Ib.<70* 48. fr**» Ausgabe A St. 184 vez«ft»vret»: BMesO« TO Pw>»w. mboOW I,— Stridtniart sontiui la&Ibat. Unter ftmubonb Mr Dtulfiloni. Sonii«, Sos» tote SRanelatbirt Cxflertri®, iitautn.»ataahmt 4,50 Rtichmnari. ftt da» lirl* Umland iM Reichsmari Pto Mona». Bct JBanrlrt«* mit bn ganiOag» ferila«* JSoIt und Seit* mh.Site- Inn« und Rteinflatten* tooi« d« Bctlofle.Untcrbaltun« und Dissen' und fftouenbeilaae„fftauenftimni«' erscheint wochentäalich inwmtaL Conniat» und Montae» einmal. Teleeramm-Adresse: �»«ialdemoteet Berlin' Morgenausgabe Vevlinev VolksdlAtt Zcntralorgan der Sozialdemokratifcben Parte» Deutfcblande (�10 Pfennig) Anzeiqcnprcise: ®te tinfnaliit« NonnarrM«' »eil« 80 Vscnnia. SeriomejeiU B,— Reichsmarl.»Kleine«n, einen' da» fettnedruckte Wori ih Bfenni» tluUfil«»wei tettaedruckte Worte,. tedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» da»»rss« Wort 15 Ptennin. tede» weitere Wort 10 Psenuig. Worte über 15 Buch- Kaden»ädlen für»wet Worte Ardeitsmark! kicile 50 Pfennig. 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Den politischen Ertrag der nun auch parlamentarisch abgeschlosienen chindenburg-Loebell-Affäre kann man etwa so pbschätzen: am nächsten Montag doppeltsovielDemon- st r a n t e n und am übernächsten Sonntag eine Million Stimmen mehr. Die Erklärung der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ist Satz für Satz eine vernichtende Widerlegung der abgeklapperten Redensarten von„Recht und Moral", die in dem unglücklichen Reichspräsidenten- brief zu lesen sind. Sie zeigt schlagend, auf welcher Seite „Recht und Moral" sind und auf welcher Seite sie nicht sind. Hoffentlich gelingt es, diese Erklärung noch so zu verbreiten. daß jeder Mann und jede Frau in Deutschland sie kennen lernt. Dann wird sich die beabsichtigte Wirkung der Hinden- burg-Plakate und-Flugblätter bestimmt in ihr gerades Gegen- teil verwandeln. Dann aber kam mit der Erklärung des Reichskanzlers Marx die Katastrophe. Kopfschüttelnd fragt« man sich, wer denn dieses unmögliche Schriftstück aufgesetzt haben könne. Man riet allgemein auf den Staatssekretär K« m p n e r. Oder sollte Herr Marx selbst...? Wir haben ihm neulich hier den ironisch gemeinten Rat gegeben, sich am Fürsten B ü l o w ein Exempel zu nehmen, er scheint diesen Rat ernst genommen zu haben. Rur die Rovembersturm-Rede Bülows von 1908, die allenfalls ein passendes Muster abgegeben hätte, die hat er übersehen. Herrn Marx hatte man bisher allgemein ein Talent nachgesagt, das Talent beruhigend zu wirken. Davon war gestern nichts zu merken. Seine Erklärung mußte auf- peitschend wirken, weil sie zu rechtfertigen versuchte, was nicht zu rechtfertigen ist, weil es die Erklärung einer Regierung war, die glaubt, nur ein Amt und keine eigene Meinung haben zu dürfen, und die einem formalen Prinzip zuliebe— Deckung des Reichsoberhauptes um jeden Preis— das peinliche Dp f e r des Intellekts brachte. Immer lauter wurde das johlende Entzücken rechts, immer stürmischer der Protest links, während sich den Ab- geordneten der Mitte bei jedem Satz die Haare vor Entsetzen höher sträubten. Der gestrige Tag wäre ein schwarzer Tag der deutschen Geschichte geworden, wenn diese wenig würdige und wenig männliche Regierungserklärung bei der Mehrheit des Reichs- tags widerspruchslose Zustimmung gefunden hätte. Glücklicher- weise war das nicht der Fall. Die Regierungserklärung hat wiederum das Gegenteil von dem erreicht, was sie bezweckte. Sie sollte den Reichs- Präsidenten decken, sie hat nur die Isolierung der Re- g i c r u n g herbeigeführt. Es war ein parlamentarisches Erlebnis von außerordcnt- licher Bedeutung, als sich Herr v. G u 6 r a r d, der sonst auf dem rechten Zentrumsflügel steht, erhob, um namens der Zentrumspartei über den Hindenburg-Brief das gerade Gegenteil dessen zu sagen, was in der Regierungs- ertlärung gesagt ist, und als nachher auch der Demokraten- führer Koch das Wort nahm, um gegen die Regierungs- crklärung zu polemisieren. Nach Abgabe dieser beiden Erklärungen, von denen be- sonders die des Herrn v. Guärord durch ihre schneidende Schärfe allgemein auffiel, stand fest, daß die Mehrheit des Reichstags den Briefwechsel des Reichs- Präsidenten mißbilligt. Herr v. Hindenburg hatte eine Schlacht verloren und Herr Marx mit ihm! Es besteht kein Zweifel daran, daß Gu«?rard und Koch ausgesprochen haben, was auch die Mitglieder des Kabinetts denken. Wir glauben nicht falsch unterrichtet zu sein, wenn wir annehmen, daß die beiden protestierenden Parteien auf Grund vorangegangener Fühlungnahme von der Regierung eine erkennbare Preisgabe der Loebellschen Treibereien er- wartet hatten. Die Enttäuschung, die ihnen der endgültige Text der Regierungserklärung bereitete, verschärfte den Ton ihrer Erwiderung. Auf alle Fälle: der Reichstag hat gestern dem Reichs- Präsidenten deutlich gesagt, daß er sein Verhalten nicht billigt und daß er von ihm in Zukunft mehr Zurückhaltung und mehr Vorsicht in der Wahl seiner politischen Freund- schaften erwartet. Mit diesem Ergebnis kann man fürs erste zufrieden sein, dos Weitere wird das Volk am 20. Juni zu sagen L« 20, Zum Mt die Emjcheidung über die künftige Gestaltung der politischen Machwerhältnisse in Deutschland. Sie fällt gewiß nicht bei der Abstimmung über einen als „Mißtrauensvotum" bezeichneten Leitartikel der„Roten Fahne", den die Kommunisten dem Reichstag vorgelegt haben. Die Sozialdemokratische Reichstagssraktion wird sich bei dieser politisch gänzlich belanglosen Abstimmung der Stimme enthalten. Die Entscheidungen fallen jetzt nicht im Reichstag, sondern im Volke selbst. Jede Ablenkung von dem Ziel des 20. Juni stiftet Verwirrung und ist schädlich! Die Regierungsvorlage über die Fürsten- abfindung geht in den Ausschuß. Auch die Debatte über sie entbehrte nicht des politischen Interesses. Herr Marx ver- kündete, daß im Reichstag unbedingt etwas zustande kommen müsse, falls der Volksentscheid— wie die Regierung es ja wünscht— sein Ziel nicht erreicht. In diesem Fall will die Regierung für i h r Abfindungsgesetz kämpfen und es nötigen- falls auch auf eine Reichstagsauflösung ankommen lassen. Nächst dem Sieg im Bolksenffcheid ist die Reichstagsauf- löfung für uns die zweitangenehmste Aussicht. Es juckt einem in den Fingern, wenn man sich vorstellt, wie die Rechts- Parteien bei Neuwahlen unter der Fürstenparole Prügel beziehen würden! Dazu bietet sich aber auch schon am 20. Juni Gelegenheit! Der Donnerstag war der Tag der parlamenta- rischen Abrechnung. Am Montag treten in Berlin d i e Massen auf den Plan. Am Sonntag, den 20. Juni, fällt die große Enffcheidung. Der Donnerstag war gut, der Montag muß die Steigerung bringen, der übernächste Sonntag den krönenden Abschluß. Es lebe der Kampf! r* Nach den Ausführungen des Reichskanzlers gaben die Vertreter des Zentrums und der Demokraten, wie wir bereits in einem Teil der Abendausgabe mitteilten, im Reichstag gestern folgende Erklärung ab: Abg. v. Guerard(Ztr.): Die Zentnimssraktion vermag nicht anzuerkennen, daß die An- gelegenheit des bekannten Brieses des Reichspräsidenten durch die lediglich aus die staatsrechtliche und oersassungsrechtliche Seite der Sache eingehende Erklärung des Reichskanzlers erschöpft sei.(Leb- Haftes Hört! hört! links.) Der Brief des Reichspräsidenten ist an sich ein politischer Akt.(Sehr wahr! beim Zentrum und links.) Er behandelt die aktuellste politisch? Frage der Gegenwart, eine Frage von solcher Tragweile, daß sie das deulfche Volk in größtem Maße aufgewühlt hat. Mir sind deshalb der Meinung, daß der Brief wegen der über- parteilichen Stellung des Reichspräsidenten besser nicht geschrieben worden wäre.(Sehr richtig! im Zentrum.) Unverantwortlich. um keinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen, ist das vorgehen v. L o e b e l l s und seiner Hintermänner. Das Wirken dieses Mannes ist geradezu volksfeindlich(lebhafte Zustimmung) und gefährdet die Integrität der Stellung des Reichspräsidenten, was wir im Interesse unseres Vatertandes auf das tiefste bedauern.(Lebhafter Beifall im Zentrum und links; große Bewegung im ganzen Haufe.) Abg. Koch-Wefer(Dem.): Die deutfchdemotrasische Reichstagssraktion vermag der Er- klärung der Reichsregierung nicht beizutreten. Sie hält an der Bismarckschen Auffassung fest, daß der Repräsentant des Staates nicht ohne ministerielle Bekleidungs- stücke— um Bismarcks Worte zu gebrauchen.— vor die Oessent- lichkeit treten dürfe, eine Anschauung, von der erst Wilhelm II. unter dem Einfloß unverantwortlicher und falscher Ratgeber ab- gewichen ist. Die Deckung der öffentlichen Aeußerungen des Re- Präsentanten des Staates ist nicht etwa eine Forderung der Demokratie oder des Parlamentarismus oder des Liberalismus, sondern eine konstitutionelle Forderung schlechthin. Rufpfthe Mstragssperre. Arbeiterschädigung durch Bankenraffgier und durch Sowjetpolitik. Schädigung der deutschen Exportintercssen aus. Es ist Aufgabe der Reichsregierung und der Reichsbant, hier endlich einmal Abhilfe zu schaffen. Anders nimmt sich das Verhalten der Russen aus, wenn man ihre so oft gerühmte Rücksichtnahme auf die deutsche Arbeiterschaft betrachtet. Es bedeutet eine dem Sinn des deutsch-russischen Freundschastsvertrages wider- sprechende Handlung, wenn Rußland nicht nur solche Aufträge ins Ausland oergibt, die es dort zu besseren Bedingungen unterbringen kann, sondern auch andere Bestellungen, für die es im Ausland die gleichen Bedingungen erhält wie in Deutschland. Das ist eine offenkundige Kampfmaßnahme, die sich mit aller Schärfe gegen die Arbeiterschaft der beteiligten deutschen Unternehmungen richtet. So verständlich das Auf- treten der Sowjetregicrung vom russischen Standpuntl aus sein mag, so wenig wird sie jetzt noch in der deutschen kommunistischen Presse für sich in Anspruch nehmen dürfen, daß ihre Importpolitik von irgendwelchen besonderen Rücksichten für die deutsche Arbeiterschaft geleitet sei. Auch das muß nachdrücklich festgestellt werden. Moskau, t». Juni.(Telegrophenagentnr der Sowjetunion.) Die Blätter veröffentlichen den Wortlaut einer Weisung Rykosss an das Handelskommissariat, in der e» beauftragt wird. sofort einen Teil der aus Grund de» deutschen Garanlickredits für Deutschland bestimmte» Bestellungen an andere Länder zu vergeben. Rykoss begründet seine Maßnohme mit Schwierigkeiten beim Erhalt des den deutschen Firmen von seilen der Regierung garantierlen langfristigen Kredites und mit den u n v o r t e I l- hasten Bedingungen einiger deutscher Firmen. Da» Volkskommissariat wird jedoch angewiesen, die Bestellungen bei anderen Ländern nur zu solchen Kredit-, Preis, Oualltäls- und Lieferungsbedingungen vorzunehmen, di« nicht unvorteilhaft e r als die von Deutschland gestellien seien. Die Annullierung der russischen Aufträge an Deutschland kommt nicht überraschend. Die Verhandlungen über die Kredit- gewährung haben lange Zeit in Anspruch genommen, ohne daß man zu einer Einigung gelangt wäre. Die deutschen Banken und offenbar auch ein Teil der Lieferanten suchten die Reichsgarantie für den 3V0-Millionenkredit zu einem P r i- v a t g e f ch ä f t für sich auszunutzen. Es erregte mit Recht das Befremden der russischen Unterhändler, daß man trotz des eringen Risikos, das mit der Kreditgewährung infolge der eichsgarantie verbunden war, Zinssätze oerlangte, die man vielleicht bei risikoreichen Geschäften rechtfertigen konnte, die aber in keinem Falle dem so oft betonten Streben der deuffchen Industrie entsprachen, nun endlich den nissischen Markt wiederzugewinnen. Nun haben die Russen die fortgesetzte Verzögerung der Verhandlungen mit einer Rücknahme ihrer Bestellungen be- antwortet. Das ist für den deutschen Export, aber auch für die Beschäftigung der deutschen Arbeiterschaft eine empfindliche Schädigung. Es ist zu verlangen, daß die Reichsregicrung nun ihrerseits versucht, die Banken dazu zu bowegen, bessere Kreditbedingungen im Geschäft mit Rußland zu ge- währen, als sie bisher in Aussicht genommen waren Die Tot» fache, daß die deuffche Wirtschaft die harten Kreditbedingungen der deutschen Banken sich nur allzu willig hat gefallen lassen. anstatt energisch zu protestieren, wirkt sich jetzt auch m«na Ehr amtliches deutsches Kommuniquö findet, daß von den deutschen Interessenten nichts unternommen wurde, um diese Aus- tragssperre herauszufordern. Die amtliche Mitteilung meüst ferner, daß die Russen ihre Aufträge trotz ihrer Abiagc nach Deutsch- land legen werden, da die Angebote anderer Länder in den Kredit-, Preis- und Lieferungsbedingungen auch nicht annähernd so günstig sind, wie die deutschen Angebote. Man sieht also in dem russischen Vorgehen nur eine leere(B e st e. Uns scheint die Haltung deutscher amtlicher Stellen doch etwa» allzusehr nach jener Kraftmeierei auszusehen, die in unserer Handelspolitik schon unglaublich viel Unheil ungerichtet hat. Im übrigen bestätigt das amtliche Kommunique, daß die Banken tat- sächlich trotz der Reichsgarontie den Russen keine besseren Kreditbedingungen einräumen wollten, ol» in anderen Fällen, wo keine Aussallsgarantie des Reiches vorliegt. An diesem Punkte hätte eine behördliche Exportpolitik einzusetzen, um den un. nötigt» Konflikt cm« da Welt z» schaffen. Diese Forderung zu erheben, ist Pflicht eines jeden, dem an k.arcn Verantwortlichkeiten im Staatsleben liegt. Die Deutsche Demokratische Partei hält gegenüber dem Reichspräsidenten an der durch seine Stellung und Persönlichkeit gebotenen Achtung fest. Sie bedauert, daß man sich nicht gescheut hat. ihn in den Vordergrund des politischen Kampfes zu ziehen. Sie bedauert auf der anderen Seite aber auch die Zwischenfälle, die sich im Reichstage an die Erklärung des Reichskanzlers geknüpft haben.(Beifall bei den Demokraten.) Lügt sich Loebell heraus? Nein, er lügt sich hinein. Loebell hatte am Montag behauptet, er habe sich die Veröffentlichung des 5)indenburg-Briefes noch vorbehalten, aber der„V o r w ä r t s" habe ihn„zum Entschluß ge- zwungen". Wir haben dagegen festgestellt, daß schon lange vor unseren Mitteilungen der Entschluß zur Veröffentlichung gefaßt und seine Ausführung bis ins einzelne in die Wege geleitet war. Loebell gibt nun nach mehrtägigem krampfhaften Nach- denken folgende Ausreden von sich: Selbstverständlich habe ich die Absicht gehabt, das Schreiben des Reichspräsidenten an mich zu verössentlichen, wenn es tatsäch- lich zu einem Volksentscheid ohne vorhergehende parlamentarische Erledigung des Kompromißgesctzes der Regierung kommen sollte. Ich habe deshalb auch alle Vorbereitungen rechtzeitig treffen müssen, wollte jedoch die Veröffentlichung noch zu- rückstellcn, bis über den letzten Versuch des Kabinetts für eine par- lamentarische Regelung entschieden sei. Dadurch erklärt sich auch, daß aus meinem am Sonntag, den 6. Juni, vom„Vorwärts" ver- öffentlichten Flugblatt der Vermerk enthalten ist,„ent- nommen aus dem Deutschenspiegel, Heft 24, vom 11. Juni". Wenn vorher eine parlamentarische Regelung im Reichstag erfolgt wäre, hätte ich selbstverständlich die Flugblätter und Plakate wieder einstampfen lassen.(>) Ich habe aber nicht daran gedacht, daß der„Vorwärts" wiederum durch Diebstahl in den Besitz des Materials gelangen und es vorzeitig veröffentlichen würde. Dadurch zwang er mich zum sofortigen Entschluß, und ich lieh durch eine besondere Nummer des Deutschenfpiegcls den Brief des Reichspräsidenten schon am Montag, den 7. Juni, ver- öffentlichen. Dieses ist der einfache Tatbestand, der in keinerlei Widerspruch zu meinen Aeußerungen steht. Wie der„Vorwärts" und sein Trabant, das„Berliner Tageblatt", hieraus eine Lüge meinerseits(!) konstruieren wollen, überlasse ich den Ver- diehungstünsten ihrer Mitarbeiter. Loebell wird nach dieser Erklärung den letzten Ruf ver- lieren, den er bisher besaß, nämlich den, ein geschickter Intrigant zu sein. Kann man überhaupt plumper schwindeln? Er spricht von einer Veröffentlichung seines Flugblatts durch den„Vorwärts". Aber der„Vorwärts" hat, wie jeder weiß, das Flugblatt am Sonntag nicht veröffentlicht, son- dern nur seine bevorstehende Veröffenllichung signalisiert. Der„Deuffchenfpiegel" sollte am 11. Juni den Briefwechsel bringen. Dann sollten Flugblätter und Plakate sofort hinausgehen. Irgendeine Aussicht, daß zuvor eine parlamen- tarische Regelung der Fürstensrage erfolgen könnte, bestand gar nicht. Sie hätte auch den Volksentscheid nicht überflüssig gemacht. Der ganze Zusammenhang ist vollkommen will- k ü r l i ch konstruiert. Loebell will die Welt glauben machen, er hätte die nächste Nummer des„Deutschenspiegels" und die schon gedruckten Ballen von Flugblättern und Plakaten„wieder ein- st a m p f e n lassen", wenn der Reichstag vor dem 11. Juni Kinen Beschluß zur Fürstenfrage gefaßt hätte. Das kann er seiner Großmutter erzählen. Aber glauben wird auch die ihm das nicht. Loebell hat gelogen, er lügt weiter und er ver- strickt sich immer tiefer in sein Lügennetz. Gegen unseren Vorwurf, den Hindenburg-Brief durch Hinzufügung eines in ihm nicht enthaltenen Satzes gefälscht zu haben, findet er überhaupt keine Ausrede. Nicht einmal eine so dumme, wie gegen den Vorwurf her Lüge! Und das ist„Vertrauensmann des Reichspräsidenten"! Schöner Zustand!_ �Gegen Moral unü Recht/ Eine Antwort auf den Hindenburg-Brief. Uns geht täglich eine große Anzahl von Zuschriften aus Kreisen zu, die der sozialdemokratischen Partei bisher fern- standen. Der Ekel vor der unaufrichtigen Stimmenthal- tungspropaganda der Fürstenfreunde und der Zorn über die Zumutung, sich von ihnen täuschen zu lassen, spricht aus den meisten dieser Zeilen. Die Intrige Loebells vor allem scheint wie eine Bombe eingeschlagen zu haben. In ganz anderem Sinne allerdings, als es sich die Exzellenz gedacht hat. Der Brief Hindenburgs hat gesessen. Er wird als Hohn auf die allgemeine Not des Volkes empfunden. Rentner, die durch die Inflation die Sicherheit eines ruhigen Alters verloren haben, eine Witwe, die während des Krieges zwei Söhne opfern mußte und die— früher in vermögenden Verhältnissen lebend— heute Bettlerin ist, ein verarmter greiser ehemaliger Hausbesitzer, der in der Elendszeit der Inflation sein Grundstück an einen ehemals residierenden Duodezfürsten verkaufen mußte, und dessen Bitte um gerechte Aufwertung auf höhnisches Achsel- zucken stößt, für sie alle ist der Brief Hindenburgs e i n Faust schlag ins Gesicht. Wir oeröffentlichen hier zunächst das Schreiben eines selbständigen Breslauer Handwerkers: Breslau, 8. Juni 1926. Heute wurde hier der Brief unseres Herrn Reichspräsidenten Hindenburg an seine Exzellenz Staatsminister a. D. Herrn von Loebell veröffentlicht. Aus diesem Schreiben geht hervor, daß die Enteignung gegen die Grundlagen der Moral und des Rechts verstößt. Ich muß nun fragen: Wo war das Recht, wo die Moral, als uns Handwerkern alles genom- men wurde? Gibt es in einem Rechtsstaat einen Unterschied im Gesetz, wo der Fürst über allen anderen steht, in einer Republik, in der Gleichheit und Brüderlichkeit herrschen soll? Ich glaube nein. Es soll wenigstens nicht sein! Ich glaube, unser Herr Reichspräsident hat in seinem hohen ehr- würdigen Alter vergessen, daß er durch seine Unterschrist uns armen Handwerkern alles genom in en hat. Wer gibt uns was für die sauer ersparten Groschen, welche wir uns für das hohe Alter mühselig erspart haben? Wer löst die Reichsbanknoten vom Jahre 1916 ein? Niemand! Alles verloren! Einhundert Mark zahlt die Reichsbanthaupt- lasse in Berlin ohne die Legitimationsprüfung dieser Banknote. Berlin, den 7. Februar 196 8. Reichsbankdirektorium. Dieses Geld hatte doch eben solchen Wert wie Haus und Grund- besitz, weil uns der Staat dafür garantiert hatte, eben solchen Wert wie Hypotheken und Spargroschen der Bank, wie Spargroschen der Städtischen Sparkassen. Für Banknoten und Spargelder will nun und soll der Rechtsstaat, dessen tiefstes' Fundament die Achtung vor dem Gesetz ist, nichts zahlen, für Hypotheken sollen 22 Proz. und für die armseligen Spargroschen, welche mit Pfennigen zusammengespart wurden, welche für die Waisen bei den Sparkossen hinterlegt wurden, will man 12(4 Proz. eventuell etwas mehr geben! Ist das ein Rechtsstaat?? Nun kommt die Fürstenabfindung. Soll ich nun. wo man mir alles genommen, wo ich nicht weiß, ob ich in einem Monat am hungern bin, weil das Geschäft schon lange Zeit nicht geht, meine Einwilligung dazu geben, daß andere in voller Wollust und Freude leben können? Ist das vielleicht die Moral des Rechts, Herr Reichspräsident? Wahnsinn wäre es, wenn ich auch nur einen Pfennig be- willigen würde! So denke ich nicht allein, sondern Millionen von Menschen. Schafft gleiches Recht für alle, für Epffit?, Hypotheken- gläubiger und Besitzer, und wenn es nur 3 Proz. sind, aber gleiches Recht für jedermann, dann steht der Staat fest auf seinem Fundament und jeder hat Achtung davor, nicht am wenigsten das Ausland. Das ist die Antwort an Herrn Loebell! Das ist die Ant- wort auf das„Privat"schreiben Hindenburgs! Sie zeigt mit aller Deutlichkeit, welchen Dienst die Exzellenz dem Privatmann und dem Reichspräsidenten Hindenburg erwiesen hat. Kriegervereine an üie§ront. Unpolitische Schimpfbolde. Im schönen Hinterpommern gibt es auch Kriegervereine. Ein solcher existiert auch für die Orte Großmachmin-Bedlin, die jetzt aus ihrer stillen Verborgenheit ins grelle Tageslicht gezogen werden müssen. Der Kriegeroerein Großmachmin-Bedlin hielt näm- lich, was sonst niemand erfahren hätte, sein— republikanisches— Königs schießen ab. Das ist nicht weiter schlimm. Aber— nun folgt der Bericht aus der„Zeitung für Hinterpommern"— an- schließend daran versammelte sich der V o r st a n d zu einer Aus- spräche über die Fürstenenteignung und beschloß einftiminig. „den Kameraden seine Stellungnahme dazu wie folgt bekannt- zugeben": „Der Vorstand des Kriegervereins Großmachmin-Bedlin hat in seiner Sitzung vom 36. Mai 1926 die Frage der Stellung des Vereins zur Fürstenenteignung geprüft und ist etnstunnug der Ansicht, daß diejenigen Kameraden dem Zweck des Ver- eins(fj 2 bis 1b unserer Satzungen) zuwiderhandeln, welche sich an der A b st i m m u n g über die Fürstcnenteignung beteiligen. Die überwiegende RIchrzahl der Fürsten hat im Heere gedient und ist Mitglied unseres Bundes. Derjenige, der durch seine Teilnahme an der Abstimmung mithilft, ihnen ihr Eigentum entschädigungslos fortzunehmen, macht sich daher des gemeinen Diebstahl» gegenüber Kameroden schuldig und hat in unseren Reihen nichts mehr zu suchen. Mir sehen keine Gewähr dasür. daß er nicht bei passender Gelegenheit auch seine anderen Kameraden bestichll. Die Verfassung des Deutschen Reiches verbietet ausdrücklich jede entschädigungslose Enteignung. Wir warnen daher unsere Kameraden, sich an der Abstimmung zu beteiligen, und werden nicht zögern, gegebenenfalls die notwendigen iiolge- rungen zu ziehen. Der Vorstand stellt fest, daß diese Frage mit Politik nicht das geringste zu tun hat und weiß sich darin in U e b e r e i n st i m m u n g mit der Leitung des Kyff- Häuserbundes." Mit„Polittt" hat die Schimpferei des„Kriegervereins Groß- machmin-Bedlin" wirklich nichts zu tun. Denn er befindet sich ja in Uebereinstimmung mit dem Kyfshäuserbund. Und der Kysshäuser- bund ist bekanntlich vom R ei chs w e h r m i n i st e r als ein u n- politischer Verband bezeichnet, während das„Reichsbanner Schwarzrotgold" für Geßler ein politischer Verein und daher für Reichswehrleute verboten ist. Die Derlautbaning des braven Vorstandes aus Hinterpommern zeigt nun die völlige Verwilderung der Sitten und Gesinnungen, wie sie durch die Loebell-Presse herbeigeführt ist. Nach deren Meinung gibt es in Deutschland mindestens 12(4 Millionen wähl- berechtigte Menschen, denen jeder gemeine Diebstahl zu zu- trauen ist, weil sie von einem verfassungsmäßigen Re cht der Volksabstimmung Gebrauch machten. Bösartig wird die Sache aber erst, nachdem der Reichs-. Präsident selbst sich mit dieser Auffassung solidarisch erklärtt- hat. Auch der Reichspräsident von Hindenburg erklärt die Wähler für gemeine Spitzbuben, die das Recht der Verfassung ausüben und für das Enteignungsgesetz stimmen! Der Reichspräsident ist durch den Intriganten Loebell auf das politische Niveau von Großmachmin-Bedlin herabgezogen worden. Die„Spitzbuben" und„gemeinen Diebe" werden am 2 6. Juni daran denken. So wird die Abstimmung über das Enteignungsgcsetz auch zu einer Abstimmung über Hinden- bürg! Jeder sorge dasür, daß die Minderheit, mit der Hinden- bürg gewählt ist, noch klarer in die Erscheinung tritt, als das schon vorher d-r Fall gewesen ist! Das Srot. von Erich Grisar. Arbeitspause. Klas Klasen liegt auf der Frühstücksbank und schläft. Ein schwerer Traum drückt ihn. Der zwanzigste Juni ist mit einem Siege der Fürsten vorüber- gegangen. Klas Klasen hat sich damit abgesunden. Nun Ist er da- bei, sich den Lohn auszurechnen, den er in der letzten Woche ver- dient hat. Ein schönes Sümmchen, denkt er, aber als der Meister ihm das Geld in die Hand zählt, ist es viel weniger. Klas will ihm gerade seine Rechnung vorrechnen, da winkt er ab: „Die Fürstenabfindung, mein Lieber. Die Fürstenabfindung. Was glauben Sie, was die uns drückt. Wir werden Leute entlassen müssen..." Klas sieht den Meister von unten her an. So mit dem einen Auge, das er noch hat. Das andere liegt ja vor Verdun im Dreck. Da dreht ter Meister sich um und geht. Klas hört ihn noch knurren: „Diese Kerle glauben wohl, der Betrieb kann oll die Lasten tragen, die sie ihm aushucken. Hätten doch nicht zu Hause bleiben sollen am Zwanzigsten." „Hätten, hätten!" brummt Klas, dann geht er fort. Er kommt an einem Bäckerladen vorbei. Man könnte ein Brot mitnehmen, denkt er und geht hinein. Als er bezahlt hat und schon wieder gehen will, nimmt der Bäcker ihm das Brot wieder fort und schneidet eine dicke Scheibe ab. „Beinahe hätte ich's vergessen," sagt er dabei,„meinen Beitrag zur Fürstenabfindung muß ich ja abziehen." Klas wird es etwas konrisch zumute, aber er sagt nichts: denn schließlich Recht bleibt Recht und was bezahlt werden muß, muß bezahlt werden. Im Tabakgefchäft kauft er sich»inen Priem. Der Verkäufer schneidet erst einen dicken Stift ab.„Für die Fürsten," sagt auch er. „Dunnerwetter, ja," knurrt Klas,„der Spaß wird teuer. Und er macht, daß er nach Haufe kommt. Er legt das Brot auf den Tisch und holt sich das Messer» um sich eine schöne runde Scheibe abzuschneiden. Da nimmt seine Frau ihm das Messer weg. „Nich so hastig, Klas," sagt sie und schneidet vier dicke Schnitten herunter und legt sie fort. Klas sieht sie an wie nicht gescheit. „Ja. ich muß sehen, daß ich meinen und der Kinder Anteil für die Fürsten zusammenbekomme." „Die Fürsten... Die Fürsten!" brummt Klas.„Verdammt und zugenäht. Ich kann doch nicht nur für die Karsten arbeiten!" Aber was hilft ihm seine Wissenschaft jetzt? So setzt er sich in seine Ofenccke, um in Ruhe den Rest des Brotes zu verzehren. der ihm noch geblieben ist. Er beißt einmal kräftig hinein. Da ist es ihm, als hätte er Sand im Munde.„Donnerwetter, ja," flucht er und spuckt aus, was er im Munde hat. Wieder beißt er in das Brot. Wieder hat er Sand im Munde. Er besieht sich die Be- scherung. Wahrhaftig, das ist Sand, reiner Flußfand. Er kennt die Sorte. In der Nähe der Mühle find letzte Woche ganze Ladungen davon ausgebaggert worden. Und der Müller, dieser Schuft, hat ihn unter das Mehl gemengt, damit er zu seinem Anteil zur Fürstenab- siüdlUlg „Himmelhcrrgottdonnerwetter," flucht Klas Klasen. Nun wird es ihm aber doch zu bunt mit diesen Füfften. Da wacht er auf. Er schmeckt und hat richtigen Sand im Mund. Den hat ihm der Wind hineingeweht. Er spuckt aus. Aber er ist noch ganz verdattert. Und als der Hein ihn fragt, ob er Sonntag mitginge, Flugblätter auszuteilen, blickt er ihn groß an:„Was für Flugblätter?" „Zur Fürstenabfindung." „Fürstenabfindung? Ja, Hein, welchen haben wir denn heute?" „O, es ist noch eine Menge Zeit bis zum Zwanzigsten, wenn wir nur auf dem Posten sind." „Mensch, Hein! Der Zwanzigste war noch nicht? Der Zwanzigste war noch nicht?" Hein sieht ihn an und glaubt, Klas sei blödsinnig geworden. Da sagt Klas ganz vernünftig:.Ja, Hein, ich gehe mit. Und ich will doch mal sehen, ob ich meine Frau nicht mitkriege. Denn das kann ich dir jagen, die Fürsten dürfen nicht gewinnen. Sie dürfen nicht, verstehst du. Denn sonst können wir uns lieber gleich aufhängen, verstanden?" „Aber, ja doch Klas. das ist doch schon die ganzen Wochen meine Rede." humoristische Slreichquarkelte wollte das L a m b i n o n- Quartett im Verlauf der Donnerstag-Abend-Darbietung des Berliner Rundfunk-Scnders zu Gehör bringen. Im populären Sinne war aber die Bezeichnung„humoristisch' nur für die Komposition von A. Razek zutreffend: die Imitationen der Haus- und anderer Tiere waren so echt in ihrer Eigenart wie musikalisch witzig. Raffs Quartett cp. 192 Nr. 2 wirkte dagegen nahe- zu klassisch: der Humor des Biedermeier wird hier eigentlich erst be- tont durch die erläuternden Untertitel. Doch war es gewiß allen musikliebenden Funkhörern eine Freude, eine der melodischen Kom- Positionen des eigentlich zu Unrecht so völlig vergessenen Nass hier wieder einmal zu Ehren gebracht zu hören.— Weshalb allerdings der Berliner Sender dieser freundlichen Musik als düstere Einleitung Alexej Remisows„Feuersbrunst" vorausschickte, war nicht ganz ver- ständlich. Künstlerisch geschmackvoll war diese Aufeinanderfolge ge- wih nicht, und weder dem ersten noch dem zweiten Teil der Abend- darbietungen war durch die seltsame Zusammenstellung gedient. Remisows düster-pathetische Vision, zum Funkvortrag gewiß ge- eignet und von Rose Lichten st ein mit guter Sprechtechnik und beherrschtem Ausdruck gelesen, hat die Schwermut und de» Tiessinn russischer Volkslieder wie die Farbenpracht russischer Bilder, gibt ein Stück der russischen Volksseele. In ihrer Gesamtheit mag sie trotzdem durch ihren dunklen Mystizismus manchem der Hörer fern geblieben sein. T e s.' Gemeinsame Arbeil der Rossischen Akademie mlk ausländischen Gelehrten. Die Russische Zlkademie der Wissenschaften hat in letzter Zeit von verfchiedenen wissenschaftlichen Institutionen Deutschlands, Schwedens und Frankreichs Aufforderungen zu gemeinsamer Arbeit auf verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten erhalten. U. a. hat Pros. Schmidt-Ott dem Präsidium der Russischen Akademie mit- geteilt, daß mehrere deutsche Sprachforscher sich zum Zweck gemein- samer Studien auf dem Gebiet der finnisch-ugrischen Dialekte mit russischen Fachgelehrten in Verbindung setzen wollen. Ferner ist von deutscher Seite der Wunsch geäußert worden, gemeinsame deutsch-russische Forschungen im östlichen Turiejtan zu unternehmen. Französische Gelehrte sind an die Akademie mit dem Dorschlag herangetreten, eine Arbeitsgemeinschaft für Geologie zu bilden.— Der Präsident der Russischen Akademie, Prof. Karpinsti. vertritt die russische Kclehrtenwelt auf dem Jnternattonalen Geologen- kongrcß in Madrid. Er ist im Auslande, u. a. auch in Berlin, von den wissenschaftlichen Kreisen sehr freundlich begrüßt worden, was die Sowjetpresse mit Genugtuung zur Kenntnis nimmt. Rkundark und Rechtssprache. Ein Hauptergebnis der in den letzten Jahrzehnten mächtig aufgeblühten Sprachgeographie ist, daß die Sprach- und Mundartgrenzen regelmäßig irgendweichen Rechts- Frenzen entsprechen. Dieses Ergebnis, gewonnen aus der gemeinen mgangssprache. drängt nun, wie Prof. p. Künßberg in einer der Heidelberger Akademie der Wissenschasten vorgelegten Arbeit über „Rechtssprachgeographie" ausführt, dazu, auch die Fachwörter des Rechtslebcns wortgeographisch zu untersuchen, das Problem„Mund- ort und Rechtssprache" aufzurollen. Rechtswortkarten sind besonders lehrreich bei vergleichender Betrachtung synonymer Ausdrücke und beim Auseinanderhalten verschiedener Bedeutung des gleichen Wor- tes. Sie bilden ein Seitenstück zu den gleichfalls dringend nötigen Rechtsbrauchkarten, Rechtssachkarten und Rechtsquellenkarten. Das Ziel dieses Zweiges der historischen Geographie ist das Heraus- arbeiten von Rechtslandschaften im Vergleich zu den Sprachland- schaften und Kulturlandschaften verschiedenster Art. .Oberbayern" im„trockenen" Amerika. Auf der soeben in Philadelphia eröffneten Weltausstellung ist Deutschland offiziell nicht vertreten. Um aber dennoch den Besuchern der Ausstellung ein an- schauliches Bild des wichtigsten Merkmals„deutscher Art" zu bieten, haben ein paar geschäftstüchtige deutsche Unternehmer auf dem Aus- stellungsgelände ein Riesenrestaurani„Oberbayern" errichtet,„wel- ches den deutschen Unternehmungsgeist zeiaen, ein deutsches Städtebild wiedergeben und den süddeutschen Volkscharakter verkörpern soll". Man findet hier ein 146 Köpfe starkes Personal von baue- rischen Kellnerinnen, Metzgern, Hühnerbratern, Köchen vlm. und eine 46 Mann starke„original-bayerijche" Musikkapelle. Zm ZiMlit für Zeikngskunde. UniverfitätSitr. 7, finden in der nä�Nen Woche folgende«orteSge Natt: Jim Montag, den 14., iprtcht?r. Wildelm stiegler über:„Die Organisation de» ReichspressewesenZ', am Donnerstag, den 17., Helmut S a r w e h über:„Parlament und Presse'. Amerikanischer Aerztebesuch>a Berlin. Am l 5. Juni treffen in Berlin 200 Mitglieder der American Medical Association, darunter iührende A-izte der Vereinigten Staaten, ein. Der amerikanische Aerztebesuch soll in der Haupffache zur Aufnahm« engerer Beziehungen mit den ioissenschastlichen Kreisen Deutschland» dienen. Ein Empfang im Auswärtigen Amt und im Kultusministerium ist vorgesehen. Ein siadtbaulicher Wettbewerb. Einen Wettbewerb um Entwürse für einen Bebauungsplan de» Marltptahc» in Benthe» bezw. iür ein« dort »u errichtende Baugewerlschule erlägt der dortige Magistrat unter den in Oberichlefien anlSifigen oder dort geborenen Architekten bt» zum 28. d M. 8000, 3500 und 2000 M. stehen für Preise. 3000 M. für weitere Ankäufe zur Verfügung. Im Preisgericht find u. a. Hermann Muthesius in Berlin und Emll Högg in Dresden. Profeffor Undeu, der in dem kürzlich zurückgetretenen schwedischen sozialistischen Kabinett Auhcnminister war, ist in seine alte StelUmg oU Pro« sellor für Zwilrechl an der Unwerjrtät llp jat a zurückgelehrt. crllncr vor die FronP � � �slssmu. M§sensm- marsdi SeSea Fflrsteimabiicr u. Reahllon? Die Mannen von Gels. Der Aufruf ist erschienen! Walter von Moio hat durch die Veröffentlichung des durch den Exkronprinzen betriebenen Unterschriften- bettels den Herrschaften einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der„Ausruf" sollte als eine ehrliche Kundgebung von Geistes- und Wirtfchaftsgrößen sich darstellen, während er doch nur das bestellte Werk interessierter Kreise, nämlich des Exkronprinzen und seiner Hand- langer war. Für dieses bestellte Interesientemverk haben ihre Unter- schrift hergegeben oder doch nicht verweigert: der Mediziner Prof. Bier, dessen Chirurgenhände die letzten Stun- den Friedrich Eberts anvertraut waren: der Museums- direktor v. Bode, der Kunstmaler Prof. K l i m s ch, die Schriftsteller Rudolf P r e s b e r, Fritz Skowrounek und Hermann Sudermann. Sie haben nicht das Feingefühl Walter o. M o l o s gehabt. Sie ließen sich für das Interessen- tenmachwerk einfangen und ihre Uirterschrift mit dem„Inter- esse des Vaterlandes" drapieren! Worauf es den Mannen von Oe e n f e l d(Soz.) in der Plenar- sitzung nachzuprüfen. Der Abg. Rosenseld hat in einem Zwischenruf den Vorwurf des Wortbruchs gegen den Reichspräsidenten erhoben und ist dafür vom Präsidenten Lobe zur Ordnung gerufen worden. Er hat trotzdem, wie mehrere Mitglieder im Aeltestenrat bekräftigten, diesen Vorwurf in neuen Zwischenrufen mehr- mals wiederholt, die Wiederholung ist aber in dem Lärm des Hauses vom Präsidenten nicht gehört worden, und auch aus dem Stenogramm ist der Vorgang nicht zu ersehen. Der Aeltestenrat hat dem Präsidenten anheimgcstellt, weitere Feststellungen vor- zunehmen und je nachdem in der Plenarsitzung die Rüge gegen den Abg. Dr. Rosenseld nachträglich nochmals auszusprechen. SetHlen geohrfeigt. Von einem ungarischen Republikaner in Genf. Gens. 10. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag vor- mittag ist im Völkerbundssekretariat der ungarische Iourna- l i st Iwan I u st h, Sekretär der ungarischen Republikaner in Paris und Korrespondent der«E r e N o u v e l l e", zum Ministerpräsiden- ten Bethlen vorgedrungen und hat ihn g e o h r s e i g t. In einer Protesterklärung an das Volkerbundssekretariat führt Justh aus, daß er von der ungarischen Regierung seit Iahren verfolgt werde. Justh ist sofort von der Polizei se st genommen worden. Der Vorsitzende des Völkerbundsrats sprach zu Beginn der Sitzung Bethlen die Sympathie und weiter das Bedauern darüber aus, daß in dem gastfreundlichen Hause des Völkerbundes ein solcher Vorfall sich ereignen konnte. In einem Flugblatt, das Justh unter die Umstehenden warf, wird eine Reihe von G e w a l t t a t en der ungarischen Re- gierung aufgezählt und zum Schluß erklärt, daß Justh die unzähligen Unterdrückten und Leidenden seines Volkes habe rächen wollen. Justh wird sich vor einem Genfer Gericht wegen tätlicher Beleidigung zu verantworten haben. Die Ohrfeige hat Bethlen nicht zu einer höheren Wertschätzung im Völkerbunderat verHolsen, wie man bei der Beratung über die ungarischen Finanzsragen sehen konnte. Nach neuester Meldung heißt der Attentäter richtig Ber und war seinerzeit wegen republikanischer Propaganda zu 1l4 Iahren Kerker verurteilt, hat im Szegediner Gefängnis ein Auge ver- l o r e n und wurde zur Behandlung seines erkrankten zweiten Auges auf freien Fuß gesetzt. Er floh im Flugzeug nach Wien und später nach Paris. Genosse Stoelzel hat gegen das Urteil der braunschweigischen Justizbehörde in zweiter Instanz Revision beim Reichs- gericht eingelegt. Di« bayerischen SPD.-Landlagsabgeordneten Schlaffer und Goch, deren Auslieferung zur Berbüßung dreijähriger Gesängnis- strafen(wegen„Vorbereitung zum Hochverrat") die Landtagsmehr- heit beschlossen hat, sind rechtzeitig über die Reichsgrenze geflohen. veutfthlanös Aufnahme gesichert. Aufsehenerregende Erklärungen Spaniens und Brasiliens. Genf, 10. Zuni.(Eigener Drahtbericht.) Die große llcberraschung in der Dormittagssihung war eine E r t l ä- rung des spanischen Vertreter», in der einleitend ausgeführt wird, daß die spanische Regierung bisher das Amendement 4 zum Völkerbundpatt(Turnuswahl der nichtständigen Rotsmitglieder) aus dem Grunde nicht ratifiziert hätte, um sich dadurch die ZNöglichkeit zu erhalten, solange in den Völkerbundsrat gewählt zu werden, bis Spanien einen ständigen Ratssih erhalten werde. Die spanische Regierung habe übrigens nie unterlassen, da» auch bei jeder Gelegenheit und in aller Offenheit zu erklären. Dann heißt es wörtlich weiter:„Da die gegenwärtige tage jedoch die An- Wesenheit Spaniens bei den Wahlen ausschließt und der Grund sür eine Richtralisizierung des Amendements damit hinfällig ist, hat meine Regierung beschlossen, die Ralisikation des Amendements vorzunehmen." verschiedene Ratsmitglleder sprachen über den letzten Entschluß der spanischen Regierung ihre vesriedigung au». Aber schon der Rachmittag brachte die Korrektur dieser salschen Aufsassung, als der Bericht der Studlenkommission sür die Reorganisation des Rates zur Beratung stand. Der spanische Vertreter gab bei dieser Gelegenheit eine neue kurze Erklärung ab. in der es heißt, daß seine Regierung der Regelung einer Frage nicht zustimmen könne, durch welche Spanien in einen„zweiten Rang" verseht werde. Die Haltung der spanischen Regierung bleibe unverändert. Daran schlössen sich Sympathie- und Bedauern»- erklärungen der Ratsmitglleder an Spanien, von eindringlichen wünschen unterstützt, die spanische Regierung möge ihre Entscheidung noch nicht als endgültig betrachten. Von Chamber- iain und Vandervelde wurde insbesondere nachdrücklich daraus hin- gewiesen, daß kein Staat es als Verletzung seines Prestige« betrachten dürfe, wenn er keinen Ratssih erhalte. Ein« Reuauslage dieser Aussprache ergab sich abend» am Schlüsse der Sitzung, als der brasilianische Vertreter Rlello Franca eine sehr lange Erklärung seiner Regierung verla», die dahin zusammengefaßt werden kann, daß Brasilien mit Ende dieser Session, also heute, seinen Rücktritt.al» Ratsmitglied er- klärt, dagegen seine Entscheidung über seine sonstige Mitarbeit und Zugehörigkeit zum Völkerbund sich vorbehält, bi» zu dem Zeitpunkte, an dem die Völkerbundsversammlung über die Reorga- nisation de» Völkerbundsrates endgültig zu entscheiden haben wird. Diese Erklärung gab sämtlichen anderen Mitgliedern des Rates Anlaß zu Gegenäuherungen. in denen sie ihrem Bedauern Ausdruck gaben, dann aber freundschostlich, jedoch mit Rachdruck daraus hinwiesen, daß der Völkerbundsrat. der nicht wahlbehörde Ist. nicht k o m p e t cnt sei, die Demission der brasilianischen Regierung als Ratsmitglled entgegenzunehmen und daß es somit bis zur nächsten Völkerbundsversammlung Ratsmitglled verbleibe. Der Schlußeindruck dieser Diskussion ist der, daß sowohl Spa- nien wie Brasilien der Reorganisation de» Völkerbundrate» in keiner weis« mehr Widerstand leisten wollen, sich dagegen aber noch die Entscheidung vorbehalten, ob sie weiter im Völkerbund verbleiben und mitarbeiten wollen oder nicht. Man halte sozusagen da, Gefühl, daß am Donnerstag eine politisch- diplomotlsche Operation vorgenommen wurde, die gelungen ist und bei der da» Leben keine» Patienten aus dem Spiel stand. » Die sensationellen Erklärungen sowohl des spanischen wie des brasilianischen Vertreters schaffen zwar keine volle Klar- heit über die weiteren Absichten dieser beiden Länder, doch liegt ihre Bedeutung darin, daß nunmehr die Aufnahme Deutschlands im September gesichert ist. Vor allem ist es der angekündigte Beschluß der spanischen Regierung, der das letzte formelle Hindernis gegen den Eintritt Deutschlands mit permanentem Ratssitz noch auf der nächsten Tagung ausdemWegegeraumt hat. So- lange eine einzige Völterbundsmacht den seinerzeit angenom» menen Zusatzantrag zu Artikel 4 nicht ratifiziert hatte, konnte sie durch ihren Einspruch die Durchführung der Vorschläge der Studienkommission, die un vergangenen Monat getagt hat, verhindern. Spanien war die letzt« Macht, deren Rati» fikation noch nicht vorlag und man konnte um so mehr be» fürchten, daß es von dieser Waffe»Gebrauch machen würde, als es um die Gewährung eines ständigen Ratssitzes kämpfte, während die Studienkommission durch die Annahme der Vor- schlage von Lord Cecil einen neuen ständigen Ratssitz aus- schließlich für Deutschland schassen wollte. Die Dorschläge der Studienkommission sehen außerdem vor: die Erhöhung der Zahl der nichtständigen Mitglieder, die Einführung eines Turnussystems und die Neuwahl sämtlicher nichtständiger Ratsmitglieder im September bei sofortigem Amts- antritt anstatt zu Beginn des folgenden Kalenderjahres. Das alles bedeutete organisatorische Statuten- ä n d e r u n g, die infolge der Ratifizierung dieses Zusatz- antrages nicht mehr einer einstimmigen Empfehlung des Völ- terbundsrats, sondern nur noch einer Empfehlung mit Zwei- drittelmehrheit des Rates bedürfen. Infolgedessen würde der Einspruch Spaniens und Brasi- liens gegen die Vorschläge der Studienkommission nunmehr wirkungslos sein. Denn weitere Mächte kommen für einen solchen Einspruch ohnehin nicht in Frage. Damit ist zumindest die Zweidrittelmehrheit gesichert. Ob Spanien diesen Einspruch trotzdem aus grundsätzlichen Gründen erheben wird, geht aus der zweiten Erklärung seines Vertreters in der gestrigen Nachmittagssitzung nicht ganz deutlich hervor. Der Sinn dieser Erklärung ist: Ich pro- testiere gegen die Beschlüsse der Studienkommission sowie egen den Druck, der auf mich ausgeübt wird— aber aus ioyalität gegenüber dem Völkerbundsgedanken will ich t e i n e Obstruktion treiben und gebe durch die nachträgliche Rati» fizierung des Zusatzantraaes aus dem Jahre 1921 dem Völker- bund freiwillig die Möglichkeit, über meinen Kopf hinweg und gegen meinen Willen die Reformvorschläge der Studienkommission zu beschließen. Die Frage bleibt offen, ob Spanien daraus weitere Konsequenzen ziehen, aus dem Völkerbundsrat oder gar aus dem Völkerbund überhaupt ausscheiden wird. Der brasilianische Vertreter Mello Franca, der nach der Ratifizierung des Zusatzantrages durch Spanien die letzte Hoffnung seines Landes, durch Obstruktion den Eintritt Deutschlands so lange zu verhindern, bis es selbst einen stän- digen Ratssitz zugesichert bekäme, zerstört sah, hat die e i n e Konsequenz bereits jetzt gezogen: Brasilien tritt aus dem Völkerbundsrat aus, ohne jedoch aus dem Völkerbund auszuscheiden. Trotz all diesen Vorbehalten ist jedenfalls vom euro- p ä i s ch e n Gesichtspunkte aus die am gestrigen Tage in Genf eingetretene Wendung der Dinge zu begrüßen, weil damit die Gewißheit endlich geschaffen ist, daß gegen den Eintritt Deutschlands im September kein Hindernis in der letzten Stunde mehr zu erwarten ist. Nächste Ratstagung: September. Genf, 10. Juni.(MTB.) Der Völkerbundsrat, dessen Tagung, wie schon berichtet, heute zu Ende ging, verzichtete darauf, sich über da» Datum der zweiten Tagung der Studienkom» Mission auszusprechen, und überläßt es dem Präsidenten des Völkerbundsrat«», die auf den 28. Juni angesetzte Tagung im Ein- vernehmen mit dem Präsidenten der Studienkommission g e- gebenenfolls zu verschieben. Die nächste Tagung de, Völkerbundsrates ist vorläufig auf den 3. September angesetzt worden. SewerMaKsbewegung Nach sechs Wochen. Verschärfung im englischen Vergbnukonflikt. Heute siud es sechs Wochen, seit die englischen VergUfbeiter im Kompfe gegen Lohnkürzung und Arbeitszeit o�r- längcrung stehen. Dieser Kamps hat eine Bedeutung, die weit über die Grenzen Großbritanniens hinausreicht. Schon die Tat- lache, daß der Generalrat der englischen Gewerkschaften zur Unter- stüßung des Abwehrkampses der Bergarbeiter auch andere lebens- wichtige Gruppen der englischen Industrie zum Streik aufrief, ist Beweis genug, daß sich nicht nur die Bergarbeiter, sondern die ge- samte englische Arbeiterschaft der Tragweite dieses Kompfes be- wüßt ist. Diese ganz außerordentliche Unterstützung der Bergarbeiter durch einen Solidaritätsstreik wurde aus der Erwägung heraus geboren, daß während der acht Monate, in denen die staatlichen Zuschüsse gezahlt wurden, die Zechenbesitzer und die gesamte englische Industrie so große Kohlenvarräte ausgestapelt hatte, daß der Kainpf der Berg- orbeiter ein äußer st langwieriger sein mußte. Es sollte versucht werden, diesen Komps abzukürzen. Der Solidaritätsstreik sollte aber auch die öffentliche Meinung auf- rütteln, der damit das wirtschaftliche Problem des Bergbau- .konflikts deutlich vor Augen gerückt wurde. Er sollte darüber hinaus die Regierung zwingen, aus ihrer passiven, praktisch die Zechen- besitzer unterstützenden Haltung herauszutreten. Es ist noch in aller Erinnerung, daß der Solidaritätsstreik abgebrochen wurde, nachdem der Vorsitzende der Kohlenkomniission, Sir Herbert Samuel, dem Generalrat der Gewerkschoiten Borschläge unterbreitete, die den Bericht der Kvhlenkommission schärfer faßten und in einigen wesent- lichen Punkten verbesserten Trotzdem hat die englische Regierung bis heute praktisch so gut wie nichts getan, um den Konflikt zu einer Lösung zu bringen. Die Kohlenvarräte Englands beginnen sich zu erschöpfen. Trotz aller Versuche kommen vom Kontinent so gut wie keine Kohlen nach Eng- land. Hier hat sich die internationale Solidarität der Arbeiterichasl bereits praktisch bewährt. Was tut nun die englische Regierung? Die direkten Vorhand- lungen zwischen den Zechenbesitzern und den Vertretern der Berg- orbeiter sind gescheitert, weil die Zechenbesitzer im Gegensatz zu dem Bericht der Kohlenkommission und im Gegensatz zu den Ver- ficherungen von Sir ljerbert Samuel eine Verlängerung der Arbeitszeit von vier Stunden wöchentlich— mit Ein- und Aus- fahrt jedoch von(5 Stunden— forderten. Wie die englischen Blätter zu melden wissen, will sich die englische Regierung nunmehr mit dem Konflikt beschästigen. Aber in einer sonderbaren Weise: Sie will die finanzielle Unterstützung, die aus Rußland den englischen Berg- arbeiten, zugegangen ist, zum Vorwand nehmen, um gegen die Bergarbeiter ein Ausnohmerecht zu schaffen. Die englische Regierung und ihre konservative Unterhausmehr- beit verdanken ihre Existenz einem Wahlmanöver mit den, bekannten Sowjetbriel. Dieses Manöver will die englisch« Regierung offenbar jetzt wiederholen, um die Bergarbeiter niederzuzwingen. Die eng- lisch« Regierung weiß sehr wohl, daß die Bergarbeiter der russischen Unterstützung entratei, und trotzdem ihren Kamps dank der Unter- stüßung der Bergarbeiterinternationale fortsetze» können. Die englische Regierung hofft, die für sie nicht gerode günstige öffentliche Meinung durch Aufrichtung des Bolschewistenjchrecks umzustimmen. Wir wissen nicht, ob der englischen Regierung dieses Manöver gelingen wird. Wir w'ssen aber, daß die englischen Bergarbeiter zähe und entschlossen sind, und daß sie auf die moralische und materielle Unterstützung ihrer Arbeitsbrüder im Auslande zählen können. « London, 10. Juni. lEigener Drahtbericht.) Der Generalrat der englischen Gewerkschaften hat auS seinem Streikfonds den Be- trag von 10 000 Pfund Sterling an den Bergarbeiterverband zur Unterstützung der ausgesperrten englischen Bergarbeiter überwiesen. I Sesthlüsse öer Zimmerer. Dem ausführlichen Bericht der Zahlstellenleitung entnehmen wir: Am Dienstag tagte die Dclegiertenversammlung der Berliner Zahlstelle des Zentralverbandes der Zimmerer im Gewerkschaftshaus, in der Bericht vom 1. Quartal 1926 erstattet wurde. Die Abrechnung lag gedruckt vor. Der Vorsitzende Repschläger berichtete, daß der Mitgliederbestand am Quartalsschluß 4316 betrug, Ende Mai 44(jZ= 149 mehr in den zwei Monaten. Redner forderte die Dele- gierten auf, noch mehr als bisher dafür zu sorgen, daß die wenn auch wenigen Unorganisierten restlos dem Verband zugeführt werden. Mehr Beachtung müsse finden, das sei auch in Dresden auf dem Verbandstage allerseits betont worden, das Heranziehen der Lehrlinge zum Verbände. 257 gehören bis jetzt hier zu uns. Aus die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe hinweisend, stellte Redner fest, daß aus dem Nachweis Gormannstraße durchschnittlich im Januar 1935, Februar 2187 und März 1857 Zimmerer zur Verfügung standen. Am 6. Juni 1926 waren in der Gormannstraße als Arbeitslose noch insgesamt 5196 Bauarbeiter eingetragen, davon 1287 Zimmerer. Trotz dieser Tatsache schreien die Behörden aller Grade sowie die Arbeitgeber und Innungshelden des Baugewerbes über Facharbeitermangel. Die fällige Lohnrevision wurde dahin erledigt, daß diese Angelegenheit im Einverständnis mit den übrigen Organisationen zu regeln sei. Nach Erledigung einiger innerer Angelegenheiten des Verbandes wurde beschlossen, aus der Lokalkasse den englischen Kameraden 500 M., dem Kuczynski-Ausschuß 200 M., den Streikenden in Rum- melsburg gleichfalls 200 M. zu überweisen. Den vor einigen Tagen vom Leipziger Klassengericht zu 2 Iahren 6 Monaten Zuchthaus ver- urteilten Kameraden Emil P i tz u ch, Bezirk 18, senden die Ver- sammelten die besten Grüße verbunden mit dem Versprechen, so weit wie möglich für eine Erleichterung der zu überstehenden Qualen zu Helsen. Zum Volksentscheid wurde folgender Antrag einstimmig angenommen: „Die am 8. Juni 1926 tagende Zohlstellenversammlung ver- pflichtet olle Mitglieder, sich an der Propagandaarbeit für den Volks- entscheid rege zu beteiligen. Alle Zimmsrer geben am 20. Juni ihre Stimme für den Volksentscheid ab, um beizutragen, daß der geplante Raubzug für die gekrönten Schmarotzer erfolgreich abgeschlagen wird." Den Bericht vom 24. Verbandstag gab der 2. Vorsitzende Schilf. Folgende Entschließung wurde gegen eine Stimme ange- nommen: „Die am 8. Juni 1926 im Gewerkschaftshaus, großer Saal, tagende Zahlstellenversammlung des Zentralverbandes der Zimmerer Deutschlands, Zahlstelle Berlin und Umgegend, stellt noch Ent- gegennahme des Berichts vom 24. Verbandstag mit Bedauern fest, daß dem Wunsche eines großen Teils der Zahlstellen im Reich sowie der Zahlstelle Berlin in den großen Fragen: Zusammenschluß aller Bauarbeiter sowie Abbau der Arbeitslosen- und Krankenunterstützung nicht Rechnung getragen ist, denn sür letzteres sind nicht nur indirekt, sondern direkt dem Arbeiter Lasten auserlegt vom Staat, der somit dann auch für Unterstützung bei Arbeitslosigkeit zu sorgen die Pflicht hat. Mehr denn je ist es notwendig, alle Mittel des Verbandes im Kampfe für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen bereit zu stellen. Trotzdem verpflichtet die Zahlstellenversammlung alle Mitglieder, im Rahmen der Verbandstagsbejchlüsse zu wirken und dasür sich einzusetzen, daß der Machtdünkel der Unternehmer an der Geschlossen- heit der Berliner Zinimerer scheitert." Zum Schluß wurde nochmals auf die am Dienstag, den 15. Juni, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus stattfindende Ver- trauensmännervcrfammlung, in der alle Baustellen vertreten sein müssen, hingewiesen._ verbandstag öer Glasarbeiter. Erster Verhandlungstag. In Görlitz wurde am Montag der Verbandstag von dem Vorsitzenden Genossen Girbig eröffnet. Der 15. Verbandstag, so führt Genosse Girbig aus, Hot für die Glasarbeiter eine historische Bedeu- tung, da als Hauptpunkt auf der Tagesordnung die Verschwel- zung mit dem Fabrikarbeiterverband und dem Porzellanarbeiterverband steht. Der Redner gibt sodann einen Ueberblick über die Entwicklung des Verbandes. Harte und schwere Kämpfe waren es, die den Verband zu seiner heutigen Höhe geführt haben. In zahlreichen Streiks und Aussperrungen, speziell in der Flaschenindustrie, haben die Mitglieder ihre Treue der Organi- sation gegenüber beweisen müsien. Einzelbeispiel« zeigen, mit welcher Bnetakvöt und Rückfichtslosigkett dt« Unternehmer pH die Glasarbeiter auf die Straße warfen. Bei 3— 4 Mark Unterstützung mußten diese lange Zeit auf die Wiedereinstellung warten, und so mancher muhte der Heimal de» Rücken kehren, um im Ausland Arbeit zu suchen. Auch für die Angestellten des Verbandes waren die Zeiten hart, so mancher mußte sür seine Organisation ins Zuchthaus gehen. Und wenn im Laufe der Jahre auch eine Aufbesserung geschaffen werden konnte, so ist heute dank der wirtschaftlichen Zerrüttung wieder eine Verschlechterung zu verzeichnen. Schwere und bittere Kämpfe sind es, die es zu führen gilt, doch der Verbandstag wird die Wege finden, die beschritten werden müssen. Dann folgen die Begrüßungsansprachen von Olsen(Däne- mark). D e l z ä n t(Frankreich). P e r s s o n(Schweden), P i p e l k a (Deutschösterreich) usw. Girbig gab dann den Geschäftsbericht. Er ging auf die Entwicklung des Verbandes innerhalb der letzten zwei Jahre des näheren ein. Die Unternehmer haben in ihrem Verhalten an Rück- sichtslosigkeit nichts zu wünschen übrig gelassen. Die Arbeitslosigkeit hat erschreckend zugenommen. Don 1925 bis 1926 im Februar stiegen die Erwerbslosen von 1075 aus 6304, die Kurzarbeiter von 874 auf 7781. Leider ist eine wesent- liche Besserung zurzeit nicht zu erwarten, da die Industriekapitäne nicht alles tun, um die Wirtschaftskrise abzukürzen. Der Verband wird wie in der Vergangenheit so auch in Zukunft alles daransetzen, um sür seine Mitglieder das Menschenmögliche zu erreichen. Ein wichtiges Augenmerk wird dem weiteren Ausbau der hygienischen Einrichtungen zugewandt werden.(Ein wichtiger Schritt hierzu ist schon durch die Mitbeteiligung auf der„G e s o l e i" getan.) Der Redner schildert alsdann seine Tätigkeit für die Organisation auf den einzelnen Kongressen sowie als Mitglied der.Internationalen Exe- kutive" in Sitzungen des„Internationalen Arbeitsamts" in Genf. Wir auf dem europäischen Kontinent müsien zu größerer Einigkeit gelangen, damit die internationalen weltwirtschaftlichen Beziehungen gesündere werden. K a n i tz k i(Hauptkassierer) gibt einen kurzen Ueberblick über die finanzielle Entwicklung der letzten zwei Jahre. R. Groß(Redakteur) gibt Rechenschaft über die Redaktions- tätigkeit seit Radeburg. Seine Ausführungen gipfelten in dem Er- suchen an die Mitglieder um Mitarbeit. Kurzweil berichtet über die Zusammenkünfte und Tätigkeit des Ausschusses. In allen, bis auf einen Fall, wurden Beschwerden, Differenzen usw. geklärt. Anwesend sind 113 Delegierte und eine Anzahl Gäste. Alle Mandate wurden für güstig erklärt. In der Diskussion übte ein Teil der Redner Kritik an dem Ver- halten des Hnupworstandes. Insonderheit bildete bei einigen Dele- gierten die Ablehnung der Rußlandhilse Anlaß zur Bemängelung. Weiter war es das Genosienschaftswerk„A l e x o n d« r h ü t t e". Kleintettau, das zu Auseinandersetzungen Anlaß gab. Besoldung?- fragen der Verbandsangestellten, Unterstützungsangelegenheiten usw. bildeten den weiteren Inhalt der Diskussion und Begründung der einzelnen Anträge. vie Verschmelzung beschlossen. Görlitz. 10. Juni,(wlv.) Auf dem in Görlitz lageaden 15. Verbandstag de» Zenlraloerbaade» der Glasarbeiter Deutschlaad» wurde mit S5 gegen 17 Stimmen beschlosieu, sich mit dem Vorzellauarbeiterverbaud zu einem Keramischen Bund innerhalb de» Fabrikorbeiteroerbande» Deutschland» zu vereinigen. tzreie Kni>e>Nch>>tt,i»ar»d. fceutt, tsreitaa. abends 7% Übt, hwn die ©tuopeit: Kcrmannplad lNeukolln 2): Iuaendbcim Canderstr. 11, Eck« Sobrfckrt- ftroftt. Bortroa:..Da» 3i«I brc freien Dnoerkschafisbeweaunq�. Weddinq 1- Stadtbad Webdin», Serichtstr. Sb— öv. Bortra«:..Soziale» Wandern�. Ober- ichöaeroeide!(bruvpendeim Laufener Str. 2 lRotcr Saal). Dollstanzabend.— Bibtnna! Betr. Befichtiauna de» Bulbdruckerverbandshaufe» am Sonntaa, den 1Z. Zuni. Eintritt»karten unentaeltlich. Eintriltstartcn werden in der Iuaend». zentrale der lfreien Gewerlichaflsjuaend. Enaelttler 24—25, Zimmer 7, beut«. SZretto«, ab 4 Uhr ausaeaeben.- Juqendaruppe de» Zd«. Seut«. ifreitoa. abend» T4 llbr. finden falaende""" Beranstaltunaen statt: Abt. Vsten: Iuaendbeim Grost« isrankfurter Str. 16 lZimmer 6). Dortraa:„Bub und Müdel". Abt. Südost: Iuaendbcim Reichen. berqer Str. 66. Dortraa:„Rechte und Pflichten in der Sozialverstcheruna". Abt. Efidwest: Iuqendbeim Beile-Ali ianc«. Str. 7—10. Dortraa:„Bursche und Mädel in der Zuaendbeweauna". Abt.«»-»da»: Iuaend heim Lindenufer L Treffen im Stodtbad. DerautworNich filr Politik: Ernst Renter: Wirtschaft: Artnr Saternu»: Sewerkfchaftsbeweauna: Z. Steiner: Feuilleton: Ä. i. Dilcher: Lotale» und Sonitiaes: Art» Sorftädt: Anzeiacn: Tb. Stocke: sinnt. ich in Berlin. Lerlaa: Borwärls-Derlaa G. m. b. L.. Berlin. Druck: Dorwärts-Buchdruckerel und Berlaa»anstolt Paul Einaer u. Eo. Berlin SW 68 Ljndeustraste 2. sicrzu 2 Beiloaen und„Unterbaltnna und Willen-. Ä.WERTHE1H Leipziger Piais KänigstraBa Rosenthalar StraBa Moritzplats Boa-Lie Zitronen- Gärungsgetränk Verkauf; Drogen• AbtaMang Ansschank: Erfriechungeraurn Cebensnuiki Soweit Vorrat. Leicht verderbl. Artikel können nicht zugesandt werden Wurstwaren Sülzwurst..... pwnck 0.90 Landleberwurst• Ph"«' MO Rotwurst..... p'uihi MO Grobe Mettwurst pinnä 1.35 Gefüllter Schinken pm- 1.35 Speck t«t» o. macker. Pfd.|.45 Jagdwurst..... rtund 1.50 Mettwurst SrTfÄ 1.50 Filetwurst..... Pftmd 1.65 Feine Leberwurst Pfand|.65 Zervelat u. Salami Pfund|.80 Schinkenspeck. Pfund|.90 Pf. Roteslhalcr l»r. K&nlfOr. MorUspUix> Dampf- o. Speckwurst m. 1.05 Bier- u. Schinkenwurst 1.70 Obst und Gemüse Rhabarber... Pfund Bayr. Rettiche sn<* 10» 35, 45, 75m. Kohlrabi...... Mand«) 0.18 Grüne Surken«. O.I8«n Grüne Bohnen.. ptund 0.38 Blumenkohl«To0*KOvP£ 0.30«n Neue Kartoffeln 5 Pfd. 0.45 Junge Möhren.Bund) in Salat...... 5 Kopf/ lü Frischer Spargel m. Tomaten...... 0.28 Zitronen..... Dutzend 0.38 Stachelbeeren unre«) pw. 0.20 Bananen...... p�nd 0.50 Ananas....... Pf"* 1.20 Gebrannter Kaffee Konsum-Mischung Pfund 2.40 Haushalt- Misch..Pfund 2.60 Globus-Mischung»rund 3.80 Sonder-Mischung Pfund 3.00 Residenz-Misch.. Pfund 4.20 Olympia-Mischung pm. 3.40 Elite-Mischung. wund 4.60 Konserven Dose Vi Brech- u. Schnittbohn. 1 0.68 Erbsen'«fn 1.20 mlttclfein 0.74 Ptetferlinge....... 0.90 Rote Rüben....... 0.50 Pflaumen l�n 092 9�0.80 Kirschen rot....... 0.93 Preiselbeeren««Pf.vo- 3.40 Mirabellen....... 1.20 GulaSCh au» Rind, u n r\*%■„„ Sdiwelnestelsth, V« D. U.Dd I.2U Rindfleisch �fr� rl�.» L20 Oelsardinen portuf.mobd.O.SO Heringe in Tomaten■. 1.25 Tafelöl" feine» PUsdi« 1.500.85 055 Konfitüre J„ Aprikosen, Htobeer, Kirsch I 25 Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust 75 p Kalbsnierenbraten..... 55«. Hammel vorderfleiscb 95-� Suppenfleisch..........."-<> 75« Schmorfleisch 95~ Schweinebauch-.Beu»*.... 98 � Schweinerücken u. Blatt los Liesen"".SV". Gehacktes 75� }|0 pf. la Ochsenfleisch 60«. Reh-Ragout.»w 35* Reh-Blätter... I20 Wildschwein 75 J* an Fische Schellfische» Bratflundern p"15" Steinbutten......... 22" 40� Kabeljau<:»*«*.0£e Makrelen 25". Frische Hechte—"»*<> 49" 55" Frische Zander-»»-»»..« Pto»d 70" Lebende Aale.......... Ivo Lebende Schleie....."»»«» I10 Iso Kartoffelmehl____ 19*. Weizen HartgrleB p/und 30*. Valencla-Rels.....*™d 32*. 'Erdbeeren mU Schlagsahne 50 Pf- Käse u. Butter Camembert vom., Schacht. 0.25 Romatour..... Stack 0.20 Kümmelkäse'»i-,.. p» 0.35 Tilsiter»fd. 0.55 0.85 1.20 Allgäuer Stangen Pfund 0.70 Holländer, Edamer p». 0.88 Chesterkäse 1.60 Schweizer pm. 1.00 m' 1.65 Molkereibutter p|j 0.77 0.82 Tafelbutter....Pfund 1.78 Margarine..... Piund 0.56 Räucherwaren Neue Haljes-Heringe srac*«iffePf- Tönnchen 30 StUck 4. SO I W«n Flundern...... Pfund 0.26 Schleibücklinge.Pfund 0.65 Schellfische... Pfund 0.36 Sprotten echt«... ptund 0.55 Seelachs m stucken, Pfund 0.38 Lachs Pfund I.I5 an Aale»erSuchert. Pfund 2.70, 2.35 Bund 0.58 Geflügel Junge Gänse Pfund 1.15 1.50 Brathühner � 1.40 1.60 Suppenhähne•.Pfund 1.20-» Junge Enten Pfund|.65 1.85 Konfitüren Schokolade tOO-Oramm-Tafel Sandgebäck... Pfund 1,00 Speise und Vanille 0.30 Teegebäck..... Pfund 1,40 Wein Prelx tPr Vi PUjchf rtntrhlieilirh Berliner OetrSnkedner. ohne OUt 1924 Wellenstein. Berg 1924 Nitteler Leiterchen .... u,. �"-'-nmoael 0.70 Riesling'Prtnigtr Mosel 1.00 1924 Wollstemer gSi. Bentttei.-Apfelw.in.. 0.48 1924 PlanigerRosenbg.. Fruchtschaumwein, dlumlxer Rhelnhesse Ü.ÖO elnschllemich Plasdie>. tS Feiner Fruchtwein lohannlsbeen-. Stachelbeer-, Kirsch- und n Qn Heidelbcerwein, Cyder.......... U*yU Schaumwein bis t. Juli reUhsateuerfrei Hoselhochgold............. 2.60 Wagners Saar-Edelkrislall... 3.30 Kloß& Förster„Wappensekt" 4.20 Nr. 270 ♦ 4Z.�ahrga«g 1. Heilage öes Vorwärts 5reitag, 11.Iun;ig2H Der Jall Seufter vor den Stadtverordneten. Laugsamer Fortgang der Haushaltberatung.— Debatte über das Schulwesen. Drei Fraktionen der Berliner Stodtverordnetenver» fammlung, die sozialdemokratische, die kommunistische und die deutschnationale, sorgten gestern durch Anfragen und einen Antrag für die sofortig« Besprechung der aufsehenerregenden N o r d s ü d- bahnaffäre, bei der die Stadt so schwer geschädigt worden ist. Der sozialdemokratisch« Redner, unser Genosse Reuter, hob her- vor, wie sehr da» von der rechtsstehenden Presse auch zu einer Schädigung des Ansehen» der Stadt Berlin aus» geschlachtete Vorkommnis lehrt, dost gegenüber gewissen „Jnterefsenvertretern� Vorsicht geboten ist. Uebri- gen» wäre, fügte er hinzu, die Beurteilung dieses Skandals durch die bürgerliche Presse viel schärfer gewesen, wenn der in ihn ver- wickelt« Stadtverordnete Be u st e r nicht zur Deutschen Volks- partei, sondern etwa zur Sozialdemokratischen Partei gehörte. Don Entstehung und verlauf der Angelegenheit gab der Kämmerer Karding eine eingehende Darstellung. Do» Wesentliche ist unseren Lesern aus den im.Vorwärts" schon veröffentlichen Mitteilungen bekannt. E» bedurste nicht mehr der Einsetzung de» Untersuchung?- ousschusses, den die Kommunisten beantragt hatten. Jetzt gibt es Arbeit für den Staatsanwalt.— In der Haushaltberotung. die dann fortgesetzt wurde, gab es ein« längere Debatte über das Schulwesen. Hier fordert« Genosse K a w e r a u eine Plan- Wirtschaft für da» Schulwesen und einen inneren Ausbau der Volks- schule, die nicht zu einer �lrmenschule" herabgedrückt werden dürfe. » In der zweiten Sitzung der Stadtverordneten in dieser Woche wurde vor Eintritt in die Tagesordnung der besoldete Stadtrat Dr. Ausländer, der der Kommunistischen Partei angehört, durch den Oberbürgermeister eingeführt. Die vom.Vorwärts" bereits ausführlich gemeldete Sorrupllonsaffäre de» volksparteilichen Stadtverordneten Reust er veranlasste unsere Fraktion, folgend« Anfrage zu stellen: Durch die Press« werden Nachrichten über ein« di« Stadt de- treffende Korruption»afsär« verbreitet, an welcher der Stadtverordnete Beuslervo Sieine in der Luft umherfliegen, dem geschieht es ganz recht, wenn er einen an den Kopf kriegt. (Fortsetzung folgt"! erst mtxfkn die Arbeiten für Üen Umfimi Ke» Bahnhofs Charlottenburg in Angriff genommen werden, da dieser Bahnhof auch noch für den zum Teil beibehaltenen Dampfbetrieb notwendig wirb. Die Streichung üer Toten. Zur Korrektur der Wählerlisten. Zur Annohme des vom Volk begehrten Gesetzentwurfs ist er- forderlich, daß die Hälfte oller Stimmberechtigten für den Gesetz- entwulf siimwen. Die Zahl der Stimmberechtigten wird in unzu- lässiger Weise erhöht, wenn bereits Verstorbene als Stimm- der e ch t i gt e gezählt werden, d. h., wenn Tote nicht rechtzeitig aus den Wählerlisten gestriclien sind. Für jeden Toten, der mitgezählt wird, mutz eine„Ia"-Stimme mehr für den Gesetzentwurf aufgebracht werden. Sind eine größere An- zahl bereits Verstorbener bei der Feststellung des Abstimmung?- ergebnisses als Stimmberechtigte mitgezählt, so kann dadurch eine wirklich vorhandene Mehrheit von.Ja"-Stimmen in eine Minder- heit verwandelt, der Volksentscheid zu Fall gebracht, der Volks- wille gefälscht werden. Hieraus ergibt sich die außerordentliche Wichtigkeit der Strei- chung aller Toten aus den Listen. Da die Herstellung richtiger Wählerlisten natürlich mcht nur ein Privatinteresse der Wähler, fondern eine Pflicht der Behörden ist, und da der Staat an möa- lichster Genauigkeit der Wählerlisten in höchstem Maße interessiert stt, so ergibt sich logisch, daß es auch Ausgabe der Behörden ist, Fehler aus den Wählerlisten zu entfernen, sobald solche. Irrtümer zur Äenntnis der Behörden kommen. Damit steht es in scharfem Widerspruch, wenn in einzelnen Stellen, wo die Wählerliste ein- gcseheii� werden kann, dem Hinweis auf den inzwischen eingetre- tcnen Tod eingezeichneter Personen damit begegnet wird, daß man sogt, die Witwe �oder der Witwer oder sonst nahe Angehörige müßten mit der Sterbeurkunde hinkommen, damit die Strei- chung e folgen könne. So ist es z. P. am Donnerstag in einem Wümersdorfer Ginsichtslokal gefchchen. Wir fordern, daß das W-Hlomt des Groß-Berliner Magistrats sofort alle bei der Ein- sichtnahme in die Wählerliste beschäftigter» Beamten beauftrage, Hinweise auf inzwischen eingetretene Todesfälle von Wahlberech- tkgten zur Kenntnis zu nehmen, durch schleunigste N a ch- f r o 3 e beim zuständigen Standesamt auf ihre Richtigkeit zu prüfen und wenn sich diese ergibt, die Streichung vorzunehmen. lPlan kann auch unmöglich oerlangen, daß Streichungsanträge nur hei dem Hauptwahlletter des betreffenden Verwaltungs- bezirks eingereicht werden dürsten. Bei dem erwähnten Fall hat der auffichtssührcnde Beamte ausdrücklich verboten, daß zu dem Namen eines inzwischen Berstorbenen in der Lste ein Vermerk gemacht werde. Und da das bereits geschehen war, mußte der Vermerk wieder ausradiert werden. Ein solches Vorgehen de- deutet die Uebcrwälzung einer Pflicht, die der Behörde oblieat. auf Privatpersonen. Und das ist unzulässig. Wie uns weiter be- richtet wird, besteht die Gepflogenheit, die Polizei mit der Nachprüfung solcher Beanstandungen zu beaustragen. Im gewöhn- lichen Geschäst-gang vergel>en aber mindestens l4 Tage, bevor solche Auftrage erledigt sind. Bis dahin ist aber der Volksentscheid schon gefallen imd erst bei der nächstef, Wahlhandlung könnten sich • T°�kil,ren der Listen auswirken. Das aber wäre gerade fetzt ein Mitzftand, dessen Beseitigung von den verantwortlichen Be- Haiden dringend zu fordern ist._ Der Prozeß Seeth. Das verbrechen des Polizeiwachlmeifier». Die gestrige Gerichlsverhandlung im Prozeß Gerth mußte vor- zeitig abgebrochen werden: einer der Beisitzer wurde gerade im dramatischsten Moment unwohl. Allerdings: es bedarf kräftiger Nerven,»m der Verhandlung beizuwohnen und mit Ruhe die Dar- sreti.ing de« äußeren Hergongs der Tat und die inneren Kämpfe, die sich noch jetzt im Gesicht des Angeklagten qualvoll widerspiegeln, hin- zunehmen. Es ist wie ein Schicksal, daß über diesen Menschen und seinem Verbrechen lastet und das Grauen dieses Schicksals überträgt sich auf die Zuhörer. Vielleicht hatte der Sachverständige Dr. B r a tz doch recht, als er in seinem Namen und in dem seiner Kollegen an den Vorsitzenden das Anliegen richtete, sofort nach Ler- nchmung des Angeklagten das Gutachten entgegenzunehmen. Dieses soll nämlich einmütig a»f Unzurechnungsfähigkeit lauten. Zu dem gleichen Resultat ist seinerzeit auch der augenblicklich abwesende Dr. M a g n u s H i r f ch f e l d gekommen. Selbst Dr. S t S r m e r hat entgegen seinem ersten Gutachten der Ansicht seiner Kollegen beipflichten müssen. Ohne diesem Gutachten vorzugreifen, kann bereits jetzt offenbart werden, daß es nicht zuletzt auf Beobachtungen beruht, die am alkoholisierten Angeklagten in der Irrenansialt ge- macht wurden. Gerth hatte nämlich am Abend vor der Tat fast einen Liter Bier und mehrere Kognaks getrunken. Einmol war ihm bereits der Alkohol gefährlich geworden. Lei dieser Gelegenheit verlockte ihn eine zufällige Bekanntschaft zu Gewalttätigkeiten. Er würgte sein Opfer, warf es zu Boden und wären nicht Passanten des Wege» gekommen, wer weiß, ob er sich nicht schon damals wegen Totschlages � hatte verantworten müssen. Gerth stammt, wie bereits berichtet, äu» äußerst dürftigen Verhältnissen. Di« Beziehungen seines Vaters. der, ch w e r e r Alkoholiker war. zur Mutter liehen viel zu wunichen übrig. Sie wurde von jenem im trunkenen Zustand des öfteren mißhandelt, beging sogar einen Selbstmordversuch und beabsichtigte selbst ihre Kinder mit in den Tod zu nehmen. Genhs psychosexueller Zustand machte ihn gewissermaßen zu einem Don-Iuan: er versuchte sein Glück immer bei anderen Mädchen. stets mit dem gleichen Mißerfolg. Sein Innere» wurde zwiesrai:.� Bald schwerer sexueller Grübler, bald derart fröhlich, daß ihn seine Kameraden„Lachprinz" nannten. Ermutigt durch den Erfolg bei seiner jetzigen Frau, wandte er sich anderen Mädchen zu, wodurch er sich mit ihr entzweite. Zur Zeit der Tat unterhielt er gerade ein neues Verhältnis. Am fraglichen Abend war er zu Besuch bei den Eltern seiner Geliebten, mußte sie aber früher als üblich verlassen. So begab er sich in ein Lokal, trank hier Alkohol, lernte daselbst auch Fvou Hostmann und deren Mutter kennen. Frau Hoffmann lud ihn zum Tanz ein. er lehnte es ab, bestellte ihr aber Bier. Dann verließen sie zusammen das Lokal, besuchten unterwegs noch ein anderes Lokal und tranken weiter. In der Wohnung der Frau Hoffmann wurde zuerst die Mutter in der Stube aufs Bett gelegt; Gerth setzte unterdes sich in der Küche auf einen Stuhl.'Äic es dann zu dem Altentat aus Frau Hostmann gekommen ist. konnte gestern nicht festgestellt werden. Der Angeklagte hatte in der Vor- Untersuchung erzählt, daß Frau Hostmann sich auf seinen Schoß gesetzt, mit ihm angebandelt und über Geld gesprochen habe. Er sei ledoch von einem Widerwillen gegen sie erfaßt worden: mährend einer scherzhaften Auseinandersetzung wegen des Haustürschlüssels sei es dann zum Ringen gekommen. Er habe sie dabei an den Hals gepackt, sie gewürgt, zu Boden geworfen, ihr die Kleider auscin. andergerissen, ihr ei» Messer in die Brust gestoßen, sie mit dem stumpsen Ende des Beils auf die Schläfe und mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Zwischendurch habe er ohne Erfolg oersucht, sich an ihr zu vergehen. Dann habe er die Mutter als Mitwisserin er- würgt und dos gleiche wie an der Hostmann auch an der alten Frau versucht. Gestern begann er den Hergang bis zum Augenblick des Würgens so zu erzählen wie in der Voruntersuchung. Dann erklärte er plötzlich, er habe die Unwahrheit gesagt: er sei einfach vom Stuhl aufgesprungen und habe die Hoffmann zu würgen begonnen. Hinter. her nahm er diese Darstellung wieder zurück, um sie dann endgültig aufrechtzuerhalten. Alle Vorhaltungen des Vorsitzenden und des Verteidiger», die Wahrheit zu sagen, blieben ergebnislos. In diesem Augenblick mußt« die Derhaudkmlg wegen des plötzlichen Unwohlseins d«, PetStzrr» abgedrvche» werde», Jüoe der Vertagung b-Mtrag» das Gericht die drei Sachverständigen, den Angeklagten nochmal» auf feinen Geisteszustand hin zu untersuchen. In Verbindung mit seinem eigenartigen Verhalten ist der Verdacht aufgekommen, ob er im Augenblick doch nicht geisteskrank fei. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, was nicht anzunehmen ist. so müßte die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt werden und der Angieklagte käme bis zu seiner Genesung in die Irrenanstalt. 5amil!entragöüie in öerlin!�. Der Vater vom Sohn in der Notwehr erschossen. Eine blutige Tragödie spielle sich gestern nachmittag in dem Hause Freienwalder Str. 3l/Z2 ab. Hier wohnt seit längerer Zeit im Erdgeschoß des Seitenflügels der 52 Jahre alte Maler Frartz G r ä tz mit seiner Ehefrau. Die Kinder des Paares sind alle er- wachsen. Einige sind verheiratet, andere wohnen sür sich allein. Grätz. der ständig Beschäftigung hatte und gut oerdiente, ver- trank und verspielte seinen ganzen Verdienst Für den Haushalt gab er nur wenige Mark her, so daß die Frau auf die Unterstützung der Kinder angewiesen war. Diese waren mit der Handlungsweise des Vaters nicht einverstanden und im Interesse der Mutter hatten sie wiederholt heftige Auseinandersetzungen mit ihm, bei denen Grätz, ein überaus jähzo'-niger Mann, seine Angehörigen wiederholt m i t Messer und Beil bedrehte. Gestern nachmittag wollte der 3» Jahre alte Sohn Richard, der in der Biesenthaler Straße wohnt, seine Mutter besuchen und fand sie wieder im Streit mit ihrem Manne. Es gelang dem Sohn, die Eltern zu beschwichtigen und bald darauf verließ die Mutter die Wohnung, um in der Nachbarschaft eine ihrer Töchter aufzusuchen. Mutter und Tochter. zu denen sich noch die Frau des Richard Grätz gesellt hatte, waren etwa ein« halbe Stunde beisammen, als plötzlich der junge Mann erschien. Er war vollkommen verstört und gebrochen, so daß die Frauen über sein Aussehen auf das heftigste erschraken. Als Erklärung auf ihre Fragen sagte er nur:„Kommt mit auf das Polizeipräsidium, ich habe Vater erschossen!" Dem Kommissar vom Dienst erzählte der junge Grätz nun. daß nach dem Fortgang seiner Mutter der Streit zwischen ihm und seinem Vater aüss neue entbrannt sei und sich immer mehr zugespitzt habe. Plötzlich habe der Vater ein großes Küchenmesser ergriffen und sei aus ihn losgegangen. In der Netwehr habe er. Richard, seinen Revolver gezogen und aus den Wütenden g e« schössen. Zu seinem Entsetzen lei der Vater tot zusammenge- brachen. Don einer eingehenden Vernehmung des jungen Manne» mußte abgesehen werden, da er infolge der Aufregung einen Nerven. Zusammenbruch erlitt. Die Hausbewohner, die den Lärm und die Schüsse gehört hatten, benachrichtigten das 49. Revier. Di« Be- omten fanden den alten Grätz tot auf und ließen die Leiche nach dem Schouhaufe bringen. Bis zur völligen Klärung wurde der Sohn im Gewahrsam behalten. In seiner Wohnung in der Wilhelmshöher Straß ein Friedenau vergiftete sich gestern abend der 29jöhrige Justiz- oberwachtmeifter Siegfried S ch. und dessen gleichaltrige Ehe. trau Irmgard mit Gas. Das Borhabcn wurde bemerkt und die Feuerwehr gerufen. Beide gaben noch schwache Lebenszeichen von sich und wurden in sehr bedenklichem Zustande in das Schönberger Krankenhaus eingeliefert. Das Motiv zu der Tat ist noch unbekannt. Ter blinde Passagier. Eine recht kuriose Geschichte ereignete sich gestern nachmittag auf einem Triebwagen der Straßenbahnlinie 199, der sich auf der Fahrt von Riederschönhausen nach Tempelhof befand. Fing plötzlich an der Schützenstroße im Straßenbahnwagen ein etwa d r e i j ä h- r i g e s Kind herzerweichend zu weinen an. Die Nachforschungen nach der Musser o«r liefen ergebnislos, so daß der Schasiner das Kind, von dem man vermutete, daß es ausgesetzt war, der Po- lizci übergeben mußte. Die Ermittlungen nach den Eltern des Kindes verliefen zunächst ergebnislos, bis aus Niederfchönhausen die Meldung eintraf, daß dort ein dreijähriges Rind vermißt wird. Die Mutter wurde sofort benachrichtigt, die auf dem Revier in der Schützenstraße in dem„ausgesetzten" ihr Kind wiedererkannte. Beim Spielen an der Endholtestelle in Niederfchönhausen war das Kleine lmbeobachtet in den Wagen geklettert, war unter einer Bank eingeschlafen und hatte so bis zur Schützen- straße die unfreiwillige Fahrt mitgemacht. Typhuserkraukung durch Havel rvasser? ver Amtsoorsteher tu Glindow bei Potsdam macht bekannt, daß ein in Glindow vorgefallener Typhusfall nach dem Gutachten des zuständigen Kreisarztes, Dr. Mantey in Belzig. feine Ursache wahrscheinlich in der Uebertragung durch Havelwasser hat. Die Bevölkerung wird durch Anschlag gewarnt vor dem Gebrauch de» Wassers aus dem Glindower See, der mit der Havel tu Verbindung steht. Bei den ThPhuZerkrankungen handelt es sich, wie un» nach- träglich mitgeteilt wirb, um den kö j ä h r i g e n Sohn und um die l2 jährige Tochter de» Arbeiter» W e g n e r in Glindow an der Mahlmüble. Die Kinder sind in da» städtische Krankenbaus in Potsdam üb-rgelahrt. An Thphu» gestorben ist der Obst- züchter Ähren» in Glindow. ' Der Friedrichshagener Fußgängertunnel. Die Borarbeiten zur Senkung de» Friedrichshagener Fußgängertunnel» am Müggelsee find soweit vorgeschritten, daß mit dem Deginn der Senlarbeiten. die t'ech» bi» sieben Wochen in Anspruch nehmen werden, am 15. Juni gerechnet werden darf. Dss Rundfunkprograrnm. Freitag, den II. Jons. Ander dem üblichen Tegeeprogriunm: 4.10 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau(Dorothee Goobeler:„Unnntxe Fragerei"). 4.30 Uhr naohm.: Richard Kruse: „Die Jagd auf den Rehbook". 8 Uhr nachm.: Naohmittagskonzert der Berliner Pnnkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz t. Szpa- nowski. 6— 6.80 Uhr nachm.: Teemosik aus dem Hotel Adlon (Kapelle Marek-Weber). AnschlieOend: Ratschläge fürs Hans, Theatordienst. 6.50— 7.40 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Hoch- schulkurso). 6.50 Uhr abends: Abteilung Astronomische Erdkunde. Dr. Adolf Marcuse:„Einführung in die astronomische Erdkunde (Der Zustand des Erdinnere)". 7,20 Uhr abends: Abteilung Geschieht«. Dr. Albert Brackmann:„Grandzüge der europäischen Geschichte(Europa als führender Erdteil)*. 8 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung: Operette. Spielzeit 1925/26. Leitung: Coreelis Bronsujeest. 40. Veranstaltung.„Die beiden Nachtigallen". Operette in zwei Teilen von Willi Bredschneider. Dirigent: Der Komponist. Peter Johann Lohmeyer und Amadeus Nachtigall(Inhaber der Firma Lohmeyer u. Nachtigall): Kurt Göritz und Alfred Läutner; Konstanzia, Lohmeyers Frau: Henny Steinmann; Friedrich, beider Sohn: Franz Baumann; Friederike, Nachtigalls Frau: Hella Thor- negg: Lotti. beider Tochter: Luoie Bredschneider; Mini and Fini, ihre Freundinnen: EUy Heymann und.Tanna Baltz; Bottina Villani, Opornsängerin: Frida Weber-Fleßburg; Von Römershoff, Tenor: Alfred Braun; Ogroßki. Bariton: Coreelis Bronsgeest; ein Hansdiener. Keilner, Kellnerin. Postillon. Ort der Handlung: Eine rheinische Kleinstadt; Zeit: Um 1830. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachiichten, Theater- und Filmdienst. KSnigswusterhausen, Freitag, den 11. Juni. 1.10— 1.40 Uhr nachm.: Karl Graef: Die Kunst des Sprechens für Schüler 3— 3 30 Uhr nachm.; C. M. Alflen u. v. Eyseren: Spanisch für Anfänger. 3 30— 4 Uhr nachm.: Rektor Karselt, Berlin; Die industrielle Gütererzeugung. 4—4.30 Uhr nachm: Dr. Käthe v. Herwarth: Die hygienischen Aufgaben der Landfrau. 4.30—8 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 6—5.30 Uhr abends: Dr. Max Winckel: Konserven. 7.30—8 20 Uhr abends: Fortbildungsvorträge für Aerzte(Themen und Namen der Dozenten werden m den ärzthoben Fachzeit schnfte» bekanntgegeben). • Uhr abends; Uebertragung reo �oeclkngs Mttageffenl Die Fürslendieaer blamieren sich. Kundgebung des fchwarzweißroten Arbeitsausschusses in Wil- Wersdorf, Bcktoriagarten, Wilhelmsaue.„Baterländifche Verbände', Wirtfchajtspartei, Deutschnationole, Kunze-Iünger und Wulles Feme- linge in trauter Seelenharmonie: Für die Füstr sten, gegen das Volk! Dos Rednerpult, fchw-irzweißrot tapeziert. Link» und rechts zwei blutrünstige Plakate, für den Spießer auf Maß ae- arbeitet.„Dieser Volksentscheid ist Diebstohl" und„Sieg des Volks- entscheid? bedeutet Revolution". Sie müssen's ja wissen. Am Eingang lümmeln verdächtige Gestalten. Ein Trüppchen behakenkreuzter Minderjähriger schnüffelt die Atmosphäre nach Juden ab. Ein Mann von unzweiselhast arischer Physiognomie wird angepöbelt, beschimpft und schließlich hinausgeworfen. Wes- wegen, blieb schleierhaft. Herr Eoerling, tresslicher Fürsten- anmalt und deiltschnotionaler„Volksvertreter" zugleich, schmiß sich gewaltig m Pose und ließ seit» Mundwerk in Entrüstung über tränend« Antlitze rollen. Wüsteste Demagogie war die Devise seines Fürftenplaidoyers. Er fühlte sich anscheinend in guthonoriertem Dienste seiner Herzöge im Gerichtssaal. Mächtig ging er gegen die — Juden los.„Ich kann Ihnen, weil Damen hier anwesend sind. nicht sagen, was so ein jüdischer Lausejunge in der Presse schreibt." (Tosendes Beifollstrampeln.)„Was cm Schmutzereien ersonnen wurde gegen unser Hohenzollerngeschlecht(Braoogebrüll. Zwischen- rufe: Der deutschnationcrle Maurenbrecher!), geht auf feine Kuhhaut." Dos mit den Fürstenforderungen sei alles nicht so schlimm. Wertlose Ruinen habe die Linksdemagogie mit 5 Millionen in Rechnung gesetzt. In bar kämen auf jeden Preußen 5 Pfennige, einschließlich der Sachwerte hat jeder gute Deutsche den Fürsten eine lNahlzeit zu opfern! Nach dieser erstaunlichen Feststellung wurde der Akrobat noch exzentrischer und stellte fest, daß man die Fürsten zu 83 Proz. schon enteignet hätte Unter hysterischem Trampeln seiner Zuhörer trat der „Retter" ab und nun kamen der wilde Kunze-Ableger und ein deutich- völkischer Ingenieur zu Wort. Höher ging's nimmer.„Die Juden geben uns kein Pfund Fleisch zurück, wo» sie uns entrissen." rief der eine, und„Bllit wird fließen und muß fließen" der andere. (Wüster Lärm, Rufe: Aushängen! Weibliche Fsstelstbnmrn: Totschießen!) So ungefähr war dos Nlvecm. Auf der Straße neuer Tumult. Eine Fmu fetzt sich mit einem gegnerischen Mann sachtich«isein- ander.„Wie können Sie al, deutsche Frau mit einem Juden reden?" brüllt« der Chorus. Der„Jude" ist, beiläufig gesagt, der Reffe eines Pfarrers. Aber sie wissen fa nicht, was sie reden._ Ein schweres Siraßenonglück ereignete sich gestern in der achten Abendstunde an der Straßenkreuzung Schlvtz- und Hebbel- straße in Charlottenburg. Der Kaufmann Adolf Hein- r i ch aus der Knobelsdorffstr. 60 wollte zusammen mit seiner vierzig- jährigen Ehefrau Betty den Fahrdomm überschreiten, als in schneller Fahrt ein Kraftwagen herannahte. Es gelang ihnen nicht mehr zurückzuweichen und sie wurden von dem Wagen ersaßt. Fmu H. trug so schwere Verletzungen davon, daß sie be- reit? auf dem Wege zum Westender Krankenhaus verstarb. Der Ehemann zog sich glücklicherweise leichtere Verletzungen zu mtd fand auf der nächsten Rettlingstelle erste Hilfe. Der kreisverein Rerlln-Zehlendors de» Reichsbanner» bittet. davon Kenntnis zu nehmen, daß er seine Bannerweihe vom 13. Juni auf den 22. August verlegt hat. um die in der Propaganda für den Volksentscheid tätigen Republikaner nicht am letzten wichtigen Sonn- tag vor der Abstimmung in Anspruch zu nehmen. Er bittet aber, ihn am 22. August mit aller Hingabe ZU unter- stützen. Filmverbok. Die interalliierte Rheinlandkommisfion hat den Film„Deutsche Herze n am deutschen Rhein" sür da» besetzte Gebiet verboten. ver Alenschenkops aus dem Baum. Ein grausiger Leichen- fund wurde im Walde bei Neuwirtshaus bei S a a tz in der Tscheche- jlowakei gemacht. Unter einem Baume in einem Dickicht fand man einen männlichen verwesten Leichnam, dem der Kopf fehlte. Dieser hing noch in der Schlinge, mit der sich der Mann, ein seit März ver. mißler Viehhändler aus Kounova, hoch am Baum« erhangt hatte. Infolge der starken Verwesung der Leiche war der Körper abgefallen._ vortrage, vereine und Versammlungen. »Reichsbanner„Schwarz RotGolb". StfcMf ta(!«II»; Setiin 6. 14. Seb-ftianNt. 87,38, Sek 3 Xt. SSittc: So., d. 12., Süiiiui« ifeft bei 3) um Vom, SchSnbel», floftmtuik- woldchen. Abtechmtno der ginNitlehielen bot bis So.»u otfolgon. Bis dobin nicht obnneebnete CiniTtttsIarten eeäen als onlairft.— Zietaartex l Neris): So., d. 12., abends S übt, ZSetbrinneuo. Antreten Schnle Schle»- er wer Ufer. Stern. Westen M4 Übt Maodebutaer Vlatz. Sdmnerodfchoft Stendan: Ist., d. 11.. abends 8 Übt, bei HUbner. Bollverf.—»eufäDifBrib: 5?r� 6. U., abends 1�8 Ubr, Aunamannschaft. Mital.-Berf. ine Lokal Bodbin-, Sät Isar» fttofte.— Stfflli«; Eonntaa. d. 13.. qrostes Reichsbit*rt Diwvei, via». Badfadrer nur Stelle.— Panfow(»reis): Mo., d. 14.. abends 8 Uhr, Antreten mit Tambourdorvs Beniner. Crfe Miidlensteaste Pflichwerowstoltenea. Rachtichtendienli ladet ein.»ameradschaft Nieden'chönbausen: ffr.. d. IL, abends 8 Ubr, bei»liieöt, ffriebensolo». Mit«!.»Vers. Erscheinen TfliÄt.—> SteiaMeubscf(»reis): Eonntaa. b. 13, Mörsens t Ubr, Autofahrt ffreienwalde. — Lichtenbeea nebst Untrrarnnpen: skr., d. 11.. abends 7 Ubr, Antreten bei ZUUcher.«Kürtelftrofte, wen Ummorsch.— Seistenlee(»reis): ffr., b. IL, un6 So., d. 12., abends S Übt, Antreten jirt ffhfflblullueUb'.eihina, ErOner Banne. efpeeanto-Veetxend(»eeunee,) BeeN». ffrettoa. ö. ffnnl. 8»be.»OBfcitDTd Sobtitt. Sacket che r Markt. SRonatsoerfaurmluiKt(Mste miHomnten. Arbeiter. Ab stinentenbnnb, ffntove Moabit, fluyerbbetm Bremer. Sck» Wirlefstraste. ffreito» 7t4 Übt Mitaltedernersannnlnna: Ortsyrimpe Berlin an, Sonnabend Ncnfolln.»orisoarlen-. Ecke ffontaiteftvabe. um I Ubr Mitaliedet- vetfammlnna.— Vrtagrnvve Berlin: Alle Srno-ssen besuchen am 13. Juni de« Ras: ine SmOixn, um 11 Übe Teilnahme an bei Demonstration mrf beere JBitfenbercpIa» nnt» Ra« in» Stadion. Trernsvarent, streb in der Eeschöfts» stelle tu haben,«ruvve Mitte trifft(ich am Mon.aa iu einem Abenb(»«iein «m« um 8 Ubr auf dem Stofentboter TIa» an der Uhr. Arbettaaemeinschaft Io,u>a>emoke i f y*•svts-S„a*** 4...'. l. TT? v Mitglieder wird dies Werk vom 4. Juni ab jeden Freitag von SU Uhr geübt werden. Die Zluj nähme neuer Mit- «der findet Freitags in den Chorproben statt: der Monats- vag beträgt einschließlich Zeitungsabonnement 1,10 Mk. Es steht hoffen, daß der Bolks-Ehor, der im abgelcntsenen Jahr kein: Einbuße an singenden Mitgliedern erlitt, durch zahlreiche neue Mit- glisder verstärkt worden wird, um alle großen Pläne im kommenden Winter in gewohnter Weise durchführen zu können. Mßrma/ su selbst i fr im HAttARY «Uftabaaacs ftr Wtf c Rubrik st»d Virlt» SW««. Lindenstrsß« i, m parteknachrlchten für Groß-Serlkn stet» an da» B«,irk»I«kretaririainalausuahmen au« dem Kriea«) mit Bortroa de» Genossen Menauteau. Karten tu 70 Pf. noch an der Abendkasse. in.«W. RiebeiWgnemfld«. 7 Uhr vom Bahnhof au» Pr-poaand� Uhr bei Balentin. Krautstr. 88, lsuntttondrsttwng. Di« Wichtig- keit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen jeden ssunktionür». Keiner darf fehlen. E» wird ein« genaue Anwesenheitsliste qefsthrt. 84.«bt. S Uhr sslugblattverbreitung von Mücke. Warschauer Str. 17, und von Rostn. Gubener Str. 19, au». Silmtlich« Gcnosten müsten unbedingt erscheinen. 28. Abt. Ab 4 Ubr und Sonntag, den 18.. ab 8 Uhr vormittag» vor Busch. Tilstter Str. 27. und Dittschust. Petersburger Str. S. tut» iflugblattvev- dreitung. Erscheinen undedinat erforderlich. 27. Abt. 5 Uhr Mugblattvcrbreituna: 1. bi» 3. Betirk von Pfeiffer. Sau». durasrr. 2: 4. bi» S. De/irk von KSHler. Matternstr. 14. an». Alle Ge- nrsstnnen und Genossen haben stch reltlo« f» betessigen. 41. Abt. 8 Uhr lflughlottverdreiwng von Simon. Belle-Allranre-Str.»0: Schuster. Chamistoolas» 4: Luhe. Beramannstr. 98: Mcnbe. Gneifenau. ftroh« 8, au». Di« Funktionär» treffen stch bereits um 8 Ubr nachmittag» bei Schult. Mariendorfee Str. 5. 48s vbt. 3'r Uhr Trefft! unkt der Genossen mir Prvvagandaarbeit am Särliher Bahnhof. Rettunaswachc. Kur Tiugblattoerbreituna treffeu stch die Ge- Nossen in ihren Gruppen. Erscheinen ist Ehrenpflicht. Eharlottenburg. 52.«bt. 5 Uhr Treffpunkt im fflugblattverhreitung bei Babe. Kaiferitl-Augusta-Allc» 82 und abend» 8 Ubr im gleicheu Lokol austerordenLich« ifuirklionärstgung.— 88.«ht. 18. Juni. 8 Uhr. sslugblartorrbreituna 8. straf!» 00; 9. Gruppe von Reimer, von Bob», Schloststr. 48, au». 79.«8t. Schinrkerg. Sonnabend und Gonntaa von den bekllnulen Kahlabend- lokalen au» Muab'.attoerbreitung. Erscheinen ist Pssicht. Di« Beiirk»- iührer holen am Sonnabend von 8 Uhr ab bei Groß, Sedanstr. 17, islug- -•-....... 80. engere Vorstands 8 Uhr und Sonntag, den na 8. Gruppe von Eggert, Wall. Wilmersborfer Str. 21; 10. Gruppe V-l Uhr abend» bei Kettlist.___________ J ststuna. Hier,,» müssen sämtlich« BeiirksfWrer erscheinen. blättcr ab. Sedaustr. am Sonntag, den 18. Iuui. Sonn- blatte: von Niendorf, Chaussee- 88.«bt. Marlendors. sslugblattverbreit abend, den 12. Juni, Abholen der straste 18, durch die Beiirksiilhrer. 87.«dt.»arienleld«. 8 Uhr iflugblattverbmitnng von Schuster. Kirch ssr.»8. au». All« Genossen»ur Stell«. «enkäun. 89. Abt. ß Uhr Alugblattverhreituna: t Ii» 5 Beiirk von Brost, Sanderstr. 1«;».. U.. 12. Beiirk von Gläser, Pannier». Eck« Pflüger» strahe: 7. dt» 10.. 18., 19. Bezirk von Wickler. Sobrecktstr. 64, au».— 94. Abt. 8 Uhr Wuoblattverbreituna von de» bekannten Lokalen au». Alle Mitglieder müssen erscheinen, 102. Abt. Taumschukenweg. Die Ausoad« der MuablZtter erfolgt von st bt» 8 Uhr bei Hast. Baumschuleusir. 42. All« BeiirtoNihrer mit Stelle. 118.«bt. Z»hauni»th<>l. 6 Uhr treffen stch die Genossen tut Wugblattvev» drei tun» bei Gobin, Room'tr. 2. Lichtenberg. 115«bt. 8 bi» 7 Uhr Berteilung der fflugbMter von den de- kannten Kahladendlokvlen au». Rtemanb darf sich dieser Pflicht ent» liehen.— 119.»bt. von 6 Uhr ad und Sonntag, den 18. Juni, von 9 Uhr vormittags ob Sand, eitel, und fflugblattverb reitung von Mei,«, Wöllendorff». Ecke Ritterautftroste. an». 124.«bt. Mabledoef. Die Genosten treffen stch abend« I Uhr bei Ander, Und bei Breidau lur Entgegennahme der WlugblStter. die am Sonntag ver- breitet werden müssen. • M. Abt. Kehle Udorf. Sonntag, den 18. Znni.«undaednna gegen die ffürften- «nteignuno. Abmaisch vom Bhs. Rilolosse« nachmittag» 1 Uhr: Abmarsch von Kehlendorf'Mitt« nachmittag, 2 Uhr. Redneri Wann von Buttkamer. übergibt man mir dem Nachweis des Deutsch.Mufikerverbande«. Berlin OST, «nbteaOftr. 21 CftönfgOadt 4310, 4043). GefchästSzeit SbiSS, Sonntag« 10 HI« Z Uhr. Auf Wunsch vertreterbesuch N,«K.«rnMtn. Sonntag, de» B. Sunt ffumBtenamWnst nach sttiee bei Wedler, Bendastrahe: von 4 Uhr ab Kaffeetochen. Wir«>»x"«-» roa» Beteiligung, Znngsoiialiste». Gruppe Mitte: Znfola« Aussallen, de« Bortrage» von Pro fesfor Ccsfin« findet unser Gruopenabend statt. Wir besprechen da» Kommunistische Monifest. Pllnkliich 8 Uhr Schul« Giptstr. 28� Sterbetafel öer Groß-Herliner Partel-Grganlfatloa 29. Abt. Am Sonntag, den 8, Znni, verstarb nach kuriem schweren Leiden unser Mitglied Genosse Wilbelm Kell, Ebriftianiastr. 99. Di« Ein- äsckernng erfolgt ffreitag. den II. Juni, vormittag» 11 Uhr. im Srematoriit» Gericktfttast«. Wir erwarien reg« Beteiligung. 24.«bt. Unser Genosse Sarklinni». Marienburger Str. 9. ist am 28. Mai verstorben. Sur das Bolk- Gegen die Fürsten! Oeffentlichs Kundgebungen: heute. Freitag, deu tl. Zuul: Milke(3. Abt): 7M Uhr Im großen Saale des Gewerfschaftshause«. Engelufer 24/25. Redner: Siegfried Aufhäufer, MdR. Friedrichshain(3?. Abt): 7s,ö Uhr in Schmidts Gefellschaftshalis, Frlichlftr. 36 n. Redner: Bernhard G ö r i n g. Spandau: 8 Uhr Demonstration auf dem Rathausoorplatz. Redner: SiadtoerolDneter Adolph hoffmann. holevsee: 716 Uhr in den Florasälen, Iohann-Georg-Straße. Redner: Dr. Kurt L ö w e n st e i n, MdR. waansee: 8 Uhr im Reichsadler, Königftr. 27. Redner: Robert Breuer. Steglitz: 7H Uhr, Schufcmlo des Gymnasiums Heesestraße. Redner: Pfarrer B l e i e r. Tempelhof: 7% Uhr in der Aula des Gymnasiums Kaiserin- Augusta-Stroße. Redner: Bestrtsoererdneter Karl Litte. Lichtenberg: 71/2 Uhr Versammlung unter freiem Himmel auf dem Boxhagener Platz. Redner: Artur Erispien, MbSR. Mahlsdors: 8 Uhr im Restaurant Nordstern. Morgen. Sonnabend, den 12. Zual: OberschSnewetde: 8 Uhr Demonstration auf dem Marktplatz. Redner: Vezirtsverordneter Karl Litte. Slaaken; 736 Uhr im Lokal Wolff, Spandauer Stroh«. Redner: Franz von Puttkamer. Eladaw: 8 Uhr im Lokal Bäumann. Redner: Erich Fraentet Buchholz: 8 Uhr im Lokol Kähne. Redner: Hans Plettner. Kaulsdorf-Süd: 736 Uhr im Restaurant Iägerheim. Redner: Stadt- verordneter Adolph Hoffmann. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliu« Votsthendenkovfeten, morgen. Sonnabend. 7 Uhr, Im Sit>un<»foal der Beilrkovero�netrn, EW.. P-rckstr. U. Tagesordnung: 1. ErliSimn« der Alters- «renM dl» 20 Jahre und Bildung der Aelteren-Äruppe Referent Erich Ollen- Hauer. 2. Berichte;») Beiirkavorslani.(Kurt LanncSitufälln.) b) II. Inttr- nationale Amsterdam, f Ludwig Diederich.f Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch kein{intr�t. Die Mouateprogeamme fstr 8»l> müssen umgebend ad geliefert werben. Achtung,«b:«U»ng»leiter! Sämtliche Grnpvenveranstalttmgen tolle» am Montag, 14. Juni, au». Daliir sammeln sich alle Mitglieder an den vereinbarte» Dreffpnnkten. Wer dort nicht rechtzeitig sein kann, begibt sich sofort mni Lost» garten. Sie SAZ. nimmt«nfstellua» vor der Schl-hfrelheit. Der Bezirksvorstand. «chtnna.«bttssongikaffierer! Deute. Krettag. von 8 bis 7 Uhr Abrechnung. heule. Freilag. abends 736 Uhr: Moabit I: Schul« Waldenferstu. 20. Vortrag:. SAZ. und Neicksbanner�.— Rvabtt ll: Semeindefchul« am Slephon-vl-b. Bortrag:..KS�erpflege".— Wedding: Ledigenheim Schönestedtftr. 1. Bortrag:„Arbeiterjugend und Se» werktchai!-»'.— Seihevse» I: Juaendheim Roeickestr. IZ7. Vortrag:.Körper. kultui�.— Peenilaurr Boistabt: Schule Dan,ia«r Str. 23. Mttgliederverfamm- luma. Osten tLuolonei Viertel): Jugendheim Gostlerstr. m. Bortrag:..Die Geschichte der Arbeiterbewegunix'.— Warfchgnee Biertcl: Jus'----- l: Iugendhrim Tilstter „ I__________________________________ Südost«Köpeuicker viertel): � Schige Drangelstr. 128. Beteiligung an� der Kefer de» Werdebeiiik». Stiasie 4. Bericht vom Internationale» Zugendtag, Treffpunkt 847 Uhr vor dem Zuaendheim.—«riedenan: Rur Klugblattv«- brertunz holt stch jedes Mitglied die 8ettel vom Genossen Wodermann. Stuben» rauchftr. 22. ab. Sonnabend früh s nicht vom Parteilokal»lab«).— Schöne, beea I: Zugendbeim Ruhen».. Ecke Souotstrabe. Portraa:„Politische Lage'.-» Schön cbeeg II: Zuaendbeim Sauvtstt. 18. Bortrag:„Wir und die Gewerk- schatten�.— Charlottenbnlg: Juaendheim Rosinen str. 4. Borttaa:.Kunst und Proietariaf.— Eharlattenbnrg.Roed: Zugendbeim Ziostnenftr. 4. Vortrag: „Die Sonnenwende.— Beig: Rathou». Ehausseestr. 48. Alt-Berliner Dumor. —«enläll» I kReutervIah): Schule RlltNstraste. Zimmer 80. Vortrag:„vom Urvogel ium Wunwu«'.— Reukölln n sBotdinpIosi): Schul, Berg st-, 2». Bortrag:„Unser Wandern».— Rcnkölln IV(RBrnernlaü): Zuaendheim Nogat- fkrah« 83, Bortrag:„Bolk»- und Modefan,".— Rculöll» VI sHersiberavIag'ir Bortrag:„Staat und Kirche'.—«Spenick: Jugendheim Grünauer Str. 8. Dortraa:„Wie die Atbeiterjugend entstand und wie st« beute ist'.— Zohavvt». tbal: Rathau», KSnig»plad. Bortrag:„Zugend rech!» und Nnk» von uns'.— Treptow: Zuaendheim Elsen str. 8. Vortrag:„Att-Derliner Humor".— Reluickendarf-West: Zugendha», In der Seidelsttahe. Ansprache:..Bolk» entscheid". 2. Teil.— Tegel: Jugendheim Bahnhofstr. 18. Mitgliederversamm- luna.— Spandau: Juaendheim Lindenufer 1. Vortrag:„Wie stehen wir vre RelioionT' verbebeiirk Kreuiberg: Sesana»saal Schule Kochstr. 18. Bortrag:..Sege» den Kaschismu»— fstr den Soiiolismusl' Referent Genosse Erich Ollenhauer. Werbebciirk Wedding: Ledigenheim Schämstedtstr. 1, 8 Dr. Bortrag:.,S«g» den Kafchismu»— für den So,iali»mu»!' Referent Genosse Don» Kraust, Di« Parteigenossen und-geuosstunen sind« de» Veranstaltuvgr» b-mlich« elugelade». Der veriedeittl Preuilaner«era I der Soiiolistlschen«rbeitrrsuaeud fuhrt am Sonntag hlnau«. um auf dem Laude für die Snieianung der Kürsten m agltt-rrn. Zuoendgenossen. verteilt eure sslugblättcr in Berlin am Sonnabend und fahrt Sonntag gruvvenwrise nach Rllcksorache mit dem Brandenburger Bureau der SPD.(Lindensir. 8, Tel. Dönhoff 7771) auf die Dörfer I /lrbeiterspsrt. Parteigenossinnen und Genossen! Di« Arbeitersportler schließen ihre Werbewoche am kom» n.enden Sonntag mit einem Riesenaufmarsch im Stadion Grunewald ab. All« Arten de» Sport» werden zu sehen sein, OTf cui�fincn tränen nvi i«cn dctoj fDtnTTjcrn, otr aiucucruwn völkerung den Arbeitersport seine Grundgedanke» und setu« AiÄe näherzubringen. Kurz nach 1 Uhr beginnt der Reichsarbeiter- sporttag mit dem Einmarsch aller Teilnehmer in» Stadion. Der et SV Pf.. Kinder bi» 1< Jahren sind frei, sofern sie sich in Aeglettung Erwachsener befinden, legitimierte Erwerbslose 20 Pi. rbettersportler rechnen mit Massenbesuch! Eintritt tag koste Di Fußballspiele am Rast. Aulöstlich de» Meichsozheitersvorttages findet im Gtunewower Sttckiov»in Städtespiel zwischen Ehemnth und Berlin statt. Di« Manufchafteu spielen in folgender Aufstellung: »erttv Geis!« fSttalau) Baruba» 12) tSttalau) Seelwger Püz Kottwitz fAlemannia)(Stralau) Begaut Schul»«tender Sttohwio Denfcec -------------*--------«ha 22) (Stralau) LSmmei (Sparta) (Stralau) (Heriho 1 Seellenbero Drechjel Folie (Adler iL) Träger Rupf Dienewald Lockmann Bauer Roscher Ehemnl» Uhlig Beginn de« Spiel» nachmittag» 4 Uhr. Kur llnterstlisiuvg der ouswäriigen Arbeiter svorttverbetage fahren fosgrnse Bireine noch austerbalb: Alt-Dlienick« fährt iu Teltow: Germania-Weistensee lu Chrivianiastraste auf dem Äutonia-Svortptog Minerva-Borstgwald« und Ten» tonia 09. Auf dem � �. Turnverein Pankow Dofer-Plog.«eihensee Handbtlllbundesmeiskerschafken. Am Sonntag. 18. Sunt, finden in Leipzig auf dem Borwärts-Plast die Entscheidungsspiele um die Bundesmeisiersckaf: im Handball statt. Di« Ber. bandSbestev werden dort um die Ehr« Nieiten, den» nach guteu. technischen Kämpfen konnten stch vom Ostdeutschen Verband Adl«r»hof»Männer. Wckte!>>. Fvaucn. Mitteldeutschen Verband: Leipzig-Gohli»-Männer. DE. Giebischenstein» Frauen, vom Süddeutschen Bttdond: Enuusbttt-MSnner, Ramberg-Gostenbos» Flauen, vom Rordwestdeutscken Verband: BSK.-Bremen.MSnner. Sannover- Heinbolz-Tumerinnea. vom österreichischen Berband: Wien-Mönner für da» Sndsviei oualifiziert. Leitttig-Sohli» wird alle, einsehen müssen, um tue vundesmeisterschaft zu verteidigen und bei den Turnerinnen ist e» schwer. etwa» vorauezusageu.__ 1. Krei», Turner»ab Turnerinnen. Die Fretübungsprobr am Sonnobrnd (Fichteplast) fällt au». Sonntag im Stadion geschlossener Einmarsch. Auf. stellunq IZtj Uhr. Reihenfolge: Turnerinnen, 1.. 2., 3„ 4. Bezirk. Alle de» teiligrn stch an den gvmnaftischen allgemeinen llebungen: ausserdem 1 Reck- rieg, Männer, 1 Bartenriege Allersturner, 1 üraueurieg« am Borren, Jugend Bferd-Tramvolin und die Freiübungen für Bernau für alle Turnerinnen. Frei,«anvsahrer Berli»,«. B.«Nlässlich de» Rast-Tagr» Sonnt ro. 18. Juni. 2 Uhr. vom RD.„B«rwärt«".Boot»hau» b!» zur Treptower Brücke Demonstrattonsauffahrt. Teilnahme Pflicht, kiweck« Porbereitung Treffpunkt 9 Uhr im Bootshaus. Rächst« Mitgliederversammlung 18. Juni Ideal-Klause, Neukölln. Marcsckstr. 14. «rteiter-Radfahver.Bund„Solidarität". Sonntag. 18. Juni. 8um Reich,» ackdeittrsvorttoa Sammeistart für olle Bundesaenossen pünktlich mittag» 12 Uhr, Svist» in der Wieland-, Pestalozzi». Bleibttettfttaste. Parteifahnen ausge. schloffen, nur Bereinsbanner und tot« Fadnen, all« Zweistster nach vorn,— Achtung, Rennfahrer und WettfohrcnwschussmitaHeder: All- nn den Radrennen beteiligten Genossen beim Rast müssen am Sonntag im Stadion Grunewold bi» spätesten» 11? Uhr zur Stell« sein. Treffpuukt Kabinenhof. hinter dem Schwimmbasstn, Kabinen 18—17. Fahrer, welche um m Uhr nicht dort sind, können nicht gestartet werden. Erster Start ist VA Uhr. Montag. 14. Juni. Zusammenkunft aller Rennfahrer Im Bereinshau» Südost. Michaelkirchftr. 29a, 714 Uhr. All, Rennfahrer und Wettfabrousschussmitg'.ieder müssen erscheinen. — Start»am Rast. 2. Bezirk, Gau 9: Alle Moiorfahrer der Ortaaruppen de» 2. Bezirk,>411 Ubr vormittags Berlin. Kaifer-Friedrlch-Plast. Start: Motor- fohrer Ortsaruvv« Reukölln 10 Uhr vormittag, Reuterplast Bund frei«, Menschru, Landesverband Berlin-Brandenburg im Perba-»d Polksarsundheit. Am Sonntag, 18. Zuni. fallen sämtlich« Fahrten au». Wir beteiltge» un, am Rast. Treffpunkt Teufelssee. Abmarsch 11 Uhr. Am Dienstag. 18. Zuni. öffentliche Peran staltung in der Schulaulo Gipsssr. 23». ' Thema:„Die Bedeutung der Racktkultur für das Proletariat". Un- 18 Pf. Erwerbslos« frei. »nturaee und Sportler. Diesmal gilt«». die Schwimmer zu Am v. Zuli. 6 Uhr. auf dem Semmerdadepia» Sirversufer. Fah'. "— eadenbahn 47, 4? und 147 bi» Jahn straste. Dorr Sommerfeli,. 714 Utr. Tl k-stenbeitrag verbindunaen mit der Strassenbahn 47. 48 und 147 bi, Zahnstraste. Dort werden Sportgenolstcn anwesend sein. Anfragen an Richotd Berlin O., Paul-Sinarr-Str. 87. «rdettrr-Spgrtkartest Wedding. Montag. 14. Zpul. 714 Uhr. im Lediger heim SchSnstedtstr. t, Bitfainwlung. Die vörneyinie 6 Ttg Zigore+ie Ke Agarette das hohtX «ich dem verwöhutew oflens-Igd.-utissaN. kodr.Zfenickie S.m.d.Ii, Dkesden Kiln.Konigsoe rg i?r.,$eifnennersaorf iSo ES GIBT KEINE FRAU die jemals wieder etwas anderes zur Haarwäsche und Haarpflege gebraucht, wenn sie ein einziges Mal LAVAREN verwendete! WESHALB? Nur durch Erfahrung lernt sie» daß LAVAREN nicht als kosmetisches Haarwaschmittel, sondern noch viel mehr als medizinisch wirksames Haarpflegemittel von stark baktericider Kraft bewertet werden muß. «,.w.4s.w> 2. Heilage ües VsrWarts 5reitag, 11. Juni 1H2b Deutfthlanö/ Rußland/ Locarno. Der deutsch-russische Bertrag vor dem Reichstag. Im weiteren Verlauf der Fürstendebatte im Reichst» oerliest Zlbg. o Graefe(Volk.) eine Erklärung des Inhalts, da feine Fraktion die Regierungsvorlage ablehnt. Darauf geben die Zlbgg. v. Guörard(Kr.) und Koch-Wefer(Dem.) die schon im größten Teil der gestrigen Abendausgabe veröffentlichten Fraktionserklärungen ab, in der sie den Hindenburg-Bries auf das fchärsste mißbilligen. Abg. Mollath(W. Vgg.) gibt eine kurze Erklärung ob, die sich gegen den Volksentscheid wendet, weil die«ntschädigungslose Ent- eignung der Fürsten gegen Gesetzlichkeit und Moral verstoße.(Lachen links.) Damit ist die Aussprache beendet. Di« Kommunisten wün- schen die sofortige Beschlußfassung über den von ihnen eingebrachten Mißtrauens antra g. Abg. ZNüller-Franken(Soz.) stellt dazu fest, daß der Miß- trauensantrag der Kommunisten noch gar nicht im Druck vor- liege. Die Abgeordneten hätten das Recht, den Wortlaut des Antrags erst kennen zu lernen. Die Abstimmung könne daher erst morgen vorgenommen werden. Es folgt die 1. Seratung ües üeutsth-rujsi schen Vertrages. Reichskanzler vr. Marx: Der Herr Reichsaußenminister hatte die Absicht, die Vorlage selbst zu begründen. Er ist dabei leider durch Unwohlsein verhindert. Der vorliegende Vertrag mit der Sowjet-Union bedarf nach der Verfassung an sich nicht der Zustimmung der gesetzgeberischen Körper- schasten, angesichts seiner besonderen politischen Bedeu- t u n g hat sich die Reichsregierung entschloffen, diese Zustimmung trotzdem einzuholen. In den vergangenen Iahren hat kaum jemals eine allgemeine außenpolitische Aussprache im Reichstage stattgesunden, bei der nicht übereinstimmend die Notwendigkeit guter Beziehungen zu Rußland betont worden wären. Schon im V e r- trage von R a p a l l o vom Frühjahr 1922 zeigte sich das beider- seitige Bedürfnis, die Jahrhunderte alte Grundlage guter Beziehun- gen wieder herzustellen. Deutschland und Rußland befanden sich, wenn auch aus verschiedenen Gründen, in einer Art von Isolierung gegenüber fast allen anderen großen Ländern. Der Vertrag erschien als aus einer Art Schicksalsgemeinfchaft geboren, er war aber gleichwohl kein Bündnis mit aggressiven Zielen. Sein Zweck lag' allein darin, die Gegensätze des Weltkrieges durch Verständigung zu beseitigen und die Grundlage für ein Vertrauens- volles Nebeneinanderleben der beiden Völker zu schaffen. Seitdem bat die deutsche Politik die Linie verfolgt, auch mit den Mächten des Dersailler Vertrages zu einer Verständigung zu gelangen. So hat uns unser Weg vom Ruhreinbruch und der Sanktionspolitik zu der Londoner Dawes-Konferenz und von da nach Locarno und Genf geführt. Auch Rußland hat seine außenpolitische Stellung seit 1922 festigen können. Aber diese Entwicklung hat nichts an der Tatsache geändert, daß im deutschen wie im russischen Volke die Erkenntnis lebendig ist, daß sie In mannigfachster Hinsicht aufeinander angewiesen sind. Auf dieser Erkenntnis beruht auch der vorliegende Vertrag. Er ergänzt den Vertrag von Rapallo durch neue konkret« Einzel- bestimmungen. In Rußland hat man die letzte Phase der deutschen Außenpolitik zuerst mit Mißtrauen angesehen. Die Verträge von Locarno und der angekündigte Eintritt Deutschlands in den Völker- bund sind anfänglich vielfach als eine Schwenkung unserer Politik, als eine ausschließliche Orientierung nach dem W e st e n kritisiert worden, die die Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Rußland auf die Dauer unmöglich machen würde. Diese» Mißtrauen war unbegründet, aber wir haben e» doch für notwendig geHallen, da» dmtsch-ruiiiscbc Verhältnis der neuen politischen Situation anzugleichen. Diese Ungleichung ist der eigentliche politische Sinn des Berliner vertrag». Die Unterhaltungen darüber haben geraume Zeit in Anspruch genommen, sie führten aber schließlich zu einer beide Teil« befriedigenden Verständigung. Der gefundene Ausgleich sich die freundschaftliche 31 liegt darin, daß die beiden Länder ühlung in den gemeinsamen politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten versprechen und daß sie sich daneben zu Neutralität für den Fall verpflichten, daß einer von ihnen trotz eigenen friedlichen verhalten» angearifsen oder Gegenstand einer aggressiven Wirtschaftspolitik dritter Mächte wird. Mehr als einmal ist von der Reichsregierung betont worden, daß die Locarno- und Völkerbundspolitik kein« Stütze gegen Ruß- land hat imd daß es für Deutschland unmöglich ist, etwaige aggressive Tendenzen gegen Rußland zu unterstützen. Auch die Mächte, mit denen wir in Locarno verhandelten, haben derartige Tendenzen weit von sich gewiesen. Unter diesen Umständen lag nicht die geringste Veranlassung dafür vor, daß der Abschluß des Vertrages, wie es zuerst der Fall war, in der Oeffentlichkeit des Auslandes Aufsehen erregte und zu den verschiedensten Kombinationen führte. Viel- leicht wäre es logischer gewesen, den Berliner Vertrag erst nach Vollziehung des deutschen Eintritts in den Völkerbund zu schließen. Aber nicht unsere Schuld ist es, daß das bisher nicht geschehen konnte. Der Berliner vertrag bedeutet keinen Verzicht auf die Fortführung der Locarno- und völkerbundspolitik, er bildet eine Ergänzung dazu. Sie Zugend für den Volksenischeid! Die Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verllns trifft sich zur Kundgebung für den Volksentscheid am 14. Juni, abend» 7 Ahr pünktlich im Lustgarten vor der Schtoßsreiheit. Zeder begibt sich direkt zum Tresspunkt seine» Werbebezirks. Nachzügler eilen sofort zum Lustgarten. Für uns spricht Genosse Max westphal. Der Bezirksvorstand. Auch diejenigen fremden Regierungen, bei denen der Berliner Vertrag zuerst gewisie Besorgnisse auszulösen schien, haben sich da- von überzeugt, daß die deutsche Politik keinerlei Widerspruch in sich schließt und daß es selbswerstöndlich nicht die Absicht der deutschen Regierung war, sich durch die neuen Abmachungen den Verpflich- tungen zu entziehen, die sich für Deutschland nach seinem Eintritt in den Völkerbund au» den Locarnoverträgen oder der Völkerbund- satzung ergeben. Die deutsche Politik ist eine Politik des Friedens. Aber eine Friedenspolitik kann nicht einseitig sein und unser Ziel kann deshalb nur darin bestehen, das System friedlicher Abmachungen auf alle Länder zu erstrecken. Wir müssen erwarten, daß diese unsere Politik bei ollen denen, die das gleiche friedliche Ziel verfolgen, nicht nur Verständnis, sondern auch Unter- stützung findet.(Beifall.) Abg. Dr. Dernburg(Dem.) gibt im Namen aller Regierungs- Parteien eine kurze ErNSrung ab, in der der Abschluß des Vertrages begrüßt und ihm z u g e st i m m t wird. �bg. vr. Sreitftheiö lSoz.) erklärt die Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion zu dem Vertrag. Zu einer eingehenden Besprechung liegt um so weniger Veranlassung vor, als der Abschluß des Vertrages im beut- en Volke kaum auf Widerspruch gestoßen ist und inzwischen auch ie kritischen Stimmen im Auslande verstummt sind. Man hat dort eingesehen, daß die Befürchtungen, die zuerst an den Vertrag geknüpft wurden, unbegründet waren. Man hat das vor allem auch in Frankreich eingesehen und ich erinnere in diesem Zu- sammenhang nur an die Debatte im französischen Senat in den letzten Tagen, an die Rede des Ministerpräsidenten Briand und an die Erklärung des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des französischen Senats Hubert, wonach der Berliner Vertrag Locarno nicht widerspreche, sondern von demselben Geist« inspiriert sei wie der Rheinpakt. Das ist auch die Meinung des französischen Volkes in seiner großen Mehrheit. Ich selbst sprach vor ganz kurzer Zeit in Frankreich in einer öffentlichen Versammlung über den deutsch-russischen Vertrag, von keiner Seit« wurde daran Kritik geübt oder Widerspruch erhoben. Nach unserer Meinung ist da» Abkommen zwischen Deutschland und der Sowjet-Republik ein Instrument de» Frieden» und es soll ein solches fein. Es ist eine Ergänzung des Locarnopaktes, es steht in keiner Weise in Widerspruch mit den Satzungen des Völkerbundes und den Ver- trägen, die auf diesen Satzungen basieren. Man mag es als mißlich empfinden, daß es bis jetzt eine große Reihe von europäischen und europäisch-asiatischen Einzelverträgen gibt, die den Frieden der Welt aufrecht erhallen sollen: aber wir stellen fest, daß das die natur- notwendige Folge des Scheiterns des Genfer Protokolls vom Jahre 1924 ist. Es mag weiter der Ein- wand erhoben werden, daß der neue Vertrag für Deutschland nicht allzuviel an Positivem bringe und daß Rußland ja aller Wahrschein- lichkeit nach unter keinen Umständen lemals an die Seite einer Macht getreten sein würde, die zum Angriff gegen Deutschland geschritten wäre. Aber wertvoll an dem Vertrag erscheint uns vor allen Dingen, daß aus diese Weise die russische Regierung und das russische Volk über unsere friedlichen Absichten und über die friedlichen Tendenzen des Völkerbundes, dem auch Deutschland an- gehören wird, beruhigt worden sind. Darüber hinan» hat das Abkommen auch eine europäische Bedeutung insofern, als es ein Schritt aus dem Wege ist. der die russische Regierung in das europäische Friedenssystem allmählich einbegreisen und einschließen soll. Vielleicht ist Rußland heute mehr gesonnen, diesen Weg zu gehen, als noch vor einiger Zeit. Gewisie seiner Pläne, die es in Asien oerfolgte— ich erinnere an China und auch an die Türkei— verwirklichen sich nicht und werden sich nicht verwirklichen. Wahr- scheinlich wird sich Rußland genötigt sehen, trotz seines bisherigen Widerspruches schließlich doch in das System der friedlichen Mittel. die in Europa angewendet werden, einzutreten. Es ist immerhin bezeichnend, daß die russische Regierung selbst in dem Brieswechsel, der zwischen dem deutschen Außenminister und dem russischen Botschafter in Berlin geführt worden ist. keinen Widerspruch gegen die deutsche Feststellung erhebt, daß der Völkerbund ein Instrument de» Friedens sei. Wir schließen daraus, daß auch in dieser Beziehung die russische Regierung ansängt, zum mindestens eine bessere Er- kenntnis zu erwerben, als sie sie bisher auf diesem Gebiete besessen hat.(Abg. Thälmann(Komm.): Sie als Lehrmeister von Ruß- land!) Nein, nicht als Lehrmeister Rußlands, ich lasse mich im Gegenteil durch Rußland belehren. Daß Ihnen, Herr Thälmann, diese Feststellung unsympathisch ist. ist verständlich, umsomehr. als Sie vor nicht allzulanger Zeil in diesem Hause eine Rede gehalten haben, in der Sie erklärten, daß eben der Artikel 16 de» Völkerbundpaktes ein Pakt zum gemeinsamen Angrifs gegen Sowjet-Rußland sei.(Abg. Thälmann: Das wird auch durch diesen Vertrag nicht geändert.) Darüber setzen Sie sich mit Herrn T s ch i t s ch e r i n auseinander und nicht mit uns. Ich weiß nicht, ob Herr T l ch i- t s ch e r i n sich von Ihnen belehren läßt, oder ob Sie schließlich zwangsweise von Herrn T s ch i t s ch e r i n belehrt werden.(Heiter- keit.) Wir haben uns jedenfalls nicht mit der deutschen Kommu- nsitsichen Partei, deren Schmerz und Mißfallen über diesen Der- tragsobschluß wir vollständig begreifen, auseinanderzusetzen, son- dern einfach mit den Tatsachen, die innerhalb dieses Vertrages niedergelegt sind. Ich weife außerdem noch hin auf jenen Pasius im Schreiben de» russischen Vertreters, in dem es in llebereinstimmung mit dem deutscheu Schreiben heißt, daß man daran denke, einen Vertrag zur friedlichen Regelung aller zwischen Deutschland und Rußland schwebenden Streitsragen zu schließen, und daß dabei in erster Linie auch an einen Schiedsgerichtsvertrag gedacht werden soll«, einen Schic-dsgmcb'svcrtraii. den noch bi» vor politischen und sonstigen Gebieten auch mit dem polnischen Nachbar zu gelangen. Wir freuen uns über dies« Entwicklung und wie sind davon überzeugt, daß sie in einem gemessenen Abstand von der Entwicklung der deutschen kommunistischen Partei begleitet sein wird.(Heiterkeit und sehr gut!) Aus dem Abschluß dieses Vertrages ergibt, daß wir uns mit den Westmächten versländigen können, ohne dadurch genötigt zu sein,«ine Frontstellung geaen die russisch« Sawjet-RegieruT� einzunehmen. Wir wollen im sreundschcrftlichen Verhältnis zu unserem russischen Nachbor stehen, einem freundschaftlichen' Derhältins, wie es sich schon durch die früheren deutsch-russischen Verträge praktisch erwiesen hat und yossmtlich auch durch den baldigen Abschluß eines A b- kommens über den Produkt, onskredit besestigt werden kann. Wir haben den dringenden Wunsch, daß auf Grund dieses Vertrage» auch gewiss« Unstimmigkeiten zwischen Deutschland und Rußland beseitigt werden. Ich denke dabei, um von anderem zu schweigen, vor allem auch an den Fall, der immer noch in Moskau znrückgehaltenendeutjchen Studenten, die zunächst wegen angeblicher Angriffe und Attentatsabsichten gegen 'Nachthaber zum Tode verurteilt und dann begnadigt wor- Kaissi»« Somdoranctebolo f \ m KAISER'* Milchschokolade 1 TAF E l ä 1 0O gr OA5(J �TAFELN 6 lOOgr SerllaN: Bulalr. 18. Bronnmiatr. 76. CIistiaMMtr. 8S. Duitigar Str. Xl GralhiräMarStr.l. EMi&nienallmSSa. Luidabergar AIIm39. Mfliierstr. 166. RalnlekandorferStr.l&SchSnhaaiar Allee 110. Treackswstr. 16 Berlin O; Frankfurter Allee 60. Gr. Frenkfarter Str. 71. Gubener Str. 5L Grflner Weg 40 Eopernlktiestr. 18. Kreutetr. t8b. PetenbnrgerStr. 81. Slreleaer Allee 3t b. Berlin SO: Dreedener Str. 11&. Neendentr. 37. Oranienelr. 1. Reichen berger Str. 123. Wrengoletr. 23. Berlin S: Bergaennetr.OS. Grife- •treSaSb. Berlin BW: Friedricbetr 227. Berlin W: Caloetr. 1. Oen- thlner Str. 26 OlediUcbrtr. 43. Llltiow.tr. 83. Berlin NW i Alt-Uoebit 112 Beueeletr. 22 Lalreniir. 43-44. Stepbenetr. 42 Tnrmetr. 47 a. Wilaoaeker Strafte 36 Berlin C: Alle Sehnnhaoser Str. 36 Charlotten barg: Aace- bnrrer Str. 84. Ecke Faeeaner Str. Berllaer Str. 116 Danckelraannalr. 96 Grnlnanetr. 14. Holtaendorfletr. 6 Ealaer-Friedrtchetr. 66 Kantatr. 36 Kieiatatr. 12 Knobeledorffetr.S. Snereaetr. 16Taoraggener Str. 12 ühland- •trafte 32 Wllmertdorfor S'r.71. Wilraeradorfer Str. 126 Wiltneredorfer Strafte 146 Spandau: Breite Str. 49. 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Dt Hof eser vertrag befihk auch keinerlei Spihe gl ffen und wünschen, dah es nunmehr auch rände Polen, wir n wird,• vielleicht unter den veränderten innerpolitischen Verhältnissen in Polen besser als bisher, zu einer Verständigung auf handelspolitischen und sonstigen Gebieten auch mit dem polnischen zu gelangen. Unser Wunsch geht dahin, daß der Vertrag, dem wir unsere Zustimmung geben, sich als das auswirkt, als das wir ihn sich aus- wirken sehen möchten: Als ein Glied in der Kette jener Abmachungen, die den Frieden Europas und den Friedender Welt garantieren sollen.(Lebhafter Beisoll bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. hoehsch(Dnatl.) begrüßt gleichfalls den Vertrag. Es sei zu wünschen, daß damit die Spannungen im deicksch. ruf fischen Verhältnis aufhören und daß auch die polnische Politik sich aus die Linie der Verständigung einstelle. Abg. Graf zu Reventlow(Völt.) stimmt dem Vertrag zu, er wendet sich aber gegen die Auffasiung, daß Deutschland eine Brücke zwischen West und Ost sein solle. Abg. Schneller(Komm.) oerliest eine außerordentlich lange Erklärung, in der den deutschen Banken der Vorwurf gemacht wird. daß sie Rußland übervorteilen wollten. Die Außenpolitik der Re- gierung sei nicht geeignet, das in dem Vertrag zum Ausdruck ge- brachte Freundschaftsverhältnis zwischen Rußland und Deutschland zu sichern. Damit ist die erste Lesung beendet. Die zweite Beratung geht ohne Aussprache vorüber. In der dritten Lesung nimmt Abg. Korsch(Wildkommunist) das Wort, um im Namen der .internationalen Kommunisten" zu erklären, daß Verträge von dieser Art für die Arbeiterklasse nichts wert seien, sondern daß sie den Kamps um ihre Befreiung nur auf dem Boden des Klassenkamvfes führen könnten. Die kommunistische Partei und die Sowjet-Regierung hätten die revolutionären Prinzipien von Marx und Lenin verlassen. Der deutsch-russische vertrag wird darauf in dritter Beratung endgültig fast einstimmig angenommen. Es folgt die Fortsetzung der S. Beratung der Novelle zum Beichsknappschastsgesetz. Der Antrag Dr. Moldenhauer, der die paritätische Besetzung der Verwalwngskörperschasten ver- langt, wird in namentlicher Abstimmung mit 245 gegen 123 Stimmen abgelehnt. Die nochaus st ehendenArtikeldes Gesetzentwurfs wer- den nach den Beschlüssen des Ausschusses mit unwesentlichen Aende- rungen in zweiter Beratung angenommen. Um 4� Uhr oertagt sich das Haus auf Freitag 2 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Abstimmung über den kommunistischen Mißtrauensantrag sowie das Luftfahrtobkonunen mit Frank- reich. Reform öes Strafvollzugs. Abschluß der Justizdebatte im Landtag. Im Landtag kam es gestern, wie wir schon in einem Teil der Abendausgabe mitteilten, zu einem schweren Tumult, da Abg. Pieck(Komm.) bei der Begründung eines Antrags zum Hindcnburg- Brief eine vollkommen unparlamentarische Tonart gegen den Reichs- Präsidenten anschlug, und die Deutschnationalen diese Rüpe� leien durch Rllpelszenen zu überbieten versuchten. Abg. Pieck erhielt drei Ordnungsrufe. Die Sitzung wurde zweimal unterbrochen und in einer Zwischentagung de» A e l t e st e n- ausschusses festgestellt, daß Pieck beim Abtritt von der Tribüne Beleidigungen gegen Hindenburg ausgestoßen hatte, die im Lärm Llsaß-Urttiriaxer, Oslmärker, Oberschlesier, Auslaads' und Koionialdeutsche! Was �ab man Euch bisher an Entschädigung? Was will man den Fürsten geben? Antwort gibt Eoch die Versammlung am Sonntag, den 13. Jnnl 1926, vormittags 10 Uhr, im Lehrer-Vereinshaus, Alexanderstr. 41 Redner: Schirmer- Dresden, MdR. Vorsitzender des 22. Reichstags-(Entschädigungs-) Ausschusses. SPD.-Beriin. der Rechten untergingen, und so weder vom Präsidenten gehört, noch in das Protokoll ausgenommen wurden. Bei Eröffnung der dritten Sitzung gibt Präsident Bartels hiervon Kenntnis und fügt hinzu, wenn er die letzten Aeußerungen des kommunistischen Abgeordneten gehört hätte, würde er schärfere Maßnahmen ergriffen haben. Hierauf wird die I u st i z d e b a t t e fortgesetzt. Die Ausführungen des Abg. Bleyer-Herford(D. Vp.) gehen anfangs im Lärm des Hauses verloren. Der Redner verlangt Maß- nahmen für die Justizbeamten. Auch die Deutsch« Volkspartei wünsche einen modernen Strafvollzug und zunächst einmal die Durchführung der dafür vom Landtag jetzt aufgestellten Richt- linien. Die Fürsorge für die entlassenen Strafgefangenen müsse der Privatinitiative überlasten werden. Abg. Lüdicke(Dnat.) begründet den schon im Ausschuß ange- nommenen Antrag seiner Partei, daß die V e r z i n s u n g der kraft Rückwirkung nach dem Aufwertungsgesetz wieder eingetra- genen Hypotheken spätestens vom 1. April 1926 einheitlich eintritt. Abg. Schmidk-Düsteldorf(Z.) verlangt, daß auch in Preußen Versuche angestellt werden, den Strafvollzug stufenweise durch Vergünstigungen zu mildern und schließlich den Uebergang in die Freiheit vorzubereiten. Der Strafvollzug in Stufen wüste im Mittelpunkt der ganzen Reform stehen. Zeigt eine innere Wand- Besserungsfähigkeit und-Willigkeit, so muß kommen. Auf Verstand, Gemüt und efangenen muß eingewirkt werden, um ihn zur Besse- rung zu bringen. An der Spitze größerer Anstalten müssen lung der Gefangenen Besserunx er in eine günsttgere Stufe toi Willen des Gefangenen muß eir Männer stehen, die auch wirNich eine Ahnung von Erzie» h u n g haben.(Sehr wahr! im Zentrum und links.) Abg. Kasper(Komm.) begrüßt die Ausführungen des Vorredners, die von Humanität getragen seien. Leider blieben die Beschlüste auf humanere Gestaltung des Strafvollzuge» durchweg auf dem Papier stehen. Staatssekretär Fritze gibt eine kurze Beantwortung der kom- munistischen Anfrage über die Behandlung des Strafgefangenen Bury in der Strafanstalt Wartenburg i. Ostpr. Er macht des wei- teren aus die finanziellen Schwierigkeiten den Anträgen auf Ver- mehrung der Beamten gegenüber aufmerksam. Mit dem Urlaub von Gefangenen habe man schlechte Ersahrungen gemacht: so seien z. B. zwei Gefangene in Gollnow nicht rechtzeitig wieder zu- rückgekommen.(Zuruf des Abg. Menzel-Halle(Komm.): Die Beur- laubten sind alle pünktlich zurückgekommen: das war nur nicht der Fall bei zwei Leuten, die keinen Urlaub erhalten hatten, und die ihn sich selbst genommen hatten!— Heiterkeit.) Nun, dann hätten ie wenigstens den selbstgenommenen Urlaub nicht weiter ausdehnen ollen. Abg. Arled-Uelzen(D.-Hannov.) wendet sich gegen die Kon- kurrenz, die die Gefangenenanstalten durch Dornahme aller Arten von wirtschaftlicher Tätigkeit der Privatwirtschaft, besonders dem Handwerk machen. Abg. Kuttner(Soz.) wendet sich gegen den Abg. Lüdicke(Dnatl.), der in seiner Rede das strafrechtliche Urteil in Sachen des Ministerpräsidenten Braun gegen die.K e u z z e i t u n g" und das Disziplinarurteil in Sachen des Attaches Jänicke einfach miteinander auf eine Stufe gestellt hatte, als ob ein Strafverfahren und ein Disziplinarverfahren das gleiche wären. Die Deutschnationalen sollten, wenn sie sich jetzt er» reulicherweise so stark für den Sckiutz der persönlichen Ehre ein- etzen, nicht vergessen, daß der verstorbene Reichspräsi- dent Eberl nicht weniger als 300 Prozesse gegen Verleumder hauptsächlich aus dem Lager der Rechten hat führen müssen, wobei die Richter für gewöhnlich Verstöße gegen die persönliche Ehre recht milde aufgefaßt hätten. Zu erinnern sei an den Fall eines R e i ch s w e h r o f f i z i e r s. der vor versammelter Mannschaft be- hauptet hatte, die Frau Reichspräsident Ebert und Frau Noske hätten das gesamte Silber der Hohenzollern gestohlen und unter sich verteilt. Für diese Verleumdung, an der kein wahres Wort war und die sich gegen Frauen richtete, die mit der Politik nichts zu tun haben, ist der Reichswehroffizier zu 500 Papiermark Strafe verurteilt worden. Die Objektivität de» deutfch-oolksparteilichen Abgeordneten Stendel gehe daraus hervor, daß er einmal erklärt habe, Antstemitismus habe mit Politik nichts zu tun, und ein ander- mal begrüßte, daß Völkische, die in einer Synagoge die Fenster- scheiden eingeschmissen hatten, aus Grund politischer Amnestie Straf- erlaß bekommen haben. Für solche Objektivität eines Richter» könne man sich bedanken. Nach einer Einzelberatung des Justizetats und der zweiten Be- ratung des Entwurfs über die Erweiterung und Einschleuiung des Fischereihafens zu Weiermünde stimmte das Haus der Borlage, die weitere 13 Millionen bereit stellt, in dritter Lesung und in der Schlußabstimmung einstimmig zu. lim 8?1 Uhr oertagt sich das Haus auf Dienstag, den 22. Juni, 12 Uhr: Zweite Lesung des Polizeietat». �tfill Jtand r" weit epe aafseheneppeqende w Warenv«rl>ftlfaun<|• 3 Serien Bade-Kappen aas gotom Otxmmi 75,50,25» Bade- Anzüge QC IV Dum r. Herr« 1.90. LM � �' Unterlaillen mit Stickerei.. 50, Frott.-Hnndlücher 7� ■Mtr Kriuiclrteft. 1.4#. 1.10' � Pt Hemdenpassen Bit TrSgar..... 25. 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VarlcK agi crmä B.Preisen d. volle Programm Theaterkasse; Lfltzow ISST Desiaewz i>'/4 Uhr: Ren contn Ren Eugen Rex, Meiclka Deutstbes (flnsd.-Tbetter Tagl 8 Uhr Der fromitne WeiBiter* TM.mrftstiiiliiiD Tägl 8 Uhr: Rebbahn od. Die neue Fassade ffallner-Tbuter 8 Uhr: Dir tiiligi Bnimi Blanco Posnets Erweckuns Lesslng-Tb. Schneider Wibbel Henckels, Berber Orodtczinsky Sommerpr. 1-8 IN. lit|U felksliSMnnri' tdnfi, Reldslnicr gern lg:*i!i gik Plibt i I.Si), «di n ImlUrip Kleines Tb. SVi Uhr: ](ntnlen na Hirt Ut: Vorz. dieses zahlt 50% d. Kass°npr Volks büh ne Tk. io titilNuiienIiilio 8 Uhr TDiater im Bäloiplili 7»/. Uhr: fäust Die Freier Morgen 8 Uhr: Judith Morgen 8 Uhr: Die Freier. Central• Theater uhr: Eva Sootiea! Ilka Qrünln� Kose-Tbeater Vi, Uhr: Ehre deine Mutter.— Gartenb. Tii U.: Dit tedi. Jtnsfne Bingwik;-99hiicn Sommcrspielzelt Tbeeter B»nl4Drftlz.!tr. TzHascnheiiZUC 8 Uhr: Malleoe Eogel HomOOlenliDni Telj Norden 6304 8 Uhr. 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Die Einäscherung findet am Sonnabb, den 12. Juni, nachmittag» 6 Uhr. im Krematorium Baumschulenmeg statt. Am 7. Juni d Z. verstarb nach schwerem Herzleiden meine innigst ge- liebte Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Grotzmutter lös fioldschmidt geb. Arndt im 66. Lebensjahr. In tieser Trauer Rokuils Hvldichmidt»16 Gatt«, Klara Dziurvwitz ged. Holdschmidt al« Erich Haldschmidt al. Sahn. sTochier, Brun» Dziurawitz als Schwiegersohn, Frieda Hvldschmtdt ged Wett ol» jSchwiegert achter. »erb Edgar Dzwrowitz al« Entel Einäscherung: Sonnabend, den 12. Juni, nachmittag» b Uhr, im Krematottum Baumschulenweg. Te«»ich«, vimondecken. Tischbreken, Bettvorleger, Läuferstoff«, prachtvolle Auswahl, ertro billi« Gelegendriten. Fiidirr. Bvtsbamrrllrohe 166._' Leiter»»«», Schlauch möge«. Schub- karren. Elnselräder. Achse», Federn. Globus. Dresbeueritratze SS. Moritzvlatz 127«.__ «ähmaichiuen. billi« Grlegenbrit»- käitie. T«>lsabkm»a. Govanti«. Klein« Kamb-uroerllrotz« LI. 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Herbert Steinmann blieb erwachend stehen. Beugte sich über den Mann am Boden, dachte an Hilfe, griff aus Versehen mit den Händen in eine Blutlache, fühlte ein Rieseln im Rücken und richtete sich langsam empor mit dem Gedanken im verträumten Hirn: der Aermste gibt kein Lebenszeichen mehr von sich, man müßte feststellen, wer er ist, ihn nach seiner Wohnung schassen, man... Schritte klappten durch die in diesem abgelegenen Viertel stille Nacht. Herbert Steinmann erkannte einen Polizisten. Gut. dacht« er und wartete, um den Beamten aufzuklären. Aber der schoß plötzlich sprunghast vor und Herbert Steinmann fühlte sich eisern an der Schulter gepackt, die ander« Hand des Polizisten umklammert« ebenso eisern seinen Unterarm, und wie Donnerschläge hallten die Worte: .Sie sind verhaftet!"' .Aber mein Herr,' rief Steinmann fassungslos,.Sie irren sich!" .Still!' .Sie irren sich. Ich hob« den toten Mann soeben hier gefunden und wollte Hilfe holen." .Ach was, das wird sich ja herausstellen!" sagte achselzuckend der Beamte..Jetzt folgen Sie mir zur Wache! Alles Weitere wird sich finden." Alles Weitere, dachte Herbert erregt, und diese Worte wurden zum Gespenst. Für Ihn lag.alles Weitere" in den Händen der jungen Tochter seines Vorgesetzten, und schlagllchtartig kam ihm die Erkenntnis, wie enorm ihn dieser nächtliche Vorfall schädigen würde, seinem Nebenbuhler, der sich ebenso eifrig wie er um Schön Wald- traut» Gunst bewarb, Gelegenheit geben mußte, ihn zu diskreditieren und sich selber einzudrängen— nein, um keinen Preis durfte er sich jetzt verhaften lassen, daß sein Name durch die Zeitungen gejagt würde in einer so dunNen Angelegenheit-- nein, nein! Lassen Sie mich los!" sagte er brüst und versuchte den Arm aus der eisernen Umklammerung frei zu bekommen. Lassen Sie mich los. Sie irren sich und bringen mich unnötig in eine unan- genehme Situation. Ich habe eine wichtige Reise vor und kann mich jetzt nicht mit gerichtlichen Scherereien aufhalten. Al» Zeug« kann ich gar nichts nützen, denn ich weiß nicht mehr als Sie selbst. Also...!" Aber eher hätte Herbert Steinmann eine Marmorstatue b«. wegen können, als diesen Mann des Gesetzes, der sich seiner Pflicht bewußt war. Fest hiev ihn dessen athlettsche Faust, während die andere Hand etwas Blankes zum Munde führt«. Schrill durchpeitscht« ein Pfiff die Lust. Aber.Hilfe!" rief Herbert Steinmann gemartert. .Hilfe! Man vergewaltigt mich." Und plötzlich die wahnsinnige Angst: wenn man mich für den Mörder hält! Diese Angst gab Kraft. Herbert riß sich loß. .Holt, oder ich schieße!" rief der Polizist, fühlte aber unerwartet einen heftigen Stoß vor die Brust, taumelte, empfand sekundenlang dumpfen Anprall gegen die Stirn und stürzte bewußtlos zu Boden, während Herbert Steinmann davonftürmte. Aber der Fliehende hörte nun auch die Pfeifensignale und laufende Schritte hinter sich, und da verlor er den Kopf, blieb un> schlüssig stehen und wußte nicht au» noch ein. Und so wäre er doch noch den herbeieilenden Kameraden des Schutzmannes in die Hände gefallen, wenn er sich nicht plötzlich von hinten am Arm ergriffen und weitergezerrt gefühlt hätte, während ihm die fast gezischten Worte ins Ohr drangen: Leine Furcht, keine Furcht! Vorwärts! Immer mir nach! Nicht umsehn! Voran! Voran!" Wie blödsinnig keuchte Herbert mit. Wie hypnotisiert. Ex griff nach dem lausenden Unbekannten, als müsse er sich an ihn fest- klammern, und rannte blindlings drauf los. nicht wissend, wohin und in welchen Windungen der Weg. den sie nahmen, lief. Der war eine Flucht durch enge Gassen, über niedrigen Zaun,— Garten? Hof?— Tennisplatz? Kino? Traum? Aber dann wieder Straße. Und energisches Raunen des Führer», langsam zu gehen, sich nicht auffällig zu machen, ja zu schlendern, zu summen, zu trällern. Und nun? Noch einen forschenden Blick die menschenleere Gasse entlang— unter die Brücke, vom breiten Pfeiler gedeckt. Tunnel? Durchfahrt? Hier diese Schuppen entlang. Güterbahnhof? Ah Schienen, Gleis. Schnell drüber weg! Vorstadt. Gärten, Chaussee. Wald. Ueber den Acker, dann sind wir am Ziel. Sie waren in Sicherheit. Herbert Steinmann lag auf dem etwas feuchten Waldboden mit von Pein zerfetzter Seele. Wie ein woidwundes Tier. In seinen Schläfen zuckte dos aufgehetzt« Blut wie ein Morseapparat, hart und schnell. Und als dies unerträgliche Pochen allmählich nachließ, löste sich Herbert Steimnanns Nervenspannung in einen heftigen Wein- krampf. Es dauerte lange, bis er wieder sprechen konnte. Aber einst- weilen sagte er nichts. Dann kroch er vorsichtig zu dem Unbekannten hin und sagte, ihn wie ein Rätsel betrachtend: �Sie— Sie haben mir— geholfen. Aber warum taten Sie das?" „Werden wir nicht pathetisch," sagte jener, leicht die Schultern hebend,„dazu ist dies Leben nicht geeignet.— Hm.— Wenn ich pathetisch werden wollt«, könnte ich sagen: ich habe Ihnen das Leben gerettet." Herberts Augen wetteten sich: „Meinen Sie. er hätte mich erschossen?" „Der Schutzmann?— Hm.— Das wäre ja nicht schlinim ge- wesen." „Das wäre...?" „Nicht schlimm gewesen, sagte ich. Philosophie. Kehren Sie sich nur nicht daran, lieber Kerl. Es wäre wirtlich nicht so schlimm gewesen, als wenn er Sie nicht erschossen hätte. Dann hätte man Ei« nämlich— hm— geköpft. Und das ist viel unangenehmer" „Aber um Himmelswillen!" rief Herbert Steinmann.„Sit glauben doch nicht etwa, daß ich mit jenem Morde irgend etwas zu tun habe? Bei Gott, ich dachte nur an meine Ehre und wollte.' „Lieber Kerl," wehrte der Unbekannt« ab.„Daß Sie mtt dem Mord nichts zu tu» habe», weiß keiner besser als ich." Nun werben wir sie örestheu! Mlhelm. August 1914. ,3ch habe meine öeute schon l' Rufi voller Hohn öle Inflation. .Ob ich wohl in üer andern Tasche", denkt Wilhelm,„was für mich erhasche!" der Michel aber dreht sich um der Wilhelm rennt davon und schreit: Und sagt: ,3ch bin nicht mehr so dumm.".verflucht! der greift zum Volksentscheid!" Der junge Mann fuhr zurück. Aber jener lächelte wiederum: „Fürchten Sie nichts. Ich tue Ihnen nichts. Ich bin zwar einer von denen, die die hohe Hermandad, wie die Spanier sagen, schon lange sucht, und der mtt manchem Gefängniswärter sozusagen auf du und du steht..." „So haben Sie etwa selber...?" rief Herbert erstaunt und un- angenehm berührt. „Den Mann erstochen, meinen Sie?" fragte der andere gleich. mutig. Und dann, ein wenig lauernd:„Wie wäre es, wenn ich der Mörder wäre?— Dann müßte der junge Herr jetzt eigentlich fchleu- nigft ausstehen und mit dem— Verbrecher kein Wort mehr wechseln, wie? Es wäre ehrenrührig.— Oder ihn der Polizei melden, was?" Herbert Steinmann fühlte sich vollkommen verwirrt durch diese sonderbar« Art des Fremdlings. Er schwieg nachdenklich. Aber er empfand, daß er in dieser merkwürdigen Lage die Antwort nicht schuldig bleiben durfte. Daher begann er nach einer Weile leise: „Mögen Sie sein, wer Sie wollen,— für mich sind Sie mein— Retter, der mich aus einer sehr fatalen Lage befreit hat. Sie können stch wahrscheinlich gar nicht denken, wie wichtig es für mich war, nicht an die Oeffentlichkeit gezerrt zu werden. Wenn ich auch mit dem Morde nicht das geringste zu tun habe, so würde ich bei einer Gerichtsoerhandlung doch angeben müssen, wie ich überhaupt in jenes Viertel kam und was ich dort eigenttich zu suchen hatte, und das— ja das wäre für mich äußerst fatal, kann ich Ihnen nur sogen. Ich bin Ihnen wirtlich zu größtem Dank« verpslichter und werde ewig Ihrer in Dankbarkeit gedenken." „Sie sind ein junger Enthusiast," sagt« der Unbekannte wohl- wollend und freundltch.„Ich habe in Ihren Iahren ähnlich emp- sunden. Uebngens: trösten Sie stch, Sie verschwenden Ihre Dank» barkeit an keinen Mörder." „Nein?" jagte Herbert aufatmend. «Nein, der Mörder jene» Mannes, den Sie in der Klostergass« fanden, bin ich nicht, trotzdem ich um den Mord einen Tag früher Bescheid wußte als Sie und er." Dem jungen Manne wurde immer unheimlicher zumute und infolge einer leichtverständlichen Nervenschwäche fühlte er sich so elend und hilflos wie ein Kind tm Dunkeln. Er blickte seinen nächt- lichen Retter scheu von der Seite an, konnte aber nichts wetter er- kennen als die stoppelige Unterpartic des Gesicht»: die obere war durch einen tief auf den Kopf gedrückten Schlapphut verschallet. Allmählich Netz erste» Morgendämmern die Sterne am Himmel verblassen. Herbert Steinmann murmelte leise: „Das sst alles so rätselhast unheimlich." Nun lachte der Fremd« leise, und es war in feinem Lachen wieder jenes Mitleid, das man Unmündigen gegenüber empfindet. „Ihnen will ich es erzählen." sagte er dann zu dem lauschenden jungen Manne,„denn Sie muß es interessieren. Und Sie werden mich nicht einmal anzeigen— obgleich ich davor wenig Furcht hätte— da Sie soviel Wert darauf legen, daß von Ihrem vufenthall in jenem Stadtviertel nicht» an die Oeffentlichkeit kommt.— D« Ermordete war der Kommerzlenrat Merenthin, der gerade vom Spiel» tlub kam und mindestens hunderttausend Mark bei sich haben mußte. Aber machen Sie doch nicht so ein jämmerliches Geficht. Sind Sie nicht im Krieg gewesen? Können Sie kein Blut sehen? Oh e« ist gewiß ein idealer Zustand, m dieser Hinsicht empfindlich zu sein und wie Goethe sagen zu können: für wen ist denn solch ein Gebot: du solP nicht töten? Wer wird denn auf st» eine« Gedanken kommen und wie kann man Kinder solch« Gebote lehren?— Aber da» Leben ist hart, junger Freund. Soll ich lieber schweigen?" „Nein, nein," rief Herbert leise, er war ganz Spannung. Und jener fuhr fort: „Wie gesagt, ich habe ihn nicht erstochen. Das hat mein Freund getan. Ich war dagegen, denn damit belastete er mein Komo. Darum ließ ich ihm auch den Raub gewissermaßen zur Entsühnung. Machen Sic nicht wieder so ein erstauntes Gesicht. Philosophie des Zuchthauses, weiter nichts. Wenigstens meine.— Ja. ich ließ dem Mörder das Vergnügen, weil mir vor dem grauenhaften Alt ekmte. Aber ich unterstützte ihn bei seinem Vorhaben nicht nur theoretisch. Allerdings, ich muß zugeben, hätte ich gewußt, daß er so radikal verfahren würde, vielleicht...— Also kurz, ich wartet«, in einem dunklen Haustor auf der anderen Straßenseite verborgen, bis die Lust rein war. da mein Freund seine Tot ohne Zwischenfall erledigt hatte und seinerseits— oielleichr, um mich zu prellen— ohne mich das Weite gesucht hatte. Gerade wollte tch mich in Sicherheil bringen, als ich Sie kommen sah. Sie beugten sich über den Sterben- den. man hätte auch annehmen können, Sie untersuchten seine Taschen. Ich wußte natürlich, daß Sie es nicht taten, denn, wer sowas macht, macht das denn doch vorsichtiger, weil er das Risiko kennt, wenn man bei einer Leiche gefunden wird. Ich ärgert« mich über Sie, denn Sie waren mir bei meiner Flucht im Wege. Mer als dann der Schutzmann kam, wurde mir die Sache interessant— au« zwei Gründen, von denen ich Ihnen nur den ersten nennen werde, nämlich die Lust am Schauspiel. Das sst ja da» einzige Erträglich? an diesem Leben, daß es gleichzeitig ein Theater ist." ______(Fortsetzung folgt.) Gesuadheilswarten. Einen Gesundheitsdienst, der nach der Art der Wetterwarten eingerichtet ist, hat der Direktor der Gesundheits« abteilung von Illinois Dr. Isaak Rawlings in» Leben gerufen. Noch einer Mitteilung der New Yorker„Times" hat er in den 44 wichtig. Pen Städten von Illinois„Gefundheitswarten" geschaffen, die seit Ansang Januar wöchentliche Berichte über das Land verbretten. Es werden regelmäßig die Zahl und die Verteilung der gemeldeten Fälle von ansteckenden Krankheiten auf Karten eingezeichnet, und auf Grund dieser Mitteilungen können die Gesundheitsbeamten Ge- fahren erkennen, die ihren Bezirken drohen und Abwehrmaßnahmen ergreifen.„Die Epidemien," sagt Dr. Rawlings,„sind für uns nicht mehr geheimnisvolle Ausbrüche von Krankheiten, sondern wir sind imstande, das Herannahen von Ansteckungsgefahren mtt derselben Eenauigkett voronszusogen, wie das Eintreten von Veränderungen der Wtttcrung. Wie ein Sturm oder Gewitter aus den Schwankun» gen des Barometers vorhergesehen werden kann, so ist der Weg einer Epidemie durch die Feststellung nicht isolierter Fälle und durch die Menge und den Verlaus der Krankheiten festgelegt. Auf der Grund- lag« der regelmäßigen Berichte, die von unseren Gesundheitswarten ausgegeben werden, sind die Behörden in der Lage, Vorsichts- und Schutzmaßnahmen gegen die Einschleppung oder Verbreitung der Ansteckung in den Bezirken zu veranlassen, die ihrer Obhut anver- traut sind." Die Bevölkerung Japans. Das Jnselreich Japan zähll heut« 58 736 764 Einwohner, wobei die Kolonien nicht einbegrisien sind. Da» bedeutet eine Bevölkerungszunahme von 3 700 000 Menschen innerhalb einer Zeit von 5 Iahren. Osaka ist heute die sechsgrößte Stadt der Welt mit 2114 800 Einwohnern. Tokio hat gleichfalls 2 000 000 Einwohner, Nagasaki 760000, Kiato 680 000 und Gaba 6SO0OO Einwobner. Diese auffallende Bevölkerungszunahme der japanischen Bevölkerung sst zu erklären aus dem uttverdorbcn-n Familienleben auf dem Land«, Stabilisierung öer Not! Die Schicksalsstunde der Arbeiterschaft. „Die schwarz« Schieksalsstimde des Arbeiters" nennen die neuen �ierteljahrshefte zur Konjunkturforschung die Periode der De- pression, während di« Krise die..schwarze Stunde des Unter- nehsiers" sei. Immer, heißt es da(S. 18), sei die Arbeitslosigkeit in der Depression dauernd Verhältnis- mäßig hoch, und zwar größer als in der Krise, die z u e r st Unternehmer trisst. Und so sehen wir auch jetzt, daß in. einer ge- wissen„Stabilisierung der Not", wie man sogen könnte, die Aahl der Arbeitslosen und der Kurzarbeiter nur verhältnismäßig wenig zurückgeht, und daß die Zahl der Vollbeschäjtig- t c n noch immer weit geringer ist als im November oder gar im Oktober, zur Zeit, als die neu erössneten Konkurse, der Geschäfts. aussichten und der Wechselproteste auf dem chöhepunkt stand. On der Tot ist es innerhalb des kapitalistischen Zyklus nur „n o t ü r l i ch", daß die Zahl der Arbeitslosen in der ersten Zeit der Depression immer weiter ansteigt und daß sie sich im Lause der- selben nach Erreichung des ijöchststandes nur ganz allmählich ver- mindert. Denn bei der ersten Krisenerschütternng brechen nur die s ch w ä ch st e n Unternehmungen zusammen. Ihre Arbeiter b l e i- den arbeitslos und je mehr Unternehmungen schließen müssen, um so mehr steigert sich die Zahl der Arbeits- losen. Sie kann sich nur nermmdern, insofern eine Uebernahme der Betriebe, eine Wiedereröffnung derselben eintritt. Aber als Gegenwirkung dauert während der ganzen Zeit der Depression die Umorganifation der Betrieb« an, die ihre Produktion einjchrän. ken oder durch Anwendung arbeitssparender Methoden rationalisieren. Das bedeutet immer wieder Arbeitslosigkeit, immer wieder— Hof- fentlich vorübergchendc— Ausschaltung von Angestellten und Arbeitern aus dem Produktionsprozeß. So bildet sich in der Depression ein„innerer Ring" von Produktion und Konsum heraus. Der Marktinechonismus tümmerl sich nicht darum, was aus den Unternehmungen und den Menschen wird, die außerhalb dieses Ringes, untätig, nichts produzierend, auch kein Recht auf Existenz haben. Eine gewisse„Stabilisierung" ist also erreicht, wenn man das überhaupt so nennen will, bei etwa 60 bis 7l> Proz. A u s- n ü tz u n g der Produktivkräfte. Der Kopitalismus glaubt sich ja schon als System gerechtfertigt, wenn die Moschine über- Haupt im Gange ist, wenn sie nicht, wie in der Krise, zu versagen droht. Und er hat das„ökonomische Gesetz" erfunden, nach dem das Brochliegen von menschlicher und mechanischer Produktiokroft und die periodische Vernichtung von Werten„natürlich" ist, woran nicht gerüttelt werden kann. Aber was ist dieses„Gesetz" anders als die Wiederkehr derselben Sinnwidrigkeit? So finden wir auch jetzt, daß die Bewegung der Arbeitslosigkeit und ihr Verharren nach bei sinkenden Preisen ähnlich verläuft wie in den Depresstoiisjahren 1001/03 und 1908/10. Aber ein wesentlicher Unterschied zeigt sich doch, nämlich ein quantitativer. Die Arbeitslosigkeit ist in der Periode 1908/10 verhältnismäßig rasch zurückgegangen und sie war auch nie so schwer wie in der gegenwärtigen Krise. Die Kurve der Preise war heftiger b e- w e g t als die des Befchäfligungsgrodes. Sie zeigte größere Aus- Ichläge, von den Durchschnittswerten her gesehen. Und die Arbeit»- losigkeit in der Depression nahm verhältnismäßig rasch ab. Die gegenwärtige Krise scheint aus dem Arbeitsmnrkl heftiger, zäher, dauernder zu sein. Es muß aber geradezu als Voraussetzung einer baldigen Ueberwindung der Krise gelten, daß di« Preise rascher sinken als die Massentauf kraft oder jedenfalls nicht weniger rasch. Das ist auch, wie wir aus den Schaubildern der oben erwähnten Publikation(S. LI) ersehen können, in den Depressionsperioden vor dem Kriege der Fall. Heute ist es umgekehrt: die Zahlen zum Kreislauf zeigen eine Senkung der konjunkturempfindlichen Warenpreis« von Beginn des Jahres 1925 bis zur Gegenwart um etwa 25 Proz., hingegen eine Senkung der Dollbefchäftiglen um 35 Proz. und mehr. Da gleichzeitig die Löhn« nur cheoretisch gleich geblieben sind, faktisch aber sich durchschnittlich reduziert haben dürsten, so eraibt sich die Hartnäckigkeit der Depression von selbst. Wenn die Masienkauf- krast rascher sinkt als die Preise, wie soll die Produktionsmenge wieder ansteigen? Im Gegenteil, sie muß die Tendenz zum Rück- gang zeigen. So muß man allen Prophezeiungen über den .Silberstreijen am Horizont" leider recht skeptisch gegenüber- stehen. Viele Umstände spielen hierbei mit. So zweifellos auch die Tatsache, daß die Zahl der Arbeitsuchenden gegenwärtig relativ größer ist als vor dem Kriege, weil viele klein« Rentner. grauen usw., welche ehedem keine Arbeit juchten, jetzt im Er- merbsleben stehen. Noch entscheidender aber dürfte sein das oftmals betonte Mißverhältnis zahlreicher Produktions. zweige und die daraus hervorgehende Tendenz zur Rotionalifie- rung. Denn diese Rationalisierung, der keine Preissentuno parallel geht, versteift doch natürlich die depressive Lage. Die neue Fabritorganisation wirkt wie eine neue Technik, nur mit dem Unter. schied, daß zum Teil keine neuen Produktionsmittel erzeugt werden müssen, um diese neue Technik einzuführen. E» werden also nur Arbeiter freigesetzt, hingegen kein« neuen Arbeiter in anderen Betrieben benötigt. Auch die Kartell- arganisarion mit der Einschnürung der Produktionsmenge wirkt m der gleichen Richtung und endlich auch das Interesse der großen und starken Betrieb«, die kleinen zu vernichten und au« dem Markt zu werfen. Ist doch jede Depresstonsperiod« für die führenden. Unternehmungen, wenn noch steie Konkurrenz vorhanden ist, nur scheinbar nachteilig. Natürlich sind ihre Gewinne in der De- pression geringer, aber die Vernichtung ihrer Konkurrenten eröffnet ihnen ja die Beherrschung des Marktes in der nachfolgenden Konjunktur- Periode. All dos wissen wir au» der Geschichte der Konjunkturen früherer Jahre. Aber diese Züge sind heute besonders verschärft. Nach einer anderen Richtung hin ist die Lage der Unternehmer sogar bereits günstig: die öffentliche Meinung zeigt heute dem Konjunkturverlauf gegenüber ein weitaus größeres In- t e r e s s e, und immerhin sind gewisse theoretische Argumente schon zum Gemeingut der Diskussion geworden. So das Argument der Rationalisicrimg als Ueberwindung der Krise. Während früher der Unternehmer inuner mit dem offenen oder versteckten Widerstand der Arbeiter und Angestellten zu kämpfen hatte, wenn er in Deprefsionszeiten seinen Betrieb durch Umorganifation verbeflern wollte und mußte, während auch die öffentliche Meinung sich gegen die Entlassungen stemmte, so hat heute das Schlagwort der Ratio- na Iis ie rung und Normung von Amerika aus seinen Siegeslauf durch die ganze Welt angetreten. Und auch die Gewerkschaften haben sich damit weitgehend identifiziert. Freilich haben sie das unter Voraussetzungen getan, welche die schädlichen Einwirkungen der Ralienalisierung sehr herabsetzen würden: sie hoben z. B. in ihrer letzten Denkschrift erklärt, daß jede Rationolisiening von einer Herabsetzung der Preise bzw. einer Lohnsteigerung begleitet werden soll, soweit die Preise nicht entsprechend dem geringeren Arbeitsaufwand herabgesetzt werden. Und sie haben den Standpunkt oertreten, daß die Rationalisierung nicht in erster Linie zur Vergrößerung der Gewinne dienen dürste. Das Ist auch volkswirtfchastlich richtig gesehen. Denn eine erzwungene Steigerung der Gewinne in Deprefsionszeiten muß nur zu einer Ueberproduktlon undzu? Verschärfung der Arbeitslosigkeit führen, während die richtige Mrt- schastspolitik trachten muß, durch Schonung und Steigerung der Massenkaufkrast die Produktion wieder aus den höchsten möglichen Umfang zu bringen. Aber leider: die Gewerkschaften begleiten den Prozeß der Krise mit ihrem Urteil, sie haben jedoch keine Entscheidung. Und sollte man von den Unternehmern die wirtschafiliche Vernunft erwarten, welche zunächst ein Handeln gegen ihr unmittelbares, momentanes Privatinteresse verlangen würde? Depresfionsperioden sind die beste Lehrzeit für di� Notwendigkeit gemcinwirtschastlicher Produktions- l>?h«rrschvng. So bereitet die Rationalisierung der indu- siriellen Produktion heute zwar eine günstige Marktlage für die Zu- kunft vor, aber auf dem Rücken der Arbeiter. Im Wesen verläuft der Wirtjchaftsprozcß so, wie er in einer Depression immer verlausen ist, nur ist die Arbeitslosigkeit heftiger und hart- näckiger, weil die Inflationskonjunktur länger und gewaltsamer war. Für den Theoretiker ist demnach alles klär. Aber die Massen der Arbeitslosen finden einen schmalen Trost darin, daß heute die Wiederherstellung des Gleichgewichts länger dauern müsse, weil die Konjunktur so lange währte. Ebenso deshalb ist es ein magerer Trost, weil ja die Kriegs- und Inslationskonjunktur den Arbeiter nur mit Scheingewinnen abspeiste, weil sie keine reale Steige- rung der Lebenshaltung, sondern nur scheinbare Erfolge brachte. Die solide Hochkonjunktur des„normalen Kapitalismus bringt dem Arbeiter wenigstens einen größeren Reallohn, wenngleich dieser nicht so rasch steigt wie die Gewinne, aber die Arbeltslosen zahlen heut? nicht für die bessere Cehen». Haltung einer realen Konjunktur, sondern sie müssen es büßen, daß sie den Schwindel der Znslotion, unter dem sie am meisten litten, so lange erlragen haben. Und dabei haben sie nur einen Trost: Geradezu unbeschreib» l i ch wäre das Elend dieser Depressionsperiode, wenn nicht die Gewerkschaften imstande wären, da» Lohnniveau zu halten, und wenn nicht die Millionen Arbeitsloser durch die Erwerbslosenfürsorge immerhin noch«ine gewiss« Kaufkraft erhielten. Dann wäre die Depression nicht die schwere Schicksalsstunde, sondern die T o d e s st u n d e der Arbeiterschaft, und die zeitgenössischen Schilderungen aus den Iahren nach den napoleo- nischen Kriegen geben etwa eine Vorstellung davon, wo» die«uro- päische Arbeiterschaft heute zu erdulden hätte ohne die Gewert. schaften und ohne die Stütze des Sozialismus. Prof. Emil Lederer, Heidelberg. proüuktisnsförüerung in üer Lanüwirtfchast. Wenn aus öffentlichen Mitteln der Landwirtschaft Kredite ge- geben werden, so ist es ein selbstverständliches Erfordernis und ein« Voraussetzung für diese Kredithergabe, daß die Kredite im Interesse der Allgemeinheit— oder anders ausgedrückt— im Interesse der Produktionsförderung der Landwirtschaft verwendet werden. Und es ist eine eben so selbstverständliche Forderung, daß über diese Verwendung der Kredite die Organe der Allgemeinheit eine Kontrolle haben müssen. Reichstagsabgeordneter Genosse Schmidt brachte das bei der ersten Tagung der deutschen Gutspächter, auf der diese Frage behandelt wurde, in der Diskussion zum Ausdruck. Er erklärte, daß die sozialdemokratisch« Fraktion des Reichstags dem zur Ztröditfrage vorliegenden Gesetz- eiäimirs, der die Einführung etner Mobtkiorhypokhe? sklr das PZchtev- inventar vorsieht, deswegen seine Zustimmung gegeben habe, well die Kredithergabe mit der Betriebsberatung und Be- triebskon trolle Hand in Hand geht. Die Tagung war von der Arbeitsgemeinichaft Deutscher Guts- Pächter veranstaltet worden, einer Zlrbeitsgemeinschast, zu der sich der Domänenpächterverband und der Reichsbund landwirtschaftlicher Pächter zusammengeschlossen haben. Das Hauptrefcrat der Tagung hielt das Vorstandsmitglied der Deutschen Domänenbank, Rechts- anwolt Klepper- Berlin über die F i n a n z k r i s e des Pocht- betriebes. Er wies darauf hin, daß dem Pachtbctrieb im Gegensatz zum Eigenbetrieb heute die Möglichkeit fehle, die kurzfristigen, hoch- verzinslichen Personalschulden in langfristige R e a l s ch u l d e n um« zuwandeln. Er könne infolgedessen nicht wie die Eigenbetriebe das ihm während der Inflation verloren gegangene Betriebskapital durch Kreditaufnahme ersetzen. Die bisherige Kredithergabe an die Landwirtschaft erfolgte völlig systemlos. Der Verwendungszweck wurde nicht kontrolliert. In der Verbindung von Kreditgeschäft und Letriebsbeeinflusfung, wie in dem jetzt dem Reichstag vorliegenden Gesetzentwurf vorgesehen sei, liege der erste Ansatz zu einer U m g e- sl a l t u n g des landwirtschaftlichen Kreditgeschäfts unter dem all- gemein volkswirtschaftlichen Gesichtspunkt der Produktionsfördcrung. Es fei ober notwendig, dieses Gesetz noch in dieser Session zu ver- abschieden, damit die Pächter nicht gezwungen werden, durch die im Herbst fällig werdenden Verbindlichkeiten die Ernte unsachgemäß zu verwerten.~ �■ In dem einleitenden Referat, in dem sich Geheimrat E beling mit dem Aufgabenkreis der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft befaßte, hotte er schon darauf hingewiesen, daß neben der Kredit- frage auch da» ganze Rechtsinstitut der Pacht einer Neuregelung unterzogen werden müsse, daß vor allem der P ä ch t e r s ch u tz durch Rechtsvorschristen des allgemeinen Rechts viel wirksamer gestaltet werden müsse, als dies bisher der Fall ist. Er wies dabei besonders auf die fortschrittliche Pachtgesetzgebung in den skandinavischen Ländern und England hin. In einer Resolution wurden die Ee- dankengönge. die sich mit der Produktionsförderung auf dem Wege der Kredsthergobe befaßten, unterstrichen. Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 9. Juni berechnete Großhandelsindex- ziffer des Statistischen Reichsomts ist gegenüber dem 2. Juni bei im einzelnen nur geringen Preisschwankungen mit 123,7 unver- ändert geblieben. Die Agrarerzeugnisse liegen wieder aus 123V und die Industriestoffe auf 123,8. Verringerung der Zinsspanne— aber kein Abbau der Pro- Visionen. Die der Berliner Stempeloereinigung angehörenden Groß- danken haben den Beschluß gefaßt, trotz der Distontermäßigung um ein halbes Prozent weiter die gleichen Zinsen auf E'n- lagen zu gewähren wie bisher. Gezahlt werden demnach 3 Proz. für prooisionsfreie Konten mit täglicher Fälligkeit, 3>4 Proz. für provisionspflichtige Konten derselben Art und 5 Proz. für Ein» lagen mit lltägiger bis monatlicher Kündigung. Die hohe Spanne zwischen Kredit- und Debetzinsen ist damit um>- Proz. ver» r i n g e r t, was im Interesse der Gesundung des deutschen Kredit- wesen» zu begrüßen ist. Unverändert aber bleiben die noch immer recht hohen Provisionen, die den Kreditoerkehr nach wir vor auf das schwerste belasten. Die Lage de, deutschen Sohlenmarktes hat sich im Monat Mai wesentlich gebessert. Das rheinisch-westfälifche Kohlensyndikat konnte in diesem Monat 2588 000 Tonnen Kohle, 914000 Tonnen mehr als im April absetzen und die Haldenbestände um 500 000 Tonnen verringern. Die Absatzsteigerung entfällt Haupt- fächlich auf den Auslandsmarkt. Dos ist ossenbar eine Folge des Ausbleibens englischer Kohlenlieferungen für den Weltmarkt. Es ist außerordentlich bezeichnend, daß dabei nach dem Bericht de, Syndikats direkte Ablchlüsse mit England nicht erfolgt sind. Die Steigerung des Auslandsabsatzes erstreckt sich vielmehr auf olle in Frage kommenden Länder: insbesondere werden große Kohlen- mengen nach Holland verschifft. Die Gewinne der Verthold-Blefjinqlinicnsobrik und Schrisl- gießerei«. G. Die Gesellschaft klagt besonders gern über die Hohe der Löhn«. Im letzten Jahr hat sie es sogar zu einem mehr» monatigen Streik kommen lassen. Sie sagt in ihrem Geschäfts« bertcht mich, daß der Geschäftsgang unter der Krise gelitten habe und die Lohn- und Gehaltserhöhungen nicht durch Preisausschläge hereinzubringen gewesen wären. Im vorigen Jahr hat die Gesell-hast, die seit 1918 eine starke Ausdehnungspolitik b-tneben hat. sie heute noch fortsetzt und bereits einen großen Teil der Branche beherrscht, eine Dividende von 15 Proz. verteilt. Im Jahre 1925 waren die Geschäfte sicher nicht schlechter, eher besier. Der Fabrikationsgewinn ist nämlich von 1,47 auf 1,74 Millionen erhöht. Wenn der Reingewinn in diesem Jahr etwas niedriger ausgewiesen wird(496 000 gegen 550 000 M.). so nur deshalb, weil die' Gefellschaft grundsätzlich alle Neuzugänge an Maschinen. Stempeln. Matrizen, Werkzeugen und Mobilien alljährsich aus dem Fabrikationsgewinn wieder abschreibt So sind die Ab schrei- b u n g« n diesmal mehr als um 50 Proz. erhöht, von 405 000 auf 621000 M., der ausgewiesene Reingewinn aber nur um etwa ein Zehntel gesenkt. Das Kapital wurde zum Erwerb der A.-G. für Schriftgießerei und Maschinenbau in Osfenbach um 1 Million erhöht. Wenn in diesem Jahr die gewiß sehr anständige Dividende von 10 Proz. verteilt wird, so bedeutet dos (Offenbach verteilt keine Dividende) auf das nicht erhöhte Kapital von 3,2 Millionen noch einen Dioidendengewinn von über 13 Proz. Anlaß zu klagen besteht infolgedessen absolut nicht, und am aller- wenigsten über die Löhne und Gehälter der Belegschaft. Im Gegen- teil, die Belegschaft wird sich auch den diesmaligen guten Abschluß zu merken haben. Reklame-NVochl© bte Qonnerekaq, cten T7. JUnl. fQr Pfalz- u n Kornkaffee AHorfoino»© QuaMlAf Pfund 48 Pf-/ Modifelno QualUAk Pfund 38 Pt/ Telna QuallrAr Pfund 30 Pt Pfiscfaungen mf ca. 15 0/o Bohnen-Kaffee Pfund 92 Pt* mft ca. 25 0/o Bohnen-Kaffee Pfund ta36 Mark Wer 1 Pfund kaufr, erhall" 17» Pfund Wer 2 Pfund kaufr, erhälf 3 Pfund Wer 4 Pfund kauft, erhalt 6 Pfund Kaffee Groö-Rösrerei Mälzerei m? Qeechäfia