Nr. 310 43. Jahrg. Ausgabe A nr. 160 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Caar- und Memelgebiet, Desterreich), Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Zeit" mit„ Gied Iung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme" crscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin" Sonntagsausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die ein spaltige Nonpareilleacile 80 Pfennig. Reklamezeile 5, Reichsmark.„ Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Die Regierung wird nunmehr vor allen Dingen von der Kammer die Ermächtigung verlangen, BeSprechungen zwischen den Emissionsinstituten Frankreichs, Englands und Ameritas einleiten zu können. Die Vorschläge. Paris, 3. Juli.( TU.) Der Bericht des Sachverständigen tomitees stellt fest, daß es sich drei Ziele gesetzt habe: Ausgleich des Budgets, Entlastung des Schaamtes, Stabilisierung des Franken. Das Komitee schlägt folgende Maßnahmen vor: 1. Schaffung neuer sofortiger Einnahmequellen; 2. Neue Ersparnis maßnahmen im Staatshaushalt; 3. Berzicht auf weitere Borschüsse der Banque de France an den Staat( Ablehnung jeglicher Inflation); 5. Tilgung der schwebenden Schuld; 6. Konsolidierung der kurzfristigen Bonds für die nationale Berteidigung und Schazamtsanweisungen; 7. Stabiliserung der Währung mit Hilfe der Bank von Frankreich, Einziehung von Kapitalien; langfristiger auswärtiger Anleihen; 8. Aufhebung des Gesetzes über Kapitalflucht, Aufnahme 9. Auflegung wirtschaftlicher Beschränkungen. Das Komitee ist der Ansicht, daß dem Lande nicht länger die Wahrheit vorenthalten werden darf. Die Oeffentlichkeit muß sich auf schwere wirtschaftliche Entbehrungen gefaßt machen. Am Schluß spricht sich das Komitee für Ratifizierung des franco- amerikanischen Schuldenabkommens aus. Der Dollar notierte heute 37,35, das Pfund Sterling 181,75. Radikalismus im Elsaß. Neutralität als Ziel einer neuen Partei. Paris, 3. Juli.( Eig. Drahtber.) Aus Straßburg wird gemeldet, daß sich zum Protest gegen die Maßnahmen der französischen Regierung gegen die autonomistische Bewegung in Elsaß- Lothringen eine radikale autonomistische Partei unter dem Namen „ Elsässer- Bund" gebildet hat, der bereits mehrere hundert An4. Allmähliche Reduzierung des 3ins fuß es der Bank von hänger zählt. Der Bund verlangt die völlige Neutralität Elfaß- Lothringens. Frankreich an den Staat; Immer noch weiter! Die Arbeitslosigkeit in Berlin wächst. Der Stand der Arbeitslosigkeit in Berlin hat sich gegen die Borwoche auf rund 4000 personen erhöht, so daß er gegen wärtig 270 731 beträgt. Berglichen mit dem Vorjahre bedeutet diese Zahl beinahe das Siebenfache. Die Zahl der Unterstügungsempfänger beläuft sich auf insgesamt 203 862 Personen. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3. Bilanz der Wirtschaftspolitik. Arbeit für die Reichstagsferien. Von Friz Naphtali. Der Reichstag hat seine Arbeiten vor dem Ferienbeginn mit einem doppelten Mißklang beendet. Auf der einen Seite steht die Ergebnislosigkeit der Arbeiten um die Fürstenabfindung, auf der anderen Seite steht das Ergebnis der Erhöhung der Lebensmittelzölle ab 1. August auf Grund der Annahme des deutsch- schwedischen Handelsvertrages. Dieser deutsch- schwedische Handelsvertrag wäre an sich von allen Seiten als ein Fortschritt begrüßt worden, wenn die Regierung ihn nicht ohne sachliche Berbindung mit den besonderen deutsch- schwedischen Handelsbeziehungen als Instrument für die Herauffezung der Lebens= mittelzölle benugt hätte. Der sozialdemokratische Antrag auf Verlängerung der am 31. Juli ablaufenden Lebensmittelzollfäße zunächst bis zum 1. Dezember, der der Forderung der Gewerkschaftsverbände aller politischen Richtungen entsprach, wurde abgelehnt, wobei leider auch die Gewerkschaftsmitglieder der Zentrumsfraktion Hilfsdienste für die Ablehnung ihrer eigenen Forderungen leisteten. Trotz dieses Mißerfolges war der Kampf gegen die im deutsch- schwedischen Handelsvertrag vorgesehenen Zollerhöhungen nicht gang fruchtlos; denn immerhin haben auch die Regierungsparteien fich nicht entschließen können, die von ihrer Regierung vorgesehenen Zollerhöhungen unverändert zu schlucken, sondern nie sie haben wenigstens gewisse Ermäßigungen eintreten lassen, unter denen die wichtigste die Beibehaltung der bisherigen Säße für Schweineflisch, Speck und Schmalz und die Beibehaltung der Differenzierung von Futtergerſte unter Festsetzung des Zolles für diese Pofition auf 2 Mark gegenüber den vorgesehenen 5 Mart sind. Für den Mißklang, den diese letzte wirtschaftspolitische Handlung des Reichstags in den Ohren des arbeitenden Bolles hervorruft, ist vielleicht, noch wichtiger als die unmittelbare materielle Auswirkung dieser Beschlüsse die Tatsache, daß hier von neuem ein Bekenntnis abgelegt worden ist zu einer Richtung der Hochschu= ollpolitik, die der Notwendigkeit der Entfaltung der produktiven Kräfte der deutschen Wirtschaft weder in der Landwirtschaft, noch in der Industrie dient. Denn es muß immer wieder betont werden, daß unser Kampf gegen die Heraufsetzung der Agrarfölle nicht einer feindlichen Einstellung gegenüber der Landwirtschaft entspringt, sondern daß wir überzeugt sind, daß die Förderung der landwirtschaftlichen Produktion mit geringerem Aufwand für die Allgemeinheit mit anderen Mitteln viel wirksamer erreicht werden könnte als mit 3ollerhöhungen. Diese bringen nur bestimmten Sondergruppen der Landwirtschaft Gewinne, teilweise mit dem Erfolg, rückständigere Produktionen gegenüber dem Vordringen der intensiveren Arbeit aufrechtzuerhalten. ein einheitlicher Geist und ein einheitlicher Wille vorher bestimmen müßte, wie die abzuschließenden Handelsverträge aussehen müssen, wird nachher erst, aus der Bielheit der Handelsverträge sich dieser einheitliche Geist ergeben. Und er wird der alte Geist des Schutzzolles, der engftirnigen Bevorzugung ganz spezieller Wirtschaftsinteressen sein, wie wir ihn vor dem Kriege erlebten. Die Wirtschaftspolitik der nächsten Zukunft wird die Fortsegung der faiserlichen 3ollpolitit mit anderem Wappen fein." Eine Gegenüberstellung am Stichtag ergibt einen Anteil Berlins an der Gesamtzahl der Unterstühungsempfänger im Reich von zirka Gegenüber dieser scharf pointierten Feststellung wird die 11% Proz, während er am Beginn der diesjährigen Krise Anfang Berteidigung der Haltung der demokratischen Reichstags: Januar nur 7% Proz. betrug. Hingegen beträgt der Berliner Be- fraktion in der Zollfrage, wie fie eifrige Federn gestern abend völkerungsanteil an der Gesamtbevölkerung des Reiches 6,4 Pro3. im Berliner Tageblatt" und in der Bossischen Hierbei find Nofffandsarbeiter und durch Wohlfahrtseinrichtungen 3eitung" übten, haltlos. Unterstützte unberücksichtigt. In fast allen Industrien sowie im Handel ist der Beschäftigungsgrad auf ein geringes Maß herabgefunken. Es waren 270 731 Perfonen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen, gegen 266 208 der Borwoche. Darunter befanden sich 174 324( 172 042) männliche und 96 407( 94 166) weibliche Personen. Unterstützung bezogen 135 480 ( 136 686) männliche und 58 382( 66 524) weibliche, insgesamt 203 862 ( 203 210) Personen. Der Weg zur kaiserlichen Zollpolitik. Die Erhöhung der Zollsäte als Wegweiser. Der von allen bürgerlichen Parteien gemeinsam gefaßte Beschluß, ab 1. Auguft die bisher geltenden Zollfäße zu erhöhen, ist ein böser Auftakt für die Behandlung der Bolifrage im Herbst. Er bedeutet eine Proklamation hochschutzöllnerischer Absichten. Die großagrarischen Interessenten nehmen Davon Kenntnis. Die Deutsche Tageszeitung" Schreibt: ,, Die Zollregelung vom 17. August 1925 hat der Reichslandbund in einer offiziellen Erklärung als ersten schüchternen Verfuch auf dem Wege bezeichnet, der deutschen Landwirtschaft wieder einen Schutz zu verschaffen, wie sie ihn unbedingt braucht und wie er mit dem Bülow- Tarif im allgemeinen erreicht war. Das gestern angenommene neue Provisorium bedeutet eine zweite Etappe auf diesem Wege, über deren unbefriedigenden Charakter wohl die gesamte Landwirtschaft einig ist. Sie fannt sich damit nur abfinden in der bestimmten Hoffnung, daß unsere Handelsund Wirtschaftspolitit nach Ablauf der neuen Ueberganszeit ent schlossen in der Richtung auf das notwendige Ziel eines den Lebensinteressen unserer Landwirtschaft genügenden Zollschutes weitergeführt wird!" Die Sätze der Bülowschen Handelsverträge genügen ihnen noch nicht. Sie wollen die Mittelparteien einschließlich der Demokraten weiter schleifen bis zu den Sägen des autonomen Tarifs. Ueber die Bedeutung dieser Wendung schreibt Georg Bernhard in der Bossischen Zeitung" mit großer Schärfe gegen die Regierung: " ,, Da man diese Entscheidung( einer handelspolitischen Orientierung) gefürchtet hat, so war die Regierung glücklich, den Schwebezustand der Handelsvertragsverhandlungen benußen zu fönnen, um nichts zu tun. Und sie wird die Muße, die ihr die Reichstagsferien lassen, wahrscheinlich dazu benußen, diese Untätigkeit fortzusehen. Und schon jetzt läßt sich daher fagen, wie der Erfolg sein wird. Während vernünftigerweise Das Direktorium verhängt Geldstrafen. Unabhängig vom Strafverfahren. Madrid, 3. Juli.( WTB.) Das Amtsblatt der Regierung veröffentlicht einen Erla ß, durch den gewiffen einzeln aufgeführten genannten Personen, unabhängig davon, ob fie fich weiterhin noch straffällig gemacht haben und lediglich unter der Voraussetzung, daß der Polizeibericht ihr Eingreifen oder ihre mit wisserschaft, fei sie größeren oder geringeren Grades, bei der Vorbereitung von Dingen, die dem Lande großen Schaden häften zufügen können, festgestellt, besondere Geldstrafen auferlegt. Diese Geldstrafen werden auf dem gewöhnlichen Vollstredungsweg eingezogen werden, und folange sie nicht erledigt sind, fann feine davon betroffene Persönlichkeit über ihre Bankguthaben, beweglichen und unbeweglichen Güter Verfügungen treffen oder sonstige Handlungen in die Wege leiten, durch die die Einziehung der Geldbuße beeinträchtigt werden könne. Die Liste der betroffenen Persönlichkeiten führt u. a. auf: General Weyler mit 100 000 Pejeten, Generalleutnant 2 guilera mit 200 000, Gtaf Romanones mit 500 000, Dr Maranon mit 100 000, Senator Manteca mit 100 000, Oberst Garcia mit 30 000, Marcelino Domingo 5000, Barriobero 15 000 Pejeten. Der Gesamtbetrag der verhängten Strafen ist mehr als eine Million Pejeten. Kommunismus und Rote Armee. ,, Vaterländischer Aufklärungsdienst" Moskau, 3. Juli.( DE.) Die Kommunistische Partei der SowjetUnion betreibt in letzter Zeit eine lebhafte Propaganda in der Roten Armee. In dieser Beziehung sollen, wie die Sowjetblätter melden, bereits größere Erfolge erzielt worden sein. Die 3 ahl der Kommunisten und kommunistischen Jugendverbändler unter den Rotarmisten sei ständig im Steigen begriffen. Die Partei ist vor allem bestrebt, den Kommandoft ab der Armee mit Kommunisten zu besetzen. Gegenwärtig gehören über 20 Proz. der Offiziere noch immer zu den Parteilofen. Das militärische Zentralblatt Moskaus,„ Krasnaja Swesda", schreibt, die Partei stehe auf diesem Gebiet vor sehr großen Aufgaben. Die Rotarmisten feien immer mehr gneigt, die im Kasernen leben zutage tretenden Mängel auf die allgemeine wirtschaftliche und politische Lage zurückzuführen. Infolgedeffen müffe die Aufklärungsarbeit unter den Soldaten noch mehr verstärkt werden, Wenn auch der Reichstag nach diesem unerfreulichen Abschluß in die Ferien gegangen ist, so wird doch die wirtschaftspolitische Arbeit in den nächsten Monaten feineswegs ruhen. Wichtige Entscheidungen auf dem Gebiete der Handelsvertragspolitik stehen bevor, und die Deffentlichkeit hat alles Interesse daran, die Richtung dieser Politik sorgfältig zu überwachen, zumal der Reichstag der Regierung die Vollmacht zur vorläufigen Inkraftsetzung von wirtschaftlichen Abkommen für die Dauer von drei Monaten mit auf den Weg gegeben hat. In der Begründung der Zollherauffehungen im deutsch- schwedischen Handelsvertrag ist immer darauf hingewiesen worden, daß es sich dabei um Maßnahmen handelt, die wichtig seien für den günstigen Abschluß anderer schwebender Handelsvertragsver handlungen, d. h. mit anderen Worten, daß man sich die Möglichkeit besonderer Zugeständnisse in den Handelsver tragsverhandlungen besonders mit Bolen und Rumänien offenhalten will. Man muß nun von der Regierung verlangen, daß fie die schwebenden Handelsvertragsverhandlungen zum Abschluß bringt mit der flaren Einstellung der Förderung der deutschen Arbeitsmöglichkeiten durch Erleichterungen des Eg ports. Dabei wird es notwendig sein, daß nicht wieder industrielle Exportinteressen geschädigt werden zugunsten der Aufrechterhaltung hoher Schutzollfäße für einzelne landwirtfchaftliche Gruppen. Ein wichtiges Feld für die Normalisierung der Außenhandelsbeziehungen für die Erweiterung des Absatzfeldes deutscher Arbeit wird auch bei dem Fortgang der deutsch- französischen Wirtschaftsverhandlungen liegen. Bei aller Bedeutung, die wir der Zollpolitik und der Handelsvertragspolitik für die Entfaltung der deutschen Wirtschaft und damit für die Erweiterung der Arbeitsmöglichkeiten beimessen, darf aber nicht vergessen werden, daß hier nicht das einzige und vielleicht nicht einmal das für den Augenblick wichtigste Feld der deutschen Wirtschaftspolitik liegt. Das Zentralproblem der gegenwärtigen Krise ist die Arbeitslosigkeit. Der Reichstag hat in Der letzten Woche einen umfangreichen Bericht des Unteraus schusseS über produktive Erwerbslosenfürsorge entgegenge- nommen. Dieser Unterausschuß, der unter dem Vorsitz des Genossen Dißmann tagte, hat dem Reichstag eine dann von ollen Parteien außer den Kommunisten angenommene Ent- schließung vorgelegt, die in der Forderung gipfelt, durch die Einleitung öffentlicher Arbeiten ständig mindestens SOl) 000 Arbeitslose produktiv zu beschäfti- gen. So soll erreicht werden, daß die längere Zeit Erwerbs- losen innerhalb eines Jahres mindestens abwechselnd ein Vierteljahr Beschäftigung finden. Vom Standpunkt der ma- teriellen und seelischen Not der Arbeitslosen ist dies sicherlich ein bescheidenes Ziel. Gemessen an der Tatsache, daß bisher nur ein Drittel der genannten Zahl der Erwerbslosen bei Notstandsarbeiten Beschäftigung findet, darf man aber die Größe der pr aktischen Aufgabe, die hier gestellt worden ist, nicht unterschätzen. Der erwähnte Aus- schußbericht betont, daß es an Arbeiten, die soweit vorbereitet sind, daß sie in Angriff genommen und durchgeführt werden können, nicht fehlt. Diese Arbeiten liegen auf dem Gebiete des Straßenbaues, der Kultivierung von Oedlandflächen, der Schiffbarmachung deutscher Flüsse, der Kanalbauten und Flußregulierungen, der Bauten von Stauanlagen und Schutz- dämmen zur Bekämpfung der Hochwasserschäden, auf dem Gebiete des Wohnungsbaues und der Elektrifizierung. Die Schwierigkeit bei der produktiven Erwerbslosenfür- sorge liegt fast nie in dem Fehlen geeigneter, für die Gesamt- Wirtschaft nützlicher Arbeitsaufgaben, sondern ausschließlich auf dem Gebiete der F i n a n z i e r u n g. Ist die Finanzierung großer öffentlicher Arbeiten schon in vielen Fällen eine fach- lich schwierige Ausgabe, so muß man leider in Deutschland immer wieder feststellen, daß die außerordentliche K o m- pliziertheit der Behördenorganisation, die das Zusammenarbeiten von Kommunalverbänden, Ländern und Reich an allen Ecken und Enden hemmt, die sachlich ge- gebenen Schwierigkeiten noch in der unerfreulichsten Weise vervielfacht. Der Reichsarbeitsminister hat vor dem Reichs- tage das Versprechen abgegeben, daß die Reichsregierung eine besondere Kommission der Reichsministerien mit der Aufgabe der planvollen Arbeitsbeschaffung betrauen will, um in engster Fühlung mit den Ländern diese Aufgabe zu lösen. Er hat dabei die Hoffnung ausgesprochen, ohne neue gesetz- liche Maßnahme gewisse Hemmungen, die sich aus der Viel- heit der zuständigen Stellen ergeben, auf diesem Weg« aus- zuräumen. Die Frage, wieweit sich diese Hoffnung erfüllen wird, ist eine Frage der Energie in der Führung. Wenn sich die gesamte Oeffentlichkeit über die zentrale Be- deutung der Ausgabe der Arbeitsbeschaffung in diesem Augen- blick im klaren ist, so wird der Druck der öffentlichen Meinung denjenigen helfen, die mit Entschlossenheit gegen bureaukra- tische Sabotage auf diesem Gebiet vorgehen. Die Etatsrede des preußischen Ministerpräsidenten Ge- Nossen Braun hat auf dem Gebiete der Bekämpfung der Hoch- Wasserschäden und der Siedlung Beispiele dafür gegeben, wie stark die Hemmungen sind, die sich schon aus finanziellen Meinungsverschiedenheiten zwischen der Regierung Preußens und des Reichs ergeben. Auf dem Wege von der Landesver- waltung über die Provinzial- und Kreisverwaltung bis zur Kommune vermehren sich die Reibungsverluste, und es ist ja bekannt, wie sehr zum Beispiel die Förderung der Bautätig- keit unter der Vielheit der Instanzen, mit denen ein Baulustiger sich herumzuschlagen hat, leidet. Auf all diesen Gebieten muß die Größe des Ziels die bureaukratischen Hemmungen hinwegfegen. Di« öffentliche Meinung wird der Verbündete jeder Stelle sein, die mit Energie für die Verwirk- lichung des Programms der Arbeitsbeschaffung eintritt. Die Hauptoerantwortung liegt dabei gewiß bei der Reichsregie- rung, und der Reichstagsausschuß für die produktive Erwerbs- losenfürforge wird die Aufgabe haben, auch in den Ferien ständig die Einlösung der gegebenen Versprechen zu über- wachen und für eine Beschleunigung des Tempos der Verwirklichung seines Programms zu sorgen. Diese Stellung der zentralen Reichsbehörde enthebt aber weder Der Lippenstift. Don Paul Gutmann. ! In dem Kolleg eines bekannten Juristen wurde eine junge Studentin gemahregelt, weil sie während der Vorlesung einen Lippenstift Hervorzug und sich damit den Mund färbte. Der Professor war sittlich entrüstet und sprach vom Versall unserer Kultur. Die Studenten gelobten einander, daß sie nach dem Vorbild ihrer amerika- Nischen Kollegen das nächstemal ihr Rasierzeug mitbringen und sich mitten in der Vorlesung rasieren würden. Die unglückliche Studentin war derart beschämt worden, daß sie einen Nervenansall bekam und eine Woche dem Kolleg fernbleiben mußte. Der Vorfall ennnert an die mittelalterlichen Hexenverfolgungen. Dieses Mädchen, das den Mut besaß,'ösientlich zu bekunden, daß im Grunde die ganze Wissenschaft sie gern haben könne, daß es Ihr viel wichtiger sei, der Männerwelt zu gefallen, war eine erhabene Heldengestalt im Vergleich zum Professor und zu den Studenten. Anstatt in einen Weinkramps zu verfallen und als moralisch Besiegte den Hörsaal zu verlassen, hätte sie folgende Rede halten sollen: »Ich lebe in einer Welt der Lüge. Meine Kameraden, die nur selten das Kolleg besuchen, die nachts saufen und am Tage ihr« so- genannten Ehrenhändel austragen, versicherten mir oft, daß sie das alles nur täten, um bei denjenigen Leuten Wohlgefallen zu erregen und jene Verbindungen zu bekommen, mittels derer man Amts- gerichtsrat oder Regierungspräsident werden könne. Der Professor hat einen Aufruf unterzeichnet, worin gefordert wird, daß durch Gesetz die alten Titel und Orden wieder eingeführt werden. Die Wissenschaft ist für alle nur das Mittel, eine angesehene Stellung zu erhalten und den verbindungslosen Proletarier zu knechten. Die Zeitungen, die sie lesen, reden von Patriottsmus und meinem Geschäft, beten einen Führer an, solange er ihrem Geldbeutel nützt, und ver- unglimpfen ihn, wenn das Geschäft stockt, reden von Ausklärung und benutzen jedes Mittel, um das Volk zu verdummen. Die Frau ist für sie ein Vergnügungsobjekt, die Ehe ein Geschäft wie jedes andere. Als ich meinen Lippenstift hervorzog, tat ich vielleicht für fünf Sekunden etwas, was dem Ansehen ihrer sogenannten Wissenschast entgegen war. Aber sie treten sortgesetzt ihre Wissenschaft, die aus dem Recht Gerechtigkeit schaffen soll, mit Füßen und verunglimpfen die Mutter, die sie nährt. Diese feigen Helden, die ihr« Gesichter gegenseittg zerhacken, um zu zeigen, daß sie der Herrenkaste an- gehören, fallen über ein armes Mädchen her. das aufrichttg genug war, zu bekunden, daß ihr jenes Männergeschlecht nicht gleichgültig sei. Ich habe etwas getan, wozu diese Schauspieler der korrekten Haltung, diese Waschlappen im steifen Stehkragen nicht fähig sind: ich habe meine Seele entblößt. Fünf Sekunden nur, aber diese fünf Sekunden lüfteten den Vorhang, der über meiner Weiblichkeit lag. Weil ich euch m einem Augenblick des Vcrgesiens zeigte, daß ich begehrt sein möchte, fallt ihr, denen die Lüge über die ungefärbten Lippe» jtrömt, über mich her, blamiert mich mir wegen hieser meiner die Regierungen der Länder, noch die Körperschaften der Selbstverwaltung von der Pflicht, ihrerseits alle Kräfte für die beschleunigte Inangriffnahme produktiver öffentlicher Ar- beiten einzusetzen. Die Sozialdemokraten in den Gemeinde- Verwaltungen müssen sich das Verdienst erwerben, auf diesem Gebiete Vorkämpfer zu sein, und sie werden dort, wo sie auf bureaukratische Hemmungen stoßen, nicht fruchtlos die Hilfe der öffentlichen Meinung anrufen können. * Das Problem der Finanzierung selbst, das noch vor einem halben Jahre deshalb kaum lösbar schien, weil die Aufbringung der Mittel für langsichtige Anlagen auf dem Anleihewege, wenigstens in Deutschland, kaum möglich war. ist heute ohne Zweifel erleichtert. Der Reichsarbeitsminister hat selbst in seiner Rede angekündigt, daß diese werbenden Auslagen auch aus Anleihen bestritten werden sollen. Diese Absicht soll zunächst bei der Durchführung eines großen Programms von Wafferstraßenbauten verwirklicht werden. An dem Maße der Inanspruchnahme von Anleihemitteln wird man am besten das Fortschreiten des Arbeitsbefchaffungs- Programms verfolgen können. Die Lage des inneren Kapital- Marktes hat in Deutschland in den letzten Monaten eine solche Wandlung erfahren, daß es keinem Zweifel unterliegt, daß die öffentlichen Körperschaften für produktive Notstands- arbeiten sehr bedeutende Summen auf dem Anleihewege flüssig machen können. Wenn aber der innere Kapitalmarkt sich nicht als ausreichend aufnahmefähig erweisen sollte, so ist auch die Aufnahme von Auslandsanleihen für diese wichtigsten Zwecke, für die Gesundung der deutschen Wirtschaft durchaus im Rohmen der Möglichkeit und durchaus kein Unglück. Die Aengstlichkeit, mit der insbesondere der Reichsbank- Präsident bestrebt war, die Gemeinden von Auslands» anleihen zum Zwecke der Finanzierung öffentlicher Arbeiten abzuhalten, ist in der gegenwärtigen Währungs- und Ka- pitalmarktlage nicht mehr begründet. Die Erschwerung der- artiger Auslandsanleihen wirkt heute nur noch fchutzzoll- artig in der Richtung der Verteuerung der Anleihen am In- landsmarkt. Die sozialdemokratische Fraktion hat deshalb einen Antrag gestellt, die auf diesem Gebiete noch bestehenden Sonderkontrollen aufzuheben. Der Antrag ist dem Ausschuß überwiesen worden. Wir wollen aber hoffen, daß unsere For- derung auf Grund der sachlichen Richtigkeit des Arguments auch ohne formellen Reichstagsbeschluß verwirklicht wird. Die Beschäfttgung von Erwerbslosen steht im Mittel- Punkt der Gegenwartsaufgaben der deutschen Wirtschafts- Politik zunächst aus sozialen Gründen. Aber die gleichen Maßnahmen, die geeignet sind, unmittelbar soziales Elend zu lindern, tragen erfreulicherweise auch den Keim in sich, durch eine Belebung des industriellen Absatzes die G e s a m t l a g e der deutschen Wirtschaft zu verbessern und von dem Leerlauf der Krise allmählich wieder zurückzuführen zur vollen Ausnutzung der Produktionsanlagen und zur vollen Beschäf- tigung der deutschen Arbeitskräfte. Wir unterschätzen die Schwierigkeiten bis zur Erreichung dieses Zieles in der un- organisierten kapitalistischen Wirtschaft gewiß nicht. Der Grad und das Tempo, in denen man sich diesem Ziele nähert, sind aber keine zwangsläufig gegebenen Größen, fonderp sie find abhängig von den Energien der staatlichen Kräfte, die für dieses Ziel eingesetzt werden. Der Reichstag hat Ferien, die praktische Wirtschaftspolitik aber muß in den nächsten Wochen und Monaten mit Voll- dampf, arbeiten! Ein Schlag ins Wasser. Die Fraktion der Voltspartei hat im Preußischen Landtag einen Antrag eingebracht, der das Staatsministerium aufjordert, nunmehr s ch l e u n i g st eine Vermögensauseinandersetzung zwischen dem preußischen Staat und den Hohenzollern her- beizusühren und während der Dauer der Verhandlungen den Haupt- ausschuß auf dem laufenden zu halten. Aufrichtigkeit. Ihr seid noch innner die Herren der Schöpfung. Unser Lippenstift ist ein Symbol unserer Schwäche, weil wir es sind, die Verlangen erregen. Aber, meine Herren Kollegen, ihr solltet nicht zu sehr triumphieren. Es ist größer, aufrichttg zu fein, und wäre es nur die Aufrichttgkeit eines verlangenden Mädchens, als mit frecher Miene die Wahrheit zu preisen und ein Lohnsklave der Lüge zu sein." So und nicht anders hätte dl« kleine Hexe sprechen müssen, anstatt ohne Widerspruch den Scheiterhausen der Verachtung zu be- steigen.>_ Nujststhe firbeiterklubs. In Rußland haben die Arbeiter einer jeden Branche ihren eigenen Klub. Die Kiubräume gleichen sich überall ziemlich und sind, je nach der Zahl der Mitglieder, größer oder kleiner. Sie be- stehen aus einem Lesezimmer, einer Bibliothek, Vortrags-, Turn- und Speisesälen und ähnlichen Räumen. In diesen Klubs finden die verschiedensten Veranstaltungen statt, wie Diskussionen, Auf- führungen, Konzert«, Spiele usw. Eine bedeutende Rolle spielt in den Klubs der dramatische Zirkel mit seinem eigenen Theater, an dem sich anfangs nur Klubmitglieder— vor allem die Jugend— beteiligen, der jedoch heute als die„Linaja bluza"(die blaue Blume) in ganz Rußland verbreitet ist und auch oft aus Berufs- schauspielern besteht. Diese» Theater, das in manchen Städten auch als Xrasnaja bluza"(rote Bluse) bekannt ist, bringt nur Vor- /tellungen auf die Bühne, die in Verbindung mit den Tagesneuig- 'keiten stehen. Besonders wird fast jeden Abend die.�ivsia gazeta" (die lebende Zeitung) vorgeführt, bei der alles zur Darstellung kommt, was in den Zeitungen enthalten ist. Dabei herrscht die größte Freiheit: man macht sich über alle möglichen alten und neuen Institutionen und Begebenheiten so recht von Herzen lustig und glaubt dadurch auf eine Besierung hinwirken zu können. Viel- fach besitzen die mitspielenden Dilettanten eine erstaunlich hohe Begabung, und man kann vielleicht ohne Uebertreibung sagen, daß «s überhaupt kaum einen Russen ohne schauspielerisches Talent gibt. Natürlich nehmen vor allem die jungen Menschen begeistert an Thealervorstellungen teil, und die gut ausgebildeten und trai- vierten Körper dieser Dilettanten, die sich die Berufsschauspieler zum Vorbilde nehmen, sind eine der erfreulichsten Erscheinungen in Rußland. Außer dem Theater gibt e« noch ein„lebendes Kino", das einer Pantomime oder sich bewegenden lebenden Bildern ähnelt und das gleiche Thema wie die lebende Zeitung behandelt. Großer Wert wird ferner in allen Klubs auf die Abteilung für sogenannte„Fiskultur" gelegt. Man turnt nach ähnlichen Systemen wie bei uns, teils mit, teils ohne Musikbegkitung. Das System ist vom sichechischen Sokol übernommen worden, weil dieses in Rußland als das beste und gesundheitszuträglichste anerkannt worden ist. An dem Gymnastikunterricht beteiligen sich Männer und Frauen. In den Klubs befinden sich neben Turnsälen mit Ge- röten auch große Baderäume mit Wannen und' Duschen. Wie die Arbeiter, haben auch die Angestellten ihren Klub, der beispielsweise in Rostow in einem ganzen großen Gebäude unter- gebracht ist. Er besitzt ähnliche Einrichtungen wie die Arbeiterklubs, ist nur in mancher Hinsicht reicher und mannigfaltiger ausgestattet, weit hier sämtliche Angestellte und Intellektuelle Mjaouneukomme« Der Antrag wird zu Beginn de? tommetiM* Woihe waf* scheinlich dem Hauptausschuh des Landtage» überwiesen werden. Eine Stellungnahme zu ihm dürfte aber vor der Vertagung des Hauses kaum noch in Frage kommen. vaterlänüi scher Krach. Im„Stahlhelm und im Jungdeutschen Orden". Braunschweig, 3. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Krach im „Stahlhelm" nimmt seinen Fortgang. Die Bundesleitung in Magdeburg nimmt dabei einseitig Partei für Uhlenhaut und gegen die 19 Komeradschaftsführer, hinter denen 1600 Mitglieder stehen. In diesem Sinne hat sie am Sonnabend eine Erklärung veröffentlicht» in der gleichzeitig mitgeteilt wird, daß die Beschwerde der Braun- schweizer Kameradschastssührer gegen Uhlenhaut keinen Anlaß bietet, diesen Renegaten aus dem Verband auszuschließen. Ein eigentümlicher Herr dieser Uhlenhaut. Als er kürzlich den Rechts. anwalt Rustenbach aus Braunschweig wegen Beleidigung verklagte und der zuständige Wächter der Justiz die Eröffnung des Hauptverfahrens ablehnte, schloß er diesen Richter aus dem Stahl» Helm aus. Er verlangte also von ihm bei Strafe des V e r l u st e s der Mitgliedschaft eine Rechtsbeugung. Vorher beleidigte Uhlenhaut selbst in einem Artikel der Zeitung„Der Stahlhelm" den Vorsitzenden des Vereins ehemaliger Braunschweiger Husaren, Dr. K r a m e r. Es kam zu einem Duell, bei dem es Uhlenhaut schlecht erging und zu dem er von Angehörigen des Stahlhelms über Jahre gedrängt werden mußte. Das Ende vom Lied ist, daß jetzt gegen ihn wegen dieses Kampfes Strafantrag bei der Staats- anwaltschaft gestellt worden ist, und zwar von seinen einstigen Freunden. Die Gerichtsoerhandlung wegen Zweikampfes dürste bald stattfinden. «. Auch in anderen Vaterländischen Verbänden geht es drunter und drüber. Im„Iungdeutschen Orden" streiten sich schon seit Wochen zwei Richtungen, und es scheint, daß diese Auseinander- sctzung nur durch eine Spaltung ihren vorläufigen Abschluß findet. In Stettin ist bereits die dortige Ortsgruppe aus dem Verband ausgeschieden. Sie begründet ihren Schritt mit der„Franzosen» Politik" des Hochmeisters Mahraun. Sraunfchweiger Justiz. Oberstaatsanwalt du Rai geht um. Aus Braunschweig wird uns geschrieben: Im Stahlhelm-Brann» schweig ist alles möglich. Dort wurden kurz vor dem Volks- entscheid Landtagsabgeordncte wegen Verbreitung von Flugblättern und wegen Verkaufs der Saengcr-Broschüre nach der Polizeiwache geschleppt und festgehalten, dort werden auch Lesebücher„gereinigt", wenn sie Gedichte von Karl Bröger oder Lesestücke von Gustav Frenssen über die Verfassung des Deutschen Reiches enthalten. Nun aber hat man die Gipfelleistung erreicht. Man hat die R e d a k- teure der drei im Freistaat Braunschweig erscheinenden sozial» demokratischenZeitungen in Anklagezustand wegen Der» breitung unzüchtigerSchriften versetzt. Vor dem Volks« entscheid hatte der„Volksfreund" ein Bild veröffentlicht, auf dem Herzog Karl der.Brillantenherzog", mit einigen seiner Mätresien. die sich um ihn drängten und an ihn hängten, veröffentlicht. Dieses Bild ist keineswegs unsittlich gewesen. Auf eine Anzeige eines Muckers hatte die Distriktsstaatsanwaltschaft in Holzmlnden die Erhebung der Anklage abgelehnt, und erst ein Druck des sattsam bekannten Oberstaatsanwalts du Rot, der dem.Volts- freund" nicht wohlgesinnt ist, hat die Justiz in Bewegung gesetzr, die Anklage zu erheben. Diesem Oberstaatsanwalt du Roi scheint überhaupt seit seinem .Sieg" in dem bekannten Prozeß der Kamm geschwollen zu sein. Er hat jetzt». a. auch unser Parteiblatt in Jena verklagt. Als Grund wird der Abdruck der Prozeßberichte und eine Würdi- gung des Ausganges der Gerichtsverhandlung angegeben. Diese Berichte sind in allen sozialdemokratischen Blättern abgedruckt worden, ohne daß sich der»mutige' Staatsanwalt bisher gemeldet hätte. und ihre verschiedenen Studien betreiben. Auch aus Fiskultur wird hier beinahe noch mehr Wert als in den Arbeiterklubs gelegt, da hier fast lauter Menschen mit sitzender Beschäftigung verkehren, für die körperliche Bewegung in ihrer freien Zeit besonders not- wendig ist. Der Aufenthalt in den Klubs, auch der Unterricht in Sprachen. Gymnastik u. a.. ist für di« Mitglieder kostenlos. Wildgan, im eustspiclhaus. An sich war es kein schlechter Einfall, Anton W i l d g a n s' Trauerspiel.Armut" aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Nach seinem Erscheinen im Jahre 1914 Hot es viel« Aufführungen erlebt, bis es fast mit einem Schlage von den Spielplänen oerschwand. Aus der armseligen Auf» sührung. die jetzt das L u st s p i e l h a u s herausbringt, läßt sich beim besten Willen nicht ersehen, ob das Drama heute noch Lebens- traft besitzt oder nicht. Anton Wildgans hat ein liebendes und mit- lcidoolles Herz. Den Gestalten seine? Tragödie hat die Armut die Seele verhärtet, sie scheinen kalt und gefühllos, aber das mensch- liche Gefühl haben ihnen die täglichen Sorgen nicht ganz zer- treten können. Ab und zu. gleichsam verstohlen, leuchten auch aus diesen zermürbten Figuren erwärmende Züge hervor. In der In- szenierung, die Alfred Golsar besorgt hatte, kam aber nur die lastend« Dumpfheit zum Ausdruck, die durch das Drama zieht. der befreiende Ausblick und die zarte Lyrik wurden unter dem Pathos de» Hauptdarstellers Richard Dufchinfky völlig ver- nichtet. Herr Duschinsky ruderte soviel mit Armen und Beinen herum und übersteigerte seine Stimme so sehr, daß man zuweilen glaubte, in ein« Parodie des Wildgansschen Trauerspiels geraten zu fein. Auch die übrigen Darsteller trafen nicht den leisen und zarten Ton. der von dieser Tragödie die hoffnungslose Bitterkeit nimmt. Nur Margarete Ebinger und M. Berge r über- trafen das Niveau einer Vorstadtbühne. Dlt. Eine neue Architektenvereinigung. Die deutschen Architekten, die im Sinne der neuen Baukunst arbeiten, haben ihren Zusammen- schluß vollzogen. Der Vereinigung, die den Namen.Der Ring" trägt, gehören alle führenden Persönlichkeiten der neuen Bewegung an. Außerdem Ist sie in Fühlung mit den führenden Namen des Auslandes, denen sie durch gleiche Gesinnung und gemeinsame Ziele verbunden ist. Das Sekretariat des Rings ist in Berlin W 15» Fasanensttaße 37. künstlich« Vitamine? Nach einer Meldung aus Leipzig soll drei Leipziger Gelehrten die künstlich« Herstellung des Vitamins ge- tungen sein, desien Fehlen in der Ernährung die Rachitis erzeugt. Das wichtige Vitamin ist nun nicht nur in feiner chemischen Zu- sammensetzung erkannt, sondern es sind auch Methoden gefunden worden, nach denen es herzustellen ist, und die gestatten, Lebens- mittel verschiedenster Art mit ihm zu imprägnieren. Aus bestimm- ten Gründen werden die Namen der Entdecker vorläufig noch geheim- gehalten.— Die Meldung klingt in dieser Form sehr mysteriö»— beinahe amerikanisch. Srftaiilfahruag der Woche. Sonn ab. Metropol-Th.:»Negerrevu« .vlack veople». Sie lu.beiliknrgchriit Im löchsilche» Siaatsdlevsl. vom 1. Januar 1927 ab wird im sächsischen Staatsdienst grundsätzlich alS Kurzichritt nur die NnheitSturzlchrilt gebraucht. Die Bihördenvorställde find oerpflichtet, die Surzlchrtst im Dienste nach Mögltchkeit zu jördera. Spitzelalmanach. Die Folgen der Abenteuerpolitik. Von unterrichteter Seite wird uns geschrieben: Die Zeiten ändern sich. Just vor rund hundert Iahren gab ein Dresdener Polizeibeamter ein berüchtigt gewordenes Handbuch politi- scher Verbrecher heraus, das in den Zeiten der Demagogenoersolgung als wichtigstes Merkbuch galt und die Namen der besten Deutschen damaliger Zeit enthielt. Jetzt muß die Kommunistische Partei einen Spitzelalmanach herausgeben, der, als Manuskript gedruckt, den führenden Funktionären als Organisationseigentum zugestellt wird. Diese» Buch, so teilt das Reichsbanner mit, enthält rund 7 0 ü Namen von ehemaligen Parteiführern, Funttio» n ä r e n und Mitgliedern, die sich der S p i tz e l e i schuldig gemacht haben sollen. An einer Stelle des Buches wird ausgeführt, daß sich Tausende von Spitzeln in die„Arbeiterbewegung", das heißt in die Kommunistische Partei und der ihr nahestehenden Organisationen hineingeschlichen haben. Wie ist e» möglich, daß sich in einer verhältnismäßig kleinen Partei Tausende solcher schmutziger Achtgroschenjungen ein- nisten können, wird mancher sozialdemokratische Arbeiter fragen. Wie konnte es kommen, daß in einer Partei, die doch, vorgibt, Ar- beiterinteressen zu vertreten, sich jahrelang solche Agcnts provoca- teurs halten tonnten, ohne entdeckt zu werden. Die Beantwortung dieser Fragen ist nicht so einfach. Dennoch muß sie versucht werden. Die Kommunistische Partei wurde durch die Entwicklung der Arbeiterbewegung Deutschlands auf einen Weg gedrängt, der sie in blanquistische Abenteuer sührte. Die politische Entwicklung Deutsch- lands führt« zu einer Stärkung der Reaktion. Die Kommunistische Partei glaubte durch„revolutionäre" Maßnahmen dem Vorschreiten der Reaktion Einhalt gebieten zu können. Statt durch die Wieder- Vereinigung der Arbeiterklasse den Weg frei zu machen für eine kraftvolle Abwehr der Angriffe der Unternehmer und der schwarz- weißroten Verbände, bekämpfte sie alle Richtungen der Arbeiter- blasse, die durch parlamentarische und gewerkschaftliche Arbeit dem Gegner der Arbeiterklasse ein Bis hitr her— und nicht weiter zu- rufen wollten. Di« KPD. huldigte der Anschauung, daß ein kleines Häuflein gut disziplinierter und straff organisierter Mitglieder in der Lage sei. den Kampf mit dem Klassengegner zu erzwingen und sieg- reich zu bestehen. Die Kommunisten verloren so jedes Gefühl für die Realitäten des Klassenkampfes und verrannten sich in einen Re- volutionarismus und Raditalismus, der zu p u t s ch i st i s ch e n Abenteuern sührte. So wurde der Boden bereitet für Lockspitzel, politische Abenteurer und Hochstapler oller Art. Diese hatten leichtes Spiel. Nicht nur der„Durchschnittskommunist", wie sich der Spitzelalmanach geschmackvoll ausdrückt, hatte zwei kleinbürgerliche Tugenden— Sentimentalität und Schwatzhaftigkeit—, gerade führende Kommuni st en, die sonst klug sein wollen, sielen om ehesten hinein. Georg Schumann lief einem politischen Hochstapler und Schwindler(D a v i d K a tz) sowie einem Spitzel in die Hände(K l a p pk a). Es fehlte eben jedes Maß kaltblütiger Ab- wägung. So kam es, daß die KPD. in eine Stimmung hineingeriet, die sich in der Märzaktion des Jahres 1921 und dem Oktober 192S om besten widerspiegelt. Zuletzt wußte kein Kommunist mehr, was gehauen und was gestochen war. Taten wurden vollbracht, die von Spitzeln ausgingen, die- ober gläubig begangen wurden, weil die gesamte KPD. sich in einer solchen AbeMeuerstimmung befand. Kein Wunder, daß Spitzel die höchsten Stellen in der Lei» tung der KPD. erklimmen konnten. Als einige führende Kommunisten ihre Stimme gegen das Treiben erhoben und zu warnen begannen, wurden sie als Schwarz- feher behandelt und beschuldigt, in die„revolutionäre Kampssront" der Arbeiterklasse sozialdemokratische Politik hineinzutragen. Später schloß man diese Kommunisten aus. Die Spitzel blieben!— Wie gefährlich das Spitzeltum in der KPD. der gesamten Ar- beiterklasse werden kann, das hat Herr von Soden st ern ent- hüllt, als er feststellte, daß. es«in leichtes sei, zu jeder Stunde einen kommunistischen Putsch zu organi» sieren, um dann mit Hilfe des§ 4« gegen die Republik los- schlagen zu können. Nicht nur einmal hat die KPD. sich zu dem Werkzeug der Reaktion benutzen lasten. Im Jahre 1921 glaubte die KPD. es sich leisten zu können, den Gegner zu provozieren, um die deutsche und russische Revolution zu„retten". Sie begriff nicht, daß sie ein willfähriges Werkzeug in den Händen der Reaktion war. Während der Ruhrbesetzung war sie draus und dran, mit den „R e ch t» b o l s ch e w i st e n" gemeinsame Sache zu machen. Sie glaubte diese zu übertölpeln und wurde in die Abhängigkeit der Putschisten gebracht. Im Oktober 1923 war sie daran, den Rechtsputschi st en den nötigen Vorwand zum Los- schlagen zu liefern, als sie nicht nur den Hamburger Auf- stand, sondern den Kampf gegen die„Reaktion" organisierte. Es fehlte nicht viel und ein großer Teil der deutschen Arbeiterklasse hätte mit seinem Blute das Strahenpflaster im Interesse der Konter- reoolution gerötet. Das einzige Verdienst der Brandler-Zentrale, das sie überhaupt je hatte, war— daß sie nicht losschlug. Und gerade in dieser Oktoberattion haben die Spitzel reiche Ernte gehalten. Die Massen der KPD. waren so aufgepeitscht, daß sie bereit waren, die sinnlosesten Handlungen zu begehen, die die Spitzel von ihnen forderten. Ueber«ine Sorte von Spitzeln schweigt sich die KPD. in ihrem Handbuch aus. Es verlohnt sich, über sie einiges zu sagen. Eine Partei, die illegal arbeiten will, muß die illegalen Organi- sationen des Gegners beobachten. Die mit dieser Aufgabe betrauten Parteimitglieder werden dann oft auch Spitzel der anderen Seite. Sie werden demoralisiert und wissen dann nicht mehr recht, wem sie am treuesten dienen. Diese Spitzel sind die gefähr- lichsten, weil sie selbst der KPD. Material liefern und sich unentbehr- lich machen und weil sie gleichzeitig am tiefsten in den konspirativen Apparat der KPD. hineinsehen können. Der Schutzdienst der KPD. trieb manchmal sonderbare Blüten und erschreckte die Zentrale der KP. So wurde im Jahre 1922 ein bekannter Kommunist durch diesen Erkennungsdienst zur Uebcrwachung von Spitzeln beobachtet und Material über seine Aeußerungen, die sich gegen putschistische Spielereien, die zum Teil tödliche Folgen für Jugendliche hatten, ge- sammelt. Es wurden Kommunisten vernommen. Das unter- fchriebene Protokoll wurde dann dem Exekutivkomitee der Dritten Internationale hinter dem Rücken der deutschen Zentrale zugeleitet. Diese war nicht schlecht erstaunt, als sie von dieser Handhabung er- fuhr, die sich auch gegen sie richten tonnte, und stellte daraufhin den Apparat um. Die sozialdemokratischen Arbeiter und mit ihnen alle Arbeiter überhaupt mögen aus diesen Vorgängen den Schluß ziehen, sich niemal» provozieren zu lassen, sei es von wem auch immer. Sie liefern sich der Reaktion ans Messer, deren Geschäfte sie besorgen. Die Kommunisten werden bei der Art ihres Kampfes den Spitzel- sumpf niemals trockenlegen können. Solange sie noch immer glauben, mit Putschmethoden, die dem modernen Klassen- kämpf unzuträglich sind, die Befreiung der Arbeiterklasse erzwingen zu können, so lange werden sie den Spitzeln ausgeliefert sein. Geben sie jedoch diese Kampjcsmittel preis, und sie tun es immer mehr, Schutz öer älter Verlängerung der Während sich die meisten Angestelltenverbände in den letzten Iahren damit begnügten, über die wachsende Not der älteren stellenlosen Angestellten Flugschriften zu verbreiten, hatte der A f A- Bund im Herbst 1925 im Reichswirtschastsrat die Initiative ergriffen, um endlich den Gefetzgeber mobil zu machen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion benutzte die damaligen Erörterungen über die Erwerbslosenfürsorge, um Ende November 1925 im Sozialen Ausschuß einen besonderen Gesetzentwurf für die Unterbringung von er- werbslosen Angestellten zu beantragen. Damit war diese brennende Frage im Parlament aufgerollt; die übrigen Parteien stellten gleichfalls im Ausschuß und im Plenum Anträge für einen erhöhten gesetzlichen Schutz der älteren Angestellten. Dennoch be- durfte es noch einige Monate später, im Frühjahr 1926, eines dauernden Drängens der Sozialdemokratie, um eine Verabschiedung des Gesetzes noch vor den Sommerferien zu ermöglichen. Ein U n- terausschuß. in dem die Angestelltenvertreter aller Parteien saßen, einigte sich auf Leitsätze, die im wesentlichen die Meldepflicht der Unternehmungen für alle freiwerdenden Stellen, ebenso auch für die Chiffreanzeigen vorsahen. Weiter wurde gefordert ein Gesetz über die Befchäftigungsverpftichtung von älteren Angestellten, den Einstellungszwang, verlängerte Kündigungsfristen. Gewährung von Abkehrgeld und Festsetzung von Höchstzahlen der Lehrlinge eines Betriebes. Diese gemeinsamen Vorschläge aller Reichstagsabgeorimeten aus der Angestelltenbewegung wurden jedoch von den bürger- lichen Parteien(die Völkischen ausgenommen) abgelehnt. Die Reichstagsmehrheit begnügte sich damit, einen Teil der Vor- schlüge für die spätere Gesetzgebung zu vertagen, die übrigen der Reichsregierung zur„ P r ü f u n g" zu überweisen. Aus nochmaliges Eingreifen der Sozialdemokratie konnte durch- gesetzt werden, daß wenigstens ein Gesetz über die Verlan- dann istfürsiekeinPlatzmehralsselbständigePartei in Deutschland. Die Sozialdemokratie wird dann als einzige Arbeiterpartei die Geschicke der deutschen Arbeiterschaft bestimmen können, ohne von den Störenfrieden au» dem kommunistischen Lager gehemmt und gehindert zu werden. ä. k. Reichstag und Kriegsbefckaöigte. Erhöhung der Pflcgezulagc und die Beschäftigung Schwerbeschädigter. Am Tage vor Beginn der Sommerferien verabschiedet« der Reichstag die 4. Novelle zum Reichsverforgungsgefetz. Di« materielle Versorgung erfährt hiernach, wie der Reichsbund der Kriegsbeschädigten mitteilt, im allgemeinen zunächst ein« Der- änderung nicht. Der Regierung wird lediglich in einer Ent- schließung nahe gelegt, bei der Ausstellung eines neuen Etats oder bei der Verabschiedung von Gesetzentwürfen oder Anträgen, die«ine wesentliche finanziell« Auswirkung haben, in jeder Wesse dahin zu wirken, daß die notwendigen Mittel zur Verbessenmg der Versorgung durch Einsparungen oder anderweitig« Verteilung der Etatsansätze steigemacht werden. Der Reichstag hat nur eine Erhöhung der erhöhten und höchsten Pslegezulag« beschlossen. Bei Witwen von Pflegezulageempfängern kann die Witwenbeihilfe bis auf den vollen Betrag der Witwenrente erhöht werden. Alle anderen Aenderungen sind nicht materieller Art. In der Frage des Ablaufs der Fristen zur Anmeldung von Versorgungsansprüchen schloß sich der Reichstag dem Standpunkt der Regierung an, schwächte aber den Fristoblauf durch Annahme eines Zusatzes zu Z 53 RVG. ab. Danach kann der Anspruch auf Heilbehandlung, berusliche Ausbildung und den Be- amtenfchein noch innerhalb von sechs Monaten nach dem evtl. späteren Eintritt der Loraussetzungen hierzu angemeldet werden. In einer Ausschußensschließung wird gesagt, daß durch Ab- änderung der Ausführungsbestimmungen Blinden stet» die er- höhte, in besonderen Fällen die höchst« Pflegezulage zu gewähren sei. Im Wege des Hörteausgleichs soll die Möglichkeit geschaffen werden, daß das Pflegegeld der Unfallversicherung nicht als Einkommen im Sinn« der ZZ 45 und 90 RVG. gilt. Zur Heilbehandlung der Hinterbliebenen weist der Reichstag die Fürsorgestellen nochmals nachdrücklichst auf Vereinbarungen des 8 23 RVG. oder entsprechende Abmachungen mit Aerzten oder deren Verbänden hin. Gleichzeitig hat der Reichstag die von der Sozialdemokratie vor- geschlagene Abänderung des Gesetzes über die Beschäftigung Schwerbeschädigter angenommen wodurch das bekannt« Reichsgerichtsurteil von 1926, das der Einstellung von Schwerbeschädigten im Wege stand, wirkungslos wird. Den Schwerbeschädigten wird auch wiederum das Recht zugestanden, gegen Ensscheidungen der Hauptfürsorgestellen Beschwerde beim Schwer- beschädigtenausschuß einzureichen. In einer Entschließung ersucht der Reichstag die Reichsregierung, bei der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn- gefe lisch aft dahin zu wirken, daß Schwerbeschädigt«, denen die Dienstbcschädigung Beschwerden beim Reisen verursacht, mit der Fahrkarte vierter Klasse die Benutzung der zweiten Wagenklasse ge- stattet wird._ Deutsche Richter. Ter Ausschluß des Scuatspräsidenten Großmann. In der Generaloersammlung des Preußischen Richter» Vereins, welche den inzwischen mitgeteilten- Beschluß auf Aus- schluß Dr. Sroßmanns aus dem Richterverein entscheiden sollte, waren von 5800 Richtern ganze 139 der Einladung gefolgt. Der Antrag des Vorstandes auf Ausschließung des Senntspräsidenten Großmann wurde mit seinem angeblich oereinswidrigen Verhalten, sowie mit der Unzulässigkeit der Doppelmitgliedschast im Deutschen Richter- verein und im Republikanischen Richterbund begründet. Der g e» diegene Teil der Berliner Richter fehlte vollkommen. Die Er- schienenen gaben ihrer Freude darüber, einen republikanischen Richter ausschließen zu können, im Laufe der ganzen Verhandlung unzwei- deutigen Ausdruck. Nur der jugeisdliche Landgerichtsrat Dr. K o s k a, der einer angesehenen Iuristensamilie entstammt, wagte es, sich dem Strom der den Ausschluß Grohmanns fordernden Richter entgegen- zustellen. Nur mit Mühe konnte er überhaupt sich durchsetze». Durch Gelächter und Schluhrufe wurde er schließlich sogar zum Verlassen des Rednerpult» gezwungen. Man kann nur bedauern, daß das Volk nicht einen Blick in jenen Saal tun tonnte, in dem diese Richteroersammlung stattsand. Wäre dies der Fall ge- wesen, dann würde das Mißtrauen gegenüber den deutschen Richtern noch viel größer werden. Diele Richter betrachteten sogar den grauen Bart des.Beschuldigten" als Witzobjekt. Von einer ernsten en /lngestellten. Kündigungsfristen. gerung der Kündigungsfristen noch vor der Reichstags- Vertagung eingebracht und erledigt wurde. Auch bei dieser Teil- regelung sind leider die sozialdemokratischen Anträge von den bürger- lichen Parteien einschließlich ihrer Angestelltenvertreter abgelehnt worden. Unter dem Druck der SPD. kam jedoch noch ein Gesetz zustande, das immerhin eine wesentliche Verbesserung gegenüber der jetzigen Rechtlosigkeit der Angestellten darstellt. Nach dem vom Reichstag om 2. Juli einstimmig angenommenen Gefetz darf einem Angestellten(in Betrieben mit mindestens zwei Angestellten) nach mindesten» fünf Dienstjohren nur noch mit drei- monatiger Frist zum Schlüsse des Kalendervierteljahrs gekündigt werden. Die Kündigungsfrist erhöht sich nach acht Dienstjahren auf vier Monate, nach zehn Dienstjahren auf fünf Monate und nach zwölfjähriger Beschästigungsdauer auf sechs Monate. Bei der Be- rechnung der Beschästigungsdauer werden nur die Dienstjahre an- gerechent. die nach dem vollendeten 25. Lebensjahre liegen. Es werden auf diese Weise nicht nur die vierzigjährigen, sondern weitere Kreise der Angestellten von dem verbesserten Kündigungsschutz erfaßt. Das Gesetz hat rückwirkende Kraft. Kündigungen, die zwischen dem 25. Mai 1926 und dem Inkrafttreten des Gesetzes mit kürzeren als den vorgesehenen Fristen schon erfolgt sind, gelten nunmehr mit der Frist des neuen Gesetzes. Damit hat das Reichsparlament einen wesentlichen An- fang für den Schutz der älteren, wie der Angestellten überhaupt, gemacht. Bei den Herbstberatungen über die noch unerfüllten For- derungen, z.. B. der oerstärkten Mitwirkung der Betriebsoertretungen bei Kündigungen und Entlassungen, hat sich die Sozialdemokratie vorbehalten, auch für die älteren Arbiter gesetzliche Schutzbestim- mungen vorzuschlagen. Die Angestellten haben alle Ursache, das erfolgreiche Vorgehen der Sozialdemokratie anzuerkennen, das Ver- sagen der bürgerlichen Parteien zu erkennen und weiter zu kämpfen. Debatte konnte gar nicht gesprochen werden. Sogar die Anklage die Landgerichtsrat B r u ck s ch 20 Minuten lang vorlas, wurde dem Präsidenten Großmann erst in dem Augenblick bekanntgegeben, als er sich schon erklären sollte. Diese Erklärung war durchaus würdig. Freilich die Versammlung hatte dafür kein Verständnis. Als er davon sprach, daß er von jedem Richter ein» Versenkung in die republikanische Verfassung fordere, unl als er ausführte, daß ihm die Volksverbundenheit über der Standesvcrbundenheit stehe, fand er nur Lachen bei de, Zuhörern. Die Anklage richtet sich übrigens nicht nur auf di, Doppelzugehörigkeit zu den beiden genannten Richter- vereinen, sondern auch auf angebliches vereinswidriges Ver- halten. Zur Begründung der letzteren Behauptung geht man bi- auf das Jahr 1924 zurück, in welchem Zeitungsberichte übei Aeußerungen Großmanns erschienen waren, die jetzt dazu herhalte« müssen, eine Anklage gegen ihn zu erheben. Obgleich es sich hierbei wie Großmann nochwies, sogar um einen von ihm berichtigte, Bericht handelte, reichte diesen Richtem solch Material aus, um z> einer Ensscheidung zu kommen. Rufer im Streit waren dabei dei Amtsgerichtsrat B ö t t i g e r und Landgerichtsdirektor Günther Von einer ernsten und sachlichen Beratung des Ausschlußantrag, konnte überhaupt keine Rede sein. Hervorgehoben sei noch, daß, als in der Diskussion der Nanu R a d b r u ch erwähnt wurde, lautes Gelächter erscholl, und daß mal Großmann bei seiner Erklärung zurief:„Das fei wohl scho, der n ä ch st e Tageblattartikel." Bei der Abstimmung wurde zwar der Antrag auf Ausschluf wegen der Doppelmitgliedschast mit 75 gegen 64 Stimmer abgelehnt, offenbar weil man befürchtete, Mitglieder zu ver- lieren, wenn man sie vor die Wahl der Zugehörigkeit zu einem dei beiden Vereine stelle. Dagegen wurde der Antrag auf Ausschluf wegen vereinswidrigen Verhaltens gegen etwa 5 Stimmer angenommen. Man wollte sogar diese fünf feststellen, osscnbar, uit mit Mitteln des Terrors auf diese wenigen Aufrechten einzuwirken vor öer Kraftprobe in Polen. Zwischen Parlament und Präsident. Warschau, 3. Juli.(OE.) Die verfassungändernden Gesetz- entwürfe, die insbesondere die Stellung des Staatspräsidentei stärken sollen, indem sie ihm das Recht erteilen, das Parlament auf- zulösen, sowie während der Sitzungspausen Verordnunger mit provisorischer Gesetzeskraft zu erlassen, kommen am Montag, den 5. Juli, vor den Sejm. Gemäß dem soeben gefaßten Beschluß des Aeltestenrates soll die erste Lesung im Sefmplenum sowie du Kommissionsberatung in der nächsten Woche beendet seiir die zweite und dritte Lesung im Plenum sollen bis zum 20. Iulj abgeschlossen werden. Falls sich dieser Plan verwirtlichen läßt, würde also in den nächsten vierzehn Tagen die erasscheidende Kraftprobe bevorstehen, ob kn>s Parlament eine erhebliche Beschnei- dung der eigenen Rechte selber gutheißt, oder ob dafür andere Wege eingeschlagen werden. Daß das sogen. Triumvirat Pilsudsti-Moscicki-Bartel von seinen Plänen grundsäg- lich Abstand nehmen sollte, gilt als ausgeschlossen. Gegen die deutschen Schulen in Ostoberschlesien. Warschau, 3. Juli.(OE.) Der bei den diesjährigen Schul- amneldungen in Ostoberschlesien zutage getretene Z u dr a n g vor Kindern p o l n is ch e r Nationalität zu den deutschen Minder- heitsschulen hat die polnischen Nationalisten in große Erregung ver- setzt. Im Senat haben die Christlichen Demokraten und die Witos- Partei eine Interpellation eingebracht, die der Regierung„eine f ü, die Deutschen allzu günstige Auslegung der Genfer Konvention auf dem Gebiet der Minderheitsschule" vorwirst und eine strengere Kontrolle der deutschen Schulen verlangt. Durch besondere Vorschriften soll die Anmeldung zu deutschen Schulen erschwert werden. Es soll serner verboten werden, pol- nische Schulklassen zu reduzieren und Kinder im Lause des Schul- jähre» aus polnischen in deutsche Schulklassen überzuführen. Die in den deutschen Schulen verwendeten Lehrbücher sollen einer ein- gehenden Kontrolle unterzogen werden usw. Bei der Kommissions- beratung haben sich die Nationaldemokraten und die Christlich- Nationalen der Interpellation angeschlossen. Aualrill aus der Deutschnalionalen Partei. Wie die„Königs- berger Hartungsche Zeitung" mitteilt, ist der schlesische Großgrund- bescher Graf Heinrich Dohna-Schlodien(Mallmitz), de, Bruder des„Möwe".Dohna, wegen der Haltung der Partei in de, Frage der Fürstenabfindung aus der dcutschnationalen Volkspartei ausgetreten. Der amerikanische Kongreß hat sich auf den Winter oertagt. Damit ist die Eigentumsregeliyig für dieses Jahr unmöglich gemacht. Die Internationale der Fabrikarbeiter. 3. Kongres in Kopenhagen. Bom 29. Juni bis 1. Juli hielt die Internationale Ber einigung der Fabritarbeiterverbände ihren dritten Rongreß in Kopenhagen ab. In ihr sind 18 Organisatioren aus 13 Ländern Europas mit einer Gesamtmitgliederzahl von über 650 000 vereinigt. England fehlt, auch Frankreich ist nur sehr schwach vertreten. Der stärkste Verband in der Vereinigung ist der Berband der Fabrikarbeiter Deutschlands mit 3:50 000 Mitgliedern. Der Leiter des Kongreises, Geneise Bren Hannover, zeichnete in seiner Begrüßungsrede nüchtern und flar die Situation, in der der Kongreß zusammentrat, die Wirtschaftsfrife und die sie nüßende kapitalistische Reaktion, der gegenüber der Kongreß die Ausgabe habe, Mittel und ege anzuweisen zu umfallenderer und strafferer internationaler Zusammenfassung der Fabrikarbeiter. Der Geschäftsbericht des Sekretärs Stenhuis- Holland erwies, daß es vorwärts geht mit den Fabrikarbeitern trotz der Schwierigkeiten materieller und politischer Art. Der Verband hat seit 1921 um mehr als 100 000 Mitglieder zugenommen. Eine Entschließung verpflichtet den Vorstand, ein„ vorteilhafteres und ergebnisreicheres" Arbeiten der Internationale anzustreben. Neu aufgenommen wurde der Verband der Arbeiter in der dänischen Papierindustrie, dagegen zerschlugen die drei russischen Delegierten, die als Gäste anwesend waren, alle Berjuche des Sekretariats und des Kongresses, ihnen eine Brüde zum Eintritt in den Verband zu bauen. Die Russen waren nicht einmal mit dem bedingungslosen Eintritt zufrieden, sondern stellten ihrerseits Bedingungen, die praktisch beDeutet hätten, daß = = Frank Hodges zum Streif in England. Auf dem Wege nach Scarbrücken hat der Sekretär der Bergarbeiterinternationale, Frank Hodges, der im Glugu mo London nach Köln fam, einem Vertreter der„ Kölnischen Zeitung" über die Streiflage Auskunft gegeben. Auf die Frage nach der nen Ländern geltenden Arbeitsbedingungen, aus denen das inter- Janschet sowie Wißmann vom Reichsknappschaftsverein ein nationale Bestreben der Arbeitgeber, Löhne und Ar- getroffen. beitsbedingungen zu verschlechtern, flar hervorging, wie auch die Tatsache, daß die deutschen Löhne noch weit zurückſtehen. Stühler Hannover schilderte die Schwierigkeiten, mit denen gerade die deutschen Bapierarbeiter nach den Berheerungen der Inflation und unter dem Druck der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zu fämpfen hatten. Es gelang ihm, den Kongreß davon zu überzeugen, daß der deutsche Fabrikarbeiterverband unter den schwierigen beut voraussichtlichen Dauer des Streiks erklärte Hodges, daß die enge schen Verhältnissen alles getan habe, um die deutschen Papier liſchen Bergarbeitergewerkschaften fest entschlossen sind, den Kampf arbeiter so gut wie möglich zu stellen. Seine Angaben über die fortzujeßen. Wie der Streit auch enden möge, die Frage der Arbeitszeiibedingungen und die Ferienverhältnisse und die Aus- internationalen Regelung der Kohlenwirtschaft stehe als eine ber führungen von Krager über die Zustände in Desterreich über wichtigsten weltwirtschaftlichen Fragen im Vordergrund. Es e zeugten den Kongreß davon, daß wenigstens auf diesem Gebiet gebe sich die Notwendigkeit zur internationalen Kontrolle Deutschland und Desterreich an der Spitze marschieren. Eine einstimer Kohlenförderung und des Kohlenabsatzes, um der unmig angenommene Resolution verpflichtet die Verbände, alles zu mittelbaren Verschärfung der Kohlenkrise vorzubeugen und verhängtun, um die sozialen Bedingungen der Bapierarbeiter zu verbessern nisvolle und chaotische Zustände in der internationalen Kohlenund vor allem für die möglichste Durchführung des Acht- wirtschaft zu vermeiden. Der englische Kohlenbergbau könne nur stundentages wie die Ratifikation des Washingtoner Ab- durch organisierten Zusammenschluß rationalisiert werden. femmens zu sorgen. Brey- Hannover schloß den Kongreß mit der nochmaligen Aufforderung an die Russen, sich auf den Kampfboden zu stellen, auf dem die Arbeiter des Kontinents seit Jahrzehnten stehen und von dem aus allein die Durchsetzung der berechtigten Arbeiterforderungen gegenüber dem Klassenkampf der Unternehmer möglich sei. Die Neuwahlen des Borstandes ergaben eine einstimmige Wiederwahl von Brey zum Vorsitzenden und Stenhuis als Sekretär. Reichskonferenz der Bergarbeiter. ** Saarbrüden, 3. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der Berband der Bergarbeiter Deutschlands begann seine Tagung am Sonnabend mit einer Reichskonferenz, die einen Bericht von Hodges England über die internationale Kohlenlage und den englischen Streit entgegennahm. Außer Hodges sind aus den Ländern, die zur Bergarbeiterinternationale gehören, eingetroffen: aus Frankreich Bard und Rossy, aus Belgien Dethier und Dejardin, aus Desterreich 3wanziger, aus Holland Banderbilt, aus der Tschechoslowakei Pohl. Das Reichswirtschaftsministerium hat Dr. Schäfer als Vertreter entfandt, der ADGB. Graßmann und der AfA- Bund Peters. Bon bekannten Bergarbeiterführern sind außer dem Hauptvorstand gewidmet. Stenhuis machte Angaben über die in den verschiede- Löffler vom Reichsfohlenrat die Abgeordneten Osterroth und der Kampf Mostaus gegen Amsterdam in die Fabrikinternationale hineingetragen werden sollte. Nach diesen Bedingungen, von dem russischen Führer Fobrowolsti in einer langen Rede mit unglaublichen Angriffen gegen die Amster damer Gewerkschaftsführer gewürzt, stellte Thiemig Deutschland fest, daß eine Zusammenarbeit mit den Russen nicht möglich sei. Dem ftimmte der Kongreß zu unter Aufrechterhaltung und Bestätigung des Beschlusses des Sekretariats. daß die Russen willkommen sind, wenn sie sich zu den Amsterdamer Grundfäßen bekennen. Der dritte Tag des Kongresses war einer eingehenden Aussprache über die Lage der Arbeifer in der Papierindustrie Ein Posten Deutsche u. 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Für Dienstag erwartet man eine neue Zusammenfunft der aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehenden paritätischen Kommission. ( Gewerkschaftliches siehe auch 3. Beilage.) Saternus: Verantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Gewerkschaftsbewegung: Fr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schifowski; Lotales und Conftiaes: Frik Karstadt: Anzeigen: Tb. Glede; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. nt. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckeret und Berlaasanitalt Baul Ginaer u. Co. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 4 Beilagen ,,, Unterhaltung und Biffen" und ,, Aus der Film- Welt". SAISON- AUSVERKAUF vom 1-21.Juli Jumper u. Blusen weiß Kleider aus reinwollenen Stoffen Voll- Voile statt 10.- bis 20.- für 5.75 Jumper bedr. 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Jahrgang!♦ 0�0 �O�tD0�t0 Sonntag, 4.�uli1H2ö Vor nicht allzulangcr Zeit wurde im Zentrum der Stadt eine akademische Lesehatle eröfsnet. Ihr Entstehen verdankt sie privater Initative: sie soll nach dem Wunsche ihrers Begründers wor allem den in unzulänglichen Wohnräumen hausenden Studenten und Geistesarbeitern eine Stelle bieten, an der sie ungestört lernen und arbeiten können. Ihre Einrichtung ist vorbildlich: schlicht, mit den einfachsten Mitteln, nur durch Farbe wirksam: aber von der Fensternische mit den Blattpflanzen bis zu den schweren, schwarzen Stühlen und Tischen ist alles durchdacht und zweckbewußt. Drei Mietsräume eines alten Hauses wurden hier von einem guten Innenarchitekten so umgestaltet: es entstand eine wahre Oase guten Geschmacks. Und mit Bedauern und leisem Neid geht man dürch die Räume; denn man denkt der vielen, die in Berlin auch kein Winkel, kein ungestörtes Fleckchen zu geistiger Erholung, zur Fort- bildung haben. Keine Akademiker, nein. Nur ganz gewöhnliche Proleten, die in übersüllten Wohnungen hausen: die in der Küche. umtost vom Lärm der kleinen und großen Mitbewohner, auf einer Ecke des Küchsntisches das aus der Volksbücherei geholle Buch auf- schlagen und dann vergeblich versuchen, zu der nötigen Sammlung kür wirklich fruchtbringendes Lesen zu kommen. Und dann fragt man: Wie steht es mit den Berliner Lesesälen? Es gibt viele, ja. Aber gibt es genug? Und vor allem: Wie ist hier für das Prole» tariat gesorgt? Die Staatsbibliothek. Da ist der große Lesesaal der Staalsbibllothek. Ein Kuppel- räum, hoch wie eine Kirche, prunkvoll, ans der wilhelminischen Aera. Der ganze Raum von Pulten besetzt. An den Wänden steht eine Handbibliothek von 2l)0l)e anderen Bücher werden auf Anforderung herausgegeben. Die Be- Nutzung ist frei für jedermann: durch die Beschränkung der Bücher und Mappen aus das Fach des Kunstgewerbes aber wird die Bücherei nur von kunstgewerblich eingestellten Personen benutzt. Die Schüler der'Berliner Handwcrlerschulen und olle Arbeiter, die auf Fortbildung in ihrem Fach Wert legen, seien jedenfalls aus diese Bildungsstätte hingewiesen. Die Bibliothek ist von morgens 9 bis abends 9 Uhr geöffnet: sie befindet sich Prinz-Albrecht-Straße. Sic ist verhältnismäßig wenig besucht, man hat den Eindruck, daß diese Bildungsmöglichkeit weit besser ausgenützt werden könnte. Ihre isolierte Lage mag mit daran Schuld haben. Lesesaal öer Staötbücherei. Der kann sich wirklich nicht über zu geringe Benutzung be- klagen! Nachmittags und abends ist jast jeder Stuhl besetzt. Fünf Pfennig ist sür den, der keine Lesekarte hat, die einmalige Benutzungsgebühr. Dafür stehen dem Besucher alle Berliner und die bedeutendsten deutschen, auch einige ausländische Zeitungen, außer der Handbibliothek noch der gesamte nicht verliehene Bestand der Stadt- bücherei und einige hundert Zeitschriften zur Verfügung!— Vier Kategorien von Besuchern lassen sich leicht unterscheiden? Nicht allzu zahlreich sind die wissenschaftlichen Arbeiter, die aus den Büchern, die nicht mehr zur Verleihung kommen, Auszüge machen müssen. oder denen auch zu Haus Raum und Ruhe fehlt. Dann kommen die Zeitungslcser, von denen viele täglich erscheinen und sich hier einen Ueberblick über die Presse aller Parteien verschossen, lieber die Hälfte von ihnen sind Proletarier mit regem, politischem Interesse. Die dritte Kategorie besteht ausschließlich aus Arbeitern, die keine geeignete Wohnung hoben und hier, oft Tag für Tag, über populärwisienschafttichen Werken sitzen und an ihrer Fortbildung arbeiten. Und dann gibt es noch die letzten Gäste: Die, die nicht der Bücher wegen kommen, die nur ein wenig Ruhe und Schuh vor Wind und Wetter suchen. Schon am Vormittag sitzen sie hier. Ob- dachlose, deren Kleidung noch anstandig genug ist. um ihnen die Zurückweisung durch den aussichtsführenden Beamten zu ersparen. Ueber den Band Fontane oder irgend eine Reisebeschreibung ge- neigt, kämpfen sie einen heroischen Kampf gegen den Schlaf. Andere, die'zwar noch eine Schlafstelle bezahlen können, aber tagsüber keine .Bleibe" haben, versuchen sogar, hier zu arbeiten, und mehr als einmal sieht man hier Adressenschrciber. Eigentlich ist das la unzulässig. Aber die aussichtsührende Bibliothekarin und der Be- amte an der Tür sehen drüber hin. Sie kennen auch diese„Stamm- gäste" und dulden diese kleine Mogelei, eine von den harmlosen Kriegslisten, mit denen letzte Armut sich ihr bischen Brot erringt. Die ftäötischen Lesehallen. ' Außerdem bestehen in den verschiedenen Bezirken Verlins noch elf städtische Lesehallen, die sreilich fast alle nur an wenigen Nach- niittagsstunden geöffnet sind. Darauf mag auch der verhältnismäßig geringe Besuch der Lesehallen zurückzusühren sein, denn die eine, den ganzen Tag geöffnete Lesehalle in der Adalbertstraße 41, die freilich auch am besten mit Material versehen ist, hat über ein Viertel der Gesamtbesucherzahl'aufzuweisen! Die anderen zehn Lesehallen haben insgesamt jährlich 70 815 Besucher, und diese eine allein 28 000. Dann ist ein anderer Grund der schwachen Besucher- zahl wahrscheinlich in der Unterbringung der Lesehallen in Schul- räumen zu suchen. Wer die alten Schulen Zentralderlins kennt, weiß, wie wenig sie zum stundenlangen Aufenthalt einladen! Außer- dem sind die Bücherbestände meist recht veraltet. In den letzten Jahren sind kaum Neuanschaffungen gemacht worden, und auf die Idee, den Bücherbestand der einzelnen Lesehallen dann wenigstens zeitweise untereinander auszutauschen, ist anscheinend noch keine „zuständige Stelle" gekommen.— Die„Erziehung zum Buch" scheint wirklich bei den Erwachsenen keine allzureichen Früchte zu tragen, sreilich ist hier eine intensivere und modernere Propaganda nötig. als sie bisher geleistet wurde. Volkslesehallcn, die nicht in den Cchulgebäudcn toter Seitenstraßen, von außen gut kenntlich gemacht, in den Verkehrsstraßen der Arbcitsrvilertel errichtet und den ganzen Tag geöffnet wären, hätten sicher reichlichen Besuch.— Sogar in typischen Arbeitervierteln wie Pankow, Borsigwalde, Friedrichsfelde existieren keine Lesehallen, und es wäre hier wohl Ausgabe der Bezirke, zu zeigen, wie eine neuzeitlich orientierte Verwaltung Dienst an der Volksbildung leisten kann. 4- Die Kinderlese hallen deren es jetzt auch elf gibt, haben jedenfalls den besten Erfolg. Im vorigen Jahr wurden die acht damals bestehenden von 147 794 Kindern besucht!— Und so wird die„Erziehung zum Buch" vielleicht erst in der kommenden Gene- ration die reichsten Früchte tragen. Berlin steht noch! Daß einige der edlen Vajuoaren vom weit- verlorenen bayerischen Hochland nicht gut auf den„Preiß'n" zu sprechen sind, besonders der Intelligenz des echten Berliners ab- lehnend gegenüberstehen, ist eine aite Tatsache. Das hochehrwürdige Amtsblatt von Obcrammergau versteigt sich in Nr. 67 der„Ammer- gauer Zeitung" in seiner partikularistijchen Gehässigkeit zu folgender lieblichen Notiz:'„B crlin steht nach schweren Gewittern gottlob unter Wasser, ist aber noch immer nicht untergegangen.. Das ist alles. Die guten„Oberammer. garnier"— wie die Einwohner des internationalen Possionespie!- i orses von ihren eigenen Landslcuten selosterkenncnd genannt werden— scheinen sich schon so sehr an- den Berliner Sommerfrischlern gesund gemacht zu haben, daß sie aus diese Einnahmequelle ver- zichten können. 231 Der lvobblq. von B. Traven. Copyright by Buchmcister-Bcrthg. Berlin und Leipzig. In den billigen Schlafräumen gab es alles erdenkliche Ungeziefer und alle möglichen Insekten der Tropen, alles natürlich in tropischen Ausmaßen, nur die Moskitos waren klein. Die großen widerlichen Schoben liefen in den Betten umher und an den Wänden auf und ab, als ob ihnen die Räume gehörten. Die Reihen der billigen Schlafräume waren alle aus dünnen Brettern erbaut, die halb zerfault waren. Die Dächer waren aus Wellblech und bei manchen Räumen aus Pappe. Ob sie aber aus Blech oder aus Pappe waren, alle leckten, wenn es regnete, so fürchterlich, daß an ein Schlafen nicht zu denke:, war. Die Gäste alle rauchten. Und da es ja nicht ihr haus war, so flogen die ganze Nacht hindurch die glühenden Zigarettenstummel und brennenden Zündhölzer in den Räu- men herum. Die Zündhölzer hier sind aus Wachs und brennen schön weiter, wenn man sie weggeworfen hat. Aber trotzdem sind Feuer sebr selten. Wenn sie ausbrechen, brennt alles nieder, weil die Feuerwehr zwar die modernsten Lösch- Maschinen besitzt und sehr gut gedrillt ist, aber kein Wasser bat. Rur gerade so viel Wasser, wie in den fahrbaren Ma- schinen mitgesührt wird. Die Fußböden waren alle zertreten und morsch und faul. Ratten und Mäuse hatte ideale Heime und trugen die Beulen- pest umher. � Die billigen Schlafräume waren immer voll besetzt, die teuren für einen Peso standen zur Hälfte immer leer. Wir kamen, gaben einen Namen an, der eingeschrieben wurde, und erhielten unsere Raum- und unsere Bettnummer. Dann legten wir uns schlafen, nachdem wir ein Brausebad genommen hatten. Gegen acht Uhr abends standen wir auf und gingen wieder in die Stadt. Das Bett gehörte uns noch für die kommende Nacht, und wir brauchten nicht noch einmal dafür bezahlen. Bedürfnisanstalten gibt es hier nicht, dafür müssen alle Wirtschaften, die darauf eingerichtet sind, jedem, auch wenn er nichts verzehrt, die Benutzung gestatten. Aber manche Mirtschaften haben selbst keine Einrichtung dafür, well sie keinen überflüssigen Raum haben. Dann muß sogar der Bc- sitzcr in ein Nebenrestaurant gehen. Das war der Grund, daß ich in eine Bar kam. Ein Riefe von einem Mann stand an dem Büfett und trank Tequila. Er hatte hohe Reitstiefel an mit Sporen. Sein Gesicht wer sehr roh, und er trug einen mächtigen Hindenburg-Bart. „hallo!" rief er, als ich gerade wieder hinausgehen wollte.„Suchen Sie Arbeit?" „Ja. Was für welche? Wo?" „Baumwolle pflücken. In Concordia. Mr. G. Mason. Zahlt den üblichen Pslückcrlohn. Bahnstation. Kostet drei Pesos sechzig." „Sind Sie beauftragt, Leute anzunehmen?" „Natürlich, sonst würde ich es Ihnen doch nicht sagen." „Gut, geben Sie mir einen Zettel." Er ließ sich ein Stück Papier von dem Wirt geben, nahm ein Bleistiftstümmelchen aus seiner Hemdtasche und schrieb den Zettel aus. Ich las den Zettel: Mr. G. Mason, Concordia. Dieser Mann kommt zum Pflücken. L. Wood. Als ich später Osuna traf und ihn fragte, sagte er mir, daß er nicht mitkäme. Am nächsten Morgen fuhr ich ab. Ich kam an und fand Mr. Mason. Auf dem Felde waren viele Pflücker tätig, und die Arbeit hatte schon tüchtig angefangen. Als Mr. Mason meinen Zettel sah, sagte' er: „Mr. L. Wood? Kenne ich nicht. Hat keinen Austrag von mir, Pflücker anzunehmen. Kann gar keine brauchen. 5)abe genug." ,',Sie sind doch Mr.. G. Mason?" fragte ich. „Nein, ich bin W. Mason." „Wohnt hier in der Nähe ein Mr.G. Mason?" fragte ich. „Nein," oniwortete der Farmer. „Dann sind Sie doch damit gemeint," sagte ich.„Das mit dem G. ist dann nur ein kleiner Irrtum. Sie pflücken doch. Wie kann denn Mr. Wood oder ganz gleich, wie er heißt, wissen, daß hier ein Mr. Mason wohnt, der Baum- wolle baut und jetzt gerade mit dem Pflücken beginnt?" Der Farmer machte ein unbestimmtes Gesicht und sagte dann:„Das weiß ich auch nicht. Jedenfalls kenne ich keinen Mann namens Wood und mein Borname ist nicht G., fon- dern W." „Schöne Sache," sagte ich,„einem so das Geld aus der Tasche zu lotsen für die Eiscnbahnfahrt, wenn man schon so gut wie nichts hat. Ich will Ihnen etwas sagen, Mr. Mason, etwas stimmt hier nicht, und es ist an dieser Stelle hier schwer herauszukriegen, wer der verfluchte Gauner ist, der einen um seine Zeit und sein Geld betrögt" „Wenn Sie wollen, können Sie ja hier anfangen zu pflücken," lenkte Mr. Mason nun ein,„aber Sie kommen nicht aufs Geld. Ich habe nur Eingeborene zum Pflücken, und die tun es billig. Sie.können auch hier nirgends wohnen." „Verstehe auch ohne LzörmHr, was los ist," sagte ich. „haben Sie schon einmal als Zimmermann gearbeitet?" fragte nun Mr. Mason. „Ja, das habe ich, ich bin ein geübter Zimmermann." Wenn man hier nicht verhungern will, muß man alles sein können, auch wenn man nie eine Art oder ein Zieheisen in der Hand gehabt hat. Ich hatte jedenfalls keine blasse Ahnung von der Zimmerei. Aber ich dachte, wenn ich erst einmal vor der Arbeit stehe und mir eine Axt gegeben wird, dann geht das übrige schon von selbst. Es kann jemand in England oder in Frankreich oder in Deutschland vier oder fünf Jahre Buchbinder oder Gelbgießer oder sonstwas gelernt haben und ein Meister in seinem Fache sein. Das ist hier gar nichts wert, weil selten oder nie ein Buchbinder oder Gelbgießer verlangt wird. Wer bei seinem Handwerk bleiben will wie der'Schuster beim Leisten, der bekommt hier nicht einmal verschimmeües Brot in den Magen, heute ein Auto reparieren, morgen einen guten Maurer machen, übermorgen Stiefel besohlen, die folgende Woche ein Bohnenfcld pflügen, dann Tomaten in Blechbüchsen konservieren und verlören, hierauf Werkzeuge schmieden und Drillmaschinen in Ordnung bringen in den Oelfeldcrn, dann ein Kanu, mit Papayas voll gefüllt bis zum Sinken, über Stromschnellen und Sandbänke, zwischen Alligatorcnhcrden und undurchdringliches Dornen- gestrüpp tagereisenweit die Flüsse hinunterpoddeln: wenn man das nicht alles nebenbei kann, ist das so mühevoll gelernte Handwerk und das lange Studium des Ingenieurs oder des Arztes nicht so viel wert, daß man sich fünfzig Centavos für ein chinesisches Mittagessen verdienen kann. „Wenn Sie Zimmermann sind, kann ich Ihnen Arbeit besorgen," erläuterte Mr. Mason.„Da baut ein Farmer ein neues Haus, und er wird nicht gut damit fertig, weil er nichts von Holzarbeit versteht. Ich gebe Ihnen einen Zettel mit. Es ist nur eine Stunde von der Bahnstation entfernt." tl.i..(Fortsetzung folgt.) Kinderfürsorge in Berlin- Mitte. 3 Unwetterkatastrophe im Riesengebirge Zwei Frauen ertrunken.- Krummhübel und Agnetendorf schwer betroffen. In den älteren Teilen Berlins macht es besondere Schwierigkeiten, das Recht des Kindes auf Luft und Licht durchzusetzen. Hier, mo die Bevölkerung in engen Straßen und in Häusern ungesundester Bauart zusammengepfercht ist, brauchen wir eine besonders leistungsfähige Kinderfürsorge. Die Bezirksverwaltung von BerlinMitte konnte am Sonnabend einem Kreis von Freunden der Jugend In der Nacht zu gestern find im Riefengebirge ich were folgende Einzelheiten: Der Schaden, den das Unwetter angerichtef zwei Anstalten zeigen, die dem Wohl der Kinder gewidmet sind. Sie wollenbrüche niedergegangen, besonders in der Gegend der hat, ist gegenwärtig noch unübersehbar, da der Telephon- und hat die Räume des Hauses Blumenstraße 97, das als Neu- Schneekoppe, der Petersbaude und der Schneegrubenbaude. Telegraphenverfehr mit den besonders schwer heimgesuchten manns Kinderhaus weiten Kreisen der minderbemittelten rummhübel, Hermsdorf unterm Kynast und Agneten- Orten Agnetendorf, Hermsdorf, Giersdorf und Krummhübel 3 um Bevölkerung rühmlichst bekannt geworden ist, neu instandsetzendorf find am schwersten betroffen. In diesen Orten wurden große größten Teil gestört ist. Die Hirschberger Jäger find feit lassen. Der verstorbene Kinderarzt Dr. Hugo Neumann, gestern früh mit einer starten Abteilung in den Unglücksorten tätig, dringende Forscher und edle Menschenfreund, der in diesem von ihm Verwüstungen angerichtet. Die meisten Brücken sind zerstört, um die Schäden und zahllosen Verwüstungen des Unwetters zu be geschaffenen Haus als Bahnbrecher der Säuglingsfür viele Häuser sind beschädigt und die Sperrungen auf weite Streden feitigen und weitere Ueberschwemmungen der zu reißenden forge geweilt hat, hätte sein Freude, wenn er sehen könnte, wie zerrissen. In Agnetendorf ist die Frau des Drechslermeisters Strömen angeschwollenen Gebirgsbäche durch Aufdie Stadt das nachmals an sie übergegangene Kinderhaus ausge- Cinfe, als fie die Ziegen aus dem Stall holen wollte, in den Fluten werfen von Stauwällen und Dämmen zu verhindern. Zum Glück staltet hat. Die Säuglingsfürsorgestelle, die darin unter ertrunken. In Hermsdorf stürzte die Brüde bei Tikes Hotel hält die große Talsperre bei Maur, zwischen Hirschberg und Lähn, gebracht ist, hat jetzt einen willkommenen Zuwachs an Räumen erein. Die Frau des Fuhrwertsbesitzers Diesner, die sich mit noch. Sie liegt allerdings etwas von den direkt betroffenen Orten haiten, so daß sie den Andrang von ratsuchenden Müttern, der hier mehreren anderen Personen auf der Brücke befand, stürzte in entefrnt, so daß sich die Niederschläge etwas verlaufen können und von jeher besonders groß war, nun besser wird bewältigen können. nicht mit ganzer Wucht auf die Talsperre, die 50 Millionen Hektoliter Stadtrat Genosse Herrmann, der als Dezernent vom Jugend- die Fluten und ertrant. Das Unwetter hat zahlreiche Wasser fassen kann, auftreffen. Bis Mittag war die Talsperre jedoch wohlfahrtsamt des Bezirkes die Gäste begrüßte, e hrte das An- Störungen im Fernsprechverkehr verursacht. schon bis zu 35 Millionen Hektoliter gefüllt, so daß nur noch für denken Neumanns. Er erinnerte daran, daß Neumann in der weitere 15 Millionen Hektoliter Wasser Raum vorhanden ist. Falls Säuglingsfürsorge planvoll den Grundsatz durchgeführt hat, die das Unwetter sich mit gleicher Macht wiederholen sollte, und die Mütterbelehrung in den Mittelpunkt zu stellen. Auf dem, Talsperre die neuen Wassermassen nicht mehr zu fassen in der Lage was Neumann vorbereitend geschaffen hatte, konnte die Stadt wäre, so würde daraus eine unübersehbare Gefahr entstehen und weiterbauen. Sanitätsrat Dr. Ja pha, der ein langjähriger MitHirschberg und Greifenberg, ja fogar Görlitz bedroht werden. Der arbeiter Neumanns war und noch heute diese erste SäuglingsfürSchaden, der bisher angerichtet wurde, ist trotzdem groß, obwohl forgestelle Berlins leitet, wies auf die Erfolge der Säugsämtliche Verwüstungen erst nach Wiederablauf der Wassermassen lingsfürsorge hin. Der Kampf gegen die Säuglingssterblich festgestellt werden können. Schon jetzt fann man sagen, daß der feit ist nicht vergeblich geführt worden, und die unermüdliche Arbeit, weitaus größte Teil der Ernte vernichtet worden ist. Die Gewalt die in der Mütterbelehrung geleistet wurde, hat ihre Früchte geder Wassermassen läßt sich am besten daraus ersehen, daß in Giers bracht. Nachdem die Gäste die zweckmäßig und freundlich einge dorf sechs Häuser vollständig vernichtet und eine andere Anzahl von richteten Räume besichtigt hatten, besuchten sie eine andere KinderGebäuden so schwer beschädigt wurde, daß die Bewohner ihre Wohnfürsorgestätte des Bezirkes. Der Kindergarten in der Köpestätten fluchtartig verlassen und dem entfesselten Element preisgeben nider Straße, der bisher von der Arbeiterwohlfahrt und den mußten. Auch ein großer Teil des Vieh- und Kleinviehbestandes ist Kinderfreunden geführt wurde, ist von der Stadt übernommen und der Ueberschwemmung zum Opfer gefallen. Für die Bewohner, von in das Haus Köpenicker Straße 60/61 verlegt worden, wo er reich denen ein großer Teil auf Erwerb durch Sommergäfte angewiesen liche und hübsch eingerichtete Räume erhalten hat. Dem Kinderist, wird der Schaden noch größer, da viele Sommerfrischler bereits garten für 40 noch nicht schulpflichtige Kinder ist ein Kinderhort im Laufe des gestrigen Sonnabend ihren Aufenthalt abgebrochen für 40 schulpflichtige Kinder angegliedert. Die Stadtverordnete Ge haben. Den ganzen Nachmittag bis in die Abendstunden hinein war nossin Todenhagen nahm als Vertreterin der Arbeiterwohl das Wetter weiter bedrohlich, und in Hirschberg gingen neue Gefahrt das Wort und äußerte ihre Befriedigung über das, was hier wiffer mit größeren Niederschlägen hernieder, wodurch die an die Bezirksverwaltung mit reicheren Mitteln geschaffen hat. Die Kinder erfreuten die Gäste durch Gesangsvorträge und bejubelten gerichteten Ueberschwemmungen noch größer wurden. ein Rasperlespiel des Genossen Fechenbach. Der Wunschtraum des Morphinisten. Er wollte Arzt werden. Sein Vater war Militäreffektenfabrikant. Er selbst besuchte das Gymnasium und studierte einige Semester Medizin. Dann aber geriet er, faum 19jährig, unter die Räder, beging einen Betrug und fam ins Gefängnis. Mit seiner medizinischen Laufbahn war es aus. 1907, 1910, nochmals 1910, 1915, 1920 folgten Gefängnisstrafen. Der Wunschtraum blieb: Arzt werden. Von der Medizin rettete er aber nur den Morphinismus, dessen Macht er reichlich kennenlernte. Augenblicklich ist E. 38 Jahre alt. Seine Vergangenheit ist ihm peinlich, sehr peinlich. Er bittet, fein Strafregifter nicht zu verlesen. Den Rückfall gibt er zu. Im Dezember vorigen Jahres hatte er das Gefängnis Plößensee verlassen. Er begab sich zur Gefangenenfürsorge, bat um Arbeit. Wo aber die hernehmen, da Hunderttaufende von Unbestraften Erwerbslosenunterstügung beziehen. Er fand doch welche, verlor sie aber bald. Wieder Gefangenenfürsorge, Arbeitsnachweis. Nichts! Da fam ihm die Idee ob sie ihm etwa zum erstenmal tam, ist unbekannt geblieben: er ging zu dem bekannten Frauenarzt Prof. Dr. Duehrsen, stellte sich ihm als ein approbierter Arzt vor, zeigte ihm Rezeptformulare, flagte sein Leid er fei lungenkrank bat um eine Anstellung. Dieser gab ihm 10 m. und schickte ihn in das Lungensanatorium des Dr. v. Welninger. Hier fand er Anstellung als Arzt. Mit dem Mikroskop verstand er aber nicht umzugehen, Rezepte fonnte er nicht schreiben; so notierte er nur Befunde, die ihm Dr. Wehninger diftierte. Er horchte auch an den Patienten herum und schrieb die Befunde falsch nieder. Als er die ersten 100 m. bekam, verschwand er. In der Apotheke hatte er aber bereits auf zwei von ihm selbst ausgestellte Rezepte Morphium erhalten. Der Zufall wollte es, daß der Apotheker hinter den Betrug fam. Bei der Haussuchung fand man bei E. eine große Anzahl von Rezeptblocs. Das Gericht verurteilte ihn zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus. Geschädigt hat er eigentlich niemand und das Zuchthaus ist fein Sanatorium. Aber Prof. Düehrsen erkannte im ersten Augen blick den Angeklagten nicht wieder. So gut hatte er sich erholt. Weil ich tein Morphium hatte," meinte E. Das Urteil im Hermsdorfer Postscheck- Prozeß. In später Abendstunde verkündete Landgerichtsdirektor Bulli folgendes Urteil: Die Angeflagten Postvorsteher Bartel und Postinspettor Nagel werden entsprechend den Anträgen des Staatsanwaltes wegen gemeinschaftlicher schwerer Amtsunterfchlagung und passiver Bestechung zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr bezw. 8 Monaten verurteilt. Beiden Angeklagten wird die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf drei Jahre abgesprochen. Der Angeklagte Dichter Knauft wird wegen einfacher Unterschlagung und Bestechung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt, von denen ein Jahr auf die Untersuchungshaft angerechnet wird. Er erhält drei Jahre Ehrverlust. Der Angeflagte Frosch, gegen den der Staatsanwalt Freisprechung beantragt hatte, Krummhübel im Riefengeb., 3. Juli.( WTB.) In Ober- Krummhübel ist das Wasser in viele fleine Land- und Bauern häuser eingedrungen, so daß Feuerwehr und Sanitätsmannschaften teilweise die Wege aufhacken mußten, um die Wassermassen abzulenfen. Die Wege find an den Rändern teilweise tief aufgerissen. Ein Teil der Hauptchaussee wurde weggerissen und Lichtund Telegraphenmasten umgefnickt, wodurch der obere Teil von Krummhübel seit 12 Uhr nachts ohne Licht war. Die Talsperre der Lomnik hat den ungeheuren Wassermassen standgehalten, jedoch ist unterhalb der Talsperre der Druck der Wassermassen so start gewesen, daß das Flußbett der Lomnih vier bis sechs Meter tiefer gerissen wurde. In Querfeiffen haben sich die Gebirgsbäche einen voll. ständig neuen Wasserlauf gesucht. Zwischen Zillerthal- Erdmannsdorf und Arnsdorf ist ein Eisenbahnübergang weggeriffen, an dem zurzeit gebaut wird; der Verkehr wird aber voraussichtlich mittags wieder aufgenommen werden. In Brückenberg sind die Grenzwässer herausgetreten und haben sich vom alten Bostamt bis zum Gemeindeamt Brückenberg ein neues breites Flußbett gebahnt. Der Schaden, der in den Gemeinden Krummhübel und Brückenberg durch das Un wetter verursacht wurde, ist sehr groß. = Breslau, 3. Juli.( WTB.) Die Pressestelle der Reichs Regens in der Nacht vom 2. auf den 3. Juli sind auf der Strecke bahndirektion teilt mit: Infolge des wolkenbruchartigen Hirschberg- Schmiedeberg- Landeshut die Gleise andrei Stellen unterspült und an fünf Stellen Böschungsmassen auf die Gleise gerutscht, so daß der Betrieb zwischen Zillerthal, Erdmannsdorf und Ober- Schmiedeberg unterbrochen ist. Voraus sichtliche Dauer der Unterbrechung ein Tag. Auf den Teilstrecken Hirschberg- Zillerthal- Erdmannsdorf und Ober- SchmiedebergLandeshut ist Pendelverkehr eingerichtet. Auf dem Zwischen abschnitt wird von Schmiedeberg nach Zillerthal und Erdmannsdorf und nach Ober- Schmiedeberg Bostautoverfehr hergestellt unter m leitung über Steinseiffen- Arnsdorf, weil auch die direkten Landstraßen unterbrochen und unfahrbar sind. * Bon einer Wolfenbruchkatastrophe ist auch Südserbien. Bosnien und Dalmatien heimgesucht worden. Dabei sollen mehr als 100 Menschen, etwa die Hälfte durch Blikschlag. umgefommen fein. Sämtliche Fernsprechleitungen find zerstört, ebenso zahlreiche Eisenbahnlinien. Der Eisenbahnverkehr von Belgrad nad Sofia ist unterbrochen. Bielfach wurden Wohnhäuser durch Wassermassen und Erdrutsche verschüttet. Die Städte neufat und 3aribrod stehen unter Wasser. In vielen Orten ist Hab und Gut der Bevölkerung völlig vernichtet. Es handelt sich um die größte Ueberschwemmungsfatastrophe, von der Serbien feit 50 Jahren heimgesucht wurde. Auch ein großer Teil Ungarns steht unter Wasser. Die Donau hat bei Mohacs den Damm durchbrochen und weite Gebiete überschwemmt. Bei Baja blieb infolge des Hochwaffers ein Dampfer unter der Donaubrüde fieden. Hirschberg, 3. Juli. Zu der Wolfenbruchkatastrophe, die das Riefengebirge in der Gegend des Hirschberger Tales in der Nacht zum Sonnabend schwer heimgesucht hat, erfahren wir noch wurde wegen Beihilfe zur Unterschlagung zu einer Gefängnisftrafe| Sammlungen des„ Nationalverbandes Heimatdant" von drei Monaten verurteilt. Es wurde ihm jedoch Bewährungsfrist gewährt gegen eine Buße von 150 Mart. Der Dichter Knauft verzichtete auf Rechtsmittel, ebenso wie der Staatsanwalt. In der Begründung führte der Vorsitzende aus, daß fein Zweifel daran bestehe, daß die angeflagten Postbeamten mit Knauft im bemußten und gemollten 3ujammenwirten gearbeitet und dafür Vorteile empfangen haben. 2919) 0 Gewitter und Regen geringe Abkühlung. Die während des gestrigen Vor- und Nachmittags über Berlin lastende Schwüle im Schatten betrug die Temperatur 25 Grad fand trotz des in den Nachmittagsstunden über Berlin und Vororte niedergehenden Gewitters, das an verschiedenen Stellen von molkenbruchartigen Regenschauern begleitet war, faum eine mertmolkenbruchartigen Regenschauern begleitet war, faum eine mert liche Abkühlung. Besonders der südöstliche Stadtteil murde schwer heimgesucht. Durch einen Wolkenbruch wurden zahlreiche in tieferliegenden Straßenzügen liegende Keller unter Wasser gefetzt. Die Feuerwehr wurde innerhalb einer halben Stunde nicht weniger als sechzigmal alarmiert. In der Mehrzahl gingen die Hilferufe von Geschäftsleuten aus, deren in den Kellerräumen lagernde Waren von dem Wasser bedroht wurden. Die sich in den Straßen stauenden Wassermengen fanden genügenden Abfluß, so daß es nur zu unerheblichen Verkehrsstörungen gekommen ist. Vor dem Hause Roßstraße 1, mo umfangreiche Ausschachtungen vorgenommen werden, ergoffen sich größere Regenmengen wie in einem Sturzbach in die Baugrube und zertrümmerten ein Hauptwasserrohr. Große Wassermassen ergossen sich in die Baugrube und überfluteten diese. Nach einiger Zeit gelang es, das beschädigte Rohr abzustellen. In der Badeanstalt ertrunken. Im Deutschen Bad" in Treptow ertrant gestern nach mittag gegen 26 Uhr infolge eines Unglücksfalles der 17jährige Schüler Kurt Klopp aus der Dolziger Str. 16 in Lichtenberg. Die Leiche des Ertrunkenen wurde beschlagnahmt und nach der Bufower Leichenhalle gebracht. Die Polizei ist noch mit der genauen Klärung des Unglücksfalles beschäftigt. Berbrecher und Zuchthäusler als Werber. „ Das Schöffengericht muß es sich versagen, in dieser Berhandlung die Tätigkeit des Nationalverbandes Kriegerfolonien Heimate dank e. B. einer Nachprüfung in der Richtung zu unterziehen, wie meit dieser Heimatdant, der unter dem Beichen Treu und Deutsch seit dem Jahre 1920 zum 3wed der Siedlungen vorf Kriegsbeschädigten große Beträge eingesammelt hat, irgendetwas für diese Siedlungen verwendet hat. Das Schöffengericht spricht die Erwartung aus, daß sich die Staatsanwaltschaft mit der Tätigkeit dieses Notionalverbandes und der darin tätigen Personen befassen Diese Worte schickte Landesgerichtsdirektor Steinhaus als Borsitzender einer Schöffenabteilung des Amtsgerichts Berlin- Mitte dem Urteil über den wegen Betruges, Urkundenfälschung und Dieba ftahls angeklagten Reifenden Friedrich Dunke voraus. Die Verhandlung hatte einen tiefen Einblick in die Sammel tätigkeit des unter patriotischer Flagge jegelnden" Nationalverban des" gewährt, und es waren wenig erbauliche Dinge zur Sprache gekommen. Der Angeklagte gehörte selbst eine Zeit lang zu den Werbern, hatte sich dann aber mit einem Rompagnon selbständig" gemacht und mit gefälschten Listen des Nationalverbandes Mitgliederwerbungen veranstaltet. Geradezu erheiternd wirkte es, wie Dunke schilderte, auf welche Weise er in Beziehungen zu dem Nationalverband getreten war. In Dunke hat man es mit einem Mann zu tun, der bereits achtmal wegen Betruges, Diebstahls, Unterschlagung, Ruppelei und anderer Straftaten abgeurteilt wor den ist. Zuerst", so bekundete Dunke, habe ich die Werbungen reell betrieben, bis der Bezirksleiter Schuhmacher 40 000 m. unters schlagen hatte und ein anderer Werber namens Bloches 10 000 m. Der Nationalverband unterließ gegen sie zunächst alle Schritte und zeigte sie erst an, als sie ein Konkurrenzunternehmen begannen. Ich sagte mir, wenn alle betrügen, weshalb sollst du im Heimatdank der einzige anständige Mensch sein." Der Verband soll früher bis zu 20 000 Mitgliedern gehabt haben und hunderttausende Personen sollen im Laufe der Jahre aus patriotischen Gründen Spenden ges macht haben. Der als Zeuge vernommene stellvertretende Schahzmeister, Eisenbahnassistent a. D. Scheibe vermochte auf die immer Saison Ausverkauf 1 Posten reinleinene 1 Posten reinseldene Steppdecken Laken- Dowlas Linon- Oberbettbezüge Wischtücher Daunendecken Satin- Oberseite in diversen Farben Bettwäsche Guter Wäschestoff, starkfädig 9.25 ca. 160 am breit, kräftige Qualität 1.45 gute kräftige Qualität, 130X200, zum Knöpfen $ 5.95 Meter Fertige Inlette Ueberlaken Oberbett Kissen Guter Wäschestoff mit Oberbett ca. 120x200.4.50 graurot gestreift. 6.60 1.95 rot oder rotross.8.902.35 Fertige Betten Kissen 80 x 80...... 1.45 Bettlaken Euter, kraftiger 2.95 1.50 X 220 3.95 Languetten- Kissenbezüge ca. 80 X 80... 1.25 1.10 Einzelne Kissenbezüge rot kariert 80X80 95 PL Graurot mit grauen Federn Oberbett 120x200... Unterbett Kissen......... Rein- Leinen vollgebleicht, 82 cm breit für Bettu. Leibwäsche. Meter 11.90 .10.75 Hohlsum verziert 5.90 ...... 39 55X55* Bade- Laken Weißer Kräuselstoff mit roter Kante, gezwirnt mit Lochstickerei u. Hohl- 9.75 100x100.... saum. 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Das Gericht berücksichtigte die sozialen Hintergründe und erkannte deshalb, schon weil er das Rezept für diese Schwinde leien nicht selbst erfunden hatte, nicht auf Zuchthaus, sondern verurteilte Dunke zu 2 Jahren Gefängnis. Das Ende einer zerbrochenen Ehe. Eine Familientragödie spielte fich gestern nachmittag in dem Friseurteller Anflamer Straße 16 ab. Hier betreibt schon seit einer Reihe von Jahren der 30 Jahre alte Friseur Walter Herzfeld mit einem Gehilfen sein gutgehendes Geschäft. Vor einigen Tagen war die Frau des Friseurs mit dem 5 Jahre alten Töchterapen fortgezogen um in Zukunft mit einem Maschinisten aus München- Gladbach zusammenzuleben. Bis zur endgültigen Ueberfiedelung war sie zu ihren Eltern gegangen. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr betrat Frau Herzfeld plötzlich das Geschäft und ging nach den Wohnräumen, um ihre Sachen zu packen. Herzfeld fertigte seinen Runden ab und ging ihr dann nach. Die anwesenden Kunden hörten dann einen heftigen Wortwechsel und gleich darauf fam der Meister aufgeregt und mit zerfragtem Gesicht wieder nach vorn. Er nahm aus der Schublade eines Tisches etwas heraus und ging wieder weg. Plöglich ertönten mehrere Schüsse. Der Gehilfe eilte nach dem Wohnzimmer und fand das Chepaar auf dem Fußboden liegen. Ein herbeigeholter Arzt fonnte bei Frau Herzfeld nur noch den Tod feststellen, der Friseur lebte noch, starb dem Arzt aber unter den Händen. Ein hinterlaffener Brief Herzfelds an den Maschinisten rät diesen von der Frau abzulaffen, da er anders eine Familie unglücklich machen werde. Aus nichtigen Gründen versuchte eine Frau sich und ihre beiden Kinder mit Gas zu vergiften. Als der Tischler B. aus der Hohen friedbergstraße 20 zu Schöneberg gestern nachmittag gegen 4 Uhr von der Arbeit heimkehrte, fand er die Wohnung von innen ver= schlossen und nahm gleichzeitig einen starken Gasgeruch wahr. Er öffnete mit Gewalt und fand ſeine Frau und seine 5 Jahre alte Tochter Dorothea besinnungslos auf dem Sofa und dem Bett liegen, mährend das ein Jahr alte Söhnchen Günther, das auf dem Fuß boden gelegen hatte, weinend auf den Bater zulief. Das kleine Mädchen gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich und starb den Samaritern der Feuerwehr unter den Händen, während die Frau ins Leben zurückgerufen werden konnte. Es stellte sich heraus daß die Frau die Vorwürfe nicht ertragen hatte, die ihr Mann ihr gemacht hatte, weil sie heimlich ihre Wintersachen versetzt hatte, um mit dem Erlös eine Reise zu unternehmen. Die Frau wurde als Polizeigefangene in das Auguste- Biftoria- Krankenhaus gebracht. Mittelfeuer in der Chemischen Fabrik Schering. Gestern abend furz nach 6 Uhr wurden die Löschzüge Charlottenburg, Lühow und Suarez der Berliner Feuerwehr nach dem Tegeler Weg in Charlottenburg alarmiert, wo in einem großen Arbeiterantleideraum der Chemischen Fabrik Schering Feuer aus gebrochen war. Unter Leitung von Baurat Scheele wurde mit drei Rohren gegen den Brandherd vorgegangen und der Raum völlig unter Baffer gesetzt. Diese Maßnahme war unumgänglich, da sich unmittelbar über dem Feuer ein Laboratorium befindet, in dem größere Mengen leichtentzündbarer Stoffe, wie Benzol und Kampfer, lagerten. Es gelang schließlich auch, die große Gefahr einer Explosion dieser Stoffe abzuwenden. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis 29 Uhr abends. 29179100868: Leipziger Platz Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Die Alten. Die neue Zeit zieht mit den Jungen; so fingen sie es selber und glauben es auch. Aber mit allen Jungen? Man soll auch den Alten ihr Recht und ihre Ehre lassen. Wie mancher Jugendliche wird von den Allten im weißen haar beschämt. Der Junge geht auf Fahrt, der Alte geht auf Werbung, treppauf, treppab, spricht mit alten abtrünnig gewordenen Freunden, überzeugt noch Schwankende. Der Junge sorgt für sich und seine Freude, der Alte sorgt für die Organisation, ohne die der Junge nicht mehr die Möglichkeit hätte, für seine Freude zu sorgen. Als im Jahre 1920 die Abstimmung in Westpreußen war, ob deutsch oder polnisch, da erregte es ungeheure Begeisterung, als bekannt wurde, daß ein siebzigjähriges Weiblein im Flugzeug von Deutschland um den polnischen Korridor Achtung, Leserinnen der Frauenwelt! Dampferfahrt am 9. Juli nach der Woltersdorfer Schleufe. Es ist gelungen, noch einen Dampfer zu mieten. Fahrkarten find daher wieder zu haben. herum ins Abstimmungsgebiet geflogen war, um seine Stimme für Deutschland abzugeben. Und nicht geringes Aufsehen erregte es, als in den Demonstrationszügen unserer Partei vor dem Abstimmungsfonntag überall auch die Alten zu sehen waren. In Charlotten burg marschierte eine 77 Jahre alte Parteigenofsin am Freitag vor dem Wahlsonntag drei Stunden und am Sonnabend sogar fünf Stunden im Demonstrationszug mit, eine Frau, die bereits mit ihrem Mann unter dem Sozialistengesetz gekämpft hat. Nicht weil sie alt, das heißt hoch an Jahren sind, sollen sich die Jungen ein Beispiel an ihnen nehmen, sondern weil trotz der Last der Jahre ein frischer Geist, ein lebendiger Wille, ein mutiges fröhliches Herz in diesen Alten ist, weil der Geist über den Körper fiegt, deshalb muß die Jugend diese Alten ganz besonders ehren und lieben. Mehr Rücksicht auf Schwerkriegsbeschädigte! In der Alexandrinenstraße liegt die Orthopädische Ver. forgungsstelle I Berlin. Den Kriegsbeschädigten werden hier kostenlos Brothesen, Selbstfahrer und andere Hilfsmittel zur Berfügung gestellt, ferner werden auch hier Reparaturen an künft lichen Gliedern vorgenommen und den Kriegsbeschädigten Wetter mäntel und dergleichen geliefert. Augenblicklich amtieren dort zwei Aerzte, von denen einer vollkommen mit der Kontrolle der Rechmungen und Atteste beschäftigt ist. Der Besuch dieses Instituts ist demnach immer mit einer unfreiwilligen, langen warte zeit verknüpft, es vergehen meistens zwei bis drei Stunden, ehe der Wartende zur Untersuchung vorgelaffen wird. Im ersten Stod mert find Warteräume vorhanden, aber die Schwerkriegs. beschädigten, die hierher mit ihren Selbstfahrern kommen und nicht Treppen steigen fönnen, müffen unten. auf dem zugigen Korridor warten, bis der Arzt zu ihnen herunterkommt. Wie lange das dauert, fann man sich vorstellen. Mehr Rücksicht wäre hier am Blaze. Und nach eins. Es geht nicht an, daß man sich eng an die Buchstaben von Verordnungen hält, die eine bestimmte Dauer für die gelieferten Gegenstände vorschreiben. Eine Prothese muß eben geändert werden, wenn das Bein, für das sie bestimmt ist, feine Form verändert hat. Belehrende Vorträge über die Dauer einer Prothese erübrigen sich hier. Der amtierende Arzt braucht sich nicht in dem holden Bahn zu befinden, er spräche zu Refruten in der Instruktionsstunde. Die Klagen hierüber häufen sich. Auch Regenmäntel fönnen ohne bösen Willen ihrer Träger vor der Zeit schadhaft werden. Wenn aber der Arzt die Bemerkung macht, der Mantel sei nicht vorschriftsmäßig zerrissen, dann wirkt das zum mindesten komisch, es zeigt aber, daß der alte ka fernenhofton noch immer nicht vergessen ist. Man sollte den Schwerkriegsbeschädigten das Leben erleichtern! Ach ja, nichts, um in dieser Beziehung vorbildlich zu sein. man spricht sehr schön darüber, doch selbst die amtlichen Stellen tun nichts, um in dieser Beziehung vorbildlich zu sein. Amerikanische Bäcker in Berlin. Gestern nachmittag, futz nach 1 Uhr, traf auf dem Lehrter Bahnhof eine aus 60 Personen bestehende Reisegesellschaft amerikanischer Bädermeister ein. Auf dem Bahnhof hatten sich die Vorstandsmitglieder der Berliner Bäckerinnung eingefunden, die die amerikanische Reisegesellschaft in Empfang nahmen und sie in ihre Quartiere im Zentralhotel geleiteten. Der größere Teil der Bäckermeister, die fast alle ihre Frauen mitgebracht haben, setzt sich aus Amerikanern deutscher Abstammung zusammen. Die Reise erfolgt unter Führung des Präsidenten Maximilian Stra Ber vom Staatsverband der agierikanischen Bäcker. Gestern abend fand in den Germania- Festfälen in der Chauffeestraße die Begrüßungsfeier statt. Der Gesamtaufenthalt der amerikanischen, Reisegesellschaft in Deutschland wird etwa 30 Tage dauern. Außer Berlin werden noch Leipzig, Dresden, Nürnberg, Stuttgart, Mün chen, Frankfurt a. M. besucht. Abschließend soll eine Rheinfahrt nach Köln erfolgen, wo sich die Gesellschaft auflösen wird. Benzindroschke oder Elektromobil? Die Berliner Verkehrsmittel werden in furzer Zeit um einen neuen Typ bereichert werden. Ein Droschtengroßbetrieb hat eine Kleindroschte herausgebracht, die auf den elektrischen Antrieb zurückgreift. Die guten Erfahrungen, die mit den Elettro fraftwagen gemacht wurden, sollen, in wirtschaftlicher Hinsicht aus gebaut, auf die neuen Kleindroschten übertragen werden. Die Wagen stellen, technisch betrachtet, schon deshalb eine Neuerung dar, meil fie ohne Unterbau, dem Chassis, gebaut sind und infolgedessen wesentlich billiger in der Anschaffung sind. Die neukonstruierte Batterie gibt dem Wagen mit dem 3,75- PS.- Motor einen Aktionsradius von etwa 120 Kilometer, eine Strecke, die im Stadt verkehr durchaus ausreicht. Sie werden noch billiger fahren als die Motorbeiwagendroschfen, die nur für eine Person berechne und viele Reparaturen haben. Die Elettrofleindroschfi sind und infolge des Antriebs mit Benzinmotoren starken Verschleiß fann zwei Personen aufnehmen, der Motor ist fast gar keiner Reparatur bedürftig und die Batterie fann im Augenblid aus. gewechselt werden. Zu dem kommt die größere Betriebse sicherheit, die Geräuschlosigkeit und der Fortfall der Abgase und der Delabgänge. Die neuen Wagen fahren schnel an, bremsen gut und dürften den Verkehr weniger belasten als großa Droschten. an den Die Motorräder und die Benzinkleindroschten haben nicht das gehalten, was man von ihnen erwartete. Die Kraftradwagen find Deshalb im Stadtverkehr größerem Materialverschleiß ausgesetzt, meil die luftgefühlten Motoren bei öfterem Leerlauf Straßenkreuzungen und bei Fahrtannahme sich zu schnell warm laufen. Eine ausreichende Kühlung kann nur bei durchgehender Fahrt erfolgen. Die Benzinkleindroschfen bringen gleichfalls bel den niedrigen Tagen, die sie fahren, die hohen Reparaturkosten nicht ein. Bei den Elektrokleindroschten fann man wesentlich rentabler arbeiten. Die Arbeitsgemeinschaft für Forffschuh und Naturkunde E. B Berlin- Friedrichshagen, veranstaltet am Dienstag, den 6. Juli, für ihre Mitglieder, deren Angehörige und Freunde des Vereins eine Dampferfahrt mit dem Salondampfer Berolina* nach der Pfaueninsel. Es findet unter sachverständiger Führung ein Rundgang über die Pfaueninsel( etwa 2% Stunden) A.WERTHEIM Schriftliche Bestellungen an die Versand- Abteilung Berlin W9 SAISON- AUSVERKAUF Bedeutende Preisherabsetzung. Billige Warenposten Wasch-, Woll- und Seidenstoffe Pf. Pf. 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Klappmansch. Borte u. Seidenflor oder Kunstseide farbig 95 Pt. Damenstrümpfe 95 Herrensocken gemust Kindersöckchen S 55P 95 Pl. Filzhűte Seid. Umlegekr., farb. Nachthemd led Tasche 375| Strohhüte Matelotform... 175 Selbstbinder Hosenträger Lerpait. 85 Pt. 85. Haarfilzhűte reine Seide Gummi verschiedene Formen 340 farbig.. 690 statt, während am Nachmittag fleinere Führungen durch die herrliche Umgebung( Nifolassee) veranstaltet werden. Der Fahrplan ist folgender: Abfahrt Friedrichshagen, Städtischer Bart, 7 Uhr, Abfahrt Cöpenick, Luifenhain, 7,30 Uhr, Abfahrt Berlin, Schillingsbrücke, 8,30 Uhr, Abfahrt Berlin, Friedrichsstraßenbahnhof( Anlegestelle Reederei Bauer), 9,30 Uhr. Preis für Hin- und Rückfahrt 2 M., Kinder 1 M, Karten sind im Vorverkauf bei Frau Erna Schneider, Berlin- Friedrichshagen, Scharnweberstr. 51, zu haben. Bermißt wird der 17jährige Mechanikerlehrling Bernhard 3immermann, wohnhaft Neukölln, Zeizer Str. 5. Er ist 1,80 Meter groß, hat schmales blasses Gesicht, abstehende Ohren, breite Nase, blaue Augen, Augenbrauen dunkel, Haare blond. Befleidet war er: blaugrauer Anzug, braune Sandalen und braune Strümpfe. Er hat sich zuletzt aus der elterlichen Wohnung am Dienstag, den 22. Mai, entfernt, um nach seiner Lehrstelle am Wilhelmplatz zu gehen. Bersenen, die ihn gesehen haben, werden gebeten, den Eltern Nachricht zu geben. Abermals ein Opfer der Krummen Lante. Beim Baden in der Krummen Lante ertrant vor einigen Tagen der 19 Jahre alte Bäckerlehrling Erich Hartmann aus 3 ehlendorf. Gestern mittag wurde die Leiche an das gegenüberliegende Ufer angetrieben und geborgen. Sie wurde, nachdem der Vater in dem Toten feinen verunglückten Sohn erkannt hatte, nach der Halle in Behlendorf gebracht. Das Arbeitersportfest in Wien. = Wien, 3. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Das Internatio Rule Arbeitersportfest wurde am Sonnabendnachmittag im Saale des Konzerthauses feierlich eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt Nationalrat Dr. Deutsch, der namentlich die deutschen Gäste als Brüder eines Stammes begrüßte. Im Namen der ArbeiterSport- Internationale widmete Genosse Kalnin- Lettland den erschienenen Sportlern den Willkommengruß. Müller Deutschland vom Arbeiter- Turn- und Sportbund unterstrich, daß die deutfchen Arbeitersportler sich in Wien nicht als Fremde fühlten. Die deutschen Arbeitersportler seien stets beseelt von dem Anschlußgedanken. Schließlich sprach noch Huegin- Bern für die schweizerischen Arbeiterturner, worauf die Eröffnungfeier mit dem Liede der Arbeit ihr Ende fand. Am Abend fanden in den verschiedenen Bezirken Wiens große Volfsfeste statt, die allerdings unter der Witterung zu leiden hatten. Den Höhepunkt des großen Internationalen Sportfestes wird am Mittwochabend ein Fadelzug bilden. Der Präfident des Deutschen Reichstages, Gen. Löbe, hält bei dieser Gelegenheit die Festrede. Am nächsten Sonntag ist ein Aufmarsch der Arbeitersportler und des Desterreichischen Schuz= bundes sowie des Reichsbanners durch die Straßen Wiens geplant. Briefkasten der Redaktion. A. S., Strausberg. Sie können bei der Versicherungsgesellschaft die Zah Lung eines Borschusses beantragen. Eine gefeßliche Verpflichtung hierzu besteht aber nicht. R. 100. Erfuchen Sie die Marineleitung( Königin AugustaStraße 38/42) um Uebersendung eines Merkblattes. R. S. 6. Richten Sie Shr Gesuch unmittelbar an das Polizeipräsidium. P. 7. Auch bei Ihrem jegigen Einkommen sind drei Viertel des Schulgeldes zu zahlen. Ein Antrag auf vollständige Befreiung ist an den Bezirksschulausschuß 1-6 zu richten. 6. R. 56. 1. Ja, fofern teine andere gefeßliche Regelung erfolgt. 2. Die Regelung steht noch aus. 3. Die auf Ihre Wohnung tatsächlich entfallende Steuer. W. F. 17. Goweit eine Notwendigkeit dazu besteht, müssen Sie Die Schönheitsreparaturen ausführen laffen. A. B. 62. 1. Der Austritt erfolgt durch Erklärung beim Amtsgericht Ihres Wohnsizes. Sie können sich auch an einen Rotar wenden. 2. Bom 14. Lebensjahre ab. 3. AufwertungsStelle beim Amtsgericht. Die Frist ist bereits verstrichen. F. F. 16. Nein. Erheben Sie Rlage auf Herausgabe des Bettes. Minna 14. 1. Ja. Die Berzinsung beginnt mit dem Beginn des auf die Wiedereintragung folgenden Ralendervierteljahrs. 2. 3 Proz. der aufgewerteten Summe. 8. 25 Broz. des Goldmarkbetrages. FUNK WINKEL Weiber zanken sich, eine Wohnung brennt aus, Leiertasten plärren alte Gassenhauer, der Gerichtsvollzieher will pfänden, Kinder spielen Ziehe durch, ziehe durch, durch die goldne Brücke", Hunde beißen sich, ein Student fommt betrunken nach Hause, Straßenmusifanten fingen rührende Volkslieder, eine Verlobung geht um sechs Uhr früh in Szene. Das alles ist ganz hübsch, aber man vergißt nie, daß auch viele Rundfunkhörer im Westen wohnen, der Titel der Abendveranstaltung müßte eigentlich heißen:" Was ein Berliner Hof dem Kurfürstendamm erzählt". Ach nein, Berliner Höfe haben doch ein anderes Gesicht, aber man retouchiert die Risse weg. Warum soll man irgendein Aergernis erregen? Die Welt ist ja so neit und angenehm, und auch ein Arbeiter, der um fünf Uhr unausgefd; lafen aufstehen muß, benimmt sich im Rundfunk durchaus salonfähig; felbft Weiber, die zu Hynänen werden, gebrauchen parlamentarische Ausdrücke. Nein, es ist nicht so schlimm, wie böse Menschen das Leben der Proletarier ausmalen. Selbst eine Mietfaserne hat romantischen Reiz für den, der nicht darin zu wohnen braucht; auch hier ist Gartenlaube, Zufriedenheit und trautes Heim. Leider zeigt die Wirklichkeit ein ernsteres Gesicht, aber soll man damit die Ruhe der Bohlhabenden erschüttern? Nein, besser ist es, man malt alles mit rosigen Farben an und gibt dem Elend ein biedermeierliches, fentimentales Aussehen. Doch der Rundfunk sollte diese Veranstaltung nicht in Berlin vornehmen, man fennt hier zu genau das wahre Gesicht der Stadt, vor allem sollten aber die Auftretenden wirklich Berliner Dialekt sprechen. An fich war das Sendespicl gut gearbeitet, da alles auf die akustische Wirkung gestellt war, einiges war sehr wikig, wie der Vortrag der Opernparodie und Melodien von Richard Strauß, Schubert, Schumann und von verstaubten Schlagern. Aber das Ganze wirfte in seiner verlogenen Haltung peinlich. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 4. Juli. Berdien. " 6.30-8 Uhr vorm.: Frühkonzert des Musikkorps des III. Bat. 9.( Preuß.) Inf.- Regts. Spandau. Leitung: Obermusikmeister Adolf 1. Rossini: Ouvertüre zu der Oper„ Wilhelm Tell". flöte", b) Meyerbeer: Arie Land, so wunderbar," aus der Oper 2. a) Mozart: Priestermarsch und Arie aus der Oper„ Die Zauber" Die Afrikanerin"( Unterfeldwebel Franetzki: Posaunensolo). 3. Grieg: Hochzeitstag auf Troldhaugen. 4. Zeller: Melodien aus der Operette„ Der Obersteiger". 5. Joh. Strauß: Bei uns z' Haus, Walzer. Whrend der Pause:„ Gymnastik durch Rundfunk" ( 1. Tag). 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 11.30-12.50 Uhr vorm.: Vormittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 1. Kreutzer: Ouvertüre zu der Oper Das Nachtlager von Grañada". 2. Humperdinck: Fantasie aus der Märchenoper Hänsel und Gretel". 3. Tschaikowsky: Suite Pique Dame". 4. Schmalstich: Romanze. 5. Jos. Strauß: Frauenherz, Mazurka. 6. Suppė: Humoristische Variationen über Was kommt dort von der Höh". 7. Luby u. Dreyer: Cecilia. 1.15 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Landwirtschaft. Dr. Weichlein: Verhütung und Bekämpfung des Rotlaufs. 2 Uhr nachm.: Uebertragung des Hauptkonzertes des 29. Mecklenburgischen Bundessängerfestes aus Dömitz a. d. Elbe. 1. Fr. Schubert: Die Allmacht( mit Orchester). 2. Franz Abt: Die Nacht. 3. Joh. Dürrner: Sturmbewegung. 4. Karl Eckert: Schifferlied. 5. G. Wohlgemuth: Das stille Tal. 6. M. v. Weinzierl: Segenswunsch( Massenchor). 7. Fr. Silcher: Werbung. 8. G. Reichardt: Vaterland( Städtechor Rostock). 9. W. Heinemann: Auf dem Meere. 10. R. Hoffmann: Wieland der Schmied ( mit Orchester)( Städtechor Schwerin). 11. Sturm: Einkehr. 1 12. Ziegler: Abend( Städtechor Wismar). 13. C. M. v. Weber: Lützows wilde Jagd. 14. Th. Nestler: Zieh' mit( Sängervereinigung Südwest- Mecklenburg). 3.30 Uhr nachm.: Funkheinzelmann Eine hölzerne Geschichte" von Hans Bodenstedt. Erzählt vom Funkheinzelmann. 4.30 Uhr nachm.: Dr. Herbert Rosenfeld:„ Die Lage des deutschen Films". 5-6.30 Uhr abends: SchumannSchubert. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater und Filmdienst. 7 Uhr abends: Dr. Willi Blumenthal:„ Der Pessimismus und seine Ueberwindung". 7.25 Uhr abends: Theodor Kappstein: Fine Mittelmeerfahrt"( Von Venedig nach Korfu und Olympia). 7.55 Uhr abends: Ludwig Kapeller: Fahrt auf einer D- Zug- Maschine". 8.30 Uhr abends: Abendkonzert. 1. a) Rivelli: Serenade napoletana, b) Giordano: Caro mio ben( O Liebste mein), c) Carosio: Ristorna, Serenade( Mandolinenklub" Napoli". Dirigent: Willi Rosenthal). 2. a) Mascagni: Siziliana, aus der Oper , Cavalleria rusticana, b) di Capua: O sole mio( Meine Sonne), c) Leoncavallo: Mattinata( Karl Jöken von der Berliner Staatsoper, Tenor). 3. a) Amadei: Invano, b) de Micheli: Scotte al verone( Unter dem Balkon), c) Santa Lucia( italienisches Volkslied( Mandolinenklub" Napoli".) 4. Offenbach:„ Schöne Nacht, du Liebesnacht", Duett aus der Oper, Hoffmanns Erzählungen" ( Käte König. Sopran, und Karl Jöken. Tenor). 5. a) Arditi: Parlawalzer. b) de Micheli: Canzon di Maggio( Mailied)( Mandolinenklub Napoli"). 6. a) Dellinger: Gibts Stürme, gibts Sonnenschein", aus der Operette Don César. b) Suppé: Walzer aus der Operette Boccaccio". c) Johann Strauß: Lied aus der Operette Eine Nacht in Venedig( Käte König). 7. a) Aletter: Addio bella Napoli. b) Rosonthal: Piccicato- Ständchen, Florentiner Marsch( Mandolinenklub" Napoli"). Am Flügel: Ben Geysel. Montag, den 5. Juli. c) Fucik: Andante 6 Uhr vorm.: Gymnastik durch Rundfunk"( 2. Tag). 4.10 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau( Frau Dr. Drewitz: Kochrezepte für den Sommer"). 4.30 Uhr nachm.: Axel v. Koblinski Fred Hildenbrand liest aus eigenen Werken. „ Die Bedeutung der Standesämter". 5 Uhr nachm.: Novellen. Die Violinsonate. IX. Busoni: Sonate für Violine und Klavier 5.30 Uhr nachm. Nr. 3. op. 36a E- Moll. Introduktion Scherzo Variationen über einen Bachschen Choral( Max Rostal, Violine; Georg Széll, Klavier). 6-6.30 Uhr abends: Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und Filmdienst. 7 Uhr abends: Dr. Otto Everling: Der Wille zur Selbstbehauptung bei dem geistig Schaffenden". 7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Hochschulkurse). Abteilung Kunstwissenschaft. Dr. Alfred Kuhn: Neuzeitliche Malerei und Plastik in der Nationalgalerie zu Berlin ( Die neuere Plastik von Rodin bis Hildebrand)". 8.05 Uhr abends: Der Sternenhimmel im Monat Juli( Professor Dr. Adolf Marcuse). 8.30 Uhr abends: Enttäuschung, Novelle von Thomas Mann.( Gelesen von Theodor Loos). 9 Uhr abends: Musik fürs Haus. 1. Mendelssohn: Drei kleine Klavierstücke: a) Das Duett, b) Lied Worte)( Gisela Springer ,, Klavier). 2. Mendelssohn: Vier kleine ohne Worte, A- Dur, c) Scherzo, E- Moll( aus den Liedern ohne Lieder: a) Auf Flügeln des Gesanges( Heine), b) Das Schifflein ( Uhland), c) Sonntagslied( Klingemann), d) Gruß( Heine)( Charlotte Börner, Sopran; am Flügel: Ben Geysel). 3. Weber: Aufforderung zum Tanz( Gisela Springer, Klavier). 4. Weber: Zwei Lieder im Volkston: a) Schlaf, Herzenssöhnchen( Viemer), b) Ueber die Berge mit Ungestüm( Kotzebue)( Charlotte Börner, Sopran). 5. Chopin: Drei kleine Klavierstücke: a) Impromptu, Ges- Dur, b) Mazurka, H- Moll, c) Walzer, F- Dur( Gisela Springer, Klavier). 6. Chopin: a) Schön war der Morgen( litauisches Volkslied), b) Franz: Zwei welke Rosen( Waldau). c) Franz: Im Mai( Osterwald)( Charlotte Börner, Sopran). 7. Liszt: a) Waldesrauschen, b) Rossignol, c) Etüde F- Moll( Gisela Springer, Klavier). Königswusterhausen, Montag, den 5. Juli. 1.10-1.40 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Schüler. 1.45-1.55 Uhr nachm.: Mitteilungen des Reichsstädtebundes. 3-3.30 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3.30-4 Uhr nachm: Eng lisch für Fortgeschrittene. 4-4 30 Uhr nachm.: Prof. D. Dunk mann: Die dynamischen Grundrisse der Gesellschaft. 4.30-5 Uhr nachm: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 5-5.30 Uhr nachm.: Helene Braun: Die Mutter und das aufwachsende Kind 8.30 Uhr abends Uebertragung von Berlin. Nutzt die Zeit! Bald sind die Tage unseres Saison- Ausverkaufs vorüber, bald ist's vorbei mit diesen Kaufgelegenheiten sondergleichen. Tausende und Abertausende haben in diesen Tagen für lächerlich wenig Geld moderne, elegante Kleidung bei uns gekauft, haben sich mit einem geringen Betrag ihrer Kleidersorgen entledigt. Und Sie? Wollen Sie grundlos auf diese Vorteile, auf diese Spargelegenheiten verzichten? 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Daß Optimismus in wirtschaftlichen und politischen Krisenzeiten| nicht kredit wirtschaftlich; das heißt für die Volkswirtschaft angenehm ist, ist sicher. Es ist aber nicht sicher, ob er zweck im ganzen: die Zinspanne ist noch doppelt so hech als im mäßig ist. Verdächtig ist, wenn man sich in Krisenzeiten auf Frieden; die Kreditversorgung der Kapital bedürftigen die Notwendigkeit des Optimismus beruft. Doppelt verdächtig erfolgt, solange die Diskontopolitik der Reichsbant versagt, nicht nach ft, wenn das Verantwortliche tun; sei es im Staat, sei es in der pots wirtschaftlichen, sondern nach einseitig schwer- und finanzfapitalistischen Gefichtspunkten. Die Verarbeitungs- und Wirtschaft. Wer als Berantwortlicher sich auf die Notwendigkeit des Ronsumindustrie wird zugunsten der Schwer Optimismus beruft, erweckt den Verdacht, daß er die Hände in den industrie und der Landwirtschaft geopfert. Die Echoß legen möchte, weil er, sei es in Staats- oder Wirtschaftsdingen, Ersparnis" am Einfuhrüberschuß endlich ist zum größten Teil sich seiner Aufgabe nicht gewachsen fühlt. Für diese Leute hat die Krisendefizit der rüdgängigen inländischen Kauftraft; und soweit Statistit eine Gefahr. Da sie alles Gute hoffen, aber wenig die Lagerhaltung verringert wird, liegt der Knüppel beim Hund: leisten, deuten sie statistische Daten leicht so, daß ihr Optimismus bei rückgängigem Absatz hat große Lagerhaltung weder Zweck, noch sind die Mittel dazu da. begründet erscheint. Alles im Staats- und Wirtschaftsleben Deutschlands weist daraufhin, daß die Krisenlage in Deutschland einen neuen Span= nungspunkt erreicht hat. Alle Verantwortlichen in Deutschland, ob Staatsbureaukraten oder privatkapitalistische Routiniers, deuten die Entwicklung optimistisch. Wenigstens nach außen, für die Deffentlichkeit; es wird Stimmung gemacht. In jedem Staat, in jeder Bolks. wirtschaft gibt es aber Schichten, die die Kosten tragen müssen, wenn der Optimismus der Verantwortlichen Unrecht behält. Deren Interesse zu wahren, ist im fapitalistischen System Sache der Arbeiterschaft. Ihm wollen wir mit diesen Betrachtungen dienen. Je mehr der Kapitalismus fortschreitet, desto organisatorischer wird er. Das wiffen auch die Interessenten; aus beiden Klaffen, der Arbeit und des Kapitals. Gie geben statistische Daten der Deffentlichkeit nicht unkommentiert, sondern wie es in ihrem Intereffe liegt. lichkeit nicht unkommentiert, sondern wie es in ihrem Intereffe liegt. Absolute Unparteilichkeit gibt es auch bei offiziellen oder offiziöfen Schilderungen der Wirtschaftslage nicht. Immerhin lohnt ihr Kommentar die Prüfung. Bor uns liegt die letzte Beröffentlichung der Reichskredit A.-G. zur Wirtschaftslage, die man als die Wirtschaftsbant des Reiches bezeichnen darf. Auf ihre Daten stützen wir unsere Kritit. Scheinbar günstige Krisendaten. Entscheidend in der Betrachtung ist, wie sich die Dinge in den legten zwei, drei Monaten entwickelt haben und wie die Entwicklung zu deuten ist. Dabei gibt es allgemein als günstig und allgemein als ungünstig aufgefaßte Elemente. Wir beginnen mit jenen, immer nach den sehr ausführlichen und im allgemeinen wohldurchdachten Darlegungen der Reichskreditgesellschaft, die allgemein als günstig auf gefaßt werden. Die arbeitstägliche Förderung von Ruhrkohle ift von 318 000 Tonnen im März auf 356 000 Tonnen in der dritten Juniwoche gestiegen, stärker als der Durchschnitt des Jahres 1925 betrug( 344 000 Tonnen). Die Roheisenproduktion betrug im März 717 000 Tonnen, im Mai 736 000 Tonnen. Die arbeitstägliche Wagenstellung der Reichsbahn stieg von 112 000 im Märzdurchschnitt auf 123 000 in der dritten Juniwoche. Die Intensität der Arbeitsleistung ist bedeutend gestiegen: im Ruhrtohlenberg bau pro Kopf der Gesamtbelegschaft( Schichtförderanteil) von 1068 Kilogramm im Februar(= 113,3 Broz. von 1913!) auf 1075 Rilogramm im April( 114 Proz.) In der Roheisenproduktion wuchs die Lagesleistung je Arbeiter, verglichen mit dem Durchschnitt 1925-100, von 96,6 im Februar auf 99,7 im Mai; in der Rohstahlproduktion Don 102,3 auf 144,4(!). Die Konzentrationsbewegung machte im letzten Halbjahre gewaltige Fortschritte( Stahltrust, Oberschlesischer Montantrust, Wintershall, Chemietrust, Miagtrust, Berliner Mühlen, Oberschlesische Bement, Daimler- Benz, Demag- Maschinentrust). Die Preisentwidlung zeigte im allgemeinen abwärts; wenigstens bei Fertigwaren insgesamt( 1913-100) von 147,4 Proz. im März auf 144,8 Proz. im Mai, davon bei Produktionsmitteln von 146,1 auf 144,0 Broz., bei Verbrauchsgütern von 148,4 auf 145,4 Prozent. Wenn auch die Ausfuhr in den letzten Monaten zurüdging, so ergibt sich für die Gesamtausfuhr eine Steigerung im Prozent faz der Gegenwartswerte, verglichen mit Borkriegswerten: von 133,2 im Durchschnitt 1925 auf 133,9 im Durchschnitt Januar bis Mai 1926. Die Zinsentwicklung ist, absolut gesehen günstig, auch noch in der allerlegten Zeit. Die Konkurse und Geschäftsaufsichten haben sich von Februar bis Mai zusammen von 3571 auf 1737 ge= senft; das ist auf weniger als die Hälfte. Schließlich der Rückgang des Einfuhrüberschusses. Die Reichskreditgesellschaft ftellt für No Dember 1925 bis April 1926 eine Ersparnis fast von 481 Millionen allein bei Baumwolle, Wolle und den entsprechenden Garnen, von 140 Millionen bei sonstigen Textilien und Garnen und von 412 Millionen Mark bei Nahrungsmitteln, verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum im Jahre vorher. Insgesamt bei Textilien und Nahrungsmitteln allein über eine Milliarde. Erste Bedenken. Offenbar ungünstige Momente. Diefen an sich schon nicht leichten Bedenken sind die offenbar ungünstigen Momente hinzuzurechnen. Wir zählen sie nur auf. Der Energieverbrauch im Inland ist bis einschließlich Mai ununterbrochen rüdgängig: bei Kohle sowohl wie bei elektrischer Kraft. Der Arbeitsmarkt ist seit spätestens Mitte Juni verschiedert. Auch die Ministerien rechnen zum Herbst und Winter mit weiterer stärkerer Berschlechterung. In der Elektro-, Maschinen-, Textilindustrie wirkt der Kauftraft- und Auftragsrückgang im Inland fonkurrenzerschwerend im Ausland. Die Stundenlöhne der gelernten Arbeiter sind noch stärker rückgängig, als es die offiziellen Statistiken erkennen lassen; die In landstauf traftsinft noch schneller, als die Freistellung von Arbeitsfräften wächst. Die Bauvorhaben sind, trok vermehrter Kredite im 1. Quartal 1926, im ganzen bedeutend niedriger als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Juniausfuhrbilanz wäre passiv gewesen, wenn nicht die Rohstoffausfuhr( England) die Baffivität verhindert hätte. Die majsenhafte Gründung internationaler Star telle regelt zwar die Verteilung auf dem zu knappen Markt, fchaltet aber die Konkurrenz und damit die preissenfenden und abfazfördern. den Faktoren weitgehend aus. 6 Dazu kommen alle Momente, an denen die Reichskreditgesellschaft, offenbar aus Neutralitätsgründen, vorübergeht. Die Steuermilderungen in Deutschland werden vom Privatfapital, da die entgegenwirkende aftive Krisenpolitit des Staates fehlt, einfach tapitalisiert. Dasselbe gilt für die neuerdings wieder erhöhten Agrarzölle, die die Grundrente und die lückenlofen Industriezölle, die die Kartellrente aufbessern. Die Einnahmequellen des Staates und der Gemeinden versiegen, während ihre Belastung wächst. Werden Anleihen emittiert, gleichviel für melche öffentlichen Haushaltszwede, um den Ausfall zu decken, so wächst die Dauerbelastung der Gesamtwirtschaft. Jeder scheinbare privatwirtschaftliche Augenblids. vorteil wird mit gesamtwirtschaftlichen Dauernachteilen bezahlt. Die großen Fragen der Wirtschaftssanierung. Die Reichskreditgesellschaft übersieht auch die großen Fragen der Wirtschaftssanierung nicht. Sie erblickt sie in der Kapitalversorgung und in der Bildung von Neufapital und auch ven( vom Ausland geborgten) Kapital reserven, die das Tempo der inländischen Wirtschaftsjanierung steigern und die Widerstandstraft gegenüber der Weltkonkurrenz erhöhen könnten( Auslandsanleihen inländische Sparkapitalbildung, Emissionsfähigkeit des Inlands, Gold- und Devisenstock der Reichsbank). Sie beurteilt auch diese große Frage günstig. Sie verkennt aber das gesamtwirtschaftliche Sanierungs problem: ob die deutsche Produktion sich im Inland oder Ausland verschuldet, sie verschuldet sich. Berschuldung hat in einer Volkswirtschaft mit einer flaren Unterbilang nur Ginn, wenn fie die Unterbilanz nicht nur im Augenblic, sondern auf Dauer beseitigt. Dazu gehört, daß auf Dauer die gesamtwirtschaft liche Kostenersparnis größer ist als die Umsagverluste durch die Krise, zuzüglich der Kosten für die Schuldzinsen und Schuldentilgung. Erst dann besteht ein Recht zum Optimismus. Das allerdings wäre ein Optimismus von Leuten, die rechnen, statt auf Ausreden zu finnen. Die Arbeit der Reichskreditgesellschaft ist verdienstlich. Aber wenn man alles Für und Gegen prüft, besonders unter Berüdfichtigung der von der Reichskreditgesellschaft vernachläffigten wirt. schafts-, handels- und kreditpolitischen Momente, so tann man unmöglich zu einer optimistischen Auffassung der Dinge kommen. Die Bilanz ist passiv und, was das bitterste ist, alle Voraussetzungen sind erfüllt, daß sie noch passiver wird. Damit aber ist eine Schicksalsfrage gestellt von demselben Ernst, wie sie der deutschen Volkswirtschaft 1923 gestellt war. Die privatfapitalistische Wirtschaftsführung tritt abermals in die ernsteste Krise. Stabilisierungskrise in Brasilien. Zu diesen günstigen Momenten wollen wir sofort sagen, weshalb ein großer Teil von ihnen uns mur als scheinbar günstig erfcheint. Ueber die Besserung der Ruhrfohlenlage ist kein Wort zu verlieren; sie erklärt sich aus dem englischen Streit. Sie Seit Herbst vorigen Jahres besteht in Brasilien eine Birt wird uach zu einem Rückschlag führen, trotz der vorübergehenden schaftskrise, deren Ursachen und Ablauf den Wirtschaftskrisen der Vertragslieferungsvorteile, die auf einige Monate immerhin vorhanden sind. Zu beachten bleibt, daß die arbeitstägliche Kokserzeu- mitteleuropäischen Länder aufs Haar gleicht. Die Jahre 1920-24 gung, der Inder für die industrielle Kohlenverwertung, von März waren die Periode einer dauernden Geldentwertung. Der Milreis bis in die dritte Juniwoche start rückgängig blieb; sie fant von sant stufenweise auf weniger als ein Drittel seines Wertes von 1920. 58 000 auf 51 500 Tonnen. Die geringe Steigerung der Roheisen. Diese Periode war die Zeit einer fieberhaften Gründungstätigkeit produktion fam, wie bekannt, der Ausfuhr zugute und hatte anor- der Industrie und ungeheurer Inflationsgewinne. Durch die Geldmale handelspolitische Gründe. Die Roh st a hl erzeugung war im entwertung entstand eine Mauer, welche von der ausländischen Mai gegenüber März von 950 000 auf 901 000 Tonnen zurüd- Konkurrenz nicht durchbrochen werden konnte. Im Jahre 1925 gegangen. Die Steigerung seither hat, da die deutsche Abnahme vermochte man jedoch das Gleichgewicht des Staatsbudgets wieder geringer wurde, ihre Gründe ebenfalls in der Versorgung kohlenbestreifter Auslandsfäufer. Die Steigerung der Reichsbahnwagen herzustellen und damit wie auch durch die von der Zentralbent in die Wege geleiteten Krediteinschränkungen konnte die Steigerung des gestellung entfällt mindestens sehr stark auf diese Vorgänge in der Montanindustrie; die Umlagerungen im Gefolge der Konzentra- Geldwertes herbeigeführt werden, wenn auch diese den früheren Stand bei weitem noch nicht erreicht hat. Der Wert des Milreis tionsbewegung fommen hinzu. Der Rest dürfte sich saisonmäßig ( Landwirtschaft und Baumarkt) erklären. Die Steigerung der Ar- stieg von 5 Bence im Mai auf 7%, im Dezember. Dadurch entstand beitsintensität ist gewiß bedeutsam; wo sie auch auftrete. Krisenpoli aber die in Europa so wohlbekannte Deflationstrise mit untisch positiv wird sie aber erst, wenn auf Dauer Abfaggröße geheurer Kapitaltnappheit, wobei die Kreditzinsen auf etwa 36 Pro3. und Konkurrenzfähigkeit schneller wachsen, als die Kosten der durchsteigen. Die Folge war der Zusammenbruch zahlreicher. Unter für die Kenzentrationsbewegung hinsichtlich der ersparten Kosten. nehmungen; es mußten Hunderte von Konkursen angemeldet werden. Ueberall de, wo sie aber unter Erhöhung der Gewinnansprüche Verschärft wurde die Lage durch die Entwicklung des Kaffee des Kapitals erfolgt, wie beim Stahltrust und unter gleichzeitiger marktes, des Hauptartikels der brasilianischen Ausfuhr, wo die starker Verschuldung, müssen Absaz und Konkurrenzfähigkeit noch früheren hohen Preise trotz der Intervention der Regierung mittels um so schlechter wachsen, je größer die Ueberkapitalisierung und je der sogenannten„ Raffeevalorisierung" nicht mehr erzielt werden höher die Zinfen und Amortisationslast ist. Die Preissenfung ist zweifellos sowohl Kind wie Arzt der Krise; solange aber die Kreise der Schlüsselprodukte, Kohle, Kali, Stahl, Chemie, auf der einen und landwirtschaftliche Produkte auf der anderen Seite für das Inland künstlich stabilisiert und erhöht werden, ist die Preissenkung in den Produktionsmittel und Konjum industrien weitgehend als neue Erscheinung anzusehen, in der die erfolgreiche Abwälzung von Krisenverlusten von den Schlüffelindustrien auf die Berarbiter zum Ausdruck fommt. Die zunehmende Arbeitslosigkeit in den Berarbeiter und Konsumindustrien ist dafür Beuge, Die abfolut und äußerlich günftige Zinsentwicklung ist fönnen. Vermögen und Quoten des Stahltrusts. Aus dem Prospekt der Vereinigten Stahlwerke 2.-G. zur Auflegung des deutschen Anleiheteils von 126 Millionen( 90 Millionen in Deutschland unterzubringen) wird folgende Zusammenstellung des Stahltrustvermögens befannt: Der Grundbesitz umfaßt 121,7 Millionen Quadratmeter. Die Kohlenbergwerke betreiben 151 Schächte, Die Kohlenrejerven der Sonntag, 4. Juli 1926 360 Millionen Quadratmeter aufgeschlossenen Kohlenfelder sind auf 5,3 Milliarden Tonnen zu schäzen. 71 Rofsbatterien haben eine Kapazität von über 9 Millionen Tonnen Kots. Der Erzfelderbefiz umfaßt im ganzen etwa 45 000 Hettar mit einem Gesamtvorrat von etwa 650 Millionen Tonnen. Dazu Kalfstein-, Quarzit- und Tou gruben( Rheinland- Westfalen, Lahn und Dill, Bayern, Spanien, Schweden, Brasilien). Die Eisen- und Stahlwerke verfügen über 83 Hochöfen bei einer Kapazität von 9,2 Millionen Tonnen Roheisen, über 32 Thomas- und Bessemer Defen, 116 SiemensMartin- Defen mit einer Jahreskapazität von 7,76 Millionen Tonnen, Die Walzwerke erreichen eine Leistungsfähigkelt von 7 Millionen Tonnen im Jahre. Ferner betreibt die Gesellschaft eine Schiffswerft mit einer Jahreskapazität von 30 000 Tonnen, sowie drei 7800 Eisenbahnwagenbauanstalten mit einer Jahresleistung von Eisenbahnwagen. Die Gleislänge der Eisenbahnen der Vereinigten Stahlwerfe beträgt 1244 Kilometer. Das Unternehmen beschäftigt 16000 Beamte und 160 000 Arbeiter. Die Syndikatsbeteiligungen sind folgende: Kohlensyndikat 22 Broz., Roheisenverband 34 Proz., Rohstahlgemeinschaft 38 Broz, A- Produktenverband 40,3 Broz., A- Produftenhalbzeug 53 Broz, A- Produften- Oberbaumaterial 44,8 Proz., A- Produkten- Formeisen 22,4 Proz., Stabeisenverband 32,5 Proz., Röhrenverband 50,2 Proz Bandeifenvereinigung 49,1 Proz., Grobblechverband 35,3 Proz.. Walzdrahtverband 19,3 Proz. Die deutsch- französischen Verhandlungen. Die deutsch- französischen Handelsvertragsverhandlungen sollen, da ein Abschluß im Großen im Laufe des Sommers nicht mehr möglich ist, vorläufig in einem Teilabkommen ihren Abschluß finden. Augenblicklich sind allerdings auch für den Abschluß dieses Abfommens neue Schwierigkeiten entstanden. Die französische Landwirtschaft fordert eine Reihe von Bollermäßigungen, die Deutschland nicht gewähren will, weil die französischen Agrarprodukte schon infolge der Frankenwährung einen gewissen Konkurrenzvorsprung haben. Neuerdings haben die Franzosen Berhandlungen auf der Bafis französischer Goldzölle gefordert. Deutscherseits will man davon nichts wissen, da bisher sämtliche Verhandlungen auf der Bafis des franzöfifchen Papierfranten geführt wurden. Die Vertagung des Reichstages macht das Inkrafttreten eines Teilabkommens nicht illusorisch, da der Reichstag der Regierung die Ermächtigung gegeben hat, nach Beratung des Abkommens mit dem Reichsrat und mit einem für die Ferienzeit vorgesehenen besonderen Ausschuß des Reichstages das Abkommen einstweilen zur Anwendung zu bringen. Selbstverständlich muß das Abkommen dann nach den Sommerferien sofort dem Reichstage zur endgültigen Stellungnahme vorgelegt werden. Weil die Verbände verjagen In der Generalversammlung der Charlottenhütte 2.-G. begründete ihr Generaldirektor Flick die Notwendigkeit der Gründung der vereinigten Stahlwerfe mit dem Berjagen der Verbände. Die Verbände konnten die volle Ausnutzung der Produktionsfähigkeit der Betriebe deswegen nicht sicherstellen, weil sie nur die eingehenden Aufträge auf die einzelnen angeschlosses nen Unternehmungen gleichmäßig verteilen. Dem Trust aber ist es möglich, die Aufträge an die bestarbeitenden Betriebe zu geben, bei ihnen Höchstleistungen zu erzielen und damit im Sinne der Selbstfostensenfung zu wirken. Die Zweck: näßigkeit des Anschlusses der Charlottenhütte ergibt sich aus der Tatsache, daß die Beziehungen zu dem Rhein- Elbe- Union- Konzern, die ebenfalls dem Stahltrust angeschlossen sind, seit Jahren sehr enge find. Die Eisensteingruben im Siegerland erhalten hierdurch einen sicheren dauernden Abnehmer. Austauschobjekt ist. Es gehen in den Besitz der Vereinigten Stahlwährend für fie eine billige Bersorgung mit Kohle ein wertvolles werke über die Siegener Eisenbedarfs- A.- G. und die Charlottenhütte, während die übrigen Beteiligungen bei der Muttergesellschaft, die weiterbesteht, verbleiben. Die Charlottenhütte erhält 20 Millionen an Aktien und 7,5 Millionen an Genußscheinen der Bereinigien Stahlmerke. Die Vorräte, welche der Trust ebenfalls übernimmt, werden besonders in bar vergütet. Die Regelung der Kreditoren und Debitoren verbleibt der Muttergesellschaft. Der Bertrag ist im 1. Juli d. J. in Kraft getreten. Finanzierungsgesellschaft für Traktoren. Im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist die Finanzierungsgesellschaft für Traktoren gegründet worden, die nach ihrer Sagung die Gewäh= rung und Finanzierung von Krediten zum Bezuge vornehmlich von Landkraftgeräten sowie die nachdrückliche Förderung fämtlicher Maßnahmen zur Verbesserung und Verbilligung derartiger Maschinen zum Gegenstand des Unternehmens hat. Das Attienkapital von 2 Millionen Mark ist von einer Gruppe privater und öffentlicher Banken einerseits, von der Deutschen Rettenbankkreditanstalt andererseits gezeichnet worden. In der Bantengruppe find die Commerz und Privatbant, die Deutsche Bank, die Deutsche Girozentrale, die Diskontogesellschaft, die Dresdner Bank, die Breußische teiligt. Auf der anderen Seite ist ein maßgeblicher Einfluß den landwirtschaftlichen Spizenorganisationen gewährleistet. Auch das Reich ist im Aufsichtsrat vertreten, zumal es das Unternehmen durch die Uebernahme einer Ausfallgerantie unterstützt. Eine Sammelanleihe zur Ablösung fommunaler Anleiheschulden. Der Plan des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, nach Mög lichkeit die Rückzahlung aller fommunalen Papiermarkanleihen eins heitlich zu finanzieren und zu regeln, femmt zur Durchführung. Der Vorstand des Verbandes ermächtigte den Aufsichtsrat der deutschen Girozentrale, eine Anleihe in der Höhe auszugeben, die ausreicht, um die Ablösung der früheren Markanleihen der Kommunal rerbände, die eine solche durch die Giroorganisation wünschen, durch. zuführen. Der genaue Betrag der Sammelablösungsanleihe fann erst festgestellt werden, wenn der Umfang der zu übernehmenden Ablösungsschuld der beteiligten Gemeindeverbände feststeht. Mit den Kommunalverbänden wird ein Tilgungsplan auf der Grundlage vereinbart, daß die Anleihe binnen 30 Jahren, und zwar alljährlich ein Dreißigstel der Gesamtschuld unter Hinzurechnung der im Anieihe ablösungsgeseh vorgesehenen 5prozentigen Berzinsung getilgt wird. Durch diese Regelung, die die Zustimmung der zuständigen Weinisterien gefunden hat, ist der Deutsche Sparkassen- und Giroverband in Preußen die einzige Zentralftelle für fommunale Sainmelablösungsanleihen geworden. Für den Gläubiger der Markanieihe liegt der besondere Vorteil der Beteiligung an der Sammelablösungsanleihe darin, daß er ein börsenfähiges, stets veräußerliches Papier erhält. Die fich beteiligenden Kommunen erreichen durch das Sammelablösungsverfahren eine erhebliche Berringerung der Ver. Für die kommunale Sammelablösungsanleihe waltungskosten. haften der Deutsche Sparkassen- und Gireverband und die ihm angeschlossenen Giroverbände, für die wiederum die in ihnen vereinigten Kommunalverbände die Haftung tragen, sowie die angeschlossenen Lurdesbanken. Größere Aufträge für die Automobilindustrie. Die Gemeinschaft deutscher Automobilfabriken meldet für ihre drei Werfe günstige Auftragseingänge. Die Nama Lloydwerte Bremen erhielten von der griechischen Regierung froß scharfer Konkurrenz 350 Stück 1½ bis 2- Tonnen- Schnellaftwagen. Die Nationale Automobilgesellschaft liefert, ebenfalls für Griechenland, eine Anzahl 3- Tonnen- Wagen. Nach Guatemala, Kolumbien und Persien gingen von derselben Gesellschaft 5 und 3- Tonnen- Laftwagen und Niederomnibusse. Die Brennabormerfe haben in der legten Zeit 60 Personenwagen an die jugoslawische Regierung zur Ablieferung gebracht, Gewerkschaftsbewegung Lohnabbau im Baugewerbe. Berhandlungen vor dem Zentralschiedsgericht. Da die Unternehmer einer Reihe von Lohngebieten die Löhne gekündigt hatten, mußte vor dem Zentralschiedsgericht vom 30. Juni bis 2. Juli in Berlin verhandelt werden. Die Unternehmer brachten für den Lohndruck die bekannten Argumente vor, auf die wir gelegentlich eingehen werden. Das Schiedsgericht kam zu folgenden Entscheidungen: Die Teilkündigungen für D ft preußen und Mecklenburg merden zu bezirflichen Berhandlungen zurüdverwiesen. Die Kleinhandelspreise. In den Kreisen der Arbeitgeber wird, ungeachtet der bestehenden hohen Preise für wichtige Maffentonfumartitel, mit besonderem Eifer der Lohnabbau betrieben. Die anhaltende große Arbeitslosigkeit und die bittere Not, in der sich bereits Hunderttausende befinden, begünstigt leider das höchst bedenkliche Vorgehen der Arbeitgeber. Letzten Endes bringt indessen eine solche furzsichtige und engherzige Ausbeute der Arbeitnehmer der Gesamtwirtschaft Deutschlands große Ausbeutung der Arbeitnehmer der Gesamtwirtschaft Deutschlands große Nachteile. Denn, wie die Graphik überzeugend beweist, ist der Lebenshaltungsinder berechnet werden, faum in der Lage, eine Einigen fich die Barteien in ihrem Heimatsbezirt nicht, dann joll Berliner Kleinhandelspreise das zentrale Schiedsgericht am 15. Juli endgültig entscheiden. Es soll dann auch über die 3ementarbeiterlöhne in Mitteldeutschland entschieden werden. Für das Osterland bleiben die Facharbeiterlöhne bestehen; die Hilfs= arbeiterlöhne dagegen, die bisher 11 bis 15 Proz. unter den Facharbeiterlöhnen lagen, sollen allgemein nurmehr 80 Proz der letzteren betragen. Der Lohn für Tiefbauarbeiter im west oberschlesischen Industriebezirt( Gleiwig) wurde von 52 auf 50 Pf. herabgesett. Für Niederschlesien wurden die Löhne in den ersten drei Klaffen um 2 bis 3 Pf. abgebaut und auf 85 Pf. in der Spizze festgesetzt. Der Spizenlohn in Westfalen- Ost und Lippe wurde von 1,02 m. in der Spitze auf 1. Mart festgesezt. Für die Gebiete Sieg Lahn waren 16 Pf. Lohnabbau gefordert. Da hier Tarif bruch vorliegt, lehnte das Schiedsgericht eine materièlle Entscheidung für den hessischen Teil dieser Bezirke ab und verwies die beantragte Lohnkürzung für den westfälischen Teil dieses Gebiets zu entdgültiger Entscheidung an den Bezirk zurück. Ebenso wurde die vom Reichsverband für das Tiefbaugewerbe aufgeworfene Streitfrage über die Tiefbauarbeiterlöhne in Rremen, Unterweser Ems an den Bezirk zurück verwiesen. Im Lohngebiet Brandenburg sind die bisher ge= zahlten Löhne weiterzuzahlen. Der Verkehrsbund 1925. Aus dem Jahresbericht der Berliner Ortsverwaltung. Der Bericht für 1925 gibt ein anschauliches Bild von der umfangreichen Tätigkeit und den Erfolgen der Berliner Berwaltung. Am Schluß des Berichtsjahres betrug die Mitgliederzahl 50 056 gegen 46 440 am Ende des Jahres 1924. Die Mitgliederzunahme beträgt mithin 3616. Auffallend start ist auch in dieser Organisation die Fluktuation, die zweifellos eine bedauerliche Begleiterscheinung der anhaltenden Wirtschaftskrise ist. Von den ins gefamt 19 845 neueingetretenen bzw. übergetretenen und zugereisten Mitgliedern mußten allein wegen reftierender Beiträge 15 619 gestrichen werden, so daß nach Abzug der durch den Anschluß der Allgemeinen Deutschen Postgewerkschaft gewonnenen 3100 Mitglieder und der verstorbenen, abgereisten und zu anderen Verbänden übergetretenen Mitglieder nur 516 neue Mitglieder verzeichnet werden fonnten. Immerhin ist die Aufwärtsentwicklung stetig und der Vortriegsstand bald wieder erreicht. Wie gut sich der dem Verbande gezahlte Beitrag verzinst und noch mehr verzinsen würde, wenn alle Arbeiter zur Organisation gehörten, geht aus den Tabellen über die Lohnsteigerungen in den einzelnen Sektionen und Branchen hervor. So wurden in allen Sektionen durch 286 Lohnbewegungen ohne Streit far insgesamt 90 230 Beteiligte 515 251,50 M. oder pro Mitglied durchschnittlich 5,71 M. Lohnerhöhung in der Woche erzielt. Durch 33 Streits wurde für 8118 Mitglieder ein Mehrlohn von, insgesamt 37 029 M. oder 4,56 M. pro Woche für das Mitglied er reicht. An Krantenunterstügung wurde an insgesamt 5517 Mitglieder 86 906,20 m. gezahlt, das find 67 084,25 m. mehr als im Borjahre. Die Erwerbslofenunterstützung betrug für 1491 Mitglieder 27 556,90 m. An Streitgeldern wurden für die Haupttasse 108 623,80 m. gezahlt. Der Kassenbestand der Lokaltasse erhöhte fich von 10 440,21 m. am 1. Januar 1925 auf 24 551,24 M. zu Ende des Berichtsjahres. Ganz rapide ist die Zahl der Rechtsschußanträge angewachsen. Im Jahre 1924 waren 175 Anträge um Rechtsschuß eingegangen, im Jahre 1925 dagegen 541, ein Mehr von 366 Fällen. Die Gründe hierfür dürften in den zahlreichen Polizeiverordnungen und in der bedeutenden Bermehrung der Kraftfahrzeuge zu suchen sein. Die Sektion der Kraftfahrer steht auch mit 262 Anträgen an erster Stelle. Von den Mitte Juni 1926 100 139.9 Zwiebeln Sauerkohl Kohlrabi Kabeljau Linsen 240 227.3 192 Heringe, ges. 175 Schellfisch 173.1 172.2 166.7 157.1 Speck Marmelade Eier Schweinefleische Brennholz Käse Butter Petroleum Kalbfleisch Graupen Erbsen Zucker Margarine Reis Gas Briketts Wurst Rindfleisch Roggenbrot Vollmilch Kartoffeln Elektrizitäty Salz 291.7 380 153.5 1913 100 151.4 151.3 146.2 Nach 140 Ermittlungen 1: 137.3 135 135 des Statistischen Amts 134.s der Stadt Berlin • 132.9 • • 130 • 129.6 129.2 • 127.9 Lebens126.9 haltungsindex 1: 24.1, für Mai 1926 10: 8.3 139.9 92.5 80 797 139.9 Z 100 größere Anzahl der für den täglichen Bedarf unentbehrlichen Lebens mittel in der erforderlichen Menge zu beschaffen. Wenn aber bei den derzeitigen Kleinhandelspreisen der jezige Berdienst kaum zur Ernährung ausreicht, wovon sollen denn die anderen Lebensbedürfniffe, die Bekleidung und die sonstigen zum Leben erforderlichen Wenn die Kleinhandelspreise Aufwendungen bestritten werden? wichtiger Lebensmittel in so schroffem Gegensatz zum Verdienst stehen, so muß einerseits die Produktionsfähigkeit, andererseits die Kauf fraft für Fertigfabritate geringer sein. Darunter leidet aber sowohl die deutsche Ausfuhr, als auch der Innenmarkt, also die Gesamtwirtschaft Deutschlands. Die maßgebenden Stellen sollten sich mit solchen Graphiken ernstlich beschäftigen und im Interesse des werttätigen Volkes wie der Volkswirtschaft Deutschlands rechtzeitig entsprechende Maßnahmen treffen. Die Lage im Malergewerbe Berlins. 3. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Maler und Hochzuhalten und denen, die den Weg zur Organisation noch nicht gefunden haben, den Wert des gewerkschaftlichen Zusammen schlusses flarzumachen. Für die sicher bevorstehenden Kämpfe wird eine gefchloffene Organisation mehr denn je notwendig sein. Arbeitsverhältnisse im Dollarlande schilderte, wurde leider versucht, In der Distuffion, in der ein amerikanischer Malergehilfe die politischen Zwiespalt in die Versammlung, die doch vornehmlich auch eine Werbeveranstaltung sein sollte, hineinzutragen. Genosse Schiemann beschränkte sich in seinem Schlußwort auf einige Richtigstellungen. Um den Tarifvertrag im Gastwirtsgewerbe. Berlängerung der Polizeistunde, Beseitigung der Steuern und Ausbeutung der Arbeitnehmer, das sind die Wünsche derjenigen Berliner Gaftwirte, die immer behaupten, daß sie das Groß- Berliner Gastwirtsgewerbe darstellen, nämlich des Provinzialverbandes Berlin des Deutschen Gastwirteperbandes und des Verbandes der Gast und Schantwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg. Was es in Wirklichkeit mit diesen angeblich so großen Organisationen auf sich hat, ergibt sich daraus, daß der Arbeitgeberverband im Cast wirtsgewerbe mit dem Zentralverband der Hetel-, Restaurantund Caféangestellten seit Jahren einen Tarifvertrag abgefchloffen hat, zirka 11000 gastwirtschaftliche Arbeit. nehmer in Berlin beschäftigt. Demgegenüber umfassen die obigen Verbände ungefähr ebenso viel Berliner„ Gastwirtschaften", wie die anderen Arbeitnehmer beschäftigen. Wenn es sich darum handelt, ein großes Geschrei um die Berlängerung der Polizeistunde anzustimmen oder wenn gegen die das Gastwirtsgewerbe belastenden Steuern zu Felde gezogen wird, sind die erstgenannten Verbände stets voran. Nur um die Anerkennung des Tarifvertrags, um die Bezahlung anständiger Löhne an ihre Arbeitnehmer verstehen sich die Herren meisterhaft zu drücken. Seit Dezember 1925 verhandelt der Zentralver. band der Hotelangestellten mit diesen Organisationen wegen Anertennung des Tarifvertrags, der zwischen ihm und dem Arbeitgeberverband abgeschlossen ist. Nach wieder holten Verschleppungsmanövern sind diese Organisationen jetzt so „ bescheiden" geworden, vor dem Schlichtungsausschuß zu erflären, fie feien überhaupt feine Arbeitgeber. organisation, die sich mit Arbeitnehmerangelegenheiten be. schäftige und könne deswegen auch feinen Tarifvertrag abschließen. Das bringen die Herrschaften fertig, obwohl sie vier Jahre lang Tariftontrahenten waren. Das Verhalten dieser Herren Gastwirte, zu denen auch die Bereinigung von Inhabern von Sommerlotalen an den märtijchen Wasserstraßen gehört, wird sich die Deffentlichfeit merken müssen. Bei gegebener Gelegenheit wird darauf zurüdzukommen sein. Tarifabschluß in der Gigsindustrie. Im Lohnstreit zwischen dem Arbeitgeberverband der Tafel glasindustrie und dem Zentralverband der Glasarbeiter und Glasarbeiterinnen Deutschlands sowie dem Berufsverband Deutscher Glasarbeiter wurde am 1. Juli ein Schiedsspruch gefällt, wo nach die bis zum 30. Juni 1926 geltenden Tariflöhne sämtlicher Gruppen mit Wirkung vom 1. Juli ab um 2 Broz. vermindert werden. Das Lohnabkommen gilt zunächst bis zum 30. September 1926; es läuft jedoch weiter, wenn es nicht am 15. September oder später jeweilig vom 15. zum Letzten des laufenden Monats gefündigt wird. Erklärungsfrist der Parteien bis zum 13. Juli. Der Bund Deutscher Lokomotivführer", den wir in Nr. 279 des " Borwärts" erwähnten, weil er sich in einer Erklärung für die Fürstenforderungen einsetzte, ferdert von uns eine Be richtigung unter Berufung auf§ 11 des Pressegesetzes, die besagt: Die Behauptung, der Bund Deutscher Lokomotivführer sei den Vaterländischen Berbänden Geislerscher Richtung angeschloffen" ist unwahr. Der Bund ist teiner Spißenorganisation angefchloffen. unwahr ist, daß der Bund bei den Beamtenrätewahlen nicht ein mal den Mut aufgebracht hat, eine Liste aufzustellen". Wahr ist. vielmehr, daß der Bund bei den Beamtenrätewahlen eine gemein fame Lifte mit der Geteb" aufgestellt hat. Unwahr ist die Behauptung, der Sekretär dieser angeblichen Lokomotivführerorganisation ist der ehemalige Artillerieoberleutnant Dr. Erich Schmidt". Wahr ist vielmehr, daß der Sekretär des Bundes der LokomotivführerKollege Birstat ift. Unwahr ist endlich die Behauptung:" Ben sich selbst behauptet dieses Gebilde, 2400 Mitglieder zu haben. Man dürfte der Wahrheit am nächsten tommen, wenn man von dieser Bahl eine Null wegstreicht." Ünwahr sei auch die Behauptung, daß der Bund„ weder bei Verhandlungen mit der Reichsbahn, noch mit anderen Körperschaften als Vertretung der Lokomotivführer zuge= zogen wird". Wahr ist vielmehr, daß der Bund von dem damaligen erledigten Klagen wurden 137 mit Erfolg, 195 ohne Erfolg und 12 Lackierer hatte zu Donnerstag abend nach dem Gewerkschaftshaus Reichsverkehrsministerium ausdrücklich als Standesvertretung der durch Vergleich beendet. 3 Strafanträge wurden zurückgenommen, eine öffentliche Versammlung einberufen, um zu den Verhältnissen im deutschen Lokomotivführerschaft anerkannt worden ist. und 177 Klagen waren am Schluß des Berichtsjahres noch unerledigt. Die durch den Rechtsschutz entstandenen Kosten belaufen sich auf 21 936 M. Sehr erfreulich ist die Zunahme der Betriebsvertretungen Don 813 im Jahre 1924 quf 1161 im Jahre 1925. Die durch das Betriebsjekretariat betriebene systematische Schulung der Betriebsräte hat bewirkt, daß diese den Unternehmern gegenüber weit selbständiger auftreten und die arbeitsrechtlichen Berordnungen und Geseze besser zu handhaben verstehen. Die Zahl der bei den Arbeitsgerichten und anderen Behörden angeftrengten Klagen ging von 675 im Vorjahre auf 603 zurück, was fein Zeichen der Schwäche, sondern ein Erfolg der an den Betriebsräten geleisteten Arbeit ist. Welches ungeheure Agitationsgebiet noch zu beackern ist, erhellt ein Vergleich zwischen den in den einzelnen Branchen Beschäftigten und den davon Organi fierten. Etwa 75 Pro 3. stehen der Organisation noch fern und stehen ihrer vollen Machtentfaltung hindernd im Wege. Hoffen wir, daß es der Organisation im zähen Kampfe gelingen wird, auch in die große Masse der Abseitsstehenden Brejche zu legen, zum Wohle ihrer Mitglieder wie der gesamten im Handel, Transport- und Berkehrsgewerbe beschäftigten Arbeiter. Aus dem Preußischen Statistischen Landesamt. Man schreibt uns: In der Belegschaftsversammlung des Amtes am 22. Juni gaben die Vertreter desselben und der Herr Inspektor Lychelberg, der sich früher auch Schulz und von Winterfeld nannte, die Erklärung ab, daß feine Berlängerung der Arbeitszeit beabsichtigt sei und das Pensum von 160 Bogen pro Tag nicht erhöht werde. Jetzt hat derselbe Herr angeordnet, daß ab Montag, den 5. Juli, das Benfum auf 190 Bogen erhöht ist und die Arbeitszeit bis 4 Uhr verlängert wird. Angestellten- und Betriebsrat erhielten davon teine Kenntnis vorher. Die für die Bearbeitung der Bolts-, Berufs- und Betriebszählung bereitgestellten 10 Millionen Mart wurden in einer Weise Derwirtschaftet, die mit den behördlichen Gepflogenheiten unvereinbar ist. Bei Einstellungen wird der öffentliche Arbeitsnachweis umgangen, während die Heimarbeit, an der Familienangehörige der Angestellten indirekt beteiligt werden, einen großen Umfang an genommen hat. Von dem Ausgang des Presseempfangs am 1. Juli follen die Herren der Amtsleitung nicht sonderlich erbaut sein. 80. Bettfedern 1575 7.50 Daunen 90 3.1.4.25 Kopikissen 80 x 80 cm, graurot, mit grauen Federn 90 Groß. Deckbett 12.99 W.13.50 graurot mit grauen Federn echt türkisch rot mit Mandarinen- Daunen 50 Daunen- Dedebett 3050 mit 3 Piund Mandarinen- Daunen Malergewerbe einmal in aller Deffentlichkeit Stellung zu nehmen. Genosse Schiemann gab zunächst einen Ueberblick über den Umfang der Krise im Baugewerbe und dem damit eng zusammen hängenden Malergewerbe, in dem es zurzeit allein in Berlin etwa 1700 Arbeitslose gibt. Die gesamte Industrie, allen voran die Metallindustrie, macht ihren ganzen Einfluß geltend, um die Unternehmer im Malergewerbe zu Lohnabbaumaßnahmen zu zwingen. Die Industrie droht diesen Unternehmern, die ihnen sonst übertragenen Arbeiten in eigener Regie ausführen zu lassen, wenn ihrem Verlangen auf Lohnabbau nicht Rechnung getragen würde. Leider muß gesagt werden, daß die Arbeiter nicht überall genügend Rückgrat hatten, dem Verlangen der Unternehmer entgegenzutreten. Die Organisation hat von den vorgenommenen Lohnkürzungen nur auf Umwegen Kenntnis erhalten, und meist auch nur dann, wenn die Arbeiter trotz des Lohnabbaues entlassen waren und nun Klage anstrengten auf Nachzahlung des Differenz betrages zwischen dem tariflichen und dem tatsächlich gezahlten Lohn. Auch ist in vielen Betrieben eine Ueberstundenwirtschaft und Akkordschufterei eingerissen, die den tariflichen Bestim mungen geradezu Hohn spricht. Trozdem der Achtstundentag tariflich festgelegt ist, haben im Vorjahr über 40 Broz. weit über 8 Stun de n gearbeitet. Im Afford wird das Zwei- bis Dreifache gearbeitet, was sonst im Lohn geleistet wird. Die Folge davon ist eine unbeschreibliche Schmuhkonkurrenz der einzelnen Firmen gegeneinander, was sich ganz besonders bei den Ausschreibungen bei Auftragsvergebungen zeigt. Die eingehenden Offerten zeigen derartige Preisschwankungen, daß von einer fachmännischen Kalkulation gar keine Rede mehr sein kann. Meist befommen die Firmen, die die anscheinend günstigsten Offerten machen, die Aufträge. Die Auftraggeber sind aber nachher die Betrogenen, da die geleistete Arbeit alles andere, nur teine einwandfreie Qualitätsarbeit ist. Im Interesse der Deffentlichkeit und der solch unfauberes Geschäftsgebaren verabscheuenden Unternehmer muß auf diese Mißstände aufmerksam gemacht werden. Die Organisation wird alle Schritte unternehmen, um eine Beseitigung dieser Mißstände herbeizuführen. Die Berufsangehörigen fönnen selbst mit dazu beitragen, wenn fie der Organisation mit dem notwendigen Material dienen, das der Deffentlichkeit unterbreitet werden kann. Die Berbandsmitglieder müssen mehr darauf halten, die einmal von der Dr ganisation geschaffenen Lohn- und Arbeitsbedingungen Die Hauptsache, um die es sich bei unserer Notiz handelte, daß die Rechtspresse eine Erklärung diefes Bundes zu gunsten der Fürsten abfindungen brachte, wird nicht berichtigt" und damit als wahr zugegeben. Das aber ist fennzeichnend für diesen Bund. Streit in der New Yorker Bekleidungsindustrie. Am 1. Juli sind in New York 40 000 Schneider und Arbeiter in den Streif getreten. Die Streifenden verlangen Einführung der 40 Stundenwoche, eine ehrliche Arbeitsgarantie von 36 Wochen Beschäftigung sowie Lohnerhöhungen. Freie Gewerkschaftsjugend. Alle Gruppen beteiligen sich heute am Fallenberger Fest in Falkenberg bei Grünau. Achtung, Nordkreis! Morgen, Montag, 7 Uhr, Treffen zur Kreisagitation Strom, de Surmstraße. Rorbwesten: Markthallen Restaurant, Am Arminiusplay. Arbeitnehmerrechte Bezirksversammlungen bes 8b. Abends 8 Uhr: Montag, 5, Juli: in der Republik"( Rarl Reiß). Schöneberg: Restaurant Berwicbe, Ebers ftraße 18. Der politische Glasbrenner"( Georg Heilbrunn). Dienstag, 6. Juli: Charlottenburg: Restaurant Edmann, Scharrenstr. 34. Aus ber Restaurant Scholz, Friedrichstr. 81. Pragis des Rivil- und Strafrechts"( Dr. Theodor Tichauer). Friedrichshagen: Die englische Arbeiterbewegung"( Bruno Lache). Wilmersdorf: Restaurant Rofchinat, Gieselerstr. 18/19. Die Linke Ablershof: Restaurant Lehngut, Sedanstr. 3. Die lacht"( Theo Maret). Reise der Weltwirtschaft"( Dr. Frik Kucharski). Riederschöneweibe: Restautant Räthel, Brüdenftr. 15. Friedensbewegung und Sozialismus"( Otto Lamm). Nowawes: Restaurant Gebauer, Wallstr. 62. Gewerkschaftliche Beit- und Streitfragen"( Rarl Reiz). Mittwoch, 7. Juli: Neuköln: Biogersäle, Bergstr. 147. Wie bleibe ich gefund?", Filmvorführung( Frih Raulsdorf: Restaurant Bech, Hönower Str. 5. Bohlmann). Alte und neue formen in der bildenden Kunst"( Franz Lepinsti). Brik: Restaurant Lüdtke, Chauffeeftr. 66. Seiteres aus Alt- Berlin"( Robert Reller). Jugendgruppe bes 8b. Morgen, Montag, 7% Uhr, Abteilung Rorben: 1 Jugendheim Schule Danziger Str. 28. Bortrag: Die Wirtschaftskrise und die Angeftelltenjugend". Berband der Gemeinde. und Staatsarbeiter. 15. Verwaltungsbezirk Treptow: Dienstag, 6. Juli, 6 Uhr, in Niederschöneweide, Berliner Str. 31, Schulaula, Bezirksversammlung aller bei der Stadt beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Der Berlauf der bisherigen Berhandlungen des Reichsmanteltarifes. Berbandsangelegenheiten. Um pünktliches und vollzähliges Erscheinen erfucht Die Bezirksleitung. schen Maßarbeiter am Mittwoch, 7. Juli, 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Gaal 1. Rentralverband der Schumacher. Branchenversammlung der Friedrichstädti Die Sparkasse der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten 2.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. ( Gewerkschaftliches siehe auch 4. Seite Hauptblatt.) 50 Mandarin. Daunen Daunendedien, 160x215 cm, mit Feldbettstellen Bettstellen 80/185 90/1900/200 3-4 Pfund zum pa. Gänsedaunen in allen Farben starken Deckbett 6000 9600 8000 von 1200 an schwarz m.Zugbez od, weiß, m Zug 18.- 1950 35.- Mengenabgabe federmatratze, stark.Mod. Matratze 3- teilig, mit dazu passend Keilkissen, 13.- 14.- 30.vorbehalten 4850 Betten Schaeker nur im Stadtbahnhof Börse Daunen- Deckbett 130X200 cm, echt türk.. rot, mit 4 Pfd. Mand.- Daunen Für die uns beim Tode unferes geliebten Baters Carl Max Günther erwiesene Teilnahme fagen wir allen unseren herzlichsten Dant. Berlin, 4. Juli 1926. Die Hinterbliebenen. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Einäscherung meiner Frau Elisabeth Müller fage ich hiermit allen Freunden, Berwandten, Bekannten u. Mitbewohnern den besten Dant. Die Beisegung der Urne findet Montag, den 5., vormittags 10 Uhr, auf dem Zentralfriedhof Friedrichs felde statt. E. Müller und Söhne. Für die uns bewiesene Teilnahme beim Hinscheiden unserer lieben Berstorbenen Anna Simon danken wir vielmals. Namens der trauernden Hinterbliebenen Gertrud Teichner, geb. Gimon Hohenneuendf. b. Berl., Hubertusftr. 46 MarkenZigaretten staunend billig!!! 2Pf, o.M. Goldband 10.- u 13.50 Tala, Europa.15.40 Fritzi ..21.50 .23.Moslem Blaukopf .22.30 Halphaus Saba 28.50 29.50 Salemu ander. Juno 28.4- Pf.- Sorten.28.20 Duris, Orientcl. 27.50 Env- Bey- Gold 35.60 Preußengold S. C., Bacarat u. a.5- Pf.- Sorten 35.40 Old Port.Mohar auch div. Sort. 34.90 Staatsrat .33..90 Fervor, Solon. 33.50 Karmitri, Anil 33.50 Alle anderen Preislagen entsprechend billig. Neuerburg, Abdulla am Lager. Zigarren weit unter Fabrikpr. Sommer Neue Schönhauser Straße vier bis fünf, im Laden. Genau auf Hausnummer achten! Versand nur gegen Nachnahme. Kokspreise. Infolge Erhöhung der Werkspreise für einzelne Sorten Koks gelten mit Wirkung ab 3. 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Die Sigung des erweiterten Rreisvorstandes findet megen der allgemeinen Funktionärversammlung erst am Donnerstag, 8. Juli, ftatt. 4. Kreis Brenzlauer Berg. Montag, 5. Juli, 7 Uhr, bei Klug, Danziger Straße 71, Gigung des erweiterten Kreisvorstandes. 5. Areis Friedrichshain: Montag, 5. Juli, 7% Uhr, bei Wittschuß, Peters. burger Str. 5, engere Rreisvorstandssigung mit Abteilungsleitern, 6. Kreis Kreuzberg. Montag, 5. Juli, 7½ Uhr, bei Bieler, Dieffenbachftraße 76, Sigung des erweiterten Rreisvorstandes. Kreisfommerfest heute, Sonntag, 4. Juli, in der Bodbrauerei, Fidicinstr. 2/3, mit guten Darbietungen. Sämtliche Genossen mit ihren Familien, Freunden und Bekannten find herzlichst eingeladen. Beginn nachmittags 3 Uhr. Eintritt 40 Bf. Tana in beiden Sälen 75 Pf. 13. Kreis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade. Dienstag, 6. Juli, 7% Uhr, bei Niendorf, Chausseestr. 19, Gigung fämtlicher Elternbeiräte des Kreises. Die Kandidatenlisten find mitzubringen. 17. Kreis Lichtenberg. Mittwoch, 7. Juli, 7½ Uhr, Kreisvorstandssigung im Lokal Albrecht, Borhagener Ede Reue Bahnhofstraße. Heute, Sonntag, 4. Juli: Abt. Schöneberg. 8u dem nachmittags stattfindenden 5. großen Boltsfest effen fich alle Genoffen und Freunde mit ihren Familien pünktlich nach ittags 1½ Uhr Siegfried- Ede Brunhildstraße. Montag, 5. Juli, be nnen Fahrten unserer Ferienkolonie nach Dahlem. Wir ersuchen Statt Süddeutschlaubfahrt zur Sächsischen Schweiz und zum Riefengebirge in der Reit vom 18. Juli bis 1. Auguft. Meldungen erfolgen an das Jugend. fekretariat oder an den Genossen W. Dahm, Weißensee, Trarbacher Str. 11, möglichst bis zum 7. Juli. Heute, Sonntag, 4. Juli: Rosenthaler Borstadt: Fahrt nach Grünau. Treffpunkt 8 Uhr vormittags Rosenthaler Plaz. Fahrgeld 30 Bf. Westen: Fahrt: Ruppiner Kanal. Treffpunkt 6 Uhr Billowstraße. Steglit I: Badefahrt: Großes Fenster. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Steglitz. Tempelhof: Fahrt: Grunewald. Treffpuntt 6% Uhr Bahnhof Tempelhof. Niederschöneweide: Fahrt mit der Schülerwandergruppe. Treffpunkt 127 Uhr Bahnhof Niederschöneweide. Schönhauser Borstadt II: Besuch des Zoologischen Gartens. Treffpunkt 28 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee. Unkosten 80 Bf. Südwest: Treffpunkt 24 Uhr Belle Alliance- Blag. Beteiligung am Sommerfest der Partei in der Bodbrauerei, Fidicinstraße. Montag, 5. Juli, findet im Jugendheim Lindenstr. 3. eine vorbereitende Besprechung zum Elternabend statt. Funktionäre, erscheint zahlreich. Baumschulen weg: Beteiligung am Volksfest in Faltenberg. Treffpunkt 28 Uhr und 23 Uhr pünktlich Bahnhof Baumschulenweg. Abteilungsmitgliederversammlungen am Montag, 7½ Uhr: Moabit I: Jugendheim Wiclef Ede Bremer Straße. Musik und Lieder. abend. Moabit II: Gemeindeschule am Stephanplag. Südost G.- B.: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Hermsdorf: Jugendheim Roonstraße. Beften: Jugendheim Hauptstr. 15. Bortrag: Lehrlingsfragen". Die Genoffen, ihre Rinber schfreich baran feilnehmen zu Saſſen. Treff Große Funktionärversammlung punkt und Abfahrt täglich Mühlen. Ede 108. Abt. Röpenid. Der Turn- und Sportverein Eiche" begeht am Sonntag feine Dreißig- Jahr- Feier. Die Genofsinnen und Genossen werden ersucht, an diesem Fest auf dem Eicheplas teilzunehmen. Morgen, Montag, 5. Juli: 54. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr bei Casper, Guerideſtr. 1, Borstandsfizung mit fämtlichen Funktionären. Die Gruppentassierer sind besonders eingeladen. Mittwoch, 7. Juli: 29. bt. Die Funktionärigung am Montag fällt aus und findet dafür am Mittwoch, 7. Juli, 7% Uhr, im gleichen Lokal bestimmt statt. 33. Abt. 7 Uhr bei Bertalla, Hohenloheftr. 3, Gigung sämtlicher Borstands. mitglieder. Um 8 Uhr ebenda Sigung sämtlicher Funktionäre. Genossen müffen unbedingt erscheinen. Jungfozialisten. Gesamtveranstaltung Montag, 5. Juli, 7 Uhr, im Roten Gaal, Belle- Alliance- Str. 7/10, III. Genoffe Dr. Mierendorff spricht über: Psychologie des Sozialismus auf Grund des Werkes von Hendrik de Man". Achtung! Um 6% Uhr ebenda Sigung des Arbeitsausschusses. Alle Sungsozialisten. Groß- Berlin: Sämtliche rüdständigen Beiträge und Jungfozialistischen Blätter find sofort mit dem Genossen Paul Handelmann, Berlin D112, Weichselstr. 9, abzurechnen. Ebenso die Karten für die Sonnenwend. feier des Kulturfartells. Der Arbeitsausschuß. Gruppe Tiergarten: Alle Mitglieder beteiligen sich an der Gesamtveranstaltung am Montag, 5. Juli. Bereinigung fozialdemokratischer Studenten. Mitgliederversammlung am Mittwoch, 7. Juli, 8 Uhr, im Restaurant zur Reichspoft, Artillerieftr. 11. Gruppenausweise mitbringen. Tagesordnung: 1. Wahlen. 2. Frattions. angelegenheiten. 3. Berschiedenes. Frauenveranstaltungen: 81. Abt. Friebenau. Montag, 5. Juli, gemütliches Beisammensein unter Mit mirkung der Jugend in der Laube bei Mutter Krone" im Schöneberger Sübgelände. Treffpunkt: 7% Uhr am Brunnen, Friedrich- Wilhelm- Plas. 84. Abt. Zaniwik. Dienstag, 6. Juli, 7½ Uhr, bei Lehmann, Raiser- Wil helm- Str. 29/31. Bortrag der Genossin Runert, M. d. 2. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Gruppe Mitte: Montag, 5. Juli, pünktlich 8 Uhr, Selfersikung im Heim Blumenstr. 77. Erscheinen aller Mit arbeiter ist unbedingt erforderlich. Gruppe Reukölln: Selferversammlung und Sprechstunden fallen in der Ferienzeit aus. Gruppe Brig: Die Rinder vud Eltern beteiligen fich heute, Sonntag, an dem Völkerschau- Fest der Sbealgenossenschaft. Eintrittspreis für Erwachsene 50 Pf., für Kinder 25 Pf. Beginn nachmittags 3 Uhr. Dienstag, den 6. Juli 1926, abends 72 Uhr, im Saalbau Friedrichshain Sonntag, 4. Juli 1926 3. Rennen. 1. Paula A.( P. Finn), 2. Allene( Jauß jr.), 3. Angriff ( E. Treuherz). Toto: 30: 10. Plaz: 16, 24, 39: 10. Ferner liefen: Wainsca, Ocean Girl, Blaue Adria, Federnelfe, Dompfaff I, Heides rose B., Stella. 4. Rennen. 1. Erbprinz jr.( Knöpnadel jr.), 2. Struwelpeter ( E. Ringius), 3. Schüler Teddy( H. Baade). Toto: 40: 10. Blat: 19, 100. 103 10. Ferner liefen: Edelreis, Leuchttäser, Lucie Halle, Jsegrim, Jars welle, Leffing, Sir Caid, Deutscher, Kartenspieler, Draga Watts, Leuchtturm, Eitelfried, Dina Watts, Jdafa, Turridu, Armenier. : 6. Rennen. 5. Rennen. 1. Lodung( Jauß jr.), 2. Barmaid( F. Schmidt), 3. The Kitty( H. Grube). Toto: 16:10. Blaz: 11, 14, 14: 10. Ferner liefen: Denfmünze, Divisionär, Königsadler, Kammersänger. 1. Koblentönigin( F. Teschte), 2. Weinminze( Schmidt), 3. Razbach( Sleinau). Toto: 29: 10. Blab: 16, 15, 39: 10. Ferner liefen: Benedict, Hippologe, Prinz Moko, Erster Wolfersomer, Langmacher, Petro, nella A., Freiberg, Siegleicht, Freibeuter. 7. Rennen. 1. Coubrette( Ch. Mills), 2. Bechjadel( Snöpnadel jr.), 3. Edith Worthy( B. Hedert). Toto: 26: 10. Plat: 19, 17: 10. Ferner liefen: Trotteur, Doritha, Hetman. 8. Hennen. 1. Sphing I( Sauß jr.), 2. Peter A.( L. Weiß), 3. Niederländer( B. Hedert). Toto: 35: 10. Blaz: 15, 15, 16: 10. Ferner Refen: Linscott jr., Katharina, Radiola, Dunajec, Schwarzwaldmädel, Cosimo, Kürassier, Venus, Notula. 9. Rennen. 1. Indianer( J. Kozal), 2. Casanova( L. Weiß), 3. Triumph( Großmann). Toto: 133: 10. Blat: 44, 31, 32: 10. Ferner liefen: Bergschwalbe, Coriolanus, Binnie, Gladiator I, Hersteller, Kurgast, Harlekin, Marne. Tagesordnung: Reichstag und Fürftenabfindung bie in legter geit hervorragende Erfolge aufzuweisen hatten. Dadurch ist Referent: Reichstagsabgeordneter Artur Crispien Alle Parteifunktionäre und SPD.- Bertrauensleute der Gewertschaffen mit dem Ausweis für 1926 find eingeladen. Mitgliedsbuch vorzeigen! Der Bezirksvorstand. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Webbing: Die Rameraden, welche nach Wien fahren, treffen fich am Di., d. 6., Uhr, bei Müller, Uferstr. 12, zu einer turzen Befprechung. Brenzlauer Berg: Kameradschaft Senefelderplatz hält am Mo., d. 5., 8 Uhr, eine Vollversammlung ab bei Büttner, Schwedter Str. 23. Kreuzberg: Di., d. 6., Bersammlungen. Abt. 8 bei Fuhlbrügge, Noftiaftr. 29. Bortrag: Kamerad Stadtrat Dittmer. Abt. 10 bei Mendler, Dieffenbachstr. 54. Wilmersdorf: Di., d. 6., 8 Uhr, Zusammenkunft der Wien- Fahrer bei Kroihs zur Besprechung und Entgegennahme der Fahrkarten und Richtlinien. Treptow( Kreis): Wien- Fahrer treffen fich Mo., d. 5., 8 Uhr, in Baumschulenmeg bei Ramerad Borgmann. Weißensee: Di., d. 6., 8 Uhr, Turnen in der Turnhalle; Wien- Fahrer im Grünen Baum. Pankow( Kreis): Mo., d. 5., 7 Uhr, alle Ramerabschaften, auch die Wien- Fahrer, Bollantstr. 131. Rach richtendienst ladet ein. Eichwalbe: Di., d. 6., 8 Uhr, Bollversammlung bei Lindner. Mitte: Rameradschaftsversammlungen. Di., d. 6., 8 Uhr, erste Kameradschaft Artillerieſtr. 11, fünfte Rameradschaft Barnimstr. 13. Wien Fahrer Fahrkarten ab Mo., d. 5., bei Dieke, Bonenstr. 19, abholen. Brenz lauer Berg: Alle Wien- Fahrer Mo., d. 5., 8 Uhr, bei Burg. Sport. Rennen zu Ruhleben am Sonnabend, den 3. Juli. 1. Rennen 1. Dorette( Ch. Mills), 2. Antenne( Elias), 3. Aufter ( E. Treuherz). Toto: 21: 10. Blag: 10, 10, 10: 10. Ferner liefen: Jda Palos, Hella Timofo, Wichtelmann, Haga Burton, Erster Seehofer, Frede gundis, Melancholie, Bitar. 2. Rennen. 1. Alpengeier( Jauß jr.), 2. Brinzessin Etawah( latt), 3. Altmart( B. Hedert). Toto: 37:10. Plat: 25, 17, 24:10. Ferner liefen: Blaumeife, Carl Alexander, Terrazzo, Fiametta, Paula Bingen, Bergschwalbe, Tudora, Longobarde, klud. Der fünfte Teilnehmer des Großen Preises von Deutschland. Die Ausschreibung zu dem Großen Preis von Deutschland," dem Dauerrennen hinter Motorführung über 100 Kilometer, das bekanntlich die Hauptnummer des Abendrennens am Mittwoch in Treptow bleibt, erfolgte vom Grundsak aus, nur jene Fahrer an den Ablauf zu bringen, bor allem der flassische Charakter des Rennens festgelegt worden, denn die deutschen Teilnehmer a wall und Feja und ihre französischen Gegner Maronnier und Brunier sind Fahrer, die im letzten Teil der Sportsaison ganz besonders von sich reden machten. Die Wahl des fünften Teilnehmers fiel auf Fritz Bauer, der zunächst am Sonntag das Goldene Rad in Elberfeld bestreitet. Bauer ist einer unserer zähesten Dauerfahrer, und er bedeutet für die vier übrigen Sonkurrenten einen Gegner, mit dessen Technik und Tattit jeder einzelne im weiten Ausmaße zu rechnen hat. Geschäftliche Mitteilungen. Der Saisonansverkauf des größten Schuhspezialhauses in Berlin, geiser, beginnt morgen. Die Firma bringt zu taum glaublichen Preisen Außerordentliches. So fehen wir Leinenschuhe zu 95 Pf., Brokatschuhe zu 3,90 M., Lackschuhe mit französischen Abfäßen zu 7,90 M., feinfarbige Damenspangenschuhe zu 6,90 M., braune und schwarze Schulstiefel zu 3,90 M. und vieles anderes. Diese bereits zur Tradition gewordene Gaisonveranstaltung der Firma Leiser wird auch diesmal wieder ungeheure Käuferscharen vor die Fenster und in die Läden ziehen. Wir empfehlen jedem, diese außerordentlich günstige Raufgelegenheit nicht nuklos vorbeigehen zu laffen. Ganz Besonderes leistet die Firma in hellfarbigen Schuhen sowie in den von der Frauenwelt so beliebten Opanken. Die Ausstellungen der 60 Schaufenster sprechen für sich selbst. Die feit 1894 bestehende Firma M. Moscank, Berlin, Landsberger Str. 59, 1. Etage, Damenmäntel und Kostüme, beginnt ihren großen Saisonausverkauf am Montag, 5. Juli. Die Preise sind bedeutend herabgefeßt und gewährt die Firma auf diese Preise noch einen Sonderrabatt bis zu 75 Proz. Die billigste Bezugsquelle für Sommer- und Kinderfeste in Juminations artikeln, Feuerwert, Tombolasortimenten, Scherzsachen, Fackeln, Papiermügen usw. ist die Firma Bohl u. Weber Rathf., Spittelmartt 4/5, 1 Treppe. Man verlange Sommerpreisliste Nr. 5. Riesen- Saisonausverkauf bei Stiller. Atbekannt und fast sprichwörtlich find die Saisonausverkäufe des Schuhwarenhauses Stiller geworden, weil diese Firma infolge ihrer gewaltigen Lager und ihrer erstklassigen Qualitätswaren immer etwas ganz besonderes bei den Saisonausverkäufen zu bieten hat. Große Mengen von Reft- und Einzelpaaren, die teilweise der allerlegten Mode entsprechen, gelangen bei dieser Gelegenheit zu solch niedrigen Preisen zum Berkauf, dak tatsächlich bei Stiller fast jeder Artikel des Saisonausverkaufs einen nie wiederkehrenden Gelegenheitsfauf darstellt. An den bekannten Stillerschen Geschäften mit ihren auffallenden Reklameschildern und ihren ge schmackvollen Ausverkaufsdekorationen wird kaum ein Bassant achtlos Dor übergehen. Fach Saison Ausverkauf Beginn Montag d. 5. Juli Machen Sie die Augen auf u. Sie werden staunen, was wir bringen. Ohne Rücksicht auf den früheren Wert sind teilweise Preisermässigungen bis 50% erfolgt Wertvolle Einzelpaare zu Spottpreisen Unsere 43 Schaufenster sagen Ihnen alles. Nur einige Beispiele: Damen Schwarz Schnürschuhe 690 haltbares, gutes Leder, mod. Form Braun echt BoxcalfSpangenschuhe erstklassige Blond ChevreauSpangenschuhe die ModeComeav Verarbeitg farbe 980 10.90 Herren la Rindbox- Schnürstiefel 790 solide Ausführung Schwarz Schnürschuhe 790 Ross- Chevreau, moderne Form Braun Schnürschuhe 125° mit farbigem Nubuk- Einsatz Schüffabrill ack 118 eigene Verkaufsstellen, davon 19 in Gross- Berlin und Potsdam SW, Friedrichstr. 240,41 W, Potsdamer Str. 50 ( an der Kurfürstenstr.) V, Schillstr. 16 NW, Beusselstr. 29 NW, Turmstr. 41 NW, Wilsnacker Str. 22 N, Brunnenstr. 37 N, Danziger Str. 1 N, Friedrichstr. 130 N, Müllerstr. 3 O, Andreasstr. 50 O, Frankfurter Allee 22 SO, Oranienstr. 2 a SO, Wrangelstr. 49 C. Spittelmarkt 15 A: & Cie& Burg b.Magdb. C, Rosenthaler Str. 14 Neukölln, Bergstr. 30/31 Charl., Wilmersdorfer Str. 122/23 Potsdam, Brandenburger Str. 54 Landeshuter Leinen- und Gebildweberei F. V. Grünfeld Größtes Sonderhaus f. Leinen u. Wäsche Berlin W8 Leipziger Straße 20-22 Zweigniederlassung: Köln Fabrik: Landeshut( Schles.) Grünfeld Verbürgt gute Waren! ** In allen Abteilungen weitere Angebote zu wesentlich herabgesetzten Preisen! 1 Bettwäsche 1250 Bettgarnitur mit Knopfschluß, a. mittelstark. Wäschestoff. Bezug u. 2 Kissen. M. Bettlaken aus mittelstarkem glatten Wäschestoff. Größe 6.160X235 cm.... Waschstoffe Zephir, beste Güte, f. Oberhemden -.90 Meter M." Bastseide, naturfarbig, für Kleider und Wäsche. Breite, 240 80 cm. 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Juli 1926 Aus der Film- Welt Die Not der deutschen Filmkomparsen. Rein Programm fündet ihre Namen, ihr Schicksal hält nicht die Welt in Atem, ihre Künste unterliegen einer fubalternen Wer tung, kein Beifall lockt sie zum Dant vor das Rampenlicht, namenlosen Soldaten gleich an stummen Gehorsam gewöhnt, harren sie im Hintergrunde einer lebenstrunkenen, im Rausch unserer Phantasie erblühenden Welt. Ihr Los? Keiner fragt danach, teiner. Sie sind eben da, wir merfen es faum, und fönnten sie doch nicht missen. Durch die Tanzjäle fluten sie, hoden geschwözig an Tischen beisammen, drängen sich neugierig auf Straßen, Plägen, Bahnhöfen, in Bestibülen, furz überall dort, wo etwas passiert, ziehen dann wieder in historischen Trachten auf, sind Krieger, Publikum oder Boten. Ueberall begegnen wir ihnen, aber wir sehen sie faum, denn uns interessiert ja das Einzelschicksal, der Star, der motorische Erreger der Handlung, der Kämpfer und Haderer wider das Geschick. Von alledem meiß der Komparse nichts zu fünden. Paffiv bleibt er, selbst dort, wo er scheinbar die Handlung vorwärts treibt, und das ist sein tragischer Zug: daß er das Leben nicht meistern darf, nur dulden muß und über den toten Punkt der Schablone nicht hinauswächst. Dennoch: Seine Eristenz ist eine Notwendigkeit, heute wie morgen, solange es im Film um das Einzelschicksal geht. Wie er zum Film überhaupt fam? Die Hoffnung war es, die es ihm angetan hat, die Hoffnung, fich eines Tages im Glanz der Prominentensonne zu spiegeln, diefe trügerische Hoffnung hat in vielen den Vorsatz gehärtet, von der Pike auf zu lernen, und so warten sie geduldig, Monate, Jahre, und feiner fommt, ihnen die Starfrone aufs Haupt zu drücken. Aelter werden sie, herbe not hält Einzug, denn an Beschäftigung mangelt es stets, und schließlich leiden fie Hunger. Erschmert wird ihnen das Fortkommen dadurch, daß in letzter Zeit ein starker Zustrom vom Theater her einsetzt, und auch manch bekannter Bühnenfünstler auf der Komparsenbörse Umschau hälf und vermöge feiner guten Beziehungen eher zu einem Engagement tommt. Ein Rüdblid auf die Geschichte der deutschen Komparserie enthüllt ein Bild, reidh an dramatischen Akzenten. Zunächst, in jenen Jahren, da die ersten Ansätze zu einer Filmindustrie gelegt wurden, lebte das ganze Filmvöltchen in trauter Gemeinschaft, und der Starfimmel ward noch von der Erde gebannt. Doch nur kurze Zeit währte diese Eintracht, denn bald separierten sich die Prominenten und bildeten eine Börse der ,, Elite"! Das zwang die Komparsen zur Solidarität, aber schon bedeutete eine neue Spaltung einen meiteren Schritt zur unheilvollen Klassifizierung der FilmschauSpieler. Es ist ein Berdienst der Spigenorganisation, daß fie in Ge meinschaft mit der Stadt Berlin zur Gründung eines paritätisch befegten Stellennachmeises schritt, der 1500 eingeschriebenen Mitgliedern Brot und Arbeit verschaffen soll. Heute tagt die Filmbörse wie man den Stellennachweis der. Romparsen bezeichnet im Landesausstellungspark in Moabit. Traurig, bitter traurig ist das Los der Komparsen. Die Zeiten Der guten Konjunktur sind längst vorüber, und wenn ein Komparse in den Sommermonaten, die für die Fabrikation die Saison bedeuten, monatlich einige Male beschäftigt wird, kann er von Glüd reden. Tatsächlich ist ein Monatseinkommen von 100 m. eine Seltenheit, und die meisten Mitglieder der Börse" verdienen meit weniger. " Hat die deutsche Komparserie unter der Ungunft der Birtschaftsverhältnisse schwer zu leiden, so befindet sich die ausländische, in erster Linie die amerikanische Komparferie in einer mefentlich günstigeren Lage. Amerifa allein vermag jährlich 24 Goldmillionen den Komparsen auszuschütten. Dennoch gibt es auch heute noch viele, melche den Mut aufbringen, an der Komparsenbörse ein Weiterfommen zu erhoffen. Ihnen fann gar nicht ernst genug angeraten werden, von ihrem Borhaben abzulassen, wollen sie nicht blind dem sozialen Nieder. gang entgegensteuern. Die Filme der Woche. „ Der Mann mit den 1000 Bräuten." ( Gloria- Palast.) Dieser Mann ist Buster Keaton. Ein jeder, der ihn fennt, lacht unwillkürlich schon im voraus und sieht im Geiste das tiefernste Gesicht, in dem sich nie eine Miene verzieht, obwohl all das Unglüd, das für gewöhnlich über den Jüngling hereinbricht, durch ganz groteste Körperverrenkungen veranschaulicht wird. Auch dies. mal wieder hat der gute Buster Pech. Im Sommer, im Herbst, im Winter und im Frühling möchte er seiner Mary seine Liebe gestehen. Das wird tertlich sehr lyrisch und bildlich sogar foloriert demonstriert. Natürlich fommt immer etwas dazwischen, wenn es auch nur die Schnauze eines eifersüchtigen Hundes ist. Ein guter Onfel, der Buster eine fabelhaft hohe Summe vererbt, falls er an einem bestimmten Tage um sieben Uhr verheiratet ist, bringt neues Ungemach über seinen Neffen. Der bekommt den Bescheid nämlich gerade an dem fraglichen Tage ein paar Stunden vor sieben Uhr. Sogleich stürzt Buster zu der Herzallerliebsten. Er macht eine mißverständliche Liebeserklärung, Mary schmollt und Buster meint, er habe sich einen Korb geholt. Nun muß der einst so Schüchterne die Liebeserklärungen gleich ferienweise machen. Das geht filmisch etwas langweilig vor sich, denn Buster Keaton, der sein eigener Regiffeur war, sparte die tollen Senfationen bis zum Schluß auf. Aufgeschoben mar aber wahrlich nicht aufgehoben, weil alle die vielen Unmöglichkeiten, auf die sich alle Amerikaner verstehen, und die dem Keaton besonders gut liegen, auf den Zuschauer herabprasseln, als Buster durch ein Inserat seines Rechtsanwalts 1000 Bräute befommt. Er flieht vor diesen Bräuten in einem Tempo, das Schwachnervigen Herzklopfen bereitet. Es geht über belebte Straßen und über Wiesen, durch Berg und Tal, und erst eine Steinlamine schlägt die Bräute in die Flucht. Selbstredend landet Buster in den Armen feiner Mary. Die ganze Flucht ist so gespielt, daß sie rein artistisch zum Bravourſtüd wird. Das Bublifum schüttelte sich vor Lachen. Ernö Rapées musikalische lustrationen trugen zur Belebung der allgemeinen Luftigkeit viel bei. EMER Achtung! e. b. Dienstag, den 6. Juli 1926 In der ALHAMBRA am Kurfürstendamm URAUFFÜHRUNG des großen Emelka- Südfilms MENSCHEN HAENDLER MACISTE ODER IN AFRIKA There In der Hauptrolla: Herkules Maciste des Films!!!! In 6 hochsensationellen Akten aus den brennend heißen Wüsten des schwarzen Kontinents im Kampf gegen Mädchenräuber und Menschenhändler. LIDFILMACE AG HASIB Beilage des Vorwärts Wie sind vom K. und K. Infanterieregiment." ( Alhambra.) Die Pest der Militärfilme setzt wieder ein.„ Fridericus Rer" soll neu aufgezogen werden, und ein großer Marinefilm ist im Anmarsch( die Marineverherrlichung ist bisher noch zu kurz gekommen). Richard Oswald nimmt die Sache von der humorigen Seite. Er präsentiert uns einen Militärschwank mit alten und neuen Kafernenhofwizen, in denen Paul Morgan sein diesmal spärliches Licht leuchten läßt. Die Chose spielt in Wien, in dem gemütlichen Wien der Operettenkomponisten, in dem es nie Soldatenmißhandlungen und Offiziershochmut gegeben hat, in dem sich alles um die Liebe dreht, bei den Offizieren wie bei den Mannschaften. Wie charakteris siert der Regisseur Wien? Indem er die Kapelle der Deutschordensmeister wiederholt aufmarschieren läßt und einige Denkmäler vor. führt. Das ist Wien. Im übrigen stroht die Handlung von den gröbsten Unwahrscheinlichkeiten und Unmöglichkeiten. Es ist halt Sommer, und da wird's nicht so genau genommen, und Oswald hat immer die saloppe Manier geliebt. Der Lebemann- Oberst hat ein Dreimäderlhaus. Drei Töchter suchen einen Mann, aber alle die flirtenden Offiziere können die Kaution nicht leisten. Schließlich beißt ein Zivilist mit einer reichen Erbtante an. Aber er findet nur Zutritt, indem er sich als Husarenleutnant mastiert, was natürlich zu allerlei grotesten Szenen führt. Unglücklicherweise wird er dann als Erfahreservist eingezogen und muß nun eine Doppelrolle spielen, bald als Leutnant, bald als Gemeiner. Er verdoppelt sich selbst, indem er sich einen etwas blöd geratenen Zwillingsbruder zulegt, der sogar zum Burschen beim Obersten avanciert. Aus dem ewigen Wechsel ergeben sich natürlich allerlei luftige Situationen. Schließlich fommt der Schwindel doch auf, aber der Herr Oberst sieht über die mangelnden militärischen Qualitäten hinweg. Die in Aussicht stehende Erbschaft gleicht alles aus. Für den Rest sorgent Militärmusik und alle die herzerquickenden Weisen, die das gemütsdackelige Spießbürgertum nun einmal so gern hat. Die Militärperfonen sind größtenteils mit Preußen besetzt. Ob die den richtigen KR.- Offizierschneid und das spezifisch Desterreichische richtig treffen, entzieht sich unserem Sachverständnis. Jedenfalls ist Baul Heidemann in seiner Doppelrolle ein toller Junge, der seinen Spaß mit der Uniform treibt. Frig Spira ist ein richtiger Operettenoberst. Gar ulfig wirft Bendo w mit seinem Babygesicht in der Leutnantsuniform. Die süßen drei Mäderl find Mary Kid, Colette Brettl und Grit Haid. Sie haben nur hübsch zu sein und liebenswürdig zu lächeln. Im bunten Rock präsentieren fich weiter Braufewetter und Albers. 3wei sehr nette Chargen steuern die Erbtante Botechina und die urweanerische Köchin Camilla Spira bei. D. Die Schlange von Paris." ( U.-T. Friedrichstraße.) " Der Regisseur Rex Ingram schuf hiermit einen Film aus pielen Stilgemischen, ohne dabei zu einer eigenen persönlichen Note zu kommen oder sie auch nur anzudeuten. Mem an einer Inalligen Handlung gelegen ift, fommt bei diesem Werk auf seine Rosten, mer mehr innere Werte verlangt, dem fann es keine volle Befriedigung bringen. Der Vater lieft seiner flatterhaften Tochter, die einen eifersüchtigen Liebhaber hat, seinen Roman Schwarze Orchideen" voc. In ihm spielen ein Menschenaffe, ein 3merg, schwarze Orchideen und eine Hellseherin, die durch ihre wechselnden Liebesbedürfnisse drei Männern den Tod bringt, bedeutungsvolle Rollen. Die Tochter hat sich start in diesen Roman hineingedacht, als Schlußfolgerung sieht man sie zur Beständigkeit bekehrt und fich mit ihrem glücklichen Bräutigam versöhnen. Die ganze Handlung ließ der Regisseur nur als Romanillustrationen spielen. Er deutet sogar einschneidende Greignisie allein durch den Text an, räumt ihm also eine ganz unfilmische Vormachtstellung ein. Gespielt wird wirklich gut, obwohl gar manche Szene zu eigenem Nugen in das Gebiet der Phantastit hätte hineinspielen fönnen. Die schöne Barbara La Marr, die freiwillig von der Bühne des Lebens abtrat, meil die Künstlerin Selbstmord beging, spielte die Hauptrolle. Wie stets, so trieb auch diesmal wieder ihr Ehrgeiz sie zu einer pollendeten Leistung. In ihrer Doppelrolle zeigte fic fic, int Kleidungen von höchst eigenartiger Eleganz und persönlichem Geschmad. Ramon Novarro und Lewis Stone waren zwei aus. drucksvolle Bartrer. Die Ufa Wochenschau bringt Bilderstreifen aus aller Welt, So sieht man aus Deutschland die Ueberschwemmungen, die Oder und Elbe angerichtet haben. 9: „ Der Mensch und die Liebe." ( Primuspalaft.) Ach, waren das noch glückliche Zeiten, als so und soviele Jahre vor dem Kriege in Rußland Argibatschen seinen Roman Sianin" schrieb und ein Teil der russischen bürgerlichen Jugend mit offenen Fahnen zum Sjaninismus überging. Es war so etwas mie Freigeisterei der Lebensanschauung und vor allem Freigeisterei dec Liebe, vor allem der törperlichen Liebe. Der Roman ist längst vergessen. Die Epoche, die er machte, ist längst vorbei. Trozdem hat Lothar Dredrick den Roman, der schon als solcher breit und fahrig war, für den Film ebenso breit und locker verarbeitet. Der geistige Gehalt, der immerhin in Argibatschews Werk steckie, st darüber völlig zu furz gekommen; geblieben sind allerlei lose Szenen aus dem Leben der russischen Intelligenz und der Offizierskreise in einer Wolgastadt. Der Regisseur Friz Fehérs hat aber immerhin das Verdienst, sehr charakteristische Wolgalandschaften und sehr echte Szenen aus dem russischen Volksleben ins Bild gebracht zu haben. Den Ssanin, den Verkünder der neuen Heilslehre, verförperte Alfred Beregi. Er gab der Figur immerhin Kraft und geistige Bedeutung. Die jungen Mädchenrollen waren nicht ganz so glücklich besetzt. Magda Sonja als Sfanins Schwester und Ines Allegri als Lehrerin bemühlen sich, dem russischen Kolorit gerecht zu werden. Der echt russische Typ des Privatgelehrten Solmeit gelang Victor Franz einprägfam. Es wird der Verfilmung des Romans schwerlich gelingen, das Interesse für die Vorlage neu zu erwecken. Boran gingen drei fleine Mar Lindner Stücke aus seiner früheren Zeit, die sicherlich technisch überholt sind, aber die quedfilberne Beweglichieit und den Charme dieses im vorigen Jahr qus dem Leben geschiedenen einst so populären Filmdarstellers auss neue lebendig werden lassen. r. die neue Bosnia köstlich milde 33 Cigarette Das sinet Beispiele DamenLeinen- Schnür- und Spangenschuhe kräftige Ledersohlen, guter Strapazierschah Weisse MädchenLeinen- Stiefel Grösse 29/30 Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Lessing- Tb. Theater am Bülowplatz 3 und 8 Uhr: Darüber läßt sich reden Berliner Bilderbogen in 3 Akten Morgen& Uhr: Darüber läßt sich reden Staats- Theater Opernhaus a. Platz d.Republ. 7 Uhr: Margarete Paul Henckel zum 516. Male: Schneider Wibhel Berber, Grodtczinsky Sommerpr. 1-8 M. Mitgl.d.Volksbüh., Gewerkschaft., Reichsbanner gegen Ausweis gute Plätze 1.50, 8 1/4 auch an Angehörige KleinesTh. Leckerbissen Vorz. dieses zahlt 50% d. Kassenpr Städtische Oper Berliner Theater Charlottenburg 72 Uhr: Uhr: wetter, ganz famos Residenz- Theat. 8 Uhr: Fatinitza Fr. Julie D. Stärkere Abonn.- Turnus IV n. Maria Neunkirchen, Süssenguth Deutsches Theater Barnowsky- Bühnen Norden 10334-38 8% Uhr Sommerpreise Theater Königgrätz.Str. Max Adalbert T.:Hasenheid.2116 8 Uhr: 195 Braun DamenBoxcalf- u. Chevr.Schnürschuhe Ufa- Palast am Zoo Gloria- Palast AN Kurfürstendamm Rahmenarbeit Braun Kinder- Stiefel Grösse 25/26 3.90 Schwarz Herren- R'Chevr.Halbschuhe Damen- ChevreauSchnürschuhe Rahmenarbeit Wegen Renovierung geschlossen Buster Keaton Der Mann mit den 1000 Bräuten Mein Leopold Tauentzienpalast Grete Reinwald Jugend Th.a. Nollendorfpl. Die Herrenhofsage Mozartsaal Hollendorfplatz in Kammerlichtspiele Das Skel Gefallene Engel Morgen z. 25. Male Die Komödie Gefallene Engel Bismarck 2414, 7516 Komödienhaus 8 Uhr: Operette v. Suppé Sonnt. nachm. 4: Gräfin Mariza Friedrichstraße Tel.: Norden 6304 -8 Uhr: Turmstraße Week- end Der Garten Eden Theater d.Westens Berliner Prater 8 Uhr: D. große Unbekannte Kastanien- Allee 7-9 Täglich: Internationales Kleine Sommerpr. Varieté- Programm. Anf.: Wochentags 5 U., Sonntags 4 U. Eintritt 50 Pf. Preise 0,50-3,50 Kaffeekochen. Tanz Komische Oper 84 Dir. James Klein 814 Berlin ohne Hemd! Die gewaltigste Revue 200 Mitwirkende Sommerpreise Stettiner Sänger Neu! Königstadt Schöneberg Alexanderplatz Auf Tierfang in Abessinien Einleitende Worte Dr. L. Heck Emil Jannings Alles für Geld Fridericus Rex 1. und II. Teil Die Schlange von Paris Wege zu Kraft und Schönheit Erneuerte Ausgabe Auf der Bühne: 10 Romanos, Gladiatoren Wege zu Kraft und Schönheit Erneuerte Ausgabe und die Schau der Königstadtbühne Vom 2. bls 5, Juli Ossi Oswalda in Die Fahrt ins Abenteuer Vom 6. bis 8. Juli Seine Frau- meine Frau Die lockende Gefahr Henny Porten in Wehe, wenn sie losgelassen Achtung, die Dame im Auto Tartuff Reichshallen- Theater Abends 8 Uhr Weinbergsweg Friedrichshain Das Zeichen des Zorro Die Reise durch die Erde Varieté! Ein Hausball bei Meyer's Berliner Burleske von Meysel. Dönhoff- Brettl( Saal u. Gart.) Tanz! Konzert! Rennen zu Hoppegarten Sonntag, den 4. Juli nachmittags 3 Uhr Für Sommerund Kinderfeste Papiermützen, Scherzsachen, minations Feuerwerk, Wachsfackeln, Tombola- Sortimente, Lose Nieten. Nummernblocks Große Auswahl. Billigste Preise. Pohl& Weber Nachf. Spittelmarkt 4-5 11r. 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Der Kampf um die Unabhängigkeit, den die 13 aufständischen Ko° lynien gegen das mächtige Mutterland Großbritannien führten, hatte feinen Höhepunkt erreicht. Die am 4. Juli vom Kongreß angenommene Unabhängig- kcitserklärung war von gewaltigem Einfluß auf die Ent- Wicklung der bürgerlich-revolutionären' Ideologie Europas. Dies historische Dokument wurde zum Vorbild der berühmten„Dekla- ration der Rechte de» Menschen und Bürgers", die nicht nur die große französische Revolution auf ihre Fahne schrieb, sondern auch alle bürgerlich-demokratischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts. Es wäre ein historischer Fehler, zu glauben, daß die Bewegung, die mit der Errichtung der Teeeinfuhrsteuer begonnen hatte, die Trennung von England und die Einsegung der Demokratie von vornherein zum Ziele gehabt habe. Die Unzufriedenheit über das Vorgehen der englischen Regierung, die die amerikanischen Kolonien als ein rechtloscs Objekt imperialistischer Ausbeutung betrachtete, wu-hs allriählic') Die Einführung der Teesteuer wirkte als letzter Tropfen, der den Becher zum Ueberlausen brachte. Lange schon.de- einträchtigte das Mutterland die selbständige wirtschaftliche Entwick- lung der amerikanischen Kolonien. Bereits im Jahre 1719 stellte das englische Unterhaus fest, daß die Errichtung von Manufakturen in den Kolonien unerwünscht sei, da sie zur Verringerung der Ab- hängigkeit von England führe. Der auf den 10. Mai 1775 einberufene Kongreß hatte zuzählen zwischen freiwilliger Unterordnung unter die Tyrannei und'gewalt- samcm Widerstande. Der Kopgreh entschied sich für das letztere. Doch selbst auf diesem Kongreß gab es, nach dem Zeugnis Frank- lins, noch keine offenen Fürsprecher der Unabhängigkeit. Die neuesten Historiker sind darin einig, daß eine rechtzeitige Nach- giebigkeit des Mutterlandes die Abtrennung der Kolonien hätte ab- wenden können. Der Unabhängigkeitskrieg war nur ein Teil jener gewaltigen Volksbewegung, die vor anderthalb Jahrhunderte� die amerikanischen Kolonien ergriffen hatte. Doch während die kriegerische und politische Geschichte der amerikanischen Revolution in all ihren Einzelheiten erforscht ist. haben ihre sozialwirtschaftlichen Ursachen und Folgen erst in den allerletzten Jahrzehnten die Aufmerksamkeit der Historiker auf sich gezogen. Eine der führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Revo- lution hatte geäußert, die Revolution sei ausgetragen worden in den Köpfen und Herzen der Kolonisten,«he sie zur Waffe gegriffen. Das ist gewiß wahr. Doch ebenso gewiß ist diese Revolution in„Köpfen und Herzen" nur verständlich, wenn man die sozialwirtschafllichen Umstände in Betracht zieht, in denen sich die amerikanischen Kolonien am Vorabend der Revolution befanden. Vor hundertsünszig Jahren stellten die englischen Kolonien Amerikas fast durchgangig ein Agrarland dar. Kaum 2 bis 3 Proz. der Bevölkerung lebten in Städten. Die überwiegende Farmer- beoölkcrung wurde gebildet von energischen Auswanderern aus Eng- land, Irland, Deutschland. Holland und anderen Ländern der alten Welt. Es waren zum größten Teil Sektierer, Gegner der offiziellen Kirche, unabhängige, beharrliche, arbeitsame Menschen. Die Ge- schichte der Vereinigten Staaten ist nicht zu verstehen ohne die Ge- schichte ihrer Kolonisation. In hartem Kampfe mit der jungsräu- lichen Natur bildeten und festigten sich die Grundcharakterzüge der Siedler— das Gefühl der Unabhängigkeit und Gleichheit. Den Agrarverhältnissen westlich von der Küste lag das System der kleinen selbständigen Farmen zugrunde, in denen Landeigentümer, Besitzer der Produktionsmittel und Arbeiter sich in derselben Person ver- einigten. Die �politische Demokratie war in den Dereinigten Staaten in bedeutendem Maße das Resultat falscher wirtschaftlichen Demokratie oder, genauer gesagt. Agrardemokratie. Die Revolution führte zur Konfiskation der ungeheuren Landb�sitztümer, die in einer Reihe von Kolonien den„Loyalisten", den Anhängern Englands und der königlichen Gewast gehörten. Diese gewaltigen Besitztümer, die in längst vergangenen Zeiten die Krone nach rechts und links an ihre getreuen Diener vergeben hatte, wurden nach der Konfiskation in kleine Anteile zersplittert, was den demokratischen Charakter des Landbesitzes noch verstärkte. Umfangreiches Landeigentum fand sich nur noch in den südlichen Kolonien, wo die Pflanzungen durch Sklavenarbeit der Schwarzen erhallen wurden. Doch auch in diesen südlichen Pflanzungen hotten die Pflanzer allen Grund, unzufrieden zu sein mit ihrer schweren Abhängigkeit von den englischen Gläu- bigern und den englischen Rohstofsimporteuren. Den tatkräftigsten Teil der Bevölkerung bildeten die Bewohner der Küste, die den gesagte» Außenhandel vermittelten und in denen bereits Industrie erwarte. Die Handelskreise dieser Städte spürten am stärksten an sich selbst die verderblichen Folgen der englischen Monopolpolitik, der Verbote, Beschränkungen, Regelungen, ungesetz- mäßigen Besteuerungen. Der erste Aufstand flammte im Dezember 1773 in Boston aus, einem großen Handelszentrum. Das eben erst aufkommende Proletariat der Städte unterstützte energisch die Handelsbourgeoisie. Die gleiche Unterstützung fand dies« Bourgeoisie bei der Masse der kleinen Farmer und selbst— wenn auch nicht so- fort und vollkommen— bei den Pflanzern der südlichen Kolonien, Die Jnteresienwidersprüchc der dreizehn Kolonien und Bevölterungs- klassen traten zurück angesichts der gemeinsamen Gesahr und gemein- samen Ausgabe der Befreiung. Doch diese Widersprüche lagen klar aus der Hand. Adams schrieb in der Folge, die schlimmste Aufgabe während der Revolution sei es gewesen.„13 Glocken zu gleicher Zeit schwingen zu lassen". Die Geschichte der amerikanischen Revolution ist nicht bloß die Geschichte des Kampfes der„Patrioten" gegen die„Loyalisten", son- dcrn auch die des Kampfes zwischen den„Patrioten"— den„Ge- mäßigten" und den„Radikalen". Die„Gemäßigten"— die Großbourgeoisie, die Pflanzer, ein Teil der bürgerlichen Intelligenz—, die die Bewegung begonnen hatten, erschraken bald, als sie ge- wahrten, daß die Bewegung ins Uferlose geriet, sich radikale Ziele setzte und in die Reihen der tatkräftig Handelnden das städtische Proletariat hineinzog. Die„Radikalen" bemächtigten sich nur all- mählich der Situation, indem sie sich vor allem auf die„Hunger- leider" stützten, wie sich verächtlich die„Gemäßigten" ausdrückten, d. h. aus die Handwerker und Arbeiter der Userstädte und aus die breite Masse der demokratischen Farmer. Die europäische Politik verhielt sich anfangs äußerst skeptisch zur Protlamierung der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten. Bloß Graf de Arender, der spanische Gesandte in Frankreich, schrieb zu jener Zeit:„Diese föderative Republik ist als Zwerg zur Welt gekommen: es wird ein Tag kommen, da sie zum Riefen wird, ja zum Koloß, furchtbar für andere Länder." Die Prophezeiung hat sich vollkommen bewahrheitet. Nicht sofort überwand die junge Republik das politische Chaos und vor allein die Finanzschwierigkeiten. Langsam nur gelang es. den Separatismus der einzelnen Staaten zurückzudrängen und die zentrale Macht zu befestigen. Doch immer segensreicher wurde der Einfluß der Revolution. Die Loslösung vom Mutterland, die Liqui- dierung der aus England auf den jungfräulichen Boden Amerikas übertragenen Feudaleinrichtungen, die Errichtung der Demokratie, die sich auf persönliche Freiheit und brette Selbstverwaltung gründete, die Befreiung des Handels und der Landwirtschaft— dieses alles zusammengenommen gab einen machtvollen Anstoß zur ökonomischen' Entfaltung der jungen Republik. 150 Jahre vergingen. Der Zwerg wurde zum'Giganten. Nicht England, einst das Mutterland der rechtlosen Kolonien, ist jetzt die erste Weltmacht. Nicht England, sondern die Bereinigten Stauten schreiten an der Spitze der technischen und wirtschaftlichen Fortschritte. Nicht England, sondern die Vereinigten Staaten diktieren heute, nach dem Weltkriege, den Völkern von fünf Erdteilen ihren Willen, sich stützend auf ihre finanzielle und industrielle Uebericgenheit. Der Zwerg ward nicht nur Gigant, er ward auch der„Koloß, furchtbar für andere Länder". Bor 150 Jahren eröffneten 13 Kalo- nie» einen heldenhaften Kampf gegen den britischen Imperialismus um Freiheit und Unabhängigkeit. Heute stellen sich die Dereinigten Staaten selbst auf die Bahn des Imperialismus. Die Doktrin Monroes:„Amerika den Amerikanern" verwandelt sich aus einer Schutzwaffe in eine Kampslosung:„Amerika für die Vereinigten Staaten". 21 Republiken des lateinischen Amerika, die vor 100 Jahren dem Beispiel der Vereinigten Staaten gefolgt waren und sich von der spanischen Tyrannei befreit hatten, erblicken heute die größte Gefahr für sich im wirtschaftlichen Imperialismus ihres mäch- tigcn l�ichbarn. Die dcinokratische Verfassung der„Väter" ward zum Mittel der Herrschaft des Großkapitals, das den Parteikamps in Amerika verwandelt hat in ein Handelsgeschäft. Die amerikanische Bourgeoisie wird im Rausch ihrer Macht den Jahrestag der Unabhängigkeit begehen. Der Jahrestag der R e v o l u t i an läßt sie kalt. Peter Garny. Dritte Lesung öes Preußenetats. Gestüte.— Landwirtschaft.— Bergbau.— Handel und Gewerbe. Der Landtag beriet im weiteren Verlauf der gestrigen Sitzung den G e st Ü t s e t a t. Abg. v. plehwe(Dnat.) erklärt, die Gründe sür den großen Notstand der deutschen Pferdezucht.lägen insbesondere in der un- glückseligen Handelspolitik der R e i ch s r e g i e r u n g. Bei der Vergebung von Krediten dürfe die Industrie gegen- über der Pferdezucht nicht bevorzugt werden. Bei der Beratung des Landwirtschafts Haushaltes erklärt Abg. Roeiagh(Z.), die Wiederherstellung der Rentabilitäl müsse an erster Stelle stehen. Die St i ck st o f f a b t i k e n arbeilen mit z u h o h e n D i v i d e n d e n. Es sei zu erwägen, ob man nicht die sozialen Lasten abbauen könne. Die Handel»- Vertragspolitik müsse die Landwirtschait besser be« r ü ck s i ch t i g e n. Die ganze Handelsvcrtragspolitik seit dein Krieghat die Industrie zum Nachteil der Landwirtschaft allzu stark be- günstigt. Abg. Schulze-Stapen(Dnat.): Die deutsche Bankwelt muß sich in ihrer Zinspolitik mehr als Diener der Wirtschaft fühlen, wie überhaupt der Dienst am Volksganzen mehr unterstrichen werden muh.(Rufe links: Beim Landbund! Gegenkundgebungen und Bei- fall rechts.) Abg. petry(Z.) fordert eine bessere Kreditoersor- gung der Landwirtschaft. Die Sonderkredite der Renten- dank sür die besonders notleidenden Kleinbauern müssen gesteigert werden. Die Landwirtschaft gebrauche billige langfristige Kredite und steuerliche Entlastung. Minister Stelger erklärt aus Befragen: Vor Jnangrissuahmc einer ergiebigen Aktion in Ostpreußen ist noch ein Bericht der Land- wirtschaftskannner erforderlich, der bisher noch nicht vorliegt. Znsgesamt soll die candwirlschast in diesem Jahre ungefähr eine Milliarde an Krediten zurückzahlen. Es ist ohne weiteres klar, daß diejenigen Gebiete, die vom Hochwasser betrossen sind, zu dieser Rückzahlung nicht in der Lage sind. Mein Be- streben geht dahin, daß Notstandsgebiete gebildet werden, in denen die Landwirtschaft davon befreit sein soll, ihre Schulden jetzt zurück- zuzahlen. Diese Maßnahme wird im Zusammenhang mit billigen Krediten der Rentenbankkreditonstalt namentlich auch den kleinen Landwirten zugute kommen. Abg. Zakoby-Rassaus(Z.) wendet sich gegen die große Spann« zwischen Produzenten-und Konsumentenpreisen. Ohne Aussprache passieren die Etats der Lotterieverwaltung und der Seehandlung und Münzverwaltung. Es folgt die Beratung der Lergverwaltung. Abg. Hein-Barmen(Dnat.) macht auf die u n g ü n st i g e U u?- Wirkung der staatlichen Subvention aus dem Welt- markt aufmerksam. Vielleicht bringe der Streik England zu der Einsicht, daß für die Kohlenwirtschast internationale Vereinbarungen itotwcndig sind. Die Verringerung der Haldenbsstände sei nicht etwa die Wirkung einer besseren Wirtschasts- läge, sondern erkläre sich aus dem englischen Streik. Redner setzt sich für den Abbau der Gebühren im Bergbau ein und befürwortet eine Arbeitsgeminschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Abg. Osterroth(Soz.) weist aus das erfreuliche Ergebnis hin. daß durch die Hilfsmaßnahmen im Siegerland in kurzer Zeit mehr als 2000 Bergleute wieder eingestellt werden konnten. Beim Haushalt der Handels- und Gewerbeverwallung sorderk Abg. Jäger(Dnat.) Berücksichtigung von Handel und Gewerbe bei den beschlosienen Notstandsarbeiten. Abg. perschke(Wirtsch. Vgg.) oerlangt Minderung der Lasten der kleinen Handel- und Gewerbetreibenden. Die Sonntagsruhe lasse sich nicht schematisch in ganz Preußen durchführen, namentlich nicht in den kleinen Städten. Gegen das Ueberhandnehmen de, Straßenhandels muß endlich etwas geschehen. Die schärfste Konkurrenz sür den Handel ist der heimliche Handel, der sogar viel- fach von Beamten in Behörden getrieben wird. Damit schließt die Aussprache zum Handelsetat.— Ohne Debatte werden noch die Etats der PorzellanmanufakMr, des Gesetzsami»- lungsamtes, des Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzcigers des Landtags und des Staatsrats erledigt. Gegen 4 Uhr vertagt sich das Haus auf M o n t a g 12 Uhu Kleine Vorlagen: darunter Aenderung des Stempelsteuergesetz«». Einbringung staatlichen Bergwerksbesitzes in die Preußag und Mittellandkanal. Außerdem: Fortsetzung der Etatberatung. Wetterbericht der öfsentlicheu Wetterdienststelle sür Berlin.(Nachdr»erb.) Etwa» lühler. wechselnde Bewölkung, strichweise Gewitterregen.— J#r veu«schl-nd; Im Süden und Osten vielsach Gewitterneigung und etwa« kühler, im Nordwesten noch trocken und warm. übergibt man nur dem Nachweis biß Deutsch. Musikerverb-rndeS. Berlin 087, AndieaSltr 21 4310, 4048). Gekchästizeit S bii S. Sonntag» 10114 2 Uhr. Aus Wunsch Lertrelcrbrsüch KEIN AUSVERKAUF! ■trotz 250000 RAAK moi�tspröduktion, WEIL DIE BERÜHMTEN SALAMANDER SCHUHE WEGEN IHRER OÖTE, PASSFORM UND PREISWÖRD'GKEIT jiXJilS, STARK GEKAUFT WERDEN. SAL AM AM DE R SaisonAusverkauf Herrenkleidung Sportkleidung Sakkoanzüge 442.-, 39, 33.-. 25'-modern gemusterte Stoffe 1800 Sakkoanzüge blau Cheviot. farbige GaLodensportjoppen fich 10.-, glatte 32 oder grünbardine und Kammgarnstoffe, gute Verarbeitung je nach Qualität 4800 94-, 85.- 72.-. 64-.55Sommerpaletots, Ulster u. Raglans mod., geschmackv. Muster, je nach Art u. Qual. 78.- 65-. 56.-. 48.-, 42.-, 38.-, 32Winterpaletots u. 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Abschnitts Gaststätten, Musik, Theater, Lichtspiele us LAbschnitte Gesundheitswesen 5.Abschnitt: Behörden, Unterrichtswesen, Verbände und Vereine Preis nur trisde 10 Mark BAER SOHN A Chausseestraße 29-30 Bestellungen und Anfragen an Branchen- Telefon- Adreẞbuch G. m. b. H., Berlín W8, Taubenstraße 44-45 Merkur 5710-5713 Sonntag 4. 7uli192H -Unterhaltung unö �Vissen Vellage öes vorwärts Zn'eörich II. über öle deutschen Zürften. Von Kurt Baurichter. Das Deutsche Reich ist eine Republik. So haben es die gewollt, die nach dem Ausammenbruch 1918 dos Reich retteten, und chinden- bürg, der„Retter" von 1925, hat es beschworen. Aus dieser einen Republik aber wollen ihre Gegner einige Duhend Vatcrländchen machen: konkurrierende Thronkondidaten buhlen um die Gunst vater- ländlicher Verbände, tioslieseranten in Bückcburg und Detmold putzen ihr Ladenschild. Bürgerblocktaktik und Kinopropaganda ver- fehlen nicht ihre Wirkung aus konservierte Untertanengesinnung. Probepredigten zukünftiger chofprediger Helsen nach. Wer Zweifel äußert an der guten alten Zeit wird durch geschäftlichen oder gesell- schaftlichen Boykott zum Schweigen gebracht. Fridericus Rex er- scheint als Schutzpatron deutschnationaler Hofschranzcn, um die landesvaterlosen Deutschen für Thron und Altar zu begeistern. Sauf- frohen Zechern winken neue Kaiscrgeburtstagsseiern: der Gedanke der Monarchie marschiert. Name und Bild Friedrichs des Großen werden der Bewegung vorangetragen. Wir fragen: mit welchem Recht? Was erlaubt- ihnen, diesen preußischen König für sich in Anspruch zu nehmen? War er wirtlich ihr Mann? Oder treiben .sie mit seinem Namen Mißbrauch? Geben wir ihm selbst das Wort, um darauf zu antworten. Seit dem Großen Kurfürsten pflegten die Herrscher des Hohen- zollernhauscs politische Testamente aufzusetzen, die zum Unterricht für ihrt Nachkommen dienen sollten und infolgedessen den Charakter systematischer, politischer Lehrschriften trugen. Solche politischen Testamente zur Unterweisung seiner Nachfolger hat 1752 und 1768 auch Friedrich der Große aufgesetzt. Sie sind in französischer Sprache abgefaßt und. fast 300 Seiten stark, als Ergänzungsbond zur„Po- �tischen Korrespondenz Friedrichs des Großen" erschienen(Verlag Reimar Hobbing, Berlin 1920). In diesen Testamenten hat der König, von desien Gesamt- persönlichkeit viele durch tendenziöse Kinopropaganda ein durchaus entstelltes und verzerrtes Bild bekommen haben, mit beispielloser Schärfe an den deutschen Fürsten Kritik geübt.„Man muß sich vorstellen," schreibt er,„daß derjenige, welcher sich mit all den großen Königen und Fürsten eingelassen hat, ungefähr in der gleichen Lage ist wie einer, der Räubern in die Hände fällt. Verrat, Mein- cide und andere S ch ä n d l i ch k e i t e n fallen ihnen nicht schwer". Er verachtet die Fürsten, die„sich m ä st e n mit dem Mark des Volkes, während alles darbt". Er wirft ihnen sträfliche Pflichtvergessenhcit vor und führt ihre Unfähigkeit, die Völker glücklich zu machen, auf ihre„Vergnügungssucht, Trägheit und Dummheit" zurück. Bemerkenswert, ist, daß er seine Vorwürfe nicht gegen einzelne, sondern gegen die Gesamt- heit der Fürsten richtet.„Mit Ausnahme der Königin von Ungarn und des Königs von Sardinien, deren Genie über ihre schlechte Erziehung triumphiert hat, sind alle Fürsten Europas nur üble Einfaltspinsel." schreibt er und streicht mit diesem einzigen Satze olle» da» durch, was ehrgeizige, nach Titeln und Ordensauszeichnungen gierende Geschichtsschreiber jahrhundertelang zur Verherrlichung des Fürstentums geschrieben haben. Er schildert die Eigenlieb« der Fürsten, die ganz aufgehen in dem Gedanken an ihr Ich und warnt davor, ihren schmeichelnden Reden Glauben zu schenken: „Der größte Irrtum, den Ihr begehen könnt, ist der, zu glauben, daß Könige oder Minister sich für euer Schicksal inter- essieren. Diese Menschen lieben nur sich selbst: ihr Interesse ist ihr Gott. Ihr Stil wird schmeichelnd und einladend, soweit sie euch nötig haben. Sie werden euch mit niederträchtiger Falsch- heit schwören, daß euer Wohl ihnen ebenso teuer ist wie das ihrige: aber glaubt es ihnen nicht und verschließt eure Ohren den Gesängen dieser Sirenen." Dos sind Worte, die man auch an unsere Generation mahnend richten sollte und die durchaus übereinstimmen mit dem, was ehr- liche Beobachter über ihre Erfahrungen an deutschen Fürstenhöfen im 19. und 20. Jahrhundert berichtet haben. Wieviel Mühe haben sich Geschichtsschreiber und-lehrer ge- geben, um das uneigennützige Handeln der Fürsten zu schildern, die edlen Motivationen ihrer Handlungen nachzuweisen und ihre vorbildliche nationale Gesinnung zur Nacheiferung zu empfehlen. Nicht so Friedrich II.: „Zur Schande meiner Nation muß ich gestehen, daß niemals dos öffentliche Wohl mehr dem persönlichen Jnteresie geopfert worden ist als gegenwärtig. Da kommt ein englischer König mit einem Sock voll Guineen(engl. Goldmünzen) über das Meer und gering« Summen genügen, um die mächtig st en Fürsten der deutschen Länder zu bestechen. Sie sind Kaufleute geworden: sie handeln mit dem Blut ihrer Untertanen: sie verkaufen ihre Stimmen in der Versammlung der Fürsten und Kurfürsten. Ich glaube, daß sie ihre eigene Person verkaufen würden, wenn sich jemand fände, der sie bezahlte." Hier ist ein Urteil über deutsche Fürsten, das die Unehrlichkeit des Geschichtsunterichts im kaiserlichen Deutschland treffend kenn- zeichnet. Wo bleibt alle Romantik und Verklärung gegenüber diesem einen Satz des großen Königs:.Sie verkaufen sich dem Mei st bietenden!" Gill das nicht auch von vielen ihrer Geschichtsschreiber? Man kann dagegen micht einwenden, daß heute die Grenzen der fürstlichen Macht zu eng gezogen wären, um eine Politik zu ermöglichen, die das Gesamtinteresse der Nation den Sanderinteressen des eigenen Hauses unterordnet. Die Monarchisten von heute wollen keine Herrscher mit bloßen repräsentativen Funktionen, sondern fordern ausdrücklich eine„starke Monorchie", und das heißt doch wohl eine konstitutionell so wenig wie möglich beschränkte Monarchie. Herrenhaus und Klassenwahlrecht würden wiederkehren, wenn jene Geschlechter erneut den Thron bestiegen, von deren„unverschämter Anmaßung und unaus- stehlichem Stolz" Friedrich berichtet. Die fortschreitende Der- ständigung der Völker würde gehindert werden durch die Politik der Fürsten, die der Soldatenkönig als ein„Gewebe von Betrug" bezeichnet, als eine Politik,„die zum großen Teil aus Schlauheit, Verstellung und Ruhmsucht besteht".» Es ist gut, die agents provocateurs der Monarchie an diese Worte und Mahnungen des Soldatenkönigs zu erinnern, dem man ja die Kompetenz in solchen Dingen nicht wird absprechen können. Aber auch wir andern sollten dieses Urteil sehr ernst nehmen. Es verpflichtet zu unausgesetzter Aufklärung und zu stetem Kampf gegen alle, die im Namen de» König» das tun, wovor er warnt, und die ihn, wenn er heute lebte, wahrscheinlich ächten würden. Eine königliche Tat. „Cine wahrhast vornehme königliche Tot verlangt üie„kölnijche Zeitung" von uns Zürsten!— Nun wohl, ich werüe dieses male- rische Schloß an den Staat freiwillig abtreten." Dummi. Von Svend Fleuron. Er wußte weiß Gott nichts davon, daß etwas Böses darin sein konnte, zuzuschnappen. Du liebe Zeit, e r fühlte ja nicht, daß es weh tat! Seine herrlichen Zähne mit den kräftigen Kiefern, das ganze Mundwerk war in schönster Ordnung— und ihm doch wohl zum Gebrauch gegeben. Wenn einer kam und drohend aussah, Scheltworte gegen ihn ausstieß und nicht erraten konnte, wie e r oerlangte, daß man ihm die gewünschte Hochachtung«erwies— nun ja, dann muhte er ja zuschnappen.' Leugnen wollte er nicht, daß es ihn fürchterlich danach kitzelte, das herrliche Werkzeug gebrauchen zu dürfen, das der Schöpfer ihm da ins Gesicht hineingesctzt hatte; aber er tat es ja weder bei Bäumen oder Büschen, und auch nicht gegenüber Hühnern, Lämmern oder Schafen. Nur wenn diese Wesen in Hosen und Kleidern unter- ließen, ihm den ihn zukommenden Tribut zu erweisen... dann tat er seine Schuldigkeit, dann biß er! Außer den Zähnen und dem Zermalmapparat hatte der Herr- gott ihm ja eine erstklassige Nase verliehen, deren Aufgabe gerade darin bestand, ihm beizeiten zu melden, wenn er auf seinem Posten sein mußte. Ost kam dieser und jener, dessen Geruch ihm nicht paßte. Uebler Gestank war ihm sehr zuwider, und alten Menschen- schweiß konnte er auch nicht vertragen: das mußten diese Menschen lernen. Ja, du lieber Gott— darum schnappte er zu. Und wenn sie dann trotz seinem bestimmten Protest, trotz seinem warnenden Knurren aus ihn zugingen, wenn sie es wagten, seinen Protest zu überhören, in sein Bereich eindrangen, den Arm hoben, den Stock schwangen oder den Stiefel in Bewegung setzten— was, konnte man dann etwa von ihm verlangen, daß er nicht zubiß? Er lebte wohl in der Welt und kannte die Gesetze der Welt, sie wohnten ja in- seiner Brust und waren nicht zu verkennen. So ein Hosenbein, da» platzte und schönes warmes, weißes Schenkel- fleisch sehen lieh, das war ja zum Hineinbeißen. Es wäre Tollheit, zu versuchen, ihm etwas anderes auseinanderzusetzen. Ach, die Welt war ihm zuwider; von seinem schönen Daga- bundenleben rings auf Hof und Feld mächte er plötzlich den Sprung in die umgekehrte Wel: hinüber: die Bewegungsfreiheit wurde ihm eines Tages ohne weiteres genommen—«ine Kette schnürte seinen Hals ein. Gleich vor der Toröffnung, wo sich nach dar einen Seite der Pferdestall öffnete und der Knecht, der jetzt fast drei Jahre bei Ole Tolleröd diente, unter die Gänsefedern kroch, klebte sich die Hunde- Hütte an, vor Wind und Regen geschützt; nur eine schmale Passage blieb für die Menschenbeine. Wenn er wütend an der Kette tm Kreise herumsprang, konnte bloß s«in Schwanz, nicht seine Zahn- schere die Beine erreichen. Dummi nannte man ihn: und vor denen, die er kannte, wedelte er, wenn ihre Mundspalte sich auftat und ihn mit diesem Namen be- ehrte: an ollen anderen ließ er seinen Zorn aus. Dann lag er die langen Sommertage und Winternächte hier, bekam sein Stroh und sein Milchbrot, haarte, verlor sein Winter- kleid, und zum Herbst wuchsen dann wieder die krausen Härchen nach, und immerzu dachte er das Seine über das Dasein: Der Sinn für das Ursprüngliche war fort. Von Kunst hing alles hier im Leben ab. Für die ihm innewohnenden Talente hotten die Menschen keine Vciwendung. Er sollte immer etwas anderes tun. was sie ausfindig machten. Es war nicht möglich, sich in alledem zurecht zu finden. Wunderlich genug, daß man ihm sein eigenes Fell ließ! Wozu hatte er die Zähne? Er glaubte: um sich zu wehren und fein Recht behaupten zu können. Nein, er hatte die Zähne nicht zum Beißen— sondern weil es nun einmal garstig war, wenn sie in einem Gesicht fehlten. Und der Schwanz? Hatte er den zur Stütze beim Jagen, als Schwingflegel bei den Wendungen? Nein, nein, nein, er hatte ihn dafür, daß er ihn zwischen die Beinie stedte, in einem fort herumging und damit wedelte. Der Schwanz war da. für da, den Menschen Ehrerbietung zu erweisen. So gnädig war der Schöpfer gegen ihn gewesen. Mit ihm hatte er sich als aller. untertänigster Diener zu melden, mit ihm hatte er zu scharwenzeln, und früh und spät mußte er erfennen, es sei um ihn geschehen. Nein, es ging nicht so einfach, auf die Erde zu treten. Alles, was die Erde ihm gegeben hatte, war nur für die andere Welt gegeben wenn er einmal in sie hinüberfam. Und während die Zeit verstrich und das einförmige Kettenhund leben feine Sinne abstumpfte, regte er sich immer weniger auf, wenn ein Wagen nahe an der Einfahrt vorüber rasselte oder ein Menschenfuß die Sohlen durch die Toröffnung schleifte. Er begann, fich zufrieden zu fühlen. Eine Nacht hört er plößlich die Tür des Wohnhauses gehen, eine Laterne rennt auf Soden über das Pflaster. Sie verschwindet durch die Tür der Knechtekammer, und furz darauf hört er den Bauer drinnen bellen. Folgendes hatte sich ereignet: Tollerod mar aus tiefstem Schlummer geweckt worden, die Frau pacte ihn plöglich am Arm und richtete sich im Bett auf. Sie hörte deutlich, daß es im Saal rumorte. Sie lauschten ja, nun hörten sie es beide. Diebe? Ole war nicht sehr dafür gestimmt, sich allein hinaufzuwagen; darum wedte er nun den Knecht. Sie wollten beide hingehen. Jens sprang aus dem Bett und fuhr in die Hosen. Nein, auch er hatte feine rechte Traute. Der alte Tolleröd war nämlich fürzlich gestorben, der bis zum 80. Jahr auf dem Altenteil gesessen hatte, und seine Leiche war drüben aufgebahrt gewesen. Das war also nicht gerade verlockend. Aber da fiel beiden der. Hund ein. Dummi! Ja, Dummi sollte hin. Zum erstenmal seit vielen Jahren spürte er, wie etwas Drüdendes durch seinen Hals glitt. Ihm wurde ganz leicht im Gehirnkasten, und er warf den Kopf zurück; aber die Tazze des Knechts, dem er nie etwas Böses hätte antun fönnen, spannte seinen Naden. Er begleitete die Männer über den Hof ins Wohnhaus. Holde Erinnerungsdüfte schlugen ihm plöglich entgegen und machten ihn frei und jung. Vor der Feststube. wurde die Laterne niedergesetzt. Dann wurde Dummi leise ermuntert und gestreichelt, während er merkte, wie der Griff in seiner Nadenhaut wieder fester wurde, und wie ein anderer Griff sich über seiner Lende hintastete. Er wollte soeben Einspruch erheben, als der Bauer vor ihm die Tür aufsperrte und Jens ihn mit einer Kraftanstrengung hineinwarf. Im nächsten Augenblid frachte es hinter ihm, ein Schloß fiel zu er stand im Stockfinstern und hörte, wie alle Tritte eiligst hinschwanden. Was sollte er hier? Interessant roch es hier allerdings, aber es waren lauter Gerüche, die er tannte; und er gelangte zu dem Resultat, daß man endlich begriffen habe, wie sehr ihm eine neue Hundehütte not tat, die regendichter und wärmer war als die alte. Nach Stroh suchte er, fand aber nur etwas, das er für einen Sad hielt. Eine Stunde lag er darauf. Dann entdeckte er eine pritschenartige Erhöhung, wunderschön weich und gestopft auf die sprang er hinauf, und dann fiel er in tiefen Schlaf. Am Morgen wurde er durch einen Klaps mit der flachen Hand geweckt. Was hatte er angerichtet? Der Teppich war beschmutzt, und das teure Plüschsofa hatte als Schlaflager gedient. Und das Er taugte zu nichts mehr! Er taugte gar nichts mehr. Man machte fich flar, daß es gewiß besser sei, ihn zu erschießen. Da hatte Jens eine Eingebung: man Fenster stand offen: er hatte den Dieb laufen laffen.| Marties. Die Beschreibung von Dr. William Stufelen aus dem Jahre 1723 erwähnt zwei parallele Erdwälle, die von den Eingang von Stonehengs nach Nordosten führten und die einen Weg ein= faßten, den die Avenue" nennt. Die ganze Weganlage, die im Laufe der Zeit verschüttet war, ist jetzt durch photographische Aufnahmen vom Flugzeug aus genau festgestellt worden, und das Studium der Aufnahmen zeigt, daß man es hier wirklich mit einer Rennbahn zu tun hat, wie man bereits früher vermutete. Nichts vermißte man. Keine Spur war auf dem Fensterbrett oder in der weichen Gartenerde draußen zu entdecken. Dagegen erwiesen sich die Fensterhaken als außerordentlich schief und schlecht. Endlich hatte man es herausgefunden: Das Fenster war vom Winde aufgeweht worden und hatte in der Nacht geflappert. Seit jener Nacht ließ man Dummi gewähren. Diebe oder nicht Diebe! Ole Tolleröds Angst hatte ihn plöglich verstehen lassen, was hinter einem Hundeschädel vorging. Neues Licht auf Stonshenge. Stonehenge, das berühmteste und älteste altgermanische Dent. mal, das sich in der Nähe von Salisbury in England befindet, bietet über die J. E. Gurdon im„ Manchester Guardian" berichtet, ist es der Forschung noch viele Rätsel. Durch die neuesten Untersuchungen, jetzt gelungen, einiges neues Licht über den Ursprung und die Bedeutung dieses steinzeitlichen Bauwertes zu verbreiten, durch das die Unichauungen des deutschen Prähistorikers Schuchardt im wesentlichen bestätigt werden. Stonehenge ist von einem freisrunden Erdmall umgeben, in dessen Immern sich in regelmäßigen Abständen ffeine Gruben befanden, die auf einer 1666 von Aubrey entworfenen Zeichnung noch deutlich zu erkennen sind und daher die„ Aubrey Löcher" genannt werden. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts waren diese flachen Vertiefungen verschwunden, wurden aber vor einigen Jahren wieder entdeckt und sorgfältig untersucht. Auf Grund dieser Feststellungen läßt sich nun die Geschichte von Stonehenge noch weiter zurückverfolgen, als es bisher möglich war. Die aufrechtstehenden Pfeile des Denkmals bestehen aus Sandstein, der in der Ebene von Salisbury gewöhnlich ist. Aber die kleineren Steine, die feine Querbalfer tragen, sind aus fremden Steinen", denen nichts ähnelt, was in der Nachbarschaft gefunden wurde. Aus der Anlage der Löcher geht nun hervor, daß in ihnen diese fremden Steine" früher ebenfalls im Kreise aufgestellt waren, zumal ihre Zahl ungefähr der der Löcher entspricht. Danach muß also, bevor die Er bauer des heute noch stehenden Stonehenges die Ebene von Salisbury eroberten, bereits ein Kreisrund aus diesen fremden Steinen" auf gerichtet gewesen sein, das die Neuankömmlinge zerstörten. Steine aus Pembrokeshire und müssen zu Wasser in sehr alten Zeiten Nach den geologischen Untersuchungen famen diese fremden dorthin gebracht worden sein. Daraus ergibt sich, daß der Plaz von Stonehenge schon vorher heilig war, und da man nach astronomischen Berechnungen die Erbauung des jetzt noch vorhandenen Denkmals 3500 Jahre zurückverlegt, geht also diese ursprüngliche Anlage noch weiter zurüd. Aus den Funden, die man in den Löchern und sonst auf die Kultstätte selbst ziehen. Zweifellos stellte Stonehenge einen im Umkreis von Stonehenge gemacht hat, lassen sich auch Schlüffe Tempel dar, der einem Sonnendienst geweiht war, wie er für die megalithische Beit typisch ist. Die Feuersteinwerkzeuge, Tonwaren, Schmucksachen und sonstigen Geräte fremden und einheimischen Ur sprungs sind aber in solchen Mengen ausgegraben worden, daß sie fich nicht allein durch die religiösen 3wede erklären lassen. Die Anfertigung dieser Dinge muß hier im großen betrieben worden sein, fie unter dem Schutz des Heiligtums zu verkaufen. Da nun die und außerdem brachte man mohl von der Ferne Güter hierher, um ältesten Formen des Handels vielfach im Zusammenhang mit Heiligtümern festgestellt worden sind, so muß man annehmen, daß die Priester von Stonehengs zugleich tüchtige Geschäftsleute waren und daß sich um dieses uralte Bauwert bereits ein lebhafter Handel entfaltete. Stonehengs war auch die Stätte eines vorgeschichtlichen Nur eine Auslese DamenStrümpfe prima stark Makko, in farbig und schwarz, ganz besonders geeignet für Sport...... 60PL 90 Damen- Strümpfe Dauerseide und waschbare Seide, nur allerbeste Qualitäten in den schönsten Farb z. T. leichte Fehler....... 2.95 Damen Strümpfe Dauerseide, ganz besonders gutes Gewebe in herrlich schönen Farben, grosse Auswahl, sehr preiswert... 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Er flagt sich selber an, daß er durch seine lich Weiß, gäbe, hervorgerufen durch eine Schneedecke mit darüber eigenen Bilder die herrschende Meinung über das einförmige Aussehen des Nordpols bestärkt habe es war die Ohnmacht, aus abfterbenden Erinnerungen dasjenige heraufzubeschwören, was ich einst als Laie bewundert". Dann aber gibt er eine Schilderung des wahren Aussehens der arktischen Landschaft und betont zunächst, daß das Malerische durch Wechsel, nicht durch Buntheit entsteht, daß ein monotones Bild durch reizvolle Beleuchtung Leben gewinnen fann:„ Indes gibt es keine Monotonie am Nordpol; fast 4% Jahre habe ich daselbst zugebracht, die meiſten arktischen Länder der östlichen Hemisphäre betreten, immer gefeffelt durch den Wandel der Naturschauspiele. Diese Naturschauspiele find die Dämmerung, die Winternacht und die Sonnenwiederkehr. Seinen Ausführungen hierüber seien foigende Säße entnommen: Welchen Zauber übt schon allein die Dämmerung aus, die des Frühjahrs, namentlich aber die des Herbstes, die Zeit ohne Helle, fast ohne Schatten, der träumerijchweichen Silhouetten, des flargrünen Himmels und der matten Silbertöne im Gebirge. Es ist das vorzugsweise Stimmungsbild: nirgends profanes Weiß, der Schnee ist ja geschmolzen, fast unbedeckt liegt das blaue Meereis da, taum gerötet durch die hinabgesunkene Sonne und schwaches Flimmern der Gestirne. Selbst die lange Winternacht( am Nordpol von sechsmonatiger auch durch den Mond, der, einer frischgeprägten Kupfermünze gleich, Dauer) befigt noch malerischen Reiz durch den mittägigen Lichtbogen, in den warm graublauen Aether emporsteigt, die Kanäle unter ihn in filberne Flüsse verwandelt und zwei Wochen lang nicht untergeht. Der Sonnen wiederkehr folgen die intensivsten Strahlenbrechungen, Luftspiegelungen der Fata Morgana, über deren mannigfaltiges Aussehen selbst Lehrbücher und wissenschaftliche Werfe ungenügend unterrichtet sind. Wie aber soll man sie richtig erklären, wenn man sie nicht einmal richtig darstellt?" Auch die Schwierigkeiten des Malens selbst werden von Bayer berührt, und seine Worte verdienen besondere Beachtung. Trainiert durch Zeichnen und Malen auf Alpenspitzen, war es ihm möglich, selbst bei 50 Grad unter Null stundenlang zu zeichnen und zwar ebenso bei Tages wie bei Nordlicht, bei Mond- oder Fackelbeleuch tung oder endlich während der Dämmerung. Schwieriger war das werden. War es auf Ded ganz untunlich, so ging ich nach jeder Malen:„ für Aquarelle mußte das Wasser ständig fochend erhalten Beobachtung in die Kajüte hinab, um das wahrgenommene einzutragen; dann wieder hinauf und wieder hinab." 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