�benSausgabe Nr. 261 ♦ 43. Iahrgattg Ausgabe B Nr. 12$ Btjuasbttilnflungtn und«uMtatOTwlf« Und in der Morgenausgabe angegeben Hcdadtan: SO. 68, Cinficnffrob* 3 Zernlprechar: vönhost 292— 297 Z«l.-U8ccffc:S«}ial&cino(cat Bctlia Verlinev VoMsvlskt (iv Pfennig) Sonnabend 5. Juni 192ö «erlag und»nietgenabteiluug: TeschSftszett»-« Uhr Setlegec; Oocioücls-Uerlag Grubh. Serlln SO. 68, cindenftrahe 3 Feraiprecher: Dönhoff 292— 297 Zcntralorgan der Sozialdemokrat! feben Partei Deutfd�lands Sturmflut für die Jürfleu. Ein Maffenaufgebot an Geld nnd Papier. Bergehoch häufen fick bei uns die F l u g f ch r i f t« n d« r Fürstenknechte. Aris allen Teilen des Reiches gehen sie uns zu und liefern dadurch den Beweis, daß die„ver- arniten* Fürsten und ihre Diener sich den Kampf um ihren Milliardenbesitz wirklich etwas kosten lassen. In einer einzigen Berliner Druckerei— es ist dieselbe, in der das Blatt der christlichen Gewerkschaften, „Der Deutsche" gedruckt wird!— sind Flugschriften in Auflagen hergestellt worden, die in die vielen Millionen gehen. Einige dieser Flugblätter haben wir von fachmännischer Seite im Preise auskvlkulieren lassen und dadurch festgestellt, daß allein dieser einen Druckerei Beträge von 2S0 000 bis 300 000 Reichsmark gezahst werden müssen. Wahr- schcinlich werden die Ziffern aber viel höher. � Und da handelt es sich nur um Austräge in einer einzigen Druckerei. Gleich- zeitig aber werfen die Rotationsmaschinen in Berlin und Breslau, in Königsberg und Münster, in Nord und Süd und West und Ost ungezählte Papiermengen hinaus, olle bedruckt mit Lobpreisungen der„M o n a r ch i e" und mit l chamlosen. Beschimpfungen jener 12� M i li- 'ionen Wähler, die durch Bolksbegehren den B o l k s- nt scheid über die entschadigungslose Enteignung der .ürsten oerlangt haben. Dieser Eifer zeigt, daß die Reaktion mit einem Siege se5 Volksentscheids rechnet. Deshalb bieten sie alles auf, um den gefürchteten Sieg abzuwehren. Bei der Einzeich- nung zum Bolksbegehren haben die Leute geschwiegen. Sie glauben, wenn sie in ihren großen und kleinen Blättern das Volksbegehren totschweigen würden, dann märe der Wille des Bolkes tatsächlich tot. Die 12� Millionen Einzeichnungen haben ihre Angst hervor- gerufen. Jetzt überschwemmen sie das Land mit einer Sturm- flut von Papier und— Lügen! Woher stammt das Geld für dieses Massenaufgebot? Die Industrie, die den Arbeitern die Löhne abzwackt, zahlt auch diesen Bolksbetrug. Das nachstehende Rund- schreiben eines Arbeitgeberbundes sagt olles: Lipp. Arbeltgeberbund. Rundschreiben Nr. 38/26. Detmold, 26. Mai 1926. An unsere Mitglieder! 1. Betr. UrteilNrlaubsregelungbeiKurzarbeit... 2. Betr. Fürstenenteignung. Der Westfälisch-Lippische Wirtschaftsbund übersendet uns das (von uns schon zitierte! Red. d.„Vorwärts") als Anlage II bei- gefügte Rundschreiben, von dem wir Kenntnis zu nehmen bitten. Wir müsseu es den Mitgliedern überlassen, ob sie aus Grund dieses Rundschreibens uns oder dem Wirtschaftsbunde direkt Mittel zur Verfügung stellen wollen. Der Aufsasiung des Wirtschaftsbundes, daß mit der Frage der Fürstenenleignung da» Problem der SoziaN- sierung In unmittelbarem Zusammenhange steht und insofern diese Frage für die Industrie von besonderer Bedeutung ist. schließen wir uns voll und ganz an. Es wird unseren Mitgliedern noch in Er- innerung sein, daß em bekannter demokratischer Reichs- tagsabgeordneter die Enteignung der Fürstenvermögen nur um des- willen ablehnte, weil es sich um die Enteignung einer einzelnen Gruppe von Personen handelt, daß er aber für eine restlose Ent- eignung und Sozialisierung des gesamten Grund- besitze? unbedingt eintreten würde. Lippescher Arbeitgeberbund. gez. Dr. ch o s f m a n n. Syndikus. Ganz ähnliche Bettelschreiben sind in anderen Teilen des Reichs an die Industriellen verschickt und mit entsprechenden Summen beantwortet worden. Der Landbund, die Organi- iotion der hungernden Agrarier, läßt sich nicht lumpen. Er verweigert zwar dem Reich die Steuern, dafür aber wirst er Unsummen zur Propaganda gegen den Bolkswillen aus! Für die Scharfmacher von Schlot und Halm heißt es: Schlösser und Millionen gehören den Drohnen! Den Kriegsopfern und Sozialrentnern aber soll im besten Falle das Asyl für Obdachlos« offen stehen! In nur zwei Wochen soll die E n t s ch e i d u n g fallen. Ber- doppelt und verdreifacht deshalb die Werbearbeit für den Volksentscheid. Dem papierenen Meer der Fürsten- knechte stellt gegenüber die eiserne Entschlossenheit, den Willen des Volkes zum Siege zu führen! das Zentrum maßregelt. Eine unbequeme Zentrumszeitung wird abgeschüttelt. Die Tatsache, daß sich Hunderttausende von Zentrumswählern für das Gesetz über Fürstenenteignung ausgesprochen haben, ist dem rechten Flügel der Zentrumsleitung außerordentlich peinlich. Deshalb wird jetzt mit allen Mitteln politischen Druckes darauf hingewirkt, daß wenigstens die Zentrumsprese sich für den Fürstenraub und gegen den Dolkswillen ausspricht. Blätter, die diesem Druck auch nur einen leisen Widerstand ent- gegensetzen, werden nach Roten gerüffelt. Die„Rhein-Mainische Vol'szeitung", das Frankfurter Zentrumsorgan, hat in aller Vor- ficht doch immer wieder daraus hingewiesen, daß das Gesetz über entschädigungslose Enteignung immer noch besser sei, als wenn die Fürstenhäuser und Maitresiev durch die deutschen Gerichte alles zugesprochen erhielten und das Boll betrog« wurde. Dise Haltung hat dem Blatte nun den Zorn der rechtsstehenden Dortmunder.Tremonia" zugezogen, die kategorisch erklärte, da» Frankfurter Blatte habe sich außerhalb des Zentrum» ge- stellt! Ob sich die Zentrumswähler, besonders aus den Arbeiterkreisen und aus den Schichten des durch Inflation verarmten Mittelstandes eine solche Behandlung gefallen lasten werden, wird sich am 20. Juni zeigen! Die Auslegung üer Stimmlisten. Tie Feststellung der Zahl der Stimmberechtigte«. Amtlich wird gemeldet:: Beim Volksentscheid am 20. Juni sind nur diejenigen Personen stimmberechtigt, die in eine Sttmmliste oder Sttmmkattei eingettagen oder einen Eintragungsschein besitzen. Das Verzeichnis der Stimm- berechtigten wird in allen deutschen Gemeinden in der Zeit vom 6. bis 13. Juni zur allgemeinen Einsicht öffentlich ausgelegt. Jeder Stimmberechtigte ist befugt. Einsicht in diese Listen zu nehmen und Unrichtigkeiten zu beanstanden mit der Wirkung, daß fehlende Stimmberech- tigte nachgetragen, zu Unrecht eingetragene Personen g e» strichen werden. Die Eintragungen in die Sttmmlisten und Sttmmkarteien bilden die Unterlagen für die Ermittlung der G e- samtzahl der Stimmberechtigten im ganzen Reiche, die für die Bewertung des Abstimmungsergebnisses ausschlaggebend ist Es würde daher erwünscht sein, wenn die Bevölkerung von der Möglichkeit, durch Einsichtnahme iu die Sttmmlisten und Sttmm- karteten an deren Bereinigung mitzuwirken, weitgehend Ge- brauch machen würde. Unabhängig davon, ob der einzelne sich an der Abstimmung beteiligen will oder nicht. * Für die Stadt Berlin hat das Hauptwahlomt des Magistrat» bereits am gestrigen Freitag durch Säulenanschlag aus die bevorstehende Auslegung der Stimmlisten hingewiesen. Lom heutigen Tage an bis zum Schluß der Auslegungsfrist am nächsten Sonntag, den 13. Juni, veröffentlicht jede» Bezirksamt durch S äule n a n f ch la g für den Bereich eine« jeden Berliner Bezirks die Lokole, in denen die Stimmlisten in Berlin ausliegen. Jeder Wähler hat dadurch die Möglichkeit, festzustellen, wo er sich von seiner Ein- tragung in die Stimmliste überzeugen kann. Aus der amtlichen Bekanntmachung geht hervor, daß die Stimmlisten diesmal eine ganz besondere Bedeutung haben, da sich aus der Sum- mierung der Stimmlisten im ganzen Reich die Zahl der Stimm- berechtigten ergibt. Da SO Proz. der Stimmberechtigten zur An- nähme des Volksentscheids notwendig sind, ist es von großer Wichtig- keit, zu verhindern, daß durch falsche und unberechtigt« Eintragungen die Zahl der Sttmmberechttgten künstlich er- höht wird. �usnahmezustanü über Posen. Gegen deutsch-irredeutistische Agitation? Warschau. 5. Juni.(WIB.) Der Ministerrat hatte dea Minister de» Innern ermächtigt, über Posen und pomme- rellen den Ausnahmeznstand zu verhängen. Aeber Pommerellen wurde laljächlich der Ausnahmezustand verhängt. Dem Surjer Warszawsti" zufolge, erNärte Miniflerpräfideut Vartel in einer Unterredung, daß der Ausnahmezustand in pomme- rellen auf Grund von Vorstellungen de» Thorner Wojwoden Wachowiak erlassen worden sei. der diese» verlangen mit der umstürzlerischeu Agitation deutscher tbhauvi. u i st e n und anderen Staatsrücksichten begründete. Die verord- nung verbietet die Abhaltung von Versammlungen und Umzügen unter freiem Himmel, verlangt für Versammlungen in geschlossenen Räumen die vorherige Anmeldung und die Bewilligung durch die Behörden und sieht da» Recht der Einschränkung de» Straßenver- kshx» in den Abend- und Nachtstunden vor. lleberdies wird dea pommerellischea Behörden da» Recht gegeben, ausländische Zeitungen zu kooflszierea oder zu verbieten, wenn deren Zu- hall die Sicherheit des Staate» oder die öffentliche Ruhe und Sicher- heit gefährden. PPS.«ud Vereidigung MofeickiS. Warschau. 3. Juni.(WTB.) Der Obmann de» sozialistischen Klubs Dr. Marek erklärt das F e r n b l e i b e n der Sozialisten von der gestern im alten Königsschloß vorgenommenen Ber- eidigung des neuen Staatspräsidenten damit, daß die Sozialisten darauf Wert gelegt hätten, daß die Legalisierung der geschichtlichen Tat des Marschalls Pilsudski im Landtagsgebäude statt- finde. Di« Verlegung des Schwuraktes in das Schloß hätte als Bestreben aufgefaßt werden müsien. die gesetzgebenden Körperschaften zu übergehen, wozu die Sozialisten niemals ihre Zustimmung geben könnten. Das Reichskabinett Hot, wie schon angekündigt, jetzt neuerlich den früheren Reichsfinanzminister v. S ch l i e b e n zum Präsidenten des Landesfinanzamtes Sachsen ernannt. Die Reichsregierung Hot durch ein offizielles Schreiben an die Reichsbahn betont, daß sie sich ihre Entscheidung über die Wahl des Nachfolgers für Dr. Oefcr durchaus vprbchaltc. vor dem portal der nordamerikanschen Gesandtschast in Monte- video ist eine Bombe explodiert. Es wurde niemand verletzt, auch der angerichtete Sachschaden ist nur gering. Di« Beweg- gründe zu dem Attentat konnten noch nicht klargestellt werden. ttlermont-Jerranö. Nachwort zum französischen Parteitag. Von Rudolf B r« i t s ch« i d. Mit Absicht habe ich einige Tage verstreichen lasten, ehe ich ein paar Bemerkungen über die Eindrücke niederschrieb, die ich auf dem französischen Parteitag von Clermont-Fer- rand gewann. Es ist für den Ausländer nicht leicht, den Ber- lauf solcher Kongresse vollständig gerecht zu beurteilen. Man mag die Verhältnisse in der anderen Partei noch so gut kennen, man wird immer geneigt sein, den heimischen Maßstab an sie anzulegen oder doch an der Oberfläche der Dinge hasten zu bleiben, während es doch unsere Pflicht ist, der Tatsache Rech- nung zu tragen, daß jedes Mitglied der Internationale feine eigene Daseinsbedingungen hat, die wechseln, je nach der Geschichte, der wirtschaftlichen Struktur und dem Temperament des einzelnen Landes. Wir deutschen Sozia- listen sind stolz auf die theoretischen Grundlagen unserer Partei, auf den Umfang und die Fertigkeit unserer Organisationen, auf die Disziplin, auf unsere Presse usw. Unsere Bruder- Parteien haben andere Vorzüge. Wir können unsere Tugen- den miteinander vergleichen, aber wollen es nach Möglichkeit vermeiden, sie gegeneinander abzuwägen. Wir sollen nicht über einander richten, uns nicht in die inneren Angelegenheiten der anderen Gruppen einmischen, und das einzige Recht, das wir uns vorbehalten, ist, ein Wort der Warnung zu sprechen, wenn eine Partei Gefahr läuft, ihre eigene Aktionskrast und damit die der Internationale zu schwächen. Rein äußerlich gesehen stand in Clermont-Ferrand ge» rade dieDisziplinim Mittelpunkt der Debatte, also etwas, was uns Deutsche ganz besonders interessiert. Drei Tage lang wurden die„Fälle" besprochen, von denen die wichtigsten waren, daß Genosse P o i s s o n, selbst Mitglied des Partei- Vorstandes, als Leiter der Genossenschaften einen Aufruf zur Beteiligung an den freiwilligen Beiträgen zur Stützung des Franken unterschrieben hat, obwohl der Parteivorst'and diese ganze Aktion— mit Recht— als falsch und zweckwidrig be- zeichnet hatte, und daß der Provinzialoerband der Marne bei einer Nachwahl entgegen dem Beschluß des Parteivorstandes ein Kartell mit den Radikalen eingegangen war. Die am Schluß angenommene Resolution verurteilte diese Verstöße wider die Ordnung der Partei gegen eine nicht unbeträchtliche Minorität, die sich teils enthielt, teils auch mit Nein stimmte. Für uns find diese Disziplinwidrigkeiten schwer verständ- lich, und wir sind erstaunt, daß nicht der ganze Parteitag in ihrer Verurteilung übereinstimmte. Aber hier gibt es eben Unterschiede zwischen der französischen Partei und der unseren, die wohl beachtet werden müssen. Derorganisatorische Zusammenhalt ist drüben weniger fest als in Deutschland, und der Wille zur Unterwerf'ing unter die Be- schlüsse der Instanzen ist geringer ausgebildet. Es fehlt, möchte ich sagen, die Tradition der Disziplin. Der stark indi- vidualistische Charakter der Franzosen verleugnet sich auch nicht bei den Mitgliedern der Sozialistischen Partei. Und viele von denen, die jetzt übet- die Schuldigen zu Gericht saßen, chaben bei anderen Gelegenheiten selbst schwer gesündigt und sündigen bis zum heuttgen Tage. Sie haben, um von anderem zu schweigen, gelegenllich gegen ausdrücklichen Beschluß der Fraktion mit den Kommuni st en gestimmt, sie haben seinerzeit, als bei der letzten Präsidentenwahl die Partei sich für PainleoS einsetzte, für Dounrergue votiert. Was aber das Wichtigste ist: unter diesen strengen Richtern befindet sich M a u r i n, der die radikalste Richtung vertritt, die Einheitsfront mit den Koinmunisten predigt und zur Erreichung seines Ziels nicht nur ein eigenes Blatt herausgibt, sondern inner- bald der Partei eine Art von Sonderorganisatton geschaffen hat.- j Aber man hatte den Eindruck, als ob sich die strengen Richter von Clermont-Ferrand des inneren Widerspruchs, in dem sie sich bewegten, gar nicht bewußt seien, und man würde ihnen zweifellos Unrecht tun, wenn man sie etwa der Heuchelei bezichttgen wollte. Es war ihnen wahrscheinlich selbst nicht klar, daß sie die Disziplinbrüche deshalb so hart beurteilen, weil es Vertreter der anderen„Richtung" waren, die sie be- gangen haben. Damit aber kommen wir zu der Hauptsache: es war«in R i ch t u n g s st r e i t, der in Clermont ausge- fochten wurde. Alles andere war Beiwerk. Drei„Tendenzen" rangen miteinander: 1. die schon kurz charakterisierte M a u r i n sche; 2. die von Z y r o m s k i, Paul Favre und Bracke geführte, deren Resolution auch L�on Blum beitrat, ohne daß er wohl innerlich mit ihren Zielen übereinstimmte: und 3. die. die im wesentlichen durch Re- naudel, Grumbach. Marquet und andere revräsen- tiert wird. Die Gruppe Maurin ist schon geschildert. Es ver- dient als Symptom gewertet zu werden, daß zum erstenmal seit dem Spaltungsparteitag von Tours die Annäherung an die Kommunisten auf einem stanzösischen Soizalistenkongreß einen Fürsprecher fand, aber diese äußerste Linke, die kaum mehr in den Rahmen der Partei hineinpaßt, und die zum Glück recht unbettächtlich ist. mag einstweilen beiseite gelassen werden. Der Hauptstreit wurde zwischen den beiden anderen Fraktionen ausgettagen, und er gab dem Kongreß sein Ge- präge. Was ist der wesentliche Unterschied zwischen den beiden? Man kann sagen, die Frage der Beteiligung an bür- gerlichen Regierungen oder ihre Unterstützung. Offiziell stand dieses Problem in Clermont nicht zur Debatte. Es ist bei früheren Gelegenheiten, wenn man so will, geregelt worden. Aber in Wirtlichkeit haben sich an ihm die Geister geschieden, und da die früheren Entscheidungen auslegungs- fähig sind, können wir uns nicht wundern, daß. ausgesprochen oder nicht, der Gegenstand immer wieder eine Rolle spielt. Die Partei lehnt die Teilnahme an der Regierung ab, sie be- hält sich die Unterstützung je nach der gegebenen Situation vor. Das sind die Beschlüsse, aber leider hatte L6on Blum nur allzu recht, als er auseinandersetzte, man sei im Grunde weder Re- gierungs- noch Unterstützungspartei, noch stehe man in der Opposition. Das ist es: unsere französischen Freunde besitzen zurzeit keine ganz klare politische Linie. Sie haben 1924 ein Wahlkartell mit den Radikalen gemacht, haben, nachdem sie den Eintritt in das Kabinett Herriot oerweigert hatten, dieses Kabinett im wesentlichen unterstützt. Nach seinem Sturz aber haben sie zum Teil infolge der ganz besonders gelagerten französischen Parteiverhältnisse den sicheren Boden unter den Füssen verloren. Sie haben zu schwanken begonnen, sind nervös geworden, und so geistvoll Blum in seinen ausgezeich- neten Reden die Lage auch erklärt, mit der Analyse allein kommt man nicht weiter, es fehlt an einer Synthese, es fehlt an einem festen Entschluß. Gewiß, die„Linke" glaubt ihn gefunden zu haben, in- dem sie den reinen Klassenkampf proklamiert. Aber ist das in diesem Fall viel mehr als ein Schlagwort? Die Abwendung von einem zweifelhaften und inkonsequenten Opportunismus ist gut, der Wille, eine ausschließliche Arbeiter- Politik zu treiben, ist durchaus anzuerkennen. Was indessen fehlt, ist die starke politische und gewerkschaftliche Arbeiter- organisation, auf die man sich stützen könnte. Die Partei zählt etwas über IVO Ml) Mitglieder, die Gewerkschaften, die zu ihr in einem mehr als losen Verhältnis stehen, sind schwach, es gibt keine ins Gewicht fallende sozialistische Tageszeitung. Unter diesen Umständen würde man sich durch einen grund- sätzlichen Verzicht auf jedes Zusammengehen mit bürgerlich- demokratischen Gruppen bei den Wahlen und im Parlament politisch ziemlich ausschalten und liefe Gefahr, eine rcrolutio- näre Sekte zu werden. Die Folgewirkung wäre die Schaffung einer sicheren Basis für eine reaktionäre Regierung, also dos Gegenteil von dem, was das französische Volk mit den Wahlen vom 11. Mai 1924 beabsichtigt hat. Man täusche sich nicht: der Einfluß unserer französischen Freunde auf das politische Leben des Landes ist seit 1924 nicht unbeträchtlich zurückgegangen. Schon heute hat sich das Züng- lein an der Wage n a ch r e ch t s geneigt, und viele von denen, die dem Kartell zugejubelt haben, sind enttäuscht. Wie soll das bei den nach st en Wahlen werden? Der Verlauf der Konferenz von Clermont-Ferrand eröffnet ungünstige Aus- sichten. Trotzdem hoffen wir, daß die französischen Sozialisten bald den Weg finden, auf dem sie— ohne Verzicht natürlich auf die Prinzipien des Sozialismus— wieder eine volitische Macht werden. Im Interesse ihrer selbst, im Interesse der Internationale und im Interesse der deutsch-französischen Be- Ziehungen._ Soüenftern leugnet natürlich. Dies Kind, kein Engel ist so rein. Ehrhardts Untergebener, Major o. S o d e n st e r n, er- läßt folgende Erklärung gegen M a h r a u n: 1. Ich habe an keiner Sitzung teilgenommen, über die ein Protokoll aufgenommen worden ist. 2. Ich habe niemals erklärt, daß ein Kommunistenputfch dadurch provoziert werden müsse, daß große Unternehmungen ihre Arbeiter auf die Straße werfen müssen. Z. Ich habe auch in bezug auf eine bevorstehende Regierung?- bildung niemals das gesagt, was das angebliche Protokoll behauptet. Ich habe immer nur das gesagt, was ich in der„Deutschen Zeitung" feit Jahr und Tag vor aller Oeffentlichkeit oertreten habe, nämlich s) daß ich einen Putsch überhaupt für aussichtslos halte und b) daß die vaterländischen Verbände im Falle eines Kommunistenputsches nicht daran dächten, ihre 5zaut für«ine sozial!- stische Regierung zu Markte zu- tragen. Herr v. Sodenstern vergißt nur hinzuzusetzen, daß es in Deutschland niemals einen K a p p- P u t s ch gegeben hat, daß Eisner, Gareis, Erzberger und R a t h e n a u noch leben und daß die Nachricht von ihrer Ermordung nur eine Erfindung ist. Es hat niemals in Deutschland Rechts- Putschisten gegeben und es gibt keine und wird keine geben. Wird Herr Mahraun nun um Entschuldigung bitten? Sodenstern war bei Hindenburg! Wie von zuständiger Stelle b e st ä t i g t wird, hat eine Unterredung des Reichspräsidenten o. Hindenburg mit dem Chefredakteur der„Deutschen Zeitung", Major a. D. v. Sodenstern, stattgefunden. Ueber den Inhalt dieser Unterredung könnten nur mit Zustimmung des Reichspräsidenten Mitteilungen gemacht werden. Es wird weiter erklärt, daß, wenn der Chef- rcdakteur einer„großen"(?) Zeitung eine Audienz beim Reichs- Präsidenten nachsuche und besonders schwerwiegende Gründe zu ihrer Verweigerung nicht vorlägen, der Antragsteller eben empfangen werde. Dazu wird vielleicht mancher die Frage erwägen, ob es nicht Gründe von einigem Gewicht wären, daß der Audienzwerber beim Präsidenten der deutschen Republik seit Jahr und Tag in seiner Zeitung Nummer für Nummer dieselbe Republik mit den gemeinsten Beschimpfungen und Verleumdungen vor seinen Lesern verächtlich zu machen versucht.... völkische Verleumder. Paul Levi und Trebitsch- Lincoln. Genosie Dr. Paul Levi ist den Völkischen durch seine Tätig- keit im Femeausschuß des Reichstags sehr unbequem geworden. Sie haben aus feiner letzten Reichstagsrede über die Beziehungen der seinerzeit von Dr. Fr ick geleiteten Abteilung Via der Münchener Polizeidirektion zu völkischen Mordgesellen ersehen, daß er tiefe Einblicke in gewisse Zusammenhänge gewonnen hat, die in ihrem Interesse besser unaufgedeckt blieben. Also greifen sie gegenüber dem gefürchteten Gegner zu der bei ihnen üblichen Waffe der Verleum- dung und beschuldigen Levi, er sei im Kriege bezahlter eng- l i s ch e r Agent gewesen. Tie Verleumdung geht auf ein Buch„Volksvergiftung" des berüchtigten Abenteurers Breithaupt zurück, und dieser hat sie wieder einer Erklärung von Lauffenberg und W o l l h e i m entnommen, die behauptet hatten, Levi habe zu T r e b i t s ch- L i n- coln Beziehungen unterhalten. Genosse Levi befand sich aber zu der Zeit, da Trebitsch-Lincoln in Deutschland seine segensreiche Tätigkeit entwickelte, in Schutzhaft, er Hai den Mann überhaupt nie gesehen. Genosse Levi hat sofort, als ihm die Verleumdung bekannt wurde, gegen den„Völkischen Beobachter" Klage erhoben. Herr Frick hat am 27. Mai im Reichstag erklärt:„Ein Mann von Ehre müsse es ablehnen, vor einem solchen Menschen— wie Levi— als Zeuge zu erscheinen oder mit ihm in einem Aus- schuß zu sitzen." Das erscheint nach dem Gesagten nur als eine schwindelhafte Ausrede, durch die sich Frick den Un- annehmlichkeiten der Ausschußuntrrsuchung entziehen möchte. Das wird ihm nicht gelingen! Zwischenfälle im Zemeausschuß. Vernehmung des Zeuge» Puttkamer. Der Femeuntersuchungsausschuß des Reichs- tags setzte Sonnabend vormittag die Erörterung des Mordfalles B a u r fort. Der Vorsitzende hatte vorher mitgeteilt, daß sich das dem Ausschuß vorliegende Material um Z6 Akten der O r g a n i s a- t i o n C o n j u l vermehrt habe. Als Zeuge wurde der 36jährige Schriftsteller Franz v. Pultkammer vernommen. Der Zeuge war in den Jahren 1911 bis 1920 Mit- glied links gerichteter Organisationen in München: 1923 bis 1924 war er dort als Korrespondent größerer republikanischer Blätter, des„Vorwärts" und des Sozialdcniokratischen Pressedienstes tätig. Puttkammer hat es u. a. als seine Aufgabe angesehen, die nationali- stische Bewegung in München zu beobachten, der Zeuge wendet sich aber ganz entschieden gegen den wider ihn in der Rechtspresse er- höbenen Vorwurf, als habe er die nationalistische Bewegung be< spitzeln wollen. Er sei durch seine öffentliche republikanische und journalistische Arbeit in München bekannt gewesen, daß er gar keine Spitzelrolle bei den Nationalisten hätte spielen können. Mir dem später ermordeten Baur sei er gelegentlich bekannt geworden, er habe keine Veranlassung gehabt, diesen gegenüber seine Beruss- ftellung anzugeben, da ihm Baur sonst nicht die außerordentlich gravierenden Mitteilungen über die Mordanschläge auf Rathenau und Scheidemann gemacht haben würde. Der Zeuge bekam einmal eine Einladung zu einer Felddienstübung, die hat er mitgemacht und dadurch wertvolle Einblicke in das Organisationsleben der nationalistischen Verbände gewonnen. Auch heute noch bereue er nicht diese Handlung, die in den Münchener Zuständen des Jahres 1923 ihre Begründung finden. In der Hauptstadt eines zivilisierten Landes genüge es für den Korrespondenten größerer Blätter, wenn er die Parlamentstreibcreien usw. besuche. In dem München des Jahres 1923 hätte ein Journalist seine Pflichten aufs gröbste ver- letzt, wenn er nicht auch die nationalistische Bewegung beobachtet hätte. Der Student Baur, der ständig Diktaturpläne wälzte, habe in den dürftigsten Verhältnissen gelebt und alle Welt angepumpt. Das Verschwinden Baurs datiert von Anfang Februar 1923. Baur war früher Vorstandsmitglied der Deutschnationalcn Volkspartei, Landesverband Mecklenburg, und hat als solcher die R a t h e n a u- Mörder beherbergt. Er war zugleich Vorsitzender der Deutschnationalen Iugenorganisation zu Mecklenburg. Der Zeuge hat an zwei öfsentliche Veranstaltungen des Blücherbundes teilgenommen. Aus den auf allen Tischen ausliegenden Kundgebungen bei einer Fahnenweihe am 11. März 1923 hat der Zeuge den Eindruck gezogen, daß in dieser Organisation planmäßig Fememörder heran- gezüchtet werden sollten. In diesem Sinne hat Puttkamer sofort telegraphisch an den„Vorwärts" berichtet. Ein vom Blücher- bund verbreitetes Flugblatt wird vom Zeugen dem Vorsitzenden' überreicht und dann von diesem oerlesen. Bei der zweiten von deni Zeugen besuchten öfsentlichen Veranstaltung des Blücherbundes, bei der Einweihung von schwarzweißroten Fahnen, die von sranzösischem Gesde bezahlt waren, die blutrünstigsten Reden gehalten, u. a. auch von dem am Freitag vernommenen Vorsitzenden des Blücherbundes Schäfer, von Rüge, der besonders gegen den„Juden" Dr. Heim vorging. Auf Befragen erklärt der Zeuge, daß er seine Kenntnisse über den Mordplan gegen Scheidemann lediglich auf eigenen Antrieb pflichtgemäß den Behörden mitgeteilthabe. Es kommt nunmehr zu einem bemerkennswerten Zwischenfall. Abg. Schäfer(Dil.) fragt den Zeugen, ob er für seine Tätigkeit in München einen Auftrag von dem Reichskommissar oder dessen Vertreter, Oberregierungsrat Mühleisen, erhalten Hobe. Putt- kamer ersucht den Ausschuß um einen Beschluß darüber, ob er diese Frage beantworten solle. Zur Beschlußfassung darüber wird die Oessentlichkeit der Verhandlungen aus einige Zeit ausgeschlossen. Nach Wiedereröffnung der öffenttichen Sitzung verkündet der Bor- sitzende Abg. Scheiter(Ztr.) den Beschluß des'Ausschusses, den Zeugen in erster Linie noch einmal über seine Beziehungen zu Bauer insbesondere in bezug auf den Mordplan gegen Scheidemann zu vernehmen. Die Beanstandung der Frage des Abg. Schäfer wird zurückgewiesen. P u t t k a mc r erklärt, daß er im Januar lediglich Einzel- Helten über seinen Mordplan an Scheidemann erfahren wollte, um die Aussührung dieses Planes zu verhindern. Selbstverständlich habe er nichts getan, um den Mordplan zu fördern. Wenn das von der Polizei angefertigte Protokoll sage, daß er Baur seinen Rc- oolver zur Verfügung stellen und Reisegeld borgen wollte, so sei das fasich: die damaligen Aussagen seien van dem Zeugen unter dem Druck der Untersuchungshast gemacht worden. Ueber den Mord- plan an Scheidemann habe Puttkamer die Behörden unter- richtet, Staatssekretär N i m m e r f a l l sei extra nach Berlin gc- fahren, um dem Parteivorstand der SPD. darüber Mit- tcilung zu machen. Auf Befragen des Abg. Schäfer(Dnat.) erklärt der Zeuge Puttkamer, daß bei einer FelddienstübunA die unter der Leitung des Leutnants Heine stand, Zettel ausgegeben wurden mit der Parole: „Cuno. Mistviech, Scheißkerl! Abg. Schäfer fragt weiter, ob der Zeuge Spitzeldicnste gegen die vaterländische Bewegung und gegen Regierungsstellen ge- leistet habe. Der Zeuge weist den Vorwurf der Spitzelei mit Eni- rüsttmg zurück. Ein Spitzel sei ein bezahltes Subjekt, er habe getreu der Ucderzcugung, die ihn schon seit zwanzig Iahren beseele, es für seine Pslicht gehalten, wenn er von Mordplänen natio- Das Schulsihilö. Gerade gegenüber der Haupteingangstür an der Wand, aus die die breite Treppe hinführt, hängt das Schulschild. Es ist ein großes rundes Brett, in das in den Kriegsjahren Arbeiterkinder, von den Lehrern der Gemcindcschulc angeeifcrt, Nägel einschlugen: Schwarze, silberne, goldene— immer 10, 20, 50 Pfennig das Stück, hundert und aber hundert. Das Geld sollte einem guten Zweck dienen, war für Kriegerwaisen und invalide Soldaten bestimmt. Ob es sein Ziel erreicht hat, wissen die Arbeiterkinder nicht: auch die Lehrer wissen es nicht. Das Schulschild aber wurde, als es fertig genagelt war, an jene Wand gehängt. Es zeigt eine Schlange und ein Schwert und trägt die Inschrift:„Das höchste Heil, das letzte, liegt im Schwerte!" So hängt es da, zehn lange Jahre schon, unbeweglich. Mit silbernen Nägeln glänzt die Inschrift Tag für Tag den Kindern ins Auge. Täglich müssen 600 Kinder daran vorbei, treppauf, trepp- ab, und müssen hinsehen, weil das glänzende Schild den Blick fängt.— Zehn lange Jahre sehen 600 Kinder, immer neu hinzu- kommende, die Schlange, das Schwert und den Spruch. Arbeiter- linder, denen der Krieg Vater und Bruder geraubt hat, Kinder, die daheim Tränen und Kummer der einsamen Mutter mitfühlen, sie müsien Tag für Tag das Schwert und die Schrift sehen, können nicht verstehen und werden doch vergiftet. Verstehen aber ist bei den Lehrern der Schule, den Männern, denen Arbeitereltern ihre Kinder anvertraut haben. Es muß noch keiner den Mut gefunden haben, gegen das Schild mit dem Spruch, der Kinderseelen vergiftet, zu protestieren. Für manchen von ihnen ist der Spruch ein Symbol: Das höchste Heil, das letzte,— die Gewalt! Wer sich nicht zu Kinderseelen hinabneigen mag. um hinzu- hören, der hält mit Autorität sich die Kinder vom Leibe, schont sich Kopf und Nerven und greift zum Prügelstock. Das höchste Heil. das letzte, liegt..... Wer nicht versteht, in Kindern lebendige Kräfte zu wecken und Kinder im Unterricht selbständig und froh zu machen, der drillt den Kindern mechanisch toten Wissensstoff ein.— drückt Kindergcist zu Boden mit Gewalt. Das höchste Heil, das letzte liegt..... Wer als Beamter cs nicht vergessen kann, daß die Republik ihm den Nimbus geraubt und den Eltern Rechte an der Schule gegeben hat, der fragt den Teufel nach der Reichsverfassung, die die Erziehung zum Staatsbürger und die Pflege des Gedankens der Völkervcrsöhmmg fordert. Er sieht das Schild und die Inschrift und steigt mit stolzer Brust die Schultreppc hinauf.„Das Beste an der Geschichte ist die Begeisterung, die sie erweckt!" Und droben in der Klasse müssen Arbeiterkinder eine Gcschichtsstundc über sich er- gehen lassen, in der es vom Schritt der langen Kerle dröhnt, in der Kanonen krachen und Völker sich morden. Aber nichts wird laut von den Errungenschaften und dem Werden deutscher Kultur, vom Aufstieg der Arbeiterklasse, von den sozialen Nöten weiter Volkskreise, von der wirtschaftlichen Verbundenheit der Völker. Das höchste Hell, das letzte, liegt..... • An der Schule hat sich ein nationalistischer Elternbeirat auf- getan, der es wagt, sich„christlich-unpolitisch" zu nennen, und vorgibt, die Religion zu verteidigen. Er stellt sich zum Schutz vor das Schulschild mit der Schlange, dem Schwert und der Inschrift. Dieser Beirat muß einen besonderen Christengott verteidigen, denn den mit der Predigt:.Liebet eure Feinde! Stecke dein Schwert in die Scheide!" kann er nicht meinen. Sozialistische Elternbeiräte werden dafür sorgen, daß das Schulschild verschwindet und sein Geist in der Schule vernichtet wird. „Der SkSrenfried" Im Theater in der Slosterstraße. Die Direk- tion hat diesmal tief in die Schublade gegriffen, um ihre Sommer- gästc mit einer neuen Harmlosigkeit unterhalten zu können. Der „Störenfried" des seligen Roderich Benedix, den schon sehr lange der grüne Rasen deckt, hat daran glauben müssen. Das ist so ein Lustspielchen, in deni die schönsten Nichtigkeiten cffekt- sicher aneinandergereiht sind. Ernst Raden als Regisseur hatte leider die Rollen ungeschickt verteilt. Zwei'Schauspieler, denen man sonst besseres nachsagen kann, waren mit sichtlicher Unlust bei der Sache: O tz T o l l c n, ein langweiliger Liebhaber, und Harry F ö r st e r, der sich in seiner Haut anscheinend nicht wohl fühlte, als Leberecht breiig und oerkrampst. Besser schon Eva Farild, hübsch und temperamentvoll, Hans Marland, ein sehr gedul- diger und äußerst liebenswürdiger Ehemann, und Ilse Hirt als feine Frau. Wirklichen ungetrübten Genuß boten aber S i g i s- mund Ke ister als Gros mit dem ausgeweichten Rückgrat, und — allen anderen voran— B e t t y L ö ck, die ihre Babette urwüchsig und dialektsicher aus die Bretter stellte. Maria Hosen uner- träglich übertrieben, und ganz undiskutabel Hans Rewendt als Gärtner, während I l o o Günther als Zofe eine kluge Schlange war. Alles in allem ein Abend, für den mit Dank allein ein Publi- kum quittierte, das mit einer außerordentlichen Indifferenz und Ge- fchmacklosigkeit belastet ist. A. F. Der Intendant der Slaalsthcaler. Prosessor Leopold Jeßncr. bat das Amt des ersten Vorsitzenden des Verbandes Berliner Bühnenleiter niedergelegt. Wegen seiner angegriffenen Gesundheit, wie er erklärt. In einem Antwortschreiben, das der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Dr. Zickel, an Ießncr richtete, wird aber angedeutet, daß nicht nur der Geiundheits- zustand des Intendanten, sondern auch die ganze gegenwärtige Konstellaiion des Berliner Thcatcrlebens Ießncr zu seinem Schritt bewogen habe. Zum Streit um den Umbau der Staotsoper. Nachdem der Kultusminister im Landlag versprochen hatte, über die Verlegung des Bühnenhauses nach der Ostseite des Opernplatzes mit den zu- ständigen Stellen zu verhandeln, haben jetzt das Polizeipräsidium. der Magistrat und die Verkehrspolizei entschieden, daß die Straße östlich des Opernplatzes nicht gesperrt werden darf, weil sie den Hauptenlaftunqsweg von der Französischen Straße nach den Linden hin bildet. Damit ist der Vorschlag der Akademie unannehmbar gc- worden. Zum krach im Bühncnvolksbund wird jetzt bekannt, daß Herr Gerst bereits Ansang Mai in einer Bundesleitersitzung in Hamburg genötigt worden ist, sein Amt niederzulegen, und die Amtsniedcr- legung durch seine Unterschrist zu bestätigen. Nach Verlauf einiger Zeit soll er dann erklärt haben, es sei nie seine Absicht gewesen, jene freiwillig geleistete Unterschrist anzuerkennen. Dieses Verhallen des y)errn Gerst sei der Grund für den Rücktritt der Herren Dr. Groschc und Emil Ritter gewesen. Die Ausstellung„Revolutionäre Kunst des Westens" in Moskau. In dem ehemaligen Rumjanzew-Musernn in Moskau ist eine große Zahl von Werken der bildenden Kunst Westeuropas ausgestellt, die sämtlich in irgend einer Form revolutionäre Ideen, Motive aus der Arbeiterbewegung. Kundgebungen des Proletariats usw. zum Aus- druck bringen. Die Sowjetpress« äußert sich mit großer Anerkennung über diese Ausstellung. Bisher habe das russische Publikum nur sehr wenig Gelegenheit gehabt, diejenigen Künstler des Auslandes kennen- zulernen, die Ideen Ausdruck geben, welche gerade in dem Staat der Arbeiter und Bauern besonders interessieren müssen. Diese Aus- ftellung bilde den ersten Versuch, einen solchen Ueberblick zu geben. Den ersten Rang in der Ausstellung nimmt nach den Urteilen der Sowjetpresse die deutsche Künstlerschaft ein. Ganz be- sonders starken Eindruck haben die Zeichnungen von Käthe K o l l w i tz gemacht. Die„Prawda" rühmt besonders ihren „Bauernkrieg" und auch ihre neueren Werke. Außerdem werden von deutschen Künstlern hervorgehoben George Groß, Otto D i x und Felix Müller. Außerdem sind England, Frankreich. Belgien, Oesterreich und Ungarn vertreten. Die Presse rühmt die„inter- nationale Flammensprache" aller dieser Kunstwerke, hebt aber her- vor, daß die Kunst des politischen Plakats in Sowjetrußland besser entwickelt sei als im Westen._ Erslausführnngen der Woche. Dienst. Staatstbeater:.Die Weit, in der man sich langweilt."— Donnerst. Renailsanceth:„Die fleißig« Leserin" Th. i. d. K ö n i g g r ä tz e r Str.:.Gefallene Engel." Tb. i. d. Kl oft erst r.:„Spanische Fliege."— Areit. Städtische Cpcr; „Fatinitza"— Sonnab Over am Platz der Republik:„Der Dieb des Glücks." Th. d. Westens:„Die gntc llnbetanutc." Urania-Vorträge. Moni, u Dienst., vonn bis Sonnt(', 9), Ulitfro. f5): .D! e Biene Maja und i b r c Sl b c n t c u e r."— Uiont. bis Mt!w. <5, 7i. Dona, bis Sonnt.(7):„Die I e tz t c n T a g e v o n P o m p e j i." — Alont u. Dienst., Dona, bis Sonnt.(7) u. Alitiw.<9):„Mensch gegen Bestie."— Ulittiv.(7): ,D i e Moral als Lebenskunst."— Dona. bis Sannt.(5, S):„O u o V a d i S"."' Staatlichr» Seminar für INvsikerz'rhung.?in der Hochschule lsir Musik isi mit Begmu des EoinmersemesteiS ein besonderes Seminar für Musik» crzieduiig nugnilbtet worden. Das Seminar ist nur Volljludiereiidcn der Hochschule sür Musit zugänglich. Die Reue kunsihandluog, Taucntzienstraße«. stellt vom S. bis 20. Juni neue Arbeiten von Franz Domschcit aus, Bilder und Rcisestizzen auS KonstaMmopel und dem Balkan. V olksenischeid! � w�Äi3;«" bÄ1.™ Haler Schädlinge gegen republikanische Führer erfuhr, diese zu entlarven. Abg. Schäfer fragt den Zeugen, wann er sich an B a u r „herangemacht" hatte. Puttkamer erwidert, dah er sich an aBur nicht„herangemacht" habe, sondern dieser habe ihn a» g e- bettelt. Von dessen Mordplan gegen Scheidemann habe er u. a. auch dem sozialdemokratischen Abg. A u e r Mitteilung gemacht. Der Kriminalbeamte Wenzel, der vom Ausschuß vernommen werden solle, habe Bsur zu. ist vernommen. Wenzel hotte damals den Eindruck, daß Baurs Plan gegen Scheidemann ernsthaft gemeint sei. Mit erhobener Stimme fährt Puttkamer fort: „Baut als Atlentäler ist nach mehreren Stunden wieder freigelassen worden, ich dagegen, der das Attentat verhindern wollte, wurde vom bayerischen Volksgericht wegen Anstiftung zum Morde mit acht Monaten Gefängnis bestraft. Diese Strafe habe ich erlitten, weil ich Republikaner war!" Das bayerische Volksgericht habe gesagt, daß Puttkamer die Anzeige über den Mordplan an das„Ausland" gegeben habe, dieses „Ausland" war das Reichskommifsoriat für die össenttiche Ordnung in Berlin! Es spielt sich ein weiterer Zwischenfall ab. Der Abg. Schäfer will durch seine Fragen durchaus den Eindruck erwecken, als ob der Zeuge sich der S p i tz e l e i schuldig gemacht habe. Darauf ruft Puttkamer dem Abgeordneten in höchster Erregung zu:„Wollen Sie davon ablenken, daß sie Mörder gegen unsere Führer schicke n?" Der Vorsitzende rügt diesen Ausdruck. Putt- kainer erklärt, daß er nicht den Abg. Schäfer persönlich habe treffen wollen, sondern die deutschnationale Bewegung gemeint habe. Es stehe doch fest, wie der„Lübecker Vo l k s b o t e", ohne Wider- spruch zu sinden, mitgeteilt habe, daß Baur Vorstandsmit» glied der Deutschnationalen Volkspartei in Meck- j e n b u r g war und in dieser Eigenschaft die Rathenau-Mör- der beherbergt habe. Abg. Schäfer gibt sich mit der Rüge des Vorsitzenden und der Erklärung des Zeugen nicht zufrieden. Er sagt, daß er nicht länger dem Ausschuß angehören könne, wenn ihm nicht eine andere Genug- tnung gegeben werde. Darauf wird die O e f s e n t l i ch k e i t der Verhandlungen auf neue ausgeschlossen, um dem Ausschuß Gelegenheit zu geben, sich über diesen Fall schlüssig zu werden. Nach Wiedereröffnung der Sitzung teilt der Vorsitzende Abg. Scheiter(Z.) mit, daß gegen den Zeugen Puttkamer wegen seiner Aeußerung gegenüber dem Äbg. Schäfer eine scharfe Rüge verhängt worden sei. Von einer Bestrafung Hobe der Aus- schuß noch abgesehen. Darauf setzt der Abg. Schäfer seine B e- f r a g u n g des Zeugen über dessen Verbindungen mit dem er- mordeten B a u r fort. Da er sich dabei im wesentlichen auf die Protokolle stützt, die von der Münchener Polizei aufge- nommen worden sind, erklärt der Zeuge, daß diese Protokolle objektiv falsch abgefaßt morden seien, und daß er sich auf die Einzelheiten der damaligen Vorgänge nicht mehr genau entsinnen könne._ Lübecks Reichsfreiheitsfeier. Offizielle Meiern.— Reserve der Arbeiterschaft. Lübeck, den S. Juni 1926.(Eigener Drahtbericht.» Die 700-Iohrfeier der Rcichsfreiheit, die Lübeck in diesen Tagen begeht, nimmt einen durchaus würdigen Verlauf. Bei der großen offiziellen Feier, die gestern stattsand, war das Reich durch Reichs- oerkehrsminister Dr. Krahne vertreten, der in seiner Anspracht durch den angebrachten Hinweis auf den Ernst der wirt- schaftlichen Lage angenehm auffiel. Dagegen ließ der Vizepräsident des Reichstages. R i e s s e r, der den erkrankten Reichs- tagspräsidenten Löbe vertrat, weniger erfreuliche nationalistische Töne hören. Unter den ausländischen Vertretern sprach zuerst der russische Botschafter in Berlin, K r e st i n s k i, zugleich im Namen aller geladenen und vertretenen Ostseestaaten. Seine Rede war ein neuer Beweis dafür, wie gut es die Russen gelernt haben, sich den Formen internationaler Höflichkeit anzupassen. Sie unterschied sich von den Grüßen bürgerlich regierter Länder in keiner Weise. Auch Litauen, Estland, Lettland, Finnland, Dänemark, Schweden und Norwegen waren durch ihre Gesandten vertreten. Die Stadt macht im reichen weihroten Flaggcnschmnck einen außerordentlich festlichen Eindruck. Leider ist dieser Jubel nicht viel mehr als eine täuschende Fassade, denn die gesamte o r g a- nisierte Arbeiterschaft hält sich von der Teilnahme an der Feier fern. Die Arbeiterschaft hatte im Gedenken an den über- tncbcnen Festrausch, der im vorigen Jahre den Rhein über- schwemmte, eine stillere, der herrschenden Not und Arbeitslosig- keti Rechnung tragende Feier gewünscht. Da sie damit nicht durch- drang, sich zudem von dem in der Vorbereitungszeit nach maßgeben- den Bürgermeister N e» m a n n eine provozierende Behandlung gefallen lasten sollte, zog sie es vor, die festseligen Bürger unter sich zu lassen. Nachdem dieser Hauptwider st and einer gedeihlichen Entwicklung, der in der Person des Bürgermeisters Neumann lag, durch den scharfen Angriff der Lübecker Sozialdemokratie besci- t i g t ist, und unser Genosse L ö w i g t provisorisch die Keschäste führt, können auch wir darauf hoffen, daß diese kleinste und älteste Republik Deutschlands besseren Zeiten entgegengeht. Nacüonalü über öen Generalstreik. „Keine brauchbare Waffe im Wirtschastskampf." London. 4. Juni.(WTB.) Macdonald veröffentlicht in der sozialistischen Zeitschrift„Socialist Review" eine umfassende U e b e r- ficht über den Generalstreik. Er drückt darin seine per- sönliche Meinung über die Wirkungslosigkeit des General- streiks aus und schreibt: Der Generalstreit ist eine Masse, die nicht für industrielle Zwecke gebraucht werden kann: sie ist zu plump und hat kein Endziel, das selbst im günstigsten Aalle als Sieg angesehen werden kann. Wenn ein Generalstreit bis zum Schluß durchgeführt würde, so würde er die Gewerkschaften ruinieren. Mus her Partei. Oswald Hillebrand gestorben. Die deutsche Sozialdemokratie der Tschechoslowakei beklagt den Tod eines ihrer begabtesten und charaktervollsten Vertreter. Am letzten Donnerstag ist Genosse Oswald Hillebrand einem tückischen Leiden erlegen, das ihn schon seit Jahren außer Gcseckt gesetzt hatte. Hillebrand war im Jahre 1879 als Sohn eines Maurers geboren und bereitete sich für den Lchrerberuf vor. Aber schon in der Lehrerbildungsanstalt geriet er in den Bann des Sozialismus. Er wurde Redakteur des Tep- litzer„Volkswillens" und 1911 Abgeordneter in Wien. 1918 war er als Vertreter des gesamtdeutschen Parlaments in Weimar m Aussicht genommen, zwei Jahre später saß er im Prager Parla- ment. Nach dem Tode Seligerz wurde er zweiter, nach dem Tode Ccrmaks erster Vorsitzender-Stclloeitrcicr der Partei. Erfolgreich verteidigte er die Sozialdemokratie Westböhinens gegen kommu- nistische Spaltungsversuche. Mit der deutschen Sozialdemokratie der Tschechoslowakei beklagte auch die Partei im Reiche den hin- gang dieses ausgezeichneten Kämpfers. Die neue Lehrerbilöung. Aus Leserkreisen schreibt man uns: Vor mehreren Wochen erschien im„Vorwärts" ein Artikel über das Thema„Republikanischer Nachwuchs". Auch in der Arbeits- gemeinjchaft der sozialdemokratischen Lehrer und Lehrerinnen soll über dieses Thema in der nächsten Sitzung ein Referat gehalten werden. Wie wichtig die Heranbildung der nächsten Generation zu s o z i.a l d e n k e n d c n und verant- wortungsbewußten Staatsgliedern ist, leuchtet nicht nur jedem Republikaner ein, sondern auch die Reaktionäre haben es erfaßt, und das geht nicht nur aus ihrer Kulturpolitik in den Parlamenten, sondern auch aus ihren wüsten Schimpsrcden in den Versammlungen zu den Elternbeiratswahlen hervor, daß eine wirklich republikanische Erziehung ihrem Treiben in Kürze ein Ende machen würde. Wer aber soll und kann die Kinder in diesem Sinne erziehen? Der größte Teil von den heutigen Lehrern ist nicht dazu imstande. Mir wird immer wieder gesagt, die Mehrheit der Lehrer bekenne sich zum heutigen Staat. Ich bezweifle das nicht nur, ich behaupte das Gegenteil. Ein Bekenntnis darf ja nicht nur in Worten de- Geht zur Gltembeiratswahl! Aber geht rechtzeitig! Die Wahl findet statt am Sonntag, öen ö. Juni. Die Wahlzeiten sind in den einzelnen Verwaltungsbezirke« verschieden. Sie sind aus den Anschlägen in den Schulhäusern zn ersehen. stehen, die daraus entspringende Tat ist die Hauptsache. Aber die Energie dazu ist durch die Anerzichung und Einimpfung des milita- ristischen und dogmatischen Geistes-'unter dem jahrelangen Druck erlahmt. Selbst wenn man jede böse Absicht außer Betracht läßt, so muß man doch zu der Ueberzeugung kommen, daß von einer Eignung eines großen Teils der Lehrerschaft für die neue Erziehung nicht geredet werden kann. Ich will keine Anschuldigungen erheben, ohne sie zu beweisen: darum einige Beispiele: Ist ein Schul rat, der gleichzeitig Vorsitzender der Ortsgruppe des Bismarck-Bundes ist, fähig, in einem Arbeiterviertel. die Leitung der Erziehung der Arbeiterjugend zu führen? Jedes Wort darüber erübrigt sich wohl. In einer pädagogischen Arbeitsgemeinschaft sagte der Dozent, der selbst nicht allzu republikfreundlich eingestellt ist:„Ein großer Teil der Lehrer erklärt: Was kümmert uns Arbeitsschule und Werkunterricht, uns kümmert nur der Tag, an dem das Gehalt gezahlt wird." Können solche Herren die Kinder zu pflichtbewußten Menschen erziehen? An einer Schule ist es Brauch, immer zwei oder drei Tage vor der Elternbeiratswahl mit den Schülern und deren Eltern einen Dampserausflug zu machen. Und dabei werden dann die lieben dummen Männlein und Weiblein davon überzeugt, daß die christlich-unpolitische Liste„die richtige" sei. Den Tag der Wahl kann sich jeder ungefähr ausrechnen. Als der Rektor gefragt wird, warum auch in dieseib Jahr der Ausflug wieder zwei Tage vor der Wahl stattfindet, erklärt er prompt:„Ich habe den Termin der Wahl nicht gewußt." Eine Lehrerin erklärte am 27. Januar 1926 in der Schule:„Ja, wenn wir unseren lieben Kaiser noch hätten, würde es uns nicht so schlecht gehen." Diese Dame hat vergessen, daß in der Zeit der Republik sie in die Besoldungs- gruppe VIII gebracht worden ist. Ein Lehrer hat es innerhalb des ersten Jahres glücklich soweit gebracht, daß die Kinder von 1 bis 29 zählen, wohlverstanden zählen, nicht rechnen, können. Dieser Herr schreibt kleine Gcdichtlein für ein reaktionäres Stadt- k l a t s ch b l a t t und hat deshalb soviel„Verpflichtungen", daß morgens der hospitierende Junglehrer für seine vierzig oder fünfzig Mark Fortbildungszuschuß den Unterricht übernehmen muß. So sieht der Benissidealismus mancher Lehrer aus. Man kann von Menschen, die selbst nicht mehr die Krast ausbringen, sich dem Fortschritt anzupassen, nicht verlangen, daß sie ihr Erziehcrhandwcrk anders ausüben, als sie es gelernt haben. Darum muß die Lehrerbildung eine andere werden. Gegen den Vcr- such mit den pädagogischen 5iochschulen läßt sich vorerst wenig ein- wenden. Zwei Forderungen aber müssen wir ganz energisch ver- treten: Es müssen Mittel und Wege gesunden werden, daß auch begabten proletarischen Kindern mehr als bis- her die Lehrerlaufbahn ermöglicht wird. Es geht nicht an. immer nur Beamten- und Kaufmannssöhne zu Erziehern der Arbeiterkinder zu machen. Nicht politische Gründe, sondern rein pädagogische Erwägungen sind hier maßgebend. Wer s e l b st aus dem A r b e i t e r st o n d e hervorgegangen ist, der kann am besten die Entwicklung der Seele eines Arbeiterkindes verstehen und lenken. Die zweite Forderung bezieht sich direkt auf die p ä d a- gogischen Akademien. Wir kämpfen gegen die von altersher übernommenen Grundsätze der Autoritätserziehung, die in der Religion Ihren Ursprung hat. Darum fordern wir, daß mit der Einrichtung von konfessionellen Akademien Schluß g e- macht wird und für den weltlichen Staat und sein weltlich und real denkendes Proletariat weltliche Hochschulen eingerichtet werden.'Es könnte sonst leicht kommen, daß wir in einem Jahr- zehnt in den Städten ebensoviel weltliche wie konfessionelle Schulen haben, aber nicht einen einzigen für diese Schulgattung vorgebildeten Lehrer._ Der Kutisker-prozeß. Die Verhandlungsunfähigkeit des hauplangeNagten. An den beiden letzten Verhandlungstagen fehlte K u t i s t e r. Donnerstag legte sein Sohn dem Gericht ein A t t e st vor. aus dem die Verhandlungsunfähigkeit des Vaters erwiesen werden sollt». Das Gericht erklärte jedoch Kutister für verhandlungsfähig und sprach die Vermutung aus, daß er simuliere. Gestern wurde nun von der Der- teidigung ein weiteres Krankheitsatte st vorgelegt, aus dem hervorging, daß Kutisker schwer an der Grippe erkrankt sei. Auf Antrag des Staatsanwalts verfügte dos Gericht die Unter» suchung des Angeklagten durch Prof. Strauch. Er stellte eine schwere Grippeerkrankung und Symptome einer b e g i n- nenden Lungenentzündung fest. Also war Kutisker ver- handlungsunfähig. Das Gericht beschloß, die Verhandlung bis auf Montag auszusetzen und falls Kutikers Zustand sich bis dahin nicht gebessert haben sollte, eine kurze Sitzung in seiner Wohnung vor- zunehmen. Somit wird sich allem Anschein nach das gleiche wie im Lützow-Prozeß wiederholen.— Aus der Verhandlung am Donners- tag wäre noch einiges Interessant« nachzutragen. Zur Erörterung standen die Hanauer Lageroerträge. Wie erinnerlich, hatte Kutisker einen Scheinvertrog mit den Rumänen geschlossen, um die Staats- dank hinzuhalten. Dann schloß aber Strikter auf Veranlassung Kutisker» mit Michael einen Vertrag, auf Grund dessen dieser als Treuhänder den Rämänen das Lager um eine Million billiger ver- kaufen sollte. Als dann die Rumänen vom ersten Vertrag zurück- traten, glaubte die Staatsbank, die den Vertrag für echt hielt, daß Michael an dem Rücktritt schuld sei. Auf Grund der eidesstattlichen Versicherung von holzmann und einigen anderen erwirkte daraus Kutisker einen A'rrest a u f Michaels Vermögen, hätte damals Kutisker die Bürgschaft von 3,6 Millionen stellen können oder hätte die Staatsbank für ihn die Bürgschaft übernommen, so wäre» alle Depots des Michael-Konzerns in der Staatsbank mit Beschlag belegt worden und der Konzern ruiniert gewesen. Das sollte KutiskersRachean Michael für den verlorenen Schiedsgerichts. prozeß sein. Es gab auch noch andere pikante Einzelheiten in dieser Gerichtsverhandlung. So stellte sich z. B. heraus, daß der ehemalige Angestellte Kutiskers v. Kohl 19 9 9 M.„Monatsgehalt" von Michael bezog, damit er nicht wieder zu Kutisker gehe. Oder man erfuhr z. B., daß holzmann in Paris 17 Gläubiger aus aller Herren Länder bestürmten und daß selbst die Polizei einzugreifen drohte. Als holzmann darauf den Zeugen W i s h a u p t einen Phantasten nannte, meinte dieser:„Herr holzmann, in der Haft hat Ihr Ver- stand ein wenig gelitten."— Allerdings, es sieht wirklich so aus. Schweres Unglück bei üer Samag-Meguin. Ein Arbeiter getötek, zwei schwer verletzf, Ein entsetzliche» Unglück ereignete sich heute vormittag in der großen Montagehalle der Maschinenfabrik Bamag-Me- g n i n in der Reuchliaftraße zu Charlottenburg, hierbei wurde e I n Arbeiter getötet, zwei weitere schwer verletzt. Ueber den furchtbaren Unglücksfall erhalten wir folgende Einzelheiten: In der großen Montagehalle wurde ein viele Zentner schwerer Kesiel durch einen Kran in die höhe gewunden. Die Lauskatze be- wegte sich gerade auf dem Kran, als plötzlich eins der Drahtseile riß und der schwere Kessel In die Tiefe stürzte. Drei Arbeiter, die unten an ihren Maschinen arbeiteten, wurden hierbei u n te r d e in Kessel begraben. Es sind dies der Kesselschmied Franz Fröhlich aus der Emdener Str. 41, der Schlosser Hugo Buch- wa ld aus der Lehrter Str. 45 und ein weiterer Arbeiter, dessen Personalien bisher noch unbekannt sind. Fröhlich erlitt so schwere Verletzungen an Kopf und Körper, daß er bereits während des Transports in einem Wagen des Städtischen Rettungsamts zur Un- fallstelle in der Johannisstraße. ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, vc r sta r b. Die beiden anderen Schwerverletzten haben viele schwere innere und äußere Verletzungen davongetragen, so daß sie gleichfalls in die Unfallklinik gebracht werden mußten. 'Die Betriebsleitung der Bamag gibt dazu solgendc Darstellung: Ein großer Kessel sollte vermittels des Kraus zur weiteren Bearbeitung an eine andere Stelle der Halle gebracht werden. Plötz- lich riß das Halteseil und der Kessel rutschte seitlich ab. Drei unten beschäftigte Arbeiter konnten sich nicht mehr in Sicherheit bringen und wurden schwer verletzt. Die genaue Ursache des traurigen Vor falles ist bisher noch nicht geklärt. Die Kriminalpolizei ist mit der Ausklärung des Unfalles beschäftigt. ..MoIkSser"-Rum,nel. Die hugenbergsche Puschistenpresse über- schlägt sich in Riihrseligkeit anläßlich eines Regimentstagcs der ehe- maligen Gardefüsiliere. Die deutschnationalcn 5iausbesitzcr und Borderhauswohnungsinhaber in der Umgegend der einstigen Kaserne dieses Regiments haben sür die nötige„Stimmung" durch schwarz- weißrote Fahnen und Girlanden gesorgt. Wir fragen nur: Ist der Leutnant h i l l e r, der dadurch berühmt wurde, daß er den Füsilier h e l m h a k e bei 23 Grad Kälte in den Karpathen zu Tode marterte, auch dabei? Und sind die Offiziere, die seine Grausamkeiten vor Gericht deckten, gleichfalls anwesend? Wenn ja— dann mögen Hausbesitzer und Spießbürger i h» e n zur Ehre ruhig weiter schwarzweihrot flaggen! Zu mehreren politischen Schlägereien kam es gestern abend wieder in verschiedenen Stadtteilen. In Wilmersdorf fiel ei» größerer Trupp Nationalsozialisten über politisch Anders- gesinnte her und es entspann sich eine blutige Schlägerei. Es wurden 9 VerHast ungen vorgenommen, die übrigen ergriffen die Flucht. Anläßlich der Jahrhundertfeier des Garde-Füsilierrcgimcnts kam es vor dem Kriegervcr- einshaus in der Ehaulsecstraße gleichfalls z» R e in p e l e i e n. Auch hier wurden einige Verhaftungen vorgenommen. I» Lichtenberg in der Juiigftroße versuchten Nationalsozialisten Reichs- b a n n e r l e u t e zu überfallen. Auch hier griff die Polizei ein und verhaftete einen völkischen Rädelsführer, der dem Polizei- Präsidium zugesührt wurde. Es wäre sehr angebracht, daß sie Polizei auf das provozierende Verhalten Völkischer mehr Augenmerk richtet, da besonders in den letzten Tagen Ucbcrfälle auf politisch Andersgesinnte an der Tageserdnung sind. vcr SchwimmIIud.welle" Strausberg veranstaltet Sonntag. nachm. 2 Uhr. in der neuen Badeanstalt PcterShagen ein schwimm- lest, um dem zu gründenden Arbellerschivimmv crcin nioglichit znylreichc ?.>?itgl!cder zuzusührcn.__ Sozialiftische /lrbeiterjugenö Gr.- G erlin «rbeit»a-m-iasch»st liir bildende«uns,: Seilte. Sonnabend, nackmituiaa 4', Uhr, Gruppe Gracser und Gruppe Ecelia Etöhensee lPlchclobcrflc), Heerstrahe. �. iirltschelne»nnen noch bi- Mittwoch, den 9. d. M.. bestellt werben. heute. Sonnabend, den 5. Juni: Schöncberq IN: lZahrt. Trefkvunkl obends 7 Ubr»dk. SchSnebtra.- Westen: gabrt Buckowlec. Trcsfpunlt K Ubr 3W. BMowstroke— RUmc:,. dorj: stuacndheim Sildcaardstr. 4. Literarischer Abend.— Reukölln II lälobbiti- vlotO; fahrt isitrftenwaldc. Treffvttnkt 5 Uht Bds. Rcul-illn- Renlolln lV: fahrt Mofccner Mlihlc. Trcfw»»tt Scrmannolab.— R-n-Lichtenbee«: fahrt gernsdorlcr Lank«. Treffvmikt B Uhr Bhf. Rcu-Lichtcnhera.„»- Werbehe, ie»«rembcrq: Abends"/jg Uhr im Imcndheii» Lmdenstr. 3 lLeie- iimmeti Wcrl>ebe,irkofu»ktio»!irtitv!»a._.. Werbebe,irk Reinickendos: Abends» Uhr im Suacndheim Tcael. Bahnaof- strakc 1ö. WerbebeKrlsmitaiiederversammIuna. Boriraa:„Unsere Sommer- aebeit". Morgen, Sonntag, den ö. Juni. Zempelbol! fahrt Teael. Tressvunki'47 Uhr Bahnhof.—«iederschöne. weide: Bormittaa» 8 Uhr Trefspunkt bei farbee». Wahlhilse bei den Eltern. beiriNswahlen. Rachmittaas Treikounk, l Uhr Bhf. Riederschönewerde, Seil- nähme an der fahnenweihe in Baumschulenwea.— Lichtenbern-Mittei fahrt Erkner. Trrffvnntt K Uhr Bhf. Stralau-Rummclshurg. Mabchenaebeitsacmeinschast„West". Abends 8 Uhr im Jugendheim Dllfiel. dorfcr Str. 3 kam Hohen, ollernolahl. Bortrao:„Das der Rctmblikl: 8. Aid«. 7. Bohdme. 8. Boris Godunow. 9. Mignon. 10. Mona Lisa. 11. Troubadour. 12. Der Dieb de» Glllcks. 13. Carmen. Mittaas: Ballett-Matinee. 1«. Der fern««lang.— Schauldielhau» iGendarmenmarkt): S.. 10. Duell am Lido. 7., 12., Beer Gynt. 8., 11., 18.. 14. Die Welt, in der man stch langweilt.— Schiller-Thcater: 6.. 10.«nriti-Bnrih. 7.. 8.. 9.. u.. 13.. 14. Nickel und die 3« Gerechten. 12. Walleniiein« Löget. Blecolomint.—«omSbienbansr Der Garien Eden.— Lcsstna Tbealer: 5. bis 12. Schneider Wibbel.— Theater in der«öniggrnlter Strohe-' 0. bis 8. Dr. Schmidt. 9, Geschlossen. 10. bis 14. Gefallene Engel.— Deutsche» v»»r»k,«nis: 0. Aida. 7. Carmen. 8. Wargaretbe. 0. Tosca. 10.«atja«abanowa. 11.. 13. fatiniga. 12. Das RheingolS. 14. Die Walküre.— Theater de,«eilen«: 6. bis 10. Gräfin Marita. 11, De- schlössen. 12., 18. Die«rosse Unbekannte.— Die Tridüuer S. Der Rubicon.— Deutsche,«iinUer-Theaterr Der fröhliche Weinberg.—«eeliner Theater: Donnerwetter— aan, famos.— Rene» Theater a» 3»«- Der alt« Dcssauer.— Metr-pol-Theatee! 5. hi» 14. Die Nacht der Nächte.— Theater am«urfSrsten. dämm: Rebhuhn.—«lein», Theater: Seiteniorüng«.—»,Il»e,.rhea»er: Der heiliae Brunnen und Blanco Bosnets Erweck, in«.— Theater in de? LiiNowftrasse: Svreewaldmädei.— Rair-Theoter: Die Chre deiner Mutler— Schlossoaek-Iiicater Stegli«,: 6. flronc und fassei. 7. bis 14. Der Störenfried.- Zbcater am Echissbaueedamm: 8. di» 14. Die faeier.— Samme-theater«Ijem (Hebe), Hascnheide:«rone und fasset. «,chm>ttaa»»arftell»»ge». Volksbübne: 6. Judith. 13 Das krunkene Schiff.— Schauloielhau« iGendarmenmorM: 8. Charlens Tante.- Theater be» Weste«»: 8. bis 10.. 2 Uhr: Schnecioittcheu: t Uhr: Srätül Rariia. OeVerkschastsbeivegung Erfolg ües EinheitsverbanSes üer Eisenbahner. Das Dahlergebnis bei der Reichsbahn. Vom Einheitsoerband der Eisenbahner Deutschlands wird uns geschrieben: Dos endgültige Ergebnis der Betriebsrätewahlen cher Reichsbahn, das nunmehr vorliegt, bestätigt, was das vorläufige Ergebnis bereits angedeutet hatte: den vollen Erfolg des frei- gewerkschaftlichen Einheitsverbandes. Dieser zählte im Vorjahr bei den Wahlen 191 K9l) Stimmen. Diesmal erhielt der Einheitsoerband 214 249 Stimmen, der GDE. SV 411, der AEV. 23 857 und der Jndustrieverband 6959 Stimmen. Der Gewinn des Einheitsverbandes beträgt mithin 2 2 54 9 Stim- m e n, das sind 1 1,9 3 P r oz. Der GDE. erhielt im Vorjahr 49141 Stimmen, Gewinn 1279 oder 2,58 Proz., der AEV. im Vorjahr 25 338, Verlust 1481 oder 5,89 Proz.: der Freie Eisenbahnerverband als Vorläufer des Industrieverbandes zählte im Vorjahr 27 192: der Verlust des Jndustrieverbandes beträgt demnach 21 925 Stimmen oder 77,68 Proz. Auf Grund dieses Ergebnisses erhält der freigcwerkschaftliche E i n h e i t s o e r b a n d der Eisenbahner Deutschlands im Haupt- betriebsrat der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft in Berlin 10 Sitze von 25 gegenüber 18 am Schluß der Wahlperiode. Die GDE.(christlich) erhält vier Sitze, der AEV.(Hirsch-Duncker) erhält zwei Sitze, der Jndustrieverband geht leer aus. GDE. und AEV. haben demnach ihren Besitzstand im Hauptbetriebsrat behauptet, während der Einheitsoerband ein Mandat im Hauptbetriebsrat gewinnt. In den B e z i r t s b e t r i e b s r ä t e n bei den 39 Reichsbahn- direktionen erhalt der Einheitsverband nach den bis jetzt vor» liegenden Berichten 271 Mandate gegen 262 im Vorjahr. Er gewinnt somit neun Mandate. Die GDE. erhält 58 gegen 56 Man- date, Gewinn zwei Mandate. Der AEV. erhält 29 gegen 26 Man- date, Verlust sechs Mandate. Der Jndustrieverband als Nach- solger des Freien Eisenbahnarbeiteroerbandes erhält in den Bezirks- betriebsräten Berlin und Dresden je ein Mandat, zusammen also zwei Mandate gegen 23 des FEV. im Vorjahr, V« r l u st 21 Mandate., Der Anteil des Einheitsverbandes an der Gesamtzahl der abge- gebenen Stimmen beträgt 72,73 Proz., der des GDE. 17,11 Pröz., der des AEV. 8,19 Proz. und der des Jndustrieverbandes 2,96 Proz. Die Wahlbeteiligung war eine größere als im Vorjahre, obwohl 25 999 bis 39 999 Eisenbahner inzwischen abgebaut worden sind. Prozentual haben sich 85,2 Proz. an der Wahl beteiligt. Das Wahlergebnis ist also ein glänzendes Vertrauens- votum für die freigewerkschaf tliche Richtung bei den Eisenbahnern. Der Erfolg des Einheitsverbandes gründet sich in erster Linie auf die unermüdliche Tätigkeit der Funktionäre, ein- schließlich der Betriebs- und Beomtenräte. Er entspringt dem Ver- trauen, das die überwältigende Mehrheit der Eisenbahner in die moderne Gewerkschaftsbewegung setzt und er wird für alle Mit- glicdcr und Funktionäre des Einheitsverbandes ein neuer An- sporn zu kraftvoller Interessenvertretung der Verbandsmitglieder sein. Das Wahlergebnis zeigt auch, daß sich bei der großen Masse der Eisenbahner in steigendem Maße die Erkenntnis durch- setzt, daß gegenüber der- Willkürherrschast und den brutalen Aus- beutungsmethoden der Reichsbahn-Gesellschaft nur die Zu s a m m e n- sassung aller Kräfte den Forderungen des Personal» auf Verbesserung seiner Arbeitsbedingungen zum Siege verhelfen kann. -» Die„Rote Fahne' begleitet dieses Ergebnis mit einem sehr merkwürdigen Kommentar. Sie ist von dem Erfolg« des Einheits- Verbandes nicht so recht erbaut. Sie sagt, daß die Niederlage der Schmtdte tov Gennyen großer gewesen o8k, wem, He Leitung Ex» „Einheitsverbandes' der Wiedervereinigung nicht unverständliche Hindernisse entgegengestellt hätte. Diese Bemerkung, die eine Ver- teidigung von Schmidt« und Genossen sst, wird einem erst verständlich durch den folgenden Satz?„Die Leitung des Einheitsverbandes ist noch immer resonnistisch. sie ist noch durchaus nicht durchdrungen von der Notwendigkeit revolutionärer Kampfesmethode.' Da sich die„Rote Fahne" außerdem noch brüste:, daß der Er- folg des Einheitsverbandes zurückzuführen ist auf die„kommuni- stische Opposition', so wollen wir durch einfache Zahlen den Erfolg der kommunistischen Opposition einmal aufzeigen. Das erste Mal trat diese kommunistische Opposition bei der Wahl im Jahre 1922 selbständig auf. Damals erhielt der Deutsche Eisenbahnerverband 73,23 Proz. der abgegebenen Stimmen, der GDE. 19,98 Proz. und die„sogeannnten revolutionären Betriebsräte' 7,17 Proz. Im Jahr« 1924 steigerte sich die Anzahl der für die„Vereinigte Opposition' abgegebene Stinnnenzahl auf 19,46 Proz. Sie ist inzwischen, wie wir oben aufgezeigt höben, wieder auf«in Minimum zurückgegangen. Die christliche GDE. hat aber ihre Stimmenzahl inzwischen von 19,98 aus 17,11 Proz. gesteigert. Das ist der„Erfolg der kommu- nistsschen Opposition"._ §ür den Einheitsverbanü üer Lebensmittelarbeiter. Morgen findet von 9 bis 2 Uhr im Deutschen Nahrung», und Genußmittelarbeiter-Verband in Berlin die Urabstimmung über die Verschmelzung der Verbände der Nahrungs- und Genußmittelarbeiter, der Lebensmittel- und Getränkearbeiterund der Fleischer statt. Es sst die seltsstoerstöndliche Pflicht der Mit- g lieber, sich an der Abstimmung zu beteiligen. In welchem Sinne die Abstimmung zu erfolgen hat, darüber kann angesichts der forsschreitenden Konzentration des Kapitals, der wachsenden Macht der Kartelle, Syndikate und Konzerne kein Zwessel sein. Nur große Organisationen oermögen.dieser wachsenden Macht des Kapitals erfolgreich zu widerstehen. Gewiß ist die Zahl der kleinen Bäckermeister und Konditoren noch groß. Aber welche wirtschaftliche Bedeutung kommt ihnen zu? Dagegen sehen wir die ständige Ausbreitung der Großbäckereien und Konditoreien mit Filialbetrieb, wir sehen Riesen- konzerne des Gastwirtsgewerbes mit eigenen Bäckereien, Fleische- reien und Konditoren. Hier weist das Kapital den Weg der Entwicklung. Diesen Weg müssen wir ensschlossen beschreiten. Des- halb müssen die Mitglieder des Denag für die Verschinelzug stimmen._ Herstellung üer Einheitsfront. In der Tschechoflowotei. Als zu Beginn des vergangenen Jahres unter dem Vorsitz von Oudegeest, Sekretär des JGB., zwischen der tschechischen Landes- zentrale in Prag und der deutsthen Zentralgewerkschaftskoinmission in Reichenberg nach ausführlichen Besprechungen die Grundlogen für die Einheit gelegt wurden, fand das Prinzip des JGB. allgemeine Billigung, wonach in jedem Land nur eine Landeszen- t r a l e bestehen soll. Unterdessen haben verschiedene gemeinsame Sitzungen sowie Beratungen innerhalb der beiden Organisationen stattgefunden, mit dem Resultat, daß die Wirksamkeit der gemeinsamen Landes- zentrale am 1. Juli d. I. beginnen wird. Dieser Beschluß wurde kürzlich aus einer gemeinsamen Sitzung der beiden Partner gefaßt. Gleichzeitig wurde die Vertretung der Gewerkschafts- kommission in Reichenberg in der Exekutive und den einzelnen Körperschaften der gemeinsamen Landeszentrale bestimmt, sowie die Frage der Art der Anmeldung der deutschen Ver- bände bei der gemeinsamen Landeszentrale in Prag und der Beitragsleistung geregelt. Diese Anmeldung erfolgt kollektiv durch die Zentrale in Reichenberg. Nach diesem Merkmal werden triefe Organssoflonen ab geschlossene Gruppe te den PnbMattooe» and Statistiken der einheitlichen Landeszentrale ausgeführt werden. Was die Richtlinien für die gemeinsame Arbeit betrifft, so ist im Prinzip ebenfalls bereits eine Einigung erzielt. Die Vorschläge der beiden Zentralen werden von den zuständige» Körperschaften besprochen werden, worauf unter dem Vorsitz von Gen. Oudegeest diese Verhandlungen noch vor dem 1. Juli zum Abschluß gebracht werden. Inzwischen macht die Einheitsbewegung auch unter den ein» zelnen Gewerkschaften Fortschritte. So dürfte im Baugewerbe eine Verschmelzung der bestehenden drei Verbände bald vollzogen werden. Es bestehen nämlich zwei tschechische Gewerkschaften, wovon die eine nach Moskau abgereist war, aber sehr schnell die Rückreise angetreten hatte. Jetzt ist von den drei Organisationen ein gemeinsamer Aktionsausschuh gebildet worden, der alle Lohnbewegungen usw. zu führen hat. Es ist zu hoffen, daß die gewerkschaftliche Einigung nicht ohne Rückwirkung bleiben wird auf die für die Arbeiterschaft trostlose politische Uneinigkeit. Betriebsstörung im Waldenburger Bergwerksbezirk. Breslau, 4. Juni.(WTB.) Die„Schlesische Zeitung' meldet aus Waldenburg: Infolge einer größeren Betriebsstörung auf dem I u l i u s- S ch a ch t in W e i ß st e i n sst die Förderung vorüber- gehend unmöglich gemacht worden. Da von der Betriebstättgkett dieses Schachtes auch die Förderung des Bismarck- und Heinrich-Schachtes abhängt, werden durch diese Störung etwa 5999 Bergleute vorübergehend arbeitslos. Von der Grubenverwaltung wird' alles getan« um die Schäden zu beheben._ Tarlehen für die englischen Gewerkschaften. Amsterdam, 4. Juni.(Eigener Drahlbericht.) Der Jnter» nationale Gewerkslbaftsbund hat in gemeinsamer Beratung mit Vertretern der englischen Gewerkschaften und der gewerkschaftlichen Landeszentralen die Aufnahme eines europäisckienDar- lebenS für den Generalrat der englischen Gewerkschaften be» schlössen und ein entsprechendes Rundschreiben an die angeschlossenen Verbände gerichtet._ Tie Gehaltsbewegung in Oesterreich. lvien, 4. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die österreichssche Gm werkschaftskommission hat sich am Freitag mit dem Ultimatum beschäftigt, das die Wiener städtischen Ange- stellten an die sozialistische Gemeindeverwaltung ge< richtet haben und festgestellt, daß der Verband das Ultimatum vorher nicht bei der Gewerkschaftskammission angemeldet hat. Sie erklärte sich jedoch bereit, einen Ausschuß mit der Aufgabe zu be- trauen, zwischen der Gemeinde und dem Verbände zu vermitteln und Verhandlungen zwischen den beiden herbeizufuhren. Sie machte dabei allerdings zur Voraussetzung, daß während der Verhandlungen auf beiden Seiten alle Kampshandlungen unterlassen werden, daß vor allem jede Prcssepolemik sowie die Urabstimmung der An- gestellten über einen Streik zu unterbleiben hat. Die Angestellten werden am Montag zu dem Beschluß der Gewerkschastskommission Stellung nehmen._ Bezahlter Urlaub für luxemburgische Arbeiter. Luxemburg, 4. Juni.(WTB.) Die luxemburgisch« Kammer hat einen Vorschlag angenommen, wonach alle Industriebetriebe den Arbettern jährlich 12 Tage bezahtten Urlaub gewähren müssen. Verantwor'lick für Politik: Ernst Rrntrr: Wirtschaft: Artirr Satrriui,: Sewrr ttchoftsbrw eaung: Z. Steiner: Feuilleton: 5t. K. DSschrr: Lokales und Sonftioes Ar,»«arltädt: Aruriaen: Zd.»locke: sämtlich in Berlin. Lerlaa: Vorwärts» Bertas<8. in. b. ch., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Berlaasanüalt Paul Sinorr u. So.. Berlin 623 68. Lindenstraii« J. Nur beste QuaIHSiswaren zu billigsten Extra-Preisen bieten meiner Kundschaft zufriedenstellenden Einkauf und werben selbsttätig vergrößerten Umsatz Je 6 Serien aus meinen großen Spezlal- Abteilungen führen aufs neue den Beweis meiner Leistungsfähigkeit Kleldei Stoffe Waschseide o«u, zm. so«»»?»» 95 pc Frottee sebwara QnolltU. 100 an droit 95 Pl Musseline«tn« woiu. so°w droit... 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