Nr. 306 ♦ 43. �aheg. Ausgabe A Nr. 158 r Bez«gspreis. 3?5dxnffii6 70 Pfennig, monatlich S,— Reichsmark voraus jofrlbar. Unter Rrruzband fäi Deutschland, Dnnjig, Saar» und Memelgebiet, Oesterreich, Litauen, Lurembur» 4,50 Reichsmark, für da» übrige Ausland 5.50 Reichsmark pro Monat. Der.Sotmärts" mit der Sonntags- dcilag« �Bolk und Zeit" mit.Sied- lung und ttleingarteu" sowie der Beilag««Unterholtuira und Wissen" und ffrauendeilag«.Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adreff«: «Sozialdemokrat Perlin' Morgenausgabe Derliner VolKsblÄtk sio pffsnnis) « Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille- geile 80 Pfennig. Reklamezeile 5�— Reichsmark.„Kleine Anzeigen" das fettgedruitte Wort 25 Pfennig f zulässig zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- stabeu zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Reite 60 Pfennig. 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Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in ihrer gestern abend nach der Plenarsitzung abgehaltenen Araktionssitzung mit 7S gegen SS Stimmen beschlossen. in der dritte« Beratung über das Gesetz über die Ans- cinandersetzung mit de« vorumls regierenden Fürsten- Häusern mit Rein zu ftimmen. also die Vorlage abzulehnen. Genosse Wels wird am Freitag bei der dritten Be- ratung des Gesetzes den ablehnenden Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion begründen und die Aus- lösung des Reichstags sowie die Verabschie- d u n g des Sperrgesetzes fordern. »* S Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird heute die Fürstcnoorlage ablehnen. Sic hat ihr Votum gegenüber dem Kompromißentwurf der Regierungsparteien gefällt. Es lautet: ungenügend, unannehmbar. Damit ist das Schicksal der Fürstenvorlage besiegelt. Der Kampf gegen die Fürstenforderungen ist nicht zu einem das Rechtsgefühl des Volkes befriedigenden Ende gekommen. Er bleibt im akuten Stadium. In den 14� Millionen, die beim Volksentscheid über die Fürstenenteignung mit Ja gestimmt haben, bleibt die Bitterkeit beleidigten Rechtsgefühls. Nach dem Ergebnis des Volksentscheids war der Weg der parlamentarischen Verhandlungen gewiesen. Die sozial- demokratische Reichstagsfraktion ist diesen Weg gegangen. Sie hat den Versuch unternommen, durch ihre Mitarbeit an der Fürstenvorlage im Rechtsausschuß den Willen der 14� Millionen zur Geltung zu bringen. Sie hat Bcrbesserungsanträge gestellt. Sie hat die letzten Möglichkeiten parlamentarischer Verhandlungen bis zur letzten Minute ausgeschöpft.� Ein Er- folg dieser Arbeit hätte vorausgesetzt, daß die bürgerlichen Parteien Verständnis dafür gezeigt hätten, daß der Reichs- tag an dem ausgesprochenen Willen von 15 Millionen Staats- bürgern nicht vorbeigehen kann. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ist nicht auf dieses Verständnis gestoßen. Das Ergebnis der Beratungen im Rechtsausschuß war: abgelehnt der sozialdemokratische Antrag, die Richter des Sondergerichts durch den Reichstag wählen zu lassen. Abgelehnt der sozialdemokratische Antrag, das Fürstengericht auf Antrag eines Teiles tätig werden zu lassen. Abgelehnt der sozialdemokratische Antrag, dem Gesetz rückwirkende Kraft zu geben. Abgelehnt der sozial- demokratische Antrag, bei der Trennung von Fürsten- und Staatseigentum dem Volke günstigere Grenzen zu ziehen. Abgelehnt der sozialdemokratische Antrag. Aufwertungen der früher stattaefundenen Art bis zu 1450 Proz. unbedingt auszuschließen. Angenommen von wesentlichen Anträgen lediglich nur der Antrag auf entschädigungslosen Wegfall der Zivillisten, Kronfideikommißrenten und Krondotationsrenten. Die zweite Lesung der Vorlage im Plenum des Reichs- tags hat das Ergebnis der Beratungen im Rechtsausschuß nicht verändert. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion stand vor der Tatsache, daß die Regierungsparteien nicht ge- willt waren, dem ausgesprochenen Willen der 14� Millionen wesentliche Zugeständnisse zu machen. Es war klar, daß ein für die Sozialdemokratie annehm- bares Gesetz Zugeständnisse von beiden Seite jefor- dert hätte. Die Regierungsparteien aber forderten uf' einseitige Zustimmung der sozialdemokratischen Reiu�tags- fraktion zu ihrem Entwurf. Sie haben den Willen der 14l4 Millionen vollständig mißachtet. Hinter der mangelnden Geneigtheit der Regierungsparteien, dem Willen der 14� Millionen entgegenzukommen, steht ein anderes: der Versuch einer Machtprobe gegenüber der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion in der Fürstenfrage, der Versuch, die parlamentarische Konstellation auszuspielen gegen den Willen der Hälfte der Wähler, denen dieser Reichstag in seiner Gesamtheit sein Mandat ver- dankt. Dieser Reichstag hat eine Demonstration des Volks- willen» erfahren, die ihm die Grenzen seines Mandats zeigt, stärker als es bei anderen Wahlsystemen Nachwahlen ver- möchten. Es ist trotzdem nicht möglich, in diesem Reichstag eine Mehrheit zu finden, die die Folgerung aus der Demon- stration des Dolkswillens zieht. Dieser Reichstag wird— vielleicht noch in diesen Tagen i?— mit Sicherheit aber im Herbst entscheidende und schwer- wiegende Beschlüsse in der Zallfrage zu fassen haben, die für die deutsche Wirtschaft wie für die soziale Lage der deutschen Arbeiterschaft von einschneidender Bedeutung sein können. Hätte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bei der ge- wollten Machtprobe in der Fürstenfrage sich dem Willen der Regierungsparteien gefügt, der in der Ablehnung der sozial- demokratischen Verbesserungsanträge zum Ausdruck kam, so hätte sie für die kommenden Zollverhandlungen den Anhängern höherer Lebensmittelzölle bei den bürgerlichen Parteien von vornherein mehr als einen Vorsprung gegeben. Das Ja zu einem schlechten, den Willen der 14 Millionen mißachten- den Kompromiß hätte die Hoffnungen der bürgerlichen Par- teicn auf ein Ja zu einem schlechten Kompromiß in der Zoll- frage gehoben. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat ein Mandat von ihren Wählern, ein Mandat von den Millionen, die beim Volksentscheid ihren Willen kundgetan haben. Sie hat im Interesse des gaugen Voltes versucht, die Fürstenvorlagc zu verbessern. Das Scheitern dieses Versuches, die Mißachtung des Willens eines so großen Teils des Volkes durch die Regierungsparteien des Reichstages hat sie zu dem Nein geführt. Wenn die Regierungsparteien des Reichstages den Willen der15Millionenmißachten, wenn in diesem Reichs- tag nicht die Bildung einer Mehrheit möglich ist. die einen gerechten Ausgleich mit dem Willen dieser Millionen sucht, wenn die Mehrheit des Parlaments in einem schroffen Gegensatz zum Volkswillen steht— dann darf Abrüstung und Gaskrieg. Ei» Vortrag Prof. Dr. Habers. Im Saal der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hiell gestern nachimUag die deutscheAbteilungderJnt erparlamentarischen Union eine Sitzung, die sich mit dem Thema der Gasabrüstung beschäftigte. Bortragender war G e h e i m r a t Professor Dr. Haber, die erste Autorftät Deutschlands und wahrscheinlich der Well auf diesem Gebiet. Es wäre, so begann Professor Haber, ein sehr großes Glück, wenn die Völker Europas endlich einsehen würden, daß der Krieg für sie keine profitable Angelegenheit ist. Ich will nicht von Marokko und China sprechen, die Kriege, die dort geführt werden, sehen sich srellich von ferne gemütlicher an als von der Nähe. Es wäre aber schon ein ganz ungeheurer Fortschritt, wenn nur die Völker Europas lernten, untereinander Frieden zu halten. Während des Weltkrieges bekämpfte man zunächst noch den S o l- baten, allmählich kam aber der Gedanke auf, daß jeder ein mittel- barer Soldat ist, der im Hinterland Munition erzeugt. Das Flugzeug, das in einer nicht fernen Zukunft die Lust so beherrschen wird, wie das Auto jeht schon die Straßen, macht jeden im Hinterland zum Objekt des Angrisj». Auch die Frauen und Kinder. Eine besondere Rolle in der Phantasie, die sich dem Zukunfts- krieg zuwendet, spieft nun die Verwendung des Gases. Sie nimmt in allen Betrachtungen einen ungebührlich weiten Raum«in, und insbesondere ist die V o r st e l l u n g ganz falsch, daß Deutschland auf diesem Gebiet einen besonderen Vor- s p r u n g besitze wegen der hohen Entwicklung seiner chemischen Industrie. Roch immer wird in einem Zukunstskrieg, den wir alle zu vermeiden wünschen, das Eisenerz das Entscheidende sein, nicht aber das Gas. An Eisenerzen ist aber Deutschland durch deu Verlust von Lothringen so gut wie völlig entblößt, und ohne diesen ensscheidend wichtigen Rohstoffen ist es nicht imstande, Krieg zu führen. Wenn ein Krieg ausbräche und über Berlin die Bomben abgeworfen werden würden, dann würden die Brisanzgeschosse eine unverhältnismäßig viel größere Zahl von Todesfallen verursachen als die Basgeschosse. Da» Gas aber ruft eine unbeschreibliche Panik hervor und ver- ursacht aus diese weist einen Zustand, de« keine geordnete Staatsund KriegssüHrung ertragen kann. Wenige Gramm einer Substanz aus meinem Laboraw- rium würden genügen, alle, die in diesem Saal sind, binnen 20 Minuten zu töten. Wird die Menge vermehrt, trstt die Wirkung viel rascher ein. Aber das beweist nichts für die Wirkung im Krieg, im Freien. Die chemische Industrie Deutschlands ist gegen jede Tätigkeit aus diesem Gebiet. Sic hat sich durch ihre Funktion im Weltkrieg soviel Haß zugezogen und soviel Konkurrenz groß- gezüchtet, daß sie keine Lust zur Wiederholung oerspüren kann. Im Krieg hat es überhaupt wenig Gastote gegeben. Aber die Verluste waren nicht entscheidend, sondern entscheidend war die Panik und die durch sie hervorgerufene Flucht. Wo es riecht, hört bei den meisten Menschen die Tapferkeit aus. Der Krieg hat uns an das Krachen von Geschügen gewöhnl, und wir haben dem- gegenüber eine gewisse Philosophie, die uns seit Jahrhunderten an- gewöhnt worden ist. Das Gas aber ist eine neue Sensation, den Menschen fremd, sie könne» seine Wirkung nicht abschätzen. Ein Geruch, der meine Mitarbeiter im Laboratorium nur dazu ver- anlassen würde, in aller Gemütsruhe die Fenster zu öffnen, ruft bei Laien, die einen Gasangriff oermuten, die ungeheuersten psycho- logischen Wirkungen hervor. Daß man durch Gasgeschosse das organische Leben einer ganzen Großstadt vernichten kann, ist Phantasie, Mau kann wohl groß« L e r l u st e verursachen durch konzentrierte Wirkung auf einen Fleck. Aber die konzentrierte Wirkung, ausgeübt von einer gleichen Menge von Brisanzgeschossen, würde überhaupt nichts übrig lassen. Dazu kommt die Wirkung der Witte- rungsverhältnisse. Wenn sich auch nur die Zweige im Winde de- wegen, kann man mit dem Gas nach Hause gehen. Auch ein Regen genügt, um die Gaswirkung zum allergrößten Teil zu vernichten. Wohl sind in der Entwicklung der Gastechnik auch neuerdings Fort- schritte gemacht worden. Aber sie bemessen sich nur noch nach Prozenten. Die entscheidende Entwicklung lag zwischen 1913 und 1918. Sie ist zu vergleichen der Entwicklung von der Postkutsche bis zum Schnellzug. Damit war das Wesentliche erreicht und die späteren Fortschritte wurden viel langsamer. Um sie zu erproben, sind überall Uebungsplätze zeschaffen worden, bloß nicht in Deutschland, wo das verboten ist. Bloße Laboratoriumsversuche ohne Gaskampfplätze sind für die Katz. Es fehlt die Möglichkeit, die Substanzen zu erproben. Im Kriege sind Hunderte von Substanzen hergestellt worden, von denen höchstens ein Prozent sich als brauchbar erwies. Damals ist nie mit Gas von Flugzeugen aus gearbeitet worden. Dos war eine Grenze, die von beiden Seiten eingehalten wurOe. Jetzt geht man über diese Grenze hinaus. Einmal wurde während des Krieges vom Grafen Zeppelin der Vorschlag gemacht, von einem seiner Lustschifse Gas auf Bsrdun ab- zuwerfen. Ich sprach darüber mit Falkenhayn, der aber winkte ob. Auch die Frage der Zweckmäßigkeit war zweifelhaft. Denn Luftschiffe treffen ja nie ganz richtig. Auch das Levisit war während des Krieges schon bekannt. Es hat aber den großen Nachteil, daß es Warnung gibt. Man spürt es schon lange, bevor es zu wickon beginnt, und man kann seine Gegenmoßregeln treffen. wird der Gaskrieg oerboten, so geschieht uns durchaus ein Ge- sollen, nicht nur aus selbstverständlichen Gründen der Menschlichkeit, sondern auch deshalb, weil uns die anderen auf diesem Gebiete durch ihre Vorbereitungen weil überlegen sind. Aber die Soldaten lassen sich ihre Kampfmethodeu nicht vor- schreiben. Ihr durchschlagendes Argument gegenüber allen Paria- ii.enten ist„das Gas in der Hand eines möglichen Feindes." Da- gegen, sagen sie, müsse man gewappnet sein.„Wir werden nicht die ersten sein," versichern sie,„aber wenn die anderen anfangen......?" — Wer sängt nun an? Das hängt von den Frontbsrichtcn ab, diejanichtbewußtlügenhaftzu sein brauchen. In Flandern zum Beispiel kam ein Bericht nach dem anderen, daß die Engländer mit Gas schössen. Ich ging hin, es roch so, aber von Gas' war keine Rede. Pikrinsäure war als Explosiostoss verwendei worden und die Zerstäubung, die bei fehlerhaften Geichossen entstand, rief den Eindruck des Gasangriffs hervor. Aehnlichcs kann sich auch in Zuknajt wiederholen und aus diese Weise gleitet inan in den Gaskrieg hinein. Geheimnisse gibt es im Gaskrieg nicht. Auf internationalen Konferenzen der Sachverständigen nach dem Krieg hat sich heraus- gestellt, daß alle alles von allen wußten. Sie hatten alle während des Krieges an Blindgängern ihre Studien gemacht. Man kann eben vor dem anderen nicht geheimhalten, was man ihm zuschickt, sei«s durch ein Postpaket, sei es durch ein« Granate, die nicht explodiert. Vicht der Gaskrieg an und für sich, sondern der Krieg überhaupt. der Zustinstskrieg mit seiner Mossenwirkung von Flugzeugen aus das wehrlose Hinterland, der Zukunstskrieg der Frauen und Kinder nicht verschonen würde, ist da» Ungeheure, das unfaßbar Unmenschliche. das mit ollen Mitteln d-r Politik bekämpft zu werden verdient. die SozialdemoSratie den Willen der 14K Millionen nicht schroff vor den Kopf stohen. Sie darf es nicht um d e r D e- mokrati« willen. Sie durfte nicht die Gefahr einer Vertrauenskrise der Demokratie heraufbe- schwören. Diese entscheidenden Gründe haben den Beschluß, die Fürstenvorlage abzulehnen, herbeigeführt. Sie unterscheiden sich wesentlich von den Argumenten, die die Kommunisten ins Feld führen. Wenn etwas ohne Einfluß auf die Ent» scheidung der Fraktion geblieben ist, so das Treiben der Äom- munisten. Das Nein der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gegenüber dem unzulänglichen Fürstenkompromiß ist der fe st e P u n k t, an dem die mit Recht erbitterten und in ihrem Rechtsgefühl beleidigten Massen im Chaos des Kampfes um die Fürstenforderungen Halt finden. Der Beschluß unserer Reichstagsfraktilm ist das Ergebnis langer Beratungen, in denen Gründe und Gegengründe gegeneinander standen und abgewogen wurden. Er wurde mit 73 gegen 38 Stimmen gefaßt. Die Minderheit hat gewissen* hast die eigenen Gründe gegen die Gründe der Mehrheit ge- wogen. Sie hat die Gefahr erwogen, daß nach der Ablehnung der Fürstenoorlage der Regierung ein Vakuum entstehen x'ann, m dem einzelne Länder vor neuen Fürstenprozessen tftder ungünstigen Vergleichen stehen können. Aus dieser Er» wä�unfl heraus hatte die preußische Landtagsfrak- t j o.n der Reichstagsfraktion die Annahme der Fürsten- vorlade empfohlen. Sie fürchtete, daß beim Versagen der Reichst,"igsgesetzgebung Preußen einen Vergleich mit den Hohenzo/lern schließen müsse, der ungünstiger sei als die Rege- lung nach' der Fürstenoorlage. Die Minderheit erwog, ob nicht der Fortgang des Kampfe» um die Fürstenforderungen zu einer Ablenkung des Volkes von den wichiigsten Fragen der Politik un.d Gesetzgebung— Zollfragen, Wirtschaftspolitik — mit sich brwae n könne, ob nicht die Ablehnung zu einer Stärkung der Nachtstendenzen in den Mittelparteien bei- tragen werde. Da!, Interesse des Volkes und der Arbeiter- fchakt war fo.gut ihr Zielpunkt wie« der Zielpunkt der Mehrheit war. Ueber alles.au>.''schlaggebend war in der Fraktion jedoch der Gesichtspunkt: Regierung und Regierungsparteien haben eine Vertrauenskrise der parlamentarischen Demokratie her- aufbeschworen. Die Sozialdemokratie jedoch muß diese Ver- trauenskrife verhindtiit. Die Regierung he't gestern gedroht, im Falle der Ab- lehnung da» Sperrge.setz zurückzuziehen und damit den Fürstenfo-rderungen freie n Lauf zu lassen. Ein solcher Schritt wäre die Krönung der undemvkratischen Haltung, die Rb- gientng und Regierungsvarteien bisher gezeigt haben. Um so lauter erhebt die Sozitaldemokratie ihre Stimme für den Willen des Volkes. Die Regierung wird heub? keine Mehrheit für ihre Dor- läge erhalten. Es gibtindiefem Reichstag keine Mehrheit mehr, die im Einklang wäre mit dem Willen des Voltes. Will die Regierung nicht entgegen den Grundsätzen dnr Demokratie und den Grund- sätzen eines autoritären Systems weiterregieren» so gibt es für sie nur eine Konsequenz: Verabschiedung des Sperrgesetzes, Auflösung des Reichstags! Der Beschluß der sozialdemoklratischen Reichetagsfraktion wurde nach 10 Uhr abends gefaßt. Der Reichstag hatte sich schon ziemlich geleert. Im Anschluß an den Fralktionsbeichluß schwirrte sofort ein Schwärm von Gerüchten in der Luft. Die einen wollten wissen, daß das Zentrum nach der Ablehnung unbedingt die Auf- lösung des Reichstages verlangen, und, wenn diesem verlangen nicht nachgegeben würden seine Minister au« der Regie- rung zurückziehen werde. Ohne das Zentrum sei ein« andere Re- gierungsbildnng nicht möglich: jede ander« Regierung würde von Zentrum und Sozialdemokraten«in Mißtrauensvotum erhallen, so daß die Auflösung de» Reichstages unter allen Umständen erfolgen müsse. Andere wollten wissen, daß von einer derartigen Haltung /lntigone unö Jsmene in Niebüll... Es war eine Zelt, da gaben die Gymnasien ihre Schulprogramme an» Licht. Keine Schul r e f o r m Programme, nein, sondern Statistiken, Berichte über da» Schuljahr. Als wichtigste» aber enchielt so ein Programm stets eine wissenschasttich« Abhandlung, und das waren oft tief durchdachte, schwer oerbaulich« und bedeutend« Sachen. Die staatliche Ausbauschule in Niebüll in Schleswig macht's sich leichter: mit staatlichem Gelde offenbar druckt sie Ihr» Statistik, ihren Bericht: bloß den Bericht— in klassischem Deutsch. Die Oesfentlichkeit, soweit sie Steuern zahlt, hat ein Interesse daran, eine Anstalt kennenzulernen, die(mit unserem Geld«) Berichte druckt und die(von unserem Gelde) eine Lehrmlttelousstattung erhielt,„wie sie gewiß nur wenig« höher« Lehranstalten besitzen" (schreibt der Direktor). Sicher dient diese Schule der Gegenwart, dem Leben de« heutigen Staates und den Aufgaben der kommenden Gesellschaft? Sehen wir einmal, womit sich die jungen Leute beschäftigt haben! Dir finden da folgende Aufsatzthemen: ,'Antigone und Ismene, zwei griechisch« Frauencharottere nach Sophokles' Antigone." „Welche Gedanken liegen einer Kriegerehrung zugrunde?" „Eine Charakteristik Reineckes nach Goeche» Reineck« Fuchs." „Das Bild einer deutschen Kleinstadt"(nicht Niebüll», sondern: nach Hermann und Dorothea!!) „Für die Knaben: Tellheims Charakter: für die Mädchen: Der Charakter Minnas." „Unser Schulgebäude."(Für Obertertta!) „Die Begebenheiten Im Haus« Walther Fürst«." „Ein Tag aus dem Leben Friedrich Schillers." „Odysseus und Nausikaa"(!) „Ein Sprichwort nach Wahl mit einer erläuternden Beschichte au» dem Lebenstreise de» Schülers." „Die Sünde des Jünglings, nach Schillers Taucher." „Was mir an Siegfried gefällt." „Die Reichspolitit(nicht etwa der Gegenwart, sondern:) der hohenstausischen Kaiser.)— usw. Man fragt sich: Leben wir noch im Jahre IS88? Tell, Hermann, Homer � erhobene Vergangenheit! wir grüßen dich!— Auch sonst bringt diese Veröffentlichung manches, was ihr« Un- «ntbehrlichkett erweist und zur Nachahmung ausfordert:„Das neue Schutgebäud« befindet sich mit allen seinen Einrichtungen im besten Zustande..."(Ist's nicht für„Lachen link»"?)„Auch wird für Abfluß des Regenwassers gesorgt werden..."(Bravo!) �Äm Winter betrug die Teilnahme an den Spielnachmittagen 86,38 Praz"— „Großes Gewicht wurde auf das Bücheretnbinden gelegt."(Man sieht: gute Fachleute.' „b) Name und Obliegenheiten des Oberstudlen» r a t s: Einen Oberstudienrat besitzt die Anstalt nicht."(Wink?) Wie gejagt: 20 Sellen Großquart. Mit unserem Geld, liebe? de« Zentrum» keine Rede sein könne: dle Regierung werde sich darauf beschränken, formell zurückzutreten, und werde sich sofort wieder beaustragen lassen. Das Reichsarbeitsminiflerium berichtigt. Kein Abbau der Erwerbslosenunterstübung. Wir erhalten vom Reichsarbeitsministerium folgende Zuschrift: Der„Vorwärts" beschäfttgt sich in der Morgenausgabe vom 1. Juli 1926 unter der Ueberfchrift.Abbau der Erwerbslosenunter. stützung?" mit der Begründung zu der Anordnung über die Höchst- sätze, die das Reichsarbeitsministerium den Ausschüssen des Reichs- rat» vorgelegt hat. Der„Vorwärts" legt dabei dieser Begründung eine Bedeutung bei, die ihr n i ch t z u t o m m t. Es handell sich nicht um die Begründung eines Gesetzes oder einer Verord- nung, die veröffentlicht wird und damit für die Auslegung des Gesetzes oder der Verordnung«Ine Rolle spielt. E« handelt sich vielmehr nur um einen Schriftsatz, der den Ausschüssen des Reichs» rats die Unterlagen für ihre Entschließung zusammenstellt und der nur einem beschränkten Kreise bekannt wird. Ein solcher Schriftsatz kannte an der Frage der 75 Proz. nicht vorbeigehen, weil mit ent- sprechenden Anträgen im Reichsrat zu rechnen war. Der Hinweis sollte die Reichsratsausschüss« veranlassen, auf die Einführung dieser Beschränkung von Reichs wegen zu verzichten, wie sie ursprünglich aus dem Kreise der Länder gefordert worden war. Tatsächlich haben die Reichsratsausschüss« sich dem Standpunkt der Rcichsrexierung und de» Reichstags in dieser Frag« angeschlossen. Damit ist der Zweck der Begründung erreicht worden und sie kommt für die weitere Behandlung des ganzen Fragenkrelses nicht in Betracht. Ich darf ergebenst bitten, vorstehende Ausführungen in Ihrem Blatt zu veröffentlichen." Zu dieser Erklärung de» Reichsarbeitsministeriums ist folgendes zu bemerken: Es ist das Verdienst des„Vorwärts", die gefährlichen Treibereien auf Abbau der Erwerbslosenunterstützung durch Begrenzung auf 75 Proz. des zuletzt bezogenen Arbeltslohns aufgedeckt zu haben. Damit ist erreicht worden, daß der Reichstag in letzter Stunde durch Annahme der sozial- demokratischen Entschließung(siehe dazu den Bericht über die Reichstagsoerhandlungen) mit allem Nach- druck alle solche Bestrebungen ablehnt. Im Gegensatz zu der Begründung des Reichsarbeitsministeriums sollen nach dem Willen des Reichstags also auch die Landes- regierungen eine derartige Beschränkung nicht anordnen. Der Reichsarbeitsminister hat im Reichstag zugesagt, in einem neuen Rundschreiben an die Länder darauf hinzu- weisen, daß eine Herabsetzung der Sätze nicht vorgenommenwerdensoll. Dasi st einvoller Erfolg unserer Beröfsentlichung. Dle Anleiheablösung. Mehrbelastung für das Reich«0 bis 1«« Millionen. Im wetteren Verlauf der Donnerstagssitzung des Ausschusses für den Reichshaushalt erstattete der Zentrumsabgeordnete Dr. Schet- ter Bericht über die Verhandlungen des Unterausschusses über die Fragen der Anleiheablösung� Nach Schätzungen des Reichs- finanzuünisterium» sind jetzt«L Milliarden Mark Allbesihanleihen des Reichs iestgestellt worden gegen 20 Milliarden, die von der Re- gierung ursprünglich geschätzt waren. Das Verfahren wegen Zu. «rkennung der Auslosungsrechte und Bewilligung von Vorzugsrenten sei noch sehr im Rückstand. Es wird bis zum Ende des Jahres noch nicht erledigt fein. Die Mehrbelastung, die für das Reich entsteht, weil die Zahl der Anleihealtbcsitzer viel zu niedrig einge- schätzt worden war, wird 60 bi» 100 Millionen Mark betragen. Die Länder und Gemeinden seien mit ihren Feststellungen noch weiter Im Rückstand al» da» Reich. Dr. Schetter teilte serner mit, daß die kommunalen Sparkassen nicht imstande sein werden, ihre Sparkassen- einlagen aus ihren Mitteln mit 12)4 Proz. aufzuwerten. Die Mittel, die den Sparkassen für die Aufwertung zur Verfügung stehen, reichen dazu bei weitem nicht au». Die Garanten(Gemeinoen und Gemeinde- verbände) werden, damit dies« 12)4 Proz. gezahlt werden können, im ganzen etwa 750 Millionen zuzuschießen haben. Leser! Und dabei sind sortgesetzt Ministerialkommissionen oben ge- wesen, Herr Voelitz, Herr Kaestner, Herr Jahnke. Man sieht, die Modernisierung unserer staatlichen höheren Schulen i st aus dem besten Weg«. Es leb« die Schul- reforml Es leben die Richttinlenl Hier werden Gegemvartsmenschen erzogen, Bürger du Republik(dt« ihnen ihren Jahresbericht druckt). Der größte Zeppelin öer Welt für Amerika. Es ist keine Frage, daß du Verkehr der Zukunft den starren Lustschissen gehört, und unter ihnen wieder den Zeppelinen, die sich al» das best« System für große Fahrten bewährt haben. Wie sich heute bereits bei langstreckigen Reisen da» Flugzeug«ingebürgert hat, und die meisten zahlungsfähigen Fahrgäste liebeu ein paar Stunden fliegen, als ebensoviel Tage in der Eisenbahn durch die Länder reisen, so wird in wenigen Monaten auch der Amerikasahrer es vorziehen, lieber einige Tage tm Luftschiff zu verbringen, als ebensoviel Wochen im Wasserschisf. Diesen Erwartungen entsprechend sind auch die neuen Pläne du Luftschifs«, die augenblicklich teil» in Deutschland, teil» in Amerika vorbereitet oder erbaut werden. Nach- dem die Beschränkungen für die deutsche Luftschiffahrt nicht mehr bestehen, ist ja auch, wie Dr. Eckener mitteilte, Friedrichshasen da- bei,«in gewalliges Luftschifs zu bauen, bei dem ganz neu« tech- Nische Fortschritte die Sicherheit erhöhen. An der Spitze marschiert aber die Luftschisfswerft Akron der »Goodyear Zeppelin Co." in Amerika, deren Letter Dr. Arnstein ist. Dies« Werft hat soeben mit dem Bau eines.Zeppeltn" begonnen, der alle bisherigen Maße weit übertrifft und wirklich ein Riesen» schiss des Lustmeeres werden soll. Die Größe dieses Luft-Dread- noughts wird 200 000 Kubimeter betragen. Damit sind die bisher geplanten größten Luftschiff« der Welt, nämlich die englischen, um 60 000 Kubikmetu übertroffen. Um allen Beanspruchungen der Stürm« aus hoher See gewachsen zu sein, soll dieser Luftriese soviel Motorkräfte erhalten, daß das Gelingen der Fahrt nicht von der Gunst oder Ungunst du Wind« abhängig sein darf. Dr. Arnstein hat für das neue Luftschiff 8 Motor« von je 600 ausersehen, so daß das Schiff über 4800 Pserdekräft« verfügen wird, mit deren Hilfe es«ine Stundengeschwindigkeit von rund 180 Kilometern erzielt. Bei dieser Geschwindigkeit sind selbst die stärksten Gegen- winde machtlos. Um die Sicherheit des Baues zu stärken, wird «ine Stahlnetzkonftruktion oerwendet, die da» Lustschtfs mit Gondeln und Etchuheitskablnen zu einem festen, einheitlichen Gefüge ver- binden. Zugleich erhält das Luftschiff die Möglichkeit, so viel Brenn» stofs mit sich zu führen, daß ein Aktionsradius von 10 000 Kilo- meiern erzielt werden kann, obwohl er kaum gebraucht werden wird. Dieser Zeppelin wird ein.fliegende» Hau»" oder ein.fliegende» Hotel" sein. Dementsprechend ist auch die Zahl der Fahrgäste auf 120 festgesetzt, die in 30 Schlassälen untergebracht werden sollen. Diese» Luftschiff soll nur der Anfang eines großartigen Planes sein, für dessen Durchführung zwei Jahre in Aussicht genommen sind. wie deutsche Fürsten deutsche Kunst schirmen. Da» Metropolitan- Museum in New Park hat eine Anbetung der Könige von dem alt- kölnischen Meister der heiligen Sippe erworben. Das Gemälde ist den Freunden der attdeutjchen Malerei aus der Münchener Pinalo- Im Unterausschuß war ein Antrag, nach dem dle Regierung die noch vorhandenen Ueberschüsse des Rechnungsjahres 1925 (zirka 33 Millionen Mark) zur besonderen Anleiheablösung für solche Gläubiger verwenden sollte, bei denen wegen hohen Alters«in be- sondere» Bedürfnis zu rascher und weitherziger Hilf« besteht, mit allen Stimmen cngenommen worden. Gegen diesen Antrag machte der Reichsfinanzminister Dr. Reinhold die jchwersten Bedenken gel- tend. Er werde bei Annahme diese» Antrage, den Etat nicht im Gleichgewicht halten können. Auf Grund dieser Ausführungen brachten die Regierungsparteien einen Kompromißantrag ein, in dem die Regierung ersucht wird, aus den Mitteln des Anleihetilgungsfonds, dessen Erhöhung durch die die Boranschläge überschreitende Höhe der Altbesinanleihcn erforderlich wird, einen ausreichenden Detrag zugunsten solcher Anleihegläubi- ger, bei denen wegen hohen Alters und dergleichen ein besonderes Bedürsnis zu rascher Hilfe besteht, durch Rückkauf ihrer Auslosungs- rechte zu einem angemessenen Kurse zu oerwenden. Die entscheidenden Abstimmungen wurden auf Grund eines Vertagungsantrages, und da die Beratungszett de» Ausschusses ab- gelaufen war, vertagt._ Keine Einigung in üer Zollfrage. Auch die Regierungsparteien unter fich uneins. Die Verhandlungen über die Zollfragen, die zwischen den Re- gierungsparteien und den Sozialdemokraten gestern im Reichstag stattfanden, haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Sie wurden daher um 8 Uhr abends abgebrochen und auf Freitag ver- tagt. Am Freitag tn'tt um 9 Uhr vormittags der Handels. politische Ausschuß zusammen, um sich mit diesen Fragen erneut zu beschäftigen. Nach der Au-schußsitzung werden die Be- sprechungen zwischen den Parteien wieder ausgenommen werden. Auch innerhalb der Regierungsparteien ist eine Berständigung über die Zölle noch nicht erreicht. Es bestehen noch klein« Difserenzpunkte, die man aber auszugleichen hofft._ Kriegervereinsterror. Ausschluß wegen Abstimmung beim Volksentscheid. Der Borstand des Kriegervereins Reutz(Saaltreis) richtete an 21 seiner Mitglieder, die sich an der A b st i m- mung zum Voltsentscheid beteiligt haben, folgenden ein- geschriebenen Brief: „Es dürste Ihnen bekannt sein, daß Ihre Beteiligung an der Voltsabstimmung in großem Gegensatz zu dem Zweck und den Bedingungen de- Kriegervereinswesens steht. Laut Beschluß des erweiterten Vorstandes de» Kriegeroereins Reutz-Deutleben sind Sie daher aus dem Berein ausgeschlossen." Der Borsitzende des Kriegervereins war bei'der Abstim- mung W a h l v o r st« h e r. Er saß von früh bis abend» unermüd- lich an der Urne. Die Ausübung des Stimmrecht» gehört zu den Staats- bürgerrechten. Indem der Kriegervereinsoorftand von Reuß die Betätigung dieses Rechts zum Anlaß von Ausschließungen nimmt. handelt er gegen den Sinn des Gesetzes. Hier liegt ein Fall voll- endeten Terrors vor. Bemerkenswert ist, daß Reichspräsident Hindenburg Ehren- vorsipender des Spitzenoerbandes der Kriegeroereine, des K y s s- häuserbuvdes, ist._ Der Völkerbund»kommlssar für Ungarn, Smith, hat wäh- rend seiner ganzen Budapester Amtstätigkeit auf das vom Dölker- bundsrat für ihn festgesetzte Sehalt verzichtet. Er drückte den Wunsch aus, daß der gesamt« Betrag zur Hebung des Budget- Überschusses de« verarmten Lande» verwendet würde. Run wird auf der Technischen Hochschule eine S m i t h- Stiftung zur Unter- stützung von Studenten errichtet, die die technischen Errungen- schaften Amerikas studieren wollen. Die 7Nassenau»wanderung aus Rumänisth-Bessarabien, die auch «in« Folge des rumänischen Schreckensregiment« ist. soll«ine neu« Verordnung einschränken, wonach es den Dauern, denen die Agrar- reform Grund und Boden erhalten haben, untersagt ist, ihren Be» sitz zu veräußern. thek bekannt, wo es jahrzehntelang gebangen hat. Es stammt aus der berühmten Sammlung Boisserös. die im Jahr« 1827 von König Ludwig I. erworben wurde. Bei dem Auseinanderfetzungsversahren mit dem früheren bayerischen Königshaus« beansprucht« dieses be- stimmte Werke der Museen, und unter ihnen war die Anbetung der König« vom Sippenmeister. Sie ist dann in den Kunsthandel ge- kommen und so nach New Park oerkauft worden. Also schützt und schirmt das bayerische Fürstengeschlecht deutschen ffunstbesitz, indem st« ihn ins Ausland verschachert. Man sollt« zum Gedächtnis dieser Treulosigkeit an der Stelle, an der diese, hervor- ragend« Gemälde sich befand, eine Tafel de» Inhalt, anbringen: .Hier hing ein Bermächtn.» deutscher Kunst, durch Generationen treu bewahrt. Das bayerisch« Königshaus entzog«» der öffentlichen Bewunderung und verkaufte e» ins Äusiano" Ein künstliche» Eisenbahnunglück. Anläßlich des dritten Kon- gresses für Rettungswesen und erste Hilf« bei Unglücksfällen, der vom 6. bis 11. September in Amsterdam tagt, wird in nächster Näh« der Stadt ein künstliches Eisenbahnunglück vorgeführt werden. Zu diesem Kongreß haben bereits zahlreiche Regierungen ihr« Be- teiligung zugesagt. Mehr als 100 Vorträge von Sachverständigen au» ollen Ländern der Erde sind bisher angekündigt, darunter zahlreiche Lichtbilder- und Filmvorträge. Zwei groß« De- monstrationen sind in Verbindung mit dem Kongreß vorgesehen, um den Wert der ersten Httfe bei Unglücksfällen praktisch erproben zu können. Die erst« Demonstration ist dos schon erwähnt« Eisen- bahnunglück, während die zwell« Demonstration einen Schiffbruch bei Rotterdam an der Küste von Hoek van Holland darstellen soll. Es wird bei diesen Demonstrationen sowohl ein Gruppenwettstreit wie auch ein persönlicher Wettstreit erfolgen. Das l'ttefle ägyptische Pferd. Das Museum von Kairo wird dcmnächst'�in« neue Sehenswürdigkeit erhalten, die bei den Grabun- gen an der Stufenpyramide von Sacharo gefunden wurde. Man hat hier nämlich einen großen Kasten gefunden, in dem sich ein« vor- trefflich erhaltene Pferdemumie fand. Da» Pferd, da» über 1,60 Meter mißt, ist von dem Anatomen Prof. Douglo» Derry prä- pariert worden und für die Ausstellung hergerichtet. Di« Reste eines anderen Pferdes, die in der Nahe des ersten gefunden wurden. waren nicht mumifiziert und sind daher unvollständig. Nach dem Stil des Kastens, der Schicht, in der die Mumie gefunden wurde, und der Art der in der gieichen Schicht befindlichen anderen Fund- gegenstände kann man das Datum der Beisetzung diese» Pferdes um 1200 v. Chr. bestimmen. Soweit bisher bekannt war, wurde das Pferd.zuerst von den Hykoos-Königen in Aegypten«ingeführt:«» gibt viele Pferdedarstellungen an den Denkmälern der 18. Dynastie. Di« Bedeutung dieses Fundes liegt in der Tatsache, daß es das älteste Pferd ist, das bisher im alten Aegypten festgestellt wurde, und die erst« Pserdemumi«, die gesunden wurde. Eine VIa>en.Aa»steUllng wird in der Ansbacher Gtadthall« am 88. vuyult gelegentlich der Tagung der neugegründeten Ptaten-VefelUchait eröffnet, in der alle Dokumente gezeigt werden sollen, die auf Leben. Werk und Wirkung de« Dichters Plalen Bezug bade». Die Leitung hat Dr. Eduard Rflhl, der Reoraanilator de» Erlanger Plalen- Hause». Ein Znirrnatianaler tioaareh ifir vereri>ll»s»wissen! che fi wird auf Ein- ladung der Dmsschen Gesell lchaü(üc Vererbungtwissenschaft und auf Be- ichluh de» Anlern lUioaalen Ausschüsse» im September 1327 t» Berit» |laU|iA&ciu Was geht in Em Manifest der Opposition als Ueber den Umfang und den Charakter der von der spanischen Regierung aufgedeckten und unterdrückten Bewe- gung gegen Primo de Rivera labt sich ein Urteil bisher schwer fällen, denn fast alle Meldungen, die aus Spanien stammen, unterliegen der Zensur und sind trotzdem sehr wider- s p ruch s v o l l. Die erste offiziöse Nachricht erinnerte an das berüchtigte Kommuniauä des Reichswehrministeriums über den Küstriner Putsch der schwarzen gegen die legale Reichs- wehr im Oktober 1923. Damals war von„nationalkommu- niftischen Haufen" die Refre. Auch die Regierung Cuno hat zunächst versucht, der gegen sie gerichteten Bewegung einen „k o m m u n i sti s che n Charakter" anzuhängen. Gleich danach hat sie aber einige Namen von kompromittierten Per- sönlichteiten genannt, die mit Kommunismus und überhaupt mit Arbeiterbewegung nichts zu tun haben. Hohe Generäle, wie der frühere Generalissimus W e y l e r und der frühere Kriegsminister Aquilera, liberale Uni- versitätsprofessoren und Journalisten sind wegen Unterzeich- nung eines Aufrufes an das spanische Volk gegen das Direktorium verhaftet worden. Nachträglich erfährt man, daß auch der frühere liberale Ministerpräsident R o» m a n o n e s sich nur der Verhaftung durch die Flucht nach Frankreich entziehen konnte. Von einer Bewegung mit „kommunistischem Charakter" kann also gar keine Rede sein, selbst wenn es richtig ist, daß einzelne republikanische und sozialistische Führer den Aufruf mit unterschrieben haben. Eines ist jedenfalls klar: wenn so verschiedene Ele- mente wie Generäle und Sozialisten, königstreue Liberale und Republikaner sich zusammentun, um ein gemeinsames Mani- fest an die Nation zu erlassen, dann ist das schon ein deutlicher Beweis der tiefgreifenden Unzufriedenheit, die in weiten Schichten des Volkes ohne Unterschied der Klasse und der Partei über die militärische Diktawr herrscht. In französischen Blättern ist ein Auszug aus dem Moni- fest erschienen, das den Anlaß zu den umfangreichen und planlosen Verhaftungen geliefert hat. Darin heißt es: „Seit drei Iahren berells übt die Diktatur ihre Herrschaft ohne Kontrolle und schrankenlos aus. Unser Vaterland schreitet schnell zur Auflösung und zur A n a r ch i e. Diele Jahre und schwere Opfer werden notwendig sein, um Spanien wieder aufzurichten. Das Heer kann nicht dulden, daß seine Fahne und sein Ruf durch ein Regime mißbraucht werden, das das Volk seiner Rechte beraubt hat. Arme« und Volk sind durch Primo de Rivera getäuscht worden, der verkündet hatte, daß eine Diktatur zwar notwendig sei, daß sie aber nur vorübergehend sein würde, von Monat Spanien vor! Ursache der Masienverhaftnngen. zu Monat hat Primas Ehrgeiz immer neue vorwände gefunden, um seine Herrschaft zu verlängern." Ob nun die weiteren Meldungen zutreffen, wonach dieses Manifest nur das Signal zu einer militärischen Revolte großen Stiles fein sollte, für die insbesondere die Garnisonen vrn Madrid, Barcelona, Valencia und Saragossa bereits gewonnen waren, läßt sich zur Stunde noch nicht fest» stellen. Die ersten beschwichtigenden Versicherungen Primo de Riveras, daß es sich bei dieser Bewegung nur um das Wert einiger unzufriedener Elemente ge- handelt habe, find mit der Tatsache der 400 planlos vorge» nommenen Verhaftungen schwer zu vereinbaren. Der anarchistische Attentatsplan in Paris. Paris, 1. Juli.(TU.) Die beiden wegen des versuchten Attentats auf den König A l f on s von Spanien festge- nommenen Anarchisten sind heute bereits einem ersten Ver- hör unterzogen worden. Der Anarchist A s c a s o sagte folgendes aus:„Sofort nach unserer Ankunft in Paris haben wir Dorkch- rungen zur Ausführung des Attentats auf den König von Spanien getroffen. Wir hatten die Absicht, uns im Auto nach der nächst- gelegenen Eisenbahnstation zu begeben, wo der aus Madrid kommende Schnellzug ein letztes Mal vor Paris hallen mußte. Wir beabsichtigten, den König durch Revolver- oder Gewehr- schüsse zu töten. Falls unsere Angriffe mißglückt wären, so wollten wir im Auto sofort nach Paris zurückkehren und dort«ine neue Gelegenheit zur Ausführung unseres Vorhabens abwarten." Ascaso verweigerte die Angaben über die Herkunft der lOOO-Pefos- Note, die man bei ihm fand. Die Polizei hatte noch eine Reihe weiterer Verhaftungen spanischer Anarchisten vorge- nommen, die aber nicht in direkter Beziehung zu dem Allentat stehen. Drei Mitschuldige konnten die Flucht ergreisen und werden von der Polizei gesucht.. * Für einen anarchistischen Verschwörer erscheint uns der fest- genommene Ascaso gar zu gesprächig. Anarchisten pflegen ihre Geständnisse nicht so leicht und nicht so schnell abzulegen. Des- halb ist eine gewisse Steps! s gegenüber diesen Bekundungen am Platze. Es sind zwar schon wiederholt anarchistische Attentate gegen den König Alfons verübt worden, einmal in Madrid an seinem Hochzeitstage und einmal vor nahezu 20 Jahren bei einem offiziellen Besuch in Paris, aber diesmal könnte es sich sehr wohl nur um eine Spitzclmache handeln, die den Zweck verfolgen würde, anarchistische Elemente mit der oben erwähnten Protestbewegung gegen das Direktorium tünsllich in Derbindung zu bringen. Etatsberatung im Landtag. Tie Rechtsparteien klage« über Unterdrückung! Der Landtag setzte gestern die dritte Beratung des Gesetz- entwürfe über die Feststellung de» Haushaltsplanes in der allge- meinen Besprechung fort. Abg. Schwenck-Oberhausen(Wirtsch. Lgg.): Man muß sich hinter den Ministerpräsidenten stellen, wenn er dafür sorgt, dag Preußens Rechte im Reich gewahrt werden. Die Regierung muß Auskunft darüber geben, ob es zutrifft, daß die vom Reich gewährten 30 Millionen, mit denen die Hausbesitzer im besetzten Gebiet für ihre Besatzungsschäden entschädigt werden sollten, zum größten Teil für andere Zwecke, wie Siedlungen usw., verwendet sind. Zeder Beamte hat die bestehend« Staatsverfassung zu respektieren, aber in einer gut geleiteten Republik muß auch der monarchistisch denkende Bürger Schutz finden. Abg. Dr. v. vrehmer(völk.) gibt im Namen seiner politischen Creund« eine Erklärung ab, in der der Regierung schärsste» Miß- trauen ausgesprochen und der Etat abgelehnt wird. Abg. Dr. Pinkernetl(D vp.) bemängelt, daß die Regierung mit den vorhandenen Geldern Aktienpakete ausgetauft habe. (Zuruf des Abg. N uschk« sDem.s: Die Stinnes, Giesche, Stumm hoben nach dem Ankauf gerufen!) Mit der j e tz i g e n K o a l i t i o n könne überhaupt keine gesunde Wirtschaftspolitik getrieben werden. Die Art und Weife des Regieren? im Landtage biete immer wieder das Bild ganz einseitiger Parteiwirtschast. Die Republik gehe on ihrer Prätorianergarde zugrunde. Man könne sich nicht wundern, daß die Kreise, die im Gegensatz zur Regierung stehen, das stärkste Mißtrauen haben müßten. Nach kurzen Ausführungen des Abg. Biester(D.-Hannov.) schließt die allgemeine Besprechung, und das Haus beginnt im ein- zelnen die Aussprache zum Etat des Innenministeriums. Abg. Dr. Alarehky(Dnai.) stimmt das übliche Klagelied über die Vergewaltigung der Rechtsparteien an. Jetzt sieht man schon dos Zeichen der schwarzweißroten Farbe in Versammlungen als Provokation an.(Sehr richtig! und stürmisch« Zustimmung bei den Kommunisten.) Der roten Farbe gegenüber ist man nicht so empfindlich. Vielleicht kommt doch noch einmal der Tag. wo die Dinge ander» aussehen.(Aha! und stürmisch« Kundgebungeu bei den Sozialdemokraten und Krmimunisten.) Da» Stockverbot gegenüber den verbänden ist eine Maßnahme zur Wehrlosmachung der Rechtsorganisationen und zur Einschüchterung der nationalen Bewegung. Möchten doch die bürgerlichen Parteien, die in der Re- gierung vertreten sind, einschen, wie g e f ä h r l i ch es ist, das Mi- nisterium de» Innern in der Hand eines Sozia ldemo- k raten zu belasten!(Zuruf des Abg. Riedel: Sie hallen wohl eine Kanoidatenrede?) Die Entwicklung treibt einer p r o l e- tarischen Revolution zu.(Zuruf rechts: Wir werden die Bude schon ausräumen!— Stürmische Segenkundgebungen links.) E» ist kein Zweifel, daß auch die leitenden Männer der preußischen Regierung diese Pläne unterstützen.(Große Unruhe im ganzen 5)ause.) Abg. Eberleia(Komm.) empfiehlt die kommunistischen Anträge auf Entmilitarisierung der Schutzpolizei und Besserstellung der Polizeibeamten. Abg.v.Eynern(D. Dp.) beschwert sich darüber, daß der„Bor- wärts" beim Volksentscheid»seinen kommunistischen Freunden soweit entgegengekommen" ist, daß er sogar zum flaggen der roten Fahnen neben den schwarzrotgoldenen ausgefordert hat.(Lebhaste» Hort, hört! recht».— Unruhe links.) Die Regierung bat positive gesetzgeberische Arbeit überhaupt nicht geleistet. Da» beweist das Schicksal der Städteordnung, die man beisettegestellt hat. Solange die Regierung sich von parteivolitischen Augenblicksstim- mungen lenken läßt, bleiben wirinoerOppositto«. Staatssekretär Meister:.. Der gegen Ministerialdirektor A b e g g erhobene Vorwurf, daß er das Schreiben eines Deutschnotionalen on die Polizei nicht richtig wiedergegeben habe, trifft nicht zu. Es ist ein Schreiben eine» deulschnationalen Stadtverordneten an den Kommandeur der Berliner Polizeiinfoektion III vom l7. Mai 1926, in dem der Dank ausgesprochen wird für den mustergültigen Schuh der deutschnationalen Demonstration.(Hört, hört! links.) Auch die von dem Abg. Dr. Leidig hinsichtlich der Ausführungen des Minifterial- direktors Abegg vertreten» Auffassung, daß die Regierungs- kommistare nicht da» Recht hätten, sich in politische Diskussionen oder persönlich« Auseinandersetzungen mit Mitgliedern des Landtages cinzulasten, ist unrichtig, denn Ministerialdirektor Abegg hatte das Innenministerium zu oertreten. Ich habe namens der Staats- regierung zu erklären, daß sie für ihre Vertreter nicht nur d a s Re ch t in Anspruch nimmt, Auskunft zu erteilen, sondern auch sich in Diskussionen«inzulasien.(Sehr richtig! link»: Gegenkundgebungen rechts.) Redner legt ein Buch auf den Tisch des Hauses, aus dem sich ergebe, was dos Staatsmmisterium gegen Terrorakte beim Volksentscheid unternommen hat. Abg. Ruschke(Dem.) gibt der Hoffnuna Ausdruck, daß Minister Severing die Leitung des Innenministeriums bald wieder in aller Frisch« aufnehmen könne.(Beifall links.) Redner wendet sich gegen die Ausführungen der Abgg. Maretzky und v. Eynern und zählt zahlreiche Terrorfäll« rechtsgerichteter Kreil« beim Volksentscheid auf. In Berlin se» nur ein einziger Reichsbannermann gegenüber mehr als 80 rechtsgerichteten Leuten beim Volksentscheid festgestellt worden. Anhänger der Rechten haben ihre wirtschaftliche Macht schamlos mißbraucht, um einen offenkundigen Druck beim Volksentscheid auszuübenn. Die Herren Maretzky und feine Freunde haben kein« Ahnung davon, was in den unteren Schichten de» Voltes vorgeht.(Sehr richtig! links: Lärm rechts. Abg. Fries lSoz.j, der den Abg. Koch sDnat.s Lügner genannt hat, wird zur Ordnung gerufen.) Die Rcgieruntz muß end- lich hart werden, beim nur die unverantwortliche Schwäch« hat es bisher verschuldet, daß Rechts- und Linksraditale dos Haupt so hoch tragen können Abg. Ladendor(Wirtsch. Bgg.) fordert die Regierung auf, gegen das Rowdytum auf oen Straßen Front zu machzn. Abg. Schüllng(Z.) fragt den Abg. Eynern, was die Deutsche D o l t s p o r t e i geleistet habe, als sie in der Re- gierung faß. Den Rechtsparteien fei es nie ernst gewesen mit der Verabschiedung der Städte» und Landgemeindeordnung. Das gelt« besonders auch von Herrn v. Eynern. Abg. Koch-Beriin(Lnat.) erklärt, feine Partei fei soweit, daß sie alles Material zusammen habe, um die Vorgänge vor und nach dem Volksentscheid darlegen zu können. Abg. varleld(Dem.) bezeichnet das deutschnationale Material als ungenügend, da st« es sonst schon längst vorgebrocht hätten. Damit war die Aussprach« zum Innenministerium erledigt. Nach einer Aussprach« zum Domänenelat wird die Weiter- berotung gegen 6 Uhr aus Freitag 11 Uhr oertagt. Borher: Zweit« Beratung des Gesetzentwurfs über die Trennung und Auseinander- fetzung der Provinzen Ober- und Niederschlesien! Hochwasseranträge. Notftanüsaktion für öie �ochwasiergebiete. Ernährung des Viehs, Ausbesserung der Deiche. Der Amtlich« Preußisch« Presiedienst teilt mit: Im preußischen Ministerium de« Innern fand am 30. Juni«ine Sitzung der Dezernenten der Regierungen und Oberpräsidien der Hochwassergebiet« unter Mitwirkung des preußischen Finanzministe- riums und des Landwirtschoftsministeriums statt. Wenn sich auch die Nachrichten nicht bestätigen, die Deichbrüche größeren Umfangs meldeten, so hat sich doch herausgestellt, daß die Hochwasierkata- strophe innerhalb Preußen» außerordentlichen Schaden verursacht Hot. Ein großer Teil der Ernte in den überschwemmten Gebieten dürste vernichtet sein. Im Mittelpunkt der Erörterungen standen die von den Ober- und Regierungspräsidenten bereits getroffenen Maßnahmen zur ersten Hilfe. Es handelt sich in der Hauptsache um die Sicher- stellungderErnährungdesviehs und die A u s b e f f e- rungschadhaftgewordenerDetch stellen. Zur Linderung der ersten Not wurde den Oberpräsidenten der Provinzen Nieder- und Oberschlesien, Brandenburg und Sachsen 1 Million Mark überwiesen, weitere Geldmittel nach dem Bedarf in Aussicht ge- stellt. Auch steuerliche'Erleichterungen für die ge-- schädigten Gebiete sind in weitem Umfange bereits erfolgt. Außer- dem hat der preußische Landwirtschaftsminister die Regierungen der Schadensgebiete ermächtigt, den durch Hochwasier geschädigten Vieh- hallern die Waldwiesen in den Staatsforsten und die Streuentnahmc gegen geringes Entgett zu gestatten. Die Oberpräsidenten wurden mit der Durchführung der staat- lichen Notstandsoktion beauftragt. Di« endgültige Feststellung der Schäden kann erst vorgenommen werden, wenn der Wasserstand normal geworden ist. Sturm im Unterhaus. Dritte Lesung des Arbcitszeitgesetzes. London, 1. 3ulL(MTB.) Bei der dritten Lesung de» Gesetze» über die Arbeilszeli im Bergbau kam es im llnlerhau» zu stürmischen Szenen, da die Arbeiterpartei von neuem der Erledi>uag de» Gesetzentwurf» erbitterten widerstand entgegensehte, ver Arbeiterparteiler Zone» nannte den ersten Lord der Admiralität, Brldgeman, einen Mörder. Er weigerte sich auch, diese Beleidigung zurückzunehmen und mußte deshalb auf Anordnung des Sprechers den Sitzungssaal verlasse». Eine Erklärung üer fiutonomiften. Für Föderalismus innerhalb von Frankreich. Pari». 1. Juli.(MTB.) DerElsässifch-Lothringtsche Heimatbund hat nun zu dem Kamps, der gegen ihn geführt wird, in einer öffentlichen Erklärung Stellung genommen. Er gibt bekannt, daß er gezwungen sei, gegen die Derleumdun- gen anzukämpfen, die gegen ihn nicht nur in Frankreich, sondern in der ganzen Welt dahingehend erhoben werden, daß er als vereini- gung bezeichnet werde, die im Dienste des Auslands steh« und den versuch mache, Elsaß und Lothringen von dem übrigen Frankreich z u t r« n n e n. Die Tatsache, daß wir un« als nationale Minderheit bezeichnen und daß wir die Achtung unseres Volks- tums, unserer Sprache und Gewohnheiten und Tradition oerlangen, so heißt es in der Erklärung, schließt nichts Antinationales in sich, das heißt nichts, was dem Bestehen der Einheit und der Sicherheit Frankreich» Abbruch tun könnte, noch was geeignet wäre, uns von der gewissenhaften Erfüllung unserer Pflichten gegenüber Frankreich, dessen integrierender Teil Elsaß- Lothringen ist, abzuwenden. Dir erkennen an, daß unser« Forderungen nur durch ein« Reform der französischen Verwaltung verwirklicht werden können. Indem wir diese teilweise Derfassuiigs» reform verlangen, wollen wir nichts anderes als das, was bedeutende Politiker feit Jahren für ganz Frankreich planen, indem st« für eine Dezentrahisotion, die bis zum Föderalismus geht, eintreten. Keine Regierung hat jemals daran gedacht, diese Regionalisten, Föde- ralisten und Autonomisten zu verfolgen, während wir Elsäsier und Lothringer, die wir in dem Gedanken groß geworden sind, ein sode- rolistische» politische» Leben zu führen, und die wir, allerdings mit gewissen Einschränkungen, aber doch zum Besten unseres Landes jahrelang eine Gesetzgebungs- und Berwaltungs- autonom!« genossen haben, wie Verbrecher behandelt wer- den, wenn wir uns erlaube», für Elfah-Lothringen einen verfasiungs- mäßigen Zustand zu fordern, der dem gleicht, den Frankreich bei uns zur Zeit des Waffenstillstands vorgefunden hat. Alle Gewattmillcl, die gegen unsere Bewegung unternommen werden, werden an dem entschlosienen Eharakler der Elsäsier und Loihringer fchciiern. Der Tag ist nicht fern, a» de» das jxanzöpfche Volk begreife« wird, i» welch irriger Weife man es über unsere wahren Absichten unterrichtet hat und in welcher Weise Personen ohne Religion und sittlich« Kraft in leichtfertiger Weise uns mißtraut haben. Justizminister Sabal gegen die Autonomisten. Paris, 1. Juli.(WTB.) Justizminister L a v a l hat heute nach- mittag vor dem Kammerausschuß für elsah-lothringische Fragen über die Disziplinarmaßnahmen gegen die Unterzeichner des "Md'n i f e st c s� des Heimatbundes gesprochen. Er erklärte: Di« jetzige Regierung und die voraufgegangene Regierung haben Elsaß- Lothringen gegenüber eine Politik weitgehender Toleranz betrieben. Das ist in Sprach-, Beamten- und Schulangelcgcnheitcn bewiesen worden. Es hat mich erstaunt» daß gewisse Personen durch das Vorgehen der Regierung beunruhigt worden sind. Es handelte sich in keiner Weise um eine Einschränkung der Kritik und Polemik, die den Elsaß-Loihringern nicht beschnitten werden soll. Die Regie- rung kann jedoch nicht zulassen, was dernationalenEin- heitAbbruchtun könnte, und muß die als G e g n e r behandeln, die sich solcher Handlungen schuldig machen. Der Minister gab schließlich zu, daß die autonomistische Bewegung bis auf die Zeit des Waffenftillstandes zurückzuführen fei. An der anschließenden Bc- sprechung beteiligten sich elsaß-lothringische Abgeordnele. Deutsch-belgische Paßerleichterungen. BiMcze Grenzkarten. Aachen. 1. Juli.(WTB.) Ein eben unterzeichnetes Abkommen, das zum 1. August in Kraft treten soll, erklärt auf deutscher Seite einen Geländestreisen von 15 Kilometern und auf belgischer Seite die Kreise Eupen, Malmedy und das ehemalig preußische Neutral-Morcsnet zum Grenzgebiet. Die Bewohner dieser Grenzgebiete.können gegen Erlegung einer Gebühr von 0,50 Reichsmark oder 1 Goldfranken eine bis zu zwei Jahren gültige Grenz- karte erhalten, die beliebig häufig zu einem Aufenthalt von jeweils sechs Tagen im anderen Grenzgebiet berechtigt. Die Verhandlungen über Erleichterungen im Zollgrenzverkehr sind noch nicht abge- schlössen, aber soweii gefördert worden, daß voraussichtlich nach Ablauf der letzt vorgesehenen kurzen Vertagung ebenfalls zur Unter- Zeichnung eines Abkommens geschritten werden kann. die Ohrfeige für Sethlen. Justh wird nicht nach Ungarn ausgeliefert. Genf, 1. Juli.(WTB.) Der Bundesrat hat dem Unterfuchungs- rtchter E a l m e in Genf mitgeteilt, daß die von der ungarischen Re- gierung verlangte Auslieferung von Iwan de Justh abgelehnt wird. Der Bundesrat beauftragte gleichzeitig den Unterfuchungs- lichter, Justh gegen Stellung einer Kaution von 2000 Franken auf freien Fuß zu segen. Der Angeklagte wird daher aus dem Ge- fängnis entlasten, sobald diese Summe eingezahlt ist. * Der Enthaftungsbeschluß, so selbstverständlich er bei der „Schwere" des Ohrseigendelikts ist. stellt außerdem eine Antwort auf die bodenlose Frechheit der Frankfälscher dar, von einem Rechts- staat zu verlangen, daß er einen politischen Flüchtling wegen einer geringen Uebertretung feinen Schergen ausliesern solle! der präsiöent rügt öas Parlament. In Argentinien. Buenos Aires. 1. Juli.(WTB.) In der Botschaft des Präst- denken de A l v e a r anläßlich der Eröffnung der Parlomentstagung wird ausgeführt, daß Argentinien mit allen Staaten ausgezeichnete Beziehungen unterhält, Im Innern Ruh« herrsche und die Finanzlage zufriedenstellend sei. Der Präsident bemängelt die Langsamkeit. mit der das Parlament an die Behandlung verschiedener Frage» herantritt, namentlich an die Frage des Wiedereintritts Argeutiiiens j» de, Lö(kerbu»d. GewerMaßsbeweguns Um die ,5re!heit* ött Kleinmeister. (Eine internationale Rechtsfrage. Amsterdam. 1. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Ständige Internationale Gerichtshof im chaag ioll in diesen Tagen die im.Vorwärts'(R. 298) eingehend erörterte Frage entschei- den. ob die International« Arbeitsorganisation zur Vorbereitung .nner Arbeitszeitabgrenzung befugt fei. durch die auch die persönliche Arbeitsleistung des Arbeitgebers rechtlich begrenzt wird. Die Aufwerfung dieser.Frage' schlägt nicht nur im Kleingewerbe sedweder Arbeitszeitregelung ins Gesicht und ist ein Beweis für das Sichfühlen der Reaktion. Mit dem- selben Recht, mit dem der Kleinmeister im Bäckergewerbe sich durch das generelle Verbot der Nachtarbeit in seiner persönlichen Freiheit beeinträchtigt fühlt, könnte dies jeder Direktor eines Großbetriebes '.un, well er feine Stenotypistin oder sonstige Angestellte nicht nach seinem persönlichen Belieben zu jeder Zeit beschäftigen kann. Der Haager Gerichtshof soll entscheiden, ob oraktische Sozial- polllik getrieben werden darf oder nicht. Der Präsident Dr. H u b e r gab nach Eröffnung der Sitzung bekannt, daß die ganze Frage für den Gerichtshof ausschließlich juristische Bedeutung habe. Zunächst sprach Herr Barel, der besonders die Folgen einer positiven und negativen Antwort des Gericbtshofes ausein- widersetzte. Bei einer bejahenden Antwort würde ein« Anzahl Staaten die Abmachungen nicht einführen und dadurch die Arbeiter der Vorteile berauben, die sich aus Teil XIII des Friedensvertrages ergäben. Bei einer ablehnenden Antwort würden diese Abmachungen eine viel weiterreichende Anwendung finden. Der Internationale Gewerkschaft»buud war durch den Genossen Mendel« vertreten, der davon ausging, daß die Frage sichnichtausdenbesonderenFallderBäcker- »achtarbeit beschränke. Die Befugnisse der Internationalen Arbeitskonfcrenz feien in erster Linie durch den Friedensvertrag van Versailles umschrieben. In bestimmten Fällen fei es der In. tcrnationalen Arbeitsorganisation gegenwärtig unmöglich, der ihr durch Artikel 23 des Völkerbundsvertrages übertragenen Aufgabe zu entsprechen, um gerechte und menschlich« Arbeitsbedingungen zu sichern und zur Durchführung zu bringen, wenn nicht zur Erreichung dieses Zieles auch für de« Arbeilgeber Beschränkungen seiner Freiheit, zu arbellen, wo und wie es ihm gutdünke, festgelegt würden. Der Haager Gerichtshof setzte am Mittwoch seine Beratungen fort. Genosse Mendels ergänzte seine Ausführungen vom Tage vorher und wie» darauf hin, daß es bei einer Regelung der Haus- i n d u st r i e auch praktisch unmöglich sei, eine scharfe Scheidung zwischen dem eigentlichen Lohnarbeiter und dem sogenannten selbst- ständigen Arbeiter zu machen, da der letztere wohl im juristischen Wortsinne Arbeitgeber heißen könne, aber in der wirtschaftlichen Wirklichkeit und in seiner sozialen Abhängigkeit von demjenigen, dem er sein Produkt liefert, vollkommen mtt einem Lohnarbeller gleichzustellen sei. Der Generalsekretär der Ehristlichen, Serra- r e n s, erklärte, die erste Internationale Arbeitskonserenz habe die Regelung der Böckernachtarbeit mit vollständiger Sachkenntnis ge- troffen. Sie sei einfach dem Vorbild verschiedener Staaten gefolgt. Auch die Verwendung von Bleiweiß beim Färben sei oerboten wör- den. wobei man auch nicht feststellen könne, ob der Arbeller oder der Arbeitgeber das gebraucht habe. Jede soziale Maßnahme schränke nun einmal die individuell« Freiheit im allgemeinen Interesse ein. Individuelle Freiheit sei auch kein besonderes Vorrecht der Arbeilgeber. Anschließend legte Albert Thomas, der Direktor des In- ternationalen Arbeitsbureaus, ausführlich dar, daß die Internationale Arbeitsorganffotion keineswegs ihre Befugnstse überschritten Hobe. Es habe bisher auch kein Staat diele Befugnisse angezweifelt. Erst im Januar 1926 Hab« die Arbeitgebergruppe beim Lerwaltungsrat die Befugnisfrage aufgeworfen. Wenn der Schutz des Arbeiters eine Regelung der Arbeit des Arbeitgebers erfordere, könne man nicht jagen, daß die Organi- sation ihre Befugnisse überschritten habe. Weller bestrill er ent- schieden die Auffassung des Arbeitgebervertreters Pro- fessor Barel, daß die Organisation nur Grundsotzverträge auf- stellen, sich aber mll den Äusführungsmahnahmen nicht befassen dürfe. Auch das inzwischen von Prof. Berel selbst zurückgezogene Argument der Freiheil des Arbeitgeber» könne kein Gewicht in dir Wagschale werfen, da man gerade dieses Argument 49 Jahre lang habe bekämpfen müssen, um überhaupt erst zu einer Arbeitsgesetzgebung zu kommen. Die vom Internationalen Gewerkschaftsbund beantragte Vernehmung weiterer Sachverständiger wurde vom Gerichtshof als nicht erförderlich abgelegt. der panzenvagen-Sahnjchtch. Die Reichsbahngesellschast schweigt. Was tat die Regierung? In Nr. 274» des„Vorwärts' wurde auf den bei der Reichs- bahngesellschaft belliebenen„Bahnschutz' hingewiesen. Ganz be- sonders aber auf die eigentümlichen Begleiterscheinungen dieser Ein- richtung. Die Reichsbahngesellschaft, die sonst mit„Berichtigungen' rasch bei der Hand ist, hat in den 2Z4 Wochen, die inzwischen ver- flössen sind, zu einer Berichtigung keine Zell gefunden. Ja, es wird behauptet, daß auf eine Andeutung hin, wie sich die Reichs- bahn zu der Angelegenheit stell«, die Antwort gekommen sei, auf die Zeitungsangriss« werde sie nichts entgegnen. Dieses Verhalten ist nicht geeignet, den ausgesprochenen Verdacht zu entkräften. Um so notwendiger erscheint es. daß die verantwortlichen Re» aierungsstellen unter allen Umständen den Bau der Panzerwagen im E. A. W. Grunewald unterbinden. Die Bevölkerung muß davor geschützt werden, eines Tages von aufgepeitschten, schwer gerüsteten Elementen überfallen zu werden. Es wird dabei weiter auf die Tatsach« verwiesen, daß auch in der Eisenbahnwerk statt Frankfurt a. d. Oder Panzerwagen im Bau sind. Dazu hat die Reichsbahngesell- schaft, die angeblich aus finanzieller Not Tausende von Arbeitern und Beamten aufs Straßenpsloster wirft, noch Geld genug. Im Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit müssen die Waffen des Bahnschutzes, unter denen sich auch Maschinengewehre befinden sollen, beschlagnahmt werden. Wie es überhaupt dringend notwendig erscheint, die Schuppen und die Uebungen des Bahn- schutzes beim Bahnhof Sperenberg einer dauernden und gründ- lichen Beaufsichtigung zu unterziehen. Was soll dieser militärisch organisierte Lahnschuh? In der deutschen Republik habe« wir genügend polizeilichen Schutz, um Zerstörungen an Volkswerten, wie sie die Eisenbahn- anlagen darstellen, zu verhindern. Eine Einrichtung, wie die Bahn- schutz-Söldnertruppe, kann daneben nur oermuten lassen, daß sie dunklen Zwecken dient, von denen ein Test vor kurzem unter dem Mordiogeschrei der Rechtsputschisten aufgedeckt wurde. Das Ge- heimnisoolle, mit dem sich der gesamte Bahnschutz umkleidet— Handschlag, Eid, Schweigegebot— öffnet allen Vermutungen Tür und Tor. Die im„Bahnschutz' befindlichen Per- sonen, deren große Mehrzahl republikfei ndlich eingestellt ist, darf ein Apparat, wie ihn dieser„Bahnschutz' darstellt, nicht über- antwortet werden. Im Interesse der Oefsentlichkeit löge es viel- mehr, wenn die von der Reichsbahngesellschast so eigentümlich ge- hegte und gepflegte Einrichtung, gleich anderen milstärisch auf- gezogenen Verbänden, a u f g e l o st würde. jnCPCIfCVrinjTtUUttgtn Ittt NuyrvurAvuu. (Eine Wirkung des englischen Bergarbeiterstreiks. Duisburg, 1. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Di« Auswirkungen des englischen Bergarbeiterstreikes aus den Ruhrbergbau zeigen sich in den auf einer Reche von Zechen in den letzten Tagen erfolgten Arbeitereinstellungen. In den zu den Vereinigten Stahlwerken ge- hörigen Thyssen-Zechen wurden über 1790 Bergleute eingestellt. Westere Einstellungen stehen bevor. Auch aus der Zeche Neumühl sind in geringerem Umfange Neueinstellungen zu verzeichnen. Die Belegschaften der Zechen Hardenberg und Minister Stein im Dortmunder Revier sind um 499 Mann ver- mehrt worden. Die Auslandsnachfragen bei dem Ruhrkohlensyndikat haben in den letzten Tagen eine dauernde Steigerung erfahren. Große Liefe- rungsabschlüffe für Ruhrkohlen wurden mit den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich und Belgien getätigt. In einigen besonders gangbaren Sorten, wie Anthrazit, sowie be- stimmten Sorten Gaskohle und Gasflammkohle ist sehr große Knapp- heit vorhanden. Eine Anzahl neuer Bestellungen kann nicht vor Mitte August ausgeführt werden. Die Haldenbestände im Ruhr- gebiet haben fest Ausbruch des englischen Bergarbeiterstreites eine Verminderung von über 1>- Millionen Tonnen erfahren. Die Haldenbestände einschließlich der Syndikatsläger im Ruhrrevier be- laufen sich Anfang Juli auf ungefähr 7 899 999 Tonnen, darunter sind 3 599999 Tonnen Kots._ Streik der New-Borker Konfektionsarbeiter. New Jork, 1. Juli.(Eigener Drahtbericht.) In New Aork haben 49 999 Arbeiter der Konfettion die Arbeit niedergelegt, um eine Lohnerhöhung durchzusetzen sowie die Garantie, mindestens 36 Wochen im Jahre beschäftigt zu werden. Soziale fragen in Australien. Sydney, 1. Juli.(WTB.) 54 Versicherungsgesellschaften weigern sich, entsprechend der von der Regierung von Neusüdwoles angc- nommenen Arbeiterentschädigungsakte Versicherungen zu über- nehmen. Die Akte führt ein System von Angcstelltenversichcriing ein. Biel« Arbeitgeber erklären, daß die kleinen Industriellen nicht imstande sein würden, die hohe Belastung durch die Bersicherungs- Prämien zu tragen._ .Tapezier». Heute, lsrettaa, 7 rm groSen Saal des Gewerksches!,. Hauses Mitgliederoersaunnlung. BorNaq und Branchenaugeleaenheitcn. Er- schein«» ist notwendiz. _ ginonerer. Heut«, lsreitas. 8 JDjt, Mityliederuersannulung der Bezirke Z7 Mahlsburf und 41 ffrcdersfcotf bei S. Anders. Mahlsdorf. Bahnhofstrajir. Bericht vom 24. Berbandstag. Nameroden, sorqt fitr«Uten Besuch dieser Ver- -»sialtung. zentratuerband de- Zimmer». Zahlstelle Berlin. Freie«-»»kschaftejugend. Heute. Freitag, 7H Ahr, tagen die Grupven: Hermannplah tÄeutiilln 2): Jugendheim Eanderstr. U, Ecke Hsbrecklstrahe. Heimbesprcchung und Bericht von der Gefolei in Düsseldorf.— Weddinq 1: Etadtdad Wedding. Serichtslr. Rj/Sg. Heimbesprechuug, Vortrag:„Sport und Jugend'.— OberschSneweid«: Sruppenhcim Laufener Str. 2 sRoter Soal>. Heimbesprechung. Diskussion:„Beruf oder Erwerb?'— Das auch in diesem mied» livttfindend« Falkc»b»a«r Fest wird von uns auf» beste unter- stügt. Iugendkollegen, sorgt in den Gruvpen für lebhafte Beteiligung. Zugendgrup». de, Zd«. K,,,*. Freitag. 7H Uhr, versammeln sich folgende Abteilungen: Osten: Zugendheim Große Frankfurter Str. IS IZimmer(» Sruppenbesprechung.—«uboft: Jugendheim Reichenberger Str. 66-Ns... kussionsabend.— Südwest: Jugendheim Belle-Alliance�tr. 7.10. Sruppe». besprcchung.— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Hermann-Löns-Aben. Zd«. Bezirl Wrißease«: Eonnabend, Z. Juli, keine Versammlung, fondrru gemeinsam» Spaziergang zum Oran teste. Treffpunkt 6>4 Uhr pünktlich om Lindenplag. Verantwortlich für Volilik: Trust Reuter: Wirtschaft: Artur Sat-rnu»: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ehi-r»: Feuilleton: Dr. Joh» Schikowski: Lokales und Sonstiges: Frit, Karstadt: Anzeigen: Tb. Glocke: sämtlich in B»lin. «erlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Bllchdruck»«! und Berlaasanstalt Paul Sinaer u. Eo.. Berlin EW 66 Lindenitraüe 2. j»i»ia 2 Beilage» und..Unterhalt»»g and Bisten*. A. WERTHEIM L«lpzlgar Plate KAalgstraBa Bosen ttialar Strafte Moritzplate Boa-Lie Zitronen- Gärungsgetränk Vgricnafi Oroggn- Abtailmig AüMchgnki Erfrlachungsruim ßebensmitfol Soweit Vorrat Leicht rerderbl. Artikel können nicht zugesandt werden Sich.' Wurstwaren Mettwurst SlT�piSd 150 Feine Leberwurst Pfd. 1.65 Filetwurst.....Pfand 1.65 Tee- u. Zungenwurst m. 1.75 Zervelat u. Salami Pfund 1.80 Schinkenspeck- Pfund i.90 Nußschinken 2.00 Landleberwurst- pfa>d 1.10 Rotwurst..... Ptaad i.iö Grobe Mettwurst PfM ILO Mortadella..... pw-d|.30 Schinkenwurst.. Pfund 1.35 Speck fett pm.|.40 lagdwurst..... Pfund 1.50 ■ewafbalcr Str. KSiilgttr. MorUzpUts: Sülz- u. Speckwurst ml 0.90 Dampf- u. Fleischw. pm- 1.00 Obst und Gemüse Kirschen...... Phnd 010 Junge Möhren-- 3 Busd 0.| o Johannisbeeren. pf-nd 0. 16 Junger Wirsingkohl Pfd. 0. 10 Blaubeeren....Pfund 0.23 Junge Schoten Pfund 0.12 Eierpflaumen... Pfund 0.23 Grüne Gurken' 0.15-n Aprikosen.. Pfuud 0.32 Tomaten...... ptundO.IS Pfirsiche.. J.',. Pfund 0.42 Kartoffeln»e«5Pfd 3S, 45«f Konfitüren r.«ortfert, Mll th,-f fehneb, VulUc, Spcitc- M Deutscher Kakao Pfund 0.80 Sandgebäck...Pfand(.00 Borkensehokolade � 0.30 Teegebäck.....">»><- 140 Kolonialwaren Weizengrieß... Pfund 0.28 Bruchmakkaroni Pfnd 0.42 Auszugmehl 5 Pfand-B«ut«i(.35 Konserven ,M Dom Hi Hammelfleisch wciskoM 0.65 Rindfleisch«.frisch pitindi 1.20 Gulasch v. Do»« 0.60 f L20 Rotwurst""ptSSÄ 0.70 Leberwurst ptumi-dom 0.58 Oelsardinsn port«g,iauhd.o.36 4 Tafeln Schokolade 4,001 Broch- u. Schnittbohn. 1 0.68 Ig. Erbsen"w?' 0.74 w» 1.20 Rote Rüben....... 0.50 Sellerie.•••••••• 0.80 Apfelmus......... 0.62 Ananas» s»«»«,....>.65 Pflaumen sfeu OSO s"'n 0.70 Preiselbeeren_ �... 10 Pld.-Doae 3.20 Vi 0.72 Konfitüren Frisches Fleisch Schmorfleisch-u**><*»..... pi_i 90». Querrippe...............• 75« Kalbskamm u. Brust--•-p—> 75 p Kalbsrücken 1« Hammelvorderfleisch � 90 p' Hammelkeule*»>->d«efeUi. iw iio Schweinebauch- 1* Schulterblatt u. Rücken Im Gehacktes Fleisch....... p*-»* 75 pt la Ochsenfleisch 54 � Geflügel Suppenhähne...Pfund 0.95 Suppenhühner Ptundv. 1.25« Junge Gänse Pwnd L05 iL5 Junge Enten...Pfund 1.45 Fische Schellfische........... Kabeljau Kopf,«»»»« fua«... Seelachs*»*1,««« mmi««... j Pt Goldbarse««« n-»- 15 Rotsuneen***...........«-f 20« Lebende Schleie..... �.. Kleine Wiener Torten 75*. tm Erfritrhuiigsrmmm t Stück mtt Mtlagsofme ZS P). Romatour..... stock 0.20 Camembert voiH«tt stock 0�0 Stangenk.«. din. Gouda 0.68 Tilsiter.. Pfund 0.50 1.15 Edamer....... Pfund 0.75 Holländer..... Pfund 0.85 Bierkäse». Steinbusch. 1.00 Käse u. Butter Schweizer � 0.98 J" 1.65 Margarine..... Pfund 0.56 Molkereibutter �� 0.82 0.88 Tafelbutter.— Pfund 1.84 Tafelbutter 0.98 Kokosfett. 1 Pfund-Tafel 0.68 JPfaKl 13. Kondensierte Vollmilch 275 Gramm-Dose 0.35 Comed Beef v> 0.85'a L65 ESUÄSsf»» Einkochgläser ohne Ring für»/.*U 1 1'/.»Ltr. � 0.34 0.36 0.38 0.40—— Ponn- 0.40 0.44 0.46 0.48 0.55 Gummiringe eng und weit, 10 Stück 0.40 bei Abnahme von 100 Sttlck Ein koch gläsern 5 Proz. Rabatt Verzinkte Einkochapparate 5.95 Räucherwaren Schellfische, Dorsche 0.27 Aale f» 2.30 2.65»und 0.46 Seelachs w sillc»»». pid. 0.38 Lachs w smeken, ptd.|.25 1.45 p|-"",|.ern.....~unÜS"J? Hollfind. Sardellen Bücklinge..... Pfund 0.42 Eimer c«. 2 PfUnd br. 2.50 Gebrannter Kaffee Konsum-Mischung Pfand 2.30 Haushalt Misch.. Pfund 2.60 Glehus-Mischung pfund 3.80 Sondsr-Mischung ffunck 3,00 Residenz-Misch..Pfund 4�20 Olympia-Mischung Pfd- 3.40 Elite-Mischung. prund 4.60 Wein Preim für Vi PUaAr ebuthUefilidt Berliner OHrSnkcrtner. ohne Olot Frankfurter Apfelwein 1921 Berncasteler _____.Badcles Urquell- U.Öb besiechend sehCn 2.00 1924 Gumbsheimer Neuberg San Antonio 0 95 ■no»«us T", rt" 0-75 1922 Chät- Renouil-Franquet 1924 Nrtteler Leiterchen(Dou«t Fr�res) gchaiivoiier, Riesling»Prl,z-'nschn,0Iel 0.90......... LoU 1922 Trittenh. Saarley,.. Deutsch.„Bio�-Weinbr.,.. sülllf, pikant I.Uü. 38 VoL Prozent O.UU 1922 Zeltinger blumig, von 1,25 Cacaolikör iManegoid). 3 00 1922 Iphöfer Kalb Kirschsaft./. n v,. 0ft Frankenwein Im Boxbeulcl 1.40 mit Flasche FI 0 75 Fi. 1.30 1924 Liebfraumilch Himbeersaft./. nony, ,An retae Art nnd SWe I 50 kein. IN. Flasche Fl. 0.60 Fl. L40 Wein vom Faß*.& Apfelwein.Boredorfer-. 0.50 Rot. Johannisbeerwein... 1924 Temmelser,..,»us. krllm? 0.90 Bowieamoael 1.00 Tarragona„SpeziaI"»u° 1.40 Johon i/iu*mrhauf Bedeutend herabgesetzte Preise in fast allen Abieibmgen Beginn 1. fuü Rc. 306 ♦ 43. Lehrgang 7. Seilage öes Vorwärts Ireitag, 2.IllUl026 Die erste Ksthbackstube Serlins. In Verlin werden jetzt von Retchswegen die Fischesser gefördert. Dos ist eine Sache, die man fördern soll, denn Fischsleisch ist eines der besten und wohlfeilsten Nahrungsmittel, wenn es ent- sprechend zubereitet und mit Verständnis für seinen Charakter ge- backen oder gekocht worden ist. Daran mangelte es bisher in Berlin sehr. Um diesem Uebel abzuhelfen und einen Versuch mit der Cinsührung des Fisches als Bolksnahrung zu machen, ist jetzt, mit Unter st ügung des Neichsernährungsministeriums in der Mittel st raße 64/KS(Ecke Tharlottenstraße) die erste Berliner Fischback st»be erösfnet worden. Was einem in diesem freundlichen hellen Lokal angeboten wird, ist schon geeignet, der Fischnohrung Freunde zu werben. Das gebacken? Fischsilet, das hier mit Lartofselsalat oder gebratenen Kartoffeln für 60 Pfennig gereicht wird, ist in der Tat von einer Vollendung, wie man sie bisher bei Fischspeisen in Berlin nicht kannte. Natürlich ist das Ganze zunächst ein Experiment, denn es ist die große Frage, ob sich der Gaumen des Berliners dafür begeistern kann. Was den eigentlichen Anlaß zur Errichtung. von Fischbackstuben bildete, mag folgendes erklären: Die Zlotlage der Seefischer. Trotzdem Deutschland seine Seesischproduktkon gegenüber der Vorkriegszeit ganz bedeutend gesteigert hat(wrr haben im Jahr« 1925 ein Gesamtergebnis von über 200 Millionen Kilo im Werts von 5ä Millionen Mark), befindet sich unsere Seefischerei und die gesamle Seefischwirtschast in einer recht schwierigen Lage. Man hat während des Wiederaufbaues nach dem jkriege alle Kraft auf die Hebung der Produktion verwandt,«in Vorgehen, das in den ersten Jahren nach dem Kriege seine Berechtigung hatte und zu keinen Schwierigkeiten geführt hat, aber man hat auf der anderen Seite nicht dafür gesorgt, daß für diese vermehrte Produktion auch der genügende Msatz im Inland« vorhanden war. Wir waren in den letzten Iahren gezwungen, fast die halste der Produktion unserer Dampshochieesifcherei direkt in da» Ausland zu bringen, da der heimische Handel nicht in der Lage war. diese Fangmengen zu einem erträglichen Preise aufzunehmen. Wir haben gewaltige Mengen unserer Produktion in die Klippsischwerke geben müssen, welche ein Produkt herstellen, das wiederum ausschliehiich im Auslands abgesetzt wirb, und ein weiterer großer Teil unserer Produk- tu-n ist in die Fischmehlfabriken gegangen. Kaum die Hälfte unserer Ceesischproduklion wurde dem einheimischen Verbraucher zugeführt. Diese Vernachlässigung der Absotzregelung macht sich nun in den Apparat zum Backen der Fische. letzten Jahren in unserer Fischerei schwer fühlbar. Der Produzent erhält einen Preis, bei dem er nicht bestehen kann. Die hochsee- fischerei ist gezwungen, einen großen Teil ihrer Dampfer während langer Monate im Zahr« still zu legem In der Kleinfischerei hat schon mancher tüchtige Berufsfischer seinen Betrieb aufgegeben, da er für seinen Fang keinen Absatz zu einem erträglichen Preise fand. Es gilt nun diesen Fehler der vergangenen Jahre, nämlich die Ver- Der Fisch wird ohne Vbasscr and Fett im eigenen Saft gekocht nachlässigung der Absatzförderung, mit allen Kräften so rasch als möglich wieder gut zu machen und olle Kraft aus die Lösung der Secsischabsagfrage in Deutschland zu verwenden und Produktion und Nachfrage zueinander in das rechte Verhältnis zu bringen. Eine sehr gute Hilfe, den Seefischoerdrauch zu fördern, werden die Fischbackstuben sein Großbritannien, unser Vorbild in der See- fischerei. verbraucht 30 Proz. seiner Seefischprodukte im eigenen Lande, und von diesen 80 Proz. werden wiederum 40 Proz., also fast die Hälfte der Gesamtproduktion, durch die Bratfischküchen, Brat- sischläden und Lratsischrestaurantz dem Verbraucher zugeführt. Dieses Ziel soll räch Möglichkeit auch in Deutschland erreicht wer» den. In vielen Städten Dsuischlands, z. B. in Hamburg. Kuxhaven. Bremen, aber auch im Binnenlande, z. B. Düsseldorf, Frankfurt a. M. und anderen Städten sind bereits Bratfischküchen eröffnet, und zwar mit recht gutem Erfolg, so daß wir hoffen dürfen, daß in Berlin der zurzest noch verhältnismäßig außerordentlich ge- ringe Sesfischvcrbrauch durch die Einführung dieser Bratfischstuben beträchtlich gesteigert wird. Freigabe der Wuhlheide. Am Sonntag, den 4. Juli, vormittags gegen lOl? Uhr. findet eine Besichtigung der fertiggestellten Teile des Volksporks Wuhlheide mit anschließender Freigabe an die Bevölkerung statt. Freigegeben werden der Rodelberg mit Heckengarten und Dolkstanzbühne. die Volkswiese und Terrassenanlagen mit Rofenlauben, ferner das Planschbecken und der Sandspielplatz für Kinoer. Der Volkschor Südost und die Tanzgruppe der Arbeiterjugend haben ihre Mitwirkung zugesagt und werden einige Lieder sowie Kruppen- und Einzeltänze zum Dortrag bringen. Di« Freigabe an die Bevölkerung dürste gegen 12 Uhr erfolgen. Es darf wohl er- wartet werden, daß die Anlagen, die unter erheblichen Geldvpfern im Interesse der Bevölkerung geschaffen wurden, nunmehr vom Publikum auch pfleglich behandelt werden. Di« Wuhlheide, die im Absterben begriffen war, hat viel Müh« und Arbeit gemacht, um sie zu dem zu machen, was sie heute ist bzw. noch werden soll, des- wegen:„Bevölkerung, schütze deine Wuhlheidel" Di« Gesangs- und Tanzdarbietungen sollen nochmals für die Bevölkerung um 12 Uhr mittags zur Vorführung gelangen. Wo ist öer platz öer Republik Z J.'dcr Römer kennt das llorurn romanum, jeder Wiener kennt den Ring des 12. November, aber heute kennt noch nicht jeder Ber- liner den Platz der Republik. Interessante Resultate ergab eine Rundfrage. Der Schupobeamte am Brandenburger Tor korri- xrert keineswegs die Frage nach dem„Königsplatz', sondern antwortet prompt danach,(hoffentlich schlug er nicht im Geiste auch noch die hacken zusammen.) Werterer Kandidat ist ein kleiner, etwa neunjähriger Junge. Auf die Frage nach dem Platz der Republik schüttelt er nicht etwa unwissend den Kopf, odtr springt nach Kinderart einfach davon. Der kloine Mann stellt sich, geehrt durch das ihm bewiesene Vertrauen, erst mal richtig in Positur, streckt wie ein ausgewachsener Verkehrsbeamtcr den rechten Arm nach der betreffenden Richtung und erklärt ln gewählter, sachlicher Art:„Der„Platz der Republik' ist in allernächster Nähe. Sie gehen die Fnedensallee rauf und biegen bei der zweiten rechten Kreuzung ein.' Seine Augen leuchten ordentlich und mit einer gefälligen Verbeugung geht er stolz weiter. Dann kommt einer, der das Examen sogar mit Auszeichnung besteht. Der Schaf jn er des Autobus, der die Frage nach dem Königs- platz mit dem lauten oerneymlichen Ausruf:„Platz der Republik' beantwortet. Der läßt sich sicherlich nicht leicht ein I für ein U vormachen. Ein anderer Schaffner hingegeri, wirk" just im Moment der Ankündigung:.Platz der.. durch eine energische Dame mit dem höchst kategorischen Imperativ unterbrochen:„Ist hier der Königsplatz?', worauf der gute Mann ausgerüstet mit den besten Vorsätzen, prompt brüllt: K— Ö— n— i— g— s— platz! Sind das nun. kausmännifch gesprochen,„bore? majeure', zu deutsch: höhere Gewalten. Das alles wird wohl besser werden, wenn in der Zeiten Laus auch noch die omiösen Straßenschilder„Straße am Königoplatz' nmgctaust werden. Sind wir dann glücklich so weit, dann haben die Schupobeamten zur osfiziellen Auskunstserteilung an die.Unwissenden' immer noch die guten, alten Straßcnver- zeichnisse, ollwo es den Königsplatz natürlich noch immer gibt. Um- lernen ist eben schwer!— Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß in Wien— bis auf ganz wenige Ausnahmen— sämtliche dynastischen Namens- bezeichnungen der Straßen durch solche ersetzt wurden, die der heutigen Staotssorm und ihren maßgebend«» Persönlichkeiten«nt- sprechen. die Tat eines SteUungslofea. volle Aufklärung des Raubüberfalls auf den kaffenbotea. Nachdem gestern der Kaufmann Otto Ulrich dem im Krankenhaus liegenden Kasfcnboten Peschcl gegenübergestellt worden war und dieser in ihm bestimmt den Muber wiedererkannte, wurde der Ver- haftete aus dem Polizeipräsidium noch einmal von Kriminalloinmissor Wcrneburg eingehend oerhöil. Unter der Last der Beweise brach der Festgenommene endlich zuiammen und legte«in umfassendes Geständnis ab. Wie er sagt, wurde er in seiner Bankstellung abgebaut und konnte keine neue Beschäftigung finden. Seiner Frau, die ihn um Wirtschaftsgeld anging, redete er vor. daß er einen Posten als Börsenmakler erhalten habe und bald wieder Gold nach Hause bringen werde. Tatsächlich besaß er nichts mehr. DJ er ober zum Monatsanwng größere Zahb-ngen zu leisten hotte, lafstc,«« den Plan, auf der Reichsbank eine Gelegenheit a!i»zukundtki?aftc»i>. bei der er einem Kafsenbolcn das Geld entreißen könnte. Mehrere Tage lang beobachtete er die einzelnen Boten und merkte sich auch die Kasse, an der die Leute abgefertigt wurden. Am Mitlwoch erschien Pesch«! in der Reichsbank, und der Beobachte'' Härte, daß er 10 000 M. für die Landbank einkorderte. Er ließ ihn nun nicht mehr aus den Augen, folgte ihm und wartete auf einen günstigen Augen- blick, um dem älieren Manne die Tasche unter dem Ann weg- zurciheu. Dieser Augenblick fand sich nicht. Nun eilte ülnch voraus und verbarg sich in dem etwas dunklen Borraum des Hauses. Er will ursprünglich nicht d> e Absicht gehabt haben, aisi den Boten z u schießen, trug vielmehr, wie er sagt, die Waste gesichert in der Hosemasche. Als Pesthel Widerstand leistete und mit einer Hand in die Tasche grisf, will Ulrich geglaubt haben, er wolle einen Revolver zieheir, riß nun seine Wasse heraus und feuerte. 21, Oer lvobbly. von L. Traven. Copyittlit ky Buchmeistir-Berlaz, Berti»»nd Leivzix. Dann aber raffen sich doch einige auf und bitten die Seüoritas um einen Tanz. Es ist zum Lachen. Sie tanzen überformell, die Herren. Und die Sesiorilas, um es den Herren zu erleichtern, schmiegen sich ihrer ganzen Lange nach an ihre schüchternen Tänzer. Es ist fruchtlos. Und die Seüoritas tanzen nun ebenso formell wie die braven Herren. nicht, was sie zu den Damen sagen sollen. Es ist wie in einer Tanzschule. Die Seüoritas. die mit ihresgleichen tanzen, tanzen weilen in der überdeutlichsten Weise, um die Herren auf si zu lenken. Aber merkwürdig, es zieht nicht. Sie erreichen ihre Absichten viel leichter, wenn sie elegant tanzen, ohne Wackellagen und Schmiegelagen. Die Künstlerinnen unter ihnen, die Weisen, wisien, daß sie die meisten Erfolge haben, wenn sie die Heren an deren Bräute oder deren Freundinnen aus der Gesellschaft erinnern können. Aus diesem Grunde sitzen auch viele der Seüoritas vor ihren Türen und häkeln feine Soi�n oder sticken feine Tücher. Es ist ein Trick, der seine Wirkung nicht verfehlt. Er erinnert die Herren, die hier in fremdem Lande sind, wachen- oder monatelang auf See, im Dschungel, im Busch waren, an traute Häuslichkeiten der heimatlichen Erde. Manchistal führen die Herren ihre Seüoritas wieder zurück zu ihren Plätzen, während sie selbst wieder an die Bar gehen oder sich einen Platz in den Nischen nehmen. Dann aber ladet auch ein Herr eine oder zwei oder— besonders wenn er sich nicht recht traut, mit einer allein zu sitzen— drei oder vier Seüoritas an seinen Tisch. ..Was trinkest Sie, Seüorita?" „Ich. einen Whisky und Soda. Ich einen Iugo de Na- ranja, einen Apfelsinensaft. Ich, eine Flafäze Bier. Ich möchte ein Paketchen Zigaretten." Keine bestellt Sekt oder einen teuren Wein. Sie neppen nicht. Wenn freilich der Herr protzen will, oder er will durchaus feine vier Monate Arbeitslohn in einer Nacht ver- hauen, dann bestellt er Sekt und wer weiß was sonst noch und ladet mit einemmal sämtliche Seüoritas, die anwesend sind, zwanzig oder fünfundzwanzig, ein, an dem arohen Ge- läge, das nun beginnt, teilzunehmen. Dann wird es lustig. Es ist nichts verboten, und Polizeistunde gibt es nicht. Der Saloonbesttzer hat seinen Steinpclbogen mit den Steuer- marken im Lokal hängen und Hai das Recht, fein Geschäft so zu betreiben, daß es keinen Schaden leidet. Wo geneppt wird, geht morgen niemand mehr hin, die ganze Stadt weih es in zwölf Stunden. Der Besitzer muh zumochen. Um das Neppen zu verhüten, hat er grohe Plakate im Saloon hängen: „Jedes Getränk ein Peso" oder„Jedes Getränk fünfzig Centavos'. Sie brauchen keine Polizeivorfchriften. Gäste i'Nd Restaurcteure regeln das selbst durch die Freiheit ron Angebot und Nachfrage, durch die Freiheit der Konkurrenz und ourch das Fehlen von Konzessionsverpflichtungen. Wenn zuviele einen Saloon aufmachen, braucht keine Behörde ein- zugreisen, die überflüssigen gehen von selbst pleite. Nur die Nichtnepper, nur die. die si.r gutes Geld gute Ware liefern, überleben. Bier Polizisten und ein Inspektor halten in diesem grohen Viertel die Woche, und sie haben so selten etwas zu tun, daß es auffällt, wenn sie einmal eingreifen müssen. Sie brauchen nur ganz selten einen Betrunkenen in Sicherheit zu bringen, weil selten ein Betrunkener zu sehen ist. Und wenn man doch einen sieht, so ist es ein indianischer Arbeiter oder ein heruntergekommenes Halbblut. Im Streifalle mit den Seüoritas und den Herren sind sie auf leiten der Schwächeren, der Seüoritas. Und nur, wenn der Herr zweifelsfrei im Recht ist, dann wird ihm beigestanden. Zwei oder drei Detektive mischen sich unter die Leute. Sie suchen nach den Opium- und Kokainverkäufern, die hier in diesem Viertel ihre Kundschaft finden. Osuna und ich wir setzten uns an einen Tisch und be- stellten Bier. Dann tanzten wir mit zwei Seüoritas und luden sie ein, sich zu uns zu fetzen. Sie tranken ein Gläschen Whisky. Wir wußten nicht, was wir zu ihnen reden sollten. Und es tat mir leid um die Seüoritas, die sich die größte Mühe gaben, eine Unterhaltung in Gang zu bringen. Ich war immer froh, wenn wieder ein Tanz einsetzte, weil man mit den Füßen leichter fortkonnte als mst der Zunge. Um überhaupt zu reden, fragten wir die Seüoritas nach allen möglichen dummen Sachen. Ob sie jede Woche den Ar�t sehen müßten oder nur alle zwei Wochen. Ob diejenigen, die nicht in den Saloons tanzten für ihre Häuser 150 oder 200 Pesos den Monat zu zahlen hätten. Wieviel sie durch- schnittlich verdienten. Sie hielten uns sicher für außerordentlich stupid, daß wir so blöde geschäftliche Fragen an sie richteten, statt von den mehr interessanten Dingen des Lebens zu sprechen. Aber sie verloren ihre gute Laune nicht. Das tonnten sie auch nicht gut, weil sie keine Launen hatten. Die dursten sie nicht haben. weil es dem Geschäft hinderlich werden könnte. Und weil sie keine Launen hatten, sühllen sich viele Herren, die Familie satten, hier wohler als in ihrem 5)ouse! denn es gibt nur wenige Männer, die launische und zänkische Franxn lieben. Die Erholung hier war für solche 5)erren die Geldausgabe wert, hier waren die Herren immer»ergnügt. Und ich glaube sicher, wenn sie zu Hause stets ebenso vergnügt wären wie hier, würden manche keine zänkischen und launischen Frauen daheim vorfinden. Endlich sagt« Osuna:„Es ist elf. ich glaube, wir gehen." „Gut," sagte ich.„gehen wir." 1». Wir kamen heim um halb zwölf. Um zu der Kammer zu gelangen, wo wir unsere Arbeitshost anziehen wallten, mußten wir an der Backstube vorüber. Sie waren feste am Arbeiten da drin. Wir guckten durch die Tür, und der Meister sah uns. Er zog seine Uhr und sagte:„Es ist gleich zwölf." „Das weiß ich," erwiderte ich.„wir haben es eben an der Kathedrale gesehen. Und überhaupt, ich höre auf." „Wann?" fragte der Meister. „Jetzt," sagte ich. „Dann sagen Sie ev dem Alten. Er ist vorn im Easch" „Das habe ich gesehen. Das brauchen Sie mir mcht zu sagen. Ich bin ja durch das Caf6 gekommen." „Ich höre auch auf." sagte nun Osuna. „Warum wollt ihr denn beide aufhören?" fragte der Meister. „Wir sind doch keine Blödhammel, daß wir hier jeden Tag fünfzebn und achtzehn Stunden arbeiten," saote Osuna. „Ihr habt wohl getrunken?" fragte der Meister. Osuna ging gleich auf ihn zu:„Was sagen Sie?" „Ich werde doch wohl sagen dürfen, daß es gleich Mölf ist," rechtfertigte sich der Meister,„wenn wir hier schon seit zehn arbeiten und so viel zu tun ist." „Sie können sagen, was Sie wollen," meinte ich,„aber nicht mehr zu uns. Sie sind nicht mehr unser Meister." „Gut," sagte der Meister darauf,„dann geht aber auch gleich. Dann braucht ihr hier auch nicht mehr zu schlqfen, und morgen früh noch das Frühstück mitnehmen, gibt es auch nicht."(Fortfttzung folgt.) Nach diesem Gestandni« wird Ulrich dem Untersllchmgsrichter vorgeführt werden. Seine Frau, die von seinem räuberischen Plane nichts wußte, erlitt, als man ihr die Nachricht brachte, einen An- fall nervöser Erblindung. Ihr Zustand hat sich indeiien schon wieder etwas gebessert. Der 12jährig« Sohn aus erster Ehe hat sich die Tat des Soters so zu Herzen genommen, daß er am Donners tag vormittag Selbstmord verüben wollte, um die Schande der Familie nicht überleben zu müssen. Die Großmutter konnte ihn im letzten Augenblick vom Fensterbrett zurückziehen. Für den Überfallenen Peschel besteht keine Lebensgefahr mehr. Medizin und Siochemie. Eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Ein kleines medizinisches Kolleg, an dem hervorragende Autori- täten, wie Geheimrat Professor Dr. August Bier, Gerichtsarzt Pro- fessor Dr. Srrauch und Professor Guettich von der Charite teil- nahmen, fand vor der großen Strafkammer des Landgerichts III statt, die sich damit zu befassen hatte, ob dem Büchsenmacher Louis Schlief ein fahrlässiges Verschulden an dem Tode eines vier- jährigen Kindes zur Last falle. Schlief ist Berater biochemischer Vereine und hatte das vierjährige Kind des Klempnermeisters Schmidt gegen Mittelohrentzündung mit biochemischen Salzen be- handelt. Der Fall lag besonders eigenartig. Das Schösse ngeri cht Wedding hatte Schlief bereits wegen sahrlästiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Anklagebehörde fand die Strafe zu niedrig, und Staatsanwalt- fchaftsrat Vater beantragte auch eine Erhöhung der Strafe.auf ein Lahr Gefängnis, während Rechtsanwalt Dr.' Frey für den An- geilogten, der nach seiner besten Ucberzeugung die biochemische Methode angewendet hätte, Freisprechung verlangte. Es war ein ganzes Heer von Sachverständigen ausgeboten worden, medizinische Auioritäten und biochemische Aerzte. Der vierjährige Junge war Ansang Januar l9Zö an einem Ohrenleidcn ertrankt und von dem Bater zur Untersuchung nach der E h a r i t e gebracht worden. Hier wurde Mittelohrentzündung festgestellt und eine Durchstechung des Trommelfelles vorgenommen. Dos Kind wurde zunächst in der Choritc ambulant weitcrbchandelt. Als sich der Zustand v e r- s ch l i m m e r t e, hielten die Ehoritcärzte einen operativen Ein- griff für erforderlich, der am nächsten Tage vorgenommen werden sollte. Zufällig leinte der geängstigte Voter am anderen Tag den B ochemiker Schlief kennen, und noch einer Unterredung mit diesem nahm Schmidt sein Kind aus der Charit? heraus und vertraute es Schlief an, d-r es mit biochemischen Tabletten behandelte. Der Zustand des Kindes verschlimmerte sich. Auf Anroten von Schlief zog Schmidt noch den approbierten Arzt Dr. Döbel hinzu, der die Behandlung Schliefs bestätigte. Der Zustand des Kindes ver- schlimmerte sich aber immer mehr, und so ging der Vater noch ein- mal mit dem Kind zur Charite. Jetzt war es aber zu spät. Das Kind starb. Gcheinirat Professor Dr. Bier richtete an den Zeugen mehrere Fragen u. a.: Ist dem Zeugen bekannt, daß seit den Zeiten des Hippotrates, also seit 2kilX) Jahren, die Heilkunde auf dem Standpunkt steht, daß einem Abszeß durch das barmherzige Melser der Wca nach außen geöffnet werden muß? Das ist eine der elemen- tarstcn Regeln der Medizin."— Zeuge Dr. Döbel:„Das ist mir be- kannt, aber auf Grund meiner Erfahrungen mit der biochemischen .säe lmethode bin ich von diesen' alten Grundsatz abgekommen. Ein Eingriff war nicht nötig, weil ein Abfluß des Eiters vorhanden war."— Geheimrat Bier erwidert darauf, daß das nach den Fest- stellimgen der Eharitcärzte nicht der Fall gewesen sei. Von den sechs Sachverständigen, die vernanimen wurden, stellte sich nur der biochemische Arzt Dr. Messing auf die Seite des Angeklagten. Di- anderen Sachverständigen fanden das Verhalten des Änge- klagten durchaus schuldhast. Gerichtsorzt Prof. Dr. Strauch er- klärt, von einer Behandlung könne weder bei Schlief noch bei Dr. Döbel die Rede sein. Bei Stofswechselkronkheiten, wie Gicht, .bucker, könne vielleicht die Natur durch Salze beeinflußt werden, nicht aber bei chirurgischen Krankheiten. Geheimrat Prof. Dr. Bier .«rklärte, er selbst sei der erste gewesen, der. Mittelohrentzündungen konservativ behandelt habe, aber er würde memaks bei einem Icntelohrabszeß so leichtfertig sein, den overatrven Eingriff zu ver- meiden, ahne vorher einen Ohrenarzt zu Rate zu ziehen. In diesem , rolle seien die elementarsten Regeln der Medizin vernachlässigt worden. Nach längerer Beratung kam das Gericht, ohne.zu dein «treit zwischen Biochemie und Schulmedizin Stellung nehmen zu d" Ueberzeugung daß der Angekloate Schlief sich der .rohrlaiNgkeit schuldig gemacht habe. Auch Dr. Döbel habe in un- sachaemaßer Weise gehandelt. Der Angeklagte habe in geradezu unglaublicher Ileberhebung und Leichtfertigkeit gehandelt und daher erschien den, Gericht das erste Urteil keine ausreichende Strafe Diese id Haar- fchneideftub« einzurichten, wurde dem Bezirksamt zur Ausführung Überwiesen. Für reparoturbedürfliges Schuhwert eine Sammelstelle einzurichten, wurde abgelehnt, nachdem festgestellt war. daß die Wohl- fahrtskanunissionen im Bedarfsfall« für Reparaturen die Kosten Über- nehmen. Die Ferien wurden für die gleiche Zest wie die der Stadt- verordnetenoersammlung festgesetzt. Zum Ankauf eines Konzertflügels für Zmeckc des Bolksbildungsamtes wurden 20 0 0 Mark bewilligt. Gegen den Plan der jüdischen Gemeinde auf Vergrößerung ihres Friedhofes wurde energisch protestiert und noch- folgender Antrag einstimmig angenommen:„Dem Vernehmen nach Hot das Polizeipräsidium die Drohung ausgesprochen, daß es den Plan der Neuanlegung des großen jüdischen Friedhofs zwischen Greifswalder Straße und Kuiprodeftraße genehmigen werde. Gegen diese Zerreißung des öfttichen Teiles unseres Berwalutngsbezirks und die Vernichtung der Pläne für die Errichtung des lebensnotwendigen Doltsparkes und der Schulgärten muß schärfster Einspruch erhoben meiden. Das Bezirksamt wird ersucht, den Magistrat zur sofortige» Vorstellung bei dem Minister des Innern zwecks Verhinderung dieser drohenden Gefahren zu veranlassen." 5. Bezirk— Fricdrichshaill. Die letzt« Sitzung der Bezirksversammlung Friedrichshain hatte noch eine reichhaltige Tagesordnung zu erledigen. Vorerst kam eine Dringlichteitsansrage unserer Fraktion zur Verhandlung, die sich mit dem Bau eines eigenen Kraftwerks der Reichs- bahn im Bereiche des Bezirks Friedrichshain beschäftigte. Genosse Schipper erhob zur Begründung gegen dieses Vorhaben Protest, da dem Bau an dieser Stelle technische und gesundheitliche Bedenken in starkem Maße entgegenstehen. Auch volkswirtschaftlich würden hieraus keine Werte erwachsen, denn die Reichsbahn hat nach ihrer eigenen Angabe immer unter Geldmangel zu leiden, womit sie auch den Abbau von Beamten begründet. Im Hinblick aus den Bau des Berliner Großkraftwerks in Ruminelsburg und auf das schon bestehende Kraftwerk Oberspree sollte man von solchen Plänen lassen. Als Vertreter des Bezirksamts betont Genosse Stadtrat Günther insbesondere die starken gesundheitlichen Bedenken, aus die wir noch an anderer Stelle hinweisen, und erklärt, daß das Be- zirksamt nicht daran denke, diesen Plan unwidersprochen hinzunehmen. Einige kleinere Borlagen und»linder wichtige An- träge werden sodann einstimmig angenommen, darunter auch ewige Anträge, die die Berkehrsfragc im Osten behandeln. For- derungen auf Verbesserung des Straßenbohnverkehrs auf den Linien 82, 87, 91 und 154 finden Zustimmung. Ein Antrag der Kommu- nisten beschäftigt sich mst der Sefährdumg de» Publikums durch angetrunkene P»lizeibeamte. Der Deutfchnatio» nal« Teetti» sucht wiederum di» Republik für derartiae D»rk»mm- nsise verxitwartuch zu mache». Und sein Parteifreund Partei», dessen Sohn an dem Uebersall aus da» Reichsbanner am Belle-Älliance-Plotz in der Doch« vor dem Bolksentlqeid beteiligt war, provoziert die Berfammlunq durch hämische Bemer- kunocn über die Arbeit der Linksparteien. Auf Zurufe von der Lwken erwidert Parteis zynisch:.Ich überlajj« e» dem Urreil da» Hochach»»t y»elch«r ftgii« da«»»«dar g e s i n d e l sitzt!" Der Genosse G u t e k u n st und der Kommu- »ist Bartz erheben entschieden Protest gegen dieses Verhalten eines Mitgliedes der Bezirksocrsammlung und verlangen Aus- klärung, w'e r mit dieser unerhörten Anspielung gemeint sei. Die Deutschnationalen bleiben bezeichnenderweise die Antwort schuldig und verlassen nach Aufforderung ihres Häuptlings Z e m k e als tapfere Mannen im Gänsemarsch den Saal. Der vorliegende An- trag findet dann einstimmige Annahme. Ein Antrag der Kommu- nisten, von der Erhebung von StandgeldvondcnStroßcn- Händlern abzusehen, hat sich erledigt, da die Straßenhändler selbst die Berechtigung des Standgeldes anerkennen und auch zum größten Teil die Maßnahmen des Bezirksamtes gut- geheißen haben. Weitere Anträge der Kommunisten find zum Teil bereits überholt. Zur Forderung nach Pflege der Grün- flächen betont Genosse Stadtrot R o s i n, daß hierin vom Be- zirksamt alles getan werde, was möglich sei, trotzdem vom K ä m- merer die nötigen Mittel immer wieder verwei- g e r t werden. In der Presse ist die Arbeit des Bezirksamtes wiederholt anerkannt worden. Der Antrag, die Weberwiese in ..Roter Platz" umzubenennen, findet bei der Mehrheit keine Gegen- liebe. Angenommen wird schließlich noch ein Antrag unserer Fraktion, der den Erwerbslosen freien Zutritt zu den Freibädern sichern will. Dann geht die Bezirksversammlung auf zwei Monate in die Ferien. 6. Bezirk— Kreuzberg. Die Bezirksverordneten traten zu einer letzten Arbestssitzung vor den Ferien zusammen. Ein in der vorigen Versammlung von der sozialdemokratischen Fraktion gestellter Dringlichkestsantrag be- zweckte die Gleichstellung der Richtsätze in der Wohlfahrt»- pflege mit den entsprechenden Sätzen der Erwerbslosen- s Ü r s o r g e. Dieser Antrag wurde in einer vom Ausschuß snrmu- lierten und vom Genossen Grün begründeten veränderten Form einstimmig angenommen. In einem Antrage wird das Bezirksamt veranlaßt, dafür zu sorgen.daß die schlechten Straßenver- h ä l t n i s s« in der Gegend der Monumentenbrücke geändert werden. Die Ncueinteilung des Kottbufser Damms und der Knttbusier Straße, die durch den beschleunigten Bau der Nordsud- bahn notwendig ist, wird der Bedeutung dieser Hauptverkehrsstraßen nach dem dichtbewahnten Neukölln gerecht. Die entsprechende Bor- läge des Bezirksamts fand daher einstimmige Annahme. Es wurde hierbei als besonders günstig bemerkt, daß die Auseinandersetzung der Nordsüdbahngcsellichasi mit den Bewohnern des zum Abriß vorgesehenen Hauses Koltbussin Straße 11 zu beiderseitiger Zufriedenheit erfolgt ist. Nach Schluß der Sitzung gab es wieder eine Auseinandersetzung eines Teils bürgerlicher Bertreier unter Führung des Lehrers Schulze mit dem Vorsteher, Genoüen Gerber, weil die Herren durch den geschöftsordnungsmäßig korrekt erfolgten Schluß der Versammlung die Gelegenheit zum Einspruch gegen Vorlagen des Bezirksamts, die vom Anstellungsausschuß nn- genommen wurden, verpaßten. 7. Bezirk— Charlottenburg. Gestern wurde endlich nach monatelangein Watten der Kom- munist Krüger als unbesoldeter«tadtrat eingeführt. Seinem Vorgänger Ewers mar die Bestätigung vertagt worden. ichuß für Jugendpflege umsaßt 140 Jugendverelne, Venen rpnd 13 000 Jugendliche angeschlossen sind. Nur neun von diesen Vereinen haben ein eigenes Heim, die anderen sind darauf angewiesen, ihre Versammlungen in Wirtshäusern abzuhalten. Es bittet sich jetzt Gr- legenheil, das ehemalige F l e i i ch s ch a u a m t in ein Jugend- heim umzubauen. Die erforderlichen Mittel in Höhe von 5009 M. wurden bewilligt. Die Sozialdemokraten stimmten dem Beschluß zu, unter der Voraussetzung, daß bei der Vergebung der Räumlichkeiten die Iugendoereine aller Richtungen gleichmäßig berücksichtigt werden. Aus dem Gustav-Adols-Platz soll ein« neue Kirche errichtet wer- den. Dazu ist nötig, den bestehenden Fluchttinienpian umzuändern. Unsere Genossen wandten sich mit aller Schärfe gegen die geplante Umänderung, weil dadurch der Verkehr in dieser Gegend stark de. hindert würde. Es ist bestimmt damit zu rechnen, daß der Verkehr in näch'ter Zeit nach eine starke Steigerung erfährt. Die Kirche würde die Sicht auf zwei als Verkehrsadern wichtige Straßen sperren und dadurch eine ständige Gefahrenquelle für die Straßen- Passanten bilden. Die Bersamniiung schloß sich diesen Bedenken an und lehnte die Vorlage ab. Die Bestätigung des Genossen Herlitz als Stadtrat ist bisher durch einen Einspruch des Berliner Magittrajs verhindert worden. Die Bezirksoersammlung hat gegen das Vor- halten des Magistrats protestiert und dos zuständige Schiedsgericht angerufen. Es wurde ein dreigliedriger Ausschuß gewählt und be- vollmächtigt, olle im Schiedsverfobren ersorderlichen Erklärungen rechtlicher und tatsächlicher Natur abzugeben, er ist beauftragt, den Standpunkt der Bezirksversammlung ichristlich yj begründen und in der mündlichen Verhandlung die Bezirksversammlung zu vor- traten. Dem Ausschutz gehören an Stadtverordneter Meyer(Dem.), Dr. Kawcrau(SPD.) und Czarlinsky(SP2).). 10. Bezirk— Aehlrndorf. Am 23. Juni fand die letzte Bezirksvettammlung statt, die nach der wenig bedeutungsvollen Tagesordnung doch 3!ch Stunden dauerte. Der Vottitzende Dr. Meidinger empfahl den Bezirksverorduoten. im Juli und August in die Ferien zu gehen: dem wurde allseitig zugk- stimmt. Die Anforderung einer Boihilf« an die neugegrundete Sanitätskalanne Dahlem veranlaßt« Dt. van Seefeld, vom Bezirksamt Auskimst über das Unglück am Wannfe« zu fardern. Der stellvertretende Bürgermeister Schulrot Dr. San dt bedauerte das tragisch« Geschick des Schülers I ä h n k«. betonte, daß die Unter- suchung der Staalsanwottschast sowie der Kriminalpolizei noch im vollen Gange sei und erwähnte, daß der Lehrer nicht als Beamter, sondern als Mitglied eines„Vereins" gehandelt Hab«. Scharfe Kritik wurde vom Genossen D r ä m e r t an der Porade des„Raten Kreuzes" geübt, das trotz des schlechten Wetters die Uedung mst Kindern statt- linden ließ. Auf Antrag des Bezirksverordneten Schnabel wurde für das neuzuerösfnnide Krankenhaus am Urban ein Deputation ge- wählt, die sich aus ollen Patteien zusammensetzt. Gegen das Bezirks- amt und vor allem gegen den Bürgermeister S ch u h m a ch e r wurde vom Genossen D rämert der Vorwurf erhoben, die Arztstellen ohne Befragung der Bezirksoersannnlung mit Aerzten besetzen zu wallen, die seit Jahren keine Praxis mehr ausüben, aber zufällig rechts gerichtet sind. 12. Bezirk— Steglitz. Bei einer Bezrrksoersammlung dürfte eine Tagesordnung von zu den Leltaichesti daß der deutsch-rat sten gehören. Sie war 40 Punkten, dazu 3 Dringlichkeitsanträge und 3 Anfragen immerhin auch nur dadurch möglich, rrsverordntt"' j|'"* irtsversrdne Bezirksversammlung W_, konnte kaun�di« Halste der Tagesordnung erledigt werden. Begonnen ... ianale Pezirtsuerordnetenvorsteher auf Kosten der R«»«n und der Zatt der Bezirksverordntten sparen wollte und des- Ho halb die zu lang« aufgeschoben hatte. Natürlich wurde die Besprechung mst einer Krittk des.Steglitzer Anzeigers". Die Demokraten, die Bolkspattei, unsere Fraktion und die Kom- munisten gaben Erklärungen ab. die die Haltung des Ortsblattes miß- ■- n»« nntn/hlich» tmb nitMTM+.tiarnnlP SbÜL häj ■■'1---■ ZZezirtsamt ebenso zurückwiesen, wie es der Bürgermeister vor einigen Wochen getan hatte. Erfreulich war die Einmütigkeit aller Parteien, mit Ausnahme der Deutschnotionalen und völkiichen. die selbst oerständüch ihr Partcicrgan in 5chu« iialjmcn, gegen die unsachliche Haltung des Ortsblattes. Lesremoend wirkte es allerdings, dost auch diesmal der.Chefredakteur" des.Steglitzer Anzeigers" während dieser Erklärungen unsichtbar geblieben war. Eine längere Aussprache ergab ferner die Einrichtung eine« Sinder» « a r t e n s i n L i ch t e r f e l d e, für den 7000 N. gefordert wurden. lieber die Notwendigkeit herrschte Einmütigkeit. Die Höh« der Summe wurde jedoch bemängelt. Unsere Genosien oerlangten mit Recht, daß der Kindergarten vom Bezirksamt in eigene Regie genommen werde. Das Bezirksamt aber will ihn der Evangeliscyen irrauenhilfc überlasten. Der Antrag wurde angenommen. Ueber die Verwaltung wird noch entschieden werden. Für da« Schwimm» vadundSonnenbadouf den Rauhen Bergen wurden 1000 M. hewilligt. Doch bemängelten unsere Genosten mit Recht die hohen Eintritt/preise. Man habe den Eindruck, daß die Oustbadges ellschaft die Proletarier fernhalten wolle. Es müsse darauf gedrungen werden. daß besonders den Erwerbslosen billigere Preise gemacht würden. Eine längere Debatte verursachte ein Antrag des Bezirksamts, der F ri ed r i ch- P au ls en»Stiftung am PauUen»Real- gymnasium 500 55t zur Derfügung zu stellen. Lezirksoerord» neter Rüge(Komm.) verlangte, daß eins Stiftung, die Hein Pädagogen Pausten gewidmet fei. auch allen Schulkindern von Steglitz und nicht nur einer Gruppe zur Verfügung stehen solle. Dagegen wurde ein- gewendet, daß die Witwe Pausten? diese Stiftung nur für das Real» gymnasium gemacht hätte, also dieselbe auch nicht allen Schulen zur Verfügung stehen könne. Außerdem sei der Betrag bisher viel zu klein. Es ist übrigens in Aussicht genommen, später auch anderen Schulen solche Zuwendungen zu machen. Dann wird es vielleicht Zeit sein, den Antrag Rüge wieder aufzunehmen. Der Antrag des Bezirksamts wurde angenommen. Ein Antrag bezüglich der Unter» bringung exmittierter Familien wurde zum sound» soolelten Male angenommen. Vielleicht werden die Worte doch eines Vages aufhören und sich Taten sehen lasten.. Die Stellungnahme des Bezirksamts in dieser Frage wirkte allerdings sehr befremdend. Endlich kam als letzter ein Antrag der Demokraten bezüglich der L e- russberatung zur Verhandlung. Der Bezirksverordnete Groß hielt eine längere Rede, in der er die Notwendigkeit der Beruss- beratunc betonte und darzulegen versuchte, daß in Berlin noch wenig nach dieser Richtung getan werde. Stadtrat Genosse Hermes legte daraufhin dar, in welcher Weis« die Beriifsberoiung vor sich geht. Nicht nur die kurze Arbeit des Berufsberaters innerhalb der Sprech- stunde bilde den Haupttcil der Arbeit, sondern mindestens ein Jahr vorher mühten sich schon Lehrer und Berufsberater gemetnsam um den künftigen Beruf der Kinder. Mangelndes Jniereste der Innungen hätte aber bisher verhindert, daß genügend Lehrstellen vorhanden seien, und lo erfülle die Berufsberatung nur einen ihrer Zwecke und könne die Lehrlinge nachher nicht unterbringen. In dieser Richtung müsse mehr getan werden. Das gebe er gern zu. Daraufhin machte Be-irk: verordneter Groß weitere Ausführungen, die aber in den Privatgesprächen. die inzwischen einsetzten, fast ganz verloren gingen. Unsere Genossen stellte» deshalb bei der Wichtigkeit der Frage den Antrag auf Ausschußbcrotung, der ongenominen wurde. Ebenso wurde«in Antrag unserer Genossen auf Einrichtung einer Schuh» reparaturwerkstatt und einiger Einrichtungen für die jugendlichen Er- werbslosen einem Ausschuß überwiesen. Ausstellung aus Köpenicks Vergangenheit. Die Deputation für Kunst und Bildung des Bezirks Köpenick beabsichtigt, voraussichtlich im Herbst dieses Jahres ein« Ausstellung aus Köpenicks Vergangenheit zu veranstalten. Geplant ist u. a. auch die im Besitz von im Bezirk ansässigen alten Familien und Firmen usw. besindlichen historischen Gegenstände(Bücher. Bilder llrkunden, Münzen, alte Truhen, Madelle, historische Trachten. Photographien alter Naturdenkmäler usw.) aus dem Bezirk Köpenick der Oeifenl- lichkeit durch diese Ausstellung mehrere Wochen hindurch zugänglich zu machen und hierdurch den Heimatssinn aller Veoölkerungskreise des Bezirks zu förderu und ihre Kenntnisse Wer die nähere Heimat zu erweitern und zu vertiefen. Um zunächst einen Ueberblick über die geplante Ausstellung zu gewinnen, werden diejenigen Ein- wohner des Bezirks Köpenick, die derartige Gegenstande besitzen und sich damii an der Ausstellung beteiligen wollen, gebeten, dem Be- zirksamt Köpenick(Rathaus, Zimmer 47) bis zum 15. Juli d.-V entsprechende Mitteilung(Angebe der Zldresse, Gegenstände, bei arötzerey Stücken auch der genauen Größe) zu machen. Jede weitere Auskunst wird vom Bezirksamt bereitwilligst erteill. Ueber ZNißstumnung in den Sleuercmsfchüssen hatten wir in 9!r. 294 vom 25. Juni berichtet. Wir erhalten zu diesem Thema noch eine Zuschrift, die sich mit der Diätenfrage bei der Teilnahm« an den Sitzungen der Stcuerausschüfle in Lichtenberg beschäftigt. �,Die Srtzungsgelder werden in Lichtenberg auch an alle Geschäftsleute mil 75 Pf, je Stunde anstandslos misgezahlt, unbekümmert danim, ob Unkosten entstanden sind oder nicht; während die Gehaltsempsänger vom Finanzamt Lichtenberg nicht einmal das verauslagte Fahrgeld zurückbekommen. Mir wurde auf meine Anmahnung wegen des Fchrgeldes geanuvortet. daß jeder Teilnehmer des Steuerausschusscs veroslichtet sei. bis zwei Kilometer zu Fuß zu geben, und wenn "ese'>•----— an:..,:.«.>—----- diese Strecke überschritten sei, dann könne das Mitglied des Steuer- ausschusses Fahrgeld beanspruchen. Somit hat der Genosse, welcher den ersten Artikel einsandte, noch Glück gehabt, indem er sein aus- gelegtes Fahrgeld zurückerhielt, während das Finanzamt Lichten- berg das nicht einmal tut." Seinen 70. Geburtslag feierie der Genosse Wilhelm B r a l l in Röntgental bei Berlin. Don Beruf Steindrucker, seit seiner frühesten Jugend dem Fachoerein der Steindrucker angehörend._ war er 30 Jahre Ha upikassierer im Verband der Steindruckcr. Seit 1802 ist Genosse Brall Mitglied der Partei. Da, Fest d« galten«! Lachzelt leiert«atoff, mit SHdcecei garniert•.- Damenfcfoürzen jumpetod. Wienerform, ix vielen Mustern..... QroBn Pesten... 1.55 2.25 1.95 0.78 Deckbetlbezüge 3 oc nu Louisiana............. wav«# Kissenbezüge AI«25 Laken<*** nim, ,»xz««-> 1»95 a W. tm m. beaenaer« adiwerc 0b O «■aKCBl guaUtit, ca. I«0x208 cm chfiaVO Madras 1.75 HalbStOreS Etamln« m. Einsätzen 1� 1 5 Mnstlergamitur o AH Etanüne mit Einsatz, 3 teilig.. Fenster Bettdecke 2.45 9.85 OreBa Posten.................... 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Frankfurter Str. ♦ Brmmenstr. ❖ Kottbusser Damm Wilmersdorf er S Nr. ♦ 4?. Jahrgang 2. Heilage öes vorwärts Freitag, 2. Mi 142ö Sozialvorlagen im Reichstag. Die Liquidationsgeschädigte«— Landarbeiter-Siedlungsweseu— Reichsversorgungsgesetz— Regierungsrückzng in der Erwerbslosensrage. Bei Beginn der gestrigen Reichstag ssiymig teilte der Pröfident! ÄrbeitSMinigeriuM UNÜ CkwerbsloseNUNterstÜtzUNg. mit, daß voraussichtlich Freitag abend oder am Sonnabend noch eine Sitzung stattfinden werde. Bor der Beratung des Gesetzentwurfs, nach dem die ilussetzung der Auseinandersetzungen mit den frühereu Fürstenhäusern bis zum 31. Dezember 1S2ö verlängert wird, erklärt Reichskanzler Dr. Marx: Es dürfen aus der Einbringung dieses Gesetzes keine Schlüsse ge- zogen werden, als ob in den Aussassungen der Regierung über die baldige Erledigung dieser Frage eine Aenderung eingetreten sei. Sie sei nach wie vor entschlossen, diese Frage noch vor den Ferien zur Entscheidung zu bringen. Die Regierung er- warte, doch auch die Mehrheit des Reichstags dazu sich bekennen werde:„Sollte diese Erwartung sich nicht erfüllen, so lege ich auf die Verlängerung des Gesetzes keinen TVert."(Hört, hört! links.) Die Vortag« wird i» 1. und 2. Lesung ohne Aussprache ange- nommen. Es folgt die Beratung des Berichts der Ausschüsse für den Haus- halt und für die Entfchädigungsgesetze, über Bereitstellung von Mitteln für Bewilligung von Wiederausbau- darlehen. Die Ausschüsse, für die Abg. Schneider-Dresden I1l> Reichsmark erlitten haben und entwurzelr sind, über den Rahmen der Richtlinien für Wiederoufbaudarlehen hinaus Darlehen zum Zwecke des Wiederaufbaues zu gewähren, sofern dieser der deutschen Außenwirischoft dient und ein besonders Volkswirt- schaftliches Interesse an ihm besteht Abg. Schirmer-Dresden(Soz.) begründet einen sozialdemokratischen Antrag, wonach in dem Aus- schutzantrag die Worte„mit einem Grundbetrag von mehr als 200 000 Reichsmark� zu streichen find. Es geh« nicht an, einer Sonder- gruppe so große Entschädigungen zu zahlen. Der sozialdemokratische Antrag gebe die Möglichkeit, auch den tleieren Geschä- digten Hilf« zu bringen. Räch lebhafter Aussprache wird in namentlicher Abstimmung der sozialdemokratische Abänderung»- antrug mit 248 gegen ISb Stimmen abgelehnt. Der Ausschuß- au trag und die Resolution des Zentrums werden angenommen. Es folgt die Beratung des Berichts des Wohnungs- und Haus- hollsnusschustes über einige Anträge zur 5örüerung öes ländlichen Sieölungswesens. Die Ausschüsse, für die Abg. Röaaeburg berichtet, beantragen, die Reichsregierung zu ersuche», zwecks Wahrung ihrer verfastungs- mäßigen Pflichten unter Beachtung der verfassungsmäßigen Berwaltungshoheit der Länder zur Förderung des ländlichen Siedlungswerkes, und zwar sowohl der Neusiedlung, wie der damit zusammenhängenden Anliegersiedlung in den dünn bevöl- kerten Gebieten geeignet« Maßnahmen zu treften vor ollem bis zur Wiederbelebung des Renten- oder Pfondbriefkreditroesens oder bis zur Erschließung sonstiger Dauerkreditmöglichkeiten in den nächsten fünf Iahren einen Betrag von je 5 0 Millionen Reichsmark bereitzustellen. Die Beschaffung de» Landvorrats hat möglichst auf dem Weg« freien Ankaufs zu erfolgen. Nach Ausftihrunoen des Abg. Beck(Z.j begrüichet Abg. Putz lKomm.) eine Entschfießung, wonach die vom Reich zu Siedlungs- zwecken bereitgestellten Mittel in erster Linie den Ansiedlern, die in den abgetretenen Gebieten liquidiert oder annulliert wur- den. zur Entschuldung ihrer Siedlungstell« bzw. Neuansiedlung zu- gewiesen werden. Der Rodner erklärt, daß der Antrag des.Ausschusses nicht weit genug gehe. Abg. Dr. David(Soz-) weist dem Vorredner gegenüber darauf hin, daß der Ausschuß- onirag viel weiter gehe und präziser gesaßt sei, als der kommunistische Antrag. Der kommunistisch« Antrag sagt, daß den liquidierten Ansiedlern»in erster Linie' geholfen werden soll, der Ausschuß- onirag sagt mehr, er verlangt sofortige Hilfe. Die K o m m u n« st e n haben ja auch im Ausschuß für diesen Antrag ge« st i m m t, ihren eigenen haben sie dann nicht mehr aufrecht erholten. Wenn sie ihn jetzt wiederum einbringen, so geschieht das wesentlich aus agitatorischen Gründen, und das machen wir ihnen nicht nach. Worauf es uns ankommt, ist, den Flüchtlingen zu helfen und da» große Siedlungswert zu fördern. Die Sache steht uns dabei höher als die Agitation. Die Bedeutung des Ausschußantrages kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Einmal soll mit dem Siedlungswert wirkliche produktive Erwerbslosen- arbeit geleistet werden, und ich bedauere, daß die Sache so weit hinausgezogen worden ist. Die Ursache dazu waren die Kompetenz- streitigkciten zwischen Reich und Ländern. Wenn diese wichtige Ausgabe planmäßig eingeleitet wird, dann kann Tausenden von Arbeitern produktive Arbeit gegeben werden. Zweitens: der menschenarme Osten muß besiedelt werden, wenn er in Zukunft deutsches Land bleiben soll, und die bäuerliche Ver- edlungsproduktion muß entwickelt werden. Wir zahlen l � Millio- »en für die Einfuhr dieser Produktion, wir müssen dahin streben, sie im Lande selbst zu erzeugen. Die Sozialdemokratie ist aller- dings der Meinung, wenn man dieses Werk wirklich großzügig anfassen will, man in ganz anderem Maßstabe vorgehen muß. Wir haben bereits ein ausführliches Siedlungsprogramm aufgestellt, bei der jetzigen Teillösung haben wir daraus verzichtet, es zu vertreten, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, im Herbst werden wir diese Frage wieder anfassen müssen, um das Siedlungs- werk im größten Ausmaße zu fördern. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Gräfe(Völt.) und Rönneburg(Dem.) wird unter Ablehnung der kommunistischen Ent- schließung der Antrag des Ausschusses angenomm e n. Zugestimmt wird ferner einer Entschließung, die Reichsregie- rung zu ersuchen, auf sofortige Fürsorgeeinrichtungen bezüglich der Flüchtlingssiedlungen hinzuwirken und dadurch die Existenzen der liquidierten und annullierten Ansiedler zu sichern. sowie die zur Erhaltung der Wirtschaftlichkeit der Siedlungen er- iartzerlichen Mittel zur Gewährung von zinslosen Wirt- s ch a f s k r e d i t e n an die genannten Ansiedler zur Verfügung zu stellen. Ohne Aussprache wird sodann der Gesetzentwurs zur A e n d e- rung des Z 81 des Gesetzes über die privaten Versiche-' rungsunternehmungen angenommen, mit einer Entschlie- ßung des Haushallsausschusses, die Reichsreqierung zu ersuchen, auf die Landesregierungen dahin einzuwirken, daß sse von den ihrer Aufsicht unterstellten Versicherungsunternehmungen einschließlich der ösfentlich-rechtlichen Versicherungsonstalten dieselben Ge» b ü h r e n erheben, die zugunsten des Reichsaufsichtsamts für Privatversicherung von den seiner Aussicht unterstellten Dersicherungs Unternehmungen erhoben werden: Der Enftours eines Süßstofsgefetze» wird ohne Erörterung ver- pbMUttt Abg. Rädel(Komm! begründet nunmehr einen Antrag, die Rcichsregierung aufzufordern, durch sofortige Anordnung den Regierungen der Länder und den Venoaltungsausschüssen bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen zu untersagen, die in der Anordnung des Reichsarbeitsministers vom 1. März 1926 fest- gesetzten Höchstsätze m der Ermerbslosenfürsorge herab- zusetzen, oder die Begrenzung der Höchsstätze in der Erwerbs- losenfürsorge aus einen bestimmten Teil des Arbeitsverdienstes, den der Erwerbslose erzielen sollte, wenn er nicht erwerbslos geworden wäre, vorzunehmen. Dieser Antrag geht aus die Veröffentlichung zurück, die im „Vorwärts" vom Donnerstag morgen über derartige Maß- nahmen gegenüber den Erwerbslosen erschienen ist. Reichsarbeitsminister Dr. Brauns erklärt zu dem Artikel im„Vorwärts", auf den sich der tommu- nisttsche Antrag stützt, daß dem Blatt bereits eine Erwiderung zu- gegangen sei. Es handle sich dabei um frühere Absichten der Regierung, die inzwischen ausgegeben worden seien. Man habe wiederHoll öfentlich von der Begrenzung der Erwerbslosenuntcr- stützung aus 7S Proz. gesprochen. Aber auch von dieser Lösung sei die Regierung abgekommen. Leider seien die Ausführungen des „Vorwärts" nicht vollständig, die Regierung habe ausdrücklich be- tont, daß eine Herabsetzung der Erwerbslosenunterstützung im gegen- wärtigen Augenblick nicht möglich sei. Der im„Vorwärts" abge- druckte Teil des Briefes sei nur geschrieben worden, um den Ländern eine ernstliche Grundlage zu geben. Das Reichs- arbeitsminssterium habe also nicht die Absicht, die Erwerbs- losemmterstützungen abzubauen, haben nun die Länder da» Recht. die Unterstützungssätze zu unterschreiten? Das sei ein Rechtsstreit, aus den man sich nicht einlassen brauche, die Reickpregierung stehe zu den Erklärungen, die sie im Ausichuß und im Dleuum des Reichstages am 26. und 28. ZuUi abgegeben habe, ver Minister sei ober bereit, den Ländern ein Rundschreiben zuzusenden, in dem von einer Unterschreitung der Sähe abgeraten wird. Den von den Kommunisten vorgeschlagenen Weg könne die Regierung nicht gehen. Ein Grund zur Beunruhigung der Erwerbslosen Liege jedenfalls nicht vor. Abg. Dißmann(Soz.) weist darauf hm, daß die Veröffentlichung des„Vorwärts" erst die Möglichkeit gegeben habe, diese Frage hier zu erörtern, wie ja die sozialdemotrattsche Presse sich stets gegen die Versuche gewendet hat. die Unterstützungen der Erwerbslosen zu verschlechtern. Es kommt eben nicht daraus an, den Massen Fragen vorzusetzen, sondern sich aufs ernstlichste zu bemühen, um das Möglichste zu oerwirklichen. (Lärm bei den Kommunisten.) Kein Geschrei wird uns davon ab- bringen, die Interessen der Erwerbslosen auf das nachdrücklichste wahrzunehmen. E« lag in der Tat öle Absicht vor. die klossifizie- rung der Erwerbslosenunterstützung vorzunehmen, der Säzialdemo- kratie und den Gewerkschaften ist es zu danken, daß diese Absicht ver« eitelt wurde. Keine Gewerkschaft hat daran gedacht, der Absicht zuzu- stimmen, eine Verschlechterung der Erwerbslosensätze vorzunehmen. Im Augenblick, als diese Absicht bekanM wurde, haben ihr Sozial- demokrotie und Gewerkschaften den schärfsten Kampf angesagt. Die Regierung hat dann von dieser Absicht Abstand genommen. Wir hoben bei diesem Abwehrkamps eine«inhettliche Linie innegehalten, ohne irgendwie daran zu denken, eine andere Partei(gegen die Kommunisten gerichtet) in Wort oder Schrift zu oerletzen. Mir sehe» die vornehmst« Ausgabe eines Arbettervertreters eben darin. nicht andere Arbeitervertreter anzugreifen, sondern die Kräfte zv- sommeazusasscn und gemeinschaftlich die Interessen der Arbeiter- klasse zu vertreten. Von di�em Wege werden wir uns nicht ab- bringen lassen.(Sehr richttg! bei den Sozialdemokraten.) Der Redner weist daraus hin, daß immerhin die Verlängerung der Unterstützungsdauer von 26 auf 39 bzw. 52 Wochen erreicht worden sei. Die Erwerbslosen- und die Kurzarbeiterunterstützung sind in ihrer jetzigen Höh« bis Ende November 1926 verlängert worden. Die Sozialdemokratie hat weitergehend« Anträge gestellt, die ober von den bürgerlichen Parteien abgelehnt worden sind. Nun hat der Rcichsarbeitsminister im Ausschuß die Erklärung abgegeben, daß die Regierung davon abgekommen sei, die Unterstützung auf 75 Proz. de» Arbeitsverdienstes zu begrenzen, und daß es bei den bisherigen Unterstützungssätzen bleiben soll. Der Reichstag hat nun- mehr zu erNären, daß davon nicht obgegeongen werden darf. Do» im„vorwärts" verössentlichle Schreiben steht im wider- sprach zu der Erklärung der Regierung und zu den Beschlüssen des Reichstags. Die Länder haben kein Recht, dt« Unter- stühungssähe zu senken, die hier beschlossen worden find. Wir erwarten vom Reichsarbeitsminister, daß er die Erklärung, die er am vergangenen Montag hier abgegeben hat, zur Grundloge seines Handelns macht. Im Ausschuß hat es sich darum gehandelt, die jetzigen Sätze auch für die Zeit zu sichern, in der der Reichstag nicht beisammen ist. Wir mußten deshalb unsere Verhandlungen auf dem Boden der Verordnung führen. Von keiner Partei, auch nicht von den Kommunisten, ist dagegen Einspruch erhoben worden. EinneuesGesetzzu schassen, wie es der kommunistisch« Antrag will, ist aus technischen Gründen jetzt, wo der Reichstag anseinondergeht, unmöglich. Mit dem Inholl des Antrags sind wir durchaus einverstanden, er liegt in der Richtung unserer bis- herigen Arbeit, aber aus technischen Gründen können wir ihm nicht zustimmen. Die Kommunisten wollen jetzt die Regierung aus- fordern, ein Gesetz zu schaffen. Das würde praktisch bedeuten, daß lange Zeit vergehen würde, bis wir uns überhaupl damit beschästigen könnten. Der Reichstag würde sich vertagen, ohne daß den Erwerbslosen damit geHolsen wäre. Wir schlagen demgegenüber folgende Entschließung vor und bitten um deren Annahme: Der Reichsarbeitsminister hat am 28. Juni erklärt, daß die zur- zeit geltenden Unterstützungssätze bis zum 30. November verlängert werden sollen, und daß der Anregung der Länderregicrungen, die Unterstützung nur bis 75 Proz. des bisher erreichten Tagesverdienstes zu bemessen, von der Reichsregierung nicht entsprochen werde. In diesem Sinne hat der Reichstag den Ausschußbeschlüssen zugestimmt. Daran muß festgehalten werden. Der Kcichsiaq nimmt Kenntnis von der heutigen ErNärnng de, Reichsarbeitsminister». daß er ein Schreiben an die Länder richten wird, um zu verhüten, daß eine Verschlechterung der Unterstühungssähe eintritt. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frau Teusch(Z.) erklärt, daß das Zentrum sich gegen jede Berfchlechterung der Erwerbslosenfürsorge wende. Sie werde den kommunistischen Antrag ablehnen, der sozialdemokratischen Erklärung dagegen z u- st i m m e n. Der kommunistische Antrag wird abgelehnt, die sozialdemokratische Entschließung gegen dir Deutichnationalen angenommen. Auch die Kommunisten stimmen dafür. Es folgt der Bericht de» Ausschusses für Kriegsbeschädigten- tragen üb« da» Entwurf«in« viert«« Gesetz» zur �bänöerung öes Reichsversorgungsgesetzes. Es handelt sich um die Regelung der Leistungen der Kran- t e n k a f s e n. Der Ausschuß, über dessen Verhandlungen Abg. knoll(Z.) berichtet, empsiehll die Annohme der Vorlage mit einigen Aenderungen. Ferner beantragt er Entschließungen, in denen für die Versorgung von Blinden, Kriegerwitwen und Kriegerhinterbliebenen einige Verbesserungen geschossen werden. In Verbindung damit steht die Beratung eines sozial- demokratischen Antrags, wonach der§ 1 des Gesetzes über die Beschäftigung Schwerbeschädigter folgende Fassung erhalten soll: Alle Arbeilgeber sind verpflichtet, die Arbeits- platze in ihren Betrieben nach Maßgabe der folgenden Vorschriften mit Schwerbeschädigten zu besehen. Der Ausschuß stimmt« diesem Antrage zu und beantragt die Einfügung folgenden'Absatzes in§ 21: „Betrifft die Entscheidung der Hauptsürsorgestelle die Kündigung eines Schwerbeschädigten, so ist die Entscheidung dem Arbeitgeber und dem Schwerbeschädigten zuzustellen. Die Beschwerde kann nur innerhalb einer Woche seit der Zustellung erhoben werden." Es wird ferner eine Entschließung beantragt, die Reichsregierung zu ersuchen, bei der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft dahin zu wirken, daß jenen Schwerbeschädigten, welchen die Folgen ihrer Dienstbcschödigungen beim Reisen in der 3. und in der 4. Wagenklasse Beschwerden verursachen, die Benutzuno der 2. Wagenklasse gegen Lösung einer Fahrkarte 4. Klasse gestattet wird. Abg. Iledt(Komm.) erklärt, daß die Verbesserungen, die die Borlagen bringen, so gering seien, daß an der mangelhaften Ver- sorgung der Kriegsopfer nichts geändert werde. Abg. Rohmann(Soz.) erklärt gegenüber Schlußrufen der Rechten, daß über die Versorgung der Kriegsbeschädigten noch lange nicht genug gesprochen worden sei. Die Novelle ist in den Kreisen der Kriegsbeschädigten außerordentlich unfreundlich ausgenommen worden, weil sie keine materielle Aufbesserung bringt. Nur da» bestehende Recht soll in meh- reren Punkten geändert werden. Uns wäre die Zustimmung zu dieser Vorlage erleichtert worden, wenn sie mit einer sofortigen materiellen Besserstellung der Kriegsbeschädigten verbunden geweie» wäre. Wir dürfen diese Novelle nicht verabschieden, ohne die Ge- wißheit zu haben, daß der nächste Etat eine wesentlick)« Verbesserung der Versorgung der Kriegsbeschädigten bringen wird. Die Kommunisten, die heute die in diesem Sinne ab- gefaßte Entschließuno ablehnen wollen, werden sich sicherlich bei der nächsten Beratung des Versorgungswesens daraus berufen. Durch unsere Mitarbeit haben wir immerhin sehr wichttge Konzessionen für die Kriegsblinden und für die Schwerkriegsbeschädigten erreicht. Das Schwerkriegsbeschädigtengesetz wird wieder vollkommen hergestellt. Es ist also nicht wahr, was der kommunistische Red- ner hier ausgeführt hat, daß dies« Vorlag« gar nichts bringe. Es sind jene Bestimmungen gefallen, die mit Recht Erbitterung unter den Schwerkriegsbeschädigten hervorgerufen haben. Ich darf feststellen, daß dies« geringen Derbesserungen in ihrem wichtigsten Teil aus die unermüdliche Arbeit meiner Fraktion zurückzuführen sind. Mehr war in diesem Augenblick nicht zu erreichen. Wir werden aber bei der nächsten Gelegenheit wieder die ganze Frage des Kriegs- Versorgungswesens ausrollen. Die Novelle zum Reichsversorgungsgesetz wird in zweiter Be« ratung angenommen. In der dritten Beratung richtet weber-Düsseldorf(Komm.) heftige Angriffe gegen die sozialdemokratische Fraktion, weil sie nach seiner Behauptung mit schuld sei an der schlechten Versorgung der Kriegerhinterbliebenen. In Rußland sei das Bersorgungs, wesen viel besser geregelt. Abg. Rohaumn(Soz.) stellt demgegenüber au» dem Organ des von dem Abg. Tiedt geleiteten kommunistischen Bundes der Kriegsopfer folgendes über das Bersorgungswesen in Rußland fest: Bis zum End« des Jahres 1920 gingen die Versorgungsmaßnahmen in Sowjet- Rußland nicht über die deutschen Mindeftleistunqc» hinaus. Jetzt scheiden all« Kriegsbeschädigten au» der ver« sorqiing cm», die ihrer früheren Bcilt>oii>ciii� noch nachgehen tön- nen. würde man das glnifte in Deutschland tun, so würden 60 bis 70 Proz. oller Kriegsbeschädigten au» der Versorgung ausscheiden. (Lebh. Hört! hört! Lärm b. d. Komm.) Die übrigen Kriegs- beschädigten erhalten 60— 90 Mk. Nur die erwerbsunfähigen Kriegerwiiwen haben Anspruch auf Rente. Auf Deutschland überfragen würde da» bedeuten, daß 40 000 Kriegerwitwen überhaupl keine Rente beziehen würden. Aerztliche Hilse wird den Kriegs- beschädigten nur im Bedarfssalle gewährt. Der Redner erklärt wetter: Ich würde diese Dinge hier nicht genannt haben, wenn Ihr (zu den Kommunisten) mich nicht dazu herausgefordert hättet. Es gibt in Ruhland nach Ihren eigenen Berichten kein Gejetz zum Schutze der Kriegsbeschädigten; die russische Regie- rung hat erklärt, das sei unnötig,' sie könnten nur im Rahme» des Möglichen versorgt werden. Ich möchte einmal die Red« von Ihnen hören, wenn die gleichen Tatsachen von der deutschen Versorgung zu berichten wären. Ich habe unzählige Male sest- gestellt, daß das deutsche Versorgungswesen noch außerordentlich« Mängel hat. Wer meine Reden liest, der kennt meine Auffassungen darüber. Aber ich war zu dieser Abwehr genötigt gegenüber Leuten, die aus das russische System schwören, um das deutsche herunter- reißen zu können. Abg. Iledt(Komm.) bekennt sich unter großer Unruhe d« Hauses als Derfosser der Berichte in dem Organ seines Verbandes. Die russische Bevölkerung bestehe zum größten Teil aus Bauern, denen bei der Revolution das Land der fächeren Grundbesitzer ge- geben worden fei, deswegen sei bei ihnen«ine Versorgung unnötig,(y Die Vorlage wird darauf in dritter Lesung ange- » o in m e n, desgleichen die Novelle zum Kriegsbeschä» d i g t e n g e s e tz. Der Gesetzentwurs über die R ü ck g a b e der für Be s a tz u n g s» zwecke in Anspruch genommenen Grundstücke wird in zweiter und dritter Beratung angenommen, ebenso ein Antrag des Haus- Haltsausschusses auf Ueberlassung der etwa freiwerdende» Exerzier-, Schieß-, Sportplätze usw. der Besatzung»- truppen an die früheren Besitzer. Zu einer von der Sozialdemokratie zur Beratung ge« stellten Entschließung betr. Maßnahmen gegen die Auswüchse in der Kartellbildung wird ein Antrag des Volkswirt jchaft. lichen Ausschusses angenommen, der die Reichsregierung ersucht. baldmöglichst eine Vorlage zu uuterbretteu. die diese Materie unter Verwertung der blsherigeo Beschlüsse des Reichstages regelt. llm 814 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag nachmittag 1 Uhr mit der Tagesordnung: Tritte Beratung des Fürstenabfindung». gesetzes, Sperrgesetz, sozialdemokratischer Antrag über Zolländ«- rungen. Dänischer und Schwedischer Handelsvertrag. Kleiner« Vor« lagen. Der Staat im Staate. Der Aufstieg der Genosfenschaftsbewegnng und ihre Zukunft. Der Genosserrschaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsum- oereine, der Mitte Juni in München stattfand, war Zeug« ein«r Aeußerung von Selbstbewußtsein, wie man es vornehmlich bei Engländern findet, wie es aber allen zu wünschen wäre, die führend in den großen Wirtschaftsbewegungen unserer Zeit tätig sind. So auch allen Führern der Genossenschastsbewegung. Denn die Ueberzeugung des Führers von dem Sieg der Sache wirkt suggestiv in allen Beziehungen mit, die die Massen mit der Sache verbinden. „Bereits heute bilden die britischen Genossenschaften «inen Staat im Staate, und es kommt mit absoluter Gewißheit die Zeit, wo der ganze britisch« Staat ein einziger genossenschaftlich organisierter Staat ist." So sagte der Engländer Horrocks in seiner Begrüßungs- ansprach« beim Münchener Genossenschaftstag. Mit einem Selbst- bewußtsein, das sich nicht nur auf theoretische Ueberzeugung, sondem auf Tatsachen gründet. Denn rund 75 Jahre konsumgenossenschast- licher Bewegung in England haben genügt, um den Beweis zu er- bringen, daß die genossenschaftliche Wirts chaftzform der privatkapita- listischen in Oekonomie und Moral unbedingt überlegen ist. Wie hätte es denn sonst sein können, daß in dem ältesten Industrie- und Jjandelvstaat der Welt die genossenschaftlich« Warenoerteilung und die darauf aufgebaute genossenschaftliche Gütererzeugung, ausgehend von dem genossenschaftlichen Kramladen der 27 Weber in der Krötengasse zu Rochdal«, nicht nur mit vollem Erfolg auf dem Warenmarkt ihre Konkurrenz gegen die jahrhundertalte Prioat- Wirtschaft aufbauen, sondern ihren Mitgliedern bei gleichen Waren- preisen immense Vorteile oerschafsen konnten?? Das Geheimnis dieses Erfolges bestand eben darin, daß die Grundsätze und Methoden der genossenschaftlichen Wirtschaftsführung zunächst theoretisch als richtig und zweckmäßig erkannt, dann praktisch erprobt, die Massen anzogen, die nun— genossenschaftlich organisiert wurden. Die Genoffenschast besitzt den geschloffen«» Abnehmerkreis, sie braucht den freien Markt gar nicht und steht infolge ihrer Leistungen außer Wettbewerb. Die Organi- sation der„Gesellschaft", d. h. der Bevölkerung, bildet die Grund- lag« der Genoffenschaftswirtschaft, ihr« ökonomisch« und sittliche Ueberlegenheit gegenüber der Privatwirtschaft. Es ist das„Etwas", da» von der kapitalistischen Wirtschaft nicht nachgemacht werden kann. Den Haushaltsbedarf von S Millionen englischer Familien, d. h. von etwa 45 Proz. de; englischen Volkes, decken die Konsum- genossenschaften und deren Großeinkaussgesellschasten. Der Waren- «msatz, die Warenhcrstellung und der Geldverkehr der englischen Genossenschaftsbanken gehen jährlich in Milliarden Goldmark— also, ein starker Teil der englischen Natural- und Geldwirtschaft ist genossenschaftlich— okkupiert. Besetzt, mit Beschlag belegt. Und wer daran denkt, wie in England die wirtschaftlichen Schwierig. keiten der Industrie mit dauernd über 1 Million Arbeitsloser und den nie endenden Streits wachsen, und daß schon die seinerzeitige Arbeiterregierung Macdonalds unter Ihren Ministern fast lauter oktlve und bewährt« Genossenschafter zählte, wird ohne viel Phantasie den Zeitpunkt kommen sehen, wo der„Staat im Staate" ein„genossenschaftlich organisierter Staat" geworden ist. Und sieht man sich weiter in der ganzen Welt des Genossen- fchaftswcsens um, so findet man eine ungeheure Entwicklung in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren. Der Internationale Genossenschaf»- bund, der am 3. Juli mit dem vierten Internationalen genossen- schaftlichen Werbetag das Prinzip der genossenschaftlichen Volks- Wirtschaft in allen Ländern der Welt manifestierte, stellt das Vor- handensein von rund 200 000 Genossenschaften in 34 Ländern fest, welche zirka 45 Millionen Mitgliederfamilien zählen. Darunter befinden sich allein 80 000 Konsumgenossenschaften mit etwa 36 Mil- lionen Mitgliedern, die mit ihren Familien mehr als t40 Millionen Menschen umfassen, deren materielle Lebensbedürfnisse durch ge- nossenschaftliche Organisationen gedeckt werden, oder gedeckt werden können. Im Jahre 1005 gab es erst 18 000 Konsumgenossenschaften mit rund 3 600 000 Mitgliedern m ollen Ländern der Welt: heute die zehnfache Zahl an Mitgliedern, während z. B. die Bevölkerung?- zahl Europas in den letzten 20 Iahren eben von 360 Millionen auf 450 Millionen anwuchs, also nur um 25 Proz. zunahm. Daß im gleichen Verhältnis die genossenschaftliche Wirtschaftsform die natio- nalen Volkswirtschaften und die Weltwirtschaft zu durchdringen und zu beleben beginnt, dafür bietet, wie gezeigt, das konsumgenossen- schaftliche England das beste Beispiel. Auch für das Werden de« „Staates im Staate". Aber auch die konsumgenossenschaftlich« Bewegung Deutschlands befindet sich seit den letzten 20 Iahren in unverhältnismäßig stärkerer Entwicklung als seine Bevölkerung, die um 25 bis 30 Proz. zugenommen hat, während die Zunahme der Konsumoereinsmit- glieder von rund 600 000 im Jahre 1003 auf nahezu 4H Millionen im Jahre 1025 das Siebeneinhalbfache, also 750 Proz. beträgt. Die deutsch« Genossenschaftsbewegung überhaupt zählt rund 53 000 Genossenschaften aller Art mit 7 bis 8 Millionen Mitglieder. fomilien. Sie ist zusammengenommen die weitaus stärkste Wirtschastsbewegung, und es ist deshalb von etwas mehr als nur geschichtlichem Interesse, wenn man angesichts des selbstbewußten Engländers daran erinnert, daß schon in den 1860er Iahren das Wort vom„Staat im Staate" gegenüber den Genossenschaften ge- prägt wurde. Es war bei lBerahing des ersten Genossenschafts- gesetzes, dessen Entwurf von Schulze-Delitzsch, dem„Vater" des deutschen Genossenschaftswesens, im preußischen Abgeordnetenhaus eingebracht worden war, als der konservative Junker v. Pappenheim auf die Gefährlichkeit der Genossenschastsgründungen mit der Be- merkung hinwies, daß dies ein„Staat im Staate" sei. Da Schulze-Delitzsch als freisinniger Abgeordneter und Steuerverweigerer sowie in revolutionärem Verdacht« stand, tonnte das Wort des preußischen Junkers entsprechend ausgelegt werden, um die Ent- wicklung der Genossenschaften zu verhindern. Aber es hat nichts genutzt: der„Staat im Staate" hat sich bis jetzt in ungeahnter Weife entwickelt, und wenn nicht eine zehnjährig« Unterbrechung dieser Entwicklung(1014 bis 1024) stattgefunden haben würde, so könnten mit dem gleichen Selbstbewußtsein, wie der Engländer Horrock, die deutschen Konsumgenossenschaften von ihrem„Staat im Staate" reden und als ein glänzendes Kompli- ment werten, was der preußische Junker zu denunziatorischem Zweck prophezeite. Dafür aber wird die Genossenschaftsbewegung und insbesondere die konsumgenossenschastlich«, im nächsten Dezennium in gesteigertem Tempo nachholen, was 10 Jahre zuvor ohne ihre Schuld versäumt werden mußte._— ff. Tagung öes Elettrizitätsbeirates. Am Mittwoch trat auf Einladung des Reichswirtschasts- Ministeriums der Elektrizitätsbeirat nach 3 14 jähriger Paus« im Reichswirtschaftsrot zusammen. Reichswirtschoilsminister Dr. E u r- t i u s leitete mit Rücksicht auf die Bedeutung der Tagung die Ver- Handlungen«in. Der Reichswirtschaftsminister betont«, daß man sich zwar Zurückhaltung hinsichtlich der Gesetzgebung auferlegt habe, daß man aber die Bedeutung der Elektrizitätswirtschaft stets in vollem Umfang« gewürdigt habe. Angesichts der bisherigen Ent- wicklung der Elektrizitätswirtschaft können heute die früher vielfach erwogenen Maßnahmen einer lieber- nähme dieser Wirtschaft in die öffentliche Hand als erledigt gelten. Die allmähliche Rückkehr zu normaleren Verhältnissen legt die Frage nahe, ob nicht der Ab b a u der in der Inflation erlassenen Schiedsgerichtsverordung oder ihre völlig« Aushebung geboten sei. Das Schicksal der!v«r- ordnung ist mehrfach Gegenstand der Verhandlungen zwischen Lieserer und Abnehmervertretern sowie mit den Ländern gewesen. gerade jetzt werden neu« Erörterungen darüber gepflogen. Das Be- streben des Reichswirtschaftsministerimns geht dahin, hier einen Rechtszustond zu schaften, der den oft schwer gegeneinander abzu- wägenden Interessen in gleichem Maße Rechnung trägt. Eingehend aus die wirtschaftlichen Seiten der Zusommenschlußbewegung und Konzentration in der Elektrizitätswirtschaft stellt« der Minister fest, daß sich in letzter Zeit Klagen mehren, daß Einflüsse nicht rein wirtschaftlicher Art hemmend und störend auf die gesunde Entwick- lung einwirken. Es sind eine Reihe von Fällen mitgeteilt worden. in denen fiskalische und politische Gesichtspunkte«inen schädlichen Stillstand herbeigeführt haben. Auch der sogenannte„Herr-im- Hause-Standpunkt" verhindere die zweckmäßige Stillegung veralteter klemerer Werke. Es geht nicht an, diese Dinge weiterhin sich selbst zu überlassen, da» Reich vielmehr müsse hier regelnd e i n g r e i s e n. Sodann sprach Minssterialdirektor Dr. Jogues vom Preußi- schen Handelsministerium über die preußische Elektrizitätswirtfchofts- IndexzaKleit für A�rarerzcufnisse u.Indush-iestoffe in Deutschland Januar-Mai 1956 in-, A|»Arerie\rfniss» ""■vlnd Mstriestoff» in.« m., IU.i fTS.ia*' / / tlW X0! 114 1913=100 >0.. i. s. 16. SV Kl. 6. IV SO. S7. 6. IV SO. S7. S. 10. 17. SV 1.*. 15«1. 1* Januar Februar- M« r i-««April M• t Politik. Preuß-n hätte sich allerdings erst spät in größerem Umfange aktiv deshalb beteiligt, um eine Monopolisierung von anderer Seit« zu verhindern: die Gründe, die gegen die staalliche Betätigung angeführt worden seien, hätten sich nicht als stich- haltig erwiesen. Von einer Uebernahme der Elektrizitätswirtjchaft auf das Reich müsse abgeraten werden: der Redner bemerkt«»och, daß die selbständige Elektrizitätswirtschast des Reiches in Preußen eine Art Nebeneinanderarbeit bedeute. Darauf sprach Dir. Dr. Oliven von der Ge-fürel, der sofort aus die große Uneinheitlichkeit der deutschen Elektrowirtschast einging. Durch gesetzgeberische Maß- nahmen müsse nach solgende'n Gesichtspunkten ein« bestmöglichste Lösung für die Allgerneinwirtschast gesunden werden: Ein zu schaffendes überstaatliches Organ arbeitet einen Generalplan für«in deutsches Höchstverteilungsnetz für alle Leitungen über 60000 Volt aus unter Berücksichtigung der bis- herigen Leitungen, der Grohzentralen. der Energiequellen und der Anschlußmöglichkeiten über Deutschland hinaus. All« Höchst- Deutsclslands S teuerenvnahmeii z '199�-19�6 B Lohnsteuer[D Umsatitteuer I Zölle u-VeröraucKssteuern In Millionen Mark. SSi.»..... 511.» spannungsleitungen unterliegen der Genehmigung dieser Stellen. Sobald eine Mitbenutzung technisch und wirtschaftlich aus Grund de» Generalplanes richtig erscheint, hat jeder Großerzeuger das Recht zum Anschluß. Bei Erweiterung oder Erbauung von Kraft- werten muß ein Einspruchsrecht der benachbarten oder günstig ge- legenen Unternehmungen geschaffen werden. Auch der folgende Redner, Dr. Bannwarth, Vorsitzender der Vereinigung der Elektrizitätswerke, forderte die Schaffung einer überstaatlichen Stelle unter gleichzeitiger Wahrung der Elastizität und Freiheft der Wrke selbst. Die zu errichtende Reichsstelle soll selbst uninteressiert und neutral bleiben: sie soll wesentlich aus unparteiischen Sachverständigen zusammengesetzt sein und nur auf Anruf zusammentreten. Der Erzeugung und der Der- teilung des Stromes dürfen keine gesetzlichen Schranken irgend- welcher Art gezogen werden, nachdem die deutsch« Elektrizität?- Wirtschaft einen Stand erreicht hat. der in anderen Ländern erst durch die Gesetzgebung erstrebt werden soll. Da» englische Kohlenproblem. In einem Vortrag, den Staatssekretär Prof. Hirsch hierüber an der Berliner Universität hiell und in dem er sich darauf beschränkt«, rein referierend die Zichörer mit dem Stand der Dinge vertraut zu machen, führte er zum Schluß aus, daß man in England bewußt eine Verständigung mit Deutschland suche, das den Eng- ländern als Vorbild bei der Kartellierung und bei der Verflüssigung der Kohle diene. Die Verständigung wegen des Exports liege auch in unserem Interesse. Wenn wir den Engländern unsere Ersah- rungen aus dem Gebiete der Kohlenverflüssigung zur Verfügung stellen, müssen wir zur Bedingung machen, daß das Kräfteverhältnis ' ange Zeit gesichert bleibt: ferner muß uns die größere englische talkraft durch billige Kredite zugute kommen und außerdem ftomti müssen wir uns dagegen sichern, daß'infolge des Vordringend der englischen Kohle bei den Reparationen nicht der Bartransfer über- mäßig in Anspruch genommen wird.-"i Sachwertkahenjammer im Wolf-Netler. a.-Zacobl-Sonzern. Der Geschäftsbericht der WertFgesellschafl des früher rein auf den E i s c n- Handel beschränkten Wols-Nefter- u.-Iacobi-Konzerns enthält über ihre während der Inflation erworbenen Erzeugerwerke die charai- well die Konjunktur nicht gut genug sst, um auf die Dauer eine genügend hohe Rente abzuwerfen. Mit anderen Worten: die Sach- wertspetulation erscheint dem Konzern heute als ein schlechtes Geschäft. Bereinigt sind in dem Wolf-Netter- u.-Iacobi-Werke Kom- manditgesellschast auf Aktien Berlin die eisenindustriellen Werke des Konzerns und seit 1. Januar 1025 durch Fusion alle Eisenwerke, an denen der Konzern durch Aktienpakete maßgebend beteiligt war (Christinenhütte in Meggen, Langscheder Walzwerk und Verzinke- reien A.-G.Eisenbau Schieae A.-G. Leipzig-Paunsdorf, Biggetaler Eisenwerk« G. m. b. H. Abteilung Wolf Netter u. Iacobi). Ob übrigens der Jammer über die Sachwerte ernst gemeint oder nur zur Beruhigung der Aktionäre angestimmt ist, wird dadurch Zweifel- hast, daß jetzt zu dem au» der Stmnes-Masse gekauften Majoritäts- paket des Baroper Walzwerks der maßgebend« Einfluß auf das Bandeisenwalzwerk A. Bielstein(Altenvoerde) hinzuerworben wurde. Beachtlich ist auch da» offeneZugeständnis, daß der Export(trotz der Zölle!) den Ausfall auf dem immer weniger aufnahmefähigen Inlandsmarkt nicht ersetzen könne. Es wirb ein Reingewinn von 268 000 M. ausgewiesen, au» dem auf das 5-Millionen-Aktienkapital eine Dividende von5 Proz. verteilt wird. - Großer Saison-Ausverkauf— ** Jul' Bedeutande Prels-ErmäUgungen In allen Abteilungen unseres Hauses Ab i. juii Farbige Sakko-Anzöge ■Odern« Fora U reichhaltiger Awlttbrnag M. 17.50...... bershgeectit M. 29,— M. 40.—...... berehgeeelit M. 32.— U. 88.—...... herabgecetit M. 42— Sakha-AnsAa« 1- XL 2- reih., gedieg. Stoffe, tadellae. Sit« M. 86.—...... herebgeeeUt M 39.— U. 80.—...... herebgeseiet 5L 65.— Sakk* und W»atvB mareoga M. 46—...... herebgeeetit IL 39.— Mok« und Waataa in«chvan und marengo IL W.—...... herakgeaetat IL 47.50 Sommer- Palatata marengo IL Mr—,..... herabgaaetat IL 37.50 „_ Sport- Paletata IL 4k—...... bcrabgeeelit IL 39.— Sommap-uiatar aeuaat« Paaaen. gate Verarbellang IL 87.—...... herahgeaetit IL 49.— IL 88—...... heraageeelat IL 76.— Winter-Paletots urO visier bedeutend herabteaetzta ffrela« Sport-Kleidung Spei-t-SoxSpo Steil, gemuat. IL 48.- bersbgea. M. 39— Steil, gemuat. M. 86— herabgee. M. 45.— 4 teil, gemnat R 86— berabgea. iL 52— Sport-SnzBpo an« Loden mit Breechaa oder lang. Hose IL 37—... herahgeaetit iL 20— Lsdan-Joppan Ton... R 12.50 an Lcdan-Mlintal Ton... iL 26.SO an Bummi-Mlntal too... iL 13.60 an ImorBf n. und SabardiM•■ISa««l IL 12.—%..... herabgeectat IL 27.50 Norren-BraaeliM ane Uaneheeier, Whipcerd, Loden nod Pkanta-ieetorien Im Preiae bo- deutend berabgeaeiat IL 15—, 12.50. 8.76 LefchteSofflinerKleMing Waaoh-SakkM Lfiatro- akksa Sohittlein.- IL K. 5.85 an 7.20 an SoMetleia.-Joppail. ▼. IL 6.53 an SotiDflsln.-AnxBp«. ▼. M 20.25 an Waaoli-Aazfipu..• r IL 24.50 an Lastra-Anafiga... t. IL 38.25 an Ctilnabaid. äabbaa. ▼. IL 29.75 an Cltinaaald. SaxBaa. ▼. M. 80— an Waaale-TanBlnhoaoa t. IL 9.50 an Tnanieliasen. Flanell und Cheriot...... t. R 13.50 an Dünglings-Anzüse farbig R 86-.. herahgeeetat b JSnglinga-dnzOpa Sport-Faaaan mit 4 antge, etilen IL 34—...... herebgeeetit II farbig R 84—.. berabgeeeiat IL 27— Taaehen R 27.50 Blaua Jflnglla5*-*aiQM 1- und Jreiitlg R 35-..... herabgreetit U 31.50 JPnjIIngu.Sohilftmnaa-Snzfiaa R 1488..... berabgeeUit U. 12.25 JSnfliaga.Saminar-mUlai R 46—..... berabgee-tat M. 38— w iSnglingn.Lado«- Matal R 37.85... rT. herabgreetit IL 22— JSMlinga-Bumnii-ISdntai R 18.— TT, rT. herabgeaetat IL 13.50 Winijickn flr Harren. 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Vertreten waren 13 Organ!» fationen aus 12 Ländern durch 21 Delegierte, und zwar hatten«nt- fandt: Belgien 1, Dänemark 4, Deutschland 6, Holland 2 Norwegen 1, Oesterreich 1, Schweden 2, Schweiz 1, Tschechoslowakei(Prag) 2, Tschechoslowakei(Reichenberg) 1, Ungarn 1, den auch Rumänien mit seiner Vertretung bevollmächtigt hatte. Di« Internationale Repräsen» tantschaft war einschließlich des Internationalen Sekretärs durch vier Mitglieder vertreten. Das italienische Mitglied der Re- präsentantschaft konnte infolge der faschistischen Diktatur an der Konferenz nicht teilnehmen. Das Internationale Arbeitsamt in Genf hatte ebenfalls einen Vertreter entsandt. Von den angeschlossenen Organisationen blieb nur Jugoslawien und Luxemburg unoertreten. Hochstraß er-Bern erstattete den Bericht des Inter- nationalen Sekretariats. Er betonte vor allem, daß die Arbeiten des Sekretariats bewertet werden müssen unter Beachtung der in den einzelnen Ländern seit der letzten Konferenz eingetretenen Verhältnisse. Vor allem galt es, die Beschlüsse dieser letzten Kon- ferenz(Leipzig 1922) durchzuführen. Er konnte feststellen, daß dies im großen und ganzen geschehen sei. Zu allem Bedauern mußte Hochstraßer einen wesentlichen Rückgang der Mitglieder- z a h l der angeschlossenen Verbände feststellen, der sein« Ursache in der allgemeinen wirtschaftlichen Depression hat. Der Verkehr mit anderen Organisationen, vor allem mit denen der übrigen graphischen Verbände, hat sich reger gestaltet, ein« Er- scheinung, die mit lebenswichtigen Ereignissen innerhalb einzelner angeschlossenen Organisationen in Zusammenhang zu bringen ist. Maßgebenden Einfluß übten dabei aus die Verhältnisse in Italien, die groß« Bewegung der belgischen Buchbinder im Vorjahr und auch die tschechoslowakische Frage. Mit berechtigtem Stolze konnte Hoch- straßer am Schlüsse seines Bericht» der Anschauung Ausdruck geben, daß seit dem Wiederaufbau gute Fortschritte zu verzeichnen sind und daß die International« der Buchbinder trotz ihrer ziffernmäßigen Kleinheit nicht an letzter Stelle in der internationalen Gewerkschast»- bewegung steht. In der sehr ausgedehnten Debatte wurde die Tätigtest des Internationalen Sekretariats unter Beachtung der natürlichen Schwierigkeiten, die seiner Arbeit entgegenstehen, voll gewürdigt und allseitig anerkannt. DI« skandinavischen Ver- bände beantragten, die Internationalen Konferenzen nur all« drei Jahre abzuhalten, doch soll das Sekretariat das Recht haben, eine Konferenz auch schon nach einer kürzeren Zeit einzube- rufen. Beschlossen wurde, das„Mitteilungsblatt' dauernd mit einem skandinavischen Teil auszustatten und eine der modernen Weltsprachen(Esperanto, Jdu) zu propagieren. Das„Mit- terlungsblatt" soll möglichst sechsmal im Jahre erscheinen. Zur lausen- den Uebersicht über die Organisations-, Arbeits- und Wirtschaftsver» hällnisse soll eine besondere vierteljährliche Berichterstattung der einzelnen Organisationen über die Zahl dk Mitglieder, der Arbeitslosen und Kurzarbeiter, über die Lohnverhältnisse und über die Lebenshaltungskosten an das Internationale Sekretariat erfolgen. Di« Konferenz schloß sich einer Erklärung der skandinavischen Verbände an. die die dringende Notwendigkeit des festen Zusmnmenschlusies in einer beruflichen Jnternational« scharf betont. Die Konferenz begrüßt deshalb mit größter Freude jede ernstgemeint« Bestredung, die ge- werblichen Internationalen zu fördern und macht es jedem zur Pflicht, in diesem Sinn« tätig zu sein. Für die Folgezeit sind 16 Spitzen st undenlöhne pro Jahr und 100 Mitglieder als Beitrag an das Inter- nationale Sekretarlat zu entrichten. Das Sekretariat müsse so ge- stellt werden, daß es allen Anforderungen nachkommen kann. Die Anträge, Reise- und Arbeitslosenunterstützung mit inter- nationalem Geltungsrecht durchzuführen, wurden dem Sekretariat zur näheren Prüfung überwiesen. Einer der wichtigsten Verhandlungspunkte der Konferenz war die Bildung eines Reservefonds zwecks Unterstützung bei größeren Streiks oder Aus» sperrungen. Aus diesem Fonds soll ein Vorschuß auf die von den angeschlossenen Verbänden zu leistenden Unterstützungssummen gegeben werden. In der Sache selbst zeigte sich die Konferenz ein- mütig, über die Höhe der zu leistenden Besträg« bei größeren Be- wegungen jedoch gingen die Meinungen sehr weit auseinander. Be- schlössen wurde, der Internationalen Kommission Vollmachten zu geben, den von den einzelnen Organisationen zu leistenden Beitrag für Unterstützungen bei größeren Bewegungen selbständig festzu- setzen unter Berücksichtigung der Tragfähigkeit des einzelnen Ver- bandes. Der daneben zu schaffende Reservefonds soll gebildet werden aus einem Beitrag von 20 Schweizer Centimes pro Mitglied und Jahr der einzelnen Verbände ab 1. Juli 1926 solange, bis er ein« aus- reichende und die erste Hilfeleistung sicherstellend« Höhe erreicht hat. Gegenstand einer längeren Debatte war die Haltung der englischen Organisationen zur International«. Es scheint, daß diese auf die internationale Der- bindung überhaupt keinen Wert legt. Sie hat ihren Austritt aus der Internationalen Föderation erklärt und ihn begründet mit ihrem der- zettigen Unvermögen, die notwendigen Beiträge zu lessten. Alle Versuche, die Engländer zum Wiedereintritt zu bewegen und ihnen weitestes Entgegenkommen zu zeigen, blieben erfolglos, ja fanden nicht einmal eine Antwort. Die Engländer waren bereits zweimal aus unseren Konserenzen, haben dort die Verhandlungen maßgebend beeinflußt und sich dann von ollen Arbeiten und Verpflichtungen zurückgezogen. Die Frag« der Frauenarbeit, der Lehrlingsent- schädigung und der Industrieoerbände wurde von der Konferenz nur theoretisch behandelt und die vorliegenden Anträge dem Internationalen Sekretariat zur weiteren Verfolgung überwiesen. Die angeschlossenen Organisationen wurden verpflichtet, alles aufzu- bieten, um die Frauenarbeit in unserem Berufe nicht über- handnehmen zu lassen. Die tschechische Frage spielte auf der Konserenz dann ebenfalls ein« besondere Roll«. Di« Bestrebungen, die beiden tschechischen Landeszentralen zu vereinigen, stehen vor einem erfolgreichen Abschluß. Schwieriger ist es, die ein- zelnen Verbände zusammen zu bringen. Versuche, während der Kon- ferenz durch Verhandlungen mit den anwesenden Vertretern der Ver- bände in der Tschechoslowakei eine gemeinsame Kundgebung zustand« zu bringen, hatten nicht Erfolg. Eine endgültig« Beschlußfassung über die Zulassung nur einer Organisation aus der Tschechoslowakei wurde ausgesetzt. Di« Erledigung der sormell�eschäftlichen Angelegenhesten vollzog sich nicht ganz reibmigstoe, da für die westlich gelegenen Staaten ebenfalls ein Vertreter in der Repräfentantschast verlangt wurde. Di« Abstimmung ergab, daß die Repräfentantschast zusammengesetzt wird aus zwei Vertretern der Schweiz und je einem Vertreter Deutsch- lands, Skandinaviens und Oesterreichs. Zum internationalen Sekretär wurde Hoch straßer- Bern wiedergewählt. Alles im allem hat unsere sechst« Internationole gut« Arbeit geleistet. Das wurde vom Verhandlungsleiter Haueisen im Schlußwort sehr treffend zum Ausdruck gebrocht. Er würdigt« die gefaßten Beschlüsse, die unser« Internationale innerlich gefestigt haben und d«n Sekretariat die Möglichkeit geben werden, noch mehr als seither seine Aufgaben zu erfüllen. verbanöstag öer Kupfersthmieöe. Leipzig, den 1. Juli. In den Tagen vom 27. Juni bis 1. Juli fand in Leipzig der Verbandstag der Kupferschmiede statt. Anwesend waren 26 Dele- gierte, 6 Bezirksleiter, die Mitglieder des Vorstandes, des Aus- schusses und der Redaktion. Genosse Hecht erstattete den Geschäfts- bericht. Daraus ging hervor, daß sich der Verband auch in dem letzten Jahr gut entwickest hat. In seinen Ausführungen dankte er besonders den ausländischen Bruderorganisationen, die den Verband in der schwersten Zeit der Inflation mit Mitteln unterstützten, so daß es gelang, die Organisation wieder in die Höhe zu bringen. Den Kassenbericht erstattete der Hauptkassierer Rabe. Er brachte zum Ausdruck, daß sich die Kassenverwaltung im letzten Jahre günstiger gestaltete, so daß der Verband sich finanziell an Neugrün- düngen der Gewerkschaftsbewegung beteiligen konnte. Die Mit- gliederzahl beträgt zurzeit 630 0. Thalmann als Vor- sitzender des Zentralausschusses gab Bericht über die verflossene Tätigkeit. Die eingegangenen Beschwerden der einzelnen Orts- gruppen wurden zur vollsten Zufriedenheit erledigt. Anschließend an die Bericht« erfolgte eine längere Diskussion. Den Höhepunkt der Versammlung füllte das Referat des Haupt- Vorstandes über die Stellungnahme des Gewerkschaftskongresses zum Jndustrieoerbandsgedanken aus. Der Zentratvorstand fühst sich auf Grund der gefaßten Beschlüsse in Breslau verpflichtet, die Frage der Verschmelzung mit dem Deutschen Metallarbeiterverbond aus dem Verbandrtag nochmals vorzulegen, lieber den Zusammen- schluß der beiden Organisationen machten Graßmann vom Bundesvorstand des ADGV. sowie D i ß m a n n vom Deutscheu Metallarbeiterverband über dessen Bedeutung sowie Notwendigkeit längere Ausführungen. Die heutige Wirtschastsumstellung erfordere einen festen Zusammenschluß der einzelnen Arbeitnehmerorganisa- tionen. Nach einer lebhasten Debatte wurde folgender Be- schluß mit 18 gegen 10 Stimmen angenommen: «Entsprechend den Beschlüssen des Breslauer Gewerkschafts- kongresses, der sich für Jndustrieocrbände entschied, des ferneren mit Rücksicht darauf, daß die Wahrung der Ardeiterintreessen an- gestchts der gesamten Wirtschaftslage und den immer stärker her- vortretenden Unternehmerorganisationen den Zusammenschluß aller Arbeiter in größere Organisationen bedingt, beschließt der Verbandstag, zwischen den Organisationen des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands und dem Deutschen Metallarbeiter- verband einen Karkellvertrag abzuschließen, um ein enges Zusammenarbeiten beider Verbandsleitungen» der Bezirksleitungen, örtlichen Mitgliedsschaften und deren Funk- tionäre herbeizuführen. Das Kartellverhältnis soll einem gemein- samen Wirken dienen und den einheitlich anzustrebenden Zu- sammen schluß vorbereiten und sichern. Der Verbands- tag hält eine Verschmelzung des Verbandes der Kupfer- schmiede mit dem Deutschen Metallarbeiterverband aus den ein- leitend angeführten und sachlichen Gründen geboten, wobei die im Jahre 1922 von den Vorständen beider Organisationen getrofse- nen Vereinbarungen zugrunde gelegt werden. Es wird dem Hauptvorstand des Verbandes der Kupferschmiede in Verbindung mit den Bezirksleitern und dem Zentralausschuß anheimgestellt, an einem ihm geeignet erscheinenden Termin, eventuell noch vor der nächsten Generaloersammlung, durch eine erneute Urabstim- mung eine endgültige Entscheidung über diese Stellungnahme her- beizuführen.' Als nächster Tagungsort wurde Hannooer gewählt. Der Ge- samtvorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Mit einem Schluß- wort und einem Hoch aus den Verband fand die Tagung ihren Abschluß. 1.-21.3U1I Die ungeahnt günstigen Abschlüsse für die kommende Saison erlauben uns für die vorhandene und neu hereinkommende Ware während des Saison-Ausverkaufs zu Preisen zu verkaufen, die jeder bezahlen kann. Nachstehend einige Beispiele: Für Herren: Moderne Halbschuhe"790 In schwarz Rindbox, he'bspltze Fotm. weli doppelt anrerglelchUd» billig•••••••••**. Braune Halbschuhe �90 aus kräftigem Rindbox, neue halbninde Form, m weih gedoppeil................ Schwarze Rindbox-Stiefel"ST 90 krSftlse» M«atrial, breit« and»pH« Fonn«n, Dobr- m and Rlnoibtwu. weli gedoppelt, bUUg.... M." Lackleder' Halbschuhe A90 »eli senihlcr Rand, eleganter SlroienKhah, rm- sflgilche Verarbeitung, tmerrtlehl billig••••• M. Eleganter Strafen- Stiefel prima Riadbox. Rlngibeiate"al* gedoppdt»»- diegene Verarbeitung, wirklich preiswert 990 Randgenähte Halbschuhe�<3 90 Schwerz md braun, mit Gummlfledi. neuste Form. 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Alle Kl.»rei» Schöucberg.zrirdena». Dir fitr ffrrrtag, S. Juli,»«r gesehen«»an. fcrenz der Helfer und Helferinnen der fferienkolonie findet«n Sonn- abend, 3. Juli, 714 Uhr, bei»Snig, Feurig. Ecke Pniu�beorg-Strahe, statt. Erscheinen aller unbedingt notwendig. heuke. Areitag. 2. Zuli: «. Abt, der Funktionare mllsscn unbedingt erscheinen.>>W «0. Abt. Schiincberg. Achtung! Sammeliislr» für die Feiienkolonien sind bi» snätesteno Montag, 5. Juli, beim Abteilungskassiercr Genossen Wehel, Eranachitr. 42, abiturechncn. 91. Abt. Friedenau. Meldungen der»inder. welch« an der Ferienkolonie teil- uchmc» sollen, sofort bei der Genossin Lockert, Friedenau, Mcinauer. strasie L. ineldcn. Beginn der Ferientoloni«: Montag, b. Juli, vormittag» 8� Uhr, Haltestelle Kaisereich«. Morgen, Sonnabend. 3. Juli: J31. Abt. Riedcrschönhausen. Pünktlich 8 Uhr Funktionarschung im Lokal Kuoosch. Uhlandstrasie. All« Funktionäre müssen unbedingt rrschelne». Arauenveranslaltungen: 2. ikrei» Tiergarten. Damplerfahrtkartcn müssen bis Sonnabend, Z. Juli, bei der Genossin Jordan, Lübecker Str. 43, abgerechnet itin. ÜMW Achtung, Frauenwelt-Lescrinneu! Karten zur Dampferfahrt am H Freitag, 9. Juli, sind ausverkauft! 3.»reis Fricdrichshain. Heute, Freitag, 2. Juli, 714 Uhr, bei Rosin, Gubener Str. 19. Funktionärinnenkouferenz. Abrechnung der Dampfer» sahrtkarlr». Alle Abteilungen müssen unbedingt oertreten sein. Jungsozialisien, heule, Freilag. 2. Juli: Gruppe Mitte: 3 Uhr in der Schule Gipsstr. 23� politische Aussprache. Scitung: Ellen Bcidler, Gruppe Reukbllu l: Der Grnppcnobend sollt aus,— Gruppe Pankow: Pünktlich 8 Uhr im Jugendheim Breiic Str, 32 Bortrag: „Pan-Europa". Referent: Willn Möbus. Parteigenossen sind herzlichst ein- geladen,— Gruppe Schönrberg: 8 Uhr im Heim Rubcnsstrasi«, Musikzimmrr, Portrog„Die Lehren des Polksenlscheids". Rckercnt: Genosse»o» Puttkamer. Bollzähliges Erscheinen ist Pflicht, Die Acitcvc» der 6313. sind herzlichst ein» geladen.— Spielgemeiuschast: 8 Uhr Bahnhof Grsinau Treffen zur Probe für dos Falkcnhagener Volksfest. Sterbetafel öer Groß-öerliner partei-Grganifation 89. Abt. Reukälln. Nach schwerem Leiden ist unser Genosse Robert Heinrich, Sandersir. 14, im Alter von 34 Iahren verstorben. Einäscherung am Sonn» abead. 3. Juli, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Baumschulenwag. Um gohlreiche Beteiligung ersucht die Abteilungssciwng. 193. Abt. Oberschoueweib«. Ain Dieusiag. 29 I».!ni, r erstarb unser lang' jähriger Genosse und Funktionär Andreas Bode. Eiuäicheruno am Sonnabend, 3. Juli, nachmitlags 41{ Uhr, im Kremntoriui» Baumschulenwez. Die Genossinnen und Genossen treffen sich bereits nachmittags 314 Uhr auf dem Marltplati. Sozia.ttft;sche �rbeitersugenü Groß-öerlin. Achtung, Abteilungsleiter! Nehmt die Abrechnung der Sonnenmrndkarten vor. Achtung, Abtcilnugstassieeer! Heute Abrechnung der Beiträge. ilbteilungsmitgliedLrversammlungcn heule, Freitag, 7!u Uhr: Moabit l: Schule Waldenscrstr. 20.— Nordost I: Jugendheim Reu« König» strohe 21.—.Nordost II: Jugendheim Danziger Str. 62.— Nolenthalcr V»r» siadt: Schute enpostr. 23a.— Weihcnsee I: Jugendheim Roelckeftr. 157.— Weihensee II: Schule Wörthstrasie.- Osten Str.-V.: Jugendheim Gosilerstr.«1. Blarschauee Piertel: Iugcndhcnn Tilsiter Str. 4.— Gchöueberg I: Jugend» heim R.Ibens» Eg c Houptstrasie.- Tchönebcrg II: Jugendheim Hauptitc. 15.— Gharlotte»bürg: Jugendheim Rosinenstr. 4.— Ehaelottenburg-Nord: Jugend» hcini Rosinenstr. 4.— Halensee: Schule Srochim»Fricdrich.Str. 35 M.— Steg. Ii» II: Jugendheim Holsteinische Str. 3.- Beig! Rathaus Ghausseefir. 4«.— Neukälln I: Schule Rütlisirasie.- Reukäll» II: Schule Bergstrasir 29.— Reu» kölln IV: Jugendheib'i Nogatstr. 53.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Slr. 5. — Johannisthal: Nachhalls am Königsplan,— Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3. — Niedorschönhause»: Schule Blonkenburger Str. 69/70.— Pankow: Jugendheim Breite Str. 32.— Spandau: Zuaendlieim Lindenuker 1. 4- Mädchrnarbeitsgemmuschoft„West". Soiniahend, 3. Kult. 714 Uhr. im Jugendheim Eharlottenchura. Zlosivenstr. 4, Port rag:„Das Gemeinschaft,. erlednio in de: Jugend". Referent: Genosse Dr. Krisch«. übergibt man nur dem Nachweis d«s Deutsch. MusikernerbnndeS. Berlin 027, AndtckaZstr.'21 ISöniaftadt 4310, 404S). ssieichästSzeit!> bis 5. Sonntags Ist hi» 2 llfsr. Auf Wunsch Bertreterbesuch Werbetxzirk»r,,|t,r)r Sonnabeutl, L Juv. 714 Uhu. i» Zngendcheim Lindenstr. 3. Lesezimmer. Arbeitsgemeinschaft Pemmann. Genossen, welche on einer Ferienfahrt in die Sächsisch« Schweiz vom 1». Juli bis 1. August teilnehmen wollen, mögen sich beim Genossen Wolter Dohm, Weisienfe«.'Trarbacher Str. 11, oder im Jugentsekretariat melden, Nähere Angaben erfolgen dort._ Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner»Schwar, Rol-Gold". Gefchiftssiell«: Berlin S. 14. Sehasiiansir.>7«. S°f* St. MM«: Kameraden, die nicht nach Kottbus fahren, treffen sich Sonn- tag. d. 4.. morgens 714 Uhr. Stettiner Borortdahnhof tur Fahrt nach Birkenwcrder. Angehörige ab 1 Uhr nachmittags Burgsdorf.—»reuzbcrg: Sonntag, d. 4., beteilige» sich die Kameraden mit ihren AnyebSrisen an dem Sommerfest der SPD. w der Bockbrauerri. Eintritt 4» Pf. Anfang 3 Uhr.— Wilm-rsdoaf: Sonntaa, d. 4., morgens 5'4 Uhr, Abfahrt auf Lastauto nnt Anhängern-om Fchrbelliner Ploh zum Gaufest in Kottbus. Fahrpreis Ich« M. Fahnen mitbringen. Spartmannschoft fährt mit Eharlottrnburg am So., d. 3.. nachmittag» 4 Uhr, ob Wrlhelmplal». Lehte Uebnng Fr., b. 2., I Uhr bis zur Dunkelbeit. auf dem Subertusfpvrtploh. Wien�fahrer müssen Unter logen für Sommelpasi sogleich an Kreiskassierer abgeben.— Schön-brrg. Friedenau: Ach- tnng. Kotibu Z.Fahrer! Abfahrt erfolgt So., d. 3., nachmittags Z Uhr, von MUblcnffr. 8. Kameraden, die sich noch beteiligen wollen, melden sich bis Fr., d. 2., abends bei Kamerad Rathmonn. Fahrpreis für Autofahrt 3,60 M.— Lichtenberg nebft Untergruppen: Fr., d. 2.. 8 Uhr. Kottdus-Radfahrrr Appell mit Fahrrädern bei Klose. Ruprecklstr. 37. So., d. 3.. sämtlich« Kottbus» Fahrer Punkt 3 Uhr Görl. Bbf. Fr., d. 2., 7 Uhr. Iuaführersihung bei«rsiger, Türr» fchmidtftr. 33. Um 8 Uhr.Kuasihung in den bekannten Lokalen.— Ziergarten: Wien-Fabrer treffen sich om Fr., d. 2.. 8 Uhr. bei Hübuer. Wilsnacker Str. 35. — Bernau: Fr., d. 2., 8 Uhr. Bersannnlunq bei Modisch.— Neurill»»Beit: Jungmonnschaft Fr., d. 2.. bei Bolewski. Boddinstr. 57, Monatsversammlung. Reserat drs Kameraden Erdmannsdörfer:„Volksentscheid und seine Lehren".— Pankow(*wis): Fr., d 2., 8 Uhr. sämtliche Jungmannschaftcn bei Slindk, Niederschönhausen. Friedensvlag. Besprechung einer Nachtübung. Aeltere Ko» me roden gern gesehen.—«annorswnd: Die Kreiskassierer werden ersucht, die Fahrkarten für die Wien�ohrer So., d. 3.. von S bis 1 Uh, im Saubnreau in Empfang zu nehmen.— Feiebrickwhain: Koitbu»-Fahrer So., d. 3., nachmittags 2's. Uhr. Jugendlich« 514 Uhr Gärt Bhf. Fahrgeld 3,80 M.— Gharlattenburg: Kottdiis-Fahrer So., d. 3.. 314 Uhr. Wilhelmplah. 3% Uhr Abfahrt. Musik und Fahnen fahren aus dem Auto mit.— Treptow(»rei«): Für das dritt» rliite nach Kottbus ssird noch einige Plähe frei. Meldung bis spätestens Fr. o. 2.. bei Karl Schäpf. Riederschöneweide. Grünauer Str. 8, ober bei Komerat Juno. Abfahrt S».. d. Z..»achmitlaa» pünktlich 4 Uhr, oon Grünauer Str. 3 ~ Weihensee: So., d. 3., 614 Uhr. Antreten ,ur Pflichtveranstaltung Grüner Baum.— Bedbing: Kottbus-Fahret treffen sich So., d. 3., nachmittags bis 3 Uhr. vor dem Görl. Bhf., an der linken Eck«. Landsmannschaft der Schle«»ig»S»lst«inee zu Beeliii. Sonntag. 11. Juli. Eisenbahnnartie mit Musik nach Kablow in der Mark. Abfahrt früh 714 Uhr vom Görliber Bahnhos in: bcstcllten Daaeu. Teilnehmerkarten 2 M. Beeein der Frridenkrr für Feuerbeftattnng E.«.»ezirk 14 Renköln: Eonn» tag. 4. Juli, Familienausflua noch Rudow, Lokal Wedlrr. Lindenpark, Benda» strasie SC Anfang 4 Uhr. Erwachsene 30 Pf.. Kinder 15 Pf. Der«rdeiterMönneiG-langoerein„ilukunsV Niederschönhanseu, gegt. 1801. M. d. AGB.. Ehormeister Paul Sofkmann heaeht Sonntag. 4. Juli. 2 Uhr. sein 35. Stiftungsfest mit Bannerweihe unter Mitwirkung der Bruder» chöre in Sanssouci. Nordend. Ortsgruppe Nordost der Bereinigten Berbände heimattreuer Oberschlesier e. B. Souniaa. 4. Juli. 3 Uhr, Sommeifest im Schloß Weisiensee. Eintritt ö» Pf. Arbetier-Abstinentenbund. Sonntag. 4. Juli: Bei unserem alkoholfreien Ansschank auf dem Polksfest in Falkcnbevg bei Grünau wenden noch Genossen als Helfer gebraucht. Treffpunkt l2 Uhr Gartenftadtsirasi« in Falkrnderg. Wer vorher mit baden kommt: Treffpunkt Bahnhof Grünau 10 Uhr. Montag, 5 Juli: Gruppe Mitte Landgemeindehaus Sophienfttasie. 8 Uhr. Bericht von einer Fronkreich'valze. Dienstag, 6. Juli: Gruppe Tegel 7 Uhr auf der Spiel- wiese. Mittwoch. 7. Juli: Ab 6 Ubr Arbeitsabend in der Geschtiftssiell« Engel» Ufer 29. Gruppe Moabit: Juoendbeim Bremer Eck« Wiclefftrasie, 714 Ubr Heimabenb. Donnerstag. 8. Juli: Kruppen Osten und Lichtenberg ah 6 Uhr bei Heinzelmann, Sichtenbera. Kantstr. 20, Hof parterre. Heimabend. Sonn» abend. 9. Juli: Ortsgruppe Berli» Fahrt nach Michendorf. 6.15 Uhr. ab Potsdamer Wannseebabnhof. 6.24 Ubr ab Bahnbof Sharlottcnbnrg lTreffpunkt: 6 Uhr Ausganq Stuttgarter Plahl. Beide Male in Wannkce umsteigen. Sonntag. II. Juli: Fabrt nach Michendorf. 7.Z7 Uhr morgen» od Bahnhof Eharlottcnbnrg. Neichsbunb de«»riegobrschötngten, Krieg» teilnehm« und Kriege rhintee. bliebenen. Bezirk Feutrnm: Montag, 5. Juli, im Rosenthaler Hof, Rosen- thaler Str. 12. Monatsverlammlung.„Aufbau nnb Kiele des Reichsbnndes". Referent: Kamerad Wende. Achtung! Sonntag, 4. Juli. Ausflug nach Röhns- dorkcr ÄUthl«._____ Arbeitersport. Fuhballturnier in Lichlenberg. Am Dienstag trafen sich zum legten Vorrnndenkvlel Berliner Spo riverein 22 und Neuköllner Ballspielklub BSV. hat nur 10 Mann zur Stelle und können die Neuköllner dabcr das Spiel bis zur Pause offenhalten. Trotzdem gelingt es BSV. in der 37. Minute nach einem schnellen Lauf des Linksaußen durch den Mittelstürmer zum ersten Erfolg zu kommen. Kurz vor der Pause setzt der Linksaußen«in« Bombe geoen die Lotte. Nach Holdzelt ist BEB. dauernd überlegen. In regelmäßigen Abstiände» erzielen sie noch vier weiter« Zar«, denen die Neuköllner nicht« entgegensetzen konnten. Auch«wen Elfmeter per- wandeln sie in sportlicher Monier nickt.— Am Sonntag findet die Zwischen. runde statt. Es spielen hier: Borwärts-Hennigsdorf gegen Berliner Sport. verein 22 und Lichtenberg 1 aege» Brandenburg 02. Dias erst« Spiel sollt« Vorwärts gewinnen, während bei dem zweiten der Sieger durchaus noch nicht keststebt. Beginn der«viele«riiuiiliag» 8*4«he.- Am Saunöag finden noch folgend« Spiele statt: In Steglitz. Ring» Ecke Südenistvaßc. stehen sich Freier Sportverein Berlin XII und Spandau OS gegenstber.»erolina erhält den Besuch von Fichte 2l auf dem Tempelhofer Feld. Sachsenhausen jährt zu Wittenau. Adler-Mahlsdorf empfängt Hansa» Sohenneurudorf. In der EhriManiastrasic stehen sich Teutonia 09 und Ballspieltlub Moabit gegenüber. Askania trifft auf Borwärts 20 in Köpenick. Grüne Trist. Sadowa und Woltersdorf spielen in»aulsdorfü-üd. Auf der Rennbahn Berftenl« lmelen der dortig« Turnverein und Hertha 22.— Im Sudwestbezirk wird endlich auch der Meister ermittelt. Luckenwalde I und Frisch-Auf sind die'Scgner. Lucken» wald« konnte gegen Teltow sicher mit 6: 1 gewinnen, während Frisch�Aur sick mit 1: 3 geschlagen bekennen mußt«. Frisch-Auf verlor dos Spiel allerdings nur durch die Leichtsinnigkeit des Torwarts. Da sich w dem jetzigen Spiel zwei Ortsrivalen gegenüberstehen, ist«in äußerst harter Kampf zu erwartrn. Luckenwalde wird daher der Treffpunkt aller interessierten Vereine fern.— In Pankow ttefie» sich auf dem neu angelegten Sportplatz in der Bleichröder. straße Lichtenberg IN und Ardeiter-Turnvercin Pankow. Arbeiter. Nodl oh rer-Be rei» Groß-Berlin. Sonntag, 4. Iulr. früh 5 llbr. Badctonr noch Steinfiirt. Rachmittags 1 Uhr na» Rahnsdorf, Lokal ZSald- schläßchen. Start Waldemarstraß« Ecke Mariannenplatz. Gäste willkommen. Ew Berbesportfest In Schmargendorf veranstaltet am 8. August die Frei« Turnerschaft zwecks Gründung einer Sportvbteiluna. «pottfest»»r Deeißig-Jahr-Feier i» Köpenick. Auf dem Eiche»Svortp laß in Köpenick findet Sonntag. 4. Juli,«in leichtothletischcs Sportfest ans Anlaß des dreißigjährigen Bestehen, des Turn» und Sportverein-„Eiche" Köpenick statt. Borkämpfe 9 Uhr vormittags. Hauptkämpfe 3 Uhr nachmittags. Um 2 Ubr Svortlerfeftzug durch Köpenick. Kampfrichter um 419 Uhr auf dem Eiche-Sportvlatz. Kartell Pankow. 1». Bezirk. Alle dem Kartell angeschlossenen verein« hoben zu der om Montag. 5. Juli. 7 llbr, stattfindenden Sitzung im Jugendheim Pankow. Kissingenstraß«, je einen Techniker zu senden. Um 8 Uhr dortsclbst Kartellsttzung. dazu alle Berewsvonitzenden. Achtung! All« Vereine beteiligen sich am Sonntag. 4. Juli, an der Platzeinweibung des Arbeiter-Turnverein» 'Pankow. Abmarsch 12' i Ubr Kaiser-Fried rich-Platz. Arbeiter. Radfahrer-Bund„Solidarität". Touren für Sonntag, 4. Juli. Bez. 1, l. Abt.! Früh 5 Uhr und mittag» 12 Uhr Krosiinsee. Start Blliow» straße 55.— 3. Abt.: Früh 5 Uhr Seddinwall. Start Lousißc. Platz.— 4. Abt.: Früh 5 Uhr Ukleisee. Start Weberwies«.— I. Abt.: Früh 5 Ubr Kloster Ghorin. Früh 8 Uhr Uetzdorf. 12 Uhr Röntge ntal. Start Schönhauser Alle« 164.— 19. Abt.: Früh 6 Uhr und mittags 12 Uhr Gorinsee. Start Eomeniusvlatz.— 12. Abt. Motorsahrer: Früh 7 Uhr Kallinchen. Start Lansitzer Platz.— Bez. 2. Ortsgr. Neukölln: Bezirksfest w Buckow. Start früh 7 Uhr noch Königsheide: 1. Abt. Hertzbergvlatz. 2. Abt. Bahnhof Hermannstraßr. Noch- mitto?? l Uhr für olle Scrtzberapla«.— Ortsgr. Eharlottenburg: Bezirksfeft in Buckow»Britz. Dorjstr. 1. Start 12 Uhr Gatvanistr. 13.— Ortogr. Schöne» berg: Nach Buckow. Start 12 Uhr Stubenrauchstr. 5».— Ortsgr. Treptow. Baumschulenweg: Früh 8 Uhr und mittags 12 Uhr Buckow. Start Bahnhof Baumschulenwcq.— Bez. 21, Ortsgr. Tegel: Iörsfelde. Start 1 Uhr Echlieper- straße 64.— Ortsgr. NlederfchSnhgufe»: 7 Uhr Stolzenhagener See. Start Bereinslokol.— Ortsgr. Pankow: Stafette durch Pankow. Start 8*4 Uhr Daillardstr. 32.— Ortsgr. Reinickendorf: Sonnabend nachmittag 5 Uhr Der- neuchen. Start Residenzsir. 100.— Ortsgr. Lichtenberg: 6 Uhr Stienitzsee. Start Tvaoevlatz.> Touristenverein„Die Raturfrennde"(Zentrale Wien). Abt. Eharlottenburg: Freitag. 2. Juli,*48 Uhr, im Heim Haeselerftr. 16b Geschäftliches.— Abt. Friedenau: Freitag, 2. Juli. 148 Uhr, im Heim Offenbacher Str. 5» Mitglieder- Versammlung.— Abt. Gesunddeunaen: Freitag, 2. Juli, 8 Uhr, im Schiller» lnzeum. Pand» Eck« Böttcherstraße,„Bügel und Pflanzenwelt im Luch".— Adt. Südost: Freitag. 2. Infi,*48 Uhr, im Heim Reichcnberger Str. 06 Wander» liederabend. Kindergrivp«*40—148 Uhr im Jugendheim(Genosse Bareiul.— Abt. Neukölln; Freiiaa. 2. Juli. 8 Uhr. im Heim Kopfstr. 55 Geschiiftlickes. Jugendgrupp« im selben Raum 147—8 Uhr Leicabend.— Adt. Zempelhof: Freitag. 2. Juli, 8 Uhr. im Heim Mariendorf. Dorfstraßc. Heimabend. Mon- tag. 5. Juli, in Lichtenrade. Koiser-Wilhelm-Str. 73, Heimabend.— Abt. Treptow: Fteitag. 2. Juli, 148 llhr, im Seim Glsenstt. 3„Lustige Tiroler Geschichten"(Genosse Hokemann).— Abt. Wrddiag: Freitag. 2. Juli, Heid«. abend. Treffpunkt>47 Uhr See» Ecke Llltttcher Straß«.— Photogewrinschaft: Montag. 5. Juli,'48 Uhr, im Heim Ebertnstr. 12. Aktphoto grophi«.— Natur» »issenschasttiche Abt.: Montag. 5. Jult. 8 Uhr.>» Heim Stralauer Str. 55. .Maproku"._________ Wetterbericht der öffeulllcheu Wetterdienststelle für Berlin.(Rachdr. bevb.) Teils heiter, teilt wolkig, ohne nennenswerten Nicdertchläg«. Teinperaturon wenig geändert.— Für venkfchlond: In Süd- und Mitteldeutschtand strich- weise Regen. Wenn Ihr Magen Sie Plagt, müssen Sie die Ursache Ihrer Beschwerden suchen. Sehr viele Ber- dauungsleiden find die Folge eines Uebermages von Säure im Magensaft. Diese Säure ist es, welche saures Ausstoßen. Sodbrennen, Blähungen, Uebergeben und viele andere Verdauungsbeschwerden hervorruft. Rehmen Sie nach dem Essen einen halben Kaffcelössel BIserirte Magnesia in etwas Wasser ein, und Sie werden damit sichere und schnelle Heilung erzielen. Biserirte Magnesia neutralisiert die schädliche Wirkung von übermäßiger Säure und regelt die Funktionen des Berdauunasapporats. Sie übt eine beruhigende Wirkung auf die gereizten Magenwände aus und sichert normale und schmerzlose Verdauung. Biscnrte Magnesia ist in allen Apotheken erhältlich. Biserirte Magnesia kommt i» Fkoschen gefüllt zum Verlauf und Ist daher unbegrenzt haltbar. 8.11.« LEBENSMITTEL Mengen abhabe ▼o> behalten Kolonialwaren Käse ISS Bruchreis...... pfnndlSp;. Haferflocken. Pfnnd23pt Linsen.......... pfnndlSp» Viktoriaerbsen p«.Z2p> Hartgriess..... Pfund 28pi Eierbandnudelnptd. 48?« Bosn. Pflaumen püISp. Kalif. Backobst pfd.SOp* Frühstückskäsesierl2pf. Camembert ¥0111,3(01 28pi. Quadratkäse.. p(aiid28pt. Ailg. Stangenk. pm.70pi. Edamer......... Pt»»d7Spl. Dän. Schweizer pfd98r f. Steinbusch,»»in, iid 88pi Tilsiter rolU»«... Pfwidl18 Kafffee frisch gebr., aas eig.BfisteTei,Pf. 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Fllll............. SMeklOpt Rene englische HatJes BWek 7, 10. ISpf. 2. 1 1 Erdbeer-, Aprikosen-. Kirsch- und Himbeer- Konfitüre-LB,or � 2 Pfund... 1 IT m HÄ1 FTF herabgesetzt sind die Preise zur! I 9bi vieler Waren in den bekannt guten Qualitäten WWW» «WWWWW itiiiitiiiffliniiiimiiüi Weberdeugen Sie sieb, wie billig wir sind! Beginn 1. iuH in fast»Hell Allteilungen •ä. Unterhaltung unö mn 6t"O0c II öes vorwärts Em ungestörtes Plätzchen. ,�ber, Herr Wahlvorsteher, wenn uns öle Leute überrasthen.. .keine Klagst l So lange mein Inspektor vor öer Tür kontrolliert, traut stch keen �las aus üem janzeu Dorf ins fibstimmungslokal!� die ZobehagS in Kamtschatka. Don Sten Dergman. Zobel und Lochs sind das A und O Kamtschatkas. Odne diese würde dos Land nur von den renntierzüchtenden Nomadenstämmen bewohnt sein. Einzig und ollein nur diese beiden Tiere haben so viele Russen und ander« Lolksstämme hier heraufgelockt, und dazu gebracht, einem horten und ungastlichen Klima zu trotzen. Es ist seltsam, dah die Wirtschaft fast eines ganzen Landes von dem .dobel abhängen kann, dessen Pelzwerk ein ganz ausgesprochener Luxusartikel ist. Man kann sagen, dah dieses kleine Tier auf Kamtschatka die Münzeinheit bildet. Alle Geschäfte werden in Fellen abgeschlosien, dem einzigen Zahlungsmittel. Die Jäger brechen früh am Morgen auf, ehe es ganz hell ge- worden ist. Der Zobel ist ein Nachttier und hat gerade leine Jagd auf Hasen, Rotten oder Vögel beendet. Es gilt nun, seine nacht- liche Spur zu finden. Manchmal kann es geschehen, dost die Jäger Tag um Tag ausgehen müssen, ohne eine Spur zu tressen. Haben sie aber Glück, so entdecken sie bald seinen großen, dem des Fuchses ähnlichen Fustabdruck. Die Hunde werden Feuer und Flamme. Sie haben bis dahin das Zobelnetz nachgeschleppt. Nun werden sie davon befreit und verschwinden mit wedelnden Schwänen auf der Spur. Die Kamtschadalen bleiben stehen und überlegen, wohin sich das„Sobolischka* gewendet haben mag, und lausen dann hinter den Hunden auf der Spur her. Plötzlich ist von weit her das wütende Standgebell der Hunde zu hören. Man lauscht, verlätzt die Spur und geht direkt dem Laut« noch. An einem alten Windbruch sind die bellenden Hund« gerade dabei, nach Herzenslust zu graben. Die Schwänze bewegen sich unaufhörlich: man spürt, datz sie mit Leidenschaft arbeiten. Sie haben kaum Zeit, sich um ihre herannahenden Herren zu kümmern. Wenn diese den Platz erreicht haben, müssen die Hunde sich sür eine Weile zur Ruhe bequemen. Die Jäger prüfen die Stelle und überlegen mit Verständnis, wie man es anpacken müsle. Der Zobel ist unter den Windbruch gegangen und sitzt vermutlich ver- steckt in einem hohlen Teil des alten Baumes. Das Ergebnis ist, dah man sich entschlieht, das Netz rund um den Windbruch auszu- spannen. Das Futteral aus Seehundsfell wird ausgeschnürt und das Netz herausgenommen. Daran sind Stöcke befestigt, um es im Schnee festzlistecken, und im Augenblick ist der Baum von einem knapp einen Meter hohen Netz umgrenzt. Nun stellt sich der Jäger mit der Büchse bereit, und der andere. mit den Hunden zur Seite, beginnt mit dem Holzspaten zu graben. Da und dort schlägt er mit dem Spaten an den alten Baum. Und auf eins, zwei, drei, kommt vielleicht das kleine Raubtier wie der Blitz herausgefahren. Mit ein paar langen Sätzen eilt es fort, die Hunde hinterher und, vom Tageslicht geblendet, bemerkt es da» Netz nicht und stürzt geradeswegs hinein und damit in den Rachen der Hunde. Gewöhnliche Hunde würden jetzt mit ihrer Beute fort» stürmen und sie ausfressen: ober die Zobelhunde sind so dresiiert, daß sie den Zobel nur täten und dann liegen lassen. Daraus wird das Netz wieder zusammengelegt, und man beginnt nach neuen Spuren zu suchen. Aber so bequem wie im geschilderten Falle geht es selten ab. Der Zobel ist keine alltägliche Beute, was man daraus ersehen kann, dah sein Fell mit vierhundert bis sechshundert Goldmark be> zahlt wird. Oft kommt es vor. dah man einen ganzen Tag lang ohne jedes Ergebnis graben muh. Wenn dann der Abend kommt, wjrd ein Hund zurückgelassen, der die ganze Nacht treu dasitzt und wacht. Hqt der Jäger Glück, sa kommt vielleicht der Hund mitten in der Nacht nach dem oft eine halbe Meile emsernten Zelt mit dem Zobel im Maul. Aber zuweilen muh der Jäger am nächsten Morgen weiter graben, und das Ergebnis kann sein, dah er ein Loch entdeckt, au» dem das Tier herausgeschlüpft, auf einen Baum gclangt, und entkommen ist. Wenn der Zobel, wie e« oft der Fall ist, in einem hohlen Baum sich geborgen hat, gilt es für den Jäger, ihn auf irgendein« Weise heraus und vor den Schuh zu bekommen. Mit dem Beilhammer schlägt er gegen den Baum: gewöhnlich kommt dann der kleine Räuber herausgefahren. Manchmal bleibt er auch trotz allen Klopfens und Lärmens in seinem Loch. Dann greift der Kamtschadale zu einem Radikalmittel. Er legt Feuer an den Baum. Wenn der Rauch drinnen zu arg wird, muh zuletzt das arme Tier doch flüchten. Der Kamtschadale sitzt unterdessen mit schutzbereiter Büchse da, und sobald sich der Zobel zeigt, knallt der Schuh. Ist der Kamtschadale auf seine Spur gestohen, die er jedoch Die Naöel. 4] Don«. v. Smilovski. ..Wegen so einer Kleinigkeit!' Kubaset richtete sich auf und blickte voll Verachtung auf sein Weib. Sein Kopf war von dem vorherigen Suchen durch den Blutandrang ganz rot. Eine Sekunde nahm er sich die Kubaskin mit seinen Augen auf» Ziel und dann oersetzte er nachdrücklichst und mit lauter Stinune: „Meine Rädel!' „So ein Lärm!' sprach die Kubaskin spitz..Loh die Nadel Nadel sein und nimm dir eine andere! Wegen so einer dummen Nadel wirst du nicht eine Zweikreuzerkerze verbrennen!' „Und ich sag' dir, Mutter, stichle nicht! Eine dumme Nadel! Du weiht, dah es m e i n e Nadel war! Und wenn ich eine wächsern« Diertelpsundkerze verbrenn-n sollte, ich muh sie wiedersinden. ja. ich muh sie haben!' „Ehe du sie findest, könnten die Hosen fertig sein!' Kubasek schlug auf den Tisch, dah die Knöpfe in die Höh« sprangen. „Ich sag' dir, Frau, quäl mich nicht! Du muht immer etwas dagegen haben, immer irgendein giftige« Wort, dah sich einem danach die Seele umdreht! Zünd lieber die Lampe an und hilf mir suchen!' „Das möchte noch fehlen, dah ich mit dir närrisch werde!' Kubasek lieh sich auf den Sesiel niederfallen, dah die Knochen knirschten. Er glotzte sein« Frau an und schwieg. Die Kubaskin ging hinaus. Als sie noch einer Weil« zurückkam, sah er noch auf seinem Platze mit der Kerze in der Hand, und das Unschlitl hotte ihm dos Hosenbein ganz vollgetropft. Die Meisterin war inzwischen ein bihchen abgekühlt und sie versetzte, sich zur Mäßigung zwingend: „Nimm dir, Vater,«ine andere Nadel, trink ein wenig, und beginn zu arbeiten. Du hast dich ohnedies diese Tage nickst aus- geschlafen. Du wirst mit der Arbeit bis morgen nicht fertig werden!' „Daß du doch einsiehst, dah ich von der Arbeit ermattet bin! Wie soll ich zu arbetten ansangen, wenn ich nicht meine Nadel habe? Mit einer anderen bring ich heute schon nichts mehr fertig. Das weih ich. Such sie mir: ich weiß schon nicht, wo mir der Kopf steht. Mtt einer anderen Nadel rühr' ich die Arbeit nicht an!' .,2>a» bildest du dir nur so ein!' antwortete die Meisterin, und suchte mit der Kerze, die allmählich zu End« brannte. Von der Nadel war keine Spur da. Die Kerze brannte ab. nicht bis zum End« verfolgen kann, so legt er einige Schlagfollen aus, von gleichem Typ wie unsere Fuchseisen, aber bedeutend kleiner. Als Köder ist Hasen- oder Auerhahnfleisch sehr gut. Die Zobeleisen. so zu stellen, dah sich Wild darin fängt, ist eine Kunst, die man nicht aufs erstemal lernt. Es fordert eingehende Kenntnis der Gewohnheiten des Tieres, wenn man Glück haben will. Die Kam- tfchodalen sind im allgemeinen Meister in dieser Kunst. Die Kamtschadalen fangen den Zobel nicht nur mtt Schlageisen, sondern auch in Schlingen, und zwar namentlich im Spätherbst. bevor die Fluhlöuse zugefroren sind. Da fällt man einen Baum und legt ihn als eine Brücke quer über das Wasser. Die Schlinge „Das nenn ich sparen!' sprach sse mit sich selbst,„wegen einer Nadel verbrennst du die ganze Kerze!" ..Da» Hab' ich schon gehört!' zischte der Meister, sprang auf, als ob ihn eine Wespe gestochen hätte, nahm seine Mütze und stürmte zur Tür hinaus. Die Kubaskin wischte sich mtt der Schürze den Mund ab und dachte sich:„soll er gehen, wenigstens wird er draußen ein wenig auslüften und sich abkühlen.' Sie zündete die Lampe an, nahm ein Messer, schabte das Unschlitt von der Diele fort und machte sich daran, den verunreinigten Ort abzureiben. Es dauerte eine ordent- liche Weile, ehe sie fertig wurde, und dann erinnerte sie sich erst de« Daters. wo er blieb«. Kubasek war nicht wiedergekommen. Sie lief über die Treppen zu ihren beiden Nachbarinnen herunter, um nach ihm zu sragcn. Der Meister war nicht dort, und sie sagten ihr, daß sie ihn nicht hinaufgehen gehört hatten. Di« Kubaskin lief vor das„Schiff', auf die Straße, und sah sich um. Draußen war es schon finster, und es zog sich zu einem Regen zusammen: von nirgendher waren Schritte zu vernehmen. Oer Meisterin packte die Angst um ihren Mann. Das hatte er ihr noch nie gemacht, seit sie beisammen waren, und wegen so einer Dummheit, einer elendigen Nadel, deren man zwei oder drei sür einen Kreuzer bekommt. Da hörte sie jemanden von der Stadt her kommen, er ging wie auf Fässern daher und war ossenbar betrunken. Wenn das ihr Kubasek wäre! Das Blut und der Atem stockten ihr. Der Fuhgänger näherte sich, der Kubaskin fiel ein Zentner vom Herzen. Ihr Mann war es nicht! Sie lief in die Vorstadt und ging„Zum Ochsen' nachsehen. Dort war Kubasek überhaupt nicht gewesen. In ein anderes Wirtshaus ging er mcht. Die Kubaskin kehrte wieder heim. Vom Hose der Frau Stranicky lief ihr der Knecht über den Weg. „Seid ihr es, Kubaskin?' „Ja. Habt ihr den Kubasek nicht gesehen?' „Eben jetzt Hab ich ihn gesehen. Er geht hinter dem Hos beim Brunnen herum. Ich hob ihn gefragt, was er dort mache, aber er ist nicht zum Reden ausgelegt.' Di« Kubaskin lief pfeilgeschwind von der Straße hinauf gegen den Rain und längs der Scheuern hinter den Hof, wo sich der Brunnen befand. Dieser Brunnen stand schon oiiherhoib des Meier- Hofes, und nicht einmal am hellichten Tage war's dort gemütlich. Ihr Mann stand wirklich beim Brunnen. Di« Kubaskin lief zu ihm. packte ihn mtt beiden Händen beim Ellbogen und sprach zu ihm vebeooll und weich: wird so angeordnet, dah der Zobel darin hänge« bleibt, wenn er über den Baum ans andere Ufer des Boches laufen will. Mit der Schlinge um den Hals fällt er, zappelt ins Wasser unö ertrinkt. fn Weihnachten kehren alle Jäger aus dem Walde heim, denn est muh zu Hause gefeiert werden. Ost wird der erste Zobel in Branntwein umgesetzt. Ohne diesen ist ein Weihnachtsfest nickst zu denken. Oft ist es aber nicht der erste Zobel, der dielen Weg geht. Nach einigen Wochen voll Festefeiern geht es wieder hinaus in die Zobelwälder. lMit besonderer ffcfaubnl» t>«s SerToflc« Ltrecker u. EchrSder. Stuttgart, dem Buch«„Vulkane, Bären und Nomaden" entnommen.) „Alter, komm heim, es ist dcauhcn kalt, und du könntest dich ver- kühlen. Komm, mein Alter, komm: das Bier wird ganz abstehen.' „Gut, dah du gekommen bist, Weib,' entgegnete der Meister dumps.„Eine Diertelstunde später, und ich wäre hier im Brunnen gewesen.' Di« Kubaskin schüttelte der Frost. „Geh mtt so einer sündigen Rede, Alter! Du bist doch ein Ehrist, und soviel haben wir miteinander ertragen, und morgen ist doch das Pfingstfest...' „Eben. Das Pfingstfest l Und ich bin heute schon nicht mchr zur Arbeit sähig, und ich kann dein Buben der Zionas das Anzüglein nicht fertigmachen, und ich Hab es heilig versprochen, datz ich es machen werde. Ich bin ein schlechter Kerl, daß ich mein Wort nicht halte, und noch dazu dem Ziona, der mir soviel Gutes getan Hot, und dazu freut sich Wenzelchen aus die neuen Kleider wie auf die Gnade Gottes. O, das geht mir bis zu meinem Tode nicht aus dem Kopfe!' „Jetzt aber hör schon mit solchen Gedanken aus! Unmöglich ist unmöglich! Ich werde bei den Zionas schon alles entschuldigen. Komm. Atter, heut kannst du schon nicht mehr arbeiten: soviel Nächie batt du dich nicht ausgeschlafen, du wirst dich ausruhen. Komm, und morgen wirft du wieder pumperlgesiind sein. Wenzelchen kann die Kleider auch am nächsten Feiertag« tragen!' Kubasek ließ sich willig fortführen. Daheim trank er das Tier aus. und das Weib kochte ihm Holunderblütentee. Er lieh sich aus- ziehen und ins Bett legen. Die Kubaskin ging nicht eher van ihm weg, bevor er nicht ein- geschlafen war. Und dies war schon spät nach Mitternacht. In der Früh, kaum daß er sich die Augen rieb, ichaute Kubasek zuerst aus den Tisch beim Fenster, wo die unsertigen Kleider sür den kleinen Wenzel lagen. Er blickte trübe drein, und es wurde ihm bang zu Mute. Die Kubaskm hatte dos Frühstück schon fast fertig. Indem sie stch nach ihm umdrehte, sprach sie freundlich: „Schlaf doch, Datcrl. schlaf, du hast nichts zu versäumen. Sobald ich gefrühstückt habe, werd' ich zu den Zionas hinüberlaufen, um es für dich auszurichten. Mach dir keine Skrupel, alles wird gut ob- laufen. Bis ich komme, wirst du schön frühstücke» und dich rosienen. Wir hoben Pfingsten, du muht zum Hochamte und wirst schön die Trommel schlagen! Zum Mittag mach ich du Koldtleisch mit Zwiebeln, und ich will schauen, dah ich irgendwo auch eine Gurke zum Salat auftreib'!' (Schluß fo-tet.) niiMimi Volksbühne Tbsjtcr an Bilowplati " L'hr Berl.BilderbogsD iJlIrt. Morgen 1 Uhr DarahgfljBlsidir�eii Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Kepubl. 7 Uhr: Boris Godanofi Städtisdia Dp» Chirlotteaburg VU Uhr: Der filegeade BoIlSnder Abonn-Turnus IV Ttotsr i. Xoltb. Tor Kitte. Süsser züoi. s niit «astspiel berCn Wal Ma�sburCe. Eiiie-SünOer HhBpn. �foaTamml .?4Lesslnfl-Tb Paul Henckcl zum 514. Male: Schneider Wibbel Serbe. Dredtninby Sommerpr. 1-8 M »HI l.relhbih.. Cncrt lieft. Rfidnbaew MDW tnveis eutr»IIbI t.SO, soi an AegebSrior KlelnesTh. LediärSisssa Vorz. dieses zahlt SOo/p d Kass�nor ißDlsdies Idealei Norden 10334-38 8'/, Uhr Mai Adalbert in Das 8kel Die Koniödle BismarcK 2414, 7SU S'lt Uhr: WeeK-end Beniner Theater '/< Uhr; Dannerwetter. pinz tamos WletljFeüel» « Uhr: D. pite Unbekannte Operette v.»uppe Kleine Sommerpr Sonnt nachm 4; Gräfin Marlza Preise 0.80— 3,80 Beiinenz- meoi. «V, Uhr: Frl. Jolit u. D. Stärkst; Viiii Hnatirdui. Süuaggtr. Barnowskj-SDhiisD Sommerpreise Theater HOnlBOr&ti-Sir. T�Hascnheid�llt S't. Uhr: kesslleiie Engel Homödieahcus Telj Norden 6304 8 Uhr Der Garten Eden Dose-Theater (Oa«ienbühne) 51/, Uhr: Konzert und bunter Teil« U: Es lou ein"umh hinaus Beatsches {Onsti.-TlieBler Tasl 8>r< Uhr Der ironiieie Weiufer* TB. am Kutfüistsnilanim B'/i Uhr: Kavalier Jack Operette in 3 Akten Musik von Carlta von Horst Sommerpr. 2— 6 M Centrat* Theater uhr.- Ena BooIm Ilka Grunlns f nsecote im Vorwärts sichern Erfolg! MR KLEINS BROCKHAU5 Preis M. 23,— Auch in Ratenzahlung Zu beziehen durch J. H.W. Dietz Nachf.G.in.b.H. Berlin SW. 68, LindenstraBe 2 (Abteilung Sortiment) und sämll. Vorwärts- Ausgabestellen MlSOJ/fAHRß$D€R DealsdieillletaMtlteMaDD wrtmii Gravevre n. Mleme! SonoGbcnb. hen 3. Juli, mittags 12'/; Ahr, im Zimmer 28 des Der- dnndshnnses, Linienttr. SZ.SS: GwerdSlosen Versammlung Tagrsorbnung: Bortrag über: ..ZustonickKt: Materialismus-. t!s ist Pflicht eines jeden organisierten stolltgcn. in dieser Versammlung zu erscheinen. Die orlsoermaltuna. Stocklvternen mit i. cht u Stock Dtzd. 75 u. 90 Pf. Packeln Dutzend 75 Pt. Lampions von 5 Pf an l�ßllßrWCf*k JederArt, Sorll- rcu�wcBtv mente von l M. an: Bensalfeuer, 20, 30 50 pr. Wachsfackeln Papierballons, Mützen, Dutzend von 20 Ptennig an. Alle Vereins• Soranuer- artlkel sehr billig. eir>6 Jahren Atarkgrafenstr.&♦(an der Llndenstr.) 8 Koßilsdie ir. James Klein Ouer Berlin ii Die gewaltigste Revue 200 Mitwirkende Sommerpreise •ctiUler-Ttiratcr Operettenspielzeit Keule 7Vj Uhr: �likftklsaM Operette ron Kan« H. Zerteil Wnsitc von Robert Gilbert mit Grete Metheim— Erika Nymgai— Paul Heidsmaen— Hugo Fischer- Kfiope— Adalohe Engers— Ertch K2'ser«Tlf2— Leopohl von Ledebur— Hcstcr Harvcy. Vorverkauf jot eröffnetl v Juli geschlossen! Begioe der neoeo Spielzeit; 1. 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RM 3 000 000 1 200 000 53 177 888 I 581 343 3 542 291 16270 535 4 474 058 126 138 800 6380 171 4893 964 220 659 050 220 659 050 Aus dem UeberschuB wurden den mit Gewinnanteil Versicherten RM. 4 486 353 zugewiesen; es beträgt die Dividende in der Abteilung der größeren Lebens Versicherung wieder 3'it von der Snmme der seit Versicherungsbeginn gezahlten gcwinnberecntigien Prämien und In der Lebensversicherung ohne Untersuchung(O. U.) 23°/, der Jahresprämie. Mieten Sie von uns }gj* . Körper jeder Art" Tledmann s Sonder-Angebof in Obst-, Süd-, Weiß- und Rotweinen Wegen Sauberkeit Weine nor In Literflasdien Donro-Portwein V 2.50 MoQtagoupaD.IMQ Fl. 1.00 OrrlJlolly_-- 1.25 Apfelwein, rnilii.. p. Liter 0.60 Aptel'HeidelPeerweiD% 0.75 JonannitPeerwein j M 0 gz Stadißlöeerwein j Ä u-9a ErdPeerwein.... p. Liter 1.45 Tarragona. fenrig... 1.40 Malaga, edel, siß... 1.60 firiedi. Sflöweine 1.90 Samos. edel, weiß. p. Liter 1.85 Santa Lnrino SÄr•: 1.85 kräftig, süB..--------—....... 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