öffentliches Gesundheitswesen, Sozialpolitik wie Achtstundentag, Jugendschutz und Unterricht und die Rechtsprechung durch Boltsrichter genannt. Die Mittel zur Erreichung dieser Ziele bietet die Demokratie mit dem Kulturantrieb der Massen auf Staat und Gemeinde. Im Klassenstaat gilt ohne Zweifel noch für die Demos fratie, was Friedrich Naumann sagte:„ Was nüzen die gleichen Bürgerrechte, wenn die Menschen sich freiwillig verkaufen müssen, wenn fie leben wollen." Doch die Demokratie er. möglicht die geistig organisatorische Schulung der Massen, wie auch die Wirtschaftsdemokratie ein Aufsteigen zur Kontrolle und Beherrschung der Wirtschaft erschließe. Die Kultur eines Volkes wird geschaffen durch den förperlichen und geistigen Arbeitsprozeß des Boltes. Der Sozialist fühlt sich als Glied feines eigenen Bolles und ist gerade deshalb international in den höchsten Begriffen menschlicher Sittlichkeit, denn die tiefsten Gedanken schweifen über die engen Grenzen des Landes, ja des Erdballs, bis in das heilige Geheimwissen des Universums. So strebt der Sozialismus nicht nur nach einer neuen Wirtschaftsverfassung, sondern vor allem nach einer neuen Geistes. verfassung. So wurde die Arbeiterjugendbewegung- anfänglich nur ein Kampf der Lehrlinge gegen ihre Ausbeuter zu einem machtvollen Kulturfaftor, ebenso zeugen die Volkshochschulen, die Boltsbühnen, der Bücherkreis, der Abstinentenbund ufw. für die fulturelle Entwicklung. Der Sozialismus schult den Willen zur Gemeinschaft, die in dem Wort Genoffe einen schönen Niederschlag findet. Die Wiffenfchaft muß gemeinsam mit an dem großen Gebäude menschlicher Kultur bauen helfen, denn die Wissenschaft soll", nach Karl Marg Worten, fein egoistisches Vergnügen sein; diejenigen, melche so glücklich sind, sich wissenschaftlichen Zwecken widmen zu fönnen, sollen auch die ersten sein, welche ihre Kenntnisse in den Dienst der Menschheit stellen". Die Rede Sollmanns wurde von der gut besuchten Studentenversammlung mit großem Beifall aufgenommen. Nach einer furzen, aber anregenden Diskussion gab der Genosse Sollmann noch einmal der Erwartung Ausdrud, daß sich die Studentenschaft ihrer Auf gabe im sozialistischen Befreiungstampf bewußt werde. Der Lützow- Prozeß vor dem Ende. Das Gutachten Dr. Magnus Hirschfelds. Mit einem Gefühl der Erleichterung nahm man gestern das Gutachten Dr. Magnus Hirschfelds entgegen endlich einmal kommt diefes langwierige wie peinliche Verfahren zum Abschluß. Den Uebergang zu dem Hirschfeldschen Gutachten bildete gewissermaßen die Aussage des Schulrats Dr. Kirsch. Auf Grund seiner langjährigen Beobachtungen hatte sich bei ihm die Ansicht gebildet, daß Lützoms Erziehungssystem sexuelle Untergründe haben müßte. Trotz seines objektiven Berhaltens bei der Untersuchung glaubte man aber ihm seine sozialistische Weltanschauung vorwerfen zu müffen, obgleich er mit seinen fonservativen Kollegen in der Be urteilung des Lützowschen Erziehungssystems einig war. Dann kam das Gutachten Dr. Magnus Hirschfelds. Er schickte diesem voraus, daß er überhaupt den Begriff des Züchtigungsrechtes verneine, denn bei dem Prügeln bestehe stets die Gefahr, daß es der Effettabfuhr des Prügelnden diene. Er halte es mit dem Sat: Wen das Wort nicht schlägt, den treffen auch Schläge nicht." Auch Dr. Liez habe sich dahin geäußert, daß förperliche Strafe ein für alle Male aus dem Landeserziehungsheim ausgeschlossen werden müßte. Von Lühow, der vom gleichen Erziehungsfanatismus beseelt sei, wie Dr. Liek dies war, stelle dessen Spiegelbild in einer gewissen Berzerrung dar. Ein flares Bild über seine Persönlichkeit und Handlungen zu er halten, sei bei den äußerst verwickelten Zusammenhängen, die der Prozeß aufgerollt hat, ungemein schwierig. Es stehe zu entscheiden, wußt, bei seinem Erziehungssystem eine Rolle gespielt haben. Da fei in erster Linie festzustellen, daß Da jei in erster Linie festzustellen, daß feine von den Aussagen der Jungen auf eine gefchlechtliche Erregung Lühows beim Rüffen oder beim Brügeln schließen ließ. Trotzdem ist es schwer, bei den Lieblofungen die Grenze zwischen Erotischem und nicht Erotischem zu ziehen. Bei der Gesamtpersönlichkeit des Angeklagten braucht man aber diesen Bärtlichkeiten feinen bewußt geschlechtlichen Charakter zuzuschreiben. Andererseits wird man einen gewissen Prügelfompler bei Lützow nicht bestreiten können. Waren auch die unbewußten Motive seines Prügelns vielleicht auch erotischer Natur, so hatte bie bewußte Motivierung desselben stets erzieherischen Zwed zum Inhalt. Bon einem Sadismus fann da feine Rede sein. Zu verstehen sind seine fommen in erster Linie feine Abstammung und sein Lebenslauf in Betracht. Die Ueberlieferung der militärischen Zucht in feiner Familie einerseits, das Prügelsystem, dem er in der Kindheit unterftand, andererseits, mögen dazu beigetragen haben, daß er selbst An hänger der Prügelstrafe wurde. In förperlich- seelischer Beziehung ein neurotischer und infantiler Mensch, mit Unterwertigkeitsgefühlen behaftet, mußte er, um seinem gesteigerten Geltungsbedürfnis Luft zu machen, der übermäßigen Milbe eine übermäßige Strenge folgen Tassen. Als Abartiger murde er auch von seiner Familie empfunden. Seine geschlechtliche Persönlichkeit, die bei einem schwachen Trieb ein startes Gehemmtfein offenbart, wandelte, wie seine Annäherungsperfuche zu Frauen in früheren Jahren, so auch sein Verhältnis zur Hierbei Frau normale Bahnen. Gein Berhältnis zu den Knaben braucht nicht unbedingt homosexueller Natur gewesen zu sein, es ist als das eines unausgereiften, auf infantiler Entwidlungsstufe stehengebliebenen Menschen anzusprechen. Gerade bei Infantilen beobachtet man aber oft einen unbewußten Flagelations-( Prügel-) zmang. 3u einer völligen Klarheit über sich selbst ist Lühow nie gekommen. Der Fall, wenn fachen geschildert hat, würde als Entgleisung zu beurteilen fein, die er fich wirklich so abgespielt haben sollte, wie der Junge die Tatteine Rückschlüsse auf die Beurteilung seiner Bärtlichkeiten und der Züchtigungen in den übrigen 74 Fällen gestattet. Die Borausfehung des§ 51 des StGB. liegt nicht vor. Doch ist bei der strafrechtlichen Beurteilung feiner Persönlichkeit und seiner Handlungen die fon Beurteilung seiner Persönlichkeit und seiner Handlungen die fon ftitutionelle bartigkeit zu berücksichtigen. Am Montag foll noch Frau v. 2uhom vernommen werden und dann die Gutachten der pädagogischen Sachverständigen, Dr. Andersen und Dr. Emsmann sowie des hervorragenden Kenners der Psychologie der Jugendaussagen Dr. Monten. möllers entgegengenommen werden. Der Frauenmord in Berlin N. Der Mörder noch nicht entdeckt. Zu dem Frauenmord in der Monalisstraße, in demselben Hause, in dem früher die Bitme Jafobi ermordet wurde, wird mitgeteilt, daß der Mörder Hanisch noch nicht gefunden ist. Hanisch, der am 4. Mai 1896 geboren ist und in der Gerichtftr. 46 bei seiner Mutter wohnte, ist 1,65 bis 1,68 Meter groß und schlank, hat ein blaffes Geficht, eine hohe Stirn, graugrüne Augen, mit sehr starken Brauen, eine vorspringende fantig gebogene Füße und braunes sehr dünnes gescheiteltes Haar, gar keinen oder Nafe, große abstehende Ohren, ein spizes Kinn, fleine Hände und einen ganz dünnen Anflug von Schnurrbart und im Oberkiefer ein falsches Gebis. Er trägt einen dunklen melierten Sommerüberzicher, einen dunkelblauen Tuchanzug mit dünnen weißen Längsftreifen und einen braunen weichen Filzhut. Die zahlreichen Be amten, die nach ihm fahnden, haben noch keine Spur von ihm ge funden. Mitteilungen über sein Auftauchen an die Mordfommission Dr. Anuschat Quoß im Polizeipräsidium. Der Prozeß des Fassadenkletterers. Aussage gegen Aussage. Der Prozeß gegen den Fassadenfletterer Raßner wurde gesternt vertagt, weil Direktor Hollinger, der K. zum Fenster hinausges worfen hatte, nicht erschienen war. Er soll nunmehr in Zürich toma missarisch vernommen werden. nehmung, im Zimmer gewefen zu sein. Er will unterwegs nach dem Der Angeklagte Raßner bestreitet bei seiner weiteren Ber Aleranderplag am Hotel Kaiserhof vorbeigekommen sein. Als er dann nach alter Gewohnheit seine Blide die Faffade emporschweifen ließ, habe er aus einem sportlichen Instinkte heraus plötzlich den Drang in sich verspürt, den schwierigen Aufstieg zum zweiten Stodwert zu versuchen. Da alle Fenster dunkel und geschlossen waren, drohte ihm ja nicht die Gefahr der Versuchung, in das Hotel einzusteigen. Als er aber im ersten Stockwert angelangt war, sah er plöglich in einem Fenster Licht und ein anderes offen. Konnte man in der Vorstellung gut der Kaßnerschen Kletterpartie folgen, so wird man weniger willig die von ihm dafür angeführten Motive hinnehmen. Die Zwirnhandschuhe in seinen Händen lassen vermuten, daß er die Absicht hatte, einzufsteigen und sich gegen Fingerabdrücke schüßen wollte. Nun fommt aber die Hauptfache. Raßner behauptet meiter, daß er plöglich, gerade als er im Begriff stand abzufteigen, am offenen Fenster einen Mann erblickte, der ihm auch schon einen Stoß perfekte. Um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, beugte er fich mit dem Borderförper in das Zimmer hinein, griff zu seinem Revolver und verfette dem Mann einige Schläge. Die momentane Verwirrung seines Angreifers wollte er mun benutzen, um abzufteigen. In diesem Augenblid erhielt er einen zweiten Stoß und stürzte ab. Direktor Hollinger erflärte aber mit aller Bestimint heit, daß er Kaßner im Zimmer überrascht habe, daß er ihn un gefaßt und aus dem Fenster geworfen habe. Neben dem Bett fand man auch den Hut des Fassadenfletterers. Nun vergegenwärtige man sich die Lage. Hollinger padt den Raßner und umflammert ihn; Kaßner gelingt es aber eine Hand frei zu machen und dem Direktor einige Schläge zu versetzen. Trotzdem also Raßner wenigstens eine Hand und beide Beine frei hatte, sollte es dem Direktor gelungen sein, den ehemaligen Matrosen und Sportsmann ohne jeglichen Widerstand zum Fenster zu schleppen, ihn hochzuheben, die Umflammerung loszulassen, ihn dann mit beiden Händen anzufassen und aus dem Fenster zu werfen? Und Raßner sollte sich da nicht mit beiden Füßen an den Boden gesperrt haben? Bei der ihm drohenden Lebensgefahr nicht mit der Hand an irgend etwas angeflammert haben? Zwei Möglichkeiten scheinen gegeben. Entweder war es so wie Kaßner erzählt, oder er hatte sich mirklich im Zimmer befunden, wollte durchs Fenster retirieren und erhielt dabei den Stoß. Hollinger mußte vielleicht die Schilderung sich und vor den anderen rechtfertigen mußte. Raßner darf aber so geben, wie er es getan, da er den Wurf durch das Fenster vor andererseits nicht zugeben, daß er im Zimmer gewesen ist, da er sich ussage gegen Aussage. Sicherlich aber hat Raßner be. sonst des schweren Einbruchs bezichtigen würde. So steht also reits feine Strafe empfangen, denn ein lahmes Bein für einen Fassadenfletterer fommt dem Ende seiner Karriere" gleich. Und schließlich gibt es für diesen Betriebsunfall" auch nicht den geringften Schadenersatz. Zu der Bluttat in Neukölln wird mitgeteilt, daß die 16 Jahre alte Stenotypistin Charlotte Kraus von ihrem Geliebten, dem 22jährigen Buchdruder Billy Larisch, vier Schläge mit einer Reibeteule erhalten hat. Die Verlegungen find nicht lebens gefährlich. Nach den weiteren Ermittelungen hat Larisch, der gestern von der Neufölner Kriminalpolizei eingehend verhört wurde, wohl nicht die Absicht gehabt, das Mädchen zu töten. Er hat vielmehr ohne Borbedacht und leberlegung in finnloser But gehandelt. Charlotte Kraus hatte den Wünschen ihres Onfels und ihrer Tante, bei denen sie wohnt, nachgegeben und ihm erflärt, daß fie den Berkehr, den die Berwandten nicht gern sahen, abbrechen werde. Während Onkel und Tante bei Bekannten in der Unter wohnung zu Besuch waren, versuchte der junge Mann mit allen Redefünften die Geliebte, die sich von ihm abwandte, wieder umzu schlug auf das Mädchen ein. Wie er sagt, hatte er die Absicht, nach ftimmen. Als ihm das nicht gelang, geriet er in finnlose But und ber Tat in die elterliche Wohnung zu entfliehen, um sich dort mit der Waffe feines Vaters zu erschießen. Die Flucht wurde jedoch auf dem Bahnhof Botsdam ven einem Eisenbahnbeamten im Coupé verhindert. Strafvollzug und Sexualleben. Wenn es ein Gebiet gibt, das bis heute vom Strafvollzug gründlich vernachläffigt wurde, so ist es das bes Seruallebens. Und doch gehört die Lösung des Sexualproblems für die Gefangenen mit zu den wichtigsten innerhalb des reformbedürftigen Strafvollzugs. Deshalb war es ein wirkliches Berdienst des Instituts für Serual wiffenfchaften, als es im Haedel- Saal neben intereffierten Laien eine Reihe im Gefangenenwesen beschäftigter Menschen einlud, um die entgegenzunehmen, der ja selbst jahrelang die fegensreichen Wir teilweise geradezu erschütternden Ausführungen Erich Mühjams fungen völliger Molierung von der übrigen Menschheit über sich hat ergehen lassen müssen. Und doch werden seine Darlegungen noch lange nicht die ärgften Bunden, die die Freiheitsraubung bem Sexual leben schlägt, blosgelegt haben. Das Gefangenenmaterial der Festung Niederschönenfeld war doch noch ein anderes als das in Ge fängnissen und Zuchthäusern. Trogdem: Das, was er berichtete und beichtete, läßt grauenhafte Rückschlüsse zu auf das Serualleben der Gefangenen in den Zuchthäusern und auf die seelische Tortur, die die Menschen da ertragen. Es ist ja manches schon aus der Literatur befannt, anderes läßt sich durch die Phantasie ausmalen. Aber dies aus dem Munde eines Menschen zu hören, der am eigenen Leibe und eigener Seele die Marter der aufgezwungenen jahrelangen Triebmüssen und der fich auf reiche Beobachtungen an feinen Beidensbeherrschung unter möglichst ungünstigen Bedingungen hat erdulden genossen ftüßen fann, war doch was anderes. In der Festung Niederschönenfelde waren etwa 30 bis 40 Männer im Alter von 17 bis 60 Jahren in einem engen Raum jahrelang aufeinander angewiesen. Es entstanden Anziehungen und Abstohungen, enge Berhältnisse und Eifersüchteleien. Nicht so sehr das Bedürfnis nach ferueller Be tätigung als das nach förperlicher Nähe, nach Zärtlichkeit war undie Gewalt von Triebabweichungen, die sie nie geahnt hatten. In überwindbar. Menschen, die stets normal empfanden, gerieten in verschiedenen Gruppen der Gefangenen, die sich je nach Neigung zu fammenfanden, wurden Boten zum beliebtesten Gesprächsftoff. Selbst die feuschesten Naturen widerstanden nicht dieser Infektion. Die Geschlechtsbefriedigung wandelte infantile Wege. Der Scham haftigkeit ging man verlustig. Intimste Dinge wurden in Scham lefigkeit offenbart. In den Briefen an die Ehegaltin oder an fremde Frauen, mit denen schriftlich angebandelt wurde, feierte die Phantafie wahre Drgien. Der quälenbe Zustand wurde noch dadurch erhöht, daß es teine entsprechende Arbeit gab und die schilderte, wie die Reizbarkeit, verursacht durch die seruelle EntErnährung durch Selbstbeföftigung reichlich war. Erich Mühsam haltsamkeit, zu Ereffen, zu Fluchtplänen und zu Ausbrüchen führte, wie das Brunstartige des Triebes nach der Befreiung zu Sittlich feitsverbrechen zwingen fönne, wie die Unmöglichkeit mit den glück zerstören muß. Mühsams Bortrag folgte eine eingehende Aussprache, die durch Dr. Magnus Hirschfelds zusammenfassende vollzugsbehörden zu denken geben. Er sollte den Anstoß bieten zu Ausführungen geschlossen wurde. Der Vortrag follte den Straf: energischen Maßnahmen auf dem Gebiete der Reformierung des Seruallebens im Gefängnis. Die neuen Grumb läge für den Vollzug von Freiheitsstrafen vom Jahre 1923 machen wartende Reichsstrafvollzugsgesetz sollte ihnen endlich nähertreten. sich über diese heitlen Probleme gar feine Gedanken. Das zu er Ausdehnung der Voruntersuchung gegen Jürgens. Die Boruntersuchung im Falle Jürgens, die bereits un worden, und zwar hinsichtlich des Landgerichtsdirektors selbst, deffen mittelbar vor ihrem Abschluß stand, ist jetzt von neuem ausgedehnt Berhalten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft den Verdacht der Untersuchungsbehörden nehmen an, daß Jürgens gewußt und ge gewohnheitsmäßigen ehlerei auftommen läßt. Die dergl. durch strafbare Handlungen, nämlich Kreditbetrug, verfchafft duldet habe, daß seine Frau fich Sachen, Bekleidungsgegenstände und habe. Die Beendigung der Boruntersuchung wird durch die Ermitt lungen in dieser Richtung wiederum um etwa ein bis zwei Wochen Derzögert. Ueber meritanische Reisfecindrüde bricht im Berein Berliner Handels. bertreter am Montag, den 17. Mai, abends 8 1hr, der Präsident des Reichs. tags, 25 be. Die Berjammlung findet in der Aula des Französischen Gymnasiums, Reichstagsurfer 6, statt. Gäfte sind willkommen. " Klaus Potsdam findet seine Mutter. Am 19. Juli 1923 wurde im Stadtbahnzug Berlin- Potsdam dritter Klasse ein 14 Tage alter Knabe gefunden. Das Kind lag in einem Umschlagtuch gemidelt in einer Ede auf der Bant. Trotz genauefter Nachforschungen war es jahrelang nicht gelungen, die Rnaben an und mit Genehmigung des Vormundschaftsgerichtes Mutter des Kindes zu finden. Die Stadt Potsdam nahm fich des wurde das Kind Klaus Potsdam getauft. Inzwischen hat fich der Potsdamer Stammbaum zu einem prächtigen Jungen entwidelt, als sich vor drei Wochen die 23jährige Stüge Margarete Th. aus Charlottenburg als Mutter zu erfennen gab. Wegen Kindesauslegung§ 221 Abs. 2 vor dem Botsdamer Schöffengericht anlaffen zu haben, um sich seiner zu entledigen. Sie habe auf gute getlagt, gab das Mädchen zu, ihr Kind im Stadtbahnzug liegen geMenschen gehofft, die es finden würden. Der Staatsanwalt bean tragte sechs Monate Gefängnis. Das Schöffengericht stellte sich auf den Standpuntt, daß eine Gefährdung des Kindes durch das Liegenlaffen in dem Zug nicht vorgelegen hat, da der Zug alle 25 Minuten von Menschen wieder aufgesucht wird. Und hilflos sei die Lage des Kleinen auf einer Sigbant ebenfalls nicht gewesen. Das Gericht sprach die Angeflagte auf Staatstoften frei und Klaus Botsdam wird sicherlich umgetauft werden müssen, um dann nach Berlin auszuwandern. Das Kümmelblättchen im Walde. Auf Rennbahnen wurden bereits mehrere erwischt. Die meisten verSehr betriebsam sind in der letzten Zeit wieder die Glücks- und Falschspieler, die auf den Rennbahnen und im Walde arbeiten". legten deshalb ihre Tätigkeit an die schönsten Bunkte in der UmSpektion D. 7 laufen wieder täglich Anzeigen ein, nach denen allzu gebung Groß- Berlins, mo sie sich viel sicherer fühlen. Bei der Inharmlose Leute um erhebliche Beträge geschädigt worden sind. Die Spieler suchen sich immer die beliebtesten Bunkte aus und schüßen fich durch Spanner vor Ueberraschungen. Anreißer reden den Borsein„ Glüd" versucht. Die wenigsten Spieler haben von dem übergehenden so lange zu, bis der eine oder der andere doch einmal Rümmelblättchen, mit dem fie in der Regel gerupft werden, auch nur die geringste Ahnung. Das Spielchen mit den drei Karten, von denen zwei rot und eine schwarz oder zwei schwarz und eine rot find, sieht ja auch ganz unverfänglich aus, aber die unfundigen Spieler fehen nicht die Fingerfertigkeit der Unternehmer, mit der sie leicht alle Einfäße an sich bringen. Es wäre erwünscht, daß alle, die auf ihren Spaziergängen und Ausflügen auf derartige Glücks- und Falschspieler, die auch eine große Belästigung für Erholungs. suchende darstellen, in der Umgebung Berlins treffen, ihre Wahrmitteilen. Nur so können diese Bauernfänger, die auf Kosten anderer nehmungen dem Spielerdezernat im Zimmer 214 Hausanruf 692, ein bequemes Leben führen, endlich unschädlich gemacht werden. Sozialistische Aufbauarbeit in Palästina. In dem gut gefüllten Bortragsfaal des Bezirksamts Kreuzberg sprach Genosse Felix echenbach auf Einladung der Berliner fozialistischen befigt, also meber rein fapitalistisch noch rein fozialistisch aufgebaut Das Land Balästina, das noch fein ausgeprägtes Wirtschaftssystem Arbeiterjugend über Seine Reiseeindrücke in Palästina". it, bietet der Einwanderungs- und Siedlungspolitik ganz besonders guten Boden. Hier ist es vor allem die jüdische Arbeiterschaft, die bahnbrechend wirkt. zu unterscheiden sind drei Typen von in ihren gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisationen somie auf dem Gebiet des landwirtschaftlichen Siedlungswesens Siedlungen, von denen die erste Gruppe wohl die größten Aussichten auf wirtschaftlichem und fulturellem Gebiet hat. Es sind bies landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, die gewöhnlich aus 100 bis 150 Siedlern bestehen. Hier sind ganz bedeutende Er nimmt ihre Mitglieder nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten auf. folge erzielt worden. Die zweite Gruppe von Genossenschaften Weniger Zukunft scheint die britte Gruppe der Bauernjied. ungen zu haben, in der jeder Bauer seinen eigenen Boden be arbeiten muß. Die sozialistische Bewegung in Balästina ist von Gewerkschaften ein prachtvolles Krankenkassengebäude aufführen, einem geradezu wunderbaren Idealismus getragen. So konnten die ohne selbst nur einen Piafter dazu beizusteuern. Alles wurde von der Arbeiterschaft felbst getragen. Eine Konkurrenz bilden die privatkapitalistischen Siedlungen, die von Rothschild finanziert werden. Der Rapitalismus ist freilich in Palästina sehr schlecht entwickelt und wird bei seiner weiteren Entwicklung auf die Opposition einer geschulten sozialistischen Masse rechnen müffen, die heute schon jene privatwirtschaftlichen Bestrebungen mit Entschiedenheit ablehnt. Die Sache mit dem gestohlenen Stempel. Es gibt noch gerechte Richter.. Der Bezirksorganisation der Provinz Brandenburg gingen im Laufe der Zeit wiederholt Schriftstücke zu, die von einem Ernst Richter aus Dahme in der Mark herstammten, der sich um Bürgermeisterpesten bewarb und durch gefälschte oder gestohlene Parteistempel der SPD. versehene Zeugnisse und Briefe die Parteigenossen der einzelnen Orte hinters Licht zu führen verstand. Augenblicklich ist er Bürgermeister von Schweinitz, Regierungsbezirk Merseburg, aber noch nicht bestätigt, weil er wegen Unterschlagung von Versicherungs. marfengeldern rechtsfräftig verurteilt ist. Um endlich einem so parteischädigenden Treiben ein Ende zu machen, jah fich die Bezirksorganisation genötigt, beim General staatsanwalt beim Landgericht Potsdam Strafanzeige zu machen. Die Verhandlung fand vor dem erweiterten Schöffengericht in Lucen malde statt und drehte sich nicht um die zu Unrecht verwandten Stempel der Partei, weswegen doch die ganze Anflage erhoben war, sondern um die von einem Kaufmann Sauer aus Dahme und eines Tischlermeisters Karburizli aus Dahme unter einige Bewerbungs: schreiben des Richter gefeßten Unterschriften. Barburizki hatte bei feiner Bernehmung durch die Kriminalpolizei in Berlin ausgesagt, daß er von der ganzen Sache nichts wisse. Später hat er seine Aus fage widerrufen und will, da er infolge Konturses nervös geworden sei, erst durch seine Frau an die Vergänge errinnert sein. In der Berhandlung gab er an, doch das Zeugnis nach dem Richterschen Ronzept geschrieben zu haben. Der Zeuge Kaufmann Sauer gab an, daß er wohl ein Bewerbungsschreiben nach dem Konzept von Richter cuf der Schreibmaschine habe anfertigen lassen. Dieses Schreiben ist jedoch von R., da es angeblich verfettet war, nochmals geschrieben In dem geänderten Schreiben bezeichnete Richter den Kaufmann und geändert, auch mit der Unterschrift von Sauer versehen worden. Sauer als Stadtverordneten aus Dahme und Kreisausschußmitglied. Der Zeuge stellte fest, daß er feiner der beiden Körperschaften angehöre, infolgedessen sei auch das ursprünglich von ihm abgeschriebene Beugnis nicht echt. Dies sowohl wie die Stempelangelegenheit spielten bei dem Herrn Staatsanwalt von Gerlach und dem Borfizenden Kauffmann feine Rolle und Richer wurde freigesprochen. Ein Teil der Zeugen, darunter der Parteisekretär Richard Schmidt, wurden gar nicht vernommen, sondern nur hereingerufen, um sich die Verkündung des Urteils mit anzuhören. Man fonnte es dem Borfizenden ansehen, daß ihm die Begründung" recht schwer fiel. Aber ein deutschnationaler held mie Richter, deffen Bruder ebenfalls deutschnationaler Parteisekretär ist und eine recht zweifelhafte Rolle in der Arbeiterbewegung gespielt hat und den Metallarbeitern in Luckenwalde noch befannt sein wird, mußte freigesprochen werden. Bußte er doch den Richtern die schönsten Märchen aufzubinden, denn alles, was er getan hat, sollte ja nur die Spaltung der Sozialdemofratie" bezweden, damit fein Sozialdemokrat in den einzelnen in Betracht kommenden Orten zur Wahl kemmen sollte. Um das Vorgehen des Richter in das richtige Licht zu rücken und um zu zeigen, wie die Anklagebehörde vorgegangen ist, wollen wir noch ein Schrei ben veröffentlichen, das R. an einen unserer Parteigenossen schrieb, als es sich um die Besetzung der Bürgermeisterstelle in Deutsch Lissa handelte: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Bezirt Dame( Mark). Dahme( Marf), den 11. 9. 1925. Neustadt Nr. 6. Bertraulich. Werter Genoffe Meyer! Besten Dant für Ihre Auskunft vom 6. 9. cr. Mit gleicher Bost habe ich meine Bewerbung um die dortige Bürgermeister. stelle abgesandt und, der dortigen Lage entsprechend, mit dem Beiger nach rechts gerichtet, abgefaßt. Außerdem lasse ich in der Zwischenzeit von je 24 Stunden drei Auskünfte an Krumlinde abgehen, die ich verfaßt habe; die Leute habe ich in Steuersachen an der Hand. Ueberdies sind meine Bewerbungsunterlagen erft tlasfig. Sollte ich in die engere Wahl und zur Borstellung kommen, denke ich es zu schaffen. Seid Ihr bitte bei allen Sachen vorsichtig, damit die Spießer nichts merfen. Und Genossen nun: Frechheit stehe uns bei!" Sollte sich etwas von Bedeutung ereignen, bitte ich um sofortigen Bescheid. Ihnen und allen Genossen die besten Parteigrüße gez. Ernst Richter. Heute noch ein Wort zu der ganzen Sache zu sagen, ist wohl überflüssig und nur noch zu bemerken, daß der Genosse Schmidt am Schluß der Urteilsverfündung dem Borsitzenden die Frage vor. legte, warum er nicht vernommen wurde und ob es nicht Urfunden. fälschung sei, wenn einer mit gefälschten und gestohlenen Stempeln operiere. Die Antwort, die der Genosse Schmidt erhielt, war eine recht gewundene und klang in die Worte aus:" Die Sache mit den Stempeln habe ja nicht zur Antlage geführt." Ja, es gibt noch gerechte Richter in Deutschland... Achtung, Elternbeiratswahl! In dieser Woche findet in den Schulen die zweite amtliche, nom Rettor einberufene Wählerversammlung statt, in der der Bahl vorstand gewählt wird. Unsere Genossen müssen im Wahlvorstand vertreten sein. Die Versammlungen müssen daher non allen fort schrittlich gesinnten Eltern besucht werden. Die Arbeit für die Die Wahlvorschläge müssen beim Wahlvorstand( nicht beim SchulAufstellung der Kandidatenlisten ist in vollem Bange. Leiter!) spätestens am 10. Tage vor der Wahl, alfo bis zum 27. Mai 1926 eingereicht werden. Lieber einige Tage früher als einige Stunden zu spät, da sonst ungültig! 132 Schulen sind bei der Wahl 1924 den Christlich- Unpolitischen fampflos mit etwa 2000 Sitzen zu gefallen, weil von den Freunden des Fortschritts feine Liste ein gereicht war. So ohne Aufwendung von Arbeit, Kraft, Seit und Geld zu siegen, hat den Chriftlich- Unpolitischen gefallen und sie ver fuchen jetzt, an den Volksschulen um eine Wahl herumzukommen durch Aufstellung einer Christlich Unpolitischen Einheitstifte", auf der sie auch Sozialisten und Anhängern des Schulfortschritts einige Bläge anbieten, die natürlich für die Bekenntnisschule zählen. Kein denkender Arbeiter, Angestellter und Beamte darf sich auf dieses Manöver einlassen. Wer den Fortschritt in der Schule will, darf weder bei den„ Christlich- Unpolitischen" fandidieren, noch ihre Listen unterschreiben. Dieser Schuztruppe der Reaktion nur rücksichtsloser Kampf! Keine Stimme den Christlich Unpolitischen! Ein gefährliches Feuer, das gestern vormittag in dem Hause Alte Schönhauser Straße 38 ausfam, wo die Sargfirma E. Bredlom einen größeren Lagerfeller inne hat, beschäftigte längere Zeit die Feuerwehr an der Brandstelle. Es gelang nach längerem Wassergeben das Feuer zu lokalisieren und zu löschen. Die Entstehungsursache ist auf Funtenflug aus dem schadhaften Schorn stein zurückzuführen. Gegen 4 Uhr nachmittags wurde die Feuer mehr nach der Manteuffel ft r. 13 gerufen, mo cine Tischlerei in Flammen stand. Es mußte über eine Stunde lang Wasser gegeben werden, bevor es gelang, das Feuer niederzukämpfen. Die Entstehungsurfache ist hier noch unbekannt. und ist an einzelne Bergnügungsunternehmer perpachtet, die ihre Bacht an die Lunapark- Grundstücks- Aktiengesellschaft abzuführen haben. In ihrem Geschäftsbericht, den die Gesellschaft der gestrigen ordentlichen Generalversammlung vorlegte, führt sie an, daß das Wetter des letzten Sommers für das Geschäft das denkbar ungünstigste war. Die Besucherzahl ist im Vorjahre um 390 000 gegen-. über 1924 zurüdgegangen. Das Geschäft im laufenden Geschäftsjahr entwickelt sich befriedigend. Die Gesellschaft erzielte aus einem Aktienkapital von 2 Millionen Mark einen Gewinn von 33 589 Marf, der auf neue Rechnung vorgetragen wird. Sonderzug Berlin- Düsseldorf und Köln am 21. Mai. Aus Anlaß der in Düsseldorf stattfindenden Großen Ausstellung 1926( Geiolei) verfehrt bei ausreichender Belegung ein Sonderzug 3. Klasse am Freitag, den 21. Mai. Abfahrt von Bahnhof Friedrichstraße 8.43 vorm., Ankunft in Düsseldorf 7.57 abbs., in Köln 8.57. Es werden Fahrkarten mit einer Geltungsdauer von zwei Monaten nach Düsseldorf( M. 36) nach Köln(. 38,20) ausgegeben. Der Verkauf beginnt am Montag, 17. Mai, bei der Fahrkartenausgabe Bhf. Friedrichstraße. Bunter Funt- Abend. Daß der Berliner Funk Sender versucht, seinen Hörern immer wieder etwas Neues zu bringen, ist gut und lobenswert. Nur darf er sich dabei nie darüber täuschen, daß es sich stets nur um rein aftustische Darbietungen handeln darf. Das Mundharmonita Orchester Stern aber, das gestern abend zu hören war, muß gesehen werden, wenn mag die technische Gewandtheit der Mundharmonika- Musiker, ven es die gebührende Anerkennung finden soll. Auf einer Barieté- Bühne denen jeder einzelne etwa dreißig Instrumente bedienen muß, Bewunderung auslösen, und die Eraktheit ihres Spiels fand gewiß auch den Beifall der Funkhörer. Eine bedeutende musikalische Darbietung aber waren die Vorträge nicht, besonders, da anscheinend das Mikrophon den Mundharmonika- Klängen nicht günstig gesinnt ist. Gehr fein waren dagegen die Cello- Vorträge von Konzertmeister Julius Berger. Erifa von Thellmann ergözte sowohl durch heitere Chansons, mie durch die Rezitation von Oskar Wildes Märchen Die Nachtigall und die Rese". Eröffnung der Jugendherberge Lichterfelde. Im Rahmen der Herbergsmerbewoche wurde am Himmelfahrtstage die Garten. herberge in Lichterfelde, Albrechtstraße 14a, feierlich eröffnet. Eine große Zahl von Gästen und Jugendlichen war erschienen. Die Weiherede hielt der Vorsitzende der Ortsgruppe, Dr. Boß. Die Jugendlichen verschönten das wohlgelungene Fest durch Konzert und Lieder. Die Herberge enthält außer Tagesraum, den nötigen Waschräumen usw. je 25 Betten für Knaben und Mädchen. " Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Boltsvorstellungen für Minderbemittelte in der Städtischen Oper: Conn abend, den 22. Mai,„ Die Zauberflöte", Sonnabend, den 29. Mai, 3 ar und 3immermann", Sonnabend, den 5. Juni, Der Freischüß", Sonnabend, den 12. Juni, Der Waffenschmied". Preis der Starte einschließlich Garderobe und Theaterzettel 1.50 m. starten find zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, in den Vorwärtsspeditionen, Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24-25, Zabalvertrieb Linke, Inselstr. 6, Borwärtsbuchhandlung Lindenstr. 2, im Berband der graphischen Hilfs arbeiter, Zurifenufer 38, Ede Ritterstraße, bei den Dbleuten der Bildungsausschüsse. Ein Ferienfurfus der Arbeiterbildungsschule findet in Oberlich- Mühle bei Freienwalde a. d. Dder statt in der Zeit vom 28. Juni bis 3. Juli. Das Vortragsthema lautet: Der Marrismus in der Gegen wart. Lehrer: Dr. Karl Schröder. Unterkunft und gute Vers Lunapart- Grundstücks- Aktiengesellschaft. Diese Attiengesellschaftpflegung pro Tag 3,50 M. Sörgebühr für den ganzen Kurfus 5 M. ist Besizerin des Lunapart- Grundstüdes und gleichzeitig sind die Anteile der Luna- Terrassen- Betriebs G. m. b. 5. in ihrem Besiz. Das Grundstüd ist bekanntlich als Bergnügungspart eingerichtet A.Wertheim OH Rosenthaler Str. Leipziger Platz Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Schriftliche Bestellungen an die Versandabteilung, Berlin W9, erbeten EF Damen- KleiderИ elbungen erbeten bis fpätestens Montag, den 14. Juni, im Bureaut des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. of II, Simmer 8, unter gleichzeitiger Vorauszahlung der Hörgebühr. Fünftägige Pfingst- Reise Stettin- Bornholm- Kopenhagen- Rügen- Stettin mit Salondampfer Nordland" der Reed. Rud. Chr. Gribel, Stettin Anmeldung und Prospekt durch Reisebüro Wertheim Nur noch einige Plätze frei! Damen- Mäntelia کہنا Kleid Bastseide, kar. 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Brunnendirektion, Bad Ems Nr. 227+43. Jahrgang shan 2. Beilage des Vorwärts Immer noch Tiefstand der Wirtschaft. Warum bleibt der Aufschwung aus? im Es hat wohl nie eine Zeit gegeben, in der man den Ziffern| Ebenso massenhaft aber sehen wir neue Kartelle entstehen, nationale der Arbeitslosenstatistit so entgegenbangte, wie in den letzten Monaten. und internationale; die Senfung der Steuern, die staatlichen Die Erwerbslosenstatiftit müßte anzeigen, ob und wann es wieder Subventionen und Kreditgarantien, Exportversicherungen und die alle als aufwärts geht. Bis zum heutigen Tag war diese Kurve eine Exportgarantien, Rationalisierungs- maßnahmen Enttäuschung. Was sonst Baumarkt und Landwirtschaft zum Früh nehmern nicht Anlaßt zur Breissenfung und Abfapfteigerung, songroßen gedacht waren: fie sind den Unter jahr wieder aus dem Arbeitsmarkt an Kräften herauszunehmen pfleg dern zur Sicherung, und Erhöhung ihrer Gewinne gewefen. Die ten, wurde bei weitem nicht erreicht. Die Höchstziffer der gezählten Sostenersparnis der Unternehmer bleibt so ohne voltswirtschaftBollerwerbslosen von Mitte Februar( 2,059 Millionen) sant in lichen Sinn. Und obwohl die Rationalisierung ein Mittel der drei Monaten nicht stärker als auf 1% Millionen, wobei noch die Aufschwungs sein müßte, dient sie heute zur Verlänge Frage offen ist, wieviel von dem Rückgang auf die sogenannten rung der Depression. Ausgesteuerten entfällt. In den sonst entscheidenden 3ndustrien der Urproduktion und der Produktionsmittelindustrien Der Stand der Krise. Der abnorme Kapitalmarkt. Sonntag, 16. Mai 1926 Zum Sturz der Franken- und Lirewährung. In den letzten Wochen haben die Währungen Frankreichs und Belgiens eine auffallende Berschlechterung erfahren. In den allerlegten Tagen begann auch die italienische Währung, die von der Bewegung der franzöfifchen und belgischen bisher unberührt geblieben mar und eine auffallende Stabilität bewiesen hatte, plöglich und start zu stürzen. Wir geben die Bewertung der drei Währungen während des letzten Jahres in der folgenden Tabelle wieder: Es tofteten in Berlin( in Mart): " 1. Mai 25. 1. Jan. 26. 1. Mai 26. 7. mai 26. 16. Mai 26. 21,98 15,25 13,26 12,70 13,07 12,60 14,89 in den Tagen des schnellen französischen und belgischen Absturzes raschung ist der plötzliche Sturz der Lire. Diese bewies selbst noch eine auffallende Stabilität. Bis zum 13. Mai hielt sich der Lirehatte. Dann stürzte er plötzlich sehr start ab. furs in der Nähe des Standes, den er schon seit fast% Jahren inne zurüd, das, nachdem es zur Stüßung seines durch den Generalstreit Die faschistische Regierung führt den Lirefturz auf England bedrohten Pfund Sterling die belgischen und französischen Devisenbestände verschleudert habe, nun auch die Lire tiefer. Auffällig ist nämlich, daß die italienischen Finanzinstitute als Munition" verschieße. Die Gründe liegen in Wirklichkeit aber auf den Weltbörsen wenig für die Festigung des Lirekurses interDenierten. Außerdem ist bekannt, daß die italienische Handelsbilanz sich 1925 sehr passiv gestaltet hat und daß das faschistische Regime den Fremdenverkehr gedrosselt hat, was für die Zahlungsbilanz gerade Italiens fehr gefährlich ist. 100 franz. Frt. 15,85 13,99 100 belg. 19,06 14,23 100 ital. Lire 21,29 16,96 16,97 16,90 Die Tabelle macht deutlich, wie der französische Franten feit einem Jahr in fortgeseztem Abstieg bis auf den heutigen Wert Don 12,70 M. für 100 Franken abjant. Der belgische Franken stand nor einem Jahre zwar schlechter als der franzöfifche; die starken Bemühungen Belgiens, durch rationelle Finanzwirtschaft die werden eher Arbeitsträfte freigesett als aufgefogen. häft betrachten, das Gewinn bringen muß, nicht als Aufgabe, franzöfiffichen bis 1. Januar start überspringen. Nach dem MißDaß die Unternehmer die Rationalisierung nur als ein Gewährung zu ftabilifieren, ließen den Wert des belgischen den des um auf Dauer die Rentabilität ohne massenhafte falsche Arbeits- näherte er sich dem französischen Franken am 1. Mai start und folgte Eigentlich wäre der Aufschwung gerade in diesen Monaten losenkosten zu sichern, erklärt auch die abnormen Verhältnisse auf diesem dann fast dicht in der Abwärtsbewegung. Die größte lleberdem Geld und Kapitalmarkt. Für das Jahr 1925 hat eine fällig. 3m großen und ganzen sind die Dinge so verlaufen, wie es neuere Zusammenstellung des Berliner Tageblatts" die Summe Die Konjunkturtheorie vorausfah. Dr. Wagemann, der Leiter der langfristigen Auslandsanleihen auf 1282 Millionen bedes Statistischen Reichsamts und des Instituts für Ronjunttur rechnet. In den ersten vier Monaten 1926 famen 542 Millionen forschung, hat fürzlich vier typische Konjuntiurabschnitte festgestellt hinzu. Das sind zusammen 1824 Millionen Mart. Diese Anleihen und sein Schema auch auf Deutschland angewandt, das 1925 vom wurden aufgenommen, weil das Betriebsfapital zur AusFebruar bis Oktober eine echte Ho ch tonjunktur gehabt habe. Diese nüzung der vorhandenen Industrieanlagen fehlte. Weil diese sei im November zusammengebrochen Arife, spätestens feit Anleihen Zinsen und Tilgungsraten foften, fonnten und durften März befinde man sich in dem zweiten Stadium Depression. Danach wäre jezt das dritte Stadium fällig: der Aufschwung, dem fie feinen anderen Sinn haben, als um jeden Preis den Absatz so zu später das vierte folgen müßte: die Hochtonjunttur. Die Krise ist bisher, sondern auch noch die Zinsen und Tilgungsraten bezahlte. steigern, daß der Absatz erlös nicht nur die gleiche Produktion wie der Absturz aller Geschäfte bis zu einem Tiefpunkt; die Depreffion Wiederum war die vorhandene Kauftraft die feste Größe, das Berharren bei diesem Tiefpunkt; der Aufschwung das An die größeren Absatz und mehr Beschäftigung bringen mußte. wachsen neuer Geschäfte. Sieht man die fast um ein Drittel im April gesunkenen konturs- und Geschäftsaufsichts- Wiederum war das nur möglich durch niedrigere Preise bei gesenkten ziffern, die Abnahme der protestierten Wechsel, den Stillstand Kosten. Die dauernde Fruchtbarmachung der Auslandsgelder hatte der Börsenhausse seit über zwei Wochen, auch, daß die Binsfäße und die Auslandsanleihen durften zu nichts dienen als zur Durchdes Geldmarkts nicht mehr so schnell fallen wie noch bis Mitte April, dazu die Ziffern der Wagengestellung in den letzten April- führung einer folgreichen Rationalisierung. Das ist nicht geschehen: Eine Reichsbant- Enquete über die Zinsspanne der Banten wird wochen( annähernd die Borjahrsziffern) und endlich die, bei äußer. Die Verwendung der Auslandsgelder erfolgte bei gleichen, wenn licher Betrachtung, überraschenden Exportüberschüsse vom möglich bei erhöhten Preisen, obwohl gleiche Preise unmöglich die jetzt endlich vom Reichsbankdirektorium in einem Schreiben an die Bantvereinigungen angefündigt. Die Reichsbankanstalten find beMärz( April fehit leider noch), so sieht das alles gut aus, nicht mehr Rauftraft und den Abfah vergrößern fonnten; erhöhte Breije mußten auftragt worden, durch Rüdfrage bei allen in Betracht kommenden beide sogar senten. So fam es nach einer Fieberblüte der Konjunt Geldinstituten die Zins- und Provisionsfäße, Ausleih- und Diskont tur zum frisenhaften Zusammenbruch im Herbst 1925, und zu der riefenhaften Arbeitslosigkeit der Menschen gefellten sich geschäft und die Zinsvergütungen für fremde Gelder festzustellen, um auf die Ermäßigung der Schuldzinsen hinzumirten. Die ebenso massenhafte arbeitslose Rapitalien. Diese aber verursachen Reichsbant überschäßt die Einwirtung ber 3insfäße auf den Gang infolge des tiefen Zinsstandes am Geldmarkt und der hohen Zinsder Wirtschaft nicht, glaubt aber im Hinblick auf die gegenwärtige verpflichtung gegenüber dem Ausland ebensolche" falsche Kosten für wirtschaftliche Depression nichts unterlassen zu dürfen, was eine Ercrbeitslojes Kapital, wie die arbeitslose Menschenftraft falsche" Erleichterung der Lage herbeiführen könnte. Durch Besprechungen mit haltungskosten verursacht. Die Blüte des inländischen Kapitalmarkts den einzelnen Banken will man dann darauf hinwirken, die SchuldKapitalmarktseichterung der letzten Monate aber hat 600 Millionen, die ohnehin zum größten zinsen zu ermäßigen. Die Reichsbank warnt insbesondere bapor, Teil ausländisches Rapital find, in Inlandsanleihen zu niedrigeren daß die Zinsen und die Provisionen für die sogenannten einBinjen umgewandelt, deren fünstliche Niedrigfeit mit Kursver gefrorenen Kredite überspannt werden. Die von der Reichsluften eines Tages bezahlt werden muß; und zwar dann, wenn die bant angekündigten Maßnahmen liegen in der Richtung der von uns fortschreitende Rationalisierung die Gelder aus ihrer heutigen Anlage zurück verlangt. Nachdem die Unternehmer mit dem wiederholt vertretenen Forderung, auf die Verminderung der Auslandskapital ein Geschäft mit höchstmöglichen Warenpreisen 3insipanne bei den Banken hinzuwirken, die die Industrie in ungeheuerlicher Weise belastet. machen wollten und nur den Ausbruch der Krise ernteten, versuchten dasselbe die Banken mit den arbeitslos gewordenen Geldern: der Erfolg ist auch hier nicht die Lösung der Krise, nicht der Aufschwung nach der Depression, sondern deren Berschärfung. nach Depression, sondern nach Aufschwung. Aber der Arbeitsmarft widerspricht der Theorie. Für Ende April sagten zwei der bedeutendsten Arbeitsämter in Deutschland: Man täusche sich nicht, in den notleidenden Industrien sinkt der Arbeitsmarkt weiter( Rheinland). Berlin sagte, daß der Arbeitsmarkt überhaupt zur Berschlechterung neigt. Und der Geldmartt widerspricht auch! Seine Flüssigkeit wird, allen Inlandsanleihen zum Troß( die Disfontogesellschaft bezifferte diese auf 600 Millionen!), immer größer und größer. Solche Maffen arbeitslofer Menschenfraft und arbeitslojer Gelder. paffen nicht in das Bild des Aufschwungs. Viele Leute, die der Theorie zu ihrem Recht verhelfen wollen, sagen nun, die Produktion in Deutschland habe den Stand von vor der Krise schon wieder erreicht, und wenn die Arbeitslosigkeit nicht weiter zurückgehe, so deshalb, weil die Rationalisierungsmaßnahmen schon entsprechend viel überflüffige Sträfte endgültig freigemacht hätten. Andere meinen, wir hätten überhaupt so noch Arbeiter mehr cls in der Bodfriegzeit, daß sich eine Dauerarbeitslosigkeit von Millionen notwendig ergeben müsse. Alfred Lansburgh hat in der„ Bant" ausgesprochen, daß die große Geldflüssigkeit nur die Folge der noch nicht vermendeten, aber schon in deutsches Geld umgewandelten Auslandskredite des Vorjahres und der neuesten Auslandskredite sei. Andere fügen hinzu, daß von den letzten großen Inlandsanleihen zwar alles gezeichnet, der Geldgegenwert zum großen Teil bei den Banken aber noch verfügbar jei. Gicher ist an alledem etwas richtig: die Rationalisierung ist mirffam, ficher gibt es Anfäße für größere und längere Arbeitslosigkeit, die Auslandsanleihen find teilweise noch nicht verbraucht und der Gegenwert der Inlandsanleihen teilweise überhaupt noch nicht in Anspruch genommen. Aber es fragt sich, mie Rationalisierung und Arbeitslosigkeit, die Auslandsanleihen und die Blüte des inländischen Kapitalmarkts gegenseitig bedingt sind und was sie für die Krise und ihre eventuelle Lösung bedeuten. Rationalisierung und Arbeitslosigkeit. Dem schwärzesten Bessimismus, der mit einer notwendigen Dauerarbeitslosigkeit von Millionen rechnet, muß entgegengetreten werden. Wer sagt, wir haben durch Abbau des Heeres und durch die Proletarisierung der Reniner bestimmte Millionen arbeit suchender Esser mehr als vor dem Krieg, die teine Arbeit finden tönnen, der übersicht, daß der Ausbau der Leistungsfähigteit der Werte seit 1913 noch mehr Kräfte aufbrauchen könnte, als vorhanden sind. Was fehlt, ist nicht die Arbeits gelegenheit, die Arbeitsstätten, sondern der Absah, der die Arbeit gibt. Ernster steht es um die Frage der Rationalisierung. Jede Rationalisierung seht zunächst Kräfte frei, ob man Betriebe zufamemufaßt und die Produktion spezialisiert, intensiviert oder normiert, ob man die Beschaffungs- und Absatzmenge verkürzt oder die Kontorarbeit maschinisiert und ob man schließlich den Zahlungsausgleich und die Kapitalbeschaffung zusammen faßt und dadurch billiger macht. Die Rationalisierung soll auch unnüße Kräfte freiseßen; denn das ist ihr Sinn. Was sie aber damit erreichen soll, das ist die Verbilligung der Produk tion, die Senfung der Preise, die Erweiterung des Absages und die Bermehrung der Beschäftigung derart, daß die Absatz steigerung auf Dauer noch mehr Arbeitstraft an Biebt, als die Rationalisierung Arbeitsfräfte freigeset hat. So lange die Unternehmer jede durdy Rationalisierung erzielte Kostenersparnis als zusäßlichen Gewinn für sich behalten, ändert sich an den Marktverhältnissen nur so viel, daß einer erhöhten Leiftungsfähigkeit eine verminderte Zahl von Lohnempfängern obendein mit geringer Rauftraft gegenübersteht. BoltsmirtEin mesent schaftlich gesehen, wird so die Krise verschärft. Ein wesentlicher Zeil der Kostenersparnis muß also ,, um das Gleichgewicht am Barenmarkt herzustellen, in Preisfentung oder Lohn steigerung, jedenfalls im Sinne einer Abfazsteigerung der Kauftraft der breiten Massen zugute gebracht werden. Da es heute entscheidend auf die Vergrößerung des Abfages anfommt, liegt es nahe, auf den notwendigen Abbau der Preise das größere Gewicht zu legen. Die Preise müssen, um so viel billiger fein als vor der Rationalisierung, daß durch den Mehrabsatz allmählich die Arbeitslosigtett gänzlich beseitigt werden kann. Sehen wir aber in die Wirtschaft hinein, so sind die Unternehmer weit von dieser Einsicht entfernt. Sie alle halten es mit dem Ehrendoftor Biatschet von der Mitteldeutschen Braun fohlenindustrie, der noch in den letzten. Tagen die Renfe als das Ziel aller Anffrengungen der Industrie proflamierte. Das aber heißt den Rationalisierungsgewinn mit möglichst hohen Breisen fapitalisieren, statt ihn in niedrigsten Breifen zur Abfag vergrößerung fruchtbar zu machen und durch Aufsaugung der Arbeitslosen die falschen Kosten der Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Nun ist es gewiß mahr, daß diese Strife felbft manche Prese gebrüdt und manches Rartell gesprengt oder bis zur Wirkungslosigkeit ausgehöhlt hat, Wir sehen also, warum der erwartete Aufschwung für den Arbeitsmarkt und damit die Gesamtwirtschaft nicht kommt. Es liegt weder an der Ueberzahl der arbeitenden Menschen, noch am Brinzip der Rationalisierung, noch an der Höhe des eingeführten, Auslandsfapitals. Es liegt an der Preis- und Gewinnpolitik der Industrie und der Banken, die mit dem stürmischen Verlangen nach hohen Gewinnen und Renten um jeden Preis die Möglichkeiten, der dauernden Rentabilität immer wieder zerstören. Es liegt an der Unvernunft der Unternehmer, die alles was Technik und Organisation, Staatshilfe und Staatsgarantien für die Rationalifierung zur Erweiterung des Absahfeldes leisten fönnten, zur Fochhaltung der Preise und zur Vermehrung der Augenblids. gewinne mißbrauchen. In diesem fehlerhaften 3irfel des Der Güterverkehr der Reichsbahn. Der Bericht der Deutschen Reichsbahngesellschaft für den Monat April ergibt, daß sich die Wagenanforderungen arbeitstäglich auf 120 231 gegenüber 116 809 im Monat März steigerten. Lebhafter war insbesondere der Versand von Saatfartoffeln, während die Fischtransporte nach fand von 3ement erforderte im April 1926 nur 29 208 Wagen, im Beendigung der Heringsfänge erheblich nachgelassen haben. Der VerBormonat 26 492, im April 1925 dagegen 31 978 Wagen. Diese Entwicklung ist ein Beweis dafür, daß die Bautätigkeit bei weitem nicht in dem erhofften Umfange eingesetzt hat. Die Einnahmen stellten sich für den Monat März 1926 auf 336,8 Millionen Mark und die Aus gaben auf 357,2 Millionen Marf. Dieses Ergebnis bleibt hinter dem Boranschlag zurück. Das Defizit mußte aus dem Vortrag des Jahres 1925 gedeckt werden. Der Personalstand für den Monat März 1926 wird mit 672 344 Röpfen und 20 687 Beit- und Aushilfsarbeitern an gegeben. Er betrug im Februar 672 721 Röpfe und 10 046 Zeit- und Aushilfsarbeiter. Banfengewinne bei Kapitalserhöhungen. Die Julius Berger A.-G., die mit einem Attienkapital von 3,5 Millionen Krisendrucks steht die Arbeiterschaft mit ihren Millionen Arbeitsarbeitet, ist ein Ziefbau- Unternehmen, das in der Hauptsache Rus. losen und ebensovielen Millionen hungernden Familien. Eie sieht ihr eigenes Opfer, das sie der Rationalisierung der Wirtschaft bringt, dazu Millionen und aber Millionen Zinsen für geborgtes, aber brachliegendes Rapital nuglos vertan. Sie muß sich vertraut machen mit dem Gedanken, daß die Unfähigkeit der Unternehmer zur rationellen Lenkung der Wirtschaft fie noch zum Kampf um eine rationelle Rationalisierung zwingen wird, gegen die Unter nehmer. Denn bei uns stellt sich die Frage ganz ähnlich, wie sie heute im englischen Kohlenbergbau gestellt ist: Ber trägt die Kosten der Reorganisation? Die Arbeiterschaft darf sie nicht tragen, weil sie sie nur auf Kosten eines noch stärteren erfalls der Gesamtwirtschaft tragen lönnte. Anhaltende Krise am Berliner Arbeitsmarkt. K- r. Die Berschlechterungserscheinungen auf dem Berliner Arbeitsmarkt find auch in der Berichtswoche vorherrschend geblieben. Der unwesentliche Rückgang der Arbeitsuchenden mit rund 300 Personen vermag an der allgemein ungünftigen Lage nichts zu ändern, zumal die Zahl der Erwerbslosenunterstühungsempfänger eine ganz erhebliche Steigerung von 1700 personen aufweift. Das Auf- und Absteigen dieser Ziffer in den letzten Wochen läßt darauf schließen, daß eine recht erhebliche Fluktuation in den Betrieben stattfindet. Betriebsstillegungen und Einführung von Kurzarbeit dauern in den maßgebenden Induſtrien noch an. Die gebesserten Beschäftigungsverhältnisse in fleineren Gruppen vermochten nicht den Arbeitsmarkt wesentlich zu beeinfluffen. Aufnahmefähig ist immer noch die Landwirtschaft, jedoch blieb der Bedarf an Arbeitskräften weit hinter dem gewohnten Maß der Vorjahre zurück. Während erfahrungsgemäß sonst um diese Zeit ein Mangel an Knechten und Schnittern herrschte, übersteigt jetzt das Angebet solcher Kräfte bei weitem die Nachfrage. Es ist auch nicht damit zu rechnen, daß für diese Saison darin eine wesentliche Aenderung eintritt. Geringe Anzeichen einer Befferung laffen sich im Baugewerbe und im Vervielfältigungsgewerbe ertennen. Ob diese jedoch von Dauer sein werden, bleibt abzuwarten. Nach wie vor ungünstig ist die Lage noch immer für Angestellte. Es waren 244 652 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingefragen, gegen 244 942 der Borwoche. Darunter befanden sich 161 667( 162 876) männliche und 82 985( 82 066) weibliche Personen. unterstützung bezogen 130 281( 130 205) männliche und 57 719 ( 57 072) meibliche, insgesamt 188 000( 187 277) Personen. Außer dem waren bei Notstandsarbeiten beschäftigt 4161( 4021) Bersonen landsaufträge ausführt, und das auch in der Lage ist, sich gegenüber anderen ähnlichen ausländischen Unternehmungen zu behaupten. Die Gesellschaft hat, wie in der Generalversammlung ausgeführt wurde, für das laufende Jahr einen Auftrag der Kolumbischen Regierung auf Regulierung des Magdalenenstromes auszuführen. Für diesen Auftrag hatte sie 1910 bis 1914 die Vorarbeiten geleistet. Bei ber Bergebung stand sie im Kampf gegen amerikanische Unternehmer. Dant des träftigen Eintretens des deutschen Geschäftsträgers für die Gesellschaft erhielt sie den Auftrag. Der Bertrag hierüber ist vollfommen rifitolos, da die Gesellschaft die Selbst to sten erhält und darauf eine prozentuale Gewinnquote. Auch fonft ist das Unternehmen mit Auslandsaufträgen versehen, die ihm eine Befchäftigung von zwei bis drei Jahren sichert. Um nicht Banktredite in Anspruch zu nehmen, erhöhte die Gesellschaft in der Generalversammlung ihr Kapital um 1,5 millionen Mart. Die Banten tommen dabei nicht um die Gewinne, die ihnen aus eventuellen Leihgeldern zugeflossen wären. Sie übernehmen nämlich die neuen Aftien mit 100 Proz. und geben sie mit einer Gewinnmarge von 15 Broz.( 1) mit 115 Broz. an die Aktionäre weiter. Die Gesellschaft erzielte einen Reingewinn von 717 640 M. daraus erhalten die Aktionäre eine Dividende von 15 Proz. Der Kurs für die neuen Aktien ist demnach nicht zu hoch festgesetzt, zumal in der Bilanz erhebliche stille Reserven stecken und die Flüssigkeit eine sehr beträchtliche ist. Warum die Gesellschaft einen so großen Teil ihres Kapitalerhöhungsgewinnes den Banten überfäßt, das ist allerdings unerfindlich. Wenn man nicht annimmt, daß die Julius Berger A.-G. finanziell bedeutend günstiger dasteht, als das aus dem Reingewinn des letzten Jahres erkennbar ist! Die Löb Aus der Hanfindustrie. Ueber den Mangel an Hanf verbreitete fich die Berwaltung der Deutschen Hanfbau.- G. in ihrer Generalversammlung. Die Gesellschaft, die mit einem Aftientapital von 900 000 m. arbeitet, hat zwei Fabriken in Löbnik und Schneidemühl. Während die Löbnizer Fabrit eine reine Hanffabrit ist, wird in Schneidemühl neben Hanf auch Flachs verarbeitet. niger Fabrit wird, nachdem die Generalversammlung die Liquidation der Gesellschaft beschlossen hat, Ende März zum Stillstand tommen, Schneidemühl hat noch für etwa zehn Monate Rohstoff und Arbeit. Diese ungünstige Lage ist dadurch herbeigeführt, daß diese für die Berarbeitung geeignete hellfarbige gute Hanffafer in Deutschland nur in dem klimatisch günstiger gelegenen Rheintal in Baden gewonnen werden kann. Der Hanf Pommerns eignet sich sehr wenig zur Verarbeitung. Wegen der geringen Qualität und der verhältnismäßig hohen Preise können die VerarbeitungsIn den anderen Ländern fosten für ihn nicht getragen werden. des Hanfbaues, die schlechten Hanf hervorbringen, find wenigstens Die Preise sehr niedrig. so besonders in Indien, Rußland, das vor dem Kriege große Mengen billigen Hanfes ausgeführt hat, exportiert vorerst sehr wenig, pa die Produktion für inländische Zwede benötigt wird, Die Arbeiter- Radfahrer. Das Werden einer Arbeitersport- Organisation. * Die Arbeitersportbewegung ist neben der Partei-| bewegung zu geben. Die Arbeiterradfahrer stellen sich zu den Wahl organisation, den Gewerkschaften und der Konsumbewegung ein arbeiten der Partei ständig zur Verfügung, fie helfen darüber hinRampfmittel der nach Befreiung drängenden Arbeiterklasse. Ein aus die Feste der Arbeiterschaft verschönen. starkes Glied der Arbeitersportbewegung bilden die Arbeiter. radfahrer. Der Arbeiter gebraucht heute das Rad nicht nur Eine große Anzahl anderer Verbände und Vereine sucht ebenfür den Weg zu seiner Arbeitsstelle, sondern oft auch zur Ausfalls die radfahrenden Arbeiter an sich zu ziehen. Alle zu übung seines Berufes selbst. Die Zahl der das Fahrrad sammen haben aber noch nicht die Mitgliederzahl, wie sie der benutzenden Arbeiter, stieg ganz gewaltig, als erkannt wurde, daß Arbeiterradfahrerbund„ Solidarität" allein besitzt. Von Bedas Rad auch zur Erholung und zum Sport zu gebrauchen deutung ist aus der Reihe der bürgerlichen Organisationen nur der ist. Es entstanden bald Vereine, die die Pflege des Sports betreiben Bund deutscher Radfahrer", der sich noch heute stets der größte Radfahrerbund nennt, obgleich er die Zahl der Mitglieder nicht gern angibt. Sein Hauptzwed war früher, die Leute nach Kriegervereinsart zu unterhalten, faifertreu zu fein und Sportfege zu züchten. Heute macht man dort in Vereinsmeierei, und den Dummen, die nicht alle werden, Preise bei Wettfahrten gewinnen zu lassen, die meist von den Unternehmern gestiftet werden. Ein flassenbewußter Arbeiter gehört zu seinen Arbeitsbrüdern und nicht zu den Räten, Dottoren und händlern, die in den bürgerlichen Vereinen und deren Spizenorganisationen den Ton angeben. wollten. " Beginn der Arbeiterradfahrerbewegung. Die flaffenbewußten Arbeiterradfahrer sahen bald, daß sie in die Radfahrervereine und Verbände nicht hineingehörten. Im Jahre 1893 erließ der Genosse Reißenleiter in Fürth in Bayern einen Aufruf an die sozialdemokratischen Radfahrer Deutsch lands. Darauf wurden die Berliner sozialdemokratischen Sports genossen am 5. Duguſt 1893 durch den Vorwärts" zu einer Gründungsversammlung eingeladen. Der allgemeine Aufruf hatte Erfolg. Bereits am 1. Oftober wurde in Leipzig der Arbeiterradfahrerbund" gegründet. Der Hauptzweck der Gründung war, der Partei Hilfe bei der Wahlarbeit zu leisten. Heute ist es interessant festzustellen, daß die Partei diese Gründung ungern sah, da befürchtet wurde, daß die eigentliche Parteiarbeit unter dieser Sondertätigkeit leiden würde. Troßdem die Organisationsform eine lose war, wurde der Bund bereits 1894 von der Behörde aufgelöft. An Stelle des aufgelösten Bundes wurde bald darauf eine Agitationsfommission der Arbeiterradfahrer Deutschlands gegründet, die bis 1896 auf 467 Mitglieder, in 18 Orten wohnhaft, anwuchs. Der Radfahrerbund, Solidarität". Der Gedanke, nur für die Partei auf dem Rade tätig zu sein, war gut, schaffte aber wenig neue Anhänger. 1896 wurde darauf in Offenbach a. M. der Arbeiterradfahrerbund Solidarität" gegründet, der alle radfahrenden Arbeiter aufnehmen sollte. Bereits am Ende des Jahres 1896 waren 28 Vereine dem Bunde beige treten und es zeigte sich die Werbekraft des Arbeiterradfahrergedankens. Auf dem Bundestage in Mannheim 1900 murde festgestellt, daß bereits 231 Vereine mit 4168 Mitgliedern dem Bunde angehören. Die wichtigste Tagung war dann 1904 in Erfurt. Es fonnten bereits 27 000 Mitglieder gezählt werden. Die verschiedenen an einem Orte vorhandenen Vereine mußten zu einem Verein zusammengelegt werden. Neugründungen von Bereinen durften in Zukunft nur an solchen Orten stattfinden, an denen noch fein Bundesverein bestand: Der Zentralisationsgedanke hatte fich durchgerungen. Das eigene Bundesorgan fam dann 1906 in einer Auflage von 45 000 heraus. Um zu vermeiden, daß der Bund dem Vereinsgesetz unterstellt werde, wurde die Geschäftsstelle nach Offenbach a. main verlegt. Größere Schwierigkeiten entstanden den Arbeiterradfahrern durch das Infrafttreten des Reichsvereinsgefeße s. Jugendliche unter 18 Jahren durften weder Mitglied fein, noch sich an Veranstaltungen der Vereine beteiligen. Der Schlag wurde pariert, die Jugendlichen verblieben dem Bunde als Abonnenten des Arbeiterradfahrer", dem Bundesorgan. Der Erfolg des behördlichen Ein greifens war eine gewaltige Zunahme von Mitgliedern. 100 000 wurden auf dem 12. Bundestage 1908 in Berlin gemustert. Ein Bescheid der Polizeiverwaltung der Stadt Barby, der bes sonders drastisch die Stellung der Behörden zum Bunde fenn zeichnete, lautete u. a.: Korsofahrt wird versagt, weil aus der Veranstaltung des Aufzuges Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befüchten ist. Diese Annahme stützt sich auf die Tatsache, daß die Mitglieder des Arbeiterradfahrerbundes Solidarität" durchweg der Sozial. demokratie zugehören und sich daher ihrem Wesen nach im Gegensaß zu der bestehenden Staatsordnung befinden. Troy allen Schifanen wuchs der Bund kräftig weiter. Das letzte Jahr vor dem Kriege zeigte einen Mitglieder bestand von faft 150 000. Die Leistungen des Bundes. Die Leistungen des Bundes waren der gewaltigen Mitgliederzahl entsprechend. Neben der freien Lieferung der Bundeszeitung erhielten die Mitglieder Rechtsschutz in Radfahrerangelegenheiten, Sterbegeld, Radunfallunterstüßung, Hilfe in besonderen Notfällen. Für Fahrten nach dem Auslande erhielten die Genossen, zur zollfreien Grenzüberschreitung mit dem Fahrrade, Grenzfarten. 1913 wurden allein 13 328 Gren 3tarten ausgestellt. Im gleichen Jahre schloß die Abrechnung der Bundesgeschäftsstelle in Ein- und Ausgaben mit faft einer halben Million Mart ab. Inzwischen hatten sich die Arbeiterradfahrer in Offenbach a. Main 1911 ein eigenes Bundeshaus erbaut und in dieses, die 1908 gegründete Handelsgesellschaft Frisch Auf" als Fahrradhaus Frisch Auf" in Bundesregie übernommen. Die organisierten Arbeiterradfahrer hatten nun auch den Konsum ihrer besonderen Bedarfsartikel geregelt. Im letzten Friedensjahr hatte das Bundes: geschäft einen Umfag von 1275 800 Mart. Ein Beweis für die Kraft der Organisation. Heute ist dem Fahrradhaus" bereits eine eigene Fahrradfabrik angeschlossen. Der Krieg schlug gewaltige Lücken in die Reihen der Arbeiterradfahrer, mehr als 20 000 Ge noffen fehrten nicht wieder zur Heimat zurüd. Durch den Materialmangel, die Wirren nach dem Kriege und die Inflation ging der Wiederaufbau des Bundes erst nur langsam vonstatten. Die Arbeiterradfahrer fanden sich aber wieder zusammen, ihre Agitationsfraft wurde wieder stark und die Abrechnung des Jahres 1925 zeigt einen Mitgliederbestand von 189 559. Gegenwärtig ist bereits die Zahl von 200 000 überschritten. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 16. Mai. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 11.30 Uhr nachm.: Maienkonzert des Orchesterensembles des Obermusikmeisters a. D. Adolf Becker. Leitung: Obermusikmeister a. D. Adolf Becker. 1. A. Becker: Mailiedermarsch. 2. Johann Strauß: Ouvertüre zu der Operette Waldmeister". 3. M. Kaempfert: Hallorenmarsch( nach Marschmelodien der alten Salzsieder aus dem 15. Jahrhundert). 4. A. Becker: Kinderliederwalzer: Ausmarsch( Rühret die Trommeln und schwenket die Fahnen) Vom Gewitter überrascht Auf Kinderreigen und Spiele. 5. M. Simon: Lasset der Spielwiese uns das Leben genießen, Marsch. 6. Joh. Strauß: O schöner Mai. Walzer. 12.20 Uhr nachm.: Max und Paul( Max Hansen und Paul Morgan). Ein Opti- und ein Pessimist. 2.20 Uhr nachm.: Paul P. Lindenberg: Briefmarkenkunde und Sprachgebrauch". 3 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Landwirtschaft. Prof. Dr. Ludwigs: Bodenpflege die Grundlage gesunder Kulturen"( I. Teil). 3.30 Uhr nachm.:„ Funkheinzelmann im Nixenreich" von Hans Bodenstedt. Erzählt vom Funkheinzelmann. 4.15 Uhr nachm.: Frau Justizrat Klara Neumann:„ Soziale Gerichtshilfe. Erziehung, nicht Vergeltung!"( Rezitationen: Lore Braun). 5-6.30 Uhr nachm.: Volkstümliches. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theaterdienst. 7.10 Uhr abends: Ludwig Kapeller: Der höchste" Mann Deutschlands"( Ein Besuch bei dem Meteorologen auf der Zugspitze). 7.35 Uhr abends: Wegwart Markmann: Auch im Vaterlande ist es schön!" 8 Uhr abends: Sanitätsrat Dr. Paul Frank: Der Heilwert der deutschen Bäder" 8.30 Uhr abends: Bunter Abend. 1. a) Weiße Akazien, russische Romanze, arrangiert von J. Kramer. b) Schweigende Melancholie. Zigeunerromanze, c) Russische Skizzen, arrangiert von N. Rimsky( Nikolay Rimsky- Czekan. Violine: Georg Bokser. Cello; Juliy Kramer, Klavier). 2. a) Fr. Doelle: Ich habe im Mai von der Liebe geträumt( Berg), b) T. Laman: Frag' den Mond ( Kollo), c) Abner Silver: Sag' ihr's beim Tanze( Rebner)( Willi Weiß, Tenor. Am Flügel: Miezi Peery). 3. a) Konstruktionen der Welt( aus des Knaben Wunderhorn): b) Der Küster und die Bauern( Alter deutscher Schwank), c) Die Furien( G.. E. Lessing), d) Drei Wunschsprüche über Liebe und Ehe( Emil Kühne, Rezitation). 4. A. Boulanger: Avant de mourir, b) N. Rimsky: Paraphrase über das russ. Volkslied Blumengärtchen", c) N. Rimsky: Dunkle Fichten, altrussisch, d) Jamsik: Zigeunerromanze( Nikolay Rimsky- Czekan. Georg Bokser. Juliy Kramer). 5. a) T. Springefeld: Ich darf nicht d'ran denken( Weiß). b) J. Padilla: Valencia ( Beda), c) R. Stauch: Meine Heimat am Rhein( O. Stauch)( Willi Weiß). 6. a) Saphir: Die Journale in der Arche Noah, b) Ad. Glaßbrenner: Das gefallene Pferd, c) Ad. Glaßbrenner: Ein Leib und eine Seele( Emil Kühne). 7. a) N. Rimsky: Kaukasische Melodien, b) Granichstaedten: Zigarettenlied. aus der Operette, Der Orlow", c) N. Rimsky: Zigeunertraum, Walzerfantasie( Nikolay- RimskyCzekan, Georg Bokser, Juliy Kramer). Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Montag, den 17. Mai. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Anschließend: 4.10 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau( Margarete Caemmerer: Schulzwang und Elternsorgen"). 5 Uhr nachm.: Novellen. Albert Reinicke liest aus eigenen Werken. 5.30 bis 6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. Ratschläge fürs Haus, Theaterdienst. 6.45 Uhr abends:„ Es geht um deinen Hals"( Ein Zwiegespräch: Ilse Fürstenberg und Fritz Eckert) Werbevortrag. 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Französisch( Prof. O. Colson). 7.30 Uhr abends: Paul Klostermann: Der Kraftradsportler und seine Maschine". 7.55 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Hochschulkurse). Abteilung Kunstwissenschaft. Dr. Max Osborn: Meister der klassischen Malerei: Robens". 8.30 Uhr abends: Orchesterkonzert. Dir.: Bruno Seidler- Winkler. 1. Liszt: Les Préludes. 2. Puccini: Fantasie aus der Oper La Bohème". 3. Leoncavallo: Prolog aus der Oper„ Bajazzo"( Kammersänger Artur Fleischer von der Berliner Staatsoper, Bariton). 4. Wagner: Feierlicher Zug der Frauen zum Münster, aus der Oper Lohengrin. 5. a) Boellmann: Variationen, b) Cui: Adagio, c) Popper: Tarantelle( Adolf Steiner: Cello). 6. Rubinstein: Tanz der Irrlichter aus„ Feramors". 7. Verdi: Ihres Auges himmlisch Strahlen, Arie aus der Oper„ Troubadour"( Artur Fleischer) 8. Brahms: Akademische Festouvertüre( Berliner Funkorchester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Königswusterhausen, Montag, den 17. Mai. Filmdienst. aus 1-1.30 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann aus London: Englisch für Schüler. 3-3.30 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann aus London: Englisch für Anfänger. Die Vorteile des Zusammenschlusses sind den radfahrenden Ar3.30-4 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann London: Englisch für Fortgeschrittene. 4-4.30 Uhr nachm.: Dr beitern flar. Sonntägliche Ausfahrten und mehrtägige WanderMax Freyhan: DerAufstieg des Naturalismus und sein Sieg. 4.30 fahrten unter Benutzung eigener Herbergen, Radball- und Radpolo- bis 5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 5-5.30 Uhr ipiele, Reigen- und Kunstfahren, Radrennen, alles dies dient dazu, nachm.: Frau Gertrud Kreuzer: Vorbereitungen für die Einmachedem Arbeiter frische Kraft und Mut zum Kampf in der Arbeiter- zeit. 8.30 Uhr abends: Uebertragung von Berlin. Aus der Partei. Es geht vorwärts! verDer Unterbezirtstonferenz für Anhalt II, ume fassend die Kreise Ballenstedt, Köthen und Bernburg, konnte Don einem außerordentlich erfreulichen Aufstieg im gangenen Jahre berichtet werden. Die Mitgliederzahl wurde um 879 von 4645 auf 5524 gesteigert. Die im Verbreitungsbezirt erscheinenden beiden Zeitungen," Volkswacht"-Bernburg und„ Bolfswille"-Köthen, fonnten ihren Abonnenten stand um 2542 vont 6835 auf 9377 erhöhen. In ganz Anhalt, 350 000 Einwohner, erscheinen drei sozialdemokratische Zeitungen mit rund 18 000 Abonnenten. Zur politischen Lage nahm die Unterbezirks. „ Die Unterbezirkskonferenz konferenz folgende Entschließung an. für Anhalt 11, die nahezu 6000 in der Sozialdemokratischen Partei organisierte Männer und Frauen vertritt, spricht nach Entgegen nahme eines Referats des Reichstagsabgeordneten Genossen Ben der über die politische Lage der Reichstagsfraktion und dem Bender Parteivorstand für ihre Haltung beim Voltsbegehren und Volks entscheid und in der Flaggenfrage ihr vollstes Bertrauen aus. Die Arbeiterschaft ruft sie auf, zum einheitlichen und geschlossenen Kampfe für Republik und Sozialismus, da nur eine einige, unter dem Banner der Sozialdemokratie vereinigte Arbeiterschaft in der Lage ist, die Parteien der Volks, und Republik. feinde im Reichstage dauernd niederzuhalten. In dem jezigen Rampfe um die Regierung erwartet fie von der Reichstagsfraktion und dem Parteivorstand energisches Eintrefen für die Bildung einer starken republikanischen Regierung." Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an bas Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richten. 2. Kreis Tiergarten. Dienstag, den 18. Mai, abends 8 Uhr, im Artushof, Die Funktionäre der Berleberger Str. 29, wichtige Funktionärsikuna. 9., 10., 11., 12., 13. Abteilung müffen gana bestimmt anwesend sein. Bich tige Tagesordnung. 7. Kreis Charlottenburg. Mittwoch, den 19. Mai, bei Bogel( Restaurant Wilhelmshof), Gpreeftr., abends 7 Uhr, Bersammlung aller Genoffen, die Rinder an mittleren oder höheren Schulen in Charlottenburg haben. Besprechung der Elternbeiratswahlen. 9. Kreis Wilmersdorf. Dienstag, den 18. Mai, abends 8 Uhr, Eikung des engeren Kreisvorstandes mit den Abteilungsleitern bei Kroihs, Holsteinische ftraße 60. 11. Kreis Schöneberg- Friebenau. 78. Abt.: Alle Eltern, die Rinder an der 1., 10., 11. Gemeindeschule und 1. Silfsschule, Feurigstraße, haben, werden bringend gebeten, fich betreffs der Elternbeiratswahlen fofort an den Genoffen Beterſon, Feuriaftr. 66, Laden, au wenden.( Auch Sonntags anzu treffen.) Auch kinderlose Genoffen zur Silfsarbeit sehr willkommen. SPD.- Genoffen der Feuerwehr! Am Montag, den 17. Mai, nach mittags 5 Uhr, findet im Lokal von Richiefing. Aderftr. 1( am Roppenplak). Ede Linienstraße, eine wichtige Besprechung statt. Bestimmtes Erscheinen mit Mitgliedsbuch erforderlich. Im Berhinderungsfalle ift ein Vertreter au entfenben. Thema: Unsere Aufgaben als Genoffen und Gewerkschaftler". Koffierung erfolat ebenda. Der Berbeausichuk. Heute, Sonntag, den 16. mai: Reukölln. Die Genossen und Borwärts"-2efer, die Rinder in ber 5. und 44. Schule in der Reichenberger Straße haben, worden gebeten, ihne Adreffen möglichst umachend bei Frans Echula. Manitiusftr. 20, abaugchen. 85. Abt. Tempelhof. Die Barteigenoffen beteiligen fich am Rinderfreunde treffen im Blänterwald in Treptow. Treffpunkt nachmittags 121 Uhr Bahnhof Tempelhof. Morgen, Montag, den 17. Mai: 45. 206t. 7 Uhr bei Wolff. Forfier Gtr. 44, Gikung fämilider Randidaten au den Elternbeiräten. Aufstellung und Fertigmachen der Liften. Ge noffen und Vorwärts Lefer, die geneigt find, mit zu Kandidieren, wollen fich im gofal melden. 57. bt. Charlottenburg. Die für Mittwoch vorgesehene Funktionärtigung findet fchon Montag abend 7% Uhr bei Arndt, Kantstr. 51. ftatt. Alle Funktionäre müssen erscheinen. 77. Abt. Schöneberg. Abends von 6% bis 8 Uhr Arbeitsgemeinschaft über Berfassungsrecht" bei Klamitter, Apostel- Vaulus- Str. 7. 6 8 Uhr Gikuna des Abteilungsvorstandes ebenda. 124. Abt. Mahlsdorf. 8 Uhr Gikung fämtlicher Funktionäre bei Breidou. Tagesordnung: Die Elternbeiratswahlen". Bünktliches Erscheinen note wendig. Dienstag, den 18. Mai: 33. Abt. Gämtliche Elternbeiräte, melde Rinder in ben Schulen Nr. 220. 227, 255, 287 und 35 haben, treffen fich abends 7 Uhr bei Bertolla, Hohenlohestr. 3. Die Obleute laden basu ein. 34. Abt. 7 Uhr Funktionärfikung in der Cabiner Str. 10. 35. Abt. Wenen der Rundgebung am Montag findet die Funktionärsikuna am Dienstag abend 7% Uhr bei Veter. Schreimerstr. 36, ftatt. Dafelbft auch Abrechnung. Sämtliche Funktionäre, Referenten und Elternbeiräte mitssen erscheinen. Beginn der Abrechnung unt 7 Uhr. 53. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21, Ber fammlung. Vortrag: ,, Auf zum Boltsentscheid". Referent Wilhelmr Richter. Vorwärts"-Lefer als Gäste willkommen. 79. Abt. Schöneberg. 7% Uhr bei Rettlik. Gedanstr. 60, Gikuna bes engeren Borstandes. Sierzu milffen auch die Bezirksführer erscheinen, 86. Abt. Mariendorf. 8 Uhr bei Niendorf, Chauffeeftr. 19, Gitung fämtlicher Funktionäre einschließlich Elternbeiratsmitalieder. 96. Abt. Reukölln. 7% Uhr im Lotal Lobann, Bipperstr. 18-19, wichtige Funktionärfikung. Achtung, Jungsozialisten! In der am Montag, den 17. Mai, abends 7 Uhr, im Breukifchen Landiaa. Prinz- Albrecht- Str. 5, ftattfindenden Gesamtveranstaltung fpricht Genoffe Erwin Marquardt über England und feine Probleme". Um 6% Uhr Arbeitsausschußigung. Um 7 Uhr Gruppenkonferenz. Jungsozialisten. Gruppe Tiergarten: Montag, den 17. Mai, abends 7% Uhr, im Breußischen Landtag. Gesamtveranstaltung. Dienstag, den 18. Mai, abends 8 Uhr, in der Borwärtsspedition Wilhelmshavener Str. 48, Gruppen. veranstaltung: Erziehung und Binchoanalyse". Referent Genoffe Dr. Siegfried Sernfeld. Gäste willkommen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Tiergarten: Scute, Gonntag, dent 16. Mai, Rindertreffen in Treptow. Treffpunkt mittags 12 Uhr Kleiner Tieraarten( Kriegerdenkmal). Am Donnerstag, den 20. Mai, nachmittags zwifchen 5 und 7 Uhr auf dem Spielplan Bremer Straße, milfsen alle Rinder, die an der Bfinaftfahrt teilnehmen, anwesend sein. Tempelhof: Beteiligung am Rindertreffen in Treptow( Vänterwald). Treffpunkt nachmittags 12% Uhr aub Bahnhof Tempelhof. Frauenveranstaltungen am Montag, den 17. Mai: 3. Kreis Webbing. Kreisfrauenabend im Lebigenheim Schönstedtstraße, Rimmer 122/123. Bortrag: Jugendpflege". Referent Stadtjugendpfleger Hensel. 29. Abt. Der Frauenabend fällt aus. Die Genoffinnen beteiligen fich an der Rundgebung in der Neuen Welt. 31. Abt. 7 Uhr bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Seiterer Abend. Rezi tationen, Lieder zur Laute. Bortragende: Liefel Scharff und Seins Barthei 37. Abt. 7% Uhr bei Jeraidh, Ebertnftr. 11, Frauenabend. Erscheinen aller Genoffinnen ist Pflicht. 39. Abt. 7 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenftr. 3, Glasbrennere Abend. Vortragender Theo Maret. 40. Abt. 7% Uhr im Lofal Rum Kreuzberg", Mödernitr. 78a, Borirag: ,, Mark Twain". Bortragende Genoffin Hagemann. Gäste miltommen. Pambangoli Cinlcigouen 44 n 59 Dow Kannern bevorzugt! Planomen 3. Abt. 7% the Set Bolf, Grifeftrahe, Botties bes Genollen beim Miethle. 44. Abt. 7 Uhr bei Ewald, Gtaliker Str. 126, Bortrag: Erste Silfe bei Unglüdsfällen". Referentin Dr. Räthe Frankenthal. 48. Abt. Der Frauenabend findet ausnahmsweise nicht am Montag, sondern am 31. Mai, statt. Charlottenburg. 56. Abt. 8 Uhr im Lotal Rostowiad, Solkendorffftr. 20, Bortraar: Die Frau im Cherecht". Referent Ernst Ruben. 58. Abt. 8 Uhr bei Straube, Augsburger, Ede Ansbacher Straße. Vortrag: Heinrich Seine". Referentin Ellen Beidler. Um Einführung von Gästen wird gebeten. 74. Abt. Zehlendorf. Montag nachmittag Bunft 3 Uhr am Marktplak( Vots. damer Straße), Ausflug au ,, Mutter Mochow". Frauenveranstaltungen am Dienstag, den 18. mai: 21. Abt. 7 Uhr bei Kroll, Utrechter Str. 21, Bortrag: Das Bolfslied". ( Erläuterungen am Alavier.) Vortragender Dr. Max Brie. 26. Abt. 7 Uhr( nicht wie üblich am Montag) bei Seiles, Brenzlauer Allee 239. Vortrag: Wie erhält fich die Frau gefund?" 33. 96t. Der Franenabend findet ausnahmsweise nicht am Dienstag, fondern am Mittwoch, den 19. Mai, ftatt. Referentin Clara Bohm- Schuch. 45. Abt. 7 Uhr bri Bogelfang. Glogauer Str. 17, Borttag: Körperkultur" mit praktischen Borführungen. Vortragende Lisa Albrecht. Gäste willtommen. 57. Abt. Charlottenburg. 7½ Uhr bei Thunad, Wielandstr. 4, Seiterer Abend. Bortragender Heinz Bartel. 85. Abt. Tempelhof. 8 Uhr bei Bufe, Berber, Ede Railer- Wilhelm- Straße, Bortrag: Arbeiterwohlfahrt". Referentin Dr. Hellinger. Alle in der Wohlfahrt tätigen Genoffinnen müssen pünktlich erscheinen. Wichtige Befprechung. Gäste willkommen. 128./130. Abt. Bankow. 8 Uhr bei Mechs, Lindenpromenade, Ede Berliner Straße, Vortrag: Boltsentscheid und Flaggenfrage". Referent Genoffe Flatau. " 111. Abt. Behnsdorf. 8 Uhr bei Seimann, Waltersdorfer Straße, Bortrag: ..Erziehungsfragen". Referent Rurt Lude. Frauenveranstaltungen am Mittwoch, den 19. Mai: 33. bt. 7 Uhr in der Schule Sohenloheftr. 10, Borirag: Rameradschaft in der Erziehung". Referentin Clara Bohm- Schuch. Gäfte willkommen. Briefkasten der Redaktion. Ba. G. Werden Gie nodmmals bei der Behörde vorstellig. Zur Erteilung des Scheines tann fie nicht gezwungen werden. Replerstraße. 1. Am 1. Mai 1925. 2. Ja, mit Ausnahme der Jalousien. 3. Nein. Sie müffen Alage gegen ben Hauswirt erheben. 4. 643.19 Mt. 6. M., Lichtenberg. 1. Ja. 2. Die Hälfte. Stuttgart- Lübed 1924. 1. Ja. Maßgebend find die Versicherungsbedingungen. 2. Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung, Berlin, Ludwigfirchplak 3-4. F. G. 70. Auf Zahlung werden Sie nicht mehr rechnen Fönnen. Fragen Sie beim Wohlfahrtsamt an, welche Stelle jeht dafür in Frage tommt. M. T. Erheben Sie beim Gewerbegericht Rfage auf Schadenersak. A. Str., Brik. Nur im Falle des Todes des Ehemannes fann eine Witwenbeihilfe gewährt werden. M. SCHULMEISTER Hochbahnstation Kottbusser Tor MSchulmeister Straßen- Anzüge Mabes к Nur eigenes Fabrikat! Frühjahrs- Mäntel Gummi- Mäntel • Impr. Gabard.- Mäntel. Windjacken Breeches Uber 20000 Stück Im Gebrauch! Albert Rosenhain's neuestes Saffianleder- Portemonnaie für Herren und Damen „ Der Schacht Tresor" für Scheine and Hartgeld von 4900 an • von von von von 4500 an 1800 4900 1200 an an an von 1000 an Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 19 Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianftr. 37/38, Sof 2 t. Gauvorstand. Die Liste der Wien- Fahrer ist geschlossen. Kreis vercin Neukölln- Brih: Mo., d. 17., Versammlungsschuk Neue Welt. Ob die Monatsversammlungen stattfinden, wird dort bekanntgegeben. Neichsbund der Kriegsbeschädigten, Ariegsteilnehmer und Kriegerhinter. bliebenen, Ortsgruppe Norden 14. Dienstag, 18. Mai, 8 Uhr, Mitgliederversammlung in Büttners Festfälen, Schwedter Str. 23. Vortrag über ,, Chiropraktif, die neue amerikanische Seilmethode". Referent M. Langner, Dr. der Chiropraktik. Die Ortsgruppe Neukölln, Geschäftsstelle Donauftr. 128, veranstaltet am Mittwoch, den 19. Mai, abends 7% Uhr, im Lotal Jdeal- Rafino, Weichselftr. 8, eine Hinterbliebenenversammlung. Tagesordnung: Die Reichsverfassung und die Frau". Referent Ramerad Ebert. Bereinigung fozialdemokratischer Studenten. Dienstag, den 18. Mai, 8 Uhr, Mitgliederversammlung im Sozialwissenschaftlichen Alub, Wilhelmstr. 48 1V. Ausweise mitbringen. Soz. Männerchor Friedrichshain. Am Sonntag, den 16. Mai, vormittags 10 Uhr. in der Neuen Welt, Hasenheide, Bezirksübungsstunde. Rontrollkarten mitbringen. Bünktliches Erscheinen ist Vflicht. Große öffentliche Kundgebung gegen den Faschismus am Montag, den 17. Mai, abends 7 Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide 108-114 Redner: Dr. Wilhelm Ellenbogen- Wien Dr. Albin Saenger- München, M. d. R. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Achtung! Donnerstag, den 20. Mai, abends 8 Uhr, findet im Gaalbau Friedrichshain eine internationale Rundgebung mit ausländischen Rednern statt. Sämtliche anderen Veranstaltungen fallen aus. Unkostenbeitrag 20 Pf. Heute, Sonntag, den 16. Mai: Offen( Frank. Biertel): Museumsbesuch. Treffpunkt 9 Uhr vor dem Heim. Lankwik: Spielnachmittag auf der Rathauswiese, 3 Uhr. Steglik 1: Jugendheim Albrechtstr. 47a. Bunter Abend( Werbeabend). Wandern." Beginn 7 Uhr. Eltern und Gäste willkommen. Tempelhof: Fahrt Roffen. Treffpunkt 7 Uhr Alarichplak. Rieberschöneweide: Nachmittags 5 Uhr Rönigsheide( Krähenwiese), Bunter Abend. Abteilungen des Werbebezirks willkommen, Bantom: Nachmittags 1 Uhr Treffen im Jugendheim Breite Str. 32. Werbespiele im Boltspart. Abends ab 7 Uhr im Jugendheim Bunter Abend. Wilmers borf: Jugendheim Düsseldorfer Str. 3, abends 8 Uhr, Vortrag: Sozialismus und moderne Binchologie". Rosenthaler Borstadt: Gemeinsame Maifeier mit den Rinderfreunden im Blänterwald. Steglit I: Jugendheim Albrechtstr. 47. Lichtbildervortrag: Sinein in die SAJ.!" Bortrag: Morgen, Montag, den 17. Mai, abends 7% Uhr: Süboft( Görliger Biertel): Jugendheim Reichenberger Gtr. 66. ,, Gegnerische Jugend". Schöneberg III: Jugendheim Hauptstr. 15. Bortrag: ,, Barum bin ich in der SAJ.?"- Westen: Jugendheim Hauptstr. 15. AusSprache über Demokratie und Diktatur" Friedenau: Jugendheim Offenbacher Str. 5a. Bortrag: Unsere Bewegung". Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin.( Nachdr. verb.) Ziemlich trübe und fühl mit Regenfällen. Für Deutschland. Berbreitete und ergiebige Regenfälle, fühl. Sport. Rennen zu Karlshorst am Sonnabend, den 15. Mai. 1. Rennen. 1. Lucrezia( R. Dorschug), 2. Parioli( Klose), 3. Alleluia ( R. Thiele). Toto: 37: 10. Blaz: 15, 17, 25: 10. Ferner liefen: Rig me quid, Belladone, Dama, Alarid, Mero. 2. Rennen. 1. Ditfels( S. Edler), 2. Maipring( 3. Pinter); 3. Elfchen ( v. Horn). Toto: 12: 10. Plaz: 10, 10: 10. Ferner lief: Zauberflöte. 3. Renne It. 1. Märchenprinz( Schniper), 2. Minenhof( Deitel), 3. Dtavi( Mate). Toto: 45: 10. Plag: 17, 21, 22: 10. Ferner liefen: Fechterin, Friedchen, Valuta, Herentang. 4. Rennen. 1. Financier( v. Metsch), 2. Wetterscheide( v. Below), 3. Sambur( Hr. Freese). Toto: 64:10. Plat: 40, 33:10. Ferner liefen: Herzog, Pipifag, Palette. 5. Rennen. 1. Arbela( Kululies), 2. Wintertveide( K. Edler). Toto: 17 10. 3wei liefen. 6. Rennen. 1. Maral( v. Lewinski), 2. Kriegsgewinnler( A. Leute), 3. Hohe Sonne( Dertel). Toto: 21: 10. Plat: 13, 14: 10. Ferner lief: Margaretha Grag. 7. Rennen. 1. Chiemgauerin( v. Borde), 2. Donar( Leutn. Jah), 3. Per Dark( v. Edertsberg). Toto: 59: 10. Plaz: 21, 23, 32: 10. Ferner liefen: Sarazener, Rachewin, Giramete, Grazie, Harma, Eisens ritter, Niederwald. 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Es folgt die zweite Beratung des Gefeßentwurfes über Abänderung des 2. Buches der Reichsversicherungsordnung. Die Vorlage will einen besseren Ausgleich der Lasten für Wochen hilfe und Familienunterstügung zwischen den Versiche rungsträgern herbeiführen, und die Bestrafung für nicht ab geführte Versicherungsbeiträge schärfer formulieren. Der sozialpolitische Ausschuß beantragt dazu eine Entschließung, die pon der Regierung eine Feststellung darüber verlangt, welche Strafen auf Grund des§ 533 der Reichsversicherungsordnung in der letzten Zeit festgesetzt worden sind, und die Regierung ersucht, zu erwägen, ob eine Benderung dieses Paragraphen zweckmäßig erscheint. Abg. Frau Arendsee( Komm.) befürchtet von der Neuregelung eine Einschränkung der Rechte der Versicherten. Den Unternehmern würde dadurch Gelegenheit gegeben, die Unterstügungen noch weiter herabzudrücken. Abg. Jäder( Soz.) weift darauf hin, daß die nicht abgeführten Beiträge einen Umfang angenommen haben, der nicht mehr erträglich ist. Unter solchen Umständen muß der Betrieb der Krankenkassen fast ins Stoden geraten. Der Strafparagraph muß deshalb eine schärfere Fassung erhalten, denn die bisher verhängten Strafen sind oft so lächerlich gering, daß sie nicht einmal die Zinsen der von den Unternehmern nicht abgeführten Beiträge erfassen. Die sozialdemokratische Fraktion habe nunmehr den Antrag gestellt, den§ 397 schärfer zu faffen und an die Regierung das Ersuchen zu stellen, mitzuteilen, welche Strafen bisher verhängt worden sind. Dieser Antrag wird jekt vom Ausschuß vorgelegt. Die Sozialdemokratie wird dafür stimmen. Abg. Andre( 3.) verlangt gleichfalls eine schärfere Fassung des Strafparagraphen und erklärt die Befürchtung der kommunistischen Rednerin, daß durch die Neuregelung die Versicherten benachteiligt merden fönnten, für unbegründet. Der Gesezentwurf wird darauf in zweiter und dritter Beratung mit der Entschließung des Ausschusses ange= nommen. Es folgt die zweite Beratung eines von der kommunistischen Fraktion eingebrachten Gesetzentwurfes, der die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Urteile des Staatsgerichtshofes, der bayerischen Boltsgerichte und in allen Fällen, in denen der Untersuchungsrichter Jürgens mitgewirkt hat, verlangt. Gerade unter der Mitwirkung dieses Richters sind die aller schärfsten Urteile gefällt worden. Wir haben nicht die Abficht, vor Abschluß des Verfahrens das Urteil gegen Jürgens porwegzunehmen, sonst müßten wir doch verlangen, daß alle Urteile taffiert und die Verurteilten freigelassen werden. nur, daß diese Urteile nachgeprüft werden und eine geringere Forderung fönnen wir wohl nicht mehr stellen. Wir befinden uns dabei noch in sehr guter Gesellschaft. Der Rechts beschlossen, das Staatsministerium zu ersuchen, bei der Reichsregie: ausschuß des preußischen Landtages hat einmütig rung darauf hinzuwirken, daß sämtliche Verfahren, in denen Jürgens mitgewirkt hat, nachgeprüft werden und in solchen Fällen, in denen Angeklagte Nachteile erlitten haben, das Wiederaufnahmeverfahren einzuleiten. Das gleiche wünschen wir vom Reichstag. Ich fann es nicht verstehen, daß die Herren vom Zentrum und von der Deutschen Volkspartei, die im preußischen Landtag einen folchen Antrag angenommen haben, hier eine andere Stellung einnehmen. Wollen Sie damit sagen, daß Sie von vornherein jede Nachprüfung ablehnen. Wenn Sie die Sachlage ordentlich geprüft hätten, so hätten Sie unseren im Rechtsausschuß gestellten Antrag annehmen müssen. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse des Hauses verzichten wir darauf, hier unseren Antrag zu wiederholen, wir bringen aber eine Entschließung ein, die die Regierung ersucht, die Urteile des Staatsgerichtshofes nachzuprüfen, an denen Jürgens mitgewirkt hat, um evtl. die Freilaffung der zu Unrecht Berurteilten zu erreichen. Allgemein gesprochen haben die so häufig brutalen Urteile des Staatsgerichtshofes in der Deffentlichkeit allgemeine Empörung ausgelöst. Aehnlich wie bei den bane rischen Boltsgerichten müssen wir auch jezt einen Beschluß fassen auf Erleichterung des Wiederaufnahmeverfahrens gegen diese Urteile. Ich erinnere daran, daß Beschlüsse ergangen sind, die von maßgebenden Juristen als den gesetzlichen Vorschriften widersprechend erklärt wurden. Es sind dort Zuchthausurteile gegen links gefällt worden, in genau denselben Fällen, in denen nach rechts nur auf Gefängnis oder gar auf Freisprechung erkannt wurde. Die ungleichmäßige Behandlung von rechts und links vor dem Staatsgerichtshof ist ein weiterer Grund für uns, eine Erleichterung der Wiederaufnahme zu fordern. Wahrscheinlich trifft an diesen Zuständen die Reichsanwaltschaft in höherem Maße die Schuld als den Staatsgerichtshof. In diesen Tagen haben wir erst erlebt, wie sich die Reichsanwaltschaft zu den aufgededten Butchplänen verhält. Die Polizei hat pflichtgemäß die Verhaftung vorgenommen, der Amtsrichter verfügt einfach die Freilassung der Festgenommenen und wo bleibt nun die Reichsanwaltfreigelassen worden, wenn er auf einen bloßen Verdacht hin einmal festgenommen war. Der Rechtsausschuß, über dessen Verhandlungen Graf v. Mer- schaft? Noch niemals ist ein Beschuldigter von lints veldt( Dnat.) berichtet, beantragt die Ablehnung des kommunistischen Antrages. Die sozialdemokratischen Vertreter hätten dem Grundgedanken des Antrages zugestimmt, aber eine bessere Formulierung gemünicht. Abg. Dr. Rosenberg( Romm.) tritt demgegenüber für den Antrag feiner Bartei ein. Der Einwand einiger bürgerlicher Parteien, daß man in das schwebende Verfahren gegen Jürgens nicht eingreifen dürfe, set nicht stichhaltig, da dessen Berfehlungenfektfchon festständen. Es sei bedauerlich, daß gerade das Zentrum aus formaljuristischen Gründen sich ablehnend verhalten hätte. Abg. Rosenfeld( Soz.): Es handelt sich bei diesem Antrag einfach darum, die Konsequenzen aus der Tatsache zu ziehen, daß gegen einen Untersuchungsrichter, der in ftartem Maße an den harten Urteilen des Staatsgerichtshofes beteiligt war, die schwersten Beschuldigungen erhoben worden sind. Der Fall Jürgens hat in der Deffentlichkeit ungeheure Aufregung erregt und wenn mir auch sonst nicht geneigt find, in ein schwebendes Verfahren einzugreifen, so ist doch die nicht alltägliche Tatsache, daß ein hoher, dazu noch rechts= orientierter Richter in Untersuchungshaft genommen wird, geeignet, die Auffassung zu rechtfertigen, daß die Beschuldi. gungen nicht grundlos sind. Aus diesem Gründe sind meine Freunde der Meinung, daß eine Nachprüfung aller Fälle, an denen Jürgens mitgewirkt hat, vorzunehmen ist. Wir verlangen, daß sich endlich die Reichsjustizverwaltung um das Verhalten der Reichsanwaltschaft fümmert. Die Reichsjustizverwaltung tut nicht das geringste, um eine gleichmäßige Behandlung gegen rechts und links zu sichern. Wir erwarten nunmehr, daß der Reichstag wenigstens das tut, was der preußische Landtag schon getan hat und daß Sie unsere in diesem Sinne gehaltene Entschließung annehmen.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Wunderlich( D. Vp.) behauptet, daß die allgemeinen Vorschriften über das Wiederaufnahmeverfahren ausreichend seien, es läge fein Anlaß vor, jetzt ein Ausnahmerecht zu schaffen. Im Falle Jürgens jei abzuwarten, bis ein rechtskräftiges Urteil gefällt sei, bevor etwas unternommen werden fönne. Die Abstimmung über den Ausschußantrag auf Ablehnung des fommunistischen Antrages ist zuerst zweifelhaft. Die Kommu nisten sind, trojdem es sich um ihren eigenen Antrag handelt, nur in der Stärte von eima 12 Mann anwesend. Wäre ihre Fraffion ebenfo zur Stelle gewesen, wie die Sozialdemokratie, fo wäre ihr Antrag angenommen worden. Die Auszählung ergibt, daß an der zur Beschlußfähigkeit notwendigen Zahl der Abgeord neten vier fehlen. Gegen 2% Uhr vertagt sich das Haus auf Montag 2 Uhr. Kleine Borlagen. Sonntag, 16. Mai 1926 Der Forstetat im Landtag. Tie Schäden durch Forlenlenfraß. U Aufbauaufgaben. Der Landtag überwies gestern einen volksparteilichen Antrag über die Groß- Hamburg Frage an einen neu zu errichtenden Ausschuß. Annahme findet in allen Lesungen ein rantrag der Regierungsparteien, der die Vorlage eines Gefeßes verlangt, durch das 120 Millionen als Zwischenkredite für die Förderung des Wohnungsbaues und zwar insbesondere für erste Hypotheken zur Verfügung gestellt werden. Ein volksparteilicher Antrag, der mit Rücksicht auf die Not der Ruhrgemeinden eine neue, verminderte Festfehung der den Gemeinden des besezten Gebietes während des Ruhr tampfes gezahlten Staats vorschüsse verlangt, geht zur mei Haus fezt dann die zweite Beratung des Forsthaushalts fort. teren Beratung an den Ausschuß für die besetzten Gebiete. Das Dabei hebt Abg. Held( D. Vp.) hervor, daß durch den Eulenfraz Schäden verursacht wurden, die eine Aufforstung von mindestens 15 000 hektar nötig machten. Landwirtschaftsminister Dr. Steiger macht auf das Wachsen der Verwaltungstosten aufmerksam und betont, die Einnahmen fönnten höchstens durch Vergrößerung des Einschlages erhöht werden. Das würde aber wieder zur Ueberfütterung des Marktes beitragen. Bedenklich sei das Wachsen der Einfuhr aus Polen. Sollte kein Bertrag mit Polen zustande kommen, dann müßten wir zu einem Einfuhrverbot schreiten, das als Kampfmaßnahme notwendig fein wird. Bolen solle erkennen, daß wir, wenn es einen Handelsvertrag nicht eingehen will, unsere Interessen zu wahren wissen. Der Minister geht dann auf die einzelnen Beamtenwünsche ein. Die Oberforit meist er follen nach Gruppe 13 fommen, wenn das bei den Regierungsdirektoren der Fall sein wird. Eine Bermehrung der Aufrüdungsstellen für Förster wird vorgenommen wer den. Kahlflächen haben wir besonders im Westen, wo die Franzosen waren, und in den Eulenfraßgebieten. Zur Aufforstung hat der Finanzminister zwei Millionen zugesagt, die aber nicht ausreichen. Der Oberlandforffmeister äußert sich über die Maßnahmen der Regierung zur Berhinderung großer Waldbrände. Was die Forderung des zweiten Forstschuljahres angehe, so halte das Ministerium ein Jahr für ausreichend. Abg. Möride( Komm.) bekämpft die Preispolitik der privaten Forstbefizer. Die Forstverwaltung müsse die Hölzer aus den staatlichen Forsten zu billigen Preifen an die Baugesellschaften ab geben zur Förderung des Wohnungsbaues. Abg. Biester( Dt.- Hann.) forderte Drosselung der polnischen Holzeinfuhr. Abg. Gieseler( Bölf.) feßt sich für Förderung der Baldweidenhaltung ein. Abg. Simon- Neufalz( Soz.) wendet fich gegen Dollkommene Einfuhrsperre für Holz, durch die die Auslandsdeutschen geschädigt würden, die in Polen und der Tschechoslowakei Walds befizer seien. Auch fäme aus dem Auslande Holz herein, das es in Deutschland nicht gäbe. Der Redner verlangt, daß die Betriebsratsgefeßgebung endlich auch für die Bald. arbeiter in Ostpreußen angewendet werde. Abg. Dallmer( Dnat.) vertritt die Ansicht, daß nur durch ausreichenden 3o11jchutz die deutsche Forstwirtschaft wieder gejun-den könne. Abg. Jafoby- Raffauf( 3tr.) wünscht besondere Berücksichtigung des bejezten Gebietes bei der Aufforstung. Die neue Jagdordnung, müsse bestimmt im Herbst tommen. Die allgemeine Aussprache und die Einzelberatung waren beendet. Die Abstimmung soll am Dienstag, den 18. Mai, stattfinden. Nach 4 Uhr vertagt sich das Haus auf Montag 12 Uhr: Kredit. mittel für die Ausgestaltung des staatlichen Bergwerksbefizes, 2. Beratung des Gefeßentwurfes über die Trennung und Auseinandersetzung Ober- und Niederschlesiens, zweite und dritte Beratung des Notetats. Mujifaufträge übergibt man mur bem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin 027, Andreasstr. 21( Rönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 11br. 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Aber es ist wirklich nicht nötig, in die russische Ferne zu schweifen: in Berlin selbst befindet sich, um mit einem Worte eines hohen Sowjetbeamten zu reden, auf vorgeschobenem Vorposten, ausgesetzt den Blicken feindlich Gefinnter", ein großer Sowjetbetrieb, die russische Han delsvertretung. biesmal ein besonders lebhaftes Intereffe entgegen. Die Wahlzeit der alten Betriebsvertretungen, das verflossene Jahr, war für das Bersonal der Reichsbahn ein Jahr der Plage und der fortgefetzten Herausforderung durch die Reichsbahnge fellschaft. Die durch das Reichsbahngesetz bewirkte Neuordnung der Dinge alten Rechte der Beamten wurden völlig in ihr Gegenteil, gelangte in diesem Jahre in vollem Umfange zur Auswirkung. Die in schreiendes Unrecht verwandelt, Beamte wurden in großer Zahl in das Arbeiterverhältnis überge führt, wodurch sie wieder ohne ihre Schuld Arbeiter von ihren 2rbeitsstellen verdrängten, die Gesamtzahl des Ber fonals wurde dauernd vermindert und die Anforderungen an die Leistungen der Arbeiter wie der Beamten wurden in allen Dienst. zweigen bis zur Hergabe der legten Kraftäußerung angespannt. Als Ein Betriebsrat im deutschen Sinne eritiert nicht. Gegenleistung für die gesteigerten Anforderungen hatte die ReichsSchon der Name ist irreführend und zweideutig( wie so vieles). Die bahngesellschaft dem Bersenal jedoch nichts anderes zu bieten als die Abkürzung Ispelkom für Betriebsrat bedeutet vollziehendes nach Willkür and Laune verteilte Leistungszu Organ", aber nicht der Belegschaft, sondern der Geschäftslei- lage, die von der Mehrzahl des Personals als Rorruptionstung. Der deutsche sogenannte Betriebsrat wird als„ Berbindungs- gelb gewertet und als System abgelehnt wird. Und zur mann" zwischen KBD.- Zentrale und der Handelsvertretung von der Strönung ihres unsozialen Gebarens unternahm die Reichsbahnge. Zenrale der KPD. gestellt. Andere werden in den Betriebsrat tom- sellschaft schließlich mit ihrer Weigerung, einen verbindlich erklärten mandiert. Die Wahl ist eine Komödie. Listen werden weder Schiedsspruch durchzuführen, einen aufgestellt noch ausgehängt. In einer Versammlung wird der Betriebsrat den Angestellten einfach vorgestellt. Wie wäre es sonst möglich, daß z. B. der 2. Vorstand einer ber größten Abteilung Betriebsrat, also nach deutscher Auffassung Bertreter der Angestellten ist? Bei gewissen Anlässen wird natürlich der Betriebsrat pro forma gehört( um die Berantwortung abzuwälzen), die Geschäftsleitung tut jedoch, was sie will. Selbstver ständlich schweigt dann der kommunistische Betriebsrat. So femmt es, daß sich der Betriebsrat in feinem ganzen Gehaben und im Ton als Borgelegter der Angestellten fühlt und im übrigen als Händler von Lebensmitteln, Kleidern, Uhren und mit anderen notwendigen Geschäften sich die Zeit vertreibt, höchstens mal eine Rüge erteilt. Die Existenz der Angestellten ist unsicherer als in einem tapitalistischen Betriebe. Wert auf Arbeitsleiftung wird nicht ge== legt. Es tommen Leute aus Moskau( die Augen aus Mosfau), die von Arbeit soviel Ahnung haben wie ein Nilpferd von Kant, dafür aber fürstlich entlohnt werden. Sie lassen die Kulis arbeiten. Hauptsache ist es, guter, lammfrommer Untertan zu sein einige gute Freunde zu besitzen oder Freundinnen. und Als die KPD. gegen Betriebseinschränkung und Abbau proteftierte, als brave fommunistische Jünglinge der Handelsvertretung ein großes Schild mit der Aufschrift: Gegen Betriebseinschränkung! im Zuge trugen, wurde zirka 200 Angestellten gekündigt, und zwar wegen Abbaus. Neue Kündigungen sollen am 15. Mai ausgesprochen werden. Zu gleicher Zeit wurden Ueberstunden gemacht bis und 10 Uhr nachts, felbit Sonntags von 9 bis 5 Uhr. Alles mit Wissen des Betriebsrats. Als man ein hohes Mitglied der Geschäftsleitung auf die im Roten Gewerkschafter" erhebenen Forderungen aufmertjam machte, sprach es die bedeutsamen Worte: Was geht uns die Rote Fahne" an? Für uns find russische Verhältnisse maßgebend." Die Entlassungen wurden brutal, ohne jede Spur sozialen Empfindens durchgeführt. Frauen, Schwestern, Töchter, Söhne, Berwandte höchfter politischer und wirtschaftlicher Sowjetbeamten und führender Mitglieder der RBD. blieben( ein einträglicher Doppelberuf). 3war wurden einige Gefündigte wieder eingestellt, aber zu einer Bezahlung, die zum Teil fast die Hälfte des vorigen Verdienstes betrug. Welcher fapitalistische Betrieb fönnte sich einen derartigen Lohnabbau leiften, ohne von der Roten Fahne" gefressen zu werden? Der„ Staat der Arbeiter und Bauern" ist eben mit anderen Maßen zu messen, hier ist alles ge= stattet: Ueberstunden sowohl wie Prämiensystem, Ausbeutung sowie Protektionswirtschaft übelster Art. Es heißt plöglich" sparen", darum hat jede Abteilung fast 3 bis 4 Leiter mit Sefretären und Sekretä rinnen, darum Teppiche und Klubsessel, Autos und schöne Reisen. Darum zu gleicher Zeit eine enorme Summe Pachtung eines ganzen Gebäudes im Zentrum Berlins zur Errichtung eines Klubs mit Restaurations, Spiel, Theaterfälen usw. Bielleicht schaut sich einmal ein Proletarier Berlins die Proletarier der Handelsvertretung" an. " Ein Tarif besteht in Wirklichkeit nicht. Der sogenannte Tarif fieht Bezahlung in einer Rategorie in Grenzen vor, z. B. von 1,5 bis 2,25 des Grundgehalts, ohne zu sagen, wann diese Ab. stufungen gelten sollen. So besteht in der Entlohnung die größte Willkür. Borffoß gegen das Tarifvertragsrecht, | Generalstreifs zur Unterstützung der englischen Bergarbeiter anzu hören. Der Nationalrat lehnte die Mitwirkung an einer fommuniftischen Aktion, unter dem Vorwand der Unterstützung der englischen Bergarbeiter, ab. Er beschloß, eine Delegation zum Minister für öffentliche Arbeiten zu entfenden, die die Forderung nach Lohnerhöhung unterbreiten soll. Betriebsratswahl bei der Städtischen Sparkasse. Wie in den Vorjahren, hat die Betriebsratswahl bei der Berliner Stadtbank und Sparkasse auch in diesem Jahre keinerlei Veränderung erfahren. Gewählt find sechs ordentliche Mitglieder und sechs Erfagmitglieder, welche fämtlich im Allgemeinen Berband der Deutschen Bantangestellten organisiert sind und politisch der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands angehören. Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wie uns der Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Caféangestellten mitteilt, sind folgende Gastwirtsbetriebe für organisierte Arbeitnehmer gesperrt: Deutscher Hof, Inh. Krumrey, Luckauer Str. Zum Eisbären, Inh. Paul Jacksch, Röpenider Str. 38. Die Betriebe Fr. Paarmann, Oberbaumstraße 1 und Wrangel- Ede Cuvryſtr. Prälaten des Ostens, Inh. Brud, Gr. Frankfurter Str. 16. Restaurant Rüdert, Frankfurter Allee 1. Restaurant Schultheiß- Bierhallen, Inh. Preuß, Rofenthaler Str. 52. Paradies- Café, Inh. Mar Teschte, Rosenthaler Str. 26. Spring und König, Löwen- Bömisch, Elbinger Str. 1( Ede Landsberger Allee). Schultheiß- Pazenhofer, Inh. Ärtur Franz, Kaiſerſtr. 47/48. Die Sperre über das Konzert- Café Kleinidl wird auf. gehoben, da die Differenzen beigelegt sind. Die Generalversammlung der chrifflichen Bergarbeiter, bie in Saarbrüden tagte fand Sonnabends nach Wiederwahl des 1. Vorsigenden Imbusch mit der Annahme zahlreicher Entschließungen sozial- und wirtschaftspolitischer Art ihren Abschluß. wie ihn selbst die übelsten Scharfmacher im Unternehmerlager bisher nicht gewagt haben. Das alles ist über die Köpfe des Personals hingegangen und alles dessen erinnern fich die Ar. beiter der Reichsbahn in diesen Tagen, da die Gelegenheit, ihren Willen zum Widerstand gegen dieses System zu befunden, bevorsteht. Die Arbeiter wissen, daß sich das Bestreben der Herren der Reichsbahngesellschaft nach unumschränkter Ausbeuterherrschaft noch weit heftiger ausgetobt hätte, wenn nicht der freigewerkschaftliche Einheitsverband der Eisenbahner diesem Toben einen zähen Widerstand engegengesetzt hätte. Sie wissen daher auch, daß ein bei den Wahlen mit einer entsprechenden Stimmenabgabe abgelegtes Bekenntnis zum Einheitsverbande eine Steigerung dieses Widerstandes und damit einen Protest gegen das System des neuen Regiments in der Reichsbahn bedeutet. Und mit ihrer einmütigen Stimmenabgabe für den Einheitsverband erheben die Eisenbahner zugleich Einspruch gegen die Ber [ plitterung der Kräfte und die Quertreiberei, die das ganze schwere Jahr hindurch von den vielen kleinen Organisationen, von den Christen bis zu jenem fläglichen Industrieverbande", der als fümmerlicher Rest der ehemaligen tommunistischen„ Opposition" und Sonderbündelei trotz der inzwischen eingefehrten besseren Einsicht Funktionärausweis und Einladungskarte. der Kommunisten noch immer eigenes Leben vorzutäuschen sucht, getrieben wurde. Der Einheitsverband tritt als solcher in diesem Jahre zum ersten Male bei den Wahlen aufflärend und werbend vor die Arbeiter der Reichsbahn, nachdem er im vorigen Jahre burch die Verschmelzung des Deutschen Eisenbahnerverbandes mit der Reichsgewerkschaft der Reichsbahnbeamten entstanden ist. Auch da durch empfangen die bevorstehenden Wahlen eine besondere Note und erhöhte Bedeutung und auch darum gilt am 18. Mai für alle Arbeiter der Reichsbahn der Ruf: Alle Stimmen den Listen des Einheitsverbandes! Achtung, AEG.- Konzern! Dienstag, den 18. Mai, abends 6 Uhr, bei Scharla. Elisabethstr. 30, Funktionärsigung des AEG.- Konzerns. Tagesordnung: Aufstellung der Liste zum Gesamtbetriebsrat und Reus. wahl des Vorstandes. Der Fraktionsvorstand. 11 Ein Gewerkschaftsministerium. Ausgerechnet in Mussolinien. Aus Italien wird uns berichtet: Der Ministerrat hat die Schaffung eines Ministeriums der faschistischen Gewertschaften beschlossen. Die Ber fügung bestimmt, daß die Präfetten unter der Aufsicht dieses neuen Ministeriums alle Fragen der Organisationen und Kontrolle in engster Berbindung mit den Abfichten der Regierung gemäß dem Gesetz vom 3. April über die allgemeinrechtliche Regelung des Arbeitsverhältnisses bearbeiten. Im Ministerium wirft auch der Nationalrat der faschistischen Gewerkschaften mit. Die Gründung des neuen Ministeriums hat in den faschistischen Gewerkschaftstreifen erheblichellnruhe hervorgerufen. Als Leiter dieses Ministeriums fommt niemand anders als Musso. ini selbst in Frage. Jedoch dürfte die Besetzung des durch die Gründung notwendig werdenden Postens eines meiteren UnterAufregung verursachen. Man nennt bereits eine ganze Anzahl von staatsjefretärs unter den faschistischen Deputierten einige faschistischen Abgeordneten, die für den Posten in Frage fommen fönnten, unter ihnen auch Farinacci, den früheren Generalsekretär der Partei. Es ist bemerkenswert, das sich Rossoni, der Präsident des Aber die Geschäftsleitung ist Herr im Hause. Nirgends in Europa Bundes der faschistischen Gewerkschaften, mit Mussolini in Konflikt ist dieser Standpunkt rigoroser durchgeführt. Wer sich dagegen auf- befindet. Die Informatere della Stampa" meldete, daß der Präsident lehnt, wer nicht pariert, der fliegt mit Hilfe deutscher Kem des Bundes der faschistischen Gewerkschaften sich sehr energisch munisten. Jedes aufrechte Wort wird durch Kreaturen hinter- gegen die Arbeitergefeßgebung" des Justizministers bracht. Ein Spigeltum sondergleichen herrscht. Jedes Rocco gewandt habe. Er glaubt, daß dieses Gesetz nicht mit der Busamenkommen ist als Fra ftionsbildung verboten.( Gegen gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage des Landes in Uebereinstimmung über den Gewerkschaften ist sie Pflicht.) Wer sich auf die von der zu bringen sei. Man versichert, daß Rossoni seinen Rücktritt anRBD. tagtäglich erhobenen Forderungen beruft und sie in der Han- geboten habe. Damit stehen Regierung und faschistische Gewertdelsvertretung durchgeführt wissen will, gilt als„ radital". Man schaftsführer zu einander in vollem Gegensaß. Die Haupt. reinigt den Betrieb, weniger von politisch Rechtsstehenden als interessenten bei diefer ganzen Angelegenheit, die italienischen Don wirklichen Kommunisten, die ihren Charakter behal- Arbeiter, aber haben nicht den geringsten Einfluß auf den ten wollen. Und die KPD. beruft gegen solche räudige Schafe ein Gang der Dinge. Jedenfalls werden wir den paradoren Zustand Gericht, in dem sogar Briefe, die an die höchsten politischen Vertreter haben, daß in einem Land, wo man die freien Gewerkschaften unterRußlands in Deutschland gerichtet sind, von cbskuren Parteibönzchen drückt und tnebelt, ein Gewerkschaftsministerium" bestehen wird. verlesen werden und das wegen Beleidigung und Berleumdung Menn Muffolini aber glauben sollte, mit diesem nachträglich fonder HB." mit der harten, aber gerechten Strafe des Ausschlusstruierten Alibi jemanden zu täuschen, dann täuscht er sich nur ganz ses aus der KPD. endet. " Der Mitarbeiter gilt nichts. Er muß sich tuschen und er fuscht sich, weil er sich sonst auf der Straße liegen sieht. Der Leiter der HB. hat es abgelehnt, eine Deputation der Gefündigten zu empfangen. Bei dem einzigen fläglich verlaufenen Streitversuch am 16. Februar 1924 wurde von dem Vorsitzenden des Streiffomitees behauptet, die Proletarier Betlins sprächen von einer Schweine wirtschaft in der Handelsvertretung". Wir wollen uns diesen Ausbruck nicht zu eigen machen. Aber wenn der Kommunismus so aus fieht, wie er in der Handelsvertretung fultiviert wird, dann muß sich jeder deutsche denkende Arbeiter für diese Art Fortschritt" aufs heftigste bedanken. Betriebsrätewahlen bei der Reichsbahn. Am 18. Mai finden bei der Reichsbahn die Neuwahlen der örlichen Betriebsvertretungen, der Bezirksbetriebsräte bei den Reichs. bahndirektionen und des Hauptbetriebsrats bei der Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft statt. Seit Wochen wogt bereits der Wahl kampf. Die Arbeiter der Reichsbahn bringen den Betriebsrätewahlen allein. Aber das Streiken ist verboten. Rom, 15. Mai.( WTB.) Der Präfeft von Rom macht in einem Rundschreiben darauf aufmerksam, daß jetzt das Gefeß bezüglich der Sperre und des Streifs in Kraft getreten fei, wonach Streit und Aussperrung in Privatbetrieben mit Geldstrafen bzw. mit Haft bestraft werden, daß aber Streit oder Ausiperrung in öffentlichen Betrieben, feien es Staatsbetriebe oder städtische Betriebe, mit Gefängnis bestraft werden. Lohnbewegung im franzöfifchen Bergbau. Paris, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Nationalrat der französischen Bergarbeiter trat am Freitag vormittag in Paris zu einer Aussprache über die allgemeine gewerkschaftliche Lage und die Löhne im Bergbau zusammen. Die fommunistische Gewerkschaft der Bergarbeiter hat an den Nationalrat das Ersuchen gerichtet, einen ihrer Vertreter über ein gemeinsames Borgehen zugunsten einer Lohnerhöhung sowie über eine gemeinsame Erklärung des BAD- NAUHEIM Hessisches Staatsbad 45 Minuten von Frankfurt a. M. Ganzjährige Kurzeit Ahlbeck st Seebad RbA.- Funktionäre Metall". Donnerstag, den 20. Mai, abends 7 Uhr, im Börsensaal der Musikerfäle, Kaiser- Wilhelm- Str. 31, Funktionärversammlung aller Sektionen. Die Lehren des englischen Generalstreiks für bie deutschen Arbeitnehmer." Referent Rollege Dr. Kroner. Legitimation: Mitgliedsbuch, Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Wezirk 17, Lichtenberg. Diens tag, den 18. Mai, abends 6 Uhr, bei Wegener, Berlin, Frankfurter Alles 231, Gigung der Bezirfsleitung. Um 7 Uhr im selben Lokal Funktionärversammlung. Rentralverband der Schuhmacher. Ballschuhmacher, Louisbinder: Branchenverfammlung am Montag, den 17. Mai, nachmittags 4 Uhr, Gaal 3 des Gewerkschaftshauses. Die Sparkaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallffr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. ( Gewerkschaftliches fiehe auch 4. Geite Hauptblatt.) Gewinnauszug 2. Klaffe 27. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lotterie. Nachdrud verboten Ohne Gewähr Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 1. Ziehungstag 15. Mai 1926 In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 90 M. gezogen 2 Gewinne zu 50000 m. 84728 2 Gewinne au 5000 m. 128508 2 Gewinne zu 2000 W. 236426 2 Gewinne zu 1000 m. 66579 6 Gewinne zu 500. 27083 181517 280290 96 Gewinne zu 300 m. 5050 7702 25722 40830 52015 59185 59397 64124 64166 64868 72323 72326 82241 86993 90194 91270 103345 106793 113033 117485 117583 121774 126538 136746 141967 147544 152524 166840 172097 174309 184759 186017 193285 203778 204698 216808 216888 222062 224593 225136 243823 249363 249580 263890 267949 286040 292146 296381 230 Gewinne au 180 m. 478 2366 5854 7570 7984 13668 24197 24613 26490 27291 38722 43733 45448 47306 48272 54336 56939 59311 59327 59607 64628 65807 67800 69870 71002 72374 75354 76393 77489 77651 78077 78599 81453 81693 83031 84217 88069 90552 92788 94854 98155 98362 99362 104957 107784 111142 112139 115088 116635 116963 119049 119518 122456 125294 126873 127719 132607 134993 136334 142652 144436 144881 147437 152183 154911 157278 162405 165575 166358 174554 182033 184559 189133 193728 195725 201763 206778 212450 213032 216825 218897 221416 221470 231476 232267 237687 240690 241868 243893 245002 245885 250847 253502 254459 256273 257132 257780 258855 262199 270720 270925 272141 276202 276938 277550 278582 279847 281768 283084 283163 284337 285069 287602 298084 298732 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 90 M. gezogen 4 Gewinne zu 3000 M. 154399 158036 2 Gewinne zu 2000 m. 169702 8 Gewinne zu 800 m. 42885 73982 103044 128729 16 Gewinne zu 500 m. 30576 78408 143433 188902 207638 216166 223739 248658 52 Gewinne zu 300 m, 1363 23796 41360 53431 55489 64569 69494 105558 109904 119599 125663 151386 161433 161620 162381 197560 206719 220130 224597 232501 248783 249190 256662 271476 271550 298829 198 Gewinne zu 180 m. 68 4568 6025 7004 12514 16525 17941 19353 22289 31217 43940 44268 52069 54819 56413 59171 62014 63223 67783 76792 82028 83908 84567 85054 85720 100121 100827 101220 103795 105858 106114 108734 111495 111949 112073 113111 113926 114038 114145 116614 116890 118340 124097 126912 129188 132904 132997 134318 135067 141910 144466 145401 152209 153895 157292 157821 163218 167077 176348 183318 183726 185986 186326 187368 188366 197998 199913 201261 201738 211965 219474 220950 225557 228010 228718 228905 229443 229985 230097 231188 232355 234752 238825 239053 245679 252904 253091 255891 262910 265373 269087 270466 273024 273285 281215 282304 282793 286731 293545 Unerreicht bel Herzkrankheiten, beginnender Arterienverkalkung, Muskelund Gelenkrheumatismus, Gicht, Rückenmarks-, Frauen- und Nervenleiden Sämtliche neuzeltliche Kurmittel Schöner Erholungsaufenthalt Auserlesene Unterhaltungen Sport aller Art Vorzügliche Unterkunft bal angemessenen Preisen Badesalz-, Wasser- und Pastillenvertrieb Auskunftsschrift B. 80 durch Bad- und Kurverwaltung und in Reisebureaus Das ideale Familien- und Frei- Bad inmitten herrlicher Laub- und Nadelwälder zwischen Swinemünde und Heringsdorf wegen seiner billigen Preise und der vielseitigen anerkannten Darbietungen das Bad des guten Mittelstandes Prospekte kostenlos durch die Bade- Direktion Jüdische Arbeitnehmer und Erwerbslose!!! Am 16. Mai sind Wahlen für die Berliner Jüdische Gemeinde. Wer trotz der jüdischen Not in Deutschland Palästina aufbauen will, der wähle Poale Zion Wer will, daß alle verfügbaren Mittel zur Linderung der jüdischen Not in Deutschland verwandt werden, der wähle die liberale Liste 2 Ihr sichert dann die Wahl des Genossen Stadtrat Herzberg PEEK& CLOPPENBURG G ME BH BERLIN C 19* GERTRAUDTEN- STR. 25-27* ROSS- STR. 1-4 Sakko- Anzüge für junge Herren Brustweite 82 cm Hellgrau mellerter Cheviot, modernes Muster, einreihige 42.Form. .. M. Grau melierter Cheviot mit feinen bunten Streifen, einreihige Form M. Modefarbiger Cheviot, FischFertig am Lager Hellgrau mellerter Cheviot mit buntem Muster, Sportform mit langer Hose. M56.Mittelgrauer Cheviot mit felnen 50.- Streifen, gratgewebe mit Streifen, ein- 53.reihige Form Bekannt sorgfältige Verarbeitung im eigenen Betriebe .M. Form flotte, clareihige 59.M. Braun melierter Cheviot, moderne Musterung, flotte Sport- 71.form, mit langer Hose... M. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes [ 1848b Louis Schlät fage ich allen Verwandten, Freunden und Betannten sowie den Parteigenoffen der 4 Abteilung und den Mitgliedern der 21. Bohlfahrts. fommission meinen herzlichsten Dank Johanna Schlät geb. Pegel. Ca.150 Hochwald- u. Landparzellen DR. 8 M. an, direkt an Staatsforst, ca. 15 Minuten von Birkenwerder. Verkäufer täglich im Restaurant " Altes Bergschloß".[ 1846 b Rieger, Berlin C., Gontardstr. 5. Auf Teilzahlung! Herren- Garderobe Kleine Anzahlung Bequeme Abzahlung CAMNITZER Schönhauser Allee 82 I am Hochbahnhof Nordring Libby's Fork Beans Libby's Lebbra Yelly DILL ORNEO DEFE Libbyis Liffey's Libby's MILK Libby's Ein schönes Spielzeug für Ihre Kinder Libby's Kaufmannsladen Dieses oben abgebildete reizende Spielzeug ist 44 cm breit und 84 cm hoch, hat einen Ladentisch und Regale sowie 12 kleine Libby- Dosen in den schönsten Farben. 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Seilage öes Vorwärts Nr. 227 � 43. �ahrgattg m1* Sonntag, 74. Ma! 1424 Der»Staat, öer angreift*. Tas faschistische Ideal. Lugano, Mitte Mai 1926. Im ersten Jahre seiner Regierung hatte Mussolini einmal eine Definition des faschistischen Staates gegeben:„Während der l i b e r a l e Staat sich verteidig t," sagte er,„greift der faschistische S t a at ort." lieber diese Definition hat man viel gelacht. Der S t a a t, der doch die Rechte seiner Bürger verkörpert, als Angreifer dieser Bürger, der Träger und Verwalter des Rechts als Ausüber einer rechts- widrigen Gewalt— denn die im Bereich des Rechts liegende Staatsaktion ist Verteidigung—, diese Auffassung erschien ollen als ein handgreiflicher Widersinn. Heute erlebt ober Italien diesen Widersinn. Und diese Verwirklichung eines Widersinns ist möglich geworden, indem man den Staat als Begriff und als Tatsache seiner eigentlichen Wesenheit entkleidet, der Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz. In dieser Gleichheit, und wenn sie auch zehnmal nur als juristische Formel besteht, liegt der Kitt, der den Staat zur lebendigen Einheit macht. Ohne sie giebt es keinen Staat, wenigstens keinen nationalen Staat. Was der Faschismus Staat nennt, das ist das Machtgebilde, das sich seine Partei mit den Machtmitteln des Staates, im Widerspruch zu der Idee des Staates, gebildet hat: Die Herrschaft über die bewaffneten Körperschaften, über die K a s s e d e s S t a a- t e s, der Gemeinden, der Wohltätigkeitsanstalten, über die Verfassung, über die Gesetze, über die Verwaltung. Und im Besitz dieser Herrschaft, die er Staat nennt, die aber nimmer- mehr Staat ist, greift der Faschismus an. E r g r e i f t d i e Rechte aller Bürger an, die nicht Faschisten sind. Jeder Tag bringt einen neuen Vorstotz. Am 10. Mai ist ein Dekret in Kraft getreten, das den R e ch t s a n w ä l t e n, die„eine östentliche Tätigkeit im Widerspruch mit den Jnter- essen der Nation entfaltet haben", die Ausübung ihres Berufs verbietet. Die Prozedur, die die Schafe von den Böcken sondert, ist die denkbar einfachste. Die von den Kammern der Rechtsanwälte gewählten Ausschüsse, die Räte, werden sämtlich aufgelöst. Die Regierung ernennt für jede Kammer eine königliche Kommission, die die Listen der Berufs- angehörigen revidiert. Bei der Revision bleiben die Anti- faschisten draußen, da, wie wir alle genau wissen, die„Jnter- essen der Ration" identisch sind mit denen des Faschismus! Die berufliche Ehrengerichtsbarkeit und Disziplinargewalt, ebenso wie jede Form der beruflichen Hilfstätigkeit— Krankenversicherung. Auersversicherung, Waisenfürsorge usw. — bleibt ausschließlich den gesetzlich anerkannten Vereini- gungen der Advokaten, also den faschistischen Korporationen vorbehalten. Diese erheben von allen Rechtsanwälten, die in der Berusloste eingetragen sind, einen jährlichen Beitrag von nicht mehr als 100 Lire, der auf dem Wege der Steuer- cintreibung erhoben wird. Im italienischen Advokatenstand wird so gewissermaßen ein Stück Altgriechenlands wieder ausleben: wir werden Vollbürger haben, näinlich die Mitglieder der faschistischen Syndikate, dann M e t ö k e n, denen man die Berufstätigkeit erlaubt und die man zugunsten der Syn- dikate besteuert, die sich aber nicht zusammentun dürfen, um ihre Berufsehre zu wahren, um Tarife aufzustellen, für ihr eigenes Alter, für ihre Waisen zu sorgen: schließlich haben wir die Heloten, die völlig Rechtlosen, die jhre durch Studien an italienischen Universitäten erworbenen Rechte in Italien nicht ausüben dürfen, weil sie Sozialisten, Republi- kaner oder Kommunisten sind, denen man periodisch die Bureaus verbrennt und die Köpfe einschlägt. Ein solcher Helot, unser Genosse Modigliani, kehrt gerade am Tage der Veröffentlichung des neuen Dekrets seinem Vater- landedenRücken und sucht in der Fremde die Sicherheit seiner körperlichen Existenz und die Möglichkeit, sich sein Brot zu verdienen, die ihm die Heimat verweigert. Das Dekret bedeutet Brotlosigkeit und Exil für Tausende, und doch ist das nicht das Schlimmste an ihm. Es macht die Rechtsanwälte brotlos, die sich nicht dem Regime beugen, wie bereits jeder Arbeiter, jeder Privatangestellte brotlos gemacht ist. Aber es nimmt jedem, der heute gegen die herrschende Clique Recht fordert, den ihm gesetzlich zu- stehenden Verteidiger: das ist das Schlimmste. Es löscht aus der italienischen Rechtspflege mit einem Schlage alle Er» rungenschaften de? Neuzeit aus und knüpft das faschistische Italien direkt an das Mittelalter an. Es stellt einen Teil der Bürger außerhalb aller Rechtsgarantien, es schafft dem Italiener ein Exil auf dem Boden des eigenen Vaterlandes. Aber das sind nur kleine Anzahlungen gegemiber dem. was kommen wird. Was heute die Rechtsanwälte trifft, wird morgen die Ingenieure, die Aerzte. die Apotheker treffen. Weiter steht die Auflösung der Verwaltungsräte aller Kooperativen bevor, die vom Staate Zuschuß erhalten, und das sind vorwiegend die Gesellschaften für den Bau von Arbeiterwohnungen. Diese Vereinigungen sollen unter königliche Kommissare gestellt werden, die die Aufgabe haben, alle Mietsverträge aufzuheben. die mit Gegnern des heutigen Regimes geschlossen worden sind. Das bedeutet: Obdachlosigkeit für Tau- sende und aber lausende von Arbeiterfamilien und billige Wohnungen für Faschisten. Zu der Auffassung des Staates als einer„angreifenden Macht" gehört als natürliche Ergänzung der Begriff der Beute. Man könnte sogar auf den Gedanken verfallen, daß dies der eigentliche zentrale Begriff des Faschismus ist. Im Lichte dieses Gedankens ist das nachstehende Kommu- niquö eines faschistischen Pressebureaus zu bewerten: Wie uns gemeldet wird, wird bei den höchsten Parteiinstanzen des Faschismus eine Maßnahme internen Charakters ausgearbeitet. die im Einvernehmen mit der Regierung Normen für die u m- schichtige Besetzung der bezahlten öffentlichen A e m t e r durch Persönlichkeiten der Partei festsetzt. Es handelt sich im wesentlichen darum, einen„Schichtwechsel" einzuführen, da- mit die in Frage kommenden Aemter nicht immer in Händen derselben Personen bleiben. Hier ist das faschistische Prinzip, die Aemter den Fähig- st e n zu verleihen, schließlich gelandet: Ein jeder will d r a n k o m m e n, um sich von öffentlichen Geldern zu mästen, sähig oder nicht, mit reinen Händen oder nicht, jeder muß seinen Augenblick haben, sich auf einen grünen Zweig zu dringen. Und der Staat— der faschistische Staat als Selbstzweck!— der ist die Krippe für alle, der Trog, der alle fett macht, die das Parteiabzeichen trogen. Es ist Zeit, Federzoni abzulösen, der das schöne Ministergehalt und die schönen Nebeneinnahmcn so lange bezieht, Zeit, den Generaldirektor der Banca d'Jtolia durch einen Faschisten zu ersetzen. Tausend Hände strecken sich aus, die Kompetenten zerbrechen sich den Kopf, um immer neue Aemter zu schaffen. Also, abwechseln, meine Herren, jetzt ist die Reihe an den andern. Jeder nütze den Augenblick, der nicht verweilet! Als Episode des„angreifenden Staates" kann auch die Szene in der Kammer am 8. Mai dienen. Der Kommunist R i b o l d i kritisierte die Zustände in den Gefängnissen und die Verletzung aller Normen des Strafverfahrens gegenüber den Antifaschisten.„Den in Rom verhafteten und dann nach Mailand transportierten kommunistischen Journalisten ist erst nach sieben Monaten der Grund der Verhaftung mitgeteilt worden."(Zwischenruf:„Was ist dabei nicht in Ord- nung?" R i b o l d i(fortfahrend):„In einem oredern Fall ist es geschehen, daß man drei Kommunisten, für die das Gericht die EntHaftung angeordnet hatte, im Gefängnis behalten hat, auf Befehl der Polizei." Der Minister des Innern unterbricht:„Als euren Anteil an Märtyrertum könntet ihr gar nicht weniger bekommen." (Gelächter.) Riboldi(zu Federzoni):„Sie haben neulich gesagt, daß man ernste Fragen nicht mit Witzen löst." Federzoni:„Das ist kein Witz. Ihr wollt die soziale und die nationale Ordnung umstürzen und der Staat, de- sonders der faschistische Staat, hat die Pflicht, sich zu vcr- teldigen." Die verruchte Schlamperei in Polizei und Gefängniswesen, deren sich jeder Balkanstaat schämen müßte, gehört also offiziell zur Taktik der Regierung, die die Gesetzesverletzung durch Gesetzesverletzung ahndet. Man hat nicht einmal mehr so viel Schamgefühl, in solchen Fällen sich hinter einer Lüge zu verstecken: man sagt ganz unverfroren, wir behalten die Leute im Gefängnis gegen die ausdrücklichen gesetzlichen Bestimmungen, weil sie unsere Gegner sind. So rennt der angreifende Staat in seinem Kampfescifer die Grundpfeiler der Gesetzlichkeit über den Haufen, nicht nur die gottlosen Neuerungen der französischen Revolution, sondern sogar das schon 1679 in der Habeas,Eorpus-Akte gebuchte Recht. Unter dem Bild« des„angreifenden Staates" vollzieht sich so der A b b a u d e s R e ch t s st a a t e s in Italien. Was zurückbleibt, ist eine bewaffnete Fraktion, die die usur- pierten Machtmittel der Gesamtheit gegen ihre Gegner kehrt und sich durch„Maßnahmen internen Charakters" i n d i e B e u t e t e i l t. Und damit sich die Sache gut anhöre, nennt man die Beute— Vaterland und die Gier nach ihr— Liebe! Qas größte Schuh'Spezialhaas mit der größten �Auswahl'Berlins beer om Englische Streiknachwehen. 811 Steuerabbau und Reichseinnahmen. Hoffnung auf baldige Einigung. London, 15. Mai.( WTB.) In den meisten großen Städten ist der regelmäßige Berkehr der Straßenbahnen, Untergrundbahnen und Autobusse wieder im Gange. Die Verordnung über die Einschränkung des Verbrauchs von Industrie- und Hausbrandtohle bleibt noch in Kraft. Wie der Verband der Arbeitgeber in der britischen Industrie mitteilt, fann die Schwerindustrie infolge des Schwindens der Kohlenvorräte nicht alle Arbeiter wieder einstellen. Wenn nicht sehr rasch eine Besserung der Kohlenversorgung eintritt, werden viele Zweige der Maschinenindustrie zur Schließung ihrer Betriebe gezwungen sein. Zwischen dem Berband der Zeitungsverleger und den Zeitungsdruckern ist bisher eine Einigung noch nicht erzielt worden. Die Zeitungen erscheinen also auch heute in verringertem Umfang. Der Erekutivausschuß der Bergarbeiter beriet vorgestern abend über die Vorschläge Baldwins und überwies diese der Delegiertenkonferenz der Bergarbeiter, die sich bereits heute mit der Angelegenheit beschäftigte, jedoch zu feiner Entscheidung gelangen fonnte und fich auf den 20. Mai vertagte. In Regierungstreifen werden große Hoffnungen gehegt, daß die vom Premierminister als Grundlage einer Regelung des Kohlenstreites ent morfenen Vorschläge von den Grubenbesizern wie auch von den Bergarbeitern angenommen werden. Auf einer in Hull abgehaltenen Massenversammlung verpflichteten sich die Eisenbahner und Transportar. beiter, die Arbeit nicht wieder aufzunehmen, bis den Straßenbahnern bedingungslose Wiedereinstellung zugefichert ist und die Androhung eines Borgehens gegen zwei Gewerkschaftsbeamte zurückgezogen wird. Auf einer Versammlung der Eisen bahner in Pontypool Rood, einem wichtigen Mittelpunkt der Great Western Railway, wurde beschlossen, nicht zur Arbeit zurückzukehren. " Daily Expreß" hebt hervor, daß in London während des Streifs, von einigen Einbrüchen abgesehen, so gut wie tein Berbrechen vortam. Amsterdam, 15. Mai.( WTB.) In einer stark besuchten außer ordentlichen Arbeiterversammlung wurde vorgestern der Borstand des Algemeinen Niederländischen Bergarbeiterverbandes ermächtigt, einen Teil seiner Streitkasse den englischen Bergarbeitern zur Verfügung zu stellen, falls sich eine Notwendigkeit hierfür ergeben sollte. Vertagung der Entscheidung der Bergarbeiter. London, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Bergarbeiter konferenz, der die neuen Borschläge Baldwins zur Lösung der Kohlen trife am Sonnabend vorlagen, vertagte sich auf Donnerstag, um der Exekutive Gelegenheit zu geben, von der Regierung Erläuterungen über eine Reihe von Punkten einzuholen, die mehrfache Deutun gen zulassen. Die Konferenz nahm eine Entschließung an, in der sie der übrigen organisierten Arbeiterschaft den Dank für die durch den Generalftreit bewiesene selbstlose Unterstützung ausspricht. Die Sammlungen für den englischen Streik. Bom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund wird uns mit geteilt, daß die Nachrichten über die Lage des Streits in England es noch nicht rechtfertigen, die Sammlungen einzustellen. Der Bundesvorstand des ADGB. wird am Montag zu den Berhältnissen in England nochmals Stellung nehmen, so daß weitere Mitteilungen in furzer Zeit erwartet werden können. ひき Die Reichsfinanzen im April. Das Reichsfinanzministerium veröffentlicht soeben die Uebersicht über die Einnahmen des Reichs an Steuern, Zöllen und Abgaben für den Monat April 1926. Aus ihr ergibt sich, daß in diesem Monat insgesamt 584,6 millionen an Reichssteuern aufgekommen sind. Ein Bergleich dieses Ergebnisses und der Erträge der einzelnen Eteuein mit dem Aufkommen im Monat März ist nicht möglich, da in den Monat April die vierteljährlichen Vorauszahlungen auf Einfolumen, Körperschafts- und Umsatzsteuer fallen. Ebenso ist ein Vergleich mit dem Ergebnis des Monats Januar, in dem gleichfalls diese Vorauszahlungen fällig waren, nicht angängig, da hierin andererseits die Eingänge aus dem Martenverfahren bei der Lohnsteuer und aus den Abrechnungen im Zollagerverkehr enthalten find. Dagegen ist eine Vergleichung des letzten Monatsergebnisses mit dem Aufkommen aus den Monaten April 1924 und 1925 möglich. In der nachfolgenden Uebersicht sind die Ergebnisse der einzelnen Massensteuern und der Besitzbelastung in dieser Weise zusammengestellt. Lohnsteuer. Umfassteuer Beförderungssteuer • Aufkommen in Millionen Mart April 1924 April 1925 April 1926 79 126 79 156 100 137 18 26 28 148 151 346 437 858 178 216 227 524 653 9 Zölle und Verbrauchssteuern 93 Massenbelastung Befizzbelastung Gesamtaufkommen • 585 Vergleicht man hiernach das Aufkommen im April 1926 zunächst mit dem im April 1925, so fällt die starke Verminderung der Erträge der Lohnsteuer und der Umsatzsteuer auf. Diese ist aber nur zum fleineron Teil eine Folge der Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrags und der Senfung des Umsatzsteuerfaßes, sie ist vielmehr hauptsächlich auf die Einwirkung der Wirtschaftsfrise zurückzuführen. Insbesondere ist zu beachten, daß die Senkung der Umsatzsteuer durch das Steuermilderungsgesetz fich im Monat April noch nicht auswirken fonnte, weil die Steuereingänge noch auf Umfäßen aus der Zeit vor dem 1. April 1926 beruhen. Gegenüber dem April 1924 meist die Lohnsteuer feine Auffommensminderung auf, obgleich der steuerfreie Lohnbetrag damals nur 50 m. monatlich betrug, die prozentuale Belastung also erheblich höher war als heute. Die Ursache liegt hier vielmehr in dem damaligen Zustand der Löhne. Das Aufkommen der Umfaz steuer war im April 1924 1½mal so hoch als im April dieses Jahres, der Steuersatz aber war sogar 2% mal so hoch. Umgekehrt ist der Ertrag der 3ölle und Verbrauchssteuern in etwa demselben Verhältnis gestiegen, eine Folge der gehobenen Lebenshaltung und erhöhten Breise. Daher hat sich das Gefamtaufkommen aus der Massenbelastung im April 1926 gegenüber dem April 1924 noch um 12 Millionen erhöht. Auf der Seite der Besitzbelastung ist gegenüber dem April 1925 eine geringe, gegenüber dem 1. April 1924 eine erhöhte Steigerung des Aufkommens zu verzeichnen. Dies Ergebnis ist in erster Linie auf die Zunahme des Ertrags an ver anlagter Einkommensteuer zurückzuführen, die diesmal 121 Millionen gebracht hat, während das Aufkommen im April 1925 nur 96 Millionen, im April 1924 nur 71 Millionen betragen hat. Es bleibt jedoch abzuwarten, inwieweit hierin schon Anzeichen für Stefan Esders ( vorm. Weltmann) BERLIN C Kaiser- Wilhelm- Str. 55, Ecke Spandauer Str. 35 Preiswertes Damen- Mäntel aus schönfarb. berry- Stoffen. M. 95, 45, 37, 32, 25, M. 24 Damen- Kostüme ans far bigen und blauen Cheviot- und Rips- Stoffen, M. 105, 165, 35 Damen- Sport- Kostüme M. 95, 65, 55, 42, M. aus guten Phantasie- u. Loden- Stoffen, 25 Damen- Kleider aus moderStoffen, M. 55, 35, 18, 15, 12,50, 9.75, 1.550 Dam.- Sommer- Kleider in neuen, modernen Farben nen, farbig. aus Rips.... M. 21, 19.50, 17.50, M. 1650 Dam.- Sommer- Kleider in neuen, moderen Farben aus Bast. M. 35, 29, 22, 19, 17.50, 15, M. 1250 Dam.- Sommer- Kleider ia Farben 1. 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Wachsende Beachtung verdient schließlich die Entwicklung der Kapitalertragsteuer. Sie weist diesmal das bisher erreichte höchste Monatseinkommen von 16 Millionen auf, 1925 famen 14 Millionen, 1924 fogar nur 0,5 Millionen auf. Im Rechnungsjahr 1924 betrug das Ergebnis nur 19 Millionen, im Rechnungsjahr 1925 dagegen 82,4 Millionen. In dieser Entwicklung spiegelt sich die Steigerung der Kapitaleinkünfte der deutschen Wirtschaft in den letzten beiden Jahren wider. Sie stellt aber zugleich einen neuen Erfolg des Prinzips der Steuererfaffung an der Quelle dar, denn angesichts der dauernden Klagen der deutschen Wirtschaft über Kapitalmangel wäre es zweifelios nicht gelungen, diefelben Steuerbeträge mit Hilfe der veranlagten Einkommensteuer herauszuholen. Reichsregierung und Erwerbslose. Die Frage der Verlängerung der Unterstützungssäge. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstages behandelte am Sonnabend die Erwerbslosenfrage. Mit Rüdficht auf die Regierungsumbildung ging man einstweilen noch nicht an die Beratung der Regierungsvorlage zur Neuregelung des Unterstügungssystems, sondern nahm, wie wir bereits anfündigten, nur Stellung zu der Verlängerung der bestehenden Unterſtüßungsfäße, deren Geltung am 22. Mai abläuft. Ministerialrat Weigert vom Reichsarbeitsministerium erklärte, die beiden verantwortlichen Minister seien der Auffassung, daß eine kurzfristige Berlän= gerung der gegenwärtigen Unterstützungssätze nur bei einer Einschränkung auf 75 Proz. des legten Lohnes möglich sei. Die Länder hätten bei dem Reich darüber Klage geführt, daß die Unterstützungsfäße vielfach an die Löhne heranreichten. Auch der Vertreter der preußischen Regierung betonte, daß die Unterftüßungsfäße vielfach die Lohnfäße überschritten. Von der Festlegung eines Sages von 75 Broz. wollte er nichts wissen. Abg. Hoch( Soz.) wies die Behauptung von der vielfachen leberschneidung der Löhne durch die Unterstützungsfäße zurüd. Er betonte, daß in den weitaus meisten Fällen die lleberschneidungen nur bei Arbeiterkategorien vorkommen, denen er bärmlich niedrige ohne gezahlt werden. Eine Herabsetzung der Sätze gerade in diesen Fällen sei eine Brutalität. Hoch legte einen Antrag vor, der die Reichsregierung ersucht, die Gültigkeit der bestehenden Berordnungen über die Erwerbslosenfrage unverändert bis Ende Juni 1926 auszudehnen. Bei der Abstimmung über den Antrag stimmten die Bertreter der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen dagegen, Sozialdemokraten und Kommunisten dafür; die Vertreter des Zentrums, der Bayerischen Volkspartei, der Demokraten und der Bölkischen enthielten sich der Stimme. Bei der wenig entgegenkommenden Haltung des Reichsarbeitsund des Reichswirtschaftsministeriums mird der Reichstag turzen verändert bis zur Verwirklichung der Zwischenlösung in Geltung Prozeß machen müssen, wenn die bisherigen Unterstützungsfäße unbleiben sollen. Die entsprechende Handhabe dazu, d. h. ein Initia= tivantrag, ist, wie mir erfahren, von der sozialdemokratischen Fraktion bereits vorbereitet. Faule Staatsftütze. Der Direktor der rumänischen Staatsgefängnisse, Major Cernat, ist wegen Unterschlagung von über 20 Millionen Lei Staatsgeldern verhaftet worden. Er ist besonders als Militärstaatsanwalt in berüchtigten Prozessen gegen Sozialisten und Kommunisten bekannt. Wenn der Arzt das Herz untersucht dann erhält er Klarheit über manche organische Erkrankung, denn das Herz regelt den Blutkreislauf. Sobald Sie also irgendwelche Beschwerden in der Herzgegend fühlen, Druck oder Spannung, vernachlässigen Sie es nicht, sondern gehen Sie zum Arzt. Er wird Ihnen ohne Zweifel den vielfach erprobten Rat geben, rechtzeitig gegen Ihre Beschwerden vorzugehen und ein Herzheilbad, wie Altheide, aufzusuchen. 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Im billigsten Zimmer des Pensionats.Lissabon" geht der Stu- dcnt der Medizin Stepan Klotschkow auf und ab und memoriert sein Pensum. Vom unausgesetzten, angestrengten Sprechen klebt ihm die Zunge am Gaumen, der Mund ist ihm ganz trocken geworden und auf der Stirn stehen dicke Schweißtropfen. An dem mit Eisblumen überzogenen Fenster sitzt auf einer Fußbank Anjuta, eine kleine, magere, sehr blasse Blondine von 25 Jahren mit sanften, blauen Augen. Den Kopf tief herunter- beugend, bestickt sie Kragen von Männcrhemdcn mit rotem Zwirn. Die Arbeit ist eilig... Auf dem Korridor schlägt es 2 Uhr nach- mittags, ober das Zimmer ist noch nicht aufgeräumt. Eine zer- knüllte Bettdecke, umhergeworfenc Kissen, eine große schmutzige Waschschüssel mit Seifenwosser, in dem Zigarettenrest« schwimmen, Kehricht auf dem Fußboden— das alles zusammen macht einen unfreundlichen, sogar widerlichen Eindruck... .Die rechte Lunge besteht aus drei Lappen," memoriert der Student.„Der obere Lappen reicht vorn bis zur 4.-3. Rippe, seitlich bis zur 4. Rippe hinten bis zum Schulterblattkamm... Bemüht, dos eben Gelernte sich vorzustellen, erhebt.Klotschkow die Augen zur Decke, aber da er kein klares Bild erhält, beginnt er durch die Weste seine Rippen zu betasten. .Diese Rippen sind wie die Klaviertasten," sagt er..Eine von der anderen gar nicht zu unterscheiden. Da muß man ordentlich aufpassen, wenn man sich nicht irren will. Am besten ist'», am Skelett oder am lebendigen Menschen zu studieren... Weißt du, Anjuta, komm' doch mal her! Ich werde mich an dir üben!" Anjuta läßt die Arbeit sinken und zieht die Taille au». Klatsch- low setzt sich ihr gegenüber, runzelt die Stirn und fängt an, ihre Rippen zu zählen. ,chm... die erste Rippe kann man nicht fühlen... die wird vom Schlüsselbein bedeckt... das hier wird die zweite Rippe sein... Richtig... Was krümmst du dich so?" „Du Host solch kalte Finger!" „Ra, na... Wirst nicht davon sterben. Sitz' still. Also da? ?ft die dritte Rippe und das die vierte.... du siehst so mager aus, aber die Rippen sind kaum zu fühlen. Das ist die zweite... das die dritte... Rein, so irrt man sich, das' gibt kein Nares Bild... Man muh es aufzeichnen... Wo ist der Stift?" Klotschkow nimmt den Stift und zeichnet damit auf Brust und Rücken Anjutas einige parallele, den Rippen entsprechende Linien. „Ausgezeichnet! Jetzt werden wir die Sache gleich haben. So... und nun wollen wir pertutieren. Steh' mal auf!" Anujta steht auf und hebt das Kinn empor. Klotschkow be- ginnt sie zu beklopfen und vertieft sich derart in seine Beschäftigung, daß er nicht bemerkt, wie die Lippen, die Rase und die Finger des Mädchens blau werden. Anjuta zittert vor Kälte, fürchtet aber gleichzeitig, der Student könnte ihr Zittern bemerken, mit seiner Arbeit innehalten und später aus diesem Grunde vielleicht da? Examen nicht bestehen. „Jetzt ist mir olles klar," sagt Klotschkow, indem er eine Paus« macht.„Bleib' so sitzen und wisch' die Strich« nicht ab. Ich wieder- hole derweil die Sache ein paar mal." Und der Student beginnt wieder auf und ab zu gehen und zu lernen. Wie tätowiert, mit schwarzen Streifen auf Brust und Rücken, sich vor Kälte krümmend, sitzt Anjuta quf ihrer Fußbank am Fenster und denkt. Sie spricht überhaupt sehr wenig, sondern schweigt meistenteils und denkt nur immer... Während der ganzen sechs Jahre, die sie sich nun schon im Stu- dentcnviertel herumstößt, hat sie fünf solche wie Klotschkow kennen gelernt. Sie alle sind längst mit ihrem Studium fertig, hoben Karriere gemacht und. wie es sich für ordentliche Leute gehört. schon lang« vcrgesien, daß sie eimnal eine Anjuta gekannt haben. Der eine lebt in Paris, zwei sind Aerzte, der viert« ist Maler, und der fünfte, wie man erzählt, sogar schon Professor. Klotschkow ist der sechste... Bald wird auch er ausstudiert haben und Karriere machen. Ohne Zweifel— die Zukunft ist schön, und aus Klotschkow wird wahrscheinlich noch einmal etwas Bedeutendes werden, ober die Gegenwart ist traurig: Klotschkow hat keinen Tabak, keinen Tee, nur noch vier Stückchen Zucker. Sie muß so schnell wie möglich die Stickerei beendigen und abliefern, um ihm für die erhaltenen 25 Kopeken Tee und Tabak zu kaufen. „Dorf man eintreten?" ertönt plötzlich eine Stimme hinter der Tür. Anjuta wirft schnell ein wollenes Tuch um. Der Maler Fetisow tritt ein. „Ich komme mit einer Bitte zu Ihnen," fängt er an. Klatsch- low berüßend und sich im Zimmerchen umschauend.„Tun Sie mir den Gefallen und borgen Sie mir für zwei Stunden Ihre Anjuta! Ich male nämlich an einem Bild und ohne Modell geht's absolut nicht!" „Aber mit Vergnügen!" willigt Klotschkow ein.„Geh, Anjuta!" „Das fehlt noch gerade!" sagt Anjuta leise. „Still! Er bittet der Kunst wegen und nicht so zum Spaß. Warum nicht helfen, wenn man helfen kann?" Anjuta beginnt sich anzuziehen. „lind was malen Sie?" fragt Klotschkow. „Eine Psyche. Eine schönes Sujet, aber es will mir nicht recht gelingen. Ich muß nach verschiedenen Modellen aicheitcn. Gestern malte ich ein« mit blauen Füßen. Warum'hast du so blaue Füße, frage ich. Die Strümpfe färben ob. sagt sie... lind Sie ochsen noch immer? Glücklicher Mensch! Sic haben wirklich Geduld!" „Mit der Medizin ist das so'ne Sache, wissen Sie... Ohne Auswendiglernen kommt man da nicht weiter." „chm... Entschuldigen Sie, Klotschkow, aber Sie wohnen schrecklich unsauber! Der Teufel weiß, wie sie wohnen!" „Weshalb? W-e soll ich denn anders wohnen? Von chause bekomme ich nur zwölf Rubel monatlich, und für das Geld sollen Sie's mir mal vormachen, anständig zu leben!" „Das ist ja wahr..." sagt der Maler und runzelt voll Ekel die Stirn.„Aber immerhin kann man doch besser wohnen... Ein intelligenter Mensch muß unbedingt Aesthetiker sein, nicht nrehr? Bei Ihnen ober sieht's der Teufel weiß, wie aus. Das Bett nicht gemacht, Spülwasser, Schmutz... da auf dem Teller »roch die Grütze von gestern... pfui!" „Da» ist ja richtig." sogt der Student verwirrt.„Aber An» Umzug in der Wilhelmstraße. Schoo wieder zieht ein Mieter aus! Mch diesen mußt' ich exmittieren. Oer nahm sich vor, das ganze Hans Mit Schwarzweißrot zu tapezieren. �luch der hielt nicht, was er versprach. Ich mache ihm drei kreuze nach. Nun zahl ich noch die Spedition 5ür alle seine heil'gen Güter. voch quält mich jetzt die Irage schon: Wer ist der nächste Untermieter! juta Hot heute noch keine Zeit gehabt, aufzuräumen. Den ganzen Tag beschäftigt..." Als der Maler und Anjuta fort sind, legt Klotschkom sich aufs Sofa und fahrt in feiner Arbeit fort. Dann schläft er unversehens ein, und als er noch einer Stund« erwacht, stützt er den Kopf auf die Faust und beginnt düster nachzudenken. Er erinnert sich der Worte des Malers, daß ein intelligenter Mensch unbedingt Ars- thetiker sein müsse, und seine Umgebung kommt ihm mit einemmal widerlich, abstoßend vor. Er sieht, gleichsam mit dem geistigen Auge, in die Zukunft, wie er im Sprechzimmer seine Patienten empfangen, im geräumigen Speisesaal mit seiner Frau Tee trinken wird,— und jene Schüssel mit Seifenwasser, aus dem Zigaretten- reste schwimmen, erscheint ihm unglaublich häßlich. Auch Anjuta kommt ihm häßlich, unsauber, elend vor,— und er beschließt, sich von ihr zu trennen, sofort, auf jeden Fall. Als sie, vom Maler zurückgekehrt, das Jackett auszieht, erhebt er sich untz sagt ernst: „Hör' mal, mein Kind... Setz' dich und hör' zu. Wir müssen uns trennen! Kurz gesagt: ich wünsche nicht länger mit dir zu leben." Anjuta ist müde und abgespannt vom Maler zurückgekommen. Ihr Gesicht ist vom langen Modellstehcn eingefallen, abgezehrt, das Kinn spitz. Sie findet keine Entgegnung aus die Worte des Stu- dentcn, nur ihre Lippen beginnen zu zittern. „Du mußt doch selbst einsehen, daß wir uns so wie so, früher oder später, hätten trennen müssen," sagt der Mediziner.„Du bist brao und gut, du bist nicht dumm, du verstehst..." Anjuta zieht ihr Jackett wieder an, wickelt schweigend die Stickerei in Papier und sucht Zwirn und Radeln zusammen. Dann nimmt sie die vier Stückchen Zucker vom Fenster und legt sie neben die Bücher auf den Tisch. „Das ist dein... Zucker..." sagt sie leise und wendet sich fort, um die Tränen zu verbergen. „Na, was weinst du?" fragt Klotschkow, unruhig im Zimmer aus und abgehend.„Du bist wirklich sonderbar... Du weißt doch selbst, daß wir uns unbedingt trennen müssen. Wir können nicht ewig zusammen bleiben." Sie hat schon ihr Bündelchen gepackt und wendet sich ihm zu, um Abschied zu nehmen. Plötzlich tut sie ihm leid. Ob ich sie nicht noch eine Woche behalte?, überlegt er. Meinet- wegen, mag sie noch bleiben. Noch einer Woche muß sie bestimmt gehen. Und ärgerlich über seine Schwäche, fährt er sie böse an: „Na, was stehst du noch? Wem: gehen, dann gehen! Wenn du aber bleiben willst, dann zieh' das Jackett aus und bleib'!" Anjuta zieht das Jackett aus, seufzt leise, schnaubt sich die Nase, seufzt wieder und wendet sich geräuichlas ihrem perma- menten Platz— dem Fußbönkchen am Fenster zu. Der Student greift nach seinem Lehrbuch und beginnt wieder. aus einem Winkel m den anderen zu gehen. „Die rechte Lunge besteht aus drei Lappen"... memoriert er.„Der obere Lappen reicht vorn bis zur 4.— 5. Rippe..." Im Korridor schreit jemand. „Gregor, den Samovar!"