Nr. 308 43. Jahrg. Ausgabe A Nr. 159 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags. beilage Volt und Zeit" mit„ Sied. Jung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5,- Reichsmark. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( auläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Nach der Erklärung des Genossen Wels und des Grafen We starp( Dnatl.) gab im Reichstag Reichs fanzler Dr. Marg namens der Reichsregierung die Erklärung ab, daß, nachdem feststehe, daß die beiden Flügelparteien den Gesekentwurf über die Fürstenabfindung ablehnen würden, die Reichsregierung ihren Gesezentwurf zurückziehe. Damit war die Weiter beratung dieser Vorlage erledigt und der Reichstag wandte sich dann dem Rest der Tagesordnung zu. Der Reichstag vertagte sich in später Nachtstunde bis zum 3. November. Der Reichstag ist nicht aufgelöst worden. Er ist in die Sommerferien gegangen, die bis zum 3. November dauern sollen. Die Fürstenvorlage ist nicht angenommen, nicht einmal in dritter Lesung zu Ende beraten worden. Die Regierung hat die Fürstenvorlage zurüdgezogen. Die Reichsregierung ist nicht zurückges treten. Sie hat sich durch einen Brief des Reichs: präsidenten einen amtlichen Brief diesmal be wegen lassen, von einer Demission Abstand zu nehmen. Der Reichstag geht in die Sommerferien. Das Ergebnis ist: die Fürstenfrage ist nicht gelöst. Aber ein Blod von den Demokraten bis zu den Deutschnationalen hat die Bülow 3ollsätze ab 1. August an die Stelle der bisher geltenden niedrigen Zollsäge gesetzt. In der Zeit der Massennot und Massenarbeitslosigkeit. Nach dieser negativen und dieser positiven Leistung geht der Reichstag in die Sommerferien. Bis zum 3. November. Und die Regierung Marx bleibt und wartet auf eine durch Aenderung der politischen Lage herbeigeführte Aenderung der parlamentarischen Voraussetzungen. * Der Verlauf der dritten Lesung der Fürstenvorlage bot feine leberraschungen mehr. Genosse Wels begründete in scharfer, würdiger Form die ablehnende Haltung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion: Borgeschichte des Volksentscheids, Versagen des Parlaments, Volksentscheid, Bersagen der Mittelparteien im Parlament. Das in der Erklärung des Zentrums vor dem Volksentscheid gegebene Versprechen ist nicht eingelöst worden. Eine andere parlamentarische Lösung fann nur von einem neuen Reichstag gefunden werden, darum Annahme des Sperrgesetzes, Auflösung des Reichstages. Nach Wels Graf West ar p. Seine Rede enthielt ein Angebot der Deutschnationalen an die Mittelparteien, mit ihnen gemeinsam die Fürstenvorlage zu verabschieden. Selbst verständlich erst dann, wenn sie durch deutschnationale Anträge noch weiter denaturiert worden wäre. Nach Westarp erhob sich der Reichskanzler Marg. Die Regierung sei zur Auflösung entschlossen gewesen, wenn eine der Flügelparteien das Gesetz zu Fall gebracht hätte. Da aber beide Flügelparteien gegen das Gesetz stimmen würden, werde sie nicht auflösen. Sie ziehe das Gesetz zurüd. Sie werde nicht zurücktreten, da der Reichspräsident gebeten habe, von einer Demission abzusehen. Dann wurde das Sperrgesetz mit verfassungsändernder Mehrheit angenommen. Die Konsequenzen der Regierung Marg, mit denen der Reichsinnenminister Külz in der zweiten Lesung gedroht hatte, waren feine Konsequenzen. Es waren verhinderte Konsequenzen. Berhindert dadurch, daß die Minderheit gegen die Regierungsvorlage, auf die die Regierung gefaßt war, zu einer Mehrheit geworden war. Eigenartiger Grund, eine Regierung an der Ziehung von Konsequenzen zu verhindern! Konsequenz ist überhaupt nicht die Stärke der Regierung. Gestern hat der Reichskanzler erklärt, die Regierung werde das Sperrgesetz zurückziehen. Heute hat sie es annehmen laffen. Konsequenz ist auch nicht zu finden, menn man die Erflärung des Reichskanzlers und den Brief des Reichspräsi denten zusammenhält. Der Reichstanzler erflärt, die Regierung war zur Auflösung entschlossen, wenn eine der Flügelparteien die Annahme des Gesezes verhindert hätte. Der Reichspräsident schreibt: er könne sich zurzeit zu einer Auflösung des Reichstags aus innen- wie außenpolitischen| katastrophaler Weise überhört hat. Aber haben nicht schon Gründen nicht entschließen. Wir nehmen wohl mit Recht an, daß die außenpolitischen Gründe des Herrn Reichs präsidenten sich nicht geändert haben würden, wenn die Sozialdemokraten mit Ja gestimmt hätten, die Vorlage aber am Nein der Deutschnationalen gescheitert wäre. Die Regierung Mary wäre wahrscheinlich auch in diesem Falle die Regierung der verhinderten Konsequenzen gewesen. Die einzige Konsequenz, die die Regierung Marr aus dem Scheitern der Fürstenvorlage in Wahrheit zieht, ist, daß sie bleibt. Ihre Sonne geht nicht unter, obgleich sie sich schon dem Horizont zu neigte. Wir leben ja auch in den sommer lichen Tagen, an denen im hohen Norden die Mitternachtsjonne strahlt. Sie neigt sich, sie berührt den Horizont, dann aber steigt sie wieder in alter Bracht empor. Sie wird glänzen, solange die sommerlichen Ferien des Reichstags andauern, den die verhinderten Konsequenzen der Regierung Marr vor der Auflösung gerettet haben. Aber: ,, Scheint die Sonne noch so schön, Einmal muß fie untergehn." Die ablehnende Haltung der sozialdemokratischen Reichs tagsfraktion hat bei der Demokratischen Partei und beim Bentrum heftige, erbitterte Angriffe hervorgerufen. Aus druck dieser Stimmung sind die Aeußerungen der Zentrumns preffe sowie offizielle Erklärungen der demokratischen Frak tion und Parteileitung. Die Germania" versichert, man hätte die Wünsche der Sozialdemokratie in der 30llfr age nicht über hören fönnen. wenn sie in der Fürstenfrage mit Ja gestimmt hätte. Wir wollen nicht darauf verweisen, daß man die Wünsche der Sozialdemokratie in der Fürstenfrage in Britischer Regierungswortbruch. Kampfaufruf der Gewerkschaften. London, 2. Juli.( WTB.) Der Generairat der englischen Gewerkschaften hat an alle ihm angeschloffenen Berbände einen Aufruf gerichtet, in dem er die Organisation eines planmäßigen Widerstandes gegen die„ reaktionäre gewertschaftsfeindliche Politik der Regierung" fordert. Der Aufruf verurteilt mit großer Schärfe die Regierungsvorschläge in der Bergbaufrage, die ein vollständiges Berlaffen der Grundfähe des Abkommens darstellten, auf das hin der Generalftreit abgebrochen worden sei. Ferner wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Einigkeit zu wahren und sich zu bemühen, die Bergarbeiter mit Geldmittel zu unterstützen. Der Ausnahmezustand bleibt bestehen. London, 2. Juli.( WTB.) Im Unterhaus wurde heute die Verlängerung der der Regierung für den Ausnahmezustand erteilten außerordentlichen Bollmachten beraten. Ein Antrag der Arbeiter partei, in dem die Politik der Regierung als Hindernis für die Wiederherstellung des Friedens im Kohlenbergbau und als Bedrohung der öffentlichen Ordnung verurteilt wird, wurde mit 256 gegen. 95 Stimmen abgelehnt. Der Arbeitervertreter Clynes erklärte bei der Einbringung dieses Antrages, die Regierung habe fich gänzlich auf die Seite der Berg merts befizer gestellt. Die Politik der Regierung habe Hun derttausende von Bergarbeitern zur Entbehrung verurteilt, um sie zur Wiederaufnahme der Arbeit zu zwingen. Schatzfanzler Church i ll erwiderte, die Regierung habe die Vorschläge der Kohlenkommission bis auf zwei sämtlich zur Durchführung gebracht. Wenn der Gefeßentwurf angenommen sei und die Bergwerksbesitzer die Lohnfäße, die sie zu zahlen bereit seien, bekanntgegeben hätten, würde sich vielleicht die Möglichkeit zu neuen Berhandlungen bieten. " vor der Beschlußfassung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion die Regierungsparteien einschließlich des Zentrums das Zollkompromiß auf der Grundlage der BülowTarife gesucht? Sieht die Germania" nicht, daß es sich bei der Erhöhung der bisher geltenden niedrigen Zollsäge nicht um Nichtberücksichtigung parteipolitischer Wünsche der Sozialdemokratie handelt, sondern um Bruch eines Versprechens, das das Zentrum seinerzeit seinen eigenen Parteiangehörigen, den Mitgliedern der christlichen Gewerkschaften gegeben hat? Letzten Endes um eine neue Belastung der unter schwerer Not leidenden Massen? Ist die Haltung der Sozialdemokratie in der Fürstenfrage eine Entschuldigung für diese handelspolitische Schwenkung? Die demokratische Reichstagsfraktion teilt offiziell ihre große Verstimmung" mit. Die demokra= tische Parteileitung veröffentlicht eine Erklärung, deren wesentlichster Punkt darin besteht, daß sie der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion die Verantwortung dafür zuschiebt, daß sich die Kluft zwischen der Sozialdemokratie und den anderen republikanischen Parteien zu vertiefen drohe. War die Verweigerung berechtigter sachlicher Anträge der Sozialdemokratie bei der Fürstenvorlage ein Bindemittel? 3st es die Zustimmung der demokratischen Reichstagsfraktion zum neuen Zollkompromiß, die Ablehnung des sozialdemo= fratischen Bollantrags, um dessen Inhalt sie einst mit uns gefämpft hat, und für den gestern drei demokratische Reichstagsabgeordnete troz des Zollkompromisses stimmten? Angesichts der Haltung der Demokraten zur Zollfrage wirkt diese Proklamation gegen die Sozialdemokratie peinlich. Sie wirkt wie ein Ablenkungs- und Entschuldigungsversuch. Fördert es die Zusammenarbeit der republikanischen Barteien, wenn unter dem Vorwand der Verärgerung von den Demokraten sachliche Politik gegen die Interessen der arbeitenden und leidenden Massen für die Interessen der Schußzzoll interessenten getrieben wird? Die Berärgerung der Mittelparteien über die Haltung der Sozialdemokratie in der Fürstenfrage ist wahrhaftig kein zu reichender Ersatz für das fehlende Mandat dieses Reichstags in der Zollfrage, und der Verdacht, daß die Verärgerung willfommenen Vorwand zur zollpolitischen Schwenkung bietet, ist fein Bindemittel für Sozialdemokratie und Mittelparteien. Sie sollten ihre Ueberlegungen auf dies Gebiet konzentrieren, statt leidenschaftliche Proklamationen gegen die Sozialdemokratie zu erlassen. Der Brief des Reichspräsidenten. Der Reichspräsident hat gestern an den Reichskanzler folgendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Ich höre, daß das Kabinett angesichts des zu erwartenden Scheiterns der Gesetzesvorlage über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den Fürstenhäusern, über die Frage der Auflösung des Reichstages und die des Rücktritts der Reichsregierung berät. Ich möchte Ihnen hierzu meine Auffassung dahin kundtun, daß ich mich zu einer Auflösung des Reichstages aus innen mie außenpolitischen Gründen zurzeit nicht entschließen könnte. und daß ich aus denselben Gründen auch einen Rücktritt der Reichsregierung für untunlich erachte. Ich bitte Sie, Herr Reichskanzler, wie die anderen Herren der Reichsregierung daher, von dem Gedanken einer De mission Abstand zu nehmen. Mit der Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung bin ich Ihr sehr ergebener gez. v. Hindenburg." # Schon lange vor Beginn der zuerst auf 1 Uhr festgesetzten Sigung des Reichstags, die die Entscheidung über das Fürstenabfindungsgesetz bringen soll, suchen zahllose Personen Einlaß in das Haus zu finden, ein Beweis dafür, wie tief diese Frage die Massen Das Oberhaus hat das Gesetz über die Arbeitszeit im Bergbau des Volkes aufwühlt. Die Sigung wird wegen der Regierungsverangenommen. Besprechung Baldwin- Henderson- Macdonald. London, 2. Juli.( WTB.) Im Zusammenhang mit Baldwins Schlußbemerkung in feiner gestrigen Erflärung im Unterhaus zur Rohlenfrage hatten die Führer der Arbeiterpartei, Macdonald und Henderson, eine Besprechung mit Baldwin, jedoch ist ein greifbares Ergebnis bis jezt nicht zu verzeichnen. handlungen um zwei Stunden vertagt. Als Reichstagspräsident öbe gegen 3% Uhr die Verhandlungen eröffnet, ist das Haus außerordentlich stark befeßt. Die Fraktionen find fast vollzählig vertreten. Auf der Regierungsbank haben der Reichsfanzler, der Außenminister Dr. Stresemann, der Innenminister Külz und die anderen Mitglieder des Rabinetts Platz genommen. Die Tribünen sind überfüllt, in der Diplomatenloge ficht man Bertreter der ausländischen Staaten. Mach Erledigung einiger geſchäftlicher Formalitäten beginnt das Senatspräsident Großmann ausgeschlossen. noch auf die heutige Tagesordnung geſetzt werden folle. Da aus dem Haus fofort die Beratung des wichtigsten Gegenstandes der Tagesordnung: Dritte Beratung des Gefehentwurfs über die vermögensrechtlichen Auseinandersetzungen mit den vormals regierenden Fürstenhäusern. Hause widersprochen wird, wird der Mißtrauensantrag heute Kein Platz für Republikaner im Preußischen Richter nicht mehr verhandelt. Nunmehr folgt die dritte Beratung des Gesezentwurfs über die Aussehung von Verfahren, das berein. Sperrgeseh Die Berliner Ortsgruppe des Preußischen Richtervereins hat in ihrer gestrigen Mitgliederversammlung den Führer des RepublikaPräsident ö be fchlägt vor, in der allgemeinen Aussprache nischen Richterbundes, Kammergerichtsfenatspräsident Dr. Groß wonach die Auseinandersetzungen und Prozesse mit den vormals mann ausgeschlossen. Der Ausschluß wurde damit begründet, daß regierenden Fürstenhäusern bis zum 31. Dezember 1926 ausgesetzt die Redezeit für jede Fraktion auf eine Stunde festzusetzen, in der Spezialberatung soll der Gefeßzentwurf in zwei Gruppen ge- Großmann durch seine Forderung, daß die Richter mehr den Geiſt werden sollen. Das Wort dazu wird nicht verlangt. In namentteilt werden, für jede Gruppe eine Redezeit von 4 Stunde. der Weimarer Verfassung in sich aufnehmen mögen, und durch seine licher Abstimmung erklären sich von 447 anwesenden Abgeordneten Abg. Stoeder( Komm.) beantragt die Redezeit in der allgemeinen Kritik an den republikfeindlichen Tendenzurteilen in politischen Pro- 333 für ja, 17 für nein, 97 haben sich der Stimme enthalten. Aussprache auf eine Stunde zu bemessen. Dieser Antrag erregt all- geffen sich vereins widrig" betätigt habe. Präsident Löbe stellt fest, daß damit das Gesetz die verfassungsgemeine Heiterfeit, da es bekannt ist, daß sich die großen Parteien, mäßig vorgesehene Zweidrittelmehrheit erhalten habe. da die Entscheidung durch den Beschluß der sozialdemokratischen Frat tion schon längst gefallen ist, auf formulierte Erklärungen beschränken wollen. Der fommunistische Antrag wird dann auch gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion: Der Präsident erteilt sofort dem Vertreter der stärksten Fraktion des Hauses, der sozialdemokratifchen, das Wort. Abg. Wels( Soz.): Im Auftrage der sozialdemokratischen Fraktion habe ich folgende Erklärung abzugeben: Die sozialdemokratische Fraktion war in der Frage der Fürstenabfindung jederzeit auf das eifrigste bestrebt, eine Lösung zu finden, die dem allgemeinen Empfinden und der Notlage des deutschen Voltes Rechnung trägt. Am 4. Mai 1923 haben wir Sozialdemokraten mit dem Antrag Müller- Franken den Versuch gemacht, eine Regelung der Abfindungsfrage durch die Landesgesetzgebung herbeizuführen. Wir fanden damals nicht die genügende Unterstützung der bürgerlichen Parteien. Im Frühjahr dieses Jahres erlebte der Antrag Müller- Franken in seinem wesentlichen Inhalte eine Auferstehung im Antrage Koch Wejer. Auch diesem Antrag blieb der Erfolg versagt. Eine Welle ungeheurer Empörung ging infolge des unerhörlen Berhaltens der Fürsten durch das Volk. Das durch den verlorenen Krieg und die Revolution neu geschaffene Recht wurde in Prozessen der Fürsten, insbesondere der Hohen= zollern, gegen das deutsche Volk durch eine vorrevolutionäre Gesetzgebung und Rechtsprechung beseitigt. So wurde der Gesetzentwurf geboren, der dem Volksbegehren zugrunde lag. Zwölfeinhalb Millionen deutscher Männer und Frauen forderten durch ihre Unterschrift im Boltsbegehren, daß der Gesezentwurf Gesetz werde. Dafür wurden sie in dem Kampf um den Volksentscheid als Diebe und Räuber beschimpft. Der Reichspräsident wurde in den Streit hineingezogen und nahm gegen Millionen deutscher Staatsbürger Stellung. Man behauptete, die Grundlagen des Rechtsstaates würden erschüttert, wenn das Enteignungsgesetz gegen die Fürsten angenommen würde. Die Millionen der Sparkassen, hypotheken- und Anleihegläubiger, die nach den Bestimmungen des sogenannten Aufwertungsgesetzes behandelt wurden und sich zum Bolksentscheid befannten, wurden als Leute bezeichnet, die für Recht und Moral fein Berständnis hätten. Trotz alledem haben 14% Millionen deutscher Wähler und Wählerinnen sich beim Bolksentscheid zu einer Gesetzgebung bekannt, wie sie auch in Deutsch österreich 1919 mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien, insbesondere der christ lich sozialen Bruderpartei des Zentrums, beschlossen wurde. gegen die Habsburger Unerhörter Terror machte Millionen von deutschen Staatsbürgern die Beteiligung am, Bollsentscheid unmöglich. Zu der Ungleichheit in der Behand lung der Sparer und Fürsten trat die brutale Gewalt, die den wirtschaftlich abhängigen Teil des Boltes dem politischen Willen einer errenta fte unterwarf. Dadurch wurden in Wahrheit die Grundlagen des heutigen Staates bedroht und der Grundjaz der Verfassung, daß die Staatsgewalt vom Bolfe ausgeht, zunichte gemacht. Wir fordern den Schuß der politischen Rechte des Voltes, den Schutz der wirtschaftlich Schwachen zur Ausübung ihrer Staatsbürgerrechte. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat, als der Volksentscheid nicht die verlangte Mehrheit brachte, dem Reichstage die Arbeit für eine befriedigende Lösung der das ganze Volt tief bewegenden Frage wieder aufgenommen. Sie fonnte sich dabei auf eine Erklärung stüzen, die am 10. Juni in der 21. Sigung des Reichstages, zehn Tage vor dem Boltsentscheid, namens der Regierungsparteien vom Herrn Abgeordneten von Guérard abgegeben wurde. In dieser Erklärung hieß es:" Angesichts der Tatsache, daß im Land befürchtet wird, im Falle der Ablehnung des Boltsentscheids werde jede reichsgefeß liche Regelung scheitern, wollen die Regierungsparteien feinen Zweifel darüber lassen, daß sie den Erlaß eines der Auseinander fehung zwischen den beteiligten Ländern und den Fürffenhäusern regelnden Gefehes für unbedingt notwendig erachten. Sie erklären mit nachdrücklichstem Ernst, daß sie alles daran sehen werden, den vorliegenden Gefehentwurf in allen wesentlichen Bestandteilen zur Annahme zu bringen. In ihm soll ein Gefeß geschaffen werden, das der veränder. ten staatsrechtlichen Stellung der Fürstenhäuser entspricht. Das Gesez wird den Fürsten nur das Vermögen belassen, welches sie als unzweifelhaftes Privateigentum erworben. Den Folgen des verlorenen Krieges, der Verarmung des Volkes und der gesamten Vermögensiage der Fürsten wird ausreichend Rechnung getragen. Den Ländern soll zugeteilt werden, worauf sie aus Gründen der Kultur oder der Bolksgesundheit Anspruch haben." Kirche und Staat. Eine sächsische Gesetzesvorlage. Dresden, 2. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die sächsische Regierung hat dem Landtag einen Gesetzentwurf zugeleitet, durch den das Berhältnis des Staates zu allen öffentlich- rechtlichen Gesellschaften, vor allem also zu den Religionsgesell schaften, eine Regelung erfahren soll. Diesen Gesellschaften soll find für die Wahrnehmung der Befugnisse des Staates beſtimmte Bedie Befugnis öffentlicher Behörden zugestanden werden. Daneben hörden vorgesehen. Gegen Entscheidungen der Staatsbehörden steht den Religionsgesellschaften Berufung bei dem Oberverwal tungsgericht zu. In der Begründung des Gesetzes wird hervorgehoben, daß in Sachsen auf Grund der Bestimmungen der Reichsverfassung die Trennung von Kirche und Staat durchgeführt werden foll, allerdings unter Beibehaltung der Aufsicht des Staates über die Kirchen. Das Verlangen der katholischen Kirche, das Gesetz nicht ohne Kenntnis und Mitwirkung des Papstes zu erlassen, hat die fächsische Regierung abgelehnt. Es folgt die Beratung des Berichts des Wohnungsausschusses über eine Menderung des Reichsmietengefehes. Der Ausschuß beantragt als§13a folgende Bestimmung einzufügen: ,, Sind an einem Gebäude oder Gebäudeteile nach dem 1. Juli 1926 mit Zustimmung des Mieters oder der Mehrheit der beteiligten Mieter bauliche Veränderungen vorgenommen, die den Gebrauchswert erhöhen und nicht als Instandjegungsarbeiten anzusehen sind und ist die Friedensmiete nach § 2 Abs. 4 Satz 2 nicht erhöht worden, so kann der Vermieter Die zur angemessenen Berzinsung und Tilgung des 3 wed. mäßig aufgewandten angemessenen Kapitals erforderlichen Beträge nach dem Verhältnis der Friedensmieten auf die Mieter umlegen, für die der Gebrauchs= wert der gemieteten Räume erhöht wird( Zusatzmiete). Wird der Gebrauchswert in verschiedenem Umfange erhöht, so hat die Umlegung nach dem Berhältnis der Er höhung zu erfolgen. Im Streitfall entscheidet das Mieteinigungsamt." Die Vorlage wird nach furzer Aussprache in zweiter und dritter Beratung angenommen. Abg. Dr. Schreiber( 3.) begründet dann einen von allen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten und Bölkischen eingebrachten Antrag, der die Einsehung eines angemessenen Betrages in den Nachdamit das Bolt durch eine neue, seinem Willen entsprechende Ber- tragshaushalt 1926 zur Förderung der beabsichtigten tretung die Frage der Vermögensauseinandersetzung mit den einſt regierenden Fürstenfamilien zu einer das Rechtsgefühl befriedigenden Löfung führen kann und den durch die geplanten 3oilerhöhungen beabsichtigten neuen Angriff auf die Lebenshaltung des schwer leidenden Volkes zurückschlagen kann. bei den besonders marfanten Stellen lebhafte Zustimmung Die außerordentlich eindrucksvoll vorgetragene Erklärung erhielt der Sozialdemokraten. Einige Male famen von rechts lärmende Zurufe, die aber die Wirkung der Erklärung nur noch unterstrichen. Unter stürmischem Beifall der Sozialdemokraten hatte der Redner die Erklärung beendet. Abg. Graf Westarp( Dnatl.) wird von den Kommunisten mit Zurufen wie Fürstentnecht usw. begrüßt. Präsident Löbe ruft zwei kommunistische Abgeord nete zur Ordnung. Der Redner erklärt, die Auseinandersetzung mit den Fürsten sei eine privatrechtliche Frage, die in den meisten Ländern durch Vergleiche befriedigend gelöst fei. Das Hohen zollernhaus habe das weitestgehende Entgegentommen gezeigt.( Lautes Gelächter links. Abg. Sollmann[ S03] ruft: fordert. der Reichskunstwoche Der Antrag wird einstimmig angenommen. Zu verschiedenen Anträgen zugunsten der älteren, vor allem erwerbslosen Angestellten, lungen der Abg. Aufhäuser( S03) berichtet, Entschließungen legt der Sozialpolitische Ausschuß, über dessen Verhand vor, in denen die Regierung um die Durchführung folgender Maßnahmen ersucht wird: Höchstzahlung für die Lehrlingshaltung im Handelsgewerbe festzuseßen, Umschulungen der erwerbslosen Ange stellten in die Wege zu leiten, Maßnahmen zu treffen, um die erwerbslosen Angestellten vor dem Verlust der Versicherungsanwartschaft zu schützen, das Kündigungsrecht der älteren Angestellten zu verbessern und die Mißstände auf dem prüft werden, ob eine Anmeldepflicht der freiwerdenden Gebiet der Chiffre Anzeigen zu beseitigen. Stellen den Arbeitgebern auferlegt werden fann und ob die Be Weiter soll getriebe zur Einstellung einer gewissen Zahl älterer Angestellten werpflichtet werden können. recher Junker!" Er wird dafür zur Ordnung gerufen.) Der ganze häßliche Streit der letzten Zeit wäre vermieden worden, wenn die preußische Regierung und die preußischen Regierungsparteien gierung über die Erhöhung der Kündigungsfrist für ältere An In Berbindung damit wird der Gesezentwurf der Rea zu ihrem Wort gestanden hätten.( Unruhe links) Die Demogeftelite beratene Die Borlage enthält für Angestellte über 40 Jahre widlung der Dinge eingegriffen fraten hätten mit ihrem Antrag trend in die ruhige felgende Bestimmungen: wicklung der Dinge eingegriffen. Dieser Eingriff habe schließlich zum Bolfsentscheid geführt, der geradezu den Weg zum Bolschewismus eröffnete. ( Hu!-Hu!-Rufe links.) Die deutschnationale Fraktion habe unter zurückstellung grundsäglicher Bedenken an den Abfindungsgesehentwurf positiv mitgearbeitet, aber alle ihre Verbesserungsanträge feien abgelehnt worden. Die Deutschnationalen seten auch jeht bereit, zufammen mit den Regierungsparteien eine Löfung zu fchaffen in der Weise, daß die noch nicht erledigten Auseinandersehungsfragen von einem Sondergericht in freier und nicht durch das Gesetz bestimmter Rechtsfindung entschieden werden. So fönnte mit ein= facher Mehrheit ein Gesetz angenommen werden, aus dem jene Bestimmungen entfernt sind, die den Verfassungsgrundfäßen von Eigentum und Rechtsgleichheit widersprechen. Nachdem die Regierungsparteien auch diesen Vorschlag abgelehnt haben, bleibe der deutschnationalen Fraktion nur die Ablehnung der Vorlage übrig. Der monarchische Gedanke werde im Volt nalen. Pfeifen und Zischen links.) nicht untergehen.( Lebhafter Beifall bei den DeutschnatioNunmehr nimmt das Wort Reichskanzler Dr. Marx: Wer als Arbeitgeber in der Regel mehr als fünf Angestellte beschäftigt, darf einem älteren Angestellten, den er mindestens fünf Jahre ununterbrochen beschäftigt hat, nur mit mindestens drei Monaten Frist für einen Monats. schluß fündigen. Erhält der Angestellte eine Abgangsentschädigung und erreicht diese den zuletzt maßgebenden Monatsgehalt, so ist die Kündigungsfrist mindestens zwei Monate; erreicht fie den eineinhalbfachen Monatsgehalt, so ist die Frist mindestens sechs Wochen; erreicht sie den doppelten Monatsgehalt, so ist die Frist mindestens ein Menat. Unberührt bleiben die Bestimmungen über fristlose Kündigung. Unberührt bleibt auch eine gefeßliche oder vertragsmäßige Regelung, wenn sie im Einzelfalle für den Angestellten günsti ger ift. einem früheren Stadium der Verhandlungen entstamme Reichsarbeitsminister Dr. Brauns ertlärt, daß der Gesetzentwurf und vom Reichswirtschaftsrat einstimmig gebilligt worden sei. Die Reichsregierung sei zu allen Maßnahmen bereit, die geeignet feien, die Notlage der älteren Angestellten zu mildern. Die Ueberspannung dieser Maßnahmen könne aber leicht in das Gegenteil umschlagen und den älteren Angestellten schaden. Die Gleichstellung der älteren Angestellten mit den Mitgliedern der Betriebsvertretungen sei nicht durchführbar, ebenso stehe es mit der Frage des Einstellungszwanges. Abg. Aufhäuser( Soz.) weist darauf hin, daß der Unterausschuß des Sozialpolitischen Ausschusses einstimmig zu den heute vorliegenden Beschlüssen gekommen sei, weil der heutige Zustand auf dem Stellenmarkt etwas ganz anormales darstelle. Da nach den Darlegungen der beiden Herren Borrebner namens der beiden Flügelparteien feststeht, daß die beiden genannten Bar. teien das Gesetz in der Schlußabstimmung ablehnen werden, habe ich namens der Reichsregierung folgende Erklärung abzugeben: Die Regierung fieht sich zu ihrem lebhaften Bedauern ber Tatfache gegenüber, daß der Reichstag bisher nicht im stande gewesen ist, die außerordentlich wichtige und das Bolk in allen seinen Teilen aufregende Frage der Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den ehemaligen Fürstengeschlechtern gesetzgeberisch zu lösen. Sie erwartete auf das bestimmteste, daß der vorliegende EntDie sozialdemokratische Reichstagsfraktion muß heute feft- wurf aus den in ihm liegenden gewichtigen sachlichen Gründen doch stellen, daß schließlich mit 3meidrittelmehrheit Gesez werden würde. Falls diese Erwartung infolge des Verhaltens nur einer der Flügelparteten sich nicht erfüllt hätte, hätte das Kabinett einstimmig beschlossen, vom Herrn Reichspräsidenten die Auflösung des Reichstags zu ernehmern nur dazu benutzt, um einen Druck auf die Löhne bitten. Nachdem aber beide Flügelparielen gegen die Annahme des Gefehentwurfs geftimmt haben, fann eine Auflösung des Reichstags keine klärung bringen. dieses vor dem Bolfsentscheid abgegebene Versprechen nicht eingelöft Das Rabinett hat ferner die Frage der Demission eingehend erörtert und war zu dem Entschluß gekommen, dem Herrn Reichspräsidenten die Aemter zur Verfügung zu stellen. Von diesem Entschluß hat die Reichsregierung mit Rücksicht auf den ihr zugegangenen dringenden Wunsch des Herrn Reichspräsidenten Abstand genommen, der aus innen- wie außenpolitischen Gründen einen Rücktritt der Reichsregierung für untunlich erachtet. Die Reichsregierung fann ihrerseits die Initiative zur Regelung der Frage im Wege der ordentlichen Gefeßgebung nur dann wieder ergreifen, wenn die politische Lage die parlamentarischen Vor auslegungen dafür schafft.( Bewegung im Hause; von links wird gerufen: Auflösung!") worden ist. Die Regierungsparteien haben unter dem Druck ihres rechten Flügels fast allen Befferungsanträgen der sozialdemokratischen Fraktion, die in der Richtung der von Herrn Guérard abgegebenen Erklärung gestellt waren, ihre Zustimmung verweigert. Sie haben es insbesondere abgelehnt, die Auseinandersehung un= mittelbar durch Gefeß zu regeln, die Entscheidung viel mehr einem Gericht übertragen. Sie haben abgelehnt, die Richter des Sondergerichtes durch den Reichstag wählen zu lassen. Sie haben abgelehnt, dem Gesez rückwirkende Kraft zu geben. Sie haben abgelehnt, bei der Trennung von Fürsten- und Staatseigentum dem Volt günstigere Grenzen festzulegen und haben unseren Antrag abgelehnt, Aufwertungen des Fürstenvermögens bis zu 1450 Prozent, wie sie vorgekommen sind, unbedingt auszuschließen. Aus diesen zwingenden Gründen lehnt die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Zustimmung zu dem Gefeße ab. Das Scheitern der Vorlage in diesem Stadium entbindet die Regierung und die Regierungsparteien nicht von ihren feierlich gegebenen Zusagen. Eine andere Lösung ist notwendig. Diese andere Lösung kann nach dem vollständigen Bersagen dieses abgesetzt. Reichstages nur von einem neuen Reichstag geschaffen werden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion fordert baher bie sofortige Berlängerung bes Sperrgejeges Auflösung des Reichstages, und die Die Reichsregierung zieht deshalb den Gesetzentwurf zurüd. Präsident Löbe erklärt, daß nach der Geschäftsordnung die Weiterberatung des Gesezentwurfs nicht mehr angängig sei, dieser Punkt werde von der Tagesordnung Abg. Stoeder( Komm.) nimmt zur Tagesordnung das Wort, unter allgemeiner Unruhe bespricht er aber die politische Lage. ordnung zu sprechen. endlich verlieft er einen Antrag ,, wonach Er wird wiederholt vom Präsidenten aufgefordert, zur Tagesein von der kommunistischen Fraktion eingebrachter Mißtrauens antrag Bon den älteren Angestellten über 40 Jahre sind nahezu 30 Proz. stellenlos. Dieser Zustand ist nicht allein aus der allgemeinen Wirtschaftsfrise zu erklären, auch nicht aus der Rationalisierung der Betriebe. Die Wirtschaftskrise wird in Wirklichkeit von den Unterund Gehälter auszuüben. Man baut die älteren Angestellten ab, dentt aber nicht daran, diesen Abbau auch bei den Direktoren und Prokurist en verzunehmen. Bei der Firma Orenstein und Koppel, Berlin, ist seit Ende 1923 die Zahl der Angestellten von 1625 auf 700 herabgesetzt worden, also über 50 Proz. der Angestellten wurden abgebaut.( hört, hört! bei den Soz.) Dagegen find bei dieser Firma die 16 Prokuristen heute noch genau jo wie 1923 in Stellung. Der Unterausschuß und der Vollausschuß sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß die von ihm gefaßten Beschlüsse für die Wirtschaft durchaus tragbar sind, und daß gegenüber dem rigorosen Vorgehen der Unternehmer ein gefeßliches Eingreifen notwendig ist. Die sozialdemokratische Fraktion kann die Bestimmungen des Entwurfs, nicht für ausreichend ansehen, sie beantragt deshalb einige Aenderungen, besonders in Bezug auf die Kündigungsfristen. Wir haben eine Reihe von Vorschlägen in unserem Antrage wiederholt, die im Unterausschuß angenommen Schuß für die erwerbslosen älteren Arbeiter, denn was für worden sind. Wir verlangen in Verbindung damit aber auch einen die Angestellten heute gesagt wird, das gilt für die älteren Arbeiter ebenso.( 3uruf rechts: Sorgen Sie für Arbeit.) Sorgen Sie ( nach rechts) dafür, daß eine vernünftige Wirtschaftspolitif getrieben wird, dann werden die Betriebe auch Arbeit demokratische Fraktion im Herbst mit aller Energie daran gehen und Abjaz haben. Der Redner betont zum Schluß, daß die sozialwird, auch für die erwerbslofen älteren Arbeiter einen erhöhten Schutz durchzusehen, Die Regierungsvorlage wird schließlich unfer Ablehnung der fozialdemokratischen Anträge und der Annahme einiger geringerer Verbesserungsanträge der Regierungsparteien angenommen. Darauf wird die Verlängerung des Gefeßes über die Einstellung des Personalabbaues und Aenderung der Personalabbauverordnung bis zum Ende dieses Jahres beschlossen. Ein Antrag der Völlischen zur Aenderung der Verfassung, der die Verhinderung von Boltsbegehren unmöglich machen soll, wird dem Rechtsausschuß überwiesen. Ablehnung. Ein Antrag der völkischen Fraktion, wonach unter Aenderung der Reichsverfassung der Staatsgerichtshof auch über Beschwerden von Einzelpersonen gegen Behörden entscheiden soll, wird abgelehnt. Auch ein sozialdemokratischer Abänderungsantrag, wonach das Verbot oder die Auflösung einer VersammIung im Wege des Verwaltungsstreitverfahrens angefochten werden fann, verfällt nach Begründung des Abg. Rosenfeld( Soz.) der Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die vorläufige Anwendung von Wirtschaftsabkommen. Die Regierung wird dadurch ermächtigt, Wirtschaftsabkommen mit ausländischen Staaten bei dringendem wirtschaftlichen Bedürfnis vorläufig, jedoch höchstens für drei Monate, abzuschließen. Die Vorlage wird in zweiter und dritter Beratung angenommen. Weiter werden ohne Debatte in zweiteru und dritter Beratung angenommen: Das Gesez zur Aufhebung der bisherigen Anstellungsbedingungen der Schußpolizei, ein Antrag auf Nachprüfung der Tarifpolitik der Reichsbahn, und der Antrag des Geschäftsordnungsausschusses, wonach die Genehmigung zur Berhaftung der fommunistischen Ab geordneten Heckert, Hörnle, Koenen, Pfeiffer, Remmele und Stoeder nicht erteilt wird. Um 7% Uhr wird die Sitzung geschlossen und eine neue Sigung auf 8 Uhr abeds an beraumt. Der Kampf um die Zölle. Präsident Löbe eröffnete die neue Sigung um 8% Uhr mit der bedauerlichen Mitteilung, daß der Abgeordnete Schurig( Dem.) durch einen Straßenbahnunfall am Potsdamer Plaz lebensgefährlich verlegt sei. Der Präsident knüpft daran den Wunsch, daß bald eine Genesung erfolgen möge. Abg. Neubauer( Komm.) beschwert sich darüber, daß das kom= munistische Mißtrauensvotum gegen die Regierung nicht auf die Tagesordnung gesetzt sei, und beantragt, dies nachträglich zu tun. Der Abg. Schulk- Bromberg( Dnat.) erhebt dagegen Widerspruch. ( Ruf bei den Kommunisten: Unerhörter Borgang! Wir sollen mundtot gemacht werden. Lärm.) Infolge des Widerspruchs fann der Antrag nicht auf die Tagesordnung gefeßt werden. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des Gefehentwurfs über Zolländerungen. Berbunden wird damit die dritte Beratung des deutsch däni. schen Bertrages und die zweite Lejung des deutsch- schwe. dischen Handelsvertrages, sowie die zweite Beratung der Vorlage betreffend vorübergehende Bewertung von Einfuhrscheinen. Zum Gesetz über Zolländerungen schlägt der Ausschuß vor, die Lebensmittelzölle vom 1. August an bis 31. Dezember dieses Jahres wie folgt festzusetzen: Roggen, Weizen und Spelz 5 M., Futtergerste 2 M., Hafer 5 M., Mais und Dari 3,20 m., frisches Fleisch 21 m., Schweinefped 14 m., Schmalz und schmalzartige Fette 14 M.; außerdem soll für Fette zur Margarineherstellung ein Zoll von 1,25 m. erhoben werden. Abg. Hoernle( Romm.) beantragt eine ganze Stunde Redezeit, statt der vorgesehenen halben Stunde. Das Haus beschließt eine halbstündige Redezeit. Abg. Henke( Soz.): sidodo ataiso An der hastigen Erledigung dieser Zollvorlagen haben nur die Großgrundbesiger ein Intereffe, an dem werftätigen Bolte wird aber ein Attentat verübt. Das Zentrum tut so, als handele es sich mit dieser Zollerhöhung um ein Provisorium, das Zentrum will aber diese Belastung des Boltes. Wir haben im Ausschuß die Fortgeltung der jetzigen Zollfäße bis zum Ende dieses Jahres beantragt, der Antrag ist abgelehnt worden, wir bringen ihn deshalb jetzt von neuem ein. Die Demotraten waren früher gegen die hohen Lebensmittelzölle, jetzt machen sie diese Zollpolitik mit, und zwar im Moment der höchsten Not des Volkes. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm. Die Pressevertreter beim ADGB. Genosse Spliedt rollte den ganzen Fragenkompleg an Hand des vom DGB. zusammengestellten Materials noch einmal auf. Die rasch steigende organisatorische und technische Rationalisierung der Produktion legt weitere Arbeitskräfte lahm. Durch Abwanderung der Industrie wird Wohl zum erstenmal seit dem Bestehen der freien Gewerkschaften| über 100 Millionen ist gewiß schwer, allein fie muß getragen werden. hat der ADGB. die Vertreter der Breffe zu einer Konferenz Notwendige Ersparungen müssen an anderen Stellen im Etat gemacht am Freitag nachmittag eingeladen. Der Anlaß dazu ist denn auch werden. Wie ein größerer Teil der Arbeitslosen in Arbeit zwingend. Geht es doch jetzt um die Durchführung des zu bringen ist, das ist im Arbeitsbeschaffungs= Arbeitsbeschaffungsprogramms, um die wirtschafts- programm aufgezeigt. Eine Reihe von Arbeiten, die an sich und staatspolitischen Auswirkungen der chronischen Krise noch recht- feinen Aufschub dulden, sollten nicht länger aufgeschoben werden. zeitig zu begegnen und die Not der Erwerbslosen nach besten Kräften zumal in den nächsten drei, vier Jahren infolge des Gezu mildern. burtenausfalls während der Kriegszeit weniger Arbeitshände verfügbar sind, besonders dann, wenn die Konjunktur sich bis dahin gehoben hat. Auch weniger dringliche notwendige Arbeiten sollten deshalb vergenommen werden. Die Snangriffnahme dieser Arbeiten ist zunächst eine Frage der Finanzierung. Können die Mittel im Inlande nicht aufgebracht werden, müsse zu Aus= landsanleihen gegriffen werden. Geschieht das nicht, bleibt das Programm des Reichstags auf dem Papier. Vorab müßten Staatsarbeiten in die arbeitsarme Zeit gelegt werden. Doch hier bildet der Es gibt im Instanzenzug ein schier unüberwindliches Hindernis ganzen Reich, auch nicht in Preußen, eine Behörde, der die andstraßen unterstehen. Ihre Unterhaltung ist Sache der Provinzen. Nur in Westfalen und Bayern geschieht dazu etwas, im übrigen scheitert alles an den Instanzen. Bei einem Hausbau aus Mitteln der Mietzinssteuer treten 17 Behörden in Aftion. Ein Sfeptifer behauptet, es feien 27 Behörden. Die Durchführung der Rotstandsarbeiten erforder: die das Wirtschaftsleben ganzer Industriebezirke vorab Rheinland- Westfalens, brach gelegt. Die GewerkSchaften müssen mit allen Mitteln an der Hebung der Kauf. fraft, der Konsumtionsfähigkeit der breiten Masse arbeiten, der Lohnfrage gerade jetzt ihre besondere Aufmerksamkeit widmen. Wenn irgendwo die angeblichen Voraussetzungen für eine verbilligte Broduktion von der Arbeiterschaft geschaffen wurden, so in der Textilindustrie, in der die Arbeitszeit auf 9% und Tertilindustrie, in der die Arbeitszeit auf 9% und 10 Stunden verlängert und die Löhne aufs äußerste herabgedrückt wurden. Doch trotz dieserer erzwungenen Borleistung der teit und Kurzarbeit aufzuweisen. Lohnerhöhungen find Arbeiter hat gerade diese Industrie die größte Arbeitslosig= heute mehr denn je eine volts wirtschaftliche Notwendig fett. Weiter aber gilt es, den Opfern der Arbeitslosigkeit zu helfen, ihnen Arbeit zu verschaffen oder aber sie ausreichend zu unterstützen. Die Tabelle der Unterstützungsfähe in den einzelnen Wirtschaftsgebieten und Ortsklassen zeigt, daß von zu hoher Unterstützung keine Rede sein kann. Wenn die Spigen leistung für kinderreiche Familien in dem Wirtschaftsbezirk III. ( Westen) mit einem besonders niedrigen Lohn in Vergleich gestellt wird, dann besagt dies nichts gegen die Höhe der Unterstüßung, alles aber gegen solche Löhne. Der ledige über 21 Jahre alte Arbeiter erhält im günstigsten Falle 9,90 m. wöchentlich, wovon er allein 4,50 bis 5 M. an Miete zu zahlen hat. Zum Lebensunterhalt bleiben ihm 5 bis 6 M. die ganze Woche. Eine ausreichende Unterstützung ist notwendig. Die starte Fiuftuation unter den Erwerbslosen zeigt, daß die Behauptung unberechtigt ist, die Unterſtüßung töte den Arbeitswillen. Die Unterſtügungslast von Gefehentwurf der bürgerlichen Parteien über Abänderung des Zollgesetzes vom 17. Auguft 1925 in zweifer Cefung angenommen. Der fozialdemokratische Antrag auf Fortdauer der ermäßigten Zölle wird abgelehnt. Für ihn stimmen auch die drei Demokraten Lemmer, Schneider und Ziegler. Der Handelsvertrag mit Dänemar? wird gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. Gegen den deutsch schwe= Gegen den deutsch schwe dischen Vertrag stimmen auch die Sozialdemokraten. Ber der Einzelberatung mendet fich Abg. Wiffell( Soz.) gegen Koenen. Er stellt unter allgemeiner Heiterkeit fest, daß jene sozialdemokratischen Anträge, die nach Koenen großagrarischen Interessen dienen sollen, im Ausschuß auch von den brei Kommunisten, darunter dem Fraktionsvorsitzenden Stöder, angenommen wären. Koenen habe also Stöder eine flatschende Ohrfeige perfeßt. Die namentliche Abstimmung über den fozialdemokratifchen Antrag auf Herabsetzung der Zolifähe im Schwedenvertrag ergibt Ablehnung mit 271 gegen 135 Stimmen. Nach der Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages wird der schwedische Handelsvertrag in der Ausschußfassung mit den erhöhten autonomen Lebensmittelzöllen bis zum 31. De zember 1926 in 3 weiter Lesung angenommen. In der dritten Lesung polemisiert zunächst Abg. Koenen gegen die Sozialdemokratie, die den Grundsatz der 3ollfreiheit nicht mehr vertrete, da doch Hilferding von der Notwendigkeit von Kompromissen gesprochen habe. Ihm entgegnet Genosse Wissell, daß es sich hier nicht um die Frage: 3ollpolitik oder Freihandel drehe, sondern nur darum, angefichts des schwedischen Handelsvertrages die ermäßigten Lebensmittelzölle weiter bestehen zu lassen. In seinem Wahlkreise heiße der Abgeordnete Koenen„ der blecherne Heiland".( Stürmische Heiterfeit.) Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und Völkischen werden die neuen vom Ausschuß vorgeschlagenen Bollfäße angenommen, ebenso gelangen sowohl zum schwedischen wie auch zum dänischen Vertrage besondere Entschließungen des Ausschusses zur Annahme. Erledigung des Nachtragsetats. Die Ziffer der Arbeitslosen ist gestiegen und noch im Steigen. Sogar die Margarine soll verteuert werden. Daß der notleidenden Landwirtschaft geholfen werden müsse, haben wir seit Jahrzehnten gehört, aber die Großagrarier haben durch die Zölle Milliar bengewinne gemacht. Das Schlimmste ist die große Spanne zwifchen dem Getreide zoll und dem Mehlzoll, sie bedeutet die ungeheuere Berteuerung des wichtigsten Lebensmittels, des Brotes, zu gunsten der Großmühlen, die danach ihren Mehlpreis steigern tön nen. Ich habe fein großes Zutrauen dazu, daß die Handelsverträge die Zölle noch herabsetzen. Es besteht eine Interessengemeinschaft zwischen Landwirtschaft und Mühlenindustrie. Die Futtermittelzölle, Gerstenzölle, Maiszölle verteuern die Viehhaltung des tleinen Bauern, nügen ihm also nichts. Die Schweinemast Bei Beratung eines Nachtragsetats verliest Florin( Komm.) wird zurückgehen, das bedeutet wieder einen Verlust an Dungstoff. unter stürmischer Unruhe des Hauses es ist bereits 12 Uhr Die Futtermittelzölle belasten auch die Milchwirtschaft. Gegen nachts geworden einen Aufruf der PD. 3entrale die Erhöhung des Gerstenzolles hat sich der Reichsausschuß der de- zur politischen Situation. Er fordert die sozialdemokramokratischen Partei erklärt. Die Magarine, deren Verbrauchtischen Arbeiter auf, zur KPD. zu fommen, worauf ironische pro Kopf 12,5 Pf. beträgt, wird der är meren Bevölkerung ver- Bravorufe und stürmisches Gelächter der Sozialdemokraten teuert; die anderen essen keine Margarine. Die kapitalkräftigen Delmühlen wollen fich schüßen gegen die Konkurrenz der ausländischen Fette. Die Zunahme des Berbrauchs von Gefrierfleisch beweist, daß das frische Fleisch dem Volte zu teuer ist. Die Regierung verfündigt sich mit dieser Zollpolitik am deutschen Volke und der deutschen Wirtschaft. Die Frauen der Arbeiter seufzen unter den teuren Preisen, und dabei sind 17 Proz. der Bevölkerung noch arbeitslos. Die franken Kinder werden aus den Krankenhäusern nicht abgeholt, weil sie da beffer verpflegt find, als es im Hause möglich ist. Als Wels heute von der Empörung über die Fürstenabfindung sprach, lachte das Haus. Das Lachen wird Ihnen vergehen, wenn fie die Folgen dieser Zollpolitik sehen werden. Und der endgültige Zolltarif, der noch bevorsteht, wird noch ganz anders aussehen. Wir werden nicht aufhören, dagegen zu fämpfen.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Koenen( Komm.) wirft den Sozialdemokraten vor, fie hätten durch die Anträge, die sie im Wirtschaftspolitischen Ausschuß gestellt haben, großagrarische Interessen vertreten. ( Stürmische Heiterfeit bei den Sozialdemokraten.) antwortet. Nach Florin beginnt der Kommunist Tiedt eine neue Rede. Die Unruhe steigert sich. Präsident Löbe stellt fest, daß Tiedt zu einem Titel spricht, der gar nicht zur Beratung steht. Tiedt sieht sein Versehen ein und zieht unter Gelächter ab. Nun beantragt der greife Volksparteiler Kahl in sichtlicher Erregung, daß die Rede Florins nicht in das stenographische Protokoll aufgenommen werden solle. Präsident Löbe läßt diesen feltfamen Antrag fraft seiner Präsidialgewalt nicht zu und damit ist auch dieser Zwischenfall erledigt. Das Haus beschließt nach dem Bericht des Berichterstatters Steintopf( Soz.) die Zurückweisung von Einsprüchen des Reichsrats gegen einzelne Personaltitel und nimmt den NachtragsNun beginnt gegen Mitternacht der Kommunist Heckert die Begründung eines kommunistischen Antrags zur etat an. produktiven Erwerbslosenfürsorge. Bei seinen Ausführungen entsteht eine lebhafte Unruhe, zumal er Regierung und Parlament mit den schärfften Ausdrücken an greift und u. a. behauptet, daß die Regierung den Arbei Ordnung gerufen, erflärt e dert, er spreche im Namen der Arbeiter" so wie in Arbeiterversammlungen und so, wie es die Arbeiter haben wollten. Abg. Schlag( 3tr.) verteidigt den Hochschutzzoll mit dem Hintern Millionen stehle". Bom Präsidenten deshalb zur weis auf das gleiche Vorgehen des Auslands. Abg. v. Richthofen( Dem.) erklärt, feine Partei sei nur bestrebt gewesen, den Schaden, der mit dem deutsch- schwedischen Vertrag angerichtet werde, zu beschränken. Nach weiteren Reden der Abgg. Tremmel( 3tr.) und Graefe ( volt.) wird der Präsident Löbe erwidert, die Arbeiter wünschen, daß man sich in anständigen Formen ausdrücke.( Stürmisches Sehr richtig! und Heiterfeit.) die selbständig arbeiten kann. Bei der Rationalisierung darf der BeEinsehung einer Sonderinstanz, hördenapparat nicht vergessen werden, er bedarf dringend einer gründlichen Rationalisierung. Die Zukunft ist außerordentlich bedenklich. Mit Recht ist es der Millienen Erwerbslosen vor schweren staatspolitischen Er als ein Wunder geradezu bezeichnet worden, daß wir bisher trotz schütterungen bewahrt blieben. Bis zum 15. Juni find 300 000 Arbeitslose länger als 26 Wochen unterstützt worden. Im Winter werden es eine halbe Million menschen sein, die ein ganzes halbes Jahr ohne Arbeit sind. Deutschland stand vielleicht noch nie vor einer so schwierigen Periode wie gegenwärtig. Eine endgültige Lösung des Problems ist nur auf dem Wege der Wirtschaft möglich. Die Relation zwischen Ware und Kauffraft muß gebessert werden. Deshalb mussen die Gewerkschaften sich auch gegen die Zölle und gegen Mietsteigc. rungen wenden. Aufgabe der Presse muß es sein, für die Situation des rechte Verständnis zu wecken und die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms zu unterstützen. Vertagung bis zum November. Nach Erledigung der Tagesordnung schlägt Präsident Cöbe ent sprechend dem Beschluß des Aelteftenausschusses vor, die nächste Sigung am 3. November abzuhalten. Stoeder( Komm.) beantragt, die nächste Sigung am 3. Juli abzuhalten. abzuhalten. Tagesordnung: Kommunistisches Mißtrauensvotum. Dafür stimmen nur die Kommunisten. Es bleibt beim Vorschlag des Präsidenten. Schluß der Sitzung 12 Uhr nachts. Eine demokratische Erklärung. Die Deutsche Demokratische Partei erläßt folgende Kundgebung an deren Schluß es heißt: Die Sozialdemokratische und die Deutschnationale Fraktion haben das Zustandekommen des Gesetzes verhindert und damit die Interessen des deutschen Volkes schwer geschädigt. Ihre Schuld ist es, wenn nach Ablauf des Sperrgefeßes, das nicht ewig verlänger werden kann, die Gerichte über Fragen zu entscheiden haben, die nicht zivilrechtlich, sondern nur staatspolitisch geregelt werden können. Ihre Schuld ist es, wenn jegt der leidenschaftliche Kampf im deutschen Bolt weitergeführt wird. Reine Reichstagsauflösung rermag zwei Drittel des deutschen Volkes auf eine raditale Lösung, wie sie die Sozialdemokratie wünscht, zu vereinen. Der Kampf wird nicht um der Sache, sondern um der Agitation willen weitergeführt. Die Mehrheit der sozialdemokratischen Reichs tagsfrattion, die über die preußische Landtagsfraktion und über die Minderheit der Reichstagsfraktion den Sieg davongetragen hat, hat auf die Notwendigkeit der Zusammen arbeit der verfassungstreuen Parteien feiner. lei Rücksicht genommen. Sie trägt die Verantwortung dafür, wenn heute in den Kreisen der unentwegten Rechtsparteien Jubel und Genugtuung herrscht. Sie trägt die Berantwortung auch dafür, wenn der Glaube an die Leistungsfähigkeit des Parlamenta rismus erschüttert wird, und wenn sich heute die Kluft zwischen der Sozialdemokratie und den anderen republikanischen Parteien zu vertiefen droht." Der Vorstand der Deutschen Demokratischen Partei. Romanones begründet die Bewegung. ,, Die Armee darf nicht regieren." Paris, 2. Juli.( WTB.) Der ehemalige spanische Minister. präsident Graf Romanones, der sich in Hendaye aufhält, hat einem Privatforrespondenten des„ Quotidien" erklärt, die Bewegung, die in Spanien festzustellen sei, habe wederkommunistischen, noch anarchistischen, noch im besenderen proletari schen Charakter. Sie sei im wesentlichen eine militärische Bewegung, ein Eingreifen des Heeres, um Spanien seine Verfassung und das freie Parlament wiederzugeben, das allein die Zukunft der Nation sicherstellen könne. Nach seiner Ansicht müffe die Armee dienen, nicht aber regieren, sie müsse gehorchen, nicht aber befehlen. Wenn die Armee regiere, bedeute das das Ende der Disziplin, die gerade das Wesentliche beim Heere ausmache. Hun derte von Offizieren feien bereit gewesen, General Aguilera zu unterstüßen, sie seien ebenso wie Aguilera selbst verhaftet worden. Gegen Graf Romanones selbst ist entgegen einer gestern verbreiteten Meldung fein Haftbefehl erlassen worden. Frumkin gegen Churchill. ,, Kein Sowjetwechsel bisher protestiert.“ Mostau, 2. Juli.( EP.) Der Bertreter des Boltskommissars für Außenhandel, Frumfin, protestiert gegen die Warnung Churchills an die englischen Unternehmer, sich in enge Handelsbeziehungen mit Sowjetrußland einzulassen. Im Handel zwischen England und Rußland sei bisher kein einziger Sowjetwechsel protestiert und jede Berpflichtung der Sowjets erfüllt worden. Die von Churchill neu eingeleitete Intervention werde nicht erfolgreicher sein wie die früheren militärischen Interventionen. Gewerkschaftsbewegung Die Bergarbeiter tagen. Generalversammlung in Saarbrücken. Am Sonntag nachmittag treten die Abgeordneten der freige: mertschaftlich organisierten Bergarbeiter zur 25. Generalversammlung in der Südwestecke Deutschlands zusammen, auf historischem Boden unter den Augen der französischen Kommiffare. In doppeltem Sinne. Das Saarland, das preußische und rheinpfälzische Kohlengebiet ist zwar nach wie vor deutsches Gebiet, jetzt aber vom Deut= schen Reich getrennt. Es ist das Land, das der älteren Arbeiterschaft als das Königreich Stumm bekannt ist, wo der Privatkapitalismus fein ,, patriarchalisches" Regiment führte, der Arbeitgeber darüber bestimmte, ob und wann seine Arbeiter sich verheiraten dürfen. Das Gebiet, in dem um die Jahrhundertwende ein Hilger die Saartohlengruben als Landvogt beherrschte, jede Regung gewerkschaftlichen Lebens brutal unterdrückte und die sich rühenden Bergleute mit der Hunger: peitsche verfolgte. Mehr als 2000 Bergleute wurden in den vier Jahren von 1889 bis 1893 gemaßregelt. Bis zum Jahre 1912 waren erft 1000 von 50 000 Saarbergleuten organisiert. Es war ein harter opferreicher Kampf, den die Saarbergleute zu führen hatten, bis ihre Organisation festen Boden gewann, bis sie sich die Waffe geschmiedet hatten zum Kampf um ihre wirtschaftliche Lage. Daß fie gelernt haben, diese Waffe zu gebrauchen, haben sie in dem mustergültigen drei Monate langen Streit gegen ihre französischen Arbeitgeber im Frühjahr 1923 bewiesen. Seit Januar 1920 find sämtliche Saargruben im Besik des französischen Staates. Der preußische Staat kann fie im Jahre 1935 wieder zurückkaufen, wenn dann die Volksab stimmung ergibt, was nie zweifelhaft wor, heute weniger denn je, daß die Saarbevölkerung deutsch bleiben will. Unter der Wirtschaftskrise mit ihrem Abbau haben die Bergarbeiter besonders zu leiden. Der Verbandstag wird sich deshalb insbesondere mit Maßnahmen befassen müssen, die geeignet sind, die Schäden für die Bergarbeiter zu mildern.. Der Bergarbeiterschutz ist ein Kapitel, das auf der Tagesordnung nicht mehr neu, doch im vollsten Sinne des Wortes für die Bergarbeiter lebenswichtig ist. In einer dem Verbandstage gewidmeten Sonderausgabe der Bergarbeiter 3eitung" wird die bedeutsame Tagung im Glüdauf! zur Generalversammlung. Tätigkeit fristlos entließ. Eine andere Arbeit in Braunschweig zu| von Neuwahlen verlangt, und den Rüdtritt der Regierung erlangen, erwies sich für ihn als unmöglich, so daß der Gemaß- und des Reichspräsidenten fordert. Dazu wurde ein zuregelte sich gezwungen sah, mit Frau und Kindern sich in Berlin sagantrag mit Mehrheit angenommen: eine neue Lebenseristenz zu schaffen. Auch hier stellte sich Andreas Bode sofort in die Reihen der kämpfenden Handels- und Transport: arbeiter. Insbesondere hat er sich seit 1902 ein bleibendes Verdienst um die Organisierung seiner Berufskollegen im Organisationsbezirk Oberschöneweide erworben. Im Jahre 1906 wurde er vom Deutschen Verkehrsbund in die Bezirksverwaltung Groß- Berlin als Verbandsangestellter berufen, in welcher Stellung er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1924 tätig war. Auch nach seiner Pensionierung stellte sich Bode für die organisatorische Kleinarbeit zur Verfügung. Aber auch in der politischen Arbeiterbewegung war der Verstorbene ein fleißiger und vorwärts strebender Genosse. Die gewerkschaftlich und politisch tätige Arbeiterschaft wird Andreas Bode ein dauerndes Andenken bewahren. Die Generalversammlung der Holzarbeiter. Abfuhr der„ Opposition". Die Berliner Holzarbeiter hielten am 25. Juni im Klubhaus, Ohmstraße 2, ihre Vierteljahrs- Generalversammlung ab. Aus dem vom Bevollmächtigten Freigang gegebenen Geschäfts- und Kassenbericht für das erste Quartal ging hervor, daß der Arbeitsmarft sich noch weiter verschlechterte und die Arbeitslosen 3iffer demzufolge von Anfang Januar bis zum 23. Juni von 10 659 auf 16 462 gestiegen ist. Im Gegensatz dazu ist die Arbeitslosenziffer der Holzarbeiter im Reiche, in der Berlin einbegriffen ist, von Februar bis Mai von 32,7 Broz. auf 28,9 Proz. gesunken. Lediglich diese Tatsachen und ein in den Mitteilungen der Verwaltung wiedergegebener, der Gewerkschaftszeitung" entnommener Artikel: Kann die Wirtschaftskrise chronisch werden?" gaben scheinbar den Kommunisten Veranlassung, ihre ,, mohlgemeinten" Vorschläge an den Mann zu bringen. Der Massenstreif soll wieder einmal das Allheilmittel sein, mit dem man die jetzige Krise schnell überwinden kann. Neue Wege, die aus dem Chaos herausführen sollen, wollten sie von der Verwaltung auf gezeigt wissen, um hinterher diese als dreifachen Verrat bezeichnen Die Kommunisten suchen Agitationsstoff. Die Aufforderung an sie, konkrete Vorschläge zu machen, beantworteten sie mit dem nichtssagenden Hinweis, daß diese ja bekannt seien. Der Landtagsabgeordnete Pied fühlte sich dieses Mal verpflichtet, den Rufer im Streite machen zu müssen. Nachdem er den oben zitierten Artikel nur flüchtig überflogen haben konnte, bezeichnete er ihn nach feiner Auffassung als abwegig und irreführend. Eine von ihm eingereichte und begründete Resolution zur Fürstenabfindung sollte den Clou des Abends bilden., zu können. damer Nur In recht eindrucksvoller Weise wurde dieser sogenannten OppoGaargebiet allseitig gewürdigt. Der heutige Stand der Organi- fition die wohlverdiente Antwort von den Sprechern der Amster sation auch an der Saar zeigt uns, daß die Opfer für die„ refor- Stimmungsmacherei war bisher die Triebfeder aller von Richtung gegeben. verantwortungslose mistische" Gewerkschaftsarbeit, die in nahezu vier Jahrzehnten geihnen in die Arbeiterbewegung und Volksmassen hineingeworfenen bracht werden mußten, nicht vergeblich waren. Parolen. Ganz absurd ist es, die unorganisierten Erwerbslosen der Organisation zuführen zu wollen, die nicht da für gewonnen werden konnten, solange sie am Arbeitsplatz gestanden haben. Wie bisher von den Kommunisten aufgebaut und organisiert worden ist, zeigen die Ergebnisse unter den Mansfelder Bergarbeitern, im Leuna- Werk und im Ruhrgebiet. Feigheit und Furcht vor der Verantwortung ist es auch gewesen, daß die kommunistische Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung den von ihr mitgeschaffenen Etat abgelehnt hat. Andreas Bode tot. Ein alter, wackerer Kämpfer ist mit Andreas Bede aus dem Leben geschieden. Am 4. Februar 1852 zu Aderstedt in Anhalt geboren, mußte er bereits in frühester Jugend mitverdienen. In den achtziger Jahren fam er nach Braunschweig als Handelshilfsarbeiter und schloß sich 1890 dem damaligen Zentralverband der Handels, Transportarbeiter und arbeiterinnen alt. Bei der Gründung der Verwaltungsstelle Braunschweig murde er zum 1. Vorsitzenden gewählt. In dieser Eigenschaft zog er sich aber sehr bald den Haß der Arbeitgeber zu, so daß sein Arbeitgeber, von den übrigen scharfgemacht, ihn nach dreizehnjähriger Wie die Versammlung eingestellt war, ergab die Abst im= mung über die vorliegenden Anträge. Einstimmig ange= nommen wurden die beiden ersten Abfäße einer eingebrachten Resolution, die das Verhalten der Reichstagsmehrheit gegenüber dem Volksentscheid mißbilligt, die sofortige Auflösung des Reichstages und die Ausschreibung ,, Die Generalversammlung begrüßt das Verhalten der SPD.Fraktion im Reichstage, deren Mitarbeit geeignet ist, die Ansprüche der Fürsten zu mindern. Sie erwartet weiter, daß die KPD.- Fratfion ebenso arbeitet, da nur dadurch die leider durch den Ausgang des Bolfsentscheides notwendig gewordene Regelung durch das Parlament für das werftätige Bolt möglichst günstig beeinflußt werden fann." Der übrige Teil der Resolution, der eine Warnung an die sozialdemokratische Reichstagsfraktion sein sollte und weiter verlangt, daß die Belegschaften der größeren Betriebe sofort Delegationen 3 um Reichstag entfenden und vom ADGB. fordert, daß zu Massent undgebungen aufgerufen wird, wurde bei Stimmzettelabstimmung mit Mehrheit abgelehnt. Der Ablehnung verfiel auch ein fommunistischer Antrag, der vom Drtsausschuß des ADGB. die Zusammenberufung einer Konferenz aller Erwerbslosenausschüsse und Betriebsräte der Großbetriebe forderte. Auch die übrigen von der KPD. eingereichten Anträge wurden abgelehnt. Die Feierschichten hören auf. Bochum, 2. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Infolge der ver besserten Absatzmöglichkeiten im Ruhrbergbau sind in der vergangenen Woche zum erstenmal seit Beginn der Kohlenabsatzkrise feine Feierschichten zu verzeichnen. Die Feierschichten hatten in der Woche vom 21. bis 27. März mit 290 000 eine Rekordziffer erreicht. Außer den Arbeiter- Neueinstellungen bei den ThyssenBechen in Hamborn sowie bei den Zechen Hardenberg und Minister Stein im Dortmunder Revier sind in den letzten Tagen Arbeitereinstellungen bei den zum Klöckner- Konzern gehörenden Zechen Viktor und Ickern erfolgt. Keine Veränderung der Streiflage in England. Hodges, traf am Freitag, im Flugzeug von London kommend, Der Generalsekretär der Bergarbeiter- Internationale, Frank in Köln ein, um sich zur Teilnahme an der Generalversammlung des Verbandes der Bergarbeiter nach Saarbrücken zu begeben. In einer Unterredung machte Hodges bemerkenswerte Ausführungen über die Streiflage Englands. Auf die Frage nach der voraussichtlichen Dauer des Streiks antwortete Hodges: ,, Alle Berichte, nach denen der Abbruch des Streikes bevorsteht, find entweder bewußte Falschmeldungen oder fie beruhen auf Verkennung der Tatsachen. Gewiß hat die letzte Erklärung des englischen Ministerpräsidenten im Unterhause gewisse Aussichten für neue Verhandlungen eröffnet, aber bisher hat die Streiflage feinerlei Veränderung erfahren. Jedenfalls ist noch keine Beschluß= fassung der Bergarbeiterführer zu der Anregung Baldwins erfolgt. Voraussichtlich werden in den nächsten Tagen neue Besprechungen zwischen Baldwin und den Bergarbeiterführern aufgenommen werden. Gegenwärtig ist aber das Ende des Streifes noch nicht abzusehen. Die englische Bergarbeiterschaft, deren Rampfesmut und gewerkschaftliche Disziplin troz aller Entbehrungen ungebrochen ist, ist fest entschlossen, den Kampf um ihre berechtigten Forderungen fortzusetzen. Nach meiner Ansicht ist kaum früher als in etwa 14 Tagen eine Aenderung der Lage zu erwarten. Steinweg 12. Bezirk 43 Hennigsdorf bei Kersten, Berliner Str. 45. Bezirk 44 Zimmerer. Heute, Sonnabend, 7 Uhr: Bezirk 22 Teltow bei Kupfch. Soher Hermsdorf bei Fröhlich, am Bahnhof. Mitgliederversammlung. Bericht vom 24. Verbandstag. Verbandskameraden, agitiert für restloses Erscheinen. Der Vorstand. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frik Raritädt: Anzeiaen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Ginaer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". SAISON AUSVERKAUF Beginn 1. Juli in fast allen Abteilungen Mengenabgabe vorbehalten BHALFTE herabgesetzt sind die Preise vieler Waren in den bekannt guten Qualitäten Damen- Wäsche Damen- Bekleidung Grosse Posten Hemdhosen 245 Kleid in Baumwollmusselin aus farbigem Batist, mit Spitze reich garniert hübsche Muster..... Grosse Nachthemden 390 Frauenkleid Posten aus farbigem Batist, in schöner Ausführung. aus gutem Drell, oben Gummi, in verschiedenen Farben, 2 Halter 145 Bordürenkleid Büstenhalter 75 Vollvoilekleid aus gutem, kunstseidenen Trikot...... Grosse Posten Pf. 1 Ein Posten Serie 1 Serie II mit langen Aermeln neueste Muster 190 390 battent in Bast imitiert, grosse Farbenauswahl Blumenmuster Serie III 675 1250 Serie IV Trikotagen Schlüpfer 58. fein gewirkt, hellfarbig... 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Der wendische Bestandteil im Namen des Orts( Wustrow Insel) deutet gleichfalls auf die Lage des Ortes hin. Vom Bahnhof Königs wusterhausen wandern wir füdöstlich in den Tiergarten, ein prächtiges Wäldchen mit altem Laubholzbestand. Ueber die Sputbrücke und am Krimnicksee vorüber fommen wir nach Senzig. Von hier wenden wir uns südlich durch die Senziger und Gräbendorfer Heide nach Gräbendorf. Diese Wanderung zeigt uns recht auffällig das Eintönige und Trostlose der märkischen Bauernheide. Die abgefallenen Nadeln werden heraus: geharft, um als Streu zu dienen, so daß der Boden der natürlichen Erneuerungsquelle des Nährstoffbedarfs der Pflanzen beraubt wird. Die Kiefern zeigen denn auch ein dürftiges Wachstum, und Bodenpflanzen sowie Unterholz fehlen gänzlich. Wir verlassen Gräbendorf auf dem südlich von der Kirche hinausführenden Wege. Nach einer Biertelstunde, an der Weggabelung, wenden wir uns links. Bald haben wir die Dubrow erreicht. Wir kommen zum Forsthaus Dubrow. Südlich davon erstreckt sich der Förstersee, ein langgestreckter, schmaler, nahezu völlig verschilfter Rinnensee. Bom Forsthaus wandern wir etwa 10 Minuten auf der Straße nach Brierosbrück, dann biegen wir halbrechts ab und tommen auf den Gestellweg zwischen den Jagen 114/99, dem wir folgen. Der Kiefernwald ist in Eichenwald übergegangen; stattliche Eichen von weitausladendem, sparrigem Wuchs stehen hier. Die Reiherhorste. Im Jagen 98 liegen die Reiherhorste. Wir bemerken diese recht seltenen gefiederten Bewohner der Mark Brandenburg schon von weitem. Die Eichen, auf denen sie horsten, sind abgestorben; lebhaftes Gefrächz und Geschrei ertönt in der Luft. Zur jezigen Zeit sind die Jungen noch im Horst. Sie lassen sich gut beobachten, weil die Horstbäume unbelaubt sind. Die Reiher nähren fich nicht von Fischen allein; auch anderes Getier, was am und im Wasser lebt, wird ihre Beute. Wenn wir uns dem Seerand behutsam nähern, fönnen wir vielleicht Reiher auf der Lauer beobachten. Die hier horstenden Reiher sind Fischreiher. Ein wenig auffallendes, düstergraues Gefieder tragen sie, das nur am Halse und an den Schwingen von schwarzen Streifen abgesetzt wird. Den Kopf der alten Männchen zieren drei stattliche schwarze Schopffedern. Ihr Leib ist dürr und schmächtig, Hals und Beine find lang. Die Reiher haben ein außerordentlich gutes Gesicht und Gehör, wodurch sie ihre Beute und auch Gefahren sehr leicht mittern. Durch ihre schier unersättliche Gier und Gefräßigkeit fügen sie dem Fischbestande in ihren Jagdgebieten einen nicht unbeträchtlichen. Schaden zu. Die Reiher gehen auch über das Gelege und die Brut der auf dem Boden nistenden Sumpf- und Wasservögel her und 936 verspeisen auch Frösche, Weichtiere, Schlangen, Mäuse, fogar Ratten hat man in Reihermagen gefunden. Die sprichwörtlich scharfen Ausscheidungen der Reiher lassen den Pflanzenwuchs in der Nähe der Horstbäume nicht aufkommen; der Boden sieht wie mit Kalf besprigt aus. Auch die Horstbäume selbst sterben im Laufe der Zeit durch die vernichtende Düngung ab, so daß die Reiherhorste fich fast stets in den Wipfeln toter Bäume befinden. Die Anzahl der Reiherhorste ist in den letzten Jahren arg zurückgegangen. Hoffentlich bleiben jedoch die in der Mart nur noch felten vorkommenden Reiher von der völligen Ausrottung verschont. Die märkische Wasserlandschaft würde sonst um ein eigenartiges Bild ärmer werden. Schon seit dem grauen Altertum bilden die Reiher den Gegenstand einer besonderen Jagdart, der sogenannten Reiherbeize. Mit besonders abgerichteten Falten wurden sie gejagt. Die Jäger oder Jägerinnen trugen den Falken auf der lederbehandschuhten Faust und ließen ihn auf den Reiher los. Zwischen den Reihern entspann 22] Der Wobbly. Bon B. Traven. Copyright by Buchmeister- Verlag. Berlin und Leipzig. ,, Darum haben wir Sie gar nicht gefragt," erwiderte Osuna ,,, und wenn wir das wollten, würden wir gerade Sie nicht darum anbetteln." Wir gingen in die Kammer, padten unsere Arbeitslumpen jeder in einen leeren Zuckerjack und gingen. Mit einmal fagte Osuna: ,, Wir haben ja unsere zwei Pesos in den alten Schuhen gelassen, nur gleich geholt. Wenn die Bilder haben wollen, dann mögen sie sich selber welche faufen!" Wir nahmen unsere zwei Besos und kamen wieder vorbei an der Backstube. ,, Wer hat denn die Bilder da zerrissen?" fragte der Tscheche. sich zunächst ein Wettkampf um die Erreichung der größten Höhe, worin der Falke meist immer Sieger blieb. Von oben stieß er dann auf den Reiher herab und brachte ihn zu Boden. Kam der Reiher bei diesem Kapf mit dem Leben davon, so legte man ihm häufig einen Ring um das Bein, der den Namen des Falkenbesizers sowie den Ort und den Tag des Fanges trug und gab ihm dann wieder die Freiheit. Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts kam die Reiherbeize in Europa aus der Mode; im Morgenland, in Indien, Persien und Arabien wird sie jedoch wohl auch heute noch eifrig betrieben. Die Dubrow war von jeder das Jagdgebiet der brandenburgischen Kurfürsten und preußischen Könige. Nach Klein- Köris. Bon den Reiherhorsten wandern wir am Schmöldesee und am Hölzernen See gen West zum Südende des Förstersees. Hier überschreiten wir das Verbindungsfließ zwischen diesem See und dem Hölzernen See und wandern nun gen Süd möglichst nahe am See zur Chauffee. Auf der schmalen Landenge zwischen dem Hölzernen Die Reiher der Dubrow. See( links) und dem Klein- Köriser See( rechts) führt die Chauffee zum Forsthaus Neubrück. Auch diese beiden Seen sind durch ein Fließ verbunden; sie bilden einen Teil der Wasserstraße nach Teupiz. Beim Forsthaus wenden wir uns rechts ab. Wir wandern dicht am Klein- Röriser See entlang nach Klein Köris. Von hier folgen wir der Chaussee nach Südwest zum Bahnhof TeupikGroß- Köris der Görliger Bahn, von dem aus wir die Rückfahrt antreten. Weglänge etwa 26 Kilometer. Die Erlaubnis zum Betreten der Dubrow ist vorher bei der zuständigen Oberförsterei Königswusterhausen, Markt 6, einzuholen( Postkarte mit Rückantwort). " ,, Das fönnen wir machen," erwiderte Osuna. Wir sind nicht zu stolz dazu." Wir setzten uns an einen Tisch, und ein Kellner brachte uns zwei Flaschen Bier. ,, Das Bier wollen wir ihm nicht schenken, diesem Geiztragen," sagte ich. Er hat sicher geglaubt, wir würden nein sagen, sonst hätte er es uns nicht angeboten." ja gesagt. Ich habe gar keinen Appetit darauf." ,, Sicher nicht," meinte Osuna ,,, deshalb habe ich ja auch Warum wir gingen, danach fragte Señor Dour nicht. Solche plötzlichen Abschiede tamen bei ihm zu häufig vor, als daß er sich darüber aufgeregt hätte. Ebensowenig fragte er uns, ob wir nicht bleiben möchten. Er wußte wohl, daß es bei uns ebenso erfolglos gewesen wäre wie bei früheren Abschieden. 刺 Sonnabend, 3. Juli 1926 Ausbau der Berliner Wasserversorgung. Während der Betrieb der das Grundwasser liefernden Tiefbrunnen, von denen die städtischen Wasserwerke nahezu an 900 be= sizen, und auch der Betrieb der Filteranlagen eine über die vierundzwanzig Stunden des Tages möglichst gleichmäßig verteilte Beanspruchung erfordern, ist die Abgabe des Waffers an die Verbraucherschaft zu den verschiedenen Tageszeiten eine sehr ungleichmäßige. Zum Ausgleich dieser Schwankungen sind die Zwischen= pumpwerfe in Lichtenberg und in Westend mit großen Wasserspeicheranlagen erbaut worden; die Behälter in Lichtenberg haben beispielsweise einen Inhalt von 100 000 Kubikmetern, in die die Werke Müggelsee und Wuhlheide stündlich die gleiche Menge heineinfördern, während die Maschinen des Werkes Lichtenberg das Waffer unregelmäßig entsprechend dem Verbrauch in der Stadt an diese abgeben. Nachdem das Werk Tegel, welches Wasser an Westend abgab, durch die Ausdehnung der Stadt dieser immer näher gerückt mar, entstand die Möglichkeit, daß Wasser von Tegel ohne das Westender Zwischenwerk in das Verbrauchsnez direkt hineinzupumpen. Das Wasserwerk West= end, welches seit dem Jahre 1873 an der Wasserversorgung Don Berlin einen wesentlichen Anteil gehabt hat, ist infolgedessen tillgelegt worden. Das Werk Tegel gibt sein Wasser nunmehr unmittelbar in das Verbrauchernetz ab. Auf dem stillgelegten Werk Westend ist inzwischen aus den vorhandenen großen Kondenswelches sich bereits größter Beliebtheit erfreut, während auf den wasserbecken ein Familienschwimmbad gemacht worden, vorhandenen großen, mit Rasen und Sträuchern bestandenen Flächen der Reinwasserbehälter eine Erholungsstätte für erholungsbedürftige Kinder eingerichtet worden ist. Im Osten von Berlin ist das Wasserwert Kaulsdorf durch einen über Friedrichsfelde nach Lichtenberg führenden großen Rohrstrang mit dem Versorgungsnetz der Berliner Hochstadt in Verbindung gebracht worden, so daß diese nunmehr durch das Werk Lichtenberg und das Werk Kaulsdorf gemeinschaftlich versorgt werden, was hauptsächlich zur Entlastung des Werkes Lichtenberg dient. Ferner ist von dem Wert Wuhlheide der schon in der Vorkriegszeit geplante Hauptdruckstrang über Treptow nach dem Kottbusser Tor verlegt worden, wo er Anschluß an das Alt- Berliner Hauptrohrnetz findet. Beide Hauptrohre sind in den letzten Tagen in Betrieb genommen worden. Das leßtgenannte Druckrohr dient weiter zu der zukünftigen Versorgung von Schöneberg und Steglitz. Die dazu notwendige Verlängerung ist jetzt fertiggestellt und wird ihren endgültigen Zwed erst am 1. Oktober 1928 ab erfüllen, da mit diesem Termin die Wasserversorgung von Schöneberg und Steglitz in die Hände der Berliner Städtischen Wasserwerke Akt.- Ges. übergeht. Neben diefer das Gesamtversorgungssystem ändernden Hauptleitung ist mit der Verlegung der kleineren Leitungen in den früher noch nicht mit Wasser versorgten Gebietsteilen von Berlin, und namentlich der Siedlungen, weiter fortgeschritten worden. Diese Gebiete werfen zwar bei dem unter Friedenspreis liegenden Wasserpreis von 15 Pf. je Kubikmeter nicht nur feinen Ueberschuß ab, sie erfordern vielmehr Zuschüsse. Aber das Gesamtwohl der Berliner Bevölkerung erfordert, daß nach dieser Richtung hin die Wasserwerke sich von rein sozialen Ge= sichtspuntten leiten laffen. Das wirtschaftliche Gesamtergebnis ist trotzdem ein günstiges. Wafferwerke Tiefwerder und Beelitzhof. Die Verwaltung der Charlottenburger Wasser- und Industriemerke hatte zu einer Besichtigung ihrer Werke Tiefwerder und Beelizhof geladen. Infolge des erhöhten Wasserverbrauches habe es sich, so führte Direktor Blach in einer Ansprache aus, als notwendig erwiesen, in den Wasserwerken, die die westlichen Vororte versorgen, Erweiterungen vorzunehmen. Die Hauptveränderungen sind bei dem Werk Tiefwerder vorgenommen worden. Das Werk ist nunmehr in der Lage, eine Stadt von 200 000 Einwohnern mit Wasser zu versorgen. Die Veränderungen sind im Laufe des Winters durchgeführt worden und nunmehr soweit gediehen, daß das Werk sich in voller Tätigkeit befindet. Es wurde eine Pumpenstation errichtet, in der sich zwei elektrisch betriebene Borpumpen befinden, die je täglich 30 000 Subikmeter Wasser fördern. Die hygienischen Reinigungsanlagen, eine neu errichtete Belüfteanlage mit einer Leistungsfähigkeit von 60 000 Stubifmetern pro Tag sowie eine ebenfalls neu errichtete Schnell= filteranlage mit einer Leistungsfähigkeit von 30 000 Kubitmetern pro Tag find beachtenswert. Bei dem Werk Beelizhof, das sich mit dem Werk Liefwerder in die Versorgung der westlichen | Leinenlaken in jedem Bett. Aber da diese weiße Leinenwäsche nur jede Woche oder alle drei Wochen gewechselt wurde, während der Bettgast jeden Tag wechselte, so waren die Sachen eigentlich nicht weiß, sondern fettig, fledig und streifig. Außerdem gehörte zu jedem Bett eine Decke, die sicher nie gewaschen und nie geklopft wurde. Es wurde nicht gelaust, und niemand wurde untersucht, ob er frant sei. Ber sein Bett bezahlte, durfte darin schlafen, ob er von den Läusen bald aufgefressen wurde, ob er Syphilis, Tuberkulose, Malaria, Leprose, Krätze, schwarze Pocken oder sonst etwas hatte. Die Schlafräume lagen zu ebener Erde. Türen hatten sie nicht, oder es waren nur noch die Reste ehemaliger Türen vorhanden. Man trat vom Hofe unmittelbar in den Schlafraum. Jeder Schlafraum hatte sechs bis acht Betten. Die Betten standen freuz und quer im Raum gerade wie sie am besten Plaß fanden. Ein Raum lag neben dem andern, Reihe bildeten. Am Ende der Er ging zur Kaffe, wo seine Frau stand, und holte das ,, Wir," antwortete Osuna. Bielleicht was dagegen? Geld für uns. Dann brachte er es an unfern Tisch, legte es Nur sagen. Wir sind gerade in Stimmung. Ich denke doch, hin und verschwand wieder hinter dem Büfett, ohne noch Reihe schloß sich im rechten Winkel wieder eine Reihe an und daß wir mit unseren Bildern machen fönnen, was wir etwas zu sagen und ohne nochmals zu uns rüberzusehen. wollen." ,, Das habe ich nicht gewußt, daß das eure Bilder waren. Die hättet ihr doch nicht zu zerreißen brauchen," sagte ein anderer. Solche unanständigen Bilder mag ich nicht leiden," antwortete Osuna. Wenn ihr so etwas vor Augen haben wollt, fauft fie euch. Wir brauchen feine Bilder, was, Gale?" Nein, wir haben solche Bilder nicht nötig, glüdlicherweise nicht," unterstützte ich Osuna. Und ich tat es mit voller leberzeugung. Dann gingen wir zu Señor Dour und verlangten unfer Geld, das wir noch zu kriegen hatten. Er gab es uns nicht und sagte, wir sollten morgen wiederkommen. Antwort. Ihr Morgen kennen wir reichlich," gab ich ihm zur Osuna stellte seinen Sad auf den Boden, lehnte sich ein wenig über das Büfett, hinter dem Señor Dour stand, und fagte ziemlich laut: Wollen Sie uns jetzt sofort unser Geld geben oder nicht? Oder soll ich erst die Polizei hereinholen, daß Sie uns unsern verdienten Lohn auszahlen?" ,, Schreien Sie doch nicht so. daß die Gäste aufmerksam werden," sagte Señor Doug leise und griff in die Hosentasche, um das Geld herauszunehmen. Ich zahle Ihnen ja, ich bin Ihnen doch nie einen Centavos Lohn schuldig geblieben. Wollen Sie noch eine Flasche Bier trinken?" Dann gingen wir, brachten unsere Säde zu einem indianifchen Kaffeeſtand, wo wir ein Glas Kaffee tranten und dann die Frau fragten, ob wir nicht unsere Säcke hier bis zum Morgen unterstellen fönnten. Am Morgen würden wir wiederkommen, bei ihr frühstücken und die Säde abholen. Dann gingen wir wieder zu den Señoritas, wo es angenehmer war als in der Backstube. Am nächsten Tage, nachdem wir den Vormittag über uns auf den Bänken der Plaza herumgedrückt hatten, gingen wir zu einer Casa de Huespedes, wo wir jeder ein Bett belegten für fünfzig Centavos und unsere Säcke in dem Kofferraum abgaben. Bett ist ja nun auf keinen Fall richtig. Einzelne jener Betten waren von dem Muster unserer Bäckerbetten, also Hängematten aus Segelleinen, die in einem Scherengestell aufgespannt waren. Bir aber bekamen bessere Betten. Das waren Drahtmatraßen, die durchgelegen waren, so daß man immer in einer Höhle lag, wo man fo zusammengepreßt war, daß man faum atmen fonnte. Die Unterlage war so dünn und zerschliffen, daß man den Draht fühlte, und da man ja nicht viel Fleisch am Körper hatte, ferbte sich der Draht in die Knochen. Und das war ein recht angenehmes Gefühl. Diese Betten könnten in einer Folterkammer gute Dienste leisten. Da war ein weißüberzogenes Kopfkissen und ein weißes an diese wieder eine Reihe, so daß also der ganze viereckige Hof mit Schlafräumen eingezäunt war. Die Borderfront bildete ein großes zweiftödiges gemauertes Haus mit der stolzen Inschrift:„ Continental- Hotel. Bäder zu jeder Tages- und Nachtzeit". Hier in diesem Vordergebäude waren die Zimmer für einen Beso; in jedem Raume standen zwei Betten. Diese Betten hatten Moskitonetze, während die billigen keine hatten. Biel wert waren die Nezze nicht, weil sie große Löcher hatten. Außerdem war in dem Gewebe der Atem von Taufenden von verschiedenen Menschen aufbewahrt. Bäder konnte man in der Tat zu jeder Nachtzeit betommen. Es waren Braufebäder, und jedes Bad kostete fünfundzwanzig Centavos. Dafür bekam man Seife und Handtuch und einen Bastwisch zum Abreiben dazu geliefert. In diesen Baderäumen wimmelte es von riesengroßen Schaben. An der Wasserrohrleitung war fein Hahn, den man einstellen konnte, so daß das Wasser laufen fonnte. Man hatte eine Rette zu ergreifen und an der zu ziehen. Beim Baden konnte man also nur immer eine Hand zum Waschen gebrauchen, während man mit der anderen an der Kette ziehen mußte. Busch und feifte man sich mit beiden, so mußte man die Kette loslassen und das Wasser hörte auf zu laufen. Das wurde getan, um Wasser zu sparen; denn Wasser ist hier ein kostbarer Artikel. ( Fortsetzung folgt.) Gebiete tettt, find bie Erweiterungen weniger offensichtlich. Immer hin ist auch in Beelitzhof die Wasserfassung um etwa einen halben Rilometer verlängert worden. Außerdem ist die Filteranlage um 10 Schnellfilter mit einer Leistungsfähigkeit von 60 000 Rubikmetern erweitert worden. Auch im Werk Johannisthal sind einige wesentliche Veränderungen vorgenommen worden. Wie Direktor Blach ausführte, rechnen die Charlottenburger Wasserwerke damit, daß sie nunmehr in der Lage sein werden, den erforderlichen Wasserbedarf der westlichen Vororte zu decken, so daß eine Wafferfalamität, mie fie im vorigen Jahr einen Teil der westlichen Vororte traf, nicht mehr vorkommen dürfte. Der Knauft und sein Frosch. Postiched betrug beim Postamt Hermsdorf durch Bölkische. Nach mehrfachen Bertagungen gelangte jetzt vor dem großen Schöffengericht Wedding unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Bally der große Scheckbetrug beim Postamt Hermsdorf, durch den die Postkasse um 46 000 Mart betrogen worden war, zur endgültigen Aburteilung. Der Fall hatte seinerzeit großes Aufsehen erregt. Der Hauptangeklagte Knauft und der Postmeister Barthel gehören der völkischen Bewegung an. Der Schriftsteller Knauft hatte in den rechtsgerichteten Organisationen des Vorortes Hermsdorf eine Rolle zu spielen verstanden und war Turnwart einer dortigen Turngemeinde, die eine große Zahl von Mitgliedern hatte. Er hat auch mehrere Gedichtbücher herausgegeben, die durch die Gemeinde Berbreitung fanden. Auf eine sehr raffinierte Weise hatte er es verftanden, einen Organisationsfehler in den Bestimmungen über den Postscheckverkehr auszunuzen: Er hatte täglich Einzahlungen in fleineren Beträgen gemacht, und ebenso täglich Gelder von seinem Postschecktonto abgehoben. Von den abgehobenen Beträgen zahlte er sofort wieder einen Teil ein. Die Sache war von ihm sehr sorgfältig organisiert. Ein Vertrauter, der Kaufmann Julius Frosch, wartete in Hermsdorf und fuhr sofort mit einem Teilbetrage nach Berlin, wo er diesen auf das Postscheckkonto einzahlte. Es wurde dabei als Einzahler teiis Frosch, teils der Deutsche Schrift ſtellerverband angegeben. Allmählich wurde die abgehobene Summe immer größer, so daß bei der Entdeckung des Betruges 46000 m. mehr bezahlt waren. Nach der Anklage fonnte dieser mehrere Monate lang ausgeführte Schwindel nur mit Bostbeamten in leitender Stellung möglich gewesen sein. Die Anklage nimmt demgemäß auch an, daß der Postmeister Georg Barthel und der Bostinipettor Richard Nagel in die Sache eingeweiht worden waren. Barthel war übrigens im Nebenamt Führer des Stahlhelms. Es wird ihnen vorgeworfen, daß sie von Knauft Gefchente, freie Zechen und Einladungen zu Reisen erhaiten haben. Bei der Erörterung des Tricks, den Knauft bei dem Postschecktonto angewendet hat, wurde die Deffentlichkeit im Interesse der Staatssicherheit teilweise ausgeschlossen. Der Angeklagte Knauft, der im 40. Lebensjahr steht, stellte sich dem Gericht mit den Worten vor, daß er Wahrheit und Dichtung nicht unterscheiden könne, daher müſſe er sich bei seinen Darstellungen an feine Notizen halten. Er bitte zu berücksichtigen, daß er ein großer Phantast sei. Ich bin aber auch das, was man ein Genie nennt. Dr. Bürger, der auf Antrag meines Verteidigers geladen worden ist, wird be ftätigen, wie dünn die Scheidemand zwischen Genie und Irrfinn ist. Die Anflage nimmt an, daß Knauft einen großen Teil der unterschlagenen Gelder mit Freundinnen, die seiner Turngemeinde angehörten, in Vergnügungsfahrten durchgebracht habe. Es war jedoch aus ihm feine flare Antwort herauszubekommen, mo diese große Summe in der kurzen Zeit von wenigen Monaten geblieben ist. Die beiden wegen Betruges und Bestechung mitangefiagten Boftbeamten, Postmeister Barthel und Bostinspektor Nagel, wehrten fich mit der größten Entschiedenheit gegen die Unterftellung der Antlage, daß sie mit Knauft unter einer Dede geſtedt hätten und von ihm dafür Zuwendungen bekommen haben. Sie feien selbst von dem raffinierten Betrüger aufs gröblichste getäuscht morden. Gerichtsarzt Dr. Bürger bezeichnete Knauft zwar als einen Bfychopathen, der aber für seine Taten voll verantwortlich wäre. Da im ganzen 20 3engen zu vernehmen sind, konnte die Berhandlung am gestrigen Tage nicht zu Ende geführt werden, sondern wurde um 6 Uhr abends auf Sonnabend mittag vertagt. Großer Bankdiebstahl. Bisher Unterschlagungen in Höhe von 50 000 m. festgestellt. Durch einen von langer Hand geplanten und wohl vorbereiteten Diebstahl ist eine hiesige Bant schwer geschädigt worden. Dort war in der Tresorabteilung der 30 Jahre alte Hauptbuch halter Kurt Schubert beschäftigt, der mit seiner Frau am Fiedrich Wilhelm- Play in Friedenau wohnte. Am 25. Mai tlagte Schubert plötzlich über heftige Zahnschmerzen und erhielt Erlaubnis, einen Arzt aufzusuchen. Als er nicht wieder im Dienst erfchien und auch feine schriftliche Mitteilung sandte, forschte die Bantleitung nach und erfuhr von Nachbarn, daß das Ehepaar am 26. Mai morgens mit schweren Koffern in einem Auto weggefahren war. In seiner Begleitung hatte sich der Bruder Schuberts, der frühere Bantbeamte Günther Schubert, befunden. Eine nunmehr fofort vorgenommene Revision in der Bank ergab, daß Schubert aus den ihm anvertrauten Tresorfächern hier und da einzelne Stücke gestohlen und verkauft hat. Bisher hat man etwa 50 000 M. feststellen tönnen, wahrscheinlich wird sich die Summe aber noch erhöhen. Die Kriminalpolizei, der Anzeige erstattet mourde, ermittelte, daß das Ehepaar und der Schwager fich nicht im Besize eines Passes befinden; man nimmt daher an, daß sie fid) in einem der großen deutschen Seebäder oder einem anderen Rurorte aufhalten. Die erforderlichen Maßnahmen sind sofort durch Funtspruch getroffen worden. Schwerer Unfall des Reichstagsabgeordneten Schurig. Beim Ueberschreiten des Fahrdamms am Potsdamer Plaz wurde gestern abend furz nach 8 Uhr der demokratische Reichstagsabgeord nete Senator a. D. Gottfried Schurig aus Bremen, der zurzeit in der Roonstr. 40 in Berlin wohnt, von einem Straßenbahnwagen der Linie 57 erfaßt und mehrere Meter mitgeschleift. Sch. wurde nach der naheliegenden Rettungsstelle in der Eichhornstraße und von hier nach dem Elisabethfrankenhaus geschafft, wo ein Doppelter Schädelbru ch festgestellt wurde. Der Zustand des Verunglückten ist sehr ernst. Indien im 300. In der Nordwestecke des 300o, dort, wo sich langsam der Bau des Planetariums erhebt, ist ein indisches Dorf erstanden. Unter den alten schönen Bäumen stehen dort aus Schilf, Bambus rohr und Palmwedeln die kleinen Hütten der indischen Handwerker. Es sind tunstfertige Leute, die darin arbeiten, fie arbeiten tatsächlich um des lieben Lohnes willen für Dinge, die ihnen die lieben Leute freundlichst abfaufen sollen. Sodann bietet die Schau uns auch etwas von dem, was man nicht oft in Europa zu sehen bekommt: Indische Zauberer, Gaufler, Afrobaten, Schlangenbeschwörer, Fatire und sogar Jogis. Alle diese Gestalten gehören mit dazu, Indien in seiner Giaenart zu erleben. Wir sehen indisches Dorfleben und zugleich den Inder der Bandstraße, das fahrende Bolt des fernen Dstens: Den HAG Kaffee Hag, der coffeinfreie Bohnenkaffee, kann Lungenkranken, die immer zu beschleunigter Herztätigkeit neigen, nicht genug empfohlen werden. Prof. Dr. Möller Deutsche Ärztezeitung) Haupteingang gegenüber ber Chabibahn bibel ein hoher, reich mit| Götterbildern und anderen Skulpturen geschmückter südindischer Tempel, dessen helles Rot die Augen schon von ferne auf sich lenft. Ein weiterer Eingang befindet sich innerhalb des Zoologischen Gartens zwischen der Fasanerie und den Lamagehegen. Einen weiteren Teil der Anlage bildet der Vorführungsplatz für die Tänze und Gaufeleien der Guanaratis. Zu beiden Seiten erheben sich hohe, in rot und weiß gehaltene Tribünen, von denen aus die bunten Borführungen des fahrenden Volks der Indier verfolgt werden können. Was man zu sehen friegt ist des Sehens wert. Außer den Volkstänzen der verschiedenen indischen Stämme ausgezeichnete artistische Darbietungen, die den großen Varietébühnen heute noch fremd find. Die Schau der Indienleute ist von John Hagenbeck zusammengestellt, fie foll den Sommer über im 300 bleiben. Der Letschiner Posteinbruch aufgeklärt. Die Täter verhaftet. Nach fast vier Monate langen Beobachtungen und Ermittlungen ift es dem Sonderbezernat für Geldschranfeinbrüche jetzt gelungen, eine Rnadertolonne unschädlich zu machen, die infolge ihrer großen Barmittel und der technischen Kenntnisse ihrer Mitglieder befonders gefährlich war. Am 28. Februar d. I. wurde in das Post amtin Letschin, im Kreis Lebus, eingebrochen, wobei die Verbrecher 7325 Mart Geld und für 14 000 Mart Postwertzeichen erbeuteten. Die Beamten, die mit der Aufklärung betraut waren, erkannten, sich besonders auf befannte und schon wiederholt vorbestrafte Gelddaß gewiegte Verbrecher am Werte waren, ihr Augenmerf richtete schrankfnader, und vor einigen Tagen fam es zu überraschenden Verhaftungen eines Chauffeurs Peters aus der Chauffeeftraße, eines Mar Ildert und eines dritten namens Ernst Moos hammer. Die der Tat überführten Verbrecher legten ein Geständnis ab. Danach machten fie am 24. Februar eine Baldomertour" nach Letschin. Mit Dietrichen verschafften sie sich Eingang in das Poftamt, um die Dertlichkeit auszufundschaften. Mit dem Frühzug fuhren sie dann nach Berlin zurück. Am nächsten Tage wurde zum großen Schlage ausgeholt. Alle drei fuhren wieder im Kraftwagen nach Letschin und ließen etwa 1½ Kilometer vor dem Ort das Fahrzeug halten. Um feinen Berdacht zu erregen, wurde eine Panne vorgetäuscht. Inzwischen begaben sich Mooshammer und Udert in das Dorf, brachen in das Bostamt ein, öffneten den Geldschrank und räumten den Inhalt aus. Die Beute wurde in Berlin geteilt. Peters erhielt für seine Fahrt einen Tausendmarkschein. Ein Teil der Marken, die sie sich um den Leib gemidelt hatten, war unbrauchbar geworden und mußte vernichtet werden, den Refst legten sie zurüd. Udert hatte seinen Beuteanteil bald vertrunten, während Mooshammer in tajüttboot spazieren fuhr. In der Behausung des Peters den märkischen Gewässern mit einem modernen Border= murden noch für 10 000 marf gestohlene Briefmarken beschlagnahmt. Die Verhafteten wurden in das Untersuchungsge beschlagnahmt. Die Verhafteten wurden in das Untersuchungsge. fängnis eingeliefert. Es besteht der Berdacht, daß fie noch für weitere Einbrüche als Täter in Frage kommen. Ein gräflicher Sittlichkeitsverbrecher. In den letzten Tagen machte sich ein vornehm gefleideter Herr in auffallender Weise an fleinen Mädchen der Potsdamer Boltsschule in der Heinrichstraße zu schaffen. Gestern mittag um 12 Uhr nach Schulschluß erschien der Herr mit einem Rade und lud zwei 7jährige Mädchen zu einer Radtour ein. Ahnungslos tletterten die Kleinen auf das Rad. Die eine bekam es aber mit der Angst und sprang rasch ab, während die 7jährige Else S. mitfuhr. Am Eingang vom Potsdamer Wildpart riß der Herr das Kind vom Rade und in geradezu beftialischer Weise zerfete er dem Kind die Kleider. Gerade wollte er es vergewaltigen, als ein Angestellter der Gasanstalt, der mit seinem Motorrad da herfam, die Hilferufe des Kindes vernahm. Der Unbekannte wurde verfolgt und am Wildpart von der Polizei verhaftet. Es foll fich um den 23jährigen Grafen Beter von Bahlen aus der Villa Ingelheim, die dem Prinzen Eifel Friedrich gehört, handeln. Augenbildlich findet seine Vernehmung auf dem Polizeipräsidium in Botsdam statt. Erster Das Gaufeft des Reichsbanners in Kottbus. Sonnabend, den 3., und Sonntag, den 4. Juli, findet das Gau fest des Reichsbanners in Rottbus statt. Fahrkarten zu dem Sonnabend nachmittag 3 Uhr 20 Minuten Redner ist Reichskanzler a. D. Philipp Scheidemann. Dom Görliger Bahnhof abgehenden Sonderzug sind noch bis 3 Uhr beim Fahrtleiter erhältlich. Preis für Hin- und Rückfahrt 5,20 Mart. Zum Kutister- Urteil. Wie nicht anders zu erwarten war, hat Iwan Kutister durch seinen Verteidiger Rechtsanwalt Nr. Nübell d. h. daß die Gerichtsverhandlung von einem bestimmten Bunft die Wiedereinſegung des Verfahrens in den vorigen Stand beantragt, an aufs neue aufgerollt werde. Der Antrag wird damit begründet, daß Kutister nicht allein während der letzten Sizungen, die in Moabit stattfanden, nicht zugegegen war, sondern daß er auch während der Gerichtsverhandlungen, die an seinem Krantenbett stattfanden, gewiffermaßen abwesend gewesen ist, da er von drei Gerichtsärzten als verhandlungsunfähig erklärt worden war. Hinzu tommt noch, daß er wegen seiner Transportunfähigkeit auch das letzte Wort nicht erhalten fonnte. Kutister verdient wahrlich wenig Sympathie oder Mitleid. Trogdem soll nicht verschwiegen werden, daß die Maßnahmen des Gerichts im Kutister- Prozeß von Dornherein äußerst bedentlich schienen. Man fonnte mit Recht im Zweifel darüber sein, ob sie den Forderungen der Strafprozeßordnung entsprechen. Sie bedeuten auch einen gefähr lichen Präzedenzfall. Die Zunahme der Gasvergiftungen wird durch die Tatsache illustriert, daß im Laufe des Freitags die Rettungsstelle 8 allein dreimal alarmiert wurde. In allen drei Fällen waren die Wiederbelebungsversuche durch Feuerwehr und Arzt glücklicherweise von Erfolg. Eine solche häufung von Gasvergiftungen allein in einem Bezirk ist in letzter Zeit nicht beobachtet worden. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend feiert am Sonnabend, den 3. Juli, in den Gesamträumen der Neuen Welt, Hasenheide, das Fest des internationalen Genossen. fchaftstages als Zeichen des großen Solidaritätsgedankens der Berbraucher aller Länder. Wir empfehlen unseren Lesern, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Die Festrede hält der Geschäftsführer A. Mirus. Wiener Gartenfonjerf bei Kroll. Der Desterreichische Hilfsverein veranstaltet zur Unterstügung seiner Landsleute militärische Konzerte im Kroll- Garten. 38 Mann des österr. Alpenjägerregiments Nr. 10 bringen Desterreichs Weisen zu Gehör. Die sprichwörtlich gewordene Schneid der Regimentsmufit war leider nicht zu verspüren. Db's am trüben Wetter und dem damit ver bundenen schwachen Besuch lag? Das Programm war auch nicht gerade glüdlich gewählt, z. B. ein Strauß- Balzer ohne Geigen, ist mie ein Windbeutel ohne Schlagsahne! Man fühlte sich in ein fleines Provinzstädtchen verfeht, das im Stadtgarten bei Kaffee und Kindergeschrei sein übliches Nachmittagskonzert erledigt und wunderte fich fast, statt Häfelarbeit und Stiddedchen heftig qualmende, furzberodt und behaarte Weiblichkeiten vorzufinden. hat man das Orchester nun eigens aus Wien exportiert? Dann ist es vielleicht noch reise müde. Die Ferien- Dampferfahrten der Stern- und Kreisschiffahrt haben in diesem Jahre eine Erweiterung erfahren. Außer den befannten täglichen Sonderfahrten nach Stallberge, Grünbeide, Teupik und Barch findet am Mittwoch, den 7. Juli, eine Fahrt über Dranienburg- Eberswalde- Treppenschleuse- Niederfinom durch das Ueberschwemmungsgebiet bet Hobensaaten nach Oberberg statt. Neuaufgenommen ist ferner die Freitagsfahrt von Zegel nach dem Werbellinjee, Der Prozeß des Amtsgerichtsrats. Die zwei Geliebten. " Der Prozeß gegen den Breslauer Amtsgerichtsrat Josephson, über dessen Beginn wir im Vorwärts bereits berichteten, zieht sich in die Länge. Aus den vier für die Gerichtsverhandlung vorgesehenen Verhandlungstagen werden es wohl fieben oder acht werden. Gelegenheit genug, um das verwickelte und verworrene Liebesleben dieses Justizbeamten in allen Einzelheiten vor der gesamten Deffentlichkeit durchzuhecheln. Natürlich war sein Privatleben seine Privatsache; hätte er je ahnen können, daß es por die breite Deffentlichkeit gezerrt werden würde, so wäre er vielAuch Richter sind ja nur schwache leicht vorsichtiger gewesen. Menschen, und ein schwacher Mensch war der Angeklagte. Eine Frau und gar auf lange Dauer eine und dieselbe genügte ihm nicht. Und so fam es, daß er zu gleicher Zeit mit drei Frauen Berhältnisse unterhielt weil er von feiner losfommen fonnte, wie er behauptet mit der Frau Schmidt, die ihm ein Kind gebar, mit der Rosenstod, die zwei Wochen nach der Geburt dieses Kindes fich schwanger fühlte, und mit der Heffe, auf die die Roſenstod geschossen hat. Die Rosenstock behauptet, Josephson habe fic veranlaßt, die Frucht abzutreiben. Er bestreitet dies. So oder anders das Kind wurde abgetrieben. Josephson ist im Augenblick 46 Jahre alt, ist als Sohn eines Kaufmanns in Neutomischel geboren, studierte anfangs Nationalökonomie und Philosophie, wurde dann Jurist und war seit 1910 in Brieg als Amts- und Landrichter beschäftigt. Hier lernte er die Rosenstock fennen. Als er im Jahre 1921 nach Breslau versett wurde, lebte er da mit einer Freundin, einer Frau R. Nach deren Tod ging er ein Berhältnis ein mit einer Frau v. E., die dann im Irrenhaus starb. Geld differenzen mit dieser brachten ihm ein Disziplinarverfahren ein. Die Beziehungen zu der Rosenstock hatten aber nie aufgehört. Als er ihr bereits einmal in Brieg untreu murde, beging fie einen ernsten Selbstmordversuch. Seit diesem Augenblick empfand sie für ihn, wie sie selbst fagte, ein frankhaftes Gefühl, fie mußte ihn haben, um ihn zu lieben oder zu hassen. Im Jahre 1920 lernte er die Hesse in Oppeln fennen, 1922 nahm er den Verkehr mit ihr wieder auf. Bald darauf ging fie nach Amerifa und überließ ihm ihre Wohnung und ihr Geld zur Verwahrung. Als sie zurückkehrte, verlangte sie von ihm ihr Geld wieder. Er entschädigte sie, es entstanden jedoch Differenzen, die zu Erpressungen geführt haben sollen. Die Heffe war auf die Rosenstod eifersüchtig: Josephson mußte sich vertraglich verpflichten, unter Androhung einer Konventionalstrafe, mit der Rosenstock zu brechen. Zwischen dem Amtsgerichtsrat und der Hesse kam es zu schlimmen Auftritten. J. soll sie mißhandelt und geschlagen, sie ihm derartige Szenen auf der Straße und in seiner Wohnung gemacht haben, daß selbst ein Polizist geholt werden mußte. Die Hesse hat eine bemegte Bergangenheit hinter sich. Drei Jahre hindurch stand die jetzt Neununddreißigjährige, als junges Mädchen, unter Sittentontrolle, dann war sie jahrelang in den verschiedensten Hafenstädten als Bardame tätig. Im Jahre 1910 ging fie ein Berhältnis mit einem Offizier ein, den fie später erpreßte. Der Angeklagte fann fich jetzt nicht genug tun im Her unterreißen seiner frühern Geliebten. Er soll aber gewußt haben, daß sie außer dem Berhältnis mit ihm noch mit mehreren Männern Berfehr unterhielt. Jegt in der Gerichtsverhandlung fommt es zu erregten Szenen zwischen ihm und der Hesse. Sie nennt ihn Verbrecher", er fie Lügnerin". Der Amtsgerichtsrat gerät zeitweise in höchste Erregung. Grund genug hat er dazu. Absturz eines französischen Flugzeugs. Fünf Personen getötet. Prag. 2. Juli.( WTB.) Ein gestern aus Straßburg abgeflogenes Flugzeug der Luftfahrtgesellschaft Franco- Roumaine, das unterwegs in Nürnberg noch Reisende aufgenommen hatte, ist bei dem Dorfe Roßhaupt in Böhmen abgestürzt. Fünf perfonen wurden getötet und eine schwer verlegt. Einzelheiten, namentlich über die Persönlichkeiten der Berunglüdfen, liegen bis her noch nicht vor. Ein Elternpaar vor den Augen des Sohnes ertrunken. Am Freitag früh sprang die in den fünfziger Jahren stehende, feit längerer Beit geistesgestörte Ehefrau des Zimmermanns Sallge in Sagan in die hochgehenden Fluten des Bober. Der Ehemann und der Sohn eilten der Unglücklichen nach. Der Mann sprang in voller Kleidung ins Wasser, um die Frau zu retten. Beide rangen eine zeitlang mit den Wellen, gerieten aber in einen Strudel und ertranfen vor den Augen des Sohnes. Die Leiche der Frau fonnte bereits geborgen werden. Der Wiener Frauenmord hat eine rasche Aufklärung gefunden. Der Schauspieler Raimund beobachtete am Donnerstagabend, nach dem der Fund eines Frauenbeines auf der Donaubrüde befannt gemorden war, von der Straßenbahn herab einen Mann, der ein längliches Patet von der Reichsbrücke in die Donau werfen wollte. Der Schauspieler sprang ab und ließ den Mann festnehmen. Es war der Täter. Er heißt Johann Wimpassinger, ist 48 Jahre alt und von Beruf Fleischer, allerdings schon seit längerer Zeit arbeitslos. Er legte sofort ein umfassendes Geständnis ab. Danach will erschlagen haben. Der Mörder wird als ein ruhiger Mensch geer seine Frau am Montag im Laufe eines Streites mit einer Hacke schildert, während seine Frau furchtbar zänkisch und streitfüchtig gewesen sein soll. Sie galt als der Schreden des ganzen Hauses und hatte nicht weniger als 38 Polizeiftrafen. Wimpaffinger stellt die Tat als eine Art Notwehr hin. Sport. Treptow, das in dieser Sportfaifon am Mittwoch, den 7. Juli, statt. Das erste Abendrennen in Treptow. Für das erste Abendrennen in findet, ist die Austragung eines Sportereignisses vom Range des Großen nationalen Mannschaft von Sawall und Feja das französische Baar Preises von Deutschland angesetzt worden. Bisher steht der Maronnier und Brunier gegenüber. Der fünfte Teilnehmer ist bis zur Stunde noch nicht bestimmt. Es soll jedenfalls ein Quintett an den Start gehen, das den Großen Preis von Deutschland" schon durch seine Belegung zu einem sportlichen Ereignis macht. Die Abendveranstaltung begegnet im Publikum einem anhaltenden Intereffe. Das hohe C Die vornehme 6 Pfg Zigarette Sie fingt nicht, wie der Sänger fingt, und doch Melodie in ihr erklingt! Orient Tab- u.Cigart- fabr.Yenidze G.m.b.H, Dresden Köln, Königsberg LP, Seifhennersdort Sa Sonnabend 3. Juli 1926 Unterhaltung und Wissen Beilage des Vorwärts Die Saurier des Muſeums für Naturkunde Schwarz- weiß- rot gegen Schwarz- weiß- rot. Von Willy Ley. • Als der amerikanische Millionär James Lid, ein ehemaliger Drgelbauer, merkte, daß auch Millionäre schließlich einmal sterben müffen, ohne etwas von ihren Millionen über den Tod hinüber. retten zu fönnen, war er darauf bedacht, sich wenigstens ein möglichst dauerhaftes Grabmal zu schaffen. Zuerst soll er an eine Pyramide nach ägyptischer Art natürlich mindestens doppelt so groß gedacht haben, wurde dann aber eines besseren beraten und baute als Grabmal eine der größten und modernsten Sternwarten Ameritas; mohl wissend, daß dies sonderbare Grab( seine Urne ist im Sodel des großen Fernrohres eingemauert) nicht nur besser gepflegt werden wird als jedes andere, sondern auch in allen fünftigen Kriegen und Staatsumwälzungen von allen Beteiligten möglichst geschont werden wird. Schwebt doch über den Stätten der Wissenschaft ein strengeres heilig", als jemals über Kirchen und Kapellen. Man mag der Sache gegenüberstehen wie man will, Dom Standpunkt der Wissenschaft ist sie zu begrüßen. Um so mehr, als andere Licks Beispiel auf anderen Wissensgebieten gefolgt sind. Carnegie, einer der größten unter den Finanzfauriern Ameritas, hat dankenswerterweise seine ausgestorbenen Kollegen" aufs Korn genommen. Unser Berliner Naturkundemuseum verdankt ihm den 2bguß eines 25 Meter langen, in Wyoming gefundenen Diplodocus. Das riesige Stelett beherrscht in drohendem Schwarz die ganze linfe Seite des Lichthofes.( Das ursprüngliche Stelett ist übrigens aus den Resten von sechs Individuen zusammengefeßt.) Fast tomisch mutet es an, daß des alten Heraklit alles fließt" auch für diesen Vorweltriesen feine Wirksamkeit behält. Man hatte den Diplodocus wie ein Säugetier aufgestellt, hochbeinig und mit flachem Hals, jegt hat man fich nach langem Streit der Weisen zu der Auffassung durchgerungen, daß die derhältnismäßig schwachen Füße den un geheuren Leib so nicht tragen fonnten, und hat ihn flach wie ein Krokodil mit hochgeredtem Hals refonstruiert. Eine Tafel an dem Sfelett zeigt auch diese Berichtigung. Man geht mit vollem Recht neuerdings sogar noch einen Schritt weiter und macht den Diplodocus zu einem„ teilweisen" Wassertier, von dem man annimmt, daß er gründelnd die weiten Wattenmeere seiner Zeit durchstreifte. Sein schwaches Gebiß, das augenscheinlich nur noch dazu geeignet ist, weiche Wafferpflanzen abzureißen und hinunterzuschlingen, ist die stärkste Stüße dieser Annahme. Vor dem Skelett des Diplodocus liegen Wirbel und einzelne Reste des am Tendaguru in Deutsch- Oftafrifa gefundenen Brachiosaurus Brancai, der seinem nordamerikanischen Better noch bedeutend an Größe übertrifft. Man fann sich ein ungefähres Bild von dem Unterschied machen, wenn man erfährt, daß der Oberarm eines Brachiosaurus 1,95 Meter mißt, der des Diplodocus 0,90 Meter. In Betracht ziehen muß man dabei allerdings, daß die beiden Saurier sich nicht so ähnlich maren, wie ein Markstüd dem andern. Der Brachiosaurus mar, obwohl seiner Größe entsprechend, plump, vorn mehr hochgeredt, also entfernt giraffenähnlich. Wenn im rechtsgestimmten Krale Sich das pp. nationale Sehr verehrte Publikum Seine Thesen mittels Keile, Mittels Keule und Geheule Darlegt flüstert's ringsherum: Der Jungdeutſche für VoldsProktu.Ständefrieden das unser Museum mit Recht stolz fein fann. Um ein Bild von den Schwierigkeiten des Auspräparierens zu geben, sei gefagt, daß In der linken hinteren Ede des Lichthofes steht ein Dinosaurier, an diesem Glyptodonpanzer fast fünf Jahre gearbeitet wurde. der den Typ der zweibeinig laufenden vorführt. Es ist der Plated Das nächste Stelett bringt uns ins Meer. Die Hochseechse faurus aus dem Keuper von Halberstadt. Die größten Zweibeiner Ophthalmofaurus, ein fiichartiges Tier von der Organisation der unter den Drachen waren wohl der amerikanische Allosaurus( ein edlen Ichtyosaurier. Nebenan zeigt Meister Plesiosaurus die ander Raubfaurier) udn der große Iguanodon von Berniffart in Belgien, Art der Hochseechsen, die Schwanhalsdrachen. Und neben dem der in Lebensgröße vor dem Eingang des Berliner Aquariums Auf- Plesiosaurus sehen wir das restaurierte Stelett eines zweifüßigen erstehung gefeiert hat. Auf der anderen Seite sieht man einen Raubdrachen, des Elaphrofarus. Der schlanke, start seitlich zu Saurier, der vom zweifüßigen Gang wieder zum vierfüßigen zurüd fammengebrüdte Rörper zeigt auf den ersten Blid, daß das Tier gefehrt ist. Besonders bemerkenswert ist bei dieser verhältnismäßig einer der schnellsten Läufer aller Zeiten gewesen sein muß. fleinen, am Tendaguru gefundenen Echse Kentrurosaurus- ein Die rechts neben dem Lichthof gelegene paläontologische Abdoppelter Stachellamm über die gesamte Rückenlinie. Zweifellos in teilung des Museums bietet dem Laien wegen der Fülle des Maihrer Beweglichkeit eine wirksame Berteidigungswaffe. In Wyoming terials nicht so viel Interessantes. Diesen Saal fann man nicht, wie also am Ort des Diplodocus lebte ein ähnlicher, min die anderen, schauend durchschlendern, hier ist eine gewiffe Berhier ist eine gewisse Berdestens dreimal so großer Saurier( Stegosaurus), bei dem sich die tiefung vonnöten. Besonders hinweisen möchte ich noch auf die Stacheln zu quadratmetergroßen Knochenplatten ausmuchsen.pielen Ichtyosaurusplatten, die Fußspuren des Iguanodon und Bilder und Gesteinsproben von der Tendaguruexpedition vermitteln Chirotherium, die Stelette der Riesenstraußvögel, die Blatten mit ein anschauliches Bild der Schwierigkeiten. Von Afrika fommt man dem Abdruck der Archäopterig( des Urvogels) und die schönen fofort wieder nach Südamerika. Der mächtige Knochenpanzer des Ammonitenrefte. Interessant auch die Knochen und Stoßzähne nächsten Tieres( Glyptodon, ein Riefengürteltier, also fein Saurier, foffiler Mastodonelefanten, die auch von den Säugetierriesen der sondern ein Säugetier) stammt aus den Pampas. Ein Stück, auf Tertiärzeit ein Bild geben. 5] Die Nadel. Von A. V. Smiloosti. ( Schluß.) Der Meister sah schweigend auf die Uhr neben der Türe. Es war schon fast halb sieben; um sieben Uhr spätestens sollte er seine Arbeit abliefern. Ein Seufzer entrang sich seiner beklommenen Brust. Die Kubastin band sich ihr bestes Tüchel um den Kopf, warf fich das schon ordentlich abgetragene Wolltuch um, und, indem sie einen Augenblick in den Wandspiegel schaute, ging sie. Der Meister aber stand auf und begann seine Nadel zu suchen, ein Wunder, daß er sich dabei nicht die Augen herausguckte. Die Nadel war nirgends zu finden. „ Das geht nicht mit natürlichen Dingen zu," brummte er für sich, „ Das ist ein böses Zeichen. Gott befohlen!" Er setzte sich nieder, verschränkte die Hände im Schoße und ließ den Kopf hängen. Er erinnerte sich des Brunnens hinter dem Stranidyschen Hofe und aller geftrigen Gedanken, die ihn so betäubten, daß er beinahe in den Brunnen gesprungen wäre. Ein Wunder, daß ihn die Scham, das Herzeleid und die Schande nicht um den Verstand brachten. Wenn das so jemand in der Stadt wissen würde, was würde man von ihm denken? Das Bewußtsein, daß er, ein alter, rechtschaffener Mann, eine so schmähliche Tat begehen wollte, quälte ihn so, daß er sich mehr, als ihm zuträglich war, über fich ärgerte. Baul, Baul," tadelte ihn das gequälte Gewissen, wohin ift deine Ehre gekommen? Was für eine abscheuliche Suppe haft du dir da eingebrodt?!" Er stand auf und wollte sich waschen; da erinnerte er sich, daß er noch nicht rasiert sei; er traf dazu Borbereitungen, stellte sich einen Topf auf den Tisch und lehnte einen fleinen Spiegel daran. Dann feifte er sich die Wangen ein und zog die Klinge ab. Er begann mit dem Rasieren, doch die Hand zitterte ihm ganz fürchterlich. Er schnitt fich, das Blut rann ihm über die Wange. Nun, es wird nicht so schlimm sein," dochte er sich und fuhr fort, sich zu rasieren. Blöglich zudte er zusammen und schrie auf. Die ganze rechte Wange blutete ihm und das Blut, mit Seife vermischt, rann in einem Bächlein herab. Er stand auf. In diesem Augenblic fam die Kubastin gurüd. Als sie ihren blutenden Mann gewahrte, erbleichte sie wie der Tod. Sie dachte nichts anderes, als daß er sich die Pulsader zerschnitten hätte. " Um Chrifti willen, Bater!!" rief sie entsetzt aus. „ Gib mir Baffer, wasch mich ab, ich hab' mich gehörig ge schnitten." Die Kubastin musch ihn ab und atmete auf. Ueber der linken Backe hatte er oben eine fleinere, aber darunter eine lange Schramme. Er blutete ständig noch, das Blut ließ sich nicht stillen. Die Meisterin zupfte Verbandstoff und verklebte ihm die Schramme. Endlich war sie mit der Operation fertig. Kubasek besah sich im fleinen Spiegel. werde heute nicht einmal auf den Chor gehen können. Wer wird „ Ach, schlimm ist's, schlimm!" flagte und jammerte er.„ Ich die Trommel schlagen? D, meine Reputation! Bei Ziona ist sie dahin, und bei Butinka wird sie es auch sein. Alles wendet sich gegen mich. Ich hätte lieber in den Brunnen springen sollen!" „ Es ist ja noch nicht einmal acht Uhr, und bis elf kannst du noch in die Stadt und die Kirche gehen." „ Das werde ich, so Gott will, nicht tun. Damit die Leute denken, ich sei irgendein Saufbold, irgendein Raufbold aus einer Schenke. Tu mir's zuliebe, Weib, und schweig still! Ich bin ein sehr bedauernswerter Mensch. Ueberlaß mich meinem Schicksale!" " Du kannst dir doch mit dem Tüchel die Wange zuhalten!" Kubajet schüttelte den Kopf und wurde kleinmütig. Er bemeinte im Geiste seine verlorene Ehre. Den ganzen Vormittag saß er schweigend da; als es elf Uhr war, rannen ihm Tränen mie Erbsen so groß herab. Die Biffen beim Essen wuchsen ihm im Munde, daß er sie nicht herunterzuschlucken vermochte. Nach dem Mittagmahle tramte die Kubaskin in den Kleidern am Aufhängerechen, der einen Kasten ersetzte, und aus bloßer Gewohnheit durchsuchte sie die Taschen des Wochentagsgewandes ihres Mannes. Plöhlich rief fie freudig aus: Ich hab' sie schon!" Rubaset sprang auf und seine Augen strahlten. Die Frau brachte ihm feine" Nadel; fie war in der Westentasche. Weiß der liebe Herrgott, wie sie dort hingeraten war. Vielleicht rutschte sie hinein, als er den dritten 3mirn einfädelte. Kubasef lebte auf wie ein Chamäleon, das sich nach langtägiger Reise aus Aegypten mit Waffer besprigt. Er ließ sich ein Seidel frisches Bier holen, setzte sich auf den Tisch und machte sich über Wenzelchens Anzug her. Abends Deutſche Zeitung Hier wird ein Malheur passieren! Wie kann man sich so blamieren! Dieses ist Germanen- Not! Rings im Lande herrscht Entsetzen, Denn in Lappen und in Fehen Geht der Boden Schwarz- weiß- rot! LANDMERMAN Maffenfabrikation von Flaschen. Bis vor nicht langer Zeit er folgte die Herstellung von Glasflaschen durch Handarbeit oder beffer ,, Mundarbeit", indem der Glasbläser das eine Ende des eisernen Blasrohres" in einen mit flüffiger Glasmaffe gefüllten Tontiegel tauchte und den beim Herausziehen daran hängenbleibenden Klumpen zähflüffigen Glafes durch hineinblasen unter gleichzeitigem Schwenten Ansprüchen der Technik genügte dies Verfahren nicht mehr, weshalb des Rohres die gewünschte Form gab. Den sich ständigsteigernden man auch hier die Handarbeit durch Maschinenarbeit ersetzte. Jetzt fommt aus England die Nachricht von der Konstruktion einer Glasblafemaschine für die Flaschenfabritation, deren Leistungen alles auf diesem Gebiete bisher dagemefene übertreffen. Die Maschine besteht aus einer Säule, an deren drehbarem Oberteil zehn gleichartig ausgebildete Blasevorrichtungen angebracht sind. Die Säule ist hohl und dient gleichzeitig der Zuführung von Kühlluft. Die zehn Blasevorrichtungen sind auf einem gußeifernen Ring befestigt, der durch einen faugt jede Blafevorrichtung aus einem gleichfalls rotierenden Behälter Elektromotor in Umdrehung gehalten wird. Während des Umlaufs die zur Herstellung einer Flasche erforderliche Menge flüssigen Glases an. Während der nächsten Arbeitsvorgänge wird die Flasche dann fertig geblasen, abgefühlt und schließlich automatisch aus der Maschine ausgestoßen. Diese Maschine vermag in jeder Minute 27 Flaschen herzustellen, in der Woche also rund 250 000 Stück, von denen nur etwa 7 Proz. als Ausschuß fortgeworfen werden müssen. mar er fertig, die Meisterin trug ihn zu den Ziomas und bat dort neuerlich für ihren Mann. Rubafet fürchtete sich geradezu, in die Stadt zu gehen, von weitem wich er 3iona und Butinta aus. Einmal aber begegnete er zufälligerweise Ziona. Der Lehrer las ihm gehörig die Leviten, und Kubaset mudste nicht einmal. Dabei tropfte ihm nur eine Träne herab. Diese Träne stimmte Ziona weicher. Er reichte dem Meister die Hand und sagte zu ihm, er möge sich nur wieder ein Buch holen. An demselben Tag sprach Putinka, der Chorleiter, ihn an. Der war ein schlimmerer Patron und setzte ihm so zu, daß am Meister nicht ein gutes Haar blieb. Kubasef nahm die verdienten weshalb er am Pfingstfeiertage seine Trommel im Stiche gelassen Vorwürfe schweigend hin, und als Putinka durchaus wissen wollte, habe, erzählte er ihm alles, was mit der Nadel passiert war. Butinka hörte ihn an, nahm ernst eine Prise, wog sie in der rechten Hand und schnupfte in seiner lauten Art. Nach einer Weile Schweigens entgegnete er gerührt:" Uebermorgen haben wir ein bezahltes Requiem um neun Uhr, kommen Sie die Trommel schlagen, Kubaset, Sie bekommen einen Gulden dafür!" Und ich selbst habe das ganze Geschichtlein von der Nadel aus Putinkas Munde vernommen. Die Leute fagten von Putinta, daß er ein weiser Mensch wäre, und dies deshalb, weil er, wenn er etwas aus dem Leben erzählte, dies niemals ins Blaue hinein redete, sondern gewöhnlich damit eine bestimmte Lehre verband, die er zum Schluß deutlich aussprach. Auch Kubasets Nadel entging seiner Weisheit nicht. Hand aufs Herz," sprach er zu mir am Schlusse,„ hat nicht jeder von uns seine Nadel, um die er Kerzen verbrennt? Und nicht allein wir, als einzelne Menschen, auch ganze Völker. " Ich muß Ihnen beistimmen," entgegnete ich, ich wenigstens habe schon oftmals eine ganze Kerze wegen einer Nadel verbrannt. Mir Menschen sind nun einmal so: wegen einer unbedeutenden Sache opfern wir manchmal viel, oft sogar unser ganzes Wohl." Recht, recht so, mein werter Herr," fügte Putinka hinzu,„ aber wir dürfen auch nicht vergessen, selbst die unbedeutendste Sache vernünftig und klar zu überlegen, weil eine anscheinend kleine Sache große Folgen haben kann. Dann hielt er mir mit Wohlgefallen seine Tabakdose hin. Und es mar feine kleine Auszeichnung, wenn Putinka jemanden eine Prise anbot. ( Deutsch von 3. Reismann.) Aus der Partei. 40 Jahre Münchener Post". Nun ist auch unser liebes Münchener Bruderblatt 40 Jahre alt geworden. Unbegrenzter Opfermut und unerschütterliche Ueberzeugungstreue der Münchener Parteigenossen haben trotz dunkelster Reaktion und brutaler Polizeischikane dem Blatt zu seiner heutigen Größe und seinem Ansehen verholfen. Mitten in der Zeit des Sozialistengesetzes, nach wiederholten Verboten von neugegründeten Arbeiterblättern, geboren, verfocht es unerschrocken die Interessen des werktätigen Volkes. Die Namen mutiger Kämpfer des Sozialismus find mit seiner Gründung eng verknüpft. Männer wie Schönlant, Mar Bernstein, Regel, Ignaz Auer, Vollmar, Viereck, Eichhoff. Eins ums anderemal wanderten die Verantwortlichen in die Gefängnisse. Trozdem konnte das Blatt bereits zwei Jahre nach seinem Erscheinen, 1888, täglich erscheinen. Im Oktober 1889 wurde das ursprünglich von Viereck auf eigene Rechnung herausgegebene Blatt von der Partei übernommen; am 2. Juli 1901 erschien die erste in eigener Druckerei hergestellte Nummer. Seitdem ging es unaufhörlich aufwärts, woran Gen. Dr. Adolf Müller, der langjährige Leiter des Blattes und jezige deutsche Gesandte in Bern, das Hauptverdienst gehabt hat. Eine große Gefahr für den Fortbestand der Zeitung bedeutete die Reaktionsperiode der Kahr Knilling Pöhner; ihr Gipfelpunkt war die Zerstörung der Betriebseinrichtungen durch die Hitler- Banden im November 1923. Auch diese Zeit ist überwunden; heute steht das Münchener Parteiorgan gefestigter da denn je, ge= achtet von der breitesten Deffentlichkeit, betreut von den Genossen, ge= fürchtet vom Gegner. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW 68, Lindenstraße 3, P WINKEL Geben die Gedichte, die Fränze Roloff gestern abend sprach, den Rhythmus der Großstadt? Raum! Gleichgültig, ob sie von Leonhardt, Georg Heym, Oskar Loerke oder Mar Hermann find. Versteckte Melancholie klingt in den Versen, ein wehmütiges: Als ich noch Prinz war von Arkadien", uneingestanden trauert man um verlorene Paradiese, nur Morgenstern bejaht. Diese Gedichte haben nicht den aufpeitschenden Rhythmus, das wilde Tempo der Straße, das in manchen Versen Ernst Stadlers fiebert, und das fabaretthaft ein Mehring bringt. ,, Lyrik der Großstadt", sie webt um die Hinterhäuser, sie lebt im Großstadtmorgen. Nur die Gegenstände haben gewechselt, die Form ist wenig geändert; flingen diese Gedichte nicht, als ob sie eine Landschaft behandelten? Warum soll die Großstadt nicht besungen werden? Ist nicht alle Naturschwärmerei heute im Grunde eine Sentimentalität? Und Fränze Roloff spricht die Verse gelöst, manche ganz weich mit einem sentimentalen Seufzer, manchmal wird die Stimme metallisch, aber niemals merden die Verse rhythmisch gestrafft. Der Vortrag heißt eben 2yrit der Großstadt. Danach ein gewähltes Kammerkonzert mit Hans Mahlfe und Baul Schramm. Es beginnt mit York Bowens Sonate in C- Moll. Bowen ein englischer Neutöner? Dann könnte man auch Elgars Oper ,, Maritana", füßlich wie„ Mignon", die Mondscheinsonate. Er entschädigt in reichem Maße für die matte Limonade, die vorher fredenzt wurde. Schumanns Märchenbilder beschließen den Abend. Mahlke behandelt die Bratsche virtuos, läßt fie fingen, schmerzvoll weinen, Schramm begleitet mit fünstlerischer Zurüdhaltung. Endlich ein Abend, der viele Sünden des Rundfunks vergeffen läßt. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 3. Juli. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.30 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Esperanto( Direktor Jul. Glück). 5 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Franz v. Szpanowski. 6-6.30 Uhr abends: Teemusik aus dem Hotel Adlon( Kapelle Marek Weber). Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theaterdienst. 7 Uhr abends: Dr. Hans Bollmann: Die deutschen Kampfspiele in Köln. 7.25 Uhr abends: Medizinisch- hygienische Plauderei( San.- Rat Dr. Paul Frank). 7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Hochschulkurse). Abteilung Philosophie. Dr. phil. et med. Max Dessoir:„ Das Schaffen des Künstlers". 8.30 Uhr abends: Was ein Berliner Hof erzählt. Ein Hörbild. Regie: Alfred Braun. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik( Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Königswusterhausen, Sonnabend, den 3. Juli. 1.10-1.40 Uhr nachm.: Madrigal- Chor unter Professor Thiel: Musikalische Darbietungen für Schüler. 3-3.30 Uhr nachm.: Prof. Dr. Amsel und Westermann: Einheitskurzschrift. 3.30 bis 4 Uhr nachm.: Dr. W. Grabert: Die Forderung eines kulturkundlichen Unterrichtes und die gegenwärtige Unterrichtslage. französischen Volkscharakters. 4.30-5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 5-5.30 Uhr abends: Else Steup: Bücher von Naturfreunden und Forschern. 8.30 Uhr abends: Uebertragung von Berlin. für Groß- Berlin Liebesgruß als moderne Mufit bezeichnen. Es gibt eine engliſche-4.30 Uhr nachm.: Dr. W. Grabert: Die treibenden Kräfte des ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 7. Areis Charlottenburg. Die für Dienstag, 6. Juli, festgefeßte erweiterte Borstandssitung fällt wegen der an diesem Tage stattfindenden allgemeinen Funktionärversammlung aus. Die Abteilungskassierer können die Jugendmarken in der Versammlung am Donnerstag, 8. Juli, abrechnen. 22. Abt. Heute, Sonnabend, 3. Juli: Die Bezirksführer rechnen am Montag, 5. Juli, 6% Uhr, beim Genoffen Schmidt ab. 86. Abt. Mariendorf. Die Bezirksführer werden dringend ersucht, bis zum Sonntag, 4. Juli, bestimmt beim Genossen Lenske abzurechnen. Morgen, Sonntag, 4. Juli: 102. Abt. Baumschulenweg. Nachmittags 1,15 Uhr beteiligen sich alle Mitglieder am Waldfest des Männerchors Oberspree. Abmarsch vom Bahnhof. 128./130. Abt. Bankow. Nachmittags 2% Uhr Einweihung des Sportplages des Arbeiter- Turn- und Sportvereins gegenüber dem Bahnhof PankowHeinersdorf. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Jungfozialisten, Sonntag, 4. Juli: Gruppe Neukölln I: Treffpunkt zur Fahrt nach dem Schwielowsee früh 61 Uhr Potsdamer Bahnhof. Gruppe Süden: Wir treffen uns früh 7½ Uhr am Bahnhof Nikolasfee zur Fahrt nach der Havel. Nachmittags beteiligen wir uns geschlossen am Sommerfest der Partei in der Bockbrauerei, Fidicinstr. 2. * Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Groß- Berlin: Treffpunkt zur Helferfahrt nach Rremmen am Sonnabend, 3. Juli, 8 Uhr, auf dem Plak vor dem Stettiner Vorortbahnhof. Gruppe Mitte: Treffpunkt zur Helferfahrt 8 Uhr am Stettiner Borortbahnhof. Geschäftliche Mitteilungen. Raffee Sag ift der gesunde, coffeinfreie Bohnenkaffee. dessen Genuß die Annehmlichkeiten des besten Bohnenkaffes verschafft, ohne die schädlichen Eigenfchaten zu Befigen. Kaffee Sag ist in allen guten Geschäften zu haben. Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne& Lessing- Th Theater am Bülowplatz 8 Uhr: Darüber läßt sich reden Berliner Bilderbogen in 3 Akten Morgen 3 und 8 Uhr: Paul Henckel zum 515. Male: Schneider Wibbel Berber, Grodtczinsky Sommerpr. 1-8 M. schaft, Reichsbanner gegen Darüber läßt sich reden Mitgl.d.Volksbüh., GewerkStaats- Theater Ausweis gute Plätze 1.50. Opernhaus à auch an Angehörige 8 KleinesTh. a. Platz d.Republ. 1/4 712 Uhr: Ein Maskenball Städtische Oper Charlottenburg 72 Uhr: Die Zauberflöte Abonn- Turnus IV Leckerbissen Vorz. dieses zahlt 50% d. Kassenpr Berliner Theater 84 Uhr: Donnerwetter, ganz famos Schiller- Th. Operettenspielzeit. 8 Uhr: Deutsches Theater Die leichte Norden 10334-38 sabell 8 Uhr Max Adalbert in Das Ekel Deutsches Künstl.- Theater Tägl. 814 Uhr. Der fröhliche Die Komödie Weinberg Bismarck 2414, 7516 Th. am Kurfürstendamm 8 Uhr: 8 Uhr: Week- end zum 50. Male SPREEDAMPFSCHIFFFAHRTStern die Ouvertüre wird oft in Rinos gespielt, fast jede englische Komposition erinnert an das facharinierte Andante daraus, Salonmufit, fultiviert und liebenswürdig rührselig, ohne Aufdringlichkeit. Dann spielt Paul Schramm Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin.| Vorträge, Vereine und Versammlungen. Statt Süddeutschlandfahrt zur Sächsischen Schweiz und zum Riefengebirge in der Zeit vom 18. Juli bis 1. Auguft. Meldungen erfolgen an das Jugendsekretariat oder an den Genossen W. Dahm, Weißensee, Trarbacher Str. 11, möglichst bis zum 7. Juli, Heute, Sonnabend, 3. Juli: Mädchenarbeitsgemeinschaft Weft". 7½ Uhr im Jugendheim Charlottenburg, Rosinenstr. 4, Vortrag: Das Gemeinschaftserlebnis in der Jugend". Referent: Genosse Dr. Krische. Werbebezirk Kreuzberg: 7% Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3, Lefezimmer, Arbeitsgemeinschaft Bemmann. Werbebezirk Westen: 7% Uhr im Jugendheim Rofinenstr. 4 Werbebezirks vorstandssigung. Tagesordnung: Unsere Herbst- und Bildungsarbeit im Werbebezirk". Alle Gruppen müssen vertreten sein. Berichtsbogen AprilJuni nicht vergessen. Werbebezirk Neukölln: 7% Uhr Jugendheim Ranner Straße Werbebezirks. funktionärsgung. Vortrag: ,, Die Aelterenfrage". Referent: Gen. M. Westphal, Morgen, Sonntag, 4. Juli: Rosenthaler Borstadt: Fahrt nach Grünau. Treffpunkt 8 Uhr vormittags Rosenthaler Plaz. Fahrgeld 30 Pf. Weften: Fahrt: Ruppiner Kanal. Treffpunkt 6 Uhr Bülowstraße. Steglig 1: Badefahrt: Großes Fenster. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Steglik. Tempelhof: Fahrt: Grunewald. Treffpuntt 6½ Uhr Bahnhof Tempelhof. Niederschöneweide: Fahrt mit der Schülerwandergruppe. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Niederschöneweide. Schönhauser Vorstadt II: Besuch des Soologischen Gartens. Treffpunkt 18 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. Unkosten 80 Pf. HAVEL · GESELLSCHAFT Ferien- Sonderfahrten ( vom 5. Juli ab) 1. Ab Jannowitzbrücke( Belvedère)( ab Schles. Tor Std. später): Tägl. 7.45 Uhr durch die malerische Dubrow nach Teupitz( ab Grünau- Riviera 9.15, Neue Mühle- Schleuse 10.35 Uhr). Fahrpreis: Mont., Mittw., Freit. M. 3,-, Dienst., Donnerst., Sonnabd M. 4,-, Sonnt. M. 5, Tägl. 7.45 Uhr nach Neue Mühle, M. 2.-. Jeden Werktag 8 Uhr nach Kalkberge, M. 2. incl. Führung. Tägl. 8 u. 2.30 Uhr nach Woltersdorfer Mühle, M. 1,50, Sonnt. M. 2,-. Jeden Werktag 8.30 Uhr nach Grünheide, M. 2,-( Sonnt 7'30 und 2.30 Uhr, M. 2,50). Tägl. 9 und 2 Uhr nach Schmetterlingshorst- Schmöckwitz, M. 1,- u. 1,50 ( Sonnt. 8, 9, 10, 11, 1 30, 2, 3 u. 3.30 Uhr, M. 1,- einf. Fahrt). Jeden Werktag( außer Sonnabend) 10 und 3 Uhr nach Neu- Helgoland, M. 1,-. Jeden Mittwoch und Freitag 1.30 Uhr nach Ziegenhals( Rundfahrt u. d. Schmöckwitzer Werder), M, 1,50. II. Ab Berlin, Weidendammbrücke( Friedrichstr.) 9 Uhr. Moabit( Bhf. Bellevue) 9.20 Uhr, Charlottenburg( Schloßbrücke) 9.45 Uhr, Spandau( Charlottenbrücke) 10.45 Uhr: Jeden Montag, Donnerstag nach Werder a. H. mit Rundfahrt um Potsdam M. 3,-. Jeden Sonntag 8 Uhr. Dienstag 9 Uhr. nach Paretz mit Rundfahrt um Potsdam M. 3,-. Jeden Mittwoch 9 Uhr nach Nedlitz M. 2, Jeden Freitag 7.30 Uhr nach Brandenburg a. H. M. 3,-. III. Ab Potsdam, Kais.- Wilh. Br.( Havelhof"): Jeden Sonnt.. Mont, Mittw u. Freit. 130 Uhr, jeden Dienstag 12 15 Uhr nach Paretz M. 2,-. Jeden Montag u. Donnerstag 12 15 Uhr nach Werder. Jeden Donnerstag 9.15 Uhr nach Brandenburg a. H. M 3.IV. Ab Plötzensee( Bhf Beusselstr.): 10 Uhr Mittwoch nach Lehnitzsee- Oranienburg, Donnerstag nach Potsdam- Nedlitz.( Parkrestaurant) M. 2,-. V. Ab Tegel 9.15 Uhr, Montag nach Potsdam („ Havelhof") M. 2,- Dienstag nach Potsdam- Nedlitz ( mit Anlegen in Spandau, Charlottenbrücke 10.45 Uhr), M. 2, Jeden Freitag 7 Uhr nach dem Werbellinsee. Tegelort- Leuchtturm 7.20 Uhr, Lehnitz- Bahnhof zirka Altenhof( mit Anlegen in Spandau, Wilhelmsruh und 9.15 Uhr) M. 3.-. Mittwoch, 7, Juli, ab Berlin, Weidendammbrücke Kavalier Jack Friedrichstraße) 7 Uhr, Plötzensee( Bhf. Beusselstr) Theater d.Westens Operette in 3 Akten 8 Uhr: Musik von D. große Unbekannte Carita von Horst Operette v. Suppé Sommerpr. 2-6 M Kleine Sommerpr Central. Theater Sonnt nachm. 4: Gräfin Mariza Preise 0,50-3,50 8 Uhr: Eva Bonheur Ilka Grüning Residenz- Theat. Lung 84 Uhr: Frl. Julie u. D. Stärkere Maria Neunkirchen, Süssenguth Barnowsky- Bühnen Sommerpreise Theater Königgrätz.Str. T.:Hasenheid.2110 8 Uhr: Gefallene Engel Park Heute u. morgen Der stärkste Mann der Gegenwart Gr. Feuerwerk, Wasseru. Farbenfontäne Neu: Luna- Kino etc. Eintritt nur 70 Pfennig Komödienhaus Theater a. Kottb. Tor Tel.: Norden 6304 8 Uhr. Der Garten Eden Rose- Theater ( Gartenbühne) 5 Uhr: Konzert EliteSänger Zägl. 8 Uhr Gastspiel berDriginal Magdeburger und bunter Tell. Elite- Sänger 8U: Es zog ein Bursch hinaus Biesen- Programm 7,40 Uhr, Tegel 8.30 Uhr. Lehnitz Bhf. ca 10 45 Uhr über Oranienbg.- Eberswalde- Treppenschl.- NiederfinowUeberschwemmungsgebiet Hohensaaten nach Oderberg. Ankunft gegen 6.30 Uhr. Fahrpreis M. 4,-, ab Tegel M. 3,-. Nur Hinfahrt. Rückfahrt per Bann. Alle Preise, außer Oderberg, verstehen sich hin und zurück. Kinder zahlen die Hälfte. Auskunft über Vereinsdampfer bei der ,, STERN" Ges., Brandenburger Ufer 1( Mpl. 2419, 8964, Potsdam 3124), Kreisschiffahrt, Neubabelsberg II b. Potsdam( 1337) Komische Oper 84 Dir. James Klein 814 Berlin ohne Hemd! Die gewaltigste Revue 200 Mitwirkende Sommerpreise Reichshallen- Theater Varieté! Abends 8 Uhr Stettiner Sänger Neu! Ein Hausball bei Meyer's Berliner Burleske von Meysel. Dönhoff- Brettl( Saal u. Gart.) Konzert! Tanz! tellenangebote finden im Vorwärts beste Beachtung A 666666# 9999 Unserem lieben Freund und Genossen, dem langjährigen Abteilungsführer Otto Döring nebst Gattin die herzlichsten Glückwünsche zum 25jährigen Ehejubiläum. Die Genossen der 38. Abtlg. Nach einem arbeitsreichen Leben ist im Alter von 75 Jahren unser früherer Mitarbeiter, Rollege Andreas Bode am 29. Juni 1926 nach kurzem aber Wir schwerem Leiden verstorben. werden dem Dahingeschiedenen für seine Treue als Angestellter sowie für die in der Arbeiterbewegung aufopfernde Tätigkeit ein dauerndes Anbenken bewahren Die Einäscherung findet heute, Sonnabend, den 3. Juli, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Die Angestellten des Deutschen Verkehrsbundes Bezirk Groß- Berlin Berspätet! Am 28 Juni, abends 81/2 Uhr, verftarb im 54. Lebensjahr nach langem. schwerem Leiden mein lieber Mann, unser treusorgender Vater und Bruder ש att. Reichsbanner„ Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Gauvorstand: Alle Rottbus- Fahrer treten am Go., b. 3., bis späte ftens nachmittags 2,50 Uhr in der Wiener Straße am Görl. Bhf. Prenzlauer Berg( Kreis): Nachmeldungen für Rottbus werden noch am Görl. Bhf. angenommen. Wilmersdorf: Achtung! Abfahrt zum Gaufeſt in Rottbus nicht Sonntag, b. 4., früh, sondern So., d. 3., 12 Uhr nachts, ab Fehrbelliner Plaz. Röpenid: Rottbus- Fahrer Go., d. 3., pünktlich 4 Uhr, Wilhelmplak. Preis 3,50 M. Pankow( Kreis): Go., d. 3.: 6 Uhr, Antreten Berliner Ede Schonensche Straße mit Tambourkorps nach Weißensee. Zehlen borf: Rottbus- Fahrer Sonntag, d. 4., früh 5 Uhr, bei Schnorre Sammeln zur Autofahrt. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter bliebenen. Sonntag, 4. Juli, 4 Uhr, Gartenkonzert im Spandauer Bock. Konzert, Feuerwerk. Eintritt 50 Pf. Bez Bebbing 3: Montag, 5. Juli, Versammlung Chauffeestr. 64, Bazenhofer. Berein der Gleiwißer in Berlin. Zusammenkünfte der Gleimiger während der Sommermonate jeden Dienstag nach dem 1. und 15. des Monats im Gartenlokal Charlottenhof( Tiergarten). Laboristal Idisti! Atencez! Saturdio ye 3- ma julio eventos exkurso ad Zernsdorfer Lanken lago. Ni renkontros vespero ye 6.30 kloki avan Görlitzer staciono, Wiener strado. Omni asistez. Laboristal Ido Uniono Internaciona Grupo Berlin. Wetterbericht der öffentlichen Wefterdienststelle für Berlin.( Nachdr. verb.) Etwas Gewitterneigung, sonst troden, meist beiter und wieder warm. Für Deutschland: Im änßersten Süden strichweise Regen, sonst nur Gemitterneigung und ziemlich warm. Verkäufe Bau- und Sparverein ,, Eintracht" e. G. m. b. H. SPARKASSE OSNABRUCK 10 PF EMBR 100 MARK Generalversammlung am Montag, ben 12. Juli 1926, in den Geschäftsräumen Bekleidungsstücke, Wäsche usw. der Genossenschaft, Kurfürstendamm 229. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. Benia getragene, teils auf Seide ge Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung arbeitete, erfttlaffiae Jadettanzüge, Frad- 2. Wahlen zum Aufsichtsrat. anzüge, Smokinganzüge, Gehrodanzüge Bilanz, Gewinn- und Berlustrechnung Quittungs-, RabattCutaways, Sommerpaletots, Gabardine liegen zur Einsicht der Mitglieder im u.Reklamemarken mäntel, Bauchanzüge, für jede Figur Geschäftslotal aus. paffend, außerdem hochelegante Der Borstand: Molkenbuhr, Sievers. neue Garderobe zu staunend billigen Preisen gegen Nachahmung gesetzl. gesch. im Leihhaus Lomidi, Brinzenfte. 105, Holzhäuser Dickmann A.-G., W57 liefert seit 25 Jahren fertigt seit 45 Jahr. als Spezialität hocheleganter Gefellfchafts- Wochenendhäuser- Prospekte gratis! Conrad Müller Leihhaus Lowidi, Brinzen- Wald- u. Wasserparzellen- Nachweis. Schkeuditz- Leipzig eine Treppe. Reine Lombardware. 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September 1926, werden Termine zur mündlichen Verhandlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abgehalten. Berlin, den 1. Juli 1926. Stadtausschuß Berlin, Abtlg. I- V. Schneider. Trabrennen Ruhleben Sonnabend, den 3. Juli nachmittags 3 Uhr Reederei Kieck Falckensteinstr. 48: Tel. Moritzpl. 8197 Ab Oberbaumbrücke täglich außer Sonnabends Sonntags 9, 12, und 2 Uhr, Wochentags 9 Unr früh nach Sonntags 1.50 M. und Neu- Heringsdorf Hin und zurück 1.-M. Woltersdorf. Schleuse Hin und zurück 1.50 M. Sonntags 2.-M. Täglich 9 Uhr früh Hin Kinder d.Hälfte ( außer Sonnabend Grünheide M, Kinder I M Sonntag nach Ferner: Jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag nach Ferch am Schwielowsee Hin und zurück Abf. 8 Uhr Marschallbrücke, nahe Reichstagsgebäude Abf. 9 Uhr Charlottenburg. Tegeler Weg, nahe Bahnhof Jungfernhelde. Mahagoni Ankleideschränke, englifde Satin- Ankleideschränke, Mahagoni- Bertitos 45,-. Ramerling, Rastanienallee 56. 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Die grundlegende Broschüre des proletarischen Freidenkertums gelangte in diesen Tagen zur Ausgabe: W. u. A. Lindemann Die proletarische Freidenkerbewegung Geschichte- Theorie- Praxis Preis 60 Pfennig Diese Programm- Broschüre muß in Massen vertrieben werden! Freidenker- Verlag G. m. b. H. Leipzig W 33, Kösnerstraße 15 Eisschränke nach 6 Monaten Miete Ihr Eigentum Rawatz Berlin W 66, Leipziger Str. 122/123 Photoapparate, Feldstecher kaufen sie gut und preiswert im Photo- Spezialhaus Haller, Kottbuser Damm 98 ühneraugen Hornhaut, Schwielen und Warzen befeitigt fchnet, ficher, schmerz Kukirol und gefahrlos Aerztl. empfohl. Millionenfach bewährt. Bad. 75 Bfg. Gegen Fußschweiß, Brennew u.Bundlauf. Kutirol- Fußbad.$.50 fe Fast alle Apotheken und Drogerien. Nr. ZSS ♦ 43. Jahrgang 2. Seilage öes vorwärts Sonnabend, Z. Juli 1426 Gbersthlesien— Hochwasserhilfe. Beschlüsse des Landtags. Der Preußische Landtag ging am Freitag an die zweite Be- rotung der Vorlag« über die Trennung der Provinzen Ober- und Zliederschlesien. Die Deutschnationalen und die Deutsche Volkspartei rcrlongten die Absetzung der Vorlage von der Tagesordnung und Zurücboerweisung an den Ausschuß. Staassekretär M e i st e r vom Innenministerium forderte die Verabschiedung der Vorlage, die das Ministerium für rechtlich notwendig und für politisch richtig halte. Di« Zurülkverweifung wird abgelehnt. In der allgemeinen Besprechung begrüßt Abg. Franz-Ober- schlesien(Soz.) die Vorlage, die endilch die alten Versprechungen ein- löse, die man den Oberschlesiern in der schweren Abstimmungszeit gemacht habe. Bedauerlicherweise hoben die Rechtsparteien, betonte Franz, aus dem Gesetzentwurf ein politisches Streitobjekt ge- macht und damit unnötig viel Schwierigkeiten geschaffen. Wie so oft, s i wollten auch hier die Rechtsparteien wieder eimnal getreu ihrer Tradition wichtige Versprechungen nicht einhalten. Sie verschanzten sich hinter allerhand wirtschaftlichen Bedenken, die in Wirklichkeit nur in der Einbildung existieren und ungeheuerlich übertrieben werden. Eine Provinz Oberschlesien soll jetzt auf einmal ein oerwaltungs- technischer Torso sein. Dabei haben sich die Rechtsparteien für die Bildung der Provinzgrenzmark eingesetzt, die noch viel kleiner ist als Oberschlesien. Da liegt der Hund begraben. Wer weiß, wie die polnische Presse sofort aus die Verhandlungen des Verfasiungsausschusses reagierte, dem muß klar fein, daß schon im Interesse des Deutschtums die Schaffung der Provinz Oberschlesien nicht mehr hinausgeschoben werden kann. Die oberschlesische Bevöl- kerung muß endlich einmal von dem Gefühl, daß sie bevor- mundet und benachteiligt wird, befreit werden. Als seinerzeit die Optanten nach Schneidemühl kamen, gab es in der Rechtspresse ein großes Ach- und Wehgeschrei über das Wohnungs elend in Echneidemühl. In Oberschlesien mußten die Flüchtlinge jahrelang, wie das Vieh zusammengepfercht, wohnen und die Reichsregierung sah dem seelenruhig zu. Di« Rechtsparteien haben für Oberschlesien nichts übrig, wie auch das alte Regime nichts für die Ober- shlesier getan hat. Und dann kommen Leute wie der deutsch» rationale Graf Garnier in den Landtag und reden groß« Tön« und beschimpfen diejenigen, die in der schweren Abs! immungs zeit gegenüber den Korfan ty-Banden ihren Mann gestanden haben. Wo war denn damals der Herr Graf? Zum Schluß verlangte Franz noch eine Reihe wirtschaftlicher Hilfsmaßnahmen für Ober- f.hlesien, vor allem Förderung des Kanalbaus.— Deutschnationole, Deutsche Volkspartei, Kommunisten und Wirtschastspartei lehnten das �xennungsgesetz ab. Bei der Abstimmung über die Vorlage wird das chaus von der Rechten beschlußunfähig gemocht. In der sofort anberaumten neuen Sitzung werden die vor» liegenden Hochwasseranträge beraten. Ein Ausschußantrag faßt das wichtigst« der einzelnen An« lräge der Parteien zusammen, wie z. B. Klärung der Schuldfrage, Bereitstellung zinsloser Kredit«, Reparatur der Dämme und liierbauten durch Notstandsarbeiten, Nottarif« für den Futtermittel- Iransport und dergleichen mehr. Dos Staatsministerium wird ermächtigt, die zur Hilfe notwendigen Mittel vorschußweise zu ver« ausgaben.— In der Aussprache betont Abg. Paehel(Soz.), daß die sozialdemokratische Fraktion denz Antrag des Hauptausschusses zu- summe. In der Schuldftag« müsse man zunächst das Ergebnis der amtlichen Untersuchung abwarten. Bei der häufigen Hochwasser- gesahr empfehle es sich, daß die Regierung einen oder mehrere Be- nmt« mit der hefonderen Betreuung des Gefahrengebietes beauftrage. Gegenüber den Deutsch nati analen bemerkt Paetzel, daß die Hilfs- altion nicht dazu da sei, um nun die unmöglichsten Wünsche der Land- Wirtschaft, wie Ermäßigung der Steuern auf Jahre hinaus und dergleichen, zu erfüllen. Wichtig sei, daß man die Geschädigten an Ort und Stell« zusammenberufe und ihre Wünsche vortragen lasse. Das sei besser, als wenn man die Per- tcilung der Hilfsgelder durch die agrarischen Organisationen, z. B. durch den Landbund vornehmen lasse.— Der Ausschußantrag. der die Hilfsaktion einheitlich zusammenfaßt, wird vom Haus« angenommen.— Sonnabend Weiterbe rvtung. der Philosoph Theoöor Lessing. Von Dr. A. Adam. Das Bild Theodor Lessings will nicht so recht m den Rahmen dessen, was wir heute Philosophie zu nennen gewöhnt sind, passen. Th. Lessings Hauptarbeitsseld ist Geschichts- und Kulturphilosophie, ein sowieso schon heiß umstrittenes Grenzgebiet: dazu kommt, daß Th. Lessing auch m dieser Sphäre em« außergewöhnlich« Erscheinung ist, so daß es notwendig erscheint, einiges Wesentliche über ihn zu erfahren. Th. Lessing liegt daran, gerade die Ding« und DerhSltmss« in ihr wahres Licht zu rücken, die wir als scheinbar unabänderlich eiin- lach hinnehmen. Er bemüht sich, soweit als überhaupt möglich, vor- urteilsfrei zu sein und kommt dabei betreffs unserer heutigen Kultur zu Feststellungen, die in manchem an Rousseau und Schopenhauer erinnern, aber doch ihr ganz besonderes Gepräge tragen. Th. Lessings Hauptwerk ist„Der Untergang der Erde am Geist", in welches Werk die früheren„Europa und Asien" und„2>ic verfluchte Kultur" aufgegangen sind. Darin fordert Lessing im Hinblick auf Zlsien, das noch ungehemmte und unverb ogcn« Religion und Kulturen hat, Rückkehr zum Unbedingten, Einfachen, Natürlichen und Guten. Lessing will aber nicht Aufgabe unserer wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften, sondern ihre Fortführung und die Be« scelung der von diesen Dingen erfaßten Menschen durch Aussöhnung mit dem Geist der Liebe, wie er im weltabgewondten Buddhismus lebt und im Ehriftentum lebendig fein sollte. Den Wirklichkeitsgehalt der Geschichte hat Lessing untersucht in dem Buche„Die Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen". Er beleuchtet, warum die Geschichte nach ihrem Wesen immer noch ein groß Stück Dichtung in-sich trägt. Die erkenntnistheoretisch« Tiefe der Problemstellung kann hier nur angedeutet werden: jede muß erkenntlich sein, wie schon die Verschiedenheit der Religion, Kultur, Nation, Generation und Individualität die Geschichte jeweilig färbt und wie schon der Zufall, der in der Geschichte«ine große Rolle spiell, ohne daß wir es anerkennen wollen, es mit sich bringt, daß die Geschichtswissenschaft sich vor den größten Schwierigkesten sieht. Der Philosoph Lessing erkennt in reiner Ethik den letzten Sinn der Welt, eine Wertlehre bringen seine„Studien zur Werwxiomatik". Seine geistigen Vorfahren deutet er aus in seinen Werken„Schapen- Hauer, Wagner, Nietzsche" und„Philosophie al» Tat". Viel verübelt ist dem Philosophen Lessing ferne schriftstellerische Neigung zur Satire. Wer einmal lochend über unser« politisch« und sonstige Gegenwart aus den Grund unserer Zestseele«inen Mick tun will— was gerade in der Form der Satire uns überraschend möglich ist— und«inen tüchtigen Tropf« Selbstironie vertragen kann, der lese Lessings»Semd im Land", Anleiheablösungen für alte Rentner. Teutschnationale Wiederanbiederuugsversuche. Zu Beginn der Freitagsitzung des Ausschusses für den Reichshaushalt legte Genosse keil die Haltung der fozialdemo- krotischcn Mitglieder zu dem vom Abg. Hertz(Dnat.) gestellten An- trag dar, nach welchem die Regierung die noch vorhandenen U e b e r- s chü tye des Rechnungsjahres 1925 zu besonderen Anleiheablösungen für solche Gläubiger verwenden sollte, bei denen wegen hohen Alters ein besonderes Bedürfnis zu rascher und westtätiger Hilfe besteht. Im Unterausschuh waren sich alle Parteien darüber einig, daß solche alten Anleiheablösungsgläubiger besonder« Berück- sichtigung finden müßten. Auch die Regierung hat sich auf diesen Standpunkt gestellt und sich bereit erklärt, zu diesem Zweck den Anlcihetilgungsfonds in Anspruch zu nehmen. Herr Hergt und seine Freunde hätten es aber für angezeigt gehalten, wiederum noch außen den Glauben erwecken zu wollen, als läge den Deutsch- nationalen weit mehr als allen anderen Parteien das Schicksal der alten und bedürftigen Anleihealtbesitzer am Herzen. Er hätte daher den Antrag gestellt, zu dem, was die übrigen Parteien und die Regie- rung gewähren wollen, auch die bisher nicht verbrauchten lieber- schüsse des Rechnungsjobres l925(33 Millionen) für den gleichen Zweck zu verwenden. Man kann es durchaus verstehen, daß Herr Hergt nach den Vorgängen des letzten Jahres das Bedürfnis fühlt, sich bei den Sparern und Gläubigern wieder in besseres Licht zu setzen. Die Sozialdemokratie indessen brauche im Einklang mit ihrer ganzen bisherigen Haltung in der Auswertungsfrage sich nicht von den Deutschnationalen übertrumpfen zu lassen. G e r o d e HerrHergt tadele den Reichsfinanzminister bei jeder Gelegenheit, daß er zu leichtfertig neuen Ausgaben zustimme. Wenn Herr Hergt nachher hier neue Ausgaben verlange, habe die Sozial- demekratie nicht nötig, ihm entgegenzutreten. Mr werden daher dem Anirag solange zustimmen, wie er vorliegt. Nach kurzer Debaste wurde die Beschlußfassung über den Antrag bis zum Herbst vertagt. Es wurde dagegen folgende Eni- fchließung angenommen: Di« Reichsregierung zu ersuchen, aus den Mitteln des Anleihetilgungsfonds einen ausreichenden Betrag zu- gunsten focher Anleihegläubiger, bei denen wegen hohen Alters und dgl. ein besonderes Bedürfnis zur raschen Hilfe besteht, durch Ab- löfung oder Rückkauf ihr« Auslosungsrechte zu verwenden. Ferner wurde noch eine weitere Entschließung angenommen, die Reichs- regierung zu ersuchen, die im 8 47, Abt. 2 des Anleiheablösungsgesetzes vorgesehene Barabfindung der Kleinanteil. besitzer so zu beschleunigen, daß die Durchführung noch im Laufe des Kalenderjahres gesichert ist, und falls sich dies nicht «inheillich für alle Ansprüche in diesem Zeitraum ermöglichen lassen sollte, dafür Sorge zu tragen, daß jedenfalls die in hohem Alter befindlichen Gläubiger vorweg genommen werden. Stuttgarter Aufwertung. Slullgari, 2. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Stuttgarter Gemeinderat hat am Freitag vormittag den Aufwerwngssatz für die A u f w e r t u n g d e r S p a r e i n l a g e n bei der Städtischen Sparkasse auf 2l> Proz. des errechneten Goldmark- wertes der Guthaben festgesetzt. Als Fälligkeitstermin ist der 1. Januar 1923 in Aussicht genommen. Die Verzinsung soll voraussichtlich ab 1. Januar 1927 aufgenommen werden. Unter gewissen Umständen, namentlich gegenüber Altrentnern und in Fürsorge stehenden Personen können Vorschußzahlungen bis zum Hoch st betrag von 590 Mark gewährt werden. Die Städtische Sparkasse Stuttgart verfügt über 13 Millionen Mark Aufwertungsguthaben, denen 5 0 Millionen aufzuwertenderSparkasseneinlagen gegenüberstehen. In den Genuß dieser Aufwertung kommen rund 15 9 0 0 9 Alt- s p o r e r, also etwa die Hälfte der Einwohnerschaft. Di« Deutschnationalen verfielen mit einem Demonstrations- ontrag auf 50 Proz. Aufwertung der allgemeinen Lächerlichkeit. Der Stahlhelm wackelt. Konflikt in Braunfchwcig. Brannschweig. 2. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der schon seit einigen Wochen dauernde Konflikt zwischen der Bundes- In der Schrift„Dührings Haß" Hot der Geistesverwandte Dührings des letzteren Kampf gegen die- Berliner Universität und später gegen eine vertrustete Wissenschaft geschildert, die Dühring lebendig begroben wollte durch Boykott seiner öffentlichen Meinungsäußerungen.— Heute sind für Leasing in feinem Konflikt mit der Technischen Hochschule Hannooer zahlreiche namhafte Gelehrt« ein- getreten. Ein erfreuliches Zeichen stir ein neues Verstehenwollen. Roch aber scheint die deutsche Studentenschaft weit davon entfernt, in solchen Streitfällen ein nüchtern kritisches Maß anlegen zu wollen. Noch einmal: volksbühnentog. Dr. S. N e st r i« p t e, der Generalsekretär der Verbandes der deutschen Volksbühnenverein«, sendet uns eine Entgegnung auf die .Bemerkungen Erich Gattgetreus in Nr. 157 des„Vorwärts". Wir geben chr gern Raum, möchten aber dazu bemerken, daß E. Gottgetreu als Berichterstatter sozialdemokratischer Zeitungen sämtlichen Verhandlungen beigewohnt und nur zum Ausdruck gebracht hat, was auch unter den Delegierten vielfach empfunden wurde. Dr. Nestriepke schreibt: Erich Gottgctreu findet, daß auf dem siebenten Bolksbühnentag zu viel von der Idee und zu wenig von praktischen, organisatorischen Dingen geredet worden sei. Erich Gottgetreu hat wohl den Verhandlungen nicht selbst beigewohnt: denn sonst könnte man zu- mindest nicht verstehen, daß er von einem„allgemeinen, feierlichen und Pastoralen" Ton der Borträge und Diskussionen spricht. Be> wegter, lebendiger konnten nicht wohl Diskussionen sein als die in Hamburg. Im übrigen: In einer Tagung, die sich in vollster Oefscnt- lichkeit vollzieht und in hohem Maße Kundgebung für diese Oesfent- lichtest ist. liegt es nah« genug, in erster Linie die ideellen Kräfte der Bewegung zu betonen und bloßzulegen. Dies wird um so mehr zur Notwendigkeit, als leider Fernerstehende in den Volksbühnen immer noch nichts anderes als Vereinigungen zum Vertrieb billiger Theater- karten erblicken. Nebenbei kamen auch die praktischen, orgainsato- rischen Fragen in Hamburg nicht zu kurz. Ganz abgesehen davon, daß sie beispielsweise in den Referaten über die. Wanderbühnen und über das Theaterrecht von heute und morgen im Bordergrund standen, brachte der Bolksbühnentag ja auch zwei besondere ,.Geschüstsführer"-Sitzungen, die ganz der Propaganda, Beitrags- kafsierunq usw. gewidmet waren. Allerdings nicht vor breitester Oefsentlichkest. Und es wird vielleicht auch für die Zukunft das Beste sein, diese rein geschäftlichen Dinge in besonderen, geschlossenen Sitzungen zu erledigen, die Öffentlichen Verhandlungen aber zu be- nutzen, um die„Idee" der Bewegung, d. h. ihre geisttgen Ziele, klarzustellen._"' weg mit de« Sirümpfeni Von einer Leserin geht uns folgende Anregung zu: Kinder, was macht nicht alles die Reklame! Alles kann sie einem vorschreiben, bloß well es dauernd einem ins Bewußtsein gerückt wird. Warum nehmen wir nicht die Reklame für uns in Anspruch, um die Dinge durchzusetzen, die uns Vorteil und Ver- gnügea bringen? Fort mit de» Strümpfe» im Sommer! Nim sagt leitung des„Stahlhelm" und den Brounschweiger Orts- gruppen ist jetzt offen zum Ausbruch gekommen. Das ergibt sich aus folgender Erklärung, die am Freitag von 19 Kamerad- schaftsführern des„Stahlhelm" in Braunschweig der Oesfent- lichkeit übergeben wurde: „An die Bundesleitung des„Stahlhelm" in Magdeburg ist von dem Ortsgruppenführer'Brauiischweig-Stadt. Gruß. und 19 Kameradschastsführern eine Beschwerdeschrist mit 40 Punkten und eine Nachtragsbeschwerde mit 7 Punkten gegen- über dem Landesvcrbandssührer U h l e n h a u t abgegangen, der in Erwartung dieser Beschwerde jedoch vorher den Ortsgruppen- stihrcr seines Postens enthob. Die Tatsachen, die dieser Beschwerde zugrunde liegen, sind den Beschwerdeführern erst in den letzten Monaten bekannt geworden, und daraufhin war bereits des öfteren in kameradschaftlicher Weise versucht worden, den Landes- Verbandsführer Uhlenhaut freiwillig zum Rücktritt zu veranlassen. Mit der Absetzung des Ortsgruppenführers Gruß setzte sich der Landesvcrbandssührer Uhlenhaut gleich- zeitig selbst zum Führer der Ortsgruppe ein. Die Kamerodschajts- sichrer konnten auf Grund der lausenden Beschwerde den neuen Ortsgruppenführcr, der satzungsgemäß gewählt werden muß, nicht anerkennen und boten ihn, bis zur Erledigung der Beschwerde von Befehlen Abstand zu nehmen. Eine Zlbschrift dieser Be- schwcrde ging an die Bundesleitung in Magdeburg, die daraufhin in einer mündlichen Verhandlung den Kameradschaftssührern ein Ultimatum von zehn Minuten stellte und nach dessen Ablauf sie absetzte und aus dem Bund der Frontsoldaten ans- schloß. Die Ortsgruppe Braunschweig stellte sich geschlossen hinter ihre abgefetzten Führer, und da nach drei Wochen noch nicht die geringste Erledigung der Beschwerde er- folgt war, was übrigens auch heute nicht der Fall ist, außer- halb des Bundes." Die Ortsgruppe Brounschweig zahll etwa 1600 Mitglieder des „Stahlhelm". Es ist damit zu rechnen, daß auch alle übrigen Ortsgruppen des Landes Brounschweig und der angrenzenden Gebiete aus dem„Stahlhelm" austreten werden. Eine offene Gehorsamsverweigerung gab es schon vor einigen Wochen, als Uhlenhaut einen Demonstrationszug gegen die Propaganda der Sozialdemokraten für den Volksentscheid anordnete. Diesem Befehl wurde von der Braunschweiger Ortsgruppe keine Folge geleistet. Hegen öie potemkin-tzetze. Eine fozialdcinotratifche Aktion im Reichstag. Die sozialdemokratische R e i ch s ta g s f r a k t i,o n hat folgende Kleine Anfrage eingebracht: Die Innenminister der Länder Württemberg und Thüringen haben die Vorführung des von der Oberprüfftelte des Reichs genehmigten Films„P o t e m k i n" wegen angeblicher Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung verboten. Der Film war bereits monatelang in Berlin und ' wiederholt in Thüringen vorgeführt worden. R u h e st ö r u n g e n oder sonstige Ordnungswidrigkeiten sind nirgends vorgc- k o m m e n. Trotzdem sind unter Mißachtung der Be- stimmungcn des Reichslichtspielgesetzes die Ver- böte erfolgt. Wir fragen die Reichsregierutig: Billigt sie die durch den würt�nbergischen und den thüringi- schen Innenminister erlassenen Verbote? Ist sie bereit, dafür zu sorgen, daß die w ü r t t e in- b e r g i s ch e und die thüringische Regierung die Entsä�eidimg der zuständigen Reichsstelle beachten und die Verbote alsbald ausheben? Man kann aus die Antwort des Herrn Dr. Külz gespannt sein. vrimos' Gegner im Kerker. Die spanischen Generäle Weiller und A g u i l e r a und mehr als hundert Offiziere sind wegen Beteiligung an dem kürzlich aufgedeckten Komplott gegen das spanische Direktorium verhaftet worden. Die Verminderung der Rheinlandbesahung hat die Reichsregie- rung durch ihren Pariser Botschafter abermals von Briand verlangt. Die Eingemeindung Olivas nach Danzig. von Oliva infolge Finanznot beantragt, ist vollzogen. bloß, wer hat vom Strümpfctragen im Sommer etwas? Wir doch nicht. Denn wie herrlich ist es, ohne Strümpfe nur in Schuhen zu gehen. lind genügt es nicht vollkommen? Kann man sich nicht viel besser waschen als dauernd die Strümpfe? Und danon dos Strümpfe- stopfen. Nie Hot man Ruhe. Bald hier ein Loch, bald da ein Loch, bald eine Masche gefallen und immerfort, alle Tage muß man sich ganz unnötigerweise mit den Strümpfen beschäftigen. Darum her- uus— ich denke mir, wenn dreißig ranke, schlanke Mädchen mit bloßen Beinen sich immer wieder zuiammensehen lassen, dann muß es sich durchsetzen, und zwar so durchsetzen, daß man ganz jelbstoer- ständlich ohne oufzusollen den ganzen Sommer so gehen kann. Warum setzt denn die Mode alles durch? Und wer Hot von dem Durchsetzen der Mode den Vorteil? Niemals der Verbraucher! Aber Strümpfe weg. dann baden wir den Vorteil und nicht nur den geldlichen, sondern auch gesundheitlich. Also fort mit dem Baltast! Der Opernhausumbou. Der Hauptausschuß des Landtages hat sich am 30. Juni erneut tust der Frage der Umgestaltung des Opern- hauics Unter den Linden belchäfligt. Mit Rticksickit auf die unveränderte Stellungnabme des Magistrats, daß die östlich am Opern- Hause vorbeisührende Berkehrsstraßc nicht ausgegeben werden könne, beschloß der Hauptausschuß, die norliegenden Anträge out Ein- stellung der Arbeiten und nochmalige Prüfung des Bavprogramms für erledigt zu erklären. „Die Volksbühne," das Organ der Deutschen Volksbühnen- vereine, veröffentlich bereits in seiner eben erschienenen Nr. 13 ein-'n ausführlichen Bericht über die Referate, Debatten und Begrüßungs- reden der Volksbühnentagung in Hamburg. Die sehr reichhaltige Ausgabe bringt unter anderen interessanten Artikeln einen Beitrag von Bruno Schönlank über Sprechchöre, einen eingehenden Bericht von der Schauspielcrkonferenz,«ine Würdigung Meyerholds u. a. Bielefeld behäll sein Sladlkhealer. Die Theaterverhältnisse in Bielefeld hatten in letzter Zeit eine Zuspitzung insofern gefunden, daß die Stadt das Theater nicht mehr in eigener Regie weiter- führen wollte. Dagegen haben sich eine Anzahl Stadtverordnete, Verbände usw. gewandt. Nunmehr wurde eine Stodttheater Viele- seid G. m. b. H. errichtet mit einem Gesellschastskapitol van 29 000 M. An dem Unternehmen sind die Stadt Bicleseld, die Volksbühne, der Bühnenvolksbiind und die Stadt Herford unter Mitwirkung der Preußischen Landesbühne beteiligt. Die größte Brücke der Welt ist zurzeit die neue Delawore-Brücke in Philadelphia, die am 4. Juli anläßlich der 150-Jahr.Feier der Unabhängigkeitserklärung der Dereinigten Staaten dem Verkehr übergeben werden wird� Nach Angaben in den BDJ.-Nachrichten weist sie mit einer Mittelöffnung von 533,7 Meter Weite und zwei Seitenöffnungen von je 229 Meter Weite die größte Spannweite aller Brücken der West auf. Senovienrng de» ZraazitkanerNoster» in Assisi. Wie der.Osservalore Romano' mitteilt, werbe» augenbltitlich da»-roh- FranilStancrlloster und die Franzistanerktrche in Assisi ewer grüadliche» Renovierung unterzogen, die hauptsächlich darin besteht, daß da» herrliche Gebäude vollständig im ursprünglichen gottsibm SÄ wiederhergestellt wird, besonder» wa» de» großen Kirchturm betrifft. Soziale Gaswirtschaft in der Großstadt Zum Abschluß der Berliner Städtischen Gaswerke A.-G. Nicht oft und nicht eindringlich genug tann demonstriert werden, mie sehr der Bürger der Demokratie nötig hätte, öffentliche Betriebe als sein Wert zu lieben, aber auch als sein Wert zu überwachen. Denn sie sind sein Wert und ihr nutzen ist sein Nuzen. Viel mehr noch als etwa für die Reichsbahn und die Reichspoft gilt das für die Betriebe der Städta. Denn die städtischen Werte greifen dirett in jeden Familienhaushalt ein; und je maffenhafter biese Eingriffe find, je größer die Millionenfummen, die von der sozialen Stadtwirtschaft ergriffen werden, mit desto größerem Eifer bemüht sich das Privatfapital, die wachsenden Millionen geschäfte sich nicht entgehen zu laffen. Das merttätige deuifdhe Bolt follte nie ben rüdsichtslosen Griff pergeffen, den das Schwertapital in der höchsten Inflationszeit nach der Reichsbahn getan hat, fein Berliner je den Sturm, ben das Schwertapital in der schwersten Inflationszeit auf die städtischen Werfe unternommen hat, um sie gegen ein Butterbrot zu privatisieren. Die Sozialdemofratie hat diese Angriffe abgeschlagen. Sie hat heute wiederum Anlaẞ, an den Erfolgen der Groß- Berliner Gaswirtschaft zu demonstrieren, wie notwendig ihr Kampf, aber aud) mie richtig und wichtig ihr Kampf gewesen ist. Umfang und Organisation der Berliner Gasversorgung. 3wei Drittel von Groß- Berlin merden heute aus städtischen Gaswerfen und Betrieben perforgt. 1984 Beamte, 5466 Arbeiter standen Anfang dieses Jahres im Dienst dieser Vorsorgung. 9 Gaswerke, ein Rohrney von 3544 Kilometern, an das 905 000 Gasmesser angeschlossen find, sind in das Versorgungssystem eingespannt. Nur ein Drittel von Groß- Berlin( Süden und Südwesten) wird noch Don privaten Werken beliefert( Deutsche Gasgesellschaft A.-G. und Deutsche Gasbetriebsgesellschaft A.-G.). Aber auch diese Bersorgung ist nicht mehr rein privat, snobern gemischtwirtschaftlich. Die Gesellschaften sind der Stadt für ihre Konzefficnen zu Abgaben Derpflichtet. Zur Hälfte bei der einen, zum Biertel bei der anderen ist die Stadt am Aftienbefiz beteiligt; damit aber auch( außer der Abgabe) am Gewinn. Die Berlängerung der Konzeffion bis 1975 die den Gesellschaften 1925 gewährt wurde, hat die Stadt mit großem Borteil abgeschlossen. Finanziell und betrieblich. Das innere Stadtgebiet geht in die städtische Versorgung über; ebenso das Niederbarnimer Bersorgungsgebiet mit den Werken Weißensee und Oberschöneweide. Die gesamten Gaswerksanlagen der Deutschen GasGesellschaft A.-G. gehen nach Ablauf des Vertrages in das Eigentum der Stadt Berlin über. Wie haben die Gaswerke gewirtschaftet? Das privatfapitalistische Unternehmertum und seine Bresse hämmert seit Jahren und Jahrzehnten den deutschen Bürgern immer und immer wieder ein: öffentliche Wirtschaft schlampige Wirtschaft, öffentliche Betriebe Berluftbetriebe. Und man muß sagen, wäre die organisierte Arbeiterschaft nicht wachsam, diese ffrupellose Agitation hätte Erfolg. Aber trotzdem merben viele Uneingeweihte staunen: die städtischen Gaswerte Berlins werden in Fachkreisen gerabezu als musterbetriebe angesehen. Beffer als alle Worte beweisen das Ziffern, an denen nichts zu deuten ist. Die Gasabgabe der Berliner Städtischen Gasmerte AL- G. ist 1924/1925 gestiegen von 323 auf 395 Will. Stubifmeter. Die Gasprobuftion stieg den 355 auf 427 Mill. Rubikmeter. Hier aber gleich ein fchlagenber Beweis der Wirtschaftlichteit: während 1924 aus einer Tonne vergaster Sohle nur 381 Rubifmeter Gas gewonnen wurden, waren es 1925 425 Stubifmeter. Das ist bem Ausbau und der Berbefferung ber Anlagen, aber auch der mirtschaftlicheren Ausnugung ber Anlagen zu danten. Beirerer Beweis der Wirtschaftlichkeit: auch die Brobuftionstosten find bedeutend gefenti; ohne viel Gerede von Rationalisierung und ohne Staatshilfe. Obwohl die Durch Schnittslöhne der Handwerker von 55 auf 96 Pfg. der Angelernten Don 48 auf 85 Pfg., ber Ungelernten von 43 auf 79 Bfg. erhöht worden sind, sind die Gestehungskosten ber Produktion ganz bedeutend gesunten: Die Erzeugung von je 1000 Rubifmeter Gas fosteten 1924 noch 159,03 Mart, 1925 bagegen nur 134,01 m. Daran ist zwar die eingetretene Berbilligung der Kohlen etwas be teiligt. Aber die vom Kohleneinkauf un abhängigen Betriebszweige zeigen dieselbe Kostensentung: auf je 1000 Stubifmeter Gaspertrieb con 21,76 auf 19,60 m, Rohrnegbetrieb von 1,62 auf 1,56 m, Generalfoften von 10,32 auf 8,89 m. Deutlicher tann bie Wirt schaftlichkeit der Betriebsführung nicht bewiesen werden. Aber die Werte haben sich nicht auf die Verbilligung der Probuftion im Augenblid beschränkt. Sie haben der weiteren Berbilli gung in der 3utunft vorgearbeitet: In sämtlichen bis 1925 polleigenen Berten wurden die technischen Anlagen sehr start auf größte und zugleich billigste Leistung umgebaut. Das Rohrney, damit die Absazbasis, wurde um 64 Kilometer im Jahre 1925 erweitert. Nur deshalb wurden für 1925 noch nicht die Gaspreise herabgesetzt, um durch die Ansammlung genügend starter Betriebsmittel die Leistungsfähigkeit so groß zu machen, daß später eine umfo fühlbarere Preissenfung eintreten fann. Die Erneue. rungs- und Erweiterungsarbeiten, für die minde ftens 12,8 mill. aufgewendet wurden, und die zum weitaus größten Teil aus den laufenden Einnahmen bestritten wurden, gingen nach dem Geschäftsbericht weit über ben Rahmen normaler Aufbauarbeit hinaus. Der Beweis der Wirtschaftlichkeit der Betriebsführung wird aber auch in flingender Münze erbracht. Der finanzielle Erfolg. Den Wirtschaftserfolg auch finanziell beutlich merben zu laffen, war durchaus nicht so einfach. Bon größter Be WH.WITTIG deutung für die wirtschaftliche Betriebsführung großer Gasmerts. anlagen ist nämlich der finanzielle Ertrag der Nebenprobutie. Derwertung. Die Preise für die Nebenprodukte, die im freien Handel verkauft werden, find nämlich bedeutend gesunden. So zeigen die Einnahmen der Gewinn- und Berlustrechnung gegenüber 1924 folgende Ridgänge: für Rots von 15,4 auf 14,1 Mill, Rofsgrus von 0,60 auf 0,57, Waschtots von 0,13 auf 0,06 min. Benzoloorprobufte gar von 1,93 auf 1,39 mill. und verschiebene andere Nebenerzeugnisse von 0,35 auf 0,25 millionen. Das sind ganz bedeutende Ausfälle. Dennoch sind die gesamten Betriebsein. nahmen von 84,06 auf 93,71 Mill. gestiegen. Während aber die Gesamt einnahmen von 1924/25 um 9.67 Mill. zunahmen, stiegen die laufenden Ausgaben nur um 5,61 Millionen. Außerdem wurden die Ausgaben für Wertserhaltung und Werks. Die Eisen- und Stahlproduktion der wichtigsten Länder Januar März 1926 Belgien tion der Deffentlichfeit und die Herausforderung der öffentlichen Kritit durch weitestgehende Publizität in jeder Hinsicht ist. Sie bedeutet einen Anreiz für die verantwort lichen Leiter der Betriebe, mit äußerster Anspannung die Betriebs= Leiftung auf den größten Erfolg zuzufpizen; denn die Achtung und der Respett der Deffentlichkeit, die höchste Ehre öffentlicher Betriebsleiter, hängt davon ab. Sie ist aber auch die Voraussetzung dafür, daß ber soziale Dienst, dem die öffentlichen Werke gewidmet sind, ron den Staats- und Kommunalbürgern beachtet und gefördert wird. Geschieht das von den Staats- und Kommunalwerken, so wird die Belt bald end giltig vorüber sein, wo die besten Köpfe dem Privatfapital fich verkaufen, weil hier die höchften Behälter gezahit werden; unbefümmert um alle foziale Moral, nur dem Brofit und der Herrschaftsmacht, die der Blutokratie zuwachsen. Dem Dienst am gemeinen Rugen wird dann auch in der Deffentlichkeit endlich jene Ehrenstellung eingeräumt werden, ohne die feine wahre Demofratte möglich ist; weder im Staat noch in der Gemeinde. Steigende Getreidepreise. Die auf bert Stichtag des 30. Juni berechnete Großhandelsinder. giffer bes Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem 23. Juni um 13 Broz auf 126,9 gestiegen. Bei weiter anziehenden Getreidepreisen erhöhte sich die Indegaiffer der Agrar. erzeugniffe um 1,8 Proz. auf 128,5, während die der Industriestoffe nur leicht auf 123,8 anzog. Im Durchschnitt Juni lagen die Agrarerzeugnisse mit 125,0 um 1,8 Proz. höher und die Industrieftoffe mit 123,7 um 0,2 Brez. niedriger als im Mai. Die Gesamtinderziffer stellte sich im Durchschnitt Juni auf 124,6. Der Kursstand der Aktien Ende Juni 1926. Die Commerz und Privat- Bant veröffentlicht in dem speben erschienenen Suliheft eine Tabelle, die eine Uebersicht über den Kurs ftand ber an der Berliner Börse amtlich notierten Werte Ende Juni im Bergleich zum Bormonat gibt. Es notierten: Goldparität: 12.440 Z Deutschland 9.675 Frankreich Großbritannien Luxemburg In Millionen Tonnen Zahl d. Aktienterte 1926 Enbe Juni Ende Mat in Proz. der Gesamtzahl: unter 50 Prog. 221 25,4 26,4 bon 50 bis 75 75 202 28,2 26,6 100 167 19,2 18,6 100 150 228 26,2 25,1 B über 150 52 6,0 8,8 Busammen: 870 100,0 100,0 2.509 2.124 1.976 Ver. St.v.N- Amerika 2.199 1.984, 1.604 0.590 0.589 图 图 Roheisen 0.534 0.589 Rohstahl Aus ber Tabelle ist ersichtlich, daß die Zahl der unter 50 Pro3. der Goldparität notierten Berte sich nur verhältnismäßig wenig perändert hat. Andererseits weist die Zahl der mit über 150 Proz. bewerteten Aftien annähernd eine Verdoppelung auf. Victoria- Berficherungskonzern. Die Generalversammlung der Allgemeinen Bersicherungs- A.- G. Bictoria, Berlin, genehmigte die Berschläge des Aufsichtsrats und des Vorstandes. Es wird ein Ber mögen von 220,7 millionen Reichsmart ausgewiesen, denen an Die Reserven 207,9 millionen Reichsmart gegenüberstehen. Prämien und Zinseneinnahme betrug 36 711 055 Reichsmart und der Gesamtüberschuß 4 893 964 Reichsmart, wovon den Versicherten in ben beiden Lebensversicherungs- Abteilungen bei einer gewinnberechtigten Prämie von insgesamt 21 658 706 Reichsmart an Gewinnen 4 486 353 Reichsmart zugewiesen wurden. In der Abteilung der erneuerung von 10,43 auf 12,79 mil erhöht. Derfelbe Bebensversicherung ohne Untersuchung( D. U.) ist der Gewinnanteil günftige Einbrud wiederholt sich bei der Bilanz: Auch hier macht auf 25 Broz. ber gewinnberechtigten Jahresprämie festgesetzt und fich in ben geftiegenen Borräten bemerkbar, daß städtische Gasmerte in der Abteilung der großen Lebensversicherungen wieder, wie in der für ihre Erfolge fich nicht einfach auf ihre Monopolstellung verlassen Bortriegszeit und auch schon im Barjahre, auf 3 Broz. ber Summe tönnen, wie bas privatfapitalistische Unternehmertum jo gerne beber vom Versicherungsbeginn an gezahlten gewinnberechtigten so Brämien. Die Prämieneinnahme in der Unfallversicherung betrug hcuptet. Die Wirtschafts- und Absaktrise hat auch hier die under- 3530 676 Reichsmart. Hier find die Bersicherungen ohne Gewinn fauften Läger an Nebenprodutten start anwachsen laffen und die beteiligung abgefchloffen. Die neu eingelösten Ebensversicherungen ftädtischen Berte zu großer Borsicht in der Bewertung der Boften beliefen sich auf 271,5 Millionen Reichsmart und der Lebensversiche= veranlaßt. Erfreulich aber ist zu sehen, wie mit 3infen rungsbestand am Ende des Jahres war 520 Millionen Reichsmart. gespart wird und die Konjunktur ausgerurt wird. Bas Die Bicteria hat damit als erste deutsche Gesellschaft nach dem Kriege ben Privatunternehmern nämlich tros aller Predigten nicht beizu im Lebensversicherungsbestand wieder eine halbe Milliarde über. bringen ist, die materialläger flein zu halten, ist hier durchgeführt: die Steinkohlen-, Brifett, und Braunkohlenlager, die gehalten 1609Deutschlands Roheisenproduktion werden, find offenbar über das Maß der Preisfentung hinaus verfleinert. Obwohl die Geschäfte bedeutend erweitert sind, blieb sich 1913 und 1924-1926 die Bilanz summe mit 28,72 gegen 27,65 mill. fast gleich. 3infenfressende Schulden( an die Rütgerswerte 2,56 mill. Atzepte 0,36 Mill.) find zum größten Teil getilgt. Nur die laufenden Berpflichtungen sind verhältnismäßig geringfügig, von 9,72 auf 11,55 mill. erhöht. Der Reingewinn wird mit 8,14 Mill. aus gemiesen; er wird formell zur Tilgung des Kapitalentwertungsfontos" benutzt, war aber die Hauptgrundlage zum Ausbau ber Berte. Er darf aber noch höher angenommen werden: einmal um die der Stadt Berlin zugeführte Abgabe von 3,24 min., und dann um den Posten Wertpapiere und Beteiligungen( Rutgers. merte, Deutsche Gasgesellschaft 2.-G., Deutsche Gasbetriebsgesell schaft 2.-G.) mit 3,03 mill. Als Bilanzgewinn ist der Wertzu wachsposten der Anlagen mit 5,59 Mill anzusehen.( Rapitalver pflichtungstonto der Stadt Berlin.) Sozialwirtschaftliche Bilanz. 910 651 In 1000 Tonnen 991 M- Durchschn.FMAMJJA 735 762 736 689 631 668 N ONDJ FMAM 1926 1913 1924 9 d Aber auch in fozialwirtschaftlicher Richtung ist die Bilanz der Schritten. Die Attionäre erhalten 10 Broz. Dividende. Bei der Städtischen Gasmerte A.-G. hochattio. Sie hat ben ausführ. Bictoria, Feuer- Versicherungs- 2.- G. betrug die gesamte Prämienlich sten und sorgfältigften Geschäftsbericht ber einnahme 11 772 736 Reichsmart und der Heberichuß 297 675 Reichs. öffentlicht, ben wir bisher fennen gelernt haben. Der Seitenzahl mart. Es wird über bas Anwachsen ber Schäben in der Feuernach ist er gegen das Vorjahr auf 48 Seiten verdoppelt, bem Bert und vor allem in der Kraftfahrzeug- Bersicherung getlagt. Die Dividende beträgt 12 Broz. Die beiden Victoria Gesell. des veröffentlichten Materials, der Sorgfalt der Berichterstattung fchaften am Rhein, die Victoria am Rhein, Allg. Vers. A.-G. nach vervielfacht. Schon bei der Besprechung der Nord- Sübbahn- unb bie Bictoria am Rhein, Feuer- und Transport- Berf. A.-G., beide bilanz haben wir darauf hingewiesen, melche gewaltige Hilfe für in Düffeldorf, stehen mit der Bictoria in Berlin in engstem Zu eine plannolle Wirtschaftspolitik gewonnen wäre, wenn die privatsammenhang. Seit Anfang dieses Jahres betreibt die Victoria am tapitalistischen Unternehmungen auch nur annähernd so vollständige Rhein Allg. Berf. A.G. auch die Lebensversicherung direft mit benGeschäftsberichte veröffentlichen würden. Gegenüber den städtischen felben Bedingungen und nach ben gleichen Tarifen und Grundfäßen Gaswerfen haben wir diese Feststellung nur zu wiederholen. Man wie die Berliner Gesellschaft. Die Victoria, Rüd- Berf. A.-G. hatte eine Prämieneinnahme von 4914 893 Reichsmart und einen Ueberfollte auch in anderen öffentlichen Betrieben ja nicht unterschätzen, fchuß von 63 195 Reichsmart. Ihr Lebensversicherungsbestand bevon welch großer Bedeutung die rüdhaltlose Informatief fich Ende 1925 auf 59 187 705 Reichsmart. ENVER BEY Fabelhaft ENVER BEY Fabelhaft 31 Qualität konkurrenzlos