Abendausgabe Nr. 251 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 123 «eHus-bedinMilge» uitb anjeisensttif« smd in ixt SlDtatnausaab« ongegeben SeOattion: Sw. 68, Ctnösaflrab« 3 Z»r»spr«ch«r: VSnhoft 292— 29 Z X»l.'iUceffe:SoilalOtiaetTat Serita � W Derlinev Volksvlatt �10 pksnnio) Montag A1.Mai192H 6«r>a« und Än,tlg«n-bt«lluni. E«schäN»>«it»-» Ubk Verleger: vorivör lo-Verlag GmbH Serlla LA». 6», Llubeuslrahe 3 Fernsprecher OSuhoff 292->297 Zentralorgan der Sozialdemokrattfchen Partei Deutfchlands vilsuöfki gewählt und lehnt ab! Warschau. 31. Mai.(Eigener Drahktbericht.) Die Nationalversammlung ist bei überaus starker Teilnahme der Llbgeordnelen und Senatoren, von denen nur wenige fehlten — darunter wilo» und zwei seiner Exministerkollegen— um ffnet worden. Die drei Dar' Rechten haben den Posener Wojwoden Vninsti gegen 10 Uhr 10 Minuten eröffnet worden. Die Zarteien der p i l s u d s t i aufgestellt. Die rechte Bauernpartei Diast hat in der letzten Nacht beschlossen, sich der Kandidatur /pilsudskis nicht entgegenzustellen. Um 11 Uhr 25 Minuten begann die Stimmenzählung. Sie ergab 4S5 güllige Stimmen. Die absolute Mehrheit beträgt 274. P i l s u d s k i wurde mit 292 Stimmen gewählt. Auf Bninski lauteten 193 Stim- men. LI Mitglieder enthielten sich der Stimme. Abwesend waren nur 10 Abgeordnete, davon 2 entschuldigt: von den übrigen S gehörten 4 zu den Minderheitsvöltern, 4 zur Rechten. Die Rechte hätte bei dieser Besetzung des Hauses 204 Stimmen aufbringen müssen, aber der grötzte Teil der Diast- und der Nationalen Arbeiterpartei stimmten für pilsudski. Die Linke nahm die Wahl des Marschalls Zohann PN- fudskis mit Begeisterung auf. Einige Abgeordnete de» Zentrums stimmten beim Verlassen des Saales die Nationalhymne an. Die deutschen Abgeordneten stimmten geschlossen für Pilsudski. Sejmmarschall R a l a j schickte nach Feststellung des Wahlergebnisses einen Sekretär zu Pilsudski mit der Anfrage. ob er die Wahl annehme und wann er den Eid auf die Der- sassung vor der Nationalversammlung leisten wolle. pilsuöfti lehnt ob! Warschau. 31. Mai.(WTL.) Die hiesige Der- trctung der„Associated Preß" meldet: Marschall pilsudski hat die Wahl zum Staatspräsidenten aus Verfassung s- rechtlichen Bedenken abgelehnt und Prosesior Ziechowski(wilna) sowie Professor 3gnaz Mosciski (Lemberg) zur Wahl an seiner Stelle vorgeschlagen. Sejmmarschall Rataj erklärte in Anwesenheit des Minister- Präsidenten Bartel um 12,4S Uhr vor Vertretern der polnischen Presse, daß Marschall Pilsudski die Wahl zum Staatspräsi- denten nichtaanehme. Sein Beschluh, so erklärte Rataj. sei unwiderruflich. Infolgedessen hat Sejmmarschall Rataj für morgen zehn Uhr die Nationalversammlung wiederum einberufen, um die Wahl des neuen Staatspräsidenten vorzuneh- men. Der Entschluh pilsudskis hat in politischen Kreisen eine ungeheure Erregung hervorgerufen. Die Folgen der ---- xusudski lasi Entscheidung des Marschalls Pilsudski lassen sich zurzeit noch nicht in ihrem ganzen Umfange übersehen. Warschau. ZI. Mal.(WTV.) Marschall pilsudski hat die aus ihn entfallene Wahl abgelehnt mit der Begründung, in den Ziffern des Wahlergebnisses komme sür seine Auffassung nicht hinreichend der Wille zur Säuberung zum Llusdruck, den er von dem Sejm als Voraussehung sür die Annahme einer Wahl gefordert Hobe. Die von ihm vorgeschlagenen beiden Kandidaten sind beide kZochschullehrer von Ruf. Pros. Moszicki ist Chemiker und wirkte al» solcher in Lemberg. Cr gehört zurzeit dem vorstand des jüngst im 5)aager Prozeh Polen abgesprochenen Stickslosswerke» Chorzow an. Der zweite Kandidat Zdziechowski ist Professor der Philosophie in wilna und wirkte vor dem Kriege in gleicher Eigenschaft in Krakau. Er ist ein naher verwandter des früheren Finanzministers gleichen Namens und genießt als Rechtsphilosoph, insbesondere wegen seiner Bücher über die Rechtsaussassung des Westens und diejenige Ruhlands, in Polen einen großen Ruf. pilsudskis Ansprache vor der Wohl. Die ia unserer Sonntagsnummer kurz wiedergegebene Ansprache pilsudskis an die Vertreter der parlamentssrnktionen am Sonnabend enthielt folgende Wendungen: Die Verhältnisse in Polen haben sich derart entwickelt, daß ich c» zu einer Nationalversammlung gar nicht hätte kommen lassen brauchen. Ich werde keinen Druck ausüben, aber ich warne Sejm und Senat: wähltkeiaen parteimann zum Kandidaten. Sonst könote ich Sejm und Senat, die im Lande bestgehaßten Einrichtungen, vor der Strasenicht schuhen. Ich werde es zu v e r- hindern wissen, daß in Polen ein wann unter dem Terror von Schurken regiert, denn ich habe den Gaunern. Kalunken, wördcrn und Dieben den Krieg erklärt. Sejm und Senat haben ein Acbergcwicht an Rechten— sie sollen setzt ausruhen, um den Regierenden Gelegenheit zu geben, zu zeigen, was sie können, was mich betrisst, so macht mit meiner Kandidatur, was Ihr wollt. Ihr könnt wählen, wen Ihr wollt. Jedoch lucht einen würdigen Vertreter, wenn dann der Präsident gewählt ist, so wird es gut sein, wenn die Herren aus eine gewisse Zeit auseinandergehen. Man muh dem Präsidenten die ZrelheU geben, ei« Regierung zu ernennen and je« Arbeiten in Erregung in Warschau. die Wege zu lesteu. die dann später die Regierung vor dem Sejm verantworten wird. Ich will nicht den Vorwurf hören, daß ich die begonnene Arbeit nicht bis z u E a d« durchgeführt habe und die peitsche nicht habe in den Strahen knallen lassen. Mein Programm hat da» Ziel, da» Gaunertum zu verringern und der Redlichkeit den weg zu bahnen. Der Gewählte muh deshalb die Ehre höher stellen, al» einige Groschen verdienen zu können. Ich werde mich nicht ändern, ich werde die Diebe an die wand drücken. Ueberdenken Sie dies, meine Herren, und besprechen Sie dies noch untereinander. * Diese Rede Pilsudskis zeigt, daß sein Programm vor allem die Bekämpfung der Korruption in Polen ist. Wenn sein militärisches Unternehmen begeisterte Zu» stimmung und selbst aktwe Unterstützung bei den Arbeitern und kleinen Leuten gefunden hat. so in erster Linie deswegen, weil das polnische Polt und die Minderheitsoölker feit Jahr und Tag die Korruption bei zivilen und militärischen Be» Hörden immer höher steigen sahen, ohne daß Regierung und Parlament energisch genug dagegen vorgegangen wären. Die Spalten der polnischen Presse aller Sprachen, frellich nur der linksstehenden oder den Minderheitsvöltern dienenden, waren voll von Berichten und Anklagen über skandalöse Korruptionsfälle, und bis in die höchsten Stellen hinein ließen sich diese schmutzigen Fäden verfolgen. Pilsudski will nun der Korruptionshydra zu Leibe gehen. Leicht wird ihm die Arbeit nicht werden, denn die Beteiligten haben alles Jnter- esse daran, zusammenzuhalten und ihre Entlarvung zu ver- hindern. Man darf nicht vergessen, daß Polen nicht weniger als vier Währungskatastrophen hintereinander erlebt hat. Zuerst nach dem Abzug der Rusien und nach den zwei russischen Revolutionen die vollkommene Entwertung des Rubels, der ja nicht zugleich mit den russischen Truppen aus dem Lande verschwand. Dann die Katastrophe des von den Deutschen und Oesterreichern eingeführten O k k u p t i o n s- gelbes. Es folgte der Sturz der polnischenMark in den tiefsten Abgrund und seit langer Zeit ist auch der neu- eingeführte, allerdings zu hoch stabilisierte Zloty immer stärkerer Entwertung anheimgesallen. Aus solch wankendem Balutaboden gedeihen Schiebertum und Korruption am besten. Die Kampfparole Pilsudskis gegen die Korruption läßt aber deutlich erkennen, wie stark er und mit ihm seine An- Hänger die Korruptionserscheinungen für das schwere Wirtschaftselend verantwortlich machen, unter dem Polen seit geraumer Zeit unsagbar leidet. Zur Er- klärung dieser dauernden Wirtschaftskrise kann allerdings noch so schlimme Korruption nicht ausreichen. Sie hat ihre tieferen Ursachen in dem Mangel an Kapital, in der Land» a r m u t der Kleinbauern, wie in der Zurückgeblieben- h e i t des technischen Landwirtschaftsbetriebes und nicht zu- letzt auch darin, daß die kongreßpolnische I n d u st r i e ihren alten und natürlichen Absatzmarkt, Rußland, verloren hat. Zweifellos aber werden die polnischen Staats- und Bolls- finanzen auch schwer getroffen durch die ungeheuren Heeresausgaben, die nicht weniger als 40 Proz. der esamten Staatsausgaben betragen. Und ob gerade Mar- all Pilsudski geneigt sein wird, diese Ausgaben wirksam einzuschränken— das ist eine wichtige, aber erst von der Zukunft zu beantryortende Frage! Aushebung öer Immunität Mulles. Mit allen gegen die Stimmen der Kommunisten beschlosten.— Die Zlnshebnng der Immunität Kubes im Reichstag beantragt. Der Geschäftsordnungsausschuh des Landtages ver- handelte heute vormittag über den bereits angekündigten Antrag des preußischen Justizministerium», die Immunität des deutschoölkischen Abg. Wulle auszuheben. Der An- trag des Justizministeriums ist auf Grund der Aussagen des Grütte- Lehder in der Schwurgerichtsverhandlung im Zusammenhang mit den Erörterungen im Femeuntersuchungsausschuß des Landtages gestellt worden, nach denen Grütte-Lehder den Austrag zur Be- seitigung des völkischen Spitzels Heinz Dammers alias Müller von dem Abg. Wulle bekommen haben soll. Dammers ist von Grütte- Lehder ermordet worden, weil er einen Plan zur Ermordung des Innenministers Genossen Severing verraten wollte. Nach den Ausführungen des Berichterstatters Nufchke(Dem.) sind die Strafbehörden den Aufsehen erregenden Mitteilungen des Grütte-Lehder nachgegangen: sie hoben insonderheit festgestellt, wie sich Grütte-Lehder seinen Gesinnungsgenossen gegenüber verhalten hat Danach kann e» keinem Zweifel unterliegen, dah auch au» den Aussagen der von Grüllc-Lehder genannten Zeugen von wulle der Auftrag gekommen ist. Dammer» umzubringen und dah wulle von den, Vorbereitungen zur Ermordung Severings gewußt hat. Das Justizmißistreium hat besonders Gewicht auf die A e u h e. rung Wulles tzelegt, nach der er Grütte-Lehder überhaupt nur e i n m a l und dabei nur ganz flüchtig gesprochen habe. Dieser Aus- sage stehen die Aussagen anderer Zeugen und die Bekundungen Grütte-Lehders selbst entgegen. Der Berichterstatter bezog sich darauf, daß die Deutschvölkische Freiheitspartei selbst gebeten habe, die Immunität aufzuheben. Sicher hätte jede Partei den dringenden Wunsch, führende Mitglieder ihrer Parlamentsfraktionen von so furchtbarem Verdacht zu reinigen. Allerdings sei der Wunsch einzelner Mitglieder oder Parteien, die Immunität aufzuheben, bisher niemals für den Ausschuß wie sür das Plenum maßgebend gewesen. Er wolle kein« Definition des politischen Mordes geben. Nach- dem aber von einer Behörde wie vom Justizministerium der Verdacht ausgesprochen ist, daß der Abgeordnete Wulle in dem einen Falle bei den Vorbereitungen zur Ermordung des Ministers Severing mitgewirkt habe, und im anderen Falle zur vollendeten Ermordung des" Dammers Zustimmung und Auftrag gegeben hat, hätte das Parlament im Interesse seines eigenen Ansehens die Pflicht, die Ausklärung dieser mysteriösen Angelegenheit durch eine gerichtlich« Untersuchung so schnell wie möglich klarzustellen. Das Parlament könne in diesem Falle nicht anders verfahren, wie in früheren Fällen, wo gegenüber kommunistischen Abgeordne- ten sogar noch weitergehende Maßnahmen er- griffen seien. Er beantragte deshalb, die Aufhebung der Immunität des Abg. wulle zu beschließe». Der Ausschuß trat dann in eine.Erörterung der Frage ein, ot» auch gleichzeitig mit der Aufhebung der Immunität die Ge- nehmigung zur' Verhaftung gegeben sei. Im Antrag des Justizministeriums ist davon nicht die Rede. Nach weinung des Ausschusses und auch de» Vertreters des Justizministeriums wäre mit der Aushebung der Immunität an sich noch nicht die Genehmigung zur Verhaftung beschlossen. Ein solcher Antrag mühte vom Justizministerium besonders gestellt werden. Der mit beratender Stimme an der Sitzung teilnehmende völkische Abgeordnete Körner sprach seine prinzipielle Zustimmung zur Aufhebung der Immunität aus, da seine Partei den dringenden Wunsch hätte, gegen die„lügenhaften" Aussagen des Grütte-Lehder sich zu rechtfertigen. Immerhin müsse er aber Bedenken gelten lassen, da bisher weder Wulle noch Kube vor dem Untersuchungsausschuß Gelegenheit gehabt halten, Grütte-Lehders Aussagen zu berichtigen.(Und das nach dem unverschämten Brief des Reichs- tagsabgeordneten Kube an den Ausschuß.— Anm. d. Red.) E» sei auch bisher noch kein Strafverfahren gegen Grütte-Lehder einge- leitet worden, der nach seiner eigenen Aussage Severing ermorden wollte. Im übrigen lag« auch beim Reichstag noch kein Antrag auf Aufhebung der Immunität des Abg. Kube vor. Der Vertreter des Justizministeriums erNärte, dah ein Antrag auf Aufhebung der Immunität kubes an den Reichstag zusammen mit dem Antrag an den Preuhischen Landtag abgegangen sei. DleKommunisten gaben durch den Abg. Pieck eine schriftlich formulierte Erklärung ab, daß sie den Antrag auf Aufhebung det Immunität ablehnen l Die gerichtliche Untersuchung gegen Wulle sei doch nur eine Komödie. Sie hätten kein Vertrauen zu den Gerichten. In diesem Mißtrauen würden sie bestärkt durch den Wunsch der Völkischen aus Aushebung der Immunität. Den Ausführungen deutschnationaler und volksparteilichcr Abgeordneten traten die Abg. Rosenfeld(Soz.) und heilmann(Soz.) entgegen. Es sei nicht die Aufgabe des Ausschusses, darüber zu diskutieren, inwieweit Grütte-Lehder glaubwürdig sei oder nicht. Jedenfalls fei bis jetzt aber festgestellt, daß sich die Aussagen Grütte- Lehders als richtig und die Angaben Wulles als falsch herausgestellt haben. Im übrigen gaben alle bürgerlichen Varteien die Erklärung ob. dah sie der Aushebung der Immunität zustimmen. Demgemäh wurde mit allen gegen zwei Stimmen der Kommunisten die Aushebung der Immunität des Abg. wulle beschlossen. Der Antrag des Geschäflsordnungsausschusses wird so schnell wie möglich an das Plenum des Hauses kommen Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Haus dem Antrage des Gcschäftsordnungs- ausjchujjes zustimmen wird. Nochmals der Gberreichsanwalt. Was sagt der Reichsrat? Von besonderer Seite wivd uns geschneben: Das politisch« Temperament, das jederzeit bereit wäre, schon eine drohende Gefährdung des Volksstaats mit Leidenschaft zurückzuweisen, durchdringt bedauerlicherweis« nicht alle republi- lanischen Schichten unseres Volkes. Der anfängliche Protest gegen die geplante Ernennung des neuen Oberreichsanwalts, eines durch den reaktionären Staatssekretär Joel vom Reichs- iustizministerium ausgesuchten Beamten, beginnt in einem Teil der republikanischen Oeffentlichkeit schon leise nachzulassen. Man findet sich mit der scheinbar fast vollendeten Berufung des kommenden Mannes ab, als ob es sich um eine Sache von unter- geordneter Bedeutung handelte. In Wahrheit ist die Person eines neuen Oberreichsanwalts von überragender Bedeutung, zu einer Zeit, in der die preu- fjische Polizei und Staatsregierung von ihrer Verantwortung für das Staatswohl gezwungen waren, in«in Wespennest von Staats- Verschwörern mit fester Hand hineinzugreifen Will man behaupten, daß die Fortführung der hieraus erwachsenen Untersuchung gerode bei einem sogenannten unpolitischen Fachmann in besten Händen sei? Will man uns glauben machen, daß die Ernennung eines wirklich republikanischen Oberreichsanwalts neuen Zündstoff an das innenpolitische Pulverfaß bring«? Wo bleibt die Einlösung der feierlichen Parlamentsbeschlüsse von 1922. daß die leitenden Stellen in Reich und Land nur unbedingt zuverlässi- gen Vertretern der republikanischen Verfassung zu übertvagen sind? Aber vermutlich wiederholt man das Märchen von der wunder- baren Naturerscheinung, daß die Hochfunstische Befähigung link» von der Voltspartei plötzlich abschneide, daß es den republikanischen Parteien an juristischen Fachmännern erster Ordnung gänzlich fehl«. Das ist natürlich nicht ernst zu nehmen. Unter den aktiven und gewesenen Staatsanwälten der demotrati- schen Parteien mangelt es keineswegs an Männern, die es mit dem Joelschen Günstling an wisienschaftlichem Rang« und an Be- amtenersahrung überreichlich aufnehmen. Möge der R e i ch s r a t, der nach den gesetzlichen Bestimmun- gen(Gerichtsverfassung§ 150, Uebergangsgesetz vom 4. März 1919, § i und Reichsverfassung Artikel 179 Absatz 1) vor der endgültigen Ernennung des neuen Oberreichsanwaltes noch ein gewichtiges Wort mitzusprechen hat, noch dem Rechten sehen. Stahlhelm-Iuftiz. Prozeh Stölzel in zweiter Auflage. Vraunschweig. 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der braun- schwcigischen Justiz ist die Binde verrutscht. Sie schielt mit strafen- dem Blick nach links. Den Beweis dafür gab der Thiedemann- du-Roi- und der Stölzel-Prozeß. Im Proz?ß des Ober- staatsanwalts du Roi gegen den„Volksfreund'-Redakteur Thiedemann wurde Thiedemann zu 500 M. Geldstrafe verurteilt, weil er von dem früheren Leiter der Landesstrafanstalt Wolfen- büttel, du Roi, behauptet hatte, daß er von allen Lebensmitteln. die das Anstaltsgut Holum hervorgebracht habe, während der Inflationszeit den Löwenanteil sehr billig gekauft habe. Der Wahrheitsbeweis wurde erbracht. Es ist durch die Be- weisaufnahme festgestellt worden, daß du Roi Fleisch, Ferkel. Obst, Gerste usw. gekauft hat und zum Teil erst nach Monaten bezahlte. So hat er z. B. drei Zentner Gerste im Juni 1323 bezogen, die erste Rate Ende August 1923 und die zweite Rate Ende November 1923, al» der Dollar 4 Millionen stand, bezahlt. Es ist auch sestgestellt, daß er An- staltsobst in seinen Prioatkeller bringen ließ, ohne daß er das Obst bezahlte/ Die Staatsanwaltschaft suchte die Schuld an diesen skanda- lösen Zuständen entweder bei der Kassenverwaltung, bei dem Wirt- schastsinspektor, bei dem Staatsministerium oder bei der Rech- nungskammer, nur nicht bei dem Hauptoerantwort- l i ch e n, dem Oberstaatsanwalt du Rai. Thiedemann wurde des- halb auch verurteilt. Ganz anders geht die Staatsanwaltschaft im Prozeß gegen den sozialdemokratischen Landesschulrat Stölzel vor, dessen Verhandlung heute in zweiter Instanz begonnen hat. Die Staatsanwaltschaft hat diesen Prozeß großzügig vorbereitet. Sie Das gute Recht. von Ernst Thauro. .Mach', daß du rauskommst, du Aas, du Saulump, du Sumpf- bruder, verfluchtiger, so einen können wir nicht gebrauchen, der früh um neue schon wie'n Schwein besoffen ist. Sieh zu, wo du ein Obdach findest, wir wollen mit dir nichts mehr zu schaffen haben. das hat Seine Durchlaucht selbst gesagt. Wer nicht arbeitet, soll auch nischt zu fressen kriegen— und zu saufen nun erst recht nichts.'" Also schimpfend, kräftig, groß und breitbeinig, stand der Jnspek- tor unter dem stattlich hohen Torweg des Kronguts Uettersdorf und gab dem in der ganzen Gegend als Trinkbruder und Mädchen- schreck bekannten Starkjohann noch einen tüchtigen Fußtritt, daß der auf seinen Beinen nicht sehr Sichere ein Stück die Landstraße entlang flog. Nach einigen oergeblichen Versuchen geradeaus zu gehen, fand Starkjohann am Grabenrand in wildwucherndem Schierling, Wiesenschaumkraut und blühenden Brennesseln ein einigermaßen komfortables Unterkommen. Dort lag er und stierte in die bieg- samen Baumkronen des breitästigen Buchenwaldes. „Die vornehme Geburt is schuld—" brabbelte er in das leis- rauschende Blättergrün hinauf,„die macht einen von vorn herein zum Lumpen—! Wär' meine Mutter nich so dumm gewesen— was hat se eigentlich davon gehabt— was habe ich davon—? Nischt als das Saufen habe ich geerbt von meinem hochwohlgebore- nen Herrn Vater— und Arbeitsscheu— garnicht zu überwinden — die habe ich geerbt. Und nu schmeißt mich sein Inspektor auf de Straße!" Starkjohann erhob die Stimme, fluchte, grölte, Hub zu singen an— und sank zuletzt in tiefen Schlaf. Don kundiger Hand gesteuert, in groß angelegter, mit glatter Sicherheit genommener Kurve kam ein Kraftwagen vom Krongut Uettersdorf die Landstraße herauf. Zwei Herren lehnten in den tiefen Ledersitzen, ließen sich vom Zigarettenhauch umspielen und atmeten die in dem Wagen heimische, von Juchtcnlederdust und Köl- nischwasscr angenehm durchtränkte Atmosphäre. Der Aeltere von beiden— er hatte abstehende Ohren und nicht mehr viel Haare— war aber sonst von vorteilhaftem Aeußeren— reckte die mit Gold und großen Glanzsteinen geschmückte Hand in der Richtung nach dem Buchenwalde. „Aeh ja— Baron, der Wald da— prachtvolles Revier! Die meisten Slämme mehr als hundertjährig— und Wildebestand— geradezu pyramidal— und der Karpfenteich dahinter— aus den Erträgnissen hat mein Herr Großvater zwei Nebenfrauen mit Kind und Kegel gut versorgen können. Nebenbei gesagt— er war darin allzu gewissenhaft. Jetzt macht man so was billiger. Ach ja— den Wald da mutz der Staat mir schwer bezahlen, wenn er mir'n durchaus nicht lasten will, vielleicht läßt sich da auch was anderes arran- gieren— denken Sie mal noch— Sie haben doch nicht umsonst Iura studiert— ich dächte mir das so ganz nett— der Wald verpachtet— jährliche Gratislieferung an mich— Holz, Wild und Fisch en«ros — ich werde das schon unterbringen. Jedenfalls— blechen muh der Miststaat—! Die solle» sich nichts einbilden!— Enteignung— hat sich was. Laßt sie ruhig schimpfen— laßt sie brüllen— sie setzen s doch nicht durch. Raubritterzeiten— eh— die sind vorüber. Raub ist verboten durchs Gesetz." hat monatelang zur Voruntersuchung gebraucht und schließlich Anklage erhoben, w«U der Landesschulrat au» der Bibliothek de« Landesschulamt» einmal S und einmal 3 Schulbücher, die im Buchhandel nicht zu haben waren, für feine Kinder e n t- liehen und erst nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst wieder zurückgegeben hat. Ihm wird serner vorgeworfen, mehrmals das Diensttelephon zu Prioatzwecken benutzt zu haben. So soll er einmal während der Inflationszeit beim Landestheater Braunschweig nach einem verloren gegangenen Schal gefragt haben, ohne die dafür fällige Gebühr, die damals den Bruchteil eines Pfennigs ausmachte, bezahlt zu haben. Ferner soll er die Frei- fahrkarte des Ministeriums zu einer Fahrt nach Berlin benutzt haben, ohne daß ein ausreichender Grund zu einer Reise vorgelegen hätte. Das.Belastungs'-Material ist von mittleren Beamten zusammengetragen worden, die Stölzel jahrelang systematisch bespitzelten. In der ersten Instanz bracht« z. B. ein Zeuge«ine gehestete dicke Akte mit Notizen über den Landesschulrat mit in den Gerichtssaal. Ein anderer Zeuge hatte Nadel st ich« in den Umschlag entliehener Bücher gemacht, um sie erkennen- zu können. Als Verteidiger stehen Stölzel die Rechtsanwälte E y ck und Klee- Berlin zur Seite. Es werden 16 Zeugen vernommen. Die Vernehmung des Angeklagten wird allein mehrere Stunden in Anspruch nehmen. 5ür Volksentscheid und Schwarzrotgold. Eine Rede des Finanzministers Höpker-Aschost. Hagen. 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der preußisch« Finanzminister Höpker. Aschoff sprach am Sonnabend in einer demokmtstchen Versammlung über die allgemein« politische Lage. Luther sei an der Flaggemierordnung gescheitert, weil er al» Nicht- Parlamentarier vi« tief« Fühlung mit dem deutschen Volksleben oer- loren habe. Di« Flaggenverordnung fei falsch gewesen. Die ge- plant« neu« Einheit»flagg« der Reichsregierung betrachtet der Minstter als unmöglich. Er seh« keinen Weg zu ihrer Durchführung. Die Preisgabe von Schwarzrotgokd bedeute den Ber- last starker moralischer Kräfte im Volke für den heutigen Staat. Große Teile des Volke» hingen mit Liebe und Innigkeit an dem heutigen Staat, da» sei bei dem alten Staat nicht der Fall gewesen. Hinsichtlich der Fürstenabfindung schilderte der Minister da, Bestreben der Demokratischen Partei, die«Sache durch ein Kompro- Miß zu regeln. Er sei überzeugt, daß für das Votksentscheid- gesetz Angehörig« aller Parteien stimmen werden, auch ein Teil der deutschnationalen Wähler. Wenn der Volksentscheid durchkomme, werde eine staatspolitisch« Krise entstehen, da vielleicht Hindenburg das Gesetz nicht unterzeichnen wird und er lieber abdankt. Ueber die preußisch« Polizeiaktion führt der Mini- ster aus, daß die Polizei ihre Pflicht getan habe. Eni- rüstung darüber fei nicht angebracht. Wenn die llmfturzplän« in die Villen hoher Wirtfchastsführer hineinführten, so könnten die polizeilichen Haussuchungen an dieser Stelle nicht haltmachen. Die preußische Regierung mit ihrer Polizei werde den heutigen Staat vor Erschütterungen bewahren und verteidigen. Der Vorsitzende der Demokrattscheu Parket Westfalen- Süd er- klärte zum Volksentscheid, daß der Vorstand beschlossen habe, den Anhängern z» empfehlen, sich vom Volksentscheid nicht fernzuhalten. sondern sich in der weise zu beteiligen, daß jeder seine Stimme ab- gib« nach eigenem Ermessen mit Za oder Rein. Keine neuen Neichswehrforderungen. Ein Morgenblatt bringt in großer Aufmachung«in« sensationelle Meldung über angeblich« neue Millionenforderungen der Reichswehr. Wenig« Wochen nach Erledigung des Etats soll die Reichswehr bereits wieder mit einer neuen Forderung von 26 Millionen jetzt an den Reichstag herangetreten sein. Die Meldung klang schon deshakb von vornherein unglaubwürdig. «eil schon die letzten Forderungen der Reichswehr bei der Etatberatung nur mit großer Mühe und Not den Reichstag passiert haben. 9 Millionen wurden damals von den Forderungen für die Beschaffung von Kriegsgerät gestrichen. Wie wir feststellen Der Baron lachte. �Durchlaucht— da» Gesetz wollen wir doch ruhig beiseite lassen—" „Wieso? Was wollen Sie damit sagen?" Der Fürst warf sein Genick nach hinten und hob die Adlernase in die Lust. Er sprach, nachdrücklich und näselnd, jede» Wort betonend: „Durch acht Generationen sitzt meine Familie hier auf diesem Grund und Boden— seit vierhundert Iahren haben meine Bor- fahren— Gott Hab' sie selig— Gold daraus gezogen— haben davon gelebt— bon— erstklassig— standesgemäß— das ist historisch einwandfrei bewiesen. Ich habe alles das rechtmäßig geerbt. Also— bezahlt muß mir die Chose werden— darauf bestehe ich— da» ist mein gutes Recht." Der Wagen machte plötzlich eine Seitendrehung, geriet ins Schwanken, schütterte in allen Fugen— gewann aber das Gleich- gewicht zurück und fuhr strack» weiter, als wäre nichts geschehen. Der Baron beugte sich über den Sitz zum Führer. „Zum Donnerwetter— was war denn da los?" „«So'n Kerl lag quer über der Straße. Um«in Haar war er ge- liefert und wir mit." „Wo die besoffenen Leute alle herkommen—" sagt« der Fürst und streckte die bei dem Ruck unter den Sitz gezogenen Bein« behag- lich wieder aus. Starkjohann sah dem dahinschwindenden Auto nach. Er zog seine Glieder näher an sich, rutschte tiefer in die Schierlingsstauden und machte seinem Aerger Luft: „Nich' mal in Ruhe schlafen lassen s« einen. Nich' mal aus der Straße is man ungeschoren. Das' werd ich ihm aber ooch sagen — dem hohen Herrn— der mir vor Zeiten mal in de Well geholfen hat. Ich will nich' rausgeschmissen werden— ich will nich' über- fahren werden.— ich will ooch een Auto haben— und een Schloß — und schöne Weiber— und--- Wein— een ganzen Keller voll— 7 und Schnaps Schnaps— ganze hunderttausend Flaschen. Das kann ich verlangen— das i s mein gutes Recht." Eine Frau in weißem Haar mit fadenscheinigem, geflicktem Rock trat an den Graben, zwang ihr« Bein« zu einem mutigen Schritt hinüber und fing an, unter den Buchen kleine trockene Zweig« auf- zulesen. Mitunter blieb sie stehen und faßte ächzend nach dem Rücken. „Du— laß' das sein— das is oerboten," rief Starkjohann hinüber. „I, wer verbietet's denn?" „Der Wald gehört dem ehemaligen Landesvater." „Der ganze Wald— nu ja— da wird er mir doch wohl'n bißchen Reisig gönnen." „Weißt du. wieviel er haben will, wenn er den Wald hier stehen läßt?" Das alte Weibchen lachte.„Nu, in'v Koffer packen kann er'n ja doch nich." „Anderthalb Millionen will er daiür haben— und für da» Krongut will er dreieinhalb Millionen." Die alte Frau stand still. Ihre müden Augen waren groß und scharf geworden.„Und wer soll ihm das denn geben?" „Wir beide— du und ich." „Du bist verrückt!" sagte die Alte. „Das Volk soll es ihm geben. Er hat es doch so sehr geliebt, das Volk Meine Mutter weiß davon zu sogen. Sein Volk! Dazu gehörst du auch." können, ist im Reichstag von dieser ntnen Forderung bei keiner Stell« etwa» bekannt. Offenbar liegt dieser Meldung«ine Verwechslung mit dem Nachtrogsetat für das Jahr 1925 zu- gründe, der mit gewissen Streichungen vor langer Zeit im Reichstag erledigt ist. Neue Forderungen der Reichswehr über die Bewilligungen des Etats 1926 hinaus würden bei der allgemeinen Stimmung gegen solche Forderungen auch n i cht die g e- ringst« Aussicht aus Annahm« haben. Voruntersuchung gegen �laß und Genossen. Was wird Hitgenberg jetzt sagen? Da» Reichsgericht in Leipzig hat auf Antrag der Ober- reichsanwalljchaft den Berliner Landgerichtsdirek- t 0 r Reumann mit der Voruntersuchung gegen die Rechtsputschisten betraut, bei denen die Polizei unlängst durch haus- suchunaen belastende» Material gesunden hat.»das sie des verfochten HochveDrat» verdächtig machte. Die Tatsache, daß da» Reichsgericht und dttt Oberreichsanwaltschaft diese Maßnahme getroffen haben, ist ein Beweis dafür, daß da» ihr zugeleitete Material nicht so harmlos ist, wie mau es im Lager der Rechten hinstellten wollte. -* Erst vor vier Tagen hatte Hugenberg, der„Rohbrakener Freund" von Claß und Neumann., in einer frechen Rede darüber gehöhnt, daß die Justiz nicht» gegen die von der preußischen Polizei- oktion Betroffenen unternommen hätte. Er zog daraus trtumphie- rend den Schluß, daß man nicht das Geringste an belastendem Material gefunden hätte. Obwohl die Oberreichsanwaltschaft nicht gerade im Verdacht steht, daß sie gegen rechts mit fanatischem Eifer vorgeht, hat sie die„politischen P« k a n t e r i e n", von denen „der Mann im Dunkel" sprach, sür wichtig genug erachtet, um eine Loruntersuchung wegen versuchten Hochoerrats einzuleiten. Dann wird sich hoffentlich herausstellen, inwieweit die Vorbereitungen zu jenem Rechtsputsch gediehen waren, als dessen g e i st i g« r Vorbereiter Herr Hugenberg durch das ojjizielle Organ der Deutschen Bolkspartei bezeichnet wurde. Reichsrat, Zlaggenfcage und Gberpräsident. Eine Entscheidung des preußischen Staatsministeriums. Auf«ine Anfrag« der Volkspartei über die Ausführungen des Oberpräsidenten Genossen H ö r s i n g auf dem Nürnberger Reichs- bannertag zur Flaggenverordnung hat Ministerpräsident Genosse Braun jetzt geantwortet, daß das preußische Ministerium bei der Rede die notwendige Zurückhaltung vermißt hat: „Das Staatsministerium hat diese Außerachtlassung der ge- botenen Zurückhaltung durch den Oberpräsidenten Hörsing aus das ernsteste gerügt und Vorsorge getroffen, daß Oberpräsident Hör- sing in der Zukunft in der Erörterung politischer Angelegen- heiten in der Oefsentlichkett sich diejenige Zurückhaltung auserlegen wird, die sein Amt erfordert. Es Hot sich, wie ich noch bemerken möchte, nicht zum wenigsten auf diese Maßnahmen beschränkt, weil der Gegen st and der Kritik des Oberpräsidenten immerhin das Zustandekommen einer Verordnung betraf, bei deren Erlaß auch nach der Ueberzeugung de» Staatsministeriums und der zuständigen Organe anderer Länder durch Nichtbeachtung des Art. 67 der Reichsverfassung eine Verletzung des verfassungsmätzi- gen Rechts des Reichsrats auf Zuziehung bei der Beratung wichtiger Segenstände vorgekommen ist. und weil Oberpräsident Hörsing, der Reichsratsbeoollmächtigter für die Provinz«Sachsen ist. sich in dieser Eigenschaft dadurch noch besonders betroffen gefühlt hat und fühlen konnte."_ Bayerischer Hofbericht. Am Sonntag fand im„O d e 0 n" in München eine Gedächtnisseier für König Ludwig I. zum einhundertjährigen Tage seines Regierungsantritts statt. Dazu waren mit dem Kronprinzen Rupprecht zahlreiche Mit- glieder des Hauses Wittelsbach, ferner der Minister- Präsident Dr. Held, der Innenminister Dr. Stützt understerBürgermeisterScharnagl erschienen. In den Ansprachen wurde die politisch« und künstlerische Wirksamkeit des Königs gewürdigt. Gesangliche und musikalische Darbietungen um. rahmten die Feier. Die Alte reckte sich, all ihre Glieder wuchsen. Unter den Buchen stand sie groß und stolz, als sei sie selber so ein hundertjähriger Baumstamm. „Ich bin nie„sein" gewesen." Verdutzt sah Starkjohann zu ihr hinüber. Und plötzlich lachte er. Bitter, scharf, von heimlicher Qual geschüttelt.„Dann warst du klüger— als so manche andere. Aber zu seinem Volk gehörst du doch. Und darum sollst du arbeiten— arbeiten, bis du ver- reckst— und zahlen— damit der Fürst sich's wohl sein lassen kann. Alle, die darben und sich quälen und den Pfennig zehnmal um- diehen müssen— alle sollen zahlen— damit der hohe Herr seine Millionen kriegt. Was willst du? Das ist sein gutes Recht." Die Alte stand noch immer steif zwischen den Stämmen.»Ein- undsiebzig bin ich— hob' gearbeitet mein ganze» Leben— Hab' fünf Kinder großgezogen— drei wieder verloren— drei Söhne — im Krieg--* „Na laß man," brummte Starkjohann. Es zog sich was in ihm zusammen. „Nu geh' ich nur am Vormittag noch arbeiten— zu mehr langen die Kräfte nich. En neuen Rock kann ich mir nich kaufen— der all« is so dünn— mich friert. Ich möcht' mir gern heut abend mal'ne warme Suppe kochen.— Und wenn ich hier das bißchen Holz dafür zusammenlese— wenn auch der Wald dem großen Herrn gehört— wa» meinst du— das i s doch wohl mein gute» Recht." „Wer weiß, was recht is." sagte Starkjohann und starrte vor sich in den Graben._ Operngäste. P i c c a v e r sollte den Eavaradossi singen. Er scheint zu den Solisten zu gehören, die zu Beginn der Saison ihre Indispositionen treffen. Er sagte— zum wievielten Male?— ab. Für ihn sprang der Wiener Traian Grosavesc u�ein. Ein echter, Vangooller. herber, männlicher Heldentenor. Sein Spiel müßte nur an Ausdruck gewinnen, Schwerfälligkeit einbüßen. Seine Partnerin S a l v a t i n i sst immer noch und immer wieder die glutvollste Tosca. Wenn sie, das geflüsterte Liebeswort„Mario" aus den Lippen, ihre grausame Tat begeht, wenn sie heiser ihr„stirb!" schreit, so ist dos ein ganz stark erlebter, menschlich packender Augenblick im Spiel einer Theaterfigur. Michael Bohnen enttäuschte(bei Kroll). Man oerstand ihn einen Akt lang nicht, er schien die Rolle des Scarpia als Bagatelle zu betrachten. Im zweiten Akt lebte er auf, um zu sterben. Das Gesicht eines Habichts, die ruhige Haltung eines Tyrannen, der fein Opfer peinigen darf nach Gut- dünken, ein Blutsäufer, der nur lächelt, wenn er foltern kann. Cr würde sicher Tosca in der Umarmung erdrosseln. Diese Starre, Sicherheit, Ruhe ist zwingend. Weniger die Bewegung, noch weniger die Stimme, die zwischen Flüstern und Schrei kaum Differenzierun- gen schafft. War es die H.tze, war es die Akustik, daß auch Blech keinen großen Eindruck vermittelte? Er schien müder als je. In der Städtischen Oper konnte Joses Schwarz auch als Valentin(in„Faust") über die Gebrechen teiner Stimme nicht mehr täuschen. Grete S t ü ck p 0 l d dagegen brillierte als Gretchen. und K i p n i s stellte einen Mephisto von elementarer Krast, Bosheit, Schwärze auf die Bühne. Das sst ein zukünftiger Bohnen, so wie der große Michael vor ö bis 10 Jahren gewesen ist. Ä. S. Oer Zoll Cumberlanü. Eine Fürstenabfindung und wie sie zustande kam. Die Vermögensauseinandersetzung mit dem ehemals regierenden Herzog von Braunschweig Ernst August von Cumberland ist am 23. Oktober 192S mit knappester Mehrheit ersolgt. Di« Rechtsparteien stimmten einem Vergleich zu, der das Land Braun- schweig auf das schwerste schädigte. Hätte der einzige National- sozialift des Landtages in Braunschweig, der Zeichenlehrer Riese aus Helmstedt, gegen den Vergleich gestimmt, wie das seine Parteifreunde von ihm verlangten, so wäre der Vergleich abgelehnt gewesen. Da der Nationalsozialist Riese aber m i t den Rechts- Parteien stimmte, wurde der von der schwarzweißrvten Ländesregie- rung vorgeschlagene Vergleich angenommen. Durch ihn wurde das Land Braunschweig allein um über 52000 Morgen(das sind über 13 000 Hektar) besten braunschweigischen Bodens geschädigt. Dazu gingen das Landesmuseum in Braunschweig und die Landes- bibliothek in Wolfenbüttel, m der schon Gotchold Ephraim Lesstng als Bibliothekar wirkte, an«ine milde Stiftung über. Mehrere Schlösser und vier Domänen wurden Eigentum des ehe- maligcn Herzogs von Braunschweig, besten Familie während der Bismarckschen Regierungstätigkeit niemals versucht hatte, vom Lande Braunschweig oder von Preußen eine Auseinandersetzung zu ver- langen. Das Interessanteste und zugleich Erschütternd« ist aber an dem Zustandekommen dieses Vergleichs, daß der Welfenführer, der jetzige Rcichstagsabgeordnete und Führer der Wirtschastsgruppe des Reichstages, Senatspräsident H a m p e aus Braunschweig, o n die Hofverwaltung in Gmunden einige Tage vor dem Ab- schluß des Vergleichs ein Telegramm richtete, in dem die Hof- Verwaltung in Gmunden aufgefordert wird, diesen Nationalsozialisten Riese umzustimmen und ihn durch eine Tafeleinladung gefügig zu machen. Das Telegramm, das der.Wiener Ar- beiterzeitung" von österreichischen Parteifreunden zur Versügung gestellt und am Sonnabend— wie uns telegraphisch berichtet wird— im Wortlaut verösfentlicht wurde, lautet: ..Hofverwoltung Braunschweig, Gmunden. Riese wird baldigst dort eintreffen. Landtagsfraktion bittet durch mich, ihn f r e u n d l i ch st zu empfangen, unter Lorteil« fürs Land zu belehren, nicht kalte Schulter zeigen, viel- leicht sogar Tafeleinladung, sonst Ablehnung wahrscheinlich und Rücktritt dann sicher. ft a m p e.* Der Zweck des Telegramms wurde erreicht, indem Riese gegen den Willen seiner Partei für den Vergleich stimmte und so gleich- zeitig die Regierung stützte. Den Schaden trägt das braunschwugische Volk. Riese wurde inzwischen aus seiner Partei aus- geschlossen. Er ist aber immer noch Mitglied des Land- t u g s, sein Verhalten zeigt, wie notwendig und berechtigt bei den Beratungen im Rechtsausschuß des Reichstages die Forderung der Sczialdemokratie nach Rückwirkung des geplanten, vorläufig aber erledigten bürgerlichen Abi'ndungscntwurfes war. Abgesehen daoen liefert der Fall Riese, der zugleich ein Fall Hampe ist. ein neues Beispiel dafür, auf welche trügerische Art die Fürstenfreunde den .angestammten Herrscherhäusern" für alle Ewigkeit ein Leben voller Freude und Wonne zu sichern gedenken. Mißbilligung in Schweden. Stockholm. 31. Mai.(Eigener vrähtberichts 3m Haupt- ausschuh des schwedischen Reichstag» wurde am Sonnabend der bürgerliche Antrag, der die Haltung der sozialistischen Regierung im Stripakonslikt mißbilligt, mit allen bärgerlichen gegen die sozialdemokratischen Stimmen angenommen. Seit einiger Zeit schon wurde die s o z i a l i st i s ch e Regie- rung S a n d l e r, die eine parlamentarische Mehrheit nur mit dem linken Flügel der Liberalen, den.Volksfreisinnigen", besitzt. in der Presse dieser Partei scharf angegriffen: sie .sieht sich vor Anträgen Im Parlament, die eine ihrer Regierungs- Handlungen rückgängig machen sollen. Es handelt sich um die Auslegung des Arbeitslosen- g e s« tz e s vom Jahre 1922. In diesem Gesetz wird bestimmt, daß einem Betrieb, der.astgemein" bestreikt wird, keine Arbeitslosen zur Arbeit zuzuweisen sind bzw. keinem Arbeitslosen die Unterstützung entzogen werden darf,.wenn er sich weigert, A r b e i t in einem so bestreikten Betriebe anzunehmen. Diese Bestimmung ist aktuell geworden durch einen wilden Streit in der Grub« Stripa. Die.Arbeitslosigkeiiskommission", der die Ausführung des Arbeits- losen- und Arbeitsanweisungsgesetzes obliegt, verfügte, daß der Stripagrube Arbeitslose zuzuweisen wären, da es sich nicht um einen„allgemeinen" Streit handle. Der sozialistische Arbeits- m i n i st e r aber ordnete als übergeordnete Instanz der Arbeits- losigkeitskommistion an, daß Stripa Arbeitslose nicht an- nehmen dürfe. Diese Auslegung hat die bürgerlichen Parteien zu ihrem Sturmlauf gegen die sozialistische Regierung veranlaßt und hazu geführt, daß von bürgerlicher Seite Abänderungsan- träge zu dem Gesetz von 1922 gestellt worden sind, die das Auf- treten der Regierung im Stripakonslikt verurteilen und inhibieren. Der schwedische Reichstag ist noch versammelt und wird wahrschein- lich in der kommenden Woche diese Angelegenheit behandeln. Beharren die Linksliberalen auf ihrer Mißbilligung gegen den Arbeiteminister und damit des Kabinetts, das sich mit ihm solida- risch erklärt hat, dann wird die Regierung wahrscheinlich zu- r ü ck t r e t e n. Sie ist übrigens schon verschiedene Male in der letzten Zeit mit ihren Anträgen in der Minderheit geblieben. So hat z. B. der Reichstag einen Regierungsantrag, 500 000 Kronen Staats- zuschuh für die S ch ü tz e n k o r p s zu st r e i ch e n. abgelehnt, ohne daß das Kabinett deshalb das Feld räumte. Dagegen sind auch die früheren sozialistischen Kabinette Schwedens, damals unter der Führung Brantings. zurückgetreten, wenn sie ihre Ansichten in der Arbeitslosenfrage nicht durchsetzen konnten und der Stock- holmer.Socialdemokraten" läßt keinen Zweifel daran, daß auch diesmal das sozialistische Kabinett eine Desaoouierung in der Anwendung des Arbeitslosengesetzes als Mißtrauensvotum an- sehen würde. Es stärkt die Position der Bürgerlichen, daß es sich in der Stripagrube um einen Streik gegen den Willen der zuständigen Gewerkschaft handelt, anderseits läßt der Wortlaut des Gesetzes die Auslegung de» Arbeitsminifters zu. Schließlich ist aber die Stripa- angelegenheit zum mindesten für die Rechte nur ein Anlaß, das verhaßte sozialdemokratische Regime zu beseitigen, während die Liberalen ihren Wählern zeigen wollen, daß sie„Ord- nungsliebhaber" sind. Die nächste Woche wird darüber entscheiden, ob sich ein Kompromiß mit der bürgerlichen Linken noch erzielen läßt oder ob diese sich schon völlig von der Rechten hat in das Schlepptau nehmen lasten._ 3m Befinden de» Reichslagsprösidenten Genosten täbe ist welter eine erhebliche Besserung eingetreten. Fieber und Schmerzen sind geschwunden. Der Patient wird bereits morgen zeitweise das Bett verlassen und voraussichtlich m der nächsten Woche seine Tätigkeit zvieder ausnehmen, Oer energische eiserne Vorhang» Im L e s s i n g- T h e a t e r gab es gestern mittag aus Anlaß des schönen Berliner Maiensonntags ein interessantes Erlebnis. Ein bis weit in die Lande unbekannter Herr Salm hatte die Presse mit der Mitteilung beunruhigt, daß am Sonntag, 30. Mai, die deutsche Uraufführung der Groteske von Henri Sonmagne, dessen.Typ Tailor Tiller" stattfinden würde. Die eingangs gegebene Charakteri- sierung des Theatervormittags bezieht sich nun keineswegs auf das Stück. Die Komödie an sich hat sich weder als interessant oder grotesk noch als Erlebnis erwiesen. Die Wahrheit zu gestehen: über .Typ Tailor Tiller" kann man überhaupt nichts aussagen. Es wurde nämlich die Groteske gar nicht aufgeführt, sondern es spielten sich andere sensationelle und in der Tat denkwürdige Vorgänge ab. Die Aufführung sollte um 11,30 Uhr beginnen. Um 12,10 Uhr stellten Zuspätkommende mit Genugtuung fest, daß der eiserne Vor- hang noch nicht beiseite gerollt war. Als er um 12,20 Uhr seine Position immer noch unerschütterlich beibehielt, sprang beflügelten Schrittes ein junger Mann auf die Rampe und hielt die inHalls- schwere Ansprache:»Herr Salm bittet mich, mitzuteilen, daß die Matinee nicht stattfindet. Ueber die Gründe wird er die Presse zu gegebener Zeit unterrichten." Diese Eröffnung empfanden die Anwesenden begreiflicherweise als lückenhaft. Da man gerode zugegen war, hielt man diesen Augenblick für die gegebene Zeit, Qttie denkenden Arbeiter, Angestellten und Beamten werben im Betrieb und im Haus- für die Liste: GcyUmNjHail! Erklärungen entgegenzunehmen. Da erhob aus einer Loge der Theaterrendant grollend feine Stimme:„Das Stück wird nicht auf- geführt, weil Herr Salm nicht bezahlt hat und die Bühnenarbeiter sich weigern, den eisernen Lorhang beiseite zu schieben." Und dann mischte sich eine Schauspielerin ein. Die Darsteller hätten auch keinen Pfennig bekommen, im Gegenteil, sie hätten dem Herrn Salm noch Geld geborgt. Im folgenden Akt(An der Kasse) ging es sehr aufgeregt zu. Es waren im ganzen 40 Mark eingekonnnen und die mußten zurück- gegeben werden, was sich nicht ohne Schwierigkeiten abwickelte. Z. B.: Einer zeigt seine Karten vor. Kassiererin:.Von wem haben Sie die Karten gekauft?" Der Mann:„Don Herrn Salm." Kassie- rerin:„Dann lassen Sie sich das Geld von Herrn Salm zurückgeben." Als Herr Salm die Matinee ankündigte, befand er sich in derselben Lage wie die Wettertundigen, die ihre trügerischen Prophe- zeiungen nach bestem Wissen und Gewissen veröffentlichen. Den guten Glauben kann man dem Veranstalter der originellen Matinee nicht absprechen. Am Sonntag früh ahnte Herr Salm wohl noch nicht, daß ihm seine Mama die sehlenden Moneten nicht vorstrecken, und daß er am SonMogmittag nicht den Regisseur, sondern eine klägliche Rolle spielen würde. Schweres flutomobilunglück in Lichtenrade. Vier Versoaen schwer, zwei leichter verletzt. Ein folgenschweres Automobilunglück ereignete sich heute morgen gegen%7 Uhr auf der Lichtenrader Chaussee in unmittelbarer Nähe der Raabestraße. Der Fuhrunternehmer Otto Ludwig aus der Grunewaldstraße 88 in Schöneberg war mit mehreren Per- so neu auf seinem L o st l riz s t w a g e n unterwegs. An der Kreuzung Raabestraße geriet der Lastkraftwagen auf bisher noch nicht gettärt« Ursache in» Schleudern, prallte gegen einen Chausseebaum und stürzte in den E ha u s s e eg r a b e n. Sechs Dersonen, die sich auf dem Wagen befanden, wurden unter den Trümmern begroben. Lorüberkommende unternahmen die ersten Hilsversuche und benachrichtigten gleichzeitig das Rettungsamt und die Feuerwehr/ Der Besitzer sowie dessen Bruder Max aus der Michaelkirchstraße 33 erlisten schwere Kopfverletzungen, Arm- und Beinbrüche. Die Ehefrau Margarete K l a u n i ck aus der Grunewaldstrahe 88 sowie der Führer des Wagens, Friedrich H a r t m a n n aus der Strelitzer Straße 11 in Mariendors erlitten gleichfalls schwere Kopf- und innere Verletzungen. Hartmann wurde in bedenklichem Zustand in das Lankwitzer Krankenhaus, die übrigen schwerverletzt in das Buckower Krankenhaus eingeliefert. Eine Frau Anna Ludwig sowie eine 14jährige Erika K l a u n i ck zogen sich stark blutende Fleischwunden zu. tonnten jedoch nach Anlegung von Notverbänden auf der nächsten Rettungsstelle in ihre Wohnungen entlassen werden. Der Lastkraftwagen muhte in zertrümmertem Zustand abgeschleppt werden. Ein Automobilunglück, das leicht schlimme Folgen hätte nach sich ziehen können, ereignete sich gestern abend gegen 7 Uhr in Niederlehme. Em mit etwa sechs Personen besetztes Auto kam au» der Richtung Ziegenhals durch Niederlehme gerast. Die Gesellschaft hatte in einer Wirtschaft schnell noch ein paar Schoppen getrunken und raste in voller Fahrt wieder zurück nach Ziegenhals. Der Lenker des Wagens muß offenbar sinnlos b e- trunken gewesen sein. Der Wagen steuerte von einer Straßen- seit« zur anderen, und alle Passanten mußten schleunigst flüchten. Kurz hinter dem Hause des Gemeindevorstehers flog plötzlich einer der Insassen im hohen Bogen aus die Chaussee und dem Wagen, der sehr nahe an die Chausseebäume Seraten war, wurde die Tur und ein Teil des Verdecks abgerissen. n unverminderter Fahrt und ohne Rücksicht auf den Hinausge- flogenen raste das Auto weiter über die verhältnismäßig stark be- lebte Chaussee. Der Hinausgeschleuderte wurde auf das Gehöft des Gemeindevorstehers gebracht, wo der hinzugezogene Arzt einen zwei- maligen Bruch des linken Beines und einen Bruch des Oberarms feststellte. Ein Landjäger nahm die Verfolgung des Autos, dessen Besitzer in Ziegenhals wohnen soll, auf. Der Schwerverletzte wurde besinnungslos in das Königswusterhaufener Krankenhaus geschafft. Ausstellung von Amateurphotographien. Der Verband Deutscher Amateurpholograp'hen. D e r e i n e. Gau Brandenburg, veranstaltet vom 30. Mai bis 6. Juni im Lefsing-Museum, Brüderstr. 13, eine Aus- st e l l u n g potographischer Arbeiten. Bereits im Jahre 1922 schlössen sich die BerNner und Märkischen Amateurphotographen- Dereine zu einem Unterverband, dem Gau Brandenburg, zum Zwecke der Verbreitung und Annerkennung der Amateurphotographie zusammen. Durch die Inflationsjahre wurden ihre idealen Be- ftrebungen stark unterdrückt und erst nach der„Kipho" im Herbst 1925 trat der Gau Brandenburg zum erstenmal an die Oesfentlich- keit. Inzwischen hat die Amateurphotographie weitere bedeutend« Fortschritte gemacht und die Frühjahrs-Ausstellung zeigt allerlei Neues auf d«m Gebiete der bildmäßigen Photographie, Aufnahmen aus der Naturwissenschaft, der photographischen Technik usw. Inter- essant sind bisher nicht gezeigte Ausnahmen rhythmischer Gymnastik, dann Beobachtungen aus dem Liebesleben der Fische und anderer naturwissenschaftlicher Momente. Der Besuch der Ausstellung ist für den Fachmann wie für den Laien von großem Interesse. TonntagverkehrSnöte. Auf den überfüllten Stadtbahnzügen prangt an einem der letzten Wagensenster das Schild: ,.F ü r Reisende mit Traglasten." Wenn man nun unglücklicherweise in dieses Abteil zwischen Kinderwagen und Rucksäcke hereingedrängt und als Stiesel- abputzer benutzt wird, fragt man sich unwillkürlich, inst welchem Aecht Me» fe Aawche int Traglasten Kfcniect ML V*m der Raum nicht im geringsten dazu für Gepäck wie bei den Fern- zügen in diesen Abteilungen eingerichtet und nicht verschieden ist von den übrigen Abteilungen. Mit dem Schilde allein ist es nicht getan und die Kleidung wird von lehmigen Wogenrädern und Kinderstiefelabsätzen ebenfalls nicht besser. Noch unerträglicher ist an Sonntogen beim überfüllten Verkehr in der Untergrund- bahn die in den Wagen trotz aller Luftöffnungen herrschenden Hitze. Wäre es nicht möglich, daß der abfertigende Beamte der verschiedenen Stationen genau so wie er jede einzeln« Türe schließt, zur lindernden Wohltat den einzelnen Wagen einen„Schuh" Sauerstoff spendete? Sicherlich keine erhebliche Ausgabe in den paar Stunden des sonntäglichen Volloerkehrs. Eine Vorfichtsmaß- regel, die dringend erforderlich ist, um Hitzschläge zu vermeiden. Eine großüeutsche kunügebung. Der Deutsch-OesterreichischeVoltsbund, derinder Funkhalle zurzeit die Alpenländische Sommerschau ver- anstaltet, und das Reichsbanner oersammelten gestern ihre Anhänger zu einer großdeutschen Kundgebung. Gegen 3 Uhr rückten die langen Züge des Reichsbanners mit Musik und Fahnen, von dichten Men- schenmassen begleitet und überall stürmisch begrüßt, vor der Halle an. Der große Raum war bald gefüllt. Nach dem Spiel des Reichs- bannermarsches rezitierte Alfred B e i e r l e Herweghs„Hoch die Re- publik". Dann bestieg, von stürmischem Beifall begrüßt, Reichs- kanzler a. D. Philipp Scheidemann die Rednertribüne: Alle Historiker, die sich je mit deutscher Geschichte beschäftigt haben, von Tacitus bis Maurenbrecher,, haben nicht nur über die deutsche Tapferkeit, sondern auch über die Zwiertracht innerhalb der deutschen Stämme geschrieben. Maurenbrecher hat am drastischsten heraus- gearbeitet, daß diese Zwietracht auch heute noch auf die Eifersüchte- leien und die Herrschsucht der deutschen Fürsten zurückzuführen ist, für die wir sie jetzt belohnen sollen. Das mangelnde deutsche Ratio- nolbewuhtsein ist das Ergebnis dynastischer Interessen gewesen. 1848 machte die deutsche Demokratie den Versuch, Greßdeutschland zu schassen. Die Reaktion durchschlug diese Pläne 1860. In diesen Wochen waren es 60 Jahre, daß noch deutsche Stämme gegen deutsche Stämme kämpften. Preußen kämpfte gegen Oesterreich, Hannover gegen Kurhessen. Die Diktate von Versailles und St. Germain wollen uns hindern, den Zusammenschluß Deutschlands und Oester- reichs herbeizuführen. Unsere Gegner täuschen sich. Granaten zer- reißen Felder und Wälder, Dörfer, Städte und ganze Provinzen, unzerreißbar aber ist das Band, das alle deutschen Stämme um- schließt. Wir haben ein Recht, daraus zu bestehen, daß deutsch bleibt, was deutsch ist, denn wir waren es, die auch im Kriege verkündeten, was-französisch ist, soll französisch, was belgisch ist, soll belgisch bleiben. Wir werden unser Ziel erreichen, wenn wir fest bleiben: ein großes Vaterland des deutschen Volkes, das geeint in seinen Stämmen unter einem einheitlichen Banner der Welt verkünden will: Einheit, Friede, Freiheit! Ein Banner: Schwarzrotgold! — Im Namen des Oesterreichischen Deutschen Volksbundes sprach das Vorstandsmitglied Wilhelm Heile dem Reichsbanner den Dank für seine begeisterte Beteiligung an der Anschlußkundgebung aus. In Vertretung des von Berlin abwesenden Oberbürgermeisters Bäh überbrachte Bürgermeister M i e l i tz die Grüße der Stadt Berlin. Er führte aus, daß gerade die Bürgerschaft Berlins in seiner Mehr- heit freiheitlich und republikanisch gesinnt sei und an der Anschluß- bewegung lebhaften Anteil nehme. Als Vertreter des Gauvorstandes wies Redakteur Nowack auf die bisher geleistete grohdeutsche Arbeit des Berliner Reichs- baners hin, aus den Besuch österreichischer Kameraden in Berlin und die bevorstehende Reise Tausender Berliner Reichsbannerkame- roten zur großen Kundgebung nach Wien. Nach einem Hoch auf die großdeutschen Farben Schwarz-Rot-Gold und die deutsche Re- publik schloß die eindrucksvolle Feier mit dem gemeinsamen Gesang de» Deutschlandliedes._ Ein Rausch und seine folgen. Daß nicht jeder Berauschte sich zum Fleddern eignet. mußte ein„Gelegenheitsarbeiter" am Sonnabendabend zu seinem Leidwesen erfahren. Ein Kaufmann T aus der Dunckerstraße kehrte leicht angeheitert nach liause, schloß aber sorgsam hiMer sich die Haustür ab. Auf der Treppe siel ihm ein, daß er schwiegermütterlichen Besuch habe und daß ihm wohl ein„warmer" Empfang bevorstehe. Als vorsichtiger Mann wagte er sich daher erst nicht in die Höhle der Löwin, sondern beschloß. auf dem Treppenabsatz vor seiner Wohrnrngsstir lieber einige Grade seines Rausches zu verschlafen. Cr hatte gerade ein kleines Nicker- chen hinter sich, als er eine fremde Hand in seiner Brust- t a s ch e fühlte. Jäh ermuntert und ernüchert, griff er zu, faßte aber ins Leere. Im Schein einer Taschenlampe sah er zwei fremde Männer und in der Hand des einen ein Messer. Als die beiden sahen, daß der Angefallene vor Schreck nüchtern geworden war, rannte der ein« die Treppe hinunter, während der zweite nach dem oberen Stockwerk flüchtete. Jetzt kam I der Besuch seiner Schwieger- mutter recht gelegen. Mit den Fäusten schlug er einen Trommel- Wirbel gegen die Tür. Das ermunterte nicht nur die Dame, son- dern auch die anderen Bewohner. Gemeinsam ergriff man den Einbrecher und Dieb und übergab ihn der Polizei, nachdem man ihm eine gehörige Tracht Prügel verabreicht hatte. Auf der Wache wurde der Ergriffene als ein 31 Jahre alter Franz B. sestgestellt, der schon mancherlei auf dem Kerbholz hat. Die ersten Werder-Kirschen in Berlin. Heute früh wurden in Werder die ersten Kirschen nach Berlin verladen. Es handelt sich um„D i e f r ü h e st e n d e r M a r k". Das Pfund wurde in Berlin mit 60 bis 70 Pf. verkauft. Am Donnerstag soll der erste Kirschdampfer eintreffen. Vorläufig geht der Transport noch per Bahn. „Der Barbier von Sevilla" auf der Sendebühne. Das bühnen- wirksamste Wert Rossinis, der in einem halben Menschenleben soviel Opern komponierte, wie andere Musiker kaum in ihrem ganzen Leben, hat sich nun auch auf der Berliner Sendebllhne bewährt. Die anmutig«, unkomplizierte Musik und der leicht verständliche Text machen das Werk schon von vornherein für die Verbreitung durch den Rundfunk geeignet: die ausgezeichnete Wiedergabe aber durch Darsteller und Musiker schmeichelte es gewiß in die Herzen aller Hörer. Selmar M e y r o w i tz mit dem Funkorchester, dazu die Darsteller Eugen Transky, Cornelis Bronsgeest, Bernhard Köhler, Erich Schubert, der für den erkrankten Leo Schützen- darf den Basilio vortrefflich sang, sind zu rühmen. Violetta S ch a d o w s schöne Stimme ließ leider etwa» die Leichtigkeit ver- missen, die die Rolle der Rosina verlangt. Auch das gesprochene Wort klang bei ihr bisweilen fast leblos. Man hätte an Indisposi- tion glauben können, wenn nicht das Rein-Gesanglich so gar keinen Grund für diese Annahme gegeben hätte. Hätte hier nicht also die Regie noch etwas ausgleichen können? Schweres öootsunglück auf üem Rhein. Sechs Personen ertrunken. vuisburg. 30. Mai.(TU.) Ein mit 15 Personen besetztes Ruderboot des Marinevereins Hamborn geriet am Sonntag nachmittag auf dem Rhein unter einen Schleppzug. Das Boot kenterte und sämtliche Insassen stürzten ins Wasser. Den Rettungsarbeiten der Mannschaft des Schleppzuges gelang es. neun Personenzu retten, während die übrigen sechs, unter denen sich zwei Damen befanden, ertranken. Groß-berliner parteinachrichten. 38. Abt. Wicktige �unktleniirsibuna am Dienstaq. den t. Zuni. abends. Uhr bei Bartusch. Fricdenslr. 88. Sämtliche Obteutr der Schulen miissen oertreten sein. Z�NjPi�ieUisben�Srn, P« �z«t-ick«�or��»nte�M»N»il�»be��ltzr t« GeVerWostsbewegung Verschlechterung ües Knappschafisgesetzes. Ttach den Wünschen der Zechenbesiher. Die Ergebnisse der dritten Lesung des Reichsknapp- schaftsgcsejzes im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags, die gegenüber der ersten und zweiten Lesung eine wesentliche Versdilechterung brachten, haben bei den im AfA-Bund organisierten Angestellten des Bergbaues starkes Befremden hervorgerufen. In einer Tagung der Angestclltenältcsten der Ruhrund Niederrheinischen Knappschaft in Essen, kam die Unzufrieden- heit der Bergbauangestelltenschast mit den Ergebnissen der Reichs- tagsberatungen deutlich zum Ausdruck. Die auf der Tagung ein- stimmig angenommene Entschließung betont, daß in der Kranken- Versicherung die in der dritten Lesung erfolgte Ablehnung der in der ersten und zweiten Lesung auf SltOO M. erhöhten Bersiche- rungspslichtgrcnze für die Angestellten unerträglich ist, weil durch die Beibehaltung der Dersicherungspflidstgrenze von 2700 M. dem weitaus größten Teil der Bergbauangestellten die Zugehörigkeit zur Krankenkasse verwehrt wird. In der Pensionsoersicherung ist im Gegensaß zu den Beschlüssen der ersten und zweiten Lesung die 5Z-Jahresgrenze für diejenigen Angestellten, die nicht die Borau»- seßung der IS-jährigen wesentlich bergmännischen Tätigkeit erfüllen, praktisch In Fortfall gekommen. Die gleitende Rente ist b e> s e i t i g t worden. Die in der dritten Lesung festgelegten Steige» rungssätze bedeuten ebenfalls eine Verschlechterung gegen- über dem bisherigen Zustande. Insbesondere stehen die Steigerung»« säße über 25 Dienstjahre in keinem vergleichbaren Berhältnis zu den entrichteten Beiträgen. Die Anerkennung der in der dritten Lesung getroffenen Rege- lung kann den Bergbauangestellten unmöglich zugemutet werden. Die Angestelltenältesten fordern deshalb vom Reichstag, den Be- fchlüssen des Ausschusses in der vorliegenden Form ihre Zustimmung zu versagen. Bei der Abstimmung wird sich zeigen, auf welche Seite die Abgeordneten stehen. Der Personalabbau bei See Reichsbahn. Die preußische Regierung bemüht sich um Milderung. Wie in einer Kleinen Anfrage ausgeführt wurde, führt die Reichsbahngefellschaft gegenwärtig im schlesischen und ostpreußischen Grenzgebiet einen umfangreichen Wert- stättenabbau durch. Es wurde auf die hierdurch entstehend« Notlage für zahlreiche Arbeiterfamilien hingewiesen und da» Staats- Ministerium gefragt, wie es die.offensichtlich durch die Reichsbahn- gesellsd)aft verletzten preußischen Interessen und die nationalen Be- lange der östlichen Grenzmark zu wahren" gedenke. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort de» preußischen Handelsministerium» entnimmt, hat sich die Staats- regierung sofort nach Bekanntwerden der Arbeiterentlassungen mit der Reichsbahngesellschaft und der Reichsregleruna tn Perbindung gesetzt und aus die außerordentlich schädlichen wirtschaftlichen wie politischen Folgen derartiger Maßnahmen hingewiesen. Es ist aber nicht gelungen, die Maßnahmen ganz zu verhindern, weil die Reich». bahn wegen ihrer äußerst ungünstigen Finanzlage und des außer- ordentlichen Berkehrsrückgangs einen stärkeren, bisher vermiedenen Personal- und Wertstättenabbau vornehmen zu müssen glaubte. (Um die Arbeiten dann zu verteuerten Preisen an Privatunter- nehmer zu vergeben. Anmerkung der Redaktion.) Erreicht wurde eine Verschiebung der Entlassungen bis zu einem Zeitpunkt, wo an- genommen werden konnte, daß die L a n d w i r t s dz a f t für die Aufnahme von Arbeitskräften aufnahmefähig sein würde und wo ferner in der Bahnunterhaltung bei der Reichsbahn selbst Arbeits- träfte in größerer Zahl gebraucht wurden. Im übrigen werden weitere Maßnahmen der Staotsregierung bezüglich des Personal- und Werkstättenabbau» in den östlichen Grenzbezirten erwogen. keine Entspannung im englischen Sergbau. vor dem Ablaufen des Angebots der englischen Regierung. London. 30. Mai.(TU.) Morgen läuft da» von der Regie- rung der Kohlenmdustrie gestellt« Ultimatum insofern ab, al» ab 3l. Mai das Suboentionsoersprechen der Regierung keine Geltung mehr hat. Bisher machen sich keinerlei Anzeichen einer Ent- spannung bemerkbar. Die Regierung hat unter diesen Umständen den Entschluß gefaßt, die Einfuhr ausländischer Kohle für die durch den Kohlenmangel bedrohten Industrien in großem Maßstab« vor- zubereiten. Man erwartet, wie die„Sunday Times" betont, von feiten der Eisenbahncrgewerkschaften keinerlei Schwierigkeiten.(?!) In den letzten Tagen sind bereits große Kohlenladungen in Ro t t e r d a m eingetroffen(das immerhin noch in Holland liegt). In den Kohlenrevieren einiger kleiner Bezirke ist die Arbeit wieder aufgenommen worden.(?) Es liegen Berichte vor(von wem?), wonach die Stimmung für den Uebergang zum Achtstundenarbeitstag im Wachsen ist. Von der Anknüpfung neuer Verhandlungen kann aber im Augenblick noch keine Rede sein. Tagung See Schornfteinfegergeselle«. 2. Verhandlungstag. Die technische Organisation, eine Lebensfrage aller Berufsangchörigen, behandelte in einem ausführlichen Referat Der- bandsvorsitzender Schreiber, Berlin, der die vorbereitenden Ar- beiten mit dem Zentralinnungsoerband als im Interesse beider Der- tragschließenden liegend bezeichnete, die al, Träger der Idee mit gleichen Rechten und Pflichten zu gelten haben. Der Heiz- und Wärmewirtschaft wird in Zukunft erhöhtes Augenmerk zugewandt werden müssen, wenn den gesteigerten Anforderungen der Fort- bildung im Berus genügt werden soll. An einer staatlichen Anstalt (Baugewerksschule Neukölln) ist bereite der Anfang gemacht mit periodischen Lehrgängen, die aus allen Teilen des Reiches sehr gut belegt sind. Daneben sollen die anderweit bestehenden Fachschulen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln unterstützt und gefördert werden. Gleichsam als wä-mewirtschaftliche Behörde wird die pari- tätisch zusammengesetzte heistechnische Organisation über Geschäfts- führung und Geschäftsgang der einzelnen Lehrstühle zu wachen unv den Lehrkörper auszuwählen und zu kontrollieren haben. Die technische Organisation sst das erfreuliche Ergebnis mehrjähriger Per- Handlungen zwischen den beiden Beruseoerbänden. Rund 40 Anträge der Ortsgruppen stehen zur Be- ratung. die fast den ganzen zweiten Lerhandlungstag ausfüllte. In der Hauptsache betreffen sie anderwette Fassung oder redaktionelle Abänderung verschiedener Bestimmungen der Verbandsstatuten. Don grundlegender Bedeutung ist vor ollem die satzungsmäßig feftgelegke Arbeit an der Jugend, den Lehrlingen, denen die Möglia». keit jetzt geboten sst, sich tn besonderen Gruppen der Gewerkschaft anzuschließen. Nicht allen Delegierten erschien die Aufnahme de» Jugendarbeit in das Aktionsprogramm des Zentraloerbandes spm- pathisch. Aber die Mehrheit gab dem Lehrlingsantrag« der Ort»- gruppe Berlin in der Hoffnung statt, daß diese Neuerung, die nur durch einen Zufall nicht schon 1S24 auf dem Derbondstage in Bremen beschlossen wurde, von Erfolg begleitet sein möge. Auf Einführung einer Erwerbslosenunter- st ü tz u n g zielten mehrere Anträge ab. die von den Ortsgruppen Frankfurt, Dresden. Königsberg t. Pr., Leipzig und Danzlg g»- stellt worden waren. Di« Notwendigkeit der Gewährung einer Er- werbslossnunlersiützung erkannt« die Generaloersammlung einmütig an. Einer soforttgen Schaffung des neuen Unterstützungszweiges wurde aus finanziellen Erwägungen nicht zugestimmt, dafür aber der Vorschlag des Zentralvorstonde» zum Beschluß erhoben, Ermitt- lungen über Vorhandensein und Dauer der Erwerbslosigkeit in den einzelnen Ortsgruppen während der Zeit vom 1. Juli bi» 31. De- zcmber d. I. zum Zweck der Bschringung von ettraxindfreien Unter- agen anzustellen. Beirat und Zentralvorstand sollen zu dem über- mittelten Material alsdann in einer Sitzung im Mörz n. I. Stellung nehmen und über die Angelegenheit«vent. beschliehen. Extra- beiträgt sollen künftig nicht mehr erhoben, dafür aber laufend« Bei- träge tn Höhe von SO Pf. vierteljährlich einmal eingezogen awrde«. Jnnerorganisatorische und Beruf»frogen, die infolge der Be- sprechung einiger Anträge zu ergiebiger Erörterung gelangten, reihten sich an. Alsdann wurde als Vorort der nächsten General- Versammlung Leipzig bestimmt. Derbandsoorsiizender Schreiber, Berlin, der langjährige verdienstvoll« Führer de« Zentralverbandes der Schornsteinfegergesellen Deutschlands, schied bei den Neuwahlen von seinem Posten. Gleichfalls legte der zweite Vorsitzend« Müller, Berlin, der über ein Jahrzehnt die Geschicke de» Zeniralverbandcs mitbestimmend beeinflußt hat, sein Amt nieder. Leiden erstattet« die Tagung für allzeit erfolgreich bewiesene» tätige» Interesse ihren wärmsten Dank ab. Zur Enm,erung wurde den Scheidenden i« «ine golden« Uhr mit«Msprechender Widmung al» Zeichen der Wert» schätzuna und allseitiger Verehrung überreicht. Kim Vorsitzenden wurde F a h l a n d, Berlin, zum zweiten Lorsitzenden Vogt und zum Kassierer Beiersdorf. Berlin, gewählt. Wie die Moskauer die Wahrheit umbiegen. von d«e Branchenleitung der Hobler, Bohrer, Stößer und Fräser im Deutschen Metallarbetterverband wirb uns mitgeteilt: Unter dem 26. Mai stand im gewerkschaftlichen Teil der„Roten >»«" ein Bericht von der Branchcnoerlominlung obeng«nannt«r iruppe, der in ganz tendenziöser Weise abgefaßt ist. Im allge- meinen lehnt die Branche e» ob, Berichtigungen einzusenden, die sich auf die„Rote Fahne" beziehen, da e» bekannt sst, in welcher Weise Versammlungsberichte von Metallarbeiterversammlungen dort wiedergegeben werden. Da jedoch von o s f e n s i ch t l i ch e r S ch i e- b u n g die Rede Ist, muß ein« Richtigstellung erfolgen, da sonst die Meinung bestehen könnt«, dah das Geschreibsel der„Roten Fahne" auf Wahrheit beruht. E» wird behauptet, dah mehrere Male abgestimmt und aus- gezählt wurde und daß für sede der Listen 152 Stimmen gezählt wurden, und daß dann zum Schluß erst der Kollege T i r p i tz, der Auszähler war, erklärt hätte, daß das Bureau nicht mitgezählt sei, so daß also dann 155 Stimmen für die„Reformisten" zu zählen sind. Tatsache Ist, daß bei der Auszählung je«in Kollege der Amster- da beide Kollegen übereinstimmend 152 Stimmen herauszähllen. Bei der Zählung der Amsterdamer Liste bestand ein« Differenz von 156 zu 152 Stimmen, die von den Kollegen der Moskauer Richtung festgestellt wurde. Zu dieser Zahl mußte— darin waren sich beide Auszähler einig— die Zahl des Bureaus in Stärke von vier Mann und außerdem der Auszähler, der die Moskauer Liste ousgezähtt hat, ebenfalls mitgerechnet werden. Hinzu kamen also noch fünf Kollegen. Die Branchenleitung hätte nun infolge dieser Disferenz eine nochmalige Auszählung vornehmen müssen, hat dieses jedoch abgelehnt, da mithin, selbst nach den Aussagen de» Zählenden der Moskauer Richtung, in der Versammlung ein« Mehrheit vor- Händen war, so daß also auf ganz legalem Wege, selbst nach der Zählung des Zähler» der Opposition, die Amsterdamer Liste von 157 Stimmen gegen 152 Stimmen gewählt wurde. Da nun unsere Freunde, die sich mit dem Mäntelchen„Oppo- sition" schmücken, immer auf dem Standpunkt stehen, daß Mehrhett eben Mehrheit ist und daß die bestehend« Mehrheit die Macht be- sitzt, so hat auch in diesem Falle die all« Branchenleitung, die in ihrer jetzigen Zusammensetzung bereit, da» siebente Jahr amtiert. die auf sie entfallen« Wahl angenommen. Wir wollen bei diese« Gelegenhett nicht verfehlen, darauf aufmerksam zu machen, daß die jetzige Branchenleitung nur aus alten Gewerkschastlera besteht und daß der j ü n g st e Branchenkollege bereits eine 16jährige Verbandszugehörigkeit besitzt. Anders sieht es jedoch mit der sogenannten Oppositionslist« aus. Mit zwei bis drei Ausnahmen sind diese„revolutionären Kämpfer" alle seit den Jahren 1922, 1923, 1924, jo sogar fünf Kol- legen erst seit 1925 organisiert: davon ist ein Kollege wegen Nicht- innehaltung von Werkstattsbeschlüssen bereits schon einmal aus der Organisation ausgeschlossen gewesen. Alle anderen„revolu- tionären Kämpfer" haben schon zwei- bis dreimal die Mitgliedschaft im Deutschen Metallarbetterverband erworben und sich anscheinend zu Hause eine kleine Bibliothek von Verbandsbüchern angelegt. Mit solchen Kandidaten hat die Opposition aufgewartet und aus diesem Grunde ist ihnen auch die wohlverdiente Antwort zuteil geworden, hau». sein. «cht»»« BaxarbiUkr! Morgen. Dien-tagabend 5 Uhr. findet im«ew ». Saal l,»ine Baudrleglerlenversammlung statt. Jede Baustelle muh Mitglied-duch legitimiert. Sport. Alotorrad-Geschicklichkeilswekkbewerb. Gewerkscha�ts- venre:e» Auf der Olymp ia-Radrennbahn veranstaltete der Motorradtlub.Hansa" am Sonntag einen Motorrad- Geschicklichkeits-Wettbewerb vor— leeren Tribünen. Was um so bedauerlicher ist. als die Wettbewerbe eine sehr Humor- volle und abwechslungsreiche Angelegenheit waren, die auch sporttich durchaus beachtenswert erscheinen. Die Wettbewerbe wurden ge- trennt für EinzÄ- und Seilenwagenmoschinen ausgefahren. Ins» gesamt waren 11 Gefchicklichtettsprüfungen abzulegen, die wieder- )olt zwerchfellerschütternde Lachsaloen heroorriefm. Ein besonders chwieriges Experiment ist das Wippenfahren, wobei ein ,0 Meter langes Brett mit einer darauf befindlichen 30 Zentimeter hohen Wippe überfahren werden mußte. Aber auch Reifen-, Aalfahren und ähnsiche Geschicklichkeiten, die humorvoller Eiwationen nicht entbehrten, stellten an Fahrer und Maschinen hohe Ansprüche._ Reuneu zu Ruhleben am öonnlag, den 30. Rlai. 1. Rennen. 1. Mentor 1(P. Fttm). 2. Svbinx I, 8. Ingrid Salle. loto: 18- 10. Platz: 11, 13, 11: 10. Ferner Uesen: Constanz, Mode» dame, Kohlenlönigin. Einsicht, Erich S,_, L Rennen. 1. Tiidora(G. Lautend crger), 2. Carl Alexander. 8 Konlul. Toto: 109: 10. Platz: 26. bt. 15:10. Ferner liefen: Winnie, Prinzessin Slawah, Tante. Belsie. Kaibach. Indianer, Harlelin, Flamingo. 8. Rennen. 1. Prinzeisin Fortuna iE. Perk), 2. Unheil. 3. Höhen» sonne. Toto: 225:10. Platz: S0. 53. 37: 10. Ferner liefen: Heldcrose B.. Iimiene, FiSru?. Torrero. Longobarde, Tasna, Handseft. Zeitgeist,«ngrift, Muck. Corona, Mc. Kinney, Interessant, Etapellaus. Ludmill I, Blaumeise, �«.Rennen. 1. Lebentlünsller(CS. Mill»), 2. Frcmlet(M.Ringlu«), 8. velwin(E. Treuherz). Toto: 19: 10. Platz: 13, 16, 17: 10. Ferner Uesen: Ouifi quasi, Quadrat. Magowa», Friston. Der Beste, Manrica, Herostrat. Der Beste lies ohne»ette. Leeroera. Vnlon Prmtz, �.'corgeuiau. isnipa. mädel. Dreltse«nvil. Friedrich Rex. LinScott jr„ Benedict, Notula, Radiola. Kurgast, venu». Veirminze. �, 6. Rennen. 1. Florenttner(J. Mill»), 2. PechsachA. 8. SHarrch& Toto: 87: 10. Platz: 12, 15, 11: 10. Ferner liefen: Soubrette, Edith Worthy. Marcel, Doritha. 7. R e n n e n. 1. Willy«.(Jautz jr.), 2. Lockung, 2.«inIgSadler. Toto: 30: 10. Platz: 1d, 17, 16: 10. gerner Uesen: Starbella. Quintora, Aobannis käser. Deila. 8. Rennen. 1. Abteilung: t Baron Syloefter(Heckert). 2. Orlentale. 3. Florida. Toto: 21: 10. Platz: 12. 13. 58: 10. Ferner Uesen: Toddingt., ilartenwicler. Sir Caid, Meiitersiück. Petronilla A., KronS» beere, Etruweipeter, Jdasa. Champion Souo. Kletterrose. 2. Abteilung: l. Erisa(F. Bahr). 2. Helltna, 3. Gerhard. Toto: 67: 10. Platz: 22. 17, 20: 10. Ferner liefen: Srane. Wintermärchen. Anna Laura. Sucie Halle. Dilemma, Schüler Teddy, Leuchtturm, Isegrim, Lrnsrled, FrtedrichSd'or, Sbarade...._„ S. Rennen 1. Gassenmädel(Jautz jr.), 2. Frankenstein. 3. Coval. Toto: 101: 10. Platz: 18, 12, 20: 10. Ferner liefen: Sybill, Dompsass l, verdun, Edonit, Baron Axworthy. Die Radrennen, die der Gau des Bunde» deutscher R ad» fahr er gestern auf der Treptower Bahn austrug, erfreuten sich eines zahlreichen Besuchs. In den Vorläufen des Erstesahren» belegten Hoffmann, Zastrow, Jmhosf und Kar b a t s ch die ersten Plätze. Im E n d l a u f konnte dann I m h o s s den ersten Platz gut vor Hoftmann und Karbatsch behaupten. Der Derein Conkordia war der beste im Lereinsmannschasts» rennen, vor dem B. R. C. 89 und Tempo 08. Die Concordia» Leute Pockebusch, Waller und Kühl konnten mit 35 Punkten das in drei Läufen ausgetragene Mannschaftsfahren gewinnen vor der Mannschaft Tempo 08. Sehr interessant oerlies da» Stunden- m o nn s chafts s a h r en mit den 6 Wertungen, 46 560. Peter- mann gewann die beiden ersten Wertungen, von seinem Partner wurde er sehr im Stich gelassen, konnte dennoch zweimal den dritten Platz belegen. Ausreißversuche von Fliegei-Neumann und Tonn- Brandt verllesen ergebnislos. Unüberrundet traten alle 12 Paar« zur Schlußwertung an. Petermrnm lag in der Führung, als ihn Kühl in der Einlaufturoe überholte und auf den Rasen niederdrückte. er kam ober glimpflich davon. In dem ersten Klassement belegten Krehn-Engelmann(B. R. C. 89) den ersten Platz mit 15 Punkten. den zweiten hielt Watter-Kühl(Conkordia) mit 14 Punkten. Kühl hatte verdient, distanziert zu werden. Berantworllilb für Politik: Stuft Reutee: Wletsifiaft:«ttue Satern»«: Sewerksidaftabeinegun«: Friede,«»kor»; Feuilleton: ft. A.»»lcher: Lokale« und Sonst!«» Kri»»arstädt: Änzeiaen: Td.»lack«: tänttlill! in Berlin. Lerlaa: B»twi>rt»'Berloa E. m. d. 6., Berlin. Druck: Boru>Srt»-Buck>druckrret und BerlaaaallNalt Paul Einaee u. Co.. Berlin SB W. Li ade nitro st« 3. StädtisdK Opei Charlottenbur« 7 Uhr: Katja Kabanowa Abonn.-Turnus IV Dentsüiet meatei Norden 10334-38 Übst VsttWltnj » Uhr: ViKloria Katmnerspiele Norden 10334—38 8 Uhr. Week-end (t'ebcr'n Sonntag) Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr; Großes Sohaaspielhaas VU Uhr: Letzte Vorstellung! Alt-Heidelberg autaplel Alfred Braun leues m. am Zoo Tägl. BUhr: Sei alte Dessaaer Operette in 3 Akten Challd Vespermann Falk, Kiper, Godau, Straaten, Halnlsch Preise 0J0 bis 6 M. IkKiira.Kittii.Tor Till 8 Uhr Elite- Sßnger Bagmblllte in Werder pumpet»*: EnabWIt, Piehlith jreth. Holilaoki, �■pnlibik. Infi, Iii. Stüh SS. 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