�benöaasgabe Nr. 277 ♦ 45. Jahrgang Ausgabe B Nr. 156 ««»ligzbedlnssunMn und CnKitenmir« End in ixr äRorjencusflob« cnflc«(btn ac&ottion: sw. 0», Clatcaflcob« 3 Z«raipr»ch»r: viahoff 292— 292 Zsl.-lUcefTcSajiol&cmotral Brrlia Vevlinev VoMsblstt (10 Pfennig') Dienstag 15. Juni 1 926 ««rl»9«»d ani«t|«nabUtInn*! »«(aittnatt»-« Ub« SaclaacnOotroacla-Octtag»mbH. Seena STD. 69, Claftcafttafi* 3 Jcmipecdiec: vSahoft 292— 292 Zcntralorgan der Sozialdemokrat! fehen Partei Deutfcblands ZinanAminister peret zurückgetreten. Wie es war. (wlv.) Briands fünfter Jlnanjmlnlffer JJ e t e I ist Finanzminifter. Paris. IS. 3nnL zurückgetreten. Paris, 15. Zun.(WTD.) Finanzminister P« r e t erklärte nach dem Kabinettsrat. daß angesichts der ch a u s s e der ausländischen Devisen und des Ausbleibens der tatkräftigen Unterstützung, auf die die Regierung gerechnet habe, es ihm nicht mehr mög» l i ch sei, seinen Posten wirksam auszufüllen. Andererseits halte er es für notwendig, eine parlamentarische und politische Ii m b i l d u n g entsprechend den Wünschen der öffentlichen Mei- nung möglich zu machen, da die Oeffentlichkeit angesichts der gemein- samen Gefahr eine gemeinsame Anstrengung fordere. Aus diesen Gründen trete er zurück. * Mit dem Rücktritt Paretz ist Frankreich innerhalb eines Jahres nun glücklich seinen fünften Finanzminister los. Die Reihenfolge war: Caillaux, Painlevs, Lou- cheur, Doumer und P 6 r e t. Jeder kam mit neuen Vor» schlagen, keiner vermochte die Verschlechterung des Franken aufzuhalten, jeder wurde, zum Teil nach sehr kurzer Zeit, durch den Entrüstungssturm der öffentlichen Meinung weggefegt. Das Versagen der einzelnen Finanzminister ist vor allem darauf zurückzuführen, daß keiner den Mut hatte, dem Lande die volle Wahrheit zu sagen, nämlich, daß der Franken- stürz unaufhaltsam sein wird, so lange das französische Volk keine Steuern zahlt. Was an direkten Steuern in Frankreich aufgebracht wird, ist lächerlich gering, besonders gemessen an Deutschland und England. Man schont bewußt die Besitzenden, man hat Angst vor den Bauern, und man wagt infolgedessen auch nicht, von der Arbeiterschaft eine Lohnsteuer abzuziehen. Dafür ver- sucht man, die breiten Massen mit indirekten Steuern zu belasten. Aber alle diese Abgaben vermögen nicht das Gleich- gewicht des Budgets wieder herzustellen, weil alle Berechnungen nach kurzer Zeit durch die Verschlechterung der Valuta über den Haufen geworfen werden. Andererseits ist ein einflußreicher Teil der französischen Wirtschaft,— ebenso kurzsichtig wie einst bei uns Stinnes und Genossen— an der I n f l a ti o n s» Wirtschaft interessiert: das find die großen Industriellen und Exporteure, die die Scheinkonjunktur der Inflation, ohne Rücksicht auf den unvermeidlichen Katzenjammer der Gold- bilanzen nach erfolgter Stabilisierung, ausnutzen wollen. B r i a n d, der vor allem ein Taktiker und kein Tatmensch ist, und der überdies bei aller hervorragenden Intelligenz auf allen Gebieten der Politik von Finanz und Wirtschaft wenig versteht, hat sich der Finanzkrise offenkundig nicht g e- wachsen gezeigt. Er begnügte sich damit, seinem jeweiligen Finanzminifter freie Hand zu lassen, ihn vor der Kammer durch Stellung der Vertrauensfrage zu decken, und ihn, wenn es nicht mehr weiterging, hinauszukomplimentieren. Es sst aber keineswegs sicher, daß ihm diese Taktik diesmal wieder gelingen wird, und es ist durchaus möglich, daß diese neue Finanz- Ministerkrise eine G e s a m t k r i s e der Regierung Driond zur Folge hat. * An der heutigen Berliner Börse notierte das englische Pfund gegenüber dem französischen Franken 175(gestern 173VH. Die öummften Lügen. Gerade gut genug für die Mrstenknechte. Der„Lokal-Anzeiger" hat sich dazu entschlossen, die Pro- anda gegen den Volksentscheid jür hie Fürstenraubgier aufzunchmen. Er spekuliert dabei auf das kurze Gedächtnis seiner Leser. Da die Erfahrungen mit dem Volksbegehren ihm gezeigt haben, daß die betrogenen Inflationsopfcr in Massenstellung gegen die Fürsten Stellung genommen haben, sucht er ihnen jetzt vorzureden, daß die Sozialdemo- kratie schuld sei. Zu diesem Zweck frischt er die folgend- blöde, längst widerlegte Lüge auf: „Man hofft, daß vergessen sei. wie der Reichskanzler Dr. C u n o in dem Augenblick gestürzt wurde, als er durch chelfferichs geniales Rcntenmarkprojekt dem Elend der Inflationszeit ein Ende machen wollte, und daß der s o z i a l d e m o k r a» t i s ch e F i n a n z m i n i st e r Dr. H i l s e r d i n g es war. der diesen Rcttungsplan ablehnte und das deutsche Volk dadurch in die aller. schwersten Inflationewirren erst hineinstürzte." Es braucht kein Wort über den Schwindel verloren zu werden, daß C u n o sich mit der Absicht getragen habe, der Inflation ein Ende zu machen, derselbe Cuno, auf dem die volle Verantwortung für den ungeheuerlichen Inflations- schwinde! während des Ruhrkampfes lastet! Was aber die Stellung H i l f e r d i n g s gegenüber H e l f f e r i ch s Projekt anbelangt, so steht längst fest, daß Helfferichts Projekt, das auf der Roggenwährung aufgebaut war, unbrauchbar war. einmal, weil es nicht zu einer Stabilisierung führte, dann, weil es die Souveränität des Reiches den großkapitalistischen Spitzenverbänden ausliefern wollte. Das Rentcnmarkproie't aber, das dem Reichsrat vorgelegt wurde, und von dem die Elabilisierung der deutschen Währung ihren Ausgang nahm. trägt die Unterschrift des sozialdemokratischen Finanziiuui- sters Hilferdina. Hat der„Lokal-Anzeiger" nur die ältesten und dümmsten Lügen zur Verfügung, wenn er die Fürsten verteidigen will? Warum redet er nicht ein wenig von den Fürsten selber und deren habgierigen Ansprüchen? Loebells öettler. „Im Auftrage Loebells und des ReichShräfidenteu"? Wir haben heute früh von dem Bettelgang des früheren Ober- leutnants o. Falkenhayn Mitteilung gemacht, der im Auf. trage Loebells bei Geschäftsleuten für den Wohlfends der Fürsten sammeln geht. Gleichzeitig ist das„Berliner Tagesblatt in der Loge, von ähnlichen Besuchen durch frühere Offiziere in Provinz st ädten zu berichten, nur mit dem kleinen Unterschied, daß dort der ge- druckten Karte„Ttaatsminister v. Loebell bittet. Herrn..... empfangen zu wollen' noch mündlich hinzugefügt wird, daß dos Betteln„im Austrage des Herrn o. Loebell und des Reichs» Präsidenten' erfolgte. Ist dem Bureau des Reichspräsidenten auch von diesem Miß- brauch des Namens Hindenburg nichts bekannt geworden? Popolo ü'Jtalia gegen HenfalsVölkerbunüjitz SVegen der Zwischenfälle bei der Matteotti-Ffeier. Rom. 15. Juni.(WTD.)„Popolo d'Italia" veröffentlicht heut- einen Arrikel zu den antifolckistischen Kundgebungen gegen Italien in Genf. Das Blatt fragt, ob heute noch Genf den Vertretern der verschiedenen Staaten beim Völkerbund die not» pendige Gewähr dafür biete, daß sich die Unterhandlungen im Völkerbund in einem Milieu der Zurückhaltung und Objektivität vollziehen könnten. Es sei unmöglich, daß ein Minister als Gast in einer Stadt weile, in der öffentliche Kundgebungen gegen sein Land, gegen dessen Regierungschef und König geduldet würden. Für Italien, sagt„Popolo d'Italia", sei die Lage um so heikler, weil gelegentlich der Bölkerbundesitzungen gewisse politische Kundgebungen in Genf stattfanden, um die italienische Re- gierung und ihr System vor der gesamten Welt anzuklagen. Endlich macht„Popolo d'Italia" darauf aufmerksam, daß Bestrebun- gen beständen, den Sitz des Völkerbundes von Genf nach Wien zu oerlegen, wo man in den ehemaligen kaiserlichen Palästen Platz genug für sämtliche Bedürfnisse des Völkerbundes haben würde. 4- Di« Zwischenfälle bei der Matteotti-Gedenkfeier sind durch faschistisch« Beamte des Internationalen Arbeitsamtes pro- v o z i e r t worden, die unter Führung des italienischen Vize- k o n s u l s de Vinzi in die öffentliche Versammlung gekommen waren, offenkundig in der Absicht, sie zu stören. Anscheinend war von Rom der Befehl gekommen, eine Wiederholung der wuchtigen Protestdemonstration, die im März während der Tagung des Völker- bundes gegen den Faschismus veranstaltet worden war, um jeden Preis zu verhindern. Das ist den Faschisten gründlich vorbei- gelungen und daher die Wut. .Gebt ihm vichis! Er füttert damit nur seinen Assen!' Und wie die andere« eS gewünscht hätte«. Die große Bewegnna, die die machtvolle Demonstration der sozialdemokratischen Partei Berlins gegen die Fürsten- forderungen hervorgerufen hat, findet ihren Widerhall in der Presse von heute morgen. Gegenüber der Wucht und der Größe dieser Demonstration gibt es kein Kopf-in-den» Sand-Stecken und Vertuschen. Das Volk wurde aufgerufen, und das Volk marschierte, es marschierte mit uns gegen die gürsten. Verbissen schweigt die Fürstenpresse gegenüber der timme des Volkes. So war es, und wer aus verbissenem engstirnigem Fana- tismus die Größe der gewaltigen Kundgebung trotzdem noch verkleinern möchte, der mag sich die Stimmen der bürger- lichen Presse ansehen, aus denen der Respekt vor dem ein- drucksvollen Massenaufmarsch hervorleuchtet. So berichtet die bürgerliche Presse, wie es war: „Vossische Zeitung": „Die Sozialdemokratisch« Partei veranstaltete gestern abend gemeinsam mit den fteien Gewerkschaften und dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold eine Kundgebung für die Fürstenenteignung im Lustgarten. Der gestrige Ausmarsch dürfte der größte seit jener denkwürdigen Kundgebung nach dem Rathenau- Mord im Lustgarten gewesen sein. Als der weite Platz vom Asten Museum bis zum Schloß, vom Spreeufer bis zum Dom vollständig überfüllt war. stauten sich die Massen in den An- marschstraßen, so daß e» in der Nähe des Schlosses kaum noch mögllch war, den Verkehr auftechtzuerhalten. Erst gegen MS Uhr war der Aufmarsch beendet." „M o r g« n p o st": „Die Zahl der Teilnehmer überstieg die Kundgebun» gen der Rechtsradikalen und der Kommuni st en am Sonntag um ein Vielfache». Der Lustgarten war dicht gefüllt. „Berliner Tageblatt": „Zu einer außerordentlich machtvollen Kund- g« b u n g gestalteten sich gestern abend die Demonstrationen des Reichsbanners und der Sozialdemokratischen Partei Deutschland« für die Fürftenenteignung im Lustgarten. Zwischen 6 und 7 Uhr abends marschierten aus allen Stadtteilen in endlosen Kolonnen unter Vorantritt der Reichsbannerkapellen die Teilnehmer noch dem Innern der Stadt. In den einzelnen Straßen, die von den Zügen passiert wurden, begrüßte eine dichtgedrängte Menschenmenge die Demonstranten. An vielen Häusern waren zum Zeichen der Kundgebung beim Vorbeimarsch der Massen schwarzrotgoldene Fahnen angebracht. Bereits um S Uhr, eine Stunde vor dem eigentlichen Beginn, hatten sich im Lu st garten riesige Menschen- scharen angesammelt. Unter der Menge, die nach der Frei- treppe drängten, war viel bürgerliches Publikum. Als die ersten Marschmelodien aus der Ferne erklangen, als man die ersten roten und schwarzrotgoldenen Standarten unter die grünen Wipfel um den Dom trug, war der Platz schon dicht gefüllt. Aber immer neue Massen rückten aus den Nebenstraßen heran und wurden von den Ordnern durch das Gewimmel um die Freitreppen an ihre Standorte placiert.' „Berliner V o l k s- Z e i t u n g": „Die Kundgebung, die gestern abend von der Sozialdemo- kratifchen Partei für den Volksentscheid veranstallet wurde, war eine der imposantesten, die Berlin in den letzten Iahren gesehen hat. Die Zugangsstraßen zum Lustgarten waren schwarz von Menschen, dichtgedrängt standen sie: dieser große, weite Platz war überfüllt von Demonstranten, Tausende von roten und schwarzrotgoldenen Fahnen flatterten in der Luft. Ueber- all Begeisterung und Hingabe, überall Einmütigkeit, und dos eine Ziel vor Augen: keinen Pfennig den Fürsten! Hundert. tausend« von Menschen im Lu st garten gaben g e st e r n d e n Monarchisten, die sich am Sonntag so grenzen- los blamiert hasten, die richtig« Antwort. Es war ein großer Tag in der Geschichte der Republik, es war ein Kampftag.' So war es: ein großer Tag in der Geschichte der Re- publik, aber auch ein großer Tag der Sozialdemokratischen Partei Berlins. Sie hat das Volk gerufen, und das Volk ist diesem Rufe gefolgt. Sie ist in der Reichshauotstadt die Führerin der republikanischen Bevölkerung, die Partei des werktätigen Volkes. Voll stolz weist sie auf das Zeugnis ihres Vormarsches: seht unsere machtvolle Kundgebung. So war es, und daß es so war, ist hart für jene, die es anders gewünscht haben. Hart für die Agenten der Für- sten und ihre Presse, hart für die Kommunisten, die niemals eine große Volksbewegung verstanden haben und sie niemals verstehen werden. Die Fürstenagenten und ihre Presse haben dabei eines vor den Kommunisten voraus: sie sehen die Tat- fachen und vermeiden es, das Gelächter der ganzen Reichs- Hauptstadt hervorzurufen durch eine Darstellung, die jeder Berliner mit Hohnlachen als Phantasiegeburt befangener fanatischer Köpfe erkennt. Es ist von je das Vorrecht des extremen Radikalismus, die Dinge nicht so zu sehen, wie sie sind, sondern wie er sie gewünscht hätte. Die„Deutsche Zeitung" phantasiert davon, daß am Sonntag mehr Schwarzweißrote demonstriert hätten als Gegner der Fürstenforderungen am Montag, genau gezählt 3000 mehr. Run. wer dabei war, wird kopfschüttelnd lächeln. Ab« die»Rote Fahnel Sie hätte gewünscht, daß unsere Kundgebung ein katastrophaler Versager gewesen wäre— um den Preis der Schwächung der Sache des Volkes — damit sie triumphierend hätte versichern können: seht, wir Kommunisten, wir sind das Volk, uns sind die Massen am Sonntag gefolgt. Aber so war es nicht— es war alles ganz anders. In endlosen Kolonnen kamen sie marschiert, gefüllt der Lustgarten, Demonstrationsstimmung, Kampf- slimmung in ganz Berlins Aber die Kommunisten, die so laut und sehnend nach den Massen rufen, sind blind, wenn die Massen wirtlich marschieren. So hält sich die„Rote F a h n e" fest beide Fäuste vor die Augen und versichert: „Es war gewiß eine Massendemonstration, die gestern im Lustgarten zu sehen war. War es aber„das ganze werktätige Berlin"? Die Sochaczewskt-Korrespondenz, die der SPD. bestimmt gut gesinnt ist, beziffert die Teilnehmerzahl mit SO 900—60 000. Das ist„das ganze werktätige Berlin" nicht. Die SPD.- Demonstration, trotzdem sie einmal in anderthalb Jahren staUge- funden hat, st and hinter unserer Maidemonstration und besonders hinter unserem ersten Aus marsch gegen die Fürstenräuber weit zurück." Ja, so hätten es die Kommunisten gewünscht, daß die Kundgebung vom Montag weit hinter der Kommunisten- demonstration vom Sonntag zurückgeblieben wäre. Es war aber anders, und so versichert die„Rote F a h n e" gleich darauf, nicht auf die Zahl käme es an, sondern darauf, gegen wen die Demonstranten marschiert wären. Und die seien beileibe nicht etwa marschiert, dem Rufe der Sozialdemokratie folgend, gegen die Forderungen der Fürsten, gegen die monarchistische Reaktion, sondern— gegen die Sozialdemokratie. So schreibt die„Rote Fahne": „Ihre Kampfansage traf die illegale und legale Konterrevolution. Und damit trifft ihr Kampfruf nicht minder die Wels und Stampfer, die Zuhälter und Schützer der chindenvu.g-Marx. Der Aus marsch der 60000 war ein Aufmarsch gegen die Bcrratspolitik der Stampfer und W els l" Ein chohngelächter der Berliner Arbeiter wird die Ant- wort auf diese Geistesakrobatik der„Roten Jahn e" sein. Ja, so hätten sie es gewünscht, die Leute von der„Roten Fahne", daß die ZOO OVO gerufen hätten: nieder mit Wels, nieder mit Stampfer. Aber die 200 000 haben es für klüger gefunden, mit der Sozialdemokratie gegen die Fürsten und die Reaktion zu demonstrieren. Die große Bewegung gegen die Fürsten, die das deutsche Volk auf das tiefste aufwühlt, ist den Kommunisten nichts als ein Mittel ihres inneren Parteistreits, ein Argument zu Ehren des Ekki und seiner Briefe, und sie fälschen die inner- politischen Ereignisse in Deutschland journalistisch, um dem Ekki zu zeigen, daß sie brave Jungen sind. Wahrhaftig, sie haben vom Volke keine Ahnung— darum will das Volk auch nichts von ihnen wissen. So war es: unter der Führung der Sozialdemokratie, unter großer Anteilnahme der Berliner Bevölkerung, be- gleitet von ihrer Sympathie, hat das werktätige Volk Berlins wuchtig seine Stimme gegen die Fürsten und ihren Anhang erhoben. Respektvoll stellt die bürgerliche Presse fest: eine machtvolle, gewaltige Kundgebung. Das Organ der Kom- muniften aber verkleinert, verfälscht, sucht den Eindruck ab- zuschwächen, lügt seine geheimen Wünsche als Wahrheit vor. Als ihr Kommunisten und die Schwarzweißroten am Sonntag demonstriertet, da wart ihr zusammen nur ein Bruchteil der Massen, die am Montag aufmarschierten. Das ist die Antwort, die euch das Volk gegeben hat. Es ist alles ganz anders, als die Kommunisten es wünschen. Wahlkosten In Ikordamerika. Eine staatliche Untersuchung hat ergeben, daß bei den jüngsten Primärwahlen in Pennsylvania einer der Senatoren mehr als eine Million Dollar für Wahlpropaganda ausgegeben hat und einer der Finanz- männer der republikanischen Partei über 400 000 Dollar. Manuel unö Miguel. Auch ein Stück aus dem monarchistischen Tollhaus. Von Henning Duder st adt. Der..Gothaische Genealogische Hofkalender" belehrt uns, daß auf der Erde zurzeit insgesamt 7 kaiserliche und 13 königliche Familien mehr oder weniger energische Ansprüche auf verlorengegangene Throne geltend machen. Und zwar handelt es sich um die Familien Hohenzollern— Preußen- Deutschland, Habsburg— Oefterreich-Ungo rn, Romanow— Rußland. Osma n— Türkei, M a n d s ch u— Ähino, Braganza— Brasilien, B o na p a r t e— Frankreich, sowie Wittelsbach— Bayern, W e t t i n— Sachsen, Württemberg— Württemberg, Eumberland— Hannover, karlistischer Zweig Bourbon— Spanien, Bourbon— beide Sizilien, Bourbon-Orleans— Frankreich, G l ü ck s b u rg— Griechenland, Obrenowitsch— Serbien, P e t r o w i t s ch— Montenegro, K a d j a r— Persien, Manuel- Braganza— Portugal und M i g u e l. Braganza— Portugal. Hinzu treten noch 24 großherzogtiche, herzogliche, kur- fürstliche und fürstliche Häuser. Gerade angesichts des bevorstehenden Volksentscheides ist ein« solch« trocken« Uebersichi nocht ohne Interesse: Nur ein Blinder kann verkennen, daß der Monarchismus auf dem Aussterbeetat steht! Wohl das groteskeste Schauspiel unter diesen 44 abgelegten Dynastien bieten die beiden Zweige des königlich portugie- sischen Hauses Braganza. Erst in den letzten Wochen erregte Portugal für einen Augenblick die allgemeine Aufmerksamkeit durch einen jener M i l i t ä r a u f st ä» d e, die sich dort unten in der Südwestecke Europas alle Jahre zwei- oder dreimal abrollen: Ist es doch auch den republikanischen Regierungen nicht gelungen, die Schäden jahrhundertelanger monarchischer Miß- Herrschaft zu überwinden und zu geordneten Zuständen zu ge- langen. Unleugbar sind monarchistische Tendenzen vor allem in der unruhigen Armee sehr lebendig, und Portugal hätte vielleicht inzwischen wieder einmal einen König bekommen, wenn,— ja wenn sich nicht die legitime„allergläubißste Majestät", M a- nuel II. zäh und leidenschaftlich dagegen sträubte, den verwaisten Thron seiner Bäter zu besteigen. Er hat gewichtige Gründe: Ein vollkommen unerfahrener Jüngling von 19 Jahren, hatte er am I. Februar 1908 die Königswllrdc übernehmen müssen, weil sowohl sein Vater, der dick- König Carlos, als auch sein älterer Bruder auf den Straßen Lissabons erschossen worden waren. Unter dem Einfluß seiner lörichten und verschwenderischen Mutter zeigte er sich so unfähig, daß er schon im Oktober 1910 davongejagt wurde. Nichts war ihm angenehmer als dies: Er ward zum Globetrotter, schloß Freundschaft mit schönen Tänzerinnen, verheiratete sich der Form halber zu dauernd kinderloser Ehe ausgerechnet mit einer Prinzessin von Hohenzollern und ist heute ein beliebter und ange- sehener Gast in allen exklusiven Londoner Klubs. Sucht ihn eine Abordnung der getreuen portugiesischen Legitimisten auf, so wehrt er sich mit Händen und Füßen gegen das häßliche Ansinnen, jemals wieder auch nur für einen Tag die anstrengende und nicht ungefähr- liche Beschäftigung des Regierens zu übernehmen. Und unter Hof- �Revolutionäre Kühnheit�. Mit Musikerlaubnis: Die„Rote Fahne" feiert die kommunistischen Kund- gedungen vom letzten Sonntag mit folgenden Worten: Nicht„morgen morschieren wir", lautete die Parole der KPD., als die Faschisten ihre Demonstration anzukündigen wagten. Das blieb dem„Vorwärts" vorbehalten. Heute, am selben Tage, wo die Weißbanditen sich auf die Straße wagten, war der Schlachtruf. Und wir kamen am selben Tage, zur selben«stunde, um die proletarische Bereitschaft, die proletarische Entschlosienheit zu verkünden. Das entscheidet bei den Werktätigen. Nur in der KPD. suchen sie die Partei, die keinen Fußbreit Boden den Feinden überlassen will, die rüstet und organisiert und um die Millionen Werktätigen wirbt, um den Feind zu stellen und— zu schlagen. Das, diese Entschlossen heil, diese revolutionäre Kühnheit, gepaart mit täg- licher. nie aufhörender Arbeit,— sie bringen uns die Massen, sie ent- scheiden über die Führung im Proletariat, innerhalb der Werktätigen. Das ist die Poesie. Nun kommt aber, noch in derselben Zeitungsspalte, die Prosa. Sie stellt sich in einer Polemik gegen den„Vorwärts" ein, dessen Feststellung, daß am Sonn- tag zwischen KPD. und„Weißbanditen" eine Art Burg- friedens-Abkommen bestand, in folgender Weife in- direkt bestätigt wird: Die„Vorwärts"-Redaktion weiß genau, daß für jede Demon- stration, bei der Musikkapellen mitgesührt werden, der Zwang besteht, die Wusikerlaubnis von der Polizei einzuholen, wobei genau die Straßenzüge angegeben werden müssen, durch die die Musik und die Demonstration geführt wird. Nur aus diesem Grunde wurde von der Gauleitung des RFB., die die Musik für die Demonstrationszüge stellte, die Musikerlaubnis beantragt. Bei den Verhandlungen, die zwischen ihr im Beisein eines Vertreters der KPD. mit dem Ober- kommando der Schutzpolizei wegen der in Frage kommenden Straßenzüge geführt wurden, ist allerdings verlangt worden, daß bestimmte Platze und Slraßen von den Arbeilerdemonstralionen nicht benutzt werden dürfen, weil sonst die Gefahr bestehe, mit den Demonstrationszügen der vaterländischen zusammenzustoßen. Es handelt sich olsi hier in keiner Meise etwa um ein Abkommen, sondern einfach um eine Anordnung der Schutzpolizei. Wir hatten selber ausdrücklich festgestellt, daß das Ab- kommen nicht direkt zwischen den beiden Parteien sondern durch Vermittlung der Polizei geschlossen wurde, unsere Darstellung deckt sich also mit der der„Roten Fahne" völlig. Es war von den Kommunisten ein Fehler, daß sie ibrc Demonstrationen für den Sonntag anmeldeten, nachdem die Schwarzweißroten schon die Genehmigung"für den Lt'st- garten erhalten hatten. Jedes Kind konnte voraussehen, was weiter folgen mußte. Die Kommunisten mußien mit den Außenbezirken vorlieb nehmen und mußten sich verpfl-chtcn, den den Schwarzweißroten oorbehaltenen Raum nicht zu betreten Aber, da sie es sich in den Kopf gesetzt harten, der Sozialdemokratie um einen Tag zuvorzukommen, konnten sie nicht mehr zurück und mußten auf das etwas blamable Abkommen eingehen. Angesichts der Situation, in die sich die Kommunisten durch ihre Ungeschicklichkeit hineinmanövriert hatten, mar das immer noch das relativ Vernünftigste. Aber wenn die „Rote Fahne" sich rühmt, daß man„keinen Fußvrert Boden dem Feinde überlassen" hätte, so ist das ent- schieden eine starke dichterische Uebertreibuna. Wie denn auch ihre„revolutionäre Kühnheit gepaart mit Musikerlaubnis sich etwas wunderlich ausnimmt. Welche von beiden Kundgebungen die imposantere und die würdigere war, die kommunistische vom Sonnlag oder die sozialdemokratische vom Montag, darüber können wir das Urteil ruhig der Berliner Arbeiterschaft überlasten das Surgfrieöens-�btommen am Sonntag. Von den Vereinbarungen, die die Polizei kür den Sonntag mit den beiden Parteien getroffen hatte, um Zu- fammenftöße zu vermeiden, gibt der Polizeipräsident, Genosse knixen ziehen— ein Bild aus Daudets.Königen im Exil"— die Untertanen wie begossene Pudel von bannen. Aber die Dinge liegen noch viel grotesker: Anno Tobak, um das Jahr 1820 herum, beherrschte der hochselige König Johann VI. neben Portugal auch noch Brasilien. Als sein Stellvertreter fungierte in Rio de Ianeiro sein Sohn Dom Pedro, der sich indessen nicht scheute, als er von den Unabhängigteitsbeftrebungen der brasilianischen Bevölkerung Lunte roch, seinen eigenen Vater abzufetzen und sich zum Kaiser von Brasilien zu erheben. Nicht eben erfreut hierüber, bestimmte Johann Vl., daß die Kronen Portugals und Brasiliens niemals wieder vereinigt werden könnten und fein Sohn Dom Miguel ihm in Portugal nachfolgen solle. Als dann Johann VI. am 10. März 1826 starb, kümmerte sich in- dessen Pedro absolut nicht um den letzten Willen seines Paters, sondern erhob seine just siebenjährige Tochter Maria zur Königin. Miguel entfesselte einen Ausstand in Portugal, und da Pedros brasi- lianische Untertanen ihrem Kaiser gegenüber gerade dasselbe getan hatten und dieser fliegenden Fußes das Land oerlasien mußte, zog er nach Portugal und verjagte den Bruder Miguel. Dessen Nach- kommen erheben bis heute Ansprüche aus den portu- giesischen Thron. Was läge für Portugals Monarchisten näher, als, da Manuel nicht will, den nächsten Agnaten aus der m i g u e I i st i s ch e n Linie oiii den Schild zu erHeden? Hier aber türmen sich neue entsetzliche Schwierigkeiten. Hat doch der älteste Enkel Miguels, gleichfalls Miguel genannt, die«chamlosigkeit begangen, ein bürgerliches Mädchen mir Namen Anita Stewart zu heiraten. Und für so ein Lebewesen ist natürlich auf einem veritablen Königsthron kein Platz. Nun hat zwar Miguel junior noch einen Bruder aus des Vaters zweiter Ehe, den Prinzen Duarta. Aber auch dies hat einen Haken: war doch Papa Miguel» zweite Ehefrau„bloß" eine Prin- zessin Löwen st ein-Wertheim, die, mag sie auch noch so vornehm sein, nicht als aus thronberechtigtem sürftlichem Geblüt gilt. In der Tat: Die Aufgabe des Monarchismus scheint es zu sein, sich in allen Ländern dieser Erde lächerlich und unmöglich zu machen._ Die tote Schauspielerin. Der„Vorwärts" hat gemeldet, daß die Schauspielerin Ellen Neustädter„freiwillig" aus dem Leben geschieden sei..... D i« Künstlerin teilte in der letzten Zeit mit Hunder- ten ihrer Kolleginnen das Los dauernder En- gagementslosigtcit." Und war doch einst eine große Hoffnung der deun'chen Bühnen! Heinrich Nett, Friedrich Moest(der neben Emanuel Reicher ihr dramatischer Lehrer war), und die „alten" Bolksbühnenleute werden sich an ihre hauchzarte, seelisch tief empfundene Gestaltung des Rautendelein erinnern. Dieses ,. elbisch« Wesen" verkörperte sie vor rund fünfundzwanzig Jahren in einer Aufführung der„Neuen freien Volksbühne" im baufälligen „Belle-Alliance-Theaier". Das ist inzwischen niedergerissen worden, um einem großen Bureouhaus Platz zu machen, in dem jetzt der „Zentralverband der Angestellten" seine Berliner Berwaltungs- stelle hat. Fünfzehn- oder sechzehnjährig war die klein« Elli damals,— «in zerbrechlich erscheinendes Perjönchen mit heißem Temperament Grzefinskl, in de?„Voss. Ztg.* eine anschauliche Dar« stcllung: Die Kommunisten mußten die beantragte Kundgebung auf der Weberwiesc mit der Kundgebung im Friedrichshain vereinen, Auf dem Marianneaplatz durfte keine Kundgebung stattfinden; statt dessen waren der Kaiscr-Friedrich-Platz bzw. die Nebenstraßen sreigegeben. Der Beginn des Abmarsches von den Sammelplätzen durfte nicht vor elf dreißig vonnittags erfolgen, der Beginn der Kundgebungen nicht vor ein Uhr nachmittags.- Die Rechtsverbände mußten ihre Kundgebung im Lust- garten um 12 Uhr 43 Minuten nachmittags begonnen haben; um l Uhr 13 Minuten nachmittags mußte der Abmarsch aus dem Lust- garten im Gange sein. Der Abmarsch vom Rudolf-Wilde-Platz mußte 10 Uhr 30 Minuten vormittags, von der Bülowstraße 11 Uhr vor- mittags erfolgt sein; der Abmarsch vom Sammelplatz Pankow, Bcr- liner Straße, durste jedoch nicht vor 1 Uhr nachmittags erfolgen. D i e fe st gelegten Straßen für Hin- und Rückmarsch waren ebenso wie die A b m a r s ch z e i t e n, genau innezuhalten. Eine Zugbildung westlich des Aufloftmgsplatzcs Hansaplatz war beim Rückmarsch nicht gestattet. Der Winterfeldtplatz durste als Sammelpunkt von keiner der demonstrierenden Parteien benutzt werden.... Wie schon erwähnt, halle die Polizei am letzten Sonnlag mit den veranslaliern ganz eingehende Vereinbarungen getrossen. die sich nicht nur auf eine genau« Festlegung der Sammelplätze und der An- und Abmarsch- wege erstreckten, sondern auch die genauen Zeiten des An- und Ab» morsches, des Beginnes und des Endes der Kundgebungen umfaßte. Wir hatten am Montagmorgcn folgende Darstellung des Sachverhalts gegeben: Zwischen den„Nationalen" und den Kommunisten war durch Bermittlung des Polizeipräsidiums eine Art Burgfriedens-Abkommen geschloffen worden: die Züge der beiden Parteien sollten so geleitet werden, daß sie nir- gends miteinander zusammenstießen. Die Schutzpolizei war nach einem sorgfältig erwogenen Plan so aufgestellt, daß sie die Auf- marschlinicn beider Parteien schützte. Indes ist das Abkommen von beiden Seiten loyal gehalten worden, zu ern- steren Zusammenstößen ist es nirgends gekommen. Die„Rote Fahne" nennt diese Darstellung„Vorwärts"- Lügen, erfunden zu dem Zweck,„die Feigheit der sozial- demokratischen Führer zu bemänteln", die„jeder Straß"i- demonstration gegen die Monarchisten überhaupt ausweichen wollnn". Wenn die„Rote Fahne" es wagt, die schlichte Wahrbeit als Lüge zu bezeichnen, ja, wenn sie es wagt, in diesem Zu- sammenhang von der angeblichen Feigheit anderer zu reden — so ist das entschieden„ Kühnheit", wenn auch keine e v o- l u: i o n ä r e"._ Gefers Nachfolge. Reichsregierung und Reichsbahngesellschaft. Die überstürzte Wahl des Herrn Dorpmüller zum Amts- Nachfolger des Generaldirektors der Reichsbahn, ehe Rudolf Oeser noch bestattet worden war, hat— wie man sich er- innert— peinlichstes Befremden hervorgerufen. Außer- dem dürfte es der Reichsregierung, sogar in ihrer jetzigen Zu- sammensetzung nicht besonders zugesagt haben, daß der Per- waltungsrat der Reichsbahn, nämlich seine reichsdeutschen Mitglieder, die Wahl vornahmen, ohne vorher die Me inung der Reichs» regierung eingeholt zu haben. Um nun vielleicht sür die Zu- kunst irgendeine grundsätzliche Regelung anzubahnen, die solche Vorkommnisse verhindert, ist das Reichskabinett seit heute vormittag 11 Uhr in Erwägungen und Erörterungen darüber begriffen. Stuüentenftreik in Marburg. Marburg, 13. Juni.(Eigener Drabtbericht.) Die hiesige stark reaktionäre Studentenschaft trat um kill Uhr in den Stadtsälcn zu einem Streikbeschluß zusammen, trotzdem die Linke dagegen energisch protestierte. Die Vorlesungen waren heute morgen nur schwach besucht. und großer Bühnensehnsucht. Gerade erst von der Schulbank ge- kommen. Kluge, gütige Eltern— Max Neustädtcr, ein bekannter Nationalökonom, und sein« vor allem auch musikalisch hochgebildete Frau— hatten dem stürmischen Drängen des einzigen Kindes nicht allzu schwer nachgegeben. August Bebel genoß im Hause Neustädter Stunden behaglichen Ausnihens und bildete oft den— im besten Sinne des Wortes—„geistigen Mittelpunkt", wenn wir, die sungen und alten Freunde des Hauses, literarische und bühnenhistorische Debatten führten. Der von ollen geliebte, Fintel Bebel" hatte auch mit entschieden:„Ellichen soll zur Bühne!" Also ganz unromantisch, ohne obligaten„Elternsluch" oder „Flucht aus dem Elternhoufe" begann Elli, die sich dann„Ellen Neustädter" nannte, ihre Bühnenlaufbahn. Nürnberg. Wien, Berlin kennzeichnen ihren Weg. Schau- spielerin sclteuer Begabung— eigener Art— meisterte sie— Gattin und Mutter geworden— später die schwierigen Rollen des weiblichen Eharatterfaches. Sie war und blieb ein großes Talent, eine drfziplmicrte Darstellerin und gut« Sprecherin. Mitten aus ihrer furchtbaren Alltagsnot heraus, ließ sie neulich noch im Rundfunk die„Dame in Trauer" in„Minna von Barnhclm" vor den ergriffen Aufhorchenden lebendig erstehen.„Dame in Trauer"— erschütterndes Symbol,— wenn man jetzt von ihrem tragischen Ende hört.„Empfangen Sie meine Bc- lohnung und— meine Tränen," waren die letzten Dichterworte, die«in größerer Hörerkreis von ihr vernahm. Wie- viel Tränen mag die arme Gehetzte in der letzten Zeit der Not geweint haben? Ein reiches Talent ward—„Vergangenheit". Di« deutsch« Bühne hatte keinen Platz für dies« selten« Darstellerin.— keinen Platz in einer Gegenwart der Film- und Bühncnstargagen, der Kapcllmeister-Primodonneneinkommen,— in einer Gegenwart der wirtschaftlichen Theaterunmöglichkeiten. Und das ist der sozial« Schatten, der auf das Bild einer ernst ringenden Künstlerin fällt. Die„Genossenschaft Deutscher Bühnenange- hörigen" lädt zu einer„Internationalen Schau- s p i e I e r k o n s c r e n z" vom 23. bis 26. Juni ein. All die Schauspieler, die jetzt„Gewesene" sind, die aus eigenem Willen„Gewesene" wurden, wie die tote Schauspielerin Ellen Neustädtcr, haben ein Recht darauf, daß ihre letzten Todes- klagen, ihre letzten Notschreie in den kommenden Deratimgen der Schaufpielertagung einen Wiederhall finden, der die Thcateröffent- lichkeit und die große, ollgemeine Oeffentlichkeit veranlaßt, mitzu- Helsen bei der Beseitigung der Ursachen der künstlerischen und wirt- schaftlichen Mißstände der Theater. Erich F l a t a u. verlhold kellermami. der bekannl» Proseisor an der Akademie der Ton- kunst und einer der auzgeprägtesten Ebaraktcrköple dcS musikalischen Münch cnZ, ist im Alter von 7Z Jahren nach längerem Leiden gestorben. INoboly-llaan, Lehrer am BailhauZ in Dessau, lpricht am 17.. adendS 8 Uhr, iu den Räumen der Luchdandlung g-erdinand Ost er» tag. Kleiststr. 20, über ,JSmu» oder Kustst-(mit Lichtbildern). Ein vlesenllnotrnst hat sich in Rcw-Aork gebildet. Ihm gehören 223 Lichtspieltheater an. darunter die Stanlehgeselllchast, die bisher ichon IlZ Kinos kontrollierte. Das �öelskonfortium freigesprochen. In der Berufungsvcrhandlung gegen die Zitzcwitzc. Des 4)errn Wcge sind wunderbar, noch wunderbarer aber sind die Wcge der deutschen Justiz. Gestern, Montag, hat das Landgericht in der Berufungsoerhandlung gegen das bekannte Adels» konsortium a E tz d o r f f, o. C a r l o w i g und v. K a r st ä d t se- wie gegen Geheimrat N e h r i n g und Bankdirektor L ü d e r s nach mehrtägiger Verhandlung auf F r e i s p r u ch erkannt. Das Gericht ist nach seiner mündlichen Urteilsbegründung davon ausgegangen, daß die Herrschaften bei ihren wunderbaren Geschäften in gutem Glauben gehandelt haben. Auch sei kein Schaden erfolgt und die Angeklagten hätten auch nicht mit der Möglichkeit eines Schadens rechnen können. Es liege deswegen weder Betrug noch Untreue vor, in dem Verhalten der Angeklagten sei nichts Strafwürdiges zu erblicken. In der ersten Instanz wurde gegen Geheimrat Mehring eine Gefängnisstrafe von z Monaten und eine Geldstrafe von 3000 M., gegen Luders eine Geldstrafe von S000 M., gegen v. Etzdorfs, v. Earlowitz und v. Karstadt je S Monate Gefängnis und Geldstrafen zwischen 13 000 und 30 000 M. aus- gesprcchen. Die Schwankung in der Rechtsprechung ist e r st a u n- l i ch. Nach 9 Monaten Gesängnis— glatte Freisprechung. Nicht immer ist Iustizia so milde. Man wagt auch nicht zu hoffen, daß solche Milde, wie sie hier gezeigt, dauernd von deutschen Gerichten angewandt werden wird. Oder sollte die Rechtsprechung eine Lotterie sein? Auf jeden Fall wird das Rechtsbewußt- fein im Volke durch solche Beobachtungen schwer erschüttert. Sur Monarchie und Mannesmann! Z?alkenhayn in allen Gasse«. Der Herr Oberleutnant von F a l k e n h a y n, der mit einem Schreiben des Herrn von Loebcll Industriegelder gegen den Volks- entscheid zu sammeln versucht, ist wohl identisch mit jenem Herrn, der auch in den letzten Tagen in den Gängen des Reichstags sehr bcschästigt war. Als Angestellter der Finna Mannesmann hatte er die Ausgabe, Parlamentarier verschiedener Parteien im Interesse der Firma zu bearbeiten. Dabei hatte er wohl größeren Erfolg als bei seinen Bettelzängen für die Fürsten. Denn bekanntlich hat der Haushaltsausschuß des Reichstags unter offenbarer Verletzung des Etatsrechts die bankrotte Finna aus Reichsmitteln saniert. Unverständlich bleibt, daß das Zentrum bei dieser Aktion, deren außenpolitische Bedenklich- keit und deren Ungesetzlichkeit ihm nicht verborgen ist, mitwirken konnte. Begreiflich allerdings ist, daß Völkische, Deutschnationale imd Vnlksparteiler unter Führung des Außenministers dieser völkischen Firma den Liebesdienst erwiesen haben. Das letzte Wort ist darüber allerdings noch nicht gesprochen. Denn die Sozialdemokratie wird sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, im Plenum in diese ganzen dunklen Vorgänge hineinzuleuchten. Dann erst wird es sich zeigen, ob der Herr Oberleutnant von Faltenhayn den Sieg behaupten kann. Ein Ehrentitel. Die Bezeichnung Novemberverbrecher wird in dem sich nun entspinnenden Kampf um die 20 Millionen Stimmen für die Eni- eignung der Fürsten zweifelsohne eine Rolle in den Abwehrmitteln der tönigslüsternen Parteien spielen. Wer historische Ereignisse von revolutionärer Tragweite unter dem Gesichtswinkel des sächsischen Spieherkönigs betrachtet, der auf die Nachricht von dem Ausbruch der 1830er Revolution in Paris die klassischen Worte sprach:„Ja— derfen se denn das?*— für den mag das Wort„Nooemberver- brechet* etwas Abschreckendes haben; aber wer dagegen in der Ge- schichte der Staatsumwälzungen und Empörungen geknechteter Volks- teile nur einigermaßen bewandert ist, der lacht über dieses krankhaft anmutende Bemühen, eine politische Großtat unter einem reaktiv- nären Amtsrichtergesichtspuntt zu rubrizieren. Schon einmal hat eine mit Absicht gewählte Schmähbezeichnung historisches Ehrenrecht erworben, als nämlich die niederländischen Aufständischen den Titel «ueux(Bettler) gleich Geusen akzeptierten, den ein spanischer Hof- mann auf sie schmähend angewandt hatte. Die Geusen haben die Allgewalt des spanischen Weltreiches gebrochen und die geistige Frei- heit Europas vorbereiten helfen— die Novemberverbrecher haben das Ehaos, das der desertierende Kaiser und Oberstkommandierende geschassen, zu bändigen gewußt und ihrem Volke ebenfalls die geistige Freiheit gegeben, die jetzt jene Kreise skrupellos benutzen, um zur alten Macht zurückzustreben. Deshalb ist der 20. Juni nicht nur ein Tag der Entscheidung über die Frage, ob das arm gewordene Volk jenen das Letzte nachwerfen soll, die in der Stunde der Gefahr ihr Heil in der Flucht suchten, sondern auch ein solcher, der. bekunden muß, daß das deutsche Volk von jenen Machinationen nichts wissen will, die die geistige Unfreiheit mit Büttelhilse wieder zurückführen wollen. Zwei Kulturwelten, die zum Streit mit geistigen Waffen antreten, das große Schicksal unseres Voltes und unser eigenes kleines Schicksal wird am 20. Juni entschieden. Und dem Ehrentitel Novembcrverbrecher setzen wir getrost jenen weniger ehrenhaften Titel Deserteur gegenüber, dem keine monarchistische Geschichtsklitterung zu einem heldenhaften Klange verhelfen kann. Und die Trabanten, die um die Sonne des kaiserlichen Deserteurs kreisen— wer vermag auch nur einen Funken von historischer Gerechtigkeit in der. Schamlosigkeit erblicken, die Mä- trcssenansprüche und Berufung aus den Vertrag von Versailles ins Feld führt. Die Welle der Empörung wird am 20. Juni die ebenso lächerlichen wi« m, verschämten Ansprüche jener Leute hinwegspülen, die in der Geschichte als die Totengräber des alten Reiches fort- leben werden._ Zur gestrigen Kundgebung. Maßlose Entstellungen eines Sensationsblaltes. Ein Berliner Mittagsblatt leistet sich in sensationeller Auf- machung maßlose Uebertreibungen in der Schilderung von Vorkommnissen, die sich lange nach Abschluß unserer gestrigen Demonstration abgespielt haben sollen. Nachdem die Demonstration in aller Ruhe und in programmäßiger Ordnung durchgeführt und unsere Parteigenossen und Anhänger längst den Platz ge- räumt hatten, bildeten sich gegen 10 Uhr Gruppen von Passanten, die in einen Disput mit Kommunisten und Roten Frontkämpfern gerieten. Die Linksradikolen waren offenbar dorthin beordert worden, um nach Schluß der eigentlichen Kund- gcbung die Rolle der Hyänen des Schlachtfeldes zu übernehmen. Diese Ansammlungen, die also mit der Kundgebung der Sozialdemokratischen Partei auch nicht das ge- ring st e zu tun hatten, wurden natürlich von der Polizei pflichtgemäß aufgelöst, wobei Widerstand geleistet wurde. Die Roten Frontkämpfer erhielten Zuzug, der auch Stellung gegen die Polizei nahm, so daß von dem Gummiknüppel Gebrauch ge- macht werden mußte. Dabei wurden drcizehn Personen ver» hastet, die man alsbald wieder freiließ. Die Meldungen von Verletzungen und gar Schwerverletzten sind sämtlich unwahr; jeden- falls ist beim Rettungsamt der Stadt Berlin, dem alle Eingänge der Ilmallstationen gemeldet werden, nichts bekannt. Den Eharakter der Vorkommnisse erhellt am besten die Taljache, daß alle Ver- hasteten Mitglieder des Roten Frontkämpferbundes sind. Es bleibt also dabei, daß die Ansammlungen und die daraus resultierenden polizeilichen Maßnahmen lange nach Beendigung unserer Deinonstration stattfanden. Die altgewohnte Disziplin unserer Parteigenossen gab der Polizei keinen Anlaß zum Ein- schreiten. 5euer im Vorortzug. ftervenchot und Herzkrämpfe. Durch Kurzschluß in der elektrischen Leitung des Vorort- zugcs Nr. 233 in der Nähe des Bahnhofes Pankow-Schön- Hausen entstand heute vormittag kurz nach 10 Uhr ein Feuer. Die Reichsbahndirektion gibt hierzu folgende Darstellung: Der elektrische Vorortzug Nr. 233 mußte in der Nähe des Bahn- Hofes Pankow-Schönhausen in der Zeit von 10,04 bis 10,40 Uhr wegen eines Kurzschlusses in der elektrischen Leitung liegen bleiben. Durch den gewaltigen Ausblitz einer Stichflamme entstand unter den Fahrgästen eine begreifliche Erregung. Hierbei erlitt der Handelsmann Micthke, der aus den Zug sprang, einen Nerven- ch o k und Verletzungen an den Händen und im Gesicht. Eine Frau Ottensen aus Röntgental bekam Herzkrämpfe. Nach dein kreuz unter öas„Ja"! So muß der Stimmzettel aussehen, den du abgibst! Soll der im Volksbegehren verlangle Entwurf eines Gesetzes über Euleignung der Fürstenvermögen Gesetz werden? Ja ®o Nein Der Vorgang ist wie bei einer Wahl. Nur wird statt der Partei der Kreis unter dem..Ja* mit einem Kreuz versehen. Man lasse sich n i ch l verleiten, den ftein-Sreis zu durch- kreuzen. Das würde bedeuten, daß das Gesetz über die Enteignung abgelehnt wird. Jeder sage es dem anderen, der noch zweifelhaft ist: Das Kreuz gehört in öen?a-Kreis! Behandlung durch den Bahnarzt konnten beide entlassen werden. Ein Teil der erschreckten �Fahrgäste verließ den Zug und ging zu Fuß nach dem Bahnhos Schönhausen. Wie die Reichsbahndirektion weiter mitteilt, liegt ein Grund zu irgendwelchen.Beunruhigungen nicht vor. Es handelt sich um einen gewöhnlichen Kurz- s ch l u ß, nur daß der Ausblitz bedeutend stärker und ebenso der Knall viel lauter war._ Amerikanische Aerzte in Berlin. Gestern ist eine Gruppe von amerikanischen A e r z t e n In Berlin eingetroffen die sich hier bis zum 18. Juni aushalten wird. Die Herren gehören der Interstate Medical Asso- ciation von Nordamerika an, die die Aerzte aller nordamerikanischen Staaten mit Kanada umfaßt. Unter den Besuchern befinden sich viele hervorragende Vertreter des Acrztestandes und der medizinischen Forschung. An der Spitze steht Professor der Chirurgie William B. P o ck, als Vertreter des weltbekannten Mayo-Instituts Rochester erscheint Dr. Wilson. Am 18. Juni morgens erfolgt die Abreise nach Amsterdam. Die Studienreise erstreckt sich in zeitlicher Folge auf Italien, Schweiz, München, Wien, Prag, Holland und Belgien. Die Berliner medizinische Fakultät wird ihre Vor- lesungen an den Vormittagen halten. Außerdem sinden drei allge- meine Vorträge statt von Prof. Dr. Warburg. Geheimrat Haber und dem Museumsdirektor Prof. W i e g a n d. Der Zu- tritt zu den Vorlesungen ist nur den Mitgliedern der Studienreise und des akademischen Lehrkörpers gestattet. Es ist zum ersten Male seit dem Kriege, daß eine größere Zahl von Medizinern eines Landes, das sich mit Deutschland im Kriege befunden hat. Deutsch- land besucht, um wissenschaftliche und persönliche Beziehungen zu hervorragenden Vertretern der deutschen ärztlichen Wissenschaft anzuknüpfen bzw. zu erneuern. Sommerfest der 262. weltlichen Schule. Trotz des leichten Regens zogen die Jüngsten der weltlichen Schule am Sonntag zum Sommerfest an den Kanal hinaus. Etwa 150 Kinder mit Plakaten: Gebt uns Buddelplätze! Baut Schwimmhallen! Macht den Fürstenbesitz pro- d u k t i v!, mit roten Bändern und Blumen waren mit ihren blassen schmalen Gesichtern die lebendigste Propaganda für den Volksentscheid. Draußen ging's lustig zu. Die Ungeschicklichkeit der Großen beim Sackhüpfen. Topfschlagen und Eiertragen bereitete den Kindern, die Possierlichkeit der Kleinen den Eltern hellste Freude. Am schönsten war es. wenn auch die Lehrer sich beteiligten. Der Meinekesche Chor verschönte das Fest mit Gesängen in den Pausen und auf dem Marsch. Es war ein schöner Tag, von Schule und Elternhaus in gemeinsamer Arbeit aufs beste bereitet. Lösung der soziale» Fsrage durch Gebet. Eni Fräulein Lucia Caulson ist aus London nach Berlin extra zu dem Zweck gekommen, um den Berliner Gläubigen das Wesen der christlichen Wissenschast zu verkünden. Das Große Schau- spielhaus war am Sonntag nachmittag bis auf den letzten Platz ausverkauft. Fräulein Caulson hat nichts Mystisches an sich; ihr Vortrag klingt außerordentlich irdisch; sie ist eine echt, englische Miß, mit einer seltsamen Aussprache des Deutschen oersehen. Ja, über die Religion,„christliche Wissenschaft* sind vielfach falsche Ausfassungen vorhanden, beginnt sie. Natürlich können Krankheiten durch Gebet und wahren Glauben geheilt werden. Nur dadurch! Aber noch mehr: auch das Problem der Arbeit und die soziale Frage werden nur durch die„christliche Wissenschaft" gelöst. Man muß immer nach dem Satz handeln:„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem andern zu." Ein einfacher Grundsag, der eben alle Probleme spielend löst. Armut ist eine Krankheit, und jede Krankheit zeigt einen Mangel an göttlicher Idee. Man muß um die schlende Idee beten, dann wird man gesund und reich; eine merkwürdige Verquickung von Glaubenunb Geschäfts. sinn. Nun die Schamanen des Samojeden glauben ebenfalls ihre kranken Namensanachörigen durch gm inszeniertes Gebet heilen zu können. Aber die Lösung der sozialen Frage sollten dick„christlichen Wissenschaftler" wirklich anderen Leuten überlassen. Zahnen heraus! Am Sonnabend und Sonnlag schmückt Fenster und valkon» mit roten und schwarzrotgoldenen Farben! 5ür Wilhelm, öen-„Volksgenossen'. Dem Pastor ist die Fürsienenteignung ein„Raub*. Zu den Pastoren, die in der Frage des Volksentscheides über die Fürstenenteignung sich aus die Seite der ehe- maligen Landesväter stellen, gehört auch ein Pastor Winter von der Z w i n g l i k i r ch e am Rudolfplatz(Berlin-Ost). Er ist zwar erst am letzten Sonntag in sein Amt eingeführt worden, aber gerade bei dieser Feierlichkeit hat er im Rahmen des Gottesdienstes sich gegen die Fürstenenteignung ausgesprochen. Einen„Raub an einem Volksgenossen" nannte er sie! Daß gewisse Pastoren gegen die Fürstenenteignung eifern, über- rascht uns längst nicht mehr. Wir legen das zu dem übrigen, was man von der Kirche kennt. Aber als einen„Volksgenossen" sollen wir den Exkaiser Wilhelm II. ansehen, der im Äugen- blick des Zusammenbruchs„sein" Volk im Stich ließ und nach Holland ausknifs? Da wird vielleicht Wilhelm II. selber— wie er zu tun pflegte, wenn ihm etwas Spaß machte— sich mit der flachen Hand auf den Schenkel schlagen und in ein dröhnendes Gelächter ausbrechen. Wir wollen dafür sorgen, daß ihm wenigstens nach dem Volksentscheid die Lust zum Lachen ver, geht._ Erleichterte Gesellschaftsreisen. Mit Wirkung vom 10. Juni 1926 wird, wie die Reichszentrale für Verkehrswerbung mitteilt, die Ausführung von GesellschaftS« reisen, bei denen bekanntlich für jeden Teilnehmer eine Ermäßigung deS Fahrpreises von 25 v. H. gewährt wird, erheblich erleichtert. Die M i n d e st t e i l n e h m e r z a h l, die bisher auf 30 Personen festgesetzt war, ist auf 20 Personen und die Mindest« entfernung für eine Fahrt von bv ßm auf 2 0 km hesab« gesetzt worden. Eine ausgezeichnete Propaganda für den Volksentscheid, die Hunderte und aber Hunderte zur Aufmerksamkeit zwingt, treibt die Geschäftsstelle des Dietz-Vcrlages, Linden st r. 2. Tie Schaufenster sind mit unseren Plakaten„Milliarden für die Fürsten, uns die Not!" und dem ausgezeichnet instruktiven Plakat„Ach, den Fürsten geht's so schlecht", sowie verschiedenen anderen Flugzettcln und Plakaten beklebt. Die Anordnung der Plakate ist ungemein wirkungsvoll, der Abschluß mit breiten roten Papierstreisen gibt der großzügigen Propaganda einen guten Rahmen. Die konzentriert aus Agitation eingestellte Schaufensterauslage, die im Ausschnitt zu sehen ist, zieht viele Neugierige an. Besondere Heiterkeit erregen der holzspaltende Wilhelm und des pensionierten Ludendorffs Physiognomie, deren Tagescinkünfte(1650 und 50 M.) im«Aegen, satz zu dem des Arbeiters und Zlrbeitsloscn(7 und 1,50 M.) gezeigt werden. Selbstmord durch Erschießen verübte heute morgen gegen 5�5 Uhr vor dem Hause A l b r e ch t st r a ß e 63 der 40jährige Syndikus Paul Heyn er, Brandenburgischc Straße in Wilmers» dorf. Der Schwerverletzte wurde zur nächsten Rettungsstelle geschafft, wo aber nur noch der Tod infolge eines Kopfschusses festgestellt werden konnte. Zerrüttete Familien- und Dermögensverhältniss« sollen H. zu dem Verzweiflungsschritt getrieben haben. Berliner Sludentenwahlen. Von der Vereinigung sozial« demokratischer Studenten werden wir um die Aufnahme folgender Berichtigung ersucht: Zu der kürzlich erfolgten Mitteilung über die Liste„Hochschule der Wcrttätigen" ist zu bemerken, daß es eine Liste itzeses Namens überhaupt nicht gibt, vielmehr nur eins unter ähnlicher Bezeichnung segelnde Liste der Kommuni st e.», die es anscheinend nicht wagen, ossen Farbe zu bekennen. Per sozialistische Wahlvorschlag zu den Studentenwahlen trägt de» Namen„S o z i a l i st c n", mit dem Untertitel„Vereinigung sozialdemokratischer Studenten*(Heinz Krüger). Die sozialistischen Studenten wählen also diese Liste, die als Wahl- Vorschlag eingereicht ist. Freibäder für Erwerbslose. Das Bezirksamt Mitte teilt mit: In der B a d e a n st a l t G a r t e n st r. 5 sind von 1338 ausge- gebenen Karten für Freibäder an Erwerbslose usw. in der Zeit vom 21. bis 30. April 1926 nur 427 und von 1859 Karten in der Zeit vom 1. bis 22. Mai d. I. nur 1048 Karten benutzt worden. An den Montagen überhaupt und an den anderen Wochentagen in den Früh- stunden van 7 bis 9 Uhr ist die Benutzung von Freibädern nur sehr wenig in Anspruch genommen worden. Das Bezirksamt hat deshalb die Badezeit für Erwerbslose usw. ob 1. Juni d. I. auf» die Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags auf die Wochentage von Dienstag bis Sonnabend eingeschränkt. Der Film„keinen Pfennig den Fürsten", der gestern nach ursprünglichem Äufführungsoerbot von der Filmoberprüfstelle frei« gegeben wurde, läuft ab heute in folgenden Kinos: Olympia» t h eater, Berlin W., Kantstraße 162; T h a l i a l i ch t s p i e l e, Große Frankfurter Str. 27; K a k a d u l i ch t s p i e l e, Alexander. straße 13; M a r g a- L i ch t s p i e l e, Schulstraße 29. verschwunden ist seit Montag, den 7. d. M., die 17 Jahre alte Margarete Engelhardt aus Gut Düppel bei Zehlen- dorf. Sie ist 1,50 Meter groß, hat ein schmales, blasses Gesicht. hüftlahmen Gong und an der rechten Ijand schwarze Narben. Betleidet war die Verschwundene mit einem roten Kleid mit Blumen durchwirkt, Ledermantel, schwarzen Spangenschuhen mit niedrigem Absatz. Sie ist zuletzt am Bahnhof Zehlendorf-Mitte gesehen worden. als sie sich abends 7 Uhr nach Haufe begeben wollte. Wer etwas über den Verbleib der Betreffenden weiß, wird gebeten, es ihren Eltern auf Gut Düppel bei Zchlendorf mitzuteilen. Eine neue Verordnung über den Straßenverkehr hat angesichts der in der Reichshauptstadt sich häufenden Bertehrsschwierigkeiten der Polizeipräsident von Berlin erlassen. Die neue Verordnung stellt in erster Linie eine Zusammenfassung aller bis- herigen P o l i z e i o o r j ch r i s t e n über den Straßen- verkehr dar. Eine wesentliche Einschränkung ist für das Vorbei- fahren von Fahrzeugen an Haltestellen der Straßenbahn und der Autobusse vorgesehen. Innerhalb eines Raumes von 6 Metern vor und 5 Metern hinter den Haltestellen ist das Halten von Fahr- zeugen verbeten. An den an einer Haltestelle haltenden Straßen- bahnen darf nur in Schrittgeschwindigkeit und nur im Abstand von mindestens einem Meter vorbeigefahren werden. Die„Ver- k e h r s st r a ß e n e r st e r Ordnung", die„E i n b o h n- straßen" und die„Plätze mit Kreisverkehr* sind ver- mehrt worden._ Billigere vreiie sür.vorwSrts-.ceser..Kampf in der Brautnacht',«ine Begebenheit in 3 Stklen von Ulrich Mendt wir allabendlich 8'/, Uhr mit Käthe Schniidt-Sainft in der Hauptrolle im Trianontbeater zur Aufführung gebracht. Die Dlrcttion bittet unS, mitzuteilen, daß die Abonnenten unserer Zeitung gegen Vorzeigung der AbonnementSquittung auf allen Plätzen halben Kassenpreis zahlen. Srieftasten der Redaktion. «d-istbueaer»tr. Zt. Unsere Notiz stimmt aenau. vi« anderen«dseord. ncten haben qefchlt._ Hroß-Serlmer Partemachrichten. 118.«dt. Lichtenberg, tbruvve Hornuno l Achtung! Die«enossen treffen sich heute vien-iag zum«leben nicht um» Uhr. landein erst um 10 Uhr abend» pünktlich beim Genossen Masche Wotanftr. 12. G'eVerMostsbewegung Metalltransportarbeiter-SchieSsspruch verbindlich! Die allen Löhne gelten bis Ende Juli. Dem Deutschen Metallarbeiteroerband, als führende Organisa timt im Metalltartell, ging heut« vormittag vom Schlichter für (Zroß-Berlin der Bescheid zu, daß der am 4. Juni für die Trans- Portarbeiter der Berliner Metallindustrie gefällte Schiedsspruch am 14. Juni für verbindlich erklärt worden ist. Damit ist der Lohnkonflikt in der Berliner Metallindustrie zunächst bis zum ZI. Juli beigelegt. Man kann aber heute schon zehn gegen eins wetten, daß die Berliner Metallindustriellen diesen Termin, zu dem das Lohnabkommen erstmalig kündbar ist, benutzen, um erneut mit ihren Lohnabbousorderungen hervorzutreten. Wie es um die„notorisch" schlechte Lage der Berliner Metallindustrie wie der gesamten Schwerindustrie in Wirklichkeit bestellt ist, zeigt recht deutlich der Kopssteuerbeschluß. Auf der einen Seite wirft man Gelder für offenkundig unproduktive Zwecke zum Fenster hinaus, der Arbeit- nehmerschaft und den Behörden aber kommt man immer wieder mit den„untragbaren" Löhnen und Lasten. Bei den Berhond- lungen ziehen die Unternehmeranwälte olle Register auf, um zu be- weisen, daß die Wirtschaft zugrunde gehe, wenn nicht endlich den „unproduktiven Arbeitskräften, den Transportarbeitern, die kargen Löhne noch knapper bemessen würden. Die Transportarbeiter in der Metallindustrie sollten endlich aus diesem Spiel die Lehre ziehen, daß sie sich besser organisieren müssen, wenn sie dem immer wiederkehrenden Ansturm der Ber- liner Metallindustriellen auf ihre Existenz auf die Dauer gewachsen fein wollen. Tie Steigerung der Betriebsunfälle. Die Oesfcntlichkeit ist in letzter Zeit durch die schweren Betriebs- Unfälle, wie sie sich aus dem Großkraftwerk Rummelsburg und an anderen Orten ereignet haben, beunruhigt worden. In den letzten Jahren haben sich die Betriebsunfälle überhaupt gewaltig ver- mehrt. Wie aus den Berichten der preußischen Gewerbeaüfsichts- beamten hervorgeht, ist allein im Jahre 1924 gegenüber dem Jahr« 1923 eine außerordentliche Vermehrung eingetreten, obwohl die Belegfchaftszifforn stark gesunken sind. Die Berichte der Gewcrbeaufsichtsbeamten sind in dieser tiinsicht ein ziemlich zuverlässiger Maßstab, da ja den Gewerbeaufsichtsbcamten jeder Unfall gemeldet werden muß. So haben sicst zum Bcispie' im Regierungsbezirk Düsseldorf die Betriebsunfälle von 17 616 im Jahre 1923 auf 27 261 im Jahre 1924 vermehrt. Im Regierungsbezirk Schleswig von 4953 auf 6503; Arnsberg von 9752 auf 15593; Kassel von 3246 auf 4240; Berlin von 18 393 auf 23 839; Hannover von 3286 auf 4032 und im Regierungsbezirk Potsdam von 4886 auf 5398. Roch mehr ist die Unfallzifser im Bergbau gestiegen. Im„Vor- wärts" Rr. 252 ist bereits an Hand der„vorläufigen Nachweisung der Unfälle im preußischen Bergbau im Jahre 1925" aus die geradezu unerhörte Häufung der Unfälle im Bergbau hingewiesen worden. Aus den Berichten der Gewerbeoufsichtsbeomten geht hervor, daß namentlich in den s ch l e f i s ch e n Bergbaubezirken eine starte Steigerung der Betriebsunfälle in den letzten Jahren einoelreten ist. Im Oberbergomtsbezirk Breslau stieg die Zahl der Unfälle von 12 495 im Jahre 1923 auf 16 904 im Jahre 1924. Bemerkenswert ist, daß in der gleichen Zeit die Zahl der beschäftigten Bergarbeiter von 104 446 im Jahre 1923 auf 88 543 im Jahre 1924 sank. Auf 1000 Beschäftigte verunglückten 1923 119,30, im Jahre 1924 ober 190,91 Arbeiter. Jeder fünfte Arbeiter verunglückte! Nicht ganz so hoch ist die Ziffer aus dem Oberbergomtsbezirk Bonn. Auch hier stieg die Unfallziffer von 4868 auf 8504, obwohl die Zahl der Beschäftigten von 96 933 auf 72 430 zurückgegangen ist. Die Antreiberei und nicht minder der Druck auf die Akkordlöhne sind die Hauptursachen dieser Steigerung der Un- fälle. Ein großer Teil der Gewerboräte stellt dies ausdrücklich fest. Aber auch die Verlängerung der Arbeitszeit trägt ihr Tqfl dazu bei. Es ist sinnlos, den Arbeitern immer zuzurufen, sie sollen mehr die Unfollverhütungsoorfchriften beachten, wenn die An- treiberci ihnen die Zeit dazu nimmt. Zur Verschmelzung in der Lebensmittelindustrie. Von den Abstimmungen über die Verschmelzung der Verbände der Lebensmittel- und Getränkcarbeiter, der Fleischer und der Rah- rungs- und Genußmittelarbeiter zu einer Einheitsorganisation liegen jetzt auch die Berliner Resultate der Lebensmittelarbeiter und der Fleischer vor. Bei den Fleischern stimmten 1085 Mit« g l i e d e r für und 29 gegen die Verschmelzung. Die schwache Wahlbeteiligung hat ihren Grund in der überlangen Arbeitszeit im Ladcnfleischergewerbe, durch die es vielen Angehörigen dieser Berufs- gruppe nicht möglich war, zur Abstimmung zu gehen. Die Lebensmittel- und Getränkearbeiter be- teiligten sich mit etwa 75 Proz. der Mitglieder an der Abstimmung. Abgegeben wurden für die Verschmelzung 1899 Stimmen, dagegen 1 444. Ungültig waren 168 Stimmen. Das Berliner Abstimmungsergebnis der Rahrungs- und Genußmittelarbeiter haben wir bereits mitgeteilt._ Wahle» im Ba»kbeamte«versicheruugsverei«. Bei den Bertreterwahlen der Angestellten erzielte der Allg e« meine Verband der Deutschen Bankangestellten 6505 Stimmen von über 33 abgegebenen Stimmen und erhält da- mit vier von den 30 Sitzen der Angestellten. Der deutschnationale HandlungSgebilsenverbond erhielt 2193 Stimmen und damit einen Siy� Die überwiegende Mehrzahl der Stimmen vereinigte der vankbeamtenverein auf seine Liste und stellt damit 24 Vertreter. die öekleiüungsarbeiterjugenö. Das Treffen in Eberswalde. Am letzten Sonntag hielt der Bekleidungsarbeiterverband in Eberswalde ein Jugendtreffen ab, zu dem sich außer mehreren hundert Jugendlichen aus Berlin, Stettin und verschiedenen anderen Orten, auch viele erwachsene Verbandsmitglieder eingefunden hatten. Um Bormitrag war eine vollbesetzte Kundgebung im Stadttheater. Der Genosse Thierselder vom Haupworstand erörtert« hier die Forderungen der Jugend an Unternehmertum und Gesetzgebung, worauf der Gauleiter, Genosse Lehmann, die Aufgaben, Weg« und Ziel« der Jugendbewegung im Bekleidungsorbeiterverband be- zeichnet«. Ein« Entschließung im Sinn« der Ausführungen der Redner fand einstimmige Annohme. Hierauf wurde die Banner- weihe der Iugendgruppe Berlin vorgenommen. Am Nochmittag unternahmen die Teilnehmer an dem Treffen einen Umzug durch die Stadt, dem ein fröhliches Treiben im nahen Walde folgt«. Für den Verband und die proletarisch« Jugendbe- wegung war dieses Treffen, trotz einiger Störungsoerfuchc der Leute von der roten Faust, ein voller Erfolg. ist nicht alles Holü, was glänzen soll. Auch nicht in Sowjet rußland. Ost-Expreß meldet aus Moskau: Auf dem Kongreß der Arbeiter der Nahrungsmittelindustrie erklärte der Präsident des Zentralrats der Gewerkschaften Tomski: In einem Staat, an dessen Spitze die Arbeiter stehen, könnten die Arbeitslöhne nur entsprechend der Arbeitsleistung erhöht werden. Das Problem der Steige- rung der Arbeitsleistung sei jedoch infolge der tech- nischen Rückständigkeit der russischen Industrie in eine Sackgasse geraten. Die Arbeiterschaft müsse stärker zur aktiven wirtschaftlichen Mitarbeit herangezogen werden. TaS Problem der farbige« Arbeiter. IAB. Auf der diesjährigen Arbeitstonferenz in Genf wurde von dem Vertreter Indiens der Borschlag eingebracht, daß auch f ü r Indien eine besondere Zweigstelle des Internationalen Arbeits- amtes eingerichtet würde. Ferner wurde vom Derwaltungsrat be- schloffen, einem Untersuchungsausschuß über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der farbigen Arbeiter in Amerika und Afrika einzusetzen. Dos Internationale Ar- beitsomt sammelt über diese in den nichtcuropäischen Staaten immer wichtiger werdende Frage eingehendes Material. So ist in der südafrikanischen Union der sehr interessante Bersuch unter- nommen worden, durch ein staatliches Lohngesetz das Der- hältnis zwischen der gelernten Arbeit des weißen Arbeiters und der des farbigen Arbeiters zu regeln. Die Bevölkerung Südafrikas hat nur 21,9 Proz. Europäer, dagegen 67,8 Proz. Schwarze, 7,9 Proz. Farbige und 2,4 Proz. Asiaten. Zwischen den Löhnen der einzelnen Rassen bestehen sehr erhebliche Unterschiede. Ein far- biger Hilfsarbeiter erhält in der Woche 35 Schilling, ein gelernter Setzer erhält dagegen 6 Psund Sterling 10 Schilling, also 135 Schilling in der Woche. Im Baugewerbe wurden in Kapstadt durch ein Abkommen der Wochenlohn auf fast 6 Psund Sterling und in Transvaal auf über 7 Pfund Sterling für die 44-Stunden-Woche festgesetzt. Den weißen Arbeitern entsteht dadurch, daß Farbige Handwerke erlernen oder sonst qualifizierte Arbeit leisten, eine große Konkurrenz. Es kam sogar soweit, daß die europäischen Bergarbeiter durch den starken Zustrom von Kaffern arbeitslos wurden, und die Bergwerksleitungen aus die Ausschaltung europäischer Arbeiter wegen der hohen Löhne hinzielen.' Durch das neue Lohngesetz sollen zunächst zuverlässige Unter- lagen über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse aus den Gewerben gesammelt werden, in denen Europäer und Richteuropäer mitein- ander im Wettbewerb stehen. Außerdem sollen die hohen Lohn- unterschiede zwischen der gelernten und ungelernten Arbeit aus- geglichen werden. Es fehlen nämlich völlig mittlere Lohngruppen. Der Unterschied zwischen der Lohnhohe des gelernten Arbeiters und ungelernten Arbeiters z. B. in England ist 50 Proz. In Kapstadt jedoch verdient der gelernte Arbeiter viermal soviel wie der unge- lernte. Aus diesem Grunde sind dem europäischen Arbeiter manche Verdienstmöglichkeiten und Berufszweige verschlossen, die ihm in England noch offenstehen würden.— Aus diesem Bericht geht hervor, daß die farbigen Arbeiter geradezu erbärmlich bezahlt werden und ihre schlechten Löhne natür- lich obendrein ausgespielt werden gegen die Löhne der gelernten weißen Arbeiter. Bei der„Ausgleichung" können wohl die unge- lernten farbigen Arbeiter ein wenig gewinnen— auf Kosten der gelernten weißen Arbeiter, die weit mehr dabei verlieren, wenn sie nicht stark genug sind, sich gegen ihre Herabsetzung unter der Flagge einer Hebung der Farbigen zu wehren. holzarbeiterverband. Die Vertrauensleute aller Bronchen und Bezirke werden ersucht, diese Woche ausnahmsweise die Holzarbeiter- zeitung am Freitag, den 18. Juni, von ihren Zahlstellen abzuholen und am Sonabend in den Betrieben zu verbreiten. Die Ortsverwaltung. Eine merkwürdige Berichtigung übermittelt uns die Branchen- leitung der Z i g a r« t t e n m a f ch i n e n s ll h r e r. In der Abend- ausgäbe des„Vorwärts" vom 21. April berichteten wir über eine Versammlung der Branche vom 20. April und sagten im Schlußsatz dieses Berichts: „Die Versammlung wählte nach dem Vorschlag der Vertrauens- leute die bisherige Branchenleitung Amsterdamer Richtung wieder." In der Branchenversammluna dieser Gruppe vom 2 7. Mai wurde daraufhin beschlossen, dem„Vorwäts" folgende„Berichtigung" zugehen zu lassen: „Der am Mittwoch, den 21. April, gebrachte Bericht in der Abend- ausgab« des„Vorwärts", wonach die Reuwoylen zur Branchen- leitung der Zigarettcnmaschinenführer und Betriebshandwerker unter dem Gesichtspunkt Moskau— Amsterdam vorgenommen wurden, stimmt nicht, sondern die Neuwahlen erfolgten nur nach gewerkjchostliche» Grundsätzen mü> Befähigung." Die Branche hat also nach den Grundsätzen der Amsterdamer Richtung gewählt, doch will ein Teil der Wähler, die durch ihre Zugehörigkeit zum DMB. und damit zum ADGB. auch dem Inter- nationalen Gcwcrkschastsbund mit deni Sitz in Amsterdam an- gehören, kein ausdrückliches Bekenntnis zur Amsterdamer Richtung abgelegt haben, offenbar deshalb nicht, weil sie sich dadurch in einen Widerspruch zur Moskauer Richtung zu setzen fürchten. Mit der Berichtigung hoffen wir den Gewissenskonflikt beendet zu haben. OLvtfthflst Jnkernalionales Glühlampensyndikat. lieber das international« Glllhlampenkartell wurde in der Generalversammlung der Julius Pintsch A.-E folgendes mitgeteilt: Die Gesellschaft ist erst im Juli v. I. in den Weltvertrag eingetreten, dessen Zweck in erster Linie darin besteht, eine möglichst einheitliche Glühlampe aus den Weltmarkt zu bringen. Zu diesem Zweck wird ein Austausch sämt- licher an dem Weltoertrag beteiligter Gesellschaften für ihre Patente und Erfahrungen vorgenommen. Das hat natürlich zur Folge, daß den beteiligten Unternehmungen Beschränkungen in bezug auf die Mengenherstellung auferlegt werden. Die Befürchtung, daß der Abschluß des Weltkartells zu Preistreibereien führen werde, lyibt sich nicht erfüllt, die Preise seien in Deutschland zurückgeganaen; die Glühlampen haben zurzeit einen Preis, der 60 Proz. des Vor- kriegspreises beträgt. Bei der Pintsch A.-G. hat sich der Eingang von Aufträgen, der schon gegen Ende v. I. sehr ungünstig war. nicht wesentlich gebessert. Die Meldungen, daß ein neuer Rußlands- oustrag hereingekommen wäre, seien irrig. Der große Rußlands- austrag ist bereits im vorigen Jahre abgewickelt worden. Daaeaen sind Vorverträge mit Rußland abgeschlossen worden, welche die Bedingungen bei der Vergebung von Aufträgen an die Gesellschaft festlegen und vor allen Dingen langfristige Kredite voraussehen. Wie uns mitgeteilt wird, hat bisher noch kein großer Abbau von Arbeitern stattgefunden, doch dürste er erfolgen, wenn der Austrogs- eingang sich nicht bessert. 15-7NIllionen-VollaranleIH« der Sächsischen werke, A.-G. Die National City Co. hat laut Konjunktur-Korrespondenz soeben einen Kreditvertrag über 15 Millionen Dollar mit den Sächsischen Werken A.-G. abgeschlossen. Di« Anleihe läuft 20 Jahre, wird mit 7 Proz. verzinst und voraussichtlich zu 93 Proz. aufgelöst. Als Zweck wird allgemeine Vermehrung des Betriebskapitals angegeben. Sarlellausban in der Kunstseidenlnduslrie. In der deutschen Kunstseidenindustrie macht sich neben der Entwicklung zum Trust neuerdings eine starke Tendenz zur Durchorganisation der Kartelloerbände gellend. Die Industrie hatte immerhin den Borteil, daß das Geschäft trotz der Krise im allgemeinen noch gut geht. Lediglich in schlechteren Oualitäten stockte der Absatz. Jetzt haben die Kunstseidcnfabriken in ihrem Verband bestimmte Normen für die Festsetzung der Qualitäten geschaffen, serner wurden ein- heitliche Berkaufs-, Lieferung;- und Zahlungsbedingungen beschlossen. Zur Abwehr ausländischer Konkurrenz sollen den deutschen Ab- nehmer Sondervergütung en beim Bezug deutscher Fabrikate gewährt werden. Dieser letzte Versuch stellt fraglos eine bessere Lösung der Konkurrenzkonslikte dar als hohe Schutzzölle, auf denen bisher die deutsche Kunstseidenindustrie mit großem Nachdruck be- standen hat. Zusammenbruch der Bonca Garibaldi. Der Zusammenbruch der Banca Garibaldi, deren Sitz in San Remo ist, beschäftigt die Aufmerksamkeit der politischen und Finanzkreise Italiens. Per- schiedene führende Persönlichkeiten des Faschismus sind durch den Zusammenbruch kompromittiert und das ist der Grnnd, daß die italienische Regierung der Presse verboten hat, irgendwelche Noch- richten zu veröffentlichen. Die Banca Garibaldi ist im Jahre 1880 mit einem Kapital von 500 000 Lire gegründet worden und hat bis zum Jahre 1914 ihr Kapital auf 1,75 Mill. Lire erhöht. Bei diesem verhältnismäßig kleinen Kapital nahm sie von ihrer Kund- schaft, die in der Hauptsache au- Klcinkaufleuten und kleinen Land- wirten der Riviera bestand, Depositen in Höhe von mehr als 16 0 Millionen Lire an und wenige Tage vor dem Zusammenbruch waren noch mehr als 100 Millionen Lire Depositen vorhanden. Die Bücher, wie auch die ganze Verwaltung des Unternehmens, beiindcn sich in größter Unordnung. Die Aussichten des Konkurses sind sehr ungünstig, denn nach einer vorläufigen Bestandsausnahme sind die Aktiven auf 60 Millionen und die Passiven auf 140 Millionen zu schätzen. Der Reingewinn der Aord-INolor-Eompany. Zum erstenmal werden die Reingewinne des größten Automobiliintcrnchmcns der Welt, der Ford Motor Corporation, veröffentlicht. Danach haben die Jahre 1917/24 zusammen einen Reingewinn von rund 526,4 Millionen Dollar ergeben. Das günstigste Geschäftsjahr ist das Jahr 1922 gewesen, in dem die Reingewinne die gewaltige Zahl von rund 115,8 Millionen Dollar erreichten. Sport. Samson-Körner— Diener in Treptow. Einen besonderen Abschnitt in der Geschichte des deutschen Box» sports wird am F r e i t a g, d e n 18. I u n i, die Austragung zweier deutscher Meisterschaften ini Ring der Rennbahn Treptow bilden. Franz.Diener und Paul Samson-Körncr, die Gegner im Kampfe um den Schwergewichtsmeistcrtitel, werden bereits die nächste Zeit ihr Training beenden, und auch von Meister Harry Stein und Friedrich Schmidt) die sich um die höchste Würbe in der Fliegengewichtsklass« bewerben, hört man, daß sie sich in der schräfsten Vorbereitung für den Kamps befinden. Die übrigen beiden Kämpfe des Abends bieten vorzügliche Paarungen. Erich Brandl, der wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist, tritt gegen den bewährten Willy Antonowilsch an, und Walter Funke, der soeben Raujoks besiegt hat, wird sich gegen den in bester Form befindlichen S e i f r i e d messen. Die Direktion der Rennbahn Treptow hat Vorsorge getroffen, daß durch einen oerstärkten Betrieb der Straßenbahn- und Autobuslinien am Kampftag der Verkehr sowohl zur Rennbahn als auch nach Beendigung der Beronstaltung nach allen Richtungen der Stadt in tadelloser Weise geregelt wird »nd irgendwo eine Stauung der Massen stattfindet. Der Beginn des Kampsabends ist für 3 Uhr festgesetzt. ?erantwortli für Volitik: Srnft Reuter: Wirtschaft:«ejur Saterau«: Sewertschoftsbeweaim»: Z. Steiuer; Feuilleton: R. 8. Dittcher: Lolalr» uns Sontltaes: gcik Rarftadt; Aiuciaen: Tt>. Stocke: tämtach in Berlin. Lerlaa: Vorwärts-Verlaa S. m. b.£,.. Berlin. Druck: Vorwärto-Buchdruckerel und Berlaasanttalt Baut Einoer u. Co.. Berlin EW 68. Lindengrake 8. ständiges .es. 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