Abendausgabe Nr. 291 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 143 vtzugsbetlngungen und Vnjtigenmtf« lind in der Moroenauigab« angegeben »edatlioa: STD. 08, Cindenflrobc 3 Fernsprecher: Dönhoff 202— 29t Xcl.'tUiieffcSojialbemottaf Berlin Verlinev VolksMati (10 Pfennig� Mittwoch 23. �um 1 �26. erriet und Sin jrtgenebtriluati G«schSft„«it»-S Uhr 5J et leget: Botmd t(«-Betlag GmbH. Berlin STB. 68, Cinöenftcaftc 3 Fernsprecher: Dönhoff 282— 202 Zcntralorgan der Sozialdemokrat» feben parte» Deutfd�latids Ungünstiger Stand der ßürstenvorlage. Die Mitte bleibt spröde.- Alle sozialdemokratischen Anträge bis jetzt abgelehnt. Der Rechtsausschuß des Reichstages begann heute die S p e» zialberatung des Fürstengesetzcs. Es fiel auf, daß die Deutschnotionalen den Abgeordneten E v e r l i n g jetzt durch den Abgeordneten v. Lindeiner-Wildau ersetzt haben. Genosse Rosenfeld richtet die Anfrage an die Regierung, ob sie noch auf dem Standpunkt stehe, daß der Gesetzentwurf v e r- fussungsändernd fei oder ob die Presfenachrichtcn richtig seien, nach denen die Regierung jetzt einen anderen Standpunkt einnehmen wolle. Es fei nicht vertrauenerweckend gewesen, aus den Zeitungen ersehen zu müssen, daß man mit der Frage spiele, ob etwas versassungsändernd sei oder nicht. Die Regierung müsse schleunigst Klarheit schassen. Reichskanzler Marx erwiderte daraus, daß die Regierung nach wie vor aus dem Standpunkt stehe, daß das Gesetz eine Versassungs- önderung bedeute. Bei der Beratung des§ 1 wurde zunächst die Bestimmung. durch die ein besonderes Gericht eingesetzt werden soll, vom gesamten Ausschuß einschließlich der Kommunisten angenommen. Zur Frage der Zusammensetzung des Gerichts begründete Genosse Rose-ixld den sozialdemokratischen Antrag, daß die Mitglieder des Gerichts vom Reichstag zu wählen seien, daß nicht nur Richter, sondern auch andere Juristen und zur Hälfte Laien im Gerichtshof sitzen sollen. Demgegenüber vertrat Abg. Barth von den Deutschnationalen dm Antrag, daß nur Mitglieder höchster Gerichte in dem Gerichtshof fitzen sollen. Bei der Abstimmung wurden sowohl die sozialdemokratischen wie dir dcutschnalionalen Anträge abgelehnt. Bei der Abstimmung über die sozialdemokratischen verbesterungsanträge enthielten sich die Kommunisten der Abstimmung. z 1 der Regierungsvorlage wurde mit 11 Stimmen der Re- g erungsparteicn gegen die drei kommunistischen Stimmen bei Siimi'.icnthaltung der 13 Deutschnationalen und Sozialdemokraten angenommen. Zum§ 2 des Gesetzes beanträgen die Sozialdemo- k r a t« n, daß das Eingreisen des Gerichts unabhängig sein müsse von Anträgen der Regierungen oder der Fürsten. Genosse Rosenseld hob hervor, daß das Gericht, wenn sein Eingreifen-von einem Antrage abhängig gemacht werde, möglicherweise überhaupt niemals praktische Bedeutung haben würde. lZurus des Abgeordneten Kahl:„Dann hat es seinen Zweck erfülltl") Genossen Rosenseld(fortfahrend): .Dieser Zuruf beweist am besten die Richtigkeit unserer Einwendung. Wenn aber zutrifft, daß das Gesetz unter Umständen gar keine prak- tische Bedeutung erlangt, so hat es keinen Wert, ein solches Gesetz zu machen. Barsitzender kahl erklärt, daß er nur gemeint habe, nach An- nahm« des Gesetzes würden die Fürsten Vergleiche abschließen und dadurch allerdings das Gericht überflüssig machen, das Gesetz sei aber deshalb noch nicht bedeutungslos. Abg. v. Richthosen(Dem.): Wenn durch das Gesetz erreicht werde, daß ohne Eingreifen des Gerichts die Fürstenfamilien sich endlich bequemen, dem Lande günstige Der- gleiche anzubieten, dann sei das mit Freuden zu begrüßen. Genosse Landsberg: Die Annahme unseres Äntrages würde die Vergleichsbereitschaft der Fürsten noch größer machen. Wenn also die Demokraten konsequent sein wollten, müßten sie für unseren Antrag stimmen. Abg. Bell(Z.): Nach den sozialdemokratischen Anträgen würde ein Vergleich ausgeschlossen sein.(Zuruf der Sez.: Nein!) Genosse Rosenseld: Auch nach unseren Anträgen könnte vor Gericht ein Vergleich abgeschlossen werden. Es sei aber zu befürchten, daß nur in Preußen und höchstens noch in Thüringen, dort aber auch nur wegen Sachsen-Koburg-Golha. das Gesetz ein« prak- lisch« Bedeutung erlangt: tut solches Gesetz könne ganz und gar nicht befriedigen. Vergleich« seien auch vor dem Reichssondergericht nach den sozialdemokratischen Anträgen durchaus möglich. Abg. Wunderlich(D. Vp.): Wenn die sozialdemokratischen An- träge angenommen werden, dann müsse das Gericht die Berhälwiste in zwanzig Ländern prüfen. Das sei aber überflüssig, wenn die Landesregierungen und die Fürsten darüber einig seien. Abg. Reubauer(Komm.) erklärt, daß er die Ausführungen des Genossen Rosen- seld nur u n t e r st r e i ch e n könne. Bei der Abstimmung werden die sozialdemokratischen Anträge von allen bürgerlichen Parteien abgelehnt. Auch die Kommunisten enthalten sich der Abstimmung, ob- xoohl der Abg. Neubauer vorher für unseren Antrag gesprochen hat. Z 2 der Regierungsvorlage wird mit den 12 Stimmen der Re- gierungsparteien gegen die 3 Stimmen der Kommunisten bei Stimm- enthaltung der 13 Deutschnationalen und Sozialdemokraten ange- r.ommen. Genosse tandsberg begründet den sozialdemokratischen Antrag. nach welchem bei schon staltgesundener Auseinandersetzung eine Rachprüsung aus Antrag einer Landesregierung erfolgen kann. Er führt aus: Dadurch, daß ein Gesetz mit Richtlinien geschaffen wird, die vom bürgerlichen Recht sich entfernten, werde zum Aus- druck gebracht, daß die Auseinandersetzungen nach dem ordentlichen Recht nicht stattfinden könnten, wenn das Ergebnis mit der Moral im Einklang stehen soll. Die abgeschlossenen Auseinandersetzungen seien unter der Herrschaft de» bürgerlichen Rechts zustande ge- kommen, das die Regierungsparteien nicht für die geeignete Grund- läge für die Auseinandersetzungen hielten. Es müsse daher den Ländern Gelegenheit gegeben werden, eine Nach- Prüfung zu veranlassen darüber, ob die früheren Aus- einanderfetzungen mit den jetzt aufgestellten Rechtsgrundsätzen über- einstimmten. Bei der Abstimmung wird der sozialdemokratische Antrag ab- gelehnt. 8 3 der Regierungsvorlage wird mit derselben Mehrheit wie die KZ 1 und 2 angenommen. Zu Z 4 liegt ein sozialdemokratischer Antrag vor, der eine Schädigung des thüringischen Landes durch den Ausein- andersetzungsvertrag des Landes Koburg mit dem Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha oerhüten will. Genossin pfülf begründet diesen Antrag mit der Notwendigkeit, die allgemeinen Interessen des Volkes zur Geltung zu bringen. Abg. Reuboucr verlangt Berücksichtigung der thüringischen Interessen. Der Vertreter der thüringischen Regierung. Gesandter Rlünzcl, spricht sich für den sozialdemokratischen Antrag aus. Abg. wunderlich bekämpft diesen Antrag, indem er erklärt, es könnt« nur in Frage kommen, daß Gotha das, was dsm Ko- burger Herzog früher zugesprochen wurde und jetzt in Bayern liegt, für Thüringen fordere. Das dürfe nicht geschehen. Der b a y e- rische Vertreter Dr. Quarck erklärt sich gegen den sozialdemokratischen Antrag. Räch Ablehnung des sozialdemokratischen Antrage» wird die Regierungsvorlage zum erstenmal mit Zustimmung der Deutsch- nationalen angenommen. Bei der Beratung des 8 5, der die R e ch t s g r u n d s ä tz e aufstellt, noch denen die Unterscheidung zwischen Staatseigentum und Privateigentum getroffen werden soll, beantragen die Deutsch- nationalen eine Abfchwächung der Bestimmungen, die Vermutungen zugunsten des Staatseigentums aufstellen, während die Sozialdemokraten die Vermutungen für das Bor- liegen von Staatseigentum erweitern wollen. Nach kurzer Begründung dieser Anträge durch Abg. von Lindeiner für die Deutschnotionalen und durch den Genossen Rosenseld erklärte Reichs- kanzler Marx: Für die Frage, ob etwas Privat- oder Staatseigentum sei, müsse die Erwerbsart entscheidend sein. Wenn durch Kabinettsorder ein Dermögensobjekt an das Fürstenhaus gekommen sei, dann werde zu untersuchen sein, aus welchen Mitteln das Geld genommen worden sei. Wenn es aus dem Staatsoermögen stamme, müsse das Erworbene Staatseigentum sein, andernfalls Privateigentum. Der sozialdemokratische Antra.g, der an den Gesetzen einer konstituonellen Volksvertretung rütteln wolle, sei unannehmbar. Lei der Abstimmung werden die sozialdemokratischen Anträge ebenso wie die deutschnationalen abgelehnt. Der ß 5 der Regierungsvorlage wird von den Vertretern der Regierungsparteien gegen die Kommunisten und Deutschnationalen angenommen. Zu 8 6 der Regierungsvorlage beantragen die So- zialdemokraten, daß früher ergangene Urteile das Reichs- fürftengcricht nicht binden sollen. Genosse Rosenseld begründet diese Anträge, indem er darauf hinweist, daß es ganz besonders unmöglich fei, die Urteile aus der Zeit der Monarchie auch weiterhin als unbedingt maßgeblich anzusehen, dagegen die Urteile nach der Revolution unter Umständen aufheben zu lassen. Er weist darauf hin, daß nach der Regierungsvorlage jenes berüchtigte Urteil des Obertribunals vom 2 8. Juni 1862 bestehen bliebe, welches auf einem Urteil des Ge- Heimen Iuflizrats beruhe und von heute geradezu unmöglichen Ge- sichtspunkten ausgehe. In dem Urteil werde davon gesprochen, daß auch ein berühmter Rechtslehrer wie Suarez nicht unfehlbar sei und daß Erklärungen einer Kursllrstin besonders maßgebend seien, weil sie sehr intelligent gewesen sei. Das Urteil beruhe auf ollen Haus- gcsegen, altem Lehnsrccht, auf Kabinettsordern und letztwilligen Verfügungen der Fürsten. Letzten Endes gründe sich dos Urtell auf eine hohenzollernsche Erbfolgeordnung vom 13. Mai 1383. Wie soll« das ganze Gesetz beurteilt werden, wenn es solche oeralleten Urteile unbedingt aufrechterhalte. Genasse Landsberg fügte hinzu: Man könne zur Not noch be- greifen, wenn überhaupt vor rechtskräftigen Urteilen haltgemocht werde. Wenn man aber frühere Urteile überhaupt aufrechterhalten wolle, dann könne man nicht gerade die Urteile nach der Revolution für aufhebbar erklären. Jenes Urteil, das Dr. Rosenseld erwähnt habe, habe außerdem den Widerspruch der preußischen F i n a n z m i n i st e r herausgefordert. Es fei in erster Instanz von dem berüchtigten Geheimen Zuslizrat erlassen worden, der. eiit- gegen dem Gesetz, seine gar nicht gegebene Zuständigkeit angenommen habe. Gerade dieses Urteil könne unmöglich aufrechlerhalten bleiben. Abg. Brodaus(Dem.) und Abg. wunderlich(D. Vp.) erklärten sich für die Regierungsvorlage. Lei der Abstimmung werden die sozialdemokratischen Anträge abgelehnt. Da» Ergebnis der Beratungen der ersten sechs Paragraphen der Regierungscvorlagen ist also, daß sämtliche sozialdemokratisihea ver- besserungsanträge abgelehnt wurden und daß die Regierungsvorlage meistens nur von den Regierungsparteien bei Stimmenthaltung der Deutschnotionalen und Sozialdemokraten— nur für einen Paragraphen stimmten die Deutschnationalen— angenommen wurde. Srianö unü Caillaux. Bollkommen neue Orientierung. pari». 23. Zunl.(wlv.)- h a v a» berichtet, daß im ver- lause der um 10 Uhr 30 Ulinuten sortgesetzten Sonserenz eine Einigung mit poincarä und Voumer nicht erzielt wurde. vrland hat sich in, Elysee begeben, um den Präsidenten der Republik hierüber zu verständigen. Inzwischen hat sich Justiz- minister Loval zu E a i l l a u x begeben, der im Außenministerlum erwartet wird. Briand wird ihm da» Finanzministerium nunmehr ossiziell anbieten. Im Falle sich diese Räch- richt bestätigt, wäre mit einer vollkommen neuen Orlen- t i e r o o g hinsichtlich der Zusammensetzung de» zukünftigen Ullnisterium» zu rechnen. Srianüs Schwierigkeiten. Auch Caillaux verlangt Bollmachten. Part». 23. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Da» Kabinett Briand ist noch immer nicht konstituiert und der gestrige lag läßt in keiner Form die Lösung der Krise voraussehen. Es kann unter diesen Umständen also kaum etwa» andere» al» eine rein provisorische Lösung der Zinanzkrise unter dem neuen Rlinisterium Briand erwartet werden, selbst wenn Briand im Lause de» heutigen Vormittag» noch Irgendein Ministerium aus die Beine bringt, oder er in Ermangelung eine» anderen Kandidaten selbst gezwungen wäre, da» so gesürchtete Finanz-Porleseullle zu übernehmen. Zn diesem Falle würde dos Portefeuille des Auswärtigen entweder herriot oder Barthou über- tragen werden. Eine andere Möglichkeit könnte auch noch in» Auge gesaßt werden: Briand hat gestern lange Besprechungen mit Eaillaux gehabt. Man weiß nicht, mit welcher Antwort, ob mit einer ver- neinenden oder mit einer zusagenden. Eaillaux gestern nach 12 Uhr nacht» nach der letzten langen Besprechung mit Briand de« Quai d'Orsay verließ. Für den Fall, daß Eaillaux zugesagt habe und da» Finanz-Porteseuille übernehmen würde, steht e» jedoch außer Zweifel, daß er Bedingungen gestellt hat, die für Briand schwer annehmbar sind. Eaillaux hat nie verhehlt, daß er nur mit beinahe u«begrenzten Vollmachten ausgestattet das Finanzminiftseium übernehmen werde, ja. daß er sogar an keinem Ministerium sich beteiligen werde, in dem er nicht zugleich die Ministerpräsidentenschast in Händen habe, da es ihm nur so möglich sei. sein Ministerium homogen zu gestalten, heute vormittag wird Eaillaux noch einmal Im Quai d'Orsay erwartet. Au» dieser letzten Aussprache wird da» zehnte Ministerium Briand hervorgehen oder nicht. Für den Fall, daß e» Briand nicht ge- lingen sollte, die Widerstände Eaillaux' zu überwinden, so ist man ziemlich davon überzeugt, daß er unter diesen Umständen den er- hattenen Austrag der Kabinettsbildung in die Hände Doumeegue» zurücklegen, und daß er in diesem Falle selbst beantragen werde, Eaillaux mit der Kabinettsbildung zu betrauen. Die Elsasser �utonomiebewegung. pari», 23. Juni.(WTB.) Wie der Straßburger Berichterstatter de»„Temps' meldet, greift die Zersetzung innerhalb der Par- teien infolge des Manifestes des Heimaibundes weiter. Di« radikale Vereinigung des Departements Niederrhein, die letzhin ihre n a t i o- n a l e n Flügel abgestoßen. Hobe sich nunmehr gegen die«xtre- mistischen Bestrebungen des Hcimotbundes, aber auch gegen jede Verfolgungspolitit ausgesprochen. Sie verlange eine Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der leben s- wichtigen Interessen des Elsaß und den nationalen Interessen Frankreichs, sowie eine örtliche Verwaltung. die jedoch das Elsaß nicht, wie der Heimotbund verlange, isoliere. Eine ähnliche Zersetzung zeige sich innerhalb der katholischen Volksoereinigung durch den Austritt verschiedener Persönlich- teilen. Reaktionärer Terror. Nötigung gegen Wahlberechtigte.— Werde« die Behörden einschreite»? Man schreibt uns aus F ü r st e n w a l d e(Spree): Gegen den Rittergutsbesitzer und Gutsoorsteher Schulz von Heinersdorf in Heinersdorf im Kreise Lebu» hat der Regie- rungspräsident in Frankfurt a. d. O. wegen seine» vom„Vorwärts" gebrandmarkten Verhaltens beim Volksbegehren(er hatte im Amts- kästen ein« Bekanntmachung ausgehängt, worin e» u. a. hiefj, daß jeder anständige Deutsche die Eintragung ablehne) ein D i s z i- plinarverfahren mit dem Ziele der Amtsenthebung von seinen Ehrenämtern eingeleitet. Beim Volksentscheid hat Herr Schulz eine andere Methode eingeschlagen! er hat unter Beidrückung des Amtssiegels allen Bewohnern des Gutsbezirks, die natürlich wirtschaftlich von ihm abhängig sind, ge- schrieben, daß ste sich de» Diebstahl» schuldig machten, wenn ste zur Abstimmung gingen. Die Wirkung ist nicht ausgc- blieben. » Der Graf Fink zu Finken st ein in Alt-Marlitz im Kreise Lebus schrieb seinen Gutshörigen kurz und bündig, daß jeder, der zur Abstimmung gehe, am nächsten läge entlassen werde. Infolgedessen sind in Willmersdorf, wo ein Vorwerk de» Trafen liegt, nur S Bewohner zur Abstimmung gegangen, während sich beim Volksbegehren 36 hatten eintragen lassen. * Aus E i s« n a ch schreibt man un»: Di« Wahlschlacht ist geschlagen und in erster Linie durch den unerhörten Terror der Gegner verloren worden. Hierzu möchte auch ich Ihnen einen Beitrag übermitteln: Auch in Eisenoch haben entsprechend der berüchtigten Bekanntmachungen vor den Wohl- lokilen Stahlhelmposten gestanden und manchen Wähler zur Umkehr gebracht. Den Gipfel der Vergewaltigung leistet« sich aber zweifellos der.Landgraf von Hessen' im benachbarten Herleshausen(Werra). Der Förster des Landgrafen eröffnete vor einigen Tagen dem Schafmeister, er solle dafür sorgen, daß seine Söhne nicht zum Volksentscheid gehen, da er sonst seine Arbeitsstelle verliere. Das gleiche stellte man den Arbeitern des Landgrafen in Aussicht. Einer der Betroffenen erklärte unter Zeugen, sie hätten sich zwar zum Volksbegehren eingezeichnet, aber unter diesen Umständen könne keiner von ihnen am 2». Juni zur Wahl gehen. Das Ganze nennt sich dann noch freie geheime Wahl. Der Volksentscheid in öaüen. Erfolg trotz der Gegenwirkung des Zentrums. Au» Karlsruhe schreibt man uns: Mit 184 Proz. der sozialistisch-kommunistischen Stimmen stand Baden beim Volksbegehren an der Spitze aller deutschen Wahlbe- zirte. Am verflossenen Sonntag wurden S48 20Z Ja-Stimmen und 23 758 Nein-Stimmen abgegeben. Da» Volksbegehren wie» 500 238 Stimmen auf. Man erhoffte zwar mehr Ia-S«immen. allein der prozentuale Anteil gegenüber den Wahlberechtigten wurde doch von 34 Proz. beim Volksbegehren auf 38 Proz. beim Bolk»«nt- scheid erhöht: das ist immerhin ein Erfolg bei einem Reichs- durchschnitt von 36 Prozent. Beim Volksentscheid setzte eine starke Agitation der Z e n- trumspresse ein, während sie sich beim Volksbegehren ganz uninteressiert verhielt. Dadurch sank zum Beispiel der völlig katholische Bezirk Buchen von 7518 beim Voltsbegehren auf 4864 beim Volksentscheid, der Bezirk W e i n h e i m von S815 auf 815S, der Dezirk Ueberlingen von 8835 auf 7S22 usw. Im ganzen haben 11 Amtsbezirke eine Abnahme, dagegen 29 Bezirke eine(zum Teil erhebliche) Zunahme zu verzeichnen. Von den Städten stieg Karlsruhe von 29 448 auf 40 949, Mannheim von 79546 auf 91 629, Heidelberg von 17 194 aus 30 130. Die gegnerische Agitation konnte hier weniger Schaden anrichten, obwohl u. a. der deutschnationale Abg. Martin Spahn in Karlsruhe das Thema be- handelte:.Der Volksentscheid ist Revolution!" Baden hat zudem auch die Landtagswahl vom 25. vkto- der 1925 hinter sich, die eine sehr schwache Wahlbeteiligung auf- wie». Die Sozialdemokratie brachte e» dabei aus 160 498 Stimmen, die Kommunistisch« Partei auf 47 343, also zusammen auf 207 841 Stimmen. Wenn beim Volksentscheid am Sonntag aber 548 203 Ja-Stimmen gezählt werden konnten, so darf dieses Hinzu- treten von rund 340 000 Stimmen beim Volksentscheid aus den Reihen der bürgerlichen Parteien sicher als ein erheblicher Erfolg für uns gebucht werden. Baden steht von den andern süd- deutschen Ländern zweifellos an der Spitze der jasogenden Stimmen. Dies ist umso beachtenswerter, als in Baden die Abfindung des Grohhcrzogs durch das Gesetz vom 25. März 1919 voll- ständig erledigt ist. Einem vor einem Jahre gestellten An- trag sein«? Vertreters auf«in« 75prozentige Auswertung ist von der badischen Regierung keine Folge gegeben worden. Aentrumsproviforium. Die Neuwahl des �fraktionsvorsitzenden vertagt. Don demokratischer Seite war dieser Tage gemeldet worden, daß der Zentrumsabg. Esset als Vorsitzender der Zentrumssraktion de« Reichstags in'Aussicht genommen sei. Die„Germania" teilt jegl mit, daß die Neuwahl des Fraktionsvorsitzenden bis zum Herbst vertagt worden ist und die Abgeordneten von G u e r a r d und Stegerwald gebeten wurden, vorläufig die Leitung der Fraktion beizubehalten. Gibt es eine Unabhängigkeit öer Richter! Die Befugniffe der Justizverwaltung. In der gestrigen Sitzung des R e ch t s a u s s ch u s s e s gab der Vorsitzende das Schreiben des früheren preußischen Staatssekretärs M ü g e l bekannt, das sich auf die Versetzung von Richtern bezog. Genosse Rosenseld hatte früher behauptet, daß Versetzungen der Regierung mißliebig gewordener Richter immer schon erfolgt seien, insbesondere auch nach der Revolution. Hierzu verwie» M ü g e l auf eine Anordnung de- Arbeiter- und Soldatenrat» vom 22. November 1918, nach welcher Klassen- und Blutrichter aus der Iustizpfleae entfernt werden sollen, und aus eine Verfügung des da- maligcn Iusti�minifters Rojenfeld voni 28. November 1918, wonach es im Interesse der Strafrechtspflege liege, daß sie nicht durch Miß- trauen gegen einzelne Richler vergrößert würde, und daß�Ver- l e tz u» g e n unbeliebter Richter erfolgen sollten. Staat»- sekretär M ü g e l gab zu, daß solche Versetzungen nach der Revo- lution geschehen seien. Allerdings nur, um Einmischung von Arbeiter- und Soldatenräten in die Rechtspflege zu verhindern. Genosse Bosenseid erklärte darauf, daß diese Mitteilungen sein« Behauptungen durchaus bestätigten. Es wäre besser für die Rechts- pflege, wenn seine früher« justizministerielle Verfügung auch heute noch Beachtung fände. Vor dem Kriege seien die Richter, welche Maximilian Horden zweimal freigesprochen hätten, sofort versetzt worden, ebenso zwei Kammerjjerichtsräte, die preußische Polizeiverordnungen für ungültig erklärt hätten, serner ein Vollstreckungs- richter, der es gewagt bade, Vermögenswerte des russischen Staate» zu beschlagnahmen. In den letzten Jahren sei der A m t s g e r i ch t s- rat Scholz nicht weniger als viermal versetzt worden, weil er sich bei den monarchistischen Richtern mißliebig gemacht, einmal weil er ausgesprochen habe, daß die freie Ehe nicht unbedingt unsittlich sei. Genosse R o s e n f e l d fragte, welche gesetzlichen Bestimmungen eigentlich gelten und meinte schließ- lich, daß e» eine Farce sei. von Unabhängigkeil der Richter zu reden. das tue man immer nur dann, wenn auf Verlangen der Republi- kaner ein monarchistischer Richter entfernt werden solle. Ministerial- rat v. ktarsen erklärte für die preußische Justizverwaltung, daß aus den Akten des Iiiftizminlsteriums Versetzungen nicht ersichtlich seien.(Zuruf des Genossen Rojenfeld: So etwas wird telephonisch gemacht.-- Heiterkeit.) Fest stände allerdings, daß ein Richter, der Horden freigesprochen habe, und auch die erwähnten Kammer- gerichtsräte versetzt worden seien. Ebenso auch in den letzten Iahren Amtsgerichtsrat Scholz. Das sei Sache des Landgerichts- Präsidenten, und die Justizverwaltung könne sich nicht in die Präsidien der Landgerichte einmischen. Da» Ausführungsgesetz zum preußischen Gerichtsversassungsgesetz gebe die gesetzlichen Grundlagen. Genosse Rojenfeld konstatiert, daß seine Behauptungen durchaus Bestätigung gefunden hätten, und er meint, daß man e n d l i ch a u f. hören solle, die Unabhängigkeit der Richter vor- z u s ch ü tz e n, wenn zu scharfe Richter versetzt werden sollen. Die Sörfe schwankt. Uufichere iunerpolitische Lage.— Zurückhaltuug der Tpekulation. Die Tendenz der Börse war heute uneinheitlich. Die Spekulation hielt sich angesichts der unklaren innerpolitischen Lage unter Mitnahme der Gewinne vo m Geschäft zurück. Erst im weiteren Verlauf der Börse trat wieder etwas Interesse hervor. Bevorzugt waren Elektro- und Schisfahrtswerte. Letztere im Zu- sammenhange mit der Reise Cuno» nach Amerika und im Hinblick auf die bekannten Zusammenschlußbestrebungen und Verhandlungen mit Südamerika. Don Spezialwerten waren besonders geachtet Daimler. Deutsche Bank. Das Geschäft am Forbemnarkt war wesent- lich kleiner als am Vortage. Die F ra n ke uva l« t« n«ine Kleinigkeit fester. Geldmarkt leicht. Vorstoß üer habsburgfreunöe. Mr Aufhebung der Vermögensbeschlaguahme. Wien. 23. Juni.(MTB.) Wie die Blätter erfahren, hat sich die Konservative Dolkspartei unter Berufung auf das Er- gebnis des Volksentscheides in Deutschland an die hiesige Großdeutsche Volkspartei mit dem Ersuchen ge- wandt, ihrerseits in Oesterreich für die Aushebung der Be- schlagnahme de» Vermögens der Habsburger ein- zutreten, weil die Gründe, welch« die Deutsche Voltspartei gegen die Enteignung in Deutschland geltend gemocht hat, auch für die Großdeutsche Voltspartei hinsichtlich der Aufhebung der Beschlag- nähme in Oesterreich Geltung haben müßten. Wie«ine hiesige Korrespondenz berichtet, wird sich die Groß- deutsche Volkspartei mit der an sie gestellten Forderung, für die Aufhebung der Beschlagnahme des Vermögens der habsburgischen Fürsten einzutreten, befassen. Großdeutsche Politiker erklären aber. ohne den Beschlüssen der Parteileitung vorgreifen zu wollen, daß die Sachlage in Oesterreich eine ganz andere sei a l» in Deutschland.(I) Zuerst die Kriegsopfer, danu die ftärfta». Wien. 22. Juni.(MTB.) Heute fand eine Sitzung der Exe- kutio« des Landesverbandes Wien der Krieg»lnva» l i d e n statt, die sich u. a. auch mit der Forderung der österreichischen Monarchisten nach Aushebung der Beschlagnahme des habsburgischen Vermögens befaßte. Es wurde betont, daß an eine Aufhebung des Verfaifungsgesetzes. durch da» die vormals habsburgischen Güter. soweit sie nicht Privatgüter waren, den Kriegsbeschädigtensonds zu- gesprochen wurden, nicht zu denken fei. Die Kriegsopfer Oesterreichs ständen unerbittlich auf dem Slandpunkt. daß zuerst die bedauernswerten Opfer dieses entsetzlichen Krieges versorgt werden müßten, eh« man an die Absindung der Fürsten denken könne. Die Kriegsopfer Oesterreichs wüßten sich in dieser Hinsicht in voller Uebereinstimmung mit der überwiegenden Mehrheit der österreichischen Be- v ö l k e r u n g. Es sei daher nicht anzunehmen, daß die Monarchisten jemals für ihre Forderung die notwendige Zweidrittelmehrheit im österreichischen Parlament finden würden, damit da» erwähnte Den- fassungsgesetz abgeändert werden könne. öesatzungsabbau! pari», 23. Juni.(WTB.) Wie dem„Petit Journal" gemeldet wird, wird da» zur Besatzungsarmee gehörende 402. Infanterie- regiment demnächst endgültig nach Frankreich zurück- kehren und wahrscheinlich In Toul und in Metz Garnison beziehen. Weitere Regimenter werden demnächst vom Kriegsminister wieder in die Heimatgarnison eingereiht werden. Amerikanischer filkoholkrieg. New Jork, 23. Juni.(KP.) Der Prohibitionsdirektor Gene- ral Andrews wird am 16. Juli nach London abreisen, um der englischen Regiening vorzuschlagen, daß die Schiffsladungen schon beim Verladen in englischen Häsen nach Schmuggelalkohol untersucht werden. Er beabsichtigt, ähnliche Abkommen auch mit anderen Staaten in die Wege zu leiten. Ein indischer heilanö. Don Henni Lehmann. Die Zeit neigt zum Wunderglauben. Da, ist immer so gewesen nach großenErschütterungen. welche dicScclen dcrBölker ausgewühlt haben. Nach der Zelt de? ersten Napoleon hatte die Krüdener mit allerlei Hellseherei besonders an den Höfen größte Anhängerschaft gesunden. Gegenwärtig bilden sich Sekten, werden Prophezewngen der Zukunft laut, will man wieder einmal Menschengeschicke aus der Stellung der Stern« lesen. Ich selbst habe neulich folgendes San- derbare erlebt. Es klingelt an meiner Tür, ich öffne, ein junges Mädchen steht davor und sagt:„Ich habe Ihnen eine frohe Bot- schoft zu bringen." Als ich erstaunt nach dieser Botschaft frage, sogt sie:„Unser Herr Jesu» wird nächstens auf die Erde kommen." Sie fragt, ob ich Interesse hierfür hätte, dann solle Ich mich dem Kreise ernster Bibelforscher anschließen.— Nun, interessant wäre es mir schon, wenn Jesus heut wieder käme, denn ich wüßte nicht ungern, wie er vorgehen würde gegen Dölkerhaß und Verhetzung, gegen Pharisäer, die in den Tempeln, die seinen Namen tragen. predigen, gegen Uebermacht des Geldes und andere schöne Dinge mehr, die seiner Lehre zuwiderlausen. Aber zu den ernsten Bibel- forschern bin ich doch nicht gegangen, und da» wird man begreisen. Da» Neueste ist, daß jetzt ein indischer Heiland austaucht, K r i s h n o m u rt i, ein junger Hindu, den Mr«. Besant, die Jührerin der theosophischen Bewegung, herausgebracht hat. Er hat selbst vor wenig Togen einer Zusammenkunft der theosophischen Gefellschost in London beigewohnt— den alten hebräischen Christus könnte man sich schwer in solcher Umgebung vorstellen—, und dort hat man seine Sendung diskutiert. Man ist darüber verschiedener Meinung in den theosophischen Vereinigungen. Die kanadische Ab- teilung z. B. glaubt nicht daran, anderswo, in Australien, Südafrika streitet man darüber, und da» erste, das dieser neue Christus ge- schaffen hat, scheint also Hader und Uneinigkeit zu sein. Mr». Besant proklamiert Krishnamurti al» den„Lehrer der Welt". Ihre Gegner sogen, daß die Gründung einer neuen Religion durch einen neuen Heiland für die Theosophen unmöglich Ist, da eine neu« Religion di, vorhandenen bekämpfen müsse, die Theosophie aber allen Religionen freundschaftlich gesinnt sei. Krishnamurti selbst ist, wie englische Blätter berichten, von Jugend an für diese Rolle des Weltheilands erzogen worden. Gegenwärtig lebt er— er soll übrigen, ein sehr hübscher junger Mann sein— ganz zurückgezogen in Wimbledon in England, aber das wird sich voraussichtlich bald ändern, denn er Hot»inen sehr reichen schottischen Anhänger gesunden, der ihm und der durch ihn entfachten Bewegung ein Haus In Schottland zur Verfügung stellen will, in dem er selbst mit zwölf Jüngern leben soll. Auch diese Form der Nachahmung dessen, was die Bibel von Christus berichtet, ist nicht neu, denn der heilige Franz von Assisi. der im 13. Jahrhundert sein eigenes Leben ganz nach dem Muster der christlichen Ueberliefening gestalten wollte, hatte gleichfalls zu- crst zwölf Brüder um sich geschart, die gleich ihm hinausgingen, das Evangelium zu bringen. Diese neue Religion des Krishnamurti soll dann als Vereinigung den Namen trogen:„Stern des Ostens," also auch hier sich an den Bericht der Evangelien anlehnend. Ob nun die ernsten Bibelforscher, die mir da» baldige Nohen de» Jesu» verkündigten, auch in Krishnamurti den erwarteten Heiland er- blicken werden, muß abgewartet werden. Wenn nicht, so wäre den Messiasgläubigcn zu raten, daß sie untersuchen, ob vielleicht Christus in doppelter Gestalt auf di« Erde kommt. So sehr es nötig wäre. daß der Welt einmal wieder gezeigt würde, was Nächstenliebe und Gerechtigkeit ist, würde doch ein einziger diese Aufgabe garnicht lösen können, auch wenn er ein wirklicher und echter Heiland wäre. Kann Krishnamurti dl« Welt wirklich besser machen, den Bedrückten Recht schaffen, die Herzen milde machen und versöhnen, den Haß au» der Welt oerbannen, dann will ich an ihn glauben.— Bis dahin zweifle ich. „Meine Cousine aus Marschau"(in den K a m m e r s p i e l e n) ist natürlich Maria O r s k a. Sie platzt in die Beschaulichkeit des spießbürgerlichen Dreiecks, das Louis verneuil mit mehr Behagen al» Witz ausstattet, al» ein Explosivkörper. Wie«in exotischer Vogel, der sein flimmerndes Gefieder ausbreitet, wie eine forbensprühende Rakete, die aufzischt und dann verlöscht. Sie macht im tollen Wirbel aus dem Dreieck ein Fünfeck, fasziniert, erobert, spielt mit allen. Aber am Ende steht sie wieder allein: alle» rangiert sich noch alt- gewohnter Weise. Der junge Maler kehrt zu seiner Hausfreund- rolle zurück. Der Ehetrottel freilick, der auf ärztliches Anraten Romane schreiöt(weil es dos Hirn nicht anstrengt), geht unter ihrer Suggestion auf neue Abenteuer. Der Wandervogel(man könnte auch von einer„ewigen Jüdin" sprechen) muß weiter fliegen. Sehr fein und rührend singt die Orska ihr melancholisches Abschi»d»lied, und man entdeckt, daß da» blendende Wesen, das witzig sprühte und manchmal pallenbergerte. auch Gefühl hat. Die beiden Blödian« von Männern(Hubert M e i, e r i n ck und Ferdinand Alter) und da» hübsche Frauchen(Hilde Hildebrandt) hielten ihr die Kerzen.— r. Der Regensommer. Der kalendarische Sommer hat Dienstag mit reichlichem Feuerwerk von Blitz und Donner seinen Einzug geholten, nachdem sich der Frühling tags zuvor auf die gleiche Weise ver- abschiede, hat!«. Die unmittelbar vorangegangene Erwärmung blieb infolgedessen besonders in ganz Norddeutschlond ein« Erscheinung, di« ebenso rasch vorüberging, wie sie sich eingestellt hatte. In Süd- und Westdeutschland waren immerhin wieder einmal 25 Grad Wärm« am Montag erreicht oder etwas überschritten worden: im nördlichen Mitteleuropa stieg das Quecksilber Dienstag bi» 24 Grad Celsius. worauf eine große Zahl kurz aufeinander folgender Gewitter mit zum Teil wieder starken Regengüssen die Temperatur auf 17 bi» 18 Grad Wärm« herabdrückte. Diese Gewitter wurden von den Rand- wirbeln eines Tiefdruckgebiet» ausgelöst, da» von der Nordsee durch Skandinavien in der Richtung nach dem Weißen Meere wandert. Infolg« der nördlicheren Verlagerung der Tiefdruckrinne hat sich von Südwesten her höherer Lustdruck über das südlich« Mitteleuropa aus- breiten können und di« Temperotursteigerung hervorgerufen: infolgedessen kann nach dein hinter den Gewittern erfolgten Einbruch von Kaltlust au, Nordwesten diesmal rascher mi, Aufheiterung und Wiedererwärmung gerechnet werden. Trotzdem scheint noch den bis- herigen Anzeichen noch kein« Gewähr für«in« Stabilisierung der Welterlag« gegeben: denn vom Atlantischen Ozean nähern sich weitere Zyklonen, und es muß nach wie vor mit der Wahrscheinlichkeit ge- rechnet werden, daß deren zu erwartende AuslSufer und südliche Nandwirbel alsbald von neuem Gewitter und Regenfälle auslölen werden. Di« Witterungsausichten auf weitere Sicht sind somit be- sonder, für da» nördlich« Mitteleuropa nach wie vor wenig erfreulich, und man wird gut daran tun, sich vorläufig kein« zu großen Hoff- mm gen zu machen. wieviel verschiedene Briefmarken gibt es? Ein wie ungeheuer weites Reich die Philatelie ist, dürste nur wenigen Mart«nliebhabern so recht gegenwärtig sein. Allein die Staaten Europas haben seither msgeknm rund 25 000 oerschieden« Briefmarken hervorgebrach,. außerdem ober da, überseeische Auslond wohl nicht weniger al» etwa 40 000, so daß man heute im ganzen die niedlich« Reihe von an- nähernd 65000 Marken fest der Einführung des Postwert- .Zeichens kennt, wobei allerdings alle Unterschied« in der Zähnung, im Wasserzeichen usw. mitgezichlt sind. Aber auch wenn man diese nicht berücksichiigt, bleibt noch immer ein hübsche» Sümmchen übrig. wie z. B. eine der größten Markensammlungen der Welt zeigt, die- jenig« des Berliner Reichspostmuseums, die 36 000 verschiedenarlige Briefmarken enthält, ohne die kleiuen Zähnungsabarlcn, Papieruntcr- schied«»ssw.zu berücksichtigen. Wenn man annimmt, daß ein Sammler täglich fünf neue Marken erhält— wa» aus die Dauer schon als ein ziemlich hoher Durchschnitt gelten darf—, so würde es r u n b 3 5 Jahr« dauern, bi» er diese 65 000 Marken beisammen hätte! Die Rechnung ist aber nur theoretisch, denn sehr viele Exemplare würde er überhaupt nicht mehr aufzubringen vermögen. Ein Ersah für die VIvlseklion? Der berühmte indiiche Forscher, Sir Iagadis Chandra Bos«, crtlärte vor einer wissenschastlicheii Gesellschaft in London, daß di« von ihm unternommenen versuche an Pflanzen künftighin die Vivisektion und da» Experiment om tierischen und menschlichen Körper erübrigen wird. Die biologischen Vorgänge im Entwicklungsleben eines Kinde» seien völlig identisch mit dem des pflanzlichen Leben» und die Wirkung der chemischen Zusammensetzungen auf Pflanzen hätte genau denselben Wert auf dos Leben de» Menschen. Es wäre nur notwendig, eine genaue Methode der pslonzlichen Untersuchungen derart aufzustelle», daß sie automatisch auf tierische und menschliche Experiment« verwendet werden kann._ Die Inieniaflonal« Schavsptetertegung wurde heute im Deutschen Bühnen- klub durch«ine BegrüßunaSanlprachi de« StaaKtheatertntendanIen Iejiner eröffnet. Daraus ergriff Reichtautzenmlnisler Dr. Stresemann da« Wort zu einer längere Ansprache. Zuleraatioaale» Musikseft>«27 Jrauksurt-. M Die in Zürich iagend, Dllegiertenversammlung der Interna, iemalen Geselllchas« für neue Musik hat belchloffen, die bereit« Im Varizen Jahre an di« Bersammlunz ze- richtete Etnladunz. da» Internationale Mufikseft 1927 in Frauksurt a. R. abzuhalten, anzunehmen. Hilgenberg, C(q0 und Comp. Geschildert von einem, der sie kennt. Der vielgewandelte und vielgewandte Karl Reichsgras von B o t h m e r, der in den letzten Jahren in der bayerischen Rechtsbewegung eine Rolle gespielt hat, neuerdings aber wieder mehr nach der Mitte gerückt ist, gibt jetzt ein Münchener Mittagsblatt„Die Wirklichkeit" heraus, dessen erste Nummer sich u. a. mit dem Fall Claß-Hugenberg beschäftigt. Graf Bothmer schildert die beiden Männer so: Beide Männer, Claß wie Hilgenberg, betreiben praktische Klassenpolitik. Der erstere sozusagen weltanschaulich aus innerer Ueberzeugung, der letztere als nüchterner Rechner. Phantast ist nur Claß, darum ist ihm auch Hugenberg überlegen und der Gefährlichere von beiden. Seide Männer gehen auf eine Diktatur aus, und zwar die der brachialen Gewalt: Hugenberg mehr nüchtern, buchhalterisch, paroenühast, bei Clatz fehlen nicht aristokratische und symbolische Bekleidungsstücke; letzten Endes aber ist es bei beiden eine Diktatur der wirtschaftlichen Macht über Volkstum und Staatsapparat, der Amerikanismus auf den deutschen Polizeistaat übertragen, das Menschentum in seiner physischen und geistigen Kraft als Roh- Material wie ein Bergwerksunternehmen betrieben. Wer im Erwerbsleben nicht souverän in Preisbildung und Preisregulierung ist, vom Gesellschaftsdirektor einer Vcredelungsindustrie bis zum letzten Lohnarbeiter, vom Unioersitätsprofessor bis zum freien Schriftsteller, der in der Gehaltsordnung ja noch hinter dem letzten Reporter rangiert, olles das hat den Kadavergehorsam des Hungers zu leisten. Beide Männer sind nicht Führer der deutschen Rechten, sie sind mehr ihre Machthaber. Die Klaviatur ihres Orgelwerke» ist die umfangreichste, die man sich denken kann. Wilhelm II. und seine Leute. In der Claß-Affäre hat bekanntlich auch der Für st Salm-chorstmar eine Rolle gespielt. Das gibt dem Grafen Bothmer Gelegenheit, folgende Erinnerungen aus» zukramcn: Als ich kürzlich den Brief des Herrn Justizrat Heinrich Clah an das Haus Doorn los, in dem er den Fürsten zu Salm-Horstmar als Verbindungsmann für seine monarchistischen Restaurationspläne empfahl, mutzte ich herzlich lachen. Ich erinnerte mich an einen Abend des Frühsommers 1916 im Hotel jhabsburger Hof in Berlin. Dort hatten sich zu meinem Abschied «eine Anzahl Männer zusammengefunden, u. a. Prinz Karl zu Löwen st ein, v. Bodelschwingh, v. Schlözer, der eben verstorbene Konrad v. Wangenheim, Wolsgang Kapp und besagter Für st Salm-Horstmar. Wir sprachen über dies und das und kamen dabei auch auf die Person Kaiser Wilhelms II. zu reden. Konrad Wangenheim erzählte zunächst von seiner ersten und fast einzigen Audienz, die er als Führer des am kaiserlichen Hoslager ursprünglich suspekten Bundes der Landwirte so um die Mitte der 9<1cr Jahre hatte, er sagte ungefähr wörtlich: „Der Eindruck von dieser ersten und für mich mahgebend gebliebenen Begegnung mit dem Kaiser war geradezu nieder- schmetternd: mein Urteil lautete, dieser Mann richtet Deutschland zugrunde." Dann kam Herr v. Schlözer und erzählte von einer Parade der Bonner Husaren, bei der der damalige Reichskanzler Fürst B ü l ow dem Kaiser die Hand t ü tz t e. um sich so für seine a.U.suite.Stellung bei den Bonner Husaren zu bedanken. Schlözer selbst war, als er nach dem Vorbeimarsch seiner Schwadron den Kaiser angaloppierte, um sich für einen Pipmatz zu bedanken, Augenzeuge dieser eigenartigen Szene und sagte, er hätte am liebsten auf der Hinterhand Kehrt gemacht. Dann berichtete der alte Bodelschwingh über eine Hofjagd im Potsdamer Revier, an der er als junger Forstreferendar teilnehmen durfte. Nach dem Halali nahmen vor dem Frühstückszelt die Gäste Ausstellung, rechter Flügelmann der Landwirtschastsminister von Schorlemer-Lieser. linker Flügelmann Bodelschwingh. Der Kaiser kam, schritt die rekrutenmätzig aufgestellte Front seiner Iagdgäste ab. stieß jedem ml» dem Beltstock aus die Brust und der so„huldvoll Angesprochene" mutzte dann über seinen Jagderfolg rapportieren. Dem guten Bodelschwingh wurde es bei dieser Szene, die er mit„Augen rechts" beobachten konnte, derart zweierlei zu Mute, dah er nicht wartete, bis die Reihe an ihm kam, sondern fluchtaritg in den Wald lief, um sich an diesem Tage nicht mehr sehen zu lasten, hierauf erzählte Salm ein Erlebnis, dos er erst vor wenigen Wochen im Hauptquartier Ost hatte, bei einem Esten, das er als Delegierter Des Roten Kreuzes mitmachte. , Die Gäste muhten im Gänsemarsch den Etzroum betreten, der i Kaiser stand an der lür und Nopste jedem ml« der Reitpeitsche aus die Fortsetzung de» Rückgrat». Ga Salm, ob im Hinblick auf seine Ebenbürtigkeit, weiß ich nicht, sich die» nicht gefallen lassen wollte, suchte er sich eine andere Eingangspforte. Die kritischen Bemerkungen, mit denen die Tafelrunde die Wiedergabe dieser persönlichen Eindrücke verband und sie zu einem Charakterbild Wilhelms II. verflocht, waren für mich, den naiven Süddeutschen, niederschmetternd und un- vergeßlich. Graf Bothmer will nach alledem nicht glauben, daß es Clah mit seiner Begeisterung für die hohenzollern ernst sei. Er meint, auch dies sei nur eine Karte in einem intri- ganten Spiel._ Steigende Not. 4000 Krupparbeiter vor der Entlassung. Essen, 23. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Da, vlreklorium der Firma Friedrich Krupp It.-G., Essen, teilt mtl. daß c» sich genötigt sehe, wegen der zunehmenden schlechten wirtschast- lichen tage bis zum l. November d. Z. weitereZ000bIs4000 Arbeiter zu entlassen. Das macht sür die ganze velegschast rund 30 proz. au». Für diesen Abbau werden in der Hauptsache die mechanischen Betriebe in Frage kommen. Die Kündigungen werden ob l. Zuli erfolgen. Nächtliche Tumulte im prager Senat. Auch die Teutschuatioualcn gegen die ivrotzölle! Prag. 23. Juni.(MTB.) Der Senat hielt gestern von 3,.Vi Uhr nachmittags bis 2,20 Uhr früh«ine Sitzung ab, in welcher noch wiederholten Tumultszenen die Zollvorlage In erster und zweiter Lesung mit 74 Stimmen der Z o l l k o a l i t i o n, darunter der Ehristlichsozialen, der deutschen Agrarier und der deutschen Gewerbe- parte! gegen 55 Stimmen der tschechoslowakischen Sozialisten, der tschechoslowakischen Sozialdemokraten, der deutschen Sozialdemokraten sowie der Kommunisten und der Deutschnationalen ange- nommen wurde. Sämtlich« Abönderungsanträge wurden mit dem- selben Stimmenverhältnis abgelehnt. Revolversthüsse auf einen Redner. Wildwestmethoden der Spandauer HakeukreuzrowdyK. Zu schweren Ausschreitungen, die durch da» äutzcrst provo- zierende Auftreten von hakenkreuzlern hervorgerufen wurden, kam es gestern abend anläßlich einer Versammlung im Restaurant „Markthalle" in der Pichelsdorfer Straße zu Spandau. In dem großen Lokal fand ein« deutschnational« Lersammlung statt, in der es recht lebhaft zuging. Um II Uhr abends sprach ein linksgerichteter Politiker. Plötzlich zog ein abseits stehender junger Mann, der zu der Hitler-Garde gehörte, einen Revolver und schoß mehrmals auf den Redner, der leicht am Arm ve r l e tz t wurde. Die Versammlung wurde sofort aufgehoben, ober inzwischen hatten sich vor dem Lokal hundert« von Spandauer Arbeitern angesammelt, die eine äußerst erregte Haltung den Ler- sammlungsteilnehmern gegenüber einnahmen. Don einem Augen- zeugen wird hierüber folgendes berichtet: Die Hitler-Versammlung hatte infolge ihres aufreizenden Themas«ine größere Menschenansammlung vor dem Versammlungs- lokal in der Pichelsdorfer Straße zur Folg«. Verschiedene Trupps von hakenkreuzlern durchstreiften außerhalb de» Lokal» die umliegen- den Straßen, wobei sie vom Publikum angeulkt wurden. Plötzlich sielen als Antwort zwei Schüsse aus einem der Trupps, wodurch die Erregung der Menschenmassen noch mehr gesteigert wurde. Der Revolverheld wurde gefaßt und der in seinem Besitz befindliche Revolver mit 23 scharsen Patronen abgenommen und der Polizei- wache in der Zimmerstraße abgeliefert. Inzwischen waren die An- sammlungen so stark geworden, daß sie die umliegenden Straßen füllten. Nach Schluß der Versammlung kam es wieder zu Rempe- leien, wobei den hakenkreuzlern abermals verschiedene Waffen abgenommen wurden. Bei den Zusammenstößen hat es mehrere Verletzte gegeben, unter anderem wurde auch«in« 62jährige Frau von einem Polizeibeamten auf dem Bürgersteig umgeritten und hierbei erheblich oerletzt. Die Polizei gibt ihrerseits nachstehende Darstellung: Gestern abend kam es nach einer Hakenkreuzlerversammlung in Spandau zu Zusammenstößen zwischen Rechts- und Linksraditolen. Der herbeigerufenen Polizei gelang es, die Ruhe wiederherzustellen. Ein starkes Polizeiaufgebot begleitete dann die in einem g e- schlossenen Zuge abmarschierenden hokenkreuzler bis zum Spandauer Bock. Sieben Personen wurden festgenommen und dem Polizeipräsidium zugeführt. Im verlaus des Abends kam es in verschiedenen Teilen der Stadt zu weiteren Schlägereien, bei denen eine Person verletzt wurde und ins Krankenhaus ein- geliefert werden mußte. Der revolverbewehrie hakenkreuzler. Zu unserer in Nr. 284(am Sonnabendmorgen) gebrachten Mit- teilung über«inen Zusammen st oß zwischen haken- kreuzlcrn und Reichsbannermännern, der sich am Freitag abend aus dem Belle Alliance-Plag ereignete, schickt uns der darin erwähnte Herr Herbert Barteis eine Gegenäußerung. Er erklärt, es sei unwahr, daß er irgendeine Person mit der Masse bedroht habe, und festgenommen habe die Polizei ihn nur wegen Auslaufs. Herr Barteis vergißt, sich auch darüber zu äußern, ob er bei dem Zusammenstoß überhaupt einen Revolver gezogen hat. Daß ihm aus der Polizeiwache sein Revolver einbehalten wurde, wird er nicht b«- streiten können. Zum Schluß bemerkt er noch, daß er keiner politischen Vereinigung oder Partei angehöre. Herr Herbert Bartei» wohnt, wie auf der Polizei festgestellt wurde, im Hause Mitten- walder Str. 8 bei den Eltern. In demselben Haus« wohnt der deutschnationale Stadtverordnete Arbeitersetretär Johann Barteis. Sollte die Parteizugehörigkeit von Barteis senior wirklich nicht aus Barteis junior abgefärbt hoben? Dollys Schokolaöenstangen. Derne hungern, ohne zu leiden. Wie wir gestern mitteilten, ist der sogenannte„hungerkünstler" I o l l y auf den Antrag einer eidesstattlichen Versicherung eines Gehilfen von der Kriminalpolizei sestgenomnien und der Staatsanwaltschaft in Moabit übergeben worden. Die Angaben in dieser eidesstattlichen Versicherung wurden gestern noch einmal genau nachgeprüft, und es wurden verschiedene Umstände ermittelt, die die Bekundung des Gehilsen als durchaus möglich erscheinen lassen. Die Beamten der Inspektion D. ermittelten ein Konfitüren- g e f ch ä f t, in dem der Gehilfe des Hungerkünstlers während der Dauer der Schaustellung täglich zwei Tafeln gute Scho- kolade taufte. Di« llebermittlung der Süßigkeit an den hungerkünstler geschah auf folgende Weise: Nachdem der Gehilfe die Tafeln zu Hause geschmolzen und zu kleinen Rollen geformt hatte, schob er sie durch die etwa singerstorke Oefsnung der Glaswand, durch die die Radioleitung führte. Wohlweislich paßte er immer einen Augenblick ab. in dem der Käfig unbeachtet war. Durch diese Ermittlungen gewinnt seine Anzeige noch an Wahrscheinlichkeit, da er sich selb st dadurch der Beihilfe zum Betrüge be- schuldigt. Das Gerücht, das im Zusammenhang mit diesen Vor- tommnissen von einer zweiten Dcrhastung wissen wollte, entspricht nicht den Tatsachen. Es ist wohl dadurch entstanden, daß vor einigen Wochen ein anderer Gehilk«„Jollys" sestgenommen wurde, weil ihn verschiedene Staatsanwaltschaften suchten. Der Tod der Charlotte Teichmann. Die Ennittlungen der Kriminalpolizei zur Aufklärung des Todes der Charlotte Teichmonn sind noch nicht weiter fortgeschritten. Nach Zlussag« der Anqehör-gen legte das jung« Mädchen viel Wert au» gute Kleidung und spart« darum das Fahrgeld. Nur so findet man auch eine Erklärung dafür, daß sie allabendlich einen sehr weiten Weg nahm, durch die Windscherdstraße, über den Sophie-Eharlotte- Platz durch die Bismarckstraße, die Wilmersdorfer Straß«, über die Schi ohb rück«, die Kaiferin-Augusta-Siraße entlang, über den Gustav- Adolf-Platz und stbließlich durch die Keplerstraß«. rnn nach Hans« zu kommen. Weiter wurde festgestellt, daß sie am Dienstag abend ein« A k t e n t a s ch« bei sich hatte, in der si« ihr« Handtasche und eine selbstgestickte Bluse verwahrte. Auch diese Sachen sind noch nirgends aufgetaucht. Ausfallend ist außerdem, daß die Fundstelle der Leiche oberhalb ihrer elterlichen Behausung liegt. Man nimmt an, daß der Wagen, der sie überfuhr, die Leiche ein Stück Wege» mitführte. Wie mitgeteilt wurde, schrieb Fräulein Teichmonn am Abend einen Brief. Da diefer Brief nirgends angekommen ist, so oermutet man. daß er sich ebenfalls noch in der Aktentasche besand. Zur Aus- Närung der Todesursache ist es unbedingt notwendig, daß sich all« Personen, die sich entsinne» können, in der Nacht vom Dienstag zu Mittwoch vergangener Woche in den genannten Straßen«in junges Mädchen in grünem Mantel und braunem Hut gesehen z» haben, bei den Kommissaren Bünger und Kießling im Zimmer 89 im Polizei- Präsidium zu melden.___ 540000 Radioteilnehmer im Sendebereich Berlin— Stettin Die Zahl der Rundfunkteilnehmer ist im Mai um 25 677 ge» stiegen, so daß am gl. Mai im Deutschen Reich 1262746 Rund» f u n k h ö r e r vorhanden waren. Die Reich«hauptstadt bezw. der Sendebereich Verl! n—S tettin marschiert wieder an der Spitz« mit 7442 Neuanmeldungen. Die Gesamtzahl der Hörer de» Berliner Sender« beläust sich damit auf 540 022. Die Norog lHamburg— Bremen— Hannover— Kiel) hat jetzt 165 476. Leipzig- Dresden 181 428 Teilnehmer.__ Da» Logis im Vierkeller. Unsere Mitteilungen über die fragwürdige und gesundheitsschäd. liche Schlafgelegenheit zweier«eiblicher Hausangestellten des Gastwirts F. in der B e r g m a n n st r a ß e ergänzen wir durch das Folgend«: Räch Aussage des Arbeitgeber« hätte dieser den Mädchen ireigeltellt, gegen Vergütung de« Fohrgeldes abends um 7 Uhr nach Hause zu gehen und morgens wiederzukommen, was die Mädchen abgelehnt haben sollen. Da« strittige„Boudoir", das sich jetzt pein- lich sauber und mit Teppichen belegt dem Beschauer präicntieri, wird von dem anderen Mädchen, das sich nach Angabe wohl darin fühlt, nach wie vor weiterbewohni. Wo kein Kläger ist, ist eben kein Richter. Jedenfalls schadet es keineswegs, wenn man öfter» daran erinnert, daß auch Hausangestellte Anspruch aus hygienische« Wohnen stellen dürfen._ Die veegistungsepiöemie in kalkberge. weitere Ausdehnungen durch llebertragunzen. Di« Bergistungsepidemie in Kalkberg«, die, wie berichtet, über hundert Personen ergrissen, hat heute ein« neu« Ausdehnung erfahren, und zugleich ist der Verdacht entstanden, daß es sich hier nicht um eine Fleischvergiftung im landläufigen Sinne de» Worte» handeln kann, sondern daß durch das Fleisch«in vergistungs- ei reger in den Ort eingeführt ist, der nun von Haus zu Haus durch den Verkehr der Einwohner übertragen wird. Di« Zahl der Massenerkrankunaen in Kalkberge hat heute bereits an 126 erreicht. Die bisherigen Erkrankungen waren lediglich auf den Genuß von rohem Schabefleisch zurückzusühren. In dem Befinden der erkrankten Personen lst bisher kein« Berschlecht� rung eingetreten. Im Laufe des gestrigen Abends wurden jedoch zwei neu« Krankheitsfälle bekannt, die aus Uebertragung bzw. Infektion zurückzusühren sind. Bei den Infizierten handelt e» sich um dm Roßschlächter Langner und ein Fräulein Weger au» Kalkberge. Sie wurden sofort einer eingehenden ärztlichen Unter- suchung unterzogen. Auch auf die anderen Krankheitsfälle wird schärfstes Augenmerk gerichtet und alle angeordneten Mahnohmen, um ein Ausbreiten des Seuchenherdes zu oerhindern, werden aui lhre Befolgung genau überwacht. Die Untersuchungen über die Herkunft des Fleische» haben jetzt ergeben, daß die Kuhkeule in Berlin in der Fleisch- großhalle gekaust worden ist. Nach den bisherigen Er- mittlungen der Polizei konnte nur jestgestellt werden, daß das izleisch aus Schönfließ eingeführt worden ist, doch gibt es in Deutschland n>ehrere Ortschaften dieses Namens, und es bedarf erst der weiteren Untersuchung, welch« Ortschaften in Frage kommen Vermutlich handelt es sich um das Dorf Schönfließ an der Lieben- walder Bahn, da von dort rus viel Fleisch nach Berlin cinge- führt wird. Der Berliner Stadtmedizinalrat wird vermutlich noch im Laufe de» heutigen Tage» Acrzte entsenden, die bakteriologische Üntersiichiingen anstellen sollen. Die Gemeinde selbst will jetzt Baracken errichten, um olle Kranken zu isolieren und jv zu verhüten, daß die bisher noch nicht geklärte Krankheit weiier- geschleppt wird._ NichtS für Siel Das kleine Drei-Gänge-Restaurant im Zentrum ist zur Mittags- zeit gut besucht. Man bleibt nicht lange, man ißt schnell und geht dann wieder. Der Inhaber des Restauranis sitzt mit seiner Familie an dem Tisch dicht am Büsset. Er ißt jetzt auch zu Mittag, aller- dings reichlicher als die anderen Gäste, aber dieselben Speisen. Das Fräulein am Biiiset teilt den Kellnern das Kompott auf. Man gibt heute als dritten Gang Preißelbeeren. Sie sehen soubck und appetii- lich ans. Auch der Wirt kommt ans Büsfet und will sich Kompott auslegen lassen. Das Fräulein gibt ihn, ein,» kleinen Lössel voll. Der Wirt lacht darüber und sieht da» Fräulein vorwurssvoil an, dies« flüstert ihm aber hastig zu:„Das ist h�ute nichts füir Sie, die Preißelbeeren sind nicht gut." Der Wirt ent- sernt sich und läßt sich etwa» anderes geben. Die Gäste aber eile* ihre Preißelbeeren._____ Velgröfierunft des Deutschlandfenders. Der Deutschlandsender in Königswnsterhausen, der bisher auf Welle 1300 Meter mit einer Energie von etwa 20 Kilowatt sandte, soll auf eine Leistung von 100 Kilowatt ver- g r ö ß e r t werden. Es ist beabsichtigt, ihn auf ein eigenes Gelände in Zeesen bei Königswusterhausen zu oerlegen, wo zwei Antennen- niastrn von je 200 Meier höhe noch iin Laute dieses Jahres errichtet werden sollen.— Die Deutsche Reichspost plant die Errichtung eine? R» n d f u n k s e n d e r s a u s k u r z e n W e l l e n: mit dem Einbau dieses neuen Senders ist bereits begonnen worden, jo daß der Betrieb demnächst ausgenommen werden dürste. Dieser Kurzweilen- sender soll aus der Wellenlänge von 20 Meter arbeiten. Postalische«elehrung der Fernsprechteilnehmer. Demnächst werden die Selbstanschlußämter? i» t e r»' e l d e. Breiten dach und Span bau erösinet. Die Obelpostdiiekiioa beabtichtigt. die Teilnebmer mit der Bedien, ing ibrer At-para'e sowie tritt der Betrieben ei e dieicr Aemler ve�rcut zu machen. Sie wird z» diesem Zweck Vorträge und Vorliibtnngcn veroi stall- n und zwar in Lichterseide im Realgymnasium lTrakestioste Ecke Weddipcnweg) am 26.. 26. und 80. Juni, in Spando« im Lyzenm (Askanierring 178' 174> am 25. Juni und am 2. Juli. Beginn der Vorträge um 8 Uhr abend«. Die Stodlverordnetenversammlunq hat ihre nächste Sitzunq am Donnerstag um"15 Uhr. Aus der Tagesordnung steht unter anderen die dritte Lesung de» Stadthaushalt- planes. wegen schlechten Geschäftsgang« vergiftete sich beute vormittag der etwa 50jährige Metallworensabrikant K u r t Müller, Holl- mannstr. 32, mit Gas. Man fand ihn in seinen Kontorräumen tot auf. Die Georgische Kolonie zu Berlin und die Berliner Gruppe der Georgischen«ozioldemokratischen Zlrbeiterpartei veranstalten am 25. d. M. um 5 Uhr nachmittags in den Residenzfestsälen, Lands- berger Straße 31, eine T r a u e r je i e r zu Ehren des am 11. d. M. in Paris verstorbenen Präsidenten der Georgischen Konstituierenden Lersammlung Nicolaus T s ch e i d s e. Schwee«, Zugzusommeastoß in der Tschechoslowakei. Gestern mittag stieß insolge falscher Weichenstellung bei St. Martin ein Personenzug mit einen> Güterzug zusammen. Nach den bisherigen Meldungen wurden 27 Personen verletzt. Getötet wurde niemand. Sport. Die Olympiabahn-Rennen abermal« verregnek. Die Zleranchc zum Goldenen Rade von Veilin auf der Cltinivta- Radrennbahn mutzte am Dienstag abend nochmals wegen der schlechten Witterung abgetagt werden. Mit der gleichen Bejehung,»t« am Sountag. gelange» nunmehr die Renne» am heutigen Mittwoch, abend«»'/« Uhr, »u« Austrag._ Groß' berliner Partemachrichten. IM.«M. Z»h»»»I»th«l! Die«tnoffinnui und«enoffen deteUiie» gch am»„»er». tag. den!«. Zunt geschlosten an der Rathenau-«»diichmtafeter«dwartch abend« 7>/, Uhr von,»ahndot Riedeeschöneweid». Sterbetafel See GroKaSerltner Partei-Grsaatfation 11«.«St.«rtnao: Unter»enofft Paul Tchedune ist am Sonntag, dm so. Zunt ver. Sorbe«,»wiilcherung am Donnerotag. den St Zunt mittag«'''i Übe im Srematorium Baumschulenweg. Wir dutm um rege Beteiligung verbrecheristh elenöe Mbeitseinkommen. Die Notlage der kurzarbeitenden Metallarbeiterinnen. Es gibt in der Metallindustrie Arbeiterinnen, die schon f e i t -kb e r vier Monaten nur an drei Tagen in der Woche arbeiten und während dieser Zeit nie mehr als neun Mark in der Woche ausgezahlt erhielten. Dazu bekamen sie bis jetzt Kurz- arbeiterunter st ützung, und zwar achtmal 1,6? M., mithin insgesamt 12,96 M. Ihr Einkommen wurde dadurch um durch- schnittlich drei Mark monatlich erhöht. Wenn man bedenkt, daß alleinstehende Mädchen für ein be- scheiden möbliertes Zimmer monatlich 18 M. und darüber bezahlen müssen, so verbleibt ihnen nach' Abzug des Fahrgeldes zur Arbeits- stelle ein Uetrag von 3 Mark 50 Pfennigen bis 4 Mark wöchentlich für Kleidung und Nahrung. Hier steht man vor einem Rätsel. Wie war es möglich, daß diese Arbeiterinnen bis jetzt noch immer zur Arbeit erschienen und noch nicht verhungert find? chungerkünstlerinnen aus Not. An den drei Arbeitstagen wird natürlich angestrengteste und aufreibendste Arbeit verlangt. Ein Heer von Aufpassern und Kalku- lauten sorgt dafür, daß die Arbeiterinnen auch nicht eine Minute aufsehen können, andernfalls sich der Verdienst in vielen Fällen noch um eine Mark niedriger stellt. Wochen verdien st e von fünf und sechs Mark find keine Seltenheit. Geradezu glücklich wären diese Kurzarbeiterinnen, wenn sie wegen Arbeitsmangel entlassen würden, weil sie dann Fahrgeld und sonstige Ausgaben ersparten uitd ihnen als Arbeitslose 16,79 M. in der Woche zum Leben blieben. Forderten sie aber selber ihre Entlassung dann bedeutete dies für sie, daß sie 4 bis 6 Wochen lang überhaupt keinen Pfennig bekämen, weil in diesem Falle die Erwerbslosenunterstützung ge- sperrt würde. Es ist also einfach unmöglich für sie, aus dem Joche der Kurzarbeit herauszukommen, das für sie unweigerlich zum Siechtum führen muß. Solange an Vollarbeit für sie nicht zu denken ist, solange müßte die Kurzarbeiterunterstützung reichlicher bemessen werden. Geradezu erstaunlich ist, mit welcher Lammesgeduld die allein- stehenden Kurzarbeiterinnen ihr heldenhaftes Märtyrertum ertragen. Ein Wunder, daß sie nicht auf Abwege geraten. Wo wäre der Richter, der solche Frauen oerurteilte, wenn sie irgendwie entgleisten? Die Wirtschaftsführer aber, die über„verbreche- risch hohe Löhne' der Ungelernten in der Berliner Metallindustrie zu räsonnieren wagen, die Geld in chülle und Fülle zur Unterstützung aller volksfeindlichen Bestrebungen haben, die kümmern sich den Teufel darum, was aus den Kurzarbeiterinnen in ihren Betrieben wird. Auch die„össent- liehe Meinung' kümmert sich um diese unerträglichen Zustände nicht oder sie läßt sich damit vertrösten, daß Eltern oder Verwandte schon helfend eingreisen würden, was wohl häufig geschehen mag, vielfach aber unmöglich ist, weil auch die EUern oder Geschwister meist kaum das Notwendigste zum Lebensunterhalt haben. Für allein- stehende Kurzarbeiterinnen aber— und den Kurzarbeitern geht es nichr viel besser— ist jede Beihilfe ausgeschlossen. Das ganze Kurzarbeitersystem ist aus die Dauer unhaltbar. weil unsittlich. Entweder wird den beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen ein Lphneinkommen geboten, das zur Fristung ihrer Existenz ausreicht, oder aber die Kurzarbeiter, die ein gewisses Existenzminimum nicht mehr erzielen können, werden aus ihrem Zwitter-Arbeitsverhältnis entlassen, so daß sie die Er- werbslosenunterstützung beziehen können. Dem autorosenden Schlemmertum aber, das nach Lohnabbau schreit, muß immer wieder der Spiegel vors Gesicht gehalten werden. verbanüstag üer Suchürucker. Tie heutige Bormittagsitzung. Zu Beginn der heutigen Sitzung des Verbandstages gab zunächst der zweite Vorsitzende, Genosse Krautz, die Stellungnahme des Ver- bandsvarstandes zu den Anträgen bekannt, in denen durch Satzungsänderungen eine Beschränkung der Delcgiertenzahl zum Derbandstage sowie die Forcierung des Jndustrieverbandes für das graphische Gewerbe gefordert werden. Er be- handelte besonders eingehend die Frage der Schaffung des Industrieverbandes. gegen den der Verbandsvorstand im Prinzip sich nicht wende. Die Auffassung des gesamten Derbandsvorstandes gehe jedoch dahin, daß bei der Eigenart des gesamten graphischen Gewerbes, vom rein praktischen Standpunkt aus gesehen, die Schcssung eines einzigen Jndustrieverbandes zurzeit nicht zweckdienlich fei. Sie würde sogar eine Schwächung der Schlagkraft der Berufsorganisation bedeuten. Zllle Diskussionsredner, die heute zum Worts kamen, besprachen hauptsächlich diese wichtige Frage. Die ineisten Redner aber teilten die Auffassung des Vorstandes, daß nian in dieser so sehr bedeutungsvollen Frage noch keine Zwongsbcschlüsse fassen solle, son- dern die Dinge mit der Entwicklung in den nächsten Jahren erst aus- reifen lassen solle. Zweiter Verhandlungstag. Ilachmitlagssihung. Söldner- München gab den Bericht der M a n d a t s p r ü- /ungskommission und empfahl dem Verbandstag, sämtliche Mandate für gültig zu erklären. Ein Protest gegen die Wahlen in Berlin veranlaßte die Mandatsprüfungskommission, auszusprechen, daß bei künstigen Wahlen auch in Berlin solche Un- liebsamkeiten vermieden werden möchten. Gegen eine Stimme wird demgemäß beschlossen. In Fortsetzung der Debatte zum Geschäftsbericht wird von allen Rednern die Tätigkeit des Verbandsvorstandes anerkannt und zum Ausdruck gebrach/, daß heute das Verhältnis zwischen Mitgliedern , und Verbandsvorstand ein weit erfreulicheres sei als in früheren Jahren. Auch der gute Wille des Verbandsvorstandes zu agitatori- schem Wirken wird anerkannt. Statt der immer wieder den Buch- druckcrn nachgerühmten Nüchternheit in der Beurteilung aller Fragen wünscht ein Redner doch etwas mehr Schwung und Lebendigkeit entfaltet zu sehen, weil wir dessen nicht entbehren könnten, sowohl um als Vorbild für unsere Jugend zu dienen als auch zur Erfüllung der geschichtlichen Ausgaben, die der Arbeiterschaft gestellt sind. Ein Schlußantrag macht der Debatte zum Geschäftsbericht, an der sich 16 Redner beteiligt hatten, ein Ende. Kollege S e i tz erklärt in seinem Schlußwort, daß er sich der lebhasten und durchaus sachlichen Aussprache freue, daß aber allen Wünschen gegenüber gesagt werden müsse, daß ihre Verwirklichung weniger von dem guten Willen einzelner Personen als von den Verhältnissen abhängig sei. Die Krittt an dem tariflich Erreichten halte er für vollkommen berechttgt und sie entspreche auch der Auffassung de» Derbandsvorstandes. Der Tarif enthalte nicht mehr, als wir zu verlangen haben. Wenn aber die darin enthaltenen Rechtspositionen besser ausgenützt würden, dann kämen wir einen guten Schritt vorwärts. An Schutz gegenüber den Verteidigern iariflicher Rechte habe es der Verbandsvorstand wahrlich nicht fehlen lassen. Wir haben den Achtstundentag im Tarif, und nur an der Kollegenschaft liege es, im tariflichen und gesetzlichen Sinne zu handeln. Der Widerstand gegen den M a t e r n a u s t a u s ch sei gegen die technische Entwicklung. Auswüchse seien mit Unterstützung des Zeftungsverlegervereins bekämpft worden. Gegenüber jeder Kritik am Verbandshaus müsse betont werden, daß wir heute wahrscheinlich weder den Bau noch das Geld hätten, wenn wir statt der guten Konjunktur«ine wirtschaftlich schlechter« Zeit gehabt und das Geld für Arbeitslosenunterstützung hätten ausgeben müssen. Wir haben eine» Musterbetrieb de« Gewerbe» Marken-ZigaretteD Große Posten 2-Pf.- Sorten billig. Fibelhaft, Bliukobl Frltzl.... 23.W Moslem 3 PI. am Lager. Dicke Türken. Kl- bari.... 22 90 Juno... 28.20 Steyr.Staatsrat 34.00 OldPort.OberstJS.OO Walasko, Aride 4230 Dieses einige Beispiele unserer Billigkeit. NtDirverbanz im U;ir. Zigarren wiit unter Fabrikpreis. Sommer Neue Schönhauser Str. 4.8, im Laden. Genau auf Hausnummer achten. Versand nur gegen Nachnahme. geschaffen und damit den Willen nach kulturellem Forffchritt praktisch bewiesen. So werden wir auch in Zukunft weiter arbeiten.— Nach- dem Kollege Schweinitz noch einige Aufklärungen über lassen- technische Fragen gegeben Hot, wird gegen eine Stimme beschlossen: „Der 13. Verbandstag billigt die Tätigkeil des Verbandsoor- standes und spricht ihm das vertrauen aus.' Ein« kurze Debatte entspann sich noch über einen Antrag, der vom Verbandsvorstand fordert, die Sonderzuwendungen anläßlich unseres Jubiläums auch auf die Ausgesteuerten und Nicht- bezugsberechtigten auszudehnen, und zwar für die Aus- gesteuerten in der Staffel, in der sie ausgesteuert sind und für die Nichtbezugsberechtigten einheitlich mit 7 Mark. Dieser Antrag wird angenommen. Damit ist der erste Punkt der Tagesordnung beendet. Georg Vanöke gestorben. Einer der st i l l e n Kämpfer für unsere groß« Menschheits- Bewegung, einer, der stets slillbescheiden hinter seine Arbeit zurück- trat, ist von uns gegangen. Genosse Georg Wandle war von frühester Jugend sowohl im politischen wie auch im gewerkschast- lichen Zweig der Arbeiterbewegung, besonders in der leider so häufig unterschätzten K l e i n a r b ei t tätig. Wiederholte Maßregelung ließ es ihm geraten scheinen. Posen mit Berlin zu tauschen. Auch in Berlin war er, jetzt besonder» in der Gewerkschaftsbewegung der rührigsten einer. Seine Gewerkschaft, der Deutsche Verkehrsbund, wurde auf ihn aufmerksam und holte ihn in ihr Zentralbureau. Seine stille grub- lerische Art ließ ihn für die L e i t u n g der st a t i st i s ch c n A b- t e: l u n g der Zentrale geradezu prädestiniert erscheinen. Und aus diesem Posten hat Wandle auch in der Tat Hervorragendes geleistet. Richtig einschätzen kann diese Arbeit nur der, der mitten in der Or- ganisationsarbcit steht und dein die Zahlenreihen warnend und ratend sprechen. Zu früh ist der Genosse Wandle uns entrissen. Kaum 59 Jahre alt, erlöste ihn ein sanfter Tod von schweren Leiden. Seine Ge- nosscn und Kollegen werden seiner dauernd gedenken. vom englisthen Sergarbeiterstreik. Verschlechterung des Gewcrkschaftsrcchts geplant. London, 23. Juni(TU.). Lord Birkenhead kündigte gestcm in einer Rede vor einer Versammlung des Nationalbundes konscrva- tirer Vereinigungen eingehende Aenderungen des eng- lischen Gcwerkschaftsgesetzes an. Er erklärte, daß fol- gende Aenderungen erforderlich seien: 1. Die Gewerkschaften sollen in Fällen von ungesetzlichen Streiks vcrantwort- lich gemacht werden: 2. Das Recht, Streikposten aufzustellen, soll stark beschnitten werden: 3. Vor Beginn eines jeden Streikes soll unter der Oberleitung der Regierung eine geheime Abstimmung unter den Arbeitern stattfinden: 4. Konservative usid liberale Gewerkschaftsmitglieder sollen gegen d i e Zahlung zwangsweiser G e w e r k s ch o f t s b c i t r ä g e .geschützt' werden.— Die Anwesenden nahmen eine Resolution an. in dem di« Abänderung des Gesetzes in dem von Lord Birkenhead umschriebenen Sinne empfohlen wird.— Auch in England wird nicht so heiß gegessen wie die Scharfmacher kochen. 4- London. 23. Juni(Eigener Drahtberichtl. Das Unterhaus behandelle am Dienstag statt des angekündigten Gesetz über den Siebenstundentag im Bergbau das Reorganisationsgesetz in zweiter Lesung. Dieses Gesetz bezweckt, die kleineren unrentab- leren Gruben durch die Entscheidung eines Wirtschaftsgerichtes zur Fusion mit größeren Gruben zu zwingen. Es ermöglicht ferner die fakultative Gewinnbeteiligung der Arbeiter und belastet die Inhaber der Kohlengerechtsame mit einer Abgabe für Wohlfahrtszwecke. Das Gesetz, das den Siebenstundentag im Bergbau auf 6 Jahre außer Kraft setzen soll, wird am Montag und Dienstag beraten werden. Spd.- Metallarbeiter! Au» jedem Betriebe müssen Kollegen am Mittwoch, den 23. Juni 1926, in der Zelt von 4 bis S Uhr nach dem Lokal Zschiefing, Acker- stratze 1, kommen, um wichtiges Material abzuholen. Kein v e- trieb darf fehlen. Porteiausweis und Mitgliedsbuch legitimiert. Deuffcher verkehrsbund. Die Sperre über die Victoria- s p e i ch e r A.- G., Köpenicker Str. 24s, ist aufgehoben. Die Firma zahlte bisher nur 99 Pf. pro Stunde und hat sich heute nun- mehr bereit erklärt, die mit dem Deutschen Verkehrsbund und dem Arbeitgebcroerband der Spcichereibetriebe vereinbarten Löhne unter- schriftlich anzuerkennen. Demnach. beträgt jetzt der Lohn für feste Arbeiter 5 9 Mark sllr die 48-Stunden-Woche und für di nicht- st ä n d i g e n Arbeiter 1,99 M. pro Stunde. Die Speicherarbeitcr in diesem Betriebe haben damit einen vollen Erfolg zu verzeichiien. Wirtschaft Erhöhung üer Zleischpreise in Sicht! Im August 1925 sind bekanntlich zunächst mtt Wirkung bis 31. Juli 1926 mäßige Zölle für Brotgetreide und Futtergetteide fest- gefegt, darunter besonders für Futtergerste mit 1 M. pro 199 Kilo- gramm, während der Eingangszoll für Braugerste 3 M. pro 199 Kilo- gramm beträgt. Diese Zölle kommen am 1. August d. I. automatisch in Fortfall, und an ihre Stelle tritt der autonome Zollsatz von 7 M. pro 199 Kilogramm, wenn die Reichsregierung vorher keine anderweitige Entscheidung trifft. Man hört, daß die Reichsregierung nichts zu tun gedenkt. Anscheinend hat sie sich von den östlichen Großagrariern breit schlagen lassen, welche dabei ein ganz bestimmtes System verfolgen. Zurzeit blüht im Nord- kveften Deutschlands, besonders in den Provinzen Oldenburg, Hon- nooer und Schleswig-Holstein, die Schweinezucht, wenn- sie auch noch längst nicht den Stand wie vor dem Kriege wieder erreicht hat. Dieser blühenden Schweinemast ist es in erster Linie zu verdanken, daß die Fleischpreise langsam aber sicher in den letzten Jahren zurück- gegangen sind. Die Blüte der Mast ist aber nur möglich durch billige Zölle auf ausländische Gerste und Mais. Ein Gerstcnzoll von 7 M. würde voraussichtlich eine Erhöhung der Fleischpreise um 15 bis 29 Proz., also 15 bis 29 Pf. auf jede Mark mit sich bringen. Die großen Landwirte, besonders im Osten Deutschlands, haben dann Gelegenheit, ihre großen Vorräte an Roggen und Kar- tosfeln, welche sie nach der letzten Ernte zu billigen Preisen her- geben mußten, zur Schweinezucht zu oerwenden und dadurch ent- sprechend höhere Preise aus ihren Erzeugnissen zu erzielen. Das ist natürlich nur möglich, indem die Fleischpreise gesteigert werden. Heute rentiert sich die Verslltterung von Roggen und Kartoffeln noch nicht. Wie man hört, haben alle Landwirtschaftskammern der Beseitigung des billigen Gerstenzolls zugestimmt, diejenigen im Nordwesten Deutschlands allerdings nur unter der Bedingung, daß eine entsprechende Erhöhung der Fleischzölle bzw. Verringerung der Geiriersleischeinfuhr damit verbunden wird. Also auch da wie- derum die Verteuerung des Fleisches für den Verbraucher. Es ist die höchste Zeit, daß die Vertreter der Verbraucher sich gegen solche Absichten rühren, da der Reichstag am 2. Juli in die Ferien geht und dann während der Ferien automatisch die hohen Zollsätze in Kraft treten. Das aber scheint die Regierung zu beabsichtigen. Deutsche Anleihen— die besten Anlagcpapiere des amerikanischen Marktes. In einem Bericht über den Bond-Markt(Markt für Industrie» Obligationen) in New Jork erklärt die Guaranty Trust Company. daß amerikanische Bondanleihen bei weitem nicht die Sicherheiten bieten wie dieses bei den in letzter Zeit in Amerka angebotenen deutschen Industrie- und Kommunalanleihen der Fall ist. Ein amerikanisches Unternehmen, welches einen Kredit gegen Bonds sucht, muß in der Lage sein, nachzuweisen, daß leine Netto- einnahmen zweimal so hoch sind wie die Zinsen für dies« Bonds. Ferner darf die Anleihe 8 9 Proz. des amtlich taxierten Wertes bzw. fünfmal die Brultojahreseinnahmen des Unternehmens nicht übersteigen. Bei den in Amerika ausgelegten deutschen An- leihen dagegen, werden nur 29 Proz. des amtlich taxierten Be- sitzwertes beliehen, während die Jahreseinnahmen der deutschen Geldnehmer durchschnittlich 7, 5 mal so hoch sind, wie der von ihnen zu leistende Zinsendicnst. Aus diesen Tatsachen zieht die Guaranty Trust Company den Schluß, daß deutsche Bonds- eine gegenwärtig einzig dastehende Anlogemöglichkeit bieten. Deutsch-französisches Aufwerlungsabkommen. Zwischen der deutschen und französischen Regierung ist— wie das Reichssinanz- minierium mitteilt— ein Abkommen über die Durchführung der deutschen Auswcrtungsgcseize abgeschlossen, das am 4. d. M. in Berlin ratifiziert worden ist. In dem Abkommen wird der Grund- satz der Meistbegünstigung auf dem Gebiete des Aufwcrtungs- rechtes vereinbart. Die französische Regierung gibt den deutschen Staatsangehörigen die bisher auf Grund des Vcrsailler Vertrages unter Zwangsverwaltung gestellten deutschen Markanleihen frei: sie empfängt dafür von dem Einlösungsbctroge, den die deutschen Gläubiger dieser Anleihxn nach dem deutschen Ablösungsgesetz auf die freigegebenen Slnleihen erhalten, soweit die freigegebenen An- leihen Rcichsanleihcn sind, ein Viertel, soweit sie Länder- oder Gcmeindeanleihen sind, die Hälfte. Des weiteren bringt das Ab- kommen eine Aufwertung der deutschen Reichsangehörigen ge- hörenden Markanleihen, die elsaß-lothringische Gemeinden vor dem Waffenstillstand ausgegeben haben, lieber die Durchführung des Abkommens wird das Weitere später bekannt gegeben werden. Die Interessenten wollen daher von Anfragen bis auf weiteres ab- sehen.. Verantn'sr'Iidi für«olilif: krn» Mru»«; Sürtfdwft:»rtiir S-t-rnus: (Beroettfdwftsbcrocaun«: I.«leiner: ffciuDeton: St. 8. Döscher: Lokal«- uns conftiacs: Sri* Starttäbt; älnjciocn: Sb.©locke: sämtlich in Berlin. Verla«: Borwarl-.Verla« V.m.b.S.. Berlin. Druck: Borwärls-Budidruckerel und Lerlaasanktali Paul Sinder u. Co.. Berlin EW 08. Lindenltroke 3. Gardinen! Sonderanneliota und Gelegenheitskänfe in KOosiler- i nr Gardinen.. l.Zss Madras- i Gardinen.. I. StorEs....i.Zfl Bettdecken I l bettig,,. 4. Bettdecken 0 2 bettig, 0. ipiL-Cardineovirksi. Neukölln, Bergstr. 67 am Rm:bahnhof Kein Laden! Inferieren bringt ERFOLQI Voranzeige I eduaraa lunsllad» aelagrosUadlunf der Na. 4rirr ipk« ks Uf Beuten Infe '••Bin" Bertin. nne-T« ?rio ,24, ,5/JJ.,1,. t»«-- 4. «b-ia 1«erladen futi sifn»ord totreat««00» Mto tiliti cid tamConi>a prateat stark ani»o(t •sriuistchtlUk» i, pum tirci>00000 Itter kolkt» naeckstcn aonal(ut( an» unkt autnjthtnd liaudes Eduard SUsskind, Brunnenstraßa 43 B*aoM«n Sie maln« An�mbot» Adolf Hoffmann Knorke SdmUiumoretke mit Illustralionen von Willi Steinert Preis SO Pf«. I Porto 5 Pf«. 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