�benöaosgabe Zlr. 236 ♦ 43. �ahrgaag Ausgabe B Nr. 116 ve,ug«b«dingA»g«» sab BnKtgeiumHil sind in txr Morgenausgab« onaeaeben HeOallioa: Sw. 08, Cinbenfttab* 3 Zern'precher: VSnhoff 292— 207 ZcU-VbtencSojialbcmofial Betlin Devlinev Volksblatt (lO Pfennig) Zreitag 21. Mai 1�26 S«tI«9 und Vn|ei((RabieiIun«; »«schSftnlI.it 9—8 Übt BnlcgeciOocioärtS'OccIag GmbH Setlin SD. 06. Cln&enfftab« 3 Ze?nspr»cher: Dönhoff 292— 297 Zentratorgan der Sozialdemofcratircben Partei Deutfcblands Oberstaatsanwalt?ager. Das Verhalten eines öffentlichen Anklägers. Man stelle sich folgendes vor: Ein siebzehnjähriges Mit- giied des Roten Iungsturms erschießt einen andern, wird verhaftet, verweigert jede Aussage und gerät dadurch in den verdacht, einen Raubmord begangen zu haben. Wenige Wochen vor der Verhandlung sucht der Angeklagte ein Schreiben e:wa folgenden Inhalts an zwei prominente Mitglieder der tommuniftischen Zentrale aus dem Gefängnis zu schmuggeln: Werte Genossen, Ihr wißt, daß ich die Tat in Eurem Auftrag begangen habe. Ich habe Euch bisher nicht verraten und will Euch nicht verraten. Aber das Opfer, als gemeiner Raubmörder ver- urteilt zu werden, kann ich für die Partei nicht bringen. Laßt mir durch den Verteidiger einen Weg mitteilen, wie ich die Tat als unzweifelhaft politische hinstellen kann, ohne die Anstiftung durch Euch zu enthüllen. Wenn Ihr mir keinen solchen Weg sagt, bin ich gezwungen, in der Hauptverhandlung Euren Schuldanteil preis- zugeben. Was würde geschehen? Am nächsten Tag würden die beiden Mitglieder der kommunistischen Zentrale hinter Schloß und Riegel sitzen. Falls sie Abgeordnete wären, würde sofort der Antrag auf Auf- Hebung ihrer Immunität beim Parlamente eingehen. In genau dieser Situation ober hat einen Brief genau des gleiäzen Inhalts Grütte-Lehder an die völkischen Abgeordneten Wu l l e und K u b e durchzuschmuggeln versucht. Erfolglos. Der Brief fiel in die Hände des Ober- ftaatsanwalts Jäger, und was tat dieser?— E r legte den Brief in die Akten und schwieg.... Eine Woche später läuft ein Beweisantrag der Verteidigung des Grütte-Lehder bei Gericht ein. Inhalt: Die völkischen Abgeordneten hätten gegenüber der ungarischen Regierung bei den Auslieferungsverhandlungen um Drütte- Lehder die ehrenwörtliche Erklärung abgegeben, daß die Tat eine politische sei. Sie müßten daher etwas über den Charakter der Tat wissen, es werde beantragt, sie als Zeugen zur Hauptverhandlung zu laden. Die Entscheidung über diesen Antrag fällt Landgerichts- direktor V o m b e. Er und der Oberstaatsanwalt Jäger wissen viel mehr noch als dieser Schriftsatz behauptet. Sie wissen, daß Grütte-Lehder diese Abgeordneten alsAnstifter seiner Tat bezeichnet. Was tut Herr Bombe? Er lehnt den Aeweisantrag ab. Das eigene Wissen des Gerichts verschweigt er in der Begründung der Ablehnung. In der Hautverhandlung tritt Grütte-Lehder mit seiner Beschuldigung gegen die Abgeordneten öffentlich hervor. Wird jetzt das Gericht, wird jetzt der Oberstaatsanwalt Jäger die Abgeordneten laden lassen? Erst recht nicht! Bei den Akten liegt der schwerbelastende Kassiber. Wird das Gericht ihn wenigstens zum Gegenstand der Verhandlung machen? Wird Oberstaatsanwalt Jäger dies beantragen? NichteinmaldasI Dabei haben mindestens Oberstaatsanwalt Jäger, Landgerichtsdirektor Bombe und der Urteilsfasfer, Landgerichtsrat Vornbaum, den Kassiber gekannt. In den Urteilsgründn u n t e r st e l l t das Gericht gnädigst als wahr, daß der Angeklagte subjektiv glauben konnte, zu seiner Tat angestiftet zu sein. Ob die Anstiftung tatsächlich erfolgt ist, prüft das Gericht nicht. Es sei zu lange Zeit seitdem verflossen! Ein Jugendlicher wird verurteilt, ohne daß das Gericht die behauptete Anstiftung durch promi- ncnte Erwachsene sachlich nachprüft. Ein Urteil in einer Mordsache also, das einen Haupt- und Kardinalpunkt trotz Möglichkeit der Prüfung einfach offen läßt. Grütte-Lehder ist verurteilt. Er hält seine Beschuldigun- gen gegen Wulle und Kube auftecht. Der Oberstaatsanwalt Jäger hat für olles nur ein ungläubiges Kopfschütteln. Run erklärt Grütte-Lehder. jedes Vertrauen zur Justiz verloren zu haben und nur noch vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuß aussogen zu wollen. Jetzt ist die Justiz gerettet:„Durch das weigerliche Der- halten des Grütte-Lehder wurde die Untersuchung gegen Wulle und Kube bisher außerordentlich erschwert." Das Ganze nennt sich Rechtspflege! ?lusreöen! Korrespondenz BS. meldet: .Wie bekannt, werden Reichstag und Landtag sich jetzt mit dem Antrag auf Aufhebung der Immunität der Abgeordneten Kube und Wulle zu beschästigen haben. Wie wir hierzu erfahren, haben die beiden Abgeordneten ihre Fraktionen ersucht, zur Klar- sicllung der ganzen Angelegenheit bei der Beschlußfasiung ebenfalls für die Aufhebung der Immunität zu stimmen. Der Abg. Wulle betont in einem Schreiben, daß er bereits am 5. Februar das Justizministerium, die Staatsanwalt- schaft und die politische Polizei ersucht habe, gegen ihn zur Auf- kiärung des TatbestoiGes ein Verfahren einzuleiten. Wulle erklätt, daß Grütte-Lehders Aussagen pathologische Lügen seien und veröffentlicht im Anschluß daran einen Brief des Vaters Grütte-Lehders, des Oberpostselretärs Paul Grütte aus dem Mar 192S. I» diesem an Herrn v. Sraefe gerichteten Schreiben bchauptet Grütte-Lehder sen„ daß sein Sohn in einer Art putativer Notwehr gehandelt habe, als er Müller er- schaffen habe. Müller habe sich von Grütte-Lehder beobachtet ge- fühlt und habe eines Tages zu Grütte-Lehder fcn. geäußert:„Vor wir hat Ihr Sohn mächtigen Reipefl." Ich habe ihm gedroht: .Grütte wenn Sie sich wir gegenüber widersetzlich zeigen, schieße ich Ihnen eine Kugel durch den Kopf." Dies« Drohung ist nach Ansicht des Oberpostsekretärs ernst gemeint gewesen und sein Sohn habe durch die Ermordung Müllers lediglich verhindern wollen. daß ihm später dasselbe Schicksal von Müller bereitet werde." Das Schreiben Wulles verschlechtert seine Lage nur. Fest- gestellt ist bisher, daß die Aussagen Grütte-Lehders der Wahrheit entsprechen, während sich die Behauptung Wulles, daß er Grütte-Lehder mir einmal gesprochen habe, als unwahr erwiesen hat. Welche Beweiskraft nun gar der angebliche Brief des Oberpostsekretärs Grütte haben soll, ist uner- findlich. Derartig«„Beweise" sind lediglich faule Aus- reden. Gestern noch auf stolzen Nossen... Die Völkischen erheben ein Jammergeschrei, daß der Unter- suchungsausschuß den Antrag, Wulle und Kube innerhalb 24 Stunden zu vernehmen, abgelehnt hat. Herr Kube war schon einmal vor den Untersuchungsausschuß aus den 15. März geladen worden. Damals sandte er diesen unverschämten Brief: „Auf das Schreiben des Herrn Landtagsarchioars vom 11. März teile ich Ihnen mit, daß ich am Montag, 15. März, nach- mittags 2 Uhr, vor dem Preußischen Ausschuß nicht e r s ch e i- n e n werde. Ich habe an diesem Tag als MUglied des Reichs- tages in einer Wähleroersammlung der Deutschoölkischen Frei- heitspartei zu sprechen und halte diesen Vortrag für ganz er- h e b l i ch wichtiger als Ihren Ausschuß.... DerReichs- ta'g hat nämlich erheblich mehr zu tun als der Landtag von Preußen oder Lippe-Detmold� Ich erkläre mich grundsätzlich damit einverstanden, Ihre Sitzung ein- mal zu öesuchen, bestimme aber selbst den Zeitpunkt dafür. Die entstandenen Portoto st en in Höhe von 0,40 Mk. ersuche ich umgehend auf das Postscheckkonto August Puhlmann, Berlin 50 464, zu überweisen. Ich habe nicht die Absicht, mit Ihnen in einen Briefwechsel einzutreten, der mich noch Geld k o st e t, und ersuche Sie, in Zukunft Rückporto beizulegen. W i l h e l m K u b e. M. d. R." Der Ausschuß hat also nur im Sinne des Herrn Kube selber gehandelt, da er ja gar nicht wissen konnte, ob nicht Herr Kube wieder einmal«Wichtigeres zu tun" haben würde, als vor dem Ausschuß zu erscheinen. Inzwischen wird die Staatsanwaltschaft ja wohl endlich den gestern im Ausschuß angekündigten Antrag auf Freigabe zur Strafverfolgung gegen die beteiligten Abgeordneten bei den Parlamenten gestellt haben. Dann hätten sie ja Gelegenheit, ihre Aussagen zu machen, die sie im Prozeß Grütte- Lehder von selbst nicht ergriffen haben. Das Gold der Dank von ßrantrelch. Die Regierung verlangt, die Bank verweigert es. Paris, 21. Mai.(Eigener Drahkberichl.) Dem„Ouokidien" zufolge soll zwischen der Regierung und der Lank von Frankreich ein k o n s l i k t ausgebrochen sein, der die Verwendung des(5 o l d e s der Lank zur Frankeoflühung belrisst. Bereits In der Besprechung am Rlittwochabend beim Präsidenlea der Republik Höllen Briand und der Finanzminister perel die Vertreter der Bank von Frankreich aufgesordert, der Regierung ihr Gold zur Verteidigung des Franken zur Verfügung zu stellen, was diese abgelehnt hätten. Der Ministerrat habe am Donnerstag beschlossen, mit allen Mitteln die Bank znr Acnderung ihrer Haltung zu veranlassen. Die Bank sei vorläufig ausgefordert worden, binnen 24 Stunden ihre endgültige Antwort zu erteilen, über die der für Freitag anberaumte Ministerrat zu beraten haben wird. Rötigenfalls soll dieser Ministerrat scharfe Maßnahmen gegen die Lei- t u n g beschließen. Muffolinis Gewerkschastsfchwinöel. Aufdeckung verboten. Rom, 21. Mai.(MTB.) Der„Mondo" wurde gestern abend beschlagnahmt, da er, wie verlautet, in einem Leitartikel gegen die Behauptung des Premierministers angekämpft hatte, daß der liberal-demokratische Staat der Vergangenheit angehöre, well der Faschismus glaube, den neuen Staat auf die Gewerkschaften gründen zu können..Mondo" wandte gegen diese Auffassung ein, daß der liberal-demokratische Staat anderswo in Europa und in Amerika mit seinen liberalen demokratischen Idealen noch lebendig sei, und daß die neue Art, mit der die Gewerkschaftsorganisation in Italien eingerichtet worden sei, dem Wesen der Gewerk- schaften nicht gerecht werde. Das Schwarzhemd nur den Männern. Rom, 21. Mai.(MTB.) Ein Rundschreiben des General- sekretärs des Faschismus verbietet allen faschistischen Frauen- und Mädchenvereinen die Uniform des Faschismus, d. h. das schwarze Hemd, zu tragen. Dieses Schwarzhemd fei das Zeichen des Kampfgeistes der Partei und solle daher von den Frauen und Mädchen, die sich der karitativen Tätigkeit widmen sollten, nicht getragen werden.(Sollen denn für die große Mörder- sache Frauen nicht zu Hyänen werden dürfen? Red.) Volksabstimmung über Alkoholverbot. Der Gouverneur des Staates New Park unterzeichnete die Vorlage, nach der eine Volks- abstimmung darüber stattfinden soll, ob die Einzelltaaten b e r c 6;- tigt sind, zu bestimmen, was als berauschendes oder nicht berau- fchendes Getränt gellen soll. Mtt der Unterzeichnung ist die Vorlage rechtskräftig geworden. Zrankenfturz unö Zinanznot. Mahnahmen gegen Valutaspekulation. Der katastrophale Sturz des französischen Franken hat in Frankreich die lebhafteste Beunruhigung hervor- gerufen. Der Franken steht jetzt bereits niedriger als die tschechische Krone. Die Lebensmittelpreise steigen. Man will bemerkt haben, daß jetzt auch die Kapitalflucht aus Frankreich in stärkerem Umfange einsetzt. Genau wie bei uns in der Blütezeit der für manche Leute so„schönen" Inflation wächst jetzt in Frankreich das Mißtrauen gegen die eigene Währung, und man versucht durch die Flucht in fremdes Geld oder in Sachwerte sich den Konsequenzen der Entwertung zu entziehen. Valutahyänen, jene Schieberexi- stenzen, die überall sind, wo man aus der Geldentwertung Nutzen ziehen kann, sorgen natürlich dafür, daß die in anderen Ländern gemachten Erfahrungen möglichst schnell in Frank- reich weite Verbreitung finden. So ist neuerdings dieses Land, ebenso wie früher Italien, zum Reiseziel der H o ch v a- l u t a r i e r geworden, wozu auch jetzt Deutsche gehören, um einige Wochen auf Kosten des französischen Volkes, das mit der Frankenentwertung die Rechnung bezahlt, ein billiges und vergnügtes Dasein zu führen. Es ist alles dort genau so, wie es bei uns in Deutschland gewesen ist, als Herr Poinvarö sich Mühe gab, Deutschland eine schuldhafte Verfehlung und eine bewußte Zerstörung seiner Währung nachzuweisen. Innerpolitisch sind in Frankreich die Gefahren des Währungsfchwundes größer als in Deutschland, weil der Rentnerstand in Frankreich eine viel größere Rolle spielt als bei uns. Diese Tatsache hat aus der Rot eine Tugend werden lassen insofern, als lange Zeit hin- durch die französische Bevölkerung es ablehnte und es zum Teil noch heute ablehnt, an die innere Notwendigkeit des Frankensturzes zu glauben. Die Furcht vor der Entwertung aller Rententftel nährte immer wieder die Hoffnung, daß eine Regelung der internationalen Schulden zusammen mit Stützungsaktionen und mit dem Eingang der Repara- tionszahlungen die Aussichten für den Franken wieder bessern würde. Jeder neue Fehlschlag in den internationalen Schul- denverhandlungen reizt jedoch die Spekulation, jede Hinaus- zögerung der Sanierung der französischen Finanzen, jede neue Teuerungswelle rückt die Gefahr näher, daß genau so wie in anderen Ländern die Notenpresse zur Ueberbrückung der Augenblicksschwierigkeiten herhalten und damit den Franken weiter sinken lassen muß. International ist eine Lösung um so schwieriger, als natürlich das Scheitern der letzten Schuldenvcrhandlungen das amerikanische Kapital mißtrauisch gemacht hat und als zu den französischen Währungsnöten gleichzeitig der Sturz der italienischen Lire und ein schroffer Kurssturz des polnischen Zloty eingetreten ist. Auch der belgische Franken wurde von der neuerlichen Zerrlltung der internationalen Währungen scharf mitgenommen. Alles das wirkt zu- sammen nach der Richtung, daß die internationale Finanz schwere Bedingungen stellt und sich vorsichtig zurückhält, ehe sie ihre Mithilfe zu einer Sanierung der Währungen hergibt. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, baß man in Frankreich zunächst nach denselben Mitteln ruft, die auch in ande, en Ländern angewandt wurden,»m dem Währungs- stürz Einhalt zu gebieten. Man erwägt die Schaffung einer Devisenzentrale, scharfe Maßnähmen gegen die K a- p i t a l f l u ch t und gleichzeitig wird auch der E i n s a g der Goldreserve der Bank von Frankreich zum Ausgleich der Devisenkurse gefordert. Wir, die wir mit all diesen Dingen ausreichende Erfahrung haben, wissen, daß derartige Zwangs- maßnahmen nur dann von Erfolg begleitet fein können, wenn sie zugleich mit einer gründlichen Vorsorge für die dauernde Gesundung der Staatsfinanzcn und der Währungsverhältnisse verbunden sind. Viel Zeit ist!n Frank- reich schon über Debatten verloren gegangen, wie wir sie auch bei uns erlebt haben. Man stritt sich, ob Kapital oder Ver- brauch den größeren Anteil an den Staatslasten nehmen sollen, ohne zu bedenken, daß der Kampf um die dauernde gerechte Verteilung der Steuerlasten nu r dann ivirkfam geführt werden kann, wenn eine stabile Währung vorhanden ist. Die Inflation ist die brutalste Steuer auf Arbeitskraft und Verbrauch. Anstatt darüber zu diskutieren, ob dieser oder jener Teil des Volkes theoretisch mehr Steuern tragen soll, müßte man also jetzt mit der größten Entschiedenheit daraus hinarbeiten, wie angesichts der außerordentlichen Schwie- rigkeiten die Stabilisierung der Währung wenigstens provi- soristt«-st. gen kam. Deutschland ist an der Sanierung des französischen Fron- ken besonders interessiert, weil eine engere Verknüpfung der Wirtschaftsinteressen der beiden aufeinander angewiesenen Länder nicht zustande kommen kann, so lange.'ins von beiden mit Hilfe des sinkenden Geldwertes einen Schleuderexport betreiben kann und bis zu einem gewissen Grade muß. Es wäre daher denkbar verfehlt, über den Niedergang des Franken ein Gefühl besonderer Befriedigung zu empfinden. Im Gegenteil sollten sowohl die maßgebenden deutschen Kreise wie auch die französische Regierung nach Möglichkeiten suchen, die tatsächliche Gemeinsam- k e i t der Interessen beider Länder dahin auszunutzen, um auch in dieser wichtigen Wirtschaftsfrage zusammenzuarbeiten und eine Art Interessengemeinschaft herzustellen. Es läßt sich sehr wohl denken, daß auf der Basis einer engen Verflechtung der deutschen und sranzösischen Interessen das deutsche Volt dazu berufen sein kann, seine Stimme und seine .Wirtschaftskraft mit in die Wagschale zu legen, wenn es sich darum handelt, die ungeheuerliche StSrung der inler- nationalen Handelsbeziehungen zu beseiti- gen, die zwangsläufig mit einer schweren Währungszcrriit- lung Frankreichs verounden sind. Eine derartige Derftänd,' gung müßte aber auf das schleunigste gesucht werden, wenn schlimmeres Unheil für die europäische Wirtschaft vermieden wecd-Mi soll._ wozu �bolschewistische Revolution"! Um Geld für die Rechtsparteien herauszuschlagen. Das zunächst al» sinnlos erscheinend« Geschwätz der Rechts- presse von der demnächst in Deutschland beginnenden „bolschewistischen Revolutio n" hat in Wahrheit einen sehr metallenen Linn, nämlich den, die wohlhabenden Kreise des Bürgertums in eine zahlungsfreudige Stimmung zu versetzen, um die leeren Kassen der Rechts- Parteien aufzufüllen. Der bekannte günstige Wind wehte uns dieses Schreiben des sattsam bekannten„Bürgerrats Loebellscher Führung auf den Tisch: Bürgerrat von Groß-Berlin. Berlin W. S, den 17. Mai 192«. Im Januar dieses Jahres hatten wir uns erlaubt, an Sie die Bitte zu richten, unsere Bestrebungen auch für da« laufend« Geschüsts. jähr durch«in» Beitragsleistung zu unterstützen. Da eine Entscheidung in der Angelegenheit Ihr erseit» bisher nicht erfolgte, so gestatten wir»n», unser« Bitte zu wieder- holen, indem wir auf die damals mitgeteilt« Begründung verweisen. Inzwischen ist— in Sonderheit durch die Vorgänge der letzten Tag«—-«ine politische Situation geschossen» aus der her« au» seitens der marxistisch-kommunistischen Bewegung gegen da» gesainte Bürgertum Sturm gelaufen wird. Hierdurch ist dt« schdn seit längerer Zeit unserem Land« drohende revolutionäre Gefahr, die Gefahr der bolschewistischen Bewegung, ver- xrößert worden. Dieser planmäßigen Vorbereitung einer neuen Revolution gegenüber hat die Bürgcrratsbewegung die Pflicht, Mahnahmen bereitzustellen, um im Notfalle als Abwehr- organisotion in Tätigkeit treten zu können. Daneben wird e» de» Eingreifen« unserer Bewegung, Insbe- sondere des Bürgerrats von Groß-Berlin, bedürfen, wenn mit der zu erwartenden Besserung unsere» wirtschosteleben» sich zweck» Erringung höherer Löhne automatisch ein? Streikwelle über das Land ergieße» wird. Zur Durchführung der genannten Aufgaben, die erhebliche An- forderungen an die Tätigkeit des Bärgerrat» von Groh-Berlin stellen werden, bedürfen wir ausrelchender Mittel. Wir geben uns der Hoffnung hin. daß Sie uns bei der Aufbringung diese« Kampf- fand» durch Ueberweisung«ine» größeren Beitrage« unterstützen werden.... Mit vorzüglicher Hochachtung Bürgerrot von Groh-Berlin. Der yinanzaueschuß. I. A.: Dr. Landsberg. Man bemerke: Auf einen Bettelbrief vom Ja- n u a r ist kein« Antwort gekommen Deshalb muß ein n« u e r Brandbrief losgelassen worden, der mehr Erfolg hoben soll. Um diesen Erfolg zu sichern, bringt man die„bolsck�wistische Revolution" als nah« bevorstehend in Erinnerung. Schließ- lich, so denkt der„Dürgerrat", kann kein kapitalistischer Geld- schrank widerstehen, wenn man ihm mit„Bolschewismus" winkt. Roch tvirksamer aber erscheint die Erinnerung daran, daß bei Dcssening der Wirtschaftslage die Arbeiter allgemein besiere Entlohnung verlangen könnten. Gegen ein« solche „Streikwelle" will der„Bürgerrat" aufmarschieren. L o e b e l l, der Präsident und Dr. L a n d s b e r g, der Finanzaueschuß- nionn, wollen gemeinsam als Streikbrecher auf- treten. Dazu braucht der„Dürgerrat" Geld, und um das zu bekommen, braucht er die„bolschewistische Revolution". Im Schwindeln ist die Gefolgschaft der Hohenzollern schon immer groß gewesen. Der Schwindel von der nahe, womög- lich gar zu Pfingsten bevorstehenden„bolschewistischen Revo- lution" ist aber so abgeschmackt, daß ihn auch die Geldschränke der Angebettelten verstehen werden. Denn schließlich ist ein Unternehmer doch zuerst Kaufmann. Und da wird er sich hüten, aus ein so faules Angebot hereinzufallen, wie der Loebell-Rat es ihm macht. Der als„Kommunisteninoasion" ausgeschriene Rote- Fronttämpf«r-Tag zu Pfingsten ist— w«nn nicht Lockspitzel dabei wirksam werden— sehr hannloser Natur. Er wird eine Anzahl von Platzkonzerten,„Volksfesten", De- ?rübungsabenden,„Gemütliches Zusammensein" mit Kaffee- üche und Tanz und dergl. schöne Dinge aufzeigen. Auch eine gemeinsame Kundgebung im Volkspark Neukölln mit Schal- meienbläsern und sonstigen Spielleuten, und— nicht zu vergessen—«in„Vorbeimarsch vor der Bundes- l« i tu n g"! Nun ist eine Revolution mit Schalmeienbläsern, Kaffee- küche und Vorbeimarsch sicher keine„bolschewistische Revolu- tion". Die Behauptung, daß sie mit dem Pfingsttreffen de» Roten Frontkämpferbundes eiimeleitet werden, ist so dumm. daß sie nur in der Hugenb«rg-Elaß-Preste und in den Bettel- briefen des geldarmen Loebell-Rats verbreitet werden kann. Sonst glaubt sie kein Mensch! *• Ilm die Mär von der kommunistischen Revolution und ihrer Unterstützung durch den Berliner Polizeipräsidenten glaubhafter er- scheinen zu lasten, hatte das Blatt von Claß und Sodenftern auch behauptet, Polizeipräsident Grzeflnski Hobe am Montag gelegentlich einer Besprechung einem Gruppenkommandeur Vorwürfe gemacht, daß dessen Beamte bei der Sicherung der monarchistischen Kund- gebung am Sonntag„zu scharf gegen die Kommunisten vorgegangen" sei. Jetzt ist die„Deutsche Zeitung" gezwungen, eine B e r i ch t i- gung wiederzugeben, wonach„der Polizeipräsident weder am Sonntag noch am Montag mit irgendeinem Gruppen- kommandeur überhaupt gesprochen und zu keiner Zeit und keiner Dienststelle keinem Beamten oder Offizier Vorwürfe der angedeuteten Art gemacht" habe. Der durchsichtig« Schwindel ist schnellsten« aufgedeckt, wobei wir die Bemerkung nicht unterlassen wollen, daß solche Borhaltungen an Offiziere und Beamte, die wirklich zu schroff vorgegangen wären, durchaus verdienstlich hätten sein können. vas tzugenberg-Konsortium. Tie Haussuchungen bei den Industriekapitänen. Die Aktion der preußischen Polizei hat durch die Maß- n a hm e n bei der Reichswehr» die Minister Dr. Külz im Reichstag ankündigte, ihre Rechtfertigung gefunden. Hätte diese Aktion keinen anderen Erfolg als den, Verbindungen zwischen der Reichswehr und staatsfeindlichen Organisationen aufgedeckt und zerstört zu haben, so wäre sie schon dadurch als ein notwendiges Unternehmen zum Schutz der de- stehenden Staatsordnung gerechtfertigt. Es bleibt also höchstens die Anklage gegen die Polizei übrig, den Kreis ihrer Untersuchungen zu weit gezogen und unbeteiligte Personen behelligt zu haben. Diese Anklage erhebt gegen sie der volksparteiliche Land- tagsobgeordnete Dr. P i n k e r n e i l in der„Täglichen Rund- schau". Er bezeichnet die Putschpläne recht wohlwollend als „mehr oder weniger ernstzunehmende Spielereien", und er meint, Leute, die damit ihre Zeit verbrächten, könnten schon „Haussuchungen vertragen". Desto empörter ist er über die Haussuchungen bei Vogler, W i s t o t t, Loewenstein, Kirdorfs und Prof. Bernhard, die nach seiner Ueber- zcugung„mit Putschisten nicht in einem Atem genannt werden dürfen. Wie kam es aber zu den Haussuchungen bei diesen Herren? Nach Dr. Pinkerncil ist die Lösung des Rätsels sehr einfach: „Durch die Steuerbehörden war es möglich, hinter die Ga- ranlen der Hugenbergschen Unlernehmungen zu kommen, das Kol- legium von Männern der Wirtschaft, das sie verwaltet. Ein enges Einvernehmen zwischen Steuerbehörde und Kriminalpolizei führte zu Haussuchung«« bei btefen genannten Herren» die etae Art A»s. sichtsrat der sogenannten Hugenbergschen Unternehmungen dar- stellen." Man darf Herrn Dr. Pinkerneil für diese Aufklärungen danken. Die Leute, bei denen gehaussucht wurde, sind also Garanten der Hugenbergschen Unternehmungen. Claß hat den Bürgermeister N e u m a n n- Lübeck für seine Putsch- pläne zu werben versucht und sich dabei auf sein E i n o e r- ständnismitHugenberg berufen. Dadurch wurde dieser für die Polizei interessant— nur wegen seiner Abgeordneten- eigenschaft entging er selber der Haussuchung. Die Polizei kannte aber auch, meint Dr. Pinkerneil, die„Garanten der Hugenbergschen Unternehmungen", und diese Unternehmungen sind, wie Dr. Pinkcrneil zugeben wird, nicht nur Wirtschaft- licher, sondern ganz vorwiegend politischer Art. So zeigen Dr. Pinkerneils Ausführungen nicht nur, daß die Haussuchungen bei den Garanten des Claß-Freundes Hugenberg sachlich berechtigt waren, sondern auch, daß weitere eingehende Untersuchungen notwendig sind. Welche Beziehungen bestehen zwischen den Unternehmungen von Claß und den Unternehmungen von Hugenberg? Wann wird Elaß als Beschuldigter und der immune Hugenberg zunächst als Zeuge über diese Frage vernommen werden? Seknfucht nach üem Linksputsch. Hat ma« keinen, macht man einen. Die„Rote Fahne" schreibt: Wie un» von zuverlässiger Stell« mitgeteilt wird, haben die schwarzweißroten Organisationen zu Pfingsten ver- schieden« ihrer Mitglieder beauftragt, bewaffnet in Uniform und mit Abzeichen de« Roten Frontkämpfer. bunde», am Aufmarsch der Roten Frontkämpfer teilzunehmen, um unter allen Umständen bewaffnete Zusammen st öße mit der Polizei zu provozieren. Dazu wird uns au» Bremen gemeldet, daß am Dienstag auf dem Bureau des Roten Frontkämpferbundes zwei Spitzeln Waffen, Leuchtpistolen und Totschläger abgenommen wurden. Die„Rote Fabne" bestätigt damit unsere Auffassung. daß die Rechtsputschisten durchaus einen Kommunistenputsch haben wollen. Daß sie uns trotzdem wegen dieser Auffassung noch in derselben Nummer Schurken und Verbrecher nennt, ist offenbar nur ein redaktionelles Versehen. Die Luüenüorff-Legenüe. General �ransvis zerstört sie. Daß ein sonst dummer Mensch aus einem Spezialgebiet Tüchtiges leistet, kommt vor. Und so hat man sich auch oft die merkwürdige Erscheinung zu erklären oersucht, daß Ludendorsf ein bedeutender Feldherr gewesen sein soll. Indes sind neuerding, Kritiker am Werk, vor denen die Legende von Ludendorsfs Feldherrngröße nicht standhält. Bor einiger Zeit hielt General a. D. v. F r a n« o i s einen Bor. trag über Tannenberg, in dem er den Namen Ludendorfs gar nicht erwähnte. Darob Skandal beim Dortrag selbst und völkisch« Gegenkundgebung des Oberstleutnant» o. D. Ahlemann. Nun veröffentlicht o. Franiois in der„Tägl. Rundschau" einen Aufsatz, in dem er ausführt, er habe bei seinem Dortrag über Tannen. berg den Namen Ludendorsfs in dessen eigenem Interesse verschwie- gen. denn hätte er ihn genannt, so hätte er sagen müssen, d a ß d i e Schlacht von Tannenberg verloren worden wäre, wenn man die nervösen, teils übereilten, teil, wieder verspäteten Befehl« Ludendorsfs befolgt hätte l General v. Fran�oi», der Führer des 1. Armeekorps bei Tannen- berg. belegt seine Behauptungen im einzelnen. „Man sieht in mir Tannenberg," sagte Ludendorff Im Münche- ner Gerichtssaol. Und bei einer anderen Gelegenheit:„Ich habe die Schlacht von Tannenberg gewonnen." Nach v. Froniois wäre das erste eine optisch« Täuschung, das zweite ein historischer Irrtum. Schattmann: Die Hochzeit ües Mönchs. Uraufführung im Dresdener Opernhaus am IS. Mai. In Dresden läßt es sich der rührige General Fritz Busch an- g�egen sein,«inen Ueberblick über zeitgenössische» Opernschasfen zu geben. Es hagelt nur so Erstaufsührunoen, Neueinstudierungen. In einem Monat Wetll und Schottmann, im nächsten dann die Puc- cinische„Turandot", und zwischendurch ein neu bearbeiteter und«. kannter Äerdi. Alle Hochachtung vor diesem Eifer und Wagemut. Vielleicht geht dabei etwa» von Stil» und Richtungscharatter ver- loren, weil man von link» und von recht» her die Wert« feiert, wie sie fallen. Aber es ist Leben da, und für uns Berliner bleibt es«in wenig beschämend, daß wir zu Neuem von der Spree an die Elb« fahren müssen. Diele S ch a t t m a n n sche Oper nun steht zwischen rechts und links. Si« ist ein Kompromiß und ist nicht gerade neu. Oster. mann schrieb da» Buch, frei noch einer Nenaissance-Novelle von E. F. Meyer. Es ist eine poetische, reine und geschickte veorbeituna, im psychologischen Kern nicht lehr tief, im HondlungsmSßigen nicht unkompliziert, aber die Sprach« hat Glanz, die drei Akte streben heftig zu einem großen Konflikt. Ist dieser auch am Ende silmhaft, mindesten» aber veristisch, so klingt doch auch viele» durch, wo» lebendig gefühlt ist und dem Komponisten reiche Stichworte hinwirft. Nur da» Gerippe der Handlung kann hier erzählt sein: Padua, 13. Jahrhundert. Der Gras Vicedomini hat«inen Sohn, Astorre, der ol» Mönch Lenedictu» die Schmerzen der Acrmsten lindert. Als sein zweiter Sohn Im Felde getötet wird, verliest der Alte die päpstliche Bulle, nach der Astorre von der Priesterseyast befreit ist. Gleichzeitig nimmt der sterbend» Vater dem Sohn da» Gelübde ab, sich mit Diana, der Tochter de» Grafen Pizzaguerra, zu vermählen. Astorre verspricht»» widerwillig. Zugleich entdeckt er seine Nei- gung zu Antlope, der Tochter einer wahnbesangenen Gräfin Olym- pia aus dem Geschlecht der Kanossa. Die Pflicht zum Gelübde und die Liebe kämpfen in Astorre, zwischen den beiden Frauen tobt die Leidenschaf», den Geliebten zu erobern. Unser Gefühl wählt und eik.scheidet rasch für die zarte Neigung der Antiope: aber Diana fußt aus den letzten Willen eines Toten. Dieser letzte Wunsch wird durch die Wahnsinnig« vereitelt. Sie läßt ihr Kind mit Astorre trauen und findet bei der heiligen Handlung— Wunder Gottes!— ihr« geistig« Gesundheit wieder. Diana aber oerlangt Buße und bestimmt sie selber:«in einziger Kuh de» sinnlich Geliebten soll am Tag der Hochzeit ihr« Rache stillen. In leidenschaftlicher Hingabe ersti»t sie Astorre und sich selber. Dreifache Entschuldigung für die Krankheiten und Cssekte des Buches: 13. Jahrhundert. Italien, E. F. Meyer. In der Komprl- mierung ist alles an Kontrasten und Leidenschaften noch schärfer de- tont. Aber schließlich kennt die Renoisianceliterotur noch schlimmer« Morde. Musik konnte mildern, erklären, vereinfachen, veredeln. Alfred G ch a t t m o n n unterstreicht kompliziert, macht Laute» lauter, Unaebändigtes noch verwegener. Er kann sehr viel und hat noch mehr an Borbildern gelernt, von dieser sind Strauß, Puccini, d'Albert die Hauptgötter. Diel schöner Gesang, Bildhaftes, Kirchlich- Weihevolle» kenn-cichuct eine ehrliche fühlende, zum Ausströmen cantabler Linien bereite Musikantenscele. Auch die motivische Arbeit im Skurrillen, Pathologischen, Abschreckenden ist gekonnt, ist deutlich und effektvoll. Doch auch persönlich? Die Partitur läuft trotz der Lautheit und Deutlichkeit de» Auedrucks streckenweis ganz leer, und die gehobenen Affekte der Liebe finden nicht den Komponisten eigener. lodernder, überströmender Begeisterung. Dos Handwerk tötet gar zu oft die Inspiration, die Routine, den Erfolg eines reinen Wollen» ab. Sympathisch ist diese ganze Art schon darum, weil Modernes nur zur Färbung, nicht al» Selbstzweck erkannt, aestaltet ist. An- lätze zu großer dramatiliber Linie überall, aber si« setzen au», finden sich erst auf Umwegen wieder und enden zuletzt in knalligen Pointen oder ermüdenden Stillständen. Schottmann ist klug genug, um, mit öd Iahren seine erste Oper hörend, eigene Mängel zu erkennen. Er ist in der Ehrlichkeit seiner künstlerischen Arbeit auch dann zu loben, wenn diese„Hochzeit" nicht zu einem dauernden Bündnis von Wollen und Können geführt hat.— Die Aufsührung war glänzend. Bor allem wußten Plascht«, Taucher, Schöpf. l i n und die außerordentliche B u r k h a r d t dem Willen de» Kam» ponisten und der anfeuernden Gebärd« Büschs gerecht zu werden. So kam ein respektabler, wenn auch nicht großer Erfolg für den hochbegabten und doch sehr bescheidenen Schattmann heraus. _ Kurt Singer. Iranerfeier für Professor Cr. Pelcr Jessen. Eine Gedächtnis- feier für den verstorbenen langjährigen Direktor der Staatlichen Kunstbibliotbek, Geheimrat Prof. Dr. Peter Jessen, fand gestern in dem Hörsaal de» alten Kunstgewerbemuseums statt. Die Trauer- Versammlung füllte den großen Saal bi» aus den letzten Platz. Schwarzumtleidete Wände, grün« Pflanzen und weiße Blüten schufen ein« weihevolle Stimmung. Das Haoemannsche Streich- quartett leitete mit einem Adagio von Druckner die Feier«In. Dann ergriff der Amtsnachfolger Profesior Jessen», Direktor Dr. Glaser, das Wort. Er gedachte de» unermüdlichen Wirken, de» Berstorbe- nen zum Wohl« de» ihm anvertrauten Instituts, das er nicht nur verwaltet, sondern ausgestaltet und schließlich sogar völlig neu aus- gebaut habe, so daß die einstige Fachbibliothek heut»in« umfassend« Kunstbibliothek darstellt. Aber der unermüdliche Gelehrte spann sich nicht in seine Facharbeit ein. Ueberall war er zur Stelle, wo es galt, neues Kunststreben tatkräftig zu fördern, im Auslände wie in der Heimat. In Deutschland hat er als erster die Aufmerksam- keit auf die englischen Topetendruckc gelenkt: dos deutsch« Buchwesen fand durch ihn wirksamst« Unterstützung: die deutsche Modenindustri« verdankt ihm Belehrung und Förderung. Mit dem Gelöbnis der Irene zum Werte Peter Ielsen» schloß der vortragende. Die ver- dienst« de» Lerstorbenen auf einzelnen Fachgebieten würdigten im Anschluß daran Staotsministcr o. D. Albert für den Freunde»- kreis der Staatlichen Kunftbibliochet sowie Vertreter des Verein» für deutsches Kunstgewerbe und des Rcichsoerbondes der deutschen Modenindustri«. Tes. Ein wichtiger sozialistischer Neudruck. Im Lcrlaa I. H. W. Dietz Nachf., Berlin, ist Franz Mehring,„L e s s i n g- L e» gen de"— Zur Geschichte und Kritik de» preußischen Despotismus und der klassischen Literatur— in neunter Auslage erschienen. Da dies bedeutsame Weck seit einiger Zeit vergriiien war, ist mit seinem Neudruck eine fühlbar gewordene Lücke in der soziolistischen Literatur wieder ausgefüllt. Die Lessinz-Legende ist nicht nur eine vorzügliche Darstellung von Lessings Leben und Werk, sondern zugleich eine ausgezeichnete Schilderung de» Zeitalters Friedrichs II. von Preußen. Friedrich Engels schrieb über die Lcssing-Legende:„Sie ist bei weitem die beste Darstellung der EMstehung de» preußischen Staate». die existiert, ja ich kann wohl sagen, die einzig gute, in den meisten Dingen bi» in die Einzelheiten hinein richtig die Zusammenhänge ent- wickelnde." Die neue Ausgab« des Buches ist auf gutem Papier gedruckt und in gediegenem Ganzleinenband gebunden, sie kostet v,SIab, organinert wu:de. bat einen auherordenllich itarfal Blülch aufzuwe i«u. Die Antltellnngtteilung bat dedbalt beschlossen, die Antilellyna bis 31. Mai zu verlängern. Di« Vi»- anftalwnz ist täglich von 9 bi» 7 Uhr bei sittew einkill ga besichtige Zentrum und Schwarzrotgolö. Tie katholischen Arbeiter gegen die Z�laggenverordnung. Das Organ der katholischen Arbeiter- und Knappenoereine West- deutschlandz, die„W e st d e u t s ch e Arbeiterzeitung", verwahrt sich in längeren Ausführungen gegen den Versuch, die schwarzrotgoldene Fahne zu verdrängen und den Farben der Monarchie wieder den Weg zu ebnen: Schwarzweißrot ist und bleibt das Symbol des alten O b r i g k e i t s st a a t e s, des Deutschlands der Privilegien und Dorrechte der«inen und der Bevormundung der andern. Schwarzwcißrot ist das Symbol des kleindeutschen Staates. Und Schwarzrotgold ist das Symbol des werdenden sozialen V o l k s st a a t« s, des Staates der inneren Freihci t und Gleichheit der Staatsbürger. Schwarzrotgold ist das Symbol Großdeutschlands. Was soll nun die Emheitsslagge symbolisieren? Kompromiß und Halbheit sind doch wirklich nicht so achtbar« Dinge, daß ihr Symbol lebendige Menschen anziehen und mit- reißen könnet! Die Arbeiterschaft steht zu Schwarzrotgold. Die katholische Arbeiterschaft ganz sicher! Man mach« sich nur keinen blauen Dunst vor, als ob die katholische Arbeiterschaft innerlich einen Flaggenwechsel mitmache! Der in der Floggen- Verordnung liegende Versuch, die schwarzweißroten Farben stärker zur Geltung zu bringen, ist nicht nur in der sozialistischen, sondern auch in der katholischen Arbeiterschaft sehr un- willig ausgenommen worden. Das schwarzrotgoldene Reichsbanner ist uns heilig. Zeder Versuch, diese Flagge zurückzudrängen oder gar zu beseitigen, wird von uns katholischen Arbeitern West- dcutschlands als Fr e o e l empfunden. Wenn darum die Jen- trumspartei gut beraten ist, so läßt sie ihre Finger von solchen Experimenten weg. Achtung vor dem Symbol der Reichs- Verfassung, der Flagge Schwarzrotgold! 3e entschiedener gerade die Zcntrumspartet sich zur schwarzrotgoldenen RcichsslagcK bekennt. um so eher wird diese Flagge die deutsche Einheiteslagge sein. So stellen wir uns die Lösung der Flaggcnfrage vor. Die Reichstagsfraktion des Zentrums hat wiederholt versucht. einen politischen Kurs einzuschlagen, der auf die Opposition der katholischen Arbeiterschaft stieß. Sie hat damit schlechte Erfahrungen gemacht. Der Angriff auf die Farben der Republik zeigt, daß auch einer Partei, die sich bemüht, zwischen den Parteien der Rechten und der Linken einen Ausgleich zu finden, Grenzen gezogen sind. In der Flaggenfrage wird sich das Zentrum klar entscheiden müssen, ijier gibt es kein Kompromiß. Die polnische Präsidentenwahl. Wird Pilsudski doch kandidiere«? Warschau,?l. Mai.(Eigener Drahtbcricht.) Die Rationalvcr- sammlung dürft« am heutigen Freitag auf nächsten Freitag oder Eonnabend nach Warschau einberufen werden, um den Präsidenten der Republik zu wählen. Da die Hälfte der Abgeordneten und Sena- toren zur Beschlußfähigkeit genügt, brauchen sich nicht allzu viel von der Rechten zu beteiligen, wenn sie nicht wollen. Drei oder vier Präsidentenposten Marschall Pilsudski sei. In der Sitzung der Sejm stattfinden— vielleicht sein« letzte Sitzung. Die Polnische Sozialistische Partei und die drei anderen Linksparteien haben den Beschluß gefaßt, daß der einzig mögliche Kandidat für den Präsidentenposten aMrschall Pilsudski sei. In der Sitzung der deutschen Sozialisten und des jüdisch-sozmlistischen.Bund" wurde der gleiche Beschluß gefaßt. Man spricht davon, daß die Rechte den ehemaligen Präsidenten Wojcjechowski als Kandidaten aufstellen wolle. Die gesamte Linke erklärt dies für eine Provokation, die kaum möglich sei.' Kohlendebatte im Unterhaus. vonbon. 20. Mai.t> 666 Goldrubel an die Ge- werkschaften zu oerhindern. erNärte der Staatssekretär des Innern, daß die Regierung zweifellos die ihr aus den Bestimmungen über den Ausnahinezuftänd zustehenden Mackitmittel angewendet haben würde, wenn es sich darum gehandelt hätte, Gelder, die zur Unterstützung des„ungesetzlichen" Generalstreiks ins Land kämen, zu beschlagnahmen. Der Streik der Bergarbeiter sei jedoib zwei'Ä- los ein wirtschaftlicher Kampf. Wenn andererseits die Gewerkschaften heute Gelder von ausländischen Organisationen nähmen, um die Streikfolgen bei ihren Mitgliedern zu lindern, so könne dies die Regierung nicht oerhindern. Es wäre ja auch noch schöner, wenn die Regierung sich derart in die Angelegenheiten der Gewerkschaften einmischen wollte. Streik der Pariser j?risenrgehilfe«. Paris, 21. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Pariser Friseur- gehilsen haben in einer am Donnerstag stattgefun denen Sitzung, an der etwa 15 666 Mann teilgenommen haben, beschlossen, den Streik zu proklamieren. Der Beschluß soll heute morgen in Krast treten. ?er-ntwi>r!Ii» kür Politik:«ruft Rcvtrr: Wirtschaft:«rwr Satrrao,: Sewcrlschafisbcwcaun!!: grirdr. SUUtn: gruillrlon: ft. 8. Dölchcr: Lokalr» unt> Eortsiiuer Äti* Karftädt: ilutrioen: Zt. chistke; siimtlich in Petit«. Seriaa: Lotwärtz-Berlaa®. m. b. 8.. V-rlin. 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Gneiltltr 2, lnwte im SelchStte- simmrr in Kördtelrug drtm 1 Borsitzendrn Wahl»ur Einüchtnahtnr Hit dir Mh» plitbrr oo.'i Sonntag, dr.t 2). Mai 1926, ab au» Mit genalrntchafUtchem Grust lnpirnuenidiist UtielNlte I.Il..ed!dkU. ?aul Engel. W. Wahl. Biianj m 31. Skzemver 1925. Kaga»Konto A 385,43 Grschditoan» Banl-Konio» 200,— trtl-Ponto A 1370�- Srundti»KonL 122.05 Rrsrroesond». Wrrtzrug» und Konto.. 1 745,31 Srratr-Konio 2,40 Konlo-Korrrnt- Sakung-Konto 1.— Konto.. 210,- Inorntar-KonL 1,— Britragslanto 258.— Konto-Korrent»' M Konto... 893, Srländrbrstand Irrsrn.. 250, Seiändrdrftand Kördistrug ZZrrlust.. 175.- 1 218.43 M 3583,81 .« 3 58331 48«mina- und DetluR-ftonta HandL-Un!- Konto Rittrr- Sonto M 1 382.77 flutSrelen JS3068.31 Sut Kördi». stia«-»' taute» Ber» e-Konlo 150,— trug B-riust A 46.82,77 A 4 8-4.77 San-OenossEDsdiaft BargcrwaJds i. Ujrk S.®. m b H. ju Berlin Paul Engel. B Wahl. .Auf Teilzahlung HKMbep-nd Garderobe! 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G.m.b.H. LMesstrsfet iUutuüen- Allec TO Kasuoien- auec 1-0 BERLINER PRMER An beiden Pfingstfeiertagen f rQhttonzerl Vorstellung Kaffcckochcn* Tanz Eintritt 50 Pfg.• Eröffnung 5 Uhr» Anfang 6 Uhr w i r k a a■ sind die KLEINEN ANZEIGEN In derGesamtanüage des„Vorwärts" und --I nd II Billige Pfingstangebote in Herren- Anzüge ähnlichen Stötten«ut Roßhaar.« 45» 43, 3Ü Herren-Anzüged"0K.sToTf?nra.nu"i�or- rasender Ausmustcruns• e.• 95, 02, 73 09, 55, Sport-Anzüge mit 39.— Gabardine-Mäntel�as!1?!' �2' Covercoat-Paletots �75"«, � /15.— SPS.ZlAlPftB�V'US röß HCßflCN UND KM!l£NHeiDUN& Am ßoseutha'.er Platz 1• ßosenlhaier StraCe 1