�benöausgabe Nr. 2SS* 43. Jahrgang Ausgabe S Nr. 140 lutb VnMlgeovttif« Cnb in btz SRorgenousaabe anatcebnt ReAatlion: SV. 68, Ciabeaftraii« 3 ymlpnOtet: VS-hoft 202— 261 Z'L-SbreflKSojiaUxaotial Bcclia VoMsvlstt (�10 Pfennig� Sonnabend Juni 1�26 e«t1e« und»»»et0«nadt«ilun0i »-« Uhr SccUgn:llornficl9-OtTlao GmbH. fletUa KW. 6», Clabenffcafe« 3 Fernsprecher: VSnhoss 202— 207 Zentralorgan der Bozialdemokratifd�en parte» Deutfchlands Der Schwindel mit Amerika. Bestellte und gefälschte Kabelgramme— und die wirkliche Auffassung. Die gesamte Fürstenprcsse arbeitet seit Tagen mit bestellten oder gefälschten Kabelgrommen aus Amerika, des Inhalts, Amerika würde den Deutschen den Kredit sperren und sie sozusagen am ausgestreckten Arm verhungern lassen, wenn das Vermögen der Fürsten enteignet würde. Inwiefern dieser Amerikaschwindel mit der„nationalen Würde" vereinbar ist. mag die„nationale" Presse selbst ent- scheiden, sie hat ja dafür das Monopol. Immerhin ist es interessant, zu erfahren, wie man in Amerika wirklich über die inneren deutschen Kämpfe denkt. Deshalb sei hier ein Aufsatz aus dem führenden chandelsblatt der New Vorker Großfinanz, dem„Journal of Commerce" vom 9. Juni in wortgetreuer Uebertragung wiedergegeben: Am 20. Juni ist der gesamten wahlberechtigten Bevölkerung Deutschlands Gelegenheit gegeben, auf die Frage, ob die Forderung des Volkes auf Enteignung der Fürstenvermögen Gesetz werden soll, mit.sa"'oder.nein" zu antworten. Als zuerst die Forderung nach einem Volksbegehren auftauchte, hatten selbst die heftigsten Widersacher gegen die zügellos hohen Enklchodigungssorderungea der abgesetzten Fürsten Deutschlands nur geringe chofftrung, doh dieses Volksbegehren erfolgreich sein würde. Es schien, als ob die Schwierigkeiten zur Ausbringung der erforderlichen Stimmen für das Volksbegehren und den eventuellen späteren Volksentscheid allzu groh wären, um auf diese Weise eine das Volt befriedigende Lösung herbeizuführen. Die erwiesene U n» sähigkeit der Regierung ober, mit den kurzsichtigen Vefür- martern der Fürslcnforderuagen zu einem Kompromih zu kommen nd die täglichen Enthüllungen über die ungezähmte Gier der Fürsten 'aben setzt der Forderung des Voltes, die sich anfänglich nur auf Sozialisten und Kommunisten beschränkte, eine unwiderstehliche Stoß- rast gegeben. Die ungeheure Zahl von 12Vi> Millionen Wählern, Ic sich im Volk für die Enteignung ausgesprochen haben, mutz sie ein Blitzschlag auf die Selbstzufriedenheit derjenigen kreise eingewirkt haben, die nie glauben wollten, dast ein so groher Seil des deutschen Volkes mit der Enteignung von Privateigentum unverstanden sein würde. Es ist möglich, daß dos Voltsbegehren ron Ansang an nicht aus eine Enteignung hinausging, denn es wird, sohl mit einer gewisien Berechtigung, behauptet, datz sehr viele Tlähler, die sich damals einzeichneten, das getan haben, weil sie der Neinung waren, doh man dadurch den Widerstand der Politiker legen eine gerechte Lösung der Frage rechtzeitig brechen könnte. Es hat sich aber gezeigt, daß solche Kalkulationen zu optimistisch waren, und je näher der Zeitpunkt des Volksentscheides heranrückt, je mehr wächst die Furcht der Befürwortung der Fürstensorderung vor der Dolksstimmc. Der Reichspräsident hindenburg ist im letzten Avgeabsick angestiftet worden. in gewisiermahen unoffizieller Form die Enteiznungsvorschläge als .Angriff auf die Grundlage des Staates und als eine Verletzung der fundamentalen Gesetze von Moral und Recht" zu verdammen. Das sind sehr starke Worte des Reichspräsidenten, der sich bis dahin vorsichtig davon zurückgehalten hat, seine Person in den Vordergrund zu stellen. Es sind auch bedeutsame Worte, denn sie beweisen, dah die Herzen oller derjenigen, die sich hinter den Reichspräsidenten gestellt haben, von Furcht er» griffen sind, dah der Volksentscheid zu ihren Ungunsten ausgehen könnte. Dadurch, daß der Reichs- Präsident dem Prinzip noch seine Absicht, die Unterschrist unter das Enteignungsgesetz zu verweigern, angekündigt hat, womit als Folge- erscheinung sein Rücktritt verbunden sein würde, hat er seinen ge- samten persönlichen Einfluß in die Wogschale geworfen im Kampf gegen die Forderung des Volkes. Nachdem jetzt die Regierung. Kirche und alle Anhänger des monarchischen Systems in gemein- samer Abwehrfront stehen, könnte der Sieg der An- Hänger des Volksentscheide» nur durch die alle» niederreihende Entrüstung des Volkes erklärt werden. Sollte da» deutsche Volt in diesem Kamps siegreich sein, so ist damit noch keinesfalls bewiesen, dah es einen Mongel an Respekt vor Eigentumsrechten aufzuweisen hat. Der Sieg wäre einfach nur«in Beweis dafür, wie. jeder Ueber- legung bar. die Politiker es unternommen haben,«in verarmtes Volk zu zwingen, ihren früheren in Mißkredit gekommenen BeHerr- schern Reichtümer und finanzielle Macht zuzv- schanzen. Wenn ein Blatt von der führenden Stellung des„Journal of Commerce" solche Ansichten vertritt, so ist damit bewiesen, daß alles, was die Fürstenpresse über die Haltung Amerikas erzählt hat, er st unken und erlogen ist. Richtig ist nur, daß die Fürsten und ihre Helfer Amerika zur Kreditsperre gegen Deutschland förmlich ermpntern und anreizen, wie das Wilhelm II. selbst erst kürzlich in einem Interview mit einem amerikani schen Blatt getan hat. Die ganze Welt versteht„die alle« nieder- reißende Entrüstung de, Volke»!- Darum morgen ,30, 3a und abermals 3a' 1 Stahlhelmschlacht unter Schutz üer Schupo. In Halle darf der Stahlhelm ungestört provozieren. halle, IS. llunl. lTigener Drahtbericht.) Am Freitag abend kam e» ln halle anläßlich eine» Iransparentumzoge». den die Kommunisten veranstalteten, zu schweren Zusammenstößen. Der Zug wurde von S t a h l h e l m e r n. die auf sieben Aulo» durch die Stadt fuhren, überfallen. Nachdem die Stahlhelmer erst faustgroße Steine ans die Sommnnlsten ge- schleudert hatten, wobei zwei Leute schwer verletzt wurden, gingen sie mit Dolchen. Stöcken und Knüppeln gegen die völlig unbewaffneten Demonstranten vor. E» wurden 7 verwundete gezählt— darunter 1 Reichsbannertamerad—, von denen einige durch Messerstiche schwer verletz» worden sind. Die Schupo ließ, nachdem der Kamps sein Ende erreicht hatte, die Stahl- helmer aus ihren Auto» Platz nehmen und unbehelligt davonfahren. während sie den Kommunisten die Latten, an denen die Iransparente befestig« waren, abnahmen und gegen die sich ansammelnden entrüsteten Menschen mit Gummiknüppeln vor- gingen._ tzerrkot auf üer Kadlnettfuche. Grundsätzlich links— aber auch in der Mitte. V a r i». lS. lluni(Eigener vrahtberichk). Der mit der Regie- rvngsbildung beauftragte Sammerpräsident h e r r i a» wird zunächst versuchen, ein Kabinett zustandezubriageu. da» sich im mefentNchen aus die Lintspartein stützt. Ueber die Grenzen, die Herriot seinem Kabinett nach link» und rechts geben wird, hat er sich gestern abend Journalisten gegenüber in dem Sinn« geäußert, daß er als idelle Basis für die Kabinetts. bildunq die von der.Demokratischen Linken" im Senat angenom- mcne Tagesordnung erblickt, in der diese Gruppe die Hoffnung ausdrückt, das kommende Kabinett möge eine„Politik der Zu- fammenfassung der republikanischen Linksparteien zur Durchführung der finanziellen Sanierung im wahrhaft demotralifchen Sinne" fein. Dann, erklärte Herriot den Journalisten gegenüber weiter, werde tr zuerst ein Programm in großen Zügen entwerfen und darauf an die Lösung der Personenfrage herantreten. Herriot wird also sein Kabinett, wenn er der Tagesordnung der Demokratischen Linken folgt, nach der Linken Mitte hin erweitern und nur die.Republi- tonische Union", welche die R ech t e des früheren Nationalen Block» in der Kammer umfaßt, aus seiner Kombinotion ausschließen müssen. Diese Gruppe hat übrigens, ohne auch nur die Kabinetts- billuwg oder da» Regierungsprogroemn Herriots abzuwarten, w fifta gtftan abtnb gefaßte« Evtschtlchung Herriot bereit» ihr« tr* bittertste Feinschaft angekündigt. Dagegen wird Herriot oerfuchen, die gemäßigten Mittelparteien der.Demotratischen Linken" (B o k a n o w s k i und L o u ch e u r), dann die Republikanisch-demo- kratische Partei(L e y g u e s und E o l ra t)) in seinem Ministerium aufzunehmen. Hier scheint der g e f ä h r l i ch st e Punkt de» Expe- riments Herriots zu liegen. Denn man muß sich bei aller Sym- pathie für den französischen Kommerpräsidenten immerhin fragen, ob ihm die übernommene Aufgabe gelingen wird. Briand will nicht mehr Außenminister sein. pari», IS. Juni.(WTB.) Unter den politischen Persönlich- keiten, mit denen Herriot gestern abend oerhandelte, befindet sich auch Caillaux. Aus den Erklärungen Herriots geht hervor, daß die Entscheidung, ob er das Kabmett bilden könne, zweifellos nicht vor heut« abend werd« erfolgen können. Uebrigens glaubt „Matin" bereits feststellen zu können, daß in einem Ministerium Herriot vriand nicht als Minister de» Aeußern mitwirken werde, obgleich dies der Wunsch Herriot» sei. BI» jetzt habe Briand sich noch nicht entschlossen, ein derartige» Angebot anzunehmen. Der Volksentscheid verhindert den Diebstahl Keiner darf zu Hause bleiben Um Sie 20 Millionen. Auf zum Bolksurteil! Morgen geht das deutsche Volk zum ersten Male zur Wahlurne, um mit dem Mittel des DoUsentscheids eine einzige große Gesetzgebungsfroge zu losen. Volksentscheid: im Worte schon liegt, worum es sich handelt. Das Parlament, das durch die allgemeine Volkswahl den Auftrag erhalten hat, die all- gemeine Politik zu führen, hat in der Frage der Fürstenforde- rungen versagt. Run entscheidet das Volk selbst. Es wählt diesmal nicht Vertreter, nach Parteien gruppiert, es bringt durch einfaches Ja oder Rein seinen Willen gegenüber den Fürstenforderungen zum Ausdruck. Alle Reichstagswahlen in Deutschlgnd, und dazu die Reichspräsidentenwahl, haben sich unter' stärkster Teilnahme der Bevölkerung vollzogen. Das deutsche Volk ist ein poli- tischcs Volk geworden. Die Erkenntnis, daß eine Reichstags- wähl, die über Zusammensetzung des Parlaments und der Regierung entscheidet, bestimmend für die Interessen jedes einzelnen ist und tief in seine Lebenssphäre eingreifen kann, setzt sich durch. Die Indifferenten und Unpolitischen sind ein kleiner Teil des Volkes. In den Zahlen derer, die sich an allgemeinen Wahlen nicht beteiligen, ist zudem immer noch ein großer Prozentsatz, der durch äußere Umstände, nicht durch innere Gleichgültigkeit abgehalten wird. Die politisch wollen- den Staatsbürger sind in Deutschland in der überwiegenden Mehrheit gegenüber den indifferenten Spießbürgern. Die Zahl der Deuffchen, die stimmberechtigt ist, beträgt rund 89 Millionen. Von diesen 39 Millionen stimmten in den großen Wahlen seit dem Bestehen der Republik: National- Versammlungswahl 1919 39,1 Millionen; Rcichstagswahl 1929 26,2 Millionen: 4. Mai 1924 29,4 Millionen; 7. Dezember 1924 39,3 Millionen: Reichspräsidentenwahl zweiter Wahl- gang 39,3 Millionen. Wie wird es beim Volksentscheid sein? Der Dolksent- scheid über die Fürstenabfindung ist eine noch stärkere Probe auf die politische Reife des deutschen Voltes als eine Reichs- tagswahl. Hier wirken nicht die vielfältig verflochtenen, unzählbaren Interessen, die in der Parlamentswahl durch die Abstimmung für eine Partei politischen Ausdruck und Wir- kung suchen. Es gilt,«ine Frage zu entscheiden, und zu beurteilen, welche Bedeutung die Entscheidung der einen Frage für die Gesamtheit der Politik als Ausdruck einer großen staatspolitischen Willensrichtung des Voltes hat. Rund 39 Millionen gehen bei ollgemeinen Wahlen in Deutsch- land zur Wahlurne— wie viele werden es diesmal fein? Werden 39 Millionen erkennen, daß die Frage der Fürsten- forderungen eine Frage des ganzen Voltes ist, daß ihre Entscheidung aufs engste verknüpft ist mit der Würde des deutschen Volkes? Wer politisches Fingerspitzengefühl hat, der weiß, daß diese Frage das deutsche Volk auf das stärkste bewegt. Run gilt es durch überwältigende Wahlbeteiligung trotz aller reaktionären Wahlenthaltungsparolen ein Zeugnis für die politische Reif« des Volkes abzulegen. 39 Millionen Deutsche von rund 39 Millionen Stimm- berechtigten entscheiden in den allgemeinen Wahlen über den allgemeinen politischen Kurs. 29 Millionen Deutsche muffen m it Ja stimmen, um dem Entwurf des Gesetzes über die Enteignung der ehemaligen Fürstenhäuser Gesetzes- kraft zu geben. 29 Millionen Jastimmen, das bedeutet eine überwältigend große Zusammenfassung politischen Willens zu einem einzigen, zielbewußt auf einen Punkt gerichteten Willen. Um es klar zu machen, was 29 Millionen Stimmen bedeuten: in einer Reichstagswahl würde die Abgabe von 29 Millionen Stimmen für eine Partei eine Reichstagsfrottion dieser Partei von 333 Abgeordneten ins Parlament bringen. Diese Fraktion würde für sich allein die Regierung bilden können, sie besäße die nicht zu brechende Mehrheit des Parla- ments, sie könnte jede Verfassungsänderung im Parlament mit Zweidrittelmehrheit beschließen. Mit einem Worte: sie wäre d i e Vertreterin des Volkes, getragen von dem Willen und dem Vertrauen der überwältigenden Mehrheit des Volkes. Diesen einheillichen Willen gilt es, für die Forderung der Enteignung der ehemaligen Fürstenhäuser zu zeigen. Eine solche Zusammenfasiung übertrifft bei weitem alle volitischen Zusamenfasiungen, die wir in Abstimmungen seit oem Bestehen der Republik erlebt haben. Berfolgen wir zum Vergleiche zunächst die Entwicklung der Stimmenzahl der Sozialdemokratischen Partei: Wahlen zur Nationalversammlung.... 11 500009 , zum Reichstag 1920...... 6 600 000 m m 4. Mai 1024... 6000 000 ,, ,7. Dezember 1924.. 7 800 000 Faßt man die Stimmen der Parteien, die sich vornehmlich auf die Arbeiterschaft stützen, zusammen— Sozialdemokratische Partei, Unabhängige Sozialdemokratisch Partei. Kom- munistische Partei— und verfolgt ihre Entwicklung, so ergibt sich das folgende Bild: Wahlen zur Rationalversammlung.... 13 800 000 , zum Reichstag 1920....... 10 900 000 ,.. 4. Mai 1924.... 10 100 000 7. Dezember 1924.. 10 700 000 Schon dieser Vergleich zeigt, daß es nicht möglich ist, daß die Anhänger einer Partei oder einer Klaffe die Frage der Fürstenforderungen lösen können. Das ganze Volk muß in überwältigender Mehrheit, die sonst in Parteien ausein- anderfällt, sich für die Enteignung der Fürsten entscheiden. Roch weitere Vergleichszahlen, um zu erkennen, welche gewaltige Zusammenfassung des Volkswillens beim Volks- I entscheid erfolgen nroß: bei der Reichstagswahl yy« 7. Dezember 1Ö24 erhielten die Parteien der Weimarer � Koalition— Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum zusammen IZ.S Millionen Stimmen. Beim zweiten Wohlgang der Reichspräsidentenwahl wurden abgegeben: Für Hindenburg 14.7 Mill. Für M a r x.. 13, S Hill. . ThSlman n 1,0. Gegen Hindenburg 15,7 Mill. AU diese Zahlen geben einen Begriff von den Dirnen» sioncn. Man erkennt daraus, mit welchen Sicherungen die Reichsoerfassung den Bolksentscheid umgeben hat. Sie ver- langt, daß die Hälft« aller Stimmberechtigten ihre Stimm« für einen Gesetzentwurf abgeben mutz, um ihn zum Gesetz zu erheben— das bedeutet Zweidrittel aller Wähler, die ersah- rungsgemäß bei allgemeinen Wahlen zur Wahlurne gehen. 12,5 Millionen haben sich in die Listen für das Volks- begehren eingezeichnet, mit ihrer vollen Namensunterschrift und Adresse, ohne Rücksicht daraus, daß die Agenten der Fürsten mit Terror und Boykott drohen. Jetzt gilt e» nicht mehr die Einzeichnung, jetzt gilt es die a l l g e m e i n e g e- Heime Volksabstimmung! Jetzt gilt es die Cnt- scheidung. Zwischen Volksbegehren und Volksentscheid liegt das Versagen der Regierung und des Reichstags, liegt der Zusammenbruch des parlamentarischen Fürstenkompromisses in den verschiedenen Fassungen, liegen die bitteren Erfahrun- gen, die das Volk mit der Hoffnung auf eine Lösung der Fürstenfrage durch den Reichstag gemacht hat. Jetzt bleibt nur eins: eine gewaltige Kraftansponnung de» Volkes selbst, ein einheitliches Votum de« ganzen Volkes von ungeheurer Wucht: 20 Millionen Ja für die Ent- eignung der ehemaligen Fürstenhäuser. Eine jeder Deutsche an die Wahlurne. Ansehen und Würde des deutschen Voltes als eines politischen Volke, ver- pflichten ihn zur Abstimmung. Ansehen und Würde des deutschen Voltes aber als eines reifen, sich selbst nach demo- krotischem Recht regierenden Volkes aber verpflichten ihn zum 3 a I 2S Millionen die v. V. v. bilden Stoßtrupps. Ein Rundschreiben der„Vereinigten Vaterländischen Verbände Deutschlands", Reichsgeschäftsstelle. Briefb. Nr. 730 26 Org. befaßt sich mit der Gegenarbeit gegen den Volk»- entscheid und enthält folgende Punkte 13 und 14: „Auch im Fall der Stimmenthaltung sind die Wahllokale zu besetzen. Stotztrupp» gegen Terrorakte müssen gebildet und bereit- gehalten werden." Dieselben Leute, die die T e r r o r p a r o l e ersonnen und ausgegeben hoben, die sie sogar dem Reichspräsidenten unter- schieben, organisieren„Stoßtrupps gegen Terrorakte". Das ist eine alte Methode. Man kennt die Gaunerparole„Haltet den Dieb". Aber heute läßt sich so leicht niemand mehr einschüchtern. Die Zeiten sind endgiltig vorbei. Und war die„Stoßtrupps" anlangt, von denen der„Stahlhelm" in Halle schon Vorgcs6)mock geliefert hat, so kann man damit rechnen, daß diese niemand an seinem Abstimmungsrecht hindern werden! Lonübunö-Terror. Zur Entrüstung für die Hugenberg-Preffe. Der Vorsitzende des Kreislandbundes Iüter- bog, Dr. B i l k e, versendet an die G e m e i n d e o o r- st e h e r. die den Eid auf die Verfassung abgelegt haben, ein großes Plakat folgenden Inhalts: „Geht nicht zur Wahl.— Bleibt zu Hause.— Der abstimmt. unterstützt einen Raub.— Wir schreiben jeden Ab st im- mendenauf. Der Wahlausschuß." Diesem Plakat ist e i n D r i e f beigelegt, in dem folgende Worte vorkommen: „Es Ist unbedingt notwendig, daß io jeder Gemeinde im Vorraum de« Wahllokals von früh bis abend», mit Ablösung. Landwirte oder Zungbauern sitzen, di» jeden, der zur Wahl kommt, ausschreiben. Dadurch haben wir eine Kontrolle, wer landwirtschaftvseindlich aus dem Land« eingestellt ist." Die Hugenbergpress« hat noch dem Staatsanwalt gerufen. Hier ist Gelegenheit, den Ruf zu wiederholen. Die Landbündler organisieren den Terror im Großen. Die Industrie bezahlt ihn. Wo bleibt hier di« Ent- rüstung der so leicht Entrüsteten? Gebt die Antwort auf Heuchelei und Schreckensherrschaft: Stimmt mit Ja! Wahltag unö Polizei. crdnuugsmastnahmcn des Polizeipräsideute«. Der Polizeipräsident teilt mit: Außer dem Bannkreis sind am morgigen Sonntag der Wittenberg pl ah und der Auguste- Viktoria- Platz sKaiser-wilhelm-Gedächtnietirche) für Propogaudosahrzeuge pcliti- scher Natur und für Umzüge gesperrt. Die Sperrung des Straßenoiertel» um de» wittenbergplatz und Augustc-Viktoria Platz wird von tl Uhr vormittag» bis voraussichtlich 6 Uhr nachmittag» durchgeführt. Al» Grenzstraßen dieses Vierteis dürfen noch benutzt werden: Aofanenstraße. Augsborger Straße. Lutherfiraßc. Sur. sürftenstraße bi» Budapest« Straße. Ansammlungen von Neu- gierigen oder von Angehörigen verschieden« politisch« Richtungen können ans den genannten Plätzen au» Gründen der allgemeine« Ruhe. Ordnung und Sich«heit nicht zugelassen w«de». Die polizeibeamlen sind angewiesen, derartige Ansammlungen zu znstreuen und da» Publikum i» Fluß zu hallen. Katholiken für Volksentscheid. Ei« Aufsatz von Dr. Erwin Niffka. Der bekannte Berliner Windhorst-Bündler Dr. Erwin Niffka veröffentlicht in der„Berliner Bolkszeitung" einen Aufsatz, in dem er u. a. sagt: Die deutschen Bischöfe haben in einer Kundgebung vom 1. Juni vor einer Zustimmung der Katholiken zur entschädigungs- losen Enteignung der Fürsten gewarnt. Es besteht kein Zweifel darüber, daß dieser Aufruf der Bischöfe den Charakter eines religiös und kirchlich bindenden Hirtenschreibens nicht trägt. Da wir ober fürchten, daß die Verwirrung in katholischen Kreisen angesichts der wichtigen Entscheidung am 20. Juni groß ist. fühlen wir uns aus den der Gewissensnot entspringenden Erwägungen gezwungen, für unsere Meinung öffentlich einzustehen. Man spricht in katholischen Blättern und in der rechtsgerichteten Presse von«gefühlsmäßiger Duselei", die weite Kreise unseres Volkes bewege, gegen den Raub der Fürsten aufzutreten. Diese Auslegung de» Volkswillens ist eine unverantwortliche Verdrehung der Tatsachen und will absichtlich von den grundsätzlichen Fragen ablenken. Schöpft das arbeitende Volt nicht au» der rauhest«» Praxis täglicher Arbeit und lebenslanger Rot? Ist ihm nicht der tägliche Kampf um das Recht auf Arbeit. Wohnung und Familie der Lehrmeister für den wahren Recht»- und Eigentumsbegrifs? Wir hassen nicht die Fürsten, weil sie Fürsten sind, sondern wir sind für da» Volksbegehren gewesen und treten für den Volt». entscheid ein. weil wir angesichts der Tatsachen vor Gott und un- serem Gewisse» gar nicht and«» entscheide« können. Richtunggebend für unser« Haltung ist die Antwort des Bischofs von Regensburg: „Bei allen Handlungen kommt es auf den Gewisiensstondpunlt an. Das Urteil aber steht bei Gott." Der Zentrumsabgeordnete Profesior Dessauer hat in seiner Partei für di« Entscheidung nach dem politischen Grundsatz de» kleineren Uebels gekämpft. Die.Rhein Moinischc Voltszeitung", das Zentrumsblott Frankfurt» a. M., tritt noch heute für diese Ent- scheidung ein. Trotzdem ist es in der Zentrumspartei nicht gelungen, du bleibst zu Haufe... Du bleibst zu Hause, indeß ein Sturm über Deutschland weht, der«» bis in fein« Tiefen aufwühlt. Du bleibst zu Haufe indeß Millionen auf den Barrikaden der Menschlichkeit kämpfen— kämpfen für da» Recht, da» mit den Armen ist, für gerecht« Verteilung der Güter, für Arbeitsfrieden und Republik. Du bleibst zu Hause, Bürger, in eingebildeter Tradition, Abgebauter Beamter, den di« Stande zehr« umnebelt. Handwerter, unter der Diktatur d« Kundschaft lebend. Du bleibst zu Hause. Arbeiter in Stadt und Land. Genosse gleichen Leide», gleicher Entbehrung, ewiges Lasttier des Leben». Werteschaffer und—- Ausgestoßen«?. Du bleibst zu Hause. Mutter, beraubt deiner Söhne vom große» Krieg, grau, de» Manne». Braut, des Liebsten beraubt. chr bleibt zu Haus« und helft den Fürsten!! Du bleibst zu Hause,. Bürger, Beamter, Handwerker, Arbeiter, Mutter, Wittv«. Du bleibst zu Hause. du hilfst den Fürsten! Du kämpfst gegen die Millionen, di« hungern m Deutschlavd. � gsgen die Kriegskrüppel. Rentner und Waisen. di« von ihrer Rente weder leben noch sterben können. Du bleibst zu Haus«, und ungezählte Kinder »einen sich hungrig IN fiebrigen Schlaf. verzweiseli« Mütter durchschluchzen die Rächte. Du bleibst zu Hause. und überall wächst die Rot In» Ungemessen«. hie Selbstmordziffer steigt und die Erwerbslosen sind Legion, und kampsgerüstet wartet die Reaktion, verbunden mit den Fürsten, di« noch immer in Glanz und Uebersluß leben und dir nur Hohn für dein Mitleid geben_»»»» und du öleibjt»u H a u j e! 1 §ürs Vaterland! «l» man un» in den Krieg schickt«, sagte man uns: E» geschehe fürs Vaterland! Unser Leben sollte dem Bestände de» Staate» sich opfern. Denn den Staat brauchten wir. Ohne ihn könnten die Menschen nicht in Ordnung und Recht, in Frieden und Ruh« leben. Nun haben wir für da» Vaterland geblutet, und wir. die wir zurück- getommen sind, sehen, was der Staat für un» Menschen bedeutet. Er bedeutet Ordnung sür die, die genug. Recht für die, die die Macht haben. Frieden sür die. di« die Gewehre besitzen, und Ruhe sür die Gegner der Republik. Wir sind verwundert, einen Staat zu treffen, wo wir ein Vaterland erwarteten! Wir fragen uns: Wo ist da» Vaterland, da» für uns Menschen sorgt, nachdem e» uns Menschen zu Hekatomben verschlungen hat? Was ist da» für ein Vaterland, dos noch nicht einmal«in gerechter Staat ist, geschweige denn»in Land, da, wir lieben können, weil es un» wie ein Vater- Land ist? Wir fragen und erhatten keine Antwort. Sollte Dater- land nicht» sein, nur«in Dorwand für die Intriganten, um die Geschäft« ihre. Eigennutze, zu bemänteln? Und doch gibt e««in Vaterland. Unser Vaterland ist da» Land. auf das wir warten, da» un» di« Zukunft bringen soll. Unser Vaterland können wir selb« schaffen, wenn wir den Staat zu einem Land machen, in dem di« Aermsten sich behütet suhlen. Unser Vater- land istcha, wo Menschennot durch Menschenlieb« gesühnt wird. E» gibt nur«in« wahrhaft vaterländisch« Gesinnung, die, die sür die Leidenden und Armen unter den Brüdern unseres Landes sorgt. Und so kann man sagen: Was am 20. I u n i geschieht, ist der erste versuch in der Geschichte des deutschen Volkes, eine wirklich vat«- ländisch« Tat zu vollziehen. Mißlingt sie, so zeigt sich, daß das deutsch« Volt da, Wesen de» echten Patriotismu» noch nicht begriffen hat! Patrioten, enteignet die Fürsten! 2» einem Vortrag über„3»mu» oder Sunst". der in der Luch- Handlung Ferdinand Ostertag stattfand, versuchte der de- kannte moderne Maler und Lehrer am Bauhaus zu Dessau, Moholq-Nagq, Begriffe zu entwirren, di« unter einem Wust von Worten allmählich nadezu verloren gegangen sind. Da» breite Publikum wenigstens operiert mit Schlagworten, mit denen es oft mehr oder minder willkürliche Vorstellungen verbindet, ohne damit an die Dinge selbst heranzukommen. In seinen klaren und ver- ständnisvollen Ausführungen zeigt« der Aartoagende, daß jedes orga- nifch gewachsen« Werk, jedes wirklich« Kunstwerk also, die Leistung eines Künstlers, nicht einer Kunstanschuung oder einer Kunstgruppe darstellt.„Ismen" sind nieist vom Publikum oder von Kritikern er- sundeii worden, oft in der Absicht, unoerstandenes zu verspotten Die künstlerische Gefolgschaft entstand dann erst gewissermaßen aus öelbfterhaliungstrieb, weil man Haffen konnte, dem einzelnen Werk durch solchen Sammeldegriss«ine stärker« Stütz« zu schassen, und ihm zur Anerkennung oder wenigstens zum Verftändni» zu ver- helfen. Der Ueberblick über die letzten Jahrzehnte in der Malkunst. den Moholy-Naji) zur Erklärung gab. zeigte den Weg, der zur motzernen Kunst geführt hat. Da» Wiedererkennen der Mittel, mit denen die Malerei arbeitet, wurde gefördert durch die Entwicklung der Photographie, die bewies, daß bloße Abbildung selbst in der Dollendung noch keineKunst sei: einGemölde ist kein Bild irgend einerl Sache, jondern etwas durchaus Neugejchajjenes, das{eine eigene» diese Meinung durchzusetzen. Im Gegenteil werden alle mögliche» Vorschläge gemacht, die die Grenzen der Wahrhaftigkeit überschreiten. Diese» Spiel machen wir nicht mit. Auch die Drohung mit der Parteidisziplin wird nicht schrecken. Wir sprechen jeder Partei bei einem Volksentscheid die Berechtigung ab, Parteidisziplin zu verlangen. So, wie jeder Abgeordnete im Parlament vor seinem Gewissen zu entscheiden oerpslichlet ist, so auch beim Volksentscheid ein jeder Staatsbürger. In dieser Entscheidung wollen wir nicht wankelmütig sein, sondern beherzt und offen, ganz gleich, ob wir von übelwollenden Elementen verketzert werden. „Da, Recht"— so schließt Dr. Risska— ist auf seilen unsere» Volte» und nicht aus feiten der Fürsten. Deshalb werden wir ft atholikea beim Volksentscheid mit„j«" stimmen._ Der beendigte Messing-Konflikt. Gewischte Aufnahme des Kompromisses. Zwischen den nationalistischen Studenten und dem Kul- tusministeriums ist, wie wir im heutigen Morgenblatt de- richteten. Frieden geschlossen worden. Die Staats- autorität ist insofern gewahrt, als die Disziplinarverfahren gegen die randalierenden Hochschüler weitergehen und Lessing seine Borlesungen in diesem Sommersemester weiterführt. Sie hat aber insofern einen Rückzug angetreten, als Lessing vom nächsten Semester ab nur die formale„veni» legendi", das Recht, Borlesungen zu halten, und die außer- ordentliche Professur an der Hochschule in Hannooer behalten soll, sein Lehrauftrag aber in einen„Forschungsauftrag" ver- wandelt wird. Lessing behält seine bescheidenen Bezüge, er erfährt durch die Erteilung des„Forschungsauftrags" sogar eine gewisse Anerkennung— er wird aber nicht mehr lesen! Die jetzt gefundene Lösung war die einzige, die übrig blieb, wenn das Kultusministerium vor der Schließung der Hochschule zurückschreckte. Wir sind auch heute der Meinung, daß dieser Entschluß der allein richtige gewesen wäre. Es gibt kein besseres Mittel, die jungen Leute zur Selbstverantwortung zu erziehen, als daß man ihr weiteres Fortkommen von ihrem eigenen Verhalten abhängig macht. Für die meisten Studenten ist der Wunsch, ihre Studien rasch zu beenden und zu einem Erwerb zu gelangen, entscheidend. Die Studenten, die studieren wollen, werden selbst für Ord- nung sorgen, sobald sie merken, daß das Treiben ihrer skandal» lüsternen Kollegen für ihr Fortkommen eine Bedrohung ist. Sollten sich Borkommnisse, wie die in Hannover wieder- holen, dann wird der preußischen Regierung doch nur die Wahl bleiben, entweder einen festen Willen zu zeigen, der sehr rasch zum Erfolg führen wird, oder elend zu kapitulieren. Schon jetzt ist es nicht leicht zu ertragen, daß die Etüden- tenrebellion einen teilweisen Erfolg zu verzeichnen hat. Der Skandal, der sich an der Hochschule in Hannover und ander- wärts ereignete, war eine Schande für Deutschland. Im Vormärz waren es die Fürsten und ihre reaktionären Minister, die die freie Forschung erdrosselten, die Liste der gemaßregelten Profesioren, von Wolf und Kant angefan- gen über Fichte, Hoffmann v. Fallersleben, die Brüder Grimm bis zu Leo A r o n s war endlos. Heute haben entartete Söhne des Bürgertums diese Funktion über- Nammen, und was ihnen an Autorität abgeht, ersetzen sie durch Skandal. Kein Kulturstaat— gar nicht zu reden von der Republik!— kann sich solche Zustände gefallen lasten. Wäre der Fall Lessing der Anfang einer neuen Aera, in der es von den Beschlüssen terroristischer Studentenorgani- sationen abhängt, wer an deutschen Hochschulen lesen darf, so wäre er ganz unerträglich. Ertragen läßt er sich nur in dein Gedanken, daß er eine Episode bleibt. Und daß er dos bleibt, dafür zu sorgen, istdiePflichtderpreußischen Regierung. Kräfte, und Spannungsverhältniste hat und durch sie lebt. Bereits im Jmpressioniimu» glaubt Moholy-Ragy deutlich diese— unbewußt«— Erkenntnis zu spüren. Die flimmernde Lust, die die Farben zerlegt, wondeli. die Konturen und Perspektiven oerschiebt oder auslöscht, scheint ihm nicht eine Folge der Reueinstellung des Auges zu den Dingen, sondern zu Linien und Farben. Richtiger eine Rückkehr des Auges zu diesen vier malerischen Elementen, die in der primitivsten Kunst wie in der Kunst der höchsten Kutturen immer die Malerei bestimmt haben. Der Lortragende stellte übrigen» die sogenannte„abstrakte" Kunst nicht ol» das allein Richtige oller Zeiten hin, sondern er bemüh!« sich, di« Erkenntnis u wecken, daß diese Kunst Ausdruck der Gegenwart, des Heutigen ei. Mit sehr gut gewählten Lichtbildern begleitete er seine Er- örterungen. Biel« Hörer werden von diesem interestanten Abend nicht nur Verständnis für die moderne Kunst, sondern sür die Kunst überhaupt gewonnen haben. Za, Goldgewinnung aus INeerwaster. Bisher sind über SO Patente mit SO verschiedenen Vorschlägen zur Goldgewinnung aus Meer» waster erteilt worden � In letzter Zeit arbeite, Prof. Haber mil de- sonderer Intensität oei dlesem Problem. Di« Hamburg-Amerito- Linie hat dem Forscher ein besondere» Schiff zur Verfügung gestellt, da»«in richtige» schwimmende» Laboratorium ist. Haber wird auf dem Atlantischen Ozean Versuch« machen und dabei das Meerwasser auf Goldgehalt analysieren. Bisher ergaben die Analysen den größten Goldgehalt ln der Bai von San Franzisko, der ungefähr V«» Milligramm pro Tonn« geschätzt wird. Für die polaren Wüster, die noch nicht untersucht sind, wird allerdings das Vier- und Fänssache angenommen. Größere Mengen zeigten sich in einigen Proben ge- schmolzenen Polareise»._ ikestaaffübruvoeu ber Woche. DIensr Kammersptele:.Meine Cousine au« warlchau'.— vomier,,. S ch I o b V e r k t h.:.Die Ichwebcnde Jungstau».— Zrett. I h. i. b. Kloster ltr.:.Der letzte Student'.— Souueb. S ch i l l e r t h.:.Die Fahrt nach der Sfldste'. IlranIa vortrSge. Moni. 615 Sonnt.(91:.O u 0 v- d i»?'— Moni., vieusl.(5. 7), Miliw.(5, 91, Vom- er»,, Jttil(5. 7), S-nnab.(5, 9), Sonn». (5, 7):»D i e viene Maja und ihre tlbenteuer". Ment. bt» Soant.(7j:»yallche Scham". � r veutiche Kuvstgemetnschost. An« der ersten Alitstcllung der»Deutschen Kunsigemeinichast' im Schlog wurden bisher Werte folgender Künstler ver. laust: JacobuZ Belsen. Paul Grunwalb». E. Halleur. Mbert Klatt. Pros. Kate Kollwitz, Felix Krause, Herbert Kuron. Martin Müller. Gabriele Msinther-Kandinsly, Ernst Oppler, Pros. Herman Sandkuhl, Wagnu» eller. Die.Deulsch« Kunslgenieinlchast' btetet mit ibren ivionatZzah- lunaen jedermann di- Mögiichkeii, aule Lriginalkunftwerle zu er, werben: die erste ttunslausstellung tm Tchlotz bleibt noch bis Ende Juni werktäglich von 9—7, Sonntag von 10— 3 Uhr bei freiem Ein» tritt geissnet. De» Lstdeulsch« llandrsthroter de? Perbande« der deutschen Boltsbühnenvereine ii. ÜJ., Berlin. Theater am Schifibauerdamm, wird da« dritte Spteltahr am>. September 1936 beainncii Der Spielplan soll solaende Werte umsasten: Shakelpm«:.Ocheuo", Schiller: .Don llarlo«', Moreta:.Donna Diana', Kaiser:»David und Goli.ilh-, �obit:.Der Siniome-,(Mmann:»Vater und Sohn-, Sba«:.Eandida", Nell:»Da««postelsplel", Saaz:.Der Ackermann au« Böhmen'. Bahr: .Da« Konjeit-, Aaqnal-.Da« Grabmal de» unbetonnten Soldaten'. Di« Leitung de« Theater« wird w den Hönde« der Herren V a u I H o a g und Artnr kltnger verbleiben. Moral nnö Recht." Tie Geschichte einer Enteignung. Als Bismarck unter begeisterter Zustimmung der Konservativen und der Nationalliberalen die Vermögen des Königs von Hannover und des Kurfürsten von Hessen mit Beschlag belegte, versicherte er am 30. Januar 1869 im Parlament:„Damit ist nicht gesagt, daß wir eine halbe Million geheimer Fonds brauchen können: ich hatte keine Verwendung dafür und möchte die Nerant- wertung für solche Summen nichr übernehmen." Sehr bald aber sollte sich herausstellen, daß es Bismarck an der Gelegenheit nicht sehlte, die beschlagnahmteir Vermögensmassen seinen Zwecken dienst. bar zu machen, und daß ihm sein Gewissen nicht verbot, sie zu be. nutzen. Die Erträge des Vermögens der beiden entthronten Monarchen beliefen sich in der Zeit der Geldknappheit und eines dadurch beding. tcn hohen Zinsfußes a u f 3'1 Millionen, in normalen Zeiten auf mindestens eine Million Mark jährlich. Die nach Abzug der Vcr» waltungskosten übrigbleibenden Summen überwies Jahr für Jahr der preußische Finanzminister dem Ministerpräsidenten, d� h. dem Fürsten Bismarck, dem ollein die Bestimmung über die Der. wcndung oblag. Am Ende jeden Jahre» erwirkte Bismarck eine königliche Kabincttsordre, die seine Verfügungen über die Geld- betröge guthieß. Sobald die Kabinettsordre ergangen war, wurden olle bei den Alten befindlichen Belege Vernich- t e t. Dieses Verfahren hatte einen sehr begreislichen Grund, galt es doch,«ine zum Himmel stinkende Korruption zu verdecken. Mit den Geldern aus den Fonds zur Abwehr jeind- Bist Du für Jutta? Dana bleibe zn hause? Bist Tu feige? Dann bleibe zu Hause! Bist Du ein Fürstenknecht? Dann bleibe zu hause! Willst Du mehr Steuern zahlen? Dann bleib« zu Hause! List Du dagegen ein freier Staatsbürger mit verstand. Selbstbewußtsein und Gerechtigkeitsgefühl? Dann gehe zur Wahlurne und stimme mit licher Unternehmungen des Königs Georg von Hannover wurden nämlich in» und ausländische Zeitungen bestochen und andere gegründet, die Wahlkosten der Konservativen Por» t e i bestritten, das Zentrum während des Kulturkampfe» b e- kämpft und die Sozialdemokratie in der Zeit des Sozia- listengesetzes bespitzelt. Das Tollste ober ist. daß eine Summe von nahezu einer Million Mark, die der Direktor Verg von der Reich». bant-vebenslelle in Stralsund, der Schwiegervater de» Ministers von Bölticher. veruntreut hatte, erseht wurde— au» dem Fond» zur Abwehr feindlicher Untern eh. mungen de» Ulelsenhavse». Di« Reichsbank hatte den Verzicht auf eine Strafanzeige von der Erstattung de» Geldes ab- hängig gemacht, und Bismarck trug kein vedenkea. össentliche Gelder zur Begünstigung eine» gemeinen Diebe» zu verwenden, vi« Krone fehle er seinem VerHollen aus. al» er Mitte der 90er Zäher, um dem ihm verhaßt gewordenen Bötticher etwa» anzuhängen, diese» Vorkommnis selbst in die Oefsentllchkeit zerrte. Die Erträge der Vermögen der beiden Monarchen reichten, so hoch sie waren, nicht aus. um den Bedarf Bismarcks an Korrup. tionsgeldern zu befriedigen. Deshalb wurde auch das Barvermögen de» Kurfürsten von Hessen verpulvert. Dieser starb im Jahr« 187S, und die Beschlagnahme seines Eigentums wurde vom preußischen Staate aufgehoben. Zu der Masse hatte eine Summ« von 7 Millionen Mark bar gehört. Sie wurde den Erben vorenthalten. Die älteste Tochter de, Kurfürsten bat den König von Preußen um die Auszahlung des auf sie entfallenden Teiles des Geldes. Wilhelm l. verwies sie auf den Rechtsweg. Sie erhob darauf bei dem Landgericht I Berlin gegen den preußischen Staat Klage auf Rechnungslegung über die Verwaltung de, Vermögens ihres Vaters und auf Aushändigung der auf sie übergegangenen Quote der 7 Millionen Mark. Die preu. ßische Regierung rief den Gerichtshof zur Entscheidung von Kom- petenzkonflikten an und dieser verbot dem angerufenen Gericht, über die Klage zu entscheiden, erklärt« also den Rechtsweg für unzulässig. Die Erben de»»ursürsten haben von dem Gelde ihre» Vater» keinen Pfennig wiedergesehen! So sehen die Begriff« von Recht und Moral aus, die die Hohen- zollern ausgestellt haben. Mit derselben Skrupellosigkeit verfahren sie und ihre Diener auch noch heute. Da» beweist nicht» besser ol» ihre verlogene und heuchlerische Dolksentscheidspropaganda. Vatikan unö Schwarzweißrot. Rom. 18. Juni. lDTB.) In der Krypta der FriedensgedScht- niskirche, die durch die päpstliche Initiative errichtet worden ist, fand heute«in Requiem für dt« Kriegsgesallenen aller Nationen statt. An dem Katafalk lagen unter trauerumslorten Gewehrpyramiden die Fahnen sämtlicher Staaten, die am Kriege teilgenommen h�en, darunter auch die rotweißrote Oesterreichs und die s ch w a eißrote de, kaiserlichen(!) Deutschlands. Bei dek�Heier waren Vertreter sämtlicher Be- Hörden und des diplomatischen Korp» anwesend. « Wenn der Vatikan damit zum Ausdruck bringen wollte, daß die deutschen Kriegsgesallenen als Opfer der Politik des kaiserlichen Deutschland, gestorben sind, so ließe sich gegen eine solche Deutung nicht, einwenden. Aber natürlich handelt e, sich um»ine Takt- l o s i g k e i t. für die man den deutschen Botschafter beim Vatikan, Herrn von Bergen verontwortlich machen muß. Dieser kann sich nicht einmal auf den famosen Ilaggenerlaß berufen, denn der Vatikan ist keine Hafenstadt._ Exkommuniziert. Der auf eigenen Antrag zum 1. April 1926 emeritierte Unioersitätsprofessor Dr. Josef W i t t i g. bisher Di- rektor de» katholischen Seminars der Brcslouer Universität. von dessen veröffentlichten Büchern fünf von der Lonxresstion del«am* officio in Rom auf denJivdex gesetzt waren, ist mit der Kirchenstrase der Exkommunikation belegt worden. Di« erst« Tat de» litauischen cinksblock, ist die Aufhebung des Kriegszustand«»: der Sejm hat die diesbezüglich« Vor- tage mit 43 gegen 20 Stimmen in dritter Lesung angenommen. Der Mörder de» polnischen Sparkassenches» Linde, Sergeant Tazmielewskj. der Linde auf der Straße erschoß, wurde zu zehnJahren Zuchthau» verurteilt. Der Verurteilte erklärte, er bereue seine Tot nicht,«eil Linde in verbrecherischer Weise Staatsgelder unterschlagen und die Allgemeinheit auf da» schwerst« geschädigt habe. Zu teuer! Sehr vornehm sieht die Dam« aus, die in dem großen und be- kannten Warenhaus nach der Abteilung fragt, in der sie Fahnen- t u ch erhalten kann. Sie ist einfach gekleidet und betont in der ganzen Haltung die gewesene Offiziersfrau, die noch«in Adelsprädikat vor ihrem Namen beherbergt: ihr Sohn, ein hoffnungsvoller Unter- sekundaner begleitet sie. Die Verbeugung des Verkäufers beachtet sie kaum. Ja, sie wünscht«in Fahnentuch für den Strand. Ihre Stimme klingt sehr herablassend, es ist schmerzhast, mit Leuten sprechen zu müssen, die weit unter dem eigenen gesellschaftlichen Niveau stehen. Der Verkäufer bringt ein Tuch mit den Farben der Republik. Die Dame verzieht verächtlich das Gesicht, und der Untersekundaner, der noch nicht Meister in der Selbstbeherrschung ist, ruft empört aus: „Schwarzweißrot natürlich!" Auch das ist auf Lager. Ein großes Warenhaus muß eben all« Ueberzeugungen versorgen können. Der Verkäufer kommt endlich mit dem Fahnentuch zurück. Di« Mienen erhellen sich.„Ist dies Original-Flaggentuch," fragt die Dam«. New, das sei nur Wolle. Di« Dame söhn prüfend darüber und macht ein bedenkliches Gesicht. Der Sohn verfucht ihr klar zu machen, daß auch Wolle für vier Wochen genügen würde.„Und der Preis?"— 3, SO Mark, gnädig« Frau". Di« Dame erschrickt, sie beißt sich auf die Lippen.„Dos ist sehr teuer! Wieviel kostet denn dieses Tuch?" Ber- ächtlich weist sie auf die Farben der Republik.„Nur 2,50 Mark, gnädig« Frau. Es herrscht jetzt große Nachfrage nach f ch w a r z r o t g o l d". Einen Augenblick zögert die Dame, macht vielleicht schnell in Gedanken einen Kassensturz, aber ihr Sohn hat sein finsterstes Gesicht aufgesetzt. Mit den Worten:„Ich danke, ich komme morgen wieder!" verläßt sie stolzen Gesichts, jeder Zug schwarzweißrot. die Abteilung. Wilhelms Schußliste. Monarchen feiern selsam« Jubiläen: Im November 1912 durfte Wilhelm II. sein vierzigjähriges Jägerjubiläum festlich begehen. Die dem Hofe nahestehend« Presi« beeilte sich natürlich, die Schuß liste de»„allerhöchsten Nimrods" zu ver- öffentlichen. Danach hoben S. M. in vierzig Jahren zu erlegen geruht: 2002 Rothirsch«, 92 Rottieve, 1474 Damschaufler. 98 Dam- tiere, 3126 grob« Sauen, 316 geringe Sauen, 955 Rehdöck«, 17 988 Hafen, 2686 Kaninchen, 121 Gemsen, 532 Füchse, 3 Bären, 12 Elch- Hirsch«, 6 Wisente, 3 Renntier«, 2 Mufflon», 6 Dachse, 1 Marder, 108 Auerhahn«, 24 Birkhähne. 3 Bronzeputer, 2 Perlhühner, 38 578 Fasanen, 867 Rebhühner, 95 Grause, 5 Schnepfen, 2 Bekassinen, 87 Enten, 826 Reiher und Kormorane, 1 Wal, 1 Hecht und 523 Stück verschiedenes Wild, insgesamt also 7 0 8 4 5 Stück Wild! Siebzigtausend achihunderniniundvierzig Stück Wild sind in vierzig Jahren vor den Laus seiner Flinte getrieben worden, damit er sie bequem abschießen konnte! Ein« im heimlich« Ziffer! Fünf Tiere pro Tag! Ja, mit Recht war Wilhelm unter ollen echten Jägern alz gemeiner Mossenschlächter verrufen! Aber wie gern« würden ER und sein« sürstlichen Vettern von neuem in den deutschen Wildbeftänden nach Gutdünken wüten! Da» deutsche Volt wird Sorge tragen, daß die Herren hierzu keine Gelegen- h« i t haben werden!_ Sie rechnen auf die Dummheit des Volkes! Auf welche Hilfe die Fürstenknecht« beim Volksentscheid rechnen.�beweist aufs neue ein Vorfall, der sich vor einigen Tagen in einem Spreewalddorf zutrug. In einem Lokal sitzen eine Anzahl landwirtfchastliche Arbeiter und auch Kleinbauers. Zu ihnen gesellt sich ein gutgekleideter fremder Herr, und er läßt sich mit den Ortsansässigen in ein Gespräch ein. Bald sind sie bei der Fürsten- abfindung angelangt, und der fremde Herr ist durchaus jür die E n t- e i g n u n g der Fürsten. Er macht da» auch allen Anwesenden mit drastischen Ausdrücken klar und richtet zum Schluß an sie die Frage: „Geht es uüs in Deutschland vielleicht so gut, daß wir den weg. gelaufenen Fürsten und ihren Maitressen noch Milliarden nachwe-rfen können?" Ein einstimmiges „Nein* ist die Antwort.„Wollt Ihr vielleicht den Fürsten Ab- findungen bewilligen?" ist die weitere Frage. Wieder ertönt da» einstimmige„Nein"!„Dann müßt Ihr am 20. Juni Euer Kreuz in da»„Nein-Feld" de» Stimmzettel» setzen", ertönt es au» dem Mund« de» Fremden im Brustton der Ueberzeugung. Verblüffung und Erstaunen aus den Gesichtern der Zuhörer. Ein„besserer Herr sollte so in Unkenntnis über die Abstimmung beim Volksentscheid sein? Ein Arbeiter setzt nun auseinander, über was abge- st i m m t wird. Er legt dar, daß der von der Sozialdemokratischen Partei Deutschland» eingebrachte Gesetzentwurs, der die Eni- eignung der Fürsten vorsieht, zur Annahme kommen muß und deshalb das Kreuz in da».Ia-Feld" de» Stimmzettels gesetzt werden muß. Nach einigem Hin und Her läßt der„bessere Herr" sich anscheinend überzeugen. Er zahlt seine Zeche und vcr- schwindet, begleitet von dem Gelächter der Einheimischen. Sie haben dem Agitator der Fürstenknechte bewiesen, daß sie denn doch klüger sind, al» gewisse Kreise annehmen. Sie werden die ihnen durckj die Derfassuno gewährte gesetzgeberisch« Macht am 20. Juni richtig ausnützen, indem sie durch ein Kreuz im„Ia-Feld" fürdie Fürftenenteignung stimmen. Tie Gefundbeteri«. Immer wieder finden sich leichtgläubige Leute, denen von raffi- nierten Betrügern allerlei Krankheiten suggeriert werden, die dann angeblich durch Gebete geheilt werden können. Besonders auf Haus- angestellt« und kleinere Leute au» dem Osten der Stadt hat es neuerding» ein« 40 Jahre alt« Frau abgesehen, die von der Kriminal- polizei gesucht wird. Unter dem Borwand, Kl�ppelipigen verkoufen zu wollen, erscheint sie bei den Frauen und sieht sie während der Verfwndlung mehrmals prüfend an. Auf die Frag«, warum fi« da» tue, erwidert sie, daß sie im Aug« der Käuferin ein« Krankheit er- kenne und erbietet sich, diese durch Gebet« zu heilen. Sie läßt sich nun ein Stofflöppchen und Geld geben, näht angeblich das Geld In den Stoff ein und ordnet an, daß di«„Patientin" dos Päckchen zu einer bestimmten Stunde an einem bestimmten Ort niederlegen soll«. Erst, wenn sie längst verschwunden ist und die neugierigen Frauen das Päckchen öffnen, müsien sie zu ihrem Leid- wesen feststellen, daß die„Gesundbeterin" da, Geld mit wertlosen Papierschnitzeln vertauscht hat. Jetzt erst haben di« Ge- foppten Grund, sich krank zu fühlen— vor Aerger. 25 Arbeitnehmer de» Eafö Viktoria(früher Cos« National) in der Fr t'drichslraß« bitten uns um Verösientlichung de» folgend?,»: Vorgestern abend wurde durch die Polizei das Eafö Viktoria(dos frühere Eafö National) geschlossen. Al, Grund wurde uns angegeben, daß am letzten Sonnabend die Polizeistunde überschritten wurde, und daß am gleichen Tag« zwei Beamte in den Küchenräumen des Cafö» eine Taste Kaff«« erhalten hätten. Jeder im Gastwirtsgewerb« Beschäftigte weiß, daß di« Beamten ein Gla» Bier. Zigarr« oder ähnlich«» erhalten. E» ist noch niemand eingefallen, diese« für«in« Bestechung zu halten. Durch«in« Laune der zuständigen Herren liegen wir brotlos auf der Straß«, und wüsten um Arbeitslofenunerstützung nochsuchen. Wir Angestellten können bezeugen, daß seit Jahren streng darauf ge- achtet wurde, daß keine polizeilichen Vorschriften übertreten wurden. Ein Nachspiel der Winzerunruhen. Im Winzerprozeß, der in Trier stattsond. wurde jetzt das Urteil gefällt. 12 Angeklagte wurden sreigefprochen. Von den übrigen Angeklagten erhielten vierzehn wegen schweren Land- sriedensbruch« Gefängnisstrafen von 6 bis 8 Monaten und vier wegen Landfrieoensbruch» Gefängnisstrafen von je 3 M o- n a t e n. Fünf der Verurteilten erhielten' dreijährige Bewährungs- srist zugebilligt. Die Verurteilten nahmen do» Urteil an. In der Be- gründung erklärt das Gericht, es habe bei dem Strafmaß Milde walten lasten, da di« Angeklagten ursprünglich keine Demonstration gegen den Staat geplant und ihre Vergehen sich aus einer drückenden Notlage heraus entwickelt hätten. Auch sei berücksichtigt worden, daß die Angeklagten bisher unbescholten waren. Jn zwölfter Stunüe. Zu einer großen Kundgebung im großen Saal der Neuen Welt hatten gestern die Neuköllner Genossen ausgerufen. Schon in den Nachmittagsstunden sammelte sich das Neuköllner Reichs- b a n n e r am Ringbahnhos Neukölln zu einem Umzüge mit Musik und vielen Transparenten, die für da» Ja des Sonntag werben sollten. Landtagsabgeordneter Genosse Otto M a i e r war in der Lage, eingehend und sachlich die Vorgänge darzustellen, die sich bei den Absindungsoerhandlungen des preußische» Staates mit den Der- tretern des ehemaligen Herrscherhauses abgespielt haben. Finanz- minister Dr. Richter hat die Verhandlungen geführt und brach selbst die Verhandlungen ab, weil die Vertreter unseres„Landesvatcrs" Wilhelm immer unverschämtere Forderungen stellten. Mit der Aus. sorderung, den letzten Tag noch auss äußerste zu nützen, schloß der Redner seine Ausführungen. Einstimmig brachte die Versammlung ein Hoch aus die Sozialdemokratie aus. Kreis Tiergarten und die Sozialistische Arbeiter. j u g e n d veranstalteten gestern einen Demonstrationsum« z u g. Die Beteiligung war eine ganz außerordentliche. Treffpunkt war der Kleine Tiergarten, abends 6% Uhr, doch war kurz nach 6 Uhr der Platz dermaßen überfüllt, daß der Zug kaum imstande war, sich zu formieren. Iungens und Mädels oerteilten Werbezettel unter das Publikum, das in dichten Scharen den Platz umdrängte. Einer hatte mit viel Humor und Kunstfertigkeit sein ganzes Fohrrad mit„Inflationskapitalien" dekoriert. An den Radspeichen, an den Pedalen, an der Lenkstange, überall prangten die„wertvollen Gelder". Mit einem kräftigen Tschindra setzte die Musik des Reichs- banners ein und der ungeheure Zug kam in Bewegung. Er nahm seinen Weg durch die Strom-, Turm-, Bredow-, Birken-, Lübecker Straße, zurück nach der Turmftraße, durch die Rathenower Straße nach dem Stephansplatz. Alles, was Beine und Zeit hatte, schloß sich noch unterwegs dem ungeheuren Zuge an. Anschließend an diese Demonstration fand im Artuohos ein Vortrag der Genossin Wachen. heim statt. Der kleine Saal konnte all die Mcnschenmassen gar nicht aufnehmen und viel« mußten wieder gehen. Die riesige Aula der Uhlandschule in der Kolonnen- straße war dicht gefüllt. Rote Banner und die republikanische Flagge schmückten da» Podium. Genosse Zachert, M. d. L., wies unter anderem daraus hin, daß die Regierungsperiodc Wilhelms II., des angeblichen Friedenskaisers, einer einzigen Katastrophe geglichen habe. Er ließ sich gern„Landesvater" nennen, im übrigen befahl er seinen Rekruten, auf Vater und Mutter zu schießen. Nicht Dieb- stahl am Eigentum der Fürsten, sondern Diebstahl am Volksoer. mögen steht am Sonntag auf dem Spiel. Das höchste Gebot der SPD. ist die Wohlfahrt des Volkes, deshalb ermahnt sie olle Deut- schen: Stimmt mit Ja! Die Versammlung brachte ein Hoch aus di« Partei aus und sang beim Auseinandergehen begeistert die Inter- nationale. Eine stark besuchte Versammlung hielten gestern abend die Niederschönhousener Genossen im Schloß Schönhausen ab. Vorher machte das Reichsbanner einen Umzug, dem sich Hunderte unterwegs anschlössen. Genosse Herlitz wies als Referent- auf die große Not hin, die jetzt in ganz Deutschland, besonders aber in den großen Städten vorhanden ist. Es ist unerhört, daß die Fürsten es wagen, angesichts dieser großen Volksnot ihre unverschämten Forde- rungen an das verarmte Volk zu stellen. Wo ist hier Moral und Gerechtigkeit? Will sich die Republik erhalten, muß sie di« Enteig- nung durchführen.— In der Aussprache richtete auch ein Ver- treter der Kriegsbeschädigten die Aufforderung an die Versammelten. mit Ja zu stimmen. Arontsoldaten gegen hindenburg. In einer stark besuchten Versammluno i« der Stadtcha.Il« Klosterstraße nahmen am Freitagabend republitanssche Frontsoldaten gegen den Hindenburg-Bries an Loebell Stel- lung, der bekanntlich vielen Millionen Deutschen„Recht" und „Moral" abspricht. Einberuser der Kundgebung war die Arbeits- gemeinschost entschiedener Republikaner. W e b e r, der erste Redner, bezeichnete den Hindenburg-Bries als einen Schlag ins Gesicht der breiten Masten der Frontsoldaten. Der Reichspräsident habe am deutschen Volke einen Disziplinbruch begangen. Der parteiische Fürstenbries war ein Disziplinbruch„vor versammelter Mannschaft" und gerade vom soldatischen Standpunkte aus eine beispiellos« In- korrektheit. Unsere Antwort darauf ist am 20. Juni ein Millionen- saches Ja! Die Di»kussion ergab Uebereinstimmung in diesem Sinne. vie Hochwassergefahr in veutschlanö. Eine verhinderte V-Zug-Katastrophe. Reichenbach, 19. Juni.(Eigener Bericht.) Durch das zwei- malige katastrophale Hochwasser in Nordböhmcn, da» eine Menge Verkehrsunterbrechungen zur Folge hatte, wurden die Eisen- dahndämm« mehrfach beschädigt, so daß gründlichste Prüfung nötig sein wird. Als am 18. Juni der Bäderschnellzug Eger— Karls- bad— Leipa— Reichenberg schon nahe war, wurde am Fuße de» Ieschkenberge» bei Bahnhof Kriesdorf durch eine zufällig vorfahrende Maschin« ein Dammrutsch, der nach Durchfahrt eines Zuges eingetreten war und in den großen Wasserfluten der Vortag« seine Ursache hotte, bemerkt und der Schnellzug rechtzeitig an- gehalten. Der Verkehr wird 24 Stunden ruhen und wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Konstanz, 19. Juni.(MTB.) Der Konstanzer Pegel zeigt mit einem Stand von 5,20 Meter«in Steigen de» Hochwassers um 5 Zentimeter an. Das Wasser steht hart am Rande des Stadt- garten». Der Pegel von S t e ck b o r n(Schweiz) zeigt 5,30 Meter. Da» Wollmatinger Ried ist vollständig überschwemmt. Di« Dampfschisfohrt aus dem Bodensee gestaltet sich immer schwieriger, da auch die Anlegestellen vom Waster teilweise über- flutet werden. So ist die Landungsbrücke von Unter-Uhldingen schon sast ganz überschwemmt. In Ueberlingen steht die Löwen- brück« unter Wasser und muß gegen da» Fortschwemmen geschützt werden. Llebenwerda. 19. Juni.(WTB.) Der Damm der Röder ist gestern bei Würdenhoin gebrochen, da» Land ist kilometer- weit uberflutet. Würdenhain ist geräumt. Schutzpolizei au» Torgau, di« Reichswehr au» Dresden sowie freiwillige Organisationen und di« Feuerwehren der gesamten Umgebung verfuchen, di« 20 Meter breite Bruchstelle zu verstopfen, bisher ist dies noch nicht gelungen. Die Elster ist in der Nacht erneut gestiegen, weite fruchtbare Land. strecken zwischen Elster und Pälnitz stehen unter Wasser, die Ernh im Kreis« Liebenwerda ist zu einem erheblichen Teil vernichtet. Groß- öerliner parteinachrichten. !«.«tt.?uirk-fl!hrer und Lakildelkrr der I. Sruvnr trrkkrn sich beut«»drnd 7 Udr bei Nösiner. Immanueltirchstrasir. 3t.»»». Sämtliche Krnossinnen und Ernosirn tretkcn lich marsf.i. Sonnt«». dcn 30. Juni, nachmiitaa» 1 Udr, ,u einer wichtksicn Muablottverdreituns hti Mllckr. Warschauer Sir. 17. U. Übt. Lonntoa. den A>. Juni, frlld 7 Ut>r. im«lbtellundoloral Busch. Zilliler Str. 27. Sinteilun»»u den Wfllilordeitrn. 74,«b*. zehlradmt. Sonnt«« vorinitta» 7 Ultr intllsen olle Sendfllnneit und Genossen lue WallldUi« im Restaurant Schnorre erscheinen. Sozialistische �rbeiterjugenü Groß-Sersin. .«erbebe, irk»e>»i verschämten Forderungen leider in einigen, wenn auch nicht wesent- lichen Punkten entgegenkommt. Im allgemeinen kann man sagen, daß es den Konfettions- arbeitern, dank ihres entschlossenen Widerspruchs, gelungen ist, den brutalen Angriff der Unternehmer in der Hauptsach« a b z u s ch l a- gen. Notwendig sei es aber, daß die Kanfeitiansarbeiter aus die Innehaltung der durch den Schiedsspruch festgelegten Löhne und sonstigen Bestimmungen achten. Die Unternehmer werden ganz bestimmt oersuchen, die schlechte Geschäftslage zu benutzen, um trotz Schiedsspruches die Lohne und Tarifpositionen zu verschlechtern. Jedes derartige Vorgehen der Unternehmer müsse sofort der Organi- satisn gemeldet werden, damit diese dagegen einschreiten kann und auch Material bekomme,, um den Unternehmern bei künftigen Der- Handlungen ihre„Tanftreuc" beweisen zu können. Es muß jeden- falls dahin gewirkt werden, daß die Reihen der Organisation auf- gefüllt werden und die Organisation noch schlagkräftiger wird. Die Unternehmer werden— wenn sie jetzt den Schiedsspruch annehmen— bestimmt nach Ablauf der Verträge wieder ocrsuchen, zu ihrem diesmal nicht erreichten Ziel zu gelangen. Es heißt darum, sich aus diesen kommenden Angriff der Unternehmer vorzubereiten. Mit welchen unlauteren Mitteln die Unternehmer die Arbeiter ihrem Diktat gefügig machen wollten, zeigte der Vorsitzende der Berliner Zahlstelle, Genosse Lehmann. Die Arbeitsämter wurden oon den Unternehmern geradezu bestürmt, um die Entziehung der Erwerbslasenuntcrstützung für die Arbeiter zu er- wirken, die die Unterschrift unter die vorgelegten Reoerse o e r- weigert hatten und deshalb entlassen wurden. Sie oerstiegen sich bei den Arbeitsämtern zu der frechen Behauptung, daß es sich bei den Differenzen um gar keinen Tarisbruch bandle, sondern es solle nur ein schon bestehender Zustand sanktioniert werden. Er- Fahnen heraus! Arn Tafte des Volttsenlsdieids zelftl die Fahnen der Partei und der Repnhllh! freulicherweise haben die meisten Arbeitsämter, auch im Reiche, diesen Einflüsterungen kein Gehör geschenkt und die Unterstützungen gezahlt. Die geheime Abstimmung ergab die Annahme des Schieds- spruches mit Mehrheit. Die Stellungnahme der Unternehmer steht noch aus. Die Versammelten beschlossen, in allen Betrieben, wo es zu Arbeitseinstellungen gekommen war, am Montag die Arbeit wieder aufzunehmen, falls die Unternehmer bis dahin den Schiedsspruch ebenfalls angenommen haben. Die Arbeitslosigkeit in den ADGö.-verbänüea. Nach dem Stande vom Ende Mai. Während die Zahl der Hauptunterstützungsempfängcr vom 1. Mai bis Ende Mai von 1 781 152 aus 1 744 539 zurückgegangen ist, hat sich die Zahl der arbeitslosen Gewerkschaftsmitglieder von 18,7 Prozent der Mitglieder auf 18,2 gesenkt. Dabei oerzeich- nete die amtliche Statistik am 1. Juni 19,5 valluntcrstützte Erwerbslose auf je l99 Krankenkassenmitglieder. Die„Gewerkschaftszeitung" hat die Arbeitslosenzssfern der einzelnen Verbände in einer Tabelle zusamengestcllt. Die Schuhmacher stehen mit 35,2 Proz. männlichen Arbeitslosen obenan und hoben außerdem 37,4 Proz. Kurzarbeiter zu verzeichnen. Die Textilarbeiter haben zwar nur 19,9 Proz. an Arbeitslosen zu verzeichnen, stehen aber in der Kurzarbeit mit 59,9 Proz. an erster Stelle. Bei den H u t a r b e i t e r n hat die Be- schästigungsmöglichkeil sich wejcnllich verschlechtert, so daß die Zahl der Arbei-lasen von 18,4 auf ,36,4 verdoppelt wurde. Die weiblichen Arbeitslosen stehen hier mit 43,9 Proz. obenan. Sattler, Tapezierer und Portefcuiller stehen mit 31,7 Proz. in erster Reihe. Ihnen folgen die Holzarbeiter mit 28,9 Proz. Arbeits- loten, die Da ch d e ck e r mit 28,2, die Tabakarbeiter mit 27,8 und die Lederarbeiter mit 23,8 Proz. Die Bekleidungsarbeiter weisen 23,2 Arbeitslose von 199 Mitgliedern auf. Die Bauarbeiter, die nicht einen einzigen Arbeiislojen haben dürsten, haben nur einen geringen Rückgang oon 26,7 aus 22,9 Proz. zu verzeichnen. Die Metallarbeiter haben eine Verschlechte- rung von 19,7 auf 29,6 zu beklagen, während die Arbeitslosen bei den Kupferschmieden oon 24,8 auf 22,5 zurückgegangen sind. Die übrigen 18 Verbände halten sich unter dem Durchschnitt oon 18,2. Allgemeine Schlüsse lassen sich aus den Hundertziffern der Verbände, unter denen die Bergarbeiter fehlen, natürlich nicht ohne weiteres ziehen. Im einzelnen kommt es aus die Bedeu- tungi der Verbände für das Wirtschaftsleben an— 29,6 Proz. arbeitsloser Metallarbeiter sind schwerwiegender als 36,4 Proz. arbeitslose Hutarbeiter—, dann aber darauf, wie groß der Anteil der von der Organisation erfaßten Beschäftigten ist. Die Kurzarbeiter weisen nur eine Abnahme von 597 869 auf 567 333 auf, d. i. van 18,4 aus 17,9 Proz. Bon je 199 Kurzarbeitern arbeiteten verkürzt: End« Mai Ende April Ende RZrz End« Kebr. 1 bis 8 Stunden 23,2 22,5 21,8 21,3 9 bis 16 Stunden 31,7 39,9 31,1 31,6 17 bis 24 Stunden 32,9 32,9 33,3 33,6 25 und mehr 12,2 13,7 133 13,2 Im Abbau haben unser«„Wirtschaftsführer"«in so starkes Talent gezeigt, daß wir für den Wiederaufbau nicht viel von ihnen erwarten tonnen und noch geraume Zeit mit einer großen Arbeits- losenziffer zu rechnen haben. Tie Entlassungen der Staatlichen Porzellanmannfaktur. In der Angelegenheit der im Januar von der Staatlichen Porzellanmanufattur entlassenen Maler, über welche wir seinerzeit berichteten, ist nun eine, für das Schicksal der Betroffenen erfreulich« Entscheidung gefallen. Das unter dem Beistand des Porzellanarbeiterverbandes angernfen« Gewerbegericht hotte bereits die Feststellung getroffen, daß die Gekündigten Lebensstellimg hatten, ohne allerdings die bestimmte Formulierung der Wiedereinstellung zu treffen. Der Arbeiterrat hatte außerdem an die zuständigen Mini- sterien und die Fraktionen des Landtags ein« Eingabe gerichtet, in der das Ungerechte der Entlassung von Leuten, die z. T. bereit» pensionsberechtigt sind und wo anders kaum«in Unterkommen finden dürsten, ausführlich dargelegt und um Abstellung ersucht wurde. Bei der jetzt erfolgten Etatberatung zeigte sich, daß die Initiative der gewerkschaftlichen und betrieblichen Vertretung insofern nicht ver- geblich war, als der Landtag beschloß, die Entlassenen wieder «knzustelke«. Es ist zu wstnschen, daß K« nun derekts efn IJalfH Jahr Erwerbslosen die Auswirkung des Beschlusses bald zu inerten bekommen, und nicht noch auf die Folter eines endlosen Instanzen» zuges gespannt werden._ Arbeitszeitverlängerung und Lohnabbau. Die Bedingungen der englischen Zechenbesiher. London. 18. Juni.(WTB.) Den Blättern zufolge werden die neuen Arbeitsbedingungen, die die Grubenbesitzer auf der Grundlage des Achtstundentages anbieten wollen, oon der Vereinigung der Grubenbesitzer nicht dem Bcrgarbeitervcrband über- mittelt werden, sondern in den einzelnen Bezirken bekanntgegeben werden, weil die Führer des Bcrgarbnterverbandcs einssweilen eine sofortige Verlängerung der Arbeitszeit oder eine Verminderung der Löhne nicht in Erwägung ziehen wollen, und weil die Grubenbesitzer in den verschiedenen Bezirken individuell die Ver- antwortung zur ihre Vorschläge tragen müssen. Die Bekannt- machungcn werden dahin lauten, daß die Arbeiter zu den betreffen- den Bedingungen sofort die Arbeit aufnehmen können.� „Financial Times" zufolge werden die Bcrgwerksbezirke in drei Gattungen eingeteilt werden und zwar 1. in solche, in denen bei einer achtstündigen Llrbcitszcit keine Lahnherabjetzung eintreten wird: 2. in solche, in denen die Lohnlzcrabsetzungen etwas unter 19 Proz. betragen werden und 3. in solche, in denen sie wahrscheinlich nicht erheblich über 19 Proz. hinausgehen werden. Wie das Blatt weiter meldet, wollen die Grubenbesitzer den Arbeitern soweit als irgend möglich entgegenkommen und mindestens 59 Pro;, der Berg- werke in die erstgenannte Gattung ausnehmen. Wirtschaftliche Folgen des englischen Bergarbeiterstreiks London. 19. Juni.(WTB.) Den Blättern zufolge macht sich die Wirkung des Kohlenstreiks bei der Industrie immer niehr suhl- bar. Gestern sind Mitteilungen über eine weitere Berminderung der Belieferung mit Kohlen und über eine Rationierung der Gas- lieierung für den Hausgebrauch bekanntgegeben worden,.jn Glasgow wird om Sonntag nur dreimal am Tage ein bis zwei Stunden Gas zum Kochen und Heizen abgegeben werden. Die Gesamtbcstellungen der schwedischen Staatseisenbahn in Hohe von 259 999 Tonnen für Juli bis Oktober sollen nach Blattermel- dunaen an die westsälischen und schlesischen Gruben gegangen fem. Der" Daily News zufolge sind diese Bestellungen früher immer nach Narth-Humbcrland-und Schottland gegeben werden. Der Daily Mail zufolge haben die Bergleute bisher an Lohnousfällen eine Einbuße von 24 Millionen Pfund Sterling erlitten, wahrend der Ausfall in der Kohlenförderung 37>4 Millionen Tonnen betragt. Der indirekte Verlust durch den Bcrgarbeitentreik wird aus 259 Millionen Pfund Sterling geschätzt. Bisher seien aus den, Auslande etwa 359 990 Tonnen Kohlen nach England eingeführt worden, ftdoch würden sich die ausländischen Zugänge in den nächsten Wachen ganz bedeutend vermehren._ Amerikanische HilfSgelder für die englischenBergarbeiter. Jlem TJork, 19. Juni.(WTB.) Der Vollzugsausschuß de» ameri- konischen Gewerkschaftsbundes hat seine Ortsgruppen aufgefordert, weitere Sammlungen für die englischen Bergarbeiter zu veranstalten. Sport. Der gestrige Meisterschaftsboxkampf. Der gestrige Boxkamps um die deutsche Schwergewichtsmeister- schaft zwischen Pauk Samson- Körner und Franz Diener. aus dem Diener nach Punkten als Sieger hervorging, Hai die Ge- müter der Berliner Boxgemeinde erregt. Es mehren sich jetzt in der Oesfentlichkcit die Stimmen, die starken Zweifel an der Objektivität des Urteils hegen. Allgemein wird gejagt. daß ein„Unentschieden" dem tatfächlich-n Ausgang des Kampfes besser entsprochen hätte. Man spricht von einem moralischen Sieg Samson-Köniers. Auch Hans Breitensträtcr, der den Kampf in"allen Phasen als Zuschauer miterlebte und diesen genau be- obachiete, oertritt offen die Ansicht, daß ein_„U n e n t s ch i ed e n" nach dem Kampfverlaus gerechter gewesen wäre. In den Bericht selbst in unserer heutigen Morgenausgabe hat uns der Druckfehler- teufel übel mitgespielt. Statt„das Schiedsgericht verkündet unent- schieden", muß es natürlich heißen„das Schiedsgericht verkündet« den Punktsieg Dieners". Theater öer Woche. vom 20. Juni bis 28. Juui 192«. Der büM* Mi-bel.- Mttt-Dv**: 30. giqeilnerbmm,. H. Der »ied be* Slitck,. 22. La ItODioto. 23. Walküre. 24. Boris /Sobuvtm.lS./Dee Rosenkavalier. 26. Di« verkauf«« Braut. 27. UH Uijt vorm. Ballettraat-nee: „Vsaellcheuibe" und„Buleinela": abend- Rigolet«-. 28. Carmen—«*«*• (»iclbcas: 20 21., 22., 24.. 26. und 28. Dl« W«lt. In der man fii6 laiiawiilt. 23 fierobe» und Manauine. 25. Duell am Libo. 27. Biel Lllrn» um nidrt».— Schiller-Zbeater: 20., 2t., 22.. 23. und 24. Michel unb die 36 Screchteu. 25»efchmister und der verbrochene«tun. 27. und 28. Fahrt nach der 6üb(«. 26.«nriti-Pnrit,.— Denrtche» Theater: Das Ekel.—«oaimerfptel«: Ab 22. Mein« Cousine aus Warschau.— Die«»midie: W«ek»»nb.— Lrffins-Ddeatrr: Schneider Bibdel.— Theater in der«inimtäftrt«nahe:«efallene Cnael.— Stöbt, Oper Charloilendirr»: 20. Rigolet to. 21. Tristan und Isolde. 22., 24. fribÜch« Weinberg.—«»möbienhau»: Der Garten Eben.— Berliner Theater: Donnerwetter—«airg famos!— Trionon. Theater: flompf in her Sochieils- nacht.— Refiben,-Theater: Her, kontra Ser,.— gentral-Theatrr: Eoa Bonheur. _ xheater am Schiffbau erdamm: Die Freier.—«-mische Oper: Berlin ohne Semd. Luftfpielhau»: Kier wirb man gesunb.— Metr»pol- Theater: Die äjadit bei Rächte.— Theater an«u-siirstenbann»:«analier Jack.—«lei»e» Theater: Seitensprünge.— Wallner. Theater: Blanro, Posnet, Erweckung und Der heilige Brunnen.— Theater tu der«I-fterftrahe: 20., 22., 23. Swonisch» Flieg«. 21. Clire. 24. Iohannisfeuer. 25., 27., 28. Der legt« Stubent. 26. 360 Frauen.— Theater in der Liismwktrab«: Spreewalbmädel.— Schlaft- »ark.Theater Steglift: Bis 23. Johann,»teuer. Ab 24. Di« schweb« nb« Jung- stau.— Scilla: Internationale» Variete. Rachmittags-orNellungen. Volksbühne: 20. Fault— Schau- Ipielhaus: 21. und 27. Ch-rl-n» Tante.— Theater de,«efteu»: 20. und 27. 2 Uhr Echn-ewitchen. 4 Uhr Gtöfin Marijo.— Ze» trat- Theater: 20. unb 27. Coa Bonheur. Berontwortlich kür Politik:«ruft«rutezs. Wirtschaft: ftlrtue Sateru»,: Gewerlschaftsdcwegung: Z. Steiuee! FrukM«»:«. S. Dösch«»: Lokales unb E-nltiocs: Fri»«arflöM; An, einen: fth. Stocke: sämtlich tn Berlin. Berla«: Borwärts-Berlaa®. m. b. S.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdru-terel unb Berlaasan ltalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW 66. Linden straft» 3. isdilas ' RtacanatUmus- Spezialbehandlung nach Prof Lange. LetfniaaD, r Str. 14. IMt4-7 Krause Pianos sor Miete ZalbaclierStr. I. sckettrflrUwrtnl« Pumpen N? Ihitittk, ftiiilbH tratii. .Kiblankd. 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