Hbenöausgabe Nr. 230 ♦ 43. Iahrgaag Ausgabe S Nr. 113 euus-bedlnzunq«» und«nzelgenureis, knd in d«r M-raen-u�ad»«n»««b«i, Redottio»»: SW. BS. CinOeniltafic 3 ?er»ipr-ch«r. VBnhoff 292— 207 XcL.SUtcffcSojtaldcaiottal Sctlia Devlinev Volksblatt (lO Pfennig) Dienstag IS. ntöf 1926 Cetla« und«njetjtnobfeilnnf: Cet�aftsnit 9-6 Udr 3erlcgcc:Sorio3rls-I>ctlag GmbH. SctHa STB. BS, Ciadcnflrabe 3 JcrafptSGct: Dönhoff 292— 207 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfcfolands putsihöebatte auch im Reichstag. Deutschnationale Interpellation. Die Deutschnationalen haben im Reichstag eine Interpellation eingebracht, in der die preußische Polizeiaktton gegen die Rechts- Putschisten als.ein Manöver' bezeichnet wird,.das von den revolutionären Vorbereitungen und Schwierigkeiten der Linken ablenken soll.' Das Vorgehen der preußischen Re- gierung wird als.glatter Verfassungsbruch' bezeichnet und die Reichsregierung wird gefragt, was sie zu tun gedenke, um 1. ähnlichen Vorgängen vorzubeugen, 2. den durch die Maßnahmen der preußischen Regierung fälschlich Beschuldigten und Geschädigten Genugtuung zu verschaffen.' Der Regierung Marx wird dadurch Gelegenheit gegeben, F a r b e zu bekennen. Jortsetzong der Lanötagsöebatte. De? Landtag verabschiedet zunächst endgültig den Gesetz- entwurf über die Bereitstellung weiterer Staatsmittel für den Aus- bau des Erz» und Eisenkais am neuen Binnen- hafeninEmden. Nach der Vorlag« wird das Staatsministerium erniächtigt, für die erwähnten Zwecke weitere SZöOOOO M. zu verwenden. Die Mittel sollen im Wege des Kredits beschafft werden, und zwar soll dieser Kredit einen Teilbetrag der bewilligten 1ZV Millionen Mark für die Ausgestattung des staatlichen Besitzes an Berg- werken, Häfen und Elektrizitätswerken sowie zur Förderung der Landeskultur darstellen. Die Ausführung des Gesetzes erfolgt durch die zuständigen Minister. Annahme fand ferner in allen Lesungen der Gesetzentwurf über die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Vermehrung und Berbesse- rung von Arbeiterwohnungen aus den Domänen. Danach wird die bereits früher bewilligte eine Million für diese Zwecke um 600 000 M. erhöht. Dann erfolgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Ilotelats. Abg. v. Eynern(D. 55p.) bedauert, daß kein Regierungsvertreter bei der Fortsetzung der wichtigen Debatte anwesend sei. Das frei« Ermessen bei der Polizei darf nicht Willtür werden.(Zu- ruf bei den Komm. Nur bei Arbeitern.) Hier aber ist der Eindruck erweckt worden, daß sich die Regierung allein von der Parteileidenschast hat leiten lassen. Auch in der Personal- Politik der Regierung. Wir werden darauf bei der Besprechung des Polizeietats noch zurückkommen, zeigt sich ja immer wieder das Vorherrschen des Parteigedankens.(Stürm. Sehr richtig! rechts.) Der Ministerpräsident hat keinerlei Auskunft zu geben gewußt cuf die präzisen Fragen meines Kollegen Eichhoff. Durch die Rede de- Ministerpräsidenten ist der peinliche Eindruck, den die Polizeiaktion in der gesamten Deffentlichkeit hervorgerufen hat. nicht verwischt, sondern noch vertieft worden.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Auch das Zusammenspielen des Ministers mit dem Kollegen Heitmann war nur ein Zeichen für die rein parteipolitische Be- Handlung dieser Angelegenheit.(Sehr richtig! rechts.) Der Kampf in Lübeck. Vor dem Volksentscheid um Dr. Neuman«. Lübeck, den 18. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Einen tollen Streich leistete sich am Montag der Putschbürgermeister Dr. Neu- mann, der unter dem Druck der Indizienbeweise sein Amt vorläufig niedergelegt hatte. Ohne seine Kollegen im Senat auch nur zu fragen, erklärte er sich in einem Schreiben aus eigener Machtvoll- kommenheit für gereinigt und sich selbst für den amtierenden Bürgermeister. Damit brach er alle Abreden mit dem Senat, dem- gegenüber er sich moralisch gebunden hatte. Die Antwort erhielt er am Montagabend in der B ü r g e r s ch a f t. In einer außerordentlich stürmisch verlaufenen Sitzung legte der Redner der Sozialdcmo- kratie, Genosse Haut, an Hand eines erdrückenden Beweismaterials dar. daß Neumann der ZZerschwörung mit den bekannten Putschisten und Mordorganisatoren schuldig ist und daß die Sozialdemo- kratie mit einem solchen Mann nicht einen Augenblick weiter zusammenarbeiten kann. Nicht weniger scharf sprach der Demokrat, der die Frage aufwarf, wie es wohl um Neumann stehen würde, wenn man ihn nach dem Rezept der Notoerordnung der Putschisten behandeln würde. Zum Schluß wurde ein von Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten unterzeichnetes Mißtrauensvotum vorgelegt. Da diese drei Fraktionen in der Bürgerschaft die Mehrheit haben, ist das Ergebnis der Ab- stimmung, die erst i n e i n e r W 0 ch e stattfinden kann, nicht zweifelhaft. Neumann selbst wagte nicht, in der Bürgerschaft zu erscheinen, aber er klammert sich an sein Ami. weil er vor allem noch bei der lvo-Iahrfeier der Stadt Lübeck Bürger- meister spielen will. Nach der Lübecker ttzerfassung muß ein Senatsmitglled be! An- nähme eines Mißtrauensvotums sein Amt niederlegen, es fei denn, daß die M e h r h e i t des Senats ihn deckt. Dann kommt es zum Volksentscheid. Je nach dem Ausgang des ivolksentscheids muß dann der Senat zurücktreten oder die Bürgerschaft aufgelöst werden. Wahrscheinlich wird es in Lübeck zum Volksentscheid kommen, da im Senat Neumann über eine Mehrheit von einer Stimme verfügt. Der Ausgang des Dolksent- scheids kann nicht zweifelhaft sein. Der Stimmzettel zum volksentscheiü. Verordnung des Innenministers. Heute abend wird im„Reichsanzeiger' die Verordnung des Reichsministers des Innern über die Durchführung des Volksentscheids veröffenlicht werden. Sie bestimmt u. 0.. daß die Auslegung der Listen der Stimmberechtigten am 13. Juni schließt. Es ist den Gemeinden überlasten, die Listen auch lchon vor dem amtlich bestimmten Zeitraum auszulegen. Der Stimmzettel selbst ist natürlich lange nicht so groß, wie z. B. der Stimmzettel bei den letzten Reichstogswahlen, wo ja eine so große Anzahl von Parteilisten darauf verzeichnet sein mußte. Der Stimmzettel trägt die Aufschrift:„Soll der im Volksbegehren ver- langte Entwurf eines Gesetzes über Cnteignungder Fürsten- vermögen Gesetz werden?' Darunter stehen zwei Vierecke mit je einem Kreis darin. In dem einen Viereck steht über dem Kreis das Wort„Ja', in dem anderen„Nein'. Der Abstimmonde hat in den entsprechenden Kreis ein Kreuz ein- zuzeichne n. Will er sich der Abstimmung enthalten, so kann er den Stimmzettel unbekreuzt abgeben. Die Verteidigung der Angeklagten. Brüninghans über die �lottenvorgänge 10t7. Nach längerer Pause hielt heute der Untersuchungsausschuß des Reichstags zur Erforschung der Ursachen des Zusammen- bruchs von 1918 wieder eine öffentliche Sitzung ab. Sie war ausgesülll mit dem ersten Teile eines Gegenreferats des Konreradmirols a. D. B r ü n i n g h a u-(D. Vp.) auf das Referat. das Abg. Dittmann(Soz.) im Januar d. I. dem Ausschuß erstattet hatte..,-<* Abg. Brüninghaus beschwerte sich im Anfang seiner Aus- führungen darüber, daß ihm der Mg. Dittmann in einem Zettunge- onikcl zum Vorwurf gemacht habe, er habe das Aktcnmatsrial gar nicht selbst ei., gesehen, sondern es sich von andern Leuten durch- arbeiten lasten.' Brüninghaus schien das als eine unsachliche Dar- stellung zu halten, ohne daß er selbst Gelegenhett nahm zu versichern. daß das Gegenteil richtig sei. In seinen heutigen Ausführungen befchäftigte er sich in der Hauptsache mit der Frage, ob die U r s a ch e n für die Unruhe unter den Matrosen nur aus die schlechten Ernchrungsverhältnisse zurückzuführen seien, wie es ?l�g. Dittmann nach den Akten nachgewiesen hatte. Er kam im G�.-nsatz dazu zu dem Schluß, daß nicht die schlechten Verpflegungs- verhältniste Schuld an den Vorgängen im Sommer 1917 gewesen seien, sondern daß es sich schon damals um eine von außen htaei«. gchagene politische AgilaNon mit dem Ziele der offenen Meutere« und des revolutionären Aufstandes gehandett habe. Er machte dem Abg. Dittmann zum Vorwurf, daß er B r u ch st ü ck e aus dem Akten- Material willkürlich herausgegriffen und sie zu seinen Zwecken is»de»zjös zusammengefrM habe. Die weit dieser Vorwurf berechtigt ist, dazu wird sich wohl Abg. Dittmann noch äußern. Aus den bisherigen Darlegungen des Mg. Brüninghaus geht jedenfalls nicht hervor, daß er sich einer besteren Methode bei seiner Beweis- führung bediente. Zunächst behauptete er. daß die Verpflegung der Mannschaften nicht so schlecht gewesen sei. daß sie zu Beschwerden hätte Anlaß geben können. Die Offiziere und Schiffsärzte hätten fortlaufend das Esten geprüft, es sei wesentlich bester gewesen, als man nach den damaligen Ernährungsverhältnisten hätte annehmen können. Auf kleineren Schiffen habe es schon damals keine getrennte Verpflegung von Mannschaften und Ossizieren gegeben. Jedenfalls habe die Verpflegung nicht den Anlaß zu der Meuterei geben können. Zur Unterstützung seiner Behauptung berief sich nun der Abg. Brüninghaus auf Niederschriften, die ihm von mehreren Per- sonen im Deckoffiziersrange in den letztvergangenen Mo- naten gemacht worden sind. Des weiteren befaßte sich der Referent mit dem Verhalten der Kriegsgerichtsräte Loefch und Dobring. Auch hier stützte er sich lediglich auf die Darlegungen der von ihm nachträglich befragten Personen und vor allem scheinen ihm den wichtigsten Gegenbeweis für die Darlegungen des Abg. Dittmann die Aeußerungen zu sein, die jetzt die Herren Loesch und Dobring gemacht haben. Die durch das Material der Akten zu Angeklagten Gewordenen werden also jetzt von dem Korreferenten zu Hauptentlastungszeu- gen für sein« eigene Beweisführung gemacht. Man kann sich des- halb nicht wundern, daß Abg. Brüninghaus zu dem Ergebnis kommt, daß von erpreßten Geständnissen, von Terror gegen- über den angeklagten Matrosen, von gesetzwidriger Beeinflustung von Zeugen, von Lockspitzelwesen und ähnlichem keine Rede sein könne. Im Gegenteil, er behauptet insbesondere von dem Kriegs- gerichtsrat Dr Loesch. daß in seinen Ausführungen vor dem Kriegsgericht ein hohes Verantwortlichkeitsgefühl, ein starkes moralisches und menschliches Empfinden zum Ausdruck gekommen sei Der Referent schlug vor, die Kriegsgerichts- r ä t e und die Deckoffiziere vor dem Unterausschuß a l s Zeugen eidlich zu vernehmen: sollte das beschlosten werden, so wird der Ausschuß dabei nicht stehenbleiben dürfen, sondern auch die andere Seite, nämlich die in die damaligen Vor- gonge verwickelten Matrosen und Heizer gleichfalls als Zeugen zu vernehmen, soweit sie 1917 nicht bereits erschossen worden sind. Bemerkenswert war eine Feststellung, die der Referent auf Grund der Aufzeichnungen des Kriegsgerichtsrats Dr. Loesch machte, das nämlich der'Matrose Adam, der der Lockspitzelei beschuldigt wurde, den Eindruck eines Hysterikers oder Psychopathen gemacht habe. Dieser Adam hat Versammlungen von Matrosen geleitet, auf diesen Adam stützt sich die Behauptung des Abgeordneten Brüninghans und seiner Freunde, daß e» sich um eine revolutionäre Leweguag gehandelt habe. Luthers Erbschaft. Vorstoft gegen Volksentscheid und Sparer. Von Wilhelm Keil. Eine der übelsten Erbschaften, die Reichskanzler Luther seinem Nachfolger hinterlassen hat, ist der Entwurf eines zweiten Gesetzes über den Volksentscheid. Mit dieser Vorlage bezweckte er nicht mehr und nicht weniger als die gesetzliche Unterbindung des von den Sparerorganisa- tionen eingeleiteten Volksbegehrens zur Aende- rung der Aufwertungsgesetze. Der Gesetzentwurf bestimmt in seinem Artikel 1, daß als Gesetze im Sinne des Artikels 73 Absatz 3 der Reichsverfassung auch Gesetze gelten, die„die Folgen der Geldentwertung für vor dem 14. Februar 1924 begrünoete Rechtsverhältnisse regeln". Damit sollen die Aufwertungsgesetze ebenso wie der Reichshaushalts- plan, die Abgabengesetze und Vesoldungsordnungen der Volksinitiative entzogen werden. Den unmittelbaren Anlaß zu diesem Vorgehen hatte die bereits am 27. April bei dem Reichsministerium des Innern erfolgte Einreichungbes Antrages des Sparerbundes auf Einleitung des Volksbegehrens gegeben. Der Sparerbund ist die Organisation der Gläubiger und Sparer Deutschlands, die vom Reichstagsabgeordneten Dr. Best, dem ehemaligen hessischen Oberlandesgerichtsräsidenten, geführt wird. Neben ihm hat eine Arbeitsgemeinschaft, die eine Reihe von kleineren Organisationen meist lokaler Art umfaßt,«inen Gesetzentwurf vorbereitet, der gleichfalls den Gegenstand eines Volks- fi daß der erste grundsätzlich eine 50prozentige Auf» Wertung sowohl der privatrechtlichen Schuldtitel(Hypotheken usw.) als auch der öffentlich-rechtlichen Ansprüche(Anleihen) verlangt, während die Arbeitsgemeinschaft aufs Ganze geht und grundsätzlich 100 P ro z. beansprucht, wovon nur dann ein Nachlaß gewährt werden soll, wenn bei dem Schuld» ner nichts oder nicht alles zu holen ist. Die Gläubiger- und Sparerverbände sind also gespalten. Führen sie den Kampf getrennt für zwei verschiedene Ent- würfe, so sind die Aussichten auf Erfolg für keine der beiden Richtungen sehr günstig. Wenn trotzdem der bisherige Reichs- kanzler und der Reichswirtschaftsminister E u r t i u s glaubten, mit dem schweren Geschütz eines verfassungändernden Gesetzes gegen diese Bewegung zu Felde ziehen zu müssen, so ist daraus 1 schließen, wie sehr ihnen die 1254 Millionen Unter- riften bei dem Volksbegehren für die F ü r st e n e n t- e i g n u n g in die Glieder gefahren find. Aber es war vom Standpunkt der Herren Luther und Curtius aus sehr unklug, den beschrittenen Weg einzuschlagen. Erstens ist es höchst zweifelhast, ob im Reichstag die notwendige Zweidrittelmehr- heit für den Gesetzentwurf zustande kommt, und zweitens hat der Vorstoß der Regierung gegen das geplante Volksbegehren das Gegenteil von dem erstrebten Zweck erreicht. In die Sparerorgvnisafionen ist durch den Versuch Luthers, das Volksbegehren zu unterbinden, neues Leben hinein» getragen worden. Im ganzen Reich haben in den letzten Wochen Versammlungen der Sparer und Gläubiger statt- gefunden, die mit großer Schärfe gegen den Lutherfchen Plan protestierten und erklärten, daß nun erst recht der Volksentscheid über die Revision der Auftvertungsgefetze durchgeführt werde. Mit bitterem Hohn wurde in diesen Versammtungen. und in den von ihnen gefaßten Resolutionen auf den krassen Wider- spruch hingewiesen, der zwischen dem Verhalten der Regierung und der bürgerlichen Parteien, namentlichderDeutsch- nationalen, in der Frage der Fürstenenteignung bezw. der Aufwertung bestehe. Das Eigentum der Fürsten werde als geheiligt und unantastbar betrachtet, die große Masse der Rentner und Saprer habe man aber rücksichtslos durch Reichsgesetz enteignet. Die neue Regierung steht jetzt vor der Frage, ob sie über den vom Kabinett Luther eingebrachten Gesetzentwurf eine Entscheidung des Reichstags herbeiführen oder ob sie ihn zurückziehen will. Wenn auch eine bestimmte Stellung- nähme zu dieser Vorlage noch von keiner Fraktion des Reichs» tags erfolgt ist, und obgleich ihr der Rcichsrat fast einmütig zugestimmt hat, so kann gesagt werden, daß ihre Aussichten 'ehr ungünstig sind. Zwar hat der Deutsche Landwirt- ch a f t s r a t und ebenso der Reichsverband der Deutschen Industrie sich bereits mit allem Nachdruck gegen jede Wiederaufrollung der Aufwertungsfrage ausgesprochen. Die Deutschnationale und die Deutsche Volkspartei als die Ver- treterinnen dieser mächtigen Interessen- g r u p p e n haben es aber bisher nicht gewagt, offen an die Seite der Regierung zu treten, weil ihre Aufwertungspolitik des Vorjahres in den weiten Kreisen der Kleinrentner ge- radezu verheerend gewirkt hat. Immerhin kann man schon aus der Erklärung, die der deutfchnationale Abgeordnete Dr. Philipp am 26. März d. I. im Reichstag abgegeben hat. daß seine Fraktion nicht die Absicht habe, das Volksbegehren in der Aufwertungsfrage zu unter st ützen und auch nicht daran denke, das Aufwcrtungsproblem im ganzen wieder auf- zurollen, auf das Verhalten der deutschnationalen Frak- tion schließen. Die Deutschnationalen, an deren Widerstand im Juli 1925 der Versuch scheiterte, im letzten Augenblick den Auf- wertungssatz für Hypotheken noch um 5 oder 10 Proz. zu erhöhen, werden sich auch jetzt gegen eine Mehr- belastung der Inflationsgew innler wehren. Ebenso die Deutsche Volkspartei. Leide Parteien aber wer» bcn ihre Sorge um die Interessen der reichen Schuldner nach außen hin möglichst zu verhüllen suchen. Lei dem Zentrum und den Demokraten sind die Meinungen geteilt. Die einen glauben, daß mindestens die Frage der Äufroertung der privaten Schulden mit dem Reichshaushalt und den Steuergesetzen nicht das geringste zu tun habe und deshalb dem Volksentscheid nicht entzogen werden dürfe. Die anderen sagen, mit Rücksicht auf die Wiedergcsundung des wirtschaftlichen Lebens verbiete es sich, durch eine Aenderung der Aufwertungsgesetze neue Leun- ruhlgung hervorzurufen. Die sozialdemokratische Fraktion wird sich. wie bisher auch in Zukunft, von folgenden Gesichtspunkten leiten lasten. Das verfassungsmäßig verbriefte Recht des Volksbegehrens darf nicht eingeschränkt werden: d i e stabile Währung und der Haushalt des Reiches dürfen nicht ins Schwanken geraten: die Aufwertung darf nicht zu einer Mehrbelastung der besitz- losen Volkslchichtcn führen, zu denen ja die enteigneten Sparer selbst gehären. Man kann sich vorstellen, daß unter Wahrung dieser Gesichtspunkte auf dem Wege der o r d e n t- lichcn Gesetzgebung die krassesten Härten der Auf- wertungsgesetze beseitigt werden. Wenn sich hierdurch die beiden Volksbegehren vermeiden ließen, so würden den Sparerorgonisationen viel Mühe und Geld erspart, die viel- leicht unnütz aufgewandt werden, und die Reichsfinanzen und die private Wirtschaft würden vor Erschütterungen bewahrt. Es ist aber sehr fraglich, ob im Reichstage ein�solcher Vorschlag Anklang findet. �nternatiokale Sozialpolitik. Unterredung mit Albert Thomas. Albert Thomas, der Direktor des Internationalen Arbeitsamts, befinde! sich gegenwärtig in Berlin, um Vor- besprechungen zu pflegen zu der Internationalen Arbeits- konferenz. Auf dieser werdrn, wie sich Genosse Albert Thomas einem uistcrer Redakteure gegenüber äußerte, zunächst die üblichen prägen geregelt werden, worunter sich auch der Stand der R a t i f i z i e r u n g cn der verschiedenen inter« nationalen Abkommen befinden. Auf unsere Frage, welche Wirkung die Londoner Konferenz der Arbeitsminister auf die Ratistzicrung des Washingtoner Abkommens über den Acht- st u n d c n t a g gehabt habe, erklärte uns Genosse Albert Thomas, daß man wohl behaupten könne, daß die Konferenz die Ratifizierung gefördert habe. In Frankreich fei das Gesetz von der Kammer angenommen und befindet sich gegen- wärtlg im Senat. Der französische Arbeitsminister, Herr Durafour, laste es sich sehr onoelegen sein, das Gesetz so schnell wie möglich auch im Senat zur Abstimmung zu bringen. In Belgien ist das Gesetz über die Ratifizierung de» Abkommens von Washington im Kammerausschuh a n» genommen und werde demnächst ohne jeden Zweifel auch vom Plenum verabschiedet werden. Italien hat das De- sttz bereits ratifiziert. Italien und Frankreich machen jedoch zur Vorbedingung des Inkrafttretens des Gesetzes die Ratifizierung durch Deutschland und England bzw. Frankreich. Was England betrifft, so war die Regierung bereit, einen entsprechenden Ecsctzcntwurf einzubringen. Der Kon- sliit Im Bergbau, der die Regierung während der letzten Wochen völlig in Anspruch genommen hat, dürfte die Aus- führung dieses Planes verzögert haben. Da jedoch das Ver- langen der Zcchenbcsitzer, die Arbeitszeit Im Bergbau zu vcr- längern. nicht durchgedrungen ist, kann man wohl sagen, daß der Konflikt in England die Frage der Ratifizierung eher ge- klärt hat. Soweit Deutschland in Betracht kommt, hofft Albert Thomas, daß das in Aussicht gestellte Gesetz in allernächster Zeit dein Reichstag zugehen dürste. Wir sind der Ansicht, von Tieren unö ihrem Leben. Tier», für viele Menschen klingt diese» Wort wie ein« Fansare. E» ist leider eine unuinsrögliche Tatsache, auf der brutalen Nieder- zwingung der Tiere basiert der Fortichritt der Menschheit. Erst al, unsere Urvorsahren von dem Grundjch aueajngen, da» Tier ist für den lvtenschcn da, schufen sie sich die Möglichkelten zur Zivilisation. In der heutigen Zeit können wir die Tiere, sobald Schnelligkeits- und Kraftlesttungen In Frage kommen, niehr und mehr entbehren, jedoch als Fleisch-, Fell- und Milchlieferänten sind sie für un» so wichtig, wie sie es waren, lind sieht man ganz vom Nützlichkeit»- priitzip ab, so bleibt eine beträchtlich» Anzahl von Tieren über, die durch Liebe, Treue und Freundschaft de» Menschen Kullurwerte gegeben hat. Daher ist es nicht nur interessant und wichtig, sondern es heißt direkt einem Vediirsni» nachkommen, wenn ein Fachmann streng wisfenschastlich und doch höchst unterhaltsam und leicht verständlich über Tiere plaudert. Dieser Aufgabe unterzog sich Geh. Rat Prof. Dr. Heck, der Leiter des Berliner Zoologischen Gartens. In feinem Buch»Lebende Tiere", da» im Globus-Vcriag G. m. b. H., Berlin W. Cfi, erschien, bringt er zwanglos Bilder aus dem Zoo. Diese Bildersammlung und thr« treffliche» Erläuterungen sind u. a. auch als«ine Ergänzung des naturgeschichtlichen Unterricht» in der Schule gedacht. Prof. Heck, der in seinem Leben viele Möglichkeiten zur genauesten Tüirbeobachtuna gehabt hat. tonnte lelbstverständlich ein reiche» Material herbeilchasfen. Eine Unmenge Wissen ist über- miltelt worden, wenn auch vernehmbar der Unterton durchtlingt, selbst wir Wissenschaftler kennen die Tier« ntcht derart, daß wir von nnserem Wissen befriedigt sein töimten. Polemiken werden sachlich nusgefochten, getragen von dem schönen Eifer, der Wissenschaft zu dienen. E» fehlt nicht an wertvollen Hinweisen aus noch zu leistend« Arbeiten Im Sinn« der Systematik, während überraschende Auf- klärnngen gegeben werden in bezug auf die verschiedenen geo- graphischen Formen der Tiere. So erfährt man von einer ganz erstaunlichen Abänderung der Braunbären, die selbst in Europa zu beobachten ist. Besonders stark tritt sie zu Tage, wenn Tiere an» anderen Erdteilen eingeführt werden. Darum wurde ein Bär, der dem gewöhnlichen Braunbären unbedingt ähnelt, jedoch durch seine Größe und seinen dicken Schädel auffällt, mit Jezzo-Bär bezeichnet, weil er aus Japan, von der Nord- infel Iezzo stammt, gerner hört man von den ungeheuren Schwierigkeiten, welche die Zebra» einem genauen Prüfer machen, denn bis auf den heutigen Tag kennt man bereits annähernd zwei Dutzend verlchiedcne Zrbrafpezies. Interessant sind auch die Nach- wisse der verwandtschaftlichen Beziehungen. Sa hat das erst im Semliki-Urwald(Afrika) entdeckte Huftier Okapi zu der Gruppe de* Giraffen Beziehungen, die es schon rein äußerlich durch seine bc-haartcn Horner nachweist. Doch nicht nur von seltenen, auch von den selten werdenden Tieren wird geredet. Es wird inständig gebeten, in Deutschland die Brutkolonien der Reiher für Raturdenk- mäler zu erklären. Diese Bitte wird nicht bei jedem ein offene» Ohr finden, denn der Reiher ist bekanntlich ein großer Fischräubcr. W:s»i?.lich anders steht es mit dem schwarzen Storch, der sich bei un» schon seit langem eines besonderen und durchaus notwendigen Schutze» erfreut. daß die bekannte deutsche Gründlichkeit in dieser Frage elwas zu weit getrieben worden ist. Während das kaiserliche Deutsch- tand sich gern rühmte, in sozialpolitischen Fragen an der Spitze der Nationen zu marschieren, hat es den Anschein, als habe die Republik den gegenteiligen Ehrgeiz. Die einzige Frage, die sonst noch auf der Tagesordnung der Internanonalen Arbeitskonferenz stehen wird, ist die Vereinfachung der hngienifchen Dorschrif» ten für Auswandererschiffe. Am 7. Juni findet eine internationale Arbeitskonferenz der Seeschiffahrt statt, die eine Session der Internationalen Arbeitskonferenz ist. Diese Konferenz wird sich mit den Arbeitsoer- trägen der Seeleute und mit der Gewerbeinspek- t i o n in der Seeschiffahrt befassen. Nirgends mehr als gerade in der Seeschiffahrt ist die internationale Regelung der Sozialgesetzgebung eine Not- wendigkeit. Daher erklärt es sich auch, daß die Seeleute die Frage der Regelung der Arbeitszeit durch die Internationale Arbeitskonserenz vorgenommen wissen wollen. Im Verwaltungsrat des Internationcsten Arbeitsamts wurde dieser Antrag allerdings mit Stimmengleichheit abgelehnt. Jedoch muß jede Frage, die mit Zweidrittelmehrheit von der Internationalen Konferenz beschlossen wird, auf die Tages- ordnung gesetzt werden. Es hängt also von den Regierungs- Vertretern ab, ob diesem Antrage staltgegeben wird. Albert Thomas hofft, daß die Regierungsvertreter schon mit Rück- ficht auf die Gegenseitigkeit der Arbeitszeitregelung in der Seeschiffahrt dem Antrage der Seeleute Rechnung tragen werden. Es bestehe hier weniger als in irgendeiner anderen Frage ein Grund, die Arbeitnehmerschaft zu verbittern. Die �brüstungsvorkonferenz beginnt. Zwanzig Tclegationcn. Genf. tß. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Dorbereitende Ab- rustungskonferenz beginnt heute. Sie besteht aus insgesamt 20 Delegationen.(Zehn Rat-möchte, Deutschland. Argentinien, Bulgarien, Chile, Vereinigte Staaten, Finnland, Holland. Polen, Rumänien und Sudslnwien.) Deutschland und die Vereinigten Staaten sind mit je 10 Köpfen am stärksten vertreten. Dann folgen Spanien mit 8, Italien und Japan mit 7. Frankreich mit 6, Großbritannien und einige andere mit 3 Delegationsangehörigen. Unter den 20 Haupt- delegierten befinden sich eine Reihe von Ministern. Militärische Lach- verständige gibt es im ganzen 75. Von den Instruttionen. welche die Delegstionen mit nach Genf bringen, weiß man au» früheren Beratungen, daß Frankreich auch alle Kriegsindustrien und die Transportmittel der Staaten in das Etudiengebiet einbeziehen wird, während England und die Der- cinigten Staad!» entschlossen zu sein scheinen, mit einigen praktischen Eingrifjcn eine wirkliche Beschränkung der eigentlichen Rüstungen herbeizuführen. Die deutsche Delegation ist folgendermaßen zusammengesetzt: Botschafter a. D. Gras B c r n st o r f f. Führer der Delegation: Gcheimrot B ü l o w. Gesandtschaftsrat Boitze, Oberst von Stülp- naget, Oberstleutnant Düml-in, Major Schindler, Rittmeister Bäumke, Konteradmiral Freiherr von Freyberg und Fregatten- kopitän Gadon._____ Noch keine Klärung in Polen. Die rzchtSßchenden Truppen noch in der Nähe WarschanS. Warschau, 18. Mai.(WTB.) Die Stadt gewinnt langsam ihr gewöhnliches Aussehen. Der Ausnahmezustand ist auf- o e h o b en worden. Straßenbahn und Stadttelephon sind wieder in Betrieb gesetzt. Doch ist die vom Militär mit aller Schärfe gehandhabte Zensur noch nicht aufgehoben worden. Bei P r u s ch k o w, IS Kilometer westlich von Warschau, und bei Kalifch stehen noch die aus dem Posener Gebiet von der Regie- rung W i t o- zur Hilfe herbeigerufenen Regimenter, die mit der Front gegen die Hauptstadt Aufstellung genommen haben. Die von der Warschauer Regierung in die Wege geleiteten versuch«, sie zum Abmarsch in ihre Garnison zu bewege», sind bis jetzt ohne Von eindringlichem Lob sind die Worte, die dem Kamel und dem Dromedar gcwidinet werden. Diese Tiere haben in trockenen Gegen- den, ob kalt oder warm, dem Menschen erst dos Dasein ermöglicht. Dasselbe gilt vom Jak, dem langbehaarten Hochlandsrind aus dem Innern Asiens, das in gezähmtem Zustande al» Reit-, Last- und Milcktier dient. Ohne den Pak könnten Menschen in den furchtbaren Einöden der höchsten Gebirgsgegenden nicht existieren. Selbstoer- ständlich ist auch das Renntier nicht vergessen, denn der Bewohner der Polorzone der Alten Welt, von Loppland angefangen, hat sich diese Hirschart zum Haustier und Alles-Lieseranten erzagen. Be- kanNtlich wurde wiederholt eine eifrige Propaganda dafür gemocht, Renntiere al» Nutztiere nach Deutschland«inzuführen. Prof. Heck setzt sich für diese» vorhaben nicht ein. Er weist einfach darauf hin, daß eben unsere Erz- und Riesengebirgler eine andere Kulturstufe haben al» Lappen, Samojeden oder Tungusen. Ucbcrdie» führen letztere ein Nomadenleben und unsere Landeleute sind seßhaft. Wenn von den Raubtieren geplaudert wird, ist sehr oft der ver- storbene Carl Hagenbeck erwähnt, dieser Tierhändler ganz großen Format», der alle verborgenen Winkel der Welt nach neuen Tieren durchsuchen ließ. So hat er u. a. nordische Großkatzenarten, wie ostsibirische Tiger, in den Handel gebracht und damit einen dicken Strich ollen denen durch die Rechnung gemocht, die den Tiger für ein reine» Tropentier hielten. Hagenbeck brachte aber auch persische Tiger, die einen Backenbart und selbst im Sommer eine Bauchmöhne haben, während den Tigermann noch eine Nackenmähne schmückt. Dem bengalischen Königstiger jedoch hat Prof. Heck hochachtungsvoll folgende Worte gewidmet:.Heute sehe Ich jeden Tiger als Person an: der eine hat Viesen, der andere jenen Charakter, und das richtet (Ich ganz ohne Zweifel nach den persönlichen Leben»schicksalen, wie da» ja auch natürlich ist bei einem so hochstehenden- edlen Tiere." _ Erna Büsing. Der Bezirksoerband der Aheinisch-Westsölischen Volksbühnen- vereine tagte am Sonntag, dem IS., zu Düsseldorf im Wilhelm- Marx-Hau». Die Volksbühnenvereine sind in den Jahren nach dem Kriege in bemerkenswerter Weise erstarkt und wachsen sich immer mehr als Kulturtaktor ersten Ranges aus. Sie sind im deutschen Theoterleben nicht mehr wegzudenken und ihre Tätigkeit aus dem Gebiete der Weckuna und Förderung des Verständnisses für da» Theater in der Bevölkerung ist vorbildlich. Als Vertreter des Ober- bürgcrmeister» begrüßte Beigeordneter Dr. T h e l e m a n n die Tagung und wünschte den Beratungen besten Erfolg. Im Mittel- punkt der Tagung stand ein Vortrag de» Bürgermeisters Dr. Sud- k a m p au» Herne über Stadtverwaltung und Besucher. o r g a n i s a t i o n e n". Dr Sudkamy setzte sich mit den Angriffen auseinander, die in jüngster Zeit gegen die Besuchcrorganisationen erhoben worden sind. Er wies nach, daß diese Gegnerschost durchweg aus Boraussetzungen beruht und seder tatsächlichen und berechtigten Grundlage entbehrt. Es sei bisher noch nicht gelungen, den Nach- weis dafür zu erbringen, daß die Tätigkeit der Besuchergemeinden die Theater schädige. Eine Stcdtverwaitung, welch« die Bestrebun- gen der Besuchergenteinden nicht mit allen Mitteln ermuntert und fördert, hat ihre Kulturaufgabe nicht richtig erkannt. Dem mit großem Beifall aufgenommenen Bortrag folgte eine ausgedehnt« Aussprache, an der sich auch die anwesend«» Theaterleiter beteiligten. Als Vertreter des Verbandsoorstandes berichtet» Generalsekretär Dr. Erfolg geblieben. Amtlich wird der noch nicht vollzogene Abmarsch damit motiviert, daß die von Warschau nach dem Westen: führenden Eisenbahnlinien noch oerstopft sind. Der neuernannte Außenmini st er Zaleski empsings gestern Vertreter der ausländischen Presse und erllärte, daß er von dem Willen getragen sei. die Politik des Grafen Skrzynski fort- zusetzen. Ans die von deutscher Seit« erhobenen Borstellungen, daß die bis jetzt in Warschau geübte T e l e g r a m m z e n s u r die richtige Information des Auslandes über die politischen Aorgänge unmöglich mache und der freien Erfindung und Phantasie Tür und Tor öffne, oerjprach der Minister, bei den Militärbehörden im Sinne der sofortigen Aushebung sämtlicher Beschränkungen vorstellig zu werden. Warschau. 18. Mai.(EP.) Die Regierung Bartel hat das gefangengesetzte Kabinett Witos freigelassen. Witos ist gestern_ vormittag in Warschau eingetroffen. Di« Truppen Pilsudskis haben mit den Truppen des Generals H a l l e r westlich von Lodz Fühlung genommen. Wenn sich die vosener Regierung nicht unterwirft, muß mit der Fortdauer der Kämpfe gerechnet werden. Die Warschauer Regierung hat bisher noch kein« Maßnahmen gegen Posen getroffen, sondern wartet das weitere Verhalten der Gegenregierung ab. Prag, 18. Mai.(EP.) Die„Prager Presse" berichtet aus Oder- berg, daß General H a l l e r vorgestern abend in Kattowitz erschien. wo er mit den Haller-Soldaten und den ehemaligen Insurgenten die Organisierung des Widerstand«» gegen die Warschauer Regierung beraten hat. Haller reiste wieder nach Posen zurück. Unveränderte Außenpolitik. Warschau, 1«. Mai.(WTB.) Der neue Leiter de» Außen. mlnffterium», August Saleski, erklärte Presievertretern, daß die Außenpolitik sich in keiner Beziehung ändern werde. Grundlinie dieser Politik bleibe die Wahrung des Friedens und Zusammenarbeit mit den Staaten, die sich nach wahr» hofter Befriedung der internationalen Beziehungen sehnen. Pilsudsti ist krank. Warschau. 18. Mai.(MTB.) Marschall Pilsudsti ist erkrankt und tonnte deshalb an der gestrigen Ministerratssitzung nicht teil- nehmen. Kein Vormasch Hallers. Die polnische Gesandtschaft in Berlin teilt mit, daß die Meldungen über einen vormorsch de, Generals Hall er gegen Warschau jeder Grundlag« entbehren. Ebenso sind die von manchen Zeitungen gebrachten Meldungen über die Au», rufung einer autonomen Provinz Posen srci erfunden. Stahlhelm-Scbwinöel. Ueber de» Berkauf von Saargemeinden. WTD. schreibt: Die Zeitung„Der Stahlhelm" veröffentlicht in ihrer Nummer vom 16. Mai unter der Ueberschrift„Schacher um die Saar" ein« Zuschrift, die angeblich aus dem Saargebiet stammt. In diesem Aussatz wird behauptet, daß die Reichsregterung bereit sei, ver- schiedene Gemeinden im Saargcdiet an Frankreich fallen zu lassen, um dadurch eine Borverlegung der Volksabstünmung zu erkaufen. Die Regierung hoffe weiter, durch die Preisgabe dieser sieben Ee- meinden eine Preisermäßigung für die sazungsgemäb von der Reichsregicruug zurückzukaufenden Saargruben zu erkaufen. Wir stellen demgegenüber fest, daß diese vom„Stahlhelm" verbreitet« Behauptung von Ansang bi»zu Ende erfunden ist. S:« wurde bereits wiederholt dementiert, u. a. durch ein durch WTB. verbreitete» Telegramm des damaligen Reichskanzler» Marx an die Stadtverordneten von Saarlouis. Der„ Stahlhelm" hat es nicht für notwendig gefunden, diese Meldung irgendwie zu prüfen, bzw. sich mit der Reichsregierung deswegen in Verbindung zu setzen, obwohl er sich darüber klar sein mußte, daß ihre Veröffentlichung eine Ver- hetzung der öffentlichen Meinung darstellt. ver deutsch- schwedische Handel»- und Schiffahrlsverlrog ist unterzeichnet worden. Nestrlepte über die Entwicklung der Bewegung im abgelaufenen Jahre, das trotz der schweren Wirtschaftskrise einen erfreulichen Zu- gang an neuen Dereinen und Mitgliedern gebracht habe. Feme-Iheakec ln Bremen. Im zweiten Maiheft de»„Neuen Weg" berichtet der Obcrreaisseur Emil Lind, der als Lerwaltungs- ratsmitglied der Genossenschast Deutscher Bühnenangehörigen m die Interna unsere» Theaterlebens eingeweiht ist, über unglaubliche Zu- stände an der Bremer„Deutschen Bühne". Emil Lind erzählt u. a.; In Bremen sind mehrere Besucherorganisationen, Gemeinschaft»« theater, Goethe-Bund, Volksbühne usw. vorhanden. Der Vorsitzende der„Deutschen Bühne" hat nun dem Direktor de» Bremer Schau- splelhaujes erklärt:„Juden oder politisch bedenkliche Leute wollen wir auf der Bühne nicht sehen." Es fielen dabei einige Namen, u. a.„auch Erika Mann, Tochter des Oberjuden Thomas Mann".(!) Daß dieser Vorsitzende, ein Herr Dr. Eagers, literoturschwach ist, das tonn man ihm hingehen lasten. Daß er ober den Direktor des Schauspielhause» zwingt, Versprechungen an Mitglieder wegen Wiederenaagcments nicht zu halten, obwohl viele Mitglieder gerade auf Grund dieses Versprechens Verträge geschlossen hatten, das muß gebührend gebrandmarkt werden. Hierzu bemerkt Emil Lind sehr richtig: Man könnte über diese Dinge hinweggehen, wenn sie sich nicht da und dort, wenn auch nicht in dieser Klarheit, sondern meist verschleiert und unbeweisbar, besonders ober in Staats- oder Stadt- theatern, ereignen würden. Es wird ja wahrscheinlich auch in bezug auf den Bremer Fall ein Dement! geben, das nutzt aber nichts. Die Nachricht Ist authentisch, wenn auch die belastenden Aussprüche hinter verschlossenen Türen geschahen. Die arbeitenden wiener grauen. Nach den neuesten Statistiken über die Berufsgruppierung der Wiener Bevölkerung ist festzustellen. daß vier Fünftel aller Frauen in Wien zwischen 14 und 4S Jahren in einem Arbeitsverhältnis stehen, und zwar ohne Unterschied zwischen oerheirateten und unverheirateten. Gegenüber der Vor- kriegszeit hat sich die Zahl der beschäftigten Frauen bei den Banken vervierfacht, bei den Eisenbahnen oerdreisacht, und in der Schneiderei sind mehr als die Hälfte aller Berufeangchörigen Frauen. Nur die Zahl des weiblichen Hauspersonals ist auf etwa zwei Drittel getzen- über der Vorkriegszeit zurückgegangen. M« M(»|ifcrig( Verfaramlang der«stroa»mlsche» Se'eUschakt findet rem 1«.— 20. August in Kopenhagen statt. Die Neiellschaü ist eine der wenigen internationalen Organiiationen der afadtmisfien Welt, die über den Krieg hinaus, wesentlich unter dänischer Leitung, ihren internationalen Tharatter bewahrt haben. Der XI. All�ewein« Theosoph'che flonareß ine! vom 52. bi« 24, Mal im Meistersaale, Köthcner Sir. LZ. Interessente» erhalten da» an«. sübrlich« KongrieproLrainm r»n der E>e!chSit»ie-tuna de» Kongresses: ZLitti Heinrich. SO 36, Lausther Str. 25, Icftenfiet übermittelt. «n hcmdschrütenfaad au« der iiaventsche» Benaissance. IN<«onza,« wurde ein« Zamnilunq von wertvollen llutoarammen berübwter Känn-r au» der italienischen Renaissance, darunter Tusso, Ariost, Rasfael, iSalileh Luerezia vorgia u. a ausgesunden. Die«stea Sriekinarte» In Dengöwährnna. In Ungarn sind die er Yen Mörlen in der neue:, Penabwährung erschienen. Zunächst wurdrn nirr Marken im»eile von 4 und 8 gillcr herausgezeben. die»I« unzariichd Krone und den Retq»s»srl»eigen. Die fasthiftisthe Schmach. Kundgebung der Berliner Sozialdemokratie. Zn der gestrigen großen Kundgebung gegen den Fa- s ch i s m u s sprach, nachdem Genosse Künstler, der den Vorsitz sührte, die auswärtigen Genossen, die als Redner zu uns gekommen waren, herzlich begrüht hatte, Genosse Dr. Wilhelm Cllenbogen-Wien: Als wir vor acht Jahren den Zusammenbruch des alten Staates und der alten Armee erlebten, glaubten viel« von uns, der Zusammenbruch Ws Kapitalismus sei da und die Errichtung einer sozial! st ischen Staatsform sei nahe herbeigekommen. Wie verderblich eine solche falsche Einschätzung de» Augenblicks war, haben wir besonder? an Italien erlebt. Dort wurde den Sozia» listen angeboten, die Monarchie zu stürzen und eine d e m o- kratische Republik an ihre Stelle zu setzen. Die Sozialisten Italiens haben damals oboelehnt, weil sie die sozialistische Republik haben wollten. Wie schwer dieser Fehler war, zeigt uns die gegenwärtige f a s ch i st i s ch e Diktatur mit ihrem Oberhaupt Mussolini. Ein« neu« Gesellschaftsordnung muß ebenso aus der Entwicklung entstehen, wie das überoll im Weltall und im Leben der Fall ist. Die Naturgesetze lassen sich einfach nicht vergewaltigen, beim einzelnen Menschen so wenig wie in der Entstehung eines neuen Staates und einer neuen Gesellschostssonn. Die italienischen Genossen haben sich, vom russischen Beispiel blenden lasten. sie haben geglaubt, durch«ine unausgesetzte Reih« von Putschen, Beunruhigungen und terroristischen Akten ihre Gegner niedertämp- fen zu können. Sie wollten eben den Sozialismus er- zwingen, im Gegensatz zu den Lehren unserer großen Meister. Es gibt Leute, die heute noch die Gewaltanwendung als einen Ausweg aus der„Krise der Demokratie' bezeichnen. Da» ist durch- aus falsch. Wo in einem Staat die Arbeiterschaft in den Parlamen- ten die Mehrheit durch ein demokratisches Wahlsystem errungen hat, ist das Bürgertum wohl empört, es hetzt mit allen Mitteln gegen die sozialistischen Mehrheiten, aber im übrigen ist nicht viel zu machen. Wo die Arbeiterschaft die Mehrheit hat, ist keine Krise der Demokratie zu spüren, und zwar deshalb nicht, weil eben die Ar- beiterklasse der Macht der Demokratie sich bewußt ist. lleberall da. wo die Arbeilerschasl gespalten ist in mehrere Parteien, schöpsen die Rechtsradikalen da» Aelt ab. Der Faschismus bedeutet die Zerstörung der Rechtsgrund- lagen eines jeden Staates, er bedeutet die Korruption der Rechts- pflege und der Richter, er korrumpier» die öffentliche Meinung. ja er ist die Korruption der Menschen selbst. Das beste Beispiel dafür ist I t a l i e n. Fast allen italienischen Ministern wird in aller Oeffentlichkeit im Auslande wie auch in Italien selbst gemeinste per- sönliche Korruption und Bestechlichkeit nachgesagt. Ohne daß Musso- lini, der sonst immer schnell bei der Hand ist, einschreitet, nennt man offen die Summen, die diese Kreaturen für die Begünstigung von Industriellen oder Handelsgruppen erhalten haben. Bis zum Mord an den Gegnern geht die Ucbersteigerung des Nationalismus— und da» nicht nur in Italien. Aber gerade unsere italienischen Genossen hoben die Blukopfer gestellt, darunter sind unser« Besten, wie Matteotti. Eine Unzahl der schwersten Derbrechen geschehen täglich im saschistischen Italien: Arbeiterwohnungen. Gewerkschastsheuser. ganze Stadtteile gehen in flammen auf und kein Mensch wird die Täter je finden oder, wenn man sie hat, wird sich kein Richter finden, der sie verurteilt. Wo dem Staat die Rechlsaninde entzogen sind, etabliert sich ein organisiert-unorganisiertes Räuberunwesen. Räubereien, Mord und Brandschatzungen im Innern. Kriegsdrohungen nach dem Auslande hin, so zeigt sich auch das politische Wirken des italienischen Diktators. Genau so. wie der ehemalige russische Zar immer dann ein Pogrom veranstaltete, wenn ihm im Innern seines Landes etwas schief ging, genau so malt Mussolini das Sriegsgefpenfl an die wand, wenn das Volk einmal gegen ihn ist. Daher erklärt sich auch sein neues Kolonialabenteuer in Tripolis, da» er mit einer verpflosterten Nase machen mußte, daraus erklärt sich auch seine Großschnäuzigteit. Genau so. wie der verflossene deutsche Wilhelm al»„Herr der west- lichen Meere' seinerzeit den„Lzerrn der östlichen Meere' grüßte und schließlich feige ms Mauseloch kroch, als das Volk gegen ihn aufstand! Aber der Faschismus wird verschwinden. Gewaltpolitik, die sich auf Verbrecher stützt, muß an dem Widerstand der Geschändeten zugrunde gehen. Die unterdrückten politischen Parteien streben langsam nach oben, das Bedürsni» nach einem geordneten Rechtsstaat wird immer größer. Die ständig mit Krieg bedrohten Völker werden sich endlich auch einmal ouslehnen und dem Faschismus wird sein Ende kommen. Die Weltgeschichte sucht ihr« Baumeister im arbeiten» den Volk. Will sich die Arbeiterschaft in allen Ländern nicht selbst dem Faschismus ausliefern, so ist die erste Dorauesetzung die E i n i- gung der Arbeiterschaft. Wo sich irgend der Faschismus regt, müssen wir heraus aus der Reserve, müssen wir unsere Ab- wehrsormationen bilden und herausstellen. So wie das Proletariat in Oesterreich sich die Faschisten vom Halse hielt durch den repu- Hikanischen Schutzbund, so muß überall die entschlossene Ab- wehr durch eine einige Arbeiterschaft erfolgen. Stürmischer, ost wiederholter Beisall folgte den Ausführungen des Redners. Sodann sprach Reichstagsabgeordneter Genosse Alwin Saenger-Miinchen: Wenn wir in Deutschland feststellen, daß unsere Nationalisten wieder einmal gegen die Republik putschen wollen, so kennen wir die Antwort unserer Gegner; es wird alle» al» Schwindel der Braun-Seoering-Grzesinsky-Leute hingestellt. Gerade die, die nur von Lüge, Verleumdung und von Wortbnich leben, suchen diese gemeinen Eigenschaften zu gern bei anderen. Genau wie in Preußen die Faschisten, so hat früher die Regierung in Bayern alles ab- geleugnet, was ihre Pflegekinder ausheckten. Norddeutsche Natio- nalisten, bayerische Regierungsleute und General Ludendorfs und Konsorten— das ist die Linie des deutschen Faschismus. Würden Ludendorfs und seine Leute selbst zugeben, daß sie an allen Putschen beteiligt waren, es würde sich In Deutschland kein Staats- e.nwolt finden, der die Anklage gegen sie erhebe und wenn alles versagen würde, hätte man immer noch dos.hohe Interesse de» Vaterlandes', mit dem man alles decken würde. Wo je ein Wassenlager gefunden wurde, wo«in nationales Verbrechen verübt oder wo im Walde ein Fememord geschah: überall war es das„Interesse am Daterlonde'. das die Verbrecher- l/rnd führt». Der gafchismus ist der Kretinismus der Politik. Das Schwarzweißrot war das Wahrzeichen einer kurzen Kaiserzeit, die ruhmlos zu End« ging— Schwarzweißrot ist da» Banner der Freiheit, der Demokratie, der Dölker- Versöhnung. Der neue Staat wird durch die eigene Kraft des Volke, entstehen, aber niemal, durch die Diktatur eines Generals oder eine» Dcrbr?ck>ers. Hinter dem Wesen einer feden Staatskunst steht die Einsicht in die Idee der Zeit. Der Felsen des Staates ist die Ar- beiterschast. Die deutsche Arbeiterschaft hat in den trübsten Togen unseres Schicksals Deutschlands Größe und Einigkeit erhalten, und so wird sie auch in Zukunft mit dem Willen zur Macht de» neuen Staat bauen. Wille zur Macht bedeutet aber Willen zum Kämpfen. So und nicht anders werden wir den Faschismus be- siegen.(Stürmischer Beifall.) In einem begeisternden Schlußwort wies Genosse Künstler da''- auf hin, daß die imposante Versammlung der Austakt de» Kampfe» für den Volksentscheid sei. Cr fügte herzlichste Grüße und Wünsche an unser« österreichischen Genossen an. Die Reichsbannergeneralverfammlung. TaS Arbeitsprogramm.— Organisatorische Beschlüsse. Der Abschluß der Generaloersammlung des Reichsbanners bedeutet zweifellos eine wichtige Etappe in dem Festigungsprozeh der Republik und ihrer Frontfoldatenorganifation. In zweitägiger Arbeit ist es gelungen, die Geschlossenheit und Schlagkraft des Bundes zu befestigen und ein Statut zu schaffen, das ihm über den Entwurf vom Jahre 1924 hinaus ein festes Gefüge gegeben hat. Ueber das erledigte Arbeitsprogramm ist kurz folgendes zu sagen: Die„Bundcsfciern' sollen in den kommenden Iahren mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Notlage der Arbeiterklasse wesentlich eingeschränkt werden; lediglich für Sachsen ist in diesem Jahre noch ein großer Bundesaufmarsch geplant. Am Totensonntag soll zum Gedächtnis der im Weltkrieg Gefallenen eine große Kundgebung des Neichsbanners durchgeführt werden. Reichsbanneraufmärsche zur Ehrung hoher Amtspersonen der Republik sollen nur dann unter- nommen werden, wenn die Stärke des Reichsbanners und die Layalilöt der in Frage kommenden Behörden über allem Zweifel sieht. Ein Antrag, das Reichsbanner möge lm kommenden Volks- entscheid die Führung übernehmen, wurde aus begreiflichen Gründen abgelehnt, dagegen die Unterstützung der in Frage kommenden Parteien durch das Reichsbanner zugesagt. Die ,.R c i ch s b a n n« r v e r f a s s u n g', die aus dem ersten Statut beraus zum Grundgesetz de» Reichsbanner» ausgebaut wurde, be- stimmt, daß die republikanisch« Organisation nicht mehr lediglich die ehemaligen Kriegsteilnehmer umsissen soll, sondern„alle r e i ch s- deutschen Männer'. Al» Zweck des Perbande» wird nach wie vor der Schutz der Republik genannt, eine illegale Be- waffnung der Reichsbannerformationcn jedoch entschieden abgelehnt. Der bisherige Bundesvorstand wurde wiedergewählt und durch den Zentrumsabgeordneten Ivos, den Führer der Windthorst- Bünde, Krahne, und den demokratischen Landtagsabgeordneten B o h n e r ergänzt. Notwendig war die Einschiebung einer neuen Instanz zwischen dem R«ich»banner-„Gau' und dem„Ortsverein', nämlich der Reichsbannerkreis'. von der Errichtung einer politisch richtunggebenden Instanz in Berlin wurde aus verschiedenen Gründen abgesehen. Eine„U n t e r st ll tz u n g s k a s s e' der Mit- oiieder des Reichsbanners gegen„Not und Verfolgung durch die Justiz' wurde nach eingehenden Beratungen ins Leben gerufen. tzeim ins Reich! Wieder eine Wiener Volkskundgebung. Am vergangenen Sonntag veranstaltete der O e st e r r e i ch i s ch- Deutsche Volksbund unter der Parole.Rhein-Donau' eine Anschlußkundgebung, die überaus stark besucht war. Die Versammlung in der Volkshalle eröffnete Direktor 91« u- b a ch e r. der zunächst des verstorbenen Gesandten Dr. Pfeiffer gedochie. Als Hauptredner sprach der Bürgermeister von Köln, Ge- nasse Dr. M«« r f e l d, der die Grüße der S t a d t Köln überbrachte, im Namen der deutschen Abordnung für den wannen Empfang dankte und ausführte, die S e l b st b e st i m m u n g des deutschen Bolkes könne auf die Dauer durch kein Friedensdiktat und durch keine Gewalt, keine Soldateska verhindert werden. Seit hundert Iahren sei S ch w a r z r o t g o l d die deutsche Fahne, das Symbol der deutschen Zusammengehörigkeit.— Iustizrat Dr. Ellenbcck(Dnat.) erklärte, daß e» in dieser Stund« kein« Parteien geben dürfe, sondern nur die eine Partei: Deutsches Volk.— Raichstagsabgeordneter H o f f ma n n(Z.) sprach gleichfalls für den Zusammenschluß und erklärte. Schwarzrotgold sei ein Symbol der Derbundenheit des ganzen deutschen Volte». Ferner hielten Reden Iustizrat B o ck a m p- Köln (D. Vp.) und Dr. B e r g st r ä s s e r(Dem.). Vor dem Rathau» wurde von einer Reih« von Tribünen au« gesprochen. Als Hauptredner sprach hier Reichstagsabgeordneter Genosse S o l l m a n n. Er erinnerte daran, daß in Wien der Abge- sandte de» Frankfurter Parlaments, Robert Blum, für die deutsche Einheit sterben mußte. Die künstlichen Grenzen, die die Diplomaten gezogen hätten, seien ein Attentat auf die Frei- h e i t des deutschen Volkes. Bundesrat General Körner(Soz.) vertrat d-e Ausfossung, daß der Anschluß jetzt durch wirtschaftliche und sozial« Gesetze vorbereitet werden müsse. Mittags wuiden die rcichsdeutschen Gäste von der Stadt im Rathaus empfangen. «-vornehme Leute/ Auf der Donnseebahn! Die Dam« weigert sich, den Dortritt zu nehmen, und auch ihr Mann bittet den wohlbeleibten Herrn, zuerst einzusteigen. Man diskutiert langt, der Stationsvorsteher ist bereits unruhig geworden. Schließlich steigt die Dame doch zuerst ein, ihr folgt der mit so viel Ehrfurcht behandelte Herr, ihr Mann macht den Beschluß. Schwer fällt der Herr in die Polster de» Abtetl» zweiter Klasse. Er trägt einen blauen Anzug, dazu eine blaue Mütze mit einem Klubobzeichcn, der melierte Knebelbart verleiht ihm ein see- männliches Aussehen, die Stimme klingt eingefettet, weih aber zu kommandieren..Wie schön nur der Golfplatz ist,' flötet die Dame, .in der Natur gelegen, und so nette Menschen trifft man dort, und wieder so viele Derbesserungen.'.Haben viel Geld gekostet," ent- gegnet der Herr mit der Klubmütze,.hunderttausend Mark, heute viel, wenig Neuanmeldungen nur in diesem Jahr, viele haben nicht einmal die tausend Mark Ausnahmegebühr, und ohne Auto lohnt e» gar nicht Mitglied zu werden, immer mit der Bahn nach Wannsce zu fahren, verekelt einem anständigen Menschen da» ganze Ver- gnügenl' Verächtlich blickt er sich im Abteil um und zieht energisch an seiner kurzen Pfeif».„Denken Sie. und viele haben noch nicht einmal ihren Jahresbeitrag von lumpigen dreihundert Mark bezahlt, einfach lächerlich!' Der andere Herr im gelben Covercoat und dem zerhackten Ksrpsstudentengesicht schlägt heimlich die Augen nieder, und auch die Dame überhört die letzte Bemerkung. „Und auch der Wirt ist sehr unzufrieden geworden, die meisten wollen das Gedeck für 3,50 M. nicht mehr essen. Aber billiger kann der Mann es doch nicht machen, er fall allerbeste Küche liefern.' Der Herr ist jetzt sittlich entrüstet, er bebt geradezu.„Fast alle Mitglieder essen in der Kantine Würstchen oder ähnliches Zeug. Das ist wider- iich, so weit sind wir gekommen. Alles scheint oerrückt geworden zu sein. Neulich will ich mir in Potsdam eine Villa kaufen, ich kann ja da draußen wohnen, kann über meine Zeit oerfügen wie ich will. Verlangt der Kerl 100 000 M. wollte ihm 80 000 M. bar auf den Tisch des Hauses legen. Ging nicht daraus ein.' Dann erörtert man die politische Lage im allgemeinen und lröstet sich mit der Hoffnung auf bessere, schwarzweifjrote Tage. In Potsdam steigen die Herr- schasten, dl« so viele Sorgen haben, in eine Autodroschke. Der Herr mit der Klubmütze hat die beiden anderen eingeladen. Man ist ganz Grandseigneur. lehnt sich vorn-hm zurück und fährt nnt verächtlicher Miene an den gewöhnlichen Sterblichen vorüber, an diesem Packzeug. da» nicht einmal sich jeden Mittag sattessen und noch weniger Mit- glied des Golfklub, werden kann. .Slahnsdorf.Reichsbahn' anstatt.Skohnsdorf-Friedhos'. Wie bi« Reichsbahndirektion Berlin mitteill, ist der Ätame der bisherigen Station„Stahnidorf-Iriedhof' in„Stahnsdorf> Reichsbahn' ge- ändert worden. Der Strausberger Möröer verhastet! In einer deutsch-böhmischen Sommerfrische. Am �ontag wurde in der deutsch-böhmischen Sommerfrische ein Mann verhaftet, der auf den dort amtierenden Ortsvorsteher, Dr. Pieck, einen Raubüberfall ausführen wollte. Der Täter wurde von den tschechischen Behörden in da» Hohenelber Gerichtsgesängnis eingeliefert. Der Verhaftete führte außer seinem Gepäck, einige scharf- geladene Schußwaffen bei sich. Ferner wurden in seinem Besitz aus verschiedene Namen lautend« Papier« vorgesunden. So befindet sich darunter«in Ausweis, der auf den Namen«Ines Gutsbesitzers Karl Bransk«, Baumschulenweg, lautete. Dieser Umstand und die Aehnllchkelt des Verhafteten mit dem Mörder der Gräfin Lambsdorf ließen den Verdacht auftauchen, daß es sich um den aesuchten Strausberger Mörder handelt. Branske ist der Berliner Kriminalpolizei bekannt, da er wegen Berfolgungs- Wahnsinns bereit, in einer Anstalt untergebracht war. Seit einiger Zeit ist er aus Deutschland verschwunden. Immerhin besteht d i e Möglichkeit, daß er als Täler des Strausberger Kapitalver- brechen? in Frage kommt. Es kann aber auch sein, daß der Der- haftete, der jede Aussage verweigert, die aus den Namen Dranske lautenden Papiere gestohlen oder gewaltsam geraubt hat. Die Berliner Kriminalpolizei hat sich auf Veranlassung de» Kriminalkommissars Gennat, der die Untersuchungen in dieser An- gelcgcnheit führt, noch am gestrigen Abend telegraphisch noch Hohenelbe gewandt, um eine genaue Feststellung der Persönlichkeit des Festgenommenen herbeizuführen. Bisher ist die Antwort noch nicht in Berlin eingetrossen, so daß die Nachricht von der Ver» Haltung de» angeblichen Mörder, noch jeder amtlichen Grundlage entbehrt. �.... Bei den Ermittlungen der Berliner Polizei nach dem Morder der Gräsin Lambsdorf ist man bisher, wie wir hören, noch nicht auf die Person Branskes gestoßen, was jedoch nicht ausschließt, daß der Verhastete tatsächlich mit dem hier gesuchten Mörder Iden- tisch ist. Bestimmte Anhaltspunkte dafür, daß der Verhastete, der nach dem Verdacht der tschechischen Behörden auch einen Mord an einer 30 jährigen tschechischen Buchhalterin, vor zwei Iahren verübt haben soll, auch als Täter fitr das Berliner Kapitalver- brechen in Frage kommt, werden sich erst nach der aus der noch ausstehenden Antwort aus Hohenelbe ergeben. Di« Antwort der tschechischen Behörden wird im Lauf, de» heutige» Tages erwartet. Arbeitersängerfeft in Brandenburg a. fe. Havel.* Der Gau Berlin des Deutschen Arbeiter-Dängerounde» veran- staltet in den Psingsttagen, vom 2?. bi» 23. Mai. zu Branden- bürg a. d. H a v e l ein G e s a n g s f e st de» gesamten Gaues. Di« Festfolge umfaßt am Sonnabend Begrüßungsfeiern in zwei Lo- kalen. Am Nachmittag und Abend des ersten Festtages finden in den größten Gartenlokalen der Stadt vier Gesangsaufführungen statt: der gesangliche Teil hierbei wird bestritten von den größten Chören und Bezirksgruppen. Am zweiten Feiertag finden auf den Plätzen und in den Anlagen Brandenburgs öffentliche Ge- so ngsaussühriingen in den Vormittagsstunden statt. Ain Nachrnirtag wird ein gewaltiger F e st z u g die Sängerinnen und Sänger durch die Stadt nach dem Sportplatz am Grillendamm sühre», wo anschließend Begrüßung durch die städtischen Behörden erjolgt und dann in zwei mächtigen Masjcnchäre« di« gesamte Sängerschaft des Gaue» austreten wird. Ein Riescn-Feuer- werk wird den Abschluß bilden. Für die Beförderung der Teil- nehmer sind sechs besondere Züge eingestellt worden. Der Spritweder-prozeß. Die Drandstisluug und der versichcrungsschwindcl. Der Spritweberprozeß könnte bald zu Ende kommen, wenn nicht weitgehend« Beweisanträge der Verteidigung wären. So ist beantragt worden, den Reichskanzler a. D. Luther, den früheren Ernährungsminister Herme», den Geheimrat H e p p aus dem Finanz- Ministerium und den jetzigen Präsidenten des Reichsmonopolamt« Nebelung zu laden, um durch ihr« Aussage die Weber zur Last gelegte Bestechung von Beamten de» badlschen Landwirtschast»- Ministeriums bei Herbeifchasfung einer Einsuhrgenehmtgung süe rund 200 000 Liter Sprit zu entkräften. Andererseits sollen die Akten de» Reichsfinanzministerium» her- angezogen werden, damit so der Beweis geführt werden könnte, daß die Anklage gegen Weber und Peters ollein den Blitzableiter für die Sünden der Monopolocrwallung bilden sollte. Die Entschci- dung des Gerichts über die Zulassung der Beweisanträge ist noch nicht gefallen. Vorläufig steht im Mittelpunkt der Verhandlung die Anklage gegen Hermann Weder wegen Brandsttftung, Versichcningc» betrug und schwerer Urkundenfälschung. E« wird behauptet, daß er am 7. Juni 1924, also am Psingstsonnabend, zwischen 9 und 10 Uhr da» ihm gehörige Spritlager in Stahnsdorf, das bei einer englischen Versicherungsgesellschaft mit 6 Millionen Goldmark oersichert war. in Flammen ausgehen ließ. Es wird behauptet, daß er, um besser seine Absicht ausführen zu können, den zuverlässige« Lagerverwalter Scher abberufen und den Posten seinen jüngsten Bruder übertragen habe, desgleichen, daß er am fraglichen Abend mit seinen Brüdern unter dem Dorwand, ein Faß Sprit umpumpen zu müssen, in da» Stohnsdorfer Lager hinausgekommen sei, um die Brandstiftung zu bewerkstelligen. Sein Bruder Heinrich ist der Beihilfe zur Brand« sttftung, Peters und Kriminalassistent Beier der Beihilfe zum Der» sicherungsbetrug angeklagt. Hermann Weber soll nämllch dem Polizeipräsidium, Abteilung W, eine Bestandaufnahme eingereicht haben, die von Gustav Beier unterzeichnet und der ein« gestempetl« Bescheinigung durch Kriminalkommissar Peters beigefügt war. D>« Unterschrift von Beier soll aber Peters selbst gen, acht hoben. E, heißt, datz letzterer von dem Bersichemngsbetrag«, den Hermann Weber ausgezahlt erhalten hat,— es find 3 Millionen Goldmark gewesen— sür sich 100 000 Goldmork beansprucht habe. Hermann Weber bestreitet jede Schuld. Er habe überhaupt keinen Grund gehabt, das Sprillager in Flammen aufgehen zu lassen. Es seien 1H Millionen Liter gewesen, die mit 6 Millionen Goldmark nicht zu hoch versichert gewesen seien. Der Sprit hätte umgepumpt werden müssen, da sofort nach Pfingsten der ganze Raum unter Zollver. schluß kommen sollte. Als dann in der Leitung eine Störung«nt» standen sei und er nach der Sicherung sehen wollte, muß Kurz. schluß erfolgt und auf diese Weise der ausgeflossene Sprst in Brand geraten s;in._ v«» berichtigt« vorläufige Ergebnis ber v»lk»zLhl»»g im siielkiasi Preujteii nmu IC. Juni iSr'ö i ü r die Landgemeinden»Iii Lyt» uuii mehr Einwobnern erscheint in den nächsten Tagen a>S Sonderdruck und ist vom Verlag de» Brerifi. Etaatl. Land»»am!e». Berlin EW. if, 1!ind«nstr»d« ich, nt** voreinsgndung»«>> l—«!». z» tegilcha«. Dke weltliche Schule marschiert. Guter Auftakt ia Leipzig. Ein für die weltliche Schule überaus erfreuliches Ergebnis zei» tiglcn die diesjährigen Elternratswahlen in Leipzig. Seit dem Jahre 1H24 ist ein stetiges Anwachsen der Stimmen für die weltliche Schule und ein fortgesetzter Rück- gang der Stimmen für die Bekenntnisschule zu verzeichnen. Dieses Jahr ist eine klare Mehrheit für die weltliche Schule vorhanden. Der Anteil der weltlichen Stim men beträgt 52,95 Proz. der Gesamtzahl der gültigen Stimmen gegenüber 59,91 Proz. im Jahre 1925 und 43 Proz. im Jahre 1924. Und dieses Ergebnis ist erreicht worden trotz der stärksten Gegenwirkung der„christlichen" Elternverbände! Freilich ist gerade in Leipzig durch einen energieoollen Kampf, den der Leipziger Lehrervcrein in Gemeinschaft mit der gesamten fortschrittlichen Elternschaft gegen den Reichsschulgesetzentwurf des früheren deutsch- nationalen Innenministers Schiele geführt hat, der Boden für einen günstigen Elternratswahlkampf vorbereitet worden, und auch iin Wahlkampf selbst haben weltliche Eltern und Leipziger Lehrer- verein in gemeinsamer Front gegen die Vertreter der Bekenntnis- schule gestanden. Der Ausgang der Wahl zeigt einmal, daß nur durch zielbewußte Arbeit der Sieg zu erreichen ist, zum andern aber, daß die fortschrittliche Elternschaft nicht gewillt ist, ein Reichsschulgesetz hinzunehmen, das die Schule verkirchlicht, die Gewissensfreiheit vergewaltigt und das Recht des Kindes auf eine freie Entwicklung drosselt. Dieses erfreuliche Ergebnis wird sicherlich auch für Verlin ein starker Antrieb zur entschlossenen Führung des Kampfes für die Aus- geftaltung der Schule sein. Stsötrat Schöning zurückgetreken. Stadtrat Genosse Wilhelm S ch ü n i n g, besoldetes Mitglied des Berliner zentralen Magistrats, hat durch ein Schreiben an den Oberbürgermeister für den 1. Juli d. I den Rücktritt von seinem Amte angekündigt. Genosse S ch ü n i n g hat die Absicht, von diesem Tage an die Direktion der Berliner chafen- und Lagergesellschaft zu übernehmen Genosse Schöning hat seit dem Zusammentreten des Berliner Magistrots in ihm an hervorragender Stelle gewirkt und durch seine fachlichen Leistungen sich die Anerkennung aller Kreise Sugezogen. Die sozialdemokratische Fraktion verliert in ihm einen ihrer besten Sacharbeiter. Immerhin arbeitet Genosse Schüning auch in seinem neuen Amt innerhalb der kommunalen Berliner In- tcrellensphäre. Roch seinem Austritt aus dem Magistrat sind jetzt nicht weniger als drei Sitze unbesetzt. Ein alsterneö Wafjfinnrcsten. Durch die ganze bürgerliche Presse geht eine übereinstimmende Roiiz über angebliche Verhandlungen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten mit Bezug auf die Besetzung der Stelle des Berliner Stadtschulrats. Den Sozialdemokraten wird dabei unterstellt, daß sie zwei Stadtschulratsstellen einrichten wollen, »m das Geschäft leichter zu bewerkstelligen. Die Notiz ist von 2ln- sang bis zu Ends frei erfunden. Nicht eine Zeile an ihr ent- spricht der Wabrhcit. Die Entscheidung über die Besetzung der Staotschuiratsstclle hat sich dadurch hinausgezögert, daß eine end- gültige richterliche Enlscheidung über die Rechtmäßigkeit des Ab- baues des Genossen Pauisen noch aussteht. Schon aus diesem Grunde ist die sozialdemokratische Rathausfraktion gar nicht in der Lage g'wcsen, irgendwelche Verhandlungen zu führen. Die Notiz dient lediglich dem sehr durchsichtigen Zweck, Stimmung für die Elternbeiratswahlen zu machen. Die bürgerlichen Parteien würden gut tun. auf solche Lügen im Wahlkamps zu verzichten. Sie haben gar zu kurze Deine. Tin fünfzehnführiaer Selbstmörder. In selbstmörderischer Abstich l stürzte sich trr 15 j ä b r i g e Lehrling Kurt Göhl ouS dem 8. Stock der elterlichen Wohnung iReiNervlat? 5 in Neukölln) auf den Hoi hinab. Der jugendliche Selbstmörder wurde i» boff- n» n g 4 l o s e m Zustande in das Neuköllner Krankenhaus ein- geliefert. SewerMastsbeVegung Lehrens unö Meper, Sie �rbeitgebergelönehmer. weiteres Belastungsmaterial. Aus dem Belastungsmaterial gegen die Behrens und Meyer. Vorsitzende des Deutschnationalen Zentralverbandes der Land orbeiter, deren Charakter durch die bisher erfolgten Beröffentlichun gen bereits offenkundig geworden ist, geben wir nachstehend eine Korrespondenz wieder, die im Juli vorigen Jahres zwischen dem Bezirksleiter des Zentraloerbandes der Landarbeiter in Halle und einem Mitgliede des Berbandsvorftandes auf der einen Seite und dem Borstandsmitglied und Major von M a f f o w von der Provinzialvereinigung der Arbeitgeberoerbände Sachsens auf der anderen Seite geführt wurde. Der Bezirkslciter, dessen Name G e r l a ch ist, schreibt am 21. Juli 1925 folgendes: An den Hauptvorstand des Zentraloerbandes der Landarbeiter, z. H. des Herrn Karl Meyer. M. d. L., Berlin NW. 6. Werter Kollege! Heute rief Major von Massow von der Provinzialvereinigung der Arbeitgeberverbände bei mir an und bat mich, Dir und dem Kollegen Gattermann mitzuteilen, daß er, als auch Major Wendenburg-Seeburg mit Dir und Kollegen Gatterniann in allernächster Zeit eine Rücksprache hier in Holle haben möchte. Es handelt sich, wie er mir sagte, um die Fortsetzung der bisherigen Vereinbarungen und Zuschüsse, die am 31. Dezember 192 5 wohl ablaufen. Wendenburg als auch von Massow halten es für angebracht, sich nicht erst um Weihnachten herum mit dieser Frage zu beschäftigen. Bon Massow bittet, einige Termine anzugeben, an dcknen es Euch möglich ist, hier nach Halle zu kommen. Er will alsdann von diesen Terminen mit Wendenburg einen Tag vereinbaren, um die Zusammenkunft bier zu ermöglichen. Ich habe Massow erklärt, daß am 24. d. M. Verhandlungen vor dem Schlichter find und wahrscheinlich Kollege Gattermann, da er von mir Kenntnis bekommen hat, an der Verhandlung teilnehmen werde und dann die Möglichkeit vor- handen fei, mit ihm über die in Aussicht genommene Zusammen- kunft zu sprechen. Sollte Kollege Gattermann nicht nach Magde- bürg kommen, so bitte ich, das Weitere schriftlich mit Herrn von Massow zu vereinbaren. Auf dieses Schreiben hin wurde am 25. Juli 1925 an Herrn Major von Massow ein Schreiben folgenden WorUautes gerichtet: Berlin, den 25. Juli 1925. Herrn Major von Massow, Halle a. d. S., Frankeftr. 9. Sehr geehrter Herr Major! Unser Vezirtsleiter, �err Gerlach, schreibt uns, daß Sie mit Herrn Meyer und mir eine Rücksprache wünschen. Herr Meyer wird in dieser Zeit kaum greifbar sein, da er die preußischen Ge- stüte besucht. Sollte er in der nächsten Woche hier sein, so wird er an der Besprechung, die am Mittwoch oder Donnerstag nächster Woche stattfinden kann, teilnehmen. Die Teilnahme des Herrn Meyer an dieser Besprechung ist nicht unbedingt notwendig, da ich alle Vollmachten des Vorstandes habe. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie einen von diesen beiden Tagen für die Besprechung wählen würden. Da ich am 1. August nach Bethel fahre, wäre es vielleicht möglich, daß auch an diesem Tage die Besprechung in Halle stattfinden könnte. Ich würde am Abend desselben Tages dann nach Bielefeld weiterfahren. An diesem Tage würde unser Hauptkassierer an der Besprechung teil- ncbmen. Der Masor Wendenburg-Seeburg, der in dem ersten Schreiben genannt wird, ist kein Unbekannter. Schon vor ewigen Jahren konnten Schreiben von ihm an den Zentralverband der Landarbeiter veröffentlicht werden, die erkennen ließen, daß er diese Organisation materiell und ideell unterstützt. Zu unseren Veröffentlichungen selbst ist zu sagen, daß bisher weder vom Zentrakverband der Landarbeiter, was man begreife» kann, noch vom Gesamtoerband der christliche» Gewerkschaften, was zum mindesten überraschen muß. irgendeine Aeußerung erfolgt ist. Soll das eine Taktit sein, mit der man um die Dinge herumzukommen hofft? Die Behrens und Meyer, die ja berests öffentlich ihren Uebergang zu den Gelben bzw. zum Reichslandbund vollzogen haben, mögen sich in solchen Illusionen wiegen. Wie aber steht es mit dem Gesamtverband, wie steht es mit den christlichen Gewerkschaften, die— so sehr sie sich auch gegen den Sozialismus sträuben mögen— es jedenfalls ablehnen werden, mit ausgesprochen gelben Organisationen in einer Gemeinschaft zu leben. Wir warten aus Antwort. öinnenwanüerungen. Di« Abwanderung arbeitsloser Jugendlicher aus den Industriebezirken zur Arbeit auf dem Lande wächst von Jahr zu Jahr. Sie hat in diesem Jahre mit besonderer Stärke eingesetzt. Ueber den Umfang der diesjährigen Abwanderung liegen zwar im Augenblick bei den amtlichen Stellen noch keine genauen statistsschen Ziffern vor, aber man hat an den Ziffern des Vorjahres, das nur eine verhältnismäßig geringe Erwerbslosigkeit aufwies, einen guten Anhaltspunkt zur Beurteilung der Slbwanderung. Im Vorjahr be- zifferte sich der Teil der Abwanderung, der infolge von Zuschüssen der stamlichen Fürsorg«(für Reisespesen und dergl.) statistisch ersaßt wurde, aus etwa 19 999. Davon entfielen allein 9999 jugend» liche Arbeitskräfte auf das besetzte Gebiet. Reben diesen statsstisch gezählten Personen ging noch«in gut Teil von jugendlichen Arbeitsuchenden im Alter von 14 bis 29 Iahren durch Vermittlung von Verwandten und Bekannten aufs Land. Di« Ab- Wanderung geht im wesentlichen nach Hannover, Branden- bürg, Ostpreußen und in die Provinz Sachsen, zum kleineren Teil nach Pommern und Württemberg. Auch innerhalb bestimmter Länder und Provinzen, wie z. B. im F r e i- staat Sachsen und in der Provinz Schlesien ist eine zu- nehmende Abwanderung Jugendlicher zur Arbeit in die Landwirtschaft zu verzeichnen. Die Abwanderer bleiben zum Teil ganz auf dem Lande, zum geringeren Teil gehen sie im Winter wieder zu ihren Eltern zurück, um im nächsten Jahr die alle oder eine neue Arbeitsstelle in der Landwirtschaft zu suchen. Es entstehen im Laufe der Zeit feste Verbindungen zwischen den Arbeitsstellen und den Arbeitskräften. So gibt es z. B. in Ostpreußen eine ganze Leipziger Kolonie.. Die große Bedeutung, die die Abwanderung jugendlicher Arbeits- kräste auf das Land sowohl für die Entlastung des industriellen Ar- beitsmarktes wie für die Hebung des Geistes innerhalb der Land- arbeiterschast hat. sollte den maßgebenden Stellen Beranlassung geben, endlich einmal eine genaue Binnenwanderung s- st a t i st i k anzulegen und mehr Mittel bereitzustellen. Notwendig wäre allerdings, daß eine solche Statistik nicht allein die Abwanderung auf das Land, sondern umgekehrt auch die Abwanderung vom L a n d i n d i« S t a d t, d. h. von der Landwirtschaft in die Industrie berücksichtigt. Im Vorjabr betrug der staatliche Zuschuß pro Kopf allgemein K M. und 11 M für das besetzt« Gebiet, im ganzen etwa 159 999 M. Für dieses Jahr sind die Zuschüsse im Etat nicht erhöht worden, obwohl infolg« der Arbeitslosigkeit mit verstärkter Abwanderung zu rechnen war._ Ter Begin» des faschistischen Staats. Rom. IS. Mai.(MTB.) Die„Tribuna" teilt mit, daß der Ministerrat heute endgültig das neue Gewerlschasisgesetz gutheißen werde. Mussolini, der das neue Gewerkschaftsministerium über- nehmen werde, werde am Mittwoch oder Donnerstag, um die gruno- legende Bedeutung dieser soschistischen Arbeitsregelung zu betonen. eine Botschaft an die Faschisten senden, in der das Ende des liberalen Staats und der Beginn des neuen foschistsschen Staats angekündigt werden solle. Brrantworili» wr Votillk:«tun M-ttckaft:»'wr ©cruerffeftaftsbetoequufl: Friede. Stzk-rn: Feuilleton: Ä. fi. LSIcher: Lokale» und©onftiocs: Fei»«aeslädt: Ämeiaen: T».«lo«-: silmNi» in Berlin. Verlag: Vorwarts-Verlaa<5. m. b. ö.. Berlin. Druck: Borwäris-Bumdruckcrei und Berlaasanftalt Paul Sinaer u. Co.. Berlin SW 68. fitnöenftrofte 3. l'Giteiel! Sondsrangeliot! An Private rn Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gedie enen Ausführungen kaufen Sie in großer Auswahl und bilng bei Wilhelm Schulze Honbljoop alz 15. Bei pari. Nahe liackescher Maral Zablungserlelcfaterung Telepho i: A'exanderZtU ♦ HUNDE ♦ Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. TierärzHldie PolIKlfnlk CHausseestraae 93 ♦ neuen Krie�ervereinshaus 5prcch*tunden• 11-1 11.4-6 Uhr -Z-Skielte Keine»H Fliehten troim ni risircih. lunil'lj!. hier. SdHn'IM. ftnri»;». itirhüu Weida. Kiirpfafer- Mdn. Modelt CO Bit boiii» trWu dodtto- imicai ir Irl- liili me- WiIom Orenä- ■n- _ KW Vulneral-Heilaalbe 1 Schachtel I 50M„gr. 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