flt. SS 4 ♦ 43. �ahrg. Ausgabe A Nr. 130 vezogSpreiS: BSAentliä 70 Bfenmg. menatM E,— Ätidismati oorous»adlbor. Unter Rxeujbani für Eeuttdilani. Sanji«, Saar- nnd Stemelacliiu. Oesterreich, Litauen, Lmemiuti 4,50 Reichsmark, für das ilbriae Ausland 5,50 Reichsmarl uro Monat. Der.Sormärt«" mit der Sonntan», beilage J3oU und Seit* mit»Sied- Inno und iUelnaarten* sowie der Beilage»Unterdaitung und ZLillen* Und lsranendeilage„Frauenstimme* erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal. relegramm-Adreff« ! Berti»' Morgenausgabe Verliner (10 Pfennig) AnzeistNtvreise: Die•(nfnalttgc Ronoareille. »eile 80 Mennig. SctlamejeiU fc— Reichsmark...«leine«ugeigen* das fettgedruckte Wort 25 Pfennig Vuliifstg ,wei fettgedruckte Worte». lade» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da« erste Wort 15 Pfennig. lede» weitere Wort U Pfennig. Worte über 15 Puck- Baden zählen sllr zwei Worte. Arbeitsmarkt Seile 00 Pfennig. Uamilienan, eigen für Abonnenten Seile 40 Pfennig. SitMigen filr die nächste Nummer «äffen bis 4>i> Ubr nachmittag« im Dauvegefchäft. Berlin SDOO.Linden» «raste 8. abgegeben werden. Oeiffnet von S'4 Ubr früh bis 5 Uhr»ach«. Zentratorgan der Sozialdemohratircben partei Deutfcblanda Neüaktion und Verlag: Serlin EW. 68, tinöenftraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292-297. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., Serlin EW. 68, Linöenstr.Z Postscheckkonto:«erlin»7 58»— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angeftelten nnd Beamte». w-Istr. 85! Biskonto-Sesellschast. Denofttenkaffe Lindenftr. 8. Rechtsputschiften unö ihre Helfer. Stürmische Landtagsdebatte.- Die Rechte brüllt die Wahrheit nieder. Dieselben Kreise, die vor dem Kriege jede Entrechtung der Sozialdemokratie billigten und immer schärfere Maß- nahmen gegen sie forderten, dieselben Kreise, die heute mit jedem Zuchthausurtcil gegen mehr oder weniger sündige Kommunisten von vornherein einverstanden sind, führen nun seit Wochen einen erbitterten Feldzug gegen die preußische Regierung, weil sich diese erlaubt hat, bei einigen rechts- stehenden Persönlichkeiten Haussuchungen vornehmen zu lassen. Selbst wenn man alles als wahr unterstellte, was diese Kreise behaupten— nämlich daß die Polizei falsch informiert gewesen sei und bei den Haussuchungen nichts gefunden habe— stände die Zügellosigkeit der Presseangriffe, die Leidenschaftlichkeit der parlamentarischen Erörterungen in keinem Verhältnis zum Tatbestand. Mißgriffe der Staats- gewalt sind schon immer vorigerommen und wahrscheinlich leider nie ganz zu vermeiden. Aber vorausgesetzt, es hätte sich wirklich um Mißgriffe gehandelt, so hätten wir den Wunsch, daß nie schlimmere passiert wären, nie schlim- mere passieren sollen. Wer nichts dagegen einzuwenden hatte, daß wehrlose Gefangene„auf der Flucht" erschossen wurden, dem steht es schlecht an. sich sittlich zu entrüsten, weil die Polizei bei einigen Herren einen höflichen Besuch gemacht und ein paar Schriftstücke, die ihr interessant zu, sein schienen, mitgenommen hat. Uns scheint jedoch das ganze Verhalten der Rechtspreffe und der Rechtsparteien der klarste Beweis dafür zu sein, daß es sich um einen Mißgriff der Polizei in diesem Fall nicht gehandelt hat. Diese ungeheure Aufregung läßt sich nur daraus erklären, daß man sich in seinen Plänen gestört sieht. Diese Pläne mögen sich wirklich nur bei einem ganz engen Kreis zu der Absicht verdichtet haben, bei der nächsten passenden Gelegenheit loszuschlagen. Es mögen über die richtige Methode, die Republik zu vernichten, auf der Rechten die weitestgehenden Meinungsverschiedenheiten be- stehen, ja es mag dort sogar etwas weitersehende Leute geben, die sich mit der Republik als der bestehenden Staatsform ob- gestinden haben, und die von ihrer Zertrümmerung keine Kaiserherrlichkeit, sondern das Chaos erwarten. Das ändert aber nichts daran, daß diese Kreise sofort wieder einig und geschlossen zusammenstehen, sobald die Republik sich er- laubt, auch nur das allergeringste zu ihrer Verteidi- g u n g zu tun. Gestern hat im Landtag ein Beamter gesprochen, der es Mit seinem Eid auf die Verfassung e r n st nimmt. Man hat ihn niederzubrüllen versucht, und die Wut gegen ihn war vielleicht deshalb um so größer, weil dieser Marm als g e- wesener Offizier von Hause aus der Koste angehört, die sich sonst in ihrem Haß gegen die Republik einig ist und deren Korpsgeist jeden Außenseiter unerbittlich ächtet. Man kann sich vorstellen, was das Schicksal solcher eidestreuen Be- amten sein würde, wenn es einmal ihren Gegnern gelänge, das Heft ganz in die Hand zu bekommen! Der Ministerialdirektor Dr. A b e g g hat gestern Mit- teilungen gemacht, die an der Berechtigung ,der vielum- strittenen Polizeiaktton keinen Zweifel übrig lasien. Die Polizei war von rechtsgerichteten Perfönlichkeiisn auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht worden. Diese Leute waren in Gewissensnot geraten, als sie in gewisse Machenschaften Einblick erhalten hatten und waren zur Poli- zei gegangen, sei es, weil sie Angst für sich selber bekommen l>atten. sei es, weil sie unabsehbares Unheil für die Mgemein- heit verhindern wollten. Es heißt, der preußischen Regierung und der preußischen Polizei ein pflicht»vidriges Der- halten ansinnen, wenn man meint, sie hätte solche von ernst zu nehmender Seite stammende, mit Einzelheiten be- legte Warnungen in den Wind schlagen sollen. Man hat gestern Herrn Abegg von rechts zugerulen. er solle doch die Namen der Personen nennen, die durch ihre Anzeige den Anstoß zur Aktion gegeben haben. Ja. das könnte den Herren so passen! Gewiß ist es traurig, daß die Leute von rechts, die einsichtsvoll genug find, um in allen Berschwö- rungcn und Putschvorbereitungen sinnlose Verbrechen zu erkennen, nicht den Mut besitzen, mit ihrer Meinung öffent- lich hervorzutreten. Aber, wenn sie meinen, daß ihnen dieser Mut schlecht bekommen würde, so haben sie vielleicht nicht so ganz unrecht. Die„Nachtausgabe" des Herrn Hugenberg tobt, weil Herr Abegg sich weigert, seine Gewährsmänner zu nennen und damit der Meute preiszugeben. Für sie ist es offenbar die Aufgabe der Polizei, diejenigen, die die Auf- deckung einer Beschwörung ermöglicht haben, der Rache der Verschwörer aiiszuliesern. Die ganze Rechtspreffe oersichert in allen Tonarten, die Polizeiaktion sei ganz unberechttgt gewesen, es habe keine Gefahr für den Staat bestanden. Aber gerade ihr Verhalten und das Verholten der Kreise, die sie vertritt, zeigt d i e ganze Größe dieser Gefahr. Diese noch immer einfluß- reichen und geldgewaltigen Kreise stehen der Republik in Todfeindschaft gegenüber. Sie verweigern ihr das Recht, auch nur die bescheidensten, unzulänglichsten Maßnahmen zur Selbstverteidigung zu treffen. Sie wollen sie einschläfern, indem sie Gefahren leugnen, die jeder Mensch mit offenen Augen sieht. Sie wollen ihren Arm lähmen, und greifen, um diesen Zweck zu erreichen, zu. jedem Mittel der Einschüchterung. Sie bekennen sich grundsätzlich zur äußersten Brutalität, wo es gilt, die Macht zu erobern und zu behalten, sie haben diese Brutalität stets geübt, wo sie an der Macht waren, aber diesen Wölfen ist der b e st e h e n d e Staat noch immer nicht lamms- geduldig genug. Wäre er nicht so geduldig— ihre Frechheit wäre nicht so gro�, Ihnen imponiert mir festes Zupacken, und ihr gegen- wärttges Berholten ist neben hundert anderen ein neuer Be- weis dafür, daß es daran bisher gefehlt hat. » Der Landtag hielt gestern seine erste Sitzung nach den Liingstferiei: ad. Bor Eintritt in die Tagesordnung teilte Präsident Bartels mit. daß gemäß einer Entscheidung des Wahl- Prüfungsgerichts aus dem März die s o z i o l d e m ö k r o t i s ch e Partei im Wahlkreise Köln-Aachen ein weiteres Mandat erhalten Hab«. Hierüber sei ein Meinungsstreit unter den Parteien entstanden. Da- Haus überweist diese Materie dem Persassungs- ausschuß und stimmt einem sozialdemokratischen Antrage zu. der hierüber oon der Stoatsregierung ein Rechtsgutachten verlangt. Auf der Tagesordnung selbst steht als einziger Punkt die erste Beratung einer Ergänzung zum Haushalt des Jnnenministe- riums(Kapitel Polizei). Die hier angesorderten neuen Mittel für die Polizei sind vorerst nur in soweit gedeckt, daß noch ein Minus von etwa 16 Millionen bleibt. Dieses Defizit soll aber noch vor endgültiger Verabschiedung des Gesamtetats aus- geglichen werden. D-e Mehrausgaben werden zum Teil mit den oer- mehrten Ausgaben für die Erwerbslosenfürsorge begründet. Mit der Beratung verbunden wird ein k o m m u n i st i s ch e r Antrag, der Bestrafung der an den jüngst in Berlin-Neukölln erfolgten Zusammenstößen zwischen Roten Frontkämpfern und Polizei verantwortlichen Polizeioffiziere verlangt. Die allgemeine Besprechung eröffnet Abg. Marckwald(Soz.): Er verlangt, daß für die Beamten der Schutzpolizei so schnell wie möglich dieselbe» Rechte gewährt werden wie für die übrigen Be- amten. Gerade die Polizeibeainten, die einen so anstrengenden. wichtigen und schweren Dienst hätten, dürsten keinesfalls schlechter gestellt sein als die anderen Beamten(Zustimmung linkst. D. Mai, in die Hände der Polizei gekommen und ihr zum erstenmal bekannt geworden,(Hört! hört! b. d. Soz.) Im un- mittelbaren Zusammenhang damit, unmittelbar darauf folgend, haben am Montag und Dienstag eingehende Erörterungen über die not- wendigen Maßnahmen stattgefunden. Maßgebend für das Vorgehen der Polizei sind die§8 105 und 161 Abs. 1 der Strafprozeßordnung. deren Voraussetzungen hier nach Lage der Sache ganz zweiselsfrei gegeben waren.(Sehr richtig! links. Zurufe und Widerspruch b. d. Dnat.) Ich darf mir erlauben, darauf hinzuweisen, daß die Polizei bestimmte gesetzliche Aufgaben hat und, wenn sie diese Aufgaben nicht erfüllt, ein Amtsverbrechen begeht.(Sehr richtig! links.) Die Voraussetzungen für die Aktion lagen demgemäß vor. Was bei dieser Aktion gefunden worden ist, das ist eine weitere Frage, die zur Beurteilung der Rechtmäßigkeit der Aktion an sich zunächst noch nicht in Betracht kommt.(Aha! rechts. Sehr richtig! links.) Wenn diesmal nicht mehr gefunden worden ist(Aha! b. d. Dnat. und Heiter. keit.), so lag dies nur daran, daß die polizeiliche Aktion durch eine unglückliche Verkettung von Zwischenfällen vorher zum Teil bekannt oder geahnt worden war.(Hört! hört! links. Zurufe und Unruhe rechts.) Das ist protokollarisch festgelegt worden. Ich betone aber, daß dabei keinerlei Amtsvergehen irgendeines Beamten oder etwa gar der amtlichen Presiestelle vorgelegen hat, sondern daß es daran lag, daß dieselben Persönlichkeiten, die— wie ich vorhin bereits sagte— in ihrer Gewissensnot zur Polizei gekommen sind, schon zuvor einigen Parlamentariern Mitteilung davon gemacht hatten.'(Stürmische Ruf« rechts: Hört! hört! Namen nennen! Große Unruhe. Glocke des Präsidenten.) Zur Vermeidung von Miß- Verständnissen betone ich, daß es keine Parlamentarier der linken Seite dieses Hauses gewesen sind.(Erneute stürmische Zurufe b. d. Dnat.: Namen' nennen! Anhaltende große Unruhe.) Die Namen stehen fest und werden zur gegebenen Zeit genannt werden.(Zurufe rechts.) wenn bei dieser Gelegenheit bei hochachtbaren und einwandfreien Persönlichteilen auch polizeiliche Maßnahmen vorgenommen worden sind(Hört, hört! rechts), so wird das von der Staats- regierung bedauert(Hört, hört! rechts), es ist aber eine unbe- dingte polizeiliche Rotwcndigteit gcwelen, denn es ist schlechter- dinqs unmöglich, daß es sür die Polizei und für die Staats- regierung zweierlei Arten von Staatsbürgern gibt.(Lebhafter Beifall links.— Zurufs rechts.— Große Unruhe.— Glocke des Präsidenten.) Was den Kreis der Persönlichkeiten betrifft, bei denen Durchsuchungen vorgenommen worden sind, so bitte ich Sie, sich zu oergegenwärtigen, was gesagt worden wäre, wenn am 12. März 1920 Durchsuchungen bei Männern stattgefunden hätten, die im Frieden und im Krieg verdient waren, und die einen guten Namen trugen: bei dem Generallandschoftsdirektor Kapp, bei dem General Ludendorff (Zurufe), bei Herrn v. I a g o w und anderen Persönlichkesten. Die Polizei hat die Verpflichtung, in einem solchen Fall, in dem die Voraussetzungen vorliegen, durchzugreisen,(«ehr richtig! links.— Zurufe rechts.) Ich teile auf die Gefahr hin, daß von der rechten Seite die Nichtnennung eines Namens, wieder beanstandet wird, mit, daß diese Aktion von einem prominenten Mitglied einer Rechtspartei der Polizei gegenüber lebhastest begrüßt worden ist (Hört, hört! und Zurufe rechts: Namen nennen!)— die sehr interessanten Namen werden schon demnächst mit hervorkommen — und die Polizei angeregt worden ist. in möglichst weitem Umfange diese Durchsuchungen vorzunehmen, scharf zuzugreisen und selbst vor der Immunität nicht haltzumachen. Bei der Durchsuchung ist, was vielfach übersehen wird,'Aecht Wesentliches g efun den worden. Man fand Briefe kom- vromittierenden Inhalts und einen Aufmarschplan(Lachen rechts). der wahrhaftig wesentlich ist. Dieser Ausmarschplan in Verbindung mit den Briefen, mit der Diktaturveroronung und all dergleichen erhellt die Sachlage blitzartig. Die Agitation gegen die Durchsuchung ist aber unberechtigt nach jeder Richtung hin. Daß sie auch nn einzelnen Falle durchaus un- richtig ist, darf ich Ihnen an Hand einicjer Untersuchungs- Protokolle vorführen, bei denen eimges recht interessant ist. (Zuruf rechts: Ohne Namen!) Sehr richtig: ohne Namen! Ich werde in dieser Sitzung diese Namen nicht angeben. Bei der Durchsuchung erklärte der Betreffende, daß er zwar Material im Besitz hätte, das nicht staatsumwälzend sei, das er aber antwortlicher, in die Arme des Verhängers dieses Schicksals sich begibt. Bliebe der Aufruhr in seinem Herzen über das Ungemach des Rif-Volkes. Aber den wird man nicht überschätzen und viel- mehr annehmen dürfen, daß er ihn mit besserem Erfolge nieder- kämpfen wird, als ihm das bei den französischen Divisionen ge- lungen ist. Gerhart Hauptmann und Sie MaSemie. Gerhart Hauptmann hat die aufsehenerregende Ablehnung leiner Berufung m die Preußische Akademie der Künste in einer Unterredung mit einem Redakteur des„Boten aus dem Riesen- gebirge" zu rechtfertigen versucht. Er hat dabei darauf hinge- wiesen, daß hierbei keineswegs ein Umfall vorliege. Auch habe er keineswegs frühere Verhandlungen mit der Akademie gepflogen, noch bei der Aufstellung einer Kandidatenliste mitgewirkt. Daraufhin hat jetzt die Preußische Akademie der Künste akten- mäßig feststellen lassen, daß Gerhart Hauptmann bereits im März 1919 von dem damaligen Präsidenten der Akademie, Ludwig Monzel, über die Pläne der preußischen Regierung, Vertreter der Dichtkunst in die Akademie zu berufen, verständigt worden ist. Insbesondere war Hauptmann ersucht worden, sür die Auswahl der Dichter Vorschläge zu machen. Später fand dann eine Umer- redung mit ihm in Berlin in der Akademie statt, und bei dieser Gelegenheit soll er eine Anzahl von Dichtern in Vorschlag gebracht haben. Daß er damals gegen den Plan der Dichterakadenüe Ein- Wendungen erhoben hätte, ist den Teilnehmern an dieser Be- sprechung nicht bekannt. Gerhart Hauptmann hat zwar ausdrücklich dagegen protestiert, daß seine Ablehnung'als eine Geste gegen irgendeine Einrichtung des Staates gedeutet werden könnte(wie es von der Rechtsseite trotzdem geschah). Gleichwohl bleibt die Angelegenheit ärgerlich: denn die Akademie konnte mit Recht Gerhart Hauptmann für einen Anhänger ihrer Gründung halten. Was vom Standpunkt einer republikanischen Kunstpolitik zu der Angelegenheit zu sagen ist, hat Paul Gutmaim bereits im DienÄag-Morgenblatt hier sehr über- zeugend dargelegt._ was öprS von feinem polflug erzählt. Byrd, der glückliche Ueberflieger des Nordpols, befindet sich gegenwärtig in London und hat den Berichterstattern der engiijchen Blätter einige interessante Einzelheiten über seine Erlebnisse wäh- rend des Fluges mitgeteilt. Besonders rühmt er die Leistungen seines Ingenieur-Offiziers, des Fliegers Lloyd Bennet.„Als wir über der Arktis in einer Höhe von 7000 Fuß flogen," erzählt er. „schrieb mir Bennett einen Zettel, in dem er mitteilte, daß die Maschinen schlecht gingen. Ich nahm dann das Steuer und dieser Teufelskerl marschierte in dem kalten Luftstrom, bei dem ich mein« Nase in einer Minute erfror, auf die Tragflächen und schraubte einen Deckel ab, der den Oeldruck regulierte. Er rettete durch diese Heldentat uns beiden- das Leben." Der gefährlichste Augenblick ereignete sich, als sie etwa eine Stunde vom Pol entfernt waren.„Es war ein wundervoller 16- stündiger Flug." sogt Byrd,„und das Glück war mit uns auf der nichtgernindenHändenderPolizei wisien möchte, und das er so untergebracht hätte, daß es nicht von der Polizei gefunden würde. Er erklärte bei dem Fortgange der Untersuchung:„Daraus will ich kein hehl machen, wenn es gegen Berlin geht, dann bin ich der erste, der losmarschiert!" Bei dieser Gelegenheit ist es meine Pflicht, die schweren Angriffe gegen Staatssekretär Dr. Meister auf das deutlichste und nach- drücklichste zurückzuweisen. Diese Angrisse sind nach jeder Richtung durchaus unberechtigt. Von der rechten Seite des Hauses wird so viel damit operiert, daß die Pläne, um die es sich hier handelt, in Wirklichkeit so unsinnig seien, daß sie als vollständig undurchführbar gelten müssen(Sehr richtig! rechts), und daß infolgedessen keine Gefahr mit ihnen verbunden sei.(Erneute Zustimmung rechts.) Ich glaube, dieser Einwand richtet sich von selbst, denn die Er- fahrungen der letzten Jahre haben uns gezeigt, daß auch die unsinnigsten Pläne schließlich große Gefahren sür die Allgemein- heit heraufbeschworen haben.(Sehr wahr! links.) Ich brauche auch in dieser Beziehung nur an den K a p p- P u t s ch zu erinnern (Lachen und Zurufe rechts), an den H i t l e r- P u t f ch und andere Vorkommnisse. Ganz unverständlich ist es aber für das Staatsministerium, daß die Angrisse sich dauernd gegen die Polizei und nicht gegen die- jenigen richten, die die Urheber und Drahtzieher dieser ganzen Bewegung gewesen sind. (Sehr wahr! links.— Widerspruch und Zurufe rechts.) Ich glaube. das wäre sehr viel richtiger gewesen(andauernde lebhaste Zurufe rechts), wie es überhaupt merkwürdig ist, daß gerade diejenigen Kreise sich aufs stärkste auf die Verfassung berufen, die sie nicht genug verunglimpfen können.(Unruhe und lebh. Widerspruch rechts.) Einige Worte möchte ich noch im Hinblick auf eine Bemerkung einschalten, die von der rechten Seite des Hauses gefallen ist, daß die Aktion der Polizei sich gegen die Reichswehr gerichtet habe. Diese Behauptung ist durchaus unrichtig. Ich brauche auch auf die Sachlage nicht naher einzugehen. Die Angriffe wegen der Ver- öffentlichung der Briese sind ungerechtfertigt.(Widerspruch und Zurufe rechts.) In erster Linie ist hervorzuheben, daß es ein Not- recht des Staates gibt, das den Wünschen und Belangen der Einzelpersönlichkeit vorangehen muß(hört! hört! rechts), ein Rotrccht des Staates, das auch vor 1918 energisch und oft gehandhabt worden ist. Darüber hinaus aber ist die Rcchtsauffassung der betreffenden Angreiser durchaus unrichtig, wie sich aus der Begründung zu 8 l? des Pressegesetzes ergibt.„Das Staatsinteresie erforderte die Ver- öffentlichung, und daß die Veröffentlichung den notwendigen Erfolg gehabt hat, ergibt sich, glaube ich, aus der Tatsache, daß jetzt alle Teile der Bevölkerung gegen derartige Unternehmungen aufs schärsste Front machen und sie als ein Verbrechen am Staate be- zeichnen, was vorher nicht geschehen ist.(Sehr wahr! links.) Die Anwürfe und Vorwürfe gegen den amtlichen Pressedienst sind durch- aus unberechtigt.(Widerspruch rechts.) Der amtliche Pressedienst hat ausschließlich nach den Weisungen der Staatsregierung gehandelt und nach der Richtung nur feine Pflicht getan.(Zurufe rechts: Desto schlimmer!) Es ist unrichtig, daß ein Bericht an das Ausland oder an die französische Presse, wie besonders behauptet worden.ist, herausgegeben worden ist. Ich darf zum Schluß darauf hinweisen, daß die Polizei nach wie vor unter ollen Umständen und ohne Rücksicht aus Angriffe von rechts oder links ihre schwere Pflicht tun und dafür sorgen wird, daß die Ruhe und Ordnung im Staate aufrecht erhalten wird(bravo! links), wie überhaupt die Polizei der Ansicht ist, daß sie mit ihrer Aktion im wesentlichen gerade die rechte Seite, gerade diejenigen, die sich dagegen gewandt haben, in Schutz genommen hat.(Lachen und Zurufe rechts: Wir verzichten auf Ihren Schutz!— Hört! hört! und Zurufe links.) Wenn es zu einem Putsch kommen würde, unterliegt es gar keinem Zweisc.!, daß die Folge namenloses Unglück fein würde, Erbitterung und vielleicht blutige und traurige Folgen, die sich in erster Linie gegen die Urheber einer solchen Bewegung richten würden. Deswegen ist die Unternehmung, die zur Ausdeckung solcher Pläne in Szene gesetzt war, im wesentlichen zum Schutze der dabei betelligten Personen erfolgt. Die Gefahr ist beseitigt(anhaltendes stürmisches Gelächter rechts.— Zurufe rechts und links), die Ruhe und Ordnung ist gewährleistet, und die Polizei wird weiter dafür sorgen, daß das Wort des Ministers Seocring wahr bleibt, daß, solange er im Amte ist, ein Putsch nicht vorkommen wird.(Bravo links.— Zischen rechts.) Ministerialdirektor Abegg tonnte seine Rede nur unter den größten Schwierigkeiten durchführen, da sie fast bei jedem Satze von stürmischen Widerspruchsrusen aus der Rechten gestört wurde, Rufe, die wieder Gegenrufe von der Linken hervorriefen, so daß der Vize- Präsident Dr. Porsch zu wiederholten Malen sehr energisch das Haus ganzen Reise. Nur eine kurze Zeit waren wir angstvoll und un- sicher. Ich bemerkte ein Leck in dem Oeltant an der Steuerbord- feite. Ich tellte diese bedenkliche Beobachtung Bennett mit, der als Pilot fungierte, während ich die Navigation übernommen hatte. Ich fragte ihn schriftlich, was wir tun sollten, und er schrieb zurück: „Wir. müssen stoppen." Und das nur eine Stunde vom Pol ent- serntl Ich war des Todes erschrocken, denn ich wußte, daß wir, wenn wir aus dem Eis niedergehen müßten, wahrscheinlich keine Chance mehr haben würden, wieder emporzukommen. Ich teilte Beunett meine Bedenken mit, und der alte Junge erwiderte: ,Wir wollen erst mal zum Pol fahren und dann darüber reden, was weiter geschieht/ Daraus beschlossen wir, die Fahrt fortzusetzen und den Motor auszuschalten, und wir fanden, daß e; auch mit den beiden anderen Maschinen allein ganz gut ging. Unsere Hoffnung stieg, wir kamen zum Pol, schüttelten uns die Hände und lachten, machten unsere Berechnungen und kamen zurück. Aber es war doch eine ängstliche Episode, obwohl wir Nahrung sür 2)h Monate, zwei Schlitten und zwei Kanus mithatten. Der Blick von der Ma- schine herunter war wundervoll. Manchmal konnten wir über 200 Kilometer weit sehen, und während der ganzen Fahrt, glaube ich, daß wir ein Gebiet von mehr als 150 000 Quadratkilometer überflogen haben." Das Moskauer Marx-Dentmal. Seit Jahr und Tag wurde in Moskau auf dem großen Theater-Plag, der jetzt Swerdlow-Platz heißt, an der Errichtung eine» Riesenmonumentes für Karl Marx gearbeitet. Vor einigen Wochen wurde die Arbeit an dein Denkmal unterbrochen, und der Rat der Volkskommissare erließ eine Ver- fügung, die bisher errichteten Teile des Denkmals abzureißen und auch den Bauzaun verschwinden zu lasien. Diese Verfügung wird mit Sparsamkeitsgründen motiviert, doch fragt sich die Moskauer Bevölkerung, weshalb man auch die bereits errichteten Denkmals- teile abreiht und jede Spur von dem Denkmal verschwinden läßt. Um„falschen Gerüchten" zu begegnen, erklärt Lunatscharsti offiziell in der„Iswestija", daß die ganze Angelegenheit einzig das Re- sultat einer bis ins äußerste gehenden Sparsamskeitpolitik sei, und daß sowohl vom ideellen wie vom künstlerischen Standpunkte gegen das noch von Lenin begutachtete Denkmal keine Einwände zu erheben seien. Die Moskauer glauben aber diesen Versicherungen nicht, und allgemein wird die Maßnahme der Sowjetregierung dem Umstände zugeschrieben, daß der Entwurf für das Denkmal vontz einer so ungeheuren Häßlichkeit und Absonderlichkeit sei, daß die Sowjetgrößen sich entschlossen haben, von der Errichtung dieses Denkmals abzusehen._ 3n der Staat, aper wird zur Feier der einbundertjäbrigen Wlcderkebr des Todestage« von Carl Maria v. W e b e r am Sonnabend der.Frei- schütz" unter Leitung von Kleiber ausgeführt Vi« Internationale Snastau»stelluag In München, die erste nach dem Kriege, wurde am 1. Juni eröffnet. Vergnügung, sahrlen zum Nordpol? Köpitän deinen, der bekannte frühere /.eppeiinsübrer. hat in Amerika Korrespondenten erlläil. dag nach seiner Meinung in einigen Jayren ichon rcgelmäff�e Vcrgnüguiigsiabrten nach dem Nordpol eingerüblet werden können, solche ErholungSjahrten würden geradezu als Kur wirken. Der Wilhelmspfennig. Die Monarchisten sammeln Geld gegen den Volksentscheid. Zahlreiche Berliner, die wohlhabend sind oder dafür gelten', haben in den letzten Tagen einen von Abg. o. Kar- d o r f f und Generaldirektor W i l m unterzeichneten Brief der Volkspartei erhalten, in dem es heißt. Dürfen wir uns namens unseres Wahltreisverbandes der Deutschen Voltspartei die Bitte gestatten, unseren Generalsekretär, Herrn D i e t s ch, freundlichst empfangen zu wollen. Es handelt sich bei dem Besuch unseres Herrn Dietsch um die Bitte unserer Partei an Sie, für die volksparteiliche Arbeit in Groß- Berlin, insbesondere für die Abwehr der kommunistisch» sozial! st ischen Forderung der rücksichtslosen Enteignung des Besitzes, durch zur Verfügung st ellung einer an- gemessenen Summe die Grundlage sichern zu helfen. Wir glauben, diese Bitte an Sie richten zu dürfen» auch dann, wenn Sie sich nicht zu unserer Partei bekennen sollten. Durch die letzten Berliner Wahlen sind unsere Mittel restlos verbraucht. Wir sind deshalb gezwungen, uns an alle Kreise, die an einer volkspartei- lichen Politik persönlich bzw. wirtschaftlich interessiert sind, mit der obigen Bitte zu wenden. Wir glauben, daß Sie, als erfahrener Wirtschaftler, sich der Erkenntnis der Notwendigkeit der Deutschen Volkspartei nicht verschließen werden. Im gegenwärtigen Volksentscheid, der ja eigentlich nur ein Vorläufer für die Enteignung de» Gesamt- besitze» ist, steht die Deutsche Volkspartei auf dem Standpunkt, daß die restlose Enteignung aus grundsätzlichen Erwägungen heraus ab- gelehnt werden muß. Wir führen deshalb den Kampf gegen die Enteignung mit dem Ziel, eine Regulierung herbeizuführen, die den berechtigten Interessen beider Teile entspricht. Wir bitten Sie ergebenst, unserem Wunsche zu entsprechen und uns einen Betrag zur Verfügung zu stellen. Unser Herr Dietsch wird sich ertauben, Sie im Laufe der nächsten Tage aufzusuchen. Wir sagen Ihnen im voraus für Ihre freundliche Hilfe unseren verbindlichsten Dank. Dem selben Zweck dient ein Rundschreiben des West- fälisch-Lippischen Wirtschaftsbundes, in dem gleichfalls das Gespenst einer allgemeinen entschädigungslosen Enteignung an die Wand gemalt und dann gesagt wird: Um für unseren Bezirk eine einheitliche durchschlagende Pro- paganda zu ermöglichen, richten wir an alle unsere Mitglieder das dringende Ersuchen, trotz der gedrückten Wirtschastslag« uns sofort nennenswerte Beiträge für diese Propaganda zur Ver- fügung zu stellen.... Beiträge an Parteien werden durch diese uns überwiesenen Beiträge selbstoer» st S n d l i ch abgelöst. Wir bitten, die Ueberweisung aus unser Konto bei der Deutschen Bank, Filiale Bielefeld, zu richten und mit dem Kennwort„Volksentscheid" zu oersehen. Größte Eile ist ge- boten! Kennzeichnend für alle Aufrufe dieser Art ist es, daß sie peinlichst jede Stellungnahme zur Staatsform und jede Sympathiekundgebung für die Dynastien vermeiden. Immer wird an die Solidarität der Be sitzenden appelliert» immer wieder wird den Angeschnorrten eingeredet, daß ihr eigener Besitz bedroht sei. Nicht weil die Fürsten von Gottes Gnaden, sondern nur weil sie Millionäre sind, werden sie dem Schutz der übrigen Millionäre empfohlen. Und so werden alle dicken bürgerlichen Geldsäcke mobil ge- macht zum Schutz ihrer dicken fürstlichen Kollegen. Ein Aufmarsch, der imponierend ist und den Habenichtsen zu denken gibt! Beteiligung am Volksentscheid! Die Parole der Demokrate«. Der demokratische Führer Anton Erkelenz schreibt in der "Hilfe":„Der Aufmarsch zur Volksabstimmung über die Fürsten- enlschädigung, der durch die Auseinandersetzungen über die Flaggen- frage wochenlang gehemmt war. setzt fetzt allmählich ein. Die Demokraten haben die Abstimmung freigegeben. Das Zentrum hat leis« gegen die entschädigungslose Enteignung entschieden. Deutsche Volkspartei, Deutschnationale, Wirtschaftspartei und— Liberale Vereinigung haben von jeder Beteiligung an der Abstimmung ab- geraten. Die Demokratische Partei will eine wirkliche Freigabe der Abstimmung und hatte ihre Organisationen dringend gebeten, von jeder Ausgabe einer Parole Abstand zu nehmen. Zur Hauptfrage an sich mag der einzelne stehen, wie er will. Wir sind alle daran interessiert, daß eine freie Abstimmung möglich ist. Eine wirtlich freie Stimmenabgabe ist aber nicht möglich, wenn die Gegner der Abfindung nicht zur Abstimmung gehen. Dann wird auf dem Lande jeder, der zur Abstimmung geht, von vornherein als ein Anhänger der Enteignung angesehen und denunziert. Un- beschadet der Stellung zur Sache selbst, sollte des- halb in der Demokratischen Partei Einmütigkeit darüber bestehen, daß jeder zur Abstimmung geht und— nach seiner Ueberzeugung— mit Ja oder Nein stimmt. Nur wenn wir so handeln, ermöglichen wir die freie Abstimmung aller." Die Reichsregierung hat den Mitgliedern des Reichstags am Dienstag die Vorlage zur Fürstenabfindung übermittelt. Es handelt sich um den Gesetzentwurf, der bereits vor den Pfingst- senen vom Reichsrat mit der verfasiungsmäßigen Mehrheit verabschiedet worden ist und dessen Inhalt sich mit den Entwürfen, die im Rechtsausschuh des Reichstags trotz wiederholter Beratungen keine Mehrheit fanden, deckt. Im Plenum des Reichstags durfte er trog Irgendwelcher Aenderungen keine Mehrheit finden. zur Ruhe ermahnen und die Abgeordneten, die sich in einem dichten Haufen in den Vordergrund des Saales geschart hatten, aufjordcrn mußte, ihre Plätze einzunehmen. Abg. Mehenthin(D. Dp.) oersucht unter der großen Unruhe des Hauses die Aktion der Personen, gegen die der Oberreichsanwalt ein Vorverfahren wegen Hochverrats eingeleitet hat, als harmlos hinzustellen. Gegen die Wirtschaftsführer habe man aus politischen Gründen nicht vorgehen dürfen. (Im Verlauf der Rede kommt es zu stürmischen Unterbrechungen. Unter den Abgeordneten, die sich vor der Rednertribüne zusammen- drängen, erfolgt ein Zusammenstoß zwischen dem K o m- munisten Kasper und Vertretern der Rechten. Abge- ordnete der Mittelparteien oeranlassen den Abg. Kasper, zurück- zutreten.) Abg. Eberlein(Komm.) erklärt, hier werde ein so großes Ge- schrei erhoben über Haussuchungen: das passiere den Kam- munisten jeden Tag. Bei den Kommunisten werde nichts ge- funden: dafür aber wanderten sie ins Zuchthaus. Das Geschrei sei nichts als Theater, um die wahren Absichten, die man verfolge, zu verschleiern. Abg. Rave(Dem.) weist den früher erhobenen Vorwurf des Abg. Eynern(D. Vp.) zurück, daß die Polizei durch ihr Vorgehen Unruhe stifte. Er dankt der Polizei für ihre Haltung und bedauert, daß beim Etat nicht mehr materielle Besserstellung der Polizeibeamten herausgekommen sei. Abg. Prelle(W. Vg.) bezeichnet die Entwicklung der Polizei in den letzten Iahren als günstig. Da sollte man aber auch die Wünsche der Polizeibeamten, besonders in der Besoldungs- frage berücksichtigen. Ministerialdirektor Abegg erklärt, auf die in der Debatte vor- gebrachten Einzelheiten würde die Regierung in der Ausschuß- beratung zurückkommen. Abg. Dr. Körner(Völk.) behauptet, der ehemalige Polizeipräsi- dent Richter erhalte noch jetzt über 1000 M. monatlich, die er im Auslande oerlebe.(Hört! HörtI rechts.) Ministerialdirektor Abegg erklärt, daß der ehemalige Polizei- Präsident von Berlin, Richter, keineswegs über 1000 M. monatlich erhalte und diese Summe, die er nicht erhält, auch nicht im Aus- land verzehren könne, weil er überdies in Berlin fei. Abg. Ruschke(Dem.) bezeichnet es als Verbrechen. Nervosität in die Polizei und die Oeffentlichkeit zu tragen, wie es durch falsche Nachrichten der Hugenbcrgpresje geschehen sei. Die Völkischen sollten endlich mit ihren Hetzereien aushören: die Tat- sache, daß Müller-Dammers ermordet worden sei, können sie doch nicht leugnen. Was manche Beamte gegenüber der Re- publik, die sie bezahle, sich herausnehmen, übersteige alle Grenzen. Das wäre nicht möglich, wenn die Regierung von Anfang an sofort und energisch zugegriffen hätte. Putschplänen gegen- über müsse sie einen festen Arm zeigen, selbst auf die Ge- fahr hin, daß sie einmal daneben haue. Es fei zu begrüßen, daß die Polizeiorgane auf ihrem Posten gewesen seien und zugegriffen bätten: Heute gelte es vor allem, die Autorität der Regierung zu stützen. Der Polizeihaushalt wird hierauf dem Hauptausschuß überwiesen. Mittwoch 11 Uhr: Umgemeindung in Oberschiesien. Kleine Vorlagen. Haushalt des Finanzministeriums. Schluß S.4S Uhr._ Relchstanzler Marx und fein Kabinett. Tie Umgruppierung noch nicht beendet. Der Generalkommissar im Ministerium für die besetzten Gebiets Dr. Schmid, ist zum Staatssekretär ernannt worden. Der Sozialdemokratische Pressedienst bemerkt dazu: Erst am Sonntag hat sich die rheinische Sozia ldemo- kratie aus ihrem Parteitag in Koblenz mit dem jetzigen Staats- fckretär Schmid befaßt und ihm ihr Mißtrauen ausgedrückt.. dem sich auch die sozialdemokratischen Organisationen der übrigen be- setzten Gebietsteile und des Saargebieies angeschlossen haben. Die Reichsregierung war darüber unterrichtet und trotzdem wurde Schmid zum Staatssekretär befördert. Es hat den Anschein, daß diese Beförderung weniger auf die Befähigung des Herrn Schmid als auf parteipolitische Umstände zu- rückzuführen ist. Innerhalb der Regierungsparteien wird bekannt- lich schon seit mehreren Tagen ein Streit über die Besetzung der noch freien Ministerien ausgefochten. Er dürste jetzt dadurch er- ledigt sein, daß der Dolksparteiler Schmid zum Staatssekretär des Ministeriums für die besetzten' Gebiete befördert wurde und offiziell die Leitung dieses Amtes übernimmt, während das Zentrum den Abgeordneten Bell als Reichsjustizminister stellt. «° Finanzminister Reinhold hat infolge einer starken Heu- siebererkrankung auf ärztlichen Rat Berlin für etwa drei Wochen verlassen müssen. Die Führung der Geschäfte be- hält er m dieser Zeit bei._ �Rücksichtslose Maßnahmen../ Oder olympische Ruhe? Die Polizeiaktion der preußischen Regierung gegen die Putsch- pläne rechtsradikaler Verbände ergab u. a., daß zwischen offi- ziellen Reichswehr st ellen und dem sogenannten Sport- verein„Olympia" enge Verbindungen bestanden. In der letzten Reichstagssitzung vor den Pfingstserien, also am 19. Mai, mußte der stellvertretende Reichswehrminister Dr. Külz diese Verbindungen bestätigen. Der stellvertretende Reichswehr- minister kündigte gegen die beschuldigten Offizier« eine strenge Un- tersuchung und rücksichtslose Maßnahmen an. Inzwischen sind14Tagevergangen. ohne daß die Oessent- lichkeit etwas von diesen rücksichtslosen Maßnahmen vernommen hätte, und es scheint, daß man auch in diesem Fall wieder solange untersucht, bis kein Mensch mehr an den Skandal denkt, um ihn dann stillschweigend zu begrabe». Im Fall»Olympia" wie im Fall Konstanz._ Der blamierte Staatsanwalt. Rückzugsgefecht im Ttöltzel-Prozeh. Braunschweig. 1. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der zweite Verhandlungstag des Stöltzel- Prozesse, brachte verschiedene Rückzugsgefechte des Staatsanwalts. Schon nach der Vernehmung des früheren sozialdemokratischen Ministers Dr Ja spar der Dr. Stöltzel ausdrücklich bestätigte, daß er sich niemals bei der Ausstellung der Reisekostenrechnung Vorteile habe v->rschaffen wollen, erklärte der Staatsanwalt, seine Anklage in diesem Punkte fallen lassen zu wollen. Ein Hilfsarbeiter im Ministerium, Studienrat Dr. Zepernick, versicherte, daß nicht nur Landesschulrat Stöltzel sondern auch jeder andere Schulmann Bücher aus der Bibliothek de, candesschulamt» entleihen durfte; auch erhalte jeder Studienrat aus Anfordern vom Verleger Schulbücher zugeschickt. Der Landesschulrat Böse, der das Landes- schulamt für das Voltsschulwesen oermaltet, stellte dem Haupt- belastungszeugen Köhler(der so eifrig spitzelte) ein schlechtes Zeugnis aus. Köhler hat sich, trotzdem er Verbandsbeamter des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes war, bei den sozialdemokratischen Ministem anzubiedem versucht und die wahren Gründe seiner Entlassung au, dem Schuldienst(s i t t l i ch e Ver- f e h l u n g e n) verschwiegen. M I n i st e r Steinbrecher be- kündete jogar, daß Köhler zu einem anderen Beamten geäußert habe, Stöltzel breche sich das Genick. Nach diesen Aussagen zog der Staatsanwalt auch seine Anträge zurück, die darauf abzielten, Stöltzel» Unglaubwürdigkeit zu beweisen.— Die Verhandlungen werden am Mittwoch fortgesetzt. '......---:-***& Arbeitsplan des Landtags. 12.-21. Juni Volksentscheidspause.— 10. Juli ve- gin« der Sommerserie». Der Aeltestenrat des Landtages legte am Dienstag vor Wieder» beginn der Plenarsitzungen nach der Pfingstpaufe den Geschäfts» plan für die weitere Sitzungszeit fest. Am Mittwoch soll die zweite Lesung des Haushalts des Finanzministeriums begonnen werden. Der Donnerstag bleibt wegen Fronleichnam sitzungssrei. Am Frei- tag soll die zweite Beratung der Steuernotverordnung vorgenommen werden, die voraussichtlich am Sonnabend noch fort- gesetzt werden wird. Nach Erledigung des Haushalts des Finanz- Ministeriums wird dann am kommenden Montag der Justiz- Haushalt in zweiter Lesung in Angriff genommen werden. Für die dritte Beratung und die Abstimmungen zur Steuernotverordnung ist der 9. Juni in Aussicht genommen. Die dritte Beratung der Vorlage über dieBestellungderReichsratsmrtglieder. bei der wiederholt die Beschlußunfähigkeit de» Hauses sich heraus- gestellt hatte, wird voraussichtlich Donnerstag, den 10. Juni, statt- finden. Nach Erledigung des Iustizhaushalts werden bis zum 11. Juni noch eine Reihe von kleineren Vorlagen erledigt werden. Die Zeit vom 12. bis einschl. 21. Juni soll wegen de» Volksentscheids sitzungsfrei bleiben. Der Landtag wird dann vom 22. Juni noch bis zum 10. Juli zur Erledigung der Rest« des Etat» und sonstiger Vorlagen zusammenbleiben. Dann tritt die große Sommerpause ein. • Der Verfassungsausschuß des Landtags beschäftigte sich am Dienstag abend mit der Frage, ob der Stadtrat Marx- Bonn Mitgtted des Landtages ist. Wie bekannt ist, waren bei der Feststellung des Wahlergebnisses Versehen vorgekommen, so daß die Wahl des Abg. Dr. Badt(Soz.), die nach der Landesliste er- folgte, in Frage gestellt wurde. Der Ausschuß hat sich einmütig dahin ausgesprochen, daß auf Grund der Mitteilung de» Landes- wahlleiters der sozialdemokratische Kandidat Marx als Mitglied des Landtages zu betrachten sei. Weiter hat der Au«- fchuß beschlossen, den Präsidenten zu bitten, da» Wahlprührngs- gericht zu veranlassen, alsbald eine Entscheidung zu treffen, ob der Abg. Dr. Badt die Mitgliedschaft zum Preußischen Landtag ver- loren hat._ Die falsche Röresie. Zentrum, Sozialdemokratie» Sonntagsarbeit. Am IS. März haben einige Zentrumsabgeordnete des Reichstags beantragt, Konditoreien auch an Sonntagen die Herstellung von Eis und Creme zu gestatten. Damit ist«in neuer Vorstoß gegen die Sonntagsruhe gemacht worden, der auch für andere Arbeiter- und Angestelltengruppen die Gefahr der Au»- dehnung der Sonntagsarbeit mit sich bringt. E» ist begreislich. daß sich deshalb auch innerhalb der Anhängerschaft des Zentrums eine gewisse Erregung herausgebildet hat. Von der Zentrumspresse wird deshalb der Versuch unternommen, die Sozialdemokratie der Mitschuld an dieser Verschlechterung der sozialen Lage der Ar- beitertlasse zu bezichtigen. Man behauptet, die gesamte sozialdemo- kratische Reichstagssraktion habe für diesen Antrag gestimmt und es sei Heuchelei, wenn man nur die christlichen Arbeitervertreter wegen dieses Beschlusses angreife. Diese Darstellung ist falsch. Das Stenogramm über die Sitzung des Reichstages vom 23. März 1926, in der über diesen Zentrums- antrag abgestimmt wurde, weist das zweifelsfrei nach. Bei der Ab- stimmung über den Antrag hat der Präsident ausdrücklich ton- statiert, daß dieser Antrag nur»mit Mehrheit" angenommen worden ist. Diese Mehrheit wurde gebildet von sämtlichen bür- ger lichen Parteien, während die Minderheit aus der sozialdemokratischen und der kommunistischen Frakion be- stand. Im übrigen sei festgestellt, daß der Zentrumsantrag von seinen Urhebern nicht begründet worden ist. Man hat auch keine Vor» beratung in einem Ausschuß zugelassen, wie das einer ständigen Uebung des Reichstages entspricht. Man hat also die Gelegenheit der Abstimmung über zahllose Anträge benutzt, um einen Antrag mit durchzuschmuggeln, von dem man wußte, daß er die heftigste Gegnerschaft der Sozialdemokratie finden würde. Deshalb bestehen die Vorwürfe gegen das Zentrum zu Recht, während der Versuch, die Sozialdemokratie für diese Durchbrechung der Sonntagsruhe mitverantwortlich zu machen, in jeder Beziehung mißglückt ist. Moseistis Eidesleistung erst am Freitag. Warschau, I. lluni.(Eigener Drahlbericht.) Professor Alosciskl wird erst am Freitag mittag um 1? Uhr seinen Eid als Staatspräsident leisten. Er ist heute nach Ehorzow in Oberschlesien gefahren, wo er Direktor der Stickstosswerke ist. um seine persön- lichen Angelegenheiten zu ordnen, wahrscheinlich am Freitag wird auch das Kabinett Barle! vor den Sejm treten, um eine b e s o n- der« Bevollmächtigung für die Dauer von einigen wo- naten zu fordern. Damit werden erst die politischen Konsequenzen de» ganzen Umschwung» hervortreten. Am Parlament wird es liegen, ob die Regierung die nötige« vollmachten bekommt. 's- Der neue polnische Staatspräsident ist Im Jahre 1867 in Kongreß-Polen geboren. Er studierte Chemie in Riga und War- schau. 1892 wurde er wegen antirussischer und sozialistischer Agitation von der zaristischen Regierung aus Warschau au-gewiesen, siedelte dann nach London über und übernahm später an der Universität Freiburg(Schweiz) die Leitung eines Laboratoriums. Inzwischen trat er aus der sozialistischen Partei aus und betätigt« sich nicht mehr politisch. 1913 erhielt er einen Ruf als Professor der Chemie an die Universität Lemberg. Als 1923 die Teilung Oberschlesien» erfolgte, übertrug ihm die polnische Regierung die Leitung des Stickstoffwerte» Chorzow, dessen Enteignung aus dem früher deutschen Besitz der Internationale Schiedsgerichtshof im Haag soeben als sriedensv ertragswidrig erklärt hat. Politisch ist der neue Staatspräsident heule als linksgerichteter De- mokrat zu betrachten. Warfchan. 1. Juni.(WTB.) Man spricht in bestimmtester Form von der Möglichkeit, daß nach dem Rücktritt de» provisorischen Mi- nisterpräsidenten Bartel P i l s u d s t i die Führung des neuen Kabi- netts übernehmen werde. Verhandlungen hierüber sollen bereits im Gange sein. Authentische Aeußerungen aus der Umgebung Pilfudskis sind allerdings bisher über die Version, daß Pilsudski auf all« Fäll« das Kriegsministerium behalten werde, nicht hinausge- gangen._ Portugal nach Polen. eissabon, 1. Zun«,(havas.) Der Präsident der Republik, Bernardino Machado. ist zurückg-lreten. Die aufständischen Vivifionea haben den Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß die»e. gierung nur au, Mitgliedern gebildet werde, dieaußerhalbder politischen Parteien ständen. Der Arbeiterverband bereitet sich daraus vor. in Opposition zu treten, sali» eine Militärdiktatur errichtet werden solle. Di- Gruppen der Divisionen au» dem Borden und Süden unter dem Besehl de» General, Game, Costa marschieren aus Lissabon. Sie werden in der Umgebung der Haupt- stadt bi» zur Ankunft des Generals Feldlager beziehen. Die Revo- lutionäre haben den Senator Torr» Bova» und den Abgeordneten Tereira Oforio sowie den Führer der„Republikanischen Aktion" in der Kammer. Aloaro Castro, s e st g e n o m m e«. Um öas /lchtstunöentag-Mkommen. Was der deutsche Regierungsvertreter dazu sagt. s Wie wir Bereits im gestrigen Morgenblatt berichteten, haben die Arbeitnebmernertreter ans der internationalen Arbeitskantarenz die Zieqien.ngenertreter ansgesordert, in der Frage der Aatifizi«- ung des Waihingtoner Achslundentag Abkommens nicht länger wie die Kage um den heißen Brei herumzugehen, sondern endlich ein- mal Farbe zu bekennen. Der Lcrlretcr der englischen Regierung, Wolse, erklärte, daß die englische Regierung ihren guten Willen durch tfinberusung der Londoner Kanterenz bewiesen habe. Sie sei aber, wie er unter Hinweis aus die Wirtschafts- und Arbeitslage in England hinzufügte, bis heute noch nicht in der Lage gewesen, die Ratisizierung zu vollziehen. Es wäre wichtiger zu erfahren, wann man in England das Abkommen zu ratifizieren gedenkt. Die Bestrebungen, die Arbeit»- cit der Bergarbeiter zu verlängern, lassen nicht daraus ließen, daß die» in nächster Zeit geschehen wird. Die Erklärung des englischen Vertreters war sür den deutschen Rcgieeungsvertreter, Ministerialdirektor Feig, van vornherein eine gute Entschuldigung. Er führte nach dem WTB.-Bericht aus: „Seit dem Borjahre ist ein sehr wichtiges Ereignis eingetreten. in dem zweifellos auch die Regierungen der Konferenzteilnehmer einen wesentlichen Fortschritt auf dem Wege zur Ratisizierung der Konvention über den Achtstundentag erblicken werden, nämlich die Konferenz in London. Die deutsche Regierung ist sür die Initiative des englischen Arbeitsniinisters sehr dankbar gewesen und glaubt, daß die Einigung der wichtigsten Industriestaaten über die Auslegung verschiedener zweifelhafter Punkte des Washingtoner Abkommen- in den beteiligten Staaten, aber auch iiber sie hinaus, den Weg für die Ratisizierung dieses Abkommens ebnen wird. Die deutsche Regiening hat nicht gezögert, aus dem Ergebnis der Londoner Konferenz die Folgerungen zu ziehen. Schon früher ist im deutschen Arbeitsministeriuni der Entwurf eines Gesetzes vorbereitet worden, in dem außer dem sonstigen Arbeiterschutz die Arbeitszeit geregelt werden sollte. Dieser Entwurf ist auf Grund der Ergebnisse der Londoner Konferenz umgearbeitet worden. Es handelt sich um einen vorläufige» Entwurf, der im Arbeitsministerium ausgearbeitet worden ist, über den aber eine Beschlußfaisung des Kabinetts noch nicht erfolgt ist. Dieser Entwurf wird gerade in diesen Togen mit den Regierungen der deutschen Länder sowie mit den Hauptverbönden der Arbeitgeber und Arbeitnehmer besprochen. Es ist bestimmt zu hoffen, daß er noch im Laufe dieses Sommers dem Kabinett und von diesem den gesetzgebenden Körperschaften vorgelegt wird. Ich habe es bei früheren Gelegenheiten ausgesprochen und mochte es heute wiederholen, daß Deutschland auf dem grund- säglichen Standpunkt steht, kein Abkommen zu ratifizieren, ehe es nicht seine Gesetzgebung in voll« Uebereinstimmung mit dem Inhalt des Abkommensvertrages gebracht hat. Der gegenwärtig ausgearbeitete Entwurf des Arbeitsschutz- gefetzes ist so geiaht, daß er die Ratifizierung einer ganzen Reihe von internationalen Uebereinkommensentwürfen— insbesondere aber des Achtftundentag-Ucbereinkommens— ennöglichen würde. Der Bollzug der Ratifikation wird von der gleichzeitigen Ratifikation durch die anderen hauplinduslriestaalen abhängig sein, aber die fj o f f n u n g. ist sicherlich berechtigt, daß diese gleichzeitige Ratifikation durch das Werk von London nicht nur ermöglicht, son- dern herbeigeführt werden wird." Wir zweifeln nicht daran, daß die Ratifizierung des Achtstunden- tagabkemmens nicht ganz und gar aussichtslos ist, wenn die Arbeit- nehmerfchaft der einzelnen Länder gehörig darauf dringt. Für uns dreht es sich mehr um den schließlichen T e r m i n. an dem die Hoffnung, die unser Regierungsvertreter für berechtigt hält, m Erfüllung gehen soll. Uns scheint, der Worte seien genug gewechselt, wir möchten Taten sehen. Doch von all den o o r l ä u f i g e n Entwürfen bis zu bestimmten Vorschlägen und ck>n da bis zu der Verwirk« lichung ist ein gar weiter Weg. Da» wenig muntere Spiel der gegen. feitigen Berufung der einen Regierung auf die andere wirkt nach- gerode etwas ermüdend. Hoffen wir einstweilen weiter— auf die nächste Konferenz. Tie Rcichstndexziffer im Mai. Berlin, 1. Juni. sWTB) Die Reichsindexzifser für die Lebens- holtungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Be- kleidung und.sonstiger Bedarf") betaust sich noch den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Mai auf lM.S gegen 139,6 im Vormonat. Sie hat sich sonach um 0,3 Proz. erhöht. Bei den Ernährungsausgaben wurden Preissteige. rungen für Brot und Mehl, Gemüse und Kartoffeln durch das weitere Nachgeben der Preise sür Milch und Milcherzeugnisse und Eier zum großen Teil ausgeglichen. In einzelnen Teilen des Reiches sind auch die Ausgaben für Wohnung gestiegen. Ter Streikbrecherfang für Rummelsburg. Bezeichnend ist, daß die Unternehmer selbst von dem völkischen Arbeitsnachweis nur unter Vorspiegelung falscher Tat- fachen und aus allerlei Umwegen Arbeitswillige nach Rummelsbnrg bekommen können. Die Leute werden im Auto zu- nächst an Stellen gebracht, nach Martendorf, Wilmersdorf und sonstwo, und erst von da aus zur Baustelle des Großkraft- wertes in Rummelsburg. Nicht all« Arbeitslosen, die auf dies« Weise hinters Licht zu führen versucht werden, lasten sich das gefallen, sondern viele weigern sich, sobald sie erfahren, daß sie nach Rummeliburg geschleppt werden sollen, m i t z u- kommen. Am Dienstag vormittag hotten die Bauarbeiter es sich angelegen sein lasten, während der Frühstückspause mit den arbeitswilligen Eisenkonstruktionsorbeitern in Berührung zu kommen, mit dem Erfolg, daß die Arbeitswilligen die Ar» beit einstellten. Die Frühstückspause dehnte sich dabei aller- dings etwas länger aus als vorgesehen, doch entstanden den am Streik unbeteiligten Bauarbeitern keine Schwierigkeiten deswegen. Nur die Firma Boswa u. Knauer sucht« daraus eine Aktion zu machen. Die Bauarbeiter waren um 9 Uhr wieder an der Arbeil, bis auf«inen Rest van etwa 50 Mann, die später kamen. Man ließ diese Arbeiter nicht weiter arbeiten, zog sie von 9� Uhr bt»" zum Mittag hin, um ihnen dann ihre Entlastung anzukündigen. Offenbar durch dieses„forsche" Beispiel im Umgang mit Arbeitern ermuntert, hat eine andere Firma nachdem ebenfalls einen Teil ihrer Belegschaft entlasten. Die Metallindustriellen hatten sich bald wieder einigen Arheitswilligenersatz beschafft. Bedauerlich ist, daß die Stadt Berlin sich so wenig Ein- flitß auf die Unternehmer gesichert hat, daß dieie nicht nur unorganisierte Arbeiter einstellen, sondern auch die Löhne in so schändlicher Weise drücken konnten. Dabei war vorauszusehen, daß die beteiligten Unternehmer die Erwerbslosennot ausschlachte» würden, um möglichst große Profite einzuheimsen. Damit zugleich aber, daß dabei die Arbeiten keinen ungestörten Verlauf nehmen konnten. Wallte die Stadt die rechtzeitige Fenigstellun� des Groß- kraftwerkes sichern und all den üblen Folgen einer r u ck s i ch t»- losen Prositwirtschast von vornherein begegnen, dann mußte sie vorsichtiger veriahren bei der Vergebung ihrer Aus- träge. Kommt es nicht bald zu einer annehmbaren Regelung des Konfliktes bei den Eisenkonstruktionsarbeiterm dann werden auch die Bauarbeiter noch mit hineingezogen. Selbst wenn das Werk von Streikbrechern aufgeführt werden könnte, so bedeutete Jties Werk zeitlich noch qualitativ eine Förderung desselben. Dar- über sollt« man sich endlich klar werden. Zum eflgUsthen Sergarbetterstrekk. Lvndou. 1. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Im Unterhaus be« gann am Dienstag die große innerpolüijche Aussprach« über die Lösung der Kohlenkrise. Für die Arbeiterpartei ergriff Macdonald das Wort und warf der Regierung lln- tätigkeit und Pflichtoers äumnis vor. Das Kabinett begnüge sich damit, seine Ausfastung zu verkünden, habe aber nicht den ernsten Willen, wirklich eine Lösung herbeizuführen. Mac- donald bezeichnete im weiteren Verlaus seiner Ausführungen die die Subventionen des Staates an den Kohlenbergbau als im natio- nolen Interesse liegend und forderte die Regierung auf, die Vor- schlüge des Kohlenberichts über die Lohnregelung, die sich der Ge- werkschaftskongreh zu eigen gemacht hat, anzunehmen und d i e Umstellung des Bergbaues in Angriff zu nehmen. London. 1. Juni.(TU.) Die Führer der Bergarbeilergewerk- schaften traten heute zu einer weiteren Besprechung der Lage zu- sammen. Der Sekretär der Bergarbeitergewerkschaft, Cook, erklärte hiernach, daß alle Gerüchte über Einigungsverhandlungen zurzest jeder Begründung entbehrten. Gegenstand der heutigen Besprechung sei u. a. die Frage des Einfuhrverbote» von Kohlen gewesen. Man hoffe auf die Hilfe aller Transportarbeitergewerkschaften sowohl in England als auch im Ausland, um den Transport von Kohle un- möglich zu machen._ Hilfsaktion für die englischen Arbeiter. Amsterdam. 1. Juni.(MTB.) Am Montag fand im Gebäude de« Internationalen Gewerkschaftsbundes eine interne Sitzung statt, an der Vertreter verschiedener nationaler GewerkichafiSzeniralen, die Sekretäre des Internationalen Getverkichaftsbundes: Brown. Qudegeest und Sassenbach und eine aus Purcell. Citrine und HickS bestehende Abordnung der englischen Gewerkschaften teilnahmen. Gegenstand der Besprechung war die Frag« der Beschaffung einer Anleihe in Höh« von einer Million P'und Sterling zur Unter« stützung der durch den Generalstreik arbeitslos gewordenen englischen Arbeiter.— Verhandlungsgegenstände interner Besprechungen werden in der Regel nicht an die große Glocke gehängt. Es ist dennoch möglich, daß der LSTB.« Berichterstatter richtig tnformiert wurde. Achtung, Banarbeifsr! Die Sperre über die Firma Smolny. beschäftigt bei der FirtNt Holzmann in Britz, wird hiermit auf- gehoben. BmlgewerkSbrmd, Baugewerkschast Berlin. Fachgruppe der Staaker. gern(Sn»«rtU&oH»iaornl>. Kevt«. Shttnoft, 7% tlhr. Wo»» die«rmwe»- Rnitöllu I: Wir besuchen die®nu>pe Schöueber»: Iuaendbeim JhJwnsfrroftr sSperwIatÜ. Seimb-torechunq.— Südweftc» t»!e»»ber« 2): Stiidtuche Scknvimuib-UI« Barwold Itr. 64. KeZmbeivresmna sMUaliedsbuchwiiirollit.— aerttn: Suuendhthn Metallorbcite rvrrband-bau» Llnienstr. SSM, t. BortaT, I Trevven. Seimbewrechung und Unierbaltunaeabend.— Nordel»0:?US«IU>- b-iin Tberswatder Str. 10. Keimbesorechuna. Nusik. uud Liederabend.— atnrrtottrubura: Zuaersbeim Deutsch«, Nrantrnlaisendou», Berliner Str. Ittt. Sennvcsorrchinra. Bericht von der Pfinastfabrt._ Vezirksocrsammlungen des ZdA. Mvraen. DutueuUa«.* Üb» Weddinq.Setuubbenunen:> o»»io-Beach». Nile. Cbausseestr. 110...Bilber au» der deutschen Nulturaeschichtr''. Rescrent: Simon Notenstew.— Schöndouscr Vorstadt: Schsubouler Zrslsäle. EchSuhouser Allee 12»...Di« Linke lacht!" sbeitere Be�itationenl. ZZortragcnder: Tbeo Maret.— Stben-Südwesten: Restaurant Gabel, Temvelbofer Ufer 6. fftih- Reuter.Abend. Referent: Rrtdur Rochow.— Sllb»sl»u>Zre»t»»: Grünauer Garten. Grünauer Str. 14...Die literarischen Interessen der verschiedenen Leben-Utlter". Referent: vaüor Ketnrsch ltronche.— Nordosten: Union»zzest» säl«. Greiszwawer Str. 222.„Nu» dem Dichter ovrten de, pumors"achsen. Na. Mutter, wachsen se oder ivachsen se nich?" Mutter ging erregt aus Fritz zu:„Wirst du wohl deinen Mund halten, du vorlaute—" Vater hielt sie zurück: „Laß man Mutter, strapzier dir nich! Er hat recht." „Wat?" sagte Mutter, nun völlig fassungslos. „Ja. fiehste, habe ick et dir nich gesagt?— Jeistig wachsen se uns iebern Kopf. Und das is fcheen, is für die kommende Menschheit jut, aber wir uxr- den dabei immer kleener. Und wenn wir uns an die heranwachsende Jugend nicht empor- schlängeln, entwurzeln uns die nächsten Frühjahrsstürme" hat neulich der Redner über Jugendkultur gesagt. Siehste, und nu kam ick mir vor, als wenn man mir eene Wurzel nach der andern, mit der ick mir an de alte Welt festge- klammert hatte, abhaute. Und die neuen wachsen so langsam. Und deshalb will ick— een bißken frische Lust schnappen. Wenn ick da draußen'ne Weile mit mir alleene bin, da finde ick mir wieder, und dann bin ick ooch wieder selber wat. Wenn man ooch bloß ein ganz klein wenig." „Du, Anneliese," wandte er sich plötzlich an diese.„Hör mal gut zu! Ihr habt woll in der neuen Schule auch schon sexuellen Unterricht oder wie det heeßt." „Sexualunterricht? Ja Vater, was willst du wissen?" antwortete Anneliese, zu ihrem Bater unbefangen auf- schauend. Knorke blieb der Mund offen.„Ick?— ick?— Heilje Jöttin Wissenschaft? Nee, laß man. et eilt ja nich. et hat ia schließlich bis morjen Zeit—" und er war zur Tür hinaus. „Wir essen in'ner halben Stunde Mittag!" rief Mutter ihm noch nach, bekam aber keine Antwort mehr. Fritze war währenddem aus der Tür ganz auf den Kor- ridor getreten,,.>-• Jetzt standen alle drei Knorkes halb abwartend, halb ängstlich auf die Mutter schauend, da, die ihrerseits eins nach dein andern ansah und wiederholt den Mund bewegte, um etwas zu sagen. Aber sie brachte kein Wort heraus. Schließ- lich rang es sich ängstlich von ihren Lippen:„Vater wird doch nicht wieder in die Kneipe gehen?" Wie aus einem Munde kam es:„Nein, das tut Vater nicht!" Noch erstaunter sah sie in die leuchtenden drei Augen- paare seiner— ihrer Kinder, und sagte sich, mit der Schürze die Tränen aus den Augen wischend: Nein, die lügen nicht. Zu den Kindern gewendet aber erklärte sie, die nun ganz ihre Fassung wieder hatte:„Ihr müßt ans Vater nich so ville einreden. Besonders nich so viel von eurer Schule erzählen. Vater hat jetzt mit der Kurzarbeit und der Sorge vor Entlassung den Kopf voll." „Ja, aber er fragt uns doch immer," sagte Fritze, und Karle setzte bestätigend hinzu:„Und da müssen wir doch ant- warten." „Na, jawoll," meinte Mutter.„Aber det neue is uns doch alles noch fremd—" „Ihr müßt euch mal unsere Schule in Betrieb ansehen. Das ist den Eltern nicht nur erlaubt, sondern sie werden sogar darum gebeten. Auch zu den Elternabenden solltet ihr mitgehn." „Au ja." fiel Karle ein,„da is et knorke, sagen unsere Jungen?. Ich habe allein auf dem letzten vier Gedichte vor- getragen und noch in eine Ierichtsszene mitgespielt." „Kinder, wo denkt ihr hin." wehrte Mutter. „Das kostet ja nichts," erklärte Karle. „Aber Vatas armer Kopf, der jrübelt zu viel. Er müßte abgelenkt werden," sagte Mutter. „Mutter?" kam es aus Annelieses Mund, indem sie schmeichelnd den Arm um ihren Hals legte.„Rede doch Vater zu, daß er wieder an seinem Röhrenapparat baut! Das war doch das einzige, was er hatte." „Ich habe nischt dajejen," sagte Frau Knorke. „Hat ja gar keinen Zweck." mischte sich Fritze hinein. „Dater faßt den Trümmerhaufen nicht mehr an." „Ist denn alles kaputt?" fragte jetzt wirklich besorgt Frau Knorke._____. „Weiß nicht." entgegnete Fritze.„Wir haben den Kla- mauk noch nicht wieder vorgehabt. Aber wenn ooch nich eene Klemme kaputt wäre, Vater würde das Ding nich wieder anrühre».� fFortjetzung folgt.) Straße 51 zu Neukölln gesteuert, der seit Januar d. bei Houck angestellt war. Der Arbeitgeber stellt dem jungen Manne dos beste Zeugnis aus und schildert ihn als einen nüchternen, bc- sonnencn und durchaus zuverlässigen Fahrer. Am vergangenen Sonntag, am 39. Mai, vormittags um 19 Uhr, suhr Müller mit dem ihm anvertrauten Wagen vom chos und ist seitdem nicht wieder zu seiner Arbeitsstelle oder in seine Wohnung zurückgekehrt. Der im Wagen ausgesundene Kragen wurde einwandfrei als Eigentum des Ehauffeurs festgestellt. Alle Personen, die sich erinnern können, eine Autodroschke mit der Erkennungsmarke I � 27 785 gesehen zu haben oder die sonst zweckdienliche Bekundungen niachen können, werden dringend ersucht, sich unverzüglich bei der Mordkommission, den Kommissaren Dr. Berndorsf-Zapfe, im Zimmer 52 des Polizei- Präsidiums zu melden._ Eine wüste Gerichtsszene. Die Hochstapeleien der falschen Großfürstenlochter. Zu den üblichen wüsten Szenen, die diesmal wohl ihren Höhe. punkt erreichten, gab wieder einmal die berüchtigte Hochstaplerin A n n i S a n n e ck, die in den Gerichtsannalen des legten Jahr- zehntes als„G r o ß f ü r st e n t o ch t e r"' genügend bekannt gewor. den ist, vor dem Schöffengericht Mitte Anlaß. Anni Sanneck hatte, nachdem sie wegen Haftunfähigkeit wieder auf freien Fuß gesetzt worden war, sofort ihr altes Handwerk auf dem Gebiete der Hoch- stapelei aufgenommen, und es war ihr gelungen, diesmal unter der Maske einer Gräfin Helene von Meerschcidt-ljüllessen zahlreiche Personen in Berlin, im Rheinland und in Thüringen um in die Taufende gehende Summen zu betrügen. Ihre Betrügereien hatte die Angeklagte mit Hilfe des Kauf- manns Joseph Pallenker ausgeübt, von dem sie behauptete, daß er mit ihr ehelich getraut worden sei, während der Mitange- klagte Pallenker dies bestritt. Die Schwindlerin hatte ferner bc- houptet, daß sie als Gräfin von Mcerscheidt- Hüllessen eine große Erbschaft aus Holland abzuheben habe. Für die Ueber- Weisung der Summe hatte sie den Leuten große Beträge abge- schwindelt und daneben auch umfangreiche Dorlehns- und Kredit- betrügereien verübt. Mit den Worten„Ihr Verbrecher",„Ihr Juftizbanditen" betrat die Angeklagte den Gerichtssaal und begann sofort zu toben und zu kreischen, als der Borsigendc sie in Gegenwart des Mitangeklagten Pallenker, der sich auf freiem Fuß befand, zwang, auf der Anklagebant Platz zu nehmen. Ihr Erstes war, ihrem angeblichen Ehemanne in rasender Wut einen Faust» schlag ins Gesicht zu geben, bis der Vorsitzende sie schließlich ab- führen lassen mußte. Man hörte hinter der Tür gleich daraus das Klirren von Glas. Die Angeklagte hatte die Scheiben der Zellen- tür zertrümmert. Als sie nach einiger Zeit wieder in den Saal geführt wurde, war ihre Hand vollkommen blutig, so daß Gerichts- arzt Professor Dr. Strauch ihr erst einen Notverband anlegen mußte. Nachdem sie sich in ihrer dreisten Art an Staatsanwalt und Vor- sitzenden gewandt hatte, nahm sie sich die Zeugen vor. Fast jeden empfing sie mit den Worten:„Komm her, mein Jungchen, war es nicht recht schön zwischen uns." Das gleiche erlebte Rechtsanwalt Dr. Frey, ihr früherer Verteidiger, als Zeuge, den sie als ihren Schwager ausgegeben und dessen Namen sie bei ihren Schwindeleien mißbraucht hatte. Ihm rief sie zu:"Erich, Du bist doch der beste. Komm mal her." Jetzt erklärten die Zeugen mit einemmal, dgß sie sich gar nicht geschädigt gefühlt hätten. Die Sachver- ständigen, Professor Dr. Strauch und Gefängnisarzt Dr. Bürger, billigten ihr diesmal den Schutz des§ 51 zu, da sie an H y st e r i e und Morphiumsucht leide, und da bei ihr„pseudoloxk pb»n- tastica" vorliege. Sie glaube selbst an ihre Lügen. Ueberdies konnten ihre Verteidiger init Erfolg einwenden, daß ein großer Teil der 26 Betrugsfälle als fortgesetzte Handlung in die Zeit der bereüs früher abgeurteilten Straftaten der Angeklagten fallen. So kam das Gericht auch aus allen diesen Gründen zu ihrer Freisprechung. Der Mitangeklagte Pallenker wurde ebenfalls freigesprochen. Zwei Großdränöe. Zn Lichtenberg drei Feuerwehrleute verunglückt. Ein Feuer, das in kurzer Zeit gewaltige Ausdehnung annahm, beschäftigte gestern nachmittag um �6 Uhr sieben Löschzüge der Groß-B«rliner Feuerwehr. Das Feuer war in der Breljchneider- straße in Charlottenburg ausgebrochen, wo sich ein großes Rahmen- Holzlager der Firma Hinterecker&. Reimer befindet. Auf dem umfangreichen Platz stehen mehrere große geschlossene Schuppen und außerdem lagerten erheblich« Bestände von Rahmenhölzern, die mit Stoff bespannt(Kulissen) waren und zu Ausstellungszwecken benutzt werden. Das Feuer griff mit rasender Schnelligkeit um sich. Es wurde sofort der Alarm Großfeuer gegeben und unter Leitung von Branddirektor Runge erschienen sieben Löschzüge an der Brandstelle. Die Lage gestaltete sich trotz der enormen Hige für die Löschattion insofern sehr günstig, als die Wehrmannschaften van allen Seiten aus fünf Rohren größten Kalibers und einem Rohr kleineren Kolibers Wasser geben tonnten. Große Gc- fahr bestand für die etwa 59 Meter entfernt angrenzenden Wohnhäuser. Durch eine überaus große Strahlenhitzcentwicklung fiel der Mörtel von den Wänden und besonders bei den im dritten und vierten Stockwerk gelegenen Wohnungen platzten die Fenster- scheiden und die Holzkreuze fingen Feuer. Es mußte alle Aufmerksamkeit auf den neuen Gesahrenpunkt oerwandt werden, um eine Katastrophe zu verhüten. Gegen 8 Uhr war das Feuer soweit abgelöscht, daß mit den Aufraumungsarbeiten begonnen werden tonnte. Sämtliche Rahmenholzoorräte, wie auch die Schuppen, die ebenfalls mit allerlei Materialien dicht vollgepackt waren, brannten nieder. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis in die späten Abendstunden hinein. Ueber die Entstehungs- Ursache ist noch nichts Genaues bekannt, doch hat sich die Kriminal- Polizei bereits mit der Angelegenheit befaßt und einige Ver- nehmungen vorgenommen. � zweiter, und zwar ein großer Dachstuhlbrand kam um Uhr in dem Dachstuhl des Vorderhauses Eifelstr. 8 6 in L i ch t e n b e r g zum Ausbruch. Bei Eintreffen der Wehren unter Leitung des Baurats Foot schlugen aus den Bodenluken bere'ts die hellen Flammen heraus. Der Dachstuhl, dessen Dachkonstrut- tion aus au, fallend dünnem Material bestand, stand bald in seiner ganzen Ausdehnung in Flammen, so daß aus vier Rohren Wasser gegeben werden mußte. Mitten in den Löscharbeiten stür'te ein Teil der brennenden Dachkonstruktion ein. Drei Feuer- wehrleutc, die Feuerwehrmänner Hamann und Keller von der Lichtenbcrger Wache und Feuerwehrmann Schwarz vom Zug 7, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konMen, wurden'von den brennenden Balken erfaßt: sie erlitten Kopf, und Rücken- Verletzungen und sind für einige Zeit dienstunfähig. Das Uebergreifen auf die anliegenden in gleicher Höhe liegenden Dächer der Nachbargrundstücke konnte unter großen Anstrengungen ver- hindert werden. Der Wasserschaden in den oberen Etagen ist be- deutend. Auch hier konnte die Entstehungsursochc noch nicht em. wandfrei geklärt werden. Das Plädoyer des Staatsanwalts im Lühow-Prozeh soll heute beginnen. Der Rest der Woche wird durch die Reden der Verteidiger ausgefüllt werden. Das Urteil ist demnach erst Mitte nächster W o�ch e zu erwarten. Die Anträge der Ver- teidigung, einige neue Sachverständige für angewandte Psychologie zu laden, die über den Wert der Aussägen von Jugendlichen gehört werden sollten, und außerdem neue 153 Zeugen, ehemalige Schüler Lützows aus Buckow und Zossen, werden vom Gericht ab- gelehnt. Die Versuche, das für Lüssow ungünstige Gutachten Dr. Stürmers durch eine Reihe von Fragen zu erschüttern, miß- lingen. Der Sachverständige bleibt bei seinen früheren Acußerungen. Auch die Fragen des Beisitzers, des Landgerichtsrats Eourbier, bleioen erfolglos. Für das Interesse gewisser Kreise an dem Prozeß sst ein Brief charakteristisch, den der Amlsgerichtsrat Dr. Feußner während der Pfingstfeicrtage erhalten hat. Da heißt es u. o.: Aus dem gchtzen Prozeßverfahren sehe man, mit welcher Milde dos Gericht»diesen sadistischen Verbrecher behandle. Die ganze Er- krankung o. Lützonts sei Theater gewesen, und kein Mensch außer- halb des Gerichts glaube daran. Daher habe sich eine Schüler- Verschwörung gebildet, die selbst richten werde, wenn das Urteil nicht der Gerechtigkeit entsprechen sollte.„Unser Attentat," so heißt es weiter,„wird in der Welt berühmt werden. Zuerst kommt v. Lüssow an die Reihe, und dann folgen die Mitglieder des Gerichts der Reihe nach."_ Eheberatung— eine Kufgabe üer Sozialhygiene. Die Eröffnung der Eheberoiungsstelle Prenzlauer Verg. Die im Verwaltungsbezirk Prenzlauer Berg eingerichtete erst« öffentliche Eheberatungsstelle Berlins, auf deren Zweck und Bedeutung im„Vorwärts" bereits hingewiesen wurde, ist am Dienstag auf dem Schulgrundstück Duuckerstr. 64 eröffnet worden. An der schlichten Einweihungsseier beteiligten sich Mitglieder des Bezirks- amtes und der" Bezirksversammlung, Vertreter der Gesundheits- verwallung des Bezirkes und des Hauptgesundheitsamtes der Stadt, Vertreter von Staats- und Reichsbehördcn, der Krankenversicherung, der Aerzteschaft. Der neue Bezirksbürgermeister, Genosse Dr. Ostrowski, hob in seiner Begrüßung hervor, daß es sich hier um den ersten Schritt auf einem neuen Wege handelt, der weiterver- folgt werden muß, damit feste Grundlagen für die Volksgesundheit Oeffentliche Kundgebung am Donnerstag, den Z. Zun!, abends 7l/o Uhr. in Lichtenberg, Ceciliea-Lyzeum, Rathousflrahe Volksentscheid ist Volksgericht! Für das Volk— gegen die Fürsten! Redner: Landtagsabgeordneter Artur Richter. Männer und Frauen aller Parteien sind ein« geladen.— 17. Sreis Lichtenberg der SPD. geschaffen werden. Er erinnerte an den Widerstand, der dem Plan einer solchen Beratungsstelle von den eine Schädigung fürchtenden Aerzten bereitet wurde, an die Schwierigkeiten, die bei der Mittel- beschafsung entstanden, an die Wendung, die schließlich mit dem die Schaffung von Eheberatungsstellen empfehlende» Erlaß des preußi- schen Wohlfahrtsministers eintrat, und er gedachte der Bemühungen des Stadtarztes Genossen Dr. Korach. der im Bezirk der Anreger und Förderer des Gedankens oewesen ist. Dann sprach Dr. Korach über die Cheberatungsstellen im Rabmen der kom- munolen Gesundheitsfürsorge. Die Gemeinden sind von bloßer Krankenvflege immer mehr zur Gesundheitsfürsorge über- gegangen, zur Gesunderhaltung der Gesunden, und als eine Aufgabe dieser vorbeugenden Fürsorge wird jetzt auch die Eheberatung anerkannt. In Dr. Scheumann hat die Eheberatung«- stelle des Bezirks Prenzlauer Berg einen Leiter erhalten, der neben dem allgemeinen ärztlichen Wissen und Können die not- wendige besondere Kenntnis der Vererbungslehre mitbringt. Die Eheberatungsstelle soll der sexualhygienischen Not weiter Bevölkerungsschichten abhelfen, sie soll nicht nur den in die Ehe tretenden jungen Leuten, sondern auch ibrer Nachkowmenichast zum Segen gereichen, aber auch den schon Ver- heirateten wird sie wertvollen Rat erteil«? können. Auf Wunsch gibt die Eheberatungsstelle ein Zeugnis über den Gesundheit«. befund, und angestrebt wird, daß die Ausstellung solcher Zeugnille vor der Eheschließung sich als Selbswerständlichkeit durchsetzt. Dr. Scheu mann erörterte dann die Aufgabe der Sheberatungs« stelle und die Grundsätze für die Eheberatung. Das Ziel der Ehe- beratung ist, hie Beschaffenheit künftiger Generationen zu beein- flussen Mit einem Rundgang durch die Räume der Schulzahnklinik, die von der Eheberatungsstelle benutzt werden sollen, endete die Feier. Sonderzug«ach Swinemünde und Heringsdorf. Die Reichsbahndirektion Berlin beabsichtigt, am Sonntag, den 6. Juni, bei ausreichender Besetzung, einen Sonderzug vierter Klasse nach den Ostseebädcrn Swinemünde und Herings- d o r f abzulanen. Abfahrt von Berlin(Stettiner Bahnhof) 6.39 Uhr vormittags, Ankunft in Heringsdorf 19,39 Uhr vormittags. Rück- fahrt ab Heringsdorf 7,59 Uhr nachmittags, Ankunft in Berlin 12 Uhr nachts. Die Fahrpreise nach Swinemünde betragen 9 M.. nach Heringsdorf oder Ahlbeck 9,29 M. Der Fahrkartenverkauf beginnt am Mittwoch, den 2. Juni, bei der Fahrkartenausgabe Berlin(Stettiner Bobnhof) und bei den Reifebureaiis Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße. Kaufhaus des Westens und Unter den Linden 57/58. Ter tödliche Unfall in Rummelsburg. Wie wir in der gestrigen Abendausgabe mitteilten, hat sich am Dienstag mittag wiederum ein schwerer Unfall bei dem Neubau des städtischen Großkraftwerks in Rummeleburg ereignet, dem der 49 Jahre alte Arbeiter Viktor Jeden zum Opfer gefallen ist. Der Unfall trug sich nicht bei dem Bau der Eisen- g e r ü st e zu, sondern an dem S t i ch k a n a l, der in unmittelbarer Nähe des Großkraftwerkes zum Heranfchaffcn der Kohlen angelegt Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 2. Juni. 3.30 Uhr nachm.: Jufrendhühne rOhterhaltungsstundo). Dia Funkprinzessin erzählt;„Von Doktor Dolittle und seinenTieren11. Die Funk- Prinzessin: Clara Pick-Gernsheim. SUhrnachm.: Ji'achmittajrskonzert der Berliner Funkkapelle. Deitung: Konzertmeister Ferdy Kauff- mann. 6— 6.30 Uhr abends: Uebertragunff des Nachmittaeskonzert der Tanzkapelle MarekWeber aus dem Hotel Adlon. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theaterdienst. 6 60 Uhr abends: Gartendirektor Ludwig Besser, Präsident der Deutschen Gartenbau- Gesellschaft:„Rundschau für Blumen- und Gartenfreunde CBesuch in einem Sicdlorgarten)". 7.15—8.10 Uhr abends: Hans-Bredow- Schule(Hochschul kursei. 7.15 Uhr abends: Abteilung: Wirtschaftswissenschaft: Staatssekretär z. D. Professor Dr. Julius Hirsch: „Probleme des modernen Handels(Das Weltkohlenproblem)". 7.55 Uhr abends: Abteilung Rechtswissenschaft: Geh. Justizrat Prof. Dr. Ed. Heilfron;„Streifzüge durch das bürgerliche Recht (Aufwertuagsfragen I. Teil)". 8.30 Uhr abends:„Der gestohlene weiße Elefant* von Mark Twain. Erzählt von Meinhart Maur. 8 Uhr abends:„Kach Feierabend*. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 1. Maaß: Ouvertüre zu„Das Meer*. 2. Delibes: Syliva, Ballett-Suite. 3.») Strauß: Anftrittslied des Barinkay aus der Operette„Der Zigeunerbaron'; b) Trinklied des Alfred ans der Operette„Die Fledermaus"(Max Kuttner. Tenor). 4. Sup4: Ouvertüre zu„Pique-Dame. 5. Fitras; Teilchen am Weg, Walzer. 6. a) Hülsberg: Kein eehSn'r« Zeit auf Erden ist(Sturm); b) Ries; Am Rbeip und beim Wein(Rittershaus)(Max Kuttner). 7. Reisser: Hans-Bredow-Marsch(Berliner Funkorchester). Königswnsterhausen, Mittwoch, den 2. Juni- 1.10— 1.40 Uhr mittags: Lektor Claude Grander und Jul. Wa" linski: Französisch für Anfänger. 3—3.30 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann aus London: Englisch für Anfänger. 3.30— 4 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann aus London: Englisch für Fortgeschrittehe. 4—4,30 Uhr nachm.: Geh. Rat Prof. Dr. Sievers:\ on der Romantik zur Keu-Renaissance. 4.20—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zeptralinstiintes 5—5.30 Uhr nachm.: Anna v. Gierke. Leiterin de« Jugerdheims Chariotten- burg: Handgesohicklichkeit, Schülerwerkstätten. Ab 8.30 Uhr abends; Heb ertragung von Berlin. wird. Zurzeit wird dieser Gtichkanal ausgebaggert und der Sand mit einer kleinen Schmalspurbahn nach einer außerhalb liegenden Halde weiterbesördert. Bei dem Auskippen der Sandladung er- eignete sich der tödliche Unfall dadurch, daß ein Teil des«andes in der Lore blieb, die Lore dodiird) zurückfdilug und den Arbeiter so unglückliä) traf, daß er mit einer schweren Schädel- Verletzung zusammenbrach. Der jetzt ständig auf dem Groß- kraftwerf stationierte Arzt konnte nur noä) den Tod feststellen, der sofort durch Zertrümmerung des Hintcrsd)ädels eingetreten war. Die endgültigen Ermittlungen nach der Ursache des Unglücks, die von der Kriminalpolizei eingeleitet worden sind, sind noch nicht zum Abschluß gebracht worden. Allcyr Anschein nach scheint es sich aber um einen unglücklichen Zufall zu handeln. Zu Fuft nach Wien! Der Ocsterreichische Schutzbund ruft zum 8. und Y. Juli seine Anhänger zu einer großen Kundgebung nach Wien zu- sammen. Auch die deutschen Kameraden des Reichsbanners sind zu dieser Kundgebung eingeladen. In Berlin haben sich säion über 1999 Kameraden angemeldet, um nach Wien zu fahren. Da aber die mit 125 Mark bcrcdineten Gesamtkosten für viele uner- schwinglich sein werden, haben sich bereits über 59 Kameraden auf den Weg gemacht, um nach Wien zu marschieren. In Trupps von 19 bis 15 Kameraden haben sie Berlin in der vorigen und dieser Woche verlassen. Einige„Begüterte" sind bis Leipzig gefahren, um von dort zu tippeln. Die ersten Wienwandcrer haben sogar schon Bayern erreicht, und ihre Berichte klingen sehr zuversidstlich. In Bayern sell'st ist jedoch schwer durchzukommen. Andere Käme- raden rüsten bereits, um den Weg bis Wien mit Rädern zurück- zulegen. Mehr als alle Anschlußkundgebungen beweisen diese kleinen kameradschaftlichen Treuedeweise das Zusammengehörigkcits- empfinden der Bruderstaaten._ 3n der gestrigen Verhandlung des Sulisker-prozesse« fehlte KutiSker. Zur Stelle war aber der Assistent des Geheimrat« Krause. Dr. Brand, der über die VerbandlungSfähigkeit KutiSker« SuSkilnit geben wollte. Der Vorsitzende erklärte jedoch, daß da« Gericht bereits am Tage vorher festgestellt habe, daß KutiSker Verhandlung?- fähig sei und daß e« ihm überlasse, im GerichtSsaal zu erscheinen oder nicht. So wurde ohne KutiSker verhandelt. Der Direktor der Staatsbank, Dr. Hellwiq. ließ noch einmal den gesamten Hanauer Lager-Film Revue passieren. Zu erwähnen wäre noch, daß Hol,- mann, der während deS Prozesse« einigemal seinen Verteidiger gewechselt bat— zuerst war eS der rechtspolitische Rechtsanwalt Dr. Halpert— nun da« Gericht bat. ihm einen Oisizialverteidiger zu stellen, da er nicht in der Lage sei, sich einen Wahlverteidiger zu leisten._ vom Eisenbahnunglück in München. Zu Beginn der Vollsitzung des Bayerischen Landtages am Dienstag hielt Präsident Königsbauer eine Ansprache, in der er des furchtbaren Eisenbahnunglücks am Ostbabnhof München gedachte. Der Präsident führte dabei u. a. aus, es sei der Wunsch des Landtages, daß die Hinterbliebenen der Getöteten ausreichend oersorgt würden und daß den Derwundcten baldige Genesung beschieden sein möge. Der Landtag nahm die Ansprache stehend entgegen. Von den im Krankenhaus untergebrachten Verletzten des Eisenbahnunglücks am Ostbahnboi in München konnten einig« Dr. reits entlassen werden. Das Beiinden der übrigen Derlessteit Ilf gut. Der Unfallort wurde am Montag neuerdings einer genaue:« Besichtigung unterzogen. Daran betelligten sich die Polizei, das Gericht sowie Vertreter der Eiseirbahndirektion München. Das Fahrpersonel 12 Stunden im Dienst. In den maßgebenden Kreisen des Einheitsvcrbandes der Eisen» bahner. Bezirk Südbayern� vertritt man u. a. folgende Auffassung: Auch im Zusammenhang mit diesem grauen- haften llnglück muß darauf hingewiesen werden, daß dem Fahr- personal zurzeit ungeheuer lange D i e n st s ch i ch t e n zuge- mutet werden, die die Fahrsichcrheit gefährden. 19, 12 und 14 Stunden auf der Fahrt sind keine Seltenheit. Das Lokomotin- personal des Unglückszuges hatte am 24. Mai, also am Unglücks- tage, von morgens 4>5 Uhr Dienst. Das Unglück ereignete sich um 19>i Uhr nachts, also nach 18 Stunden Dienst, wobei eine Pause von 6 Stunden in Freilassung mit eingerechnet ist, so daß sich an diesem Tag eine effektive Dienstzeit von zwölf Stunden ergibt. Wäre das Unglück nicht eingetreten, so hätte das Lokomotiv- personal um 12 Uhr nachts seine Dienststelle verlassen können, so daß sich eine 13Xstündige Dienstzeit ergeben hätte. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, trägt der P e r s ü n a l a b b a u sehr wohl eine gewisse Mitschuld an dem Unglück. Weiter handelt es sich um eine Blackstelle, die nicht immer im Betrieb ist, so daß zu prüfen wäre, ob der Lokomotivführer von der Inbetrieb- nähme des Blocks auch ordnungsgemäß unterrichtet worden ist. Diese zeitweise Außerbetriebsetzung der Blockstation hängt wiederum mit Pcrsonalcinsparen zusammen. Schließlich mutz auch noch gc- prüft werden, ob es statthaft ist, gleich drei Züge, die zudem alle erhebliche Verspätung hatten und kurz aufeinander den Bahnhof München-Ost passieren mußten, auf dem gleichen Gleis einfahren zu lassen. Auch am schlechten und voll- ständig ungenügenden Funktionieren der Rettungszüge zeigte sich die Sparsucht der Reichsbahngesellschaft, so daß man nicht sagen kann, daß die unglückselige Personalpolitik der Reichsbahn bei diesem grauenhaften Unglück keine Rolle gespielt habe. Aufhebung eines Todesurteils. Der erste Strafsenat des Reichsgerichts oerhandelte gestern als Reoisionsinftanz über den Mordprozeß der 36 Jahre ollen Kranken- schwester W i l h e l m i n e F l e s s a äus Frankfurt a. M., die wegen Mordes vom Schwurgericht Frankfurt a. M. am 26. März 1926 zum Tode oerurteilt worden war. Die Angeklagte hatte am 28. Oktober 1925 den Arzt Dr. Seitz, der seine zu ihr bestehenden Beziehungen abgebrochen hatte, durch drei Revoloerschusse getötet. Der Ber- teidiger, Rechtsanwalt Professor Dr. S i n z h e i m e r. begründete die Revision mit prozessualen Rügen. Der Landgerichtsdirektor hatte danach bei der Zusammensetzung des Schwurgerichts einen Assessor des Amtsgerichts zur Mitwirkung als Beisitzer hinzugezogen, was nach Z 83 des Gerichtsverfassungsgesetzes nicht zulässig' ist. Danach dürfen als Beisitzer des Schwurgerichts nur ongestellie Richter des Landgerichts, aber nicht solche des Amtsgerichts, mit- wirken. Das Gericht kam schließlich zur Aufhebung des Urteils und wies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Dorinstanz zurück._ Da» Urteil im Tilsiler SprUschieberprozeh. Vom Großen Schöffengericht in Tilsit wurde gestern da» Urteil gegen die 27«n- geklagten im Tilsiter Spritidiieberprozeß verlündet. Ter Vorsitzende begründete die Einzclurteile in mehrstündigen Ausführungen. Gegen die Hauptangeklagten wurden Zuchthausstrafen bis zu vier Jahren und Geldstrafen bis 499 999 Mark verhängt. Fünf Angeklagte wurden freigesprochen. Schwerer Aulounfall im harz. Bei einem Autoaukflug in den Harz im Anschluß an die Tagung der I u n g d e u t s ch e ir S ch w e it er n i ch a s t ist am Dienstag vormittag eine« der aroßen GesellfchafiSauto« zwischen Dippra und Königerode in den Ehausseegraben geraten und umgeichlagen. Mehrere Per- so neu wurden schwer, eine Reih« weiterer leicht verletzt. TaZ Auto ist vollkommen zertrümmert. Flugzeugabsturz. Bei Bleckede südlich von Lauenburg a.d.E. stürzte da« Flugzeug O 714 ob. Der Führer wurde tödlich verletzt. ES handelt sich um ein Flugzeug von der Verkehr«- fliegerschule in Magdeburg. Gtnfenbniigfn für diese Rubrik find Serlt» DW 68. Liadenstratz« 3, Partemachrichten für Groß-Serlin stet» au da» Bezirtssekreiariat. 2. Hos, 2 Zrep. recht», zu richte». ». Ree!» Bilmeredors. Zu den tiachsledcnd uemiSmiteien Vorlitlluuaen i« der Städtischen Oper in Ccharlottendur» lind stets bi« spätfftrns Mitt- wsch odend nur der slaltsindenden Aufllldruna Aorten durch die Mit- «i!cdcr de» Bildunasuiisschussc» sowie bei dessen Odmann Genossen Michel. Aachener Str. 5,!U 130 M.»u daden. Cs werden solaende Opern»e. aeden: Am S. sluni„ssreischiit 12.?uni..Der Wafsenschmied". I!». Zun: ..Rdeinaald". 26. Juni..Der slieaend« Holländer". 3. Juli„Sic Zauber- flöte". Sotten zu sämtlichen Borstrllunaen könne» schon iksst obqegcben werden. 18. Srei» Beisseusee. Grosse dfs. nt.'che Elternversammlune am Don-ir?. loa. 3. Juni. Übe, in der Aula der Rcalanmnasiums Doelckpromenode. Reserent- Stadt'ot Dr. Sur: Howenstei». Wir erwarten rafilreiche Be- teiliarino an der Bersammluna. Toiiesardnuna:„Die Wichtiakeit der de- norstrbenden Elternbeiratswoblen". Heute, Mittwoch, 2. Juni: 8. Abt. 8 Ildr dei Richert. Steinmcdstr. 86», wichtiae Isunktionärsiduna. Erscheinen unbcdinot erforderlich. 21. Mit. 8.©ttiDpe; 7 Vi Uhr össentliche Eltcrnnersammlun« in der Sckul- oula Mandelsir. 2. Toaesordnuno: Tätiateiisdericht. Stellunonadme zu der am Sonntag. 6. Juni, staltfindenden Sllrrnbeirolswabl. Berschiedene?. 45, Mit. 7 Übt Mitaliederverlammluna in der Schulaula ssorster Ecke Reichenderae Strasse. Lortroa:„Der Sompf um die Schule". Referent: Lebrer Weimann. MEt Genossen müssen erscheinen. Gäste und Vor. wärtslcser Willkommen. 58. Abt. Gbarlwteuinrg.'Vi Mir im Sibunassoal Rankcstr. 4. norn 4 Trp„ Mitaliederuersammluna. Portraa:..Wirtschaftskrise der Vcraanqendeit »nd Geoenwart". Referrnt: Zolef Ernst. 74. Abt. Zeblendors. 8 ildr im Porieilokas Micklen außerordentliche Duos. tionärsttiuna. Do u. a. ein Schreiben der klommunistischen Dort ei vor» lieat. ist«» unbedingt erforderlich, daß all« lsunktionäre dazu Stellung nehmen müssen. Um volltäblige» Erscheinen wird ersucht. 82. Mit. Eteglib. 8 Ubr vünktlich bei Alfreb Wild. Düvvelstr. 7, wichtige lrunklionärsidung. Vorstandsmitglieder treffen sich bereits um 7>i Ubr ebenda. 92. Abt. Reutöll». Pünlllich 8 Ubr bei Wolif. Saiser-lsriedrich-Str. 178, sebr wichtige ssunktionärsibuna. bei der kein ssunklionär feblen darf. Hguotverbandlunaonunkt:„Die Elterndeiraiswablen und der Volks. entscheid". Morgen. Donnerstag, 3. Juni: 5. Abt. 8 Mir bei Heber, Georgenkirchstr. 96, ssunktionärsibung mit den Elternbeiratskandidaten. Erscheinen aller ssunktionäro unbedinat er- forderlich. 26. und 28. Abt. Ocffcnilichc Elternversanrmlung 7V4 Ubr in der Gemeinde- lchul» Sallonienallee 8182. Vortrag über:„Die Bedeutung der Elt-rn- beiratswablen". Referent: Rektor und Stadtverordneter Mar Sreutiger. Wir erwarten zgbreichen Besuch de: Verlommlung. 80. Abt. Oesfentlich« Eltcrirversaurmlung 7Vi Ubr im Ledigenbeim Bapvel- ollee 15. Vortrag:„Gegen die Schulreaktion— ssitr Schulausbau". Referent: Lebrer Hobn. Die Genossinnen und Genossen müssen für guten Besuch der Versammlung Sorge i raren. 31. Mit. 8 Ubr bei Goldschmidt. Stolvisch« Str. 36,!?unktionärsitiuna mit den Betriedsvertrauensleuten. 82. Mit. Die Bezirksfübrer müssen von li— 714 Ubr bei Sromvbarbt, Paul- Singer-Str. 49. die Vorwärisagitationsliften in Empfang nehmen. 42. Abt. 71? Ubr'öffentliche Cliernverlammlung in der Schnlonlo Bergmann» straße OOTlb. Vortrast:„Die Bedeutung der Sllernbeirgtswablcn". Re. lcrent: Obersiudiendirekwr Isrit» Karlen. 44. Mdt. m Ubr öffentlich« Ellernversommlung in der Echulaula Reichen. berger Strafe. Vortrag:„Die bevor sieb«»den Eltenbeiratswablen". Re» ferent: Lebrer Gusiav Hädick«. Zab l reiche Beteiligung aller Eltern wird erwartet. 48. Mit. 8 Ubr öffrntNche Elternverfammluna in der Schuloicho Wassertor. strasie 32. Vortrgg:„Die Glternbeiratswablen und ihre Bedeutung". Re. lerent: Etadtverordnatrr Dr. Geich Wüte. «chöneierg. 78. Mit. 8 Ubr bei Sönig. Deuria. Ecke Brinz-Geora-Stroße. Sunktionärfidung. Erscheinen oller Funktionäre dringend erforderlich._ 80. Mbk. 8 Ubr im Helmbolst-Gvmnasium öffentliche Elternversammlung. Vortrag:..Die Bedeutung der Elternbeirat swechlen". Referenlin: Rektorin Liesbeib Riebgrr. Sablreiche« Erk.beimn wird errvartcr 85. Mit. Temoelbol. 8 Mir im Restaurant.„Zur Linde". Werder- Eck- lsriedrich-Sarl-Strasi«, Sidung. Di« eltckrnbeirgtskandibatcn sind de- sonder» einzuladen. 80. Mit. Mariendors. 8 ubr bei Ricndorf. Ebausseeltr. 19. Zunktionitrsidung. Tbema: EUernbeivatswablen und Mgitaiionsoorbereitungen für den Volk». entscheid. »8. Mit. Renkölln. 8 Ubr Eitung sämtlicher ssuvltionöve des Zeich. Gr. scheinen unbedingt erforderlich. 108. Mdt Söpenick. 8 Ildr Vorstondssiduna mit den Leitern der Eltern- beirotswablen de: Säbel, lsreiboii 5 119. Mit. Lichtenberg. 714 Ubr im Eäcisien-Lyzeum. Rotbauzstraße, öffenl- lich« Kundgebung. Referent: Attbur Richter. M. d. L. 4- »e,irf««t Srenzberg. Donnersioq. 8. Inn!. 7U Ubr. im Lokal von Bieler, Diejienbachstr. 76. Bersomüilung aller SPD..Arbeiter.-Angestellten vnd -Beamten. Vortrag:..Der kommende Bolksemscheid". Referent: Bezirk». verordneter Hermann Lemvrrt. Erschrinen ist Pflicht. Somvaibisierenb« bcrz. lich willkommen. Der ltraktionsoorslond. Mrbeilngemeinschalt der Kinderfrennde.»rnpp« Renizll». Areilag. 4. Juni, rindet unser« Helseroersammlung 8 Ubr in der Baracke Gangboserstraße slalt. Um 7 Ubr Borstand»sib»ng ebenda. 11. Krei« Schöneirrg. Arbeite rwoblfabrt nvd Kinderschui: Die GlKung der Arbeiierwobifabri gm 8. Juni fällt wegen der großen ssunktionärinnenkonle» renz i» den Sovbiensälen, Sovbienstr. 17:18. aus. Iungsozialisten. Gruppe Stegliß: Donnerstag. 8. Juni. 714 Ubr. im Iugendbeim Zl.brechiltr. 46 Mitgliederversammlung. Diskussion über politische Togesirggen.— Gruppe Tiergarten: Heute. Mittwoch, Suibmmenkunst 8 Ubr bei Borger. Lrvcßowsir. 21. Ecke Iggowslraßc. Vortrag:„Arbeiterjugend und Iungsoziglisien". Gäste willkommen. Spielgemeinschgst der Zunglozialikien. Heute. Mittwoch. 714 Ubr. bei Robert Seller. Teltower Sit. 26, Zusammenkunft zur Borbcreiiung des Jung- sozialisien-Waldseste». Bereinigung sozialdenwkrgtischer Studenten, ssreiiaa. 4. Juni. 8 Ubr, im Restaurant„Zur Reichspost". Artilleriesir. 11 sikcke Oranienburger Eiraßes, Niigliederoerlammluna. Tagesoidnua: 1. Mmsierdam. 2. Wablen zur Et.-B. 8. Verschiedene». Arbeiter, Angestellte, Beamte und Frauen! Der von der bayerischen RiHfk" Regierung bekämpfte Filrn Regie: Martin Berger läuft immsr noch mit gröytem Erfolg im!lfa- Theater, Moabit. Tiirmstr.2S/?S.— Besucht und werbt für den Film. ADGR.. Olkskarkell Berlin. AfZl-Buud. vrlskariell Berlin. ADV.. Orlskarlell Berlin. Bezirksverband Berlin der SPD. Bund der Iuae«d�ericht»hk»lser. Donnerstag, Juni. 7U Uhr. Berfamm- luna im Hauptaesundneitsamt. C 7. Fisckerstr. 3S/4V. Tagesordnung: Aussprakh« ük�r den Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Dr. Staub:„Vsnchonnolyfe und Straf recht*. Sterbetafel üer Groß-öerliner Partei-Grganifation 89. Mit. Am 29. Mai verstarb unser Genosse Erich Schuldi. Einäscherung Donnerstag. 8. Juni, abends 7 Ubr. im Srrmaiorium Gerichtstraße. Rcgr Beteiligung«'wartet die Abieiliwasleitung. 89. Mit. Reukölln. Am'29. Mai verstarb!m Aller von 41 Iabren unser Genosse Paul Ouärengrsser. Hobrechtstr. 40. Beerdigung Donnerstag. 8. Juni, nachmittag» 414 Ubr, auf dem Ieeulglemer Sirchboi. Hermannsiraß«. Zabl- steich« Beieillaung erwartet die Abteilungsleitung. 118. Abt. Lichtenberg. Unler Genosse Wilbelm Lemke. Zrankkurler All« 210, ist gm Eonnaienb im Alter von 68 Iabre» verstorben. Die Beerbignng findet am Donnersiaa. 8. Juni, nachmittag» Zi? Ubr. auf dem Iriedbof Bornißstraßc statt. Wir erwarten rege Beteiligung. Sozialiftische flrbeiterjugenü Groß-öerlm. heute. Mittwoch. Ahr. Ableilungsmiigliedcr- Versammlungen: Wedding: Schule Antonstraße.— Baltenolat: Jugendheim Rigaer Str. 102. — Zriedrichsbai»: Iuaendbeim Diestelmeverstr. 5/6.— Oven P.-V.: Jugend» beim Ebettvltr. 12.— Temoelbol: Lnzenm Germaniastr. 4'6.— LSanusee: Schule Ebarlotienstraßc.— Tolkenberg: Iugenddeim Am Ialkenberg 117.— Riede rschönemeid«: Schul« Berliner Str. 81.— Lichtenberg-Milte: Jugend. beim Dvssostr. 22.— Lichtenberg-Rord: Iugrndbtim Porkaue 10.— Ren» Lichtenberg: Iugendbeini Prinz.Aideri. Straße. 4» Weißens«« 1: Inaenbbeim Roelckestr. 157. ffuirftionärsißung.— Osten Tt.»V.: Jugendheim Rigger Str. IM. Vortrag:„Rauschgifte".— Warschauer Viertel: Jugendheim Tilsiter Str. 4. Vorirag:„Entwicklungsgeschichte". Petersburger Viertel: Wir fordern die Jugend auf. um 8 Ubr bei stlfeifer. Hausburairr.'2. sich an der Zlugblattverbreiiung zu den Eliernbeivoiswoblen zu beieiligen. Werbebezirk Reuköll»: Sekretariat Rcckarür. 3 Werbebezieksoorsiandssißung. Wichtig« Tagesordnung. Pünktliches Erscheinen der 1. und 2. Vorsißenden ist Pflicht._ vortrage, vereine und Versammlungen. Reichsbanner»Schwär, Rok-Gold-. Geschäsi, stelle: Berlin S. 14. S-basiianstr. 87 88. Kok S Tr. Tiergarten. Kameradschaft Welten: Do., d. 8„ Tuenabcnd Derff. liteg erste. 18». Tr.. d. 4., Someradlchnfisversammiung mit Vor- trag bei Bollenmüller. Potsdamer Str. 118-'.— Kaeltborst. Mi., d. 2.. 8 Ubr. Monaisversoimnliing bei Hausmann. Taeesordnung: 1. Dortrng: 2. Wichtige Vereinsongelegenbeiten.— Hobenschönb guten. Tr., b. 4., 8 Ubr, bei Korn, BeeUner Str. 33. NilgI..V«rs.— Weißenjee lKrei,). Te.. d 4.. 7 Ubr, Grüner Baum, alle» antreten. Pflichiveranstgltung.— Rowawe». Mi., b. 2.. 8 Ubr. Versammlung Eisenbobnbotel. Do„ d. 8„ Te.. d. 4„ Arbeitslosen. dienst zur Tabnenmeibe. Sonntag, d. 6., Tgbnenwttbe.— Erkner. So., d. 5., 8', Ubr. Ant'eten»NM Tackelzug auf dem..Rund" in der Waldsiedlung. Sonntag, d. Bannerweibe. Anlrelen juin Test»»» um l'i Ubr auf dem „Rund".— Bern«». Do., d. 8.. Ansmarich ob Loeme. 8 Ubr Velveechuua. Unsere Mitwirkung beim Volksentscheid. Meldunguschluß für Terienwaide und Kottbus. BollMNges Erscheinen Pflicht.— Kreuzberg. Der Komerob Erich Schult»om Tromptierkorp» ist am Sonnabend gestorben. Die Einäscherung findet Do., d. 3., 7 Ubr. im Krematorium Gerichtstraße statt. Abi. 10: Do., d. 8., 8 Übe, Verlommlung bei Mcnaler. Dicsfenbachstr. 54. Berein der Pfälzer in Verlin E.V. Donnerstag. 8. Juni, 8'i Ubr. spricht im„Tücher. Bräu" am Babnbof Triedrichstraßr Heinrich Seltsam über:„Die Psolz al» Reiseziel". Lanbsleute als Gäste willkommen. Reichsbnnd der Kriegsbeschädigten, Seiegsteiln�bmer nnd Kriegerdinter- bliebcnen. Ortsgruppe Aordcn 14: 5. Siifiungsselt verbunden mit Banner- weib« am 6. Juni, nachmittag, 4 Ubr. im großen Saale des Lebrerverein». bauses, Aleranderplaß. Der Ueberfchnß ist für die Krieoerwailen und Kinder der Schwerbeschädigten bestimmt.— Abt. Kreuzberg: Mittwoch, 2. Juni. 8 Ubr, Mitgliederversammlung in Gliesings Testsalen. Wasseriorstr. 08. Der Volks. dichter Genosse Bruno Schönlank wird dort eigene Dichtungen vortragen. Verein der Zsreidenker für Tenerbeslattnug E. V. Bezirk lV IPren, lauer Beral: Mittwoch. 2. Juni. 7>z Ubr. Tortsebung der am 29. April vertagten Mitaliederverfammluna bei Büttner. Schwedter Str. 28. Mrbeiter.Samaritcr.Kolonne Reinickendors. Donnerstag, 8. Juni, 7 Ubr, im Seebad Reinickendorf Miigliederversammlung. Vortrag Dr. Moses. Arbeitersport. Alemannia Rordbezirksfuszballmeister. Am Sanngbend hatte der Rordbezirt seinen«roßen Tag. Adler 08 gegen Alemannia hieß die Parole. Ungefähr 2000 Zuschauer waren dem Rufe ae- folgt. Nach bariem Kampfe gelang es Alemannia, zum dritten Male die Bezirksmeisterlchaft zu erkämpfen. Im Südwesten trafen sich im Spiel um die Bezirksmeisterschgft Teltow und Trifch-Auf in Luckenwalde. Teltow gewann mit 8: 1. Schon einmal absolvier- ten die Teliower«in Meilteelchaltslviel. und zwar gegen Biktorig. Dieses wurde jedoch für ungültig erklärt.— Im Osien standen sich auf dem Spori. ulaß in der Goßleestraße der Meister de» Oftbezirk» Stralau und der Gruppen» Meister im Norden Arminia gegenüber. Die Stralauer gewannen noch interessantem Spielversguf mit 4: 1. Tichie-Rorb«eroonn gegen Helveiia knapp mit 3:2. Sebr hoch schlug Dclien die Panlower Turner mit 10:1. Un. entschieden 1: 1 trennten sich Merkur und Britonnia-Lichlenberg. Nauen unterlag gegen den Berliner Sportve-rein 22 mit 1: 3. Adler 12 und Minerva trennten sich 5: 2. Heriba 22 schlug Sowiet mit 5: 0. Alt-GIienicke und Borwärts-Hennigsdorf spielten 4: 8. Mit demselben Resultat trennten sich Schöneberg und Virkenwerber. Tichte 21 konnte Tosmanig-Tredeesdorf mit 8: 1 abfertigen. Moabit unterlag gegen den Neuköllner Ballsvielklub lnapp mit 0: 1. Tgrlg» trennten sich Ebakloltenburg und Tegel 24. Germania und Tlißballring spielten 1: 1._ Gefthastliche Mitteilungen. „Da» hob« C— der Inbegriff höchster Leistung de» Gänger» durch lach. gemäß« stimmliche Pfleg« erzielt—„Das hohe C", die neue vornehme 6.Ps.. Zigarette der Orientalischen Tabak- nnd Zigarettenfabrik„Penidze" in Dresden, »in Produkt reicher Erfahrung und sorgsamster Schulung, ein nicht zu wider. legender Bewe!» für die auf dem Gebiete der Orient-Tabakmischung erzielten Torischritte bor genannten Tirma. Wenn Sie einmal„Das bob» C" geraucht baden, werden Sic dieser rdien Zigaretle von bervorrogender Eigenart immer treu bleiben. Sport. Rennen zu Sarlshorst am Dienstag, den t. Juni. 1. Rennen. 1. Verona IIsei,»erUu wallstr. 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MflfalUi9iillrmnnIj&nl>ctelb a» 1h cid NMal f J»l««»aß dem kapitalistischen Staat die Tendenz zur Kapital- .onzentration innewohnt, ist«in Kernstück der sozialistischen ökono» mischen Theorie. Die ganze Geschichte des kapitalistischen Systems hat die Richtigkeit der Theorie bewiesen. Streit gab es nur um die Auswirkungen dieser Tendenz, nicht über ihr Lestehen.(Es ist selbstverständlich, daß die Konzentration des Kapitals nicht vor den tech- nischen Ober- und Unterstufen der Produltion, den Awischenstufen des Verkaufs und der Kapitalbeschaffung durch fremde Banken Holt zu machen braucht. Wo durch Massierung von Kapital Kosten gespart oder neue Gewinne gemacht werden können, bestimmt s i e die Formen, die Größe und die Tätigkeitszweige der Unternehmungen. Den ein- deutigsten Ausdruck findet die Kapitalkonzentration im Trust, für den die Masfenhaftigkeit des vereinigten werbenden Kapitals das ent- scheidende Kennzeichen ist und der vor keiner technischen, kauf- männischen und finanziellen Ausdehnung Halt macht, wenn diese mit Rücksicht auf die Kapitalrente nur wirtschaftlich ist und der weiteren Ausdehnung Vorschub leistet. Das klassische Land der Trusts war Amerika und ist Amerika auch geblieben. Durch seine Antikartell- gefetzgchung seit den stüer Jahren Hot es systematisch die Bildung von Riesenunternehmungen, damit die schärfste, aber auch gesündeste Form der Kapitalkonzentrotion gefördert. Die Vorkriegsenlwicklung in Deutschland. In Deutschland war die Tendenz der Kapitalkonzentrotion in der Vorkriegszeit, soweit sie auf die Steigerung und Sicherung der Gewinne abzielt«, an sich nicht weniger wirksam als in Amerika. Aber ihre Auswirkung zur Entwicklung von Riefenunternchmungen, denen die prioatwirtfchaftlich rationelle Massierung von Kapital und Produktionsmitteln Hauptsache, Beschränkung auf bestimmte Fornien und bestimmte Produktiongebiete Nebensache ist, war durch die Kartelle gehemint. Kartelle und Trusts sind keine Gegensätze: aber je höher die Karteilrente ist, die das Kartell den leistungsfähigsten Unternehmungen sichert, und je größer die Zahl der vom Kartell am Leben erljaltenen kleineren Unternehmungen ist, desto weniger ist bei aufsteigender Wirtschastsentwicklung wie damals im Inland die Konkurrenz wirksam und desto stärker wirken Kartelle der Trustbildung entgegen. Auch wo natürliche oder tech- Nische Monopole vorliegen, wo also die Konkurrenz voll oder weit» gehend ausgeschlossen ist und wo zugleich die betreffenden Industrien steigenden Absatz in der Welt finden, ist die Trustbildung weitgehend gehindert: um so näher aber liegt die kartellmäßige Preis- Vereinbarung und Produktionsregelung. So konnten Kartelle und natürliche oder technische Monopole die Trustbildung als die aus- gesprochenste und eindeutigste Form der Kapitalkonzentration in Deutschland zwar hemmen: durch die Ausschaltung der Konkurrenz und durch die Beherrschung des Marktes erfolgt« die Kapitalkonzentrotion aber nicht weniger stark. Sie verteilte sich in Deuffchland nur auf ein« größere Zahl von Unternehmungen, im Gegensatz zu Amerika, wo das Fehlen der Kartelle und die Bekämpfung der Monopolausnutzung Trusts züchtete.. Kriegskonjunktur und Inflation. Im Kriege und während der Inflation wurde die Deutschland eigentümliche Form der Kapitalkonzentration mächtig gefördert. Die Massenhafligkeit der Kriegsgewinne aller am Kriege profitierenden Industrien, die Scheingewinn« und das Fehlen jeder Rentabilitäts- kontrolle in der Inflation mochten dem Ausleseprozeß und dem Wett- jdewerb unter den Unternehmungen überhaupt ein Ende. Kartelle zur Gewinnsicherung und Gewinnsteigerung waren grundsätzlich nberslüfsig und wenn in den zehn Kriegs- und Inflationsjahren aus den 3l1<) Vorkriegskartellen 3000 wurden, so nur. um insbesondere während der Inflation gemeinsam der Geldentwertung für die Festlegung der Preise nachzujagen. Die Tendenz zur Kon- zentration des Kapitals, sei es in der Form der Trustbildung oder der Marktbeherrschung durch Kartelle und Monopole, war wie die Funktionen des kapitalistischen Systems selbst system l o s geworden und ins Leere gerichtet. Nicht neue, echte Gewinne, sondern die künstliche Schöpfung von Kapital und die künstliche Ent- Wertung eingegangener Verpflichtungen waren die Form der Er- zeugung und Maffierung von Kapital und Produktionsmitteln. Es ging auch keine Unternehmung zugrunde: im Gegenteil, jede beliebige neue Unternehmung war beliebig leicht zu gründen und jede beliebige Unternehmung konnte sich beliebig viele neu« Unterneh- mungen angliedern. So zerstört« die Inflation die gesetzmäßigen Voraussetzungen normaler Kapitolkonzentration überhaupt und wurde die Schöpferin massenhafter, der Kontrolle der Wirtschastsgesetze völlig entzogener Neugründungen und vor allem jener besonderen Form von Konzernen, die als Finanzkonzerne der Inflation so traurige Berühmtheit erlangt haben. .Konzerne" und Konzerne— Das Absahproblem. Ueber den Begriff des Konzerns ist infolge der Inflationskon- zern« ein arger Wirrwarr der Geister entstanden. Die Finanzkonzerne der Inflation waren sehr erklärlich« und notwendig sehr verbreitete jErscheinungen. Für Kapitalisten, die ihr Geld nicht in Golddevisen anlegen konnten oder wollten, waren sie sogar vielfach unvermeidlich. Aber mit dem Anilinkonzern oder dem AEG.-Konzern etwa hatten sie grundsätzlich nichts zu tun. Dies« Kanzem« waren schon in der Vorkriegszeit Vorstufen des Trusts und blieben es auch während der Inflation, weil sie trotz aller Vermehrung ihrer Sachwerte die Ge- fahrengrenze des Inflationskonzernes nicht überschritten. Dies« Grenze liegt da, wo die rentable Existenz der Ausgangs werke nach erfolgter Stabilisierung durch die Illiquidität oder Unrentabilität der Angliederung swerke bedroht wird. Nichts ist aber so geeignet, die Form und Stärke der Kapitalkonzentrotion in Deutschland nach der Inflation zu kennzeichnen, als dos ent- gegengesetzte Schicksal jener inflationistffchen Finanzkonzerne und der technisch und finanziell gesunden Konzerne. Die Stabilisierung der Währung stellte nämlich die seit Iahren zerstört« Rentabilitätskontrolle wieder her. Zugleich enthüllte sie den Widerspruch zwischen Leistungsfähigkeit und Absatz, Gewinn a n- s p r u ch und Gewinn Möglichkeit der Unternehmungen. Die Ab- satz menge und die End kosten der Produkt«, in die die hohen Zinsen des neu zu beschaffenden Betriebskapitals einzurechnen waren, bestimmten von neuem die Existenz der Unternehmungen. Nur ein tteMi Slusweichen in eine neue Inflation konnte die Auslese unter den Unternehmungen durch die wieder wirksam gewordenen Gesetze der Wirffchaftlichkeit und des ökonomischen Gleichgewichts verschieben. Da in der ganzen Welt die Leistungsfähigkeit der Produktion in Widerspruch mit der Kauffähigkeit der Konsumenten getreten war. mußten und müssen alle Auswege der direkten und indirekten(Zölle) Subvention auf Dauer oersagen, und die Frage der billigsten End- kosten bestimmten über die Größe des jeder Unternehmung erreich- baren Absatzes und damit über ihre Existenz. In Deutschland, dem Lande der st ä r k st e n Deformation gesunder Wirtschaftsführung, mußten diese Widersprüche am stärksten sein, das Absatzproblem am brennendsten werden. Da der Mangel an dauemd verfügbarem Be- triebskapital noch zu einer zusätzlichen Verschuldung führte, die den Stabilländern wie England und Amerika erspart blieb, und da in Deutschland die Steuer- und Zehrkraft der Rentner und Sporer weg- fiel(die Auswertung sind neue Schulden), mußte und muß der Komps der deutschen Industrie um ausreichenden Absatz nicht nur besonders hart, er mußte auch besonders stark vorbelastet sein. Diesen Kampf zv führen und diese Vorbelastungen zu tragen, waren die meisten Inflationsgründungen und Inflationskonzente von vornherein unfähig. Normalisierung der Konzentration des Kopitals. Ihnen konnten nur Unternehmungen gewachsen sein, die«in natürliches oder technisches Monopol haben oder deren Endkosten niedrig genug waren, um durch ausreichende Beschäftigung der An- lagen ein rationell bemessenes Gcldkapital trotz neuer Ver- schuldung auf D a u e r rentabel zu verzinsen. Da in aller Regel diese Endkosten zu hoch, die Kapitaldeckc zu kurz, die Goldumstellnng zu unrationell war, mußte der Kampf um'den Absatz und das Trogen der unvermeidlichen Vorbelastungen eine um so schärfere und längere Krise auslösen, je später die Endkosten genügend verringert, die Kapitaloersorgung durchgeführt und die Gewinnansprüche herabge- setzt wurden. Es ist bekannt, daß die Fortexistenz der Tausende von Kartellen, die Zoll- und die Subventionspolitik zwar verschleppende, im Endeffekt aber verschärfende Faktoren der Krise waren und sind. Da aber die Krise ein Kostensenkungs- und Absatzsteigerungsproblem ist zur Erreichung der dauernden Rentabilität, nicht wie früher zur Verstärkung einer schon bestehenden Rentabilität, muß die Krise je länger desto stärker die Konzentration des Kapitals fördern, trotz der Kartelle, und zwar bei den Starken am stärksten und schnellsten. Di« Rationalisierung und der Absatzkamvf k o st e n. Nur wer am schnellsten den größten und billigsten langfristigen Kredit dazu erhalten und fruchtbar machen kann, kann heute von den Kartellen prokitieren. Denn heute, wo der Absatz auch den Großen fehlt, ist die Kartellrent« keine Faulheitsvrämie der Großen, sondern das Mittel, in Verbindung mit den den Großen erreichbaren Krediten die Kleinen um so sicherer auf dem Markt zu erschlagen. So muß der Zwang zur Kostensenkung und Absatzsteigerung, der zugleich«in Zwang zur Verschuldung und zur Kowentration ift, auf Dauer gegen die Kartelle und für die Trustbildung wirksam sein. Nur soweit die Kartelle den Trusts z u stärkerer.Kapitalkonzentrotion helfen, sind ihnen auch die Kartelle willkommen. So wirken Kartelle heute nicht, wie in der Vorkriegszeit, hemmend für die Trustentwicklung, sondern fördernd. Die Kapitalkonzen- tration hat wieder normale Formen angenommen, aber solange die Weltabsatzkrise nicht überwunden sein wird, wird sie je länger desto stärker ein Siegeszug der Vertrustung sein. vertruswug und Arbeiterschaft. Selbstverständlich wird die Unternehmerschaft auch die Löhn« und Sozialleistungen der Kcstensenkimg und der Vertrustung dienstbar machen wollen. Die Aufgab« der Arbeiterschaft in dieser Krise ober ist es, den Unternehmern durch die Wahrnehmung ihrer Wirtschaft- lichen und politischen Macht fühlbar zu machen, daß alle Arbeits- und Lefftungs k o st e n, seien es Löhne. Gehälter. Soziallastsn, Steuern oder Tarise. zugleich auch die Kaufkraft sind, von deren S t e i- g e r u n g durch billigere Preise allein dos Gelingen aller Wirffchafts- sanierung, auch der Ersolg der Vertrustung abhängt. Auf der anderen Seite aber wird sie der Trustbildung durch die Konsu- m e n t e n, die nicht beim Konsumverein aufhört, sondern zur Eigen- Produktion erst den Anlauf nimmt, viel mehr noch als in der Vor- kriegszeit ihr Kapital, ihren Verstand und ihr« wirtschaftliche und politische Macht widmen müssen. Interessen gemeinjchasten in öer Aementinüustrie. In den Fabrik-, Haus- und Stroßenbauversohren hat sich seit der Vorkriegszeit sehr viel verändert, was zu einer bedeutenden Auf- tragsmehrung srn die Zemen�industrie hätte werden können. Aber diese Industrie war schon in der Vorkriegszeit stark über- kapitalistisch, und das Bausieber der Industrie während der In- flation hat die Zahl und Leistungsfähigkeit der Zementfabriken noch stark oermehrt. In den Stabilisierungsjahren 1024 und 1925 wurden die Kontingente der Portlandzementoerbände kaum zu 50 Proz. ausgenützt, und es ist nicht verwunderlich, daß die Erzeugung der Zementverbände Ende vorigen Jahres große Schwierigkeiten bereitete und daß neuerdings die Vertrustung eine größere Rolls zu spielen beginnt als die einfache Kartellierung in Verkaufs- verbänden. Run liegt eine wirkliche Vertrustung durch Verschmelzung zu einem großen Einhcitsunternehmen bisher nur be: den oberschlcsischen Portlandzementfabriken vor. Anders liegen die Dinge in West- und Süddeutschland. Die größten Produzentengruppen, die W i ck i n g- schen Portlandzement- und Wasserkaltwerke in München und die Portlandzementwerke H e i d e l b c r g— M a n n• h e i m— S t u t t ga r t, gelten noch als Konzerne, obwobl sie ge- schlossene Aktiengesellschaften sind und getrennt für ihre Werke ab- rechnen. Aber der im Oktober vorigen Jahres zwischen den beiden Gruppen geschlossene Interessengemeinschaftsvertrag darf umsomehr als Vorstufe zur Vertrustung angesehen werden, als die scharfe Konkurrenz in der Zementindustrie und die Sicherung des Einflusses i» den Verbänden von selbst zur engsten Verbindung auf Dauer führen muß. Ueber die Bedeutung der beiden Gruppen geben die Kontingente in den Verbänden Auskunft. Mit seinen 11 Werken verfügt der Wicking-Konzern über mehr als 50 Proz. des we st deutschen Zementverbandes. Der Heidelberg-Konzern verfügt mit seinen 13 Werken über 56 Proz. der Kontingente des S ü d d e u t- schen Zementverbandes. Außerdem besitzen beide Gruppen erheb- liche Beteiligungen an Zementfabriken, sowie zahlreiche eigene Kalk- werke, Ziegeleien und Gipswerke. In dem Geschäftsbericht der Heidelberger Gruppe befindet sich die Bemerkung, daß auk die Inter- essengemeinschaft Heidelberg-Wicking heute mehr als ein Viertel der g e so m t e n deutschen Zementproduktion entlällt. Das Aktienkapital der beiden Gesellschaften beträgt mit 20 Mill. bei Wicking und 19,9 Mill. bei Heidelberg rund 40 Millionen Mark. Die Intereffengemeinschakt hat sich ossenbor nicht nur bei den Kämpfen um die Vcrbandsbildung, sondern auch finanziell bewährt. Von den Wicking-Werken liegt der Geschäftsbericht noch nicht vor. Aber der Heidelberger Konzern wartet in diesem Jahre, trotz der Stillegung von vier Werken und des noch immer beträchtlichen Leer- laufs der arbeitenden Werke seinen Aktionären mit einer Dioidende von 8 Proz. aus. Der ausgewiesene Reingewinn beträgt 2,11 Mill. Mark gegen 126 000 M. im Vorjahr. Dabei sind beträchtliche Aus- gaben zum Ausbau und zur Verbesserung der Werke über Betriebs- kosten verbucht worden, wie der Bericht selbst hervorhebt, und die Abschreibungen sind mik 1,17 Millionen höher als im Vorjahr. Ueber den Absatz 1925 bemerkt der auffallend schweigsame Bericht nur, daß er gegen 1924 gestiegen sei. Lauprobleme aus einem Ivohnungssürsorgetag der„Dewag". Die deutsche Wohnungssürsorge-A.-G. für Beamte, Angestellte und Arbeiter, Berlin, veranstaltet am Freitag, den 4. Juni, 10 Uhr vor- mittags, unter dem Borsitz von Theodor Leipart im Meistersao', Köthener Str 38, seinen ersten Wohnungsfürsorgetag. Das durch Lichtbilder und Filmvorführungen ergänzte einleitende Rcserot .Großsiedlungen, ein Weg zur Rationolisierung und Derbilligung des Wohnungsbaus" hält Stadtbaurat o. D. Dr ing. Mart'n Wagner. Die Tagung verfolgt den Zweck, die für die Lösung der Wohnungsfrage so überaus wichtigen Baukostenverringerungspro- bleme zur öffentlichen Debatte zu stellen. In Anbetracht der Be- deutung dieser Frage wird im Anschluß an das Referat eine Aus- spräche stattfinden, zu d« Wortmeldungen bereits vorliegen von den Herren Staatssekretär Scheidt, Berlin, Ministerialrat Dr. Schmidt, Reichsarbeitsministerium, Berlin, Regierungspräsident Krüger. Lüneburg, Verbandsdirektor Dr. Schmidt, Essen, Stadt- baurat May, Frankfurt a. M., Stadtrat Dr. Kampffmeyer, Wien, Professor Gropius, Dessau, Architekt Fr. Paulsen, Berlin, Architekt Duin, Amsterdam, Stadtbaurat a. D. Bruno Taut, Berlin. Ein- ladungskarien in beschränkter Anzahl können von dem Bureau der „Dewog", Berlin S. 14, Inselstr. 6, bezogen werden. Krise und Kredilocrsicherung. Für die starke Bedeutuno der Masienkonkurse und Geschätlsaussichten der Krisenzeit für die Kredit- Versicherung ist charakteristisch, daß die größle deutsche Kreditoer. sicherungsbank, die Hermes A.-G. Berlin, die Statistik der Konkurse an die Spitze ihres Geschäftsberichts gestellt bat. Trotz der erheb- lichen Steigerung der Schadenfälle hat das Unternehmen, das be- konntlich auch der Versicherungsträger für die neue staatliche Export- kreditversicherung ist, sehr lukrativ gearbeitet. Das Unternehmen, das mit einem nominellen Aktieirkopital von 4,005 Millionen Mark arbeitet, erzielte einen Reingewinn von 380 4465 Mark, aus dem iür das mit 1 Million eingezahlte Kopital eine Dividende von 10 Prov zur Verteilung gelangt. Das Interesse des Staates an dem Unter- nehmen kommt darin zum Ausdruck, daß in den Aufsichlsrat Di- rektor Ritscher von der Reichskreditgesellschast gewählt wurde. Nach den Mitteilungen in der Generalversammlung sind in den bisher abgelaufenen Monaten des neuen Geschäftsjahres die Prämienein- nahmen wetter gestiegen. Angesichts der Vermehrung der Insolvenz- solle ist auch die Zahl der Schadensanmeldungen gewochsen. Doch ist die Gesellschaft nicht mit besonders erheblichen Beträgen on den einzelnen Fällen beteiligt. Es ist möglich gewesen, die vermehrten Schäden zum Teil durch verbesierte Bedingungen, insbesondere höhere Prämien, auszugleichen. Daß die Gesellschaft über die Erportkreditversicherung noch nichts sagen konnte, ist begreiflich on- gesichts der Tatsache, daß sie noch gär nicht zu lausen begonnen hat. Aber eigentümlich berührte die Weigerung, über die Ausfall- bürgschoften für den Export nach Rußland irgendwelche Mitteilungen zu wachen. Anteil Veukschlands an der welteisen- und Stahlproduktion. Unter den bedeutendsten Roheisen- und Stahlproduktionen der Well nahm Deutschland in den Monaten Januar bis März 1926, wie dem„Industrie-Kiirier' berichtet wird, in Roheisen die dritte Stelle mit einer Produktion von 1 984 200 Tonnen ein. An erster Stelle standen die Bereinigten Staaten mit einer Erzeugungsziffer oan 9 675 100 Tonnen: an zweiter Stelle Frankreich mit 2 198 800 Tonnen. Es folgten nach Deutschland England mit 1604 000 Tonneu, Luxemburg mit 589 500 Tonnen und Belgien mit 588 95S Tonnen. In der Stahlerzeugung stand Deutschland mit 2 508 600 Tonnen an zweiter Stelle nach den Bereinigten Staaten, deren Produktion sich auf 12 440 200 Tonnen belicf. Es folgten noch Deutschland England mit 2 123 600 Tonnen, Frankreich mit 1 976 000 Tonnen, Belgien mit 533 600 Tonnen und Luxemburg mit 529 197 Tonnen. Die deutschen Walzwerke im April. Der Derein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller gibt die Leistungen der deutschen Walzwerke einschließlich der mit ihnen verbundenen Schmiede- und Preßwerke für den April 1926 mit 744 463 Tonnen an. Die Pro- dultionSziffer stellte sich im vorletzten Monat lMärz 1926) auf 808 005 Tonnen und im April 1926 auf 911463 Tonnen. Da der April aber nnr 24 Arbeitstage hatte gegenüber 27 Arbeitstagen im März, hat sich die arbeitstägliche Leistung von 29 926 Tonnen im März 1926 auf 31 919 Tonnen im April 1926 gesteigert. Die Steigerung macht ungefähr 8.6 Proz. aus. Eine staatliche Dergwerksakliengcsellschast auch in Bayern. Die kaufmännische Verselbständigung der stootseigenen Bergwerke, Hütten- und Salinenbetriebe wird nun auch in Bayern durchgeführt. Die Regierung hat dem Landtag eine Borlage zugehen laisen, wonach der Staat seine Bergwerks-, Hütten- und Salinenbetviebe in eine Aktiengesellschaft einbringen wird, deren Kapital von 5 Millionen Mark voll in der Hand des Staates bleibt. Die Gesellschast wird den Namen Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke A.-G. mit dem Sitz in München führen. Das Grundkapital dürste wohl mit Rück- ficht auf den geringen Wert der Kohlenbergwerke so niedrig be- messen worden sein. (Dw bieHeiejtei weiß ge Juckte$tsc& i'sider 5tdz der Hausfrau. Schon seit _ Jahren nimmt sie zur Wasche nur weil sie weiß, wie sehr ein schünes weißes Jischtuch zun Wohlbehagen ihrer Gäste beHrägt, Einzige allcaltacbe Thermen Deutschland» gegen Zucker, Gallensteine, Magen-, Darm-, Leber-, Nieren-, Blasenleiden, Gicht und Katarrhe TBIXK- TM» BADEKUB Vielseitige Unterhaituncen, jegliche Art Sport Badi-dirifleii itirdi die Inrdirektlon, dasBiirsemeisleraint, den In- und lerketoerein und die Veifcelmliiireas. Ead.>UumflHc Vorzügliche, streng diätetische Küche genau nach Vorschrift des Arztes in zahlreichen guten Hotels. Pensionen und Privathausern.:< Für Hanskaren Versand des Neuenahrer Sprudels. Pein natürliche FO'lung Hiesige Sprudel-Niederlage: Dr. M. Lehmann, Yorckstr.$9. J F. ttez l& Co, Chax.ottenstr. 66 Mttwoch 2. JnniWlt Unterhaltung unö AIissen Settage Ses vorwärts Voltsbücherei unö Rundfunk. Auf der Tagung des Verbandes Deutscher Volksbchliothekare 7)ielt der Epondauer Stadtbibliothekar Dr. W i e s e r einen Dortrag „Neuorientierung im Aufbau des Bücherbe» st B n d« s". der in der Berliner Presse vielfach ein« unzulängliche Wiedergabe fand. Der Vortrag ging unter anderem von den in der Nachkriegszeit fast allgemein in Deutschland beobachteten Schwan« kungen der Ausleihzifsern aus, die in der Inflation den Höhepunkt, bei der Erfindung des Radios den Tiefpunkt erreichten und deren mannigfaltige Ursachen nicht nur m den anormalen wirtschastlichen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen liegen, fondern auch in der ungenügenden Bereitstellung von Mitteln für die Volks- büchereien wie in einer Neuorientievung zum Buch«, In der Presse sind nun die weiteren Ausführungen des Vortrages so verstanden worden, als sei den Geschmacksrichtungen des Publikums unter Ver- kcnnung der feststehenden Aufgaben der Volksbücherei bedingungs- los eittgegenzutommen, Dr. Wieser vertrat aber nur eine lebendige Berufsauffassung, die vielfach gerade darin besteht, durch persönlich intime Arbeit(unter anderem auch durch besonders gegliederte Kala- löge) das weniger bekannte und überzeitlich-wertvolle Schrifttum bekannt zu machen. Seit der Ausbreitung des Films, des Rundfunks und der— nach amerikanischen Muster— ständig dickleibiger werdenden Zei- lungen hatten die Volksbüchereien den größten Teil derjenigen Leser verloren, die an der Kultur des Buches keinen ernsthaften Anteil mehr nehmen, die das Buch lediglich als Mittel zu dem Zweck be- nutzen, um die Seele ohne wesentlich« Vertiefung von den Unglück- lichen wirtschaftlichen Verhältnissen zu entsponnen. Bevor es Rund- itnk und Film gab, schon in der Zwesten Hälfte des vorigen Jahr- burtderts, hatte das Buch eine Aufgabe besorgen müssen, die ihm nicht zukam, weil sie Film und Rundfunk heute besser ausführen. Die Rolle, die das Buch jahrzehntelang in den Volksbüchereien gespiest hat, war deshalb seinem Wesen und Charakter unangemessen. Erst beule wurde es dank der Ausbreitung von Rundfunk und Film aus dieser unglücklichen Lage befrest und findet sein« Aufgabe als ernstes Bildungzmsttel wieder, dos zugleich die Seele wirklich vertieft und Itcreicherl, Die Volksbüchereien könnten nun ganz andere qualitativ« Arbeit leisten, als es ihnen früher unter dem Druck eines gemaltigen Mechanismus möglich war. Der Rundfunkteilnehmer kann die FW« von Eindrücken und Anregungen, die er empfängt, gar nicht ver- arbeiten, wenn er sich nicht beschränkt und nicht selber den Entschluß zu ernster Arbeit an sich in der bewußten Pfleg« seiner Seele und seines Geisas faßt, wobei er zum Buch zurückkehren muß. Dies« seelische urS geistige Anspannung, dit mit dem technischen Wesen des Buches verbunden ist, erschweren den meisten Menschen heut« die wirtschaftlichen und soziologischen Berhästnisse und die Berufs- ofzes«, welche das Leben heute erfordert, Di« zunehmende Beanspruchung des Rundfunks, die erst aus einem Drittel der Höhe ange- l.nnmen ist(wenn man amerikanisch« Verhältnisse zugrunde legt), führt jedoch nur zu weiteren Ermüdungserscheinungen im Kultur- leben, bei denen die zahlreichen Fälle nicht einmal die schlstnmsten sind, wo der Radioapparat nicht dazu benutzt wird, um etwas zu bören. sondern um aus Freude oyi Technischen daran hcrumzudastcln, Wir befinden uns oben heute in einer imgeheuren seelischen und geistigen Krisis der Kultur, m der die Menschen durch eine Kette von Enttäuschungen erst zu lernen hoben, was die allen und die neuen Ersindungen auf diesem Gebiete, sie n lögen Buchdruck oder Film und Radio heißen, wirklich zu leisten imstande sind für dos Seelenleben der Menschen. Ein scharfer Unterschied besteht zwischen Zivili« s a t i o n, der es auf seelische Empfängnis ohne Befruchtung ankommt, und Kultur, die Frucht ist und bewußte Pflege der Seele und des Geistes bedeutet: beide Arten des seclisch-geistigen Ver, Haltens, sowohl das dezentralisierte wie das konzentrierte, gehören zum Dasein der Menschheit: aber nur der Kultur kann das Buch seiner technischen Begrenztheit noch dienen. Es lebe die akademische Lehrfreiheit! Als Beweis für die Richtigkett dieser Anschauungen führte Dr. Wieser in seinem Vortrag aus, daß sich gleichzestig mit der Verminderung der Ausleihziffern in auffälliger Weise, wie sich selbst in schlecht ausgebauten Volksbüchereien gezeigt Hab«, der Geschmack des Publikums wie von selbst außerordentlich gebessert und der Sinn für ernsthostes Lesen und wertoollc Bücher«zuge- nonimen habe. Dos zeigt sich auch in der intensiven Benutzung der sogenannten wisienschaftlichen Bestände der Polksbüchereien gerade durch die ökonomisch schlecht gestellten Bevölkerungsschichten. Diesem qualitativen Lesebedürfnis des Publikums, in dem ohne Frage An- sätze zur Bildung einer neue» Kullurträgerschicht liegen, muß gerade in einem für das Buch so entscheidenden Zeitpunkte von den verant- wortlichen Persönlichkeiten Rechnung getragen werden. Lustatrobatik. In den Tagen, da Luftschiff und Flugzeug um die Wette starten, um die höchste asiatische Leistung, den Flug Wer den Nordpol zu vollführen, hat sich auch die Akrobatik des Flugzeuges bemächtigt und hier eine Sensation geschasfen, wie man sie selbst bei den waghalsigsten Zirkusleuten kaum noch einmal erleben dürfte. Drei blutjunge Leute: Robert Toutain, Andre Botal und der Italiener Romancfchi, olle drei kaum zwanzig Jahre all, haben ein tollkühnes Spiel erfunden, das dem Zuschauer das Blut in den Adern gerinnen läßt. Der Verwegenste ist wohl Toutain, Bisher hat er schon den Sprung vom sausenden D-Zug in den Fluß gewagt, ist um die zweite Plattform des Eifelturms herumspaziert— natürlich außerhalb der Brustwehr. Jetzt„arbeitet" er im Jockeikostüm mit zwei leichten Doppel- deckern. Behende hüpft er aus das startend« Flugzeug, dieses ist bald hundert Meter hoch gestiegen und schon folgt ihm das zweite. Da läßt Toutain eine Strickleiter nieder und springt die Sprossen herab, um zuletzt mit einem Satz aus das unter ihm fliegende zweite Flugzeug zu landen. Dieses kommt für einen Augenblick durch den Aufsprung ins Wanken, doch schon läuft der Akrobat aus dem Flügel weller, um irgendwo eine Leiter hervorzuziehen. Inzwischen Hot sich das erst« Flugzeug zur Höhe des zweiten niedergelassen, Toutain schiebt die Leiter hinüber und beginn! nun in aller Seelenruhe einen Spaziergang, geht, kommt wieder zurück, springt, grüßt herab. Endlich ist er wieder drüben und zieht die Leller nach sich. Die beiden Flugzeuge fliegen noch imnier in voller Ruhe neben- einander. Da. mit eineni gellenden Schrei macht der tollkühne Jung« einen Todessprung: vom äußersten Flüaelende des einen Flugzeuges auf den Flügel des anderen. Der Aeroplon dreht sich unter dem Ruck des Sprunges in beängstigender Weise. Toutain ist wohl aufs Knie gefallen, doch schon steht er wieder, mehr noch, auf einem Fuß stehend, vollführt er eine regelrechte Pirouette, Und dann die anderen beiden,— Die Flugzeuge steigen aui 200 Meter: unter jedem hängt ein Trapez: Romaneschi und Botal arbellen darauf nach den klassischen Regeln der Luftgymnastiker: Kniewelle, Sonnenrad, Hängen mit einer Hand. Hängen an beiden Füßen, an einem Fuß, Wie sie später erklären, ist dos-zanze Ding kaum der Erwähnung wert, um nichts gefährlicher als das „Arbellen" im Zirkus, in der Höhe von 10 Metern. Fällt man herunter, so ist's der sicher« Tod, ob von 10 oder 200 Metern Höh«. Und wie sie das in aller Ruhe erzählen, schwirrt etwas in der Luft über den Kopsen der Zuschauer, ein Schrei des Eni- sctzens entringt sich den Tausenden, die für ihr Geld das Gruseln erlernen wollen. Rasend fliegt ein Flugzeug im Kreise herum, darunter baumelt und kreist mit unheimlicher Geschwindigkeit etwas, ein Körper, ein Mensch— es ist Toutain, der sich aber diesmal nicht mit den Händen, sondern mit den Zähnen an dos Flugzeug seftgehängt Hai.__ Hundeplage. Die Schafzüchter in den verschiedenen Teilen Australiens sind überaus beunruhigt durch die wachsende Plage der wilden Hunde oder Dingo», die in ganzen Regimentern das Land durchstreifen und In die Schafhürden einfallen. Ein hervor- ragender Zoologe, Lanoe le Soeuf, der fett zwei Jahren die Dingo- frage studiert, hebt hervor, daß einzelne große Formen in West- und Südaustralien in wenigen Jahren mehr als 10 000 Schafe und Lämmer durch diese Pest verloren haben. In einem einzigen Gebiet, dem Westen des Darlingbezirks, ist die�Zahl der Schafe von 15 aus i'A Millionen zurückgegangen. Viele Schafzüchter verlassen das Land aus Verzweiflung übe� diese Plage, deren sie nicht Herr werden können. Alle Versuche der Regierung sind bisher erfolglos geblieben, und die einzige Rettung bleibt das Ausstellen„dingv- fester Zäune", die aber sehr teuer'sind und den Preis der Wolle sehr erhöht haben. die pfeife von Soloniki. 51 Von Jlja Ehrenburg. Ais ein bescheidener und armer Hebräer, der Sohn des weisen Pclzhändler Elia, konnte ich keines der Cafäs oder Badchäufer betreten, wo Griechen und Türken für wenige Piaster alles er» stehen konnten: für die Augen: das Gefieder der Schwälbchen von senseits des Meeres: für die Ohren: den silbernen Klang der Küsse: für die Rase: den Duft des Rosenöles und der schwarzen, von der Sonne getönten Haare: für die Finger: die Berührung der Haut, die zarter ist als die Teppiche aus Konstantinopel: für die Zunge: Speichel, süßer als Kreterwei». All das mar nicht für mich. Aber der Herr hatte Nachsicht mit dem armen Eleafor, und nach drei Jahren ermattender, süßester Erwartung sand ich endlich die Tochter Boruchs, eines Schneiders aus Adrianopel. Rebekka, deine Mutter. Allerdings, ihr Aeußcres glich dem eines mausernden Raben, chre Haut war rauher als die Pflastersteine der Quais von Saloniki, ibre Küsse krachten wie das Tronimeln eines Stockes auf einem Blcchtnpf, der Geruch, der von ihr ausging, erinnerte an Schweiß. Scnsöl und Schollen, und ihr Speichel an Fischgalle. Aber Re- bekka war ein ehrliches, hebräisches Mädchen, das sich der Ehe mll dem armen Eleasar nicht widersetzte. Mein Sohn, ich lasse kein böses Dort auf deine Mutter kommen, möge ihr die Erde leichter als Kamelhaar sein. Aber. sterbend sage ich dir: ich kannte die Liebe, bis zu der Stunde, wo ich endlich erkannte, was Liebe ist. Ich lasse dir als Erbe diesen zinnernen Ring, den ich einst an den schmutzigen Fmgern Rebekkas steckte— trage du ihn selbst. An deiner Hand wird er ein Reif der Liebe sein, an der Hand eines Weibes zv der Kette eines Ga- lecrensträstings werden." „Bater," antwortete Jehuda,„dem Leben war besser als deine Lehre. Hättest du nur von türkischen Badehäusern oder griechischen Easös geträumt, so hätten weder ich noch meine Brüder das Licht ter Welt erblickt." Mit diesen Worten nahm er den zinnernen Ring und ging. Nach dan Worten Jehudas Hai das Geschenk des Vaters und seine Lehren Jehuda zu einem glücklichen Leben verholfen, denn er be- gann sofort und mit erstaunlicher Beharrlichkeit, sich eine Braut zu suchen, lernte bald die schöne und dazu reiche Kaiifmannstochter sthannoh kennen und streifte, gerührt, an ihren rosaroten Finger den bescheidenen väterlichen Ring. � Darauf begann Eleasar den Elia seinen zweiteb- Sohn Leib zu belehren: „Ms ich eingesehen hatte, daß die Liebe nur ein Traum sst. wandte ich mich'der Freud« zu. Ich beneidete alle, die lachten, langen und tanzten. Bon weitem sah ich die Tänze bei griechischen Hochzeiten, belauschte die Lieder der Araber, schlendert« durch die Basare, und wenn mir da eine Schar Betrunkener begegnete. schmunzelte ich vor Begeisterung. Ich war nicht lustig— es sst sehr scbwer wstig zu sein für einen armen Hebräer, noch dazu für einen mit Weib und Kindern— aber ich glaubte, weim man es heftig wolle, so könne man lustig werden. Ich begann also verstohlen im Hof«, damit deine Mutter Rebekka nichts merke, zu hüpfen, die Beine zu werfen und mit dem Kopfe zu wackeln, wie es die ge- schickten Griechen machten. Ich erlernte sogar die Kunst, eine Türtin nachzuahmen, die auf dem Basar tanzt und dabei ihren dürren, hängenden Bauch so bewegt, daß der übrige Körper völlig unbe- wegt bleibt. Mit den Tänzen fertig, ging ich zu den Liedern über. Ich erlernte das Gezwitscher der Griechen, den weinerlichen Sing- sang der Türken, die Liebesseuszer der Araber und selbst die sonder- baren, an Schlucken erinnernden Laute der herbeigereisten Ma- gqaren. Nachdem ich so in olle Geheimnisse der Lustigkeit eingedrungen war, verkaufte ich rneinc letzten Hosen und taufte mir für den Erlös eine Flasche Wein, die ich bis auf den Grund leer trank, und begann mich zu belustigen, das heitzr zur gleichen Zeit zu tanzen, zu singen und zu lachen. Aber die Lustigkeit, in der Nähe betrachtet, erwies sich als sehr langweilig. Mein Sohn, ich be« schwör« dich, laß es dir genügen, wenn andere sich erlustigen, gehe du sechst stets mst gesenktem Kopf einher, und du wirst glücklich lein. Ich lasse dir als Erbstück die leere Flasche. Wenn dich die Gier nach Fröhlichkeit ergreift, so hebe sie hoch in die Höh« und bettachte lange ihren leeren Boden." Diese Lehre schien Aussicht zu haben, auf«neu dankbaren Bode» gefallen zu sein, denn Leib zeichnete sich von Geburt durch «ine seltene Trübseligkeit aus Wenn zur Zeit des fröhlichen Feiertages Simchosthora er in die Synagoge kam, so dachten die hm« fälligen, schon fast kindisch gewordenen Frommen, wenn sie sein niedergeschlagenes Fastengesicht sahen, sie hätten sich im Tage des Kalenders geirrt, und begannen die Gebete zu sagen, die für den Tag der Zerstörung des Tempels bestimmt sind. Als Leib die Worte des Vaters zu Ende gehört hotte, war er doch außerordentlich inter- essiert, die ihm bis dahin unbekannten vokalen und choreographischen Fähigkeiten Eleasar den Elias kennenzulernen, und er sprach: „Vater, laß mich durch den Augenschein erfahren, wie du dich erlustigt hast, und ich werde für alle Zeiten die Richtigkeit dieser Beschäftigung erkennen." Eleasar liebte seine Kinder leidenschaftlich. Deshalb stand er, ungeachtet seiner fünkundsiebenzig Jahre und der ihn obendrein quälende» Magenverstimmung von seinem Lager auf und begann zu hüpfen, seinen faltigen, alten Leib vielsach zu verdrehen, Trab zu lausen, Galopp zu springen, zu schlucken wie hundert Magyaren aus einmal, und zu zwitschern wie«in kleines Kanarienvögclchen. Seme Bemühungen waren nicht vergeblich: Leib, der bis zu dieser Stunde niemals gelächelt hatte, brach in ein lautes Lachen aus. tonnte nicht einmal dem gackernden und mst den asten, tugendhaften Beinen zuckenden Bater etwas erwidern, packte schließlich die leere Flasche und eilte hinaus. Auch sein Leben ordnete sich unter dem lichten Eindruck der väterlichen Ratschläge zum besten. Da er der lustigste Mensch Sa« lonikis geworden war, wurde er Spaßmacher in der Schaubude des Hauptbasare und verdiente da nicht wenig. Besser als er konnte keiner Bauchtänzen, keiner tiefere Banchtön« hervorbringen oder auf einer leeren Flasche Trouermörsche blasen, daß die fetten Griechen vor Lachen sich aus dem Boden wälzten. Etwas oerwirrt von dem starten Eindruck, den seine Weisheit auf seinen Lohn Leib aps- geübt hatte, sprach Eleasar den Ella zu seinem dritten Sohne Itzot: .Als ich die Nichtigkeit des Frohsinns erkannt hatte, ösfnets ich die Bücher und ging zu den Wissenschaften über. Aber als armer Jude mußte ich mich mit nur drei Büchern begnügen: einem Gebet- buch, einem arabischen Traumbuch und einer Zinsberechmingsanlei- tung. Ich las sie durch von Anfang bis zu Ende, wie Hebräer lesen, dann nochmal von Ende bis zum Anfang nach der Gewohnheit der Christen, und ich verstand olles nur zu leicht und schnell. Wissen ist nur dann verlockend, wenn es unerreichbar scheint. Ich erfuhr, daß. wenn ich wirklich fromm wäre und mich nicht mit Bauchtanz befaßte. Gott mich, Ueasar und mein ganzes Geschlecht bis ins zwanzigste Glied einschließlich, belohnen werde mit fetten Weide- Plätzen, ferner, daß, wenn ich von weißen Mäusen träumte, ich einen reichen Schwiegervater beerben würde, wenngleich ich gar keinen Schwiegervater hatte, weder einen armen noch einen reichen, und endlich, daß, wenn mir jemand etwas schuldig wäre, und wäre"es auch nur ein Piaster, ich nach allen Regeln errechne» konnte, wie- viel Prozente auf diesen Piaster anwuchsen. Alles das erfüMe mich mst Longeweile. Ich war schon im Begriff, die Wissenschaften zu verachten, wie ich die Liebe und die Fröhlichkeit verachtete. Aber neue Versuchungen erstanden mir. Deine Mutter Rebekka haßte die Bücher, und als ich einmal beim Ausrechnen von Prozenten «ingeschlummert war, verwandelte sie all« drei Bände in Brenn- moterial für dos Kohlenbecken. Sie erbarmte sich nur der lederneu Einbände, die ihr unschädlich und sogar von einigem Wert erschienen. Den Verlust meiner Bücher, obwohl sie von mir ihrer Psevdo- weisheit entkleidet waren, beweinend, streichelte ich die Einbände gleich Kleidungsstücken geliGter Toter, als ich plötzlich bemerkte, daß unter dem Leder, das noch vor kurzem einem Gebetbuch als Einband gedient hatte, ein Blatt mit Briefen in einer unbekannten Sprache aufgeklebt war. Ich erriet sofort, daß gerade hier sich unergründliche Wissenschast verberge. Ich trug das Blatt zu dem weisen Abraam den Israel, und er sagte mir, daß die Worte in der holländischen, auch ihm fremden Sprache geschrieben seien. Mein Sohn, zum zweiten Male im Leben verkaufte ich den notwendigsten Gegenstand, die Hosen, und erstand ein Lehrbuch der holländischen Sprache. Die Nächte hindurch, wenn Rebekka schlief, erlernte ich Tausende der schwersten Worte, die wie Wunderblumen die sonderbarsten Wurzeln hatten. Drei Jahre vergingen, bevor ich endlich feststellen konnte, was auf dem Blättchen stand, das unter das Leder des ehemals ein Gebetbuch umschließenden Einbandes geklebt war. Es waren Ratschläge für den besten Schliff großer Edelsteine. Aber niemals habe ich selbst auch nur den kleinsten Edelstein gesehen. Allerdings habe ich am Mecresufer manchmal schimmernde Steine gefunden. Aber diese wollten sich durchaus nicht sckzleifen lassen. Ich hinterlasse dir dieses Blatt als«inen offen- kundigen Beweis für die Richtigkett alles Wissens. Begnüge dich mst dem angenehmen Bewußtsem. daß es in der Welt»in« Menge unverständlicher Sprachen und ungelesener Bücher gibt. Mögen andere studieren, sich die Augen verderben und zwecklos Oel ver- brennen."(Schluß folgt.) LJUERGENS ALEXANDER PLATZ k*5, Staats-Theater Opcrnhan* am KSnlssplatz Ti, Uhr: Ooa Mono VIo Vogelscheuche Hajazzo Schausplsthans 8 Ohr: Paust. I. Schlllerf Tbeatar SU.: Nickel und die M(iercchten Sltisdie Opü Cheriottenburn 8 Uhr: Tiefland Abonn-Turnus IV Ifl23tef Norden 10334—38 GutsjiMijinkt. üodkSi! « Uhr: Max Adalbert in Das Skel Sommerpreist Lesslng-Tli �Schneider Wibbel Rhein, KomCdlev. Müller-Schlösser. Henckels. Berber Orodtczinssy Sommerpr. 1-8 M. l.ll5ld»llSsMli..5srat sijft, ß:l:!olln, stailei- ?ri«br!ih-Strahe 88/87.' Elellromotoren, Seuliesernna. auch Umtausch, aeaen»an» beauerne Bah- lunaededinaunaen. liefert cheinrick Tckeier, SinderstnNraks 8.* In vollem Beirieb Hogea: fnt tu Itnnukiil Stnniknt: Fat tu Irbiu Eiptritt 70 Pfennig Mittwoch, den 2. Juni nachmittags 3 Uhr Telfsahluna. Dadbelboat«. Ruderhoafe. areifbzr. Sendelwez ff. ganufchleus«. B'stnp-ckftrahe._* aMCaezkU-SBRitat 122— 128. difltnllhet Brake. Friedrich strah« DcanUnharatt- «elieaaettevf! fcette 15,-t 19JW! Drachwalle 25�1 80,-1 BrTibauna 89J01 fimbtzbtttes 8.7SI Step- hecken.' ZüllBecken! State»! 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Lananschlöger, Watzwerkarbeiter, ilulo-. Maschinen.. Eisenkanstmttions-, San- und Schworzdlechschtesier. Taaeaordnung In allen Der. lainwlungen: I Berahmg der Anttöge ,ur Seneralverfarnmiuna am 14 Juni, 2, Eiellunanadme ,ur Taawardnunq der G-neraIv»r!ammluna 5 Wahl der Wahl- ISrver-Delegiericn. nM~ Zutritt habe» mn bieienioe» Mlfglieher. dt« in chrern aUialtcbetnich die Beeul»be,elchmtng Haben, filz walch, die Berfatmnluna aufaerufnt Ist.— Ohne Mitglied« duch und«rdeUvIasen. karte keln gntrfn. VI« 0rk,perwattuN0. 'lEllEUaOgEwE i finto In Yonrlrts & % & t. * £ t. E ! Versäumen Sie nicht RinTinTin's neuesten Film Der Schrei aus den Lüften im Verleih Täglich 5» 7, 9 Uhr Jugendliche haben Zutritt I Primus-Palast Potsdamer Straße 19 •4 3 4 3 * s * * u i &n fuien. �Vvtistse�ivieitv�tf Crdal t&tnvmvu oav dßüi