Nr. 1S4 ♦ 43. lohfg. Musgabe A Nr. 746 Bezugspreis: WSSentlich 70 Pfenai«, mouaÄck B,— Reichsmark vorau»»ablbar. Unter Kreuzband Mr Deutschland. Daniiia. Saar- und Remelaebiet. O-slerreich. Litauen. Lurembur« «.SV Reichsmark, für das itbri«« Ausland SM Reichsmark uro Monat. Der vorwärts' mit der Sonntaa». beilag«»Volt und geit� mit»Sied» luna und Uleingarten� sowie der Beilage �lnterballung und Wissen� und �rauenbeilage..Frauenstimme� erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal. relegramm-Adreff«: �Sozialdemokrat Berlia� Morgenausgabe Derliner VolksblÄkt (lO Pfennig) SwzetgenPreise: vi«»ins t> a I t i«« Ronvaroilla- «eil« 30 Pfennig. Reklamezeil« S,— Reichsmark.„Klein« Anzeige»' da» fettgedruckte Wort 2S Pfennig lzuliissig zwei fettgedruckt« Worte». sede» weiter« Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« da» erst« Wort IS Pfennig, sede» weiter« Wort 10 Pfennig. Wort« über 15 Buch. ftabe» giiblen für zwei Worte. Arbeitsmarft Seile 60 Pfennig. lamilienan, eigen für Abonnenten Seile 40 Pfennig. «nieigen für die nächst« Nummer Müllen bi»«tb Ubr nachmittag» im Hauntgeschäft, Berlin EW 68, Linden» ftraK« 5. abgegeben werden. Tedffnet von Slb Ubr früh bi» 5 Ubr nachm. Zcntralorgan der Sozialdcmohratirchen Partei Deirtfchlands Neöaktion und Verlag: öerlin SW. 68, Linöenstraße 3 • Fernsprecher: Tönhoff 292—297. Sonnabend, den 19. Jnni 19'46 vorwärts Verlag G. m. b. l>., öerlin SV). 68,£indcn|lr.3 Postschecklonto: Berlin 37 531— Bankkonto! Bank der Arbeiter,»ageftellten »nd Beamten, Wallst«. 65: Dialonto-Seselllchast. Devofttenkaffe Lindenftr. 3. Vorsicht vor Hochstaplern! Ein gemeines Manöver der Fiirftenknechte. Die DeukschnaNonalen haben sür den Sonntag Handzettel in ungeheuren Mengen vorbereitet, die den Zweck versolgen, die Wähler zu täuschen und irrezuführen. Die Handzettel ähneln in ihrer Aufmachung dem bekannten fozialdemokratischen Plakat mit dem kreuzweise durchstrichenen Pfennig. Der Text ober lautet:„keinen Pfennig den Fürsten, also Pein!" Darunter Abbildung eines Stimmzettels, in dem ft a t t des„Z a" dos Pein angekreuzt ist. Durch diese Irreführung sollen die Wähler dazu verleitet werden, bei der Abstimmung das Gegen- teil ihres wirklichen Willens zu bekunden. Also, Frauen und Männer, ausgepaht! wer euch einredet, ihr müht, wenn ihr die Fürslenenteignung wollt, mit Pein stimmen, der ist ein Hochstapler und ein gemeiner Betrüger. Das kreuz gehört in öen kreis mit Sem ,ya'. Soll der imvolksbegehren verlangte Entwurf eines Gesetzes über Enteignung der Fürstenvermögcn Gesetz werden? Ja GO Nein Jeder muff an der Zibstimlnung teilnehmen!— Wer fernbleibt, begeht ein Attentat aus die Freiheit seiner Mitbürger! Wilhelm als LiquiüationsgeschäAigter. Zweierlei Maff. Auch Wilhelm der„Ehrlose" beruft sich als„Liquida- tionsgeschädigter" aus die Bestimmungen des Bersailler Ber- t r a g e s und die Kriegsschädenverordnungen. Um Entschädigungen zu erlangen, chat er bei dem Reichsentschädigungsamt folgeich« Schäden geltend gemacht: 1. Inventar des Pofener Schlosses(Frie- denswert 544 160 Mk.): 2. hausfideikommißgüter in der Provinz Posen-, 3. Familienfideikommihgüter in der Provinz Posen: 4. Billa Falconier« bei Frascatii 5. Villa hildsbrandt in Arco(Friedenswert 360 000 Mk.): 6. Achilteion auf Korfu(Friedenswert 2,5 Millionen Mark): 7. Schloß und Inventar Urville in Lochringen(Friedens- wext 1338 000 Mt.): 8. Jnwentar der hohkömgsburg(Friedens- wkrt 205 000 Mark). Di« 319 000 Verdrängungs- und Liquidationsgeschädigten, die seit sieben Jahren einen erbitterten Kampf mit dem Reich um eine angemessene Entschädigung führen, wird es besonders interessieren, daß bei den kaiserlichen, zweifellos viel zu hohen Liquildations- forderungen nahezu keine Abstriche gemacht worden sind. So wurde großzügig der Friedenswert für die Bauten an der hohkönigsburg und der Kaufpreis für Urville auf 1 404 000 Mk. festgesetzt und dem- entsprechend die Entschädigung gewährt. Diese Entschädigung wurde, obwohl weder eine Liquidation, noch eine Gutschrist zugunsten des Reiches vorliegt, in einer Zeit gewährt, da Tausend« anderer Ge- schädigter in Armut und Elend auf ihre Entschädigungen warten müsien. ».Lokal-finzeiger�-Leser für Ja1. Sic geben nichts auf ihr Blatt. Bei der hausagitation für den Volksentscheid kamen unser« Parteigenossen natürlich auch oft zu Familien, bei denen der „Lokal-Anzeiger" gelesen wird. Ihre Aufklärungsarbeit stieß dort auf nicht allzu große Schwierigkeiten. Oft und oft wurde ihnen gesagt:„Natürlich st i m m e n wir m i t I a! Was in unserer Zeitung steht, daraus geben wir nichts!" Ja, aber warum halten diese Leute ein Blatt, von dem sie wissen, daß es sie anlügt? Republikaner! Sonnabend, den Ii», und Sonntag, den 29. Juni: Fahnen heraus! Das deutsche Volk hat zum ersten ZNale Gelegenheit, von seinem verfassungsmäßigen Rechte der freien Selbstbestim- mung über ein Gesetz Gebrauch zu machen. Dieser Tag ist wert, durch Zeigen der Reichsfarben von jedem Anhänger einer freiheitlichen Verfassung gefeiert zu werden. Als Antwort auf den Terror der Rechtsparteien fordern wir nochmals alle Republikaner auf. am Sonntag zur Wahlurne zu gehen. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Eau Berlin-Brandenburg. Senatorenwakl in Lübeck. Ein Erfolg der Linken. Lübeck, 18 Juni(WTV.). In der heutigen Bürgerschafts- ptzung wurde zum hauptamtlichen Senator der Demo- trat E ck h o l t mit 36 Stimmen der Sozialdemokraten, Demo- traten und der Fraktion der Haus- und Grundbesitzer gewählt. Auf Staatsrat Dr. Lange entfielen 34 Stimmen der bürgerlichen Par- tcicn. Zum nebenamtlichen Senator wurde der bis- Herige Fraktionsvorsitzende der Fraktion der Haus- und Grund- bcsiger Rechtsanwalt Dr. G e> ft e r mit 35 Stinimen der Sozial- temokraten und Demokraten und seiner Fraktion gewählt. Von bürgerlicher Seite war Eschenvurg vorgeschlagen worden, auf den 4 Stinimen fielen. Die Kommunisten gaben bei beiden Abstimmun- aen weiße Stimmzettel ab._ Massenaufmarsch in Wien. Fort mit Ramck!— Nieder mit Mussolini! Wien. 18. Juni(Eigene! Drahtbericht). Eine riesige Straßen- kundgebung der Wiener Arbeiterschaft fand am Freitag nachmittag statt unter der Parole:„Weg mit der wortbrüchigen Regierung!" und gegen deren Plan, die Arbeitslosenunterstützung wesentlich zu kürzen und zu verschlechtern. Die Arbeiter zogen mit roten Fahnen und Tafeln aus den Bezirken zum Schwarzenberg- platz und von dort über die Ringstraße am Parlament vorbei. Die Zahl der Teilnehmer wird auf 150 000 bis 200 000 geschätzt. Um'.-6 Uhr kam die Spitze des Zuges am Parlament vorbei, wo, zw, eine Stauung zu verhindern, jeweils zwei Bezirk« nebeneinander marschieren mußten. Nach einer Stunde waren erst 6 von Pen 21 Bezirken vorübergezogen und erst um 8 Uhr abends hat die Kund- gcbung vor dem Parlament ihr Ende erreicht. Die Erregung der Massen kam in stürmischen Rufen: Weg mit der Re- gierung Ramek! zum Ausbruch. Die Demonstration verlief würdig und ohne Störungen: sie hinterläßt einen gewaltigen Ein- druck. Vor der italienischen Gefandtschafi kam es zu stür- mischen Kundgebungen gegen den Faschismus. Srianü gescheitert � herriot betraut. Tas„überparteiliche" Ministerium endgültig erledigt. Paris, 18. Zum.(Eigener Drahtberichl.) B r i a n d Hot am Freitag nach 48stündigen vergeblichen Bemühungen seine von Ansang an wenig aussichtsreichen versuche der Kabinettsbildung aus- gcge den und den ihm am Mittwoch erteilten Austrag lu die Hände des Präsidenten der Republik zurückgelegt. Doumergue hat daraufhin h e r r i o t. dessen Weigerung, in ein bis zur äußersten Rechten gehendes Koalitionskabinett einzutreten, den äußeren Anlaß zu Briands Verzicht gegeben hatte, ersucht, die Konstituierung der neuen Regierung zu übernehmen, herriot hat im Prinzip angenommen, den endgültigen Bescheid will er noch von dem Ergebnis seiner sosort aufgenommenen Besprechungen mit den politischen Persönlichkeiten abhängig machen. Briands mißglücktes Experiment ist wenigsten» nicht ganz um- sonst gewesen. E« hat den Beweis für die Absurdität des Gedankens erbracht, ein über den Parteien stehendes Ministerium bilden zu können. Die von Briand ausgegebene Parole, daß vor dem Ernst der Situation und vor der stets drohender werdenden Währungsgesahr alle politischen Gesichtspunkte in den Hinlergrund zu treten hätten, war nicht minder paradox wie die Idee, P o i n- rare und Herriol, den einstigen Präsidenten de» Pationalen Blocks und den geistigen Führer de» im Kartell repräsentierten demokratischen Frankreichs vor eine Karre spannen zu wollen. ßrauen fordern frieden« Marschieren durch ganz England nach London. London, 18. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Eine Frauen- Friedensprozession, die sich aus Frauen des ganzen Landes zu- sammenfetzt und deren Teilnehmerinnen zu Fuß bis aus den ent- legendsten Landestellen kamen und überall für eine friedlich« Rege- lung der Streitigkeiten zwischen den Völkern demonstrierten, ist am Freitag in einem Vorort Londons eingetroffen. Am Sonnabend ist Riefendemon st ratio» imHydepork.wo von 22 Tribünen Jiench Alljpracheu gehalten werden. /Iber hinöenburg! „Unrecht, Undank, Mangel an Traditionsgefnhl." Von Margarete Stegmann, M. d. R. Daß ich... dieses VolksbegehAn zunächst als ein „i oßes Unrecht, nun aber auch als einen bedauerlichen M a n g el an T r o d i t i o n s g e f ü h l und als groben Undank empfinde..." Von Hindenburg an Loebell. Das„große Unrecht" und der„grobe Undank" gehören mit dem„Mangel an Traditionsgefühl" offenbar un- trennbar zusammen, so daß das Traditionsgefühl die Erklä- rung dafür gibt, was Recht und wofür Dank angebracht ist. Was ist das Traditionsgefühl, das die preußischen Könige und deutschen Kaiser im deutschen Volke gepflanzt haben? Friedrich der Große, der Hauptaktivposten in der Spe- kulation der Hohenzollern auf Dankbarkeit und Bewunderung, schärfte in seinem Testament seinem Nachfolger ein, d a ß d i e preußischen Soldaten ihre Offiziere mehr fürchten müssen als den Tod, weil nur diese Furcht sie bewegen könne, den Gefahren der Schlacht standzuhalten. „Aus Mut wird niemals der Preuße solchen Gefahren entgegengehen, nur die Furcht kann ihn dazu bewegen." Die Furcht wurde ihnen mit dem Stock, der Knute, mit Spießrutenlaufen eingebläut.„Die verdammten Barbaren," flüsterten sich in den Preußendienst gepreßte schweizerische Offiziere in die Ohren, wenn sie totenblaß den beinahe wöchentlichen Exekutionen beiwohnten, bei denen Soldaten auch für kleine Vergehen beim Spießrutenlaufen geschlagen wurden bis ihnen Fetzen geronnenen Blutes von den zerhackten Rücken herunterhingen., Friedrich der Große schickte Minister und Richter, die anderer Meinung waren als er, auf die Festung. Die Tradition, die er auf diese Weise im Volke schuf, war Furcht und Unfreiheit. Ueber das, was er selber bewirkt hatte» beklagte er sich gegen das Ende seines Lebens selber:„Ich habe es satt, über ein Volk von Sklaven zu herrschen." Auch Wilhelm II., des Feldmarschalls von Hindenburg königlicher Herr und Kaiser, hat sich mit einem ähnlichen Aus- druck der Verachtung über das Volt beklagt, über dos zu regieren ihm ein grausames Geschick auferlegt hatte. Für dieses Traditionsgefühl von Furcht und Unfreiheit schuldete man Dank für Prügel, körperliche und mo- ralische, in seinem Lichte war Recht, sklavisch zu tun, was der Herr befahl. Unter Friedrich dem Großen flüchtete jeder Deutsche von Geist fort von Berlin, fort aus der erstickenden Kasernen- atmosphäre, fort von einem Hof, wo bloß zur Geltung kommen tonnte, was fremd war, am besten, wenn es aus Frankreich kam. Welcher Nachfolger dieses größten Hohenzollern hat es bester als der Ahnherr verstanden, deutsche Kultur zu pflegen und zu schützen? Keiner von ihnen wird in der Kultur- geschichte einen Ehrenplatz einnehmen. Wilhelm, der Di- lettant in allen Künsten, ist als Freund und Förderer des Kitsches der wahren Kunst, wahrer Kultur Verhängnis ge- wesen. Friedrich der Große hatte ein Verwaltungssystem einge» führt, in dem kein anderer als er sich ausfand. Es brauchte nach seinem Tode Jahre, bis einigermaßen Klarheit hinein- gebracht werden konnte. Die Einheber von Zöllen, Steuern und Akzisen hatten mit dem König selbst zu verrechnen. Wie es bei dieser Methode möglich war, Privateigentum und Staatseigentum auseinanderzuhalten, kann man sich denken. Aber zu Recht und Dank des Traditionsgefühls der Furcht unh Unfreiheit gehört es selbstverständlich, alles so zu glauben im!) so an, zusehen, wie es dem Herrn beliebt. Es sei dem Reichspräsidenten der deutschen Republik ge- sagt und werde ihm durch den Volksentscheid schlagend bc- wiesen, daß es der Sinn der Revolutionen ist, mit den alten Traditionen zu brechen und an ihre Stelle neue zu setzen. Die Tradition der deutschen Republik ist die der Furcht- losigkeit und der Freiheit. In ihrem Lichte ist Recht Volksrecht. In ihrem Lichte ist großes Unrecht und grober Undank, was die Fürsten oerlangen, was den Kriegs- invaliden und den Kriegshinterbliebenen geschieht, und daß das Volk allein die Not der Inflation tragen und die Lasten für den verlorenen Krieg bezahlen soll. Der Volksentscheid wird die Tradition der Republik in die Geschichte Deutschlands einzeichnen, ihr Recht und ihren Dank, i die Zeftftellung ües Ergebnisses. Wann wird das Ergebnis bekannt?— Endgültig erst Mitte August. Der Reichswahlleiter teilt mit: Da die Abstimmungszeit am 20. Juni auf 8— 5 Uhr festgesetzt ist, kann damit gerechnet werden, daß ab XU Uhr abends das oorläusige Ergebnis der Berliner Stimmbezirte und ab 12 Uhr das Ergebnis aus dem Reiche bekannt- gegeben wird. Das endgültige Ergebnis wird nicht vom Reichswahl- leiter, wie bei sonstigen Wahlen, sondern vom Mini st er des Innern bekanntgegeben. Der Reichswahlleiter leitet die Ergeb- nisse zunächst an den Wahlprüfungsausschuh des Reichstags weiter. Dieser muh die Meldungen der 68 000 Stimmbezirke zunächst nachprüfen. Es müssen vor allem die ungültigen Stimmen geprüft werden, und da einzelne Verbände, so in München, die Parole aus- gegeben haben, leere Kuverts in die Urne zu werfen, so werden zu diesen Nachprüfungen ungefähr 8 Wochen Zeit gebraucht werden. Somit wird das amtliche Ergebnis Mitte August verkündet werden. Dem Wahlprüfungsausschuß gehören an: von der Sozial- demokratischen Partei Genosse D i t t m a n n, von der Deutschnatio- nalen Volkspartei Abgeordneter L o h m a n n, vom Zentrum Ab» geordneter S ch u l te, von der Deutschen Volkspartei Abgeordneter Dr. K a h l, von den Kommunisten Abgeordneter T o r g l e r und von den Demokraten Abgeordneter Brodaus. Außer den Ver- tretern der Parteien gehören dem Wahlausschuß noch vier Reichs- gerichtsräte an. Den Vorsitz führt der Zentrumsabgeordnete Schulte. Nach Abschluß der Arbeiten des Wahlprüfungsausschusses gibt der Minister des Innern das endgültige Ergebnis bekannt. Sämtliche amtlichen Verkündungen, Plakate, Stimmzettel, Tele- phon- und Telegraphenausgaben trägt das Reich. Die Gemeinden müssen ein Fünftel der in ihrem Bezirk entstandenen Kosten selbst tragen. Für das Volksbegehren sind IL Millionen und für den Volksentscheid 2,2 Millionen vom Reichstag angefordert. Nach den bisherigen Berechnungen werden aber die Kosten für beide Wahl- gonge weit unter den angeforderten Summen zurückbleiben. Rekla- mationen über falsch» Eintragungen oder Eintragungen von nicht Stimmberechtigten können auch nach der Wahl noch auf dem Wege von Wahlbeschwerden angebracht werden. Die Zahl der Stimm- berechtigten wird an Hand der Stimmlisten ermittelt. Jeder Stimm- bezirk muß die Zahl der Stimmberechtigten dem Reichswahlleiter melden, der an Hand dieser Meldungen die Zahl der Stimmberech- tigten ermittelt. Sparerbunü und Volksentscheid. Eine Erklärung des Zentralvorstandes. Nachdem die Landesverbände Groß- Berlin und Bran- denburg in einem Brief an den Grafen Westarp Stellung zum Volksentscheid genommen haben, veröffentlicht der Zentral- vorstand de« Sparerbundes im Bundesorgan folgende Erklärung: „Der Sparerbund will demnächst ein Aufwertungsvolksbegehren inö anschließendem Volksentscheid durchführen. Er kann daher keinerlei Maßnahme empfehlen, die geeignet ist, das Interesse der breiten Volksschichten an dem wichtigen Akte der Volksgesetzgebung, nämlich der Abstimmung zum Volks- entscheid» abzuschwächen. Deshalb rät der Sparerbtrnd seinen Organisationen, den Gläubigern und Sparern zu empfehlen, an dem Volksentscheid am 20. Zunl 1926 durch Abstimmung teilzunehmen und so zu stimmen, wie es der eigenen Ueberzeugung entspricht.� Das Bundesorgan des Sparerbundes wendet sich ferner mit folgenden Ausführungen gegen den Hindenburg-Brief: Der Vaterlandsfreund muß die Veröffentlichung des B r ie f w e ch f e l s, der zwischen dem Staatsminister v. L o e b e l l und dem Reichspräsidenten üöer den- Volksentscheid stattge- funden hat, mit Rücksicht auf die bisherige autoritative Stellung des Reichspräsidenten und ihre segensreichen Wirkungen für die innere Lage aus tief st er Seele beklagen. Mit einem Schlage ist die Person des Reichspräsidenten in den Streit der Parteien hinein- gezogen, hineingezogen durch seine Zustimmung zur Veröffentlichung einesteils, seine sachliche Stellungnahme anderenteils. Denn lehnt Jeöer anständige Mensch...! von Hans Lauer. Was ist wohl das Komischste auf der Welt? Ei, das, was man mit einem früher sehr häufig gebrauchten Wort als Stehkragenproletarier bezeichnet: jener schlecht entlohnt«, ausgehungerte, zusammengestauchte illrbeitnehmertyp, der aus Gründen des gesellschaftlichen Renommees fein wahres soziales Dasein mit verklärendem Schimmer umgibt, der sich selbst etwas vormacht, der für„was Besseres' angesehen werden möchte und der um den Preis der Aufrechterhaltung des trügerischen Scheins auf die Mitwirkung in dem Kampf verzichtet, der darum geht, daß er in Wirklichkett„was Besseres' werde als die Nummer, die Figur eines Fabrikherrn. Solch ein Kauz bringt gern alle erdenk- baren Opfer für sein« eingebildete Roll« und hat nur Furcht vor diesem einen: vor der Ignorierung durch die„gute Gesellschaft'. Er will durchaus so sein wie sie, und da es nun bei ihm vorn und hinten nicht dazu langt, ihr äußere» Leben gn führen, so nimmt er wenigstens ihre Sittenbegrtff« an: das einzige, was man ihm kosten- los abläßt. Dieser verballhornte Illusionist der Werktätigkeit ist das ge- fundene Fressen der Rechtser. Wilhelms Impresario, der Graf Westarp, weiß das und hat für seine Partei einen Aufruf oerfaßt, in dem er sich eigens an jenes Stück Malheur von einem Staats« bürger wendet. Das Politische, dos Weltanschauliche, um das es am 20. Juni geht, wird in diesem Aufruf ganz auf das Geleise der Wohl- erzogenheit und der guten Kinderstube geschoben. Neid und Begehr- lichkeit werden den Fürstenenteignern nachgesagt, Undank, Mangel an Moral, Raub- und Verbrecherinstintte. Sogar der liebe Gott wird mobil gemacht, obgleich er in vier Kriegsjahren sich als wenig zuver- lässig erwiesen hat.„Jeder anständige Mensch', heißt es am Schluß, „bleibt den Wahllokalen fern.' Wir haben den hochgestellten Hausburschen der Fürsten darauf- hin zu sagen: Soviel Worte ihr uns erzählt, soviel Verlogenheiten kommen aus euerm Mund. Was ihr da an sittsichen Minderwertig- teiten zusammentragt, das gehört ins Kuriofitätenkabinett. Eure Moral ist für uns völlig unverbindlich. Wir wissen, daß sie für euch ein« reine Zweckmäßigkeitsangelegenheit ist, ein praktischer Behelf, daß ihr immer zuerst eure Jntresstn aufs Korn nehmt und dann, ganz nach Belieben, in stetester Entschließung, mit souveräner Will- kür, die Sittenbegriffe so zurechttnetet, daß sie zu euren Interessen passen. Wir wissen, daß es kein einziges Gebot der Bibel, kein« ein- zige ethische Votschrift gibt, auf die ihr den geringsten Wert legtet, wenn eure Vorrechte und euer Machthunger damit kollidieren. Wir wissen, daß ihr im Kriege neidisch, begehrlich, räuberisch dachtet, daß ihr töten und stehlen ließt, daß euch kein Schwindel zu plump war, als daß ihr ihn für eure Zwecke nicht in die Welt gesetzt hättet. Hetzer anjtärchiAe MgjZ'i Ach. dieser PegM ijt für euch kein der Reichspräsident als solcher, wegen seiner verfassungsmäßigen Stellung, eine öffentliche Kundgebung zum Volksentscheide ab, dann kann er auch die Bekanntgabe seiner persönlichen Auffassung des Volksentscheids nicht billigen, ohne in die verhängnisvollen Bahnen Kaiser Wilhelms II. zurückzulenken. Unter Verzicht auf„ministerielle Bekleidungsstücke' vor das Volk zu treten, schadet dem Reichspräsi- denten ebenso, wie es dem Monarchen geschadet hat. Hierzu kommt, daß jedes der moralifch-rechtlichen Bedenken, die der Reichspräsident gegen den Volksentscheid gel- tend macht, o u'ch gegen d i« Aufwert üngsgesef�e mit ihter 75— 97�prozentigen Enteignung in die Wagschale fällt. Die Auf- wertungsgesetze aber hat der Reichspräsident /luch heute noch Stimmjcheine! In seinem gestern abend durch Rundfunk verbreiteten— übrigens durchaus sachlichen und rein referierenden— Vortrag über den Volksentscheid ist dem Ministerialrat Dr. K a i s e n b e r g, dem Re- ferenten im Reichsministerium des Innern, ein kleiner Irrtum unterlaufen, den wir hiermit berichtigen müssen. Der Lortragende sprach nämlich davon, daß man sich Stimm- scheine besorgen konnte. Demgegenüber verweisen wir darauf, daß die Anträge auf Ausstellung von Stimm scheinen in den vezirkswahlämtern von Groß- verlia noch am heuligeu Sonnabend angenommen werden müssen. Morgen, am Sonntgg, wäre es dagegen zu spät! Wer also ver- reisen muß oder aus einem sonstigen Grund« zwsschen 8 Uhr vor- mittags und 5 Uhr nachmittags in seinem regulären Wahllokal nicht abstimmen kann, der besorge sich heute noch einen Stinnnschein. Ausweispapiere mitbringen I vollzogen. Werden daher Millionen Aufwertungsgeschädigter sich fragen, weshalb der Reichspräsident erst jetzt, wo es sich um die Enteignung der Fürsten handelt, mit seinen moralisch-rechtlichen Bedenken Heroortritt, dann ist damit zu rechnen, daß der Einfluß des Briefwechsels Loebell-Hindenburg auf den Volksentscheid anders sein wird, als seine Urheber annehmen. Bei dieser Sachlage erscheint es ausgeschlossen, daß die Ver- öffentlichung jenes Briefwechsels dem Gesamtinteresse des deutschen Bolkes zu dienen vermag.' Gefälschte Unterschriften. Die Mannen des Exkronprinzen als falscher. Es wird uns geschrieben: Der Landeserziehungsrat a. D. S e i f- f e r t, M. d. R., hat mit Datum vom 13. Juni laut„Gläubiger und Sparer' vom 16. Juni an die„T e l e g ra p h e n- U n i o n' und den„Berliner Lokalanzeiger'(Chefredakteur)„auf Grund des 8 11 des Preßgesetzes' eine Berichtigung gesandt, in der er mitteilt, daß unter dem im„Berliner Lokalanzeiger' abgedruckten„Aufruf an das deutsche Volk', der in dem Berüner Hauptquartier des Exkronprinzen fertiggestellt wurde, sein Name«ohne sein Wissen und Willen gesetzt' ist. Ueber diesen, die Oeffentlichkeit schwer täuschenden Fehler des Zlufrufs hat der„Ber- liner Lokalanzeiger' die Leser noch immer sticht aufgeklärt, obwohl diese einfache journalistische Anstandspflicht selbstverständlich ist auch in dem Falle, daß er die Berichtigung formal nicht für ganz einwandfrei halten sollte. Die.Telegraphen-Union' hat die Be- richtigung ebenfalls bis heute nicht veröffentlicht. Sie zeigt damit wieder einmal, welch Geistes Kind sie ist. Im übrigen aber ist anzunehmen, daß der Aufruf noch eine ganze Reihe von g e s ä l s ch- t e n Unterschriften trägt, über die nähere Mitteilungen noch zu erwarten sind. Herr Seiffert ist völkischer Reichstagsabgeordneter. Es ist immerhin bemerkenswert, daß ein völkischer Parlamentarier den Schwindel des Kronprinzenagenten aufdeckt. Band, das Hoch und Nieder umschlingt, er ist ein« Leine, an der ihr eure Hunde hängt. Wir wollen beweisen, daß mehr als 20 Millionen in Deutschland wohnen, die diese Hundequalttäten nicht besitzen und die deshalb gegen die Enteignung stimmen. Gegen jene, die die Fürsten über sie verhängen wollen. Ja! Ja! Ja! Ein Aürstensplegel. wie war's in Deutschland doch vordem für unsere Fürsten so bequemt Mit Schnetlerenleng und Tälärälä fuhr Wilhelm vom und zum pallä, regierte frisch, fromm, fröhlich, frei und dachte weiter nichts dabei. Und wenn er gar noch reden lak, war's oberfauler Kopfsalat. ver brave Bürger hat geguckt. al» wäre ihm in» Hirn gespuckt und wußte schließlich nur: hurra die Majestät! Talü— Tatat Die andern waren nicht viel besser, wenn auch nicht solche Eisenfresser. Sie liebten wein, Weib und Gesang und war'n in Bamberg mittenmang. Ruppertus Rex nur beispielsweise' Es war halt eine glatte Reise als Fürst in einem deutschen Laad mit Millionen In der Hand. (0. hält' e» ewigen Bestand!) Ganz wie die Bäter so nicht minder denn auch die ungezählten Kinder! wer dächte nicht mit Hochgenuß an Wilhelms ersten Filius, berühm« durch seine Telearaphie und durch den Schwärm für Amalie. im Kriege Deutschlands schönste Zier beim Eharleoiller Hauptquartier? hier sind wir glücklich aus der Spur der tausendjährigen Kultur. wodurch das herrliche geschah. Tatü— Tatat was sst denn herrliches geschehn? Das Volk, es durste betteln gehn. Es zahlte Steuern. Maut und Zoll, damit der Fürslensäckel schwoll. Kurzum: Lei seinen Potentaten war es verkaust stet» und verraten, verkaust oft Stück sür Stück al» Vieh. Darm» bedenkt: Zetzt ober nie! die Reichseinnahmen im Mai. 75 Prozent stammen aus der Maffenbelastung. Nach dem Ausweis des Reichsfinonzministeriums über die Ein- nahmen des Reichs an Steuern, Zöllen und Abgaben im M a i be- trägt das Gefamtauftommen 43S Millionen. Das ist seit mehr als zwei Jahren das niedrig st e Monatsergebnis, nur die Einnahmen im Februar 1924(418 Millionen) und im De- zember 1923(312 Millionen) bleiben noch dahinter zurück. Dieser Tiefstand der Reichseinnahmen ist einmal die Folge der Steuer- ermäßigungen. Insbesondere Hot sich jetzt zum erstenmal das Steuermilderungsgesetz voll ausgewirkt. Sodann aber zeigt sich auch diesmal wieder der nachhaltige Einfluß der Wirtschaftskrise. Diese äußert sich unmittelbar bei der Lohnsteuer infolge der großen Arbeitslosigkeit und bei der Umsatzsteuer und der Beförderungssteuer infolge- des schlechten Geschäftsganges; sie kommt aber auch bei den Besitzsteuern im Weg« der Stundungen und Niederschlagungen mittel- bar zum Ausdruck. In welchem Maße Steuerermäßigungen und Wirtschafts- krise die Reichssinanzen im neuen Rechnungsjahr beeinflussen, ins- besondere in welchem Umfang die Monatsergebnisse hinter den Vor- anschlügen des Reichshaushaltsplans zurückbleiben, läßt sich jedoch noch nicht übersehen. Vielmehr muß wegen der Vierteljahrszahlungen auf Einkommen-, Körperschafts-, Vermögen- und Umsatzsteuer erst das Ergebnis des Monats Juni und damit des ersten Quartals abgewartet werden. Degegen läßt sich aber durch Vergleichung des Aufkommens im Mai mit den Erträgen des gleichen Monats in den Borjahren feststellen, welche Steuern den größten Ausfall aufweisen. Stellt man zu diesem Zweck die Ergebnisse der einzelnen Massensteuern und der Besitzbelastung einander gegenüber, so ergibt sich folgendes Bild: Aufkommen in Millionen Mark Diese Uebersicht zeigt auf der Seite der Massensteuern einen starten Rückgang der Einnahmen aus der Lohn st euer und vor allem aus der Umsatzsteuer, deren Ertrag auf etwa die Hälfte gesunken ist. Nur Zölle und Verbrauchssteuern weifen ein« weitere Steigerung auf. Insgesamt sst aber der Aussall bei der Besih- belastung verhältnismäßig viel größer als bei der wassenbelostung, er beträgt gegenüber Mai 1925 bei der Massen belastung nur 23 proz., bei der B« s i tz belastung dagegen 42 proz- Daher kommt es auch, daß der prozentuale Anteil der Massenbelastung am Gesamtauftornmen nicht nur nicht gesunken, sondern weiter ge- stiegen ist. Während er im Mai 1924 noch nicht zwei Drittel betrug, erreicht er jetzt drei Viertel. Das Monatsergebnis mit den niedrigsten Gesamteinnahmen weist also zugleich den höchsten An- teil an Massenfteuern auf. Trotz stärkster Wirsschaftskrsse und Ar- beitslosigkeit bewähren sich die Massensteuern in wachsendem Maße als Haupsstütze der Reichsfinanzen. Eine Erhebung bei den Arbeitslosen. Um die Einführuniz des Lohnklassensystems. Der Reichsrat hat den Gesetzentwurf über eine Erhebung der ErwerbÄuserrfürsorge angenommen. Der Rcichsarbeitsminister wird dadurch ermächtigt, die Verteilung der Arbeitslosen auf die ge- planten einzelnen Lohnklassen feststellen zu lassen. Bei einer solchen Erhebung wird es jedoch nicht nur darauf ankommen, das letzte Lohneinkommen zu ermitteln, gleichzeitig muß festgestellt werden, was der Erwerbslos« an Unterstützung erhält. Es wird sich ja dann erweisen, ob die Behauptung richtig ist, daß die gegenwärtigen Unterstützungssätze häufig die Löhn« überschneiden. Der Reichstag fall die Vorlage ebenfalls vor seinen Ferien verabschieden, damit die Erhebung noch in den nächsten Wochen eingeleitet werden kann. warum Ist morgen Volksentscheid? Daß ihr einmal die klügern seid! Das Glück kommt einmal nur im Leben. wollt ihr es au» den Händen geben? Es geht um unser Eigentum. kein Fürst verhungert je darum. was uns gehört, zurückzuholen: Ein Lump nur heißt so was: gestohlen! wenn ihr es aber ander» macht, geschieht euch da» und Wilhelm lacht. Der ganze Schwärm kehrt dann zurück und au» ist's mit der Republik. Der Sohn folgt wieder dem Papa. Tatü— Tatat wollt ihr e» nicht, dann zeichnet: Ja! Ja! Za! Peter Igel. Ein Weltbund der Vühnenschriststeller und Vühnenkomponisten wurde in Paris mit dem Ziel gegründet, die rechtliche und wirt- schastliche Lage der Urheber zu verbessern. Der Schutz der Werke der Kunst und Literatur soll auch dort begründet werden, wo er noch nicht besteht. Insbesondere soll— auf Borschlag des Syndikus Dr. Wenzel Goldbaum— dahin gewirkt werden, daß alle Vor- behalte, die einzelne Verbandsftaaien gemacht haben, gestrichen werden, daß die Schutzfrist aus mindestens 50 Jahre erstreckt und in allen Verbandsstaaten eingeführt wird. Obwohl dem Weltbund zwanzig Nationen angehören, hat seine Forderung aus Verlängerung der Schutzfrist kaum Aussicht auf Erfüllung._ 3n der Staatsoper fingt in der Zigeunerbaron- Aufführung an Stelle der verhinderten Frau de Strozzi Bera Schwarz die Saffi. verichtiguaa. In den Bericht über die Uraufführung de»„Dütfchen Michel' in der Volksbühne hat sich ein Fehler eingefchlichen. Es muhte heißen: Leo Re uh ragte al« alter bedächtiger Bauer unh Wer»« Holl« mann aiS pfiffig« Lakai deS Srajeu hervor. Kompromiß im Leßmg-Konftikt. Ein Forschungsaustrag für Lessing. Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt folgende E r- k l ä r u n g bekannt: „Die unterzeichneten Professoren von preußischen Technischen Hochschulen und Universitäten sind aus freier Entschließung zu- sammengetreten, um den Versuch zu machen, die an der Technischen Hochschule zu Hannover entstandenen Unruhen, wenn möglich so- fort, zu beseitigen. Zu diesem Zwecke haben sie sowohl mit Herrn Professor Lessing wie mit der Vertretung der Hannoverschen Studenten Fühlung genommen. Die Studenten haben zuge- geben, daß die an der Hochschule zu Hannover vorgekommenen Störungen und Unregelmäßigkeiten dem Recht der akademi- schen Ordnung widersprechen, und daß darum zur Wah- rung der akademischen und staatlichen Autorität die D u r ch s ü h- rung der Disziplinarverfahren unvermeidlich ist. Auch die Leiter der Bewegung haben sich persönlich bereit erklärt, sich zur Uebernahme der vollen Verantwortlichkeit den akademischen Be- Hörden zur Versügung zu stellen. Die Vertreter der Studentenschaft haben sich gegenüber den Unterzeichneten verbindlich gemacht, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß fernerhin jede Art von gewaltsamer Störung der Vorlesungen des Pro- fessors Lessing oder von Streiks unterbleibt. Andererseits hat sich Herr Profesior Lessing bereit erklärt, kollegial an der Befriedung der Hochschule mitzuarbeiten. Das unentziehbare Recht der veni» legendi muß ihm gewahrt bleiben. Er beabsichtigt, die von ihm für diesen Sommer angekündigten Vorlesungen bis zum Schlüsse des Sommerhalbjahrs zu Ende zu führen und er- wartet, darin keine Störung durch die Studenten zu erfahren. Seine Vorlesungen an der Technischen Hochschule in Hannover würde er mit Ablauf des Semesters einstellen, in der Erwartung, daß er vom Ministerium ein dauerndes Arbeitsgebiet zur Durch- führung seiner wissenschaftlichen Forschungspläne erhält. Die Unterzeichneten haben dem Herrn Minister empfohlen, auf dieser Grundlage das Weitere zu veranlassen." gez. Dr. Orlich derzeitiger Rektor der Technischen Hochschule in Berlin. gez. Dr. F l e i s ch m a n n derzeitiger Rektor der Universität Halle. gez. Dr. Scheel Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Hochschulen. gez. Dr. Kahl(Berlin), M. d. R. gez. Dr. L ü d e r s(Berlin). gez. Dr. R e r n st(Berlin). Hierzu schreibt der Amtliche Preußische Pressedienst: Nachdem die Professoren Orlich, Fleischmann» Scheel, Kahl, Lüders und N e r n st dem Minister für Wissen- schast, Kunst und Volksbildung die in der obigen Bekannt- machung enthaltene Lösung des Hochschulkonflikts in Han- nover empfohlen haben, hat der Minister diesen Anregungen im Einverständnis mit Professor Dr. Lessing entsprochen. Demgemäß ist dem Professor Lessing vom Wintersemester ab an Stelle seines bisherigen Lehrauftrags ein dauernder Forschungsauftrag erteilt worden. Professor Lessin? wird seine Vorlesungen bis zum Ende des Sommersemesters fortsetzen: er wird der Technischen Hochschule in Hannover vermöge seiner veniu legendi weiterhin als außerordentlicher Professor angehören. Die Disziplinarverfahren gegen die schuldigen Studenten werden von Rektor und Senat der Technischen Hochschule Hannooer ordnungsmäßig weitergeführt kunSgebung für Lessing. Zum Fall Lessing hat eine Anzahl von Universitäts- und Hochschullehrern folgende Entschließung an den preußischen Unter- richtsminister eingereicht: „Die Unterzeichneten billigen die Haltung des preußischen Unter- richtsministers in der Angelegenheit des außerordentlichen Professors Dr. Lessing. Sie sehen in der republikanischen Betätigung Professor Lessings keinen Grund für das Vorgehen der Hannoveraner Stu- denten. Sie mißbilligen die Ausschreitungen dieser Studenten, die selbst vor der körperlichen Bedrohung eines älteren Dozenten nicht zurückschreckten, und mißbilligen insbesondere das diesen Bedrohun- gen zugrundeliegende Prinzip, wonach den Studenten ein Ab- berusungsrecht gegenüber einem ihnen mißliebigen Professor zm-. steh«.' Unterzeichnet ist der Aufruf von folgenden Herren: Pros. D«. E. v. Aster, Universität Gießen; Pros. Dr. Carl Böhm, Tcchn. Hochschule Karlsruhe: Prof. Dr. Heinr. Cunow, Universität Ber- fin: Prof. Dr. Hans Driesch, Universität Leipzig: Prof. Dr. A. Görland, Universität Hamburg: Prof. Dr. A. Grotjahn, Universität Berlin: Prof. Dr. S. Hellmann. Universität Leipzig: Prof. Dr. I. Herrmann, Techn. Hochschule Stuttgart: Prof. Dr. Kuske, Universität Köln: Pros. Dr. L. Marck, Universität Bres- lau: Prof. Dr. Dr.-Jng. e. h. R. Mehmke, Techn. Hochschule Stuttgart: Pros. Dr. L. Nelson, Universität Göttingen; Prof. Dr. Fritz Noether, Techn. Hochschule Breslau; Prof. Dr. H. Rade- macher, Universität Breslau: Prof. Dr. L. Schücking, Uni- versität Berlins Prof. Dr. Hugo S i n z h e i m e r, Universität Frankfurt a. M.: Pros. Dr. Karl Vorländer. Universität Münster. Weitere Zustimmungserklärungen von den Lehrern der ver- schiedenen Hochschulen und Universitäten laufen täglich ein. �nglanö unü öer volksentscheiö. Wie man im Ausland über Wilhelm urteilt. Als jüngstes Schwindelmanöver hatte die„Deutsche Zeitung" behauptet, daß in Amerika große Besorg- n i s über die Möglichkeit eines Sieges des Volksentscheids herrsche, daß die amerikanischen Bankiers darin eine grundsätz- liche Gefährdung des Privateigentums in Deutschland er- blickten und daher eine Sperrung der Kredite für Deutschland beabsichtigten.- Sie seien dieserhalb sogar schon in Verbindung mit Londoner Bankiers getreten. Das Blatt von Claß und Sodenstern malte schon das Schreckgespenst einer größeren deutschen Arbeitslosigkeit an die Wand. Wir haben sofort das Grotesk-Schwindelhafte dieses angeblichen amerikanischen Telegramms der „Deutschen Zeitung" gebührend gekennzeichnet. Wie der angelsächsische Kapitalismus die deutsche Volksbewegung für die Enteignung der Fürsten beurteilt, mag man aus den nachstehenden wenigen Zeilen ersehen, die im rechtsliberalen Londoner Blatt„Daily News" vom 16. Juni an Leit- ortikelstelle unter der Ueberschrift„Der Deserteur von D o o r n" erschienen sind: „Jene, welche die Möglichkeit einer Wiederauferftehung der Monarchie befürchten, müsien durch die letzten Nachrichten aus Berlin beruhigt worden sein. Der Volksentscheid vom nächsten Sonntag zum Zwecke der Konfiskation des Hohenzollernschen Bc- sitzes hat in Deutschland die leidenschaftlich st e Begeiste- rung erzeugt. Etliche 2S0 00V Republikaner haben bereits vor dem ehemaligen Schloß des Kaisers demonstriert und haben sich dazu verpflichtet, „keinen Pfennig den Fürsten" zu geben. Ein Plakat, das die Hohenzollernsürften am Galgen zeigte, rief stürmischen Bei- fall hervor. Der Sonntag wird als ein„Tag der Abrechnung" mit dem Manne bezeichnet, der das Volk ruiniert hat. Es ist ein seltsamer Gedanke, daß der„Deserteur von Doorn" noch vor c.wa zehn Jahren als ein Symbol der Größe Deutschlands in denselben Straßen bejubelt wurde, wo er jetzt als der Schuldige am deutschen Niedergang verdammt wird. Jedenfalls beweisen diese grimmigen Kundgebungen in unmißverständlicher Weise, daß, als der Kaiser in der Stunde der Demütigung Deutschlands Potsdam verließ, es auf Nimmerwiedersehen geschah." Mag auch dieser Artikel nicht in allen Einzelheiten zu- treffen, von einer besonderen Sorge der kapitalistischen Kreise des Auslandes gegenüber einem Sieg des Volksent- fcheids ist darin nicht das geringste zu verspüren. Dabei ist die Tonart der„Daily News" selbst in Kriegszeiten relativ gemäßigt gewesen, woraus man schließen kann, wie erst„der Deserteur von Doorn" in weniger vornehmen Blättern Eng- lands und besonders Amerikas populär fein muß und welches Mitleid man mit ihm in der Londoner City und in der New Porker Wallstreet empfindet! preußischer Stäötetag. Verwaltungsreform und Selbstverwaltung. IL R. Düsseldorf, 18. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In Düsseldorf trat heute der Hauptausschuß des Preußischen Städtetages zusammen, der in seiner heuti- gen ersten Sitzung ein Referat des Präsidenten Dr. M u l e r t über Verwaltungsreform entgegennahm. In seinem eingehen- den und durchdachten Referat führt« Mulert aus, daß die gesamte innere deutsche Entwicklung zweifellos aus den Einheitsstaat hingeht, allerdings vollziehe sich dies« Entwicklung nicht mit logischer Kon- seguenz, sondern nur langsam, schrittweise und organisch. Es fei aber kein Zweifel darüber, daß alle wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Tendenzen auf ein« möglichst große Einheit des gesamten innerdeutschen Vcrwaltungswesens hinstrebten. Im Rahmen dieser zur zentralen, unitarischen Verwaltung hinftrebenden Entwicklung sei es unbedingt notwendig, durch eine Stärkung der Selb st- Verwaltung die unbedingt notwendige Dezentralisation zu er- leichtern. Demokratie und Selbswerwaltung dürften nicht, wie Zweif- ler behaupten, in Widerspruch zueinander geraten. Im Gegenteil: sie bedingten sich gegenseitig. Unter diesem Gesichtspunkt sei es notwendig, die ganz« Gesetzgebung und alle maßgebenden Körper- schaften physiologisch darauf einzustellen, daß eine überflüssige zen- trale Reglementirrerei durch Regierung und Parlamente unterbleibt und daß der örtlichen Initiative über freie Selbstverwaltung mög- lichst weiter Spielmum gelassen weide. Außerdem werde es not- wendig sein, soweit als irgend möglich«in Zusammengehen und Zusammenarbeiten der verschiedenen Behörden und Instanzen mit- einander anzustreben. Der Hauptausschuß des Städtetages stimmte nach längerer Debatte einer vom Präsidenten Mulert vorgelegten Resolution zu, die im Sinne seines Referates die Notwendigkeit eines weiteren Aufbaues der kommunalen Selbstverwaltung energisch unterstrich. Unwahre Behauptungen der �kreuzzeitung'" Minister Severing über die Pflichten politischer Beamter der Republik. In der Abendausgabe vom 17. Juni 1926 behauptet die„Kreuz- zeitung" in einem Artikel mit der Ueberschrift„Eine unerhört« Provokation Severings", daß der preußische Minister des Innern Severing auf Grund der Ablehnung einer Einladung des Reichs- banners zu einer Fahnenwethe durch einen Landrat einen Rund- erlaß an a l l e Landräte herausgegeben habe, in welchem die Landräte darauf hingewiesen worden seien, daß sie die Teilnahme an Veranstaltungen des Reichsbanners nicht ablehnen dürften. Diese Behauptungen der„Kreuzzeitung" sind, wie der Amtliche Preußische Pressedienst fest- stellt, unwahr. Ein Erlaß derartigen oder ähnlichen Inhalts an die Landräte Preußens ist niemals vom preußischen Minister des Innern herausgegeben worden. Dem im Zusammenhang mit diesen Behauptungen von der.Lreuzzeitung" erwähnten Einzel- fall liegt folgender Sachoer halt zugrunde: Der Landrat von Hann.-Münden hatte im Juni v. I. die Ein- lodung des Reichsbanners zur Teilnahme an einer Reichsbanner- fahnenweihe in Münden abgelehnt mit der Begründung, daß er wegen der ausgesprochenen innerpolitischen Einstellung des Reichs- banners sich die Teilnahme an der Feier versagen müsse: er sei traft seines Amtes zur unparteiischen Haltung allen Beoölke- rungsfchichten gegenüber verpflichtet und fürchte, diese Haltung durch Teilnahme an der Feier in Frage zu stellen.— Derselbe Landrat war jedoch drei Wochen vorher ebenfalls in Hann.-Münden dem Festausschuß zur Vorbereitung einer Fahnenweihe eines dem K y f f- häuser-Bundes ungehörigen Militärvereins bei- getreten und hatte selbstverständlich auch der Feier, an der u. a. der Stahlhelm und der Wiking-Bund teilgenommen haben. beigewohnt. Durch dieses Verhalten des Londrats fühlten sich weite republikanische Volkskreise oerletzt und beschwerten sich daraus bei per dem Landrat vorgesetzten DeHörde, Der preußische Minister des Innern sandte darauf im Oktober 1928 nach Anhörung des Land- rats an den Regierungspräsidenten den nachfolgenden Erlaß: „Der Pionierverein in Hann.-MüNden ist eine Vereinigung, die dem Kyffhäufer-Bunde angehört, einem Verband«, der in seiner innerpolitischen Einstellung dem gegenwärtigen Staate mindestens außerordentlich kühl gegenübersteht und sich darüber hinaus auch an der Förderung rechtsradikaler Bestrebungen beteiligt, wie es gerade in diesen Tagen durch die Gutheißung der Erklärung der sog. Vaterländischen Verbände zu der Politik der gegenwärtigen Reichsregierung geschehen ist. Die Beteiligung an einer Festveranstaltung eines einem derartigen Verbände angeschlossenen Der- eins ist für einen politischen Beamten der Republik meist bedenklich und wird unmöglich, wenn die Veranstaltung sich zu einer mehr oder weniger antirepublikanischen und monarchistischen Kundgebung auswächst. Daß letzteres bei dem von dem Pionierverein in Hann.- Münden veranstalteten zweiten Pioniertag der Fall gewesen ist, erscheint mir angesichts der Beteiligung rechtsradikaler Verbände an der Tagung mindestens nicht unwahrscheinlich: immerhin will ich von weiteren Aufklärungen nach der Richtung Abstand nehmen und auch die Frage der Zweckmäßigkeit und Zulässigkeit der Be- teiligung an dieser Feier auf sich beruhen lassen. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold ist eine Organisation, die sich die Pflege der republikanischen Gesinnung und den Schutz der Reichsversassung und der Länderversassung in Zeiten der Not unter ausdrücklicher Ablehnung jedweder illegaler Bewaffnung zum Ziele gesetzt hat und die unter Vermeidung einseitigen Anschlusses an eine bestimmte Partei allen Bestrebungen und Organisationen, die mit ihr in diesem Ziele einig gehen, ihre Unterstützung und Hilfe ge- währt. Di« Festveranstaltung des Reichsbanners in Hann.-Münden war eine Fahnenweihe und sollte allgemein der Stärkung des repu- bliianischen Gedankens dienen. Die Einladung zu dieser Ver- anstaltung wurde vom Landrat, wie in dem Antwortschreiben aus- drücklich anerkannt wird, als ein Beweis des Bestrebens des Reichs- banners, in Hann.-Mürtden zur Ueberbrückung der Gegensätze unseres Volkslebens beizutragen, aufgefaßt. Die Ablehnung einer als so wohlgemeint anerkannten Einladung zu einer den republika- nischen Gedanken stärkenden Festveranstaltung mit der Begründung der Befürchtung einer Verletzung der unparteiischen HaUung gegen- über allen Bevötkerungsschichten bedeutet eine völlige Ver- kennung der Stellung eines politischen Beamten d e r Re p u b l i t. Der politische Beamte hat Aar und entschieden für die Republik einzutreten und kann dort, wo es sich offensichtlich um eine Ber- anstaltung zur Stärkung de» republikanischen Gedanken» handelt, eine Beteiligung als Ehrengast nicht mit dem Hinweis aus die Rot- wendigkeit der Unparteilichkeit in solchen Dingen ablehnen. Die Teilnahme an der Fahnenweih« in Hann.-Münden konnte der Landrat um so weniger ablehnen, als er kurz vorher keine Be- denken getragen hatte, an der Veranstaltung des Pionieroereins sich zu beteiligen. Er hätte durch seine Teilnahme, die sich durchaus nicht auf alle Einzelveranstaltungen des Festprogramms zu erstrecken brauchte lediglich zum Ausdruck gebracht, daß er ebenso gewillt sei. an den Festen der republikanisch gesinnten Besölkerungskreis« sich zu beteiligen, wie an den Feiern der dem gegenwärtigen Staat« ablehnend gegenüberstehenden Bevölterungsteile. Daß er statt dessen nicht nur von der Fahnenweihe des Reichsbanners sernblieb, nach- dem er den Pionierwg mitgemacht hatte, mußte in der Oeffentlich- keit und besonders bei der verfassungsfreudigen Bevölkerung gerade- zu als eine gegen den republikanischen Staat, dessen Vertreter er in seinem Kreise sein soll, gerichtet« Demon- stration wirken. Das Verhalten des Landrats kann daher nur als völlig unverständlich bezeichnet werden und verdient schärfste Mißbilligung. Ich ersuche, dies dem Landrat zu eröffnen und meiner Er- Wartung Ausdruck zu geben, daß er sich in künftigen ähnlichen Fällen anders verhalten wird."___ � Weiteres ist nicht erfolgt. Trotzdem macht aus diesen Eröfsnun- gen des Ministers all einen einzelnen Landrat die„Kreuz- zeitung" ein„ungeheuerliches Ansinnen an die Severing unterstellten Beamten" und glaubt, sie als eine„Willküranordnung und groben Verfassungsbruch" bezeichnen zu müssen! Der Beamte stimmt mit Ertlsjrung des ATV. Der Gesamtvorstand des Ortsausschusses Berlin des A l l g e- meinen Deutschen Beamtenbundes hat in seiner Sitzung am 15. d. M. noch einmal zur Frage der Fürstenabfindung Stellung genommen. Er erklärt es für eine selb st ver ständliche Pflicht jedes Beamten, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, daß der Gesetzent- wurf über Enteignung der Fürstenoermögen Gesetz wird. Wird am 20. Juni 1926 zugunsten der Fürsten und zu Ungunsten des schwer leidenden deutschen Voltes entschieden, dann werden nicht nur die Steuerlasten bedeutend erhöht, die Wirtschaftskrise verstärkt. sondern die Gefahr einer Besoldungs- und Rechtsminderung für die Beamten heraufbeschworen. Heute schon ist für die notleidenden unteren und mittleren Besoldungsgruppen kein Geld für eine be- scheidene Entschuldungsaufbesserung vorhanden. Wie' wird es erst werden, wenn zu den Reparationslasten, die sich noch gar nicht voll ausgewirkt haben, die Fürstenmilliarden aufgebracht werden müssen! Wer am 26. Juni der Abstimmung fernbleibt, oder mit„Nein" stimmt, stimmt gegen das Berussbeamtentum in den unteren Besoldungsgruppen und gegen jede Verbesserung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse auf längere Zeit hinaus. Am 20. Zun! stimmt jeder Beamte mit seiner Familie mit„Za". Fritz Körber, Pari Wohlthat, Karl Feierabend, Paul Weidemann, Otto Senger, K. Stefselbauer. Die Mörder von perlach. In letzter Instanz freigesprochen. Leipzig. 18. Juni.(Eigener Drahtbericht). Der erste Strafsenat des Reichsgerichts beschäftigte sich am Freitag nochmals mit der Sache der Perlacher Arbeitermörder. Die Angeklagten, der Kaufmann Georg Pötzing und der Kaufmann Erich Prüfert, welche wegen Anstiftung sowie Mord in 12 Fällen vom Schwurgericht München am 26. Januar 1926 freigesprochen wurden, hatten im Mai 1919 in der Person als Leutnant bzw. Vizewachtmeister der 2. Eskadron des Freikorps Lützow die Er- schießung von 12 unschuldigen Arbeitern aus Perlach vornehmen lassen. Die Arbeiter sollen sich angeblich als Aufrührer betätigt haben. Die von der Staatsanwaltschaft gegen dieses Urteil ein- gelegte Revision wurde verworfen und somit der Freispruch der Mörder bestätigt. Das Ende der belgischen Staatsbahnen. Sozialistische Widerstände im Kabinett. Brüssel, 18. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der Ministerrat be- faßte sich am Freitag mit der Umwandlung der belgischen Staatsbahnen in eine selbständige Gesellschaft. F r a n c q u i hat hierüber bereits einen Plan ausgearbeitet, dessen Durchführung er als wesentlich für die Frankensanierung betrachtet. Ueber die Grundsätze dieses Planes herrschen aber noch st a r k e Meinungsverschiedenheiten zwischen Francqui und dem sozialsstischen Eisenbahnmlnister A n s e e l e. Die Sozialiften wollen die Eisenbahn keinesfalls dem kapitalistischen Einfluß aus- liefern und ebensowenig die Interessen der Eisenbahner schädigen. Die sozialistische und die christliche Eisenbahnergewertschast unter- stützen diesen Standpunkt. Es ist unter diesen Umständen äußerst fraglich, ob eine Einigung im Kabinett über diese Frage möglich jein wird........_____.' OewerMajwbewegung Schiedsspruch für die Herrenkonfektion. Die Lohnabbaupläne vereitelt. Die Schicdcg�richtsoerhmidliingen für die Herrenkonfektion, die im Laufe dieser Woche im Reichsarbeitsministerium stattsanden, führten nach harten Auseinandersetzungen zu einem Schiedsspruch, der das bisherige Lohnabkommen mit seinen Lohnsätzen in unveränderter Form verlängert. Der Schiedsspruch ist bis zum 3 l>. R o v e m b e r erstmalig kündbar. Der Schiedsspruch setzt den Heimarbeiterzuschlag aus lt>. 7X' und 6 Proz. in den einzelnen Stasfeln fest. Der Versuch des Arbeitgeberverbandes, den Zuschlag aus 5, 4 und 3 Proz. herab- , zudrücken, mihlang: desgleichen der Versuch, eine Sonderserie für (Srotzstücke mit einem Abschlag von 10 Proz. einzuführen, was einer Lohnrcduzierung von 10 Proz. gleichgekommen wäre. Ferner hat das Schiedsgericht eine generelle Kürzung der Löhne für Hosen und Westen in allen Serien um 10 Proz. abgelehnt und lediglich be> stimnit, daß für drei Positionen der Hosen und Westen eine Sondcrserie niit einer um 10 Proz. geringeren Arbeits- zeit wie die vorherige festgesetzt wird. Als Berechnungslohn für die bisher im Tarif vorgesehenen Lodenarbeiten wird statt des Einheitslohnes ein gestaffelter eingeführt. Als Ganzes betrachtet, zeigt der Schiedsspruch, daß die von den Arbeitgebern geforderten weitgehenden Lohnkürzungen fast alle abgewehrt wurden. Die Konfektionsarbeiter- s ch a f t hat dem Unternehmertum gezeigt, daß sie sich einseitige Lohn- bedingungen nicht diktieren läßt und, gestützt auf ihre O r g a n i s a- t i o n, erfolgreichen Widerstand zu leisten vermag. Um die Turchführung des Eisenbahncrschiedsspruchs Am Freitagnachmittag begannen zwischen der Reichsbahn- Gesellschast und den Tariforganisationen der Eisenbahner die Ler- Handlungen zur Durchführung des Schiedsspruchs. Da d a» Urteil des Rcichsbahngerichts grundsätzlich Klarheit geschassen hat und die Reichsbahn schon aus Ersparnisgründen sich für eine Abkürzung des Lohnberechnungsverfahrens durch Pauschal- Zahlungen entschließen dürfte, sind besonder« Schwierigkeiten nicht zu überwinden, so daß das Ergebnis der Verhandlungen bereits am Sonnabendnachmittag im wesentlichen vorliegen wird. Die Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und der Reichsbahn-Gesellschast zur Klärung des Eizi- slußrechts des Reichs auf die Reichsbahn beginnen am Montag, da der Unterhändler der Reichsbahn-Gesellschaft, Herr o. Siemens, gegenwärtig nach in Karlsbad weilt und erst gegen Ende der Woche in Berlin wieder eintreffen wird. Nachlefe zum Kampf in Nummelsburg. Eine Verdächtigung des Vaugewerksbundes. Die„R o t e F a h n e" brachte am Mittwoch cine�totiz über den Kampf in Rummelsburg, die geeignet ist, dos Verhalten des Bau- gewerksbundes in einem bedenklichen Lichte erscheinen zu lassen. Es wird in dieser Notiz gesagt, der Baugewerksbund habe Mau- rcr nach dem Kraftwerk Rummelsburg geschickt, ob- gleich Mitglieder des Baugewerksbundes aus Anlaß des Rummels- burgcr Streiks noch gemaßregelt sind. An diese Behauptung wurde die Bemerkung geknüpft, daß diese Handlung wohl„eine Gefälligkeit der Firma gegenüber" sei, um diese zu veranlassen, ihre oertrag- lichen Verpflichtungen einzuhalten. Davon kann gar keine Rede sein. Der Baugewerksbund hat sein Recht geltend gemacht. Die Airma hat sich auch nicht geweigert, unsere Kollegen einzustellen. . Nachstehendes Schreiben, das der Bauoewerksbünd, Baugewerk- schaft Berlin, der Redaktion der»Roten Fahne" zugehen ließ, hat sie bis heute nicht veröffentlicht: „In der Nr. 137 der»Roten Fahne" bringen Sie eine Notiz „Der Kampf in Rummelsburg", die den Anschein erwecken kann, als seien wir für unsere Kollegen nicht nur nicht eingetreten, sondern hätten ihnen sogar einen„Streich" gefpiest. Wir wissen nicht, auf was für Informationen Sie sich stützen. Nach unserer Streikliste sind sieben Zementierer und Flechter bei Wiederaufnahme der Arbeit nicht sofort eingestellt worden. Unserem Verlangen an die Firma Boswau u. Knauer, diese Kollegen wieder einzustellen, hat die Firma entsprochen, soweit unsere Kollegen nicht selbst, mit Rücksicht auf die wenige noch vorhandene Zementarbeit, nach Zusage der Wiederein- stellung, auf Wiedereinstellung verzichteten. Es sind also Mitglieder des Baugewerksbundes auf der Baustelle Rummelsburg der Firma Boswau u. Knauer durch Maß- regelung nicht mehr betroffen. Es log deshalb gar kein Grund vor, M a u r e r, die nicht Zementarbeit machen sollen, n i ch t bei B. u. K. anfangen zu lassen. Soweit Mitglieder anderer Organisationen, wie etwa»Industrie-Verband, Gruppe Bau"(früher B. d. a. B.) oder Weyer-Leute usw., nicht eingestellt wurden, ist deren Der» tretung aus eigenem Willen der Mitglieder in die Hände der genann- ten Organisationen gelegt. Falls Sie unsere Berufskollegen dieser Organisationen stützen wollen, würden Sie sich wohl an die ge- nannten Organisationen wendew- müssen." Will die KPD. den„Industrie-Verband" und die Weyer-Union beschützen? Ei» Bravo der Belegschaft von Jchwarstkopff in Wildau! Auch bei der Firma Schwarzkopff in Wildau wird seit einiger Zeit versucht, eine„Vaterländische Arbeiterbe- wcgung" aufzupäppeln. Doch auch hier ist der Firma trog des hohen Einsatzes kein Gewinn beschieden gewesen. Trotz der großen Anstrengungen schnitten die V a t e r l ä n d i- s ch e n bei der Betriebsratswahl geradezu kläglich ab. Die frei- gewerkschaftliche Liste erhielt 763 Stimmen und 11 Mandate, die vaterländische Liste ganze 60 Stimmen und kein Mandat. Anerkannt werden muß, daß dieser Erfolg vornehmlich der zähen Ausklärungsarbeit der im Betrieb tätigen Funk- tionäre und Gewerkschaftsgenossen zu verdanken ist, die ihre ganze Kraft für die Propaganda gegen diese„Auchgewerkschaftler" ein- setzten. Sie werden in ihrer Arbeit für die freien Gewerkschaften nicht erlahmen, sondern mit verdoppeltem Eiser dahin streben, daß diese willigen Diener der Unternehmer bei der nächsten Betriebs- ratswahl überhaupt keine Stimme mehr erhalten. Tarifbewegvng in üer Leüerworeninüustrie. Zurückgewiesene Verschlechlerungsversuche. In der Lederwarenindustrie haben die Unternehmer die Mode- kvankheit mitgemacht. Sie haben die Tarifverträge gekün- d i g t und überall solche Verschlechterungen verlangt, daß schließlich kein Stein mehr auf dem anderen blieb. Lohn- kürzungen, Abbau der Ferien waren die Hauptpunkte, auf die es die Unternehmer abgesehen hatten. Aber auch dem Achtstundentag ging man zu Leibe. Schließlich kam es nach mehrmaligen erfolglosen Verhandlungen für das Berliner Vertragsgebiet zu einer Regelung, die einige Ver- fchlechterungen in der Feiertagsbezahlung enthält, aber im wesent-- lichen die seitherigen Bestimmungen aufrechterhält. Die Ferien- regelung wurde so getrossen, daß nach sechsmonatiger Beschäftigung drei Tage, nach einem Jahre fünf Tage Ferien gewährt werden, die bis zu zehn Tagen nach zehnjähriger Beschäftigung steigen. Der Tarif wurde auf die Ausrüstunqsindustrie und das Verbot der Heiin- arbeit auf die Artikel dieser Industrie ausgedehnt. Die Entschädigung der Heimarbeiter wurde auch aus die Stellung der Wohnung, Heizung und Licht festgesetzt. Die Bertragsdauer läuft vom 1. Mai 1926 bis 5. April 1928. Diese Vartragsrcgelung gilt für die Be- triebe in Berlin, im Regierungsbezirk Potsdani, in Mecklenburg- Strelitz, Mecklenburg-Schwerin, Pommern, Freistaat Anhalt, München und Provinz Sachsen, mit Ausnahme des Regierung?- bezirks Erfurt. Für das Offenbacher Gebiet wurde am 23. April ein Schiedsspruch des Tarifamts gefällt, der die Verschlcchtcrungsanträge der Unternehmer in der Hauplsachc abwies. Diese wollten auch den Achtstundentag praktisch beseitigen, da die ersten fünf Ucberstunden der 48-Stunden-Wochc zuschlagssrei bleiben sollten. Der Akkordzuschlag sollte beseitigt, die Heimarbeiter sollten entrechtet werden. Das sind bei weitem nicht alle Wünsche, die die Unter- nehmer hatten. Da die Unternehmer den Schiedsspruch des Tarisamtes ab- lehnten, beantragte der Verband der Sattler, Tapezierer und Porte- feuiller beim Reichsarbeitsminifterium die Verbindlichkeitserklärung. Die Unternehmer erschienen zwar zu den Verhand- lungen über diesen Antrajj, verhandelten aber nicht, sondern sagten, sie müßten es sich erst überlegen, ob sie überhaupt verhandeln wollten. Schließlich schickten sie eine Erklärung, daß sie an weiteren Verhandlungen nicht mehr teilnehmen würden. Darauf ist am 8. Juni der Schiedsspruch vom Reichsarbeftsminifterium für verbindlich erklärt worden._ Afreie Gelverkschaftsjngend. Arbeit für den Volksentscheid! Der Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, die Spitze der gesamten freien Gewerkschaftsbewegung, hat seine Mitglieder zur regsten Mitarbeit für den Voltsentscheid ausgerufen. Die Freie Gewerkschastsjugend nun. die«in Teil der gesamten Gewertschasts- bewegung ist, inuß gleichfalls dieser Ausforderung Folge leisten. Soweit sie wahlberechtigt ist, muß sie ihr Wahlrecht ausüben, darüber hinaus müssen sich olle kräftig an der Wahlarbeit beteiligen;(lellt euch für die Werbearbeft zum Volksentscheid den verschiedenen tätigen Stellen zur Verfügung. Tragt dazu bei, daß der Volksentscheid ein Sieg wird! � � � Achtung, Funktionäre der Gruppen! Am Montag, den 21. Juni findet die Zusammenkunft der Gruppenleitungen im Ver- bandshause der Metallarbeiter in der Linienstr. 83-86 statt. Ver- bandsbuch und Funttionärausweis legitimiert. Wie die Arbeiter„abgefunden" werden. Am 16. Juni wurde auf Zeche Margarethe die Beleg- fchaft von 1000 Mann bis auf einige Beamte und Notitands- arbeiter entlassen.— Auf dem Härder Verein lPhönixi wurden das Blechwalzwerk, das ThomaSwerk und die Schlacken- mühle stillgelegt. Jnfolgedesien kamen rund 960 Arbeiter zur Entlassung._ die Internationale /»rbeltskonferenz. Genf, 18. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Internationale Arbeitskonferenz beriet am Freitag diejenigen Teile des Geschäfts- berichts, die sich mit Schiffahrtsfragen befassen. Die Aussprache brachte auch hierbei eine Reihe von Klagen über die zu lang- s a m e Ratifikation der beschlossenen Arbeitsabkommen und ihre mangelhaste Durchführung in verschiedenen Ländern. Direktor Albert Thomas teilte mit, daß das Arbeitsamt eine kleine Sonderabteilung für Schiffahrtsfragen, die man im Jahre 1922 aus Sparsamkeitsgründen hatte eingehen lassen müsien, geschaffen habe und sie in den nächsten Iahren erweitern zu können hoffe. Die M a n d a t s p r ü f u n g s k o m m i s s i o n hat mit zwei Stimmen gegen die des Arbeitervertreters beschlossen, die Prot« st- eingaben des Internationalen Gewerkschaft s- b u n d e s und des Internationalen Transportarbeiterverbandcs gegen das Mandat des italienischen„Arbeitervertreters" R o s s o n i aus dem Grunde abzulehnen, weil internationale Organisationen kein Recht zu solchem Einspruch haben. Immerhin war die Kom- missionsmehrheit dabei ihrer Sache so wenig sicher, daß sie der Konserenz zugleich den Antrag unterbreitete, über diese� Frage eine Entscheidung des Internitionalen Gerichtshofs einholen zu lassen. Die Konserenz wird sich am Sonnabend mit der Frage befasien. Die Militärkommission der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz hat beschlossen, ihre Arbeiten Ende Juni oder Anfang Juli für drei Wochen zu unterbrechen. Man hofft, bis dahin von den sieben Fragen der Diskussionsgrundlage drei durchberaten zu haben. Ter Argentinische Gewerkschaftsbund im JGB. (IGB.) Trotz intensivster Hetzkampagnen anarchistischer, komm»- nsstischer und syndikalistischer ElemeMe hat sich im Februar d. I. in Argentinien eine freigewerkschastliche Landes zen- trale herausgebildet:„Confederacion Obrera Argen- tina", Buenos Aires, Saareda 58 2. Die Confederacion, die bereits auf dem Gründungstongreß den Anschluß an den IGB. in Aussicht nahm, hat nun beim Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes offiziell diesen Anschluß beantragt. Es ist zu erwarten, daß die Gründung der Confederacion sowohl zur Koso- lidierung der durch politisches Sektierertum zerrissenen argentinischen Gewerkschaftsbewegung als auch zur Festigung der Gewerkschafts- bewegungen in anderen südamerikanischen Ländern beitragen wird. wo bereit- die ersten Schritte zum nationalen Zusammenschluß der schwachen Gewerkschaften zurückgelegt sind. Die neu gegründete Landeszentrale zählt etwa 80 000 Mitglieder. Zimmerer! Leute. Sonnadend. 7 llbr. Mitgliederversammlun-i der zirke 29 iTegeO und 30(Reinickendorf) im Balkshaus Reinickendorf/ Sckarn. wederstr. UN, und für den Bezirk 32(Weistenfee) bei Nagel, Lotliringcr Ecke Strakduraei Strafte. In deiden Bersannnlunaen wird Bericht vom 24. Ber. bandstag geaeden. yameraden, sorgt für guten Besuch dieser Bersammlunaen! Bersammlnng aller streikende» fotnn der isirm» Bergmann l»osentdal> am Montag. 21. Juni, vormittag» 10 llbr. im B-rbandohau» der Deutiltien Meiallarbeiterverbande»(Siftungssaal), Linienstr.«3/85. Die vrt»»ermaltuna. Berantwortlich für Bolitlk:«rnst Renter: Wirtschaft:«rtne Saternu«: Vewerkschaftsbcwegun«: Z. Steiner: Feuilleton:«. L. Dilchee: Lokales und Eonittaeo: ifr,» llarftädt: Anzeiaen: Td. Stock«: linnt'.ich in Berti». Verlag: Vorwlirts.Vcrlag Pf. 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AosfDhrliche Prospekte in den ReltebOrot der Warenhluser Hermann Tietx. 20" KIIVOBRsr WOCH Um den Kindern eine besondere Freude zu machen, haben wir in unseren Häusern einen Vergnügungspark eingerichtet, in dem die Kleinen sich in Begleitung Erwachsener nach Herzenslust belustigen können. Nr. 2S4< 45. Jahrgang 1. Heilage ües Vorwärts Sonnabenü, 14. �uni 1424 Ein Tag vor öem Volksentscheid. Ruhe vor üem Sturm. Eine verhaltene Spannung lag am Freitag über der ganzen Stadt. Die nervöse Teweglichtcit der Vortag« wich einer letzten großen Atempause. Um so stärker wird der heutige Sonnabend und der darauf folgende Tag der Entscheidung alle die Kräfte loslösen, die jetzt, wie zum Sprunge geduckt, ihrer Arbeit harren. In den Prole- tarierstraßen wehen jetzt schon zu vielen chunderten rote und schwarzrotgoldne Fahnen dem Kampftag entgegen, cheut werden und müssen es unzählige Tausende werden, die zu gleicher Zeit ein Bekenntnis für die Republik und den Sozialismus ablegen. Sonnabend und Sonntag werden Kampflage gegen die monarchistisch« Reaktion und chabgier werden, wie sie Berlin noch nicht erlebt hat. Weite Kreise des Bürgertums sind in den Bann des Volksentscheids gezogen. Die gespannt« Stimmung sehnt sich nach Entladung. Für die Sammelstellen der Roten Front, und vorallemdesReichs- ba n ne r s wurde von vielen Bürgerlichen gegeben. Das schwarz- weißrote Bismarckflugblatt zur Fürstenenteignung fand bei einigen entrüstete Ablehnung. Doch nach der Aufklärung durch die Reichs- bannerleuts wandelte sich die Entrüstung in ein Lachen und die Er- Wartung, daß die wirklichen Schwarzweißroten mit Freuden danach greifen werden und so einmal erfahren, wie Bismarck die Fürsten ent- eignete. Am Hermannplatz diente der Sammlung für den Volks- entscheid ein alter Zylinderhut mit der Aufschrift: „Wilhelm sein Zylinderhut Ist zum Sammeln auch noch gut!" Gereimt«.Schlagworte, die in kleinen Sprechchören taktmäßig an den Sammelstellen gesprochen wurden, erzielten wieder ein« starke Wirkung. Jedem, ob er es wissen oder nicht wissen wollte, wurde so zum Beispiel eingehämmert: Wer die Fürsten ernährt Ist Prügel wert. Di« Sprechchöre bilden überhaupt in den Hosen und Straßen eines der wirksamsten Propagandamittel der Arbeiter- Parteien. Am Sonnabend und Sonntag werden die Wogen des Kampfes mit den Monarchisten haushoch schlagen. Wenn jeder auf seinem Posten sein Aeußerstes tut und jede Stunde nach der kurzen Ruhepause für den Volksentscheid einstellt, dann kann Berlin mit Stolz auf den Tag der Entscheidung blicken. Mein Kollege. Mein Kollege ist Beamter von altem Schrot und Korn, korrekt, diensteifrig und von großer Zuvorkommenheit. Den Krieg hat er verhältnismäßig gut überstanden und es nunmehr schon„zu etwas gebracht". Rur sein politisches Ueberzeugurigsvernlögen ist vollkommen im„Lokalanzeiger", dem seit Iahren sorgsam gehüteten Leib- und Magenblatt, untergetaucht. Schon ost haben ihn Demon- strationen der Arbeiterschaft den Sonntag verdorben, wenn sie zufällig an seinem Wohnhaus vorüberführten:„Ich gehe gar nicht raus. Man kann doch die Sachen da nicht alleine stehen lassen, wenn d i e kommen?"— Heut« aber macht ihm der Volksentscheid die größten Kopstchnierzen. Wie sollte er auch nicht.„Denken Sie sich, Herr Kollege," kommt er dieser Tage voller Entsetzen zu mir ge- laufen:„nun werde» sie uns doch auch bald die Beomtenpensionen nehmen."—?—„Ja, ja, im„Lokalanzeiger" steht's ja. Sehen Sie, hier. Erst die Fürstenvermögen, dann der Hausbesitz, danach die Be- amtenpensionen und dann der Privatbesitz und alles, was man sich so mühevoll erarbeitet hat. Aber meine Sachen, meinen Schreibtisch, meinen Bücherschrank kriegen sie nicht, lieber schlage ich alles entzwei?— Ich stehe noch immer sprachlos. Im„Lokal- anzciger" steht es wirklich so ober... Doch zureden, zurechtsetzen, berichtigen Hilst nichts. Re, n«, das Blättchen hat's so geschrieben, das stimmt. Und die Journaille hat wieder mal gesiegt. Der 2l). Juni wird diesmal noch viele solche von der Lokal- und Generalanzeiger- presse verhetzten Gemüter finden. Aber auch das Entsetzen schwindet wieder.-- Mein Kollege ist ein seelenguter Mann und vortress- licher Mitarbeiter, nicht eimnal unbedingter Gegner der Republik, die ihn bezahlt. Doch in politischen Dingen ist sein Hirn anscheinend rettungslos verkorkst durch den Lokalanzeiger. Kein Wunder. Und dennoch werde ich ihn bei Gelegenheit an den 20. Juni erinnern. Vielleicht hilft's. Vorläufig studiert er doch gewissenhaft all« Schriften, die sich mit dem Raubzug der Fürsten beschästigen. Geduld, einmal kommt schon die Erleuchtung, und die Möbel sind gerettet.... Prinz und verkehrsorönung. Man schreibt uns: Anläßlich eines Tennisturniers besuchte auch Prinz S i g i s- m u n d den veranstaltenden Turnierklub. Die Klubgebäude und -Plätze liegen am End« einer Straße, die hier zu einem geräumigen Rundteil ausgebildet ist, das es jedem Wagenführer ermöglicht, bequem von rechts heranzufahren. Rur Prinz Sigismund tat dies nicht, fon- dern fuhr von links in die Anfahrt hinein. Der diensthabende Schupo- beamte machte den Prinzen nun daraus aufmerksam, daß er von rechts heranzufahren habe. Außerdem müßt« der Wagen in einer der Nebenstraßen abgestellt werden, da das„Parken" vor dem Platz verboten fei. Aeußerst erregt erklärt« nun der Prinz, er fahre so heran, wiees ihm passe. Im übrigen führe er sofort weiter, da er nur noch jemand abholen wolle. Der Schupo bestand aber darauf, die Anfahrt frei zu halten und notierte die Nummer des Wagens. Mit hochrotem Gesicht bestieg Prinz Sigismund wieder seinen Wagen, um mit der inzwischen herbeikommenden Bekannten, die er abholen wollte, fortzusahren. Er konnte es aber nicht unter- lassen, seinem Herzen über die ihm zuteil gewordene Behandlung Luft zu machen, wobei die Ausdrücke„blödsinniges Volk" und„dumme Bande" deutlich zu hören waren. Vielleicht wäre hierbei daran zu erinnern, daß der Prinz auch schon während des Staffellaufes Pots- dam— Verlin Sonderrecht« für seinen Wagen haben wollte und die Freigabe der Straße für sich verlangte. Damit der Prinz nicht so warten brauchte, sollte also der Laus unterbrochen werden und die Veranstaltung dadurch vollkommen ihren sportlichen Reiz verlieren. Zum Glück kam er diesmal an den verkehrten Beamten, der ihn ge- nau wie all« änderen warten ließ, bis die Straße freigegeben wurde. In nichts kennzeichnet sich die volksfeindliche Ein- stellung dieser Herrschasten besser als in solchen Ueber- heblichkeiten. Gesetz und Recht bestehen für sie nicht. Alle Verord- nungen sind nach ihrer Meinung nur für das„Volk" gemacht, nicht für die„Edelsten der Nation". Und sowas empört sich über den Volksentscheid. varum tobt der„Lokalanzelgec*. Gegen den Volksentscheid über die Fürstenenteignung wühlt und wütet die schwarzweißrote Presse mit allen möglichen und unmög- lichen Mitteln. Blätter vom Schlage des„Berliner Lokalanzeigers" bemühen sich krampfhaft, ihre Leute von der Abstimmung überhaupt fern zu halten. Immer wieder predigt diese Press« ihren Lesern: „Der Voltsentscheid ist Diebstahl, darum beteiligt euch nicht an der Abstimmung!" oder:„Der Volksentscheid bringt die Revolution, darum bleibt zu Hause!" Diese Schutzgarde der Fürsten weiß nur zu gut, daß sogar ihre eigenen Anhänger, wenn sie zur Abstimmung gehen, in Scharen für die Fürstencnteignung mit I a st i ni m e n werden. Daher hat man im Lager der Fürstenschützer die Parole Stimmenthaltung ausgegeben und»darum versucht man dort, die rechtsgerichteten Kreise von der Abstimmung wegzugraulen. Ein in Friedenau wohnender„Lokalanzeiger"- Leser schreibt uns einen Brief, der für die Stimmung vieler Rechtsgerichteten kennzeichnend ist. Da er sein« Ur- laubsreise jetzt antreten mußte, wollte er durch seine Frau die sü? Verreist« nötigen Stimmscheine besorgen lassen. Nach emigen ver- geblichen Lausereien wurde sie an die richtige Stell«, an das Rathaus des Verwaltungsbezirks Schöneberg gewiesen, hier aber erhielt sie die Antwort:„Da kommen Sie am Abend wieder." Die Folge war, daß wegen Zeitmangel die Stimmschein« überhaupt nicht mehr besorgt werden konnten. Der„Lokalanzeiger"-Leser meldet uns das von seinem Urlaubsort aus und klagt, daß nun am 20. Juni beim Volks- entscheid ein paar Stimmen weniger s ü r das Gesetz zur Fürsten- «nteignung abgegeben werden. Er selber und seine Gattin hätten, wie diese Aeußerung ergibt, für das Gesetz zur Fürstenenteignung m i t I a g« st i m m t. Er, der so um seiy Stimmrecht gekommen ist. hebt ausdrücklich hervor, daß er gewöhnlich den„Lokalan, eiger" liest und sich mit Stolz einen altgedienten Soldaten nennt. Wir wissen, daß so, wie er, Millionen Rechtsgerichete im Deutschen Reich denken. Millionen Rechtsgerichtete sind bereit, in der Frage der Fürstenenteignung mit den Linksgerichteten zugehen._ Darum tobt der„Lokalanzeiger" und die gesamte Presse der rechtsgerichteten Parteien gegen den Volksentscheid. Angesichts der Bemühungen, die rechtsgerichteten Beoölkerungsschichten von der Teilnahme am Volksentscheid abzuschrecken und ihnen die Unter- stützung des Gesetzes zur Fürstenenteignung unmöglich zu machen, müssen alle Republikaner mit um so größerer Treue ihre Pflicht tun. Sorgt dafür, daß am 20. Juni der Volksentscheid mit vielen Millionen Ja-Stimm«n die Annahme des Gesetzes zur Fürstenenteignung ergibt!' kirchUche Sabotage des Volksentscheids. In kirchlichen Vereinen wird augenblicklich stark für eine Beteiligung an einer„C h o r i n f e i e r" geworben. Genialerweiss hat man die Feier am zwanzigsten, dem Tage des Volksentscheids, so arrangiert, daß die Teilnehmer mit Sicherheit der Abstimmung fern- gehalten werden: die Abfahrt des Extrazuges ist auf halb acht Uhr morgens festgesetzt, die Heimfahrt soll von Chorin auch erst um halb acht Uhr abends angetreten weiden. Der Fahr- preis ist erheblich ermäßigt. Besonders in den Jugendvereinen wird eifrigst für die Fahrt Propaganda gemacht. Wenn dann ein etwas hellerer Kopf darauf aufmerksam macht, daß die Fahrt gerode am Tage de» Volksentscheides stattfindet und er sich deshalb leider nicht in die Teilnehmcrliste eintragen könne, sind die Leiter meist recht un- liebsam überrascht. Da diese Propaganda schon einige Zeit im Gange ist, so ist leider zu befürchten, daß es Mitglieder gibt, die den eigentlichen Zweck der Uebung gar nicht durchschaut haben. Die stehen nun vor dem Dilemma, entweder ihre Anzahlung schießen zu lassen oder auf eins ihrer wichtigsten Staotsbürgerrechte verzichten zu müssen. Ja, es gibt eben auch in der evangelischen Kirche Leüle, fre durchaus nicht ohne Falsch wie die Tauben sind... dafür befolgen sie die ander« 5zälfte des Spruches„seid klug wie die Schlangen" aber doppelt!_ Der Jilm.keinen Pfennig den Fürsten" läuft noch bi« Sonn« abendnbcnd in folgenden KinoS: Tbalia-Licht spiele, Gr. Frankfurter Straße 27, Kakadu-Licht spiele, Alepa nder- straße 27c, Ubu«Licht spiele, Neue Schönhauser Str. 13. Oer lvobbly. 101 L. Traven. Oopyrigilit dp Buchmeistcr-Berl-g. Berlin und Leipzig. Senor Doux atmete schwer.„Aber am Samstag ist doch erst die Woche um. Warum soll ich da Freitag schon den Lohn zahlen?" „Warum? Warum? Ist Ihnen denn das nicht klar?" Der Sekretär tat ganz erstaunt.„Der Arbeiter.borgt Ihnen ja sowieso schon fünf Tage Lohn. Er gibt Ihnen seine Arbeits- kraft fünf volle Tage, während Sie mit dem Kapital Geschäfte machen. Wie kommt denn der Arbeiter überhaupt dazu, Ihnen fünf Tage Arbeit zu borgen? Eigentlich sollten Sie Montag früh im voraus für die ganze Woche bezahlen, das würde sich gehören. Aber soweit wollen wir nicht gehen." „Gut, also damit bin ich auch einverstanden. Auch mit dem einen Vollessen und dem Kaffee mit Zugebäck. Dann ist ja wohl das olles in Ordnung?" Senor Doux stand auf. .„Setzen Sie sich nur noch eine» Augenblick," lud ihn dör Sekretär ein.„Da sind noch einige Nebenfragen zu erledigen. Die Streittage müssen Sie bezahlen." .„Ich? Die Streiktage bezahlen?" schrie Seüor Doux. „Ich soll auch noch die Faullenzerei bezahlen?" „Streik ist keine Faulenzerei. Und wenn bei Ihnen ge- streikt wird, müssen Sie den vollen Lohn weiter zahlen. Streik ist auch Arbeit. Sonst könnten Sie alle, die ganzen Hotelbesitzer und Kaffeehausbesitzer, uns ja zu einem langen Streik treiben, um unsere Kassen zu zerstören, so daß wir nie wieder streiken könnten. Nein, Sefior, darauf lassen wir uns nicht ein. Der Streik wird von uns finanziert. Wir sind nur die Lehnsbank für die Arbeiter. Aber zu zahlen haben Sie den Streik. Sie haben ja Zeit, reichlich, sich zu überlegen, ob Sie es zum Streik kommen lasten wollen oder nicht. Die Kricgskosten muß der bezahlen, der den Frieden braucht, um wieder Geschäfte zu machen." „Das ist die größte Ungerechtigkeit, die mir je vorgekom- mcn ist," rief Senor Doux. „Ich will Ihnen nicht die Ungerechtigkeiten hier vor- zählen, die Sie und Ihresgleichen jahrelang verübt haben," sagte der Sekretär. „Es bleibt mir wohl nichts anderes übrig, ich muß auch das bezahlen," gestand Doux kleinlaut. „Am besten gleich heute," erklärte der Sekretär,„denn morgen kostet es bereits einen Tag mehr." „Dann werde ich noch vor fünf Uhr herkommen und olles bezahlen," sagte Senor Doux und erhob sich abermals. „Bringen Sie aber etwas mehr mit." warf der Sekretär ein, während.er sich gleichfalls erhob. „Noch mehr?" fragte Senor Doux erschreckt. „Ja, ich denke, Sie wollen doch das Cafp jetzt schon geöffnet haben und nicht erst nach zwei Monaten." „Ist denn das nicht damit verbunden, wenn ich alles bewillige?" Senor Doux wurde ganz nervös. „Keineswegs", erwiderte der Sekretär.„Das Schließen des Lokals hatte andere Gründe als den Streik. Das wissen Sie wohl recht gut. Sie haben den Inspektor ausgefordert, den Streikposten einen Denkzettel zu geben." „Das habe ich nicht getan," wehrte sich Doux. „Wir sind darüber anderer Meinung. Es ist jedenfalls in Ihrem Lokal geschehen, und Sie sind für die Vorgänge in Ihrem Lokal verantwortlich. Sie konnten es leicht ver- hindern, daß so etwas vorkommen konnte." „Dann sagen Sie doch schon, was ich noch zu tun habe," drängte Senor Doux. „Sie haben zehntausend Pesos in die Kaste unseres Syndikats zu zahlen als Sühnegeld. Sobald Sie die Summe eingezahlt haben, werden wir für Sie die Garantie über- nehmen, und dann kann das Eafö geöffnet werden, und die Siegel werden abgelöst." „Zehntausend Pesos soll ich zahlen?" Senor Doux war wieder in den Stuhl gefallen. Der Schweiß brach ihm aus. „Sie brauchen es nicht zu bezahlen. Wir zwingen Sie nicht. Dann bleibt das Eaf� zwei Monate geschlossen." Der Sekre- tär wurde ganz trocken und kaufmännisch.„Natürlich haben Sie nach zwei Monaten die Löhne für die Kellner für die vollen> zwei Monate nachzuzahlen. Die können doch nicht verhungern. Und wir können ihnen leider nicht erlauben, andere Arbeit anzunehmen, weil sie sich bereithalten müssen,. bei Ihnen wieder anzufangen, sobald Sie öffnen. Wir kön- nen doch nicht zugeben, daß Sie eines Tages, wenn Sie öffnen wollen, keine Kellner haben und vielleicht geschäftlichen Schaden erleiden. Und damit Sie gleich im klaren sind, ein für allemal: Es ist nicht unsere Absicht, das Geschäftsleben zu vernichten oder auch nur zu stören. Durchaus nicht. Aber es ist unsere Absicht, dafür zu sorgen, daß der Arbeiter von dem, was er produziert, nicht nur einen angemessenen Anteil erhält, sondern den Anteil, der ihm zukommt bis zu der höchsten Grenze, die dos Geschäft tragen kann. Und diese Grenze ist viel höher, als Sie glauben. Damit beschästigen wir uns augenblicklich besonders eingehend, die Tragfähigkeit jedes Arbeitszweiges zu errechnen. Arbeitszweige, die dem Arbeiter nicht soviel eintragen, daß er sein Leben führen kann, wie es einem Menschen von heute zukommt, sollen zugrunde gehen. Dabei wollen wir helfen. Und wenn solche Arbcitszweige wichtig find für die Allgemeinheit, dann wer- den wir dafür sorgen, daß die Allgemeinheit dem Arbeiter ein menschenwürdiges Dasein gewährleistet. Daß Ihr Caf6 für die Allgemeinheit so sehr wichtig wäre, bestrelle ich. Aber es ist nun einmal da. Und solange Sie es dazu bc- nutzen, Ihr Vermögen zu vergrößern, bringt es auch ge- nügend ein, um anständige Löhne zu zahlen. Wenn Sie nichts mehr verdienen können, werden Sie schon von selber zumachen.— So, das habe ich Ihnen gesagt, damit Sie nicht denken, wir sind Erpresser. Nein, wir wollen nur, daß die Leute, die Ihnen ein Vermögen produzieren, den Anteil bekommeü, auf den sie ein Recht haben. Für Sic bleibt noch genug übrig." Senor Doux hatte das sicher nur zur Hälfte verstanden. Er saß ganz verdöst da. In seinem Kopfe surrten nur immer jene zehntausend Pesos herum, die er da auf den Tisch legen sollte. Er traute sich nicht ja zu sagen aus Angst vor seiner Senora. Aber ebensowefiig traute er sich ein glattes Nein hier hinzuwerfen, gleichfalls aus Angst vor der Senora. Er wußte ja nicht, was sie vorziehen würde. Jeder Tag Zögerung kostete Geld. Schließlich kam es auf mehr heraus als auf diese zehntausend Pesos, wenn er zwei Monate geschlossen halten mußte und dann außerdem die Löhne nachzuzahlen hatte. So arbeitete er mit den Summen in seinem Kopfe, bis er halb verrückt wurde. Er stand auf und sagte:„Ich werde es mir überlegen." Er verließ das Bureau, ging die Treppen hinunter und trat auf die Straße. Er wischte sich den Schweiß und schnappte nach Luft. Dann machte er sich auf den Heimweg. Dabei kühlte er ab und fing an, die Sache ruhig zp über- legen. Er rechnete auf einem Papierstückchen hin und her und kam endlich zu der Ueberzeugung, daß es billiger sei, sofort alles zu bezahlen. '(Fortsetzung folgt.) Aum volksentscheiü. ' Die stimmberechtigten werden darauf aufmerksam gemacht, dag die Grenzen der Stimmbczirkc teilweise geändert worden und dementsprechend für einen Teil der Stimmberechtigten nicht die bisherigen.Abstimmungsräume zuständig sind. Es wird den Stimmberechtigten deshalb empfohlen, aus den am Sonnabend und Sonntag an den Aufchlagsfäulen befindlichen a m t- l i ch e n Bekanntmachungen über die Abstimmung den jetzt iür ihre Wohnnng zuständigen Abstimmungsraum selbst sestzu- stellen, Am Abstimmungstage werden die Geschäftsräume des Hauptwahlamtes, Rathaus, Zimmer 16— 18, von T/t Uhr vormittags an ununterbrochen geöffnet sein und auch in der Nacht zum 21.?uni d. I. nötigenfalls bis um 6 Uhr früh offen gehalten werden. Ebenso werden die Geschäftsräume der Bezirks- w a h l ä m t e r für dieselbe Zeit geöffnet sein. Die bekanntwerdenden Teilergebnisse der Abstimmung werden zweistündlich zusammen- gestellt und de» Vertretern der Presse im Zimmer 16 des Hauptwahlamts auf Wunsch mitgeteilt. Eine telephonische Mitteilung der Teilergebnisse kann jedoch wegen dauernder anderweitiger Jnan- spruchnahmc der Fcrnsprechapparatc nicht erfolgen. Um öen öerliner Etat. Die kommunistische an die sozialdemokratische Iraklion. Die Berliner k o m m u n i st i s ch c R a t h a u s s r a l t i o n hat an die sozialdemokratische Fraktion ein Schreiben gerichtet, in dein sie trotz der Vorgänge in der letzten Berliner Stadt- reroronetenversammlung ihre Bereitwilligkeit zum Ausdruck bringt, den B e rl i n e r E t a t gemeinsam ni i t d e n S o z i a l d e in o- traten zu oerabschieden. Aber der Etat könne nicht eher verabschiedet werden, bis die Genehmigung der gestaffelten Grund- fteucr vorliege. Sie schlägt deshalb vor, bis zur endgültigen Ver- abschiedung des Etats einen Notetat zu beschliehen, der die strittigen Punkte nicht enthalte. Was unter dem Begriff'..Notetot" oerstanden werden soll und wie für die Dauer der Zeit, in der die gestaffelte Grundsteuer nicht genehinigt ist, Einnahmen und Ausgaben der städtischen Haushalts- Wirtschaft in Einklang gebracht werden können, das wird in dem Schreiben ebensowenig angedeutet wie irgendeine Möglichkeit für die Deckung derjenigen weiteren Ausgaben, auf denen die Kommu- nisten nach wie vor bestehen. Jedenfalls geht nian wohl nicht fehl, wenn man annimmt, doh in den eigenen Reihen der Kommunisten das Ausbrechen ihrer Fraktion aus der gemeinsamen Front auf energischen Widerstand gestoßen ist. Wir möchten trotzdem nicht glauben, daß die kommiuiistische Fraktion in letzter Minute sich dazu aufschwingt, den Mut zu wirklicher Verantwortung auszubringen. Im übrigen wird der Verlauf der nächsten Stodtoeroronelenver- sammlung so zeigen, was unter den unklaren Andeutungen des kom- munistifchen Schreibens zu verstehen ist. Sechs?ahre Zuchthaus für üen Jassaüenkletterer. Er denkt nicht daran, das Urteil anzunehmen.. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts I begann gestern von neuem die vor einiger Zeit oertagte Verhandlung gegen den be- rüchtigten Einbrecher W i l h e l m K a ß n c r. Er stand unter der Anklage des oersuchten Totschlags und des vollendeten und des ver- suchten schweren Raubes nift Waffengewalt. Der Vorfall, der sich in der Nacht zum 14. November v. I. im Hotel Kaiferhof abspielle, hatte sogar über die Grenzen Deutschlands hinaus großes Aussehen erregt und zu einer Beunruhigung des Fremdenverkehr» geführt. Der"Neberfallene war der Versicherungsdircktor H o l l i n g e r, der gerade erst, mit seiner Frau au» Zürich kommend, im Kaiserhof abgestiegen war.-Wie erinnerlich, hatte Hollinger den Äoßner, von deni er bedroht wurde, voller Geistesgegenwart gepackt, zum Fenster getragen und glatt hinausgeworfen. Kaßner wurde bald daraus auf dem Wilhelmplatz mit schweren Verletzungen bc- wußtlos aufgefunden. Ein scharf geladener Revolver lag neben ihm. Er ist jetzt wiederhergestellt, hat jedoch«ine erhebliche Ver- kürzung des Beines davongetragen. Die vorig« Verhandlung war der Vertagung verfallen, da das Ehepaar Hollinger nicht erschienen war. Es ergaben sich Widersprüche zwischen der Darstellung Hol- lingers und der des Angeklagten. Kaßner behauptete, daß er gar nicht im Zimmer gewesen sei, sondern beim Vorbeihuschen cm«ims des Fensters am Zimmer Hollinger: vorbeigekommen sei. Dabei habe ihn Hollinger in die Tieje gestoßen. Da die Wider- sprüche sich ohne die Gegenüberstellung durch den Tatzeugen nicht aufklären liehen, mußte das Gericht die Verhandlung vertagen. In- zwischen ist H o l l i n g e r, der sich geweigert hat, nach Berlin zu kommen, von einem Berliner Richter in Gegenwart des Staotsan- wolts und des Verteidigers in Zürich v e r n o m IN r n worden. Er hat seine Angaben wiederholt. Bemerkenswert ist dabei, daß Hollinger den Eid verweigert hat, indem er sich aus dos Züricher Eladtrccht berufen hat, welches ganz im Gegensatz zu anderen Schweizer Kantonen den Zeugcncid nicht kennt. Daraus fand in dem fraglichen Zimmer 1-18 des Hotels K a i s e r h o s ein Lokaltermin statt, bei dem unter Mithilfe von Knminolbeam- tcn eine Rekonstruktion des Ileberfalls versucht wurde. Kaßner blieb hier und auch in der später wieder aufgenommenen Berhand- lung dabei, daß er gar nicht im Zimmer gewesen sei. Kriminal. koinmissar Trettin hat aber den Eindruck, daß weder die Schilderung Hollingcrs, noch die des Angeklagten über die Vorgänge ganz stimme: er glaubt vielmehr, daß Kaßner, als er sich zwei Personen gegenüber sah, sein Vorhaben als mißlungen betrachtete und den Wunsch hatte, so schnell wie möglich wegzukommen. Es blieb ihm kein anderer Weg als der, aus dem er gekommen war, durch ein Fenster. Da werde wohl Hollinger, als der Angeklagte hinaus wollte,'„mitgeholfen" haben. So sei es zum Absturz gekommen. Nach zweistündiger Beratung kam das Schwurgericht zu der lieber- zeugung, daß der Darstellung Hollingcrs voller Glau- Ii e n beizumessen sei und sprach den Angeklagten Wilhelm Kaßner schuldig des oersuchten Totschlages und des versuchten schweren Raubes in Verbindung mit unerlaubtem Wafsenbesitz zu gemalt- tätigen Zwecken. Die Gesamtstrase lautete wegen der Gemxingefähr- lichkeit des Angeklagten auf sechs Fahre Zuchthaus, zehn Iabrc Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Aus die Frage. ob er das Urteil annehmen wolle, erwiderte Kaßner:„Um Gottes Willen, ich denke nicht daran."_ � Ter Tod des jungen Müglich. Die Sicherheit-verhältnisse im kleinen Tiergarten, die vielfach Gegenstand lebhafter Beschwerden bildeten, fanden in einer Ver- Handlung vor dem Großen Schöffengericht Berlin Mitte eine be- merkenswerte Beleuchtung. Veranlassung dazu bot eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung mittelst hinterlistigen lieber- folles, die sich gegen vier junge Burschen, die neunzehn- bzw. zwanzig- jährigen Thomaczcwski, Krajewski. Bercherl und Minikowski. richtete. An sich war der Fall nicht sehr schwer, jedoch bekam er dadurch eine tragische Wendung, daß aus der Flucht der Täter die Polizei von der Waffe Gebrauch machte und infolgedessen cm junges Menschenleben, der neunzehnjährige Arbeilsbursche Müglich. den Tod sand. Dieser Fall erregte seinerzeit, wie erinnerlich, erhebliches Aussehen, da die Nachricht austauchte, in Müglich hätte infolge eines unglücklichen Zufalles oder leichtfertigen Schießens der Polizei die einem anderen zugedachte Kugel einen Unschuldigen und an dem Vorgehen gänzlich Unbeteiligten getroffen. Die Verhandlung etgad. daß Müglich zu dem Kreis der Angeklagten gcbört Halle. Mit Rücksicht aus die Jugend und bisherige Ilnbestraftheit der Ange- klagten beantragte der«Staatsanwalt nur 106 M. bzw. 150 M. Geldstrafe. Das Gericht jedoch war anderer Ansicht, nachdem es erklärt sbfittt. daß dgm Beamten kein Vorwurj zu wachen jei, da er sich im Rahmen seiner Pfl-cht gehalten Hobe. Die Angeklagten gehörten offenbar zu einem gcwisien Kreis junger Burschen, die es sich zur Ausgabe machten, die nächtliche Ruhe zu stören und harmlose Wanderer zu überfallen. Davor müßten die Bürger gc- schützt werden, und deshalb fei bis auf Minikowski, der freigesprochen werden mußte, auf einen Monat Gefängnis erkannt werden. Zahlten sie aber 100 M. Buße, so würde eine Bewährungs- frist bewilligt werden. M das Volk- Segen die Zürflen! Seffentliche Kundgebungen: heute, Sonnabend, den 19. Juni: Mille: Treffpunkt zum Propagandaumzug mit Musik abends 6 Uhr Michaelkirchplafi. Tiergarten(6. Abt.): Demonftrationsumzug. Abmarsch vom Magde- burgcr Platz abends 6�4 Uhr. Ab Dennewitzplatz 7 Uhr abends mit 3 Kapellen. Fahnen und Plakate find mitzubringen. Zriedlichshain: Straßendemonstration ab 5 Uhr vom Küstriner Platz. Redner: Dr. Rudolf B r e i t f ch e i d, M. d. R. Slaaken: Demonstration abends 6!4 Uhr auf dem Marktplatz in der Gartenstadt. Redner: Hermann Harnisch, M. d. L. Zehlendors: 8 Uhr im Restaurant Lindenpark, Berliner Str. 8. Redner: Hans Plettner. lempelhof: Demonstration mit Musik. Treffpunkt 5K Uhr Werder Straße Ecke Viktoriaftr. Anschließend Kundgebung aus dem Reinhardtplatz. Rednerin: Elara Bohm-Schuch, M. d. R. Steglitz: ilhr aus dem Marktplatz. Redner: Dr. Lands- b c r g, M. d. R. Neukölln: ö'A Uhr Straßendemonftratton. Treffpunkt: Schiller- Promenade. Anschlichend unter freiem Himmel im Karlsgarten. Redner: Dr. Kurt L ö w c n st c i n, M. d. R. Tegel. Reinickendorf- West. Borsigwalde. Treffpunkt zur Kundgebung nachmittags 5>- Uhr in Tegel, Dorfaue. Grünau: 71-!> Ilhr im„Jägerhaus"(Inhaber ErHardt). Redner: Wilhelm Lands. Bohnsdorf: 8 Uhr im Restaurant„Zu den vier Jahreszeiten", Bohnhofftr. Redner: Stadtrat Emil Dittmer. Lichtenberg: Demonstrationsumzug. Sammelpunkt: Mittelprome- nade Frankfurter Allee, an der Kronprinzenstr. Spitze Berlin. Abmarsch(i'/: Uhr. weißcnsce: 6*t Uhr Demonstration auf dem Lindcnplotz. Karow: 8 Uhr im Restaurant„Zum Lindenpzrk"(Inhaber Steltcr). Redner: Bernhard Görin g. Pankow: 6'A Uhr aus dem Marktplatz Treffpunkt zum Demonstra- tionsumzug mit Musik. Reinickendorf: 7 Uhr auf dem städtischen Sportplatz. Reinickendorf. West, Scharnwcberstr. 90/95. Redner: Franz Künstler, M. d. R. Reinckcndors-Ost. Roscnlhal. Wittenau. Waldmannslust. Lübars, Dermsdorf- Jrohnau: Tresspunkt zur Kundgebung nachmittags 5M Uhr Bahnhof Schönholz. Vaumschulenweg: Ausmarsch zum Umzug 7 Uhr. Umzug durch den Ort mit Plakaten und Musik. Anschließend Mitglicderversamm. lung. Milües Urteil für eine verführte. Der wohltätige neue§ 2 IS. Unter Porsitz des Landgerichtsdivektors Dr. Westerkamp fällte gestern das Potsdamer Schöffengericht zum ersten Mal« ein Urteil wegen eines Berbrechens aus � 218 ivollendete Abtr»ibmig> nach der neuen Gesetzgebung, die am s- Juni d. I. in Kraft getreten ist. War die Mindestjtrase früher für devonige Straftaten 6 Monat« Gesang- nis, wenn nicht gar Zuchthaus, so ist jetzt den Gerichten freie Hand in der Urteilssällung gegeben worden. Die Angeklagte, 1>er die Seg- nungen des neuen Gesetzes zugute kommen, war eine kaum neun- zehnjährige Arbeiterin Stonislawa K. vom Rittergut Faltenrede bei Potsdam: sie war der vollendeten Abtrei- b u n g beschuldigt. Weinend steht die junge Angeklagt« vor den Richtern, mütterlich betreut von der Gesängnisfüösorgerin. Sie ist geständig. Der Staatsanwalt beantragt drei Monate Gefängnis. Dos Gericht berücksichtigte die Notlage d e r A n g e k l a g t e n, die durch einen gewissenlosen Menschen verführt und verlassen worden ist. Das Urteil erging auf sechs Wochen Gefängnis unter Anrechnung der vollen Untersuchungshaft, so daß die Berurteilte nur noch einen Tag zu oerbüßen hat._ Kraftwagcqunglück auf der Kolonnenbrücke. Erst vor kurzem konnten wir von einem Auiomobitunglück be- richten, bei dem ein Kraftwagen das hölzerne Brückengeländer der Mvnumentenbrückc, die über die Geleise der An- Halter Bahn führt, durchbrach, und aus die Geleise stürzte. Dabei wurden drei Personen schwer verletzt. Gestern nach- mittag � nun ereignete sich aus der hölzernen Kolonnen- brücke, die parallel zur Monumcntenbriicke läuft, ein ähnliches Unglück, das aber glücklicherweise sehr glimpflich verlies. Ein Lieferwagen der G r ö n l a n d- E i s- G. m. b. H. wollte über die Kolonnenbrücke sahren, als plötzlich die Steuerung versagte und der Krastwagensiihrer die Gewalt über den Wagen verlor. Das Auto überfuhr die Bordschwelle und prallte gegen das hölzerne Gc- länder, das in einer Länge von etwa sechs Metern durchbrach und auf die Geleise stürzte. Der Wagen blieb hart am Rande des Ab- grundcs stehen. Rur wenig hätte zum vollen Absturz gefehlt. Der Führer und Mitfahrer kamen mit dem Schrecken davon. Da» Auto wurde beschädigt, tonnte aber feine Fahrt fortsetzen. Es ist dies in kurzer Zeit der dritte U n j a l l, bei dem cm Kraftwagen das hölzerne Geländer der beiden Brücken durchbrach. Tie 5sinanzvcrwaltung als Nebenkläger im Zprit- Wcber-Prozefj. Wie es nicht anders zu erwarten war, ist die Aussorderung des Vorsitzenden, Londgerichlsdirektor Schulze, die er vorgestern an die Angeklagten richteie, erfolglos gewesen. Ein offenes, reumütiges Geständnis, wie er es haben wollte, hch im letzten Augenblick niemand von den Angeklagten abgelegt. So erhielt der Nebenkläger, Rechtsauwalt Dr. A r t ü r Brandt, das Wort. Er erklärte für die Finanzverwoltung, daß sie nie die Absicht gehobt habe, ihre De- amten in Schutz zu nehmen oder deren Schuld aus die Polizei abzu- wälzen Den besten Beweis dafür liefere der Umstand, daß 2 5 Zollbeamten zeitweise wegen Bestechungsoerdachts in Haft genommen worden waren. Die Enthüllungen, die Weber versprochen hatte, sind ausgeblieben, aus dem einfachen Grunde, weil er eben gar keine.zu machen hatte. Rechtsanwalt Dr. Brandt unterstrich unter anderem den großen Schaden, der dem Staat durch die Angeklagten verursacht worden ist. Am Nachmittag erhielt als erster Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Nllbcll da» Wort für den Angeklagten Hallmann und bestritt, daß dieser sich der Bestechung an Peters schuldig gemacht habe. Heute folgt das Plädoyer des Rcchisanwalts Dr. Joffe für den Hauptangeklag- ten Peters._ Tachstuhlbrand in Charlottenburg. Ein Dachstuhlbrand von bedeutenden Ausmaßen kam gestern nachmittag kurz vor 7 Uhr in dem Eckhaus Nehringftr. 15. Ecke KnobelSdoiffer Straße in tfhat(Ottenburg zum Ausbruch. Di« Hausbewohner bemerkieii das Feuer erst, als es schon ziemliche Ausdehnung angenommen hat:« und alarmierten sofort die Feuer- wehr. ES wurde auS 5 Rohren über zwei mechanische Leitern und von den Nachborgrundstücken beinahe zwei Stunden Wasser gegeben Unter großen Anstrengungen gelang es, ein Uebergreifen auf die anschließenden Dächer zu verhindern. Der größte Teil des DachstuhleZ ist vernichtet. Gegen 8 Uhr war die Haupt- gefahr so weit beseitigt, daß die Abtöschung und AujrnumungS- arbeiten in Angriff genommen werden konnten. Die EnlstehungZ« Ursache ist bisher noch nicht geklärt. völkischer Ueberfall auf Neichsbannerleute. Schwer bewafsneie hakenkreuzler. Am aestrigen Freitag, in der zehnten Abendstunde, kam es am B c l l c- A l l i a n c e- P t a tz, unmittelbar am Hallcschen Tor, wo das Reichsbanner eine S p e n d e n st e l l e für den Volks- entscheid errichtet hatte, zu Reibereien zwischen Anhängern der ver- schiedenen politischen Richtungen. Im Verlauf dieses zunächst mit Reden und- Gegenreden geführten Geplänkels entspann sich schließlich eine Prügelei, an der Mitglieder der Rechtsparteien sowie auf der anderen Seite Reichsbanner und Rote Frontkämpfer beteiligt waren. Die Krawalle zogen sich nach und nach bis zum Blüchcrplatz hin, wo dann eine Radfahrstreife und das alarmierte Ueberfall- kommando der Schutzpolizei eingriffen und die Kämpfenden ausein- andcrbrachten, wobei mehrere Zwangsstellungen erfolgten. Die An- fammlungen am Hallefchen Tor dauerten dann noch geraume Zeit an. Bei diesem Zusammenstoß wurde auch ein Passant von einem Hakenkreuzlcr mit einer Stahlrutc am Kopf verletzt. Als er sich auf den Angreifer stürzen wollte, kniff dieser feige aus. Dafür sprang ein anderer Hitlerjunge auf ihn zu und hielt ihm einen Revolver vor die Brust, um den Fliehen. den zu decken. Der Rcoolvcrheld wurde zur Wache gebracht. Sein Name ist Herbert Barteis, Mittenwalder Str. 8. Zuschauer, die den Ueberfall mit angesehen haben, werden gebeten, ihre Adresse umgehend im Redaktionssekretariat des„Vorwärts" abzugeben. Diener siegt nach punkten. Ein lebensgefährliches Gewimmel herrschte gestern abend vor der Radrennbahn in Treptow. Straßenbahn. Autobusse und Kraftdroschken in endloser Folge brachten ungeheure Zuschauer- mengen hinaus. Bald füllten etwa 16—18 900 Zuschauer den großen Jnnenraum und die Seitentribünen, aber noch immer standen vor den Kassen noch viele Tausende, die Einlaß begehrten, ober nur noch erfahren konnten, daß dos ljaus vusvcrkaust sei. Es war in der Tat ein großer Tag, ging es doch um die deutsche Schwerge- Wichtsmeisterschaft zwischen Paul Samson-Körner und der jungen deutschen Schwergewichtshofsnung Franz Diener. Diener(174 Pfd.) erschien zuerst im Ring, ihm folgte sein großer Gegner Samson(168� Pfd.), beide von allen Seiten stür- misch begrüßt. Unter größter Spannung und lautloser Stille gehen die Gegner nach dem ersten Gongschlag aufeinander los. Es geht über 15 Runden, mit Vierunzenhandschuhen und harten Bandagen. Kein Abfühle» und Abtasten, wie man es sonst bei diesen Kämpfen gewöhnt ist. Diener oersucht schon in der ersten Runde eine Entscheidung herbeizuführen und nach einer gewalligen Schlagserie bringt er tatsächlich Samson bis acht zu Boden. Roch zweimal muß Samson die Bretter aus- suchen, bis ihn der Gongschlag rettet. In der zweiten R un d e führt Diener das mörderische Tempo weiter und schickt seinen Gegner/abermals bis sieben.zu Boden. Den Rest der Runde verbringt Samson in völliger Defensive. Noch die dritte und vierte Äundc gehört ganz Diener, bis Samson beweglicher und angrissssreudigcr wird. Diener, der am rechten Auge stark ange- schlagen war, kämpft viel aus der Verteidigung, woran Samson» Hiebe, der stark mitgenommen scheint, meist wirkungslos verpufsen. So geht bcr Kampf über olle fünfzehn Runden, bis Diener noch in der letzten Runde einen KO. herbeizuführen sucht. Samson ober, der alte ringerfabrenc Borer, ist auf seiner Hut, und so muß er wohl noch eine Schlagserie einstecken, ober zu Boden bringt ihn Diener nicht mehr. Da» Schiedsgericht verkündet unentschieden, ein Urteil, das durchaus einwandfrei war und den Leistungen Dieners entsprach. Diener hat diesen Kampf ehrlich verdient, Samson aber einen wunderbaren Kamps, wie man es von ihm gewöhnt ist, ge- liefert. Starker Beisoll, aber auch ein Pseifkonzert wurden bei der Berkündung des Punktsieges Dieners laut, ver blaue Bleistergürlel ziert jetzt die Hüste des neuen hofsnungsvollen Schwergewichts- mcisters Diener. In den Rahmenkämpien boxte der lunge Brandet (151 Pfund) gegen A n t o n o w> t s ch<142 Psund) über acht Run- den imenlschieden. Walter Funke<158 Pfund) traf aus H.«ey- s r i c d- Dortmund(131 Pfund). Auch hier gab os, wie in den vorigen, einen schönen Kamps zu sehen. Das Schiedsgericht gab Funke den Punktsieg.__ Notlandung eines Passagierflugzeuges Paris-Berlin. Ein Farman-Flugzeug, da» im Dienste des neueingerichteten Pasiagierflugverkehrs zwischen Paris und Berlin steht, muhte am Freitngnachmittaq infolge Wetternot kurz vor Luttich lan- den Bei der Landung wurde dasFlugzeugbeschadigt. An hiesiger zuständiger Stelle liegen Meldungen aus Lüttich vor, wo- nach niemand bei der Notlandung verletzt worden ist. Da» Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold erläßt folgenden Aufruf: Republikaner! Sonnabend, den 19. und Sonntag, den 20. Juni: Fahnen heraus! Das deutsche Volk hol zum ersten Male Gelegenheit, von seinem verfassungsmäßigen Rechte der freien Selbstbestimmung über ein Gesetz Gebrauch zu machön. Dieter Tag ist wert, durch Zeigen der ReichSsarbrn von jedem Anhänger rtner freiheitlichen Verfassung gefeiert zu werden. AI« Antwort auf den Terror der Rechtsparteien fordern wir nochmals alle Republikaner auf, am Sonntag zur Wahlurne zu gehen. Jorkgesetztes Steigen üer Elbe und Gder. Immer neue Schreckensmeldungen. Die� Ueberschwemmungen in den verschiedensten Teilen des Reiches drohen zu Katastrophen auszuwachsen. Am schlimmsten heimgesucht sind das O u e l l g e b l e t der Oder und Elbe und das Becken des Bodensces. Djeser hat bereits den höchsten Wasserstand seit dem Jahr« 1914 erreicht. Weite Gegenden des Utttersees, die Dampferanlegestellen, die Verbindungsdämme*ur Insel Reichenau und zahlreiche Ortschaften stehen tief unter Wasser. Dabei steigt der See fortgesetzt. Es wird Wochen dauern, bis dieses Hochwasser durch den einzigen Abfluß, den Rhein, abläuft. Den Hochwasserschaden Württembergs gab der Innen- minister am Freitag im Landtag schätzungsweise auf 4 bis 5 Millionen an. Die Regierung erläßt einen Ausruf zur össentstchen Sammlung. Den vom Hochwasser Geschädigten sollen Steuer- stundungen und-Nachlässe sowie Darlehen gewährt werden. Sehr bedenklich sind auch dieHochwasserersche i nu n gen im Elbegebiet In Dresden steigt das Wasser stündlich um 3 Zentimeter, scheint aber nach den letzten Meldungen endlich zum Stillstand gekommen zu sein. Alle Uferstraßen sino weithin über- schwemmt, so daß vielfach der Strahenbahnoerkehr eingestellt werden mußte. Außergewöhnlich starkes Hochwasser zeigen auch die aus dem Riesengebirge kommenden Nebenflüsse der Oder, vor allem die Lausitzer Neiße, die zu einem reißenden Strom geworden ist. Hier steyen weite Gegenden bei Guben und Sommerfeld unter Wasser. In Sommerfeld selbst stieg dos Wasser so hoch, daß zahlreiche Fabriken stillgelegt werden mußten. Im Landkreis R a t i b o r hat das Hochwasser der Oder schwere Schäden angerichtet. Gegen 700 MorgenAckerundKultur- land stehen unter Wasser. Ein großer Teil der Getreide-, Kartoffel- und Hacksruchlernte ist vernichtet: es macht sich�allgemein großer Futtermittelmangel bemerkbar. Im Gebiet der wpree sind der Spreewald und die Spreewaldzentrole Kottbus bedroht. Der Spreewald steht vollständig unter Wasser. Der Schaden ist unübersehbar. Dos Wasser dringt in die Keller und Häuser ein. Bei Kottbus ist infolge des Hochwassers der Damm aus dem Wege noch Branitz gebrochen. Die Anlagen des Kottbufser Stadions sind überschwemmt. Heuts und morgen schmückt Fenster und Balkons mit {jMI/tlVll l/vl%Imv« roten und schwarzrotgoldenen Farben! Swseadungen sur dies« Radrik sind Berlin SB 6«. Lindcnstraßc Z. Parteinachrichten für Groß-Serlin siet» an da» B«zirr»serretariat. 2. Hof, 2 Trep. recht», zn richten. 26. Äwi» ZItlnilkendorf. Die Abteilunoen Hermsdorf. Tegel, Wittenau, Rosen- tdal und Tegrlort miisscn sosort noch Material vom Iuqcndhcim Linden- strafe Z abholen, heute, Sonnabend. IS. 2uni: L Bit,• Süntlliche Mitglieder beteiligen sich am Bropagandaumzug, Tress- Punkt: Uhr aus dem Michaelkirchpldti, Sonntag, 20. Juni, treffen sich «denfall» die Genossinnen und Genossen zur Wahlhilfe morgens 7 Uhr bei Ctuntke, Brlillerieslr, 11. S. Abt. Plakate abholen von Dobrohlaw, Swinemllndcr Str. lt. Sonntag, 20, Juni, treffen sich die Wahlleiicr und sämtliche Genossen, die nicht ein» oeteilt�sind. ebenfalls bei Dobrohlaw. 28. Bit. t Uhr Treffpunkt in den Pezirkslokalen zur lebten INugblattver- dreitung und Einteilung der» Wahlarbcitcn. Sonntag, 20. Juni, stellen sich alle Mitglieder in den Bezirlsloialen zur Verfllguna der KezirksfUhrer, AbteilunaswahNokal bei Ruhl, Ehoriner Str. tst. Ad ö Uhr nachmittags bei Bilttner. Schwedt«! Str. 2Z, Refultatverkllndung mit«ctniitlichem Pt«i. fammenfein. 31. Abt. Alle Genossinnen und Genossen treffe» sich pünktlich 5 Uhr zur sNugblottverbreituna bei Goldlchmidt, Stolpisch« Str. Zt>, 32. Abt. Alle Mitglieder beteiligen sich an der heutigen Strasienpropaganda des ttreifc, ffriedrichsbain, Tr-fwuult: Z Uhr auf dem«üstrincr Plan, 43. Abt. Die Bczirksfllbrer holen zwischen K und 7 Uhr das lebte Wahl- Material von Wolff. Gräfe- Eike Müllenhofstrasie. ob. 33. Abt. Eharlortenburg. Ab IM- llhr und am Sonntag früh 7 Uhr müssen olle Genossen zur Wahlarbeit erfcheinen. 2. Gruppe: Eggert, Wallstr stll. !>. Gruppe: Reimer, Wilmrrsdorfcr Str. 21. 10. Gruppe: Dohne, Schlosi. straft« 45. 71. Abt. Wilmeredorf. 7 Uhr bei Jonas, Durlacher Ecke Bruchsaler Strafte, Einteilung zur Äahlarbeit. Sämtliche Genossinnen und Genossen müssen bestimmt und pünktlich erlchctnen, 8». Abt. Schöncberg. Bon ä Uhr ab Wohlarbeit bei Gürlich. Alle Verpflichteten müssen erscheinen, 83. Abt. Tcmpelhos. e>4 Uhr Treffen zum Wchcheumzug durch Moriendors und Temvelhof in der Viktoria- Ecke Berderitrofte, Anschlieftend Kundgebung auf dem Reinhardtvlab- Rednerin: Genossin Bohm-Schuch. 88. Abt. Reukäll», Demonstration. Treffpunkt: 3 Uhr itranoldplab. Ab- marsch mit Mussk, 102. Abt. Bauwfchnlenweg. Nach dem Umzug Mitqliedcrperfanrmluna bei Borgmann. Daumschulen strafte. Einteilung zur Wahlarbeit. 188. Abt. KäpeniiL Die für heute 8 Uhr por dem Eladfiheoter angesebte ssu- fammenkunf» kann nicht flottfinde». 118. Abt. Lichtrnberg. Abmarsch zur Demonssrafion 8 Uhr Hubertnsstrafte, Die anaezeiaten Grupvenverfammlunaen finden nicht statt, 133. Adt. Buchhalz. Die Parteigenossen wrrd cnersucht, rot« ssahncn vom Genossen Rohr, Schloftstr. 28, abzuholen. 138. Abt. Reinickendors-Oft. Di« Genossen von sämtlichen Dezirken müssen unbedingt noch vom Genossen Wahle. Brvoinzstr. 38, die..ssrauenwelt" adbolen und verteilen. 137, Abt, Reivickendorf-West. Alle Genossinnen und Genossen heteiliaen ssch um 8 Uhr an der Demonstration auf dem Svortplab Scharnwehersirafte, Genossen, die um f's- Uhr im Dolkshaus sein tonnen, holen ffahnen und Tronsvareni« von dort ob. Alle übrigen Genossen treffen sich UM 3!~ Uhr in Tegel auf der Dorfaue zum Umzug, ZNorgen, Sonniag. 20. Zum: 2. Abt. DI« Mitglieder treffen sich zur Wahlarbeit 8 llhr früh bei Dhngemach, Kommandantenitr. 88 S. Abt. Da» WabNmreau der Abteilung befindet sich bei Krüger, Engel- vfrr 23, Alle Genossinnen und Genossen sind vervilichtet. sich an den Wablarbeiten zu brieiligen. Treffpunkt: früh 7 Udr bei Krüger, 4. Abt. Sämtlich« Genossinnen und Genossen treffen ssch zur Doblarbolt bei Ldtscherr, Reu« lVriedrichstr. l08, früb 7 Uhr. 3. Abt. Alle Genossinnen und Genossen treffen sich früb 7>4 Uhr bei Moihia, Liniensir 28, Emnpathisierrnde und sfreunde sind eingeladen. 7. Abt. Sämtlich« Genossinnen und Genossen, welche von ibren Dozirks. fübrern noch nickt zur Wahtarbeit«inacteilt sind, sowie Freunde unserer Porm treffen sich früh 7>� Uhr ab bei Dam», Schlegelsir, 8, 8. Abt. Alle nicht eingeteilten Genossen melden ssch zur Wablarbeit früh 7>� Uhr. Ableiliinoswahllotal befindet sich«m Rationalhof, Dülowstr. 87. Telephon: Amt Kurfürst 384. 8. Abt, Dt« Genossinnen und Genossen treffen sich zur Wohlarbeit früh 7>� Ubr bei Hübner, Wilsnachrr Str, 84, Wegen de««reoften Wichtiofeit de» Dolksentfchetd» erwarten wir die Deteilianna fämtsicher Mitalieder wahrend de» ganzen Sonntag». Abtrilunqswahllafaf befindet sich bei Hüb> ner, Wil»nacker Str, 34. Telephon: Amt Moabit 8887, 18. Abt. Alle Genossen treffen ssch zur Wahtarbeit früh 7�. Uhr hei Tritinver. Flensbnraer Str. 3. IL Abt. Sämtliche von ihren Dezlrktführern>ur Wahtarbeit nicht«lnqeteif- ten Genossinnen und Genossen haben sich frsib TH Übe bei Derger. Levcsiowitr, 21. einzufinden. Snmpalhisiercnde sind ebenfoll« zur Wahl- arbeit«ingeladen. 13. Abt. Zur Wahlarbeit treffen sich die Genossinnen und Genossen früh 71» Ubr bei Liebfch. Wilbelmsbanener Ecke Dirkensirofte. 14. Abr. Die Genossinnen nnd Genossen Ireffen sich zur Wablarbeit früb Uhr bei Hohnke, Swinemünder Str. 43, Sämtliche Genossen müssen pünltlich zur Stesse fein, da um 7.38 Uhr olle» beseht sein muft, 13. Abt. Alle Genossinnen und Genvssen treffen sich zur Wahlorbeit 7 Uhr früh. Treffpunkt ins Zentralwahllokal von Dtto Rcop. Swinemünder Sir, 38, 18. Ab'. Abt»iluna»wabllökal bei Earu», Dollassr, 37. 17. Abt. Adteilunaswabllvkal befindet sich bei Klinge. Scllerftr. 14. Tele- vbon: Amt Moabit 8843. 22. Abt. Alle Genossinnen und Genossen ssnd verpslichiet. ssch»tir Wahlhilfe zur Berfuguna zu stellen, Treffpunkt: früh 7 Uhr für die Rorduferdezirke bei Reuiec- Führer Str, 13. Für die übrigen Bezirk« in der Vorwärts- ervedition lltrcchter Straft», 24. Abt. Alle Genvssen und Wahlhelfer treffen sich friih 7 Ubr an folgenden Stellen: 1. Gruvve: Räsner, Immonnelkirchstrnfte, 1» Gruppe: Wolf. Marienduvger Strafte. 2,«riivpc: Winzee, Win«> Ecke Ehrjsihurger Strafte, 3, Gruppe- Kühler, öchweizerbäuschk», 23. Abt, 7>4 Uhr früh. Bei Gott befindet-sich da» Ab> e I ku n gswohll okal. Dort werben alle Arbeiten au»g«okdcn, 28. Abt. Früb 7 Ubr bei Seile», Prenzlauer Allee Elke Mefter Strafte, Treffpunkt sämtlicher Genossinnen und Genossen zur Wablarbeit, 27. Abt. AbteilunaswabNokal befindet sich bei Doodanowi», Gaudn- EEe Eonnenburger Strafte. Dalelbst werde» am Abend die Resultate au» dem Reiche bekanntgegeben Die einzelnen Gruvvcn tagen bei Meblberg. Doadonowi» und Lenbier. Alle Genossen müssen ssch in ihrem Lokal ein- »inden. da wichtig« Parteiarbeit zu leisten ist. 23. Abt. Früh 7 Uhr treffen sich alle Dezirksführer und Genossinnen und Genossen, die zur Wablarbeit noch nicht tingclcilt ssnd. bei Dura. Prenz. lauer Allee 188. 38. Abt. Da» Abteiluna»wah!1okol befindet ssch bei Schräder, Povvelollee 84, 32. Abt. Da» Adteilunaswohllolol befindet sich bei Velentin. Krautttr. 38. Alle nicht eingeteilten Genossen haben sich dort zu melden Feder einzeln« ist vervflichtet, mitzuarbeiten. Auch die Mitarbeit der Arbeiterlugend wird erevartet. 33. Abt. Di« Genossen treffrn sich früh 7 Uhr zur Wahlarbeit bei Loiack, Denmeftr, 8, 34. Abt. AbteilunatwahNokal befindet ssck bei Mülke, Warschauer Sir. 17. Dortselbsi Treffpunkt früh 7a Uhr zu« Wahlarbeit. Erscheinen aller Gr- nassen ist Pflicht. 35. Abt. Alle Genossen treffen ssch früh 7 Uhr im Lokal Reumann, Sama- riterltr. 12, ,»r Wahlhilfe, Dortscfbst auch Abteilungswahllokal. Tele- Phon: Amt Konigsstadt 1887� 17. Abt. Alle Genossinnen und Genossen treffen sich zur Einteilung der «ahlarbeit früh 7a Uhr bi, 18 Uhr im Lokal Pfeifer, Hausdurgstr- 2. E» muft sich ieder daran heteiliaen. 38. Abt. Sämtlich« Genosse», soweit sse noch nicht zum Sonntag zur Wahl- arbeit«inoeteilt sind, treffen sich früb 8 Uhr in ihre» Zahlohenblotalen. Privatausflüge unterdleiben. Der Abtcilungsvorssand hält sich ständig bei Dorlufch, Friedenstr, 88, auf. 38. Abt, Sämtliche Genossinnen und Genossen melden sich zur Wohlhilf« früh 7 Uhr bei Lehmann, Kallefche» Ufer 14. 41 Abt. Sämtliche Mitglieder treffen sich zur Mahlarbeit früh 7!g Mr In folaenden Lokafen: Simon. Dellc-Alliance-Etr. 38. Schnster, Ehomisso- pla» 4. Luge, Beromonnstr, 08. Mendc. SneifenauNr, 8. Abteilunas- mohflokal befindet sich hei Luft«.— Achtung! Sonnabend. 10, Juni, treifen sich die Fuirktionär« nachmittaa» 5 Ubr bei Schult, Marikndorier Str. 5. 42 Abt Alle Genossen, die noch nicht zur Wablarbeit eingeteilt sind, teeffcn sich S Uhr früh in der Wahlzentrale bei Sählte, Bergmannstr, M. 43. Abt Die Senolicn treffen sich früh 75-- Uhr in ihren Dezirtslokalen. Die GenoiTinnen und Genossen, die noch nicht von ihre» Dezirksfiihrern zur Wahlarbeit«inacteilt sind, melden sich hei Wolik, Gräfe- Erke MMerihoft- ferafte Feder Genosse muft sich unbedingt an der Wahlorbeit beieiligen, 44. Abt.' Adteilungewabllokal beiindet sich bei Ewald, Skalifter Str, 128. Telephon- Amt Moriftvla» stt24. Di« Mitalieder melden sich zur Wahl- arbeit bei ibren Bezirtslührern: nicht eingeteilte Genossen melden sich im Wahkbnreau der Ableilnng, Räch der Wabl Dekanntaodc der Wohlrefufta«« im kleinen Sool Milalieder»nd Freund- sind eingeladen. 43. Abt. Di« Genossinnen»nd Genossen beteiliocn sich restlos an der Wabl- arbeit. Trctiountle 7>4 Uhr in soloenden Lokalen: Gruvve Hovve-Krüger: Minnia. Lausifter Srr 43, Gruvve StevhZn: Hebestreit, Reichenberger Str 128. Gruppe Hohlstein- Dertick- Wiener Str, 38. Gruppe Richter: Hagalieb. Glvgguer Str, 23. Da» Abteilungswahilokal betindet sich bei Bartsch, Wiener Str, 38, �_......,, 48. Abt, Zur Abtttminungs-rdeit Irkisen sich die Genossen f'üb. u- Uhr bei � Balentnn. Gärlifter Este. 72. Erichernen und Mitordeit ttt Psstcht 47 Abt. Sämtliche Genossinnen und Genossen trerfen ssch früh 7>b Uhr bei ' Sicdenlopf. Mu»to'-er Et'. 3». Dortselbst auch Abteilunaswghiiofal. Ebarlottenburo. 32. Ab« Sämtliche Genossinnen nnd Genossen treiien sich 7 Uhr zur Wahlorbeit bei Bade, Kaiserin,«»onsio-Allee 32. Am Sonnabend, 18, Funi. linden sich die Genvssen w"ch° da» Soikonzert mit- machen, nachmittfto» 3 Uhr hei D'de«in,—.58. Abt. Sämtlich» Genvssen baden früh 7'-. Uhr in ibrem Lotalr z» erscheinen zur WaMarbelt. 1, und 3 Grupne: L'erfch, Kant str. 82. 2, Gruvve: Faskawia? Helftendortfstr. 28, — 57 Abt, Alle Denoiiinncn und Genvssen treffen sich zur Wahfarbell fritt T'-j Uhr. 1. Gruppe: Kopfchiesii. Krumme Str, 47. 2. Gruppe: Tbunack. Wielandstr. 4,... �*n t-n. rt.__. -ts. tat. Saltftiee. All« Genossinnen und Genvssen und Wahlhelfer treffen sich bu. tcüb Iii Ubr b«l tUinaebcil. Iolssum-Ewra-Htr. U- bUtl Aadlarbäil.___ <0. Abt. Wilmeridorf. Früh 8 llhr treffen sich sämtliche Genossinnen und Genossen zur Wahlhilfe bei Kroih». Holsteinische Str, 88. 74. Abt. Zchlendorf. Alle Genossen treffen sich früh 7 Uhr im Abteilung». Wahllokal Schnorre, Potsdamer Str. 3. Schöneberg. 77. Adt. Die Wahllolalc befinden- sich: 1. Bezirk: Milde. Rollen» doristr. 18. 2. Bezirk: Schmidt. Gruncwalditr, 18. 3. Bezirk: Eckert, Münchener Str. 18. 4, Bezirk und der Abteilungsvorstand: Koschenz, Avosici-Paulus-SIr. 27. Die Arbeiisaemeinfchaft über Berfassunasrccht ikftt ihre llebunge» am Montag, 21. Juni, Aposiel-Pauius-Slr, 7 IV fort.— 78. Abt, Alle Genossinnen und Genosse», auch Fugendlich«, treffen sich zur Wahlarbeit früh 7a Uhr in ihren Bezirkslokale», 1. Bezirk: Äondtte. Bahnftr, 23. 2. BezitI: Schmidt, Grunewaldsir. 18, 3, und 4, Bezirk: Rofcnthal, Ebersstr. 88. Pünktliches Erscheinen ist Parteipslicht,— 7». Abt. Alle Mitglieder und Wahlhelfer lrefien sich srüh 7a Uhr in ihren Zahiahendlokalen. Da» Wahllokal der 78. Abt. befindet sich bei Graft, Eedanltr. 17. Die Radfahrer müssen rechtzeitig erscheinen, 81. Adt, Friedenau, Abteilunoswahllokal befindet sich hei Kiab«, Händlern- strafte 88,81. Dasselbe ist von früh 7 Uhr an«eäffnet, Abends Bekannt- oabe der Resultate dunh Lautsprecher und gemütliches Beisammensein der Wahlhelier. 84. Abt, Lankwift, AbteifungswahNokal befindet sich bei Lehmann. Kotier- Wilhelm-Str. 28/3t, Rrulälln,»t. Abt, Abteilungswohllokal defindet sich bei Schulze, Münchener Ecke Mainzer Eirafte. Ben 8 Uhr an acöfinet,— 83. Abt. Adteilunos- wahllokal ist bei Tormählen. Herftbcrgstr. 22. Telephon: Amt llleukölln 1638.— 04. Abt. Genossinnen und Genossen, die noch nickt zur Wahlorbeit eingeteilt sind, melden sich friih 7�, Uhr im Ableilungswahllokal bei Schräder, Steinmcftstr. 32. Keiner darf fehlen, 88. Abt. Brift. Buckow. Alle Genossen treffen ssch früh 7>,ä Uhr in ihrem Ab- ftimmunoolokal zur Wahleinleiluna.. Keiner darf fehlen. Abteilungswahl- lokal befindet ssch bei Sennig. Ehausseestr, SS. 188. Abt. Zohannisthal. Das Abteilungswahllokal befindet ssch bei Bota, Stubenrauchftraftc, 108. Abt, Köpenick. Alle Genossinnen und Genossen treffen ssch zur Wahl- »intcilun« früh 7'ä Uhr auf dem Wiihelmplaft vor dem Stadttheater, Lichtenberg. 114. Abt. Die Genossinnen und Genossen, die noch nicht zur Wahlarbeit einaetailt sind, melde» sich früh 8 Uhr bei Schwarzer. Gabriel- M-r-Str, 17.- 118. Abt, Ad früh 7V, Uhr im Lokal Morr. Reue Bahn- hofitr, 28. Meldung dort zur Heiferarbeit. 128. Abt. Fricdrichiseldc, Da» Wohlbureau befindet sich bei Oskar Wegcner, Miguel- Ecke Woldsceftrafte, Alle Genossen und Genossknnen, die noch nicht zur Wablarbeit eingeteilt ssnd. treffen ssch bort früh 7 Uhr zur Wahtarbeit, 13». Abt. Tegel. Da» Ableilungswahllokal befindet ssch bei Ehrissenfen, Echlieveritr, 88. Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, ssch rest- los an den Wablarbeiten zu beteiligen. * Arbeitftgemeinfchaft der Kiitberfreuud». Krei« Mitte: Montag. 21. Funi, pünktlich»m 3"-, Ubr, leftte Evrechchorvrob«„fr Sonnenmendfeier in der Schule Elifabethkirchsir, 18, Alle Gruvvenkinder werden gebeten, vünktlich und vollzählig zu erscheinen, Montag, 2l. Funi, pünktlich 8 Uhr. im Seim Blume». straft« 77 wichtige Selscrsiftuno, Erscheinen oller Funktionäre unbedingt«r» tordcrlich,— Gruppe Eharlvttenburg: Die Kinder treffen ssch heute. Sonn- abend, nachmittags S Ubr, am Seim Rossncnstrafte oder 35h Uhr öpielvla» Tieraarten.— Gruppe Reutölln: Die Äinderfrcunde treffen sich zur Demo»- strotion heute, Sonnabend, nachmittag» 3!h Uhr, Schillerpromenadc. Abmarsch mit den einzelnen Abteilungen. Sterbetafel üer Groß-öerllner Partei-Grganisation 3.»bt. Am 13. Juni»erstarb nach einer Operation unter treuer Genosse Artur Kallenberg im Alter van 48 Fahren. Ehre feinem Andenken, Die Ein- älchcrung hat dereit» stattgefunden. Briefkasten öer Redaktion. W, Z, 48. Fa. und zwar in Höhe von 12'h Proz.— Abenbruth. 1. Richf» 2. Seren Sie sich mit der städtischen Svorkosse in Berdindung. 3. Darüber läftt sich nicht» Bestimmte» sogen,— Gurtensalat. 1. di» 3. Nein. Notfall» muft der Hauswirt verliaot werden.— W. S, 88. Nein.— B. H. 18. Verjährung ist noch nicht eingetreten, Strafverfolgung also noch möglich. Der„bunte* Freitag-Abend bat manche» Hübsche. Da» gute Trio Rimsky-Czekan. Bokser, Kramer hat nament- iich in dem Geiger Rimskii-Czekan einen ausgezeichneten Künstler. t.'oni Pyrmont» ansprechender Sopran vermittelie jreundliche Operettenerinnerungen, Eügen T r a n s k y sang, gut disponiert, einige Lieder, die in den Rahmen des Abends paßtep. Fürchterlich waltete dagegen das K o r» e 1 1» O u a r t e 1 1, das mitten im Tiergarten gewiß vom Brandenburger Tor bis zur Charlottenburger Brücke das Publikum aut unterhalten hatte, vor dem Mikrophon sich aber al, ein heimtückischer Angrisf ans die Trommelselle der 5)örer erwies, der nicht einmal entschuldigt wurde durch ein hörenswcrtes Programm.— Das R n ch m i 1 1 a g s k o n z e r t brachte kaum be- deutende Darbietungen, wenn man von den Beethooen-Liedern absieht, die Herbert Spahn mit zwar keiner großen, aber einer recht kultivierten Stimme und seinem Empfinden sang, Hermann Zahn- Schutze zeigte sich als Pianist, der kaum über den Hausgebrauch hinousreicht, und Marie R e u k i r ch e n sprach„klassischen Humor* anscheinend mit Mikropbansieber. Die Hans-Bkedow-Schule bot in ihren liochschulkursen instruktive Vortröge über„Die Lusthulle der Erde" von Pros. Adolf Marcus« und die„Grundzüge der euro- poischen Geschichte" von Prof. Albert Brackmann, In einem zeilgemößen Vortrag nach dem Abendkonzert referierte Ministerial- rat Dr. K a i s« n b c r g über die technische Durchführung der Volks- abstimmung. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 19. Juni. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den I.andwirt. 4 SO Uhr nachm.: Hans-Bredow-Schule(Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht: Esperanto(Direktor Julius Olüokk 5 Uhr nachm: Xae.hmittagskonzcrt der Berliner Funkkanelle. Leitung: Komert- meistor Franz v. Szpanowski. 6— 6.30 Uhr abends: Teemusik aus dem Hotel Adlon(Kapelle Marek Weber). Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theutordionst. 6.80 Uhr abends; Dr. Anton Mayer:.Aus der Geschichte der Kochkunst". 7.15—8.10 Uhr abends! Hans-Bredow-Schule(Hoohschulkurse). 7.15 Uhr abends: Abteilung Geschichte. Geh. Reg.-Rat Dr. Hans Delbrück:„Bilder aus der deutschen Vergangenheit(Walter von der Vogolweide)". 7 50 Uhr abends: Abteilung Philosophie Dr. phil. et med. Max Dessoir;„Das Schaffen des Künstlers". 8 30 Uhr abends; Ueber- tragung aus dem Haus der Funkindustrie. Populäres Konzert. Dirigent: Bruno Seidler-Winklor. 1. Auber: Ouvertüre zu der Oper„Die Stumme von Portici". 2. Job. Strauß: O schöner Mai, \VBlzer(Text uud Bearbeitung von B. Seidler-Winkler)�(Irene Eden von der Berliner Stoatsoper, Sopran). 11. Offenbach: Fantasie aus der Oper„Hoffmann:. Erzählungen". 4. L6h4r: Walzer aus der Operette„Das Fürstenkind". 5. Leonc.avallo; Prolog aus der Oper„Bajazzo"(Cornelis Bronsgeest von der Berliner Staatsoper, Bariton). 8. Meyer-Helmund: In Foxtrotlaune. 7. Joh. Strauß: Bei uns i Haus'. Walzer(Erstaufführung)(Text und Bearbeitung von B. Seidlsr- Winklsr)(Irene Eden). 8. ürbuch; Per aspera ad astra, Marsch(Berliner Funkorchesterl. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichtcn, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 1030—12 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kennbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Königswusterhausen, Sonnabend, den 19. Juni. 1.10-1.40 Uhr nachm.: Madrigalcher unter Prof. Karl Thiel; Kauere Volkslieder. 3-8 30 Uhr nachm.: Amsel und Westermann: KinUeittkurzsclurift. 3 30— 4 Uhr nachm: Direktorin Eiumy Beck- mann: Erziehung zur Frau und Mutter, 4—4.30 Uhr nachm: Direktorin Eiumy Beckmann: Erziehung zur Berufseufgabe und zum Staatebüigerttim. 4,30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen de» Zentrelinstitutes. 5—5.30 Uhr nachm.: Hetty Weither: Einkauf und Prüfen der Lebensmittel. 8.30 Uhr abends: Heb ertragung ton Berlin. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-öerlin. Alle Abteilungen stellen sich zu» Bvlksentsche!» be» Partetleituua«» zu« Berfüsuust. Heute, Sonnabend, IS. Juni: Schönhauser Vorstabt l! Treffpunkt nochmittoo« S Uhr bei Goldfchmidt.— Paukowt Tretfvuntt 8 llhr zum Umzuo Morklploft,— Folkenber»: 588 Ubr im Juaendheim Adlershof, Roonftri 18. Lichtbildervortrao:„Thürinuer-Welö-Fahrt". «erbebezirk Ostdahn: Demonftrctio» durch Lichtenberg. Treffpunkt 85, Uhr Bohnhof Etralau-Rummelsburg. Alle haben zu erscheinen. Werbebezirk Reinickenbars: 1058 Uhr auf dem Eportploft Reinickendorf-West, Schornweberslrafte. Sonnenwendfeier. Rezitationen, Festspiel. Ansprache. Ad- brennen eine» Sonnenwendfeuer». Werbebezirk Osten! Treffpunkt zur Demonstration �5 llhr am Baltenplaft. Werbebezirk Kren, der«! 5i8 Uhr im Fuaendheim Lindenstr. 3 Zusammen. kunft der Arbeit»«cmciiischaft Erich Temmann. ZNorgen, Sonntag. 20. Juni: Schönhauser Bvrftadt l: Treffpunkt vormittags>48 Uhr bei Goldfchmidt. Abend» 75, Uhr Heimabend Schöniliefter Str. 7.— Pankow: Bropaaandafahrt mit Laftauio. Treffpunkt vormittags 8 Uhr Pankow. Markistrofte, Werbebezirk Osten! Sämtliche Genossinnen und Genossen treffen ssch um 8,8 Uhr niora«»» in drn bekannten Lokolen zwecks Deteiliguna an her Wahl. arbeit, Rachmittaas 1 Uhr Treffpunkt Baltenplaft zur Autofahrt(38 Bl, mit. brinae»), Moraen, Montaa. 8 Uhr, mit Gruppenlahnen am Baltenploft zur Teilnahme an der Sonnenwendfeier des Bezirtsomts. Spielen fällt aus. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichabund der Krieaabeschädiaten, Krieasteilnehmer»nd Krienerhinter- bliebeneu. Ortsaruppe Sizdeu: Sonntao. 28, Funi, findet unfer Sommersest in der Kindl-Brauerei, Kermonnstr. 214,218 unter Miiwirktlna der Musikkapelle „Einia-Frei" Neukölln, des Friedri6>>Heaar>Ehors iMitalied de» DASB.l und Mitalieder» der Fnternationolen Artisten-Loae statt. Eintritt 88 Pf. Besinn 4 Uhr. Karten sind a» der Kaste noch zu hohen. Arbeitersport. Fußballspieler und Voltsentscheid. Laut Beschluß de» Verwaltungsausschusses der Märkischen Spielvereintgung besteht am Sonntag in Groß-Berlin Spieloerbot. Es ist dies dos erstemal, daß die Fiißballspleler an einem derartig wichtigen Tage das Leder ruhen lasten. Dafür sinbet am Montag, den 21. Juni ein internationaler Kampf statt. Es stehen sich hier der tschechische Bundesineister Tepliß und Adler 08 auf dem Adler-12-Ploß in der Christianiastroß« gegenüber. Teplitz, die bereits zum dritten- mal die Bundesmeistevschaft errungen haben, haben schon in Sachsen bewiesen, daß sie über eine sehr spielstark« Mannschaft verfügen. Gelang es ihnen doch die Leipziger SiLdtemannschafi überzeugend zu schlagen. Adler l)8 hat deshalb einen schweren Stand, um ehrenvoll zu bestehen. Trotzdem sollte es ihnen gelingen, ein einigermaßen günstiges Resultat für Berlin herauszuhoten. Das Material dazu haben sie jedenfalls in ihren Reihen. Beginn des Spiels abends KLV Uhr.— Am Sonnabend finden folgende Gefellschafts- spiele statt: In W e i ß« n s« e, auf der Rennbahn, treffen sich der dortige Turnverein>md der Arbeiterturn oerein Pankow. Wacker 20 erhält auf dem Exerzierplatz in der Schön- >, auser Allee den Besuch von Beralia-Reukälln. In Pankow, Maximilianstraße, stehen sich Union und Berliner Fußballring gegenüber. Beginn der Sonnabend- spiele abends 6 Uhr._ Tourlftenveerl»„Dir Naturfreunde"(Zeufrale Wien). Ortsaruppe Berlin: Alle Genossinnen und Genossen, die an der Sonnenwende de» Bolksdilduna»- amte? Friedrichshain teilnekwen wollen, treffrix sich am Montoa. 21. Fuut. pünNIick 8 Uhr(■ md». am Landsberae« Blaft. Bon dort aemeinlamer Ah- marick, Berelnsfahnen könmn mliaedracht werden. Zohlreiche Seieiliauna ist erwllnl.ht,_ Spott. Rennen zu Ruhleben am Ireitag. den lS.)uai. 1. Rennen, 1. Percktion(O, Heider), 2. Kapekc(S. Schüller), 3. Prinz Moko(G, Reuenield). Toto: 32:10. Platz: 14. 13. 33: 10, Zerner liefen: flaftmir, Kchlenkinlgin, Ingrid Halle, Schwarzwalbmädel, Torraria, Loltie Anoil. SonntagSprlnz, Alran, Indianer, Bosfie, Venu», UinSeott jun,, Heidesee, 0 2. Rennen. 1. Die Puppe(A. Schmidt). 2. Reinette(Grotzmann). 3. Lanzolts(?, Treuher»). Toto: 155: 10. Platz: 24. 27. 14: 10. sterner liefen: Wagner, Hvliogabal, Per a«pora, Pusielchen Bicar, Louisiana. Regen» bogen, Martha Halle. 3. Rennen. 1 Willy?l.(Iauß jun,), 2. volwin(S. Trcuherz), 3. Blaue Adrla/, Uhr: Ehre deine Mutter.— Oartenb Tl, U.: Dil jtsdi. Jtngfrat Deulsehes lünstl.-Theater Tägl 8'/, Uhr- Der frümiftie Weinbera Wallner-Theater 8*1, Uhr Der deilize Birnen Blanco Posnets Erweckung: föeatsra.MIof A Tägl. 8 Uhr fiL Llite- M Sänger ßwj Sie ladiei W-tt wirklini Tränen etxiü 001 Qnitlungs-.Baball- u-Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzt, gesch. fertigt seit 45 Jahr als Spezialität Conrad NilDer Schkeuditz-Leipzig s In der Gewamtauflage de*.Vorwfirls"»ind besonders wirksam und trotzdem sdirbilHg! des Union-Klubs Berlin NW 7, Schadowstr 8. Annahme von Vor wetten in der Zentrale, SchadowstraBe 8, in allen Berliner Filialen und bei den größ. Rennvereinen im Reiche Auszahlung der vollen Totalisatorquoten ohne jeden Abzug Schiiftliche Aufträge u. Anträge auf kostenlose Errichiung von Konten sind nur an die Zentrale zu richten. Telegramm- Adresse: Wettannahme Berlin, Schadowstr. Allen Freunden und Bekannten die trautige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Schwester Anns Eberl, g-b. Elfrath am 17 Juni nach langem, schwerem Leiden sanft entschlaten ist Im Namen der Hinterbliebenen Franz Bbert. Die Einäscherung findet am Dienstag. 22 Juni, abends 7 Uhr. im Kremä- torium. Derichtstraße statt. J Allen Genossen. Freunden, Bekannten und Kollegen für die Teilnahme, dem Gesangverein, sowie den Rednern für die trostreichen Worte bei der Trauerfeier meines lieben Mannes und guten Batet, Christen Thorup un ern herzlichsten DanL Berlin, Bergstr. 18, 18 Juni 1028. Im Namen der Hinterbliebenen PaulineThorup.geb Otlo.ti.TochterFrieda. IM» IMOMt-MlD MkzeugnMer Montag, den 21. Znnl, nachmittags 5 Ahr, bei Wagner(.Sottbnffer ftrng'-), Kottbnffer Str. 19: Versammlung der Kollegen der Klein- und Spezialbelriede. Am Sonnabend, den 26. und Sonn- tag. den 22. Inn!, finden die Wahlen üer Delegierten zum Verbandstag in Bremen Natt.— Eewähtt wird Sonnabend in der Feit von 1—4 Uhr nachm.. Sonntag von — versehenen Lotale wählen Sonnabend und Sonntag. In den Lokalen, wo kein Vermerl ist, findet nur Sonntag die Wahl statt): Horden: 1. Berbanbshau,. Linienstraße 88/85 IParterresaal), 2. Büttner, Schwedter Straße 28, Z. Bogdanowitz. Gaudhstraße 16, Ecke Sonnenburger Straße. 4. Döhling, Brunnenslraße 79, 5. Knapp, Grünthaler Straße 6, 6. Fritfch, Droniheimer Straße 4, 7. Leuschner, Ackerstr. 110, —8 Regenterg, Gartenstr. 75, 9. Stein, Pankstr. 80, 10. Sachse, Lindower Straße 26, —11. Senkel. Utrechter Straße. Ecke Tu- riner Straße, 12. Zimmer, Fehmarnstr. 6, 13. Dam«, Schlegelstr 9, '14. Garns, Boltastr. 87. Zlordosten: 15. Späth, Georgenkirchstr 65. Osten: 16. Pilzecker, Blumenftr. 84, 17. Rostn, Gubener Straße 19, 18. Kühler. Matternstr. 14, "IS. Bähr, Stralauer Allee 47, 20. Hoffmann, Stralauer Allee 17, Ecke Martgrasendamm. MI. Fahnert, Andreasstr. 11. Südosten: 22. Praffer, Michaelkirchstr. 29a, 23. Benott. Adalbenstr. 4, 24. Siebentopf. MuSkauerstr. 35, 25. Rcinicke, Grünauer Straße 17. Süden: 26. Schulz, Stallschreibersir. 29, 27. Reckilng, Wassertorstr. 71, 23. Blentle. Bopvstr. L 29. Mende, Gneisenaustr. 6a, 30. Richter, Maybachuser 5. Südwesten: 31. Topp. Alte Iakobstraße 1, Ecke Holl- mannstraße. Westen: 32. Karl Meyer, Lüßowstr. 7. Slordwesken: 33. Krüger. Putltfistr 10, 34 Sturz. Huttenilr. 9, 35. Pilz, Rostocker Straße 27. Adlershof: 36. Kaul, Helbigstr. 31. Vnnmschnlenweg: 37. Haß, Baumschulenstr. 72. erhorlotkenburg: 38. Grimm, Kaiser-Friedrich-Straße 63, 39. Müller, Osnabrücker Straße 27. 40 41. 42 43. 44. '45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55 56. 57. "58. 59. 60. 61. 62. 63. •64. •65. 66. 67. •68. 69. "70. 71. 72. •73. 74. "75. 76. 77. 78. 79, "80. 81. 82 Säpenick: Lugustlu, Rosen-, Ecke Kirchstraße, Eichwolde: Liuduer, Bahnhofstraße. Erkner: Hauke, Berliner Straße 4. Zriedrichshogen: Matthes, Friedrichstr. 121, Hennigsdorf: Wolter, Hauptstraße(am Bahnhofs Psefferberg, Neuendorser Straße. Hohenschönhonsen: Marquardt, Berliner Straße 85. Sottberge: Retting,„Zum goldenen Anker', Nebenstraße 45. Lichkenbero: Seipke, Kronprinzenstr 47, Siewert, Kanl-, Ecke Schillerstraße, Tempel, Gudrunstr. 7. Lichterseide: Leuski, Hinoenburgdamm 55 Mariendorf: Streiter, Ehauffeestr. 26. Ikenkülln: Rudolf, Hermann- Ecke Anesebeckstr, Kutzky, Hermann- Ecke Leinestr., Ibral-Paffage, Weichselftr. Rückheim, Berg- Ecke Lahnstr. ZklederschSneweide: Schöps, Grünauer Straße. oberschSnewelde: Imberg, Wilhelminenhoistr. 34. Pankow: Bater, Mühlenftr. 13. Neinickendorf- Ost: Koffack, Provinzstr. 61. Ullrich. Marl- Ecke Holländer Straße, llhlig, Residenzstraße Ecke Schön- Hölzer Weg. Neinlckendors-wefl: Bolkshaus. Echarnwederstr. 115, Buller, Eichdornstr.(Bahnhof). Nosenkhal: Wartburg iBahnhos). Schöneberg: Rosenthal, Ebersftr 66. Scheffler, Großgörschenstraße Ecke Eulmstraße, Pobszu», Sachsendamm 40. Seegeseid: Wolf, Bdhnhoistr. Siemensstadk: Wartburg< Gustav Lange) Nonnen- damm-Allee Ecke Reisstr. Spandan: Recheuberg. Lulherstr 3. Wind, Pichelsdorfer Straße 5a. Germania- Säte, Stresowplatz 19. Staaken: Wolff, Am Bahnhof. StegliH: Borchmaun, Rheinstr. 40. leget: Lehnhardt, Berliner Straße 84. Teltow: Kupsch, Hoher Steinweg 10. Treptow: Ganter, Harzer Siraße 88. weisteusee: Galla«, Lehderstr. 122. Wildau: Dubia», Grüner Baum. Witwersdorf: Löffter, Wilhelmsaue 5 Wittenau: Schulz. Am Bahnhof. Die QrtSvcrwaltunq. Verkäufe ..Bekleidüngssjücke, Wasche u.s v» Kavalieranzuae, gereinigte Jackett- anzllac. Gehrockanzüac. Frack-Smoking- anzllge(auch leihweise), neue Maßersah- anzllge verkauft spottbillig Aleiander- straße 28». 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Die Berliner leisteten Widerstand.„Aber ehe dieser Widerstand organisiert werden konnte, fielen Kurfürst und Junker mit gewafsneter Hand über Berlin-Kölln her und warfen die Städte vollständig nieder. Der Kurfürst machte seinen Hofrichter zum Bürgermeister, und die Stellen der Ratmanncn besetzte er zum Hohn für die Bürgerschaft mit seinen reisigen Knechten. Die Ge- richte, Mühlen, Zölle wurden dem Küchenmeister des Kurfürsten als Lehen übergeben: das heißt: sie dienten fortan dazu, den gesamten kurfürstlichen Hofhalt zu unterhalten. Die Patrizier der Stadt mußten ihre Lehen, selbst das Leibgcdinge ihrer, Frauen an den Kurfürsten übergeben und von ihrem„fahrenden Gut" hatten sie ungeheure Strasgclder zu zahlen." „Der sittenlose und verschwenderische Joachim II. gab, als ihm das nötige Metall zur Ausprägung neuer Münze fehlte, seinem Hofjuden Lippold eine Vollmacht, bei achtzehn reichen Bürgern einen „Einfall" zu tun und ihnen das vorgefundene Gold und Silber ab- zunehmen."(Mehring:„Die Lessinglegende"). Bediente sich im letzten Fall der Landesvater eines Juden, um seine Untertanen zu berauben, so waren andererseits die Juden das beliebteste Ausbeutungsobjekt der Hohenzollern. Namentlich Friedrich Wilhelm, der Vater des Fridericus, schikanierte die Juden in der grausamsten Weise.„Jede ihnen bewilligte Gunst, selbst wenn sie für den Staat eine wirkliche Notwendigkeit war. mußte von den Juden gegen willkürliche Besteuerungen erkauft werden. Anstatt ihres früheren Schutzgeldcs wurden sie gezwungen, seit dem Jahre 1728 jährlich 29 000 Taler zu zahlen. Sie durften nicht mehr im Land umherziehen und auch keine Häuser besitzen. Die auf den königlichen Jagden erlegten wilden Schweine mußten sie für schweres Geld ankaufen..."(Strccksuß:„500 Jahre Berliner Geschichte".) Dieselbe Roheit in der Behandlung der Juden zum eigenen Vorteil zeigte der K ö n i g F r i e d r i ch. So berichtet Hcnsel(„Die Familie Mendelssohn"):„Unter Friedrich dem Großen mußte jeder Jude bei seiner Verheiratung für eine bestimmte Summe Porzellan aus der neugegründeten Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin entnehmen, und zwar nicht nach eigener Wahl, sondern nach dem Belieben der Manusaktur, die sich auf diese Weise natürlich iyre Ladenhüter vom Halse schafite. So bekam Moses Mendelssohn, der damals schon allgemein bekannte und geachtete Mann, 20 l-beus- große, massiv porzellanene Affen..." Dic�Skrupellosigkeit, in der Art Geld'zu beschaffen, setzt sich in diesem Fürstenhaus über ledes Anstandsgefühl hinweg. So scheute sich Dorothea, die Gemahlin des Großen Kurfürsten, nicht, aus der Bewirtschaftung einer Kucipo ungerechten Vorteil zu ziehen.„Aus dem Vorwerk vor dem Span- dauer Tor errichtete sie ein Wein, und Bierhaus, in welchem die fremden Fuhrleute abstiegen und wo jeder Säufer willkommen war, wenn er nur viel oerzehrte. Vergeblich klagten Rat und Bürger- Icha't, daß die Errichtung einer solchen Wirtschaft den Privilegien der Stadt entgegen sei, daß sie unmöglich die schwere Bierakzise er- legen könnten, wenn die Kursürstin selbst, die keine Steuer zu zahlen habe, ihnen Konkurrenz mache: vergeblich wiesen sie darauf hin, daß der Betrieb eines solchen Gewerbes doch wohl der Gemahlin des Herrschers nicht würdig sei. Friedrich Wilhelm half den gerechten Klagen nicht ab. Die Rckrutenpressungen Friedrich Wilhelms I. und die damit verbundenen Gelderpressungen trieben die Berliner Bürger zur Lerzweifliing, und viele versuchten auszuwandern. Aber auch dos wurde ihnen unmöglich gemacht. Ein leuchtendes Beispiel in der Geschichte sür den gemeinsten Untertancnschachcr war der Erb- pnnz Karl Wilhelm Ferdiitand von Brauns chweig, ein Nesse Friedrichs II. Von ihm berichtet Mehring:„Im Jahre 1776 verlauste er 4Z00 Mann an England für den Krieg mit den amerikanischen Kolonien, im Jahre 1788 3000 Mann an die nieder- ländischcn Gencralstaaten, im Jahre 1705 wieder an England 1900 Mann." Der Verlust betrug 3015 Mann.„Indessen würde man Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig allzu hoch tarieren, wenn man annehmen wollte, daß diese 3015 Mann von ihm gc- mordeten Landeskinder olle auf dem Schlachtfelde geblieben seien. Der elende Bube befahl vielmehr, die Krüppel und Verwundeten hilflos in Amerika zurückzulassen. Er schlug also sür seine Wollüste einen dreifachen Prosit aus diesen unglücklichen Menschen: erst ver- kaufte er ihren gesunden Leib, dann ließ er sich sür ihren verletzten Leib entschädigen und endlich sparte er Jnvalidensold, indem er die Erwerbsunfähigen in der Fremde verkommen ließ. Was Wunder, daß er bei dieser glorreichen„Finanzreform" über fünf Millionen Taler Bargewinn einstrich." So sahen die gerechten Grundsätze der Fürsten aus. Wer einer Wiederholung dieser„gerechten Grundsätze" begegnen will, der weiß, was er am 20. Juni zu tun hat. Die Zabel vom 20.?uni. Von Hans Ollo henel. Ein Mensch erwachte aus dem tiefen Schlafe, den einem das gute Gewissen und angeborene Gutmütigkeit verleihen. Er reckte sich und streckte sich, so daß die lästigen und beengenden Decken zur Erde sielen, schob sich die Schlafmütze aus dem Gesicht, wischte sich die Augen und— sah sich einer Diebesbande gegenüber. Während der Wohnungsinhaber im ersten leichten Schlummer lag, waren sie ein- gebrochen, hatten die ganze Nacht-rräubert, ivas nur Irgend ab- schleppbar war, und hotten auch die Lebensmittel des Schlafenden verzehrt. Vieles von dem Geraubten hatten sie durch die Fenster ihren draußen wartenden Helfershelfern zugeworfen, die es obtrans- portierten. Den Rest ihrer Beute hotten sie in großen Packen ver- schnürt, mit denen sie gerade verschwinden wollten. Als der Schlafende erwachte, erschraken die Diebe so hestig, daß sie ihn wie gelähmt anstarrten. Sie waren überzeugt, daß er jetzt Lärm schlagen, sie oerjagen, verprügeln, vielleicht töten, zum min- besten ihnen den Raub abnehmen und sie zum Fenster Hinauswersen würde. Denn sie waren feige und ausgemergelte Burschen, er aber ein baumstarker Kerl. Zu ihrer Verblüffung erfuhren die Diebe, daß sie hier einen Fall erlebten, der ihnen in ihrer langjährigen Einbrecherpraxis noch nicht vorgekommen war. Der Erwachte stand nämlich ganz gsmüt- lich auf, verbeugte sich höflich vor den Dieben und sagte:„Erlauben Sie gütigst, daß ich Ihnen beim Aufhucken behilflich bin." Dann griff er fest mit zu, lud ihnen sein eigepcs Gut auf den Rücken, und als das bei der Schwere der Beute doch nicht so leicht ging, rief er noch seinen Hausknecht, einen erprobten Juristen, z» Hilfe. Dann leuchtete er ihnen die etwas dunkle Treppe hinab, machte sie auf ge- fährliche Stellen aufmerksam, damit sie samt ihrer schweren Fracht nicht Schaden nähmen. Vor der Haustür rief er noch eine Droschke herbei und wünschte den Davonfahrenden glückliche Heimkehr und baldiges Wiederkommen.' � Als er wieder in seiner leeren, vollkommen ausgeplünderten Wohnung stand, schien es ihm da doch ungemütlich. Er ging zu feinen Nachbarn und bat sie, ihm einige Einrichtungsstücke für seine kahlen Zimmer abzugeben. Da sie ihm verwundert entgegenhielten, daß er doch eine auskömmlich eingerichtete Wohnung habe, erzählt« er ihnen fein Geschick mit den Dieben. Und da er nichts verschwieg, erfuhren sie die unbegreifliche Wahrheit, daß er selbst beim Diebstahl seines Eigentums behilflich gewesen war und einzig und ollein des- halb sich in Not befand. Da lachten sie ihn aus, nannten ihn einen Idioten und wiesen ihn ohne Hilfe von ihrer Tür. Nun sitzt der unvernünftige Mensch in seiner leeren Wohnung. Erst wollte er sich damit trösten, daß er sich wenigstens als guter, hilfsbereiter Mensch gezeigt habe. Aber da ihm doch allmählich vor Hunger der Magen knurrt, beschließt er wieder einzuschlafen, und glaubt, daß er bei einem neuen Erwachen sein lebensnotwendiges Eigentum wieder vorfindet. In Einbrecher- und Diebeskreisen soll man noch nie so gelacht haben wie über die schlafmützige Dummheit dieses Menschen. Hygiene der Taschenuhr. Die Taschenuhr ist sicherlich die ver- breitetste, kleinste Präzisionsmaschine und dabei in ihrem Wesen wohl den meisten der alltäglichen Benutzer völlig unbekannt. Weist doch Prof. H. Bock in einem Aussatz in den„VNJ.-Nachrichten" daraus hin, wie wenig die Präzisionsmechanik an den Technischen Hoch- schulen beachtet wird, ja die Zeitmeßkunde ist an den Technischen Hochschulen Deutschlands überhaupt nicht vertreten. Auf Grund seiner Darlegungen gibt Prof Bock auch Ratschläge zur richtigen Be- Handlung einer guten Taschenuhr, die man niemals als Armband- uhr tragen soll. Man ziehe die Uhr stets morgens, nicht abends auf, damit sie am Tage zur Zeit der größten Bewegungen auch ihre größte Schwungweite hat. Man lasse die Uhr zur Schonung der �ager nie längere Zeit wagerccht liegen. Schließlich soll man größere Tcmperaturschwankungcn, magnetische Einwirkungen und gor starke Erschütterungen von seiner Taschenuhr fernhalten. Auch ist es nicht zuviel oerlangt, wenn eine gute Uhr mindestens olhe vier Jahre ein genaues Nachsehen und Velen verlangt: steht doch bei jeder Großmaschine ständig der Pfleger mit der Oelkanne bereit. Drachenbaume. In dem Garten des Herrn Franqui in dem Städtchen Orotava auf Teneriffa,„einem der anmutigsten Orte der Welt", staunte Alexander von Humboldt über den riesenförmigen Drachen- bäum, der 16 Schuh(über 5 Meter) im Durchmesser hatte und von dem die Sage ging, daß ihn schon die französischen Abenteurer, die zu Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts die glücklichen Inseln er- obertcn, in eben der kolossalen Stärke gesehen Wten. Humboldt widmet in seinen„Ansichten der Natur" den Drachenbäumen und ihrem Alter mehrere Druckseiten, was daraus schließen läßt, daß er das sagenhafte Alter dieses Riesenbaumes im Innern doch etwas anzweifelte. Er selbst enthält sich denn auch jeden Urteils über dos Alter und zitiert nur die Ansichten anderer namhafter Forscher, die annehmen,„daß das Alter mehrerer noch lebender Individuen bis zu den frühesten historischen Zeiten, wenn auch nicht des Nillandcs, doch von Griechenland und Italien hinausreicht". Gewaltige Baumriesen haben den Menschen von jeher in Staunen versetzt, wie denn alle Organismen, die älter als der Mensch selbst werden, der sich doch für die Krone der Schöpfung hält, von uns mit Unbehagen, Furcht, Verehrung, Grauen oder Humor, je nach Temperament, Zeit oder Umständen, betrachtet werden. Daß eine Schildkröte mehrere hundert Jahre ihren kostbaren Panzer spazierentragen kann, erscheint den meisten Menschen unglaub- würdig: dem Elefanten gesteht man seiner Größe wegen allerlei Jahre z», und ein bemooster Karpfen wirkt komisch würdig wie ein aller Student. Ein alter Baum hat immer etwas Monumentales, und wir empfinden ihn wie ein lebendig gewordenes Kunstbauwerk, das zu erhallen uns ganz selbstverständlich vorkommt. Gibt es doch selbst Holzsäller von Beruf, die sich wie halbe Mörder fühlen, wenn ein Baumriese ächzend und stöhnend unter ihrer Axt zusammenbricht. Die Holzknechte fürchten aber auch die Rache der Bäume: gar mancher hat im Wald beim Baumfällen schon fein Leben lassen müssen, besonders nn Gebirge, wovon die zahlreichen Totcntafeln — Marterl nennt nwn sie im bayerischen Hochland— an den Unglücksstätten Zeugnis ablegen. Es ist also kein Wunder, wenn Märchen und-sagen sich an alte Bäume knüpfen und wenn man sie älter macht, als sie wirklich sind. Die Altersbestimmung ist nämlich nicht so einfach, wenn man den Baumstamm nicht durchsägt. Bekanntlich kann man an unseren Nadel- und Laubbäumen durch Zählen der Jahresringe das Aller bestimmen, aber das geht zum Beispiel bei den Drachenbäumen auch nicht, weil sie zu den Liliengewächsen gehören und die söge- nannten Monokotyledoncn, deren Samen nur ein Keimblatt hervor- bringen, keine Jahresringe bilden. Nun hat kürzlich ein Forscher, A. Püttcr, in den Sitzung«- berichten der Heidelberger Akademie der Wissenschostcn eine Arbett veröffentlicht, die sich speziell mit der Altersbestimmung der Drachen- bäume aus Teneriffa beschäftigt. Zunächst hat er selbst Messungen des Umsanges alter Bäume vorgenommen und seine Zahlen mit denen srüherer Forscher verglichen, dann' hat er junge Bäume ge- messen, deren Alter bekannt war. und schließlich stellte er die Anzahl der Verzweigungen eines jeden Baumes fest. Diese Verzweigungen treten zwischen>0 8 bis 25 Jahren auf und entsprechen den Blüh- Perioden, was man weiß. Aus Grund dieser Untersuchungen kommt Pütter zu dem Resultat, daß die jetzt größten Bäume der Insel nicht älter als 200 Jahre sein können, und er glaubt, daß auch der be- rühmte von Humboldt erwähnte Drachenboum kein höheres Alter erreicht haben kann. Damit wäre also wieder einmal ein altes Märchen der Untersuchung zum Opfer gefallen. Dl, W, W, Massenkaufkrast und haushaltsinöustrie. Löhne und Absatz.— Die industrielle Reservearmee. Es gibt Tatsachen, die der kapitalistische Unternehmer nun ein- mal absolut nicht begreift. Die wichtigst« daoon ist die, daß die Löhne und GeHölter, die er bezahlt, nicht bloß Kostender Pro d u k t i o n. d. h. nach seiner Auffassung„Un'koslen sind, sondern der wichtigste Teil jener Kauftraft, von der die ganze prioatkapita- listische Industrie lebt und aus der sie ihre Gewinne zieht. Diese Dinsenwahrheit jedes arbeitsteiligen Wirtschaftssystems, die aller- dings gerade durch die Arbeitsteilung schwerer erkennbar ist, hatte nun solange keine wirtschafte politische Bedeuwng, als die Wirtschaftsentwicklung in gerader Linie a u s wärt» ging und trotz aller Krisen auf die Dauer das Gleichgewicht zwischen Pro- duktion und Verbrauch nicht gestört wurde. Seit der Inflation aber ist diese Binsenwahrheit zur Schicksalsfrage der deutschen Wirtschaft geworden. Ohne gewaltige Stärkung des Inlandmarktes kommen wir nicht mehr weiter. Stärkung des Inlandmarktes heißt aber Vermehrung der Kauffähigkeit der breiten Masten, erfolge diese nun durch Derbilligung der Produktion und Senkung der Preise bei gleichen Löhnen oder durch Vermehrung der Produttion zu gleichen Kosten bei höheren Löhnen. Nun hat jeder Unter- nehmer zwar ganz gerne die Botschaft von der Vermehrung der Produktion und der Stärkung des Inlandmarktes gehört. Don der Senkung der Preise wollte er aber nichts wissen, bis die Absatzkrise sie ihm hier und dort aufzwang. Seit Krise und Arbeitslosigkeit ober im Land sind, steht die ganze Front der Unternehmer im Kampf, um die Löhne abzubauen und die Gehälter zu drücken. Haushaltsbedarf und industrielle ZZeschäftigunz. Nun gibt es ein Gebiet, wo die Zusammenhänge zwischen Lohn- höhe und Arbeitslosigkeit einerseits, Profit und Jndustrieabsag andererseits besonders deutlich werden. Das ist der Einrichtungs- bedarf des Mastenhaushalts, gleichviel ob es sich um die Beschafjung von Möbeln, Kleidung, Wäsche oder Küchcngerätschasten haiidelt. Wenn wir heute bei den Textilarbeitern z. B. eine Vollarbeitslosig- keit von 20 Proz. und Kurzarbeit mit über 30 Proz. der Organi- sicrten haben, bei den Schuhmachern. Leder-, Hut-, Bekleidung?- und Holzarbeitern eine gegen das Vorjahr vielfach gesteigerte Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, so deshalb, weil der Mastenhaushalt als Käufer versagt. Von klassischer Deutlichkeit sind die Zusammen- hänge aber bei einer Industrie, die ausschließlich Mostenware für den Mastenhaushalt herstellt, und die mit ihrem Absag in der ganzen Well auf eine ständige, relativ einheitliche und der Mode nur wenig unterworfenen Nachfrage rechnen kann: das ist die Industrie für Haushaltsgerät und Küchenmaschinen. Der rapide Aufschwung bis zum herbst. Zwei typische Großwerke dieser Industrie sind die Bingwerke A.-G. in Nürnberg und die Aleranderwerk A. von der Nahmer A.-G. in Remscheid. Hören wir,� wie der Bingkonzeru sich für die Zeit bis zum Ausbruch der Krise im Herbst vorigen Jahres über den Gkschäftsverlouf äußert:.Die Warennachfrage erfuhr im Laufe des Sommers bis gegen den Herbst hin noch eine weitere erhebliche Steigerung und bezog sich im b e f o n d e r en auf«ine Reihe zur Ergänzung des Spielwarenfortimeiü« neuge- fchaffene Artikel. Um fabrikatorifch dieser Nachfrage zu genügen. btodurfte es der Investierung bedeutender Mittel. In den Produk- tionistätten wurden beträchtliche Neuzugänge im Tilafchlneupart notwendig: auch erhöhte sich die Belegschaft im Lause des llahres auf das Doppelte des Frühjahrsstandes. Die Festlegung dieser Beträge war zur Bewältigung vorliegender'Aufträge erforderlich, und in der Tat gedieh der Umsah zu einer Höhe, die während des Zchähri- gen Bestehens der Aktiengesellschaft noch niemals annähernd er. reicht worden war." Das Al exa nd e r w e r k A. von der N a h m e r ist kürzer in feinem Bericht. Es berichtet nur, daß der Auftragseingang zunächst so leichast war. daß die Leistung der Betriebe erheblich gesteigert werden mußte. Aus einem Börsen- Prospekt ist aber bekannt geworden, daß allein die ersten süas Zlkonale eine Umsalzstelgerung von 3S Proz. gebracht haben. Diese Steige- rung dürfte bis September eher zu als abgenommen haben. Die plötzliche Lähmung des Marktes. Die Wirkung, die der Ausbruch und die Fortdauer der Krise auf die Houshaltsindustne gehabt hat und hat, läßt sich wiederum kaum deutlicher beschreiben, als es der Wortlaut des Bingberichts tut:.Mit der gesamten Industrie wurde auch unsere Gesellschaft von der plötzlichen Lähmung des deutschen Marktes betroffen" lfolgen Ausführungen gegen die Behinderung des Exports durch Zölle und schwankende Währungen:..Wähixwd der sonst gerade in den letzten Monaten des Jahres in einen: Saisongeschäft wie dem unseren"(Weihnachten).zu erwartende Geldrückslutz ausblieb, liefen dringende, nicht mehr rückgängig zu machende Engagements und befand sich der ganze zu äußerster krastanstrengung angehaltene Apparat der kaufmännischen und fabrikatorischen Betrieb« in vollem Gange. Das Tempo, ses durch diese Entwicklung notwendig ge- wordenen Abbaues konnte sich dem der Krisi» nicht angleichen." Auch bei dem Alexanderwerk ergibt sich das gleiche Bild: nur drückt sich der Bericht kürzer und nüchterner aus:.Die im Sommer einsetzende Wirischaftstrisis, welche sich in sehr schleppendem Eingang der Zahlungen und stärkerem Nachlassen der Aufträge fühlbar machte, zwang uns zu erheblichen Einschränkungen des Betriebes. um den Umsang des Geschäfts in Uebereinftimmung mit den Betriebsmitteln zu bringen." Die Umsatzsteigerung, die in den ersten fünf Monaten 3S Proz. betragen hatte, ging in den wenigen Monaten der Krise für das ganze Jahr auf 34 Proz. zurück. Die finauziclleu Auswirkungen. Nun sind die beiden Werke die größten ihrer Art: nicht nur in Deutschland, man kann ruhig sagen in Europa. Sie sind sinan- ziell außerordentlich stark und haben Absatz buchstäblich durch die Sanze Welt. Der Export spielt bei ihnen eine sehr groß« Rolle. Beim der Inlandsabsatz mich sehr wichtig ist, er ist nur ein Au»- schnitt ihres Gesamtgeschäfts. Dazu ist die Konturrenz wegen der Mastenhaftigkeit ihrer Produktion, ihren Potenten und de» Hochstandes ihrer Technik den Werken nicht sehr gefährlich. End- lich hatte doch der weitaus größere TeU des Jahres ganz bedeutende Mehrgewinne gebracht. Die Gewinne bleiben also noch erheblich. Aber die nachteiligen Deränderungen m der Gewinnrechnung und BUanz durch die wenigen Krisenmonate sind mst den Händen greif- bar. Obwohl die Bingwerke bis zum Herbst nie erreichte Um- sätze und eine Perdoppelung der Belegschaft meldeten, ist der Roh- gewinn gegen das Vorjahr nur von 5,06 auf 5,55 Millionen erhöht. Obwohl die Steuer- und Versicherungsleistuügen von 1,13 aus 0,67 Millionen zurückgegangen sind, sind die allgemeinen Hand- lungsunkosten von 2,78 auf 3,55 Millionen g e st i e g e n. Die Ab- schreibungen waren zweckmäßig, die Krise dauert ja fort, von 0,35 auf 0,70 Milliomm zu erhöhen. Der Reingewinn, der im Vorjahr 0,80 Millionen Mark betrug, sank mit 0,41 Millionen auf die Hälkte. Die Bilanz zeigt eine starke Der schul- d u n g: der in Anspruch genommene Akzepttredit stt mft 2,65 gegen 0,23 Millionen mebr als verzehnfacht, die Betriebsgläubiger sind von 5,08 auf 5.56 Millionen, die Bankschulden von 6,16 auf 9,91 Millionen erhöbk. Insgesamt ist die laufend« Verschuldung von 11,49 auf 18.1l Millionen gewachsen: der Reingewinn aber ist balbiert. Bei den Aktiven sind die Veränderungen entsprechend: die Forderungen sind mäßig von 5,72 auf 7,02 Millionen gestiegen. die Bankguthaben von 0,55 auf 0,35 gesenkt. d«r Kassen-, Scbeck- und Wechsel bestand von 0,42 auf 0,85 Millionen erhöht. Den Ausgleich stellen die Vorräte und Warenlager her. deren Wert von 13,32 gegen 8,65 Millionen höher ausgewiesen wird. Das Ergebnis ist also ein schwerer Druck aus di? Zahlungsflüssigkeit, die im neuen Jahre im Berkauf von Gebäuden(Konzentrahaus Leipzig) und Beteiligungen(Glasfabrik Spiegelou und Clektrobeheizung GmbH., Nürnberg: auch schon ihren Ausdruck gefunden hat. Eine Dividende wird nicht verteilt. Der Gewinn aus den beiden Iahren 1924 und 1925 wird zur.inneren Konsolidierung" vorgetragen. Beim Alexanderwerk liegt die Sache günstiger. Dort mar das Auslandsgeschäft affenbar sehr günstig, wenn auch bei der Auslösung der Verkaufsstelle Barcelona ein Verlust entstanden ist. Immerhin sind die Unkosten, trotz Verringerung der Steuern, st ä r k e r aestiegen als der Rohaewinn. und der Reingewinn wird nur mit 38 900 gegen 603 000 M im Vorjahr ausgewiesen. Statt der lOprozentigeii Vohrjahrsdlvidende werden 6 Proz. verteilt. Auch die Bilanz ist ausgespannt. Zum ersten Male treten Akzept schulden mit 0.44 Millionen auf: Gläubiger sind von 2,76 auf 3,21 Millionen gestiegen. Die Forderungen gingen von 3,29 auf 2M Millionen zurück: die laaernden Bestände und Waren sind beträchtlich von 3,75 auf 5,05 Millionen gestiegen. Schlußfolgerungen. So deutlich wie hier werden selten die Zusammenhänge zwischen Kauskrastentwicklung und industrieller Beschäftigung nachweisbor sein. Was aber für diesen kleinen Ausschnitt des Wirtschaftslebens gilt, gilt für die Volkswirtschaft im ganzen: nur daß die Beziehungen verschlungener und komplizierter sind. Für die Arbeiterschaft allerdings kommt es darauf an, was sie aus den Lehren dieses Beispiels und der Erkenntnis dieser Zusammenhänge macht. Wenn sie sich von den Unternehmern einfach vorrechnen ließe, daß wir in der Krise stecken, wie durch die Krise die Bilanzen verschlechtert werden und--daß deshalb die Arbeitsbedingungen auch verschlechtert werden müssen, dann gibt es natürlich aus der Krise sobald keine Rettung. Den Unternehmern muß klar gemacht wer- den, daß ihre Politik letzhin diese Krise verschuldet hat. daß der Niedergang der Malsenkaufkraft die Ursache des mangelnden Ab. satzes ist. und daß die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen dos denkbar ungünstigst« Mittel ist. um den Absatz wieder zu steigern und die Werte zu beschäftigen. Auch der großen Armee der Arbeitslosen müsien diese Zusammenhäng« in» Bewußt- sein gehämmert werden, damit bei den großen Kämpfen, die die Arbeiterschaft zum Wiederaufbau eines kaufkräftigen Innenmarktes noch führen muß, ihre Armee bis zum letzten Mann eine Reserve der Arbeiterschaft und nicht der Unternehmer ist. vke Wirtsthastsenquete in Arbeit. Der Ausschuß zur Untersuchung der Absatz- und Erzeugung?» bedingungen der deutschen Wirtschaft hielt gestern eine öffentlich« Sitzung ab, in der man zum erstenmal Einblick in die Arbeit der Enquete erhielt. Bisher befindet sich die Arbeit offenbar noch völlig im Dorbereiuingszustande, und die einzelnen Unterausschüsse für Landwirtschaft, Industrie, Kreditwesen, Finanzpolitik und Sozial- Politik sind sich selbst noch nicht darüber schlüssig geworden, wie sie ihre Arbeit eigentlich anzufassen gedenken. Auch sind bisher noch nicht die Vorsitzenden aller Ausschüsse sestgelegt. und keiner der Aus- schüsse hat sich bisher auf einen Sekretär einigen können. Das Problem scheint in allen Arbeitsausschüssen zunächst das gleiche zu sein: wie können wir angesichts der Unendlichkeit des Arbeitsgebietes. das uns übertragen wurde, irgendwie zu einer Abgrenzung unserer Tätigkeit gelangen, die die Voraussetzung für fruchtbare Arbeit ist? In der gestrigen Sitzung wurden zwei Referate geHallen. Prä- sident Wagemann vom Statistischen Reichsamt schilderte die Arbeit des Statistischen Reichsamts und beklagte, daß es Infolge unzureichender Mittel auf manchen" Gebieten nicht alles dos tun könne, was es gern wollte. Was er an konkretem Material der Enquete zur Verfügung stellen könnte, wurde dabei kaum berührt. Dann hiell Herr Prosessor Harms einen langen Vortrag über das englische Enquetewesen, wobei sich herausstellte, daß die deutsche Enquete bisher keine Parallele in England hatte. Immerhin er- gaben sich interessante Anhallspunkte dafür, wie lange etwa die Enquete für ihre Arbell zusammenbleiben müßte, wenn sie irgend zureichende Ergebnisse liefern soll. Die Frage der Preisspann« fft z. 25. eine der Einzelfragen der Agrarenquet« und hat in England eine Sonderkommission fast ein Jahr lang beschäftigt. Der Bericht der englischen Kohlenkommission erforderte immerhin sieben Monate und wurde besonders beschleunigt durchgeführt. Wenn man bedenkt, daß nur etwa 5 Proz. der deutschen Arbeilnehmerschaft in Industrie. Handel und Verkehr in der Kohlenwirtschaft beschäftigt sind, so ist man beinahe versucht, den verzweifcllen Schluß zu ziehen, daß allein die Bearbeitung von Industrie und Handel 12 Jahre nach diesem Maßstab erfordern müßte, zumal beinahe nirgend» in Deutschland für eine Industrie so umfangreiche» amtliches Material bereits vorliegt, wie die englische Kohlenkommission es vorfand, als sie zusammentrat. Nur angestrengte Arbeit und Sekbstbeschränkung wird in verhältnismäßig kurzer Zell brauchbare Ergebnisse zeitigen können. Auch sonst enthiell der Borirag von Harms mancherlei Anregungen. Ihm folgte eine Debatte, in der Profesior Eulenburg und Geheimrot Sering lebhaft dafür eintraten, daß endlich die Fragestellungen präzisiert werden sollten. Sering ins- besondere forderte, daß man nach den Ursachen der Wirtschaftskrise und nach den Mitteln ihrer Ueberwindung{ragen sollte, statt in umfassende Untersuchungen einzutreten. Für eine solche Aufgabe dürfte frellich der Enqueteausschuß recht ungeeignet sein. Gerade die Zu- sammcnsetzung des Ausschusses zeigt vielmehr deutlich, daß die Ab- sieht war. m erster Linie hier Tatsachen zu ermlltein. Und dies sollte in der Tat in umsasiender Weise geschehen, ohne daß man daran denkt, zu früh zu Derallgemeinerungen und wirffchastspolitischen Schlüsien zu kommen, die ohne den Boden umfassender Tatsachen- kenntnis doch nur in der Lust hängen würden. Aus den Berichten der Unterausschüsse ergab sich der Eindruck, daß bisher der Ausschuß, der die Zusammenhänge von Arbeitszeit. Arbellslohn und Arbeitsleistung behandeln soll, am wellesten fortgeschrillen fft. insofern, als er bereits wirklich ernsthaft an der Arbeit fft und zunächst einmal vernünftigerweise beschlossen hat, auch schon zur Frage der Arbeitsmethode Sachverständige heran- zuziehen, ganz abgesehen davon, daß auch unter dem Gesichtspunkt der Sachverständigkeit seine Zusammensetzung als besonders günstig zu betrachten ist. Die übrigen Ausschüsse"scheinen noch in ziemlicher Unklarheit über Arbeitsmöglichkeit und Arbeitsmethode zu stecken. lDenngleich der Industrieausschuß schon damit begonnen hat. die Kohle im Rahmen der gesamten Energiewirtschaft sowie die Eisen- Wirtschaft zu bearbeiten, scheint dies doch bisher noch reichlich ziellos und unsicher zu erfolgen, wenigstens erweckten die Darlegungen von August Müller diesen Eindruck. Im Agrarausschuß schließlich scheint man wesentlich noch mit rein formalen Fragen beschästigt zu sein. Es muß außerordentlich fraglich erscheinen, ob diese Art der Dollsitzung geeignet ist. die Oeffeiitlichkeit wirklich an den Arbeiten der Wirtschaftsenquete zu interessieren. Biel wichtiger wäre es. wenn man die Unterausschüsse dazu veranlaßte, st e n o> graphischeSitzungsprotokollezuveröfsentlichen. aus denen jedermann näheres über den Stand der Arbeit erfahren könnte. Rur so wird man wirkliche Teilnahme der Oeffentlichkeit und der Sfsentlichen Kritik an den Ausschußarbeiten ermöglichen._- Mrtschaflsministerium und Arbeilslosigkeik. Bon zuständiger Stelle erfahren wir: Der W T B.- Handelsdienst verössentlicht in Nr. 304 vom 17. Juni einen ArtikÄ �W i r t s ch a f t- p r o b l e m e". der in einer größeren Tages- zeitung als aus amtlicher Quelle stammend angesehen wurde. Dem- gegenüber ist festzustellen, daß der WTB.-Handelsdienst ein Privatunternehmen ist und dieser Artikel lediglich die Prwatarbell eine» Redakteurs darstellt, die nicht auf Jnsormaiivn einer Dienststell« beruht und über die Maßnahmen der Reichs- regierung. die zur Behebung der Arbeitslosigt ell ergriffen wurden und noch ergriffen werden, mangelnd orientiert ist. Diese Pläne der Reichsregierung werden demnächst im Vorläufigen Reichswirtschaftrot besprochen werden. üie Syndikat Sbekeillgunqen des TNonloakrust». Räch einer Zu- sammenstelUmo der»Kölnischen VoUszeitung" verfügt der Montan- trust einschließlich der neuangegliederten Charlollenhütte,. ober o h n» die Quoten der übernommenen Stummwevte über folgende Syndikatsbeteiligungen bei den schwermdustriellen Verbänden: 22,2 Proz. der Gesamtbeteiligung im Kohiensynditat (ohne Rheinstahl) 19,0 Proz. der Derkaufsbeteiligung im Kohlensvndikat 87,8 Proz. der Verbrau chsbeteiligung im Kohlensyndikat 31,0 Proz. im Roheisenverband 39,5 Proz. in der Rohstahlgemeinschaft 40,3 Proz. im A-Produktenverbcmd 31,3 Proz nn Stabeisenocrband 47,3 Proz. in der Bandeisenvereinigung 23,0 Proz. im Grobblechoerband 6,8 Proz. im Walzdrahtverband und 15,0 Proz. im Drahtoerfeinerungsverband. Es fehlen, wie gesagt, noch die Stommquoten. Wir geben diese Feststellungen der»Kölnischen Dolkszellung" ihres großen Interesses halber wieder, obwohl es fraglich fft, ob sie ganz authentisch sind. Jedenfalls erhellt aus ihnen die ganz kolossale Macht, die der Moillantrust in den wichtigen Perbänden der Schwerindustrie heule schon ausübt. Eiae sächsssche Staatsanleihe. Die Regierung brachte im Land- tag eine Vorlage ein. durch die dos Finanzministerium ennächticit werden soll. 45 Millionen Mark im Wege einer Staatsanleihe slüssig zu machen und die selbstschuldnerische Bürgschaft de» Staats siir eine Anleihe von 55 Millionen Mark der Aktiengesellschaft Sächsische Werke zu übernehmen oder aber diesen Betrag ganz oder teilweise Im Wege der Staatsanleihe aufzunehmen und der ASW. als Dar- lehen zur Berfügun« zu stellen. Ferner wird der Landtag um Zu- stimmung ersucht. 15 Millionen Mark als erste Einzahlung aus 60 Millionen Mark neue vom Staat zu übernehmende Aktien der ASW. in den außerordentlichen Haushaltsplan für 1926 einzustellen. Industrieller Zollschuh in Australien. ZZertreter der britischen Fabrikanten haben von der australischen Regierung die Einführung hoher Zölle oerlangt, um das Dumping europäischer Eisen- und Stahlerzeugniss« unwirksam zu machen. vr v, y-r&llauf billigste Nabe im Betrieb weil selten geringer Verschleiss köstlich milde <34 Zigarette