Mbenöausgabe Nr. 238 ❖ 43. Jahrgang Ausgabe g Nr. 117 Dezugsbedlniiungen und Anzllsennriis« f.nd in d«r Mnrgenausnnbe anneneben Nedatlion: STB. 68, Cintendcafae 3 Fernsprecher: VSnhoff 292— 297 T«I.-Adrcsse:Soz>oIdemo»roI Berlin Devlinev Volksblstt (lO Pfennig) Sonnabend 22. Mai1�2H Seile« und An,et«enabtetlun«i Ses-l>Sst»,eit»-» ll»r 2arIeger:I>orn>arIS'verIog«gmby. Berlin STD. 68, Oindeasirab« 3 Fernsprecher: OSnhoff 292— 297 Zcntralorgan der Sozialdemokratifchcn parte! Deutfcblands Die Stützungsaktion für üen Franken. Einigung zwischen Regierung und Bank von Frankreich. Varls, 22. Mai(Eig. Drahtbericht). Der Konflikt zwischen der Bank von Frankreich und der Regierung ist beige» legt worden. Nach stünnischen Auseinandersetzungen in einer B«- sprechung beim Ministerpräsidenten ist es gelungen, eine Einigung zwischen der Regierung und Bank zu erzielen. Die Interventionen, die von der französischen Regierung auf dem Devisenmarkt von Paris und New Park veranlaßt worden find, haben eine beträchtliche Erholung des Franken zur Folge gehabt. Die Pariser Notierungen für angelsächsische Devisen sind stark gesunken: das Pfund, das vor drei Tagen über 17S erreicht hatte, wurde am Freitag abend mit etwa 150 gehandelt und der Dollar sank entsprechend von 36,50 aus etwa 31. Das Währungs» Problem ist jedoch durch diese mit börsentechnischen Mitteln erzielte Erholung des Franken keineswegs gelöst. Um den Franken auf dieser Höhe zu halten, muß die Regierung so rasch als möglich einen Plan zur Sanierung der Währung vorlegen. NichtdieGoldreserve, aberderMorgaufonds bereitgestellt. pari». 22. Mai.(WTB.) Ueber die gestern zwischen den Leitern der Bank von Frankreich einerseits und Ministerpräsident Briand und Finanzminister Peret andererseits geführten Derhond- lüogen berichten einige Morgenblätter, daß gestern vormittag bei Beginn des Ministerrats ein Brief des Gouvenreurs der Bank von Frankreich verlesen worden sei, in dem erklärt wird, die Leiter der Bank weigerten sich, die Sold reserve der Regierung zur Verfügung zu stellen, jedoch seien sie bereit, die Intervention»- mittel aus dem Fonds Morgan zur Verteidigung des Franken nutzbar zu machen. Das wurde nach dem„Quotidien" als ein er st es Entgegenkommen bezeichnet, und auf Grund dieser Entscheidung sind die Verhandlungen mit den Leitern der Bank gestern mittag wieder aufgenommen worden. Schließlich soll nach den Auskünften des„Quotidien" folgendes Kompromiß zustande gekommen sein: Das Ministenum hat sich mit den Ver- treten, der Bank von Frankreich über die Verwendung des Morgan- fouds verständigt. Ein größeres Pariser Bankinstitut wird auf dem Markt von Paris und New Park die Operationen für die Wiederherstellung des Franken leiten. Die Bank von Frankreich behält das Derfügungsrecht über die Goldreserve, aber es ist verabredet worden, daß diese Reserve die Defensivoperationen des französischen Kredits für die französische Devise unbedingt garantiert. Gewisse Modalitäten über den Beistand der Bank sind noch nicht geregelt. Sie dürften heute im Verlaufe einer neuen Konserenz festgelegt werden. �lbü el Krim auf üer ßlucht? Di« neue spanisch-französische Offenfive. Parts, 22. Mai.(Eigener Drohtbericht.) Aus Marokko wird gemeldet, daß der französisch-spanische Vorstoß so erfolgreich ver- laufen ist, daß die französisch-spanischen Truppen den östlichen Teil des Riss besetzen und eine einheitliche Front von Ajdir zum Uergha herstellen konnten A b d e l Krim soll nicht nur gezwungen worden sein, sein bisheriges Hauptquartier zu verlassen und nach dem Westen des Riss zu flüchten, nach den in Melilla um- laufenden Gerüchten soll er sogar gefangengenommen worden sein. Die Groß-hamburg-Zrage. Nach der Veröffentlichung des vreustischen Gutachtens. Nach jahrelangem Stocken sind die Verhandlungen zwischen Preußen und Hamburg über einen G« b i e t.» a u l- tausch und einen Fina.n zausgleich zwischen den beiden Ländern jetzt wieder in Gang gekommen, seitdem aus Veranlassung der preußischen Staatsregierung der frühere Minister Dr. D r e w s gemeinsam mit Gros R o e d e r n ein« Denkschrift über die strittigen Fragen ausgearbeitet hat. Diese Denkschrift ist jetzt der Oeffenllichkeit übergeben worden und soll offenbar den weiteren Verhandlungen zugrunde gelegt werden. Hamburg benötigt für die Entwicklung seines Hafens unbedingt eine ErweiterungfeinesStadtgebiets. ms an allen Ecken und Enden im Hafen auf preußische Ge- 'ietsteile stößt. Die Hamburg vorgelagerten preußischen ?tädte und Gemeinden kommen auf der anderen Seite durch die üel günstigere finanzielle Situation Hamburgs in ein« benfalls unerträgliche Lage. Hamburg kann als -ötadfftaat auf die Erhebung von eigentlichen Kommunal- teuern beinahe verzichten und ist trotzdem in der Lage, viel zrößere Leistungen auf allen Gebieten der Kommu- nalpolitik durchzuführen. Aus diesen Schwierigkeiten sucht die Denkschrift der von Vreußen eingesetzten Sachverständigen einen Ausweg dadurch, �aß im Hafengebiet ein Gebietsaus tausch zugunsten Hamburgs stattfinden soll, daß Hamburg zugunsten der preu- zischen Vorortsgemeinden eine dauernde Verpflichtung zu einem Finanzausgleich bis zu der Höhe eingehen soll, daß diese Gemeinden in ihrer Leistungsfähigkeit nicht hinter Hamburg zurückstehen. Außerdem wird die Einrichtung einer gemeinsamen Verwaltungsstelle für all« das Wirtschaftsgebiet Groß-Hamburgs angehenden Fragen an- geregt. Die preußische Regierung hat offiziell zu dem Gut- achten noch nicht Stellung genommen. Man kann aber aus der Tatsache der Veröffentlichung entnehmen, daß die preu- ßische Regierung sich nicht von vornherein auf einen rein partikular! st ischen Standpunkt zu stellen gedenkt. Die Frage, was ans Hamburg werden soll, ist in der Tat von der allergrößten wirtschaftlichen und politischen Be- deutung, und es muß der dringende Wunsch ausgesprochen werden, daß eine Lösung gesunden wird, die unter Berück- üchtigiing der Interessen beider Länder doch das für die deutsch« Entwicklung notwenige Ziel einer größtmöglichsten Förderung des Hamburger Hafengebiets im Aug« behält. vie Aufnahme in Hamburg. Hamburg, 22. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Dos gestern ver- öffentlichte Gutachten der preußischen Staotsminister a. D. D r e w s und Graf R o e d« r n wird in der Hamburger Presse al» wenig befriedigend bezeichnet. Dos„HamburgerEcho* schreibt:.Don Groß-Hamburg könne man bei Durchführung der vorgeschlagenen Etaotsgutochten überhaupt nicht reden. Denn der Zuwachs, den Hamburg im Wege des Gebietsaustausche» erhallen soll, sei nur minimal. Wenn Hamburg auch dann noch große Ab- findungssummen zahlen solle, würden ihm die Mittel fehlen. das übereignete Gebiet zu Hafenanlagen und Arbeitersiedlungen wirklich auszubauen. Die größten Schwierigkeiten dürfte der vor- geschlagen« Verwaltungsausgleich bereiten. Hier erkenne man, daß auch«in Aufgehen Hamburgs in Preußen keine Lösung bringen könne, weil zwischen der Stadt Hamburg und der preußischen Provinz Hannover sowie Schleswig-Holstein die- selben Schwierigkeiten weiterbestehen würden. Nur mit sehr viel gutem Willen sei mit der schwierigen Frag« fertig zu werden.— Der demokratische.Hamburger Anzeiger* erklärt ebenfalls, daß er an keine Verbesserungen de» Verwaltungsousgleichs glauben könne. Das Gutachten wolle die Gebietsfrage im kleinsten, die Finanzfroge aber im größten Rahmen aus Kosten Hamburgs lösen.— Das.HamburgerFremdenblatt* meint, der vorgeschlagene Staatsoertrag stell« immerhin eine annehmbare Regelung dar, wenn auch das Risiko für Hamburg sehr groß sei. Der..Hamburger Korrespondent* und die.Hamburger Nachrichten* hoffen gleichfalls, daß. man zu einer Verständigung mit Preußen auf Grund des Gutachtens kommen könne. Die„Hamburger Nachrichten" weisen noch besonders daraus hin. daß Preußen den geringen Ge- bietsverlust um so eher verschmerzen könne, als ihm die Einver- leibung L i p p e s in Aussicht gestellt sei. Altonaer Wünsche. Hamborg, 22. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die städtischen Kollegien von Altona nahmen am Freitag abend mit allen gegen zwei Stimmen eine Entschließung an die preußische Staats- rcgierung an, in der erneut auf die unhaltbare Situation der Stadt Altona hingewiesen wird, und ohne Rücksicht auf den Ausgang der Vethandlungen zwischen Hamburg und Preußen die Regelung des Finanzausgleichs mit den preu- ßischen Nachbargemeinden Hamburgs schnellstens ge- sordert wird. Gleichzeitig wird die preußische Staatsrcgierung er- sucht, mit größtmöglicher Beschleunigung die Eingemeindung der westlich der Stadt gelegenen 9 Gemeinden einschließlich der Stadt Blankenese in Altona durchzuführen. voltspartei für Rechtsregierung. Eine Darstellung des Zentrums. Die Reichstagssraktion des Zentrums gibt in der ihr nahestehenden Presse eine Darstellung der Vorgänge, die zum Sturz Luthers und zur Ernennung des Justizmimsters Marx zum Reichskanzler geführt haben. Darin ist folgende Stelle besonders bewerkenswert: Die Besprechung mit dem Fraktionsführer der Deutschen V o l k s p a r t e i weckte in Dr. Adenauer die Ueberzeugung, daß diese Partei weder für jetzt, noch auch nach Erledigung der schweben- den Streitpunkte für absehbare Zeit der Herbeiführung der Großen K o a l i t i o n, der zurzeit allein möglichen Mehrheitsbildung, geneigt sei. Unter diesen Umständen erklärte Dr. Adenauer sowohl dem stellvertretenden Reichskanzler Dr. Geßler, wie auch der Zentrums- fraktion gegenüber, von dem Dorschlag seiner Person als Reichs- kanzler gegenüber dem Herrn Reichspräsidenten Abstand nehmen zu wollen. Die Haltung der Deutschen Volkspartei gegenüber Herrn Dr. Adenauer legte ihm auch die Vermutung nahe, daß die Deutsche Volkspartei da» zu bildende Kabinelt als Vorstufe zu einer Rechts- koalition betrachtet wisieu wolle. Für da» Zentrum ist eine solche Regierung, auch in ihrem Ansongsstadium auf kleinerer Basis, unter den gegenwärtigen Verhältnisien aus außen- und innenpolitischen Gründen nicht diskutabel. Aus dieser Darstellung ergibt sich, daß der volksparteiliche Einfluß für die gegenwärtige Regierung eine schwere Belastung darstellt, daß auch ein« Regierung der Großen Koalition ständigen inneren Kampf bedeuten würde und daß auf die Scha'fimg stabilerer Verhältnisse nicht zu rechnen ist, solang« nicht das Volk deutlicher als bisher bekundet hat, daß es eine Rechtsregierung nicht haben will. Der belqische Senat nahm am Mittwoch mit der großen Mehr- heit von 94 gegen 12 Stimmen den Gesetzcntwurs über die I9monatige Dienstzeit an Die Not üer Junglehrer. Eine brennende Aragr. Von Friedrich Weigeli. Ein Problew, das feit sechs Jahren auch die breite Oeffent- lichkeit in steigendem Maße interessiert, ist die Frage, wie den stellungslosen Junglehrern geholfen werden kann. Nach der Uebersicht, die der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung dem Landtage zugehen ließ, besitzt Preußen insgesamt 101 807 Lehrer- und Lehrerinnenstellen. Die Zahl der Bewerber und Bewerberinnen beträgt 39 250, das find 3ö'/u> Proz. der Stelleninhaber. Davon find 10 199 als Ver- treter im AusHilfsdienst tätig, 29 057 sind stellungslos. Preußen steht mit diesem Junglehrerüberfluß fast voll- ständig allein innerhalb der deutschen Staaten da. Veranlaßt wurde er durch den Zuzug der Flüchtlingslehrer aus den abgetretenen preußischen Gebieten Posen, West- preußen, Oberschlesien, Schleswig und Rheinland. Hier zeigten sich die partikularistischen Bestrebungen der übrigen deutschen Staaten. Sie lehnten es ab, trotzdem der Krieg eine Angelegenheit des ganzen Deutschland war, die Folgewirkun- gen aus diesem Schul- bzw. Beamtengebiet gemeinsam zu tragen, indem sie sich auf ihre landesgesetzlichen Rechte beriefen. Dadurch entstebt der seltsame Widerspruch, daß zu derselben Zeit, in der der preußische Kultusminister erklärt, er wisse nicht, wie dem Iunglehrerelend beizukommen sei, die Länder Mecklenburg und Hamburg neue Lehrer- bildungsgesetze vorlegen, deren rasche Erledigung mit der Begründung gefordert wird, daß in kurzer Zeit in diesen Ländern ein katastrophaler Lehrermangel herrschen werde. Auch Sachsen und die meisten anderen deutschen Staaten beschäftigen ihre Lehramtskandidaten bereits im Schuldienst mit vollem Gehalt. Bayern gewährt seinen etwa 3500 Junglehrern eine monatliche Entschädigung, die als Unter- Hallszuschuß bezeichnet wird. In Preußen dagegen sind noch mit wenigen Ausnahmen die Schulamtsbewerbe, die 1919 ihre Prüfung machten und die Bewerberinnen von 1911 außerhalb der Schule. Die Rot dieser Stellungslosen wird erst ganz erfaßt, wenn man in Betracht zieht, daß sie als Beamtenanwärter der Gnipe VI l nicht das Recht haben, Arbeitslos en Unterstützung zu beziehen. Run sind unter dem Ministerium Bölitz 1 600 000 M. in den Etat eingestellt worden, die einem kleinen Teil der Bewerber als Fortbildungszuschüsse in Höhe von 25 bis 75 M. monatlich ausgezahlt werden. Dafür müssen wöchentlich sechs bis zehn Hospitantenstunden geleistet und die Arbeitsgemeinschaften für Lehrerfortbildung besucht werden. Da der Hospitant nur am Morgen während der Unterrichtszeit in die Schule kommt, fo ist es ihm nicht möglich, irgendeine Nebenarbeit anszusühren, denn selten werden Be- triebe ihren Aushilfen in dieser Zeit Urlaub gewähren. Der junge Lehrer ist also vollständig auf den geringen Betrag des — schon mit Absicht nicht Unterhaltunqszuschuß genannten — Fortbildungszuschusses angewiesen. Die übergroße Mehr- zahl aber steht vollständig mittellos da. Die sozialdemokratische Reichstagssraktion hatte bei der Beratung des Haushaltsplanes für 1925 zur Unterstützung der Junglehrer auf Antrag Löwenstein sechs Millionen gefordert, die auch in der dritten Lesung angenommen wurden. Dabei wurde geltend gemacht, daß auch Staaten und Gemeinden je eine gleiche Summe zu demselben Zwecke aufbringen sollten. Leider strich der Neichsrat die Hälfte, so daß noch drei Millionen übrigblieben, und der Sparausschuß des Reichstags kürzte dies« Summe abermals um 20 Proz. Es ist zu hoffen, daß die restlichen 2100 000 M. recht bald den Ländern zur Verfügung gestellt werden und zur Auszahlung kommen. Im Hauptausschuß des Preußischen Landtags wurde jetzt die Summe von 1 100 000 M., die für Fortbildungszuschüsse eingesetzt waren, auf fünf Millionen Mark erhöht. In der Begründung zu diesem Antrage hob der Abg. Simonevon der sozialdemokratischen Fraktion lzeroor, daß 1913 der Kultusetat 21 Proz. des Gesamtetats darstellte, während es heute nur noch 16 Proz. sind. Etwa acht Millionen erspare Preußen ollein an der Li' und heute in Form eines beansprucht. Der Finanzminister aber forderte noch eine weitere Kürzung des Etats. Demgegenüber ist zu fordern, daß durch Herabsetzung derKlassenfrequenz der junge Lehrer die Möglichkeit bekommt, in den Schuldienst zu treten, damit er aus dem unwürdigen Zustand eines Douerhospitan- t e n mit schlechter Bezahlung herauskommt. Ein Länder- a u s g l e i ch würde die Unterbringung der Stellenlosen be- schleunigen In Schupo-, Fach- und Fortbildungsschulen sind oft noch Lehrer mit Doppelbeschäftigung untergebracht. Auch hier würden durch Ablösung der nebenamtlichen Lehrkräfte und durch Ersatz hauptamtlich Beschäftigter sich Unterbrin- gungsmöglichkeiten in großer Anzahl ergeben. Das preußisch« Kultusministerium sollte im Sinne eines Antrages, der in den Hauptausschußoerhandlungen von sozialdemokratischer Seite gestellt wurde—„Das Staatsministerium wird ersucht, alle zur Abhilfe der Iunglehrernot gefaßten Beschlüsse des Land- rags in die Tat umsetzen*— e n d l i ch handeln. Es besteht die Gefahr, daß die in den Junglehrern wachen, jugendstarken, vom Ideal beseelten Kräfte zum müden Skeptizismus um- schlagen. Nicht ohne Grund fürchten, wie der Abg. Schultz von den Dcutschnationalen es bei der Iunglehrerdemonstration im Lehrervereinshaus hervorhob und wie es auch der Verlauf dieser Kundgebung zeigte, die rechten Parteien die Lehrerbildung, die 1911 15 581 313 M. erforderte Abwicklungsfonds mir 6 376 200 M. radikale Einstellung der Junglehrerschaft. Sie wendet sich zum größten Teile mit ihren Sympathien dem Sozialismus zu. Der junge Staat aber würde durch ihre Schularbeit tat- kräftigste Unterstützung finden. Er möge diese Kräfte nicht abstohen, es würde sich bitter rächen. verfolgte Unschulö. Wulle will es nicht gewesen sein. Reinhold Wulle ist sehr ärgerlich. Der preußische Untersuchungsausschuß hat es ihm angetan. Weniger durch Grütte-Lehders Belastungsaussagen, als durch das Referat des Vertreters der S t a a t s a n w a l t- s ch a f t ist Reinhold Mulles Glaubwürdigkeit schwer erschüttert. Er und sein Frund, Herr K u b e, der junge Mann der Deutschoölkischen Freiheitspartei mit dem Ohr- feigengesicht haben zwar bisher für den Untersuchungsaus- schuß nicht viel übrig gehabt und mit schnoddrigen Redens- arten ein Erscheinen abgelehnt. Aber jetzt scheinen sie es dock) für zweckmäßig zu halten, zu reden, und Reinholb Wulle redet. Drei Spalten seines völkischen Leiborgans füllt er init einer langen Litanei. Man liest sie einmal, man liest sie zweimal und schließlich, weil man befürchtet, es könnte einem doch etwas entgangen sein, ein drittes Mal und gesteht sich am Ende, daß Herr Reinhold Wulle eigentlich g a r n i ch t s gesagt ha:. Reinhold Wulles Klagelied ist sehr einfach: Severing hat schuld, Severing hatte die Deutschvöltische Freiheits- Partei, diesen Edelklub lichter Ariergestalten, verboten. Was Wunder, daß es deswegen im Jahre 1923 bei Reinhold Wulle zuging, wie in einer— Judenschule! Es war ein schreckliches Durcheinander. Reinhold Wulle schildert es bewegt. Er wußte nicht mehr ein noch aus, niemand konnte er trauen, lauter Spitzel drängten sich an ihn heran, jeden Tag mußte er seine Bureauräume räumen lassen, um die Arier loszu- werden, die von ihm Geld und Unterstützung erbaten. Wie konnte Reinhold Wulle unter solchen Umständen Mord- gedanken in seinem reinen Busen hegen? Rein, das ist eine Berleumdung. Kein Eiigel ist so rein, wie er. Er war gegen jede Gewalt. Vorsichtshalber versichert er allerdings,„unter den damaligen Umständen". Er ist also eine Art Gegenstück zu den Kommunisten, die es auch für zweckmäßig halten, unter den„heutigen Um- ständen" den Putschtsmus lieber abzusagen. Reinhold Wulle sieht voller Hoffnung der gerichtlichen Verhandlung entgegen, wahrscheinlich hat er nicht Unrecht: die Richter waren für seinesgleichen immer noch gnädig. Und sollte sich wirklich für die Herren Wulle und Kube ein Richter finden? Putschisten muß man fest anpacken! Ter„Tag" sagt es. In Hugenbergs„Tag" von heute morgen liest man: Fürst Bismarck sagte einmal:„Zuweilen besteht das echte Wohlwollen darin, Blut zu vergießen, das Blut einer auf- rührerischen Minorität zur Verteidigung der ruhelieben» den und dem Gesetz« gehorchenden Majorität. Eine Regierung muß konsequent sein. Die Festigkeit, ja sogar die Härte einer herrschenden Macht ist eine Bürgschaft des Friedens, sowohl nach außen wie nach innen." Die Geschichte kennt Beispiels für ein solches Borgehen auch auf politischeni Gebiet. So fordert der englische Premierminister William Pitt>n einer Rede vom 16. Mai 1794 die vorübergehende Aushebung der Habeaskorpusakte, die jedem Engländer persönliche Freiheit gewährleistet, als in den Revolutions- kriegen gegen Frankreich revolutionäre Umtriebe im eigenen Lande aufgedeckt werden, die aus das kämpfende englische Heer überzu- greifen drohen. Das englische Parlament bewilligt diese Forderung in der Erkenntnis der Gefahr, und die Bewegung wird nieder- gehalten. Zum Unglück des deutschen Volkes hat es 1917 und 1918 in der Schicksalsstunde des Reiches ein solches Pa'rla- m e n t n' ch t b« s e s s e n. Die Frage de» Eingreifens wurde nach förmal-julistischen Gesichtspunkten geprüft und entschieden. Ueber die Meinung, während des Krieges habe es in Deutschland ein Uebermaß von persönlicher Freiheit gegeben, wollen wir mit dem„Tag" nicht streiten. Wichtiger als die Vergangenheit sind Gegenwart und Zukunft. Für sie lehrt der„Tag" die Republik, wie„eine aufrührerische Mino- rität" zu behandeln ist und wie der Reichstag die deutschnationale Interpellation über die preu- ßische Aktion gegen Claß und Konsorten erledigen soll. Auch die„f o rm a l- j u r i sti s che n Gesichtspunkte", die jetzt von der gesamten Rechtspresse zur Verteidigung der Rechtsputschisten vorgeschoben werden, finden durch den„Tag" eine treffsichere Würdigung. Waffen zur Solschewistenrevolution. Der Fsilmkostümverleih liefert sie. Unter der Ueberschrift„Russische Gewehre in Berlin gefunden" berichtete gestern die Nachtausgabe de»„Tag" in ausfälligem Druck über einen Waffenfund, dessen wirklicher Tatbestand dem„Berliner Tageblatt" folgendermaßen gemeldet wird: Einen recht lustigen Beigeschmack hatte gesteln nachmittag die Zwangsgestellung von elf Mitgliedern des Roten Front- b u n d e s in der Romintener Straße. Passanten beobachteten diese jungen Leute, die große schwere Pakete bei sich führten, und ängst- liche Gemüter riefen das Ueberfallkommando herbei in der Annahme, daß die Betreffenden gestohlenes oder requiriertes Eigentum fortschleppten. Die Beamten der Schutzpolizei nahmen die eis Personen fest und brachten sie mit ihren großen Paketen nach dem Polizeipräsidium, wo sie sofort der Abteilung la vorgeführt wurden. Hier öffnete man die Pakete und fand darin elf Gewehre, drei Bajonett« und drei Pistolen. Zur allgemeinen Ueberraschung der Polizeibeamten, die schon einen wichtigen Waffenfund gemocht zu haben glaubten, erklärten die Festgehaltenen, daß e» sich um Waisen handele, die sie von einem FIlmkoslümoerleihgeschäst zur Aufführung einer Revue am Sonntag geliehen hätten. Es handelte sich um ganz alte Modelle 71, die auch nicht ablieferungs- pflichtig sind. Nachdem der Sachverhalt einwandfrei festgestellt worden war, tonnten die Sistierten mit ihren„Waffen" das Präsidium wieder verlassen. « Wie die„B.Z." meldet, ist eine Urlaubssperre für die Pfingsttage über die Berliner Reichswehrtruppenteile oerfügt worden. Die Reichswehr wird zwar nicht„bereitgestellt", aber sie bleibt kaserniert. Mit Recht kritisiert die„B. Z." diese Maß- nähme und fragt, ob noch immer eine geheime Verbindung zwischen Reichswehrstellen und völkischen Wünschen und Forderungen besteht. Wenn die Nachricht der„B.Z." über die oerfügte Urlaubs- sperre und die Kasernierung der Reichswehrtruppenteile zutrifft, so ist das eine Maßnahme, gegen die man im Interesse der Reichs- wehrfoldaten, denen man aus diese Art in ganz überflüssiger Weis« die Pfingstfeiertage verdirbt, nicht entschieden genug protestieren kann. Wenn die zuständigen Stellen glauben, daß sie damit unter den Reichswehrmannschasten ein« erbitterte Stimmung gegen die .Roten" erzeugen können, so ist das eine gefährliche Rechnung, denn in Wirklichkeit wird sich dies« Erbitterung gegen d i e richten, die diese ganz überflüssig« undschikanöse Maßnahme gegen die Soldaten getroffen haben: das werden die Reichswehr- soidaten um so stärker empfinden, weim die Pfingsttage vorüber sind, ohne daß auch nur das geringst« passiert sein wird. gn auffälligem Gegensatz zu dieser Kasernierung der Reichswehr steht die Tatsache, daß neben anderen Mitgliedern des Reichskabi- netts der gegenwärtige stellvertretende Leiter des Reichswehrministe- riums. Dr. Külz, einen Pfing st Urlaub nach Zittau ange- treten hat. Damit wird am besten dotumentiert, daß man in führenden Reichswehrkreisen ebensowenig wie sonstwo an die „kommunistische Putschgefahr" glaubt. Es bleibt daher für die Urlaubssperrung und Kasernierung nur die eine Erklärung noch übrig: daß man in der Bendlerstraße eine Berührung zwischen Reichswehrsoldaten und Roten Frontkämpfern vermeiden möchte: offenbar weil man befürchtet, daß durch dies« Berührung die Roten Frontkämpfer vom„unpolitischen Geist" der Reichswehr angesteckt werden könnten. Oder etwa umgekehrt? Die Reaktion in üer Kirche. Synodalbeschluft gegen einen sozialistischen Pfarrer. Die Kreissynode des Berliner Kirchenkreises Friedrichswerder II hatte dieser Tage wieder einmal eine Sitzung, die sich zunächst mit innerkirchlichen Dingen beschäftigte. Nachdem sie vier Stunden gc- tagt hatte, wurde plötzlich nach der Mittagspause von dem vclks- parteilichen Pfarrer Luther beantragt, den Fall B l e i e r auf die Tagesordnung zu setzen. Das war eine bösartige Ucberrumpc- lung der Synode wie des sozialistischen Pfarrers Bleier, der sich vor der Mittagspause bereits hatte beurlauben lassen müssen, weil er nachmittags an zwei Trauerfciern teilnehmen mußte. Der„Fall Bleier", der in dieser Art zur Sprache kam. ist in Wirklichkeit ein„Fall der kirchlichen Reaktion", wie er ausgesprochener nicht in Erscheinung treten konnte. Dem Super.n- tendenten des Kirchenkreise» war nämlich B l e i e r s Eintreten für die F ü r st e n e n t e i g n u n g in die ehrwürdigen Gebeine gefahren. Er hatte deshalb schon vorher dienstliche Auskunft über Bleiers politisch« Betätigung verlangt—«ine Sache, die ihn gar nichts an- geht. Aber jetzt in der Synodalversammlung entlud sich der ganze Zorn der reaktionären Amtsbrüder über das Haupt des abwesenden Sozialisten. Der deutschnationale Pfarrer Philipps machte den Staatsanwalt. Wie die Dinge verliefen, schildert uns ein Mitglied der Synode, das nicht den Talar trägt, mit folgenden Sätzen: Was ich in dieser einen Stunde des Referats und der Aussprache in der Synode erlebt habe, ist mir trotz meines Alters noch auf keinem Kongreß vorgekommen. Mit welchem„h e i l>- gen Haß und welcher„christlichen" Liebe hier g e g e n e, n e n Amtskollegen vorgegangen wurde, spottet oller Beschre!- bung. Den Haß der Arbeiterschaft gegen die Kirche kann ich nunmehr vollkommen oerstehen.... Auf Antrag des Deutschnationalen Philipps wurde folgender Antrag zur Fürstenenteignung angenommen: Die Kreissynode sieht die Frage der F ü r st e n a b f i n d u n g als eine zivilrechtliche Frage an. Sie bedauert, daß sich die politischen Parteien dieser Frage bemächtig» haben und die Volks- leiden chasl ausgepeitscht ist. durch Volksentscheid die Fürsten- samilien ihre, Eigentum» zu berauben. Warnend erhebt sie ihre Stimme und bittet ihre Gemeindemitglicder, sich an diesem Un- recht nicht zu beteiligen. Die Synode macht sich also selbst zum Gralshüter des dem Volke geraubten Fürsteneigentums. Für die Pfarrer der evangelischen Kirche(Kreis Friedrichswcrder II) gilt das Bibclwort nicht mehr:„Du sollst nicht Schätze sammeln, die die Motten und der Rost fressen." Für sie gilt nur das Wort:„Wer Knecht ist. soll Knecht bleiben!" Mit solcher Ausfassung der christlichen Pflichten wird die evangelische Kirche der Großstadt allerdings die wenigen An- Hänger nur vertreiben, die sie bisher noch in Arbeiterschichten hatte!_ Sur den Volksentscheid. Kundgebung des Deutschen Ariedenskartells. Das Deutsche Friedenstartell wendet sich an die Mit- glieder aller ihm angeschlossenen Organisationen, um sie aufzufordern, s ü r das vom Volk« begehrte, die ensschädigungslofe Enteignung der Fürsten aussprechende Gesetz zu stimmen. Diejenigen Pazisisten, die in der«ntschädigungslosen Enteignung der Fürsten nicht die ideale Lösung erblicken, erkennen doch, daß, nach Loge der Ding«, da j e d e Aussicht auf rechtzeitige Verabschiedung eines sie befriedigenden Gesetze» geschwunden ist, die An- nähme de» vom Volke begehrten Gesetzes»in weit geringeres U« b e l wäre, als seine Ablehnung, denn die ungeheuerlichen Summen, die den Fürsten gerettet würden, kämen vor ollem ver nationali st Ischen Reaktion, kämen der Vorbereitung des Rachetrieges zugute. Ein Sühnen-öilöerbogen. Uraufsühmng in der Volksbühne. Paul Zech» eigenartiges Bühnenwerk,„Das trunkene Schiff, das gestern die'Volksbühne am Bülowplog herausbrachte, ist nur mit der Vorrede zu verstehen, mit der Zech sein Buch einleitet, und die im Beginn des Stücks auf die Lein- wand projiziert wird:„Dieser Ballade liegt stofflich das Schicksal des Menschen Jean Arthur Rimbaud, geb. am 20. Oktober 1854. gestorben am 10. November 1891 im Hospital de la Conception zu Marseille, zugrunde. Er war mit 17 Jahren der berühmteste(und gcnialste!) Dichter Frankreichs, warf de» Krempel Literatur fort und urllzog achtzehn Jahre lang das Leben eines Menschen, dem die Welt wahrhastig zu klein ist. Teile seines dichterischen Werkes sind dieser Ballade einverleibt worden. Die Anekdote weicht nur an wenigen Stellen von den historisch belegten Begebenheiten ab. Aber darauf kommt es hier gar nicht an." Da» ungeheure Leben eines Menschen, dem die Welt zu klein geworden ist... Der deutsche Gedichtband Arthur Rimbauds ent- hält feine Lebcnsgcschichte. In Wirklichkeit ist sie von einer Aden- teuerlichkett, wie sie sich das Hirn sensationslüsterner Journalisten nicht phantastischer ausmalen kann. Rimbaud stürmte über Schick- sale und Länder. Er war ein Besessener, den die Zivilisation Europas anekelte und der in grandiosem Schwung alle gesellschaftlichen und moralischen Hemmungen über den Hausen warf. Ein herrlicher Vorwurf für einen Dramatiker. Paul Zech ver- sucht Rimbaud» gespannten Lebenswillen in achtzehn kurzen Bildern darzusiellen und nennt sein Werk eine szenische Ballade. In Form > nd Inhalt erinnert sie an Arnolt Bronnen«„Ostpolzug", das Drania, in dem nur«in einziger Darsteller spielt. Im trunkenen Schiff sind viele Schauspieler deschästigt. Im Grunde hat es aber nur anderthalb Rollen, die Dichter Arthur Rimbaud und Paul Verlaine, der den jungen Rimbaud entdeckt hat. Verlaine ging an stiiicm geliebten Freund zugrunde, da er sich„ickit von ihm los- machen konnte, als dem curopamuden Stürmer auch oer Pariser Literat anzuekeln begann. Paul Zech ist es nicht gelungen, die» Schicksal zur großen Tragik auszumünzen. Das Winseln der Szenen zwischen Rimbaud und Verlaine erscheint als Ausbruch weibischer Hysteriker. 2n den übrigen Bildern sind zwar die ungeheuren Energien eines Menschen vom Uebersonnat angedeutet, Zech bringt sich ober um die Wirkung, indem er Rimbaud zu einem geiserndeii Literaten steinpelt, der bis zum Ueberdruß hochgsstelzte Sentenzen vrn sich schleudert. Dennoch war die Aufführung in Erwin Piscator» Insze- nierung ein Erlebnis, das nicht leicht vergessen werden wird. Um den Szenenwechsel für die aufgeführten sechzehn von Paul Zechs achtzehn Bilde''n ohne Zeitverlust oneinaciderzureihen, hat er die Bühnenbilder auf eine dreigcteilte weiße Wand projiziert. Die Projektionsbilder stammen von George Groß und bilden in ihrer anklagenden Schärfe den �schönsten Genuß des Abends. Piscator verwendet auch in einer Szene den Film— man muß sagen, mit gutem Recht und in eindrucksvoller Gestaltung. £« große, schwere Rolle des Rimbaud hatte man Karl Ludwig Achaz anvertraut. Vor längerer Zeit, als Achaz den Hamlet spielte, erlaubte ich mir, die Volksbühne darauf hinzuweisen, daß man für eine Aufführung des Hamlet zunächst einmal einen Darsteller für den Hamlet höben müßte: dasselbe gilt für„Das trunkene Schiff". Vielleicht wäre die Vorstellung zu einem vollen Erfolg geworden, wenn man sich einen Darsteller herangeholt hätte, der seiner Ausgabe gewachsen ist. Achaz besitzt nur eine dürftige Skala von Ausdrucksmöglichkeiten, die sich stets wiederholen. Er stürzt sich mit Derbe in seine Rolle und Hot sich bereits in den ersten Szenen völlig ausgegeben. Es gelingt ihm nie, so besessen er auch spielt, dem Kraftmenschen Rimbaud Leben einzublasen. Paul Zechs szenischer Ballade fehlt ein Erfordernis des Theater»: die Dramatik,«ein Verdienst bleibt aber der Hinweis auf den großen französischen Lyriker, von dem ein« Strophe hier wieder- gegeben werden soll: Und ich, der mit furchtlos gewölbten Brauen Höllen und Himmel zerschnitt vorn auf dem Bug—: Ich fürchte das Festland Europa mit seinem grauen verwitterten Mauerbctrug._ Ernst Segne r. „360 Frauen" Im Theater In der Klosterstrahe. Das Nein« Theater in der Klosterstraße, daß sich im vergangenen Winter die Sympathien seiner Besucher erworben hat, beginnt nun die Sonnnerspielzeit mit einem Schwant des Geschwisterpaares v. W e n tz e l, der trotz seines etwas knalligen Titels sehr ge- schmackooll und nicht weniaer witzig ist. 360 Frauen— in jedem Monat drei, das macht im Jahre sechsunddreißig und in zehn Jahren 360. Und dies? 360 Frauen, lies: Blüten, hat Herr Wolfgang während seines Junggesellendaseins umgaukelt wie ein Schmctter- ling. Hier ein bißchen, dort ein bißchen— das war schmerzlich viel für sein? Lotte, besonders darum, weil sie'» ain Hochzeitsabend erfahren mußte. Und wer hat ihr zu diesem Geheimnis ver- Holsen? Die liebe Freundin, das Fräulein Doktor, da» mit Drauf- gängertum und noch mehr Ungeschick die„versklavle Frau" befreien will. Die Schwankverfasser haben die Sache würzig eingerührt: Lebenscchtheit und Wärme werden aber vor allein durch die aus- gezeichnete Darstellung der Schauspiele? vermittelt. Die Regie von O tz Tollen ließ alles im Galopp über die Bühne gehen, so daß es nirgends eine müde Stelle gab. Otz Tollen als bedrängter Ehemann, den man am Hochzeitoab.no um das Eine bringt, verdient ebensoviel Anerkennung, wie sie ihm als Regisseur zukommt. Sprache. Gebärde und Mimik: fabclhast: eine geschlissene Leistung. Seine Partner halten sich auf gleicher Höhe. Eva F a r i l d, von niitreißcnder Lebhaftigkeit und doch immer allerliebst, M i l a de l a E h o p e l l e, reis»id überzeugend in ihrer Rolle, Harry Förste-r, kernig, gutmütig, humorvoll als Allrsoerjöhner, und Maria Hofen, schlaksig und drollig als Mädel aus wachsen (sie müßte sich allerdings darum bemühen, ein wenig gelöster zu spielen), alle sind zu loben.— Gut« Reise in den Sommer! A. F. Die deutschen Verleger zum Schundliterotar-Grseß. Der Deutsche Verlegerverein hat jetzt in seiner Hauptversamnilung zum Gesetz über Bewahsung der Jugend von Schund- und Schmutzliteratur Stellung genommen. Ein Vertreter des Vereins hat in einer Unter- redang dem Minister des Innern mitgeteilt, daß das Gesetz in seiner jetzigen Form für den Buchhandel untragbar sei, was der Minister durchaus anerkannt hat. Als Bedingungen formulierte der Ver- legeroerein folgende: Anträge aus Beanstandungen können nur von Landeszentralbehörden und Landesjugendämtcrn ausgehen. Die Kommissionen bei den Ländern können nur mit einer qualifizierten Mehrheit entscheiden. Eine Oberprüfstelle müßte beim Reiche einge- richtet werden, die als Berusungsinsranz einstimmig zu entscheiden hätte. In dieser Berusungsinstanz müßte auch der Buchhandel ver- treten sein. Auch der Börsenvereln der deutschen Buchhändler hat sich diese Forderungen zu eigen gemacht. SIS 000 amerikanische Worte. Ein„Neues Standard-Wörter- buch" der amerikanischen Sprache ist von Dr. F. H. Vizetelly ver- öffentlicht worden. Dieses Lexikon, das den gesamten englischen Sprachsotz umsaßt, der in den Vereinigten Staaten angewendet wird, enthält 515 900 Worte. Der Verfasser hat gefunden, daß der durchschnittliche Amerikaner höchsten, 10 000 dieser Worte benutzt, aber die Bildung neuer macht große Fortschritte, und täglich werden neu« Ausdrücke geprägt, die dos britische Englisch nicht kennt. Massensterben von Arbeiterinnen durch Radium. Ein geheim- nisvolles Massensterben von Fabrikarbeiterinnen in dem Betriebe der United States Radium-Eorporation in Ncwark und Orange im Staate New Persey hat jetzt eine eigenartige Aufklärung gesunden. Der Tod der Mädchen erfolgte durch Einwirkung von Radium, das trotz sehr kleiner Mengen so schreckliche Folgen hatte. Die jungen Fabrikarbeiteriiincn waren damit beschäftigt, an Taschenuhren die Zifsern durch Bestreichen mit Radiumfarbe leuchtend zu machen, so daß sie auch im Dunkeln zu erkennen sind. Die Farbe wird mit einem Pinsel ausgetragen. Um diesen für die feine Arbeit recht spitz zu formen, haden die Mädchen die Gewohnheit, die Pinselspitze zwischen die Lippen zu nehmen. Ein Zahnarzt, der eines der Mädchen wegen Zahnschmerzen in Behandlung gehabt hatte, stellte einen rätsclhaslen Knochenschwund am Unterkiefer seiner Patientin fest. Schließlich erlag das Mädchen der stet» weiter um sich greifenden Krankheit, und es fand die Sektion statt, der der Zahnarzt beiwohnte. Dieser machte die überraschende Entdeckung, daß einige Kieserknochcnreste im Dunkeln Licht ausstrahlten. Die Erscheinung fühne nach der „Umschau" daraus, die Ursachen der Erkrankung in der Beschäftigung de» Mädchens in erwähntem Betriebe zu oermuten und zugleich die fürchterliche Gefahr zu erkennen, die in jener Beschäftigung liegt. Mit einem Male war die Ursache de» Todes von sieden Mädchen, die, wie von einer rätselhasten Epidemie dahingerafft, gestorben waren, ouigeklört und der Grund der Erkrankung dreier weiterer, dem Tode naven jungen Arbeiterinnen erkannt. Einstweilen steht man den Radiumoergistung:» hilflos gegenüber. Die duich die Lippen und den Speichel dem Körper zugcführten Teilchen Radium bewirken bei den Patienten ausfallende Blässe und Müdigkeit: später bilden sich äußerst schmerzhafte Abszesse und schmerzhafte» Dahin- siechen. Die letzte Witwenverbrennung In Indien. Ein Fall religiösen Fanatismus, der sich vor einiger Zeit in Kaschmir, dem britischen Vasallenstaat in Ostindien ereignete, hat die Engländer bestimmt. ein Gesetz zu erlassen, das die einem uralten religiösen Aberglauben huldigenden Fanatiker mit schwerer Straf« bedroht. Der neueste Schritt der Engländer in dem Kampf gegen den indischen Fanatis- Mus gibt Gelegenheit, an die legte Witwenoerbrennung großen Stil» Sonntagszüge. Nein, für.feine Leute' sind sie nicht, diese mit derbem, lärmen- dem Leben vollgestopften, rumpelnden Kasten.„Feine Leute' bleiben «onnrag» überhaupt zu Hause und machen ihre Ausflüge wochentags, wo man von dem Gedränge zwischen all dem„Volk' verschont bleibt. Die große Masse der nicht Automobilbegnadeten aber stürzt sich des Sonntags in der Frühe kampfgewohnt in dos Getümmel entlang der fast endlos sich erstreckenden Zugbandwürmer. Da werden blumenhaft zarte Sommerhüte zerknickt, Regenschirme verbogen, L-Saiten auf Wimmern und Klampfen zerrissen und Rückfahrkarten — Anhänger der weit besseren alten Zeit sagen immer noch treu- deutsch und eisern: Retourbilletts— unter die scharrenden, drängen- den Füße getreten. Endlich ist alles verfrachtet und hat sich ins gehörig« Pökelheringsformat gebracht. Mancher seufzt heimlich: „Nächsten Sonntag steh« ich aber bestimmt noch früher auf, damit ich einen Sitzplatz kriege." Bei solchen Borsätzen gibt es aber meistens Enttäuschungen, denn entweder„versagt" der Wecker, oder halb Berlin besteht aus solchen Schlaumeiern. Hier winkt nur Rettung durch Schlafsack und Wanderzelt für den, der. ein Nachtlager im Grand-Hotel„Mutter Grün" nicht verschmäht, wenn es erst wärmer geworden ist. Ratternd und rumpelnd rollt die endlose Wagenkolonne in den Frühling hinein. Fabriken, Gaswerke und Vorortmietkasernen mit unsagbar scheußlichen Hinterfronten fliehen zurück, die Schreber- „Domänen" werden auch verlassen, und es öffnet sich richtige „Gegend". Aus allen Abteilen tost und schmettert das Leben.„Durch Berlin fließt immer noch die Spree" oersichert gellend eine Ziehharmonika:„Bin ein fahrender Gefell'" sucht ein Klampfenquartett sie zu übertrumpfen. Gesprächbrocken durchschwirren die engen Kam- mern..In England könnse heute nich uss Sonntastour jehn.".Fräu- lein, Sie könn' sich ruhig uff mein' Schoß setzen, ick verlange kcene Miete for' Siestasitz dafor.".Stresemann ist der typische Exponent dcs neudeutschen Geschäftsinternationalismus.".Hoch, hier zieht es aber scheußlich!" Na, wenn Sie ihre Klappe auch so ausreißen!" „Letzcndliche Sehnsucht des neuen Menschen geht irgendwie nach Erlösung im restlosen Ich-Du-Erlebnis."„Puh, wie riecht es hier!" „Eh Sie drinn warn, Hots janich jefwnken!" Ja, eine bunte Vielfalt incnfchlichen Seins trägt so ein Berliner Sonntagszug durch märkische Kiefernheide. Aber zwei große, sich mit Blicken, spitzen Worten und in, Gedrängel sogar durch anonyme Handgreiflichkeiten bekämpfende Parteien hat der Kundige bald erkannt: das sind die rauhbeinigen Natursucher mit Rucksack, Nagelschuhen und Hordentopf nebst bronze- bereiftem weiblichen Anhang einerseits, und die Bügelfaltenkavaliere, die eine zartgepudert« Damenwelt mannhaft beschützen, andererseits. Zwei Welten, wie es scheint, und doch eins in der großen Sehnsucht, die sie in diesem engen, stickigen Käfig vereinte, der Sehnsucht nach Natur und Freiheit. Doch vor die Freude haben die Götter das Drängeln gesetzt. Rollenden Kerkern gleichen solche Sonntagszüge, aber Kerkern, die nach standhaft ertragener Qual in die lichte, sonnig« Freiheit führen. Straßenbahn-Arühoerkehr zu Pfingsten. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ist bis zum Beginn des fahrplanmäßigen Betriebes am 1. Psingssteiertag ununter. brochener Betrieb aus den Linien 1 Stadtring, 15 zwischen Bahnhof Neukölln und Potsdamer Bahnhof, 44 zwischen Gotzkowski- straße und Görlitzer Bahnhof, 74 Kniprodestraße— Lichterselde, Händelplatz(je in Abständen von IS Minuten), 69 zwischen Leipziger Platz und Lichtenberg, Gudrunstraße, 76 zwischen Halensee und Spittelmarkt, S9 zwischen Uferstraße und Tempelhof, Friedrich-Karl- Straße(je in Abständen von 20 Minuten). Außerdem sind bei günstigem Wetter an den beiden Pfingstseiertagen außerfahr- planmäßige Frühsahrten aus den meisten Linien vorge- sehen. Der Frühoertehr beginnt zwischen 4 und 6 Uhr morgens. Die Vorbereitungen der Aboay. Die Aboag wird während der Pfingstfeiertage folgende Wagen verkehren lassen: An beiden Feiertagen nach Pichelsdorf und C l a d o w vom Zoo ab 6,30 früh, nach S ch i l d h o r n vom Zoo ab 8,00 früh, noch W a n d l i tz s e e vom Stettiner Bahnhof ab 7 Uhr früh. Alle Wagen oerkehren in k u r z c n A b st ä n d e n. Außerdem werden Sonderwagcn zu den R e n n e n am l. Feiertag nach Ruh- lebe» vom Alex'andcrplatz ab 12,30 nachmittags, am 2. Feiertag zu erinnern, zu der der Tod des Rodjahs Sutchct Singh von Kasch- mir Anlaß gegeben hat. Die tausendjährige Ucbcrlicferung des Landes verlangte, daß die Frauen der verstorbenen Fürsten ihrem Herrn und Gebieter in das Nirwana folgten. Diese als Sutti gc- heiligten Witwenoerbrennungsn waren zwar schon im Jahre 1820 durch den Generalgouverneur Ostindiens, Lord Bentinck, verboten worden, was aber nicht hinderte, daß in den entlegenen Vasallen- staaten Immer wieder die Scheilcrhcufcn, aus denen die Witwen lebendig verbrannt wurden, ausloderten. Beim Tode de» oben erwähnten Sutchet Singh waren auf einmal 130 Frauen seines Harems dem Scheiterhaufen übergeben worden und dort eines analvollen Todes gestorben. Wenige Tage später sprach es sich herum, daß Sutchet Singh auf dem Lande noch einen zweiten Er» acnzungsharem unterhalien hatte, in dem sünszig junge Mädchen iür ihren künftigen Beruf im Hauptharem vorgebildet wurden. Die Priester hatten sofort die unglücklichen Mädchen ergreifen lasien. und zum zweitenmal loderte eine Riesenfacket zu Ehren der weib- lichen Treue auf. Es war allerdings der letzte Fall dieser barbarischen Gepflogenheit, der im Rahmen einer offiziellen Leichenfeier stattfand. Dennoch kamen insgeheim immer noch Witwenverbrennungcn vor: man hofft, durch das neue Gesetz endlich diese grausige Sitte unter- drücken zu können. � Die russische Wissenschaft in Nöten. Auf einem wissenschaftlichen Kongreß, der dieser Tage in Leningrad stattfand, wurde bittere Klage geführt über die dürftige Ausstattung, die man im Rußland >LN heute der Wisscnschast zuteil werden läßt. Seit mehreren .iahren schon haben die russischen Forscher keine Ahnung mehr von den ausländischen wissenschaftlichen Neuerscheinungen auf vielerlei Gebieten des Wissens. Die Bibliotheken verfügen nicht über aus- 'eichende Mittel, um wisienschaftliche Fachschriften von einiger Be- deutung anzuschaffen, und die.wissenschaftlichen Arbeiter" Können Mes Iniolge ihrer geringen Besoldung erst recht nicht tun. Volks- kommisiar Lunntscharski, der in der Versammlung das Wort ergriff, erkannt« die Berechtigung der geäußerten Beschwerden an und gab zu, daß möglichst bald alles anders werden müsse, und daß die geringe Besoldung der Männer der Wissenschaft Rußland wirklich nicht zur Ehre gereiche. Gegenwärtig erhalten z. B. die Hochschul- lehrer ein Gehalt, das nur den fünften Teil des Gehalts der höheren „Spezialisten" in den Staatsbetrieben beträgt. «frllcuffLhcungen der Woche. Dienst. Renaissance. Tb..Dressur' — Rlillw Kleines Tb.:.Zr«tcnl?rüngc'.— Ireil. S ch i l l e r> T h.. .Nickel und die 3« Gerechten", Oper amKöntgZplatz:.To» M-rte: Sogelscheuche'. llranw-vorträge. Rlont. u. Sennab.(7. kü, DienSt. bis Freit, fg):»Die letzten Tage von Pompeji".— Moni. u. Tonnab.(5. Si. Dienst., Tonn. u. Freit.ie einen Vergleich ablehnten. So wird denn über ver- chiedene Einzelheiten noch Beweis erhoben werden müssen, wozu ein neuer Termin auf den 8. Juni anberaumt ist. Die Kündi'gmigeu beim Nürnberg-�sürther Kartell rechtsunwirksam. Nürnberg. 22. Mai.(MTB.) Wie ein hiesiges Blatt zu melden weiß, wurde gegen verschiedene Nürnberger Firmen, die Kündi- gungen auf Befehl des Nürnberg-Fürther Arbeitgeber-Kartells aus- gesprochen hatten, F e st st e l l u n g s k l a g e vor dem Kaufmanns- Sericht angestrengt. Nach mehrstündiger Verhandlung wurde am reitag nachmittag folgendes Urteil gefällt:„Soweit mit der allge- meinen Kündigung der Angestellten die Lösung des Dienstoerhält- nisses bezweckt sein soll, ist sie u n w i r k s a m." Damit sind die Massenkündigungen sämtlicher dem Nürnberg-Fürther Arbeitgeber- Kartell angeschlossenen Firmen rechtsunwirksam. Bei den Bekriebsralswahlen am lö., 19. und 29. ZNoi auf utc Laura-Grube erhielten die deutschen Gewerkschaften von den 12 Mandaten 7. Da»«fB-vrt»karIell»«Ub hat feine»eschiiftsstelle dl» einschließlich 25. ffiJi geschlolfen. Die Sparkasse der Bank der Arbeiter. Angestellten uud veamlen A..G., Berlin, wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9—3 Uhr und 5—7 Uhr. Sonnabends von 9—1 Uhr geöffnet. Ms öer Partei. Eine überfüllte Frauenversammlung hielten unsere Münchencr Genossen vor einigen Tagen im Hofbräuhaus ab. Die Münchencr Polizeidircktion hatte vorher eine Frauenversammlung, in der Dr. Marcuse über Frouenfragen in Verbindung mit dem§ 218 des Reichsstrafgesetzbuchs sprechen wollte, mit einer so jaden- scheinigen Begründung verboten, daß sie selbst der Minyler ini Landtag- nicht zu decken wagte. Daraus berief unsere Partei eine Frauenversammlung mit dem Genossen Ehrhart Auer als Rcler�nt ein. Als Kuriosum ist zu verzeichnen, daß in der Diskuslion Dr. Marcuse zu Worte kam, der den Unsinn des Verbots am besten dadurch bewies, daß er sein Thema über Geburtenrückgana, trotz populärer Darstellung, streng wissenschoftlich behandelte. Ge- nosse Auer, dem ob seiner Ankündigung als Referent viele anonyme Drohbriefe zugegangen waren, u. a. einer, in dem es hieß:„Mönch- lein. Du gehst einen schweren Gang, vielleicht Deinen letzten", forderte in seinem Schlußwort Mittel für den Mutterschutz und zur Be- kämpfung der Wohnungsnot.— Durch ihr Verbot sorgte die Münchener Polizei nur sür einen Massenbesuch der verbotenen Ver- jammlung. Der verband sozialistischer Akademiker, dessen Vorsitzender der Heidelberger Staatsanwalt Genosse Marx ist, Höst Pjingsten eine Tagung in Weimar ab. Dr. Henrik de Man wird über:„Die Be- deutung der Intellektuellen im Sozialismus" referieren. Ein sozialistischer Bürgermeister in Mannheim. Der Bürge.- ausschuß der Stadt Mannheim wählte unseren Genossen Richard Böttcher zum Bürgermeister. Früher Arbeitersekretär in Mann- heim, gehört Böttcher dem Stadtvcrordnetcnkollegium seit 1997 an. seit 1919 war er besoldeter Stadtrat. Von 9S abgegebenen Stimmen erhielt Genosse Böttcher jetzt 69. Für ihn stimmten außer unseren Vertretern die Demokraten. Volksparteiler und die Wirtschaftliche Vereinigung. Das Zentrum gab weiße Zettel ab, die Kommunisten stimmten für einen eigenen Kandidaten. Fortschritt in Dänemark. Aus Kopenhagen wird uns ge- schrieben: Das vergangene Jahr war für die dänische Arbeiterbewe- gung ein schwieriges Jahr. An seinem Ansang stand der oruh- whrskonslikt mit den inneren Reiberen zwischen den Gewerkschaff ten, dann kam die Wirtschaftsfloute mit ihrer Arbeitslosigkeit. Auf die Mitgliederbewegung der Partei tonnten diese Ereignisse naturlich nicht ohne Einfluß bleiben, und so Hot in Kopenhagen, dem Brenn- punkt des Konflikts, die Mitgliederzahl abgenommen, und im dam- schen Nordschleswig, das besonders stark unter der Wirtschaftstrise leidet, ist die Zahl der sozialdemokratischen Vereine ebenfalls zurück- gegangen. In allem aber hat die Partei auch im vergangenen Jahre rund 3999 neue Mitglieder erworben, von ihnen sind die meisten Frauen. Seit dem Amtsantritt des sozialistischen Ministeriums im April 1924 hat sich die Mitgliedschaft um rund 15999 vermehrt und beträgt nunmehr 146 499 Männer und Frauen.(Bei der letzten allgemeinen Parlamentswahl 1924 musterten die sozialistischen Listen insgesamt 479 999 Wähler.) Interessant ist. daß die Partei mit der Gründung zweier Ortsoereine auf den zu Dänemark gehörenden Färöerinseln neues Land gewonnen hat. Auch die Buge n d hat einen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen, indem sie die-fahl von 19 999 Mitgliedern überschritten hat. 37 Proz. der Mitglieder der Jugend sind unter 18 Jahre alt. Theater See Woche. Vom 23. bis 21. Mat 1926. »oIMfifene: 23., 25., 28., 80. Das ttunlen« Säiiff. 34., 27., 2#.. SL Ifaufl. 26-iuditb.— tk»II-O»«! 23. Roienkavoll«. 24. Därmen. 25. Danalleria niftirana»ai.— Die Teibiine: Der Rubicon.— Deutsche, tiS-Mer- Theater: Der fröhliche Wein- dein.— liomödienhau»: Der Garten Dden.— Berliner Theater: Donner- roettec— oan, forno«!— Steue« Theater an Zoo: Der alte Dessauer.— Bcsi- »ea,-Theatrr: Berbotrne flllsse.— ZenIral Theater: Eva Boich eur.— Theater am Schiltbauerdanm: Die dreier.-«»milche Oper: Berlin ohne Semd.— »etropol-Theater: Die Nacht der NLcht«.— Theater am«ursirftendamm: Rrttbudn.—«eine, Theater: Bis 25. Alraune. Ab 26. Seitensprtlnoe.— Wallner-Theatre: Der heilwe Brunnen und Blanra Pvsnet» Ermeckuna.— Theater i» der»lofleesirahr: 360 ffrauen.— Rose.ZZeeatrr: Eli« deine Mutter. — Tassav-Zteatrr: Da» verloren- Paradies.— Theater in der Lülivwstrahe: «vrrewaldmlldel.- Schlohpari- Theater Stralik:«rvne und!Zessel.— Seata: Internationales Variete. Nach mit t«B,»,rftellBBll«A.««lksbShne: 28. Kaust. 24. Don Quichotte 30 Judith.—«chauspielha»,: 23. und 30. Dharsen» Zant«.— »eattt»es Westen.; 23.. 24.. 30. Gräfin PtotUo.— Zentrol Theate,: Eva Bonheur. 30. Bunburv. verantwortlich für Politit: Ernst»eutee� Wirtschaft:«'tue Saternn«: Sewerfschaflsbeweeuna: ssriedr.«»kor»: ffeuillelon:*.«. Dilcher: Solales und Sonftiae»; Tri««arNädt:«.„eiarn: Th.»locke: sämtlich in«erlin. Berlaa: Borwarts-Berl-a S. m. b. V..»erlin. Druck: Lorwärts-Buchdructerel und Berlaasanstal, Paul Sinuer u. Co.. Berlin SJB 68. Lindenltralie 8. fijCffeeee««»«»»»»»» Unlerem treuen und dochver- �4 st/ dienten Genossen u--d Kameraden tu $ Franz Nitsch$ >p und seiner lieben Frau ,ur Ber- 0/ C9 mähiung die HerjL Glückwünsche. Ui 9» 13. ttteita» Uinniodert n4 W Äv Ilm» Wiln-nchrt ia A A Adolf hoffmann Episoden und Zwischenrufe au» See Varlament»- und Minislerze>l. vre:, l wart Porto 6 Pfennig vorrätig :n allen vorwärt»- Ausgabestellen. Korbtnöhel! Sonderangebot! An Private rn Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gediee enen Ausführungen kaufen Sie In grober Auswahl und billig bei Wilhelm Schulze Ronbljoop itz 12. Btfpart. Nähe Hackeseher Markt Zablangserlclchteruog Telepho i A'erander 4112 • Gegr. 1891.» Stepp-«al» Dannen- Decken 0.34 OaUol-Dauru-n-Oeervn laufen Sie beftens ad Fadril Bernhard Stronmaadei. Berlin IBaünt. 72(Untfrflninhbahn Inleldrückel Frliale: SpiftalmacH, Eck» Seydelftr.' und Veite». AUaisbnrgav P4»tz 3. Eck« Traut enauftr. mm separat std. S«. Illuftr. fccutlataiog gratis, mm © V wissen ist Macht! 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