Jte.!«♦#». Ausgabe A Nr. IM M K— SeiAmctf Unter»tembonb für SentfAtonk, Bonii», 6oot. nni itencctrtQ« rrtaw. CM Zteichmnnrt. fit fcufaitb BJO 9»ti4sm«tf nt» i Vit.Sontlrt»* mit der Sonnte«» teile««»Boll und Rril* mtt.Sitte tun« und llein«arten* fönt« tat Beile«»Unter Helten« und Bissen' und Kreuenbeil-ee.ssreuenssimni«' erscheint»ochentB«lich»weineel, Sonnte«» nnd Monte«» Teletrenmi-Adress« .•«■telteaotrtt Bern** Morgenausgabe r f Devliner Volksvlskt (lO Pfennig) Sbtgrtssenticeife: Me llnfnalli«« RonvereM«- «eil« SO Pfenni«. ReNameteiit B,—«lich-merk.»Kleine«n, einen' da« tettetd ruckte Bort 2S Pfenni» (»niaffU»mei tetteedreickte Sorte). kte» weiter» Bort 12 Pfennig. Stellenetfuch« de««rite Bor! 1B Pfennig. lede» weiter« Wori III Pfennig. Borte über 1b Buch- fteten, ehten für»wei Worte Arteitsmerit keile 60 Pfennig. Genlillenenteigen für Abonnenten Seite 40 Pfennig. »nd»t«en für die nächste Nummer müssen die 4H Uhr nechmitteg» im chenteMschäft. Berlin SB«.Anten» Kteße B, ebgegeben werden. Deäffn«! non SM Uhr früh die B Uhr itechm. Zentralorgan der Sozlaldemokratifchen Partei Deutfchlandd Neöaktion und Verlag: ö erlin SW. b8, Linöenftrahe 5 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Vorwärts Verlag G.m.b.H., Serlin Ew. HS, Linöenstr.Z Pofticheckkonto: Berlin 27 6i»— Bonllonto: Benk der Ardeiter, Angestelten nnd Beemten. Beästr.«: Blrtonte-Stfellfchest. Tenosttrnkeffe Lindenstr. 3. Wirrwarr in warfthau. Die Menge demonstriert.— Die Fraktionen beraten. Darschan. Zt. ZNai. tt Uhr abends.(Eigener Draht» bericht.) Die Ablehnung des Präsidentenamtcs durch Pilsudsti kam aller tvell vollkommen unerwartet und wirkte dadurch um so ausregender. Die erste Verwirrung war ungeheuer. bis sie einer schweren Enttäuschung bei den Linksparteien und einer sichtlichen Erleichterung bei den Reaktionären— wich. Denn die Rechtsparteiler nicht gerade offen zu triumphieren wagen, so ist das die Folge der gewaltigen Kundgebungen, die am heutigen Räch- mittag dos Strostcnbild der Hauptstadt beherrschten. Die Arbeiter schlössen sich sofort an den Fabrikstorcn zu gewaltigen Umzügen zusammen, die mit roten Fahnen durch die Stadt marschierten, dabei unausgeseht die Annahme des Präsi- denlenamtes durch Pilsudski forderten und die revolutionären Kampflieder der PPS. sangen. Dos polizeiliche Verbot von Ansammlungen konnte diese Demonstrationen nicht verhindern. deren Teilnehmerzahl gegen 7 0 0 0 0 betragen hat— unge- rechnet die dichten Zuschauerspaliere, aus denen unausgeseht sympathische Zurufe kamen. Heber das Ergebnis der morgigen zweiten Sitzung der !Ratioaalversammlung(ätzt sich zur Stunde noch gar nichts sagen. Alle Fraktlonen halten andauernd im Sejmgebäude an der wseeskaslratze Beratungen und Besprechungen ab. Zn der polnischen-sozialistischen Fraktion ist eine starke Stimmung dafür vorhanden, einen eigenen Kandidaten aufzustellen, der dann wahrscheinlich Zgaoz D a s z y n s k i oder Dr. Marek sein würde, wenn auch die Ablehnung Pilsudskis die Rechte mit Hoffnungen.erfüllt, so ist der Sieg ihres Kandidaten doch sehr wenig wahrscheinlich. Eher ist es möglich, datz jchUetzlich ein Kompromitz kandidat durch- dringt, und es lätzt sich nicht bestreiten, datz der von Pilsudski mit vorgeschlagene Proseffor M o s z i s k o- Lemberg in diesem Fall ziemlich gnte Aussichten hätte. Bis zur Stunde kann eine Geneigtheit Pilfudskis� dem Drängen der Volksmassen Folge zu leisten und das Präsi- dentenaml anzunehmen, nicht gemeldet werden. Jedoch ist es nicht ausgeschlossen, datz bis zum Beginn der mar- gigen Rationalversammlug doch noch eine solche Wendung eintritt. � pilsuüfkis flblehnungsfchreiben. Warschau, 31. ZNai.(Eigener Drahlberichl.) 3n dem 51b- lchnungsbries Pilsudski» an den Sejmmarschall Raloj, der am Dien»lag in der neuen Sitzung der Ralionaloersammlung verlesen werden soll, heitzl e»: »Da» zweilemol in meinem Leben Ist mir die Möglichkeit geboleu worden, meine läligkeil im Sinne meiner historischen Ziele zu legalisieren. Leldcr stieß ich. wie immer, aus Wider- stand und bösen Wille». Diese» Mal ist meine Wahl nicht einstimmig ertoigl wie im Februar ISIS. Da» bedeulel. datz e» jetzl weniger Falschheil und verrat in Voten gibt. Zedoch bin Ich nicht in der Lage, die Wahl anzunehmen. Zch konnte da» vertrauen zu meiner Arbeit nicht erringen, die ich bereits einmal geleistet habe. Auch konnte ich kein vertrauen zu denen haben, die mich zu diesem Amte wählten. Vor meinen Augen steht noch die tragische Gestalt meine» ermordeten Vorgänger» R a r u t o w> t c z. den ich nicht vor seinem Schicksal retten konnte." Am Schluh de« vrtefes heitzt e», datz ihm die VrSsidentschast nicht die Verfolgung seiner historischen Aufgabe erlaube, da die gegenwärtige Verfassung dem im Wege stehe, pilsudsti spricht schlietz» lich ollen, die ihn gewähli haben, seinen Dank au» und bittei seine Anhänger um Entschuldigung für die Enttäuschung, die er ihneu bereite. « Joseph Pilsudsti, einst revolutionärer Kämpfer gegen die zaristische Fremd- und darum auch Gewaltherrschaft, dann vreischarenführer gegen Rußland im Bewegungskrieg, darauf, im Awischenstadium der Okkupation Polens durch zwei andere fremde Miltärmächte, Opponent gegen irgendweiche Angliede- nmg Polens an diese Mächte, endlich Feldmarscholl im neu- erstandenen Polen und Bekämpser der riesig aufgcwucherten Korruption, fordert und erzwingt mit den Waffen und dank seiner Bolksiumlichteit und gerecht erscheinenden Sache den Rücktritt einer nicht genug antikorruptionislischen Rechlsregie- ruua. Dann bildet er. unter einwandfreier Beobachtung der Leriaffungsvorschriften. die er unmittelbar vorher gebrochen. «ine neue Regierung und läßt, da der Präsident der Republik Gleichsolls zurückgetreten ist, vollkommen gesetzmäßig den neuen Präsidenten wählen. Aufgefordert, selbst zu kandidieren, erklärt er sich nach ziemlich starkem Sträuben dazu bereit— stoj» jedoch, ivic man im Austand erst spat veruiaum, die Bedingung einer Erweiterung der Präsidentenrechte, be- sonders dahin, daß er das Parlament vor Ablauf seiner Wahl- Periode und, was für den jetzigen Sejm notwendig wäre, ohne dessen Zustimmung, auflösen könnte. Diese Bedingung kommt der kategorischen Forderung der Sozialisten noch schleunigster Parlamentsauflösung und Neuwahl entgegen. Bor der Wahl sagt Pilludski den Vertretern der Parlamentsfraktionen ins Gesicht, daß das Parlament vom Lande über alles gehaßt werde, weil es gegen verbrecherische Korruption nichts geian habe und daß es auf einige Zeit verschwinden müsse, um des angehenden Präsidenten Kampf gegen diese Uebel nicht zu stören: Diktatur und Terror liege ihm durchaus fern. Das hat er bis jetzt— seit dem Marsch auf Warschau— auch bewiesen. Die Wahlhandlung erfolgt denn auch in voller Freiheit und ergibt für Pilsudsti 99 Stimmen mehr als für seinen Gegenkandidaten, aber dank den 61 sich Enthaltenden, nur 18 Stinimen über die absolute Mehrheit. Darauf lehnt der regelrecht zum Präsidenten der Republik Polen Gewählte die Wahl ab. weil diese Mehrheit zu klein sei, um ihm die Durch- führung seiner Absichten zu verbürgen. Diese Begründung wird man zutreffend so verstehen, daß ihm diese Mehrheit wohl nicht ausreicht zu jener B e r- sasfungsänderung, die notwendig ist zu der oeriang- tcn Erweiiaung der Präsidentenrechte. In einer dafür ans- reichenden Mehrheit hätte Pilsudsti wohl die Sicherheit für die Erfüllung seiner Bedingung erblickt. Pilsvdskis Verhalten seit seiner militärischen Aktion— deren Auslösung durch die Beschießung seines Hauses und die Beschlagnahme seiner Aeußerungen in der Presse wir ebenso- wenig vergessen wollen wie ihre Zweckbestimmung, eine ver- mutete drohende Rechtsdittotur zu vereiteln— ist einwand- f�ei to n ft.it u t i o n e ll, ja es erscheint noch über die bloße Beobachtung der Verfassungsbuchstaben hinauszugehen. Da er nicht die Sicherheit erhält, durch baldige oder auch öftere Volksbefragung ein Parlament mit einer ihm gleich- gesinnten Mehrheit zu erhalten, verzichtet ör auf das Präsidentenamt, das ihn, bei unveränderter Berfaffnng, ver- pflichten würde, auch mit einer ihm nicht paffenden Mehrheit zusammenzuarbeiten. Es mag in der Geschichte nicht allzuseltcn vorgekommen sein, daß revolutionäre Kämpfer gegen den Absolutismus nach- Mensthenopfer Jahresbilanz im prentzischen In der Nachkriegszeit, währerK der Ruhrbesetzung, sind die Kohlenbergwerk«, die durch den in der Kriegszeit betriebenen Raub- bau vernachlässigt worden waren, überholt worden. Nachdem setzt« der große Zlbbau ein. Gruben ließ man„versaufen" und Berg- arbeitersamstien hungern. Nach allem müßt« man annehmen, datz wenigstens die Zahl der Unglücksfälle im Bergbau sich wesentlich verringert hätte. Leider läßt sich dies an Hand der„vorläufigen Nachweisung der Unfälle im preußischen Bergbau im Jahr« 1925", die das preußische Handelsministerium erstmals nn„Deutschen Reichs- und Preußischen Swotsanzeiger" veröffentlicht hat, nicht nachprüfen. Es fehlen in dieser vorläufigen Nachweisung nichi nur die Vergleichsziffern aus dem Vorjahre, sondern selbst die Belegschastszifsern der Bergbaubetriebe. Obenan stehen natürlich die Unfälle im Steinkohlenberg- bau mit 82 213 von den 113169 Unfällen insgesamt. Und von den 1554 tödlichen Unfällen überhaupt, entfallen allein 118 0 aus den, Steinkohlenbergbau. 5lls Ursache der Unfälle wird in 27 446 Fällen„Steinfall" angegeben, in weiteren 24 153 Fällen „in söhligen Strecken" und in 12 615 Fällen„im Abbau". In nur 328 Fällen sind die Unfälle durch Sprengstoffe und Zündmittel her- vorgerufen, in 3l3 Fällen durch Gase und Kohlenstaub und in 25 Fällen durch Grubenbrand. Dem Laien könnte es mithin scheinen, als seien die Unfälle im Steinkohlenbergbau in ihrer überwiegenden Mehrzahl auf„höhere Gewalt" zurück- zuführen, gewissermaßen unvermerdlich, und nur zu einem ver- schwindend geringen Teil auf abstellbare Mängel, ungenü- gcnde Beaufsichtigung, mangelnde Schutzvorrichtungen und Antrei- berei. Wie der Steinkohlenbergbau obenan stebt nach den Berus»« zweigen, so der Bezirk Dortmund unter den Oberbergamt»- her m der konsfftuttonellen Monarchie oder in der Republik die treuesten Hüter des Bestehenden wurden, weil die glücklich er- langte Demokratte ihnen das Endziel war, oder weil sie über- zeugt waren, daß die Demokratie aus und durch sich selbst alles Schlechte mit der Zeit ausmerze. Pilsudsti jedoch icheint des festen Glaubens zu fein, der nach 159 Iahren der Zer- reißung und Fremdherrschaft aus kaiserlichen und königlichen Ketten als demokratische Republik wiedererstandene Polen- staat müsse etwas ganz Anderes fein, dürfe— um mit Lassalle zu sprechen— die Laster der Unterdrückten, will hier sagen, die Korruption, nicht wciterschleppen. Zu solch idealistischer Auffassung könnte aber auch die sehr rcalpoli- tische Erioägung führen, daß ein Staat mit hineingezwungenen Minderheitsvölkern und mit verelendeten Kleinbauern- und Arbeitermaffen durch die Nachbarschaft Sowjetruß. l a n d s um so mehr bedroht ist, als man dessen Nichtkennern im Ausland leicht vorerzählen kann, dort lebten die Arbeiter und Bauern wie im Paradies. Dazu kommt, daß unmittelbar jenseits der Grenze jene in Polen schwer benachteiligten Weiß- ruthenen und Ukrainer in scheinbar eigenen und freien Nationalstaaten leben! Was aber auch Pilsudstis Gründe zum Amtsverzicht sein mögen— die Tat an und für sich wirkt immer viel weiter als ihre Begründung. Und diese Tat dürfte sehr vielen von denen, die Pilsudstis Aktion zugejauchzt haben, e r st a u n l i ch und, weil unverstanden, befremdlich sein. Der Nimbus des fest entschlossenen Tatmenschen, ja Retters, den viele in ihm sahen, ohne daß Parteireklame, ungeachtet des Fehlens aller Erfordernisse, ihn als solchen ausposaunt hätte, das felsenfeste Vertrauen kann der Enttäuschung gewichen sein. Und wer weiß, ob heute noch, wie vor nicht allzuianger Zeit, ein Buch zur Würdigung der Persönlichkeit Joseph Pilsudstis lapidar und unzweideutig überschrieben werden würde: „Polens Großer Man n". Nachtsitzungen der Fraktionen. Warschau, 31. Mai.(MTB.) Die Lage in Warschau ist vollständig ungeklärt. Ein klares Bild wird sich erst noch den intersroktionel- len Besprechungen, die heut« abend stattfinden und voraus- sichtlich bis in die frühen Morgenstunden dauern nx-rden, ergeben. Aus den Straßen bewegen sich Tau sende von Neu- gierigen, die von der Polizei in Schranken gehalten werden. fallen unerhört! Bergban: 113 INN Unfälle! bezirken, mit 62 745 Unfällen, nahezu der liälft« aller Unfälle, und mit 984 tödlich ZZerletzten von 1186. Für den Braunkohlenbergbau ist bezeichneich, daß die Zahl der Unfälle im Tagebau mit 4121, wovon 56 tödlich, ungleich größer ist, als die unter Tage mit 1650, wovon 33 tödlich. Die Braunkohl« wird freilich meist im Tagbau gewonnen, der jedoch an sich weit geringere Gefahren bietet, als der Untettagebou. Durch verlängert« Arbeitszeit und stärkere Antreiberel wird der ver- mindert« Gefahrenmangel im Tagebau reichlich ausgeglichen. In den übrigen Bergbauzweigen, den Erzberg- bau imtcr Tage mit 2426 Unfällen, wovon 65 tödlich, und 3467 Un- fällen, wovon 75 tödlich, insgesamt ausgenommen, find die Unfälle weniger zahlreich. Im Salzbergbau waren insgesamt 1491 Un> fälle, 25 davon tödlich, zu verzeichnen: im Erdölbergbau 151 Unfälle, wovon 3 tödlich, und im sonstigen Bergbau 297 Unsälle, wovon 15 tödlich. Neben dem Ruhrkohlengebiet im Dortmunder Bezirk ist der niederschlesische Kohlenbergbau im Bezirk Breslau den gröbicu Gefahren ausgesetzt. In diesem Bezirk ereigneten sich m, letzten Jahr« 15 665 Unsälle, wovon 139 tödlich. So töricht es auch wäre, nun ausnahmslos alle Unfälle und Todesfälle auf das Verhalten der Unternehmer zurückzufuhren, so gewissenlos wäre es, diese mehr als 113 600 Unsälle im preußischen Bergbau in einem Jahre und die 1554 Todesfälle als unvermerdlich und unabwendbar hinzustellen. Die Kohlenbergarbeiter wissen ee besser. Ihren Forderungen auf vermehrten Schutz, sei es in tech- nischer oder betrieblicher Hinsicht, muß stattgegeben und alles daran- gesetzt werden, die U n f a l l z i f f e r n nrenschenmögtichst o b z u- bauen. Hier lohnt sich der Abbau, hier begrüßen und forde rn wir üju. »Wahnsinnige. Zürftenforüerungen/ Es fällt ihnen schwer, anständig zu sein. Köln, 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die unerhörte Forde- rung der Herzogin Jutta, die, sich stützend auf Bestimmungen des Dersailler Bertroges, da» Deutsche Reich auf Zahlung von 14,5 Millionen verNagt hat, ist nunmehr auch dem Teil der Zen- trumspresse zuviel, der sich bisher zur Fürstenabsindungsfrage zurückhaltend äuherte. Die„Kölnische Volkszeitung' sagt dazu:„Als die Forderungen einiger Fürstenmätressen bekannt wurden, sagte man stch, daß nun der Gipfel erstiegen sei. Es scheint, daß wir doch»och dies und jenes zu erwarten haben. Wenn nämlich»ine deutsche Fürstentochter es fertig» bringt, den Dersailler Bertrag, unter dessen Lasten das ganze deutsche Boll schmachtet, gegen ihr Vaterland ins Feld zu führen, dann fragt man stch, wie weit wohl der Zynismus noch steigen wird, der hinter der wahn- sinnigen Millionenforderung steht. Es fällt wirklich schwer, gerecht zu bleiben, wenn«» einigen Fürstenfamilien schwer fällt, an- ständig zu sein. Man wundert sich bei dieser Sachlage, daß es in Deutschland noch immer Monarchisten gibt.' Der öraunfthweiger. Aus Braunschweig wird uns geschrieben: Di« schwarzweißrole Landesregierung hat dem Braunschweiger Welsen das Recht gegeben, aus den Braunschweiger Schlöstern noch zu holen« was dem Nimmersatten begehrlich erscheint. Dieses Recht hat er inzwischen eifrig ausgenutzt. Unser Braunschweiger Parteiblatt veröffentlicht eine Riesenliste von Gegenständen, die der Welse vor einigen Monaten im Ein- Verständnis mit der Negierung sich angeeignet hat. So wurden ihm sämtliche Möbel, Silbersachen, Gemälde, Leinen- und Bettvorräte des Sästosses Blankenburg übergeben, aber auch im Schlosse zu Braur.schweig hat er durch seine Beauftragten tage» lang ausräumen lasten. Cr erhielt bisher: Els Kisten und einen Waschkorb voll Silbersachen, 347 zum Teil sehr ko st bare Möbel st ücke, 70 Gobelins, 70 G e- m ä l d e. Die Aneignung erfolgte wahllos, denn in dem Ucbcrgabe- vertrag heißt es: „Für den Fall, daß stch hierunter nicht zum ehemastgen Hof- staat gehörige Stücke befinden sollten, sind die Rechte daran aus» drücklich vorbehalten.' Der Welf«, der noch über eine prächtige Besitzung tn Gmunden, über einen Riesensilbcrschatz und über eine kostbare Ge- mäldesammlung verfügt, von der er vor«inigen Monaten mehrere Bilder für fast eine Million gegen ausländische Zahlungsmittel ver- kaufte, hat also nun von dem kleinen Ländchen fast 53 000 Mor» gen Land, zwei Schlösser, vier Domänen und die obengenannten Möbel und Wertsachen erhalten. Doch damit soll die Ausplünderung noch nicht zu Ende sein. Er hat nach dem Vertrag mit der Landesregierung das Recht, noch bis zum 1. Juli 1926 weiter zu ramschen, fall« nicht vorher durch Boltsentscheid dem Skandal ein Ende gemacht wird. Besser als durch diese unerhörten Dorgänge kann wohl die Not- wendigkeit de» Volksentscheids«us Enteignung der Exfürsten nicht begründet werden. Kommuakste» gegen volksentjcheiüspropaganüa. Iyfolge de« Beschlustes des Reichstage«, nur die letzten acht Tage vor dem 20. Juni sitzungsfrei zu halten, ist die Beteiligung oller verfügbaren Kräfte des Landtages für den Volksentscheid nm so notwendiger. Dennoch brachte gestern der Kommunist L b u ch im Femeausschuß de» Landtages den Antrag«in, den Aus- fchuß bis zum 20. Juni täglich zusammentreten zu lasten. Umsonst bemühten sich unsere Genossen, ihm klarzumachen, daß sein Antrag auf eine Schädigung der Agitation sür den Bolk». entscheid hinauslaufe. Er blieb unerschütterlich. Die Deutsch- nationalen, Volksparteiler und Bölkischen erkannten sofort die Auswirkung de« Obuchschen Lorschlaae» und stimmten dafür. Nur mit Hilf« der demokratischen und Zentrumsmitglieder de» Aus- fchustes gelang es, den Borstoß Obuch» abzuwehren. Der Sraunschweiger Prozeß. Stölzls Tclephongespräch— Um 25 Mark. vraunschweig, 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Im S t ö l z l- Prozeß stellten die Verteidiger den Antrag. Gutachten des Thüringischen Justizministeriums und des Reichsministeriums' des Innern einzuholen, durch die bewiesen werden kann, daß Beamte, die 3. Klasse gefahren sind und 2. Klasse liquidiert haben, lediglich im Disziplinarverfahren verwarnt wurden und der«ine Beamte sogar in eine höhere Stelle befördert wurde. Aus die Ein- holung dieser Gutachten wird verzichtet, da die Beklindungen der Lertndiger die Wahrheit ergeben haben. Zu der Entnahme der Schulbücher aus der Bibliothek des Landesschulamts sagt Stölzl, daß Rezensionsexemplare nach Prüfung des Buches in den Besitz des Prüfenden übergingen. Sein Vorgänger hätte sicher ebenso verfahren, da er ja im Lande»- schulamt überhaupt keine Bücher vorgefunden habe.' Stundenlang wurde oerhandelt, ob ein Landesschulrat, der Chef der Unterrichts- behördc eines Landes ist, berechtigt sei, dienstlich mit einem Operettenhause zu telephonieren und ob er sich auch über die Borstellungen eines Operettenhauses auf dem Laufenden halten dürfe. Diese schwerwiegende Frage mußte deswegen rnt- schieden werden, weil man feststellen wollte, ob der Landesschulrat eventuell die Telephongebühren bezahlen müsse. Nach der Bernehmung des Angeklagten Landesschulrat Stölzl wurde mit der Beweisaufnahme begonnen. Die Zeugen werden immer wieder nach den angeblich privaten Telephongesprächen mit den Theatern gefragt.(Der liegen gelassene Schal, der sich jetzt als ein Kragenschoner entpuppt, spielt dabei eine sehr bedeutende Rolle.) Ferner werden sie nach einem Gesprach mit einem Zahn- arzt gefragt, der die Schulzahnpflege in Braunschweig übernehmen soll und der gleichzeitig auch Stölzls Zähne behandelt. Und als Stölzl zugibt, einmal privat telephoniert zu haben und dieses eine Mal auch tatsächlich als bezahlt festgestellt wird, meint der Staatsanwalt, daß ein moderner Mensch in mehreren Jahren un- möglich nur einmal privat telephoniert haben könnte. Dramatisch wird die Verhandlung als die Beamten vernommen werden, die Stölzl bespitzelt haben. Ein Sekretär Köhler, etwa» schwerhörig und während de« Krieges trotz vorliegender Der- fehlungen auf sittlichem Gebiete wieder in den Staatsdienst ein- gestellt, hat sich eifrig Notizen gemacht und jedes Schul- buch aufgeschrieben, das der Landesschulrat mit noch Hause nahm. Ob der Landesschulrat dazu berechtigt war, kann er allerdings in jedem Falle beurteilen. Er ist der Meinung, daß Stölzl die Bücher, auch wenn es sich um Rezensionsexemplare gehandell habe, nicht mit- nehmen durste. Gewaltige Arbeit hat der Sekretär Bade ge- leistet. Er legte zwei dicke Foliobände sogenannter Abwehr- notizen vor. Angeblich hat sich Stölzl über seine Untergebe- n e n auch Notizen gemacht. Der Mann hat auch heimlich in ein- gegangene Bücher, die vom Verleger dem Landesschulrat kosten- los zur Verfügung gestellt worden waren, auf bestimmten Seiten, die von ihm notiert wurden, Neine Rasuren vorgenommen. Er durch- löchert« i-Punkte mit der Stecknadel und radiert« einzeln« Buchstoben vorsichtig aus, um zu kontrollieren, ob die Bücher mitgenommen und eventuell zurückgeliefert wurden. Ueber die D i e n st r e i s e n, die angeblich zu Privatzwecken unternommen sein sotten, vermochten die beiden Zeugen nichts Wesent« liche» auszusagen. Der Wertgegenstand, um den hier schon in zwei Instanzen verhandelt wird, und in erster Instanz dem so- zialdemokratischen Landesschulrat zwei Monate Gefängnis wegen Amtsunterschlagung«inbrachte, dürste insgesamt 25 Gold mark nicht übersteigen. Trotzdem wird in den nächsten Tagen neben den anderen Zeugen auch noch der jetzige schwarzweißrote Justizminister Marquardt und die früheren Minister Steinbrecher und Dr. Jasper vernommen werden. Auch der Staatsanwall hat nach Kußmannschem Muster sogar Reisen in den Harz unternom- men, um noch weitere Zeuge n zu bekommen. Die russische Hinrichtungsserie. Auf Befehl des Oberqericbts- Hof» ist in Moskau der K a n z l e i ch e f des Arbeits- und Berteidi- aungsrat» T i t o f f wegen Spionage zugunsten England» und Rumäniens«rschosten worden. .die Wölfe.' 55reispruch eines Pazifisten. Leipzig, 31. Mai.(Eigener Drahibericht.) In dem Derlag„Di e Wölse" erschien bis zum Jahre 1924 ein von dem Schriftsteller .Vogel vessaßles Buch„Es lebe der Krieg'. In ihm werden die Fronterlebniste eines Gefreiten Müller wiedergegeben. Dl« Absicht des Verfassers war, die Grausamkeiten und Bestialitäten des Krieges nackt und rücksichtslos darzustellen. Gegen dieses antimilitaristische kriegsseindliche Werkchen schritt die Staatsanwaltschaft ein und er- hob Anklage wegen Gotteslästerung und Verbreitung unZucht'ger Schriften. �Dem Gericht lagen Gutachten prominenter Personlich- keilen vor, u. a. von Thomas Mann,»zritz von 11 n r u h, Kate K o l l w i g, Frau Dr. Helen? S t ö ck e r, Dr. Magnus Hirsch- feld, die dieses Buch als ein erschütterndes Kunstwerk bezeichnet hatten. Trotzdem verurteilte das Schonengericht tn Leipzig am 14. Januar d. I. den Versastcr zu 500 M. Geldstrafe oder 25 Tagen Gefängnis und drei weitere Angeklagte zu 100 M. bis zu 1000 M. Geldstrafe. Gegen dieses Urteil war von den An- geklagten Berufung eingelegt worden, und die zweite Straf- kaminer des Landgerichts in Leipzig beschäftigte sich in zweitägiger Verhandlung nochmals mit dieser Sache. Der Verteidiger Vogels, Genosse Dr. R o se n f e l d- Berlm. stellte den Antrag, Kunstsachocrständige hinzuzuziehen, da es sich hier um ein Kunstwerk handele und es notwendig wäre, Künstler über die Tendenz und den Wert des Buches zu hören. Die vom Ge- richt geladenen Sachverständigen Dr. Wichmann und Vrofessor Dr. I o l l e s von der Universität Leipzig erstatteten ihr Gutachten. Wichmann legte dem Gericht dar, daß der in der Broschüre von dem Zeichner Berlitt gezeichnete Bildschmuck weder aus reizend noch sittlich verletzend gewirkt habe. Profesior Dr. I o l l e s bezeichnet die Dogelsche Broschüre als ein Werk von bohcm literarischen Werte. Der Versafler habe nur seine Erlebnisie in, Kriege wiedergegeben: sittlich verletzend wirke das Buch nicht. Wohl sei er als Schriftsteller, wie ihm das inkriminierte Werk zeige, noch nicht reis, jedoch bezeichnete er Vogel als einen wahrhaften Menschen. Auch � die Gutachten der von der Berteidiguna geladenen Sachverständigen Frau Dr. Helene Stöcker und Dr. Hill er lauteten sür den Angeklagten Vogel äußerst günstig. Das Buch Bogels sei von ungeheuerlichem sitt- lichcn Ernste getragen und wirke nicht unsittlich. Ob das Buch einen literarischen Wert hat, mußten beide bejahen. Rechtsanwalt Genosse Dr. Rosenfeld beantragte die Frei- s p r e ch u n g. Es handle sich hier nicht um einen Fall Bogel, son- der» um die Kunst und die Justiz. Das Gericht folgte diesem Antrag und sprach Bogel und Berlitt frei,-ue beiden anderen Angeklagten wurden wegen Bertriebs von ver- botenen Schriften zu 200 M. bzw. 60 M. Geldstrafe verurteilt. Hartes Urteil. Natürlich gegen eine Kommunistin. Leipzig. 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) In viertägiger Ver- Handlung hatte sich vor dem 4. Strassenat des Reichsgerichts wegen Vorbereitung zum Hochvemit und Vergehen gegen das Republikschutzgesctz der kommunistische badische Landtagsabgeordnete Max Block aus Lörrach und die frühere Landtagsabgeordnete Frau Frieda Unger aus Lahr in Baden zu verantworten. Den beiden Angeklagten wird zur Last gelegt, Ortsgruppen sowie prole- tarische Hundertschaften im August und September 19 2 3(!) gebildet und zur Bewaffnung der Arbeiterschaft aufgefor-� dert zu haben. Das Gericht verurteilte die Angeklagte Unger wegen Borbereliung zum Hochoerrat, Dergehen gegen das Republik- schutzgcsetz sowie wegen Nötigung zu 2 Jahren 6 Monaten Zucht- Haus und 300 Mark Geldstrafe. Das Verfahren gegen Bock wurde auf Grund des Amnesticgesetzes eingestellt. Frau Unger wurde sio-f o rH-i n Haft genommen. Lloyd George und die Arbellerpartel. Der„Daily Herald' er» klärt, Lloyd George würde die Arbeiterpartei ebenso zersplittern, wie er das mit dem Liberalismus getan hat. Die ablehnenden Aus» führungen des Arbeiterblattes sind als ein Wink an Lloyd George zu betrachten, sich von irgendwelchen Annäherungsversuchen an die Arbeiterpartei, die in den letzten Tagen trotz aller Dementis statt» gesunden haben, keinen Erfolg zu versprechen. Zn Schanghai gab es am Jahrestag der Erhebung vo 1925 Demonstrationen, nach englischen Meldungen auch Angrijse aus Fremde. Geschosse wurde nicht. Die Vichterakaöemie. Von Paul Gukmann. Die Mission de» Dichter» kann verschiedener Art sein. Er kann, wie der Maler und Musiker, reine Kunstgebilde schassen« von denen er annimmt, daß sie durch ihren Gehalt an seelischer Wärme, an bunter Fülle der Phantasie oder durch sonstige künstlerische Eigen- schaftcn auf den Leser oder Zuhörer wirken. Er kann aber auch feine ihm von der Natur verstehene Gabe als sittliches Amt auf- fassen, stch al» den Erzieher der Nation oder gar der Menschheit betrachten, seine Phantasie einem höheren Zweck unterordnen. Die erstere Gattung, derjenigen Künstler, die um der Kunst willen schaffen, ist in Deutschland häufiger» die andere in Frankreich, Rußland. Skandinavien. Unter allen großen deutschen Dichtern rst vielleicht nur einer, Friedrich Schiller, gewesen, der bewußt seine Dichtung als Sprachrohr sittlicher und daher in, höchsten Sinne politischer Zwecke benutzt hat. Die große französische Revolution bat daher einen guten Instinkt bewiesen, als sie unter die ersten Ritter der Ehrenlegion Ihn aufnahm. Ein« durchaus unpolitische Generation hat hingegen ihre Instinkt« verraten, indem sie den Dicht« der.Räuber' als»Moraltrompeter von Säckmgen' ver- lästerte. Nie ist ein deutscher Dichter mit solchem Löwenmut für ein« groß« Sache eingetreten wie Emile Zola? nie hat er sein Herzblut für die Menschheit vergossen wie Romain Rolland. Wir haben keinen Heiligen wie Tolstoi, der seinen Welterfolg geringer achtete als die Werke der Nächstenliebe, keine für die Unter- drückten erglühende Seele wie Dostojewski, nicht einmal einen Ibsen» der der Verachtung seine, Vaterlandes mutig getrotzt hat. Was der freigeistige Lesstng, was Jean Paul an neuen und kühnen Dingen zu sagen hatten. Neideten Sie in das Gewand anmutiger Fabeln. Und Heinrich Hein«, der Sänger einer anbrechenden Morgenröte, wird zum Dank für seinen Freimut von der Nation nicht als der Ihrige anerkannt! Der Gegensatz zwischen dem Dichter, als über den Wolken thronender Schöpfer, und dem im Tageslärm stehenden Lerkünder der Qualen und Hoffnungen seiner Zeit Ist durch den Verzicht Gerhart Hauptmanne auf das ihm angetragene Ehrenamt eines Mitgliedes der Akademie für Dichtung wieder ins Tageslicht gerückt. Bielleicht hat Hauptmann recht, wenn er sich von dem Dirken einer Akademie für die Entwicklung der Dichtkunst als solcher wenig verspricht. Ihre Regeln sind nicht durch Unterricht erlernbar wie dl« anderer Kunst«: Ihr mnerstes Wesen ist Unab- hängtgkeit. Wir wissen auch, daß eine Akademie sehr unduldsam sein kann, wie die französische in den Fällen Zola und Anatol« Franc«. Aber das Wesen aller menschlichen Einrichtungen ist Un- Vollkommenheit, und wie Arno Holz richtig anjührt. sind Aka- demlen das, was Akademiker aus ihnen machen. Zum erstenmal ist der preußische Staat an den Dichter als einen Berufenen zur polltischen Mitarbeit herangetreten. Zur politischen, das muß be- tont werden: denn alles Wirten auf die Mitmenschen ist Politik. Verhängnisvoller Irrtum, zu glauben, daß der Dichter nichts mit Politik im höchsten Sinne zu tun Hobe. Man kann mit Getändel und artistischer Spielerei, die als Intermezzo Ihre Reize haben, ein ganzes Zeitalter verschlafen. Man kann, wie Dante, der Erwecke? und Derkünder einer ganzen Nation sein. Gerhart Hauptmann hat die auf ihn gefallene Berufung abgelehnt. Er tat es mit einer Begründung, wie es in ähnlichen Fällen viele Republikaner tun, die meinen, daß die Republik auch ohne sie fertig werden wird. Die jüngere Generation, die politischer zu denken gelernt hat, wird ihm nicht Dank wissen, daß er sein« große Autorität nicht dazu benutzt, um unmittelbaren Einfluß auf das geistige Leben zu ge- Winnen. In einer Zeit, wo der Geist bedrohter ist als je, muß jeder Kämpfer auf seinem Posten sein. Wieder eine versäumte Ge- legenheit, wie so viele im geistigen Leben Deutschlands. Regsam- keit scheint es bei un» nur zu geben, wenn die Reaktion aufheult, wie im Fall der Ienenser Professoren. Johann Christoph, der deutsche Dichterkomponist, der in Pari» auf die Barrikade sprang, um für Menschenrechte zu kämplen, ist die Erfindung eine» Fran- zosen. 100. Geburtstag von Karl Bechstein. Am 1. Juni 1326 wurde Karl Bechstein, der Gründer de» weltberühmten Flügelhauses. geboren. Seine ersten Flügel baut« er allein; nur«in einziger Tischler war sein« Hilse. Als drei Instrument« fertig waren, erkannte Bülow deren Qualität und nannte Bechstein schon 1857 den„be- deutendsten Flügelmann' Deutschlands. Diesem Urteil schlössen sich bald Lijzt und andere große Musiker an. Während bis zur Mitte de» 19. Jahrhunderts öffentlich nur französische Klaviere gespielt wurden, setzte mit dem Namen Bechstein die Weltherrschaft des beut- schen Flügels ein. In Berlin(Iohannisstraße) steht das Gründer- Haus, aber das Unternehmen erweitert« sich von Jahr zu Jahr, und 1879 mußte in London eine eigene Fabrik gegründet werden. Der Bechstein-Flügel steht in bezug aus Größe, Schönheit. Stabilität des Ton» an der Spitze aller Klaviere. Di« Söhne Karl Bechstein? betreuen mit ererbter Tatkraft und Könnerschaft das Erbe des Vaters. Ein Pionier deutscher Weltgeltung und deutschen Fleißes ist Bechstein gewesen, persönlich ein freidenkender, bescheidener, allem Aeuherlichen abholder Mann, dessen Herz für die Arbeit und für die Arbeiter schlug. K. S. Vitaminhaltige Margarine. Die Margarine unterschied sich bis- her von der Butter tn erster Reihe dadurch, daß sie keinerlei Bita- mine enthielt, da die Pflanzenfette, aus denen im ollgemeinen die Margarine hergestellt ist, im Gegensatz zu den tierischen Fetten Vitamine nicht in sich bergen. Dieser Fehler, der der Maraarine anhaftete und ein großer Nachteil bei der Verwendung Im Haus- halt war, wurde dadurch gut gemacht, daß viele Maqarinesabriken sich angelegen sein ließen, der Margarine auch tierische Fett« zu.ru- setzen, daß der Mangel an Vitaminen nicht in dem Maße bemerkbar war, wie« eigentlich hätte sei» müsse», Nu» ist vor einiger Zeit in Norwegen eine Erfindung gemacht worden, der Margarine den vollen Ditamingehalt der Butter zuzuteilen, so daß die Maraarine sich an Nährwert von der aus Sahne hergestellten Naturbutter nicht mehr unterscheidet. In welcher Art diese Vitaminisieruna der Margorme vor sich geht, wird nicht mitgeteilt. Ader es ist amu- nehmen, daß der Hergang in der Verwendung von ultravioletten Strahlen besteht, da bekanntlich Versuche mit ultravioletten Strahlen dahin geführt haben, daß vitaminfreie Nahrungsmittel durch die Bestrahlung vitaminhaltig wurden. Die ultravioletten Strahlen wurden bekanntlich— wie wir vor kurzer Zeit mitteilten— dazu benutzt, zum ersten Male Dilamme künstlich darzustellen. Durch Bestrahlung von vitaminlosen Fetten mit ultravioletten Strahlen wurden Vitamine erzeugt. Es ist anzunehmen, daß diese Methode auch bei der Herstellung von vitaminhaltiger Margarine verwendet wird. Von einer Bearbeitung der Margarine, die in Deutschland in diesem Sinne vorgenommen wird, ist augenblicklich noch nichts bekannt geworden. Es ist aber anzunehmen, daß bei der großen Bedeutung, welche diese Frage für die Entwicklung der Margarine- industrie und sür die. Bolksgesundbert hat, auch in Deutschland die Margarinefabriten daran gehen, ihre Erzeugnisse auf irgend eine Weise vitaminhaltig zu gestalten. Die„Katja Sabanowa' in der Städtischen Oper. Leo» Ianaceks neueste Oper hatte in der Städtischen Oper guten Ersolg. Der 73jährige Komponist durfte sich im Kreise seiner Helfer oftmals zeigen. Das Werk repräsentiert ein« Gattung, die zwischen national- seelischem Voltsstück und dramatischer Handlung schwankt, zittert. psychologisiert. Die Synthese Ist nuht vollendet. Die Szenen stehen unvermittelter nebeneinander, als«s dem deutschen Theatergeschmack entspricht. Auch musikalisch ist kein Neuland erschlossen. Aber die vornehme Haltung einer großen musitalischen, nur vom Gefühl ge- tragenen Partitur, abseits der Heerstraße, bezwang die Menschen. K. S. INilllonenmal größer als die Sonne. Vor der Britischen Astro- nomen-Gcsellschast hielt Dr. Steavenson einen Bortrag über den von Dr. Max Wolf im kosmischen Nebel entdeckten neuen Stern. Nach dem Spektrum des Sternes muß angenommen werden, daß dieser neue Stern einige Millionen Male größer und heller ist als die Sonne. Die Fortschritte im Teleskopbau, die in den letzten Jahren erzielt worden sino, machen es wahrscheinlich, daß die Wissenschaft bald noch nähere Einzelheiten über diesen neuen Stern in Ersahrung bringen wird._ Veethoven-�eier der Nolkebtlhn«. Art«? Schnabel wirb In der volkö- bübne an geben aweinanderiolaenden Eonntagvoimittagen im Januar und Februar lS27 sämtliche Klavterjonatcu Ludwig van Veethoven»»um Bor» trag bringen. Zestipiel, im harzer verglbeater. Der Harzer Fellspielbund hat da» Harzer Bergthealer gepachtet und wird dort vom 26. Juni bi» LZ. Nnaait Fellspiele verensialtev. Ter Spielplan bringt:.Waö Jbr wollt'..Liebe«- leib»ist» Luft',.Külhche» von Heilbronn',.Die Räuber',»Faust I' und eint Uraufführung. Eli» acht Illeler hohe» Standbild Cenln« Ist in Leningrad fertigqellellt worden. SS wird. au einer erhöhten Stell«. der durch den ktautasu» sührendea Srufinische» Heerstraße aufgestellt worden. die ferne. Der Femeansschuh des Preuhischen Landtags nahm am Montag seine Verhandlungen wieder aus. Abg. kuttner(Soz.) gab als Berichterstatter ein Bild vom Inhalt der Akten über Grürtc- Lehder, die fünf Bände umfassen. In ihnen befinden sich Notizen darüber, daß Müller-Dammers nicht nur mit dem Kronprinzen, sondern auch mit dein Haus Doorn in Briefwechsel gestanden hat. U. a. ist eine Bleististnotiz verzeichnet:„Stimmt, siehe Beleg- stücke!" Kuttner bemerkt dazu, diese Belegstücke seien im Asservat nicht vorhanden. Bei der Haussuchung in der Wohnung der A d o p t i v e l t e r n ,G r ü t t e- L e h d e r s wurden 34 Briefe aus Lest erreich vorgefunden, in denen u. a. berichtet wird, dah Grütte-Lehder einer Einladung des Prinzen Lippe Folge ge- leistet habe und aus dessen Schlössern im Salzkammergut ein faules Herrenlcben führe. Prinz Lippe habe ihm auch Hilfe zugesagt. Im übrigen geht aus den Akten hervor, daß Grütte-Lehder mehreren Personen erklärte, er müsse den Spihel Dammers auf höheren Befehl erschießen. Weiter wird ersichtlich, daß die Berteidiger die Heranziehung der Akten der ungarischen Staatsanwaltschaft verlangten. Darin befänden sich die ehrenwörtlichen Er- klärungen der völkischen Abgeordneten G r a e s e und R e- v e n t l o w, daß die Tat Grütte-Lehders eine politische sei. Diese ehrenwörtlichen Erkläningen würden nach der Ansicht der Verteidiger möglicherweise interessante Streiflichter auf die Tot wer- den. Die Akten aber sind, wie Kuttner betont, von dem Gericht nicht herangezogen worden. Das sei weiter nickt auffallend, denn die einzige"Folge eines Kassibers, in welchem Grütte-Lehder völkische Abgeordnete belastete, war, daß er drei Tage Dunkelarrest bei Wasser und Brot als Disziplinarstrafe erhielt. Nach seiner Verurteilung hat Grütte-Lehder aus dem Gefängnis in einem Brief vom 7. Februar 192(5 an seinen Adoptivvater seiner Freude darüber Ausdruck gegeben, daß er vor dem Untersuchungs- ausfchuß des Landtags vernoinmen werde.„Nun ist der Skandal da," so heißt es in diesem Brief,„ich habe ihn aber nicht gewollt. W u l l e, der setzt in seinen Organen großartige Gesten macht. wird bald Gnadengesuche machen, und wenn Ahle- mann nicht sofort flieht, wird er es bereuen." Bemerkenswert ist noch ein Brief des Adoptivvaters Grütte vom 21. März 1926 an den Verurteilten, worin es heißt:„Mein lieber Junge, der bist Du und bleibst Du für immer. Wenn solche Un- gerechtigkeiten vorkommen wie Deine Verurteilung, wo Du doch a n g e st i f t e t b i st, dann will ich auch nicht mehr die„Vaterlands- losen Gesellen" oerurteilen, dann begreise ich alles." Der Rest der Beratungen des Ausschusses wurde ausgefüllt von der Verlesung von Briefen, die die völkischen Führer, die Ab- geordneten W u l l e, K u b e sowie Oberstleutnant a. D. Ahle- mann und Herr von Tettenborn an den Ausschuh gerichtet haben. Jeder der Driesschreiber betont hoch und heilig, zu dem Mord und zu den Attentatsplänen Grütte-Lehders keine Bcr- anlasiung gegeben zu haben. Oberstleutnant A h l e m a n n erklärt, die Mehrheit des Ausschusses werde doch kaum glauben, daß em reifer Mann, der im Weltkriege Regimentsführer war, auf die Anregung eines 17jähr!gen Jünglings diesem den Auftrog zu einem Attentat gibt. Wenn ein Attentat gegen S e v e r i n g geplant gewesen sei, wären unter den alten, erprobten Männern des Weltkrieges mit Leichtigkeit mehrere ge- f u n d e n worden, die ein solches Attentat nicht nur geplant, sondern auch durchgeführt hätten. Der Ausschuß nahm diese Mitteilung mit lebhastem Hört! Hört? entgegen. Selbswerständlich strotzen die Schreiben der schwerbelasteten völkischen Abgeordneten von plumpen Beschimpfungen des Ausschusies. Bor allem ist es wieder K u b e, der durch be- sondere Flegelhaftigkeit sich auszeichnet. Er erklärt, eine eidesstatt- liche Versicherung sei ihm heiliger, als den N o v e m b e r v e r- b r e ch e r n und Ehrabschneidern der Eid heilig gewesen sei. "vorläufige Vertagung. Der Ausschuß beschäftigte sich noch in einer nichtöffent- l i ch e n Sitzung mit der G e s ch äst s l a g e. der Berichterstatter, Abg. K u t t n e r(Soz.), warf die Frage auf, ob man setzt weiter- verhandeln solle oder ob eine Kollusion mit schwebenden Gerichts- verfahren davon zu befürchten sei. Oberjustizrat Dr. W u r tz vom preußischen Justizministerium teilte mit, daß auch im Falle Kube vom Reichsministerium des Innern beim Reichstag inzwischen die Aufhebung der Immunität beantragt worden sei. Abg. Heil- mann(Soz.) bezeichnete es als unzulässig, von feiten des Aus- schusses das in Entwicklung befindliche Strafverfahren zu becin- flusien. Nach eingehender Debatte wurden Anträge, die Der- nehmungen in der Volksentscheidspause des Plenums fort- zusetzen oder die Herren W u l l e, Kube und Ahlemann in Abcndsitzungen zu oernehmen, abgelehnt. Beschlosien wurde, die Berhandlunaen zu Beginn der Sommerferien des Plenum»(nach dem 19. Juli) fortzusetzen. Nur der Fall I a h n k e soll in einer Abendsitzung zwischendurch erledigt werden. Sejlraster fememöröer. Leipzig, ZI. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der Student Erich Franz aus Schwerin wurde am 1. Dezember 192S wegen Nichtanzeige eines drohenden Verbrechens des Mordes vom Schwur- gericht Schwerin in Mecklenburg zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. In den damaligen Tagen des Kapp-Putsches gründeten sich allerorts private Organisationen, die militärischen Charakter annahmen und später die Fememorde ausführten. Zu der Formation Buchrucker, die sich in Mecklenburg-Schwerin niederließ, hatte sich ein gewisser Beyer gemeldet, der von dieser Organisation als Spitzel betrachtet und deshalb.erledigt" werden sollte. Der Angeklagte Franz hatte hiervon in einer Sitzung Kenntnis erhalten und den Austrog bekommen, Gift hierfür zu besorgen. Inzwischen wurde Beyer von einem anderen Mordgsellen in der Nacht zum 16. Dezember 1923 bereits erschossen. Der 3. Straf- fenat des Reichsgerichts verwars am Montag die gegen das Urteil eingelegte Revision. Stuöententerror gegen Professor Lessng. Auch der Rektor wird überschrien. Hannover. 31. Mai.(MTB.) Heute nachmittag wurde Pro- sesior L e s s i n g beim Betreten der Technischen Hochschule von einer dichtgedrängten Menge Studenten empfangen, die Treppenhaus und Treppen besetzt hielt. Professor Lessing versuchte unter dem Schutz des Rektors seine Vorlesung abzuhalten, wurde aber durch lärmende Kundgebungen der Studenten unter- brachen. Eine Mahnung des Rektors an die Studenten zur Ruhe blieb ohne Erfolg. Schließlich schritt der Rektor zur Ab- nahm« der Studentenausweise, die auch von fast allen Stu- deuten verabfolgt wurden. Trotzdem setzten die Studenten ihre Kundgebungen fort, so daß sich Professor Lessing schließlich veranlaßt sah, die Vorlesung abzubrechen. Der Dorstand der Studenten- schaft hat eine Erklärung über sein Verhalten in dieser Angelegen- hcit abgegeben, in der«ine erneute Prüsung der Angelegen- heit des Professor» Lessing gefordert wird. Ein neuer Reichswehrskanöal. Reichswehrsoldaten reiben schwarzrotgoldene Flaggenbänder ab!— Von ih�en Offizieren aufgeputscht? karlsrsuhe, 31. Mai.(MTB.) In der Nacht von: 22. zum 23. Mai wurde, wie bekannt, von je zwei Reichswehr- s o l d a t e n und Gymnasiasten ein von der Stadt Konstanz angebrachter Flaggenschmuck in der Absicht heruntergerissen, um die schwarzrotgoldenen Flaggenbändcr zu vernichten. Der Minister des Innern hat nunmehr bei der zuständigen Reichs- stelle wegen des Vorfalles Vorstellungen erhoben und hat in seiner Eigenschaft al» Unterrichtsminister die Dispensierung der Gym- nasiasten vom Schulunterricht veranlaßt, bis durch gerichtliches oder Disziplinarverfahren festgestellt ist, ob die Täter Nachsicht ver- dienen. « Zu den skandallösen Vorfällen in Konstanz meldet noch das „Berliner Tageblatt", daß den Reichswehrsoldalen, offenbar durch ihre Osfizicre, die Besichtigung des Demonslrationszuge» verboten wurde. Das Z e n t r u m s b l a t t, die„Deutsche Bodenseezeitung", fordert die Ausstoßung derjenigen Reichswehrsoldaten, die sich an der Fahne der Republik vergrisfen haben. Außerdem erfährt man aus den Blättern weitere Einzelheiten über die Treibereien reaktionärer Offiziere in Konstanz. So hat ein Hauptmann des dortigen Bataillons ein Schwarzes Brett auf einer Schreib- stube angebracht, auf dem allerlei Ausschnitte aus rechts- gerichteten Blättern angebracht wurden. Vor allem sind es Aufsätze gegen das Reichsbanner und seine Führer. Besonders kräftige Stellen sind jeweils durch Rot st ist unter- st r i ch e n. In den letzten Tagen vor dem Reichsbannertage hat dieser Hauptmann in einer ganz besonderen Art in„Aus- klärung" gemacht. Er behauptete nämlich in einem Bericht, das Reichsbanner habe den Reichspräsidenten beschimpft, was den Tat- fachen keineswegs entspricht. In dem erwähnten Bericht wird außerdem der Mini st er Severin g ange- griffen, aber immer wieder betont, daß die Reichswehr „unpolitisch" sein müsse. Das Konstanzer Blatt meint, daß es mit dem Ehrbegriff eines Offiziers unvereinbar sei, von der Republik Gehalt oder Pension zu beziehen und sie hintenherum zu bekämpfen. Wenn nicht das Reichswehrministerium unverzüglich und erbarmungslos gegen die unmittelbaren und intellektuellen Schuldigen vorgeht, dann wird der Beweis dasür erbracht sein, daß es diese schändlichen Treibereien stillschweigend unterstützt. Es müssen endlich Exempel statuiert und die Namen der aus der Reichswehr ausgestoßencn Offiziere und Mannschaften in der Presse und in den Tagesbefehlen der gesamten Wehrmacht publiziert werden! Nationalistischer Universitätsprofessor. Hamburg, 31. Mai.(WTB.) Die Staatliche Pressestelle teilt mit: Die„Frankfurter Zeitung" halte in ihrer Ausgabe vom 28. Mai eine Mitteilung verössentlicht, wonach ein hamburgischer U n i v e r s i t ä t s p r o s e s s o r, der mit hamburgischen Studenten der Medizin Bad Pistyan(Slowakei) besuchte, die Entfer- nung der schwarzrotgoldenen Reichsflagge verlangt habe. Der Senat hat eine Untersuchung des Sachoerhalts ein- geleitet und wird von deren Ergebnis seine weiteren Schritte in dieser Angelegenheit abhängig machen. Der ßlaschenbier-vorfall. Bericht des Kommandanten und Verbalnote des Gtaats-- departements. New Jork, 31. Mai.(TU.) Die deutsche Botschaft in Washing- ton hat jetzt den Bericht des Kommandanten des Kreuzers .Hamburg" erhalten, in dem es heißt, daß der Kreuzer in den letzten Tagen von amerikanischen Besuchern fast gestürmt worden sei, um Bier zu erhalten. Den Amerikaner sei das Bier zu denselben Preisen wie an die Schisfemannschast ver- kaust worden. Es ist mithin unzutresfend, daß das Bier für einen Dollar pro Flasche abgegeben sein soll, wie von amerikanischen Blättern zunächst behaupte wurde. » Dieser Bericht unterscheidet sich von den Erklärungen, die der- selbe Kreuzerkommandant G r o o ß einem Berichterstatter der „B. Z. am Mittag" in Los Angeles gegeben hatte und in denen er überhaupt bestritt, daß ein Bertauf von Bierslaschen statt- gesunden hätte. Es wäre entschieden besser gewesen, wenn der Herr Kommandant den Vorfall auch dem deutschen Pressevertreter gegen- über ohne Vertuschungsversuche zugegeben hätte. Im übrigen dürste mit der vom Staatsdepartement der beut- scheu Botschaft in Washington überreichten Verbalnote die Bierangelegenheit der„Hamburg" als d i p l o m a t i s ch e r Zwischen- fall erledigt sein. Man kann nur noch dem Leiter des Aus- wärtigen Amts anheimstellen, einen Nachtrag zu seinem bekannten Werk über„die Entwicklung des deutschen Jlaschenbierhandels" zu schreiben. Zur Aechlung de» Krieges. Auf Betreiben der Frauen-Friedens- Vereinigungen in Amerika ist im Senat der Bereinigten Staaten ein Antrag eingebracht worden, der verlangt, der Verfassung einen Ar- tikel hinzuzufügen, der den Krieg, zu welchem Zweck er auch immer geführt werde, für gesetzwidrig erklärt. Der Antrag wurde der Ver- jassungslommissiou überwiesen, Der internationale Jugenökongreß. Die Schlustfitzung. Amsterdam, 29. Mai.(Eigener Bericht.) Heute trat der Kon- greß zur Schlußsitzung zusammen, nachdem gestern abend die Kommissionen eifrig beraten und in allen Fragen Einigung er- zielt hatten. An Stelle des Schlußwortes begründeten die einzelnen Referenten'die von den Kommissionen empsohlenen Re- s o l u t i o n e n. Den Reigen eröffnete O l l e n h a u e r. Die Re- solution über die Bedeutung der Kulturarbeit hat nur unwesentliche Abänderungen erfahren. Mehr Kopfschmerzen hat der Kommission die Frtedensresolution verursacht. In ihrer neuen Gestalt ist sie noch präziser und arbeitet noch genauer die einzelnen Mittel und Wege zur Durchdringung der Jugend mit Friedensgesinnung heraus. Besonders betont wird die Forderung eines selbständigen Georgiens und die moralische Unter st ützung der russischen Genossen in ihrem Kampfe für die Demokratie und die Befreiung des Proletariats Rußlands von der Diktatur des Bolschewismus. Eine eigene Resolutton wird dem Kongreß in Verbindung mit den Drangsalie- rungen der italienischen Jugendorganisationen durch den Faschismus vorgeschlagen. Sie lautet: „Der Jugendkongreß nimmt von der Erklärung der i t a l i e n i- s ch e n sozialistischen Jugend, daß sie trotz aller Versolgungen durch den Faschismus treu zur Fahne der Iugendinternationale und des Sozialismus stehe, mit größter Befriedigung Kenntnis. Der Kongreß sieht in der heroischen Haltung des italienischen Jugend- Proletariats nur die Fortsetzung der ruhmreichen Tradition der Italienischen sozialistischen Jugend, die insbesondere in der Kriegs- zeit durch ihre konsequente Haltung bewiesen hat, daß sie zu den besten Truppen der sozialistischen Jugendinternationale zählt. Der Kongreß spricht der italienischen Jugend für ihr tapferes Verhalten den wärmsten Dank aus. Der Kongreß erklärt gleich- zeitig, daß die in der Iugendinternationale vereinigten Verbände auch in Zukunft alles zu tun bereit sind, was in ihrer Macht steht, um das italienische Proletariat und seine Jugend in ihrem opfervollen Kampfe um die Wiedererringung der politischen Freiheit zu unterstützen." Einstimmig und mit dem gleichen großen Beifall wie die Friedensresolution und die italienische Resolution wird der Beschluß angekommen, daß die sozialistische Jugend einmal im Jahre an einem bestimmten Tage in der ganzen Welt für den V ö l k e r s r i e d e n und aegen den Krieg demon- st r i e r e n soll. Gegen vier Stimmen wird serner vom Kongreß beschlossen, dem Bureau anhcim zu stellen, seine Korrespondenz in de? Weltsprache Esperanto zu führen und den einzelnen ange- schlossenen Organisationen empfohlen, sich für die Verbreitung des Esperanto einzusetzen. Wichtige Aenderungen enthält die I u g e n d- und Lehrlingsschutz-Resolution. So ist in den Mindestsorde- rungen unter anderem ein neuer Punkt eingefügt, der die R a t i- fizierung der Beschlüsse der internationalen Ar- beiterkonferenzen verlangt, und ein anderer Punkt, der sich auf die Erwerbslosen bezieht. Auch diese Resolution wird ebenso wie die nächste, die das Verhältnis zu den bürgerlichen Iugendverbänden kennzeichnet, einstimmig angenommen. Letztere unterstreicht auch mit noch größerem Nachdruck den konsequenten Klassenstandpunkt der sozialistischen Arbeiterjugend. Die Resolutionsabstimmungen sind erschöpft. Es folgen die Dorschläge der O r g a n i s a t i o n s k o m m i s s i o n, die beim Kon- greß keinen Widerspruch sinden. Besonders hervorzuheben ist hier nur der Beschluß, in Zukunft einen Delegierten auf je 2999 Mit- glieder zuzulassen(früher war es einer auf 3999), allerdings nicht mehr als 29 für das einzelne Land. Ferner wird beschlossen, die nächste internationale Führeraussprache im Frühjahr 1927 i n Kopenhagen und den dritten Internationalen sozialistischen Jugendkongreß gemeinsam mit dem. zweiten Internattonalen sozio- listischen Iugcndtag im Jahre 1929 in Wien abzuhalten. Die Wahl des Bureaus der SJJ. ergibt den Genossen Heinz- O e st e r r e i ch als ersten Vorsitzenden, den Genossen G r a e v e- Belgien als zweiten, den Genossen Ollenhauer-Deutsch- 1 a n d als Sekretär. Zu Beisitzern werden gewählt Genosse Paul- Tschechoslowakei, Genosse Borrtnk-Holland und Ge- nosse Lindström-Schweden. Den aus dein Bureau ausscheidenden Genossen spricht der Ge- nosse Paul-Tschechoslowakei im Namen der SJJ. tiefempsundene Worte des Dankes aus. Besonders herzlich wird er bei der Würdi- gung der Persönlichkeit des bisherigen Vorsitzenden, des Genossen Pitt V o o g d und seiner Verdienste um die SJJ. Die SJJ. wird nie seine Arbeit vergessen, in ihrer Geschichte wird diese Arbeit den hervorragendsten Platz einnehmen. Pitt Boogd sei ein guter Bor- sitzender, ein vorzüglicher Kamerad, ein wertvoller Freund gewesen. Seine Ruhe, seine Be>onnenheit habe es stets verstanden, selbst die gefährlichsten Klippen zu umjchiffen, nicht zuletzt Dank ihm habe in den Beratungen der SJJ. ein Geist der Kameradschaft und der sozialistischen Solidarität geherrscht. Wenn es ihm auch schwer fallen sollte, nun aus dem Bureau zu scheiden, so wird ihm doch als Trost das Bewußtsein dienen, daß seine Nachfolger den Gelst, den er sein eigen nannte, auch weiter hochhalten werden. Die nicht enden wollenden Ovationen, die nun vom Kongreß stehend ihrem Vorsitzenden dargebracht wurden, verstärkten sich noch, als dem Ge-. nassen Pitt Boogd als äußerer Beweis der Anerkennung und Anhänglichkeit ein Bukett weißer Rosen und eine Van-Gogh-Mapp> überreicht wurde: sie gingen schließlich in einen begeisterten Ge- sang der Internationale über. Ties bewegt antwortet« Pitt Boogd auf die Sympathiekundgebung, die ihm soeben zuteil ge- worden war. Er begann damit, daß seine Tätigkeit unmöglich ge> wesen wäre, wenn seine Mitarbeiter und in erster Linie Ollen- Hauer ihn: nicht zur Seite gestanden Hütten. Das Scheiden fall« ihm wohl schwer, da die Arbeit für die SJJ., die er sechs Jahr, geleistet habe, ein Stück feines Wesens geworden sei. Mit seinen Gedanken werde er auch weiter bei der Arbeiterjugendbewcgunx bleiben: die Arbeit im Bildungsausschuß der holländischen Parte« werde ihn in die Lage bringe», seine Lieblingsidee zu verwirklichen- den tiefsten Gehalt der Jugendbewegung auf die erwachsene Arbeiter- schaft zu übertragen. Die Tagesordnung ist erledigt. Pitt Loogd richtet an den Kongreß Abschicdsworte. Er dankt nochmals den holländischen Genossen für ihre Mühewaltung und richtet an alle Anwesenden den Appell, in den srisch-sröhlichen Krieg hinauszuziehen gegen alles Unrecht in dieser Welt, gegen alles, was die Jugend hemmt und unterdrückt, für die Zukunft der Menschheit, für di« Jugend im Sinne des Sozialismus, für den lebendigen Sozialis- mus.„Wenn wir schreiten Seit' an Seite" und die„Int er- nationale" durchhallen den Kongreßsaal, man oerabschiedet sich durch langes Händeschütteln und begibt sich in die Quartiere, um abends, erfüllt von neuer Begeisterung und neuer Tatkraft, den Weg heimwärts anzutreten.. Das Problem ües Rifgebietes. Anarchie oder Einignng unter einem neuen Häuptling- Paris, 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der französische Haupt- delegierte bei der Friedensdelegation in Udschda hat sich nach Ma- rokko begeben, um an Ort und Stelle mit den spanischen B e> Hörden Verhandlungen sowohl über das Schicksal A b d e l K r i m g al» auch über das Rifproblem zu führen. Inzwischen erwartet Man in Paris die Ankunft des Generals Jordan, der in Madrid di« Marokko-Angelegenheiten zu leiten hat. Di« zu lösenden Schwierigkeiten bestehen weniger in prinzi- piellen franzöfisch-spanischen Meinungsverschiedenheiten, sondern sind praktischer Natur und in den Verhältnissen des Riss gegeben. Das Rif, das vorübergehend durch Zlbd el Krim geeinigt war, droht nämlich nach dessen Ergebung wieder auseinanderzufallen. Dies« Anarchie würde eine ständig« Gefährdung des Friedens be- deuten. Schon beginnen die Unterführer Abd el Krüns wieder in den Vordergrund zu treten. Sie haben sich zu den noch nicht unter- worfenen Stämmen begeben und leiten deren W i d e r st a nd gegen di« französischen und spanischen Truppen. Besonders in der spanischen Zone von Tetuan hat bereits die Kampftätigkeit eingesetzt. Es stellt sich nun die Frage, auf welche Weise eine Einheit de, Riss etwa unter einem neuen Häuptling herzustellen ist, ohne daß diese sich gegen Frankreich oder Spanien richtet, oder ob dies« Einheit durch eine Besetzung durch Spanien zu erzielen ist. Man ssl hier bereits lebhaft daran interessiert, die Ensscheidung über dies« Frage recht bald herbeizuführen, und zwar immer im Rahmen direkter Verhandlungen zwischen Frankreich und Spanien. Mit welchen Mitteln Frankreich sich Gewißheit darüber verschaffen wird, daß die eventuelle spanssche Autorität in diesen Gebieten dauerhaft ist. wird bisher noch nicht erörtert. Man bemüht sich, die Frage mehr vom polizeitechnischen als vom politischen Standpunkt aus zu behandeln. Die rumänische Wahllragikomödle hat der Regierung in der Kammer eine Mehrheit und im Senat alle Mandate bis aus drei bestellungsgemäß geliefert. GeVötMastsbAvegung Internationale �rbektskonferenz. Wie stehl's mit dem Achtstuadea-Abkommen? Gens, 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Am Montag vor- mittag begann die Internationale Arbeitskonferenz mit der Be> ratung des Geschäftsberichts des Arbeitsamtes. Als erster Redner gab der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe, Genosse Mer- t e n s, eine Erklärung ab, in der mit Befriedigung von der Slrbeilsministerkonferenz in London und den Anstrengungen des Internationalen Arbeitsamtes für die Ratifikation der internatio- nalen Arbeilskonventionen Kenntnis genommen und die Erwartung ausgesprochen wird, dajz die Regierung«tertreter endlich einmal unzweideutig Auskunst geben, wann die Ratifikation der Arbeils- zeitkonocntion erfolgen wird. Die Arbeitergruppe wird außerdem einen entsprechenden Antrag einbringen. Der belgische Regierungsvertreter I» l i n antwortete den Nrbeitnehmern, daß die belgische Kammer am Dienstag mit der Beratung eines Ratifikationsgesetze» beginnen werde. Polen ließ durch seinen Vertreter Sokal unter Hinweis darauf, daß es bereits 13 internationale Konventionen ratifiziert habe(die Llrbeitszeitkonoention liegt noch beim Parlament), den Standpunkt vertreten, daß die großen Industrieländer mit dem guten Beispiel bester vorangehen sollten. Sokal sprach ferner dem Internationalen Ar- deitsamt für seine vorbildliche wissenschaftliche und praktische Tätig- teit auf dem Gebiete der Arbeitslosigkeit und des Auswanderungs- Presens feine Anerkennung aus. Es folgten noch der argentinische Arbeitgcbervertreter, der den Achtstunden. tag in seinem Lande als praktisch eingesetzt bezeichnete Und die doppelte Regierungsvertretung in den Arbeitskonferenzen kritisierte, sowie der südafrikanisch« Regierungsvertreter und die Ar. beitervertreter von Australien und Kanada, welche den Arbeitgebern vorwarfen, daß sie sich mit der Lerbesterung der Lag« der Arbeiter- Schaft nirgends beeilen. Der südslawische Arbeitervertreter Dr. To- p a l o v i t f ch sprach als letzter Redner de» Tages seine Genug- tuung über die wissenschaftliche Arbeit de» Internationale« Arbeit». Vintes aus und wies auf die Bedeutung der internationalen Arbeits. organisationen nicht nur für die Arbeiterfchntzfrag«, sondern für eine bessere Organisation der Produktion und der Weltwirtschaft überhaupt hin, an denen die organisiert« Arbeiterschaft das größte Interesse habe.— Vielleicht meldet sich auch der deutsche Regierungs» pertreter in dieser Aussprach«, um Auskunft darüber zu geben, prenn seine Regierung gedenkt, mit der Ratifizierung des Woihing- toner Abkommens ernst zu machen. Die Eingruppierong üer Jeuerwehrbeamten. Kundgebung des Verbandes deutscher Lerussfeuerwchrmänner. In den Generalversammlungen der Ortsgruppe Berlin des Der- Üa nöes deutscher Berussfeuerwehrmänner am 28. und 29. Mai, zu jder die Stadtverordnetenfraktionen der Demokraten, Sozialdemo. traten und Kornmunstten Vertreter entsandt hatten, beschäftigten sich jdie Feuerwehrbeamten eingehend mit den zurzeit schwebenden Besoldungsverhandlungen. Nach einem Referat des Porsitzenden Lüde cke über den Verlauf der Verhandlungen und nachdem die anwesenden Stadwerordneten erklärt hatten, daß sie im Plenum der Stadtverordnetenversammlung alles daransetzen prerden, um das den Feuerwehrireamten seinerzeit zugefügt« Unrecht beseitigen, fand nachstehend« Entschließung einstimmig« nn ahme: ,Die am 28. und 29. Mai im Gewerkschaftshaus tagenden Ge- Vera l Versammlungen der Ortsgruppe Groß-Berlin des Verbandes deutscher Berufsfeuerwehrmänner find von dem Ergebnis der hisherigen Verhandlungen für die Wiederherstellung der plten Eingruppierung schwer enttäuscht. Sie erwarten »«,' Ben RS&Hfehca KZrperfchafi««, baß sie bei der Beschlußsossung über die Verabschiedung de» Etellenplane« für 192 3 Mark die Stunde. Auch Streikbrecher, die vom Arbeits- Nachweis der Völkischen bezogen werden, wollen leben bei solcher Arbeit und rücken aus, wenn sie nicht gehörig bezahlt werden. Doch nicht alle Unternehmer bieten einen solchen Stundenlohn um aus dem Druck zu kommen. Sie möchten die Streikbrecher auch bei schlechten Löhnen halten. Dazu soll ihnen die Polizei Helsen. Deren allzu bereitwillige Hilfe kann jedoch leicht bewirken, daß auch die Bauarbeiter zum Streik getrieben werden. Sie lassen es sich nicht lange gefallen, unter polizeilicher Aufsicht zu arbeiten. Am Freitag setzte ein verstärktes Polizei- aufgebot auf der Baustelle ein, das auf erfolgte Beschwerde wieder zurückgezogen wurde. Am gestrigen Montag aber wurden die Bau- stellen der etwa 4»in 21: Iua-ndbeim Tilsit-- Sit. 4/5 1 Trevv«. S-imb-sor-chun». Ludwiq.Tbom». M>«nd.— Lichteuberar Iuoendbeim Dosieskr. 22. Seimb-sprcchuna und Di». kussion: Unser« Sommetatbetf.— Treptow: schule Wildenbruchstr. jZ/54 ISorl» »iunn-rt. Seimbetpreibunq. Diskussion über Betriebs» und Berufsverhiilmissc. Zunendbenn Lindenuker 1. Evielodend. Berantrnorilich für Politik: Sevsi Reuter: Wirtlcboft:«rtnr Satern»»: Demerkschoft-beweciunq: Stiebt. Stikorn: Feuilleton: Ä. S. ISscher: Lokoic» und Eonsiiaes: Srik siarslädti Andeioen: Tb. Sloeke: sonitiirii in Berlin. Lerloa: Vorwärts-Berlaa G. m. b. L.. Berlin. Druck: Porwärts-Zuckdruckerel und Lerlaasonsialt Paul Einaer u. To.. Berlin SB 68 Lindenitrone J. Lictj* 1 Beilaae»ud..Unterbaltuno und Wissen'. VKTXKAIXF Damen»Blusen r»tt lugen Acnneln, In mehreren Farben Karierter Kasak mit langen Aermeln, offen nnd geschlosaen in tragen Kunstseiden- Jumper volle(waschbar), moderne Schotten, lange Aennel ni Badewäsche FrotllerhaiKltfltterOS vreies, gute Qualität, l,25,t»wPf. 295 g5° m. Baum-{ and Krafon BmlelakeniSÄs KrottierstofC, mit but. Kante, Grösse ca. 100X100........ BaöelGKßnsnns, gntem FrottieistolT, Grösse' ea. 140X170.................. I SchwlmmiriKots f„r 41* liameaa. Herren, anseohwarr. jvJ Trikot.............. 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Kleider w bedmeksen Crtpe d« Chine,V Pf. sn Bf. 252 ♦ 43.5äf>t0öft0 Weärtcg, l.?un!m6 Berlin hat auch seine Zirtusgeschichte: außer dem feststehenden Zirkus, der In diesen Tagen, wie alljährlich, sein« Pforten schließt, wird die Weltstadt von den reisenden Zirkusunternehmungen in fortlaufender Folge aufgesucht. Ein freies Terrain, ein Bauplatz zwischen Häusern genügt meist, um dem Zelt Platz zu bieten, falls es sich nicht gerade um ein Riesenunternehmen handelt. Gerade im Neinen Zirkus, der nicht eine Pantomime mit verblüffen. den Massenaufgeboten herausbringen kann, liegt jeder Einzelnummer eine Leistung zugrunde. Und es ist nun eben Tatsache, ein Mensch, der selber hart schafft, hat unwillkürlich Respekt vor der Arbeit an- derer. Darum füllt der kleine Mann den Zellzirkus, der ihm für wenig Geld Abwechslung über Abwechslung und damit die nötig« Entspannung bietet. Der Arbeiter jedoch hat jetzt kein Geld. Darum meint man und namentlich die Leute, die früher bessere Zeiten gesehen haben, behaupten es, das Zirkusgewerbe sei ein sterbendes Gewerbe. Leute vom Fach aber, die sich gerne selbständig machen würden, sagen zukunstsfroh:.Ist erst die Wirtschaftskrise über- wunden, geht's auch dem Zellzirkus wieder besser." Einnahmen vnö Ausgaben. Jedoch das Selbständigmachen ist eine eigene Sache. Zuerst muß man ein Dach über'm Kopf haben und ein Zelt kostet heute Z0 000 Mark. Es wird auf Abzahlung genommen, für gewöhnlich muß es in m Jahren bezahlt fein. Natürlich muß man erstklassige Garantien bieten. Das bedeutet für den neugebackenen Direktor nichts mehr und nichts minder, als daß er feine privaten Wert- gegenstände schon belastet hat. Ein Zelt Hot eine durchschnittliche Lebensdauer von drei Jahren. Reparaturen bleiben selbstverständlich während dieser Zeit nicht aus und der Geschäftsführer rechnet für die Zeltabnuhung im Monat 1000 Mark. Das Zelt wird von den Zeltarbeitern und der Musikkapelle aufgebaut. Die Musiker sind fast in jedem wandernden Zirkus Böhmen. Für sie kommt, sobald das Unternehmen auf Reisen ist, eine sehr lange Arbeitszeil in Frage. An Gagen werden heute im Durchschnitt gezahlt(daß eine Unter- bietung stattfindet, soll auf keinen Fall bestritten werden), für die in Uniform gesteckten Burschen, die Handlangerdienste verrichten. 2 M. den Abend, während der Sprechstallmeister III M. den Abend erhält. Sonst bekommen ein Clown IS— Sl) M., Jockey-Akt zwei Personen mit eigenem Pferd bis Zl> M. den Tag. Das Pferd, meisten» ein dicker Schimmel, frißt sich auf Kosten des Direkiors satt. Bei den großen Truppe» oerdient durchschnittlich die einzelne Person ll>— 15 M. den Abend. Natürlich verlangt man kür dieses Geld erstklassige Leistungen. Dabei muß man bedenken, daß die weitaus größte Anzahl von Artisten unter steler Lebens- gefahr arbeitet..Sicherungen" oersagten, Sprungtücher sind verfehlt worden, Notnetze wurden durchschlagen, falls sie zu locker gespannt oder morsch waren. Der Artist gebraucht doppelte Garderobe, die Zivil- und die Berufskleidung. Die Manege ist in grelles Licht getaucht, ein jedes Kostüm muß sitzen, kein fadenscheiniger Stoff darf verwandt werden und elegant wünscht das Publikum den Ar- tilten auch. Zudem kommt die Frage der Zimmerbefchaffung. Sie ist oft nicht leicht zu lösen, denn gegen die fahrenden Leute hat beinahe jeder ein vorurkeil. Etliche Zimmervermieterinnen aber verstehen sich vorzüglich auf die Ausbeutung. Mithin, es hat seine ganz berechtigten Schwierigkeiten, ein Prioatlogis für drei, vier Tage zu finden. Der Artist Ist nirgends heimisch, hat er aber eine Familie und Zuhause, dann leidet er unter der wirtschaftlichen Mehr- belastung der doppelten Hausholtführung. Hinzu kommt noch, daß der Artist sehr unter der Unsicherheil seiner Existenz leidet. Auch darf er— nicht zu alt sein. Die Manege beansprucht frische Menschen. schöne Körper. In jedem Zirkus spielen naturgemäß die Tiere eine bedeutsame Rolle. Die Reiter arbeiten fast ausnahmslos aus cigeneu Pferden. Diese und die Kostüme repräsentieren oft ein Vermögen und sind meistens das einzige Vermögen der Artisten. Stirbt ein Pferd, dann ist die Trauer um den alten, braven Weggenosien, namentlich unter den Stehendreitern, sehr groß. Selbst wenn das Geld für eine Neuanschaffung vorhanden ist, so muß der Artist sich erst an das Tempo de» neuen Pferdes gewöhnen. Für Freiheits- dresiuren, dieses Material gehört für gewöhnlich der Direktion, kann man mitunter in Spanien(Jsabellen und Falben) und in Ungarn (Buntschecken und Tigerschecken), an unserer jetzigen Währung ge- messen, preiswert Pferde kaufen. Die Pferde haben eigentlich stets Temperament, mitunter in einem derartigen Maße, daß sie sich später für die Manege als ungeeignet erweisen. Viele Artisten sind, von Erfahrung und Liebe getrieben, verständnisvolle Tierpfleger. Pferde Ichwitzen leicht, solglich sind sie für Erkältungskrankheiten recht emp- findtich. Husten und Brustseuche im Stall ober bedeutet eine Kata- strophe. Auch ist das Pferd durchaus kein Allesfrefser, sein Magen ist von einer starken Reizbarkeit, man könnte ihn mit dem mensch- lichen Blinddarm vergleichen. Man muß darum mit der Futterbe» fchaffung recht vorsichtig sein. Dennoch haben die größten Unter- nehmen Verluste zu buchen, weil sie mit schlechtem Heu usw. beliefert wurden. Enten, Affen, Schweine und alle Kleintier« sind fast immer Eigentum des Dresseurs. Einige Dompteure haben auch eigene Roubtiergruppen. doch haben gerade die deutschen Tierbändiger durch Krieg und Inflation beispiellcs hart gelitten. Ein Dompteur halle neun prächtige Berberlöwen, er schrieb an olle deutschen zoolo- qischen Gärten Bettelbriese:.Bitte, bitte, nehmt meine Tiere ge- schenkt," aber keiner wollte sie haben. Sie mußten getötet werden. Ein anderer Dompteur war gezwungen. Tiger zu opfern. Natür- lich kommen diese Leute nie wieder zu eigenen Tieren. Es ist eine glatte Unmöglichkeit, so viel Geld von der Gage zu ersparen. Hinzu kommt eine wichtige Frage: Wer kann denn überhaupt heute„große Gruppen" bezahlen? ianö' und /iuslandsflucht. Die kleine Stadt ist, namentlich nach dem Winter, vom Zirkus begeistert. Der erste Zirkus, der kommt, schöpft den Rahm ab, mächt ein gutes Geschäst. Anders sieht's in den Großstädten und vor ollen Dingen in Berlin aus. Die Masse hat kein Geld und die Oberschicht ist übersättigt. Hinzu kommt die Belastung durch die Lustbarkeiissteuer. Sie beträgt lö Proz. von jedem Billett. Gerade die kleinen Unternehmen klagen: wenn wir auch nachweisbar nicht einmal ein Viertel des Betrages der für den Abend zu zahlenden Gage eingenommen haben, müssen wir 15 Proz. der Einnahme ab- führen. Könnte keine Staffelung eintreten, wäre es nicht möglich, die Lust borke! tssteuer erst nach Sicherstellung der Gagen zu erheben? Der Zeltztrkusmonn hängt nicht nur von der allgemeinen Wirt- schallslage, er hängt zudem noch vom Wetter ab. Bei schlechtem Geschäftsgong kommt tatsächlich alles zusammen, ihm das Genick zu brechen. Es häuft sich Kleinigkeit auf Kleinigkeit. Eine sei hier will- kürlich herausgegrifsen. Das Unternehmen hat 200 M. Kaution für Licht hinterlegt, die Abendeinnahme reicht nicht,»m die Tages- ausgaben zu decken, da kommt eine Rechnung über 120 M. für Licht. Diese Summe wird nicht von der Kaution abgezogen, sondern muß extra und sofort bezahlt werden. Aber morgen, am letzten Tage, wenn der Zirkus abbricht und jede Hand und jeder Kopf gebraucht wird, muß irgendein Bevollmächtigter hinlaufen und die Kaution holen. Die großen Unternehmungen von internationalem Ruf und internationalen Beziehungen gehen ins Ausland und für die kleinen Betriebe ist das Ausland die Sehnsucht. Zwar fällt Frankreich aus. Schon im Oktober vorigen Jahres kamen für große Raubtiergruppen abgeschlossene Verträge zurück, weil es fast unmöglich ist, Raubtier- grupven unbeschadet durch eine Inflationszeit zu bringen. In manchen Ländern ist auch, gemessen an unserer Währung, die Valuta eine derartige, daß man, guter Verdienst vorausgesetzt, nur Anschaffungen machen, jedoch nicht sparen kann. Der kühne Griff. Ein unerwünschter Besuch in der Portierloge. Einen schlechten Aprilscherz hatte sich der Schlächter Hans Arndt erlaubt, de? aus der Untersuchungshaft dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitte zur Aburteilung wegen räube- rischen Diebstahles und Amtsanmaßung vorgeführt wurde. Arndt war am 1. April d. I. in einem Auto vor das einer Frau Heinze gshörige Haus in der Chaufseestraße vorgefahren und hatte sogleich die kleine Portierloge ausgesucht. Wie er aus den Angaben seines wegen Beihilfe Mitangeklagten, des Schlächters Otto D a n i e l o w s k i wußte, hielt sich in dieser Loge jeden Monats- ersten die sonst in Charlottenburg wohnende jzausbefitzerin auf, um die Mieten einzuziehen. Seine Rechnung, daß sie um die Mittagszeit schon größere Summen einkassiert hätte, erwies sich als richtig, denn auf dem Tisch, hinter dem die Hausbesitzerin saß, lag sehr viel Geld. Sich durch ein in der Hand gehaltenes blaues KuperL. den Anstrich eines Beaniten gebend, fragte Arndt erst. mtt.Amt»� miene, ob sie die Hausbesitzerin sei und tat dann mit den Worten: „Das Geld ist von der Polizei beschlagnahmt" einen kühnen Griff auf den Tisch. Mit etwa 1600 M. bor und einer Anzahl Schecks eilte er dann fort und bestieg das wartende. Auto, das sogleich mit ihm dovonrastc. Die resolute Pförtnerssrau hatte zwar versucht, ihn an der Brust festzuhalten, jedoch einen Stoß gegen das Kinn erhalten, der sie sogleich außer Gefecht setzte. Aber auch Arndt sollte sich nicht seines Raubes erfreuen. Er hatte die Rechnung ohne den Chauffeur gemacht, der von ihm in den Plan eingeweiht worden war�und für feine Hilfe 200 M. erhallen sollte, den Räuber jedoch unterwegs verhaften ließ. Arndt suchte die Hauptschuld auf seinen Mitangeklagten zu schieben, indem er ihn der direkten Anstiftung zu diesem dreisten Raub be- schuldigte. Danielowski muhte jedoch freigesprochen werden. Arndt selbst erhiell 1 Jahr Gefängnis. Pfiffig erwiderte Karl:„Du trittst mir deinen Rohrstock ab und ich klopfe mir von jetzt ab meine Hosen selber aus. Dann ersparst du dir Mühe und Aerger und Muttern, da du sie mir jedesmal dabei zerreist, das Flicken." Vater drehte den Frechdachs um seine eigene Achse und sagte:„Komm mal, dir muß ick erst mal von ollen Seiten jenießen." .La," fuhr Karle unentwegt fort,„unser Lehrer sagt, wie bei uns in der neuen Schule, so müßte auch zu Hause mit den Eltern das Verhältnis ein kameradschaftlicheres werden. Ueberall müßten die Menschen sich bemühen, einander zur Freude und nicht zum Leide zu leben." „Junge! Junge! Du sprichst en jroßen Iedanken je- lasien aus!" kam es halb belustigt, halb nachdenklich von Vaters Lippen. „Ra." sagte Karle. Datern die Hand entgegenstreckend: „wenn du das einsiehst, dann schlag ein. Also auf gute Lameradschaft!" „Meeste." sagte Knorke senior„et is eijentlich schade, oet wir schon„du" iagen. Det war der jeeijnete Mone» mang, jetzt Brüderschast zu trinken." „Siehste, Dater," sagte Karle, unwillig die Hand zurück- ziehend,„du und Mutter beklagen sich immer, det ich nischt wie Riedigkeiten im Kopf habe, und nun, wo ich dir mit wirk- lichem guten Willen und heiligem Ernst komme, da verulkst du mich." „Nanu— man nich den Dater mit dem Bade ausfchüt- Ken! Weeste, Karle, deine Umstellung von der Ruppigkeit zum Heiljen Ernst trifft wir zu plötzlich, zu unvorbereitet— dm—- Ra ja—s also, ich wer deine Friedensvorschläge an- nehmen, aber erst mal mit Bewährungsfrist auf vier Wochen, Herr Staatsanwalt." Knorke zog Karle an sich, der ihn so stürmisch liebkoste. daß dem Alten„ganz weech um's Herz" wurde und er ihn mit den Worten abwehren mußte:„Ra, nu aber stopp! Was nutzt ma denn der Friede, wenn du mir bei de Friedensfeier abwürgst." „Ra nee— ach so— nein, nein, ick geh' ja schon, sagte Karle glückstrahlend..Lch muß nämlich sehen, daß ich noch den anderen— er zeigte nach der Küche— Grenznachbarn und ehemaligen Feind für meine Friedensidee gewinne." „Du." sagte Vater vergnügt schmunzelnd,„die olle Festung ist nich so leicht zu nehmen." „Schaff' ick schon!" triumphierte Karle.„Ich schleppe heute so viele Kohlen und Holz aus dem Keller herauf, daß sie ganz eingebaut wird, und höre erst auf, wenn sie sich er- gibt." Dater nochmals am Bart zausend, war er zur Tür hin- aus.— Knorke senior richtete sich tief atmend auf und brummte vor sich hin. Hm, solchen Kontakt hatte er mit seinem Karle noch nie gehabt. Wenn's ihm so mit seinem Dreiröhren- apparat geglückt wäre, dann hätte er schon London gehört. Sein Blick zum Sofa, unter dem die Trümmer seiner schlaflosen Nächte seit jenem häuslichen Gewitter lagen, wurde von seinem Jüngsten aufgefangen. Dieser stand mit den Händen auf dem Rücken am Ofen: stillvergnügt vor sich hin- schmunzelnd, hatte er die ganze Szene mit Karle verfolgt. „Sag mal. Fritze," fing Knorke, sich aufs Sofa setzend und ihn zwischen seine Knie ziehend, an:„Willst du dir nicht unserem soeben abgeschlosienen Friedensvertrag als kleine Anlangte anschließen?" „Nein," sagle Fritze kurz. „Nanu!— Warum denn nich?" „Wir haben doch kccnen Kriej jehabt," sagte dieser ruhig. Knorke sah sich seinen Jüngsten eine Weile an und sagte dann:„Na ja, eigentlich haste recht." lind ihn an sich drückend. mit wehmütigem Blick unter das Sofa, fuhr er fort:„2)u warst mir ja immer ein treuer Bundesgenosse. Und wo kein Krieg war, braucht natürlich ooch keen Frieden jeschlossen zu werden. Aber sag mal, Junge, tut dir unser Dreiröhrenapparat da unten gar nicht leid?" „Nein," war Fritzchens überzeugte Antwort. »So," meinte gedehnt der Dater. „Nein," wiederholte Fritz ruhig und bestimmt. „Unser Kamerad Pfeil sagt, wer keine Vorkenntnisse be- sitzt oder keine Anleitung von Fachleuten hat, der soll von solchen Dingen die Finger lassen, denn er verbuddelt sonst'ne Masse Geld und kommt doch nicht zum Ziele." „Wat is denn det vorn Scharfskopp, dein Kamerad Pfeil?" fragte Knorke, indem er Fritz unwillig losließ. „Ein Schafskopf ist er jedenfalls nicht, denn er ist der älteste Kamerad." „Und der dümmste," unterbrach Knorke Fritz sah seinen Dater ruhig an:„Ich weiß es ja nicht, glaube aber nicht, daß du recht hast, denn er yat ja das Lehrer- examen gemacht." Knorke war entwaffnet und sagte, trostlos mit dem Zeige- finger unter das Sofa weisend:„Also wird Karthago nie� wieder aufgebaut werden, und ich bin verurteilt, zeitlebens auf seinen Trümmern zu sitzen." Fritz wollte was sagen, aber Bater wehrte ab:.Laß man. Für heute weiß ich jenug. Das muß ick erst verdauen." Er setzte die Mütze auf und verließ das Zimmer. Fritz schüttelte den Kopf über Datern. Erst fragen, und wenn man[ Antwort erhalten, sollte man davonlaufen? (Fortsetzung folgt.) Es geht los! ?? geht las! In wenigen Tagen wird man in den Fcmeinden i'ie Wählerlisten zur Einsicht für den Volksentscheid auslegen..Raub und Plünderung" schreien die skrupellosen Nutznießer der dynastischen Rcstaurationsidee. In chunderttauscndcn von Flug- blättern wird sich die Garde der schwarzwcißroten Schmach um die . Allerhöchsten der Nation" scharen, um den schamlosen Fisch- und Nafszug der ersten Der— diener des Staates sich ungestört abwickeln zu lasse». Machtige Arbste sind am Werk, dem deutschen Volk auf ewige Zeit das Schandmal auszubrennen, sein chab und Gut, die letzten Neste, des Doltsocrinögens den Leuten nachgeworfen zu baben, die es derart entsetzli6> ruiniert haben. Was ist zu tun? chunderttousende kleiner Rentner und Sparer hat die Inflation um die Resultate eines mühe- und arbeitsreichen Lebens gebracht. Un- zahlige sind in der grauenvollen Zeit großkapitalistischer Cnt> mcrtungskampagnen Hunger» gestarben, wir haben Millionen Ar- britslos», die Weib und Kind zu Hause haben und deren Not zum Himmel schreit. 2 Millionen Tot« hat Wilhelms des Ilnersöttlichen Kriegspolitik auf dem Gewissen, unzählige Verstümmelte rufen per- geblich nach ihrem Recht. 22 Fürstenfamilien jedoch, dt« die allzu loyale Revolution ungeschoren ließ, wolle» llX»-. ja SlXlprozentig« Aufwertung, wollen mit gestohlenem Gut und Geld ein Leben de» Genusses und der Wunschlosigleit führen, während ein Volk in Elend ertrinkt. Rund 3 Wochen trennen uns vom entscheidenden Schlag. Der Komps beginnt. Unser ist der Sieg, wenn wir auf dem P o st e n sind. Oer Kutleker-Prozeß. 5!uch>s des Angcklagien in die Krankheit. Als vor einiger Zeit da» Gericht den Angeklagten Sklarz in Gewahriom nahm, um auf diese Weise sein« Lcrhandlungsfähigkeit zu erhöhen, wurde dies« Maßnahme von vielen Seiten bemängelt. Vielleicht nicht mit Unrecht. Dos Gericht behielt aber recht: Sklarz .blieb verhondlungsfähig. Gestern schien die Situation des Sklarz- Prozesses sich in der Gerichtsverhandlung gegen Kutisker wieder- holea zu wollen. Kutisker halte sich von seinem Zusammenbruch am Mittwoch »och nicht erholt. Er wurde aus einer Krankenbahre, umgeben van drei Aerzlen, darunter den Prosessor Kraus, in den Saal gebracht. hinterher mußte noch Professor Seclert hinzugezogen werden, um gemeinsam mit seinen Kollege,, die Frage der lveehandlungssähigkeit des 2l>, geklagte» zu entscheide». Kutisker lag anscheinend bewußtlos da. Er reagierte»ich» auf Frage», die man an ihn richtete, wurde zeüweilig von schweren Krämpfe» befallen, um hinterher doch wieder zu sich zu kommen. Die Aerzt« erklärten, daß er im Augen- blick verhandlungsunsahig sei. Es handele sich um einen hystc- rischen Zustand, um eine Flucht in die Krankheit. Kutisker wolle gewissermaßen durch diese die Loge für sich günstiger ge- stalten. Sollte der Prozeß für ihn einen oussichlsoollercii Verlauf haben, sa würde er von seinem hysterischen Zustande auch«her ge. heilt werden. Mi: der Verschlechterung der Situation für ihn würde sich auch sein Gesundheitszustand verschlimmern. Kutisker hatte in den letzten Tagen allerdings allen Grund, seine ProzeßchaBcen sehr niedrig einzuschätzen. Durch das Gutachte» der Sachverständigen war in die V e r- hältnisse der Steinbank einige Klarheit gebrocht worden. Es hotte sich herausgestellt, daß den, Verlust der Staatsbank von l l Millionen nur«in Erlös van 3,5 Millionen aus der Liquidierung der Kutiskerschen Unternehmungen gegenübersteht. Eine besonders böse Wendung nahmen ober für ihn die Telegrommonge» l�e g« n h e i t c n. Kutisker hatte geleugnet, seinen Geschostssreund Gern beauftragt zu hoben, ein Telegramm aus Danzig zu schickem Der sliichlige Stern Hot aber, ausgebracht über Kutiskers Leugnen, d a s Konzept dieses Telegramms, von der Hand Kutis- ters geschrieben, dem Gericht eingesandt. Kutisker hotte behauptet, daß sein amerikanischer Dallarvetler Kutzinski mit vielen Millionen der Steinbank zu Hilfe eile» wolle. Dr. Rühe erklärt«, daß ihm sogar ein Vertrag, der die Unterschrift Kutzinski» in lateinischen Buchstaben getragen habe, vorgelegt worden sei. Kutzinski hat aber nur hebräisch schreiben können. Wer hatte olio die Unterschrift her. gestellt? Sa war es kein Wunder, daß Kutisker am Mittwoch zu- fommenbrach, als Holzmann erklärte� Kutzinski sei gar nicht der reiche Manu gewesen, sondern sei nach Berlin gekommen, um von Kutisker Geld zu einer Villa i n P a l ä st i n a zu erhalten. Kutisker wußte auch, daß Gijchas seine Aussogen machen und be- zeugen würde, daß die beiden Telegramme, die sich auf Geldsendungen aus London bezogen, und der Staatsbank vorgelegt wurden, von ihn, auf Kutiskers Befehl abgeschickt worden wäre». Die Erörterungen über das Hanauer Lager standen aber noch bevor. Was Wunder, daß Kutisker in die Krankheit flüchtete. Das Gericht wollte sich aber von der Verhandlungsunsähigkeit Kutiskers nicht überzeugen lassen. Es gab dem Antrage der Ber- teidigung, das Versahren gegen Kutisker obzutrenntn. nicht statt und setzte die Verhondlnng fort. Der Vorsitzende, der in den früheren Sitzungen Kutisker immer wieder ermahnt hatte, der Ver- bandlung fernzubleiben, wollte es verhindern, daß die neunwöchent- liche Verhandlung unnütz gewesen sein sollte. Da fand ganz un. erwartet Kutisker selbst einen Ausweg, allerdings ungewollt. Wäh< rend der Zeugenvernehmungen befahl er plötzlich seinen Kranken- martern, ihn aus de», Saal zu tragen und»och Hause zu fahren. So hatte sich Kutisker freiwillig aus der Gerichtsverhandlung cnt- fernt: sie konnte also in seiner Abwesenheit sortgesetzt werden und wurde schließlich au' heute 9% Uhr vertagt. Tie �uhrherren sind ungnädig. Die Fuhrherreninnung von Groß-Bcrlin suhlt sich wieder einmal bemüßigt, die Oeffentlichkelt für die Notlage des von ihr vertretenen Gewerbes zu interessieren. Sie hotte zu Sonntag eine Prote st Versammlung nach den Germanioprachtsälen einberufen, und in dieser erzählten zwei Abgeordnet« von der Wirt- schoftspartci, denen es wohl mehr darauf ankam, für Ihre politischen Ansichten Propagonda zu machen und für die Wirtschastspartei zu werbendes Mittel für die Behebung der Notlage des Fuhrgewerbes anzugeben, große Töne von der ichlcchlen Verwaltung der Stadt im allgemeinen und des städtischen Fuhrparks im besonderen. Diese Erzählungen sind um so erstaunlicher, als sich die Herren i» der Diskussion von dem ihnen politisch sicherlich nicht fernstehenden deutschnationolen Stadtrat Richter erklären lassen mußten, daß die Mittel, die die Stadt in den Fuhrpark hineinstecke, Verhältnis- mäßig sehr gering seien. Sic muhten sich von demselben Dis- russionsredner auch sagen lassen, daß die Stadt als Unternehmer natürlich so billig wie möglich arbeiten müsse, und daß sie aus diesem Grunde den städtischen Fuhrpark dort in Anspruch nehmen müsse, wo Fuhren durch das priookc Transportgewerbe zu teuer wenden würden. Wenn ferner es als ungeheuerlich angesehen wird, daß da» städtische Fuhramt Einsicht in die eingeholten Offerten über VergeMing von Fuhren an private Fuhrunternehmer erhält, so muß e? der«ladt doch unbenommen bleiben, diese Offerten von der städtischen Stelle, die sachverständig für diele Ding« ist, vom städtischen Fuhramt, prüfen zu lassen, und die Stadt hat da» Recht, diese Osserten abzulehnen, wenn sie nicht vorteilhafter sind, als yzenn ein städtische» Unternehmen selbst die Arbeit ausführt. Außer den Fuhrherren und ihrem Anhang gibt es doch noch ander« Steuer. zahler und Bürger in Berlin, und auf sie muß die Stadt bei oller Anerkennung der Notwendigkeit eines privaten Fuhrgewerbes auch Rücksicht nehme_ verein der Jre'denker für Feuerbestattung. Da in der letzten Milgiledcrvcr'aininlling de» Bezirk» Prenzlauer Berg die Wahlen zur Bezirksleitung nicht zustande gekommen sind, ist für Mi tt� wach, den 2.Juni. eine Mitgliederversammlung bei Büttner, SchwedterStr.2S, einberufen, die sich wieder mit diesen Wahlen zu befassen hat. Da von den Kommunssien bs« grsißten Anstrengungen gemacht werden, die Bezirkeleitungen in ihre Hände zu bekommen, ist tS Pflicht jede» Parteigenossen, zu dieser Per- sammlung zu erscheinen, um' unseren Einfluß aufrecht zu erhalten. Die Genossen werden ersucht, für die nötige Propaganda in unserem Sinne Sorge zu tragen und für guten Besuch zu agitieren. Verleitung zum Meineiö. Gefährlichc Folgen einer unbedachten Handlung. Für Bäckereien Hestedt bekanntlich ein gesetzliche» Verbot, mit den Arbeiten vor 8 Uhr früh beginnen zu dürfen. Dieses V«>bot ist den Bäckermeistern natürlich ein Dorn im Auge und es wird sehr Frauen-Konferenz am Donnerstag, den 3. Juni, abend» 7'/, Uhr pünktlich. in den.Sophleujälen». Sophieostrahe lv/18: Der Volks-«sichei�N�i>N!!: Vir bitten um zahlreiche» Erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. lurkonsiolle 1. Kreis. viel übertreten. Auch der Bäckermeister Schmidt, Raumerstr. 21, nahm e» mit der Innehaltung dieser gesetzlichen Bestimmung nicht so genau. Er wurde wegen Uebertretung einmal bestraft, aber er ließ sich dadurch nicht zurückholten, immer wieder in seinem Bäckerei- betriebe vor 8 Ilhr snih mit den Arbeiten zu beginnen. Zur Kon- trolle, ob dos Verbot beachtet wird, sind sowohl von den Arbeit- gebern al» auch Arbeitnehmern der Branche K o n t r o l l- k o m m i s s i a n e n eingesetzt, deren Mitglieder ehrenamtlich arbeiten. Eine dieser Kontrollkommissionen vom Deutschen Nah- rung». und Genußmittelarheiterverband traf am 25. Juli t?2< um 5 Uhr früh in der Näh« de» erwähnten Betriebes den dort beschäf- tlgten Lehrling Bruno lltaueichort. Er klagte ihnen sein Leid, und nachdem sie vier in der Näh« gelegene Bäckereibetriebe kontrolliert harten, kamen sie um ö'/j Uhr auch an den Betrieb von Schmidt. Schmidt empfing sie aus ihr Klopfen mit einer Schimpf- kanonade, die natürlich in demselben Ton von ihnen erwidert wurde. Die Folge dieses Kontrollgange, war eine Anzeige gegen Schmidt wegen Uebertretung des Backoerbotes, und sowohl bei den polizeilichen Bernehmnngcn, al» auch bei den Vernehmungen vor Gericht, bei dem Schmidt gegen den Strosbefehl Einspruch ein» gelegt hatte, veranlaßt« dieser seinen Lehrling zu der Aussage, daß der Betrieb er st um 8 Uhr be- gönnen habe. Nauendorf bezichtigte sich dann selbst de» Mein- e l d«», und es wurde auch ein Verfahren gegen ihn erösfnet, da» ober niedergeschlagen wurde, weil da» Gericht zu der Erkenntnis gc�ngte. daß der ixnge Mensch der Bedeutung des Eide» sich nach rnchf bewußt gewesen wäre. Schmidt aber stand wegen Ver- leitunq zum Meineid vor dem Schwurgericht de» Land- gerichts I. Der Staatsanwalt hatte l Jahr 3 Monate Znchtha»» beantragt, während das Gericht ans l Jahr Zuchthans er- kannte, 5 Jahr« Ehrverlust und Aberkennung der Eidesfähigkeit. Ein eigenes Kraftwerk üer Reichsbahaverwaltung! Dem neuen Großkraftwerk der Stadt Berlin droht eine Schädigung, auf die von der fozialdemolratischen Stadtverordnetenfraktion in der folgenden an den Magistrat gerichteten Anfrage aufmerksam gemacht wird: .Die Reichsbahn will in nächster Zeit den elektrischen Zugbetrieb ans den Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen einzuluhren. Ist dem Magistrat bekannt, daß die Reichsbahnverwaltung beabsichtigt, für die Stromlieferung an die Bahnen ein eigene« Kraftwerk zu errichten, das in Rummelsvurg errichtet iverden soll, in nächster Nähe de» zurzeit im Bau begriffenen Berliner städtischen Groß- lraitwerkeS? Wa» gedenlt der' Magistrat zu tun. um den Bau de» Babnlraftwerke» zu verhindern und die Stromlieferung andieBahnenfürdieBerlinerstädtifchenElektri- zitätSwerke zu sichern, was sowohl iin kommunalen In- teresse der Stadt Berlin, wie im wirtschaftlichen Interesse der Berliner Bevölkerung gelegen ist?" r?ünf tödliche Schwimmunfälle. Am Sonntag vormittag gegen'/« ll Uhr ertrank beim Baden im Tegeler See in der Nähe von Hakenfelde der lv jährige Arbeiter Kurt Szhnklowskh aus der Berliner Sir. 47. So- fort angestellte Rettungsversuche verlieien ergebnislos. Dem Rcichswasserschutz gelang e« nach längeren Bemühungen die Leiche zu bergen, llm die gleiche Zeit ertrank in der S e e b a d e a n- st alt in Weißeniee der 48 Jahre alte Lehrling Willi Sindler au» der Saarbrückener Str. 39. Der junge Man» versank plötzlich lautlo« während des Schwimmen«. Trotz aller Versuche gelaug e» bisher nicht die Leiche zu bergen. Auch am Montag nachmittag ereignet« sich im Tegeler See in der Seihe der Scharfenberger Enge ein Badeuvkall. Der Kaufmann erhard Lippmann au« der Thiele-Wardenberg-Straße 1 hatte sich zu weit hinausgewagt und muß plötzlich von einem Schmächeanfall betroffen worden seilt. Rettungsversuche waren vergebens und der ReichSwasserlchutz konnte den Ertrunkenen nur noch als Leiche bergen. Am Montag nachmittag gegen 4 Uhr ertrank beiin Baden im T e u f e ls s e e im Grunewald der ILjährige Schlosser Fritz Koch au» Zierlau in Schlesien, der sich zum Besuch In Berlin aufhielt. Die Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden.— Um 6% Uhr ertrank im Freibad Wann. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 1. Juni. 12 Uhr mittags: Die Viort«lBtund««für d«n Landwirt. Einlsiten- der Vortrag des Herrn Prftsidonten der Landwirtschafukacqmer für die Provins Brandenburg und für Berlin, Rittergutsbesitter von Oppen-Dannenwalde. 3.45 Uhr naohm.: Stunde mit Büchern. ■Rudolf Han« Bartsch:„Histtzrchen'.— Fritz Mäller-PartOBkirchen: .Die Kopierpresse*.— Jos» Wjnckler:.De olle Fritz*.— Joseph Buchhorn:.Margot Helmers*.— Willy Bolsinger und Han» Rausrhntbel:.Jamba watn*. 6 Uhr nachm.: Heitore Lieder. 1. Rchroidt-Hagen: a) Ja. man braucht nicht erst in den Himmel hinein(Frey). 2. Schmidt-Hagen: VersSurates Glück CFrey). 8. Stolz: Goldbl ondes Midel vom Rhein(Rotter). 4. Bergmann: Vater Rhein(Heye).(Max Heye. Am Flügel: Theodor Macfceben). 6.20 Uhr nachm.: Nacbmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski.»—».SO Uhr abends: üebortragung des Xachmittagskonzert der Tanzkapelle Marek Weber au» dam Hotel Adlon. Anschließend: Ratscblsge für» Haus, Theatordicnst. 7 Uhr abends: Hans-Bredotr-Schule(Bildungskursa). Abteilung Sprachunterricht. Engllsch(R. Herdman Pender, Rektor an der Universität Berlin). 7.28 Uhr abends; Dr. W. Schütz. Dozent an der Preußisehen Hochschule für Leibesübungen:«Ken- zeitliches Schwimmen'. 7.60 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule (Hochzchuüurse) Abteilung Volkswirtschaft; Dr. M. J. Bonn, Professor an der Handalshochsehule Berlin:.Weltwirtsehaktliehe Kenbildungen'. 8.80 Uhr abends: Das Gelegenheitsgedicht, Vortrag; Dr. Kurt Pmthus. Rezitationen: Theodor Loos. 9.25 Uhr abends: Eine fröhliche halbe Stunde. 1. Egen-Leopoldi: Monalona, »panischer Onestep(Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy KaufTman). 2 a) Fall; Daß dir Zeit, aus der Operette ■Der liebe Augustin*; bl Stolz: Frühling in Wien; c| Offenbach: Das Urteil de» Paris, aus der Operelte.Die schöne Helena* (Kammersänger Alben Kutaner. Tenor) 3. ajKunnecke: Fantasieaus der Operette.Wenn die Liebe erwacht*; bi Nelson: Nächte, Serenade aus der Rvue.Confetti*(Berliner Funkkapelle). An schließend; Steuerte nnintalendor für Juni. f t« infolge Herzschlages der?8jährige niederländische Siootsang»- hörig«, Student Viko Gemen aus Amsterdam. Die Leiche konnte geborgen werden und wurde nach der Zehlendorfer Leichenhalle gebracht._ Zur Krankenkaftenaffare von wannsee. Sollen die deutschnationalcn Hintermänner geschont werden? Wie uns aus Wannsee mitgeteilt wird, soll nach den dort umlaufenden Gerüchten di« II n t e r s ch l a g u NA s a f f ä r e bei der Krankenkolse und Gewerbedank durd) die Staatsanwalt- Ichaft in Potsdam niedergeschlagen werdrn. Man kann e» sich leicht vorstellen, daß es de» Hintermännern dieser unsauberen Angelegenheit, die alle ein« führende S t« l l n n g i n der Deutsch nationalen Partei einnehmen, höchst erwünscht ist. daß die ganze Affäre niedergeschlagen wird, denn der Beamte, der die Unterschlagungen begangen hat, hat oor der Sloalsonwalischasi, oder auch andern Personen gegenüber, diese Hintermänner al» S p i tz- bubcn, Lumpen, Strolche und Ehebrecher bezeichnet. Er hat ihnen vorgeworfen, daß sie sich haben beschenken lassen, trotz- dem sie witßten, wo das Geld her war. �Selbst der berüchtigte Abtreibungsparagraph 218 des Strafgesetzbuches spielt eine große Rolle. Ferner sollten Sammelgelber unterschlagen worden sein von Leuten, die heut« noch ein Ehrenamt bekleiden. Ehrenämter sind benutzt worden, um billig ein Wassergrundstü«! zu bekommen. Ader alle diese Leute zusammen waren echt deutsch- national. Vielleichl äußert sich die Potsdamer Staatsanwaltschaft hierzu, llm aber die deuffchnationol« Sache nicht im Sand« verlausen zu lassen, wird der preußische Iustizministcr rechtzeitig, durch die Anklageschriften gegen die Hintermänner, persönlich informiert werden. Anfang Januar wurden die Unterschlagungen verübt, bis heute hat aber niemand erfahren, wann die Gerichtsverhandlung stattfindet, trotzdem es keine gewöhnti-hen Verfehlungen sind, der man sich gegen- seitig beschuldigt. Auch da» P r o v i n; ial s ch ul k o l l« g i u m hat sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen müssen, oder niemand ersähri, wo» dort beschlossen worden ist, trotzdem es doch sehr sthwere Beschuldigungen sind, die gegen den Betreffenden erhoben werden. Hoffentlich trägt diese Mitteilung dazu bei, daß die Behörden jetzt rücksichtslos und schnell durchgreifen. Erstes wommerfcst des Bezirksamts �riedrichshaiu. Einen bemerkenswerten Versuch hat auf Anregung seine» Bürgermeister» M i« l i tz das Bezirksamt Fried r t ch s h a> n am Sonnabend»nternonimen, indem sich die Beamten, eingestellten und Arbeiter des Amtes zusammentaten und eine gemeinsame Au?- fahrt mit den schönen Dampfern der Rederei Nobiling noch Raud>- sangswcrder veranstalteten. Trotz des� Anfangs trüben und regcnschweren Wetters holten sich zahlreiche Teilnehmer eingefunden, die drei große Dampfer füllten. Bon kommunalen Persönlichkeiten sah man außer dem Bürgermeister Mielitz die Stadträte Günther und R o s i n und den Stadtverordneten I o h n mit ihren Frone». Unterwegs hellte sich da» Wetter auf und schließlich wurde die Fahrt auf dcr'Dahm« zu einer wahren Erquickung. Im Nestau- rant Waldhaus in Rauchtangswerder waren die Kasfectifch« ein- ladend gedeckt und der Ansturm der Mütter auf di« Kaffeeküche mit Anstehen in langer Reihe begann Die junge Welt aber wartete den Kaffee nicht ab' und begann alsbald mit dem Tanz. Draußen konzertierte eine au» Beamten des Bezirksamtes gebildete Kapelle und man konnte mit Genugtuung seftstellen, daß unsere gemütvollen mit gutem Gelingen vorgetragenen Volkslieder und vollliedmäßitzen Märsche immer'wieder Freud« erwecken. Herr Meltendort hielt eine humorvolle Begrüßungsansprache, die in einem fröhlichen dreifachen Hoch aus den Bürgermeister Mielitz, den Förderer de, Festes ausklang. Danach begann erst die rechte Festfreude. Wah- rend ein Dampfer bereits um s�lO llhr die Heimfahrt antrat, fudr da« Gros der Gäste erst in aller Morgenfrühe heim. Und diefe Heimfahrt am Sonntagmorgen war vielleicht mit das schönste der ganzen Beranstalwng, die als ein Bersuck». die Angestellten, Beamten und Arbeiter einmal außerhalb der Dienst- und Arbeits- zeit menschlich näher zu bringen, sehr zu begrüßen ist. Ilm dos Zustandekommen und die Anordnung des Festes hat stch Herr Julius Neumann verdient gemacht. Andere Bezirksämter dürsten nun, nachdem der Anfang gemacht ist. bald folgen. Billige Alschloge. Am Dienstag und folgende Tage kommen zum Berkaus: frischer Kabliau im ganzen Fisck pro Pkunb 25 Pf.. im Anschnitt entspreckend teurer, frische Schollen pro Pfund 28 di» 36 Pf. je nach Größe nnd frische Makrelen pro Pfund 28— 38 Pf. Di« Verkaufsstellen sind wie immer durch Plakate kenntlich gemacht. Fischfleisch ist bekanntlich sehr leicht verdaulich und enthält die zum Ausbau des Körper» notwendigen Vitamine. Auffläruag eine» angeblichen politischen Derbrechea». Der Polizeipräsidenr teilt mit: Am ll. Mai verschwand plötzlich da» Mitglied der n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e n L r b e i r« r- Partei, der Arbeiter Otto Lau au« Velten. Von se,nen Parteigenossen wurde angenommen, Lau lei einer Nachstellung politischer Gegner zum Opfer gefallen. Nunmehr ist der Ver- mißte wieder zurückgekehrt. Er hatte, ohne jemandem auch nur die geringste Mitteilung zu machen, eine länger« Wanderschaft unternommen. EI« Saoltätsra« al» Gatteamörder. Der Dresdener Samtät«. rat Dr. Böhme wurde festgenommen und der Staatsanwalt- schaff übergeben. Dr. Böhme soll seine dritte Frau vorsätzlich erilboilen hoben und steht im Verdacht, auch sein« erste Frau durch Giftmord beseitigt zu haben. Absturz eine» Sportflugzeugs. Hm Montag nachmittag, kurz nach 5 Uhr. stürzte ein Sportflugzeug bei der Ausführung von Kunstslügen au» geringer Höhe östlich von Köln-Lengerich ab. B e'i d e I n s a s s e n waren soso« t o t. Sozialistlsthe �rbeiterjugenö Gr.-Serlm heute, vlcnsterg. 7H Uhr. Abteilungsmitgliederversammlunyen: ftfluabStunne«;«ckiul«(Setenhuratr Str. 2.— SBrthlaa Wart: G-tii!« TOUUrrff. tf.— Sarhoft Ii liawndtieim SJei« flünialtr. 21.— BibaKft: Swnö- bfim»rllk«Viante-PI-tz i.—»ch«nrdcra U: Juarnblifim»aiietttr. I.V— Wilmersdorf: gnorndbrim fttltieflacWtr. 4.— SRartfadotf; Wir Eckule. Dorf- (IroRc 7.— Stroit» I: guarndli-im■aibrrrtKtt. 47.— SeiiMBn I(*e»t*t»t«a): -tuorndbrim Icofirrdil-(Jrfr HondrrNrnftr.— SIntUOn III(»etSbem. Clnbenffr. 3. Die Areisvorfihen. den möffcu anwesend sein, wer vcrhindert ist. muh für Vertretung Sorge tragen. Achtung, kiosfierer? Der Beschluh, daß aste Kassierer in jedem Monat ein« Alischlogszohlung vt leisten haben, besteht noch immer. �roydem haben bi» heute 28 Kassierer großer Abteilungen und ?>> tlemerer, insgesamt also 48 Kassierer, noch nichts gezahlt, nach. dem wir bereit» zwei Monate im Quartal hinter un» haben. Diese werden hierdurch nochmals dringend zur Zahlung aufgefordert. I. A.: Alex Pagel». * S.»wb SlrcaatttB. chtirft. fiitnai«. L SmtL T Ubr. Slkaa« de» tket». »orttflnif» bti Äriiaer. ZSutliUftr. 10. Ilm 8 Uhr rtxniw©tkan« bM ÄreisnorftCTttif» mit ben Abt-ilunssleltern. erscheint» uBbciimtt et- forderlich. Bichiia« SaflMoriinimB. 4. ftMl» vre», Im, er«et«. Di« Woliltn«tr Sirr»seitu>>a der!Zr«i denke» tür lZeukrbestatwtni. welche in der Ittzten Berfamrnwnn nicht ftattfindtn konnit. findet am Mittwoch. Z. Juni. 7 Udr. bei Büttner. Schwedter ?!ra»e 23. statt. Der wichtiiien Taaeeordnun» weaen Und alle Bartei. aenossen. welche Mitglieder der lZreidenter sind. verpNichtet, dc stimmt vi erscheinen. heute. Dienstag, t. Juni: 88. Bbt. 7>4 Udr bei Bariusch. sZriedtnftr. 88. wichtiae isunTNnnZrlUntna. Sämtlich« Odleutr der Schulen milllen erlcheinen. <8. Att. r>, Udr»fseniliche Elternnersammluna im arogen Siiurntmsaal de« Bejirkoamt». Bortklir. II. Lichtbildeivortra«:..Freud und Leid unserer Ninder". Bescrentin! Eiadiverordnent« Lieodeid Ziiedaer. ülenköll». M.»dt. Orlieniliche Slt'rnversemmluna Udr bei Kdüee, kdarl»» aartenür. t, für die 7. und 8. Schul« in der Mahlower Stratz». Referent: Richard Gunther. Di« Denolsinncn und Denossen nehmen desbinnnt an der Bersamnilun« teil.—»ö.«dt. r.i Udr treffen sich die Bemekeftldrer in der Slternrerlammlun« der 3.»nd 4. Srmeuidrschul« bei Srieaer, LissinnÜr. 8. Wichita für leden Betirk. 88.«dt. Britz. Bnit-w. 7tZ Udr wichtl»« FunktionSrlltnina im Sodal iüdk« Ikrüder Beuidnert, ildaulseeltr. 88. Weiten der wichtiaen Taaesordnung müssen alle Funktionäre unbedinat erscheinen. 13».«dt. Tepel. 8 Udr Eiduna sämtlicher Funktionär« btt RelduwniU gtri» ltensen. Schlieverstr. 8S. Morgen. Mittwoch, 2. Juni: 18.«dt. TV, Udr bei Müller. Ukerlir. 12, wichtia, Funkllonärfitnn«. 37,«bt. 7 Udr deteilioen gch alle»enoffinnen und Senolsen. wesch» Mit- alieder des»terein» der Freidenker für Feurrdeltattüna lind, an der B«r» lammluna dei Bütiner. Schwedter Str. 28. 38.«dt. 7', Udr Mitaliedernerlarnrnluna in der Täuilaula Siradinanür. 8. Bortraa:„Die denorliedenden Slterndeirotswodlen". Referent: Stadt- eerartneter«dolk Koffmann. Sülle und Enmpathisierend« willkommen. 37.«dt. 8 Udr Fluadlaiivrrdreituna nur Slterudeiraiswahl im Lakai Pfeikfer. Sauoburastr. 2. Sämtliche Senoslinnen und Senollen haben ,u erscheinen. 41.«dt. 7tZ Udr In der Bochdraueret. Fidicinstr. il3. ar-h« Werldenersomm- luna. Bartrao:„Bolkoentscheid— Eltern deiratewadl". Referent: Rrich»- taneabaeardneter Fraiu Künstler. Sälte und Snmvatdllierende willkommen. 43.«dt. 7 Udr in der Schulaula Farsier K» Udr dkientliche Slicrnnersammluna in der 2. Ssneinbe- ichule, Foachl m.Fried eich �Strohe, Zeichensaal. Boriraa:„Die Bedeutun» der Slternb«irai»w»dlen". Referent: Rettor ZSalter Ri«t. Wir erwarten »absreichen Besuch. 78.«dt. SUntceaboil. 8 Udr bei Stoibs, Loliteinische Str. 80, Funktionär- dtzuntz. Erscheinen oller FunkiionSre undedinat erforderlich. 84.«dt. Lankwitz. 8 Udr bei Lehmann, Saiscr-Bildelm-Str. 287U. wichtia« Funftionärdtzuna. 181.«dt. lreptow. 6 Uhr Fluablattnerbrriiun»»ur dffenttlchen Elirrnver- fainmluna ron der Svedinon Gr ätz Nr. 30 aus. Sitzun» de» Wteklana»- »orltandno» um 7 Udr ebenda. Wichtia« Toaesordnuna. 104.«bt.»iederschöneweid«. 7>i> Udr bei Thiele,»tzrliner Str. 88. Slhuna sämtlicher Funktionär«. Beamten. Betriedsaertrauensleute sowie aller Se- nassinnen und Senassen, die det der alterndeirotswadl delfen wollen. Licht-ndera.>18.«dt. 7Vtz Udr dei Morr. Reu« Badndosstr. 28. Sitz»»« sämt. lichte Funktionäre, der Berriedso-rtrauensteut« und der Wohlfahrt»pfieaer. Erscheinen undedinat erforderlich.— ll7.«dt. 8 Udr bei Srüaer. Ztlrr. schmidtstr. 88. und dei Klose, Eitel- Elke RnnnrechtNraß». Fluabsatiner» dreltuna. Um 8 Uhr Sitzuna sämtlicher Funktionäre dei«riiaer. 124.«dt. Mahlsdoes. 8 Udr Ertroiadladend aller Beiirk« bei«nder». Wich» tioe Daae-ordnuna. Erscheinen ubedinat erforderlich. 138.«bt. Reinilkendarf.Oft. Pünktlich T• Udr bei Lehmann, Retnilkendorf- 0(1. Smimftt. 55. äußerst wichtiae Fiinktionärsltzunn. 148.«dt. Reichadruekerei. Nachmitiaas 4 Udr im Srovhischen B«>r«!n»ha»s. «lerondrincusir. 44. Bersommluna. Bortraa:„Der Bosksentscherd". Referent: Sans Sotifurcht.«lle Senolscn müssen für nolltzähliaes Erscheinen undedinat Sora« tragen. Snmpatdisierend« willkommen. » 28. Utzd 28.«dt. Donnersto». 8. Jims. 7>4 Uhr, In der Semeindeschule Sastanienallee 81/82 dssenlliche Elternnersamininna. Bortraa:„Die Be- deutuna der Elternbeiralswahlen". Referent: Stadtverordneter und Reitor Mar Sreiizlaer. ?tunal»,!alift«n. Srnpp« Süden: Keut». Diensiaa, 8 Udr. in der FurIsNsch«n Svrechstnnde. Lindcnstr. 3, Boriroa:„Uuserc«Ufaaden und Ziele aus dem Sediel« der Berwoltuna". Refereni: Dr. Friß Schloß. Süsse willkommen. Werdeansschuß der Boss,»nd Zelearandendeawten»nd«»wätzter. Mittwoch. 2. Fnni. 8 Udr in Kaverland, Festsölen. Reue Friedeichstraße, Einsso na Rochssroße.!la«>esord»una:„«DB.— DBB.— und dt« Bartei". Re. ferent Hermann Wäger. Berschikdenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Zrauenveranstaltungen am Mittwoch. 2. Zuni: 7».«de.«chio'der». 7'Z Udr dei«roß. Sedairssr. 17, Bortra, de« El»« Osten B-rnbard Srüaer. Sälte dertzlichft willkommen. Jubiläen, Geburtslage usw. 38 Aadre Baeteissea�s«! Keule vor 30 Fahren trat Senosse«sbert Kortfiel. der lotzialdrmokratischen Barlei tn Charlottendur» al» Mit»>i»d dei. Mv««r im D«»«mker 1026 mit seiner Gattin noch krod da« Fest seiner ZOiäheiaen Ede feiern. Beide find in Eborlottendurq aedoren und Kaden da» Dachsen der Twrtei am Orte färdern delfen. Müssen sie so weiter arbeiten. Da» müsssche» alle seine alten Genossen von früher. Sterbetafel üer Groß-öerllner partek»Grgan!fatton 28.«bt. Am 28. Mai verstarb unser sanatähriaea Mitalied Sauiiätsrat Dr. Hermann Lisso. Kastanienollee 26. an einem Schlassonfall mährend der«u». tiduna leires Berufes. Di« Einälcherunq hat dereit»'statt»»funden. 126.«dt.«elniiteudorf.vst. Unsere Senoss!» Frantziela Ionack. Reinichen. dorf.OIt. BUesserstr. 3. ist im«lier von 74 Jahren verftorhen. Eiiüjscherunss am Mittwoch. 2. Juni, nachmittaas 3 Uhr, im Sremoiorimu Serichtstraße. Reae BcteUiaun« wird erwartet. Der Borstand. vortrage, vereine unö Versammlungen. « Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". «efchZft,N-ll»: Berlin 6. 14. Sebastlonstr. 87 38. Kos» Tr. Sren,d»ra. stunawannschakf Südost: M!.. d. 2., 8 Udr.«ersomm- iuna im Gewerfschasishou». Saal 3.«dt. 4: 8 Uhr im Lokal Lueullus-Seller. Wildelmstr. 24. Do., d. 8.. 8 Uhr.«dt. 3 bei SSdecke, Srausen» straße 2. Bortraa dr» Sameraden Terls.— Eharlottenb»««: Da., d. 8.. 7 Udr. Wilhelmsdos«ntrelen»ur Werdekundaedunq Siunensstadt.— Erkner: Dt.. d. 1., 7 Udr, die aelamt« Sameradschast mit Frauen im Cchunnen der Sied- Huna»um SirlandenNechten. Wichtiae Nachrichten»ur Fodnennxide. Zw Dentlchen B«»ififtischen Studentendund svricht Donn�rstass. 3. Juni, 8 Udr. Lessina-Museum. Beitderstr. 13. Redal'eur Kons Timm Oder„Die Berwirklichun» der Friedensidee durch die Freiwietschof.". Dislussion. Ein- � Aikeitraewei»schalt entschiedene, Renubssfonee. Donnerriaa. 8. Funi. 8 Udr. in der DSnbofskonditores. Kommandanten str. 84. difentllche Sitzuna de,«r- deitsausichusse». Doaeeordnuna:..Unser««edel- dcim Bolksemkcheid". Entschiedene Revudlikaner aller Barteren willkommen. «ansfelher Keimatverein Berti» iSadiiss».»»d Saeklmsl. Dienstoa. 1. Juni. 8 Udr. Dereinsodend Schulthetß-Bahenhvfer-Brauerei. Ehausseestr. 84. Landsleut« willkommen., � Longfello« Engluh Debsting Club, Bülowslr. IM. Mittwoah, 2. Jmu, 8 Uhr. Mr Boltz:„Geld«nd Gold ilining in South Afrie»". * Geschäftliche Mitteilungen. Rock dem»nssehruren Srfola de» Bollstan« tw Bieeadill, in her Bismarck- straße»Dl. an welchen der Eintritt-vrern au» allen 006 Barkettvlittwn 80 Bk. detrua. steht stch die Direktion veranlaßt, dteselden dt« mim Donnerst»«. ». Funi. ,u verlitnaarn. Der Eintrittsür«»» Utntci. an« Um«ben erwähnt. 60 Pk. auf ollen BarkettvIStzen. Nurmi unö seine Konkurrenten. Sind unsere Arbeitersportler schlechter? Ilm Nurmi, dtn„f liegenden Finnen", ist wochenlang ein großes Geschrei gemacht morden. Der Sportklub Tharlatten- bürg, der angeblich den Start des.Wunderläufers" ermöglichte, be- diente sich zur Reklame der.Morgenpost", und diese wiederum des Sportklubs Charlottenburg. Berlin, ganz Berlin, vielleicht die ganze Welt wurde in Ausregung versetzt. Grellbunte Plakate an den Anschlagsäulen, Artikel über Artikel in den Sportzeitungen und Photographien des.Wundcrläufcrs" in ollen Lebenslagen: So wurde di- Stimmung erzeugt, die nötig ist, um durch 40 000 Zuschauer im Stadion die Kassen der Veranstalter füllen zu lassen. Sind wirklich nnr und nur Nunni und seine deutschen Kon- kurrentrn die„Wunderläufer", die eine Reklaine, wie wir sie er- lebten, rechtfertigen? Sind diese.Kanonen" nur sin bürgerlichen Sportlager zu finden und haben sie und ihre Gefolgschaft da» Recht, auf die Arbcitcrsporiler geringschätzig herabzublicken? Der.fliegende Finne' lies.1000 Meter in 8 Minuten und 2 5 Sekunden.(Die Zehntelsekunden wollen wir bei allen Zeiten fortlassen!) Sein bester deutscher Gegenläufer, Walpert, gebrauchte 8 Minuten 52 Sekunden. Da mit Recht anzunehmen ist, daß man Nurmi die besten deutschen Läufer entgegengestellt Hot, so dürfte also Walpert ungefähr einer unserer proniinentesten deutschen Langstreckenläufer sein. Wie steht es bei den A r b e i t e r s p o r t 1» r n? Der Genosse Wagner aus Leipzig ist Psingsten in A b o, der Heimat Nurmis, 3000 Meter in 9 Minuten gelausen, d. h. er brauchte für die gleiche Strecke nur 8 Sekunden mehr als der beste deutsche Gegner Nurmis. Diese Leistung erreichte er ohne.Trainer", ohne die gleiche Vorbereitungszeit und ohne dieselben Uebuugsmögiichkeilen zu hoben wie die bürgerlichen Läufer. Wagner hat seine Leistung aus sich selbst heraus entwickelt, ohne die Protektion eines reklamesüchtigen Sportklubs und ohne von einer bürgerlichen Zeitung„gcmanegt" zu werden. Bei dem Sportfest- in Abo gab es keine Logsnplätze für IS Mark, und kein bürgerliches Sportblatt bemühte sich(der Sache halber versteht sich!) um Lebensbeschreibungen des Arbeitersportlers. Wagner steht tags- über als Tischte ran der Hobelbank, muß abends nach ermüdender Tagesarbcit trainieren»nd ist schließlich zufrieden, wenn er van den einladenden finnischen Sportgenosien das Fahrgeld für die(Eisenbahn zurückerhält. Und trotz alledem taust Wagner nur 8 Sekunden länger! Diel- leicht hätte er sogar auch Watpcrts Zeit erreicht, wenn er, wie dieser, einen Schrittmacher vor sich gehabt hätte. Macht nun wirklich die Retlame alle«? Gewiß nicht! Die Erfolge eines Nurmi und seiner Partner sollen nicht verkleinert werden— aber wir brauchen uns auch nicht die Leistungen unserer Arbeitersportler herab- drücken zu lassen. Der Arbeitersport will weder Nurmis noch Radcmochers züchten: er verzichtet auch auf Förderung durch die bürgeiliche Presse in der Art, wie das be! Nurmi» Start gxschah. Der Arbeiter treibt Sport des Sports wegen. Sitzung der Luzerner Sportinternationaie. Theorie und Praxis der Roten Sportinternationaie. Das Bureau der Sozialistischen Sportinternotio« nale tagte anläßlich des iuteruaiionalen Iugendtages in Am st er« dam. Wie berichtet wurde, gehören der Internationale gegenwärtig 20 Länder an. Neu aufgenommen wurde Palen und Amerika. Für Polen wurde der deutsche» Minderheit Verbondsrccht zuerkannt, so daß dort zwei Verbände bestehen. Beide sind erst jüngeren Datums und zählen je 1000 Mitglieder. In Elsaß-Lothringen ist eine Spaltung eingetreten. Der Anschluß der sozialistischen Gruppe an den Zcntralfranzösischkn Verband wurde genehmigt. Einen breiten Raum nahm die Verhandlung über das Verhältnis zu R u ß- l a n d ein. An Hand der Sowjetsporipresse wurde einwandfrei festgestellt, daß Rußland mit dem bürgerlichen Sport des Auslandes Wcttkämpse aller Art in reichem Maße o e r a n st a l t c t. Sa wurde im.Krasni Spart" vom 11. April d. I. berichtet, daß Wetltämpfe geplant sind mit der Nationalmannschaft der Türkei, mit der schon früher Wettkämpfe stattgefunden haben. Weiter sind Wettkämpie vorbereitet mit der englischen Dcrbymann- schaft, mit der französischen und spanischen Nationalmonnschajt, mit Schweden und der Tschechoslowakei. Nur mit Deutschland getrauen sich die Alierwcltsreoolntionäre noch nicht, denn damit würde ihre ganze schöne Nevalutionsphraseologie' zusamtncnbrcchen. Das Bureau beschloß, von diesen Tatsachen der Oesfcntlichkeit Kenntnis zu geben, im übrigen wurde nachstehende Amwort nach Moskau gegeben:„Das Bureau der Sozialistischen Internationale für Ar- beitersport und Körperpflege konstatiert, daß die Sporlorganisationen Rußlands in vollem Gegensatz zu den Prinzipien der Internationalen Arbeitersportbewegung während der letzten Zeit in immer größerem Ilmsange Wettkämpse mit bürgerlichen Sporivcrbändcn veranstalten. Das internationale Bureau erklärt, daß, solange dieses Verhalten seitens der Roten Sportinternationole nicht geändert wird, eine Annäherung zwischen den beiden Internationalen außer anderen noch immer bestehenden Meinungsocrsäiiedenheiten— schon ans diesem Grunde allein voll- ständig ausgeschlossen ist." Aus den zweitägigen Verhandlungen ist nach zu erwähnen ein Beschluß zugunsten des sozialistischen Selbstschutzes. Mit dem Bureau der So»!al!stischen Arbeiterjugendinternationale fand eine sehr ergebnisreiche Aussprache statt. * Die ersten Berichte über die Vollsitzung der RSI. besagen über die zwei Hauptpunkte der Tagesordnung:„Einheiten der Arbcitersportbewegnna" und„Verhältnis zum bürgerlichen Spart" folgendes: Die Vollsitzung faßte eine Entschließung, die sich an die Leitung der L u z e r II e r Internationale wendet mit dem Vorschlag, die Frage der Einheit konkret zu diskutieren. In der Frage der Beziehungen zu den bürgerlichen Sportorgani- sationen ist die RSI. grundsätzlich gegen jede Zusammen- arbeit. Ausnahmen sollen zulässig sein in Ländern, in denen das Proletariat keine Sportorganisationen hat. Außerdem soll die russisch« Sektion der RSI. im Einoerständnis mit der Volloerfamm- lung bei gewissen Gelegenheiten Wettkämpse mit bürgerlichen Qr- ganisationen annehmen, wenn dadurch die Autorstät der russischen Sportbewegung gestärkt oder die Ideen des proletarischen Spart» in kapitalistischen Ländern gefestigt werden können. Der letzte Absatz läßt den Jesuiten in Moskau jede Gelegenheit ofsen, mit bürgerlichen Sportorganisationen Wettkämpfe au». zutragen, wenn dadurch„die Autorität der russischen Sportbe- wegung gestärtt wird". Die Antwort hat den Russen die Luzerner Internationale gegeben._ Spartsürsarge in Wien. Der Wiener sozialdemokra- tische Gemelnderat. der§>ir Unterstützung des Sports und der Voltswohlfahrt schon sehr viel getan hat. besihlob. ein große» Gelände in dem Vorort Heiligenstodt, in nächster Nähe des Sport- Platzes„Hohe Worte" zur Errichtung eines Stadions anzukaufen.— Der Festausschuß für das Internationale Arbeiter- Turn- und Sportfest, das im Juli in Wien gefeiert wird, hat an die sozialdemokratische Kunststelle die Anregung gerichtet, bei diesem Fest die 8. Sinsanie von Gustav Mahler, die bei dem 200. Wiener Arbeiter-Sinfonietonzert von einem Chor von 700 Männern und Frauen ausgeführt worden war und großen Be:- fall gefunden hatte, auf dem Sportplatz der Hohen Warte", dessen riesige Arena 2SOOO Teilnehmer faßt, aufzuführen. Em Wassersporthafen im Westen. Die Pläne der Stadt Berlin am Stößensee. Beim Berliner Magsttrot ist ein Projekt zur Errichtung eine» Sparthasens am Stößenfee bei Pickielswerder ausge- arbeitet worden, das im Augenblick dem zuständigen Bezirksamt Spandau zur Begutachtung»nd weiterer Bearbeitung vorliegt. Den Anlaß hierzu gaben die sortlaufend eingehenden Anträge oon Ruder- und Segelvereinen, die sich um Ueberlassung von geeigneten Stellen am Haveluser zur Errichtung von Bootshäusern und Startplätzen bewarben. Da man im Magistrat mit Recht der Ansicht ist, daß die Haoelnfer unbedingt von weiteren Sperrungen freigehalten werden müssen, ist man zu dem Ausweg gekommen, den Stößenfee und seine llferumrandung zur Anlegung eines Sporthafens in Aussicht zu nehmen. Hierbei ist geplant, den inneren von der Brücke abgeschlossenen Teil des Sees für die Ruder vereine und die äußere größere Hälfte südlich der Brücke für Segler oereine einzurichten. Das Terrain um den Slähensee gehört verschiedenen Besitzern, sehr stark daran beteiligt ist die Stadt Berlin und der Fiskus, der jedoch kaum Schwierigkeiten machen dürfte, da ja eine vorteilhafte Ausnutzung seines Geländes durch Verpachtung an die Sportvereine zu erwarten ist. Außerdem ist geplant, die Ausbuchtungen westlich des Pichelswerders im H o v e.l- g e m ü n d e und im Pichelss.ee ebenfalls für Sportvereine frei- zugeben, so daß um den Pichelswerder herum eine Konzentration des gesamten Haoelspartbetriebcs, soweit dieser noch keine eigenen Userstellen innehat, zu erwarten ist. Da schon eine Anzahl An- Meldungen von Sportklubs für Uferstreifen vorliegen, wird mit ge- nügender Teilnahme an der Benutzung des neuen Sporthafens gerechnet. Hoffentlich wird bei der„vorteilhasten Ausnutzung" de» Geländes auch Rücksicht auf solche Dereine genommen, die nicht stark in ihren Kasienverhältnissen sind. Tagung der Turnerfparie. Nachdem am Sonnabend bereits die Leichtathleten zum bevor- stehenden Bundestag in Hamburg Stellung genommen halten, fand am Sonntag eine gemeinsame Tagung der Turner, Turnerinnen und Leichtathleten statt. Vertreten waren van 24Z.Kreisoereinen der Turnersparte 69 Vereine mit 154 Delegierten. Der Antrag, auch die Jugendlichen stimmberechtigt zuzu- lassen, wurde zwar mit 70 gegen 59 Stimmen angenommen, aber auf Protest unter Berufung auf die Bundesbestimmungen er- klärt, davon keinen Gebranch zu machen. Beim Bericht der Turner-Sportenleitung wurde ein schärferes Tempo und regere Zu- sammenarbeii mit den Bcrcincn gefordert. Eine sehr lebhastc und große prinzipielle Debatte gab es bei Besprechung der Tagesordnung des Bundestages. Jugendstimmrecht und Jugendjrage, Stet- lung zum Raten Frontkämpfcrbund und Reichsbanner, Gegensiitze Turnen— Leichtathletik usw. waren Fragen, in denen die Ansichten weit auseinandergingen. Beschlossen wurden folgende A n» träge an den Bundestag: 1. Allen Bundesangehörigen über 14 Jahre fall das Stimmrecht innerhalb des Bundes gewährt werden (83: 34 Stimmen). 2. Den Bundesangchörigen wird zur Pflicht gemacht: politische oder gewerkschaftliche' Organisation, Austritt aus der Kirchengemeinschaft, Abonnement der Arbeiterpresse. 3. In die Tagesordnung des Bundestages ist ein Referat des Genossen Zobel über„Werksportoereine und bürgerlicher Sport" einzuschalten (96: 22 Stimmen). Zu scharfer Diskussion kam es beim Punkt: Wahl der Delegierten zum Bundestag, besonders bei den Turnerinnen. Mit 87 gegen 39 Stimmen wurde schließlich U r- wähl beschlossen, die vom 21. bis 27. Juni stattfinden soll. Für die zu wählenden 6 Delegierten wurden 16 Kandidaten nominiert. Gewünscht wurde Berücksichtigung der lintersparten der Leicht- athlcten und Turnspieler, ohne jedoch eine zwingende Bestimmung daraus zu machen. Die Turnerinnen wählen ihre beiden Delegierten selbständig durch Urwahl zu gleicher Zeit. Die Wahlen lestet ein besonders bestimmter Wahlausschuß von 7 Mitgliedern.— Für dos S t ä d t e f p i c l Breslau— Berlin wurden nachträglich 50 M. bewilligt, für die B u n d e s s ch u 1 e 25 M. Die Ausarbeitung eines Statuts für die Tnnierspartc wurde dem Spartenvorstand übertragen. Siraßentverbelauf der Arbeilerfportler. Der am vergangenen Sonntag abgehaltene Straßenwerbe- lauf der Arbeitersportler ging-programmäßig vor sich. Don sechs verschiedenen Stellen im Osten Berlins setzten sich gegen 4 Uhr die Läufer und Läuferinnen in Bewegung. Die Ablösungen wurden aus propagandistisch heransstaffiertcn Lästautes an die Wechselstellen gebracht. Hoffentlich hat der Ordnerdienst des Raten Front- kämpserbundes" dem Erfolg des Straßenlaufes keinen Ab- bruch getan. Resultat«: lOXlOO-SRetu-Stosette. Schüler: 1. Balm. Trent»», 2:22,7, Schülerinnen: 1. Lichtender« 2:41,— Evartlerinnen. 2ss00.MeterüSta4ett« (10 Läuferinnenl: 1. Freie Turnerschaft Grass. Berlin 4:56,2.— Iuaend, 2506 Meter(10 Läufers: 1.«sc. 0.30.0. 2. Fichie-Sitd. 40 Meter»urttck.— Turner, Fudballer. Ect'mimnier, 2000 Meter(10 Läuter): 1. Turner Rawames 7: 42.6.— Evortler. OöOO Meter(15 Läufer):«lasse A: 1 Schiinebera 18; IIA- s lasse B, C, D; 1. Fcihn. Treptow. I!): 16,2.— EinäeNäufer. 6560 Meter: 1. Dlanfenburss, Moabit, 24: 45. 2. Bendi». Sermendorf, 25: 44.— Seher, 8600 Meter: 1. Sritiier. Eiche-Tegel. 38: 37,2. Ein Frmieniurnfest in Bernau. Zum ersten Male findet In diesem Jahre, und zwar am 26. und 27. Juni, ein großangelegtes Fr a» c n t u r n f c st der Berltn-Brandenburger Vereine des Slrbeitcr-Turn- und Spart- bundes statt. Llis Frstart ist die alte Hussitcnstadl Bernau gc- wählt. Die Berliner Arbeiterschaft, ganz besonders die Frauen und Mädchen, werden von den Arbeiterturnerinnen schon jetzt eingeladen: für den geringen Betrag van 50 Psg. wird nicht nur der Besud, de» Festes gestattet, sondern es ist damit auch die Quartierbenutzung bezahlt. Am Sonnabend findet ein großer Empfang der eintreffenden Bereine und Gäste statt. Iii zwei der größten Säle finden Werbeausführungen statt. Am Sonn- t a g oarmittag finden Einzelwettkömpse in drei Alters- Nassen statt, wahrend der Nadimittag in erster Linie den Massen- Vorführungen gewidmet sein soll. Ein großer Festzug, an dem sich die Teilnehmerinnen in Turn- und Sportkleidung beteiligen, soll dem Frauensiirnfest ein würdiges Gepräge verleihen. fr 1* im UtMeiMerLer Stedton � va&lllvfivl Arbeitersport- und KuUurkariell Lichtenberg r vresüen SunKes-Iußballm elfter. In Dresden standen sich der„Dresdener Eport-Vercin IgIO" Und„Forst-Süden" im Endspiel um die B u n d e s f u ß b a l l- Meisterschaft gegenüber. Ungefähr IS OVO Zuschauer wohnten dein Spiele bei. Die Dresdener hatten das Spiel jederzeit fest in der chond, sie drückten diese Ueberlegenheit durch fünf Tore aus. Die Forster, die ihre Hauptstütze in dem sehr guten Torwart hatten, kamen auch zu ihrem Ehrentor. Dresden ist somit zum drittenmal Bundcsmeister. Besuch aus Sachsen. Die an der Havel gelegenen Arbeiteryxisserfahrverein« hatten ' am Sonntag Besuch aus Dresden. Sechs Kanus des Wasser- fportvereins Pieschen-Dresden hatten Psingsten die lange Reis« die Elbe abwärts und die Havel hinauf nach Spandau angetreten. Hier wurden sie im Bootshaus des Rudervereins„Col- l e g i a" gastfreundlich aufgenommen. Am Sonntag verlebten die auswärtigen Arbeiterpaddler im Kreis« der bei Spandau behcima- tetcn Wasierfahrer fröhliche Stunden, die im gegenseitigen Austausch von Freundschastsflaggen ihren Höhepunkt fanden. wie sie es treibenl Das Reichsbanner in Lichtenrade wollt« auch in diesem Jahre wieder die Gemcindeturnhalle und den Sportplatz für die körperlichen Uebungen seiner jugendlichen Mitglieder benutzen. Bei den Verhandlungen vor den Gemeindebehörden über die Vergebung der Nebungsstätten hat es der k 0 m rn u n i st i s che Leiter des dortigen Arbeiterturnvereins fertigbekommen, dem Reichsbanner den Spielplatz an dem bisher innegehabten Tage abzutreiben. Um Über- Haupt die Möglichkeit zu haben, seine Mitglieder im Freien tummeln zu können, mußte sich daraufhin das Reichsbanner damit zufrieden geben, an dem einzigen freien Wochentage mit dem Jungdeutschen Orden gemeinsam den Sportplatz zu benutzen. Diese Tatsache be- nutzt der Leiter des Arbeiterturnvereins dazu, in dem«Ficht e"- Mitteilungsblatt einen hämischen Artikel gegen das Reichs- banner loszulassen, wobei er selbstverständlich verschweigt, daß er das Reichsbanner zu diesem Uebungsbetrieb gezwungen hat. Bei der Vergebung der Turnhallen sollte der bisherige Benutzungsplan bestehen bleiben, nach dem dem Reichsbanner der Montag reserviert mar. Der Arbciterturnverein erhob bei dieser Gelegenheit durch sewen Lorsttz enden den Anspruch, außer seinem der«», defegten Tage noch den Montag reserviert zu erholten, obwohl eine sachliche Notwendigkeil dafür bei dem geringen Umfang des Vereins nicht vorliegt. Jnteress mt bei diesem freundnochbarlichen Verhältnis zwischen dem Reichsbanner und den Arbettersportvereinen ist, daß die jetzt so starken kommunistischen Leiter des Arbeiterturnvereins in Lichtenrade erst von den Leitern des Reichsbanners aus den bürgerlichen Turnvereinen herausgeholt werden mußten. Kommunistische EinheiisfronU Der„große Lietke" war, aus dem Arbeiler-Turn- und Sportbund hinausgeworfen, zum kommunistischen»Proletarischen Gesundheitsdienst' übergetreten und hott« dort wegen seiner Heroorragenden Kenntnisse aus bakteriologischem Gebiet(Spaltpilze) sofort eine Führerstelle erhalten. Jetzt muß der»Bundesvorstand" dieser Splitterorganisation mitteilen, daß Lietke sich wegen seines organifationsschädigenden Verhaltens außerhalb des Bundes ge» stellt hat. Das ist der Fluch der bösen Tat. daß sie fortzeugend Böse» muß gebären! Und dieser Mann hat in der Arbeitersportbewegung Berlins eine Rolle gespielt._ SC. Ourich 02 in Ostpreußen. Die Ringermannschaft des Sportklubs L u r i ch 02 befindet sich seit dem 21. Mai auf einer zehntägigen Fahrt durch Ostpreußen. Die Ligamannschast tonnte bisher recht vorbildliche und beachten». werte Resultate erzielen. Am 22. Mai schlua Lurich 02 Concordia- Tilsit mit 21:7 Punkten. In Insterburg gelang es. über den dortigen Gegner mit 20:8 Punkten zu triumphieren. Am 23. Mai trat die Lurichmannschaft dem Kreismeister Kraftsport- klub»Ponarth"- Königsberg gegenüber und tonnte diesen ebenfalls unerwartet hoch mit IS: 9 Punkten schlagen. Beim Städteringtampf gelang es. ein Unentschieden herauszuholen. Weitere Kämpse stehen der Berliner Rinaermannschaft noch in ver- schicdenen Städten Ostpreußens und im Freistaat Danzig bevor. Für die gesamte sportliebende Arbeiterschaft Ostpreußens bedeutet diese Ostpreußenfahrt hervorragender Berliner Ringer eine Sen- sation.. «WZ t»rb«it«>D>»teet»«t.Z»t«ts«»««et»s»-M«rotz-BerN».»onner». laa 3"uni, 8 Utir, M-n<-I-r>ersluna Nckitevlo» in Zrevirtm. Di« iStnotJen hJIen ccDsftfilra«rf. Mitalicderoersaminluna. Liederabend.—«6t. Südwest: Donnerstag. 3. Juni. 7 Uhr. Bollspark Tcmpelhofcr zeld.—«6t RcinKleo» darf: Dienstag. 1. Juni, Uhr. im Heim Reinickendorf-West. Iuaendhau». Literarisch« Arbeitsgemeinschaft. Donnerstag. 3. Juni. Brettspielabend in Reinickendorf-West.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag. 3. Juni,>.-.8 Uhr. ,nt Iuaenddeim Parkau« 10, GeschLftliche»(wichtig).-«dt. Rculölln: Donnerstag. 3. Juni. Abendspo/iiergang. Trefspunlt?47 Uhr Bahnhof Reulölln.—«6t. Gesundbrunnen: Dienstag. 1. fluni. Vorstandsnkuna bei Sinn. «rdciter.Sport» und jlnltnrkartiss Weißenlee. Donnerstag, 3. Juni, m Uhr. bei fläkel. Berliner Alle« 227. außerordentliche itartellsißun«. isreier stannoerei» Siralan. Nächste Mitgliederversoninrlung Montag, 7. Juni. 8 Uhr. bei Hoffmann. Stralauer Allee 17. Gäste willkonrmen. Riader turnwarte de, 1. Be,irf,. Betrifft Halbe! Der ietiig« ffabrprei« befragt ab Gärlißer Bahnhof 1.70 M.. ab Riederschäneweide ILO M.. ab Rönigswusterhousen 0.80 M. ssiir Rinder unter 10 Jahren OLO. 0,80 und 0,50 M. Außerdem find' pro Rind 10 Pf. ffestbeitrag«inrusenden. Da Mittag- essen(30— 10 Pf.) ausgegeben wird, so muß ied«, Rind Eßnapf, Besteck und Becher mitbringen. Borausstchtlich fährt der Sondertuq Gärlider Bahnhof ad 730 Uhr. Niederschäneweid« ab 7,42 Uhr. Räniaswusterhausen ab 8 Uhr. All« Berein« benudcn den Sonder�ug. Ledtcr Rahltermin am 10. Juni an Willa Rohwer. Niederschäneweid«. Brider Str. 6. «rbeiter-Radsahrer-Bund..Solidarität",«chtnag. Rennfichrer and Sett» fahransschußwitqlieder! ssltr den Reichsarbeitersvorttag am 13. Juni im Sta- dion Grunewald steht die Radrennhohn den ssahrern ,um Training Zur Der» filaung ab 31. Mai. Rutritt oeaen Boraeigung der Troiningskarte. welche bei Meinert. Brllckenstr. 5d, au Hoden ist. Am Montag. 7. Juni, müssen all» Rennfahrer und Wettfahrausschußmitolieder 6 Uhr abend» im Stadion sein.— «etrifst Bertchriwocht! Dienstag. 1. Juni, müssen die Ortsgruppen der Be- airke 2, 21. 23 einen Genossen nach Runaestr. 17 schicken. Arbeiter- Sporitartell Sbarlottenburg. Dienstag, l. Juni. 3 Uhr. bei Porsche! Technikers, duna der Verein«. Thema: Werbewoche und Staffellauf. Sine Turnabteilnng für Tranen über 25 Jahr« hat die ssreie Turnerschaft Groß-Berlin im Sitten Berlin», Turnhalle Boeckhstr. 17/20. eröffnet. Turn- aeiten Donnerstag» 8—10 Uhr. 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Tagesordnung: Die Derbälwissl in der Branche und unsere Aufgaben. Rein Rollege darf fehlen! Die Octsoecnaltnao- Volks büh ne Th. am SduffbaoenlilalD 8 Uhr: Die Freier Morgen 8 Uhr: Die Freier. Thuter im Bülowplati 8 Uhr: Judith Morgen 8 Uhr Das trunkene Sdiitf Komtsdie 8 V» vir. James Klein Oper «Vi Deulsehes lünstl.- Thealer Tigl 8 Uhr- Der irOhUdie WelnherR rh.aJDffüistmilimm Tägl. 8 Uhr: Rebhuhn od. Die neue Fassade ff allner-Thealer 8 Uhr: Der htilige Brannen Blanco Posnets Erweckunr Berlin Die gewaltigste Revue 200 Mitwirkende Somm erpreise Kennen zu Karlshorst Dienstag, den 1. Juni nachmittags 3>/, Uhr Kronen-Treis. Ausgleich i Berlin ir niemer Tägl bfl,: Donner- weiter, ganz famos PICCADILLY Am Untersrundbahnh. Bismarckstr. Oes Riesenerfolges wegen sutn dritten Male verlängert« Die leiste» 3 bUllgen Velkstage bis Donnerstag, den I. Juni PanzerKreozer nn PolemKln Iii I PI allen 900 UU 1" Parkettplatz. Beginn d. Vorstellungen 6, 7 30 und 9 Uhr weiteren Rreisen zugängig zu machen, ist beschlossen worden, daß die Mapltiln» Kaner, welche in dem Firmenzettel der jeder Rolle und Schleife beigelegt ist, einen Neinen numerierten weißen Jettel finden, eine echt filberne, 800 ge» stempelte Dose umsonst erhalten. Diese Dose verbürgt die beste gesundheitliche Aufbewahrung de» Tabak». P e r k g u s s st e l l« n durch E. Röcker Berlin, Llchlenberger Straße 22 Ränigstadt 3861 SHERLOCK-CES.in.b.K OPEL-NIEDER LA6E Alexanderstr. 27a, II. Hof, Tel. Kgst. 9610-12 Deotsdier MsfallarbBiter-yeM. Verwalturgsstelle Berlin. Den Rollegen zur Nachricht daß unser Rollege, der Schlosser Qustav Springer am 27 Mai gestorben ist. Ehre sewem Andenken! Die Einäscherung findet am Dien»» tag. den I. Juni, nachm. 5 Uhr. im Rrematorium Baumschulenweg, Ries» holistraße. stalt Rege Beteiligung erwartet Die Ocfsocenialtnng. Statt besonderer Meldung Nach langem Leiden verschied am 28. Mai mem lieber Mann und Baier Sanltätsra» Dr. Hermann Lisso im 70 Leden»>ahr. Kfite Lisso, geb. Bernstein Margot Lisso. Sie Einäscherung hat bereit» statt» gefunden Bon Beileidsbesuchen wird geheim abzusehen. Am 2». Mai verstarb pläßlich unser Rollege, der Zei:ung»bole Keorg Dllrger Er war UN» allen jederzeit ein treuer, pflichtbewußter Rollege Pcntiil der Jorwirtr-fiiale Hmlilli II. Siegfrledstr. 28-29. Die Beerdigung findet am Mitt» woch, den 2. Zunt. nachm.>/»3 Uhr, von der Leichenhalle de» Neutällner Semeindesriedhoses, GotUieb-DunIel» Straße, au» statu Scltleidlihyzilücke. W�ich« usw Sommerkleider 3.95, Baschkeidenkleider 8.90, Eavcskomplet, 19,75 direkt Werkstatt Rcrkowlkn. Menzelftroße 2. Hoch- parterre. WonnseebaHnbok Friedenau." Leihhaus Morißplaß 58, verkauft An- tstae. neu und getrogen(teil» auf Seid«) 19.50. Paletot». Gummimäntel 13.—» Damenaarderob«! Bitten. Stand 29,—. Bettwäsche Dimitri 13—. Teppiche! Gardinen l Svortvel,«. Gehpelze. Pelz- kragen spottbillig! 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Auf der diesmaligen Hauptoersammlung spielten die wirtschaftlichen Angelegenheiten allerdings keine so hervor- ragende Rolle wie im vorigen Jahr auf der Hauptoersammlung in Nürnberg. Es wurde, einer Anregung der Bunsen-Gesellschost folgend, beschlossen, eine Eingabe an die Regierungen zu richten, der sich auch die anderen großen Chemikerorganisationen, die Deutsche chemische Gesellschaft und der Verein zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie, anschlössen, worin eine bessere Ausgestaltung der chemischen Forschungsinstitute verlangt wird. Es ist dies im Interesse des wissenschaftlichen Nachwuchses dringend not- wendig, wenn nicht die wissenschaftliche Chemie und damit auch die verschiedenen Zweige der chemischen Industrie in Deutschland gegen das Ausland ins Hintertreffen geraten sollen. Mehr noch als aus vielen anderen Gebieten gilt in den Naturwissenschaften und beson- ders auch in der Chemie da» Wort: Stillstand ist Rückschritt. Von den wissenschaftlichen Vorträgen dürften allgemeineres Interesse vor allem die von Prof. W a r b u r g- Berlin und Haber-Berlin erregen. Der erster« sprach unter dem Titel: .NeuereArbeiten über die chemischen Vorgänge in der lebenden Zelle� über den gegenwärtigen Stand der Krebsforschung. Bei Tieren kann durch Bepinseln der Haut mit Teer sowie durch Bestrahlung mit Röntgenstrahlen Krebs hervor» gebracht werden. Warburg folgert daraus, daß ganz normales Gewebe Zellen enthält, aus denen Krebs entstehen kann, ohne daß irgendeine körperfremde Zelle mitwirkt. Daraus zieht er den Schluß, daß es. wie er mit Nachdruck hervorhebt, keinen spezifischen Bazillus gibt, der als Krebserreger anzusprechen wäre, daß der Krebs viel- mehr eine Infektion mit körpereigenen Zellen und das Krebsproblem ein Problem der Zellphysiologie ist. Die sehr eingehenden Unter- suchungen an Krebsgeschwülsten sowohl von verschiedenen Tieren als allen verschiedenartigen menschlichen Krebsen, die sich auf den Stoffwechsel der Zellen in den Geschwülsten mit Rücksicht auf den Stoffwechsel normalen Gewebes beziehen, zeitigten das Ergebnis, daß bei Entziehung von Sauerstoff, also bei Erstickung, nur ein kleiner Teil der Zellen des normalen Gewebes am Leben bleibt und daß diese sich nach Art. Größe und Wirkung ihres Stoffwechsels von Krebszellen nicht unterscheiden. Allerdings sind die Unter. fuchungen noch nicht abgeschlossen: immerhin glaubt Warburg mit einem hohen Grad von Wahrscheinlichkeit behaupten zu können, daß zwar die Zellen der Krebsgeschwülste auf die Dauer nicht ohne Sauerstoff leben können, daß aber die Erstickung normalen wachsen- den Gewebes ausreicht, um Krebs zu erzeugen. Prof. Haber sprach über»Das Gold im Meeres- wasser'. Seit über 50 Jahren, bis in die neueste Zeit, tauchen immer wieder Nachrichten in Zeitschriften und Zeitungen auf, wonach Verfahren patentiert sind, das im Meereswosser gelöste Gold zu ge- Winnen, und wonach im Kubikmeter Wasser S bis 10 Milligramm, ja nach manchen Angaben sogar 30 MiMgramm Gold enthalten sind. Würde der Goldgehalt auch nur ganz wenige Milligramm betragen, so würde die Ausrüstung eigener Schiffe für diese Goldgewinnung lohnen, und deshalb wurde mit Hilfe der Hamburg-Amerika-Linie ein besonderes Schiff als schwimmendes Laboratorium ausgestattet. mit dem Haber analysierend den Atlantischen Ozean nach allen Rich- tungen durchfuhr. Das Resultat seiner sehr sorgfältigen Unter- suchungen war recht überraschend: das Wasser enthielt im Kubik- meter nur ein Tausendstel bis ein Hundertstel Milligramm Gold. Trotz der Sorgfalt seiner Untersuchungen war Haber angesichts der vielen früheren Angaben über den Goldgehast seinen eigenen Resultaten gegenüber zunächst mißtrauisch und besorgte sich nunmehr unter Mithilfe des deutschen Forschungsschiffes„Meteor' und der dänischen Forschungsschiffe»Dana' und„Godthaab' weit über 5000 Wasserproben aus den verschiedensten Weltmeeren und den ver- schiedensten Gegenden. Aber das Resultat war immer das gleiche. Nur im Wasser des Polarmeeres wurde etwas mehr Gold gefunden, Zweierlei Maß. was Sem einen fein Uhl— ist dem andern fein Nachtigall. und in einer Probe geschmolzenen Polareises sogar eiinnal erheblich mehr. Den Grund für diese Ergebnisse steht Haber darin, daß Gold Im Meereswasser überhaupt nicht in gelöstem Zustande vorkommt, sondern die geringen gefundenen Goldspuren schreibt er den mine- ralischen, pflanzlichen und tierischen Trüben des Wasser» zu, die im Polarmeer und Polareis erheblich stärker sind als anderwärts. Natürlich häst er es nicht für ausgeschlossen, daß vielleicht an irgend- einer Stelle im Weltmeer sich eine örtlich« Anhäufung von gold- führenden Trüben finden könnte, die auch sogar das Ausscheiden des Goldes lohnen würde, aber für feine Person zieht er wörtlich den Schluß:»Ich habe es aufgegeben, nach dieser zweifelhaften Steck- nadcl in einem Heuhaufen, der wahrscheinlich leer ist, zu suchen.' Wie aber sind die früheren Angaben zustandegekommen? Haber meint, daß die Gefahr weit unterschätzt und gar nicht genügend beachtet wurde, daß durch die Untersuchungsmethoden selbst meßbar« Mengen von Gold in das zu analysierend« Wasser hineingetrogen worden sind, wie es erst in allersüngster Zeit bei dem sogenannten künstlichen Gold au» Quecksilber offensichtlich der Fall gewesen sei.— Naturgeinäß finden sich unter den etwa lOO wissenschajtlichen Vorträgen eine ganz« Reihe, die ihrer Bedeutung für die Technik und Industrie halber allgemeinere Aufmerksamkest und Beachtung verdienen. 65 fache Lebensverlängernng! Bor ungefähr<0 Iahren stellte der berühmte Zoologe August Weismann den Satz auf, daß die einzelligen Lebewesen theorensch unsterblich seien. Seitdem ist an diesem Problem der Unsterbllchle'.t ungeheuer viel gearbeitet worden, aber erst in neuester Zeit ist man zu befriedigenden Ergebnissen gelangt. In der Hauptsache ist Weis- manns Satz bestätigt worden: denn es hat sich gezeigt, daß man tat- sächlich gewisse Einzeller jahrelang in Kusturflussigkeit halten kann, in denen sie sich fortwährend teilen, ohne daß ein Absterben eintritt. Auf diese Weise folgen tausende von Generationen aufeinander. So so ist es z. B. VI. Hartmann gelungen, von dem Kugeltierchen Itudorin» ciegans im Verlauf von 10 Iahren über 8500 Genera- Honen durch.ungeschlechtliche Vermehrung zu erhallen. Die Lebe- wesen waren also in gewissem Sinne»unsterblich', solange sie der experimentierende Mensch unter günstigen Bedingungen hielt. Gegen die Experimente hat man nun aber schon immer mit Recht geltend gemacht, daß sie doch keine tatsächliche Unsterblichkeit der Einzeller erweisen. Denn durch die Fortpflanzung, durch die Zweitellung wird ja das vorhandene Individium doch zerstört. Zwar tritt keine Leiche auf, die nach Weismann ein wesentliches Kenn- zeichen des Todes ist; aber dennoch kann man nicht sagen, daß die durch eine Teilung entstandenen beiden neuen Amöben dasselbe seien wie die eine Amöbe vor der Teilung. Die Fortpflanzung tritt hier also gewissermaßen an die Stelle des Sterbens. Eine Unsterb- lichtest wäre für die Einzeller erst dann erwiesen, wenn es gelänge. durch experimentelle Maßnahmen auch die Zellteilung auszufchalreu und die Organismen dennoch beliebig lang am Leben zu erhasten. Diesen Weg befchritt nun M. Hartmann. Zunächst versuchte er bei einem anderen Kugeltierchen mit dem wissenschaftlichen Namen Ckrnium sociale die Fortpflanzung zu oerhindern und die Zellen doch in dauerndem Wachstum zu erhalten. Dabei entstanden Riesen- zellen von der vierfachen Größe, die wochenlang am Leben blieben. während die normalen Organismen sich nach 1 bis 2 Tagen zu' teilen pflegten. Während also bei einem gewöhnlichen Gonium die Indi» vidiialstät durch die Fortpflanzung schon nach höchstens zwei Tage.» zerstört wurde, blieb sie bei den behandellen Tieren einige Wochen erhasten. Das bedeutet natürlich im Vergleich zu den normalen Organismen schon eine ganz gewaltige Lebensverlängerung— ober eine Unsterblichkest war es nach nicht, da auch diese Riesenzellen schließlich zugrunde gingen, wenn sie sich nicht fortpflanzen.dürft»,»'. Neuerding» ist es nun aber M. Hartmann bei einem anderen Ei»- zeller doch gelungen, die tatsächliche Fähigkeit der Unsterblichkeit zu erweisen. Die Gefahr des Ricsenwachstums wurde dadurch ausge- schaltet, daß regelmäßig ein Stück der Zelle abgetrennt wurde. So wuchs der Organismus zwar immer weiter, kam nie zur Fortpflan- zung, ging aber auch nicht zu gründe, weil durch die Operation eine Vergrößerung verhindert wurde. Dieses für das Problem der lln- sterblichkeit so außerordentlich wichtige Experiment gelang bei der bekonnten.Anioeha protetis. Die Zellen wurden täglich operiert. In einer solchen Kultur wurden ihnen 130mal nacheinander die st,- genannten Scheinfüßchen abgeschnitten. Dadurch unterblieb die Fort- Pflanzung, aber auch das Wachstum wurde in normalen Grenzen gehalten. Im Verlauf dieser Kustur machten nun die Schweslerzellen m einer Kontrollkultur KZ Teilungen durch: daher ist das Leben der operierten Amöbenindividuen gegenüber dem ihrer Schwesterzellen um da» Kasache verlängert worden. Da man dieses Experiment be» liebig fortsetzen kann, ist die Unsterblichkeit der Einzeller bewiesen. Die pfeife von Saloniki. 1s von Zlga Ehrenburg. Wenn man einem Esel sagt: vor dir ist«ine Ruhestätte, hinter dir eine Felsschlucht, so wiehert er und wendet sich zurück. Dafür ist er ein Esel. Außer den Eseln wird sich aber niemand gegen offenkundige und ewige Wahrheiten auslehnen. Als der Saloniker Asthändler Ioschua für ein« alle Pfeife aus rotem Leomsteton mit einem Iasminftiel und einer Bernsteinspitze zwei Lire forderte. ärgerte ich mich, denn in dem Tabakladen nebenan kostete die gleiche Pfeife, sauber, neu. ohne Risse und ohne Flecken zwei Piaster. Aber Ioschua sagte: »Natürlich, eine Lire ist nicht ein Piaster, aber die Pfeife Io- schuas ist auch keine neue Pfeife. Alles, was für die Unterhaltung der Dummen geschaffen ist. verdirbt mit dem Altern und wird bil- ltger. Alles, was für den Genuß der Weisen geschaffen ist. steigt mit den Iahren im Wert. Für ein junges Mädchen zahll ein Gent zwanzig Piaster, für eine aller Herumtreiberin hat er kein Schäl- chen Kaftee übrig. Jedoch der groß« Maimonide» war mit zehn Iahren ein Kind unter anderen Kindern: als er aber fünfzig Jahre alt war. drängten sich die Weisen Europas. Asiens und Afrikas im Borraum seines Hauses und warteten auf ein Wort aus seinem Munde, deren jedes war wie ein vollgewichttger Dukaten. Ich for- dere von dir zwei Lire für die Pfeife, weil ich sie jeden Tag sieben- mal geraucht habe, außer am Tage des Sabbat, an dem ich über- Haupt nicht rauche. Und zum ersten Male habe ich sie geraucht nach dem Tode meines unvergeßlichen Baters Eleasar den Elia, als ich achtzehn Jahre alt war. und jetzt bin ich achtundsechzig. Sind etwa fünfzig Jahre Arbeit Ioschuas mcht zwei Lire wert?' Ich tat nicht wie ein Esel und lehnte mich nicht gegen die Wahr- hell auf. Ich gab Ioschua zwei Lire und dankte ihm von ganzein Herzen für die'wertvolle Belehrung. Das rührte den greisen Alt- Händler jo sehr, daß er mich aufforderte, mit in sein Haus zu kommen. Hier setzte er mich in einen behaglichen asiatischen Sessel. zwischen die völlig gelähmte Urgroßmutter und den aus einem runden europäischen Gegenstand postterten Urenkel, während er mich mtt der ganzen Süße und Bttterkest des jüdische» Polles, das heißt, mit Meerrettig und Honig bewirtete, und fuhr in seinen Belehrungen fort, vielleicht aus angeborenem Proselytenmachertum, vielleicht aber, weil er hoffte, auch für sie gute Lire zu erhallen. Ich hörte viele große abstrakte Wahrheiten und viele klein« praktische Ratschläge. Ich erfuhr, daß, wenn jemand geboren wird, man sich freuen müsse, denn da» Leben sei besser als der Tod, wenn aber jemand sterbe, so sei ebenfalls kein Grund zur Betrübnis, denn der Tod sei besser als das Leben. Ich erfuhr, daß man eine neu erworbene Pelzmütze am besten mit Lawendelwasser besprenge, um den seligen Biber vor einer nach seinem Ableben eintretenden Kahl- hell zu bewahren, und daß, wenn man viel auf Hammelfett ge- backen« Kuchen äße, man Lakritzenwurzel dazu essen und wieder- holt den Leib sanft von rechts nach links reiben müsse, um kein Sodbrennen zu bekommen. Ich erfuhr noch vieles andere, was zwar weder im Talmud noch in der Hagada steht, was aber jeder Jude wissen muß, der feine Söhne allsestig zu erziehen wünscht. Diese Lehren des Saloniker Allhändlers Ioschua werde ich höchst- wahrscheinlich einmal veröffentlichen: für diesmal muß ich mich darauf beschränken, die eine Geschichte wiederzugeben, die eng mit meinem Erwerb verknüpft ist, die Daistellüng dessen, wie und war- um der junge Ioschua dazu gekommen ist, die Pfeife aus rotem Levanteton mit einem Iasminftiel und einer Bernsteinspitze zu rauchen. Ich gebe die Geschichte in ihrer ganzen beredten Schlicht- heit wieder. Die Weisheit eines alten Volkes verbindet sich mtt der nicht zu erstickenden Leidenschaftlichkeit, die noch den Steppen der gemäßigten Länder der Diaspora aus der schwülen kanaani- tischen Erde herübergebracht wurde. Ich weiß, daß es viele ketzerisch nennen und daß manche Hebräer sogar bezweifeln werdm. daß ich ein tatsächlich beschnittener Jude bin, ungeachtet aller Sinnfällig- ketten dieser Tatsache. Aber in der Geschichte der Pfeife Ioschuas ist unter einer groben Hülle viel duftende Wahrheit verborgen, und der Wahrheit widerstreben, wie ich schon sagte, nur die Esel. Fünf- zig Jahre vor meinem Erlebnis war der altgewordene Eleasar ben Elia plötzlich an einer Verdauungsstörung ertrankt. Wahrschein- lich hatte er im Laufe seines Lebens nicht wenig mtt Hammelfett gebackene Pasteten gegessen, und da nicht die Söhne die Väter be- lehren— besonders nicht Tote—. so konnte auch Ioschua. der erst viel später von der heilsalual Wirkung dir Lakritzenwurzel erfuhr, sein« Leiden damals nicht im mindesten erleichtern. Da er sein Ende herannahen fühlle, versammelte Eleasar ben Elia seine vier Söhne: Iehuda. Leib, Jzok und Ioschua um sein Lager. Außer diesen vier Söhnen besaß Eleasar ben Elia auch noch vier Töchter. aber diese ließ er nicht zu sich rufen, ersten» weil sie olle vier ver- heiratet waren, zweitens well Frauen nichts dabei zu schaffen haben, wenn«in Mann einen anderen belehrt. Denn«ben zu weiser Be- lchrung und nicht zu leerem Geschwätz hatte Eleasar seine Söhne kommen lassen. Zunächst wandte er sich an olle vier mtt der ttefgründigen Ein- leitung:»Ettelkett der Eitelketten, alles ist eitel und Ermüdung des Geistes,' aber da die» durchaus nicht neu war und alle vier zu ihrer Zeit für leichte Entstellungen dieses Textes die Berührung der Handfläche des Lehrers mit ihren pausbäckigen Kinderwangen ge- spürt hatten, so waren sie, als sie die bekannten Worte hörten, nicht im mindesten erstaunt, sondern warteten geduldig des Weiteren. Der Vater bemühte sich, den Gedanken des Ekklesiasten durch diq Erfahrung seines langen und lastenschweren Lebens zu unterstützen, In fünfundsiebenzig Jahren hatte er die Nichtigkeit aller Wünsche erfahren und beschwor seine Söhne, Sehnsüchte aller Art von sich zu weisen. Das Leben glich nach seinen Worten einem Schmetter- ling: aus der Ferne herrlich anzusehen, verliert er in der Näh« seinen Schimmer und beschmutzt den Finger des Menschen mtt seinem elenden Staub. Nachdenken über irgend etwas heißt: Vieles be» herrschen. Irgend etwas erhalten heißt: sofort alles verlieren. Aber auch diese ttefen Wahrheiten kamen den Söhnen bekannt vor. wie etwas, das'sie viele Male gehört hatten, zwischen der biblische« Handfläche des Lehrers und den erfrischenden Ohrfeigen, weshalb sie den Vater ehrfürchtig baten, zum Kern der Sache selbst überzu- gehen. Eleasar ben Elia winkte darauf seinen ältesten Sohn Iehuda zu sich heran.»Als ich jung war wie du. seufzte ich nach Liebe. In der Synagoge— statt meinen Oberkörper zu wiegen und ehrlich zu beten— reckte ich meinen Kopf in die Höhe und sah nach den Frauen, die an die Schwälbchen erinnern, die unter dem Dache zwitschern. Einmal, als ich an einem türkischen Bade vorüberging, hörte ich den Klang eine« Kusses und fand ihn herr- ltcher als die Weis« des Morgengebetes und des Abendgebetes. (Forts etzuug folgt.) Die Sankea in der wirtfihastskrifls. Nominelle Diskontpolitik.— Bedeutung der neuen Zwischenbilanzen. Die Leiter unserer Großbanken sind schlechte Propheten. Roch am IS. September vorigen Jahres hat Dr. Wassermann von der Deutschen Bank auf dem S. allgemeinen deutschen Bankiertag mit starker Prätension oersichert, ein« ollgemein« Wirtschaftskrise lieg« nicht vor. Wenig« Wochen darauf war die schwerste Wirtschastskrisi» im Land und Fürstenberg, der Außenseiter unter den Großbank- leitern, behielt mit seinem Pessimismus recht. Er hatte damals auf eine Bemerkung, daß wir ja nun wohl über den Berg seien, sar- kastisch geantwortet, daß. wenn das richtig sei, es ja nun bergab gehen würde. Er behielt aber nicht nur recht für die Wirtschaft, sondern auch für die Danken. Die Krisenverluste der Banken. Es steh! heute fest, daß das Gewitter, das mit dem Zusammen- bruch des Hauses Etinnes für die Privatbanken heraufzog und dos nur durch das Opfer mehrerer Großkonzerne für die Gläubiger- danken zu einem glimpflichen Ende kam, nur dos Vorspiel zu här- teren und realeren Berlusten war, die mit dem Massenzusammen- ..bruch von Firmen und den Massenprotesten von Wechseln über die Banken hereinbrachen. Diese Verluste waren sehr groß. Sie wurden nur von den Banken verschwiegen, die durch Verabredung sich auf die Ausschüttung einer Prestigedioidende verpflichtet hatten, und von den Gewinnen vorweg in Abzug gebracht, die sie in ihren Abschlußbilanzen auswiesen. Die Oeffentlichkeit brauchte sich um diese Verluste nun nicht weiter zu kümmern, einmal, weil sie Ler- luste von privaten Unternehmungen waren, und zum anderen, well die Prioatbinken in den letzten Monaten durch die Haussebewegung auf dem Effekten- med Kapitalmarkt diese Verlust« mehr als kom- pensiert� haben. Wer der kreditwirtschaftlich« Rahmen, in dem sich dieser Sanierungsprozeß der Privatbanken vollzog, auch fein« all- gemeinwirtschaftlichen Folgen und Gefahren, stellen diesen Sonie» rungsprozeß der Privatbanken in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Sein Ergebnis ist nämlich«in Zustand der Geld- und Kapitalmärkte, den man ohne Uebertreibung als anarchisch be- zeichnen darf. Günstige Wirkungen. Zunächst allerdings scheinen die Auswirtunyen der Krisis auf die Politik der Banken mtd auch für die Wirtschast günstig. Wäh- rend nämlich auf dem Bankiertag vom September es noch als un- möglich und auch als unzweckmäßig erklärt wurde, die auf der Wirtschaft liegende Last der Zinsen und Provisionen zu ver- ringern, haben die von den Banken erlittenen Verlust« sowohl als auch der Kamps mis der stark verengerten Geschäftsbasis um die wenigen m der Krisis noch möglichen guten Geschäft««ine beträchtliche Senkung der Zinsen auf dem Geldmarkt gebracht. Was aber noch wichtiger ist, als diese Senkung der absoluten Zins- sätze auf dem Geldmarkt, das ist die Verringerung der Zins- spanne und die Verschärfung der Banken tonturrenz. Wenn auch die Ermäßigung der Kredit Provision vom Oktober vorigen Jahres von jährlich 3 auf 2,4 Proz. noch als Scheinzugeständnis der Banken an die damalige Preisabbauaktion der Regierung Luther angesehen werden mußte, denn die Bonken schlugen in den meisten Fällen die Differenz einfach an anderer Stelle wieder auf, so konnten sie sich doch der zweimaligen Dislontermäßigung durch die Reichsbank und(noch wichtiger!) der Berringerung der Lombardspanne im Februar von 2 auf 1 Proz. nicht entziehen. Aus der einen Seite ließen sie den Diskontherabsetzungen(für die provisionspflichtigen Einlagen wenigstens) ein« Senkung der vergüteten Zinsen um nur'A Proz. folgen, und zum anderen mußten sie die Zinsspann« mst der Herabsetzung des Lombardsatzes um ein volle» Prozent ver- kürzen. So ging die Zinsspann« von 7,9 bzw. 8,4 auf(5,9 bzw. 7,4 Broz. zurück. Aber auch die Verschärfung der Banken- konkurrenz hatte günstige Wirkungen. Der Kampf um das wenig« gute Wechselmaterial, den die letzte Diskonthevobfetzung vom 27. März auf 7 Proz. und die Unanbringbarkeit der mosien haften arbeitslosen Gelder noch verschärfen mußte, führte durch das Aus- ibrechen wichtiger Banken aus den festgelegten Diskontkonditionen zur Freigabe des Wechselgeschäfts und damit zum Absturz der Zins- kosten für gut« Wechsel bis weit unter den Reichsbankdiskont. An diesem Punkte aber beginnt die Gefahvengrenz« der Entwicklung. Geld- und Kapitalmarkt ohne Lenkung. Die anregende Wirkung der Zinskostenverrmgerung auf die Wirtschaft und damit für die Lösung der Wirtfchaftskrifis blieb aus. Einmol blieb die Zinsspanne mit ihren(3,9 bzw. 7,4 Proz. noch zu groß. Denn gerade für die wichtigsten den Wirtfchastsprozeß a n- regenden offene n Kredite blieb es bei den alten übermäßigen Zinskosten. Di« von der Reichsbank jetzt durchgeführte Kredit- enquete hat die Beleuchtung dieses wundesten Punktes der privaten Bankpolitik zum Ziel.. Sodann fanden die massenhaft durch die Absatz- und Befchäftigungstrffis freigesetzten Wirtflhaftsgeldcr, rer- stärkt um große Summen noch nicht verwendeter Auslondskredite, auf einem Kapitalmarkt Zuflucht, auf dem sich durch die Steuer- abbaupolitit des Reiches zahlreiche Konpnunen und sonstige öffent- liche Körper als Kapitalfucher einfanden und dessen Aufblähung von den Banken noch gefördert werden mußt«, um für die erlittenen Verlust« und das magere direkte Kreditgefchast Ersatz zu finden. Di« Möglichkeit, sich billigeres Kapital auf dem deutschen Kapitalmarkt als durch Buchkredite bei den Banken oder im Ausland zu oerschaffen, mußte auch die Industrie noch auf den Kapitolnmrkt führen. Es ist klar, daß die Ueberwindung der wirtschaftlichen Depression und der Wioderaufftieg zur Konjunktur für den Kapital- markt gefährlich werden muß, wenn die zweite Gefahr der Eni- Wicklung der Dinge diesen Wiederaufstieg nicht überhaupt zunächst verhindern wird. Dies« liegt nämlich darin, daß heut« die Lenkung der Kredit- Wirtschaft dem Zufall überlassen ist. Daß die Diskonffätze der Privatbanken für gut« Wechsel unter Reichsbanksatz stehen und die Reichsbant kaum ein« Hoffnung haben darf, durch Diskontermäßi- gung etwa die Privatbanken wieder unter ihr« Führung zu zwingen, nimmt der Reichsbank das wichtigst« Instrument zur Lenkung der Kreditwirtschast sowohl als auch zur Regulierung des Geldumlaufs. Sie ist rein auf die Konkurrenz um das Wechfelgefchäst mit den Privatbanken angewiesen, und weil die Privatbanken die Redis- kontierung bei der Reichsbank weder vorzunehmen brauchen noch die Reichsbank sie dazu anhalten kann, ist all« Diskontpolitik der Reichsbank heute rein nominell. Soweit nur die hohen Kosten des offenen Buchkredits dessen Inanspruchnahme hindern und soweit nur Wirtschoftsgelder durch die Krisis freigesetzt find, müssen diese hemmungslos auf den Kapitalmarkt fließen und dort auch Nachfrage finden. So ist die Diskontpolitik nicht nur auf dem Geldmarkt für das Angebot, sie fft auch auf dem Kapitalmarkt für die Nach frag« wirkungslos, und es sst deshalb nicht abzu- sehen, wann und mit welchen Mitteln Geld- und Kapitalmarkt wieder m jene gesunde Kommunikation miteinander gebracht werden können, die zur Ueberwindung der Wirtschaftskrise unentbehrlich ist. Der Spiegel der Zwischeabilauzea für Ende April. Zur Verdeutlichung dieser Zusammenhänge sind die für Ende April wieder veröffenllichten Zwischenbilanzen der Banken von er- heblichem Gewicht, besonders wenn man sie mit den früheren Bilanzen und zugleich mit der Entwicklung der Reichsbantgeschäfte ver- gleicht. Während sich nämlich der Wechfelbestand der Reichsbonk fest Jahresbeginn(unter Berücksichtigung der w ihm noch enthaltenen F r e m d d e v i s e n) sich auf annähernd die Halft« ge- senkt haben dürft«, sst der Wechselbestand der sechs Berliner Groß- danken(ohne Handelsgesellschaft) von 1247 auf 1382,9 Millionen, derjenige der Kreditbanken insgesamt von 1441 Ende Ott ober 1925 auf 1741 Millionen Ende April angewachsen. Rur die von den Prioatbanken wegen ihrer„Privatbank"geschäfte so viel befeh- deten Girozentralen blieben in ihrem Wechselbestand stabil: gegen 162 Millionen Ende Ottober 1925 ist er mit 160,5 Millionen noch um 1,5 Millionen niedriger. Das starte Börsengeschäft und die Emsssionen auf dem deusschen Kapitalmarkt spiegeln sich in zwei anderen Positionen wieder: bei den Berliner Großbonken stieg das Lombard- und Reportgeschäft von Ende Dezember bis Ende April von 119 aus 230 Millionen, bei sämtlichen Kreditbanken von Ende Oktober mit 136 Millionen bis Ende April auf 284,3 Millionen. Das sst das Doppelte. Die eigenen Wertpapiere stiegen für die Großbanken in den entsprechende» Monaten von 61,4 auf 82,3 Millionen, für die Kreditbanken insgesamt von 113 auf 124,3 Millionen. An dieser Steigerung des Effektenbesitzes sind natürlich auch die Girozentralen(Oktober bis April) mit 21 auf 48,4 und die berichtenden drei Hypothekenbanken mit 17 auf 32,2 Mil- lionen beieillgt. Besonders interessant ist die Entwicklung der Buchs orderungen, soweit sie in gedeckte und ungedeckte unter- schieden sind. Insgesamt zeigt sich weder bei den Großbanken noch bei den Kreditbanken zusammen ein« sehr fühlbare Vermehrung. Vollständig umgekehrt aber wurde das Deckungsverhältnis durch Sicherungsübereignung. Wie die gedeckten Kredite anwuchsen, so nahmen die ungedeckten ab(1458�1583; 837/871 und 1794/2153: 1335/1080); ein deutliches Zeichen, wie alarmierend die Konzernzusommenbrüche und die Kriserwerluste auf die Bank- Politik gewirkt haben. Ganz anders dos Debitorengefchäst bei den Girozentralen: in laufender Rechnung stiegen die Außenstände nur geringfügig orss 371,3 Millionen; dagegen wuchsen die lang- fristigen Darlehen sprunghaft auf 696,2 Millionen; auf der anderen Seite steht eine ebenso sprunghafte Steigerung des Be- standes an langirtstigen Anleihen auf 295 Millionen. Unter den Passiven zeugen die durchweg stark gestiegenen Gut- haben bei anderen Banken für die Ende April immer noch äußerst stark« Flüssigkeit des Geldmarkts und Airfnahmefähigkeit für Emissionen des Kapitalmarkts. Dagegen find die eigentlichen Einlagen (auf beiden Konten) n i cht in dem gleichen Berhättnis gewochsen. Bei sämtlichen 88 Kreditbanken wuchsen die Einlagen auf provifions- freier Rechnung zwar von 2240 Millionen Ende Oktober auf 2874 Millionen Ende April; die sonstigen Einlagen(sonstige Kredi- toren) gingen aber von 2137 auf 1884 Millionen z u r ü ck. Daß e» auch für den Verkehr innerhalb der Banken nicht an Mttteln fehlt, zeigt der Stand der Bankakzepte, der bei den privat eb und öffent- lichen Danken auf der ganzen Linie rückgängig sst. Damit sind die Zwischenbilanzen ein deutliches Spiegelbild aller derjenigen Symptome, die wir als für die Verfassung des Geld- und Kapitalmarkts charattersstisch oben gekennzeichnet haben. vie üeutschen Wolükonzesswnen in NußlanS. Zum Geschäftsabschluß der Mologa Holzindustrie A.-G. Bekannttich hat Sowjetrußlond mit seiner Konzessionspolitik, durch die es den westlichen Kapitalismus in risikofreier, aber einträg- licher Weife sich dienstbar machen wollte, wenig Glück. Trotzki selbst bezifferte im vorigen Jahre den damaligen Produktions wert der 90 bestehenden Konzessionen, mit Ausnahme der Wald- konzessionen, auf nur 1 Million Rubel. Immerhin sind aber gerade die W a l d k o n z e s s i o n e n die w e r t o o l l l st e n. Die wich- tigste unter chnen ist die unter deutschem Einfluß stehende Mologa Holzindustrie A.-G. Berlin-Leningrad(Aussichtsratsvorsitzender Exkanzler Dr. Wirth), deren Gründung im Zusammenhang mit dem Rapallo-Vcrtrag auch politische Bedeutung hatte und deren Kon- zession einen geschätzten ausbeutbaren Waldbestand bei Mologa- Rybnik in der Größe des halben Freistaats Sachsen umfaßt. Bon dieser Mologa-Gesellschaft liegt nun der erste Geschäftsbericht nach der Goldumstellung zum 30. September 1925 vor. Die Ausdehnung, die die Gesellschaft in dem vergangenen Jahre genommen Hut, läßt sich ai» besten aus der Veränderung der Brlanzziffern ersehen. Der Wert der Werksanlagen(darunter 1925 neu eine nach dem Geschäftsbericht sehr lukrativ arbeitende moderne Kistenfabrik in Solzy) ist von 1,82 Gift 2,87 Millionen erhöht, der Wert der Betriebseinrichtungen mit 1,0? gegen. 0,48 Millionen mehr als verdoppelt. Die Forderungen aus laufenden Verkäufen(8,67 gegen 3,70 Millionen) und die Holz- und Produkten- vorritte(14,94 gegen 6,45 Millionen) sind gegen das Vorjahr jaft perzweieinhalbfacht. Die Schulden der Gesellschaft, die noch immer zum größten Teil dem Ausbau der Koiizcfsson dienen(das eigene Kapital ist auch dann noch gering, n> die durchgeführte Erhöhung auf 3 Millionen berücksichtigt wird!>: Berlin, dem Zentralinstitut der bestehenden sechs Prooinziollandschasten(neu Grerrzmark, Posen, West- preußen und Provinz Sachsen) waren die Stadtschaften Branden- bürg, Pommern, Ostpreußen und Hannover allern an 3055 W o h- nungsneubauten beteiligt. Am 1. März befanden sich für 43 Millionen Goldpsandbriese im Umlauf, die bekanntlich im Februar neben der preußischen auch die Reichsmündelsicher- h e i t erholten haben. Vie Slahlprodukkion bleibt eingeschränkt. Di« Monatsversamm lung der Rohstahlgemeinschaft des A.-Proderktenverbandes und des Stabeisenverbondes setzte am 27. Mai die Einschränkung der Rohstahlerzeugnisse strr den Monat Juni in der gleichen Höhe wie bisher, also auf 35 Prozent fest. Mus öer Partei. Ladischer parteikag. Freiburg. 30. Mai.(Eig. Drahtb.) Auf dem badifchenPar- t e i t a g, der am Sonnabend und Sonntag in Frcrburg tagte. wurde zu dem kürzlich vom Landtag beschlossenen Lehrer- biidungsgesetz mtt allen gegen eine Ettmme bei mehreren Enthaltungen ein Antrag angenommen, der der sozialdemokratischen Landtagssrattion das Vertrauen ausspricht. Gegen die Haltung der Fraktion wandte sich der Reichstagsabgeordnete Genosse Geck- Mannheim. Ihm trat der fogialsstssche Innen- und Kultus- minsster Remmele entgegen, der das Gesetz im Landtag ein- gebracht hatte, und für die Fraktion deren Berichterstatter Genosse Rickert. Das Referat über die Reichspolttik hiAt Genosse Reichstags. abgeordneter Hermann M ü ll e r- Berlin. Der Parteitag pro- testierte dann noch gegen da» Herunterreißen einer Reichsslagg« durch einen Reichswehrsoldaten bei dem Reichsbannertag in Konstanz und die Nichteinhaltung eines Der- sprechen» der Reichsbahnverwaltting. indem sie die Linie München — Stuttgart— Kehl, nicht ober die oerlangte Reintal-Linic Frankfurt— Basel elektrifizieren will. Parteitag der oberen Rheinproviaz. Köln. 30. Mai.(Eig. Drahtb.) Am Sonnabend und Sonntag tagte in der Städtischen Festhalle in Koblenz der Begirtsparteitog der Soziaidemokrottschen Partei Bezirk Obere Rhein provinz. Lerlaus und Debatte bewiesen das außerordentlich starke und rege Interesse, das die organisierten Parteigenossen den po- lttrschen Fragen entgegenbringen. Das Hauptreferat hielt der Ge- nasse Wels über ,/Oie Sozialdemokratt« und die Zukunft Europas". Er zeichnete in der ihm eigenen plastischen Weise ein Bild der gegen- wärtigen politischen Situation, die mit Raturnotwendigkett zu einer europäischen und darüber hinaus einer internationalen Derstän- digung aus polttischem und wirtschaftlichem Gebiet drängen. Das große historische Berdienst der Sozialdemokratt« seit Ende des Krieges sei die Tatsache, daß sse unverblendet und frei von nationalem Haß, aber erfüllt von der Notwendigkeit nationaler Existenz aus eine Befriedung der Weit»nd der Geister hingewirkt habe. Der Vortrag des Parteioorsitzenden wurde von den Delegierten mit großer Spannung angehört und durch langen Beifall quittiert. Ueber die neuen Gemeindegesetze sprach der preußische Landtagsabgeordnete Genosse Haas. Unter den Entschließungen, die einstimmig angenommen wurden, hat eine polittsche Bedeutung, da sie sich mit Enttchiedenheit gegen die unqualifizierten Angriffe des Generolreichskommissars für Rhein und Ruhr. S chm id. im Ministerium für die besetzten Gebiete richtet. Die als Gäste dem Parteitag beiwohnenden Lertreter von Hessen-Rassau und Niederrhein schlössen sich der Erttschließung und den darin auf- gestellten Forderungen rückhaltlos an. Jedenfalls sind die rheinischen Sozialdemokraten nicht geneigt, sich fortgesetzt die H e r a u s s o r d e- r u n g e n eines Mannes gefallen zu lassen, der m parteisamttischem Haß seine eigentliche Ausgabe, als vermittelndes Glied zwischen de» Parteien im Rheinland« zu stehen, mit Füßen tritt. Die Tagung selbst verlief bis zum Schluß völlig harmo- n i s ch und ohne jeden Zwischenfall. Genosse Zörrgiebel als Vorsitzender tonnte das am Schlüsse mtt Befriedigung feststellen. Seine Aufforderung, die ganze Kraft zusammenzufassen, damit die großen polittschen Entscherdnugen der nächsten Wochen mit einem Erfolg« enden, wurde mit Jubel begrüßt. Die Derfammürng schloß mit dem Gesang des Sozialistenmarsches.