Cr, 276 ♦ 43. 1?ahrg. Ausgabe A Nr. 142 Bezugspreis: DSchentlild 70 Pfennl». m-natNck Reichsmark voraus»adlbar. Unter Aremband für DeutfchlanS. »aiuig. Saar- und Remelaedier. ivesterreich, Litauen. Luremdur« «.50 Reichsmark, für das Lbri« Ausland MO Reichsmark»ro Monat. Der.Borwärt»� mit der Lountaas- beilaa« �volk und Zeit' mit.Sied- luna und Uleinearten' lowi« der veilaa«.Unterdaltun, und Bissen' und iirauenbeilaae.>?rouenltimu»' erscheint wochentZalich zweimal. Sonntaa» und Montae» einmal. Deleoramm.Tdresse: »«ozialdemotrat«eell»' Morgenansgabe Verliner �10 Pfennigs Anzeigenpreise: vi«»infvaltie« Nonpareille. »eil««> Pfenni». Reklame�il» fc— Reichsmark.„«leine«»»eigen' da« settaed ruckte Wort 2S Pfennl» (lulifla zwei fettaed ruckt« Bort«,. lebes«eitere Bort 12 Mennig Ktellenaefuch« das er Ii««ort U Mennig, iede« weiter« Bort 10 Mennig. Worte über Id Such- stoben»Sblen für zwei Borte «rbeitsmarkt geile M Menni,. Gamilienanzeigen für Abonnenten Seil«« Mennig. «nzeiae» für die nilchft« Rümmer müssen bis ttf, Uhr nachmittag« im Sauvtgefchilft, Berlin SB«.Linden- strafe S, abgegeben werden. Sedfsnet von SM Udr früh bis S Uhr»ach«. Zcntrrtorqan der Sozialdemokrat! fchen partei Dcutfchlands Neöaktton und Verlag: Serlin SW. 68. Lindenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292-297. vorwärts-verlag G.m.b. tz.» Serlin SV. 68, Linden str.Z Bostfcheckkonto- Berlin na»-«-nkk-nt»! Bank de, Arbeiter,«»gestellten »»d Beamte»,«assstr.«: viskonto-Kefelschost, Vevosstenkasse Lindenstr.». Mit uns öas Volk! Ein großer Tag der Sozialdemokratische« Partei Berlws. Wir marschieren! Die Demonstration, zu der die Sozialdemokratische Partei aufgerufen hatte, war ein wuchtiger Austakt zu der Ent- scheidung des 20. Juni. Berlin stand im Zeichen dieser De» monstration. Nach Arbeitsschluß begann es sich zu regen. Sammlung, Anmarsch, Aufmarsch. Die Straßen umsäumt von dichten Scharen von Zuschauern. Anmarsch in geschlossenen, endlosen Zügen, davor, daneben, dahinter, ungeordnet von allen Seiten: ein Ziel— der Lustgarten. Eine große Demonstration! Aufmarsch im Lustgarten. Ein imposantes Bild! Ueber den Massen ein Wald von roten und schwarzrotgoldenen Fahnen. Der Anmarsch will nicht enden. Schon sprechen die Redner zu den Massen, und noch immer ziehen in geschlossenen Reihen die Demonstranten heran. Bon diesem Anmarsch und Aufmarsch ging eine Bewe- gung aus, die sich der ganzen Stadt mitteilte. Ueber Millionen haben sich in Berlin für das Volksbegehren einge- zeichnet. Etwa der achte Teil dieser IX Million zog gestern zum Lustgarten, um zu demonstrieren für die Enteignung der Fürsten durch den Volksentscheid. Mit ihnen war die Sym- pathie der Bevölkerung der Reichshauptstadt.. '» Die Agenten und Beauftragten der Fürsten haben am Sonntag auf dem gleichen Platze eine Kundgebung für die Fürsten gegen den Volksentscheid unter der schwarzweißroten Fahne inszeniert. Sie haben Demonstration gespielt. Sie haben das Urteil herausgefordert, auf welcher Seite das Volk steht. Es folgte ihnen ein winzig kleines Häuflein von Menschen, das sie sich erkauft haben: Angehörige ihrer Or- ganisationen, auf die sie putschistische Hoffnungen setzen. An» gehörige von gelben Werkvereinen. Das war ein klägliches Spiel— kein Ausdruck einer Bewegung, die tief im Volke verankert ist und die Massen des Volkes ergreift und bewegt. Es war eine befohlene, eine gemachte Demonstration, ohne Anteilnahme der Bevölkerung. Sie endete mit Hohn und der Mißachtung des Berliner Volkes. Diese Episode ist versunken vor der mächtigen Demon- ftration, zu der die Sozialdemokratische Partei gerufen hat. Es war feit langem wieder eine stolze Massenkundgebung. Es ist kein Vergleich möglich zwischen diesem Aufmarsch der Hun- derttausende und dem Häuflein der Fürstenknechte und Schwarzweißroten vom Sonntag. Man kann Unvergleichbares nicht messen. Aber dieser trübselige verlorene Versuch der Agenten der Fürsten am Sonntag und der Massenaufmarsch des Volkes am Montag— das ist symbolisch für die große Entscheidung, die am Sonntag gefällt werden muß. Auf der einen Seite die wenigen, die Herrenkaste von einst, die voll Verachtung auf das Volk herabsah, es knechtete und drückte, und nun einen letzten großen Raubzug gegen das Volk durchführen möchte— auf der anderen Seite das Volk. Wird entschieden nach demo- kratischem Recht, so fällt die Stimme des Volkes wuchtig und schwer gegen die Fürsten. Es marschiert niemand für die Fürsten aber wir, das Volk, wir marschieren! Am 20. Juni werden viele, viele Millionen für den Volksentscheid gegen die Fürsten ihre Stimmzettel abgeben, werden ihr I a für die Enteignung der Fürsten in die Wahlurne werfen— aber wenige, ein kleines, kleines Häuflein nur. werden sich mit dem Nein schützend vor die Fürsten stellen. Denn die Fürsten und ihre Agenten wagen es nicht, ihre Anhänger zur Zählung, zur Stimmabgabe auf- zufordern. Sie wissen, daß sie unterliegen würden, und wie sie unterliegen würden! �, Die Agenten der Fürsten haben mit ihrem Demonstra- tionscxperiment vom Sonntag eine Frage gestellt: eine Frage an ihre Anhänger, eine Frage an die Bevölkerung der Reichs- Hauptstadt. Sie haben am Sonntag die erste Antwort von ihren Anhängern und von der Bevölkerung Berlins erhalten. Die Zahl ihrer Anhänger ist verschwindend klein, ist verwirrt und entmutigt, und die Bevölkerung Berlins will von ihnen nichts wissen. Gestern erhielten sie die zweite Antwort, eine wuchtige unzweideutige Antwort: das Volk ist für den Volksentscheid, für die Enteignung der Fürsten: der Partei die dem Kampf gegen die Fürstenforderungeu führend vorangeht, gehören die Sympathien der Bevölkerung der Reichshauptstadt. » Wir marschieren? Die Sozialdemokratische Partei hat zu dieser Kundgebung gerufen. Die Hunderttausende, die gestern durch die Straßen Berlins den roten und schwarzrotgoldenen Fahnen strömten, folgten ihrem Rufe. Die Kommunistische Partei hat sich nicht in die Front eingeordnet, jsie hatte ihre Anhänger zu gesonderter Demonstration am Sonntag aufgefordert. Sie hat damit ebenfalls eine Frage gestellt, und hat gestern eine Antwort darauf erhalten. Die Antwort lautet: die Massen des Volkes folgen der Führung der Sozialdemokratischen Partei im Kampfe gegen die Fürstenforderungen. Ihr ver- trauen sie, und mit ihr gemeinsam protestieren und demon- strieren sie für das Recht des Volkes gegen die Fürsten— sei es in mächtigen Kundgebungen auf der Straße, sei es im Kampfe mit der Waffe des demokratischen Stimmrechts. Wir marschieren» und mit uns marschiert die Demokratie, das Recht und die republikanische Gesinnung des Volkes. Denn der Kampf, der seinen Gipfelpunkt am kommenden Sonntag erreichen wird, ist nicht nur ein Kampf um mate- rielle Güter— er ist vor allem ein Kampf um Gesinnung! Es war demokratisch-republikanische Gesinnung, die gestern die Hunderttausende in den Lustgarten geführt hat, fester innerer Glaube an das Recht der Forderung nach der Enteignung der Fürsten. Wo die feste Ueberzeugung des Rechts ist, da ist der Mut zum Bekenntnis— sei es in der Straßenkundgebung, sei es mit dem Stimmzettel. Diese Ueberzeugung und dieser Mut ist auf der Seite de» Volkes— nicht auf der Seite der Fürsten und ihrer Agenten. Gestern die Demonstration, am Sonntag die Abstimmung! Eine mächtige, aufrüttelnde Wirkung ging von der wuchtigen Demonstration unter den roten und schwarzrotgoldenen Fahnen aus. Die letzte, enffcheidende Woche des Kampfes egen Fürstenraubgier und Fürstenübermut ist angebrochen. er Kampf geht seinem Höhepunkt entgegen. Am Sonntag fällt die Entscheidung. Gestern sind die Masten aufmarschiert. um den Fürsten und ihren Agenten ihren Protest und ihren unbeugsamen Willen in die Ohren zu schreien, um die letzten Säumigen aufzurütteln. Am Sonntag werden sie in vielen Millionen zu den Wahlurnen strömen, um ihr Ja für die Fürstenenteignung, ihr Votum gegen die Fürsten in die Wag- schale zu werfen. Wir marschieren! Mit stolzer Zuversicht sehen wir der Entscheidung des Volkes entgegen. Der gestrige Tag mit seiner gewaltigen Kundgebung war ein großer Tag im Kampf um Volksrecht und Fürstenhabgier, ein großer Tag der Sozial- dcmokratie Berlins! Schacht als Demotrat a. D. Ein Brief an Koch— und Kochs Antwort. Der Reichsbankpräsident Dr. S ch a ch t hat in einem Brief an den Parteiführer Koch, den der„Demokratische Zeitungs- dienst" wiedergibt, seinen Austritt aus der Demokrattschen Partei ausführlich begründet. Schacht zitiert dabei zunächst einen Brief, den er am 19. Mai an Koch geschrieben hatte, in dem es heißt: Es handelt sich beim Volksentscheid um etwas Grundsätzliches, und ich glaube, die Demokratische Partei kann bei aller radikalen Hallung gegenüber den Fürsten, die ich durchaus verstehen würde, gar nicht scharf genug in dieser grundsätzlichen Frage betonen, daß sie eine Partei ist, die auf dem Boden des Privateigen- t u m s steht und sich ganz scharf trennt von allen grundsätzlichen sozialistischen und kommunistischen Anschauungen in dieser Frage. Es stt deshalb auch eine offizielle Parole, die Stimmabgab« freizugeben, noch meiner Auffassung für die Pattei nicht tragbar. Da die Partei dennoch die Stimmabgabe freigab, vollzog Schacht am 21. Mai seinen Austritt und fügte hinzu, daß seine grundsätzlichen Anschauungen unverändert blieben. Eine Ver- offentlichung unterließ er, weil er eine parteipolitische Aus- Nutzung gegen die ihm nahestehende Partei nicht wünsche. Nach diesen Feststellungen fährt Schacht fort: Von Jugend auf habe ich unverändert das Prioateigen- tum und die Erweckung des wirtschaftlich individuellen Interesses nicht nur als eine der unerläßlichen Grundlogen des Staates, sondern auch als Voraussetzung menschlichen Zusammenlebens überhaupt verfochten. Nur auf Grund dieser innersten Ueberzeugung habe ich in den letzten Iahren gegen unsere ausländischen Widersacher den Kampf zu führen versucht für die Anerkennung der wirtschaftlichen Notwendigkeiten des deutschen Voltes. Nur aus dieser Ueberzeugung heraus tonnte ich die Wegnahme deutschen Eigentums im Kriege als den größten Schlag gegen das künftige friedliche Zusammenleben der Völker bezeichnen und seine Wiedergutmachung fordern. Ich will und kann mir auch nicht im Neinsten die mo- ralische Basis für mein« weitere Tätigkeit in dieser Richtung dadurch nehmen lassen, daß ich bei einer politischen Aktion passiv bleibe, die gegen meine Bemühungen ins Feld geführt werden könnte. Ich hoffe, daß diese kurze Begründung meinen Schritt für unsere politischen Freunde verständlich macht. Daß dieser Schritt von rechts her zu Angrisfen auf die Deutsche Demokratische Pattei benutzt wird, wird hoffentlich aus- hören, wenn ich hier ausdrücklich feststelle, daß von ollen Patteien, die auf dem Boden de» Pttvateigenwms stehen, die Deutsche Demokratische Partei diejenige gewesen ist, die die mög- lichen Folgen einer nicht rechtzellig ergangenen gesetzlichen Fürsten- obfindung erkannt und ihre Bemühungen am stärksten für ein« solche Regelung eingesetzt hol. Unsere Partei hat auch hier gezeigt, daß sie von staatspolitischem Derantwottungsgefühl beseelt ist, und des- halb bitte ich, meine Ausführungen damit schließen zu dürfen, daß meine Sympathien nach wie vor mit denjenigen Männern sind, die von jeher für einen auf Freiheit und Ordnung ausge» bauten Volks st aat gekämpft hoben, und denen wir es in erster Linie zu verdanken haben, daß im November 1918 da« deuffche Volk nicht nach der äußeren auch noch in den Strudel der inneren Zerstörung hineingettteben ist. Koch hat in einer Rede in Frankfurt a. d. O. zu dieser grundsätzlichen Frage Stellung genommen, indem er er- klärte: Die Patteileitung vermag bei dieser Sachlage zu einer bejahen- den Beteiligung am Volksentscheid nicht zu raten, weil sie da» Prinzip des Privateigentums als der unentbehrlichen Grundlage jedes wittschafttichen Fortschtttts auch In einem so be- sonders gelegenen Fall nicht angetastet wissen will. Aber sie weist es von sich, von denjenigen ihrer Patteimitglieder abzurücken, die diese Frage anders beutteilen. Es gibt viele Demokraten, die glauben, daß die Rechte einen Sieg als einen Sieg der Man- archie über die Republik auswetten werde. Es gibt ferner viel«, die glauben, daß nur dann nach der zu erwartenden Ablehnung de» Volksen tscheids eine angemessene Regelung zustande käme, wenn sich für den Volksentscheid ein« große Menge Wähler erklärten. Sie weisen darauf hin, daß nicht nur Für st Bismarck diejenigen oerspottete, die solche politischen Fragen vom Standpunkt eines Kreisrichters beutteilen, sondern daß auch der Fürst B ü l o w in der polnischen Enteignungsfrage diejenigen tadelte, die in abstraktem Formalismus aus einem uns Deutschen eigenen Trieb auch, große Fragen vom Standpunkt des Kreisrichters beutteilten, während es die erste, oberste und vornehmste Pflicht des Staates sei, sich selbst zu behaupten. Bei dieser ohne unsere Schuld verwirrten Sachlage wird jeder Wohlwollende verstehen, daß die Deuffche Demokratische Pattei von einer Festlegung ihrer Anhänger absehen mußte. Wir möchten zu diesem Streit bemerken, daß sich mit dem Begriff des Privateigentums hier nicht viel anfangen läßt. Das Privateigentum überhaupt will niemand zerstören. Für die Ueberführung von Produktionsmitteln aus dem Privateigentum in das Gemeineigentum ist die Frage der Entschädigung nicht entscheidend. Die Enteignung der Fürsten- vermögen hat aber mit sozialistischen oder indi- oidualistischen Wirtschaftsprinzipien nichts u tun. Schachts Auffassung läuft darauf hinaus, daß aller ohne weitere Prüfung � � g seiner Entstehungsgrundlagen als unantastbares Privateigentum angesehen werden müßte. Aber da er den demokratischen Antrag zur Fürstenabfindung lobt, der jener Auffassung keinesweas entspricht, gerät er mit sich selbst in Widerspruch. Er beweist damit nur, daß mit dem kapitalistischen Dogma von der„Unantastbarkeit" jedes söge- nannten Privateigentums den Problemen der Gegenwart nicht beizukommen ist. Lobe gegen öen tzinöenburg-Srief. Törichtes Geschrei der Rechten. Die Rechtspresse stellt sich entrüstet über Antworten, die Reichstagsprasident Genosse Lobe dem Berliner Vertreter der„New Bork Times" auf seine Fragen über den fjindenburg-Brief und den Volksentscheid erteilt hat. Ehe sie auch nur den Wortlaut der Aeußerungen Lobes kennt, tobt sie besessen los. Sie wirft Lobe vor, die Neu- tralität des Reichstagspräsidenten verletzt zu haben und droht bereits mit Folgerungen, die die bürgerlichen Parteien aus dem Verhalten Lobes zu ziehen wissen werden. Das tut dieselbe Presse, die den Hindcnburg-Brief nicht nur, sondern auch das Plakat mit deren fälschender Schlußauf- forderung bis heute deckt! Wenn Lobe, der nicht nur der Präsident, der Mann des Vertrauens des ganzen Reichstags, sondern auch Vertreter seiner Partei im Reichstagspräsidium ist— zum Volksentscheid sich äußert, dann verletzt er die „Neutralität". Wenn aber der Reichspräsident, von dem die Verfassung eine Stellung über den Parteien verlangt, die von Ebert geschaffene Tradition bricht und mit einem sogenannten Privatschreiben in den politischen Kampf eingreift— ja dann hält er sich innerhalb seiner Befugnisse. Zweierlei Recht, das gilt auch hier: eins für den Anwalt des Man- archen, das andere für den Anwalt des Volkes! Der deutschen„nationalen" Presse möchten wir den Rat geben, auf die Stimmungsmache gegen den Volksentscheid vom Ausland her lieber zu verzichten. Es macht doch einen zu schlechten Eindruck, wenn ausgerechnet unsere Pa- trioten das Ausland zum Eideshelfer in einer rein innerdeutschen Angelegenheit heranziehen. Den Wortlaut der Unterredung mit Lobe, wie sie uns von dem Berliner Vertreter der„New Bork Times" zur Verfügung gestellt ist, bringen wir als eine würdige Antwort des Reichstagspräsidenten an den Reichs- Präsidenten zum Abdruck. 1. Frage: Betrachten Sie den Brief chindenburgs als Innerhalb der verfassungsmäßigen Rechte des Reichspräsidenten stehend? Antwort Lobes: Nein. 2. Frage: Was, glauben Sie, ist die innere Bedeutung des Briefes? Antwort: Keine andere, als daß er seine Anhänger gegen die Fürstenenteignung aufrufen will. 3. Frage: Wie, glauben Sie, wird dieser Brief die Abstimmung beeinflussen? Antwort: U n g ü n st i g.(Gemeint ist offenbar im Sinne des Briefschreibers. Red. d.„V.".) 4. Frage: Betrachten Sie die Expropriierung ohne Entschädi- gung als eine Verletzung des Prinzips des Privateigentums? Ant- wort: Nein, ste ist in der Verfassung der deutschen Republik ausdrücklich vorgesehen. 5. Frage: Geben die Sozialisten zu, daß die Expropriierung der Fürsten durch legale Mittel, d. h. Volksentscheid, ein Präze- d e n z bildet für weitere Expropriierungen anderer Klassen durch dieselben legalen Mittel und auf diese Weise den Weg zu einer sozialen Revolution ohne Gewalt- maßnahmen öffnet? Antwort: Die Sozialdemokraten geben das nicht zu; ste sehen darin einen Sonderfall. 6. Frage: Sind Ihnen Beispiele bekannt, wo ein kapi- ta l ist i scher Staat eine Gruppe oder Klasse ohne Ensschädi- g�rng expropriiert hat? Antwort: Die französische Re- gierung enteignete Fürsten, Hochverräter und Großgrundbesitzer. Die tschechische Republik desgleichen. Die portugiesische Republik enteignete die Fürsten und Bismarck enteignete das welfische Königshaus. 7. Frage: Was Ist Ihre Meinung über die moralische De- deutung der Volksabstimmung? Antwort: Sie ist ein Zeugnis der S e l b st b e st i m m u n g der Staatsbürger in wichtigen Fragen. Heber da« Mandat de« Landtagsabgeordneten Dr. Dadt sSoz.) wird das WahlprüfungSgericht am 8. Juli entscheiden. Durch nachträgliche Korrektur des Wahlergebnisse» ist inzwischen Stadtrat Marx, Bonn(Soz.) in den Landtag eingetreten. Loebell läßt bettet».. Tie Industrie soll für die Fürsten zahlen. Die Berliner Jndustriefirmen werden seit einigen Tagen von einem Herrn aufgesucht, der sich als Oberleutnant v. Falken. Hayn vorstellt, ein Neffe des früheren Generalstabschess. Er weist «in eigenhändiges Schreiben des Herrn o. Loebell vor, durch das er ermächtigt wird, bei der Industrie Gelder für die Propaganda gegen den Volksentscheid zu sammeln. Offenbar hat der Präsidem des Reichsbürgerrates kein Vertrauen in den Erfolg der Borfigschen SO-Pfennig-pro-Kopf-Aktion. So läßt er auf eigene Faust die Industrie anbetteln. Vielleicht de- reitet sich auch eme Neuauflage des Kampfes um die Propagandatasse vor, wie man ihn schon zur Zeit der Reichs- Präsidentenwahl erlebt hat, als Laverrenz die deusschnationalen Mannen anflehte, ihre Spenden der Parteikasse und nicht dem Loebellschen Reichsblockfonds zuzuleiten. Zür üas Volt- gegen üie Zürften! Ei» Ruf aus Württemberg. Eine große Anzahl führender Persönlichkeiten Württembergs, denen auch unter der Terrorregierung Bazille der Bekennermut noch nicht abhanden gekommen ist, so die Professoren W i l b r a n d t, Dr. S a k m a n n, Dr. P f l e i d e r e r, Dr. Mehmke, Dr. H o r r- mann, Dr. C h r i st a l l« r, die Pfarrer Eckert- Meersburg und List- Göggingen, Polizeihauptmann A l b r e ch t- Heilbronn und andere haben einen Aufruf gegen die maßlosen Forderungen der Fürsten und für die Teilnahme am Voltsentscheid erlassen. „Nachdem ein annehmbarer Kompromißentwurf", heißt es in dem Entwurf,„nicht zustandegekommen ist und die Gerichte in Der- kennung der Sachlage gegen die notleidenden Boltsmassen und für die Fürsten Entscheidungen getroffen haben, muß es als selbstver- ständlich gelten, daß durch die volle Durchführung der Bolksabstim- mung das deutsche Volk davor geschützt wird, dauernde Tribute denen zu zahlen, diees in ihrerMehrheit am wenig st en ver- dient haben. Darum unterstützen wir den Antrag auf ent- schädigungslose Enteignung der Fürsten als einen Akt aus- gleichender Gerechtigkeit und rufen dazu auf, am 20. Juni mit dem Ia-Stimmzettel zu beweisen, daß es jetzt gilt, dos Volksvermögen, Milliartnen an Geldeswert, zu erhalten und den durch die Inflation schwer geschädigten Schichten zuzu- führen."_ die Inflationsopfer für öen volksentfcheiü. Der Hamburger Landesverband des Hypotheken- gläubiger- und Sparer-Schutzveibandes für das Deutsche Reich (Sparerbund), Sitz Berlin, wendet sich mit folgendem Aufruf an die Oessentlichkeit: Sparer, Rentner, Gläubiger, Inflationsbetrogene! Die Kreise der Hochfinanz, der I n d u st r i e, des Großagrariertums, der Presse, die Clique der I n f l a t i o n s g e w i n n l e r, die das deutsche Volk zu Lohnfklaoen des Großkapitals machen wollen und das Ver- mögen der breiten Volksschichten durch den Schwindel der Inflation in chre Tasche gesteckt haben, wollen den Fürsten Milliardenvermögen geben und euch zu Bettlern machen. Unter Mitwrrkung der deutschen Reichsregierung und des Reichs- tages als gesetzgebend« Faktoren hat man die Sparer um die sauer ersparten Groschen betrogen. Dieselben Kreise, die auch mit brutaler Rücksichtslosigkeit als die Diener des Groß- tapitals bestohlen haben, versuchen heute an euer Rechtsempfinden zu appellieren und euch irrezuführen. Hört nicht auf die lügenhafte Presse, die nur im Auf- trag des Großkapitals handelt, sondern handelt endlich in eurem eigenen Interesse. Weil die an euch begangene Enteignung „Recht" sein soll, verlangen wir in logischer Folgerichtigkeit des Grundsatzes„Gleiches Recht für alle": gleiche Enteignung für alle. Danach müßt ihr handeln und dem Volksentscheid aus Fürstenenteignung zum Siege verhelfen. Nur durch die Tat wird euch euer Recht. Ihr müßt auch bei anderen vollziehen helfen, was man euch angetan hat. Zweierlei Recht und eine einseitige Enteignung gibt es ' nicht. Wo war die Kirch«, als ihr enteignet wuAet? Lei drt Fürstenenteignung führt sie das siebente und zehnte Gebot ins Feld. Bei eurer Enteignung hat sie geschwiegen. Wie haben die so- genannten Kompromißparteien eure Auswertungsinteressen entgegen ihren Versprechungen vor der letzten Reichstagswahl ver- raten? Vergeht ihnen das nie! Wie werden die Grundsätze der Sitte und Moral von den Kreisen hochgehalten, die sie jetzt so eifrig im Munde führen? Nur ihre eigenen Interessen wollen sie nach diesen Grundsätzen behandelt wissen! wo ist die Gerechtigkeit? Euch gibt man für eure Aufwertungsansprüche 2)4 bis 2S Proz. Die F ü r st e n aber erhalten ihre Renten aufgewertet m i t 500, 800, j a m i t 1400 Proz.(Großherzog von Weimar). Aber für eure wohlberechtigten Ansprüche ist kein Geld da— sagen das Reich und die„Wirtschast". Deutsches Sparer-Volk, wache endlich auf und handle, verhelse dem Volksentscheid zur Zürstenenteignung zu einem vollen Siege. Hypothekengläubiaer- und Sparer-Schutzbund für das Deutsche Reich (Sparerbund), Sitz Berlin, Landesverband Hamburg e. D. die Not öer Angestellten. Nochmalige Vertagung der Entscheidung des Reichstags. Der soziale Ausschuh des Reichstages hatte entgegen dem Willen der sozialdemokratischen Reichstagsjraktion die Entscheidung über die einstimmigen Vorschläge de» Unterausschusses zur Bekämpfung der Not der Angestellten auf den 11. Juni vertagt. Die Deutsche Volks- Partei hatte wegen Erkrankung ihres Abgeordneten Thiel die noch- malige Vertagung beantragt. Der sozial« Ausschuß hat diesem An- trag entsprochen und die Behandlung der Vorlage nach dem Volks- entscheid in Aussicht genommen. Eine weitere Verschleppung der Angelegenheit darf unter keinen Umständen erfolgen: der Reichstag muß vor seinen Sommerserien die Entscheidung treffen._ Zur öen Anschluß! Kundgebung des deutsch österreichischen Volksbundes. Frankfurt a. M.. 14. Juni.(WTB.) In der historischen, bis auf den letzten Platz dicht gefüllten Pauls-Kirche fand heute 7 Uhr abends als Abschluß des Bundestages des österreichisch- deutschen Volksbundes eine große politische Kund- gebung für den Anschluß Deutschösterreichs an Deutschland statt. Reichstagspräsident L ö b e eröffnete den Abend mit einer kurzen Ansprache, in der er u. a. betonte: Gebt dem deutschen Volke freies Selbstbestimmungsrecht, morgen schon wird es sich zeigen. daß keine Macht der Welt diesen einheitlichen Willen der deutschen Stämme von Nord und Süd hemmen kann!" Im Anschluß daran sprachen als Vertreter der österveichsschen Wirtschaft Generaldirektor Dr. Neubacher-Wien, als Vertreter des österreichischen Landbundes Landtagsabgeordneter G a s s e l i ch- Wien und der chrsstlich-soziale Abgeordnete Professor D r. Eibl. Als deutsche Vertreter sprachen sodann Senatspräsident Dr. H e d e m a n n für die Deutfchnationale Partei, Reichstags- abgeordneter S ch ö p f l i n für die Sozialdemokraten, Landtags. abgeordnet« Frau Kempf für die Demokraten, die sich alle in warmen Worten für die Vereinigung einsetzten. Mit einem Schluß- wort des Reichstagspräsidenten L ö b e fand die impdsante Kund- gebung ihre Ende._ Stuöentenstreik in Hannover. Keine Vorlesungen. Haanover, 14. Juni.(WTB.) Gemäß dem Beschluß der Studenten« schast an der Technischen Hochschule Hannover hat heute der größte Teil der Studierenden die Hochschule nicht besucht. Au» diesem Grunde sind auch heute keine Vorlesungen abgehalten worden. DaS gleiche ist für morgen, Dienstag, zu erwarten, während am Mittwoch der Hochschulbetrieb wieder aufgenommen werden soll. Professoren-Rebellion. (. Von Hans Bauer. Ja, das waren noch Zeiten, als die Professoren die Regenschirme stehen ließen, die Brille suchten, die sie auf die Stirn geschoben hotten, und den Federhalter in den Mund und die Zigarre ins Tintenfaß steckten. Das waren die guten alten Zeiten, da die Pro- fcssoren sich die Zerstreutheit leisten tonnten. Ganz hoch droben, in den Wolken, saß jener Wilhelm und paßte zwar nicht auf die Regenschirme und Brillen auf, aber er wachte darüber, daß in den großen, in den wichtigen Lebensdingen alles beim rechten blieb. Da war gut zerstreut, da war gut weltfremd sein. Da hatte man'« freilich leicht, sich um nichts außer um die Wissenschaft zu kümmern. Man wußte sich geborgen. Man wußte sich gut aufgehoben. Man gehörte zum System, war dessen Verzierung und-- nun, stand und fiel mit ihm, wäre zuviel gesagt, aber man st a n d auf alle Fälle mit ihm. Wie ist das alles anders geworden. Heute ist sozusagen die Pa- role ausgegeben, daß ein Professor geachtet und in Ehren gehalten wttd, sofern er etwas leistet, daß aber die bloße Zugehörigkeit zum Professorenstand nicht für beweiskräftig zu halten ist. Da muß ja ein Professor geradezu auf der Hut sein vor der Welt. Da muß er seinen Mann stehen. Und da bleibt nur zu sagen, daß er das mit großem Geschick zu tun pflegt. Wir erinnern uns des an den Professor Bernhard gerichteten Briefes jener 31 Ienenser Professoren, die mit„tiefer Beschämung empfanden, was heute in Preußen möglich ist". Wie wacker war dieses Eintreten für einen hochverräterischer Umtriebe verdächttgten Kollegen! Wie blutsverbunden fühlten sie sich ihm. Wie übten sie Solidarität! Wie stellten sie sich vor«wem der Ihren auf und nahmen Front gegen eine ganze Welt von Feinden: gegen den preu- ßischen Staat. Hinwiederum Hannoverl Wie drastisch erwiesen die Professoren, daß sie öder Prinzipienreiterei weltfern stnd, daß sie gar nicht daran denken, einem unangebrachten Kastengeist zu frönen, daß keiner ein Recht darauf hat. ihnen vorzuwerfen, ihrer Weisheit letzter Schluß beruhe darin, einander nicht die Augen auszuhacken. Mit welcher Eleganz ließen sie den Kollegen fallen und traten auf die Seite seiner Angreifer über. Trotz bietend allen Gefühlen der Kameradschaftlich- keit und nur gehorchend der Stimme der Gerechtigkeit. Welch er- freuliches Schauspiell Die bemoosten Häupter schlössen den Liebes- bund mit der feurigen Jugend. Nun muß man ja freilich sagen, daß„die ganze Welt", gegen die sie sich im ersten Falle wandten, zufällig aus einer Institution bestand, die ihnen nichts schaden und die nicht zurückschlagen konnte und daß die feurige Jugend des zweiten Falles aus der Kollcggelder bezahlenden Studentenschaft bestand Aber ist nicht gerade das das Heroische an dem Normaltyp des deutschen Professors, daß er sogar tapfer genug ist, dem Schein die Stirn zu bieten� a lasse ssch seine HaMungsweije von materiellen Momenten bestimmen, eine Stirn übrigens, die das Gegenteil von seinem Rückgmt ist, nämlich eisern! Was aber blieb uns da noch anders übrig, als darauf Obachi zu geben, daß unsere Professoren das nicht umlegen, was wir leider nicht mit ihnen einlegen können: einen Staat. Ein Schriftsteller, der keine Preise annimmt. Der amerikanische Schriftsteller Sinclair Lewis, dessen Roman«„Babbitt" und „Dr.Arrowfmith" auch bei uns bekannt geworden sind, ist kein Freund von Ehrungen und Auszeichnungen. Ihm war der Pulitzerpreis, eine von dem Zeitungsunternehmer Pulitzer gestistete Ehrung in bar, zuerkannt worden. Er hat die Annahme abgelehnt und dafür sehr triftige, eines freien Mannes würdige Gründe angeführt: „Alle Preise, alle Titel sind gefährlich. Wer Preise sucht, will nicht eigene Gediegenheit, sondern fremdes Lob: er ist bestrebt, dies zu schreiben und ängstlich jenes zu vermeiden— um sich vor den Benachteiligungen eines unberechenbaren Ausschusses zu schützen. Die Bestimmungen des Preises sind, daß er„für diejenige ameri- kanische Erzählung, die während des Jahres veröffentlicht wurde und am besten die gesunde amerikanische Lebensatmosphäre und den hohen Stand amerikanischer Sitte und Ehrbarkeit widerspiegelt", verliehen wird. Es ist gleichgültig, was diese Phrase auch immer bedeuten soll— sie drückt jedenfalls aus, daß die Wahl der Er- Zählung nicht nach ihrem wirklich literarischen Wert, sondern nach einem zufällig gerade herrschenden Kodex guter Sitten und Formen erfolgt.... Da gewisse Verleger marktschreierisch erklärten, daß jede Erzählung, die den Pulitzerpreis erhalten hat, ohne Einschrän- kung zur besten Erzählung geworden ist, glaubt die Oeffentlichkeit allmählich, daß dieser Preis die höchste Eyre bedeutet, die einem amerikanischen Schriftsteller widerfahren kann. Man versucht ihn zu einer geheiligten Ueberlieferung zu machen. Allgemein glaubt man, daß die Preisrichter eine unfehlbare Körperschaft sind, die Verstand und Macht besitzt, den Preis als höchsten Ausdruck des Verdienstes zu verleihen.... Nur durch regelmäßige Ablehnung des Preises kann der Schriftsteller verhüten, daß eine solche Macht ständig über sie gesetzt wirb. Pulitzerpreis«, amerikanische Akademie der Künste und Wissen- schatten und ihre Vorschule, das nationale Institut der Künste und Wissenschaften, laienhafte Zensurstellen und hochnotpeinliche Unter- suchungen durch literarisch« Blaustrümps«— jeder Zwang wird an- gewandt, um die Schriftsteller sicher, höflich, gehorsam und unfrucht- bar zu machen. Um dagegen zu protestieren, lehnte ich vor einigen Jahren die Wahl in das nationale Institut der Künste und Wissen- schaften ab, und muß auch jetzt den Pulitzerpreis ablehnen." Ellen Renstädler, die als Schauspielerin einen vorzüglichen Ruf genoß, hat Selbstmord begangen. Es war nicht ihr erster Versuch, dem Leben zu entkommen. Nachdem sie schon zweimal den Aus- weg aus ihren seelischen Nöten getticht hatte, gelang es ihr beim drittenmal. Nun hat sich an diese Tat der Verzweiflung sofort eine Reihe von Legenden geknüpft. Man behauptete, die unglückliche Frau sei den wirtschaitlichen Schwierigkeiten nicht mehr gewachsen und habe es auch nicht überwinden können, ohne Engagement zu bleiben. Man ging sogar soweit, daß man die Genossenschaft deutscher Vühncuangchoageu deschuldigte, sie trage indirekt die Schuld an der Verzweiflungstat Ellen Neustädter». Diese Be- hauptung ist natürlich sinnlos und böswillig. Wer Gelegenheit hatte, tiefer hineinzusehen in die letzte, sehr schmerzvolle Lebens, zeit Ellen Neustädters, der weiß, daß es Kümmernisse ganz intimer und rein seelischer Art waren, die sie zum Selbstmorde trieben. Sie konnte die große Enttäuschung, die ihr Herz erlitten hatte, nicht überwinden. Sie hatte die Energie eingebüßt, um ihr künstlerisches Weiterkommen zu fördern. Es ist wahr, daß sie nicht mehr spielte. Es ist aber ebenso wahr, daß man nicht die Bühnengenossenschast dafür verantwortlich machen kann. Ein tragisches Schicksal erfüllte sich. Ellen Neustädter war eine Frau, die vielseitigen geistigen Inter- essen nachging. Sie hatte im Hause ihrer Eltern frühzeitig be- deutende Männer getroffen, unter anderem Bebel und Liebknecht. und diese Jugendbekanntschaften gaben ihrem Denken Inhalt und Würde. Als Schauspielerin vermochte sie nicht zu blenden und fortreißende Wirkung auszuüben. Wer ste aber auf der Bühne gesehen hat, erinnert sich gern, daß sie gerade in Rollen der Güte und der Zärtlichkeit mit einer gewinnenden Wärme zu sprechen pflegte. Es schien, als wenn ständig in ihrer Stimme der Widerhall des Leides zitterte, jenes Leides, unter dessen Last sie zusammenbrach. M. H. Die Elefanten sterben au«. Wie die Dinge augenblicklich liegen, muß man sich mit dem Gedanken vertraut machen, daß die Elefanten allmählich aussterben werden. So wird aus Kambodscha, das neben Siam und Birma als das Land der Elefanten gilt, neuerdings ge- meldet wird, daß die Zahl der Dickhäuter dort ständig zurückgeht. Dies gilt vor allen Dingen von den Elefanten, die als eine Art Haus- tiere dem Menschen bisher wertvoll« Dienste geleistet haben. Ehedem oerwandte man die Riesen in den Wäldern für mannigfache Zweck«: sie schleppten schwere Holzstämm«, räumten gefällt« Bäum« aus dem Weg und taten andere nützlich« Arbeit. Heute hat man fast überall auf ihre Dienste verzichtet, und es gibt in Kambodscha kein einziges Unternehmen mehr, das mit Elefanten arbestet. Der Hauptgrund liegt darin, daß das Tier, das dem oberflächlichen Betrachter so robust und widerstandsfähig erscheint, in Wirklichkeit einen höchst empfind- lichen Organismus hat. Es fürchtet die Hitze ebenso sehr wie die Kälte und ist, solang« die Sonne brennt, d. h. dm größten Teil des Tages über, zur Arbeit nicht zu gebrauchen. Außerdem ist der Elefant ein außerordentlich kostspieliger Gefährte des Menschen: da er zu seinem Lebensunterhalt großer Mengen von Nahrung bedarf, ist er fast ein Luxusgegenstand geworden. Die Kolonisten, die den Wald roden, haben sich daher notgedrungen modernisiert und den Elefanten durch Traktoren ersetzt._ Professor yasschek gestorben. Am Eonnabend starb als vlerundsünfzig- fSbriger der Vertreter de» Elaat»-. Verwaltuvg«- und Völkerrecht» an der Gitlinger Univerfilät, Pro!. Dr. Iuliu» Halschct. Hatschek galt als der beste Kenner des englischen Recht» und der englischen Geschichte. ver filmmöde kardinal Zeit nchtundrlcrzig Stunden fehlen In New Dort Nachrichten über den Verbleib de» Srzbischof« von München, de» Kardinal» Faulbaber, der mit den übrigen Teilnehmern am Eucharitlischen Kongreß von Chicago m New Dork angekommen war. arbeiteroerband wandte sich am Montag mit einer bedeutungsvollen, vom Vorsitzenden des Verbandes, zwei weiteren Mitgliedern der Exekutiv« und dem Sekretär Cook unterzeichneten Kundgebung an die gesamte britische Gewerkschaftsbewegung. Der Ausruf weist eingangs auf den Charakter des gegenwärtigen Arbeitskampfes im Bergbau hin und kennzeichnet die bekannten Vorschläge, die von den Unternehmern und von der Regierung bisher gemacht wurden. Dem- gegenüber erklärt die Exekutive der Bergarbeiter, ge- stutzt auf die Beschlüsse der verschiedenen Gewerkschaftskongresse und den eindeutig kundgegebenen Willen der Bergarbeiter der einzelnen Bezirke, daß die Bergarbeiterschast als einzig mögliche Grundlage für eine Verständigung im Bergbau folgende Punkte betrachtet: Sofortige Reorganisation der Industrie zwecks Vermeidung der gegenwärtig herrschenden Materialverschwen- dung und der organisatorischen Mißwirtschast; Aufrechterhal- tung der Lohnregelung in einem Reichstaris; Aufrecht- erhaltung der vor der Aussperrung geltenden Löhne und der Ar- bettszeit. Die Exekutive erklärt, daß die Ausrechterhaltung dieser Forderungen durch die Erkenntnis bestärkt worden fei, daß jedes Nachgeben keinerlei Lösung der Schwierigkeiten bedeuten würde, denen sich der Bergbau gegenüber sieht, sondern nur Lohnherab- setzungen und Verschlechterpngen der Arbeitszeit in den übrigen Industrien mit sich bringen würde. Im Hinblick auf die Klagen der Unternehmer auf die Unren- tabilität des Bergbaues stellt die Exekutive sest, daß der britische Bergbau bei einem Kapital von 180 Millionen Pfund Sterling in den vergangenen 12 Jahren 212 Millionen Pfund Prosite und außerdem 75 Millionen Pfund als Grundrente an die Bodenbesitzer ausgezahll habe. Die Kund- Sebung schließt mit einer Ausforderung an die britische Arbeiter- Haft, die Bergarbeiter finanziell zu unterstützen. Sie fordert außer- dem alle Organisationen des Transportwesens auf, ihre Mitglieder zu ermächtig»n, auf die Dauer der Aussperrung jeglichen Transport von Kohle zu oerweigern. Der Aufruf der Bergarbeiter ist eine Antwort auf den Versuch eines Teils der bürgerlichen Preste, Anzeichen von Nachgiebigkeit im Lager der Bergarbeiter festzustellen. Im Unterhaus wird die Kohlenkrise am Dienstag zur Be- sprechung kommen. In der Regierung nahestehenden Kreisen wurde am Montag nachmittag die Vermutung ausgesprochen, daß bei dieser Gelegenheit von Baldwin eine bedeutungsvolle Erklärung zu er- warten fei, die möglicherweise eine baldige Ueberwindung der Krise zur Folge haben werde._ Einigung im norwegischen Arbeitskonflikt. Oslo, 14. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Urabstimmung über den Vergleichsvorschlag der Schiedsgerichtskommistion im nor- wegischen Arbeitskonflikt hat eine Mehrheit für die Annahme des Vorschlags ergeben. Daraufhin wird in diesen Tagen d i e Arbeit überall zu den neuen Bedingungen wieder o. ausgenommen. Im großen ganzen laufen sie«ms TFi n«.t, Lohnherabsetzung von 15 bis 17 Proz. hinaus. Die neuen Löhn« sollen aber bis zum nächsten Januar Geltung haben, so daß die von den Arbeitern am meisten gefürchtete Lohnregulierung nach der Indexzahl des August wegfällt. Der Schiedsspruch erhält aber auch die bisherigen Arbeitsbedingungen in bezug auf Urlaub usw. aufrecht. Insgesamt werden 32000 st reitende A r b e i- t e r von dem Schiedsspruch betroffen. Zkreie>«e»d. Seute. 7*4 Wir, toqcn bi«®ru«n*n: 8aab*b(ra,6 stoße" von allen Seiten Abteilung für Abteiluna. Bezirk für Bezirk auf d Platz. JBis in die Nebenstraßen des Platze» dehnen sich bald die Aus dem Bütgersteig, in den Nebenstraßen staut sich langen Reihen. das Heer der Zuschauer. Mit einem Musikstück des Tambourtvrvs des Neuköllner Reichsbannei Demonstranten— in Bewej Zckhl die Ncichsbannermannf.MI IMI mit frohen Liedern, mit Fahnen und Plakaten. Ad und zu springen einige aus den Reihen, um die an Straßenrändern dichtgedrängten Zuschauerreihen mit Flugblättern zu versorgen. Dann ein Zua Kriegsbeschädigter und nun folgen die Abteilungen mit ihren wehenden Bannern, mit einem Heer von Fahnen und Plakaten. Durch die Pslüger-, Reichenberger, Oranienstraße gehts zum Moritz- platz. Schon aus der Oranienbrückc staut sich beängstigend der Per- kehr. In langen Reihen stehen Fuhrwerke und Straßenbahnen. Durch die Stallschreiberstraß«, über die Eertraudtenftraße, Brüderstraß« geht« ohne Aufenthalt zum Lustgarten./ hausoogteiplnh. Die Bezirke Wilmersdorf und Eharlottenbarg versammellen stch nachmittag« aus dem Hausoogteiplatz Kurz nach S Uhr erschienen bereits die Relchsbannerleule mir Musik und Flaggen und innerhalb kurzer Zeit verdichtete sich der Zug zu einer ungeheuren, nicht endenwollenden Masse. Bunt durcheinander- gewürfelt, Menschen verschiedenen Atters und Stande», der Arbeiter neben dem Angestellten. Mütter mit ihren Kindern, alles, alles war vertreten. Und sie alle waren einig in dem kraftvolle» Wunsche, dem Volke zu erhalten, was des Volkes ist! Auch der Humor kam zu seinem Rechte. Als Anhänger der glorreichen Fürstenschost sah man da» lustige Terzett aus»Hakespeares.Sommernächistraum', drei Männer mit Köpfen unserer lieben, guten, aber nicht allzu schlauen Hauetier« und noch viele andere launige Witzeleien. Hieraus setzte sich der Zug in Bewegung, nahm seinen Weg durch die Ober- wall- und Werdcrstraße. über die Slechbahn nach dem Luft. garten. Der Riesenkomplex schien fast zu klein, Hundertaulende auszunehmen. Auf der Freitreppe de« Museum» pcstierten sich die Sänger und die Phcnographen, unter tönenden Liedern der Freiheit, ein prächtiges Bild der Einigtest und Geschlossenheit. Lichkeuberg. Bei schönstem Wetter marschiert« pünktlich um ¥\6 Uhr ein imposanter Zug von der Frankfurter Allee, Ecke Krön- prinzenstraße los, an der Spitze das Reichsbonner mit Musik und den republikanstchen Flaggen. Tausend« van Neugierigen bildeten Spalier, um sich dann begeistert anzuschließen. Alle Fenster waren dicht besetzt: die Fürstendiener machten ein langes Gesicht, als sie diese unerhört« mit ihr« gestrigen tläglichen Kundgebung oerglichen. An der Weberwiese schloß sich ein neuer gewvltiger Zug an, so daß Straßenbahn irnd Autobus nur mühsam vorwärts konnten. Bon den Häusern grüßten jetzt schwarzrotgoldene Fahnen die mit weithin schallender.i Gesang Borübersi.ehenden. Ein.Kaiser', den eine Gruppe von Kommunisien mit sich führte. erregte auf dem ganzen Wege tosende« Hohngelächter. In flottem Tempo ging e« durch die Groß« Frankfurter, M a r s t l i u»-. Blumen-, Stralauer, Post-, Heilige-Geist- und Kaiser-Wilhelm» Straß« nach dem Lustgarten, wo dieser Riesenstrom sich in ein ungeheurts Menschenmeer«goß. weberwiese. Der Friedrichshainer Bezirk sammelte sich aus der Weber- wies«. Schon in sunster Abendstunde herrschte dort ein u n ü b« r- sehdare« Menschengewimmel. Und immer neue Schoren rückt Bolke» in Bewegung. Voran ein Trommler- und ein Musiktorp«, dem mehrere Hundertschaften des Reichsbanner» folgten, und Abteilung auf Abteilung, Kapelle auf Kapelle, dazwischen die Jugend mit Hunderten von roten und schwarzrotgoldenen Fahnen, mit un- zähligen Plakaten und Schildern, aus denen in drastisch« und nen mit wehenden Fahnen an. Kurz nach sechs Uhr setzt» sich "'ge Zug unter brausenden Hochrufen auf den Sieg des humorvoll« Weis« die Habgier der Erfürsten und ihrer Mätressen illustriert war. Der Abmarsch der Masten von der Weberwies« dauerte weit über ein« halbe Stunde. Und zu beiden Seiten flon- kierten viele Tauseyde die riesige Demonstration des roten Berlin. Und doch war es nur ein Bruchieil von vielen. Ein Strom von Begeisterung ging suggestiv von diesem imposanten Ausmarsch aus. Aus den Häusern wurden rote und schwarzrotgoldene Fahnen zum Gruß geschwenkt, aus Wirtschaften und Geschäften traten die Leute heraus, um dem demonstrierenden Volk ihre Sympathien zu be- zeugen. Wie anders mutet dieser Triumpyzug an als lenco aus- gepfiffene Häuflein der Fürstenknechie, das einen Tag vorher unter Polizeischutz durch dieselben Straßen floh! Der Zug, der nnt 20000 bi» 25 000 Teilnehmern eher zu niedrig eingeschätzt ist,» bewegte sich durch die große Frankfurter Allee, dre M a r s i'l i n»- st r a ß e entlang, durch Blumen-, Schickler- und S t r a- lauer Straße über iltyolkenmarkt, P o st st r a ß e, Kur« sürstenbrücke zum Lustgarten, wo er Aufstellung nahm. In der Marsiliusstraße versuri ic ein Monarchist die Massen durch Heraushängen einer scharzweißroten Fahne zu provozieren: im Proteststurm der Tausende retirierte er schll------" hleunigst. tzunöerttausenüe im Luftgarten. Am G r a n i t b eV« n vor dem allen Museum singt der Chor. Noch immer strömen neu« Scharen hinzu, immer mehr. Der Chor versinkt m dem Geräusch, in dem Schmettern der Tuben, hin und wieder setzt er sich sieghaft durch. Dann wird plötzlich Ruh«: nichts regt sich in dieser Menge, die viel«, viel« Tausende zählt. Still zieh?» die letzten auf, finden ihr« Plätze, ordnen sich der Mast««in. Ans der F r e i t r c p p« d« s Dome, des a l t e n Museum« und de» Schlosse«, in der Mitte des Lustgartens, an allen Ecken sprechen die Redner, rütteln das Volt auf zum großen, emscheidenden Schlag gegen die Raubsucht der Fürsten. Rem, heute demonstriert hier nicht das Grüppchen Fürstenknechie wie am Sonntag vorher, nicht Menschen, die in der Lust der Freiheit nicht onnen können und sich nach der Peitsche des Sklavenhallers sehnen; heute will das freie Volk für seinen Willen demonstrieren, heut« will es zeigen, daß es zu freiein Handeln reif ist. Keinen Pfennig den Fürsten, die niemals Not gelitten hab�r trotz der sernimernalen Phrasen, trotz rührender Won« von Kanzel und Katheder. Der Will« des Volkes muß siegen, denn er will Gerechtigkeit. Warum denn ungeheure Vermögen den Nichtstuern geben, wenn Millionen hmigern imd um ihr Alle» be- trogen worden sind. Ja, mrd da» Boll geht mit. folgt begeistert den Rednern, hört in ihren Worten den eigenen Willen, die Stille wird unterbrochen durch spontane Ausbrüche der Begeisterung oder de» Abscheu». Hunderttausend sind zu einem Willen zusammengeschweißt. werden nur von dem einen Gedanken beseelt: Keinen Pfennig den Fürsten, bilden auf dem historischen Platz einstiger Fürstenherrlichkeit ein einheitliches Ganze. Die Ansprachen. Bon der D o m t r e v o e, oer Schloßsreiheit, dem Museum und vom Denkmal an der Granitschale sprachen die Genosten E'rlspien, Dr. Rosenjeld, Haß, Adolf Hoffmana, Auf Häuser, Bohm-Schuch, Dißmann, Dittinann, F l« i ß n e r(Dresden), Lande, Litte, Lrmpert, Meier, Dr. Moses, S t r ö b e l und W e st p h a l zu den Massen. In kurzen Ansprachen führten die 1 8 N e d n e r, oft von minutenlangen stürmischen Zustimmungstundgebnngen nntcrbraAen,->twa folgende» nit»> Der 20. Juni ist ein Entscheidungstag für die deutsch« Republik. Zum ersten Mal« srll da« Boll direkt ein Gesetz bestimmen. Ueber die Meinung der breiten Massen kann kein Zweifel sein! Ein millionenjacher Schrei der Empörung wird die wahnwitzigen An- lprnche der ehemaligen Fürsten in den Orkus fegen. Hindeichurg bat sich mit seiner Parteinahme für die Fürsten eine Blöße gegeben. Der Hohenzollerndiener als Präsident der deutschen Republik! Für den 20. Juni gilt die Losung: Es lebe der Kampf! es lebe der Sieg? vor Sem vom. Gewaltig war der Anblick, der sich dem Beschauer v»n der Domtreppe aus bot. Ein slnlendee Meer der Hunderttausende, niemals ruhend, und unendlich stark in seiner vieltausepd- faltigen Einheit. Wie ein Wall schwebten die unzähligen Fahnen, Schilder und Transparent« über den Massen. Und immer neue Züge marschieren im Rhythmus proletarischer Kampslieder heran. Schon klingen die Stinnnen der Sänger von der Museumstreppe herüber, und noch ertönen die dumpfen Wirbel der Marschmusik, weit hinten stauen sich die Züge, und aus allen Himmelsrichtungen schiebt sich die gewaltige Menschenmasse nach vorn. Immer neue stürmische Rufe beim Anblick eine» besonders charakteristischen Plakats sind der Beweis dafür, wie sehr der schamlose Ronvolan der Fürsten die Seele diese» Volke« aufgerüttelt hat.„Keinen Pfennig dem fürstlichen Raubtier!' ruft ein Plakat, auf dem»in fletschendes Gebiß einen Stoß Geld herunterschlingt. Und wie ein Echo pflanzt sich dieser Ruf der Voltsnotwehr die Reihen fort. Nach- dem die Redner geendet, beginnt der Ab mar ich des unendlichen Heeres, da« erst zum Teil aufmarschiert war. Es dunkelte bereits. und noch immer ist der riesig« Platz lebensgefährlich gefüllt. Und immer neue Hochrufe auf Volk und Republik erschallen und in mäch- tigen Rhythmen vflanzt sich der Sang der Internationale fort über die Riesendemonstrotion des werktätigen Berlin. Am Schloß hält beritten« Polizei, Schutzleute stehen mit Karabinern am Museum und am Dom. Aber sie sind unnötig. Die Massen halte» Disziplin, Uebrigens ist das Lerhatteu der Poliza im allgemeinen sehr zurückhaltend. Von der Domtreppe sah sich Polizeioizepräsident Dr. Fr i e d e» s du r g den Auimorsch der sozialdemokratischen Republikaner a». lind eines hat diese unoer- oeßlichc Kundgebung vom l-l. Juni aufs neue in allen gesestigl: Berlin ist republikanisch, nicht zulegt sozioldemolnltisch. Jegt und immerdar! Der Polizeiberichl: Ungestörter Verlauf. Das Berliner Polizeipräsidium teilt mit: Die Demonstrationen der Zozialdemokratischen Partei und der Freien Gemerkschaiten, die gestern abend im L u st g a r t e n für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten unter sehr starker Beteili- gung stattfanden, haben einen ungestörten und ruhigen Verlauf genoinmen. Auch beim An- und Abmarsch der zahl- reichen Züge ist es zu keinerlei Zwischenfällen gekommen. Die Polizei, die Vorkehrungen im üblichen Rahmen getroffen hatte, brauchte an keiner Stelle in Tätigkeit zu treten. Das Reitungsamt der Stadt Berlin sowie die Arbeiter-Samariter hatten an verschiedenen Stellen am Lustgarten Hilfsftationcn errichtet. Außerdem patrouillierten eine Anzahl Rettungswagen in den Nebenstraßen, um bei eventuellen Unfällen sofort zur Stelle zu sein. Der Leiter des Rettungsamtes, Dr. Paul Frank, leitete die Sicherungsmaßnahmen persönlich. Außer mehreren Ohnmachtsanfällen und epileptischen Anfällen waren keine besonderen Zwischenfälle zu verzeichnen. wer braucht einen Stimmlchein? Zur Abstimmung beim Volksentscheid empfehlen wir den Stimmberechtigten, immer einen Ausweis über ihre Person mitzubringen. Der Abslimmungsoorstcher darf Vorlegung eines Ausweises fordern, wenn Zweifel über die Person entstehen. Ein Ausweis besonderer Art ist der sogenannte Stimm- schein. Die in der Bevölkerung anscheinend weitverbreitete Mci- »unp, daß jeder Stimmberechtigte einen Stimmschein braucht, ist falsch Einen Stimmschein braucht inon nur in ganz best i m m l e u Ausnahmefällen, und ihn erhalten auf An- trog nur folgende Personen: l. ein in eine Stimmliste eingetragener Stimmberechtigter, 1. wenn er am Abstimmungstoge während der Abstimmungszeit aus zwingenden Gründen sich außerhalb seines S t i m m b e z i r k s aufhält: 2. wenn er nach Ablauf der Frist zur Auslegung der Stimmliste seine Wohnung in einen anderen Stimmbczirk verlegt: ll. wenn er infolge eines körperlichen Leidens oder Gebrechens in seiner Bewegungssähigkeit behindert ist und durch den Stimmschein die Möglichkeit erhält, einen für ihn günstiger gelegenen Abstimmungsraum aufzusuchen: iL ein iji eine Stimmliste nicht eingetragener oder darin gc- strichener Sti.nmbcrechtigter, l. wen» er nachweist, daß er ohne sei» Berschuldcn die Frist zur Einlcgung eines Einspruchs gegen die Stimmliste versäumt hat: 2. wenn er wegen Ruhens des Stimmrechts nicht eingetragen oder gestrichen war, oer Grund hierzu ober nach Ablauf der Frist zur Einleguug eine Eiuspiuchs gegen die Stimmliste weggefallen ist: 3. wenn rr Auslandsdeutfchcr war»nd feinen Wohnsitz nach Ablauf der Frist zur Einlegiing eines Einspruchs gegen die Stimm- liste in das Inland verlegt hat. Der Stimmschein wird in Groß-Berlin von dem für den jetzigen Wohnsitz zuständigen Bezirksamt durch das Bezirks- wahlamt ausgestellt. Rur bei Wohnungswechsel nach Ablauf der Auslegungzfrist ist die Stimmscheinausfertigung bei der für den f r ü�i c r c» Wohnsitz zuständigen Gemeindebehörde zu beantragen. Anträge auf Stimmscheinausfertigung werden nur bis 19. 2 ü nt entgegengenommen, also nicht mehr am 20. Juni. Man versäume keine Zeit und schiebe die Einreichung des Antrags nicht ohne Rot hinaus. Zur Entgegennahme solcher Anträge sind die Dienststunden von einigen Bezirkswahlämtern erweitert worden, für W e d d i n g von morgens 8 bis abends 7 Uhr(am 19. Juni nur morgens 8 bis mittags 12 Uhr), für Neukölln aus morgens 9 bis nachmittags 1 Uhr und nachmittags 5 bis abends 7 Uhr. Billige Fischlage. Am Dienstag, Mittwoäi und Donnerstag kommen zum Verlauf: frischer Kabliau und frischer Seelachs, im gaikzen Fisch pro Pinnd 30 Psg., im Anschnitt entsprechend teuerer. ir-che Makrelen pro Pfd. g.'>— 40 Pfg. Die Verkaufsstellen sind durch Plakate kenntlich gemacht. Oer Mobbly. 6] von B. Trauen. Copyright by Buchmeistcr-Verlaz. Berlin und Leipzig. Scüor Doux fragte den Ungarn, was los sei, und warum er gehen wolle. Der Ungar verstand das nicht, aber fühlte. was zu ihm gesagt wurde. Er konnte nicht antworten und oersuchte nun, mit Gebärden, die er überreichlich oerschwendete, klarzumachen, daß sein treuer Kollege etwas über den Schädel gekriegt habe, und daß er wohl der nächste sein würde, der dran glauben müsse. Draußen standen die Posten und andere Leute, die diese Gebärdensprache aus fossiler Vorzeit mit Per- gnügen verfolgten. Doux versuchte dem Ungarn begreiflich zu machen, daß er hier im Cafö durchaus sicher sei. Aber der Ungar traute dieser Zusage nicht. Wäre er mit den Sitten und Gebräuchen besser bekannt gewesen, so würde er gewußt haben, daß er nie und nirgends sicher ist, daß er ja nicht ewig innerhalb der vier Wände bleiben könne, und daß er, sobald er das Haus verließe, geliefert ist. Denn sein Gesicht kennen jetzt schon alle Arbeiter der Stadt, die brauchen keine Photo- graphie und keinen Steckbrief. Die vier Wände schützen ihn auch nicht. Eines Tages, morgen oder übermorgen schon, geht einer rein, tut als ob er Eis an den Tisch gebracht haben will, und wenn der Ungar kommt, hat er das Messer sitzen oder den Spucknaps so geschickt über den Schädel gehauen, daß die Ambulanz ihn abholen muß. Ehe man drinnen weiß, was geschehen ist, ist der Strasvollziehende einige Block weit. Nie- mand, der beste Detektiv nicht, findet ihn je. Einer der Gründe, warum es hier nie Streikbrecher gibt. Man kennt die wirk- samsten Mittel und scheut sich nicht, eine-Minnte lang sie rück- sichtslos anzuwenden. Krieg ist Krieg. Und die Arbeiter sind im Kriege, bis sie endlich nicht nur eine Schlacht, sondern den ganzen Feldzug gewonnen haben. Wenn den Staaten jedes Mittel im Kriege erlaubt ist, warum nicht den Arbeitern in ihrem Kriege ebenfalls? Der Arbeiter begeht nur immer den Fehler, daß er als ein anständiger Bürger angeschen werden will. Aber dafür gibt ihm niemand etwas. Der Ungar kam heraus, und einer der Posten nahm ihn gleich in Empfang. Sie brachten ihn zum Bureau des Syndi- kats. gaben ihm ein Nachtquartier und versprachen ihm. man wolle versuchen, ihm eine Stelle in einer Blcchschmiede zu oer- schaffen. Seüor Dour hatte ihn auch noch um seinen Streikbrecher- lohn betrogen, ihm nur fünfzig Centavos gegeben und vierzig Centavos für ein zerbrochenes Wasserglas berechnet. �us Liebe unö Ntitleiö meineidig. -In einen Genjisienskvnflilt war der Arbeiter L. geraten, als er als Zeuge in einem Ehefcheidnngsprozeß auftreten mußte. Es war die alte Gefchichie, die schon so manch einem verhängnisvoll gewor. den ist. Er statte mit einer versteiratcien Frau. Mutter von mehre- ren Kindern, ein Liebesverhältnis,»nd der betrogene Ehemann hatte schließlich Kenntnis von einem Zusammensein des Liebespaares in der Silvesternacht in einem Hotel in der Friedrichstadt erhalten. Daraus strengte er eine Scheidungsklage an und L. wurde als Zeuge geladen. Run beschwor er das Gegenteil und die Folge war, daß er nicht nur wegen Meineides angeklagt wurde, sondern auch wegen Anstiftung der Estesrau, dasselbe zu sagen. In dem letzteren Falle stellte sich vor dem Schwurgericht zu feinem Glück heraus, daß diese Aussage der Frau nur vor der Polizei erfolgt war, die gar nicht zur Abnahme eines Eides befugt war, so daß die Anstiftung ostne weiteres in Wegfall kommen mußte, wie der Verteidiger dem Schwurgericht bewies. Für seinen eigenen Falscheid hatte der Angeklagte zur Entschuldigung, daß er so aus Bitten der Frau gehandelt habe, die ihn mit Tränen hestürmt hake, Rücksicht auf ihre Lage und ihre Kinder zu nehmen. So haben ihn Mitleid und Liebe zu den, falschen Schritt veranlaßt. Das Schwur- gcricht zeigte auch menschliches Einsehen und erlaniüe nur aus 9 Monate Gefängnis, dem Angeklagten der Strafmilderungsgrund Zur das Volk- Segen die Znrsten! Oeffentliche Kundgebungen: heute. Dienstag, den lS. Juni: Prenzlauer verg: 714 Uhr in der Aula des Luisenstädtischen Gym- nasiums, Gleimstr. 49. Redner: Hermann Harnisch. M. d. L. tlkarlottenburg: Tresspunkt zum Demonstrationsumzug abends 6V2 Uhr Wilhelmplax. Gatow: 8 Uhr im Gasthaus Walter Krause. Redner: Martin Stein/ Wilmersdorf: 8 Uhr in den Spichernfälen, Spichernstraße 3(am Untergrundbahnhos Nürnberger Platz). Redner: Reichstags- Präsident Lobe. Lankwitz: 8 Uhr Demonstration auf dem Rathausplatz. Neukölln: 7!4 Uhr in der Aula der Oberrealschule. Emser Str. 134. Redner: Stadtrat Wilhelm Reim an n. Falkenberg-All-GIienicke: 8 Uhr bei Bahn, Grünauer Str. Redner: Landgerichtsrat Ernst Rüben. wahlsdorf: 8 Uhr im Lokal Kurland, Langestr., Ecke Müllerstr., und im Lokal Jakob, Lemkestr. Morgen, Mittwoch, den 16. Juni: Prenzlauer Verg: 7 Uhr in der Aula der Königstädlischen Ober- realschule, Pa'stcnrftr. 44. Redner: Dr. Kurt Löwen st ein, M. d. in. Tharlotlenburg: Uhr in den 5iohenzollern-Festsälen. Berliner Straße Ecke Wilmersdorfer Straße. Redner: Zl r t u r Crispin, M. d. R. Siemensstadt: 8 Uhr auf dem Platz an der katholischen Kirche Demonstration. Redner: Erich Knttner, M. d. L. Schmargendorf: 7'y Uhr im Schützenhaus, Hmidekehlenstraße Ecke Ruhlaer Straße. Redner: Bezirksverordneter Hermann L e>n p e r t. Baumschulenweg: 7 Uhr auf dem Platz des Lyzeums Demonstration. Redner: Wilhelni Landa. Johannisthal: 8 Uhr im Bürgergorten, Parkstraße. Redner: Her- mann L ü d e m A n n, M. d. L. Falkenberg-Akt-Glientcke: 8 Uhr im Lokal Meier, Dorsstr. 10. Redner: Franz von P u t t k a m c r. Lichtenberg: 7'/ Uhr in der Aula der Mittelschule, Marktstr, 10/11, Redner: Siegfried A n f hä u s e r, M. d. R� Pankow: 714 Uhr im Konzerlhaus Lindner, Breite Str. 34. Redner: Hermann Harnisch, M. d. L. Rosenthal: 8 Uhr Demonstration auf dem freien Platz vor dem Lokal Manthey, Hauptstr. 1. Abmarsch: abends 714 Uhr vom Lokal Ramlow, Schönholz. Redner: Robert Breuer. Oeffentliche Zrauenkundgebnng: heule, Dienstag, den 15. Juni: Wedding: TA iihr im Schiller-Lyzeum, Böttcherftr. Ecke Pankstr. Rednerin: Clara Bohm-Schuch, M. d. R. Musik, Rezitationen. Der Deutsche machte andere Erfahrungen, wie mir später erzählt wurde. Am folgenden Morgen wurde er dem Polizei- offizier vorgeführt. Anstatt daß man ihn gelobt hätte für seine treue Streikbrccherarbeit, fragte ihn der Offizier, wo er seinen Einwanderungsschein habe. „Ich habe keinen." sagte er mit Hilfe eines Dolmetschers. „Wie sind Sie denn hier in das Land gekommen?" „Mit einem Schiff." „So. Also von einem Schiff ausgerückt." „Nein, ich habe abgemustert." „Ja, diese Abmusterung kennen wir schon. Wir über- geben Sie jetzt Ihrem Konsul mit der Bedingung, daß er Sie mit dem nächsten Schiff wieder nach Deutschland zurückschickt. Wir können die Deutschen sonst sehr gut leiden, aber Sie machen dem deutschen Namen keine Ehre. Sie stiften hier nur Unfrieden, und für solche Leute haben wir hier keinen Platz." Zwei Polizisten brachten ihn zum Konsul. Von nun an war der Konsul für ihn verantwortlich. Er mußte ihn verpflegen, bis ein deutsches Schiff da war, das ihn mitnahm. „Was haben Sie denn hier ausgefressen? Gestohlen?" fragte der Konsul. „Nein ich habe in der La Aurora als Kellner gearbeitet und eins über den Kopf gekriegt," sagte der Mann. „In der La Aurora wird doch gestreikt, wußten Sie das nicht?" „Freilich. Sonst hätte ich doch nicht da als Kellner arbeiten können, ich bin doch Tischler." „Ja, lieber Freund, Sie sind hier nicht in Deutschland. Streikbrecher sind hier nicht beliebt. Wir haben hier eine Arbeiterrcgierung, und zwar eine richtige Arbeiterregierung, die zu den Arbeitern hält. Wenn hier im Wasserwerk oder im Elektrizitätswerk gestreikt wird, dann gibt es keine Technische Nothilfe wie in Deutschland oder in Amerika, sondern dann gibt es eben kein Wasser und keine Elektrizität, bis die Strei- kenden sagen: So nun gibt es wieder was. hier ist die Re- gierung neutral in solchen Streitigkeiten. Also Ihre Tätig- kest hier ist erschöpft. Laufen Sie mir nicht davon. Ich kriege Sie, und dann lasse ich Sie daheim verknacken. Sie stehen jetzt unter meiner Autorität: ich habe gebürgt für Sie. andern- falls müßten Sie hier im Gefängnis warten, bis ein Schiss da ist. Und das Gefängnis hier ist kein Spaß, sondern ist eine ernste Sache." Damit war nun die Frage der Streikbrecher in der La Aurora entschieden. zugute gerechnet wurde, daß er sich bei der wahren Aussage selbst einer strafbaren Handlung, nämlich des Ehebruchs bezichtigt hätte. Der Angeklagte wurde auch sosort aus der Haft entlasien. Ladcnflcischcr für Erhöhung des GcfrierflcischkontingcntK Die Dclegiertenvcrsainmluiig des� Graß-Berliner Lad e n- flcischergewerbes, die gestern— Montag— in Treptow im Lokal van Zcnncr tagte, nahm einen Vortrag des Altmeisters Kern über die Ilnzulönglichleit der Gesrierfleischkontingentierung entgegen. Der Partragende wies daraus hin. daß das vom Reichsernährnngs- Ministerium als ausreichend jestgesetzte Kontingent von 1 0 2 0 0 0 Tonnen pro Jahr nicht dem tatsächlichen Bedar, cnt- sprachen habe. Schon Mitte Mai wat es in Groß-Berlin om- gebraucht und es trat eine Unterbrechung der Belieferung von zo!! freiem Gefrienleifch ein. Es muß verlangt werden, daß eine E r- höhung des Kontingents um 40000 bis 50000 Ton- n c n pro Jahr erfolgt. Berlin nimmt in der Frage des Gefrier- steisibkonsllins insofern eine besondere Stellung ein, als der Anteil des Geirierflcischkonfums vom Gesamtileifchkonsum rund 10 Prozent beträgt, während der Reichsantcil ungefähr iA Proz. ist. Das G: frierfleifch ist der Preisregulator für den gesamten Flcischmarki, denn die Knappheit an Geirierileifch und eine geringe Preisspanne zwischen Gefrier- und Frifchfieijch bewirkt eine stärkere Nach, rage nach Frifchfieijch und damit eine Preiserhöhung für dieses.'Das Kontingenticriingslyftem bedeutet eine Zwangsbewirtfchnftung in indirekter Form, die in der heutigen Zeit nicht mehr angebrocht ist. Sie muß bejeitigl werde», und ferner muß die völlige Zoll- f r e i H e i t f ii r' G c f r i e r f l e i f ch eingeführt werden. Laßt sich aber dies nicht erreichen, so muß das Kontingent wenigstens i.i der Höhe festgefetzt werden, die dem gegenwärtigem Bedarf voll„nd ganz enijpricht. Auf diesem Standpunkt stehe nicht bloß der denOch? Städtetag. sondern auch die Gewerkschaften oller Richtungen. Eine Enilchließung, die einstimmig angenommen wurde, unterstrich die Forderungen des Redners._ Ein �ahr Ticnst an kranken Menschen. Vor genau einem Jahre wurde im Eeeilienhaus in Charlatten- burg das neue Ambulatorium der Allgemeinen Orts- kronkenkafse der Stadt Berlin seiner Bestimmung über- geben. Welchen Umfang der Krankenverkchr in diesem mit den mo- dernsten Instrumentarien und Apparaten ausgestatteten Ambula- torium angenommen hat, geht aus solgenden Zahlen hervor: In dem ersten Monat seines Bestehens erledigte das Ambulatorium rund 2000 Besuche von Kranken: im letzten Monat war diese Zahl au' rund 8 000 gestiegen, ein Beweis für das große Vertrauen, das sich diese moderne Krankenbehandlungsstätte in ganz kurzer Zeit er- worden hat. Das Ambulatorium steht unter der Leitung des Ehef- arztes Dr. H i r s ch b c r g. zugleich Leiters der inneren Abteilung. dein eis Slbtcilungs- und Afsistcnzärzte sowie 19 Schwestern beigegeben sind. An der Erweiterung der Heilstätte und der Vervall- kommnung der medizinischen Apparatur wird ständig gearbeitet. So ist vor kurzem eine neue Abteilung jür Lichtbehandlung und Massage eröffnet worden._ Unfall der Friedrichshagener Fähre. Am Sonntag abend gegen KU Uhr stieß die vollbesetzte Fähre, die den Verkehr zwischen dem Müggesichlößchcn und der Brauerei in Friedrichshagcn vermittelt, Angeblich infolge der starlen Strömung gegen das Bollwerk am nördlichen Ufer. Durch den Hefligen Anprall wurden mehrere Personen zu Boden geworjen. Dabei erlitt die 45 Jahre alte Ehefrau Lina Brauer aus der Bozener Str. 18 einen Unters chenkclbruch, die 58 Jahre alte Ehefrau Gertrud Kolbe aus der Scharnweberftr. 38 in Friedrichshagen Magen- und Beckenquetschungen. Die beiden Verletzten erhielten von einein in der Räye wohnenden Arzt die erste Behandlung und begaben sich dann nach ihren Wohnungen. Tie Herren über Licht und Finsternis. In dem Schützenhanse zu Kaulsdorf begann am Sonntag unter Teilnahme des Oberbürgermeisters Böß die FqAvoche des Berliner Schützenbundes. Der erste'Abend wurde fortgesetzt von einer Baude gestört, die in ganz ungewöhnlicher Weise das Feld für Diebstähle zu bereiten oerstand. Die Bande hatte sich auf eine noch nicht gc- klärte Art und Weise der Lichtleitung bemächtigt und in« -geheimen eine Einrichtung getroffen, die es ihr ermöglichte, n a ch Belieben das Lichl abzustellen und wieder einzuschalten. Um 8 Uhr abends erlosch plötzlich die ganze Beleuchtung. In dem- selben Augenblick fingen dunkle Gestalten an, an verschiedenen Stellen zu stehlen. Ais die alarmierte Schutzpolizei eintraf, flammte das Licht plötzlich wieder auf. So ging es zwei Stunden lang lyn und her, ohne daß es gelang, die Uebeltätcr aussindig zu machen und ihrer habhaft zu werden. Die Dunkelzeiten wurden jedesmal 4. Es waren immer ein paar Gäste im Caf6, die von Seiiar und Seüora Doux bedient wurden. Aber Geschäft konnte man es nicht nennen. Wir in der Bäckerei hatten auch nicht viel zu tun, nur gerade die Bestellungen, die aus dem Hairsc gingen. Es war zwei Tage später und am Nachmittag. Es mochten vielleicht sechs oder acht Gäste im Lokal sein. Unter ihnen war ein Polizei-Jnspektor namens Lamas. Er war ständiger Gast in der La Aurora, kam am Nachmittag und kam am Abend. Er hatte bei Seüor Doux eine ganz nette Rechnung stehen, die er immer„morgen" bezahlen wollte. Obgleich er gut verheiratet war und zwei Kinder besaß, hatte er doch außerdem drei Geliebten, die er alle unterhalten nrußte. Das kostete Geld, und das Geld mußte herangeschafft werden. Do» rnm hatte er auch überall Schulden. Also die Gäste saßen da drin im Caf6 und aßen chr Ei? oder tranken geeiste Erfrischungen. An einem Tisch wurde Domino gespielt und an einem anderen Karten. In den Bereinigten Staaten sind ja die Streikposten gute und fromme Bürger, die an Gesetz und Autorität glauben. Wenn sie Streikposten stehen, so tun sie das gerade so, als ob sie einem aufgebahrten Leichnam die Ehrenwache geben. Sie sagen kein Wort, und wenn die Polizisten kommen und sagen: „Sie müssen weiter zurücktreten, Sic stören den Verkehr," so tun sie das sofort, als ob der Polizist sie bezahlte und nicht der Polizist von ihrem Gelde lebte. Dort haben die Arbeiter noch Disziplin, und sie sind gedrillt wie Soldaten. Hier dagegen haben die Arbeiter nur wenig Disziplin, und die Sekretäre müssen tun. was die Mitglieder wollen. Und es ist merkwürdig, sie gewinnen beinahe jeden Streik. ..He, du Hurensohn dadrin," rief einer der Posten einem Gaste zu,„friß doch nicht das Eis. Das ist doch nur Wasser und Zucker. Nicht ein Löffel voll Sahne drin. Der Sauhund da will doch aus deiner Portion das herausschlagen, was er sonst verdient, wenn nicht gestreikt wird." Der Gast rief hinaus:„Bezahlst du das Eis oder ich, du Dreck." „Paß nur auf, du Eiterbeule, daß ich dir nicht mal rein» komme," sagte jetzt der Posten, und seine Rede wurde mit lautem Gelächter begleitet. Einer der Gäste hatte eine Dame bei sich, die aus Strohhälmchen ihre Squeeze saugte. „Ist sie noch eine Jungfrau?" rief jetzt ein anderer Streit- Posten hinein. Mach nur schnell, Rodriguez. ehe dir ein anderer zuvorkommt." (Fortsetzung folgt.) J?« Diebstählen ausgenutzt. Gestohlen wurden Damenmäntel, tyand- laschen, Uhren usw. usw. Die Diebe gingen in der Finsternis mit der größten Dreistigkeit vor. Auch die gestern fortgesetzten Bc-- mühungen, dieser Diebesbande auf die Spur zu kommen, blieben bisher erfolglos. Ein tragisches Geschick. Am sonntagmorgen wurde in ihrer Wohnung in der Heriurth- strotze S zu Neulölln die öl Jahre alte Ehefrau Marre Lahrfon rot autgc'unden. Sie halte spät abends die Nachricht erhalten, datz ihr Mann von einen! Stratzenbabnlvagen überfahren und flvwer verletzt und besinnungslos nach dem Krankenhaus Buckow gebracht worden fei. Fn der Aufregung darüber mutz fie ein Herz'chlag getroffen haben. Nachträglich ergab sich, datz der Mann bei dein Unfall nur ganz geringfügige Verletzungen erlitten bor Er konnte aus dem Krankenhauje bereits wieder entloffen werden. Ein parleioelerav. Einen doppelten Jubeltag feiert heute unter alter Genofie Julius EilelSberg vom Kreise Kreuz- der�, der 76 Jabre alt wird und auf eine fünfzigjährige Bavteizugebörigkeil zurückblicken kann. 1876 schlotz er. ein geborener Berliner, sich der Arbeiterbewegung an und wurde cur nimmermüder Kämpfer für feine Ideen. Gen. Enelsberg arbeitet noch heute als Fabrikklempner und fehlt bei leiner Veranstaltung stiper Nclchsbannerkameradfchaft. Alle, die ihn kennen, wünschen dpn allen jugendfrischen Genosien noch manches Lebensjahr. Eine Gasexplosion ereignete sich gestern nachmittag in einer Wohnung in der Stcinmetzsiraßc 60. In dem Ifauic befmdcl sich im Hochparterre eine Schneiderei, zu dem ein über dem lhausslur liegendes Zimmer gehört. Infolge einer schadhaften Gas- Htung litten sich hier Gase ongdommelt Als in dem Zimmer ein Bekannter des Lodeninhobcrs meiltc und sich eine Zigarette an. zündete, erfolgte eine heftige Explosion. Fensterscheiben und Stolz- rahmen wurden durch deii gewaltigen Druck auf die Stratze ge- schleudert. Wundcrbarerweise blieb der Mann unverletzt und kam mit dem Schrecken davon. Bon der foson alarmierten Feuerwehr konnte das Feuer, das auf die ganze Wohnung überzugreifen drohte, rechtzeitig erstickt werden. Die Beerdigung der Schaufpleleriv Elle» Ileustädier. die auf fc iragiichc Weis« aus dem Leben geichieden ist, findet am Milt« wow, den lö. Juni, mittags 12 llhr, auf dem Friedhof in Weitzenfee (Alte Hallet statt. Der Leiter der Eharloitenburger Sladibächerei. der erst vor kurzem endgültig gewählte Oderbibtiolhekar Dr. Hamann, bat ii> der Nowl zum Sonnabend feinem Leben durch GaSvcrgiltung in einem Nebenraum seines Dienftzimmers ein Ende gemacht. Dienstliche Gründe könlieii, wie das Bezirksamt Charlotten- bürg mitteilen lätzt, die Veranlassung zu der Tat nicht ge- geben haben. vSlkisthe Ritualmorüketze. Aufklärung durch die Dreslaucr Kriminalpolizei. Breslau, l l. Juni.(Eigene Drahtmcldung.) Dos völkische lliadaublatt„S ch l c s i j ch c L o l k s st i m m c" in Breslau hatte das Auffinden der Leiche eines jüdischen Arbeiters namens Haas«, die aus der Oder gezogen wurde, init dem entsetzlichen L u st in o r d an den beiden Kindern in Breslau io. Zusammenhang gebracht und dies benutzt, um Breslau mit dem Gerücht eines Aiiuolmordes zu erfüllen. Hierzu verb'.citet die Breslau er Kriminalpolizei eine Meldung, in der es heißt: ..Bei Hause, zeigten sich Ende Mai Anzeichen von Geistes- lrantheil. Ihm würde daraus von seinein Arbeitgeber am l. Juni zum 16. Juni gekündigt. Am Tage der Kündigung ließ er sich die Cchlüficl zu dem a.n Doininikanerplatz gelegenen Keller seines Chefs aushändigen, ohne hierfür einen triuigen Grund anzugede». Der Arbeitgeber stellte nnit, am gleichen Tage fest, daß Hanie es unter- lassen halte, den Keller wieder ordnungsgemätz zu verschließen, holte dies nach und nahm dem Haase de» Schlüsiel wieder ab. Am ll. Juni gab Haase seine Stellung aui und war seitdem verschwunden. Am 9. Juni wurde er als Leiche bei Oswitz aus der Oder gezogen. Er hat augenscheinlich Selbstmord verübt. Bon gewisser Seite wurde angesichts des Berschn-indeiis von H. angenommen, daß er möglicherweise schon am l. Juni den ani Dominikanerplatz gelegenen Keller zur Ausübung des Mordes habe benutzen wollen. Haase war zur Zeil der Tiü überhaupt nicht im Besitz der Schlüssel und offenbar auch gar nicht in Breslau." Es unterlag gar keinem Zweifel, daß sich die Tendenznachrichl des Breslauer völkischen Blattes sofort als verleumderisch heraus- stellen würde. Das sofortige Dementi der Breslauer Polizei nimmt enreulicherweise dem Gerücht jede Unterloge. Hoffentlich bietet sich die Möglichkeit, diese infame völkische Brunncnvergiftung strosrcchtiich zu ahnden._ �ördcrkorbungluck bei Essen a. d. Ruhr. Aus der Schachtanlage Lanqenbrahm II bei Eilen hat am Montag bei einer Einfahrt der Morgenschicht ein U« b e r, treiben der Fördcrkörbc stattgefunden. Der aufwärts- gehende leere Korb ist gegen die Seilscheibe gezogen und der ob- nmrtsgehende. der mit 50 Mann besetzt war, heftig in die im Schacht- wmpi verdichteten Spurlatten gesetzt worden. Hierbei sind sieben Bergleute so verletzt worden, daß fie ins Krankenhaus ge- fchaf't werden mußten. Die Verletzungen find alle nicht schwerer Natur. 26 Mann haben Berstauchungen»nd Quetschungen leichter Art"erlitten. Die Förderseile sind bei dem Uebertrciben nicht gerissen, dagegen ist anscheinend bei dem Anprall auf die Seilscheibe das Unierfeil von dem abwärtsgehenden Förderkork abgerissen morden. Die Ursache des Uebcrtreibcns ist noch nicht festgestellt. Di« Untersuchung ist im Gange._ Kohlengasexplosion in einem amerikanischen Stahlwerk. In der Kolerei der Jllinois-Stahllompagnie zu G a r q(Indiana) ereignete sich wahrscheinlich infolge Entzündung von Kohlengasen eine Explosion, durch die vier Personen ge- lötet und über 85 verletzt wurden, darunter lv lebenS« gefährlich. Ueber l00 Personen, die im zweiten Stockwerk ar« beiteten, wurden durch die Gewalt der Explosion gegen die Mauern geichleudert und brachen Arme und Beine. TaS ReltungSwerk ge- siallele sich sehr schwierig, weil das Gebäude zum Teil eingestürzt war und viele Opier unter de» Trümmern begroben wurden. Tai Getöse der Erplosion war meilenweit zu hören. Der berliner Haushalt 1�26. Spreagstoffattenlat in veulhcn(Q.-S.) Inder vergangene» Nacht wurde auf der neu angelegten �zcharlehgrube in Noßberg ein schweres Sprengslosfattentat verübt. An drei verschiedenen Orten der Gnibenanlage wurden größere D y n o m i t m a s i e» zur Entzündung gebracht. Während an zwei«stellen der Schaden geringfügig ist. wurde durch die dritte Bombe die neue wertvolle, in modernster Konstruktion errichtete Wage vernichtet. Menschen- leben sind nicht zu Schaden gekommen. Von den Tätern fehlt jede Spur. Brutale Aulomobilislev. Am Sonntag nachmittag fuhr auf der Straß« zwiiche» Steinmüble und WolsSdorf ein mit zwei Herren und einer Dame besetztes Auto in eine Gruppe Mädchen des Genesungsheims HermSdori an der Katzbach, die mit den Pflegeschwestern zu Zweien am Straßenrand gingen, hin« ein Durch den Kotflügel wurde ein achtjähriges Mädchen aus der Stelle g c lötet und drei andere Mädchen verletzt. Die Insassen des Auto» fuhren, ohne sich um da» angerichtete Unheil zu kümmern, weiter. Der städtische Haushaltsausschuß hat gestern endlich die Beratungen über den Haushaltsplan für das Jahr 19 26 zum Abschluß bringen können. Die Bcrautng ist dieses Jahr so eingehend und gründlich wie nur möglich gewesen. Alle Fraktionen haben sich intensiv an der Arbeit beteiligt und im großen und ganze» ist auch ein Ergebnis erzielt worden, dos, so wie die Berhältnissc nun einmal liegen, als erträglich bezeichnet werden kann. Gegenüber dem ursprünglichen Entrours des Magistrats sind die Zahlen des Haushalts nicht unwesentlich verändert worden. Der Magistratscntwurs sah vor, daß der Haushalt mit 509,6 Millionen Mark in Einnahmen und Ausgaben abschloß. Dazu kam die außer- ordentliche Verwaltung mit 81, l Millionen Mark. Nach den Be schlüssen des Haushaltsausschusses beträgt die Abschlußziiser 518,8 Millionen Mark, die außerordentliche Der waltung 22 Millionen Mark. Die Aerönderungen benihcn im wesentlichen auf anderen Ziffern bei den Ausgaben. Die Ausgaben find gegenüber dem gedruckten Entwurf des Magistrats um 17,2 Millionen Mark gestiegen. Davon entfallen allein 9,7 Millionen Mark auf Mehrausgaben des Landcsarbeitsaints infolge der ungeheuer großen Arbeitslosigkeit. 2 Millionen Mark entstehen durch Fortsall der Schulgelderhöhung und 2.2 Millionen Mark durch Steigerung der Kosten für personliche Ausgaben. Der Nest von 2.2 Millionen Mark Mehrausgaben mnfaßt die eigentlichen Beschlüsse des thaushaltsausschusses. Dies« Mehrausgaben find ent- standen beim Schulwesen, bei der Jugendpflege, bei der Wohlfahrt. im Gesundheitswesen und im Bauwesen, wenn man von K'einig- leiten absieht. Ilm diese starke Ausgobensieigcrung zu vermindern, Hot der Housholtsousschuß nicht weniger als S Millionen Ausgaben des Etats abgeseht. Er Hai eine ganz« Reihe von einmaligen Ausgaben gestrichen, die Borbeholtsmittel gekürzt und die Dispositionsfonds bei der Kapital- und Schuldeiioermaltiing um 2,2 Millionen Mark verringert. Auf diese Weise beträgt die eigentliche Steigerung der Aus- gaben nur noch 9 Millionen Mark. Gleichzeitig hat sich aber das Bild aus der Eiimahmeseite wesentlich verschlechtert. Bei den Steuereinnahmen mußten nicht weniger alz 17,7 Millionen Mark abgesetzt werden, weil die lleberweisungen von Reich und Staor dauernd ziiruckgivgcn. Infolgcdcsscn hat der Haushalts- ausschuß die Abgaben der Werke um S Millionen Mark erhöht und die Steuereinnahmen um 2 1, l Millionen Mark gegenüber dem ursprünglichen Entwurf gesteigert. Diese Steigerung erstreckt sich in erster Linie aus die Grundsteuer, deren Zuschlag statt 180 Prozent mit 200 Prozent angesetzt ist, und aus die Wertzuwachssteuer und Grundenverbssteuer, deren Ertrag um 4,5 Millionen Mark erhöht wurde. Trotz dieser mühsamen Arbeit entstand die größte Schwierigkeit für die endgültige Der- abschiedung des Etats. Die linken Parteien der Stadtverordneten- Versammlung wünschen unter allen Umständen eine Staffelung der Grundsteuer herbeizuführen. Auf Grund eines sozialdemokratischen Antrages ist diese Staffelung auch gestern in der Form beschlossen worden, daß in Zukunst die Grundsteuer generell 250 Prozent beträgt, daß aber be! Kleinwohnungen mit nicht mehr als drei Wohnräumen nur 100 Prozent und bei Klein- Wohnungen mit nicht mehr als vier Wohnräumen 175 Prozent er- hoben werden. Allerdings war man sich darüber im klaren, daß diese neue Grundsteuerordnung zunächst der Genehmigung der Aus- sichisbehörden bedarf. Sic stellt einen neuen Weg dar und um sie wird infolgedessen noch ein heftiger Kamps entbrennen. Für die augenblickliche Verabschiedung des Etats mußte man sich deswegen damit begnügen, provisorisch die alte schematische Erhöhung der Grundsteuer'aus 200 Prozent für alle Stcucrsälle zu beschließen. Ein anderes Verfahren würde dazu geführt haben, daß der 6tot erst nach vielen Monaten genehmigt worden wäre. Dann hätte man in den letzten Monaten den Minderertrag der Steuer durch eine ganz gewaltige Steigerung herausholen müssen und bis dahin würden alle im Etat vorgesehenen Bauten und Arbeiten zum Still- stand gekommen sein. Das wäre unter keinen Ilmständen zu ver- antworten gewesen. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich deshalb im Haushaltsausschuß aus den Standpunkt gestellt. daß sie den Etat selbst zunächst einmal ans eine sichere Basis stellen muß. Außerdem ha, sie aber erreicht, daß gleichzeitig mit der Verabschiedung des Etats bie neue Steuerordnung in Kraft tritt, die von den Aufsichtsbehörden hoffentlich recht bald genehmigt wird. Gleichzeitig mit der Etatsverabschiedung in der heutigen Stadtoer- ordnelcnverjammlung wird die Hundesteuer ab 1. Juli auf 60 M j ä h r l i ch festgesetzt werden. Bei den endgültigen Abstimmungen hoben die Kommunisten, Sozialdemokraten und dos Zentrum der Staffelung der Grundsteuerordnuag zugestimmt. Die übrigen bürgerlichen Parteien wandten sich da- gegen; freilich war ihre Abwehr ein« sehr gedämpfte. Sie können sich wohl selber der Berechtigung dieses Borschlages nicht mehr entziehen. Die Kommunisten stellten dann den Antrag, den Etat mit dem Inkrafttreten dieser neuen Grundsteuer zu verkoppeln. Dieser Antrag wurde allerdings gegen ihre Stimmen abgelehm. Die Deutschnationalen gaben zwar sachlich zu, daß die Stcuererhöhungen notwendig seien, stimmten aber nachher dach gegen die Festsetzung der Beträge. Infolgedessen �wurdc der Etat bei der Endabstimniung mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Mittclparteien gegen die Stimmen der Kommunfften und Deuffchnaiionalen angenommen. Loraussichiiich wird auch die Ab- stimmung im Plenum heute ähnlich verlauien. I Der Sonntagsfunl brachte in seinem Frühkonzert wie in dem Bormittagskonzert wieder dos übliche Konzertgarten-Durchein- ander. Erst am Nachmittag hielisn die musikalischen Darbietungen wieder ein löbliches Niveau. Alice Fränkels frischer Sopran traf den voltlicdhasten Ton gut, und Friedrich Thomas, Flöten- spiel bietet einen Ohrenschmaus ebenso wie Mathia M o r r o s klingender Bariton. Ein bemorkensmert guter Begleiter am Flügel ist Ben G e y s e l. Der„Romantische Abend" war zu loben. Schumanns.z-Mall-Kanzert für Violincello, von Gregor Piatrigarfki geipielt, mar musikalische Hochkultur; Schumanns Mansred-Onvsrtüre ünd Mendelssohn D-Dur-Sinstrnie, vom Berliner. Funkorchester unter Bruno Seidler Wintler, würdige Ergänzung des Programms. Von den Sonntags-Borträgen sei der unterhaltsame Bericht Hans Schomburgks„Abenteuer im Unvald von Liberia" erwähnt. Der M o n t a g s- F u n k brachte seinen Hörern unter anderem den sehr beachtenswerten Vortrag über Max Liebermann van Dr. Alfred Kuhn. Wer überhaupt Interesse für die bildende Kunst hat, wird aus den verständnisoollen Worten des Redners gewiß manchen Auf- schluß über das Lebenswerk des großen Impressionisten empfangen hoben. Die Nachmiltags-Musik-Aortrage zeigten Franz Osborn als Pianisten von Kultur, doch— nach dieser Probe urteilend— ahne besondere Prägnanz. Der benutzte Bechstein-Fliigel erwies sich als außerordentlich funkgeeignei. Geschmackvoll und im ganzen musikalisch geglückt war das Abendkonzert, dos neben dem tr.vflich-n Passilren Dick M a g r ä. das Fagott Louis S ch e i w a i n s und die auch auf dem Konzertpodium lange nicht gehörte Sopranistin Susanne Dcssoir vor das Mikrophon brachte. Leider gab es zwischen ihr und dem sonst so tresslichen Begleiter Bruno Seidler- Winkler anfangs einige Unstimmigkeiten. l)as kundftinkproxrsrnm. Dienstag, den 15. Juni. Außer dem üblichen Ta};espro£Tainin: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den Landirirt 8 43 Uhr nachm.: Die Stunde mit Büchern. Alte Werte. John Habberton: »Helonens Kinderchen und anderer Leute Kinder''. Leo Weis* mantel:.Rudolf Sehiestl*;.Krebs der Kleine". 6 Uhr nee hm: Nacbmittejrskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung'. Konzertmeister Ferdy Kauffman. 8—6.30 Uhr abends: Teemusik aus dem Hotel Adlon iKapelle Marek V.'eber). Anschließend: Ratsohlag-e fürs Haus. Theaterdienst. 7 Uhr abends: Hsns-Breöow-Schulo (Ho'chschulkurse). Abteilunsr Volkswirtschaft. Dr. M. J. Bonn: .WeUwirtschaftlirhe Xouljildnnsren". 7.36 Uhr abends: Georg Wilke:.Der deutsche Rudersport im Jahre 1926". S Uhr abends: Hans-Bredoc-Schule(Hochscnulkurse). Abteilung Heimatkunde. Dr. Georg Wegener:.Eine Wanderung durch die deutschen Gaue(Das Donauland)". 8.30 Uhr abends: Franz Kenrad Hoefert spricht Dichtungen von S.V.Vegesack. J. M. Becker und anderen. 9 Uhr abends: Von Offenbach zu Lebär, II. 1. a) Lecocq: Ouvertüre zu„Le petit duC. bi Jones: Mimose, Walzer aus.Die Gei-ha"(Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman). 2. a) Audran; Als ich ihn sah, Lied aus.Die Puppe", b) Jones; Der verliebte Gobifisch ans-Die Geisha"(Mary Duschniteky. Sopran).!-. Planquette: Fantasie aus-Die Glocken von CornSville"(Berliner Funkkapelle). 4. Planquette: Aus.Die Glocken von Cornevillo": a) Fahr hin. Matrose, b) Die Ka.-e-..i die Hohe'(Bernhard Botel vom Städtischen Opernhaus Ohai* lottenburg. Tenor). 3. a) Lecocq: Balleltmusik aus.Girofid-Girofla", b) Audran: Arlesia-Walzer aus.Die Poppe"(Berliner Funkkapelle). 6. Sullivan: Die Sonne iacht, aus»Der Mikado"(Mary Duscbnitzfcy). 7. Sullivan: Ich zieh' umher im Land, aus.Der Mikado"(Bernhard Bötel). 6. Sullivan: Selektion aus.Der Mikado"(Berliner Funkkapelle). Atp Flügel: Artur Andraq. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnschnchten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Film- dienst. Könlgswusterhau&en, Dienstag, den 15. Juni. 3—3 30 Uhr nachm.: C. M. Alfieri u. Frl. v. Eyseren: Spanisch für Anfänger 3 30-4 Uhr nachm.; Direktorin v. Rössing: Verkäuferin und Publikum MitangesteUte. Vorgesetzte 4—4.30 Uhr nachm.: Gewerbeoberlohrer Kappier: Die Berufsschule für Bäcker und Konditoren. 4.30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitute. 5—5.30 Uhr nachro: Marge rit Barth; Sammeln von Katonchitzea. 8 30 Uhr abends: Uebertragung von Berlin. Genoffen und Genossinnen verieitt die„Frauenwelt! (Ab heute nachmittag an allen Äetteilungsflellen) Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner„Schmor,-Rol-Gold-. 6 e f dl ä» j a u e II f: Berlin E. 14. Scbatlianftr. 37/38.£of* St. (ftirferUfesJio'a.-Hnitetta Mi., 5. IB..(Vtz Uhr. Saltcnaiah: De.. VA* S. 17.. 6?', Uhr.•.SoiltnrIaS; So., b. 19.. 5 Uhr. SUiftrinct PI«»; Ssnilaq, b. 20., 5'-; Uhr irüh. ZtlKtriner Pin», ilufofoht».!ZohrqcIi> ha Pf.— ftreaifcerg. Do., b. 17.. 7 Uhr, Äntrc;cn fiwrtlicher Äomernhcn mit Tamhour- korjjs uns ifohnen.— Ghorlsttt-.hnrn. Do., d. 17.. 7V Uhr. Soalschu» Art. sammlunq Sdüllcrihcaicr. Fr., b. 15.. b1_■ Uhr. ffltrbeunuuri ab Wilhrlmvla» mit Tamhoiirtorvs. Mi., b. 16., 8 Uhr. Bcrlanim.'una ber Wirnfohrer hfi PoocI. Billiowlshof.— SSouiirf und Unlctgnuiacn. Do., b. 17., 8'- Uhr. Bh*'. Änscnitt mit Tamdourkoriis m:b ifohnen lur MiinbflcBuna auf b»n Wiihrlmvla».— Ssihenjfe(Sieis). Do., d. 17.. 7 Uhr. öMlfdsu» ödilo» SSsihrnfM.— B.-rnan. Do., b. 17.,'»8 Übt. Abmarsch oom Jtamembru Dohmr. Aoisrrstrehc. OtfftnlUdje Suubflehuim. So». Moi-oerchor isrirbrich,haiu. 3. greis. Dir eintrittS&ftttn»um <3traa»-Boiwrt -/! AEÄfcv.Ä'i!'»-'>jV'"-V,--.. Der Arbeitersport wirbt! Massenbeteiligung der Arbeiterschaft beim„SHast". Wer am Sonntag den Kaiserdarnm in Tharlottenburg und weiter die Heerstraße entlangpilgerte, konnte sich an einem schönen Vild erfreuen: In langen Reihen zu zweien zogen festlich geschmückte Radfahrer ihren Weg. Im weißen Hemd und in der Kniehose, um die Hüften eine rot« Schärpe, so fuhren hundert« und nochmals hunderte ihr« Straße. Die Spitzenreiter trugen die Banner des Arbeiter-Radfahrer»2undes ..Solidarität' voran— es waren die Teilnehmer am Reichs- arbeitersporttag im Stadion. Di«„rote Kavallerie' hat stark werbend für den Besuch gewirkt; nicht wenige, die noch unschlüssig ob ihres Ziele» lustwandelten, schlosien sich den Radfahrern an und halfen mit, die Riesentribünen im Stadion zu füllen. 2lls fünfzehn Minuten nach l Uhr der große Aufmarsch der Sportler und Sportlerinnen begann, hatte man wiederum den Radfahrern den Lortritt gelösten. Ein Dutzend Motorräder umsausten die Bahn, um Zeugnis von der Diel- feitigkeit der Arbeiterradfahrer zu geben. Ein starkes Tambour- korps und die 40 Mann starte Musikkapelle der Reu- köllner Turner schritten einem Zuge voran, der schier kein Ende nehmen wollte. Immer wieder trugen die körperschonen, sehnen- und muskelstarken Leichtathleten. Turner. Fußballer. Schwimmer ander« farbige Kleidung durch da» weitgeöffnet« Tor auf den grünen Rasen, immer wieder folgten die roten Vereins- fahnen. Der Zuschauer hatte Mühe, die vielen, vielen Abzeichen der einzelnen Dereine auf dem leuchtenden Grundrot der Banner zu unterscheiden— so mannigfach und vielseitig waren die Arten der Monogramme und Abzeichen. Als endlich die letzten Reihen mit den Kulturorganisationen Ausstellung genommen hatten. waren gegen 4000 Arbcitersportler aufmarschiert. Sie waren nur ein kleiner Teil der an die Hundertausend heranreichenden Zahl der Großberlincr Arbeitersportler. Im Umsehen waren all« geordnet; als dann gleichmäßig mit den gymnastischen Freiübun- gen begonnen wurde, war gespannteste Aufmerksamkeit bei den Zuschauern.»Alle die gleichen Uebungen, aber nicht im Gleichmaß der Bewegung, sondern jeder nach Körperverfostung und Bermögen, lautete das Kommando!' Bald straffien sich Rumpf und Glied- maßen, bald pendelten sie in der Entspannung frei herum. Dann wieder Heiterkeit im ganzen Stadion, wenn die Arme Windmühlen- flügelgleich durch die Luft fuhren oder die Beine Radfahrbewegun- gen nach oben machten. Es ist schwer zu sagen, ob sich unter den rund 25 000 Zuschauern, die in dichten Reihen die Tribünen füllten, noch einig« fanden, die den Wert solcher scheinbar einfach- spielerischen, aber dennoch unerhört wichtigen Körperübungen ver- neint hätten.— Ein Pistolenschuß sendet gleichzeitig die Renn- fahrer von.Solidarität' und 40 Läufer über 1500 Meter ans die Reise. Dann wieder Stafettenläufe der Mädchen und Frauen. Barren- und Reckturnen der Altcrsriegenturner; in der Mitte de» Platzes mesten Sportler iljre Kräfte beim Speer- werfen, links zeigen Stabhochspringer chre Geschicklich. feil beim Rehmen der Latte. Ueberoll Bewegung, Leben, sportfreies Treiben— der Zuschauer hat Mühe, folgen zu können. Auf«in Signal räumt alles den Rasen, die Fußballer treten an. Ein längeres, kampffrohes Spiel steigt. Dom Schwimmbecken her, in dem sich Schwimmer und Springer tummeln und dabei viel Anklang finden, marschieren noch einmal die Mädchen und Frauen ein. Iünshundm-t Körper straffen sich nach dem Rhythmus der Turnerkapelle, fünfhundert Arbeite- rinnen, tagsüber in der Werkstatt, im Bureau, im Haushast tätig— beute im leichten Badetrikot werbend für den großen Gedanken des Arbeitersports. Dann kommen noch Ringer, die Schwer- othleten, die Radpolospieler. So vereinigten sich alle, um dem Arbeitersport z» dienen, für ihn zu werben, sein« Grundideen zu propagieren und die Mannig- faltigkeit seiner Ausführungemöglichkeiten zu zeigen. Schade, daß das Wetter zum Schluß hin dem Fest doch noch einige Einbuße tat. •b Ein Wort noch an die Organisatoren des.Rast'. Es sei anerkannt, daß gute oorbercuende und ausführende Arbeit geleistet wurde. Anerkannt fei auch, daß sich der K a r t e l l v e r- band und die einzelnen Vereine Mühe gaben, das Fest nicht in dem Umfange wie früher zu parteipolitischer, ließ k o m m u- nistischer, Propaganda zu mißbrauchen. Die«indemigen Anordnungen der Zentralkommifslon haben offenbar das Ihr« dazu beigetragen. Die paar Sammler für die.politischen Gefan- gsnen' wurden übersehen, ein Beweis mehr dafür, daß die B«- uölkerung Berlins beim Rast Arbeitersport sehen und nicht den Eindruck einer kommunistischen Demonstration haben will. Nicht zu verstehen ist aber, wie der Kartellverband die .ausgeschlossenen' Naturfreund« zulolfen konnte und was er sich dabei gedacht hat, als er ihnen sogar einen Aufsatz im offiziellen Programmheft genehmigte. Di« Zcmralkommission hat Anweisung gegeben, diese Gruppen au» dem Kartellverbond und den Bezirkstar-ellen zu entfernen. Sollte ihre Beteiligung am Rast eine Deonstrotion gegen die Zentralkommifsion sein? Jeden- falls hatte unter diesen Unsttänden der Tounstentwrein.Di« Natur- freunde'. Zentrale Wien, der dem Kortelloerband und der Zentralkommission anaeschlosten ist. seine Mitwirkung abgelehnt und auch gegen den Mißbrauch des Programmheftes'protestiert. Welche Wirkung aus die Zuschauer muß die Teilnahme von Der- einen haben, die nicht d«m Kartelloerband angehören, wo doch in W. ävis-rschlosien, weil wir für die Einheitsfront sind!?' Wenn �*ll diese Disziplin- und Geschmacklosigkeiten radikal beseitigt sein Tocrden, wird sich die gesamt« Arbesterschaft auch wieder dem Arbeitersport mst ganzem Interesse zuwenden. Und die r c p u- b i i k a n i l ch e Bevölkerung wird auch dabei sein, wenn die Arbeiterfportler in Berlin auch st a a t» p o l i t i s ch ein klares Be- kenntnis ablegen und die Farben der Republik zeigen werden. Die Vorführungen— Massengpmnastik. Trotz reichhaltiger Einzel- und Mannschaftswettkämpfe darf man sagen, daß der diesmalig«.Rast' den Gedanken des Mallen- spar:« noch bester wie in früheren Iahren zur Darstellung brachte. Dabei zeipte steh, daß die Zuschauer mst großer Spannung alles ver- folgten und die F r ö h l i ch k e, t der U e b e n d e n sich auf das Publikum übertrug. Der allseitige Bestall war verdient und rechtfertigt eine besondere Besprechung.— Das die Radfahrer und Wanderer sich diesmal wieder nicht daran beteiligten, sei vorweg mst Bedauern festgestellt. Trotzdem blieben noch rund Z500 Turner. Leichtathleten, S ch w i m m e r und Fuß- ball er übrig, die den ganzen Rasen des Jnnenraumes ausfüllten und ein imposante» Bild der Solidarität boten. Nächtig schallte der Gesang des Liedes„Brüder zur Sonne, zur Frei- heil' über den Platz f Taktangabe hätte die Wirkung erhöht!). Die nun folgende neue Massengymnastik hat nichts mehr mst dem asten soldatischen Drill zu tun. Man kann sagen, daß hier die Fröhlichkest der Menschen durch impulsio-natürliche Leibesübungen demonstriert wird. Springen und Schwingen, Muskelanspannung und-entspannung, jetzt den Körper gestreckt emporrecken, um im nächsten Augenblick, auf dem Rücken liegend, wie im Uebermut mst den Beinen zu strampeln, da» macht« nicht nur den liebenden Per- gnügen. sondern alle Zuschauer wurden mitgeristen.— Eine zweite wirkungsvolle Mastenübung boten 500 Turnerinnen durch rhythmtsch-gymnostifche Uebungen. die in«inigen Wochen auf de», l. Frauen-Turn- und Sportfest in Bernau von noch größeren Masten gezeigt werden sollen. Diese Frauenübungen sind im Gegensatz zu den eben besprochenen weniger auf Kraft- und Energieentfaltung, als auf Schönheit der Uebungs» form eingestelst, bedürfen also fleißiger Uebung und zwar nach Musik. Nach dem Rhythmus der Tön« be- wegen sich die Körper und oerbinden Kraft und Schönheit zum ein- beitlichen Ganzen. Der große Aufschwung des Frauen- und Mädchentuniens jst zu einem wesentlichen Test dieser neuen Gynt- nastik zuzuschreiben.— Die Radfahrer boten einen Massen. r c i g e n von 100 Teilnehmern in guter Ausführung.— Den Abschluß der Massenvorführungen bildeten Freiübungen der Athleten und Jiu-Jitsu-Mannfchafren in vier großen Gruppen und unter Teilnahme vieler Frauen. Die große Test- nehmerzahl zeigte, welches Interesie diesen interestanten Sportarten entgegengebracht wird. In Verbindung hiermit folgten Mann- schoftswettkämpfe im Ringen und Jin-Iitsu-Demonstrattonen. Einzel- und Mannschaststämpfe. Den Auftakt zu den Elnzelkämpfen gaben dl« Radfahrer mit einem Fliegerrennen. Man darf es begrüßen, daß die Radfahrer ihren früheren Standpunkt, nur Touren- und Kunst- fahren zu pflegen, aufgegeben und dem W et t kämpf einen Platz eingeräumt haben. Beim Publikum fanden diese Rennen wie schon im Vorjahre lebhaftes Jntereste.— Die Leichtathletik brachte bei den Läufen außer den Turnern auch die Schwimmer und Fußballspieler an den Start. Die Resultate wurden durch den Regen teilweise boeinträchtigt. Den 100-m-Lauf der Männer ge- wann Heldt(AST.) in 12.2 Sek., beim 1500m. Lauf der Männer war Andrä(Lichtenberg) in 4 Min. 18,2 Sek. Erster, beim lOOO-mLauf der Jugend siegte N e h r l i ch(Fichte- Südost) in 2 Min. 48.4 Sek.— Die Stafettenläufe waren ebenso wie die Einzelläufe stark besetzt und brachten scharfe Kämpfe. Die lOXIOO-m-Staffel der Frauen wurde in 2 Läufen aus- getragen. Beste wurde die Vereinsmannfchaft der Freien Tur« nerschaft Großberlin in 2 Min 21.6 Set.— Bei der Sportlersugend 10X100 m war Friedenau Erster, der Turnerjugend Fichte 7. bei den Kindern 20X50 m Freie Turnerschaft Großbcrlin-Weddmo. Die den Abschluß bildende 20X300- m- Sta ffel der Männer war ein fortgesetzt wechselnder Kampf um den Ersten zwischen Fichte-Südost, ASE. und Fi cht«- West, den schließlich die erster«» für sich entscheiden konnten.— Wetlkämpfe fanden weiter im Stabhoch- sprung, Speerwerfen. Hoch- und Weitsprung statt. Do» Geräteturnen war durch Sprünge am Pferd. Barren- und Reckturnen vertreten, die gut ausgeführt wurden. Das.Turnen der Alten' am Barren mär« durch stärkere Beteiligung der Allen weit wirkungsvoller gewesen.— Di« Radfahrer zeigten beim Rad- b a l l s p i e I groß« Fertigkeit.— Das mst großer Spannung er- wartete 10-Aiiometer-Au»schsidung»rennen der Radfahrer mußt« leider wegen de« andauernden Regens ausfallen. Betrachten wir das sportliche Programm in seiner Gesamtheit. so kann das Fest als ein guter Erfolg de« Kartell» und der gehörigen Verbände gebucht werden. Der Arbeitersport sich durch diese Veranstaltung sicher wieder viele neu« Freunde er- worden. «etnttatf: loS-Meter-L-u f JMnntt: t. fc»:bt.%5C. 1Z3 Set, Z Sttttf btuflottit jurüif, 3. Obach-Sili-K-Berlin. Nörten in 2 Min. 49 4 Stf.. 4. Fischer. Weddina. Stasctte»! 10X100 Meter. Franra: 1. Dross. Berlin i Mi». 21,6 Sek.. 2. Siöneber« 2 Min 58,9 Sek.— Turnerinnen!». 10X10» Meter: 1. Fichte 7 2 Min. 10 Sek.. 2. Novninrr» 2 Min. 12 5 Sek.— Svnrtleriunenö: 1. Friedenau 2 Min. Set. 2.«S«. 2 Min. 2.4 Sek.— 20XS0 Meter. Finder: 1. Sroli-Berlin-Weddlng. 2. Moabit.— Z0XZ0S Meter, Männer: 1. Fichte'S iiduft IS Min. ML Sek., 2. Fichte-Weit 13 Min. 38,3 Sek.. S.«SC. IS Min. S33 Sek.. 4. Lichtenber«. 5. Ctfignebet«. I. Srok-Berlin-Wedti««.— Stabbochsvrunn: 1. Treduth-SIidost ZSO Meter.—©riffpnin«. Fronen: 1. Stau- Srati-Berlin-Deddin« 4,31 Meter— Sveerwerfen: 1. Kener-Siidolt 42 33 Meter. — Sochlnrnnq, Innend: Rehrlich�Ziidost. Bader. Obers«: er. Machel-Friede»«» f« IM Meter. das �ußballfplle. Auf dem Rasen standen sich die Städtemannsibaften von Chemnitz und Berlin im Fußballspiel gegenüber. Mit dem Anstoß Berlin, beginnt der Kampf. Sofort sitzt auck> Themnitz vor dem Tor der Berliner. Poch läßt die Verteidigung nichts durch. In der 2. Minute erringt Chemnitz die erste Ecke, die aber abgewehrt wird. Schnell geht Berlin vor. Schon schreit alle» Tor. doch ging der Ball daneben. Im Anschluß an einen Ettofstoß sendet Halblinks zum ersten Tor für Berlin ein. Gleich nach WIederanstoh liegt Berlin in Front. Ein scharfer Schuß de» Recht». außen geht an den Pfosten. �Nach 10 Minuten gelingt Berlin .Wv" Chemnitzer, die sich nur durch einige Durchbrüch« bis zur Derteidi- wieder im Anschluß an einen Strafstoß den Lall zum zweiten Maie ins Netz zu setzen.' Wester belagert Berlin das Tor der gung oorarbesten können. Ein« schöne Flank« des Linksaußen köpft der Mittelstürmer Berlin» sehr gut«in. Doch wird dieses Tor wegen Abseits nicht gegeben. Den Anstürmenden Chemnitzern wirft sich der Torwart Berlins entgegen und verhindert damst ein sicheres Tor. In der Z2. Minute sendet Berlins Miste zum dritten Tor ein. Bald darauf sitzt auch R r. 4 im Netz. Drei Minuten vor der Daus« findet Halblinks Berlins freistehend nicht da» leere Tor. Mit dem Halbzeitpfiff zugleich sendet derselbe Spieler zum fünften Mal ein.— Nach der Pause läßt Berlin nach. Dadurch verliert das Spiel sehr an Schnelligkeit und Reiz. In der 50. Minute muß der Torwart von Chemnitz verletzt den Platz ver- lassen. Doch hält der Ersatzmann besser als der eigentliche Tor- wart Noch einmal greift Berlin flott an und in der 53. Minute inuß der Torwart den Ball zum sechsten Mal« aus dem Netz holen. Chemnitz wird zusehen? besser. In der 57. Minute können sie dann auch den ersten Erfolg bücken. Zehn Minuten vor Schluß gelingt ihnen noch der zweite Treffer. Mst dem Endresultat 6:2 für Berlin trennen sich die Fußballer. Zu begrüßen war bei Berlin die Aufstellung der Mannschaft. Wahrend in den früheren Iahren der Hauptspiel- Ausschuß sein Hauptaugegimerk aus die Leistung de» einzelnen legte und so aus jedem Derein«inen Spieler herausnahm, war di« diesmalig« Mannschaft dem Gerippe eines Vereins entnommen. Der Erfolg dieser Anordnung war der Sieg Über die als spielstark geltenden Chemnitzer. Bei Berlin konnte man Zusammenhang der Mannschatt feststellen, was bei Chemnitz nicht der Fall war. Erst in der zweiten Hälfte, als Berlin auf weitere Torerfolge verzichtete. kam Chemnitz etwas auf. Die Schwimmkämpfe. Um 3 Uhr begannen bei vollbesetzter Tribüne di« Schwimm- wettkämpfe. Ein Männerretgeu mst 120 Teilnehmern «röjsnete da» Programm. Diel Anklang fanden dl« gut au»geführt«i yrcktteBretgen, and zwar f« at» 24a Reigen, geschwommenen vom Schwimmklub.Vorwärts' und.Neukölln', und em 16er Reigen vom S.V..Welle'. Starken Beifall ernteten die Springer, die sehr schwierige, aber gut ausgeführte Springe zeigten. Die elemeniarften Grundbegriff« des R e t t u n g s s ch w i m- mens zeigte die Schwimmer-Lehrklasse des 1. Kreises. D« Echwinunwestkämpfe selbst hiesten nicht das, was man bisher ge» wohnt war. Di« �-Klasie der Männer hatte nur mäßig besetzte Felder, während die v-Klasse sehr stark vertreten war. In der Z-Klasse waren die Freien Schwimmer Neukölln, in der B-Klasse jedoch und bei der Jugend der S. V. Vorwärts Berlin überlegen. Im Wasserballspiel L e i p z i g- B e rlin siegte Ber- l i n mst 5:2 Toren. Beide Maniischoften lieferten«inen schönen Kampf, der besonders in der 1. Halbzeit durchaus offen war. Schnelle Lorstöße auf beiden Seiten, die zum Teil in den Händen der Torhüter und im Aus endeten, ließen gut« Ballbehandlung und Kombination erkennen. Erst al» Leipzig bereits 2 Tore crziest ho», raffen sich die Berliner zusammen. Doch gelingt es ihnen bis Halbzeit gleichzuziehen. Nach Halbzeit zeigt di« Ueberlegenheit der Berliner, die faßt nur noch in des Gegners Hälft« spielen. Dennoch läßt der Kampf nicht nach, da die Leipziger immer wieder versuchen, das Torverhältnis für sich günstiger zu gestalten. Berlin hat dos größere Stehvermögen und eine etwa« besiere Ballbeyand- stmg, so daß dos Torverhältnis von 5:2 dem Spieloerlauf entspricht.— In der Männer-B-Klasse siegten die Freien Schwimmer Norden über Delphin-Tegel mit 7:1 Toren. vle Ausstellung See Kulturorganisationen. Di« Bruderoereine de» Sports auf dem Gebiete soziasistischsr Kultur zeigten chre Arbest im Ehrenhof de» Stadions. Ab- stinenten, R a d i o v« r e i n e, Freidenker. Ido-Welt- sprach« stellten chr Werbematerial au» und brachten es zur Der- teiluna. Die SPD. wirbt durch ihr« Plakate für den Volksentscheid. Der Verband Volksgesundheit bringt reiche» Material seiner Tätigkeit. Besonder» interessant ist der reiche Bilderschatz de» Bunde» freier Menschen. All und jung becher Geschlechter sehen wir bei froher Bewegung und gym- nastischen Uebungen sich beteillgen, ungezwungen und nackt, wie die Natur sie geschossen. Ob aber die Notwendigkeit, freie Menschen in Stadt und L a n d zu erziehen, nur durch.Eichel und Hammer' illustriert weiden kann? Oder sollte damit die Richtung ange- deutet werden? Außer obigen Verbänden haste auch die Freie Turnerschaft Großberlin zum ersten Male einiges aus- gestellt: Die Verbände des Arbeitersports, Tätigkeit und Werbe- matenal des Dereins. Eine rege Beteiligung der Sportvereine an derartigen Ausstellungen wäre sehr begrüßenswert. Hier liegt eine gute Agitationsmöglichkeit vor. die ausgenützt werden sollte. Freie Turverschasl Graß-Berlin. In der Woche vom 21. bi» 27. Juni haben alle Bezirke die Wahlen zum Bundestag vorzunehmen. Das Material hierzu wird in dieser Woche versandt, Teil- nahm« oller Vereinsmitglieder ist sicherzustellen.— Donnerstag: Etraßenlauf und Zusammenturnen Culrnstr. 15, M8 Uhr. Jeder Bezirk 5 bis 10 Mitglieder.— Donnerstag. 7 Uhr. Zujammenturnen der Aste« auf Sportplatz Am Urban. Nachdem Sitzung bei Reinke, Grünauer Str. 17. Zu« Gedächtnis Zaure» jverden die französische» Arbcitersportler am I. August in St. Quentin sportlich« Wettkäinpfe abholten. Man rechnet mit der Teilnahme starker Abordnungen aus ganz Frankreich. 44,10 Nieter beim Diskuswurf erreicht« der lettische Arbeiter- spoitlar S u t a t n ick bei seinen Rekordversuchen. Er will auch den weitere« bisher aufgestellten Höchstleistungen zu Leib« rücken. Der lettische Arbeilersportbund. der in diesem Jahre da» Fest de» sümjahngen Bestehens begeht, zähst rund 4000 Mitglieder, die in 55 Dereinen zusammengeschlossen sind. Htmdballbundesmeistersihaflen. 9m Sonitto« fände» i* Ltivzi« auf dem Vorrvncttnlatz di» tHunbositeift««- 'bcB statt. Ss standen r-ft als erfte iKonrftbnfien IMtrehnf Sctonndsln einet Strafeck» den Zlusnleich«Ntaenenseix-N fenn:t. Mi: 2: 2 »«na«» i» die starb« it, snd diese» Ret Uta: fpnnte durch beide Mannschafun bi» Schluß auf S:t«död: werden. Dadurch wurd« da» Sbiel wrlanarrr und tonnt« Bremen noch StZ Minuten bei oiert« Tor einsenden. Sleichzeitla fand da»»weil« Borrundensvi»! Wien nenen CtiMifl-SoIiIi« flott melche» von «itfona bi»«u«nde durch da, aefchlofsene MitttNeldfriel fedr bifcta und stnrt wurde. Sonlt»»elana t«, kurz nach Anpfiff da»»oft« Tor zu errinncn. Ssblis dtfirt» schwer ans» Wiener Tor. wodurch(ich die Spielet seit Ott- anannb'tn, und tonnte bis stalb«it da» R-sulta! auf d: 2 erdödcn. Nach ionnte Sien durch die zödrre Ausdauer feiner Spieler da» Spiel zu feinen Sunden entscheiden. Drei Tor« tonnt» Wien noch anidolen, miidtend da» stendrinaende Tot tur» vor Schluß rnunntn wurde. Tie Turnerinnen Ficht« 9» nnd Jtflmbetfl-Softendofcn fpicltrn anschließend. Nach Anwnrf von Fichte entwickelt stch ein technisch«Ute, Spiel. Beiden Mnnnfchaften gelana «machst nichts gädlbo.««. Fich:c war technisch im Borleil: es nef-elen dort die Außenleute. welche die an st« aestettten»ulnaben spielend lösten. ZUirn- been vermocht« durch das out« Abd«ck«n«inin- Durchbroche zu verdinderv. trv»d«tn ntlonfl<» ber Mitt«Islstm>«:in von Fichte, in ber Unten Sekunde durch einen doden Boll da» rrtiend« Tat zu minntn. Da» zweite Turne- rinnenspiel tonnte stannover-steindols«enen Sied-cbenstein nach S Minuten verlännrruna mit 1:»»ntfcheiden. In der Zwischenrunde traten Mönner Bremen und»annstatt auf den Plan, welche»in MitirfelMviel notlfübtlen. roodurch es etwa» bart wurde,»annftatt war technisch bester, nur aesiel der Torwart nicht, der- au» da« dod« Nesuliat von 9: S(3:0) verschulde: dat. Breiren wvllt«»Inen IS-Deter-Ball nicht verwandeln, aber durch dl« UN- awisamtoit de, TorwZch-er,«ina»r doch in« N»». Die spielfrei» Mann- schatten nruften Pslichlspiel» onitroaen. Ss wurden dort folgrndr Zfesuliat« »rzieli: Städtemannichaft üeivzia a«a«n Fannstnit 7:st(1: SV Stiidiemanit. Ichaft Steinain aeaen Wien 8:1<1: IV Am Nachmittaa stellten stch zum Snififielbnieiifpirt di» Tumrrlnntirrr.onrrch.often Ficht« und Sannov-r-stein- dal». aneed-acht bolz. Ficht» dat Anwurf und entwickelt lo>«r>«in Seuenlviel. das nüM rannet -acht war. denn Rechtsaußen war es oft nicht mdaNchl. fo schnell«n den Ball deranzuiommen. SVerrrorer wurde durch da»>v«i!e und offene Ssiel über »in nomÜnM««inaerollle« Tor«rrinaen:»0 Vit« somit die Bundtsmmfterschast für Turnerinnen«rrunaen. Durch d«n nun e-nseitenden Sawiticrreaen wurde da» Svielseld in einen Set verwendslt. Das SK8nret-Sntfcheidur(i»foifl Kien qeaen Bremen tonnte desdald nicht vanftatten neben. Die Manirschaf'en baden stch darauf«eclnttt, daß Wien im SriVsornme: nach Bremen fstdri. Der Sonoste tto ovisch vom Bundesvorstand vor in, d es. bei der stch anschließen. ben Bestchnauna de« BunVeb ufe» und fest Bundesschule den Miroliedern auf dumorvoll» Art und Weis» die Badeutuna dieser Cinrichtunaen fstr bi« Ar- beileifbortbsoeauna klarzumachen._ F«s» T-rnerschaft«chtendera. Frtedrichsfeld«. L FußballadteHnn«: ümtat Dervoll-ländiauna von standbollin annschaften werden nach Spieler und Svielerinnen aesuchi. Meldu», laden Mittwoch auf dem stadtischen Plast in der Nnnaststrat« ad W Uhr odar bei Stomp. verNn-Rummelobur«. Sorilie- 2» SB. Sparta,«anner. Frauen. Scklver. steichtakdleiik. stondda«. stocken. Tr»rnina»ta»e:»ienrtaa, Stadion Lich-enbera: Donnerstags Stadion Fried. rrchechain. � («BiftenMnris..DI«»ttsuircunbf fgentrale BiraV«dt. Frtedrichest.in: rrstaa. 13. Juni. HS Udr. im Zuaenddeim Sdertnstr. 12 Bolksliederadend. Donner, tao.� 17. InAi. Spielen w Travtew. Wies« 4.— Abt. Friedenau: Dtensiaa. 13. Juni, M3 Übt. Abendspazieraana. Treffpunkt vor dem steine Dsfendochrr»tr. Sa.— Att. Norden.- Diensiaa, 15. Juni, ste-mabend fällt au». —«5t. Ztemart»»- Dienst-a. 13. Juni. 8 Übt, w Zustenddoim Qielefstr. 8. sswnnar�S. Unterbaltunasabeno.—«St. Treptow: Dienstag. 1ö. Juni. HS lldr. *■ it. Spielen In ieraana. 8. Juni, Im Leim CTfenftt. 8 Svrechchorstbun«. Donnerstag, 17. Juni Treptow. Btefe».—«dt. Wedding: Dienstag. 13. Juni. Abendlr Treffvunlt 7 Uhr Set- ecke MiUIetstraß«.— Ortsgr.»erlin:| HS lldr, in der Äula de» Sord'en.stnzeinrr». Weinmeistarstr. I#fl7, Bortrogs- abrnd d«s Senosten Dr Dmi-..Naiur und Kunst", mit Lichtbildern, eintritt rei. Säfte willkommen.— Abt. Sädofi: JHirterabteilirna Milimoch. 18. Juni frei. Ht-V. 17.?! I>-3 Ukte im Jugend beim lBareinV- Abt. Premzlauee»erg: Donnerstoa. 17.?unt. 8 Ubr. im Iugendbeim Sanzip« Str. 23. 8immer 9, Sprechchor, prvd« flii di« Sonnenwende. Abendwanderuna fällt au».— Abt. Sfibiseft: Donnerstag, 17. Juni. 7 Ubr. Bolksvark Tempeldofe: Feld.— Abt.«eiuichrn. kttf: Sonncrs'on, 17. Juni, 4,8 Ußr. Svieladend in Reinickendarf.Wcft. Iuaendbau» Sendrlftraß«.— Abt. Lichtrnbera: Donnerstaa 17. Juni. 448 Udt. im Iuaendbeim Parimee II Lieberab-nd.— Abt. Renklllni Donnerstaa. 17. Juni. Abe n d ivazi eraang. Treffountr\7 Übe Badndof Neukölln.—«dt. Cbaelntien. bNra: Dien»!«-. 15. Juni. Badetressen am Srunewaldse« sMiliiardadeanstaltV Die Spo-tlickte vereiAiannn..Nord-VK' bat naß« stach- und Sradtdadnbof B-rr schairn Stroire. in der Turndalle Cbrenderastraße. eine Jiu-Jitsu. Ab teisi, na .Tiste«* in» Leben««rufen. Teainina daselbst leben Dien«!--« 8-10 Ubr. «nmclbunaen von«nfännern und Fortaefchrittenen werden jederzeit»ntgeaen. aenornmen. Erster Uebuna»adend: Dienstag, 13. Juni. -.öbmst-vft*.KaMpfabenS. Freiraa. 18. Juni. S Übt, veranstaltet di, Svor-Iich, Dereiniauna..N»rd.0K* i» idrer Freiluft-KarnpfftÖtt« Cbrtfdburcer Straße 7 fdei unaiwstiaer Witteru n» in der Svcrtdolle)«incn«ampsadend te ybusta mi Zeit*..... !Tr. 276 ♦ 45. Jahrgang 2. Beilage öes vorwärts Dienstag, 15. Juni 1426 Sozialisierung öer vertehrswirtfthast. Nord-Südbahn � Erfolgreicher Gemeindesozialismus. Do von Soziolifierung die Rede ist, denkt nian allgemein an die Gemcinwirtschaft in der Produktion. Nur wenige erkennen die ungeheure Bedeutung der Sozialisicrung des D e r k e h r s. Man stellt sich die Sozialisierung als einen Akt der Gesetzgebung vor, der stch aus der Machieroberung und Machtanwendung des arbeitenden Volkes i m S t a a t e ergibt. Und nur wenige wissen von den großen Möglichkeiten, die für die Sozialisterung des Gesellschastslebens durch die Gemeinden gegeben sind, und zwar mitten im kapitalistischen System. Berlin ist die größte Weltstadt, die vom arbeitenden Volk selbst regiert wird. Das arbeitende Volk Berlins hat seit der Schaffung Groß-Bcrlins, die sein Werk ist, den Weg frei zur Soziali- sierung des Verkehrs. Und das arbeitende Volk Berlins bedarf zu seiner großen Zahl nur des Verstandes und der Sachverständigen, die technisch und wirtschaftlich die Macht auch zum Erfolge lenken, um der Welt das Beispiel eines wirtlich sozialen Großstadtverkehrs zu geben. Soziale Verkehrswirkschosl und ihre Aufgaben. Groß-Berlin beförderte im Jahre 1925 auf den allgemeinen Ver- kehrsgelegenheiten 1 4 4 8 M i l l i o n e n F a h r g äst e. Es ist sicher nicht zuviel gerechnet, wenn man für jeden Fahrgast im Durchschnitt die Zeit, die er zur Erreichung seines Zieles gebrauchte, auf eine halbe Stunde � berechnet. Rund gerechnet haben die Berliner also 7S<1 Millionen Stunden verfahren. Auf einen Arbeits- tag von 8 Stunden gerechnet ist die Belastung dreimal so großi das find 2,25 Milliarden Stunden. In Tage umgerechnet ergeben sich 94 Millionen Tage: in Arbeitsjahren zu Mi Tagen sind das über 300 000 Arbeits jähre, die Groß-Berlin zur Ueberwindung nur der Entfernungen im Jahre 1925 auigcwendet hat. Nimmt inan die Zahl der fahrenden Bevölkerung auf drei von den vier Millionen Berlinern an, so oerbringt jeder von ihnen ein Zehntel seines wachen Lebens auf einer der vier Fahrgelegenheiten: Straßenbahn, Stadt- und Ringbahn, Hoch, und Untergrundbahn und Autoumnibus. Bei den berusstätigen Männern und Frauen, die jeden Tag fahren müssen und oft viermal am Tage, ist der Anteil der Fahrzeit an der wachen Lebenszeit noch viel größer, leicht doppelt so groß. Ein Zehntel bis ein Fünftel des wachen Lebens wird für die Berliner also der Muße entzogen und der Arbeitszeit nutzlos zugeschlagen. Es ist wahr, daß die planlose privatkapitalistische Bauweise und der aus der Wohnungsnot sich ergebende Mangel an Freizügigkeit, auch der schnelle und heftige Wechsel der Arbeitsstätten durch die Wcchsclfällc der Wirtschaftskrise diese Verl» st e an zweckmäßiger Lebensnugung noch steigert. Aber es ist auch klar, daß eine einheitliche und planmäßige Verkehrspolitik, zusammen mit einer planmäßigen Wohnungs-, Bau- und Siedlungspolitik diese Verluste an der Nutzung des Lebens außerordentlich herabdrücken könnte. Dazu ist aber das prlvalkapitalistische System mit seinem einzigen Streben nach Profit und der Vielfalt konkurrierender Unternehmun- gen unfähig. Aber nicht nur dies. Die Berliner sind zwar in Ver- kehrsdingen das geduldigste und bescheidenste Großstadtvolk, das stch denken läßt. Aber ob man sitzen können wird oder wieder die ganze Fahrt stehen muß: diese Sorge beherrscht jeden Berliner, wenn er eines der allgemeinen Verkehrsmittel benutzen muß. Man verbringt nicht nur einen großen Teil des Lebens auf der Fahrt, die Fahrt selbst ist vielfach eine chölle gewesen. Die Fahrt angenehm zu machen durch genügend große Zahl, Schönheit und Be> quemlichkeit der Wagen, hat dos Prioatkapital kein Intereste. Mehr oder weniger schafft eine wachsende Großstadt- und Jndustricbeoölke- rung von selbst ein Verkehrsmonopol, und je geringer dann der Ka- piialaufwand und je größer die Masse der Fahrgäste, um so lieber den, Privatkapital. Zeit sparen und die Fahrt ange- nehm zu machen, das find hellte die großen Probleme der sozialen Verkehrswirtschaft einer Großstadt. Die Vereinheitlichung des Berliner Verkehrswesens. Aber diese Probleme können nicht gelöst werden, wenn Verkehrs- Politik und Verkehrswirtschost nicht in einer Hand und vor allem nicht in der Hand der Gemeinde selbst liegen. Von der Oefsentlichkeit in dem Eturni und Drang dieser Jahre kaum bemerkt, hat sich in den letzten Jahren hier geradezu eine Revolution vollzogen. Die Straßenbahn ist städtisch, die gesamte Hoch- und Untergrundbahn fällt in einigen Wochen in städtische Hand, und die Autobusgcsellschast wird dann ebenfalls vollständig durch die Stadt Berlin ko»- trolliert. Die Stadt- und Ringbahn, im Besitz des Reiches, sieht sich schon heute zur Elektrifizierung gezwungen, um nicht aus die Dauer konkurrenzunfähig zu werden. Arbeitet die Reichsbahngcsellschast mit der Stadt Berlin zusammen, und das muß die Rcichsbolmgesell- Schaft in ihrem eigenen Interesse anstreben, dann sind die Voraus- etzungen zur Vereinheitlichung und planmäßigen Gestaltung des Groß-Berliner Verkehrswesens weitgehend erfüllt. Besonders Inter- esiant sind die Vorgänge bei den Hoch- und Uniergrundbahnen. Sieht man das Netz dieser Bahnen an, so�waren die städtischen Linien(Wil- mersdorfer und Dahlemer Bahn, Schöneberger Bahn und Nordsüd) bisher wesentlich Zubringerbahnen für die westöstliche» Bahnen der privaten Hoch- und Untergrundbahnen. Besonders auch finanziell: die ganzen riesigen Anlagekosten dieser Bahnen, die samt und sonders unterirdisch« Tunnelbahnen sind, dienten� zum großen Teil der Zubringung von Fahrgästen aus äußeren Stadt- bezirken für die private Hoch- und Unlergrundbahngefellschaft, sielen ober der Stadt zur Last. An der Erschließung unrentabler Bezirke, man denke nur an die Dahlem"? Bahn, hatte keine Privatgesellschaft ein Interesse. Gerade die Besiedelung der Außenbezirke aber ist wichtig. Bei den heutigen enormen Bau- und Zinskosten sind die Verlängerungen der Nordsüdbahn nach Tempelhof und Neukölln, noch mehr der Neubau Gesundbrunnen-Hermannstroße ein großes finanzielles Wagnis. Dos Prioatkapital hätte es nicht auf ich genommen. Aber die Bahnen sind im Intereste der Bevölkerung notwendig, und die Stadt hat sie gebaut oder baut sie noch. Um so wichtiger aber wird für die Stadt Berlin die Beherrschung des gesamten Netzes, und wenn die Erwerbung der Hoch- und Untergrundbahn auch viel Geld kostet, sie ist eine absolute Notwendig- keit, zur sozialen Gestaltung der Berliner Aerkehrswirtschast sowohl als auch besonders zu einer rationellen Finanzwirtschast. Erfahrungen bei der vordsüdbahn. Es fügt sich gut, daß, während wir dies schreiben, der neue G e- schäftsbericht der Städtischen Berliner Nordsüdbahn-A.-G. für das Jahr 1925 vor uns liegt. Der Bericht ist in der außerordentlichen Reichhaltiakeit und Genauigkeit der Berichterstattung geradezu mustergültig, und man bekommt durch ihn eine Ahnung davon, was für eine rationelle Wirtschasts- und auch Krisenlösungpalitik In Deutschland gewonnen wäre, wenn die Forderung unseres Genossen Hilserding nach ähnlichen Berichten für die deut- schen Aktiengesellschaften ersüllt werden würde. Wie vollständig das Prioatkapital hcute für den Bau neuer Linien versagen müßte, zeigen die sorgfältigen Berechnungen, wonach heute ein Berltner Schnellbahnunternehmen gegenüber der Vorkriegszeit ein um 40 Proz. höheres Kapital zu einem um 100 Proz. höheren Zinssatz rentabilisieren müßte. Erfahrungsgemäß haben die Schnellbabnen vor dem Kriege aber nur 3 bis 5 Proz. des Anlagekapitals, seüen mehr herouswirtschaften können. Die Verteuerung der Betrieb?- führung beträgt durch die Erhöhung aller Betriebsstoff- und lonst-qrn Kosten etwa 50 Proz. Würde da» Prioatkapital heute frpien oder mch» der Lersjoer B-rkehr so zersplittert geblieben, tvte er war, die Berliner Bevölkerung hätte grauenhafte Vcrkchrsverhält- niste bekomme» oder sich blutig zahlen müssen durch die Erhöhung der Fahrpreise. Unter diesen Umständen muß es wundernehmen, daß die Nordsüdbahn ihrer Anlogebewertung die hohe Summe von 90 Mil- lioncn zugrunde gelegt hat, ein reichlich hoher Betrag gerade ange- sichts der Schwierigkeiten der Rentabilisierung und angesichts der Tatsache, daß noch große Strecken im Bau sind. Finanzielle Ergebnisse. Um so überraschender sind die günstigen finanziellen Ergebnisse der Nordsüd für das Jahr 1925, das weitgehend noch ein Baujahr war und das erzielt wurde trotz der unvermeidlichen Tariferhöhung, die zu einer teilweisen Abwanderung aus die Oberflächenvcrkehrs- mittel führen mußte. Auf das Aktienkapital von 43,0 Millionen wurde eine Dividende von 3Vi Proz.(wie 1924) erwirtschaftet, .die an die Stadt Berlin abgeführt wird. 387 000 Mark werden in dos neue Jahr aus dem Reingewinn von 1,91(im Vorjahr 1,82) Millionen vorgetragen. Außerdem wurde eine Erneuerungsrücklage von 300 000(200 000) Mark und eine Rücklage für besondere Ausgabe mit 700 000(275 000) Mark gebildet. Die Kursdifferenz der Amerika- anleihe wurde mit 150 000 Mark abgeschrieben. Restlos ist aus dein Bericht und aus den Tabellen und Graphiken des Anhangs die E n t- Wicklung der Einnahmen zu ersehen. Die von 7,49 auf 8,08 Kilometer verlängerte Bahnstrecke brachte Gesamteinnahmen von 0,42(5,00) Millionen Mark. Die darin enthaltenen Nebeneinnahmen sind spezialisiert: der Aulonratenbahnbetrieb mit 32 330 Mark, der Reklamcbetrieb mit 287 009 Mark und der Buchhandel mit 21 845 Mark. Die Betriebs-, Verwaltungs- und Organisationskosten sind gestiegen von 2,00 auf3,00 Millionen. Die Bilanz zeigt die starken Verändeningen, die aus der großen Bautätigkeit und der Aufnahme der Amerikaanleihe zu'erwarten waren. Die Bewertung der er- weiterten Nordsüdbahn und der Bauten der neuen Linie Gesund- brunnen— Neukölln ist von 58,88 auf 74,37 Millionen, der stark ver- mehrte Wagenpark von 3,40 auf 8,10 Millionen, der Betriebs- Materialien von 120 000 auf 253 000 Mark, der in Anhang voll- ständig ausgezählten und eingezeichneten Grundstücke und Gebäude von 0,83 aus 2,83 Millionen erhöht. Die Forderungen sind van 2,02 auf 1,51 Millionen gesenkt, die Bankguthabe» sind von 0,32 aus 1,53 Millionen gestiegen. Die Bilanzsumme Hot sich von 05,08 auf 93,17 Millionen gesteigert. Unter den Passiven fallen natürlich die großen Bauauleihen auf: die Bausummen der Stadt Berlin mit 19.50(14,70) Millionen und der neue Posten der Amerikaanleihe mit 17,02 Millionen. Leistungen und interessante Zählungen. Man sieht, soziale ZZerkehrspolitik kostet Geld. Aber es muß in hohem Maße mit Genugtuung erfüllen, wenn mit Zahlen, an denen nicht zu deuten ist, auch eine hohe Leistungsfähigkeit nachgewiesen wird. Im Jahre 1925 wurden die alten, von der Hochbahn über- nommenen Wagen auf der Nordsüd weitgehend aus dem Verkehr gezogen und diirch neue ersetzt. An Stelle der bisherigen eigenen 13-Meter- Wagen sind neue 18-Mcter-Wagen bestellt. Aber darüber hinaus kam die Nordsüdbahn auch der Lösung der zweiten großen Ausgabe großstädtischer sozialer Verkehrspolitik, die Fahrt angenehm zu machen, sehr nahe: die Uebersüllung der Wagen wurde weitgehend beseitigt. Während im ersten Betriebs- jähr die durchschnittliche Wageubesetzung 15 Personen, 1924 noch 11,5 Personen betrug, wurde sie 1925 aus das Normolmaß von 7,23 Personen herabgedrückt. Was das bei der festgestellten durch- schnittlichen Reiselänge der Fahrgäste von fast 5 Bahnhossabschnilten bedeutet, weiß jeder Fahrgast selbst. Sehr eindringlich müßte auch erwogen werden, ob die Beseitigung der zweite), W a g e n k l a s s e und die gleichmäßige noch bessere Ausstattung sämtlicher Wagen der Einheitsklasse durch die dadurch mögliche dichtere Zugfolge besonders in der betriebsreichen Zeit für den Fahr- gast die Annehmlichkeiten nicht noch erhöhen und den Zeitaufwand verringern könnte. Aus dem kaum z» erschöpfenden statistischen Material wollen wir nur einige wenige interestante Zählungsergebnisse herausgreiscn: So hat eine Zählung ergeben, daß der Umstcigeverkehr am Lahnhos Friedrichstraße in der Richtung Nollendorfplatz dreimal so stark bei vom Norden kommenden und s ü n s m a l so stark bei von, Süden kommenden Fahrgästen ist als in der Richtung Spittelmarkt. Eine Stichtagszählung über die Verkchrsbelastung während der einzelnen Tagesstunden enthält folgende Tatsachen: die stärkste Ver- kehrsbelostung wird früh um 148 Uhr(12 Proz. des Togesverkehrs) und abends um 140 Uhr(13 Proz.) erreicht: ein Zeichen, wie stark im Nordsüdoerkehr das Berufsleben die Bahn beherrscht. Wie das Grohstadtleben mit seiner Zerreißung der Tätiqkeits- und Wohngebiete wirkt, zeigt sich darin, daß der Höhepunkt des Mittagsverkehrs noch nicht 5 Proz. des Togesverkehrs bringt. So viele Menschen können zu Mittag-nicht nach Haus e. Die Abendstunden von 10 bis 1 Uhr, die Stunden der Zerstreuung und des Vergnügens, schneiden mit durchschnittlich 3 Proz. des Tagesverkehrs am schlechtesten ab. Die Nordsüdbahn hat mit ihrem Geschäftsbericht ein schönes Beispiel jener Demokratie der Kritik gegeben, ohne die ein gesundes Funktionieren der modernen hochkapitalistischen Wirtschaft und ohne die auch«ine wirtschaftliche Demokratie nicht denkbar ist. S,S ist zu wünschen, daß die sorgfältige Berichterstattung der Nordsüd- ahn möglichst viele Nachfolger finden wird und daß die öfsentlichen Unternehmungen auch Sorge dafür tragen, daß jeder Gemeinde- und Staatsbürger möglichst weitgehend Kenntnis von den Erfolgen und Leistungen der öffentlichen Betriebe erhält. Dos wäre die wirksamste Propaganda für die Sozialisierung der Wirtschast: denn jeder könnte den Nutzen, der ihm zuwächst, sofort nachprüfen. Den privat- kapitalistischen Unternehmern aber wäre nicht nur der Weg zur Dis- kreditierung der Gemeinwirtschaft verbaut: auch ihre eigene Wirt- schaftsführung würde eine Durchleuchtung erfahren, die dem Sieg der Gemeinwirtschaft auf allen Gebieten nur förderlich wäre. K— r. Technik als Gemeinschaftsarbeit. Trübe Zukunftsauesichten für Ingenieure. W. M. Hamburg. 14. Juni. Technik an stch ist weder gut noch böse, man kann sie als Arbeit schlechthin betrachten, und der Sozialist sieht in ihrem Werden vor allem das Zusammenwirken von Menschen, die einem gleichen Ziele zustreben. Die moderne Technik beruht aus der weitestgehenden(3e- meinschastsarbcil. Dieser Erkenntnis kann sich auf die Dauer niemand entziehen und bei den grßen Veranstaltungen der Industrie und Technik wird denn gerade auch die Notwendigkeit der Zusammen- arbeit aller beteiligten Kreise und die Abkehr von der Geheimnis- krämerei als eine der wichtigsten Voraussetzungen für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Technik betont. ?luch aus der 05. Hauptversammlung des Vereins der deutschen Ingenieure, die gegenwärtig in Hamburg tagt, wurde die Frage von dem Vorsitzenden Dr.-Jng. W e n d t< Esten mit großer Eindringlichkeit behandelt. Er wies in seiner Be- grüßmigsaajprach«. di« er am Sonntag bei der Eröffnung der Der- anstaltung hielt, darauf hin, daß Technik angewandte Wistenschast sei. Die Wissenschast sei dos geistige Kapital, von dem wir heute zehren. Abstrakte Forschungen, an deren wirtschaftlicher Auswertung zunächst noch niemand dachte, hoben ganze Industrien entstehen lasten. Niemand hat an das Funkwesen gedacht, als Heinrich Hertz feine Untersuchungen der elektromagnetischen Wellen anstellte, niemand wisse, wie sich die Einsteinsche Theorie auswirken wird, die auf Grund jahrzehntelanger eifriger Studien in der höheren Ma- thematik entstand und die unsere Anschauungen über viele Vorgänge in der Natur umgestaltete. Die Geschichte lehre, daß abstrakte For- schungcn nicht um des industriellen Nutzens willen betrieben wurden, daß sie sich aber trotzdem in den Fortschritten der Technik wider- spiegeln. Amerika könne geradezu als ein Musterbeispiel dafür dienen, wie man solche Forschungen finanziere und organisiere. Dort gebe es auch keine Geheimniskrämerei mehr. Bereitwillig öffnen die Fabriken Tür und Tor, während bei uns in Deutschland viel- fach noch jener falsche und schädliche Egoismus zu finden sei, der glaubt, das Beste nur allein erreichen zu können. Die deutsche Wirtschast müsse sich hüten, noch mehr als bisher ins Hintertreffen zu kommen. Er richte daher an die Finanzleute die Mahnung, über die anzustrebende finanzielle Sicherung der Werke nicht die notwendige Förderung der Forschung zu vergessen. Gerade jetzt werde bekannt, daß erfolgversprechende Untersuchungen aus Mangel an Geld eingestellt werden sollen. Vor solchem gefährlichen Vorhaben müsse dringend gewarnt werden. Eine Hauptaufgabe sei es, solche Forschungen aus der Interestensphäre der einzelnen Werke herauszuheben und im Rahmen der Allgemeinheit zu lösen. Die Bestrebungen zur Herabminderung der S e lb st t o sie n, die durch die Schlagworte wie Fließarbeit. Rationalisierung, Typisierung usw. gekennzeichnet werden, seien wohl zu begrüßen, aber man begehe einen schweren Fehler, wenn durch sie der hochwertige Konstrukteur ausgeschaltet werde. Im Anschluß an diese Erwägungen behandelte der Redner die Frage des technischen Nachwuchses. Während die Zahl von 00 000 Studenten an den Universitäten der Zahl vor dem Kriege entspräche, habe sich die Zahl der an den technischen Hochschulen studierenden von 13 000 von dem Kriege aus 28 000 erhöht. Es be- stehe die große Gefahr, daß durch ein Ueberangebot vonJn- g e n i e u r e n die wirtschaftliche Lage dieser Geistesarbeiter noch verschlechtert werde. Wenn Dr.-Jng. Mendt zum Schluß seiner interessanten Aus- sührungen doch noch Worte der Hoffnung fand, so ist das vom Standpunkt des Redners aus verständlich. Sie konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die künstige Lage des Jngenieurstandcs sehr besorgniserregend ist. Die harte Wirklichkeit zeigt auch dem Ingenieur, welcher Abgrund zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer besteht, und die große Masse der Ingenieure wird einsehen lernen, daß auch der geistige Arbeiter in unserer Gesellschaft zum Proletarier wird, der um sein nacktes Leben ringen muß. Der 2I. Genoftenfcbaststag. TTIünchcn, 14. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am Mo-üdg nock.mittag wurde'!» München der 23. ordent« liche Genossenschaftstag des Zentraloerbands Deutscher Krnjumvereine eröffnet, an den sich die 32. Generalversammlunq der Großeinkauf-gescllschast Deulscher Konsumvereine, Hamburg, und die 14. Generalversammlung der Verlagsgesellschast Deutscher Konsumverein« anschließt. Die Tagung, die in dem schwarzrot- g o l d geschmückten Saal des Löwcnbräukcllers stattfindet und die bis zur Stunde von 1031 Delegierten aus allen Teilen des Reiches beschickt ist, wurde durch den Geschäst-führer Lorenz erössnet. In einer Ansprache begrüßte er zunächst den Vertreter des Reichskanzlers und der Reichsregierung, die Vertreter der sonstigen Regierungsstellen, des Internationalen Arbeitsamtes, dann vor allem die Genostenschastsfreundc aus Oesterreich, Enaland, Frankreich, Belgien, Finnland und der Tschechoslowakei und schließ- lich die Vertreter der Spitzenorganisationen, der freien Gewerl- schalten und der übrigen Gäste. Der Vorsitzende gab anschließend ein Bild der trüben Wirtschaftslage Deutschlands und schilderte in diesem Zusammenhang den Ausstieg der del-tschen Sonsumoereinsbewegung. die gegen das Jahr 1913 in t 472 Millionen Umsatz im Jahre 1925 einen Umsatz von 702 Millionen zu verzeichnen hatte. In der gleichen Zeit stieg die Zahl der Mitglieder von 1,0 Millionen aus 3,4 Millionen, ebenso stiegen die Spar- emlogen trotz der Inflation von 08 Millionen Mark auf 83 Millionen und im ersten Vierteljahr 1920 aus nind 90 Millionen Mark. Dieie Zahlen sind der beste Beweis für die Lebensfähigkeit und die Lebens- Notwendigkeit der Wirtschaftsorganisationen der werktätigen Bs- völkcrung Deutschlands. Bemerkenswert waren die Ausführungen des Delegierten der britischen Genossenschaften, H o r r o ck s, der im Namen von fünf Millionen Engländern sprach. Er betonte, daß die britischen und deutschen Genossenschaftler zu ollen Zeiten gute Freunde gewesen seien. Auch in der finsteren Zeit 1914 bis 1918 war unsere Freund- schaft nicht zerstört. Bereits heute bilden die britischen ffienostenschaffen einen Staat im Staate. und es kommt mit absoluter Gewißheit die Zeit, wo der ganze britische Staat ein einziger genossenschaftlich organisierter Staat sei. Die englische Groheinkaufsgescllschaft versorgt vier Millionen Familien, hat einen Umsatz von 1,5 Milliarden, besitzt den größten Mühlenbetrieb in England, ebenso die größte Schuhfabrik, kontrol- liert ein Siebtel des englischen Teehandels, hat ein eigenes Bergwerk und fabriziert u. a. auch Automobile, Fahrräder, Grammophone usw. Der französische Besuch auf dem deutschen Kongreß ist der erste seit Kriegsende und bedeutet die endgültige Wiederauf- »ahme der Beziehungen zwischen den deutschen und französischen Genossenschaften. Die französischen Genossenschaften haben heute rund zwei Millionen Mitglieder. In Belgien ist ein Sechstel der Bevölkerung gcnossenschaft- lich organisiert. Der Jahresumsatz der finnischen Konsumgenossen- schaften hat im vergangenen Jahre rund 1,3 Milliarden Finnenmark betragen mit 50 Millionen Spareinlagen. Am stärksten ist die österreichische Delegation ver- treten, an ihrer Spitze Nationalrat A b r a m, der durch seine brü- derlichen Freundschastsgrüße und seine Worte über den Z u s a m- menschluß Deutschlands und Oesterreichs in einer einigen demokratischen großdeutsch?» Republik stürmischen B e i i a l l- fand. Heute beginnen die eigentlichen Arbeiten des Kongress.'s denen bereits am Sonntag die internen Beratungen des Vorstandes, des Ausschusses und des Generalrats des Zentral oerbandes deutscher Konsumvereine vorangegangen sind. Ermäßigung der Essektenprovision der Danken. Wie gemeldet wird, erfolgt ob 15. Juni eine Ermäßigung der Provision für den Ankzul und Verkauf von inländischen festverzinslichen Wertpapieren. Der Satz wird von 4 pro Mille auf Ii Prozent ermäßigt. Die siebenprozentigen Vorzugsaktien der Reichsbahn(bzw.. Zertifikate) sind de» sestverzinskühen Werte» gleichgestellt. Einsendungen für diese RllbrU sind Berlin TB S». Lindenftrahe Z. Parteinachrichten für Groß-Serlin stet» an da» Sesirfäsetretatiat, 2. Hof, 2 Trep. recht», zu richten, 2. ltrei, Tiergarten. Heut«, Dienstag, 8 Ufit, im Artusdof. Perleberger Strafe A. Beomten-Werbeversammlung. Thema:„Volksentscheid�. Re- serent: Theodor ltohur. Borslhender de» ADV. Di«©cuoffcn werden ««beten, sich zahlteid) daran»u beteiligen und Bekannte, hauntsiichlich Beamte, mitzubringen, X Ärtis Friedrichshain. Donnerstag. 17. Juni, Handzettelocrbreitung von den bekannten Lokalen aus. X Streit Wilmersdorf. Abteilungen 67 und 68 Handzettel und Plakat« für die Versammlung am 17. Juni von ltroih». Holsteinische Str. 60, abholen. Heule. Dienstag, 15. Juni: <2. Abt. Kitmtlich« Genossen treffen sich um d'ch Uhr bei Wiersdorff zur B'ldung von SrrechchZr-».. 84. Abt. Lankwig. Die Genossen beteiligen sich an dem Umzug vor der stund- aebuna. Abmarsch 7si, Uhr Viktoria- Ecke Siemrnsstrahe, 86. Abt. Mariendors. Handzettelverbreitung filr die öffentliche Versammlung am Donnerstag, 17. Juni, heute abend. Die Bezirkssilhrer holen sich das Material von Niendorf, Ebausseeitr. 19. ab. Mittwoch. 10. Juni, Funk- tioncirsiiiuna bei Niendorf. Chausieeftr. 19. 91. Abt. Neukölln. 7>4 Uhr bei Lüdecke, starlsgartenftr. 12, wichtige Vor- standssittuna. Erscheinen unbedingt erforderlich. 194. Abt. Nlederlchöneweide. 6 Uhr wichtig« Flugblattverbreitung kEinIadung zur öffentlichen stundgebung am Freitagl von Thiele. Berliner Str. 88. au», Mittwoch, 16. Juni, 8 Uhr, treffen sich die Genossen im Bitrger» garten in Johannisthal zur Unterstüilung der dortigen Genossen. 118. Abt. Lichtenberg. Sruvve Hornung: sium stieben treffen sich die Genossen um 8 Uhr beim Genossen Masche. Wotanstr. 12. Morgen, Mittwoch. 16. Juni: 4. Abt. 714 Uhr äusserst wichtig« Besvrechung bei Schwarz, Blankcnfelder Strasse 19. 18. Abt. 714 Uhr ssahlabende in den bekannten Lokalen. 24. Abt. 714 Uhr Ertrazahlabend. 8. Druvvc bei stöhler. 28. Abt. 7 Uhr in der Aula der Obcrrcalschule Pasteurssr. 48/46 öffentlich« Versammlung. Alle Genossin beteiligen sich daram 28. Abt. Die Genossen beleiligen sich resslo« an her öffeniTichen Berfammluna in der Schulaula Pasteurstr. 48/46. Pünktlich«, Erscheinen unbedingt er- forderlich. 82. Abt. 714 Uhr Gruvvenzahlabend in den bekannten Lokalen. Die Bor- bereitung und Verteilung der Arbeiten siir den Volksentscheid am kam- Menden Sonntag machen da» Erscheinen sämtlicher Mitglieder zur Pflicht. 48. Abt. 71ri Uhr Ertrazahlabend in den bekannten Lokalen. Reg« Beteili- aung wird erwartet. 46. Abt. Ausserordentlich wichtig« Mitgliederversammiuna 7>1 Uhr bei Burck- hardt. GöiUzec Str. 82. Wichtig« Tagesordnung. Erscheinen unbedingt erforderlich. Schöneberg. 77. Abt. 714 Uhr Vorstandssiiiung Aposiel-Paulus-Str. 7, rv.— 80. Abt. 8 Uhr kurze Abteilungsverfammlung zur Einteilung der Wahl- arbeiten bei Giirlich. 82. Abt. Steglifi. 8 Uhr bei Echellhase. Ahornslrasse, Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Stadtrat Herme». 88. Abt. Temvclhos. 714 Uhr bei Swhlmann, Darfstr. 80. Mitgliedcrversamm- luna. Vortrag:„Volksentscheids Referent: Erich Fraenkel. 98. Abt. R-nkölln. 714 Uhr stohlahende. Bezirke i6. 88. 81. 82. 88. 97: stimmermann. Etuitgarter Ecke Trevtower Strasse. 98. Bezirk: Prihkow. Richardstr. 88. 98. und 96. Bezirk: stönig. Rannet Ecke Elbestrasse. 99. Bezirk: Warnsiedt, Thllringcr Str. 22. Siedlung: im Biirwinkel. Tagesordnung:„Der Volksentscheid". 100. Abt. Rndaw. 8 Uhr im Lokal Palm Mitgliederoersammlung. 124» Abt. Mahlsdors-Sah Die an der Handzettelverbreitung beteiligten Genossen holen sich die Handzettel um 6 Uhr bei Godau ab. 125. Abt. Weisse»!««. 714 Uhr stahlabend« in folgenden Lakaien: 1. Bezirk: Pohlmann. 2. Bezirk: Gallas. 8. Bezirk: Minge. 4. Bezirk: Stärke, Tassowstrasse. 8. Bezirk: Im„Grünen Baum". 148. Abt. Baibmaunslust. 8 Uhr Ertrazahlabend bei Dreissig. Waidmannstr. 4. * 131. Abt. Relnlckendors-vst. Dannerstag. 17. Juni. 714 Uhr. äusserst«ichtige Funktianärsihuna bei Ublig, Rcsidenzstrasse Ecke Echönholzer Wea. Die Kezirtsillhrer müssen fasert da» noch nicht abgehaltc sticbematerial vom Genossen Sonnenburg, Wilkestr. 2. ahhalcn. Am Mittwoch, 16. Juni, beteiligen sich all« Genossinnen und Genassen am Umzug der 141. Abt. Rosenthal. Trefwuntt: 7 Uhr bei Ramlow. Schönholz. Iungiazislisten. Gruppe Treptow: Barn Dienstag. 15., bis Sonnabend, 19. Juni, müssen sich alle Genossen zur Agitation in der Borwärtsspedition zur Derfüguna stellen.— Gruppe Süden: Heute, Dienstag. 8 Ubr. in der Iurisiischen Sprechstunde, Lindenstr. 8, Diskussionsabend. Gälte willkommen.— Gruppe Lichtenberg! Heute, Dienstag. 714 Uhr. im Jugendheim Parkau« 19 zweiler Abend der Arheitsgemeinschaft:„Jugend und Partei". Parteigenossen und Genassen au» der SAI., erscheint zahlreich! Fromenveranstalkungen am Mittwoch. 16. Juni: 24. Abt. Ausflug noch Sadowo. Treffpunlt: nachmittag» 2 Uhr Beralina, Alerandcrplass. staffectrinken in der WaldschLnke in Sabawa. Danach Spielen im Wald. Vortrag der Genossin Minna Tadcnhagen. Gas:« herzlichst willkommen._»„ ,, 44. Abt. Da- stasfcckachen fällt wegen der wichtigen Arbeiten»um Volks- entscheid aus. Nächste Zusammenkunft wirb nach belanntgegeben. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serlin. Wanderanslchnß. Heule, Dienstag, 714 Uhr, Sissung im Jugendheim Linden- strasse, arasses Zinmur.... Arbeitsgemeinschaft Abraham. Heute. Dlenstag, 714 Uhr, Sissung im Jugendheim Lindenstr. 3, Neines Zimmer. Sehwarzwaldsahrt. Dauer: 27. Juni bis 10. Juli. Fahrgeld und Heber- nachten iausschliesslich Vcrpflegungs nur 88 M. Teilnehmer nimmt nach an: Genosse San» Schlüter. Berlin-Temp-lhof. Friedrich-Silhelm-Str. 81. Di« Anmeldung muss umgehend«rfalgen. heute, Dienstag. 7y2 Uhr abends: Gesnndbrnnnen: Schule Gotenburger Str. 2. Vortrag:„Lahnarbeit".— Weddiug Nord: Schule MUllerstr. 48. part. Vortrag:„Die beutsch-österreichische Anlchlussdestrcbuna".— Rardast I: Jugendheim Neue stönigstr. 21. Vortiag: „Wo, will die EAI.7"—«eneselber.Viertcl: Schule Eberswaldcr Str. 10. Vortrag:„Seruelle Fragen".— N-ulölln III: Schule W-ilesirasse. Zimmer 7. Zehn-Minuten-Referate.— Neukölln rv': Jugendheim Schierkeftr. 44. Vortrag: „SAI. und Gewerkschaft".— Neinickendors-Oft:„Seebad". Residenzstr. 46. Vortrag:„Weshalb feiern wir die Sonnenwende?"— R»i»ickendorI»Wcst: Iugendhau» in der Seidelstrassc. Milglieberversammluna.— Bnchhalz: Lokal van Rossack. Hauvtftr. 71. Vortrag:„Unterm Sazialistengesess".— Nieder- schönhanlen! Gemcinbeschule Blankendurger Str.«9/70. Vortrag:„Die fran- »östsche Revolution". «eebebezirk Schin-bera: Treffpunkt zur stunbgedmig 14« Ubr Rudolph- Wilde-Wah. Werbebezirk Osten: Die Musikgruppe tagt leben Dienstag im Jugendheim RIgaee Str. 108. * «erbebezirk»renzberg: Maracn. Mitiwach. 714 Uhr. im Jugendheim Rei-benberaer Str. 0« Wcrl>ebez::ksvarstandssitiung.. Lichtenberg-Rord: Margen. Mitiwach. 148 Uhr, im Iugendhelm Parkaue 10 Unterhaltungsahend. Bchtuna. Sascmann kommt!_ Ss.WWl>w! omaaoaoao"rrtrm Staats-Theater Opernhaus 8. Plate d.Republ. 7,/iUg Zauberflöte Schausplalhan» 8: Die Welt, in der man sich langweilt Schiller-Theater 8 U.: Nickel und die 36(ierechtcn WM»M Cbarloitcnburg 7>/, Uhr: Katja Kalwwa Abonn-Turnus II Oeulsehes IBnitl.- Theater Tagl 8'/, Uhr Der tronudie WelnberU Tb.s.KurIQislendarim Tägl. SV« Uhr: Rebbuhn od. Die neue Fassade Vallaer-Tbeater 8>t, Uhr: Dir billige Brauner Blanco Posnets Erweckunjc Biraowsby-Bibnin Sornrnersplelieii TDeaier ■»■iSstraizJtr. T.:Hasenheid.2llO 8 Uhr: lielalleDe Eogel UomOdlenhans fei.; Norden 6304 8 Uhr Der Harten Eden Lesslng-Tb. u Schneider Wibbel Henckels, Berber Grodtczinsky Sommerpr. 1-8 M. litjl d folhHh.. Otirert idatt. Rcidubznn» gegn Innh gitiPIlhei t.SO, aadi in AngiMriee Kleines Tb. 8*/# Uhr: 3 Grrtnkin no Hirt Cff: Vorz. dieses zahlt 80" n d Kassenpr «NZi In der Getamtouflage des.VorwfirU" sind besonders wirksam und trotxdem ichrbHlUt) Gardinen! Sonderanoeliote und in KQnstler- Gardinen. Madras- 4_ Gardinen.. 9. Stores.... 2.20 »eildecken t_ I bettig... 5. Bettdecken 0_ Ibeltlg. U> Spn.-fianliDenweibit. Neukölln, Bergslr. 67 am stin. dahnhol Kein Laden I DUSSELDORF 1926 MAI OKT CROSSE AUSSTEUUNG GESUNDHEITSPFLEGE SOCIALE FÜRSORGE n LEIBESÜBUNGEN Vertunden mit dtrd üffel dorfer\ Kunfia usftdlun� Volksbühne Tb. ai8 Sdulfbaaerdiom 8 Uhr: Die Freier Morgen 8 Uhr: Die Freier. Tbutir am BBIovpliti 7'/, Uhr: FAUST Morgen 8 Uhr Das trunkene Sdiiff Dienstag, den 15. Jiinl nachmittags 3 Uhr Reichshallen- Theater Abends 8 Uhr Stcttlnar Sänger Neu I Ein HaDsball bei Meyer't Berliner Birtasti m Send DSnbolf-Brettl(Stil Hirt) Variete!— Konzern— Tanz! Berliner HIlk-TriO Neukölln, R» Lahnstr.74,78L P»'01 rifo' 'iLcf Voranzeige 1 eduarda suesskind» ■elnerosbondJunS berltn•( Idtjrtflia kes rc I,-Bln Veickcheg Keichz. ESorlln. rUBW-Tetefragheflak» runR Barcel-Bla. s- er,» J74J 11/11 36 IT"» �— sorrent* «tart I»erluden fuei lifü B1,r' ealata und CarrtCona>» oroient •orauaaichtl ich»■ ,4 juni circa"ooooo naechsten«onat{ule antunfl»uensihtnd «oooo lltee ankanlt Itter Tolle» Hudes S Eduard SUsskind, BrunnenstraOe 43 Beachten Sie meine Angebote J. H. W. Dietz Nachfl, 0.m.b.H. Lindenstr a�e 2. Knaben woeflee . Qrööc 0 Kieler Kadettanzug i- qtöb» o-w Schulanzüge.'Sl�I'�l��eVorm.. OrOBe 7-9 CeAAentdAMf llir« hoc�oesrhlowo, au» gemusterten, hallbaren bponanzug stoifen. Oröße 4-6 M. 8.—.. Orötie 1—3 Matrosenanzug . Or. 1-6 12.- 5.23 5.93 T.S.Sportanzug Hose, Qr. 10-12 18� Or. 7-9 13.50 Spielkitttel...... or.oL«. Sporthose aus SatiastaSeti, Or. 0—12•••••. 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Juni 1928 Qo der Vormittagqlehung wurden Gewinn« über 120 M. gezogen 4 Gewinne zu 1000 M. 55771 283944 4 Gewinne zu 800 M. 43826 76244 16 Gewinne zu 500 M. t6346 18262 85049 91374 100315 155253 159020 222015 90 Gewinne zu 400 M. 3889 13865 17430 56255 65018 75689 79918 90614 93940 94517 100555 103720 131408 131412 140198 145988 147686 150295 155033 155855 160580 164063 178178 187337 187683 189229 192998 196102 197235 201181 202936 208280 232085 246323 251198 268777 272859 273169 273617 283519 284125 289751 291880 297233 297882 __ 254«'winn. zu 240 M. 1410 4144 5369 5428 7331 7863 12069' 3700 14461 15469 23017 31254 32492 33034 33942 34934 36973 37579 37842 38585 41357 45791 52403 56273 56776 64595 64788 68789 68814 69770 70217 74560 76518 77333 78637 92584 98044 98921 99437 101788 104700 105172 105466 110496 112081------ 118447 120775 141389 147046 164257 165092 180192 181287 189975 191953 113066 113774 115767 117476 118072 118272 124931 125098 125520 127880 136017 140877 151589 153368 155007 155644 155807 159794 167195 168136 170048 174343 177285 179135 181353 182056 182649 184381 184848 188020 „„ 195580 196306 197135 198539 207023 203034 210468 215347 216972 218205 222019 225399 226562 232126 233273 233504 233575 234452 237641 237721 239877 245869 249600 249826 250509 250965 251628 251932 253083 254638 289CT7 271002 271,32 272714 285265 287036 289353 Od der Nachmittagsziehung wurden Gewinn« über ILO M. gezoge» 2 Gewinn« zu 5000 M. 109656 4«ewinne zu 2000 M. 186049 188596 4 Gewinn« zu 1000 M. 15784 37562 10 Gewinn« zu 800 M. 1186 3890 33686 52573 57218 10 Gewinn« zu 500 M. 59938 102908 160159 209835 215592 66 Gewinne zu 400 M. 1545 8852 17446 29276 47668 47770 57782 57879 63182 65401 74556 90671 92377 95425 100279 110758 132118 137050 162040 168456 173224 175779 183293 198377 209274 232123 244911 245382 255156 258182 269080 285177 294396 208 Gewinne zu 240 M. 6864 7993 15348 17180 17561 21169 21552 26041 26834 30623 40361 43545 43860 45337 45514 48457 60306 53478 60497 61265 64069 68414 68597 69880 70120 72916 73208 76046 81982 89951 92433 92682 94316 97551 100224 100697 104677 106100 112862 115788 118977 127993 137211 140651 151471 152958 153729 155031 157729 158110 158336 158621 161786 163964 165579 165911 166515 167237 167430 168033 168137 17I9Ü9 177468 178364 184074 186226 186693 190592 190819 199569 204000 208476 210234 210260 215394 218087 218296 220290 227268 227574 235395 239779 250164 253447 255571 257402 258490 259277 260270 260322 261819 265851 265863 267699 271901 272213 275945 276034 28562 290700 2S6768 296437281090. �*55»» Vkenstag 15. Juni 1925 Unterhaltung unö ÄAissen Seilage öes vorwärts wer ist dank fchulöig! von Ell, Radtke-Wermuth. Don der Litfaßsäule herab fragen die Schatten prominenter Mitglieder de» Hohenzollernhauses mit vorwurfsvoll-strenger Miene die zum Volksentscheid sich rüstenden Berliner:„Ist das der Dank für unser Werk?" Passend dazu ist eine kleine Begebenheit, die ein Berliner demokratisches Blatt vor einigen Tagen mitteilte. Danach wurde einem kleinen Besitzer in einem Orte der Mark feine Bitte um Ueberlassung von Kartoffelland abschlägig beschieden, weil der Herr Großgrundbesitzer erfahren hatte, daß der Betreffende sich in die Liste für das Volksbegehren eingetragen hatte. Die Ablehnung seiner Bitte wurde dem Manne damit begründet, daß er sich durch die Einzeichnung der Undankbarkeit gegen das Hohenzollernhaus schuldig gemacht hätte,„des Hauses, das uns einen Großen Kur- fürsten, einen Friedrich Wilhelm I., einen Friedrich den Großen, einen Wichelm l. geschenkt, die aus der Mark Brandenburg ein Preußen und ein Deutsches Reich geschaffen haben, das wir durch Berrat zertrümmert haben. Wer dieses Hohenzollernhaus enteignen will, bekundet also eine unerhörte Undankbarkeit...* Wir wollen hier nicht untersuchen, wie weit der Herr Groß- grundbesitzcr befugt war, die Einzeichnungsliste durchzustudieren. Wichtiger noch als diese Niederträchtigkeit ist die ganze Art, wie der Kampf gegen den Volksentscheid von dieser Seite mit ollen Mitteln unserer verlogenen Geschichtsschreibung geführt wird. Nur die Fürsten, die ganz selbstverständlich in jeder Hinsicht mit genialen Gaben ausgestattet waren, haben aus der kleinen Mark Branden- bürg das repräsentative Preußen geschaffen, mit all dem Länder- besitz, den Schlösiern, Gütern, Industrien. Alles das ist das Re- sultat der unermüdlichen und selbstlosen persönlichen Arbeit der Hohenzollern, die rein gar nichts weiter als das Wohl ihrer Unter- tanen dabei im Auge hatten, und für alle diese Mühsal zum Wohle der Landeskinder sollen sie nun von dem undankbaren Volt noch um das letzte Bißchen ihres sauer Erworbenen gebracht werden! Wirklich, wie undankbar! Sehen wir uns doch noch einmal die Geschichte an. Uebergehen wir ruhig alle Markgrafen und Kurfürsten aus dem Hause Hohen- zollern, die von 1415 ab die Mark als Regenten beglückt und in dem Ländchen nichts weiter als eine Geldquelle für ihre Bedürfnisie gesehen hatten. Trotz fast ununterbrochener Kriegsnöte, trotz Teue- rung und verheerender Seuchen haben sie immer wieder Steuern und nochmals Steuern aus dem kleinen Lande erpreßt. Uebergehen wir also alle diese gänzlich unbedeutenden Gernegroße und sehen wir uns dafür einen der wenigen Hohenzollernfürsten etwas näher an, die über das sonst übliche Format hinausgingen. Da ist Friedrich Wilhelm, mit dem preisenden Beinamen des „Großen" Kurfürsten, der in der Tat einen ganz anderen Horizont als die meisten seines Stammes gehabt zu haben scheint. Unsere byzantinische Geschichtsschreibung sieht in seiner Person die ge- slaltende Kraft, die bewußt und überlegen aus dem unbedeutenden Ländcheir/ sozusagen au» dem Nichts heraus die spätere Großmacht Preußen oder doch wenigstens die Grundlage dasür geschaffen hat. Wie steht e» nun aber mit dieser eigenen Kraft und welches waren die Beweggründe seiner Betriebsamkeit? Friedrich Wilhelm übernahm bei seinem Regierungsantritt 164? die Mark als halbzerstörtes und verwüstetes, durch den Dreißig- jähriegn Krieg ausgeplündertes und von den»erschwendungssüchtigen Vorgängern ausgesogenes Land, arm an Gütern und gering an Aus- dehnung. Daß«in solches Ländchen nicht mehr viel für seinen Herrscher abwerfen tonnte, war Friedrich Wilhelm bald klar, denn einen gesunden Geschäftssinn haben die Hohenzollern schon von jeher bewiesen. Also war nach dieser Erkenntnis das ganz« Streben des Kurfürsten aus Vergrößerung seines Länderbesitzes gerichtet. Und wie vergrößert ein Regent fein Land? Selbstverständlich nur durch Kriege. Und da man bekanntlich zum Kriegführen Soldaten braucht, war das höchst« und einzige Interesse des Kurfürsten die Schaffung eines starken Heeres. Rücksichtslos und brutal hat er denn auch die Auf- rechterhaltung dieser für die klein« Mark fast untragbaren Kriegs- »nacht durchgeführt, die die Hälft« sämtlicher Staatseinnahmen ver- schlang. Die Schaffung und Unterhaltung dieses Heeres war nur möglich durch die drückendsten und ungerechtesten Steuern, die die Bevölkerung des ohnehin schon fast bis zum Letzten ausgepumpten Landes zahlen mußte. Als Friedrich Wilhelm eingesehen hatte, daß direkte Steuern bei weitem nicht ausreichten, um die ungeheuerlichen Lasten seines Heeres zu decken, führt« er die sogenannte Konsumtions- Akzise für die märkischen Städte ein, die Schlacht-, Mahl- und Bier- steuer. So mußte die verarmte Bevölkerung zahlen, zahlen und noch- mols zahlen. Wer sich in Stadt und Land irgendwie widersetzte, wurde einfach unter Zuhilfenahme dieser neuangeworbenen Truppen zum Zahlen gezwungen. Wozu hat ein Fürst denn schließlich seine bewaffnete Macht?! Di« Soldateska tat außerdem von sich aus noch ihr übriges, aus der Tasche der Bevölkerung zu leben. Rauben und Stehlen waren ihr tägliches Exerzitium, sagt der Chronist. Mit dieser Kriegsmacht, die also ganz ausschließlich auf Kosten des Volkes gegründet und unterhalten worden ist, sind dann die un- zähligen Kriege geführt worden, einzig und allein aus dem Grunde, einem ehrgeizigen und habgierigen Fürsten und seinen Nachkommen zu größerem Besitztum zu verhelfen. Friedrich Wilhelm selbst ver- achtete als Feldherr und Staatsmann um des lieben Vortells willen selbst Eid- und Vertragsbrüche nicht. Sein« Eid« und Verträge waren ihm nichts, wenn es einen weiteren Vorteil für ihn galt. Diese jEharakterlosigkeit und absolute Treulosigkeit ist uns dann in der Ge- schichte als Klugheit und diplomatisch« Gewandtheit hingestellt worden. Stets benutzte er«inen Krieg zwischen zwei Mächten, um für sich Gewinn« dabei zu erzieten. Er ließ sein« Truppen bald auf dieser, bald auf jener Seite kämpfen. Und da» Volk zahlte, zahlte und zahlte für das Heer. Nach der Umwandlung seines Staates in einen reinen Militär- staat fand Friedrich Wilhelm es für notwendig. Verlin in eine Festung umzuwandeln. Aber nicht etwa auf seine Kosten, oder besser gesagt, nicht auf Kosten der Staatskasse, das muhten die Berliner wieder selbst tragen. Den Grund und Boden für die Festungsbauten muhten die Bürger gegen ganz gering- Entschädi- gung—- lies„Enteignung"— hergeben. Dazu kamen noch eine Menge neuer Lasten und Abgaben, die im Weigerungsfalle durch Exekutionen herbeigeschafft wurden. Dabei wurden häufig selbst den Aermsten In Ermangelung baren Geldes unbarmherzig die Mobilien fortgenommen und verkauft. Das war aber selbst- verständlich keine Enteignung! Außerdem wurden sämtliche Berliner Bürger zu den Schanzarbeiten herangezogen. Die Bc- Zahlung dafür war so gering, daß sie in gar keinem Verhältnis zu der Mühe und Zeit stand. Bald gab es denn auch Tumulte. Der Kurfürst wußte aber jede aufflackernde Empörung durch jeine ,vu Eöe, See Schkanöal-�nzeijer schreibt, Set flnS allens Räuber und diebe../ ,Na LuSe, Senn sinS wir zwee ja Sie eenzijen anschtänSijen Menschen in See janzen IejenS/ Soldateska im Keim zu ersticken. Schließlich, nach 25 Jahren, war der Festungsbau fertig. Vom Donk des Kurfürsten an die Berliner hat man aber nie etwas gehört. Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, hat auch von den Iu d e n das Geld genommen, wo er es kriegen konnte. Sie durften ihm bare Vorschüsse leisten und bekamen dafür Armeelieserungen. Ein Israel Aaron durste sich Agent und Hoflieferant titulieren. Dafür nahm der Kursürst den Juden auch wieder einmal 4000 Taler als Strafe dafür ab, daß sie geflüchtet waren, als im Jahre 1575 die Schweden in die Mark eingefallen waren. Nicht uninteressant ist für uns auch die als kaufmännische Großtat Friedrich Wilhelms soviel gerühmte Gründung der afrikanischen Handelskompagnie im Jahre 1682. Diese afrikanisch« Gesellschaff machte ihre schönen Geschäfte nämlich aus dem Verkauf von Negersklaven nach Amerika. Wenn wir uns des späteren Soldatenhandels deutscher Fürsten nach Amerika im 18. Jahr- hundert erinnern, so sehen wir hier wiederum, wie ein Vorurteils- loser Geschäftssinn eben von jeher ein hervorstechender Zug der ge- samten Hohenzollernfamilie gewesen ist. Dabei ist der Kurfürst Friedrich Wilhelm nicht etwa der schlechteste, sondern im großen und ganzen einer der sympatischsten aller Hohenzollern gewesen. Als der Große Kurfürst starb, hinterließ er seinem Nachfolger ein Land mit jährlichen Einkünften von 2 540000 Talern, während diese im Jahre seines Regierungsantritts kaum 400 000 Taler aus- machten. Alles Errungene und Erraffte fft mit dem Geld« des Volkes erworben worden, die Mittel für die umfangreichen Besitz- und Machtvergrößenmgen waren mit rohester Gewalt aus den Untertanen herausgepreßt. Wer ist nun den Dank schuldig, das Volk den Fürsten— oder die Fürsten dem Volk? Marconis neueste Erfindungen. Marconi ist es in letzter Zeit in der Stille seines Laboratoriums gelungen, ein« Reih« bedeutender Erfindungen der Welt zu schenken. Es handelt sich um neuartig« Apparate, über die die Oeffentlichkeit bisher nur wenig oder garnichts erfahren hat. Sein« letzt« Erfindung ist ein R a d i o l e u ch t t u r m. der bereits feit einigen Monaten an einem für die Schiffahrt wichtigen und infolge der Stürme viel- fach gefürchteten Punkt der englischen Küste in South Foreland in Verwendung steht. Die stärksten Reflektoren der großen modernen Leuchttürme sind bei dichtem Nebel so gut wie unbrauchbar. Bereits wenige Kilometer von der Küste ist vom Licht des Turmes überhaupt nichts mehr zu bemerken. Es war daher für die Schiffahrt von großer Bedeutung, einen Leuchtturm zu erfinden, dessen Brauchbarkeit Nebel, Sturm und andere Witterungseinflüsse nicht behindern. Statt des Lichtes sendet er ununterbrochen kurze elektrische Wellen aus. Diese Wellen tragen Morsezeichen auf das Meer. Jeder Dampfer, ja sogar kleine Fischerboote, sind imstande, diese Zeichen mittels eines kleinen und billigen Apparates aufzunehmen. Sie bieten ihnen die Möglich- kcit, sich sofort zu orientieren und die geographische Lage festzustellen. Vor einiger Zeit gelang es Marconi, einen Apparat herzustellen, den er Radiograph oder Radioschreibmafchine nennt. Diese Maschine, die ebenfalls sehr einfacher Konstruktion ist, ermöglicht, daß «in zum Beispiel in Berlin diktierter Text zu gleicher Zeit mit der Schreibmaschine in London, Paris oder Moskau ausgenommen werden kann. Die ersten Versuche mit diesem Modell führten zu einem vollen Erfolg. Das Diktat erfolgte in Marconis Londoner Laboratorium und die mit dem Apparat drahtlos verbundenen Schreibmaschinen nahmen den Text ohne größere Lücken im Londoner Cottage, ferner. in der Radiostation zu Oxford auf. Es ist selbstverständlich, daß diese erste Maschine noch äußerst primitiv ist und der Vervollkommnung bedarf. Das Hauptinteresse Marconis gilt jedoch dem Problem der Radiowellen, mit dem er sich schon bald ein Jahrzehnt lang be- schäftigt. Die modern« drahtlose Telephonie hat sich in den letzten Jahren, man kann sagen, beinah« bis zur Vollkommenheit entwickelt. Ein großes Hindernis jedoch steht derselben noch immer Im Wege. Ein jeder kann die Gespräche ausnehmen. Handelt es sich zum Bei- spiel um geheime Mitteilungen oder wichtige Staatsgespräche, können diese der Radiowelle solange nicht anvertraut werden, bis es gelingt, eine Art und Weife zu finden, die Aufnahme dieser Gesprächs nur für jene Stationen möglich zu machen, für die eben die Mitteilung bestimmt ist. Vor einiger Zeit hat nun Marconi einen Apparat kon- struiert, der gewissermaßen das Lenken der Wellen in Form eines Bündels gestattet. Ein anderer Vorteil ist noch mit dieser neuen Er- findung verbunden: eine enorme Ersparnis an elektrischem Energie- verbrauch. Nur kurze Wellen kommen hierbei zur Verwendung. Die von der Sendestation benötigte Kraft ist bei diesem neuen System hundertmal geringer als beim alten. Die Wellen werden in einem bestimmten Winkel abgesandt, die Aufnahm« ist gleichfalls nur unter diesem Winkel möglich. Wird diese Erfindung weiter ausgebaut, so ist das Geheimnis der den Wellen anvertrauten Mitteilung gewahrt. Die großen Aquarien der Well. Im Jahresbericht der New- ?)orker Zoologischen Gefellschaft befindet sich eine Aufstellung über die großen Aquarien der Welt, aus der hervorgeht, daß die Aquarien von Philadelphia, London und New Jork an Raum die größten sind. Die größte Anzahl von Ausstellungsobjekten hat San Fron- zisko. Die bedeutendsten Einrichtungen für Spezialzwecke haben Berlin mit 66 und Frankfurt mit 57 Wasserkästen für Insekten. Leipziger Strasse Alexanderplatx Frankfurter Allee Varfaadabfellnngi Leipziger Strasse Schriftlieh* Bestellungen werden prompt erledigt Bei Aufträgen naeh auswärts vergüten wir für je 20 M. 80 Pf.t die nur für Porto bzw. Verpackung tn Anrechnung gebracht VMgeVuchee Antiquarische Werke« Restauflagen« Neuausgaben Romane u. Novellen 35 Jeder Band lOO-ZOO Selten.......................... gebunden Backer, Der HIBir den Nuramaja Bcnolt, Yergeaaen Bonsnrdt, Dan ailberna Pferd Basel». Zlrkusgehetmnlaae Edel, Poker— Zwiaehea den Frauen Elnstmann, Die daa Leben erstarkte Endren, Tflrklsche Novellen Gräbeln, Der Brief der Sibylle Brandt Haan, Einsame Biesen HellinK, Das Testament des seligen Eusebius— Das Opfer der Helge Ltinlngea Horosvlta, Irrende Liebe Kanfmsnn, Türk, En&hlungen Ennd. Artur Imboff Eorreck. Die Oroschennol 5 Bande M. 1,60- Pf. 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Llzzle— Der eiserne j Wagen— Der kleine Blaue— ) Der Fall Eobertson— De» vierte - Mann— Der Tod kehrt Im Hotel ' ein— Die Zwei und die Dame ->— 1000 Elsen im Feuer Parrere, Oplmn— Die �kleinen Verbündetes— Kulturmenschen - Seeräuber- Marqulse Y orUeke Fograaaaro, Der Hellige Franeos, Mosebko von Parma — Der Fojaz Frekaa, Phnsphnr Gräbeln, Damm», Mann Hart mann, Andreas Arnbjus Heller, Die 100« e Nacht— Herr Kollln Ist«liniert— Die Finanzen des Groasherzogs— Des Pf. Kaisen eile Kleider— Führe mich In Versuchung— Herrn Kollins Abenteuer— Der elbl- rlsoba.Express n oebgtetter. Das Krongut Hoch, Junker Ottos Boen fahrt Landsberger, Hildo Simon Levln, Die OrossfOrttin Elltenfeln. Ein Spiel Im Wind — Die leuiige Wolke Elnbow, Qolod russ. Hunger Halten, Eva und die Brüder Huna er, Abenteuer der Seele— Kinder der Stadt— Namenlos Itfetto, Herbst Paalsaa, Visionen Pietseb. Das Gewissen d. 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Die Flusspiraten — Die Regulatoren— Gold Gorkl, MeistererzähJungen Habbcrton. Helenes Kindereben HacklKndcr, Der letzte Bombardier— Europäisches Sklavenleben eines alten Mannes IdA�erlöff, Gösta Bellng— Jerusalem laidivii?. Zwischen Himmel und Erde Banzonl. Die Verlobten JHaupassnut, Der schöne Freund 3Iautcg:azza. Hygiene der Liebe — Physiologie der Liebe Jlarryat, Der fliegende Hol- länder Murjfer, Zigeunerleben Xathn»ius. Elisabeth PrevoNt. Manon Lescaut Saelier-JIasoch, Katharina II. — Die Dame im Pelz Scheffel. Ekkehard Seott. Ivan hos Sealnfleld, Das Kajütenbuch Sienkieavicz. Mit Feuer und Schwert— Sintflut—Quo vadis? Strindbergr, Leute ▼. Hemsö— Am offenen Meer— Das rote Zimmer Sue, Der swlge Jude— Die Geheim nisss von Paris Tolstoi, Auferstehung— Kreutrersonate— Anna Ka- renina Turgenjew, Väter und Söhne Tlseher, Auch einer Wnllaee. Ben Hnr Wilde, Märchen Wilde, Bildnis des Dorian Gray Zola. Germlnal— Nana— Das Paradies der Damen Deutscher Liedcrwald. 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