MenKausgabe Nr. 241 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 118 rejuflsbebinBunaen und«itMlaenereif« sind In txr SRotaenousaade anocotben Kedaffion: Sw. es, Linden, Irohe z Zernsprecher: Dönhoff 262— 207 Icl.-Vbc*ffc:So5iol»eniottal Berlin Vevlinev VoMsblatt (10 Pfennig) Dienstag 25. ntoi 1�26 Bella« und BnjelienabteilUB«: «eschiist-,elt»-8 Uhr Derleger: Borwörio-Beriog GmbH. Berlin Sw. öS, Lindenslrotze 3 Zernsprecher: Dönhoff 292— 297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen partei Deutfchlands Schwere Zugkataftrophe bei München. Znsammenstoß zweier Ausslüglerzüge.— Die Zahl der Toten bisher 3S. In den Krankenhäusern über 80 Verletzte. m ü n che n. 25. Mai.((Eigener Drahtbericht.) Am psingst- msnlag abends 10.15 Uhr hat sich zirka 400 Meter vor dem Münchener O st bahnhos ein Eisenbahnunglück von surchtbarec Ausdehnung ereignet, dem nach den bisherigen Feststellungen 22 Tote(2 Knaben, 11 Männer nnd 10 Arauen), deren Derso- nalien noch nicht festgestellt sind, zum Opfer sielen. S chw e r v e r. lchte sind bisher 60 in das nächstliegende Krankenhaus eingeliefert worden. Die Ursache des Unglücks ist folgende: Ein beschleunigter Personenzug aus Berchtesgaden, der voll- beseht war mit pfingstausslüglern, hielt vor dem Ostbahnhof, da das Einsahrtsignal aus geschlossen stand. Bach einiger Zeil gab das Signal die Einfahrt frei. Unglücklicherweise kam Hinlerher aus dem- selben Geleise ein beschleunigter Personenzug aus Rosen- heim, also aus derselben Richtung, der das geässnete Signal aus sich bezog und mit voller Wucht aus den Vorzug aus- s u h r. Die beiden letzten wagen des Berchtesgadener Zuges wurden über die etwa 5 Meter hohe Bahnbös chnng hinabge- schlendert, während die beiden ersten wagen de» Rvsenheimer Zuges ineinander geschoben wurden. Der Schaffner de» Verchles- gadener Zuges, der im letzten wagen war, wurde ans dem offenen wagen hinausgeschleudert und entging so dem sicheren Tode. Die ve r l e h t e n und Toten mußten zum Teil au» den wagen herausgehauen werden, zum Teil wurden sie mit Schweißapparaten ans ihrer Lage befreit. Die Sanitätskolonne traf verhältnismäßig spät an der Unglücksslätte ein. Ein Teil der verletzten Fahrgäste war bereits in(Erregung in die Straßen der Stadt geflüchtet. Räch den Berichten von Augenzeugen spielten sich herz. zerreißende Szenen ab. Der amtliche Sericht: Heber die Ursache des furchtbaren Eisenbahnunglücks gibt die N e i chs e ij e n b a h» d i r e k t i o n München folgenden amt- l i ch e n Bericht aus: Infolge des starken Pfingstoerkehrs konnte der beschleunigte Personenzug 820(von Berchtesgaden) nicht sofort in den Bahn- Hof München-Ost gelassen werden, mußte also vor dem Einfahrt- signal gestellt werden. Mittlerweile war der etwa 30 Minuten ver» spätete Personenzug 814, der zwischen Grafing und München- Ost nicht anhält, gleichfalls fällig geworden. Der Blockwärter der Zwischenblockstelle bei Berg am Laim gab das B l o ck s i g n a l auf ch a l t. Dieses Blocksignal hat der Führer des Personen- zuges 814 überfahren. Er behauptet, es habe auf Fahrt gestanden. Die bisher gepflogenen Erhebungen haben diese Behauptung zwar nicht zu bestätigen vermocht. Die Frage wird noch genauestens untersucht. Als der Zug 814 sich eben dem Ostbahnhof näherte, hatte dieser Bahnhof dem Führer des Zuges 820 das Einfahrtsignal bereits auf freie Fahrt gegeben. Der Zug hatte sich schon in Be- wegung gesetzt und war einige Wagenlängen weit gefahren, als der Zug 814 mit einer Geschwindigkeit von etwa 60 Slundenkilo- meter angefahren kam. Der Lokomotivführer des Auges 814 hatte das Einfahrtsignal von München-Ost auf freie Fahrt stehen sehen und war deshalb in der Meinung bestärkt, daß seiner ungehinderten Einfahrt kein chindernis entgegenstehe. Erst auf verhältnismäßig kurze Entfernung bemerkte der Lokomotivführer des Zuges 814 emes der Schlußlichter des eben in Bewegung gekommenen Zuges 820. Er gab sofort Notbremse und traf alle Maßnahmen, um den Zug noch in seine Gewalt zu bekommen. Da die Einfahrt in München- Oit in einer starken Linkskrümmung liegt, war dem auf der rechten Seite stehenden Lokomotivführer die Aussicht auf das Schlußsignal erschwert. Der Ausstoß erfolgte mit ungeheurer Gewalt, von dem Zug 820 wurden die Zwei letzten Wagen vollständig zertrümmert. D?r übrige Teil des Zuges blieb so gut wie unbeschädigt. Bon Zug 814 war die Maschine nur wenig beschädigt, aber entgleist. Der als Schutzwagen dienende Packwagen war nur ganz leicht beschädigt, dagegen die vier folgenden Wagen 4. Klasse aus dem Geleis ge< morsen und stark ineinander geschoben. Mehrere Reisende waren in schlimmster Lage eingeklemmt. Auch ein wesentlicher Teil rück- wärt» liegender Wagen des Zuges 814 war entgleist und beschädigt. Das Unglück ereignete sich um 10,30 U h r n a ch t s. Die Rettungs- Mannschaften trafen ungefähr 10 Minuten später an der Unglücks- stelle, die direkt an der östlichen Peripherie der Stadt liegt, ein, und ungefähr gleichzeitig waren auch die Berufsfeuerwehr und die freiwillige Feuerwehr eingetroffen, sowie die leitenden Persönlich- leiten der Reichsbahndirektion München. Zusammen mit dem Personal der Eisenbahnbetriebswerkstätte sowie blauer und grüner Polizei gelang es, den mit größter Aufopferung durchgeführten Arbeiten, nahezu sämtliche Tote und Verletzte bis gegen 1 Uhr nacht« zu bergen. Die Aufräumungsarbeiten sind in vollem Gange. Der Eisenbahnverkehr sowohl nach Mühlberg— Pasiau als nach Rosen- heim— Innsbruck— Salzbrunn erleidet keine Unterbrechung, da Umleitungen über den Rangierbahnhof möglich sind. Die Gpfer. Die Namen der Toten und die Namen der Schwer- verletzten sind bisher noch nicht bekannt gegeben, da die teilweise furchtbaren Verstümmelungen die Feststellung erschweren. Tatsache ist, daß die meisten der Verunglückten den arbeiten- den Ständen angehören und in München ihren Wohnsitz haben. Unter den bereits erkannten Toten befindet sich ein Buchdrucker, ein Straßenbahner, ein Eisenbahnbediensteter, ein Elektrotechniker und seine Frau, ein Apotheker, eine Mechanikers- frau und eine Buchhalterin: wie der Holzarbeiteroerband mitteilt, leider auch der Führer der Münchener Holzarbeiter- Jugend, KarlLudewig, der mit einer Gruppe seiner Jugend eine Pfingsttour nach Berchtesgaden gemacht hatte. Er war so schwer verletzt, daß er kurz nach 4 Uhr morgens im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Die gemeinsame Beisetzung der Opfer findet am Donnerstag statt. An diesem Tage sind sämtliche Lustbarkeiten in München verboten. Ramens der bayerischen Re- gierung hat in Vertretung des von München abwesenden Minister- Präsidenten der Finonzminister ein Beileidsschreiben an den Staats- sekretür von Frank und ein Beileidstelegramm an den General- sekretär der Reichseisenbahnen gerichtet. München, 25. Mai.(WTB.) Im Krankenhaus links der Isar befinden sich zurzeit 82 bei dem Zusammenstoß verunglückte. Von den in das Krankenhaus eingelieferten Verletzten sind drei ge- st o r b e n. Nach dem Ostfriedhos in München sind 22 Tote gebracht worden. Ein großer Teil der Toten ist noch nicht erkannt. Die Verletzungen sind teilweise furchtbarer Art. Einige Namen. Don den bei dem Eisenbahnunfall in München-Ost tödlich verunglückten konnten bisher folgende Namen festgestellt werden: Lehn er. Anno, Elektrotechnikersfrau, 25 Jahre. L e h n e r, Ludwig, Elektrotechniker, 26 Jahre. Leinberger, Franz Taver, Straßenbahnangestellter, 34 Jahre. Arnold, Franz, Buchdrucker, 34 Jahre. F e l d s ch m i d t, Eisenbahnangestellter. Dr. Brenner, Max, Apotheker. Glaser, Michael, Kaufmann, 61 Jahre. Edelhaußer, Wilhelm. M I l ch b a u e r(?), Therese, Postinspektorsfrau. Metzger, Betty, 50 Jahre. Ludwig, Karl, 40 Jahre. Außerdem sind � geborgen und noch nicht erkannt 12 männliche und 10 weibliche Tote. * Nach den letzten Meldungen aus München hat sich die Zahl der Opfer auf 22 erhöhl. Im Krankenhause befinden sich u. a. auch Tochter und Schwiegersohn des Verlagsdirektors unseres Parteiorgans, der„Münchener P o sr, Mürriger. Die Unglücksstelle ist jetzt in weitem Umkreise durch Landespolizei abgesperrt. Zrieöensbitte flbd el Krims. Französischer Ministerrat über Annahme oder Ablehnung. Paris, 25. Mal.(Eigener Drahlbericht.) Aus Fez wird gemeldet, daß Abd el Krim durch Vermittlung de» sranzösischeit Roten Kreuze» an den Generalpräsidenlen von Marokko Steeg einen Brief gerichtet hat, in dem er die Wiederausnahme der Friedensverhandlungen vorschlägt. Mit diesem Schreiben wird sich am Dienstag der Ministerrat befassen. Die französische presse unlerstreichl die Tatsache, daß der erfolgreiche Vormarsch der französisch-spanischen Truppen Abd el Krim zu neuen Friedensverhandlungen gezwungen hat und meint. Abd el Krim müsse sich erst völlig unterwerfe». ehe wieder Verhandlungen ausgenommen werden könnten. Pariser Forderungen. Paris, 25. Mai.(TU.) Die Nachricht von der Kapitulation Abd el Krüns wird von allen Pariser Blättern als etwas längst Erwartetes aufgenommen.„Oeuvre" sagt, Abd el Krim appelliere in seinem dem Generalresidenten übermittelten Schreiben an den»Edelmut der französischen Notion". Der Edelmut solle ihm zugesagt werden. Zuvor müßten aber die Kriegsgefangenen herausgegeben werden. Abd el Krim selbst müsse das Rif für immer verlassen. Alle übrigen Angelegenheiten würden alsdann mit den Bevollmächtigten der einzelnen Rifftämme erledigt werben. Abd el KrimS Hauptquartier besetzt. Paris, 25. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die französisch-spanische Offensive ist nach zwölftägiger Dauer am Pfingstsonntag nachmittag durch Einnahme des früheren Hauptquartiers von Abd el Krim, Targuist, beendet worden. Das Ergebnis dieser Offen- sioe ist, daß sich der ganze östliche Teil des Riss nunmehr in den Händen der Franzosen und Spanier befindet. Abd el Krim hat sich in den westlichen Teil des Riss geflüchtet und von dort aus einen Aufruf an die Stämme gerichtet. Seine Stellung ist jedoch angesichts der zunehmenden Abfallsbewegung sehr gefährdet. Das Ziel der Franzosen und Spanier scheint nunmehr dahin- zugehen, Abd el Krim einzuschließen und zwar durch einen Vorstoß der spanischen Truppen von Targuist aus in westlicher Richtung und der Franzosen vom Mittellauf des Uergha aus in nördlicher Richtung. Dabei dürfte es in den nächsten Tagen noch einmal zu lebhaften Kämpfen kommen, deren Ausgang entscheidend ist für das Schicksal Abd el Krim«. Regierungswechsel in öelgien. Die Finanzmächte gegen das Parlament. (Von unserem Brüsseler Korrespondenten.) Brüssel, 22. Mai 1926. Der Sturz der Regierung Aoullet-Vanderoelde mar in- sofern bedeutungsvoll, als eine Regierung, die im P a r l a- m e n t über eine sichere Mehrheit verfügte und zwei» fellos auch das Vertrauen der großen Mehrheit des Volkes genoß, von mehr oder weniger unfaßbaren außerpar- lamentarifchen Kräften zur Strecke gebracht wurde. Es waren die F i n a n z k r e i f e, unterstützt von der ihnen untergebenen lapitaliftischen Presse, die die von frü- Heren Regierungen ererbten finanziellen Schwierigkeiten des Staates in skrupellosester Weise ausnützten, um die ihnen verhaßte demokratisch- sozialistische Regierung zu stürzen. So sehr die Regierung und die Kammermehrheit entlchlos» sen waren, dem Angriff zu widerstehen, sie mußten schließlich dem Druck der dunklen Gewalten, die aus sicherem Versteck die furchtbare Waffe der systematischen Valutazer» st ö r u n g handhabten, weichen. Der belgischen Demokratie ist unvergeßlich die Lehre eingeprägt worden, daß die f o r- male politische Macht nicht genügt, daß sie sich nur behaupten kann, wenn sie auch die finanzielle und wirtschaftliche Macht erorbert. Allerdings beruhte die Einigkeit innerhalb der Regie» rung und der Parlamentsmehrheit auf Entsagung auf wich» tigen Gebieten. Eine wirklich schonungslos demo» krutifche Finanz- und Steuerpolitik hätte die Frankenkrife wohl lösen können, aber einer solchen Politik stand die Zu» s o m m e n s e tz u n g der Regierung im' Wege. So mußte sie sich mit den finanziellen Stümpereien I a n s s e n s begnügen, die allzu leicht die Zielscheibe der Pfeile der reaktionären Finanzkreise wurden. Als der anspruchsvolle, aber im Grunde schwach fundierte Stabilisierungsplan Janssen? endgültig als gescheitert anerkannt werden und die Inflation offen zuge» geben werden mußte, war die Regierng nicht mehr zu halten« Rein äußerlich besteht zwischen der Regierung Poullet und der neuen Regierung Iaspar der Unterschied, daß anstelle der sozialisfisch-christlich-demokratischen Koalition die die Liberalen und die konservativen Katholiken als Oppo- sition gegen sich hatte, eine Regierung der sogenannten na» tionalen Einigung tritt, eine Regierung der drei großen Parteien, die im Parlamente mit kei» nerlei Opposition, ausgenommen etwa die der zwei Kommu- nisten und der vier flämischen Frontisten, zu rechnen haben wird. Der Einfluß der Sozialisten ist sowohl zahlenmäßig wie nach der Persönlichkeit ihrer Vertreter in der neuen Regie- rung ebenso stark wie in der alten. Aber an Stelle von po- litisch doch einigermaßen nahestehenden christlichen Demokra- ten wie Poullet, werden die sozialistischen Minister nunmehr energische und einflußreiche Sozialistengegner, wie Iaspar, Hymans, de Brocqueville, sowie mächtige Van» kiers, die die Frankenoffensive gegen die bisherige Regie» rung geleitet haben, wie Francqui und Houtart, am Minister- tisch sich gcgnüber finden. Die Frage, ob die Sozialisten bei ihrer unerschütterten Machtstellung im Parlament diesen Wechsel ruhig hinnehmen und in die Regierung Iaspar eintreten sollten, wurde in Par- teikreisen leidenschaftlich erörtert. Die Partei entschloß sich jedoch zu diesem Schritt in der Hauptsache aus folgenden Gründen: Man konnte sich über die bittere Erkenntnis nicht hinwegsetzen, daß man kein sicheres Mittel zur Eindämmung der Frankenkrife an der Hand hatte, wenn die niederträchtige Hetze in den Finanzkreisen und ihrer Presse nicht zum Schweigen gebracht wurde. Dazu war es aber notwendig, gerade die Führer dieser Fi- nanzkreise sowie die ihnen nahestehenden Liberalen mit zur Verantwortung heranzu- ziehen. Von verschiedenen Seiten innerhalb der sozta- listischen Partei wurde vorgeschlagen, djesen Herren doch ein- mal die ausschließliche Verantwortung zu überlassen. Dem stand die Erwägung gegenüber, daß dies vermutlich die Er- holung des belgischen Franken erschweren würde. Erholte sich aber der Franken bei einer sozialistenreinen Regierung, dann hätten die konservativen Parteien allen politischen Vor- teil davon eingeheimst. Ging der Frankensturz weiter, dann hätte man behauptet, die Sozialisten hätten durch ihre Ver- Weigerung der Mitarbeit die Erholung der Währung verhin- hindert Was kommen wird, läßt sich nicht leicht voraussagen. Die kapitalistischen Kreise werden der neuen Regierung sicher etwas mehr Zuneigung entgegenbringen als der alten. Das mag dem Franken einigermaßen zugute kommen. Aber auf die Dauer hängt natürlich alles vom Finanzprogramm der Regierung ab, und das ist vorläufig noch in voll- kommenes Dunkel gehüllt. Kein Mensch kennt das Zauber- mittel, mit dem Francqui den Franken retten will, vielleicht auch er selber nicht. Ohne sehr schwere Opfer wird es ganz bestimmt nicht abgehen. Ist Francqui der Mann, den besitzenden Klassen solche aufzubürden? Es ist schwer zu glauben. Wird er versuchen, die Hauptlast auf die arbeitenden Massen abzuwälzen? Ein solcher Versuch würde an dem Widerstand der Arbeitervertreter im Parlament und an der Entschlossenheit und Wachsamte it der sozial! st i- schen Partei im Lande schettern. tzugenberg yalb und ffalb. „Tag"«nd„Lotalanzeiger" gegeneinander. Die Hugenberg-Presse—„Lokal-Anzeiger",„Tag" und „Nachtausgabe"— hat in den letzten Tagen ihre leider noch immer viel zu zahlreiche Leserschast nach Noten angeschwindeli. Sie hat ihr von den 80 000 Roten Frontkämpfern erzählt, die auf Berlin im Anmarsch seien, sie hat einen Mobilmachungs- plan der Schutzpolizei und der Reichswehr mit Tanks und Kanonen dazugelogen, sie hat tagelang«inen Teil der Ber- liner Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Nun, nachdem die Pfingsttage den vollkommen harmlosen Verlauf genommen haben, den jeder vernünftige Mensch vor- ausgesehen hat, mußte es interessant sein zu beobachten, wie sich die Hugenberg-Presse wieder herauslügen würde. Das Bild, das sie heute morgen bot, war denn auch wahrhast über- raschend. chugenberg ist sozusagen in zwei Hälften auseinandergefallen, die sich gegen- seititj bekämpfen.„Lokal-Anzeiger" und„Tag" stehen gegeneinander auf und strafen einander Lügen. Die folgenden Zitate muß man mit aller Aufmerksamkeit lesen: hugenbeegs„cotal-Anzeiger". Die„politischen Kinder", wie Herr Seoering die Kommunisten zu bezeichnen beliebt, haben am Pfingstsonntag ein« Generalprobe abgehalten, die den ganzen Ernst der kommunistische« Gefahr doch wohl auch denen gezeigt hat, die bisher den Standpunkt des preußi- schen Innenminister» zu teilen geneigt waren und über die Drohung eines kommunistischen Abgeordneten, daß der Zeiger der Uhr auf .1 Minuten vor 12 stehe, überlegen gelächelt hatten. Der Ausmarsch der im Roten Arontkümpser-Bund organisierten Massen vollzog sich in einer Geschlossenheit und in einer Disziplin, die von einem ein- heitlichen Willen und einer zu allem entschlossenen revolutionären Gesinnung ein mehr als beredtes Zeugnis ablegten. E» handelte sich bei der Kundgebung am Pfingstsonntag um den Ausmarsch einer ausgesprochenen, vollkommen militärisch ausge- zogenen Kampstruppe, die sich schon rein äußerlich durch das Fehlen der bei solchen Demonstrationen meist in großer Zahl austretenden Frauen und Jugendlichen von den sonstigen Kundgebungen unter- schied. Hier waren nur die Elemente vertreten, die bei einer neuen Revolution, wie sie zweifellos von den Kommunisten vorbereitet wird, die rote Front darstellen sollen. Wenn dieser erste große Auf- marsch, der ja in voller Oessentlichkeit vorbereitet worden ist. sich programmäßig und ohne Zwischenfall vollzogen hat. so ist das nur daraus mückzusllhren, daß die Kommunisten ihre Slunde noch nicht al» gekommen ansehen. Es sollte aber den oerantwort» lichen Herren in Preußen und im Reiche eine ernste Mahnung sein. die tommunistlsche Gefahr mit ganz anderen Augen als bisher zu betrachten. hugenberg»„lag". Die Berliner Tagung des Roten Frontkämpferbundes hat nicht geholten, was die rote Reklametrommel vorher angekündigt hotte. Aus den IfWlWO Teilnehmern, die die Kommunisten erwartet und vorhergesagt hatten, waren am Sonntag bei der Veranstaltung im Volkspark in Neukölln 55 000 bis 40 000 geworden. Auch organisatorisch war dieses kommunistische Pjingstmeeting ein Fiasko: es ilappte überhaupt nicht». Wenn gewalttätige Ausschreitungen nicht zu verzeichnen waren, so lag dies, wie uns zuverlässig berichtet wird, daran, daß das sogenannte Hauptquartier der Kommunisten in letzter Stunde den Rückzug blasen ließ. Thälmann, der im Voltepark öffentlich von „kommenden blutigen Kämpfen' sprach, hielt e» doch für ratsam, im geheimen feinen Leuten Besonnenheit anzuraten, weil er wußte, daß nach den Schutzvorbereitungen mit Polizei und Reichswehr nicht zu spaßen war. Die Kundgebung im Bolkspark wurde durch einen Aufmarsch eingeleitet, der gegen 8 Uhr abend» sein End« erreichte. Im Zuge und auf dem Festplatze prangten rote Tafeln mit den üblichen blut- rünstigen Inschriften. Die Umzüge boten, militärisch gesehen, etn klägliche» vild. Alle» lies durcheinander, niemand wühle, wohin er gehSrle, und selbst die Ordner richteten nichts au». Also nach Hugenberg, Ausgabe 1, war es ein großer Cr« folg. Nach Hugenberg, Ausgabe 2. war es eine jammervolle Pleite. Nach Hugenberg 1 war es ein Wunder militärischer Exaktheit, nach Hugenberg 2 ein klägliches Durcheinander. Hugenberg 1 will noch immer mit der„geschlossenen Kamps- truppe" graulich machen. Hugenberg 2 macht sich darüber lustig, daß nichts klappte. Nach Hugenberg I haben die Kom- munisten ans Losschlagen überhaupt nicht gedacht, weil„ihre Stunde noch nicht gekommen" ist. Hugenberg 2 hat aber„zuverlässig erfahren", daß erst„in letzter Stunde der Rückzug geblasen wurde". Welcher von den beiden Hugenbergern lügt nun? Offen- bar lügen sie alle beide, aber immerhin kommt der„Tag"- Hugenberg der Wahrheit etwas näher als der„Lokal-An- zeiger"-Hugenberg. Der Rote Frvntkämpfertag war tatsächlich ein mehr oder weniger gut organisiertes politisches B o l k s s e st, und die Beteiligung blieb hinter den Ankündi- gungen der Kommunisten unendlich weit zurück. Beide Blätter geben jetzt die Zahl der Teilnehmer am Tag mit höchstens 40 000 an— das ist gerade die Hälfte der sagenhasten 80 000, die allein aus dem Reiche kommen sollten, und für die Biermillionenstadt keine angsteinflößende Ziffer. Mögen nun die beiden Hugenberg-Blätter miteinander streiten, ob sich die Kommunisten blamiert haben oder nicht, auf alle Fälle ist die Blamage der Hugenbergschen Lügen- presse vollständig. Ihr Aufmarsch ist so kläglich dunhein- ander geraten, daß selbst der Ordner Hugenberg nichts aus- richten kann. Heinrich Claß. Und seine alldeutsche Garde. Man schreibt uns: Es lohnt sich wohl, die Persönlichkeit des Herrn Claß, ohne da- durch dem hossentlich recht bald einsetzenden Hochverratsoerfahren vorzugreisen, etwas genauer anzusehen, denn so unbekannt Dieser Mann weiten Kreisen infolge seiner persönlich vorsichtigen Taktik sein mag, so ungeheuer ist doch das Schuldkonto, das er auf sich geladen hat. Schon eine Reihe von Iahren vor dem Kriege war Claß der Führer der Alldeutschen: er ist verantwortlich für deren ungeheure Hetzpropaganda, deren für Deutschland ge- radezu katastrophale Wirkung im Auslande nur den wenigsten Deutschen bekannt geworden ist. Nicht nur in England und Frank- reich, wo schon im Frieden die alldeutschen Eroberungspläne Wasser aus die Mühlen der Clemenceau und P o i n c a r e waren, sondern auch in Nordamerika waren die alldeutschen Schriften, in denen der Angriffskrieg und die Eroberung halb E u ro p a s gefordert wurden, vor dem Kriege in vielen Zehn- taufenden von Exemplaren verbreitet. Man kann im Zweifel fein, was dem Ansehen Deutschlands in der Welt mehr geschadet hat, Wilhelms Großmäuligkeit oder die alldeutsche Hetz- Propaganda. Dabei oermieden die Alldeutschen es peinlichst, sich als Partei zu organisieren und dann etwa im Parlament Rede und Antwort stehen zu müssen. Sie wußten genau, daß sie auf dem Wege unterirdischer und unkontrollierbarer Propaganda viel mehr erreichen konnten. Was sie durch planmäßige Bearbeitung de» Offizierkorps, die auf legalem Wege in dieser Weis« nicht möglich gewesen wäre. erreicht hatten, enthüllte der Ausbruch des Krieges, wo die mit diktatorischen Vollmachten ausgestattenen Ehefs der stellvertretenden General kommando» fast ausnahmslos im Dienste der alldeutschen Bewegung standen. Claß selbst jubelte im A u g u st 1S14 in den„Alldeutschen Blättern":„Jetzt ist sie gekommen, die heilige Stunde, die wir so lange ersehnt." Er entweihte diese heilige Stunde auch nicht etwa durch seinen Eintritt ins Heer, sondern blieb Schulter an Schulter mit W u l l e und Reoentlow zur Hebung der Volksstimmung zu Haufe. In einer Schrift„ZumdeuschenKriegsziel" entwickelte Elah das Annexionsprogramm der Alldeutschen. Mindestens den halben Erdball wollten die Alldeutschen damals verschlucken. Die Begründung ihrer Annexionsforderungen war dabei von einer nicht mehr zu überbietenden Naivität. Wenn irgendein Alldeutscher il, einer vergilbten Chronik entdeckte, daß zur Zeit Ottos des Faulen sich einige deutsche Handwerksburschen nn Ausland niedergelassen hatten, so forderte er unverzüglich die Annexion dieses„kerndeutschen Siedlungsgebietes". Sehr drastisch wurden diese G-pjlogenheilcn der Alldeutschen durch einen höheren bayerischen Beamten charakteri- siert, der damals erklärte:„Wenn einem Deutschen in Sibirien ein .... entfährt, so erklären sofort die Alldeutschen:„Hier weht deutsche Luft, das Land müssen wir annektieren." Au» der Claßschen Schrift seien einige Stilblüten im Wortlaute angeführt, weil sie die wahre Gesinnung dieses Mannes schonungslos enthüllen. So schreibt er über Belgien, dieses Land müsse aufhören zu bestehen, sein König werde des Thrones entsetzt: geborener Landesherr sei der deutsche Kaiser". Man ersieht daraus, daß Claß es mit der Achtung vor angestammten Herrscherhäusern durchaus nicht überall so genau nimmt. Auch von einer vermögensrechtlichen Entschädigung des belgischen Königs läßt Claß nichts verlauten. Dafür erklärt er aber:„Die bisherigen Belgier dürfen vorläufig im Reiche keine politischen Rechte erhalten: um sie zu erziehen, soll ihnen die Ehre des Heeresdienstes zuteil werden." Die f r a n- zösische Sprache will Claß unbedingt in Belgien verboten wissen. Noch drückender sind die Bedingungen, die Claß den Fran» z o s e n auserlegen wollte. Er verlangt, daß die Bevölkerung in den an Deutschland abzutretenden Gebieten entfernt und in dem kleinen Teil Frankreichs angesiedelt werden soll, den er großmütig den Franzosen noch zugestehen will. Ueber den Eintritt Amerikas in den Weltkrieg. der bekanntlich den Zusammenbruch der Westfront herbeiführte, schrieb damals der Heimkrieger Claß: .Las deutsche Volk hat diesen Schritt aufgenommen in der Mehrheit oielleicht mit dem Gefühle der Erleichterung, mit einem..endlich" oder„Gottseidank". In weiten Kreisen ist es geradezu bedauert worden, daß diese Entscheidung s o- lange verzögert wurde." Diese Schrift, die an Brutalität der Gesinnung in der Welt» literatur nicht ihresgleichen finden dürft«, ist immer und immer wieder von deutschfeindlichen Politikern des Auslandes ihren Lands» leuten gegenüber ms Treffen geführt worden, um damit auch die härtesten Bedingungen de» versailler Friedensvertrages noch als mikde erscheinen zu lasten. Die alldeutsche Bewegung hat schon ein- mal unsagbares Elend über das deutsche Volk gebracht. Jetzt möchten Claß und die Seinen durch ihr Lerschwörertum noch einmal ein gleiches versuchen._• Reichsbanner am öoöenfee. Großdeutsche Kundgebung. Karlsruhe. 25. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Eine eindrucks- volle Kundgebung der Republikaner fand in den Pfingsttagen im äußersten Süden des Reichs, in K o n st a n z, statt. Zahlreich waren dabei die Republikaner Deutfchö st erreich» vertreten. Der Bundespräsident des Reichsbanners. Genoste H ö r s i n g. war per- sönlich erschienen und wies in seiner Ansprache darauf hin, wie not- wendig es sei, daß sich gegenüber den Diktaturgclüsten von rechts und links die Republikaner in allen Ländern zusammenschließen. Belgien sei bereits dem deutsch-österreichifchen Beispiel gefolgt, in Frankreich und der Tschechoslowakei würde derselbe Weg beschritten werden. Der österreichische Staatskanzler a. D. Genoste Renner trat für die Bildung einer Republik vom Rhein bis zur Donau ein. Für die Demokraten sprach der württembergische Abgeordnet« H e u ß, für das Zentrum der badische Abgeordnete Diez. Anwesend waren auch der bodische Innen- minister Genoste R e m m e l e und der Zentrumsjustizminister Trunk. Spanien und die Ratserweiterung. Der spanische Außen- minister Panguas erklärte Prestevertretern, nach der Genfer Sitzung vom 8. Mai biete das Problem der Ratserweiterung für Spanien nicht mehr das Interesse, wie vorher. Wahlsieg der ägyptischen Unabhängigteilsbewegung. Nach den letzten amtlichen Wahlergebnissen sind gewählt: 132 Zaghlulisten, 25 Liberale, 17 Unabhängige. Zelöwebel Gäöicke. von Carl Merten». In der Nähe von Küstrin ist ein kleines Dorf, Neumühl. Ueber die ungepflegten Straßen rüttelt der Ochsentarren, trampeln in klobigen Holzschuhen alte abgearbeitete Frauen, watfcheln fette Enten. In einer Nebenstraße ein kleines, sauberes Häuschen, in dem das Elend wohnt, in das 1S22 der schwarzweißrote Tod griff. Landwirt Gadick«. Der Hunger flattert in den Augen seiner Frau, der Hunger zittert in den mageren Aermchen des Kindes. Der Dater kann nicht mehr arbeiten.... Bor drei Iahren war es ein breiter, froher Geselle, eroberte mit seinem Lachen die Welt, schaffte mit den schwieligen Händen be- scheiden«« Wohlstand. Dann war eine geheime Versammlung, er mußte daran teilnehmen, denn die brandenburgischen Dörfer sind national, und die reichen Itzenplitze und Blasewttze, die den Bauern Arbeit und Geld geben, halten auf Disziplin. Gädicke wurde Soldat der Schwarzen Reichswehr. Dann deckte er eine Waffenjchtebung auf. in der sein Vorgesetzter, Leutnant Knüppel, verwickelt war. Da- für sollte er al»„Verräter" ermordet werden. Zwei breite, blutrote Narben über dem Schädel erzählen das Ereignis einer fürchterlichen Stunde. Klapperot schlug Ihn mit einem Gummiknüppel über den Kopf, ein Knüppel, der In den Fäusten des Mörders zur tödlichen Waffe wurde. Aber das Mitleid der Mörder mit seiner Frau, seinem Kind« retteten Ihn vor dem beschlossenen Ende. Er blieb zeitleben» ein Krüppel. Auf die Anklagebank geschleift, verurteilte Ihn ein deutschnationaler Richter mit schneidigen Mensurnarben auf der satten Wang« wegen Teilnahme an Wasfenverkäufen zu fünf Monaten Gefängnis. Al» er nach verbüßter Strafe nach Hause kam, zeigten die Dorfbewohner mit Fingern auf Ihn, den Zuchthäusler... und di,« reichen, breitgestirnten Landadligen, die ihn damals vor dem Nlistriner Putsch unterstützten und zur Teilnahme an den geheimen Arbeiten der Schwarzen Reichswehr aufforderten, wollten den Der- räler verhungern lasten. Damals zog das Elend in das kleine Häuschen, dao Elend und die Angst: denn kein Mensch schien sich um dl- Morde zu kümmern, ungehindert lebten Massenmörder, es war wie ein wüster Traum. Und nur die Arbeitsunfähigkeit, die breiten Narben, die Verachtung, die Tränen der Frau, da» Wimmern de» Kinde« blieben schauerliche Beweise für eine häßliche Vergangenheit. die ihn aus dem Taumel nationaler Begeisterung mit krachenden Hieben herausgetrieben. Kam die Nacht mit ihren geheimnisvollen Geräuschen, dann brachte sie zwei Männer mit, malt« sie zum Greisen deutlich an die Wand der engen Stube: breit und riesengroß, blond den einen, schlank und katzenhast schwarz den anderen, und in beiden Fragen dos Flackern der rownterlaufenen Augen: Klapperot und »üsching. Der Sturm, der an den Fenstern rüttelte, schrie mit der versoffenen Stimme des Leutnant» Knüppel Wort«, die er schon«In» mal hörte:„Diesmal laßt das Schwein noch leben!" Fieberheiße Augen erwarteten den Tag» wühlten sich in die Zeitungen, juchten verzweiselnd zwei Namen. Monat um Monat die geiche Angst, die gleich« Unruhe, dao ewige Hoffen aus die Verhaftung der beiden, die jeden Tag nachholen tonnten, was sie damals unter dem Zwang schnellverrauschten Mitleides aufgeschoben. Eines Tages war die Nachricht da, Klapperot oerhostet, Büsching im Auslande. Da ging Gädicke nach Landsberg, meldete sich beim Untersuchungsrichter. Zeuge gegen die Feme des Oberleutnants Schulz gegen die Mordorganisation, die über 20 bi» 30 Leichen schritt, um die deutsche Ehre wiederzuschasfen, um in blutigem Bürgerkrieg Terror und Standrecht, Diktatur und Weltkrieg nach Deutschland zu tragen. Zwei breite Narben über dem Schädel de- weisen seine Glaubwürdigkeit, beweisen jedes Wort eines Mannes, den der Nationalismus, die Fern« zum Krüppel machten. Mit seinem Zeugnis gegen dos Heer der Voltefeinde wuchs das Elend. Die Nationalen speien au» vor ihm, und die, die es nicht sind, tun ebenso... der gnädige Herr mit den Orden und dem Rittmeistertitel und dem Stahlhelmabzeichen tzibt nur denen Brot, die wie er tun. Der Rechtsanwalt Faltenfels aus Frankfurt a. d. Oder nahm sich seiner an, wollt« Ersatzansprüche durchdrücken, denn Gädicke war, wie Gehler behauptete, als Mitglied der Schwarzen Reichs» wehr Soldat oder wenigsten» Angestellter der Reichswehr. In einem Falle— ein Mitglied der Schwarzen Reichswehr hatte sich infolge Unvorsichtigkeit durch den Fuß geschossen— war es dem Rechts- anwalt gelungen, für ihn eine Summe von 285 M. zu erhalten, aber dem Verräter, dem Krüppel, dem Manne, der nichts tat als eine Waffenschiebung seine« Vorgesetzten zur Anzeige zu bringen, hilft die Reichswehr nicht. Ein bedauerndes Schreiben war bisher das Ergebnis.... Die Reichswehr schluckt Millionen unserer Steuern: In Neu- müht wohnt ein Krüppel, den dos Rädergetriebe der Reichs- wehr zerbrach, und das Elend wohnt bei ihm und der Hunger, weil er ein Verräter ist. Sollen wir nicht helfen?.... Ein aussterbender deutscher Vogel. Schon seit Jahren, in oer- störktem Maße aber in jüngster Vergangenheit, sind Bestrebungen im Gange, um einen alten deutschen Vogel, den Uhu. vor der Aus- rottung zu schützen und ihn da, wo er bereits verschwunden ist, wie z L. im Schwarzwald, wieder einzubürgern. Der Grund, weshalb namentlich viele Jäger den Uh» aus ihren Revieren verbannen wollen, spricht freilich nicht zu seinen Gunsten, denn er ist ein arger Räuber und ein so wehrhafter Vogel, daß er selbst für Rehkälber oejährlich wird, erst recht aber der Niederjagd, da er auch Hasen, Feld- und Waldhühner und Kaninchen anfällt: er gehört auch zu den wenigen Tieren, die vor den spitzen Stacheln des Igels nicht zurückschrecken. Allein seine Raublust und Gefräßigkeit hat auch ihre guten Seiten, denn er ist zugleich ein eifriger Dertilger schäd- lichcr Tiere, wie Mäuse und Ratten, und manchen Jagdschaden macht er dadurch wieder gut. Andererseits ist er dem Jäger nicht selten ein nützlicher Helfer beim Anlocken von Raubvögeln aus der „Krähen" oder.Ausshütte": er kann also auch auf diese Weise bei der Vertilgung von Raubzeug behilflich sein, denn sobald die Raub- oögel den Uhu— besonders am hellen Tage— wittern, stürzen sie herbei und können nun von dem im Versteck lauernden Jäger leicht erlegt werden. Der Uhu ist übrigens ein sehr alter Gast auf dieser Erde. Seine frühesten Spuren reichen bis in die Miozän- Periode der Tertiärzeit, und somit gehörte er schon viele Jahr» tausende vor der Eiszeit der Erdsauna an. Literarische Prohibition in Amerika. Der Effekt des Alkohol- verbot», den die amerikanische Regierung in einem beneidenswerten Optimismus offenbar für einen Erfolg hält, hat sie anscheinend da- zu ermutigt, einen neuen Schritt zu wagen, der die amerikanischen Bürger diesmal vor den schlimmen Folgen der sittenlosen Literatur bewahren soll. In den intellektuellen Kreisen der Vereinigten Staaten herrscht große Ausregung darüber, daß die Regierung in Washington mit derselben Rigorosität, mit der sie die Einfuhr von alkoholischen Getränken bekämpft, nun auch die Einfuhr von Büchern verbietet, die ibrer Ansicht nach unmoralisch sind. Die Tugend- Wächter haben schon die Liste aufgesetzt, auf der sie die verpönten Bücher angeprangert haben. Werke der Weltliteratur wie die Er- Zählungen aus„Tausend und eine Nacht", Boccaccios„Dekameron" und Balzacs„Tolldreiste Geschichten" erössnen den Reigen. Nicht nur die Einfuhr der verbotenen Werke, sondern auch der Neudruck soll unterbunden werden. Das Zolldcpartcment, das die Bücher. einfuhr kontrolliert, hat Zensoren bestellt, die beauftragt sind, die Liste laufend zu ergänzen. Es wird nicht mitgeteilt, ob auch die bei den Amerikanern so angesehene Bibel, die bekanntlich auch nicht ganz einwandfreie Stellen enthält, oerboten worden ist. Das Ende vom Lied wird jedenfalls sein, daß der Amerikaner künftig nicht nur mit einer diskret maskierten Schnapsslasche, sondern auch mit einem auf Schmuggelwegen erstandenen„obszönen" Buch in den Witzblättern dargestellt werden wird. „Ludooicu» Rex" soll demnächst als Ergänzung zu dem„Fride- ricus Rex" auf den Markt der königstreuen Filmindustrie geworfen werden. Eine G. m. b. H.„Deutscher Film" ruft zur Finanzierung des Unternehmens auf. Schirmherr der Firma ist„Seine Königliche Hoheit der Kronprinz Rnpprecht von Bayern", Ehrenpräsident„Seine Exzellenz der Herr Ministerpräsident Held". Mit„langen Kerls" und Schlachtenpanoramen wird diesmal nicht viel zu machen sein, es sei denn, daß man sich zur Darstellung der Bürgcrwchrattacke auf das Münchener Schloß im März 1848 entschließt. Auch Lola Man- tez macht sicherlich eine recht gute Filmsigur. Ob damit aber dem „Schirmherr«" und dem„Ehrenpräsidenten" gedient wäre, dürfte immerhin fraglich sein. Erdbrerenzuchl in der Tonne. Ein kalifornischer Gärtner, De- luoan D. Johnson, ist aus einen gescheiten Einioll gekommen, um Erdbeeren auf begrenztem Raum in großen Mengen zu züchten. Er füllte eine Tonne, in die er Löcher gebohrt hatte, mit Erde. In jedes dieser Löcher wurde eins Erdbecrplonze eingesetzt und unter jeder Pflanze wurde eine kleine Plattform angebracht, die sie beim Wachsen und Früchtetragen unterstützt. Gegen 80 Pflanzen können in einer einzigen Tonne gezogen werden, und auf diese Weise kann man viele Hunderte von Pflanzen aus einem kleinen Raum auf- ziehen. Die Erdbeeren sollen besser sein als die, die man auf dmi Boden zieht, da sie mehr Sonne und Luft haben. der französische Parteitag. Blum über die parlamentarisckie Taktik. Paris, 25. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der sozialistlsa)c Parteitag in Clermond-Ferrand hat am Montag nachmittag und abend die Aussprache über die allgemeine politische Lage sortgesetzt. Das Ereignis des Tages war eine groß angelegte Rede Leon Blums, die den Beifall der Mehrheit des Parteitages gc- fanden hat. Er versuchte, den Konflikt zwischen den einzelnen Richtungen innerhalb der Partei zu mildern und wies einleitend darauf hin, daß die in den Reihen der Sozialisten vorhandenen Mci- uungsverschiedenhciten nicht in prinzipiellen, sondern allein in ver- schiedenen Auffassungen über die einzuschlagende Taktik begründet seien. Während die Sozialistische Partei zu ihrer Linken die Kom- munisten habe, die ebenso wie die Sozialisten eine Partei der Ar- bciter sei, habe ste zur Rechten die bürgerliche Partei der Radikal- sozialen. Die Gefahr für die Sozialisten bestehe darin, daß die Grenzen zwischen ihnen und ihren Nachbarpartcien o e r w i s ch t werden, worunter die Einheit und Schlagkraft der sozialistischen Aktion leiden könne. Leon Blum ging dann auf das p a r l a m c n- larische Problem ein. Seit einem Jahre, so führt« er aus, wahre die sozialistische Kamerfraktion eine neutrale Haltung: weder Opposition noch Unterstützung. Die Sozialisten hätten sich bei der entscheidenden Abstimmung über die Umsatzsteuer der Stimme enthalten, um ihren Gegnern nicht zu erlauben, die Der- ontwortung für die Finanz, und Währungskrise, die im Falle einer Ministerkrise besonders akut geworden wäre, abzuwälzen. Die Wiederherstellung des Linkskartells sei unter den gegenwärtigen Umständen unmöglich: dennoch könne das Land aus der gefährlichen Situation, die die an- gehäuften Fehler geschaffen habe, einen Ausweg finden. Dies sei entweder möglich durch den„Burgfrieden*(Union sacri) oder »och mehr durch die Durchführung des Finanzprogramms der Sozialistischen Partei. Die Partei müsse die Regierung dazu -wingen, die von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen, insbesondere die Kapitalabgabe, die Konsolidierung der schwebenden Schuld und die Stabilisierung der Währung, durch- zuführen. Der Redner stellte fest, daß die Regierung gegenwärtig das Gegenteil davon tue und dabei dem Druck derHochfinanz nachgebe. Wenn jedoch die Regierung das Programm der Sozialisten sich zu eigen mache, so werde sie auf die energische Unter st ützung durch die sozialistische Kammersraktion rechnen können. Gewiß könnte sie dabei zum Rücktritt gezwungen werden. Aber dann be- stünden zwei Möglichkeiten: entweder würde man die Sozialisten zur II e b e r n a h m e der Regierung auffordern» oder es würde eine nichtsozialistische Regierung gebildet, und wenn diese das von den Sozialisten aufgestellte Programm annehme, so würde sie die II n t e r st ü tz u n g der Sozialisten finden. Leon Blum schloß seine Ausführungen mit einem Aufruf zur Wahrung der Einheit der So- zialistischen Partei. In der Rachtsttzung legte R e n o u d e l seine Austastung der Lage dar. Die Aufwerfung der Frage über die Beteiligung der Sozialisten an einer bürgerlichen Regierung sei von niemand beabsichtigt gewesen, da diese Frage bereits durch die voran- gegangenen Parteitage geregelt worden sei. Wenn die ver- schiedenen Entschließungen, die die Haltung einzelner Genossen miß- billigten, zurückgezogen würden, so sei er bereit, an einer gemein- samen Entschließung über die allgemeine Politik mit- zuarbeiten. Diktatorische Vollmachten in polen! Erweiterung der Rechte des Präsidenten. Warschau, 25. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Ministerpräsident Bartel gab am Pfingstmontag die Erklärung ab, daß die öffentliche Meinung des Landes eine Erweiterung der Rechte des Präsidenten verlange. Für die U e b c r g a n g» z e i t bis nach den Neuwahlen müßten unverzüglich dem Präsidenten Eondervollmachten gegeben werden, vor allem auch die Er- mächtigung zum Erlaß einer neuen Wahlordnung. Ferner müsse der Präsident die Bollmacht bekommen, die Spitzen der Zivil- und militärischen Behörden neu zu gestalten und den Der- waltungsapparat des Landes und der Gemeinden neu aus- zubauen und auf dem Berordnungswege die finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse neu zu regeln. Pilsudski für die Einigkeit der Armee. Warschau. 25. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der Kriegsminister Marschall Pilsudski erließ an die Armee folgenden Tages- befehl: Im Lauf« der letzten Warschauer Ereignisse wurde beider- seit? viel Blut von Soldaten vergossen, die mit gleicher Liebe dem Aoterlande ergeben sind. DiesesBlutsollzurSaatneuer Bruderliebe werden. Ich bin überzeugt, daß die Soldaten die ersten sind, die sich zum Sieg für das Wohl des Vaterlandes ein- finden, die als die ersten den Ruf der Eintracht und Bruder- liebe verkünden werden. Kein Feind des Vaterlandes darf dabei hoffen, daß das Land schutzlos fei. Moskauer Sorgen. Tpaltung der Kommunistischen Partei Hollands. Amsterdam, 25. Mai.(WTB.) Auf dem Pfingstkongreß der Kommunistischen Partei Hollands traten große Meinungsver- fchiedenheiten zwischen der Parteimehrhcit, die sich hinter den von Moskau unterstützten radikalen Parteioorstand stellte, und einer gemäßigten, von der Ortsgruppe Rotterdam geführten, starten oppositionellen Gruppe zutage. Letztere verließ nach einer für sie ungünstigen Abstimmung den Kongreß und tagt« darauf in besonderer Sitzung. Es verlautet, daß die Opposition sich ihre Entscheidung über die Frage eines endgültigen Austritts aus der Partei vorbehalten wird. Schwankende Sörfenturfe. Ter ftfrank bessert sich weiter. An der heutigen Berliner Börse zeigte sich vorbörslich merklich feste Stimmung infolge der ruhigen Beurteilung der inner- politischen Lage. Bei Beginn der öffentlichen Börse zeigte sich aber, daß sowohl die Provinz als auch das Publikum nur mit sehr ge- ringen Austrägen am Platze waren, da man offenbar die Entwick- lung in den Feiertagen abwarten wollte. Die Spekulation nahm im Verlauf der Börse Gcwinnrealisationen im Hinblick aus den Ultimo vor, so daß sich die Tendenz im weiteren Verlauf der Börse etwas abschwächte. Eine Ausnahme machten nur Färb- werte, die lebhaftes Geschäft auf süddeutsche und Auslandskäufe hatten. Die internationalen Devisen hatten sich heute merklich gebessert. So wurde London gegen Paris mit 143 Vi genommen, London gegen Brüssel 145, London gegen Mailand 127. Der Geld- markt war unverändert leicht. Am Zahrestage der Anabhängigkeitserklärung der georgischen Republik, Mittwoch, den 25. Mai. oeranstaltet die hiesige georgisch« Kolonie eine Gedenkfeier Die Feier findet statt in Adlers- Hof, Flugplatz 4. Beginn 5 Uhr nachmittags. � Zweiter Klasse. Gepflegt« Herren verschanzen sich hinter ihrer Abendzeitung und rauchen wohlriechende Zigarren, ein paar Damen fahren ins Theater. Nur gut siwierte Herrschaften sitzen in dem Wagen zweiter Klasse der Untergrundbahn. Auf dem Hausvogteiplatz wird, gerade als sich der Zug in Bewegung setzt, die Tür aufgerissen. Jemand springt hinein, schmettert die Tür ins Schloß und schnaubt hörbar. Es ist ein Mann, der ein großes Paket unter dem Arm trögt, in ab- getragenem, schwarzem Ueberzieher mit ausgenagtem Samtkragen und verschwitztem Hut. Bestimmt hat er sich in dem Abteil geirrt, er ist nur hineingesprungen, weil der Zug bereits im Abfahren war: auf der nächsten Haltestelle wird er aussteigen. Aber der Mann bleibt nicht an der Tür stehen, er tritt in den Wagen hinein und bittet zwei Herren, die ihre geordneten Bügelfalten in den Gang strecken, zusammenzurücken. Man sieht ihn erstaunt an und kommt seinem Verlangen nach. Warum soll er nicht für kurze Zeit auf einer gepolsterten Bank sitzen, auch wenn er nicht die Berechtigung dazu hat? Man ist eben tolerant. Aber auf dem Spittelmarkt ver- läßt er nicht den Wagen. Man sieht ihn vorwurfsvoll an. Der Mann ist mit seiner Zigarre beschäftigt, sie oerbrennt schief und ver- T zur Einreichung für die Kandi- ieCiÄrlcr A Crilllll datenlisten zur Elternbeiratswahl: Donnerstag, den 27. Mai 1926 Die Sozialdemokratie ist die Partei des Aufbaus auf dem Gebiete der Schule. Eltern! Helft ihr dabei! Tretet ein für ihre Wahlvorschlägemitdem Kennwort: vCIlUiaUIDQU« breitet einen beißenden Qualm. Einige Damen hüsteln. Wenn doch jetzt ein Kontrolleur kommen würde. Dem Mann ist inzwischen Rauch in die'Augen gekommen, sie tränen. Er zieht sein Taschen- tuch hervor und verliert dabei allerhand Papiere, darunter sicher auch die Fahrkarte. Man freut sich, alle fühlen sich zu einer Gemeinschaft gegen den Außenseiter zusammengeschweißt. Langsam hebt der Mann seine Sachen auf, er zählt sie genau. Jetzt hält er offen in der einen Hand eine rote Karte. Er lächelte dabei ganz leise. Man sieht wie hypnotisiert aus die Karte. Tatsächlich, sie ist rot und trägt in der Mitte einen weißen Streifen, also eine rechtmäßige Fahrtarte zweiter Kloste. Was soll man davon halten? Peinlich ist die Sache. Man fühlt sich innerlich blamiert und um die Mög- lichkeit eines Triumphes ärmer, man hat einen Gleichberechtigten vor sich. Nirgends ist man vor dem Volke sicher. Man nimmt seine Zuflucht zu unahbaren Mienen. Die Rückfahrt See Roten Irontkämpfer. S0 bis S0 Autos unterwegs liegen geblieben. Auch die Veranstaltungen des Roten Frontkämpferbundes am Abend des gestrigen zweiten Pfinastfeiertages sind, wie gemeldet, ohne Zwischenfälle und Störungen verlaufen. Der größte Teil der auswärtigen Teilnehmer ist bereits wieder in etwa 200 Lastkraftwagen mit Anhängern, von denen etwa lud Über Potsdam gingen, in die Heimatbezirke zurückaesahren. Wie jetzt erst be- könnt wird, haben ungefähr 50 bis 8 0 Lastkraftwagen mit auswärtigen Roten Frontkämpfern Berlin gar nicht er- reicht, da die Automobile unterwegs, manchmal schon aus halber Strecke infolge Achsenbnichs und schweren Reifensd)äden liegen geblieben sind. Der Transport in Automobilen, den der größte Teil der auswärtigen Roten Frontkämpfer aus Ersparnisgründen und um gleichzeitig eine wirksame Demonstration zu haben, der Eisen- Kahnfahrt vorgezogen hatten, hat an die Teilnehmer sehr große An- fordcruiigen gestellt, und mehrere Personen sind infolge der mehr als zwanzigstündigen Fahrt ohne ausreichende Verpflegung in Berlin erkrankt, so daß sie in Krankenhäusern unter- gebracht werden oder private Aufnahme finden mußten. Im Laufe des heutigen Vormittags haben fast sämtliche auswärtigen Teilnehmer Berlin wieder verlassen, nachdem bereits am gestrigen Abend die Eisenbahntransporte und Sonderzüge nach Leipzig. Stettin und dem Ruhrjjebiet abgefahren waren. Auch die Abfahrt der Roten Front- kämpfer, die von Berliner Kameraden zum Bahnhof begleitet wur- den, vollzog sich ohne jede Störung. Arbeitersängerfest in Brandenburg. Das Sängerfest, das während der Feiertage vom Arbeiter- Sängerbund, Gau Berlin-Brandcnburg, in Brandenburg an der Havel veranstaltet wurde, ist in seinem Verlauf nur wenig von der nicht gerade günstigen Witterung beeinträchtigt worden. Schon am«onnabend boten die meisten Straßen im Schmuck der Gir- landen und vieler schwarzrotgoldener und roter Fahnen einen festlichen Anblick. Freudig wurden die am Sonn- abend und im Laufe des Sonntag vonnittag eintreffenden auswär- tigen Sänger und Sängerinnen begrüßt und in ihre Standquartiere geleitet. Am Abend des ersten Feiertag» fand ein Kirchen- g e s a n g e k o n z e r t in St. Katharinen und in fast allen Sälen der Stadt ebenfalls Gefangskonzerte statt. Alle Veranstaltungen waren überfüllt. Am zweiten Feiertage trugen die W e r b c k o n- z e r t e der Gauvereine das ihre dazu bei, die Erwartung auf die Massenveranstaltungen am Nachmittag zu steigern. In zwei im- posanten F e st z ü g e n mit zahlreichen Fahnen und Kapellen mar- schierten etwa 5000 Arbeitersängerinnen und Sänger nach dem Stadion. Hier begrüßte der 16.(Brandenburger) Bezirk die anderen Vereine des Gaues mit dem„Gruß am Sängertage* von Mendelssohn-Bartholdy. Im Namen der Stadtverwaltung hieß Genosse Stadtrat E i ch l e r die Sänger willkommen. Auch der Eauvorsitzende, Paul Schneider(Berlin), fand herzliche Worte für die Teilnehmer. Dann erlebten die Brandenburger, die sich zu Tausenden auf dem Festplatz eingefunden hatten, ein Ereignis, das noch lange fortwirken wird: Massenchöre, ein gemischter Chor von rund 2800 Sängern und ein Männerchor in Stärke von 300 Sängern zeigten, welch gewaltigen Eindnick Massengesang unter sicherer Stabführung erzielen kann. Die Leitung der Chöre hatten Dr. Zander und Chormeister R o h r b e ck(Berlin). Dar- an schlössen sich Darbietungen größerer Vereine und Perbände. Bei eintretender Dunkelheit wurde auf dem Festplatz, auf dem sich reges Festtreiben entwickelt hatte, ein großes Feuerwerk abgebrannt. Krostcr Erfolg der Alpenländifchen Tommerfchau. Die vom Oesterreich-Deutschen Volksbund In Ver- bindung mit dem Berliner Messermt im Funkhaus veranstaltete Alpenländische Somincrsdiau war an beiden Psingstseiertagen so gut besucht, daß alle Karten ausverkauft waren.— Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gald wird am Sonntag, dem 30. Mai in der Alpcnländisäien Sommerschau eine Anschlußfundgebung unter der Devise„Für ein einiges Groß-Deutschland* veranstalten. Die Karten zu dieser Veranstaltung sind bereits in den Händen der Kassierer. Die Sommerschau selbst ist bis zum 6. Juni geöffnet. fahrlässiger Schütze. Durch unvorsichtiges Umgehen mit einem Tesching hat der 10 Jahre alte Kurt Brunner das Leben eines Menschen in große Gefahr gebracht. Der junge Mann schoß aus dem Laubeitgelände an der Retzestraßc zu Neukölln mit einem b-Millimeter-Tesching nach einer leeren Konservenbüchse, die er auf eine Zaunlatte gestülpt hatte. Cr verfehlte das Ziel und traf den 47 Jahre alten Arbeiter Friedrich Rückcrt aus der Schierkestraße in die linke Brustseite. Rückert wurde mit einer schweren Ver- letzung in das Krankenhaus nad) Buckow gebracht. Der fahr- lässige Schütze wurde festgenommen, nach der Vernehmung aber vorläufig wieder entlassen._ �wolf Selbstmorde in den Feiertagen. Eine geradezu erschreckende Anzahl von Selbstmorden wurden an den beiden Pfingstfeiertagen verübt. Nidst weniger als 12 Personen schieden freiwillig aus dem Leben. Der jüngste der Selbst- Mörder war 16 Jahre, der älteste 62 Jahre alt. Rettungsoersuche hatten in keinem Fall« Erfolg. Als Grund wurden Liebeskummer, Arbeitslosigkeit, Nahrungssorgen und Lebensüberdruß angegeben. Ueberwiegend wurde von den Selbstmordkandidaten Gas zur Aus- führung der Tat benutzt, aber auch Gift wurde bevorzugt. In sechs Fällen blieb es bei einem Versuch. Wiederbelebungsversuche waren hier von Erfolg gekrönt, doch mußten die Lebensmüden in Kranken- Häuser überführt werden. Elternbeiratswahlcn und entschiedene Schulrcformcr. Der Vorstand des„Bundes entschiedener Sch u l» r e s o r m e r" fordert seine Mitglieder und Freunde und die wähl- berechtigte Elternschaft auf, bei den bevorstehenden Elternbeirats- wählen an jeder Schule für die kulturpolitisch fortschrittlichste Ver- tretcrliste entschieden einzutreten, damit schulresorm freundliche Elterntreise in den Elternbeiräten ausschlaggebenden Einfluß ge- Winnen. Da, wo die kulturpolitischen Gegensätze nur in Gestalt partei politischer Listen auftreten, ist es erforderlid), daß die ent- schiedenen Schulreformer ihre Kraft einsetzen gegen den Ansturm von Zelotismus, Chauvinismus und Modarchismus, für die Listen der Links Parteien. Eine Riesenrolltreppe im Lunapark. Der Lunapark hat sich jetzt die größte Rolltreppe Europas zugelegt. Sie hat eine Länge von 25 Meter, nimmt eine Steigung von 11 Meter Höhe auf und hat 108 Stufen, bedient von einem I0-PS..Motor. Die Treppe soll nicht nur als reines Vergnügungsobjekt angesprochen werden, sie dient auch als Verkehrsmittel vom tiefergelegenen Halen- see zum oberen Niveau des Kurfürstendammes für das Publikum. Vulkanausbruch in Japan. 200 Menschen in Springfluten ertrunken. 2000 vermißt. Ein plötzlich erfolgter Ausbruch des bisher für erloschen gc- hallenen Vulkan Tokachi aus der Insel hoktaido(Japan) hat nach den bisherigen Nachrichten furchtbare Folgen gehabt. Es werden zweitausend Personen vermißt, zweihundert sind offenbar in den Springfluten, die durch den Ausbruch entstanden, erfrnnke». Sechzig Häuser wurden von der Lava zugedeckt. In einer Schwefel- grübe wurden zahlreiche vergleute verschükke«. Die Einwohner der am Fuße des Vulkans gelegenen Stadt Mive sind geflüchtet. Das durch den Ausbruch verursachte Setöse war noch in einer Entfernung von Z2 Silometer hörbar. Tödlicher Absturz vom Balkon. Als entsetzlich« Folge der noch fortwährend zunehmenden Häuserverwahrlosung stellt sich ein schwerer Unfall dar, der sich am ersten Psingsttage nachmittags in Kray bei Essen ereignete. Dort stürzte ein Brautpaar, das sich auf einer Familien- feier befand, von einem im dritten Stock gelegenen Balkon in die Tief«. Die Braut war sofort tot. Der schwerverletzte Bräu- tigam wurde ins Krankenhaus gebrocht. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß das morsche Geländer des Balkons beim Anlehnen durchbrach. Weltrekord eines Hungerkünstlers. Der Hungerkünstler Fred Eller ist gestern abend in Wien nach einer Hungerkur von 4 6 Tagen und 6 Stunden, was einen Weltrekord bedeutet, aus seinem Glaskasten herausgebracht worden. Der Andrang des Publikums war in den letzten Stunden ungeheuer. Der Hunger- lünstler erhielt sofort seine erste Mahlzeit, bestehend aus einem Glase Milch, etwas Biskuit und einem Glase Rotwein. Dann wurde er in das Spital der Barmherzigen Brüder gebracht. Sport. Möller siegf im„Großen pfingstpreis*. Vor ausgezeichnet besetzten Tribünen konnte am 2. P f i n g st- s e i e r t a g das Programm des Großkampftages der Olympia- Radrennbahn zur Abwicklung gelangen. Nicht weniger als 10 Dauerfahrer hatten sich dem Starter gestellt, die Extra- klaffe war durch Sawall, Möller, Lewanow, Lejour und Maronnier und die v- K l a s s e durd) D o b e, V e r m e e r, 2 ch w e d l e r, Schubert und R o s e n l ö ch er jr. oertreten. Im Hanptrcnnen des Tages„Der große P f i n g st p r e i s" über 50 Kilometer siegte Möller, der ganz leichtes Spiel hatte, nach- dem erst einmal Sawall abgekämpft zurückgefallen war. Das 20- und audi das 30-Kilometer-Dauerrennen der Extraklaise brachte in beiden Fällen d e n S i e g S a w a l l s. In der U- K l a s s c dominierte D o b e, der den„Preis von Spandau*(20 Kilo- meter) und den„Kleinen P f i n g st p r ei s"(30 Kilometer) für sich zu sichern wußte. Amateur-Fliegerrennen umrahmten das Programm. Resultate. Großer P f i n a st p r e i«. 50 Km. 1 Möller 41 Min. 5�.4 Sek., 2. Maronnier 270, 3. Lejour 21-0, 4.«»wall 2450, 5. Dobc 4100, 6. Lewanow 6500 m zur.— Preis von Friedenau. 30 km. 1. Sawall 25 Min. 1 Sek., 2. Möller 50, 3. Maronnier 150, 4. Lejour 210, 5. Lewanow 250 m zur.— Preis von S t e g I i h, 20 Icm. 1. Sawall 16 Min. 17,4 Sek.. 2. Möller 50, 3. Maronnier 150, 4. Lewanow 240, 5. Lejour 340 m zur.— Preis von Dvandau, 20 km. B-Rlaffe. 1. D o k> e 13 Min. 12,1 Sek.. 2. Schlvedlcr 70, 3. Permeer 200, 4. Schubert 1030. 5. Rosenlöcher 2390 m zurück.— Kleiner Psingft preis, 30 km. B• SV l a fj«• 1. Dobc 26 Min. 47,3 Sek., 2. Schwedler 720, 3. Vermeer 1730, 4. Schubert 2510, 5. Rosen- löcher jr. 3800 m zurück.— Hallptfabren. 1200 m. 1. Max f.Krampc), 2. Heyne(Concordia), 3. Petcrmann(Tempo), 4. Spnrmann (B. R.-C. 8Z).— Vorgabesabren, 2000 m. 1. Max, 2. Falschild (Concoröia), 8. Henne, 4. Lehmann(Einzelsahrer). Polizeihundschau in Bernau. Der Polizei- und Schutzhund-Verein von Bernau und Umgegend veranstaltete am 1. Pfmgstfeiertag unter Beteiligung von etwa 20 auswärtigen Vereinen eine Pröpagandavor- führung von Polizei-, Schutz- und Meldehunden. Eine große Zahl von Hundebesitzern zog gegen 2 Uhr nachmittags unter Voran- tritt einer Musikkapelle durch die alte L)ussitenstadt und dann hinaus auf den mitten im Walde gelegenen Uebungsplatz an der Wandlitzer Chaussee. Es war ein« recht bunte Gesellschaft von Hunden, die dort ihre Künste vorführten. Rauhaarige Terrier, Dobermann- p i n t s di e r, deutsche R o t t w e'i l e r und deutsche Schäfer- Hunde zeigten hervorragende Leistungen. Ein« Reihe von Vor- führunaen, besonders die„Nasenarbeiten*, fanden allseitiges großes Interesse. Eine Glanzleistung vollbrachte der Polizeihund Ajax von der Polizcioerwaltung Flirstenwalde. In einem naheliegenden Gehöft wurde ein Einbruch fingiert und das Tier auf die Spur des geflüchteten Einbrechers gesetzt. Nach wenigen Minuten stellte er diesen in einem etwa 1000 Meter abgelegenen Laubengelände. Auch die Gehorsams, und Gewandtheitsübungcn sowie Proben auf Hieb- und Schußfestigkeit der Hunde zeigten, wie wertvoll die Vierbeinigen für die Allgemeinheit sein können. Es wurde erstklassiges und wert- volle» Hundematerial zur Sdiau gestellt. Hervorgehoben sei nod), daß besonders Hunde aus den Vereinen F ii r st c n w a l d e, N e u. lull ii, Spandau und. Sie mens st adt gute Leistungen voll führten. OewerMajwbewegung Setriebsräte find notwenüig! Aus den Berichten der Gewerberäte für das Jahr 192Z geht hervor, daß eine ganze Reihe von Klein- und Mittel- betrieben ohne Betriebsvertretungen sind. Beson- ders in den Kleinbetrieben macht der Arbeitgeber seinen Einfluß auf die Belegschaft dahin geltend, daß keine Botriebsvertretungen zu- stände kommen. Mitunter ist aber auch die Jnteressenlosig- feit der Belegschaft derart groß, daß sich niemand zur Ver- fügung stellt, der eine Verantwortung übernehmen will. Wie notwendig aber eine Betriebsvertrctung ist, hat sich insbesondere bei den Stillegungen und Massen« entlassungen erwiesen. Ein« Belegschaft ohne Betriebs- Vertretung ist in solchen Fällen der Willkür der Unter- nehmer ohne weiteres ausgeliefert. Schon im Einzelstreitfall ist bei der Entlassung niemand in der Lage, seine Rechte nach Z 84 ARG. wahrzunehmen, weil die Betriebsvertretung fehlt und so nach dem Gesetz keine Möglichkeit besteht, eine Klage gegen die Entlassung einzureichen. Gerade in den Klein- und Mittelbetrieben ist«in Betriebsrat aber auch notwendig, um die hygienischen Einrichtungen, die meist sehr mangelhaft sind, die Unfalloerhütungsvor- s ch r i f t e n. die oft aus Bequemlichkeit nicht eingehalten werden, die Arbeitszeit, die gerade in den Betrieben ohne Betriebs- Vertretung oftmals bis ins Ungemessene ausgedehnt wird, und die Pausenregelung zu überwachen. In den Großbetrieben besteht wohl in den meisten Fällen eine Betriebsvertretung. Die Atbeitgeber suchen auch hier den Betriebs- röten alle möglichen Schwierigkeiten zu bereiten. Nach den Mit- teilungen des Regierungsbaumeisters Bolz im„Arbeitgeber" Nr. 7 und 8 z. B.«st beim Siemens-Konzern im sog. Volkswirtschaftlichen Bureau und seinen Nebenabteilungen, zu" denen anch die be- rühmte Sozialpolitische Abteilung gehört, im Jahre 1324 das Personal gegen 1314 vervierfacht worden. So wie im Siemens- Konzern �geht es in den meisten Großbetrieben. Man hat einen ganzen Stab von I u r i st e n eingestellt, die sich eingehend mit den Betrrebsrätefrogen und mit den Klagen rcsp. Einsprüchen und Beschwerden der Betriebsräte auf den Arbeitsgerichten, mit den Tarifverträgen usw. zu beschä'tigcn haben. Ein besonderer Mangel innerhalb der Betriebsrätebewegung ist, daß das weibliche Element fast vollständig darin fehlt. Das liegt wohl mit daran, daß die Frauen noch zu wenig Schulung in gewerkschaftlicher Beziehung haben, die Arbeiterinnen vielfach das aktive Wahlalter noch nicht erreicht haben und daß sie nach ihrer Arbeitszeit noch mit häuslichen Arbeiten belastet sind. Da aber die Frauen innerhalb der Betrieb« infolge ihrer körperlichen Konstitution viel größeren Schädigungen ausgesetzt sind, ist ihre Beteiligung unter allen Umständen notwendig. In den Betrieben der Berliner Metallindustrie macht die Zahl der beschäftigten Frauen im Durch- sckznitt ein Drittel der Belegschaft aus. In anderen Industrien ist sie teilweise noch größer. Jedenfalls ist es Pflicht der gewerkschaftlich organisierten Ar- bcitnshmer, überall da, wa noch keine Betriebsrertretung besteht, dafür zu sorgen, daß der Unternehmer einen Wahlvorstand einsetzt, damit die Wahl des Betriebsrats vor sich gehen kann und so die wenigen gesetzlichen Rechte, die dem Arbeitnehmer zustehen, auch gewahrt werden._ Tariferueuerung im Steindruckgewerbe. Kürzlich berichtete Genosse 1) o f f m a ir n in der Mitgliederversammlung der Steindrucker und Lithographen über den neuen Tarifvertrag für das Steindruckgewerbe. Die Berhandlungcn haben zu einer Einigung geführt. Der seit 1924 bestehende Tarifvertrag ist mit einigen unwesentlichen Lenderungen erneuert worden. Die Bestimmungen über die Ar- beitszeit, die Löhne, die Ferien und die Regelung des Lehrlings- wesens usw. sind be stehengeblieben. Soweit Aenderungcn vorgenommen wurden, sind sie mehr platonischer Art. Im allgemeinen ist es also gelungen, die Position im Steindruckgewerbe zu halten, trotz der wirtschaftlich ungünstigen Lage. Es wird an den Mit- gliedern liegen, dafür zu sorgen, daß die gegenwärtig bestehenden Lohn- und Arbeitsverhältnisse, die sich im wesentlichen auf das Prin- zip der L e i st u n g s l ö h n e aufbauen, durch ihren bisher bewiese- nen festen Zusamnienhalt auch weiter zu behaupten. In der Diskussion hielten die Oppositionsredner die üblichen ihnen von oben diktierten Reden. Einigermaßen grotesk wirkte es, daß diese Oppositionsredner im Gegensatz zu ihren revolutionär llingenden Phrasen sich für die Annahme des Vertrages aus- sprachen. Die ganze Beweisführung ihrer Reden lief allerdings auf das Gegenteil hinaus. Man muß sich also fragen, cb es ihnen mehr mit den Reden oder mehr mit der Zustimmung zum Tarifvertrag ernst war. Die Genossen Naujoks und Hoffmann gaben den kommu- nistischen Rednern die entsprechende Antwort. In der Abstimmung wurde der Vertrag mit 541 gegen 18 Stimmen angenommen. Llngestelltenkündigungen. Dinslaken, 24. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Auf der A u g u st- Thyssen-chütte. Walzwerk Dinslaken, wurde 300 Angestellten dos Angestelltenverhältnis zum 15. Juni gekündigt. Eine große An- zahl Kündigungen dürste wieder zurückgenommen werden. Als Grund wird Einschränkung des Personall>tstandcs wegen der Bildung des Trusts angegeben.__ Internationale Zlrbcitskonfercnz. Genf, 24. Mai.(WTB.) Die neue allgemein« Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation wird morgen, MUtwoch, er- öffnet. Als einziger Gegenstand steht die Vereinfachung der Aus- Wandereraufsicht an Bord auf der Tagesordnung. Außerdem wird die Konferenz, wie alljährlich, den Tätigkeitsbericht des Direktors und Geschäftsordnungsfragen behandeln, worauf alle sozialpolitisch bedeutsamen Fragen erörtert werden. Gens. 24. Mai.(Eigener Drahtbericht.) An der Spitze der französischen Delegation zur Internationalen Arbeits- konferenz steht der Unterstaatssekretär der öffentlichen Zlrbeiten Roustan. Die Arbeitgeber entsenden als Vertreter den General- sekretär des französischen Reedereioerbandes Paul de Rousier, die Arbeitnehmer den Generalsekretär des Verbandes der See- leute Ange R i v e l l i. Der italienischen Delegation gehören der Aus- Wanderungskommissar de Michelis und der Direktor der chandels- marine Eiuliv Ingianni als Regierungsvertreter und der General- sekretär der faschistischen Gewerkschaften R o s s o ni als Arbeit- nehnieroertreter an._ Verböserung des englischen Gcwerkschaftsrechts? London, 24. Mai.(TU.) Wie verlautet, hat die englische R e- gierung eine Kommission niit den, Lcrdkanzler Cave als Bor- sitzenden ernannt, deren Ausgabe es ist, das Gewerkschafts- gesetz aus dem Jahre 1336 wegen der dem Generalstreik vorausgegangenen Ereignisse einer R e v i s i o n zu unterziehen. Lord Birkenheäd, der dos Gesetz kürzlich in einer in Oxford gehaltenen Rede scharf kritisierte, wird ebenfalls Mitglied der Kommission sein. „Entgegenkommen der Grubenbesitzer." London, 24. Mai.(EP.) Di« Grubenbesitzer der Grafschaft Warwichshire haben beschlossen, den Aussperrungsbefehl gegen die Kohlenarbeiter von morgen, Dienstag, an zurückzuziehen. Sie sichern die gleichen Löhne wie vor dem Streik zu, sofern die Arbeiter bereft sind, acht Stunden statt bisher flebetz Stunden zu arbeiten._ Dockarbeiterstreik in den bretonischen Häfen. Paris, 24. Mai.(TU.) In den bretonischen chäfen ist gestern ein Dockarbeiterstreik ausgebrochen. Vor allem ist die Aussuhr von Kartoffeln und Gemüse nach Großbritannien unterbunden. Die Schiffsreeder haben die Aussperrung der Arbeiter verkündet._ Ende deS Pfingststreiks der Pariser �riseurgehilfe». Paris, 24. Mai.(EP.) Die streikenden Friseurgehilfen haben zum größten Teil die Arbeit wieder aufgenommen. Von 1800 Streikenden sind 1400 wieder angetreten, nachdem ihre Lohnforde« rungen bewilligt waren. TaS Jnflationsrenncn in Belgien. Brüssel, 25. Mai.(Mtb.) Ein Kongreß belgischer Metallarbeiter beschloß, im ganzen Lande eine Bewegung zur Aufbesserung der Löhn« zwecks Ausgleichung der Geldentwertung einzuleiten._ Die Sparkasse der Bank der Arbeiker, Angestellten und Beamlen A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 3— 3 Uhr und 5— 7 Uhr, Sonnabends von S— 1 Uhr geöffnet. Berantwortlick» fllr Politik: Ernft 91«lt»r: Dirtkcbakt: Art»« SaUrn»»: cLewerlkchaftsbeweguno: i,"«dr. Ckkorn; Feuilleton:*. 8. Distcher: Solales und Eonktiaes: iteift äarktädt: Anzeiaen: Zl>. Glocke: saintiilti i» Berlin.' Berlaa: Lorwarts-Berlaa K.M. d.s.. Berlin. Druck: Born>Sr:s-Buck>druckeret und Bcrlaasanlialt Paul Einaer u. Co.. Berlin LW 68, Lindcnltrake a, PICCADILLY Blsrnarckslr. 93—94 Panzerkreuzer Potemkin 2 Woch. verläniert vom Dienstag bis Freitag »! lün 330 Puqiefttlä'.nn Shunpeti fS? Erubteil«. fniilBl« jrilit. |Lllfllilankcl. Berlin N(S. Reinictaderftr Strak 95. Inlerieren bringt ERFOLOl Krause- Pianos zur Miete Ansbacher Str. I, Eckitnrttntratlnle iiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiimiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiniiiiiiiiiiimiimiiiiiu� Großer Extra �Verkauf! Wasch-Crepon 70 in großen Farben-Sortiments nur Meter» Crepe Marocain qo ca. 100 cm br.. bedruckt, entzückende Muster, nur. Meter 919 Prima Voile Oft ca. 100 cm br., in schönen Dessins, nur...... Meter 9 W Blusen-Crepe 70 ca. 70 cm br., hübsche helle Streifen, nur..... Meter» GD Crepe Marocain 945 475 ca. 100 cm br., moderne Karo-Muster.». Meter I Trachtenstoffe 495 925 in riesiger Auswahl, indanthrenfarbig... Meter>> ZC-fir für Sportblusen und 7ft CO Kemden in großer Auswahl. 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