flbenöausgabe klr. 29Z> 45. Jahrgang Ausgabe E Nr. 144 CMU3slc!){n{uit«en und lud in bei SRorgenaa�flcbe onotcibeii Bebafflon; SW. OS, Ginbeafftab* 3 Zernlpr-cher: Sfinboff« 292— 207 ZsL'VbrcffcSejialbcnottat Berlin Vevlinev VolksblÄtt Zcntralorgan der Sozialdcmokratifcben partd Deutfcblatids (�10 PfennSa) Donnerstag 24. Juni 142b O«rla, und Sn»«l«enabt«Nuni: »«schäft-zrit 9-b Uhr 2«rI»o»r:vorn»SrI»-D»rlag kommißrenten vorgesehen ist, begründete Genosse Londsberg einen sozialdemokratischen Antrag auf entschädigungslosen Fortfall dieser Renten. Dermögensstücke, die in einem monarchistischen Staat den Fürsten überlassen gewesen seien, dürsten in der Republik den Fürsten nicht bleiben. Jene Renten hingen ouss -ngste zusammen mit der staatsrechtlichen Stellung der ixhenzollern. Mit der Begründung der Republik sei diese Stellung beseitigt. Da die Renten eine Reprälentations- zu läge gewesen seien, müsse sie jetzt wegfallen. E» handele sich um einen wer« von etwa« Millionen, der dem Volke gesichert bleiben müsse, schon deshalb, weil die chohenzollern bei dem Derkouf von Grundstücken des Akadcmieviertels an den Staat, die in Wahrheit nicht ihnen gehörten, sondern längst Eigentum des Staates waren, zu Unrecht 13 Millionen Mark teils in bar. teils in Grund. stücken erhalten hätten. Schon wegen dieser zuviel gezahlten 13 Millionen müßte die Rente in Höhe von 8 Millionen Mark fort- fallen. Abg. Pfleger(Bayer. Vp.) wendet sich gegen den sozioldemo- kratischen Antrag, weil er einer«ntschüdigungslosen Tnteignung von Privatrechten nicht zustimmen könne. Abg. Barth(Dnat.) bezeichnet den sozialdemokratischen. Antrag als den ersten eklatanten Fall des Einbruchs in die Prioateigentumsordnung. Er appelliert an die Zentrumspartei, sie möge zu dem Wort stehen, daß den Fürsten ihr Privateigentum bleiben soll und kein Einbruch in das Privateigentum stattfände. Abg. Everling. der heute wieder erschienen ist, protestiert eben- falls gegen die Enteignung fürstlicher Rechte. Auf die Bemerkung des deutschnationalen Redners über, das preußische Justizministerium, das den privatrechllichen Charakter der Renten anerkannt habe, erklärt Geheimrat Frank für das preußische Finanzntinisterium, daß dieses niemals ein solches Anerkenntnis abgegeben habe. Sogar schon vor der Revolution habe der preußische Finanz- minister Bcseler den Standpunkt vertreten, daß bei diesen Renten Privateigentum der Fürsten nicht in Frage komme. Abg. wunderlich(D. Dp.) äußerte stark« Zweifel über die Stich- tigkeit der von der Sozialdemokratsschen Partei vorgeschlagenen Lösung. Es handelt sich aber nicht um rein juristssche Erwägungen, sondern um politische Fragen und ihr« Lösungen. Man müsse ein« politische Ausbalancierung vornehmen, und versuchen die politisch« Mittellini« zu suchen. Diese führ- schließlich doch zu dem sozialdemokratischen Autrag und wenigstens fein« im Ausschuß vertretenen Parteifreund« seien der Meinung, daß Opfer eines Zugeständnisses an die sozialdemokratischen Forderungen bringen zu müssen. Sie werden deshalb für den sozialdemokratischen Antrag stimmen. Abg. Schulte(Z) gibt dieselbe Erklärung zu den sozioldemo- kratischen Anträgen ab. Das Zentrum werde zu seinem Wort stehen. Es habe aber auch versprochen, mit allen parlomcntari- s ch e n M i t t« l n für eme andere Lösung zu sorgen, als die Deutsch- nationalen sie im Auge hätten. Sie hätten auch schon früher einen dem sozialdemokratischen ähnlichen Antrag gestellt und würden des- halb für den sozialdemokratischen Antrag stimmen. Abg. Rosenberg(Komm.) erklärt, konsequent sei nur der Abg. Everling(Allgemein« Heiterkeit). Dos Entgegenkommen an die Sozialdemokraten fei aber nicht sehr bedeutungsvoll. Das Geschenk sei recht klein. Abg. von Llndeiaec(Dnat.) protestiert in scharfen Worten gegen die angeblich nicht objektive Stellungnahme des Geheimrats Frank, der nicht aus das Gutachten des jetzigen Ministers Am Zchnhoff hin- gewiesen habe, der erklärt habe, daß es sich bei der chohcnzollern- rente um Privateigentum handle. Dieser Vertreter des Finanz- Ministeriums scheine das Gutachten de» republikanischen Justiz- minister» niedriger«nzuschätze» als das des monarchistischen Finanzministers Beseler. Nach de» Erklärung des Reichs- kanzlers Marx vor der Volksabstimmung, daß die Fürsten ebenso behandelt werden sollen, wie andere Staatsbürger, müsse angenommen werden, daß wenn durch Annahme des sozial- demokratischen Antrages jetzt ein A u s n a h m e r e ch t zu- Ungunsten der Fürsten geschaffen werde, die Regierung dem nicht zustimmen werde. Vorsitzender kahl weist den Vorwurf mangelnder Objektivität, der gegen einen Vertreter der preußischen Stegierung erhoben worden sei, zurück. Geheimrat Frank stellt fest, daß er sich als Vertreter des Preußischen Finanzministeriums nur über dessen Stellungnahme zu äußern gehabt habe. Er habe nur richtiggestellt, die Behauptung des deutschnationalen Vertreters, der die falsche Behauptung auf- gestellt hob«, daß das preußische Finanzministerium den privat- rechtlichen Charakter der Renten anerkannt habe. Abg. von Rtchlhosen stellt fest, daß Geheimrot Frank sich d u r ch- aus korrekt verhalten habe. Auch er spricht sich für den sozialdemokratischen Antrag aus. Genosse Rosenfeld stellt fest, daß der Vertreter des preußischen Finanzministerium» sich völlig korrekt verhalten habe. Die von ihm angeblich verschwiegene Tatsache, daß der preußische Iustizminister ?lm Zehnhoff den priootrcchtlichen Charakter der Renten anerkannt habe, sei doch im ganzen Ausschuß längst bekannt. Es hätte also nichts verschwiegen werden können. Besonders tomisch sei es, daß die Deutschnationalen behaupten, durch die Ausführungen des preu- ßischen Vertreters getäuscht worden zu sein. Sie kannten doch, wie sie aus ihren Darlegungen gezeigt haben, dos Gutachten Am Zehn- hoffs. Sie können also gewiß nicht getäuscht worden sein.(Heiter- keit.) Genosse Rosenfeld tritt als dann dem Abg. Rosenberg (Komm.) entgegen, der eigentümlicherweise die Konsequenz Everlings anerkannt habe. Rosenberg habe nur insofern recht, als er be- hauptete, daß das Entgegenkommen der Regierungs- Parteien durch die Zustimmung zum sozialdemokratischen Antrag nicht besonders groß sei, aber bei diesem Paragraphen könne es nicht größer sein. da nach Annahme de» sozialdemokratijchen Antrage» nur die Bestimmung übrig bleibe: die Renten werden ohne Entschädi- gung enteignet. Mehr hätten auch die kommonisten nicht ver- langt, mehr verlang« aoch da» Volksbegehren nicht. Dem Abg. Wunderlich gegenüber führt« Genosse Rosenfeld aus, daß man mit rein juristischen Erwägungen die vorliegenden Fragen in der Tat nicht lösen könne, es handle sich um politische Fragen und Lösungen. Wenn man ober mit dem Abg. Wunderlich eine Mittellinie suchen wolle, so müsse man von dem auf der»Inen Seite von den IS Millionen deutscher Wähler unterstützten Gcsetzentwurf auf entschädigungslose Enteignung des gesamten Vermögens aus- gehen und auf der anderen Seite von den Fürsten und Fürsten- dienern, die leider auch im Ausschuß vorhanden wären. Alsdann komme man. wenn man«ine Mittellinie verfolge, nicht nur auf diesen Paragraphen, sonder« auch auf andere Bestimmungen de» Gesetze» zu den von den sozialdemokratischen Vertretern vorgeschlagenen Abände- kungsanträgen. Uebrigens sei e» auch gar nichts Besonderes, wenn durch An- nähme des sozialdemokratischen Antrages die Enteignung des Privat- eigentums ausgesprochen werde. Das geschehe auch in anderen Bestimmungen, die schon in der Regierungsvorlage vorhanden seien, und gerade deshalb sei ja von der Regierung der ganze Gesetz- entwurf als verfassungsändernd bezeichnet worden.(Zustimmung des Staatssekretärs Joel.) Bei der dann vorgenommenen Abstimmung wird zum erstenmal ein sozialdemokratischer Antrag angenommen und zwar gegen die Deutschnatiooaleu. Völkischen und die Vertreter der Bayerischen Voltspartei bei Stimmenthaltung der Kommunisten. Dies« Stimmenthaltung der Kommunisten ist ganz besonders unverständlich, da in dem nunmehr angenommenen Paragraphen lediglich steht, daß die Fideikommißrenten ohne jede Entschädigung an den Staat fallen. Die Kommunisren haben also nicht einmal für eine Bestimmung gestimmt, die völlig mit dem Gesetzentwurs des V o l t s be g e h r« n s überein- stimmt. Bei der Beratung de» Z g der Regierungsvorlage erhebt Abg. Everling scharfen Widerspruch. Es handelt sich, wie mitgeteilt sei, bei§ 9 um die Zuteilung von Gegenständen an da» Land, die es aus Gründen der Kultur oder Volksgejundhest in Anspruch nimmt, insbesondere Theater, Schlösse/, Mu- seen, Bibliotheken, Parkanlagen oder ähnliche Vor- mögensstücke. Dem deutschnationalen Abgeordneten sind die Be- grifse Kultur und Gesundheit zu vage. Bei solchen gesetzlichen Be- stimmungen würde alles der allgemeinen Begehrlichkeit preis- gegeben sein.(Widerspruch links.) Genosse Rosenfeld hält dein Abg. Everling entgegen, vi�l Begehrlichkeit könne nicht die Siede sein, denn es sollen doch Ver- mögensstücke dem Volk überwiesen werden. von Begehrlichkeit könne aber nicht beim Volk, sondern nur bei den Fürsten die Rede sein. Wenn vorausgesetzt werde, daß Kultur und Dolksgesundheit die Zuteilung von Gegenständen an den Staat rechtfertigen müsse, so sei vollkommen klar, daß es sich um Enteignungen zum Wohle der Allgemeinheit handele. Genosse Rosenfeld be- gründete dann den sozialdemokratischen Antrag, nach welchem die Zuteilung solcher Gegenständer an da» Land ohne Entschädi- gung erfolgen soll. Staatssekretär üoel trat dem Abg. Everling gegenüber für die Regierungsvorlage«in. indem er hervorhob, daß von einer Der- fassungsverletzung nicht die Red« sein könne, weil die Zuteilung von Gegenständen an das Land nur aus Gründen der Kultur oder Volksgesundheit erfolgen solle. Aibg. Everling fragt, ob«in« Enteignung auch dann noch erforder- lich sei, wenn die Hohenzollern jetzt aus das Recht der Rücknahme der Kunstgegenstände verzichteten und sie dem Staate zur dauernden Be- Nutzung unentgeltlich überließen. Staatssekretär Joel erwidert, daß dann allerdings ein« Enteignung zur Förderung der Zwecke der Kultur nicht mehr erforderlich sei. Bei der Abstimmung wird der sozialdemokratisch« Antrag abge- lehnt und die Regierungsvorlage mit den Stimmen der Regierung»- Parteien gegen die Kommunisten bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten und Deutschnationolen angenommen. Subventionswirtfthast. Die Sozialdemokratie verlangt Abhilfe und Kontrolle im Hauptausschutz. Seit dem Jahre 1S24 findet sich in den E t a t s g«» setzen des Reiches eine Bestimmung, durch die der Finanz- minister ermächtigt wird,„zur Befriedigung unabweisbarer, durch die Nachwirkungen des Krieges hervorgerufener Be- dürfnisse mit Genehmigung des Haushaltsausfchusscs nötigem falls Garantien zu übernehmen, sofern dadurch eine Aus- gäbe vermieden wird, der sich das Reich sonst nicht hätte ent- ziehen können". Bon dieser Ermächtigung wurde bis in die Mitte des Jahres 1S2Z kaum Gebrauch gemacht. Mit der Berschlechterung der Wirtschaftslage kamen dann aber in immer schnellerer Folge Vorlagen für die Uebernohme von Kreditgarantien zu Stützungs- oder Sanierungszwecken wirt- schastlicher Unternehmungen an den chaushaltsausschuß. Die Auslegung, die die Regierung und die Mehrheit des Aus- schufses unter stetem Widerspnich der Sozialdemokratie dem erwähnten Paragraphen gaben, wurde immer weit- herziger und willkürlicher, bis schließlich mit dem kurz vor der Vertagung des Reichstags gefaßten Beschluß der Uedernahme einer Kreditgarantie zur Sicherung des M a r o k k o b e j i g e s der Gebrüder Mannesmann in überwiegend deutjchem Besitz eine Vorlage durch den Haus- halli-ausschuß unzer Umgehung des Plenums des Reichstags oerabschiedet wurde, die auch nicht eine der Voraus- fetzungen des angezogenen Paragraphen erfüllte. Die Sozialdemokratie hat gegen diesen ungesetzlichen Beschluß im Plenum des Reichstags eine Jnterpallation eingebracht. Unabhängig davon hoben die sozialdemokratischen Ver- treter im Haushaltsausschuß selbst eine Aktion eingeleitet, um dem Unfug der Subventionswirtschaft ein Ende zu machen. Die Sozialdemokratie ist nicht grund- sätzlich dagegen, daß in Zeiten wirtschaftlicher Krisen ösfent- liche Gelder zur Milderung der Krise hergegeben werden. Aber sie verlangt, daß solche Hergabe an bestimmte, möglichst eng umrissene Voraussetzungen geknüpft und daß sie unter der strengen Kontrolle der Oeffentlichkeit vor sich geht. Sie hat daher in einem Antrag dem Haushaltsausscyuß Richtlinien für die Uebcrnahme von Kredit- g a r a n t i e n durch das Reich unterbreitet, in deren Ein- gangsformel die bisherigen, so oft mißbrauchten Befugnisse des Haushaltsausschusses beseitigt sind. Der Antrag lautet: Der Haushaltsausschuß wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, in allen Fällen der Kreditgewährung oder der Ueber- nähme von Garantien durch das Reich dem Reichtstage vorlagen zu unterbreiten, bei denen die folgenden Richtlinien berücksichtigt sind: 1. Kredite dürfen nur gewährt, Garantien nur übernommen werden in solchen Fällen, m denen ohne da» Eingreifen des Reichs II. Die so vervollständigte Nachweisung nicht chronologisch auf. zuführen, sondern s y st e m a t i s ch(Industrie, Landwirtschast, kauf- inännische Unternehmungen zu gruppieren. Laufen auf Grund dieses Antrages a l le Nachweisungen der vom Reich übernommenen Bürgschaften und gewährten Kredite und Darlehen beim Reichsfinanzministerium und durch das Reichsfinanzministerium dann beim Hausholtsaus- schuh des Reichstags zusammen, so ist damit allein schon eine Kontrolle gegeben, an der es bisher vollkommen gefehlt hat. * In der Donnerstagsitzung des Ausschusses für den Reichshaushalt wurden die sozialdemokratischen Anträge, be> treffend die Stlltzungs- und Sanierungsaktioncn des Reiches, beraten. Nachdem Genosse Heima-nn drei Anträge eingehend begründet hatte, glaubte Staatssekretär F i s ch e r das Finanzministerium gegen tadelnde Bemerkungen Jeimanns in Schutz nehmen zu müssen. Von den Rednern aus der Mitte des Ausschusses, insbesondere von Ab- geordneten H e r g t(Dnat.), wurden indes die sozialdemokratischen Anträge als interessant und sehr wichtig bezeichnet. Die behandelte Materie sei aber so weitsichtig und schwierig, dah zunächst eine Aussprache mit den Fraktionen und dann mit der Regierung in kleinerem Kreise notwendig sei. An dieser Aus- spräche müsse nicht nur der Staatssekretär, sondern der Reichs- finanzmini st er selbst teilnehnien. Es wurde die E i n s e tz u n g eines kleinen Ausschusses beschlossen, dem die An- träge überwiesen wurden. w es e n tli che, fü r die Allgemeinheit notwendige Produk tion-an lagen. z um Erliegen kommen würden. 2. Reichshilfe irgendwelcher Art soll nur dann gewährt werden, wenn einwandfrei nachgewiesen wird, dah die unter I angegebenen Voraussetzungen erfüllt sind, und daß damit gerechnet werden kann, daß die chilse des Reiches einen nur vorübergehenden N o t st a n d beseitigen wird. 3. Wird Reichshilfe gewährt, so hat das Reich sich das Recht zu sichern: a) Eine Kontrolle über die Verwendung der Reichsgelder auszuüben. Die Reichemittel sollen die Pro- duktion fördern und beleben, aber nicht dazu dienen, privaten Gläubigern ihr Kreditrisiko abzunehmen. b) maßgeblich bei einer Reorganisation des sub- ventionierten Untern ehmens mitzuwirken und in seiner Verwaltung vertreten zu sein. c) Je nach der Höhe der gewährten Unterstützung a n. gemessene Zinsen und Provision zu erhalten, und nach der Gesundung an dem Unternehmen beteiligt zu werden. Mehrt sich auf Grund von Nr. 3a der beantragten Nicht- linien der Aktienbesitz des Reichs, so muß klar- gestellt werden, wie über diesen Besitz verfügt werden darf. Solche Bestimmungen fehlen. In der Rcichzhaushaltsordnung finden sich genauere Bestimmungen nur bezüglich der Veräußerung von Grundstücken oder Teilen von Grundstücken. An einen größeren Aktienbesitz des Reichs hat damals niemand gedacht. Um diese Lücke auszufüllen, haben die sozialdemokratischen Vertreter den folgenden weiteren Antrag gestellt: Die Reichsrcgierung zu ersuchen: a) baldmöglichst eine Erweiterung des§ 47 Absatz 2 Reichshaus- Haltsordnung»ach der Richtung vorzuschlagen, daß jede V e r- äußerung und Verpfändung von Aktienbesitz des Reichs der Zustimmung des Reichsrats und des Reichstages bedarf, soweit nicht aus zwingenden Wirtschaft- lichen Gründe» eine Abweichung hiervon geboten ist. In letzterem Falle ist dem Reichsrat und dem Reichstag von der Veräußerung alsbald durch eine Nachwcifung Kenntnis geben., b) dafür Sorge zu tragen, daß b i s zum Erlaß einer solchen Bestimmung ohne Zustimmung des Haushaltsausschusses kein 'Aktienbesitz des Reiches oeräußert oder ver- pfändet wird. Je zahlreicher Stützung?- und Sanierungsaktionen des Reichs geworden sind, je weniger bei der gegenwärtigen Wirtschaftslage mit einem Abflauen dieser Bewegung zu rechnen ist, um so notwendiger erscheint es, daß wenigstens eine S t e l le im Reich von allen Kreditmaßnahmen, die von Reichsstellen getroffen werden, Kenntnis erhält. Bis jetzt ist das nicht der Fall. Jede Reichsstelle gibt ihre Gelder nach den von ihr beschlosienen Grundsätzen und ganz- lich unabhängig von allen anderen Reichsstellen auch an die Wirtschaft ab. Daß das zu den größten Mißständen führen muß und schon oft geführt hat, ist klar. Die sozialdemokrati- schen Vertreter haben daher den folgenden dritten Antrag gestellt: 1. Die im Mai überreichte Nachweisung der vom Reich übernommenen Bürgschaften und gewährten Kredite zu ver- vollständigen durch Hinzusügung r 1. der von den Schuldnern zu zahlenden Zinssätze, 2. der öffentlichen und privaten Kreditin st itute, hinter denen das Reich mit seiner Bürgschaft steht, �3. aller Bürgschaften, die das Reich in Gemeinschaft mit einem Land übernommen hat, 4. der Subventionen an gewerbliche und kaufmännische Unternehmungen oder Körperschaften, die in den Haushaltsplänen 1924, 192S, 1926 bewilligt sind, 5. der Unterstützungen und Kredite, die von Reichs st ellen an gewerbliche und kaufmännische Unternehmungen oder Körper- schaften gewährt werden, , 6. der Unterstützungen und Kredite, die an gewerbliche und kauf- männische Unternehmungen oder Körperschaften auf Grund b e s o n- derer Reichsgcsctze bewilligt werden. Der völkergeöanke. Zur Wiedereröffnung des Museums für Völkerkunde. Von Robert Breuer. Am 26. Juni, dem hundertsten Geburtstage Adolf Bastians wird das Museum für Völkerkunde, von Grund auf neu geordnet, wieder geössnet werden. Man erinnert sich, daß die un- geheure, ja unheimliche Häufung der ausgestellten Gegenstände dies Museum schließlich ungenießbar gemacht hatte. Der Besucher wurde von dem Chaos der aus aller Welt zufanunengetragenen Stücke, die wahllos, wie in einem riesenhaften Magazin neben- und über- einander standen, so verwirrt, daß er wohl die Dielgestoltigkcit der Welt empfand, ohne indes einen Weg zum Verständnis solchen brutalen Reichtums an Formen, an Aufgaben und Zwecken, an tech- nifchen Lösungen und kulturellen Erfüllungen finden zu können. Der Besuch war darum unbefriedigend: nian empfing Material, vermißte aber das einigende Prinzip, wonach all diese Waffen und Handwerkszeug?, diese Tanzmasken und Fetische ausgewählt worden waren. Der Eindruck war um so seltsamer, als man wußte, daß der Begründer dieses Museums Adolf Bastian gewesen war, der fünfzig Jahre unerhörter Lebensarbeit daran gesetzt hatte, um einen großen Gedanken zu versinnlichen und tausendfältig zu beweisen: den Ge- danken, daß wichtiger als die Persönlichkeit die Gemeinschaft ist, daß neben den bekannten, von der Geschichtsdarstellung immer wieder gezeichneten Kulturen der Erdball noch mannigfache, scheinbar völlig fremde, niedere, primitive Lebenstreise aufweist. Lebenseinheiten, die, wenn man sie richtig durchschaut und erkennt, innige und über- raschende Verwandtschaft zu jenen bisher allein gerühmten Kulturen zeigen. Die Forschung Bastians, der fünfundzwanzig Jahre lang die iernften Teile der Erde bereist hatte, wollte den Hochmut der weißen Rassen und ihrer Köpfe zerbrechen und die geistige Bedeut» samkeit der sogenannten Wilden, der halb verachteten und halb bc- mitleideten Asiaten, Afrikaner und sonstiger Exoten aufdecken. Bastian bewies die Einheit der Menschengeschlechter durch Zeit und Raunt, die Verwandtschaft Samoas mit dem alten Griechenland, er verwies auf die Einheitlichkeit des Völkergedankens, der durch die geo- graphischen und klimatischen Bedingungen die Buntheit seiner Ab- Wandlungen bekam. In dem Museum für Völkerkunde, dessen Sammlungen überwiegend den Reisen Bastians entstammten, traf man aber nur die Buntheit, sah man nicht das Einigende, traf nian tausend und abertausend Kuriositäten, sah man aber nicht, wie hinter einem Kopfschmuck aus Federn die gleiche Idee lebendig war, die den Augsburgcr Goldschmied Kronen und Diademe gestalten ließ. Das Museum für Völkerkunde war wie die siebzig Bücher Bastians: ein« Ueberfülle, eine Orgie des Stoffes, ohne Oekonomie, ohne die Kraft, die Schiffsladungen des Gefundenen und Entdeckungen so zu ordnen, daß dos geahnte Gesetz aller Schöpfung und alles Schaffens wirtlich zum Ausdruck kam. Nun ist erfolgt, was notwendig war. Man hat alles Entbehrliche in die Magazine gebracht und hat nur das zur Schau gestellt, was kennzeichnend für die jeweilige Kultur und damit Einblick in die Beweglichkeit des Aölkcrgcdankens ist. Schon die Verminderung wirkt wohltuend, noch wehr die Ordnung, Run kann man erleben, Gerüffelte Drahtpuppen. Die Kommunistenzentrale zensuriert die kommunistische Reichstagsfraktion. Die kommunistische Reichstagsfraktion hat am Dienstag im Reichstag der Novelle zum Knappschaftsgesetz zugestimmt. Sie hat ihre Zustimmung mit folgender Er- klärung begründet: „Infolge unseres scharfen Kampfes zun, Zweck« der Verbesserung des Rcichstnappschastsgesetzes i st es ge- lungen, einige wenige Verbesserungen durchzusetzen. Zwar wurden unsere weitergehenden Anträge von allen Parteien mit Einschluß der Sozialdemokratie abgelehnt. Es wurden jedoch insbesondere in der Frage der F a in i l i e n h i l s e Verbesicrungen erzielt, durch deren Verweigerung Tausende von Bergarbeiterfamilien zugrunde gegangen sind. In der Verwaltungssragc wurde der Einfluß der Unternehmer, die infolge ihrer Sabotage olle Verbesserungen verhindert hatten, nun endlich zurückgedrängt. Aus diesem Grunde wird die kommunistische Fraktion dem Gesetz in der Endabstimmung zustimmen." Für das Wagnis, aus eigenem Entschluß und eigener Abwägung der Arbeiterinteressen Ja zu sagen, hat die kom- munistische Reichstagsfraktion sofort einen öffentlichen Rüffel von der Zentrale bezogen. Sie erhält in der„Roten Fahne" von heute folgende Zensur vom Zentralkomitee: „In der Reichstagssitzung vom 22. Juni Hot die ko m m u- nistische Reichstagssraktion im letzten Moment auf Ver- anlassung der Mitglieder des Ausschusses der Novelle zur Abände- rung des Reichsknappschoftsgesetzes z u g e st i in m t. Die Zu- stimmung wurde damit begründet, daß die Novelle einige Ver- besserungen brächte, in bezug aus Einsllhrung der Familien- Hilfe und durch Zurückdrängen des Unternehmereinflusses in der Verwaltung der Knappschaftsoereine. Beide hier an- geführten Punkte, die Verbesserungen bedeuten sollen, sind eigentlich keine Verbesserungen— Aber ungeachtet dessen enthält die Knappschastsnovelle eine ganz große Reihe von Verschlechterungen. Durch sie werden Tausenden von Bergarbeitern die Renten ge- kürzt. Di« Erwerbung der Pensionsrente ist außerordentlich er- schwert, ja fast unmöglich gemacht. Die gleitende Rente ist beseitigt. Auch die Trennung der Krankenkasse von besonderen Ersatzkassen bedeutet eine schwere Schädigung der Arbeiterschaft. Die kommunistische Fraktion durste darum unter keinen Um- ständen der Knappschastsnovelle ihre Zustimmung geben. wie die alten Mexikaner und, vielleicht noch vorgestern, die Insulaner der Südsce nach dem Gesetz, das ihnen die Berge, die Vulkane, die Stürme und die Wogen diktierten, den gleichen Gott suchten und fanden, den gleichen Leidenschaften des Fleisches seelischen und rhyth- mischen Ausdruck erstrebten, wie dies die„Kullurvölter" zu ihren Zeiten und zu den ihnen gesetzten Bedingungen getan haben. Mag es immerhin gewagt sein und mögen die klassischen Philologen darob in Ohnmacht fallen: das Museum für Völkerkunde, so wie es jetzt ist, die Entwicklunoslinien herausarbeitend, die Höhepunkte der Willens- kurven herausstellend, gewährt uns den gleichen Genuß, wie das vollkommenste Museum der schönsten Antiken. Gewiß, es bleibt dabei, daß den meisten Europäern der Parlhenonfries näher steht als ein Negerfetisch! um was sich jedoch unsere Welterkenntnis vermehrt, ist der Tatbestand, dcß dieser Negerfetisch uns nicht mehr eine komische Verzerning dünkt, daß wir vielmehr hinter ihm wie hinter dem Parthenonfries die große Gebärde menschlicher Sehnsucht und Pathetik erkennen. Wer das Museum sür Völkerkunde heute durch- wandert, wird, wenn er nicht stumpf ist, und wenn ihm das Gym- nasium nicht die Sinne verfinstert hat, einigermaßen bescheiden zu- gestehen, daß der Hellenen Unsterblichkeit von den Instinkten und Urwünschen der Barbaren lebt. Das Museum sür Völkerkunde er- schließt uns den Einblick in die Einheit der Welt und des mensch- lichen Geschlechts. Man darf sagen, daß wer heute nur Tizian und Michelangelo, Phidias und Rembrandt kennt, vom Wesen der Menschheit nichts weiß, wenn er nicht zugleich die dämonischen Explosionen indischer Plastik und die heroenhaste Ausgeglichenheit chinesischer Baukunst, wenn er nicht den Blutrausch der Kops- abschneider und das tastend« Formgebct der Höhlenbewohner in sich aufgenommen hat. Die Entkrönung Europas und seiner isolierten Kultur wird durch das Museum sür Völkerkunde radikal bestätigt: die Geschichte der zwei- oder dreitausend Jahre, die wir in uns tragen, erfährt durch das, was wir jetzt von den Völkern, die bisher außerhalb dieser Geschichte geblieben sind, kennen lernen, eine bis ins Innerste greifende Veränderung. Zu den besonders interessanten Abteilungen des Museums ge- hören die Säle, in denen die Ergebnisse der vier deutschen Turfan- Expeditionen zu sehen sind. Aus den ersten Blick ist überraschend, wie diese Auegrabungen aus Gandharo, Kutscha und Tursan an griechische Grundtypen erinnern. Solch Anklang hat die geistigen Leiter der Grabungen, Grünwedel und Le Coq, veranlaßt, die ge- sainte indische und chinesische Kunst als Nachgeburt der Antike zu «klären. Eine Aussaslung, die vhne Zweifel aus jene Uebcrschätzung der bisher bekannten Kulturen zurückgeht, aus jene Uebersdiätzung, der das Museum sür Völkerkunde ein Ende bereitet. Gewiß steckt in den Plastiken und Malereien, die in dem großen zwischen Gandhara und Turfan sich ausspannenden Gebiet gefunden worden sind, Griechenland: indessen dies ganze Gebiet iß nicht China, ist nur Vorraum, gewissermaßen Entree zu den beiden gewaltigen Erb- teilen. Was China und Indien in vicltausendjährigcr Geschichte hervorgebracht haben, hat keine Verwandtschast zur Antike, findet sich aber gleichfalls in den Tursansunden, die man darum mit Recht als eine Kunst zwischen zwei Polen, al» eine Mischkunst, entstanden unter dem Druck zweier Giganten, ausdeuten darf. Die Monomanie des Europäers muß lernen, ehrfürchtig zu stehen vor der mannig- jaltigen Zeugung- k rast des ZZölkergedankens, Die Kommunistische Reichstagsfraktion erklärt, sie wollg Tausende von Bergarbeiterfamilien vorm Untergang retten — das von der Zentrale geforderte Neinstimmen hätte also zum Untergang von Tausenden von Arbeiterfamilien beiz getragen. Die Zentrale beschuldigt die' Reichstagsfraktion, daß sie für die Kürzung der Renten von Tausenden von Bergarbeitern eingetreten sei. Man beschuldigt sich also gegenseitig(um im kommunistischen Jargon zu reden) des Arbeiterverrats. Die kommunistischen Reichstagsabgeordneten, in ihrem sklavischen und unwürdigen Untertanenverhältnis zur Zen< trale, beschlossen daraufhin, immer Nein zu sagen. So stimmten sie gestern gegen den deutsch-däiusch e u Handelsvertrag, gemeinsam und allein mit Großz agrariern, im Interesse der Pferde züchtcr gegen die Arbeiterinteressen. Ihre Politik ist nicht sachlich gerichtet, sondern auf die Erringung guter Schulzeugnisse ihrer Zentrale. Naüau ist keine propaganüa. Zur Kritik der KPT.-Methoden. Genosse Franz Künstler schreibt uns: ,Lm Namen von 15 Millionen Wählern" gab neulich der Kom» munist Neubauer im Rechtsousschuß des Reichstages ein« Erklärung ab. Diese Anmaßung steht zu der Arbeit, die di« Kommunisten beim Volksentscheid geleistet haben, in einem geradezu grotesken Miß- Verhältnis. Es muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß die rohen und ordinären Formen der komrnunistischen Stmßenpropaganda der Sache des Volksentscheids eher geschadet als genutzt haben. Mit ihren 7666 eingeschriebenen Mitgliedern war die Kommunistische Partei in Groß-Berlin zu einer intensiven Auf- klärungsarbeit von Haus zu Haus, wie sie von der Sozialdemokratie geleistet wurde, ganz unfähig. Darum legte sie den Schwerpunkt ihrer Agitation mit ungeheurem Geschrei auf die Straße. Anziehungs- kraft hat sie damit auf die breiten Masten der Bevölkerung nicht aus- geübt. Das Herumtragen von Särgen und Galgen und der- gleichen— Propagandamittel, die nicht einmal als humoristisch und originell zu bezeichnen sind— stieß gerade die Wählerschichten, die man gewinnen wollte, ab. Den kleinen Leuten wurde von den Gegnern di«„Bolfchewistenherrschost" in Aussicht gestellt, lvenn sie mit„Ja" stimmten. Zugleich taten die Kommunisten mit ihrem Straßenradau alles, um die Kleinbürger und idisferenten Massen an di« drohende Bolschewistcnherrschaft glauben zu machen. In nicht wenigen Fällen mißlang es unseren Genosten, Männer und Frauen, die sich beim Volksbegehren in die Liste eingetragen hatten, zur Urne zu bringen. Die Ablehnung wurde immer damit begründet, daß man sich durch die rohe Agitation der Kommuni st en abge- stoßen fühle. Wenn das Berliner Ergebnis trotzdem so glänzend ge- worden ist, so ist das nur auf die intensive Arbeit der Sozialdcmo» kratischen Partei zurückzuführen. Die kommunistische Zentrale lieferte den Organisationen ihr Werbematerial nur gegen sofortige Bezahlung. Wer nicht Bargeld aus den Tisch legen konnte, bekam nichts. Und so geschah es, daß Rote Frontkämpser beim Sozialdemokratischen Bezirtsverband er- schienen, mit der Bitte, man möge ihnen Flugblätter zum Verteilen geben. So wurden zum Beispiel am Freitag vor der Abstimmung auf dem Potsdamer Platz sozialdemokratische Flugblätter auch von Kommunisten verbreitet. Wei beim Volksentscheid, so überlassen die Kommunisten auch jetzt wieder im Rechtsausschuß des Reichstages den Sozialdemokraten die wirtliche Arbeit. Sie selber versagen den sozialdemokratischen Dcrbesterungsanträgen ihre Unterstützung und schreien täglich über „sozialdemokratischen Verrat". Es gehört zu den erfreulichsten Er- sahrungen aus der Arbeit für den Volksentscheid, daß auch tommu- nistische Arbeiter uns'gegenüber deutlich zum Ausdruck brachten, wie sie über solche Methoden denken. Die wirNichc Meinung der breiten Masten kam darin zum Ausdruck, daß alle sozialdemokratischen Veranstaltungen während des Kompfes um den Volksentscheid durch ihren Umsang die kommunistischen Konkurrcnzuntcrnehmungen weit in den Schatten stellten. In diesem Kampfe war die ungeheure Mehrheit des arbeitenden Volkes nicht mit den Kommunisten,, son- der» mit uns. Und so wird es auch in Zukunft bleiben! Im Staatlichen Schauspielhaufe am Gendarm enmorkt wurde aus Anlaß der in Berlin tagenden Ersten Internationalen Schaufpielerkonserenz Hebbels„Herodes und Mariamne" als Festvorstellung gegeben. Das an diesem Abend ganz besonders sachverständige Publikum folgt« ansangs nur zögernd der schwerblütigen Problematik Ijebbels, geriet dann aber immer mehr in den Bann der phänomenalen Leistung K o r t n e r s als Herodes und jubelte ihn nach dem dritten und letzten Akt wiederholt vor den Vorhang, mit ihm Profestor I e s f n e r, Lina Lossen (Mariamne), Irene Driesch(Alexandra), Antonie Straßmann (Salome) und Heinrich Witte(Joab). rr. Erdkunde sür höhere Lehranstalten. Man schreibt uns: Meine zehnjährige Tochter, Schülerin des Städtischen Lyzeums, besorgte sich heute die von den Studienräten Dr. Bitterling und Dr. Otto im Verlag R. Oldenbourg- München heraus- gegebene 3. Auflage der„Erdkunde für höhere Lehranstalten", die den Untertitel trägt: Erste Umschau aus der Erde. Auf Seite 26'27 tragen drei Bilder folgende Unterschriften: 1. Der Mittellaus eines Stromes(Rhein bei dem besetzten Bingen), 2. Der Flughafen des entrissenen Straßburg. 3. Der Unterlauf eines Stromes (die a e r a u b t e Weichsel bei Thorn). Es wird Sie interessieren, wie sich die Herren Studienräte die„Erste Umschau auf der Erve" vorstellen. Das Optophon. Ein Dozent der Universität Birmingham erfand einen Apparat, der den Blinden das Lesen von Druck- und Schreib- Maschinenschrift ermöglichen soll. Ueber die technischen Details wurde bei der Vorführung in der englischen Akademie sür Kunst und Technik nichts bekanntgegeben. Es handelt sich um eine Ueber- tragung der Bildwirkung in Töne, die eine eigene Art Sprache dar- stellen, die von den Blinden erst erlernt werden muß. Infolge ihres gesteigerten Gehörsinnes bringen die Schüler es aber schon nach zwei Monaten aus das Verständnis von 86 Worten in der Minute. 'Also eine neue Art von Weltsprache sür die Blinden! Das Opto- phon siebt wie ein Radioröhrenapparat aus. und der Blinde hört mittels Kopfhörer oder Lautsprecher. Der hohe Preis von etwa 3666 Mark gestattet die Anschaffung allerdings fast nur sür Aitstalten und Heime. FUIionen In der INnlhemot k. Die.Gcsellsckiost der freunde der Philo« lopdie BtS ZIlS Ob"(Bor sitzender Prof Dr. Pa: Hinoer in H-alle) gab vor drei Jahren der Diener Akademie der Wissenschaflen die Anregung, eine Preisausgabe über„Fiktionen in der Molh-maltiik" auSzuichreiben Tie Gesellschaft konnte damals im Mai de! IilslationijahrcS 1923 die PreiSanf. gäbe mit einer Million Mark dotieren, aber ichon im Herbst vorigen Jahres jchrumpste diele Summe sali zu Aull zusammen, und so hat jetzt die ge- nannte Gesellichast den Breis wieder aus SOS Mark ausgewertcr. Einstimmig wurde der Preis dem Studicnrat Tr. Belsch in Taunftadt-SInItoart zuerkannt. und.uqleich winde dem studiendiretlor Tr. Tracgcr in Chemnitz eine lobende Erwähnung zuteil. v!e Zrühiahrsondstellnag der Akodenie der Künste, die den viclbeoch- tctcn®aal von deutschen und sianzösischen Meisterwerken de« tS. Jabr- hundert« enthält, wird am Sonntag, den 27. Juni, nachmittags 5 Übt gejchloÜUl. CoiUatiX'&iand— nicht umgekehrt. Ungewißheit und Unbehagen in Paris. Varls, 24. Zunl.(Eig. Drahlberlcht.) Das zehnte Malsterium Driand ist nach dem endgültigen Ausschiffen Poincares und Doumers überraschend schnell gebildet worden. C a i l l a u x hatte für sich die Ministerpräsidentschast und die Aussicht aus voll- machten, für seine Freunde bedeutende Porteseuilles verlangt. Driand hat sich allem unterworfen, nur an Stelle des von Coillanx als Kriegsminister vorgeschlagenen General Targe den General Guillaumat durchgesetzt. So hat man allgemein den peinlichen Eindruck, daß der eigentliche ZNinisterpräsident nicht Driand, sondern Eaillaux ist. dessen Persönlichkeit diesem Kabinett das Gepräge gibt. Die Zu- sammenarbeit dieser beiden INänner dürste bald eher den Charakter eines Duells, als eines Zusammenwirkens annehmen. Es müßte denn sein, daß, wie am Mittwoch abend in der Kammer, wo das Kabinett übrigens eine ziemlich kühle Ausnahme fand, be- hauptet wurde, daß vriond bald ermüdet, gealtert und entmuttgt von der Bühne abtreten und die Regierung ganz in Eaillaux' Hände legen wird. Diese Atmosphäre dumpfen Unbehagens, die um das Ministerium liegt, findet in den Kommentaren der Morgenpresse einen leisen Riederschlog. Richt ein Blatt— auch nicht die Presse des Linkskartells— begrüßt vorbehaltlos das neue Kabinett, dem zwar nicht Vertreter reaktionärer Parteien, aber auch nicht ein ein- ziger Sozialist angehört. Der„Qucditicn" z. B. bedauert, daß niemand etwas Genaues über Eaillaux' Finanzpläne wisse und das reaktionäre„Avenir" er- innert ironisch an die Tätigkeit Eaillaux' als Zinanzminister Pain- lcves, die mit dem jämmerlichen Fiasko der Goldanleihe geendet habe. Briand wird, so erklärt man. für seinen Zinanzminister in aller Kürze außerordentliche Vollmachten zur Durch- sührnng umfassender Sparsamkeitsmaßnahmen von der Kammer verlangen. Das Kabinett wird also bald Gelegen- heit haben, seine Lebeassähigkeit zu erproben. Regierungserklärung erst nächste Woche. Paris, 24. Juni.(WTB.) Finanzministcr Caillaux erklärte, daß er mehrere Tage Zeit brauche, um einen Finonzplan auszuarbeiten. Unter diesen Umständen wird angenommen, daß die Regierungserklärung frühestens Dienstag nächster Woche ei folgen wird. Nach havos wird die Regierung verlangen, daß dos Parlament die von ihr beabsichtigten Finanzgcsctze in kürzester Frist verabschiedet und ihr weitgehende Befugnisse zur Durch- fühning dieser Reformen bewilligt. Justizminister Laval ist auch weiterhin mit der Leitung der clsaß-lothringischen Angelegenheiten betraut. Der zum Unterstoatssekreiär im Kriegsministerium ernannte Lberst P i c o t gehört der demokratisch-republikynischen Linken, der Fraktion Bokanowski, an: er steht also von den Mitgliedern des neuen Kabinetts am weitesten rechts. Nach Parteien gegliedert, setzt sich das neue Kabinett zusammen aus 9 Radikalen, 3 Soz. Republikanern, 3 Mitgliedern der radikalen Linken, 4 Linksrepubli- kanern, I Unabhängigen Sozialisten, 4 Mitglied der demokratisch- republikanischen Linken und 1 NichtParlamentarier. Rollet— Besatznngschef. Pari», 24. Juni.(MTB.)..Echo de Paris" glaubt zu wissen, daß.zum Nachfolger des zum Kriegsminister ernannten Generals Guillaumat in Mainz der ehemalige Vorsitzende der Interalliierten Militärkontrollkonimission in Berlin, General Rollet, ernannt werden solle. Guillaumat für«iujährige Dienstzeit. Paris, 24. Juni.(WTB.) Wie.Journal" erfährt, ist der neue Kriegsminister Guillaumat ein Anhänger der e i n j ä h r i g en Dienstzeit, und wird das vorliegende Militärrcsormgesetz mit solchen Durchführungsbestimmungen zur Verhandlung bringen, die zugleich den Wünschen des Landes nach Verringerung der Militär- lasten Rechnung tragen und die völlig« Sicherheit Frankreichs vcr- bürgen sollen. Neue deutschenverfolgung. In Polnisch-Qbcrschlesien. Breslau. 24. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In Ostobcrschlesien geht die nationalpolnische Politik gegen die deutsche Minderheit jetzt zu neuen Methoden über. Nachdem es der polnischen Bureaukratie nicht gelungen war, durch Prozesse gegen den Deutschen Voltsbund und gegen die deutsche Presse, insbesondere die Arbeiter presse, die Zuneigung der ostoberschlcsischen Bevölkerung zu der deutschen Minderheitsschule zu zerstören, find in den letzten Tagen in einigen staatlichen, halbstaatlichen und Gemeindebetrieben zahlreiche Arbeiter entlassen worden, nur weil sie ihre Kinder zur deutschen Minderheitsschule angemeldet haben! Besonders tut sich in dieser Richtung die Skorboform- Gesellschaft hervor, deren Aufsichtsrat trotz des gegenteiligen Beschlusses der jetzigen Warschauer Regierung immer noch K o r f a n t y leitet und in dein außer dem polnischen Staat auch französische Nationa- listen Einfluß ausüben. Da die Entlastungen zweifellos eine Beeinträchtigung der völkerrechtlich gesichert en Minder- heitsrechte darstellen, dürfte sich die Kommission des Völkerbundes unter Vorsitz Calonders mit der Angelegenheit zu beschäftigen haben. Don irgendeiner Milderung des scharf deutschenfeindlichen Kurses durch das neue Warschauer Kabinett ist nichts mehr zu spüren, was mit der neuen Rechtsschwenkung der Regierung Bartel zusammen- hängen dürste._ der heilige Teppich. Blutiger Zusammenstoß bei Mekka. Kairo, 24. Juni.(WTB.) Eine ägyptische Zeitung meldet: Bei Mekka kam es zwischen ägyptischen Soldaten, die den Heiligen Teppich eskortierten, und Wahabiten, tlke die Musikkapelle der Aegypter am Spielen verhindern wollten, zu Auftritten. Als die vom Wahabitensultan Jbn Saud entsandten Truppen sich bemühten, die Ordnung wiederyerziistcllen, erössneten oie Aegyvter das Feuer und töteten 25 Personen aus der Menge. Der Sultsn begab sich daher persönlich nach dem Schauplag des Zusammenstoßes, um die Ordnung wiederherzustellen Er erklärte, der Teppich sei ein. ge- m e i h l c r Geucnstand, an dem sich n jemand vergreifen dürfe. Der Zug mit dem Teppich setzte sich daraus unter dem Schutz der Trupocn des«ultans wieder in Bewegung. Provlazecho der Präger Stürme. Au» einer B r L n n e r Der- sammlung der Nationaldemokraten iaußHte tschechische Rechte) wurden 399 Sozialisten und Kommunisten schließlich hinausgedrängt. In den Straßen wurden auf die Polizei Stein« geschleudert' Einige Wachleute wurden durch die Steinwürse leicht verletzt. Be- ritten« Polizei zerstreute die Demonstranten. Einig« von ihnen xvurden sestgenommen. Kommunistisihe Zeigheit. Die Berliner kommunistische Rathausfraktion fühlt sich offenbar in ihrer Haut nicht wohl. Bei der zweiten Lesung de« Etats haben sie sich aus purer Feigheit vor der Verantwortung gedrückt und im letzten Augenblick mit den Deutschnationalcn und der Wirtschaftspartei gemeinsame Sache gemacht. Die sozialdemokratische Fraktion war durch diesen feigen Verrat gezwungen, in der Frage der Privatlyzeen den Mittelparteien Zugeständnisse zu machen, auf die sie viel lieber verzichtet hätte. Die Komunisten haben daraus- hin einen neuen Schreibebrief an die sozialdemokra- tische Fraktion gerichtet. Nach der bewährten Methode, ..Haltet den Dieb" zu schreien, glauben sie offenbar dadurch von ihrer Haltung ablenken zu können. In Wirklichkeit sind sie aus- gebrochen, weil ihre Führer zu feige sind, den eigenen Anhängern entgegenzutreten und ihnen zu sagen, wasalleinmöglichist. Die Kommunisten machen von ihrem Brief ein furchtbares Ge- schrei. Wie ihre angebliche Ehrlichkeit zu beurteilen ist, geht daraus ?lrbeiter-Kultur-Kartell Groß-öerlin. Sonnabend, den Z«. Jmn 1925, am Reiherberg bei G o I m Sonnenwendfeier. Feltfpiel:»Dölkersreiheit— Menschenr« cht*, ausgeführt von Mitgliedern der»ewerkschastlichin Jugend- verbände und der sozialistischen Arbeiterjugend. Bläser» chor, Masscngcsang. Preis der Karte 59 Pfennig. wofür jeder Teilnehmer eine Fackel erhäU. Karten zu haben in allen GewerkschasiSbureaus. beim AjA-Bund, bei den BctriebZoblcutcn, in den VorwärtSjpeditionen. der Vorwärts- buchhandlung, Lindenltraße 2. im Bureau der Sozialistischen Arbeiter- jugcnd, Lindenstraze 3, und im Bureau des BezirlSbildungSauSschusseS. hervor, daß die.Rote Fahne" heute die Unverschämtheit besitzt, mit- zuteilen, die sozialdemokratische Fraktion habe eine Besprechung über den Berliner Etat abgelehnt. Die sozialdemokratische Fraktion hat umgekehrt ihren Vorstand beaustrogt, heute n o ch e i n m a l mit den Kom in u nisten zu verhandeln und einen letzten Versuch zu machen, von ihrer verantwortungslosen orbeiter- feindlichen Haltung abzugehen. Daß der sozialdemokratische Frak- tionsvorstand nicht vor einer Sitzung der Gesamtfraktion mit den Kommunisten verhandeln konnte, versteht sich von selber. Die ganze Schimpferei in der„Roten Fahne" zeigt nur, daß die angebliche Bereitwilligkeit zur gemeinsamen Arbeit nur eine bessere Plattform für den Kampf mit der Sozialdemokratie bieten soll. In der Sache selbst weiß jeder, der an den monatelangen Be- ratungen des Haushaltsausschustes teilgenommen hat, daß eine E r- höhung der Grund st euer unvermeidlich ist, weil sonst 49 Millionen Mark im Etat fehlen würden. Mit dilettantischen Redensarten kommt man über diese Tatsache nicht hinweg, kein ernst- zunehmender Mensch kann es verantworten, daß durch Ablehnung des Etats der Magistrat gezwungen würde, alle großen städtischen Arbeiten sofort einzustellen. Selbstverständlich muß die S t a s f e- lung der Grundsteuer durchgesetzt werden, aber nicht nur für Berlin, sondern allgemein. Die endgütlige Berabschiedung des Etats ausziischieben, bis der Kampf um diese neue Steuerordnung ent- schieden ist, bedeutet tatsächlich, in diesem Jahre auf einen geordneten Etat verzichten und Millionenausgaben im Interesse der Arbeiter- schaft einstellen. Das möge verantworten, wer dazu Lust hat. Die Sozialdemokratie weiß, daß man mit Feig- heit keine Politik machen kann und daß sich damit auch leine Fortschritte erkämpfen losten. Die bequeme und billige Geste des bloßen Neinsagens wird sie den Deutschnationalcn und den Kom- munisten überlassen, und dabei wird sie nicht schlecht fahren. ver Morü in See Silvesternacht. wieder eine Tat im Alkoholransch. Am 4. Januar dieses Jahres wurde auf der Treppe des Hauses Hertelstraße 6 ein Mann namens Grau mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Anfangs glaubte man, es liege ein Selbstmord vor. Dann nahm man an, daß der Mann das Opfer eines Verbrechens geworden sei. Es dauerte jedoch nicht lange, bis der wirkliche Sach- verhalt aufgeklärt und der Täter verhastet werden tonnte. Auf dem Rasiermesser, das man am Tage vorher gesunden hatte, stand der Name Schreiber eingraviert. Sofort nach der Verössentlichung der Tat hatten sich Leute gemeldet, die bekunden konnten, daß sie am 34. Dezember den Schreiber auf dem Hof gesehen hätten und daß Schreiber ein Rasiermester bei sich getragen habe. So konnte der Verdächtige verhaftet werden. Der 23 Jahre alte Richard Schreiber wohnte zu der fraglichen Zeit im Obdach der Heilsarmee in der Büschingstraße. In der Nacht zum 4. Januar war er mit seinem Vetter van Lokal zu Lokal gegangen und hatte eine Menge Alkohol zu sich genommen. Im Hose des Hauses, in dem der Tote später ausgesunden wurde, war er plötzlich verschwunden. Bald darauf geschah dos Verbrechen. Schreiber hatte seinem Schlaskollegen nach Verössentlichung der Tat erklärt, daß ihm sein Rasiermester fehle, daß er sich dunkel an eine Schlägerei erinnere, und ob er nicht am Ende der Täter gewesen sei. Sich der Polizei zu stellen fand er nicht den Mut. Bei der ersten Vernehmung erklärte er, daß er sich an die Tat nicht erinnere, doch wenn behauptet wird, daß er es gewesen sei, so werde es wohl sd sein. Er erinnere sich nur, daß er in eine Schlägerei verwickelt fewescn und dann zum Alexanderplatz in die Wärmehalle gefahren ei. Als er um 42 Uhr aufwachte, habe er bemerkt, daß seine Hände mit Blut besudelt waren. In der heuttgen Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht III bleibt Schreiber bei seiner Erklärung. Der Kriminalkommissar Moritz erzählt ausführlich, wie der Angeklagte während des Lokaltermins alle Einzelheiten rekonstruiert habe. Hinterher erklärte er aber, daß ihm dies alles nur dunkel vorschwebe. Ein Lebensretter ertrunken. Ein bedauerlicher Vorfall ereignete sich gestern nachmittag in W c r d e r a. d. H a v e l. In der Nähe der großen Landunjjsbrücke, an der Gellower Fähre, badete eine Anzahl, j u ng e r Mädchen. die einem Sportklub angehörten, ohne Aussicht der Schwimmlehrerin. Als sich die Mädchen im Wasser tummelten, steuerte ein Dampfer auf die Landungsbrücke zu, was den Anlaß gab, daß die 43jährige Schülerin Gertrud Arndt laut um Hilfe rlef. Ein auf der Brücke stehender junger Mann, der 24jährige Bernhard Schilling, der am Wasser einen Verkaussstand gepachtet hat, sprang sofort ins Walser, um da» Mädchen zu retten. Er hielt es so lange über Wasser, bis Hilfe hinzukam, versank aber plötzlich selbst in den Fluten. Bereits nach wenigen Minuten gelang es, Schilling zu bergen, doch waren die sofort angestellten Wieder- belebungsversuche von fast.zweistündiger Dauer ohne Erfolg. Die ärztliche Untersuchung stellte Herzschlag fest. Tonderzug zum Wiener Arbeiterturnfest. Zu dem großen Arbeiter. Turn- und Sportfest in Wien geht der Sonderzug am Mittwoch, 7. Juli, abends SM Uhr, aus Leipzig ab. Die Teilnehmer versammeln sich pünktlich um 7 Uhr in Leipzig auf dem Augustusplotz. Das Fahrgeld, hin und zurück nach Wien 34 Mark, muß bis zum 39. Juni an Otto K ö n i tz e r, Leipzig, Arbeiterturnoerlag, Fichte- straße 3K, eingesandt sein. Es kann auch Einzelfahrt zu je 17 Mark beantragt werden. Die Rückfahrt von Wien findet wahrscheinlich am 43. Juli statt. Der Sonderzug steht auch Richtteilnehmern am Fest zur Benutzung offen. Zur Beförderung der Teilnehmer von Berlin nach Leipzig fährt am Mittwoch, den 7. Juli, morgens 8 Uhr, der Zug, dem unsere Gesellschaftswagen angehängt sind. Das Fahr- geld von Berlin bis Leipzig beträgt 4,39 Mark und muß vis Müt- wach, den 39. Juni, eingesandt sein an Robert Oehlschläger, Berlin N 65, Hochstädter Str. 10. Später einlausende Fahrgelder finden keine Berücksichtigung mehr. Zwei weitere Infektionsfälle in kalkberge. Die durch die Paratyphusbazillen in Kalkberge entstandenen Erkrankungen sind gestern um einen weiteren Fall vermehrt worden. Ein Fräulein S e e g e r aus der Rebenstraßc in Kaltberge erkrankte unter verdächtigen Umständen, und die sofortige ärzt- liche Untersuchung ergab, daß sie einer Infektion von Para- typhusbazillen zum Opfer gefallen war. Sie wurde sofort in das Krankenhaus übergeführt Heute morgen ist noch ein neuer Fall gemeldet worden. Es handelt sich um einen Mann, der von dem infizierten gekochten Rindsleisch gegessen hatte und von dem Leiden erfaßt wurde. Im übrigen' sind jedoch alle Patienten außer Lebensgefahr, und man hofft, daß infolge der ausgedehnten Vorbeugungsmaßnahmen keine weiteren Erkrankungen vorkommen werden. Die Gemeinde Kalkberge läßt gegenwärtig die Woh- nungen oller erkrankten Familien desinfizieren, ebenfalls wurde die Schule gesperrt, um auch hier zu verhüten, daß die Bazillen weiter verschleppt werden. Ferner ist durch Gemeinde- bcschluß das Baden im Kalksee und in den örtlichen Gewässern o e r bo t e n worden. Während des Mittwoch weitte der Kreisarzt in Kaltberge, um sich von der genauen Befolgung aller ergriffenen Maßnahmen und Vorschriften zu llberzcug.en.' lieber den Aus- gangsherd der Seuche sind die Aerzte jetzt gleichfalls der Ansicht. daß die Kuhkeule von einem durchaus gesunden Tier stammte und daß entweder auf dem Transport nach Berlin oder nach Kalkbergc die Infektion erfolgte. Es ist möglich, daß das Fleisch von einer Fliege infiziert worden ist, an deren Körperteilen sich Paratyphus- bazillen befanden. Ein Siebzigjähriger. Genosse Julius V i e w i g, Neukölln. Zietenftrahe 71, der in weitesten Parteikreisen Neuköllns bekannt ist und feit 46 Iahren der Partei unermüdlich feine Kräfte geopfert hat, begeht heute seinen 79. Geburtstag, Iu einem schweren Zusammenstoß zwischen zwei Automobilen und zwar zwischen einem Privotkraftwagcn der Zigarttensabrik K. und einer Autodroschke kam es heute morgen gegen 1�8 Uhr an der Gitschiner- Ecke Alexandrinenstraße. Die beiden Insassen der Autodroschke, der Bankdirektor Franz Koch mit seiner Ehe- frau, wohnhast Hochkirchstr. 3 in Schöneberg, wurden auf das Straßenpflaster geschleudert und erheblich oerletzt. Sie er- hielten aus der nächsten Rettungsstelle erste Hilfe. Die Schuld soll den Führer der Kraftdroschke treffen, da er an der Straßenkreuzung in zu schnellem Tempo fuhr. Um �8 Uhr morgens kam der 23jährige Tischler Walter Heyden aus Treptow, Elsenstr. auf der Treptower Chaussee mit seinem Motorrade, als er einem Hunde ausweichen wollte, zu Fall und zog sich einen doppelten Schädelbruch zu. Der Bcr- unglückte wurde zur Rettungsstelle am Görlitzer Bahnhof und von dort in ein Krankenhaus übergeführt. Oesterrelchisch-Deutsches Sommersest. Der Oefterreichisch-Deutsche Volksbund ladet zu einem Oesterreichisch-Deutschen Sommerseft für Sonnabend, den 26. d. M. im Lunapark ein. Die landsmannschait- lichen Vereinigungen von Groß-Bcrlin, die Verbände für Grenz- und Auslondsdcutjchlum sollen an diesem Tage mit den Anschlußsreundcn Deutschösterreichs im großdeutschen Sinne vereint sein. Redner der politischen Parteien werden kurze Ansprachen halten. Für den guten Zweck wird ein Tombola veranstaltet, die mit 4009 wertvollen Gewinnen reich beschickt ist. Als besonderes Ereignis darf die Vcr- losung eines fabrikneuen mersitzigen Personenautos auf Grund der numerierten Eintrittskarte bezeichnet werden. Eintrittskarten zu,� 1 M. an allen Kasten des Lunaparks, bei Wertheim und im Bureau des Bundes, Schloß Bellevuc, Moabit 684. Beginn 3 Uhr nachmittags, Ende 5 Uhr früh. Kinder zwei Attraktionen frei. Die Aboag läßt zu diesem Fest die ganze Nacht Autobusse fahren. Aenderung von Straßenbahnlinien. Vom 2S. Juni ab wird die Linie 9 von der Grünauer Straß« anstatt durch die Friedelstraß« und Weserstraß« über Pflügerstraße, Reuterstroße, Weserstraße geführt und gleichzeitig bis Urbanstraße, Ecke Geibelstraße verlängert. Die Ringlinien 4 und 5 vxrkehren anstatt durch die Koiser-Friedrich- Straße ebenfalls über Reuterstroße— Weserstraße zum Hermannplatz. Wegen Bauarbeiten in der Weserstraße werden in der Nacht vom 24. zum 2S. Juni von 12 Uhr an die Wogen der Linie 9 durch die Reuterstroße und Kaiser-Friedrich-Straße umgeleitet. Vi«.Charlottenburger ciedertosel* veranstaltet am Donnerstag abend» 7'/, Uhr aus dem Friedrich-Karl-Plat ein Plattonzert. Hochwasser in priegnitz unü Ottmark. Der nordwestliche Teil der Provinz Brandenburg, die Prieg- nih. sowie die A l t m a r k stehen allem Anschein nach vor einer hochwasserkakastrophe. Die Ernte darf schon als völlig vernichtet gelten, während 1925 die Heuernte infolge der Dürre sehr mäßig ausgefallen war. ist sie diese» 3ahr durch das Hochwasser verdorben. 3n der Löcknih-Riedc rung sind die ersten Todesopfer zu verzeichnen. Bei Dorgardt erirank der Wanderbursche Heinrich Beutel, der in der töcknih badete und vom Strom erfaßt wurde. Bei Seedorf ertrank der v e s i h e r w e n d t. Er war zum Welten in den Stall gegongen und wollte sich dann die Hände waschen. Da das ganze Gelände durch das Hochwasser versumpft ist, fiel wendl in einen Graben und erlrank. Durch Rückstau hat das sonst bedeutungslose Flüßchen S l c p e n i h kilometerweite Strecken überflutet. Bisher ist ein Gelände von 10 009 preußischen Morgen von dem Hochwasser betrossen worden. folgenschweres Eisenbahnunglück in Brasilien. Wie dem„New Park Herald" gemeldet wird, hat sich auf der brasilianischen Zentraleijenbahn ein Unglück creig- net. Ein von Rio de Janeiro kommender Expreßzug entgleiste aus unbekannter Ursache in Minas Geraes. Es sollen Hundertevon Reisenden verletzt worden sein: man befürchtet, daß auch einige Reisende den Tod gesunden haben. Einzelheiten wurden bis- her nicht gemeldet. Sport. Sawoli siegt im Revanchekompf! Nachdem die Olympiabahn-Rodrennen zweimal wegen der ungünstigen Witterung verschoben werden mußten, konnten sie am gestrigen Abend endlich zum Austrag gebrocht wer- den. Zum Revanchekompf stellien sich L i n a rt, S a w o l l. Mölfer. Wittig und Lewanom. Im ersten Lauf(50 Kilometer) der 199-Kilometer-Steherangelegenheit besetzte der B e l- gier die Spitze, um sie sicher vis zum Schluß zu halten.(Zeit: 49 Min. 18,4 Sek.). Zweiter wurde Sowall u« Wittig, Möller und Lewanow. Im zweiten Lauf hatte der Matador der Olympiabohn die Führung vor Linon. Beide Fahrer lieferten prächtige und harte Kämpfe, bis zum Motordesckt Linarts. Der Belgier mußte das ganze Feld passieren lassen und fiel auf den letzten Platz zurück. Sowall fuhr diesen Lauf in 41 Min. 24 Sek. Den zweiten Platz belegte Wittig vor Lewanow. Möller und Linart. Im G e s a m t k l a s s c m e n t ging S a w a l l als Sieger des Revanchekampfes hervor. Zweiter Wittig, �3. Linart, 4. Möller, 5. Lewanow. Bei den Fliegern siegten Schwab, 5) ahn und Schräge. GewerMaKsbewsgung Verbanüstag der öuchörucker. Heuie geschlossene Sitzung. Zu Beginn d«r heutigen Tagung, die sich in geschlossener Sitzung mit der Tarif, und Lohnpolitik des Ber- b a n d e s befaßt, richtete Genosse E a b a t h namens des Ortsaus- schusies Berlin des ADGB. einig« Begriißungswort« an den Ber- bandstag� Er bot. es nicht als eine Unfreundlichkeit aufzufassen, daß er bis jetzt am Erscheinen verhindert war und erst heute der Tagung beiwohne. Auch in Berlin seien die Buchdrucker die Kerntruppe der Gewerkschaften und allen Gewerkschaftern ein aachahmenswertes Beispiel gewerkschaftlichen Zusammenschlusses. Er sei überzeugt, daß auch dieser Berbondstag ein Meilenstein sein werde auf dem Wege zu dem Ziel, dos sich all« organisierten Arbeiter gesteckt hoben: der Befreiung der Arbeiterklosse. 3. Verhandlungskag. Nachmittagssitzung. Der Vorsitzende gibt Kenntnis von einem Telegramm des P o l iz e i p ra f c d c nt c n von Berlin, in dem er bedauert. botz er der Einladung zu unserer Jubiläumsfeier nicht nachkommen kannte und zum Ausdruck bringt, daß er sich stets über die Auf- wartsentwicklung der Buchdrucker gefreut habe. Dann fetzt der Berbondstag die Debatte über dos Referat von Kra u tz fort. B a c e r- Nürnberg bezeichnet den Beschluß des chamburger Verbandstages zur Faktorenfrage als einen mit Bewußt- fem in den Weg gerollten Stein. Zu einer Aushebung des Be- schlusscs liege kein Anlaß vor, da schon zur Zeit der Urabstimmung da Proz. unserer Mitglieder im Faktorenbund waren. Zum In- dUftrieoerband wünscht er systematische Vorarbeit. Dazu gehöre die Wiedererrichtung des Sekretariat, im Graphischen Bund. � e i s e- Leipzig beschuldigt Verbandsoorstand und Korrespon- dentredaktwn der Unobjektivität anläßlich der Urabstimmung über den Industrieverband und verurteilt aufs schärfste die chaltung des Vekbandsvorstandsvertreters auf dem Breslauer Gewerkfchofts- kangreß(?). Die Versicherung des Referenten, daß er kein Gegner des Industrieverbandes fei. überzeuge ihn nicht. Die Haltung' der gegnerischen Mehrheit auf dein Gewerkschaftskongreß bezeichnet er als eine Sabotierung des Mehrheitswillens. Mit dem Industrie- Verband dürfe nicht die Illusion nur einer Verbesserung der Lohn- und Tariffragen geweckt werden. Der Vorsitzende S e i tz greift hier in die Debatte ein und belehrt Heise, daß er den Gewerkschaitskongreß mit einer Ausschußsitzung des ADGB. verwechsele. Er erklärt, daß die Anhänger des Indu- strieverbandes einen Majorisierungsbeschluß durchzusetzen versuchten, und daß sich dagegen allerdings 22 Verbände energisch zur Wehr setzen. Darunter auch solche, die den Industrieoerband be- fürworten, ihn ober nicht erzwungen wissen wollen. Da heute niemand die technische Entwicklung vorousfehen kann, gilt es das zu erholten, was wir gefchassen hoben. ©laß. Leipzig erklärt, daß er das Gefühl habe, auf verlorenem Boden zu kämpfen, wenn er an Stelle der notwendigen Aktivität ein ruhiges Geschehenlofsen beobachte. Er vermisse olle An- strenaungen in der Richtung des Induftrieverbandes. Klein- Stuttgart befürwortet die Abschaffung des Ein- trittsgeldes und erklärt sich für Aufhebung de s F a k- torenbefchlufses. Zum Industrieverbond erklärte er den B c ruf s verband als die Wurzel unserer Kraft, die wir nickt zum Absterben bringen dürfen. Der Vorbehalt der Steindrucker, daß wir unsere föderalistische Organisationsfarm obschafien müßten, sei doch ein starkes Hindernis. Schmidt- Berlin bezeichnet den Jnduftrieverbond nur noch als eine Organisationsparole. Nicht auf die ss o r m einer Organi- sotion konime es an, sondern aus den Geist, der ihr innewohnt. Fiedler- Berlin gibt gewünschten Aufschluß über seine Stellungnahme zuni Jnduftrieverbond innerhalb des Verbands- Vorstandes und weift auf die starken Widerstände hin, die sich dieser Frage in den Weg stellen. Er empfiehlt den Anhängern des Indu- strieverbandes, mehr als bisher auch dem Graphischen Bund ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. K r a u tz erklärt in seinem Schlußwort, daß der Verbands- vorstand den Beschluß von Hamburg durchgeführt habe. Er tritt nach einmal für eine Verminderung" der Delegicrtenzahl ein und entgegnet Heise, daß eine Behauptung durch ständige Wiederholimg nicht richtiger wird. Verbandsvorstand und.Korre- spondenlredaktion haben sich bei der Urabstimmung neutral verhalten. Wenn die Kollegen das wesentlichste Hindernis beseitigen wollen, dann sollen sie den Verbandsoorstand beauftragen, den Föderatiocharokter unserer Organisation aufzu- heben. Die Struktur auch der anderen Verbände erschwere Bor- arbeiten und eine Vereinheitlichung der Tarife. Er hitt«. auf dem bisherigen Boden weiterzuarbeiten, der Zusammenhall der vier graphischen verbände stelle«ine Kraft dar, mit der wir den heutigen Widerständen der Unternehmer stark entgegentreten können. Für die Vertreter der graphischen Verbände erklärt er, daß sie auf eine Teilnahme an der Diskussion verzichtet haben, weil ihre Stellungnahme seit Hamburg sich nicht geändert habe. Der zweite Referent zum Punkt 2 der Tagesordnung, Gloser. verweist auf die gedruckt vorliegende Stellungnahme des Derbandsvorstandes zum Unterstützungswesen. Beim Anblick der Anträge habe er sich die Frage gestellt, ob wir eine Gewerl- schajt oder«in Versicherungsverein feien. Was Staat und Gemeinden nicht leisten können, solle man auch von uns nicht verlangen. Er bitte hinsichtlich dieser Anträge so zu versahren, daß die Kirche im Dorf bleibe. Damit schließt die Sitzung um 6 Uhr. / 21.verbanöstag der Schuhmacher. Frankfurt a. M.. 23. Juni. Im großen Saale des Doltsbildungsheims wurde am Montag- nachmittag der Derbandstag eröffnet. Anwesend sind«7 Delegierte. die Bezirksleiter, die Mitglieder des Borstandes, des Ausschusses und der Redaktion. Als Vertreter des ADÄB. ist Genosse S a b a t h» Berlin erschienen. Als Gäste wohnen der Tagung bei: H e l l i n ck x- Brüssel. Nielsen und Iönso n-Kopenhagen. P o u l t o n-Lon- don. R o u J.Poris, M öll e r-Wien, Luthe r-Stockholm. S ch i l- l c r-Reichenberg, Dvorak-Prog, M a h l e r Berlin(Lederarbeiter- oerbond), Blum-Berlin.(Gattlerverband), Pfeiffer und Lauer als Vertreter des Wertmcisterverbandes der Schuhindustrie. Genosse Fischer, der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe, begrüßte die' Delegierten und die ausländischen Gäste. Er erinnerte an die günstige Entwicklung des Deutschen Schuhmachcrocrbandes, besonders aber an die der Frankfurter Ortsgruppe. Die ollen Pioniere Brühnc, Zander.(Böller und andere haben in schwerer Zeit die Organisation geschaffen und so habe sich die Bewegung in Frankfurt zu ihrer heutigen Bedeutung entwickelt. Der Verbandsvorsitzende Genosse S i ni o n-Nürnberg gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Tagung einen vollen Erfolg be- deute. Er begrüßte ebenfalls die ausländischen Gäste und teilte mit, daß die Vertreter Ungarns, Spaniens sowie aus der Schweiz leider nicht erscheinen konnten. Simon schilderte dann die ersten großen Kämpfe des Schuhmacherverbandes im Maingebict. In Zeiten großer Not und wirtschaftlicher Depression müsse der dies- jährig« Verbandstag stattfinden. 32 Proz. der ZNilglieder sind arbeitslos, Z7 Pro}. Surzacbeiler. Die Unternehmer suchten die Situation auszunutzen, um ihre reaktiv- nären Pläne zu verwirklichen. Aber trotz der Wirtschaftskrise wür- den die Bäume der Reaktion nicht in den Himmel wachsen. Mit Energie und Fleiß müsse das Proletariat seinen Weg gehen bis zum endgültigen Sieg. Das Bureau bilden S i m o n-Nürnberg und Kuh n-Osfenboch als Vorsitzende: als Schriftführer wurden gewählt Dtzel-Burg- kundstadt, Frau W a l t e r-stuttgart, Jl g e n-Kassel, Rudolf- Eppendorf, Ra d e m a ch e r-Forst und H eu s e r-Schwenningen. P o u l t o n-England begrüßte den Derbandswg im Namen der ausländischen Gäste. In allen Ländern sei der Einfluß der Gewerk- schaften auf die Regierungen ausgeschaltet und es komme darauf an, diesen Einfluß wieder zu gewinnen und weiter auszubauen. Die Ver- ständigng der Arbeiterklasse in den verschiedenen Ländern sei die be- deutsamste Ausgabe dieser Zeit. Ueber allen nationalen gewerk- schastliche Fragen müsse die internationale Zusammenarbeit stehen, die, allen Zersplitterungsvcrsuchen zum Trotz, endlich zur wirklichen Internationale werden müsie. Den Vorstandsbericht gab Genosse Lex, der 2. Vor- sitzende de» Verbandes. Er beschäftigte sich zunächst mit dem Kampf der Unternehmer gegen die Organisation. Die große Wirtschaftskrise habe die Tätigkeit des Verbandes stark behindert. Mancher Wunsch auf Ausgestaltung notwendiger Einrichtungen in Betriebs- rätefragen, Bildungsfragen usw. konnte deshalb nicht erfüllt werden. Zur Frage der Ortsklasseneinteilung und des Reichstarisvertrags be- tonte er.' bei richtiger Betrachtung ergebe sich, daß 93 Proz. aller Beschäftigter in den drei ersten Lohnklassen beschäftigt sind. Die Mitgliederzohl habe sich infolge der allgemeinen Wirtschajts- not etwas verringert, aber das Organisativnsoerhältnis habe keine wesentliche Verschlechterung erfahren. Streit und Aus- f p e r r u n g beherrschten das letzte Jahr: die Verschärfung der Situa- tion zeige sich in dem großen finanziellen Aufwand für Kampfmittel. Auch die Bewegung im Handwerk hat gute Erfolge zu verzeichnen, ein Reichstorifvcrtrog ist aber leider an der Haltung der I n n u n- gen gescheitert. In erster Linie ober müsse beanstandet werden, daß gerade die Schoßorbeiter noch sehr mangelhaft organi. s i e r t sind. Nach diesen Ausführungen schilderte der Redner die Entwicklung des Reichstarisvertrags in den letzten Iahren und den Kampf der Arbeitgeber um die Verschlechterung des Vertrags. Die Entscheidungen des Zentraltarifamt» wurden einer scharfen Kritik unterzogen. Die Unternehmer hätten immer wieder versucht, selbst unter Mißbrauch der Stillegungsverordnung ihre dunklen Ziele zu erreichen. Auch bei der Auslegung des Tarif- vertrag? würden die Unternehmer nur ihre eigenen Interessen gelten lassen. Der Redner wandt« sich zum Schluß gegen einen Antrag von kommunistischer Seite, die parteipolitische Neutralität aufzuheben. Auch die Frage der Rußlanddelegationen wurde gestreist. Die Kapedi st en haben im Gegensatz zu den Verbandstagsbeschlüssen in den Reihen der Mitgliedschaft Propaganda getrieben. Ungehörig sei es auch, wenn die Teilnehmer an Rußlanddelegationen aus dem Verbandstage der russischen Lederarbeiter die Führer der deutschen Gewerkschaftsbewegung herunter- reißen.(Zustimmung.)_ Um ein paar Tage Urlaub. Nach langem hin und her vier Tage. In der Versammlung der Gold- ukld Silberschmiede am Mittwoch im Dresdener Garten berichtete H e n t s ch e l über das Ergebnis der Verhandlungen wegen der II r l a u b s g e w ä h r u n g. Für die Branche besteht seit Anfang dieses Jahres kein Tarif- vertrag mehr. Die Unternehmer weigerten sich daher in diesem Jahre ihren Arbeitern Urlaub zu geben. Nach ergebnislosen Verhandlungen rief der Metallorbeiterverband den S ch l i ch t u n g S- a u s f ch u ß an. Dessen Schiedsspruch vom 18. Mai gesteht den Arbeitern je nach der Beschäftigungsoauer im Betrieb drei bis sechs Tage Urlaub zu. Da die Arbeiter den Schiedsspruch annahmen, die Unternehmer ihn aber ablehnten, wurde die Verbindlichkeitserklärung beantragt. Der Schlichter erklärte in den Verhandlungen am 9. Juni, die Doraussetzun- gin zur Verbindlichkeitserklärung(Lebenswichtigkeit) seien nichtgegeben, machte aber den Vergleichsvorschlag, allen seit 1. April dieses Jahres in den Betrieben Beschäftigten gleichmäßig 32 Lohn stunden als Urlaub zu gewähren. Für Akkordarbeiter erfolgt die Berechnung des Stundenverdienstes nach den Vereinbarungen, die im vorigen Jahre galten. Die Vertreter beider Parteien erklärten sich unterschristlich mit dem Bergleichsvor- schlag einverstanden. Di« Branchenleitung forderte olle Anwesenden auf. nun auch den Urlaub zu benützen anstatt ihn sich von den Unternehmern ab- kaufen zu lassen. Sonst würde den Unternehmern bei späteren Ver- Handlungen die Argumentation leicht gemacht, daß die Arbeiter gar kein Bedürfnis auf Urlaub hätten. / ver �lbbau im Hroßhaaüel. Der Perkehrsbuod rief den Schlichkungsausschuß an. Der Groß-B«rlin«r Arbeitgeberverband des Großhandels hat endlich den Schleier gelüftet, mit dem er sich bei den Kündigungen der Tarifverträge aller Branchen des Großhandels umgab. Er hat dem Deutschen Derkehrsbund die Abänderungsvorschläge für die Fachgruppe Glas- und Keramik zugestellt, die so aussehen, wie es nach allem zu erwarten war. Die Arbeitszeit soll weiterhin 48 Stunden betragen, jedoch soll entsprechend den„wirtschaftlichen Notwendigkeiten" des Betriebes„vorübergehend eine S-lstündig« Arbeitszeit" angeordnet werden können, die Vicht besonder» bezahlt werden soll. Für«in««ekte«� grihend« Verlängerung der Arbeitszeit über S4 Stunden hinaus soll der tarifliche Stundenlohn gezahlt werden. Der Urlaub soll um etwa ein Viertel gekürzt und der An- spruch auf Abgeltung des Urlaubs bei vorzeitiger unver- fchuldeter Entlassung beseitigt werden. Die bisher übliche 14tägige Kündigungsfrist soll fortfallen Und durch die tägliche Kündigung ersetzt werden. Ferner soll dem Tarifvertrag ein neuer Paragraph(7) einge- fügt werden, der die Bezahlung bei Krankheit regelt. Dieser Vor» schlag kommt beinahe einer Äußert raftsetzung des§ 618 BGB. gleich. Vorschläge zum Abschluß eines Lohnabkommens sind nicht einge- gangen, trotzdem schon seit über einem Jahr kein Lohn ab- kommen mehr besteht. Die Lohne in dieser Branche sind so niedrig, daß die Behoupttmg eines Unternehmers in der letzten Ver- Handlung, ein Arbeitsloser habe sich geweigert, zu dem niedrigen Lohn« die Arbeit in seinem Betriebe auszunehnien, durchaus glaub- würdig erscheint. Der Unternehmersyndikus zieht daraus den Schluß, daß die Erwerbslosenunterstützung zu hoch sei. Die Verhandlungen scheiterten an der Hartnackig- keit der Unternehmer, die aus der Einführung der von ihnen vor- geschlagenen Arbeitszeit bestanden. Der Hinweis des Derbandsver- treters, daß eine Verlängerung der Arbeitszeit im Interesse der unge- heuren Arbeitslosigkeit unvereinbar sei, wurde mit der Bemerkung abgetan, daß die Betriebe nicht dazu da seien, die Erwerbslosigkeit auf ihre Kosten zu vermindern. Der Deutsche Verkehrsbund hat nunmehr den Schlichtungsausschuß angerufen. Das Preußische Statistische Landcsamt und der Tarif. In den Kammersölen, Teltower Straße, hielten gestern die im Preußischen Statistischen Landesamt Beschäftigten eine Versammlung ab, in der zu der bevorstehenden Entlassung der zur Volks-, Berufs- und Betriebszählung eingestellten Hilfskräfte und'zu den Vorgängen im Amte Stellung benommen wurde. Der Betriebs- ratsvorsitzende schilderte die Verhältnisse, danach sollen bis zum 31. August sämtliche Hilfsangestellten entlassen werden. Nun liegen aber die Dinge so. daß voraussichtlich die Arbeit bis dahin nicht fertig sein wird. Das Statistische Amt verlangt Mehrarbeit und begründet dies damit, daß es an Mitteln fehlt, die Beschäfti- gungsdauer auszudehnen. In den Verhandlungen, die am Montag stattgefunden haben, ist von der Amtsvertremng eine höhere Arbeits- leistung gefordert worden. Es ist dabei auf amerikanische Verhältnisse hingewiesen worden, und außerdem hat man �>os Verlangen gestellt, die Arbeitszeit um eine Stunde pro Tag auszu- dehnen. Bezeichnenderweise ist aber von der Bezahlung der einen Ueberstunde keine Rede gewesen. Der Betriebsrat steht auf dem Standpunkt, daß die Durchführung der Vorschläge, die vom Amte gemacht worden sind, ein Bruch der tariflichen Der� einbarungen bedeutet. Genosse Zeitz, der als Vertreter des Zentralverbondes an den Verhandlungen teilgenommen hat, ging auf die Urlaubsfrage, die Kündigung und die Gehaltsfrage ein und schilderte, welche Schritte von der Organisation unternommen worden sind. Es ist das Verlangen gestellt worden, die Angestellten in Gruppe 5 einzureihen. Damit konnte man nicht durchdringen. Dos Amt will die einheit- liche Kündigungsfrist von 4 Wochen einführen. Das ist gegen die tariflichen Bestimmungen, und die Organisation setzt sich dagegen zur Wehr. Vom preußischen Ministerium des Innern liegt dazu die Er- Närung vor. die Ansicht der Organisation zu unterstützen. Die Organisation oerlangt serner, daß der Urlaub, den die Beschäftigten 1923 zu beanspruchen hatten, jetzt oder bei der Entlassung gewährt wird. Auch in diesem Falle hat die Preußische Regierung ihre Unterstützung zugesagt. Drittens wird die Nachbezahlung der Probezeit, die hinter der tariflichen Bezahlung zurücksteht/ ge- fordert. Hierzu hat sich das Ministerium bereiterklärt. Bemängelt wird, daß die weiblichen Angestellten im Maschinenraum mit IM Mk. im Monat abgespeist werden! Wenn auch nur eine sechsstündige Arbeitszeit, die aber vielfach überschritten wird, vereinbart ist, so ist die Arbeit, wegen ihrer Schwere, doch als achtstündige zu bewerten. Der Vertreter des Statistischen Amtes erklärte, daß es nicht die Ablicht der Amtsleitung sei, Verschlechterungen einzuführen. Die Volks-, Berufs- und Betriebszählung habe von vornherein umer dem Damoklesschwert der Kosten gestanden. Diese Ausführungen wurden von dem Verwaltungsinspektor unterstrichen, der zudem noch cmsführte, daß nach seinen Ersahrungen und Ansichten das Pensum heraufgesetzt werden könne. Er fand damit heftigen Wider- spruch. Eine Entschließung wurde angenommen, in der ausgesprochen wird, daß die Belegschaft die Einhaltung der tariflichen Bestimmungen verlangt. Tie englische Kohleuvorlage in zweiter Lesung angenommen Lontzon. 24. Juni.(WTB.) Das Unterhaus hat in zweiter Lesung die Vorlage betreffend die Reorganisierung des Kohlenberg- baue? angenommen. In der Debatte erklärte W o r t h i n g t o n Evans, daß die Regierung gern bereit sei, in Unterhandlunger. mit jeder von den Bergarbeitern bevollmächtigten Persönlichkeit zu treten, aber der Premierminsster habe Verhandlungen mit den ver- schiedensten Unterhändlern geführt, und olle diese Besprechungen hätten sich als fruchtlos erwiesen, weil die Unterhändler kerne D o l l m a ch t hatten, bindende Uebereinkommen abzuschließen. Ter„redliche" Baldwi«. (IGB.) Eine Million Bergarbeiter ist seit mehr als sechs Wochen ausgesperrt, und noch immer entschließt sich die britische Regierung nicht zu einer grundlegenden R e o r g a- nisation der Kohlen indu st rie, ohne die eine wirkliche und dauernde Lösung der britischen Kohlenfrage unmöglich ist. Herr B a l d w i n beweist wieder einmal, daß er der getreue Diener der Berg Herren ist und seinen den Bergarbeitern gegebenen Versprechungen keinerlei Glauben zu schenken ist. Wie oft hat Baldwin nicht erklärt, daß er die Löhne der Bergarbetter oder anderer Arbeiter nicht herabzusetzen beabsichtige und daß man in seine.Redlichkeit als Vermittler Vertrauen haben möge". Was Herr Baldwin unter dieser.redlichen Vermittlung" versteht und wie er seine eigenen Worte interpretiert, kann man nun aus der Vorlag« ersehen, die er diese Woche dem britischen Parlament unterbreitet hat und die auf die Aufhebung des Sieben- stundengesetzes abzielt. NerantworllicS f»r Politik: Ervft«'»tkr: SBirlfdwfl:«ttat Satfrn-j«: ©coetlfdwftebemeaun«: Z. steinet; ffcuiDfton:#. 8. Llichcr: Lokal» und Soniliacs- ikri» itarltjldt: An, einen: Tl>. Sloif«: tämlüd) in Berlin. ZZerlaa: iIZo:u:är!s.VerIaa IS. m. d. 8.. Berlin. Druck: Borwärls-Duckdruckeret und Vcrlaaoankialt Paul Cinaer u. Co.. Berlin S3B 68. 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