Mbenöausgabe Nr. 2S7 4 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 141 Bezugsdidingunq«» und? neigen» r«is« And in der Rorzenaussab« an«e««b«n Ucöatfioa: STD. GS, CioOenflcafic 3 Fernsprecher: Dönhoff 2gZ— ZS? Zol.-»dreff«:SozIoId«m»rr»k verlin Vevlinev Volksblstt (10 Pfennig) Montag 21. Juni 1�26 Verla, und»n,«»,«»adt«tlun«i S«sch»ft»,eit»-« Uhr Serleger: vorwärls-verlan Ginbh. »erlln S2>. s». Ltudeastrab« 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 291 Zentralorgan der Sozialdcmokratlfcben Partei Deutfcblands Das Ergebnis des volksentftheiös. Vorläufige berichtigte Gesamtzahl: 14 441 SSV Ja. Das erste Wort der Hugenberg-Presse nach dem Volks» entscheid— was kann es sein als wieder eine Lüge? In dicken Lettern steht über der Montagausgabe d«s„Berliner Lokal» Anzeiger":„Das Volt sagt N e i n!" Das ist nicht wahr. Rund 14# Millionen deutscher Volks» genossen sagten Ja, rund eine halbe Million Nein, und die andern sagten überhaupt nichts. Wer vermag zu sagen, wie» viele von dieser schweigenden Masse deshalb schwiegen, weil sie mit dem Herzen auf der Nein-Seite standen, wieviele es aus ganz anderen Gründen taten? Die Ja-Sager bilden ungefähr die Hälfte des politisch aktiven Teils des Volkes, ungefähr die Hälfte der Zahl, die bei allgemeinen Wahlen von allen Parteien gemeinsam auf- gebracht wird. Man stelle sich vor, es hätte sich um eine ge- wohnliche Abstimmung gehandelt, bei der die einfache Mehr- heit entscheidet. Dann hätten die Gegner nicht die Eni» Haltungsparole ausgeben können, sondern sie hätten ihre An- Hänger auffordern müssen, mit N e i n au stimmen. Wer verlnag zu sagen, wieviele dieser Parole gefolgt wären? Die Masse, die gestern durch ihr Schweigen den Volks- entscheid erdrückte, setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Da sind zunächst die rund 9 Millionen, die erfahrungsgemäß an Wahlen und Abstimmungen überhaupt nicht teilnehmen. Da sind dann weitere Millionen, die es nicht wagten, an die Urne zu gehen, weil sie unter der Kontrolle und der Drohung der Gegner standen. Es bleibt ein Rest, der ü b e r z e u g u n g s- m a ß i g auf der anderen Seite stand. Wie groß er ist, läßt sich nicht berechnen. Zweifellos ist, daß die Parole der„e n t s ch ä d i g u n g s- losen Enteignung" auf einen Teil der Wähler ab- schreckend gewirkt hat. Aus ihr haben die Gegner olle ihre Argumente gezogen. Es gelang ihnen, einem Teil des Volkes einzureden, daß die entschädigungslose Enteignung der Fürsten nur das Vorspiel der allgemeinen entschädigungslosen Enteignung sei. Wäre es möglich gewesen, dem Volk einen einzigen Gesetzentwurf zu unterbreiten, der den Fürsten eine gewisse mäßige Abfindung beließ, so hätten die Gegner gegen ihn überhaupt keine Waffen gehabt, und der volle Sieg wäre wahrscheinlich gewesen. Aber w i e h o ch hätte eine Absindung bemessen werden sollen— das war die Frage. Und wie hätten die Kommuni st en es ausgenützt, wenn die Sozialdemo- kratie— nicht den Fürsten, wohl aber dem praktischen Erfolge zuliebe— einen derartigen Entwurf eingebracht hätte! Wir hätten dann den Kampf mit verkehrter Front führen müsien, und wahrscheinlich wäre es den Kommunisten gelungen, mit der Parole der entschädigungslosen Enteignung so viel Stim- men abzusplittern, daß auch auf diesem Wege der praktische Erfolg nicht erreicht worden wäre. Es wäre dann wahrschein- sich geworden wie im vorigen Jahr bei der Reichspräsidenten- wähl, wo die Kommunisten mit ihrer Thälmann-Kandidatur nichts anderes erreichten als den Sieg Hindenburgs. Die„Rote Fahne" von heute morgen beeilt sich, die Schuld daran, daß der praktische Erfolg nicht ereicht wurde, der S o- zialdemokratie zuzuschieben. Etwas anderes hat nie- mand von ihr erwartet. Aber sie wird mit ihren Argumenten diesmal nicht einmal auf ihre eigene Leserschar Eindruck machen. Wer glaubt denn, daß die fehlenden rund fünf Mil- sionen Stimmen aufgebracht worden wären, wenn sich die So- zialdemokratie dazu verstanden hätte, mit der KPD.„Einheits- front" zu spielen, so wie die KPD. die Einheitsfront auffaßt, das heißt, wenn sie bereit gewesen wäre, die sozialdemokra- tischen Massen unter die Führung der kommunistischen Min- d e r h e i t zu stellen? Die Wahlziffern aus Mecklenburg und von verschiedenen anderen Wahlen zeigen doch deutlich, wie gering die Neigung der Masten des Volkes ist, sich der Mos- kauer Führung anzuvertrauen. Die„Rote Fahne" nennt gleichwohl die Zahl der aufge- brachten Stimmen einen„ungeheuren Erfolg". Dieser Erfolg ist dadurch ermöglicht worden, daß sich die S o z i a l d e m o- kratische Partei mit' ihrer großen Autorität im Volke hinter den Entwurf stellte und daß sie für ihn mit Methoden wirkte, die wirksamer sind als die kommunistischen, weil sie auf die Denkweise der wirklichen Massen Rücksicht nehmen. Wenn sich rund vier Millionen Wähler, die sonst bürgerlich stimmten, diesmal für einen Gesetzentwurf ein- setzten, der von den Sozialdemokraten und den Kommunisten eingebracht war, so geschah das wohl zumeist nicht, weil, sondern obwohl zumeist die Kommunisten dabei waren. Erreicht, ist. daß die bevorstehende Entscheidung des Reichstags unter Massendruck gestellt ist. Erreicht ist zugleich eine erhebliche Stärkung der Stellung der Sozialdemokratischen Partei sowohl in taktischer wie auch in grundsätzlicher Beziehung. Die Rechts- Parteien werden bei den nächsten Wahlen dafür zu be- zahlen haben, daß sie sich schützend vor die Geldschränke der Fürsten stellten. Und auch das Zentrum hat einen beut- lichen Beweis dafür erhalten, daß es— trotz des starken Bandes der katholischen Religion— nicht nach rechts gehen kann, ohne sein Parleigefüge zu zerrütten und erhebliche Massen nach links zu oersieren. Das gleiche gilt für die Demokraten. Was ober die Kommunisten betrifft, so ist ihre Spekulation vollständig fehlgeschlagen. Für die kommu- nistische Führung war auch dieser Kampf ja nichts anderes als ein Teil der Auseinandersetzung innerhalb der Arbeiter- bewegung: i h r Kampf galt viel mehr als den Fürsten der Sozialdemokratischen Partei, die in den Spalten ihrer Blätter tagtäglich verleumdet und beschimpft wurde. Trügt uns die Hoffnung, daß auch den kommunistischen Ar- b e i t e r n, die in diesem Kampf auf demokratischem Boden und mit demokratischen Mitteln Schulter an Schulter mit ihren sozialdemokratischen Kameraden standen, diese Methode allgemach zum Halse herauswächst? Die kommunistische Führung hat, indem sie von dem Mittel des Volksentscheids Gebrauch machte, ihre prin- Der Reichswahlleiter gibt bekannt: Das vorläufige amtliche Gesamt» ergebnis wird amtlicherseits folgender« maßen berichtigt: Bei einer Gesamtzahl der Stimmberechtigten von 39690SS9 wurden insgesamt 15585 719 Stimmen abgegeben. Davon waren 559 499 ungültig und 15 9SK SIS gültig. Mit ja stimmten 14 441 SSO und mit nein 584 723.— Es haben also S9,4 Proz. aller Stimmberechtigten mit Ja gestimmt. zipielle Kapitulation vollzogen. Das Programm der gewaltsamen Auseinandersetzung verschwimmt zu schatten- haften Schemen. Die Hoffnung, durch einen kühnen Hand- streich die Alleinherrschaft der Partei aufrichten zu können, ist auf eine ferne Zukunft vertagt. Die Gegenwart gehört dem Kampf mit politischen und gewerkschaft- lichen Mitteln im Rahmen der bestehenden Verfassung der demokratischen Republik, llnd wenn uns von kommunistischer Seite täglich gepredigt wird, die Bourgeoisie werde diesen Rahmen sprengen, sobald er ihr unbequem werde— was folgt daraus anderes, als daß wir ihn oer- t e i d i g e n müssen im Interesse des Proletariats? Die Not des Volkes, die Verzweiflung breiter Massen findet in den 14l, Millionen Ja-Stimmen ihren erschüttern- den Ausdruck. Weh dem, der vor ihm seine Augen ver- schließt. Das Volk radikalisiert sich. Aber diese Radikalisierung vollzieht sich nicht durch Abwanderung sozialdemokratischer Arbeiter zum Kommunismus, sondern durch Zuwanderung proletarischer Massen von rechts und aus der Mitte zur Sozialdemokratie. Die Kommunisten ober haben diesmal— und hoffentlich für immer— darauf verzichtet, verzweifelte Massen in aussichtslose Kämpfe zu hetzen: sie exerzieren ihre Anhänger ein in den demokratischen Abstimmungskampf. Mögen sie dabei auch üble Hintergedanken haben— wir zweifeln nicht daran, daß das der Fall ist—, so muß doch die Wirkung ihrer veränderten Taktik eine ganz andere als die beabsichtigte sein. Sie muß sich auswirken zu einem endgültigen grundsätzlichen Sieg des demokratischen Sozialismus. Mag die kommunistische Führung auch weiter versuchen, mit luftigen Sophismen über ihre inneren Widersprüche hin- wegzuturnen, der Weg der kommunistischen Arbeiter geht mit eherner Konsequenz zurück zur Sozialdemokratischen Partei. Hat also der erste Volksentscheid noch nicht zu dem Ziel geführt, das Millionen mit heißer Leidenschaft ersehnten, so heißt es für uns: jetzt erst recht! Für eine Arbeiterpartei gibt es keinen Sieg ohne das Volk oder gegen das Volk, es gibt für sie nur einen Sieg mit dem Volte. Dieser Sieg wird und muß erstritten werden unterden Fahnen der Sozialdemokratie! Das vorläufige Ergebnis für Groß�Derlin. Nach dem vorläufigen Ergebnis des Volksent- schcids wurden in Groß-Berlin 1 7SS 37« Ja-Stim- men und««863 Nein-Stimmen abgegeben; 82«1« Stimmen waren ungültig. Die Zahl der Stimm- berechtigte« betrug 3 045 SO?. Die fibfinüungsfrage im Reichstag. Morgen Rechtsausfchust. Offiziös wird erklärt: Die Reichsregierung wird nunmehr, entsprechend der Ankündigung des Reichskanzlers in seiner Antritts- rede vor dem Reichstag, mit allen Mitteln versuchen, den Gesehentwurs über die Fürstenabfindung zur Annahme im Reichstag zu bringen. Morgen wird der Entwurf im Rechtsausschuß besprochen. Was bedeutet das Ergebnis! Im Spiegel der Presse. Die Berliner„M o n t a g s p o st" verweist auf den Terror: ..Ohne die Parole der Gegner des Volksentscheids, der Abstini- mung unter allen Umständen fernzubleiben, wäre die Zahl der Ja- Stimmen zweifellos oi�l höher gewesen, da auf dem Lande und iit den kleinen Städten die Furcht vor wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Boykott Tausende von der Stimm- abgäbe abgehalten hat. Es wäre deshalb falsch, wenn man jede Stimmenthaltung den Gegnern des Volksentscheids zuzählen würde." Das„Berliner Tageblatt" schreibt: „Immerhin haben die Millionen des Vdlksbegehrens sich gestern auf rund 15 Millionen vermehrt, eine Zdhl, die etwa der Ziffer von 260 Reichstagsmandaten entspricht. Viel mehr ul» ein Drittel aller deutschen Wähler, eine Zahl, die die samt. lichen Wähler der Dcutschnationalen, der Deutschen Voltspartei, der Bayerischen Volkspartei, der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Völkischen weit überlrissl, hat am gestrigen Sonntag verlangt, das; die entschädigungslose Enteignung aller ehemaligen Fürsten vor- genommen werde." Es verweist weiter auf die Notwendigkeit einer parla- mentarischcn Lösung: „Die republikanischen Parteien werden jetzt den Kampf um diese Lösung aufzunehmen haben. Versagt sich der Reichstag noch weiterhin dieser Ausgabe, trotz des Gewichts der 15 Millionen Stimmen, die gestern abgegeben worden sind, dann muß er aufgelöst werden, und dann wird das deutsche Volk einen Entscheid zu treffen wissen, der zum Ziele führt." Der reaktionären Presse aber ist nicht nach Sieg zumute. Der„L o k a l- A n z e i g e r" schreibt: „Der Sturmangriff ist abgeschlagen. Aber, täuschen wir uns nicht darüber: nach schwersten Kämpfen, unter harten Verlusten." Unter harten Verlusten: viele hunderttausende Wähler der Deutschnationalen sind ihrer Parole nicht gefolgt. Der Volks- entscheid zeigt einen Ruck nach links. Was weiter! Betrachtungen der Zentrumspreffe. Köln. 21. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die„Kölnische V o l k s z e i t u n g" betont in einer längeren Wahlbctrachtung am Montag morgen, daß alle rechts von der Sozialdemokratie stehenden Gruppen durch die Agitation für den Volksentscheid ins Gedränge gekommen seien und längere Erörterungen durchmachen müssen. Die Zentrumspartci müsse überlegen, ob es nicht angebracht sei, eine Aussprache über die Lehren des Volksentscheids auf einem besonderen Parteitag anzusetzen. Wenn nicht alles trüge, werde der Herbst oder der Winter Neuwahlen bringen. Es sei daher gut, vor den Wahlen in frischer offener Rede und Gegenrede die gegenwärtigen politischen Probleme zu behandeln. Die E n t- «ignungsparteien hätten heute zwar verloren, aber. morgen würden sie gewinnen, wenn diejenigen, die nur mit halbem Herzen zur Demokratie stehen, sich nicht zu einer endgültigen Regelung der Fürstenfrage aufrafften. Diejenigen, die nicht kalt und nicht warm seien, würden bei einer kommenden Staats- krife zerrieben werden. Die„Rheinische Volks wacht", das offizielle Kölner Zentrumsblatt, betont in seiner Wahlbetrachtung, daß das Geschrei vom 20. Juni nicht nur das Geschrei des Fürstenhasfes, sondern viel mehr noch das Geschrei eines Volkes, das in tiefster Not nach Ge- rechtigkeit ruft, gewesen sei. fiuslänüijches Presie-Echo. Paris, 21. Juni.(EP.) Die späte Nachtstunde, in der das Er- gebnis der Volksabstimmung bekannt wurde, erklärt es, daß die fron- zösische Morgenprejse heute zu dem Ergebnis noch wenig Stellung nimmt. Verschiedene Blätter, wie z. B. der„Matin", machen die für oder gegen die Fürstenabfindung abgegebenen Stimmen zu einem Gradmesser der republikanischen oder nion- archistischen Gesinnung. Das„Journal" meint, daß das Ergebnis des Volksentscheids auf die innerpolitische Lage einen großen Einfluß ausüben werde. London, 21. Juni.(EP.) Das vollständige Ergebnis des Volks- entscheid? war den englischen Morgenzcitungeu zur Stunde der Drucklegung noch nicht bekannt. Die meisten Blätter rechnen jedoch schon mit einem negativen Resultat. Kommentare finden sich nur vereinzelt. Die„Morning Post" rechnet damit, daß das Ergeblüs / einen un geheurenmoralischen Einfluß haben werde, den sicherlich die endgültige Regelung der Ansprüche der Fürstenhäuser widerspiegeln müsse.„Daily Chronicle", das Blatt Lloyd Georges, wirft die Frage auf, welche Steuererträgnisse die Vermögen der Fürsten abwerfen und ob die Auswanderung dieser Vermögen ins Ausland einen Einfluß auf die chaltuyg der Alliierten haben könnte.' Terror vor üen Toren Groß-öerlins. Auf die Nachricht, daß den Landarbeitern und— leider auch!— Insassen des Guts bezirks Diepensee bei Bohnsdorf, Besitzer und Gutsvorsteher W r e d e(zugleich auch Gemeinde- und W a h.l o o r st e h e r I), die Ausübung ihres Stimmrechts v e r- boten sei, fuhren einige Berliner Genossen dorhin. Ein Guts- Inspektor oder Förster versuchte in rabiater Weise, sie am Betreten des Wahllokals zu hindern, gab aber sein Vorhaben nach Belehrung über das Gesetz doch auf. Bis M Uhr mittags hatte dort noch kein Wahlberechtigter abgestimmt— Beweis genug für dos guts- herrliche Stimmverbot, von dem freilich die Wahlbeisitzer nichts zu wissen»ermeinten. Die Genossen, hie die aus der wirtschastlichcn Abhängigkeit sließende Furcht der Landsklaoen nicht bannen konnten, klärten sie wenigstens über die Ansprüche der Fürsten auf und sagten ihnen, worüber freiere Deutsche zur gleichen Zeit entschei- den. Indessen kam ein früherer Schweizer des Guts Diepensee, der jetzt in dem nahen Schönefeld arbeitet, zur Urne. Obgleich er noch in Diepensee wohnt, hatte man ihn dort auf„Abmeldung" gestrichen und wollte ihn, trotzdem er die betreffende Mitteilung unter Darlegung des wahren Sachoerhalts zurückgegegen hatte, nicht abstimmen lassen.— Bei den Wahlen der letzten Jahre hatten die beklagenswerten Bewohner von Diepensee ihr Wahllokal in Schönefeld und waren dadurch dem Terror etwas entzogen. Worum hat man sie gerade diesmal wieder in das Untertanenoer- hältnis zurückversetzt, wer ist dafür verantwortlich und wird dafür gesorgt, daß wenigstens 1ür die Zukunft diesen nach der Reich«- und Staatsoerfassung gleichberechUgten Bürgern ihr freies Wahlrecht ge- sichert wird? Diese Fragen richten wir an das preußische Mini- sterium des Innern. Stürmische /lufwärtsbewegung an der öorse. Die Börse reagierte auf das negative Ergebnis des Volks- entscheide» mit einer stürmischen Aufwärtsbewegung. Besonders das Rheinland und das Ausland kauften stark. Neuerdings vermutet man hinter den Käufen in Farben und Erdöl die Rockefeller-Gruppe. Farben erhöhten sich heute sprunghaft bis auf 218. Ferner blieben sehr gesucht die Braunkohlen- und Kali- werte. Auch Bankaktim fest. Der Geldmarkt ist unverändert leicht,' der Rentenmarkt vernachlässigt. Zusammentritt ües Reichstags. Die Fürstenfrage soll noch vor den Sommerferien erledigt werden. Der Reichstag nimmt heut« um 3 Uhr nach«mwöchiger Pause seine Lollsttzungen wieder auf. Auf der Tagesordnung der Montagsitzung stehen u. a. di« Handelsverträg« mit Schweden und Dänemark. Di« Reichstagsfrattionen des Zentrums, der Deutschen Dolkspartei, der Demokraten und der Deutschnationalen versammeln sich um 1 Uhr beziehungs- weise um 2 Uhr nachmittags. Die Führer der R e- gierungsparteien halten nach Schluß der Plenar- fitzung eine interfraktionell« Sitzung ab, um di« politische Lage zu erörtern und besonders die Frage der Fürstenabfindung zu besprechen, di« noch vor der Sommerpause erledigt werden soll. Der Aeltestenrat tritt am Dienstag zusammen, um den Arbeitsplan des Reichstags für die letzten Wochen vor der Sommer- pause festzulegen. Auswärtiger Ausschuß. Entwaffnungsfrage und Abrüstungskonferenz. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstage» nahm heute vor- mittag unter seinem Vorsitzenden, Abg. Hergt sDnat.), seine Ar- beiten wieder auf und beschäftigte sich zunächst mit der E n t w a f f- n u n g s f r a g e, die er schon vor der Plenarpause in Angriff ge- nommen hatte, und mit der A b r ü st u n'g s k o n f e r e n z. Der Musgerechnet: Serlin! eo Prozent Ia-Stimiyea. Den Herren blieb der Schnabel offen, Weil's ihnen nicht geheuer schien. Und alle murmelten betroffen: Ist so was möglich? In— Berlin?! Natürlich, liebe Fürsten, gradel Ein leicht begreifliches Geschick: Wir kennen doch die Schloßparade, Tatü-Tata und... Köpenick. Wir kennen Potsdams Volt und Truppen, v Wir kennen Spandau andrerseits. Auch die Mee der Marmorgruppen Entfaltet noch den alten Reiz. Wir kennen Adel und Gesittung Und wisten, wie ihr sürstlich denkt. Wir gaben gestern nur die Quittung Für das. was ihr Berlin geschenkt! _ Karl Schnog. Der Kampf gegen Schund und Schmutz. Ein Mahnruf von Paul Steegemann. Früher, vor 1918, vor dem Umsturz, da hatten wir eine Zensur für das Theater, das Strafgesetzbuch sür die Literatur. Diese Ein- richtungen waren schon fragwürdig genug. Denn wenn man sich erinnert, was da alles vom Zensor von der Bühne verbannt wurde, ob es nun französische Lustspiele waren oder die schaurigen Tragigrotesken Frank Wedekinds, heute erscheint es uns unfaßbar. Und wenn man weiß, was da an Büchern beschlagnahmt wurde, vor und nach dem Umsturz, lediglich aus dem Inhalt des§ 184, dann kratzt man sich oerlegen hinterm Ohr. Da wurden kurzweilige Dinge von Schiller. Goethe, Verlaine eingezogen: da wurden die alten Italiener immer mal wieder ver- brannt: da wurden Bilderbücher von Beardsley, Corinth, Zille eingestampft: da wurden Richard Dehmel, Joachim Ringelnatz und Carl Einstein zu hohen Geldstrafen verurteilt. Die Prozesse dauerten tagelang, die besten Verteidiger waren herangezogen, Deutschlands geistige Elite gab glänzende Gutachten, der Staatsanwalt siegte immer. Nun, es liegt in der Natur, daß der Bucklige den Schlanken be- neidet, die Jungfer die Jungfrau, der Knacker die blühende, freie, sich befreiende Jugend. Da werden Ressentiments wach, da keimen die Erinerungen an die„gute alte Zeit", und weil ja eine ganze� Generation der Jugend, die heute Dreißigjährigen, auf den Schlacht-' feldern liegt, da glaubt man, daß die Zeit gekommen, daß ihre Zeit wiedergekommen fei: das Film-Zensurgesetz genügt nicht, da« Vertreter der deutschen Reichsregierung bei der Abrüstungskonferenz, Abg. Graf v. Bernstor ff(Dem.), erstattete über die VerHand- lungen Bericht. Von der Reichsregierung waren der Außenminister' Dr. S t r e s e m a n n mit dem Staatssekretär o. Schubert und Reichsvcrkehrsminister Dr. Krahne anwesend. Nach längerer Aussprache, an der sich die Abgeordneten Gras R e v e n t l o w(Deutscho.), Dr. H o e tz s ch(Dnat.), Dr. Rosen- b e r g(Komm.), von Rheinbaben(D. Vp.), Dr. Dern- burg(Dem.), Dr. O u a a tz(Dnat.) und Müller- Franken(Soz.) beteiligten, und in deren Verlauf auch der Reichsminister de, Aeußeren Dr. St r e s e m a n n das Wort ergriff, faßte der Aus- schuß mit großer Mehrheit folgende Entschließung: „Unbeschadet der Stellung der verschiedenen Fraktions- Vertreter zu den Fragen im einzelnen, nimmt der Auswärtige Ausschuß davon Kenntnis, daß bei den Verhandlungen der Vor- bereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz irgend- welche Bindungen für Deutschland nicht erfolgt sind, und erhebt mit dieser Maßgabe gegen eine Fort- setzung der Beteiligung Deutschlands an den weiteren Beratungen zur Förderung des Abrüstungsproblems keine Be- denken." Es folgte die Beratung über den Gesetzentwurf zur Durch- fllhrung der Artikel 177, 178 und 198 des Vertrages von Versailles und der Pariser Vereinbarungen über Luftfahrt. Der Kampf um yinüenburg. Meistner oder Gayl? An zuständiger Stelle werden alle Gerücht« über die Ersetzung des Staatssekretärs Dr. Meißner als Kanzlcichef des Reichs- Präsidenten durch eine„bekannte politische Persönlichkeit"(genannt war der weit rechtsstehende Ostpreußc o. Gayl) als jeder Be- gründung entbehrend erklärt. der»harmlose" Stahlhelm. Mit Armeepistolen und Totschlägern bewaffnet. Halle a. d. S, 21. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Bei einer durch die Schupo vorgenommenen Leibesvisitation von Stahlhelmern, die auf Automobilen nach Gerbstedt gekommen waren, um eine Versammlung der Sozialdemokratischen Partei zu „besuchen", wurde festgestellt, daß sämtliche Mitglieder des Stahlhelms bewaffnet waren. Es wurden von der Polizei zutage gefördert und beschlagnahmt: 5 geladene Armeepistolen, 5 Totschläger, 10 Gummiknüppel, Z Dolche. S Seitengewehre sowie eine Anzahl Kabelstücke, bleigesüllte Gummischlävche, Schlagringe. Gasrohre und Eisenstücke in allen Formen. tzakenkreuzler-Ueberfälle auf Republikaner. Köln. 20. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In Bonn kam es am Sonntag zu schweren Zusammenstößen zwischen Rechtsradikalen und Anhängern des Volksentscheids. Von auswärts waren auf Lastkraftwagen Hitler-Banden und Stahlhelmleute nach Bonn gekommen, die einen Propagandaumzug des Reichsbanners an- griffen, wobei von den Rechtsradikalen Waffen aller Art benutzt wurden. Auf beiden Seiten gab es Verletzte. Mehrere Angehörige des Reichsbanners und des Stahlhelms mußten in die Bonner Klinik eingeliefert werden. Bon Köln wurden auf telephonischen Anruf mehrere Abteilungen Reichs- bann«r und Frontkämpfer zur Hilfe entsandt. Darauf kam«s zu einem zweiten schweren Zufainmenstoß, wobei es wieder ein« Menge Verletzte gab und die Rechtsradikalen schließlich in di« Flucht geschlagen wurden. Ein« merkwürdige Haltung nahm die Bonner Poliz«! ein. die dem Vertreter der Sozial- demokratischen Partei erklärte, wenn die Propagandaumzüge de» Reichsbanners nicht eingestellt würden, werde man die Wahl- Handlung schließen. Gegen die Rechtsradikalen als die eigentlichen Angreifer griff die Polizei nicht ein. Strafgesetzbuch genügt nicht, zum Teufel mit diesen liberalen Dingen. Es muß, so sagen sie, ein neues Gesetz geschaffen werden, straff wie eine Kandare. Das liegt jetzt, unter dem Irrefühenden Titel:„Gesetz zur Be- wahrung der Jugend vor Schmutz und Schundschristen", im Eni- wurf vor. Und in aller Stille ist die zweite Lesung im Reichstags- ausfchuß bereits vor sich gegangen. Wenn jetzt die dazu berufene Oeffentlichkeit nicht eingreift, nicht aufklärt, nicht verhindert, dann können wir was erleben. Dann sind wir geistig trocken gelegt, dann haben wir einen tausendfach vergrößerten„Afsenprozeß" hinter uns, dann ist Honolulu fernerhin unser kulturelles Vorbild. Ist es wirklich so schlimm? Es ist noch schlimmer. Es sollen aus„wählbaren Vertretern der Kunst und der Literatur, des Buch- und Kunsthandels, der Iugendwohlfahrt und der Jugendorganisationen, der Lehrerschaft und Dolksbildungsorgani- satiönen, und zwar unter besonder Berücksichtigung der Vertreter der kirchlichen Behörden in allen Gruppen", Prüsstellen zusammen- gesetzt werden, die die Literatur nach Büchern durchschnüffeln sollen, welche der Jugend im ethischen Sinne schädlich sein könnten. Na, schön. Das ist nicht böse gemeint, die alten Leute müssen ja was zu tun haben. Aber jetzt kommt es: Diese Bücher sollen auf einen Index ge- setzt werden, nach dem Vorbilde der katholischen Kirche. Und die Verbreitung dieser auf den Index gesetzten Bücher soll verboten und mit Gefängnis bestraft werden. Wie aber kommt dieser Index zusammen? Durch die Prüf- stellen. Durch die Länderprüfftellen. Und was die Prüfstelle eines Landes, eines Ländchens im Deutschen Reiche für die Jugend schädlich hält, das soll für das ganze Deutsche Reich ver- boten sein! Das mache man sich einmal klar. Das rechne man sich einmal aus. Da werden wir bald eine gutbayerische, weißblaue, jesuitische Literatur für ganz Deutschland haben. Alles andere ist verboten, gibt es nicht Mehr, hat es nie gegeben. Denn die Bücher, die für die Jugend verboten sind, kann natür- lich der Erwachsene auch nicht mehr kaufen, denn sonst geriete die Jugend in Gefahr, von aufgeklärten Erwachsenen aufs neue mit „Unzucht" infiziert zu werden. Es gibt da. das wird sich wohl rumgesprochen haben, einige unsterbliche Werke von Arthur Schnitzler, Gerhart Haupt- mann, Frank Wedekind, in denen der Eros anders gestaltet ist, als in den Geschichtenbüchern der katholischen Gesellcnvereine. Also auf den Index! Es gibt da einige unsterblich« Stücke von Schiller, Grabbe, Büchner, in denen weder ein Blatt vor den Mund, noch ein Feigen- blatt genommen wird. Alto auf den Index! Es gibt da tausend unsterbliche Verse von Johann Christian Günther, Heinrich Heine, Alfred Kerr, die ganz unvegetarisch sind. Also auf den Index! Ninifterium Srianö-poincarö? Konzentration nach rechts! Vach den letzten Meldungen aus Paris ist V r i a n d mit der Bildung eines neuen Kabinetts zwar noch nicht fertig, aber kein Mensch zweifelt daran, daß es ihm diesmal gelingen wird. Diese» Ministerium wird einen parlamentarischen Kurswechsel bedeuten, denn Briand will sich aus die Rechte stützen. Zu diesem Zweck oerhandelt er mit P o i n c a r ö, dem er das Finanzministerium angetragen hat. Dieser soll bereit sein, in die Regierung einzutreten, aber ob er gerade dieses undankbare und gefährliche Amt annehmen wird, steht noch dahin. Briand will die meisten seiner bisherigen Mitarbeiter, darunter auch verschiedene ver- treter der Linken, wie Painleve, Laoal und de Monzie, beholten. Andererseits ruft die Nachricht des Eintritts Poincorc in die Regierung lebhaften widerstand aus der Linken hervor. prager Kongrua-Krach. Husfitenstaat und Rompriestergehälter. Prag. 21. Juni.(EP.) Um die Abstimmung über das Kongrua- gesetz zu verhindern, begannen die Kommunisten im Abgeordneten-' haus mit den Pultdeckeln zu schlagen und sangen Spottlieder auf die Klerikalen, darunter das H u s- Lied. Als die Abstimmung nach den Schlußworten des Berichterstatters beginnen sollte, stellte sich der Kommunist Harus mit einer Fahne, auf der die Verbrennung Johannes Hus abgebildet war, vor der Ministerbank auf. Eine kommunistische Abgeordnete überreichte dem Vorsitzenden einen läutenden Wecker, den dieser dankend in die Tasche steckte. Die Kommunisten, die wester mit den Pultdcckeln lärmten, warfen mit Holz stücken nach den Klerikalen, wobei ein klerikaler Abgc- ordneter verletzt wurde und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Als ein kommunistischer Abgeordneter den Präsidenten von seinem Sitz verdrängen wollte, entstand ein wildes Handgemenge. Die Parlamentswache wurde alarmiert. Die Kommunisten ver- drängten den Berichterstatter von seinem Platz, den dann die Wache wieder frei machte. Die Ministerbänke wurden bei dem Handgemenge gänzlich zertrümmert. Während die Kom- munisten den Vizepräsidenten mit Gewalt verjagen wollten, ging die Abstimmung weiter. Einzelnen Mitgliedern der Parlamentswachc wurden die Uniformen vom Leibe gerissen. Das Kon- gruagesetz wurde angenommen. Hagedorn» Abschied. Der Reichspräsident hat den Staatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Hagedorn, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches in den einstweiligen Ruhestand oersetzt und ihm gleichzeitig in einem herzlich gehaltenen Schreiben Dank und Anerkennung sür die dem Reiche geleisteten wertvollen Dienste ausgesprochen. Der preußische Innenminister Geooste Severing hatte am vorigen Montag nach seiner Rückkehr von einem längeren Erholungsurlaub die Amtsgeschäfte wieder übernommen. Leider hat es sich bald her- ausgestellt, daß er noch nicht genügend gekräftigt war, um sein schweres Amt weiterzuführen. Auf den dringendsten Rot seiner Aerzte hat Genoste Severing am Montag zu einer Nachkur ein Sanatorium in Mitteldeutschland aufsuchen müssen. Der Atlentatsplan von Smyrna. Wie aus S m y r n a gemeldet wird, sind bis jetzt in der Angelegenheit des Attentatsplans auf den Staatspräsidenten mehr als 40 Verhaftungen vorgenommen worden. Andere Meldungen sprechen von 300 Ver- hastungen und von bevorstehenden Hinrichtungen. Angriff auf den putschgeneral Eosta. Als General Gomcz de Costa Freitag durch Lissabon im Auto fuhr, nahm ew Teil der Menge eine drohende Haltung gegen ihn ein, doch wurde er durch seine Leibwache geschützt. Es wurden Verhastungen vorgenommen. Costa erklärt in einem neuen Ausruf, daß er sür die Republik gegen reaktionären Verrat vorgegangen sei. Verschwörung gegen INustapha kemal? In Smyrna soll eine Verschwörung gegen Kemal Pascha anläßlich seines dortigen Besuchs rechtzeitig entdeckt worden fein. Es sollten Bomben auf sein Auto geworfen werden. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen, u. a. die eines ehemaligen Abgeordneten. Es gibt da unsterbliche Geistestaten von Spinoza. Darwin, Nietzsche, die allesamt den offiziellen Philosophien konträr sind, faszinierend geschrieben, so daß diese die Jugend verwirren und schaden könnten.... Auf den Index! Habe ich zuviel über den Unfug dieses neuen Gesetzes gesagt? Man stelle es sich doch einmal vor. Man male sich doch einmal die Folgen aus....! Nein, das, was unser reichstes und edelstes ist in diesem armen Lande: der Geist, den wollen wir nicht knebeln, nicht fesseln, nicht töten lassen. Dies neue Gesetz ist einfach eine Schande, ein lieber- fall auf den geistigen Menschen, auf die deutsche Kultur. MkaSemische Freiheit. Aus Fichtes Rektoratsredr 1811. „Der akademischen Freiheit droht nur eine wirkliche Gefahr. Sie kommt nicht vom Staat, der diese Universität unter Opfern schuf und ihr geistige Freiheit läßt, sie droht von denen, welche den falschen Begriff von akademischer Freiheit haben! Dasjenige Clement, woran diese für ihre Freiheit Gefahr be- sorgen, ist jene bekannte Menschenart, die, da sie in der Tat nichts ist, und in den übrigen menschlichen Verhältnisten nirgends geduldet wird, sich für Studierende ausgibt und sich an die Universitäten an« schließt.— Der eigentliche Mittelpunkt und Sitz ihres Irrtums liegt klar zutage. Das Studieren ist ein Beruf: die Universität mit allen ihren Einrichtungen ist nur dazu da, um die Ausübung dieses Be- rufes zu sichern, und nur derjenige ist ein Studierender, der eben studiert. Sie stellen dar das auserwählte Volk Gottes, alle Nichtstudentev aber werden befaßt unter den Verworfenen. Darum müssen all» anderen Stände ihnen weichen und ihnen allenthalben, wo sie hin- kommen, den Vortritt oder Alleinbesitz lassen: alle müssen von ihnen sich gefallen lasten, was ihnen gefällt, denselben aufzulegen: keine» aber darf es wagen, ihnen zu mißfallen: all, Nicht ftudcnten, ihre Lehrer und unmitelbor» Obrigkeiten am wenig st en ausgenommen müssen durch ehrerbietigen Ton, durch Reder nach dem Munde, durch sorgfältige Vermeidung alles dessen, was ihre zarten Ohren nicht gerr hören, sich ihrer Geneigtheit empfehlen: das ist di« Pflicht aller gegen sie: sie aber dürfen alle Menschen ohne Aus' nähme aus dem Gefühl ihrer Erhabenheit und Ungebundenhet herab behandeln: das ist ihr Recht auf alle. Daß durch eine solche Sitte, wenn sie überhand nimmt uni herrschend wird, die akademische Freiheit in allen Punkten an- gegriffen und vernichtet, ja, das ganze Wesen der Universität auf gehoben wird, ist unmittelbar klar.", ver Stand der Loge. Die„Neue Verl. Zcitg.' schreibt:„Wie wi aus parlamentarischen jtreiscii bören, weiden eine Reibe von Parteiführer» noch im Laufe dcS Heuligen Tages Schritte unternehmen, um sosortig, Fühlung mit Ihren eigenen Partcikreisen über die nächsten Schritte z» nehmen."(Hm! Hm!) Die Arbeit am Sonntag. Weil nach Wohndichte und Siedlungsart in einer Riesenkörper- schaft von 4 Millionen Menschen Wahlarbeit und Wahlkampf überall verschiedene und ost auch interessante Formen zeigt, lassen wir heute noch einige Berichte über Arbeiten und Kämpfe, Aussichten und Hoffnungen des gestrigen ercignis- und erlebnisreichen Tages folgen. Am Vorabend der Abstimmungsschlacht hatten noch einmal die Neuköllner Partei, Reichsbanner und Jugend aufgerusen zur letzten Propaganda. In langen, ganze Straßenzüge übergreifenden Reihen mit unzähligen Fahnen und Transparenten wurde bis in die späten Abendstunden die Werbetrommel geschlagen. Am Sonntag setzt der Wahlbetrieb schon in den frühen Morgen- stunden ein. Im Wahlbureau der Partei und des Reichsbanners gehen und kommen die Melderadsahrer. Noch einmal will das Reichsbanner die ländlichen Bezirke vor Neukölln besuchen. In Abständen von einer Stunde fahren die Lastautos hinaus. Ueberall in den kleinen Landstimmbezirken werden einzelne Kameraden zurückgelassen, um zu verhindern, dah von den Rechten die Wahl sabotiert wird. Vor der katholischen Kirche in Neukölln, Watzmanns- dorfer Straße, hat das Reichsbanner Plakate aufgestellt, ein paar Trommler daneben, um so an die katholische Bevölkerung noch ein- mal zu appellieren. An den Bahnhöfen stehen lange Transpa- rentc, die die Ausflügler mahnen: erst stimmt, und dann ins Freie! In Autos und mit Tragbahren werden die Kranken gebracht. Als die eigentliche Schlepparbeit einsetzt, haben in den meisten Wahllokalen schon 6l>— 70 Proz. oller Stimmberechtigten gestimmt. Bis in die M i t t a g s st u n d e n der einsetzende Regen die Straßen säuberte, war dos Straßenbild ein Meer von Fahnen, von langen, über die Straßen gezogenen Transparenten. Ueberall wer- dcn die Schlepper der Partei lebhaft begrüßt und freudig unter- stützt. Einige Lokale, so in der H e r m a n n st r a ß e, Kaiser- Friedrich-Straße, haben ihre Schilder bunt in rot und schwarzrotgold dekoriert. Der Andrang in der letzten Stunde ist nicht sehr stark. Es gab eben oiesmal keine Bummelanten, jeder hat rechtzeitig gewählt. » Der proletarische O st e n stand wie immer im Zeichen der roten und schwarzrotgoldenen Fahnen. Je mehr man nach Lichten- b e r g hineinkam, konnte man leicht die größere Aktivität der Massen feststellen. Uebevall, wo es sich ermöglichen ließ, wurden gut wirkende Transparente angebracht. Die letzte Nacht vor dem Volksentscheid wurde von den Klebekolonnen reichlich aus- genützt. Schon in den frühen Morgenstunden, kaum nach Eröffnung des Wahlaktes, setzte eine äußerst lebhaste Beteiligung der Wähler ein. Ost war der Andrang derartig stark, daß sich Schlangen vor den �einzelnen Stimmlokalen bildeten! Wer die Beslaggungsstärke im Südosten schon seit längerer Zeit beobachtet hatte, der tonnte am gestrigen Abrechnungstag weitere erfreuliche Wahrnehmungen machen. Häuser, die bei den letzten Wahle» überhaupt keine Fahne zeigten, waren diesmal agitatorisch prächtig aufgemacht. Von Balkon zu Balkon zogen sich unsere Platatreihen. Erheiternd wirkte es, als in den Mittagsstunden einige Männlein und Weiblein die einzelnen Höfe der großen Mietkasernen abklapperten, um unter Berufung auf den lieben Gott zur Stimmenthaltung aufzufordern und an Stelle des Wahlganges den Kirchgang zu empfehlen. Die Wahlbeteiligung im Südosten war von früh an sehr stark. Wurden doch oft in Wahllokalen, die 1300 bis 1500 eingeschriebene Wähler hatten, bis zur vierten Nachmittagsstunde 1100 bis 1200 Stimmen abgegeben! Das in seiner� Mehrheit überwiegend republikanische T r e p- t o w zeigte schon seit einigen Tagen ein buntbewegtes Bild. Fast ein jede Haus konnte Fahnenschmuck ausweisen. In der nur kurzen Grätzstraße zählte man weit über 70 rote und schwarz- rotgoldene Fahnen. Auch in der reaktionären Straße Am T r e p- tower Park flatterte das Tuch der Republik. Die in Treptow so zahlreichen Laubenkolonien standen ebenfalls im Zeichen der roten und schwarzrotgoldenen Fahnen. * Der Abs�mmungsokt ging in den äußeren westlichen Vororten vollkomme» ruhig vor sich. In Nikolassee und in Steglitz hatten sich Vertreter der Rechten mit Lerleumdungsplakoten ein- gefunden, aber man beachtete sie kaum. Bis gegen 1 Uhr nachmittags hatten in Lichterfetde, Zehlendorf, Dahlem und W a n n s e e etwa 25— 35 Proz. der Eingeschriebenen gewählt. Dann setzte der Schlcpperdienst ein, von Reichsbcinnerlcuten und Roten Iungsturm energisch betrieben und durchgesührt. Aber nicht wenige brauchten nicht gemahnt und angespornt zu werden, sie kamen so und taten ruhig und selbstbewußt ihre Pflicht, so Mann wie Frau. Die Gegner hatten es vorgezogen, bei dem unfreundlichen Wetter daheimzubleiben. Dennoch war die Schutzpolizei überall auf dem Posten. Da es eine bekannte Tatsache ist, daß ungünstiges Wetter auf Unternehmungen aller Art störend einwirkt, so erscheint es nicht ausgeschlossen, dah der seit 3 Uhr ununterbrochen und mit steter Ver- stärkung niedergehende Regen hier draußen im Westen, wo die Entfernung zwischen Wohnung und Wahllokal ost Kilometer beträgt, aus das Ergebnis der Wahl ungünstig eingewirkt hat. Die Verlegung der Wahlzeit von früh um S auf 8 und von abends um 6 aus 5 hat Verwirrung angerichtet. Fast symbolisch wirkte eine kleine Episode vor einem Wahllokal unmittel- bar nach Schluß der Wahl. Da kam ein ältere» Ehepaar an, ein wenig unruhig und hastig. Aber es war kein Plakatträger mehr da und keine Plakate.' Alles war vorbei. Beide standen betroffen. Nur am Zaun hing noch ein großer Bogen, aus dem war mit kräftiger Hand geschrieben:„Vorwärts für Volk und Baterland! Wir müssen siegen!" Und doneben unsere Bildkarte mit dem Kriegsbeschädigten. Sem leidvoller Blick aber galt nicht mehr dem gekrönten Ausreißer. sondern den beiden Alten, als wenn er sagen wollte: Zu spät! Den andern aber, die ihre Pslicht getan, galt das Wort: Wir müssen siegen! « Bis auf einige Reiberelen und Plänkeleien, die zur Mehrzahl auf das Konto rechtsstehender demonstrierender Verbände infolge ihres provozierenden Austretens zu schreiben sind, ist es im allge- meinen zu größeren Zwischenfällen nicht gekommen. In Lankwitz wurden bei der. Durchsuchung eines mit Deutschnationalen beseiten Lastkraftwagens zahlreiche Stöcke, Totschläger und Steine vorgefunden, so daß einige Fe st nahmen ersolgten und der Kraftwagen dem Polizeipräsidium zugeführt wurde. Auch in der Immelmannstraße in Schönebera wurden bei der Durchsuchung eines mit Hakenkreuzlern besetzten Wagens Massen vorgesunden, was zur Verhaftung von 31 Angehör igen der reaktiv- nären Verbände führt«. Bis 8 Uhr abends wurden 214 Per- sonen zwangsgestellt und davon 167 Personen im Polizeipräsidium eingeliefert. Don Anhängern der Rechtsparteien wurden von 85 Zwangsge stellten 66 Personen dem Polizeipräsi- dium zugeführt. Aus Anhänger der KPD. entfallen 110 Zwangsstellungcn und 100 Einlieserungen in das Polizei- Präsidium. Von den Reichsbannerleuten wurden sechs Zwangs- gestellt, wovon einer dem Präsidium zugeführt wurde. Bei 13 von dcn zwangsgeftellten Personen war die Parteizugehörigkeit nicht zu ermitteln. Die Feststellungen erfolgten hauptsächlich wegen u n- befugten W a s s e n t r a g e n s, Schlägereien, Sann- treisüberschreitung und Richtbefolgung polizei- licher Anordnungen. In Anbetracht des Wahltages und der außergewöhnlichen Umstände Hot der Polizeipräsident ange- ordnet, daß die Eingelieferten ausnahmsweise bereits heute abend wieder entlassen werden sollen, und zwar so rechtzeitig, daß sie mit den letzten Zügen bzw. Straßenbahnen in ihre Wohnungen ge- langen können. Die Arbeitersamariterkolonne hatte gestern einen schweren Tag. In 1247 Fällen wurden Alte, Kranke. Gelähmte und sonstig« Hilfsbedürftige durch Mitglieder der Kolonne in die Wohllotale ge- leitet, wo sie ihr Abstimungsrecht wahrnahmen. Daneben wurden die fliegenden Wachen sonst noch in ungezählten Malen in Anspruch genommen. Mit einer Neibekeule erschlagen. Folgen eines verwandtenstreils. Zu einem folgenschweren Streit kam es gestern nachmittag in der Wohnung des 31 Jahre alten Arbeiters Georg Wöckner, Grünthaler Straße 32. Seit einiger Zeit wohnten bei Wöckner als Untermieter seine beiden Schwäger. Am Sonntagnachmittag, gegen 6 Uhr, kam Wöckner angetrunken nach Hause und forderte seine beiden Schwäger auf, sofort ihre Sachen zu packen und das Haus zu oerlassen. Die beiden Männer erklärten sich bereit, sich eine andere Unterkunft zu suchen, sträubten sich aber dagegen, das am Sonntagnachmittag zu tun. Jetzt wurde der Betrunkene wütend, ergriff eine Reibekeule und schlug damit aus seinen 24 Jahre alten Schwager Max Beyer ein. Dem jungen Mann gelang es. durch Vorhalten des Armes die Schläge abzuwehren und dem Wüten- den die Keule aus der Hand zu schlagen. Jetzt holte sich Wöckner ein Stück dicken Kabeldraht und erneuerte damit seine Angrisfe. Beyer wehrte sie zunächst wieder mit den Händen ab, jedoch ohne Erfolg. Als der Tobende gar nicht ablieh, ergriff er schließlich in der Notwehr die Reibekeule und oersetzte Wöckner einen Schlag auf den Kops. Er traf den Trunkenen so unglücklich, daß er tot zu Boden stürzte. Wöckner war Gewohnheitstrinker und miß- handelte, wenn er bezecht war, nicht nur seine Frau und sein Kind, sondern auch die Schwäger. Beyer, der sich selbst der Polizei gestellt hatte, wird heute wieder aus dem Gewahr- sam entlassen werden, da bereits einwandfrei festgestellt worden ist, daß er in Notwehr gehandelt hat. Jrifthe öauernfänger in Serlln. Ein amerikanischer Arzt al» Opfer. Der amerikanische Arzt Dr. med. Ernst R., ein Mitglied der amerikanischen Swdienkommission, die sich einige Tage in Berlin aus. hielt, ist von internationalen Bauernfängern schwer geschädigt worden. Dr. R. lernte in einem Hotel in der Mittelstraße einen Iren kennen, der in Berlin gut Bescheid wußte und an den sich der Ame- rikaner gern anschloß. Nach einigen Tagen stellte der Ire ihm einen Landsmann vor. Das vertrauenswürdige Wesen der beiden Iren knüpfte bald ein engeres Band zwischen den drei Männern. Bei einer Zusammenkunst ließ der eine Ire durchblicken, daß er 6000 0 Pfund gee rbt habe und der irischen Mission in Amerika davon 10 000 Pfund spenden wolle. Er suche nun einen ehrenhaften Mann, der dieses Geld nach Amerika überbringe und wolle dem Arzt das Geld, das er ihm in einem geschlossenen Umschlag übergab, bis zur nächsten Zusammenkunft anvertrauen. Als bei der verabredeten Zusammen- kunft der Arzt getreulich sein Kuvert zurückgab, eröffnete ihm der biedere Ire, er habe ihn nur aus die Probe stellen wollen und habe nunmehr keine Bedenken, ihm das Geld auch wirklich anzuvertrauen. Der Arzt, gerührt von dem großen Vertrauen, gab seinerseits den Iren einen Umschlag mit 100 amerikanischen Dollar» und 100 deut- schen Reichsmark sowie eine goldene Wolton-Uhr und einen Brillant- ring. Sobald die irische Mission ihm den Eingang des Geldes ge- meldet Hobe, sollten die anvertrauten Pfänder an den Arzt zurück- gesandt werden. Zu der vor der endgültigen Trennung vereinbarten Zusammenkunft erschien aber keiner der. Iren mehr. Der Arzt, der jetzt Verdacht schöpfte, öffnet« den Umschlag und stellte fest, daß er nur wertlose Papierbogen enthielt. Die Kriminal- polizei, der er Anzeige machte, legte ihm das Verbrecheralbum vor und es ergab sich nun, daß er internationalen Bauern- s ä n g e r n in die Hände gefallen war. Ohne Zweifel sind es sogar dieselben, die vor etwa 14 Tagen in Hamburg mit einem ähnlichen Trick 10 000 M. und einen zwei Karat großen Brillanten erbeuteten. hllnüeschau am kaiseröamm. Was sind wir Zweibeiner doch für armselige Bastard» im Der- gleich zu solch edlem Geblüt, das die AutoHalle I am Kaiser- dämm augenblicklich beherbergt. Jedes dieser vierbeinigen Pracht- exemplare— und da» sind sie durchweg— muß ja doch, um über- Haupt zur Konkurrenz zugelassen zu werden, einen weitest zu ver- folgenden Stammbaum erlauchter Ahnen aufweisen können. Wir finden da eine Hexi von Buchberg, einen Hektar von Waldesruh und wie sie alle heißen mögen. Das sind aber beileibe keine selbst- verliehenen Namen. Diese Adelsprädikat« sind Beziehungen des Stammschlosses— in der Hundezüchtersprache Zwinger genannt—, allwo die edlen Vollblüter das Licht der Welt erblickt haben. Auf der Ausstellung sind wohl sämtliche Hunderassen vertreten, die Beteili- gung ist ungemein, es sind über 1500 Meldungen. Beim Eintritt tönt einem eine Kakaphoni« in Reinkultur entgegen. Da» kleine Pintscherl im höchsten Diskant, der große Bruder im sonoren, um so tragsähigeren Organ. Natürlich gibt's auch bei den Biecherln Stoiker und Phlegmatiker. Der eine sieht still sinnend vor sich hin — man denkt, er muh ungeheure Probleme in seinem Hirn wälzen—, der andere polstert sein Köpfchen artig auf der Herrin Handtasche. Die Wohnräume der kleinen Ausstellungsteilnehmer find mit viel Liebe ausgestattet. Eine ganze Zucht bestrickender Maltheserhündchen haben Boudoir» in rosa, blau, heliotrop und gelb, anderen wieder hat man ihr Lager in einen wahren Blumenhain verwandelt. Vor den meisten Boxen sitzt Frauchen oder Herrchen, beruhigt den auf- geregten Liebling durch trauliche Zwiesprache und versucht, ihm die kleine Tortur— die es nun mal in seinen und vieler mit ihm Gleichgesinnter Augen ist— zu erleichtern. Außer der Hundeschau ist noch eine Ausstellung bekannter Tierporträtisten, eine tierärztliche Station, die gestern auch bei einem leicht gebissenen Mädchen inter- venieren mußte, vorhanden: einer geht umher und fertigt aus Knet- gummi ebenso rasch wie kunstgerecht Tierköpse, und noch vieles ist da, was dem Hundeliebhaber gefällt und interessiert. Unfall einer Tchupo-Motorstreife. An-der Straßenkreuzung Warschauer und Boxhagener Straße ereignete sich in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag etwa gegen >48 Uhr morgens ein schwerer Unfall, bei dem drei Polizei- b e a m t e des Ueberfallkommandos vom Polizeiamt Friedrichshain zum Teil erheblich verletzt/wurden. Die Beamten fuhren in schnellem Tempo aus einem Motorrad mit Beiwagen die War- schauer Straße hinauf. Beim Ausweichen vor einer Motax geriet da» eigene Kraftrad ins Schleudern und überschlug sich mehr- mals. Hierbei zog sich der Polizeiwachtmeister Walter Saar eine so schwere Schädelverletzung zu, daß an seinem Auskam- inen gezweifelt wird. Der Oberwachtmeister W i tz m a n n und der Wachtmeister Schultz erlitten Brüche und starke H a u t a b- i ch ü r s u n g e n. Die Verletzten wurden in da» Staatskrankenhaus übergeführt._ Peters Verteidigung im Spritweber-Prozeh. Am Sonnabend folgte die Rede des Verteidigers Dr. Joffe für den Angeklagten Peters Es war ein« Anklage gegen den Staat, dessen verfehltes Wirtschaftssystem ihn zum alleinigen Schuldigen stempelte, gegen die Finonzverwoltung, dessen Denunzianten, und Lockspitzeltum an rufsssche Zustände erinnere, gegen die Inflationszeit, in der Steuerschiebungen in ge- wissen Kreisen selbst al». patriotisch galten. Es bedeutete«inen Appell an das Mitgefühl der Richter einem Menschen gegenüber, der 36 Jahre treu dem Staate gedient habe. Es werde dem Peters sein zu großer Lebensaujwand zun, Vorwurf gemacht: als Sohn eines Kommerzienrats habe er auf Grund seiner kaufmännischen Veranlagung große Börsengewinne gemacht. Man lege ihm zur Last, daß er mit allen Spritschiebern vertraut gewesen sei; in Wirklichkeit habe er aber nur mit jmy Spritjchiettern Leziehuugen unterhalten, und zwar in der Hauptsache nur. um fein« Fachkenntnisse zu erweitern,— ähnlich wie Kriminalinspektor o. Treskow engste Beziehungen zu Homosexuellen unterhielt, Herr v. Manteuffel mit eleganten Falschspielern oerkehrte oder Kriminaloberinspektor Kunze Beziehungen zu Kupplerinnen unterhalte. Alle gegen Peters er- hoben«» Beschuldigungen beruhten allein aus Indizien. So wohl aus rechtlichen wie aus tatsächlichen Gründen sei er auf Staatskosten freizusprechen. Heut« beginnen die Plaidoyers der drei Verteidiger der Brüder ijermann und Heinrich Weber. Oer Naubmorü von Germersüorf. In den Annale« des Kriminalprozesses wird die heute im Land- gericht III zur Verhandlung stehende Tat eine der brutalsten bleiben. Zwei junge Menschen, der kaum 20jährige Arbeiter Kurt Gase und der 25jährige MaxLaaps sind angeklagt, an, 16. August 1!>25 in Germersdorf bei Oranienburg den 60jährigen Kolonialwaren- Händler Lohmeyer in der Absicht, ihn zu berauben, in der gräßlichsten Weise getötet zu haben. Beide sind mehrmals vorbestraft. Kurt Gose braucht« 80 Mark, um sein Motorrad einzulösen, dos er in Reparatur gegeben hatte. Er fordert« den Laaps auf, mit ihm den Kolonial- warenhändler Lohmeyer zu bestehlen, bei dem er früher einmal eine Brunnenreparatur ausgeführt hatte. Für den Fall, daß sie van Lohmeyer überrascht werden sollten, war verabredet worden, ihn mit einem Revolver, den Gose mitnehmen wollte, einzuschüchtern. In Wirklichkeit gewann man aber den Eindruck, daß die beiden nach dem Eindringen in den Laden direkt das Koinmen des L. ab- ?«wartet haben, über ihn hergefallen sind, und ihn zu Boden ge- hlagen haben. Bei der Vernehmung belasteten sich die Angeklagten gegenseitig. Die Darstellung ihres Lebenslaufes entrollt ein trau- riges Bild ihrer Jugend._ Schweres Bootsunglück auf der Dahme. Ein schweres Bootsunglück ereignete sich gestern nachmittag um ?13 Uhr auf der Dahme bei Köpenick. In der Nähe des Sportplatzes fuhren zwei Ruderboote mit solcher Gewalt aufein- ander, daß eines davon, in dem sich der 17jährige Seiler Sieg- fried Orbinger aus der Sedanstr. 56 in Weißensee befand, kenterte. O. stürzte ins Wasser und ging, ehe noch Hilfe zur Stelle war, unter. Reichswasserschutz wurde benachrichtigt, der die Unfall- stelle absuchte, den Verunglückten aber nur noch als Leiche bergen konnte. Jubiläumsfeier der Buchdrucker. Anläßlich seines 60jährigen Bestehens veranstaltete der Buch- druckerverbond am Sonntagvormittag im Großen Schauspielhaus eine eindrucksvolle Feier, die den Austakt zu dem heute beginnenden Verbandstag bildete. Vertreter hatten entsandt die graphischen Or- ganisationen des In- und Auslandes, der ADGB., der Buchdruckerei- besitzerverein sowie Behörden und Presse. Nach einem Prolog ehrte der Gauvorsitzende der Berliner Buchdrucker Braun die Jubilar« des Berliner Gaues und hieß alle Erschienenen herzlich willkommen. Die Festrede hielt der Verbandsvorsitzende Seitz. In großen Umrissen zeichnete der Redner ein Bild von der Entwicklung des Verbandes, dem es nach jahrelanger harter Arbeit vergönnt ist, als eine mustergültige Gewerkschaft sein 60jähriges Jubiläum zu feiern. Der Berliner Stadtoerordnetcnvorsteher Genosse Haß überbrachte die Glückwünsche der Stadt Berlin. Für den ADGB. und sür das Präsidium des Reichswirtschafrsrats wünschte Genosse Grahmann dem Buchdruckeroerband gleich einem Schiff freie, frohe und gute Fahrt für die Zukunft. Reichstagspräsident Genosse L ö b e fühlte sich als Mitglied des Buchdruckerverbandes, von dem er das Rüstzeug für seine jetzige Tätigkeit erhalten habe, verpflichtet, in herzlichen Worten Glückwunsch und Gruß zum Jubiläum zu entbieten: gleich- zeitig sür den Berliner Polizeipräsidenten. Besondere Freude er- weckte ein Telegramm von Professor Lujo Brentano. Mufika- lische Darbietungen des Berliner Sinfonieorchesters und Gesänge des Buchdruckergesangvereins„Typographia" sowie hinreißende Vor- träge de» Sprechchors für proletarische Feierstunden umrahmten die erhebende Feier.___ Große öffentliche Protestkundgebung zum Falle Vleier. Am Montag, den 21. Juni, abends'AS Uhr. findet in Charlottenburg, Knesebeckstraße 24. unmittelbar am Stadtbahnhos Savignyplatz. eine große öffentliche Kundgebung zu dem Thema: Kirche, Volks- cntscheid und Fall Bleier statt. Referenten sind: Frau Landtagsabgeordnete Schulrätin Dr. Hildegard Weg- s ch e i d e r. Genosse Adolf Grimme- Charlottenburg und Genosse Rudolf Jahn-Neukölln. Eintritt frei. Freie Aussprache. Republikaner, Freunde von Gerechtigkeit und Freiheit, er- scheint in Massen! Tretet schützend vor Pfarrer Bleier und bietet Trotz den Treibereien seiner schwarzweißroten Gegner. Eine neue Verhaftung zum Frankfurter Eisenbahnskandal. In dem bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt a. O. anhängigen Der- fahren wegen der bei dem Neubau des Bahnhofs Neu- B? n t s ch e n und dem Umbau des Bahnhofs Frank- furt a. O. vorgekommenen Unregelmäßigkeiten wurde vor einigen Tagen ein im Bureau des Frankfurter Betriebsamtes beschäftigter Beamter verhaftet. Mit dem Abschluß der Untersuchungen ist in einigen Monaten zu rechnen. Groß-berliner Partemachrichten. «erb«au»schuß der Post- und Telegraphendeamte» uad Anwärter. Morgen, Dienotag, den 22. Juni, abends S Uhr, in Kaoerlands Festsälen. Neue Friedrtihftr. Eingang Rochstr. Versammlung. Tagesordnung! Fort- seduna ADV.— DBB. und die Partei. Reserent: Hermann Wäger. Mit- gliedsbuch ist als Ausweis vorzuzeigen. nach Pichelswerdcr. 56. Adt„ Eharlottendnrg. Mittwoch, den 22. Juni, Ausflug 1 Treffpunkt pUnttlich 2 Uhr am Amtsgericht Charloltenburg. Sport. Rennen zu Ruhleben am Sonnlag. den 20. Zum. 1. Rennen. 1. Ocean Girl(I. Mills), 2. Kohlentänigin(B. Heckert), 3. Kaptt. Hallo lL. Weiß). Toto: 133:10. Platz: 30. 19. 32:10. Ferner liesey: Heitio, Slbdulah Silver, Kurgast, icknscatt jr., Weinminze, Manza- nares, Radtola, Cittan, Denkmünze. Harletin. 2. Rennen. 1. Henny Cord(I. Mills), 2. Antenne(S.Elia»), 3. Doreite(Ch. Mills). Toto: 20:10. Platz: 12, 12, 14:10. Ferver liefen: Die Puppe, Maltoser, Wichtclmann, Nation. 3. Renne». 1. Blaue Adria s.Höhne), 2. Kerrigan jr.(ZS. Mattern), 3. Stapellaus(F. Brandt). Toto: 87: 10. Platz: 23, 20, 28: 10. Ferner Uesen: Heiderosc, Benedict, Morgentau, Blaumeise, Jimiene, Ouera, Prinzeß Fortuna, Höhensonne, Wainsca, Fenelon. 4. Rennen. 1. Florian(Hm. Schlcuscner), 2. Johanniskäfer(Groß. mann), 3. Aberglaube(I. Mills). Toto: 64: 10. Platz: 24. 33. 18: 10. Ferner liefen: Interpellant, Königsadler, Barometer, Michelangelo, Natwe Fordes, Fels. S. R e n n e n. 1. Buchdrucker(Cd. Mills), 2. Copal(F. Schmidt), 3. Ebonit sP. Finn). Toto: 47:10. Platz: 21. 24. 26- 10. Ferner liescn: Handlest, Cadiar Zlrwoithh. Clro Walls, Jtluck, Diagonale, Nachssalter, gastier I., Sybill, Baron Arworlhy. 6. R e n n e n. 1. Ingrid Halle(B. Heckert). 2. Sphinx I lJauß jr.), 3. Sonntagsprinz iWeidner jr.). Toto: 91: 10. Platz: 19, 17, 20: 10. Ferner liesen: Arnsried, Weinbrand, Lucie Halle, Michael, Potsdam, Erija, Cofima, Ellen, Hojmeisterin, Stinolönigin. 7. Rennen. I. Karneval(I. Mills). Toto: 13: 10. Ferner liefen: Erdmann, Eolonel Bosworlh. 8. Rennen, l. Hellina(Fauß jr.). 2. Malmö(F. MillZ). 3. Frie- drichsd'or(G. Lautenberger). Toto: 21: 10. Platz: 12, 13, 19: 10. Ferner liesen: Goudstcr jr., Orientale, Florida, PinuS, Wintermärchen. Erispa, Dilemma, Kürassier. 9. R c n n e n. 1. Cotta(Hm. Schleusener), 2. Eoronna Mc. Kinneq l Schröder), 3 Altmart(Heckert). Toto: 43: 10. Platz: 21. 26. 17: 10. Ferner liesen: Fiametta, The Kitth, Tclla, Willy A. GewerMastsbewegung verbanüstag der öuchörucker. Erster Verhandlungstag. Um 10 Uhr vormittags eröffnete der 1. Vorsitzende Genosse e i tz den 13. Verbandstag de» Verbandes der deutschen Buch- drucker. Unter chinweis auf die gestrige Jubiläumsfeier erinnerte er daran, dah der diesmalige Vervandstag auch insofern ein Su- biläumstag fei, als es der 2 5. V e r b a n d s t a g ist, den der Ver- band der deutschen Buchdrucker im Laufe seines SUjährioen Bestehens seit dem Jahre 1865 abgehalten hat. Leider wird diese Stimmung angesichts der wirtschaftlichen Lage und der großen Arbeitslosigkeit nicht unwesentlich getrübt. Aber das wollen wir mit Befriedigung feststellen, daß die hinter uns liegenden 60 Jahre der Organisation uns und die gesamte Arbeiterschaft mit Stolz erfüllt. Der Verband zählt heute 80000 Mitglieder und ist einschließlich der Gauoorsteher durch 157 Kongreßteilnehmer oertreten. Der Der- bandstag tagt diesmal am Sitze des Verbandsvorstandes, fjat Berlin auch eine kritische Kollegenschaft, so hat sie doch der Organisation stets mustergültia die Treue gehalten. Berlin stellt allein ein Fünftel der Gesamtmitgliedschast dar. Seitz begrüßt den Ver- bandstag in Berlin, insbesondere den Herrn Oberbürgermeister Böß, den 2. Vorsitzenden des ADGB. Kollegen Graßmann, 10 Vertreter der ausländischen Bruderorganisationen und die Ver- treter der Verbände der deutschen graphischen Industrie. Nach Wohl verschiedener Kommissionen und der Ehrung der verstorbenen Mitglieder führt Oberbürgermeister Böß aus, daß es ihn mit Stolz erfülle, die älteste und bestgefügteste Arbeit- nehmerorganisation in der von ihm vertretenen«tadt Berlin be- grüßen zu können. Es freue ihn, daß es dem Verbände der Buch- drucker möglich gewesen ist, trotz aller Wirren seine Organisation 60 Jahre ausrechtzuerhalten. Berlin sei an den Buchdruckern inter- essiert, weil Berlin eine Stadl des Buchdrucks ist: er freue sich ober auch darüber, daß die Buchdrucker in jeder Beziehung eine abgeklärte'Auffassung vertreten. Er verwies auf die Kulturausgaben der Stadt Berlin und wünscht dem Verbandstog glückliche und ersprießliche Arbeit. Braun, der 1. Vorsitzende des Berliner Gaues, gibt seiner Freude Ausdruck, daß der Vcrbandstag nach 35 Iahren wieder einmal in Berlin abgehalten wird. Grundbacher- Bern, der Sekretär des Inter- nationalen Buchdruckersckrelariats, begrüßt den Verbandstag und stellt dem deutschen Verbände das Zeugnis einer vorbildlichen Organisation aus. Er übermittel�die Grüße der inter- nationalen Buchdrucker, insbesondere aber die Grüße der fran- zösischen Kollegenschaft, denen es infolge gegenwärtiger Kämpfe nicht möglich ist, eine Vertretung nach Deutschland zu cnt- senden. Der deutsche Verband sei die Stütze der Buchdruckcr-Jnternatio- nole und er hoffe, daß es so bleiben möge. Theunissens-Belgien begrüßt den Derbandstag im Namen der ausländischen Bruderorganisotionen und gibt der Hoff- nung Ausdruck, daß der Verband der deutschen Buchdrucker auch künftig seine führende Rolle in der internationalen Buchdrucker- bewegung beibehalten möge. Er dankt besonders für die materielle Unterstützung des deutschen Buchdrucker-Verbandes und überreicht als Zeichen sichtbaren Ausdrucks für seine brüderlichen Gefühle ein kunstvoll gefertigtes Schreibzeug. Haueisen begrüßt den Verbondstag im Namen der deutschen graphischen Verbände, wünscht dem Verbandstag ein Glück- auf und überreicht eine kunstvolle Mappe im Namen der von ihm vertretenen Verbände. Braßmann vom ADGB. übermittelt Grüße namens des Bundesvorstandes und des Vorläufigen Reichswirtschastsrats. Er wünscht, daß die Buchdrucker sich auch weiterhin ihre Nüchternheit in der Beurteilung wirtschaftlicher Fragen bewahren mögen. Nach Ver- lesung der verschiedenen Begrüßungstelegramme, unter denen auch der 9. Bezirk, Berlin, durch eine Adresse oertreten ist, tritt der Ver- bandstag in die Beratung der Tagesordnung ein. fchaften veranlaßt, bei dem preußischen Wohlfahrtsmini. fterium und dem Reichsarbeitsministerium auf eine rasche Neu- regelung und Verschärfung der Schutzbe st immun- gen für die Bauarbeiter zu dringen. Wie wir erfahren, sind die Arbeiten der Reichsarbeitsverwaltung zur Ausstellung einheitlicher Bestimmungen über den Bauarbeiterschutz für das ganze Reich so gut wie abgeschlossen, so daß nach der Auffassung des Reichsarbeits- Ministeriums der neue Richtlinienentwurf bald vorgelegt werden kann. Für Preußen will das Wohlfahrtsministerium eine Umfrage darüber vornehmen, wie weit die Städte und Gemeinden dem Erlaß des Wohlfahrtsministers vom 14. November 1925 nachgekommen sind. Dieser Erlaß weist die Baupolizeibehörden ausdrücklich auf ihre Pflicht hin, für die Beachtung der Schutzbestimmungen zu sorgen und durch Nachprüfung an Ort und Stelle festzu- stellen, daß die vorgeschriebenen Sicherheitsvorrichtungcn auch wirtlich bestehen. Die Behörden werden jetzt nochmals §pv.- Ns8lMnen§Ä»«§8er! Besadti morgen die Brandien Versammlung! Neuregelung öes öauarbeiterfchuhes. Die Häufung der Bauunfälke, die in der letzten Zeit wiederholt die Oeffentlichkeit beunruhigten, hat die Gewert- von dem Ministerium angewiesen, für die genaue Durch- f ü h r u n g der Sicherheitsvorschriften auf allen Baustellen zu sorgen. Da das Verbot des„Ueberdiehandmauerns" nur durch Polizei- Verordnung eingeführt werden kann und in verschiedenen Regierung?- bezirken infolge der ablehnenden Haltung der Bezirksausschüsse noch nicht durchgeführt ist, werden die Regierungspräsidenten ersucht, sich mit den Bezirksausschüssen wegen des Erlasses entsprechender Polizei- Verordnungen in Verbindung zu setzen. Ebenso wird das Mini- fterium darauf dringen, daß besonders in den größeren Betrieben die Baupolizei von sich aus mit den Betriebsoer- t r e t u n g e n, die die Baupolizei- und Gewerbeoufsichtsbeamten in der Bekämpfung der Gesundheits- und Unfallgefahren zu unterstützen haben, Fühlung nehmen._ Wortbrüchige Unternehmer an der Lberspree. Vom Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cofc-Ange- stellten wird uns geschrieben: Das Verhalten der Gastwirte an der Obcrspree, insbesondere am«Langen See*, den Arbeitslosen im Gastwirtsgewerbe gegen- über, die Sabotage des öffentlichen Arbeitsnachweises zwingt uns, den Beamten, Angestellten und Arbeitern vor Augen zu führen, wie diese Arbeitgeber auf Kosten der gastwirtschastlichcn Angestellten ihr Schäfchen ins Trockene bringen. Ein ganz besonders vorbildlicher Herr auf diesem Gebiet ist der Gastwirt Fröhlich— ehemaliger Oekonom der Genossen- schaft-brauerei in Fricdrichshagen—, jetzt auf Neu-Helgoland bei Rahnsdorf. Zu verschiedenen Malen haben Vertreter unserer Or- ganisation mit diesem Herrn verhandelt und die Zusage erhalten, von nun an den öffentlichen Arbeitsnachweis sowie die Organisation an- uerkennen. Aber das Gegenteil von diesem Versprechen führt ' exr Fröhlich durch. Er bezieht seine Leute von dem sogenannten Dreidutzcnd-Männerklub" mit 6 angeblichen Telephonnummern, genannt Intercssenverbond, mit dem Gernegroß Gastwirt T h e u e r> kauf aus der Marfiliusstroße an der Spitze. � Ganz ähnlich liegen die Fälle im„R ü b c z a h l a m M ü g tz e l- f e e*. Dort wird nicht ein einziger Arbeitsloser aus dem Gastwirts- gewerde beschäftigt, sondern durchweg Andersberufliche, die in der Woche in der Fabrik in Köpenick und anderswo ihren Verdienst haben. Wieder andere Inhaber bestellen ihre Kellner bei Winkel- vereinen, so auch der Inhaber S t i b b e von Vogts Krampen- bürg, der sich in den Monaten Januar und Februar tagelang im Gewerkschaitshaus ausgehalten hat, um die dortigen Gewerkschaften zum Abschluß von Dampferpartien nach Krampenburg zu bewegen. Er versprach, in jeder Weise den Arbeitsnachweis und die Otgani- fation anzuerkennen. Das Gegenteil ist der Fall. Angestellte, Arbeiter und Beamte! Wie lange sollen die Gegner der Arbeiterschaft sich noch darüber amüsiereit, daß wir ihnen unser Geld bringen? Wir ersuchen euch, immer und zu jeder Gelegenheit von den bedienenden Kellnern den Ausweis unserer Or- ganisation zu verlangen. Laßt euch nicht mit Ausreden, sie hätten die Bücher nicht bei sich, abspeisen, solche Leute sind genau wie der Unternehmer, Gegner unserer Organisation. Dies fei für £ heute nur eine kleine Auslese. Zu Auskünften sst unsere Organi- fation durch ihr Bureau, Elsasser Straße 86/88, Telephon Norden 1813 und 804, gern bereit. vie Internationale firbeitskonferenz. Genf, 20. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Arbeitskonferenz genehmigte am Sonnabend auf einstimmigen Antrag-der Mandats- Prüfungskommission das Mandat des englischen Arbeiteroer- ireters, Genossen P u g h, und ebenso das Mandat des belgischen Genossen M a h l m a n n. Gegen beide Mandate war vom englischen bzw. Antwerpcncr Seeleutcvcrband Einspruch erhoben worden. Am Nachmittag wurde nach längerer teilweise recht stürmischer Ausein- andersctzung das Mandat des faschistischen„A.r b c i t c r- Vertreters* R o s f o n i mit 67 gegen 24 Stimmen für gültig erklärt. Der Kommissionsbericht über einen Gesetzentwurf zur Auffiel- lung allgemeiner Grundsätze für die Aufsicht zur See, den Ministerialrat N e i tz e l erstattete, wurde nach kurzer Aussprache mit 67 gegen 14 Stimmen gutgeheißen. Erklärungen der englischen Bergarbeiterführer. London, 20. Juni.(EP.) Cook erklärte gestern in einer Berg- arbeiterversammlung, es bedeute eine Beleidigung der Bergarbeiter, wenn man sie zu einer Versammlug einlade, um die jüngsten Vor- schlüge des Premierministers zu diskutieren. Wenn die Bergarbeiter eine längere Arbeitszeit haben wollten, müßten sie sich einen neuen Generalsekretär und einen neuen Vorsitzenden wählen.— Der Vorsitzende, der Grubenarbeiter, Herbert Smith, erklärte, er werde niemals seine Unterschrift unter ein Schriftstück setzen, durch das der Achtstundentag wieder eingeführt werde. Die Arbeitslofenzifser in Oesterreich ist in der ersten IuniHölfte wieder zurückgegangen. Die Gesamtzahl der unterstützten Erwerbs- losen in Oesterreich betrug am 15- Juni 139 768 gegen 226 000 unter- stützten Erwerbslosen Mitte Februar. In der nächsten Zeit wird allerdings, wenn»überhaupt, nur noch ein sehr langsamer Rückgang der Arbeitslosigkeit in Oesterreich.zu verzeichnen sein. Zimmerer! Morgen. Dienstag, abend 7 Uhr. im Rosentaler Hof, Rolentaler Straße ll/l2. Veriammlunq aller bei der Firma Eide&. Ludwig beschäftigten Zimmerer. Das Antreibewesen�b« der Firma. Kameraden, es ist unbedingt er- jorderiich. restlos an dieser Versammlung teihmnehmen! Zeutrawcrband der Zimmerer. Zahlstelle Berlin Verantwortlich sitr Politik: Ernst Reutrr: Wirtschaft:«rtnr Saternu«: Scwerischaftsbcwcgung: z. Steiner; Feuilleton:«. s. Döschcr; Lokales und Sonstiges: Fri» Karstadt: Anaeiaen: Td. Sloeke: sämtlich in Berlin. Berlaa: Votwärls-Berlaa G.m.b.H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerci und Verlaasonltalt Paul Einacr u. Co., Berlin SW 68. Lindcnltraße 3. i)ßS Die vornehme 6 Pfg. Zigarette Me rassig pikant ist sie gestattet«eich magischen Duft- sie stets«Gütet! Orlent.-Tob.uO'gart.-fabr.yenldie frrh.h.tf/ÜlW&r» tzötn.Konigjoerg ifoSeifhennersdaiiiSa ?umpou"" Gardinen! Künstler- 1 NN Gardinen.. l.'U Madras- 1_ Gardinen.. 4. Stores.... Bettdecken l_ 1 detiig.. 4. Bettdecken 0_ 2bettig. U. SMi.-üiriliienwukst. Neukölln, Bergstr. 67 arti Rinrbahnhol Kalo Laden! Lebensianglldie Garantie leiste ich als Selbsthersteller auf die bei mir gekaukten Trauringe Preisliste gratis! 13. Eidsrlettkise b Pfd. 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