♦«g.Tmyrg. Ausgabe A Nr. 12$ Bezog SvreiS: BMoriTidi TD Vfen»!«. autuOi Z,— Reichsmar! ootoua»obNxrr. Unter Rteujbnnb für SeutfAIanö, Saniiff. Soor- und Memrluebieu Orflertcid). Litauen. Luiembuti *20 Relchsman. für da» übri«, Dluslaud 5,50 Reichsmark uro Monat. Der JBotiDart** mit der Sennta«» Keila»-.Boll und Seit* mit.Sied. tun« und«leinaarten* fowie der Beilaae»Unterdaltuna und Wissen* und grauendeilaae..lfrouenltiMme* erscheint wochentiialich»weimal. (.onntaa» und Montau» einmal. Telearaunn-Adresse! .«ntaldemOkrat DerN»* Konntagsausgabe Vevlinev VoMsblstt Pkskmig� Anzer-lenvrelfe: Die e i n f n a 1 1 1« e Nonuareiü«. teile 80 Pfennia. RcName,eiI« S,— Re.ichzinark...«leine ÄN, eigen* da» fellaedruckte Wort 28 Pfennil tzuläMo nwci teüaedruöte Worte». iede» weitere Wort l2 Pketiniz, Ktellenaefuch« das«rite Wort lS Pkenni«. iede» weitere Wort 10 Diennia. Worte Uder 18 Buch« staden zählen iür zwei Worte. Arbeitsmarkt Seile 80 Pfennia. ssamilienanzeiaen für Abonnenteu Seile 40 Diennia. »nteiae» für die nüchüe Nummer müssen bis 4th Uhr nachmittag« im dauvtaeschäft. Berlin SW 8». Linken» ürasse D, abaepeben werden. Geäiinet von 8'� Uhr früh dl» 8 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdcmokratifcben Parte» Deutfcblatids Neöaktion und Verlag: ö erlin SW. 6$, ilindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Sonntag, den BO. Mai 1946 Vorwärts-Verlag G.m.b.H.» Serlin SW. 68, �indenstr.Z BostschoNont«:«erlln 31 53t— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestelten und Beamten,«elstr. 85; Dinkonto-cheselschaft. Deposstenkasse Linden ftr. I. pilsuöskis Wahl gesichert. Montag Nationalverfammlnng. D a r f ch a u, 20. Mal.((Eigener Drahtbericht.) Minister- Präsident Barkel hatte für heute nachmittag Vertreter aller Parla- mentsfrattionen zu sich eingeladen. Auch Marschall P i l s u d s k l ■erschien in dieser Besprechung. Vorher jedoch hatten die Vertreter der Vationaldemokraten. einer chauvinistisch-reattionären Rechtspartei, nach einer Besprechung mit Bartet die Sihung ver- lassen. Dagegen nahmen die Vertreter zweier anderer Rechts- Parteien, nämlich der christlichen Demokraten und der Bauernpartei Viast auch weiter an der Besprechung keil, p i l s u d s t i hielt eine lange Rede, in der er seine Ansichten über die Funktion des Präsidenten der Republik entwickelte,«kr sprach sich, wie schon vorher in mehreren Erklärungen, dafür aus, daß sowohl die R e ch t e wie die verautwortung des Präsidenten erweitert werden sollen. Die Wahl Pilsudskls gilt für ganz sicher. Außer den Linksparteien hat sich auch die jüdisch-bürgerliche Araktion. die ZS Mitglieder zählt, einstimmig für die Wahl Pilsudskls ausgesprochen, nachdem der Ministerpräsident den Vertretern des jüdischen Verbandes erklärt hatte, Pilsudski wolle in liberal st er weise die in der versasiung gewährleisteten Rechte der Minder- heitsvölker wahren. Auch eine Gruppe von führenden Wlrtschaslsleuten, die nicht zur Rationaldemokratischen Partei gehören, Hot eine Erklärung zugunsten der Wahl Pilsudski» verössenllicht. Die für jede gültige Kandidatur erforderlichen Unterschristen sind von den Linksparteien für die Kandidatur Pilsudskls bereits ausgebracht. Die Rechtsparteien hoben bisher einen Kandidaten nicht namhaft gemacht: e» scheint, als ob sie damit erst im letzten Augenblick und nur in demonstrativer Absicht herauskommen wollen. Die Ralionalversammlung tritt Montag vormittag 10 Uhr zusammen. Sie besteht aus den 444 Sejm- und den 111 Senatsmitgliedern. Zur Beschlußfähigkeit genügt die Anwesen- heil der hülste. Pilsudski Hot schon einmal, und zwar noch dem Zusam- menbruch der Okkupation der Zentralmächte, an der Spitze des polnischen Staates gestanden. Der noch von den Zentral- mächten eingesetzte Regentschaftsrat hatte abgedankt und Pilsudski die oberste Gewalt übertragen. Abgesehen von dieser formell-rechtlichen Verbindung mit den von den Okkupations- mächten eingesetzten Gewalten kann Pilsudski aber in Anspruch nehmen, krast revolutionären Rechtes des befreiten Volkes.zum Staatschef berufen worden zu sein; es ist keine Frage, daß er auch ohne den Schritt des Regentschaftsrates damals an diese Stelle gelangt wäre. Pilsudski errichtete keine Diktatur, was er damals wohl gekonnt hätte, sondern berief eine Regierung auf demokratischer Grundlage und ließ die Wahlen für eine Verfassunggebende Versammlung vor- nehmen. Dieser stellte er im Februar 1919 sein Amt zur Verfügung, erhielt es aber unter Ovationen zurück. Er hat sein Amt bekleidet bis zur Neuwahl des polnischen Sejms, also bis Ende 1922. Während Pilsudski selbst also nicht durch Volksabstimmung oder Parlament förmlich gewählt worden war, auch niemals den Titel„Staatspräsident", sondern den Titel„Staats- ch e f" geführt hat, machte sein Rücktritt die erste Präsidenten- wähl nötig. Die Sejmwahlen 1922 hatten die Mittelpar- teien völlig aufgerieben: weder die Rechte noch die Linke, zu der damals noch Witos' Bauernpartei zu rechnen war, hatten für sich eine Mehrheit, da im Sejm außerdem noch mit rund einem Fünftel der Mandate die Vertreter der nationalen Minderheiten saßen. Die Rechte bemühte sich vergeh- lich, ihren Kandidaten durchzubringen. Es wurde vielmehr mit den Stimmen der Linken und der Minderheiten der Minister für öffentliche Arbeiten, Narutowicz, gewählt. Pilsudski selbst lehnte eine Wahl ob. Schon damals spielte die Frage der Spitze der Heeresbehörden und des Oberbefehls eine Rolle. Pilsudski war mit den geltenden Gesetzen hier» über nicht einverstanden. Wichtiger für seine Ablehnung war aber, daß er durch die F o r m des gegen ihn von der Rechten geführten Kampfes verbittert war und dos repräsentative Amt des Staatsoberhauptes seiner aktiven und impulsiven Natur überhaupt nicht lag. Narutowicz, ein fähiger und tüchtiger Mann wurde wenige Tage nach seiner Wahl von dem nationalistischen Fanatiker Niewiadomski ermordet: der Mörder, der seine Tat mit dem Tode büßte, ist heute der Held der faschistischen Rechten. An Stelle des Ermordeten wurde mit der gleichen Mehrheit Wojcjechowski gewählt, der nun sein Amt niedergelegt hat. Wojcjechowski war ein alter Kampfgenofle Pilsudstis aus der Zarenzeit. Persönliche Be- deutung besaß er nicht. Ueberdies hat er sich allmählich in konservatw-klerikaler Richtung gemausert. Tie Lpfer der Ttrastenkämpfe. warschoa, 29. Mai.(OE.) Die Zahl der Opfer der Warschauer Kämpfe beläuft sich nach Angaben des polnischen RotenKreuze» auf 374 T o t e und 711 Verwundete: davon entfallen 179 Tote und 122 Verwundete auf Zivil Personen, wovon nicht wenige von den Fliegerbomben des General» E a g u r s k i getroffen wurden: Sagurski sitzt mit anderen Witos-Generälen gefangen, sie sollen vor das Kriegsgericht kommen. In diesen Ziffern sind die- jenigen Personen nicht berücksichtigt, die nach erfolgter Genesung die Krankenhäuser verlassen haben, auch nicht diejenigen, die sich in privater Behandlung befinden. ?in rechtswidriger Racheakt geplant. Kowno, 29. Mai.(OP.) In W i l n a sind 15 ehemalige litauische Soldaten verhaftet worden. Sie sollen wegen H o ch v e r- rat» vor ein polnisches Gericht gestellt werden, weil sie, ob- wohl aus dem jetzt zu Polen gehörenden WUnagebiet stammend, im litauischen Heer gedient haben. Nach litauischer Auffassung ist eine solche Anklage undenkbar, da die betreffenden Personen vor der Besetzung Wilna» durch die Polen in der litauischen Armee gedient haben. Amnestie für öle Zrankenfälscher! Tie Krönung der Justizkomödie durch Horthy. Budapest. 29. Mai.(TU.) Die Zeitung„Magior Otszag' meldet, daß der ungarische Reichsverweser horthy zum 29. August. dem 40 0. Zahrestage der Schlacht bei Mohasz. in der der letzte ungarische König Ludwig II. gegen die Türken unterlag, eine ollgemeine Amnestie erlassen werde. Diese soll sich aus alle Verbrecher beziehen, die Zuchthausstrafen von nicht mehr als 5 Jahren erhallen und die ihre Straftaten nicht au» ge- meiner Habgier begangen hoben. Zn politischen Kreisen verlautet. daß in diese Amnestie auch Prinz windischgrätz. Radossy und die anderen im Zrankenfälscherprozeß verurteilten einbezogen werden sollen. Was ist mit Srastlien? Montaroyos bestreitet eine Aendcrung in Brastliens Stellung. Pari», 29. Mai.(MTB.) Der Vertreter Brasiliens bei den Völkerbundsverhandlungen über die Erweiterung des Völkerbunds» rates, Montaroyos, Hot dem Genfer Vertreter der Agentur huvas über die Lzaltung Brasiliens eine Erklärung abgegeben, die offenbar veranlaßt ist durch eine Meldung, die durch einen Teil der. französischen Presse gegangen ist und deren Ursprung nicht festgestellt werden kann. Nach dieser Meldung wollte man eine gewisse Aenderung in der Haltung der brasilianischen Regierung festgestellt haben. Montaroyos erklärte: Erstens habe der brasi- lianische Delegierte beim Völkerbund Mello Franca weder mit dem deutschen Botschafter v. H o e s ch, noch mit dem Grafen B e r n st o r f f, den er überhaupt nicht kennt, eine Unterredung gehabt. Er, Montaroyos, habe nur Gelegenheit gehobt, am Schlusie der Perhandlungen de? Völkerbundsausschusie» Herrn o. H o e s ch persönlich zu erklären, daß er die von ihm abgegebenen Versicherungen wiederhole und verschärfe, nämlich, daß Brasilien in keinem Augenblick daran gedacht habe, sich der Zulasiung Deutschlands in den Völkerbund zu widersetzen, und daß in dieser ganzen An- gelegenheit Brasilien stets sowohl im März, wie im Verlaufe der Verhandlungen des Prüfungsausschusses einen grundsätzlichen Standpunkt eingenommen und nur die höheren Interessen des Völkerbundes im Auge gehabt habe. Zweitens, bleibe die von Brasilien in der Frage der Zuteilung ständiger Sitze eingenommene Haltung unverändert. Es stehe dem Präsidenten der brasilianischen Republik allein zu, diese Haltung zu ändern. Die ständige Vertretung Brasiliens beim Bölkerbund unter der Leitung von Mello Franca habe indessen vom Präsidenten der Republik keine neue Anweisung erhalten, die es ihr gestatte, irgend eine Aenderung ihrer in dieser Angelegenheit eingenommenen Hol- hing herbeizuführen. Der Havasverireter fügt diesen Aeußerungen hinzu, daß Graf Bernstorff seinerseits in Abrede gestellt habe, irgendeine Besprechung mit Mello Franca gehabt zu haben. « Diese Erklärimg richtet sich gegen die auch von uns in unserer Sonnabend-Abendausgabe wiedergegeben« Meldung der Pariser Blätter„Quotidien* und„Oeuvre", wonach Brasilien durch seinen Vertreter in Gens ausdrücklich hätte erklären lasten, daß es keine Schwierigkeiten mehr gegen die Ausnahme Deutschlands im September machen würde. Jetzt soll das alles wieder nicht wahr sein, vielmehr habe der Präsident der brasilianischen Re- publik keine neuen Instruktionen gegeben und folglich bleibe alles beim alten. Wenn Brasilien Wert darauf legt, aus dem Dölkerbundsrat hinausgejagt zu werden, dann mag es im September die gleiche.Haltung einnehmen wie im März. Die Welt wird es nicht dulden, daß die soeben durch die Etudienkommission erzielte Eini- gung wieder einmal von Brasilien sabotiert werde, und zwar durch den Eigensinn jenes Präsidenten Alvarez, der selbst auf dem 2lussterbeetat steht, da seine Amtszeit demnächst abläuft. Drei Wochen Kampf! Um die 29 Millionen für den Volksentscheid. Von heute in drei Wochen fällt die Entscheidung. Rund vierzig Millionen deutscher Männer und Frauen sind aufgerufen, zu entscheiden, ob die Milliardenwerte, die sich im Besitz der Fürsten befinden, dort verbleiben, oder ob sie in das Eigentum der Allgemeinheit zurückkehren sollen, dem sie entnommen sind. Wer ruft zu diesem Volksentscheid? Keine Behörde tut es! Das Reichsministertum des Innern vollstreckt nur den Willen jenes Volksteils, der nach verfassungsmäßigem Recht das ganze Volk zur Stimmurne ruft. Zwölfeinhalb Millionen Wähler und Wählerinnen haben durch Unterschrift ihren Willen bekundet, daß die Fürsten enteignet werden sollen. Nun richten sie an die übrigen siebenund- zwanzigeinhalb Millionen die Frage, ob sie mit diesem Vor- schlag einverstanden sind oder nicht. Der 20. Juni soll die Antwort bringen. Rund zwanzig Millionen Zettel mit einem Kreuz unter dem„Ja" sind not- wendig, wenn die Bejahung rechtskräftig werden soll. Rund siebeneinhalb Millionen müssen noch zu den zwölfeinhalb, die das Volksbegehren unterschrieben, dazugewonnen werden. Das ist die Aufgabe. * Der Streit, ob das begehrte Gesetz verfassungs» ändernd ist oder nicht, ist heute praktisch bedeutungslos. Die Regierung Luther hat das Gesetz für verfassungsändernd erklärt. Würde eine spätere Regierung das Gesetz als nicht verfassungsändernd betrachten, also seine Verkündung durch den Reichspräsidenten auch dann befürworten, wenn weniger als die Hälfte der Stimmberechtigten dafür gestimmt hätten — was würde die Folge sein? Die Fürsten würden auf Her- ausgäbe der Güter klagen und vor den Gerichten die Rechts- Wirksamkeit des Gesetzes bestreiten. Das Ergebnis wäre leicht vorauszusehen. Auf keinen Fall wäre aber dann der Endzweck erreicht. Der Weg zur Justiz wäre den Fürsten nicht gesperrt. Statt einer klaren endgültigen Lösung gäbe es endlose Prozesse. Also nur dann ist das Ziel erreicht, wenn es am 20. Juni wirklich gelingt, rund 20 Millionen Stimmen für die Enteignung der Fürsten aufzubringen. Die notwendige genaue Zahl, die die Hälfte der Stimm- berechtigten darstellt, ergibt sich aus den Stimmlisten. Soll also die Sache des Volksentscheids nicht ungerechterweise be- nachteiligt sein, dann darf auf der Stimmliste kein einziger stehen, der nicht auf sie gehört. Stün- den beispielsweise in den Stimmlisten des ganzen Reiches eine halbe Million Toter oder anderer Personen, die nicht mehr in die Listen gehören, dann würde die notwendige Zahl der Jastimmen um eine Viertelmillion höher erscheinen, als sie in Wirklichkeit ist, und das Ergebnis könnte in sein Gegenteil oerwandelt werden. Ohne gründliche Bereinigung der Listen kein ehrlicher Volksentscheid! * Ist das Gesetz vom Volt angenommen, dann muß es auch d u r ch g e f ü h-r t werden! Theoretisch besteht allerdings die Möglichkeit, daß der Reichstag ein Gesetz beschließt, das das vom Volk beschlossene Gesetz aufhebt. Aber das würde, wenn nicht dem Wortlaut, so doch dem G e i st der Verfassung wider» streben, nach dem der Wille des Volkes oberstes Gesetz ist. Außerdem könnte keine Partei eine solche an einen S t a a t s st r e i/h grenzende Abstimmung wagen, ohne fürch- ten zu müssen, aus den nächsten Wahlen dezimiert zurück- zukehren. Durchführung des Gesetzes bedeutet nicht, daß die Fürsten, wie die Gegner sagen,„bis aufs Hemd ausgeplündert werden". Das Gesetz schsießt nicht aus, daß den Enteigneten, falls sie sonst in Not geraten würden, etwas belassen wird, aber das wäre dann freilich nur auf dem Wege der Schenkung möglich. Erfolgte eine solche Schenkung aus öffentlichen Mit- teln, so würden diejenigen, die sie bewirken, vor dem Volke die Verantwortung dafür tragen. Abgesehen davon haben aber auch die Monarchisten selber die Möglichkeit, nach einem erfolgreichen Volksentscheid ihre Treue zu ihren angestammten Fürstenhäusern einmal mit klingender Münze zu beweisen! Das scheint uns über- Haupt als die beste Lösung des Problems, daß diejenigen, Re den Fürsten ein Herrenleben sichern wollen, auch freiwillig die Kosten füs dieses Herrenleben aufbringen. Wunderbor, höchst wunderbar, daß dieser doch so naheliegende Gedanke in den Kreisen der Königstreuen so gar keine Wurzeln fassen will! * Die Kommuni st en sagen:„Wenn das Volk das Gesetz auch annimmt, so wird es doch nicht durchgefiihrt werden. Und sie freuen sich jetzt schon, uns dann vorhalten zu können: ,La habt ihr eure Demokratie!" Ob die Prophezeiung falsch oder richtig ist, wird die Zukunft zeigen, aber daß die Logik brüchig ist, sieht man schon jetzt. Nichtausführung eines vom Volk beschlossenen Gesetzes ist ein Schlag gegen die Demokratie. Kampf für feine Aus- fuhnmg ist ein Kampf für die Demokratie. Niemand von uns sagt, daß die Demokratie an sich schon die Erfüllung letzter Wünsche ist, niemand von uns sagt, daß die Demokratie hierzulande schon vollkommen durchgesüyrt und gesichert sei— aber freilich sagt jeder von uns, daß das Prinzip der Demokratie das Kampfprinzip der arbeitenden Massen ist und daß man den Kampf gegen dieses Prinzip den um die Erhaltung ihrer alten Herrschaft besorgten Klassen und Schich ten überlassen soll. Wird das Gesetz über die Fürstenenteignung von mehr als der 5)älfte der Stimmberechtigten angenommen, und verweigert ihm dann irgendeine Stelle im Reiche die Aus führung, dann wird das ein Angriff auf die Demo- k r a t i e sein. Indem wir ihn zurückweisen werden, werden wir f ü r die Demokratie kämpfen und die Kommunisten werden uns helfen müssen, oder sie werden—„Fürstenknechte" sein! * Wenn die Gegner den Bauern draußen sagen, daß der Bolksentscheid die Eigentumsordnung bedrohen, und wenn die deutschnationale Parteiparole ihnen zuruft:„Es geht um Hof und Haus!" so soll dadurch zwischen den Klein» besitzern und den fürstlichen Großbesitzern eine Solidarität vor- getäuscht werden, die nicht besteht. Daß die Sozialdemokraten nicht daran denken, die Bauern von Haus und Hof zu treiben, dürfte wohl auch draußen auf dem Lande bekannt sein. Aber die Kommunisten! Erstens ist es noch sehr, sehr weit hin, daß die Kommunisten in Deutsch- land die entscheidende Rolle spielen, zweitens aber muß doch auch der Gegner anerkennen, daß die Kommunisten in dem einzigen Lande, in dem sie regieren, in Rußland, nicht nur nicht das Bauerneigentum vernichtet, sondern im Gegenteil neues Lauerneigentum geschaffen haben. Auch der Gesetzentwurf über die Fürstenenteignung— der von den Gegnern aus Gründen des Graulichmackien» stets als der„kommunistische" bezeichnet wird, obgleich die me» stärkere Sozialdemokratie seine eigentliche Haupt- trägerin ist— will neues Bauernland schaffen, ent» eignetes Fürstenland zu Siedlungszwecken freimachen.„Um Haus und Hof" geht es also nur In d e m Sinne, daß„Haus und Hof" entstehen sollen, wo bisher Latifundienbesitzer ernteten, Hochgeborene ihrem Jagdvergnügen nachgingen. * Wir sagen also, daß die Behauptung von der drohenden entschädigungslosen Enteignung alles Schwindel ist. Wir sagen aber nicht, daß der Kampf dieser nächsten drei Wochen der letzte seiner Art sein wird. Im Gegenteil! Große Probleme der volkswirtschaftlichen Organisation harren der Lösung. Weltgeschichtliche Entscheidungen in den Klassenkämpfen zwischen Arbeit und Kapital bereiten sich vor. Sozialistische Gedanken harren der Berwirklichung. Um sie wird noch oft und schwer gerungen werden. Da ist es die Aufgabe einer wehrhaften Demokratie, den Grund zu erobern und zu bewachen, auf dem der Sozialismus bauen kann. Es werden Kämpfe umkünftigeDolksentfcheide kommen, die noch viel tiefer in das Schicksal der Allgemeinheit eingreifen werden als der gegenwärtige. Und darum geht es am 20. Juni, noch um viel mehr als um den Erfolg des Augenblicks._ von chriftlicher Nächstenliebe. Evangelische Kirchensynode gegen Pfarrer Bleier. Die Kreissynode Friedrichswerder H Hot gegen Gen. Pfarrer B l e i« r folgende Tntschließung gefaßt: „Die Krelesynode sieht die Frag« der Füfttenobfindung als«in« zioilrechtliche Frage an. Sie bedauert, daß sich die politischen Par- teien dieser Frage bemächtigt haben und die Dolksleidenschast ausge- peitscht ist, durch Volksentscheid die Fürstensamilien ihre, Tigentums zu berauben. Warnend erhebt sie ihr« Stimme und bittet ihr« Gemeindemitglieder, sich an diesem Unrecht nicht zu beteili» gen. Die Kreissynode bestreitet keinem Pfarrer das Reckt, sein« politische Anschauung in der Oeffentlichkelt zu vertreten. Aver die Kreissynode hält es für unerläßliche Pflicht jede» Pfarrers, in der Zilm oöer leben! von Lola Landau. Zwischen den hohen Häuserwänden des Hofes und den zahl- losen Fenstem, die sich wie böse glitzernde Brillengläser anstarren, fährt gegen Mittag ein Leierkasten auf. Ein alter Mann und ein halbwüchsiges Mädchen, der der Rock um dürftige Ktnderknie schlägt, schieben den verhüllten Wagen wie einen Sarg vor sich her. Lang- sam nimmt da» Mädchen die rote zerfranste Decke ab, und der Alte. die Nase sehnsüchtig in den Himmel gehoben, als wittere er die Gerüche des Essens hinter den Küchenfenstern, beginnt, den hageren Arm zu drehen. Er dreht«naushörlich. er zermahit die Musik in den Kasten: quietschende Töne pressen sich in die Luft und kriechen bettelnd hoch an den Wänden. Das Mädchen steht unbeweglich. Der treisende Arm schleudert sie nicht mit in seinem Schwung. Wann wird sie sich endlich loslasien? Will sie vielleicht tanzen, weil st« verzaubert in sich hinetnlauscht? Hinter den Fenstern tauchen Ge« sichter aus und verschwinden wieder, die Musik prallt zurück von den Scheiben, und dje� armen Töne legen sich winjelnd und niedergetreten auf den kalten Boden de» Hofes. Doch da, als der Arm des Alten drehend und immer fchneller in ungeheurem Wirbel um sich schlägt, bricht au» dem starren Leibe des Mädchen» ein« Stimme, strahlend wie Feuer und Gold. Sie zerreißt die Luft mit zitterndem Wohllaut, klimmt in rasender Verzückung über die Dächer, diese Weibesstimm» im Körper eines Kindes. Dann senkt sie sich, dunkelt mit zusammengelegten Flügeln. wird violett, tief schwarz in Moll de» Schmerzes, bis sie sich wieder entfaltet und schillernd entschwebt. Täppisch umtanzt sie die Leier- kastenmusik wie ein Elown, der sie haschen möchte. Fenster werden aufgerissen, hinter denen Menschenkvpf« sich drängen, Kinder stürzen herunter und umringen das singend« Mäd- chen, wildes Händeklatschen prasselt aus den Hof, der sich in einen gefüllten Konzertsaal verwandelt. Dazwischen klirren Geldmünzen auf das Pflaster, als regne Geld aus dem Himmel selbst. „Mehr! Roch ein Lied!" schreit die Menge und duckt sich schweigend, als die Stimm« mit ihrer Süße jeden Laut Unter sich begräbt. In der Pause drängt sich eine Hausangestellte an die Straßenmusikanten heran, ihr Herr im ersten Stock, ein Konzert- sänger, lasse Vater und Tochter zu sich in die Wohnung bitten. Der Alte und das Mädchen steigen die steile Hintertreppe hinauf, langsam. Stuf«»m Stuf«, als ob sie einen Aussichtsturm erklimmm. Tief holt das Mädchen Atem, um die Erregung herunterzuschlucken. Im Halse pocht ihr das Herz. Als sie auf dem Teppich des Wohn- zimmere» steht, streicht sie sich scheu ein paarmal über das unge- pflegte Haar. Grob und unschön sind ihre Züge. Wenn sie nlcht singt, ist aller Glanz von ihr abgefallen. Der kleine Herr, der vor dem Flügel sitzt, streckt ihr die Hand entgegen, die weich und fleischig ist wie sein rundes Gesicht.«Wenn man Sie steht," sagt er Vertretung seiner Anschauungen auf der Kanzel und in Verfamm- lungen höchsten Takt und freundliches Verständnis anderer An- schauungen walten zu lassen. Pfarrer Bleiers Auftreten auf der Kanzel und in der Oeffentlichkeit läßt beide Bedingungen durchaus vermissen. Vielmehr führt Pfarrer Bleier sein geistliches Amt so, daß aus seiner demagogischen Art, die des geistlichen Amtes unwür- big ist, Haß und Zwietracht entsteht. Wir bedauern aufs tiefste, daß ein solcher Mann in unserer Mitte t ä t i g i st." Gen.. Weier kann sich diese Entschließung nur zur Ehre an-. rechnen. Mt einem Klüngel, in der„Hofprediger" wie D o e h r l n g und Vogel ungerügt in niedrigster Weis« gegen den Staat und seine Vertreter Hetzen können und In der ein M ü n ch m« y e r möglich ist, hat er wenig gemein. Wahlvorschristen unü Volksentscheid. Sine amtliche Warauvg. Bei den letzten Relchstagswahlen sind zahlreiche Wahl- einsprüche erhoben werden. Aus dem schon mehrsach zitierten Rund- erlaß des preußischen Ministers des Innern teilt der Amtliche Preu- ßische Pressedienst die wesentlichsten V e r st ö ß e mit, die fast in allen Wahlkreisen Anlaß zu Klagen gegeben haben: Es ist geduldet worden, daß im Abstimmungsraum Plakate und Aufrufe der Partelen aushingen. Im Adstimmungsraum ist jegliche politische Propaganda unzusässig. Pia- kate oder Aufrufe politischen Inhalts, die bereits im Abstimmungs- räum angebracht waren, muß der Abstimmungsvorstand vor Beginn der Abstimmungsizandlung entfernen lassen. Verschiedentlich ist es auch vorgekommen, daß die Abstimmungsvorsteher oder Beisitzer Abzeichen getragen haben, aus denen ihre politische Einstellung zu ersehen war. Da der Abstlm- mungsvorftand bei seiner amtlichen Tätigkeit das Vertrauen der ge- samten Bevölkerung genießen soll und da dieses Vertrauen durch das Tragen solcher, eine bestimmte politische Gesinnung kennzeichnenden Abzeichen bei politisch anders gesonnenen Bevölkerungsteilen beein- trächtigt wird, ist es überaus unerwünscht, wenn zum Ab- stimmungsoorstand gehörige Personen bei Ausübung ihrer amtlichen Tätigkeit derartige Abzeichen tragen. Der Minister ersucht, daraus hinzuwirken, daß dies künjlig unterbleibt. Nach 8 33 RStO. soll der Abstimmungsvorsteher die Beisitzer «unter Berücksichtigung der verschiedenen Parteien" berufen: das ist nicht in allen Fällen' geschehen. Bei einiger Bemühung wird es dem Abstimmungsoorsteher möglich sein, bei der Berufung der Beisitzer die verschiedenen Parteien de« Stimmbezirks zu berücksichtigen. Die örtlichen Partei- organisationen werden auf Ersuchen bereit sein, Partelangehörige zu benennen, die zur Mitarbeit Im Abstimmungsvorstand gewillt sind. Die Bestimmung des 8 tt? Abs. S RStO. über Zuziehung einer Vertrauensperson ist vielfach dahin aufgefaßt worden, al» müsse die Bertraueneperson dem Abstimmungsvorstand angehören. In anderen Fällen haben Parteivertreter sich in aufdringlichster Weise als Bertrauensperson angeboten. DieWahl der Vertrauens» person ist allein der Erschließung des Ettmmberech- tigten vorbehalten. Don den Abstimmungsvorständen ist darauf zu achten, daß die Inanspruchnahme von Vertrauenspersonen nicht mißbraucht wird. Personen, die zur Behandlung und Abgabe de» Stimmzettels offensichtlich selbst in der Lage sind, dürfen sich keiner Vertrauensperson vedienen. Die Eintragung in den Stimmzettel soll In einem Nebenraum oder an einem mit einer Vorrichtung gegen Sicht geschützten Nebentisch geschehen. Bei Andrang der Stimmberechtigten wird vielfach von den Abstimmungsoorständen nicht streng darauf gehalten, daß sich tn dem Rebrnraum oder an dem Nebentisch jeweils nur ein Stimmberechtigter aushält. Die gleichzeitige Zulassung mehrerer Stimmberechtigter— auch wenn sie verwandt sstch— gefährdet die Geheimhaltung der Abstimmung sie muß daher unter allen Umständen oermieden werden. 8 117 Abs. 1 und Abs. v RStO. gibt dem Abstimmungsvorsteher die Handhab«, bei Andrang den Zutritt zum Absttmmungsraum und zur Wahlzelle zu ordnen. In einem anderen Falle waren mehrere voneinander entfernte einzelne Tische zur Benutzung der Stimmberechtigten bei Kennzeichnung ihre» Stimmzettels eingerichtet, es fehlte indes eine gegen Sicht schützende Borrichtung. Der Minister bittet, dahin zu wirken, daß die Gemeindebehör» den und Abstimmungsoorstände die Bestimmungen der Retchssttmm- ordnung peinlich genau innehalten und keinerlei Anlaß zu Klagen geben. Entlarvt. Graf Reventlow gegen die schwarzweihrote Volks« entscheidspropaganva. Die schwarzweißrote Front gegen den Volksentscheid versucht die Bevölkerung bange zu machen, indem sie die Fürstenenteignung als den Vorboten einer allgemeinen Ent- eignung und neuer kommunistischer Putsche bezeichnet. Das ist selbst dem völkischen Reichstagsabgeordneten Graf v. Re- v e n t l o w zu dumm. Er sagt in seinem„Reichswart": Es ist unrichtig, zu behaupten, das Volksbegehren und der Volksentscheid bilde eine schwere Gefahr für das Eigentum über- Haupt in Zukunft. Daß manche naive Kommunistenführer sich ebenfall» derartige» denken, ist wahrscheinlich, aber ebenso sicher. daß auch nur ein kommunistischer versuch, auf dem Wege der Enteignungen weiterzugehen, nicht allein mißglücken müßte, sondern der kommunistischen Partei in Deutschland ein Ende machen würde. Graf Reventlow wendet sich damit gegen die beiden Argumente, mit denen die monarchistischen Parteien ihre Agitation gegen den Volksentscheid zu bestreiten gedenken. Sie haben es wohlweislich unterlassen, ideelle Momente in den Vordergrund zu stellen. Der Appell an den Besitz- i n st i n t t und die A n g st o o r U n r u he n sollen die Wähler abhalten, das zu tun, was Gerechtigkeitsgefühl und Ueber- legung gebieten. Sie müssen es sich nun gefallen lassen, daß ihnen einer der ihren die Maske vom Gesicht nimmt. ,Wege zur Mitarbeit/ Strefemann an die Deutschnationalen. Rostock. 29. Mal.(Eigener Drahtbericht.) Der Reichs» auhenminister hielt am Sonnabend auf der Landesversamm- lung der Deutschen Volkspartei, die damit den Kampf für die am S. Juni in Mecklenburg stattfindenden Landtags» wählen eröfsnete, eine Rede, die zum großen Teil«ine Antwort auf die Ausführungen des Grafen Westarp waren. Dieser hatte am Freitag in Schwerin den Sturz des Reichskanzlers Luther al» die Folge der Fehlschläge und Enttäuschungen der Locarno-Politlt hingestellt und«in» Beteiligung der Deutschnationalen an der Reichsrcgierung gefordert, um dadurch die wirtschaftliche Besserung herbeizuführen. Von der neuen Reichs- reglerung mit Einschluß der Deutschnationalen erwartete er schließlich eine«k rastvolle Außenpolitik". Der Reichsaußenmintster betonte demgegenüber» man könne nicht, wie Westarp es getan hat, die Lage, wie sie ohne Leistungen aus dem Dawes-Abkommen wäre, mit dem jetzigen Zu- stand vergleichen: gegenüberstellen könne man mir die Zeit vor dem Abschluß des Dawes-Abkommens und die Gestaltung der deutschen Finanzen und der deutschen Wirtschast seither. Die Ent- Wicklung der deutschen Wirtschaft von Srtegsschluß bl» zum Dawcs- Abkommen sei«Ine Kette sortgesetzter Erschütterungen gewesen mit dem vollkommenen Niedergang der deutschen Währung. Die ersten beiden Jahr« nach Abschluß des Dawes-Abkommen« seien als ein« A t e m p a u s« für die deutsche Wirtschaft gedacht gewesen. Diese Atempaus» Hobe allerding» die große Arbeitslosigkeit gebracht. Aber man müsse doch die Frage auswerfen, wie Deutsch» land über die Wirtschaft»- und Kredittrise hinweggekommen wäre, wenn auch jetzt noch für dt« deutschen Leistungen nlcht ein Ab- kommen, sondern jene Willkür geherrscht hätte wie vor den Londoner Vereinbarungen. Wenn sich herausstellen sollte, daß die im Dawes-Abkommen vorgesehene Regelung nicht die erhofften Erwartungen erfüll«, so wäre«in» Aenderung anzustreben durch «in« auf gegenseittgerVerständigung aufgebaute Politik der beteiligten Mächte. Mit«kraftvoller Außenpolitik" lasse sich sehr wenig ansangen. Auch Gros Westarp wisse, wie wenig man auf dem Gebiete der Handelsvertragspolitit mit „kraftvoller Außenpolitik" erreichen könne, wie vielmehr die Beziehungen der vertragschließenden Staaten durch K o m p r o- misse geregelt werden müßten. Stresemann kam dann auf die Vereinbarung zwischen Deutscher volksportei und Zentrum bei der letzten Reglerungsblldung zu sprechen. Der Beschluß der beid«n Fraktionen mit deutlicher, gepflegter Aussprache,«sollte man Ihnen diese mächtige Stimme gar nicht zutrauen. Haben Sie schon Unterricht gehabt?" Der Alte weist mit dem Daumen auf seine Brust.«Rur bei mir. Ich habe ihr die Lieder eingeübt." Der Sänger lächelt,«In abgemessenes Lächeln. Dann wendet er sich kurz um. schlägt auf dem Flügel eine Taste an.„Singen Sie nach und halten Sie aus, solange wie möglich" Ein einziger Ton taucht das Zimmer tn strahlendes Silber. «Genug!" Der Sanger schlägt den Klavierdeckel zu und erhebt sich.»Sie haben ein« gottbegnadete Stimm«. Ich werde Sie aus- bilden. Geben Sie mir Ihre Adresse! Ich schreibe Ihnen, wann ich Sie zur ersten Stunde erwarte." Das Mädchen, vor Freud« zitternd,— aber, zum Teufel, was Ist das? Der Film ist gerissen, ein« weiße Wand schiebt sich zwischen unseren ausgerissenen Augen und die huschenden Bilder. Oder war e» etwa kein Film, die aufgetürmten Pappwände der Häuser, der Leierkastenmann, das tlirrrnde Geld aus dem Himmel und die Gnade de» Gönner», die auf die Schultern des armen Straßenkinde» niederfällt? Rur Geduld! Ist der Filmstreifen geklebt, werden wir im nächsten Akt die jung« Künstlerin» modisch«ingekleidet im Hause ihres Wohltäter» sehen, mit Spannung beobachten, wie auf dem Klavierkasten sein« Hand werbend ihre Finger umklammert. Und im dritten Akt lehnt sie im Auto vor dem Theater, dos von einer schwärmerischen Meng» gezogen wird. War es etwa kein Film?— Rein, kein Film, sondern Leben!! Der erst« Akt diese, Kinostücks ist«in« wahre Begebenheit, die sich an dem Nüchternen Mittag eine» Wochentage» in einem lieblosen Hofe zutrug. Nur riß nicht der Film, sondern da» Leben an jener verhängnisvollen Stelle ab. Dann der Sänger, überhäuft mit Arbeit, überfüllt mit Menschen, ließ niemals da» Mädchen zu sich kommen, um diese goldene Stimme vom Staub der Straße aufzuheben. Aus Mangel an Zeit oerschob er es von Woche zu Woche, bis eine Konzertreise ihn vollends entführt« und er es schließlich vergaß. Wahrscheinlich wartet das Mädchen noch immer und zieht weiter von Hof zu Hof, während die quietschende Leier- kastenmusik sie wie ein täppischer Tlown umtanzt. Kein Film, sondern Leben! vi« wunder der Londoner Gartenausstellang. Orchideen, von Segeltuchhüllen sorgsam geschützt und auf einen Wert von 15 000 Pfund Sterling geschätzt, eine neue orangengeflammte,„Berengaria" genannte Dahlie, die einen Durchmesser von rund 25 Zentimeter hat, Lupinen, die die Kunst des Gärtners zum erstenmal In der Modefarbe des Rosenftolze« züchtet«, Zuckererbsen, größer und schmackhafter, al» man sie bisher sah, deren Schoten an den zarten Stengeln im Winde wie gaukelnde Schmetterlinge zittern— das find einig« der überraschenden Neuheiten, die sich dem Besucher der diesjährigen Gartenbau-Ausstellung in London zeigen. Bei dem Er- öffnungsbankett hielt der Präsident, William Lawrence, eine launige Ansprache, in der er recht bissig auf ein« Neuheit aus dem Gebiete der Himbeerpflanzung verwics, die man auf den Namen«Lloyd George" getaust hat.»E« ist eine ganz«igenorttge Pflanze," so bemerkt der Redner,«die ein» etwas herbe Frucht hervorbringt und unter der Erde kriecht, bis sie plötzlich an einer Stell« auftaucht, wo man sie am wenigsten erwartet hatte." Unter den ausgestellten Pflanzen befindet sich auch, freilich nur in«estalt«ine» im Topf aezogenen Sprößlings, der.Sorgwacholder", der von China nach London gekommen ist. In setner heimischen Umgebung erreicht dieser Wacholderbaum ein« Höhe bi» zu 20 Meter. Der Chinese schätzt da, dauerhafte und unverwüstliche Holz außerordentlich und transportiert es über Hunderte von Meilen, um daraus Särge zu machen. Bokohania sandte ein» schöne Sammlung Zwergbäume, einschließlich winzige Zedern. Pinien und Lärchen, deren Alter aus Hunderte von Jahren geschätzt wird. Die Besucher, die mehr für kurwse Züchtunaen Interesse haben, können türkisblaue Mohnblüte». schwarze und blaue Tulpen und eine neue Bastardart von Tisius- Röschen, sowie die seltsanssten Orchideen von unbeschreiblichen Furb- tönungen bewundern. Liebhaber der dekorativ wirkenden Iris finden die letzte Modeschövfung der Gartenkunst in der Romoia. deren rot und aelb gesprenkelten Stengel eine üb-rreschende Farben. kombination zeig«». Handschrlftensuad ln Tibet. Der Londoner«Daily Telegraph' meldet aus New Park, Prokessor Roerich, der ein« amerikanische Expedition durch das unersorfchte Asien leitet, habe im Hemiskloster in Tibet Hondschristen gefunden, dt« wenigstens 1K00 Jahre alt seien. Nach diesen Handschriften habe Christus, nach dem er seine Eltern heimlich oerlassen hotte, mit Jerusalem«? Kausteuten eine Wände- rung durch Indien gemacht, wo er dt« Lehren de» Buddha studiert gepredigt habe. Christus sei dann in seinem 29. Jahre nach Palästina zurückgekehrt. Die Handschriften derichteten auch, daß Jesus, der darin„Issa" genannt wird, vom Herrscher Jerusalem», Pilatus, abgeurteilt wurde. .»ie Auebreilvng der volkedtlha«. Die Bctllnct OolkiBflbnenorganlfntion jaölt oeute tmaefägt 160 000 Mitalteder. Nach dem n«u»n Organilaliune- plan der BoItSdiUne werden setzt täglich an»000 Bewchek klitTfOSnmqen dJvon 2000 bezw. 800 tn den eigenen Häusern der VolkSbiitme 2UI"ulowplatz und am Lchissbauerdamm. Stufenbem itehen den Volt». bithnenmitgliedern noch ein« An,adl Plätze IM Ätaatlichen Schiiterchealer. m®,aal*ot>K UN Tiergarten(kroll- Oper) und im Timim-iheater jut Lersügun». «.»fl �»raallstmidenkmal k«rieche» land. Der verein der Atdener vre'« dat dem Hermag eb»r der.Hellenika Sbranika', der ersten griechischen poimichen Zeitung, die vor hundert Jahren während de» Stsretuvaskriea»» erschien, beni Schwctjer Artzt und Phitdellenen Johann Jacobitttver em Denkmal errtchtet. KuS Pentklischtm Marwer a»lchassen. erhebt e» sich aus dem Zentr»Irlatz von SDülWimghi, bei dessen Belagerung Reuer und seine grau den Tod gesunden tzatzen. «Ine interessante operalian. In einem dänischen Krankenhaus- hat man einem vterzehnjähriaen Mädchen. daS seit seinem siebenten LedenSsahr an einer Kinnbackentrankhett litt und schon sechsmal deeweqen operiert Wolde» war, den linken Kinnbacken herautnebmen müsse», idletch, eilig nibm man ein entsprechendes Stück don einer Rippe von ihr und iehie da» Stück an Stelle de« Kinnbacken»«in. Di« Sund« ttt so gut verheilt, daß das Mädchen beutr. abgesehen von den Operationsnarben,»tn durchaus normale» Aus- sehen hat. besage, daß eine Erweiterung der Regierung- nur durch solche Parteien erfolgen könne, die eine Garantie bieten für die Fort- führung der bisherigen Außenpolitik und für die A n e r- kennung der bestehenden internationalen Ver- träge. Wenn Graf Westarp da» al» ein Bekenntnis zur Er- Weiterung der Rcgierungskoalition durch die Sozialdemo- t r a t i e betrachte, so müsse man annehmen, daß die Deutschnatio- nalen die Garantie für die Fortführung der bisherigen Außenpolitik und die Anerkennung der bestehenden intemationalen Verträge a b- lehnen. Es sei aber ollmählich Allgemeingut der Anschauung in den weitesten Kreisen bistiefindasLagerderDeutsch- nationalen geworden, daß eine andere auswärtige Politik als bisher gar nicht In Frage kommen könne. Graf Westarp könne unmöglich erwarten, daß sich die anderen Parteien aus den Bahnen der von ihnen als richtig anerkannten Außenpolitik vor- drängen lassen. Die Frage, wer den Deutschnationalen die Wege zur Mitarbeit verbaut, müsse sich unter diesen Umständen Westarp selbst beantworten. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen kam Stresemann auch auf die Fürstenabfindung zu sprechen. Er bezeichnete es al» bedauerlich, daß das Bild der Auseinandersetzung mit den Fürsten getrübt werd« durch schamlose Ansprüche einzelner Per- sonen, die nicht einmal die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Dennoch wiederholte Stresemann den Appell, dem Bolksentscheid fernzubleiben und«us die Lösung durch ein Kompromiß zu harren. * Diese Rede Stresemanns wird in einem Teil der demokratischen Presse«ls ein Beweis dafür angesehen, daß Stresemann sich gegen die Deutschnationalen«endet. Wer die Rede aufmerksam Nest, und Stresemanns Verhalten sich vor Augen hält, wird zu dem gegenteiligen Schluß kam- men. Die Volkspartei— und auch Stresemann— will unter allen Umständen den Anschluß nach rechts gewinnen. W e st a r p s Rede im Reichstag war genau wie seine letzte Wahlrede ein deutlicher Lersuch, für später den Brücken» schlag zu erleichtern. Nichts haben die Rechtsparteien Luther so übel genommen wie die unglaubliche„U n- g e s ch i ck l i ch k e i t" der Flaggenverardnung, die das heiß- ersehnte Ziel des Wiedereintritts der Deutschnationalen so sehr gefährdete. Stresemann spricht davon, daß„bis tief in die Reihen der Deutschnationalen hinein" die Außenpolitik Deutschlands als unabänderlich angesehen werde. Das Echo erhält er in einer Rede des Grafen Kalchreuth auf einer Vertreter- tagung des Reichslandbundes in Weimar. Dieser Vertreter der wirtschaftlichen Belange der Großlandwirtschaft erklärt ganz eindeutig, daß die Außenpolitik kein Hinderungs» prund mehr für die Reglerungsbeteiligung sein könne. Er sagt: Ich habe mit Staunen gelesen, daß die Parteien der heutigen Regierung eine Erklärung abgegeben haben, nach der sie für die Erweiterung der Regierungsbasi» die Stellung zu unserer bis- herigen und künftigen Außenpolitik war. Ich glaub«, daß zurzeit die Frage der Außenpolitik gegenüber der von mir erörterten Frage der Grundsätze unseres deutschen Kultur- und Staat» t« den» stark in den Hintergrund tritt. Für Kalchreuth sind nämlich Hand�l-nertr've. St""»,. erleichterunien, Abbau der Sozialpolitik und ähnl'chz„B e- I o nq o" v i-e l wichtiger als außenpolitische-»>uenHeleien.- Die Deutschnationalen haben die größte Angst davor, daß nach dem Volksentscheid eine Regierungsbildung ohne sie zustande kommen könnte. Ihre ganze Sebnsucht ist darauf gerichtet.„W ege zur Mitarbeit" zu finden. Und Stresemann! C r b« r e i t e t diese„Wege zur Mitarbeit". Ein peinliches Lob. Hugenberg und die harmlosen Kommunisten. Hugenberg»„Lokal-Anzelger" veröffentlicht Ausführun» gen des Berliner Korrespondenten der.Daily Rems", in denen die deutschen Kommuni st en als harmlos charakterisiert werden. Der deutsche Kommunist sei ein wenig Bourgeois und diese Tatsache dürste die Rettung Europas werden. Der .Lotal-Anzeiger" versieht dies« Meldung mit der Ueberschrist>E i n peinliche» Lob" und bemerkt dazu: .Man sollte diese» Lob des führenden liberalen englischen Blatte« den deutschen Kommunisten nicht vorenthalten." Der„Lokal-Anzeiger" hat recht. Das Lob des englischen Blattes peinlich, sehr peinlich; für Hugenberg und seinen eneralstab nämlich, der sich vergeblich bemüht, den Kommu- nisten ein reootutionäres Tempo beizubringen. Deswegen auch der Rippenstoß, mit dem der Hugenberger Generalanzeiger die Kommu- nisten auf den Damm zu bringen versucht. Aber ob da» abgekürzte verfahren des.Lokal-Anzeigers", das die geheimen Wünsch« seine» Herrn und Meister» allzu ofsen demaskiert, Herrn Hugenberg nicht peinlicher sein wird als den Kommunisten das»peinliche Lob"? tzaslinöe>ls Einpeitscher ües Lanübunües. fifür höhere Agrarzölle. Auf der Dorstand». und Vertreterversammlung des Reichsland- bundes in Weimar hat Dr. Haslind«, der Reichsminister für Er- nährung und Landwirtschaft, auch zur Zollfrage Stellung ge- nommen. ES sti unbedingt nötig, die Landwirtschaft gegen die Ueberschwemmung mit Agrarprodutten während der Zeit de« Wreder- aufbau» hinreichend zu schützen. Solang« die Industrie den jetzigen Zollschutz für erforderlich und aufrecht holte, könnten auch die bis zum 1. August gültigen Uebergongszölle für Getreid« und Vieh bei der fortgeschrittenen Berelendung der Landwirt- schaft nicht al» hinlänglicher Zollschutz gegen die übermächtig- Konkurrenz h»s Auelandes anerkannt werden. Damit detuvriert der Reichsemahrungsmlnist«? die Absichten der Reicheregierung mit dem deutsch-schmedischen Handelsvertrag auch osstziell, der bekanntlich in plumper Brüskierung der Rechte des Reichstags die Getreidezöll« auf S Mk. erhöht. Was die fort- geschrittene Verelendung der breiten Konsu- m e n t e n m o s s e n dsk Reichsregierung an Pslichten auferlegt, das wird ihr die sozialdemokratisch« Partei zur rechten Zeit klar zu machen wissen.__ Schluß ües Jugenükongresses. Amsterdam. K. Mal. sEIgener vrahtberlchl.) Der Inter- nationale sozialistisch« Zugeadkongreß erledigte am Sonnabend die vorliegenden Anträge. Er beschloß einstimmig die Abhaltung einer Jllhrerkanserenz im Jeahjahr l«? in Kopenhagen und de» nächsten Zugeudtage« im Zahre tS2g in Wien. Zum ersten Vorsitzenden der Zungend- linternationale wurde Karl Heinz. DeutschSsierreich gewählt. Mi» einem Schlußwort voogd». Holland fand die schöne,«beil»- und gewiß auch erfolgreiche Tagung Ein verbrechen der(d.E.? Das Dunkel um die Fememorde. Endlose Monate trennen die Gegenwort von den ersten Publi- katlonen über die Fememorde der vaterländischen Der. bände, endlose Monate aufreibender Arbeit aller Behörden. Und wenn auch der Erfolg noch nicht erkennbar ist, eine ganze Reihe wesentlicher Fragen ist gelöst. Wir wissen, daß die schwarze Reichswehr eine Unzahl Verbrechen unter den schützenden Fittichen de» Reichswehradlers begehen konnte, wissen, daß v ö l- tische Abgeordnete in ihrer Gier nach Macht vor einer Mordanftiftung nicht zurückschreckten, wissen, daß.republikanische" Beamten— im Gegensatz zum Gros der deutschen Beamtenschaft— oft unter dem Druck ihter politischen Ansicht ihre Pslicht oersäutntev. Nur eine Frag« ist bisher ungeklärt. Schon einmal war sie die Grundlage eines Prozesies. der in sich zusammenfiel, weil man die Belastungszeugen als.unglaubwürdig" abtat. Die Frage nach der Femeorganisation der Ehrhardt- Le Ute, noch der O. C. Die Erzberger-Mörder, die Rathenau-Mörder, die inhaftierten Mörder der schwarzen Reichswehr waren ihre Mit- glieder und doch fehlt der letzte Beweis fehlen die Erkennt» nisse eines einheitlichen Organismus, der den Mord zu seiner Auf» gäbe gemacht, fehlen die Nachweise der Besehlsgab«. Da» wird neben anderem die wichtigste Aufgabe des Femeausschusses des Reichstags sein: Die Erforschung jener Kreise pensionquittteren- der Militärs, gegen die seit Jahren der Verdacht ausgesprochen wird, daß sie verantwortlich seien für die blutigen Verbrechen, die das öffentliche Leben gefährdeten, schuldig für das Heer der Toten, schuldig aber auch für die Mörder und Beihelfer, Mitwisser und Mittäter, die sie unter Ausnützung ihrer Führerstellung, unter Hin- weis auf den gelobten Kadavergehorsam zu den Berbrechen ge- trieben. « Hans Stimme! war Swdent in Stuttgart. Im dritten Semester mit 13 Jahren. Ein fröhlicher, lachender Bursch der , Ghibellinia". Seinen Eltern hatte er stet» Freude gemacht, seine Lehrer lobten den fleißigen, strebsamen Jungen. Politisch betätigte er sich nicht, obwohl seine Freunde und Kommilitonen in den nationali- stischen und völkischen Verbänden organisiert waren. Bor ihm lag das Leben— lachend und sorgenlos. Da kam der 2i. Juli 1923.... Di« Burschenschaft war aus dem Hause der Alemannen zum Paukabend versammelt. Hans verließ nachmittags nach 4 Uhr seine Wohnung, Reinsburger Straße 113b, um sich dorthin zu begeben. Er hatte sich das Abendessen zurecht gestellt, sich, wie immer, von seinen Wirtsleuten verabschiedet. Auf der Straße wurde er um 6 Uhr von zwei Werbern der O. C., Schaumlössel und Bett er, gesehen. Sie grüßten sich herzlich. Dann blieb er verschwunden! Acht Tage warteten die Ellern auf Nachricht, bis ihnen von den Wirtsleuten das rätselhafte verschwinden des Sohne» mitgeteilt wurde. Sie erkundigten sich bei den Freunden, niemand wollte etwas vom Verbleib des jungen Studenten wissen. Wider- sprechende Aussagen, die einen behaupteten, Hans sei auf dem Pauk- abend gewesen, die anderen wollten ihn schon dort vermißt haben, machten die Eltern unruhig. Der Dater fuhr nach Stutt- gart, suchte alle Personen, mit denen sein Sohn In Berührung kam, auf und fragte nach seinem Verbleib.' Er konnte nicht an ein Verbrechen glauben und teilte die Ansicht"der Polizei, das fein Sohn aus irgend einem anderen Grunde verschwunden sei. Nachfragen bei der Fremdenlegion, Nachforschungen durch da« Genfer und deutsche Rote Kreuz, durch da« Auswärtig« Amt, blieben erfolg. las. Der Vater setzte eine Belohnung au?, plakatierte das Der- schwinden seines Sohnes»nd bat die Oeffcntlichteit um Hilfe. Immer mehr schwand die Hoffnung, daß Han, noch lebe. An- sang Januar 1323 beschäftigt« sich die Presse mit dem geheimni»- vollen Berschwinden Stlmmels. Während die sozialdemokratische und demokratische Presse auf die eigenartigen Umstände hinwies, versuchte die nationale Presse da» Verschwinden al» eine.Flucht In die Fremdenlegion" abzutun. Da wurde am ZI. März 1325. also fast 2 Zahre nach dem ver- schwinden, dl« Leiche im Walde gesunden. Wieder griff die Tagespresse den Fall auf. Die Polizei gab ein D e m e n t i, das besagt, es handle sich um einen Selbstmord. denn bei der Leiche habe man ein Blausäuresläschchen gesunden. Die Darstellungen des Vaters widerlegen diese Ansicht. Er schreibt: .Auffällig erscheint mir zunächst, daß neben dem Schädel nur noch je ein Arm- und Oberschenkelknochen, sowie ein kleinerer Knochen vom Schultergerüst gefunden wurden. Die größeren Teile de» Skeletts, namentlich die Becken- und großen Schulterknochen fehlten, und sind auch im weiteren Umkreis« der Fundstell« nicht entdeckt worden. Die S ch n ü r i ch u h e enthielten keinerlei Knöchelchen mehr. Daß alle diese Knochen und Knöchelchen vom Wild verschleppt sei» sollten, ist nicht anzunehmsn, auch würde sirb größeres Naubwild kaum in unmittelbare Näh« de» Dorfes und d«» Forst Hauses mit seinen schar en Hunden gewagt haben. Die ousgesuadeaen Kleidungsstücke meines Sohnes waren zu meinem Erstaimen vor unserer Ankuasl in Stuttgart ausgewaschen worden. Weiter erscheint verdächtig/ daß die Brieftasche des Taten mit dem Studentenausweis, dem Ausweis der Technischen Nothilfe und dem Blankoscheck der'Stuttgarter städtischen Eirokasse fehlten. Die Briestasche war aus kräftigem, genarbtem, schwarzem Rindsleder, also aus dauerhaftem Matertal, das'sich auch bei längerem Liegen gehalten haben würde, um so mehr, als die Brief- lasch« gewöhnlich in der inneren Rocktasche getragen wird. Bei den Leichenresten sind-noch vier gut erhaltene Straßenbahnfahr. karten gefunden wordem Wenn diese Fahrkarten, die bekanntlich aus schlechtem, holzhaltigem Papier gefertigt werdctf, erhalten blieben, wie viel mehr hatte dies bei den Papieren i n der Brief». tasche, und der Brieftasche selbst der Fall sein müssen. Beachtenswert ist ferner, daß durch die noch vorhandenen Stoff. teile de» Anzüge» junge Saumwurzeln hindurchgewachsen waren. Der Anzugsstofs muß olio Irgendwo in der Erde vergraben gewesen fein, denn über der Erde an der Luft können doch kaum Baum- wurzeln durch wollene Stoff« hindurchwachsen. Aus diesem Umiwnd muß geschlossen werden, daß die Leiche ursprünglich an anderer Stelle leicht vergraben war und daß Teile davon später an dt« jetzige Fundstelle gebrach« wurden. Das Fläschchen mit Blausäure, das im übrigen bei der Auffindung s est' ver s chra u b t und mit Inhalt versehen war, wurde hinzugelegt, um den Anschein von Selbstmord zu erwecken. Die Fundstell« ist nie und ntmmer die Mordstcll«. Sie befand sich nur wenige Minuten vom Hause des Forstwarts in Dettenhausen und vom Dorfe selbst entfernt. Bon einem Fuß- wege war sie mit etwa 13 Schritten, von der Landstraße mit etwa 103 Schritten zu erreichen. Es handelt sich Um eine Anpflanzung von jungen Buchenbäumen o h n e d ich t« s Unterholz, die nach Angabe der Dorfbewohner im Sommer und Herbst viel nach Waldbeeren durchsucht wird. Ausgeschlossen erscheint es, daß an einer so leicht auffindbaren Stelle ein« Leiche nahezu zwei Jahre lang unbemerkt gelegen haben soll." In einem-späteren Brief an die Staatsanwaltschaft Stuttgart ergänzt der Dater die oben zitierten Aussührungen wie folgt: .Im Anschluß an meinen Antrag gestatte ich mir, Ihnen in der Mordsache meine» Sohnes noch mitzuteilen, daß am 31. März d. I. in Dettenhausen die folgenden Sachen nicht mit ausgefunden worden sind: Die Hosettträgcr, Kragen und Kra- watte, Strumpfbänder und Strumpfhalter und die Strümps«, Hemd Und Weste, und ein paar neue wollene Stutzen. Aus dem Fehlen dieser Gegenstände schließe ich, daß mein Sohn bei dem an ihm verübten verbrechen nichl sosorr tot gewesen ist. und daß ihm vor seinem Tod« einige �Erleichterung durch Eni- ledigung von diesen Kleidungsstücken verschafft werden sollte. Besonder» wichtig erscheint mir die Begegnung der Herren Schaumlöffel und Bett er. die meinen Sohn Zuletzt gesehen haben wollen und die seinerzeit nur zu polltischen Zwecken in Stuttgart weilten, um für den Wikingbund und die Ehrhardt- Gruppe zu werben. Es müßte festgestellt werden, wo sich diese beiden Herren zwischen der Begegnung und der Agkunft auf dem Paukabend(etwa um Uhr) aufgehalten hahvi."� � Acht Tage später erhielt der Dater des Ermördeten einen Brief der Staatsanwaltschaft, die mitteilt, daß für ein Verbrechen„jeder greifbare Anhalt fehlt". Alsdann die vef.sautlichkert' sich'Mit benj-Feme» mne ireTl vefaßle, wandle sich'der Pntrr'im'dte'BetNner"pvliliftie Polizei, mit der Bitte, daß sie sich um den Mord kümmern möge. Diese mußte ober in der unter 1417. 1.». 23 vom 2.Siovember 1323 erteilten Antwort erklären, daß sie zu Nachforschungen nicht b e- fugt sei, weil kein preußisches Gebiet in Frag« komme. Noch immer warten die Eltern, denen der schwarzweiß- rote Tod den einzigen Sohn genommen, daß ihnen ihr Recht werde. Vielleicht gelingt es dem Femausschuß des Reichstags, Licht in da» Dunkel dieses„Falles" zu bringen. Vielleicht findet er von hieraus den Weg an das Herz aller Verschwörungen und politischen Verbrechen, den Weg zur Organisation Consul, der fluchwürdigen Gründung des Kapp-Rebellen und Meineidigen, Herm Kapitän- leutnant Ehrhardt. Zwar hat die b a d i s ch e Regierung in ihrer Denkschrift über die Fememorde den Fall Stimmet nicht erwähnt, mußt« sie doch den Angaben der Staatsanwaltschaft— die keine Anhaltspunkte dafür hat, daß Stimme! einer strafbaren Handlung zum Opfer ge- fallen wäre— Glauben schenken. Wie entsetzlich klingt die un- ruhige Zeit von 1323 in die Gegenwart, wenn der Vater S t i m m e l s zu berichten weih, daß in ungefähr denselben Monaten, in denen seine Familie zerstört wurde, die studierenden Söhne eine» Ruhrindustriellen und eines Breslauer Bahnbamten tn> Ruhrgebiet verschwanden, um als Leichen aus dem Rhein gelandet zu werden. Auch da lautete die Polizei- liche Feststellung:„Selbstmord". Selbstmord oder Mord? Liebeoaffäre oder O.<£.? Earl Mertens. �Nton Nemee's öegräbnis. Gedenkrede Friedrich Ttimpfers. Prag. 23. Mai.(Stgener Drahtbericht.) Am heutigen Sonn- abend ist' in Prag Anton Ne m ec, der einst geseiert« Führer de» tschechischen Proletariat», zu Grabe getragen worden. Was er nicht nur für die tschechische Arbeiterbewegung war, die er au« kleinsten Ansängen heraus zu achtunggebietender Größe führte. sondern auch was er für die gesamte Internativnale bedeutet«, fand schon äußerlich seinen Ausdruck in der großen Zahl derer, die dem toten Führer die letzte Ehre erwiesen. Außer den sozlaldemokrati- schen Arbeitern Prags und den Vertretern der ParteioganisatioNcn au» allen Gauen des Landes waren u. a. für die International« Genosse d e B r o u ck e r e, für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands Genosse Stampfer, für die deutschösterriichisch« Bruderpartei Genosse Dr. Ellenbogen, sür die un«arische Soziatdemokratfe Grnoss« Buchinger und für die Deutsche Sozial- demokratisch« Partei in der Tschechoslowakei Genosse Dr. E z e ch er- schienen. Nach einem Traverchor ergriff als erster Redner«in per- sönlicher Freund des Toten das Wort, um namens der tschechischen Sozialdemokratischen Partei von ihm Abschied zu nehmen. Für die Arbeiterinternationale sprach Genosse de Broucker», worauf al» Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Genosse Stampfer da» tiefft« Beileid de» deutschen Pro!«- tariats überbrachte, in dessen Reihen der Nam« des Verstorbenen «Inen guten Klang hatte. In jenen Zeiten des Aufschwunges der deutschen Partei nach dem Fall de» Sozialistengesetzes habe der Name de» tschechischen Buchdrucker» au» Brünn dafür gebürgt, daß dl« Sache de» internationalen Sozialismus auch an seiner Wirkung». stätt« sicher« Wurzeln fasse. Ein treuer Sohn des Bolte», verstand Nemee e» wie wenige, sich auch in die Denkart anderer Völker einzuleben, vor ollem in die Kampfbedingungcn de» schwer ringen- den deutschen Proletariats. Was er für die Arbeiterklasse seines Lande« getan hat, hat er für all« getan, und darum gebührt thm dar Dan' aller, Nemec lebtc und kämpfte für den Glauben, daß Völker friedlich nebeneinander leb«n können, ohne ein- ander hassen und bekämpfen zu müssen. Et ist nun dahingegangen, aber seine Ideen bleiben uns heiliges Vermächtnis! Es sprach sodann Genosse Dr. Ellenbogen- Wien, der dar- aus hinwies, daß vor drei Jahrzehnten der Verstorbene von der Sozialdemokratie in Wien für das Parlament kandidiert wurde. Namen» der deutschen Sozialdemokraten der Tschechoslowakei ver- abschiedet« sich Genosse Dr. C z e ch von dem Toten. Hierauf begab sich«in eindrucksvoller Leichenzug durch die Hauptstraßen der Stadt zum Krematorium, wo nach einer letzten kurzen Abschiedsseier der Leib des Verstorbenen den Flammen übergeben wurde. p6ret wirü reöen müssen. Die Partei Herriots erzwingt Aufklärung. pari», 23. Mal.(Eigener Drahtbericht.) Der Widerstand der Radikalsozialen Partei, die durch die letzten Ereignisse in der Kammer stark zersplittert wurde, gegen das Kabinett Briand ist im Wachsen begriffen. Di« Partei hat nun durchgesetzt. baß der ginanzminister am Dienstag der Finanzkommission der Kammer über die Finanzpläne der Regierung Rede sieht. Die Partei will unter allen Umständen eine Aussprache über da» Finanzproblem. die man in der Kammer aus Verlangen Briand» verweigert hat, erzwingen. . Au, Portugal scheint, wohl infolge Depeschenzensur, nichts durch. zukommen. Der Streit um da» Tabakgesetz wird als- Ursache hingestellt. Aber begründet das einen Mllitäraufstand großen Um- fang»? Freilich, in Portugal ist dergleichen nicht selten. Wilhelm va»zony, einst der einzige Demokrat im aljunaarischen Parlament, zuletzt wieder Kämpfer gegen den Frankensäischerkurs und darum Opfer eines„völkischen" Attentats, dazwischen kgl. Justiz- minister, ist in Baden bei Wien gestorben.. Da» deutsch belgtsche Lustsahrabkommen, ist in Pari» von den Botschaftern beider Staat« unterzaich«t jBMkti, SewerMoDbewegung Versichertenvertreter Ser öetriebskrankenkasien! Das Bestreben der Versichertenvertreter, in dem Hanptverband der Betricdskraiikenkossen den nötigen Einfluh zu gelangen, ist be- rcchtigt und notwendig, um so mehr als der Reichsarbeitsminister unter Bezugnahme aus Z 414 der Reichsoersichenmgsordnung diesem Verband Anerkennung verliehen hat. Nun ist aber dieser Verband zurzeit eine reine Arbeitgeberorganisation. Der wirkliche Wille der Versicherten der Betriebskrankenkassen kommt durch diese Organisation nicht zum Ausdruck. Durch die Vertreter dieses Betriebskronkenkassenoerbandes, die ausschließlich Arbeitgeber und deren Angestellte sind, wird die Meinung der Mitglieder der Betriebskrankenkassen verfälscht.-« Die Arbeitgeberorganisationen wollen unter ollen Umständen cn diesem Unrecht festhalten. In einem Rundschreiben des Bundes Deutscher Arbeitgeberverbänd« e. V., Geschäftsstelle Mannheim, vom Z. Mai 192K, werden alle Arbeitgeber- vrganisationen und die einzelnen Arbeitgeber scharf gemächt, auf der Tagung des chauptverbandes der Betriebs- tronkenkassen am 1. und 2. Juni in Düsseldorf ihr Stimmrecht dahin ouszuüben, alle Sagungsänderungsanträg« ft ritte abzulehnen, um so die Versicherten weiter auszu- schalten. Damit ist der Tagung von vornherein der Stempel aufgedrückt. Die Versichertenoertreter wissen, daß sie auf keinen Erfolg rechnen können, weil die Arbeitgeberoertreter. die ja allein zurzeit das Stimmrecht in diesem Verband« ausüben, mit gebundener Marschroute kommen. Die Versicherten- Vertreter müssen deshalb zum Kampfe gegen diese Organisation auftreten und dem Reichsarbeitsminister, der auf der Tagung an- wesend sein wird, mit oller Deutlichkeit wissen lassen, daß sie nicht länger gewillt sind, sich als Statisten für die reaktionären Be- strebungen der Arbeitgeberorganisatian gebrauchen zu lassen. Versicherte, nehmt euer Delegationsrecht wahr und weist die reaktionären Bestrebungen zurück. „Die Notlage des Berliner Lastfnhrgewerbes." Die Fuhrherren-Jnming versuchte in der bürgerlichen Presse «Inen van ihr inspirierten Bericht mit dieser Ueberschrift unter- zubringen. Der Bericht besagt, daß die Fuhrbetriebe infolge der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage bedeutend eingeschränkt sind und ein großer Teil wirtschaftlich zusammengebrochen sei. Die Ein- schränkung und der Zusammenbruch der Betriebe wird auf das Dar- uiederliegen der Bautätigkeit und auf die den Betrieben durch die städtischen Fuhrparks sowie durch die staatlichen Verkehrs- gesellschaften erwachsene Konkurrenz zurückgeführt. Inftilge dieser Verhältnisse behaupten die Fuhrherren, den Arbeitnehmern d i e tariflichen Löhne nicht mehr zahlen zu können. Wenn die Fuhrherren sich der Konkurrenz zu erwehren suchen, so wird ihnen das niemand verargen, solange es in einwandfreier Weife geschieht. Die Arbeitnehmer wenden sich aber ganz entschieden gegen die Absicht der Fuhrherren unter Hmweis auf ihre Lage, die Oeffent- lichkeit und die Schlichtungsbehövden für einen Abbau der Löhne zu beeinflussen. Wie im Handel und in der Industrie, so sind auch im Fuhrgewerbe in der Nachkriegszeit viele neue Be- triebe erstanden, so daß«in« Ueberfüllung des Gewerbes zu oerzeichnen ist. Troß der geringeren Beschäftigungsmöglichkeiten infolge geringer Bautätigkeit hat sich der P f e r d e b« st an d gegen die Vorkriegszeit(wie im Organ der'Fuhrherren, dem„Fuhrhalter* Nr. 19 vom 12. Mai 1926 zu lesen ist) im Reich um 100 009 Stück vermehrt. Auch in Berlin ist eine Zunahm« der Pferde von 44 663 am 1. Dezember 1924 ans 46 924. et» Mehr von 1271 Pferden, bei der amtlichen Zählung am 1. Dezember 1926 festgestellt worden. Dieses Mehr entfällt vornehmlich auf die F u h r- betriebe. Dabei haben auch die Lastkraftwagen bedeutend zuge- nommen. Da also der Pferde- und Lastwagenbestand größer, die Beschäftigungsmöglichkeiten aber geringer geworden sind, so wird man die Lage im Fuhrgewerbe begreisen. Eine Gesundung wird erst eintreten, wenn entweder die Bautätigkeit sich bald hebt, oder ober ein besseres Anpassen der Zahl der Gespanne an den Bedarf erfolgt. Di« Auffassung der Fuhrherren, durch einen Abbau der Löhn« zu geordneten Verhältnissen zu kommen und durch niedri- ger« Löhn« die Konkurrenz zu beseitigen, ist falsch. In Wirklichteft Spv.'Metallarbeiter! Sesucht Cure Vahltörperversammlungen! würde auch durch eine Kürzung der Löhn«, die nicht einmal ausreichen, die Konkurrenz, das gegenseitige Unterbieten der Fuhrpreis«, nicht ausgeschaltet.� Nicht lange würde es dauern und die Fuhrherren erklärten, auch die abgebauten Löhne feien nicht trogbar. Die Arbeitnehmer lehnen jedenfalls den Austrag der Konkurrenz auf ihrem Rücken ab. Sie rufen den Fuhrherren zu, wenn der Arbeitsfrieden aufrecht erhalten werden soll:„Hände weg vom Lohnabbau*._ Der Streik im Beamtenwirtschaftsverein. vor den Verkaufsstellen des Beamtenwirtschaftsvereins ver- breiteten die Streikenden ein Flugblatt zur Aufklärung der Mit- glieder über die Machenschaften der Verwaltung zur Aufrechter- holtung ihres Herr-im-Haiise-Standpunkts. Diese Flugblattver- breitung ist der Leitung natürlich unbequem. Ist doch der B e- a m t e n w i r t s ch a f t s v e r e i n der einzige Betrieb in ganz Berlin, dessen Leitung Arbeiter maßregelte, die den 1. Mai durch Arbeitsruhe feierten. Damit hat diese Leitung einer bürgerlichen tonsumgenossenschaftlichen Organi- fation von Beamtene, sich in puncto Schärsmacherei am tollsten er- wiesen. Ob dies dem Ansehen des Beamtenwirtschaftsvereins zum Vorteil gereicht, sei dahingestellt: zweifellos aber ist, daß es zu finanzieller Schädigung des Vereins, d. h. der Mitglieder, führt, ganz abgesehen von der weniger appetitlichen Brotherstellung durch die Streikbrecher, die im Mehlraum ihr Nachtlager oufge- schlagen haben. Während nun die Leitung in ihrer Selbstgefälligkeit und Machthaberei an den Ursachen des Streiks vorübergeht, die sie selber heraufbeschworen hat, sind ihr die Wirkungen des Streiks weniger angenehm. Sie hat deshalb die Polizei oeranlaßt, den Streikenden die Verbreitung der Flugblätter zu verbieten. Wie weit die Polizeibeamten zu diesem Vorgehen berechtigt sind und ein Revier zur Beschlagnahm« der Flugblätter, wird sich zeigen. Da es den Streikenden ttogdem gelungen ist, ihre Gegenerklärungen gegen die irreführenden Darstellungen der Leitung des Wirtschaftsvereins an den Mann zu bringen und sie wohl weiß, daß das Vorgehen der von ihr angeftiftelen Polizei- reviere unzulässig ist, hat sie jetzt eine einstweilig« Per- f ü g u n g erwirkt, um die ihr so unangenehme Flugblattver- breitung zu verhindern. Wenn die Verwaltung glaubt, auf diese Wesse den Streik der Böcker aus der Welt zu schaffen, befindet sie sich, wie bei der Scharfmacherei überhaupt, auf dem Holzwege. Der Streik geht weiter! der Relchsbohttkonstikt. herabsehung de» Wertes des Streitgegenstandes. Aus die Beschwerde der drei gegen die Eisenbahnverwollung klagenden Eisenbohnerorganisationen wegen der Höhe des Klageobjektes hat jetzt das Kammergericht entschieden. Da- nach ist der Wert des Beschwerdegegenstandes von einer Million auf 10 000 Mark herabgesetzt worden, wodurch sich die Gc- richtskoste» ganz wesentlich ermäßigen. Die Kosten der Beschwerde sind der Reichsbahn auferlegt worden. Hierdurch ist ein Teil des aufsehenerregenden Urteils bereits korrigiert. Hoffentlich bedarf es nicht allzu viel Zeit, um auch den anderen Teil des Urteils dem Empfinden aller rechtlich Denkenden anzupassen. Wir erinnern bei dieser Gelegenheit noch einmal daran, daß der Termin vor dem Reichsbahnqericht am 9. Juni in Leipzig stattfindet._ Die Wahl deS Ortsausschusses in Halle. Halle, 29. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Kommunisten erlitten bei der Neuwahl des Ortsausschusses Halle des ADGB. eine schwere Niederlage. Trotz aller erdenklichen Bemühungen, den Kartelloorstand wieder in ihre Hände zu bekommen, wurde der alte, aus fünf Sozialdemokraten bestehende Borstand mit erdrücken- der Mehrheit wiedergewählt. Infolge der Berniehrung der Vor- standssitze von fünf auf sieben wurden zwei auf dem Boden der Amsterdamer stehende, gegenwärtig»och der KPD. angehörende Gc- werkschaftsführer hinzugewählt. Verbindlich erklärter Schiedsspruch. Kalle, 29. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der Verband mittel- deutscher Metallindustricller hat den am 11. Mai vom Schlichlungsausschuß Halle gefällten Lohnschiedsspruch für die Metallindustrie des Tarifgebiets Halle-Merseburg-Anhalt o b- gelehnt, während der Deutsche Metallarbeiteroerband ihn angenommen und bei deni Schlichter die Verbindlich- keitserklärung beantragt hotte. Der Schlichter Hot nun- mehr dem Antrage des Verbandes stattgegeben, so daß bis Oktober in Mitteldeutschland die alten Lahntarife gelten. Der englische Streik und seine Lehren bildet das Thema der er- wetterten Aorftändekonferenz am Donnerstag, den 3. Juni, abends IVi Uhr, im großen Saal des Gewerkschastshauses, die vom Ortsausschuß des ADGB. und vom Ortskartell des AfA-Bundes einbe- rufen ist. Referent ist der Genosse Viktor Schiff, der während des Generalstreiks für die„Vorwärts'-Redaktion in London war. Zutritt nur gegen Abgabe der Einleidung und Vorweis des Mit- gliedsbuches._ Die Finna Smolny, beschäftigt bei der Firma Philipp H o l z- mann, Sau ft eile Britz, Buschtrug, wird wegen Nicht- erfüllung des Tarifvertrages gesperrt. Wir ersuchen unsere Kol- legen Bauarbeiter, für Durchführung der Sperre Sorge zu tragen. Deutscher Baugewerksbund, Bangewerkschast Berlin. Fachgruppe der Swaker. ver Ortsausschuß Berlin de» ADV. verlegt seine Geschäfts- räume am Montag, den 31. Mai d. I� nach Berlin SW., Linden- straße 42 pt., Hofeingang. In den gleichen Räumen wird auch in Zukunft, und zwar Montags und Mittwochs abends 6 bis 7 Uhr. die Juristische Sprechstunde für Beamte abgehalten. (Gewerkschaftliches siehe auch 3. Beilage.) »nontwortli» für Politik:«ruft Stent«; Wirtschaft: Brt-r Soternu«: Gewerttchoft-bewegung:{friede,«»kor»!«euMeton: Ä.&. DIscher: Lokale, und Eonstiaes: ifri»»arktiidt: An»eia«»: Zt. 9Udt: sinnt!: ch in Berlin. Berlaa: Lorwärts-Berlaa E. m. b. 6., Berlin. Druck: Borwärtz-Buchdruckeret und»erlaasanstalt Paul Sinaer n. Co..»erlin SW k«. LindenftraSe 3. «Um 2 Beilagen...Unterhaltung und Willem* und„Au- der{film. Welt*. Mr.l Hr. 2 Kleid-u, vorzüglichem bedruckten f C Voll-Voile 5r«# 9 Kleid bedr. Kunatseide "Sv°14.50 Paitieitklclclimg Jumper»u» gestreifter oder karierter /I C\ Kunstseide.. Kleid jugendliche Form aus Q 7 C*. Wollmusselin J/a t O Kleid aus einfarbiger Kunstseide« A mit Bordüre l�aOv' Kleid bed». Voll-Voile mit weißer"i Garnierung XOkOv' Windjacke vorzüglich. Mantel reinwollen, im- esrr 29.00 Oamen-HUte Hut aus Tagai-Picot, mit Kunalaeida O garniert..... O.Z7\J Filz-Hut in mod. Farben. ■* B"d 5.90 garniert. Kupeckoffer i mit Vulkanfiber- Ecken krokodilgenarbte Hartplatte and 2 Zug- 4" schlösse m. Länge 70 cm........ 6SS&/iat5!* BERUS O* SPAWDÄJJBRßrßASSB*«�#�� HerreMkleidimg Sakko-Anzüge hellfarbige Stoffe, Ireihige Form 66.- 98.00 Lüster-Sakko* mit Ärmel- SS. 6.75 16.50 Waschj oppen sSm«l gmu. Scht. 6.75 12.50 Tennishosen kaumwoßenW Jfc. 7.00 9.75 | Leder-Sportgürtel für Herreu, mit i OC£ KoppeUcKloß..•« l IClwtlerklel—wg Kieler Waschanzug a mit Stickerei-Ansatz O.Ov Prinzessrock q rir\ mit Stickerei-Anaatz OsDy- Farbige Wische Hemdhose ans farbig. Beriet- OpeJ mit Valew Q 7�1 eseonea Spitz«...... O.» O Nachthemd C CA aus farbigem Beriet. OeOLr Garnitur Taghemd uVeinkleid ane farbig. Beriet mit*7 CO Valenciennes-Spitze. I eOV/ Frottierhandtücher a qc 50x1 10 cm, weiß... X.OO 5ÖXl 10 cm, weiß ödere Q/*\ bunt gemustert...... X»Ov/ Frottierlaken bunt gemustert*7 C Jacquard 125X150 cm De( O 180 8.90 200 10.90 Bademantel für Damen und Herren aus farbig. 4 A /%/> Frottierstoff...... Badecapeausbunt 4 q gestr. Frottierstoff. XO.OU Gardinen Halbstore Etamine 4 0 c na. Fries- u. Tüllvolant AkOO Halbstore aus Etamine mit Filet-antique Fries£ und Klöppelspitze.. 0*0 w Madrasgarniturmod. Form. dunkelgrundig mit � 7C Perlposamenteo.. 1• s O Wolkenstore Vollvolle mit Äcm.... 26.00 HautwätcSie Einzelne Tischtücher Größe 130x160 cm. O-4 r Halbleinen Jacquard DexO Ressleiaea Jacqnssd 5.90 Einzelne Servietten �0.70 S10.95 Künstler-Kaffeedecken wmach-, Bebt- njeaeb- echt, 130x160 cm.. D.OU Stubenhandtücher Retaleineo. Gerstenkorn rast Jacquard-Kante, 4 rt C 48x1 10 cm........ X.i&O Küchenhandtücher weiß rcialeinen O C Dia per. 45x100 cm Vt.c/O Wischtuch weiß r\ /zr Reinleinen, 60X60 en w.DO Taschentücher Reinleinen, Gelegenheitskauf 35em0.40 45cm0.60 Schuhwaren Weiss Segeltuch Spangenschuh mit gesdiweiftsm»flflen Abtsö wie Abbildung oder mit bsib- C O C hohem braunen Absatz.... O.�O Grau Boxcalf mite 4 a/\ geschweift. Absatz A A Lack m. geschweif- 4 o CA tem Absatz...... A�»�� eisschrantee mit Gberküklung Eichenfarbig mit i�inkeinlags ein- 7C doppel-iCA türig i C» türig..JHJJmf Weiß lackiert mit Glaseinlage cin;11ß.döppcl-'jQC tüxigXXw* türig..XwCs* Nr. 2SS ♦ 4Z. Jahrgang ?. Heilage öes Vorwärts Sonntag, ZS.Ma! 7H2H Äm 24. April 1742 rief ein Erlaß Friedrichs II..zur repri- mierung des exzessiven Bettelns auf den Straßen hiesiger Residentz" das Berliner Arbeitshaus ins Leben. Als erstes Gebäude des Ar- bcitshaufes diente ein der Flsischerinnung abgemietetes Haus, das dann seinen Spitznamen.der Ochsenkopp* auf alle die anderen Ge- bäude übertrug, die bisher in Berlin gleichen Zwecken dienten. Heute liegt das Arbeitshaus draußen in Rummelsburg und beherbergt eigentlich vier Anstalten: das Arbeitshaus, dos Hospital, das Wander- arbeitsheim und die Arbeitsanstalt für Arbeitsscheue und säumig« Nährpflichtige. Im Arbeitshaus können von der Polizei unterge- bracht werden: alle Landstreicher, Bettler, Unterkunftslose, die sich nach Ablauf der von der Behörde gestellten Frist kein anderes Unterkommen besorgten, arbeitsscheue Armenunterstützte und„Weibs- Personen, die die sittenpolizeilichen Vorschriften übertreten haben*. Zurzeit beherbergt die Anstall ungefähr IllX) Insasien, davon 420 Korrigenten, das andere sind Hospitalinsassen oder Wanderarbeiter. Korrigenten( Arbeitshäusler). Die letzteren holten sich hier freiwillig auf, sie bekommen außer Esten und Kleidung 8 M. Monatsgeld als Entlohnung. Die Korrigenten bekommen gar nichts bar ausgezahlt, für ihre achtstündige tägliche Arbeit wird ihnen ein Verdien st von täg- lich 15 bis 20 Pf. gutgeschrieben und bei der Entlassung ausgehändigt. Die Hospitalitcn bekommen 3 M. monatlich Taschen- geld. Nur Vorbestrafte kommen in dieses Hospital; sie werden in anderen Berliner Anstalten nicht aufgenommen. was Sie öeamten sagen. Der Direktor, ein großer alter Herr mit dichtem grauen Haar und gutmütigem Gesicht. Er meint:„Ja, unsere Anstalt entspricht nicht mehr modernen Grundsätzen, sicher. Aber wir können ja aus dieser Haut nicht heraus. Sehen Sie bloß mal die Gebäude an! Für ein Hospital sind sie eine reine Schande, steile Kreppen, kahle Säle, nur das Holwendigste drin: wir kriegen allen Schurr-Murr von den anderen Anstalten. Die Häuser stehen alle so, daß sie eine reine Nord- und eine reine Südsront haben, dazu haben wir die älteste und unzulänglichste Zentralheizung, eine Lustheizung, und in manchen Räumen kriegen wir im Winter die Temperatur nicht höher gls 10 Gradl Und so veraltet ist vieles.— Ja. es ist manchmal schwer, iWWMWW»»»» mit dem Menschcnmatcriol hier zu arbeiten. Volle Arbeitskräfte Fl schv skr> sind sie nicht. Fast alle tragen Merkmale schwerer Degeneration oder sind durch Trunk geschwächt. Der verdammte„Brennabor* ist über- Haupt der größte Feind unserer Arbeit hier. Immer wieder wird er eingeschmuggelt!— Wenn wir nur mehr Platz hätten: unsere Hospi- taliten könnten gut einige ossene Liegehallen, ein bißchen mehr Garten brauchen. Jeder hat im Saal ja nur Bett, Stuhl, Nachttisch, und die Betten stehen eng aneinander. Aber wir sind hier immer Stiefkinder der Stadt: Für das Arbeitshaus ist von allen Dingen das Schlechteste gut genug, und geht es um Neuerungen, dann kann dos Arbeitshaus am längsten warten.*— Wesentlich rosiger färbt der Herr Oberinspektor das Bild:„Die Leute haben es wirtlich gut bei uns. Schwerkranke bekommen zur täglichen Anstaltskost noch Zulagen, manche bekommen täglich ihr Ei. Und sie sind ja auch alle zufrieden, wenn sie klagen, so hat nur das tägliche Einerlei schuld. Gewiß bleibt noch einiges zu wünschen. Aber hier sind die Leute wenigstens von der Straße weg: manche lernen ja hier erst den Segen der Arbeit schätzen.* was Sie Insassen sagen. Alte Männer, zusammengedrängt in den unzureichenden Räu- men: kein Hospital macht einen so trostlosen Eindruck. Selten kommt Besuch. Keine Blume an den Fenstern erfreut die alten Augen, die wenigen Bücher sind kostbarstes Gut und wandern von Hand zu Hand. Was sagen die Alten?„Wlr leben hier, als ob wir von oller Welt ausgestoßen wären. Niemand denkt an uns: wir leben ja im„Ochscnkopp*! Und wir teilen mit den korrigenten, den Arbeilshäuslern nicht nur die Anstalt, auch die Kost: die kann natürlich so keinem genügen. Weder den Arbeitshäuslern, die strenge körperliche Arbeit leisten können, noch uns alten Leuten, die wir doch Dörrgemüse und andere, recht derbe Kost nicht mehr gut vertragen. Dielleicht wäre manches besser, wenn wir wirklich olles bekämen, was uns nach der Vorschrift zusteht. Aber wir glauben, daß wir vieles nicht bekommen. Es hat aber keinen Zweck, wenn wir uns beschweren. Wir sind ja lauter„Vorbestrafte". Und wir können ja auch nicht ableugnen, daß unter uns oft Menschen sind, die sich kaum in einen anderen Rahmen schicken würden. Denn das allerfchlimmste: Man steckt hier jeden Dorbestrasten herein, egal, was er sich mal zuschulden kommen ließ. Natürlich, auf diese Weise sind dann auch Säuser und allerlei Volk hier drin. Aber dadurch sind auch wir anderen alle entrechtet und wir teilen den bösen Ruf, den diese dem„Ochscnkopp* verschafft hoben. Darum glaubt uns niemand...." wie es der Reporter sieht. Das ist auch wirklich das Unglück, und das wird auch von dem Direktor, der für seme Pflegebefohlenen Verständnis hat, zugestan- den: die Zusammenwürselung des Menschenmalerials. Die vier Anstalten, hospilal, Arbeitshaus und Ivanderarbcitsstätte und die ......... ige. die fjut zu bringen sind. Ob diese Anstalten in ihrer heutigen Form Arbeitsonslalt sind Dinge, die schlechterdings nicht gut unter einen überhaupt zweckentsprechend sind, steht dahin. An den„fühlbaren Segen der Arbeit" bei den Insassen des Arbeitshauses kann ein Außenstehender kaum glauben, besonders wenn er sich vcrgegen- Hospitanten. wärtigt, daß der materielle Ausdruck dieses Segens in einem Tage- tohu von 5 bis 20 Pf. besteht. Und eine Anklage für die Gesellschaft ist es. wenn in dem Zug der„schwarzen Husaren* auch Krüppr* marschieren. Einige Säusergesichter marschieren in dem Zuge mit, manches zeigt starke Zeichen einer Degeneration. Wenig Jugend- lichc: die meisten sind alte Arbeiter, und unter ihnen mehr als ein Gesicht, aus dem die ganze Tragödie eines Proletarierlebens spricht. Die„Anstalt für säumige Hährpslichtige*. in die u. a. auch Väter, die die Alimentation ihrer Kinder verweigern, gesteckt werden, er- zielt noch die besten Resultate. Das heißt, eine Unterbringung hier genügt meist, um die fernere dauernde Alimentation der Unter- stützungsberechtigten zu sichern und wirkt prompter als jede Geld- strafe.— Die Wanderarbeiter, die hier freiwillig Zuflucht suchen und die oft monatelang hier Hausen, sind zum Teil Saisonarbeiter, die mit der guten Jahreszeit wieder verschwinden. Dann aber sind hier auch Frauen, meist ältere Frauen, die ihre Wohnung, ihre Ar- beit verloren haben und aus dem Asyl in der Fröbelstroße hierher übersiedelten. Schlimmer als in der Palme konnte es ihnen ja nicht mehr gehen.... Das traurigste Los aber haben die hospitaliten. lieber die baulichen Mängel des Hospitals ist den Ausführungen des Direktors kein Wort hinzuzufügen. Dazu kommt der Platz- mongel. Wenn wenigstens in jedem Hause für die Insassen einige Tagesräume wären, zwei große helle Säle, in denen die Insasien Frau Knorke ärgerte sich eigentlich über ihre sonst so redselige Große, die heute kein Wort sprach, d. h. eigentlich ärgerte sie sich über sich selbst, und zwar darüber, daß sie mit ihren Gedanken von der„neumodischen Schule" gar nicht los kam. Mußte sie sich nicht selbst gestehen, daß die Kinder, seit sie in diese Schule gingen, den Eltern viel weniger Aerger machten und sie, die Mutter, viel weniger zerrissene„Loden* zu flicken hatte. Kaputt gingen die Sachen ja noch reichlich— aber hatte Anneliese nicht so viele Handgriffe und Anregun- gen aus der Schule mitgebracht, wie man aus altem neues macht und man das Alte doppelt schonen müsse, wenn der Verdienst zu Neuem nicht zulangt? Weil dos Alte viel müh- seliger aufzuarbeiten und trotzdem, weil schon abgetragen, nicht mehr so widerstandsfähig sei. Ueberhaupt— na ja, seit der neuen Schule hat sie keine Not mehr, Anneliese zur Hausarbeit zu treiben. Sie flickte, stopfte nicht nur für sich, sondern half auch Mutter bei Vaters .and der Jungen Sachen. Mutter schielte nach Anneliese, die noch immer wortlos ihre Arbeit machte, und unterbrach schließlich ihre Schweig- samkeit mit den Worten: ,,Na. du erzählst ja heute keinen Ton von de neue Schule? Hast woll och schon'n Haar drin jefundcn?* „Nein,* antwortete Anneliese, ohne von ihrer Arbeit auf- zusehen„Im Gegenteil. Ich finde sie schon lange inter- essanter als die alte.* „Na. na. Warum erzählst du da deiner Mutter gar nichts von?* „Du schimpfst ja doch nur immer drauf, wie vorhin bei Karle,* sagte Anneliese zögernd. „Na ja. so'n Quatsch, mit'cm Gericht aus Lausbuben!* „Na, Mutter, ist es denn mit'm Gericht aus— Laus- Mädchen anders?* „Wat soll det nun wieder Heeßen!* fuhr Mutter auf, die gerode wieder einen Teller in die Abwaschschüssel legte. � „Daß wir auch so ein Gepicht gewählt haben,* erwiderte halb heulend Anneliese. „Wat?* schrie die Knorken, die aus der Sodabüchse«was in die Abwaschschüssel schüttete, und richtete sich in namen- lojem Erstaunen auf. ..Ja.* sagte Anneliese immer noch weinersich,„und ich bin Vrasidentin.* Mutter Knorke ließ mit dem dritten„Wat?* die Soda- büchse in den Abwaschnapf fallen. Bei diesem Fall ging«in tiete.- Teller in die Brüche. Anneliese schrie ängstlich:„Nu wirste wieder sagen, ich bin schuld.* „Nee.* sagte Mutter, die sich nach dem doppelten Schreck in den Stuhl hatte fallen lassen.„Ich bin mit mein' bißken Verstand zu Ende. Ich habe bei'nem wirklichen Landge- richtsrat jedient. Der hat studiert, zwee Examen gemacht und wurde, als er neunundfuffzig Jahre war, Präsident. Da wunderte sich jeder, daß man so'n jungen Menschen schon— und jetzt kommt so'n zwölfjähriger Grienefies von Mächen und sagt:„Ick bin Präsident!*— Ick finde mir in diese Welt nich mehr zurecht.* „Nu wirste ooch uf mich schimpfen!* heulte Anneliese. „Ick?" sagte Mutter, stand auf und wischte sich mit ihrer Schürze den Angstschweiß ab, der ihr auf dem Gesicht stand, „ick sage keen Wort mehr— keen Wort! Selbst wenn jetzt Fritze käme und meldete, daß Hindenburg zu seinen Iunsten uff den Reichspräsidenten verzichtet hätte. Denn der is ja ville schlauer als du und Karle zusammen.* Sie ging wieder an ihre Arbeit, räumte unter Kopf- schütteln die Scherben des oer Präsidentschaft ihrer Tochter geopferten tiefen Tellers in den Ascheimer— der Rest war Schweigen. Anneliese war nicht ganz-wohl. Sie erwartete jeden Augenblick, daß bei Muttern wieder ew helliges Donnerwetter losbrechen würde. Mutter sang erst bei ihrer Arbeit. Das tut sie nur, wenn sie böse war, denn Vater sagte, bei ihrer Stimme könne man nicht unterscheiden, ob sie zum Ballett gehört oder ob ein Malheur passiert. Schließlich faßte Anneliese Mut und sagte:„Siehste, Mutter, Vater hats doch jut jemeint, daß er uns in die neue Schule schickte, und die Iungens sind doch jetzt auch nicht mehr so frech. Bater hat seine Freude an uns und geht in kein« Kneipe mehr. Und da hättest du ihm seinen Spaß mit dem Dreiröhrenapparat nicht oerderben sollen." Frau Knorke war mit offenem Munde stehen geblieben. „Ach!" platzte sie heraus.„Jetzt fängt wohl meine Erziehung an?" „Mutter,* sagte Anneliese und schlang beide Arme um ihren Hals.„Nicht böse sein!" „Ich, böse?* stotterte die Knorken.„I bewahre. Ich begreif bloß noch nicht so fix. Die Präsidentin muß mit ihrer alten Mutter Rücksicht— und Nachsicht— und wie das alles heißt, haben. Es wird schon noch werden.* Sie saß wieder auf dem Stuhl. Anneliese auf ihrem Schoß: immer noch beide Arme um Mutters Hals und bald weinten beide, ohne eigentlich zu wissen, warum. Aber io herzlich waren sie noch nie miteinander gewesen. Ja, ja, die neue Schule! Sie hatte auch in Knorkes gute Stube Ä ihre Wellen hinein- � i? gespült, und zwar R am meisten, als Mut« (/ 5(1 ter Knorke vor dem neuen Staatsanwalt ausgerissen war. Vater nahm die- sen beim Arm und init respektvoller Stimme sagte er: „Nun muß ich wohl dem Herrn Staats- anwalt gegenüber auf der Hut sein, daß ich keine Anklage wegen Verletzung der Amtswürde erhalte, wenn ich ihm die Hosen ausklopfe, so lange er sie noch an hat?" „Na weißte," sagte Karle, durch Vaters joviale Art zu- traulich gemacht,„besser komm' wa beide fort, wenn wir vorm Termin einen Vergleich schließen. Ich würde dann in diesem Falle den Strafantrag zurückziehen." „So,* meinte Knorke lustig,„das ist ja sehr nett von dir. Und wie würde der Vergleichsvorschlag lauten?"— .,(Fortsetzung folgt.) fuf) mit Brettspielen und Lektilre die �ett vertreiben kSnnten. statt an trüben Topen nur eine Wahl zu haben i den Bretterstuhl oder das Bett Es ist kein Plag! Aber mitten Zwilchen düsteren Häusern steht düster und kalt die Anstaltskirchc, gretz und leer. Nur zu den wöchentlichen zwei Stunden Kottesdicnst wird sie gebraucht. Die sind„ohne Zwang", wie der Herr Jnspettor lobend hervorhebt, gut besucht...denn die Leute sind hungrigjiach jeder Abwechslung". Manchmal werden in der Kirch« auch Filmoorträge veranstaltet. Sonst aber ist die große Holle ganz leer. Aber in den Hospitolsälen drängen sich die Alten zusonime'n, sie hoben außer ihrem Bett keinen Plag, die müden Glieder zu ruhen.... 1° Damit war der Rundgang beendet. Holzhof(8 Stunden Holz sägen für 5 Pf.:„Segen der Arbeit"), Bäckerei und Wertstätten sZischler., Schuhmacher-, Schneiderwerkstatt) waren besichtigt. Die Werkstätten arbeiten nur für die Stadt Berlin: sie sind immer reichlich beschäftigt. Die Schuhmacherei arbeitet sogar sast nur für die eigene Anstalt, denn es will schon etwas heißen, die 1100 Paar Stiefel der Anstalt in Ordnung zu halten! Die Bäckerei aber arbeitet tür alle Anstalten Berlins, vom Obdach bis zu den Krankenhäusern. Sie oerfügt über die modernsten Maschinen und liefert ein wirklich gutes, wohlschmeckendes Brot. Ueber die Jnsasien des Hospitals, über ihren Weg hierher und über ihr Schicksal sall noch ein zweiter Artikel folgen. Clenö im Zrühling. Die milde, laue Luft, die lockenden warmen Strahlen der Lenz- sonne haben das Elend aus grauen, kalten Höhlen in die städtischen Anlogen und Parks getrieben. Die eleganten Promenadenreiter des Tiergartens, die Bonnen und Schwestern mit den hellgekleideten, ge. pflegten Kindern finden die Bänke bescßt mit ungebetenen, finsteren Gästen. Wie ausdringlich und kraß beben sich ihre Verwahrlosung und die grau« Stumpfheit ihrer Mienen ob von dem leuchtenden Hintergrund lichtgrüncr Wipfel, schwebender Blütenzweige und gold. gelber Sonnenreslexe. Da siße» sie nun in dichter Reihe auf den Bänken und lasien die armen ausgemergelten Körper in der zerschlissenen Kleidung sachte streicheln von der warmen Sonne. Auch ihnen gilt ja die sroh« Frühlingsmahnung!„Wirf ob die Wintersorgen!" Aber das dumpfe, zermarterte Hirn kann nur noch unklar einpsinden:„Wenigstens das Frieren hat jetzt ein Ende! Wenigstens braucht jetzt nicht mehr ein großer Teil der armseligen Unterstützungsgroschen zur Fütterung des Kanonenofens geopfert werden!" Aber kein Wider. spiegeln von Lenzesfreudc, kein Wicdererwachen von Lebenslust und Hoffnung angesichts der üppig sprießenden und blühenden Natur ist auf den schlaffen Zügen, in den erloschenen Augen zu finden. Kein schwacher Freudeton aus menschlichem Herzen will sich in die brau- seich« Sinfonie des Lebens rings umher ergießen. Der eine ist monatelang arbeitslos, der andere ein halbes Jahr, ein dritter fast ein ganzes.„Für uns ist alles aus!" liest man erschüttert in den Blicken noch junger, rüstiger Männer, nur selten erhebt sich das murmelnde, eintönige Gespräch zu einer lebhafter geführten politi- scheu Debatte. Meist erdrückt die eigene bittere Misere alles In- «eresi« am öffentlichen Geschehen. Nur manchmal überfliegt ein Lächeln ein kummervolles Männergesicht.' wenn einem der spielenden Kinder sein Ball oder Reisen unter die Bank gerollt ist und es flehend und furchtsam hinüberblickt, bis ihm das Spielzeug mit freundlichem Blick und Wort zurückgereicht wird. Ach ja, die Kinder! Könnte man es nur schaffen, daß die eigenen daheim nicht zu hungern brauchten! .„'J Längst hat die gleiche lange Not ehemalige wirkliche oder ein- gsbildete Standesunterschicdc hinweggewischt: ohne Abstand zu mar- tieren, sitzt der stellungslose Handlungsgehilfe oder Kaufmanns- reisend«, dessen Kleidung immer noch leise Spuren einstigen Bügel- foltenglonzes zeigt, neben dem stellungslosen Hilfsarbeiter. Nur « i n linterschied besteht noch, den auch das härtest« Schicksal nicht zu nivellieren vermag: die Krast des Geistes und der Reichtum der Seele. Bewunderungswürdig ist es, wenn auch unter diesen Aerm- sten immer wieder ein junger Mensch sich besindct, der mit seligen Augen in die Pracht hineinträumt, deren Anblick ihm in„guten" Zeiten da» nüchterne Bureau, der graue, lärmende Fadriksoal raubte, und die gedankenvolle Stirn hineinscnkt in geliehene Bücher voll Schönheit' und Wissen, die Ihm sonst stets das hetzende Arbeitstempo aus der Hand riß. Solche sieghafte Lebenskraft wird sich durch- ringen. Nochmals: Tie Festnahme im Hemd. Di« Festnahme des Händler» P e r ch a l l« r au» der Boyen- stroh«, der von Schupobeamten im Hemd zur Polizeiwache gebracht wurde, veranlaßt da» Polizeipräsidium jetzt nochmals zu einer E r- klärung, der wir folgendes entnehmen. Der Kommissionär Gustav P e r ch a l l e r aus der Boyen- straße 38 war vor einiger Zeit zu einer Polizeistrafe von 80 Mark verurteilt worden. Die Geldstrafe ist nach den geltenden Bestimmun- gen bei der P o l i z e i a m t s k a s s e des betreffenden Bezirks ein- zuzahlen, die Polizeiamtskasse gibt eine Quittung und benachrichtigt zu gleicher Zeit das betreffende Polizeirevier. Wenn nämlich die Strase nicht bezahlt wird, so hat das betressende Polizeirevier nach den Bestimmungen den Säumigen in Polizeihaft zu nehmen. Per- challer nun hatte seine Strafe ratenweise bezahlt. Die letzte Rate war sehr spät gezahlt worden, so daß kurz vorher die Polizeiamtskasse das Polizeirevier benachrichtigt hatte, daß Perchaller immer noch nicht gezahlt habe. Das Polizeirevier entsandt« daraus »inen Beamten, um Perchaller aum Revier 311 bringen. Der Beamte klopfte am Mittwoch um U h r s r ü h an die Wohnung»- tür. Perchaller zeigte dem Beamten seine Quittung, dieser aber ver- goß. sich das Aktenzeichen zu merken, ging zum Revier zurück und erklärte, daß Perchaller schon bezahlt habe. Dort stellte man aber das Gegenteil fest, weil nämlich die Polizeiamtskasse es immer noch nicht für nötig gehalten hatte, dem Revier mitzuteilen, daß die Summe inzwischen bezahlt morden sei. Man beschloß daraufhin im Revier, am nächsten Morgen noch einmal Beamte in die Wohnung zu sthicken, die sich das Aktenzeichen ansehen sollten. Diesmal kamen sie nicht um n5 Uhr, sondern„erst" um H6 Uhr morgens. Perchaller weigerte sich dies- mal, die Quittung zu zeigen. Er werde, wenn er ausgeschlafen habe. zum Polizeirevier kommen und die Quittung vorlegen. Di« Beamten gingen fort und erstatteten Meldung un Reoieramt. Am Nachmittag erschien Frau Perchaller auf dem Revier und gab einem dort sitzenden Polizeiassistenten«ine Beschwerde zu Protokoll. Der Assistent hielt es aber nicht notwendig, sie weiter- zuketten. Infolgedessen erfuhr der Reviervorsteher davon nicht». Kein Wunder, daß er beschloß, Perchaller nun doch zu zwingen, aufs Re- vi« zu kommen. Di« Polizeiamtskasse halle natürlich immer noch keine Benachrichtigung geschickt. Am Frettag früh Kfl Uhr erschienen zum drittenmal zwei Beamte in der Wohnung und oerlangten die Quittung zu sehen, andernfalls der Mann auf, Revier müsse. Perchaller erklärte, er d«nke gar nicht daran, er habe sich ja gestern beschwert. Davon war nun wieder den Beamten nichts bekannt. Sic befahlen ihm. sich anzuziehen. Ein Beamter blieb in der Wohnung, andere ging auf die Straße, um eine Droschke zu holen. Er lieh die Droschke vor der Tür warten und ging hinauf. Perchaller weigerte sich noch immer, sich anzuziehen und mitzukommen. Daraufhin nahmen ihn die Beamten, wie er war, und schleppten ihn die Treppe hinunter. Leider war die Droschke nicht mehr da, die hatte inzwischen ein„Zivilist" genommen. Infolgedesien mußten sie zu Fuß gehen. Auf der Wache ließ man ihn eine Stunde sitzen, bis seine Frau mit den Kleidern und der Quittung kam. Da endlich konnte man die Aklennummer sehen und sich mit der Polizeikasse in Verbindung setzen: es stimmte alles. Perchaller hatte bezahlt. Wir hätten schon in unserer gestrigen Meldung das Verhalten der Beamten für einen Mißgriff erklärt. Unser Bertrauen zum Polizei- Präsidenten berechtigt uns zu der Hoffnung, daß die Beamten, die die Sache verpatzt haben, zur Reckenschast gezogen werden. H u g e n- bergs Nachtausgabe nimmt den Vorfall zum Anlaß, Angriffe gegen die Leiter der Berliner Polizei zu richten. Das ist weiter nicht verwunderlich, da ja gerade die Berliner Polizei es ist, die den Hugen. bergern das schöne Putschrezept so rücksichtslos verdorben bat. Im übrigen hat der Polizeipräsident schon erklärt, das er den Geschäfts- gang bei der Polizei einer genauen Prüfung unterziehen wird. Achtet auf die Kinder? Ein Eittlichkeitsoerbrecher treibt w den nördlichen Stadttellen von Neukölln fein Unwesen. Er hat es auf ganz kleine Mädchen abgesehen, die er an sich lockt und verschleppt. An einem vierjährigen Kinde verging er sich schwer in den Anlogen des Tempel- hoser Feldes bei Neukölln, an einem ebenso alten auf der Treppe dr» Hauses Pannierstr. 2/3. Der Verbrecher ist etwa 30 bis 3d Jahre alt, hat einen gesttitzten dunklen Schnurrbart und trägt«ine qraue Schirmmütze und einen bräunlichen Anzua. Mitteilungen zu seiner Ergreifung an da» Polizeiamt Neukölln, Zimmer 52. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 30. Mai. 0 30— 8 Uhr vorm.: Frilhfconrert des Mnsikkorp» de» 1. fl.(Preuß.) Inf.-Keg. Potsdam. Leitung: Obenausikmeister Wilh. Hacemann. 1. Choral:„Lobe den Herrn". 2. Armeemarsch Kr. 7 Ct. Batl.-Oarde). 3. Soialek: Ouvertüre.Wo] a-azijreuner". Eulen- bnrg: Prei Rosenlieder: ai Monatarose. b) Wilde Rose, e) Rankende Rose(Flüaelhorn: Herr Peters). 5. Fncik: Traamideale, Walr.er. 6. Xesvadba: Loreleyparaphrase. 7. ZeUer: Potpourri über Motive aus der Ooerette„Der Obersteig-er". 8. Kline■ Wald- tenfoleien. 9. iO Rust: Zweierlei Tu ob, Marsch, bi Villinger: Tla-Marsch. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 11.30—12.50 Uhr nachm.: rnterhaltnnpsmusik der Marimba-Kapolle.La Joya de Quatemala*. 1 R. Quiroz: Tennisklub. Marsch aus Guatemala 2. Suppi: Ouvertüre zu«Wenn ich ein König wäre*. 3. J. Padilla: Valenzia, Fontrot. 4 J. Paoiagua: Tee um Uman. Walzer aus Guatemala. 5. H. Polo: Rosi. Fontrot. ß. Homartinez: La Maleva, Tango Argentino. 7. Fantasie an» der Oper»La Traviata". bearbeitet für Marimba von G. Älcajitara aus Guatemala. 9. Alb. Dominguez: Dosninguez. Shimoiy von Meriko. 10. De Tradier: La Paloma, menikanisehe» Lied. 11. Hurtado: Paseo Alegre, Marsch von Guatemala 12. FUipe Ter»: La Oasita Danza Me-cioana. 2 20 Uhr nachm.: Herbert Rosen:»Die Postwertzeichen des Deutschen Beiober. 1. Teil: Die Brietmarken von 1872 bis 1900. Anschließend: .yenbeitenmeldnngen". 9 Uhr nachm.: Hans-Bredow-Schule (Bildungskurse). Abteilung Landwirtscheft Prof. Dr. Ludwigs: »B.odenpfloge. die Grundlage gesunder Kulturen(2. Teil)*. 8.30 Uhr nachm.: Funkheinzelmann.»Fnnkheinzelmann bei Rübezahl' von Hans Bodenstedt Erzählt vom Fnnkheinzelmann. 4.20 Uhr nachm.: Major a. D. Georg Schnarke:»Die Uranfänge des Verkehrs* 5 bis 6.30 Uhr abends: Konzert. Anschließend: Ratschlage fürs Bans, Thoaterdienst 7.10 Uhr abends: Bans Siebert von Heister »Die große Berliner Knnstansstellnng 1928". 7 35 Uhr abends Karl Robert Blnm:»Die kulturelle Weiterentwicklung des Films 12. Teil)". 8 Uhr abends: Hermann Kreban:»Globetrotter und Olobotyper(Wie reist man im Orient?)" 8.30 Uhr abends: SenS- Georgi-Äbend. 1. a) Kiobolls: Kleiner Marzipansoldat Marsch b! Suppd: Ouvertüre zu der Operette»Die schöne Galathee" (Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Srpa- nowski). 2. Senff-Georgi spricht 3. Lehär: Potpourri aus der Operette»Der Graf von Luxemburg"(Berliner FunkkapelleV 4. Renfl-Georgi spricht 5. Robreeht; Das fidole Alt-Berlin. Fox- trot-Potpourri(Berliner Funkkapelle). Anschließend; Bekanntgabe der neuesten Tagesnschriohten, Zeitensage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst 10.30—12 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kermbacb. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Montag, den 31. Mal. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.10 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau(Dorothea Goebeler:»Dein Kind lebt nicht von Brot allein"). 5 Uhr nachm.: Novellen. Artur Földes liest ans seinen Werken. 5 30—8.30 Uhr abends: Xachmittagskonzort der Berliner Funkkenelle. Leitung; Konzertmeister Ferdy Kauffmsn. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theaterdienst 8 50— 7.35 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule (Bildungskurse). 6.50 Uhr abends: Abteilung Sprachunterricht Französisch(Prof.0. Colson). 7.15 Uhr abends:(Hocbschulkurse). Abteilung Kunstwissenschaft Dr. Max Osborn:»Meister der klassischen Malerei: Velaeqnez nnd El Greco". 7.45 Uhr abends; Korvettenkapitän Mattbiae:»Die Seeschlacht vor dem Skagerrak". 8.10 Uhr abends: Der Sternenhimmel im Juni(Prot Dr. Adolf Marcuse). 8.30 Uhr abends: Klaviersonate(op. 63, C-Dur, dem Grafen Waldstein gewidmet) von L. von Beethoven. Allegro con brio— Intreduzione(Molto adagio)— Rondo(Allegretto mode- rato)(Celeste Chop-Qroenevelt). 9 Uhr abends: Zur Unterhaltung. 1. a) Gluck: Ballett aus»Orpheus", b) Händel: Gavotte Nr. 1 (Konzertmeister Franz v. Szpanowski, Violine; Konzertmeister JuUua Barger, Cello; Hildegard Bosoher, Harfe; Ben Geysei, Harmonium). 2. a) Bizet: Pastorale, b) Oodard: Berceuse(Angela Sax, Sopran). 3. a) Flotow: Gebet aus der Oper»Stradeila" (III. Akt), b) MaUlart: Romanze des Silvain aus der Oper»Das Glöckchen des Eremiten"(Alfred Emesti, Tenor). 4. a) Sohnbert; Ave Maria, b) Noren: Frühlingsmorgen(Franz v. Szpanowski, Julius Berger, Hildegard Roscher, Bsn Geysei). 5. a) Tosti: Ideale, b) De Curtis: Erinnerung an Sorrent, o) Holländer: Wenn die Rosen blühn(Angela Sax). 6. a) Auber: Schlummerlied aus der Oper»Die Stumme von Portio:", b) Nikolai: Horch, die Lerche singt im Hain, 0) Leitzing: Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen, aus der Oper»Zar und Zimmermann"(Alfr. Ernesti). 7. a) Schwerz: Barcarole, b) Gonnod: Hymne ä Sainte Odette(Franz v. Szpanowski. Jnlins Berger, Hildegard Roscher, Ben Geysei). Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnaobrichten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen, Montag, den 31. Mai. 1.10— 1.40 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann ans London: Englisch für Schüler. S— 3.30 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann aus London: Englisch für Anfänger. 330— 4 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann aus London: Englisch für Fortgeschrittene. 4— 4.30 Uhr nachm.: Dr. Freyhan: Gorhart Hauptajanns Tragödien des dumpfen Menschen. 4.30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zeatralinstitute». 5 bis 6.30 Uhr»benda: Marie Jörliag: Sommerbahandlung des Gemüses.[ 8.30 Uhr abends: Uebertragong von Berlin. d!e Schmu» Arbeitsgemeinschaft für deutsche �ond> werkskultur veranstaltet im Kunstgewerbemuseum Prinz- Albrecht-Straße 7(Lichthos) eine Ausstellung finnischer Ryen. Gestern mittag erfolgte die offizielle Ausstcllungseröfsnung durch den Ü'orsitzenden der Arbeitsgemeinschaft für deutsche chandmerkskultur. Neichstunstwart Dr. R e d s l o b. Er begrühte die Anwesenden und dankte insbesondere den Vertretern Finnlands für ihre Mithilfe um das Zustandekommen der Veranstaltung. Der Arbeitsgemeinschaft deutscher Handwerkskustur, die diese Ausstellung für Deutschland übernommen Hot, ist es im chinblick auf ihre der Pflege des chand. werks und damit auch der Volkskunst gewidmeten Vestrebungen besonders wertvoll, gerade in der heutigen Zeit, die eine starke Ab- neigung gegen den verwaschenen Internationalismus in der Kunst bekundet, neues Verständnis für die Urkräfte der Heimat gewinnen zu helfen. Volkskunst, Heimatkunst haben in letzter Zeit erneutes Verständnis und vertiefte Deutung gewonnen und so wird von diesem Standpunkt der Bewegung aus die Ausstellung besonders willkom- wen sein. Hierauf sprach der finnische Gesandte für Berlin, Dr. Harr» Halma, emige herzliche Degrügungsworte und gab auch seiner- seits der Hoffnung Ausdruik, daß das Bündnis zwischen Finnland und Deutschland, die der Krieg in enge Beziehung brachte, ein dauerndes und herzliches werden möge. Es folgte nunmehr ein interessanter, fachmännischer Vortrag'des Professors Sirelius über die Art der finnischen Ryen. Die Rye— der sinnische Teppich— wird aus dem Webstuhl hergestellt. Material und Farben werden aus tierischen und pflanzlichen Stoffen selbst gewonnen. So zum Beispiel die Farben Schwarz und Weiß aus der verschieden- farbigen Schafwolle, Braun aus Tannenzapfen und Sternmoos, Gelb aus Birkenblättern usw. Das Produktionsgebiet erstreckt sich von der Westküste bis an die Grenze Kareliens. Die Hauptbestim- mung der Rye war, als wesentlicher Teil der Brautausst»tung zu dienen. Während die orientalischen Teppiche in der Hauptsache den Fußboden bedecken, wird die Rye ausschließlich als Bettdecke oder Wandbehang verwendet. Im IS. Jahrhundert stand diese Volkskunst in vollster Blüte, ging dann stark zurück, um ini ttz. Jahrhundert aufs neue zur Blüte zu gelangen. Die Ornamentik entwickelte sich aus den primitiven geometrischen Mustern der nor- dlschen Frühzeit heraus. Sie nahm später westliche Einflüsse der großen Stilepochen Barock und Rokoko auf, aber sie wurde von den Weberinnen(die Ryen find Frauenarbeit) im besten Sinne degene- riert und der bäuerlichen Bilderwett, die an den Stickereimuster» büchern, der Holzschnitzerei und den bunten Ausmalungen der Kirche orientiert ist, angepaßt. Die heutige finnische Künstlergeneration, die zum großen Teil aus bäuerlichen Kreisen stammt, zeigt wieder stark« Beziehung zu den Formwerten der Ryen. Die Ausstellung selbst enthält eine große Anzahl seltener und auserwählter finnischer Teppiche aus finnischem Museumsbesitz, die in ihrer ornamentalen und bildhaften Farbigkeit Meisterwerk« finnischer Volkskunst darstellen. 25 Jahre LandeSanstalt für Wafferhygiene. Vor fünfundzwanzig Jahren wurde die preußisch« Lau- dezanstalt für Wasserhygiene, die augenblicklich ihren Sitz in Dahlem hat, gegründet. Bei der Jubiläumsfeier am Eonnabend mittag im großen Hörsaal der Anstatt gab ihr Präsident, Prof. Dr. B e n i n d e, einen kurzen Uebertblick über ihre Entwicklung und über die Zweck«, die die Gründung verfolgte. Sie hängt im Grund« zusammen mit der raschen Jndustrieolisisrung im zwanzigsten Jahrhundert und mit der damit verknüpften Steigerung de« Wasier» Verbrauches. Vor allem kam es daraus an, die Lllbwäsier der Städte und Fabrikanlagen so zu testen, daß sie der Allgemeinheit keinen Schaden brachten. Aber den Abwosserkommisstonen, die zu diesem Zweck gebildet wurden, fehlt« die einheitliche Zusammenfassung, die ihnen dann Pros. Schmidtmann, Referent über Gesundheitsfrogen im Ministerium, in der Gründung der Landesanstalt gab. Erst auf Drängen Schmidtmanns und de, Ingenieurs Herzenberg eii'.jchloß sich die Regierung dazu. Finanzielle Unterstützung bot damals und bietet auch heute noch der„Verein für Wasserversorgung und Ab- wasierbeseitigung*. Die Aufgaben der Anstall sind dreifacher Art: wissenschaftlicher, praktischer und belehrender. Immer handelt es sich dannn, die Abwasser auf ihr« gesundheitliche Schädigung zu untersuchen und das Versorgungswasser auf seinen gesund- heitlichen Wert. Ferner übt die Anstalt«ine Kontrolltätigkeit über die Reinhaltung der deutschen Gewässer aus. Im ganzen arbeiten 78 Kommissionen, SS übernehmen die Kontrolle der Abwäsierwerke, der Rest beaufsichtigt die Wasserwerke. Im Jahre lSlZ übernahm man das große Gebäude in Dahlem, bis dahin war die Landesonstatt in einem Mietshause in der Kochstraße untergebracht. 1922 wurde der Wasserhygien« die Boden- und Lusthygiene angegliedert. Nach der Rede Pros. Beninldes sprachen die Vertreter der Regierung und der BeHorden.._ „Parademarsch nach altem Marinebranch.� Demnächst feiern die patentierten Patrioten die Seeschlacht am Stagerrak bei Bier, Weinen und Bockwürstchen im.Konzert» Haus Elou'. Entfesselte Kriegervereinsbörte werden wilde An» sprachen in die»Massen� schmettern, martialische Gestalten den Helden. tod für Vaterland am Redepull sterben— wie einst im Mai. An Blechmusik jeglicher Art soll es nicht fehlen, kurzum, man pfeift die attbekannte Melodie bewährter schwarzweißroter Totenschändung. I« Programm lesen wim.Porodemorsch nach altem Marinebrouch." Herr Studienassessor I. P Z. wird seine .Kriegsschifftnodellausstellung" dem Publikum präsentieren. Na also, dann kann's ja wieder losgehen. Die Flottille wäre schon siart- bereit. hätsüe weg voa öer Hcunöschule! Einen Schritt auf dem Wege zur Einheitsschule de» deutschen Lölkes ist nach der Revolution getan worden mst der gesetzlichen Festlegung der vierjährigen Grundschul«. aber dieser Fortschritt ist ständig bedroht. Unablässig ver- suchen die Rechtsparteien im Reichstag wie im Landtag, auch diese Errungenschast zu befestigen. Unter dem Schlagwort:„Ein- Der Volksentscheid für die eukschädiguagslosc Evleignunz der Fürsten muß die Ausplünderung der«rrbeilenden Bevölkerung in Deutschland outer allen Umständen verhindern. Zahle deshalb wieder jeder, der es irgend kann, schnell und reichlich freiwillige Beiträge zur erfolgreichen Durchführung desselben aus Postscheckkonto 48743 an«lexpagel». Berlin Sw. 68. Liadeustr. 3. führung der differenzierten Grundschule" sucht man die OeffenUich- lest für dies« Pläne zu gewinnen. Ein sogenannter„Ausschuß zur Wahrung der Belange der Elternschaft" macht rührig Propaganda. Eifrige Unterstützung findet er bei den.Ehristlich-Unpoli- tischen", mst denen er im.R« i ch s e l t e r n b u n d" kartelliert Ist. Alle diese Leute, die dort führend sind, sind natürlich auch da- für, daß die Volksschule, und nur um diese geht's, streng konfessionell gestaltet und der Kirche ausgeliefert wird. Kein Wunder, daß sie so eifrig sich um die Herrschaft über die Volks- schule bemühen, schicken sie doch meist ausnahmslos ihre Kinder nicht in die Volksschule, sondern in die höheren Schulen, für die sie die Forderung auf Konfessionalisierung nicht stellen. Weil ihre Kinder nicht die Volksschule besuchen und sie sich selbst auch dagegen wehren, ihre Kinder aus nur vier Jahre in die gemeinsame Grund- schule zu schicken, deshalb können sie auch so rücksichtslos die Volks- schule ihren Herrschafts- und Klasseninteressen opfern. Die Eltern ans dem Volke, die eingcfangen durch das Schlagwort:.Die Religion ist in Gefahrl", diesen Drahtziehern folgen, wissen häufig gar nicht, welchen schulpolitischen Zwecken sie von ihren Führern dienstbar gemacht werden. Sie müssen deshalb aufgeklärt werden, und bei den Elternbeiratswahlen darf niemand den Ehristllch-Unpolitischen, den Saboteuren und Gegnern der Grundschule, die Stimme gebeni Hände weg von der Grundschule! Das muß die Parole der Eltern au« dem Volke sein. Sie stimmen daher für die Liste:.Schnlaufbau!"_ Wie fie mit„Heiligstem" Reklam treiben. Welch rüde Geschmacksverirrungen sich die wohlerzogenen Herren von der.Deutschen Zeitung" zuschulden kommen lassen, dafür ein drastisches Beispiel au» dem Sonnabend-Abenddwtt diejes Or. gans: Schwarzweißrot. lleberall im StodtbN» Beriin, tauchen sie auf, die hohen Mützen mst den Farben.Schwarzweißrot", lind jeder weiß es bald— selbst im dichtesten Gewühl: Dort bekomme ich meine furchtlose.Deutsche Zeitung". Wie aber kam e? denn, daß die»Deutsche Zestungs"-Verkäuser chre schwarzweißroten Mützen bekamen. Einer unserer Veteranen im Zcitungsverkauf erzähll darüber: Unsere liebe, unvergeßliche Kaiserin lag auf ihrem Schmerzenslagcr in Doorn, fern von der Heimat. Da zuin Geburtstag Ihrer Majestät die Ehrenbezeugung durch Hissen der deutschen �ahne unterblieb, wollte ich es durch Anbringen dieser Farben tun. So ging ich am 22. Oktober 1S20 mst einer Mütze. an der ein schmaler schwarzweißroter Streifen mit zwei Kokarden angebracht war. zu meinem Platz am Stettiner Bahnhof. Kaum onaelongt, brach die Wut der. Feinde los. Die scheußlichsten Schunpsworte, Drohungen flogen von allen Seiten auf mich ein. aber auch viel Anerkennung unter allen Ständen fehlte nicht. Alsdann Ihre Majestät In Potsdam beigesetzt wurde, stand ich da mit einem breiten Streifen an der Mütze, die Kokarden mit Trauerflor bezogen. Seitdem hatte ich treu zu dieser Mütze. Gustav Bockermann. Ist diese— gelinde gesagt— Geschmacklosigkeit der sonst so pietättriefenden Schwarzweißroten, die selbst das ihnen angeblich „Heiligste" in unerhört geschmackloser Weise zur Geschäftsreklom« ausnutzen, nicht charakteristisch jür die Gestnnungsoerrohung der .Edelsten der Nation"?_ Ein Potsdamer Reichswehrfoldat ertrunken. Gestern nach- mittag begab ficki der Funker Wilhelm O b s« r der 2. Kompagnie 3. Preuh. Nachrichtenabteilung nach dem Jungsernsee, um zu baden. In Begleitung mehrerer Kameraden schwamm O- hinan». ging plötzlich unter und ertrank. Rettungibersuche blieben erfolglos. Dem Wasserschutz gelang eS nach 1'/, Stunden, die Leiche zu bergen. Immer wieder da» leidige Aufspringen. Beim Ausspringen auf einen bereits in Fahrt befindlichen Zug auf dem Bahnhof Beusselstraße geriet gestern nachmittag der tSjährige Schleifer August Wolter aus der Steitiner Str. 65 zwischen Bahnsteig und Trittbreit. Erst nach längeren Bemühungen des Bahnpersonais gelang es, den Verunglückten aus seiner qualvollen Loge zu be- freien; er wurde in bedenklichem Zustande in das Birchow- KrankenbauS übergeführt. Schwere Schlägereien veranlaßt«« in der vergangenen Nacht an zwei Stellen das Eingreifen des Uebersallkomman- dos. In der Kolonie..Felsenfest" bei Spandau gerieten aus noch unbekannter Veranlassung in ihrer gemeinsamen Wohnlaube der 68 Jahre alte Rentenempfänger Hermann P. und sein 25 Jahre aller Schwiegersohn, ein Arbeiter Bruno Sch„ die beide b e- trunken«aren, heftig aiieinander. Sch. brachte seinem Schwieger- vater mit einem Beil eine so schwere Schultcrver- l« tz u n g bei, daß er vom Ueberfallkommando nach Anlegen eines Rotverbandes nach dem Krankenhaus Westend gebracht werden mußt«. Der Schwiegersohn wurde festgenommen.— Bar dem Hause Grunewald st raße 2l gerieten gegen 2 Uhr nachts zwei Kaufleute und ein Installateur in Streit und Prügelei. Auch sie waren angetrunken. Da« Ueberfallkommando brachte sie auseinander und zur Feststellung nach der Wache. Der Installateur war am Kopf und einer Hand so erheblich verletzt, daß er aus der nächsten Rettungsstelle verbunden werden mutzte. „Die geschiedene Jungfrau" im Rose-Theater. Diese viewer- sprechende Bezeichnung, garniert mit etlichen väterlichen Milliönchen. oerlockte den stark verschuldeten Herrn Grafen zu einer übereilten Verlobung. Schließsich entdeckt er aber in einem versteckten Herz- fältchen die wahre Liebe zur holden Verwoltersmaid und wirst die ganze Ehose einfach über den Haufen. Dem Mutigen gehört die Welt und als Extragratisikation eine höchst anständige Mitgift, da sich das holde Aschenbrödel als illegitimer Sprößling des verflossenen Herrn Schwiegervater» in spe entpuppt. Doch auch die so schnöd« verlassene, übrigens recht resolute Millionenbraut kommt aus ihre Rechnung, denn der ihrerseits verlassene Gatterich mit dem über- großen Herzen trom America, an dem bereits 7 weiße und ein schwarzes Pflegekindchen baumeln, hat daran auch noch ein Plätzchen für die schlimme Ausreiherin. So war's also. Man saß im Sommergarten des Rose-Theoters gemütlich beim Bier und lieh da» Stückchen vorüberplätschern. Die Musik ist stark kabarettistisch aus- gemacht und hat demnach ihre Stärke in den Reißern. Sylvia, die Geschiedene, lag bei Frl. Gladys Henry in guten Händen. Sie rollt Augen wie 10 Krusepuppchen auf einmal und oerhilft mit Kurt Mikulski, dem Gatten aus Amerika, den Schlagern zu guter Wirkung. Va» IteukSllaer vezirtssllgevdamt veranstaltet hettte nachmittag 3'/, Uhr Im Bolkspark am Tempelboser Feld unter Mitwirkung de» Neuköllner MufikvereinS.Echo" ew Kinderfest. Maibaumklettern, Kafperletbeat«; Karuflellfahrew Bonbonregeu usw. Eintritt frei! Programm tOPf. Eröffnung der Seilschwebebahn in Garmisch. Im Beisein geladener Gäste wurde Bayern» erste Seilschwebebabn für Personenbeförderung auf den Kreuzeckberg, nach der Wendelsteinbahn die zweite Bergbahn in unserem Lande überhaupt, dem Betrieb übergeben. Die Eröffnung fand mst Rücksicht auf da» schwere Eisenbahnunglück ohne besondere Feierlichkeit in oller Stille statt. Fenersbrnnfl in den Renault-Werken. Di« Automobilwerk« Renault wurden durch eine ungeheure Feuersbrunst zum größten Teil eingeäschert. Der Schaden beläuft sich auf über zehn Millionen Franken. Die Löscharbeiton dauerten ununterbrochen zehn Stunden. Von 10000 Quadrat. Metern, welche die Fabrikgebäude einnehmen, sind 3000 zerftiftt worden._ r? Sport. Rennen zu Grunewald am Sonnabend, den 29. Mai. 1. Rennen. 1. Ledine(Klose), S. Bernina(H. Wenzel), 3. Dulelkop (Lippa). Toto: 5«:t0. Platz: 20, SS. 53: 10, Ferner liefen: San»«Wut. Porta Westfalica, Olive, Malachit, Glashäger. Gloriamar. Willa. g. Rennen. 1. galanova(HahneS). 2. Torrone(William»), 3. Manito« (Rarr). Toto: 28: 10. Platz: 14, 18, 58: 10. Ferner liefen: Sanktion, Skalhold, Balis», Heidjer. Etammherr, Amarylli». 3. Nennen, t. Eigensinn(W. Tarra»), 2. Maestoso(O. Schmidt), 3. Nettelbeck(F.Kalper). Toto: 297- 10. Platz: 7t. 24. 24: 10. Ferner liefen- Hagen, Pctroniu», Alsterstur«, Prospers, Geniu», Streitfrage, Sllhalverga. Malus. ».Rennen. 1. Vulcain Vlll(ffi. Wulff), 2. Bellac(Jtaudmaer), S. Frohsinn(O. Schmidt). Toto: 44S: 10. Platz: 81, 80, IS: 10. Ferner liefen: Nubla, Thcokrit, Herme», LUtefcld, Double Hind, Pan Robert, Laufjunge. s. R e n n e». t. Bafur(SS. Tarra»), i Curacao(Hahne«), 3. Ich dien(Krüger). Toto: SS: 10. Platz: 22, 17, 15; 10. Ferner liefen: SralSritter, Frigga II, KM, Donnerwolke. S. Rennen. 1. Tod und Leben(H. Blume), 2. Hödsr(®. Smith). 3. Mistral(Krüger). Toto: 74: 10. Platz: ZK. 24: 10. Ferner liefen Mutati» mutandi», Orlando, Sichkatze. 7. R e n« e n. 1. Himalaja(Hahne»), L. Lump(DincenH, 3. Parioli (Klose). Toto: 17: 10. Platz: 12, 16: 10. Ferner liefen: Arbela, gvjo KON UNOM Suchen Sie sich eine aus, gut sind, sie atte f »X OSETTI CIGAJUETTBW wollen Sie nalürUdi pauendc Kleidung haben! 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Die beiden Ereignisse: englischer Generalstreik und Valutasturz sind bekanntlich nicht ohne Zusammenhang. Der Sturz der französischen, belgischen und italienischen Valuta ist z. T. darauf zurückzuführen, daß das englische Finanzkapital zur Stützung des englischen Pfundes, dessen Erschütterung durch den Streik be- fürchtet wurde, seine Vorräte an diesen Valuten abstieß und damit zu ihrer Verschlechterung beigetragen hat. Allerdings waren für die Valutastürze auch andere Ursachen verantwortlich: wirtschaftliche und politische. 5n Frankreich konnten die Staatsfinanzen nur vorübergehend in Ordnung gebracht werden, und, was in Bezug auf die Valuta noch wichtiger ist, es konnte weder in Frankreich noch in Belgien das Vertrauen in die Zukunft des Franken wiederhergestellt werden. Aus polltischen Gründen, um die be- stehenden Linksregierungen zu stürzen oder wenigstens zu schwächen, Hot das Großkapital in beiden Ländern alle Hebel der Währung». Verschlechterung In Bewegung gesetzt, wobei freilich auch die Aus- fuhrinteressen der Schwerindustrie mitgespielt haben. Eine K a p i- t a l f l u ch t größten Stils setzte ein und hat den Frankensturz weiter gefördert. Die Regieningen mußten sich zu schwerwiegenden Zu» xeständiiissen an diese Kreise bequemen, um die drohende Gefahr der Valutazerrüttung zu vermeiden bzw. die Erholung der Valuta herbeizuführen. 5n Belgien wurde die» mit einer politischen Un» gruppierung. wobei die bisher oppositionelle liberale Partei und Vertreter de» Finanzkapital» in die Regierung kamen, erkauft, in Frankreich mit wirtschaftlichen Zugeständnissen an da» Finanz- kapital, dem Steuererleichterungen und die Befreiung von den geplanten Steuererhöhungen gewährt werden mußten. Auf diese Weise konnte man der weiteren Geldentwertung Einhalt gebieten und sogar einen Teil de» Geldwertverlust»» wieder»inholen. Tlnhniefjer der guten GefchZfislage. 5n den Ländern, welch« seit längerer Zeit als Länder mit guter Konjunktur bekannt sind, sind in der letzten Zeit wesentliche Aende- rungen eingetreten, die sich sowohl in den Produktionsverhältnissen wie im Ausfuhrhandel kundtun. 5n den Vereinigten Staaten ist nach dem im Januar erreichten Höhepunkt der Pro- duktion eine merklich« Abschwöchung eingetreten. Diese hat sich zwar nicht auf sämtlich« Produktionszweige erstreckt— die Bau- tätigkeit blieb z. B. weiter auf der Höhe,— doch erfolgt« in der Eisen, und Stahlproduktion, in der Baumwollindustri« und in der Automobillndustrie eine beträchtliche Abnahme der Produktion. Di« allgemein« Preisentwicklung war stark rückläufig, auch ein Zeichen dafür, daß die Konjunkturperiode etwas abflaute. Auf dem Auto- mobilmarkt ist eine Ueberfättigung zu verzeichnen. Die große Rolle des Kreditwesen,. aus dessen Gestaltung die Zentralbank einen entscheidenden Einfluß ausübt, tritt aber auch jetzt, beim Ab- flauen der Konjunktur, zutage. Die Zentralbank, die vor einigen Monaten noch durch Diskontoerhöhung und andere Mittel die Kon- funktur gedrosselt hat. sah jetzt den Zeitpunkt gekommen, die Pro- duktion durch Verbilligung de» Kredit» wieder auszu- dehnen. 5n letzter Zelt ist die Eisen- und Stahlproduktion wieder gestlegen. 5m Außenhandel zeigte sich In diesem Quartal zum ersten Male seit vielen 5ahren ein erheblicher Einfuhrüberschuß. Der Rückgang der Aussuhr ist vornehmlich aus die erhebliche Sen- kung der Baumwollpreise zurückzuführen. Die vermehrte Einfuhr von Fertigwaren ist insofern selbstverständlich, als in da« Gläubiger- land Amerika Fertigp:odukte als Bezahlung von Schulden einströmen müssen: sie reizt jedoch die Unternehmer zur Forderung erhöhten Zollschutze». 5n diesen Rahmen fallen auch die gegen deutsch« Eisenwaren gerichteten neuen Zollmaßnahmen. Die f r a n zö fische Wirtschaftskonjunktur befand sich ebenfalls bereit» au der absteigenden Linie, wenn auch die Eisen- und Stahlindustrie mit Bestellungen noch auf längere Zeit oeriorat Ist. Die unerträg- lich niedrigen Löhne mußten in verschiedenen 5ndustrien, vor allem im Bergbau erhöht werden, und damit stiegen die Produktion»- kosten. Auch folgten in dieser Periode die Lebenshaltungskosten viel rascher der Geldentwertung, als das früher der Fall zu fein pflegte. Di« Beschaffung von Rohstoffen stößt Infolge der Valuta- läge auf Schwierigkeiten, und der inner« Absatz geht zurück, wofür die sehr geschwächt« Lage der Textilindustrie zeugt. Die Handels- bilanz Frankreichs war in diesem Lahre im Gegensatz zum oer- gangenen stark passiv. 5m April hat sich die Passivität noch weiter erheblich erhöht, wo» eben auf die erwähnte Steigerung der Pro- duktionskosten zurückzuführen ist: die Schleuderousfuhr konnte nicht im bisherigen Maße aufrecht erhalten werden. Au» diesem Grunde gingen die zu Höheren Preisen ausgeführten Waren mengen- mäßig zurück. Der jüngst erfolgte Frankenfturz dürfte allerdings die Exporte in letzter Zeit gefördert haben, sicherlich aber nicht in dem Umfang, als dies bei früheren Dalutastürzen»inzutreten pflegte, zumal infolg« der Stützungsaktion der Regierung die Währung wieder geHoven werden konnte. Auch die italienische Wirt- schaftslage hat sich nach Fahren der Hochkonjunktur zum Un- günstigen gewendet. Di« Massenkaufkrast im 5nland ist gering, der Fremdcnzujtrom ist diesmal, insbesondere durch das Fernbleiben der deutschen Besucher, zurückgegangen, und vor ollem stößt die bis- her so erfolgreich italienische Aussuhr auf immer größere Schmie- riegkeiten. Hierfür sind der Frankensturz, die Schutzzölle in Eng- land und anderen Landen:, vor allem aber die Rationalisierung der Ausfuhrindustrien der anderen Exportländer, die jetzt den durch niedrige Löhne geschaffenen Vorsprung 5tali«ns wettmachen möchten, verantwortlich. Verschärft wird die Lage durch die Erschwerung der italienischen Auswanderung nach Frankreich, da» aus- ländische Arbeitskräfte nicht mehr im bisherigen Umfang aufnehmen kann. Ungünstig entwickelt sich auch die Wertschaftslage eines anderen Landes mit bisher guter Konjunktur, der T s ch e ch o- s l o wa k« i, die vornehmlich ein Exportland ist, und unter den er- schwerten Exportverhältnissen zu leiden hat. Ihre Kohlen-, Eisen- und Textilausfuhr geht stark zurück, ihre bisher sehr gut beschäftigte Textilindustrie befindet sich bereits in einem Krisenzustand. Die Holz- ausfuhr stößt infolge der Anpassung der Holzpreise an die Well- Marktpreise aus Schwierigkeiten. Brennpunkte der wirst chaftskrife. Die beiden kleinen Industrieländer, die vornehmlich auf Ans- fuhr angewiesen sind, die Schweiz und Oesterreich, sind eben- falls von den schweren Ausfuhroerhältnissen in Mitleidenschaft ge- zogen. Sie können mit den großen Industrieländern, deren Aus- fuhrindustrie an dem größeren inneren Markt einen Rückhalt findet, nicht Schritt halten, und so leiden sie unter den Schutzzöllen. der Frankenentwertung und der Rationalisierung in den übrigen Ausfuhrländern in erhöhtem Maße. Sowohl die schweizerische wie die österreichische Aussich«' sind im laufenden Jahr sehr beträchtlich zurückgegangen: in der schweizerischen Maschinenindustrie betrug der Rückgang etwa 30 P r o z., in der llhrenindustri» etwa S0 Proz., für die Seiden- und Stickereiindustrie war er ebenfalls außerordentlich groß. Die jetzt wieder langsam steigende Ausfuhr der Schweiz läßt hoffen, gaß die Ausfuhrkris« ihren tiefsten Punkt überschritten hat. Die Steigerung der Einfuhr in Oesterreich ist eine Reaktton auf die Einfuhrdrosselung im vergangenen Lahr, doch schließt sich auch Oesterreich durch hohe Schutzzölle in steigendem Maße gegen die Einfuhr ab. Die d e u t s ch e Krise ist eine Krise des inneren Marktes, während sich die Ausfuhr in den letzten Monaten im ganzen gün- stiger gestaltet hat. E» fragt sich ollerding», ob die Ausfuhrfteige- rung bereits eine Folg« der Rationalisierung oder aber noch der krankhaften Ausfuhrsteigerung bei Schleuderpreisen darstellt. Die Produktion hat sich jedenfalls stärker erhöht, als der Beschäftigung». grab: insofern kann man von einer Verbesserung der Wirtschaftslage jpreckien: die Lage de» Arbett»markte» ist aber noch immer trostlos. Die englisch« Wirtschaft befand sich vor Ausbruch de» Streiks im Zustand einer langsamen Besserung: vor allem hatte die Eisen- und Stahlindustrie.' sowohl was die Produktionsziffern wie die Ausfuhrmengen anbelangt,«inen sehr beträchtlichen Auf- schwung zu verzeichnen, desgleichen auch die Maschinen- und Motorenindustri«. Zurzeit werden Produktton und Aussuhr durch den Kohlenstreit In hohem Maße gehemmt. Unverändert heftig ist die Wirtschaftskrise weller in Polen, wo der Beschäftigungs- grab immer noch außerordentlich niedrig ist. Die Kohlen-, Eisen- und Texttllndustri« liegen weiter danieder. Der Zloty tonnte sich trotz der politischen Umwälzung auf der allen Höhe halten: von dieser Selle ist also kein« Lenderung der Wirtschaftsverhältniss« eingetreten. Die polnische Handelsbilanz zeigt immer noch einen Ausfuhrüberschuß, wenn auch dieser im April erheblich vermindert war. Doch wurde dieser Ausfuhrüberschuß i serner In Ungarn, Griechenland, wo die Unterbringung neben der Drosselung der Einsuhr durch Einfuhrverbote und deren Rückgang durch den Zlotysturz nur durch gesteigerte G e t r eid e ausfuhr erreicht, wäh- : end die 5 n d i* st r i e a u» f u h r sehr erheblich zurückgegangen ist. Unverändert stark blieb die Wirtschaftskrise in Spanien und in Griechenland. der Flüchtlinge im Wirtschaftsleben noch nicht erreicht werden konnte. Demgegenüber verbesserte sich in der letzten Zeit die Wirt- schaftslage in Dänemark und Norwegen, in welchen Län- dern die Krife gemildert wurde. Die Industrie vermochte sich nach den stürmischen Zeiten der Geldverbesserung im vergangenen Jahr auf die neuen Verhältnisse umzustellen und dl« Preise an die Welt- Marktpreise anzupassen. Aehnlich ging e» Japan, wo zurzeit eine energische Rattonalisieruno der Produktion, vor ollem der Eisen- und Stahlindustrie, vor sich geht. Obwohl der Hauptausfuhrortikel Japans, die Rohseid«, eine verminderte Ausfuhr aufwies, hat sich Handelsbilanz in der letzten Zell dank der ver- die mehrten japanische.... :ten Ausfuhr von Baumwollprodukten günstig entwickelt. A. H. Noch immer Zunahme der Arbeitslosigkeit. Eine weitere Verschlechterung de» Berliner Arbeitsmarktes sst trotz nur geringer Erhöhung der Arbeitslosenzahlen unverkennbar. Da sich der Umfang der Arbeitslosigkeit, wie bereit» berichtet, schon auf«inen langen Zeitraum erstreckt, nimmt naturgemäß auch die Kaufkraft der Konsumenten mehr und mehr ab. Diese» hat sich auch beim Pfingstgefchäst, namentlich für Güter de» Massenverbrauchs, bemerkbar gemacht. Unberührt blieben davon auch nicht die für den Luxus fabrizierenden Industrien. Den noch Immer anhaltenden Zugang aus der Industrie vermochte auch nicht der gering erhöhte Abruf von Kräften für das Baugewerbe auszu- gleichen, da von einer wesentlichen Belebung der Bautätigtest noch immer nicht gesprochen werden kann. Es waren 2�6872 Personen bei den Arbeitsnachweisen einge- tragen gegen 246 376 der Vorwoche. Darunter befanden sich 162 430 (161 8S7) männliche und 84 442(84 ölS) weibliche Personen. Unter- stützung bezogen 131 58S(130 878) männlich« und 60 188(58 467) weibliche, insgesamt 191 773(189 345) Personen. Diese Zahlen geben jedoch noch kein erschöpfendes Bild von den unterstützten Erwerbs- losen, da außerdem durch die Wohlfahrtstommissionen noch an 30 824(29 624) Personen Crwerbslosenhilfe gezahlt und 2909 Per- sonen bei NoÜtandsarbesten beschäftigt wurden. Die Zahl der zu gemeinnützigen Pslichtarbellen Ueberwiesenen betrug 61 gegen 65 der Vorwoche. Die Beschäftigungsverhältnifl« in der Metallindustrie weisen gegen die Vorwoche keine wesentlich« Veränderung auf. Der geringfügigen Besserung der Vermittlungstättgkest steht wieder ein erhöhter Zugang Arbeitsuchender gegenüber. Im Holz- und Schnitz st offgewerbe ist die Loge u» verändert ungünstig. Besonder» haben darunter die Holzblldhauer, Stockarbeiter, Alabaster- und Kammarbeiter zu leiden. Im Baugewerbe hat sich die Vermilllungstättgkeit im all- gemeinen etwa» belebt. Jedoch ist die Lage noch immer als recht ungünstig zu bezeichnen, mit Ausnahme der Steinsetzer und Maler. Im Vervielfältigungsgewerbe haben sich die Be- schästtgungsverhältnisse nicht wesentlich gebessert. Der erhöhten Nachfrag« nach Buchdruckern standen wieder größere Zugänge gegen- über. Da» Gastwirtsgewerb» messt für männlich« und weibliche Personen gute Vermittlungsergebnisse auf. Der Etellenmarkt für Angestellte weist eine etwa» günstigere Dermittlungstötigkell auf. Für die technischen Be- rufe hält die Verschlechterung des Stellenmarktes an. Der ge- ringe Eingang offener Stellen blieb zum großen Tell auf das Bau- gewerb« beschränkt. vergmaan Elektrizitätswerke. Am 50 proz. gesteigerter Umsah— k proz. Dividende. Der Jahresbericht der Bergmann Elektrizitätswerke A.-G. ver- stärkt den günstigen Eindruck, den man über die Lage der deutscheu Elektrizitätsindustrie schon au» dem Bericht de» AEG.-Konzerns gewinnen mutzte. Ja, sie erscheint in einem noch günstigerem Licht. angesichts der Tatsache, daß die Bergmann A..G. ihre vorjährige Dividend« von S Proz. auf 6 Proz. erhöht— die LEG.-Dividend« blieb da» gleich«—, obwohl der Bergmann-Betrieb als der konser- vatioer« von beiden angesehen werden muß. ver Umsatz der BergmanmElektrizitätswerke hat sich wie d« der AEG. um mehr ol» 50 Proz. erhöht. An der Umsagst«jg«runG waren insbesondere beteiligt der Transformatorenbou und di« Schalttoselabteilung infolge der starken Steigerung de» Krastabsatze» der Elektrizitätswerke im Inland, die Industrieabteilung Infolge der großen Aufnahmefähigkeit der Papierindustrie, der chemischen und der Zucker- und Nahrungsmittelindustrie, sowie der Bau von etek- irischen Straßen- und Kleinbahn-, Untergrund- und Lastkraftwagen Der Bau von Zentralstationen und Turbinenanlagen, besonder» für Wasserkraftwerke Ist zurückgeblieben. Von der Abteilung für Berg- und Hüttenwesen wird bemerkenswerterweise ebenfalls eine Umsatzsteigerung derichtet: und wenn die letzten Monate de» Jahres auch «Ine starke Abschwöchung der Großaufträge brachten, so nahm di« Zahl der Neineren Aufträge doch nicht unerheblich zu. Das Aus- londsgeschäft nahm zu: jedoch in geringerem Maß als das Inlands- geschäft. Von dem Auftragsbestand am Jahresschluß wird gesagt, daß er zwar niedriger sei als Mitte 1925, ober höher al» zum Jahresbeginn. Di« AEG. hat bekanntlich einen um 30 Proz. höheren Auftragsbestand gegenüber Anfang 1925 gemeldet., Der Geschästsoerlauf und die Arbeit der Betriebe profi- tierte nach dem Geschäftsbericht davon, daß die Schwankung«« der Preise und Löhn« sich 1925 in viel geringerem Maß auswirkte« als im Vorjahr, so daß eine erhebliche Annäherung an di« nahezu stetigen Verhältnisse der Vorkriegszeit stattgefunden habe. Er litt ober noch unter dem Mangel an flüssigen Mitteln, der durch die Insolvenzen der Installation», und Wiederverkausskundschaft ver- stärkt wurde. Auch die Sparmaßnahmen In der In- dustri«, bei den Behörden und öffentlichen Betrieben wirkten auf den Eeschäftsverlauf besonder» der letzten Monate ungünstig ein. Sehr charakteristisch dafür ist die Bemerkung de» Geschäftebericht», j daß die Industrie sogar soweit ging, ihre Bestände an elektrischem Material unter Einkaufspreisen weiterzuver- kaufen, soweit sie nicht sofort berücksichttgt waren. i KÖS! DU ß-r-Ich Ml,US45 6uter Dowlas im*». 4.95 Einzelne Kissenbezüge mit SUckerei rinaata..... 8.25 mit Hoblaaara haadgeaogna.. 2.95 .... 1-75 Bunt 39.50 Prima Daunensatin ÄC dnpp�Mltt«. b. laDannflo OD.~" Steppdecken Satin doDpelMitig.ia 4 9"T C direreeo Farben... I i � Handtücher Frottierhandtuch 95 n Drei) � 58 et mit dopimltea Splrnlbodan, g QQ Bogenform aoxias. m» --------- 14.50 Za�fedennatraUa, welA jeiiion» 90 x w mt iongMaar. tratsn S3 BB JBJWon. Rolf, Kopf. Ihöhel-�cm. t'.llailhöb««Q O A > un, Bobwar* und weLÜ|■r»«r w Bogenfon» so x i9o, rait z+eUi»*. matratse< t« 11 bft b e 1 Ku U 106. Kinder-Klappwagen rafiaaek n. Gommtiidam db/«3w Mangnnabgalw •nrbabaltaa Kleiderschrankes!. 4K nA boden und Stange.... 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Auf Gebäude und Maschinen sind neben der normalen Abnützung auch die gesamten Neuzugänge abgeschrieben, so daß die Anlagen- und Maschinen- werte(ohne Grundstücke) mit insgesamt 13 Millionen um ein« halbe Million niedriger zu Buch stehen als im Vorjahr. Alle Werkzeuge, Utensilien. Modelle, Mabilien und Patente stehen wie im Vorjahr mit je 2 Millionen zu Buch. Bei den Beteiligungen erfolgte eine Sondcrabschreibiing von 380 000 M. auf 2 Millionen Mark infolge der„Umstellung" des Münchener Werks. Nach chandlungs- Unkosten der Verwaltung(755 000 gegen 653000 M.), Steuern und sozialen Abgaben(zusammen 3,7 Millionen) bleibt ein R e i n g e- w i n n von 2,60 Millionen(2,27 Millionen), aus dem 6 Proz. Dividende verteilt und 620 000 M. für das neue Jahr vorgetragen werden. Auslegung der Rcichsbahnanleihe nächste Woche. Nachdem das Reich sich zur Garantie einer Vorzugsdioidend« von 7 Proz. ver- pflichtet Hot, wird die Reichsbahn in der nächsten Woche definitiv mit einer 150-Mjllionen-Anleihc auf den Kapitalmarkt gehen. Da das Reich bereits 731 Mill. Vorzugsaktien der Reichsbahn besitzt (neben den 13 Milliarden Stammaktien), werden damit 881 Millio- nen der 2 Milliarden Vorzugsaktien der Reichsbahn begeben sein. Zur. Zeichnung und in die chand des Zeichners kommen nicht die Vorzugsaktien selbst, sondern Zertifikate auf diese, die ober wie die Vorzugsaktien selbst sowohl gehandelt und beliehen werden können als auch die Reichsmündclsicherheit genießen sollen. Der Antrag auf Uebertragung der Reichsmündelficherheit auch auf die Zertifikate liegt beim Reichsrat bereits vor. Von der Emission sind bereits fest ü b e r n o m me n, und zwar mit einer Sperr- frist von 12 Monaten 30 Millionen von der Reichspost und 20 Millionen von öffentlichen Kaisen, Sparkassen, Pensionskassen usw. Auch für die restlichen 100?)lillienen liegen für einen Betrag von 2 0 Millionen bereits Zcichnungscrklärungen mit Sperr- verpslichtung vor. Die Emission für diesen Rest erfolgt unter Führung der Rcichsbank, die die Vorzugsaktien in Verwahr nimmt und verwaltet. Der Zeichnungspreis beträgt 95h- Proz. Außer 500°, 1000° und 10 OOO-Mark-Zertifikate werden für kleinere Zeichnungen auch 200-Mark-Zertisikate ausgelegt. Die Aus- Zahlung der Dividende erfolgt durch besondere Zahlstellen, während die Reichsbank als Verwalterin der Vorzugsaktien die Dividende erhebt. Verteilt die Reichsbahn weitere Reingewinne, so fällt auf die Vorzugsaktien eine Zufatzdividende von ein Drittel der zu verteilenden Sunnne, mährend zwei Drittel auf die 13 Milliarden Stammaktien entfallen. Der auf die noch nicht begebenen Vorzugs- aktie» entfallende Teil kommt den Stammaktien zugute. Am 2. Januar jedes Jahres erfolgt auf die 7prozentige Vorzugsdividendc eine Abschlaaszahlüng von Sli Proz.: der Rest wird am dritten Tag nach Genehmigung der Reichsbahnbilanz durch den Wer- waltungsrat ausgezahlt. Werden die Vorzugsaktien vor dem 11. Oktober 1949 eingezogen, so wird ein Einlösungskurs von 120 Proz., bei Einziehung in der Zeit nachher bis 11. Oktober 1959 eip Einlösungskurs von 110 Proz. gewährt. Erhöhte Rückvergütungen für die eisenverarbeitende Industrie. Däe Rückvevgiitungen, die die Rohstahlgemeinschast der eisenoer- arbeitenden Industrie für die zur Ausfuhr gebrachten oerarbeiteten Mengen an Verbandsprodukten gewährt, sind bekanntlich der An- laß zu den Zollrepressionen, die die Vereinigten Staaten gegen die deutsche Eiseneinfuhr nach Amerika durchführen wollen. Die Höhe dieser Rückvergütungen hängt von der Höh« der Weltmarktpreise ab, die der gemeinsame Ausschuß der Rohstahlgemeinschast und der eisen- verarbeitenden Industrie der Berechnung zugrunde legt. Diese Weltmarktpreise sind nur»für Qualitätsbleche unverändert gelassen worden. Für verschiedene A- und B-Produkt« wurden sie aber neuerdings um 3 bis 4 M. j« Tonne ermäßigt(Formeisen für Juni von 98 auf 95 M., Stab- und Kleinformeisen von 102 auf 98 M., Wal,zdraht von 115 auf 112 M., Grobbleche von 115 auf 112 M). Die übrige» Preise bleiben unverändert. Damit sind auch die zu zahlenden Rückvergütungen für die ermäßigten Produkte erhöht. Die Wirkung dieser Erhöhung der Vergütungen auf die beabsich- tigten Vorstellungen Deutschlands in Washington wird inan ab- warten müssen. Inzwischen ist die Anweisung an die amerikanischen Zollerheber in Deutschland auch offizlell bekanntgegeben morden. Ihr Wortlaut fügt dem bischer bekannten Inhalt nichts Neues hinzu. Cangsristige Rentcnbankkredite für Sleinbauern. Bei der Ver- tcilung der drei- bis fünfjährigen Kredite der Golddiskontbank an die Londwirtschofi kommt der Kapitalbedarf der Kleinbauern wegen der Geringfügigkeit der Beträge vielfach z» kurz. Die Rentenbankkredit- anstatt hat deshalb kürzlich aus ihren Mitteln IIb Millionen für kleine Kredite an kleinbäuerliche Kreise zur Verfügung gestellt. Wie gemeldet wird, sollen für den gleichen Zweck weitere 4 Mil- kionen zur Verfügung gestellt werden. Die nächste Derwaltungs- ratssitzung der Rentenbankkreditanstalt soll darüber beschließen. 3-7Nillionen-Dollaranleihe des INiag-Mühlenbaukonzern». Die seit längerer Zeit laufenden Verhandlungen über eine Dollaranleihe der„Miag", des Konzerns der deutschen Mühlenbauanstalten. sind abgeschlossen.� Die Miag erhält durch Vermittlung des New Borker Bankhauses F. I. Lißmaim auf 30 Jahre 3 Millionen Dollar zu 7 Proz. Die Anleihe wird in den nächsten vierzehn Tagen in New Bork zur Zeichnung aufgelegt. Rlexito-Austrag der Schichauwerke. Die Schichauwerke in Elbing haben, wie die mexikanische Zeitung„el Universal* berichtet, von der mexikanischen Regierung den Auftrag bekommen, Hasen anlagen und Docks in Vera Cruz zu bauen. Der Auftrag beläuft sich auf 12,5 Mill. M. Die zu errichtenden Docks sollen groß genug s-in, um Schiffe bis zu 15 000 Tonnen aufzu- nehmen. Ferner sollen die Schichauwerke für die mexikanische Regie- ruug 10 kleine Kanonenboote bis Ende dieses Jahres her- stellen und an die mexikanische Regierung abliefern. Eiotevdinlge» für diese Rubrik fiud Serlin SW 68, Lindcnstrahe 3, Partemachrichten für Groß-Serlin stet« au da, Bezirfosekretartat, 2. Hof, 2 Treu, rechts, zu richten. «.«rei, Preuülauer 9«r«. Di« Wadlen zur B«zirksleituuq de» Verein» der Freidenker fii» Feuerbestattunq, welche in der letzten Bersammlun« nicht stattfinden konnten, finden am Mittwoch, den 2. Juni, abends � Ubr. bei Riittner, Echwedter Str. 23. statt. Der Wichtiok-i! balber find alle Partei- oenossen. welche Mitalied der Freidenker iind. verpflichtet, bestimmt zu erscheinen. 3. Frei» Friedrichsbai». Mittwoch, den 2. Juni, abend» 7 Ubr, cm Rat- Kons Stadtverordnetensitzunassaal. Pezirksversammluno. Sinlatzkarten ab s-t Ubr beim Kenossen Fischer. Einciona Spandauer Strafte. I. Krci« Ztreuzber«. Montaa. den 31. Mai. abend» 71-, Ubr. erweitert« .tzreisvorsiandsfitzuu« mit der Bezirlsverorduetcufraktiou im Sitzuuassaal des Bezirksamts Bonkftr. 11. 7.«rei» Sharlottenbur«. Dienst««, den 1. fluni, abend» VA Ubr. erweitert« Ztreisoorstandskitzuu« im Zimmer 1 des Ratbaufes. ».«reis Wilmrrsdorf. Monta«, den 31. Mai.«emeiniamer Besuch der S.Ubr-Dorlielluna des Films„Freies Poll" in der Ufa, Moodit. Turm- ftrofte. Die Genossen treffen sich dort um 814 Uhr. Mö«Iichft zahlreiches Erscheinen uotwendia. Diensto«. den 1. Juni, abends 8 Ubr. Sitzunq des euftercn«reisvorflandes mit den Abteilunasleitern bei Kroihs, Holsteinische Str. 80. lt.«rei» Schöneber«. Friedenau. Diensla«, f>«n 1. Juni, abend« 8 Ubr. in der Spedition Belziaer Str. 27. Sitzuna d«r Zeitunaskommislion. Alle Abteilunpen milllen vertreten sein. 13.«rei» Tempclhof, Marieudorf. Marienfclde, Lichtenrade. Monta«, den 31. Mai. abends 7tzt Uhr. Fraktionssitzuna im Bezirksamtshauf«, Dort- ttrofte 12. Zimmer 28. 14.«reis Reukölln. Monta». den 31. Mai. 7 Ubr. im P4 Ubr in Sarlmann» Brauerei, Echonirwebev» strafte 184. veranstaltet das Reichsbanner«in« Werbeverfammlunq. Referent Posszeioberü a. D. Lange. Alle Genosssnnen und Genossen werden ersucht, an der Versammlung teilzunebmeu und für auten Besuch zu agitieren. Zuaaiozialistei,. Gruppe Tiergarten: Dienstag, den 1. fluni, abends 714 Uhr. in, der Vorwärt sfpedition WIlhclmohavener Str. 48. Teilnahme an der Beranssaltuna der Aelterengruvv« der SAI. Moabit.„Sozialistische Bildunasarbeit*. Mittwoch, den 2. Juni, abends 8 Ubr. bei Deroer. Levetzow». Ecke Iagowstroftc. Gruvoenveranstaltung:„Arbeiteriuge.nd und flungsozialisten". Gäste willkommen.— Gruppe Tcmpelbaf-Marieudors: Dienstag, den 1. Juni, abends 8 Ubr. im Iuarnbheim Germoniassr. 4--8. Referent Bruno Reumann:„Strömungen in der Sozialdemokratischen Partei". Mittwoch, den 2. Zuui: 6. Abt. 714 Uhr Zulammrnkunlt der Dezirksfflbrer und«kterubeiräte bei Dobrohlaw. Swiaemünber Str. U. Sämtlich« Genossen haben ssch ein- »uffnden zur Materialausgabe. 41. Abt. Graft« ZSerheverfammluirna abend» 714 Uhr in der Bockbrauerei, Fidicinstr. 2—3. Vortrog:..Volksentscheid.—. Elternbeiratswahl". Referent Reickstogsabgeordneter Franz Künstler. 5rauenveranstaltu«gen: 4.«rei, Prenzlauer Berg. Dienstag, den 1. Juni, abends 714 Uhr. bei Klug. Dauziger Str. 71, Funktion äri irnen konfterenz. 8.«rei, Wilmer,d«I. Montaa. den 31. Mai, abend» vstnktlich 714 Uhr. im Lokal Freie Turnerschaft Wilmersdorf. Wstrttembergisch« Str. 54. Ecke Zährinaer Strafte, Frauenabend. Vortrag:„Arbeiterinnenkinder-Heim. arbeiterfchutz". Referentin Frau Soelling. Gäste willkommen. 14.«rei» Neukölln. Die Genossinnen werden««beten. Dienstag, Mittwoch, Dorinerstaa von 8—1 Uhr vormittags Berliner Str. 28, Hot pcrterre, Lebensmittel abzuwiegen. 28. Kreis' Reinickendorf. Dienslaa. den 1. Juni. 8 Uhr, Funktionärinnen. sstzuna in Reinickendorf-Ost. Verwaltungsgebäude, Hauvtstr. 46,«immer CO, Jeder Bezirk muft vertreten fein. Morgen, Montag, den Zt. Mai: 4.»nd». Abt. 714 Uhr im R-fenthaler Sof. Rofentlml-r Str. 11—12, Heiterer Abend. Referent Genosse Hosemonu. 8. Abt. 8 Uhr bei Ricker». Strinmetzstr. 36-, Bortra« der Genosssn Mithilb« Wurm. Wichtig« Tagesordnung. Erscheinen dringend erforderlich. n.mt 9 Stre Ktck-m-nenk-aft M 9B«hr, Ntatc. It 27. Abt. 714 Ubr bei Boadanowi». S-mnenburger Str 1. Seiterar Ab- üb. Rozitattonen. Lieder zur Laute. Mitwirkende: Siesel Echarff, Heim Barthel. 28. Abt. 7>4 Ubr bei Altmann, Rvckestr. 2, Vortrag,:„Körvervflege". Risse» rent Dr. Fiichedcr. Gäste willkommen. 32. Abt. 714 Ubr in der Schule Lange Etr. 31. Zimmer 1. Leseabend MIN Diskussion Uber„Die neue Wohnung"._ Die Genosssnnen loben«i», schriftliche Einladungen ergehen diesmal nicht,', 34. Abt. 8 Itlir bei Tiedtke. Litauer Str. s. Portraa:.Lvaiei« der Frau. Referent Dr. Alivensbnra._.._, 35. Abt. 714 Ubr bei Peter. Schreinerstt. 36, Vortrag:..Jugend und Sozi» lismus". Referent Genosse Sainke._... 38. Abt. 714 Ubr bei Bartusch. Friedenstr. 88. Vörtraa:„Volksentscheco*. Referent Martin Siein, 42. Abt. 7'4 Ubr bei ywblke. Beramannstr. 89. Vortrag:„Dt« nächsten Auf. gabrn der Sozialdemokratie". Reserenttn Hedwig Wache nbeim. 48. Abt. 714 Ubr im Grarbifchen Bereinsbous, Aleiandrinenstr. 44. Renten» Abend. Vortragender Genosse Rochow....„ 74. Abt. Zchlendorf. Frauenadteilung: Montaa nachnntteg 143 Ubr am Markt, Potsdamer Strafte. Treffen zum Ausflug nach Mutter Mochow. Reukölln. 88. Abt. 7'4 Ubr bei Brofc. Sanderftr. 18. Vortrag:„Sozialistisch, Kultur". Referent Franz Hauch.— 88. Abt. 7>4 Uhr im Ideal-Kastn». Reierat der Genossin Erna Kresse über„Die Ausgaben der Frauen in der ietziaen Zeit". Gäste willkommen.— 91. Abt. 714 Ubr bei Lud decke, »arlsaartensrr. 12, Vortrag:„Religion und Sozialismus". Referent Genosse Adolph Soffmann.._.„.«„, 181. Abt. Treptow. 71- Ubr bei vettinaer. Aiefholzstrafte. Bortra,:„Sozia» listifchc Kultur". Refcrent Richard Weimann. 138. Abt. Tegel. 8 Uhr im Iuaenbbeim Bahnhofstr. lö Bortra«:„Die voll- tische Loge*. Rcferentin Margarete Schenkolowski. Uebermorgen. Dienslag. den 1. Juni: 84. Abt. Lankwitz. 714 Uhr bei Lebmann. Kaiser-Dilb-lm-Str. 29—81, Bob. traa:„Volksenffcheid". Rcferentin Marie»mrert. M. d. L. 166. Abt. Iohannistdal. 714 Uhr bei Botho. Swb-nrauchstroft». Gerhart-Saupt-, mann-Abend. Vortragender Sein, Borthel. Sozialistische �rbeitersugenö Groß-Serlin. Achtung, Abteilungsleiter! Wendet euch sofort an die zuständigen Partei- ohteilungen zwecks Mithilfe zu den Elternbeiratswablen am Sonntag, den 8. Juni. heute, Sonntag, den 30. Mm: «eiftensee I; Abends 7 Ubr im Iugendlieim Ebarlottenburger. Ecke Roelck«. strafte, Filmvortrag:„Quer durch Deutschland". Eintritt frei. Gäste will- kommen.— Friedenau: Besuch de» Films„Freies Boll" in Moabit, Turm- strafte. Uso-Pala». Treffpunkt 144 Ubr Friedrich-Wilhelm-Platz< Denkmali.— Saaftoiß;: Svielen auf der Rathauswiese nachmittags 3 Ubr.— Sv." Referent stollege Bernhard Giiring.— isriedriwshagen: Resiaurant Scholz, �riedrichstr. M. „VlattdMsche Snurrr» und Döntjes." Vortragender Kollege Hermann Vifchosf. — Rowawc«: Restaurant Gebauer. Wallstr. 62. Lichtbilderportraa:„Wien, der Vratcr. Schilndrunn".—„Das berrlich« Sordaseegedict". Referent Kollege Erich Vrcdcw. Mittwoch, I. Juni, abends 8 Uhr: RenkSln: Bllrgerfäl«, Bergstr. 117. ..Et-rifiiwie durch boj Gebiet der Künlt." R'scrent Kollege Waltrr Eschbach.—- Kanisbols: Restaurant Pech. Kaulsdors. Hohnowcr Str. ö.„Sumor ron den Wasserkante." Referent Artur Rachow.— Spandau: Restaurant Roter Adler, Potedamcr Etrasie,.ZZrauencrwerdsarbcit und Familienleben." Roferentin Kollegin Gertrud Ellert., ADSB.. Ortsansfchnst Berlin und AfA-Bund. Ortskartell Berlin. Donnnerz- tag abend 7'i Uhr im arostcn Saale des Gewerkichaftzhauses erweiterte Vdr, stäiibckonimiy. Vortrag des Genossen Victor Schiff:„Der englische Streik und sein« Lehren. (Gewerkschaftliches stehe auch 4. Seite Hauptblatt.) HAG Kaffee Hag, der coffeinfreje Bohnenkaffee. kann lungenkranken, die immer zu beschleunigter Herztätigkeit neigen, nicht genug empfohlen werden. Professor Dr. Hölter Roth-Händle o Pfg. Zigaretten in altbewährter Qualität! 4"» Berliner- EieMriker- GenosscnstfiaH Berlin N 24, Elsflsser Str. 86-88 I Filiale Westen, Wilmersdorf Fernsprecher; Norden&S 25 u. 68 26■ Undheussireaef. 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Sämllich» Bcr'aininlunoen dea innen um >Il»r. Wir bilien unsere Miiglieder die slle den einzelnen in Frag« lammenden Termine unD Lokale ,n notieren und eiworlen zadkreiche» ckricheinen. «is«udweiS bei«. Wabliegitima. tiou gilt die legte BeitragSauittung. Tagesordnung: I. Dahl der Delegierten zur«eneralue» imumlung. 2. Pa chiebenes. Für Inform erung fllr die ru«ählende» Delegierten gedia wir hierunier noch dl« Zageeordmlu, der am 27. Juni IVA stail- fii.deudea cheneratoer ammiung bekannt und zwar: i. Genehmigung der Iahiesbllau, und Berwenduu« des Uederichuffen<19250 X Enilaklung des Aufsichtsiares und Bor- standee. 8 Neuwahl der iatzungsgemäß ausscheiden- den Auifichtsraismuglieder. i. Satzunzs-Aendirungeu. &. Eingenanaene Anträge. & verschiedenes. Möbel Leibhans Moritzplaft 58a uerkanft«». »üoe, neu und aettaaen fieil« auf Seide» 19,50. Paletots, Gummimäntel 18.—. Damenaardaeobe! Betten. Stand 2S�-. Bettwäsche Dintttrf 18—. Teppiche! Gardinen!«oartpelze. Sebnetze. 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Der Wirt und Pferdehändler Simetic Santo saß aus der Bant vor seinem Hause und blinzelte schläfrig über die menschenleere, sonntäglich reingefegte Dorfstraße. Es war um die Zeit der Litanei, die im Burgenlande zwischen zwei und drei Uhr nachmittags abgehalten zu werden pflegt. Simeiics Hausgesinde war, wie die übrigen Dorfbewohner, in der Kirche. Bants war fein besonderer Freund von Weihrauchduft und Ehorgesang, und so war er unter dem Vorwand, das Haus hüten zu wollen, daheimgeblieben. Träge trochen die Gedanten durch sein Hirn. .Lag ca tje bit*,—.Der beis bas bird?*') dachte er schließlich und scheuchte damit den letzten Rest von Kümmernis über allzu hohe Steuern und das tünftige Schicksal seiner trächtigen Stute hinweg, weil sie ihm nicht so recht zu seiner beschaulichen Ruhe passen wollte. Plötzlich erklang unmittelbar in seiner Nähe ein Schrei,— un- verkennbar aus weiblichem Munde, dem heftiges, schmerzvolles Stöhnen folgte. Simetic Bants war so in seine Gedankenlosigkeit versunken, daß es ihm nicht gleich zum Bewußtsein kam. Als aber das Stöhnen nicht aufhören wollte und ein zweiter Schrei die Luft zerriß, ent- schloß er sich doch, die mittlerweile zu einem kurzen Nicker schon ge- schlossenen Augen aufzumachen und der Sache nachzugehen. Zwischen Bantos Haue und dem seines Nachbarn war ein enger Durchlaß, zu einem Graben oertieft. In der Regenzeit, wenn die Jauchengrube im Hof des Wirtshauses den vielen feuchten Segen, der dem Misthaufen entströmte, nicht mehr zu fassen vermochte, floß die Jauche durch diesen Graben ab. Jetzt war die Erde in ihm slaubtrocken, nur ihre dunkelbraune Farbe und der fette Glanz einiger darin liegender Steine verrieten seine eigentliche Bestimmung. Aus diesem Graben, dort, wo die beiden Hausmauern so nahe aneinanderrückten, daß sie einen engen, dämmerlichterfüllten Gang bildeten, klang dos Stöhnen. Simetic Banko erhob sich schwerfällig, wackelte auf seinen dünnen Beinen, die der Last seines' großen Bauches kaum gewachsen waren, bis zu seiner Hausecke und schaute vorsichtig in den Gang hinein. .Vrax-!'(Teufel!) entfuhr es ihm. Ganz rückwärts, so daß man sie von der Straße aus kaum sehen konnte, log ein« Frauensperson und krümmte sich in Schmerzen. Banko war kein schlechter Mensch. Er gab gern und nicht schäbig, besonders wenn es ein paar Leute sehen konnten, daß der Banko, wie fich's für ihn geziemt«, wieder einmal nobel war. Aber er liebte um sich nur fröhliche Leute, und es machte ihm auch nichts au«, wenn sie ihre Fröhlichkeit einem Neinen Schwips zu verdanken hatten..Des is gleichermaß'n gut für's G'schäft wia für'n Pferde- Handel!" pflegte er seinen Söhnen zu predigen. Aufsehen hingegen war ihm höchst zuwider, besonders wenn Weiber die Ursache waren. Im höchsten Grade unangenehm berührt, starrte er eine Weile auf die Frau im Graben. Endlich begriff er die Situation. „A Kind wird's kriag'n, die Schlamp'n... und ausgerechnet am Sunntag und in mein'n Ianchengrab'n!" Dann setzte er sich in Bewegung und ging zur Kirche, um die Hebamme zu suchen, die um diese Zeit sicherlich unter den Andäch- tigen zu finden war. Es ist höchst sonderbar, wie willkommen die Nachricht von einem sensationellen Ereignis selbst in den andächtigsten Erbauungsstunden ist. Die Leute saßen singend und betend in den Kirchenbänken. Nur ab und zu konnte man jemanden sehen, der sich zu seinem Nach- bar beugte und diesem irgend etwas flüsternd mitzuteilen schien. Die Litanei war noch nicht beendet, da wußten es schon all«, daß beim Simetic eine fremde Frauensperson im Begriff war, ein Kind zu bekommen,-- und auch der Pfarrer wußte es, trotzdem er ganz allein betend vor dem Altar knien mußte. Der Mehner war nämlich auf den Fußspitzen zu ihm geschlichen und hatte ihm die wichtige Neuigkeit zwischen einem Vaterunser und dem solgenden Ave Maria flüsternd und brühwarm hinterbracht. Sofort nach der Andacht ging alles neugierig und voll der Er- Wartung zum Wirtshause. So einen Skandal mußte man sich doch gründlich ansehen!! An der Spitze des Zuges schritt der versammelte Gcmeinderat, und er wäre sicherlich als erster zur Stelle gewesen, wenn es nicht unter seiner Würde gewesen wäre, den Weg zum Wirtshaus laufend zurückzulegen. So war es die Dorfjugend, die sich zuerst um den Eingang zu den, Graben scharte. Als der Gemeinderat kam, hatte sich das Schicksal der Land- streicherin schon soweit erfüllt, daß sie die Neugierde der Herum- stehenden nicht mehr zu belästigen vermochte. Ihr abgezehrter Körper lag blutbefleckt und leblos wie ein Bündel im Staub, und die Hebamme neben ihr hielt ziemlich unentschlossen«in kleines, schreiendes, nacktes Kind im Arm. Der Beschluß des Gemeinderates war:.Indem, daß das schon in unserem Holter passiert ist, trotzdem wo niemand weiß, woher die Kindesmutter zuständig ist und wie sie heißt, so ist das Kind auf Gemeindekosten in geeignete Pfleg' zu geb'n." ilnd die nächste Sonntagspredigt des Pfarrers handelte von .dem Unzuchtteufel, der da umgeht wie ein briillender Löwe". Auch die Gendarmerie tat das Ihrige.— sie wurde nämlich mit dar Ausforschung der Personalien der Toten betraut. All da? märe wohl noch nicht imstande gewesen, dos Land- sireicherkind am Leben zu erhalten, wenn nicht seine gesunde Kon» Reich unö Min. Was haben Sie hier! hohe Altersrente! TUs Arbeitslose füttert sie öer Staat. Sie kriegen Liebesgaben unö präsente Und werden unterstützt mit Nat und Tat. Zum Ueberfluß sind sie nicht steuerpflichtig. Ja, die sind gut versorgt l Die leben richtig! Unö diese hier! Die müssen Kohldampf schieben! Und leben von erbärmlicher Pension. Man hat sie gor von haus und Hof vertrieben. Oos Letzte gaben sie für die Nation.— Nun will man ihnen das Ersparte nehmen! Ist das gerecht! wir sollten uns was schämen! •) Die burgentöndischen Kroaten sprechen deutsch jedes\V wie ftitution und ein Zufall mitgeholfen hätten. Neben der Frau, der man das Kind gegen geringes Entgelt zur Pflege übergeben hatte, wohnte eine jung« Bäuerin, die am gleichen Tage auch ein Kind geboren hatte. Wo Mangel herrscht— so sagt man—, dort findet die Natur bald den Weg, um der Not aus ihren unerschöpflichen Quellen abzu- helfen. In diesem Falle schien sie sich der Schmerzen zu bedienen, welche in der überreich mit Milch bedachten Brust der jungen Bäuerin entstanden, um jenen wohltuenden Ausgleich herzustellen. Unbeschwert von den moralischen Erwägungen des Herrn Pfarrers sogen die beiden Kinder, der junge Bauernbub und das Land- streichermädchen, Kraft und Lebensfreude aus der ihnen willig ge- botenen reichen Quelle. Es war, mit einem Wort, auf legalem Weg„nix zu machen". Der Fratz gedieh, die Gemeindespesen erhöhten sich. Und da man den Namen der Mutter nicht zu eruieren vermochte, erhielt das Landstreicherkind zu seinem Taufnamen Juliane schließlich den Familiennamen Horoäth. Daß Juliane Horväth keine leichte, vor allem aber eine sehr liebeleere Jugend hatte, bedarf wohl keiner Versicherung. Die Art ihrer Lebensführung stand zu den allgemeinen Verhältnissen in der Gemeinde in enger Beziehung. Es gab Zeiten, da waren sogar so arme Leute in dem Ort) daß sie selbst von dem geringen Kostgeld. das die Gemeinde für das Kind zu zahlen bereit war, etwas zu er- sparen hofften. Juliane kam dann zu ihnen in„Kost und Quartier", — und das waren die besonders unangenehmen Perioden. Dann wieder gab es Zeiten, wo sich niemand finden wollte, der auf diese Weise spekuliert hätte, und da mußte sich das Landstreichermädel von Haus zu Haus verköstigen und einquartieren, d. h. die Ge- meindeverwaltung verfügte, wie lange ein jeder das Kind bei sich zu beHallen habe, je nach den Bermögensverhältnisien der einzelnen Dorfbewohner. Für Juliane waren das die besseren Zeiten. Unter den Reichen fand sich niemand, der sich ständig ihrer angenommen hätte.„Ins Haus nehmen? Gott bewahr'!" sagten die Bauern. „Es schaut nix Gut's heraus bei so an Pankert!" Aber das Land- ftreichermädel durfte, wenn �ie Reihe an sie kam, doch mit ihnen an einem Tisch essen und erhielt so einen rechtschaffenen Anteil. Ja, es gab Häuser, in denen man sich sogar satt essen konnte, obzwar „Sott essen" für Juliane ein recht anspruchsvoller Begriff war. In der Schule war sie das abschreckende Beispiel, und Freiwild für die Anzüglichkeiten der übrigen Kinder. Abgehärtet gegen physische und moralische Prügel wie ein Wilder gegen Sonnenbrand, wurde das Kind schließlich 10 Jahre all, und von diesem Zeitpunkt begann die Wendung in seinem Schicksal. Eine der Bäuerinnen kam auf die Idee, daß das Mädel Hausarbeiten verrichten, auf das Geflügel aufpassen und eine Menge anderer Sachen machen könnte, die wohl eine reichliche Gegenleistung für das, was es brauchte, wären. Sie entdeckte also ihr gutes Herz und schickte Juliane nicht weiter, als die festgesetzte Zeit für den Aufenthalt des Kindes in ihrem Hause beendet war. Sie tat das, wie sie sagte,„um Gottes- lohn, derweil ja des Kind nix dafür kann, was ihre Mutter g'wesen is". Immerhin versäumte sie es doch nicht, sich um das Kostgeld, das die Gemeinde zahlte, zu bewerben. Die kleine Horväth muß sicherlich früh dazugekommen sein, sich ihre eigene Weltanschauung zu bllden, weil ihre Erlebnisse und Er- fahrungen im krassen Gegensatz zu dem standen, was man ihr in der Schule von Gerechtigkeit und Sünde erzählte. Ich glaube, Gut und Böse muß für das Mädel nur in dem Sinne eine gewisse Bedeutung gehabt haben, daß„Gut" unter die Genüsse zählte, auf die man ihr nicht draufkäme, und„Böse" all das war, wofür sie Prügel kriegte. Oft, sehr oft setzte es sogar Prügel, ohne daß sie durch einen vorangegangenen Genuß irgendwie moralische Berechtigung erhalten hätten. Scheu wie ein Reh und durch ständige Verfolgungen ver- schlagen, lebte sie schlechter als«in Haustier. Dieser Zustand dauerte drei oder vier Jahre und hätte zur allseitigen Zufriedenheit— denn selbst Juliane war mit ihrem Los recht zufrieden, da sie nichts Besseres kannte— noch sehr lange dauern können, wenn nicht das Schicksal einen dummen Anlauf ge- nommen hätte, sie für ihr bisheriges Elend entschädigen zu wollen. Die„Juli", wie man sie allgemein nannte, wurde nämlich ein auf- fallend hübsches Mädel. Seltsam stach ihre schlanke, feingliedrige Gestalt mit dem gebraunten, edel geschnittenen Gesicht von der derben Erscheinung der übrigen Bauermnädel ab. Aber auch in anderer Beziehung kam das temperamentvolle Landstreicherblitt, das sie von der Mutter geerbt hatte, zur Geltung. Juliane war kaum 16 Jahre alt geworden, da wurde sie schwanger. Ihre Mutterschaft dürste sogar von jenem beseligenden Gefühl der Liebe und Zuneigung nicht ausgeschlossen gewesen sein, das gewöhn- lich die Einleitung zu diesem Zustand bildet und manche Schmerzen aufzuwiegen imstande ist. Sie wußte nicht einmal den Vater des Kindes anzugeben, das sie erwartete.„Es gibt ja soviel Manns. bilder und Burschen in der Gmoa!" sagte sie, und aus ihre Lippen trat jenes armselige siirchtsame Lächeln, mit dem sie schon als Kind diejenigen zu versöhnen versucht hatte, die die Hand erhoben hatte», um sie zu strafen.... Wieder mutzte der Gemeinderat einen Beschluß fassen und au� der Pfarrer hatte wieder ein zugkräftiges Theraa für seine Som». tagspredigt. Die Welt fdjien sich in den sechzehn Jahren nur wenig geändert zu haben, es ging alles ungefähr so zu wie damals! Einen ober gab es doch, der aas der Geburt der Juliane chorvath eine Lehre gezogen hatte: Simetic Banko. Vor dem Iauchengraben bei seinem Hause hatte er schon längst ein Drahtgitter ziehen lassen: dort konnte sich das Laster— oder was man eben so nennt— nicht mehr verkriechen. Z. /t. Sorge über Wilhelm Weitling.. persönliche Erinnerungen. Die eigentliche Säule der Internationalen Arbeiterassoziation in Amerika war F. A. Sorge, ein protestantischer Pfarrerssohn, der nach dem Scheitern der deutschen revolutionären Bewegung des Jahres 1848.-49 die Sozialisten und Kommunisten Amerikas zu einer streitbaren Armee zusammenfaßte. Sorge hat dii! Parteigeschichte der Sozialdemokratie durch seine Sammlung von Briefen von Joh. Phil. Becker, Jos. Dießgen, Friedrich Engels und Karl Marx bereichert. Er ist am 26. Oktober 1997 in New Park im Alter von 78 Jahre gestorben. In Amerika nahm er zunächst persönliche Fühlung mit den Anhängern Wilhelm Weitlings. Seine Erinnerungen an W. Weitling hat er in einem Briefe vom 14. Mai 1886 an Hermann Schlüter, den ersten Leiter des sozialdemokratischen Parteiarchios, festgelegt. Er schreibt in diesem Briefe nämlich: .Im Spätherbst des Jahres 18�52 wurde ich von der Per- waltung der„Arbeiterbundeshalle" in Beekmann Street, New Pork, als Klavierspieler in Dienst genommen für drei Tage der Woche: Sonnabend. Sonntag und Montag, wofür ich Quartier mit Kost erhielt. Dies« Arbeiterbundeshalle war das Heim und Geschäfts- t lokal des„Arbeiterbundes", welchen Weitling gegründet hatte, und er wurde auch die„Republik der Arbeiter" herausgegeben. -auptzweck des Bundes war damals Gründung und Erhaltung einer Kolonie„Communia" in Wisconsin, und gerade an dieser Kolonie ging dann der Arbeiterbund und dessen Organ— Republik der Arbeiter— zugrunde, fast in ähnlicher Weise wie Ikarien, die von Cabet gegründete Kolonie, nämlich durch Auflehnung der Mitglieder gegen die Autorität der genannten Gründer(Weitling und Cabet). Als ich in der erwähnten Bundeshalle wohnte, sah und sprach ich Weitling sehr häusig, dessen persönliches Auftreten mir sehr gefiel. Er war damals in seinen besten Jahren und trat das er zu Weihnachten in der„Republik der Arbeiter" veröffentlichte, .welches anfing: Ich bin ein kleiner Kommunist Und dazu auch ein guter Christ usw. Sein Haupiargument gegen mich, das allerdings eine gewisse Beschränktheit verriet, bestand dann in der Frage-:„Was sollen wir den Leuten anstatt dessen(der Religion) bieten? ; Nicht lange nach Neujahr 185? verließ ich die Bundeshalle in Beekmann Street und habe dann Weitling nicht wieder gesehen vor 1858. Im Jahre 1853 brachen die schon erwähnten Streitigkeiten unter den Mitgliedern des Bundes aus, die sich hauptsächlich um den Besitztitel des für die Kolonie erworbenen Landes drehten, und W.(Weitling) viel Verdruß bereiteten. Das Unternehmen scheiterte und auch der von Weitling gegründete Arbeiterbund löste sich auf, an dessen Stelle andere Arbeiterverbindungen traten, während W. sich zurückzog und schwer zu kämpfen hatte, um sein Brot zu verdienen. Im Jahre 1857 wurde der.Kommunistenklub" in-New Pork gegründet, der 1858 eine Feier der Junischlacht veranstaltete, zu der auch W.(Weitling) eingeladen wurde, aber keinen hervor- ragenden Anteil an der sehr stark besuchten Feier nahm. In den folgenden Jabren besuchte W. öfter A. Lange, A. Komp und F. Kamm, Mitglieder des Kommunistenklubs in New Park. Lange und Kamm find tot, Komp lebt noch in New Pork. W.(Weilling) beschäftigte sich damals mit Erfindungen für sein Handwerk und soll wirklich eine gute Knopflochnähmaschinc erfunden haben, ohne aber eigenen Nutzen daraus zu ziehen. Ferner trieb W. eifrig Astronomie und hatte, wie mir A. Lange und andere versicherten, ein eigenes Weltensystem ausspintisiert, welches das Kopernikanische Sonnensystem verwarf und die Erde wieder als Mittelpunkt des- selben einsetzte. Während des Sezessionskrieges war hier alles lahmgelegt, bis auf die damals stets erfolgreichen Ausstände um Lohnerhöhungen, durch welche die Gewerkschaften so gestärkt wurden, daß sie aus ihrem ersten Kongreß in Baltimore im Jahre 1866(ein Jahr nach Beendigung des Kriegs) die Achtstundenarbeit fordern konnten und ein dahinzielendes Bundesgesetz durchsetzten. Im Jahre 1367 starb der oben erwähnte Fr. Kamm, und zu dessen Leichenbegängnis erschien auch Weitling. Als ich am Grabe Kamms ganz besonders dessen kommunistisches Glaubensbekenntnis betonte, machte das wohl einige anwesende Spießbürger trötia, aber auf der Rückkehr vom Friedhofe nahm W.(Weitling) die Gelegenheit wahr, um mir nicht bloß seine Uebereinstimmung da- mit, sondern auch seinen Dank dafür auszusprechen. Tin sischerce Leben pulsierte in der amerikanischen Arbeiter- bemcgung von 1866 an, woran die deutschen Arbeiter regen Anteil nahmen. Der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein von New Park, in Winter von 1867/68 gegründet, schloß sich im nächsten Jahre der Internationalen Arbeiterassoziation an, wo er als Sektion 1(Mutter- lektion) eine Heroorragende Stellung einnahm und großes leistete durch di.» entschiedene Rick'tung, welche er der Bewegung gab. Er veranstaltete im Dezember 1899 im Verein mit einer starken tschechischen und einer französischen Sektion die bekannte Anti- lriegsversammluno und am 22. Januar 1871 ein Verbrüderungsfesl der gcnanntcn drei, damals starken Sektionen, der deutschen, sran- zösischen und tschechischen, das großes Aufsehen erregte wegen seiner Abhaltung— während und inmitten— sozusagen— des zwischen Prrußen und Frankreich wütenden Krieges und der Belagerung von Baris. Zu diesem Feste war noch Weitling von uns eingeladen worden und erschienen. Er nahm innigen Anteil an dem schönen Fest, horte den Reden ausmciksam zu und sagte mir im Verlaufe des Abends mit herzlichen, bewegten Worten: Ihr(die Internationale Arbeiterassoziation) habt das Rechte getroffen. Er freute sich außerordentlich über die schönen Erfolg«, welche die junge Verbindung bis dahin errungen und erwartete großes von ihr. Wenige Wochei�. danach, starb er. Von seiner Witwe erbat ich mir einige seiner Schriiten. um Auszüge daraus zu machen. Ehe ich an die Arbeit gehen konnte, verlangte sie dieselben zurück, und habe ich nichts wieder von ihr und den hinterlassenen Schriften gesehen." Diese bisher ungedruckten Zeilen des Parteioeterans F. A. Ssrge bereichern unsere Kenntnis von dem Ausklang des bewegten Lebens des bedeutenden Handwerkerkommunisten Weitling sehr wesentlich. ___ P-«. Mittag am Canal Sranöe. Verzauberung über Verzauberung. Die Gondel gleitet wie vor Jahren zwischen den gleichsam aus den Tiefen gestiegenen Palazzi dahin. Unh noch immer weiß das Auge, ungewohnt dieses Riesen- Prospektes, keinen Halt. Hier fesselt ein edles Rustikagejchoß, dort seltsame Marmorinkrustatiouen, wappcnhaltende Löwen, Spitzbogen- motioe, korinthische Pilasterordnungen, alles, ist so. leicht und keck, so festlich heiter und doch so würdig der schönsten Prinzessin des Meeres. Die Sonne funkelt auf den Kuppeln der Kirchen, leuchtet auf dem Marmor der Ballone und Säulen, glänzt auf dem schwärzen Schiffsschnabel vor mir und den grünen Fluten, die die lässige Hand streichelt. Ich schließe die Augen. Schmede dahin, Gondeliere, trage mich auf den Flügeln deines schmalen Schiffchens immer weiter und weiter, ganz leicht und süß, immer weiter ins Märchen dieser Gold- töne und in die zauberhafte Ruhe diese» Mittags bis zum Himmel, der in leuchtendster Bläue, von zarten, weißen Wolkenlocken durch- zittert, unendlichen Frieden kündet. Dann tönt die sonore Bronzeglocke von der Piazetta her, eine hellere Stimme vom Nebenturm schlingt-sich in die dunklen Tropfen. Venedig, die schöne, reife Frau, schlägt die Augen aus und singt die ewige Melodie der hohen Stunde. Und nun, ein Böllerschuß, weit über den Kanal hallend: Mittag. Heinrich B. Kranz. Radiokonzert vor 86 Zahren. veranställete di« New M..... MW__.___ Kürzlich Porter Steinway-Gesellschast ein Radiokonzert, wobei an. di« bei- nahe vergessene, aber sehr interessante Tatsache erinnert wurde, daß diese Gesellschaft bereits vor 59 Iahren Fernkonzerte veranstaltet hat, die damals als unerhörte Glanzleistung des kurz vorher er- sundenen Telephons galten. Die damaligen Zeitungsberichte über die technische Anordnung dieser interessanten und im wesentlichen ge- glückten �Versuche geben kein klares Bild von der technischen Anord- inen Apparat de» nung. Pros. Vermutlich' handelte es sich damals um einen Gray, der den veränderlichen Widerstand einer säule zwischen einer stabförmigen beweglichen und einer zweiten fest- �..— tztal» Flüssigkeite- zweiten fest» Membrane befestigt und wurde durch die auf die Membrane auf» treffenden Schallschwingungen in Bewegung gesetzt. Auf di« Weise konnten Schallschwingungcn in entsprechende Stromschwankungen verwandelt werden, die auf der Empfangsseite von einem Telephon- Hörer abgenommen wurden, der die Schwingungen der Telephon- membrane auf eine Reihe sorgfältig abgestimmter hölzerner Resong. toren übertrug. Der Charakter der auf diese Weise übertragenen Klaviermusik soll nach Bericht von Ohrenzeugen zwar Mit dem ur- sprünglichen Klavierton wenig, dagegen groß« Aehnlichkelt miit Orgelton gehabt haben. Auf jeden Fall wußte man damals die Exaktheit, mit der jede einzelne Note, besonders der tieferen Lage» durchaus hörbar übertragen wurde, nicht genug zu rühmen. Lins zxiits Taschenuhr 2,75 Mk. Sir. 8 wca«ntl. verbr««, IVerk, sorg -*«"v fäitig gepr, tadell. u. genau geh, jede Uhr mit Garantieschein, mit Scharnier und Oold- rar.d, c« 43 sid Werk...'. nur 4— M. *p« dieselbe Uhr. mit Lenchli. 4 5j M Nr.? 7yl.-Uhr vers. m fioldranrt und Mtanbderkel....... 850 M. Nr. 145 oleg vrrsold. od. versilb. 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Wollte man den Film bloß nach seinem Inhalt beurteilen oder nach seinem dramatischen Aufbau, so wäre man bald fertig mit ihm; denn die Handlung ist in der Tat an vielen Stellen brüchig und im ganzen unwahrscheinlich. Ueberdies wird zur rechten Zeit immer abgestoppt. und zum Schluß siegt die Tugend aus der ganzen Linie und die Leutchen, die sich gegen so und soviel« Paragraphen des Strafgesetz- buches vergangen haben, werden überdies von der Provinztante noch mit Tausendmarkscheinen belohnt— damit sie heiraten können. Sieht man aber den Film als bloßen Bilderbogen an, so muß man zu- gestehen, daß Manfred N o a etwas sehr Unterhaltendes, Lustiges, mit vielen guten Regieeinfällen geschaffen hat und daß man vor lauter Schau» und Betrachten die Bedenken, die man etwa beim Lesen eines Schmökers gleichen Inhalts haben würde, übersieht. Schon die Eröffnung: prächtige Tierbilder von der landwirtschast- lichen Woche, und erst recht der Traum des dicken Provinzonkels Emil Klitz auf Klitzenhagen, in dem tausend Erinnerungen an Ber- liner Tag« durcheinanderwirbeln, reizt den Appetit. Er fährt also nach Berlin, um im Haus« irgendeines Freundes in der Saiseralle«, der auf Jagd geht, das Regiment zu übernehmen. Hier wird er gleich von einer jungen hübschen Tänzerin in Beschlag genommen, die scheinbar aus der Flucht vor Revolverschüssen ist. Die Diener- schaft des Hauses hat nämlich mit dem Oberschieber Mudicke ein Komplott geschmiedet, während der Abwesenheit ihrer Herrschast hier einen„Nockttultursalon" zu eröffnen. Die Tänzerin soll den Alten Herrn halten. Aber, o wehe, die Provinztante, die herrschsüchtig« Frau, hat Lunte gerochen und folgt ihrem Manne spornstreichs. Man kann sich vorstellen, was für drollige Situationen sich entwickeln, als die handfeste Dam« ihren Mann im Tete�l-tete mit der Tänzerin er- wischt und nun diese zum Temepel hinausschmeißt. Trotzdem gelingt die Spekulation Mudickes. Der Provinzontel feiert mit der Tänzerin seinen großen Abend in der Bar und dann in Perbrecherspelunken, wo er total ausgeplündert wird(wieder witzig« Intermezzi). Di« �......... a. Schlll Alte ist hinter ihm her, ohne ihn finden zu können. Zeßlich trifft sich alle» in der Billa in der Kaiserallee wieder, wo inzwischen der Kultursalon erblüht ist. Der Onkel tanzt im Nachtkostüm mit der Tänzerin vor der Zuschauerschast der Spieler und Schieber. Sie kommt dazu, und es gibt ein« heillose Gaudi. Dann requiriert sie ein« ganze Abteilung Schupo, und nun wandert die ganze Herrlich- keit auf die Polizeiwache, wo der Alte nochmals ausgeplündert wird. Inzwischen haben die beiden angehenden Brautpaare der Provinz- tant« alles gestanden, sie unter Anbringung eines Bubikopfes modern hergerichtet und wallfahrten nun mit ihr aufs Polizeirevier, um den guten alten unschuldigen Provwzonkel wieder freizulotsen. Nur Mudicke muß dran glauben. Er wird im grünen Wagen nach Moabit transportiert. Der Prooinzonkel ist von seiner veränderten Alten so entzückt, daß er nie wieder auf Berliner Abenteuer ausgehen wird, und zwei Brautpaar« siegen sich in den Armen. Herz, mos willst du noch mehr! Jakob Tiedtte spielte den Provinzontel ganz famos und Margaret« Kupfer war die durchaus ebenbürtige Gattin. Beide haben zum lustigen Erfolg das Erheblichste beigetragen. Liane Haid zeigte als Tänzerin, daß sie vieles zugelernt hat. Sie hatte rnisgezeichncte Moment«. Den pfiffigsten, gerissensten und in seiner Mimik unwiderstehlichsten Schieber stellte Siegfried Arno auf die Beine. Man hatte seine voll« Freud« an diesem Burschen, der auch, als alle» schief geht, nicht einen Augenblick sein« gut« Laune verliert. Die Photographie Otto Kantureks hatte wunderbare Bilder vom Berliner Nachtleben eingefangen. v. -Der Schrei aus öen Lüsten.' (Primus-Palasl.) Ein neuer Rin-Tin-Tin-Film aus der Produktion 1326! Man hat Rin-Tin-Tin oft sehr gut arbeiten sehen und befürchtet daher unwillkürlich ein« Enttäuschung. Sie bleibt erfreulicherweise aus, denn wem die früheren Film« gefielen, dem gefällt der neuest« Film auch. Man sieht diesmal den schönen Schäferhund in der Umgebung, in die er von Rechts wegen hineingehört, nämlich bei der Herde. Rin- Tin-Tin tut aufopfernd fein« Pflicht, dennoch gerät er in den furcht- baren Verdacht, er habe Schafe aus der benachbarten Herde zer- rissen. In Wirklichkeit ist ein Geier der Schrfräuber. Hierin liegt ein« große Unwahrscheinlichkeit, denn die Hirten, die mit und in der Pflanzen« und Tierwelt leben, wisien aus der Art des Angriffs genau, welcher ihrer Feinde sich ein Lamm holte. Doch im dür _ ilm dürfen die Schäfer«s nicht wiflen, well sich fönst nicht sieben mit Hochspannung geladene Akte von Liebe und Treu« ergeben wür- den. Rin-Tin-Tin stellt dem Geier nach, jedoch die Hirten haben den Tod des Verfolgers beschlossen. Der Besitzer kann seinen Hund natürlich ist,— das Haus und wird vom Geier in die Lüfte entführt. Nun wird Rin-Tin-Tin zum Erretter. Gerechtfertigt und neuer Sympathien gewiß, steht er zum Schluß des Films da. Der Regisseur Hermann C. Raymaker lieferte eine geschickte Arbeit. Das Familienleben ist reichlich süßlich ausgemalt, die Hauereien um den Hund sind ziemlich brutal und die Sensationen übertrieben. Rin-Tin- Tin, ein aufmerksames, kluges Tier mit lebhaftem Mienenspiel, ist wieder glänzend. Er ist, wie jeder Hund, ein geborener Schauspieler. Di« Amerikaner haben es verstanden, ihn und viele seiner Artge- noflen filmwillig zu machen. Ed. D. Dupar kann Tiere photo- graphieren, das sah man vor allem bei den Ausnahmen des Raub- oogels._ e. b. »Irau Suse." (Sammerlichkspiele, kursürskendamm.) Ein neues Kino am Kurfürstendamm, dieses Mal in Halens««, Ecke Cicerostraße, ein Zweigunternehmen der Richard-Oswald-Licht- spiele. ein kleiner Raum ohne Ränge und Logen, in blaßroten Farben gehalten. Das kleine Orchester spielt zu Beginn die M»rtha- Ouvertüre, dann spricht Gräfin Bothmer einen Prolog zu dem Wiener Film„Frau Suse". Der Prolog zeichnet sich durch ge- heimnisvolle Verse aus, Gräfin Bothmer läßt sich scharf durch Schein- werfer beleuchten. Kein Mensch weiß, wozu die ganze Hebung gut ist. Der Film selbst erinnert an die Kindheit des Films, als man ihn noch in Schaubuden zeigte. Selbst die Photographie ist unzu- reichend. Die Darsteller gefallen sich in studierten Posen, himmeln- den Augenoufschlägen, grimmen Zornesfalten und ähnlichen' abge- brauchten Filmrequisiten. Die Handlung geht in Wien vor sich, zur Zeit der Inflation, mit den bekannten Typen: Schiebern, verarmten Offizieren, edlen Töchtern, die arme Akademiker lieben und den Schieber heiraten, um die Ehre der Familie zu retten. Hinzukommt ern« Kriminalgeschichte, der Mann wird ermordet, die Frau kommt in Verdacht, am Schluß hat es der frühere Liebhaber gemacht, der aber freigesprochen wird, da er in Notwehr handelte. Das Ehebett ist nun definitiv gesichert. Die Handlung rollt schwerfällig ab, Rührungstränen rollen unentwegt. Spannung fehlt, Regie ist nicht vorhanden, das Ganze ein peinvolle Sache. Besser der zweite Film „Trude, die Sechzehnjährige", Manuskript und Regie von Conrad Wien«. Ein kleines Ladenmädchen wird Gräfin nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten. Sie muß z. B. vorher Ba- ronin werden, um als standesgemäße Braut auftreten zu können. Ein verkrachter Baron geht die Scheinehe ein. Katastrophen drohen. Am Schluß aber allgemeiner Jubel auf der Leinwand und im Orchester. Viel von Courths-Mahler, doch die Aristokraten kommen sehr schlecht weg. Da» klein« Mädchen allein fit tüchtig, die anderen sind Faulenzer, die von ihren Renten leben. Beinahe eine Parodie auf Gesellschaftssilme, beinahe eine Anhrangerung. Di« Regie hat Einfälle, haut den Film gut auf und steigert die Handlung. Jack T r« o o r spielt mit vornehmem Gesicht den reichen Grafen, viel- leicht etwa» zu vergeistigt, Max Landa zeigt Begabung für ver- krachte Existenzen, beschränkt sich aber im Frack nur auf ein ge- pflegtes und kultiviertes Aussehen, und Annie O n d r a ist al» kleines Ladenmädchen sprühend und überzeugend, wirkt jedoch im Affekt posiert und im Schmerz übertrieben rührselig. F. S. Zahlen von öer Iilmlnöustrle. Jüngst hat die Außenhandelsstelle wieder ihre Ziffern für da» erst« Vierteljahr deutschen Filmhandels im Jahre 1326 veröffentlicht. Aber die wenigsten find imstande, sich ein Bild aus diesen Zahle» zu machen. Was heißt es denn eigentlich, wenn da gedruckt steht. daß wir 4572166 Meter belichteten Positiofilm ausgeführt haben?! Das heißt, daß diese Filme aneinandergehängt einen Streifen von einem Drittel unserer Erdachse oder einem Neuntel unsere» Erdumfangs ergäben! Das heißt, daß bei einer durchschnittliche» Aktlänge von 366 Metern 15 246 Akte herauskämen! Eine Film- rolle ist 3,5 Zentimeter hoch. Also ergäben die 15 246 Akte aufeti� andergestellt eine Säule von 533 Metern Höhe, was immerhin einigermaßen beträchtlich ist. wenn man bedenkt, daß der berühmt« „Riesmwrm" auf der Weltausstellung in Wembley 356 Meter hoch war und der Eiffelturm 366 Meter hoch ist, ganz zu schweigen vom Kölner Dom, dessen Türm«„nur" 157 Meter aufweisen! Mit einem Filmstreifen von 4 572166 Meter Länge kann ei» Kreis gespannt werden, dessen Radius 728 Kilometer groß fit. also fast so groß wie von Berlin bis an die Alpen! Die längsten Flüsse der Welt in allen Erdteilen allein können die Konkurrenz damit aushalten. In Asien ist der Ob 5216 Kilo- meter, der Ienissei 5266 Kilometer, der Iangtsekiang 5266 Kilo- meter und der Lena 4666 Kilometer lang. Alle anderen großen Flüsse einschließlich des Ganges und Bramaputra, des Amur und Hoangho, sind kürzer als der„Silberstreifen", den die deutsche Film- industrie in einem einzigen Vierteljahr zur Ausfuhr brachte. In Amerika können nur der Mississippi und Amazonas mit ihm konkur- rieren, in Afrika nur der Nil, in Europa nur die Wolga! Das fit aber lediglich die Ausfuhr von belichteten Filmen. Di« Rohfilmausfuhr erreichte im selben Vierteljahr die ungeheure Zahl von 18885 666 Metern. Wollte man ein Stück Land treisförmig damit umspannen, käme man weit über Europas Grenzen hinaus. -c..7Ä> V-- r r � i.j." Unübertroffene m Äuswcihl! Allerbilligste Preise! Leinen-Schuhe weiss in moderner, runder Form, weiss gedoppelt mit amerikanisdiem Absatz Leinen-Spangenschuhe beige» prima Leinen mit Louis XV.-Absatz in neuester Form................... Weiss, grau, blond Loinen• Spangenschuhe in vorzüg- lidzer Qualität mit Louis XV.- Absatz«••• s- iso ESO Weisse Lelnen-Segler- schuhe mit weisser angegossener Gummisohle, Gr. 36-42 4.23, 29-35 3.73, 22-28 Weisse Leinen-Kinder- spangenschuhe in beqM breit Form, bes. bill. Angcb. 23-24 2.90, 21-22 2.23, 18-20 Weiss Leinen-Klnder- und Mädchen-Stlekoi in extra gut. 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Ü.t Ver- boten« XBwe Eggen Rex, Meieike Pr.: 72 PL hl» 4 M Hose-Theater »•<« Uhr: Ehre deine Mutter.- Öarienh T'/.Uj tk M» Itiffni Hboh Tl. an Zoo ragi.» uhr i Der alle Denaoer Operette Ina Akten CharK VMpermann Falk, Klper. Godau, Straeten. Htinisen Preise ÖM bis 6 M. Casino-Thuter » Uhr: Du nrlami Ptnfin orher Bunter Teil lutechein 1-4 Pars. Vorher Outechi Bai Vörzeigung Annonce kahlen Fant o. Balkon i.. Löge tt. Sessel 1J6 Bernoer Prster KasUnlen.Allee 7-9 Tigl Ith; latanufleeelce VvteU-Pratremm. Ant: Wochentag« Sonnlara 4 0 .-.inlrltt«PL «»««koch, tan*. Zoolog. Carlen Täglich ab 4 Ohr Gr.Konzert ÄQoarlam Tl.rkuast- Ansstelluog Tiel. S Uhr Elite- Sänger luiMW la Wardtr m m. m. a m. I Neue Weltf I»tl4 w-Mitee I Variete t II anftlai«. ittnkllaaaa II ♦ Anf. d. Konz. Sonnt 4 Uhr 1 ... WodttÄUhrt Anf. d. Vorst Sonnt S Uhr Z ... Vocht 7 Uhr � Von Dr. Maumberg Krammeetiüdüi� Cheiloftenburf. 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