Abendausgabe Nr. 305 ♦ 43. Iahrgaag Ausgabe B Nr. 150 BcsufläSetinflUTt««» unb Inwigemwttf« finb in d«r M>rg«ilMl�ab« an««a«ben Kebaftioa: STD. M, CiBbenflra�e 3 Fernsprecher: VSnhosf 202— 20t Zel.'Ubccffr: 5o|ial&emo(tot Berlin Devlinev Volksblatt (l0 Pfennig) Donnerstag ectia« und Snieigtnabteilunt: Seid) äf tsürit 9-5 Übt sZerleger: vorwöris-verlcig GmbH. Berlin Sw. S». LindenÜrnhe 3 Fernsprecher: vSnhosf 292— 297 Zentralorgan der Sozialdemokratlfd�en partel Deutfchlands Spanien in Erregung. Der Diktator läßt planlos verhaften.- Von der Armee verlasse«. parl», 1. 3ulL(1DXB.) Oeuvre- veröfsenilicht eine Depesche feines Vrioatfortefponbenfen aus hendaye(an der spanischen Grenze zwischen Biarrih und San Sebastian) über die Ereignisse ln Spanien. Darin heihi es, die Diklakur lasse welker Haussuchungen und Derhaskungen vornehmen. Mehr als 400 ZNillkärpersonen befänden sich in Msl. die Gefängnisse seien überfülli. Man habe General Zl g u i l e r s, der, auf der Durch- reise nach Valencia begriffen, zusammen mit General valek in Tarragona festgenommen und ins Madrider Gefängnis eingeliefert worden war. veranlassen wollen, zurückzunehmen, was er in seiner Kundgebung erklärt habe. Der General habe aber seine Behauptungen bekräftigt und hinzugefügt, er sehe die Regierung Vrimo de Rivera als unmoralisch an. Der ehemalige Präsident des Kongresses, der bekannte spanische Redner M e l q u i a des A l v a r e s sei gestern festgenommen worden. Ausserdem sei die Weisung erteilt worden, den früheren liberalen Ministerpräsiden. fen Gras Romanones zu verhaften, dieser habe sich jedoch rechtzeitig im Automobil aus feinem bei Madrid gelegenen Sitz geflüchtet und befinde sich nunmehr in einem Hotel in hendave. Da die Diktatur von der Armee im Stich gelassen worden sei, stütze sie sich nunmehr auf die P o l i z e i o r g a n e und stelle aus gut Glück Verfolgungen an. Da sie nicht wisse, wer an der Spitze der Verschwörung stehe, so sei z. V. eine Tochter des Generals jCiique in Madrid festgenommen worden. Alle diese Ereignisse riefen in Spanien eine starke Erregung hervor, und aus Spanien kommende Reisende versicherten, dass das Land am Vorabend tiefgreifender Veränderungen stehe. Die Zensur lasse unparteiische Berichte über die Ereignisse nicht zu. Attentatsfurcht in Paris. Paris, 1. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Mit der Abreise des Königs von Spanien, die am Mittwoch erfolgte, rft der Pariser Polizei ein Stein vom herzen gefallen. In den letzten Tagen sind verschiedene spanische Anarchisten unter dem Verdacht festge- nommen worden, auf den König und die Königin von Spanien während ihres Pariser Aufenthalts ein Attentat zu beabsichtigen. Zwei der festgenommenen Anarchisten sind in Spanien gesuchte Bank- röuber. Man fand bei ihnert hohe Geldsummen. Das„Petit Journal erklärt, dass die französische Regierung den König von Spanien vor seiner Abreise offiziell eingeladen habe, an der großen Truppenschau am 14. Juli in Paris teilzunehmen. Zu dieser Veranstaltung wird auch der Sultan von Marokko anwesend sein. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch der General Primo de Rivera, wenn die politische Lage es ihm gestattet, bei dieser Gelegenheit seinen offiziellen Besuch in Paris machen wird. Der französische Panzerkreuzer„Paris", der an der Beschießung der Bucht von Alhucemas teilgenommen hat und von mehreren Rif- bomben getroffen wurde, ist ausgewählt worden, um den Sultan von Marokko mit feiner Begleitung zu dem offiziellen Besuch in Paris abzuholen. Die Aölle im yanöelspolitißhen Busschuß. Tie Regierungsparteien suchen nach einem Kompromist. Der handelspolitische Ausschuß, der heute bereits auf 9 Uhr einberufen war, tonnte in eine Beratung deshalb nicht eintreten, weil die Vereinbarungen der Regierungsparteien den Mit- gliedern noch nicht vorlagen. Die Situation ist außerordentlich ernst dadurch, daß bei Nichtzustandekommen einer Vereinbarung vor der Tagung des Reichstags big autonomen Zölle, die für Getreide 7 resp. 7,50 M. ausmachen, automatisch in Kraft treten würden. Aus diesem Grunde hat die sozialdemokratische Fraktion in Uebereinstimmung mit der Eingabe der Gewerkfchasten einen A n- trag auf Verlängerung der zurzeit geltenden nie. drigen Lebensmittelzölle eingebracht und wird diesen Standpunkt in den weiteren Beratungen energisch verfechten. Im übrigen sind bereits innerhalb der Regierungsparteien über das gestern nacht zustande gekommene Kompromiß wieder Disfe- renzen eingetreten, so daß eine neue Beratung des Ausschusses wahrscheinlich nicht vor morgen vormittag stattfindet. In diesem Kompromiß war für Roggen ein Zollsatz von 5 M., für Weizen ein Satz von 5,50 M. in Aussicht genommen. Neben den Getreidezöllen spielten eine große Rolle die Zölle auf animalische Produkte, bei denen gleichfalls von unserer Seite aus Ausrechterhaltung der zurzeit geltenden niedrigen Sätze bestanden wird. Tie Regierungsparteien dementieren. Von unterrichteter Seite wird dem WTB. mitgeteilt, daß der in verschiedenen Organen der heutigen Berliner Morgenpresse enthaltene Beritts) die Besprechungen, weiche innerhalb der Re- gierungsparteien über den schwedischen Handelsvertrag und die Lebensmrttelzölle am gestrigen Tage im Reichstage stattgesunden haben, nicht zutreffend wiedergibt, insbesondere soweit er bestimmte von der Reichsregierung bei künftigen Handels- Vertragsverhandlungen geplante Mahnahmen in Aussicht stellt. Das Zürftengerickt. Tie Borschläge für die Besetzung. Das Reichskabinett hat den Regierungsparteien eine Liste mit den Namen der für das R e i ch s s o n d e r g e r i ch t in Aussicht genommenen juristischen Persönlichkeiten und Nichtjuristen über- mittelt. Die Liste enthält 24 Vorschläge, von denen neun als Hauptrichter und neun als Stellvertreter in Frage kommen. Parlamentarier befinden sich unter diesen in Aussicht ge- nommenen Kandidaten nitM. Zeilstbenüe Krämer. Die„Kölnische Zeitung" über die Fürsten. Die Antwort des Herrn v. Berg, des Bevollmächtigten der hohenzollern, bringt jetzt auch die„Kölnische Zeitung" in Harnisch. Von ihr war der Dorschlag ausgegangen, die Fürsten möchten durch ein weitgehendes materielles Entgegenkommen die Schwierig- leiten im Reichstag beseitigen Helsen. Die Antwort war, wie nicht anders zu erwarten, eine glatte Ablehnung. Das zwingt jetzt selbst ein Blatt wie die„Kölnische Zeitung" zu folgender Fest- stellung: „Man muß feststellen, daß die Geistesverfassung, von der aus die Bevollmächtigten der Fürsten die Interessen ihrae Auftraggeber wahrnehmen,«»> einer kövis�cheu Gesinonqg. ote oimt entsprerdende Tat voraussetzt, reichlich weit entfernt ist und sich vielmehr den An- schauungen eines kleinen, feilschenden Krämers nähert. Die Vertreter der Fürsten scheinen noch gar nicht begriffen zu haben, daß die materiellen Interessen der Fürsten erst in zweiter Linie zur Verhandlung stehen, daß in erster Linie aber die Frage der Fürstenabfindung nicht zuletzt durch die Schuld dieser Herren zu einer hochpolitischen Aktion ausgewachsen ist, von der die zukünftige Orientierung der gesamten deutschen Innenpolitik und damit die politische Zukunft des Reiches abhängt. Wir find nur zu gut davon unterrichtet, daß die Fürstenver- treter immer noch nicht das nötige Verständis dafür haben, daß der Ausgangspunkt einer wirklich vornehmen königlichen Tat nicht früher abgeschlossene Verträge, sondern das derzeitige Kompromiß- gesetz sein muß und daß große Kreise des deutschen Volkes bis in die Rechisparteien hinein die Auffassung vertreten, daß es moralische Pflicht der früheren Fürstenhäuser gewesen sei. durch materielle Opser fürstlichen Stils dem deutschen Volke schwere innerpolitische Krisen zu ersparen." Diese Hoffnungen waren vergebens und werden vergebens bleiben. Die Fürsten haben bei dem ganzen Abfindungsstreit gezeigt, wes Geistes Kinder sie sind. Ihr moralischer Verlust an Ansehen in d e n Kreisen, die ihnen an sich n a h e st a n d e n, wiegt jedenfalls politisch schwerer als alle materiellen Güter, um die sie hartnäckig schachern._ Das Busnahmerecht in England. Um eine« Monat verlängert. London. 1. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Das Unterhaus stimmte am Mittwoch mit 278 gegen 119 Stimmen einer Verlängerung der Ausnahmegesetzgebung und des N o t v e r o r d- nungsrechts der Regierung, die seit Ausbruch des Bergarbeiter» streiks in Kraft sind, um einen weiteren Monat zu. Im Verlauf der Debatte erklärte der Arbeitsminister, daß der Lohnausfall während der 10 Tage des Generalstreiks annähernd 16 Millionen Pfund betragen habe. Wer will unter die Soldaten? Rußlands Schuljugend wird militärisch ausgebildet. Moskau. 1. Juli.(TU.) Der Rat der Volkskommissare hat das Projekt des Kriegsministers W o r o s ch! l o w über die Ein- sührung der allgemeinen militärischen Ausbildung der Jugend in Volksschule, Mittelschule und Hochschule bestätigt. Die Ausbildungspflicht soll am 1. August nach Bestätigung seitens des zentralen Vollzugskomitees eingeführt werden. Im Zusammen- hang mit diesen Maßnahmen steht auch die Verkürzung der M i l i t ä r d ien st ze it in der Roten Armee. Diese Maßnahme wird aus Sparsamkeitsrücksichien vorgenommen. Die kommunistische Partei Württembergs hat den frühere� Reichs- und Landtagsabg. Hans Stetter wegen fortgesetzter parteischädigender Tätigkeit aus der Partei ausgeschlossen. Stetter hatte in einer kommunistischen Parteiversammlung in Schwenningen den vor einiger Zeit gleichfalls aus der Kommunistischen Partei aus- geschlossenen Landtagsabg. h a l l e r in Schutz genommen, indem er sagte:„Es gibt noch andere korrupte Ge st alten, die man hinauswerfen muß." Die russisch-französischen Verhandlungen sind ergebnislos abge- brachen worden. Es war nicht möglich, auch nur über eine wichtige Frage eine Einigung zu erzielen. Es ist möglich, daß die Besprechun» gen im Spätherbst von neuem begonnen werden. Der tschechische Außenminister Benesch hat auf Verlangen seiner Partei das Abgeordnetenmandat zur Kammer niedergelegt. Ein verkanntes Problem. Arbeitszcitkontroversen und Betriebsintenfivierung im Handelsgewerbc. Von Warenhausbesitzer Willi Cohn- Halberstadt. Es ist typisch für die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland, daß bei der gegenwärtigen Zu- spitzung der Wirtschaftskrise die Versuche, eine Steigerung der Rentabilität im Handelsgewerbe durch eine Verlan- geruna der Arbeitszeit zu erzielen, wieder stark in den Vordergrund getreten sind. Auch die Zulassung von Sonntagsarb e'it spielt dabei eine erhebliche Rolle. Der Gesetzentwurf der Wirtschaftlichen Vereint- fu n g sieht das in weitem Umfange vor, während die ozialdemokratische Reichstagssraktion in ihrem Gesetzentwurf die Einführung der v o l l st ä n d i g e n Sonntagsruhe verlangt. Es handelt sich bei den gegenwärtigen Erörterungen um zwei Dinge: um die Abänderung des 7-Uhr-Laden- f ch l u f f e s und um die Aufhebung der Sonntags- ruhe. Da in beiden Fragen im wesentlichen mit den gleichen Argumenten gekämpft wird, können sie zusammen behandelt werden, obwohl nicht übersehen werden darf, daß die Frage der Sonntagsruhe bei weitem größere grundsätz- liche und praktische Bedeutung hat. Die Sonntagsruhe für das Handelsgewerbe ist durch eine Verordnung vom 5. Februar 1919 im allgemeinen festgelegt. Die gegenwärtigen Veftrebungen zur Beseitigung der Sonntagsruhe gingen von Bayern aus und griffen von dort aus auch auf eine Reihe weniger dicht bevölkerter Landes- teile über. Verlangt wurde die Aufhebung der Sonntagsruhe insbesondere für Landstädte, damit die Landbevölkerung in die Lage versetzt würde, am Sonntag ihre Einkäufe in der Stadt zu machen. Daneben wird auch daraus hingewiesen, daß durch die Sonntagsruhe ein bedenkliches Ueberhand- nehmen des Hausiergewerbes begünstigt wird. Der 7-Uhr-Ladenschluß ist gesetzlich durch eine Verordnung über die Arbeitszeit der Angestellten vom 18. März 1919(§ 9) festgesetzt, mit der Maßgabe allerdings, daß die Ortspolizeibehörde jährlich an höchstens 29 Tagen den Verkauf bis 9 Uhr abends freigeben kann. Von dieser Ausnahme ist jedoch so gut wie kein Gebrauch gemacht worden. Was nun bei den gegenwätrigen Bestrebungen auf die Verlängerung der Arbeitszeit im Handelsge- werbe am stärksten auffällt, ist die geringe Sorgfalt, mit der die verwandten Argumente aufgestellt sind. Doppelt zu be- dauern ist dies deswegen, da in breiten Kreisen der Eindruck entstehen muß, als handle es sich bei dem jetzt wieder auf- gerollten Kampfe tatsächlich nur um eine durch>die allgemeine Wirtschaftsentwicklung möglich gewordene„Ausnutzung der wieder erstarkten Unternehmer st ellun g", eine Pointierung, mit der für die sachliche Weiterführung der Untersuchung dieser Frage nichts gewonnen ist, so daß auch vollständig dahingestellt bleiben kann, in welchem Maße diese Deduktion vielleicht doch das Richtige trifft. Bei dieser Sachlage erübrigt sich deshalb, der Unter- suchung der vorgebrachten Einzelargumente einen zu breiten Raum zu widmen. Sie sind so zufällig gewählt und formu- liert, daß ihre Widerlegung ebenso einfach wie ihre Aufstellung ist. Tatsächlich können sie vollständig mit einem Hinweis auf die bisher gemachten Erfahrungen und die E r- ziehungsfeite der Arbeitszeitfrage entkräftet werden. Das trifft sowohl im besonderen Fall der p o l n i- schen Wanderarbeiter für die Aufhebung der Sonn- tagsruhe zu(da genügend katholische Festtage vorlMnden sind, die die Erledigung der Einkäufe in der Stadt an Wochentagen ermöglichen), wie auch allgemein für die Festsetzung des Abendschlusses im Handelsgewerbe(da bisher erfahrungs- gemäß das Publikum sich an jeden Ladenschluß gewöhnt hat). Man hat es deshalb kaum nötig, noch besonders darauf hin- zuweisen, daß die Bevorzugung der Landstädte bei der Festsetzung der Arbeitszeit im Handelsgewerbe eine große Ungerechtigkeit gegenüber größeren und mistleren Städten esin würde und sofort Bestrebungen auslösen müßte, auch für diese die Sonntagsruhe zu beseitigen. Tatsächlich will ja auch schon der von der Wirtschaftlichen Vereinigung vor- bereitete Gesetzentwurf die Sonntagsruhe grundsätzlich fallen lassen. Wichtiger als die Behandlung dieser Einzelargumente ist eine Untersuchung des eigentlichen Kerns der jüngsten Arbeitszeitkontrooerse, der den Bestrebungen auf Verlängerung der Arbeitszeit mit so offensichtlicher Selbst- Verständlichkeit zugrunde liegt, daß man es anscheinend nicht für nötig hält, ihn immer wieder mit anzuführen. Es liegt auf der Hand, daß durch die längere Offen- Haltung der Verkausftellen eine Steigerung des Um- f a tz e s bezweckt wird, eine Intensivierung des Betriebes oder die Sicherung einer größeren Rentabilität also. Genau eschen hat man es demnach hier mit dem Versuch einer ationalisierung des Handelsgewerbes zu tun, wenn man unter Rationalisierung allgemein die An- passung der Wirtschat an die neuen Verhältnisse verstehen will. Es empfiehlt sich, die Erörterung einmal unter diesem Gesichtspunkte durchzuführen, da dabei mit größter Ein- dringlichkest der grundsätzliche Irrtum der augenblick- lichen Arbeitszeitverlängerungsbestrebungen in Erscheinung tritt. Hierzu ist es nötig, den etwa möglichen Vorteil der vor- geschlagenen Arbestszeitverlängerung mit den.Losten"' zu vergleichen, die sie verursachen würde. Kurzsichtig wäre es natürlich, dabei nur an die mit der Offenhaltung der Ge- fchäftsräume verbundenen Geschäftsunkosten zu denken(unter- stellt mag hier werden, daß diese Ausgaben sich rentieren würden). Das entscheidende Gewicht kommt dabei einem anderen Umstände zu. Die eigentlichen.Losten" dieser Arbeitszeitverlängerung find nämlich in der durch sie sicher eintretenden Verminderung der Arbeitskraft des Verkaufspersonals zu sehen, also in der Schmälerung des w i ch t i g st e n Aktivpostens jedes Äerkaufsgeschäfts, da zweifellos die Frische der Ange st eilten— man kann wohl ruhig sagen— das eigentliche produktive Element, jedenfalls der entscheidende Faktor im Handelsgewerbe ist, ohne den auf lange Sicht keine Sicherung bzw. Erhöhung der Rentabilität möglich ist. Es bedeutet also eine Gefährdung des Geschäftserfolges, wenn den Angestellten nicht genügend freie Zeit zur Erholung zur Verfügung steht, so daß sie jeden Tag von neuem vollständig ausgeruht und frisch an die Arbeit zurückkehren können und insbesondere den ganzen Sonntag zu ausgiebiger Erholung und sportlicher Betätigung verfügbar haben. Dabei muß— was eigentlich selbstverständlich sein sollte — auch noch darauf hingewiesen werden, daß die notwendige Frische des Personals nicht auf Kosten seiner Kontinuität er- zielt werden kann, daß also nicht dauernd Aenderungen des Personals zur Kräfteauffrifchung vorgenommen werden dürfen. Unter dem Gesichtspunkt einer Betriebsrationali- sierung gesehen und gewertet, also als Versuch zur Aktivie- rung des Handelsgewcrbes. müssen deshalb die Bestrebungen auf Verlängerung der Arbeitszeit außerordentlich bedauert werden. Nicht nur, daß die im einzelnen angeführten Gründe nicht durchschlagend sind, müssen die teilweise gewünschten und vorgefchlagenen Verlängerungen schwere Schädigungen nicht etwa nur der Angestelltenschaft, sondern— und darauf sollte gerade besonderes Gewicht ge- legt werden— auch der Unternehmungen selbst mit sich bringen. Daß diese'Erkenntnis bereits weitgehend durch» gedrungen ist, beweist beispielsweise eine Veröffentlichung des Verbandes Deutscher Waren» und Kauf- Häuser, die sich entschieden gegen die beantragten Ar- beitszeitverlängerungen wendet. Will man das Problem einer günstigeren Betriebs- gestaltung im Handelsgewerbe positiv formulieren— und angesichts der Dringlichkeit der zu lösenden Frage ist es von fundamentaler Wichtigkeit, hier den richtigen Einsatzpunkt für alle Untersuchungen festzustellen—, so wird man es nicht in erster Linie als ein Arbeitszeitproblem bezeichnen können, jedenfalls nicht in dem Sinne, als ob von einer Ver- längerung der Arbeitszeit schlechthin schon die Lösung zu er- warten ist. Man wird es als ein A r b e i t s i n t e n i i v i e- rungs Problem auffassen müssen, in dem Sinne, daß die Arbeitsintensität des Personals mit allen Mitteln gefördert werden muß. In einer Zeit, in der es mehr als je darauf ankommt, den Erfolg eines Unternehmens durch eine ge- schickte Werbung zu unterstützen, sollte man stets bedenken, daß es kein wirksameres Mittel gibt, als die persönliche Wer- bung durch ein gut geschultes, frisches Personal. Ueber die Mittel zur Erreichung dieses Zieles zu sprechen, würde über den Rahmen dieses Artikels hinausgehen. Allen diesen Gründen ist ein so großes Gewicht beizu- messen, daß nicht nur eine Verlängerung der Arbeitszeit a b g el e h n t, sondern darüber hinausgehend sogar noch für eine weitere Ausdehnung der Freizeit durch Einführung eines früheren Sonnabend schlufses im Handelsgewerbe eingetreten werden muh. Auch hieran würde sich das Publikum gewöhnen, wenn durch r e i ch s- gesetzliche Regelung etwa das Offenhalten der Ge- schäfte am Sonnabend noch 4 oder 5 Uhr nach- mittags verboten würde. Erforderlich wäre allerdings, daß die Industrie die Löhne nicht mehr am Sonnabend, sondern schon am Freitag oder Donnerstag auszahlen würde. Zweifellos ist es«ine große Ungerechtigkeit, wenn Arbeiter und Angestellte im' Groß- Handel und in der Industrie bereits Sonnabend mittags Schluß machen, während die Angestellten des Einzelhandels bis nach 7 Uhr beschäftigt sind. Kurze Arbeitszeit, früher Ladenschluß, völlige Sonntagsruhe und planmäßige Fürsorge in den Betrieben werden dazu beitragen, daß der Angestellte allen Anstrengungen des Berufes gewachsen ist und bleibt. Niemand sollte gerade heute übersehen, daß die Arbeits- freudigkeit der Angestelltenschaft dos wertvollste Hilfsmittel ist, ein Unternehmen zu fördern. Kommunisten, öie nicht mitmachten. Kritik am Volksentscheid. Das„Mitteilungsblatt der Parteiarbeiter der KPD.- Opposition" übt an der neuen Taktik der Zentrale, an ihrem Kampf für die Fürstenenteignung mit dem demokratifchen Mittel des Stimmzettels, schärfste Kritik. Es erklärt: Die in furchtbarer Not erworbene Erkenntnis der letzten Jahr- zehnte, daß es nicht auf die Quantität, sondern aus die Qualität, nicht auf die Stproz. Mitläufermasse, sondern auf die entschlossene Minderheit ankommt, wurde schmählich abgetan. Es genügt, daß mit Zirkusgeschrei und Maskeraden- r e k l a m e Massen angelockt wurden, und schon ist die KPD. in vollem Jubel... wir von der Opposition haben nns an dem Volksentscheid»- schwindet nichl beteiligt. Schon vor dem Volksbegehren haben wir unsere Stellung öffentlich kundgetan. Der Beschluß, dem Ab- stimmungstheater sernzu bleiben, wurde von der gut- besuchten außerordentlichen Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Hannover am 18. Juni so gut wie einstimmig gefaßt. Daraus geht hervor, daß sich nicht einmal alle Kommu- nisten am Volksentscheid beteiligt haben. Das„Mitteilungs- blatt" sagt dann weiter: Durchaus richtig bekundet der„Vorwärts"(21. Juni):.Die kommunistische Führung hat, indem sie von dem Mittel des Volks- cntscheids Gebrauch machte, ihre prinzipielle Kapitu- l a t i o n vollzogen."„Die Kommunisten ober haben diesmal— und hoffentlich für immer— darauf verzichtet, verzweifelte Massen in aussichtslose Kämpfe zu hegen, sie exerzieren ihre Anhänger ein in den demokratischen Abstimmungskampf." In der Tat: die jetzige KPD. hol keine Existenzberechtigung mehr. Sie ist eine zweite SPD. geworden.(!I! Red. d. L.) Bleibt sie bei ihrer demokratischen Taktik— und ihr Geldgeber(gemeint ist Moskau: Red. d. V.) zwingt sie dazu— so ist Verschmelzung mit der SPD. die unausweichliche und gewollte Konsequenz. Die Mitläufer gehen schon in Scharen— siehe Mecklenburg— zur SPD. über. An diesen Darlegungen ist soviel richtig, daß die KPD. durch ihren Uebergang zu demokratischen Methoden ihre Existenzberechtigung verloren hat und daß ihre bisherigen Wähler in Scharen zur Sozialdemokratie übergehen. Aber „eine zweite SPD." ist die KPD. wahrhaftig nicht. Denn die Sozialdemokratie bekennt sich zu demokratifchen Methoden. Theorie und Praxis befinden sich bei ihr in Einklang, während die KPD. zu feig« ist, sich zu dem zu bekennen, was sie tut. Die Sozialdemokratie kennt nur«ine Aufgabe, den Kampf für die Intereffen der arbeitenden Massen, während die KPD. auch nur eine Aufgabe kennt, aber eine ganz andere, nämlich den Kampf mit allen Mittelin der Lüge gegen die Partei der deutschen Arbeiter. Und j« mehr die KPD. ihren eigenen grundsätzlichen Boden verliert und durch die Macht der Tatsachen auf den Boden der Demokratie abge- drängt wird, desto verlogener, desto ekelhafter wird ihr Kampf gegen die Sozialdemokratie, die aus eigener Erkenntnis und eigenem Willen schon längst dort steht, wohin die KPD- wider Willen und mit tausend lächerlichen Verrentungen rutscht. Die„KPD.-Oppositton" ist gewiß wenig sympathisch. Aber sie ist doch das, was die KPD. selbst noch vor einem Jahre gewesen ist! Sie hat die kommunistischen Grundsätze, die offizielle Partei hat die kommunisttschen„Massen", soweit da von Massen noch gesprochen werden kann. Der Zer- setzungs- und Auflösungsprozeß ist im Gange. wieder ein Stahlhelmüberfall. Köln. 1. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Mehrere Ange- hörige des„Stahlhelm" überfielen in der Krefeldcr Straße in Köln einen Arbeiter, der sich mit seiner Frau aus dem Heimwege befand. Die Rohlinge stachen den Arbeiter mit Messern nieder und richteten ihn so zu, daß er in das Krankenhaus überge- führt werden mußte. Selbst der Frau brachten sie mit ihren Messern Verletzungen bei. Die Polizei verhaftete eine Person, die als Mit- täter in Frage kommt. „die Justiz." Die Juninummer der von Wilhelm K r o n e r in Verbindung mit den Professoren Radbruch, Mittermeier und Sinz- h e i m e r im Verlage Dr. Walter Rotschild, Berlin-Grunewald her- ausgegebenen Zeitschrift„Die Justiz" enthält wieder nicht wenig Illustrationen zur Geschichte der Justiz unserer Zeit. Das Jntcr- essanteste und Lehrreichste daruMer ist der offene Brief des Senats- Präsidenten des Kammergerichts Dr. G r o ß m a n n an den p r e u- ßischcn Richteroerein und die in jeder Hinsicht offenherzige Antwort des Vorsitzenden dieses Vereins— man muß sie nur richtig zu lesen verstehen— auf diesen Brief. Der„Lotal-Anzeiger" hat sie zu lesen oerstanden und hat ihr deshalb seine volle Zu- stimmung nicht oersagt. Wer nach diesem Lobe noch an der völligen Ueberpartciligkeit, politischen Neutralität und unzweideutigen Stel- lung des preußischen Rjchteroereins zur Weimarer Verfassung, in deren Stärkung dem Sinne und dem Worte nach, laut Bescheinigung des„Lokal-Anzeigers er feine oberste Aufgabe sieht, noch zweueln wollte, wäre ein ganz elender Verleumder. Denn, sage mir, wer dich lobt, und ich werde dir sagen, was du bist. Gut ist ober die Quittung, die Genosse A. F r e y m u t h, Scnatspräsidcnt am Kam- mergericht i. R., dem Deutschen Richterbund und seinem Organ, der„Deutschen Richterzeitung", in Verbindung mit dieser Antwort ausstellt. Die Zitate, die er aus verschiedenen Aussprüchen pro- minenter Mitglieder des Bundes und aus den Beiträgen jenes offiziellen Organs anführt, erbringen nämlich den unumstößlichen Beweis seiner Treue bis zum letzten Blutstropfen für die Weimarer Verfassung. Man lese die satirische Glosse des Genossen Frey- muth selber nach. Wer wollte da noch zweifeln: Der Repu- blikanische Richterbund muß aushören zu existieren, da der Deutsche Richterbund seine Funktionen zur Genüge erjüllt. Auch die übrigen Beiträge sind beachtenswert. Der Landrat Dr. B l e ck v e n n- Genthin schreibt über„Die EntPolitisierung der Rechtspflege", R.-A. Förder über„Die Iudenrepublik in der Rechtsprechung". Dr. E. F r i e d e n s b u r g zur Frage„Der neue Staat im Straf- gesetzbuchentwurf" und a. m. Nachdenklich stimmt der Artikel des Oberregierungsrates Conditt über Walther Rathenau, zur Erinnerung an den 24. Juni 1922. �bejstnien unö üer Völkerbunü. Gegen die englifch-italienifchen Abmachungen. pari», 1. Juli.(Eigener Drahtbericht.) In einem Kommentar zu der am Mittwoch erfolgten Erklärung Chamberlains im Unter- Haus erklärt der„Matin", daß A b e s s i n i e n entschlossen sei, die Angelegenheit des englisch-italienischcn Abkommens vor den Völkerbund zu tragen, wenn man es, um seine Stellung moralisch zu erschüttern, beschuldige, die Sklaverei auf seinem Territorium aufrechtzuerhalten. Es werde Abessinien leicht fallen, die Haltlosigkeit dieser Beschuldigungen in Gens nach- zuweisen. Im übrigen sei Abessinien entschlossen, seine S o u v e- r ä n i t ä t mit den Waffen zu verteidigen, falls man sein gutes Recht nicht anerkennen wolle. „Ein Maskenball" in der Krolloper. Dienstag„M a s k e n b a l l" in der Städtischen Oper, Mittwoch in der S t a a t s o p e r(bei Kroll). Das ist eine Folg« der In- teressengemeinschaft, denn sonst wären beide Bälle an einem Abend zu besuchen gewesen. Das Unangenehmst« an der sommerlichen „M wahrten auch in der Zucht Kleibers ihre Selbständigkeit. Irene Eden reicht stimmlich nicht ganz hin zum Pagen Oskar, dem sie aber Frische und Jugend leiht. Pirchans Bilder boten Un- gleiches. Am besten die Wahrsagerhöhle in ihrer dunklen Einfach- heit mit der Publikumsbalustrade, sowie das vornehme Zimmer Renees. Wenig phantastisch und gar nicht unheimlich war die Schnee- landschaft, in der sich aus die Riesengalgen mehr Interesse konzen- trierte als auf die für den Gesang wichtige Weite und Kälte der Gegend. Kleiber ist mit dieser Partitur nicht so vettraut wie etwa mit dem„Wozzek". Alltägliches mischt sich mit Besonderem. Wäre das ganze Werk ein Orchesterstück oder ein Finale, so wäre Kleiber ein vollendeter Verdi- Dirigent. Ensembles weiß er zu steigern und zu stufen, Schlüsse herauszuheben, die Szene des Mordeixrschlusses geradezu meisterhaft zu akzentuieren. Aber das bleiben Pointen und Effekte, weil ilpn noch das Ganze nicht zur bestellen Einheit wurde in seinem rebellischen Blute. Man erschrickt bei solchem Pauken- lärm, statt ergriffen zu fein. Noch zehn Ausführungen, die der Nioellierung dienen, und Kleiber musizert so, daß auch die Nicht- klaqu« begeistert sst._ K. S. Der größte vieselmotor der Welt. Aus einer Homburger Werft wird jetzt ein Dieselmotor von 13 90(1 Pferdestärken erprobt, der mit dieser Leistung der größte bisher gebaute Motor dieser Art ist. Einige im Kriege gebaute sür U-Boote bestimmte Dieselmaschinen hatten nur 12 000 Pferdestärken. Die neue Maschine ist sür das Werk Neuhof der Hamburgischen Elektrizitätswerke bestimmt. Sie wird dort durch den Antrieb einer Dynamo Drehstrom von etwa 6000 Volt erzeugen und dabei eine Gesamtleistung von 13 000 Kilowatt haben. Sollt« sich dieser erste Versuch mit einem solchen Grohdieselmotor bewähren, so dürste diese Maschinenart in den Elektrizitätswerken, von denen große Stromlieferungen gefordert werden, bald heimisch werden. Die Ausmaße dieser neuen Maschine geben eine Vorstellung von ihrer gewaltigen Größe. Sie ist fast 12 Meter hoch und hat mit der Drehstromdynamo fast 31 Meter Länge. Das Motorgerippe, das so gestaltet ist. daß die sehr erheblichen Arbeitsdrucke auf die Grundplatte übertragen werden, trägt neun doppell wirkende Zylinder, bei deren Konstruktion dafür gesorgt wurde, daß sie ihre durch die hohe Arbeitstemperatur am meisten beanspruchten Teile genügend ausdehnen können. Die Zylinder haben einen Durch- messer von je 860 Millimeter und jeder Kolben legt beim Hin- und Hergang eine Weg von 1300 Millimetern zurück. Die Maschine ist als doppelt wirkender Zweitaktmotor ausgebildet worden. Im Gegensatz zu den meisten Verbrennungsmotoren wird hier also jede der beiden Zylinderseiten zur Arbeitsleistung herangezogen. Für jeden Zylinder ist eine eigene Treibölpumpe vorgesehen, die mit zwei Kolben arbeitet und die die für den Antrieb nötigen Oelmengen in den Zylinder preßt. Da nach jedem Arbeitsakt die Verbrennung?- gase entfernt werden müssen, wurde sür ausreichende Durchspülung der Zylinder mit Luft gesorgt. Die Spüllust wird von zwei elektrisch angetriebenen von der Maschine gesondert aufgestellten Pumpen geliefert. Außerdem ist gute Wasserkühlung und die restlose Be- seitigung der Abgase vorgesehen. Die Kurbelwelle, auf die die neun Zylinder arbeiten ist aus drei Teilen zusammengesetzt. Sie wird von 12 Grundlagern der als Oelbehälter ausgebildeten Grundplatte aufgenommen. Die ganze Maschine ist eingekapselt. Nur die Ventilstangen heben und senken sich ein wenig und die Manometer- und Tacho- meterzeiger zittern nervös und zeugen von dem ungeheuren Leben, das diesen gewaltigen Bau von Eisen durchpulst. W. M. von London nach Australien und zurück im Flugzeug. Der be- kannte englische Flieger Alan Cobham hat soeben einen Flug ange- treten, der der weitest« und gefährlichste ist, der je von einem englischen lieger auf einer englischen Maschine unternommen wurde. Die eise geht nach Australien und soll von dort im Flugzeug wieder zurückführen. Die Streck«, die dabei überflogen wird, beläuft sich auf etwa 40 000 Kilometer, ist also länger, als«in Flug um den Aequator wäre. Von London geht es durch Frankreich nach Neapel, über Athen nach der syrischen Küste, dann über die Gebirge am Euphratsluß nach Bagdad, von dort zum Persischen Golf über Indien, an der Küste von Birma» und der Malaienküst« entlang bis nach Singapur, von dort nach Batavia und dann 800 Kilometer über das Meer bis zum Hafen von Port Darwin, dem nördlichsten Punkt» Australiens. Dann wird Australien mit dem Flugzeug bis Sydney durchquert und die Endstation ist Melbourne, von wo der Rückweg angetreten werden soll.„Große Schwierigkeiten erwarte ich von der furchtbaren Hitze In Mesopotamien und dem Persischen Golf," sagte Cobham vor dem Abflug.„Der Golf ist eine der heißesten Stellen der Erde, und wir überfliegen ihn zur heißesten Zeit. Die nächste Gesahr droht, wenn wir durch den Monsun fliegen müssen, der augenblicklich in Indien und Birma am stärksten ist. Wir müssen an der Küste von Birma durch die schlimmst« Regenzeit hindurch." Dle Toteninsel im Rhein. Unter den Dorschlägen für das Reichs- ehrenmal der im Krieg« Gefallenen, die von dem Reichsausschuß jetzt in die letzt« Wahl gestellt worden sind, sst auch derjenige einer Toteninsel am Rhein. Prof. K a r l W a ch, der Düsseldorfer Archi- tekt, hat den Vorschlag gemacht, die beiden Rheininseln bei Lorch. die ein breiter Steindamm bereits miteinander oerbindet, dort wo Kurpfalz, Kurmainz und Kurtrier am Millelrhem« sich berühren, am Eingang zum Rheingau unweit des Niederwaldes und der Elisen- höhe zum Reichsehrenmol auszubauen. Nach dem Entwurf Wachs soll auf der kleineren Insel das eigentliche Ehrenmal errichtet werden, gebildet aus einem mächtigen Steinsarkophag« und einem langge- streckten Ehrenhof«. Auf dem langen Steindamm sollen die ehe- maligen Regimenter auf schlichten Steinen die Nomen ihrer Ge- fallen«» einmeißeln lassen. Aus der größeren Insel endlich soll ein Stadion aller deutschen Sporwerbänd« geschaffen werden. Zwischen den Inseln und dem User, an dem das Städtchen Lorch malerisch eingebettet liegt, könnten Wassersportkämpse abgehalten werden. Der faschistische Kalechlsmu,. Eine originelle, allerdings auch bezeichnende Auslese aus einem soeben erschienenen„Vademecuni für den perfekten Faschisten", das gegenwärtig den Büchermarkt Italiens überschwemmt und von seinem Autor, Herrn Longanesi» den Leuchten des Faschismus Jtalo Balbo. Curzio Suckert und Tullio Tamburini gewidmet ist, teilt der römische Korrespondent des„Man- chester Guardian" mit. Longanesi will, wie er selbst sagt, in den Maximen seine» Buches den Extrakt faschistischer Ethik bieten. Wie diese Ethik beschaffen ist, ergibt sich au» den folgenden Maximen: Die Zivilisation existiert für dich nicht. Für dich existiert allein der Italianismus.— Säubere das Theater von allem, was Gott, die Familie, da» Vaterland oder— die Partei beleidigt._ In Italien darfst du sagen, daß du Italien schrecklich findest: im Ausland jedoch mußt du es preisen und wenn es noch so dreckig wäre.— Fehlen dir in Diskussionen über Italien die Argzimente, so schließe mit den Worten: Italien ist ein so armes Land. Für den Faschisten war der letzte Krieg nicht der letzte, sondern der erste große Krieg.— Dein Bajonett und Gewehr sind dir nicht gegeben, damit sie daliegen und rosten, sondern im Hinblick auf den nächsten Krieg. Der Krieg ist das Brot des Faschisten.— Es ist«ine traditionelle Lüge, daß Frankreich unser Schwesterland sei.— Zum Schluß konstatiert der Autor noch einmal mit Nachdruck: Dein Duce ist Mussolini und es gibt auf der Welt nur einen Mussolini. Sven Hedin bat dt« archäologische Sammlungen seiner beiden Reiten durch Ostturteslan t>S0« und 1900,1001), bewnder» die Ergebnilie der Au»- grabungen in den Wüsten-Ruinenstältc»(L-ulan u. a.>. dem tchwedischen Staate geschenkt. Tie werden in einem Museum ausgestellt werden. Schnhlmpsung gegen Schlangenbiß Der brasilianische Arjt Dr.«maral bat in seinem Laborolorium au« dem 05111 der gesäbtlichnen Schlangen cm ?lnl»onn gewonnen, da» nicht nur bei bereit» erfolgtem«iß. sondern auch für Schutzimpfungen in den belonder» bedrohten Gebieten mit itrsolz «erwendung gesunden haben soll. Inüustriekreüite für Gberfthlesien. Subventionsberatungcn im Haushaltsaussckiust. Der Ausschub für den Reichshaushalt verhandelte in seiner Donnerstagsigung zunächst die ihm vom Wirtschaftsministcrium zu- gegangene Denkschrift über die Gewährung eines Kredits zur Stützung der oberschlefifchen Eisenindustrie. Die Oberschlesische Eisenindustrie A.-G. für Bergbau und Hüttenbetrieb (Obereisen) und die Oberschlesische Cisenbahnbedarss-A.-G (O b e r b c d a r s) in Gleiwig erbaten im Herbst 1924 staatliche Krcdithilse von Preußen. Da Obereisen durch die neue Grenz- Ziehung in Oberschlesien seine Verfeinerungsanlagen und Oberbedarf seine Rohstoffbasis an Kohlen verloren hatte, und die Lebens- bedingungen der Werte sich durch die Grenzschwierigkeiten sowie auch durch den deutsch-polnischen Zollkrieg und den Fortfall früherer östlicher Absatzgebiete auch sonst verschlechtert hatten, war der Betrieb der beiden Gesellschaften, mit beeinflußt von der ollge- meinen Wirtschaftskrise, verlustbringend geworden. Ein- gehende Feststellungen und Untersuchungen durch eine von der preu- ßischen Regierung berufene Sachverständigenkommission bestätigten die geschilderte Notlage der Werte. Es wurde deshalb angesichts der hohen Bedeutung der oberschlesischcn Eisenerzeugung, für die in ihr beschäftigten außerordentlich zahlreichen Arbeiter(20 000) und die wirtschaftlichen und politischen Belange Oberschlesiens von Preußen K r e d i t h i l f e gewährt. Auf Veranlassung und unter Garantie der preußischen Staatsregierung stellte die Preußische Staatsbant einen Betrag von 46 Millionen Reichsmart bis zum 31. Dezember 1926 zu einem mäßigen, unter dem Reichsbant- diskontsatz liegenden Zinssatz zur Verfügung. Da Oberbedarf seine Verfeinerungsanlagen und Obereisen seine Rohstoffquellen auf deutschem Gebiet erhalten geblieben waren, konnte von dem Zusammenschluß der sich ergänzenden Werkteil« die Schaffung eines einheitlichen lebenssähigen Betriebes und damit die Erhaltung einer eisenproduzierenden Hüttenindustrie in Ostdeutschland erwartet werden. Ein von dem Reichswirtschaftsministerium und dem Preußischen Handelsmini- fterium beaustragte Sachverständigenkommission prüfte unter Mit- Wirkung der deutschen Emission- und Treuhand-Gesellschaft die Ber- Hältnisse bei den beteiligten Gesellschaften und der im Ensstchen be- troffcnen neuen Gesellschaft eingehend nach. Die Berhand- lungen über den geplanten Zusammenschluß und eine neue Stützung durch die ösentliche Hand waren sehr schwierig und drohten wegen zu hoher Forderungen der Gesellschaften wiederholt zu scheitern. Bei einem Scheitern der Verhandlungen muhte mit einer Stillegung der Werke gerechnet werden. Die Banken würden für den Fall, daß die Preußische Staatsbank Ende des Jahres auf der Rückzahlung der 46 Millionen Reichsmark durch die Banken bestehen würde, sich an die Gewerkschaften halten und die damit bei ihrer jetzigen finanziellen Log« zum Konkurs treiben. Das aber würde zu einer Stillegung der oberschlefifchen Eisenindustrie und damit auch zu schweren sozialen Gefahren für den deutsch ge- bliebenen Teil Oberschlesiens führen. Der Zusammenbruch der Werke würde über ihren eigenen Lebenskreis zu einer Katastrophe für die gesamte östliche Eisenindustrie und einen großen Teil der mit dieser durch ihren Beruf eng verbundenen Bcevölkerung führen. Di« Verhandlungen würden daher immer wieder ausgenommen und nach weiteren Schwierigkeiten kam eine Einigung unter der Boraussetzung der Genehmigung durch das Parlament auf folgender Basis zustande: Die Banken sollen bei Fälligkeit des Darlehns, d. h. am 31. De- zemher 1926, einen Betrag von 10 Millionen Reichsmark an die Preußische Staatsbank zurückzahlen und in dieser Höh« eine Forderung gegen die alten Gesellschaften behalten, während der Restbetrag der Schuld in Höhe von 36 Millionen Reichsmark die neue Gesellschaft unter hypothekarischer Sicher- stellung selbst übernimmt. Für ihn ist eine Verzinsung und Amorti- sation vorgesehen, deren Gegenwartswcrt bei Sprozentiger Diskontierung 21 Millionen Reichsmark beträgt, so daß unter Berücksichtigung der von den Banken am Schluß des Jahres zurück- zuzahlenden 10 Millionen Reichsmark für die öffentliche Hand eine Belastung von etwa IS Millionen Reichsmark oerbleibt. Diese Summe soll vom Reich und Preußen je�zur Hälfte getragen werden. Das Reich müßte also ebenso wie Preußen an die Preußische Staatsbank eine Zahlung von 18 Millionen Reichsmark bewirken, die es im Laufe der nächsten 3S Jahr« im Wege allmählicher Amortisation wieder zurück- erholten wird. Sicherungen dagegen, daß das neue Werk fremden Interessen zulieb« stillgelegt oder geschwächt wird, und Garantien für den Fortbestand einer eisenerzeugenden Industrie in Ober- schlesien auch für die ferne Zukunft sind in dem Vertrage vorgesehen. In der Debatte wurde von den Genossen Hoch, Stücklen und H i l f e r d i n g mit Nachdruck betont, daß sie sich der großen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Gefahren, die eine Still- l e g u n g der Werke im Gefolge haben würden, nicht verschließen wollten. Andererseits stehe fest, daß durch die jetzt geplante Aktion und durch das Eingreifen des Reiche» in erster Reihe«ine E n t» l a st ung der Preußischen Staatsbank bewirkt werden würde. Sollten daher jetzt bedeutende Reichsmittel zu ungünstigen Bedingungen zur Sanierung der Werke hergegeben werden, so müsse man unbedingt Vorsorg« treffen, daß, sobald die Werke wieder wirt- schoftlich gesund daständen, vor allem aus ihren etwaigen U e b e r- lchüsfen die Verluste de» Reiches abgedeckt werden. Das Zentrum schloß sich diesen Anregungen an. und nach eingehender Debatte wurden gegen die Stimmen der K o m m u n i st e n die folgenden zwei Anträge angenommen: Der Ausschuß wolle beschließen, erstens zuzustimmen, daß die Reichsregierung dem der Denkschrift über die Gewährung eines Krebites zur Stützung der oberfchlesischen Eisen- industri« beigesügten Vertrage ihre Zustimmung gibt und nach dem Zustandekommen de» Vertrages bis zum Gesamtbetrag von 18 Millionen Reichsmart Zahlungen auf die hier- durch übernommenen Verpflichtungen leistet, zweitens die Reichsregierung zu ersuchen, die zu diesem Zweck erforderlichen Mittel durch einen Nachtragsetat für 1926 dem- nächst anzufordern. Ferner. Der Ausschuß wolle beschließen: die Reichsregierung zu ersuchen, durch ein Zusatzabkommen zu dem vorgelegten Vertragsentwurf sicherzuftellen, daß der nach Abwicklung des Ber- träges sich ergebende Schaden des Reiches durch Zinsverlulte alsdann durch die Schuldner aus andernfalls zur Dioidcndcnous- fchüttung über ein festzustellendes Mindestmaß auf Grund des zu gegebener Zeit übliche» R e i ch s b a n k d i s k o n t s zur Ber- fügung stehenden Beträgen getilgt wird. Die(Erdbebenschäden auf Rhodos. Durch das Erdbeben auf der Insel Rhodos find 10 000 Menschen obdachlos geworden. Der Schaden kann noch nicht geschätzt werden. Insgesamt sind etwa 1S00HäuI«reinge stürzt und etwa 2v00Häus«rschwer beschädigt worden. Hierbei handelt es sich meist um Häuser au» früheren Bauperioden, während die modernen Gebäude meist nicht in Mitleidenschast gezogen wurden. Menschenleben sind nur wenig zu beklagen, da sich die Bevölkerung wegen der Hitze zumeist lm Freien aufhielt. Vollständig zerstört wurden die Kör j er Arnita, Apollatio und Lado. vom Scherl'sthen Heiratsmarkt. In der schönen Frühlings- und Frühsommerzeit, um Ostern und Pfingsten, regen sich die menschlichen Triebe— auch die Johannistriebe. Dann ist in der Abteilung„Ehesachen" des„Lokal- a n z e i g e r s" Hochkonjunktur. Spalten und Spalten sind voll von „Ernstgemeint",„Selbstinserat",„Neigungsehe",„Pfingstwunsch" und wie man das so nennt. Eine eigene Rubrik richtet Scherl dafür nicht ein— dazu ist er viel zu„g'schamig". Eben noch liest man„Staub- sauger Vampyr",„Vertrauensvolle Raterteilung in diskreten Ange- lcgenheiten",„Pfui, meine Damen, dick- Deine find unschön",„Lästige Haare, Warzen, Leberflecken entferne für immer"— da plötzlich steht vor mir ein„Geheimrat, 59, jugendlich, liebenswürdig, elegant", der eine„Gattin, Hausfrau, Dame" freien möchte, also gleich ein dreifaches Wesen. Und nun sind wir mitten im Fahrwasser der Ehe. Manches liest sich so herzerfrischend, daß man ordentlich ausatmet in unserer ach so materialistischen Gegenwart: Mein Pfingstwunsch ist, ein hübsches, gebildetes Mädel mit sonnigem Wesen zwecks Heirat kennenzulernen." „Mädel" und„Sonne im Herzen". Cäsar Fleischlen, du hast nicht umsonst gelebt! Wenn ein.Rittergutsbesitzerssohn"„Ideal- ehe ersehnt" oder ein„Großer Kaufmann" eine„E h e k a m e- radin wünscht"— so geradezu, wie man beim Fleischer ein halbes Pfund Wurst„wünscht", so ist das noch immer honett und taktvoll. Und wenn gar«in„Zvjähriges Hausmütterchen"„Brief- Wechsel mit Theologen oder Philologen ersehnt zwecks Heirat" oder eine„alleinstehende Witwe, 44 Jahre, bester Kreise", weiter nichts sucht als„Gedankenaustausch mit älterem, vornehmen Herrn von Herz und Gemüt", so wird man das ebenso rührend finden wie den Wunsch eines 3öjährigen in guter Position, der die„Jdealehe" davon abhängig macht, daß die Kontrahentin„Augenglas trägt wie ich". Eine„gebildete Dame, 47 Jahre, evang., 3-Zimmereinrichtung" oersteigt sich in ihrem heißen Sehnen gar zu einem poetischen Stoß- seufzer: Allein zu sein, drei Worte, nicht zu sagen, Und doch so schwer, so endlos schwer zu trogen. Die Frau hat Gemüt, sollte man sprechen. Und die„Anmutige Witwe, 25, mit 3-Zimmereinrichtung", die„L i e b e s e h e ersehnt" unter„Postlagernd Waidmannslu st", ofsenbar ziemlich viel Temperament. Frischauf zum fröhlichen Jagen! So weit wäre ja alles schön und klar, und man ließe sich auch durch die Angebote körperlicher und seelischer Vorzüge wie„mittel- blond",„vollschlank"— das kommt verdächtig oft wieder und dürfte meist auf der ersten Silbe den Nachdruck haben!—„Oberzollinspektor, einsamer, solider Mensch, jedoch kein Spießer", „Biederer Angestellrer", ein„Berliner Künstler, herzensguter, prachtvoller Mensch",„bin Ehrenmann"— wie ein Fabri- kant mit aufsalleydem Eifer versichert— nicht abschrecken. Bei den Damen wird die Sache zuweilen brenzlich: etwa bei der Ostpreußin, die gern nach Berlin übersiedeln möchte.„Selbige ist alleinstehende, s es che Witwe, jedoch solide." Na, na! Bei einer„bekannten Dome" oder einer, die sich als„a n s p r e ch e nl) e Erscheinung" ausgibt, ist ebenfalls Vorsicht am Platze. Wenn nur das Geschäft- l i ch e sich nicht so häßlich dazwischen mengte.„Welche Dame be- teiligt sich an erstklassigem Geschäft? Heirat nicht ausgeschlossen." So steht dos da, und kein Wörtchen von„Gemüt",„feinsinnig", „zartbesaitet"!„Langjähriger Beamter wünscht Einheirat in Ge- schüft. Buchbinderei, Papiergeschäft oder Buchdruckerei angenehm." Gleichzeitig der Geschäftszweig daneben. „Fabrikant, 32, sucht Geldgeberin bis 40, auch Witwe, mit etwa 5—8000 zur notwendigen Erweiterung bestehender Dekora- tionsmalerei sowie Möbellackiererei bei bestem Verdienst. Spätere Ehe erwünscht." Die Ehe hinkt kläglich hinterdrein. Wenn die Partnerin 10 000 bis 16 000 M. in den Betrieb steckt, darf sie gewiß auch 45 alt sein. Der Restourateur, der„da Auseinandersetzung, in Haus- grundbefitz oder Geschäft einzuheiraten" wünscht, ist wenigstens ehr- lich. Indessen dürfte die Erwählte sich bei ihm ebenfalls auf„Aus- einandersetzungen" gefaßt machen. Um übrigens auf besagten „Ehrenmann" zurückzukommen,„Berliner Grohkaufmann, Fabri- kant, Witwer, över, jung aussehend, edler Gesinnung, liebevoller, ausrichtiger Charakter": dieses Sonntagskind sucht eine„sympathische Ehekameradin mit Gleisgrund st ück, worin Fabrik wegen dringender Vergrößerung und Austrägen verlegt werden kann". O, welch ein Absturz aus der reinen Sphäre bürgerlicher Ideale! Wie soll man da von den Vermittlungsbureaus die reine Men- fchenliebe erwarten? Vom„K c b u"(nicht zu verwechseln mit Zebu), dem„Katholikenehebund", der nur für die Angehörigen der allein- seligmachcnden Kirche sich als Schadchen anbietet, oder der„Deutsche Bund" in der Motzstraße, geleitet von der„Frau Direktor Faubel", durch deren liebenswürdige, diskrete Vermittlung„Angehörige der besseren nationalen Stände schnell heiraten können". Die Nationalen haben es offenbar besonders eilig.„Freifau von Koburg", Spezialität in Adelsheiraten, nimmt„Provision" erst„nach Eheschließung". Aber, gnädige Frau, davon spricht man doch nicht in Ihren Kreisen! Da ist mir, offen gestanden, die kleine Bürgers- tochter noch sympathischer, die für ihre„Mama. Lebensmittelgeschäft mit 3.Zimmerwohnung".«inen„tüchtigen ehrlichen Gatten(Anti- alkoholiker)" sucht,„da Geschäst Hilfe erfordert". Alle, alle finden sie bei Scherl Verständnis! Politik in See Schulstube. In den Zeiten der Monorchie war es nicht» Sellenes, daß in den Schulen königs- und regierungsergebene Lehrer und Lehrerinnen vor ihren Jungen und Mädchen ihre politische Meinung auskramten und sich dabei selbstverständlich in Schmähreden gegen die Sozial- demokratie ergingen. Wer damals, im Lehramt stehend, sich zur Sozialdemotralie bekannte, der durste, auch wenn er vor seinen Schulkindern sich jeder Aeußerung über politisch« Fragen enthielt, mit Sicherheit daraus rechnen, daß er baldigst ohne viele Umstände auf die Straße gesetzt wurde. Sind heute, in unserer Zeit der Republik, die Rollen vielleicht dahin vertauscht, daß jetzt die�noch monarchisch gesinnten Lehrer und Lehrerinnen, wenn sie in der Schul- stube Politik treiben, aus ihrem Amt gejagt werden? Ach nein, da ist unsere Republik von einer Duldsamkeit, die keine Grenzen kennt! Proben der„Unbefangenheit", mit der solche politisierenden Pädagogen in den Schulen drauflos reden, find im„Vorwärts" zu- weilen wiedergegeben worden. Hier wollen wir aus Berliner Schulen ein paar neue»ällc mitteilen, die uns aus der letzten Zeit gemeldet wurden. In der Berufsschule an der W r a n g e l st r a h e darf ei» Oberlehrer G c p p e r t es sich leisten, vor jugendlichen'Ar- beitern sich über die Stahlhelm er in wohlwollenden Worten zu äußern. Er stellt sie dem Roten Frontkämpserbund gegenüber und erzählt, die vom Roten Frontkämpferbund seien grüne Jungen, bei den Stahlhelmern ober habe man es mit er. sahrencn Leuten zu tun, die schon im Schützengraben waren. Die Stahlhelmer sollten den Herrn, der so hoch von ihnen denkt, zu ihrem Ehrenmitglied ernennen. Aber auch in den Volksschulen, �wo die jungen Kinder sitzen, kommt es vor, daß Lehrermut vor Schüler- bänken sich kundtut. Die bewegte Zeit des Dolkscntscheids, die nun hinter uns liegt, scheint manchen Pädagogen der schule aus dem Gleichgewicht gebracht zu haben. In der 2 2 6. Gemeinde- schule(Baruthcr Straße) konnte der in einer 2. Klasse unterrich. tende Lehrer Franke nach dem Volksentscheid es sich nicht vor- kneifen, seine Befriedigung darüber zu äußern, daß der Volts- » entscheid„durchgefallen" sei. Er bedauerte, daß nicht dos Zentrum den Schwarzweißroten geholfen habe: denn dann wäre es den„Roten" noch übler ergangen. Geradezu toll ist das Stück, das in der 2 3 0. G e m e i n d e s ch u l e(Wehlauer Str.) ein Lehrer G r o t b e fertig brachte. Am Tage nach dem Volksentscheid fragte er in der Klasse 2 die Jungen:„Wißt ihr, wieviel Spitzbuben es im Deutschen Reich gibt?" Erstaunte Gesichter blickten ihn an und alles schwieg. ,.„F ünfzehn Million« n!" beantwortete Herr Grothe selber seine Frage. Jetzt begriffen die dreizehnjährigen Jungen, was er meinte. Soll man derartige Mißgriffe und Ausschreitungen ruhig hinnehmen? Sollen die Eltern sogar zu der kecken Beschimp- fung schweigen, die dieser Herr Grothe sich erlaubt hat? Er kennt doch wohl die soziale Zusammensetzung der Elternschaft der im Bezirk Prenzlauer Berg liegende» Schule und kann nicht darüber im Zweifel sein, daß beim Volksentscheid ein beträchtlicher Teil der Eltern seiner Schüler für die Fürstenenteignung mit Ja gestimmt hat. Wenn er trotzdem es für zulässig gehalten hat, sich vor ver- sammelter Klasse in dieser Weise zu äußern, so hat er damit gezeigt, daß er nicht an richtiger Stelle steht. Man sollte ihm Gelegenheit geben, sich auf einem anderen Arbeitsfeld zu betätigen. hpänea auf öem flrbeitsmarkt. Auch eine Krisenerscheinung. Die Notlage von Geistesarbeitern nützen neuerdings Kautions- schwindler wieder in reichem Maße aus. Bei einem stellungslosen Ingenieur, der mit seiner Schwester zusammenwohnt und sich mit Mühe über Wasser hält, erschien ein etwa 40 Jahre alter, würdig aussehender Mann, der angab, daß er Personalchef eines großen Werkes sei, daß einen Ingenieur anstellen wolle. Nach seiner Ge- wohnheit sei er selbst gekommen, um den Arbeitsuchenden in seiner Behausung zu sehen und sich gleich ein Bild seiner Verhältnisse machen zu können. Nachdem die Männer sich über die Bedingungen einig geworden waren, erklärte der Fremde, daß eine Kaution von 150 Mark erforderlich sei. Der Ingenieur beriet mit seiner Schwester, ob sie eine solche Summe gleich flüssig hätten. 140 M. waren entbehrlich, 10 Mark sollten zur Bestreitung des Unterhaltes dienen. Die Ge- schwifter kamen nun überein, lieber auf die Mahlzeiten zu ver- zichten, als die'Aussicht auf die gute Stellung aufzugeben. Der „Personalchef" tat das Geld in einen Umschlag und ging mit dem Ingenieur zur Bank, wo es als Depot hinterlegt werden sollte. Unterwegs„siel ihm plötzlich ein", daß er»och zu einer wichtigen Konferenz mußte, er übergab dem Bewerber den Umschlag und hieß ihn die Kaution am nächsten Morgen mitbringen, wenn er seinen Dienst antrete. Ohne den Umschlag näher anzusehen, ging der Ingenieur heim und wanderte am nächsten Tage hoffnungsvoll seiner neuen Arbeitsstätte zu. Hier mußte er erfahren, daß dort gar keine Fabrik ist. Jetzt holte er den Umschlag, den er mit- gebracht hatte und der noch verschlossen war, aus der Tasche, öfsnete ihn und stellte zu seinem Schrecken fest, daß er nur Papier- st ü ck e enthielt. Der Gnuner hatte es verstanden, unbemerkt die Geldscheine herauszunehmen. Der Betrogene, der sofort bei der Kriminalpolizei Anzeige erstattete, erfuhr hier� daß er nicht der einzige Leidtragende war. Derselbe«chwindler hatte auch andere Stellungsuchendc betrogen und von ihnen K a u t i o n e n b i s z u 700 Mark erbeutet. Der Betrüger, der jetzt gesucht wird, ist 1,60 Meter groß, hinkt etwas aus.«lnem Bein und war stets in einen grauen Gchrock mit passendem steifen Hut gekleidet. Mitteilungen von weiteren Geschädigten und über erneutes Am» treten des Schwindlers erbittet Kriminalkommissar Dr. Wächter im Zimmer 547« im Polizeipräsidium. München am Anhalter Bahnhof. Die schöne Parkcckc gegenüber den,'Anhalter Bahnhos ist ver- schwunden und ei» Geschäsispalast oon�nicht alltäglichen Dimensionen, in weiter Front die Königgrätzer Straße beherrschend, erhebt sich an ihrer Stelle. Man hat es„E u no p a h a u s" getauft und es beherbergt von den großen Firmen Berlins die bekanntesten Namen. Darunter befinden sich ein großes Lichtspieltheater und ein Cafe. Im Mittelbau an der Königgrätzer Straße, zwischen den beiden flankierenden Hochbauten, hat das Münchener„Hosbräuhaus" eine eigene Gaststätte, sehr freundlich und ein bißchen münchnerisch ein- gerichtet. Die neue Gaststätte unssaßt einen großen Gastraum und daran anschließend ein gemütliches Bräustüberl und bietet Raum für 1200 Personen. Die Einrichtung schließt sich in ihrem Charakter an das Münchener Vorbild an, macht jedoch der Eigenart des Ber- Iin.cr Publikums die weitestgehenden Zugeständnisse. In den 1500 Ouatratmeter großen Kellerräume» sind 5 Kegelbahnen, Bierkeller, Kühlanlagen und sehr moderne Wirtschaftsräume untergebracht. Die über den Gafträumcn befindliche Terrasse soll als Dachgarten aus- gebaut und in den Wirtschastsbetrieb einbezogen.werden. Schwere VerkehrSunfäNe. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich gestern nbend an der Spandauer, Ecke König st raße. Der Kinn» schauspieler Willi Zamzow au� der Schloßstpaße 1!n Pankow versuchte von einem in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 64 zu springen. Er kam zu Fall und wurde von einer uachfolgendsn Kraftdroschke erfaßt und überfahren Mit schweren inneren Verletzungen wurde er in das Krankenhau» am Friedrichs- Hain gebracht In W i l m e r s d o r s an der Kreuzung Kaiserallee und Berliner Straße fuhren zwei Kraftdroschken aufeinander, beide Wagen gingen in Trümmer Der Ehausfeur und ein Insasse wurden erheblich verletzt und erhielten am der nächsten Rettungsslelle die erste Hilf«. Durch den Vorfall entstand eine Verkehrsstörung von einer halben Stunde. Vor dem 5)ause Kurfür st en st raße 107 wurde heute morgen der Oderleutnant Karl Kiesenwitz aus der Von-der-Heydt-Straße 13 von einer Kraftdroschke überfahren. K. wurde in das Elifabcthkrankenhaus übergeführt. Der D r o s iß k c n- führet ist unbekannt entkommen. Um 149 Uhr vor- mittags wurde beim Ueberfchreiten des Fahrdammes in der Berg- mannftraße die Ehefrau Auguste S t a l l i n g aus der Bergmann- straß« 108 von einer Kraftdeofchke überfahren. Sie erlitt einen doppelten Schädelbruch und mußte in das Urban-Kranten» Haus jiberführt werden._ Da» Bettenhau» in der Prlnzensirahe. Nach monotelangen Umbauarbeiten ist in der Prinzenftr. 46 ein Neubau entstanden, der die bekannten Geschäftsräume ber Berliner B e t t f e d e r u- fabrit Gustav Lustig enthält, die den Anforderungen der Neuzeit entsprechend gestaltet wurden. Die Fassade hat den Charakter eines modernen Geschäftshauses und an Stelle der früheren, heute veralteten Firmenschilder, lenkt eine geschickte Licht- r« k l a m e die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf sich. Die ausgedehnten Räumlichkeiten nehmen zusammen mit den Lagern und den modernen maschinellen Anlagen der Vetisedern-, Bettwäsche-, Steppdecken- und Matratzeniabrik eine Fläche von weit über 4000 Quadratmeter ein. Die Firma hat sich weit über die Grenzen der Mark hinaus einen Name» erworben. Gewerkschasilicher Rundsunkvortrag. Kieute abend 7.25 Uhr spricht der Geschäftsführer de? Bundes der technifll)«» Angestellten und Beamten, Dr. Fritz P f i r r m a n n durch den Berliner Rund- funk über das Phema:„Fortschritt der Technik— Er- f i n d e r s ch u tz". verbesserter Telephondienst condon— Berlin. Der englisch« Generalposlmeister gibt bekannt, daß vom 1. Juli ab neben dem bis- herigen Telephondienst zwischen London und gewissen Städten in Deulschland ein« Leitung für ständigen Tag- und Nacht- d i« n st zwischen London und Berlin verfügbar fein würde. Das Datum des vollen öffentlichen Verkehrs London— Berlin werde noch betanrugegeben werden. OewerMastsbewegung die Wahlen zum verbanüstag üer Metallorbeiter. - Große Niederlage der SPD. In den letzten Tagen hat die„Rote Fahne" bereits den Mund reichlich voll genommen über den Ausfall der Wahlen zum Verbands- tag der Metallarbeiter. Inzwischen loht sich das Ergebnis über- sehen, und es zeigt sich ein auherordentlich katastrophaler Rück- gang der KPD. auch im Metallarbeitervcrband. Angesichts der seit Monaten in der Metallindustrie wütenden Krise mit ihrer A r- l' e i t s l o s i g k c i t, in deren Gefolge Rot und Elend die S t i in- m u n g der Arbeiter ganz erheblich beeinflussen, hat es die KPD. doch nicht vermocht, ihre Vertretung, die sie noch auf dem Verbandstag in Cassel 1924 hatte, zu harten. Selbst in Krisenzsiten kann die KPD. nicht mehr auf soviel Mitläufer rechnen, weil inzwischen doch die Hohlheit ihrer eigenen Po- rolen erkannt worden ist. Aus dem Verbandstoge in Cassel 1924 musterte die KPD. noch ?4,2 Pro z. aller Delegierten, so dah die Arbeiten dieses Verbandstagcs erheblich erschwert wurden, weil die notwendige qualifizierte Mehrheit von zwei Drittel für die Amsterdamer Richtung nicht zu erreichen war. Von dieser Höhe ist die KPD. noch den uns bisher vorliegenden Meldungen um über die Hälfte heruntergestürzt, so daß sie aus dem kommenden Derbandetag in Bremen nur noch mit IS bis 1b Prez. der Delegierten antreten kann. Das Geschrei der „Roten Fahne' wird sich deshalb recht bald in Resignation verwon- dein müssen. Damit ist keineswegs gesagt, daß das Wohlresullot nicht noch wesentlich besser sein müßte. Aar allen Dingen hat B e r l i n v e r- sagt. Bei einer besseren Wahlbeteiligung mußte die List« der Amsterdamer gewählt werden denn es ist 199 gegen zu wetten, daß die KPD. ihren letzten Mann an die Wahlurne gebracht hat. Leider zeigt sich iminer noch ein erheblicher Mangel an Disziplin und an?lrbe«tssreudigkeit aus der Amsterdamer Seite. Hier Ordnung zu schassen, ist eine besondere Aufgabe der Berliner Kollegen. Reben Berlin sind es noch einige Orte von größerer Bedeutung, d i e KPD.-Delegierte stellen, u. a. Solingen, Halle, Stuttgart. Eßlingen und Essen. Dabei ist besonders zu beachten, daß in der Essener Vorwaltung die KPD. seit Iahren die übergroße Mehrheit hatte und diesmal nur mit einem Vorsprung von 2 3 Stimmen durchs Ziel ging. In Essen zeigt sich eine ganz erhebliche Gesundung, vor allem haben sich die Amsterdamer Kollegen tapfer gezeigt. In de in ganzen rheinisch- westfälischen In- dustriebezirk sind die übrigen Mandate restlos der A m st c r- damer Richtung zugefallen. Auch in S o ch s e n hat die KPD. nichts erobern können bis auf einen einzigen D c l o- gierten in Plauen. Die übrigen verteilen sich auf tlcinere zu- sammengelegte Wahlabteilungen ohne besonder« Bedeutung. Roch den vorliegenden Meldungen hat die KPD. 23Delcglerte von insgesamt 18 7. Selbst wenn noch 1 oder 2 Delegierte hinzu- kommen, dann hätte die KPD. h ö ch st e n f a l l s 3 0 Delegierte. Mit der„Eroberung" des Verbandes ists also auch diesmal noch nichts. � Das allgemeine Ergebnis der Verbandswahlcn ist eine ganz außergewöhnliche Riederlage der Kommunisten. Jetzt kommt es darauf an. aus diesen Wahlen die n o t w e n- digen Lehren zu ziehen und an all den Orten, die diesmal noch von der KPD.„erobert" wurden, alle Kräfte anzuspannen, um auch hier vernünftiger Gewerkschaftsarbeit den Boden zu bereiten. Tic Wahle» in Frankfurt a. M. Bei den Dclcgiertenwahlen zum Metallarbeiteroerbandstag in Bremen entfielen auf die Liste der Gewerkschaften(Amsterdam) 2432 Stimmen, während die"KPD. 772 Stimmen aufbrachte. Die Wahlen im Bezirk Hannover. Nach den von den Verwaltungsstellen eingegangenen Mit- teilungen ist in B r a u n i ch w e i g der Kandidat der Am st er- damcr Richtung mit großer Maiorität gegen die Moskauer Richtung, trotz großer Anstrengung derselben, gewählt worden. Die übrigen gewählten Delegierten der anderen Wahlabtcilungeii des Bezirks Hannover gehören sämtlich der Amsterdamer Richtung an. Oer keramische öunü. Nachdem die Mitglieder des Glasarbeiterverbandes auf ihrem Verbondstage und die Mitglieder des Porzellan- arbeiterverbandcs in einer Urabstimmung die B e r- schmelzung mit dem Fabrikarbciterverbond und die Bildung eines Keramischen Bundes innerhalb dieses Verbandes beschlossen haben, treten beide Beschlüsse am 1. Slugust 1926 in Zkraft. Mit diesem Tage beenden die Verbände der Glas- und Porzellanarbeiter ihre selbständige Gewerkschaftsarbeit und setzen sie nunmehr in der altgewohnten, energischen Weise im Rahmen des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands fort. Sie werden mit den keramischen Gruppen des Fabrikarbeitcrverbandes zu dem „Keramischen Bund" vereinigt. Sitz dieser Abteilung des Fabrik- arbeiterverbandes ist das bisherige Verband shaus des Porzellanarbeiteroerbandes in Bcrlin-Chorlottenburg, Brahestr. 2/5. Ihre Leitung, die gleichzeitig auch die Leitung des„Keramischen Bundes" ist, setzt sich folgendermaßen zusammen: I. Vorsitzender: Genosse Georg W o l l m a n n vom Porzellanarbcitcrverband: 2. Bor- sitzendar: Genosse Emil Girbig vom Glosarbeiterverband. Nedaneur der Bundeszeirung„Keramischer Bund", die an Stelle der„Ameise" des Porzellanarbeiterverbondes und des„Fach- genossen" des Glasarbeiterverbandes erscheint, ist der bisherig« Redakteur der„Ameise", Genosse Edwin Ncnninger. Der Berbandsvorstand des Fobrikarbciterverbandes heißt seine neuen Mitglieder herzlich willkommen und verspricht, alles zu tun, um die gewerkschaftliche Arbeit in der n clt e n, größeren Organisation so erfolgreich wie möglich Du ge- stalten. Er ist überzeugt, daß es den vereinten Kräften gelingen wird, den Gefamtverband und den Keramischen Bund zu einem noch stärkeren Trutzbollwerk des wirtschaftlichen und kulturellen Ausstiegs der Arbeiterschaft auszugestalten, als es die einzelnen Organisationen --------..... Kl, w— U» Aluha iiiuifKi ciuxnrti« ocy cif Dispcngen vcizgiicocr oer zseroattoc der Glas- und Porzellanarbeiter auch in der gemeinschaftliche» Organisation ihr« altbewährte gewerkschaftliche Tradition hoch» hallen werden. Ovferwilliokeit und Ueberzeugungstreue sind die stärksten Tugenden oer deutschen Arbesterschaft. Werden sie auch in Zukunft von den Mitgliedern der vereinigten Berbände ausgeübt, dann ist die Verschmelzung in jeder Beziehung ein Fortschritt für die deutsche und internationale Gewerkschaftsbewegung. Die Leitungen der Verbände der Fabrik-, Glos- und Porzellan- arbeiter wissen sich einig in diesen Ausfassungen und Erwartungen und gehen mit Zuversicht an ihre geMeinschastlichc Arbeit. Damit verschwinden in der Liste der ADGB.-Verbändc zwei alte Zentra.l oerbände samt ihren im 53. und 42. Jahrgang« erschienenen Vcrbandsorgonen. Diese List« wird all- mählich noch kleiner werden, um so kleiner, je größer die Industrie- organisationen werden, bis der Konzentrationsprozeß der deutschen Gewerkschaften einen gewissen Abschluß gefunden hat. Mit der Vergrößerung und Stärkung der Industrieorganisationen wächst ihre Macht und damit steigt auch ihre Verantwortung. Sind erst alle Berschmelzungspläne durchgeführt, die Grenzstreitigkeiten verschwunden, werden mehr Kräfte frei für die nachhaltige E r- sassung und Disziplinicrung der Unorgani- s i e r t e n. Die„reformistische" Gewerkschaftsarbeit wird weite, e Fortschritte machen, unbeirrt von allein hysterischen Geschrei und sich als reoolutionär gebärdendem Getue. Die deutsche Arbeitnehmerschaft erkennt mehr und mehr die Notwendigkeit und den Wert der jahrzehntelangen Kulturarbeit der freien Gewerkschaften und muß ihr um ihrer selbst willen zum vollen Erfolg verhelfen. Bctricbsratswahlcn bei der Wafscrbauvcrwaltung. Duisburg. 39. Juni.(Eigener Drahtbericht.Z Die W a h l z n derHauptbetriebsrätc für die preußische Wasser- bauvcrwaltung führten zu folgendem Ergebnis: Frei- gewerkschaftliche Slrbeiter 2891(2938), freigewerk- schaftliche Angestellte 226(183), Wasserstraßtngewerkschaft 641(726), Angestellte 192(99). Die Wahlbeteiligung war im Jahre 1926 größer als im Vorjahre. Die freigeroerlschastlichen Arbeiter haben ihre Stimmcnzahl um 37 Proz. gesteigert. Bei der Verteilung der Sitze entfallen auf die freien Gewerkschaften vier Arbeiter- und zwei Angestelltensitze. Die christlichen Gewerkschaften erhalten einen Arbeitersitz. Kündigungen im oberschlcfischen Bergbau. Gleiwih. l. Juli.(WTB.) Die Bergarbeiterverbände haben dos Abkommen über die Arbeitszeit im Berg- bau und die Lohntarife für die oberschlesischen Steinkohlengruben für Ende Juli jetzt tatsächlich gekündigt. Daraufhin hat der Arbeitgeberverbc-nd der oberschlesischen Montanindustrie seinerseits den Manteltarif nebst Zusatzabkommen über die Freistellung von Betriebsräten zum gleichen Termin gekündigt. Einigung in der Krefelder Metallindustrie. Krefeld. 39. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In der Krefelder Metallindustrie kam unier Mitwirkung des Schlichters eine Eini- g u n g zustande, die folgendes vorsieht: Der zum 1. August gekündigte Tarifvertrag wird zu diesem Zeitpunkt mit der Maßgab« wieder in Kraft gesetzt, daß für das Urlaubsjohr 1926 der lirlaub mit 79 Proz. des Lohnaussalls vergütet wird. Der Anspruch richtet sich jeweils nach der Beschäftigung im Urlaubsjahr. Als Lerechnungsgrundlogc gilt der Zeitpunkt vom 1. April 1925 bis 1. April l926i Internationale Tagung der Zlsabrikarbeitcrverbände. Kopenhagen, 1. Juli.(TU.Z Die Internationale Vereinigung der Fobrikarbeiteroerbände tagt seit Dienstag in Kopenhagen. Die russischen Fabrikarbeiter haben um Ausnahme in die Inter- nationale Vereinigung nachgesucht. Es ist ihnen jedoch geantwortet worden, dah davon nur dann die Rede sein könne, wenn sie sich dazu oerpflichten wollten, für den Anschluß des Spitzenoerbondes der russischen Gewerkschaften an die Amsterdamer Inter- nationale zu wirken. Die drei anwesenden Bertretcr des russischen Verbandes lehnten es ab, diese Verpflichtung zu übernehmen, wodurch die russischen Bestrebungen um die Mit- gliedschaft scheiterten._ Noch kein Ende des Bergarbeiterstreits. London, 1. Juli.(TU.) Die inoffiziellen Friedens- Verhandlungen, die in den letzten Tagen von prominenten Persönlichkeiten wie Lord Londonderry und Lord Wimborn aus der einen Seite und den Arbeiterführern Henderson, Clynes, Hartshorn auf der anderen Seite unternommen wurden, haben bei den Bergarbeitern keine Gegenliebe gefunden. Der Voll- zugsausschuß der Bergarbeiter, der Mittwoch abend London wieder aus unbestimmte Zeit verläßt, hielt am Mittwoch seine vor- läusig letzte Sitzung ab. Der Hauptgegenstand der Besprechungen war die Frage der Notstandsarbeiten in den Gruben. Der Ausschuß kam zu dem Ergebnis, daß die Notstandsarbeiter in den Gruben verbleiben sollten, vorausgesetzt, daß sich die Gruben- besitzer an die in Streikföllcn allgemein üblichen Vereinbarungen hielten. In einem Interview mit dem„Evcning Standard" wies der Sekretär der Bergarbeitergcwerkschaft darauf hin, daß aus oer- schiedenen Grubenbezirken Berichte eingetrosfen wären, nach denen dies nicht der Fall sei. Verschiedene Grubenbesitzer hätten ihre Beamten gezwungen, Kohlen zu fördern und sie zu verkaufen. In anderen Fällen habe man die Gruben- onge st eilten die Notstandsarbeiten verrichten lassen und den von der Bergarbeitergewerkschast gestellten Not- standsarbeitern den Zutritt zu den Gruben verweigert.. Als Folge hiervon fei in verschiedenen Fällen überhaupt keine Notstandsarbcit getan worden. Trotzdem sei eine allgemeine Zurückziehung der Not- standsarbeiter nicht geplant, da dadurch auch diejenigen Grubenbesitzer getroffen würden, die sich an die Vereinbarungen hielten. Die Tat- sache, daß die Mitglieder des Vollzugsausschusses London wieder verlassen, weist darauf hin, daß mit amtlichen Verhandlungen in der nächsten Zeit kaum zu rechnen ist. Der„Star" weist darauf hin. daß der Bergarbeiterstreik im Jahre 1921 drei Monate gedauert habe. Sein Verlauf sei fast identisch gewesen mit dem gegenwärtigen Konflikt, jedoch mit dem Unterschieo. daß die Bergarbeiter heute eine Uebergabe e im m ü t i g ablehnten. Der Ausnahmezustand wird um einen weiteren Monat verlängert. WLrtfchast Eine Abfuhr für Caffel. Um die internationale Rckelung der Arbeitszeit. Der bekonnte schwedische Nationolökonom Professor G u st a o Cassel veröffentlichte vor kurzem in der„Sozialen Praxis" einen Aussatz, worin er gegen die internationale Regelung der Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen feine Stimme erhob. Mit Rücksicht auf die bekannte Persönlichkeit Eosseis hat dieser Aussatz großes Aufsehen hervorgerufen und veranlagte eine Anzahl von Gelehrten, sich mit Cassels Ausführungen auseinander- zusetzen. Zuerst wurde Cassel von Lujo Brentano eine energische Abfuhr erteilt. Im letzten Heft der„Sozialen Praxis" übt Professor Emil Lederer eine vernichtende Kritik über Cassels Argumente. Professor Lederer gelang es, restlos nochzuweisen, daß Cassel„von seinem theoretischen Geist diesmal vollkommen ver- lassen war." Weshalb fordern die Arbeitnehmer die internationale Regelung der Arbeitszeit? Vor allem deshalb, weil-die Unternehmer nie aufhören, die Arbeitszeitverkürzung mit dem Hinweis auf längere Ar- beitszeit in anderen Ländern zu bekämpfen. So müssen die Arbeit- nehmer schon aus diesem Grunde ein internationales sozial- politisches Minimum fordern, das Weiterentwicklung in den einzelnen Ländern nicht hindert. Für Cassel ist die internationale Regelung der Arbeitszeit sinnlos, weil die einzelnen Völker«inen verschiedenen „A r b e i t s a k t" haben und außerdem erscheint sie ihm als kurz- sichtig in Hinsicht auf die„Gesamtproduktivität" der Welt. Unter diesem Gesichtspunkt sei es für ein Volk immer vorteilhaft, wenn «in anderes länger arbeite. Was nun die Gesamtproduk- t i v i t ä t anbelangt, so zeigt Professor Lederer, wie sie in der heutigen Weltwirtschaft überhaupt nicht ausgenützt wird.„Die privat- kapitalistische Organisation ist nicht imstande, die vorhandenen Produktivkräfte unterzubringen. Wir arbeiten mit Kurzarbeit, nicht nur in Deutschland, und Cassel behauptet, daß es uns allen besser ginge, wenn der Arbeitstag nur länger wäre." Irrtümlich ist Cassels Darstellung, der zufolge die Völker mit ungleicher Arbeitszeit in verschiedenen Produktionszweigen tätig sind. In I n d i e n, 3 a p a n, China ist in erster Linie eine große Textilindustrie entstanden als Konkurrenz zur englischen, und in einer Anzahl von Ländern entstehen neu« Schwerindustrien. Die Bc- strebung der Industrieneuländer geht dahin, möglichst all« Industrien im eigenen Land zu entwickeln. Da Cassel in solchen Fällen, in denen verschieden lange Arbeitszeiten in. der gleichen Industrie verschiedener Länder herrschen, eine überlegene Konkurrenz der Betriebe mit längerer Arbeitszeit annimmt, so müßte er von seinem eignen Stand- punkt aus gerade für internationalen Arbeiterschutz sein. In der Wirklichkeit verhält sich die Sache anders: Die Arbeitszeit ist nur ein Bestandteil in der Kostenrechnung, sie ist nur bei gleicher Arbeitsintensität, bei gleicher Kapitalintensität und bei gleichen Löhnen "ausschlaggebend. Di« Veränderung der Arbeitszeit hör aber die Tendenz, die anderen Produktionselemente mit zu oerändern, vor allem die Arbeitsintensität und die Maschinenintensität. Gerade die Verkürzung der Arbeitszeit war in der Geschichte der Industrie der wichtigste Antrieb, um dieselben Produktionsmengen auf anderem Wege als bisher, d. h. mit stärkerer Maschinenanwendung und kürzerer Arbeitszeit zu erzeugen. Es ist sinnlos. Arbeitszeit o e r k ü rz u n g und Produktionseinschränkung gleichzusetzen, wie dies Cassel tut. Ein Kartell wird In der Tat die Produktion einschränken, d. h. eine verringerte Menge von Waren aus den Markt bringen. Ein« Verkürzung der Arbeitszeit dagegen war bisher noch nie die Ursache von dauernder Produktionsoer» Minderung. Lederer verspottet zum Schluß die Theorie, welche den Arbeitnehmern nahe legen will, daß Sozialpolitik im Ausland ihnen nichts nütze und Sozialpolitik im Inland verwerfliche Ein- chränkung der Produktion sei, ebenso wie die Theorien, denen zu. olge„jede Ueberstunde heilige Pflicht gegenüber dem Gesetz der Wirtschaftsordnung" ist, wie jede Stunde erzwungenen Feierns von den Arbeitern geduldig als„unentbehrlicher Reibungswiderstand" des ökonomischen Prozesses hingenommen werden muß. Daß sie selbst aber als„Produktionselemente" es sich nicht einsallen lassen mögen, die„ehernen Gesetze der Wirts chast" zu stören. Die Maschinen werden rasch zum alten Else» geworfen. Die ungeheure Entwicklung der Maschinentechnik bringt es mit sich, daß die Bcnutzungsdauer der Maschinen immer kürzer wird, indem sie durch neue und noch modernere ersetzt werden müssen. Gegen- wärtig ist zum Beispiel der amerikanische Markt mit ausgemusterten Maschinen geradezu überschwemmt. Zum Teil werden diese Moschinen auch zu sehr billigen Preisen ausgeführt, zum Teil werden sie sogar verschrottet. Diesem Prozeß entsprechend müssen die Unternehmungen aus ihren Gewinnen riesig« Abschreibungen vornehmen. Das amerikanische Gesetz gestattet jedoch nur eine Abschreibung von höchstens 19 Proz. der Anlagewerte. Bei der üngst stattgefundenen Generalversammlung der Zahnrad- und Transmissionsunternehmungen hat der Vorsitzende dieses Verbandes den Mitgliedern vorgeschlagen, mit Rück'icht auf die rapiden Ver- änderungen des Produktionsapparates jäbrlich mindestens 25 Proz. abzuschreiben und ein« dementsprechend« Aenderung des Gesetzes zu erwirken. Der ganze Betriebsapparat soll sich demzufolge in vier Iahren amortisieren. 2lllerdings dienen die großen Abschreibungen nicht nur der tatsächlichen Abnutzung, sondern sie sollen auch zur Vermehrung der stillen Reserven und damit zur Vergrößerung der Kapitalmacht, der betreffenden Unternehmungen beitrogen. Eine internationale Warenhaus.Einkaussgemcinschost? Zwischen der in den Vereinigten Staaten eine führende Rolle spielenden American Retailers Association und der Leonhard Tietz A.-G. in Köln bzw. den französischen Magasins Reunis in Paris ist, laut New Porker Kabelbericht des„Ä o n s e k t i o n ä r",«in Abkommen leschloffen worden, durch das die europäischen und amerikanischen Darenhauskonzerne die gegenseitige Einkaussoer- t r e t u n g übernehmen. Berantworilicki kllr DoNnk:®taB Nnitet; SBirtMxift: B-tat®«teraa»: StmcctfAaftsbeacguna;«t. Cgfota:■ZeuiCcton: St. I-Hn SJiiloawli: Lokale» und S3nfti«9 Aarflöbt; Brueiaen: Vi.»lacke: silmt'ich in Bcriin. Setlna: Borwärts-Lerlaa®. m. b. 8.. Berlin. Druck: Borwijrts-Buckidruckerrt und BerlaaaanNalt Daul Sinarr u. Da.. Brrlin SS 68. Lindeniirekr 8. Am 29 Zuni, nachm. 6'/» Uhr, verstarb im 7h. Lebrnsjahre nach mchr- monatiaem Echmerzenalager mein lieber Mann, unser guier Vater. Groß- vater. Echwirgrrvaier und Schwager. d«r ehemalige Sewertschafiaangestellie Andreas Bode Die Einäscherung findet am Sonn» abend, den Z. Juli, nachm Uhr. im kkremalorium Baumschaulenweg statt Berlin-Oderschöneweide, Z0. Juni Seulftraße 2. ssrau«lis»»od» geb. Schuld- r* ISÖlläS iss sdivirt wie tBitiii* nrim. Outtuliare Htilertol� BertHmi irt Unun.«ml. amplobUB. onliilmtnh 101 Hl. H. Mm 1HI" [tfUIUSIfl 100 isrro» 0uitlnncs-.8»bal(- D.Beklamemarkeo gegen Nachahmung geieul resch. fei(igt seit 48 Jahr. als Spexlalitlt Conrad M Oller Schkeuditz-Leipzig Iraaerfpenoeii ■eber Art Heien vre i» w eri Paul CioIletB. normal« Hebert Mmr Maiiinoeastr.a. Amt Morigpl. 10300 TKieton, Sie von uns Gasherde cJferÖgcrclum Auf Wiiaxh Sonder- ProspeW pRadciatys tztibi W6. laaogerjtriü-äjr SHERLOCK-CES. m.b.H. OPEL-NIEDERLA6E Alexanderstr. 27», II. Hof, Tel. Kgst. 9610-12 Pianos zur Miete AnsbacberStr. I, 'iteiiirttrUMtnh Putzwolle, Putzlappen, SchleifertucHe haben abzugeben Gebr.Holzingsr, Tel:N»ak»IIil454S<47 Elektr. glauMer TMIlUg von Mark 10.— bei monatlicher Dl» reatan Fabrikat» 4 Oft»» Varkaalsprel»....««VliVI. t Jahr Qaran.la. VgitUhnnto Vartre erksudikoitmi' S&eriadi-SesUaii iB.ti.li. (Abteilung Staabsauger) Ale xaa d er■ trs» e«7e Kbnigstadt 8610, keil.«BIZ*