Nr. 173. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Ml., wöchentlich 38 Psg. frei in'» Haus. Einzelne Nummer » Vfg. SonnlagS- Nummer mit tQui'w. Ton.magS- Beilage„Neue Welt" io Pfg. Post-Abonnement: »,Z0Ml. proQuartal. Unter kreuz» band: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 3 Mr., sür da» übrig« Ausland eMl.pr.Monar. Etngeir. in der Post-ZettungS- Preisliste sür 1838 unter Nr. 713». IS. Jahrg. JnsertionS-Eebühr beträgt sür die sünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und BersammlungS- Anzeigen so Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedilton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Ur. 1508. Telegramm-Adresse: „Soilnldemohrnt Kerlia!' Verliner VolKsblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Drr„AufPtsnd" in Makedonien. Von einem bulgarischen Genossen, der die Verhältnisse kennt und auf dessen Wahrheitsliebe wir uns verlassen können, wird unS geschrieben: Der Gegenstand dieses Briefes wird der Aufstand in Makedonien sein. Alle bezüglichen Ereignisse sind aus folgende Thatsachcn zurückzuführen. Ein paar Dutzend bewaffnete Menschen sind aus Bulgarien in Makedonien eingedrungen und haben sich nach einigen Gefechten mit den türkischen Truppen theils zerstreut, theils sind sie zu Gefangenen gemacht oder getödtet und»iedergemetzell worden. Ihre Köpfe wurden auf langen Stangen in den Dörfern hernmgelragen, um die Bevölkerung zu erschrecken. Der„Eintritt" der Aufsländischen war für die Baschibozuks(die irreguläre türkische Armee) und die Albanesen ein guter Vorwand, sich ihrer Lieblingsbeschäftigung, der Plünde- rung und Metzelei, hinzugeben. Daher kam es, daß man im Tors Tchiftö-Chan und auf den, nach der bulgarischen Grenze führende» Wege beraubte und getödlete Reisende fand. Die makedonische Bevölkerung selbst hatte sich nicht gerührt. Oder, um die Wahrheit zu sage», sie war von der türkischen Verwaltung zur Bildung von Trupps (genannt..xoter!'') in Eile bewaffnet und unter der Führung eines Unteroffiziers zur Jagd auf die Insurgenten ver- wendet worden. Diese letzteren wurden von ihren Brüdern anstatt eines freundlichen Empfangs mit Kugeln begrüßt. Die In- furgenlen ließen natürlich nicht lange aus sich warten, sie schicklen Gruß für Gruß zurück und lödtete» manchen ihrer Brüder, die sie von dem türkischen Joch hatten„befreien" wollen. In dem Dorf M oj diw ek sielen 17 Makedonier unter den Streichen der Insurgenten. Auf diese Weise wurden die Befreier zu Mördern. Und dies alles nur, weil die Befreier und die, welche sie befreien wollten, einander fremd waren und kein geineinsainer Geist, kein gemeinsames Handeln sie verband. Daß die Insurrektion keine an Ort und Stelle entstandene Bewegung, sondern von Sofia ins Land gebracht war, vorbereitet und gefördert durch das„makedonische Komilee" ergiebt sich erstens aus der Thalsache, daß sie in dem in jeder Be- ziehung zurückgebliebensten Distrikie stattfand: im Distrikt d'Uscul; zweitens aus dem Geständniß des makedonischen Organs „Mlada Bulgaria"(das junge Bulgarien), das in Wirklichkeil aber eine feile Dirne ist und die trcueste Dienerin der russischen Diplomatie; drittens aus der Mittheilung des Regierungsorgans„Mir", nach welchem der Präsident des makedonischen Komitee's, ein gewissen Kitartcheff sich am Borabend des Ausstandes an der türkisch-bulgarischen Grenze befand, zweifellos um seine Befehle für die Schlacht des folgenden Tages zu geben. Die Jnsur- rektion war demnach nur ein Manöver des make- donischen Komitee's von Sofia. Besagtes Komitee hat sich erst neuerdings gebildet, es datirt von S— 6 Monaten her. Makedonische Komitee's aber kennen wir schon seil langer �eit. Vordem gegenwärtige» Komitee war es das früher makedonische Komitee mit seinem berüchtigten Vor- steher Major P a n i tz a. Letzterer war im Westen als Anstifter von Komplotten bekannt, bei uns aber wegen seiner unerhörten Grausamkeit imd seines ganz orientalischen Geschmacks berüchtigt— übrigens erinnert er sehr an Ihren Sladthalter(Gouverneur) von 74 Verliner Miirzfage. INachdr. verb. Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. „Vortrefflich! Ausgezeichnet!" rief dieser.„Die Amnesti- rung der Polen—, das ist populär, das wird ziehen, das giebt ein Extrablatt, mit dem wir Staat machen können! Parire mit Ihnen, mein Herr, daß Ihr Herr Bruder vor morgen Abend noch frei ist." „Will ich zehnmal abonnieren Ihren Zeitung, wenn das geschieht," versetzte Herr Kasimir voll freudiger Hoffnung. Sie waren inzwischen vor der Terrasse des Schlosses auf der Lustgartcnseile angekommen. Hier bot sich ihnen ein ungewohntes Schauspiel dar: von ein paar Männern ini schwarzen Leibrock geführt, stieg der König von Preußen zu„seinen lieben Bürgern" herab und gewährte ihnen in einer feierlichen Ansprache die verlangte„Bewaffnung". Begeisterte Jubclrufe erklangen aus den Kehlen der„gut- gesinnten Bürger", die sich an diesem Punkte ein Stelldichein gegeben hatten. Sie hatten in aller Stille mit dem gedcmüthigten Machthaber ihren Pakt geschlossen— einen Pakt, an dem das Volk so wenig Antheil halte, wie an ihreni Jubel. Nein, das Volk war noch nicht so weit, um zu paktiren. Diese Menschen mit dem„wüsten Aussehen", wie der König die an der Schloßsreiheit auf und nieder wogenden Massen bezeichnete, hatten noch manches ernste Wort zu reden, eh' sie sich freiwillig in den Staub der Straße warfen. Hunderte von stummen Zeugen— ihre Tobten— mahnten sie immer wieder an die blutigen Ereignisse, von denen kaum wenige Stunden sie trennten. Diese Todtcn sollten den König begrüßen: auf Brettern, Bahren und Last- wagen brachte man sie ihm nach dem Schloßhofe, wo sie in langen Reihen niedergelegt wurden. Frauenhände hatten in der Eile die blutigen Stirnen der Hingeinetzelten mit Blumen und Trauerbändern geschmückt, Studenten mit ent- bläßten Schlägern und Barrikadenmänner mit der Büchse Kamerun, dessen Ruhm bis zu uns gedrungen ist. Wahrscheinlich dieser Eigenschaften wegen nennen ihn seine Gefährten„den Diamant von Makedonien". Wenn ich Ihnen von Panitza spreche, obgleich er schon todt ist, so geschieht es, weil ein Theil der Mitglieder des makedonischen Komitees mehr noch als seine Schüler, seine verdorbensten Nachahmer sind. Sie gehen sogar so weit, zu behaupten, die gegenwärtige Insurrektion sei nur von dem „Geiste Panitza'ö" geschaffen,„der gegenwärtig über den Bergen von Makedonien fliege." Bis jetzt waren die makedonischen Komitees nur durch einen von seine» Leuten in Rumänien be- gangenen„berühmten Diebstahl" bekannt. Das Ergebniß dieses Diebstahls war 1884 bei einer feier- lichen Gelegenheit nach Bulgarien transportirt worden; hier ist aber nicht der Ort, mich über diesen Diebstahl weiter zu ver- breiten, es genügt, wenn ich sage, daß er zum Zweck des Ankaufs von Waffen begangen worden war, die zur Organisirung eines Ausstandes dienen sollten, der aber thatsächlich zu dieser Zeit niemals stattfand; das Geld fand in den Geldschränken der makedonischen Patrioten einen besseren Platz. Das gegenwärtige Komitee ist, wie ich schon bemerkte, zum theil aus Schülern Panitza's, zum theil aus beschäftigungslosen Politikern und solchen Naiven zusammengesetzt, die glauben, daß man nur russenfreundlich und orthodox-katholisch zu sein braucht, und einige Dutzend Insurgenten nach Makedonien zu schicken hat, — dann werde das türkische Reich sich schon demüthigen. Und was hatte in der Thal dieser Ausstand zur Folge? Sein tragisches Resultat haben wir schon erzählt, und was das politische Resultat betrifft, so können wir sagen, daß der Aus- stand auf die makedonische Bevölkerung fast keinen Einfluß hatte und es fraglich ist, ob der neueste Ausstand in das Innere des Landes dringt, und dringt er dahin, ob sein Eindruck sich nicht bald verwischt. In Bulgarien dagegen hat man viel Lärm davon gemacht, man schickte dem berüchtigten russischen General Jgnatieff Telegramm« und man organisirte Versammlungen, in denen die bulgarische» Bourgeois, welche unter dem barbarischen Regiment von Stambulow nur die friedlichen Beschäftigungen kannten, plötzlich revolutionär wurden. Die türkische Regierung gab nach und Europa inlcrvenirte. Dies das Ende der Geschichte. Man könnte sagen„das Ende der Komödie", wäre es nicht doch eine wirkliche Tragödie, die sich jetzt in Makedonien zwischen einem Volk, das gewöhnt ist, zu gehorchen und zu zittern aui der einen, und den Baschi- bozuks und den Albanesen auf der andere» Seite abspielt. Wir haben aber noch auf eine andere Seite des Aufstandes näher einzugehen. Das Komitee rechnete auf das Einschreiten der europäischen Mächte zu seine» gunsten und ganz besonders auf die russische Diplomatie. Gerade deswegen hatte man den Aufstand um diese Zeit angeordnet, weil damals die armenische Frage aus der Tagesordnung st a u d. Interessant ist es die Haltung Rußlands gegenüber dem Aufstand zu kenne». Vor allem muß bemerkt werden, daß die russische Gesandtschast in Konstantiuopel vollständig unterrichtet war. In einer an das russensreundliche Blatt,„Zname", gerichteten Korrespondenz aus Konstanlinopel(Nr. vom I8./gl). Juni) wird in der That gesagt,„daß, noch ehe die bulgarischen Zeitungen über den Aufstand geschrieben hätten, man in einigen der hiesigen Gesandtschaften schon davon unterrichtet gewesen wäre". Diese „Einige" war keine andere als die russische Gesandt- im Arm schritten den Leichenzügen voran, und die un- gezählte Menge der Leidtragenden, Kopf an Kopf gedrängt, folgte in düsterem Ernst hinterdrein. Von Zeit zu Zeit rief einer der Träger die Namen der Todlen auf und fügte erläuternde Bemerkungen hinzu:„N. N., Vater von fünf unmündigen Kindern!"—„Eine Wittive, Mutter von sieben Waisen!"—„Mein einziger Sohn, fünfzehn Jahre alt!" Herzzerbrechendcs Schluchzen, vermischt mit den Rufen der Verzweiflung und Entrüstung, erfüllte den Schloßhof. Plötzlich erschienen oben an den Bodenfenstern neugierige Soldatengesichter: eben jene Garden, die man heimlich im Schlosse zurückbehalten. „Herunter mit ihnen! Verrath!" rief das empörte Volk, und nicht eher gebot es seiner zornigen Erregung, als bis seiner Forderung Genüge geschehen. Es war ein Schauspiel von grandioser Tragik, wie hier inmitten der unabsehbaren, schmerzlich bewegten Menge das siegreiche Berlin seine Tobten sammelte. Tief ergriffen von der gewaltigen Szene, hatte Hans mit den drei Freunden den Schloßplatz verlassen, während die beiden Zeitungsmänner nach ihrer Redaktionsstube eilten, um die„Meinungen und Wünsche des Volkes" auf ihre Weise in Worte zu kleiden. Die anderen beschlossen, ihr Heim aufzusuchen, das sie seit dem Ausmarsch am Tage vorher nicht mehr gesehen. Die Erlebnisse der Nacht hatten ihre Kräfte erschöpft, die Natur machte gebieterisch ihre Rechte geltend. Aber bevor sie die Ruhe aufsuchten, hatten sie noch eine heilige Pflicht zu erfüllen: auch Florian Schnick, der saufte, stille Schwärmer, sollte unter den Tobten im Schloßhofe seinen Ehrenplatz finden. Mit raschen Schritten eilten sie nach der„Silbernen Ente", um seinen Leichnam zu holen. Am Köllnischen Rath- hause angekommen, ließen sie ihren Blick mit scheuer Neugier über den Schauplatz ihrer nächtlichen Thaten schweifen. Mauerstücke, Balkeutrümmer und Blut- lachen bedeckten weithin die Kampsstätte. schaft, die es zu allererst wußte.(Die Nachricht ging von bulgarischen Zeitungen in Sofia aus.) Nun drängt sich natürlich eine Frage auf: Hat sich die russische Gesandtschaft auf die Rolle eines ein- fachen Vertraute» beschränkt oder hat sie sich aktiv an den Vorbereitungen des Aufstandes betheiligt? Ehe wir diese Frage beantworten, wollen wir folgende Thatsache erzählen. Während des Sommers 1383 oder 1864— ich erinnere mich des Datums nicht mehr genau— begann in Makedonien eine revolutionäre Bewegung gleich der heutigen. Das Oberhaupt war ein ru ss i- scher Neserve-Offizier, Hauptmann Kalmikoff. Später hörte mau, daß dieser Offizier 1881 beauftragt gewesen war, in Bosnien und in der Herzegowina, die von Oe st erreich okkupirt waren, einen Auf st and zu organisiren. Bei der Lösung dieser Aufgabe mußte Kalmikoff durch die russischen Konssulen von Cetinje(Montenegro), Rustschu! und Sofia unterstützt werden. Die nöthigen Waffen kamen aus dem russischen Depot von Kremenlchoug. Ich weiß nicht grade warum, aber die russische Diplomatie gab dieses Unter- nehmen auf und das Aufstandsfeld ging von Bosnien auf Makedonien über. Und im jetzigen Fall? Ich glaube, die russische Diplomatie hat, wenn auch vielleicht nur vorübergehend, ihre Handlungsweise etwas geändert. Das makedonisch» Komitee benachrichtigte sie von dem Ausstand, indem es ihre Hilfe verlangte, aber umsonst. Die russische Diplomatie betrachtet es nicht mit günstigen Augen, daß die Türkei den Makedonier n gewisse Rechte gewährt. Gewiß ist, daß die Wärme, welche Rußland früher für die unter dem türkische» Joch schmachtenden Christen an den Tag legte. sich sehr vermindert hat. Es verläßt den Osten und wendet seine Blicke nach dem äußersten Osten, wo es sich bemühen wird. unter den Chinesen das zu erreichen, was es in dem Balkan nicht erreicht. Dadurch erklärt sich auch seine schwächliche Haltung in der armenischen Frage.„Während unsere Regierung", schreibt die„Petersburger Börsen-Zeitung" in ihrer Nummer vom 18/20. Mai,„die Armenier unter der türkischen Oberherrschaft lassen will, macht das Kabinet von St. James alle Anstrengungen, um die Grundlagen für die kommende Regierung eines kleinen, Bulgarien ähnlichen Staates zu legen, in welchem England einen Herd anti-russischer Jntrigucn schaffen wird." Es ist paradox und doch ist es wahr. Rußland. das bis jetzt vom Fleisch des„Kranken" von Konstantinopel lebte, beginnt sich um die Unvcrletzlichkeit des türkischen Reiches Sorgen zu mache»! Rußland ist gegen ein freies Armenien an der russich-türkischen Grenze, weil es dadurch seinen Weg nach Konstantinopel versperrt sehen würde. Die russische Diplomatie fürchtet— und mit Recht— daß sich ihre Anstrengungen gegen sie selb st wenden. Sie hat den balkanischen Völkern geholfen sich zu befreien, weil sie hoffte, daß, indem sie die kleinen Staaten: Rumänien, Bulgarien u. s. w. gründe, sie ebenso viel mili- tärische Slationen gründe, die ihr den Weg nach Konstantinopcl und dein mittelländischen Meere erleichtern würden. Aus diese Weise wäre die Einnahme von Konstantinopel das Werl einer Nacht, eines mehr oder weniger angenehmen Spazierganges ge» wescn. Von der südlich- bulgarischen Grenze hat man nur noch einige Stunden bis nach Konstantinopel. Wie wurde Rußland in seinen Hoffnungen getäuscht! Die erhofften Stationen sind ebenso viele Wälle geworden, die den Weg versperren. Vor allem muß Rußland „So hätte ganz Berlin ausgesehen, wenn jene Sieger geblieben wären," sprach Hans Hortung, indem er sich mit einem Gefühl des Grauens von dem Bilde der Verwüstung abwandte. In der„Silbernen Ente" fanden sie weder den Todten, noch Bruno Volkmuth oder Anton Kowalls vor— sie wären alle nach der Pctristraße geschafft worden, berichtete Herr Kümmlein. Dagegen erblickten sie eine Anzahl anderer wohlbekannter Gesichter: an einer Tafel saßen Fritze Grams, Ferdinand Wcrnicke, Vater Schulze, Frau Boll und Herr Plüddemann, um den sich die ehrbare Frau Muckenich mit liebe- vollem Zartsinn zu schaffen machte. Der Herr Armenvorstcher befand sich in einem recht bejammerswerthen Zustande; er hatte sich unter den Gefangenen befunden, die vor einer Stunde aus dem Schloßkeller entlassen worden waren, und die buntröckigen Kerkermeister hatten ihn so schmählich zcr- schunden und zerstoßen, daß er nicht einmal die kurze Strecke bis zu seinem Hause zurückzulegen vermochte und kraftlos auf der Straße zusammenbrach. Hier hatte ihn Frau Muckenich aufgelesen, die in der verflossenen Nacht alle Folterqualen eines liebenden Herzens durchkostet hatte und schon am frühen Morgen auf die Suche nach dein Vermißten ausgezogen war. Fritze Grams, der in Vater Schulze's Droschke vom Alcxandcrplntz heimfuhr, traf das hilflose Paar und rännite dem mißhandelten Herrn Gotthold einen Platz an seiner Seite ein. Und dann ging es zu- nächst nach der„Silbernen Ente", wo Herrn Kümmleins Elixire und der Frau Muckenich Sorgfalt die geschwächten Lebensgeister des Schwergeprüften bald wieder empor- brachten. Er sträubte sich nun ganz und gar nicht mehr mehr gegen die zarten Ausmerksanikeiten der ihn anbetenden Wittwe. „Na, sehen Sie, nu geht's ja schon wieder!" meinte Fritze Grams, den schmerzlich Lächelnden vertraulich auf die Schulter klopfend.„Nu fahren wir hübsch nach Hause und ruhe» aus nach gethaucr Arbeit. Vorher aber triilkcn letzt nach nnd nach Rumänien und Vulgär'. en erobern. Warum noch neue Wälle schaffen? Warum die Möglichkeit der Einimhme ilonstantiuopels noch verringern? Welche schwere„Undankbarkeit" haben die balkanisckzen Völker liegen ihre Befreierin gezeigt. Deswegen hat der Professor Lamansky. einer der offiziellen Panslavisten, kürzlich bei einem Banker in Petersburg ausgerufen:„Wir haben uns bitter ge- täuscht, indem wir auf die Slaven des Ostens rechneten; man hätte sie nicht befreien, man hätte sie erobern müssen!" In bezug auf die makedonischen Angelegenheilen war es die russische offiziöse Presse, die zuerst den Schild erhoben hat. Die „Sl. Petersburger Zeitung" forderte die türkische Regierung auf, die bulgarische Regierung zu strafen, die der eigentliche Anführer des makedonischen Aufruhrs sei. Eine andere offiziöse Zeitung,„Nowosti", deren Redakteur Noivlvitsch der Vertraute des verstorbenen Kaisers Alexander III. und Korrektor seiner Menioiren über den Krimkrieg war— denn Alexander, obgleich Kaiser, war in der Syntax nicht sehr stark—, erklärt in der Nr. v. 13./2S. und 17./29. Juni, daß die russische Regierung auf der Balkanhalbinsel das politische Gleichgewicht wahren wird, daß die russische Diplomatie die überkommene Bulgarenfrenndlichkeit aufgeben muß.„Nowosti" hält Makedonien für ein serbisches Land und fordert schließlich die russische Regierung auf, die serbischen Ansprüche auf Makedonien zu unterstützen. Einige Zeit nach diesen offiziösen Erklärungen erschien das offizielle Zirkular des Prinzen Labanoff, russischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, in einer anderen Form. Das Zirkular wiederhalt die Erklärungen des„Nowosti": Nußland ivürde sich vollständig neutral den verschiedenen giassen: Bulgaren, Serbe», Griechen, Walache» gegenüber verhalten. Zu gleicher Zeit macht es seine» Einfluß der Pforte gegenüber geltend, damit sie keiner dieser Raffen ein Uebergewichr gebe, was verständlich aus- gedrückt heißen soll, daß Rußland der Pforte nicht erlauben wird, den Bulgaren in der Türkei Rechte zu geben. Alle diese offiziösen und offizielle» Erklärungen sind wie ein Messer, mit dem man die liebste» Hoffnungen der bulgarischen Chauvinisten zerschneidet. Gute Lehren sind es, welche die russische Diplomatie jetzt crtheilt; aber man täuscht sich, wenn >nnn glaubt, daß die Ruffcnfrennde davon profitiren. Sie kennen vielleicht besser als wir das„Rußland hinter den Koulissen", sie haben aber schon lange ihre Seele ver- kauft, wie Faust die seine an den Teufel. Nur hinter den Russen- freunde» giebt es noch eine unsichere, schwankende Masse von solchen, die sich Nussenfreunde nennen, weil sie an die mülter- lichen Tugenden der russischen Diplomatie glauben; für diese Masse werden diese Thatsachcn von außerordentlicher moralischer Wirkung sein. Es ist nicht zum ersten Mal, daß Rußland in dieser Weife handelt. Die ganze Zeit schwankte es zwischen den verschiedenen Balkan-Völkern— täuschte den einen wie den andere», indem es sie gegeneinander aufhetzte, sagte den einen, sie hätten recht, und den anderen, sie hätte» nicht unrecht. Den einen Tag »lachte Rußland Makedonien zu einein bulgarischen, den anderen zu einem serbischen Land ac. Hier ist wohl die richtige Stelle, eine sehr lehrreiche Anekdote zu erzählen: Vor sechs Jahren beauf- tragle das Slaven-Kömitce von Rußland eins seiner Mitglieder, den Geographen Koniarow, eine Karte der Balkan- Halbinsel zu verfertige». Komarow entledigte sich seiner Aufgabe. U. a. zeichnete er Maledonien mit grüner, der bulgarischen Farbe. Die Folge tavon war große Erbitterung der Serben, die sich Makedonien entrissen sahen. Das Slaven-Komitee giebt Kormarow eine neue Weisung, und dieser macht eine neue Auflage seiner Karte, auf ivelcher Makedonien in gelber, der serbischen Farbe, sich prä- s cntirt. Den Bulgaren gab man die erste, den Serben diez weite Auflage. So waren die Bulgaren und die Serben befriedigt. Bei anderen Gelegenheiten aber hat das Doppelspiel der russischen Diplomatie einen viel ernsteren Charakter angenommen. Während des Kampfes zwischen Bulgaren und Griechen(IS60— 1870, bis zu diesem Tage hatten die griechisch- christlichen Bulgaren keine griechische Nationalkirche) trieb Rußland einerseits die Bulgaren an ihre unabhängige Kirche zurück zu verlangen, unterstützte aber auch auf der anderen Seile den griechischen Patriarchen und bestand der Pforte gegenüber darauf, daß sie den Bulgaren nicht willfahre, unter dem Vor- wand, die Kämpfe zwischen den verschiedenen Rassen vermeiden zu wollen:c. ac. Wie Sie sehen, hat die russische Diplomatie keine großen Fortschritte in ihrer Begründung gemacht, denn sie hat heute noch dieselbe Argumentation wie damals. Zufällig war zu dieser Zeit der Gesandte von Konstantinopel kein an- derer als der gegenwärtige Minister Labanoff. Sein Nachfolger, General Jgnatieff, ging noch viel weiter. Er machte sich zum Polizisten und Denunzianten. Und auf seine Denunzm- «vir noch einen Schluck auf Teutschlands Freiheit. Enten- ivirth, so viel Menschen, so viel Gläser!" Hell klangen die Becher an einander— dann traten die Freunde, denen Ferdinand sich anschloß, mit feierlichem Ernst den Gang nach Vater Wernicke's Wohnung an. Im Hose des Plüddemann'schen Hatises trennte sich Hans von den andern und schritt allein die Treppe empor. Im Flur trat ihm Lotte entgegen— keines Wortes fähig, warf sie sich im überströmenden Gefühl an die Brust des Geliebten und brach in stilles Schluchze« ans. Dann, als sie ruhiger geworden, begann Hans zu fragen: nach Vater Mathias, nach Elsbeth, nach den verwundeten Kampfgenossen. „Sie sind beide wohlauf und bedürfen nur der Ruhe," berichtete Lotte.„Und Florian, der gute, herzige Mensch— der mußte so schrecklich enden!"„Er ist als ein Held ae- fallen,". sprach HanS Hartnng,„für die Sache des Rechts und der Freiheit." Lotte reichte dem Geliebten ein zusammengefaltetes Schriftstück— daS Testament des Verstorbenen. Es ergab sich daraus, daß Florian Schnick ein kleines Kapital hinter- lassen, zu dessen Erbin er„seine gute, liebe Lotte, die Freude seines verwaisten Lebens," eingesetzt hatte. „Der treffliche Junge.'" sprach HanS Härtung gerührt. „Wohlan, wir werden die Gabe im Sinne des Edlen verwenden: zur Aufklärliug und Belehrung unseres theuren, tapferen Volkes." „Du gehst nicht nach Paris, HanS?" „Ich bleibe in Berlin nnd gründe hier ein Blatt, dessen Aufgabe der Kampf für die Rechte des Volkes sein soll." Ein langer, inniger Kuß dankte ihm für das Wort. Dann erzählte ihr Hans, daß sie gekommen seien, um Florian Schnick zu den Todten im Königsschlosse zu tragen. Er winkte die Freunde herbei, und nun überschritten sie leise, fast unhorbar, die Schwelle. Welch ein Anblick! Riehls als Verwundete und Pflegerinnen in dem stillen Schueiderstübchen— und in dem engen Raum dahinter der Todte! Und doch lag auf all den bleichen Gesichtern ein Abglanz des Glücks nnd der Freude, und selbst das Antlitz des Todten schien wie von stiller Genugthuung verklärt. Ans Vater Wernicke's Bett lag Bruno Volkmuth, und neben ihm stand Tora und reichte ihm in ihrer Lieblings- tasse einen stärkenden Trank. Der schelmische Zug ihres Wesens ivar einem heiligen Pflichteifer gewichen, sie schien ganz auszugehen in dem ernsten Amte, zu dem die große Stunde der Entscheidung sie berufen. Sie>var zum Weibe � tionen nnd sein Drängen warf Mahmoud Nedim Pascha, der damalige Groß-Bezir, zwei oder drei bulgarische Geistliche ins Gesängniß. Im Jahre 1881 verlangte die russische Diplomatie von Bulgarien, es solle Serbien den Krieg erklären und gab ein unbedeutendes Mißverständniß als Grund für die Besetzung der Grenze an. Wegen der gleichen Ursache hetzte sie Bulgarien 1384 gegen Rumänien aus. Im Jahre 133ö that sie wieder das Gegeutheil, sie hetzte Serbien gegen Bulgarien auf. und dieses Mal mit Erfolg. Weil Bulgarien durch seine geographische Lage die ganze Zeit der Schauplatz unaufhörlicher Kriege zwischen Rußland und der Türkei war, mußte es sowohl die Siege des einen, wie die Niederlage des anderen Landes bezahle». Die Türken rächten sich an der bulgarischen Bevölkerung, die umsomehr zum Sünden- bock geworden war, als Nußland erklärte, daß es alle seine Kriege nur führe, um de» Christen, die unter dem türkischen Joch stünden, zu helfen. Außerdem traten immer Tausende von Bulgaren— beim letzten Kriege waren es 12 000— in die russische Armee ein in der Hoffnung, daß Nußland auch etwas für ihr Vaterland thun würde. Die Lage der Bulgaren wurde nach und nach so unerträglich, daß sie zu Tausenden und Abertaufenden ihr Vater- land verließen und nach Rußland gingen, um dort die Provinz Bessarabien und das Gouvernement Cherson zu besiedeln. Die russische Diplomatie und die russische Regierung thaten dann ihr Möglichstes, um diese Einwanderung zu vermehren Zu dem Zweck verjagte die Regierung die Tarlare» und Tscher. kessen aus der Krim und dem Kaukasus und zwang sie, in die türkischen Provinzen einzuwandern, die Bulgaren zu bedrücken, ihre Lage unerträglicher zu machen und ihre Auswanderung zu vermehren. Während des Krieges von 1823—20 wollten die Bulgaren die Gelegenheit benutzen und gegen die Türkei sich erheben; da gab ihnen aber der russische Generalissimus Diebitsch— genannt der Transbalkauische— die typische Antwort:„Bleibt ruhig Bulgaren, oder ich richte meine Kanonen auf Euch". Und um sie noch mehr zu beruhigen, steckte er ihre Führer ins Ge fäuguiß. So handelt das„große" und„großmülhige" Ruß land gegen seine„kleinen Brüder" im Osten. Ehe ich schließe, will ich noch einige Worte über die Lage Makedoniens sagen. Seine Bevölkerung ist gemischt. Ter größte Theil besteht aus Bulgaren, und dann aus Türken. Im Norden begegnet man auch Serben und Albanesen, im Süden Griechen, in den Gebirgsgegenden Walachen. In den Städten sind ein großer Theil der Einwohner Juden. Wahrscheinlich war es nicht der Ararat, wohl aber Makadonie», wo die Arche Noah'� herunterstieg. Das Volk ist trotz des natürlichen Reichthums des Landes erschrecklich arm. Die maledonischen Arbeiter gehen um Arbeit zu suchen nach der Balkanischen Halbinsel, oder nach Oesterreich-Ungarn, Rumänien und Klein-Asien. In Sofia allein zählte man einige tausend makedonische Arbeiter. Die Hauptbeschäftigung des Landes ist der Ackerbau, das Land selbst aber ist Eigeuthum der großen türkischen und bulgarischen Grundbesitzer. I» dem Distrikt Bitalja z. B. sind 138 Dörfer, die in bezug auf den Besitz folgendermaßen vertheilt sind: 77 Dörfer gehören Großgrundbesitzern, 23 Kleinbauern und 30 sind gemischt. Makedonien ist zweifellos in jeder Beziehung vielleicht das unglücklichste Land in Europa. NoltktMe Arb-i-tkchk. Berlin, 26. Juli. Wieder eine„Spaltting" in Sicht. Nachdem im Winter vorigen Jahres die Sozialdemokratie durch die be- kannten Auseinandersetzungen nach den> Frankfurter Kongreß an den Rand des Verderbens gebracht und nur durch die Umsturzvorlage vom sicheren Verderben gerettet worden ivar, eröffnet sich jetzt unseren guten Feinden wieder die ange genehme Aussicht, daß wir nun endlich— aber diesmal ganz gewiß— ihre Hoffnungen erfüllen und uns vor den Zuschauenden den Bauch so gründlich aufschlitzen, daß wir in zwei Hälften getrennt sino. Zu diesem selbstmörderischen Schwabenstreich, frei nach Schiller, zwingt uns— das Agrarprogramm. Es hat den Apfel der Zwietracht in die Partei geschleudert. Der alte Streit ist frisch entbrannt— und mit verzehn- sachter Wuth. Und diesmal ist keine Umsturzvorlage in Sicht, die uns am Harakiri verhindert. Nur einen Haken hat vorläufig die Sache noch. gereift in dieser gewaltigen Nacht, die ihr den Freund, den Geliebten geschenkt. Man sah es Bruno wohl an, daß ihre Nähe ihn beglückte: still lächelnd reichte er den Freunden die Hand, einen nach dem andern, und sah dann wieder ans die kleine Fee an seiner Seite. Anton Kowall« lag in ruhigem, siebev losem Schlafe; neben ihm saß Frau Elsbeth, mit der Hev richtung von Verbandzeug beschäftigt. Hans küßte sie nnd fragte nach den Kiicdern, die von theilnehmenden Nachbarn m Obhut genommen waren. Dann umarmte er den ivackeren alten Meister, dem die Thränen freudiger Rührung über die runzeligen Wangen flössen. Und dann traten sie alle nut einander in das Kämmerchen, in dem Florian aufgebahrt lag, in weiße Linnen gehüllt nnd mit frischen grünen Zweiglein von Lottens Blumen- brett geschmückt. Ter Reihe nach küßten die Hansgcnoffen zum Abschied seine weiße, kalte Stirn, dann trugen ihn tans lind der Pole unter dem Schluchzen der lädchen die schmale Stiege hinunter. Ans einer Trag- bahre, die Ferdinand besorgt, brachten sie den Todten zum Hause hinaus, nnd nun ging es im ernsten, schweig- samcn' Zuge durch die Petristraße, über den Fischmarkt, und die Breitestraße entlang nach dem Schlosse. „Wer ist's denn? Wer ist's?" fragte im Flüsterton der eine und andere von den Vorüberschreitendcu. „Ein Samariter, beim Verbinden der Blessirten von einer Kartätsche gctödtet," lautete die Antwort. Das Wort ging von Mund zu Munde, und bald war die kleine Schaar von Freunden, die dem Todten das Geleit gab, zu einem nach Hunderten zählenden Trauer- zuge angewachsen. So zogen sie ein durch das hohe Portal des Schlosses nnd reihten Florian Schnick neben die übrigen Blutzeugen des großen Tages. Und wie sie eben die Bahre niedergesetzt hatten— siehe, da erschien, dem Ruf des Volkes gehorchend, der König von Preußen mit der zitternden Königin ani Arm ans der Gallerie des Schloßhofes. Schweigend zog er den Hut vor den Todten und verharrte unbedeckten Hauptes aus der Terrasse, bis der gewaltige Trauersang verhallt war, den die unabsehbare Menge an den Bahren ihrer Todten angestimmt hatte. Das war die Sonntags- andacht Berlins au jenem denkwürdigen Tage, da kein Priester in der Stadt den Gottesdienst abhielt und die Kircheuglocken nur geläutet wurden, um mit freudigem Schall das Siegesfcst des Volkes zu verkünden. Ende. Unsere guten Feinde sind noch nicht einig darüber, ob im Agrarprogramm die„schärfere" oder die»mildere" Tonart — die„revolutionäre" oder die„reformatorische Richtung gesiegt hat, und welche also in Rebellion ist. Wenn sie dns ausgemacht haben, wo(l6N tfllt llttlCtClt Lesern gewissenhaft Bericht erstatten.— Tie ostasiatische Krise stellt sich immer mehr als eine vollständige Verschiebung der wirthschaftlichen und politischen Machtfaktoren heraus. Wenn wir den japanischen Aus- und Einfuhrhandel des Jahres 1894 be- trachten, so finden wir, daß die Aussuhr Teutschlands nach Japan im Vergleich mit dem Vorjahr so gut wie gar nicht zugenommen hat— nur um 700 000 Aen(1 Jen— 4 Reichsmark oder 1 Dollar), während die Einfuhr aus den Ver- einigten Staaten von Nordamerika um 20 Millionen Den gestiegen ist. Folgende Ziffern, die wir der„Kölnischen Volkszeitung" entnehmen, sind sehr lehrreich: Der Gesainmthandel Japans bclief sich 1333 anf ca. 130 Millionen Aen, 1390 auf 137 Millionen, 1392 auf 166 Millionen, 1893 auf 178 Millionen Jen. Im Jahre 1894 stieg der Außen- Handel Japans sogar auf über 230 Millionen Den, wobei aller- dings die große Entwerthung des Den in Rücksicht zu ziehen ist. Im Vergleich zu 1893 zeigt sich also wenigstens nominell eine Zunahme von etwa 28 pCt. Unter allen Ländern besitzen die Vereinigten Staaten die wichtigsten Handelsbeziehungen mit Japan, denn der Werth der Ein- nnd Aussuhr erreichte 1394 St�s Millionen Jett; in zweiter Linie kommt Großbritannien mit 48 Millionen, in drilter China mit 26>/z Millionen; dann folgen Hongkong mit 28, Frankreich mit 24, Brilisch-Jndien mit I4>/« Millionen. nnd erst an siebenter Stelle Deutschland mit 9>/s Millionen Ben. Bei dem jetzigen niedrigen Knrse des Jen ist dies natürlich mehr als 20 Millionen Mark. Stach der Reichsftatistik bezifferte sich nun der Waarenverkehr zwischen dem deutschen Zollgebiet und Japan 1889 auf 22 Millionen Mark, 1890 auf 23.2 Millionen Mark. 1891 auf 21,6 Millionen Mark. 1892 auf 24,9 Millionen Mark, 1893 aus 26,2 Millionen Mark und 1694 auf 20,3 Millionen Mark. Der Ueberschuß der Ausfuhr über die Einsuhr betrug 1869 18 Millionen, 1394 nur etwa 12 Millionen Mark. Es ist also in dein Handelsverkehr Deutschlands mit Japan statt eines Fort- schritts verhällnißmäßig viel eher ein Rückgang zu verzeichnen. Schon Stillstand ist hier Rückschritt. Das sind für Deutschland sehr ungünstige Zahlen, die das Vorgehen Deutschlands gegen Japan nach dessen sieg- reichem Krieg doppelt verkehrt erscheinen lassen. Unsere Regierung mußte die Schwierigkeiten der deutschen Kon- kurrenz mit Amerika und England kennen. Statt nun das thörichte Gebahren Frankreichs, das durch die Liebe- dienerei gegen Rußland seine Handelsintereffen schwer schädigte, im Interesse Deutschlands auszunutzen, und dem durch die russische Eroberungsgier bedrängten Japan bei- zuspringen und es sich zu Dank zu verpflichten, trat sie ans Seite Rußlands und trieb Japan vollends in die Arme der Vereinigten Staaten von Nordamerika und Englands, unserer Hauptkonkurrenten. Diese zwei Staaten haben sich denn auch die Fehler der deutschen und französischen Politik wohl zu Nutzen gemacht. Deutsch- land's Handel mit Japan hat den Todesstoß erhalten, und die Vereinigten Staaten von Nordamerika iverden, nächst Japan selbst, ans den Siegen Japan's und der dadurch herbeigeführten Verschiebung des SchwerpnnktS in Ostasien den H a u p t v o r t h e i l ziehen.— Sluö Irrenanstalten kommen jetzt, nachdem der Maria- berger Fall so vielen Staub aufgewirbelt hat, die absonder- lichsten Nachrichten. So berichtet heute unser Parteiblatt für Harburg, Wilhelmsburg und Umgegend über den un- geheuerlichen Fall, daß eine junge, geisteskranke Frau in einer staatlichen Irrenanstalt geschwängert worden �ein soll. Danach habe der Fabrikheizer W ü b b e aus Harburg am 14. Juli seine gemüthskranke Ehefrau aus der Provinzial-Heil- und Pflege- An st alt H i l d e s h e i m heimgeholt, woselbst sie seit August vorigen Jahres verpflegt worden sei. Er habe Mühe gehabt, ihre Entlassung durchzusetzen und be- Aage sich jetzt über die allzu„liebevolle" Behandlung seiner Frau. Dieselbe, ein junges und hübsches Weibchen, sei dort— schwanger geworden. Frau Wübbe(geb. Herding) gedachte nämlich ihre rühere Stellung in der Jutespinnerei wieder anzutreten und ließ sich zu diesem Zwecke bei dem Vertrauensärzte der Fabrik auf ihren Gesundheitszustand untersuchen. Darauf erhielt sie folgendes Attest: „Frau Herdina's Brust ist wohl gekräftigt, aber wegen bevorstehender Schwangerschaft und noch vorhandener geringer Schiväche ist ihr z» rathen, die Arbeit noch nicht aufzunehmen. Harburg. 24. Juli 1898. Dr. Creutzfeldt." Die Eheleute glaubte,» zunächst an einen Jrrthum des Arztes, umsomehr. als Frau Wübbe ganz energisch bestritt, jemals bei Bewußtsein mit einem Manne intimen Verkehr gepflogen zu haben. Konsternirt, wie beide über den Fall waren, ginge» sie zu einem zweiten Arzte, um darüber Klarheit zu gewinnen. Mit»velchein Erfolge, beweist das olgende Attest: „Harburg. 24. 7. 95. Bescheinige hiermit dem Heizer Herrn Wübbe auf seinen Wunsch, daß ich seine Ehefrau heute unter- ucht und deren Schivangerschast konstatirl habe. Die Schwanger- chast dauert bereits länger als drei Monate. Htrschseld, prakt. Arzt." Merkwürdigerweise hat der Mann daraufhin nichts eiligeres zu thun gehabt, als seine Ehescheidung einzuleiten. Doch das ist hier nebensächlich. Nackte Thatsache ist nach der Schilderung: eine gemüthskranke Fran, die beinahe ein volles Jahr in einer Provinzial-HeU- nnd Pflege-Anstalt unter steter Aufsicht gewesen ist und während dieser Zeit niemals mit ihrem Manne geschlechtlich verkehrt hat, wird in schwangcrem Znstande aus der Anstalt entlassen' Wie die Sache zugegangen ist,»virv hoffentlich durch die doch auf alle Fälle zu erwartende staatsanivaltschaft- liche Untersuchung geklärt und eveut. Schuldige bestrast werden. Dem Heiligen Geist— wie weiland die Jung- ran Maria— wird die Frau des Maschinenheizers Wübbe ihre Schwangerschaft»vohl nicht verdanken.— Bergmannsfeste. Von überaus harmonischen und matriarchalischen Bergmannsfesten, deren Zugrundegehen beklagt und deren Wiederaufleben erfleht wird, schreibt man dem„nationalliberaleu WeltblaU" am Rhein, der„Köln. Zeitung": Solange zwischen der Vergverwaltnng und den Bergleuten»*: Sanrkohlenrevier noch ein gutes Einvernehmen bestand, boten die einzelnen Eruben-Jnspeklionen alljährlich im Monat August ihrer Belegschaft ein gemülhliches Fest, das sogenannte BerginannSfeft. Im Walde wurden große Tische nnd Bänke hergestellt, ein Tanz- boden wvrde zusammengezimmert, nnd dann zogen jrtth morgens»ach dem Gottesdienst die Knappen unl Kind»md Kegel zu», Fcstxlatz, Ne Bergmannsfrau im Hen!ellorb die nothwendtge Zahl an Tellern, Messern und Gabeln mit sich führend. In der Nähe des Platzes brodelte in mächtigen Kesseln die Reissuppe mit Fleisch, Brot wurde an den Tischen in ungezählter Menge auf- gelegt und gegen 12 Uhr sah jeder Bergmann mit der ganzen Familie an seinem Platze, ausgerüstet mit einem gesegneten Appetit. Der älteste Bergmann erhob sich unter lautloser Stille, um das Tischgebet zu sprechen. In einer Bitte für den König, einem Danke für die glücklich überstandenen Gefahren des letzten Jahres, in der Zuversicht auf ferneres gedeihliches Wirken klang das einfache Gebet ans. Nach dem Essen gab es bei Freibier und Zigarren eine ungezwungene Unterhaltung zwischen den alten Bergleuten und ihren Vorgesetzten, einen lustigen Tanz für das junge Volk. Hier wurden die Erlebnisse und Erfahrungen einer jahrelangen mühsamen Thätigkeit im dunkeln Schöße der Erde ausgetauscht und mancher im Berufe verunglückter Kameraden dabei mit stiller Wemuth gedacht. Wenn dann die Sonne im Westen niedersank, packte die Bergmannsfrau ihre Siebensachen nebst dem übrig gebliebenen Fleische fein säuberlich ein, und die einzelnen Familien zogen in gehobener Stimmung »ach Hause. Es waren stets gemülhvolle Feste, die im festlich geschmückten Walde gefeiert wurden: was dem Soldaten der Königsgeburtstag, das war dem Knappen das Bergmanns» fest. Als im Jahre I6S9 durch verführerische Rede» einzelner unzufriedener Geister auch im Kohlen- revier der Ausstand ausbrach, muhte die Bergwerks-Ver- waltung selbstredend von einer Veranstaltung des üblichen Bcrgmannsfestes absehen, und seitdenr hat auch keins mehr statt- gesunde». Jetzt aber, nachdem das getrübte Wasser wieder klar geworden, dürste die Grubenverwaltung doch wieder in Erwägung zu ziehen haben, ob der damals zerrissene Faden nicht wieder zusammenzuknüpfen sei. Soweit wir den Pnlsschlag kennen, würde die Wiedereinführung der Bergmannsseste zu einer weitern Festigung des guten Verhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beitragen. Durch Kommentare darf man die Wirkung derartig scntinientaler Ergüsse nicht abschwächen. Nur soviel sei gesagt: Es ist gewiß edel, wenn die Bergwerksbesitzer die Zähre, die noch von 1889 her in ihrem Auge hängt, zer- drücken und die Bergmannsfeste wieder aufnehmen wollen. Aber wir müssen der Wahrheit die Ehre geben: Auch die in Aussicht gestellte R e i s s u p p e wird nicht im stände sein, die Arbeiter von der Geltendmachung gerechter For- derungen abznhalten, wenn Zeit und Umstände es er- tauben.— »* Deutsches Reich. — Zur R ö s i ck e' s ch e n Mandats niederlegung schreibt der nationalliberale„Anhalter Kurier": „Die Angelegenheit Rösicke hat sich in so weit geklärt, als die Führer der beiden liberalen Parteien in Dessan(Rational- liberale und Freisinn) dahin übereinstimmen, alles mögliche daran zu setzen, um Herrn Rösicke zum Beibehalten des Mandats zu veranlassen. Auch in Zerbst neigen beide Parteien dahin, daß eine Nachwahl unter allen Umständen vermieden werden muß. In welcher Form diese Ansichten zum Ausdruck gebracht werden sollen, darüber ist man allerdings noch im Zweifel, da der Vocsitzcnde des nationalliberalen Wahlvereins Dessau, Dr Reichardt, erst im September zurückkehrt, auch die übrigen Mi» glieder des gen. Wahlkomitees zum größten Theil in der Sommer- frische sind,»nd eine allgemeine Wählerversammlung kaum vor ihrer Rückkehr einberufen werden könnte. Dem Vernehmen nach ist Herr Rösicke gebeten worden, wenigstens bis dahin mit seiner letzten Entscheidung zurückzuhalten, und so ist Aussicht vorhanden. daß dem ersten anhaltischen Wahlkreise die aufregenden Arbeiten einer Nachwahl erspart bleiben." Wir glauben gern, daß den„beiden liberalen Parteien" im ersten anhaltischen Wahlkreis sehr viel daran liegt, die auf- reibenden Arbeiten einer Nachwahl zu vermeiden. Hat doch bei der Hauptwahl im Jahre 1898 unser Genosse 3719. der National- liberale aber nur 8817 Stimmen erhalten, wogegen bei der darauf folgenden Stichwahl dann allerdings die Konservativen für den Nationalliberalen den Ausschlag gaben. Es schwant den Herren wohl Unheil, daS ihnen von unserer Seite aus zugefügt werden könnte. Und in der That: wenn es z»r Ersatzwahl kommen sollte, ist der indnstriereiche I. anhaltische Wahlkreis einer der aussichtsvoNsten für unsere Partei.— — Gegen daß Reichstags-Wahlrecht ziehen die Nationalliberalen immer aufs neue zu Felde. Die national- liberale„Krefelder Zeitung" bringt einen Artikel, in welchem ausgeführt wird: „Das gesammte Bürgerthnm, soweit es national fühlt, kann sich diesem Weck- und Nothrnse nicht länger entziehen, wenn es nicht Gefahr laufen soll, für immer mundtodt geniachi zu werden. Gegen solche Gefahr hilft nur eine Maß- regcl, welche die Ursache an der Wurzel faßt, nur die gründliche Reform des Wahlgesetzes. Weil diese aber einen mächtigen Vorstoß in liberalem Sinne bedeutet, er- hebt sich die ganze klerikale und sozialistische Propaganga wie eine Mauer dagegen; denn der beiden Sein oder Nichlsein steht und fällt mit dem heutigen Wahlgesetz. Ohne dieses wären sie nie zu einer Bedeutung gelangt. Am ungeberdigsten benimmt sich die Zentrumspresse, die schon ihr schwerstes Geschütz aufzufahren begonnen hat. Jnstinktmäßig fühlt sie voraus, daß es diesmal ernst werden kann. Der Gedanke schon, daß das heute noch Fernliegende sich verwirklichen könne, hat sie in ihrem Lebensnerv getroffen." Die Nationalliberalen müssen noch weitere Erfahrungen wie in Waldeck-Pyrmont machen, wo man Herrn Dr. Böttcber den Stuhl vor die Thür gesetzt har, dann wird vielleicht das Wühle» gegen das Reichstagswahlrecht aushöre».— — Vom Aus wanderungSgesetz. Die Vorarbeiten für das vom früheren Reichskanzler in Angriff genommene, dann aber liegengelassene Answanderungsgesetz scheinen wieder in Gang gekommen zu sein. Der KJolonialrath hatte 1894 hiev für Leitsätze aufgestellt und namentlich gefordert, daß die Heber. siedelnng von Reichsangehörigen in ein deutsches Schutzgebiet nicht als Auswanderung betrachtet werden dürfe und daß diese Uebersiedelung möglichst zu erleichtern sei. �Rückzahlung des Fahrgeldes bei Nichtbenutzung von Fahl" Innen. Die deutschen Eisenbahn- Verwaltungen sind sich nach der Zeitschrift„Zonentarif" schlüssig geworden, im Falle nachgewiesener Nichtausnutzung von Fahrkarten eine Erstattung von Fahrgeld vorzunehmen. Der Mangel des Koupirnngszeichens gilt nicht unter allen Umstände» als Beweis, vielmehr ist der Nachweis der Nichtausnutzung durch eine aus der Karte selbst ertheilte Bescheinigung des Slations- beamten derjenigen Station, wo die Rerse unterbrochen oder von welcher aus die Weiterreise nicht fortgesetzt worden ist, zu er- bringen. Die Fahrkarte ist hierauf an die Direktion derjenigen Slalion, wo sie gelöst wurde, unter Angabe des Grundes der Nichtbenutzung und Bezeichnung der Adresse einzusenden. Von dieser Verwallung wird alsdann die Rückerstattung des zuviel bezahlten Fahrgeldes an den Bezugsberechtigten abzüglich etwa einstehender Portoauslagen veranlaßt.— — Eine neue Regelung deS ZwangS-Er- ziehungs wefens steht in Aussicht. Dieses wird bisher, soweit sich eine Unterbringung der Zwangszöglinge in geeigneten Familien nicht ermöglichen laßt, zum großen Theile durch die frommen„Rettungshäuser" oder ähnliche Anstallen geübt. Die gesetzgeberischen Vorarbeiten auf diesem Gebiete sind bisher zwar nickt bekannt; wohl aber liegt der im Auklrage der inter» nalionalen kriminalistischen Vereinigung von Dr. Appelius ver- faßte Entwurf eines Reichsgesetzes, betreffend die Behandlung und Bestrafung jugendlicher Verbrecher und verwahrloster jugend sicher Personen vor.— Belgien. — Die Schwierigkeiten des Fürstenhand- Werkes werden jetzt vonststönig Leopold recht lebhaft empfunden. Durch verschiedene Mißgriffe— siehe unsere vorgestrige Nummer — hat er sich bei dem Volk unbeliebt gemacht und da Belgien kein Polizei- und Beamtenstaat ist, sondern die alten flämrsch- wallonischen Freiheiten sich bewahrt hat, so kann die Abneigung des Volkes offen zum Ausdruck kommen. Am vorigen Sonntag erging es dem König recht schlecht. Ein Korrespondent der „Vossischen Zeitung" schreibt darüber aus Brüssel: Als der König gegen 8 Uhr abends im Königsschloffe wieder eintraf, war er entrüstet und tiefbewegt; er ließ den Bürger- meister Bnls sofort zu sich kommen, gab über die skandalösen Kundgebungen sein Mißfallen zu erkennen und erklärte, den weiteren Montag-Feftlichkeiten nur beiwohnen zu können, wenn energische Maßnahmen zu seinem Schutze getroffen würden Buls sagte zu; die Gendarmerie, die Polizei, die Geheimpolizei wurden herangezogen; man ergriff außerordentliche Maß. nahmen. Als der König zu den Festen der Turner und Radfahrer fuhr, enthielt der erste Hofwagen nur die Adjutanten; der Wagen des Königs, der fest geschlossen war, war von zwölf reitenden Gendarmen umgeben; es gab mehr Polizisten als Zuschauer. Das Volk selbst bereitete dem Könige einen eisigen Empfang; nirgends begeisterte Zurufe Hin und wieder einige„Vivo lo roi!' denen Rufe:„Nieder mit dem Schulgesetze!" antworteten. Als der König den« Abendfeste im Leopoldsparke beiwohnte, war das ganze Viertel und der Park selbst von Polizei und Geheimpolizei besetzt; die Straßen waren abgesperrt, so daß die Sache leidlich abging. Um so schlimmer verlief der gestrige Tag. Auf dem Place, du Grand Sablon fand das Ballspiel statt; die ganze Polizei war auf den Beinen; der Staatsanwalt Willemaers, der Polizei. chef Bourgeois, viele Polizei- Offiziere und Geheinv Polizisten in Zivil befanden sich unter den Zuschauern. Als der König eintraf, wurde er freundlich begrüßt, Polizisten riefen „Vivo lo roi!" und das Publikum verhielt sich ruhig. Als aber der König zum Fortgehen sich anschickte, änderte sich das Bild. Die Arbeiterpartei hatte kleine gelbe Zettel, auf denen zu Kundgebungen gegen das Schulgesetz anfgesordert wurde, massenhaft vertheilen lassen; die Polizei nahm neun Zettel. vertheiler fest. Der König ging, um sich von allen zu verab. schieden, um den Platz herum; wiederholt wurde ihm zugerufen „Nieder mit dem Schulgesetze!" aber er lhat, als ob er es nicht hörte. Als er aber von Polizisten umgeben, den Wagen bestieg, wurde gepfiffen und gezischt. Man schrie „Nieder mit dem Kongo! Nieder mit dem Schul- gesetze! Es lebe die soziale Revolution!" Die Volksmassen wollten dem Wagen nachstürzen, aber die Polizei sperrte ihnen den Weg. In der Rue de Bodenbroeck wurde der König mit einem brausenden„Nieder mit dem Schulgesetze!" empfangen. Zwei junge Leute, die Kohlstrunke nach dem Wagen des Königs warfen, mehrere Personen, die„Nieder mit dem Könige!" riefen, wurden verhastet, aber auch Lockspitzel tauchten auf, Geheimpolizisten ließen die R e p u b l i k l e b e n. In der Rue de la Rögence standen nicht minder erregte Volksinasse».„Nieder mit dem Könige!" erbrauste; neue Verhaftungen! Man warf nach dem Wagen Rüben und ganze Packete gelber Zettel, so daß die Pferde scheu wurden. An der Rue Saint-Anne neue feindliche Kundgebungen der Volksmassen! Als die Polizei zu Verhaftungen schritt, kam es zu Prügeleien; die Polizisten theilten Säbelhiebe aus und gingen mit großer Erbitterung vor. Nach wildem Handgemenge blieben die Polizisten Sieger. Neunzehn Personen imirde» festgenommen n»d nach dem Polizeiamt ge führt, woselbst sie sofort verhört wurden; elf werden wegen Befchimpsung des Königs verfolgt, darunter ein M i n i st e r i a l- beamtet, der dem Könige zugerufen hatte:„Scheeren Sie sich zum Teufel nach de in Kon�zo!" So der Korrespondent der„Vossischen Zeitung", der natürlich ob solch unvorschriftsmäßigen und polizeiwidrigen Benehmens entrüstet ist. Ob König Leopold schon ernsthaft daran gedacht hat. den Rath seiner getreuen Belgier zu befolgen und nach dem Kongo zu gehen— das wissen wir nicht. Aber wenn er nicht versteht, besser zur Zufriedenheit seines Volkes zu regieren, so wird er sich wohl allen Ernstes bald mit dem Gedanken vertraut machen müssen.— — Die Agitation gegen das Schulgesetz wächst lawinenartig. Auf Sonntag sind Massendemonstrationen im anzen Lande geplant— namentlich in der Hauptstadt Brüssel. vie Regierung muß mit fester Hand und sicherem Auge steuern, wenn sie nicht Schiffbruch leiden will.— — Ueber die Kolonial- Schweinereien kommen immer neue Einzelheiten an den Tag. Unser Brüsseler Partei- organ. der„Peuple"— der auch die sauberen Geldgeschäfte des Königs Leopold aufgedeckt hat, veröffentlicht jetzr Enthüllungen über die bei der Kongo- Eisenbahn herrschende Mißwirlhschast, die um so größeres Aussehen hervorrufen, als das Blatt die Wahrheit verbürgt. Es besitzt Protokolle, die in Matadi, dem Zlusgangspunkte der Kongo- Eisenbahn und dem Sitze der Ver- Wallung, ausgenommen worden sind, wie von Eisenbahn- beamten unterzeichnete Erklärungen, die schlimme Zustände offen- baren. Die in Matadi sitzenden hohen Beamten halten wahre Orgien mit Champagner, Bordeaux- und Madeiraweinen, mit Liköre» und— farbigen gekausten Weibern ab. Aus den Vorrathskammern der Bahngesellschast werden die Stoffe entwendet, um Weiber sür einzelne Leiter des Unternehmens zu kaufen; dem Vorsteher der Vorrathskammer wurde sofortige Ab- setzung angedroht, wenn er irgend etwas verräth. Die Unter- beamten und Arbeiter aber haben fortdauernd Mangel am Roth- wendigsten und leiden oft Hunger. Tie aus Europa gesendeten Fleisch- und Gemüsekonserven kommen in einem derartigen Zu- stände an, daß beträchtliche Mengen, weil verdorben, in den Kongo geworfen werden müssen. Man sieht, die richtige Kolonial- und Leistwirthschast!— Frankreich. — Zu den Generalraths- und Bezirksraths- W a h l en, die am nächsten Sonntag in Frankreich stattfinden, wird uns ans Paris geschrieben: Der lebhafte Wahlkampf. den die sozialistische Partei an allen Orten führt, wo sie Streiter zählt und deren voraussichtlicher Sieg in so manchem Kanton, wo das Ausbeuterthum bisher fast unbestritten die Generalraths- und Bezirksraths-Mandate einheimste, bringt dasselbe ganz ans dem HäuSchen. Besonders lebhaft betheiligen sich unsere Genoffen an dem Wahlkampf in den Departements: Allier, Ardennen, Anbe, Dordogue, Gard Gironde, Heranlt, Jndre, Jndre-Loire, Jsäre, Loire, Lot, Manche, Marne, Nord, Pas de Calais, Nhüne, Rhönemündunaen, Seine införieure. Tarn und Bar. Slm wüthendsten ist das Ausbeuterthum im Nvrddepartement und ganz besonders in Roubaix, weil es sich da von vornherein ge- chlagen sieht, trotz alles Geldes, das es verwendet, um unsere Partei aus der Stellung, die sie inne hat, zu ver- lreibe». Ganz besonders hat es da die Ausbeuterklasse auf unfern Freund Carrelte, den Bürgermeister von Roubaix, ab- gesehen, der als Kandidat für den Generalrath aufgestellt ist. Um eine Wahl zu vereiteln, haben die Ausbeuter, Voltairianer wie Klerikale, unter dem Namen..Union sociale et. patriotiguv" (Sozialer und patriotischer Verband) eine Liga gebildet und eine Bande von Lumpenprolelariern angeworben, die unter Führung eines gewissen Vanderschelven die sozialistische» Wahlversamm- langen zu stören haben. Da die Herren, selber viel zu feig, um in diesen Versammlungen zu erscheinen oder selber öffentliche Versammlungen einzuberufen, mir ihrer gekauflen Band« nichis auezurichten vermögen, haben sie nun durch ihre Blätter die Nachricht verbreiten lassen, baß die Sozialisten in ihren Ver- sammlungen keine Gegner zum Worte kommen lassen, ja, daß sie Vanderschelden in einer in Wattrelos. zu Roubaix gehörenden Gemeinde, mit Messerstichen so traktirt haben, daß er blnt- überströmt vom Platze getragen werden mußte. Nur schade, daß ihr Held gleich darauf selber ein Dementi gegeben hat, indem er mit seiner Bande noch am selben Abend in den Schankladen eines Genossen eindrang, dort Händel suchte und alles zertrümmerte. Freilich war die ganze Bande betrunken, wie es deren Führer Vanderschelden schon in der Versammlung von Wattrelos war. Da nun, nach der bisherigen Praxis zu urtheilen, so manches deutsche Bourgeoisblatt die vom„Journal de Roubaix" sowie vom„Temps" und Konsorten gebrachte Mär von den Messer- stichen, die Vanderschelden erhallen haben soll, mit Behagen weiter kolportiren wird, sei hier gleich mitgetheilt, wie sich der „Reveil du Nord" über den Versammlungsbericht des„Journal de Roubaix" ausspricht.„Es ist nicht möglich, sagt er, daß der Berichterstatter des„Journal de Roubaix". Herr seiner Feder sei, denn sonst hätte er nicht die unverschämten Lügen nieder- schreiben können, von denen sein Bericht strotzt. Wie, Vander- scheiden hat vier Messerstiche erhalten I Wie. er ist blind vom Blute, das ihm in die Augen rann, auf der Tribüne erschienen!.. Wir rufen den Polizeikommissär von Wattrelos, der neben uns saß, als Vanderschelden auf der Tribüne erschien, zum Zeugen an. Hatte Vanderschelden Blut auf seinem Gesicht? Dieser Beamte kann eine präzise Antwort geben, da Vander- scheiden über zehn Minuten auf der Tribüne verblieb. Vanderschelden trug ein blaues Mahl an der Stirne, das viel eher von einem Sturz als von etwas anderem herrührte, da er, wie die wenigen Individuen, die ihn begleiteten, betrunken war. Die Rolle unseres Kollegen in seinem Versammlnngsbericht von Wattrelos ist einfach odiös, und wir glaubten nicht, daß es möglich sei, selbst zur Vertheidignng der Kandidaten, für welche die Vanderschelden und Kompagnie arbeiten, die Wahrheit der- artig zu entstellen." Nun mögen die Herren die Lügenmär von den Messerstichen weiter verbrelten und nach Belieben ausstaffiren: Roubaix wird darum nicht weniger Carrette zum Generalrath und die Genossen Briffaut und DcSbarbieux zu Bezirtzräthen wählen, und dies trotz der gegen sie gerichteten Beroindung von Geldsack und Weihwedel! England. — Letzte Wahlberichte. Man schreibt unS auS London vom 24. Juli: Wahlausfall in Colne Ballen I. Kitson(lib. Fabrikant) 4276 49S7— 711 f. Thomson(Conserv. Advokat) 3737 4231— 544 om Mann(Ind. Lab. Party) 1245—— Kitson gewählt. Tom Mann hat also nicht einmal den Triumph, den Liberalen herausgeworfen zu haben. Mit ihm sind wir am Ende der unabhängigen sozialistischen Kandidaten. Kein einziger von solchen zieht ins Hans der Gemeinen ein. Als„Liberale" sind gewählt: Abraham(Alamorgan, Wales). I. Burns. T. Burk, Ch. Fenwick. B. Pickard, I. H. W i l s o n. H. B r o a d h u r st. und ganz sicher ist die Wahl von John Wilson, lib. Bergarbeiter in Mid Durham. Dies mit vielleicht noch Harwood, liberal. Abgeordneter sür Bolton, die Arbeitervertretnng im Parlament, dessen Mandat bis 1902 läuft!!! Die Position der Arbeiter ist in jeder Hinsicht geschwächt. In Tottenham(nördlich von London)»st der von den Liberalen kräftig unterstützte Arbeiterkandidat Clem. Edwards mit 3317 Stimme» gegen 6333 Stimmen einem Tory unterlegen. Die Regierungs Majorität ist auch durch die heutigen Wahlen vermehrt worden, so daß sie heute Abend 148 betrug. Das letzte Telegramm lautet:___ London, 26. Juli, nachmittags 1 Uhr 45 Minuten. Bis- heriges Wahlergebniß: 402 Unionisten— Gewinn 106 Sitze— 161 Liberale— Gewinn 20 Sitze— 11 Parnelliteu, 64 Aull- parnelliten, 2 Arbeiterkandidaten.— Rußland. — Das Ministerium für BolkSaufklärung beabsichtigt, Blättermeldungen zufolge, demnächst den obligatorischen Elementar-Schulbesuch in den Gouvernements Charkow, Poltawa, Kursk und Woronesh versuchsweise einzuführen.— Nortuegen. — Marineforderungen in Norwegen. Das Slhorting nahm in seiner Abendsitzung vom Donnerstag den An- trag des Militärkomitees, betreffend die außerordentliche Be- willignng für die Marine von 12 Millionen Kronen, davon 3 Millionen zum Bau zweier neuer Panzerschiffe, an.— Serbien. - Die Einberufung der Skuvtsch in a zur ordentlichen Session ist sür den Ansang de? September alten Stiles in Allssicht genommen.— Bulgarien. — Ueber die L a g e in Bulgarien erhält die „Vossische Zeitung" folgende Depesche aus Belgrad: Es sind sortlvährend höchst alarmirende Geruchte in Umlauf. Kein Mensch glaubt an die Rückkehr des Prinzen Ferdinand. Rußland sorderl die Einsetzung einer Regentschaft unter dem Metropoliten Klement und Einberufung der Sobrnuje behufs einer neuen Fürstenwahl unter Ueberwachung eines russischen Kommissars. Man spricht von einer Militärdiktatur unter dem jetzigen Kriegsminister Petrow. Das Zankoivisten- organ Saglassie fordert Serbien aus, Bulgarien behufs Be- freiung Makedoniens die Hand zu reichen. Man besorgt hier die Möglichkeit einer bedenklichen Verrückung der Verhältnisse auf der Balkanhalbinsel.— Brasilien. — Trinidad. In den Straßen von Rio de Janeiro fanden Kundgebungen statt gegen die Besetzung der Insel Trinidad durch England. Die Polizei verhinderte den Ausbruch von Ruhestörungen.— Kuba. — Spanische Siege. Der Kriegsminister hat dem Mar- schall Marlinez CampoS telegraphisch seine Glückwünsche aus- gesprochen zu dem Siege über die Ausständifchen zwischen Bayamo und Manzanillo. Wie die Dinge nach allen neueren Nachrichten augenblicklich zu liegen scheinen, wird der spanische Kriegsminister vielleicht bald in die Lage kommen, dem tapfern Marschall sein Beileid nach Kuba zu kabeln. Der Kampf bei Bayamo wird nachträglich»och folgendermaßen geschildert: Siebentausend Insurgenten unter General Maceo lagen im Hinterhall, um Marschall Campos anzugreifen, nur eine zufällige Zleuderung der Marschroute verhinderte dessen vollständige Umzingelung. Der Kampf wurde mit größter Erbitterung geführt, war aber entschieden, nachdem Campos den Anariff des ersten feindlichen Detachements, in Slürke von 8000 Man», erfolgreich Stand gehalten hatte. Tie Kavallerie tödtete ihre Pferde und Maulesel und benutzte die Thierleichen als Brustwebren. Von den Rebellen wurden 400 Mann getödtet, unter ihnen die Generäle Radi und Machado.— Die Tagesordnung des Thüringer Parteitags, der Sonntag, den 23. Juli, im Restaurant Kardinal in Erfurt abgehalten wird, ist durch den Punkt„Die Agrarfrage" vermehrt worden, worüber Reichstags- Abgeordneter Bock aus Gotha, der bekanntlich Mitglied der Agrarkommission ist, referiren wird. Betheiligniig a« de» Stadtvevordneten- Wahle» be schlössen die Parteigenossen in Potsdam. Ans der Partciprcsse. Zu dem vom Parteitags für Oletzko-Lyck-Johannisbnrg geforderte» Verbot des Haltens von Ammen, sowie zu der Forderung nach staatlicher Organisation des Hypothekar- und Pcrsonalkredils, bemerkt die „ R eu jnsch e T r i b ii li e„Der Eiser unserer Genossen ist sehr lobenswerth, n»r verliert er sich hin und wieder in Einzel- heiten, ivelche die Partei nicht aufnehmen kann." Vom Oberbiirgerincisteramt in Düsseldorf ist gestaltet worden, daß die Leiche des Parteigenossen Albert am Sonnabend früh in Gegenivart unserer Genossen ausgegraben, in einen von uns gestellten Sarg gebettet und dann im Beisein der Parteigenossen und der Verwandten des Verstorbenen beerdigt werden kann. Wegen des Verfahrens beim ersten Begräbniß ist Be- schwerde eingereicht, ebenso darüber, daß die an den Räumliche keilen des Verlags vom Gericht angebrachten Siegel von un- bekannter Hand erbrochen worden sind. Das Verlagsgeschäst ist inzwischen vom Gericht freigegeben. Man fand, wie uns tetegraphirt wird, in den wieder geöffneten Räumlichkeiten Briefe Albert's, die die Ueberschrift tragen:„Die letzten Stunden eines Selbstmörders". In der„Niederrheinischen Volkstribüue" widmen der Sozial demokratische Volksverein und der Deutsche Holzarbeiter-Verband ihrem Mitgliede Albert ehrende Nachrufe und die Vorstände sämmtlicher Gewerkschaften Düsseldorfs fordern ihre Mitglieder zu zahlreicher Vetheiligung am Begräbniß ans. Todtenliste der Partei. Der Nürnberger Wahl verein hat einen allgemein beliebten Parteigenossen, den Kupfer- schmied Friedrich Kißkall, durch den Tod verloren. In L e u b r i n g e u bei Biel ist am 23. Juli der romanische Adjunkt des schweizerischen Arbeitersekretariats, Adhemar Schwitzguebel, nach langer Krankheit gestorben. Er hat sich besonders um die Organisation der Uhrenarbeiter großes Verdienst erworben. Polizeili�es, Gerichtliches ic. — In D o wt m u n d war eine Versammlung des Sozial- demokratischen Vereins aufgelöst worden, weil die Polizeistunde eingetreten mar. Die Beschwerde darüber wurde vom Arnsberger Regierungspräsidenten mit der Begründung zurückgewiesen, die „angebliche" Vereinsversammlung sei eine öffentliche gewesen. Der Oberpräsident von Westfalen hat auf die weitere Beschwerde ebenso entschieden. Das Lokal sei während der Versammlung jedermann zugänglich gewesen, auch hätte unbestritten eine Am zahl Fremder der Versammlung beigewohnt. Unter diesen Um- .ständen sei es ohne Belang, in welcher Form die Versammlung angemeldet worden sei. — Die„Magdeburger Volksstimme" theilt noch mit, daß in dein ,vegeii„groben Unfugs" in der bekannten Boykott-Angelegen- heit gegen den Reichstags-Abgeordneten Schmidt gefällten schrifllichen Urtheil des Schöffengerichts Sachen stehen, die in der Verhandlung selbst nicht vorgekommen sind. So sollen z. B. 10 Gastwirthe dem llriminalkommiffar Weinert geklagt haben, daß sie durch die Saalspcrre beeinträchtigt worden sind, während in der Verhandlung derselbe Kommissar nicht einen einzigen Wirth nennen konnte, und, in die Enge getrieben, die Aussage verweigerte. Weiter wird in dem schriftlichen Urtheil behauptet, daß die Kontrolle über den Boykott in wahrnehmbarer Weise ausgeführt worden wäre; die Verhandlung hat dies nicht ergeben. Dasselbe schriftliche Urtheil setzte bekanntlich die Strafe gegen Schmidt ans 150 M. oder 30 Tage Hast fest, während das mündliche Urtheil auf ISO M- und(unzulässigerweise) aus SO Tage Haft lautete. — Verboten wurde vom Leipziger Polizei-Amt eine Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins Leipzig. Ost. Grund: die Referentin Frau Palm aus Braunschweig träte rigoros und radikal auf. — Wegen angeblicher Beleidigung der Schntzmannschaft Nürnbergs hat der dortige Magistrat gegen die„Fränkische Tagespost" und'zwar gegen deren Redakteur H. Oehme Strafantrag gestellt. In einem„Eingesandt" des genannten Parteiblattes, das die polizeiliche Anzeige eines Wirthcs betraf, der die Polizeistunde übertreten haben soll, war bemerkt, jeder Nürnberger, namentlich jeder Wirth, kenne den Usus, wonach man ein Maß Bier irgendwo hinstelle, das gewisse Leute schon fänden. Der betreffende Wirth habe diesen Usus nicht befolgt. Die Schutzmannschaft fühlte sich durch das„Eingesandt" so ge- kränkt, daß sie vom Magistrat Strnfantrag gegen den Redakteur verlangte, und nun komnit der Unglückliche vor den Kadi. Sozwle Avberfichk. von der preußischen Volksschnle. Im Bromberger „Ostdeutschen Lokalanzeiger" lesen wir, daß in der Gemeinde Schwedenhöhe II beim Dorfe Adlershorst zirka 70 schul- Pflichtige Kinder sich ohne Unterricht behelfen ni ü ß t e n, da es an d e ni n ö t h i g e n L e h r p e r s o n a l fehle. Die Sache ist um so räthsclhafter, als im diesjährigen Etat der Gemeinde das Gehalt für drei neu anzustellende Lehr- räste bereits vorgesehen ist. Die Roth der Agrarier mit dem Wörtchen„von" und„zu" übersteigt alle Begriffe. Freiherr v. Hey! zu H e r n s h e i in, gleich groß als Lackfabrikant, Großgrund- besitzer und Sozialistcnverfolger, der sich in letzter Zeit bei allen Agrarzolldebatten im Reichstag als Schutzzöllner hervorlhat, wobei er es allerdings, um mit der„Frankfurter Zeitung" zu reden, zu keiner Glanzlackleistung brachte, hat nach einer der Mannheimer„Volksstimme" vorliegenden Versteigerungsliste bei einer Weinversteigerung auf Schloß Eberbach im Rheingau 612 Liter Wein zum Preise von 1 6 500 Mark erstanden, das sind rund 27 Mk. für das Liter und der höchste Preis, der bei dieser Versteigerung, die am 29. Mai d. I. stattsand, erzielt wurde. GeweMschAfkliches. Der Streik der Korbmacher in F r i e d r i ch s f e l d e ist zu gnnsten der Arbeiter beendet. Die Sperre wird nur noch über die Werkstatt von Z w erner aufrecht erhalten. Mehrere von den Streikbrechern wollen am Sonnabend die Arbeit niederlegen. Der Vorstand des Zentralverbaudes der deutschen Korbmacher er- wartet deshalb, daß auch hier die Forderungen der Arbeiter durchgeführt werden, wenn der Zuzug fern gehalten wird. Der Deutsche Metallarbeiter- Verband veranstaltet an jedem Sonnabend einen Lese- und Diskussionsabcnd, der in der Kroneubrauerei, Alt-Moabit 48/49, abends 8>/s llhr, abgehalten wird. Eingeladen sind hierzu die Mitglieder aller Gewerkschafts- Organisationen. Die Gewerkschaft stellt sännntliche Gewerk- schaftsblätter, darunter auch ausländische zur Verfügung. Der hanptsächlichste Zweck neben dem engeren Znsamnienschluß der Gewerkschaften Moabits und dem allgemeinen Erörtern wirth- schaftlicher Fragen ist: durch abwechselndes Führen des Vor- sitzenden- und Schrislsührerpostens zc. in den Diskussionsabenden fähige Versammlungsleiter, durch abwechselnde Vorträge Liedner und Diskussionsredner, sowie durch Bethätigung an den für Ge- werkschaften nothwendigen schriftlichen Arbeiten, Führen von Kassenbüchern, Hektographiren:c., Verwaltungsbeamte heranzu- ziehen. Besuchskarten können von den Bereinsvorständeu oder bei Hofmann. Witlstockerstr. 21, 4 Tr., entgegen genommen worden. Die Steinsetzrammer in Altona fordern 4L Pf. Stunden lohn, anstatt bisher 40 Pf. Die Geschäftslage ist günstig und wenn der Zuzug gewissenhaft fern gehalten wird, so hoffen die Rammer bestimmt, ihre Forderung durchzusetzen. Weiter ist der Zuzug von Steinsetzern nach wie vor fern zu halten von Flensburg, Hannover und Leipzig. Die anöständigen Porzellauarbeiter des Herrn Tielsch in Altwasser haben an diesen auf Anregung des Vorstandes der Porzellanarbeiter-Organisation geschrieben, ob er gewillt sei, die Streitsache durch ein Schiedsgericht schlichten zu lassen. Im übrigen ist im Stand des Streiks in Allwasser, Königszelt und Sophienau keiue Veränderung eingetreten. In Schwele» in Westfalen streiken die Schloßschmiede der Firma V e v e r uud K l o p h a u s und ersuchen deshalb um Vermeidung des Zuzugs. lieber de» Manrerstreik in Hof theilt das„Ober fränkische Volksblatt" mit, daß vielleicht schon im Laufe der nächsten Tage eine Einigung zu stände kommen werde. Der Handschnhmachcrstreik in Stuttgart dauert immer noch fort. Die Streikenden halten fest zusammen. Ein großer Theil hat bereits auswärts Stellung angenommen. Von ans- wärts sind bis jetzt zwei Streikbrecher angetreten, trotzdem die Fabrikanten schon taufende von Mark an Vorschüssen für Ar beiler ausgegeben, die es aber vorgezogen haben, nicht die Plätze der Streikenden zu besetzen. So sind sie, unsere Unternehmer! Ehe sie ihren Arbeitern eine auch nur geringe Lohnerhöhung be willigen, werfen sie lieber das Geld hausenweise an Leute hinaus, von denen sie von vornherein überzeugt sein können, daß sie ihnen nichts nützen. Die Banschlosser in Freiburg i. Br. stehen in einer Bewegung, um den Zehustundentag zu erlangen. Die Meister wollen, mit wenigen Ausnahmen, ihnen nur die lO�Mündige Arbeitszeit bewilligen. Die Gehilfen ersuchen nun um Ver- meidung des Zuzuges. Tie Maler und Tnncher in Dur lach in Baden haben die Arbeit niedergelegt. Streikkoste». Die Einnahmen beim Mainzer Dach decke r st reik betrugen 950,59 M., wovon ans der Verbands lasse 410 M. flössen und 550 M. durch Listen einkamen. Die Ausgaben betrugen 940,89 M., davon wurden 883,50 M. als örtliche Unterstützung uud 53 M. für Reisegelder ausgezahlt. Beim Basler Maurer st reik wurde von 1420,20 Fr. eingegangener Gelder insgesammt 921,50 Fr. ausgegeben. Vorsa mmlttttjgen. Der sozialdemokratische Wahlverein für den zweiten Berliner Reichstags-Wahlkreis hielt am 23. Juli eine sehr gut besuchte Generalversammlung im Zubeil'schen Lokal ab. Nachdem der Vorsitzende Kitzing über die Thätigkeit des Vorstandes im letzten Quartal berichtet hatte, legte der Kassirer Gruschke Rechnung ab über die Einnahmen und Ausgaben während der Monate Mai, Juni und Juli. Nach seinem Be richt, der von den Revisoren mit dem Antrage auf Entlastung gutgeheißen wurde, war Ende Juli ein Bestand von 179,46 M. vorhanden. Die Versammlung ertheilte ihm Decharge und beschloß, diesen Ucberschuß dem Vertrauensmann des Kreises zu über- weisen.— Darauf nahm man die Neuwahl des Borstandes vor, unter Berücksichtigung eines vorher gefaßten Be- schlusses, nur Gewerkschaftsmitglieder zu wählen. Der neue Vorstand setzt sich folgenderniaßen zusammen: Antrick, erster Vorsitzender; Hensel, zweiter Vorsitzender; Griese, erster Kassirer; K r e y, zweiter Kassirer; G. L a n g e, erster Schrift führer; Schwan, zweiter Schriftführer; Bauer, Beisitzer. Zu Revisoren wurden Schnoll, Höhne und Greisenberg gewählt. Die Versammlung ernannte dann noch eine fünfzehn- gliederige Kommission, die die Beschuldigungen, welche einerseits Genosse Behrend gegen den Genossen Autrick, andererseits Ge- noffe Wotschikowsky gegen den Genossen Behrend gerichtet hatte, auf ihre Berechtigung prüfen soll. Eine gut besuchte General- Versammlung für den Wahlverein des vierten Berliner Reichstags- Wahlkreises tagte am 23. Juli bei Henke in der Naunyn- straße. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachten die Ver- sammelten der verstorbenen Vereinsmitglieder Müller, Prinz, H i n tz e, Schmidt und M n l f i n g e r in der üblichen Weise. Hiernach gab der Vorsitzende, Genosse Erbe, in seinem kurzen Üeberblick über die letzte Vierlcljahrsthätigkeit des Vor- standes bekannt, daß während dieser Zeit sich die Mitgliederzahl um 350 vermehrte. Den Kassenbericht gab Genosse Zabel. Die Gesammteinnahme inklusive 244,61 M. Bestand vom vorigen Quarial betrug 1834,61 M. Dem gegenüber stand eine Gesammtausgabe von 1518,80 M., so daß ein Bestand von 315,81 M, zu verzeichnen bleibt. Den Bericht der Neuner-Kommission, die seinerzeit zur Untersuchung der E. Böhl- schen Angelegenheit eingesetzt wurde, gab Genosse L a u s ch k e. Die Kommission ist nach'Uutersuchnug der fraglichen Angelegenheit zu demselben Resultat gelangt wie der Vorstand; die Handlungs- weise des Genossen E.Böhl sei zu vcrnrtbeilen, zedoch kein Grund zum Ausschluß ans dem Verein. Böhl sei eine Rüge zu ertheilen und die ganze Angelegenheit hiermit als erledigt zu be- trachten. Die Versannnlung stimmte dem zu. Aus der hieraus folgenden Wahl von zwei Bezirkssührern gingen hervor: für den Süd-Osten Genosse Vogt, für den Osten Genosse Tempel. Eine längere Debatte rief der Antrag hervor, ein ständiges Schiedsgericht zur Regelung sämmtlicher Angelegen- heiten des Wnhlvereins einzusetzen. Die meisten Redner erklärten 'ich dagegen; durch Annahme eines Antrages auf Uebergang >ur Tagesordnung wurde dieser Punkt erledigt. Nach Be- 'prechung einiger interner Vereinsangelegcnheiten brachte Baum- garten noch einmal die Wendisch'sche Angelegenheit zur Sprache, dazu angeregt durch ein vom Zeitungsspediteiw Wendisch in gegenwärtiger Versammlung vertheiltes Flugblatt. Die Ver- 'ammlnng überwies die ganze Sache der Zeitungskommission. Zum Schlüsse wurde der Wunsch geäußert, die Zahlabende und Zahlstellen bekannt zu geben. Ce Freie Vereinig«»!, der ZivIl-BernfSmttsitcr hörte in ihrer Versammlung aui 16. d. M. einen Vortrag des Kollegen S ch o n e r t über:„Unser Lohntarif und seine M ä n g e l." Redner hielt die bisherigen Tarifsätze, die aus- 'chließlich nur für Gelegenheitsgeschäste berechnet seien, nicht mehr für ausreichend, und empfahl außerdem eine bedeutende Herabsetzung der Tarifsätze, besonders für Feste an Wochentagen. Ganz speziell befürwortet er eine Herabsetzung der Mehr- forderungen sür Dirigenten. die lheilweise ganz zu entfernen den, bisher aber nur veranlaßt hätten, daß sich Unberufene zu den Dirigentenposten herandrängen. Eine hierauf vom Redner zum Vortrag gebrachte ausführliche Tarifvorlage, auf- gestellt nach seinen Acnderungsvorschlägen, wurde einer Kommission von zwanzig Mitgliedern zur Berathung überwiesen.— Unter„Verschiedenem" tadelte Graß in längeren Ausführungen das Gcschäftsverfahren des Stadt-Musikdirektors Max Görner in Charlottenburg. So wurde mitgetheilt, daß der genannte Herr neun seiner Zöglinge wegen Mundraub kürzlich zur Anzeige und Bestrafung gebracht habe. Nach Ausführungen von Graß, die sich auf Aussagen von einem der bestraften Zöglinge stützen, hätten diese den Vorralhskeller bei Görner offen gefunden und aus diesem einen Kuchen und ein Brot entführt, um sich zu 'ättigen. Bei der nunmehr erfolgten Gerichtsverhandlung seien die jugendlichen„Räuber" mit mehrtägigen Haststrasen davon- gekommen. Die Vcrcinignng aller in Schmiedereien beschäftigten Personen(Filiale Nord) hatte am 14. Juli eine Versammlung einberufen, in der Genoffe Eassenbach über„Die Inquisition" sprach. Hierauf wurde die Abrechnung vom letzten Quartal ver- lesen, die eine Einnahme von 125,22 M. und eine Ausgabe von 18,59 M. aufweist. Von dem Bestand sind 100 M. an die Hauptkaffe gesandt. Nachdem der Bevollmächtigte den Jahres- bericht über die Thätigkeit der Verwaltung bekannt gegeben, er- folgte die Neuwahl der Ortsverwaltung. Es wurden gewählt: Als Bevollmächtigte A. Gebb und C. Krause; D. Hertel, Kassirer; R. Seemann, Schriftführer; Berger, Ohland und Krön- Hagel n, Revisoren. Ter Verband der Vergolder diskutirte in seiner Ver« sammlung am 15. Juli einen Vorschlag zur Regelung der Reise- Unterstützung. Während von einer Seite überhaupt der Anschluß an den Holzarbeiter-Verband empfohlen wurde, befürworteten einige Redner einen Kartellvertrag mit dem Holzarbeiter- Verband, damit die Reise-Unterstützung einheitlich ge- regelt wird. Die Majorität in der Versammlung vertrat jedoch die Ansicht, die Regelung der Reise-Unterstützung im Verband vor- zunehmen und die anderen Vorschläge abzulehnen. Eine dahingehende Resolution gelangte sodann zur Annahme. Hierauf wurde die Abrechnimg vom zweiten Quartal verlesen, die eine Einnahme von 871,52 M. und eine Ausgabe von 108,45 M. aufweist. Die Neuwahl eines Beisitzers zum Hauptvorstand erledigt sich durch die Wahl des Mitgliedes Höpsner. Für die Bibliolhek wurden 50 M. zum Ankauf neuer Bücher bewilligt, und das Mitglied Hedmann in die Bibliothek-Kommission gewählt. Eine Branchenversammlung der Parqnetbodenlcger, einberufen vom Deutschen Holzarbeiter-Verbande, tagte am 22. d M. bei Schöning, Stallschreiberstr. 29. Berichtet wurde zunächst über den Streik bei Rofenfeld u. Ko., kgl. Hoflieferanten. Es sind jetzt sünf Bodenleger bei genannter Firma in Arbeit getreten. Sämmtliche ausständige Kollegen sind untergebracht. Von der Firma Mittag war ein großer Theil der dort arbeitenden Kollegen erschienen. Aus den Mittheilungen derselben ging hervor, daß Herr Mittag den niedrigsten Preis für Legerarbeiten bezahlt. Man beabsichtigt, hiergegen entschieden Front zu machen. All- gemein wurde ferner Klage geführt über die Praktiken des Parquetbodenlegers Vater, Steglitz. Vater, welcher sich um die herrschenden Akkordsätze nicht im geringsten kliininert. beschäftigt nur Lohnarbeiter. Damit diese jedoch nicht auf Av- wege gcrathen, sorgt dieser Herr für genügende Beschäsligung auch während der Pausen, sowie nach Feierabend. Um diesen unwürdigen Zuständen ein Ende zu machen, beschließt die gut- besuchte Versammlung, die bei Bater arbeitenden Kollegen zur nächsten Versammlnng einzuladen. Der Verein der Holz- und Bretterträger nahm in seiner letzten Sitzung den Bericht des Kassirers entgegen. Danach betrugen die Einnahmen des Vereins im 2. Quartal 196,45 M. und die Ausgaben 179,55 M.; mit einem vorhandenen Kassen- bestand hat der Verein ein Vermögen von 445,44 M. Die weiteren Verhandlungen betrafen lediglich interne Vereins- angelegenheiten. Der Holzarbeiter-Verband(Bezirk Osten) hatte am 21. Juli eine Versammlung anberaumt. Zur Erledigung standen zunächst einige Ersatzwahlen für die Bezirksverwaltung. Es wurden gewählt: Engmann als Bezirksleiter und Vogelgesang zum Schriftführer. In die Werkstatt-Kontrollkomniission wurden die Mitglieder Quielitz, Förster, Bertram, Kelch, Heine, Bartel, Ritter, Preus, Schmidt und Eichner delcgirt. Ein Antrag, die Versammlung an einem Wochentag abzuhalien, wurde verworfen. Hierauf hielt Herr Dr. W e y l eine» recht interessanten Vortrag über Hypnotismus, dem sich eine längere Diskussion anschloß. Ter Verein der Zimmerer hielt am 21. Juli in der Beuthstraße 22/23 seine dritte Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das An- denken der verstorbenen Mitglieder Hintz und Uskurat durch Erheben von den Sitzen. Das Referat hatte Genosse P f a n n« kuch übernommen, der in interessanter Weise über die Bedeutung des Generalstreiks sprach. Im 2. Punkte der Tagesordnung gelangle die Abrechnung vom Hauptkassirer zur Verlesung. Die Einnahmen im 2. Quartal belaufen sich auf 649,90 M.; niit einem Bestand von 1037,79 Mark ergiebt dies in Summa 1687,69 Mark; dem gegenüber beträgt die Aus- gäbe 828,18 Mark; bleibt mithin Bestand von 359,51 Mark Da die Parquetbodenlcger der Firma Rosenfeld u. Ko. ün Streik 'tehen, so bittet der Genosse Clemens die Zimmerer, daselbst keine Arbeit zu nehmen, die Firma sucht Zimmerer als Streikbrecher heranzuziehen. Hierauf giebt der Vertrauensmann Fischer be- kannt, daß die nächste öffentliche Zimmerer- Versammlmig am 23. Juli bei Cohn, Beuthstr. 22123, stattstndet. Da die letzte Depulirtenversammlung beschlossen hat, die Listen der streikenden Zimmerer Nürnberg's einzuziehen, so werden die Restanten er- ucht, die Listen schleunigst an den Bertrauensmann abzuliefern. Im Allgemeinen Arbeiter- nud Arbeiterinneuvevein prach am 22. Juli Fräulein Baader in einem beifällig auf- genommenen Vortrag über:„Wandluitgen der Sitten." Unter Vereinsangelegenheiten gab die unkollegialische Handlungsweise mehrerer Milglieder Anlaß zu einer regen Debatte. Die be- treffenden hatten bei einer Lohnforderung ihre» Kolleginnen jede Unterstützung verweigert. Die Versammlung sah sich deshalb genöthigt 3 Mitglieder auszuschließen. vewürkschaft-n Moabit»! Lese- und TiSkttsstonZabeud sämmtlicher Gewerlfchaflc» jeden Eonnabcnd von s!j bis li Uhr abends in den oberen Säle» der Kronen-Braueret, All-MoabU 4S— 4». Militärschneider! Sonnabend, den 27. Juli, bei Zubsil, Linden- 'Nahe los, Werlstattsidung. Tagesordnung: Die gsgcnwärltgen Lohn- und llrbeitsbedtngungen in den Militärgeschäslen und die Aufgaben der MUUär- schneider. Referent: Kollege Danzig. Arbeiter- Kild»>lg»schul«. Sonnabend, den 27. Juli, abend« 7% bis «Ü Uhr: Liklüre. 8�— loK Uhr: Disluttr- Uebungen. linenlgeltltch. Süd- O st- S ch u I e, Waldemarstr. 14: sThema: Welche? find die Triebfedern der rttlichen Haodlungsn? Referent Herr Mücke.) Nord-Schnie, Mütler- trabe!7oa. Thevia und Refsr-nl nicht angegeben. Bei allen Unterricht«- fächern werden Tarnen und Herren jederzeit ausgenommen. Freireligiöse«enieinde. Sonntag, den 28. Juli, vormittags 8»/- Uhr, Rosenihalerstraß- ss: Vortrag des Herrn Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Waldeck Manage:„Alles geht natürlich zu." hZthischr«eseUlchaft. Sonntag, ben2s. Jult, abends 7X lthr, tm Lokale des Herrn BuSle, Grsuadierstr. 88, Vortrag des Irl. Vincke über: Im Geist und in der Wahrheit. Nachdem geselliges Beisammensein und Tanz. Btbliolh-l befindet sich bei Gärtner, MoUenmartt 12, geössner Sonnabend abends von s—io Uhr. DopeslLxen und letzke Nachrichten. Breslau, 26. Juli.(B. H) Der„Breslauer General-An- Zeiger" meldet: In einer heule stattgefundenen Gerichts-Ber- Handlung vor der 3. Straskammer des Landgerichts Breslau er- klärte Rechtsanwall Schreiber, der Mörder der Else Groß wäre ermittelt und in einer Irrenanstalt internirt. Schreiber ver- weigerte jede Auskunft, behauptet aber, seine Aeußerung in jeder Hinsicht vertreten zu können. Breslau, 26. Juli.(W. T. B.) Die neuerbaute Spinnerei von Rosenberger in Neichenbach in Schlesien steht in Flammen, Alle Arbeiter sind anscheinend gerettet, mehrere verletzt. Bochum, 25. Juli.(W. T. B.) Bisher sind 34 von den bei dem Grubenunfall Verunglückten todt zu Tage gefördert; einer wird noch vermißt. Von den Verwundeten ist einer gestorben; das Befinden zweier anderer ist sehr bedenklich. Die Todten werden Sonntag nachmittag 3 Uhr beerdigt. Esse» a. d. R., 26. Juli.(W. D. B.) Während eines heftigen Sewitlers schlug der Blitz in einen Dampfkessel der Zeche „Gustav", so daß der letztere explodirte. Mehrere Arbeiter wurden verletzt, darunter einer schwer. Paris, 26. Juli.(B. H.) Der Kriegsminister ließ den im Militärdienst befindlichen Abgeordneten Mirman benachrichtigen, daß er im September definitiv beurlaubt werden solle. Mirman kann somit im Oktober wieder seinen Sitz i» der Kammer ein- nehmen. Madrid, 26. Juli.(W. T. 55.) Marschall Martinez Campos ist von Manzanillo nach Santiago de Cuba abgereist; von dort begiebt sich der Marschall nach Habana. Verantwortlicher Redakteur: Max Pfund in Halensee. Für den Jnserateiitheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badins in Berlin. Hierzu 1 Beilage. Beilage zum„Vomarts" Berliner Volksblatt. Nr. 173. Sonnabend, den 27. Inli 1893. 12. Jahrg. Achtung! Stadtverordneten- Mahlen! Auf uit's Merk! Die Listen liegen bis zum 30. d. M. täglich von 9 bis 3 Illjr im städtische» Mahlburea», Poststr. 16, S Tr., zu jedermanns Einstcht aus. Für diejenigen Wähler. welche nicht in der Lage sind. die Wählerlisten selbst einzusehen, sind die nachstehend aufgeführten Parteigenossen bereit, dies zu thun: Für den S. Kommunal- Wahlbezirk: Sommer, Gcünstr. 21; Linke, Jüdenstr. 36; Stockfisch. Holzgarten- straße S; Gärtner, Molkenftr. 12. Für den 3. Kommunal-Wahlbezirk: Schulz, Prinz Albrechtstr. 3a; Schuhmacher, Kochstr. 6- Hertel, Bessel- straße 14; H a s e l o f s, Friedrichstr. 234; Saß, Markgrafen- straße 102; N e u m a n n, Markgrafenstr. 23; Z u b e i l, Linden- straße 106; Müller. Wilhelmstr. 16; Pohl, Junkerstr. 12. Für den 7. Kommunal- Wahlbezirk: Werner, Bülowstraße öS; Faber, Lützowstr. 4; Behrendt, Blumen- thalstraße S. Für den 11. Kommunal- Wahlbezirk: R a u m a n n. Blücherstr. 42; Müller, Gräfestr. 31; Schonheim, Gräfe- straße 8; Löwendorf, Friesenstr. 4; Reichert. Willibald- Alexisstr. 22; Grube, Mariendorferstr. ö; Kitzina, Belle- Alliancestr. 74. Für den 13. Kommunal- Wahlbezirk: Köppen, Reichenbergerstraße 113; Schayer, Reichenbergerstraße S4, Felgentreff, Reichenbergerstr. 21; Gottsrie d Schulz, Admiralstr. 40 a. Für den 13. Kommunal- Wahlbezirk: Streit Raunynstr. 86; Th. Metzner, Naunynstr. 67, II; Henke Naunynstr. 26. Für de« 17. Kommnnal Wahlbezirk: Lindemann, Moritzür. 9; Wolsdorf, Wasserlhorstr. 20; Börner, Ritterstr. IS. Für den 24. Kommunal- Wahlbezirk: O w z a r e ck, Langestr. 65; Albert Böhl, Rüdersdorferstr. 8. Für den 27. Kommunal- Wahlbezirk: W. Lock, Friedrichsbergerstr. II; F. Bach, Strausbergerstr. 34. Für den 30. Kommunal- Wahlbezirk: Wernau, Rosenthalerstr. S7; W a ß mann, Linienstr. 29; Schmidt, Louisenstr. S. Für den 33. Kommunal-Wahlbezirk: Oberschmidt, Weinbergsweg 11ä; W i tz e l, Ackerstr. 145; Thomas, Garten- straße 152; Mars, Kastanien-Allee 95/96. Für den 33. Kommnnal- Wahlbezirk: Lietzke, Schwedterstr. 33; Galbert, Fürstenbergerstr. 5; R a a b e, Ruppinerstr. 42; Scheyer, Brunnenstr. 44; Rosen- t h a l, Granseeerstr. 6. Für den 39. Kommnnal- Wahlbezirk: Schmidt, Louisenstr. S. Für den 42. Kommunal- Wahlbezirk: Tausche!, Grcnzstr. 4; K e r b e r, Hochstr. 30; H a f e r l a n d, Bellermann- straße 87; Wolfram. Prinzen-Allee 21; G a ß m a nn, Grün- thalerstr. 67; Stolzenburg, Wiesenstr. 14: Löffler, Badstr. 42/43; Hobe:», Buttmannstr. 2. Lokales. .. fDen Mitglieder« des sozialdemokratischen Wahlvereius für den e r st e n Berliner Reichstags-Wahlkreis zur Nachricht, daß am Sonntag, den 28. Juli, eine Herrenpartie nach Schmöckwitz stattfindet. Treffpunkt der Genossen zwischen 3 und 9 Uhr im Lokal von Duchausour, Grünau, Köpenickerstraße 78; für Nachzügler um 1 Uhr im Seglerschlößchen zu Schmöckwitz. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich an der Partie zu be- theiligen. Der Vorstand. Achtung l Parteigenossen deS 6, Wahlkreises! Durch die Solidarität der Genossen ist das Unternehmen der Partei- spedilion gesichert. Gegen 8000 Abonnenten sind den Beschlüssen der Volksversammlungen gefolgt und entnehmen ihren Bedarf von der Parteispedition. Aber was will das besagen gegen die große sozialdemokratische Wählerzahl im 6. Kreise. Noch sind es hunderte von Parteigenossen, welche ihre Zeitungen von Spe- diteuren entnehmen; tausende von Arbeitern lesen noch gegnerische Blätter; sie glauben ein höheres Abonnements- geld für Zeitungen nicht zahlen zu können und lassen sich daher eine Lektüre bieten, die durchaus nicht im Interesse der Arbeitersache liegt. Seine sauer verdienten Groschen opfert ein solcher Proletarier gegnerischen Blättern, welche fortwährend die gerechten Forderungen der Arbeiter bekämpfen. Arbeiter, durch Unterstützung derartiger Organe schädigt Ihr Euch selbst und die Allgemeinheit! Nur durch Zusammenschluß aller Arbeiter ist es möglich, die Forderungen zu erringen, welche sich die Partei und ihre Presse gestellt haben. Agitirt daher für unsere Presse, macht Eure Kollegen auf- merksam auf die Schädlichkeit ihres Treibens und ruht nicht eher, bis sie erkannt haben, auf welche Seite sie sich stellen müssen. In allen Zahlstellen und Lokalen, wo Zahlabende im sechsten Wahlkreis abgehalten werden, liegen Listen aus zur Aufnahme von Abonnenten. Alle Vertrauenspersonen sowie folgende Partei- spediteure nehmen Abonnements auf den„V o r w ä r t s", den „Soziald ein o k r a t" und den„Wahren Jacob" u. s. w. entgegen: Für Moabit: Hempel, Lübeckerstr. 16, Hof p.; für Wedding und Oranienburger Vorstadt: Stolzenburg. Wiesenstr. 14, p.; für Gesundbrunnen: Gaßmann, Grünthalerstr. 67, H. P.; für Rosenthaler Vorstadt: Rosenthal, Granseerstr. 6, im Keller; für Schönhauser Vorstadt: Mars, Kastanien-Allee 96, part. Arbeiter, Parteigenossen CharlottenburgS! Wir fordern Euch hierdurch nochmals dringend auf, morgen, Sonntag, wie die letzten Tage des Monats überhaupt zur Einsichtnahme in die Wählerlisten zu benutzen. Dies geschieht, weil es für uns fest- steht, daß größere Verschiebungen zu Ungunsten der dritten Wählerklasse staltgefunden haben, denen nur durch rechtzeitigen Einspruch seitens der Wahlberechtigten entgegengearbeitet werden kann. Unverantwortlich wäre jede Zögerung oder Nachlässigkeit, auf die später ein ganz besonderes Augenmerk gerichtet iverden soll. Thue jeder seine Pflicht, wie sie von überzeugten Partei- genossen verlangt werden kann, dann werden uns Weiterungen erspart bleiben. Arbeitet und seht nicht zu, wie andere arbeilen. Es sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß die Listen nur vormittags von 9 bis 12 Uhr ausliegen. Der Vertrauensmann. Die Arbeiter-Bildungsschule unternimmt am Sonntag unter Begleitung des Herrn Dr, med. Weyl eine Besichtigung der Rieselfelder bei Malchow. Rege Betheiligung von � Mitgliedern und eingeführten Gästen ist erwünscht. Treffpunkt nachmittags 2V« Uhr im Sternecker(Schloß Weißensee.) Der Borstand. Der Kampf für Religion, Ordnung und Sitte fängt an, sich immer possirlicher zu gestalten, da er bereits gegen Teufels- und Spulgestalten geführt wird, die geeignet erscheinen, das Volk in seinen religiösen Gefühlen zu verletzen und den Lehren der heiligen Kirche abwendig zu machen. Eine der kirch- lichen Bitten lautet bekanntlich:„Führe uns nicht in Ver- suchung", und so muß denn versucht werden, alle Versuche, das Volk zu versuchen oder in Versuchung zu führen, zu verhindern und alle Darstellungen von Versuchungsversuchen in Acht und Bann zu thun. Und ein derartiger Versuch ist neuerdings ge- macht worden und richtet sich der Kampf für Religion, Ordnung und Sitte diesmal gegen— ein Reklameplakat in Zigarrenläden, welches eine bekannte Zigarettenfabrik den Zigarrenhändlern übermittelt hat und welches diesen zur Dekoration der Schau- fenster dient und bestimmt ist, die Blicke auf sich und somit auf das betreffende Geschäft im allgemeinen zu lenken. Besagtes Plakat hat eine Veranlassung zu einer Anzeige bei der Polizei gegeben, da es, wie wir in der katholisch- kapitalistischen„Ger mania" lesen, bei hiesigen katholischen Einwohnern, die ganz besonders zart religiös besaitet zu sein scheinen, „mit recht" Aergerniß erregt hat. Das Plakat zeigt, wie das katholische Blätlchen erröthend verräth, einen in frommer Andacht die Bibel lesenden Mönch: Hinter ihm steht— man denke!— eine üppige lichtgckleidete Blondine — geradezu schrecklich!—, welche ihn zum Rauchen einer Zigarette zu verführen sucht. Allerlei Teufels- und Spukgestalten spielen aus dem Tisch und im Zimmer herum, aber nichts scheint den Mönch in seiner Andacht zu stören. Wohlgemerkt, nichts„scheint" den Mönch in seiner Andacht zu stören. Aber auch ein Mönch ist nur ein Mensch und wer steht dafür, daß er nicht schließlich dem Sirenenlocken doch erliegt? Solche Gedanken können gläubigen Katholiken durch den Kops fahren und dies muß ver- hindert werden, das Unterliegen des Geistes unter das Fleisch darf dem Volke nicht veranschaulicht werden; darum wird die Polizei angerufen, das Aergerniß erregende Plakat aus den Zigarren- lüden zu entfernen. So will es der Kampf für Religion, Ordnung und Sitte. Wie zartbesaitet ist doch die arme katholische Kirche geworden! Das gestrige Leichenbegängniß des Genosse» Theodor Hidde(Reinickendorf) gestaltete sich zu einer imposanten Feier zum Andenken des treuen, rastlosen, rührigen Genossen. Im Trauerhause widmete Genosse Stadthagen dem Andenken des Verstorbene» einige warme Worte. Genossen aus dem Kreise führten an der Bahre einige Arbeitergesänge trefflich aus. Auf und an der Bahre waren zahlreiche prächtige Kränze niit rothcn Schleifen namens der Genossen des Kreises Niederbarnim, der Genossen aus Reinickendorf, Pankow, Schönhausen, Rummelsburg, Friedrichsberg, Friedrichs- Hagen, und von vielen einzelnen Genossen und Genossinnen, sowie von der Pankower Sterbekasse der Maurer niedergelegt. Dem langen Leichenzuge schloß sich unterwegs der Reichstags- Abgeordnete Fritz Zubeil an, der trotz seiner kaum über- wundenen Krankheit es sich nicht hatte nehmen lassen, namens des Kreises Teltow-Beeskow einen kostbaren Kranz mit rotherSchleife auf dem Grabe des unermüdlichen Mitstreiters Hidde nieder- zulegen. Hidde war vom Jahre 1877 ab, bis wohin er in Berlin gewirkt hatte, im Kreise Niederbarnim unermüdlich im Stillen für die Sache des Proletariats thätig. Die zahlreiche Theilnahme an seinem Leichenbegängnisse zeigte, daß fem Wirken nicht ver- gebens war. Ehre seinem Andenken. Zum Fall Ziethen. In verschiedenen Zeitungen lesen wir: „Der Fall Ziethen beginnt wieder die öffentliche Auf- merksamkeit zu beschäftigen. Aus Elberfeld kommt die Nachricht, daß der als Mörder seiner Frau seit fast zwölf Jahren im Zuchthause zu Werden internirte Albert Ziethen voraussichtlich demnächst in Freiheit gesetzt werden wird, nachdem für seine Schuldlosigkeit neue schwerwiegende Beweise herbeigeschafft worden sind. Die Zeitungen würdigen hierbei das Verdienst, welches sich Männer wie Oberstlieutenant von Egidy und Reichstagsabgeordneter Wilhelm Liebknecht um die Herbeiführung dieses Resultates erworben haben. Wenn man aber die Personen, welche für die Unschuld Ziethen's unermüdlich gekämpft und dafür gesorgt haben, daß die Bewegung zu seinen gunsten lebendig erhalten wurde, nennt, so darf vor allem Paul Lindau nicht vergessen werden, der seine Feder wiederholt in den Dienst des seiner Ueberzeugung nach unschuldig Ver- urtheilten gestellt, der den Fall Ziethen mit ebenso viel Ge- wisscnhaftigkeit und Gründlichkeit wie Scharfsinn untersucht und mit mustergiltiger Klarheit dargestellt hat. Außer den Aussätzen in„Nord und Süd" hat er nochmals den Fall in der im Jahre 1892 im Verlage der Schlesischen Buchdruckerei, Kunst- und Verlagsanstalt von S. Schottlaender, Breslau, er- schienen Broschüre:„Der Mörder der Frau Marie Ziethen. Ziethen oder Wilhelm?" erschöpfend behandelt. Diese mit einem Situationsplan der Elberfelder Oertlichkeiten und einem Grundriß des Ziethen'schen Hauses versehene Schrift, welcher der bekannte Wiener Jurist Dr. Max Renda ein Nachwort beigegebe» hat. bietet die beste Gelegenheit, sich über den sensationellen Prozeß zu informiren. Wenn die Frei- lassung Ziethen's eine Thatsache werden sollte, so würde sie für Lindau's in dieser Sache aufgewendeten Scharfsinn und Eifer die glänzendste Genugthuung und Belohnung bedeuten." Es liegt uns fern, die Verdienste des Herrn Paul Lindau in dieser Angelegenheit verkleinern zu wollen. Herr Paul Lindau hat eine sehr gute Schrift geschrieben, in welcher die Unschuld Ziethen's mit zwingender Logik erwiesen ist— und diese Schrift hat sogar einen halbamtlichen Charakter, denn sie ist im Auf- trage sehr hochgestellter Polizeibeamten ge- schrieben, die von der Unschuld Ziethen's überzeugt waren, und, wie wir mit Bestimmtheit zu wissen glauben, überzeugt sind.— Der Siidring-Bahnhof Rixdorf ist wegen der ,Er. weiterungSarbeiten vorübergehend von der Bergstraße nach oer Hermannstraße verlegt worden. TaS„««entdeckte Höllenmafchinen-Attentat" spukt jetzt, nach Verlaus von vier Wochen, immer noch in der bürgerlichen Presse herum. Mit Bedauern wird konstatirt, daß der„Atten- täter", gleich einer stattlichen Reihe Mörder aus den letzten Jahren, von der berühmten Berliner Polizei immer noch nicht entdeckt worden ist und daß sehnsüchtig verlangende Blicke nach den tausend Mark Belohnung geworfen werden, die leider wohl unerhoben bleiben mußten. Zur Veränderung berichtet man auch im Gegentheil zu den noch vor kurzem entworfenen Schreckensbildern, daß in Fachkreisen die Höllen- Maschine für durchaus ungefährlich gehalten werde, und zum Schluß wird die überaus wichtige Meldung gebracht, daß der beattentäterte Polizei-Oberst Krause in den letzten Tagen wieder ruchlose Drohbriefe erhalten habe. Wir fragen, ob überhaupt ein im öffentlichen Leben stehender Mann namhaft zu machen ist, der sich von anonymen Leuten, die überflüssige Zeit haben, nicht dann und wann derartige kleine Ulkereien gefallen lassen müßte? Im bürgerlichen Leben findet man es lächerlich, davon überhaupt Aufhebens zu machen. Wegen Mangel an geeigneten Aspiranten sollen die Oberfeue'rwerks-Schüler, welche wegen der bekannten Disziplin- Widrigkeiten zu Strafen verurlheilt waren, jetzt wieder, wie das ..Berliner Tageblatt" meldet, an die Oberfeucriverker-Schule zurückberufen werden. AuS Anlast der TyPhuSerrrankunge« ist durch Kom« mandanturbefehl angeordnet worden, daß das erste Bataillon des Kaiser Franz- Garde- Grenadier-Regiments gestern seine Kaserne zu verlassen hatte. Die Quartiermacher sind gestern früh, zum theil schon vorgestern Abend ausgerückt, um dem Bataillon in Britz, Tempelhof und Mariendorf die Bürger- quartiere zu bereiten. Dorthin folgte das Bataillon gestern Mittag. Es bleibt in den Bürgerquartieren bis zum 1. August; dann rückt es nach Döberitz zu einer zehntägigen Schießübung aus. Die Kaserne soll einer gründlichen Reinigung und Des- i n f e k t i o n unterzogen werden. Neue Erkrankungen sind bei dem Bataillon seit sieben Tagen nicht mehr vorgekommen. Aus Tempelhof ist gestern einer der an akuter Darmentzündung Leidenden als geheilt zur vierten Kompagnie zurückgekehrt.— Auch beim Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment sind seit dem Anfang dieses Monats einige Typhuserkrankungen vor- gekommen. Nach den bei uns eingegangenen Meldungen liegen im ganzen sieben Fälle akuter Darmerkrankung vor, und zwar bei der dritten Kompagnie, darunter sind drei Typhusfälle. Hieran leiden die Grenadiere Koseminsky, Kunze und Löwenstrunk, die in den Jsolirbaracken des Garnisonlazareths I in der Scharnhorststraße in der unter der Leitung des Stabsarztes Dr. Domnauer stehenden großen Abtheilung für innere Krankheiten behandelt werden. Alle Kranken befinden sich aus dem Wege der Besserung.— Zu der offiziösen Ableugnung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" sei bemerkt, daß in unseren Berichten von einer Typhus« Epidemie nicht die Rede war. In großer Waffersnoth befand sich vorgestern wieder einmal der Norden Berlins und zwar infolge des mit wölken» bruchartigem Regen verbundenen Gewitters, das sich mit be» sondcrer Heftigkeit über die nördlichen Stadttheile entladen zu haben scheint. Berlin zeigte sich hier als Seestadt in des Wortes verwegenster Bedeutung und gar viele der unterirdischen Nord». landsbewohner haben zu ihrem Schaden die zweifelhaften Freuden eines unfreiwilligen Seebades zu schmecken bekommen. Ein Theil des Nordens ist bekanntlich„gebirgig", die söge- nannten Rehberge stehen in allseitigem hohen Ansehen und verleihen den auf ihnen errichteten Straßenzügen einen„ab- fälligen" Charakter. Diesem Uinstande war es denn auch zu- zuschreiben, daß sich von hohen Bergen herab schäumende Wasser- däche aus den höher gelegenen Seitenstraßen in die Ackerstraße ergossen, in ihrem Laufe viel Unheil anrichtend, Keller über- schwemmend und den Gartenplatz alsbald in einen weiten See verwandelnd. Von hier aus ergossen sich die Wassermasfen die Ackerstraße entlang bis Pappelplatz und darüber hinaus bis zum Koppenplatz, die ganze Gegend unter Wasser setzend und überall Schaden anrichtend. Bald wäre auch ein junges Menschenleben dem Wassersturze zum Opfer gefallen, indem ein flüchtender Knabe in einen geöffneten Kanalisationsschacht versank und nur mit Mühe wieder herausgefischt werden konnte. Auch der nordöstliche Stadttheil hatte unter Waffersnoth schwer zu leiden. Die Schön» hauser Allee ist, dafür bekannt, daßgfie Extravaganzen besonders zugeneigt ist und auch gelegentlich des vorgestrigen Natur- rreignisses zeigte die Schönhauser Allee wieder die bekannte und bereits liebgewonnene Seelandschaft. Auch die angrenzenden Straßen glichen Kanälen und die Kellerbewohner haben auch hier vielfach, in einzelnen Fällen sogar sehr beträchtlichen Schaden erlitten. Die Hilfe der Feuerwehr wurde mehrfach in Anspruch genommen. Mariendorfer Romantik. Ein„Räuberlager" ist, wie ein Berichterstatter meldet, vor einigen Tagen auf einem Felde bei Mariendorf entdeckt worden. Nach dem Befunde scheint der Lagerplatz der Treffpunkt einer größeren Berliner Diebesbande gewesen zu sein, welche dort ein„Kriegslager" unterhielt, Dieb- stähle berathete und Beute vertheilte, vielleicht auch m Stunden von Gefahr Unterschlupf suchte. Darauf deutet die Thatsache, daß sich in der Höhlung ein größeres Quantum von Wurst, Schinken, Brot u. f. w. vorfand. Die Diebe hatten kurz vor der Entdeckung des Lagers noch in diesem geweilt und sind wahr- scheinlich durch einen zufällig dort entlang kommenden Gendarm verscheucht worden; obwohl die Höhlung Tag und Nacht ununter- brachen bewacht wurde, ist es bis jetzt nicht gelungen, auch mir einen ihrer Bewohner zu ernntteln. DaS in Charlottenbnrg verbreitet gewesene Gerücht von einem Mädchenmorde, welches durch ein Extrablatt der Charlottenburger„Bürger-Zeitung" auch bestätigt wurde, entbehrt, wie die dortige Polizeidirektion mittheilt, jeder Begründung. Der Thatbestand ist nach der a m t» lichen Quelle folgender: Vorletzte Nacht kurz nach 12 Uhr wurde auf der Ringbahn zwischen Station Beusselstraße und Jungfernhaide in der Nähe der Charlottenburger Gasanstalt eine unbekannte Frauensperson, die sich in selbmörderischer Absicht auf die Geleise geworfen, über» fahren und derart verletzt, daß der Tod nach IVe Stunden eintrat. Die Unglückliche wurde zunächst von den Räumern der Maschine am Genick erfaßt, dasselbe wurde gebrochen, die rechte Wange aufgerissen und die untere Kinnlade zerschmettert. Außerdem schnitten die Räder des Zuges den linken Arm und Bein vom Körper ab. Die Unbekannte ist ca. 20 Jahre alt, mittelgroß. hat dunkles Haar, hinten im Zopf geflochten und Ponnylocken an der Stirn, braune Augen, etwas spitze Nase und vollständige Zähne. Sie trug an der linken Hand einen Siegelring mit blaß- rothem Stein und goldenes Ohrgehänge. Bekleidet war die Selbstmörderin mit einem rothbraunen Rock und einem Hemde gezeichnet A. M., die gleiche Zeichnung trug ein weißes Taschen- tuch. In einem schwarzen Bügel- Portemonnaie fanden sich vier fremde Nickelmünzen; dieselben zeigen auf der einen Seite den österreichischen Adler, auf der anderen Seite 201 893 in Allegorie. Meldungen über die Personalien sind der Charlottenburger Polizei zu machen. Von der Redaktion deS neuen Adreßbuchs geht uns zu der gestern unter der Spitzmarke„Der Segen der Sozialreform" gebrachten Notiz die folgende Nichtigstellung zu: Die Räumlich» leiten, in denen die Bureau-Arbeiter sitzen, sind nach Ansicht der Redaktion genügend ventilirt, sodaß auch im obersten Stock von schlechter Luft kaum die Rede fein kann. Die Beschäftigungs- dauer der Bureau-Arbeiter beträgt 6'/i Stunden; allerdings werden Ueberstunden in Dauer von 4 oder 5 Stunden gemacht, die aber zum großen Theil nur auf Wunsch des Personals eingerichtet werden. Was den berichtelen Krankheitsfall betrifft, so mußte dem betreffenden Arbeiter das Aufnahmeattest für die Ortskasse der Kanfleute je. aus dem Grunde verweigert werden, weil der Kranke überhaupt nicht mehr beim Adreßbuch in Stellung war. Die Redaktion war weder berechtigt noch verpflichtet, dem Verlangen der Ortskasse für Kausleule und Apotheker:c. nachzukomme», weil der Kranke ja eben bei der Orlskasse für Handlungsgehilfen und Lehrlings angemeldet war.— Viel ist es leider nicht, was von der Re- daklion des„Neuen Adreßbuchs" an unserer gestrigen Notiz „berichtigt" wird. Tie Näherin Wilhelmine Stange, von deren Operation wir gestern berichteten, befand sich gestern noch wohler als am ersten Tage nach der Operation. Sie verrichtet bereits leichte landarbeiten im Bett und glaubt schon in allernächster Zeit das rankenhaus ganz geheilt verlassen zu können. Zu dem ärztlichen Man machte in langen Schnitt, die von einer die Schmerzen an einer Stelle Eingriffe selbst sei noch einiges nachgetragem die s-chädeldecke znnächst einen 4 Zentiineter luib zivar in einem Theil einer Narbe, früheren Operation herrührt. Hier waren am größten. Der bloßgelegte Knochen zeigte einen schwärzlichen Metallglanz. Hier setzte man den Meißel an »nd entfernte einen Theil des Knochens. Darauf kam dann die Stopfnadel zum Vorschein, die zum theil in der Schadeldecke steckte und nun herausgezogen wurde. Die Operirte weiß sich durchaus nicht darauf zu besinnen, wann die Nadel in das Gehun gerathen sein kann; sie ist bis zu ihrem dritten Lebens- fahre bei fremden Leuten bei Kiel in Pflege und dann bei ihrer Mutter gewesen. Der Wege» WncherS zu einem Jahr Gefängniß verurtheilte Restaurateur Protz aus der Linienstraße ist am Donnerstag Mittag, ohne daß vorher ein Strafantritlsbefehl an ihn ergangen war, plötzlich wegen Fluchtverdachts verhaftet worden. Für daS Theater des Westens, welches Ende des nächsten Jahres auf Charlottenburger Gebiet fertig gestellt sein soll, ist Herr Direktor Wilte-Wild aus Breslau als artistischer Leiter gc- wonnen worden. Grostcs Aufsehen macht in Rixdorf der Selbstmord der Ehefrau eines dortigen Arztes. Am Donnerstag Morgen stürzte sich die Frau des Dr. med. Fischer ans ihrer in der Berg- straße 22 2 Treppen hoch befindlichen Wohnung auf den Hof hinab und erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß sie kurz nach der That verstarb. Die Motive des Selbstmordes sind unbekannt, doch wird behauptet, die Verstorbene sei seit kurzem schwermüthig gewesen. Nachträglich wird über eine Schiffskollisio» das folgende bekannt: Die Slencrerheber Berlins hatten vor acht Tagen einen Ausflug nach Hirschgarten unternommen und zu diesem Zwecke einen Dampfer der Oberspreegesellschaft„Neptun" gemiethet. Auf dem Schiffe befanden sich, als abends die Rückfahrt an- getreten wurde insgesammt ca. 400 Personen. Gegen II Uhr am Abend passirte„Neptun" die Oberbaumbrücke, von welcher nnr, da sich dieselbe in Umbau befindet, eine Durchfahrt frei ist. Als sich das Schiff unter der Brücke befand, kam ein anderer Personendampser, wie es heißt ein„Stern"-Dampfer die Spree herauf und fuhr in die Verengung des Brückenneubaues hinein. Wiewohl die Kapitäne der beiden Dampfer das drohende Unglück erkennend Kontrcdampf geben ließen, war der Zusammen- stoß unvermeidlich; derselbe erfolgte mit solcher Gewalt, daß die Passagiere des Neptun von ihren Sitzen geschleudert, das Fahr- zeug aber leck wurde. Auf dem Dampfer entstand eine furcht- bare Aufregung und nnr durch die Besonnenheit des 5tapitnns und einiger Passagiere wurde größeres Unglück vermieden, da ängstliche Personen über Bord springen wollten. Auch der zweite Dampfer wurde erheblich beschädigt, derselbe legte sich sofort nach dem Zusammenstoß auf die Seite. Die polizeiliche Untersuchung ist eingeleitet. WitternngSübersicht vom Lv. Jnli 1893. Wetter-Prognose für Sonnabend, S7. Jnli 1895. Zeitweise heiteres. vielfach wolkiges, sehr warmes Wetter mit Gewitterregen und frischen südwestlichen Winden; nachher kühler. Berliner Wetterbureau. Gerilszts-ÄeikunZ. Eine Festrede als nuangemeldete Bersammlnng. Vor dem Schöffengericht Charlottenburg wurde am Donnerstag gegen die Parteigenossen Znbeil, Görke und Krause wegen Uebcrtretung des Z 1, 12 der Verordnung vom 11. März IbSV (Uebertretung des Bereinkgesetzes) verhandelt. Am 1. Mai vor- mittags war, wie gewöhnlich, von Görke eine Versammlung ein- berufen, in welcher Liebknecht als Referent erschien, während für nachmittags von 4 Uhr ab Konzert, Tanz, Vorträge und Festrede polizeilich angemeldet und auch genehmigt waren. Abends erschien Zubeil, als Vertreter des Kreises, und hielt eine Ansprache, die, der Feier des Tages angemessen, sich auch mit der„Politik" beschäftigte, indem der Redner auf die Verkürzung der Arbeitszeit und die Unfähigkeit der Regiernng, hierzu ernsthast Stellung zu nehmen, zusprechen kam. Während Zubeil noch den Zusammenschluß der Genossen und speziell der Frauen empfohlen, und seine Ansprache schließen wollte erschien der bekannte Polizeilieutenant Mündt, aufmerksam gemacht von einem Schutzmann, dem die Rede wohl staatsgefährlich vorgekommen sein mag, im Saal. Er kam gerade noch rechtzeitig genug, um ein vom Genosse» Zubeil und den Fcsttheilnehmern auf die Sozialdemokratie ausgebrachtes Hoch anzuhören. Dies führte dazu, daß eine derartige bisher noch nicht beobachtete Anklage„wegen AbHaltens einer nicht an- gemeldeten Versammlung", verübt in einer Festrede, gegen die Genannten eingeleitet wurde.— In seiner Vertheidigung hob Zubeil hervor, daß eine Festrede, die bei Gelegenheit der Mai- seier gehalten werde, ohne Berührung von öffentlichen Angelegen- heiten nicht möglich sei; er wies darauf hin, daß die ganze Maifeier den Charakter der Oeffeutlichkeit trage, mithin eine Uebertretung des ß 1 des Vereinsgesetzes, wie sie die Anklage für erwiesen erachte, undenkbar sei. Es müßten denn sümmtliche Kundgebungen, selbst bei Ge- legenheit der Geburtstagsfeier„hochgestellter" Personen, bei denen es doch bekanntlich ohne Ansprachen und Toaste mit Be- rührung öffentlicher Angelegenheiten nicht abgehe, unter den- elben Gründen strafrechtlich verfolgt werden.— Görke beantr agt >schon deshalb für sich Freisprechung, weil er, obwohl Ver- anstaltcr der Versammlung wie der Maifeier, nachmittags in der fraglichen Zeit gar nicht im Lokale anwesend war. Krause, als Besitzer des Lokals, stellte überhaupt eine Uebertretung des Vereinsgesetzes im Sinne der Anklage in Abrede; es sei doch gang und gäbe, bei derartigen Veranstaltungen Ansprachen zu halten, um so mehr als es sich um eine angemeldete Festrede zc. handelte. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte das„Schuldig" mit der Motivirung, daß bei den Angeklagten die Absicht von vornherein bestand, bei einer Ge- legenheit, wie sie die Maifeier bot, gleichzeitig öffent- liche Angelegenheiten zu berühren, resp. Aufforderungen zum Zusammenschluß der Frauen zc. ergehen zu lassen. Er beantrage daher gegen jeden der Angeklagten eine Geldstrafe von 100 Mk. eventl. 20 Tage Haft. Der Gerichtshof beschloß nach längerer Berathnng die Angeklagten Zubeil und Görke mit je 50 M. eventl. S Tagen, den Angeklagten Krause mit 30 M. eventl. 3 Tagen zu bestrafen, indem er sich den Ausführungen des Vertreters der Staatsanwaltschaft anschloß und nur„aus Iiiicksicht" auf das Eingeständniß, speziell des Angeklagten Zubeil, öffentliche Angelegenheiten berührt zu haben, eine„Milderung" der Strafe gellen ließ. Der Polizeilieutenant Mündt, der gelegentlich seiner Zeugenaussage einige Rechtsbelehrungen unternahm, indem er ganz be- fonders darauf hinwies, daß unter der Firma„Festrede" schließlich sümmtliche Versammlungen(!) abgehalten werden könnten, mußte sich damit zufrieden geben, daß Staatsanwalt und Vorsitzender die Nebensächlichkeit seiner Aussagen in dieser Beziehung be- tonten. Gegen das llrtheil wird Berufung eingelegt. Nach demselben wäre schließlich jede Festrede irgend eines Vereins oder bei irgend welcher Gelegenheit als nichtangemeldete Ver- sammlung zu betrachten und deingemäß strafrechtlich zu verfolgen. Wegen MajestätSbelcidignng stand gestern der Buch- drucker, frühere Schauspieler Richard Heise, vor der ersten Straf- kammer des Landgerichts I. Heise sollte in einem von ihm ver- faßten Kouplel„Ter Kamps für Ordnung, Sitte und Religion" den Kaiser beleidigt haben. Die Verhandlung fand, wie gewöhnlich, unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit statt. Der Autrag des Staatsanwalt lautete auf 6 Atonale Gefängniß, doch wurde die Verhandlung, auf Einwand des Angeklagten wegen Ver- jährung, vertagt. Ist ein Kirchhof alS Gartenanlage im Sinne des Feld- und F'orstpolizci-Gcsctzcs zn erachten? Mit dieser Frage hatte sich dieser Tage das Rixdorfer Schöffengericht zu beschäftigen. Die verehelichte Auguste G r i e s e b o ck geborene K o ch aus Rixdorf war angeklagt, am 3. März d. I. von einem Grabe auf dem Emmaus-Kirchhof in der Hermannstraße eine Palme entwendet zu haben. Während der Älmtsanwalt gemeinen Diebstahl für vorliegend erachtete und gegen die Angeklagte 1 Woche Gefängniß beantragte, führte der Rechisbeistaud der Angeklagten, Rechtsanwalt Abraham, aus, daß der Emmaus-Kirchhof, der zum Theil große gärtnerische Schmuckanlage» aufweise, als Garten- anlage im Sinne des Feld- und Forstpolizei-Gesetzes anzusehen sei und daher nicht Diebstahl, sondern nur eine Uebertretung des betr. Gesetzes vorliege, für welche er auf eine Geldstrafe zn erkennen bitte. Da durch Vernehmung des Kirchhossinspektors in der That festgestellt wurde, daß der Kirchhof gärtnerische Schmuckanlagen aufweist, schloß sich der Gerichtshof der Ansicht des Vertheid'igers an und erkannte aus 30 M. Geldstrafe, eveut. 6 Tage Haft. Der beleidigte Gendarm. Zwei Einwohner von Französisch Buchholz, der Saltlermeister G. und der Arbeiter S., erschienen am Donnerstag vor dem Schöffengericht beim Landgericht II., um sich wegen öffentlicher schwerer Beleidigung des jetzt in Marienwerder bei Eberswalde stationirten Gendarmen H e i n z e zu verantworte». Am 2l. April 1894 fand eine Verhandlung gegen G. statt, in der dieser durch die Aussage des Gendarmen belastet und zu einer Gefängnißstrafe vernrtheilt wurde. G machte daraufhin dem Beamten den Vorwurf, daß er einen F a l s ch e i d geleistet habe und wiederholte die Beschuldigung auf der Fahrt nach Französisch Buchholz gegenüber mehreren anderen Personen. Jin gleichen Sinne äußerte sich auch der zweite Angeklagte. Die Angeschuldigten erklärten bei Beginn der Verhandlung, den Wahrheitsbeweis für ihre Behauptungen antreten zu wollen. Bei der königlichen Staats- anwaltschast sei schon vor längerer Zeit Anzeige erstallet worden; es sei ihnen von dort geantwortet, daß die Angelegenheit dem Militärgericht übergeben wäre, da die Zivilgcrichte zur strafrechtlichen Verfolgung von Militärpersone» nicht zuständig sind.— Das Schöffengericht erkannte nach kurzer Berathnng dahin, daß die Verhandlung auszusetzen sei, bis der E n t- scheid des Militärgerichts vorliegt. VevmiM.kes. Neber baö furchtbare Grubenunglück in Bochnm(siehe gestrige Depeschen), dessen Opfer eine Reihe im Fro indienst des Kapitals auseebeutete Arbeiter geworden, liegen solgende tele- graphische Meldungen vor: Das gemeldete Grublnungiück auf der Zeche„Prinz von Preußen" ist durch schlagende Welter und Kohlenstaubexplosion im Flötz„Sonnenschein" zwischen der vierten und zweiten Sohle entstanden. Um 11 Uhr abends waren 20Todte aufgebahrt, während sich noch 10— 12 Todte in der Grube befinden und 9 Verwundete in der Anstalt„Bergmannsheil" darniederliegen. Die vierte Sohle ist eingestürzt.— Eine Herold- Depesche be- richtet: Nach dem„Bochumer Anzeiger" ereignete sich die Katastrophe auf der Zeche„Prinz von Preußen" in SSV Meter Tiefe infolge schlagender Weller. Bis jetzt sind 25 Todte und 11 Schwerverwundete geborgen. Der Betrieb ist nicht gestört. An der Zeche spielen sich herzzerreißende Szenen ab, da viele Familien- väter todt sind. Wie der„Märkische Sprecher" mittheilt, betrug die Ge- sammtzahl der an der Explosionssielle der Zeche„Prinz von Preußen" beschäftigten Bergleute 44. Hiervon sind 33 todt, 3 verwundet. ZüiS Köln meldet das„Bureau Herold" vom Freitag: In einer hiesigen Eisengießerei sind unter großem Knall mehrere Granaten explodirt, wodurch das Dach, sowie die innere Ein- richtung zertrümmert wurden. Personen sind nicht verletzt. Ter Tischler Sauren in Aachen, ein Schutzzeuge Mellage's, wurde wegen Verdachts des Meineides verhaftet. Sauren, der von 1891—1893 als Tischler in Mariaberg thätig war, bekundete in dem Prozeß, daß Fordes nach dem Vorfall in Linzenshäuschen von drei Brüdern die Treppe hinauf gezerrt worden sei, wobei ihm noch einer Stöße in den Rücken versetzt habe. Ferner sagte der Zeuge aus, daß er gesehen habe, wie ein Wärter und ein Bruder ze einmal einen Kranken mit den Schlüsseln geschlagen haben. In Spoleto wurde am Mittwoch nachmittags 4 Uhr 36 Minuten ein 3 Sekunden dauernder wellenförmiger Erdstoß verspürt. Die russische Zensur. Den Memoiren des ehemaligen Petersburger Universitätsprofeffors Nikilienko, welche außer- halb Rußlands erschienen sind, entnimmt das Wiener Tageblatt folgende Zensurproben, welche in die Regierungszeit Alexanders III. fallen. Es ist einmal ein neues Traumbuch erschienen, welches natürlich der Zensur vorgelegt werden mußte. Dieselbe verweigerte die Erlaubnitz zur Herausgabe des Büchleins und ließ de» Autor zu sich zitiren. In der Zensur wurde nun der Autor des Traumbuches gefragt, warum er der Ansicht sei, daß die Sterne einen Einfluß auf die menschlichen Schicksale haben. Die Bewilligung könne ihm so lange nicht ertheilt werden, als er nicht hierüber eine befriedigende Auskunft geben könne. Zensor Jelagow hat aus einem geographischen Lehrbuch die Stelle gestrichen, in der es hieß, daß in Sibirien mit Hunden gefahren wird, und motivirte das damit, daß„diese Nach- richt noch der Bestätigung des Ministeriums des Innern bedürfe." Vor einigen Jahren fand in Warschau eine Vichausstellung statt. In einem Berichte über diese Ausstellung, der in einem polnischen Blatte erschienen war, war die Rede von einer„Mecklenburger Kuh". Zensor Czystilin inhibirte den Artikel und ließ den Redakteur des Blattes rufen. „Sie haben da", sagte der Zensor,„im Berichte„Mecklenburger" Kuh geschrieben, schreiben Sie lieber„spanische" Kuh".—„Wenn Sie es wünschen, Herr Zensor, dann thue ich es. Aber sagen Sie mir, warum?" Czystilin schaute ihn strenge an und sagte:„Na, stellen Sie sich nicht so, wir kennen schon Eure Kunststücke. Sie haben gewiß an die Mecklenburger Fürsten gedacht, uud die sind doch mit unserer Dynastie verwandt..." Der Redakteur ging fort. Die „Mecklenburger Kuh" mußte eine„spanische" werden. In einem Gespräche mit einem Warschauer Schriftsteller sagte einmal ein Zensor:„Sie haben keinen Begriff, was der Zensor alles streichen muß. Sehen Sie z. B. das Gedicht„Hagar in der Wüste" könnten wir absolut nicht durchlassen."—„Warum?" fragte verwundert der Schriftsteller.„Ich glaube, es ist eine sehr unschuldige Dichtung; die kann doch überall vorgetragen werden."—„O nein! Stellen Sie sich doch vor, im Konzertsaal in der ersten Reihe sitzen General Gurko und seine hohe Gemahlin Maria Nndriewna, Baron Meden, Seine Eminenz Leontius und andere hohe Per- sönlichkeiten. Da kommt eine Künstlerin heraus und beginnt: „Ringsumher Schakale!" Nun, sagen Sie selbst, kann man das durchlassen?" Einer Zensur unterliegen auch die Gemälde. Von den zahlreichen Leistungen der Zensur auf diesem Gebiete führen wir nur ein Beispiel an. Maler Alchimowicz schickte auf die Kunstausstellung ein Oelgemälde mit der Ueberschrift„Zum Herr» um Rath"."Das Bild stellte einige Bauern vor, die zu ihrem Gutsherrn komme», um seinen Rath in irgend einer Angelegenheit einzuholen. Die Zensur konfiszirte das Bild und verlangte von dem Künstler die Aenderung des Titels, denn der Bauer" dürfe nur bei der Behörde Rath einholen und nicht beim Gutsherrn. Das Bild wurde ausgestellt, aber unter dem Titel „Aufnahme von Arbeitern". In Preuße» geschieht zwar auch das menschenmöglichste zur Knebelung der freien Meinungsäußerung, aber man muß sagen, daß die Köllerci sich zn beeilen hat, wenn sie das russische Ideal einholen will. Briefkasten der Redaktion. Wir bilen bei jeder Nnsrage eine ilhiffre(Zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugebe», unler der die Anlwort ertheilt werden soll. Montag, Dienstag, Donner st ag und Freitag wird von 7 bis 8 Uhr abends Auskunft und Rath in Rechtsangelegen heiten ertheilt. Maurer. Ihr Eingesandt enthält weder eine Adresse, noch den Stempel der Organisation. Wir müssen deshalb die Ver- öffentlichung ablehnen. — Kranker Rixdorfer. Fordern Sie dann den Wirth auf, Ihnen innerhalb 8 Tagen Waschhaus und Trockenboden zu schaffen, widrigenfalls Sie sich vorbehalten auf Gewährung von Waschhaus und Trockenboden und auf Schadenersatz zu klagen. Ferner lheilen Sie ihm niit, daß Sie solange er die versprochenen Räumlichkeiten nicht gewährt, Ihre Wäsche auf seine Kosten waschen lassen und den Betrag von der Miethe in Abzug bringen werden.— Alter Abonnent. Fordern Sie den Wirth auf, an- zuerkennen, daß die unpfäudbaren, von Ihnen näher zu be- zeichnenden Gegenstände seinem Pfandrecht nicht unterliegen. Eventuell verklagen Sie ihn vor dem 1. Oktober. Welche Sachen unpfändbar sind, ist an dieser Stelle wiederholt, so aus- führlich in der Nummer vom 13. Juli 169S, mitgetheilt.— — Tchouheim. Wenden Sie sich an den Standesbeamten, in dessen Bezirk Ihre Mutter verstorben ist, mit dem Antrag auf Erlheilung der Sterbe- Urkunde.— A. D. 89. Ja; sprechen Sie eventuell mit der Klage in der Sprechstunde vor.— N. O. 18. Die Frau wird gut thun, Widerklage zu erheben. Zur Rücksprache(mit der Silage) steht die Sprechstur.de selbstredend auch ihr frei.— A. W. Rixdorf. Sprechen Sie mit den betreffenden Akten in der Sprechstunde vor.— A. S. 7111. Die Annahme und das sich Versprechen» lasse» von Geschenken an Beamte für eine nicht pflichtwidrige Handlung ist als besonderes Vergehen strafbar, nicht aber das Versprechen. In dem Versprechen kann indeß eine Beleidigung gesunden werden.— Moral kontra. In allen angegebenen Fällen steht leider dem Künde ein Anspruch auf Alimentation gegen seinen Erzeuger nicht zu.— T. U. 199. Ja.— W. 2. Ohne allgemeines Interesse.— H. Ep. 199. Sprechen Sie bei uns vor; erkundigen Sie sich auch, wann Termin ist. Briefkasten der Expedition. O. C., Spandau. Keinen Brief erhalten. Allk« Ranchm empfehle meine vorzügl. 5- u.' S-Pf.- Zigarren, außerdem offerire 25 Stück für eine Mark. Achtungsvoll Rnd. Langberg, 1979b 8. Mariaunenstraße 6. Uhuerlttlgkn. Ballen zc. entfernt man schmerzlos, schnell u. radikal nur durch Freund'sche Thilophag-Platten. Zu haben in allen Apotheken und Drognenhandlungen Deutschlands, 12 Stück für 70 Pf. oder 2 Stück 15 Pf. sammt Gebrauchsanweis, Erfinder und alleiniger Fabrikant. Chemiker Freund in Ungarn. General- Vertreter für Dentschlaud I. Lach- mann, Berlin 0., Holzmarktstr. 36, I Arbeiter- s» Hemdesi schon zn IM— Klonsen für jedes Gewrrk, Monteur- Jacken u.-Kosen, Maler-«. Kildhaner-Kittel ans guten Ktotfen dauerhaft gearbeitet, empfiehlt zu billigsten festen Preisen. vsH ScBiIossj Waarenhans„Sud-Ost", 22. Wiener- Strasse 22, 1. Grünauerstr. 1. Gangbares Schankgeschäft f. Partei- genossen zu verk. Bogt, Charlotten- vurg, Polsdamerstr. 44. 2074b Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß ich in Liiarlottsuburg, Kantstrnße 62, ein 2906b Urstanrant mit Killard und Vereinszimmsr eröffnet habe. Achtungsvoll Ifsid. Oenschav. Genossen, welche gewillt sind, einem neu gegründeten Gesangverein beizu- treten, werden ersucht, sich Sonnabend, 27. Juli, abends 9 Uhr, im Lokal von 0. Krüger, Forst erstr. 21, einzufinden. Stargarderstraße 71, Pappel- Allee 106, nurVorderwohnungen. 2fenstr.Stube u. Küche o. 16 M. an, zwei llfenftr. Stube und Küche von 300 M. an. 2020b Kleine Hoswohnungen, billig Swine- münderstraße 35 bei Hübncr._ Frdl. Schläfst, f. 1 od. 2 Herren bei Gärtner, Friedrichsbergerst. 24, H. IV. !?>ir denJnhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion demPnbliknm jici�eniiber keinerlei Verantwortung Theater. S o n n a b e n d, d e n 27. I u l i. Lriedr.-Miilirlmstädtischrr park. Berlin amiisirt sich. Klrnr» Theater. Tata-Toto. Aleranderplah- Theater. Liane, die ziveile Frau. pational» Theater. Berliner im Feuer und Wasser. Apollo- Theater. Ein Abenteuer im Harem. Flora-Tharlottenburg. Der Lootse. M. ponck's Kommertheater. Die Berliner Wäschermädel. National-Theater. Grobe Frankfnrterstraße 132. Direktion: Max Samst. Verlilm im Wer imii Wajser. Bolksfiück in 5 Akten und 7 Bildern von Fritz Schäfer. Musik vom Kapellmeister A. Wiedecke. Regie: Max Samst. Dirigent: Kapellmeister A. Wiedecke. Beleuchtuugseffekt vom Obermaschiuen- meister E. Lakowsky. Die wasserdichten Stoffe sind von der Firma Robert Reichelt. Fcuerwehrapparate aus dem Institut des Herrn Ingenieur Wieland. Wirkliches Feuer, wirkliches Wasser und Regen. Bons und Abonnements sind giltig. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Nationalkliestei'- Garten i Heute: Großes SommrrnachtsfeK. Gr. Konzert U.Spezialitäten- Vorstellung. Auftretend. Berliner Original-Komikers WiiKelm Frobel. Abds. 10 Uhr: Auftreten der Gedanken« leser„?l5 nnil Slacke!' Kasseneröffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Entree 25 Pf. Reservirter Platz 40 Ps. iFiieririch-Wilfielmstädtiscfier Concert-Park 25/26 Chanssee- Straße 25/26. Das Tagesgespräch Berlins ist? Berlin amiisirt sich. Seise« die(Sek. ___ Wasscrschauspiele. Der Katzentenor. Euglische Burleske. Die 3 Matadore. Der Favorit Blum. E n t r e e 30 P f. ReichshaBSen. Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal) Täglich: HWoristislhe Soittt HAMfldeutscIien Quartett- fiUl U il Couplet-Sänger Aufaug 8 Uhr. Eutree 30 Pi. Reservirter Platz. 50 Pf. Souutag»: Anfang 7 Uhr. Eutree 50 Pf., ab 0 Uhr 30 Pf. Die Verbitndeten van der Kanalfeier. Passage- Panopticimi: TllNtM Truppe: Schlangenbeschwörer, Arabische Schule, Bauchtanz er innen, Derwische etc. Castan's Panoptikum. Das Bärenweib. Ein Fing durch die Luft! Bestrafte weibliclie Eitelkeit. Co FrohBich's Gcsellschaftssäle und Garten Sohöubanser Allee 161. Jed. Sonntag, Dienstag u. Sonnabend: toneert, 8xeeislitÄt.-Vor8teUiiiiF. Anfang 7 Uhr. Entree frei. Sonntags Ans. 4 Uhr. Programm 10 Pf. Jed. Montag: Hr. Concert. Entree frei. Jed. Sonntag. Montag, Mittwoch: Bald Jeden Mittwoch: �inäertest. Eutree: Kinder 10 Pf., Erwachsene frei. Kaffeeküche täglich v. 2 Uhr ab geöffnet. Für Vereine u. Gesellsch. v. 200 Pers. Speziakitäten-Vorstellung frei.[28328 BeerdignngS Nachricht. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß die Beerdigung unseres Freundes Paul Kalbe am Sonn- abend, den 27. d. Mts.. nachmittags 5'/. Uhr, von der Halle des Neuen Schöneberger Kirchhofes, Maxstraße, aus stattfindet. 2Sg4b Charlottenbnrg. �oves-Anzeige. Den Mitgliedern des Sozialdemo- kratischen Wahlvereins hiermit zur Nachricht, daß unser treues Mitglied August Hartfiel uns am Mittwoch durch den Tod ent- rissen worden ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. d. M., nach- mittags 5'/- Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Louisen-Kirchhofs ans statt. Treffpunkt bei Wolter, Magazinstr. 15 um 4>/s Uhr. 252/2 Um zahlreiche Betheiligung ersucht _ Der Vorstand. Danksagung. Allen denen, welche meinen lieben Mann. den Zigarreumacher Carl Graf, zur letzten Ruhestätte begleitet haben, namentlich den Berliner Raucher- Bund und dem Rauchklub„Froh und Frei" meinen herzlichsten Dank. Dir Hinterbiiebrne». 2935b Emma Gras. ChNrlotkenduvg. Danksagung. Für die herzliche Theilnahme und reichen Kranzspenden am Grabe meiner lieben Frau unserer guten Mutter sagen wir allen Verwandten und Be- kannten unfern tiefgefühltesten Dank. Die traurrndrn Hiutrrblirbrnrn. 2S98b A. Schönfeld liebst Kindern. Uolksgapten (ehem. Weimann's Volksgarten) Grsnudbrniinrn. Kadstr. 56/57. Direktion: Max Samst. Heute: Grosses Tommcrnachtsfcft und ftallenlsclie Nacht verbunden mit Tanzkränzchen. Grosses Koiuert n. Theater-Vorstellung. Spezialitäten I. Ranges. Auftreten des beliebten Tanzkomikers Eugen Hilarcks. Chansonetten, Soubretten, Liedersänger, Luftgymnastiker zc. Täglich: Familien-Ball. Kasseneröffnung 5 Uhr.— Anfang des Konzerts 6 Uhr. Passe-partouts haben Giltigkeit. Entree 20 Vf. Res. V«. 40 Vf. Gebe den prachtvollen Weimann'schen Volksgarten an Vereine wochentags unentgeltlich ab. {[srk-Gsrteii. Äarlogarten straffe a. d. Hasenhaide (?lufgang Wißmann- u. Hermannstraße), l direkt am Moide gelegen! Jeden Sonntag: Erntefest. Angenehmer schalt. Aufenthalt. Volks belustigungen aller Art, als: Karouffel- fahren, 12 Schaukeln, 3 Wippen, Esel- u. Pony-Neiten n.-Fahren, Kaffeeküche. 3 Kegelb., groß. Tanz u. große Verloos. von Schinken, Speck, Wurst, Eiern zc. Hierzu ladet ergebenst ein R. Seyer. Sensationell 1 Heute zu sehen I Das Finish des diesjährigen Ensom Derby Sieger: Air Uisto zu sehen in voller Lebendigkeit in der SOM* WsM-Kinttosksp-MsßMg Friedrichstr. 65, nahe Hohrenstr. rior TVTurlr kosten 2 Kabinel. ifldl a. und 12 Visitbilder bei BShme, Lindenstr. 43. gegenüber der Z immer st raße. xg Kvhtungl Kein Eaden. Kontroll-Schrrbmarke. Nur eigene Fabrikation. 25 Zigarren 1 Mark. Garantie rein amerikanische Tabake. Rippeutabak 2 Pfd. 70 Psg. 2323 l.* H. F. Dinslage, Kottbuserstr. 4, Hof pari. Schuhe und Stiefel, größte Auswahl, billigste Preise, keine Bazarwaare, empfiehlt[25351.* W. lüUQßl) Schuhmachermeister, Königsbergerstraße13. Empfehle allen Freunden u. Genossen Schllh- v.Stiesel-Lllger. 2666L* G. KLrdel, Forsterstr. 5. Hosen! Hosen! billig Pfandleihe Skalitzerstr. 13. Reell und billig kauft man in der Norddeutschen Schuh- fabrik von V. Ritschhe, gegründet 1872, Skalitzerstr. 13, Ecke Abmiralstraße, am Koltbuser Thor. 1387L* BereinSzimmcr mit Piano zu ver- geben. Julius Böhm, 2924L* Frankfurter Allee 63, pari. Uereinszimmer noch einige Tage frei. W i tz s I, Alkerstraffe 145. W. Gründel's mit � Siliic Brunnenstr. 188 (150—500 Versouen), Vereins- »immer, Garten, franz. Killard. Einige Tage sind noch frei. Kasseeküche täglich von 3 Uhr ab geöffnet. Mail Berndt'8 Wrßelßllde empfiehlt nach wie vor allen Freunden und Bekannten seinen vorzüglichen Fnihstüchs., Mittags- und Abendtisch. Jeden Sonnabend von 6 Uhr ab: tk. Eisbeine. Für gute Biere ist selbst- verständlich bestens Sorge getragen. Um zahlreichen Besuch bittet Martin Berndt, Oranien- u. Üllexandrinenstraßen-Ecke Boltz' Sommergarteu Alte Jakobstr. 75. Täglich: Spezialitäten-Vorstellung. Bei ungünstiger Witterung i. Part.< Saal. Für Saison 1895/96 Säle zu Festlichkeiten u. Versammlungen. 2 Gärten, Kegelbahn, Tanzsaal, gute Getränke a.d.Norddahn und Küche empfiehlt den (im Dorf). Genossen A. Bergemann. Allen Freunden und Bekannten ein S ÄirönWe 78;r».S Kch->t.BckWitt-LM»"f garten u. Z Vereinszimmern m.Piauino (20— 50 Perl.).loh. Messmann Vereinszimmer, 20—25 Personen mit Piano bei 2373b Grube. Skalitzerstr. 146. Reßlniriint Sililgers heim. Ufodomstr. 33. Saal für größere Gesang- Vereine sowie neue Kegelbahn noch einige Tage frei. 2010b 0. OlbSter. Destillation billig zu verkaufen. Rainlerstr. 33. 2388b Destillation billig zu verkaufen. Näheres Krautstr. 2. 2893b Mein seit 5 Jahren flott gehendes Nestaurations- Geschäft beabsichtige ich sofort zu verkaufen. 2334b Bernhard Raabe, Ruppinerstr. 42. Restanration 2377b mit Garten, billige Miethe, nahe ver Ausstellung, bill. zu verkaufen. Zu erf. Liegnitzerftr. 30, im Gartenlokal. Destillation, nachweisl. gutgeh., bin gezivungen sofort bill. z. verk. Miethe 1200 M. Näheres Elisabelhstr. 34. im Cigarrenladen. 2897b Möbel-Karipepheit. Zum Umzug passendste Gelegenheit für Brautleute, Hotels u. Wiederverkäufer. In meinem gröfften Möbrlfpeichrr, llrue Königstv. 59, vor» I., sollen sofort ca. 150 Wohnungseinrichtungen, verliehen gewesene u. neue Möbel zu jed. annehmbaren Preise verkauft werden. Durch sehr große Gelegenheitseinkäuse zu fabelhaft billigen Preisen ist es mir möglich, schon ganze Wohnungs- Ein- richtungen sür 90, 150, 300 M. zu liefern, ebenfalls hochfeine Wirthschaften zu 1000 bis 5000 M., also billiger wie jede Kon- kurrenz. Theilzahlung gestaltet. Be- amten ohne Anzahlung, ohne große Preiserhöhung. Kleidersvind 15. Kom- mode 9, Küchenspind 12, Stühle 2 Mark, neues Nußb.-Kleiderspind 30, Muschel- spind 35 M., Bettstellen mit Matratzen, Keilkissen 18, Sophas 15 M., Säulen- Kleiderspind, hochelegant 56, Trumeaux mit Säulen 60 M., Cylinderbureaux, Herrenschreibtische, Damenschreibtische, Schrcidsekretäre30, Plüschgarniluren 60, neue 100 Mark. Paneelsophas, Chaise- longue, Salongarnituren. Portieren, Steppdecken, Tischdecken, Gardinen, Fenster 5 Mark. Empfehle allen Herr- schaften vor Einkauf von Möbeln mein entschieden größtes Möbellager zu be- sichtigen. Gekaufte Möbel können sechs Monate kostenfrei auf meinen Auf- bewahrungs-Speichern lagern, werden durch eigene Gespanne transportirt und ausgestellt. Achtung k* Achtung! Zahnersiitz. Theilzahlung gestattet, wöchentlich 1 M., wird abgeholt. Zahn- ziehen. Reinigen, Nervtödten umsonst. Guckcl, Lausitzer Platz 2, Elsasserstr. 12. Goldin-Remontoir- AnVor-Uhr flir Harren, eon echtem«olbt nicht ju unterscheiden, versende ich, fo lange der B-rrath reicht, ium Svottpreise von mir Ii. 4,50. Ooldir-Damen-Remontolr-Anker- Uhren a M. 5,50. Für guten Sang 2 Jahre Sarantte. Doiilln-Uhrkettaii für Herren und Damen 4 M. 1,60, Boldin-Ringe a u. 1,50, 0»t4i»-Armd»a4«r und Boldin-Broche« mit echten Corallen a«. 2.—. Ooldln-Ohrjo- hange mit echten Corallen i M. 150, Goldin- Cravatton-Nadeln mit(roeser achter Coralle i M. 1,50.«OeS in modern|ten gelchmail. nonen Faenn». Becland gegen Nachnahme oder vorher,«eideins. sanch Briefmarken) durch die sZinna: FoiUi'a Neuheiten-Ver- triel» in»restlcn A.'.>• ___ Herren-HUte 1,23-WM Einsegnungs« HUts 85 Pt. neueste Fagons verkauft das Fabrik- kom pt vir, jetzt Barnimstr. 4 u. 5 I Sonnabend, den 27. Juli 1895: Venetianische üaeht. Entree I Mark- Sonntag, den 28. Juli 1895: Grosses Festprogramm.— Eutree 50 Pf. Am Konntag Abend S Uhr wird stch der berühmte Kungerlliinstler Giovanni Succi im offenen Vaoillone in der Mähe des Cauale grande dem Vnblikum zeige» und verabschieden, um sodann in dem sorgfältig überwachten Veobachtnngs» zimmrr da» 30tägige Hnnger-Erperimrnt ansntreten. Ergebenst: Die Direktion der Ausstellung Italien. Bureau Bammelmeyer Neuestes Ensemble der altbeliebten stlevsol.pielro, Britto», Steidl, llrono, Böhl und Schräder. Täglich(außer Sonnabends): Iiiilsov- Strasse No. 111-112. Stettiner Sänger Täglich(außer Sonnal sieturia-Draiierei (Nahe Potsdamer Brücke.) Im herrlichen Konzert-Garten resp. Saal. Ansang Sonntag 7 Uhr. Kassenöffnung /IVa Uhr. Entree 50 Pf. Urkom. Sonntags-Programm. Grossartigster Lacherfolg. Nach der Soiree: T'an-krSn�ehen. Kontag: Victoria-Brauerei— Stettiner Sänger— Assembl<5e des beautes Berlin W,"Wf Herrn. Jmbs. Ostbahn-Park RQdersdorferstr. 71. Am KOstriner Platz. Theater- und Spezialitäten-Vorstellung. Eartrn-Conrert von der 24 Mann starken Hauskapelle unter Leitung des Musikdirektors W. Carlon's. Ansang Sonntags 4 Uhr. Eutree 20 Ps. Wochentags 5 Uhr. Entree 15 Pf.. wostr tin ClkS Bicr vttllbreilht ml Nolliobelnstigungr» jeder Art. 4 Kegelbahnen zur UerfLgung. Gut« Kiere. ausgezeichnet« Küche zu soliden Preisen. Schweizer Garten. 'gsthor. Täglich: Am Friedrichshain. Konzert und Vorstellung. Arn Königsthor. Hotte Matrosen.— Die Allertweitswittwe.— Ein moderner Rasirsalon.— Lebende Bilder u. Spezialitäten. Voliiobelnstiguugen und Kall. Von 5—7 Uhr: Freier Nrnnetttmez. Nach beendeter Inventur gelangen grosse Yorräthe meines seit 22 Jahren bestehenden Waarenlagers: 2932L* Teppiche, Gardinen, Leinenwaaren, Portieren, Steppdecken, Fertige Msche, zu aussergewShnlich billigen Preisen zum Amerlanf. Am Stadt- bahnlif. Börse. i. Brunn, Hackescher Ecke Nene Markt 4. Promenade. SSä HntSazar. |föcrint2,70|U.! Hochelegante Ausstattung. Oscar Puseh Brückenstr. lOi !! Teppiche!! Eine große Partie Teppiche mit kleinen Farbensehlern in vorwsuia, Brüssel und Plüsch zu spottbilligen Preisen. Größel33XL00em— 3.-. 5,-. 8.°°M. 170X250„—5,7°. 11.«°. 13.°°„ . 200X300„—3,°°, 13,—, 17,— Purtiertii sttpiikifn s.;;,in.6Bo"Ä das Stück 5,50 M.[89M Otto Büctaler, Berlin C., Königstr. 26, Ki.llef.tr. Versand-AbtheUnng O. Die Freude der Hausfiraul Ich versende alsSpa- oialitdt meine ScEGelilrgsMlilelieii 74 cm droit lür IS II., SO cm breit Ihr U U., mein» ScM.GeMrssrelilelEen J 78 cm breit für 16 M., 1 83 cm breit für 17 II., I das Scbook SS1). Meter I bis zu den feinst. Qual. Speo. Musterbuch von samratlicb. Leinen-Artikeln, wie Bettzüohen, Inlette, Krell, Hand- u. Taschentücher, Tisohtüch., Satin, Wallis, Plqud-Barohend etc. etc. franco. J. GBUBERf Oher-Qlogau I. Sohl Ml ilitftl, Runge, Adaibrvtstr. 86,[2368b Fever-, Ltbtlls-Zllts-Berfter. Karl Metzer, a. d. Stadtbahn 23, H. Billigste Berechnung. Agenten auch bei Gehalt gesucht. 2330L* Killigste Schnhmaare» aller Art im Einzrlorrliaus zu streng reellen Engros-Vreisrn namentlich für Leser des„Vorwärts". Rosenthala Landsbergerstr. 76 I. 2906L* Verband der Möbelpolirer. Montag, den LS. Juli, abends 8 Uhr, Grcnadierstr. ZZ: GenevAl� Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstands, Kassirers-c. 2. Anträge. 3. Verschiedenes. iSSF"®a mehrere Kollegen ans der Bibliothek entnommene Bücher länger ols S 2 dies gestaltet, beHallen haben, so werden dieselben hiermit aufgefordert, Bacher morgen Sonntag abzuliefern, widrigenfalls ihre Namen veröffentlicht werden. 145/4 Der Vorstand. Tkutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) �onntng, d«» 38. Juli, vormittag« 9'/- Zlhr, im Fokal» d»« Herrn Sehäning, Stallschreiberstra st e 39: UtWimlung der WWeMknieger. Tages-Ordnung: Der Stand de» Streik« bei Rosenfeld � Co., Hoflieferanten. Parquetbodenleger werden aufgefordert sämmtlich zu erscheinen. _ Die Ortsverv/altung. Uerdanil aller in der Meillkiltiillstrie besGstigtell Arbeiter __ Kerlin« nnd Umgegend. Montag» de» 39. Juli I89S. abend« 8'/- Uhr, im F-nisenstadtischen Konierthauo, Alte Jakobstr. 37: S? General-lfersaBTBmSung. � Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Bestätigung der vor- geschlagenen Beisitzer. 3. Der Streik bei der'taxameter-kesellsobatt und die blassregeluug bei der Dirma Lokal. 4. Beschlußfassung über ein abzu- haltendes Wiutervergnügen. 5. An den Vorstand gelangte Anträge. ZM" NHn» Mitgliedskarte kein Zutritt.-NE 110/4 _ Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. TextlBarbelteBV Filialen I. II. III Berlin. �7/1 Sonnabend, den 37. Juli, abends 8 Uhr, bei nslnil, Meinstr. 11: SM" Verkummlung."MZ Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau Ibrer. 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl zum Zentral-Vorstand und Ausschuß. 4. Verschiedenes. Nach der Versammlung: Gemüthiilhe« Krisammensein mit Taut. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. T r e)t f d|n R. Hoblwein's StglirschlöW», � V � v SV« 1. Station für Fnstpartien k., Gr. Weiße 20 Pf. Köynirker Fandstraste. Lagerbier 5. Seid. 10 Pf. Gr.Garteu. Kegelbahnen WichshW Schmargendorf,�«�:.«! unmittelbar am Grunewald, mit schattigem Garten. ranuIien-RakieoKiiobe. Keden ßU w»» Saal» 200 Personen fassend und Uereinozimmer zu Sonntag:«H»-OHU* Versammlungen und Festlichkeiten. W. Schulze. ReftUllllt Silllssomi, Schlillirgelldörf Ruhlaerstr. 20/21(neben dem Schützenbaus), direkt am Wald, mit großem schattigen Naturgarten und angrenzender Wiese als Spielplatz. Uorzüglich» Speisen und Getränke zu zivilen Preisen; große Kaffee- Küche, 3 gute Kegelbahuen, Nolksbrlustiguugen aller Art. 400 Personen fassender Parquetsaal zu Versammlungen und Festlichkeiten. �-fliYll'»'ter Leitung des Tanzlehrers Hrn. Koidsohmidt �vllillllljö« vl/lb»(Mitglred des Tanzlehrervereins„Solidarität"). Ilm regen Besuch bittet flllreel Malitz(früher Berlin. Annenstraße 37) SchmöMWitzJ WBKamrmn+mmianrm™ if Siljlilailijfs GesellslhiistshNs. Kr. Säle. Herrlich. Karten am Wasser Vorz.Dier. Gute Speisen U.Getränke. PriorfrifhcInflPII P3"1 sPind,ep» Wilhelmstrast- Ur. 97, £ rechts die Linden-Allee entlang, empfiehlt den Genossen sein Meist- nnd Kairisch- Kier- Lokal, Garten und Kegelbahn.___ 28018 /kl I X k«* � f k � SS"(Kahnstation SchmöckWih)-ME Wlywlllde, M.SmWmss Kaffeeküche, 3 Kegelbahnen; gute Speise» u. Getränke zu soliden Preisen. Friedrichshagen, Restaurant und Garten Tun Tängsi'KsiIIe, Friedrich- Straße Ur. 58, 2 Minuten von der Bahn. 285 ih Gute Speisen und Getränke zu billigen Preisen,»ante«etttnann. Zum musikalischen Emil, _'■ Friedrichstraste 10. Den werthen Besuchern von Friedrichshagen empfehle ich mein Lokal aufs m»- gelegentlichste. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. Emil Zademack Frledrlchshagein. Grünau. R. Liedtke's Bestaurant Wilhelm- n. Friedrichstr.-Eche. Sonnabend, 27. Juli: Gr. Sommer- u. Kinderfest, verbunden mit Gratisverloosung und llcberreichung einer Stocklaterne. Kinder- Facleltanz u. Belustigung.— Von 4 Uhr ab: Kr. Garten-Konzert einer renomm. 20 Mann starken Kapelle.— Abends: Loinmernachtsball. Entree für Erwachsene 25 Pf., Kinder 15 Pf. Herren, die am Tanz theilnehmeu, zahlen 30 Pf. nach. Jeden Sonntag: Krasser Ball.-Mß_ 2S73L Heul© ErMfiiäiiig des M�sscha�ks vom Brauhaus Hohen- Sehönhausen Ecke Alexander- und Kaiser-Strasse. Oekonom: E. Schneider. Aeitaütaltt„�uni �eMener See". Inhaber: Ernst Kilntzel. Statio» Zeuthen(Görliyer Bahn). NV" Vorzüglicher Ausflugsort für Landpartien, größere Gesellschaften, Vereine:c.— Angenehmer Anienthalt an Wald und Wasser.— Tainsaat— KjUarda— Kegelbahneu— Kaffeeküche.— Große Anlegebrücke für Dampfer und Segelboote.—«D. Zu erreichen per Bahn, Wasser und Ehaussee. Kekanntmachnng herLrts-KrililkeilklljseiierBilh- hailer, Stillkateilren.l>trVii'.il>t. Ceiverbe zu Vcrltt!. Vunkter Nachtrag zu unserem Statut. Die von der Generalversammlung am 13. April 1895 beschlossene Statuten- änderung der§tz 13, 16, 17, 2P �nd Streichung des Z 63 hat dre Ge- nehmigung des Königlichen Bezirks- ausschusses am 10. Juli 1895 erhalten. Demnach kommen, nach Aendernng des § 13, die Sonntage als Unterstützungs- tage in Wegfall. Dieser Nachtrag tritt am Tage der Bekanntmachung in kraft.(Sobald der Nachtrag ge- druckt ist, wird er unseren Mitgliedern übersendet.) 20/7 Berlin, 26. Juli 1895. Der Norstand. I. A.: I. S ö f n e r. Franen-BegrahnisiskALse der Schriftgiesser-Gehilfen zu Berlin. 2389b Generalversammlung am Montag, den 5. August d. I., abends 6 Uhr, bei Zimmermann, Wilhelmstr. 2. Tagesordnung: l. Halbjahres- Bericht. 2. Verschiedenes. Oer Vorstand, I. A.: R. Jost. IV. Naclitrag zum Statut der Ortskrankenkasse der �igairenmacher, Zigarrensortirer und deren gewerblichen Bilksardeiter zu Berlin. Artikel I. Der§ 29 erster Absatz erhält folgende neue Fassung. Die wöchentlichen Beiträge betragen: 1. für die Mitgl. d. l.Kl. wöchentl. 57 Pf. 2.„„,„ 2..„ 54„ 3-»»«» 3.„„ 30„ � w» ff � ff« 27„ b»»»» b.„„ 21„ Artikel II. Dieser Nachtrag tritt am Montag nach erfolgter statutenmäßiger Bekannt- machung in kraft. Berlin, den 15. Mai 1895. Der Vorstand der Ortskraiikenkassc der Zigarren- macher, Zigarrensortirer nnd deren gctverbl. Hilfsarbeiter zu Berlin. Heinrich F r a n ck, Vorsitzender. Sebastian Gräbel, Schriftführer. Vorstehender Nachtrag wird hier- durch genehmigt. Berlin, den 17. Juli 1895. Der Bezirksausschuß: K a y s e r. J.-N. 2665_ s2387b Achtung! Parquetbodenleger! Die Kollegen der Firma Rosen- seid«. Co. haben wegen Lohn- reduktion die Arbeit niedergelegt. Zuzug fern halten. Ferner find folgende Bauten wegen obigen Streik für die Bodculeger ge- sperrt: Schönebergerstr. 33, Gormann- strafie 3—3, Altonaerstrafie 19, Oranicnstr. 40—41. Wir bitten sämmtliche Bauhand- werker, welche in genannten Bauten arbeiten um Unterstützung unserer Bestrebungen. 76/11 Die WerksfaU-Kontrollkommlssion des deutschen Holsarbeiter-Verbandes. ICiRdei* wagen M billig u. gut, auch geg. Theilzahlg. v. 1 M. wöchentl. Alte Wagen nehme in Zahlung. Kataloge gratis...Bazar B a b y", Lands- bergerstraße 70, am Alexanderplatz. M. W. Walter iitwüs'"••ssf.r"- Feinste Naturbutter 85, 90 u. 95 Pf. Feinstes Speisefett 2 Pfund 75 Pf. Kirsch- und Himbeersaft 2 Psd. 75 Pf. Feinen Zu cker 2 Pfund 45 Pf. Bester Apfelwein 1 Fl. 30, 2 Fl. 55 Pf. Sämmtliche Mühlensabrikate billigst. Bestes Salon-Oel 1 Liter 19 Pf., Petroleum 1 Liter 17 Pfi_ 28508 Carl Schindler Likör- gJäL, Fabrik. Chausseestr. 55. Amt III. 8917. empfiehlt und liefert nur gute Fabrikate. Schuh n. Stiefel mit Kontrollmarke. Empfehle mein Schuh- und Stiefel- Geschäft.[1462L* Louis Zaake, Küstriner Platz Nr. 8. Buchhandlung des„Vorwärts" Berlin SW., Beulh-Slratze 2. -- s Soeben ist in neuer Auflage erschienen: 233/3 Gewerde-Ordnilni! für das DelltscheRtich 406 Seiten, preis Ulk. 1,20. Porto 10 Pfg. Diese, um e»/» Bogen verstärtte Neuauflage enthält im Anhange sämmtliche bts heute erlassenen Ausführungsbestimmungen, u. a. auch die Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsarbeit, für jede einzelne Jnduftrtegruppe in tabellarischer Form übersichtlich gruppirt. Wie für das Sesey selber ist in dieser Neuauflage auch für den Anhang ein eigenes Sachregister und Inhalts- verzeichniß angefügt und damit der Werth dieses für jeden Arbeiter und Ssschäfls- mann unentbehrlichen Buches wesentlich erhöht worden. Als zeitgemäße Agitationsschriften empfehlen wir: Zur Erinnerullg für die deutschen MrdsMtnotev. Von S. Borkheim. Mit Einleitung von Friede. Engels. 68 Seiten Oktav, preis 25 pfg. Porto 5 Pfg. Der Mythus vou der Vegrundnng des Deutschen Reiches. Eine historische Skizze von H. Müller. 39 Seiten Oktav, preis 15 pfg. Porto 3 Pfg. - Die Emser Depesche. Von Wilh. Liebknecht, preis 30 pfg. Segsnüber den jetzt anläßlich der so jährigen Gedenkfeiern des 7»er KrZigeZ und der NetchSgründung von der sogenannten nationalen und patriotischen Presse systematisch verbreiteren Beschichtslügen empfehlen wir obige Schriften zur weitesten Verbreitung. ArbeiterHarteigeuoffkU, nur Hüte mit Kontrollmarke. Herren- Hüte 2,—, 2,50, 3,— u. s. w. ff. Haarhüte von 5,— an. Cylinderhüte von 4,— bis 12,—. Knaben- Hüte von 1,— an. Betrug ausgeschlossen, da ich nach- weislich nur Hüte mit Marke führe. Otto Gerholdt, (OrSljftff. Lager in Dame«-«. Kerrrnschirmen. Streng reelle Berlienung, MiSchulineister Schneidermeister, Dresdener-Strasse 4, KottMser Thor,' empfiehlt zu außergewöhnlich billigen Pressen nachstehende Spezialartikel: Blstikt-Aeitzl ÄTT"... m. ll-kl I ,,.— in glatte» Diagonal-, Kamm- \S Wet-AllWe garn-.Satin. u. Cheviot-Stoffen. � � zg.ZZ i -. nr„ modernster Farben in Satin- u."" �llljUtt-Auznge®�eoioti®toffen' ele9- M-Mniiirti» 9"teii, wollenen, schwarz. Kammg.- '/tUlstlsti u. Satin-Stoffen, moderner Fa�onl Rsls'ÄUjUßt Farben, elegante Schnitt Satin-Stoffen, moderner Fayons >dernsi Faxens WrAMliUl ZJSZSSSi t&,T. echtfarbig in Satin und Diagonal ichochf.Kammg.- u�Cheviot-Stoffeu Sackfa�ons, ohne Naht �tlUsstidkk' wollenen Stoffen, versch. Farben, Kammgarn und Cheviot 25-38 30-42 30-45 15-30 20-35 18-27 5-10 6-14 2-5 1-6 kleidsamer Fa�ous in großer Auswahl. 2-5 Krinklridrr in engl. Stoffen und engl. Fa?ons Setnktridrr in echt farbigen Waschstoffen.. Knusjoppr». Lüster- und Eachemir Zlaii«etts Auabeupilletots, Kuubtuunzüge Schulanfüge in Waschstoffen, echtfarbig in Joppen und Jaquettfa�on............ Schulanziigr in Cheviot-, Velour- und dauerhaften Zwirn- Stoffen, I- und 2reihig........) Bestellungen nach Maass von englischen, franzSsischon nnd deutschen Stoffen Verden in eigener Werkstatt unter meiner persönlichen Leitung gut nnd billig ausgeführt. BegTÜTttÜlWr'des Geschäfts 1878. Große Kerlwer Schneider-Akadenlie. Berlin 6., Rothes Schloss nur No. I. 2917L* Groffte und besuchteste Fachschule; aUeiuiger Unterricht nach der unüberfreffbare« und allgetnein al« beste anerkannten Methode Kuhn. Mirktiche Garantie für gediegene theoretssche und besoitder« praktische Ansbildnng in der Herren-, Damen-«nd Mäscheschneidrrei. Kostenfreier Stellennachweis. Prospekte gratis.— Genpfehlensmerth: Lehrbücher für Herren- und Dnmenschneiderei.— Man beachte genau unsere Firma nnd Hausnummer: nur Ho, I, Die Direktion. Uta,ytam.M8N!l!ö Ä. Strassbnrger Nach! _ 49, Brunnenstrasse 49. Repavattlrwerkstatt im Hause, IMS daher schnell nnd billigst. 2717L' Achtung! Kausen Sie»ur echte Peanntweine alten Nordhänser, Cognak, Rum, Arrak. B. J, Engeike, Nene Jacobstr. 26. Kleinverkauf von 10 Pf. ab."WilZ IWöbel, Spiegel u. Polsterwaaren. Reelle Waare in Nußbaum u. Mahagoni. Küchrnmöbrl. Franz Tutzaner, biS™."; Verantwortlicher Redakteur: Max Pfund in Halensee. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.