flbenöausgabe Nr. 271 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 133 CtlugtBeliiRSungen und«RWistaotttf« finb in btz Morgenausgabe angegeben neboftion: STD. 66, Ctnbcnftcatjc 3 Zernsprecher: vüuhoff 292— 267 I«I..«dress«:S»zIaIde«okra! Verl,» Devlinev Volksblatt (�10 Pfennig) Freitag 11. Juni 192H Verla, und&njct,- nung zu mündlichem Bortrag." Die Abordnung wurde nicht empfangen. Statt dessen erfolgte noch an demselbenTage— einen Tag nach der Annahme durch den Reichstag— die Vcrkündung der Gesetze durch den Reichspräsidenten. Wir haben damals keine Vorwürfe gegen Hindenburg erhoben, weil wir keinen selbstherrlichen Diktator an der Spitze der deutschen Re- publik wünschen. Aber wir fragen uns heute: Wie kommt es. daß das G c- wissen des Reichspräsidenten ihn drängt, für die F ü r st e n in die Bresche zu treten, nachdem es sich gegen die Enteignung der Sparer nicht sträubte, und wir ver» stehen es, daß in den letzten Monaten in zahlreichen Sparer- Versammlungen im ganzen Reich durch Entschließungen der Entrüstung darüber Ausdruck gegeben wurde, daß„diejenigen Parteien, die in der Frage der Fürstenabfindung die Heiligkeit des Eigentums und die erhabenen sitt- iichcn Grundsätze der göttlichen Gebote preisen, kein Bedenken trugen, die gleichen Grundsätze gegenüber den Sparern rück» sichtslos mit Füßen zu treten". Katholische �ugenö für volksentscheiü. Gegen die Kundgebung der Bischöfe. Der Reichs ausschuß der katholischenIugend zum Schutze des siebenten Gebotes gegen die Fürsten er- läßt einen Aufruf, in dem Stellung genommen wird zu der Kundgebung der Bischöfe: „Bei aller Ehrfurcht vor der uns Katholiken gesetzten Autorität der Bischöfe, heißt es, glauben die unterzeichneten Kreise und Der» treter des katholischen Boltes, dieser Kundgebung aus G e» wissensgrllndcn nicht entsprechen zu können. Zur Erläuterung dafür, wie diese Kundgebung, die nicht den Charakter eines religiös und kirchlich findenden Hirtcnschreibcn» trägt, zu verstehen ist, diene die Antwort des hochwürdigen Bischofs von Regensburg:„Bei allen Handlungen kommt es auf den Ge- Wissensstandpunkt an. Das Urteil aber steht bei Gott." Die Schuld an den bei der bischöflichen Kundgebung angedeuteten Folgen tragen die gesetzgebenden Faktoren, die nicht willens oder fähig gewesen sind, die Fürstenabfindungsfrage in einer im Sinne des siebenten Gebots und der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes lie» genden Weise zu lösen.... Die ungeheuere materielle und sittliche Rot der breiten unterdrückten Massen unseres Volkes zwingt uns im Ge» wissen, ungeheure, durch die Arbeit des Volkes geschaffene Werte jenen wieder zu nehmen, die sich ihrer durch Krieg und Ge- malt bemächtigt haben, und die nicht die sittliche und re- ligiöse Kraft nach dem Zusainmenbruch aufbrachten, sich dieser nach Naturrecht und christliche» Sittengesetz unrechtmäßig angeeig- neten Werte in einer Zeit höchster Voltsnot freiwillig zu entäußern. Aus diesen grundsätzlichen, unserer Gewissensnot ent- springenden Erwägungen heraus werden wir beim Volksent- scheid ni i t Ja st i m m e n." Kundgebungen wie die vorliegende lassen erkennen, daß man es auch in weiten Kreisen des Katholizismus als sitt» l i ch e Pflicht betrachtet, sich am 20. Juni beim Volks- entscheid in positivem Sinne zu betätigen. Das ist um so bemerkenswerter, als Zentrumspartei und katholische Kirche alles daransetzen, um ihre Anhänger davon abzuhalten, dem Entscheid ihre Stimme zu geben. Und eine Bewegung, die derartige Kräfte auslöst, sollte„gegen Moral und Recht" sein? Das Volk denkt anders! Ilugblätter in der Kirche. Mit Entrüstung überbringen uns katholische Kirchenbesuchen Flugblätter der demschnationalen Propa- gandozentrale, die während des Gottesdienste» im Vor- räum der Kirchen oerteilt werden. Diese Flugblätter richten sich an die Katholiken, die aufgefordert werden, dem„bolschewistischen Volksentscheid" kein« katholische Stimme zu widmen. >,. Da in dem Zettel auch davon die Rede ist, daß nach der Ent» . eignung der Fürsten die.„Enteignung der Kirchen und Klöster" folge, so erregt diese deutschnationale Heuchelei bei den katholischen Kirchenbesuchern begreiflicherweise besondere Entrüstung, denn auch der einfachste Sinn unter den Katholiken hat noch nicht vergessen, daß die Kirchen und Klöster von den Fürsten in Deutschland enteignet und zu ihrem Privateigen- t u m gemacht worden sind. Ebensowenig ist vergesien, daß die Deutschnationalen und Deutsche Volksparteiler, die jetzt die Propa» ganda für Fürstenbssitz gegen das Volk treiben, die gleichen Parteien find, die bis aus den heutigen Tag den Katholiken die Gleichberechtigung In Deutschland verwehren, 3m Märchenlanöe. Don Emil Rath. Die Mittagssonne bahnt sich brennend ihren Weg durch die grauen Scheiben des Straßenbahnwagens: ihre Hitze macht mich schläfrig. Ich lehne mich blinzelnd in die Ecke, da sehe ich neben mir zwei ärmlich gekleidete Mädchen sitzen, die in ihr« Schulhefte vertieft sind. Das gibt mir einen Ruck. Beide sind eistig bemüht, mit einem Lineal zwei Seiten ihre» Heftes durch senkrechte und woge» rechte Striche zu zulegen. Die Straßenbahn holpert über ausgefahrene Geleise, und einig« der Striche werden krumm und knickebeinig. Aber so genau nehmen es die Mädchen von heute wohl nicht mit dem geraden Weg— Und schon malen die kleinen Finger zwischen die frisch gezogenen Linien Worte und Zahlen. Ich schiebe meinen Kopf ein wenig näher, die Art der Schulausgabe zu ergründen: Sie müsien lernen,«in Haus» haltbuch zu führen! Mein Blick fliegt über die Spalte„Ausgaben". Do steht,»in wenig ungelenk: 24. Mai: 1 Psund Butter. 6 Eier. 5 Pfund Kar» löffeln, 2 Psund Zucker. 2 Pfund Fleisch, 1 Pfund Aufschnitt, 2 Liter Milch. 16 Schrippen... 9,05 M. Am 25. Mai: 3 Zentner Kohlen. 12 Schrippen. 1 Psund Butter, 1 Liter Essig, 2 Pakete Pudding... 7,40 M. Ach. alle die Zahlen daneben addieren sich zu großen, großen Summen. Und rechts steht protzig das Wort Einnahmen und darunter: Wirtschaftsgeld für die Woche vom 2il. bis 29. Mai 52 M. Purpurn färbte Eifer die Wangen der beiden kleinen schreiben» den Mädchen. Ihre Augen glänzen, die haare fallen ihnen wider. spenstig in die Stirne. Schschsch! Nicht stören! Sie wandern beide in einem Märchen. lande, das sie, wenn sie nicht mehr Kinder sind, wohl ni« mehr be» treten werden. Nur still. Bald, allzubald wird der schöne Zauber weichen. vle kämpfe im Sühnenvereln. Das Berliner Theaterleben ist in den letzten Tagen außer- ordentlich beunruhigt worden. Der Intendant des Staatstheater,. Leopold I e ß n e r. der Vorsitzende des Verbandes Berliner Theater- leiler. hat seine Entlassung gegeben. Da der Verband Berliner Theaterleiter nur eine Untergruppe jenes deutschen Bühnenvereins ist, in dem sämtliche Direktoren der deutschen Prioattheater und auch die Leiter der Staatstheater und gemeinnützigen Bühnen vereint sind, wurde die innere Existenz durch den Rücktritt Ießner» sehr stark erschüttert. Gleichzeitig teilten die Direktoren Max Reinhardt, Victor Barnowsky und Eugen Robert, die sich in der bekannten Intcrestcngemeinschast verbündet hatten, mit, daß sie aus dem Deut- scheu Bühuenoerein austreten wollen. Dieser Entschluß der ver» kündeten Trustdirekloren hat viel Staub aufgewirbelt. Besonder» auch dl» am Theater sozial Intertsslerten Kreis« fürchteten mit Recht. daß die bindenden und absolut notwendigen arbeitsrechtlichen Be- wie sie noch bis vor wenigen Iahren das Bismarksche Jesuiten» g e s e tz aufrecht erhalten haben. Die katholischen Kirchenbesucher wenden sich in ihrer Entrüstung mit den Flugblättern an den„Vorwärts", da den Zentrumsblättern durch ihr« Parteileitung Schwelgegebot auferlegt worden ist. Die Wirkung der Propaganda in den Kirchen ist also gerade die gegenteilig« von der, die ihre Veranstalter erwartet haben. Und wenn das Zentrum sich jetzt auf die Seit« der Fürsten stellt, so wird es selbst bei den nächsten Wahlen schon die Folgen feiner Haltung zu spüren bekommen. 5laß wirü offenherzig. Er fordert zum Bürgerkrieg auf. Der Verlauf der gestrigen Reichstagssitzung hat den Herren von rechts begreiflicherweise nicht gefallen. Das kommt in der ganzen Rechtspresse zum Ausdruck, aber nirgends so deutlich wie in der„Deutschen Zeitung", dem Organ des Herrn Claß. Dieses Blatt überschlägt sich in kreischenden Beschimpfungen des Reichstags und des Land- tags und redet mit brutaler Deutlichkeit die Sprache der Gewalt. „Souveränität des Pöbels. 1 Leutnant und 10 Mann: was den deutschen Parlamenten fehlt" lautet die Ueberschrift. Darunter wird u. a. ausgeführt: Erwähnt sei auch in diesem Zusammenhang der Widersinn, daß zwei Parteien der„Koalition" in ihren jämmerlichen Er- klürungen die moskowiiischen Manöver unterstrichen und gegen ihr eigene» Kabinett zu Feld« zogen. Di« Vorgänge beweisen nur auf» neue, daß sich die deutschen Parlamente auf Kosten de» hungernden Volkes mehr und mehr zu Sammelbecken von staatlich organisiertem politischen Piratentum übelster Art entwickeln. So sehr die offene Sprache der„Volksvertreter" dem deutschen Namen von neuem Spott und Verachtung bringen mag.— sie kann nur da» Erwachen des deutschen Micheltum» beschleunigen. Sie kann die Kampsfront der Entschlossenen nur stärken, die sich seit Jahren durch bittere Erfahrung darüber klar sind, daß die Kanaille nur die Peiljche bändigt und daß der Herr gewordene Knecht da» Messen mit dem eigenen Maßstab nur al» Schwäche wertet. Spreche» wir nicht von denen, die in Bünden, Parteien und Presse die organisierte Feigheit des Bürgertums vertreten. Sie bilden zwar, äußerlich gesehen, das Gros der Minderwertigkeit lind täuschen den schwache» Anbetern der Masse Macht vor. Bei Auseinander- sehungen, die Opfer fordern, scheiden sie erfahrungsgemäß aus. Be- halten wir einerseits um so schärfer jene im Auge, die die I ü h- r u n g der verhegten Massen übernommen haben, und anderseits die unbelehrbaren Entschlossenen, die ihre Ziele nur im offenen Kamps und Sieg über die wehrhaste Mannschaft de« erwachenden Deutsch- lond» erringen würden. Wer offenen Auges dem Lauf der Dinge folgt, erkennt von Tag zu Tag von neuem, daß der Auseinandersetzung nicht mehr auszuweichen ist. Der Stärkere behält das Feld der Zukunft. Als die Polizei vor ein paar Wochen bei diesen Burschen haussuchte, gaben sie sich als die harmlosesten Lämmer und weinten öffentlich über ungerechte Perfolgung. Jetzt reden sie ganz offen die Sprache des Bürgerkriegs. Aber wenn am Montag die Hunderttausende zur De- monstration, am 20. Juni die Millionen zum Volksentscheid ausmarschieren, dann werden diese frechen Maulaufreißer wieder ganz kleinlaut werden. Abänderung des Republikschutzgesetzes. Zur Unabhängigkeit der Richter. Der Rechtsausschuß des Reichstages beriet heute die Frage der Aushebung oder Abänderung des Republikschutzgesetzes. Dabei stellte sich heraus, daß für die völlige Aufhebung des Ge- setze» nur Kommunisten. Deutschnational« und Völkische waren. Diese Stellungnahme der Kommunisten ist umso merkwürdiger, als die Folge einer Aufhebung des ganzen Gesetze» die wäre, daß die Regierung damit da» letzte Recht verlieren würde, früheren Landes- ftimmungen, die zwischen Direktoren und Schauspielern bisher gültig waren, sabotiert werden sollten. Die vom Bübnenoerein absprin» genden Direktoren teilten serner mit. daß Ihr» Unternshmungen die hohe Lustbarkeitssteuer nicht mehr tragen könnten, und e» soll ihnen nun auch bewilligt werden, daß sie künstig nur 3 Prozent ihrer Ein- nahmen als kommunale Steuer zu zahlen haben. Dieser Erfolg, der nicht zum letzten dem bisherigen Vorsitzenden Ießner al» Verdienst zuzurechnen ist, scheint auch die organisations- müden Trustdirektoren ein wenig getröstet zu haben. Es sieht so au», al» wenn nach dem Lärm, der während der letzten Tage tobte, der Arbeitssrieden wieder kommen soll, al» wenn die vom Bühnenoerein wegspringenden Theaterleietr die Absicht hegen, ihren in der Hitze der Sorge und der Polemik gefaßten Bescyluß rückgängig zu machen. Wie dem auch sei, die Ereignisse der letzten Tage beweisen, daß es In allen Berliner Theaterdirektionen bedenklich kriselt. Die Direk- toren wissen noch nicht au» noch ein, wie sie sür die Zukunst die Saison gestalten sollen. Sie beneiden die staatlichen und städtischen Theater, die mit öffentlichen Zuschüssen arbeiten können und von keiner Abgabenlast betroffen sind. Sie rufen die Oesfentlichkeit aus, damit die Gefahr, die den Privattbeatern immer näher rückt, deutlich gemacht und den Kunstfreunden eindringlichst vorgestellt wird. Bis- her sind die am schwersten Leidtragenden innerhalb dieser Theater- Misere die wirtschaftlich schwächsten Elemente innerhalb jedes Theaterbetriebes: die Schauspieler. Obwohl die Notwendigkeit eines Ensembles von den Theaterleitern immer wieder mit vielen und lauten Idealphrasen betont wird, sind die Arbeitgeber doch sehr sparsam in der Gewährung fester Verträge. Die Arbeitslosigkeit und Unsicherheit wächst unter den Schauspielern ständig. Einige haben für di» kommend« Saison Kontratte eingehen können, doch im allge- meinen wird darüber geklagt, daß di« neue Devise eine ungeheure Gagendrückerei bedeutet. Au» alledem ergibt sich, daß bei Theater- direttoren und Bühnenkünstlern heut« noch immer eine starke Mut- losigteit und Verstimmung herrscht. Wieder ein englische» Lustspiel. Der Engländer Noel C o w a r d hat ein« hübsch« Lustspieltechnit heraus. Das wissen wir seit seinen,„Weekend". Man merkt es auch an dem anspruchslosen Lustspielchen„G e i a l l e n e Engel", mit dem gestern die� Eommerdirektion de-„Theaters in der Königgräfte r Straße" den Zuschauern ein paar gemütlich- amülante Stunden verschasste. In den„Gefallenen Engeln" sängt es ganz herkömmlich an. Gepflegt bürgerliches Milieu, ein bißchen blasiert und ein bißchen spießig, ein kleiner Ehezwist,»«dehnt vorgetragen Die Langeweile droht heranzuschleichen. Und dann wird e» ganz sachl» spannend, obwohl an sich gar nicht» Aufregendes vor, geht. Zwei junge Ehefrauen haben vor sieben Jahren einen Lieb- Haber gehabt, und der tritt plötzlich aus den Plan. Da» heißt, vor- läusig erwarten sie ihn nur, erlebnislustig und sieberhast erregt. Vom ersten Akt an hassen sie ihn endlich einmal zu sehen, aber er kommt erst im dritten, als die Ervartuna bei allen Beteiligten in Spannung umgeschlagen ist. Eowards Knnst besteht darin, diese Spannung allmählich auch auf den Zuschauer überspringen zu lasse». Natürlich entstehen au» der überrelzien Stimmung lauter Konflikte: zwischen den beiden Ehefrauen, die fich In die Haare geraten, dann mit ihren beiden Ehemännern. Die Ehen drohen auseinander fürsten gegenüber Aufenthaltsbeschränkungen oder Landesverwei« sungen anzuordnen. Genosse Rosenfeld regte an, wenigstens die Be- ftimmungen aufzuheben, auf Grund deren der Staatsgerichtshof oft sogar gegen seinen Wunsch genötigt wäre, Zucht- hausurteile zu verhängen. Ein solcher Antrag der sozialdemokratischen Fraktion wurde mit 11 gegen 10 Stimmen angenommen� Im Laufe der Beratungen hatte der Kommunist Rosenberg darauf hingewiesen, daß die Hochverratssachen nach Aufhebung des Staatsgerichtshof von einem Senate des� Reichsgerichts abgeurteilt würden, dessen Präsident N i e d n e r sei. Und er hatte deshalb scharfe Kritik an der Reichsregierung geübt. Staatssekretär Joel verteidigte diese, indem er daraus hinwies, daß die Unabhängigkeit der Gericht««inen Eingriff in die Geschästsoerteilung nicht zuließen. Genosse R o s e n f e l d schilderte auf Grund seiner Erfahrungen als Iustizminister, wie damals Staatssekretär Mügel, gestützt auf die Praxi» früherer Minister, durch ein einfaches Telephon- gespräch die Versetzung der zu scharfen Richter herbeigeführt habe. Staatssekretär Joel glaubte, Herrn Mügel in Schutz nehmen und die Darstellung de» Genossen Rosenfeld bestreiten zu sollen, worauf ihm dieser erwiderte, daß er diese Vorgänge erst kürzlich vor einer großen Iuristenversammlung vorgetragen habe, an der auch Mügel teilgenommen habe, ohne daß dieser aber Wider- spruch erhoben hätte. Dieser Vorfall aus dem November ISIS zeigt nur, daß schon in der Zeit der Monarchie eine wirkliche Unabhängigkeit der Richter g a r n i ch t existierte. der Umbau der berliner Oper. Einigung im Hauptausschusi des Landtage?. Der Hauptausschuß de» Landtags nahm am Freitag zu der vielumstrittenen Frage des Umbaues der Berliner Staatsoper Stellung. Es log ein Z e n t r u m s a n t r a g vor, der darauf hin- weist, daß der Umbau in allen künstlerischen Kreisen imnier stärkere Bedenken errege. Der Antrag fordert vom Etoatsministertum, die weitere Fortsetzung des Umbaue» zweck» neuer Beratung sofort einzustellen. Die Debatte zeigte, daß fast keine Partei etwas von einer Ein- stellung der Arbeiten wissen will. Abg. König(Soz.) verlangte mit Entschiedenheit die Fortführung der Arbeiten und betonte, daß bei einer nockmaligen Nachprüfung kaum viel herauskommen werde. Abg. Schwering(Ztr.) machte den Vorschlag, die kleine Straße öst» (Ich des Opernhause» und das Prinzessinnenpalais zu beseitigen. Demgegenüber bemerkte der Vertreter de» Jnnenmini- st« r i u m«, daß die Beseitigung der kleinen Straße au» Verkehrs- rückstchten nicht durchgesührt werden könne. Von demokroti» scher Seite wurde betont, daß die Berliner Stadtverordneten- Versammlung niemals ihre Zustimmung zur Kassierung der kleinen Straße geben würde. Auch der F i n a n z m i n i st e r forderte, daß die begonnenen Arbeiten unter allen Umständen fortgeführt werden So kam s-yließlich der?lusschuß zur Annahme eine» An- trage», der du« Staatsministerium ersucht, bei weiterer Fort- setzung nur der notwendigsten Umbauarbeiten im Lc- nehmen mit dem Hauptausschuß da» Opernh au»Projekt u.-l»r Hinzuziehung namhafter Sachverständiger und Künstler einer Nach- prufung zu unterziehen und bi» zum 1. Juli eine möglichst einwandfrei« Lösung de» Gesamtumbaus herbeizuführen. Der Finanzminister stellte in Aussicht, evtl. den Seitenbau nicht um 6, sondern nur um 3 Meter erweitern zu lassen, was ein neues Entgegenkommen an die Wünsche des Zentrum» bedeutet. Da der ministerielle Entwurf auch die Beseitigung aus dem Platz zwischen Staotsoper und Hedwigskirche sowie die Vorrückung de» auf dem Platz befindlichen Denkmals vorsieht, kann von einer Verdeckung der Hedwigskirch« kaum mehr gesprochen werden. Es ist daher damit zu rechnen, daß der ministeriell« Entwurf für den Opernhausumbau mit einigen kleinen Aenderungen durchgeführt wird. Zu Korea, da« die Japaner beherrschen, wurde der letzte Kaiser beerdigt. Die riesige Beteiligung des Volkes daran war wohl ein« Demonstration für die staatliche Unabhängigkeit. Man meldet, daß etwa 40 Studenten versuchten, mit großem Geschrei aufhetzende Flugblätter zu verteilen. Dl« Studenten wurden verhaftet, die Menge stieß aber Schrei« au», wa» die Verwirrung ve« mehrte. Volkxatscheid in Australien. Das australische Parlament hat mit 26 gegen 2 Stimmen Verfassung» änderungen auf dem Wege des Volksentscheids für zulässig erklärt. zu platzen. Als der Liebhaber eintritt, balbiert er die Ehemänner tüchtig über den Löffel, und der Vorhang fällt in dem Auaenblick. wo sie(zu spät) merken, daß sie die Eingeseiften sind. Der Dialog perlt lustig und munter dahin. Die nttteste Ueberraschung de» Abends bildete aber Carola N e h e r(Klabunds Frau), die den einen der beide» gefallenen Engel spielte. Sie blickt ganz ver- wundert in die Welt und schnattert die aufgeregtesten Dinge mit ruhigem Tonfall daher. Die Selbstverständlichkeit ihre» Spiel» hat den Reiz der Anmut und Natürlichkeit. Einen neuen Typ von Dienstmädchen stellte Luise M o r l a n d aus die Beine. Aus ihrer kleinen Rolle holt sie mit einem himmelnden Blick oder mit gewollt ungroziöser Haltung höchst spaßige Wirkungen heraus, ohne die Tölpelhaftigkeit ihres Wesens zu unterstreichen. Dgr. Kommervergnügungen im Theater. Der fehlende Sonuner kännte den Theatern Vergnügen bereiten, aber leider geben sie sich keine große Mühe, dem Publikum den Sommer.zu ersetzen. Im „Theater in der K l o st erst ra h e" ist die auteingesüblte „Spanische Fliege" berufen, mit Ihren derben Schwangwirkun- gen dos Mißvergnügen dieser Regenzeit durch Lachen vergessen zu machen. Aber wa, hat dos„T r i a n o n> T h e a t e r" für Absichten mit uns vor? Da» angestammt« Haus der Frivolitäten und Klaßneriaden bleibt seiner Tradition nur noch im Titel seiner Neu- beit treu. Aber der„Kampf In der Brautnacht" ist nur ein Aus- Hängeschild, hinter der ein sehr umständliches, schlecht gemachtes, welnerleiches Debattierstück über die Homosexualität verborgen ist. Ein Arzt, der keiner Ist, oersucht darum einen unglücklich ver- heirateten Honiosexuellen zu„heilen". Aber dleNatur heilt besser: di« junge grau schlag, sich zu seinem normalen Freund«, und der Pl-udo. «bemann erschießt sich. Magnus Hirschseld wird dem Verfasser lllrich Wendt für seine neue Theorie der Homosexualität donkbar sein: sie entsteht durch die verschiedenen Wünsche der Eltern in der Braut- nacht. Sie wollte einen Jungen und er ein Mädchen, und so entstand der Mischling. Die Schaulpieler bemühten sich vergebens, dieser Aorstadtafsäre Leben einzuhauchen. Das zweite Stückchen, eine Groteskverulkung eine« Unterluchungsrichters(„Der Seusalio»»- Prozeß"), hatte mehr Farbe und Blut, wenn sie auch� literarisch nicht zu werten ist. Paula Klär gab darin ein kesse» Straßcumädchcii. — r Schutz den Eskimos! Umfassende Schutzmaßnahmen zur Er- Haltung der kanadischen Eskimo» fordert Kapitän Henry Toke Munn, der nach einem zehnsiihrigen Aufenthalt in der Arktis jetzt nach Montreal zurückgekehrt ist. Er erklärt, daß die Eskimos de» tanadi- schen Polargebiete» den, völligen Ilnfergang geweiht seien, wenn nicht Schuxgebieie für sie errichtet würden. Während z. B. die Eskimobevölkerung des Mackenzieflußdeltas 1896 noch 2000 Seelen betrug, sind es heul« nur noch 200. Baffinsland hatte 1870 noch 5000 Eskimo», jetzt nur»och 1800. Munn befürwortet die Schutz. maßnahmen aueb deswegen, weil die Eskimos oas einzig« Volt sind, das imstande wäre, die geplante wirtschaftliche Ausbeutung der Renntier« durchzuführen. t,a«plmalin».wed««- al» 5,1«. Eine b,r großen deussche» Filmgesell- Ichasten tmarb soeben die BeliilwunaSricht« für G«rb->rt Hauptmanns fariale» Drama„Die Weber'. Es beifit. batz bt« Art der ltzegieführunz pch in der Litn« de» Potemkin-ZiUnes bewegen wird. Mherexploston in Schöneberg. Ei« Arbeiter getötet, mehrere Personen verletzt. Ein schweres E x p l o si o n» u n g l ti L ereignete sich heule mittag in Schöneberg in der Lessemer Straße 17. Aus bisher noch ungeNärlen Ursachen explodierte ein g r o h e r A e« h e r b e h ö l« e r. hierbei wurde ein Arbeiter, dessen Personalien noch nicht sest- stehen, getötet und weitere Personen schwer verletzt. Die Feuerwehr erschien kur, nach Bekanntwerden de» Unglücks und nahm die ersten RetWngsmaßnahmen vor. Der Raum, in den, die Erxploflon slattsand, geriet in Brand, vi« Feuerwehr muhte aus zwei Rohren Wasser geben. Bei Redaktionsschluß dauert das Feuer noch an. die Rotsmächte zum Rusfcheiüen örajlliens. Gens, 11. Iunt.(WTB.) Nach dem Gedankenaustausch über die spanische Erklärung, die allgemein als eine vorläufige bezeichnet wurde, wurde der Bericht de» japanischen Ratsmitglie» des über die Vorschläge der Studienkommission für die Ratsreform genehmigt. Der Bericht läuft aus die Feststellung hinaus, daß die Vorschläge.von höchstem Interesse" seien(oermeidet also eine Festlegung des Rates. Die Red.). Mello Franca ent- hielt sich der Stimme. Scialoja betonte vor der Abstimmung, daß Italien mit der Erhöhung der Zahl der nichtständigen Rots- Mitglieder auf neun unter der Voraussetzung einverstanden sei, daß die Gesamtzahl der Ratsmitglteder von hoch- st e n» 14 auch dann nicht überschritten werden darf, wenn nach- träglich noch neue ständige Ratesitze geschaffen werden sollten. Bei der Schaffung jedes späteren ständigen Ratssitze, müßte vielmehr die Zahl der nichtständigen Ratsmitglieder um einen Sitz verringert werden. Er begründet« dies« Einschränkungen mit dem Hinweis auf die E i n st i m m i g k e i t s klausel und aus die Notwendigkeit, den Rat arbeite fähig zu erhalten. Der Rat verzichtete darauf, sich über da» Datum der zweiten Tagung der Studienkommission auszusprechen, und überläßt e» dem Prä- f i d e n t e n de» Völkerbundsrates, die auf den 2Z. Juni angesetzt« Tagung im Einvernehmen mit dem Präsidenten der Studien- kommission gegebenenfalls zu verschieben. Dann folgte Brasilien» Erklärung über seinen Verzicht aus seinen nichtständigen Ratesitz. Der Präsident G u o n i- Uruguay nahm darauf da» Wort, um seinem tiefen Bedauern über diese Mit- tcilung der brasilianischen Regierung Ausdruck zu geben. Er be- tonte, daß sein Land grundsätzlich gegen die Ankerscheidung in ständige und ntchiständige Ratsmitglieder fei und für die absolute Gleichheit aller Völker. bundsstaaten eintrete. Brasilien und Uruguay, die beide«In« gerechte Vertretung der südamerikanischen Staaten im Völterbundsrat erstrebten, hätten. so führte Guani au», dabei verschieden« Wege eingeschlagen. Wäre die Frag« zur Erörterung gestellt, ob für Südamerika ein ständiger Rotssitz geschaffen werden soll, so würde die Regierung Uruguays sicherlich für diese Forderung eintreten. Räch Worten persönlichen Dankes und persönlicher Hochschätzung für Mello-Franco sprach Guani schließlich die Hoffnung au», daß die jetzig« Entschei, dung der brasilianischen Regiervng keinen endgültigen Charakter annehmen werde. Nach dvsen Worten wollte Mello-Franco den Ratssitz verlasien, er wurde ober durch ein« Geste des Präsidenten zurückgehalten, wo- rauf Chamberlain da» Wort ergriff, um zu erklären, daß Guani im Sinne aller Ratsmitglieder gesprochen habe. Er meldet« dann einig« Vorbehalte gegenüber den juristischen Ausführun. gen Mello-Franco» an, die sich auf Art. S de» Dölkerbundspakte» stützen, auf die aber im Augenblick nicht eingehen wolle, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß, da etwas Endgültiges und Unwiderrufliche» nicht geschehen sei. nach den Verhandlungen in der Studienkom- Mission, im Rat oder schließlich in der Versammlung selbst der W c g fürdie weitere Mitarbeit Brasiliens gefunden werde. Vielleicht könne, so schloß Chamberlain, Brasilien noch politische Gründe finden, um seinen Entschluß, der nach seiner Auffassung heute zwar angezeigt, aber nicht tatsächlich angemeldet wurde, einer Nachprüfung zu unterziehen. Scialoja, der darauf das Wort nahm und wiederholt die enge Freundschaft zwischen Italien und Brasilien au« ethischen Gründen betonte, wies auf die große Verlegenheit hin. in die der Völterbundsrat durch die Entscheidung der brasilianischen Regie- rung gerade in dem Augenblick geräte, wo er eine Lösung des schwierigen Problem» der Ratssorm suche. Eine Demission sei nicht gültig, solang« sie nicht angenommen werde, und weder der Rat noch die Versammlung würden nach seiner Meinung die De- Mission annehmen. Juristisch betrachtet, so sagte Scialoja. müsse Brasilien solange im Rat« mitarbeiten, bis die Völkerbunds- Versammlung anders beschlosien habe. Der Rot müsse vollzählig sein, damit er auch moralisch vollkommen arbeitsfähig bleib«. Mello- Franeo müsse also im Namen Brasilien» bi» zu einer Entschei- dung dem Dölkerbundsrot angehören, und-er bitte ihn, beim Präsidenten der brasilianischen Republik seinen ganzen Einfluß gel- tend zu machen, damit dieser seinen Entschluß fus zur Entscheidung im September durch die Völkerbundsoersammlung zurück- stelle. Paul Boncour, der diese Ausführungen wiederholt mit lebhaftem Kopfnicken unterstützte, schloß sich ihnen in einer Rede an, indem er erklärte, daß der Rat überhaupt kein Recht Hab«, dies« Demission anzunehmen. und daß nur die völkerbundsversammiung. die Brasilien da» Mandat im Rot übertragen Hab«, diesen Austrag zurücknehmen könne. Vom juristischen Standpunkt aus bleibe, so sagte Paul Doncour. Brasilien Mitglied des Völkerbundsrates, weil ein Willens- ott der brasilianischen Regierung allein zur Demission nicht genügen könne. Jsh ii- Japan gab der hosfching Ausdruck, daß im Interesi« der Entwicklung de» Völkerbundes die Entscheidung Brasilien» nicht definitiv und unwiderruflich sei. B e n e s ch- Tschechoslowakei unterstützte die Gedankengänge Scialoja» und Paul Boncour». wonach der Rat die Demission Bra- siliens überhaupt nicht annehmen könne. Bcnesch schloß, er hoffe, daß bis zum September die Lage sich soweit entwickele, daß der Erklärung Mello-Franco, teine Geltung zukomme. Mello-Franco dankt« für die ihm persönlich und seinem Lande erwiesenen Sympathiekundgebungen, die vor der Oessent- lichkeit Brasilien» mit Genugtuung gewürdigt wsrden würden, und erklärt« dann weiter, im übrigen habe er kein« voll- machten, zu d«n Aussührungen Scialajos und Paul Bon- ecurs Stellung zu nehmen. Mello-Franco verabschiedet« sich hierauf von jedem ein- zclnen Ratsmitglied und verließ dann den Ratssaal, während gleich- zeitig der Rot zu einer vertraulichen Sitzung zusammen- trat, die sich jedoch, wie verlautet, nicht mit der durch die Mittei- lung der brasilianischen Regierung geschaffenen Lage befaßt», son- d, rn einigen noch unerledigten Punkten der Tagesordnung galt. Di« geheim« Sitzung dauert, nur eine halb« Stunde. Mit ihroni Abschluß wurde gleichzeitig die iO. Tagung des Bölkerbunds- rats für bandet erklärt. i** äs*'A. am Werbematerial für öen voltsentstbeiö. Nur noch wenige Tage stehen bis zum 20. Juni für die Agitation zur Verfügung. In einem bisher ungekannten Ausmaß und mit ungewöhnlicher Schärfe Hot der Kampf eingesetzt. Die „Nationalen haben ungeheure Summen für Propaganda ousge. warfen. Eine widerlich verlogene lietzbroschürc wird in 12 Mil- lionen ins Land geworfen. Die Sozialdemokratie hat für die Pro- pagonda ein gut ausgewähltes und wirksam aufgemachtes Werbe- Material herausgegeben. In der Zentrale der Berliner Organisation herrscht von morgens bis abends reges Leben. Unaufhörlich kommen und gehen Genossen, um für die Abteilungen Material abzuholen. In langen Reihen liegen die Pakete mit Plakaten, Flugschriften und Handzetteln ausgestapelt. Die Plakate sind propagandistisch ausgezeichnet, beschränken sich auf nur wenig Text, mehr aus bild- liche Wiedergabe. So sind auf einem Wilhelm beim Holzhacken, Ludendorff in voller Generalsuniform, ein einfacher Arbeiter und ein Arbeiteloser mit Frau und Kind nebeneinander abgebildet. Und darunter einfach und schmucklos der tägliche Berdienst eines jeden einzelnen: Wilhelm fürs Nichtstun 1650 M., Ludendorsf für Putsche Sil M. Pension und der Arbeiter für 8 Stunden schwerster Arbeit 7 M. und ein Arbeitsloser mit Frau und Kind 1,5» M. Ein anderes Flugblatt zeigt in Gegenüberstellung Schloß Oels, den Wohnsitz des Kronprinzen, und eine Höhle vor den Toren Berlins, die sich ein Wohnungs- und Stellungsloser gebaut hat. Ein kleines Plakat zeigt Wilhelm im Purpurmantel um fein«„kleine" Abfindung und daneben einen Krüppel auf Krücken nur mit einem Bein, zer- schlissener Uniform und ausgemergeltem Gesicht, wie er so häufig in den Straßen zu finden ist, um est, paar Pfennig« bettelnd. Kleine Handzettel enthalten eine Reihe der„geistreichen" Aus- sprüche unserer Landesväter. Ein sehr wirksame» Plakat zeigt eine Fürstenhand, die, nach Geld greifend, vom roten Hammer„Volks- entscheid" zermalmt wird. Neu als Werbemittel sind die vom Bezirksverband herausgegebenen Postkarten. Sie sollen verwandt werden, um Angehörig« und Bekannte auf dem Lande an den Ab- stimungstag zu erinnern. Auch die W a n d e r l i ch t r e k l a m« ist in den Dienst der Propaganda gestellt, leuchtende Lettern mahnen jeden Abend, von hohen Dachfirsten, an den 20. Juni. In den großen Lichtspieltheatern wirbt ob dieser Woche«in Propaganda- lichtbild. Acht große Möbelwagen sind von Zeichnern wirksam be- malt und fahren ab nächster Woche jeden Tag durch die Straßen Berlin». Im Kamps um Recht, gegen den Raub von Staatseigentum ist das Werbematerial der Partei, das Plakat und Flugbatt ein wert- voller Helfer. Kein Plakat, kein Flugblatt darf ungenützt bleiben. das Volk steht auf! Die Empörung des Volkes über den Raubplan der ehemaligen Fürsten schlägt immer weitere Wellen. Unsere Versammlungen sind überfüllt, und die überaus starke Aufmerksamkeit, die die Refe- renten der Partei finden, sind ein Beweis, wie sehr dieser Kamps die Gemüter ausgerüttelt hat. Das bewies auch die stark besuchte Versammlung des Bezirk» Charlottenburg im� Saal de» Schillertheaters, Bismarckstraße, in der die Reichstagsabgeordnete Genossin Clara Böhsti-Schuch über den Volksentscheid und seine Aufgaben sprach. In eindrucksvollen Worten schilderte die Rednerin die ungeheure Not des deutschen Volkes, die in krassem Gegensatz zu dem Lurusleben der Expotentaten und ihren Milliarden- sorverungen steht. Der stürmische Beifall, den die Rednerin fand, war Beweis dafür, daß ihr« Mahnungen am 20. Juni auf fruchtbaren Boden fallen werden. Mit einer Aufforderung zur Werbe- arbeit für den Volksentscheid wurde dt« Versammlung geschlossen. Die Schöneberger Genossen oeranstalteten gestern ihre dritte Kundgebung in dieser Woche, die wieder eingeleitet wurde durch einen Werbeumzug. Der Zulauf des Publikum» war so stark, daß die Aula des Helmholtz-Glimnasium» überfüllt war, ol» Genosse Rüben» das Wort zu eingehenden Aussührungen nahm. Er oerglich die Sbsindung»proz«sse der Fürsten mit den Auswertungs- Prozessen. Der einfach, Mann de» Volke» hat nur zum winzigen Bruchteil sein« mühsam ersparten Groschen aufgewertet erhalten, während In Deutschland sich Richter fanden, die Summen, die den Fürsten zustanden, auf 300 bis 400 Proz. aufwerteten. Die Ver- sammlung. die mit starkem Interesie oeradc diese Gegenllberstellun- gen aufnahm, dankte dem Referenten durch langanhaltenden Beifall. Zu einer Straßendemon st ratio» hatten die Genosien des Bezirk» Kreuzberg gemeinsam mit dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold am gestrigen Abend ausgerufen. Am Sammei- platz Fontanepromenade bot sich bald«in buntbewegtes Bild. Von der Fontanepromenade aus bewegte sich der lange Zug, der außer dem Reichsbanner-Tamborkorps zwei Kapellen mit sich sührte, zu- nächst durch die südlichen und südwestlichen Straßen, um später im Südosten die Werbetätigkeit fortzusetzen. Der Zug selbst wurde link» und rechts von einer großen Menschenmenge begleitet und löste sich gegen 10 Uhr abends nach einer packenden Ansprache des Kameraden R o b i n s o h n ohne Zwischenfälle auf. Im Rahmen de» gestrigen K u n fba b« n d» am Friedrichshain. der mit einer Szene aus dem Leben Lasialle» und einigen zeit- gemäßen Rezitationen wirkungsvoll eingeleitet wurde, sprach Ge- nossin Marie I u ch a c z zum bevorstehenden Volksentscheid. Sie appellierte in eindrucksvollen Worten an das Derontwortlichkeits» gefühl der Frauen als Mütter und Gattinnen. Sie legte ihnen nah«, wie sehr die Frau, vom menschlichen und sittlichen Stand- Punkt aus, verpflichtet sei, Söhnen und Männern im Kampf beizu- stehen. Gerade auf den Schultern der Frau liegt sa die Hauptlast des Alltags mit seinen kleinlichen, nagenden Sorgen. Wie schwer dies heut« ist, wo der Mann schlecht oder überhaupt nicht» verdient. die Kinder oft noch klein oder ohne Arbeit sind, kann jede Frau am besten selbst ermessen. Bei einer solch ungünstigen Wirtschaftslage sollen nun für Zwecke des Wohllebens ausrangierter Machthaber Millionenwerte verschwendet und aus dem Volke gepreßt werden? Wilhelm II, der„Zulage" verlangt, bezieht— einzig aus dem Titel seiner einstigen Herrlichkeit— ein Tageseinkommen von über 1600 Mark, ein arbeitsloser Familienvater 2.50 bi» 3 Mark. Da erübrigt sich wohl jedes weitere Kommentar. Roch ein kurze» Beispiel: Die Arbeiter der Schichau-Derst in Elbing verdienen heut« bei fünfstündiger, unregelmäßiger Kurzarbeit in 14 Tagen etwa 1» M. Die wirkungsvoll« Red«, die oll den zahlreich versammelten Frauen so richtig aus dem Herzen gesporchen war. sond starten Beifall. Den Abschluß diese» künstlerisch wie ethisch wohlgelungenen Abend» bildeten nochmals Rezitationen. Tödlicher Unfall eines Radfahrers. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich heute morgen kurz»ach tz Uhr an, Platz der Republik, Ecke Roonstraße. Der 22jährige Stu- dcnt der Philologie Hans Moder aus der Iagowstr. 24 kreuzt« in sehr scharfem Tempo auf seinen' Rade die Straße und stieß mit dein hinleren Teil eine» Privatkrastwagen», in dem sich zwei Direk- toren der AEG- befanden, zusammen. Der Anprall war so hestig, daß M. mit dem Kopf durch da« linke Wogenfenster flog und die starke Glasscheibe durchschlug. Hierbei wurden dem Verunglückten beide Halsschlagadern durchschnitten! er wurde sofort zur naheliegenden Charitö geschasst, wo er aber kurz nach der Einliefening insolg« Verblutung verstarb. Einer der Insassen des Autos wurde am?luge erheblich per- letzt. Die Schuld an dem tragischen Vorfall soll den tödlich Ver- unglückten selbst treffen. Schausensterpropaganda für Fürsten. Der Juwelier Werner, Friedrichstraße Ecke Äronenstraße, über den wir kürzlich be- richteten, hat schon wieder da, Bedürfnis verspürt, sein« Fürstendienerei durch Propaganda in seinem Schaufenster publik zu machen. Zwischen Gold- und Silberkram prunkt heute wieder Wilhelm in großer Uniform und ordenbekleckert. In den gestrigen Nachmittogsstunden sammelt« sich ein« Menschenmenge, die stürmisch die Entfernung der üblen Dinge forderte. Der Polizei ge- long es, den Juwelier und seine Fensterscheiden vor Tätlichkeiten zu bewahren. C» wurde aber dem Juwelier bedeutet, daß er dos Aus- stellen derartiger Dinge auf eigene Gefahr unternehm«. Daraus hat nun zunächst Herr Werner seine eiserne Jalousie schützend vor Wilhelm heruntergelassen. Wann wird Herr Werncr nun endlich den Dankesbrief aus Doorn bekommen! vie wünsche fter Polizeibeamten. Beschwerden über skandalöse Behandlung durch Ossiziere. Der Gau Groß-Bcrlin des Verbandes Preußischer Polizeibeamten E. V. hatte zu gestern abend nach dem Saalbou Friedrichshain eine Vollversammlung seiner Mitglieder einberufen, zu der etwa 4000 Polizei bcamte erschienen waren. Der Derbandsvorsitzende Schräder hielt ein oussühr- liche» Referat über„Die Auswirkung des Polizeietats 1 9 2 6 in Verbindung mit dem neuen Polizeibeamtengesetz". Seine Aussührungen richteten sich hauptsächllch gegen die sortwährende Verlängerung des Reichsrohmcngesetzes für die Schutzpolizei der Länder, das die Polizeibeamten zu ihren Ungunsten aus dem all- gemeinen Bsamtknrccht heraushebt. Den Forderungen der polt- tischen Fraktionen des Reichstages aus Aushebuug dieses Gesetzes wurde von den Reichsregierungen bis jetzt nicht Rechnung getragen, trotzdem von ihr die Aushebung mehrmals versprochen wurde. Man muß auch noch der jetzt wieder beantragten Verlängerung des Schutzpolizeigesetzes bis zum 30. Septcmeber annehmen, daß der Regierung der Wille zur Tat fehlt. Die Ausnahmestellung der Polizeibeamten Zieht es nach sich, daß sie ihren schweren Berus nicht mit der notwendigen Berufssrcudigkeit ausüben. Er ging dann näher aus die Zustände in der Schutzpolizei ein. aus denen klar hervorgeht, daß anstatt einer Entmilitarisieruna eine Miti- tarisierung vor sich geht. Die Uebergrisfe einzelner Polizeibeamten gegen die Bevölkerung sind zum größten Teil eine Folge der falschen Ausbildung und Erziehung. An Hand cincr graphischen Darstellung wies der Redner nach, daß die Polizeibeamten weit unter den Bezügen der Schutzmannschast in der Vorkriegszeit stehen, was dem neuen Staat wahrlich nicht zur Ehre gereiche. Trotzdem durch den neuen Polizeietat 1926 den Polizeibeamten eine geringe Aufstiegs- Möglichkeit in höhere Besoldungsgruppen gegeben ist, werden diese Möglichkeiten durch behörliche Schwierigkeiten und Winkclzüge wieder illusorisch gemacht. Beamte, die 12 und mehr Jahre gedient und ihre Pflicht erfüllt haben, werden ohne Rücksicht auf ihre und die zurzeit herrschenden wirtschaftlichen Ver- hältnisse entlassen und dem Elend preisgegeben. Diese Entrechtung und Sonderstellung der Polizeibcamten basiert auf dem Polizei» beamtengesetz, das schnellstens beseitigt werden muß, wenn die Polizeibeamten nicht das Vertrauen zum Volksstaat verlieren sollen. An da» Referat schloß sich eine ausgedehnte Aussprache an. in der geradezu skandalöse Zustände in der BeHand- lung der Schutzpolizeibeamten ans Tageslicht kamen. Es war besonder» Albinus vom Polizeibeamtenverband, der das Verhalten der Sckupoofsiziere gegenüber den Mann- schaften einer scharfen Kritik unterzog. Er führte zahlreiche alten- mäßig belegte Fälle an, die zeigten, daß bei der Schutz- Polizei ein so st schlimmerer militärischer Drill herrscht als beim Militär in der Vorkriegszeit. Strafexerzieren, Strafa pelle mit Sachen, Beleidigungen der Beamten mit so unerhörten und unerträglichen Schimpfworten wie Schurken, Schasstöpse, Esel seien keine Ausnahmen. Beschwerden über«ine derartige Behandlung führen oft dazu, daß der Beschwerde- führer best rast' wird, der Vorgesetzte in der Besörderungs- aussicht eine Ehance mehr hat. Zum Schluß nahm die Derfamm- lung«instimmig eine längere Entschließung an. die die Forderungen der Polizeibeamtenschast enthält und den Parlamenten und maß- gebenden Behörden zugeleitet werden soll. Die Versammlung, die einen durchaus sachlichen und eindrucksvollen Verlauf nahm, sollt« den maßgebenden Ministerien eine Warnung sein, bei der Pölizeibcamtenschajt den Bogen nicht zu überspannen und die Diener des Staate» nicht zu Staatsbürgern zweiter Klasse zu machen. Gerade diesen Leuten, die keine Soldaten sein wollen» müßt« mehr Verständnis entgegengebracht werden, damit sie gegen jede Gefahr, die ihnen von allen Seiten, besonders auch von den Feinden de» heutigen Staates droht, gefeit sind. Schwere �ahrstuhlunfällc. Heute morgen gegen 9 Uhr ereignete sich im Hause Schulzen« dorser Straße 26 im Norden Berlins«in schwere» Fahrstuhl- Unglück. Aus bisher noch ungeklärter Ursache geriet der Fahr- stuhlführcr Karl Fischer, der zugleich Hauswart des Grundstückes ist. beim Anstellen des Fahrstuhls zwischen Mauer und Fahrstuhl und stürzte in den Schacht hinab. Auf die Hilferufe dc» Schwerverletzten eilten Hausbewohner herbei, die für seine lieber- führung in das Virchow-Kranienhau» sorgten. F. starb kurz nach der Einlieferung an den Folgen schwerer innerer Verletzungen und eines Schädelbruche».— Ein weiterer tödlich verlaufener Fahrstuhlunfall trug sich in den heutigen Morgenstunden in der Schloßbrauerei Schönebcrg in der Feurigstr. 16.48 zu. Der 4Sjährig» Maurer Ernst Becker au» der Eisenacher Straße, der schon mehrere Jahr« bei der Brauerei tatig ist, geriet mitjemem Kops zwischen den abwärt» fahrenden Fahrstuhl und der Schacht- wand. B. war sofort tot. Die Leiche wurde beschlagnahmt und dem Schauhaus zugeführt. Da» Gerücht von einem verbrechen war gestern abend im Norden der Stadt verbreitet. Aus dem Wiesengelände an der Chaussee zwischen R o s e n t h a l und Schildow fand ein Be- sitzer aus einem Heuhausen einen jungen Mann liegen, der au» einer Schußwunde In der rechten Kopsjeite blutete. Er wurde im Krankenhaus« als ein 17 Jahre alter Bureaubot« Hans R. fest- gesteUl, der in Buchholz bei seinen Eltern wohin und bei einer Berliner Firma angestellt ist. Wie er angibt, hatte er sür leine Firma Geld eingezogen, es aber nicht abgelicsert. sondern für sich verbraucht. Au» Furcht vor Strafe hat er sich ein« Kugel in den Kopf geschossen. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und „Der kinderfreuno" liegen der heutigen Postauslage bei. Der kinöermorü in öreslau. Mitwirkung der Bevölkerung bei der Ermittlung der Täter. Der Lu st m o r d an den beiden Kindern der Witwe Fehs«>N Breslau beschäftigte die dortige Kriminalpolizei In ganz außer» ordentlichem Umfange. Die ganze B e o ö l k e r u n g ist zur Mit- arbeit aufgefordert worden? man hofft auf diese Weise schneller den Mörder fasse» zu können. Uninittelbar nach Bekanntwerden der Tat wurde von der Berliner Mordinspektion Kriminolrat Gen- nat in Begleitung eine» weitere» Beamten per Flugzeug nach Breslau geschickt, um gemeinsam mit der dortigen Polizei Nach- forschungcn anzustellen. An die Breeloucr Bevölkerung ist die Auf- sorderung ergangen, am heutigen Tage alle Häuser. Woh- nungen, Stallgebäude. Schuppen und sonstige Bau- lichkeiten zu durchsuchen, uni auf diese Weise den Ort de» furcht- baren Verbrechens oder vielleicht auch den Täter selbst zu er» Mitteln. Die private Mitwirkung wird bereitwilligst ausgeübt, wei/ die immer noch stark erregte Einwohnerschaft begreiflicherweise ein lebhaste» Interesse an der Ausklärung der abscheulichen Tat Hot. Die Belohnung von 2000 Mark für die Ermittlung de» oder der Täter wird nochmals in Erinnerung gebracht. Freirellalif« Gemeinde. Sonntag»orm. tl Uhr, Pappel. Alle« 15, Vortrag de« Herrn Dr. M. Brie, Da» Velen des Humor». Harmonium- Wevla» Gesang kH. vols). Gäste willkommen. Groß- berliner parteinachrichten. ne. Adt. Lichtenberg. Die s-ru»»intiihrer Pelm heut» abend tafort dl» gedruckten Einladungen zur Neri eilung an die Mitglieder«an Morr. Neue BahndaNIr ZN. ab Morgen. Sonnabend, ab« Uhr von bort Flugdlattverdreitung. Alle Mir- glieder muhen sich beteiligen. OewerGhostsbewegung Um den Tarifabbau in der Herrenkonfektion. Der Zlrbeitgeberoerband in der Herrenkonfektion ist krampfhast vemüht, die von ihm diktierten Tarifoerschlcchterungcn mit allen Mitteln durch�useften. Das geht jedoch nicht fo einfach, wie er sich die Sache gedacht hatte. In einem Rundschreiben vom 1. Juni werden seine Mitglieder nochmals nachdrucklichst darauf hingewiesen, keinem Schneider 2lr b e i t 3 u geben, der sich weigert, die l�nterschrifl unter den Revers zu geben. Ebenso soll diesen Schneidern kein Schein für die Erwerbslosigkeit ausgehändigt werden. Dann heißt es wörtlich weiter: .Alle unsere Maßnahmen können nur dann wirtsam sein. wenn sie gleichzeitig von allen Mitgliedern eingeholten werdon. Aus diesem Grunde dürfen zurzeit auch keine neuen Schneider eingestellt werden, wie es ja früher bei solchen Maßnahmen auch nicht üblich war, damit nicht etwa eine Firma die andere ausspielt." Dieser Ton klingt gewiß nicht nach Siegeszuversicht. Aber auch mit diesen cindrinliichen Ermahnungen scheint man es nicht zu schaffen. Man ist deshalb dazu übergegangen, die Mitglieder des Arbeitgeberverbandes, die die unterschristliche An« erkennung des Reverses nicht durchführen, in Konventional- strafe zu nehmen. So sieht es mit der Freiwilligkeit im Arbeit- geberloger aus. Alle erdenklichen Schliche und Pfiffe werden praktiziert, um die Unterschrift zu erlangen. Den Arbeitern werden dabei Versprechungen gemacht, und troßdem wird diese Art Autogrammsammlung der Arbester nicht komplett. Die Leitung des Arbeitgebervcrbandes wollte viele ihrer Mitglieder wider Willen.glücklich machen". Das Vorgehen ist bei den einzelnen Firmen unterschiedlich. In dem einen Falle wird außer den Heimarbeitern auch den Betriebsarbeitern der Revers vorgelgt. In anderen Fällen wird nur den Heimarbeitern— nicht auch den Betriebs- arbeitern— der Revers vorgelegt, und in vielen Fällen wird über- Haupt davon abgesehen, oder aber den Schneidern versichert, daß sie keinen Nochteil davon haben sollen. Immerhin, das Heer der Scharfmacher ist noch groß genug, und infolgedessen sind an allen Pläßen der Herrenkonfektion Deutschlands bereits eine beträchtliche Anzahl Arbeiter durch das Vorgehen des Unternehmeroerbandes arbeitslos geworden. Es ist schon bezeichnend für den Arbeitgeberverband, daß er unter Tarisbruch die Durchführung der Tarifverschlechterung erzwingen will. Daß er sich aber nicht scheut, die Schneider, die sich setner Diktatur rrtcht unterwerfe» und deshalb um ihre Arbeit gebracht werden, auch noch um die Arbestslosenunterstützung zu prellen zu suchen, dos zeugt von einer Skrupellosigkeit, die die Profitgier in ihrer ganzen Brutalität zeigt. Erfreulicherweise kann festgestellt werden, daß eine ganze An- zahl von Arbeitern, die in Verkcnnung der Verhältnisse, d i e Unterschrift geleistet hatten, sie wieder zurückgezogen haben. Diese Fälle mehren sich täglich. Dennoch müssen alle Arbeiter in der Herrenkonfektion ersucht werden, auch weiterhin jede Unterschrift zu verweigern, oder aber die bereits geleistete Unterschrift sofort zurückzuziehen, damit bei den Verhandlungen vor dem Reichsarbcitsministerium am kommenden Montag die ihnen zugedachten weiteren Verschlechte- rungen ihrer Exfftenz abgewehrt werden können. Emil Girblg 60 Jahre alt. Der Verbandsoorsitzende des Glasarbeiterverbandes. Genosse Emil Girbig, ist am 11. Juni 1866 in Jomlitz(Elisabethhüste) ge- boren, heute also 60 Jahre all geworden. In frühester Jugend kam Girbig nach Köpenick, wo er von 1872 bis 1880 die Volksschule besuchte und dann den Glosmacherberuj erlernte. Im Jahre 1892 gründete er in Köpenick eine Zahlstelle des Glasarbeiteroerbandes, die er während der folgenden fünf Jahre, ehrenamtlich natürlich, geleitet hat. Im Jahre 1897 wurde Girbig infolge seiner hervorragenden Tätigkeit im Interesse seiner Berussgenossen zum Verbandsvorsißen- den des Glasarbeiteroerbandes gewählt. Er bekleidet diesen Posten seit dem 1. August 1897 bis auf den heutioen Tag. der insofern einen Wendepunkt seiner Organisation und seiner Tätigtest bildet, als er dem eben beendeten Berbandstage in Görlitz folgt, der das Ausgehen des Berussoerbandes in die keramische Industrieorgani- sation beschlossen hat. Seit 1907 bis nach dem Kriege war Girbig auch internationaler Sekretär der Glasarbeiter. Girbig war aber nicht nur gewerkschaftlich, sondern auch p 0- l i t i s ch recht rege tätig. Im Jahre 1919 wurde er in die deutsche Nationalversammlung, 1920 in den Reichstag gewählt. Wir wünschen unserem Genossen Girbig, daß es ihm noch recht lange oergönnt sein möge, in seiner bisherigen körperlichen und geistigen Frische für feine Organisation und damit für die deutsche Arbesterbewegung zu wirken.__ Die Zentralbetricbsratswahl bei der Reichspost. Das endgültige Ergebnis der Zentralbetriebsratswahl, die vom IS. bis 17. Mai stattfand, liegt jetzt vor. Von den 77 007 Wahl- berechtigten haben SS 800 gleich 69,9 Proz. ihr« Stimm« abgegeben. Der Deutsch« Vertehrsbund erhielt 37 122 gleich 69 Proz. der Stimmen und die Deutsche Postgewertschoft mit dem ZentretoerdanL der Telegraphenbedicnsteten 14 779 gleich 27,5 Proz. der abgegebenen Stimmen. Ungültig waren 1899 Stimmen. Bei der Wahl des Auffichlsrats der Verforgungs- anstatt im Februar d. I. erhielt der Deutsche Verkehrsbund SS 174 Stimmen. Er steigerte also seine Stimmenzohl um 1948 gleich 5 Proz. Di« Gegner erhielien bei der Wahl des Aufsichtsrats der Versorgung?- anstalt 27 S66 Stimmen. Sie verloren also 12 787 Stimmen. Bringt man hiervon für die Postagenten, die korporativ der Deutfchen Post- gewerkschast angeschlossen sind und bei der Betriebsrätewahl gönzlich ausscheiden, etwa 10 000 Stimmen in Abzug, so bleibt imm«r noch ein Stimmenverlust von 2787 gleich 10 Proz. Diesmal waren 13 Vertreter anstatt 11 im Vorjahr für den Zentralbetriebsrat zu wählen. Der Deutsche Derkehrsbund erhält IG Vertreter. Mit diesem günstigen Ergebnis kann der Deutsche Verkehrsbund zufrieden sein. Es ist erzielt worden durch feine eigene Kraft, ohne fremde Hilf« und zeigt mit aller Deutlichkeit, daß die große Mehrheit der Lohnempfänger bei der Deutschen Reichspost im Deutschen Verkehrsbund nach wie vor ihr« wirtschaftliche Interessenvertretung erblickt und daß keine Anwürfe und Verleumdungen seiner Gegner das Vertrauen zum Deutschen Verkehrsbund erschüttern können. Die Deutsche Postgewerkschaft mit der gelben Fachvereinigung, dem Zentralverband der Telegraphenbediensteten, dessen Bestrebungen stets von der Oberpostdirektion Hannover gefördert worden sind, haben in weitestem Umfange die Unterstützung des Reichsoerbandes deutscher Post- und Telegraphenbeamten und des Verbandes der deutschen Reichspost- und Telegraphenbeamten gefunden. Die Funktionärkörper dieser beiden Organisationen sind genau wie bei der des Aufsichtsrots der Verforgungsanftolt in den Dienst der Deutschen Postgewerkschast gestellt worden. Stimmzettel und schmierig« Flug- blätter haben sie in einer Massenauflage vertellt. Darüber hinaus hat die Deutsche Postgewerkschaft ihr« Stimmzettel auch den Dienststellen- Vorstehern zur Verteilung an die Wähler— nicht ohne Erfolg— zu- gestellt. Doch trotz aller Anstrengungen der Deutschen Postgewerk- schaft und ihrem Anhang hat der Deutsche Verkehrsbund den Erfolg für sich. Nach wie vor ruht auf seinen Schultern ein Höchstmaß von Verantwortung in der Wahrnehmung und Vertretung der Interessen der gesamten Lohnempfänger. Und das ist gut so, sonst wäre es um die Vertretung der Interessen der Lohnempfänger schlecht bestellt. v-r-ntwortti» kllr PoNtik:«ruft*f*t«: Wiltsibaft: tUtur«atr,»»,: Drwerkslboktsbcweaun«: Z. Stein»: ffcuiUtton;*.$. Tisch»: Lokal» uns couiiiocs: ffrift garst ä»t: üiuciacn: Tt>. Stocke: sämtlich in Berlin. Berta»: Borwörts-Berlaa G. m. d. ß.. B'rlin. Druck: Borwärto-Buchdrucknel und Bcrlaasanlialt Baut Ein»» u. Co.. Berlin SV 68. Lindenttroke S. MScfi eisfer Werne fertige Sommer-Kleidung für den flerrn! Nur eigenes Fabrikall Straßen-Anzüge. Frühjahrs-Mäntel Gummi-Mäntel. von von 45°n 45" von Sportanzüge Windjacken Breeches mit Z Paar Hosen ÄOOO von an 12� M. Schulnieister von von Kottbuser Tor Waschseide (Kunstseide mit Baumwolle) neue Karos. Mir. 20 Kunslseidener Bast 125 Mtr. 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