Nr. 396 ♦ 43. Jahtg. Ausgabe A Nr. 153 Bezugspreis. WöchenUich 70 Pfeinnq. momrtlich S,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Drnzis, Saar» und Memelgediet. DeNerreich, Litauen, Luxemburg 4,S0 Reichsmark, für das ilbris« Ausland 5,50 Reichsmark pro Monai. Der.Vorwärts" mit der Sonntags. dcilog«»Volk und Zeit" mit.Sied- lung und Kleingarten" sowie der Beilage.Unterholtiaui und Wissen" und ssrauenbeilag«.Frauensiimme" erscheint wochentäglich pveimal, Sonntag» und Montags einmal. Telegramm-Abresse: »Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Verliner Volksvlatt (l0 Pfennig) l A«zeigenpreise: Di« einspaltige Nonpareille. geil«»0 Pfennig. Reklamczeil« »✓— Reichsmaik.»Klein« Anzeigen" da» fettgedruckte Wort 2S Pfennig lzuläsli« zwei fettgedruckte Wort«), iede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« dos erst« Wort 16 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeil« 50 Pfennig. lkamilienanzeigen für Abonnenten Zeil««0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi»*Vt Uhr nachmittag, im Hauptgeschäft, Berlin SW 08, Linden. ftrahe 5. abgegeben werden. Seäffnet von Ofh Uhr früh bi» 5 Uhr imchm. Zentralorgan der Sozialdemokrat» feben partei Deutfcblands Redoftion und Verlag: S erlin SW. öS, Lindenstroße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Vorwärts-Verlag G.m.b.H., G erlin EW. HS, Ändenstr.3 Postscheckkonto: Berlin 37 530— Bankkont«: Bank der Arbeiter, Anaeftelten »nd Beamten. Walftr. t»!»iakouto-Sefellschaft, Depositeniafse Lindenftr. 3. Hilfe für die Erwerbslosen. Ein Arbeitsprogramm zur Beschäftigung Erwerbsloser.— Beschlüsse des volkswirtschaftlichen Ausschusses. Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstags hat zur laufenden Behandlung der mit einer Beschäftigung Erwerbsloser zusammenhängenden Notstands- arbciten, Arbeitsbeschaffung usw. einen ständigenUnter- a u s s ch u ß eingesetzt. Der Unterausschuß hat über seine Arbeiten einen umfangreichen gedruckten Bericht erstattet. Der Vorsitzende Genosse D i ß m a n n berichtete am Freitag iin 8. Ausschuß über die monatelangen Arbeiten der Kom- Mission. Er begründete eine Entschließung, die dem Plenum des Reichstags zur Annahme empfohlen werden soll. Nach eingehender Aussprache stimmte der 8. Ausschuß einmütig der von der Unterkommission vorgelegten Entschließung zu, die in ihrem Wortlaut besagt: Der Reichstag wolle beschließen: Ausgehend von der Er- wägung. daß A. mit der im Herbst 1925 einsetzenden Wirtschaftskrise seil Anfang d. 3. 2,5 Millionen völlig Erwerbsloser und mehrere Millionen Kurzarbeiter vorhanden sind: E. diese Krise in unverminderter Schärfe anhält und keine begründete Aussicht vorliegt, daß die große Arbeitslosigkeit in absehbarer Zeit eine erhebliche Abschwächung erfährt-, C. dos zweit« Kni s enj a h r und damit der nächste Winter insbesondere für die von Arbeitslosigkeit betroffenen Millionen er» höhte Rot im Gefolge hat und damit die allgemeinen Wirtschaft- lichen Schwierigkeiten vergrößert, hält der Deutsche Reichstag für dringend geboten, daß in orga- nifchem Zusammenhang mit den Bedürfnissen der Wirtschast die notwendigen Maßnahmen getroffen werden, nm den Arbeitsmarkt zu heben, die Arbeitsmöglichkeit zu fördern und den Erwerbslosen Beschästignag zu geben. Aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen ist es unmöglich, Millionen Arbeitnehmer einer jahrelangenErwerbslosig» keit preiszugeben. Es muß Vorsorge getroffen werden, daß ein größerer Teil Erwerbsloser zumindesten in dem Maße mit Ztot- flandsarbeiten beschäftigt wird, daß die längere Zeit Erwerbslosen innerhalb eines Jahres wenigstens abwechselnd ein Vierteljahr und länger Beschäftigung finden. Dos würde bedeuten, daß beim gegenwärtigen Stand der Erwerbslosigkeit lausend mindestens eiwa 500 000 Arbeitslos« mit produktiven Rotstandsarbelten beschäftigt werden müßten. An solchen Arbeiten fehlt es nicht. Auf einer Reihe von Gebieten können Arbeiten in Angriff genommen und durchgeführt werden, zu denen entweder bereits die baureifen Pläne vorliegen oder letztere ohne erhebliche Schwierigkeiten und in kürzerer Zeit vorbereitet werden können. Bei diesen Arbeiten ist deren Zweckdienlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Notwendigkeit voranzustellen. Dazu gehören unter anderem 1. der SIraßenban und die notwendige Erneuerung eines größeren Teils der Straßendecken, die dem neuzeitlichen Verkehr nicht genügen: 2. die kullioierung von Oediandslächen. Moorgeiänden». a. unfruchtbarem Boden, der in Deutschland über 3 Millionen Hektar zählt und zum größeren Teile urbar gemacht werden kann. Das würde der Gesamtwirtschast zum Vorteil gereichen und auch neu« Arbeitsmöglichkeiten in der Bewirtschaftung. Ansiedlung usw. bieten; 3. die Schissbarmochung deutscher Flu sie und deren zweckdien- liche Verbindung durch Kanäle, die der Förderung des Wasser- transportweges und der deutschen Wirtschaft dienen: 4. Fluß- und Bachregulierungen zur Gewinnung von Kultur- boden und anderem Gelände, sowie zur Verhütung von Hoch- Wasserschäden usw.: 5. Stauanlagen, Schuhdämme usw., um den stets wieder- kehrenden Hochwasserschäden vorzubeugen: 6. Anlagen zur Gewinnung von Wasierträsten. die auch zum Teil mit den unter 3, 4 und 5 vermerkten Arbeite» zu oerbinden sind und die Gesamtanlagen wirtschaftlicher gestalten können: 7. der Wohnungsbau, besten großzügige Förderung— auch eventuell durch produktive Erwerbslosenfürsorge— dringend notwendig ist, um sowohl der Wohnungenot wie der daniederliegenden Beschäfligung zu begegnen: 8. Elektrifizierung der Eisenbahnen. Sollen zur langfristigen Vorsorge für Arbeitsgelegenheiten die vorgenannten und ähnliche produktive Arbeiten und Anlagen vor- bereitet und durchgeführt werden, so setzt dies ein enges Zu- sammenarbeiten von Reich und Ländern sowie deren Organen voraus. Zur Durchführung dieser Arbeiten sind erhebliche Summen notwendig. Die Reichsregierung wird dringend ersucht. mit den Länderregierungen sich umgehend ins Benehmen zu setzen. damit die angeregten Arbeiten nicht nur geprüft, sondern in kürzerer Frist und in weitestgehendem Umfange mit ihrer Durchführung be- gönnen werden kann. Müssen angesichts der großen»nd andauern- den Arbeitslosigkeit höhere Summen für produktive Erwerbslosenfürsorge in den Etat von Reich und Ländern eingestellt werden— im lausenden Iahrcsetar evtl. als Nachtrog—, so weist der Reichstag gleichzeitig darauf hin, daß bei der Mittelbeschafsung für produktive Anlogen, wie sie auch die vorgenannten Vorschläge enthalten, Anleihen mit- aufzunehmen sind. Dabei wäre auch die öffentlich-rechtliche Garantie für Mindestzinszahlungen zu prüfen, ferner, ob bei einer großen öffentlichen Anleihe zum Wohnungsbau auch Mittel der Hauszins- steuer zur Zins- und Tilgungsgarantie mit Verwendung finden könnten. Die Reichsregiening wird ferner ersucht, a) zu prüfen, ob die Schwierigkeiten beim Rußland-Kredik, der für mehrere Jahre zusätzliche Rußlandauftläge und damit der deutschen Wirtschaft größere Veschästigungsmöglichteit bringen sollte, nicht behoben werden können, b) hinzuwirken bei den Reparationsleistungen auf die Gewinnung langfristiger Sochliefcrungen im Rahmen des als möglich erachteten Transfer, c) zu untersuchen, inwieweit der große Andrang von täglichem Geld, das zum Teil zu rcineu Spelulatiünszwecken im 3u- und Ausland verwendet wird, der produktiven Wirlfchasl Deutschlands zugeführt werden kann. Die Reichsregierung wird ersucht, die Behandlung der in dieser Enstchließung enthaltenen Fragen tunlichst zu beschleunigen und dem Reichstage zu berichten. Stimmt der Reichstag dieser Entschließung zu— was zu erwarten ist—, so wird zum ersten Male in umfassender Form ein größeres Arbeitsprogramm zur Beschäftigung Erwerbs- loser vom Reichsparlament aufgestellt. Es muß dann aufs nachdrücklichste dahin gewirkt werden, daß dies Arbeits- Programm zur Verwirklichung gelangt. Die Zürstenfrage im Neichstag. Vertagung der sozialdemokratischen Fraktionssitzung. Die sozialdemokratische Fraktion hat ihre für Freitag geplante Fraktionssitzung aus Montag oertagt. m Die Führer der Regierungsparteien des Reichstags traten am Freitag abend nach Schluß der Plenarsitzung zu einer kurzen interfraktionellen Besprechung zusammen. Die Situation bezüglich der Fürstenabsindungsvorlage wurde noch ein- mal erörtert. Die Beratungen im Rechtsausschuh werden am Sonn- abend zu Ende geführt werden. Eine zweite Lesung der Vorlage im Rechtsausschuß soll nicht erfolgen. perstbwörung gegen primo üe Nivera? Zahlreiche Verhaftungen. Paris, 25. 3uni.(WTB.)„3 o u r n a l" berichtet aus Madrid über die Ausdeckung einer Verschwörung zur Beseitigung der gegenwärtigen Regierung. Als Urheber dieses Anschlages, der gestern abend zur Ausführung kommen sollte, werden, wie das Blatt erfährt, republikanisch« und liberale Element« be- zeichnet. Zahlreiche Persönlichkeiten, darunter der Chefredakteur der Zeitung„La Libertad' sowie zwei frühere republikanische Ab- geordnete sind verhaftet worden. Auch Generalkapitän W e y l e r und der frühere Kriegsminister, General Agnilera, sollen in die Angelegenheit verwickelt sein. „Verschwörung mit kommunistischem Eharakter".(?) Madrid, 25. 3uni.(WTB.) Zu den Nachrichten über eine» Anschlag gegen die spanische Regierung teilt die offiziöse Agentur Fabra mit: Es ist«ine Verschwörung aufgedeckt worden, deren Bedeutung allerdings nur gerin gfügig ist. Sie war ihrem Charakter nach nicht liberal, sondern im wesentlichen kom- m u n i st i s ch eingestellt. 3n dieser Bewegung haben einige Militärpersonen eine Rolle gespielt: sie gehören aber keiner aktiven Formation an und waren an der Verschwörung lediglich persönlich beteiligt. Die in diese Angelegenheit verwickelten Personen sind v e r h a s t e t und den zuständigen Gerichten zugeführt worden. Die Regierung hat ihrerseits die notwendigen Maßregeln ergrissen. Der ganze Anschlag kann bereits als völlig g e s ch e i- tert gelten. König Alfons verschiebt seine Pariser Reise. Barl», 25 3uni.(TU.) 3m Zusammenhang mit der aufgcdeck- ten Verschwörung in Spanien haben König Alfons und Königin Viktoria ihre Reise»ach Part« oorläustg oerfchobe« Die Metallarbeiter vor der Wahl Moskau gegen die(Gewerkschaften. Die Kommunisten haben bei der Gründung ihrer Partei in Deutschland wenig für die Tätigkeit in den Gewerk- schaften übrig gehabt. Bezeichnend ist dafür ein Antrag, der ihrem Gründungsparteitag vorlag, wonach die Zu- geHörigkeit zur Kommunistischen Partei unvereinbar sein sollte mit der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft. Mos- kau hat aber bald erkannt, wie wichtig es für seinen Einfluß ist, sich der Gewerkschaften zu bemächtigen. Es begann die F r a k t i o n s- und Zellenbildung in den Gewerkschaften, um durch wohlgedrillte Stoßtrupps die Masse der Mitglieder zu terrorisieren, ihnen jede aktive Teilnahme am Gewertschaftsleben.zu verekeln und derart die Gewerkschaften zu erobern. Als der Widerstand gegen diesen organisierten Terror«insetzte und Moskau die Hoffnung ver- lor, die Gewerkschaften in seine Hand zu bekommen, begann systematisch die S p a l t u n g s a r b e i t. In Deutschland wie in den anderen Ländern des Kontinents oersuchte man durch Gründung kommunistischer Gewerkschaften die freien Gewerkschaften zu verdrängen. Moskau ließ sich diese verbrecherische Spaltung der Arbeiterschaft etwas kosten. In einem Rundschreiben des Zentralkomitees der KPD. vom 9. Juni 1926, das an„alle Bezirksleitungen und Redaktionen" gerichtet ist, heißt es in einer polemischen Auseinandersetzung: „Feststellen wollen wir jedoch, daß nicht die Partei vo» den selbständigen verbänden, sondern die selbständigen verbände in ungeheurem Umfange während ihres Bestehens van der Partei finanziell unter stützt wurden. Die Beträge, die die seii-- ständigen verbände erhalten haben, gehen in die hundert- lausende." Wenn Moskau sich die Unterstützung der kleinen und bedeutungslosen kommunistischen Orqanisalionen in Deutsch- land Hunderttausende hat kosten lassen, so kann man crmessen, welche Summen den Zellen und Fraktiqnen zu- geflossen sind und noch zufließen, um trotz aller Niederlagen schließlich die Gewerkschaften in die Hand zu bekommen. Nach dem Zusammenbruch der selbständigen Verbände hatte Mos- kau wieder die Parole ausgegeben:„Zurück in die Gewerk- schaften!" Jetzt geht man wieder mit der sogenannten „Einheitsfront" hausieren, mit der man trotz alledem noch hofft, die deutsche Arbeiterschaft, die nach Einheit lechzt, unter die Diktatur Moskaus zu zwingen. Wenn man den Stab wohlbestallter kommunistischer Angestellter kennt, der von Moskau bezahlt wird, wenn man die riesigen Propa- gandamittel kennt, die Moskau zahlt, dann begreift« man, ivas sonst unbegreiflich erscheinen könnte, daß aufrechte Arbeiter, die sich in die kommunistische Lehre verrannt haben, es nicht mehr wagen dürfen, eine eigene Meinung zu haben, solange sie Mitglied der KPD. sind. Unter allen Gewerkschaften dürfte der Deutsche M c- tallarbeitcrverband wohl am heftigsten von Moskau berannt werden. Das ist begreiflich. Ist doch der Deutsche Metallarbeiterverband nicht nur die größte Gewerk- schaft Deutschlands, sondern der Welt. Diese Position zu erringen, ist Moskau schon ein paar Millionen Goldrubel wert. Die„Rote Fahne", veröffentlicht Extraausgaben und lange Artikel zur Wahl der Verbandstagsdelegierten, die morgen im Deutschen Metallarbeiterverband stattfinden. Flugblätter werden in Massen unter die Mitglieder des Ver- bandes geworfen, um sie für Moskau einzusaugen. Es ist eine alte Tradition in den Gewerkschaften und in der sozialdemokratischen Partei, daß Jdeenkämpfe mit großer Hartnäckigkeit, ja manchmal mit Erbitterung geführt werden. Aber niemals hätte es die Partei, hätten es die Gewerkschaften ertragen, daß eine fremde unkontrollierbare Macht im Aus- lande Millionen staatlicher Gelder dazu verwendet, um inner- halb der deutschen Arbeiterbewegung künstlich Gegensätze zu schaffen und zu schüren. Die Mitglieder der Gewerkschaften hätten es mit E n t r ü st u n g zurückgewiesen, wenn bei einer internen Verbandsangelegenheit, wie die Wahl der Delegierten zum Verbandstag, die Kosten der Agitation gegen die Verbandsleitung getragen wird von einer Stelle, die mit der Organisation selbst in keinerlei Zusammenhang steht. Es ist eine beschämende Tatsache für die deutsche Arbeiterbewe- gung. daß die kommunistischen Mitglieder der Gewerkschas- ten eine derartige unverschämte Einmischung dulden, ja sich ihr unterwerfen.. Aber wir sind überzeugt, daß die Antwort der Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes ain Sonntag so deutlich sein wstd, daß den armseligen Kostgän- gern Moskaus Hören und Sehen vergeht. Nirgends ist es nonvendiger, diese unverschämte Ein- inischung Moskaus zurückzuweisen, wie gerade im Deutschen Metallarbeiteroerband. Man braucht nur an die bitteren Er- fahrungen zu erinnern, die in W e st d e u t s ch i a n d gemacht wurden, wo es den Kommunisten gelang, sich der Leitung großer Ortsoerwaltungen des DMA. zu' beinachtigen. An keiner Stelle im ganzen Reiche ist ein so t a t a st r o p h a k e r Rückgang in der Mitgliedschaft des DMV. eingetreten. wie gerade in jenen Verwaltungsstellen des westlichen Industriegebietes. Erst als die Mitglieder, zu spät belehrt durch die Vorheerungon. die von den Kommunisten angerichtet wurden, diese zum Teufel jaglen und die Ortsverwaltungen wieder mit Gewerkschaftlern der Amsterdamer Richtung be- setzten, ist eine Gesundung der Organisationsverhältmsse em- getreten. Inzwischen aber haben dieEcharfmacherderMe- tallindustrie des Westens die günstige Situation, die durch die Wirtschaft der Kommunisten für die Unternehmer geschaffen wurde, weidlich ausgenutzt. Der Achtstunden- tag wurde beseitigt. Es bedurfte einer schweren und hartnäckigen Arbeit der Gewerkschaften und der Partei, um den Achtstundentag für die Schwerindustrie wieder auf par- lamentarischem Wege zurückzuholen. So sehen die Ergebnisse kommunistischer Gewerkschaftsarbeit aus! Jedesmal wenn es den Kommunisten durch ihre Demagogie gelingt, Verwirrung in die Reihen der Arbeiterschaft bineinzutragen, können die Unternehmer für sich einen Sieg buchen. Während in Rutzland, wo angeblich die Arbeiter regieren, eine riesige Arbeitslosigkeit herrscht, während gleichzeitig dort bei Löhnen, die 2ö und 30 Proz. unter den elenden V o r k ri e g s l ö h n en der rufst- schen Arbeiter liegen, ein mörderisches Antreiber- und Akkordsystem die Arbeitermassen entkräftet, unterhalt Moskau gleichzeitig in allen Ländern eine demagogische Agitation, die die Gewerkschaften verantwortlich macht für die Wirtschaftskrise. Die Kommunisten versuchen, d i e A r b e i t s- losen gegen die Gewerkschaft en� mobil zu machen. obwohl sie ganz genau wissen, daß der stärkste Rückhalt der Arbeitslosen in den Gewerkschaften liegt. Der Deutsche Metallarbeiterverband hat in Gemeinschaft mit anderen freien Gewerkschaften sich freilich nicht begnügt, die Arbeitslosen mit kommunistischen Phrasen zu füttern. Er hat einen energischen Kampf geführt, um die Rot der Er- werbslosen zu mildern. Es ist den Gewerkschaften auch teil- weise gelungen, den Widerstand der bürgerlichen Parteien und der Regierung zu überwinden und eine Erhöhung der freilich immer noch ungenügenden Bezüge der Erwerbslosen und eine Verlängerung der Unterstützungsdauer durch- zusetzen. Wenn nicht mehr erreicht wurde, so liegt das nicht an dem schlechten Willen der Gewerkschaften, sondern daran, daß die Mehrheit der Bevölkerung bei den Wahlen den bür- gerlichen Parteien ihre Stimme geben, oder aber der KPD., hie ihre Aufgabe in der Sabotage der Parlamentsarbeit sieht. Es ist die letzte Sorge Moskaus, wenn dadurch die Erwerbslosen geschädigt werden. Die großen Aufgaben, die der Deutsche Metallarbeiter- verband als stärkste Gewerkschaftsorganisation zu lösen hat, wird er nur zu bewältigen imstande sein, wenn der Bremer Verbandstag sich aus Delegierten zusammensetzt, die Gewähr bieten für planmäßige, überlegte Gewerkschaftsarbeit. Dafür zu sorgen. dieListederAmsterdamerRichtungzu wählen, ist das Interesse und die Pflicht der Mitglieder des DMV. Die gesamte Arbeiterschaft erwartet, daß die Metall- arbeiter am Sonntag den Kommunisten die wohlverdiente Niederlage bereiten._ Schluß ües Weltwanöerungskongreffes. Der JGB. soll untersuchen und berichten. London, 25. Junr.(WTB.) Die von den Arbeiterparteien aller Länder veranstaltete Weltwanderunzstonferenz hat heute ihre Tagung beendet. In der Schlußsitzung wurde der Dorschlag an- "gcnvmnten, den Internationalen Gewerkschaftsbund damit zu beauftragen, die mit den Wanderungsfragen in Derbin- dnng stehenden Wirtschafts-, Rassen-, Arbeiter- und sozialen De- dingungen zu untersuchen, und die Ergebnisse der nächsten Konferenz zu unterbreiten. Präsident Calonder bei ZNinisterpräsidenl Draun. Wie der Amt- liche Preußische Pressedienst mitteilt, fand anläßlich der Anwesenheit des Präsidenten der gemischten Kommission für Oberschlesien, Calonder, beim Preußischen Ministerpräsidenten Braun«in Empfang statt, bei dem die schwebenden Fragen Oberschlestens be- sprachen wurden. Die KPD..führt'. Der eine saß, der andre stand.. Der Fall, daß eine Fraktion, die in einem Ausschuß mit drei Mitgliedern vettreten ist. durch jedes ihrer Mitglieder eine andere Absicht zu erkennen gibt, hat sich in der Parlamentsgeschichte nur einmal ereignet. Das war gestern im Rechtsausschuß des Reichstags bei der Beratung des Gesetzes über die Fürstenabfindung, und zwar waren es d i e K o m m u n i st e n, die es fettig brachten, bei der Ab- stimmung über einen sozialdemokratischen Antrag dreierlei ver- schiedene Haltungen einzunehmen. K enzler stimmte mit Ja. Rosenberg enthielt sich. Stoecker lief davon. Was einst«ine dichtettsche Uebettreibung war, ist wottwöttliche Wahrheit geworden: Der eine saß, der andre stand, Der dritte fehlte wieder: Das ist der Nationaloerband.., Oder es ist vielmehr die gesinnungstüchtig«, von der Zentral« mit neu aufgebügelten Prinzipien versehene Kommunisten fraktion, w«s< halb sich die Geschichte nicht mehr reimt. Sie Ist aber auch höchst un- gereimt. Di« Grotesk« erklomm ihren Gipfel, als ff enzler nach einer Abreibung durch Stoecker gänzlich geknickt«rklätte, er habe n u r a u s Versehen für den sozialdemokratischen Antrag gestimmt. Was war das für ein sozialdemokratischer Antrag, für den ein Kommunist nur aus Berfehen stimmen kann? Der Antrag verlangte, daß die Fürsten statt für ewige Zeit nur für 24 Jahre Renten bekommen solltenl, Ist das„verrat�? New, es ist nur Dummhett. Es ist die bis zur Verzweiflung gesteigette Konfusion. Kuddelmuddel in höchster Potenz. Glanzszene in der großen Posse mit dem Titel:„Die KPD. führt!" Volkspartei und Zürftenabfinöung. Ein Beschluß in Bade«. Kart» ruhe, 25. Juni.(TU.) Zur Frage der Fürstenabfindung hat die Fraktion der Deutschen Volkspärtei im badischen Landtage folgende an die Reichstagsftattion der Deutschen Volkspattei gerichtete Entschließung gefaßt: „Die Fraktion der Deutschen Volkspärtei in Baden hat sich im letzten Wahlkampf um den Volksensscheid mtt aller Tatkraft für die Ablehnung des Volksensscheid» eingesetzt. Sie erwartet nunmehr, daß die Reichstagsfraktion sich für einen unverzüglichen retchsgefetz- lichen Abschluß der das Volk tief erregenden Frage einsetzt, der der rechtlichen Seite der Frag« Rechnung trägt, aber auch w vollem Umfange die Verarmung de» Volke» und die Finanzlage von Reich und Länder» berücksichtigt." Der Streit um den Reparationskoblenpreis Das Kohlensyndikat wollte auf Kosten des Reiches an der Reparation verdienen. Am Frettag verhandelte das Reichswirtschaftsgericht den bekannten Streit zwischen dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat und derReichsregierung über die Fest- setzung des Reparatlonskohlenp reise». Auf Grund der Versailler Bestimmungen wird dem Reich für die Reparationskohle nur der Weltmarktpreis(englischer Kohlenprees) vergütet oder der deutsche Kohlenpreis, wenn dieser unter Welt- marktpeis liegt. Der deutsche Preis lag nun m den letzten Monaten infolge der englischen Kohlensubventionen über Weltmarkt» preis. Das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat fordett aber als Entschädigung für die Kohlenlieferung vom Reich den deutschen Inlandspreis anstatt des Weitmarktpreise», der dem Reich tatsächlich für die Lieferungen auf Reporationskonto gutgeschrieben worden ist. Der Vorschlag des Vorsitzenden de» Reichswirtschastsgettchtes. Dr. W i d« r s u m, den Inlandspreis abzüglich eines bestimmten Rabatt», den das Kohlensyndikat für gewisse Gebiet« und für Groß- abnehmer gewähtt, zu zahlen, wurde von beiden Patteien abge- lehnt. Der Vertreter des Syndikats betonte, wie immer, die Not- läge des Steinkohlenbergbaus. Bezüglich des vom Syndikat erzielten Preises wurde festgestellt, daß der festgelegte Syndikatspreis auch in Deutschland nicht in allen Gebieten erzielt werden kann. So sind in den Kampfgebieten, an der Küste, im Berliner und Magdeburger Bezirk und auch im oberrheinischen Gebiet. Abschläge gebräuchlich, die für die Tonne bis zu S M. und in vielen Fällen auch bis 7 M. ausmachen. Der Vertreter des Reichskommissars für Reparationslieferungen. Bergrat Pasel, nahm für das Reich in Anspruch, vom Syndikat so behandelt zu werden wie jeder Privatexpotteur. Im übrigen fordette Pasel die Berücksichtigung des Umstandes, daß die vom Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat zu liefernd« Kohle nicht im Inland« unterzubringen sei, wenn sie nicht durch Reparattons- lieferung abgesetzt werde. Nach diesen Auseinandersetzungen nahm das Reichswittschafts- gettcht die Gutachten des Sachverständigen entgegen. Das Urteil wurde nicht öffentlich bekannt gegeben; es soll den Patteien zugestellt werden._ Konflikt im Stahlhelm. Bnndesführer Scldte gegen Braunschweiger Qffizierkreise. Die„Vossische Zeitung" bettchtet über«wen heftigen Konflikt innerhalb des Stahlhelms, der zu einer Rebellion der Braun- fchweiger Organssation gegen den Bundesführer Seldt« geführt hat. Der Braunschweiger Gauführer Uhlenhaut sst seit längerer Zeit mit den Ofsizierskreifen im Stahlhelm in Konflikt geraten. Die äußere Veranlassung dieses Konflikts sst eine stärkere wirtschaflliche und soziale Betätigung dieses Braunschweiger Stahlhelmsührer» durch Gründung eines Heim», sowie den Bau eines Wohnungs- b l o ck s. Für die Verbindlichkelten, die daraus entstanden sind, fehlt die Deckung und die als Geldgeber in Betracht kommenden Industriellen und Kaufleut« versagen die weiter« Unterstützung. Im Verlaufe dieses Konflikts verlangten die Braunschweiger den Rück- ttttt Uhlenhauts. In dieser Auseinandersetzung griff Seldte zugunsten Uhlenhauts ein. Infolgedessen haben sich schließlich fast siebzig braunschweigische Gruppen auf die Seite der O p p o- sition gegen Seldte gestellt. Di«„Vofsische Zeitung" führt diesen Konflikt auf den wachsenden Gegensatz zwischen den O f f i z i« r s t r e i s« n, die sich als die geborenen Führer be- trachten, und dem jetzigen Dundesführer zurück. Um den potemkin-ßilm. Eine Protestkundgebung. Gegen die Absicht reaktionärer Kreise, ein Verbot des Potemkin- Films herbeizuführen, wenden sich namhafte Persönlichketten aus allen Lagern. Am Sonntag vormittag sindet im Picadilly Charlottenburg, Bismarckstraße eine große Protestkundgebung statt, bei der u. a. Prof. B a l l e n t i n, Stefan Großmann und Wolsgang Heine sprechen werden. Eine ganze Reihe von Ver- bänden und führender Männer der Literatur und Presse wenden sich dagegen, daß„ein großes künstlerisches Filmwerk aus politischen Motiven unterdrückt" werden solle. Einen Aufruf zum Schutze des Films haben u. a. unterzeichnet: Georg Bernhard, Prof. Ein- st« i n. Fritz Engel, Ludwig Fulda, Helmuth v. G e r l a ch, Senatspräsident F r e y m u t h. Wolsgang Heine, Leopold I e ß- n er, Alfred K e r r, Reichstagspräsident Löb e, Prof. Q u i d d e. Dr. Kurt Rosen selb, Lydia Stock er, Ernst Toller und andere. Wir möchten vorläufig noch nicht glauben, daß die Film- oberprüfftelle sich dazu hergeben wird, dem kurzsichtigen Partei- fanatismus Rechnung zu tragen und ein M e i st e r w e r t wie den Potemkin-Film zu verbieten. Der ehemalige ungattsche Innenminister Venlczky hatte noch eine längere Restftrase für seine Enthüllungen über H o r t h y s Urheberschaft der Ermordung Somoczkis und Baczos abzusitzen. Hotthy hat ihm aber den Rest seiner Straf« erlassen. Will man damit Beniczkys Schweigen erkaufen? �ine schmerzhafte Geburt. Der drille Tag des Internationalen Schauspielerkongresses. Noch immer istdieInternationaleUnionderSchau- f p i e l e r nicht gegründet. Man hat zwar schon beschlossen, daß der Geschäftssitz der künftigen Internationale Wien sein soll, doch gleich bei der Beratung des ersten Paragraphen der Statuten gettet man ins Stocken und schließlich in einen Jdeenstreit, der gestern noch nicht entschieden wurde. Die russischen Schauspieler sind vorläufig das auf- haltende Element. Drei Delegiette, zwei Männer und eine Künst- lertti, sind zur Konferenz erschienen. Während nun die Vertreter der übrigen 19 Nationen der Ansicht waren, daß der erste Paragraph des Statutes die Verteidigung der besonderen schauspielerischen Be- rufsinteressen gebietet, wollten die Russen den Grundsatz durchsetzen, daß die Internationale sich betrachten müsse als eine kämpfe- rifche Organisation zur Durchführung des prole- tarischen Klassenkampfes ganz allgemein. Dieser Wunsch der Russen, einen so von jedem neutralen Gewerkschafts- Prinzip abweichenden Bekenntnissatz, der mehr zur Lösung eines großen politischen und weltanschaulichen Problems als zu praktischer Gewerkschaftsarbeit sühren soll, wurde von allen Teilnehmern der Schauspielerkonferenz leidenschaftlich bekämpft. Man wollte zunächst die Gegensätze ausgleichen durch eine aus gegenseitigen Konzessionen herstammenden Kompromißforniel, und das Bureau der Internatio- nale schloß die Oefsr�itlichkeit aus, um im engen Kreise diese Aus- gleichsformel zu finden. Als die Oeffentlichkeit wieder hergestellt wurde, mußte der Verhandlungspräsident mitteilen, daß der Ausgleich nkcht gefunden war. S l a w i n s k i, der Redner der Russen, legte in längerer Rede dar, daß er nicht als Anwalt eines reinen Sowjetideals austrete und daß ihm das Heil seiner Schauspielerkollegen ebenso nahe am Herzen liege wie den Verteidigern der anderen Meinung. Die Konserenz hörte ihn mit Achtung, wenn auch mit steigendem Un- willen an Slawinski beantragte schließlich die Abstimmung über den programmatischen Satz des Statuts aus den heutigen Sonn- abend zu verschieben. Die übrige Konferenz wollte zur sosottigen Abstiinmung schreiten und besonders der Deutsche W a l l a u e r ver- trat diese Forderung in außerordentlich scharfer Weise. Wallauer ist selbst im vorigen Jahre Gast bei dem sowjetrussischen Kongreß der geistigen Arbeiter gewesen und er hat sich in der Oesfentlichkeit sehr anerkennend über den intensiv wirkenden Kunstgeist Rußlands aus. gesprochen. Nun aber will er nicht zulassen, daß Schauspieler, die nur Verteidiger ihrer Berussinteressen sein Men, eine Internatio- nale gründen, deren programmatischer Leitsatz, mehr oder minder verschleiert, das wohlbekannt« sowjetrussische Ideal verficht. Man redete hin und her, es war 5 Uhr nachmittags geworden. Ein äußerer Grund führte zur Unterbrechung der Debatte. Die Konfe- renz war zum Innenminister Dr. Külz geladen und wollte die Pflicht der Höflichkeit nicht vernachlässigen. Man hob die Tagung auf. Man wird am Sonnabend schon sehr früh wieder beginnen. Aber man will nicht mehr diskutieren, sondern nur noch abstimmen, be- stimmen, daß die Internationale Union der Schauspieler gegründet sei, damit sie als Weltgewettschaft die gemeinsamen Berufsinteressen der Schauspieler der ganzen Erde verwatte. Ob Rußland seine dogmatische Stellung aufgeben wird, weiß man noch nicht. Gewiß ist nur, daß England vorläufig nicht Mitglied der Schauspielettnternationale sein wird. Denn in der englischen Schauspielerunion, in der sogenanten Stage guild, sind Theaterunternehmen, d. h. Direktoren und Schauspieler als Arbeit- nehmer gemeinschaftlich organisiett. Mitglied der Internationale darf aber nur ein Verband der Arbeitnehmer werden. Darum wird es Spche der englischen Schauspieler sein, das Statut ihrer nationalen Union so zu ändern, daß die Schauspieler als bloß« ArbeiMehmer von dem gemischten Verbände abrücken. M i ß Kingston, die berühmte englische Schauspielerin, die auf der Konferenz ihre britischen Kameraden oetttttt, mußte zugeben, daß für ihre Nation vorläufig keine andere Lösung möglich sei. �öolf Saftian. Zum 100. Geburtstag des Forschers. Heute sind hundert Jahre seit dem Tage verslossen, an dem Adolf Bastian, einer der berühmtesten deutschen Forscher, in Bremen ge- boren worden ist. Zur Erinnerung an diesen Tag wird das staatliche Museum für Völkerkunde, die Schöpfung Bastions, das seit zwei Iahren geschlissen war, auss neue seine Pforten öffnen. Bastian hat eine solche Ehrung wohl verdient: es gibt in der Geschichte der Entdeckungen und Forschungen nur wenige Beispiele eines solchen Lebens, das ganz der Wissenschaft und den Entdeckungsreisen in fernen Ländern geweiht war. Im Jahr« 1851 zog der damals Fünfundzwanzigjährige als Schiffsarzt zum erstenmal in die Welt hinaus. Zehn Jahre dauette diese Fahrt, auf der er die Goldbezirke Australiens und einen Teil des Innern durchstreifte, Neuseeland bereiste, nach Peru übersetzte, di» Anden Überstieg, Westindien, die Vereinigten Staaten und Meyiko besuchte, nach China weiterfuhr, Indien durchzog, an den Ruinen von Babylon und Ninive forschte, sich durch Syrien und Palästina nach Kairo begab, den Nil hinaufsuhr, durch die Wüste ans Rote Meer ritt, mit einer Karawane nach Aden zog, über das Kap der Guten Hoffnung nach Loanda ging, die Körngsstadt San Salvador besuchte, die Gebiet« am Niger bereist«, um dann nach der Heimat zurückzukehren. Nur eine kurze Erholungspause gönnte er sich, um dann auf die zweite Reise zu gehen, die fünf Jahre dauerte. Sie führte ihn nach Indien, dem malaischen Archipel, nach Japan, der Mongolei, nach Sibirien und dem Kaukasus. Was er aus diesen Forschungsreisen an wertvollem Material zusammengetragen hatte, bildete den Grundstock der zwanzig Jahre später im Museum für Völkerkunde ausgestellten Sammlungen, und zahlreiche wissen- schaftliche Werke bezeugen, daß Bastion nicht nur als Forscher, sondern auch als Schriftsteller große Bedeutung besaß. 1868 ließ er sich in Berlin nieder, 1869 wurde er Dozent für Ethnologie an der Universität. Nach zwei weiteren Reisen wurde er 1886 zum Direktor des neugegründeten Museums für Völkerkunde ernannt, und unternahm als solcher noch mehrere Forschungssahrtcn, deren Ettrag dem Museum zugute kam. Auf einer dieser Wanderungen durch die Welt starb er am 3. Februar 1005, fern der Heimat, auf einer kleinen Antilleninjel. Ein bedrohte» Falterkleinod. Der schönst« Tagschmetterling, der bei uns heimisch war, der Apollofalter, ist bereits in den meisten Gegenden ausgestorben. Es gibt aber noch einen nahen Verwandten dieses Schmetterlings, den sogenannten„schwarzen Apollo" oder Schwarz-weiß-Apoll, der ebenfalls immer seltener wird. In den„Schlesischen Monatsheften" weist jetzt Julius Stephan irauf hin, daß dieser Falter, der früher an vielen Stellen Schlesiens zahl- reich anzutreffen war, heute nur an einigen eng begrenzten Ortlich- ketten des Waldenburger Berglandes zu finden ist. Breslauer Händler haben an manchen Tagen Hundette dieser schönen Tiere erbeutet, und außerdem wurden die notwendigen Lebensbedingungen der Falter durch die Aufforstung der Flugplätze immer mehr ge- schmälett. Solche Vorgänge haben auch in anderen Provinzen zum Rückgang des schwarzen Apollos geführt. Der Falter ist nun vor einigen Iahren vom Staat zum Naturdenkmal erklärt worden: das Fangen des Schmetterlings und ebenso das Sammeln der Eier, Raupen und Puppen ist unter Strafe gestellt. So ist zu hoffen, daß dieses Falterkleinod unserer Tierwelt erhalten bleibt. Der Schwarz- weiß-Apoll ist etwas kleiner als sein berühmter Vetter, auch fehlen ihm die roten Augenflecke, ober mit seinen glasartigen, tiesschwarz gefleckten Flügeln ist auch er eine edle Erscheinung. Bei der Ei- ablage und dem Aufsuchen der Futterpflanze, dem Lerchensporn, legt der Falter eine bewundernwürdige Findigkeit an den Tag. Denn bei seiner Flugzeit, im Juni und Juli, ist von dem Gewächs nichts mehr zu sehen, und der beste Botaniker ist nicht imstande, im Sommer eine Lerchensparnknolle zu entdecken. Die Schmetterlings- Weibchen aber lassen sich so sicher aus der richtigen Stelle nieder. als hätten sie ein besonderes Organ, das ihnen die im Boden ver- steckte Frühlingspflanze herausfinden hilft. Rauchplage und Wäscherechnungen in England. Im englischen Unterhaus wurde bei der Besprechung des Gefetzentwurfs über Be- kämpfung der Rauchplage von der Regierung mitgeteilt, daß nach einer genauen Statistik allein in Manchester jährlich 300 000 Pfund Sterling mehr für Wäscherechnungen ausgegeben werden müssen. als bei Fortfall der Rauchplage notwendig wäre. Eine entsprechende Berechnung für die anderen Industttezentren Englands ergibt eine enorm««umme, die infolge der starken Rauchentwicklung jährlich den Wäschereien zufließt. Man kann verftehen, daß die großen Wäschereien und Seifenfabriken dem neuen Gesetzentwurf mit ge- mischten Gefühlen gegenüberstehen. Za der Kunstausstellung IteukSll»(Warenhaus Joseph) werden vom 2K. Juni ab täglich, nachmittag» 5 Uhr, Führungen veranstaltet. Zoiesh Schwarz bat iniolqe einer plötzlichen Erkrankung seine nächsten Gastspiele in der Städtischen Oper absagen müssen. An seiner Stelle fingt um Sonntag Kammersänger Wilhelm Rode den Sebastiano in.Tiesland-. ver däupche Sräulaudsorscher stoukeradmiral X. v Sarbe ist im Atter von 67 Jahren gestorben. Der Vorstorbene leitet« eine Anzahl von Grönlanderveditionen oder nahm an ihnen tell und schrieb eine Anzahl wissenschaftlicher Werke darüber. Ein laiervafionale. Idealer in Varl»? Andre Rivolre schlägt die die Gründung einer.Comädi« Elangäre' tn Pari» vor. wa die bedeutendsten Bühnenwerle aller Rationen in stanzöfiicher Sprache zur Stuf- sührung gelangen und außerdem Gastspicle ausländischer MustereujembU» ftattfinden solle». die Lohnsteuer als Zwangssparkaste. SV Mittionen Mark Lohnsteuer zu viel gezahlt. Das deutsche Volkseinkommen wird auf S0 bis 55 Millionen Markjährlich geschätzt. Davon entfallen 30 bis 36 Millionen Mark allein �auf das Einkommen aus Lohnarbeit. Diese Zahlen niachcn es unmöglich, daß Deutschland bei seinen hohen innen- und außen- politischen Lasten vollständig aus die Besteuerung der Arbeitscin- kommen verzichtet. Dann aber ist die Lohn st euer die beste Form dieser Besteuerung des Arbeitsein- k o m m e n s. Der Lohnabzug erspart sowohl den Finanzämtern die ungeheure Arbeit, rund 15 Millionen Lohn- und Gehaltsempfänger zur Einkommensteuer veranlagen zu müssen. Er erleichtert auch den Lohnsteuerpslichtigen die Entrichtung der Steuer und bewohn sie vor dem Gcrichlsvollzieher, der in früheren Jahren in zahllosen Fällen Arbeiteifamilien um ihr letztes chab und Gut bringen mußte, weil sie die vierteljährlich zu zahlenden Steuern nicht aufbringen konnten. Ab er die Lohn st euer hat zweifellos auch Nachteile. Ihre Erhebung liegt in den Händen der Unternehmer. Ihre Bestimmungen müssen deshalb einfach sein und rein schematisch angewendet werden können. Auf die besonderen Verhältnisse des einzelnen Steuerpflichtigen kann infolgedessen nicht im gleichen Maße Rücksicht genommen werden wie bei der veranlagten Einkommen- steuer. Denn Einfachheit und Gerechtigkeit lassen sich bei einem Steuersystem schwer vereinigen. Trotzdem war es seit Jahren das Bestreben der Sozialdemo- kratie, das System der Lohn st euer zu vervolltomm- n e n und die H ä r t e n des sofortigen Abzuges der Steuer durch den Unternehmer soweit wie irgend möglich einzuschränken. Sie beschritt dafür zwei Wege. Sie oerlangte erstens, daß der steuerfreie Einkommensteil wesentlich erhöht wird, damit alle diejenigen Lohn- empfänger steuerfrei sind, deren Einkommen ein notdürftiges Existenzminimum nicht übersteigt. Hierbei war die Sozialdemokratie erfolgreich. Es gelang ihr, die steuerfreie Grenze, die am 1. Dezember 1924 noch Sl) M. monatlich betrug vom 1. Januar 1926 ab auf 100 M. zu erhöhen. Sie verlangte zweitens, daß den Lohnsteuer- Pflichtigen, denen zuviel Steuer abgezogen worden ist, ein Anspruch auf Rückerstattung der überzahlten Steuer gewährt wird. Es handelt sich dabei sowohl um die Erstattung bei Verdien st ausfall infolge Erwerbslosigkeit. Krankheit, Kurzarbeit. Streik usw. als auch um die Erstattungen infolge besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse. Unter dem Einfluß der Sozialdemokratie sind im Jahre 1925 Vorschriften beschlossen worden, die im weitestgehenden Umfange solche Erstallungsmöglichkeiten aus Grund eines Rechtsanspruches zuließen. Bei der praktischen Durchführung dieser Bestimmungen aber stellte sich heraus, daß sie sowohl für die Finanzämter, wie für die Steuerpflichtigen überaus schwer zu handhaben waren. Die Ursache dafür lag in der Tatsache, daß innerhalb des Jahres 1925 sowohl das Steuersystem als auch die Steuersätze dreimal geändert worden waren. Wiederum war es die Sozialdemokratie, die Vor- schlüge für die Vereinfachung der Erstattungen machte. Sie führten schließlich zu dem Gesetz über die Vereinfachung der Lohn st euer vom 26. Februar 1926. Diese parlamentarische Arbeit aber mutzte durch eine umfang- reiche �s�läxun�sarbeit unterstützt werden. Viele Steuerpilithtigc kannten ihxc'Rechte nicht und hatten keine Kenntnis� daß sie«estten' Nschtsaiispruch auf Rückerstattung voy Lohnsteuer hatten. Sie wußten auch nicht die Wege, um ihre Ansprüche durch- zusetzen. Partei- und Gewerkschaftspresse, Parteifunktionäre und Gewerkschaftsfunktionäre übernahmen diese Ausklärungsarbeit. Diel- fach mußten sie das Einreichen der Anträge, stellenweise sogar den ganzen Verkehr mit den Finanzämtern allein übernehmen. Nur weil sich alle diese Kräfte in den Dienst der Sache stellten, war es möglich, trotz der beschränkten Fristen 3 bis 4 Millionen Anträge bei den Finanzämtern einzureichen. Welch reiche Früchte diese Arbeit getragen hat, läßt sich erst jetzt überblicken, nachdem bekannt ist, welche Bettäge die Finanz- ämter auf Grund der Erstattungsoorschriften an die Lohnsteuer- Pflichtigen zurückgezahlt haben. Nach Mitteilungen des Reichsfinanzmini st eriums sind in der Zeit vom Sep- tember 1925 bis zum Mai 1926 folgende Beträge erstattet worden: im Zahre 1925....... 8 045 CCO Rl. . Januar 1926...... 4 285 000, . Februar 1926...... 6771 000. . Mär; 1926....... 11 051 000. . April 1926. � 9314000. . Mai 1926....... 8Z100! 0, jnsgesamt.. 47 816 000 M. Jafl 50 Millionen sind somit bisher zurückerslallel worden. Das ist eine sehr beträchtliche Summe. Hierbei ist noch zu bedenken, daß eimal die Statistik die Erstattungen für 1924 nicht voll erfaßt hat, und zweitens die Erstattungen für 1925 noch nicht abgeschlossen sind. Die tatsächlich zurückgezahlten Beträge dürften also wesentlich höher als 50 Millionen werden. Das ist ein Erfolg, dessen Bedeutung hoch eingeschätzt werden darf und der in größtem Maße der Arbeit der Sozialdemokratie zu danken ist. Will man dieses Ergebnis aber richtig würdigen, so muß man noch eins bedenken: Es handelt sich hier nicht um nachträgliche Steuerermäßigungen, sondern es sind zu viel gezahlte Steuerbeträge, die erstattet worden sind und die die Lohn- steuerpflichtigen niemals wiedergesehen hätten, wenn die Sozialdeino- kratie nicht den Rechtsanspruch auf Erstattung durchgesetzt und sür die Vereinfachung des Verfahrens gesorgt hätte. Wenn in einem einzigen Jahre rund 50 Millionen zuvielge- zahlter Lohnsteuer erstattet werden mußten, so ist das aber zugleich ein neuer Beweis für das Opfer, das die unteren Schichten des Volkes für den Staat übernommen haben. Vorbildlich war auch das Verhalten der Lohn- st e u e r p f l i ch t i g e n, als es jetzt zum ersten Male möglich wurde, die Erstattungen durchzuführen. Für die Finanzämter war die Erledigung von 3 bis 4 Millionen Anträge ein« gewaltige Arbeits- last, die trotz besten Willens nicht überall sofort und ohne Reibungen durchgeführt werden konnte. Geduldig haben die Lohnsteuer- Pflichtigen zu Hunderten vor den Finanzämtern gewartet, üm ihr Geld zurückzuerhalten, das ihnen der Staat zuviel abgenommen hatte. Zur selben Zeit aber stürmten aufgehetzte Bauern die Finanz. ämter, veranstalteten die Landbünde Massendemonstrationen, drohten sie offen mit Gewalttaten, nicht weil sie Steuern zurückzufordern hatten, sondern weil sie keine zahlen wollten. Das be- leuchtet grell den gewaltigen Unterschied zwischen der Steuer- m o r a 1 der LähnstetzerpslichiiHen und der St e u e r u n m o ra°l der Besttzsteuerpflichtigen... 4»-> Schwerer Parlamentskonflikt in Prag. Tschechifch-dentsche Mehrheit für Ausliefernug von sechs Abgeordneten. Dem /lnöenken Tfiheiöses. Trauerfeier für einen Borkämpfer der Freiheit. Der auf so tragische Weise dahingegangene georgische Genosse T s ch e i d s e weilte auf dem Marseiller Kongreß zum letztenmal im Kreise der Sozialistischen Internationale, zu deren besten Vor- kämpfern er gehörte. Damals schon war er äußerst wortkarg, in sich gekehrt, als kämpfte er gegen schwere Gedanken an. Jetzt weiß man es: Schon damals war er vom Schicksal gezeichnet. Gestern fanden sich georgische und russische Genössen, auch Mitglieder der georgischen Kolonie zu einer kurzen Gedenkfeier sür den Genosien Tscheidse zusammen. Von der deutschen Partei waren die Genossen Löbe, Scheidemann, Ludwig und Künst- l e r anwesend. Stimmungsvoll leitete das Ebert-Manz-Ouartett mit Conradis„Sonnenluntergang" die Feier ein.„Sonnenunter- gang"— dos verspürten tief in diesem Augenblick alle Anwesenden. Als erster ergriff in georgischer Sprache das Wort Genosse Achmeteli, der ehemalige Gesandte der Georgischen Republik in Berlin. Er hob das Verwachsensein des Verstorbenen mit dem georgischen Volke und dessen Geschichte hervor. Es war stets ein demokratisches Volk und so konnte Tscheidse nicht der Idee der Demokratie untreu werden und sie mit der Diktatur vertauschen. Als die Diktatur die Selbständigkeit und Freiheit des georgischen Volkes vernichtete, schien ihm, der in absehbarer Zeit keinen Hoss- nungsschimmer sah. das Leben nicht mehr lebenswert. Da ver- nichtete er sich selbst. In deutscher Sprache gedachte dann der Vorsitzende der Georgi- schen Kolonie, G a b a s ch i d s e des Toten. Er schilderte m großen Zügen seinen heroischen Kampf gegen den Zarismus, feine Rolle in der Reichsduma während der Stolypinschen und Rasputinschen Reaktion, some Verdienste als Vorsitzenden des Allgemeinen russi- schen Vollzugsrats nach der Februarrevolution, feine Tätigkeit als Vorsitzender der georgischen Nationalversammlung und als Dele- gierter auf dem Friedenskongreß in Paris, sein Eintreten für eine Föderation der transkaukasischen Staaten. Tscheidse hat sich nie mit dem Ueberfall der Bolschewisten aus Georgien aussöhnen können und seit der Niedermetzelung der Tausende nach dem Ausstand« im Jahre 1924 hat ihn niemand mehr lachen gesehen. Das georgische Volk wird Nicolaus Tscheidse nie vergessen. Warm empfundene Worte fand Genosse Scheidemann. In der Tafel der Sozialistischen Internationale, sagte er, wird der Nam« Tscheidses als einer ihrer besten Vorkämpfer eingemeißelt bleiben. Die deutschen Sozialdemokraten haben ihn gut gekannt als Kämpfer gegen den Zarismus, für die Befreiung des russischen Volkes, als Abgeordneten in der Duma. Tscheids« war aber nicht allein durchglüht von der Ueberzeugung des Sozialismus, er war auch ein guter Patriot. So mußte er im tiefsten Innern erschüttert werden, als er alle seine Hofsnungen und Erwartungen auf das Selbst- bestimmungsrecht der Völker vernichtet sah: als gerade In dem Augenblick, wo die Selbständigkeit seines Volkes aufgerichtet zu sein schien, sie von seinen früheren Freunden zuschanden gemacht wurde. Die deutsche Sozialdemotrate wird den Genossen Tscheidse als guten Kameraden und wackeren Kämpfer dauernd in ehrendem Gedächtnis be- halten. Im Namen der russischen fozialdemokratischey Pars«! sprach voll siefer Erregung Genosse Salin. Viel« Anhänger, Hreunde urrd Führer hat die russische Sozialdemokratie im Laufe d«r letzien Äahre verloren. Die einen sind eines natürlichen Todes gestorben, die anderen gingen dahin während des Bürgerkrieges, das tragischste Ge- schick hat aber Tscheidse getroffen, der freiwillig aus dem Leben schied. Als Rußland und Georgien von den Bolschewisten vergewaltigt wurde, da war dieser stets von Tatkraft und Energie erfüllte Mensch zur Untätigkeit verdammt. Was der Zarismus nicht vollbringen konnte, das hat nun der Bolschewismus vollbracht. Er hat diesen Menschen vernichtet. Was war das aber für ein Mensch! Einer der lautersten Persönlichkeiten, die es je gegeben, ein Mensch der höchsten Pflichterfüllung. Als Vorsitzender der Dumafraktion ging er während der Jahr« 1907—1917 ganz in seiner Arbeit auf. Er ver» stand es, beide sozialdemokratischen Gruppierungen, die Menschewisten und Bolschewisten, in einer Fraktion zusammenzuhalten, er mußt« dabei den Kampf nicht allein gegen die Polizei, sondern auch gegen den Vorsitzenden der Bolschewisten, Malinowski, führen, der gleich- zeitig bezahlter Spitzel der politischen Polizei gewesen war. Tscheids« war der Held dieser Epoche. So wurde er als Verkörperung des Kampfes gegen den Zarismus wie von selbst Vorsitzender des all- russischen Bauern- und Soldatenrats nach der Revolution. Stets war er nur der Ausdruck derer, die ihn geschickt. Ihnen galt fem Leben. Schwer fällt es im Augenblick, von ihm zu sprechen. Das Werturteil über ihn gehört der Geschichte. In der Erinnerung der russischen Sozialdemokratie wird er aber für immer unvergeßlich bleiben. Kurz« Wort« des Dankes widmeten dem Verstorbenen der Vor- sitzende der armenischen Kolonie, gleichzeitig auch Vertreter des Dafchnakzutjun Ter-Minasjanz und der Vertreter der Aserbeid- schöner Türken Kenisade. Die Reden waren eindrucksvoll um- rahmt durch Chöre des Ebert-Manz-Ouartetts. Ein Leben ist vollendet, das seinem Volke und dem Inter- nationalen Sozialismus noch viel« Dienst« hätte leisten können, wenn bolschewistische Verblendung die Selbständigkeit seines Volkes, die Freiheit des großen Rußland und ihn selbst nicht zugrunde gerichtet hätte I Das Rätselraten um �aillaux. Abwartende Haltung der Parteien. Paris. 25. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am Freitagoormittag wurde in einem Ministerrat die Ausarbeitung der Regie- rungsertlärung vorgenommen. Sie soll in der Kammer von Briand, im Senat von Caillaux in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Ministeriums verlesen werden. Außer den bisher eingebrachten sozialistischen Interpellationen sind im Laufe des Tages noch weitere Anfragen an die Regierung gerichtet worden, und zwar drei von radikaljozialistischer und eine von kommunistischer Seite. Im Ministerrat hat Caillaux die großen Züge seines Finan- zierungsprogramm» n o ch n> ch t vorgelegt. Er wird das am Diens- tagvormittag tun. Gegenwärtig ist er noch mit ihrer Ausarbeitung zusammen mit Sachverstä.idigen vom Finanzministerium und seinen beiden Unterstaatssekretären begrisfen. Seit 48 Stunden hat in der Presse ein großes Rälstlraten über diese Finanzpläne einge- setzt. Genaues weiß darüber niemand, ebensowenig ob Caillaux das Washingtoner Schuldenabkommen in der gegenwärtigen Form gutheißen wird und ob er mit den Finanzplänen des Experten- kowitees einig geht. Die politischen Parteien neigen infolgedessen dazu, eine abwartende Hältung einzunehmen und sich vor der Kammeraussprache nicht auf eine prinzipielle Haltung für oder gegen das Kabinett festzulegen. Prag, 25. ssuni.(Eigener Drahlbericht.) Der JmmunilSls- ausschuh des tschechischen Abgeordnelenhauses beriet heute über die von der Sloalsanwaltschoft aus Betreiben der Regierung bean- tragle Aufhebung der Immunität von 27 Abgeord- n e l e n, vor allem Kommunisten und Ralionalsozia- listen(Partei klofatsch-venesch), die kürzlich In einer stürmischen Sitzung gegen das Präsidium und die Regierung tätlich vorgegangen waren. Der Ausschuß lehnte die Auslieferung von 21 Abgeordneten ab. genehmi gte dagegen da» Ersuchen der Staatsanwaltschaft gegen 6 Abgeordnete(4 Kommunisten und 2 Rationalsozialisten). Dieser Beschluß kam nur dadurch zustande, daß die Vertreter zweier d e u t- scher Parteien, der Deutfchagrarier und der Christlich- sozialen, ihre Stimmen der Rümpft oalition zur Verfügung stellien, während tschechische und deutsche Sozialdemokraten. Kommunisten. tschechische und deutsche Rationalsozialisten sich gegen den Regicrungs- antrog wandten. Auch die ungarischen Minderheilsverlreler stimmten mit der Regierung, da es sich um einen Konflikt zwischen Klerikalen und Antiklerikalen handelt, bei dem die Regierungskoalition die Interessen der katholischen Kirche wahrnimmt und deshalb von der Opposition aus das schärfste angegriffen wird. Die deutschbürgerlicheo Parteien haben ihre Haltung in einer besonderen Erklärung begründet, die mit den Worten schließt. daß sie durch ihre Stimmabgabe ein Bekenntnis gegen jeden nationalen Terror und gegen jede Klassen- diktalur im Parlament ablegen wollen. Die endgültige Entscheidung wird in einer Rachlsitzung» des Plenums stattfinden, die erst nach ZNitternacht begonnen hat. Man erwartet wieder sehr wüste Radaoszenen. zumal es die letzte Parlamentsslhung in dieser Session sein soll. Das Endergebnis dürste dem Beschluß des Ausschusses entsprechen. Der Vorgang kann insofern von großer politischer Tragweite sein, als es da» e r st e m a l ist. daß ein Teil der deutschen Parteien bei einer großen politischen Kraftprobe mit der Regierung zusammengehl. Man hält e» sür möglich, daß die jetzt zustandegckommene Mehrheit zur Bildung einer künftigen deutschtschechi'schen bürgerlichen Regierung»- k 0 a l i t i 0 n führen wird, zumal sich die Gegensähe zwischen den ehemaligen tschechischen Koalitionsparteien infolge de» Sirchen- konflikte» so zugespitzt hoben, daß an eine Wiederherstellung dieser Koalition cinstweilea nicht zu denken ist. Ztürmifchcr Auftakt im Senat. Prag. 25. Juni.(WTB.) Der Senat zog heute die vom Abgeordneienhaus verabschiedete Kongruavorlag in Beratung. Als der Lorsitzende dem Berichterstatter Klojatsch das Wort«rteitte, begannen die Kommunisten zu lärmen. Sie trommelten im Takt auf die Pulte und veranstalteten auf Ä i n d e r t r 0 m p e t e n und Pfeifen eine ohrenbetäubende Musik. Der Senator C h l u m e ck y blies auf einem Signalhorn und zeigte dann im Saal ein die katholischen Priester verunglimpfendes Bild Herum. Der Vorsitzende läutete ununterbrochen, ermahnte zur Ruhe und ersuchte um Beseitigung der unzulässigen Plakate und Bilder. Unter ständigem Lärmen und Schreien wurde» die Referate erstattet. Etwas mehr Ruhe trat ein, als die Debatte begann, an der sich zunächst nur oppositienelle Redner beteiligten. Ninifterwahl unter Protest. Dr. Rintelcn zum österreichischen Unterrichtsministcr gewählt. Wien. 25. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In der Freitagsitzung des Nationalrats wurde der christlichsoziale Landeshauptmann von Steiennark, Dr. Rintelen zum Unterrichtsmini st er ge» wählt. Im Namen der Sozialdemokraten gab Dr. Otto Bauer eine Erklärung ab, in der Einspruch gegen die Wahl Rintelens zum Minister der Republik erhoben wird, weil er der Protektor der steirischen„Heimat" sei, die an dem ungarischen Krieg gegen das Burgenland beteiligt war und er als Landeshauptmann gleichzeitig Präsident einer Bant war. Außerdem aber wehre sich die Sozial- demokratie dagegen, daß im gegenwärtigen Augenblick eine Wahl vorgenommen wird, ehe der W 0 rt b r u ch, den die Christlichsozialen und die Regierung begangen haben, gutgemacht ist. Die Sozial- demokratie werde zum Zeichen des Protestes an der Wahl nicht teil- nehmen. Die sozialdemokratischen Abgeordneten verließen dann den Saal. tigen Streit: er griff dessen Geometrie und Optik an, wofür sich der Philosoph rächte indem er Fermate Theorie de maximis und minimis angriff. Man erzählt sich van Fermat, der 1005 starb, er Hobe eines Tages den Beweis für einen wichtigen mothemaiischcn Satz auf seine Manschette geschrieben, die seine Wirtschafterin jedoch in Unkenntnis ihrer Bedeutung weggetnorfen habe. So sti vr nw mehr in die Lage gekommen, den Beweis noch einmal zu führen. Für den elementaren Beweis des Fermatschen ,Satzes setzte Wolfs- kehl im Jahre 190-1«in bis zum Jahre 2001 lausenden Preis von 100 000 Mark aus. Die Göitinger Gesellschaft der Wissenschaften hat die Entscheidung zu treffen. Ein merkwürdiges Tagebuch. Bon einer ungewöhnlichen Liebs für die Naiur in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen zeugt ein Tagebuch, in dos die Mitglieder einer englischen Familie von Generation zp Generation, fast zwei Jahrhunderte lang, Tag für Tag ihre Beobachtungen über die wechselnden Vorgänge im Leben der Tiere und Pflanzen eingetragen haben. Das Tagebuch wurde im Jahre 1730 von dem Naturforscher Robert Marsham begonnen, der es bis zu seinem im Jahre 1797 erfolgten Tod gewissenhaft führte. In jedem Jahr sind die Daten eingetragen/ wenn die Pflanzen Blüten ansetzten, wenn sich die Bäume mit Laub bedeckten, die Zugvögel sich auf die Wanderschaft begaben odeo««it ihrem Gesang begannen. Nach Robert Marshams Tode wurden die Ein- tragungen van seinem gleichnamigen Sohn fortgesetzt, der Jie bis 1810 weiterführte. Die Arbeit ging dann auf den Enkel über, der denselben Namen wie Bater und Großvater führte, und der dos Buch bis 1855 schrieb. Bon 1850 bis 1892 erfolgten die Eintragungen durch die Urenkel Reo. H. P. Marsham und Major H. S. Mar- sham. Ein Urenkel des ersten Tagebuchschreibers Hot dann schließlich das Werk bis auf den heutigen Tag weitergeführt. Die un- unterbrochene Fortsetzung dieser Eintragungen bildcb einen bc- merkenswerten Fall. Wird doch hier über 140 volle Jahre berichtet, und diese Auszeichnungen erhalten noch besonderen Wert durch die lange Reihe der belgegebenen Erläuterungstafeln, die den Natur- sorschern und Meteorologen ein ebenso reiches wie zuverlässiges Material in die Hand geben. Dieses Materiol erhall angesichts der Tatsache, daß über dem Zusammenhang zwischen Pslanzcnleben und Witterungsphänomen noch wenig verläßliche Beobachtungen vorliegen, nicht zu unterschätzende Bedeutung. Wir wissen aus Er- fohrung, daß Pflanzen ein erstaunliches Borgefühl für den Witte- rnngswechscl haben. Was die Einzelheiten betrifft, so wird in dem Tagebuch als frühestes Datum, an dem die Belaubung der Eiche beobachtet wurde, der 30. März 1882 und als das späteste der 20. Mai 1799 aufgeführt. Der früheste Termin für das Erscheinen der Schwalbe war der 3. April 1840 und der späteste der 12. Mai 1904.»Für den Kuckuck sind die entsprechenden Daten der 12. April 1923 und der 7. Mai 1799. Die Auszeichnungen bestätigen, daß das Wetter in Perioden von zwölf Jahren oder mehr variiert, ob- wohl diese Verschiebungen nicht genau bestimmbar sind. Die Astronomie der ZNoya-kuliur. Aus den Berichten de» englischen Gelehrten Dr. Gann über seine Expedition zur Erforschung der Maya-Kultur werden jetzt Einzelhcllen über die Astronomie dieses mittelamerikanischen Kulturvolkes bekannt. Die Reisenden fanden unter den Ruinen der versunkenen Mayastadi Copan in Spanisch-Honduras eine aus zwei Monolithen bestehende astronomische Borrichtung, die eine Art Sonnenuhr darstellt. Die Steine sind 4'i Meilen(zirka 7 Kilometer) voneinander entfernt auf zwei Hügeln aufgestellt, und die Messungen haben ergeben, daß die Höhe�über dem Meeresspiegel bei beiden genau dieselbe ist. Diese vtcinc bildeten die Grundlage des Maya-Kalcndcrs: der Tag, an dem die Sonne bei ihrem Untergang genau in einer geraden Linie mit diesen Steinen stand, war der Anfang des neuen Jahres. Die Vervollkommnung der Rose. Im Botanischen Garten in London wird zurzeit eine Rosenausstellung veranstaltet, zu der fast alle namhaften Züchtereien Europas und Amerikas blühende Exem- plare oder Beschreibungen ihrer neugezüchteten Arten gesandt haben. Auf der Ausstellung wird auch eine"Geschichte der Rose gezeigt, und es ist interessant, daß noch im sechzehnten Jahrhundert in Europa nur zwei Slrie» der Rose bekannt waren. Im achtzehnten Jahr- hundert kannte man deren schon 40, und heut« blühen in dem Garten eines einzigen französischen Rosenzüchters nicht weniger als 7000 verschiedene Arten, ttinfenbungen für diese Rubrit sind Brrlia SW 6«. Lindenstraße 3. parteinachrichten für Groß-Serlin stet» an da»«ezirktsedretariat. Z. Hos, 2 Step, recht», zu richten. öezirksvorstanü. heut«. Sonnabend, den ZK. Juni, abends b Uhr, Sihung des erweiterten Vorstandes im Zugendhelm. Lindenstr. 3. 7. strei» Sdarlottenburg und Spandan. Lesitc Juristisch« Sprechstunde vor den Gcrichtsfcrien deute, Sonnabend, nachmittag» oo» Z— 6 Udr im Iugend- deim Rosinenstr. t, l Tr. tZ. ttrei» Weißensee..stounnunole stommission: Sonntag, den 27. Juni, Be. sichtigung der Eemeindceinrichtungen in Hodenschonhausen. Treffpunkt der Weißen secr Genossen vormittags S Uhr Lichtendergcr Straße, Ecke Berliner Bllee. und der Lohcnschöndaulcncr Genossen vormittag» 9li Uhr Orante- Schloß. heule, Sonnabend, den 26. Zum: 11.«dt. Sämtliche» Markcninateriol sowie all« Sammellisten müssen unbedingt sofort, außcrSonntag. beim Genossen Tschirne,?lt-Moadit dl, vorn 4 Tr.. abgerechnet werdcn. 44. Abt. Nachmittag» 5 Uhr Abrechnung der Bezirk», und Betriebskassierer bei Schmolinski. Ziaunnnstr. 41. Maimarken, Sammellisten und Beitragsmarken mitbringen. 47. Abt. Die Bezirkskassicrer müssen bis spätestens Sonntag, den 27. Juni, olle Sammellisten. Matmarken und Beitragsmarken beim Abteilungskafsierer Karl Zaoobi. flbpcmckcr Str. 176, abrechnen. »2. Abt. Neukölln. Die Betirkskassicrer müssen bis spätestens Sonntag, den 27. Juni, abgerechnet haben. Ebenfalls alle Genossen, die Sammelliften und Maimarkcn haben. 1»4. Ab. Riederschöneweid«. Die Abrechnung der Marken und Bolksentscheids- Sammellisten muß unbedingt bis spätestens Montag, den 2S. Juni, abend», beim Abtcilungskassierer, Genossen Redlich, Berliner Str. 42, vorn Z Tr., stattfinden. 116. Abt. Lichtenberg. Die Besirkssührer werden dringend ersucht, sämtlich« Marken. Maimarkcn, Sammelliste» usw umgehend der dem Genossen öcheibenhuder. Reue Bahnhosftr. 1, vorn 4 Tr.. abzurechnen. Morgen, Sonnlag, den 27. Zuni: 42. Abt. Gruppe Urbanstraß«: Agitationsausslug nach Blankenfelde. punkt vormittag» SVe Uhr am Potsdamer Bahnhof. Treff- 57. Abt. Tbarlotteuburg. ZSaldfcst bei der Waldschule Eichkamp. Tresspunkt nachmittags l'j Uhr bei Arndt,«antftr. 51. Abmarsch unter Borantritt des Tamoourkorps des Reichsbanners, slestred«: Stadtrat Witt. Bei Regenwetter sindct das slest in der Waldschule statt. Teilnehmer, welch« Kasfectochen. müssen Geschirr mitbringen. Gäste herzlichst willkommen. 164. Abt. Riederfchäneweide. Die Abteilung beteiligt sich geschlossen am Bolks- fest des Bolkschors Südosten auf dem ilcrienspielplaß der Stadt Berlin am Wasserwerk Obcrschbncwcide. Abmarsch mit Musik-nachmittags 1 Uhr vom Steinplaß. Johannisthal, aus. 166. Abt Köpenick. Zu dem gemütlichen Beisammensein de» Bezirk» Dammvor- stadt im Restaurant Waldbuig. Sirschgartcn. nachmittags 3 Uhr werden olle Genossen mit ihren Familien freundlichst eingeladen. 123. Abt.«aulsdors. Alle Mitglieder beteiligen sich restlos an dem Daldfest des Reichsbanners m Lokal Sanssouci. Kaulsdorf-Süd. * 24. Abt. Achtung! Montag, den 26. Juni, slunktionärsißung hei Schleiff, Wins-. Ecke Christburger Straße. Alle Funktionäre müssen unbedingt Arauenveranstaltuagen: 25. Abt. Karten zur Dampferfahrt am 9. Juli sind noch bei der Genossin Fillisch, Allcnsteiner Str. 30, zu haben..„..„., Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde. Gruppe»Itte: Montag, den 26. Juni. Pünktlich abends 8 Uhr. im Heim Blumcnstr. 77. Helsersißung. verbunden mit BersuchsüKungen für Linoleumschnitte. Mitzubringen find Papier. Bleistift, Taschenmesser. Federhalter mit Feder. Zungsozialisten. Heule. Sonnabend, den 26. Zuni: Gruppe Treptow: Beteiligung an der Sonnenwende in den Reiherbergen. Das Jugendheim ist für die Monat- Juni bis August geschlossen. Beitrag». adrechnungen müssen unbedingt beim Genossen Herbert Dewald. SO. 36, Ellen. strafte 41, erledigt werden.- Gruppe Südost: Treffpunkt zur Sonnenwende nachmittags fi Uhr am Mariannenplaß fFeuerwehrdenkmall ober direkt am Festplaft— Gruppe Sude«: 7 Uhr Treffen am Potsdamer Bahnhof zur Fahrt nach Potsdam.— Gruppe Ritt«: Treffpunkt zur Sonnenwende pünktlich nach. mittags 4VL Uhr Bahnhof Börse. Sterbetafel der Groft-öerlinec partei-Grganisation 70. Abt. Wilmersdorf. Am 23. Juni verstarb unser langjäbriges Mitglied, der Maurer August Steinhaus, nach langer schwerer Krankheit. Ein- äschcrung am Montaa, den 28. Zuni, vormittags UM Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Wir erwarten rege Beteiligung. Sozialistische �rbeiterfugenü Groß-Serlin. Trefspunkle zur Sonnenwendfeier am Reiherberg b. Golm heute, Sonnabend, den 26. Zuni: Loubsberge» Biertel: 5 und 8 Uhr abends Bhf. Warschauer Brücke.— Lchouhauser Borstadt I: 8 Uhr abends Bhf. Schönhauser Aller.— Helmholß. plaß und Schönhauser Borstadt II: 4 Uhr Aleianderplaß lBerolinal. 6 Uhr ebcndort. Fohraeld 60 Pf.- Sudost-Gruppen: 6 Uhr Mariannenplaß sFeuer. wchrdenkmal).— Südwest:'H7 Uhr Blllcherplaß. Nachzügler werden um 7 Uhr auf dem P-tsd. Bhf. erwartet.— Eharlottenburg: Bedel. Liebknecht. Lassalle: 8 Uhr Bhf. Eharlhg. Fahrgeld 50 Pf.- Schöneb-rg I;%6 und Uhr Kaiser- Wilhelm.PIaß.- Stegliß I: 8 Uhr Bhf. Etegliß.- Lichten berz-Mitte»üb.«est: 8>,t Uhr Bhf. Stralau-Rummelsburg.. � Berbebezirk Westen: Sämtliche Ordner treffen stch um 5 Uhr Bhf. Ehar- lotlenburg. Fahrt bis Potsdam.......„ Wcrdebezirk Neukölln: Treffpunkt sämtlicher Gruppen s?7 Uhr Bhf. Reu» källn. Nachzügler d«8 Uhr Bhf. Neukölln.. Werbebezirt vftbahn: Sämtlich« Gruppen abfahrtbereit 8V? Uhr Bhf. Stral.« Rummelsburg._ Arbeitersport. Znhballspiele am 26. und 27. Zuni. Am Sonnabend erhält Teutonia 09 den Besuch von Pankow 06 in der Ehristianiastraße. Der Arbeiter-Spvrtperein 24 fährt nach Neukölln. Grenz. alle«, zur Freien Turnerschaft Neukölln-Briß. In Weißense«. Rennbahn, treffen stch Alemannia und Ardeiter-Turnverein Weißensee, Räch Hohenschön. Hausen zum Berliner Sportverein 22 fährt Stralau mit der 2. Mannschaft, Plaß Sommerftraße. Lichtenberg I stattet mit seiner 1. Zugendmannfchaft der Pankower Union«inen Besuch ab. Beginn der Spiele abends 6 Uhr.— Am S o n n ta g fährt Teutonia 09 mit zwei Mannfchaflcn nach Eachfenhaulen. In Reinickendarf. Lindauer Straße, treffen sich Borussia und Richterswalde mit den beiden ersten Mannschaften. Ballspiel-Elub Moabit erhält im Beussel- grund. am Bahnhof Beusselstraße. den Besuch von der Freien Sportoereini. gung XII. In Baumschulenweg. Plänterwald, spielen Treptower Ballspiel- Club II gegen Potsdam II und Treptow III gegen Germania II. Beginn der Spiel« nachmittags 5 Uhr. Auf dem Sportplaß in der Kynaststraße deginnt am Sonntag dos Turnier der Fußballabteilung von Lichtenberg I. Fußball tnruicr Freie Tnrnerschalt Lichtcnberg.Friedrichssclbe. Auch in diesem Jahr« findet«in Fußbollturnier statt, an dem IN Mannschaften teil- nehmen. Am Sonntag, 27. Juni, stehen sich 8 Mannschaften gegenüber, während der Rest am folg-nd-n Dienstag spielt. Spiclplaß: Kynastplaß, am Bahnhof Stralou-Rummelsburg. Während der Arbeit sind Wrigley P. K.- Kau-Bonbons vdn hervorragender Wirkung. Sie beruhigen die Nerven, beseitigen das Durstgefühl und geben stundenlang einen erfrischenden W ohlgeschmack. Ein vorzüglicher Ersatz in Räumen, in denen das Rauchen nicht zulässig. Als ein erprobtes Mittel zur gründlichen Reinigung und zur Erhaltung der Zähne werden Wrigley P. K.- Kau- Bonbons von Aerzten und Zahnärzten vielfach empfohlen. Das kleine Päckchen, das nur 10 Pf. kostet, lässt sich bequem in derW est entasche tragen c. r.; Päckchen=4Stück=10Pf. Ueberall erhältlich! WRIGLEY WRlOLEr AKTIEN- C CSE USCH AF T. FRA N KFURT A M. .?4LessInfl-Tlt Schneider Wibbel Henckels, Berber Orodtciinsky Sommerpr. 1-8 M. »Hgl i Voüubjjh.. Gewrrk iduft. Rtidniiinn gnt« igsnii gilt Plälie i 1.50. »Ol Iii>iig«Mri||» Kleines Tb. 81/. Uhr: ZÄlWfW 3 Creltslrn von Igst Gib Vorz dieses zahlt 80°'. d Kassenpr Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8'/» Uhr: Week~end 8 Uhr Internal. Variete Sonntags 3.30 zu ermaß. Preisen d. volle Programm Theaterkasse: LfltZOW 7557 Berlin rr Theater ISgl. o1/,: Donnerwetter, ganz famos Theater IWedeDS 8 Uhr: D. große OnbekaRDte Operette v. ruppe Kleine Sommerpr. Central. Theater Uhr:[Vi Ilka QrünloK« Residenz■ Theoi. »'/, Uhr; Herz eonlr» Herz Eugen Rex, Metelka Bainowsh-BOhnen Sommerspielzeit Thealer HSDiMraixJtr. T.:Hasenheid3no 8V, Uhr: Oefallene Eosel Homadlenbans Tel.: Norden 6304 8 Uhr Der Garten Eden la. Eiderfettkäse o Pfd. M 6.- frko. Dampf kllsefabrlk Rendsburg;. Kose-7heater SV, Uhr: Konzert und bunter Teil. sU.: ki ,«« Pgrvdi hin«« Deutsebes KOnslI-Thetler Tägl 8'/, Uhr Der fröIUldie Welnberfi Vallner-Tbeater »■/» Uhr: Der biiligi Brunnen Blanco PooneU Brweckunjc Tl. an BurfiiitHBinni 80, Uhr: Kavalier Jack Operette in 3 Akten Musik von Carita von Horst Sommerpr. 2—6 M Krause- Pianos zur Wliete Ansbacher Str. I, Idig Igrflrslgiutnt« Reichshallen- Theater Abend» 8 Uhr � Stettiner Sänger ' tp. Nen! \m EinHaDiballbeiNeyer'i Sefliner Bgrksb ni Igyul. Dönboff-Brettl926, Raumerstr. 14. Die Einäscherung findet am 26. d. Mts, nachmittags 4>/g Uhr, in der Gerichtstaße statt. samthaftsumme der Mitglieder haben sich nicht verändert und betragen am 31. Do- zember 1926 je 850.— Mark Berlin-Reinickendorf. 23 Juni 1926. Der vorstund Robert Engel. Karl MarscheL isdiias Rheumatismus Spezialbrhandlung nach Prof Lange. Lettmann. Ggetkiner Str. 14. 10-11.4-7 B esonden wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN Im ..Vorwärts- und trotzdem NdlUWN lOPfi Qolltungs-.BäbiU- a.Reklamemirken gegen Nachahmung gesetzl. gesch. Fettigt seit 48 Jahr. als Spezialität Conrad»aller Schkeuditz-Leipzig Verkäufe Bckleidungssiucitt. Wairhe usw Kovalieranzöge. gereinigte Jackett. anzüge. GeHrockanzüae. Frack-Smoking» anzüge(auch leihweile), neue Maße: laß. anzüge verkauft svottbillig Alexander. Kraß« 28a. Hockparterre._* Senia getragene, teils auf Seid« ac ordeitete, erftklasfige Jackett« nzüae. Frack» anzüae. Smokinaanzüae. GeHrockanzüae. Eulaways. Eommerpaletots. Gabardine» Mäntel. Bauchonzüge. für jede Figur vassenb. außerdem hochelegante neue Garberobe zu staunend billigen Preisen im Leihhaus Lowick!. Prinzenstr. 105, ein« Treppe. Keine Lombardware.' «erleih hocheleganter Gesellschaft� Anzüge. Leihhaus Lowick!. Prinzen» straße 105. Patentma tragen..Primissimo-,. Metall- betten. Auftegematragen. Ehaiselongues. Walter, Etargarderstraße achtzehn. Spezialgeschäft.' Mahagoni. Ankleideschränke, englische Bettsteven. Waschkommoden. Nachttisch«. Satin-Ankleibeschränke. Mahaaon:-Bcr. tikos 45.—. Kamerling. Kastanienallee 56. Zahlungsevleichterung.' FOMsjstimsleDtwemtm Vianss preiswert. Klaviermacher Sink. Srunnenstraße 25.> kaheesttsp 3 Mark Wochenrat« genügt zum Fahr- rabkauf. Besichtigen Sie meine Riesen- auswahl. Brandenburgstraße vier.' ksufgezucke Zahrräbez kauft Liuienstraße 19. Nr. 296 ♦ 45. Fahrgasg 2. Seilage öes Vorwärts SonvabenS, 26. �uni 1926 mm Die Raiffeisen-Genoffenschaften und ihre Zentralbank. Zum Hamburger Generatverbanösiag. D?r diesjährige Generalverbandsmg der Deutschen Rnisfeisen- Genossenschaften in Hamburg, der eben zu Ende ging, wird in der Geschichte der Raisfeisen-Bewegiing besonders vermerkt werden. Die ganz außergewöhnliche Lage der Landwirtschast nach der Stabil!- sierung, die Notwendigkeit des Wiederaufbaus und des Neuausbaus der Genossenschaften wären an sich Grund genug dazu gewesen. Die Naisfeiseit-Bewegung, in der bekanntlich über 1 Million Mein- und Mittelbauern in fast 8800 Genossenschaften zusanrmengeschlossen sind, darunter 6104 Spar- und Darlehnskassen- rercine und 2395 ländlich« Betriebsgenossenschaften, hätten mit Genugtuung feststellen können, daß sie trotz der Inflation eine be- deutende und in ihrem Aufbau gesunde Organisation geblieben sind. Das will angesichts der Tatsache etwas bedeuten, daß die 650 Mill. Spareinlagen der Darlehnskasienverein« von 1913 bei der Aufstellung der Goldbilanzen auf IL Mill. zusammengeschmolzen und Crr.be 1924 erst wieder auf 16,5 Mill. angewachsen waren. Die Einlagen in laufender Rechnung, die 1913: 123,2 Mill. be- trugen, sanken nach der Inslotion aus IL Mill. und stiegen bis Ende 1924 nur wieder auf 14,5 Mill. Dennoch haben die Umsatz« im Jahre 1924 wieder 975 Mill. erreicht gegen 1572 Mill. im Jahre 1913, was als Zeichen der Lebenskraft der Raiffeisen-Genossenschaften hoch eingeschätzt werden darf. Auch die Zentralwarenanstallen, in denen das genossenschaftliche Warengeschäft zu den einzelnen Aer- bandsbezirken durchgeführt wird, zeigt eine günstig« Entwicklung: der Csesamrwarenumsotz stieg 1924-25 von 35.2 auf 47,8 Mill. Zentner int Werte von 283 Mill. Mark. Tie Geschäfte der Raiffeiseu-Bank.— Ihre Sanierung. Aber die Tagung hatte einen sehr bitteren Kern. Dos war der Bericht der Zentralbank der Deutschen Raiffeisen-Genossenschaften, dir Deutschen Raiffeisen-Bank A.-G., die bekanntlich unter ihrer durchaus deutschnationalen Führung Dietrich, Seelinann, Schwarz große und verlustreich« Kreditgeschäft« gemacht Hot. Bei der Th. Tcichgrüber A.-G., Berlin, dem Thüringer Hermann Uhren- konzern, bei privaten Großfpekulanten(Riebe, Leute), in risikoreichen Exportgeschäften lOrientgesellschaft), endlich auch mit der Deutschen Landmaimbank waren Beträge riskiert worden, die zeitweise sogar die Liquidierung der Raiffeisen-Bank möglich r schienen ließen. Es war ein Glück, daß der einzige und zugleich s.hr leistungsfähig« Gläubiger der Raiffeisen-Bank die P reai ß i s che Zentralgenossenschaftstasse war und daß dieser starke t laubiger die Sanierung durchführte. Es wurden Verlust« in der Höhe von der Hälft« des Aktienkapitals(2514 Mill.) befürchtet, die günstigsten Fall durch die entsprechend« Zusammenlegung des Aktienkapitals hätten bereinigt werden können. Der von der Preußen- lusie gewährt«, bis 1938 unkündbare langfristige Kredit von insge- ! imt 40 Mill. Mark(gegen Bürgschaften der Raifseisen-Vereine und Berpsändung der bankeigenen Gebäude) hat die Gefahren beseitigt. Bis 1938 hat die Raiffeisen-Bank nun Zeit, aus ihren lausenden Ueberschüssen sich zu sanieren, und sie kann auch hoffen, daß die Prenhenbank eventuell aus eine Verlängerung der Sanierungskredite eingehen wird. Unter diese, dunkle Episode ihrer Zentralbank hatten die Mitgliedervereine, die zugleich die Aktionär« sind, einen Strich zu ziehen und Vorsorg« zu treffen, daß es bei der Episode bleiben wird. Jahresabschluß und Gewinnrechnuug. Dem Eingreifen der Preußenbonk ist es zu danken, daß der Ab- schluß der Raiffeisen-Bank, den die Generalversammlung zu ge- nehmigen hatte, nur den geringen Verlust von 0,43 Mill. rufweist(im Vorjahr 1,6 Mill. Gewinn). Sonst hätten von dem Bilanzposten„Außenstände der Geldabdeilung"(204,2 gegen 148,5 Mill.), die verlorenen oder bedrohten Kredit« abgesetzt und die Unkosten und Abschreibungen der Gewinn- und Berlustrechnung um dieselben Posten erhöht werden müssen. Di« jetzt vorliegenden Abschreibungen(1,1 Mill.) und Geschäftsunkosten(7,46 gegen 5 Mill.) wären um die betreffenden Beträge vermehrt worden, und der Ver- ! ist hätte statt 0,43 Mill. etwa 13 bis 14 Mill. betragen. Aber auch bei Berücksichtigung der Sanierungsaktion der Preußenkasie ist der tatsächliche Verlust noch höher als der ausgewiesene: Unter den Einnahmen der Gewinnrechnung ist auch die im Vorjahr aus dem Gewinn gebildet« Verlustreserv« von IL Mill. aufgeführt, die also zur Deckung diesjähriger Verlust« mit herangezogen wird. Trotz des Rückgangs der Einnahmen blieb der Bank das Vertrauen ihrer Mitgliedergenossenschaften erhasten, wie sich aus der Bilanz ergibt. Die Bilanzsumme ist von 206,7 auf 252,2 Millionen gestiegen. Da im letzten Jahr kein« nichtgenosienschaftlichen iireditgeschäst« hin zugekommen sein dürften, ist die Steigerung der, ..Außenftmrde der Geldobteilung von 148,5 auf 204,2 Mill. wohl ganz auf das vermehrt« Geschäft mst den Mitgliedervereinen zunick- zuführen. Auf der anderen Seit« sind die laufenden Verpflichtungen der Raiffeisen-Bank mit 224,6 gegen 177,1 Mill. nicht ganz so stark erhöht wie die Forderungen aus dem laufenden Geschäft. Gnädiges Gericht.— Eine Untersuchungskommisston. Die Generalversammlung ist gnädiger verfahren als es der Be- richt des Borstandes eigentlich verdiente. Wenn der Geschäftsbericht auch die Uebernahm« der Bürgschaft gegenüber der Preußenkasie durch die Milgliedervereine als«in« genossenschaftlich« Großtat preist, wozu die Leitung der Raiffeisen-Bank allen Anlaß hat, so ist der (Zeschästsbericht doch von einer Dürftigkeit, die sich die Genossen- schaften nicht hätten gefallen lassen dürfen. Di« Sanierungsaktton wird nur in den allgemeinsten Zügen, über den Ümfang, die Art der Verlustgeschäfte, die Größe der Risiken, die Art und den Wert der Sicherheiten wird überhaupt nicht berichtet. Diese übertriebene Scham haftigkeit, die nur schädlich wirken kann, hätte die Generalversammlung schon im öffentlichen Interesse nicht dulden dürfen. Auch die Bilanz und die Gewinnrechnung sind absolut un- zureichend kommentiert, so daß über die einzelnen Zweige der Be- tätigung nichts Zuverlässiges entnommen werden kann. Immerhin hat die Generalversammlung, obwohl sie die Bilanz und Gewinn- rechnung genehmigte, ein gesundes Wißtrauen bewiesen. Sie hat eine U n t e rs u ch u ng s k o mm i ss i an eingesetzt, die mst den Berlustgeschästen die Berantwortlichteit des Auf- sichtsrats zu prüfen hat und die Entlastung dts Auf- sichtsrats bis zur Berichterstattung dieser Kommission zurück- gestellt. Dazu besteht auch aller Anlaß, da schon bei der vor- jährigen Bilanz die Verluste bekannt waren und dennoch den Mit- gliedervereinen durch ein« nicht zu verontmorrend« Bikanzftsiur noch Gewinne vorgetäuscht wurden. Di« wer Darenabteilungen, die die Zentralbank bisher führte, sind im Rahmen der Sanierungs- akiion inzwischen von der Raiffeisen-Bank abgetrennt worden. Ein Wort an die Klein- und Mittelbauern. Es ist zu hoffen, daß die Raiffeisen-Genossenschaften und ihre Zentralbant aus den Erfahrungen lernen werden. Zu der Bemerkung des Raiffeifen-Berichts, daß die Zukunft des deutschen Arbeiters eng mit dem Schicksal des Landmanns verbunden ist und daß die Lösung des Arbeitslosen- Problems in hervorragendem Maße von der Konsumfähigkeit der Landbevölkerung abhängig ist. aber noch ein Wort. Was hier gesagt wird, ist richtig. Nötig ist aber, daß die Raiffeisen-Genosienschaften, wie alle Genossenschaften der Klein- und Mittelbauern auch in ihrem politischen Handeln sich dieser Schicksalsgemeinschaft be- wüßt sind. Der genosienschastliche Zusammenschluß kann den Klein- und Mittelbauern nur dann den Schutz geben, den sich die Groß- industrie in den Kartellen. Trusts und Inieresiengemeinschaften ver- schafft, wenn die bäuerlichen Gcnosienschaften statt mit den Groß- agrariern und Schwerindustriellen mst der Arbeiterschaft zusammen- gehen. Dazu ist gerade jetzt wieder die beste Gelegen- h e i t, wo die Arbesterschaft wieder darum kämpfen muß, ob durch die Erhöhung der Getrcidezölle nur die Grundrente der Großagrarier erhöht werden soll, oder ob durch' eine vernünftige Intensivierung der Boden- und Siallproduklion der klein» und mittelbäuerliche Betrieb gestärkt werden soll. Nicht von der Rente der Industrie und der Großagrarier, sondern von der Kaufkraft der Massen hängt der Wohlstand der Bauern ab. Vierteljahrsbericht üer Reichsbahn. Die Rückwirkung der Krise auf den Verkehr. Der Reichsverkehrsminister legt soeben einen Bericht über die Betriebsverhällnisse, Verkehrsleistungen und Geschäftsergebmsie der Deutschen Reichsbahn im Vierteljahr vom 1. Januar bis 31. März 1926 vor.'' Der Personenverkehr war im ersten Quartal im allge- meinen schwach Auch der Verkehr zurLeipziger Messe blieb hinter den Erwartungen zurück. Dem immer noch sehr schwachen Güterverkehr wurde durch weitere B e- triebseinschränkungen Rechnung getragen. Eine Anzahl von Bahnhöfe» wurde ausgeschaltet bzw. stillgelegt. Die Aussuhr von Kohlen nach Holland zeigte im Februar eine Steigerung um 50-000 Tonnen. Hochwasser und Frost machten sich im Anfang des Bcrichtsoierteljohrcs und am Ende empfindlich bemerkbar. Im Quartal stellt sich die Zahl der geleisteten Wagenachs-Kilometer aus 5723,8 Millionen Kilometer(1925: 5998,78 Millionen Kilometer). Die Güterwogenbestellung war bereits im Jamiar geringer als im Dezember und belebte sich nur allmählich. Im Stückgutoerkehr Sclang es, in einer Reihe von Berkchrsbeziehungen günstigere Be- irderungsgelcgenheiten und Beförderungszeiten einzurichten und damit der Derkehrsabwanderung auf Lastkrastwagen entgegenzu- wirken. Gegenüber der G e s a m t e i n n o h m e des ersten Viertel- jahrs 1925 mit 1048 353 000 M. bleibt die des gleichen Zeitabschnitts des Jahres 1926 mit 919 022 000 M. um 129 331 000 M. zurück., d. h. 1926 brachte gegenüber 1925 eine Einbuße von 12,3 Prozent. Die Mindereinnahmen erforderten wesentliche Ein- schränkungen bei den Ausgaben. Zur völligen Deckung der Ausgabe- Verpflichtungen mußte aber in jedem der drei Monate die Rücklage aus 19Ä5 in Anspruch genommen werden. Die monatlichen Zah- lungen für den Dienst der Reparationsschuldverschreibungen wurden recht, zeitig gemäß der Vereinbarung geleistet, in gleicher Weise wurden die Erträge der Besörderungssteuer fristgemäß an den Generalagenten für die Reparationszahlungen abgeführt. Der Be- ttiebsmittelpark zeigte am 1. April 1926 iolgendes Bild: Dampflokomotiven 26899(Ausbesierungsstand 21,4 Proz.), elektrische Lokomotiven 266, Triebwagen 501, Beiwagen 353. Personenwagen 63 829, Gepäckwagen 21 831, Gütermagen 681 466, Bahndienstwogen 7653.__ Die Grobhandelsindexziffer vom 23. Juni. Die aus den Stichtag des 23. Juni berechnete Großhandelsindex- Ziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem 17. Juni 0.9 Proz. auf 125,3 gestiegen. Die Indexziffer der Agrarerzeugmsie erhöht« sich vorwiegend durch die anziehenden Getreidepreise um 1,4 Proz. auf 126,2, während die der Industriestoffe mit 123,7 fast unverändert blieb. verminderke Bautätigkeit im ersten Vierteljahr 192k. Nach den Ausweisen des Statistischen Reichsaints wurden im ersten Vierteljahr 1926 bedeutend weniger Wohnungen und Gebäude fertiggestellt als im letzten Biertcljahr des Vorjahres. In den 42 be- richtenden Gemeinden' mit mehr als 100 000 Einwohnern ging die Zahl der. hergestellten Gebäude von 6686 im letzten Vierteljahr 1925 auf 4942 im ersten Vierteljahr 1926 zurück. Die Zahl der sertiggc- stellten Wohngebäude sank von 4414 aus 3651 und die der Wohnun- gen auf 14 376 aus 12 654. Auch in den Gemeinden von über 50000 bis 100 000 Einwohnern ist in der Zahl der fertiggestellten Wohnun- gen und Gebäude ein bedeutender Rückgang eingetreten. In den 44 berichtenden Gemeinden wurden im legten Vierteljahr 1925 1945 .Gebäude erstellt gegen 1207 im ersten Vierteljahr 1926. Die Zahl der erstellten Mahnungen sank von 3843 auf 2361. Ein« betrachtliche Verminderung ist auch in der Zahl der«rteitten Vauerlanbnisie ein- getreten. Sie sank in den 82 berichtenden Gemeinden, von 7934 auf 5734. Dieie Zahl bleibt, niie nicht unwesentlich hervorzuheben ist, erheblich hinter den Bauerlaubserteilungen der ersten drei Viertel- jähre 1925 zurück, deren Zahl im ersten Vierteljahr 1925 7771 be- trug, int zweiten Vierteljahr 9238 und im dritten Vierteljahr 8805. hugenbergs Filmpleile. Die von der Verwaltung der Deulig angekündigte Sanierung durch Zusammenlegung des Kapitals im Verhältnis 10: 4, die wir in Nr. 256 unseres Blattes behandelt haben, genügt nach den Ausführungen, die die Verwaltung in der Generalversammlung machte, nicht, sondern es findet eine schärfere Zusammenlegung im Verhältnis 10: 3 statt. Gleichzeitig wird, angeblich um das Fabrikationsprogramm ohne die Inanspruchnahme hoher Bankkredite durchführen zu' können, eine Kapitalserhähung von 675 000 M. vorgenommen. Man könnte erstaunt sein, daß sich immer noch Leute sinden, die für ein derartig heruntergewirtschaftetes Unternehmen Geld hergeben. Aber wenn man weiß, daß Hilgen» berg und seine Kreise hinter diesem Institut stehen, das unter dem Namen„Deulig" mit Hilfe der Deuligwoche eine Volksverdummung erstrebt, dann wird man begreifen, daß diesen Kreisen nichts zu teuer ist, um Einfwß auf die großen Masien zu gewinnen. Erklärt wird die ungünstige Lage des Unternehmens mit der Wirtschafts- trise, mit der Lustbarkertssteuer, mit der amerikanischen Fitminvasion und man hofft nun, nachdem diese einschnciöende Sanierung vor- genommen ist, auf günstigere Ergebuisie. Wir glauben, wenn diese ausbleiben, werden sich die Geldgeber auch zu trösten wissen, die ja ihr Kapital nicht hergegeben haben, um direkt daran zu verdienen. Verlängerung öes Mieterschutzes Rücksickitunhme auf Hausbcsitzerwünsckie. Die Frciiogssitzimg des Reichstags wird um 2)i Uhr vom Präsi- deuten L ö b e eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt der Präsident mit, daß die Regierung den Entwurf eines zweiten Gesetzes über den Volksentscheid, wonach die Aufwertung?- gesetze dem Volksentscheid nicht unterworfen werden können, zu- rückgezogen habe. Die Genehmigung zur Einleitung einer Privatklage gegen den Abg. G r i s l c r(Dnat.), sowie zur Strafvollstreckung gegen den Abg. Urbahns(Komm.) wird nicht erteilt. Bei der Absetzung des Gesetzentwurfs zum Volksentscheid von der Tagesordnung sragt Abg. B e st(Volk.), in welchem Sinne die Vorloge von der Regierung zurückgezogen worden wäre. Reichs- innenminister Külz schweigt und zuckt nur mit der Achsel. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Pariser Abmachungen zur Luslschisfahrk. Der Auswärtige Ausschuß empfiehlt die unveränderte Annahme der Vorloge. Zlbg. Freykagh-Loringhoven(Dnat.) behauptet, daß ohne die Locarno-Poliiik mehr erreicht worden wäre. Trotzdem würden die Deutschnationalen der Vorlage zustimmen. Abg. Schulz(Komm.) verliest eine Erklärung, wonach diese Vor- tage nur den deutschen Militarismus stärke. Daher lehnten die Kam- munisten sie ab. Der Gesetzentwur-s wird darauf in zweiter und auch in dritter Lesung angenommen. Das Haus befaßt sich weiter mit der Beratung des vom Hous- haltsausschuß beantragten Gesetzentwurfs über die Aufhebung d-r Preisireibereiverordnung und damit zusammenhängender Verordnungen. Die Abstmimung ist zuerst, da die Rechte schwach vertreten ist, zweifelhaft. Die Auszählung ergibt die Annahme der Vor, läge mit 174 gegen III Stimmen der Sozialdemo» k r a t e n u n d K o in m u ni st e n. Die.zweite Beratung der Novelle zum Mieterjchutzgesetz wird fortgesetzt. Ministerialdirektor des Reichsjustiznzinisteriums Oegg: Es ist noch nicht angängig, die Wohnungszwangswirtschaft ganz zu be» settigen, es kann sich jetzt nur um die Milderung einzelner Härten handeln. Daß die Vorlage einen einseitigen Standpunkt zu» gunsten eines Interesienkreises einnimmt, kann man ihr nicht vor- werfen. Der Mieterschutz soll bestehen bleiben, aber daneben müssen die Verbesserungen des geltenden Gesetzes angenommen werden, die zur Schonung des Hausbesiges unter Berücksichtigung der sozialen Interessen der Mieter notwendig und erträglich sind. Das Kündigungsrecht muß erleichtert werden gegenüber solchen Mietern, die schuldhastcr Weise mit ihren Zahlungen im Rückstand bleiben. Zu den Anträgen aus Herausnahme der gewerblichen Räume aus dem Mieterschutz bemerkt der Redner, schon die Be- stimmungen des Entwurfs, die in Fragen des Ersatzraumcs die ge> werblichen Räume schlechter stellen als die Wohnräume, hätten in den beteiligten Kreisen starken Widerspruch gesunden. Darüber hin- aus werde man kaum gehen können. . Abg. Lücke(Wirtsch. Vgg.) nennt das Mieterschutzgesetz ein grenzenloses Unglück für das deutsche Volk, es führe die deutsche Wirtschast in den Abgrund. Nur die freie Wirtschaft sei im- stände, die Wohnungsnot zu beseitigen. Der vorliegende Gesegcnt- wurs bringe nicht den notwendigen Abbau der Wohnungszwangswirtschaft. Der Redner beantragt die Einführung des Kündigungs- rechts für den Hausbesitzer und des Einspruchsrechts für den Mieter. 3n sehr vielen Orten könne von Wohnungsnot gar keine Rede sein.(Lachen und Widerspruch.) Eine nicht WWWWWW>W WW Hausbesitz könne erst nach dem Abbau �her Wohnungszwangswirt- schüft gesunden. Abg. Lartschal(Dem.) hält es für erforderlich, einen g e- sunden Ausgleich zwischen den Interessen der Hausbesitzer und der Mieter zu finden. Die Entrüstungskundgebungen, die eben- so von den Organisationen der Mieter, wie der Hausbesitzer gegen die Beschlüsse des Wohnungsausschusses gerichtet werden, seien der beste Beweis dafür, daß der Ausschuß die richtige Mittel- l i n i e gesunden habe. Damit ist die allgemeine Aussprache beendet. In der Einzeldebatte bezeichnet es Abg. hünlich(Soz.) für außerordentlich bedenklich, die K ü n d i g u n g s j r i st bei Nicht- bezahlung der Miete von zwei auf einen Monat herobzujctzen. Schon bisher feien die Mieter bei der Anwendung der Bestimmung, daß„angemessener" Ersatzraum zur Versügung.gestellt werden müsie, benachteiligt worden. Jetzt solle diese Bestimmung nach verschlechtert werden, indem an die Stelle des Wortes „angemessen"„ausreichend" gesetzt werde. Die sozioldemokratische Fraktion beantrage die Wiederherstellung der ursprünglichen Fassung. Die vorliegenden Anträge der Rechtsparteien, die eine Durch- löcherung des Mieterschutzes anstreben, seien abzulehnen. Man müsse sich doch sehr darüber wundern, daß deutsche Volksparte! und Wirtschaftliche Vereinigung die Beseitigung des Schutzes siir gewerbliche Räume verlangen. Damit würden dach weite Kreise des Mittelstandes stark benachteiligt werden, deren Interessen diese beiden Parteien angeblich wahrnehmen wollten. Die Sozial- demokratische Partei wendet sich auss schärfste gegen olle Versuche, den Mieterschutz noch mehr zu verschlechtern. Abg. höllein(Komm.) befürchtet bei der Anwendung de? Bs- griffes„ausreichenden Wohnraums" durch die Behörden daß die davon Betroffenen nur noch eine Totenkammer bekomme» würden. Die Bewegung der Massen würde den Kopitalsvertreicrn, die sich jetzt für die Verschlechterung des Mieterrechts einsetzen, über den Kopf wachsen. Abg. Lipinski(Soz.) stellt gegenüber einer Behauptung des Abg. höllein. daß die Sozialdemokratie sich an der Mundtot- m a ch» n g des Reichstags beteiligt habe, weil sie der Beschränkung der Redezeit bei den einzelnen Abschnitten auf 20 Minuten zugestimmt habe, folgendes fest: Der Ausschuß hat sich 2M> Monate lang' mit dem G e- setzentwurf beschäftigt. In eingehenden Beratungen ist dort alles Notwendige gesagt worden. Wenn es uns bisher nicht gelungen ist, die Vorlage nach unseren Wünschen unizugestaltcu, so liegt das an den jetzigen M e h r h e i t s Verhältnissen des Reichs- tags. Run handelt es sich aber darum, daß das alte Gesetz a m 30'. Juni abläuft und daß die neue Vorlage bis dahin vcrod- schiedet sein muh. Es lag also gerade im Interesse der M i e l e r, daß wir der Verkürzung der Redesristen zustimmten. Nach 6 Uhr verjagt das Haus die Weiterberatung auf Sonn» abendnochmittag 1 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen außer kleinen Lorlagen noch die Gewährung von Krediten zum Kleinwohnungsbau und der sozialdemokratische Antrag auf Aend erring des Gesetzes über Verkehrssteuern. ch! Der Helte st enrat des Reichstags bestimmte gestera die Disposilionen für den Rest des gegenwärtigen Tagungsab, s».»»»- Uli»•JJLJ.'CI.| fi. UlOJ./ lleberfchreilung der Friedensmiete um 50 bis 100 Proz. dürfe als Wucher bezeichnet werden.(Widerspruch.) Dar deutsche Lefitz könne erst nach dem Abbau �ter Wohnungszwangswirt- schnitten Nm Montag rmrdon das Mksterfchutjgesitz w dritter Lesung sowie Erwerbslosenfragen behandelt werden. Für die lienotagsitzung fft die zweite Beratung des Gesetzes über die Fürstenabfindung vorgesehen. Die nächsten Tage darauf sind für dritte Lesungen bestimmt. An dem Schlußtermin des 2. Juli wird festgehalten. Preußens Zinanzen. Höpker-Aschoff ist zuverfichtlich. Vor Eintritt in die Tagesordnung de» Landtag« beantragt Abg. M i l b e r g(Dnatl.) sofortige Besprechung des dsutschnationale» Antrages wegen des kommunistischen ag« lisch Uebersalls bei Homburg am BoffeentscheidS'Stmntag. Abg. H ei l ma n n(Soj.) beantragt, die Besprechung der Hochwasser-Anträge noch heute vorzunehmen. Beide An» träge werden abgelehnt, da Widerspruch erhoben wird. Der deutschnallonale Antrag, der die Begnadigung der Lern» ca steler Winzer fordert, wird ohne Aussprach« der Ausschuß. beratung überwiesen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes betr. die Uebertragung der staatlichen yafenaulagen in Duisburg an eine Aktiengesellschaft. Abg. haas-Köln(Soz.) erstattet den Ausschutzbericht und er» klärt, durch die Gründung der Duisburger Hafen A.-G würde der wertvolle Duisburger Binnenhafen frei vom Ci>chan,enwea und von den Bestimmungen des StaatshauehaUsgesetzes. In die Hafen» Verwaltung könne jetzt«in freier kaufmännischer Geist einziehen. Abg. Stall kKomm.) lehnt die Vorlage grundsätzlich ab, da es sich auch hier um eine Ueberführung vom Loltsbesitz an da« Privatkapital handele. Die Vorlage wird in zweiter und dritter Lesung unter Ablehnung kommunistischer Abändcrungsanträge oerabichiedet. Das Hau« setzt die Beratung des Haushalts der allge» meinen Finanz» erwaltung fort. Finanzminister Dr. höpker-Aschoff gibt ein Bild von den Folgen des Reichssinanzausgleiche und seiner Auswirkung auf die Länder, insbesondere auf Preußen und sein« Gemeinden. Der Fehlbetrag für 1 9 8 S sei in der Hauptsache durch die Ueberschüsse des Lahres 1924 gedeckt worden. Es sei mit einem Fehlbetrag von 161 Millionen zu rechnen. Der Stand der preußischen Schatzscheine belaus« sich aus 169 Millionen. Auch das Reich gehe jetzt daran, sich die Möglichkeit solcher Schatz- scheine und zwar zu einem Betrage von 499 Millionen Mt. zu ver. schassen. Das vorgesehen« Gleichgewicht des Etat» für 1926 sei durch die Inzwischen eingetretenen Ereignisse zerstört worden. An Ausgaben mutzten 167 Millionen mehr eingesetzt werden. Davon entfallen aus die Erwerbslosenfürsorge 140 Millionen, auf den P o l i z e i e t a t 16,6 Millionen mehr als vorgesehen. Es müsse der Versuch gemacht werden, die Mehrausgaben zu decken. Der Hauptausschutz habe den Vorschlagen des Finanzministeriums zugestimmt, die Einnahmeansätze bei der L o t t e r i e v« r w a l» tung, der Preutzag, sowie der Grundvermögen«» st e u e r zu erhöhen und außerdem die vom Staat« gegebenen Saat- guttredste hereinzunehmen, wodurch insgesamt elwa 71,9 Millionen gewonnen werden könnten. Weitere 28 Millionen sollten au» jenem Staatsfonds entnommen werden, der seinerzeit für die Rot- gelddeckung bereitgestellt war. Durch diese und andere Maßnahmen würden wiederum über 52 Milkionen frei. Dazu komme dann die Absicht, die- Ausgaben um etwa 33,9 Millionen zu kürzen. fadctz alles in allem sich eine Verbesserung von 171 Mill. ergebe, die die Mehrausgaben von 167 Millionen also noch übersteige. Dabei bleib« aber ein Fehlposten offen, nämlich der, daß das Hauszins» steuergesetz noch den Beschlüssen der dritten Lesung nicht da» Ergebnis für den Staat bringen wird, mit dem die Regierung bei Ausstellung des Etats rechnete. Dadurch würde erneut ein Fehlbetrag im Gesamietat von über 63 Millionen entstehen. Demgegenüber könne man bei den Hoheitsver- wo lt u ng en mit gewissen Berbesierungen rechnen. Es würde aber unvermeidlich fein, zur Deckung des Fehlbetrages mehr Ein» nahmen aus Steuern und Abgaben einzusetzen. Auf die Dauer wird e» nicht möglich fein, die Mittel für die Er w e r b s- losen-Unterstützung aus laufenden Einnahmen zu decken. Es ist des hall'»in Referentenentwurf m Arbeit, der für Zwecke der Erwerbslosen. Fürsorge eine Reichs» Ausgleichstasl« schaffen will. Man muß die Frage erörtern, ob nicht durch ein» Anleihe die Mittel für dies« Kasse beschafft werdon können. E» gibt ferner gewiss« Ausgaben, die immer gleich geleistet werden müssen, wie � B. solche auf Hochwasserschäden. Da» Finanzministerium wird aber die Derfassungsbestimmung. kein« Ausgaben ohne Deckung., auf das strikteste interpretieren. Zur Anleihepolstik Preußen» erklärt der Minister, daß die Amerikaner uns weit entgegen» gekommen wären, und daß mit ihnen die Verhandlungen im Herbste wieder aufgenommen werden würden. In der allgemeinen Besprechung bezweifelte Abg. Dr. v. Sri«» (Dnatl.), daß es zu einem wirklichen Ausgleich des Haushaltes kommen werde. Der größte Zweifel bestehe hinsichtlich der Er- werbslosen-Fvrsorge, wobei die 140 Millionen, die einae» stellt sind, sicher nickst ausreichen würden. Auch die Deckungsvor» schläge des Finanzministers gäben zu erheblichen Bedenken Anlaß. Di« gestiegenen Sparkasseneinlagen ergäben trügerisch« Ziffern, weil im Gegensatz zu früher die Spareinlagen meist kurz- f r i st i g wären, sodaß sie für den Hypothekenmarkt nicht ver» wendet werden könnten. In der Verwaltung könne man vor allem durch zweckmäßige Dezentralisation sparen. Einem Ermächtigungs- gesetz, da» willkürliche Zusammenlegung von kommunalen Be» Hörden ermöglichen lpürd«, könnten die Deutschnationalen nicht zu» stimmen. Abg. Dr. waentiq sSoz.) meint, die Frag« der Beschaffung der Erwerb»losen>M»ttek(ci nur Teilfrage. Hauptsach« sei die zukünftige Gestaltung de» Finanz aus» g l e i ch s. die die Grundlage der ganzen Finanzpolitik Preußens sein muß, und über die man noch Aeußerungen de« Iimmzininisters erwarten müßte. Früher hatten die Länder, setzt hat das Reich die Omnipotenz. Den Ländern würden immer größer« Auf» gaben zugewiesen, ohne ihnen die Deckungsmittel nachzuweisen. Es zeige sich gerade hier, wie notwendig die Entwicklung zum Ein» heitsstaat ist: es sei unwahr, daß die kulturpolitischen Interessen darunter leiden könnten. Gegen eine allzugroße Sparsamkeit«» Politik müßten sich die Sozialdemokraten wenden. Abg. Dr. Schwering(Z.) bezeichnete die schärfere Finanz» anspannung gl»«ine Erscheinung, die mvn fast in allen Ländern beobachten könne. Trotz aller Not könne man aber nicht von einer trostlosen Lage der preußischen Finanzen sprechen. Infolg» de» Finanzausgleichs könnten die Länder nicht mehr«ri» stieren. Das Parlament habe die Pflicht, hinter den Minister zu treten und seine Stellung zu starten, wenn er als Vertreter dee größten Landes die Interessen der Länder dem Reiche gegenüber energisch wahrt. Abg. Dr. Leidig sDvp.) bekämpft die Verwendung der 2? Millionen aus dem Notqeldsonds. Gegen die Versuche, durch Bc- Ichränkung der Hoheusoerwaltungen noch größere Ersparnisse zu erzielen, bestehen große Bedenken. Außerplanmäßige Ausoob-n müßten an sich überhaupt verboten werden, sie dürften höchstens von der Regierung beantragt werden. Der große Erfolg der preußischen Anleihen ist«in Zeichen für die Lebenskraft Preußens. Di« Auslandsanleihen dürfen nur für werbende Zwecke aus- gegeben werden. Es dedürfe der Zusammenarbeit oller. um ick diesen schwierigen Zeit«» auf der Höhe bleiben zu können. Es werde aber gelingen, wenn das Reich seinen Verpflichtungen gegen die Länder nachkomme. Abg. Sollwitz(Komm.) erklärt, die Arbeitslosigkeit werde in Deutschland wie in den anderen Ländern solange anhalten, wie der Kapitalismus am Ruder ist. Siatt über die Hochwasser- s chäden zu lammern, sollte die Regierung endlich Damm» und Deichbauten aufnehmen, womit den Erwerbslosen geholfen und den Ueberschwemmungen vorgebeugt wurde. Abg. Mglow(Dem.) kann den Pessimismus des Al'g. v. Kries über die Wirtschastsloge nicht teilen. Die Börse, ein feines Win- schoftsbarometer, habe seit einigen Monaten aus vielen Industrie- gebieten ganz deutliche Auswärtsbewegung gezeigt. Auch di« Zinsspanne sei erheblich gesunken. Eparen könnte man in der Verwaltung durch zweckentsprechende Rationalisierung. Anleihen für werbend« Zwecke könnte man zustimmen. Der Redner sch'ztz mit einem von der Linken beifällig oufgciiomwcnen Dank an den Finanzminister, der seine ganze Persönlichkeit und große Sachkenntnis in so schwieriger Zeit in den Dienst des Staates ac» stellt habe. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reicksbannc?.Schwarz-Rot-Gokd" «ekSlktsNell»- Sttlin 8. U. 6tbafit«nftt. 373?, 6ol' 5t. Stiel,». Lichterkeld«, Cantalft; So., d. SS.?imi, abend« 7'.- Übt. A»!tt:tn Ntnnoldvlee, Lichitrfcldc-ON. Slbn�atich»um Siii'.iiünß. fest Sättel« iltiifäle, Sebltndotfer®tr. 5. ESmUicht Bttlintr tzamtradtch«'.?.' sind dazu«inatladtn.— Lichttabeta ncbst Uatetarupptn: Das Anttctrn ain Sonntaa. bt* ST., findet nicht um 1 Ubr. fondctn oormitteg» 8 Übt fiati. Ad- iitarsch det Paul SSemet, Dilbtlmstr. S, nach«aulsdotf. Stria»» volr»ats-»dh«tt. Betli». vetansealtet am 3t./n. Juni im äR&aicr- btint an der Traten Ntaniar eint Sonntnwcndftict. Abmarsch um 1» Uhr von unserem vandheim Im MSeztilielm. ««»«etlleet Sandwctketo-trla braebt fein 82, Sliftu-rastest am Sonn- aitnd, M. Sunt, in den Scflräumcn stillt» Sause«. Soobicnftx. 18,!>»: gell- red«, SistllUuna de» Zabtcoberlchls. Darbirtuneen der Äorporattvnen und anschliellenbem Sa». Besinn 8 Wir. Landsmannschaft dar Beoainz Bosen.»rol-Bersl». Sommeraus- ftua mit Rinderfefl am Sonnlog, 27. Juni, nach clrausoct«, Sit stautont öchlog- mtldl«. Absolut 8.18 Übt vom Schlesischen Satnbof. Jeeitetifiiite Gemeinde. Sonnt«« normst tag 11 übt, DarvescTite 15, Bot- trag de, Scrrn C. BUibouet:„Stent* cut nnftret Se>ankenme:kstatf. Sar- monium: Stoumttti(Schumann). Gösie wtlltammen. ffiatjccnb der Schul- fetten leint Vorträge. «eichnSnn»»et chrioenStschädlgten.»rltn-teUnebniee nnb«ricqetbinttr. blicbenen, Ortsgruppe aculöBn, Eeschäitssiellc D-nonSr. 128. Sonntag. 4, Zull, Im Stadlissement BrraschlollbLbe.«arlsgartenstr. S— 11. arofics Sommer- im»»indersell. verbunden mit Ranzett,«Setaug und Borträaen sowie Rinter- flrarr». chinttuitviris füt Erwachsene 1 M., für Rinder So Pf. Rotten in de- Teschilfteslelle und bei den ssunktionären. Der UebciffiuS beert zur Unter- ftüttun« blls»badlltftiget SRügliebct. 1 25 Schwarz Leinen' Badeschuhe Orösac 43�47 l.flS. 3«— 42 I.TS. 31—35 1,46...... Grösse 24—30 i Braun Kroko-Rclse« � SChuhe für Herren 3,75 für Damen 7 alt Tuche für Herren 0,70, tftr Dunen 5,90 1 Braun Rindleder- p Sandalen dnrebsteniht, Z Grösse 36—42 4,00, 31—35 4 ,«6, W 27—30 3,90........ Grösse 25/26 W» iiniiii Weiss Leinen-Kinder- Einspangen schuhe' S 35/36 4,06, 31 34 3,80, 27/30 3.75, 1 25,26 2,95, 23,24 260 20-22 2,2.V S7 Grösse 19—21 1 95 AIlIIIlIllIli!IliM!!»!lIMi!»� 90 i Braun Kinder-Span- f'l genschuhe bequeme Pass- s tonn, Gr. 35 26 7,50, 31-34 8.ÖO, H 27-30 5,50, 25 26 3,50. 20-24 2 V�W!tl!lI!!l!!iIiIuü!!>l!Ml!ilIll!iI!>lllIII!i!iI!Illli!!!lIl!I!ll!ll!IIIM!!IIst.WIiWI»!II!I!!sl S Unsere Strumpf-Abteilung bietet eine riesige Auswahl in Vamansirümpfen, Her rtnsocken sowie Sportsirümpfe und Stutzen zu bekannt billigen Preisten. WKKKKmammmmmmmmmM 3ei*ien Nach der Insel Rügen'3�££££'(Freie Fahrt u. Verpflegung) Ferien- W elibewerb für Knaben and Mädchen bis 16 Jahren. Es sind folgende drei Fragen zu bcantworlen: 1. Wieviel Lclscr-Sdrahfilialen gibi es in Berlin? t. In welchen Strassen liegen diese Leise r-Scfauhfilialcn? 5. Wieviel Schuhe sind in den Schaufenstern und SchauhSsien der drei dem Einsender zunächst liegenden ScfauhfUialen ausgcstcUt?(Filialen«m geben.) Etaecitdaiigen mit der Aufsctritt„Ferien-V/etfbewcrb" sind in einer unterer FilUlen bis zum 1. Juli 1020 abzuliefem. StichfaCc für die ZSitlun� der Sdtube in unteren Sdieafeattern sind der 25. and 29. Juai 1926. Gehen mehr als 10 ridiütlo Lös engen ein, so enitdreidet da« Los. Das Schit dtficrlcht besteh! •v« den Herren Klauiner, Dir. Hempel, Herrn Blumentiein, Dr. Lettfaziner. 90 i i Ä Weiss Leinen- Strandschuhe mu Cbromsohla, Grösse 36—42 ilMIMIÜl'' iiiiill WiWMMiiiilWIliM!!«WWii«« iütöi. Mäli:.. J Blond Opanke Ärt| mit cnfittclctnder brsnncr gd sjS't? Flcchterci not Blatt, elcfi. Pe Fora, bequemar Absatz.• otH» M!!!!«I!itl>i!Nii!lIIM!!>II!MIlIl!II!iliiIIl!!!!>!!»ill!l'!!lI� Mii-lMMW Blond �' ß prima(hevreau- Spangenschuhe' m.Bord6re, neueste t'onn, H M so extern. Louis XV.- Absatz WüUIlUnili MWIMIWIMMMWUMMWWi'.'iitjlMsi MMSiWIIIllilW Damen- Haferlschuhe braun Mastbox. en»1. Absatz, leicht n. angenehm tftr Wandernug 59 14° MMlWIWWMMW� labraunFeitrindiedcr-Tourca-| Stiefel Doppetsoblcn. weiss gedoppelt, wasser-, dicblesFatter.StaBbtascbc tftr Herren........ 17,50 tftr Damen. 50 WWMWWV Herren schwarz Rindbox-Schnür- Stiefel echte Z viacben sohle, ler altiger Strapazier tliaiel. 12 5© «iMWMlWlWllMMji�� Vor Antritt der Heise lassen Sie Ihr Schuhwerk fadurtäimisch in Ii Stand setzen. Unsere Vipaiatar- Werft- g Stätten sind vorbOdlicft modern eingerichtet, d Das gfössie Schuh- spcziaJhaus mit des3 grb'ssten Auswahl Eeeiins,