Abendausgabe Nr. 307 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 151 BenuasBebtnuunsen und Anzelsennrelf« Ind in der Moruenausgab« ana-scben «edaNioa: Sw. SS. Ciafteafftab* 9 Zernsprecher: VSuhoff 292— 202 I«l..»dress«:Sozlolde»»traI Berlin Devlinev Volksblstt (l0 Pfennig) Zreitag 2. Juli:92H Lerla« und An>«i««nabtellun«: TesibäftSiiril I— S Udr Verleger: IZorrvärls-Dcrlag(Bmbt). SerNn Sw. 68. klnvenstrafte 3 Zerasprechcr VSnhoss 292— 207 Zentratorgaw der Sozialdcmohratifcben partei Peutfcblands Reichstag gegen volkswillen! Vertagung bis zum Herbst?- Auf dem Wege zum Hochschutzzoll. chskabinett trat heute vormittag Uli Uhr zu den Willen der Regierung angedeutet, den Fürstenforderun- deren Reichstagsfraktion das kläglichste Bild der a»uiammen. Äm Prinziv wurde in dieser aen freien Lauf zu lassen.. Unselbständigkeit und Direktionslosigkeit gezeigt l Tas Reichskabinett trat heute vormittag Uli Uhr zu einer Tivung zusammen. Im Prinzip wurde in dieser Sitzung der Rücktritt des Kabinetts beschlossen. Um 1 Uhr beabsichtigte die Regierung, sich mit den Parteiführern der Regierungsparteien zu besprechen. Innerhalb der Regierungsparteien wird jedoch heftig um die Aragc gekämpft, ob die Regierung zurücktreten soll oder nicht. Es wird behauptet, datz die Ansicht vorherrschend sei. das» sie nicht zurücktreten, und auf eine Vertagung der dritten Lesung der Fürstenvorlage bis zum Herb st hinarbeiten soll. Bis zur Stunde ist eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen. Die Sitzung des Reichstags, die auf 1 Uhr an- gesetzt war, ist auf unbestimmte Zeit vertagt. »*• Juni— zehn Tage vor dem Volksentscheid gab der Reichskanzler M a r z � Am 10.... im Reichstag eine Erklärung ob, in der es zum Schluß hieß: „Die Reichsregierung ist aber des weiteren auch der Auffasiung. daß die überwiegende Mehrheit des deutschen Vol- k e s den dringenden Wunsch und den Anspruch hat, daß der Reichs- tag eine gesetzgeberische Losung seinerseits findet. Sie hält es des- wegen für ein innerpolitisches Gebot, das Gesetz, über dessen Einzelheiten monatelang in der eingehendsten Weise beraten worden ist, nunmehr mit aller nur möglichen Beschleunigung zu verabschieden. Die Reichsregierung möchte dabei keinen Zweifel lassen, daß es durchaus irrig sein würde, anzunehmen, daß sie nach einem verneinenden Ergebnis des Volksentscheides von einer gesetzlichen Regelung Abstand nehmen könnte. Die Reichsregierung wird auch dann mit aller Entschiedenheit auf eine gesetzgeberische Regelung im Geiste der Vorlage dringen und würde die ihr geboten erscheinenden Konsequenzen nicht scheuen, falls sich im Reichstag end- gültig die Unmöglichkeit des Zustandekommens eines Wfindungs- gcsetzes ergeben solltB" Darauf erklärte Abg. v. Guerard namens der Re- gierungsparteien das folgende: „Angesichts der Tatsache, daß im Land gefürchtet wird, im Falle der Ablehnung des Volksentscheids werde je de reichsgesetz- liche Regelung scheitern, wollen die Regierungsparteien keiifen Zweifel darüber lassen, daß sie den Erlaß eines die Auseinandersetzung zwischen den beteiligten Ländern und den Für- � stenhäusern regelnden Gesetzes für unbedingt notwendig er- achten. Dos Gesetz wird den Fürchen nur das Vermögen belassen. welches sie als unzweifelhaftes Privateigentum er- warben haben. Den Folgen des verlorenen Krieges, der Der- armung dies Volkes und der gesamten Vermögenslage der Fürsten wird ausreichend Rechnung getragen. Den Ländern soll zugeteilt werden, worauf sie aus Gründen der Kultur oder der Volksgesundheit Anspruch haben. Den Fürsten wird keine bessere Aufwertung als anderen Staatsbürgern." Wäre nach diesen Erklärungen verfahren worden, so hätte das Abfindungsgesetz erledigt werden können. Es hätte nur der Einsicht der Regierungsparteien bedurft, daß die Parlamentsmehrheit dem Willen von 14U Millionen Jasagern beim Volksentscheid Rechnüng tragen muß. Statt dessen haben die Regierungsparteien die Willensäußerung des Volkes beiseite geschoben. Wenn eins aus den Kom- mentaren der Presse der Regierungsparteien zum ablehnen- den Beschluß der sozialdemokratischen Fraktion stark hervor» tritt, so die völlig undemokratische Mißachtung des Willens und des Rechtsgefühls eines so starken Teils des Volkes. Fast scheint es, als ob man bei den Regierungsparteien vergessen habe, daß man das parlamentarische Mandat dem Willen von Wählern verdankt! Wie weit die Mittelparteien diese Loslösung vom Willen der Wähler riskieren können, müssen sie selbst wissen. Es ist ihre Sache, ob sie zum mangelnden Entgegenkommen an den Volkswillen noch die S ch w e n- kung zur Rechtsblockpolitik fügen wollen, womit ein demokratisches Blatt heute morgen gegen die Sozial- demokratie zu drohen glaubt, oder ob sie gor noch mit den Großagrariern ein Raubzollkompromiß eingehen wollen. Wenn sie Luft haben, Amok gegen sich selbst zu laufen, so mögen sie es riskieren. In der Fürstenfrage liegen die Dinge klar. Die R e- g i e r u n g Hot eine formulierte feierliche Erklärung ab- gegeben, unter allen Ilmständen an der gesetzlichen Regelung der Fllrstenfrage festzuhalten. Die Regierungsparteien haben diese Erklärung unterstrichen und zu der ihren gemacht. Diese Erklärung ist unumstößlich. Jetzt wäre es an der Regierung, die Konsequenzen zu ziehen, die nicht zu scheuen sie erklärte, und die Bahn frei zu machen zu. einem neuen, ernsthaften Versuch der gesetzgeberischen Regelung der Fürstensroge. Statt dessen Hot cherr Marx, der als ReichskWizler die Ansicht als durchaus irrig erklärte, daß die Regierung von einer gesetzgeberischen Regelung Abstand nehmen könnte, gestern als Abgeordneter gegen die Vornahme der dritten Kefung des Sperrgesetzes Widerspruch erhoben und damit den Willen der Regierung angedeutet, den Fürstenforderun- gen freien Lauf zu lassen. Es gibt nach dem Volksentscheid nur noch den' W e a d e r parlamentarischen Regelung der Fürsten- frage! Die Sozialdemokratie weiß das sehr genau. Sic will die parlamentarische Regelung der Fürstenfrage durch die Reichsgesetzgebung. Aber sie sieht, daß in diesem Reichstag, der nicht mehr in Einklang mit dem Willen des Volkes steht, diese gesetzgeberische Regelung nicht zu erreichen ist. Sie fordert deshalb die Auflösung dieses Reichstags, damit ein neugewählter Reichstag die Arbeit vollendet, die dieser Reichstag in vielfachen Versuchen nicht einer Lösung entgegenführen konnte. Sie fordert ferner, daß vor der Auflösung— unverzüglich!— das Sperrgesetz verlängert werde/damit nicht die Gerichte der gesetzgeberischen Regelung vorgreifen. Ihre Forderung entspricht dem Geiste der Demokratie und der parlamentarischen Verfostung. Es wäre angebracht, daß die Mittelparteien sich klar darüber würden, wie weit sie sich in der Behandlung der Fürstenvorlage vom Geist der Demokratie entfernt haben. Die Forderung entspricht den Erklärungen, die Reichsregier«ng und Regierungsparteien 10 Tage vor dem Volksentscheid abgegeben haben. Die Auf- lösungdcs Reichstags muß den Weg frei machen zur parlamentarischen Lösung der Fürstenfrage. Die Sozialdemokratie will die parlamentarische Lösung der Fürstensroge. Sic ist sich völlig klar darüber, daß diese parlamentarische Lösung nicht zu finden i st mit den Kommuni st en gemeinsam. Es spricht zu vieles dagegen. Mit einer Partei, die die entschädigungslose Enteignung der Kronsideikommißrenten und der Zivillisten im Rechtsausschuß ablehnte, ist diese Lösung nicht möglich. Sie ist nicht möglich mit einer Partei, die die Enteignung der Renten der Standes- Herren, alle Anträge zum Schutze von Volkskultur, Kunst und Voltswohlfahrt ablehnte. Nicht möglich mit einer Partei, deren Reichstagsfraktion das kläglichste Bild der Verwirrung, Unselbständigkeit und Direktionslosigkeit gezeigt hat. Wie sollte man eine so schwere und ernste Frage wie die Fürstenfrage im Parlament lösen, mit einer Fraktion, von deren drei Ausschußmitgliedern jeder anders stimmte: der eine saß, der andere stand, der dritte fehlte wieder..., bei der ein Mitglied, das einmal im Interesse des Volkes stimmte, sich sofort zu einem reumütigen Widerruf gezwungen sah? Mit einer Fraktion, die für die Hohenzollern und Stan- desHerren, für die Pferdezüchter beim deutsch-dänischen chan- delsvertrag, gegen die Interessen der Bergarbeiter beim Knappschaftsgesetz, gegen die Hilfe für die Erwerbslosen beim Arbeitsbeschaffungsprogramm stimmte, ist an keine ernsthafte und aussichtsreiche parlamentarische Zusammenarbeit in der Fürstenfrage zu denken. Dieser Reichstag hat kein Mandat mehr! Kein Mandat in der Fürstenfrage, kein Mandat in der Zoll- frage. Die Mittelparteien, durch deren Schuld ein gerechter Ausgleich in der Fürstenfrage unmöglich geworden ist, haben heute morgen im handelspolitischen Ausschuß des Reichstags den sozialdemokratischen Antrag, die geltenden niedrigen Ge- treidezölle bis zum 1. Dezember zu verlängern, abgelehnt. Sie haben gemeinsam mit den Deutschnationa- l e n und allen bürgerlichen Parteien statt der niedrigen Ge- treidezölle die Sätze der Bülowschen Handels- vertrüge eingesetzt. Wollten sie die einseitige Zu- stimmung der Sozialdemokratie zur Fürstenvorlage,"um sich eine Rückendeckung für ihr neues Zollattentat gegen ihre eigenen Wähler zu schaffen? Es ist eine va-dunguo-Politik, die die Mittelparteien in diesem überalterten Reichstag trei- den, der sich dem Willen des Volkes verschließt! Auflösung des Reichstags! Bahn frei für die parlamen- tarische Regelung der Fllrstenfrage! Entscheidung des Volkes über das geplante neue Zollattentat! Ein neues Zollattentat. Hochschutzzollblock von den Demokraten bis zu den Deutschnationalen. In den Morgenstunden ist zwischen den bürgerlichen Parteien ein Kompromiß zustande'gekommen, das eine starke Er- höhung der bisher geltenden Zollsähe enthält, jegliche Rücksicht auf die verbrauchermasscn fallen läßt und eine neue Aera der Lebens- millelteuerung einleitet. Als der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages mit wesentlicher Verspätung zusammentrat, hielten es die bürger- lichen Parteien nicht einmal für notwendig, ihr Kompromiß bekannt- zugeben, oder ihre Stellungnahme zu erläutern. Genosse Dr. hilfcr- ding begründete den sozialdemokratischen Antrag, die bisherigen Zollsätze für Lebensmittel bis zum 1. Dezember l92k zu verlängern. Er wies u. a, daraus hin, daß das In» krafttreten der Zollsätze des schwedischen Handelsvertrages dem Mühlenkonzern, der unter Führung französischen Kapitals stehe, riesige Gcwinnmöglichkciten eröffnet. Auf diese Rede antwortete der Ernährungsminister Dr. Hos« linde mit zwei Sätzen. Der sozialdemokratische Antrag sei für die Landwirtsckast und die Regierung unannehmbar. Für die zu hohen Mehlzölle werde ein Ausweg gesucht werden. Gegenüber einer kurzen Bemerkung des Abg. Fehr(Bayer. Bauernbund) stellt Genosse hilserding fest, daß im Vorjahre niemand die Absicht gehabt habe, die autonomen Sätze des Zolltarifes zu Ver- tragsjätzen werden zu lasien. Die niedrigeren provisorischen Sähe seien das Ziel gewesen, das durch verlragsoerhandluagen hätte erreicht werden sollen. Die offizielle Erklärung des Zentrums habe das ausdrücklich bestätigt. Durch Schweigen der Zeulrumsabgeordneten wird diese Feststellung hikserdings bestätigt. Bei der Einzelberatung werden zu den I n d u st r I e p o s i t i o- n e n des schwedischen Handelsvertrages einige Entschließungen ange- nommen, die für die Pflastersteinindustrie, Holzindustrie usw. Frachtbegünstigungen verlangen. Lei den Positionen über Agrarerzeugnlsse wird das Kompromiß der bürgerlichen Parteien verlesen. Es ist abgefchlosien zwischen allen bürgerlichen Parteien, also auch den Deutsch- nationalen und den Demokraten, obwohl die lehteren im Vorjahre mit der Sozialdemokralle gemeinsam die hohen Zollsähe aus Lebensmittel entschieden bekämpft haben. Bei der Abstimmung wird ein kommunistischer Antrag auf Zoll- freiheit für Lebensmittel und der sozialdemokratische An- trag auf Verlängerung der jetzt geltenden Zollsätze bis zum 1. De- zember 1926 gegen die Stimmen der Sozialdemokratie und der Kommunisten abgelehnt. Abgelehnt werden auch die sozial- demokratischen Eventualanträge, die Zollsätze für Roggen und Weizen von 3 M. bzw. 4 TO, vorsehen. Geschlossen stimmen die bürgerlichen Parteien für die Erhöhung der Zollsähe bei Roggen und Weizen auf 5 RL. bd Gerste aus 2 UL, bei Mai» auf 3�0 21t, bei Hafer auf 5 m. Die Zollfreiheit für Margarinerohstoffe, die im Vorjahre aus- drücklich beschlossen worden war. wird durch einen Zoll von 1,25 M. ersetzt, obwohl das sowohl eine Schädigung der Verbraucher als auch eine solche der viehzüchtcnden Bauern darstellt. In der Gesamtabstimmung wird der schwedische Handelsvertrag mit 5 gegen 12 Stimmen angenommen. Bei der Minderheit befinden sich Sozialdemokraten und Kommunisten. Die Sozialdemokraten beantragen, die Gefrierfleischein- fuhr in Höhe von 129099 Tonnen jährlich zu ge- statten, um die Versorgung der minderbemittelten Bevölkerung sicher zu stellen. Auch diesen Antrag stimmen die bürgerlichen Par- tcien nieder. In demselben Augenblick also, in dem die bürgerlichen Parteien sich schützend vor das Eigentum der Fürsten stellen, unternehmen sie in voller Harmonie einen Raubzug gegen die Verbrauchermasten und verteuern den schwerleidcnden Volksmosscn die notwendigsten Rahrungsmillel. Besonders charakteristisch ist das Verhalten der sogenannten Ar- beitervertreter der bürgerlichen Parteien. In ihrer Eigenschaft als Gewerkschaftsführer haben sie das Verlangen gestellt, die bisherigen niederen Zollsätze bis 1. Dezember 1926 zu verlängern Das deckt sich vollkommen mit der Stellungnahme der Sozialdemokratie. Als Abgeördneter aber stimmen diese Arbeiterführer gegen ihre eigenen For- derungen. Gegen öen Wahlterror. Sozialdemokratischer Antrag im Landtag. Im Preußischen Landtag ist ein so z i a lde m o k r a- tisch er Antrag eingegangen, in dem auf die Versuche be- amteter Personen in Preußen hingewiesen wird, auf die Stimmberechtigten am Abstimmungstage über den Volksentscheid einen terroristischen Druck auszuüben. Das Staatsmini- fterium wird ersucht: 1. Personen mit amtlichen Befugnissen, die unter Mißbrauch ihrer Amtsgewalt sich einer Nötigung schuldig gemacht haben, strafrechtlich und disziplinarisch unverzüglich zur Ver- antwortung zu ziehen: 2. dafür Sorge zu trogen, daß— soweit die gegenwärtigen Ge- setzcsbejtimmungen nicht ausreichen— Bestimmungen in das in Vorbereitung befindliche Allgemeine Deutsche Straf- g e s e tz b u ch ausgenommen werden, durch die für die Zukunft die volle Sicherheit der Wahl- und Stimmfreiheit den Wirtschaft- lich-abhängigen Staatsbürgern gegeben wird. Um üke Bestätigung dorpmüllers. Wie wird die Negierung entscheiden? Wie bekannt, hat die?!eichsrcgierung die vom Berwaltungsrat der Reichsbahngesellschaft vorgenommene Wahl Dorpmüllers zum Generaldirektor bisher nicht bestätigt, sondern ist mit der Reichs- bahngesellschaft zunächst einmal in langwierige Verhandlungen dar- über eingetreten, welche Garantien bei einer eventuellen Bestätigung des bisherigen stellvertretenden Generaldirektors nach der politischen, wirtschaftlichen und personellen Seite gegeben werden würden. Die Reichsbahn hat bestimmte politische Zwecke wahrzunehmen, was bei der jetzigen rein privatkapitalistisch eingestellten Leitung der Reichsbahn nicht gewährleistet ist. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß die D a w e s- G e s e tz g e b u n g die Leitung der Reichsbahn in chrer freien Bewegungsmöglichkeit sehr stark ein- schränkt. Nach der wirtschaftlichen Seite hin hat die Er- fahrung gezeigt, daß die �Ueberspannung pribatwirtschaftlicher Denk- ivcise seitens der Reichsbahnverwaltung zu schwersten Nachteilen nicht nur für einzelne Wirtschaftszweige, sondern für ganze Gebiete führen kann. Es galt bisher als selbstverständlich, daß durch den Bau von Eisenbahnen auch solche Wirtschaftsgebiete erschlossen wurden, durch die der Neubau und die Betriebsführung dieser Strecken nicht vcrzmst wurde: von einer derartig Volkswirt- schaftlichen Einstellung hat man, solange die Gesellschaftsform der Reichsbahn besteht, nichts mehr gehört. Nicht zuletzt spielt bei der Frage der Bestätigung des lzerrn D o r p in ü l l e r auch seine bisherige Einstellung in der Frage der Bersonalbehandlung mit hinein. Die Tatsache ist ja ein- geweihten Kreisen zu sehr bekannt, als daß sie der Oesfentlichkcit länger verheimlicht zu werden braucht, daß die ungeheure Verschlechterung der Rechtsverhältnisse des Per- sonals in erster Linie auf die Anordnungen des cherri, Dorpmüller zurückzuführen ist. Er war es, auf den die Nichtanerkennung des für verbindlich erklärten Schiedsspruches zurückgeführt werden muß, er ist es auch, der veranlaßt hat, daß die Hauptverwaltung der Reichsbahn dem Reichstage gegenüber sich weigert, Auskünfte in Personalangelegenheiten zu erteilen, durch die das verfassungsmäßig gewährleistete Petitionsrecht des Personals niit einem Federstrich durch eine Verwaltungsmaßnahm: aufge- hoben ist. Am 25. August 1924 hat bei Verabschiedung der Eisenbahn- ncsetzc der Reichstag in einer einstimmig gefaßten Ent- s ch l i e ß u n g gefordert, daß die bisherigen Grundsätze für An- stellung und Beförderung des Personals, sowie die unkündbare An- fUllung der Beamten nach den im Reiche geltenden Vorschriften beizubehalten sind: er forderte gleichzeitig die Verpflichtung zur Auf- rechtcrhaltung der Beamtenschaft für alle Gruppen im bisherigen Umfange, sowie die Verhütung von Verschlechterungen der Rechts- Verhältnisse de» Personals gegenüber den Beamten der übrigen Reichsverwaltungcn. Diese e i n st i m m i g gefaßte Entschließung forderte von der Haupiverwaltung auch die Verpflichtung zur Auf- »ahme von Personalvertrctcrn in den Verwaltungsrat, die Schassung neutraler Berufungsinstanzen zur Wahrung der Rechte des Perso- »als und die Verpflichtung der Deutschen Reichsbahngesellschaft zur Auskunfterteilung an die gesetzgebenden Körperschaften und ihre Mitglieder. Unter der direkten Leitung des Herrn Dorpmüller ist diese einstimmig gefaßte Entschließung des Reichstages in jedem einzelnen Punkte glatt zur Seite geschoben wor- den, als wenn der Reichstag überhaupt nicht da wäre. So konnte man wohl in China das Personal regieren: für deutsche Verhältnisse soll Jjerr Dorpmüllcr nach der Meinung der Reichsregierung doch aher erst gewisse Garaniien bieten. Aus seine Anregung ist auch der Ausbau des Bahnlchutzes, der technischen Nothilse, der Porsonalbetriebsstellen und anderer Einrichtungen zurückzuführen, die weder im Reichsinteresie, noch im Interesse des Personals liegen, sondern gewisse innenpolitische Aufgaben haben, auf die näher einzugehen, hier nicht der Platz ist. Die Verhandlungen bezüglich der Bestätigung haben sich infolge des Herr-im-Hause-Stdndplinktes der Verwaltung äußerst schwierig gestallet: am 6. Juli d. I sollen nun die Würfel fallen, man darf neugierig sein, ob die Reichsregierung gegenüber den schwer- industriellen Aspirationen der Reichsbahnverwaltung genügend Rück- grat aufbringen wird. Cine revuemäßige Posse. „Darüber läßt sich reden", nennen Hellmuth Riedel und Emil Rameau ihren Berliner Bilderbogen, der gestern im Thcateram Bülowplatz zum erstenmal in Szene ging. Wir wollen mal sehen, ob sich darüber reden läßt. Die Alt- Berliner Posse ist in der letzten Zeit wieder modern geworden. Bis- her haben es aber nicht viele Bearbeiter fertig bekommen, die Stücke ganz auf neu zu bügeln. Sie sind immer ein bißchen verstaubt ge- bUeben. Auch die acht Bilder des Bilderbogens von Riedel und Ramcou treffen nicht ganz den Zug unserer Zeit. Aber sie ver- zichtcn wenigstens auf das Rührselige und das gewollt Gemütvolle, das diesen Possen den altmodische» Schnitt verleiht. Die ersten Bilder spielen in der Inflation. Ein paar Jahre ist es bloß her und es kommt einem Gott sei Dank schon historisch vor. Heute können wir darüber lachen, wenn der Kellner rechnet: eine Weiße mit, ein belegtes Brötchen und einen Schnaps— 1 350 000 M. Die Zeit, in der wir leben, hat ein mächtiges Tempo, und Tempo hat auch die Musik Friedrich Holländers. Er hat das Zeug dazu, die Revue zu schreiben, die seit Julius Freunds Metropol- theaderzeit leider noch nicht wieder auferstanden ist. Seine Musik hat schmissige Melodien und er hat sie sehr geschickt instrumentiert. Er verwendet unaufdringlich das Saxophon und andere Jazzbandmittel und erreicht damit, was die Hauptsache einer solchen Sommerunter- Haltung ist:»ach den ersten Takten kommt das Publikum in Stim- mung. Es wird quietschvergnügt, es singt mit und klatscht mit un- crmüdlichen Händen den Rhythmus.„Darüber lästt sich reden", ist ein Mittelding zwischen Posse und modemer Revue. Eine durch- gehende Handlung zieht durch da» ganze Stück und es fehlt nicht an ulkigen Anspielungen auf die Gegenwart.„Was bringt die Deuligwoche?" fragt da einer.„Erstens: den Reichstag bei der Ar- beit, Zeitlupenaufnahmen. Zweitens: deutsche Fürstenhöse in Not, ein Trickbild." Zwei Mann haben den Bogen raus, wie man zweitausend müde Zuschauer wach kitzelt: der Kapellmeister Theo Mackeben und der Schauspieler Otto W a l l b u r g. Dieser Komiker kommt auf die Bühne geprustet, fuchtelt aufgeregt mit seinen dicken Armen und Beinen herum, blubbert überstürzte Worte ins Parkett, und wir lochen uns kaputt. Mackeben ist Fleisch und Blut gewordener Rhythmus Die nöhligste Musik bekommt unter seiner Führung den richtigen Schmiß. Dabei nimmt er sich gar nicht die Zeit, den Takt- stock zu schwingen. Mit dem bring: er nicht genug Feuer in seine Musiker. Er sitzt am Flügel und holt mit seinem virtuosen Spiel Tempo aus seiner Kapelle heraus. Der Schauspielerin Till K l o k o w dagegen fehlt das wirbelnde Tempo ganz und gar. Der jubelnde Beifall des Abends wäre noch größer geworden, wenn sie nicht durch ihre Schwerfälligkeit und ihr Phlegma ständig ihre Mitspieler gestoppt hätte. Dafür war aber V i ck y W e r k in« i st e r eine ebenbürtige Partnerin des Matadors Wallburg. Die beste Nummer des Abends„Ich tanze Charleston, du tanzst Chorleston, er tanzt Chorleston, und was tun Sie?" bracht« das Publikum in cine aufgekratzte Laune, wie man sie selten erlebt. Das Stück ist ein großer Erfolg für die Volksbühne. Darüber läßt sich gar nicht reteOz feinst De Steuerausschüsse. Tie Entschädigung der Tteuerausschuhmitglieder. Die Entschädigungen für Steuerausschußmit- g l i e d e r waren bisher völlig unzulänglich geregelt, so daß die Mit- glieder sehr oft zur Bestreitung ihres Aufwandes noch Geld aus eigener Tasche zuzahlen mußten. Auch war die Handhabung der Bestimmungen durch die Finanzämter sehr kleinlich. Auf die viel- fachen Beschwerden aus den Kreisen der Steuerausschußmitglieder hat daraufhin die sozialdemokratische Reichstags- f r a k t io n vor einiger Zeit an das Finanzminifterum die Forderung gerichtet, die Entschädigungen zu erhöhen und die Finanzämter noch- mals auf ihre richtige Handhabung hinzuweisen. Aus Grund dieser Forderungen hat der Reichem in ist er der Finanzen nun- mehr unter dem 15. Juni 1926 neue„Entschädigungsgrundsätze für die Mitglieder der Steuerausschüsse und die ehrenamtlichen Mitglieder der Finanzgerichte" aufgestellt, die seit dem 1. Juli an die Stelle der bisherigen Vorschriften getreten sind. Es werden nunmehr folgende Entschädigungen geleistet: 1. Als Entschädigung für Aufwand wird für jeden Tag der Dienstleistung ein Tagegeld und für jedes durch die Dienst- leistung notwendig gewordene auswärtige Nachtquartier ein Ueber- nachtungsgeld gewährt. Das T a g e g e l'd beträgt: a) für Mitglieder, die am Sitzungsorte wohnen, bei einer GitzungSdauer von über 3 bis 8 Stunden.. 2 M. ,, 8 Stunden,,.. 8, b) für Mitglieder, die außerhalb des Sitzungsortes wohnen, bei einer Abwesenheit vom Wohnort von über 8 bis 8 Stunden....... 8 M. „„8 Stunden........... 6. Das Uebernachtungsgeld beträgt 5 M. Danach wtrd für eine Sitzungsdauer bei der Abwesenheit vom Wohnort von nicht mehr als drei Stunden ein Tagegeld nicht ge- währt. Diese Vorschrift ist jedoch praktisch bedeutungslos, da die meisten Sitzungen länger als drei Stunden dauern. Gegenüber der bisherigen Regelung bringen die neuen Bestimmungen eine wesent- liche Vereinfachung, weil künftig die Staffelung der Tage- geldsätze in drei Zehntel, fünf Zehntel usw., sowie die Unterscheidung zwischen besonders teuren Orten und anderen Orten in Fortfall kommt. Sie bedeuten aber auch eine beträchtlicheErhöhung der Entschädigung. Wöhrend bisher i�as Tagegeld für die am Ort ansässigen Mitglieder bei Sitzungen in nicht teuren Orten von drei bis sechs Stunden nur 0,70 M. und bei Sitzungen bis zu acht Stunden nur 1,15 M. betrug, ist jetzt in beiden Fällen 2 M. zu zahlen. 2. Für jede angefangene Stunde der versäumten Arbeitszelt wird eine Entschädigung für Verdienstausfall geleistet, die 20 Pfg. bis 1,50 M. die Stunde beträgt und für höchstens zehn Stunden täglich gewährt wird. Diese Entschädigung darf natur- gemäß nicht gezahlt werden, wenn das Steuerausschußmitglied auch für die Zeit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit Lohn oder Gehalt fort- bezieht. Als versäumte Arbeitszest gilt bei Mitgliedern, die Wohn- fitz und Erwerbstätigkeit außerhalb des Sitzungsortes haben, auch die Wegezeit. Das gleiche kann bei Mitgliedern angenommen werden, die zwar am Sitzungsort ihre Erwerbstätigkeit ausüben, aber außerhalb wohnen. Mitgliedern, die am Sitzungsort wohnen, kann die Zeit für den Hin- und Rückweg zur Sitzungsstelle ange- rechnet werden. In einem Erlaß vom 15. Juni— III R 5557/1 B 12 346— macht der Finanzminister es den Finanzämtern zur Pflicht, bei der Festsetzung dieser Entschädigung nicht kleinlich zu verfahren. 8. Die F a h r k o st e n, die durch Fahrten auf der Eisenbahn oder sonstigen öffentlichen Verkehrsmitteln entstanden sind, werden in wirklicher Höhe vergütet. Schließlich können diese Entschädigungen in Ausnahuefällen auch für besondere Dienstleistungen der Steuer- ausschußmitglieder, wie mündlichen Verhandlungen, Erstattung schriftlicher Gutachten usw. gewährt werden. Durch diese neuen Vorschriften dürften die berechtigten Wünsche der Steuerausschußmitglieder, insbesondere, soweit sie Lohn- und Gehaltsempfänger sind, erfüllt sein. Weil die Entschädigungen bis- here so niedrig bemessen waren, mußten es sich viele Arbeiter und\ „Ich schulde dir eine Frau." Diese Komödie, di« die Direktion Gustav Charle im Neuen Theater am Zoo ihren Sommerbesuchern vorsetzt, ist eins jener Werke, di« die nur aus Kleidungsmongel nicht mehr leichtgeschürzte Muse uns jetzt als tägliches Theaterbrot aus Frankreich serviert. All« bekannten und würzigen Ingredienzien sind darin enthalten, von PvesMirande und Henri Geroul« mit feinschmeckerischem, in luvt-gout geschultem Geschick durcheinandergequirlt. Als Grundstoff des ganzen — gewissermaßen als Wiener Auszugsmehl— fungieren natürlich Betten, die von den passenden oder unpassenden Paaren bevölkert werden. Allerdings sieht man diese Schlafgelegenheiten— und das ist das originelle an dem Stück— nicht mehr wie gewöhnlich auf der Bühne, sondern durchaus unmißverständliche Dialoge lassen sie nur hinter Türen vermuten. Ueberhaupt liegt in den Vermutungen die Äärk« des Stückes: aber die Autoren haben di« Mühe, sich die haarsträubendsten Dinge zu denken, wahrscheinlich in Anbetrocht der zu erwartenden sommerlichen Hitze, den Zuschauern abgenommen lind zu diesem Zwecke ein« würdiae Mama aus die Bühne gestellt, die diese Ding« mit erfrischender Klarheit ausspricht. Am Ende ist natürlich alles halb so schlimm: mit dem erfreulichen Ausblick, daß zwischen den Betten und den zugehörigen Personen keine Irrungen und Wirrungen mehr entstehen werden, schließt das Stück. Dr. Reinh. Bruchs Regie brachte di« Komödie gewissermaßen in Zeitlupenaufnahme. Ohne jede Gehirn-, Gehör- und Gefichtsan- strengung ging auch dem mindestbegabten Zuschauer kein Detail ver- loren. Witz und Esprit erfuhren dabei allerdings ein« hundert- prozentig« Verdünnung, und di« nicht ungeschickten komischen Bühnen- gestalten, von Albert Paulig, Toni Tetzlaff, Lotte Stein verkörpert, glitten mehrfach ins Hampelmannhafte ab. Otto S ch m ö l e und Kurt Vespermann aber mußten ihre phlegmatische Breite ins Eichlose dehnen, um keinen luftleren Raum entstehen zu lassen. So wurde es dem guten Bühnenausgebot schwer und stellenweise unmöglich, die Regiesünden zu verdecken. Tes. Ein Fetischisl des freien TNarkles. Der Professor des Russischen Wissenschaftlichen Instituts B. Brutzkus sprach am Donnerstag im Hörsaal desRussischenWissenschaftlichenInstituts über„Rußlands Kultur und Staotsleben". Der Red- ner brachte einleitend interessantes Material über das große russische Experiment, die Zeit der herrischen Kommunismus von 1917 bis März 1921 und die folgende Nachperiode. Er kann sich den Sozialis- mus nur auf gewalttätig hexgestellter Grundlage mit schärfstem Terror vorstellen und sieht keinen Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus. Er sieht in beiden den Leoiathan, der alle Kultur verschlingt, denn nur Privateigentum und freier Markt ohne Planwirtschaft erscheinen ihm als Höchstbegrisf einer wirtschaftlichen und kutturellen Ordnung. Um das zu beweisen, operiert er mit so platten Vorstellungen der sozialistischen Wirtschaft, wie sie zum ABC des früheren Reichsoerbandcs zur Bekämpfung der Sozialdemokratie gehörten. Ueber die Plonwinschaft macht er sich lustig, weil der Preis der Schuhe auf dem Markt bestimmt werden müsse, und sieht nicht, daß Hunderttausende trotz»reiein Markt kaum Schuhe onzu- ziehen haben. Für ihn ist Planwirtschaft dürftigste Kriegswirt- jchajl und KartenjMem, statt der Indienststellung der ungcheuer ge- Angestellte überlegen, ob sie noch länger da« Amt cine» Steuerau»« schußmitgliedes ausüben konnten, durch das ihnen fortgesetzt Aus» gaben erwuchsen, die ihnen niemand ersetzt. Nunmehr ist zu hoffen, daß durch die Neuregelung möglichst viele Steuerpflichtige in die Lage versetzt werden, sich bei den bevorstehenden Neuwahlen zu den Steuerausschüssen für diese wichtige Arbeit zur Verfügung zu stellen._ Reichswehr und Reichswehrministerium. Immer dasselbe. Das Oldenburger Reichswehrbataillon liebt es, bei öffentlichen Aufzügen die„Wacht am Rhein" mit folgendem Refrain zu singen: Noch steht an Ruhr und Rhein Das welsche Schwein. Die.Oldenburgisch« Landeszeitung" führte darüber B e» s ch w e r d e. Der Erfolg war schlagend. Abteilungen des Olden- burger Reichswehrbataillons zogen darauf verschiedentlich unter demonstrativem Gesang des Refrains an der Redaktion des Blattes vorüber. Die„Landcszeitung" begnügte sich natürlich mit diesem Erfolg nicht. Sie leitete die Beschwerde an das Reichswehr- m i n i st e r i u m weiter. Reichsinnenminister Külz als stellver- tretender Reichswehrminister gab der„Oldenburgischen Landes- zeitung" persönlich Antwort. Eine Untersuchung sei einge- leitet. Sie schwebe: „Das Singen derartiger Lieder würde ich für unge- hörig holten, und falls die Untersuchung den betreffenden Tat- bestand ergibt, würde ich entsprechend einschreiten." Daß Herr Dr. Külz sür seine Person derartige Taktlosigkeiten mißbilligt, ist ohne weiteres zu glauben. Wie es aber mit dem „entsprechendenEinschretten" steht, ist eine andere Frage. Bisher ist es ihm in seiner Stellvertretertätigkeit im Reichswehr- Ministerium nur vergönnt gewesen,„durchgreifende Maßnahmen" anzukündigen. Ermächtigungsgesetz für Sapern. Ein Defizit von SV Millionen. München, 2. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Im Derfas- sungsausschuß des bayerischen Landtages begann am Donnerstag der Kampf um das von der Regierung geforderte E r- mächtigungsgesetz, mit dem die Vereinfachung der Staatsver- waltung, die Entlastung der Landwirtschaft von der Wohnungsbau- abgäbe und die Aufbürdung des dadurch entstehenden Defizits von 16 Millionen auf die städtischen Gemeinden durchgeführt werden soll. Die Oppositionsparteien stellten sich unter ausführ- lichen Begründungen auf den Standpunkt, daß das Ermächtigungs- gesetz verfassungsändernden Charakter habe und in- folgedessen zu! Verabschiedung eine Zweidrittelmehrheit erfordere. Bei der Verteidigung der Vorlage machte Ministerpräsident Dr. Held die Mitteilung, daß das Defizik de» bayerischen Staatshaushalts für 1926 von 32,5 Millionen bereits auf rund 50 Millionen angewachsen sei. Dieses Defizit gefährde die Existenz- grundlage des bayerischen Staate» und deshalb brauche die Regierung die Ermächtigung unter allen Umständen, um die notwendigen Sparmaßnahmen durchführen zu können. Der Existenzkampf des bayerischen Staates gegenüber dem Reich sei ganz unmöglich zu führen, wenn Bayern weiterhin der- ort ungesund« Finanzen beibehalte. Nach sechsstündiger Debatte entschieden die Regierungsparteien mit einfacher Mehrheit, daß die Gesetzesvorlage nicht verfassungsändernd sei. Daraufhin wurde ebenfalls mit einfacher Mehrheit der Arttkel 1 des Gesetzentwurfe», durch den die Ermächtigung erteilt wird, angenommen. ver gestohlene und wieder aufgefundene heilige Teppich de» Tflam wird nicht noch Medina, sondern nach Aegypten zurück- gebracht werden. Der Grund dafür ist darin zu suchen, daß die Begleitmannschaft erkrankte, die Art der Nrankheit ist nicht bekannt(?!) Der Anlibolschewlst Lloyd George ist von der Sowjetregierung noch Rußland eingeladen worden und will evtl. im September hin- fahren. steigerten Produktivität zum Besten oller Staatsbürger und nicht nur zum Profit einiger. Auf diese Weise destilliert er sich die Schluß- folgerung, der Sozialismus sei unfähig, di« Wirtschaftsprobleme zu lösen. Der Untergang der Kultur Europas sei nur zu vermeiden durch ein Zurückdrängen des kulturfeindlichen Sozialismus.— Nebenbei wurden Marx, Kautsky und Hilferding abgeschlachtet, samt allen sozialistischen Theorien, und so konnte der Professor nach seinem 2�stündigen Vortrag, der ohne die vielen Wiederholungen gut auf eine Stunde weniger hätte konzentriert werden können, sich als Don Quichote entfernen, der gegen Windmühlenslügcl ankämpit. B. Sch. Die Reichskunslwoche. Der Gedanke einer Rcichskunstwoche ge- winnt allmählich mehr und mehr Raum. Die Veranstaltung soll zum ersten Male im Mai 1927 abgehalten werden. Breite Schichten des Volkes sollen der Kunst und dem Künstler nähergebracht werden. Die jeweils im Monat Mai zu veranstaltende Reichskunstwoche wird wechselweise in allen größeren Kunststädten Deutschlands stattsinden: es soll dabei auch möglichst Deutschösterreich Berücksichtigung finden' Durch diese Veranstaltungen hofft man auch auf das Ausland in für die deutsche Kunst förderlichem Sinne zu wirken. Gleichzeitig ioll die Reichskunstwoche versuchen, nach der materiellen Seite hin der schwer ringenden deutschen Künstlerschaft Interesse und Hilfe ent- gegenzubringen. Alle fiihrcnden Verbände aus den, Gebiete der bildenden, redenden und spielenden Kunst stehen hinter dieser Be- wegung. Für die Förderung dieser Kunstwoche auch im Reichstag ist die Initiative durch den Zentrumsabgeordneten Dr.»chreibcr ergriffen worden, indem Schreiber einen Antrag eingebracht hat, der von sämtlichen Parteien des Reichstags unterstützt wird und der ganzen Unternehmung einen gewissen materiellen Rückhalt ver- schaffen wird. Der Antrag fordert die Reichsregierung auf, zur Unterstützung der beabsichtigten Reichskunstwoche im Benehmen mit den Ländern einen angemessenen Betrag in den Nachiragshaushalt 1926 einzusetzen. Die Annahme dieses Antrags im Plenum des Reichetags ist gesichert. Entschädigung für Schulkrankheiten. Die Stadtverwaltung von Manchester hat sich gegenwärtig mit einem Antrag zu beschäftigen, in dem verlangt wird, daß Eltern, deren Kinder in der Schule eine ansteckende Krankheit bekommen haben, entschädigt werden. Ver- anlaßt wurde der Antrag durch zahlreich« Fälle von Grippe und Masern, di« dieses Jahr in Manchester epidemisch auftraten. Di« Antragsteller erklären, wenn jemand ge, zwangen werde, seine Kinder in die Schule zu schicken, sei es nur recht und billig, di« Gefahren, die durch einen solchen Eingriff des Staates entstehen, wenigstens finanziell auszugleichen. Zn der Ausstellung Berliner Sühnen-vildner kSezefflon KurfürNen- barnrn 232) würben bisher Arbeiten folaenber künitler anaekinift: Charlotte Beienb-Corintb, Miibel Fingesten, Rubolf Großmann, Prof. Emil Öllit Lotte Pritze�Eugen Spiro, Bruno KrauStopf. heiraiserlaubni» nur geaen arstilche» Scstinbheilsaltest Tic mcrikanifche Rcgieruna macht in Zukunft die HciralScrlaubniS von einem Geiimdheils- alleit abhängig. Nach dem neuen(Nefrtz barf niemand helralen, ohne den Zivilbcbörben ein ärztliche« Zeugnis vorgelegt zu baden. Das ncue Geich wird günstig aufgenommen, da infolge von Kranlheiten der Eltern in lehier Zeit die Kindersterblichkeit in Mexiko gewaltig stieg und im letzten Fahr süt! Kinder unter eine« Jahr 63 Vier Geburten betrog Zrantensturz und Krisengerüchte. Caillaux überläftt derKammer.denRettungsweg zu finden Paris, 2. Juli.(Eigener Drohtbericht.) In den letzten 48 Stun- den mehren sich, genährt durch die immer schärfer werdende Franken- baisse, die K r i s e n g e r ü ch t e. Man spricht bereits in der Presse und den Wandelgängen der Kammer offen von einem bevorstehenden Sturz des Kabinetts Briand. In zahlreichen politischen Kreisen be- fürchtet man, daß das kaum einige Tage alte Kabinett die große Finanzaussprache am Dienstag in der Kammer nicht über- leben werde. Die Gerüchte sind immerhin mit Vorsicht aus- zufassen. Ohne Zweifel hat die Dürftigkeit der Regie- rungserklärung die Stellung der Regierung alles andere als gefestigt, ober man darf sich fragen, ob sich in der Kammer eine Mehrheit finden wird, im gegenwärtigen Fieber der Währungskrise eine neue Ministerkrise zu provozieren. C a i l l a u x soll entschlossen sein, am Dienstag die Kammer klipp und klar vor folgende drei Sanierungsmöglichkeiten zu stellen: entweder die Ver- wendung des Goldbestandes der Bank von Frankreich oder eine neue Inflation oder Auslandskredite. Zwischen diesen drei Möglichkeiten soll die Kammer auf eigene Verantwortung wählen. Der Ausgang der Debatte ist ebenso unsicher, wie die politi- sche Lage. Das Expertenkomite« Hot am Donnerstag Caillaux seinen Bericht zugehen lassen. Dieser betont dt« Notwendigkeit von der Stabil!- sterung des Franken urtb setzt als Voraussetzung die R a t i f i k a- tion des Washingtoner Abkommens und ein Zusatz- abkommen zwischen der Bank von Frankreich und der Federal Reserve Bank. Caillaux wird den Bericht in kürzester Zeit ver- öffentlichen. Um die Rheinräumung.— Stocken der Handelsvertrags- Verhandlungen. Paris, 2. Juli. lEigener Drahtbericht.) Die von amerikanischen Blättern verbreitete Nachricht, die deutsche Reichsbahn habe sich zu einer Franken st ützungsaktion bereit erklärt gegen eine be- fchleunigt« Räumung der Rheinlande wird an hiesiger amtlicher Stelle energisch dementiert. Wir erfahren dazu von unter- richteter Seite, daß die Reichsregierung in der Tat am Quai d'Orsay eine Demarche in der Frage der längst ver- sprochenen Einschränkung der Rheinbesetzung unternommen habe. Diese Demarche kann aber in keiner Weise mit dem phantastischen Vorschlag einer Frankenstützungsaktion in Verbindung gebracht werden. Sie dürft« vielmehr im Zusammenhang mit den schweben- den fiandelsvertragsoerhandlungen erfolgt sein. Diese sind übrigens erneut ins Stocken geraten. Die französisch« Re- gierung hatte jüngst ein Provisorium von 6 Monaten auf ziemlich breiter Grundlage vorgeschlagen. Dieser Vorschlag scheiterte daran, daß die deutsche Regierung das französisch« Verlangen der Meistbe- günstigung französischer Weine von gewissen Kompensationen politischer Art' abhängig gemacht hat. über die eine Einigung bisher nicht erzielt werden konnte. Auch die deutsche Forderung auf Anpassung der Zolltarife auf Goldbasis stieß bisher bei den französischen Delegierten auf großen Widerspruch. Der Zrank gleitet ab. Von der Berliner Börse. Die heutige Börse glaubte die politische Loge ruhiger beur- teilen zu können als an den Vortagen und war anfangs recht fest gestimmt, zumal ansehnliche Käufe in Montanaktien und sonstigen Spezialitäten vorlagen. Am meisten waren Gelsenkirchen, Luxem- burger Bergbau und Bochumer gesragt: man sprach hier von Majoritätskäufen der Amerikaner. Zutreffend dürste sein, daß man günstiges Börsenwetter für das Auflegen der Montantrustanleihe erzielen will. Der Rentenmarkt ist freundlich, Kriegsanleihe 0/465. Der Geldmarkt ist zwar reichlich versorgt, doch gehen die Sätze bisher noch nicht herunter. Tägliches Geld 6 bis 7)4 Proz. Die Frankenvaluten zeigen eine neue Verschlechterung, London- Paris 182. jfcbeitszei'tverlängerung in England. Die Annahme des Bergbaugesetzes im Unterhaus. London, 2. Juli.(Ep.) 3ra llnterhause wurde gesterri abend die Regierungsvorloge über die Einführung des Achtstundentage» in den Bergwerken mit 332 gegen 147 Stimmen angenommen, vorher hotte der Arbeiterführer hart- t h o r n e die Regierung besonders heftig angegriffen und Bald- w i n als den größten Feind der Arbeiterklasse der gegen- wältigen Generation bezeichnet. Boldwin erklärte, daß die Regierung nur ihre pflichten gegenüber dem Lande erfülle. Cook gegen den Achtstundentag. London. 2. Juli.(MTB.) Der Sekretär des Bergarbeiterver- bandes Cook sagte gestern abend in einer Rede vor Bergarbeitern in Dover, das Land und die Bergleute wünschten so dringend Frieden, daß er bereit sei, eine A b st i m m u n g vorzunehmen und dieses Verfahren den, Vollzugsrot anzuempfehlen. Er sagte weiter, die Bergleute seien noch nicht geschlagen, und selbst wenn sie durch Hunger schon jetzt zum Nachgeben gezwungen werden sollten, so würden si: in sechs Monaten noch einmal den Kampf eröffnen. Sie seien entschlossen, den Achtstundentag nicht anzunehmen. Tic Grubcnbefitzer für die Wiederaufnahme der Arbeit. London, 2. Juli.(EP.) In den Verhandlungen zwischen der Regierung und den Grubenbesitzern ist es gelungen, die letzteren dazu zu bewegen, sofort Anschläge mit der A u s s o r d e- r u n g zur Wiederaufnahme der Arbeit auszuhängen. Ob- wohl das Gesetz üben den Achtstundentag noch nicht alle Phasen durchlaufen hat, werden sich die Vorschläge der Grubenbesitzer auf einen achtstündigen Arbeitstag unter Beibehaltung der früheren Löhne in den meisten Fällen aufbauen. Mit der Annahme der Votschläge würde die Wiedereinstellung von rund 830 000 Bergarbeitern zu den alten Lohnsätzen möglich gemacht. (Bon einer Gesamtzahl von rund 1 100 000. Die Red.) Die Hoffnungen gehen dahin, daß diese Tatsache die Arbeiter zur Annahme der neuen Bestiinmungcn veranlaßt. Für den Fall, daß diese Hofsnungcn nicht in Erfüllung gehe» und daß die Arbeiter nach den Erklärungen des Arbeiterführers Varley die Einführung des Achtstundentages verweigern, hat Baldwin sich im Unterhaus die Tür offen gehalten, indem er sagte, daß die Beilegung des Kon- fliktcs auch jetzt noch sofort möglich wäre, wenn die Arbeiter den Bericht der königlichen Kohlenkommission als Ganzes an- nehmen würden. Seine Erklärung führte noch in später Nacht- stunde zu Besprechungen zwischen ihm und der Exekutive der parlamentarischen Arbeiterpartei, über deren Ergebnis noch nichts Endgültiges bekannt ist._ Renlnerbund und Auswertung. Die Vorsitzenden der Landes- verbände des Deutschen Rentnerbundes haben beschlossen, aus der sogenannten Reichsarbeitsgemeinschast, die bekanntlich eine 100prozentige Aufwertung fordert, auszutreten und das Pro- gramm des Sparer bundcs(Dr. Best) zu unterstützen. Zersen. Eine Sonne, strahlend und heiß, brennt heute über den Straßen. geraoe so, als wollte sie die Schulferien freudig begrüßen. In dem Blut singt die Wandersehnsucht, das„Hinaus aus den engen G r o ß st a dt m a u e r n!" wird, unterstützt von der lockenden Sonne, immer eindringlicher. Kein Wunder, daß schon am frühen Morgen der Ferienverkehr stark einsetzte und mit jeder Stunde mehr anschwoll. Also gibt es doch noch Glückliche, die hinaus können in die Wälder, an die Ostsee, das Gebirge. Wie manche davon mögen ein ganzes Jahr ängstlich jeden Groschen gehütet haben für ihren Ferienurlaub, den sie mit ihren Kindern irgendwo draußen, fern von der Großstadt verleben wollen. Wie manche Verbindung mit Vettern, Onkeln, Basen, Tanten auf dem Lande wurde wohl Monate vor- her so lange angewärmt, bis die nötige Herzlichkeit zur Einladung der Kinder erreicht war. Bei so vielen Großvätern und Groß- mllttern aber war es nicht nötig, die rechnen mit Freude auf ihre Enkelkinder zu den großen Ferien. Und wer diese Möglicheit nicht hatte und als kleiner Beamter, Angestellter oder noch halbwegs be- zahlter Arbeiter ein paar Ferientage hatte, der hatte vielleicht seinen wie ein kostbares Kleinod gehüteten billigen Ferienplatz. Nur den allerbesten Freunden wurde er nach heiligster Versicherung des Ver- schweigens ins Ohr geflüstert. Wohl denen, die so hinaus können. Der beschleunigten Personenzüge sind noch immer viel zu wenig, die sie fortbringen. Eben noch in der Großstadt und nach ein paar Stunden an der See, im Gebirge, auf einem Dorf mit wogenden Feldern, welch herrliches Wunder der Technik. Kein Wunder, daß die Schulkinder, die so in die großen Ferien fahren, heute um 11 Uhr doppelt froh hinausstllrmen, denn schon monatelang vorher war ihre Phantasie davon erfüllt. Und die Zurückbleibenden? Es sind Ferien. Die Sonne lacht golden« Berheißung. Planschbecken und Spielwiesen locken. Die märkischen Seen sind wundervoll. Doch das Fahrgeld summiert sich auch und macht bald das Fahrgeld für eine kleine Sommerreise aus. Hier müßten für die bedürftigen Kinder besonders billige Dauerferieniarten ausgegeben werden, die für den ganzen Vorortverkehr gelten. Der Andrang auf den Bahnhöfen. Auf dezn Stettiner Bahnhof herrschte schon um 7 Uhr morgens ein starker Andrang, der in den Vormittagsstunden eine erhebliche Zunahme zu verzeichnen hatte. Unaufhörlich, in fast end- loser Folge brachten vor allem Krastdroschken die Scharen der Reisen- den zum Bahnhof. Für die Zunft der vielen Dienstmänner gab es in Hülle und Fülle zu tun. die schweren Kosser, Körbe und riesigen Bettenpakete zu den Zügen zu bringen. Während der Zustrom der Reisenden sich am Vormittag noch immer in gewissen Grenzen hielt, nahm die Fülle vor und in dem Bahnhos sowie auf den Bahnsteigen am Nachmittag beängstigenden Umfang an. Dank den Bor- kehrungen der Reichsbahn gelang eine im gewissen Sinne noch als „reibungslos" zu bezeichnende Abwicklung. Ein großer Teil der Reisenden hatte sich zwar rechtzeitig mit Karten versehen, aber den- noch gab es vor den Schaltern die üblichen Polonäsen. Auf dem Anhalter B a h n h o s, zu den Zügen nach Thüringen, und dem G ö r l i tz c r Bahnhof, als Ausgangspunkt für die Fahrten nach Schlesien, herrschte das gleiche Leben und Treiben. Ueberall ein Massenandrang, der in den Nachmittagsstundcn den höchsten Grad erreichte, der sich voraussichtlich morgen vormittag noch er- heblich steigern wird. Die Reichsbahn hat auf den Bahnhöfen alle Vorkehrungen getroffen, um die vielen Erholungsbedürftigen gut „oerpackt" an ihre Ziele zu befördern. Die Sonderzuge werden vom Publikum in stärkstem Maße in Anspruch genommen, was sich aus der ungünstigen winschastlichen Lage erklärt. Diesem Gesichtspunkte entsprechend hat die Reichsbahn etwa 120 Sonderzuge für die Monate Juli und August vorgesehen. Die Sonderzugc ver- kehren bis zum 10. Juli täglich. Allein heute fuhren neben den Haupt-, Vor- und Nachzügen 12 Sonderzüge. Davon drei nach München, ein Zug nach Ostpreußen, je einer nach Basel, dem Riescngebirge und Köln, zwei Züge nach dem Harz und drei Zuge nach den Ostsecbädcrn. Nach all diesen Vorkehrungen glaubt die Reichsbahn allen Anforderungen, die alljährlich zu Fcrienbeginn an sie herantreten, gerecht zu werden. Wenn auch genaue Zahlen noch nicht feststehen, so dürste die Zahl der heute reisenden Feriensahrer mit 35 000 bis 40 000 nicht zu hoch beziffert sein. » Endlich scheint es Sommer werden zu wollen. Lang« genug Hot uns die Unnatur eines mit bösartiger Hartnäckigkeit verregneten Frühjahrs und Vorsommers geärgert und: immer, wenn uns die ver- zweiselten Wetterpropheten mit Illusionen über ominöse Hochdruck- gebiete narrten, gab es bittere Enttäuschung und Regen. Regen, immer wieder Regen. So manchem Iuniferienreisenden wurde der Erholungsurlaub buchstäblich zu Wasser, die Grippe grassierte wie zu den schlimmsten Zeiten ihrer herbstlichen Hochsaison. Doch, wenn die Schwimmflut am höchsten, ist sozusagen die Sonne am nächsten. Nach den ersten vier trockenen noch bewölkten Togen ist heute der eiste Sommer, und Sonnentag bei schon beängstigender Schwüle gewesen. Mittags um 11 Uhr maß das Barometer 2 3 Grad im Schatten. Mit weiterem Ansteigen der Temperatur und weiteren heiteren Tagen ist zu rechnen. Dann kann's also los- gehen. Sollten wir doch noch auf unser« Kosten kommen? Juli und August haben das Wort! Der erste Zerieneinbruch. Eine unangenehme Ueberraschung erlebte eine Familie, die jetzt von ihrer Ferienreise zurückkehrte. Während ihrer Ab- Wesenheit waren Einbrecher in die Wohnung in Alt-Moobit e,nge- drungen und hatten sich hier h ä u s l i ch e i n g e r i ch t e t Die un- gebetenen«ogiergäste durchwühlten alle Behältnisse und stöhlen alles, was sie verwerten und unauffällig wegschaffen konnten. Wasche, Silberzeug, Kleidungsstücke, Schmucksachen, bares Geld und Aktien. Nur die Möbel ließen sie großmütig für den Wohnungsinhaber stehen Unter den Beutestücken befindet sich auch eine italienische Geige' die einen Wert von 15 000 M. hat. Im Innern ist der Name Bavt' Gnadagnini-Turin eingebrannt. Mitteilungen über das Auf- tauchen der Sachen sind an die Dienststelle B. 3 im Polizeipräsidium zu richten. Für die Wiederbefchaffung des gestohlenen Gutes ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Tie Durchführung der Volkszählung. Der. Präsident des Preußischen Statistischen Landes- amts hatte am Donnerstag voemittag die Presse geladen, den technischen Apparat der Volks-, Beruss. und Betriebszählung z» besichtigen. Räch den einleitenden Worten des Präsidenten Dr. Saenger. der auf die ungeheure Wichtigkeit der erst ieii 1910 wieder erfolgten Bolkszählung hinwies, gab Vizeprasi- dcnt Dr Höpker einen instruktiven Vortrag über die Durchführung der Zählung. Eine klar« Formulierung der Fragen mußt« gesunden werden. Ueber 11 Millionen Haushaltungslisten und mehr als 6 Millionen Zählbogen waren er- forderlich und ein Heer von 400000 Zählern stellte sich in den Dienst der Zählung. Außer dem Beruf wurde bei dieser tohlung zum ersten Male auch nach dem Wirtschastszweig gesragi. ämtliche Wirts chastskreise erwarten mit Spannung die Ergebnisse, doch ist trotz angestrengtester Arbeit erst in IK bis 2 Jahren an die vollständige Ausarbeitung zu denken, da die Arbeit mit den laufenden Statistiken erledigt werden muß. Immer- hin wäre das noch schneller als im rasch arbeitendem Amerika. Als interessante Resultate lassen sich aber schon feststellen, daß ein großer Teil der Polen aus dem Rheinland nach Polen verzogen und in Oberschlesien deutsch und polnisch zugleich als Muttersprache angegeben worden sind. Die Zählung selbst imrd maschinell nach dem Lochsyftem erledigt. lieber 39 Millionen Lochkarten waren anzufertigen, nf Seiten Sie Ergesiniss« In Zahlen auszudrücken sind. Zum Beispiel in der Sparte Muttersprach« polnisch und deutsch als 46,.dänisch 7 und so fort, in der Sparte Religion Dissident 18, Mennonit 7 und so fort. Nach den Zählbogen werden die Karten gelocht, die dann durch die zählenden Hollerith- und Powermaschinen gehen. Die Schwierig- keilen bei der Behandlung der Zählbogen möge daraus erhellen, daß beispielsweise bei den Flächenmaßen der Bauern die Angabe ihrer gebräuchlichen Flächenmaße gelassen werden muhte, da si« zumeist in Hektar nicht rechnen. Furche, Garten, Eres, Himt«, Hufe, Hunt, Jück, Metze, Pint, unzählige Arten von Morgen wie Waldmorgen, spani- scher Morgen, Wudde, Mudd« und so fort, fünf gedruckte Foliobogen mit Umrechnung in Quadratmeter oder Ar. Zur Erledigung dieser Zählungen und Kontrollen wurden im Warenhaus Jordan mehrere Etagen gemietet, wo über 2000 Ange st eilte angestrengt arbeiten, die an 1 bis 2 Monate brauchen, um voll eingearbeitet zu sein. Es wird ein sehr großes Arbeitspensum verlangt. Unange- bracht erscheint es, trotz der Wichtigkeit der Zählung, Arbeit mit nach Hause zu geben, da so eine Ueberanstrengung des Personals, das schon so fieberhaft arbeiten muß, hervorgerufen wird. Der technische Betrieb war von einer bewunderungswürdigen Präzision. Außer Preußen arbeitet nur noch Sachsen maschinell, die anderen Bundesstaaten arbeiten noch ohne Zählmaschinen. Berufung im Spritweber-Prozefi. Der Staatsanwalt hat sich mit dem Urteil im Weber-Prozeß nicht zufrieden gegeben und bereits Berufung eingelegt. Weber ist. wie aus dem gestrigen Urteil zu ersehen war, von der Anklage der Brandslistung wie des Versicherungsbetruges freigesprochen worden. Zwar hat das Gericht in seiner Urteilsbegründung gesagt, daß alles dafür spräche daß Weber die Brandslistung begangen habe. Das Gericht habe sich jedoch nicht entschließen können, zur Verurteiwng zu gelangen, da ein völliger Beweis der Schuld nicht erbracht werden konnte. Ob sich die Berufung des Staatsanwalts auf alle Teile des Urteils beziehen wird, ist vorläufig noch nicht be- kannt. Desgleichen, ob auch die Angeklagten ihrerseits Berufung einlegen werden. Somit kann die Oefsentlichkeit sich auf einen neuen wochenlangen Weber-Prozeß gefaßt machen. Tie Arbeiter-Ruderregatta in Grünau. Es ist erst zwölf Jahre her, daß Wilhelm von Hohenzollern jedes Jahr in Grünau die Ruderregatta der feudalen Ruder- vereine abnahm und noch in diesem Jahr, vor wenigen Wochen, haben dieselben Vereine aus alter Tradition einen„Kaiser- vierer" ausgefahren. Sie haben also seit 1914 trotz Krieg und Staatsumwälzung nichkd gelernt. Am kommenden Sonn- tag, 4. Juli, werden die Arbeiterrudervereine ihre Regatta in Grünau abhalten. An derselben Stelle, wo früher die Regatta für den Kaiser gefahren wurde und das Publikum nur die Kassen füllen durfte, werden am Sonntag die Arbeitersportler für die arbeitende Bevölkerung tätig sein. Eine ganze Reihe Ruderkonkurrenzen werden mit Paddelwettfahrten abwechseln: in friedlichem Wettstreit werden unsere Wasserratten miteinander kämpfen— nicht um kaiserliche Ehrenpeise, sondern um die Gunst ihrer Klassengenossen. Ilm 1 Ilhr beginnt die Regatta vor den großen Tribünen, unweit des Sportdenkmals. Die Berliner Ar- beiterschaft ist herzlichst eingeladen, die Eintrittspreise sind sehr mäßig._ Ver Illelneke'sche INaonerchor Berlin 1900, Mitglied deä DAS?.. CSnn Berlin, Cbormeifter P. A. Jolepb, veranstaltet am Sonntag, den 4. Juli 192S im Schultdeijz- Patzenboscr Garten. Chaussecstratze 64, ein Vokal- und In- strumentalkonzert. Eintrittspreis 30 Pj. „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Ein Todesurteil und eine Hinrichtung. Das Schwurgericht Offenburg�hat den 27 Jahre alten Landwirt Wilhelm Schütt von Stadelhofen, der Ansang des Jahres seine aus Ober- kirch gebürfige Braut auf einem Spaziergang, wie dos Gericht an- nahm, mit voller Ueberlegung erdrosselt hatte, zum Tod« verurteilt.— Heute früh 5 Uhr wurde auf dem Hose des Er� f u r t e r Gerichtsgefängnisses durch den Scharsrichter ckflsi Magdeburg der vom Schwurgericht Erfurt zweimal zum Tode verurteilte Schlosser R'u d o l p h, genannt Trödelsberger, der im November vorigen Jahres am Heidehaus bei Sondershausen zwei reisende Automobilisten erschossen hatte, mittels Handbeil hin- gerichtet. Sich selbst mik Petroleum begossen und angezündet. Nach einer Meldung aus Chemnitz hat eine in Hohenstein-Ernstthal wohnende Kleinrentncrin Buche, die früher sehr wohlhabend war, aber durch die Entwertung ihrer Ersparnisse in schwierigen Verhältnissen lebte und seit langem schwermütig war, gestern auf ungewöhnliche Art ihrem Leben ein Ende gemacht. Sie begoß ihre Kleider mit Petroleum und setzte sie dann in Brand. Als die durch den Brandgeruch aufmerksam gewordenen Hausbewohner die Tür öffneten, fanden sie die Frau halb verkohlt vor. GeWerLschastsbewegung Die delegierten zum Metallarbeiter-verbanüstag. Der..Sieg" der Kommunisten. Stultgarl, den 2. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Das end- gültige Resultat der Delegiertenwahl zur Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Bremen liegt nunmehr vor. Daraus ergibt sich die folgende Zusammensetzung der Delegierten zum Verbandsiagc: Delegierte der Amsterdamer Richtung 156. Delegiert« der Rloskauer Richtung 31. Die Moskauer Richtung hat mithin einen Rückgang von 34,2 Proz. ihrer Bertreterzahl auf dem Casscler Verbandstage auf 16,6 Proz. zum Bremer Verbandstage zu verzeichnen. Von den 31 Delegierten, der KPD.-Opposition entfallen allein 13 auf Berlin, die übrigen 18 verteilen sich auf das ganze Reich. Bei etwas mehr Verständnis für die Dinge, bei gehörigem Pflichtbewußtsein und etwas weniger Gleichgültigkeit war es sür die nichtkommunistischen Berliner Metallarbeiter eine Kleinigkeit, die 13 Mandate den Kommunisten nicht zufallen zu lassen. Dennoch, die kommunistische„Opposition" kann aus dem Bremer Verbandstage trotz aller Deklamationen kein Unheil anrichten. Geht es mit ihrer„Eroberung" des Verbandes so weiter, könnten wir zufrieden sein. Allein wir müssen dafür sorgen, daß soche Siege der„Opposiitiön" wie in Berlin, künftig vereitelt werden und der Erobcrungsprozeß, der sich zwischen Cassel und Bremen vollzogen hat, recht bald seinen Abschluß findet. Die Zeiten sind zu ernst, die Ausgabe der Gewerkschaften zu schwer, als daß die Arbeiterschost sich das Spiel der kommunistischen Walzen noch lange gestatten könnte. Die„Rote Fahne" hat sich aus Moskau die Aeußerung der „Prawda" zu dem Berliner Wahlsieg melden lassen: „Nach langen Jahren dauernden Rückganges und der Isolierung der Kommunistischen Partei in den Gewerkschaften ist dies«in e n t- scheidender Wendepunkt." Wir beneiden die„Prawda" um ihren Optimismus. Wie wird ihr Urteil lauten, wenn sie das Gesamtergebnis vor sich hat? Die Lchrlingshaltung im Fleischergewerbc. Wie der„Amtliche Preußische Pressedienst" einer Anordnung des Preußischen Ministers für Handel und Gewerbe entnimmt, erhält Ziffer 1 der Zlnordnung vom 9. Mai 1922 betreffend die Lehr- im Fleischer- tmb Wurstmachergewerbe mü Wirkung vom 1. 3uR d. 3. ab folgende Fassung: 3n jedem Betriebe des Fleischer-(Schlächter-, Metzger-) und Wurstmachergewerbes sowie in Wurstfabriken darf, soweit die sonstigen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, ein Lehrling gehalten werden. Ein zweiterLehrling darf gehalten werden, wenn der erste Lehrling das 2. Lehrjahr voll endet hat, wenn in dem Betriebe ein Geselle dauernd beschäftigt wird, und wenn einer der in der genannten Anordnung erwähnten dringenden Ausnahmefälle vorliegt. Diese Regelung unterscheidet sich von der für das Friseurgewerbe erlassenen, in Nr. 300 des„Vorwärts" erörterten Regelung insofern, als hier die dauernde Beschäftigung eines Gesellen für die Annahme eines zweiten Lehrlings mit zur Bedingung gemacht ist, während im Friscurgewerbc drei Lehrlinge gehalten werden können, auch wenn kein Gehilse beschäftigt wird. Tic Fortbildung jugendlicher Erwerbsloser. 3n einem Runderlaß des preußischen Ministers für Dolkswohl- fahrt werden die zuständigen Behörden auf ihre Pflicht hingewiefen, mit Rücksicht auf die im Einzelfall durchschnittlich lange Dauer der Erwerbslosigkeit alle Wege zu ihrer Beendigung und zur Erhol- tung �»er Arbeitsfähigkeit der Erwerbslosen zu beschreiten. Es sollen in größerem Umfange als bisher die Leistungsfähigkeit und damit die Möglichkeit einer Arbeitsvermittlung der unterstützten Er- werbslosen durch Veranstaltungen zur Fortbildung und Um- schul» n g erhöht werden. Insbesondere ist die Erwerbslosigkeit der Jugendlichen immer mehr zu einem Massennot st and geworden, gegen den zur Abwenbimg der sittlichen, geistigen und körperlichen Gefahren der teilweise jahrelangen Beschäftigungslosigkeit durch- greifende Maßnohmen ergriffen werden müssen. Für die Ueberführimg Jugendlicher zu landwirtschaftlichen Arbeiten sind vom Minister erhebliche Beträge bereitge- stellt worden: ferner wird erneut an die Verordnung über Erwerbs- losenfürsorg« vom 16. Februar d. 3. erinnert, wonach erwerbslose Jugendliche unter 18 Jahren Erwerbslosenunterslühang nicht be- ziehen können, ohne gleichzeitig durch Teilnahme an Arbeit oder an Fortbildungskursen auch einer Beschäftigung zugeführt zu sein. Die Einrichtung von Kursen darf jedoch nur im Falle dringen- den Bedürfnisses erfolgen. Zur Leitung der Kurf« sind in erster Linie Lehrer unb Lehrerinnen aller Art von Schulen sowie hie Be- zirts- und Kreisjugendpfleger wie-Pflegerinnen berufen: daneben werden auch erwachsene Erwerbslose, insbesondere be- schäftigungslose Junglehrer und Iunglehrerinnen bei genügender sachlicher wie moralischer Qualifikation gut« Dienste leisten können. Ferner stehen Diplomhandelslehrer für derartig« Kurse zur Verfügung. Ein smarter Geschäftsmann. Vor dem Gewerbegericht, Kammer 13, klagte das Küchenmädchen R. wegen fristloser Entlassung gegen den Bäckermeister, Kaffeehaus- besitzer und Gastwirt Michalski, Berlin, Lindenstraßc 91, der auch in Schoneberg, Hauptstraße 24, einen Kaffee hausbetrieb hat. Seine Frau erhob den Einspruch, daß das Küchenmädchen R. gar nicht bei ihr beschäftigt gewesen sei, sondern daß sie die Küche an den Küchen- chef S). verpachtet habe. H. wurde ober selb st fristlos ent- lassen und in einer Klageschrift bezeichnete Michalski den H. als A n g e st e l l t e n. Der Vorsitzende der Kammer 13, Magistratsrat Sommer, ging merkwürdigerweise aus dies« Sache nicht weiter ein und prüfte gar nicht, ob hier nur ein Schcinvertrag vorliege oder H. Angestellter des Michalski war, und so wurde die Klägerin R. mit ihrer Forderung gegen Michalski abgewiesen. Der Vertreter der R. war ziemlich unbeholfen. Es ist nur zu bedauern, daß das Personal von Michalski nicht den Weg zur Organisation gefunden hat, denn wenn ein Organisationsvertreter dagewesen wäre, hätte dieser sicher den Vor- sitzenden der Kammer auf verschiedenes aufmerksam gemacht, wodurch ein anderes Urteil zustande gekommen wäre. Wie uns bekannt ist, hat dieses famose System der Verpachtung bei M. noch weitere Kreise gezogen. M. hat unseres Wissens nach nicht nur die Küche, sondern auch angeblich das Büfett ver- pachtet, bezeichnet sich den Angestellten gegenüber aber als Arbeit- g e b e r. Es wäre notwendig, für Krankenkassen und Steuerbehörden, einmal dieses merkwürdige Angestellten, resp. Pachtverhältnis nach- zuprüfen. M. war in der glücklichen Lage, in der Inflationszeit durch die Devisen, die er von den Angestellten der„Russischen .Handelsgesellschaft" erhielt, sehr vorteilhaft zu wirtschaften. Auch das Geld, das er von der Stadt Berlin zum Ausbau feines Hauses erhalten hat, verstand er gewinnbringend zum Einkauf von Mehl, Zucker usw. in der damaligen Zeit anzulegen. Er versteht es also immer, als tüchtiger Geschäftsmann seinen vorteil waGrzu- nehmen, wenn dabei auch die Recht« der Arbeitnehmer zum Teufel gehen._ Die Ladenschluhfrage. Das Sekretariat des Internationalen Verbandes von Handels, und Bureauange st eilten in Europa hat eine Broschüre des Genossen S m it j r.-A m st e rd a m über die Ladenschlußfrage herausgegeben, die eine o o l l st ö n- d i g e II eberficht über die Regelung des Ladenschlusses i n allen europäischen Ländern enthält. Aus der Zu- sammenstellung ergibt sich, daß eine reichsgesetzlichc Regelung bisher in Belgien noch völlig fehlt und in Holland noch nicht zu- sriedenstellend erfolgt ist. 3» Holland haben allerdings die Gemein- den das Recht, einen Ladenschluß für ihre Stadt festzusetzen. Von diesem Recht haben bisher 172 niederländische Gemeinden Gebrauch gemacht, von denen 133 Gemeinden eine Iahresregelung, 33 Gc- meinden eine verschiedenartige Regelung für Winter- und Sommer- Halbjahr und 4 Gemeinden eine Regelung nur für den Winter gc- troffen haben. In 11 Gemeinden-wird im Winter um 7 Uhr, in 107 Gemeinden teilweise im Winter, teilweise im Sommer um 8 Uhr geschlossen, während in 7? Gemeinden offiziell S-Uhr-Ladenschluß besteht. Sonnabends wird in 68 Gemeinden um 10 Uhr, in 49 Ge- meinden um 11 Uhr abends geschlossen, während in 34 Gemeinden überhaupt keine Vorschriften über den Ladenschluß am Sonnabend bestehen. Die Broschüre enthält sehr wertvolles Material, das auch in Deutschland Beachtung oerdient. Gesperrte Gastwirtsbetriebe. Wie uns der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafä-Angeftelltcn mitteilt, kommt noch zu den bisher gesperrten Gastwirtsbetrieben folgender Betrieb hinzu: „Restaurant Woltersdorfer Mühle", Inh. Mar Behle, W o l t e r s d o r f. Die Sperre über das Restaurant„Rosen- t h a l e r Platz", Inh. G o h d e s, Elsasser Straße 97, wird hiermit aufgehoben, da die Differenzen beigelegt sind. Berantworilicki tllr Volitik: Ernst Reuter: Wirtschaft:»rtnr Sateran«: Siwertschaftsbiwegung: fft. Sfclain: Feuilleton: Dr. John Schikowtki: Lotale» - und Sonilioe»� Fri» iiarsiädt: ilmeiaen: ld. Slocke: sämtlich in'Berlin. Berlaa: Vormärts-Berlaa ffi. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärtt-Buchdruckercl und Berlaaoonstalt Paul Sinaer u. To.. Berlin EW 68. Lindenltrake S. ECyehen jettt öedeulenß billiger vi Eriki-ROdm....... 4011. lerlitle-liiläu Finril lindile-Ködn Gerty. Äitriditc-Küdte Mirtg. Bremen. llleltenilirZnte. 90 tm. . 70*. . 85 M. 95*. 130 5. 38 5. emailliert 15 5. 100 5. 130 M. 140 5 180 K. 50 5. limteliiing feinst Rheinisdisr Ködien. HQdieniDObel'-BaiM Laserslein. Luter Siraße I Ecke Oranienftr. nahe Moritzplatz ♦ HUNDE ♦ Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. Tlerarzliidie PoiiKlInth ChausseesiraSe 93 neLen Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr J&uüehäMisr CHARLOTTEN BURG Wilmorsdorfer etag,*** bediller 3tr..n Gardinen! Sonderangeliote und Gelegenheilskänfe in Kflnstler- Gardlnen. Madras- JL_ (iardinen.. 4. S{OfBS....2.20 iettdecken|_ ! bettig.. 4. Oetldecken 0_ tbettig. 0. Spel.-üariiinon werkst. Neukölln, Sergstr. 67 am Rin bahnhof Kein Laden! 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