ngttt<»43. fohrg. Musgabe A Nr. 149 «ezugSpreiS: «S-be-tN» 10 Pkenni«.«-»-M» t,— ReiiiMN-rk voraus»adlbar. Unter ktreuiiband tltr Deuilckland. vanzi«, Saar- und Remelaebiet. Oesterreich. Litauen. Luiembur« «,A> Reichsmark, für das tibri«« «usland d�0 Reichsmark»r» Monat. ver.Rorrrarts* mit der Sonntaa» beilag«.Volk und Keit' mit.Sied- lun« und Kleinaarten' sowie der veilaae.Untrrbaltun« und Vilsen' und israuenbeilage„lfrauenftinmie' erscheint wochentSalich«weimal. Eonnto«» und Montag» einmal. Telegramm-MreH« »Geiwldewekrat«erti»' Morgenausgabe Verliner VotKsvlskt (�10 Pfennig) Anzeii, envreisc: SU tzinsvalttg« RomumeM«, leite 80 Psenni«. Reklame, eil« B.— Reichsmark.„Kleine«n, einen' das fettaedruckte Wort ZS Pfenni« (,uläfrm ,wc> fettaedruckte Worte». jedes weiter« Wort 12 Pfennig. Stellen aekuch« das erü« Wort lB Pfennin, fedes weitere Wort 10 Pfennia. Worte über tB Buch- ltaben»Lblen für»wei Worte. Arbeitsmarkt Keile 80 Pfennig. Samilienon, eigen für Abonnent«» Lette 40 Pfennig. Aniefgen für die nüchst« Nummex müssen bis Ubr nachmittags im vauotgeschäft, Berlin EWBS.Linden- ftroii« 8, abgegeben werten. T«öffnet von 8H Ubr früb bis ö Ubr nach«. �endralorgan der Sozialdcmokratifcben parte! Deirtfchlands Vonvärts-Verlag G.m.b.H.. Serlin EW. b8, Linüenstr.3 NeSaktion unü Verlag: Serlin SW. öS, �inüenstraße Z Ferasprecher: Dönhoff 2SS— SV7. Durchpeitjchung öer Jürstenvorlage? Die Sozialdemokratie fordert Verbesserungen. Nach einer Meldung eines als offiziös geltenden Noch- richtenbureaus sollen die Führer der Regierungsparteien, des Zentrums, der Demokraten, der Bayerischen und der Deut- schen Bolkspartei gestern einmütig beschlossen Haben, alle Aenderungsanträge zur Regierungsvorlage über die Fürsten- vermögen abzulehnen. Wir können trotz der bestimmten Form, in der diese Nachricht auftritt, nicht glauben, daß es sich um einen form- lichen Beschluß gehandelt hat. Es wird wohl bloß ein Wunsch gewesen sein. Für die Regierungsparteien wäre es natürlich das angenehmste, wenn die Regierungsvorlage unverändert angenonnnen werden könnte. Ob das möglich ist, hängt nicht von ihnen allein ab. Die sozialdemokra- tische Fraktion jedenfalls hat keinen Zweifel daran ge- lassen, daß sie sich vorbehält, Verbesserungsanträge zu stellen und daß sie sich weiter vorbehält, zu dem Entwurf in der Gestalt, die er schließlich bekommen wird, endgültig Stellung zu nehmen. Die Mitarbeit der Sozialdemokratie an dem Gesetz ist um so dringender notwendig, als sein Verfassung s- ändernder Charakter feststeht, seine Annahme also nur mit Zweidrittelmehrheit bei Anwesenheit von mindestens zwei Dritteln aller Abgeordneten erfolgen kann. Auf das Hokuspokusspiel mit dem Zylinder, den man über eine Re- gierungsvorlage legt, um sie abwechselnd für versassungs- ändernd und für nicht verfassungsändernd zu erklären, hat die Regierung wohlweislich verzichtet. Die Aufbringung einer Zweidrittelmehrheit mit der Sozialdemokratie ist schon nicht leicht, sie ist ohne sie von vornherein ausgeschlossen. Das ist— schon rein parlamentarisch gesehen— nicht die Situation, in der man eine große zur Mehrheit unentbehrliche Partei nach der Methode„Friß Vogel oder stirb!" behandeln kann. Noch weniger empfiehlt sich nach der außerparlamentari- schen Situation eine solche Behandlungsmethode. Wollen die Regierungsparteien etwa mit der Plattform der Regie- rungsvorlage in einen Wahlkampf gehen gegen die Sozialdemokratie? Oder wollen sie nach einem etwaigen Scheitern der Vorlage im Reichstag die Dinge auf sich beruhen lassen, und wollen sie dann oersuchen, der Sozial- demokratie die Schuld daran auszudürden, daß nichts ge- worden ist? Die Sozialdemokratie könnte demgegenüber mit dem besten Gewissen der Welt versichern, daß sie durchaus bereit gewesen sei, an der gesetzlichen Regelung sachlich mitzu- arbeiten, daß sie ober durch das brüske diktatorische Verhalten der Regierungsparteien daran gehindert worden sei! Die Regierungsparteien stehen also vor der Entscheidung, ob sie der Sozialdemokratie den Weg zur sachlichen Mitarbeit öffnen oder verschließen wollen. Daß von dieser Enffcheidung für sie selbst und ganz Deuffchland allerlei abhängt, braucht nicht erst gesagt zu werden. ' Eine Kundgebung der Zentrumsfraktion. Nicht vereinbar mit der oben besprochenen Meldung ist folgende von der Zentrumsfraktion einmütig erlassene Kund- gebung- »Durch den Doltsenffcheid ist die entschädigungslose Enteignung des gesamten Eigentums der ehemaligen Herrscherhäuser abgelchnt worden. Auch nach de>n Volksentscheid hält die Z-ntrumsfraktion des Reichstags an der Ueberzeugung fest, daß die vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen Fürstenhaus und Land die der- zeit wichtigste Frage bleibt. Im Hinbllik auf die notwendige Beruhigung des innerpolitischen Lebens und des gestörten Rechts- empfindens im Volke erträgt die gesetzgeberische Lösung der Aus- einandersetzung keinen Aufschub mehr. Noch vor dem Zusammentritt des Reichstagsplenums hat die Zentrumsfraktion in einer besonderen Sitzung zu dieser Frage Stellung genommen. Es wurde einstimmig beschlossen, den Vorstand der Fraktion zu beaustragen, mit allen parlamentarischen Mitteln aus die schleunigste Verabschiedung des vorliegenden Regierungs- entwurss hinzuwirken. Dabei darf unter keinen Uinständen die in der Sitzung vom tll. Juni 1926 durch den stellvertretenden Vorsitzenden der Fraktion namens und im Auftrage der Regierungsparteien abgegebene Erklärung abgeschwächt werden. Diese Erklärung legt folgendes fest: »Das Gesetz wird den Fürsten nur da« vermögen belassen,' weiche» sie als unzwelselhasle» Privoleigentum erworben haben. Den Folgen des verlorenen Krieges, der Verarmung de» Volke» und der gesamten Vermögenslage der Fürsten wird ausreicheod Rechnung getragen. Den Länoern soll zugeteilt werden, worans sie au» Gründen der Kultur oder der volks- gejundheit Anspruch haben. Den Fürsten wird keine bessere Auswertung zuteil al» anderen Staatsbürger u." Die Zentrumsfraktton steht zu dem gegebenen Wort. Der Vorstand wurde bevollmächtigt, zur Erreichung diese» Zieles ersorderlichenfalls alle politischen Folgerungen zu ziehen." Wollen die Rrg'erungsparteien zu ihrem Wort stehen, dann ist durch ihre eigene Erklärung ein Weg gezeigt, auf dem immerhin noch erhebliche Derbesserungen der Regierungs- vorläge möglich sind. Andernfalls setzen sie sich ab�r Gefahr aus, von ihren bisherigen Anhängern bei ihrem Wort g e- nommen zu werden. « Der Reichskanzler hatte gestern abend mit dem Grafen W e st a r p, dem Genossen Hermann Müller und dem Herrn Drewitz von der Wirtschaftlichen Vereinigung Be- sprechungen über die Behandlung der Fürstenvovlage im Reichstag. Die Deuffchnationale Partei, die Deutsche und die Baye- rische Volkspartei hatten gestern Fraktionssitzungen. Die Deutschnationalen verhalten sich abwartend, die beiden anderen Parteien dringen auf rasche Erledigung. Wie weit sie V e r- besserungsvorschlägen zugänglich sind, steht dahin. * Der Rechtsausschuß des Reichstags wird sich heute vormittag zunächst nochmals mit dem völkischen Antrag auf völligen Aufhebung der Republikschutzgesetze befassen, der vom Plenum an ihn zurückverwiesen ist. Als zweiter Punkt steht die F ü r st e n v o r l a g e aus der Tagesordnung. Gegen öen Srotwucher! Sozialdemokratische Interpellation im Reichstag. Die Sozialdemokratische Fraktion hat im Reichstag fol- gende Interpellation eingebracht: Am 1. August findet nach dem Zolltarifgesetz die bisher geltende Regelung der Lebensmittelzölle ihr Ende. In dem dem Reichstag vorliegenden s ch w c» d»schen Handelsvertrag sind Lebcnsmit- t c l z ö l l e eingesetzt, die sehr erheblich ü b e r die bis- hcrigcn hinausgehen und die, wenn der Vertrag in Llrast träte» eine außerordentliche Verteuerung der gesamten Lebenshaltung der brei- t c n Masse« bewirken wurde«. Wir fragen deshalb: Ist die Reichsrcgierung bereit, über die Grundlagen ihrer Handelspolitik dem Reichstag Auskunft zu geben, insbesondere dar- über, ob eine Vcrlänqcrungdcrbishcrigcn LcbcnSmittelzölle über den 1. August hinaus von ihr beabstchtigt ist? Durch den Handelsvertrag mit Schweden sollen bekannt- lich folgende Zollsätze eingeführt werden: Für Roggen.... 6.— M. statt bisher Z.— M. Weizen.... 6.50,,, 3.50„ Braugerste... 5.—,,» 3.—, Futtergerste.. 5.—... l.—. Für Schweden bedeuten diese Sätze so gut wie nichts, da Schweden selber Getrcidczuschußland ist. Für Deutschland hie Emfichruog fm Zoll&£ gerste sogar verfünffachter Einfuhrzölle! Das ist angesichts der gegebenen Verhältnisse geradezu ein Attentat auf die ganze Wirtschaft, insbesondere auch auf die Viehzucht trei- bende vBauernschaft zugunsten der Großagrarier. Der Zweck der sozialdemokratischen Interpellation ist, diesen Anschlag zu verhindern. Im übrigen scheinen die Par- teien, die für solche Maßnahmen eintreten, der Meinung zu sein, daß sie— auch nach dem Volksentscheid— noch viel zu viel Wähler haben. Ihnen kann geholfen werden? Warnung für Monarchisten. Londoner Auslegung des Volksentscheids. kondon. 2t. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der konservative „Standard" schreibt zu dem Aussall des Volksentscheids: die Tat- sache. daß tS Millionen Stimmen für die Enteignung abgegeben worden seien, genüge, um besondere Freudenausbrüche im Lager der Monarchisten zu oerhindern. Der Ausgang des Volksentscheids zeige, daß die Verachtung, die so viele Deutsche gegen die Hohenzollern hegten, sich im Laufe der Jahre nicht ab- geschwächt habe. Der liberale„Star" schreibt in einem Leit- attikel„Warnung an D o o r n", das Ergebnis sei für Wilhelm und seine Freunde nicht allzu' beruhigend. Sie behielten zwar nunmehr Besitztümer, die so groß seien wie englische Gras- schaften(d. h. Regierungsbezirke), aber sie hätten eine be- unruhigend große Minderheit gegen sich. Der Volks» entscheid habe gezeigt, daß die I n d u st r i e b e z i r k e in über- waltigendem Maße gegen di« früheren Herrscher und tllll Silk Se£tt4U{ ium, »oftfdKckfonto: Berlin 37 531— BanNente: Bant der Arbeiter, A»nestelt»» »»d Beamten, Waöftr. Sil Tletenta-Selellichaft. Deeesttenlasl« tlndenstr. 3. Lehren öes Volksentscheids. ' Terror auf dem Lande.— Z«sammenbr«ch der Zentrnmsparole. Das Ergebnis des Volksentscheids— 14 441 590 Ja- Stünmen— bleibt um 555 Mill. Stimmen hinter der gewalti» gen Zahl von 20 Mill. Stimmen zurück, die die Verfassung für die Annahme eines verfassungsändernden Gesetzes durch den Volksentscheid vorschreibt. Trotzdem stellt dies Ergebnis eine gewaltige Kundgebung einheitlichen Volkswillens dar. Die statistische Ueberprüfung der Ergebnisse in den einzelnen Reichstogswahltreisen sowie der Vergleich mit den Ergeb- nissen der Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924 gibt wesent» liche Anhaltspunkte zur polittschen Bewertung des Ergebnisses. Es sind drei Gesichtspunkte, die bei einrr Ueberprüfung des Ergebnisses zunächst ins Auge fallen. Erstens: der Volks- entscheid war eine große allgemeine Volksbewegung, die sich nicht nur auf die Angehörigen der Parteien beschränkte, die ihn eingeleitet haben. Zweitens: der Terror der Reaktion hat einen schaffen Gegensatz zwischen vorwiegend städttschen und industriellen Wahlkreisen und vorwiegend ländlichen Wahlkreisen hervorgerufen. Drittens: die politische Parole der Zentrumspartei und die Aufforderung der Bischöfe ist von einem großen Teil der Zentrumswähler nicht befolgt worden. Zunächst das erste. �Vei der Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924 erhielten Sozialdemokraten, Kommunisten und Unabhängige Sozialdemokraten zusammen 10 688 974 Stimmen. Beim Volksentscheid wurden 14 441 590 Ja-Stim- men abgegeben, oder 140 Proz. dieser Stimmeuzahl vom 7. Dezember. Es haben 3 752 624 bürgerliche Wähler beim Volksentscheid mit Ja gestimmt. Zum zweiten. Als extreme Ergebnisse stehen einander gegenüber die Resultate aus Berlin, Potsdam II, Hamburg und Leipzig einerseits, aus Ostpreußen, Pommern, Ober- bayern und Niederbayern andererseits.(Eine Uebersicht über die Ergebnisse aus dem Reiche in Tabellenform finden unsere Leser aus der dritten Seite dieses Blattes.) In den vier großstädtischen Wahlkreisen haben mehr als die Hälfte aller Stimmberechtigten mit Ja gestimmt. In Berlin 66 Proz., Potsdam II 54,4 Proz., Hamburg 52,5 Proz. und Leipzig 51,9 Proz. Ganz anders in den vorwiegend ländlichen Kreisen. Es stimmten mit Ja in Ostpreußen 20,3 Proz., in Pommern 21,8 Proz., in Oberbayern- Schwaben 20,6 Proz. und in Niederbayern-Ober- p f/i kz 12,5 Proz. aller Stimmberechtigten. Das ist die Folge des Terrors, der in den ländlichen Gebieten mit allen Mitteln ausgeübt werden konnte. Zwar ist auch in diesen vier Wahlkreisen die Zahl der Ia-Stimmen gegenüber den Einzeichnungen zum Volksbegehren erheblich gestiegen, em anderer Vergleich läßt jedoch auf die Wirksam- keit des Terrors gerade in den ländlichen Wahlkreisen schlie- ßen. In O st preußen und in Pommern, den Kreisen, in denen die Domäne der Großgrundbesitzer ist, bleibt die Zahl der Ia-Stimmen noch zurück hinter der Zahl der Stimmen, die bei der Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924 für Sozialdemokraten, Kommunisten ünd Unabhängige ab- gegeben worden ist: Stimmenzahl am 7. Dez. Ia-Stimmen Ostpreußen.... 291079 263902 Pommern.... 276 187 269 454 Unter dem Druck des Terrors sind hier nicht einmal alle Wähler zum Volksentscheid gegangen, die sonst für die drei Parteien gestimmt haben, die sich vornehmlich auf die Arbeiterschaft stützen. Wieviele bürgerliche Wähler mögen die Volksentscheidsbewegung hier mit heimlicher Sympathie begleitet haben! Wie würde das Ergebnis gewesen sein» wenn es sich wirtlich um eine geheime Volksabstimmung gehandelt hätte, nicht um eine durch den Terror öffentlich gemachte Wahlhandlung! � Das dritte ist die Stellung der Zentrumswähler zu der Parole des Zentrums und der Aufforderung der Bischöfe. Wir geben im folgenden eine Tabelle über fünf Wahlkreise, die Zentrumshochburgen sind. Spalte 1 enthält die Zahl der Stimmen, die am 7. Dezember auf Sozialdemokraten, KoM- munisten und Unabhängige entfiel, Spalte 2 die Zahl der Eintragungen zum Volksbegehren, Spalte 3 die Zahl der Ja- Stimmen beim Volksentscheid. 7. Dezember Volksbegehren Ja-Slimmen Westfalen-Süd. Köln-Aachen Coblenz-Trier. Düsseldors-Ost. Düsseldorf-West 483 603 223 091 82 580 370 321 206 400 1 365 695 586 212 368 865 119 056 580 740 261 500 727 471 46« 172 134 994 584 472 359 836 1 851 373 2 272 945 Es haben also beim Volksentscheid 906 950 Wähler mehr mit Ja gestimmt, als am 7. Dezember für Sozialdemokraten, Kommunisten und Unabhängige stimmten. Von diesen 900 000 Wählern besteht der größte Teil aus Zentrums- arbeitern, die sich gegen die Haltung ihrer Partei zur Fürsten- frrtfle 4>*rtnÄrrpn. Amiirh�n Üviif imh. lag das scharfe Verbot der Zentrumsparteileitung, mit Ja zu stimmen, die Durchführung von Disziplinarverfahren gegen Anhänger des Volksentscheids in der Zentrumspartei, lag der autoritative Befehl der Bischöfe, nicht mit Ja zu stimmen. Trotzdem haben in diesen fünf Wahlkreisen noch 421 572 Wähler mehr mit Ja gestimmt, als sich beim Volks- begehren eingezeichnet hatten. Das Ergebnis zeigt, daß die Zentrumsarbeiter- schaftsichinoffenerAuflehnung gegen ihre Parteileitung befindet. Es zeigt aber auch, daß die Bischöfe mit ihrem Eingreifen gegen den Volksentscheid ihre Autorität selbst auf das schwerste erschüttert haben. Sehr deutlich lehrt das das Ergebnis in Köln- Stadt und im Kreise Köln-Aachen. Zehntausende von christlichen Arbeitern sind über älle Parolen der Zen- trumsleitung hinmeggeschritten und haben mit„Ja" gestimmt. Wer des Beweises dafür noch bedarf, der halte sich vor Augen, daß das Zentrum bei der letzten Reichstagswahl am 7. Dezember 1924 in Käln-Stadt 98 549 Stimmen erhielt, der Volksentscheid aber 189 681 Jastimmen aufbrachte, während die Sozialdemokraten und Kommunisten 1924 nur 89 892 Stimmen zusammen auf sich vereinigten. Das in Köln, dem Sitz eines Kardinal-Erzbischofsl Woher diese 196 006 Stimmen kommen? Gewiß zum wenigsten aus den Schichten des Kleinbürgertums» denen eine verlogene Agitation„Gefahr für den letzten Notgroschen, für die letzte Kuh" vortäuschte. Arbeitende Katholiken sind in Massen zum Volksentscheid gegangen. Auch im Kreise Köln- Aachen das gleiche Bild: Im Dezember 1924 erhielten Sozial- demokraten und Kommunisten 223 696 Stimmen, für das „Ja" beim Volksentscheid aber stimmten nicht weniger als 466 172 Männer und Frauen. Unter ihnen waren viele, viele Gläubige, die kein Bischof von dem Schritt zurückhalten konnte, den sie für recht erkannt haben. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Zum Schluß nock einen Hinweis zur Würdigung des Gesamtergebnisses. 14 441 596 Stimmen entsprechen 246 Reichstagsmandaten. Eine ernste Mahnung an die bürgerlichen Parteien! Der Sinn öer Abstimmung. K Tie Rechte hat ihn verstanden. � Den lügenhasten Ausmachungen der gestrigen Morgen- blätter der Recht sporteien über die angebliche„rote Nieder- lager" ist der Katzenjammer sehr baid aus dem Fuß gefolgt. Alle Aeuherungen der gesamten Rechtspresie zeigen, daß man den Sinn der Abstimmung beim Volksentscheid sehr wotjl verstanden hat. Man begreift, daß die Mehrheit des Voltes in Wirtlichkeit hinter der Linken steht, daß von Sympathien für feie Monarchie überhaupt keine Red« mehr sein kann, und daß die Hoffnungen auf einen Rechtskurs endgültig begraben werden müssen. Das geht mit aller Deutlichkeit aus jeder Zeile der gestrigen Abendblätter hervor. So schreibt z. B. G r a f Westarp in der„Kreuzzeitung": .Der äußere Mißerfolg soll uns über die ernste Bedeu» tung der abgegebenen 14,5 Millionen Stimmen nicht täuschen. Es ist nicht erreicht worden, einen Teil der 12,5 Millionen, die das Volksbegehren unterschrieben hatten, zurBesinnungzu bringen. Im Gegenteil, die Zahl derer, die sich dem kommunistischen Verlangen aus dem bürgerlichen Lager seit der letzten Reichstagswahl ange- schlössen haben, ist auf 4 Millionen gewachsen. Am schwersten ist da» Zentrum und die katholische Kirche betroffen, deren Mahnungen augenscheinlich von einem überaus großen Teil ihrer Anhänger mißachtet worden sind. Da» Zentrum steht vor einem Wendepunkt seiner Geschichte: behält es seinen Link». kurs bei und wagt es weiter, nicht gegen den Strom der radi- kalen, glaubenslosen Bewegung zu schwimmen, so wird e» den letzten Einfluß auf die Voltsmassen verlieren, die dann erst recht in das ganz radikale Lager übergehen werden." Die.Lreuzzeitung": „Und trotzdem haben wir so wenig Grund von einem durchschlagenden Erfolg zu reden, wie die Linke. Der Einbruch in die bürgerlichen Wählermassen ist den Marxisten dank der Haltung der Demokraten in noch stärkerem Maße als bei dem Volksbegehren gelungen." Der„L o k a l- A n z e bg e r": „Von einer Jubel st immung aber über die Niederlage der Linken wissen sich die Rechtsparteien vollkommen frei. Denn nichts kann ihnen ferner liegen, als das Gewicht der 14 bis 15 Millionen Stimmen, die gestern für den ersten Einbruch in da» auch von der Weimarer Verfassung für unverletzlich erklärte Gebiet des Privateigentum« abgegeben wurden, zu oer- kennen oder gar geflissentlich herabsetzen zu wollen." Die„Deutsche Zei tun g": „Aber auch rein zahlenmäßig betrachtet, gibt der Ausgang des Scnntog» den anständigen Deutschen keinen Anlaß zur Freude. Von rund 39 Millionen Stimmberechtigten haben 14!4 Millionen mit Ja gestimmt: das sind zwar weit weniger als die Hälfte oller Stimmberechtigten, aber doch etwa 2 Millionen mehr, als beim Volksbegehren auf die Beine gebracht werden konnten. Bedenkt man weiter, daß es ja niemals gelingt, sämt- liche Stimmberechtigten an die Urne zu bringen, so erscheint der Er- folg noch größer. Ueberall in der deutschen Republik haben die Ja-Stimmcn gegenüber den beim Volksbegehr abgegebenen zu» genommen, mit einer einzigen Ausnahme, falls die Zahlen nicht noch berichtigt werden: Im Wahlkreis Chemnitz-Zwickau sind rund 16 966 Ja-Stimmen weniger abgegeben. Dresden-Bautzen hat nur eine verhältnismäßige geringe Zunahm« aufzuweisen, rund 6666. Am schlimmsten sieht es, wie vorauszusehen, im Wasserkops Berlin au», in desien inneren Stadteilen rund%, während in Groß-Berlin über die Hälfte oller Berechtigten mit Ja gestimmt haben. Die„G e r m a n i a" gibt zu, daß auch Zentrumsrvästler in Massen der Parole ihrer Partei nicht gefolgt stni>._ Sie glaubt, daß man die Bedeutung dieser Tatsache nicht über- schätzen solle, aber sie meint doch: Aber der gestrige Tag war doch ein Barometer für die Stimmung im Volke. Wenn sich rund die Hälfte der politisch interessierten Wählerschast für eine so radikale Lösung ausspricht, so ist da» eine deutliche War- n u n g an die zuständigen Instanzen des deutschen Reiches. Auch die etwa eine Million ungültigen und Nein-Stimmen müssen besonders gewertet werden. Diese Wähler, die hauptsächlich aus der Reihe des Zentrum» und der Demokraten stammen dürften, haben zum Ausdruck gebracht, daß sie die radikale Lösung ablehnen, aber sie haben sich auch von den st ritte Stimment- Haltung proklamierenden Rechtsparteien dt st an- zjert. Es ist also«in sehr beträchtlicher Bruchteil der deutschen Wählerschast, der seiner Miß st immung über die bisherige Be- Handlung der Fürstensrage Ausdruck gegeben hat. Um diese Kund- gebung des Mißtrauens und des Unmutes hat es sich gestern bei den meisten Ja-Sagern gehandelt, nicht um Vorbereitungen zu neuen Revolutionen oder zur Bolschewisierung Deutschlands, wie die Rechtspresse ihren Lesern weismachen wollte. Die Gegner haben also verstanden, was das Ergebnis der Abstimmung vom Sonntag politisch bedeutet. Ob der Reichstag frellich in seiner Mehrheit bereit ist, solche Ein- ficht in politische Taten umzusetzen, um dem Volkswillen Rechnung zu tragen, das ist eine ganz andere Frage. Man wird auch das bald sehen. Die 14� Millionen Ja-Stimmen sind eine deutliche Warnung. Stimmen See stuslanSs. Wien. 21. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die„Arbeiter- zeitung" schreibt zu dem Ergebnis des Volksentscheids:„Das Abstimmungsergebnis bedeutet in Wirklichkeit den gewaltigen Sieg des republikanischen Gedankens, eine Absage an die monarchistische Idee, wie sie so entschieden deutlich vor einem Jahre niemand er- wartet hatte. Aller Welt tritt vor Augen, daß die Republik In dem Herzen des deutschen Voltes eine tiefe, unerschütterliche Grund- lag« besitzt. Mag der Volksentscheid negattv ausgefallen sew. et tfl eine zerschmetternde Niederlage der Mon- a r ch i st e n.",,„ Die bürgerlichen Blätter Wiens sind in Derlegenhett. wie sie das Ergebnis werten sollen. Die„Neue Freie Presse" nennt das Ergebnis ein Zeichen der Ordnung und der politischen Einsicht, stellt aber fest, daß 5 Millionen bürgerliche Wähler sich für die Eni- eignung ausgesprochen haben. Das„Neue Wiener Tagblatt" be- tont, der Sieg der Stabilität in den politischen und sozialen Der- hältntssen dürfe keineswegs als Sieg der Rechten oder der Forde- rungen der Fürsten ausgelegt werden. Terror-JTisteti. Wie die Rechten arbeite«. Marburg. 21. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der Wahlterror in Marburg war geradezu himmelschreiend. Die Rechtsparteien hatten„Damen" der Gesellschaft zum Listenführen beordert. lediglich zum späteren B o y k o t t der Wahlgängen Die„Oberheffische Zeitung' hatte in ihrer letzten Donnerstag- ausgäbe ausdrücklich die Parole ausgegeben:„Merkt Euch die Namen!" Auf energisches Drängen der Republikaner entfernten einzelne Wahlvorsteher die Listenführerinnen. Darunter befand sich auch eine Frau Stengel, deren Mann als Univerfitätsprofessor an jedem Monatsende sein Geld von der republikanischen Univer- sitätskasse erhält. Einer anderen Frau wurde von der aufgeregten Menge auf dem Rathausplatz der Kontrollzettel entrissen. Seltsamerweise entschloß sich die Polizei erst um K5 Uhr nach- mittags zur Beschlagnahme der übrigen geführten Liste». Gegen die beteiligten Kreise werden die entsprechenden Schritte unternommen werden. Monarchiftenftechheit überall. Sogar im Zeitungsroma«. In der Unterhaltungsbeilage des„Berliner Lokal-Anzeigers" vom 1«. Juni, zwei Tage vor der ersten Volksabstimmung in der deutschen Republik, steht in einer Groteske„Der Mensch ist gut" folgender Satz: „Bestie." schrie der Redakteur angesichts des zweiten Durch- schlages, setzte sich hin und schrieb einen Brief, den selbst ein Vertreter der deutschen Republik als Maulschelle empfunden hätte. Der.Lokalanzeiger" hat bis zum 9. November 1918 gern damit geprunkt, daß er da» einzige Blatt fei, da» dem allergnädigsten Lehmann unzerschnitten vorgelegt werde. Nach obenstehender Probe scheint er auch heute noch nur auf solch« Leser Wert zu legen. Das republikanische verlin, das eben mit Zwei- drittel Mehrheit den Hohenzollern den Marsch geblasen hat, sollte seine unerwünschte Kundschaft doch dem Hugenberg-Blatt nicht weiter aufdrängen! Lastet dem Kaiser, wo» de» Kaisers ist: den Lokal- Anzeiger"! 3um Schutze der Republik. Hergt als Richter. In der gestrigen Reichstagssitzung wurden eingangs Wahlen von Beisitzern für den Staatsgerichtshof zum Schutz der lstepublik vorgenommen. Unter den Gewählten befindet sich Herr Hergt als ständiges Mitglied und Dr. Heinz« als Stellvertreter. Hergt und Heinz« schützen die Republik! Arme Republik! das preußische Reüeverbot für Hitler. l« wieder erifftmag de« VSlkerkuade-INaseum« Am LS. findet die selerlich« Wiedererösinung de» VSlkerkunde-Museum» statt. Di« Festrede wird der Sinologe F. W. K. Müller halten. Zu dem Festatt sind zahl- reiche Gelehrte de» Ja- und Auslandes gelade». Richard Steruseld, Professor der Geschichte an der Aerliner Universstüt. ist im 68. Lebensjahr g e st o r b e n. Sternield, ein geborener Königtberaer, hat sich besonders durch mufikgeschichtliche und musiktheoretische Arbeiten bekannt gemacht. ttlno» für itlader. Um die filtliche Gefährdung von Kindern durch Teilnahme an ungeeigneten Kinovorstellungen zu vermeiden, beabfichtigi die türkische Frauenliga eigene Lichtspielhäuser sür Kinder zu errichten. Ein« Spielzengovsslelloug wird in der Rürnberger Städtischen Kunst- Halle vom 8. Juli bis End« September stattfinden. Gezeigt werden sollen historisches Spielzeug',„Neuzeitliche Spielzeugmodelle von Künstlern und Kunstschulen' und„Indult riespielzeug au« den verschiedenen deutschen Be- zirken'. Zum Vergleich mit dem deutschen Spiclwarengewerbe wird auch ausländisches Spielzeug gezeigt. Et» internationaler Esperanlokoogreh findet vom St. Juli bis 7. August in Edinburz statt. Der HandeiSminister gestattet, dag Lehrkräste für diesen Songrrtz wie sür de« 1927 in D anzia>md 1928 iu Hutaetptu $ugo Jeimann Berliner Ehrenbürger. Eine Ehrung des Führers der Rathausfraktio«. Der Berliner Magistrat hat beschlossen, dem Stadtver- ordneten Hugo Heimann und dem demokratischen Stadt- verordneten Kommerzienrat Bamberg, dem augenblick- lichen Alterpräsidenten der Stadtverordnetenversammlung, das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. In einer Vorlage ersucht er die Stadtverordnetenversammlung, diesem Beschluß beizutreten. Beide neuen Ehrenbürger gehören s ei t dem Jahre 1900 der Berliner Stadtverordnetenversamm- lung an. Die Ehrung Hugo Heimanns, des jahrelangen Bor- sitzenden der sozialdemokratischen Rathausfrattion, be- deutet die erste Ernennung eines fozialdemokrati- schen Führers zum Berliner Ehrenbürger. Die Stadt Berlin hat von diesem Rechte der Ehrung außergewöhnlich verdienter Männer verhältnismäßig nur sehr selten Gebrauch gemacht. Nach dem Kriege ist bisher Nur Ludwig Hof- mann, der Stadtbaurat, Berliner Ehrenbürger geworden. In der Zeit vor dem Kriege gehören zu den Berliner Ehren- bürgern Männer wie Alexander v. Humboldt, August Boekh, Ranke, Robert Koch, Rudolf B i r ch o w. Adolf Menzel, Langerhans, Oberbürgermeister Kirsch- n e r, der Stadtverordnetenvorfteher M i ch e l e t und der Bor- steherstellvertreter Oskar Cassel. In die Reihe dieser um Ber- lins Entwicklung verdienter Männer tritt mit Hugo Heimann zumerstenMale ein sozialdemokratischer Führer. Seitdem Tode Paul Singers, des ersten Führers und Wortsprechers der Sozialdemokratie im Berliner Rathaus, hat Hugo Heimann an der Spitze der Fraktion gestanden. Erst jetzt, nach der Neuwahl der Berliner Stadtverordnetenversammlung, hat er mit Rücksicht auf seine angestrengte Tätigkeit als Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Reichstages die Fraktion gebeten, ihn von diesem Posten zu entbinden. Hugo Heimanns Name ist weitesten Kreisen auch außerhalb der Arbeiterbewegung in der Vorkriegszeit dadurch bekannt geworden, daß er die erste große Arbeiterbil« dungsbibliothek in der Adalbertstraße stiftete und dauernd unterhielt. In der Zeit des Dreiklassenwahlrechts hat Hugo Heimann es zahlreichen Vertrauensmännern der Berliner Arbeiterschaft ermöglicht, durch den Erwerb eines Hauses als Stadtverordneter im Berliner Rathaus tätig zu sein. Das damalige Wahlrecht schrieb vor, daß die Hälfte der Mitglieder der Versammlung Hausbesitzer sein mußten. Hugo Heimann hat jahrelang an allen wichtigen Fragen der Ber- liner Entwicklung führend mitgearbeitet. Er war einer derjenigen, der die Kommunalisierung des Groß-Ber- liner Verkehrswesens mit vorbereitete. Er stand in den ersten Reihen der Bekämpfer des entsetzlichen Berliner Wohnungselends. Selksstverständlich war er Mitglied der Verbandsversammlung des Groß-Berliner Zweckverbandes. Er vertrat die Sozialdemokratie schon in der Vorkriegszeit auf den Tagungen des Deutschen Städte- t a g e s nicht nur als Diskussionsredner, sondern auch als ossizieller Hauptreferent. In Hugo Heimann verkörpert sich die jahrzehntelange Tradition intensiver sachlicher Mitarbeit der Sozialdemokratie an dem Aufbau und der Entwicklung der Gemeinde. Die Ehrung, die Hugo Heimann durch den Beschluß des Berliner Magistrats zuteil wird, gilt nicht nur ihm, dem verdienten Manne, sie gilt auch ebensosehr der Berliner Arbeiter bewegung, die stolz darauf sein kann, daß durch ihn ihre besten Traditionen verkörpert werden._ veutschlanü und die Abrüstung. Im Auewäriigen Ausschuß des Reichstags erstattete am Montag der Vertreter der deutschen Regierung bei der Abrüstungskonserenz Abg. Graf Bernstorff Bericht über die Genfer Verhandlungen. Von der Reichsregierung waren der Außenminister Dr. Strefemann mit dem Staatssekretär Dr. Schubert und Reichs verkehrsminister Dr. Krone anwesend. Nach längerer Aussprache, an der sich die Abgeordneten Graf Reventlow(Dölt.). Dr. Hoelßsch(Dnat.). Dr. Rosenberg(Komm.), von Rheinbaöen(DDP.), Dr. Dernburg(Dem.), Dr. Quaatz(Dnat.) und Müller- Franken(Soz.) beteiligten und in deren Ver- lauf auch der Reichsminister des Aeuheren Dr. Strefemann da» Wort ergriff, faßt« der Ausschuß mit großer Mehrheit folgende Eni» schließung: .Unbeschadet der Stellung der verschiedenen Frattionsvertreter zu den Fragen im einzelnen, nimmt der Auswärtige Ausschuß da- von Kenntnis, daß bei den Verhandlungen der vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz irgendwelche Bindungen für Deutschland nicht erfolgt sind und erhebt mit dieser Maßnahme gegen-ine Fortsetzung der Beteiligung Deutschlands an den weiteren Beratungen zur Förderung des Abrüstungsproblems keine Bedenken/'_____ Saperns Verwaltungsreform. Doch noch Verständigung? München, 21. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die wenigen Wochen, die der Bayerische Landtag vor seiner Sommerpause bei- sammensttzt, sollen vor allem dazu verwendet werden, der Regierung ein Ermächtigungsgesetz zu erteilen, in dem es die bisher von Kirchturminteressen gehinderte und gefährdete Verein- fachung der Staatsverwaltung durchführen will. Auf diefen Plan haben sich in den letzten Tagen Regierung und die Koalitionsparteien geeinigt. Dieses Ermächtigungsgesetz, das bereits im Laufe der Woche dem Landtag vorgelegt werden wird, soll ledig- lich ein Rahmengesetz sein. In seinen Grenzen wird die Regierung ermächtigt, zur künstigen Vereinfachung der Staatsver- waltung eine Aenderung des Instanzenzuge» und ebenso eine Vereinfachung der inneren Aufgaben aller staatlichen Behörden durchzuführen. Im Zuge dieser Ermächtigung wird auch die etwa notwendige Zusammenlegung und Aufhebung von Behörden erfolgen, darunter auch verschiedener Land- Wirtschaft», und Handwerkskammern. Die Ermächtigung ist befristet auf die Dauer des gegenwärtigen Landtage», der nor- malerweise im Frühjahr 1S28 zu Ende geht. Die Kurzarbeiterfürsorge. Ihre Ausdehnung und weitere Verlängerung. Am 3. Juli läuft die geltende Anordnung über die Kurzorbeiter- fürsorge ab. Der Ausschuß für Erwerbslosenfürsorge de» Verwal- tungsrat» des Reichsamts für Arbeitsvermittlung beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit dem Vorschlag des Reichsarbeits- die Geltungsdauer der Aurzarbeüerjürjorge Das Ergebnis des volksentstheids im Reiche. bis zum 27. November zu verlängern und die D a u e r der Unterstützung auf zehn auseinanderfolgende Kalender- wachen zu bemessen. Dieser Vorschlag bedeutet, daß für die meisten Kurzarbeiter die Unterstützung infolge Ablauf» der zehnwöchigen Unterstützungs- Periode demnächst aufhört. Allerding« kann nach der Auslegung des Reichsarbeitsministeriums die Unterstützung wieder bewilligt werden, sobald die Wartezeit von drei Wochen nochmals abgelaufen ist. Danach ergibt sich der grotesk« Zustand, daß bei ununterbrochener Kurzarbeit die Unterstützung nicht fort- laufend, sondern mit Unterbrechung von je drei Wochen nach jeweils zchnwöchigcr Unterstützungsdauer gewährt wird. Mit Recht sehen die Kurzarbeiter darin eine unerhört« Schikane. Die Vertreter der Arbeitnehmer forderten deshalb die Ge- Währung der Unterstützung für die ganze Dauer der Kurz- arbeit. Der Vertreter der Gemeinden sprach sich ebenfalls dafür aus. Mit großer Mehrheit wurde auch gefordert, daß keine neu« Wartezeit zurückzulegen ist, wenn die Kurz- arbeit durch Vollarbeit bis zur Dauer von vier Wochen unterbrochen wird. Es muß erwartet werden, daß da« Reichsarbeitsmtnisterlum diesen Wünschen Rechnung trägt. Die bisher geltend gemachten wirtfchaftspolitifchen Bedenken können jetzt erst recht nicht mehr ins Feld geführt werden, nachdem der Sachbearbeiter de» Reichs. arbeitsministeriums, Geheimrat Weigert, bereits' vor Monaten in seinem Kommentar zur Kurzarbeiterfllrsorge(Verlag Reimar Hobbing-Berlin) ihre volle Gülligkeit preisgegeben hatte. Die Aussprache Im Derwallungsrat ergab in einem Punkte vollständige Uebereinstimmung: es darf dem Kurzarbeiter nicht zugemutet werden, auf lange Zeit bei stark verkürzter Arbeitszeit zu arbeiten; er hat in diesem Falle da» Recht, die Arbeit auf. zugeben, um die volle Erwerbslosenunterstützung zu erhalten. Die Unterstützung darf ihm nicht mit der Begründung verweigert werden, daß die Arbeitslosigkeit selbstverschuldet ist. In dem bereit» ange- führten Konimentar sagt Dr. Oskar Weigert, daß nach Ansicht des Reichsarbeitsministerium» es keinem Arbeit- nchmer auf längere Zeit hin zugemutet werden kann, stark ver- kürzte Arbeit auszuüben, wenn sie ihm weniger Verdienst bringt. als er als Arbeitsloser an Unterstützung beziehen würde. Giebt er einen solchen Arbeitsplatz auf, weil keine Aussicht besteht, daß diese Verhältnisse sich bessern, so kann ihm die Erwerbslosenunter- stlltzung nicht deshalb verweigert werden, weil er freiwillig arbeits- los geworden ist. Das ist für alle Kurzarbeiter, insbesondere für die nicht von der Fürsorge erfaßten, wichtig._ Ruth Zischer zurückgekehrt. AuS der Schutzhaft entlasse«. Endlich ist es Ruth Fischer gelungen, ihre Rückkehr noch Deutschland in Moskau durchzusetzen. Monatelang hat Stalin sie festhalten lassen, weil man sie bei der internen Auseinandersetzung innerhalb der KPD. ausschalten wollte. Auf die Dauer hat aber die russische Regierung wohl Bedenken getragen, eine deutsche Reichstagsabgeordnete gegen ihren Willen an der Heimkehr zu hindern. Ruth Fischer hat offenbar nicht verabsäumt, diese Bedenken durch einen Hinweis auf den Konflikt, der sich dadurch eventuell mit der deutschen Regierung ergeben könnte, zu verstärken. Japan» neuer Botschafter in Berlin wird der jetzige Leiter des Vertragsbureaus des Auswärtigen Amte» in Tokio, Nagaota. poincar£ lehnt ab. Er will nicht Finauzministcr werden. pari». Zl. Juni, abends.(Eigener Drahtbericht.) Am' Montag abend lehnte p o i n c a r 6 das Amt des Finanzministers in dem neuen Kabinett Vriand ab. Inzwischen hat die größte Recht»gruppe der Kammer, die republikanische Entente, Vrland mitgeteilt, daß sie die parlamentarische Unterstützung de» neuen Kabinett» von der Zuteilung zweier Ministerämter abhängig macht. Die Lage ist also nach wie vor völlig ungeklärt. . Mit dieser Ablehnung des Finanz Ministeriums durch Poincar6 ist noch nicht gesagt, daß sein Eintritt in die Regie- rung Briand endgültig erledigt ist. Er selbst scheint nicht ab- geneigt zu sein, das I u st i z Ministerium zu übernehmen. Aber Briand schien großen Wert darauf zu legen, daß Poin- car6 gerade das gefährlichste Amt im Kabinett bekleide, ein- mal weil er die Stimmen der Rechten braucht und vielleicht auch weil er weiß, daß Poincar6 als Finanzminister genau so versagen würde wie seine sechs Vorgänger, wodurch er diesen gefährlichen Gegner auf lange Zeit los wäre. Aber Poincars scheint diesen Hintergedanken Briands durchschaut zu haben und schützte Meinungsverschiedenheiten sachlicher Art vor, um das Finanzministerium abzulehnen. Diese Meinungsverschiedenheiten betrafen insbesondere das Washingtoner Schuldenabkommen, das Briand im Interesse der Gewährung einer amerikanischen Anleihe ratifizieren will, während Poincar6 seine Zustimmung dazu entschieden verweigert. Auch verlangte Poincar6 besondere Vollmachten, um die Finanzkrise„diktatorisch" zu lösen. Briand ging jedoch auf diese Forderung nicht ein. Uebrigens ist kein Zweifel daran, daß gerade Poincarö als Exponent der großkapitalistischen Kräfte des Nationalen Blocks nicht der Mann gewesen wäre, der den notwendigen Aderlasi der Be- sitzenden durchgeführt hätte, ohne den es nicht möglich fein wird, den Frankenkurs auf die Dauer zu halten. Der Zall Mannesmann. Sozialdemokratische Interpellation. Die sozialdemokratische Fraktion hat Im Reichstag folgende Interpellation eingebracht: „Die Reichsregierung hat für die Firma Mannesmann eine tkreditgarantie zur Sicherstellung de» Marokkobesitzes der Firma angefordert. Der Auswärtige Ausschuh des Reichstags hat die Befürwortung abgelehnt. Der Haushaltsaueschuh hat dagegen unter Berufung auf Artikel 2d des Etatsgesetzes dem Regierung»- antrag zugestimmt.! Hat die Reichsregierung die Anwendbarkeit des Artikel» 2b nachprüfen lassen, nach dem solche Garantien nur übernommen werden dürfen, wenn sie zur Befriedigung unabweisbarer Be- dllrfnisse erfolgen, sofern dadurch eine Ausgabe vermieden wird, der sich das Reich sonst nicht hätte entziehen können? Was gedenkt die Reichsreglerung überhaupt zu tun. um einen Mißbrauch des Artikels 2b des Etatsgefetzes zu verhindern? Da» prager Abgeordnetenhau» hat mit ca. 150 bürgerlichen Stimmen aller Nanonen gegen ca. 120 sozialistisch« Stimmen. gleichfalls ohne Unterschied der Ration, nach einer Dauersitzung am Morgen die Beamten- und Lehrergesetze an- genommen. Auch dabei gab es große Tumulte. �-J OewerMostsbewegung Metallarbeiter vor öie Iront! Jür die Einheil und Stärkung des DMV. Am Sonntag, den 27. Juni, findet die Wahl der Vcr- treter zum Lerbandstag des Deutschen Metall- arbeitervcrbandes statt. Tariffragen, Arbeitszeitfragen, alle großen Zeitfrogen finden in der Metallindustrie ihre schärfste Ausprägung und in den Metallinduftriellcn ihre schärfsten und gefährlichste» Gegner. Die Erfolge der Metallarbeiter wirken sich aus für die g e f a m t e Arbeiterschaft und darum sind auch Niederlagen in der Metallindustrie Verhängnis- voll für die deutsche Arbeiterbewegung Die Fließarbeit und Rationalisierung mit ihrer rücksichtslosen Abstoßung von Arbeitermasscn greisen in der Metallindustrie am schärfsten um sich. Das alles erfordert Zusammenfassung der Sräsle durch den Verband, damit die Massen der Metallarbeiterschaft auf Grund ihrer großen Zahl in die Wagschale geworfen werden können. Dieser disziplinierte Wille ist in den vergangenen Iahren durch das Treiben der Kommuni ften zum Schaden der Ar- beiter bedenklich geschwächt worden. Die gewisienlose Hetze der Kom- inunisten, vor allem im schwarzen Jahr der deutschen Gewerkschaften, im Jahr« 1923, hat manchen langjährig organisierten Metallarbeiter der Bewegung entfremdet. Die verärgerten Arbeiter wurden ein Opfer der Moskauer Demagogie. Als später die Kom- munisten auf Moskauer Befehl die Parole ausgaben: Zurück in die Gewersschastcn!.zeigte sich, daß die durch ihr Treiben abgestoßen«» Atctallarbcitcr so leicht nicht wieder zu sammeln waren. Erst g a n z cvl l m ä h l i ch, mit der Neufestigung der Gewerkschaften und mit der Ernüchterung der Betrogenen trat ein Umschwung ein. Täglich häminerte die Not auch nicht mehr organisierten Metallarbeitern die Notwendigkeit ein, auf dem Posten zu sein und in Verbindung mit dem Verband für die Besserung der Lebenslage der Arbeiter zu ringen. ' Der beste Weg, sie zurückzuführen, ist die Unterbindung der kommunistischen Quertreibereien. Die Kommunisten kennen die Bedeutung des Metollarbeiterver- band«s: sie unterhalten einen vollständigen Apparat mit bezahlten A n g e st e l l t c n nur zu dem Zweck, den Deut- scheu Metallarbeiterverbond für die Kommu- nistische Partei zu erobern. Die Bedeutung des V«r- bandes fordert jedoch, daß die Führunq in den Händen der A m st crdamer Richtung bleibt. Der Verband ist für Moskauer Experimente zu schade. Dem Bremer Berbandstag sind überdies wichtige und schwierig« Ausgaben gestellt! diese können nur von ruhigen, mit wirtschaftlichen Kenntnisien ausgestatteten Men- sche» gelöst werden Kommunistischen Agitationslärm kann die Ta- gung nicht brauchen. Metallarbeiter, jede Wahlsäumigkeit der Amsterdamer Verbands- kollegen wäre ein Verbrechen am Verband und an der Arbeiterbewegung. Also, aufgewacht, aufgepaßt, mobilgemacht!_ Sekenntnis zum flchtstunüentag. Des Arbeitsministers in Belgien. Genosse W a u t c r s. der belgische Minister für Arbeit und Industrie, der seit langem zielbewußt für die bedingungslose R a TTf i zi e ru n g der Konvention von Washington über den Achtstundentag eingetreten ist, hielt anläßlich der allgemeinen De- hatte, die der Ratifizierung der Konvention seitens der belgischen Kammer voranging, eine bemerkenswerte Rede über die Aus- Wirkungen des Achtstundentages und die Folgen der Ratifizierung der Washingtoner Konvention. Er sagte u. a.: Man hat vielfach behauptet, daß der Achtstundentag der Pro- duktion schade. Wenn wir uns die Frage stellen, ob es auch nur eine einzige Industrie gibt, in der sich die Verhältnisse aus Grund des bereits in Kraft stehenden Achtstundentaggesetzes verschlechterten, so lautet die Antwort, daß sich die Produktion in Belgien allge- mein in aussteigender Linie bewegt. Unsere wirtschaftliche Tätigkeit war nie so umfangreich wie gerade jrttf und auch unsere landwirtschaftliche Produktion wächst. Wir sind das Land mit den kl e i n st e n A r b e i t s l o s e n z i f f e r n(4,5 Proz.). Kurz, die Anwendung des Achtstundentages hat nicht die Folgen gehabt, die man da"und dort befürchtete. Es hat deshalb keinen Wert, die Resultate einer weiteren Erhebung abzuwarten. Wir wissen voraus, daß sich günstige und ungünstige Argumente er- geben. Die Ratifizierung der Washingtoner Konvention läuft ab I. Juni 1921 für 10 Jahre. Länder, die sich in einer schwierigeren Lage bestnden als wir, wie z. B. die Tschechoslowakei, sind uns mit dem guten, Beispiel vorangegangen. Die Konvention legt uns nicht rößere Verpflichtungen auf als dos bereits in Kraft stehende Ge< etz. Schon aus diesem Grund« müssen wir vorangehen. Di« Ar- beitsminister haben sich auf der Londoner Konferenz verpflichtet, ihren Parlamenten mit der Konventwu überein- stimmend« Gesetze zu unterbreiten. Wir wisien, daß in Deutschland die Dinge im Fluß(?) sind. Wir haben die Pflicht, die Konvention zu ratifizieren. Es wird ein bedeutungsvoller Akt dieser Periode des sozialen Forlschrittes sein, wo jene, die guten Willens sind, ihren Teil dazu beitragen werden, um besser« Beziehungen zwischen Unternehmern und Ar- beitern sowie eine Steigerung unseres Wirtschaftslebens herbeizu- führen. Wir wollen das soeben eingeweihte neue Gebäude des SPD.- Nasdiinensdilosser! Besndü heule die Brantfienversammlundl Internationalen Arbeitsamtes in Genf mit der einstimmigen An- nähme der Konvention begrüßen Es soll'ein Zeichen unseres Ein- Vernehmens und unserer Energie im Kamps um die Rettung und Förderung unseres Landes sein. der �rbeiterwanüerungskongreß. Einreiseverbot für Oudegeest und Aimmen. London, 21. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag, 10 Uhr vormittags, beginnt in London der vom Internationalen Gewerkschaftsbund und der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale veranstaltet« Weltwanderungskongreß. Der International« Ge- werkfchaftsbund ist durch Iouhaux, Mertens und Brown vertreten, di« Arbeiter-Jnternational« durch de BrouckHre, C r a m p und Friedrich Adler. Beinahe sämtliche größeren europäischen politischen und gewerkschaftlichen Landesorganisationen haben Delegierte entsandt. Außerdem sind die internationalen Be- rufssekretartate der Bauarbeiter, Schneider. Hotelangestcllten, Litho- graphen, Textllarbeiter, Transportarbeiter, Metallarbeiter, Berg- arbeitet usw. vertreten, das Internationale Arbeitsamt in Genf durch 3 Delegierte. Angesichts der Bedeutung der Konferenz für die über- seeischen und kolonialen Länder haben eine Reihe dortiger Gewert- schaftsorganisationen und politischen Organisationen, wie Australien, Indien, Kanada, Neuseeland, Südafrika sowie Mexiko Vertreter ent- sandt. Die Gewerkschaften der Vereinigten Staaten sind nicht ver- treten, da sie der Amsterdamer International« nicht angehören. Zwei prominenten Gewerkschaftlern, den Genossen Oudegeest und F i m m« n, sind von der britischen Regierung die Biso zum Besuche des Kongresses verweigert worden. Wegen dieser Ver- Weigerung vom Genossen Henderson in der Unterhaussitzung am Montag interpelliert, antwortet« der Innenminister, daß di« Visa nicht ausgestellt wurden, weil Oudegeest und Fwnnen infolg« ihrer Verbindung mit der Transportarbeiterinterna- t i o n o l e während des Generalstreiks Maßnahmen veranlaßt hätten, welche ein Beladen und eine Rückkehr britischer Schiff« nach England oerhindern sollten. Es sei nicht wünschenswert, daß die- jenigen, welch« als Feinde Englands gehandelt hätten, die Gastfreundschaft Gtoßbritannkens genießen sollten! Am Montag abend fand ein Empfang für di« Delegierten des Weltwanderungskongresses statt, zu dem der Generalrat der britischen Gewerkschaften und die Landesexekutiv« der britischen Arbeiterpartei eingeladen hatten. Bureaufitzung der Internationale. London. 21. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Di« Sozialistische� International« hielt am Montag eine Bureausitzung ab, in der lediglich innere organisatorische Fragen zur Sprache kamen. Es wurde beschlossen, eine Exekutivsitzung für Ansang September noch Zürich einzuberufen. helft öen britischen Bergarbeitern! Ein Aufruf der britischen Arbeiterinnen. (JOB.) Das Frauenhilfskomitee wurde aus Veranlassung des britischen Bergarbeiterverbandes errichtet, um Mittel für die Frauen und Kinder der Bergarbeiter aufzubringen und die Aushungerung?- takttt der Bergherren und der Regierung zu nichte zu machen. Sechs Wochen dauert nun die Aussperrung und sie wurde ver- hängt nach fünf Iahren niedriger Löhne, Kurz- arbeit und Arbeitslosigkeit. War bis nun die Armut groß, so hat fie sich seither bi« zur biitere»«atbehrung ge- steigert. Hilfe ist insbesondere zur Unterstützung der Mütter und Säuglinge, der Krnder und der jugendlichen Berg- ar beiter dringend nötig. Jede Gab« der Arbeiter au« allen Teilen der Well fft will- kommen! Der Kampf der britischen Bergleute fft der Kamps der Werktätigen in der ganzen Welt! Die bisher gesammelten Gelder belaufen sich auf 23 000 Pfd. Sterl.; für die kommenden Wochen sind noch große Summen nöttg. Im Namen der Solidarität der Arbeiter der ganzen Welt rufen wir Euch auf mitzuhelfen und Beiträge zu senden: an den Kassierer des Frauenkomitees: Lady Slefser oder an Dr. Marion Phillips, Sekretärin, 11 Tuston Street, London. S.W. I._ Was man Arbeiter« bietet. Uns wird geschrieben: Das Restaurant Regiuapalast am Zoo soll seiner Aeußcr- lichkeit nach eines der vornehmsten Häuser sein, was aber in der Behandlung der Angestellten nicht im geringsten zutrifft. Abge- sehen davon, daß das Haus Regina ständiger Gast am Gewerbe g e r i ch t i st, hat es immer noch nicht gelernt, wie den in ihrem Recht befindlichen Angestellten entgegen zu kommen ist. Vor kurzem bediente sich der Oberkellner T r a u t m a n n be- sonderer Vornehmheiten, wobei er einem Kommis, der nicht mut- willigcrweise eine Wäscheschranktür zufallen ließ, die überdies schon längst reparaturbedürftig war, zwei Ohrs ei gen gab. Der ge- schlag««« Kommis, ein 80proz. Kriegsbeschädigter, zwangsweise von der Fürsorg« eingestellt, paßte dem Direktorium schon lange nicht, weil er für 4 Proz. Bedienungsgeld, die ihm vom Hause anstatt der 10 Proz. angeboten worden sind, nicht arbeiten wollte. Es wurden besondere Maßnahmen ergrissen, die aber nicht fruchteten, wobei man sich der gemeinsten Mittel bediente. Einen Tag später war die gesamte Kollegenschaft Zeuge eines weiteren Ausfalles gegen Angestellte. Ein Arbeitsgespann, Ches und Kommis, dürfen nicht länger als einen Tag zusammen- arbeiten, da die„Gefahr" der Annäherung zwischen den Kellnern besteht. Darum müssen jeden Tag Ches und Kommis wechseln. Daß dabei der Tausch der zu tragenden Nummern vergessen werden kann, ist nicht ausgeschlossen. Dem Direktor Stambach tiel ein — gleichfalls älterer— Kommis auf, dem die Nummer fehlte: er brüllte ihn mit folgenden Worten an:„Was, du Lausejunge hast keine Nummer anstecken?" Es entstand darauf ein Wortwechsel, in dessen Verlauf der Direktor dem Kommis einen Teller auf den Kopf schlug. Beide Vorfälle dürften wohl noch weitere Felgen nach sich ziehen. Die mißhandelten Kollegen wandten sich zur Regekiina der Vorfälle an den Bettiebsrat R e i n k e. der dazu nur ein Achsel- zucken übrig hatte. Auch in der Frage von Engagements, die dem Herrn Stambach obliegen, rühmt sich das chans ganz besonderer Fertigkeiten. Ein im Zentralverband der Gastwirtsangestelltcn or- ganisierter Kollege wird bei Nachfrage um Arbeit wegen seiner Zugehörigkeit zum genannten Verband glattweg abgewiesen. Ar- beitskräfte werden nur.unter der Hand" vom Genfer Verband und gelben Organisationen bezogen, wobei der Betriebsrat Reinkc eine inehr als zweideutige Stellung einnimmt. Die angeführten Tatsachen zeigen deutlich, daß gegenüber einer zum Teil nicht freigewerkschastlich organisierten Kollegenschast der in Aktiengesellschaften und and.'ren Organisationen fest zusammen- geschlossenen Unternehmer und seine Söldlinge freies Spiel in der Ausbeutung der Angestellten hat. Krtit»rmrTtlAafttiaatBb. St Vit, Dienste«, oititb Vi Wir taarn bic Gruppkn Landsbrrnrr Platz: vrupvrnheim Dirftelmeorrslr. b. Porlraa: „!zr<>n,S!ische Rrvolulion". isrankfurter Aver(ftTieinridishain 2): Jug-ndl,:,»: Tilsiter Str. i— 5L Eonnenwenbe: Reli«ionskult ober Swnbol ber Weltrn. wende. Lichteadera: Jugendheim Dossestr. 22. Diskukswnsobend:„Jugend- schutzforderungen". Treptow: Schule Wichendruchstr. SS— 54 sKortzimmerl. Reidenvorlraa:„Pom Urvogel gum Verkehroflugge.ua''. Spanbau: gugenb- heim Lindenufer 1. Epielabend.— Antzenfpiele: Auf dem Svielptatz der Metallarbeiter an der tdberspre« spielen die Kruppen Oberspree und Köpenick. Der Rordtrei, trifft sich gnm Baden in Plötzensee um W Uhr Amrumer», Ecke Afrikanisch« Strotze. Heimousweise mitbringen! Achtna» istmmeeer! Mittwoch, ben 2B. guni. abend« 7 Uhr. findet die Mitgliederverfammlung der Begirke l» sOberschSneweidei, S4 fAdlershell. SS(AlWSIienickel, SS fitöpenicki bei Otto giege. Adlershof. Bismarckstr. 29, ffott. Tagesordnuna: Bericht vom 24. VerbandÄa».«ameraden. sorgt sür «uten Besuch dieser versammluno. Ba-aewerlsbnnd. ffacharnppe der Putzer. Donnerstag. 24. Juni. nach. mittags 5 Uhr, Mitgliederversammlung in den Residenz- ssestsSIen. Landsberger Strotze 31. Tagesordnung wird in der Bersammlung bekanntgeggben. Seaen der Wichtigkeit derselben ist aber vollzähliges Erscheine» notwendig. Mit- «liedsbuch ist vorzulegen, ohne dasselbe keinen Zutritt. Di« ssachgtuppenleilung. Verantwortlich fflr Volitik: Ernst Renter: Wirtschaft: Artnr Saternu»: Gewerlschoftsbeweguna: Z. Steiner: Feuilleton: A. S. Döscher: Lokales und Sonftiaes: Uritz Karstadt: Anzeigen: Th.»locke: sämtlich in Verliu. Verlag: Vorwärts-Berlaa E. m. b. H.. Berlin. Druck: Lorwärls-Buchdruckerel und Berlaasanstalt Vau! Singer u. Co.. Berlin SW KS Lindenllratze 3. Hierzu 1 Beilage«ab„Unterhaltung»ab Wissen". Sür Steise u. Sport Herren-Sakkoanziige»»» meam tatuttatea stosen..,.72--.»•. 33.— Reise-Ulsfer und-Schlüpfer..................-.................... 36.— Sportanzüge»Wler«o«e 42.— T onnsf enanzuge aap bsyHMban Lorlcu•rocken........... 37�, 70-., eo,-, 50.—■— Mandiesferanzüge jrün, br»tm, er»» oder olle m« Breocb« oder l«ne«r Hoae 42�, W aschkordanzuge In uenditedenea Farben mit Breedrea.............. Weffermänfel für Damen und Herren an* impri«nler«en Lodcnatoffen.......JH-, 24.— Regenmantel ao* Gummi n. 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Köck er, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 ~ Erste Zlshung unwldsr-— rudlch am 17. and 19. Juli K Deutsche ampfspiel-Lotterie am- Durch venvermt-M> der den losen an* Rehefteten Hampftplel- Wertmarken his 31. ve zember 1020»t unab- banfttrt von den(iew Doppellosen) einecblieül. Porto n. 1« Mark Listen 12 Ziehungen nüill Ueberau erhältlich i NOLLIN S. Berlin V 9, Lem�str. 4 Poetscheckkonto Ceriin 263213. JTr. 2SS ♦ 4Z.?ahrgakg 1« Seilage öes vorwärts dieüstag, 22.?uÄ�2S IV.') Wo fängt der Kopitalist an, wo hört der Arbeiter auf? Ist der Arbeiter. Angestellte, Beamte, der fünftausend, zehntausend Mark zurückgelegt hat(leider ist's vorbei damit!), der dafür Zinsen be- kommt oder der im eigenen Häuschen wohnt, schon kein richtiger Arbeiter mehr, sondern ein halber Kapitalist? Der kleine Bauer mit seinem Gut und seinem Vieh, der Handwerksmeister mit seiner Werkstatt und seinen Vorräten, sie haben zweifellos eigenes Kapital: find sie Kapitalisten? Die Familie vom alten Hugo Stinnes war eine Milliardärssamilie; aber der alte Stinnes erklärte, er sei kein Kapitalist, denn er arbeite nur für seine Familie und seine Kinder! Ungezählte„bessere" Angestellten- und Beamtentöchter Handarbeiten sich heute noch die Augen blind oder hungern, bloß damit man ihre Familien nicht als„gewöhnliche" Arbeitersamilien anschaut. Man darf es auch ruhig aussprechen, daß Neid und Mißgunst nirgends größer sind als unter den Arbeitern und ihren Familien selbst, wenn der eine etwas mehr„hat" als der andere, und selbst die größten Hungerleider unter den kleinen Bauern und Handwerks- meistern sind törichterweise noch stolz auf ihre Selbständigkeit und wollen keine Arbeiter heißen. Hier stecken viel« wichtige Fragen, über die sich auch die Gelehrten schon die Köpfe zerbrochen haben. Die Fragen sind aber schnell gelöst, wenn man in den Familien- hausholt hineinschaut und besonders das gründlich anschaut, was man das„Sparen" im Haushalt nennt. Das Sparen im Arbeiterhaushalt. Was macht der Arbeiter, der Angestellte, der Beamte, oder ihre Hausfrauen, wenn sie sparen? Sparen im Arbeiterhaushalt heißt, den für die Familie oerdienten Lohn oder Geholt nicht ganz ausgeben oder sofort verbrauchen. Man spart jede Woche für die Miete, die Gas- und Lichtrechnung. Man spart den Sommer über für die Kohlen und die Kartoffeln, die man im Herbst kauft und im Winter verbraucht. Wer heiraten will, spart für die Einrichtung: wer die Einrichtung aus Abzahlung hat, spart für die Monatsraten. Man spart zu Ostern sllr einen Anzug oder ein Kleid: wer Kinder zur Jugendweihe schickt oder zur Konsirmation, die Hausfrau, die eine Tochter verheiraten will, der Vater, der die Kinder etwas lernen lassen will, die Eltern, die Familienzuwachs erwarten— sie sparen für die Ausstattung und Ausbildung der Kinder. Man spart siir den Wäscheschrank, für neue Werkstattkleidung, das„gute" Zimmer, für Fahrräder, auch für den Sportdreß, ein Paddelboot, ein Gartenhäuschen, einen Zylinderhut, einen Smoking. Man spart für Krankheitsfälle und fürs Alter. Man spart gar auch für ein eigenes Häuschen, in einer Lebensversicherung, in einer Sterbekasse. Man hat eine ganz hohe kante, wo man nichts runter nimmt, wenn es geht: eine halbhohe kante, wo man für Anschaffungen von langer Hand zurücklegt, das verschwiegene Eckchea, wovon der Mann und die Frau einander nichts oerraten und endlich die Haushaltskasse, ') Vergleiche Nr. 33, 81 und 220 des„Vorwärts". die nie leer fein darf, wenn die laufenden Rechnungen kommen. Soviel und für welchen Zweck aber auch gespart wird: was gespart wird, ist aufgehobener, bloß noch nicht ausgegebener. Lohn, und der Zweck, für den gespart wird, ist immer wieder das Verbrauchen im Hausholt und für den Haushalt: nur kein Verbrauchen i m Augenblick, sondern aufgehobener, aufgeschobener verbrauch. Aus dem Sparen im Arbeiterhaushalt wächst niemals Kapital. Auch dann nicht, wenn man ein eigenes Häuschen sich kaust oder baut, oder wenn man Zinsen für das Gesparte bekömmt. Hat man nämlich das eigene Häuschen, so hat man in dem Kaufpreis oder den Bau- tosten, die bezahlt wurden, nur die Miete im voraus bezahlt, die man sonst alle Monate dem Hausherrn geben müßte. Und bekommt man auf der Sparkasse oder für Pfandbriefe Zinsen, so deshalb, weil die Sparkasse oder die Hypothekenbank einem Kapitalisten das Spargeld geliehen hat, bis man es selbst sllr den Haushalt wieder braucht. Wer so spart, der ist kein Kapitalist, und der wird kein Kapitalist Wie aber steht's mit dem Bauern, mit dem Hand- werksmeister? Die stehen bei keinem Unternehmer im Arbeitsver- hältnis: die bekommen weder Lohn noch Gehalt. Wie jeder Unter- nehmer erzeugen und verkaufen sie Waren und machen an den Waren Gewinn. Also sind sie doch Unternehmer! Aber sind sie auch Kapitalisten? Man sieht sofort, worauf es hier ankommt. Wenn der Bauer, der Handwerksmeister nicht mehr Gewinn nach Hause bringen, als sie sür sich und die Erhaltung der Familie brauchen. und wenn all ihr Sparen doch nicht zu mehr führt, als daß das Gesparte nur aufgeschobener Verbrauch der Familie ist, dann kann der kleine Bauer und Handwerksmeister ruhig ein Unternehmer heißen: der Gewinn, den er macht, ist nichts anderes als fein Arbeitslohn, und sein Haushalt ist genau solch proletarischer Haus- halt, wie der jedes Arbeiters, Angestellten und Beamten. Ganz anders aber sieht es mit dem„Sparen" beim Kapitalisten aus: denn da» ist überhaupt kein Sparen wie etwa im proletarischen Haushalt. Venn eln Kapitalist„spart" l Was nämlich den Kapitalisten ausmacht, das ist, daß er das Sparen wie ein Arbeiter nicht nötig hat: daß er nicht so tugendhaft zu sein braucht, sparen zu müssen. Gewiß kann auch ein großer Unternehmer selber mitarbeiten in seinen Werken, und wenn er hier eine Arbeitskrast ersetz», die er sonst bezahlen müßte, dann ist er an dieser Stelle gewissermaßen auch ein Arbeiter, der seinen Lohn oder Gehalt oerdient. Aber das ist ja beileibe nicht olles, was ihm sein Betrieb abwirft: die Hauptsache ist die Rente sür sein Kapital: und die muß möglichst unangetastet bleiben. Bon einer hohen oder halbhohen„Kante" weiß er überhaupt nichts. Vor allem ober„spart" er nicht sür den verbrauch. Das, was er gerne sparen nennt, das stellt ihm neue Fabriken, Warenhäuser, Banken hin: und wenn er Großaktionär ist, so kaust er aus seinen„Erspar- nissen" die Aktien für neue Fabriken, Warenhäuser, Banken, was genau dasselbe ist. Gewiß kann der Kapitalist es ehrlich meinen, wie Herr Stinnes, als er noch Milliardär war, wenn er sagt, daß er alles nur für seine Familie und seine Kinder tut. Aber wenn er es auch ehrlich meint auf seine Art, so denkt er doch nur an die Vergrößerung des Kapituls, das in den Fabriken drinsteckt und aus dem das Joch aufgebaut ist, mit dem Millionen und aber Millionen von Arbeitern und Arbeiterfamilien in dem Zwang erhalten werden, den Kapitalisten ihre Rente liefern und sparen zu müssen aus Not. Mit dem Kapital und diesem „Sparen" der Kapitalisten ist jene kapitalistische Welt gebaut, in der dann das Sparen der arbeitenden vlassen eine Tugend genannt wird. Eine Tugend, bei der der Knüppel beim Hund liegt und die das Glück der Gegenwart immer opfern muß, um vor der lähmenden Ungewißheit keine Angst haben zu müssen, was morgen und über- morgen sein wird. Wnl aber die Kapitaliste» nicht verbrauchen und nicht verbrauchen können, was das Kapitalistenjoch über den arbeitenden und verbrauchenden Massen ihnen bringt, deshalb ist der Krieg in der Welt: der klassenkrteg und der Völkerkrieg. Immer werden durch das„Sparen" der Kapitalisten mehr Waren p r o d u- ziert, als oerbraucht werden können, und die Völker werden imn«r wieder von Wirtschastskrisen geschüttelt, für die Heere von ArbHtslosen die Kosten tragen müssen. Wenn aber die neuen Fabriken, Warenhäuser, Bonken nicht im eigenen Lande'gebaut werden, dann wird das neue Kapital exportiert, das die Kapitalisten „sparen". Wilde Völker werden„erlöst", man bringt ihnen die „Segnungen der modernen Kultur" mit Petrolcumseldern, Bergwerks- und Stohlwerkshöllen und Schwitzsabriken, Kanonen, Schnaps und bunten Tüchern. Dahinter aber werden Rielenarmeen aufgestellt, Riesenflotten gebaut, für die arbeitenden Väter und Mütter ihre Söhne stellen, Jahr ein Jahr aus, und die Familien- väter halten sich bis zum fünfzigsten Jahre in Reserve dafür, daß es eines Tages gilt, die„heiligsten Güter der Nation" zu schützen! * Ja, der Klastenkrieg und der Völkerkrieg sind wahrhast in der Welt, weil es Millionen und Millionen Menschen und Familien gibt, die sparen müssen aus Not, und well es Kapitalisten gibt, die nie verbrauchen können, was ihnen ihr Kapital einbringt. Der Klastenkrieg und der Völkerkrieg sind in der Welt, weil in diesem unstnigen kapitalistischen System überhaupt nicht produziert wird fürs Haushalten und Verbrauchen, sondern für das Produzieren und den Profit der Kapitalisten: weil die Völker nicht arbeiten, um zu leben, sondern leben, um zu arbeiten: weil die Masten nicht schaffen, um das Geschaffene zu verbrguchen, sondern oerbrauchen, um nur noch mehr schaffen zu müssen. Das geht alle an: alle Arbeiter, Angestellten, Beamten, ihre Frauen, ihre Kinder: es geht aber auch die Millionen kleinen Bauern und Handwerksmeister und ihre Familien an, deren Glück beileibe nicht größer darum ist, weil sie selbständig sind und auch Unter- nehmer heißen dürfen. Soll das arbeitende Volk aber seine Lage erkennen, dann muß es wissen, daß sein Sparen keine Tugend ist, sondern Not, und daß das„Sparen" der Kapitalisten wohl ihr Geschäft, aber zugleich auch der F l iwh der Völker ist. Wenn es deshalb Gewerkschaften gibt, die um höhere Löhne und Gehälter kämpfen, so haben diese Gewerkschaften keinen anderen Sinn, als dem Haushalten der arbeitenden Masten, dem Ver- 12] Oer lvobbly. von B. Travel,. Copyright bj Luchmeiftcr-Berloz. Berlin und Leipzig. Diesmal fragte Doux nicht, ob es Zeit habe bis morgen, sondern er wartete selbst auf eigenes Risiko bis morgen. Und dann kam richtig die Stunde, wo wir umherstanden und auf die Eier zu warten hatten. Und ebenso ging es mit dem Eis. Das Speiseeis sollte bis zwei Uhr fertig sein. Die Masse hatten wir längst fertig. Aber das Roheis kam nicht, weil Doux es zu spät bestellt hatte. Dann kam es statt um eins um drei oder um vier, und wir hatten zu warten und herumzustehen, weil wir nicht Schluß machen konnten, ehe das Eis fertig war für das Caf6. So wurde mit unserer Zeit gewüstet. Es war nicht alles reine Arbeitszeit, nein, es war verwüstete Zeit, die wir nutzlos vergeuden mußten, nur weil Senor Doux ein paar Stunden länger sein Geld behalten wollte, und weil unsere Arbeitszeit, unsere Lebenszeit ja nicht für Stunden, sondern für die ganze Woche von ihm gekauft wurde. Und jede Minute unseres Lebens gehörte ihm, nicht uns. Er bezahlte dafür. Wenn es uns nicht gefiel, gut, wir konnten ja gehen. Wir tonnten gehen und verhungern. Arbeitsgelegenheit war rar. Und die Arbeit, die zu haben war, wurde von den Einge- borenen weggeschnappt, die es für einen Lohn taten, von dem man nicht leben kann, selbst wenn man Eingeborene davon mit ihren Familien leben sieht. Was blieb einem übrig? Verhungern oder tun. was dem Herrn beliebte. Mit den Kellnern tonnte er nicht mehr tun, was ihm beliebte. Wir hatten jetzt alles das mit zu übernehmen, was er an ihnen nicht verüben konnte. Wir waren Gesindel. Wenn wir gingen, zwanzig andere warteten, überselig, in eine Bäckerei zu kommen, wo es nicht nur Brot reichlich zu effen gab und Kuchen, nein, wo es sogar Mahlzeiten gab, so gut, wie sie die- jenigen, die als Arbeiter fiir die Bäckerei in Frage kamen, nie auf ihrem Tische gesehen hatten. Die Kellner waren Mexikaner oder Spanier, intelligente Burschen, aufgeweckt und rührig. Aber wir in der Bäckerei waren zusammengelesenes Gesindel, ohne Familie, ohne Wohnort. Einige konnten nicht einmal spanisch sprechen. Die Arbeitsverhältnisse und Löhne boten auch nicht die geringste Anziehungskraft für Arbeiter, die Klassenstolz haben. Bürger- stolz hatten wir schon. Aber mit Bürgerstolz kann man die Lebensverhältnisse des Arbeiters nicht verbestern. Denn ßöürgerstolz hat der Unternehmer selbst genug, und er weiß, wie er ihn zu seinen Gunsten zu gebrauchen hat. Das ist fein Schlachtfeld, wo er jeden Kniff kennt und jeden Angriff mit Erfolg zu parieren versteht. Wir strebten nur danach, etwas zu sparen und dann einen kleinen Handel anzufangen oder das Reisegeld zusammenzubekommen, um nach Colombia zu gehen. Wir versuchten aus dem Acker, den wir bebauten, soviel herauszuholen wie nur möglich. Ob die, die nach uns auf diesem Acker sich ansiedeln mußten, darauf verreckten, das war uns gleichgültig. Jeder ist sich selbst der nächste. Ich grase einmal ab und ziehe auch noch die Wurzeln mit heraus, wenn das Gras nicht langt. Nach uns die Sündflut. Was gehen mich meine Mitsklaven an? Seüor Doux und alle seine Geschäftskollegen in der Stadt verstanden es schon, uns jede Möglichkeit zu nehmen, nach- denken zu lernen. Es ist ja hier Neuland. Jeder hat nur einen Gedanken: Reich zu werden, recht rasch reich zu wer- den: ohne Rücksicht darauf, was aus dem andern wird. So machen es die Oelleute, so die Minenleute, so die Kaufleute, so die Hotelbesitzer, so die Cafeterius, so jeder, der ein paar Kröten hat, etwas auszubeuten. Wenn er kein Oelfeld, keine Silbermine, keine Ladenkundschaft, keine Hotelgäste ausbeuten kann, so beutet er den Hunger der zerlumpten Arbeiter aus. Alles muß Geld bringen, und alles bringt Geld. In den Muskeln und Adern hungernder Arbeiter liegt das Gold genau so gut und reichlich aufgespeichert wie in den Gold- minen. Goldminen auszubeuten, erfordert oft große Kapi- talien und ist häufig mit einem großen Risiko verknüpft. Die Goldminen, die hungernde Arbeiter in ihren Kadavern tragen, sind bequemer auszubeuten als unsichere Oelfeldcr, wo man zehnmal auf zweitausendfünfhundert Fuß bohren kann mit großen Kosten und nichts als tote Brunnen macht. Solange der Arbeiter seine Knochen rühren kann, ist er kein toter Brunnen. Da ist der Ungar Apfel. Er kam her mit einigen hundert Pesos und fand keine Arbeit. Dann mietete er sich eine kleine Baracke und kaufte sich bei einem Althändler Werkzeuge und bei einem anderen Althändler altes Blech. Davon machte er Eimer und Wassertanks. Eines Tages kam ein Amerikaner vorbei und sagte: „Können Sie mir nicht einen Tank machen?" „Den kann ich machen, wenn Sie hundert Pesos Bor» schuß geben," erwiderte Apfel. Er konnte ihn aber nicht machen. Dann traf er in einer chinesischen Speisewirtschaft einen hungrigen und zerlumpten Landsmann aus Budapest, der vor der Blutgier des Herrn Horthy hatte fortrennen müssen. Der kam in die Wirtschaft und kam auch an den Tisch Apfels und fragte bescheiden mit einem paar Brocken Spanisch, ob er nicht das halbe Brötchen da haben könne, das Apfel noch auf dem Teller liegen habe, und das eben abgeräumt werden follte. „Nehmen Sie es," sagte Apfel,„was sind Sie denn für ein Landsmann?" „Ungar," antwortete der Mann. Und nun sprachen sie ungarisch. „Suchen Sie Arbeit?" fragte Apfel. „Ja, schon lange, aber es ist nichts zu kriegen." „Nein, es ist nichts zu kriegen," bestätigte Apfel. ,Llber ich kann Ihnen Arbeit verschaffen." „Wirklich?" sagte der Mann erfreut.„Ich wäre Ihnen ja so dankbar dafür." „Aber es ist vierzehnstündige Arbeitszeit." „Das macht nichts," exwiderte der Mann,„wenn es nur Arbeit ist und ich zu essen habe." „Der Lohn ist auch nicht hoch. Nur gerade zwei Pesos fünfzig." „Damit wäre ich schon zufrieden." „Dann kommen Sie nur morgen früh dort hin," sagte Apfel und machte dem Manne klar, wo er seine Werkstatt habe.„Da arbeite ich auch, ich habe da einen kleinen Kon- trakt übernommen." „Da bin ich ja recht froh, daß ich mit einem Landsmann zusammen arbeiten kann." „Das dürfen Sie auch," sagte Apfel,„denn irgend jemand anders stellt Sie nicht ein. Es ist durchaus keine Arbeit zu haben." Der Mann fing an zu arbeiten. Und er arbeitete tüchtig. Vierzehn Stunden am Tage. In tropischem Lande. In einer Holzbaracke unter einem Wellblcchdach. Man kann eine solche Arbeit nicht beschreiben. Man kann nur dabei zu- sammenbrechen oder ein Skelett werden. Zwei Pesos fünfzig den Tag. Fünfzig Centavos für die Nacht in einem Bett, nein, kein Bett, ein Holzgestell, über das ein Stück Segeltuch gespannt ist. In einer Lumpen- Herberge, wo Wanzen und Tausende von Moskitos die Nacht zur Hölle machen. Fünfzig Centavos für Mittagessen beim Chinesen und fünfzig Centavos für Abendessen beim Chinesen. Zwanzig Centavos für ein Glas Kaffee und zehn Centavos für zwei trockene Brötchen. Ein paar Zigaretten den Tag. Ein Glas Eiswasser für fünf Centavos oder auch zwei oder drei im Laufe des Tages. Dann geht auch das Hemd in die Brüche, die Schuhe waren schon hinüber, ehe er anfing zu arbeiten, und ein Paar neue tosten einen vollen Wochenlohn, ein Hemd zwei Tage Lohn, vorausgesetzt, man ißt nichts. _.(Fortsetzung folgt.) -J r brauchen, dem Leben wieder zuzuführen, was als Profit in der �and des Kapitaliften nur neues Kapital, neue Fabriken, neuer Klassen- und Völkerkricg. neues Elend und neuer Tod wird. Konsumvereine und Genossenschaftsfabriken, soziale Bau- Hütten und Arbeiterbanken wollen und müssen für das Haushalten der Massen die Arbeitsstätten erobern, die in der Hand der Kapita- listen nicht die Quelle neuen Glücks und neuen Lebens, sondern neuen Elends der Massen sind. Die Parteien der Arbeiterschaft endlich sollen und müssen jenen Staat schassen, dessen Gesetze dem Wirtschaften und Arbeiten der Völker den ach so selbstverständlichen Sinn geben sollen, daß alle volks-wirtschast doch umsonst ist, wenn nicht ihr einziger Zweck und ihr einziges Ziel ein glücklicher Volts- Haushalt ist. Verkehrsfibel. In den nächsten Tagen werden unsere Schulkinder mit einer neuen Fibel beglückt werden. Sie ist mit schönen Bildern und netten kleinen Versen ausgestattet und nennt sich„B-rkchrssibel�. Der Polizeipräsident hat das Vorwort dazu geschrieben. Ein paar tüch- tige Schulmänner und ein Polizeimajor haben die Ve�slein und die Bilder zurechtgemacht. Diese Fibel ist eigens für die Kinder geschaffen worden. Sie sollen daraus die Gefahren der Straße kennen lernen, sie sollen sehen, wie leicht man überfahren werden kann, wenn sie hinter dem Ball herlaufen oder sich an die Elektrische anhängen. Das Büchlein sagt den Kleinen, wie sie über die Straße gehen sollen: Mußt du über den Fahrdamm gehen, bleibe dann erst noch einmal stehen. Sieh dich um, ob dein Weg auch frei bis zur Mitte der Straße sei. Dann kommt eine ganze Reihe von kleinen Anweisungen, die, wenn sie befolgt werden, das Unglück verhüten sollen. Auf dem Bordstein soll das Kind nicht sitzen, auch mit dem Roller nicht aus dem Fahrdamm rollen, und den Kreisel soll es ruhig tanzen lassen, wenn er von dem Bürgersteig herunterläuft und eine Elektrische, ein Wagen oder ein Auto kommt daher. Der zuverlässigste Wegweiser ist dg: Schutzmann, daher" Kinder, wo ein Schutzmann steht, um wachsam den Verkehr zu leiten, '■ dort gsatt, gefahrlos alles geht, dort könnt die Straße ihr überschreiten! Der Schlug bringt zehn Regeln für die Sicherheit der Kinder: Tu sollst nicht spielen aus Straßen, wo Wagen fahren. Du sollst nicht blindlings über den Fahrdamm laufen. Du sollst dich nicht an die Wagen anhängen und mitfahren usw. Gleichzeitig wird noch in den Schulen durch Vorträge Aufklärung über die Gefahren der Straße geschaffen. Zwanzig Polizeiosfiziere unterziehen sich bereits jetzt dieser Ausgabe. Man geht hierbei von der Voraussetzung aus, daß die Kinder die Verkehrsregeln am leichtesten lernen werden und, was sie in der Schule gelernt haben, auch im Alter noch beachten. ver NaubmorS von Germersöorf. Ein Bild sozialen Tiefstandes. Im ersten Augenblick steht man fassungslos vor der Tatsache: Ein zwanzigjähriger Junge, Kurt Gohse in Oranienburg, der zur Zufriedenheit seines Arbeitgebers in einer Schlosserer beschäftigt ist, benötigt ein Rad, um mit seinen Arbeitskollegen außerhalb Aufträge ausführen zu können. Er erwirbt sich auf Abzahlung ein Motorrad. 110 Mark zahlt er an, die restlichen 11l> soll er in Monatsraten zu je 10 Mark abtragen. Zwei Wochen später ist eine Reparatur in Höhe von 8 0 Mark erforderlich. Er oersucht das Geld aufzu- treiben: jedoch ohne Erfolg. Er bittet, es in Raten abzahlen zu dürfen. Der droht das Rad zu verkaufen. Da beschließt er, sich das Geld beim Kolonialwaren- Händler Loh meyer, eincin alten Sonderling in Germersdorf neben Oranienburg, zu holen. Gohse fordert den ihm bekannten llljährigen L a a b s auf, mit dabei zu sein— beide kennen einander vom„Roten Irontkämvfcrbund" her, dessen Mitglieder sie sind. Die Abmachungen lauten: Falls die Beute nicht mehr als 80 Mark aus- macht, erhält Gohse den Betrag, was darüber ist, wird unter beiden geteilt. Am Sonntag fährt er zusammen mit Laabs nach Germers- darf. Er hat einen Revolver bei sich, den er am selben Tage seinein Kameraden entliehen hat.„Falls wir überrascht werden, setzen wir dem Lohmeyer den Revolver auf die Brust." Sie begeben sich von vorn in den Laden, warten Lohmeyer ab. Gohse behauptet, er habe sofort die Behältnisse durchsucht und nichts gesunden. Als Lohmeyer erscheint, fallen sie über ihn her. Wie sie seinen Kops mit einer Flasche, einem Lilermaß, dein Revolver und einem Messer zugerichtet, wie sie den sich Wehrenden und um Hilfe schreienden Mann nieder- gerungen haben, das konnte man nicht ohne Grauen hören. Der Tod erfolgte nicht durch' irgendeine bestimmte Verletzung, sondern, wie der Gcrichtsarzt Dr. K i e p c r ausführte, unter Einwirkung aller Verletzungen, an Erstickung, an den Speiseresten, die der alte Mann erbrechen mußte. Das Gericht wird die juristische Schuld des einen und des anderen zu bestimnien haben. Es wird entscheiden müssen, ob hier Mord, Totschlag oder Raub mit Todeserfolg vorgelegen hat, ob die Angeklagten laut Gesetz mit dem Tode oder mit den, Zuchthaus zu bestrasen sind. Was aber die Zuhörer wahrhaft erschütterte, war das Bild des sozialen Elends, somit auch des sittlichen Elends, das sich auf dieser Gerichtsverhandlung offenbarte und das dieses grauenhafte Verbrechen einigermaßen verständlich zu machen schien. Das fast banale Wort vom V e r- brechen als eincin Geschwür an dem sozial kranken Orga- nismus uyferer Gesellschaft fand hier wieder einmal seine Bestäti- gung. Der zwanzigjährige Gohse, als uneheliches Kind eines Gastwirts und dessen Kassiererin im Süss gezeugt, kam noch nicht vierteljährig zu Pflegeeltern. Seine wirklichen Eltern hat er nie gekannt. Als Vierzehnjähriger wurde er von seinem Lehrherrn geschlagen, bestahl ihn, um von ihm fortzukommen und landete in der Fürsorgeanstalt Lindenhof. Bon hier brannte er einige Male durch aus Sehnsucht nach seiner Pflegemutter und wurde in die Anstalt Zühlsdorf gebracht, wo man ihn hart anfaßte. Max Laads' Vater war Dieb. Zuchthäusler, Trunkenbold. Er zeugte 1.1 Kinder, die er teilweise mit zum Stehlen nahm, die fast alle ins Waisenhaus kamen. Er miß- handelte seine Frau. Vierzehnjährig fand Max Laads Anstellung bei einem Förster, wo er Vieh hütete, hielt es später in der Lehre nicht aus, beging mit seinem Bruder einen Diebstahl, arbeitete hinterher wieder auf dem Lande, geriet in die Fußstopfen seines Vaters, kehrte dann nach Oranienburg zurück und arbeitete zuletzt zu noller Zufriedenheit seines Arbeitgebers. Der Sachverständige Dr. Lepp- mann meinte: es sei ein Wunder, daß dieser Vater noch soviel an- ständige Kinder hotte. Gohse war der Intelligentere und Aktivere. Der psychiatrische Sachverständige, Medizinolrat Dr. Leppmann, bezeichnete beide als minderwertig und schwcrePsycho- p a t h c n. «Pritwcbcrs Verteidigung. Gestern sprachen die Verteidiger Spritwebe-'S, die Rechtsan- walte Dr. Böhm und Dr. Puppe. Der erste beschäftigte sich in seiner Rede in de�zauptsachc mit der Monopolverwaltung. Es sei der Verteidigung borgeworsen worhen, daß sie die versprochenen Enthüllungen nicht gebracht habe. Genüge denn nicht aber die Tat- fach«, daß drei Regierungsrätc der Monopolverwaltung. die im Jahre 1924 erklärt halten, daß ihre B e a m't e n völlig rein seien, wegen des Verdachtes der Teilnahme an den Straftaten BwilliÄ Wii!!W.MkWr WkM Wahlzeiten für Sie Wahlen Ser St. v. In der Universität am 2i bis 24. Juni von 10— 1'/, Uhr und von 4—7'/, Uhr in der Allen Schule. In der 2. Hals-, Nasen- und Lbrcnllinik der Charit�. Schumannstraße. im Ge schästSzimmer der Klinikerschast am 22. bis 24. Juni von lO— 1'/, Uhr In der Analomie am Äebäudckomplex der Tierärztlichen Hochschule, Zimmer I am 22. bis 24. Juni von 9'/,— 11'/, Uhr. Im Hörsaal des Langenbeckbauses. Ziegelstrahe 20, Chirurgische Klinik, am 22. bis 24. Juni von 9'/,— 12'/, Uhr. Im Chemischen Jnjutut, Hessische Straße 1-2, Zimmer 117, am 22. bis 24. Juni von 12— 2 Uhr. Im Pharmazeutischen Institut, Dahlem, tm Konserenzzimmer am 22. bis 24. Juni von 11—2 Uhr.' DaS Erscheinen aller Mitglieder der V.S.B, sowie der sozialistisch gesinnten Studenten ist Ehrenpflicht und dringend erforderlich. Unsere Wahlparole ist:.Liste 7 sin Worten Liste sieben), Sozialisten!' E» empfiehl» fich, am ersten Tage zu wählen. Studentenkarl« mitbringe«. des Apothekers Rüben unvereidigt geblieben seien? Rüben selbst durste aber rechtzeitig das Weite suchen. Es geschähe Hermann Weber Unrecht, wenn man seine Persönlichkeit nicht aus den Zeit- Verhältnissen zu verstehen versuche, die damals herrschten. Dr. Puppe beschäftigte sich hauptsächlich mit den, Z u st a n d e- kommen der Untersuchungsprotokoll«. Er hob die Rolle hervor, die die Finanzverwaltung, die selbst an dem Aus- gang des Prozesses interessiert war, in der Vonintersuchung gespielt habe. Er behauptete, daß sowohl in der Anklage wegen der an- geblichen Brandstiftung wie auch in der wegen der angeblichen Be- stechung ollein mit einen: Indizienbeweis gearbeitet worden sei, der viel zu leicht zu Trugschlüssen führe. So seien die Strasanträge nur aus Trugschlüssen ausgebaut worden. Heute wird Rechtsan- walt Dr. G o l n i k zu Worte kommen. * Der Abteilungsdirektor im Reichsmonopolamt Dr. Kaiser bittet uns den Bericht vom Prozeß Weber vom S. M a i dahin zu ergänzen, daß der Angeklagte Hermann Weber in einer späteren Sitzung die von ihni gegen den Abteilungsdirektor Kaiser ausgesprochene Verdächtigung, daß er nicht abgeneigt gewesen sei, Aktien seiner Firma zu übernehmen, zurückgenommen habe. Das Polizeiauge. Ein seltsames Erlebnis hatte gestern nachmittag der Kommissar vom Dienst bei der Berliner Kriminalpolizei. Im Vorzimmer der Beamten erschien gegen S Uhr ein junger Mann, der höflich grüßend einen verschlossenen dicken Brief aus den Tisch legte und erklärte, daß er ihn abzugeben habe. Ohne sich aus ein Gespräch einzulassen machte er Kehrt und ging mit einem„Guten Abend" wieder zur Tür hinaus. Als die Beamten den Brief öffneten, sahen sie, daß er verschiedene Schreiben enthielt sowie einen Zettel mit folgenden Worten:„Ich bitte, diese meinen letzten Briese an die Der V o l k s a b st i mm u n g s s o n n t a g stand im Rundfunk ebenfalls unter dem Zeichen der" Massendemonstration: eine Dar- bietung löste die andere ab. An Qualität wurde allerdings de- sondere? kaum geboten, wenn man von der ersten Hälfte des aus dem Hause der Funkindustrie übertragenen Abendkonzertes absieht. Bedauerlich ist es, daß die durchaus nicht überragenden Sonntags- frühkonzerte reichlich oft von Militärmufikcrn ausgeführt werden: gibt es nicht genug namhafte Kapellen von Bcrussmusikern, denen man statt der sestbesoldeten Militärmusiker diese Einnahmequelle überlassen sollte?— Der Mo n t a g brachte am nachmittag einen bedeutenden Musikvortrag mit der Violinsonatc c>v. 18 von Richard Strauß. Maurits van den Berg hotte in Philipp Ier- nach einen ebenbürtigen Begleiter am Klavier. Die Sonnen- wendfeier war recht gut ersonnen, wenn auch gerade dieses Fest eigentlich als Rahmen der freien Natur bedarf. So bedeutete es viel- leicht für die Phantasie mancher Hörer zu große Ansprüche, wenn sie sich die zum Himmel lohenden Feuer und da, heitere Treiben der Jugend vorstellen sollten, zumal der Ansager trocken und unbe- teiligt seine schriftdeutschcn Sätze heruntersrpach. Doch die hübschen, fröhlichen und sentimentalen Einzeldarbietungen verdienen gewiß Dank. Die guten Sprecher des Abends waren leiden nicht genannt: K ä t c Pirschet mit Liedern zur Laute, der Frauenchor von Dr. H. Mersmann., der M a n d o l i n e n k l u b„Rapoli", das Waldhornqunrtett der Berliner Funk stunde mögen erwähnt werden.— Der medizinische Vortrog I>. med. Ernst Rothes„40 Grad Fieber" wird für zahlreiche Funkteil- nehmer besonders lehrreich gewesen sein. Gerade die Furcht vor dem sogenannten„hohen Fieber" ist allgemein verbreitet: der auf- klärende Vortrag mag manche unnötige Sorge in der Zukunft ver- bannt habe».— Aus den gestrigen Vorträgen seien noch die unge- mein interessanten und lehrreichen Aussührunnen Prof. Gotthold We i l s über„Orientalisches Gut in unserer Muttersprache" und Prof. A. M i e t h c s über„Fischer und Fischerei in Norwegen" her- vorgehoben. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 22. Juni. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den Landwirt. 3 4S Uhr nachm.; Stunde mit Büchern. Streifen in die Feme:\V. L. Pux- loy:„Wanderungen im Queenslandbusch— H. M. Toralinson: „Aesthetische Heise zu den, Gewürzinseln"— Hans Rudolphi: „Die Polarwelt"— Mariette Lydis:„Orientalisches Traumbuch". 5 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Sznanowski. 6— 6.39 Uhr abends: Teemusik aus dem Hotel Adlon(Kapelle Marek-Weber). Anschließend: Ratschliige fürs Haus. Theaterdienst. 6 45 Uhr abends: Ing. Paul M. 0. Fladerich;„Fließende Fertigung im deutschen Kraftwagenbau". Ein Rundgang durch die Brennaborworke Brandenburg(Werbevortrag). 7 U.ir abends: Hans-Bredow-Schule (Hochschulkurse). Abteilung Versicherungslehre. Professor Dr. Alfred Manes:„Streifzüge in die Versicherunpswissenschaft(Ent- wicklnngslftiien der heutigen Versicherung). 7.30 Uhr abends: Dr. W. Keßler:„Der Rettungsdienst auf dem Wannsee und dem anschließenden Havelgebiet". 7.55 Uhr abends: Hans-Bredow-Schnle (Hochschulkurso). Abteilung Heimatkunde. Dr. Georg Wegener: „Eine Wanderung durch deutsche Gaue(Der deutsche Rhein)", 8.30 Uhr abends: Uebertragüng aus dem Haus der. Funkindustrie Du mein Berlin... Ein Spiel der Wellen von Hans Brennen. Mitwirkende: Annemarie Hase. Senta Säneland, Wilhelm Bendow. Alfred Braun, Paul Graetz, Berliner Funkorchester. Dirigent:' Bruno Seidlerr- Winkler. Anschließend: Dritte Bekanntgabe dar neuesten Tagesnachrichtsn. i Zeitajjsage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen, Dienstag, den 22. Juni. 3—3 30 Uhr nachm.; C. II. Alfieri u. Frl. v. Fyseren: Spanisch für Anfänger.. 3 30—4 Uhr nachm: Direktorin von Rössing: Die Lehrkräfte der Verkäuferinnenschule. 4—4.30 Uhr nachm: Ge- werbeoberlehrer Dalichow: Die Beruhsschule für Fleischer. 4.30 bis 6 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitute«. 5—5.30 Uhr nachm.; Margerit Barth: Kindergeselligkeit, 8.30 Uhr abends; Uebertragüng von Berlin. Aresiaten zu senden. Ich selbst verübe setzt in WannseS Selbstmord. Durch einen Einbruch in meine Wohnung bin ich um mein ganzes Hab und Gut gekommen und habe keine Hoss- nung mehr, daß den Dieben ihre Beute wieder abgenommen wird. Da ick) vor Verzweiflung nicht aus Sud ein weiß, gehe ich jetzt in den Tod. Den Brief an meine Mutter und die Verwandten bitte ich erst abzusenden, wenn meine Leiche gefunden worden ist,". �Die Beamten, denen in ihrer langen Praxis noch kein derartiger Fall vorgekommen war, eilten dem jungen Manne nach, konnten ihn aber nid)! mehr finden, llni ihr Möglichstes zu tun, das Vorhaben des Selbstmörders zu oerhindern, wurden aus schnellstem Wege sämtliche Bahnhöse der Grunewald- und Wannseestrecke benachrichtigt. Trotzdem er sich nur wenige Augenblicke im Zimmer aufgehalten hatte, war es dank dem geübten Scharsblick der Beamten doch möglich, eine genaue Beschreibung des jungen Mannes mitzugeben. IM Stunden später lies aus Wannsee die telephonische Meldung ein, daß der Schupoposten vor dem Bahnhof den Selb st mörder erkannt und angehalten habe. Er wurde nach Berlin zurückgebracht, in Schutzhait ge- nommen und der Wohlsahrtsstelle zugeführt. Freundliche Helfer, die deni jungen Mann beispringen wollen, erfahren seinen Namen und seine Adresse bei Fräulein Dittmer. der Leiterin der Wohl- fahrtsstelle im Polizeipräsidium. 5leisthvergiftungen in kalkberge. 50 Personen erkrankt. In Salkberqe-Rüdersdors sind am Sonntag nach dem Genuß van Schabefleisch 50 Personen erkrankt, zum Teil ernst. Glücklicherweise sind keine Todessälle eingetreten. Die Schwererkrankten fanden im krankenhause Ausnahme. Das Fleisch stammt van der Schlächterei Gembus. Dach scheint den Fleischer- meisler, wie die bisherigen Ermittlungen ergeben haben, keine Schuld zu trefsen, da er zur Ergänzung seiner eigenen Schlachtvorräte vom Berliner Viehhos zirka S0 Pfund Fleisch kaufte und zu Schabefleisch verarbeitete. Die Fleischerei wurde vorläufig polizeilich geschlossen. bis die Untersuchung abgeschlossen ist. * Nach dem Genuß verdorbener Oelsardinen ist der 70 Jahre alten Rentenempfänger Willy Rosen selb aus Span, dau, Fischerftraße, gestorben. Der alte Mann betrieb einen kleinen Hausierhandel mit Zündhölzern und ähnlichen Dingen, die er in Gast- wirtschaften und Pxivathaushaltungen anbot. Am Sonnabend kehrte er von seinem Haiwelsgang zurück und erzählte seiner Widftn, daß ihm eine Frau in Neukölln eine Dose Oelsardinen ge- schenkt habe. Nachdem er den seltenen Leckerbisien verspeist hatte, spürte der alte Mayn heftigeLeibschmerzen und Uebel- k e i t. Die Wirtin glaubte, er habe wohl zu schnell gegessen und das schwere Oel nicht recht vertragen, dachte aber an nichts Schlimmes. Gestern abend, ol» Rosenfeld gar nicht zum Vorschein kam. sah man in seiner Stube noch»nd fand den alten Mann t o t in seinem Stuhle sitzen. Allem Anschein noch sind die Sardinen nicht mehr frisch genug gewesen und haben Vergistungserscheinungen zur Folge gehabt. Die Leiche des Rosenfeld wurde zur Obduktion beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Die Kriminal- polizei' ist bemüht, die Spenderin der Dose Sardinen zu ermitteln. Vergiftungserscheinungen bei der Reichswehr. vkünchen, 21. JuNi., Uhr. in den Barachen Äochawllrofte. Neulölln. Britz. ISlrotzenbabn 27. Kallcslellc Ralbausi.— Mitte: Do., b. 24., »uc Ratbenau-Gedenkieier Antreten mit Bahnen und Tainbourkorp» 7 Übt abend»»bf. Ziieberfchönerneibe.— Rricbriditbain; Die JBitiifabrct Itcjftn sich Mi., d. 23.. abend» 7!z Uhr. hei Rosiin. Mcmcicr SIrahc. «rbeiternerein für Biochemie»ab Leben.resorm I. B. B. B«»!ek Weihen. see: Mittrnoch. 23. Inni, 8 Uhr. Vortraa de» Biologen Suchel Uber..grauen. leiben" im Lotal von Miltendorff. Streu», Site Wilbelmllrahe. SLste will- kommen l,r»i- Auoirrache. Dentiche Fricben«,»selllchalt. Vrtogruvpe Berlin. Di« nächst« Bersammlun» findet am Donnerotaa. 24. Juni, abend» 8 Ubr, im Askanier. Anhaltstr. U. Ilatt. Bordroq von!Vr«u Dr. Helene Stücket über„Die Bechtung de» ldrieaes". lsrei» Aussvroche. flutritt für iedennann. Lonfellow Engllsh Oebatme Cluv. W, Bülomstr. 104. Mittwoch, den 3., 8 Uhr abend»: Prof. Mendt!.XVnal Women mos: desirel" Sport. oiympiabahn-Nennen heule abend 6 Uhr.?ie Nebanche zum V o I- denen Rade auf der Ltympia-Radrennbahn, die am Sonn- tag der Unqimjt der LiUerung zum Opfer fiel, wird nunmehr heute. abends S Uhr, ausgefahren. Die D a u e r r e n n c n. IM Kilometer in 2 Läufen über HO Kilometer, weisen mit Weltmeister Victor L i n a r t. Walter S a w a 1 1, Erich Möller, Karl W i t t i g und Emil Lew anow die gleiche Beselzung wie am Sonntag auf. Die Fliegerrennen beginnen um 6 Uhr. während der 1. Laus des D a u e r r c n n e n S um ? Uhr und der zweite Lauf um 8 Uhr bor sich gehen wird. Geschäftliche Mitteilungen. Der Kamps um die deutsche Bozmeifterschast!» der® Diener in seinem Kamps mit Somson-Körner um die deutsche Echmeracwichtsmeistersäiafi i» dem arohen Rex-!,ilm, der dl« Original» auwabmen diese» spannenden Treffen« entbätt. Slordleebad und iusikurott Zliistriaaen. Sin mbiaee»a« »nd Helgoland, Damvler. und Segelfobiten auf der Jade. Besichriauna der Kricgsschiffc im benachbarten Wilbelmsbaven. ossentlich« Veranstoirunaen aller Art bitten angenehme Abwechslung. Direkte o.flugverbindung Berlin—Bremen — Wilbelm»baven. Volks dük ne Id.»i» Zldifstiliiesllzkitii 8 Ubr: lliö Freier Morgen 8 Uhr: Die Freier. Ibiitet am Bülovplat: 8 Uhr; " Der dfitsehe Bichel Morgen 8 Uhr: D. düische Michel Reichshallen- Theater Abend» 8 Uhr Stettiner Sänger bleut Evllur Birtcii n» Heyal. Ddnboff-BrettKSwiitvi) Variete I- Homert)- Tarn! Die Georgisch« Kolonie zu Berlin und die Berliner Gruppe der Georgischen Sozlaldemosratischen Arbeiter- partei»»ranstalten am ZS.Zuni, nachmittag» 5 Uhr, in den Hefi&cnjfcfifälen, Cun&sbetget Sir. 31, eine Trauerffeier zu Shren de» am ll. Juni in Pari» verstorbenen prSstbaoteu her Georgischen lonftiluietenben Derfommlung Nicolaus Tsdicidse Die Genannten beehren sich hiermit. Freunde und Genossen zur Feier crgedenft einzuladen. sneki.ock-ec8.m.d.n. Alexanderstr. 27a, II. Hof, Tel. Kgst. 9610-12 Staats-Theater Opernhnu» ■.Pl.tx d.Republ. 7>/,: La Traviata Schauspielhaus 8: Die Welt, in der man»leb langweilt Schiller-Theater SU.: Nickel und die 36 üerechten Charlottenburg Ti/, Uhr: Fatinitza Alyin.-Turnus III lEDtsdi« Theatei Norden 10334—38 (jnttplildirikl. Sobnerl 8'/« Uhr Max Adalbert in Das 8bel Kammerspiele Ab heute 8 Uhr: (iastip.Marta Onke MeineCousine aus Warschau nur 9 Tage Die Komödie Bismarck 2414, 731» 8'/. Uhr; Week-end (Ueber'n Sonntag) ZZZT 8 Uhr: inlernal. VarlelC Theaterkasse: L0IZOW 1S91 M-r W Voranzeige 1 etfuirdo suessklnd» lelntroshandlunt berlla lelqrqch» to Ttl.ßln, seuttchei Lrich». LorltN. Nag�k Teie�rapneOsi» r- Zrzo i?4t a/ii it>,>» —,- SSM J. a> •erluden fuei taliCi und ttruConz »orausslcht 1 leb«t>» « tord tsrrenti»ODO* Mte» i» oroient ttirk inkunft liter Tum uro>00000 f ol Jen niectzsten tomt tute intzunft euenstbend lliudes Eduard Süsskind, Brunnenstraße 43 Seachten Sie meine Aneebote Lesslng-Tl). �Schneider Wibbcl Henckels, Berber Orodtczinsky Sommerpr. 1� M. kitjl i Völijbüh. Grwirit sdiaft. Rridub»Der gipn luinin galt Pllbti I.SO. e»id 11 ÄngeMrlg» Kleines Tb. 8'/, Uhr: Seitensgniiige 3 Intaka na Kort Gill Von. dieses zahlt SOO/n d Kassenpr Tb. in liirflistendiiniii 8'/, Uhr: KavalierJack Operette In 3 Akten v.Neubach u.Halton Musik von Carlta von Hor»l Sommerpr. 2—6 M Berliner theaier sägl.»>/,: Donnerwetter, ganz famos Central. Theater uhr: Eva Bontieur Ilka Grünins Residenz- Tlteni. 8'/, Uhr: Herz contra Herz Eugen Rex, Metelka Deulsches Hflnstl.-Theaier Ttzgl 8'/. Uhr Der IrötiUdie Wetnbrrü Wallner-Thealer b'/4 Uhr. Dtr helllji BrunneB Blanco Posnets Erweckung Hose-Theater SV« Uhr: Konzert und bunter Teil« öU»: ti wgiin Brndi hinaus ! jeden korpulenten Menschen ist c# beute leicht, erflüssiges Fett loszuwerden. tflr 3 PEennige pro Tag sorgt sut natürlichem Wege ohne 5cn4digung des Organismus für eine Auflösung der aufgeschwemmten Qewcbc., b,« �> Damit Hand in Hand geht eine normale Punktion der lebenswichtigen, inneren Organe, die Vorbedingung dafür,»ich auch Im gesetaten Alter Jngendtn�cne. Ela�t�irät und t.'-istungsfäh'gkcit au erkalte». In Original-Packungen au.M- 3.- und M. 1-- w allen Apotheken und Drogerien crhaltlicn. AUcinvertricb für Deutschland: Phönix- HanfleUöeselUciiall m. d. H. BERUN SW 68, Ritterstr. 48./ Fenupr, Ddnhofl 8244, Barnowiky-SiibnBn Sommerspielzeit Tlieaier HOntfillraiz.Slr. 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Die Einäscherung erfolgt am Mi«. woch. ben 23. Juni, nachmittag» 2 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. LJUERGENS ALEXANDER RLAT2 Adolf Hoffmann Knorke Sdmlhumoreske mit Illustrationen von Willi Steiner« Prels SO Plg. I Porto S Plg. Vorrätig in allen Vorwärti-AuiXobeifeUen Am 18. Juni entschlief nach langem schweren Leiben mein« liebe Frau. unsere gute. Ireuforgcnbc Mutter Wilbeltnlne Moelter geb. heyer im 44. Lebeitssahre. Um stille Teilnahme bittend Wilhelm Moeller und Kinder. Einäscherung Mittwoch. 23. Juni. nachmittag» 3'/i Uhr, im Krematorium Baumschulenweg BMlbAwMMl-TislsUl! Achtung! Achtung! Oienslog, den 22. Znnl. abd» 7 Ahe, in den„Sophlen-Saien*', Sophien. ftrahe 12/18: Fortsetzung der Branchenversammlung der Maschinen-, Aulo- und Reparaturschlosser. Tagesordnung: I Diskussion. 2. Neuwahl der Branchenleitung. Ohne Milglieb»buch kein flutritt. SS ist Pflicht eine» jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. ilcdtiiiig!(SflltlCtDlfllHbe Mitpi! milltood). den 23. Font, nadiraitlagB 5 Ahe, im„Aeidienbergcc Hof-, Bcidlcnbcegtt Slcafte 142: Branchen Versammlung der Gürtler. Monteure. Kronenschlosser,-Klempner, Brenner. Hlontimrinncn u.Sronjiecctinncn Fortsetzung der Tagesordnung vom >7. Juni. Pünktliche» und zahlreiche» Srscheinen wird erwariei Milgliebsduch legitimiert. vonneeskng. den 24. Zuni, ndend» 2 Ahr. 6m �SwinrmSnder(Sesell- schastshaua-, brotnnmdnbst Str. 42: Branchen Versammlung der Wickler und Zsalierer. Tagesordnung: l. Vortrag. .Da» lommeube Arbellsgerichrsgesetz-/ 2. Branchenangelegenheilen. 3. Per- Ichiebenc». Mitgliedsbuch legitimiert. S» Ist Pflicht eine» sehen Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. ä«! Wrleger unb Seilet! Sonnerslag. den 24. Juni, abend» 2 Ahr, Im groben Saal Oer„Sophien- Säle", Sophiensir. 12/1«: Branchenversammlung der Rohrleger und Heiser. Togr»orbnung: 1. Der Verbands. lag in Bremen. 2. Bericht Uder die Reichs» laritverbandtungen. 8. Berbonb». unb Branchenangelegenheilen. Mitgliedsbuch iegiiimiert. In Anbeiracht der autzerorbentlichen Mchtigkeil der Tagesordnung ist da» Er- scheinen aller Perbanb»kollegen unbedingt Pflicht. lltV Die Pertrauenemännerkonlerenz finde! eine Elunbc irstber statt. Die Orlsoerroallnng. Metalibelten Stahlmatratzen, Kinderbetten iSnlig in Pri«. Kai 65(1 fr. Eisenmöbelfabrik buht Thür. Verkäufe Teppiche, Diwanbecken, Tischbecken Bettvorleger. Läuferstofse. prachtvolle Auswob!, ertra billig« Gelegenheiten. Filcher, Potsbamerstratz« 109._' Leiterwagen, Schlauchwogen, Schub karren, Sinzelräder, Achsen. Federn. Globus, Dresbenerftrahe bö. Moritzviatz 12738. Scilleiilungsslüeli?. Vtzsrhe us« Getraaenc Herrcngarberoben Gesell schastsanzüge Illr korpulente Fiauren staunend billig. Ratz, trüber Mulack- strotz«, jetzt Dormannstratze 2512t und Moriannenstratze 28. Wenig geteagrne Kavalieraorberade von Millionären, Aerzlen. Anwälten. Fabelhaft billio« Preise. Empfehle Taillenmäntel. Paletot». Fvock». Smo» kings. Gehrockanzüa«. Solen. Sport-, Ecbpelze. 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Bewerbungen mit ausführlichem Lebenslauf, Zeugnissen und Gehaltsansprüchen unter Nr. 26 an die Hauptexpedition des Vorwärts. p/emamj £)((75 Ucmsjur Cre£f)en\e. c�erpz rtfer�ny/�f 72*7 4* und Z$Z. AruriZ Sportfeste als Zeitungsreklame. Es scheint jetzt Mode zu werden, daß sich die bürgerlichen Sportvereine ihre Veranstaltungen von den ihnen nahestehenden Zeitungen arrangieren lassen. Nachdem schon zu Pfingsten der „S p o r t c l u b h a r l o t t e n b u r g" die„Morgenpost" zu chilfe nahm, um im Stadion ein Sportfest aufzuziehen, bei dem sich die Tribünenbesucher sür 15 M. den„fliegenden Finnen" Nurmi an- sehen konnten, hat am Sonntag die„Deutsche T u r n e r s ch a s t" nnd der Schwimmklub Poseidon den schwerindustriellen„Lokal- Anzeiger" als Geldgeber gehabt, um den„großen Rademacher" zu zeigen. So wenigstens war de? Eindruck, den der unbefangene Zu- schauer von den Peranstaltungen hatte.?n Wirklichkeit benutzten natürlich die Zeitungen die Sportvereine, um für sich Reklame zu machen. Das eine ist so schlimm, wie das andere. Für deutsche Verhältnisse ist es immerhin neu, daß sich ganz offiziell„neutrale" Sportvereine von Zeitungen Sportfeste finanzieren lassen. Sie begeben sich damit in ein Abhängigkeitsverhältnis zu kapitalistischen Geldgebern, das der Abhängigkeit der W e r k f p o r t- vereine stark ähnelt und das ihre sonst so stark betonte Neutralität im richtigen Lichte zeigt. Den Arbeitersportlcrn kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Sie hoben stets die bürgerlichen Sportvereine und ihre Spitzenoerbände als Anhängsel der Kapitalisten aller Arten angeschen und können sich höchstens freuen, daß die Beweise dafür pon den„Bürgerlichen" selbst erbracht werden. .Mehr Sicherheit für Wassersporkleri" Anfang März d. I. haben wir die Forderung erhoben, die Wasserfahrsport treibende Bevölkerung vor leichtsinnig fahrenden Motorbootfiihrern durch wasserpolizeiliche Maßnahmen zu schützen. Wir erhielten damals eine Reihe von Zuschriften, die darauf hin- wiesen, daß am besten die Polizei aus dem«topiel gelassen und die Regelung des Verkehrs einer aus den Kreisen der Wassersportler zu bildenden„Wass erwacht" übertragen werden solle. Inzwischen ist, wie wir im lokalen Teil des„Vorwärts" am Sonntag berichteten, die Gründung einer„W a s s e r w a ch t" aus den Kreisen der Sportler und anderer interessierter Verbände erfolgt. Die lonstitu- irrende Versammlung soll morgen, Mittwoch, im Rheingold stattfinden. Wir freuen uns, durch unsere Anreguna mitgcholsen zu haben, die Frage der Verkehrsregelung auf dem Wasser, soweit dos nicht durch das Vinnenschissahrtsgesetz geschehen ist, zu einem Abschluß zu bringen. Unseren Arbeiterwassersportlern ist zu emp- fehlen, sich an der„Wasserwacht" aktiv zu beteiligen. Wie rellel sich der Nichtschwimmer? Die Zeit, in der man immer und immer wieder von Bade- Unfällen hört, ist wieder da. Selbst Schwimmer sind nicht aus- Genommen. Der schlimme Ausgang der meisten Unfälle ist nicht immer eine Folge der Unkenntnis des Cchwimmens, sondern ge- schieht durch ganz falsches Verhalten des Nichtschwimmers. Der Selbsterhaltungstrieb tritt meist ganz unzweckmäßig zutage. Fällt z. B. jemand, besonders ein Nichtschwimmer, ins Wasser, oder gerät er in eine Untiefe, so ist es das erste, daß er nach fjilse rufend d i e Arme hochhebt. Das ist gerade das Widersinnigste, was er machen kann. Sobald die Arme iiber die Schulter- höhe gehoben werden, sinkt der Körper folge- richtig unter. Vor allem ist Geistesgegenwart geboten, wer diese verliert, ist meist verloren, wenn nül)t sofort Hilfe da ist. Der Nichtschwimmer soll in Untiefen sofort in senkrechter Stellung die Arme in gebogener Haltung ctsvas vor sich bis in Schulterhöhe nehmen. In solcher Haltung langsam„W a s s e r t r e t e n", jedoch nicht hastig, weil es leicht ermattet. Bei richtiger Befolgung dieses einfachen Verfahrens wird nicht nur Kopf und Hals, sondern auch zum Teil die Brust über Wasser bleiben. Ermüdet das Treten, so lege man sich auf den Rücken, ganz ruhig, Brust heraus, die Arme an den Körper angelegt, und führe unter Wasser mit den Händen leichte rudernde Bewegungen aus. Auch diese Lage hält sicher über Wasser. Das sicherste ist allerdings, wenn jeder schwimmen lernt. Außer den gesundheitlichen Vorteilen kann der Schwimmer porkommendenfalls sich und andere vor dem Erlrinken bewahren. Fußballspiel Oeutschlanö-öelgien. Der tschechische Wcisterflub in Berlin. In H a m bu r g fand am Freitagabend das Länderfuß- ballfpiel Deutschland— Belgien statt. Trotz der gleich- Zeitigen großen politischen Kundgebungen in Altona und Hamburg wohnten 13 000 Zuschauer dem Spiel bei. Die Spieler wurden von einem Vertreter des Senats begrüßt. Im Spiel genossen die Deut- schen den Vorteil ihres flachen und nicht zu kurzen Paßspieles. Aber auch die Belgier zeigen feine Kombinationen, die oft nur durch den deutschen Torwächter unschädlich gemacht werden konnten. Das erste Tor fiel durch den Halbrechten Deutschlands. Dann kam der deutsche Mittelstürmer mit einem eleganten Kopsball zum Schießen, so daß es in der H a l b z e i t 2: 0 sür Deutschland stand. Nach der Halb- zeit gab es verteiltes Spiel. Der Kampf der Belgier wurde ge- fährlich, aber er führte zu keinen Ergebnissen. Selbst das Ehrentor blieb ihnen oersagt, während auf deutscher Seite noch der Ijalblinke zwei Tore hinzufügen konnte. Mit 4:0 sür Deutschland trennten sich die Gegner. Im vergangenen Jahre gewann die deutsche Mannschaft in Brüssel mit 3:1 und in Antwerpen mit 8: 1. Auf dem„Adler"-Sportplatz in Berlin standen sich im Internationalen Fußballwettspiel der tschechoslowakische Bundcsmcistcr und„Adler 08" gegenüber. Als der Schieds. richter das Spiel anpfeift, waren gegen 2000 Zuschauer aus dem Platz. Adler hat Anstoß, doch kommen sie nur bis zur Mitte. Der Angriff der Tepliger wird schon bei der Verteidigung zunichte ge- macht. In der zweiten Minute erzielt Adler die erste Ecke, doch hält der Torwart gut. Auch die zweite Ecke kann Adler nicht verwenden. In der 10. Minute hielt Adler gut durch mit scharfem Schuß, wendet halb rechts zum ersten Tor ein. Beim ersten Anstoß kommt . Teplitz gut vor, doch prallt der Ball an der Latte ab. Ein scharfer Schuß des Mittelstürmers von Adler wird vom Torwacht in blendender Manier gehalten. Doch gleich darauf gelingt Adler das zweite Tor. Die Angriffe von Teplitz sind sehr lasch und werden daher nicht gefährlich. Jetzt wird das Spiel etwas verteilter und beide Tore kommen des öfteren in Gefahr. Der Schiedsrichter pfeift das Spiel eine Viertelstunde zu früh ab. Nach dein Nieder. wurf legt Teplitz sich�fta'ck ins Zeug und in der 32. Minute ünt der Ball im Netz. Schon in der 34. Minute ist Teplitz wieder vorn, doch können sie beim sehr gut haltenden Torwacht nichts er- reichen. Kurz vor der Pause winkt ihnen der Ausgleich. Doch die Latte erweist sich als glücklicher Retter. Nach der Pause ist Adler gleich wieder in Front und schon in der 47. Minute muß der Teplitzer Torwacht den Ball zum dritten Mal aus dem Netz holen. Das Spiel geht flott weiter und Adler erzielt in der'60. Minute das vierte Tor. Jetzt greift Teplitz wieder an. Schnell geht es dem Adler Tor zu und in der 68. Minute wendet die Mitte unhaltbar zum zweiten Male ein. In der 75. Minute gelingt denselben Spielern der dritte Treffer. Jetzt läßt das Spiel reichlich nach. Und als der Schiedsrichter das Spiel abpfeift, kann Adler als glücklicher Sieger mit 4:3 den Platz verlassen. Moralisch ist Teplitz alz Sieger anzusprechen. Nur fehlt ihnen die bei jedem Fußballspiel so not- wendige Kopfarbeit.— Am Mittwoch abend spielt dieselbe Teplitzer Mannschaft in Velten gegen den dortigen Ballspielklub. Beginn des Spiels 6 Uhr._ Urwahl zum öunöestag. Die T u r n s p a r t e des 1. Kreises vom Arbester-Turn- und Sportbund hat in dieser Woche 6 Männer und 2 Frauen als Dele- gierte nach Hamburg zu wählen. Die kommunistischen Zellen machen wieder lebhafte Propaganda für eine nur aus Kommunisten bestehende Liste, die' sie auch in der„Roten Fahne" veröffentlichen.(Wo bleibt da die E i n h e i t s f r o n t 2) poft-/lbonnenten ?Hamit öie regelmäßige Zustellung öcs -��»vorwärts� im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleiüet, bitten wir unsere post-slbonnenten, üas Bezugs- gel) für)en kommenden Monat zu bezahlen, sobald die Post mit der Einziehung beginnt. Zur sibonnementserneuerungen nach dem 24. erhebt die Post eine Verspätungsgebühr von 2S Pfennig. vorwärts-Verlag G. m. b. h. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, daß die Arbeiterturner des 1. Kreises auf dem Bundestag nur durch Kommunisten vertreten sind. Die auf dem Boden des Bundes und der Luzerner Sportinter- nationale stehenden Vereine empfehlen daher nachfolgende Liste ollen Kreisangehörigen zur Wahl: Männer(6 Delegierte): Conrad, W., Turner, Luckenwalde, K u s s i n. P., Turner, Brandenburg, Leoin, K., Turner, Charlottenburo, Stengel. H.. Turner, Potsdam, S t ü h m, F., Turner, Berlin, Möllmer, W., Leichtathlet. Freuen(2 Delegierte): T i e tz, Martha, und Z e i l i n g e r Else. Auf den offiziellen Stimmzetteln sind bei den Männern 16 Kandidaten verzeichnet(also 10 zu streichen), bei den Frauen sind 3 Vorschläge(also einer zu streichen). Um eine allzu große S t i m m e n z e r s p l i.t t.e r.u n g zu vermeiden, ersuchen wir daher alle Bundesgenossen, die für praktische Arbeit unter Aus- fchaltung des Partei st reits sind, obigen Kandidaten ihre Stimme zu geben. Schwerathleten in Ostpreußen. Die Ringcrmannschaft des SC. L u r i ch 0 2, die sich aus einer Tournee durch O st preußen befand, kann diese Reise als einen vollen Erfolg für sich buchen. Obgleich durch die Reise stark ge- handicapt, wurde ein Sieg nach dem anderen für Berlin errungen. Die Kämpfe und insbesondere die Jiu-Iitfu-Vorführungen haben ihre propagandistische Wirkung nicht verfehlt, die beteiligten Vereine konnten verschiedene Neuaufnahmen und Uebertritte verzeichnen. Den größten Beifall an allen Orten hatten die Jiu-Iitsuer, es war das erstemal, daß Jiu-Jitsu-Vorführungen in dieser Gegend ösfent- lich gezeigt wurden. Die Ringkämpfe, die in zwei Gängen ä 10 Minuten ausgetragen wurden, nahmen folgenden Verlaus. Lurich 02 gegen Konkordia-Tilsit 21: 7. Lurich 02 gegen Verein für Schwerathletik-Jnsterburg 20: 8. Lurich 02 gegen Kraft- und Sportklub Ponarth-Königsberg 19: 9. Lurich 02 gegen Ring- und Stemmklub Alt-Königsberg 14: 14. Lurich 02 gegen SC. Wacker- Allenstein 23: 5. Lurich 02 gegen Kraft- und Sportklub Ponarth 16:12. Lurich 02 gegen Ring- und Stemmklub Alt-Königsberg 18: 10. Lurich 02 gegen Arbeiterkraftsportoerein-Elbing 20: 8. Lurich 02 gegen Gigantea und Schwerathletenverein-Danzig 17: 11. 5rauenturn- unü Sportfest in Bernau. Wer beim Reichs-Arbeitersporttag im Städion Grunewald die gymnastischen Hebungen der 500 Frauen gesehen hat, kann sich die Wirkung noch größerer Massenvorführungen vor- stellen. Zu dem Turn- und Sportfest in Bernau sind bereits über 1000 Meldungen abgegeben. Werbeoeranstaltungen nennen sich die nur von Frauen gezeigten Aufführungen am Sonnabend, die«inen Ausschnitt aus dem vielseitigen Getriebe des neuzeitlichen Frauenturnens bieten. Proletarierfrauen und Mädchen turnen, spielen und treiben Sport, um die Schäden der einseitigen Berufs- arbeit wieder auszugleichen, um gesund zu bleibeü für den Klasien- kämpf, nicht aber um Leistungssteigerungen für den Unternehmer zu erzielen. Damit wollen unsere Arbeitermädel und Frauen nichts zu tun haben. In Bernau wird der Festsonniag eine Riesendemonstro- tion der Arbeitersportlerinnen sein. Gerätewettkömpfe und leichtathletisch« Uebungen sowie besonders Massen- Vorführungen bilden das Hauptprogramm. Für die Unterbringung oller Teilnehmer sorgen in vorbildlicher Weis« die gastgebenden Bcrnauer Ardeiterturner. Bisher haben die Bernauer über 400 Einzelquartiere zur Verfügung gestellt. Die Vorarbeiten sind im besten Gange. Die Veranstaltung wird aus dem städtischen Sport- platz stattfinden. Für die Berliner Arbeiterschaft bietet sich hier Gelegenheit, einmal nur die Frauen bei der Pflege der Leibesübungen zu beobachten. Vom Stcttiner Bahnhof ist Bernau, die alte Hupen- stadt, sehr bequem zu erreichen. Die Zcntralkommijsion sür Arbeitersport und Körperpflege teilt mit: Der O e st e r r e i ch i s ch c F» ß b a l l b u n d hat nach einer stattgcfundencn Besprechung mit Perionen, die für die Durch- führung des Wiener Festes nicht als maßgebend angesprochen werden können, in den Wiener Zeitungen bckannigegebeu. daß der Oester- reichische Fußballöund an dein Wiener Bundessest bzw. am Festzug teilnehmen wc-de. Die Wiener Festleitung hat uns gebeten, offiziell nützuteilen, daß es der Festausschuß abgelehnt hat, solchem Ansinnen stattzugeben Solange die österreichischen Fußballer nicht den Weg zum Äskö(Oesterreichische Zentralkommission) gefunden haben, werden sie weder an Veranstaltungen der Arbeitersportler teilnehmen, noch wird sonst irgendeine Gemeinschaft mit ihnen ge- pflogen. Rast.Abre/.8 Uhr im Iugendlnum sGe. nosse Ba-ein).- Mufitoemeinschast.«erbedezirk Norden: Mittwoch. 23 Juni. Uhr, bei Lehmann Uedunasabend. Mitglieder, welche na» Noten spielen, werden ,ur Mitarbeit aufaefordcrt.- Abt. Pren, lauer Berg: Donnerstam 24 Juni. 3 Uhr� im tznarndbeim Dansiger Str. 23. Zimmer 9...Lebensreform tSumme».— Obt. Südwest! Donnerstag. 24. Fun,. Mist Uhr, Släuno bei flirtner— Abt. Neinirfenbotf; Donnerstag, 24. Juni, Uhr. im Seim Reirnckendars-Ost(Seebad)...«örpertultur".- Abt. Lichtenberg! Donnerstag. 24. tzuni, �-8 Ubr. im Iuaendbeiin Parkaue 10. �Bedeutung der Sonnen. wende".— Abt. Nrulöll«: Donnerstag. 24. Zuni. Abendsp-siergang. Treff- punkt%7 Uhr Bilk. Neukölln.___._, An alle Arbeitervereine und Oeganisatienev Neulvllu»! Noch Auklösun, des Proletarischen Gelundheitsdienstes Neulölln und Uebcrtritt der Mitglieder in den Arbeiter-Samariterbund. sind alle Dienste, au» die der Tiirnh-llen. Schwimmbäder usw.. an ten Genolsen Fischer. Serrsurtbstr 5, ,u melden. Achtung. Fest teil nehme rinnen in Bernau! Quortieransgade von 5 Uhr ab in Modisch» Uesellschostshaus. flaiserskrahe. Beginn de- Werdeabende: Elnsium 8 Uhr Bellevue IgO Uhr. Etandguartier für FTlOi-B.UInsium, Fichte Bellcouc. Für Teilnehmerinnen, welche am Sonntag kommen. Trcffpnnkt und Umkleide. lokal Bellevue, direkt am Sportplah am Wasserturm. Für alle gilt. Pünktliche» Antreten morgen» 8 Uhr. spätre Erscheinend« pam Wettkampf-usgeschloffen. Der Festaua beginnt ebenso pünktlich. Kleidung au den Freiühnngen möglichst schwaraen Bodegnaug oder weihen Echwihcr, schwara« Hole. Else Zeilinqer. Partemachrichten Hroß-Serlin Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW 08, Lindenstr-b- 3. stet» an da» Bezirtsfekretariat. 2. Hos, 2 Trep. rechte, zu richten. 7»reis Charlottenburg. Dienstaa. den 22. Zuni. abends 7>4 Ubr. erweitert« VorsiandssiAung im Zimmer 1 de» Rathauses,- Donnerst� �n 24. Zum. ohends 7 Uhr. Sihun» sämllicher Funttionorinnen im Jugendheim Rosinen. 9 Kerfs Wilmer,dors. Für Sonnabend, den 20. Juni, abend» 744 Ubr. sind noch Karten für die Oper„Rbelngold" sStädtisch« t�er au 1,50 M durch die Milalieder de» Bildungsausschulse» sowie bei dessen Odmgnn Genosten Michel. Aachener Str. 41 ju haben ffilcichsfoll» werden bei dem»graenoniilen Senassen auch Slnsrittstarten au lH Pf. für die am Sonnabend, den 20. Zuni. stattfindend« den Reiherbergen in Solen bei Potsdam abgegeben. Näheres>» aus den 11«reis' Tchömb-rg. Friedenau. Die in den Bori-dren, plant der Frauen. und Mädchen. Bildungsnerein Schöneberg auch in diesem Z-Kre Ferien. spiele in Zehlendorf. Die Ferienlpiele beginnen am Montag, ben 5 Zuh Adkabet mit Sonderwagen der Linie � vormittags 9 Uhr. Trelfpunlt der Schönederqer Kinder um SH Uhr Haupt». Gcfc Muhlenllrahc- Für Friedenau morgens 8.50 Uhr an der Haltestelle Kaisereiche. Trlntgefah. Ehnaps und Lössel muh ieöes K.nd mitbringen. Vorptzequnq kosten o«. Fahntostenbeitrog für da» 1. Kind 1 M.. kür da» 2 Kind M Vst- weN«-« Kinder frei. Meldungen bei den Abteilungsleilern oder in der Boriporls- spedition Belaioer Str. 27. Heute. Dienstag, den 22. Juni: 1. Abt. Die Peairtsfüheer treffen sich heute obenh 7 Uhr beim �>e soffen Zunlte. Artillericstr. 11. aur Abrechnung der Sammellisten und Beilrag». 40. Abs" 0 Ubr Abrechnung der BeairksMbrer und der Ernosten. die noch: Sammellisten in Händen haben, sowie sämtliche» Materiol, Mai- marken usw. beim Genossen Urban. INorgen, Blitiwoch, den 2Z. Juni: 7. Abt. V,i Uhr Zahlabende in folgenden Lolalen:»übe. Streliher StrWdä. Vortrag des lSenossen Neuniann-Kiel: Boll. Bergstr. 71: Dains, Schlegrl- Nrehe 9; Bcirau. Pflugstr. 1; Diete. Bonrnstr. 19 8. Abt. 8 Uhr Mitgliederperlammluna im Nalionalhof. Bülowftr. 37. Vortrag:„Die wirtschaflspolitische Lage". Referent Paul«»»ke. S-mII>»e Mitalieder müssen erscheinen.. 15. Abt. 7>z Uhr Zchlabrnde bei Soldbach, Vinetaplah 7, und Kunae, Acker- strafte 49 18. Abt. Uhr Mitaliederversammlung bei Sachse,..Lindower Str. 26. Vortrag:„Ausgang des Volksentscheids und seine polittsche Auswirkung. Neferent Hans Gottfurcht. �««%«» 21. Abt. 7U» Uhr MitgliederversammlutTg im Schrader-Haus. Malplaguet» straste 14—10. Portraa:„Der Ausgang des Votlsenttcheids. Referent Frana Künstler. M. d. R. Sämtliche Senosnnnen und Genossen müssen 25. Uhr Mitglieherverfammluna im kleinen Saal des Soalbau, Feiedrichshain. Bortrag,„Deutschland— Ruhland. Referent Sregor 28. Abt. VA Ubr Mitgliederversammlung bei Büttner, Schwedter Skr. 23. Portrag der Genossin Licsdeth Riedger, Stadtverordnete, über„D:e polt. tische Lage". 30. Abt. Die Mitaliederversammluna fällt au»... � 37. Abt VA Uhr in der Paäenhofer Brauerei, Landsherger Allee. Mit- aliederperlammlnng. Sämtliche Mitglieder müssen erscheinen leser und Säst« willtammen. Di« Deairkssührer werden ersucht, bestimmt 33 Bt>tf�f"uhr bei Schmidt. Frnchtstr. 36a. Mitgliederpersammlung. Vor. «rag-„Der Ausgang des Vcllsentscheid» und seine politischen Au»w>r- kungcn". Referent Dr. Zulius Moses. M d. R. Säste willtommen 40 Abt. VA Uhr ZaHIabende, Stadtbeairte 100, 107a, 107k bel Eichbola. Euvrnstr. 23: Beairle 108-, 108k und 109 bei Vollentnn. Sörliger Str. 72. Wir erworirn aohlreichen Besuch.__ 47. Abt. VA Uhr hei Nomock. ManteuffeMr. 9. Mitgliederversammluna� Bor- trag:„Was nun?" Reserrnl Ernst Ruhen. Sämtliche Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. Käste und Borwärtsleser sind eingeladen. 49. Aht. sSchwerhS'hv). VA Uhr im Iugendhrim Lindenstr. 3. Z. Hof. 3 Tr. Milaliedervrrlammlung. Vortrag:..Die lultueelle Bc!»ntuna de, Rund- sunt» sür die Arheiterschast". Referent Genosse B. Boigl. Saite und Snmpaihisierende stnd heealichst eingeladen. 57. Aht. Gharlottcnhnig. VA Uhr be> Thunack, Wielandstr. 4. Mitglieder- Versammlung. Vortrag:„Die Soaialdemokratie in der Kommune. Refe. rent Alberl Sorlih. Stadtverordneter. Gäste hfrali»ft willkommen. 81. Abt. Friedenau. 8 Uhr im Gesellschaftsaimmer des Frledenouer R-tbaufe». Am Louterplah, Mitaliedeeversammlung. Vortrag:„Der«usgai,, de, Volksentscheids". Referent Erich Kuttner. M. d. L. Dorw-rtslcs-r und Snmpathisierende sind eingeladen. »nd 102. Abt. Treptow-Baumschul-Nweg.'>4 Ubr Sihuna de» Bisdunq». ausschusses in der Vorwctrtsspedition Gvaeftstr. 56. Abteilungsvorsiftende und Kassierer müssen doran teilnehmen. Die Revtsoren werden gebeten, bereits um 7 Uhr ebenda im erscheinen. Frauenveranstaltung: 94. Abt. Reutöln. Mittwoch, den 23. Juni.?>4 Uhr. hei Gllnther, Schiller- Promenade II. Fiauenabend. Vortrag der Genossin Agne» Fahrcnwaldt. Gäste herzlichst willkommen. Anugsoziolisten. Gruxpe Süden: Heute, Dienstag. 22. Juni. 8 Uhr. in der juristischen Sprechstunde. Lindenstr. 3. Liederabend, gemeinsam mit der Sozialistischen Arbeiterjugend. Gäste willkommen._ 101 Sterbetafel der Grsß-öerliner partet«Grganisation Sichwalde. Der Genosse Georg Wandle ist am 18. d M. gestorben. Dir Einäscherung findet am Mittwoch. 23. Zuni. um 2 Uhr in Laumichuleniveg statt. Um rege Beteiligung ersucht der Borstand. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Ser!in. heute, Dienstag, den 22. Juni, abends 71-- Ahr: Kesundheunnen! Schuir Gothenburger Str. 2. Bortr-g:..A heiieriuoend und Rauschgifte".— Bedding.Ro.d, Schule Miillerfte. 48. pari. Bortrati: ..Pan-Eu,opg".— Nordost I: Zngrndheim Reue Könioftr 21. Bortrag,„Wir und die Gewersschasie,:".— Schönhauser Borstadt I, Schule Driestner Str. 22. Vortrag:„Wir und die hü: gerliche Jugend".— Seneselder-Bieetel: S»pI« Eberswalder Str. 10, Zimmer 12. Bortrog,„Pariser Kommune".— Schöne. de g II: Zuaendheim Hauptstr. 15. Bericht pan Amsterdam.— RariendaM: Alte Schule. Doefstrahe. Zimmer 6 Bortrag:„Allohol und Nikotin".— Neu- köllu 1 lNruterpIag): Zugendheim Hobrecht-. Ecke Sanderstrahe. Bortrog: ..Unsere Geaner".— Revsölln V tRichardplah): Zuqendheim Rogaistr. 53. Bortrog:„Die Fahnen und ihre Bedeutung".— Reinickendoes-vst: Seebad, Restdenastr. 46. Bortrag:„Geschichte der Arbeitrrjugrndbewcgung". ch Werbebeairk Müggelsee: Morgen. Mittwoch, 3 Uhr. im Jugendheim Köpenick. Grünauer Str. 5. Bortrog:„Gegen den Faschismus— für den Sozialismus". Referent Dr. Otto Friedländn. Unterhaltung unö ÄIissen Sekloge des vorwärts Solange äer öerliner öär öen Eingang bewacht, kommen ü i e nie hinein. ?uni. Rote Dächer ducken sich ganz in atmende Roggenfelder. Rotdorn loht in helle wonderfel'ge Iruhlingsmolten. 3ns Blondhaar eines Kindes fliegt ein Sonnentäfer. tostet über weiße Alocken, die Jasmin ins fjoor ihm warf. wo der Ruch des Roggens in die Gärten streich». soll der Iuni-Rachmittag mich in Träumen finden. Morgen loht der Rotdorn wieder in wandcrsel'ge Irühlingswolken— meiner Sehnsucht nur erreichbar im Tagewerk der großen Stadt. �aNs Heinrich Strätner. die Nacht öes Zreö Hopkins. Don ll. Deutsch. fllebertragung von Arnold Wasserbauer.) 1. Der Schlüssel Nr. ZZ47. Um 8 Uhr, an einem klaren sommerabend, näherte sich ein junger, einfach, aber geschmackvoll gekleideter Mann einem Signal- apparot aus der Wall-Street. Mit entschlossener Geste nahm er aus seiner Tasche einen Schlüsselbund, der an einer langen Äickelkette hing. Mit Hilfe eines kleinen Schlüssels, der die Nummer 3347 trug, ösfncte er die Tür des Apparates. Das Innere dieses Apparates stellte ein großes<)isscrnblatt dar, welches in elf Teile gekerbt war. Jeder dieser elf Striche trug ein anderes Kennwort:„Diebe, Mord, Straßenauflaus usw." Rasch drehte der junge Mann den Zeiger auf die Stellung:„Mord". Dann blickte er so lange aus dieses Wart, bis eine kleine elektrische Klingel ihn durch ihr Läuten davon vcr- ständigte, daß die Wache bereits nach dem Auigabrplatz unterwegs sei. Dann schlag er die Tür und sportctc ruhig auf die Ankunft der Polizei. Nach wenigen Minuten erschien bereits ein Polizeiauto mit Schutzleuten. Noch während des Heranfahrens rief dem jungen Manne einer der Poliz.stcn entgegen:„Sind Sie der Zlufgeber dieser Meldung? Wo ist der Mord geschehen?" Das Auto hielt an. Die Polizisten stiegen aus und umringten den jungen Mann. „Ja, ich habe Sie hierher gerufen. Der Mord wurde in Long- Brauch verübt. Man muß den Mörder festnehmen." „Wo ist er, wo ist er?..." „Der Mörder bin ich. Mein Name ist Tom Prowdy. Alles weitere werde ich dem Poli.zcikommisfar erzählen." Noch bevor es zu einer gröheren Ansammlung von Gafsern gekommen war. sauste auch schon wieder das Polizeiauto mit dem Verbrecher davon. Es war 8 Uhr 8 Minuten abends. 2. Der Derbrecher spricht nicht die Wahrheit. „Warum haben Sie nicht die Wahrheit gesagt?" fragte der Polizeikommissar den eben festgenommenen Verbrecher.„Sie nannten sich Tom Prowdy und in meiner Liste steht, der Besitzer des Schlüssels Nr. 3347 ist der Reporter fired Hopkins von den„New- Parker Nachrichten", wohnhast l8. Avenue l47, l3. Stock, Tür Nr. 443, Telephon 1—77—77—23. Was können Sie zur Sache sogen?" „Ich bin trotzdem Tom Prowdy. Ich habe diesen Schlüssel bei meinem irrcundc Fred Hopkins gestohlen. Ich war mit ihm zu- sammen in Long-Branch..Dort habe ich— im Affekt— den Mord begangen. Ich habe meine Braus, Miß Jonny Gray, getötet, wohn- hast— oder vielmehr: früher wohnhaft— in der Billa Michigan. ?ch habe mich nachts in ihr Zimmer geschlichen, indem ich den Weg über die große Veranda nahm, habe die Jalousien herabgelassen und sie mit den Polstern erwürgt. Die Leiche trug ich in einem Sock aus der Di'la und warf sie ins Meer. Niemand weiß davon. Auch Hopkins nicht. Ueber die Veranlassung zu diesem Morde will ich nicht sprechen. Mit dem 2-Uhr-Zug bin ich nach New Park ge- kommen, bekam Gewissensbisse und beschloß, mich den Händen der Justiz zu überliefern." Der Polizeikommissar protokollierte die Aussagen des Mörders, dann rief er tclephonisch den Chefredakteur der„New-Porker Nach- richten" an. Dieser bestätigte ihm, daß Fred Hopkins totsächlich Reporter bei seinem Blatte sei, daß er sich tatsächlich geäußert habe, nach Long-Branch fahren zu wollen, habe ober weder über seine Reisegesellschaft noch über das Ziel irgendwelche Mitteilungen gc- macht. Selbstverständlich kenne er— der Redakteur— weder einen Tom Prowdy noch eine Jonny Gray, er könne dos Gespräch über- baupt nicht mehr fortsetzen, da eben eine wichtige Meldung über den Ausbruch eines grandiosen Eisenbahnerstreiks in England angelangt sei und er stecke über den Kops in Arbeit. Um 8 Uhr 20 Minuten wurde der Verbrecher, der ein ausrichtiges Geständnis abgelegt hatte— nach Aeußcrung des Polizeikommifsars, vorläufig— nach Zelle Nr. 17 in Untersuchungshaft gebracht. 3. Vcr ist er? Zell- Nr. 17 war ein großes, mit weißer Farbe frisch ge- strichenes Zimmer, in dem oerschieden« Verbrecher untergebracht waren. Unbedeutende Toschendiebe, Mörder, Brandstifter. Gelegen- heitsdiebe— die größtenteils aus Not zu diesen Schritten getrieben wurden. Es gab auch solche, die kleine Uebertretungen des Gesetzes auf dem Gewissen hatten, wie z. B. Leute, die aus der Straße von einem Polizisten in volltrunkenem Zustand aufgelesen werden mußten oder andere wieder, die sich geweigert hatten, den Anord- nungen der Polizei Folge zu leisten. Der neue Gast bekam seine Liegestatt in der Ecke, gleich neben einem rothaarigen Alten und einfm herzigen, jungen Mädchen. Mit dem Gefühle denkbar größtcr Selbstzufriedenheit blickte er sich in seinem neuen Gesellschaftskreise um und es hatte den Anschein, als hätte er sein ganzes Leben lang keinen sehnlicheren Wunsch gehobt, al» ins Gesängnis zu kommen. Er plauderte viel mit den Leuten und psisf vergnügt einen der letzten Modeschloger vor sich hin, fragte den oder jenen noch den Ursachen seiner Verhaftung aus. was«inen der„Stammgäste" des Gefängnisses sogar einigermaßen aufreizte. Dieser äußerte sich näm- lich zu einem„Kollegen" folgendermaßen: „Du, sei vorfichtig! Merkst du denn nicht, daß der da ein Spitzel ist, den man nur hereingesetzt hat, um zu spionieren?! Schau nur, wie er sich alles notiert, was ihm dort die dummen Biester erzählen!" Und tatsächlich, der Abkömmling benahm sich höchst sonderbar. Ununterbrochen machte er sick) in seinem dicken Notizblock Aufzeichnungen, sah dabei alle Augenblicke nach der Uhr, die auf dem goldenen Armband, das er ums Handgelenk trug, leuchtete, nach jener Uhr, die schon den Neid mehrerer anwesender kleiner Gelegenheit�- Taschendiebe hervorgerufen hatte. In diesem lebenslustigen jungen Menschen hätte wahrhaftig niemand einen frisch eingelieferten Mörder vermutet. Scheinbor hatte er ein wunderbares Be- herrschungstolent. Eben spricht er mit seiner Nachbarin, einer Blondine mit ungewöhnlich seinem Teint und hellblauen Augen. Was konnte sie verbrochen haben, dieser Engel in Menschengestalt, uy, in diese Welt der Verbrecher gebracht zu werden? Gerne erzählte das Mädchen seinem Nachbar seine kurze, traurige Geschichte. 4. Dic'Geschichlc des jungen Mädchens. „Mein Name ist Helen Drimmer"— begann sie leise mit ihrer zart vibrierenden Stimme.„An meine Mutter tonn ich mich nicht mehr erinnern. Der Bater fuhr eines Tages weit fort, ins Aus- land, um nie wieder zurückzukehren. Gute Menschen nahmen sich meiner an. Nach Absolvierung der niederen Schulen kam ich an die Universität. Meine Jugend war erwärmt durch die Liebe, die mir ein kinderloses Ehepaar entgegenbrachte. Aber auch diese guten Leute starben. Vermögen hatte ich keines. Arbeit finden, war unmöglich, überall herrschte Arbeitslosigkeit. Armut, Hunger, Ver- zweislung... Ich mußte meine Ilniversitätsstudien aufgeben, nahm die säzmierigste Schwarzarbeit, man machte sich über meine au?- gearbeiteten Hände lustig. Vergangene Woche verlor ich ober auch diese Verdienstmöglichkeit. Ich ging durch die lärmenden, mit Menschenmassen überfüllten Straßen, sah gierig noch den Vitrinen der Lebensmittelgeschäfte... Nicht einmal ein Stück Brot konnte ich mir kaufen. Schließlich hielt ich es nicht mehr aus: bei einem Bäcker stahl ich ein Brötchen, wurde ertappt und hierher gebracht. Nun sitze ich schon den zweiten Tag hier. Aber ich sühlc mich h'er wobler als in der Freiheit. Wenigstens bekomme ich täglich meine 'Gerstensuppe." Aus seine sonderbare Art notierte sich der junge Mensch alles, was da? Mädchen erzählte, sorgsam in seinen Block, indem er von Zeit zu Zeit mitleidig den Kopf schüttelte. Dann begann er seiner- seit», ihr seine Geschichte zu erzäblen. Er, Tom Prowdy, sei der Sohn eines reichen Viehhändlers aus New Orleans. Nie hob? er Not gelitten. Den Mord habe er aus rein„romantisckien" Gründen verübt. Nun werde er gehörig büßen müssen.... Wie könnte man ihn denn auch freisprechen? Wenn dos Weib, das er getöiet hat, nur annähernd so bescheiden, so zart, so lieb gewesen wäre, wie Miß Helen Drimmer— er wäre jetzt gewiß kein unglücklicher Der- breche?... „Seien Sie deshalb nicht so verzweifelt, mein Leidensgenossel Jeder trägt seine Bürde, Sie wegen unglücklicher Liebe, ich wegen des Hungers. Morgen vielleicht wird man mich schon sreilassen und ich will hungern, um Ihnen täglich Speise und Trank ins Gefängnis zu bringen..."(Schluß jolgt.) Zranzöfifihe jürstenabfinöung. Bedeutet es einen ersten Schritt zur allgemeinen Sozialisierung. wenn man dem Schlund der dovongelausenen Fürsten nicht noch überflüssig« Renten nochwirst? Die französische Geschichte be- antwortet diese Frage mit einein scharsen Nein. Als Lud wig XVl. am 21. Januar 1793 nach der großen französischen Revolution dos Schossot besteigen mußte, verfiel lein Vermögen ohne weiteres dem Staate. Selbst dos hotte keine Gedanken an allgemeine Sozialisierung.zur Folge, sondern es bewirkte die Ncrsalsung von 1793, durch die zum erstenmal d«m sronzösischen Volk das direkte ollgemeine Wahlrecht aller Bürger, die älter als 21 Jahre waren in die Hand gegeben wurde. Das Bewußtiein. daß auch des Königs Eigentum nunmehr dem Volk gehörte, festigte die demokratische Idee in Frankreich. Denn w? hot'e vorher das Königshaus geschwelgt Hatte doch der„Sonnenkönig" Ludwig XIV., der über 30 Millionen Meilen von der wirklichen Sonne entfernt war, mehr Menschen.zur Her- richtung der Wasserfälle des Städtchen» Mointenon umkommen lassen, als der Kampf um die Verfassung von 1793 zur gerechten Stcuerverteiiung und zur Herstellunq der Gleichheit aller Büraer vor den> Gesetz Wenn man allerdings, wie Ludwig XIV., der Ansicht ist,„der Staat— da- bin ich", dann ist nicht verwunderlich. daß allein die Kainmerzoscn seiner Gemahlin durch den Weiter- verkauf angebrannter Wachskerzen 50 009 Franken jährlich nebenher verdienten. Ganz wie Wilhelm II. und ja mancher seiner Throngenossen, betrachtete sich auch Ludwig XIV. als Stellvertreter Gottes auf Erden Gerade deshalb kann uns Frankreichs Geschichte zum Beispiel dienen. Denn die Art des Hofstaates Wilhelms II. nähert sich be- denklich den» jorglosen Dahinleben Ludwigs XIV. Nur daß dieser wenigstens die bedeutendsten Dichter und Denker seiner Zeit an seinen Hai zog, während der Holland Reisende als Kaiser des Volkes der Dichter und Denker nur für geschmackloses Gepränge Sinn hat!?. Auch Napoleon I. mußte erfahren, was es bedeutet«, durch unsinnige Militö.rabcnteuer Altcninte aus die Volksrccktc zu unter- nehmen. Als Frankreich 1815 nach der Schlacht von Waterloo des Krieges überdrüssig wurde und man Napoleon aus die Insel St. Helena im Atlantilchen Ozean oerbannte, da verfiel ebenfalls sein Gesamtvermögen dein Staat. Schlimmer erging es dem König Ludwig Philipp, als am 24. Februar 1848 in Paris die Revolution ausbrach. Die wütende Menge zerstörte den Thron im Königsichloß und warf alle keniglichen Möbel durch die Fenfte:. Napoleon III., dem es daraufhin gelungen war, zunächst Präsident aus 10 Jahre und dann Kaiser zu werden, yerjügte 1852 die Kon- siskation aller Güter der Königsfamill« Orleans zugunsten des Staate«. Erst Thier» öfsnete im«ammer 1871 der Orleans-Fanülie wieder den französischen Boden, doch gab er ihr nicht die Güter zurück. Alles Geld und die Domänen der Orleans-Familie sind noch heute französisches Staatseigentum. Als man sah, daß d-e verfloisenen Herrscher ihre Angrisse aus die französische Republik nicht»nterliehen, half das Gesetz vom 23. Juni 1886 nach, durch das der jeweilige Kronprätendent für jein ganzes Leben ans Frankreich verbannt ist. So lebt der junge Prinz Ludwig Napoleon geau so im Auslände lund zwar in LrüjjeN wie der Herzog de Guise, der kühn gemig ist, Frankreichs Königsthron zu erhasfen. Nichts hat in Frankreich die Republik so ge- stärk«, wie das freche Auftreten seiner Könioe und K a i I e r. lind doch ist keittcr oon ihnen so weil gegangen, daß er von seinem den„herrliche,, Tagen entgegengesührten" Volk noch jahrelange Renten verlangte. Diesen Höhepunkt zu erreichen, blieb den deutschen Fürsten vorbehalten. Kurt Lenz. Oer Lanöungsjleg. Zllfo, so steht die Zukunft aus.. Tändelnde Wellen, wogen ab, wogen auf. Mit ihnen spiel! willkürlich die Sonne und wenn es dem Weitcraot: gejälll, dann peitscht er wild Winde und Stürme auf, die das Wellenfpiel ohnmächtig an nackten Felsen und sandigen Flächen zerstäuben läßt... Immer wieder- starrt sehnsüchtig, unentwegt, der Blick hinaus in das stechend flimmernde Wassergelräusel, das keinen Anfang, kein Ende kennt. Trotzig stehe ich auf dem Landungssteg. Ihn hat ein Meister der 2ech»it gebaut, der mit inenschlichcn Händen dem un- sicheren Naß triumphierend einen trockenen Ankerplatz abgerungen hat. Ein eiserner Vorsprung, weist er hinaus in die Grenzenlosig- keit wolkenloser Ferne... Irgendwo, weit drüben, über diescin Wasserchaos lockt ein Eiland mit grünen Geiilden, das der Seele Ruhe und Friede verspricht, das der Schaffenslust des Strebende» neue Ziele zeigt... Wie Luft nach einer nie gekosteten, herrlichköstlichen Frucht brennt es auf dem Gaumen. Einer Paradiesfnichi, um deretwillen man Weib und Kind oerlassen kann, eines Phantom», das den»eßhaften zum Abenteurer macht... Und dabei lächelt der Wellenmund der Meeresnixe ein unfchuldsvolles Lachen.„Warum erregt, lieber Freund, bist du wanderlnftig? Warum diesen seurigen Stein im Busen, der sich drüben über meinem weiten Rücken Löschung der Sehnsuchtsqval verspricht? Meine Tiefen sind verschwiegen. Sie bergen Massengräber, sie bergen ober auch wunderbarste Schätze eines Märchenreiches... Komm dach, komme..." Und die Mens hen, die heiter am Steg promenieren, warten Und gehen, flirten und scherzen, sehen nicht, wie ich mich an den eisernen, klitschigen Stangen anklammere, sie verstehen nicht meine Angst, daß einmal der Tag kommen wird, an dem, gleich einem lebenden Wrack, bei der Rückkehr von zerschellten Hoffnungen dieser Landungssteg der Hafen des armseligen Geborgenseins werden könnte, den' Tatenlust und Lebensmut mit schwellenden Freuden- segeln verlassen hat,... H. W. L i m m e r. Der Kampf um öle ZrankenstabiSisierung Das Interesse Deutschlands.- Kann Anslandshilse nützen? In Dingen der Jnflatiin haben die eigenen bitteren Erfahrun» gen jeden Deutschen mehr oder weniger zum Fachmann gemacht. Es ist deshalb natürlich, daß trotz aller politischen und Wirtschaft. lichen Gegensätze und gerade wegen der erlittenen Inflationsschäden kein Deutscher den Franzosen dasselbe Schicksal wünscht. Bei der deutschen Arbeiterschaft muh der Wunsch noch einer baldigen Stabilisierung der französischen Währung besonders lebhast sein: und zwar nicht nur, damit der französischen Arbeiterschaft das zu Endegehen des Leidenweges erspart bleibe, zu dem die deutschen Brüder verurteilt waren. Die deutsche Arbeiterschaft hat an der Stabilisierung der französischen Währung auch ein unmittelbares reales Interesse. Das Interesse Deutschlands.— Wirkungen auf dem Arbeitsmarkt. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in der schwersten Sanierungskrise, die jemals in der Geschichte der kapitalistischen Gesellschaft zu verzeichnen war. Diese Sanierungsirise wird wirt- schasts« und sozialpolitisch un> so teurer, ie weiter die Währungs. Zerstörungen in den umliegenden Ländern fortschreiten und je länger der Zerstörungsprozeh der Währungen andauert. Es liegt ja bei diesem Zerstörungsprozeh, wie wir gut wissen, das Wenigste noch an der Entwertung des Geldes. Diese Entwertung des Geldes ist, weil Staat und Industrie von der Substanz des Nationaloer. mögens leben, eine Zerstörung der Wirtschaft. Solange aber diese Zerstörung fortdauert, ist der Franzose ein schwerer Konkurrent und zugleich ein schlechter Käufer. Dann treiben alle Inflation«. länder erfahrungsaemäh eine scharfe Schutzzollpolitik: u n s i ch t» bor während der Inflation, da der niedrige Lohn- und Preis- stand im Inland den Inlandsmarkt der Inlandsindustrie reserviert, sichtbar und sehr aggressiv nach der Stabilisierung, um die Jnlandsindustrie„zu schützen" und neue Märkte zu erobern. Endlich kommt auch die Kapitalslucht der Inslationsländer den Ländern mit stabiler Währung sehr teuer: während der Inflation durch den Zustrom, nach der Inflation durch den plötzlichen Ab- sluh von Kapital und Lankguthaben, die beide für eine gesunde Wirtschaftsentwicklung störend und gefährlich sind. Für den Ar- beitsmarkt Deutschlands hat dieser ganze Prozeh verheerende Wirkungen, und die deutsche Arbeiterschaft hat kaum ein drin- oenderes Interesse, als Frankreich und den anderen europäischen Inflationsländeni ein möglichst schnelles Ende der Inslation und eine möglichst baldige Gesundung des Wirtschaftslebens zu wünschen. Theoretisch ein einfaches Problem. Nun ist es die Tragik aller Währungskatastrophen, dah es Hilfe von außen überhaupt nicht gibt, solange der Geldentwertung kein Ende gemacht wird, daß aber die Selbsthilfe im kapitalistischen System am Widerstand der Kapitalisten scheitert. An sich wäre das Problem der Währungsstabilisierung ja herzlich leicht zu lösen: der Staat muh Goldsteuern nach dem Index einer stabilen Auslandswährung erheben, um keinen Pfennig seiner Ausgaben mehr durch schwebende Schulden zu bezahlen, die Arbeiterschaft muß um G o l d lö h n e kämpfen, um das Prioatkapital auch auf der Ausgabenseite zu wertbeständiger Rechnung zu zwingen, und endlich müssen die kurzfristigen Schulden, die der Staat ge> macht hat, nach einem bestimmten Index in langfristige Goldschulden umgewandelt und verzinst werden. Wird das gemacht, so hört die Kapitalflucht ins Ausland und in die Söch- werte auf. denn der Kopitalist braucht sein Geld zum Steuerzahfen: die Geldentwertung hört auf, weil der Kapitalist bei Goldsteuern und Goldlöhnen nicht mehr haften kann, von der Geldentwertung noch zu profitieren und das leichtsinnige vom Kredit leben hört auf. xoeil die Zeit allein keine Schulden mehr tilgt. Die Lösung in Zahlen. Auch wenn man sich die Lösung in Zahlen ansieht, ist das Bild keineswegs erschreckend. Nach Caillaux hatte der franzö- sische Staat Anfang dieses Jahres folgend« Schulden: 150 Milliarden Papierfranken langfristige Anleihen. 45„, längerfristige Schuldoerfchrsibun. gen. 50»- schwebende Schulden bei der Bank von Frankreich und anderen. 55„„ Schuloverschreibungen der nationalen Bertcidigung. Dazu kommen etwa 4l) Milliarden Goldfranken Lalutaschulden an das Ausland. Das ist in Papierftanken insgesamt eine Schuld von rund 600 Milliarden Franken: eine an(ich ungeheure Summe. Legt man aber für die Stabilisierung etwa den heutigen Goldwert des Papierfranken zugrunde, so erniähigt sich die Gesamtschuld auf etwa ein Siebentel oder 85 Milliarden Mark. Diese wären zu verzinsen. Für die 40 Milliarden Zluslandsschuld würde Frankreich nun aber Dorzugszinsen genießen, so hoch, daß aus der Differenz ein großer Teil der Tilgungsraten bestritten werden könnte. Die Zinsen für die eigentlichen Anleihen würden bei der Umstellung auf Gold nicht höher, denn heute werden die Zinsen ja in P a p i e r- franken bezahlt. Nur bei der Umwandlung der schwebenden Schulden könnte eine etwas höhere Belastung herauskommen. Auch die Umstellung der Papiersteuern auf Goldsteuern brächte keine große Belastung. In Frankreich wird nämlich, da das Tempo der Geldentwertung ein sehr viel langsameres ist, und der Staat viel schärfer um Steucrleistungcn kämpft als seinerzeit in Deutsch- land, fast noch die Gesamtheit der Staatsousgaben aus Steuern bezahlt. Die Belastung aus dem Kampf um Goldlöhne würde zwar größer sein, käme aber sofort der Industrie urm dem Verkehr in einer stärkeren Kaufkraft zugute. Das ganze Land hätte selbstver- stündlich aus der Stabilisierung der Währung nur zu gewinnen. Der Widerstand der Interessenten.— Psychologische Hemmungen. Aber jeder Versuch scheiterte bisher an dem Widerstand der Interessenten. Die politische Schwierigkeit, der Leffentlichkeit die Notwendigkeit von Opfern begreiflich zu niachen. ist zu groß. Wie in Dculfchland hallen die Unternehmer ihre Scheingcwinne für echte Gewinne, ihren Scheinrcicktum für echten Reichtum und halten an diesem eingebildeten Reichtum fest. Das Interesse der Spekulanten an Gewinnen aus der Geldentwertung, oie Furcht der Unternehmer vor der notwendig folgenden Wirtschaitskrife. ihre Angst vor der Wahrheit und die Bequemlichkeit der Inflationsocr- Hältnisse für die Betriebsführung erschweren die Situation. Dazu kommt der Widerstand der Rentner. Obwohl sie bei zunehmender Geldentwertung unfehlbar noch immer mehr verlieren müssen, ist ihnen der heutige Verlust schon zu groß, und die törichte Hoffnung, das ganze vielleicht zu retten, läßt sie auf die Rettung des Teiles verzichten. In der Tat sind die Verluste der Rentner mit der Enlwcrtung der Staatsanleihen ja nicht erschöpft. Wird der Popicrsrankcn auf einen Bruchteil feines ehemaligen Goldwerts herabgesetzt, so folgen wie in Deutschland Pfandbriefe, Hypotheken, festverzinsliche Kommunal- und Itidustrieodligationen, Sparkassenguthaben, Versicherungen und Bankguthaben. Es wird zwar auch in Frankreich, und zwar stärker als in Deutschland. Aus- wertunISmoffen geben, aber die Vermögensverluste werden außer- ordentlich fühlbar sein. Vor diesen Verlusten hat jeder Rentner und Sparer Angst. Und da sie die Hoffnung nicht aufgeben können. doch noch ohne Verlust davonzukommen, vereinigt sich ihr psycho» logischer Widerstand mit dem Interesse der Unternehmer und Spekulanten an der Geldentwertung zu dem Ergebnis, daß glle Stabilisterungsoerjuchc aus p o l i t i s ch e u Gründen scheitern. Die Aussichken.— Wie das Ausland helfen könnte. Es ist auch kaum zu hoffen, daß die Stabilisierung des Franken so bald gelingt. Zu der großen politischen Kraftanstrenaung. die dazu nötig ist, ist ein Land kaum fähig, das einmal das Vertrauen in seine Währung entweder verloren hat oder bewußt untergräbt. Das aber ist spätestens seit Ende vorigen Jahre- der Fall. Der starke Sturß der französischen Währung in den letzten 6 Monaten ist viel weniger das Ergebnis sahrlässiger«chuldenwirtschaft des Staates, als einer Vertrauenskrise. Niemand vertraut mehr den Papierfranken, die er in der Hand hat, und der Kreis derer, die sie gegen Sachwerte, Devisen und ausländische Staatspapiere oder Aktien verkaufen, wächst. Dazu schafft sich die Industrie durch Um. stellung auf die Dollar- oder Pfund-Sterlingrechnung zu. nehmend eine eigene Währung. Don den großen Börsenplätzen und aus der französischen Industrie wurden die Nachrichten darüber in der letzten Zeit immer häufiger. Darum wird es für fede Regierung außerordentlich schwer sein, sich in dem von Interessen regierten Parlament so viel Rückhalt zu verschaffen, daß die Aktion Aussicht auf Gelingen hätte. Dennoch müßten alle Völker mit festen Währungen und be- sonders die Arbeiterschaft dieser Länder alles tun, um die Bereit- schaft zur Stabilisierung in der französischen Oefsentlichkeit zu stärken. Denn mit der Stabilisierung des Franken fördern sie nur eigenes Interesse. Der Versuch einer ausländischen Finanzhilfe wäre natürlich zunächst ebenso verkehrt, wie etwa das Verlangen Frankreichs danach. Wer Kredit hat, läßt sich Zeit. Um so wichtiger wäre eine eindrucksvolle internationale Aktion. die sich an die öffentliche Meinung in allen Schichten der Bevölke- rung richtet. Es ist ernsthaft zu erwägen, ob nicht von den Orga- nen des Völkerbundes(Weltwirtschaftskonferenz) unter Mitwirkung des offiziellen Frankreich die Notwendigkeit der Franken- stabilisierung dem französischen Volte im eigenen wie im weltwirt- schastlichen Interesse eindringlich vorzustellen wäre. Ein internatio- nales Komitee von Sachverständigen müßte einwandfrei einen Weg zur Stabilisierung des Fronken weisen, um die Diskussionen der französischen Interessentengruppen zur Sachlichkeit zu zwin- gen. Den französischen Sparern und Rentnern müßte die Wahr» h e i t gesagt werden, niemand möchte das besser, niemand ge- nösse auch mehr Autorität dabei, als die deutschen Sparer und Rentner, die die Geldentwertung enteignet hat. Endlich aber hätte auch die deutsche Arbeiterschaft eine Mission zu erfüllen: sie müßte den französischen Brüdern sagen, weiche Hölle die fortschreitende Geldentwertung für die Arbeiterklasse bedeutet und daß jedes Zögern im Kampf um wertbeständige, d. h. Goldlöhne und Gold- steuern die Geldentwertung verewigt und die Arbeitslosigkeit, die jeder Stabilisierung notwendig folgt, in sinnloser Weise verschärft. Aufgaben ües Enquetausschusses. Prüfung der Gesamtbilanz der deutschen Volkswirtschaft Das erweiterte Präsidium des Enquetcausfchusses hat am Montag in einer Sitzung die Aufgaben und Arbeitsgebiete der Enquete endgültig festgestellt. Sie wurden wie folgt for- muliert: s) durch Tatsachenuntersuchung die seit der Vorkriegszeit«in- getretenen wesentlichen Struktur Wandlungen der deut- scheu Volkswirtschaft klarzustellen. h) soweit bei grundlegenden Faktoren der deutschen Volts- wirlichofk solche Wandlungen nicht eingetreten sind, auf dem gleichen Wege den tatsächlichen Zustand auch dieser Fal- zrcn zu ermitteln. c) auf dem Gebiete der Arbeitsleistung die im Gesetz vom 15. April 1926 gestellten Aufgaben fUntersuchiingen nach den Festlegungen des Vereins für Sozialpolitik über Arbeitsleistung, Arbeitszeit, Arbeitslohn usw. zu lösen. Es wurde betont, daß die Untersuchungen zu einer Prüfung der Gesamtbilanz der deutschen Volkswirtschaft in ihren einheitlichen Faktoren führen sollen. Die einzelnen Ar- beitsgebiete sind bereits durch den am 7. Juni aufgestellten Arbeits- plan umrissen worden. Dieser ermöglicht vor ollen Dingen eine Sichtung des schon vorhandenen Materials. Die nächst« Aufgabe wird sein, daß die Unterausschüsse ihre besonderen Arbeitspläne auf die Gesamtaufgaben der Enquete einstellen. In der Wahl ihrer Arbeitsmethoden sind sie innerhalb dieses Rahmens völlig frei. Auf- gäbe des Präsidiums ist nur, in Verbindung mit den Vorständen der Unterausschüsse für die einheitliche Zielrichtung der gesamten Arbeiten Sorge zu tragen. Ikeunmonatsbericht des Reparakionsagentea. Der Generalagent für Reparationszahlungen hat der Repara- ttonskommisston einen ausführlichen Bericht über seine Tätigkeit während der vergangenen 9 Monate des zweiten Rcparationsjahres <1. September 1925 bis 31. Mai 1926) erstattet. Die zu leistende Annuität betrug im 2. Jahre 1220 Mill. Gm.: darauf entfallen 821,42 Mill. Rm., die Deutschland innerhalb der ersten 9 Monate geleistet hat. Die Zahlungen resultieren im einzelnen aus: Reichs- babnzahiiingen 400 Mill. Rm.. Haushaltsbeiträge 190 Mill., In- dustriezahlungen 62,5 und Beförderungssteuer 168,92 Mill. Rm. Die Bewirtschaftung der Berliner Häfen. Die Berliner Hafen- und Lager haus- A.-G., Generaldirettion der Berliner Häfen, hat bekanntlich gegen die Verpflichtung des Ausbaus der Berliner Häfen den Betrieb dieser Häfen gepachtet. Sie setzte nach ihrem Geschäftsbericht im Jahre 1925 ihre aus Stärkung des Berliner. Schiffsgüterverkehrs gerichtete Werbetätigkeit mit dem Erfolg fort, daß die Menge der bewegten Tonnen um mehr als 50 Prozent von 874845 auf 1 349 815 stieg. Der Ausbau des Westhofens ist beendet. Für diesen Zweck hat das Unternehmen sehr erhebliche Gelder ausgenommen, die große Zinslasten bedeuten. Die Bemühungen, den Verkehr im Spandauer Hafen zu beleben. waren bisher erfolglos. Hier werden große Hoffnungen auf die Eröffnung des Mittellandkanals gefetzt. Die Bilanz schließt bei einem Aktienkapital von 1,6 Millionen Mark mit einem Reingewinn von 124 075 M., aus dem eine Dividend« von 6 Prozent zur Verteilung gelangt. Anlage eine» üali-llmschlaghasens an der Elbe. Das deut- fchs Kalisyndtkat hat mit dem preußischen Staat einen Bertrag ge- schlössen, aus Grund dessen eine Spezial-Kali-UmschlagSanlage im Hamburg-Harburger Hafengebict gebaut wird. Außerdem ist nach 23TB. Handelsdienst für das Stromgebiet der Weser eine gleiche Anlage in Bremen beabsichtigt. Lokomotivenausträge bei Orensseln u. kovpel. Nack den Dar- legungen der Verwaltung der Orcnstein u, Koppel A.-G. hat dos Unternehmen von der deutschen Reichsbahn in den letzten Tagen einen Auftrag auf 8 Lokomotiven im Werte von zirka 1 Million M. erhallen. Leider ist es kaum anzunehmen, daß dieser Auftrag ein« sühlbare Vermehrung des stark reduzierten Arbeitcrstandes der Finna zur Folge haben wird. Die Verwaltung hat nach ihren eigenen Ausführungen die Tendenz, die Unkosten weiter abzubauen und nur auf dem Gebiet« der(zweifellos abbaufähigen— d. R.) Vcrkaufs- organisation soll kein« Einschränkung erfolgen. So wird der Kosten- abbau nichts weiter als Arbeitercntlassungen bedeuten und auch bei Verstärkung des Auftragsbestandes nur geringfügigere Neuein- stellungen vornehmen. Die Firma arbeitet ohne Bankkredite, hat vielmehr ein Barguthaben von 4 Millionen Mark nebst einem eigenen Wechlelprotefeuille von zirka 2 Millionen Mark. Im laufen- den Geschöftsjahr hat sich nach den Mitteilungen In der Generalver- fammUmg das Gejchäst auch in diesem Jahre nicht gehoben. Die Ilmfaßzahlen Lewegen sich ungefähr ans der Höhe des Vorjahre». Nur die Konstruktionsbureaus haben mit voller Belegschaft weiter gearbeitet und Neukonstruktionen, vor allem auf dem Gebiete der Gcoßraumgüterwagen und Selbstentlader, serner aus deni Gebiete des Signalbaus der Motorenlokomoliven und des Baggerbaus ge- schaffen. von der Skandurd-OIl Co. Die Standard Oil Gruppe oerteilte im 2. Quartal 1926 nach Drahlberichten aus New Jork Dividenden im Gesamtbeträge von mehr als 50 Mül. Dollar. Dies ist abgesehen vom ersten Quartal 1923 eine Rekordverzinsung. Betrögt doch die gesamte Dividendenausschüttung für das erste Halbjahr 1926 mehr als 91 Mill. Dollar gegen nur 77 Mill Dollar in derselben Zeit des Vorjahres. Reform des amerikanischen Zolllariss.� Der Kongreg hat eine gemischte Kommission bestehend aus den Führern beider Parteien im Senat und Unterhaus ernannt, um den jetzigen Zolltarif einem eingehenden Studium zu unterwerfen. Zweck dieses Studiums ist die Vereinfachung des bestehenden Tarifs, sowie die Herabsetzung einzelner Zollsätze, vor allem auf Fertigsabrikate. Die Arbeiten der Kommission dürften den Erfolg hoben, daß ausländische Exporteure künftighin weniger Schwierigkeiten bei der Einfuhr von Waren nach Amerika haben werden._ Ausammentritt öes Reichstags. Ratifizierung des Washingtoner Abkommens. Die Reichstagssitzung wurde um 31-L Uhr vom Präsiden- ten L ö b e eröffnet. Die erste Beratung des deutsch-schwedischen Han- dels- und Schis fohrtsvertrags sowie die zweite Bk- rawng des deutsch-dänischen Vertrags werden nach kurzer Geschäftsordnungsdebatte wieder von der Tagesordnung ab- gesetzt. Der Zusatzvertrog zum Wirtschaftsabkommen mit Deutschö st erreich wird dem handclspolülschen Ausschuß über- wiesen. Der Gesetzentwurs über den Vergleich zur Abwendung des Konkurses geht an den Rechtsausschuß. Der Gesetzentwurf zur Aendenmg des Geseges betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung, nach dem das Stammkapital jetzt mindestens 20 000 M. betragen soll, wird in 1. und 2. Lesung angenommen. Es folgt die Beratung des mündlichen Berichts des S o z! a l e n Ausschusses über den Entwurf und die Entschließung, die von der Sozialdemokratie eingebracht wurde, betr. das Vafhingtoner Abkommen und die Beschäftigung der Frauen vor und nach der Niederkunft. Ueber die Verhandlungen des Ausschusses berichtet Frau Abg. Schröder lSoZ-st Den Beratungen lagen neben dem von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten Antrage und der Interpellation das reichhaltige Material vor, das der Deutsche Textilarbciterverband gesammeli hat. Es geht daraus hervor, wie außerordentlich gcsundheitsschäöllcy v»' Arbeit der schwangeren Frauen nicht nur für die troffenen selbst, sondern auch für den Nachwuchs ist. Die jctzr in Deutschland geltenden Schutzbestimmungen genügen nicht, sie müßten schleunigst erweitert werden, zumal das von der Regierung in Aus- sicht gestellte llnfalloerhütungsgesctz noch in weiter Ferne stehe. Die Mehrheit des Ausschusses beantragt nunmehr: die Relchsregierung zu ersuche», dem Reichstag eiuen Gesehenl-. wurs betreffend die Ratifizierung des zu» genannten wafhing- loner lleberctnkommevis vorzulegen. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns teilt mit, dah das K a b l- nett sich mit der Frage der Ratifizierung dieses ilbkommen- noch nicht befaßt habe, es werde ihr aber voraussichtlich zuslimmtn. Das Abkommen fei bisher erst von einer geringen Zahl der Mit- glieder des Internationalen Arbeilsaints ratifiziert worden. Der Minister halte es allerdings für richtig, daß erst die deutsche Geietz- Sebung dem Inhalt des Abkommens emsprechend angepaßt werde. iu diesem Zwecke müsse die Materie dem Sozialpolitischen Ausschuß wieder überwiesen werden, die Regierung werde dann mit Be- schleunigung einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen. Abg. Gerig lZ.) beantragt nun die Zurückoerweisung des Be- richte an den Ausschuß. Abg. Rädel(Komm.) widerspricht dem Antrag. Abg. Frau Schröder(Soz.) erklärt, daß sich die sozialdemo- kratische Fraktion nur dann mit der Zurückverweisung einverstanden erklären könne, wenn sich der Ausschuß bereits in d e n n ä ch st e n Tagen mit dieser Materie befasse und das in Aussicht gestellte Gesetz noch vor den Sommerferien erledigt werde. Die Zurückverwcisung wird hieraus beschlossen. Es folgt die dritte Beratung des Entwurjs eines Gesetzes über Abänderung des Relchsknappschaflsgesehe» sowie des Berichts des Sozialpolitischen Ausschusses über einen von den Regierungsparteien eingebrachten Gesetzentwurf zur Aenderung der Reichsversicherungsordnung und des Angestellten- versicherungsgesetzes. lieber die Verhandlungen des Ausschusses berichtet Abg. Lecker-Herborn(Soz.): Die Vorlage betrifft die Anpassung der beiden Gesetze an die neue» Bestimmungen des Knappschaftsgesetzes. Der Redner erkennt an. daß die Aenderung des Knapvschastsgefetzes ge- wisse Lorteile für die Bergarbeiter enthalte, besonders durch die Einführung der Familienhilse. Das bisherige Fehlen dieser Für- sorge hat in vielen Bergarbeiterfamilien großes Elend ausgelöst. Auch bei den Steigerungssägen über 25 Jahre und bei der Aende- rung des Derwallungsrechts sind wir einen Schritt vorwärts ge- kommen. Aber wenn wir auch objektiv die'Borteile dieses Geseges anerkennen, so müssen wir doch sagen, dah es in anderer Beziehung noch gänzlich ungenügend ist. Es ist notwendig, daß wenigstens in einigen Punkten die Berlage noch verbessert wird. Der Redner begründet zu diesem Zwecke einige Anträge,, die die sozialdemokra- tische Fraktion eingebracht hat.«ie wendet sich vor allem dagegen, daß die Bergarbeiter in zwei Gruppen geteilt werden, daß ins- befondere die Uebertageorbetter in den Braunkohlengruben anders behandelt werden als im Steinkohlenbergbau. Es ist zu verlangen, daß alle Bergarbeiter gleichmäßig behandelt werden und daß für sie nicht z w e i e rl e i R ech t geschaffen wird. Die Steigerung?- säge für die Pensionen sind in den ersten Iahren so niedrig, daß von einer sozialen Auswirkung bei ihnen nicht mehr die Rede fein kann. Auch die Eteigerungssätze über 25 Jahre sind unzulänglich. Wenn man oerhindern wollte, daß die alten Arbeiter neben ihrer Pension noch Arbeitslohn für Grubenarbeit beziehen, dann hätte man die Steigerungssätze über 25 Jahre so bemessen müssen, daß der Anreiz dazu wegfällt. Aehnlichr Bedenken haben wir auch bei den Steigerungssätzen für die kaufmännischen Angestellten. Wir haben auch Bedenken gegen die Trennung der Arankenkasien, wollen aber, daß wenigstens eine bessere Fassung der gesetzlichen Beilimmung darüber vorgenommen wird. Bei der Wahl der Acttcsten wünschen wir die Anwendung des Berhölnisjystcms. damit cmlich der Zustand, daß die Aetteslen durch eine kleine Minderhirit gewöhlt werden können, beseitigt wird. Der Redner ersucht um Annahm« der sozialdemokratischen Anträge, damit der Reichstag den Bergarbettern zeige, daß er gewillt fei. ihre schwere, in volkswiri- Ichaftlicher Hinsicht lo nüsiliche Arbeit dadurch anzuerkeimen. daß er sie über die Sonstigen Versicherungsarten heraushebe.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Gegen 4� Uhr wird die Weiterberatung auf Dienstag nach- mittag 2 Uhr vertagt. Aus der Tagesordnung stehen außer der Weiterberatung des Reichsknappschastsgesetzes kleinere Vor- lagen, darunter ein Gesetzcntwurs über Erhebungen in der Er- werbslosensürsorge,