Nr. f<6 ♦ 45. Jühtci. Ausgabe A Nr. 144 vez«gSvrei»: BWtnöüb TO Pfenni«, m-natN» Setdxmad sonms»adlbar. Unter itreuibanb für Deutschland, Dan,ia. Saar- und Remelaebiet. Oesterreich. Litauen. Luremdure 4.50 Zteichemari. für da» ttbri«» Zlusland Wo Zieichsmar!»ro Monat. Der.vorwZrt»� mit der Sonntaa»- beilage.Voll und!teif mit �ied- luna und Kleinaarten' sowie der Beilaae.Unterbaitun« und Wissen' und ssrauenbeilaae.Urouenltinlme' erscheint wochentäalich zweimal. Sonntaa» und Montag» einmal. relegramm-Adreffet tTttf ScxUn* Morgenausgabe Vevliner Volksvlskt (lO Pfennig) Anzeigenpreise: vi«»lnspaltige Nonpareille. »eile K Vfenniq. Reklamezeile 5.— Reichsmart.„Kleine«n, eigen' da» fettgedruckte Wort 2S Vfenni» lzuliisssa zwei fettaedruckte Worte». lede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erste Wort ld Pfennig, fede» weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. Roben zäblen für zwei Worte. 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Durch Zureden und Drohungen will man versuchen, die stimmberechtigten Staatsbürger an der Abstimmung zu oerhindern. Man scheut sogar nicht vor der Ausforderung zurück, durch Führung von schwarzen Listen eine Kontrolle auszuüben, um diejenigen Arbeiter und Arbeit«. rinnen, die beim Volksentscheid mit 3a stimmen, au» der Arbeit zu entlassen. Aus dieses schamlose Vorgehen hat in diesen Tagen auch schon die preußische Regierung hingewiesen und mit allem Rachdruck betont, daß dies rn Verstoß gegen die in. der Ver- fassung gewährleisteten Rechte der Staatsbürger ist. Die Landarbeiter und Landarbeiterinnen sind in ihrer Mehr- heil willen», beim Bolksicntscheid mit Ja zu stimmen. Der terroristischen Ausnutzung ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit muß daher mit äußerster Energie entgegen- getreten werden. Die Arbeiterschaft aus der Industrie, dem Handel und dem Handwerk muß die Landarbeiter- schaft in diesem Kampfe unter st ühea. Die Arbeiter in den Städten und Industriebezirken müssen am 20. Zuni entweder frühzeitig ihr Stimmrecht ausüben oder, soweit es noch möglich ist, sich einen S t i m m s ch e i o besorgen, um dann beschleunigt aus» Land zu gehen zur Ucberwachung der Abstimmungslokale. Sie müssen sich sofort bei den Stellen melden, die die Wahl- arbeiten, insbesondere die Ueberwachung der Wahllokale aus dem Lande vorbereiten. Es kommt besonder» darauf an, auf dem Lande genau s e st z u st e l l e n. ob und wo ein Terror gegen die Abstimmenden ausgeübt wird, um bei nachfolgenden Prozesten die Tatsachen den Gerichten unterbreiten zu können. Auf diesem Wege wird und muß c» gelingen, dem rechtswidrigen Treiben der Machthaber auf dem Lande entgegenzutreten. Das Kreuz in üen Ia-Kreis! Eine amtliche Ausklärung. Durch Wolffs Bureau wird folgende amtliche Mitteilung verbreitet: lieber die Art der Stimmabgabe beim Voltsentscheid bestehen zum Teil noch Zweifel. Der Stimmzettel enthält folgende Frage vorgednickt:„Soll der im Volksbegehren oerlangte Entwurf eines Gesetzes über Enteignung der Fürstenoermögen Ge- setz werden?' Die Stimmabgabe erfolgt in der Weise, daß der Stimmberechtigte, der die zur Abstimmung gestellte Frage de» jähen will, unter dem oorgedruckten Worte„Ja', der Stimm- berechtigte, der sie verneinen will, unter dem vorgedruckten Worte „Nein' in den dafür vorgesehenen Kreis ein Kreuz setzt. Es empfiehlt sich, bei der Stimmabgabe sich nur des Kreuzes zu be- dienen. Ob andere Abstimmungszeichen, z. B. ein Strich, gültig sind, würde erst im Wahlprllsungsversahren zu entscheiden sein. Wir halten das im letzten Satz ausgedrückte Bedenken für hinfällig. Auch bei den Reichstagswahlstimmzetteln waren Kreise vorgesehen, in die ein Kreuz oder Strich ge- zeichnet, also kenntlich gemacht werden sollte, welcher Partei die Wahlstimme zugedacht war. Sinngemäß übertragen wird also auch diesmal ein Strich im Kreis genügen. Aber um jeden Zweifel auszuschalten, soll überall ein Kreuz in den Ja-Kreis gezeichnet werden! * Aus einein llhmtJertaß des Preußischen Ministers des Innern an hie Ober, und Regierungspräsidenten, die Abstimmungsleiter und Landröte sowie die Stadt- und Landgemeinden teilt der Amtlich« Preußische Pressedienst folgendes mit: Bei der großen politischen Bedeutimg, die dem Volksentscheid am DO. Juni zukommt, ist es erwünscht, schon da» vorläufige Ab- wenn die Unternehmer ihre reichen Geldmiktes und ihre ganze wirtschasMche Macht einsehen, um dem» Raubzug der Fürsten aus den Besitz des deutschen volle» zum Siege zu verheffen, muß die gesamte organisierte Arbeiterschaft Deutschland» am kommenden Sonntag geschlossen sür die entschädigungslosc Enteignung der Fürsten ihre Stimme abgeben. wer bei der Abstimmung fehlt, wer nicht mit Za stimmt,«er- sündigt sich am deutschen Volke, verrät die Interessen der deutschen Arbeiterschaft. Berlin, den lb. Juni lS26. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes. •• Arbeiter, Angestellte, Seamte l Am kommenden Sonntag müssen 29 Millionen Stimmen für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten ausgebracht werden. Die unterzeichneten SpihenorganisaKouen der steten Gewerkschaften BcrNn» erwarten, daß an diesem Tage jeder gewerkschaftlich organistcrte Arbeiter, An- gestellte und Beamte zur Abstimmung geht und für die Annahme des Enteignungsgesetzes, also mit„Ja" stimmt. wir fordern serner alle unsere Mitglieder auf. sich den polill- schen Organisationen, denen sie angehören oder nahestehen, am Sonntag, den 20. Juni 1926, zu den Abfiimmungsarbeiteu und zur Agitation für de« Volksentscheid zur Verfügung zu stellen! E» ist Pflicht jede» Gewerkschafismitgllede», mit allen Kräften für den Sieg des Abftndnngsgesehe» tätig zu sein. Allgemeiner Deutscher Gewer kschaftsbnud Ortsansschutz Verlin: S abath. Allgemeiner freier Angestelltenbund Ortskartell Berlin: Statau. Relchell. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund Ortsausfchutz Berlin: Körber. Weidmann. stimmungsergebnis auf feine verfassungsmäßigen Au». Wirkungen beurteilen zu können, d. h. oarbehaltlich der end- gültigen Zahlen einen Ueberblick zu erhalten, ob der Gesetzentwurf die Zustimmung der Mehrheit der Stimmberechtigten gefunden hat oder nicht. Deshalb soll bei der Uebermittlung des Abstimmungs- ergebnisses am Abend des Abstimmungstages von den Abstimmungs- Vorstehern, Gemeindebehörden, unteren Verwaltungsbehörden und Abstimmungsleitern auchdieZahlderStimmberechtigten gemeldet werden. Hierzu muß ermittelt werden: 1. die Zahl der in der Stimmliste eingetragenen Stimm'- berechtigten(abzüglich derer, die einen S t i m m s ch« i n erhalten haben) und 2. die Zahl der Stimmberechtigten, die auf Grund von Stimmscheinen abgestimmt� haben. Beide Zahlen werden in jedem Stimmbezirk vom Abstimmungs- vorstand ermittelt und itydie Abstrmmungsniederschrift«ingetragen: ferner sind sie bei der Meldung.über das Abstimmungsergebnis mit- anzugeben. Zölle und Handelsverträge. Reichskanzler Dr. Marx und ReichSernährungSminister Dr. HaSlinde hatten gestern eine Besprechung mit den Ver« tretern der Regierungsparteien über die Zollfragen, die beim Abschluß deS deutsch- schwedischen Handelsvertrages zu berücksichtigen find. Bon den Regierungsparteien wird besonderer Wert darauf gelegt, daß eine Differenzierung zwischen Brau- gerste und Futtergerste eintritt in der Weise, daß die Zoll- sähe für Futtergerste wesentlich niedriger gehalten werden als die für Braugerste. Die Besprechungen führten noch nicht zu einem endgültigen Abschluß und sollen am Montag fortgesetzt werden, nachdem der deutsch-schwedische Handelsvertrag in der Reichstags- sitzung am Montag die erste Lesung passiert hat. vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin SV). bS, Linüenslr.Z Poftlchecklont»: Beeltn 17 634—«anllont»! Bant bex«rbeitee,«naeftessten nnb Beamten, Waüfte. 45;»i»k»n«o-seleülchalt, Denesstenkasse Lindenfte. I. Zurück in die Hörigkeit! Volksentscheid und Beamtenschaft. von Albert Falteuberg. Bon Demagogen und Reaktionären wird der Kampf um den Boltsentscheid benutzt, den Beamten die Republik zu verekeln und die Monarchie als das erstrebenswerte Ziel aller anständigen Menschen vorzuspiegeln. Wenn es wahr wäre, daß, wie Graf Westarp in seiner Reichstagsrede vom 28. April 1926 behauptete,„Recht und Freiheit nur unter den deutschen Fürsten gelebt haben"— ja dann wäre vielleicht diese Tatsache geeignet, den Beamten die Monarchie als das Ziel ihrer Wünsche vorzutäuschen. Aber abgesehen von der in dieser Auffassung enthaltenen Täuschung ist ja gerade das der große, scheinbar unausrottbare Irrtum, der bis tief hinein in die unteren Kategorien der Beamten- schaft unklare Vorstellungen über das, was war, die Gehirne verwirrt und infolgedessen zielklare politische Erkenntnis ver- missen läßt: Die Beamten vergessen, daß nicht der Monarch entscheidet, sondern die Handlanger der Monarchie, d. h. die nicht immer gerade fortschrittlich gesonnenen Vermal- tungsbureautraten den politischen Kurs so steuern, wie er ihren Interessen am besten zu dienen vermag. Und wenn die Beamten nicht ebenso wie Millionen nichtbeamteter Staatsbürger so leicht vergessen hätten, was ihnen in der Kaiserzeit so oft das Leben zur Hölle machte, dann würden sie jetzt mit ganzem Herzen den Volksentscheid bejahen, anstatt sich von gerissenen Drahtziehern an der Nase herumführen zu lassen. Die Vergeßlichkeit der Beamten ist ein wesentlicher Aktivposten in der Rechnung der Gegner des Voltsentscheids. Die Hineinzerrung des Reichspräsidenten in die politische Kampfarena durch einen der robustesten Reaktionäre, den ehemaligen Staatsminister von Loebell, paßt natürlich auch den Beamten nicht. Aber sie haben doch vielfach keine klare Vorstellung von dem Wesen dieses Mannes, der sich schon zu Ansang des Weltkrieges als der entpuppte, der er in Wahr- heit ist. In der Dezembersitzung 1914 des Königlichen Staatsministeriums wollte er die sozialdemokratisch orientierten Kommunalbeamten nur während des Krieges bestätigen. Nach Beendigung des Krieges sollte nach seiner Memung die Lösung dieser Frage von der Stellung der Sozialdemokratie, das heißt doch wohl von ihrem Wohloerhalten im Staate, abhängig gemacht werden. Dieser Mann, der jetzt mit einer leichten Handbeweguny die Verfassung glavbt abtun zu können und den Reichspräsiden- ten vor aller Oeffentlichkeit in seine Gefolgschaft zwingt— der die Wahlreform noch während des Weltkrieges ablehnte, ist der Typus der traditionellen Gegner eines. fortschrittlichen Berussbeamtentums. Er will zurück in die oft nur scheinbar überwundenen Zustände obrigkeitlicher Hörigkeit. Er haßt die Republik, weil sie seinen Plänen im Wege steht. Und dennoch: auch dieser Mann wird einmal als vor- übergehende Erscheinung abgetan sein. Was bleibt, ist der Geist des von ihm und seinesgleichen gewollten Systems. Und das ist gerade genug, denn dieser Geist ist es, der wäh- rend der-letzten Jahre die Beamtenmassen aus ihrer durch die Verfassung gesicherten Position herauszudrängen versucht hat. Nicht überall mit dem gleichen Erfolge, aber doch mit der begründeten Aussicht auf erfolgreiche Fort- führung dieses Kurses, wenn nicht endlich die in Mitleiden- schaft gezogenen Massen aus dem politischen Schlaf erwachen und sich zu politischer Tat ermannen— wenn sie nicht durch die Bejahung des Volksentscheids zu erkennen geben, daß sie begriffen haben, wie eng ihre Standesfragen mit dem Schicksal der deutschen Republik verknüpft sind. Oder haben die Beamten auch das vergessen, daß schon im Januar 1922 in Dannstadt ein Vertreter des preußischen Finanzministeriums in einer Besprechung von Vertretern der Länder über Beamtenfragen mit nicht mißzuoerstehender Deutlichkeit die jetzt beschrittenen Wege der Personalpolitik gekennzeichnet hat? In dem damals erstatteten Referat heißt es�. a. wörtlich: „Die Bestrebungen des Reichsoerkehrsministeriums verdienen in personalpolitischer Hinsicht die wärmste Unterstützung der Län- der. Sie bieten eine Gelegenheit von seltener, vielleicht nie wieder- kehrender Gunst, die Pcrsonalpolltik einzuleiten, die ein« staats- politische Notwendigkeit ersten Ranges ist, von der das Wohl und Wehe der Staatsverwaltung abhängt.* Das war das Signal für den rücksichtslosen Per- sonalabbau, der neben anderen Zielen auch noch die „Bereinigung der Verwaltung* verfolgte. Abbau und soziale Entrechtung haben seither die Beamten— und nicht nur in der Reichsverwaltung— aus der Linie des Berufsbeamten- tums herausmanöveriert. Aber dieser Prozeß hat noch nicht sein Ende gefunden. Wenn der Volksentscheid vom 29. Juni 1926 den Massen eine Niederlage bringt, dann ist damit ein neuer Auf» takt für den Feldzug gegen das Berufsbe- amtentum gegeben. Di« Reaktion rüstet aufs neue. Herr von B o r s i g fordert von den Arbeitgebern für jeden in ihren Betrieben beschäftigten Arbeiter 20 Pf. zur Sa- Kotierung des Volksentscheids. Gelingt fein Plan, dann hat er die Bahn frei gemacht für die Verwirklichung des Abbau- Programms der Industrie vom Dezember 1925. In, der Denkschrift zu diesem Programm des Reichsverbandes der deutschen Industrie ist auf Seite 14 u. a. folgende Forderung enthalten: „Die zukünftigen Haushalte von Reich. Ländern und Gc- meinden bedürfen einer durchgreifenden Bereinigung mit � dem Ziel, die Gesamtausgaben gegenüber den Gesamtausgaben von 1924 um mindestens 20 Proz. zu kurzen.* Die Gewerkschaften haben in ihrem zu Anfang dieses Jahres veröffentlichten Gegenprogramm(„Gegenwartsauf- gaben deutscher Wirtschaftspolitik") die Forderung der In- dustriellen abgelehnt und ausdrücklich„eine ausreichende Besoldung der Beamten" gefordert. Sie halten die Möglichkeiten, Ersparnisse zu erzielen u. a.„durch Befreiung der Länder von den ungerechtfertigten Abfindungen an Fürsten und Fürstenfamilien" für gegeben— wie aber, fragen wir, soll diese Möglichkeit Wirklichkeit werden, wenn selbst die Beamten am 20. Juni versagen?! Mit welchen Mitteln in letzter Stunde versucht wird, die Gehirne zu umnebeln, mag folgender Satz aus einer um billiges Geld vertriebenen Schrstt des Zentrumsabgeordneten Senatspräsident Schulte beleuchten. Auf Seite 30 dieser Schrift heißt es wörtlich: „Nur Kommunisten und Sozialdemokraten treten für die Enteignung der Fürsten ein und verlangen von ihren Wählern, daß sie mit„Ja" stimmen. Alle anderen politischen Parteien wenden sich in ihren Kundgebungen gegen die Annahm« dieses bolschewistischen Gesetzes. In eingehenden Ausführungen hat diese Schrift vom rechtlichen und sittlichen Standpunkt seinen bru- talcn und revolutionären Charakter, die in ihm liegende rohe Will- kür nachgewiesen." Soviel Worte, soviel Unwahrhaftigkeiten. Auch die Beamten wird dieses Pamphlet erreichen. Besonders sie sollen dumm gemacht werden, denn welch anderer Sinn könnte hinter allen Verdrehungskünsten lauern als der, die Beamten glauben zu machen, daß allein die monarchische Staatsform das Berufsbeamtentum garantiere. Laßt sie reden und schreiben. Euer Berufsbeamtentum sichert allein die republikanische Verfassung. Sie ist auch Fundament für den Volksentscheid. Zeigt durch die Tat, daß ihr Diener der Gesamtheit seid und stimmt am Großkampftage der deutschen Republik für das Gesetz des Volks- begehren?! Ein Wort an Feiglinge. Gewaltherrschaft nur für Loebelliten erlaubt? Seit Wochen veröffentlichen wir immer neue Dokumente, die schamlosen Terrorismus durch Landbünde, Unternehmerverbände und Loebell-Ausschüsse für den Tag des Volksentscheids ankündigen. Hier ein neues Bei- spiel. In den gedruckt vorliegenden„Richtlinien des Landesbürgerrats Sachsen" wird über das„Ver- halten am Abstimmungstage selbst" unter anderen Parolen auch diese ausgegeben: „I n den Wahllokalen müssen sich Vertrauens- l e u t e unserer Bürgcrbünde aushalten, die darauf zu achten haben, daß unsere Wahlparole restlos durchgeführt wird... wir wollen uns vormerken, wer trotz unserer Wahlparole an der Abstimmung teilnimmt." Das ist wie ähnliche Anweisungen der Landbünde usw. nichts anderes, als Feiglinge aus dem Bürgertum einzu- schüchtern, ihnen ihr verfassungsmäßiges Stimmrecht schon vorher zu verleiden und sie mit gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Boykott zu bedrohen. Anknüpfend an ähnliche Aufforderungen zur Verhin- derung der Stimmfreiheit haben wir vor einigen Tagen diese Sätze geschrieben: „Jeder, der der A b st i m m u n g fernbleibt, wird in den Augen der organisierten Arbeiter als ein Verräter an ihrer und der Sache der Republik erscheinen. Die Abstimmung ist geheim. Aber jeder, der fernbleibt, bekundet damit sein Einverständnis mit den Monarchisten. Cr zeigt sich dadurch als ein Feind der Republik und der Arbeiterbewegung. Auch unsere Genossen werden Listen führen. Mögen sich diejenigen, die aus Feigheit fernbleiben, bei den Organisationen des man- archistischen Terrors bedanken, wenn ihnen später der Zorn der arbeitenden Masse auch geschäftlich und im Arbeits- Verhältnis fühlbar werden sollte!" Diese Abwehrbemerkung ruft sogar den„Lokal-Anzeiger" Hugenbergs auf den Plan. Er schreit nach dem Staats- anwalt, damit er die Meinungsfreiheit der sozialdemokratischen Presse unterdrücke! Run pflegt aber selbst in der Republik der Staatsanwalt nicht gleich zu springen, wenn Hugenberg pfeift, aber es ist doch zweck- mäßig, diesen Versuch der Meinungsunterdrückung der öffentlichen Verachtung preiszugeben! Aber Hugenberg verheddert sich. Er läßt auseinander- setzen, daß sich nach§ 107 StrGB. strafbar mache, wer„einen Deutschen durch Gewalt oder Bedrohung mit einer strafbaren Handlung verhindert, in Ausübung seiner staatsbürger- lichen Rechte zu wählen oder zu stimmen". Da dies— immer nach Hugenberg— zu besagen hat, daß„die Ver- Hinderung eines Deutschen daran, nach Be- lieben zu st i m m e n", strafbar ist, so läge es nahe, daß Hugenberg den Land- und Bürger- b ü n d e n ins Gewissen redete, ihre Parole auf Stimmenthaltung und die Ueberwachung der Wahllokale zum Zwecke der Einschüchte- r u n g aufzugeben. Aber weit gefehlt. Hugenbergs„Lokal- Anzeiger" will den Terror, aber nur für„nationale" Parteien. Deshalb zetert er gegen unsere Mitteilung, daß auch Sozialdemokraten Listen führen und die Feiglinge sich merken werden, die auf Loebells Befehl dem Wahlraum fernbleiben! Schließlich gibt der„Lokal-Anzeiger" folgende neue Pa- role aus: „Keine Drohung, kein noch so gieriger Wunsch nach Rache kann Ihr Ziel erreichen. Denn die Abstimmung ist bekanntlich geheim, was der einzelne in der Wahlzelle macht, läßt sich nicht kontrollieren. Daher, du Handwerker, du Kaufmann, du Arbeiter... Du kannst den roten Brüdern ihr Rezept durchkreuzen, ohne daß dir irgend jemand deshalb an den Wagen fahren kann, ohne daß dir irgendeine der Folgen drohte... Du brauchst nur In der verschwiegenen Wahlzelle entweder den Stimmzettel nicht in den Umschlag zu tun und kannst diesen leer abgeben. Oder aber du durchkreuzt den ganzen Stimmzettel von oben bis unten. In beiden Fällen Ist deine Abstimmung ungültig, und es ist genau so gut, als wenn du gar nicht zur Wohl gegangen wärest. Ausnahmsweise sind wir mit dem Hugenberg-Blatte ein- verstanden. Die Abstimmung ist geheim, kein Kauf- mann, kein Handwerker, kein Arbeiter— auch nicht a u f dem Lande— braucht befürchten, daß seine Abstimmung „in der verschwiegenen Wahlzelle" überwacht wird. Er soll also zur Abstimmung gehen, und wenn er nicht für das Gefetz stimmen will, soll er mit Rein stimmen oder ungültige Zettel abgeben Wir freuen uns, daß wir mit Hugenberg darin überein- stimmen, daß jeder zur Abstimmung gehen muß. Aber die Feiglinge, die der Abstimmung fernbleiben aus Rücksichten auf dcutschnationale Terrordrohungen, die werden wir uns merken! Trotz Hugenberg! An der Technischen Hochschule Hannover ist der normal« Vor- leiungZbetrieb wieder aufgenommen worden. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Wilhelms Tafeljllber. Er hat feine Abfindung in Door«. Aus unserer gestrigen Aufstellung„Wilhelms Sparkassenbuch ergab sich, daß der Herr von Doorn über ein Sparguthaben von rund 49 Milliost-en oerfügt. Daneben besitzt der sahnen- flüchtige Oberste Kriegsherr aber auch noch ein Vermögen an Silbergerät. Einer Liste, die uns aus Holland über diese Silbergegenstände zugegangen ist, entnehmen wir, daß Wilhelm schon zu der Zeit, als er von Amerongen nach Doorn übersiedelte, u. a. folgendes besaß: 89.r>o>!li,, welcher politischen Lrgainsalion sie angehören, stellen si�i a le ivohlverstandenem eigenen Interesse für die Wahl» arl'eilen am Sonntag ohne weiteres zur Beifügung. Leider ist auch ein Teil der gcwertschahlich organisierten Metallarbeiter beule pi);:iiich noch nicht organisiert, trotzdem alle Mitglieder des deutsche i MeiailarbeilerverbandeS innerlich mit einer der beiden politisch.; ii T.'idc izen mehr oder weniger stark svmpaihjsiere». lim oen politischen Ergonisalionen Grotz-Berlins die Wahl- arbkil zu erleichtern, und dafür zu sorgen, datz alle notwendigen Arbenen glatt bewältigt werden können, forden wir alle orga- u i s i« r r e n Metallarbeiter auf. s i ch am Sonntag der ihneir iiaheilehendeii politischen Organisation für die Wahlarbeilen zur Verfügung zu st e l l e n. lim Eure Sache handelt cS sich, tut Eure Pflicht! Deutscher Metallarbeiter»Verband, OrtSver- waltung Berlin: ZiSka. Ver Konflikt im Großhanüel verschärst flch. 2vidcrsland und Gegenforderungen der Arbeiter. lLi: wir bereits vor einiger Zeit mitteilten, hat der Berliner Arheitgeberocrband des Großhandels sämtliche bestehende» Mantel- tarise für die gewerblichen Arbeiter wahllos zum 30. Juni ge- k ü n di gt. Einige Tage daraus eriolgte auch die Kündigung der Lohiivertrögc siir die Gruppen Lebensmittel- und Kaffee- großhandel. Dein Deutschen Vcrkehr»biind»als Torifkontra- henren sind bisher weder die Gründe der Kündigung noch irgend- welche Abänderungsvorschläge mitgeteilt worden. Bei der Einstellung dieses Arbeitgeberverbandes, der selbst die bekanntesten Scharsmacherorganisationen zu übertrumpfen sucht, ist jedoch anzunehmen, daß der Syndikus des Verbandes sicherlich den Ruhm siir sich in Anspruch nehmen möchte, im Berliner Großhandel die schlechtesten Lohn- und Arbeitsbedingungen ciuzusührcn und nach Beseitigung aller tariflichen Bedingungen die Löhne und Arbeits- bedingungen einfach zu diktieren. Die Handclsarbeiter haben daher alle Ursache, die Borausseßung zu einem erfolgreichen Abwehrkampf, d. h. ein gutes Organisationsvcrhältnis zu schaffen und den not- wendigen Wider st and vorzubereiten. Die Arbeiterschaft des Lebensmittel- und Kasfeegrohhandcls nahm in einer sehr gut besuchten Versammlung bereits zu den Kündigungen Stellung und beschloß einmütig, nicht nur den Fehde- Handschuh aufzunehmen, sondern zum Gegenangriff über- zugehen. Die Versammelten sorderten, daß in erster Linie der A ch t st u n d c n t ag aufrechterhalten wird. Die bisher für das Fohrpersonal vereinbarte unzureichende Pauschale für die über- mäßig zu leistende lieber zeitarbeit soll beseitigt werden und dafür ein prozentualer Zuschlag für die zu leistenden lieber- stunden verlangt und vereinbart werden. Sie sorderten weiter: Ausbau und Sicherung der sozialen B e st i m m u n g e n, ins- besondere eine einwandfreie Regelung des Urlaubsanspruchs bei vorzeitiger unverschuldeter Entlassung. Ferner wurde die Or- ganilatia» beauftragt, in Anbetracht der Steigerung der Lebens- haltungskosten und der kommenden Mietserhöhung eine entsprechende Lohnerhöhung zu fordern. Die Versammelten verpflichteten sich in einer e i n st i m m i g angenommenen Entschließung, alle Kräfte anzuspannen, um alle Berufsangehörigen für den Abwehr- kämpf zu gewinnen. Die Arbeiter des Lebensmittel- und Kaffeegraßhandels erwarten, daß die Angehörigen aller anderen Branchen des Großhandels mit gleicher Energie den reaktionären Plänen des Arbeitgeberverbandes gegcnübertreten und gegebenenfalls gemeinsam mit ihnen handeln werden. Die Belegschaft der bekannten Firma Kaisers Kafseegeschäft in Spandau, der bedeutendsten und umfang- reichsten Firma in der Branche, nahm in einerjicsondcren Betriebsversammlung zu den Kündigungen ebenfalls Stellung und beschloß einstimmig, nach den Beschlüssen der Branchenversammlung zu handeln. �ur �lrbeitsmarktlage km Saugewerbe. Verlängerung der llnterfiühungsdauer. Die für den Sommer erwartete Erleichterung des Arbeits- Marktes ist nicht eingetreten. Es kennzeichnet die Tiese der Krise, daß in einer Zeit, wo das Baugewerbe Hochkonfunktur haben müßte, selbst die Arbeitsmarktlage im Baugewerbe trostlos ist. Nach den letzten Berichten waren Ende April immer noch 148 107 arbeitsuchende Facharbeiter und 136847 chilss- und Erdarbeiter vorhanden. Resigniert stellt der anüliche Bericht fest, daß die E n t w i ck l u n g s- aussichten sür den Arbeitsmarkt im Baugewerbe weiterhin unklar und unübersichtlich bleiben wird und daß mit einer restlosen Unterbringung der arbeitsuchenden Facharbeiter anscheinend nicht zu rechnen ist. Man stelle sich nur die ganze Ungeheuer- lichkeit dieses Zustandes vor; hunderttausende von Wohnungen fehlen, das dazu erforderliche Material kann im eigenen Lande hergestellt werden und dennoch warten hundert- Am Sonntag in der Zeil zwis6>ai 8 und 5 Uhr haben alle bcschäsllgien und arbeitslosen Arbeiter und Arbeiterinnen im Aller von2l1 Zähren, alle kaufmännischen und technischen Angestellten, Verkäuferinnen und Kontoristinnen, alle Beamten und Beamtinnen, kurzum die gesamte Arbeilnchmcrschoft, einschließlich der durch Kriegs- oder Lerussunfall wie durch Alter aus dem Arbeitsprozeß Ausgeschalteten Gelegenheit zur Generalabrechnung mit den Fürsten und ihrem ganzen voll», und versassungs- feindlichen Anhange. Nachdem der Vorsitzende der Vereinigung der Deutschen Arbeltgeberverbände und zugleich de« verbände» Berliner Mctallindustrieller die Kopfsteuer von zwanzig Pfennigen ausgeschrieben und damit seine intime Verbindung mit den Fürstendienern und ihren Plänen gegen die Republik zwcisclssrei dokumentiert hat. müssen wir alle zu- dieser Abrechnung an der Wahlurne erscheinen. Keiner darf dabei fehlen! tousende von Arbeitern vergeblich auf Beschäftigung. Es beweist, daß die Wohnungsnot mit kapitalistischen Methoden nicht beseitigt werden kann. Wie man es machen muß, zeigt dos Beispiel der Ge- meinde Wi c n. Angesichts dieser schlimmen Arbeitsmorktlage im Baugewerbe war die ausnahmerechtliche Behandlung der arbeits- losen Bauarbeiter in der Bezugsdauer der Erwerbslosen-Unter- stützung längst unhaltbar. Der Reichsarbeitsminister hat nun endlich, dem Drängen der Gewerkschaften folgend, die Gleichstellung vorgenommen. Mit Schreiben vom 9. Juni lV 7510/26 an die obersten Landesbchörde» sür Erwerbslosensürsorge hat der Reichs- arbeitsminister die Unterstüßungshöchstdauer der Arbeit- nchmer des Baugewerbes mit seinen Hilfsbetrieben und der Baustofserzeugung in ollen Bezirken, in denen der Baumarkt bis- her keine wesentliche Besserung gezeigt hat, auf 3 9 Wochen verlängert. Die Befugnis der Vorsitzenden der öffentlichen Arbeitsnachweise, die �Untcrstüßungshöchstdaiier im Einzelfalle um weitere 13 Wochen zu' verlängern, bleibt unberührt. Sohnabkotnmen im f�riseurgewerbe. Zwischen den Innungen in Groß-Berlin und dem Arbeit- nchmerocrband des Friseur- und Haargewerbes lZweigvcrein Berlin) ist mit Wirkung ab 14. Juni ein neues Lohnabkommen ver- einbart worden. Die Minde st löhne(sür Mindestleistungen) betrogen für Herrenfriseure 30 Mark, für Damensriseure 32 Mark, für Herren- und Damenfriseure 35 Mark wöchentlich, für haar- arbeiier und-arbeiterinncn 35 Mark, Einrichter und Präparaicure 37 Mark. Auch der Lohn für aushilfsweise Beschäfti- g u n g wurde diesen Löhnen entsprechend erhöht. Bestehende gün- stigere Lohn- und Arbeitsbedingungen dürfen infolge des neuen Lohnabkommens nicht verschlechtert werden. Leider zieht es in BerSn immer noch«in Test der Gehilfcn unk» insbesondere auch der Gehilfinnen vor, den Beitrag zur die Organisation.zu sparen", d. h. unorganisiert zu sein und sich dasur um die Bezahlung des Tariflohns prellen zu lassen. Die U n o r g o- n i s i e r t e n verlasien sich mehr aus das Trinkgeld als auf die gegen- I eilige Solidarität..... Bezüglich der Arbeitszeit sieht das Abkommen msolge der Einführung der vollständigen Sonntagsruhe vor, daß die Arbeits- zeit des Sonnabendsbis8 Uhrabends ausgedehnt werde» kann. Eine weitere Verlängerung darüber hinaus gilt als-loris- bruch. den die Organisation mit allen Mitteln bekämpfen wird. der englische öergarbeiterflreik. valdwin verhindert die Beilegung. London, 16. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Es ist nach den verschiedenen Besprechungen zwischen den polstischen und gewerk- schoftlichen Führern der Arbeiterbewegung nunmehr deutlich, daß die gesamte britische Arbeiterbewegung in der schärfsten Verdammung der Baldwinschen Vorschläge, welche aus eine Suspension des Siebenftunden-Arbeitstages im Bergbau hinausgehen, völlig einig ist. Der Gesetzentwurf der Regierung, welcher diese Suspension des Sieben- stundentages im Bergbau vorsieht, wird schon in der kommen- den Woche dem Parlament vorgelegt werden. Die Arbeiter- parte! wird alle ihr zur Verfügung stehenden konstiwtionellen Mittel einsetzen, um dieses Gesetz sowie den größten Teil der übrigen von der Regierung in diesem Zusammenhang angekündigten Gesetzesmaßnohmen zu bekämpfen und die Gesetzgebung»- Maschine, soweit es in ihrer Macht als Minorität steht, auszuhalten. Nachdem schon aus der liberalen Morgenpresse hervorgegangen war. daß die Baldwinschen Pläne auf liberaler Seite keine Billigung finden, geht nunmehr aus einer Reihe von Meinungsoerschieden- heiten führender liberaler Politiker, und zwar liberaler Politiker der beiden Gruppen, hervor, daß die Liberale Partei sich bei der Bekämpfung der Baldwinschen Vorschläge durchaus dew Arbeiterpartei anschließen wird, da Baldwin den Kohlenbericht, desien Inhalt sich die Liberal« Partei voll und ganz zueigen gemacht hat, in seiner Erklärung im Unterhaus endgültig verlasien hat. Cook gegen Baldwin. London, 16. Juni.(MTB.) Der Bergarbeiterführer Cook nahm im Namen der Arbeiter Stellung zu dem in der gestrigen Sitzung de4 Unterhauses mitgeteilten Plan der Regierung zur Beendigung des KohlenarbeiterstreikS und sagte, die Unterhausdebatte werde nicht dazu beitragen, den Frieden in der Industrie wieder herzu- stellen. Er fügte hinzu, die Bergarbeiter messen den Vorschlägen BaldwinS so wenig Bedeutung bei, daß er, Cook, den nationoleir ExekutivauSschuß nicht einmal berufen hätte, und daß infolgedessen seitens der Bergleute keine Friedensverhandlungen eröffnet werden. konnten. Die Bergarbeiter feien in ihrer Ablehnung der Verlänge- rung der Arbeitszeit durchaus einig. gr«i«»e»>krNlh«ft»i»«end. Heilt«, Iionnerstofl. VA llir. taaen die Gruvven; Moabit: Glirppciideim Städtisches guaenddeim Bremer Ecke Wiclef- sir-ike. Liteiarischer«bend: Beter Roseqoer.—«ichwnberq: Iuoettddeim Dolle. ll eoftc 22. Literorischer Abend: Peter Rostaoer.—*ip*ni4: Iugendheinr Grllnouer Str. 5. Liederabend.— Temoeibas: guaenddeim Ltueum Gernroma. »rolle z/s. Sin golleoe berichtet von seiner z»al,e.— Südosten siirelubera 1): 7»incnddcim Brichenberqer Str. K. Bortra«: Die ethischen Momente der Ar- beiterbeweouna.— Mitte: guflendheim Reue flünioftr. 21. Lustioer Abend.— Siesundbronnen sWkbdina 2): Sruvpenhcim«otenburaer Str. 2 lZuaendbund. »immcri. Bortraq: Warum feiern wir Sonnenwende?— Spandau: Jugend. beim Sindenufcr 1. Dislullion: Gewerkschaftlich« gragen.— S, spieleu i« Rttie« die Gruppen: Obersch«»«weide auf dem Svortplall der Metollardeiter an der Odcrspre». Reuvll» im Volkspart Ho'enbeide. R-rdrin«: Spielen auf dem Vlati an der einsamen Pappel, rreptow spielt im Treptower Park. Wirlc it. �.. Zuqcndarupp« de, gdA. Heute. Donnerotao, VA Uhr. urrlammeln sich dl« Adtcilunqen: Treptow: Iuaendhcim Wildenbruchstr. 54 ittindcrhort). Bortraa: .. Philosophie".— Keemaunploh: Iuqendheim Hobrechtstr. 54, Eric Eanderslrollc. Bortraa:„Die deutsche Ardeiterbewequnq". Deutscher«eNeiduuaoa'beiteruerdaud. Mitstliederuersamnrluna für die Herrrnkonsektion moroen. ssreltoa. Vi Uhr. in den ReNdenZfeslsillen. Land». beracr Str. 51. Bericht von der Perhandluna. Mitstliedsbuch oder-körte legitimiert: ohnedem oder mit mehr als 4 reftierrnden Wochendeiträorn tri» Zutritt. Di« im Abwehrkampf stehenden ttolleaen leaitimieren sich durch die ttonirollkortc. Die Brancheukommigion. Achtuna. AfA-Mitglieher der Geldschronksabriken und«auschtollaeicn! Wir weisen nochmals ausdrütNich darauf bin, dall die Branchenversammluna nicht am zreitoq. sondern bereit» am Donnerstaq. 17. Zuni. IZü Uhr. in Sarerlonds gcstsalen, Reue Friedrich. Ecke Rochstrolle, stattfindet. «utob. DWB, ZdA. Berontwortiich siib Politik: Ernst Reuter: Wirtschaft:«rtur Satrruu,: Grwerkschaftsdcweauna: Z. Steiuer; gruiDcloit: I. K. Discher: Lokole» UNS Sonstiocs: grih itorltödt: Aniciarn: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärts-Berlaa G.m.b.H. B-rli». Druck: Borwär:»»Buchdrucker«I und Berloasanstolt Paul Sinaer u. Eo. Berlin SW 55 Lindenstralle 5. Hier»» I Bcllaa« und„Unterholtuna und«Ilsen". Wasehstoffe Baumwolle...... Meier »Ur Blusen u. Oberhemden ............................ 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Verbrechen, Selbstmorde usw., daß es beim besten Willen nicht möglich ist, auch nur einen nennenswerten Teil ausführlich zu ver- öffentlichen. Aber mit einer bemerkenswerten Einheitlichkeit hat der maßgebende Teil der Berliner Presse gestern den jammervollen und beklagenswerten Tod des kleinen Wilhelm Iähnke aus Zehlendorf behandelt. Und dos bedeutet auch eine vollkommene Uebereinstimmunz der gesamten Berliner Bevölkerung in dem Urteil über diesen Fall, das einer Verurteilung gleichkommt. Dieser mutige kleine Knabe ist das nutzlose Opfer einer voll- kommen sinn- und zwecklosen Uebung geworden, deren Urheber jetzt offenbar die Absicht haben, vor dem frivolen Versuch nicht zurückzuschrecken, dem verunglückten Kind die ganze Schuld zuzuschieben. Bringt es doch eine Berliner Korrespondenz fertig, folgende Mitteilung zu oerbreiten:„Wie die bisherigen Nach- fo.fchungen ergaben, ist der Knabe wahrscheinlich durch eigenes Ver- schulden ums Leben gekommen. Eine Verfehlung von feiten des Roten Kreuzes konnte nicht nachgewiesen werdend Man sieht, die Freunde des Roten Kreuzes hoben es ungeheuer eilig, die absolute Unschuld dieser Organisation festzustellen, und zwar zu einer Zeit, in der das Rote Kreuz selber noch bemüht war, den Verantwort- V lichen zu ermitteln. Den darum handelt es sich jetzt. Fest steht ledoch jetzt schon, daß es das Rote Kreuz selber war, das nicht weniger als 12 Schüler— Kinder— für seine Hebungen angefordert hat. War es sich denn gar nicht bewußt, welche un- geheure Verantwort ung es damit übernahm? Man kann nicht umhin, zu zweifeln, ob diese Verantwortung voll und ganz vor- Händen gewesen ist. Denn wäre sie es gewesen, hätte das von der am Lande befindlichen Oberleitung durchaus richtig gegebene Verbot des Hineinspringens der Kinder unter allen Umständen rechtzeitig bis zum Schiff durchkommen müssen. Wozu hat man denn Signale? Hier hat es zweifellos an Wichtigem gefehlt! Und weiter. Als Lehrer wird«in Herr D e h m l o w genannt, mit dem offenbar der Turnlehrer Friedrich Dehmlow, Zehlendorf, Berliner Str. 14, gemeint ist. Dieser Lehrer war doch auf dem Schs�s, auf dem sich die Knaben befanden; er Hot sie doch also beaufsichtigt. Ist es ihm gar nicht zum Bewußtsein gekommen, daß es bei dem am Dienstag den ganzen Tag herrschenden fürchterlichen Wetter unverantwortlich sein mußte, Kinder zu einer mit allen möglichen Aufregungen und Zwischenfällen verbundenen Uebung ins Wasser zu lassen? Es ist also unbedingl notwendig, die Rolle des Iugenderziehers Dehmlow restlos und rückhaltlos aufzuklären. Aber jede noch so weitgehende Auf- k'.ärung wird das tote Kind nicht ins Leben zurückrufen. Und fo muß gefordert werden, daß in Zukunft zu ernsten Veranstaltungen auch nur ernste Menschen herangezogen werden, Männer und kraftvolle Jünglinge, keine Kinder. Hier hat sich dos Rote Kreuz eine Verfehlung zuschulden kommen lassen, für die ihm die Verantwortung nicht abgenommen werden kann. Die Deutsche cebens-Rettungs-Gesellschost. die führende Or- gonisation im Rettungswesen aus Binnengewässern, lehnt, wie sie mitteilt, die Verwendung von Schulkindern bei so- genannten Massenvorführungen a b. Den hierbei gestellten Ansor- derungen sind Schulkinder unter 14 Jahren keineswegs gewachsen. Borführungen im Retten sind unter ganz besonderen Vor- s-chtsmaßregeln nur im Wasser von höchstens 2 Meter Tiefe zuzulassen. Unter keinen Umständen dürfen Hilferufe gestattet sein, da sonst nie die Möglichkeit besteht, einen Ernstsall festzustellen. Wer hiergegen verstößt, handelt fahrlässig mit den ihm onver- trauten Menschenleben. Das Unglück im Wannsee zeigt, wie not- wendig der pflichtgemäße Unterricht im Schwimmen und Retten an den Schulen ist. Die Ausbildung der Lehrer auf diesem Gebiete und die Schaffung geeigneter Bade- und Uebungsplätze sind Haupt- pflichten des Staates und der Gemeinden. Die Erklärung ües»Noten Kreuzes". Zu dem während der Sanitätsübung des„Roten Kreuzes' am Wannsee erfolgten beklagenswerten Unglücksfall erläßt der Haupt- vorstand des Preußischen Landesvereins vom„Roten Kreuz' die folgend« Erklärung: „Wie bereits durch den amtlichen Polizeibericht bestätigt, ist Dienstag, den 15. Juni, abends Iii Uhr, bei der Sanitätsübung von der Männer- und Frauenoereinigung des„Roten Kreuzes" am Wannsee der dreizehnjährige Schüler Wilhelm Jöhncke aus Berlin- Zehlendorf, Beerenstr. 19, durch Ertrinken tödlich verunglückt. Wilhelm Jöhncke hatte sich mit anderen Schülern zu der Uebung, die die Rettungsgesellschast Schiffbrüchiger durch die Sanitätsinann- schaften markieren wallten, gemeldet. Es waren nur 12 Scheiler, die Freischwimmcr fein und die schriftliche Erlaub- nis ihrer Eltern beibringen mußten, zur Teilnahme an der Uebung zugelassen. Diese Vorbedingungen waren auch bei dem Ertrunkenen erfüllt. Außerdem waren den Schülern erwachsene Rettungsschwimmer beigegeben worden. Die Schüler be- fanden- sich in Begleitung und unter Aufsicht des Schwimmlehrers ihrer Schule an Bord des„sinkenden Schiffes", der zu besonderer Unterstützung noch von zwei erprobten Schwimmern begleitet war. Wegen des schlechten Wetters hatte die Oberleitung der Uebung das Hineinspringen der Kinder ins Wasser verboten. Das Verbot, vor der Uebung von dem Lande aus abgegeben, hat das Schiff nicht erreicht. Die Schüler mußten in Gruppen von zwei und drei abspringen und von den vorher abgesprungenen Rettungs- schwimmern aufgenommen werden. Der Schüler Jähncke wartete das Kommando nicht ab, sprang, vom Lehrer und seinem Begleiter unbeobachtet, ab und kam infolgedessen von der Gruppe der übrigen Schwimmer ab. Seine Hilferufe wurden in den ersten Augenblicken als zur Uebung gehörig angenommen. Die in der Nähe liegenden Boote beobachteten jedoch seine Bewegun- gen. Ein Rettungsboot, Rettungsschwimmer und das Motorboot des„Roten Kreuzes" trafen kurz, nachdem Jähncke im Wasser ver- schwand, an der Stelle ein: unmittelbar danach auch das Motorboot des Wasserschutzes. Obgleich Schlepptaue und anderes Gerät zur Hand waren und ausgeworfen wurden, blieb das sofort auf- genommene Suchen nach dem Verunglückten ohne Erfolg. Daß sich weitere Sanitätsmannschaften nicht an der Rettungsaktion be- teiligten, geschah planmäßig, da unter Führung des Wasserjchutzes die Unfallstelle für die Sachkundigen freigehalten werden mußte. Daß noch ein zweiter Knabe untergegangen ist, be- wußtlos ans Ufer gebracht wurde und erst nach langen Wieder- belebungsoersuchen ins Bewußtsein gerufen wurde, entspricht nicht den' Tatsachen." * Nach einer letzten von dem Generalfekretariat des deutschen Roten Kreuzes erhaltenen Information soll der Unglückssoll weder von den Booten, noch vom Lande aus mit Sicherheit beobachtet worden fein. Dein Leiter der Wafferoktion, Dr. Keßstein, der sich auf einem Motor- boot defand, fiel es auf, daß an einigen Stellen viele Rettungs- fchwimmer waren. Er steuerte darauf zu und nahm mehrere von ihnen auf. Einer von ihnen erklärt«, er Hobe getaucht und sich nachher an einem verankerten Segelboot festgehalten. Dieser Tauch- akt wurde dann als der zweite Unglücksfall mißdeutet. Keßstein steuerte hierauf das Boot zu dem Dampfer, um den Führer der Schwimmer, den Lehrer Dehmlow, abzu- holen und an Land zu bringen. Erst hier soll sich dann auf eine Umfrage Dehmlows herausgestellt haben, daß einer der jungen Leute fehle. P o st e n„A u f w e n d' u n g en an wurde. Die Eigentümer der Lokale Ueberschreitung üer polizeiflunüe. Schupobeamlc und Wirte steckten unter einer Decke. Zehn Berliner Schutzpolizeibeamte sind bei der Ausdeckung einer großen Bestechungsassäre in der Friedrichstadt verhaftet worden. Schon längere Zeit ging das Gerücht, daß in dem ehe- maligen Kabarett und jetzigen Tanzlokal„Schall und Ra u ch" allnächtlich O r g ie n veranstaltet und von den Beamten des zuständigen Polizeireviers geduldet werden. Aehnliche Be- schuldigungen wurden auch gegen die Eigentümer anderer Lokale, vor allein gegen den Geschäftsführer des Cafe National, er- hoben. So wurden die Geschäftsbücher der betreffenden Lokale beschlagnahmt, in denen ein die Polizei" vorgesunden gaben nun zu, daß sie die kontrollierenden Polizeibeamten wieder holt mit Zuwendungen von Geld, Zllkohol und Zigaretten bestochen hatte«:. Zehn Unterwachtmeistcr und Oberwachtmeister wurden darauf in Haft genommen. In den letzten Tagen ist, wie der Polizeipräsident amtlich hierzu mitteilt, durch eingehende Beobachtungen festgestellt worden, daß eine Reihe von Lokal en regelmäßig die P o I i z e i st u n d c über- schritt und daß dies unter Duldung von Revier- polizeibea inten geschah, die von den Lokalinhabcrn Gefchenle verschiedener Art, alkoholische Getränke, Kaffee, Essen, vor ollen Dingen Zigaretten, aber auch Geld in verhältnismäßig kleinen Be- trägen dafür erhielten. Die Beteiligten sind sestgenoinmen und dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden, der die Unterfuchungs- Haft verfügt hat. Im ganzen sind zehn Po l i z« i b e a m t e und mehrere Inhaber und Geschäftsführer der in Frage kominenden Lokale in die Angelegenheit verwickelt und festgenomnien. Der Polizeipräsident hat diesen bedauerlichen Vorfall zum Anlaß ae- nommen, in einem eindringlichen Erlaß allen Beamten der Ere- kutioe die außerordentliche Verantwortung in Erinnerung zu rufen, die sie für sich selbst und für- die gesamte Schutzpolizei zu traaen haben und nochmals auf das schärfste vor der Annahme, auch der kleinsten Geschenke und Gefälligkeiten, zu warnen. Der Spntweber-prozeß. Sieben Stunden sprach gestern der Staatsanwalt und wird voraussichtlich heute eben so lange sprechen— bei einem drei Monate wöhrenden Prozeß erscheint dies weiter nicht verwunderlich. In seiner weit angelegten Rede entwarf er ein Bild der u n- glaublichen Korruption, der eine große Anzahl früher pflichttreuer Beamten zum Opfer gefallen sind. Die einzige Er. klärung findet er in der Demoralisierung der I n f l a. t i o n s z e i t, als die Spritinteressenten aus kleinen Ansängen sich zu großen Konzerinhabcrn aufgeschwungen hatten, und die not- leidenden Beamten mit ihnen stets in Berührung kommen mußten. Falsch sei es aber, tuenu man der Monopolverwaltung den Vor. wurf mache, daß sie ihren Arin schützend über ihre Beamten aus- breite. Im Gegenteil, selbst Weber hat zugeben müssen, daß ihm Haftentlassung versprochen worden sei für den Fall, daß er die Be- amten der Monopolverwaltung, mit denen er unter einer Decke gesteckt hatte, nennen würde. Es sei auch unmöglich gewesen, die Prozesse aller Spritschieber und aller Zollbeamten zu einem großen Prozeß zu vereinigen. Die Pflichtvergessenheit der Zollbeamten und der Beamten der Monopolvcrwaltung hätten aber nicht genügt, um die unglaublichen Spritschicbungcn zustande zu bringen, wenn der Kriminalkommissar Peters nicht mit von der Partie gewesen wäre. Eine zu große Zahl von Angestellten und Kutschern war in die Spritschiebungen eingeweiht. Irgend jemand hätte sich doch einmal verplaudern können. Deshalb mußte Peters hinzu- gezogen werden. So kam es, daß er statt Sirasverfahren einzu- leiten, sie verhinderte, für die Spritschieber günstige Schlußberichte verfertigte, die Verfahren unter Umgehung der Staatsanwaltschaft selbständig einstellte und sogar soweit ging, Verbindungen zwischen Spritfchiebern und Zollbeamten einerseits, und den verschiedenen Spritschiebern anderseits herstellte. Dafür erhielt er lausend mate- rielle Vorteile. Zur Erklärung dieses pflichtwidrigen Verhaltens Peters könne vielleicht auch der Umstand dienen, daß er im Krieg schwer verschüttet war. Früher Rittmeister mit hohem Einkommen, kam er nun mit seinem Beamtengehalt nicht aus und geriet auf diese Weise auf die schiefe Bahn der Bestechlichkeit. 81 Der lvobblq. von B. Traven. Copyright by Buchmeister-Berl-g. Brrlin und Leipzig. „Ha!" rief der Sekretär aus,„in den Staaten drüben sind diese alten Fehler urmoderne Einrichtungen." „Weiß ich," erwiderte der Direktor,„aber wenn wir schon vieles nachmachen, so müssen wir doch nicht alles nach- machen, und besonders müssen wir nicht das nachmachen, was in unsere Zeit nicht mehr hineinpaßt. Diese Mittel waren einmal gut, vielleicht, heute sind sie die dümmsten Mittel, die man anwenden kann. Und sie werden auch drüben nur von Eseln angewandt: und Esel haben die da drüben ja viel mehr als wir, wenn es sich um zweibeinige handelt." Die beiden Beamten mit ihren grünen Schnüren am Rock kamen zu Senor Doux und übergaben ihm das Dokument. Doux bekam einen heillosen Schreck und schrie zu seiner Frau: „Na ja. da haben wir ja die Bolschewistenregierung. Die haben mir einen netten Streich gespielt." „Was ist denn los?" sagte seine Frau näherkommend. „Die haben uns geschlossen." „Ich habe es dir ja immer gesagt, laß uns nicht hierher- gehen. Das ist ein ganz verrücktes Land, wo es weder Recht noch Gesetz gibt. Du kannst nur immer Steuern zahlen, und zwar tüchtig, aber zu sagen hast du nichts." „Sie müssen gleich zumachen," sagte nun der Beamte, der das Protokoll überreicht hatte,„sonst gibt es ein Straf- Mandat über hundert Pesos." „Die Gäste werden doch wohl noch ihre Getränke aus- trinken dürfen?" Der Beamte sah nach der Uhr und sagte:„Eine halbe Stunde, dann ist Schluß. Sie kriegen einen Wachtmann her, der aufpaßt, daß Sie keine Gäste aufnehmen für das Lokal. Den Wachtmann müssen Sie bezahlen. Das ist ein Beamter." „Ich auch noch den Wachtbeamten bezahlen?" „Sie glauben doch nicht etwa, daß wir ihn bezahlen? Wir haben kein Geld dafür, um umsonst aufzupassen, daß Sie das Protokoll auch einhalten." Die beiden Beamten gingen raus und stellten sich vor die Tür, um die halbe Stunde Gnadenzeit abzuwarten. Als sie um war, riefen sie hinein, und Seüor Doux schloß wütend die Türen. Rur der Gang für das Hotel blieb offen, weil das Hotel ja die Ruhe und Sicherheit nicht gestört hatte. Im Lokal aber zog keine Ruhe ein, sondern es wurde lebhafter, als. es je in den letzten Tagen gewesen war. Die Douxens gerieten sich in die Haare. Sie wurde wie eine Furie, jeder Centavo, der dem Geschäft verlorenging, fraß an ihrem Herzen. Sie watschelte in ihren Pantoffeln hin und her zwischen den Tischen und machte dem Manne das Dasein heiß. Sie trug nur Hänger, gerade so übergeworfen. Die dicken fleischigen Waden waren frei und steckten in hellgelben, seidenen Strümpfen. Nacken und der Oberteil der Brust waren auch frei, fleischig und quabbelig. Nur ihre Jugend hielt diese ausgewachsenen Massen in einer Form, die nicht gerade häßlich wirkte, sondern mehr verlockend. Aber fünf Jahre mehr würden das Verlockende sicher auslöschen, und das Häßliche würde nicht nur bleiben, sondern verstärkt wer- den. Die Arme guckten ihrer ganzen Länge nach nackt aus den Aermellöchern des Hängers. Sie hätte, nach dem Aus- sehen ihrer Arme zu urteilen, als Ringkämpferin auftreten können. Aber es war nur quabbeliges Fleisch, wie alles übrige ihres Körpers. Im Nacken hatte sie einen Fleischwulst, der vorläufig nur schüchtern sich hervorwagte, aber in einigen Iahren Landmarke sein würde. So wie sie jetzt herumlief, lief sie immer im Lokal herum. Wäre es ein anderes Lokal gewesen, man hätte sie gut für eine Bordellmutter halten können, mit der nicht gut zu spaßen war. Die Hänger wechselte sie zuweilen. Sie hatte einen grauen, einen rosa- farbenen, einen grünen, einen dunkelgelben und einen hell- violetten. Ob sie irgendein anderes Kleid besaß, weiß ich nicht. Ich habe nie ein anderes bei ihr gesehen. Senor Doux lief auch stets in Hemd und Hose umher. Nur wenn er zum Markt ging, setzte er einen Hut auf. Er trug immer eine schwarze Hose, die er mit einem schmalen Ledergürtel hielt, ein weißes Hemd mit Kragen und schwar- zem Schlips. Sein Bauch stand spitz vor, als ob er am Auf- blasen sei. Auch die Senora schien einen ähnlichen spitzen Bauch zu haben. Man konnte das nur nicht so beurteilen. weil der Hänger das ausglich. Aber was sie vorn zu viel hatte, fehlte ihr hinten. Das heißt, hinten war schon allerlei vorhanden: aber das proportionale Verhältnis zum Bauch war doch nicht kräftig genug, um der ganzen Figur die mollige Form zu geben. Und weil vorn viel mehr war als hinten, so sah es in dem Hänger immer so aus, als ob sie hinten nur das Allernotwendigste habe, und als ob selbst dieses Aller- notwendigste gerade am Ueberlegen sei, ob es nicht auch noch nach vorn rutschen solle. Jedenfalls brauchte Senor Doux nicht verlegen sein, er konnte gut etwas in den Händen holten und brauchte nicht zu befürchten, sich an Knochen wund zu stoßen. „Du bist ja rein verrückt gewesen," schrie sie auf ihn ein, „hier in dieses wahnsinnige Land zu gehen." „Ich?." schrie er zurück,„Warst du es nicht, die jede« Tag mir die Ohren volljaulte, daß hier das Gold auf der Straße läge, und daß man es nur aufzuschaufeln brauche?" „Du gemeiner Lügner, du," brüllte sie los,„du dreckiger Marsciller Zuhälter, der du bist, hast du nicht mein ganzes Geld abgehoben und mir gesagt, daß es hier tausend Prozent bringe in zwei Jahren?" „Habe ich vielleicht nicht recht damit gehabt? Wir sind hierhergekommen mit nichts. Oder wieviel haben wir denn gehabt? Achthundert Pesos. Oder velleicht mehr? Und jetzt haben sie mir schon achtundsechzigtausend Pesos für das Haus und Caf6 geboten. Und ich verkaufe es nicht dafür, weil es viel mehr wert ist." „Mehr wert? Mehr wert?" erboste sie sich.„Nicht einen Dreck ist es wert. Wo denn? Es ist zu. Die werden dir kaum die Ziegelsteine bezahlen. Aber das habe ich dir ja schon damals gesagt, als die neue Regierung herankam. Wie heißt denn der Hund, der Obregon, der Spitzbube! Da war es vorbei." „Wir haben doch erst seitdem angefangen, zu etwas zu kommen. Oder vielleicht vorher? Vorher vielleicht? Wo wir einhundert Pesos nach den anderen schmieren mußten, um die Augen aufbehalten zu dürfen. Jeder hielt die ofsiie Hand hin." „Und jetzt," widersprach sie ihm,„ist es jetzt anders? Jetzt stehen die Leute immer mit der offnen Hand da. Erst die Küche, nun die Kellner, und du wirst sehen, die Bäckerei kommt auch noch hintennach. Dann können wir heimfahren, bettelarm." „Laß mich jetzt in Ruhe, zum Donnerwetter nochmal," schrie er in voller Wut.„Du verdirbst alles mit deiner Hab- gier und mit deinem verfluchten Geiz." „Ich geizig? Geizig ich? Wo ich doch das ganze Geld zusammenhalten muß. weil du es sonst verhuren würdest mit den Weibsbildern. Und das nennst du geizig? Du freilich kümmerst dich nicht um die Kinder und was daraus wird. Du gehst huren, und ich habe die Kinder am Halse." Da hörten wir ja feine Familiengcheimnisse. Ich glaube kaum, daß die Senora recht hatte: denn ich wußte nicht, wann er sich Zeit genommen hätte, Seitensprünge zu machen. Aber solche Auseinandersetzung war wohl das, was man„ein ehe- liches Zwiegespräch" nennt. Denn die beiden lebten in durch- aus glücklicher Ehe und Harmonie. Diese glückliche Ehe wurde nur eben dadurch gestört, daß Arbeiter anfingen aufzuwachen und die Gewinne derer zu überrechnen, für die sie arbeiteten. Solches Ueberrechnen stört zuweilen Könige und ganze Staaten. Warum soll es nicht auch die Harmonie von Ehen stören? .......(Fortsetzung folgt.) Unwetter üb Ueberschwemmu»»gskataftrophe in Nach den schweren Wettcrkatastrophcn, die sich in Sachsen und besonders in der Uingeaend Dresdens ereiqnet hoben, ist in den gestrigen Abendstunden Spandau und Ilmgegend gleichfalls von einem Unwetter heimgesucht worden, das geradezu furchtbare Ausdehnung annahm. Schon während des gestrigen Aormittags lastete über Berlin eine starke Schwüle und wiederholt konnte drohendes Gewittergewölk beobachtet werden, ohne daß es aber zu irgendwelchen elektrischen Entladungen kam. Ein heraufziehendes starkes Gewitter kam dagegen in den Abendstunden über Spandau zur Entladung. Es gingen wolkenbruchortige Regengüsse nieder, wie sie seit der Unwetterkatastrophe in Berlin am 7. Juni d. I. nicht zu verzeichnen waren. Die Feuerwehren wurden in vielen Fällen alarmiert. Infolge der dauernden zahlreichen Hilferufe aus ollen Teilen Spandaus wurde bei der Feuer- wehr der Ausnahmezustand erklärt, d. h. zu jeder Mel- dung nach einer gefahrdrohenden Stelle rückte immer nur ein Gefährt aus. Es war daher zunächst nur möglich, an besonders gefährdeten Stellen zur Hilfeleistung zu eilen. Wieder wurden die tiefer gelegenen Stadtteile, wo In den Gullys die Wassermengen nicht genügend Abfluß fanden und die Straßen zeitweise gewaltigen Seen glichen, von dem Unwetter am schwersten betroffen. Wohn-, Haus- und Lagerkeller wurden von den gewaltigen Wasser- mengen überflutet. Der Berkehr wurde in einzelnen Stadl- teilen völlig lahmgelegt. Der Straßcnbahnverkehr stockt« und für Kraftwagen waren die Straßen nicht passierbar. Oer Verlauf üer Katastrophe. Wie wir hierzu von zuständiger Seite erfahren, hat die Span- dauer Unwetterkatastrophe einen noch größeren Umfang an- genommen, als zuerst vermutet wurde. Der erst« Walkenbruch, der von zahlreichen elektrischen Entladungen und Donnerschlägen de- gleitet war, ging um Uhr nieder. Nach kleinen Abflauungen wiederholten sich die Wolkenbrüche, so daß die Wassennasscn nicht genügend Abfluß fanden. Besonders katastrophal gestaltete sich die Lage in der Alt- und Wilhelm st adt und auch in Spandau. noch nicht dagewesenem Umfang. einem Teil der Neustadl. In den.Hauptdurchgangsstraßen, so inl der Neucndorser, SchiTn walder, Breiten, Bichels« d o r f e r und Götelstraßc und in den Nebenstraßen sowie am Lindenufer stand das Wasser bis über 1 Meter hoch. Es war für die Bewohner unmöglich, in ihre Wohnungen oder aus diesen heraus auf die Straß« zu gelangen. Besonders in der Näh« des Bahnhofs, in der Bahnhofstraße, war ein Passieren unmöglich, chiep hatte sich ein mehrere hundert Meter langer See von etwa 1 14 Meter Tiefe gebildet. Den von Berlin kommenden Arbeitern und Angestellten, diq in den ehemaligen Kasernen wohnen, war es zunächst nicht möglich. in ihre Wohnungen zu gelangen, da erstens der See am Bahnhof und eine weitere große Wasserfläche vor der Kaserne den Zugang oerwehrten. Erst aus Umwegen tonnten die Anwohner ihre Be- bausungen erreichen. In dem Cafe Fürstenhof stand das Wasser in dem Keller etwa zwei Meter hoch. Aehnlich sah es in den anderen Stadtteilen aus. Alle Keller waren überflutet und allerlei Hausgerät schwamm darin herum. Der Schoden, der auch in Kellerwohnungen durch die Wasserfluten angerichtet wurde, ist sehr erheblich. Der Straßenbahaverkehr ruhte vollständig und den von Berlin kommende» Straßenbahnen war es gleichfalls nicht möglich, durch die Unterführung am Bahnhof zur Marktstraße zu gelangen. Sic konnten nur in einer Richtung verkehren. Die Fcuerwebr wird noch die ganze Nacht hindurch angestrengt arbeiten müssen. Bon Berlin sind"bereits eine größere Anzahl Pumpen an- gefordert worden, da die Spandauer Geräte die Wassermassen nicht bewältigen können. Wahrscheinlich werden die Bewohner in den gefährdetsten Teilen selbst die Pumpen bedienen müssen. Abends gegen 1411 Uhr schien sich die Katastrophe wiederholen zu wollen. Ein neuer Molkenbruch ging über Spandau nieder, doch war er nicht von langer Dauer. Größte Gefahr bestand für im Keller liegende Starkstromleitungen und Telephonanlagen. Wie bisher aber bekannt geworden, ist weder in der Elektrizitätsversorgung, noch in der Telcphonleitung eii« Störung zu oerzeichnen. Obgleich zahlreiche elektrische Ent- ladungen erfolgten, sind anscheinend Einschläge nicht erfolgt. «.Leuchtturm/ Die erste preußische Zuchthauszeiiung. Eine Zeitung, die im Verborgenen blüht und gedeiht, von der niemand weiß, die niemand kennt und doch von Tausenden von Menschen, von den Ausgeftoßenen, Gezeichneten der Gesellschaft, sehnsüchtig erwartei, mit Heißhunger verschlungen wird, ist der „Leuchtturm", die erste preußische Zuchthauszeitung. Diese recht eigenartige Zeitung wird ausschließlich von Zuchthäuslern gcschrie- ben, gcsegt, gedruckt und mir von Sträflingen gelesen. Sie ist der erste Versuch, noch scheu, nach tastend, den Zusammenhang der Ge- fangenen mit der Außenwelt nach Möglichkeit, ohne Gefährdung der Disziplin, ausrecht zu erhalten, die Entfremdung, die die lange Haft in dem Vlcnschcn naturgemäß auslöst, zu mildern. Zeitungen halten in den Gefangenen das Interesse an den Ge- schehnissen der großen Welt ani besten wach, schützen ihn davor, besonders in der Einzelhaft, in tierischer Abgestumpftheit seine Tage zu oerbringen. Zu einer regelmäßigen Zeitungslektürc kommt aber der Zuchthäusler mir gar zu selten, denn seim karger Verdienst reicht kaum zur Verbesserung seiner Nahrung. Diesem Uebel eingedenk versuchte die Zuchthausleitung in Görlitz eine eigene Zei- t u n g herauszugeben. Vorerst war der„Leuchtturm" nur ein Nachrichtenblatt, dann wurde er langsam größer und größer. Heute erscheint er schon in einem gewaltigen limfang, findet Einlaß in allen preußischen Zuchthausern und wenn dieses Blättchen auch kein Ersatz für die echten wirklichen Zeitungen ist, und wahrscheinlich auch nie werden wird, so ist es doch zweifellos ein lobenswerter Be- ginn, der viele Menschen in der Abgeschlossenheit des Zuchthauses ermutigt, ihnen geistige Regungen gibt und so seinen Zweck erfüllt. Ich sprach vor einigen Tagen mit einem vom Görlitzer Zucht- Haus entlassenen Sträfling. Er war HandelsangcsteUter, mit Hang zur Schrifrstellerei. Krieg, Inflation, schlechte Gesellschaft brachten ihn aus den Abweg. Schwere qualvolle Jahre liegen hinter ihm. Nun ist er wieder srei, in Stellung. Er erzählte vom Leuchtturm, zeigte ein Eremplar, das in seinem Besitze geblieben. — Zwei Jahre lebte ich, nein vegetierte ich im«Zuchthaus. Dann kam der Leuchtturm. Es war unser Blatt. Nur der Schriftleiter, unser oberster Zensor, der Strafanstaltsinspektor Deetjcn war ein freier Mensch. Das Blatt bereitete uns viele Freude, Redakteure, Metteure, Setzer, sie alle waren aus unseren Reihen. Alle, die noch etwas Sinn für anderes hallen, wetteiserten, um unser Blatt groß zu machen. lind es wuchs auch. Ein jeder bekam Papier und «chrcibzcug, ein jeder schrieb. Die Einsendungen häuften sich. Wir Redakteure mußten schon zu Schichten beginnen. — Vor drei Monaten, als ich frei wurde, erschien das Blatt schon in Tausenden von Exemplaren, aber noch immer mit der Hand gesetzt, auf. einer Schnellpresse gedruckt... ja die leidige Geld- frage— seufzte der Erzähler.— Jetzt erscheint der Leuchtturm wöchentlich einmal und sein Abonnementpreis beträgt monatlich Ii) Pfennig. — Allerdings— fährt der Handelsangestcllte in seiner Er- Zählung fort— sehen Sie sich das Blättchen einmal an! Wahrhaft keine Zeitung, nur ein Zeitungsersatz. Politische Nachrichten, ohne Kommentar. Telegramme nur spärlich, natürlich veraltet. Krimi- nalistik gänzlich verpönt. Ilnterholtungeteil zu oft moralisierend, und dach... mich und vieler meiner Mitgefangenen richtete dieses Spiel(!) auf. löste die Starrheit in uns, in die wir verfallen waren, das ziellose Dahinleben, das Tierische, nur das bißchen Essen erwartend. Eins steht zweifellos fest, solche und ähnliche Versuche sind der Beginn des neuen Weges, die der Strafvollzug zu gehen hat. Hier wird«ine Möglichkeit gezeigt, das gesteckte Ziel zu erreichen, wenn -uch der Leuchtturm die in ihn gesetzten Hosfnungen nicht voll er- 'üllen sollte. Di. "* Die Wltwe öes Sanköirektors. Sie wollte nur geheiratet fein! Einen verheißungsvollen Anfang auf der Bahn der Hochstapelei bot die noch ziemlich jugendliche Gertrud Schlicke gemacht, die sich wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit' Betrug vor dem Schöffengericht Mitte zu oerantworten Hatte. Beziehungen zu einem Bankdireklor im Ausland« hatten sie aus die Idee gebracht, sich bei ihrer Rückkehr nach Deutschland in Berlin als reiche Witwe eines Bonkdirektors auszugeben. In ihren Er- Zählungen stieg ihr Vermögen immer mehr, so daß sie schließlich kill ÜOll bis 70 000 Mark auf der A n g l o b a n k in Prag liegen haben wollte und daneben noch 7000 Dollar. Die reiche Witwe hatte bald einen Kreis von Heiratslustigen um sich. Unter ihren Be- kannten befanden sich auch die beiden Inhaber eines Geschäfts, von denen sich der eine besonders beglückwünschte, daß er noch nicht vcr- heiratet war. Es gelang ihm auch bald, die Gunst der„reichen Witwe" zu erlangen, und es fand die Verlobung statt. Auf Drängen ibres Verlobten sollte die Witwe ihre Gelder nach Deutschland über- führen lasten, da sie versprochen hotte, sich mit dem Kapital an dem Geschäft ihres Zukünftigen zu beteiligen. Als sie nicht mebr aus- weichen konnte, ging sie zu einer Berliner Bank und stellte den Antrag, für die Frau Bankdireklor B. ein Konto zu errichten und ihre Gelder aus Prag darauf übertragen zu lassen. Dann kam sie aber mit der Bitte, ihr gleich einen Vorschuß zu zahlen. Natürlich ging die Bant daraus nicht ein. Die Frau Bankdireklor legte sich aufs Bitten und wollte sogar ihre Autos, die allerdings gar nicht vorhanden waren, in Pfand geben. Das alles kam der Bank so komisch vor, daß sie der Sache auf den Grund ging, so daß der Betrug schließlich ans Tageslicht kam. Die Angeklagte bestritt, daß sie die Bank habe betrügen wollen, da sie selbst gewußt habe, daß aus diese Weise Geld gar nicht zu erhalten sein werde. Es sei ihr nur darauf angekommen, ihren Bräutigam hinzuhalten, da sie zunächst einmal geheiratet sein wollte: dann hätte sie schon alles wieder aus- geglichen. Inzwischen hat die„reiche Witwe" weitere Straftaten begangen und ist auch bereits i» Breslau abgeurteilt worden. Für ihr erstes Vergehen, das jetzt hier zur Aburteilung vorlag, erkannte das Schöffengericht auf I Monate Gefängnis. Chauffeure, mehr Hilfsbereitschaft! Am 13. Juni 1026 abends 11,30 Uhr kam die aus Rathenow kommende Droschke I � 31 806 ins Schleudern, überschlug sich und begrub die Insassen unter sich. Der von der Psaueninsel kommende Omnibus hat dann die Schwerverletzten nach dem Sanatorium ..Waldsrieden" in Wannse« gebracht. Soweit der Unfall.— Di« Derkehrswacht Berlin-Brandenburg e. D. nimmt diesen Unfall jedoch zum Anlaß, die Kraftfahrer unterein- ander um größere Hilfsbereitschaft zu bitten. Bei obigem Unfall standen an der Unfallstelle nach den Mitteilungen der Verkehrswacht- leute der VBB. etwa 20 Privatkrafttvagen herum. Es ist jedoch keinem der betreffenden Führer und Insassen eingefallen, sich an den Hilfeleistungen usw. zu befeiligen. Wirklich ein bedauerlicher Zustand. Die Verkehrswacht Berlin-Brandenburg c. D. möchte deshalb allen e«eut ihr Merksprüchlein sagen:„Bdi Unfällen siel)« nicht als TkCißiger Zuschauer herum, sondern wenn Du Hilfe zu leisten vcr- nkLgst, stelle Dich sofort in den Dienst der Sache." Ter Raubüberfall in der Wohnung einer Isilmschauspielerin Der Raubüberfall, der unter aussehenerregenden Umständen am 10. Oktober v. I. in der Wohnung der Filinschauspicleri» Chorlolle Böcklin verübt worden war. beschäftigte jetzt das Schöffengericht Ehorlottenburg. Angeklagt waren als der eigentliche Täter- der 21jährige Paul Brandt und wegen Anstiftung der Architekt Georg Voltmann sowie wegen Beihilf« dessen jüngerer Bruder Hugo Volkmann. Der Tatbestand war folgender: An dem genannten Tage läutete es in der Wohnung der Schauspielerin gegen 11 Uhr am Fernsprecher. Als sich die nur allein Anwesend-' Zoie Lydia Urban meldete, antwortete eine männliche Stimme, die sich als ein Herr v. Horn vorstellte. Er sei soeben aus Paris an- gekommen und habe ein Wertpaket zu übergeben. Als er hörte, daß die Schauspielerin nicht anwesend sei, wollte er einen Boten schicken. Die Zofe empfing diesen auch aus der Straße. Der junge Mann mit Hornbrille, der Angeklagte Brandt, der sich als Chauffeur des Herrn v. Horn ausgab, wollte jedoch eine Quittung haben. Ahnungslos nahm die Zofe den Boten mit in die Wohnung, und hier entpuppte er sich als ein s r e ch e r R a u b g e s e l l e. Er hielt dem erschreckten Mädchen einen blanken Gegenstand entgegen, den es für einen Re- volver hielt. Widerstandslos ließ sie sich die Hände fesseln, da ihr mit Niederknallen gedroht wurde, wenn sie schreie. Im Schreibtisch fand der Räuber 600 Reichsmark und 50 Lire. Dann wurde die Zofe mit Händen und Füßen an den Bettpfosten gesestelt und erhielt einen Knebel in den Mund. Nach dem Weggang des Räubers ge- lang es ihr, sich zu befreien. Brandt kam zugute, daß er von den Gcrichtsärzten als ein schwerer Psychopath bezeichnet wurde, wes- bald er auch nochmals vor dem Zuchtbaus bewahrt wurde. Das Urteil lautete gegen Brandt auf 514 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverluft, gegen Georg Volkmann auf 2 Jahre Gefängnis und S Jahre Ehrverlust, gegen Hugo Volkmann auf 1 Jahr Gefängnis. Der Film„Freies Volk" läuft seht ab Freitag, den IS. Juni, lu Ballschmieders Lichlsplel- hau», vadskr. 16.— werbt für den Film! Erscheint in Massen! Palästina, ein LanöüesKrieöens unü üerGerechtigkeit Der Präsident der Exekutive der zionistischen Weltorganisation. Prof. Ch. W c i z m o n n, der sich auf der Durchreise nach Gens befindet, hielt am Dienstag abend auf einem Gesellschaftsabend der Zionistischen Bereinigung für Deutschland in der Philharmonie eine programmatische Ansprache über Ziele und äugen- blickliche Situation der zionistischen Bewegung. Weizmanns Bortrag war völlig unpathetisch und vor allem statistisch-sachlich. Der zio- nistischc Führer, von seinen Anhängern stürmisch begrüßt, sagte etwa folgendes: In der P a l ö st i n a s i c d l u n g ist in den letzten Jahren eine wesentliche Stabilisierung eingetreten. Noch vor 4 Jahren arbeitete die palästinensische Verwaltung mit einen, erheblichen De- sizit. Heute kann der P a l ä st i n a e t a t einen Ueberschuß v on 2 4.fM i l l i o n c n G o l d m a r t registrieren. Die jüdische Einwanderung der letzten Jahre weist eine dauernde Steige- rung auf und beträgt jetzt durchschnittlich 2500 bis 3 0 00 Menschen im Monat. Mit der materiellen Sanierung geht die ideelle Hand in Hand. Das Verhältnis zwischen Arabern und Juden ist ein wesentlich besseres geworden. Di« Ziele der jüdischen Kolonisation sind durchaus friedliche und keineswegs aggressiv. Kultivierung und Kolonisation sind das Pro- g r a m m. Den Ausstieg Palästinas charakterisiert die geringe Militär- und Polizeimacht von insgesamt 1250 Mann, mit der Palästina im Gegensatz zu seinen krisendurchrüttelten Nachbarländern Syrien und Aegypten völlig auskommt. Das Problem Palästinas ist die Kleinheit des Landes. Eine Vestedlung über den Jordan hinaus wird später wohl nicht zu umgehen sein. Die G r u n d- läge unserer Politik ist Gerechtigkeit und Verständnis für andere. Das Verhalten der Völker zur zionistischen Frage ist in den letzten Jahren ein weitaus positiveres geworden. Wir rechnen unbedingt mit einer günstigen Entwicklung Palästina». Die Grundstückssitiiebungen bei der Nordsüdbahn. Im Verlaufe der Untersuchung zur Klärung der Grundstücks- schiebungen bei der Nordsüdbahn sind aus dem Publikum zahlreiche anonym« Briefe eingegangen, die die Beschuldigisn S ch m i d und Bcuster belasten, Die Briesschrciber hoben ibre Namen vermutlich deshalb oerjchwiegen, weil sie eine wirtschaftliche Schädigmrg be- fürchteten. Wir erfahren dazu, daßderartigeMitteilungen stets streng vertraulich behandelt werden, so daß irgend ein« Schädigung der Schreiber nicht in Frage kommt. Alle Personen, die Mitteilungen z» machen haben, werden daher dringend ersucht, diese nicht anonym nn die Kriminalpolizei zu richten, da sie vollster Dis- kretion sicher sein können. Brieflich« oder telephonischc Nachrichten nimmt die Dienststelle 1�. 8, Ärmünalkommissar Poschl im Polizei« dienstgebäudc in der Gcorgenkirchstraße 30, Hausanruf 638, entgegen. Freigabe des Propagandafilms. Gestern nachmittag lief zum erstenmal im Olympia-Theater in der Äantstraße. Ebarloilenburg, der neue endgültig freigegebene Film.Keinen Pfennigs den Fürsten". Man versteht einfach nickt, warum die Zensur Schwicrigleiten machen konnte: nur ganz servile monarchistische Gesinnung kann hier irgendelwa» auszulesen haben. Das beanstandete Textbild, nach dem Wilhelm in Doorn täglich 1650 M. zu verzehren bat, ist in der ursprünglichen Fassung geblieben, ebenso die Trickzeicknung der beiden Fürstenliebchen mit der Unterschrift„zwanzigtausend Mark Leibrente". Der Film beginnt mit der Trickzeichnung„Wilhelms Flucht»ach Holland", dann zeigt er einen Teil der«chlöiier, die die Hohenzollern für sich beanspruchen, dazu kontrastieren die Elendsbilder von Arbeitslosen, Kriegsbeschädigten und Aufnahmen verschmutzter Berliner Hinterhäuser. Eine Tabelle vergleicht die Einkünfte einiger ehemaliger Fürsten mit den kümmerlichen Renten, die an Kriegsbeschädigte gezahlt werden— 0.27 M. pro Tag— und mit dem Hungerlohn, der den Arbeitslosen angeboten wird. Der Film ist ein gutes Propagandamittel im Kampf gegen de» Raubzug der Fürsten._ Blumen In Garten nnd Hans. Im Rahmen der Ausstellung„Für Landhaus und Garten" in der Friedrich-Eben-Straße bei Friedmonn und Weber sprach gestern nachmittag Architekt Berthold K ö r t i n g- Neubabelsberg über „Blumen In Garten und Haus". Ostasien kennt die Kultur der Blumen, in Europa dagegen hat man sich noch immer nicht ganz von der Barbarei der Barock- und Rokokkogärten frei ge- macht. Di« Blum« ist ein lebendes Wesen von besonderen Eigen- schaften, auf die ein künstlerisch fühlender Mensch bei ihrer Pflanzung oder Aufstellung Rücksicht nehmen muß. Man hat heut« in der Schaffung einfacher und schön liniger Vasen die Geschmacklosigkeit vergangener Jahre überwunden. Wenn man aber in dies« Losen wahllos Blumen hineinpackt, so handelt man nicht gerade geschmack- voll. Base nnd Aufstellung muß dem Charakter der Blume angepaßt werden. Es geht nicht an, einen Zweig Z. B. senkrecht auszustellen, der seiner ganzen Struktur nach wagerecht angebracht werden muß. Körting zeigte dann an Beispielen, wie Vasen und Blumen zu einer künstlerischen Einheit verbunden werden können, und demonstrierte an anderen Beispielen, wie Blumen nicht behandelt werden dürfen, Mit einem Zestkommer» feierte am Dienstagabend im Gewerk- ichaflshaus die Kameradschaft Kreuzberg des Reichs« b a n n e r s den 75. Geburtstag ihres aktiven Kampfgenossen Julius E I t c l s b e r g. Viele hundert Rcichsbanncrleute waren dem Rufe gefolgt und unterhielten sich vorzüglich bei der zugleich strammen und gcmüllichen Regie dös Kameraden P e r l s(DDP.), den Rezi« tationen von Willi Preuß, den prächtigen Darbietungen der„Typo- graphia" unter Wcinbaums Leitung und nicht zuletzt dank auch den eigenen Liedrn. Kamerad K ü t e r(SPD.) überbrachte die Grüße und Glückwünsche des Gauvorstandes und der Sozialdemokratischen Partei. Für die Kameradschaft Kreuzberg sprach Robinson, für das Zentrum Kamerad K e l l e r m a n n, der Dorsigcndc der Berliner Zentrumspartei, und für die Demokraten Kamerad S i l b e r st e i n. Zum Schluß erschien noch der alte Genosse Fritz Z ub e i l unll feiert� das„Geburtstagskind", das allerdings noch um zwei Jahre jünger ist als er selbst, als einen alten, unermüdlichen Kampfgenossen, den die Jugend sich zum Vorbild nehmen solle. vi« Scala versucht in ihrem Juniprogramm den regnerischen Sommer etwas frohgemut einzuleiten. Also müssen die.Stimmung«- zauberer" B e n d o w und Morgan daran glauben. Cr» liegt ihnen das nicht so ganz. Die mächtige Varietäbühne, der große Zuschauerraum fassen die Scherze schlecht, außerdem scheinen die freundlichen Improvisatoren zuweilen etwa» müde und abgehetzt. Immerhin einige» sitzt wie gewohnt und da» Publikum ist dankbar aus Gewohnheit. Dann.Boo-Doo", jene geheimnisvolle Dame. die eigentlich ein Mann ist und ein« Berühmtheit der internationalen Varieiöbühne. Sie jongliert und tanzt mit indischen Riesenschlangen und bringt ein Temperament auf, da» manchmal nur ein wenig gezwungen erscheint. Eine reizende Lustigkeit sind die 3 Bennos und ihnen gleich die Sam Linfield Comp. Sayton und Partner, zwei Akrobaten von Ruf, geben plastische Gymnastik und Rose und Honey zeigen nicht allzu Neue« auf der künstlichen Eisbahn. Schließlich wären zu erwähnen Blinova-Aoront« zoff vom alten russischen Ballett und Ivette Girard, die alte Ballettkunst in der reformierten Tanztultnr der Russen lebendig werden lassen. Man kann schon froh dabei werden, auch wenn man ein Liebhaber der neuen Tanzkünste ist. .Lachen link»" darf als Werbemittel zum Volksentscheid nicht vergessen werden! Die neue Rr. 25 ist ganz eingestellt auf den Kampf gegen die Fürstenhabgier. Politisch« Satire war von jeher eine wirksame Waffe der Unterdrück'en. Sorgt für weiteste Verbreitung von.Lacken link«" und Ihr führt dem Volk»« entscheid Tauiende von Ja-Slimmen zn!„Lachen link»" kostet pro Nummer 25 Pf. und ist zu beziehen durch alle Postanstalten und Volks- buchhandlungen oder direkt vom Verlag I. H. W. Die? Nachf.. Berlin SW 68. Man verlange.Lachen links" an allen Zeitungskiosken. Das christliche Gewisien— für Volksentscheid. Der Provinzial- verband Berlin-Brandendurg der EHnstlich-Sozialen Reichtparlei veranstaltet Donnerstag, 17. Juni, abend» 8 llbr einen Vortragsabend in der Gtadrhall« in der K l o st e r st r a ß e. in der Vitus Heller über.Da» christliche Gewissen-- für Volk»- entscheid" sprechen wird. DaS Korreferat hält Dr. Gründet von der Großdeutschen Jugendbewegung lchristlich-republitanische Jugend) zu dem Thema:.Die Fürstenabfindung, eine Frage an da» Volk»« gewissen— keine Parteiangclegenheii". Ivelleres Jknmachfen der Donau. Infolge des starken Landregens find die Donau und ihre Rebenslüfsc weiter gestiegen. Der Wasserstand an der Wiener Reichs drücke befragt 3,40 Meter, und man glaubt, daß er heule früh eine Höhe von 4,l0 Metern erreichen wird, wodurch auch dos rechte Donauuscv überschwemmt werden wird. Am Sonnabend u. Sonntag schmückt Fenster und Balkons Ifvlllllv» mit roten und schwarzrotgoldenen Farben! Nein, Tosellis Serenade sollte ein einigermaßen ge> schmockooller Kapellmeister auch im Nachmittagskonzert der Funk- stunde nicht spielen, besonders, wenn das Konzert mit Webers herrlicher Oberon-Luoertüre erössnet wird. Auch die Uebertrogung der Tanzmusik aus dem Adlon ist einigermaßen überflüssig, trotzdem die Kapelle Marck-Wcber den Steps und Trotts eine elegant geschliffene Form gibt, sie mit nach- lässiger Grazie zum Tee serviert, und das Werbckonzcrt, das vor- ausging,„Wochenende am See", brachte eine sinnvalle Sammlung von mehr oder minder guten Tänzen. Aber alle diese Belanglosig- keiten und selbst die Ratschläge für das Haus vergißt man bei Heinrich Heine, dem der Mittwochabend gewidmet ist. Dr. Monty Jacobs umreißt kurz dos� Charakterbild des Un- vergeßlichen, zeigt, was heute das deutsche Schrifttum ihm verdankt, daß der Stil der Gegenwart in Heine verwurzelt ist, in dem ersten großen deutschen Dichter, der Mensch der Großstadt war. nervös. voll souveräner lleberlegenheit, ein Florettkämpscr des Wortes. Dann singt Herta Dehmlow Mendclssohnsche und Schubertsche Vertonungen Heinischer Gedichte, diese zarten, unvergeßlichen, schmiegsam-süßen Kompositionen, romantische Träumereien. Aus- druck einer vergangenen Zeit, einer Zeit, die für die„mondbeqlänste Zaubernacht" schwärmte. Erst Schumann zeigt herbere Umrisse, die Herta Dehmlows Stimme nicht ganz ausfüllt. Und dann spricht Fritz K ortner, nicht den jugendlichen Lyriker Heine, den wehmütig und doch leise spöttisch lächelnden Liebenden, sondent den Kämpfer, dessen Ironie messerscharf ist und tötet, und er spricht den sterbenden Heine. Die Worte werden herausgeschleudert mit geballter Energie, diese Stimme kennt keine Sentimentalität, kein schwelgerisches Pathos, stahlhart klingt sie durch die Räume und umkost doch zärtlich die Worte, die Heine an die Mouche richtete. Aber wie weit ist die- alles entfernt von den Tenorarien schön singender Deklamatoren. Wie sachlich klingt alles trotz Schmerz und Ironie. Ein Großer spricht hier von den Schmerzen eines Großen. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 17. Juni. Außer dem übUchen Tasesprogramm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den LandTrirt 4 Uhr nachm.: Onkel Doktor als MSrchenerzähler:.Die Kirschensuse und das M&rchen aus dem Jahre rJOOO4(Erzählt von Dr. med. E. Mosbacher). 6 Uhr nachm: Kachmittagskonrert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6— 6 30 Uhr abends: Teemusik aus dem Hotel Adlon(Kapelle Marek Weber). Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theaterdienst. 6 45 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Bildungskurse). Abteilung Technik. Geh. Reg.-Bat Prof. Gürtler:„Heimische testile Rohstoffe". 7.10 Uhr abends: W. Plieth;«Die Privatangestellten in der Sozialpolitik der Kulturvölker". 7.35 Uhr abends: Gustav Hochstetter:.Der badende Berliner". 8 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung: Schauspiel. Leitung; Alfred Braun.Ein Sommernachtstraum", von William Shakespeare. Musikvon Mendelssohn-Bartholdy. Thesaus, Herzog von Athen: Alfred Braun; Egeus, Vater der Hermia: Walter Fried; Lysander: Liebhaber der Hermia: Wolfgang Zilzer; Demetrius, Liebhaber der Hermia: Fr. Konrad Hoefert; Philostrat, Aufseher der Lustbarkeiten am Hofe: Otto Eggerth; Sauenz. der Zimmermann: Paul Conradi; Sohnock, der Schreiner: Eagar Klitsch; Zettel, der Weber: Kurt Vespermann; Flaut, der Bälgenflicker: Wilhem Bendow; Schnauz, der Kesselflicker: Erwin Kopp; Schlucker, der Schneider: Heinr. v. Boguslawski; Hippolyts, Königin der Amazonen, mit Thesaus verlobt: Charlotte Hagenbruch; Hermia, Tochter Egeus: Lucia Mannheim; Helena: Hedda Heuhoff: Oberon, König der Elfen: Theodor Loos; Titania, Königin der Elfen: Rose Lichtenstein; Puck; Lore Braun; Elfen: Bohnenblüte. Spinnweb. Motte. Senfsamen; Pyramus, Thisbe, Wand, Mondschein. Löwe; andere Elfen im Gefolge des Königs und der Königin. Gefolge des Thesaus und der Hippolyts. Szene: Athen und ein nahe gelegener Wald. Berliner Funk- Orchester. Leitung: Bruno Seidler-Winkl er. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). KSnlgswusterhausen, Donnerstag, den 17. Juni. 3—3 30 Uhr nachm.: Prof. Dr. Amsel und Oberlehrer Westermann: Einheitskurzschrift. 3.30—4 Uhr nachm: Elsa v. Liszt: Mitwirkung der Jugendgerichtshilfe bei der Durchführung der gerichtlichen Maßnahmen. 4—4.30 Uhr nachm.; Direktor Rake: lie Erziehung der Psychopathen im Fürsorgeerziehungsbeim. 4.80— 5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 5—5.30 Uhr nachm.: Dr. Michaelis: Die Bekämpfung der Zahn- und Mundkrankheiten. 8.30 Uhr abends: Uebertragung von Berlin. Sport. Sennen ju Grunewald am Mittwoch, den 16. Zuni. I.Rennen, t. Trompeter(o. Bochmayr), 2. Otavl(o. Keller), Z. Wetterscheide(o. Below). Toto: 19:1». Drei Uesen. 2. R e n n e n. 1. Friedchen(Müschen), 2. Winterweide(St. Edler), 3. Semmel(KnlulteS). Toto: 102: 10. Platz: 15, 13, 13: 10. Ferner liefen: tttzu'ä nie, Serapper, Gerold. Namen. 3. R e n n e n. 1. Kardinal II to. Aorcke), 2. Dada II(Hr. Staudinaer). 3. Elschen(V.Horn). Toto: 1«: 10. Platz: 12, 15: 10. Ferner liefen: Tod und Sehen. Se Desreque. 4. Rennen. L Kolberg(Derlel), 2. GIcajar(Hauser). 3. Rubel (Schüller). Toto: 22: 10 Platz: 10. 10: 10. Ferner lies: Blaue Grotte. 5. R e N u e n. 1. Maitäser(H. Scholz), 2. Mcha(E. Eichdorn) 3. Minenbos(Oertef. Toto: 33: 10. Platz: 17. 13. 20: 10. Ferner' kiesen: Stummer Teufel, Stephanie, Rrbela, SpSkenkieker, Buccina, Ulster. Erdserteß 5. Rennen. 1. Falter(Certel). 2. Oddrun(Müschen), 3. Grazie (Hauser). Toto: 150: 10. Plötz: 41, 25, 16:10. Ferner Uesen: NaSvidr, Woltenichieber, Ordensritter, Kürassier, Märchenzauberin, Siurm, Sato, Alleluia. 7. R e n n e n. l. Rolmann King(Hr. Schnitzer), 2. Narse«(o. Borke), 3. Tor di Oninto(Hr. König). Toto: tO: 10. Piatz: 14, 13, 21: 10. Fetner Uesen: Benöberger Kadett, Per Darf, Jrish Slew, Cambiena, Ausbau, Torquato, Neptun._ Geschästliche Mitteilungen. Wenn hie tefle beflet»erben, tritt jede Nachläsfiafeit, jede Ahnutmaa der ÄWitmmr stark hervor. Besonder» unglltiNia fiiOt dann schlechte, Schuhwerk in» Auae. Nicht itnmer lieat e» am Ichleeren Material, sondern ntel diter trogt unsachaemaste Pfteae der Schuhe die Schuld daran. Sine einmalige?e. bandluna mit einem minderwertigen Präparat kann gute Schuhe vollkommen »erderoen. Kenuhen Sie de- halb»ur Pfege Ohre» Echuhmerkr. au?lchttehlich Crhsl Marke«»tsrosch.?ann halten Ihre Schuhe noch einmal so lan, und sehen stet» wie neu au». Bad«»». Vom 17. hi» 20. Juni findet da» 8. Allgemeine Tennieturnier Oott. Den einaegangenen Rennunaen nach wird sich da, Zurnier auch dte»mal »u einem sportlichen Sreigni» von hohem"Aong gestalten, rumal da, damit verbundene Tanzturnier und die anderen aeplanten Veranstaltungen dem Aufenthalt in der schonen und berühmten Badeanstalt einen desonderen Reir Uli geben versprechen.____ Trcllerbcrl(f)l der äffrntlidien IBeHerhienftffc'le(ut Berlin iNochdr»erb.) Dotttg. fp.ttcr zunehmende Bewölkung Seichte Strichregen. Temperatue tomig oerändert. Für Deutschlaad: Ueberall Fortdauer» der stärkeren De- pMüng mit Neigung zu Niederschläge». Zur das Voll- Gegen die Zürsien! Seffentliche Kundgebungen: Heule, Donnerstag, den 17. Zuni: Tiergarten<8. Abt.): 8 Uhr Nationalhof, Bülowstr. 37. Redner: Dr. Julius Moses, M. d. R. Prenzlauer Berg(24., 25., 26. und 28. Abt.): Demonstrationsumzug. 6 Uhr Treffpunkt: Danziger Straß« Ecke Prenzlauer Allee, vor dem Bezirksamt. Kreuzberg: 6� Uhr Treffpunkt: Fontanepromenade. Abmarsch zum Propogandaumzug mit Musik. Grunewald: 8 Uhr im Gymnasium, Caspar-Theytz-Straße. Redner: Regierungsrat Richard Joachim. Friedenau: 8 Uhr im Bürgersaol des Friedenauer Rathauses, Am Lauterplatz. Redner: Bezirksverordneter Hermann Lem. p e r t. Britz: 6'/t Uhr Demonstration Tresspunkt: Chausseestraße, Ecke Germoniapromenade. Anschließend 8 Uhr in Raddatz' Festsälen, Ehausseestraße. Redner: Wilhelm Landa. Mariendorf: 8 Uhr in Graßls Gesellschaftshaus, Chausseestr. 303. Redner: Otto Meier, M. d. L. Lichlerselde: Tresspunkt zum Propagandaumzug abends 7% Uhr Händelplatz. Adlershos: 7!-- Uhr Demonstration auf dem Wilhelmplatz. Redner: Bürgermeister Paul M i e l i tz. Köpenick: 7 Uhr Demonstration auf dem Wilhelmplatz. Abmarsch flfch Uhr Bahnhof Köpenick mit Musik. Redner: Emil Klodt, M. d. L. Friedrichsselde: 8 Uhr bei Tempel, Prmzenallee. Redner: Stadt- verordneter Adolph Hoffmann. Karlshorst: 7)4 Uhr im Fürstenhaus, Treskowallee. Redner: Her. mann Lüdemann, M. d. L. Kaulsdorf: 714 Demonstration auf dem Wilhelmplotz. Redner: Stadtrat Karl 5)etzschold. Veißensee: 7)4 Uhr im Schloß Weißensee. Redner: Franz Künstler, M. d. R. Reinickendors-Ivesl: 8 Uhr in Hartmanns Brauerei, Scharnweber. straße 101. Redner: Hans Gottfurcht. Morgen, Areilag, den 18. Juni: TNitte: 7 Vi Uhr in den Sophiensälen, Sophienstrahe 17/18. Redner: Rechtsanwalt Dr. Kallmann. Brenzlauer Berg<27.. 2g.. 30. und 31. Abt.): Demonstrationsumzug. 6)* Uhr Treffpunkt: Bornholmer Straße, Eck« Schönhauser Allee. Ivedding: TA Uhr in den Phorussälen, Müllerstroße 142. Redner: Dr. Siegfried Weinberg. 7'A Uhr Swinemünder Eesellschastshaus, Swinemünder Straße 42. Rednerin: Klara Bohm-Schuch ,�M. d. R. 7A Uhr in der Schulaula, Grünthaler Straß« 5. Redner: Bezirks» verordneter Hermann Lempert. Thorlottenburg: Demonstrationsumzug. Sammelpunkt Uhr Wilhelmplotz, Ecke Spreestraße. Spandau: 8 Uhr in der Jubiläumsturnhalle, Askanierring, Ecke Moltkestraße..Redner: Dr. Rudolf Breitscheid, M. d. R. Wilmersdorf: 8 Uhr Biktoria-Garten, Wilhelmsaue 113/114. Redner: Landtagspräsident Friedrich Bartels. Schöneberg: 8 Uhr Uhlandschule, Kolonnenstraße 22/23. Redner: Eduard Zachert, M. d. L. Schöneberg. Siedlung Lindenhos: 8 Uhr im Ledigenheim. Redner: Dr. Kurt L ö w e n st e i n, M. d. R. Lichterfelde: 8 Uhr in den Lichterfelder Festsälen, Zehlendorfer Straße ö. Redner: Kurt H e i n i g. Lichtenrade: 8 Uhr. im Lokal Stieler, Am Dorsteich. Redner: Stadtrat Wilhelm R e i m a n n. Neukölln: 7 Uhr in der„Neuen Welt". Redner: Otto Meier, M. d. L. Buckow: 8 Uhr im Lokal Nieswand(früher Klötzel). Redner: Bürger- meister Karl Leid. Treptow: TA Uhr bei Nitschke, Am Treptower Park 28. Redner: Dr. Karl Mierendorss. 6A Uhr gemeinsamer Abmorsch mit Musik von der Wiener Brücke. Riederschöneweide: 7 A Uhr in der Aula der Mädchenschule, Berliner Straße 31., Redner: Bernhard Görin g. Friedrichshagen: 8 Uhr im Gesellschasishars, Friedrichftraße 138. Rednerin: Stadtverordnete Minna Tode n Hägen. Schmöckwitz: 8 Uhr im Lokal„Zur Palme". Redner: Stadtrat Hermes. Biesdorf: 8 Uhr in den Schillersälen, Königstraße 120. Redner: Hans Gottfurcht. Biesdorf-Süd: 8 Uhr im Lokal Dietz, Köpenicker Strohe. Rednerin: Ellen Beidler. TNahlsdorf: 8 Uhr im Lokal Anders. Bahnhofstrah«. Redner: Stadt- verordneter Franz K ä m i n g. Mahlsdorf-Süd: 8 Uhr im Lokal 5)eidekrug. Redner: Stadtrat E m i l D i t t m e r. Pankow: 61b' Uhr Antreten zum Demonstralionsum.zug nach Nieder- schönhausen auf dem Marktplatz in Pankow. Niederschönhausen: 8 Uhr im Schloß Schönhausen, Lindenstraße 11. Redner: Stadtverordneter Albert H o r l i tz. Blankenburg: TA Uhr im Lokal von Klug, Dorfstraße 2. Redner: Gustav Fuß. Hermsdors: 8 Uhr im Lokal„Bellevue". Waldseestraße, Eck« Schloß- straße, direkt am Bahnhos(Nordausgang). Redner: Wilhelm Oeffetitliche zramnkundgebungen: heule, Donnerstag, den 17. Juni: Tharlottenburg: 71A Uhr im Schiller-Realgymnasium, Schillerstr. 26. Rednerin: Stadtverordnete Minna Todenhagen. Alargen, Freitag, den 18. Juni: Tiergarten: 6'A Uhr Demonstrationsumzug. Treffpunkt: Am Krieger- denkmol. Kleiner Tiergarten. Anschließend im Artushof, Perle- berger Straße 29. Rednerin: Regierungsrätin Hedwig Wächenheim. Sozialiftische /lrbeiterjugenö Groß-öerlin. Erweiterte viIh«Mvht1ttvaa woraen. tzreit««. vünktlich IVi Uhr. im Juaenhhcim Lindenstr. 3. 8u erscheinen hohen otuh hie SilbunqsoMeute der ©crfxheürfe biro. ein tonfrtoer Beetreter jedes®erbebe»itfs. Heute, Donnerstag, abends 7A Uhr: Sevekelher viertel. Zreffvuntt»ur fltmeUifvmen Demonstration mit bet Portei S Uhr vor dem Veüirkoamt Dotrsiqer Str. 64, 5� Uhr von Löhnow, Trantfurter Allee 28?. Sonnlaa. b. 2V.: Sämtliche siaineraben holten sich in ihren tzuolokalen auf. Rabsahrer stehen bei P. Werner. Wilhelmstr. 3. mährrnb ber aon»en Woh!»eit ,ur Berfilaunri. Die slmmärsche ersolaen stets mit Musik unb ffohnen.— Weissense«. Er., b. 18., Misql.-Ders. Grüner Daum, allitaliebsfarten mithrinaen. So., b. 19.. Grüner Kaum Antreten»um Um»ua.— Pankow(fliei»). ffr.. b. 18., S'i Uhr, Markt» platt Pankow mit Damhourkorp» unb ITahnen. Sonntoa. b. llsi.: Alle nicht ein,«feilten flameraben oo'mitloas 9 Uhr Marktplah. Nachrichlenbienst labet ein.-«einickenbors. Tr.. b. 18., bet«an»c sirei» nach Sermohorf. Um»ua 7,18 Uhr«hf..Coermsbotf. So., b. 19., 1. 3ua 5'n Uhr 3>aelct Dorf. aue:.2. Zua Uhr Namloro. Schönhol».— Gichwalbe. Wildau. siliniaowusler. hausen. CPo.. b. 17., Iis Uhr.•Antreten mit Sv!elmann»»na unb tzohnen bei Lindner. Eichinalbe.»nm üllarich noch geulhett. tzr., b. 18., abenb» treffen sich hie alei-hen flamerabsbinften Bhf, 3P Ibott. Co.. b.(9., Uhr. be»- aleidien hei Linbnrr. ssichwalbe.- Wkner. Do., b 17., 7 Uhr. Abfahrt nach tzichtenau»ur.Nunbaebuna. Nach»üal«r 8 Uhr Zllann» Wolbschloss. Fichtenau. 3r.. b 18, Demonstrationotua durch bie Sicbluna unb ffiottetsborf. 7>4 Uhr ZLirsina. So b.. 19., 7 Uhr, bei Wirsina. Marsch durch Srkner nach Warlse« »ur Nersammluna. Sonntoa, b 29., 8 Uhr, AutoprovaaanbafahN durch bi« umlieaenben Ortschaften. Ab 12 Uhr Mahlhilfe. All'» Pflichtveranstaltunaen. — Mille I. Aua: Die ssameraben treffen sich oh Do., b. 17., laolich nach. mitiaa» b Uhr b»i Kamerad tzueke SlrtiNrrleflr, 11. Am Sonntoa früh l'j Uh». — Sa-l»horfl. Do., b. 17., 8 u�r. Saalschult bei Saustntnn. Dealscher W«rkmeifler,erbanb. G«Ichäsi»st«lle d-, D'» rk, r. Grosse Ziunk. lionürve-sammltma ,011er yelr'ebäröle. Derlauenslense. Zariskommissionomit. a sieber unb sonstraen zzunkrionar« be» DWL. am Montaa, 24. Juni, 7 Uhr. NN«lubhau» Shmslr. 2. Um volliöhlisse» erscheinen wirb qebetrn. Dichfiaa Taaeoordnung. a«. D. Ztoch«. Sunöestag öes Mrbeiter-Sängerbunöes. Den geistigen Höhepunkt der K. B u n d e s t a g u n g des Deut- fchen Arbeiter-Sängerbundes in Hamburg(Gewerk- chaftshaus), der— wie bereits berichtet— die bedeutungsvolle Gründung der Arbeiter-Sänger-Jnternationole vor- ausging, bildete ein Vortrag vom Genossen Pros. Leo Kesten- i»erg(Referent im preußischen Kultusministerium) über„Be- deutung des Chorgesangs in der Volksbildung", der die Wurzeln echten Volksgesanges(Chorgesanges) in der Volks- gemeinschost bloßlegte: Ausdruck einer engen sozialen und wirtschast- lichen und darum auch geistigen und gemütlichen Gemeinschast, die au» irgendeiner Begeisterung heraus zum Liede als natürliches Aus- drucksmittel greift und sich so wesentlich abhebt von dem Konzert- betrieb, der der klassenmäßigen Scheidung zwischen Volk und Berufs- Musikern(Berufskünstlerni, der Trennung zwischen Kunst und Publi- tum entsprang und Kunst(im Werden der kapitalistischen Entwick- lung überhaupt) als käufliche Leistung aus den Markt brachte, wo nunmehr die Virtuoseneitelkeit Blüten treibt. Kestenberg siebt in der Arbciter-Sängerbewegung— deren Ziel die Kultur des Volks-, des Massen-Chorgesanges, und zwar des proletarischen ist— den Anfang der Gesundung unseres abwegig sich entwickeln- den Biidungswesens überhaupt. wird den Vortrag veröffentlichen mit ihm zu beschäftigen hoben. Die Verhandlungen auf der >er Deutsche Arbeiter-Tängerbund und die Ocffentlichkeit wird sich 6. Bundestagung des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes in Homburg zeigen, wie ernst diese Organi- sation und ihre Führer ihre Ausgabe— Kunst dem Volke!— ausfassen. Die Berichte des Vorstandes erzählten von dem schweren wirtschaftlichen Ringen des Bundes während der letzt- verstrichenen wirtschaftlichen K'isenjahre: sie bewiesen ober auch die gesunde Kraft und die Leibe zumPiede zur Musik in unserem Bolle, denn stärker denn je steht heute der Deutsche Arbeiter-Sängerbund wieder aufrecht, nachdem der Krieg seine Reihen dezimier, hatte: 250 000 zahlende Mitglieder! November 102Z ein wertbeständiger Kassenbestand von 81 Gold p f e n n i g e n und am 31. März 1026: 163 400 Goldmark! Von dem eigenen Musikverlage des Bundes wurden in derselben Zeitspanne 1 400 000 Chor- stimmen eigener Verlagswerke ausgegeben. Eben� jetzt hat der Verlag des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes eine Sa mm- lung gemischter Chöre herausgegeben, die die seinerzeit von dem ehemaligen deutschen Kaiser stark begönnerte und geförderte Dolksliedersammlung in den Schotten stellt. Dem künstlerischen Beirat des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes. dem die Vaterschaft an diesem Werke mit zusteht, gehören an: Prof. Siegfried Ochs, Prof. Dr. Karl Thiel und Dr. Alfred G u t t m a n n. Die„Deutsche Arbeiter-Sängerzeitung", die seit Jahrzehnten von Alex. Kaiser geleitet wird, das Organ de» Bundes, erscheint in einer festen Auflage von 63 000. Auf Betreiben des Bundes haben die Landesregierungen in Preußen und Hessen staatliche Fortbildungskurse für Chordirigenten an der staatlichen akademischen Hochschule für Musik eingerichtet. 3m wesentlicheck betrafen die von JuliusMeyer, dem ersten Vorsitzenden des Bundes, geleiteten Verhandlungen innere organi- sotorische Angelegenheiten des Bundes selbst. Bemerkenswert sind der Antrag, eine Pensionskasse für die Chordirigen- t e n des Bundes einzurichten(der dem Porstand überwiesen ist), die Beschlüsse, alljährlich eine De utsche Arbeitcr-Sänger- Werbewochc zu veranstalten, die Freigabe der Sch u l- a u l e n für die Hebungen und Ausführungen der Arbeiter-Sänger und die S t e u e r f e i h e i t für ihre Konzerte zu erwirken, Chor- meisterkurse für musikalisch begabte Mitglieder abzuhalten. Bs» schlüsse, Anträge, die diktiert sind von einem eifrigen Wollen, das künstlerische Niveau 1 r musikalischen Arbcitcrkunst zu heben. Hier sind tatsächlich beste, edelste Kräfte im Volk in gedeihlichem Wachstum, und diese Tagung des Arbeiter-Sängerbundes ist ein gutes Zeichen von der inneren Gesundung der deutschen Nation, und es ist erfreulich, daß auch die zur Gründung der Arbeiter-Sänger. Internationale nach Homburg gekommenen Auslandsvertreter an den Verhandlungen des Bundes teilgenommen haben. V- N. 7*A*BrlS�S? ohne Gaumen von 3 Jlark an. mit Kant- & AbIkvE� fichiikplattc I u. 2 Mark.— Teilzahlung gestattet 3 Jahre weitgehende Garantie. Zahnziehen bei Bestellung gratis. Hatvani Danzljrer Straße 1— Zlmmerstraße SO Liulacnntr. 27/ Charlbjf.. SchlUtcrstr. 37 Staats-Theater Opernhaus Platzd.Republ. 8: Die Entführung; aus dem Serail Schauspielhaus 8 Uhr: Peer Qynt Schiller-Theater 8 Ü.: Nickel und die 36(ierccblen Hlsdie Dpei Charlottenburg VI, Uhr; Die Bolieme Abonn-Turnus II Hes Theater Norden 10J3t— 38 Castspielürskt. Kobnerl 8'/, Uhr Max Adalbert Das Ekel )ie KomOdie Bismarck 2414, 7SI6 8l/| Uhr; WeeH-end (Ueber'n Sonntag) D&t i&yiußitliHlASÜUcfail Ercloil WcuiA' aßfa neu* Stontag, brn Ii. Juni, ftnrb plög. lich mein« gute, lr«uf»rgenbe grau. unlere Schwester, Schwügerin, Schwiegertochter unb Tante Anguste Michaelis geb. Maerker In tiefem Schmer» Hugo Michaelis. Die Feier findet Freitag, 18. Juni, nachmittags s Uhr, im Krematorium Gerichtftratze statt Oureh jRassen-Sinkattl gelangen tannler ffi ■rata Ziehung un wider-— ruflich am 17. und 19. Juli K Deutsche ampfspiei-lotterie Bf- Dnrdi Verwerfona Oer neu loieg gescliclca Kunplspiei- TVertmartten DU 31. Dezember 192# 1*1 nzab- nanDitt von den Gewinnen mlnüesleai der Erszrz des Losprettes gar anNeri 43 MO Gewinne, SfrHilei In Werte ree Merk 500000 meüstgesiee etrf el» Beeeell«'•«ecke r. Mtri 200000 HSchitgewine etil et« ElireHM I. Wert« r Merk lOOOOO 60000 40000 200000 Liter Weine in de ännier Sitte spottbillig zum Verlauf. 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Metallbetten Stablmatratzen, Kinderbetten jinti, 11 Prir. Kat. 65« fr. E nd rannte wieder in den Flur hinaus. Jetzt lief er die steinerne Treppe zu der Wohnstube hinaus. Feiertägig gekleidete, lachende und lärmende Menschen saßen nie zu einem Fest um eine lange Tafel. Spitz fand seinen Herrn, der ganz oben am Tisch saß, sofort heraus. Freudekläfiend um- sprang er den Gesuchten. .Das ist doch Spitz! Wo kommst du her, du Strolch?" Trotz des schwarzen Feiertagsgewandes hob ihn sein Herr auf den Schoß. Eine Frau an seiner Seite beugte sich über das Tier und streichelte es mtt stillem Lachen: „Kommst du auch, kleiner Kerl, mir zu meinen, Hochzeitstag Glück zu wünschen?" Di« Anwesenden bestaunten gebührend das Wunder, wie Spitz allein den weiten Weg gefunden hotte. Der Brautvater begann von der Klugheit seines Hundes zu erzählen, doch ein Gast wies auf die Türv .Ich glaube, da ist noch einer gekommen!" Do stand der Junge. Niemand hotte ihn bisher beachtet. Den kleinen Arm hielt er in Höhe der Augen, um sich vor dem an- springenden Licht zu schützen. Die Mutter hatte er bereits erspäht, sein Herz pochte zum Zerspringen. Und doch stand er wie fest- gewurzelt auf der Schwelle. „Mein Junge, Gott, w,as bedeutet das? Wo kommst du her?" rief die Mutter. Sie rannte mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu. Plötzlich lag sein Kopf in ihrem Schoß, und ein langvcr- haltenes Weinen klang in ihm auf. Es schüttelte seinen schmächtigen Körper und wimmerte fasiungslos in seine zerbrochenen z?offnungen hinein. Die laute Stimmung der Hochzeitsgäsle war verflogen. Man K.h sich erschrocken an. Der Mutter trieb Scham die Röte ins Gesicht. Sie stellte den Knaben energisch vor sich hin und schüttelte ihn. „Sei still und betrage dich vernünftig!" befahl sie. Karl schwieg, verharrte aber weiter im stummen Trotz. Sie führte ihn zu einem großen blonden Mann; Kinder in gleichem Alter wie Karl umdrängten ihn. „Mach kein mürrisches Gesicht und gib deine Hand, es ist dein neuer Dater! Und das hier sind deine Brüder und Schwestern, die warten schon, daß du mit ihnen spielst!" „Ich will keinen neuen Dater. Ich will mit niemand spielen!" wehrte der Knabe und suchte sich den Händen der Mutter zu ent- reißen. Sie nahm ihn auf ihre Arme und trug ihn in's stille Rebe»äimmer. Man harte, wie die ganze Gesellschaft auslachte, Die Wilden sind doch bessere Menschen. Als Abd el Krim den Krieg verlor, stellte er sich mitsamt seiner Familie seinem Gegner zur Versiigung. Seine Güter wurden eingezogen und er selbst nach Madagaskar verbannt. HollAmp Wilhelm, als er seinen Krieg verlor, lieh sein Volk in Not und Elend sitze« und verlangt von ihm nun. datz es ihm Hunderte von Millionen nachwirft. als Großvater erzählte, daß Karl seine Mutter habe heiraten wollen. Der Kummer des Knaben löste sich in lautem Schluchzen. Plötz- lich fühlte er. auch die Tränen der Mutter auf seine Hände tropfen. „Mutter, du wolltest doch warten, bis ich groß bin!" Es war der Frau durchaus nicht recht, sich vor ihrem Kinde zu verantworten, noch dazu in diesem Augenblick. Was verstand so ein dummer Junge von den Ursachen, die sie zur Heirat mit diesem Hofbesitzer geführt hatten! Und doch schien es ihr beim Anblick ihres Inngen, als ob alle Borteile verschwanden, die sie durch ihre Heirat glaubte eingetauscht zu hoben. Sie wollte sich einreden, daß es Empfindungen selbstloser Art waren, von denen sie sich hatte treiben lassen. Die Not, die sie in dem kinderreichen und mutterlosen Haushalt angefunden hatte, war ihr zu Herzen gegangen, das Jüngste, fast verkümmert, lag noch in der Wiege. Nun hatte es sich sichtbar unter ihrer Pflege erholt und lachte ihr entgegen, als wäre sie seine eigene Mutter. Die anderen warteten auch, sie„Mutter" rufen zu können. � Der Pater der Frau trat in die Stube. Er nahm insgeheim Partei für seinen Enkel, er hätte es lieber gesehen, wenn seine Lieblingstochter in seinem Hause geblieben wäre. Aber es war seine Art, daß er Niemanden in seinen Entschlüssen behinderte. „Beunruhige dich nicht wegen Karl. Ich hatte von vornherein vor. ihn zu behalten. Er wäre dir doch hier im Wege." Die Mutter drückte ihrem Bater dankbar die Hand. Nun mahnte der alte Mann zum Aufbruch, es war reichlich spät zur Heimkehr geworden. Der Wirt trat hinzu und bestürmte den Alten, noch zu bleiben. Dann erbot er sich, ihn mit dem Pferde noch ein Stück des Weges zu fahren. Karl ließ die Hand des Großvaters nicht mehr los, bis sie auf den Wagen stiegen. Auch Spitz mußte mit hinauf, das machte Schwierigkeiten. Karl mußte lachen, obwohl es ihm sonst wie Messer durch das Herz schnitt. Sein Trotz galt jetzt mehr dem Mann, der vor ihm aus dem Bock saß und der ihm das Liebste, was er besessen, genommen hatte. Das große Dunkel der Nacht, in das sie hineinfuhren, löste lindernd den letzten Trönenrest. Karl fühlte etwas hart ick der Tasche des Rockes drücken. Es war eine Tüte Kandiszucker, die fürsorgliche Mutter hatte sie ihm heimlich zugesteckt. Ungern und doch durch das seltene Naschwerk verlockt, schob er ein Stück in den Mund. Mit der Süßigkeit auf den Lippen vermeinte er wieder die warmen Küsie der Mutter zu spüren und schlief ein. Er erwachte erst, als ihn der Großvater leise am Arm zog und vom Wagen hob. Sosort war auch alle Müdigkeit wie wcggelöscht, es war ihm, als hätte er sich aus einem bösen Traum gerettet. Mit geschärften Sinnen empfand er plötzlich das Unabänderliche des Geschehens. Der neue Boter war mit ihnen bis an die ersten Häuser ihres Dorfes gefahren. Weiter mochte er nicht, um nicht länger abge- halten zu werden. Karl bequemte sich sogar, ihm beim Abschied die Hand zu reichen. Wie er dann an der Seite seines Großvaters dahinjchritt, in die Dunkelheit der Gassen hinein wie in einen schwarzen vchacht, schien ihm das schmerzliche Erlebnis dieses Tages schon weit in die Ferne gerückt, Wie ein Zentrumspfarrer über öen volksentscheiö Senkt. Bon Polizeioberst o. D. Hans E. Lange. Ich rechne es zu den Glücksfällen meines Lebens, daß mir die Schriften des am 23. Juni 1916 verstorbenen Bolksschriftstellcrs Heinrich Hansjakob schon in jungen Jahren in die Hände gefallen sind. Ihnen verdanke ich viele Stunden reinen Genusses. Sic regten mich aber auch zum Nachdenken an, öffneten mir in mancher Beziehung die Augen und sind auf meine innere Entwicklung nickt ohne Einfluß geblieben. Wer es von den Lesern des„Vorwärts" noch nicht wissen sollte, dem sei es hiermit gesagt, daß Hansjakob, der Proletoriersohn aus dem Schwarzwald, als welchen er sich immer swlz bekannte, zwar katholischer Pfarrer und eine Zeitlang auch Zentrumsabgeordneter gewesen ist, während seines ganzen Lebens ober auch glühender Republikaner und Demokrat war. Aus dieser Gesinnung hat er nie ein Hehl gemacht. Derbe Wahrheiten bekamen die Fürsten zu hören, und nie war sein Spott bissiger und schärfer, als wenn er ihn über die„Knechtseligkeit" seiner Landslcute aus- goß. Aber er hatte anch den seltenen Mut, gegen seine kirchlichen Vorgesetzten auszutreten, wenn seine innere Stimme es ihm gebot, imbefchadet seiner tiefen Frömmigkeit. Es konnte keinen gläubigeren Sohn der Kirche geben als ihn. Lebte er heute noch, kann kein Zweifel sein, daß er seine Volksgenossen nicht nur auffordern würde, zur Urne des Volksentscheids zu gehen, sondern sicher würde er auch die Fordening des Volkes bejahen. Denn Bolksrecht ging ihm immer vor Fürstenanmaßuna. Da ihm der Tod leider den tapferen Mund geschlossen hat, sollen seine Werke für ihn sprechen: „E r z b a n e r n":„Ich erinnere mich aber auch noch gar wohl, daß ich einmal, etwa zwölfjährig, auf den Aeckern hinter dem Ka- puzinerkloster meiner Vaterstadt Garben machen hals. Der„Läuser- jok", unser alter Taglöhner, band die Garben. Als nun der „Wendel", unser Fuhrmann, kam, um die Garben zu laden, sah ich, daß der Läuferjok, der sie an eine große Gabel spießte und dem Wendel auf den Wagen streckte, von Zeit zu Zeit eine Garbe liegen ließ. Ich machte ihn darauf aufmerksam, weil ich glaubte, er habe sie übersehen. Da sprach der Jok:„Büablc, je die zehnt' Garb' gehört dem Fürsten." Ich fragte:„Warum?" Der Jok antwortete: „W il die gemeine Lüt nf der Welt sin, um dieFürstc zu verhalte!" Mir kam es unrecht vor, daß der izürft ernten sollte, wo er nicht gesäet und— demokratisch, wie ich von Kindesbeinen an war— machte ich dem Läufer- jok den Vorschlag, die Garben anzuzünden.„Büable!" warnte der greise Jok,„des losch du bliewe, wenn du nit ins Loch mit"— „Sonnige Tage":„Sa wie es z. B. der berühmte„alte Desianer" trieb, der ein Bauernschinder erster Güte war, machten es im 18. Jahrhundert noch viele seiner Standesgenossen; selbst die geistliche» Fürsten waren nicht besser. Und das Sprichwort:„Unterm Krummsiab ist gut wohnen" hat, sowett es sich auf Fürstbischöfe bc- zieht, sicher kein Bürger und Bauer erfunden." „Und doch sind meines Erachtcns tüchtige Bauernfamilien ein größerer Segen und wichtigerer Faktor in der menschlichen Gesell- schaft als Fürsten und Prinzen; denn ohne diese können, wenn es sein muß, selbst die„Kncchtseligcn" leben, ohne Bauern aber nie immd." „Wenn alle Herzöge und Fürsten, die in dem Punkte(eheliche Treue) sich schon verschuldet haben, enthauptet worden wären, so würden die meisten Fürstenaeschlechter längst ausgestorben sein, was sicher kein Unglück für die Völker wäre. Diese hätten dann lernen müssen, sich selbst zu regieren, und der Byzantinismus, der Servilis- mus und das Kulitum, diese Schandflecke der Menschenwürde, wären auch nicht mehr." „Wer Dchses hochintercssantes und hochvcrdicnstliches Werk über die deutschen Höfe vom!6. Jahrhundert an gelesen hat und nicht Vollblutdemokrat geworden, ist in meinen Augen ein Esel Zu Pferd." „Ich schwärmte bis heute nur für zwei Könige, für den König Gambrinus und den griechischen König Eodnis, der für sein Volk das Leben hingab, während sonst in der Weltgeschichle die Äölker für die Könige sterben müssen." „Und nachdem die Völker nnt ihrem Blut die Befreiungskriege geschlagen hatten, schlössen die Fürsten die„heilige Allianz", die keinen anderen Zweck hatte, als die Ilntertancn politisch zu knebeln und den fürstlichen Absolutismus, den die französische Revolution gebrochen, wiederherzustellen. So dankten damals die Fürsten ihren Völkern." „Aus meiner Jugendzeit":„und zudem die meisten Menschen von Natur, Geburt, Erziehung und Gewohnheit aus knechtselig sind, so wird die Mehrheit der Menschen allzeit so bleiben, und das ist der Trost für Fürstentum, Monarchie und Despotismus." „In der Kart ha use":„Mir scheint aber die Zeit, da die Fürsten- im Tagelohn arbeiten, noch in weiter Ferne zu stehen. Es werden die Leute, welche es für eine Ehre halten, für Fürsten arbeiten und schwitzen zu dürfen, nicht so bald oder, richttger, gar nie aussterben." „Ich denke aber jeweils:„O Michel, deutscher, einziger; wenn dir die Haut über den Kops gezogen würde, du würdest Michel bleiben!" „In alleweg halte ich es jedoch mit dem großen Revolutions- mann Proudhon, der da meint:„Leide und stirb, aber was dir Wahrheit dünkt, das sage." Aus dem Leben eines Vielgeliebten":„Sie (die Franzosen) hatten den Mut, den Kaiser, der sie in die Patsche geführt, abzusetzen und für immer des Landes zu verweisen. Andere Völker würden nach wie vor einem solchen Fürsten in alter Knechtscligkett dienen und nicht bloß die Blutkostcn des Krieges bc zahlen, sondern auch die letzten Graschen sich aus der Tasche ziehen lassen, um die Kriegsschulden und Kontributionen zu bezahlen, wäh- rend die Fürsten keinen Pfennig dazu hergeben. Also Respekt vor den Franzosen!" Lebte Hansjakob heute noch, er würde gegen seine katholischen Amtsbriidcr und gegen das Zentrum,"die wieder einmal auf der falschen Seite stehen, zornig ausbegehren und kein Blatt vor den Mund nehmen. Er würde ihnen sagen, daß sie Verrat am deutschen Volke und auch an ihren Wählern begehen. Die Entstehung der Fürstenvernlögcn hat mit Recht und Moral nie etwas zu tu» gehabt. Für ihre Erhaltung einzutreten, heißt, sich auf den Weg begeben. den die Fürsten bei der Erwerbung eingeschlagen haben, nämlich auf den Weg des Unrechts und der Unmoral. Der einfache Sinn der Massen wird am 2V. Juni schon mit überwältigender Mehrheit den richtigen Entscheid zu'treffen wissen. Die Arbeiterschaft aber, die bisher das Gros der Zentrumswähler stellte, wird bis zu den nächsten Wahlen nicht vergessen haben, daß die Zentrnmsfraktion sich in der Sache des Volksentscheids für die Fürsten und gegen das Volk erklärt hat. Hansjakobiner tun not, aber keine Fürftcnknechtc. Umwälzung in der Wetterprognose? Nach einem Bericht der Akademie der'Wissenschaften in Paris hat Abb« Gabriel ein System von mathematischer Analyse zur Prüfting eingereicht, das eine Umwälzung in der Wetterprognose hervorrufen soll. Nach dem System des Abb« tonn man das Wetter auf mehrere Jahre hin- aus ziemlich vorausbeftimmcn. Die wissenschaftliche Welt steht vor- läusig den, Prognosensystcin des Abbe Gabriel skeptisch gegenüber und wartet die von der Akademie der Wissenschaften angekündigte Peröjfentlichung der Gabrielschen Wettergesetze ab. Nur soviel ist schqn oerlautbar geworden, daß Abbe Gabriel besonders harte Fröste für den Winter 1926�27 antündigt, �_ Dauerkrise— wie lange noch! Keine Befferung des Arbeitsmarkies— Ist abwartende Wirtschaftspolitik möglich? Das«n.vgc, was über die deutsche Wirtschaftskrise mit un- zweifelhafter Sicherheit feststeht, ist ihre Stabilität. Mag man den heutigen Zustand in der Erwartung eines neuen Aufschwungs auch Depression nennen; da siq ungehemmt fortdauert, ist sie nur der Aus- druck der Stabilität des Krisenzustandes. Seit Landwirtschaft und Baumarkt ihren Saisonbedarf(viel schwächer als sonst) gedeckt haben, blieb die Ziffer der Arbeitslosen bei eindreioiertel Millionen stehen. Eine Aenderung in der Arbeilsmarktlage ist in der zweiten Zuniwoche nach den Berichten der Landesarbeitsämter nicht eingetreten. Zugang und Abgang von Arbeitsuchenden blieben sich ungefähr gleich. Eine merkliche Zunahme zeigt Berlin; ebenso ist in der Bsalz die tage am ungünstigsten. Bekannstich ist die Arbeitslosen Ziffer in der zweiten Maidekade um 0.1 proz. gestiegen. E» scheint, dah die Wirtschaft zurzeit für Arbeit». kräste nicht weiter ausnahmesählg ist. Die Lage im Baugewerbe hat sich verschlechtert; auch in der Landwirtschaft besteht vorläufig kein besonderer Bedarf. In der chemischen Industrie ist im allgemeinen der Beschäsligungszustand nicht ungünstig Die Arbeitslosigkeit dezimiert die inländische Kaufkraft um so stärker, je länger sie dauert. Ihre Auswirkungen ergreifen um so nachhaltiger auch jene Industrien, die auf die Versorgung der ar- beitenden Massen angewiesen sind. Wenn hier gelegentlich klein« Besserungen eintreten, so erklären sich diese als Saisonschwankung, z. B. bei der Textilindustrie. Auf Grund der Feststellungen des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes unterlag die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter im Monat Mai gegenüber dem Monat April folgender Entwicklung: April 1926 Mai 1026 Arbeitslose... 58 S88--- 20,0 Proz. 58 776--- 19,9 Proz. Kurzorbeiter.. 154 256— 52,2, 160 272«■ 61,0, Arbeitslose und Kurzarbeiter. 213 234 72,2, ,209 047 a 70,9■, Die Arbeitszeitoerkürzung beträgt meist 19 bis 16 bzw. 17 bis 24 Stunden, d. h. es wird hauptsächlich zwei bis drei Tage pro Woche verkürzt gearbeitet. Der Rückgang der Arbeitslosen- und der Kurzarbeiterzisfer im Monat Mai ist so minimal, daß von einer wirklichen Besserung der Loge kaum gesprochen werden kann. E» zeigt sich immer mehr und mehr, daß mit einer heftigen Stagnation des Arbeitsmarktes gerechnet wer- den mutz. Die einzelnen Branchen der Textilindustrie sind von der Krise durchaus verschieden betroffen. So zählt die Seiden- und Kunst- seidenindustrie noch 39,1 Proz. Dollbeschäftigte, während der Prozentsatz der Vollbeschäftigten z. B. in der Seilerei nur 19,5 Proz. und in der Gardinen-, Spitzen- usw. Industrie nur 5 Proz. beträgt. Am schlechtesten beschäftigt sind die Gaue Barmen, Augsburg, Stutt- gart, Liegnitz und Berlin. Es folgen dann Kastel, Dresden und chan- nover. Die beste Beschäftigung hat der Gau Gera aufzuweisen, dessen Arbeitslosen, und Kurzarbeit erzähl weit unter dem Durchschnitt liegen. die falsche Rechnung. Tie Industrie will zu reich seiu. Die Frage wird immer dringlicher, ob man angesichts der ganz abnormen Ursachen dieser Krise noch auf einen aus natürliche Weise. d. h. durch die Wirksamkeit der ökonomischen Gesetze eintretenden Aufschwung warten darf, cheute kostet die Krise wenigstens 100 Millionen Mark monatliche Unterstützungen; das find im Jahre wenigstens 1200 Millionen. Auf die Dauer ist das eine unmögliche Belastung. Es ist absizrd, wie neuestens Herr Urbig von der Diskontogesellschaft im„Bankarchiv*. von der Zuteilung von Kolonien an Deutschland etwas zu erhoffen. Das ist ebenso ab- surd, wie der Gedanke der Auswanderung. Denn ohne die Fähig. keit, Kapital zu exportieren, ist der Export von Menschen, sei es in Kolonien oder andere Länder der Erde, eine Illusion. Das Kapital haben wir nicht. Sofern wir es aber haben können, können wir es im Inland verwenden, um den sonst zu exportierenden Menschen Beschäftigung zu geben. Aus die Steigerung des Exports werden unberechtigt große Hoffnungen gesetzt. Seine Steigerung erfolgt heute großenteils ohne Gewinn oder zu Verlustpreisen; sehr vielfach durch die Wirk- famkeit der Kartelle und Schutzzölle auf Kosten des Inlandabsatzes. Bleibt die Arbeitslosigkeit von Millionen auf absehbare Zeit be- stehen, so findet dieser forcierte Export sehr bald ein Ende. Der Amerikaner Edward Filene, bekannt durch seine Propa- ganda für die systematische Steigerung der Inlandstaufkroft, sprach in diesen Tagen gegenüber Pressevertretern den richtigen Satz aus: Export ohne Profit zehrt das Kapital auf und veranlaßt Lohnherab- fetzungen, die die Kaufkraft vernichten und zu den schwersten Er- schütterungen führen. Die Forcierung des Exports, wie sie heute in Deutschland versucht wird, kann zu nichts anderem führen. Auch in Rußland wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Was Ruß- land importiert, muß es bezahlen können. Aus eigenem kann es — seine Exportbilanz ist miserabel, die Verfassung seiner Wirt- schaft vom E r t r a g s gesichtspunkt noch miserabler— nur wenig kaufen. Kredit für große Kapitalaufnahmen hat Rußland nicht. Sehr gern wird die starke.Belebung" des deutschen Kapital- Marktes als Zeichen des Aufschwungs, der Ueberwindung der De- pression gewertet. Zunächst ist sie nur ein Zeichen der Depression selbst. Denn es ist zum weitaus größten Teil altes, schon vor der Krise vorhandene» Geldkapital, das neue Anlage sucht, well es auch arbeitslos geworden ist. Dazu ist es meist geborgtes Auslandsgeld, dos mehr Zinsen kostet als es einbringt. Die Senkung der Zins- sätze, die sein Ueberangebot gebracht hat, nützt der Wirtschaft nichts, denn es fehlen die Aufträge. Außerdem ist, volkswirtschaftlich be- trachtet, die Zinsspanne entscheidend; diese ist seit dem Beginn der Krise nicht nennenswert verkleinert worden. Gelänge es auch der Reichsbank, was nicht abzusehen ist, sie auf normale 2— 3 Prag. herunterzudrücken, se würde die Ersparnis nicht genügen, den Export ongriffsfähig, den Inlandsmarkt aufnahmefähig genug zu machen. Zweierlei ist heute sicher, die kleinen, aus der Vorkriegszeit ge- wohnten Mittel der Krisenlösung sind heute erschöpft. Man kann sich zweitens zwar darauf verlassen, daß einmal die ökonomischen Gesetze selbst die Krise lösen werden; es fragt sich aber, ob und wie die deutsche Wirtschast das oushält.(Verrückt ist der Gedanke der Lohnsenkung, den Herr Urbig wieder einmal vertreteu hat; denn Löhne und Gehälter sind zwar Kosten der Produktion, aber sie sind mit den Soziallasteu und Steuern heute zugleich auch die einzige Basis fürdasAbsetzender Produktion.) Deshalb muß die Frage gestellt werden, ob die Lösung der Krise ohne bestimmte Eingriff« noch möglich ist. Dies« Frage wollen wir heute nur auswerfen. Es ist Tatsache, daß die gesamte Wirtschaftspolitik Deutschlands seit der Stabilisierung der Währung sich darin erschöpft hat, der In- dustrie, der Landwirtschaft, den Banken zu einer Rente zu verhelfen, oder sie ihnen zu belassen, unbekümmert um das Interesse der Ge- sarntwirtschaft. Es muß die Frage gestellt werden, ob eine solche Wirtschaftspolitik Erfolg haben kann, wenn die entscheidende Bor- aussetzung, eine ausreichend« Beschäftigung, fehlt. Tatsach« ist, daß die Aktiengesellschaften in Deutschland zwar zur Erstellung von Gold- bilanzen angehalten worden sind, daß die Bemessung des Aktien- kapitals aber in ihr Belieben gestellt blieb. Die erfolgt« Kapital!- sierung der Aktienunternehmungen ist sehr vielfach iu Widerspruch erfolgt, sowohl mit den ihnen erreichbaren Aufträgen, als auch mit den von ihnen erzielten Erträgen. Die Gewinnansprüche. die der Kalkulation zugruudegelegt werden, sind infolgedessen zu hoch Es liegt die Frage nahe, ob für die heute unrentable« Gesellschaften nicht von Gesetzes wegen bis zu einem bestimmten Termin«ine Ne» Umstellung verlangt werden muß, die dem von ihnen tatsächlich er- zielten Ertrag Rechnung trägt. Diese Ueberkapiwlisierung mit ihren überhöhten Gewinnonsprüchen fördert, da die meisten Unter- nehmungen an ihrer Aufrechterhalwng ein Interesse haben, die Kar- tellierung und hindert dadurch die Auswirkung der Konturrenz und die Senkung der Preise. Sie verstärkt gleichzeitig die Schutzzoll. sorderungen, deren Erfüllung die gleichen Wirtungen hat, wie dl« Kartellierung und Syndizierung. Die heutigen Kartell« sind keine Produkte einer normalen Aufwärtsentwicklung der Wirtschaftsver- Hältnisse wie in der Vorkriegszeit; sie sind iu den meiftep Fällen Geschöpfe der Inflation oder Instrumente zur künstlichen Erzeugung einer Rentabilität, die bei dem heutigen Mangel an Aufträgen sonst nicht erreichbar wäre. Es wird überlegt werden müssen, ob dieser künstliche, naturnotwendig krisenfördernde Unterbau der heutigen Kartellwirtschast noch weiterhin ertragbar ist und ob nicht mit be- stimmter Befristung die Preisregulicrung durch die Kartelle und Syndikate zu unterbinden ist. Endlich scheint es zweifelsfrei, daß die großen Massen der von der Industrie aufgenommenen Auslands- kapitalien heute mir deshalb arbeitslos geworden sind, well die Mög- lichkeit rentabler Verwendung infolge der Ueberkapitalisierung in den Goldbilanzen und den zu hohen Gewinnansprüchen de» Eigen- kapitals vielfach ausgeschlossen ist. Es muß geprüft werden, ob die Fortdauer der Wirtschaftsdepressiou nicht die unmittelbare Folg« einer falschen Sanierungspolitit in der Industrie ist und ob die.Be- lebung" des deutschen Kapitalmarktes nicht als Zersetzungserschei- nungen einer falsch gelenkten und falsch sanierten Wirtschaft angesehen werden müssen, denen eher ein« Verschärfung als eine Milderung des Krisenzustandes folgen muß. Diese Fragen müssen heut« aus. geworfen werben. K— r. Oer 23. Genossenschaststag. München, 16. Juni.(Eigener Drahtbcricht.) Der zweite Kon- greglag des Zentraloerbandes deutscher Konsumvereine war aus- gefüllt mit Berichten des Vorstandes und der Ausschüsse. Heinrich K a u f ma n n- Hamburg berichtete über die Entwicklung des Zen- tralverbandes.- Dabei stellte er fest, daß die Großeinkautsgesellschast deutscher Konsumvereine stark und gesund dastehe und überhaupt zu den gesündesten Wirtschaftsbetrieben Deutschlands gehöre. Ihr sind 1110 Genossenschaften angeschlossen, mit 3382 000 Mitgliedern. 1914 betrug die Mitgliederzahl 1,7 Millionen. 1924 waren es 3,6 Millionen. Ter kleine Rückgang pcgenüber dem Jahre 1924 erklärte sich damit, daß viele Leute während der Inflationszeit den Genossenjchasten nur aus Not, nicht aber aus Uebcrzeugung beigetreten waren, die dann nach Eintritt der Stabilität wieder oerschwanden. Beruslich gliedern sich die Mitglieder wie folgt: selbständige Gewerbetreibende 5,84 Proz., selbständige Landwirte 3,40 Proz., Angestellte und Beamte 9H2 Proz., Gehalts- und Lohnempfänger in gewerblichen Betrieben 66,49 Proz., Gehalts- und Lohnempfänger in landwirtschaftlichen Betrieben 2,78 Proz., ohne bestimmten Beruf 11,98 Proz. 30 bis 40 Proz. aller Mitglieder sind gewerkschaftlich organisiert. Der Gesamtumsatz im Jahre 1925: 616 Millionen. B a st l e i n- Hamburg sprach über die wirtschaftlichen Maß- nahmen des Vorstandes. Er klagte lebhaft über dre Gegnerjchast, die von gewissen Behörden den Konsumvereinen gezeigt werde. Be- fonders werde von dieser Seite versucht, die Spareinrichtungen des Verbandes zu diskreditieren. Der Verband werde an der Einrichtung eine« Seminars mit einer ordentlichen Professur für das Ge- nossenschastswesen an irgendeiner deutschen Universität festhalten. Weiter kritisierte er die Zoll- und Ernährungspolitik des Reichs- ernährungsministeriums und die klägliche Preisabbau-Attion der Regierung. In der lebhaften Diskussion oersuchten kommunistische Redner die Fragen de» Volksentscheios, der Arbeitslosigkeit usw. in die De- batte zu werfen. Sie wurden aber gehörig abgefertigt, wobei K a r s ch- Hamburg daraus hinwies, daß weder gewerkschaftliche noch politische Fragen im Rahmen einer Genossenschaftctagung behandelt werden können. Er brachte u. o. auch ein Beispiel vor, wonach kommunistische Gemeinderatsmitglieder den Antrag kapitalistischer Parteien auf Ausschaltung der Konsumvereine von der Beliefermlg öffentlicher Anstalten unterstützt haben. Ein komnnMistischer Mißtrauensantrog gegen die Verbands- leitung, der auch die sofortige Entsendung einer Delegation nach Rußland forderte, wurde nicht behandelt, da seine Ein- bringung nur von 24 der 860 stimmberechtigten Delegierten unter. stützt wurde. Hierauf wurden vier Entschließungen einstimmig onge- nommen. In einem Antrag wird die Anerkennung der Konsum- genossenschaften im allgemeinen Wirtschaftsprogramm des ADGB. begrüßt. Die zweite Entschließung wendet sich gegen die Hochschuhzollpolitik der Reich« egieruag, verlangt schärferen Kampf gegen die Kartellousschüsse, Be. sreiung der Gcnossenschasten von der Umsatz st euer und pro- testiert gegen die G e w« r b e st e u e r, die«ine Ausnahmebesteue- rung der Konsumvereine darstelle. Weiter wird gefordert, daß die Konsumgenossenschaften bei der Zusammensetzung im endgü lugen Reichswirtschoftsrat in gleicher Weise berücksichtigt werden wie im gegenwärtigen Vorläufigen Reichswirtschoftsrat. Endlich oerlangt eine Entschließung, daß das Gefrierfleisch im Rahmen der bisherigen Einfuhr zollfrei zu lassen sei. Nach einem weiteren Referat von Paul Hoffmann- Ham- bürg wurde eine fünfte Entschließung einstimmig angenommen, die verlangt, daß im Genossenschaftswesen grundsätzlich das System der Barzahlung erhalten bleiben und ausgebaut werden soll. Dritter Tag. Den dritten Kongreßtog des Zentraloerbande« Deutscher Kon- sumvereine eröffnete K a u f m a n n- Hamburg mit einem Referat über Internationale Genossenschastsangelegenheiten. Er teilte mit, daß zurzeit zirka 40 Millionen Familien auf der Erde genossen- schasilich organisiert seien. Als sichtbares Zeichen der Bundesgemein- schaft habe der Internationale Genossenschaftsbund die siebenfarbige Regenbogenflagge gewählt. Jeder erste Sonnabend im Juli ist al» internationaler Werbetag gedacht. Kaufmann berichtete dann über das konsumgenossenschaftliche Sparwesen. Da» Geschästsguthaben betrug auf Grund der Goldmarkbilanz Ende 1925 rund 28 Millionen. Die Spareinlagen bezifferten sich aus 82 Mil- lionen. Davon waren 42 Millionen durch Aufwertung entstanden. 13m letzten Friedensjahr waren die Spareinlagen 80 Millionen Mark. Das erste Quartal 1926 brachte einen neuen Zuwach» von 14 Millionen. Auch bei den Bankguthaben zeigt sich eine fortwäh- rarde AufwSrtibeweguug. Am 91 SM warm ttO Koni« ntt 16 Millionen vorhanden. Die genossenschaftliche Kapitalsbildung übertreffe die kühnsten Erwartungen. Einen sehr lehrreichen Vortrag erstattete Sierakowsky- Hamburg über die umfangreiche Tätigkeit der Fortbildungskom- Mission. Eine lebhaste Debatte rief ein Referat von Schweiler- Hamburg über die Mitarbeit der Frauen in der Genossrnschafts- bewegung hervor. Er teilte mit, daß an 8311 Aufklärungsoeran- staltungen im vergangenen Jahre 1664 000 Frauen teilgenommen haben. Die übrigen Tagesordnungspunkte waren rein geschäftlicher Natur. Die Mitglieder des Borstandes, des Ausschusses und der Fortbildungskommifsion wurden nach Erteilung der Entlastung ein- stimmig wiedergewählt. Hierauf schloß der Vorsitzende Lorenz die Tagung mit den Worten:..Die genossenschaftliche Wirtschaftsorgani- fation ist die Wirtschaftsorganisation für die minderbemittelte Be- völkerung. Bleibt sie dessen eingedenk, dann hat sie ihre Daseins- berechtigung." Am Donnerstag findet noch die 32. Generalversammlung der Großeinkaussgesellschoft Deutscher Konsumvereine und anschließend daran die ordentliche 14. General Versammlung der Lerlagsgesellschasi deutscher Konsumvereine statt. Reichsverbaad landwirlschafklicher klein- and Mttelbetriebc. Am Sonntag, den 13. Juni 1926. wurde in Kottbus die „Riederlausitzer Bauernschaft" von führenden Bauern- Vertretern der Niederlausitz unter Mitwirkung des Reichsverbandes landwirtschaftlicher Klein- und Mittelbetriebe gegründet. Hier, wie in zahlreichen ähnlichen Fällen, bildeten den Anlaß zur Gründung einer vom Großgrundbesitz unabhängigen selb- ständigen Bauernorganisation die wirtschaftliche Lage des Bauernstandes und das Versagen des Landbundes auf ollen Gebieten, insbesondere sein« einseitige parteipolttijche Betättgung. El« Thyssea-Aalelhe. Sett einigen Tagen lag eine Mitteilung über eine b-Millionen-Dollar-Anleihe des Thyssen-Konzerns vor. Wir verzeichneten ste nicht, weil uns eine Sonderanleih« von Thyssen n a ch der Berfchmelzung zum Montantrust unwahrscheinlich schien. Die Frage ist jetzt geklärt. Der Thyssen-Konzern nimmt tatjächlich die Anleihe(fechsprozentig, Bankverbindung Dillon. Read Co. and National Acceptance Bank) auf. Die Anleihe geht aber nicht auf den Montantrust über, sondern dient der Wwicklung von Gejchäften. die der Thysien-Konzern unabhängig von seiner Zugehörigkeit zum Montantrust selbst noch zu regulieren hat. Welcher Art oieje Gc- schäste sind, bleibt allerdings unklar. Die Anleihe soll übrigens kurzfristig und unter der Hand, d. h. als Kredtt gegeben sein. Angestellten fragen im Allianzkonzern. In der Genemlverfmnm- lung der Allianz-Versichernngs-Akncngesellschost wurden in der Hauptsache Angeftelltenfragen besprochen. Ein Angestelltenoertreier wünscht, daß auch in diesem Jahre, wie alljährlich Grattfikationen verteilt werden, daß bei dem A b b a u aus die llrngjiihng beschäftigien Angestellten Rücksicht genommen wird. Er verlangt ferner eine Spezifizierung der Berwalwngstosten, und zwar nach der Richtung. daß die sachlichen Unkosten von den Personalunkosten getrennt werden und daß unter den Personaluntosten Gehälter der Direktoren von den Gehältern der übrigen Angestellten getrennt aufgeführt werden. Be- zeichnend ist. daß Angestellte, die früher über Tarif bezahlt wurden. letzt nur noch das Torifgehatt bekommen, und der Angeftelltenvcr- treter oerlangt semer, daß Angestellt«, die ein« länger« Dienstzeil haben, unkündbar angestellt werden. Er fragt ferner, ob ein Abbau von Angestellten beaiisichngt sei, zumal ja jetzt erhebliche Fusionen vorgenommen werden. Bon der Verwaltung wurde darauf erwidert. daß ein wetterer Abbau nicht zu erwarten fei, daß die älteren Angestellten ja durch die Personaloerstcherungen ein« gewisse. Sicherheit hätten und daß die Verwaltung genötigt gewesen wäre, die Be.n- wattungsuntoften zu mindern, zmnol das Jahr 1926 bestästgi hab-ß daß die Prämie in den Abteilungen„Feuer" und„Auiokosko" zu niedrig wäre. Dadurch hätte die Gesellschaft in diesen Lbteilungon Verluste erlitten. Die Generalverstunmlunq genehmigte die Ueber- nahm« der„Providentia",„Deutschen Phöni r". „Wilhelma",.Kölnische Versicherungsbank" und die „Pfalz-Bersicherungs-A.- G.". Es bleiben demnach antzer der Mianz-Versicherungs-A-G. noch folgende Versscherungsgesill- fchasten als selbständig« Unternehmungen des Allianzkonzerns be- stehen: Die Branderllnmger Spiegelglas-VersicherungsÄ.-G., die Globus-VersicherungsLl.-G., die Hermes-Kreditversicherung. Kraft- versicberrmgs-A.-G. des Automobilklubs und Union Allgemein Deutsche Hageloersicherungs-A-G. Es werden demnach Unfall und Haftpflicht in der Allianz-B« rficherungs-A.-G. zusammengefaßt und Lebensversicherungen in der Allianz-Lebensversicherungsbank-A.-G. Di« kleinen Unternehmungen, die als selbständige Unternehmungen bestehen bleiben, betreiben Spezialzweige. Die Allianz-Lebensver- sicherungs-A-G. erzielt««inen Reingewinn von 1,112 Millionen Mark, au» dem eine Dividende von 8 Proz. zur Verteilung gelang: und die Allianz-Lebensoersicherungsbank.A.-G. weist einen Gesam:- Überschuß von 4,2 Millionen Mark aus, 3,9 Millionen davon werden der Gewinnreserve der Versicherten zugewiesen, 126 000 Mark fließen der allgemeinen Risikoreservc zu. die Aktionär« erhalten 10 Proz. Karl Lindström A.-G. Im Gegensatz zu vielen anderen Gesell- schaften. die auch heute noch glauben, Mehrstimmrechtsakticn mtt der Mottvierung der Ueberfremdungsgefahr auf- rechterhallen zu können, wurde in der Generalversammlung der Karl Lindström A..G. mitgeteill, daß sich die große amerikanische Columbia Phonograph Eompann durch_ Uebernahme von Aktien an den deutschen Unternehmen beteiligt habe. Es wurden auch entsprechende Zuwahlen zum Aufsichtsrat vorgenommen. Das Unternehmen ist, nach Mitteilung der Verwaltung, zurzeit gut beschäftigt, besonders das Aus- landsgeschäft kann als befriedigend angesehen werden. Di« Entwick- lung des Radio hat der Gesellschaft bisher keinen Abbruch getan. Ein Abbau von Angestellten hat im lausenden Geschäftsjahr nicht statt- gefunden, dagegen ist die Zahl der Arbeiter verringert worden, doch hängt das mtt der Saison zusammen. Das ist eben eine alljährlich wiederkehrend« Erscheinung. Im Winter wird«in« N e u e i n- stellung von Arbeitern vorgenommen werden. Die Bilanz schließt mtt einem Reingewinn von 846 039 M.. aus dem auf das Aktienkapital von 7 Millionen Mark eine Dividende von 10 Proz. zur Verteilung gelangt. Das Unternehmen weist auf der Passivseite «m Gläubiger und Rückstellungen 1689 627 Mark auf. denen an flüssigen Mitteln(Kassenbestand, Bankguthaben, Außenbestände und Wechselbestand) 3 063 668 Mark gegenüberstehen. Rechnet man dazu den mtt 3 440 440 Mark bewerteten Warenbestand, so kann die Bilanz als sehr flüssig bezeichnet werden. Deuksch-sranzösisches Aufwertnngsübereinkommen. Zwischen der deutschen und französischen Regierung ist ein Abkommen über die Durchführung der deutschen Aufwertungsgesetze abgeschlossen, dos am 4. d. M. in Berlin ratifiziert worden ist. In dem Abkommen wird der Grundsatz der Melstbegünstigung auf dem Gebiete des Auswertungsrechts vereinbart. Die französische Regierung gibt den deutschen Staatsangehörigen die bisher oui Grund des Verfailler Vertrages unter Zwangsoerwaltung gestellten deutschen Mark- anleihen frei; sie empfängt dafür von dem Einlösungsbctroge, den die deutschen Gläubiger dieser Anleihen noch dem deutschen Ab- löjimgsgesetz auf die freigegebenen Anleihen erhalten, soweit die freigegebenen Anleihen Reichsavleihen sind, ein Viertel, soweit sie Länder- oder Gemeindeanleihen find, die Hälft«. De« weiteren bringt das Abkommen eine Auswertung der deutschen Reichsangc- hörigen gehörenden Markanleihen, die elsaß-lothringischc Gemeinden vor dem Waffenstillstand ausgegeben haben. Ueber die Durchführung des Abkommens wird da» wettere später bekanntgegeben werden Die Interessenten wollen daher von Anfragen bis«ms weitere« absehen.