Hbenöaosgabe Nr. 311 ♦ 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 153 BenussSrtlneitnteji lutb aiuelgtawth «ind in btt M-rzin-u-a-b« an«««t6 Vevlinev VoMsblstt (�10 Pfennig) Nontag 5. Juli 1926 ««»!««»sd Anteigeoabteilun«: »«schäftstelt 9-ö Uhr Settel, er: Dorwärks-verlag GmbH. Serlin SS». S», Lindenskrohe 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 297 �entralorgan der Sozialdemokrat» feben parte» Deutfd�lands Unwetterkatastrophe bei Voltersöorf. Eine Maner unterspült und eingestürzt.— 13 Ansstügler tot— TO Verletzte. Der gestrige erste Feriensonntag in diesem Jahr ist zu einem der schwärzesten Dage der Berliner Un» glückschronit geworden. Dreizehn Dodesopser — Berliner, die hinausgezogen waren, um der uner- träglicheu Schwüle in den Mauern der Stadt zu entgehen, gerieten in den Bereich des Unwetters. daS sich im Osten Berlins bei Woltersdors zu- saminengezogen hatte. Sie suchte»» Schnh in einer leerstehenden Kegelbahn, die von einer hohen Mauer überragt war. Die mächtigen Wasserfluten unterspülte« ihre Fundamente und die Mauer stürzte, die Kegelbahn mit ihrem lebenden Inhalt unter sich begrabend, zusammen. Aus den Trüm- rnern wurden geborgen: 13 Tote und 40 Verletzte. wie üas Unglück geschah. Als gestern nachmittag gegen 4Mt Uhr sich über der Gegend Woltersdorf-Erkner ein äußerst heftiges Gswitter mit Schlosienschlag entlud, flüchteten die vielen Ausflügler, meist Ber- liner, aus den Wäldern in die einzelnen Restaurants, insbesondere in dos Restaurant Kranichsberg. In kurzer Zeit war es von Aus- flüglern überfüllt, viele suchten in der überdachten Kegelbahn Schuh. Die an den Berg sich anlehnende Mauer der Kegelbahn wurde von den vom Berge herabstürzenden und vom Himmel hereinbrechenden Wastermassen nach innen eingedrückt und begrub einen Teil der Schuhfuchenden, unter denen sich viele Frauen und Sinder befanden. Gleichzeitig erschütterte ein ungeheurer Donner- schlag den Erdboden. Furchtbare Schleie ertönten aus der einge- stürzten Kegelbahn. Trotz des tobenden Unwetters setzten sofort die Rettungsarbeiten ein. Der von dem Unglück sofort benachrichtigte Amtsvorsteher von Erkner alarmierte die Freiwillige Feuerwehr von Woltersdorf und Erkner sowie die einzelnen Sanitätskolonnen zur ersten Hilfe. Im weiteren Verlauf der Bergungsarbeiten er- bat der Gemeindevorsteher Hilfe von der Berliner Schutzpolizei. Der Rote Frontkämpferbund, der in dieser Gegend seine Jahresfeier veranstaltete, leistete aufopferungsvolle Hilfe. Rur lansam konnten die unter dem Mauerwerk Ver- schütteten geborgen werden. 12 Personen wurden als Leichen her- ausgezogen, ungefähr 50 Personen haben teil schwere, teils leichte Verletzungen erlitten, die die erste Hilfe durch die Aerzteschast von Woltersdorf und Erkner sowie durch die zahlreichen Sanitäter er- hielten. Der Abtransport der Verletzten gestaltete sich äußerst schwierig. Der Weg nach dem Kreiskrankenhaüs in Kaltberge war derart von den Wassermassen unterspült worden, daß es nicht mög- lich war, die Verletzten in dieses Krankenhaus zu schaffen. Sie mußten daher teils auf Dampfern, teils auf anderen Fahrzeugen in die Krankenhäuser von Berlin und Köpenick transportiert werden. Das Unwetter als Ursache. Ueber die Ursachen des Einsturzes der Kegelbahn des Hotels Kranichsberg in Woltersdorf, in der die Verunglückten Schutz gegen das plötzlich hereinbrechende Unwetter gesucht hatten, gehen die Meinungen noch etwas auseinander, und es ist fraglich, ob an dem Trümmerhaufen, den die Unglücksstelle bildet, genaue Fest- ftellungen über die Umstände, die zum Einsturz führten, getroffen werden können. Das Hotel Kranichsberg liegt unmittelbar am Fuße des Kranichsberges, der einen allen Ausflüglern wohlbekannten Turm trägt, der eine weite Aussicht über die Secnkette bei Erkner und Kalkberge bietet. Links vom Hotel ist in den an dieser Stelle ziemlich steilen Vergabhaag die Kegelbahn des Hotel» eingebaut. die eine Läng« von mehr als 20 Meter hat und gegen den Berg durch eine etwa 3 Meter hohe und 8)� Stein gleich 60 Zentimeter starke Mauer geschützt ist. hinter dieser Mauer hatte ein kleines Rinnsal, das die von der höhe kommenden Wasser aufnimmt, eine kleine Schlucht ausgewaschen. Das furchtbare Unwetter, das am gestrigen Sonntagnachmittag in der fünften Stunde die dortige Gegend heimsuchte, hotte zur Folge, daß vom Kranichsberg große Wassermassen ins Tal hinabstürzten, die zum großen Teil ihren Weg durch die Schlucht hinter der Kegelbahn des Hotels Kranichsberg nahmen. Diese Wassermengen haben das Erdreich hinter der Mauer vollkommen aufgewühlt und die Fundamente der Kegelbahn unter- spült. Entweder ist das Bauwerk durch das Wasser selb st, bzw. durch das Abrutschen eines großen Stückes des Berg- abhanges zum Einsturz gebracht worden, oder aber der E i n s ch l a g eines Blitzes unmittelbar hinter der Kegelbahn hat eine solche Erschütterung und einen so starken Luftdruck verursacht, daß die Mauer, die ohnehin schon den Wasserdruck auszuhalten hatte, dadurch ins Wanken gerie� und in ihrer ganzen Länge umstürzte. Die Folgen dieses Unglücks waren jedenfalls katastrophal. Mehr als 100 Personen hatten sich, als das Unwetter hereinbrach, in die über- deckte Kegelbahn geflüchtet und hatten sich dort auf Tischen und Stühlen, die aus dem Sommergarten herbeigeholt worden waren, eingerichtet, um das Ende des Platzrsgens abzuwarten. Sie alle wurden von den Trümmern der Mauer begraben. Eine unbeschreib- liche Panik brach aus. Während die in den benachbarten Lokalen sitzenden Ausflügler, die den Einsturz mit ansahen, im ersten Augen- blick wie gelähmt waren, erscholl von der Unglücksstelle herz- zerreißende» Schreien und wimmern. Größtenteils waren es■ Frauen nad Kinde., die sich auf die Kegelbahn geflüchtet hatten. Nach- dem sich dann der erste Schrecken gelegt hatte, eilte von allen Seiten Hilfe herbei. Landjäger, Rote-Kreuz-Kolonne, eine Abteilung der Roten Frontkämpfer, die in der Nähe ein Fest abhielten, Freiwillige Feuerwehr und Ausflügler organisierten mit allen Kräften das Rettungswerk, bei dem sich, wie von sllen Seiten hervorgehoben wird, besonders die Roten Frontkämpfer durch unermüdliche Hilfeleistung a u s z e i ch- n e t e n. Panik nach üem Einsturz. Als in den gestrigen Abendstunden das furchtbar« Unglück i n Berlin bekannt wurde, spielten sich auf dem Polizei» Präsidium erschütternde Szenen ab. Während der ganzen Nacht erschienen zahlreiche Leute persönlich oder riefen durch \ZQrJEinsturzkdtesfrophej'nWolters(Jorf.f den Fernsprecher an, um zu erfahren, ob ihre Angehörigen, die sie in Woltersdorf wußten, unter den Toten feien. Es war nicht möglich, ihnen allen bestimmte Auskünste zu erteilen, da die Telephonver» bindung nach Erkner und Woltersdorf nicht funktionierte. Man mußte sie bis zur Rückkehr der Sanitätswagen verttösten. Der A b t r a n s- port der Verletzten gestaltete sich sehr schwierig, da die Wagen Umweg« über Erkner machen mußten. Die Chaussee bei Woltersdorf war zerstört. Man kann sich einen Be- griff von der Wirkung des Unwetters machen, wenn man hört, daß auf dem Wege zwischen Wolfersdorf und wollersdorfer Schleuse die Chaussee stelleuweise in einer Breite von sechs Metern und einer Tiefe von zehn Metern durch Sturzbäche aufgerissen ist. Teilweise waren die Wege auch durch umgerissen« starke Bäume versperrt. Die Feststellungen an der Unglücksstelle ergaben, daß ein Blitzschlag nicht die Ursache gewesen ist. Vielmehr wurde die Mauer der Kegelbahn durch die von dem Kranichberg herabstürzenden un- geheuren Wassermassen unterspült und eingedrückt. Bei dem Zu» sannnenbruch riß sie das Dach mit sich, das seiner Stütze beraubt war. So erklärt es sich, daß kaum einer der Schuhsuchenden ohne ver- letzung davongekommen ist. Di« Namen der Verletzten ließen sich nur in geringem Umfange feststellen, weil die Leute in allen umliegen- den Orten Hilfe und Unterkimft fanden. Die Opfer. Es gelang in verhältnismäßig kurzer Zeit die Namen der Toten festzustellen: Frau Meta Mettinger, Proskauer Straße; deren Tochter Helga: Postassistentin Starke, Loppftraß« 8; Frau Ahl, 45 Jahre, Boppstraße 8; Herta vittmann. Tilsiter Straß« 28; Frau Frieda Gebauer, Unionstraße: Frau Maria Hoffmann, Stralauer Allee 17e; Frau Riedel, Monte ufselstraße 109; deren Sind Else: Kind Waldemar perschke. Neu« Königstraße 9. Außer diesen zehn namentlich festgestellten Toten wurden noch drei Leichen geborgen, deren Persönlichkeit noch unbekannt ist, ein etwa 12jähriges Mädchen, ein etwa 18 Jahre alles Mädchen und eine Frau in den mittleren Jahren, die sofort nach der Bergung starb. Eisenbahnkatastrophe vor Paris. 18 Tote, 97 Verletzte.— Der Schnellzug Le Havre— Paris entgleist. Paris,«. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Schnellzug Le Havre— Paris entgleiste am Sonntag 25 Kilometer vor Paris bei Acheres. Von de» Insassen wnrden 20 Personen getötet nnd«0 verletzt. Die vorläufigen Feststellungen haben ergeben, daß einer der Verletzten namens Kohler deutscher Staatsange- Hörigkeit ist und aus Köln stammt. Das Unglück wird auf eine Senkung der Gleise durch das Unwetter zurück- geführt. IS Tote, 97 verletzte. pari«. 5. Zuli. sCigener Drahtbericht.) Räch den bisher an- gestellten Ermitilungen ist das Eisenbahnunglück bei Acheres darauf zurückzuführen, daß der Zug Le havre— pari» wegen einer S e n- kung der normalen Seife auf ein Rebenglei» für Rahzüge umgeleitet wurde, das nicht wie da» normale Gleis eine gerade Strecke bildete, sondern eine Kurve aufwies. Der Lokomotivführer mäßigte auf diesem Rebengleis die 9 0- S i l o.- meter-Geschwindigtcit nicht, vei einer weiche sprang die Lokomotive aus den Schienen. Cs ist noch nicht festgestellt, ob der Lokomotivführer, der bei dem Unglück selbst verletzt wurde, von der Umleitung vorher recht- zeitig in Kenntnis gesetzt worden ist. Lei seiner ersten Vernehmung erklärte er. die Signalscheibe, die anzeigt, daß die Geschwindigkeit aus 30 Kilometer herabgesetzt werden müsse, sei nicht aufgezogen gewesen. Die Zahl der Opfer belrägt nach den bisherigen Feststellungen 18 Tote und 97 Verletzte, von denen 32 nach Hanse zurückkehren konnten. wie öas Unglück gefthah. Paris. 5. Juli.(TU.) Der Schnellzug Le Havre— Paris ist am Sonnabend abend 22 Kilometer vor Paris bei der Station Acheres im Walde von St. Germain entgleist. Der Zug, der auf einem Nebengleise fuhr, da am Hauptgleis Ausbesserungsarbeiten vorgenommen wurden, hotte eine Stundengeschwindigkeit von 92 Kilometer. In einer Kurve verließ die Lokomotive das Gleise und legte sich mit dem Tender auf die Seite. Der Stoß war fürchterlich. Zwei Waggon» z»veiter Klasse schoben sich iueinoader, ein dritter Waggon warf sich ans den Irümmerhanfen, der vierte und fünfte wagen erster Klasse verllehen da» Gleise und fuhren die Böschung entlang, überHollen die Ma- schine und stürzten einen Graben hinab. Die Heilgebliebenen und Leichtverwundeten organisierten unter der Leitung de» General- direktors der Staatsbahnen, der im Zuge war, die erste Hilfe. Ein gleichzettiges Gewitter erschwerte unglücklicherweise die rasche telephonische Verbindung und verzögerte die Ankunft der Rettungszüge. Erst um 10 Uhr abends tonnte Paris den ersten Hilfszug ablassen. Nur drei Tote tonnten sofort geborgen werden. Etwa 40 Verwundeten wurde in der Station die erste Hilfe ge- geben. Sie tonnten in einem Lokalzug nach Paris gebracht werden. Ihre Reise war ein wahres Martyrium, da der Personen- zug fahrplanmäßig an allen Stationen hielt. Erst nach eineinhalb- stündiger Fahrt kam der Zug in Paris an. Die Nachricht von dem Unglück hatte sich schnell in Paris verbreitet. Die Angehörigen er- warteten auf der Station die Ankunft des Zuges. Gestern nach- mittag wurde zwischen den Trümmern noch nach Leichen und Schwerverletzten gesucht. Di« Zahl der Verunglückten wird mit '18 Toten und 73 Verletzten angegeben. Die Strecke dürfte erst heute abend um 9 Uhr freigegeben werden. Die Untersuchung über die Ursache des Unglücks ist noch nicht abgeschlossen. Das Kam- muniquä der Staatsbahndirektion gibt als wahrscheinliche Ursache Gewitter an. Die elektrischen Signale sollen nicht tadellos funktioniert haben. Ein Signal, dos„langsam fahren" vorschrieb, scheint übersehen worden zu sein. ver Sahahof voa Vijon zerstört. p a ri s. 5. Zoll. sCigener Drahib-richt.) Eine ungeheure Feuersbrunst Hai den Bahnhof von Dijon völlig zerstört, ver Schaden beträgt über 3 Willionen. Ein Wirbelsturm über Iraokreich. pari», 5. Juki.(Eigener Drahtbericht.) Ein schweres Wirbel- stu rmg e witter ist am Sonntag über die Pariser Um- g c b u n g niedergegangen. Zahlreiche Ortschaften wurden über- schwemmt und zum Teil schwer beschädigt. Der Flurschade» ist ungeheuer.'. / Zwei Kundgebungen. Reichsparteiausschuh des Zentrums.— Tammelruf von Gayl und Jarres. Am Sonntag hat der Reichsparteiausschuß des Zentrums getagt. Der Zweck war— der Abgeordnete Stegerwald hat es offen ausgesprochen—, das Durcheinander in den Reihen der Zentrumspartei wieder in Ordnung zu bringen. Diesem Zweck dient eine Kundgebung, die der Reichs- ausschuß beschloß, sowie die Erklärung W i r t h s, daß er der Reichstagsfrattion des Zentrums wieder beitreten und ihr seine volle Arbeitskraft zur Verfügung stellen wolle. Heber die innere Situation im Zentrum gibt der Verlauf der Debatte Auskunft. Die Haltung der Reichstagsfraktion des Zentrums wurde im großen und ganzen gebilligt, aber von verschiedenen Rednern trotzdem der Wunsch geäußert, daß man der Sozialdemokratie in der Fürsten- abfindungsfrage hätte entgegenkommen müssen. Schorf wandte man sich gegen die Tendenz, den Ausgang der letzten Reichstagssession zum Anlaß einer Politik mit den Dcutschnationalen zu nehmen. Die Kundgebung des Reichsparteiausschusses kündigt an, daß die Zentrumsfraktion ihr Ziel, eine gesetzgeberische Lösung der F ü r st e n f r a g e herbeizuführen, weiter verfolgen werde. In der Z o l l f r a g e gedenkt das Zentrum, an der handelspolitischen Schwenkung festzuhalten, die es am Ende der Reichstag�esfion eingeleitet hat. Der Abgeordnete Stegerwald führte in seinem Referat aus, daß ein ge» rechter Ausgleich zwischen den geltenden niedrigen Zollsätzen und den autonomen Sätzen gefunden werden müsse. Das bedeutet, daß die Zentrumsfraktion den agrarischen Hochschutzzollforderungen nachgeben will. Der Bruch der Vereinbarungen zwischen den christlichen Arbeitern und der Zentrumsfraktion wird damit besiegelt. Herr Stegerwald ist der Prophet der schutzzöllnerischen Richtung in der Handelspolitik. * Die sogenannte Fraktion d�r„Preußischen A r- beitsgemeinschaft im Staatsrat" veröffentlicht einen Aufruf zur Sammlung der Rechten. Es gehören ihre Mitglieder der Deutschnationalen und der Deut» schen Volkspartei an. In dem Aufruf heißt es: „Wir sind zu einer Einheit miteinander oerschmolzen, die ihr« Anziehungskrast auch auf Mitglieder de» Staatsrates ausgeübt hat, welche— ohne einer der beiden Gründerparteien anzugehören— sich innerlich zu unseren politischen Grundanschauungen bekennen. Auf Srpnd dieser Erfahrung und geleitet von der Anschauung, daß ein« Einschränkung des Parteiulnvesens nur durch Zusammenschluß gleichgerichteter Gruppen unter Verzicht auf oft nur persönlich« Trennungsmerkmal« erfolgen kann und zum Besten unseres Volkes geschehen muß, halten wir heute den Zeitpunkt für ge> kommen, an die im tiefsten Sinne des Wortes staatserhaltenden Parteien die Aufforderung zu richten, sich nach unserem er- probten, mehrjährigen Beispiel zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenzuschließen." Der Aufruf verweist auf die gemeinsamen Grundlagen der Weltanschauung und der politischen Gesamtauffassung, die die Mitglieder der„Preußischen Arbeitsgemeinschaft" geeint habe. Das Wesen dieser Grundlagen ist am besten gekennzeichnet durch die Namen der Unterzeichner. Es haben unterzeichnet: Freiherr v. Gayl, der im Jahre 1923 als Mitglied des vgtschistischen Direktoriums vorgesehen war. und Herr ?ä r r e s, dessen Namen nichts weiter hinzugefügt zu werden braucht. kunügebung öes Neichsausschusses öes Zentrums. Der Reichsparteiausschuß der Zentrumspartei hat auf seiner Tagung folgende Kundgebung beschlossen, in der es heißt: „Die Fürstenc�bfindung, die politische Frage des Tages, ist durch die Wirkung der Wirtschaftsnot und unter den steigenden Sorgen, die auf breiten Massen unseres Volks» lasten, oußerordent- lich oerschärft worden."Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat Ausbau öerveutsihen Kunstgemeinschaft. Von Paul F. Schmidt. Am Sonntag hat die Kunstgemeinschaft ihre zweit« Ausstellung eröffnet, in jenen nicht gerade günstig gelegenen Parterrezimmcrn des Schlosses, zweiter Hof. Man muß sich Mühe geben, sie zu finden, und die Krongutsverwaltung sei höflichst gebeten, ihre Genehmigung zu einem Orientierungshinweis am Eosanderportal zu erteilen. Der fehlt nämlich sehr. Versuchen Sie auch nicht, den Herrn Schloßportier zu fragen: sein Name ist Hase, er weiß von nichts. Um so herzlicher ist jedermann eingeladen, zu kommen, zu be- sichtigen und der Kunstgemeinschaft beizutreten. Hier kann in der Tat auch der Mann mit ganz mäßigem Einkommen Kunstwerke er- werlxn, die ihm gefallen: weniger„auf Abzahlung" als, wie Staats- sekretar Schulz(die Seele des Unternehmens) es launig nennt,„im Abonnement". Man zahlt seine fünf oder dreißig oder achtzig Mark monatlich, und wenn die erste Erwerbung abgezahlt ist, hat man längst eine zweite auf dem Kieker, exhält sie und braucht nur weiter abzuzahlen. Die eine Hauptsache dabei ist: daß die Künstler ihre Preise der heutigen Kaufkraft des intelligenten Deutschen endlich anpassen lernen. In der ersten Schau war noch recht viel zu wünschen übrig geblieben. Diese zweite nähxrt sich aber schon stark dem Ideal: es ist kaum ein Bild über öOO Mark da, die Mehrzahl bewegt sich in den Grenzen zwischen 209 und 400 Mark. Aquarelle zwischen 100 und 200 Mark, Graphik um 2S Mark herum. Die Bildhauer hatten sich von Anfang an auf Billigkeit eingestellt. Jetzt also, da man die Künstlerforderungen auf ein normales Maß gebracht hat, werden Propaganda, Zustrom und Kauflust(hoffen wir) ganz gewaltig an- schwellen. Es wäre der Mühe schon wert. � Der zweite Punkt ist auch nicht unwichtig: man will sich nicht in den Schloßräumen einkapseln. Sie sind als Verwaltungszentrum unentbehrlich, und die Kunstfreunde sollen hier stets verlockendes Material finden. Aber man wird nun auch seinerseits das große Publikum aufsuchen: im Foyer der Volksbühne werdcn ständig Bilder ausgestellt werdcn, und schon haben große und kleine Orte im Reiche lebhafte Neigung bekundet, sich aktiv an der Kunstgemeinschaft zu beteiligen. Es wäre zu wünschen, daß an möglichst vielen Orten auch in Berlin Kunstwerke zum Verkauf gestellt würden, z. B an Stellen aller Warenhäuser, wo der Strom des Publikums vorüber- rauscht. Glücklicherweise braucht man nicht unbedingt in den zweiten Schlaßhof zu gehen, um zu finden, was man gern kaufen möchte. Die Mitglieder der Deutschen Kunstgemeinschaft(werdet Mitglieder! nur solche haben das Kaufrccht) können auch in Kunsthandlungen, Ausstellungen und Ateliers sich ihre Lieblinge wählen und durch chee Gemeinschaft erwerben. Dieser W?g scheint uns der gangbarste und zukunftsvollste, denn erstens hat nicht jedermann immer Gelegen- heil, in den Weiten.Sdzlojjhoj$j pilgern, und Weüenz ijt niäzt. diese Sachlage klar erkannt. Sie hat radikale Forderungen ab- gelehnt, aber alle Kräfte eingesetzt für eine gesetzgeberische Lösung, die vor dem gesunden Rechtsgefühl und dem verarmten Volk oerantwortet werden konnte. Die Zentrums- parte! wollte Recht schaffen. Ihre Bemühungen sind an der Vcr- ständnislosigkeit der Rechten und der Linken gescheitert. Dadurch ist ein Zustand geschaffen, der zu schweren Besorgnissen Veranlas- sung gibt. Die Zentrumspartei ist nicht gewillt, diesen Zustand hinzunehmen. Die Enttäuschung über das unpolitische Verhalten der Flllgelparteien soll und kann uns nicht entmutigen. Die Zen- trumsfraktion des Reichstages wird vielmehr ihr Ziel weiter o e r f o l g e n. Trotz wertvoller Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung dauert die Arbeitslosigkeit und mit ihr die drückende Not von Mil- lionen ungemindert fort. Es handelt sich hier um mehr und um Schlimmeres als eine Krise gewöhnlicher Art. Die Zentrums- parte! ist sich klar darüber, daß mit geldlicher Unterstützung das Uebel der Erwerbslosigkeit nicht behoben werden kann. Nur in der Arbeitsbeschaffung kann das wirksamste Heilmittel liegen. Sie mit größeren Mitteln, in neuen Formen und auf viel breiterer Grundlage durchzuführen, ist die Zentrumspartei gewillt. Sie wird sich mit verstärkter Energie dieser Aufgabe widmen. Die Stellung Deutschlands zu den anderen Staaten und Völkern steht vor einer entscheidenden Wen- dung. Deutschland wird sich jetzt vor schweve Aufgaben gestellt sehen. Die Zentrumspartei hat unbeirrt durch Hemmungen und Störungen der Außenpolitik Wege gewiesen, die heute anerkannt sind und denen niemand mehr ernsthast zu widersprechen wagt. Diese chahrhaft nationale Außenpolitik muß auch im Völker- b u n d e festgehalten werden. Eine solche weitausschauende und der Not unseres Volkes ge- recht werdende Politik ist nur möglich, wenn die innerpolitische Atmosphäre in unserm Volke von allen zersetzenden und vergiften- den Tendenzen gereinigt wird. Damit sind alle Bestrebun- gen unvereinbar, welche die verfassungsmäßige Grundlage und den republikanischen Charakter unseres Volkes antasten und gefährden." Ausammenhänge. Die wahrhast staatsbürgerlichen Kreise. In unserer hastenden Zeit gehen oft leicht Zusammenhänge ver- loren, die wieder zu knüpfen nicht ohne Interesse ist. Im Hitler-Prozeß erklärte der damalige Angeklagte P ö h n e r: ,.K a h r bezeichnete als.die wichtigsten Stellen den Ersatz des Land- � wirtschaftsministers und die Frage der Polizeigewalt. Er sagte, er ' habe früher schon an Gutsbesitzer Hubert von Schilcher als Landwirtschaftsminifter gedacht, der sei aber leider vor einigen Wochen gestorben." Hubert von Schilcher gehörte also nach Aus- sassung Kohrs zu den Zuverlässigen.„Gutsbesitzer von Schilcher war ein intimer Freund" des Reichspräsidenten von Hindenburg, der seinen letzten Erholungsurlaub noch auf dem Besitze der Witwe von Schilcher oerbrachte. Ein weiteres Zwischenspiel aus dem Hitler-Prozeßl „Vorsitzender: Sie haben vorher gesagt, daß eine neue V e r f a s s u n g nicht in München, aber anderswo vorbereitet worden ist. Wo ist das? Zeuge Prof. Bauer: In Berlin wurde sie ausgearbeitet. Vorsitzender: Von wem? Zeuge: In den Kreisen des Alldeutschen Vc r b a n d e s." Bei den letzten Haussuchungen wurde„in den Kreisen des All- deutschen Verbandes" auch so etwa« Aehnlichc» gefunden, was als „Mystifikation" bezeichnet wurde. Sollte es sich etwa um die gleiche oder um eine ähnliche/ geistesverwandte Arbeit handeln? Ein drittes Zwischenspiel aus demselben Prozeß! „Iuslizrot Luetgebrunne oerweift darauf, daß am 21. Ok- tober in einer Münchener Zeitung eine Erklärung der Reichs- flagge, des Bundes Blücher und des Wikingbun- d e s zu dem Plan eines Direktoriums Gayl-Minoux- Oppen veröffentlicht war."— Zeuge kahr erklärte, er habe die Ucberzeugung gehabt, daß entweder der von General Lossow an- gedrohte Weg oder der Weg über ein Direktorium Mi- n o u x- G a y l beschritten werde." gesagt, daß er nur gerade dort das ihm Zusagende findet. Die Orga- nisation aber besorgt ihm auch von irgendeiner anderen Gelegenheit her das Gewünschte zu jener angenehmen Bedingung. Und wird hoffentlich durch ihre Tätigkeit den notwendigen Druck auf alle Künstler ausüben, vernünftige Preise- zu fordern. Von de» Dingen, die diesmal im Schloß ausgestellt sind, braucht keine lange Beschreibung veranstaltet zu werden. Von Liebermann und Orbik angefangen, ist ein gutes Niveau vorhanden, bekannte Künstler wie Dettmann gehen mit der Reduzierung ihrer Preise auf wenige hundert Mark tapfer voran, dos kleine Format, die ange- nehme Technik überwiegt: Sache des Publikums ist es, seine Wahl zu treffen. Als Berater stehen wir ihm gerne zur Verfügung. Die öibliothek öes Deutschen Museums in München. Das größte technische Museum soll, dem Willen seines genialen Gründers entsprechend, auch die größte technische Bücherei erhalten. Geplant ist ja von langer Hand ein Erweiterungsbau vor dem jetzigen Museumsgebäude, die Errichtung einer großen Bibliothek mit. Hör- und Vortragssälen, Lesezimmern, sowie Verwaltungs- bureaus. 6 Millionen Mark waren vor dem Kriege bereits bei- sammen, aber die haben sich verflüchtigt. Geblieben ist nur der Grundstock der Bücherei, die nun in einem Teile des früheren Museumsbaues in der alten Schweren Reiter-Kaserne gegenüber der Museumsinset in sauber hergerichteten Räumen provisorisch unter- gebracht wurde. Am 4. Juli übergab Oskar von Miller diesen viel- oersprechenden und wertvollen Ergänzungsteil des Museum» der öffentlichen Benutzung. Das Souterrain birgt in einem langen Raum etwa die Hälfte der Bücherbestände, die über 100 000 Bände umfassen: der Rest befindet sich noch im Bodenraum. Die Bibliothek ist systematisch dem Grundgedanken des Museums eingeordnet. Sie umsaßt die Gebiete der gesamten Technik, Naturwissenschaften, die Ingenieurkunst in ihren Spezialfächern, parallel zu allen Abteilungen der großen Schausommlungcn, bis zur technisch-belletristischen Literatur eines Jules Verne und Max Eyth. Im ersten Stock wurde ein großer Lese- und Zeitschriltensaal eingerichtet, in dem 040 technische und verwandte Zeitschristen zu- gänglich sind. In kleinen Nebenräumen befindet sich die Katalog- abteilung und ein Raum enthält sämtliche deutsche Patentschriften. Stolz macht der Besitz der in Schaukästen aufbewahrten Hand- schriftlichen Manuskripte und Urkunden von großen Technikern und Erfindern. Besonders sehenswert ist die Schedelsche Weltchronik, die von Lehrern Dürers mit handgemalten Illustrationen versehen ist. Natürlich enthält die Bibliothek auch eine umfassende Biographen- sammlung jener großen Männer. In der Eröffnungsansprache machte Oskar von Miller einige interessante Mitteilungen über die endgültigen Umbaupläne, die wohl noch einige Jahre der Ausführung harren müssen. Der im- posante Bau soll 40 000 Quadratmeter Innenfläche erhalten. Der große Vortragssaal ist für 2000 Personen gedacht. Die Bibliothek wird 100 000 Bände, der Zeitschristensaal 2000, die Archivabteilung 400 000 Bände umfassen. Zugänglich werden durch letztere die Pläne der größten und wichtigsten Bauwerke der Erde: Bahnhöfe, I Ist da, nicht derselbe Herr Gayl, der setzt als Kandidat für das Staatssekretariat des Reichspräsidenten protegiert wird und der einen Aufruf zur Sammlung aller wahrhaft staatsbürgerlichen Par- teien veröffentlicht? Und ein Letztes! „Justizrat kohl: Mit welchen Männern ist in Norddeutsch- land verhandelt worden?— Zeuge v. kahr: M i n o u x, Groß- admrral von T i r p i tz, Admiral S ch e e r und Herr von Knebel." Es ist vielleicht gut, gerade im jetzigen Augenblick die scheinbar zerrisienen Fäden wieder zu knüpfen. Die Alldeutschen haben ihre Gelüste offenbar noch nicht aufgegeben: sie betätigen sich noch an der Fabrikation von Verfassungen— oder ist es immer dieselbe? Die Verbindung zwischen rechtsradikalen und deutschnationalen Kreisen ist nicht erst von heute oder gestern— aber sie ist sehr interessant, wie diese kurze Reminiszenz zeigt. Stahlhelm-Nowüies. Zusammenstöße im Odenwald. Darmstadl. S. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag fand in Gadernheim im Odenwald ein Arbeiter- s ä n g e r fe st statt. Dieses erste Arbeiterfest in dem Oden- waldorte nahm einen sehr blutigen Verlauf. Etwa um 1 Uhr nachmittags erschien von Frankfurt am Main kommend eine Abteilung Stahlhelmer in Stärke von 200 Mann auf drei Last. autos mit Anhängern, schwer bewaffnet und offenbar in der Ab- ficht, das Fest zu stören. Die Stahlhelmleute verwehrten den Fest- teilnehmern am Ortseingang den Weitermarsch. Dabei kam es zu einer Ansammlung der Festteilnehmer, die durch die provozierenden Rufe der Sahlhelmer sehr gereizt wurden. Die Stahlhelmer fühlten sich bedrängt und gaben zunächst blinde S ch 2 s s e ab. Die Bc- satzung der beiden anderen Autos schwärmte in Schützen- l i n i e aus und eröffnete das Feuer. Die Erregung und die Wut der Festteilnehmer und Ortseinwohner wurde dadurch sehr gesteigert und sie warfen mit Steinen, Knüppeln und allen habhaften Gegen- ständen. Es wurden etwa 60 Personen von den Festteilnehmern durch Schüsse verwundet. Eine Frau erhielt einen Bauch- schuß, so daß an ihrem Aufkommen gezweisest werden muß. Die Polizei nahm die Stahlhelmer in Schutzhast. Die Beisetzung der Breslauer Opfer. Breslau. 5. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Bestattung des vom Stahlhelm ermordeten Breslauer Genossen D o k t r gestaltete sich zu einer machtvollen Kundgebung gegen die Mord- Methoden der rechtsradikalen Verbände. Tausendc von Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei und ein großer geschlossener Zug des Reichsbanners hatten sich eingefunden. Auch die Kommunisten schlosien sich mit kleinen Trupps dem Totenzug an. Der Zug, der den ermordeten treuen Republikaner und Parteigenosien zur letzten Ruhe begleitete, dauerte über eine Stunde lang. Auch die b ü r g c r- l i ch e Presse hatte, soweit sie nicht den rechtsradikalen Ver- bänden dient, die Bluttat des Stahlhelm» scharf miß- billigt, so daß die Stahlhelmleute in den letzten Tagen sich ösfent- lich mit ihren Abzeichen kaum hervorwagten. Ter Schießheld freigelassen. Breslau. S. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Stahlhelm- mann, der unseren Genossen erschossen hat, ist vom Untersuchungs- richter bezeichnenderweise bereits am vorigen Donnerstag, noch be- vor der Tote begraben war. freigelassen worden. Infolge der ungeheuren Erregung, die in breiten Kreisen der Breslauer Be- völkerung gegen den Schützen herrscht, der bereits einmal einen Gewerkschaftsangestellten in Breslau bedroht hat und damals von der Justiz ebenfalls in Schutz genommen worden war. wurde der Stahlhelmmann zwei Tage von der Polizei in S ch u tz h a f t ge- nommen. Dann durfte er aber auf dem Verwaltungswege nicht länger inhaftiert werden, so daß er jetzt wieder frei herumläuft. Zoan de Zusth, der Bethlen im Dölkerbundsgebäude ohrfeigte, ist nach Hinterlegung einer Sicherheitsleistung von 2000 Franken auf freien Fuß gesetzt worden. Tunnels usw. Besondere Zeichnerplätze und eine Handbibliothek werden zum eifrigen Studium bereitgestellt. Einstweilen ist das Projekt nur theoretisch in den Gedankengängen des Schöpsers da. Aber ebenso wie ihm die Vollendung des Museums endlich gelang, zweifeln wir nicht, daß er auch dieses einzigartige Werk verwirk- lichen wird.__' Z.| Die Berliner Kunstausstellungen 1327. Dem Preußischen Presse- dienst wird amtlich gemeldet: In der Oessentlichkeit und im Preu- ßischcn Landtag ist von Jahr zu Jahr der Wunsch laut geworden, es möge der Juryfreicn Kunstschau ermöglicht werden, ihre Aus- stellungen im Landesausstellungsgcbäudc vor Eintritt der kalten Jahreszeit zu eröffnen. Die zu diesem Ziele eingeleiteten Verhand- lungen zwischen den Ausstellungsoerbänden haben leider auch in diesem Jahr zu keiner Verständigung innerhalb der Künst- l e r s ch a f t geführt. Die Kunstverwaltung hat sich deshalb ent- schlössen, im Jahre 1327 die Ausstellungsgebäude vom Frühling bis Mitte Juni der Juryfreien Kunst schau, von Mitte Juni bis zum�Spätherbst der Großen Ber- liner Kunstausstellung zur Verfügung zu stellen. Hauptmann»„versunkene Glocke" als Oper. Der römische Komponist Ottorino R e s p i g h i, dessen Oper:„Belsagor" kürz- lich in Hamblzxg und Düsseldorf mit starkem Erfolg über die Sccne ging, hat eine neue Oper vollendet, der Gerhart Hauptmanns„Ver- sunkene Glocke" als Text zugrunde liegt. Die fünfaktige Dichtung ist von Claudio G u a st a l l a auf vier kurze Akte zusammen ge- zogen worden, die das lyrisch-romantischc Element in den Mittel- Punkt rücken. Das Werk wurde zur Uraufführung am Hamburger Stadttheater erworben: die Partitur erscheint in dem Verlage Bote und Bock in Berlin.' Die Slagemauer ln Jerusalem vor dem Völkerbund. Zu den eigenartigen Ausgaben, die dem Völkerbund im Laufe der Zeit zu- fallen, gehört jetzt eine Klage der jüdischen Einwohner von Jerusalem. mit der sich die Mandatskommission zu beschäftigen hat. Die frommen Juden, die täglich die berühmte Klagemauer in Jerusalem aufsuchen, hatten sich angewöhnt, zu ihrer Bequemlichkeit kleine Stühle mitzubringen. Die Moscheeverwaltung, der das Grundstück gehört, schritt dagegen ein, weil sie befürchtete, daß es dabei nicht bleiben und daß schließlich ein ganzes Haus um die Klagemauer gebaut würde. Die Mandatskommission soll jetzt entscheiden, öb die Stühle zuläsiig sind. Kraft Kardt. der frühere Weimarer und Kölner Intendant, ist zum Leiter der Westdeutschen Funtstunde A.G. Münster ernannt morden, deren Sitz demnächst mit der Errichtung des grojzen Nheinland-Westfalen-Tender» von Münster nach Köln verlegt wird. Zum Ivo. Todestage vou Pestalozzi am 27. stebniar tS27 werden in der Schweiz eine Anzahl Gedenkfeiern vorbereitet, darunter eine Hauvtseier in Brugg, dem Stecbeorte Pestalozzi«, serner öffentliche allgemeine sleicrn in allen Orten und Schulen der Schwei,. Auherdcm ist die Herausgabe eine« Volksbuches und eine« VolkSkalenderS geplant. Spielzeugausstellung in Itüruberg. In Nürnberg wird im Juli in der Städtischen KunnauSstellungShalle eine SpielzeugauSstellung siattsinden. Die Stadt bat 5000 N. zu diesem Zweck bewilligt. Eine ArbeilSgemeinschast für Spielzeuggestaltung wird den Werdegang der.fränkischen Spielzeug, ndustric und der jränkijchen und der thüringjchcn Erzeugnisse zur Aus, stcllung bringen. Der Wolkenbruch über Herlin. Nicht nur in Woltersdorf, sondern auch in Rahnsdorf. Fried richshagen. Köpenick und weiter hinüber bis Grünau tobte das Unwetter mehrere Stunden lang mit unverminderter Gewalt. Blitz auf Blitz. Tonner auf Tonner folgte, es schien, als sei der ganze Himmel auf die Grde losgelassen. Ueberall waren Wege. Straßen und Wiesen teilweise bis zu einem Meter Wassertiefe überschwemmt. Die Chaussee nach Kalkberge war derart überschwemmt, daß die Krankenwagen, die nach Woltersdorf zu Hilfe eilen wollten, die Chaussee nicht passieren konnten und um- kehren mußten, um über Erkner das Krankenhaus in Köpenick zu erreichen. Aber auch in Erkner stand das Wasser teilweise bis zu einem Meter hoch. An den Bahnstationen Rahnsdorf und Friedrichs- Hägen, die besonders tief liegen, nxiren die Unterführungen und Seitenstraßen derart überflutet, daß es den vielen Taufenden' nicht gelang, in den JBahnhof zu gelangen. In Köpenick und anderen Stationen der Strecke wiederholte sich dasselbe Bild, ungeheure Wassermengen versperrten den Weg zu den Bahnsteigen. Aber auch andere gewaltige Ueberschwemungcn wurden an vielen Stellen ver- ursacht und haben unabsehbaren Schoden angerichtet. In Rahns- darf trat der Müggelsee über die User und überschwemmte die tiesliegende Ortschaft weithin. Mit am schlimmsten neben Wollersdorf wurde Kalkberge von dem Unwetter heimgesucht. Wiesen und Aecker waren überflutet und zahlreiche Keller stände unter Wasser. Zu allem Leidwesen wurde noch die elektrische Leitung zer- stört, so daß Kalkberge und Woltersdorf ohne Strom waren. Ein Wasserrohrbruch in Kalkberge sorgte noch dafür, daß auch die Wasserzusuhr abgeschnitten wurde. Die Waldungen bei Grünau. Spindlcrsseld und Köpenick waren überschwemmt und sogar in Ober- schöneweide glichen die Straßen zeitweise riesigen Seen. Aus den Bahnhöfen selbst, soweit es einigen gelang, dorthin zu kommen. spielten sich die merkwürdigsten Situationen ab. In Badeanzügen, Kleiderpakete unter dem Arm oder mit entblösten Füße und hoch- gesteckten Kleidern oder chosen kam alles im Sturmschritt gelausen, um dem Unwetter z» entgehen. Nach dem Wolkenbruch, der gegen 'A8 Uhr sein Ende nahm, waren auf den Wegen und den Straßen, in Wäldern und Wiesen die merkwürdigsten Dinge zu finden. Dort lag ein nasser Damenstrumpf, hier ein Stück eines Sommerlkeides, dort ein chut, ein zerbrochener Regenschirm und ähnliche Dinge, die aus der Flucht verloren gegangen waren. Die Feuerwehr der umliegenden Ortschaften versuchte überall rettend einzugreifen, konnte aber recht wenig zur Behebung oder Linderung der Katastrophe tun. Auch Wilhelmshagen wurde von dem Unwetter schwer heimgesucht. Durch den wie aus einer geöffneten«chleuse niedergehenden etwa drei Stunden anhaltenden Wolkenbruch wurden in einer knappen Stunde zahlreiche Erdgeschoßwohnungen unter Wasser gesetzt. Unaufhörlich heulten die Sirenen, chilfe herbeirufend, da die Ortsfeuerwehr dieser Wassernot nicht gewachsen war. Die herbeigeeilte Berliner F e u e r w e hr hatte olle Hände voll zu tun, um wenigstens d-m am schwersten Bedrängten Hilfe zu leisten. Es gelang ihr, den unter Wasser stehenden.T u n n e l des Bahnhofs leer zu pumpen, ebenso zwölf Erdgeschoß- wohnungen. Einer großen Bäckerei sind sämtliche im Keller lagernden Mehloorräte verdorben, und die Backanlagen schwer mit- genommen worden. Ueberall sah man Hausbewohner, die im Badeanzug mit Eimern und ähnlichen Geräten ihre Keller leer schöpften, da die Feuerwehr nicht zu gleicher Zeit allen Hilfe leisten konnte. Vielen Inhabern von Wassergrund- stücken war es fast unmöglich, von ihren Grundstücken aus den Heimweg anzutreten, da die Wiesen, die die Grundstücke umsäumen, unter Waücr standen. Die Spree war in ungefähr einer Stunde um etwa 25 Zentimeter gestiegen, so daß die Bootsstege vieler Grundstücke unter Wasser standen. Mit Paddel- und Ruderbooten versuchte man, über die überschwemmten Wiesen hinweg passier- bares Gelände oder die Spree zu erreichen. Den Bahnhof Wilhclmshagen konnte man ebenfalls nur auf Umwegen er- reichen, da einzelne Straßen, besonders die zum Bahnhof direkt führende Wilhelmstraße, Sturzbächen glichen. Die lairgjährigen Bewohner und Anlieger Wilhelmshagens erklärten, ein solches tata- strophales Unwetter noch nie erlebt zu haben. * Woltersdorfer.Schleuse ist einer der beliebtesten Ausslugsorte der Berliner. Sonntag für Sonntag find die Züge nach Erkner überfüllt. Von Erkner gehts zu Fuß am Flakensee entlang noch Woltersdorfer Schleuse. Der Ort Woltersdorfer Schleuse liegt eingeklemmt zwischen dem Flakensee, Kalk- s e e und den Kranichbergen. Fast alle Häuser sind zu Lokalen ausgebaut. Ein Promenadenweg schlängelt sich vom Flakensee an der Schleuse entlang, dann über die Schleusenbrücke in zahlreichen Windungen aus den Kranichberg. Kurz hinter der Schleusenbrücke dicht am Fuße des Kranichberg liegt„Günthers Hotel" zum Kranichberg. Im Garten des Hotels liegt die Kegelbahn, die in 20 Meter Länge direkt bis zum Abhang führt. Die Steinmauer auf der dem Abhang zugelegenen Seite der Kegelbahn ist teilweise in den Abhang hineingebaut. Aus der anderen Seite wird das Dach der Kegelbahn— wie alle offenen Bohnen— nur durch Streben gestützt. Mit dem Fortreißen der Steinmauer war naturgemäß die stärkste Stütze des Daches ge- nommen. Der Unglückssonntag. Außer der Katastrophe von Woltersdorf vervollständigte eine Reihe von tätlich verlaufenen Wasserunfällen das Bild eines Berliner Unglückssonntoges. So e r t r a n k in der Nähe der Militärbadeanstalk in Plötzensee der 64jährige Kassenbote August A h b e ck aus der Seestraße. Wahrscheinlich hat A. einen Herzschlag erlitten. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Fast zur gleichen Zeit gegen mt Uhr vormittags ereignete sich in O b e r s ch ö n e w e i d e im Freibad ein weiterer Badeunsall. Der Tischlerlehrling Karl G ü t s ch e aus der Oppelner Straße 8 versank plötzlich in den Fluten. Trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen von Ausflüglern und sofortigen Eingreifen des Reichswasserschutzes konnte der jung« Mann nicht ge- rettet werden. Sein« Leiche wurde noch nicht geborgen. Ein Bootsunsall ereignete sich in den Abendstunden im Flakensee. Ein Ruderboot, das mit vier Personen besetzt war, wurde von einem Motorboot gerammt, so daß sämtliche Personen ins Wasser fielen. Drei Personen tonnten gerettet werden: die vierte, ein Kaufmann Erich Papenfuß aus der Dolziger Srahe in Lichten- berg, ertrank._ die Unwetterkatastrophe im Riefengebirge. Ueber die Unwetterkatastrophe im Riesengebirge werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Am ärgsten wütete das Unwetter in G i e r s d o r f, das ein schreckliches Bild der Zerstörung bietet. Um 11'A Uhr nachts wurden die Bewohner durch Glockenläutcn aus dem Schlafe geweckt. Das kleine Giersdorser Wasser brachte in wenigen Minuten eine Un- menge' von Geröll, von großen Steinen und Felsblöcken zu Tal. Die Katastrophe ist noch viel schlimmer, yls die vom 30. Juli 1897. Mehrere Häuser, die nicht weit vom Ufer stehen, sind teilweise fortgerissen, so daß man durch die klaffenden Lücken in das Innere fehen kann. In Hermsdorf wurde die Brücke gegen 1 Uhr mittags von Hirschberger Jägern gesprengt. Die Nachricht, daß fünf Menschenleben der Katastrophe zum Opfer gefallen sind, scheint sich glücklicherweise nicht zu bestätigen. Bisher steht nur fest, daß zwei Frauen ihr Leben eingebüßt habe<,. Die Befürchtung, daß am Sonnabend ein neues Hochwasser eintreten würde, hat sich zum Glück nicht erfüllt. Der Sonntag war ein heißer, wunderbarer Sommertag, so daß sich die Walser zum größten Teil verlaufen haben. In allen vom Hochwasser.bettoffenen: Orten ist man eifrig bei den ersten Notstandsarbeiten. * Auch aus anderen Gebieten Deutschlands kommen Schreckens Nachrichten von Ueberfchwemmungen, besonders wieder aus 8e< Magdeburger Gegend, au» koburg und aus P a s s a u. Mit dem letzteren kommt jetzt auch noch das Donaugebiet hinzu. Ruth Zischer exkommuniziert. Die Tragikomödie ihrer Heimkehr. Wir haben vor einiger Zeit mitgeteilt, daß die„große Führerin des revolutionären Proletariats", die sozusagen zweite Rosa Luxemburg, die große Ruth Fischer, heimlich auf Schleichwegen von Moskau nach Deutschland zurück- gekehrt ist. Jetzt bestätigt die„Rote Fahne" durch die Ver- vffentlichung eines Beschlusses der Moskauer Exekutive, daß diese Rückkehr Ruth Fischers gegen den Willen der Moskauer Gewalthaber erfolgt ist, die in diesem Fall, da es sich um ein Mitglied des Deutschen Reichstags handelte, nicht in der Lage waren, die üblichen polizeilichen Zwangsmaßnahmen anzuwenden. Aber: d e r B a n n- strahl folgt der Sünderin auf dem Fuß. Die „Rote Fahne" veröffentlicht ihn vorsichtshalber versteckt in der Beilage. Es ist, als ob sie selbst über solch ein Dokument der Schande Scham empfände. Wörtlich heißt es: Seschluß über Sie Angelegenheit Ruth Zifcher. Gemeinsam vorgeschlagen von den Delegationen der KPD. und der KP. d. EU. beim EKKJ., einstimmig angenommen vom Präsidium des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale. Das Zentralkomitee unterbreitet nachstehend der Parteimitglied- schast einen Beschluß des Präsidiums des Exekutivkomitees der Kom- muniftischen Internationale, der sich mit dem unkommunistischen Verhallen der Genossin Rulh Fischer beschäftigt, und aus diesem Grunde der Genossin Ruth Fischer bis zur Tagung des nächsten Plenums der Erweiterten Exekutive die Ausübung der Rechte einer Kandidatin des Exekutiv- komitees verbietet. Das Zentralkomitee wird in seiner nächsten Sitzung zu der Angelegenheit Stellung nehmen. 1. Das Präsidium des EKKJ. stellt fest, daß die Genosiin Ruth Fischer unter Bruch des Beschlusses des Präsidiums der KZ. vom 31. März 1926(Protokoll Nr. 55§ IIa) und des Beschlusses der Kommission des Sekretariats des EKKJ. vom 5. Juni 1926(Protokoll Nr. 19§ 19) nach Deutschland gereist ist. Diese Handlung stellt eine grobe und bewußte Verletzung der internationalen und der varteidisziplin dar. 2. Infolgedessen beschließt das Präsidium des EKKJ., die Ge- nosjin Ruth Fischer von ihren verantwortlichen Funktionen in der Komintern zu entheben, d. h. verbietet ihr bis zum Er- weiterlen Plenum des EKKZ. jegliches Austreten sowie jede Arbeil in ihrer Eigenschaft als Kandidatin des EKKZ. 3. Dem ZK. der deutschen Partei wird, was Deutschland anbetrifft, empfohlen, Maßnahmenzuergreifen.die nach seinem Dafürhalten notwendig sein werden. 4. Die Genossin Ruth Fischer wird davon in Kenntnis gesetzt, daß im Falle weiterer Disziplinbrüche ihrerseits die Komintern sich veranlaßt sehen wird, noch strengere Maßnahmen zu er- greifen. 5. Den Zentralkomitees aller Sektionen der Komin- tern ist von diesen Beschlüssen Kenntnis zu geben. Zur Begründung: Der Beschluß des Präsidiums des EKKJ. vom 31. März 1926 lautet: „Der Vorschlag des Genossen Kornblum, daß die Genossin Ruth Fischer jetzt nicht in die deutsche Arbeit zurück- kehren soll und daß die Frage ihrer Verwendung vom Sekretariat zu entscheiden ist, wird angenommen." Der Beschluß der Engeren Kommission des Sekretariats des EKKJ. vom 5. Juni 1926 lautet: ..... Die Genossin Ruth Fischer wird darauf aufmerksam gemacht, daß, falls sie ohne einen Beschluß des Präsidiums des EKKZ. nach veulschland abreisen wird, dies als ein Disziplinbruch, sowohl gegenüber der KPD. al» auch gegenüber der KZ. betrachtet wird." Moskau, den 22. Juni 1926. Es fehlt nur noch der Hinweis, der in Steckbriefen üblich ist, daß die Deliquentin beim ersten öffentlichen Auf- treten„f e st z u n e h m e tt und den Behörden vorzu- führe n" ist. Diese Knechtschaft unter den Moskauer Ge- walthabern soll das Ideal der d e u t s ch e n Arbeiterbewegung sein? Wir danken bestens! Geheimrat wieüfelöt gestorben. Krupp-Tirektor und Botschafter in Washington. Esseu, S. Juli.(TU.) Heute vormittag verschied in Essen in seinem Prioathause nach langer schwerer Krankheit vr. h. c. Otto W i e d f e l d t, erster Direktor der Friedrich Krupp A.-G. und ehemaliger Botschafter in Washington. Dr. Wiedfeldt, der erst im SS. Lebensjahr stand, litt seit längerem an Blutversetzung. Er hatte sich in den letzten Wochen in St. Moritz (Schweiz� zur Kur ausgehalten, die zunächst auch das Befinden ge- bessert hatte, jedoch stellt« sich in den letzten Wochen eine zunehmende Verschlechterung des Gesundheitszustandes ein, so daß bereits mehr- fach Blutübertragungen vorgenommen werden mußten. * Dr. Otto Wiedfeldt war unzweifelhaft einer der führenden Köpfe der deutschen Wirtschaft. Aus der Ver- waltungstarriere hervorgegangen, die ihn auch in ferne Länder— Ostasien und Amerika— geführt hatte, war er zuletzt Leiter der deutschen Wirtschaftsdelegation bei den Berhandlungen mit der Ukraine in Kiew im Sommer 1918. Dann trat er in das Direktorium der Krupp-Gesellfchaft ein und war an der Umstellung dieser Riesenrüstungswerke in die Friedensproduktton hervorragend beteiligt. Bald wurde er der leitende Kopf von Krupp. Als Sachverständiger zu den Berhandlungen von Spa im Juli 1920 zugezogen, stand er dort auf der Seite von Stinnes gegen Rathenau und Dern- bürg, als es sich darum handelte, zu den Kohlenförderungen der Entente Stellung zu nehmen. Im allgemeinen war er aber im Gegensatz zu Stinnes und den weiteren Ruhrindustriellen kein politischer und sozialer Scharfmacher. In den Reichsdienst kehrte er zeitweilig.zurück, als er im Jahre 1922 den Botschafterposten in Washing- ton einnahm. Im allgemeinen hatte er dort eine glückliche Hand bei der Wiederanknüpfung der deutsch-amerikanischen Beziehungen, beging jedoch den sonderbaren Fehler, beim Tode Wilsons als einziger ausländischer Vertreter nicht halbmast zu flaggen. Dadurch wurde der größte Teil seiner bisherigen diplomatischen Erfolge wieder verdorben. Bald danach kehrte- er. übrigens auf dringenden Wunsch der Krupp-Werke, die ihn in der Stabilisierungszeit nicht entbehren konnten, nach Deutschland zurück und übernahm wieder die Leitung des Essener Großunternehmens. Wiedfeldt gehörte der Deutschen Bolkspartei an._ flbü el Krim muß nach Madagaskar. Pari». 5. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Dem„Matin" zufolge hat der Generalgourerneur Steeg seine Zustimmung zur Inter- nierung Abb el Krim» mit seiner Familie in Madagaskar erteilt. 1 Ein verhängnisvoller Mißgriff. Den Freund durch ein falsches Mittel, vergiftet. Durch einen Fehlgriff in der Wahl eines Hilfsmittels ver- giftete gestern nacht der Lagerarbeiter Bruno Sch. den Kaufmann Fritz I. aus Kaulsdorf. In dem Lokal von Mattschoß in der Kurfürstenstr. 89 pflegt sich ein großer Bekanntenkreis von Angestellten der Siemens- W e r k e zu treffen. Gestern abend war auch Bruno Sch., der Lager- arbeiter im chemo-technifchen Bureau der Werke ist, mit seinem Bruder dort erschienen. Gegen 11 Uhr kam I., der früher ebenfalls bei Siemens beschäftigt war, dann aber abgebaut wurde. Er setzte sich an den gemeinsamen Tisch. Es fiel allgemein auf, daß I. sehr still war und sich wenig an der Unterlzaltung beteiligte. Als man ihn fragte, erklärte er, daß er sich sehr unwohl fühle. Trotzdem bestellte er sich ein neues Glas Bier. Anscheinend hat er Sch. gebeten, ihn, etwas zu geben, damit sein Befinden sich bessere. Alle sahen nun, wie Sch. in das Glas ein weißliches Pulver schüttete. Gleich nachdem I. von dem Bier getrunken hatte, sprang er plötzlich auf und ging taumelnd zur Toilette, wohin Sch. ihm erschrocken nachlief. Hier brach der Leidende zusammen. Seine Freunde brachten ihn in einem Auto nach der Rettungsstelle am Zoo. Die Acrzte stellten hier eine Vergiftung fest und brachten den Sterbenden nach dem Kranken- haus Westend. I. verschied schon auf dem Transport. Sch. war auf der Rettungsstelle am Zoo von den anderen noch gesehen worden. Später vermißte man ihn. Er muß in der allgemeinen Ausregung davongelaufen sein. Man vermutet, daß er sich in der Verzwcijlung über seinen Mißgriff das Leben genommen hat. Eröffnung des VolksparkS Wuhlheide. Berlin ist nicht allzu reich an Freiflächen, auf denen sich die Jugend tummeln kann und die kleinen Buddelfritzen ungestört und ohne Furcht vor dem Wächter Sandburgen bauen können. Im Südosten Berlins, in O b e r s ch ö n e w e i d e ist jetzt aus dem ehemaligen Waldgebiet der Wuhlheide ein Volkspark geschaffen, der gestern eröffnet wurde. Im langgestreckten Gebiet der Wuhlheide waren ehemals feuchte Wiesen der Rohrlake, die jetzt zu Sport- und Spielwiesen umgestaltet wurden. Inmitten dieser Wiesen sind zwei Terrassen entstanden, die, umrahmt von Rosenpslanzungen, mit Blumenlauben und Unterkunftshallen versehen werden sollen. Eine P l a n s ch w i e s e und ein riesiger Buddelplatz ist für die Kinderwelt geschaffen. Eine kleine Anhöhe mit den dazu nötigen Anlagen soll im Winter Betätigungsfeld für den Rodelsport werden. Umgeben von einem Heckengarten, liegt inmitten des Volksparks die Freilichtbühne für die Feste der Jugend. In seinen Begrüßung?- warten wies Bürgermeister G r u n o w auf die erheblichen Schwierigkeiten hin, die sich bei Umgestaltung des Platzes ergaben. Nur Teile von dem was wir schaffen wollten, sind bis jetzt fertig. Ein sportlicher Uebungsplatz soll noch unweit des Stern- Platzes entstehen. Ein Sporthaus in seiner Nähe, dicht bei der großen Sportwiese, soll alle erforderlichen Einrichtungen erhalten. die der Sportbetrieb aus den Plätzen mit sich bringt. Von Wald dicht umgeben, wird hier ein Tummelplatz, ein Lagerplatz für Jung und Alt. eine Waldwiese angelegt. Nicht fern der Trcsckowallee, nahe der späteren Hochbahn, ist ein W a l d t h e a t e r mit Natur- b ü h n c geplant, das auch als Waldschule benutzt werden kann. Das in der Nähe gelegene alte Forsthaus soll in seinem ländlichen Charakter erhalten bleiben und als Milchwirtschaft Verwendung finden, es soll ein Musterbetrieb für landwirtschaftlichen Unterricht für Schulen werden. Die Erschaffung des Parks hat mehreren hundert Arbeitslosen Beschäftigung gegeben, und auch weiterhin sollen die noch auszuführenden Arbeiten als Notstandsarbeiten aus- geführt werden. Das verregnete Ffnlkenöerger Volksfest. Pünktlich um 3 Uhr setzte ein nicht programmäßiger Wolken- bruch ein, der sich schon vorher durch Blitz und Donner und zeit- welligen Regen angekündigt hatte. Die Miniatursintflut machte den Festplatz in der Gartenstadt Folkenbcrg zur Badeanstalt, ließ reißende Bäche von den Höhen hinunterschießen und dem Vater Tautz, den Manager des schon traditionell gewordenen Festes, die so schön ausgedachten Pläne daoonschwimmen. Stundenlang goß es. Ein Glück nur, daß der nasse Kladderatsch herunterkam, ehe der Festzug von Narr, Tod und Leben sich entwickelte: denn der halbe Weg vom Bahnhos zum Festplatz genügte trotz Regenschirm und Windjacken vollständig, um nach besten Waschsraubegrifsen aus- geweicht zu werden. Endlich kam die liebe Sonne wieder heraus und die wenigen Dagebliebenen erfreuten sich an Karuffelfahren, Marionettentheater und den Liedern des Jungen Chors unter Heinz Tiesfen, so daß wenigstens ein kleiner Teil des Verheißenen noch Wirklichkeit wurde. Am nächsten Sonntag, den 11. Juli, wollen die Falkenberger den Kampf mit dem Wetter noch einmal ausnehmen, der Festzug und all das andere soll dann Wirklich- teit werden. Darunter ist neben dem großen Festzug, dem Sprech- chor der Bolksbühne, dem Jungen Chor, musikalischen Darbietun- gen, Kasperletheater, dem Freilustkabarett Erich Weinerts und so vielen anderen ein noch geheim gehaltener künstlerischer Abschluß am Abend, der sicher eine außerordentlich starke Wirkung und eine wirkliche Festgemeinschast hervorrufen wird, wenn nicht ein neuer sonntäglicher Wolkenbruch alles zunichte macht. Die Arbelt der Wohnungsämter. Nach den Feststellungen de« Statistischen Amts der Stadt Berlin haben die Wohnungsämter der Bezirke im Monat März d. I. 2229 Wohnungen Wohnungsuchenden zugewiesen._ Schweres Motorbootunglück auf dem Bodensee. Konstanz, 5. Juli. Gestern nachmittag ereignete sich auf dem U n t e r s e c ein schweres Motorbootunglück, dem bisher fünf Personen zum Opfer sielen. Vier Ehepaare aus Tuttlingen, die einen Sonntagsausslug nach der Insel Reichenau unternahmen, bestellten ein Motorboot zur Ueberfahrt nach dem schweizerischen Ort Mannenbach. Etwa 300 Meter vor Mannenbach ging das Boot plötzlich unter. Vier Personen ertranken, ehe Rettung kam, ein Herr erlitt nach der Rettung einen Herzschlag, eine weitere Person schwebt in Lebensgesahr. Das Unglück ist aus das Treiben eines übel beleumdeten Menschen zurückzuführen, der ohne Fahr». patent die Ueberfahrt mit einem alten Motorboot bewerkstelligte. Das Boot war ossenbar leck oder überladen. wiensahrer de» Reichtdaaner». Kameradsckalt Krcuzberg. Dienstag. den S. Juli nachmittag« zwifchen 6'/, und 7>/, Uhr, Ausgabe der Fahr- karlen und Richtlinien an alle Wiensahrer bei Bieler. Dieffenbachstr. 76. Der engere Borstand, Abteilung«, und JunzmannschastSsilhrer('Vertreter) müssen unbedingt anwesend sciu. OeWerMastsbeVegung ?nt?rvatkona!e Hilfsaktionen. Lei gewerkschaftlichen Kämpfen. (ZGB.) Die Internationalen Gewerkschaftskonferenzen von Budapest und Zürich haben betreffend Vornahme internationaler Hilfsaktionen nachstehende Bestimmungen aufgestellt, die heute noch in Kraft sind: l. Handelt es sich um eine größere Bewegung eines ein- z e l n c n Berufes, so ist das betr Internationale Berusslekretariat die zuständige Stelle, um die ihm o n- geschlossenen Organisationen zur Unterstützung auf zufordern. Ein Recht, über diesen Kreis hinaus Sammlungen vorzunehmen, steht den'Internationalen Berufssetretariaten nicht zu. 2. Sind die eigenen Berufsgenossen nicht imstande, eine Be- wegung allein zu unterstützen, und wünschen sie eine Unter- stützuna der gesamten internationalen Arbei- terschast, so ist ein darauf bezüglicher Antrag von der Landeszentrale des in Betracht kommenden Landes beim Vorstand des IGB. zu stellen. 3. Im allgemeinen sollen internationale Unterstützungsaktionen nur dann eingeleitet werden, wenn gleichzeitig mehrere Berufs- oder Industrieverbände in wirt- schastliche Kämpfe verwickelt sind. Rur in Ausnahmefällen soll auch dann eingegriffen werden, wenn' nur ein einzelner Beruf in Frage kommt. Auf den englischen Bergarbeiter st reik übertragen bedeutet dieses, daß die Unterstützungsaktion für die englischen Berg» arbeiter die Aufgabe des Internationalen Sekretariats der Berg- orbeiter ist, wobei es sich in den im Z 1 gezogenen Grenzen zu holten hat. Soll darüber hinaus eine allgemeine internationale Aktion unternommen werden, so muß dieses von der englischen Landcszentrale beim Internationalen Gewerkschaftsbund beantragt werden. Falls ein solcher Antrag beim IGB. einläuft, hat dieser die Pilicht, die Unterstützungsoktion einzuleiten und wird selbstver- ständlich dieser Pflicht gerne nachkommen. Die Unterstützungscktion, die sür den englischen Generalstreik eingeleitet wurde, war mit dessenAbschluß zu Ende. lieber das Ergebnis dieser Aktion wird wie üblich nach Eingang der letzten Beträge öffentlich Rechnung gelegt werden, wobei sich herausstellen wird, daß alle Länder, die dazu irgend imstande waren, ihre Solidaritätspflicht in glänzender Weife erfüllt haben. Neichskonferenz üer Süßwarenarbeiter. Abwehr von Tarifverschlechterungen. Dem..Zuge der Zeit" folgend, hat auch der Arbeitgeber- verband der Süßwarenindustrie(Sitz Dresden) den Reichs- tarif zum 31. August gekündigt, um wesentliche Vcr- fchlechterungen durchzusetzen: die S4-Stundenwoche statt 48stündige, obendrein seckis Mehrftunden wöchentlich, Kürzung der Zuschläge für Ueberstunden, Sonntag?- und eventuelle Nachtarbeit, Fortfall der Feiertagsbezahlung(sechs Tage im Jahr), Ferienkürzung auf die Hälfte, Wiedereinführung des Prämien- und Zwischenmeistersystems und was sonst noch alles an Benachteiligung der Arbeiter erdenk- lich war. Die Arbeitnehmervertreter der Branche waren am 27. Juni in Hamburg mit dem Derbandsvorstand und den Bezirksleitern des Deutschen Nahrung?- und Genußmittelarbeiterverbandes zu einer Konferenz zusammengekommen, um sich mit dem Vorstoß der Unternehmer zu beschäftigen. In vier Referaten wurden die Dinge, um die es sich hier dreht, geklärt. Die Aussprache führte zu dem Ergebnis, die Pläne der Unfernshmer entschieden zurückzuweisen. Es wurde als�geradezu frandalö's empfunden, daß in der noch gut gehenden Schoko- l a d e n i n d u st r i e der Achtstundentag beseitigt, die Ferien ab- gebaut, und die sozialen Bestimmungen des Tarifs beseitigt werden fallen. Dem Verbandsvörstande und den Zentralausschußmitgliedern wurde sogar der Vorwurf gemacht, stets zu nachgiebig gegen die- llnternebmerscharfmacher und ihre Syndizis gewesen zu sein. Ebenso wurde dem- Verbandsvorstond vorgeworfen, daß er nicht bedeutend weitergehende Gegenanträge über einen neuen Tarif der Konferenz vorgelegt, sondern sich darauf beschränkt habe, neben einigen un< bedingt notwendigen Verbesserungen den alten Vertrag zu ver- leidigen. Es wurden in diesem Sinne mehrere Forderungen auf- gestellt. Die Konserenz kam ,zu dem festen Entschluß, falls der„Dabu" (Arbeitgeberbund) an seinen Absichten festholten sollte, sich auf einen Kampf einzustellen. Die Entschließung verwarf das Lohndiktat des „Dabu" und fordert zum lückenlosen Ausbau der Organisation auf, um zu gegebener Zeit den Unternehmern die gehörige Antwort zu geben._ Keine Ruhlanddelegation des ATB. Wir werden um folgende Feststellung ersucht: Die„Rote Jahne" brachte in Nr. 146 vom 26. Juni in Fettdruck folgende Notiz: Ruhlanddelegakion. Der Ortsausschuß des ADB. Berlin schickt seinen 1. Vorsitzenden nach Rußland. In Berlin wurde der 1. Vorsitzende des Ortsausschusies des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes, der Kollege K ö r b e r, einstimmig von seiner Organisation beauftragt, an der Rußland- deletzation teilzunehmen. Der Kollege Körber ist ein altes, lang- jähriges Mitglied der freien Gewerkschaften und der SPD. Die Allgemeine Deutsche Postgewcrkschast, Mitgliedschaft im Deutschen Verkehrsbund, Hai den Kollegen Körbcr nicht beauftragt, an einer Rußlanddelegation teilzunehmen. „Uebcrflüssiges Geschrei!" Sinnwidrige Auslegung des ß 87 des BRG. Die Großwäscherei Gerhard Fröhlich. Kolmaree Straße, entließ«ine Arbeiterin, weil sie sich weigerte, auf den ihr nach dem Tarif zustehenden Urlaub zu verzichten. Die Arbeiterin focht ihre Entlassung aus Grund von � 84 des Betriebsrätegesetzes(unbillige Härte) durch Klage beim Gewerbe- xericht an. Daß dies« Entlassung als unäulig« Härte anzusehen ist, kann gar nicht zweifelhaft sein. Di« Firma hätte also oerurteilt werden müssen, die Klägerin entweder weiter zu beschäkttgen, oder ihr eine nach der Dauer ihrer Beschäftigung im Betriebe zu bemessende Entschädigung zu zahlen. Aber die Kammer 1 unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Tecklenburg hielt es nicht für erforderlich, zu prüfen, ob eine unbillige Härte vorliege, sondern die Klage wurde abgewiesen, weil die Klägerin er st neun Monate im Betriebe der Beklagten beschäftigt war. Die Kammer glaubt ihr abweisende- Urteil-auf den Wortlaut des 8 87 des Betriebsrätegesetzes stützen zu können, welcher unter anderem sagt: „Die Entschädigung bemißt sich nach der Zahl der Jahre, während derer der Arbeitnehmer in dem Betrieb ins- gesamt beschäftigt war, und darf für jedes Jahr bis zu 1Z.-18.SM.: ZnleroMMe MeMMWaMllSllMe 19. September: Vietteljl!>ilhmdeWerderUemMll.GmeMMsllelveMg r zu zahlen hat, wenn Gericht grundsätzlich einem Zwölftel des letzten Iahresarbeitsver» d, e n st e s festgesetzt werden, jedoch im ganzen nicht über sechs Zwölftel hinausgehen." Weil in diesem Paragraphen von der Zahl der Jahre der Deschäsligungsdauer die Rede ist, folgert die Kammer des Magistrats- rats Dr. Tecklenburg, daß Arbeitnehmer, die weniger als ein volles Jahr in einem Bettiebe beschäfttgt waren, überhaupt nicht berechtigt sind, Einspruch gegen ihre Entlassung aus Grund von§84 zu erheben. Diese Anficht beruht auf einem unbegreiflichen Rechts- i r r t u m. 8 87 gibt lediglich einen Maßstab für die Be- Messung der Entschädigung, die der Arbeitgeber er die Weiterbeschästigung, auf die dos erkannt hat, ablehnt. Hätte der Gefetzgeber dos Einspruchsrecht gegen Entlassung nur den Arbeitnehmern geben wollen, die länger als ein Jahr im Betriebe beschäftigt sind, dann hätte er dos im 8 84 ausgedrückt, der von dem Recht des Einspruchs und von den Voraussetzungen desselben handelt. Weder in diesem noch in sonst einem Paragraphen des Betriebsrätegesetzes ist die Rede davon, daß dos Einspruchsrecht von einer gewissen Dauer der Beschäftigung abhängig sein soll.— Die Aus- l e g u n g, welche die Kammerl dem§ 87 gibt, wider- spricht dem Sinne des 884, der ja die Arbeitnehmer gegen willkürlich« Entlassung schützen will. Dieser Schutz würde ja für die meisten Arbeiter illusorisch sein, wenn der Standpunkt der Kammer 1 als richtig anerkannt würde. Er- freulicherweise steht das Urteil der Kammer 1 aber ziemlich ver- einzelt da. Andere Kammern des Gewerbegerichts wenden das Betriebsrätegesetz durchaus zutreffend an, indem sie jede Einspruchsklage gegen Entlassung ohne Rück- sicht auf die Beschäftiaungsdauer de» Entlassenen prüfen, und wenn auf Weiterbeschästigung oder Entschädigung er- kannt wird, die letztere auch bei kürzerer Beschäftigung als ein Jahr in entsprechender Abstufung festsetzen. Ma gistratsrat Dr. Tecklenburg beruft sich auf ein Urteil des Landgerichts I aus dem Jahre 1922 und ein Urteil des Kaufmannsgerichts Berlin von 1924, die den von ihm vertretenen Standpunkt zum Audruck bringen.— Nun, das sind eben Fehlurteile, die man sich nicht zum Muster nehmen darf, weil sie dem Sinne des Bettiebsrätegefetzes nicht gerecht weichen. i Jnöustrieverbanö der Lebensmittelarbeiter. Vorläufiges Ergebm» der Abstimmung. baatm ha»«, stftiaml: fOt aegn» un- »cn gusaunuenschluß gttltie Mitglieder- bestand Verband der Leben«-... mittel-u. Getränke- arbeiter.... 68 145 Deutscher NahrungS- und Genußmittel- arbeiterverband. 56 161 Zentralverband der Fleischer.... 12 460 32 990 16 900 6 651 14 970 1841 171 181 13 Alle drei Verbände zusammen... 130 946 56 541 16 482 144 Die Mehrzahl, der Mitglieder der drei Verbände hat sich also für die Verschmelzung erklärt. Aufallend ist die schwache Beteiligung der Mitglieder der Nahrung-- und Genußmittelarbeiter an der Abstimmung, auch die ziemlich starke Minderheit im Der- bände der Lebensmittel- und Getränkearbeiter, dessen Ergebnis jedoch noch nicht vollständig ist. Ter Streik der Antwerpeuer Hafenarbeiter. Antwerpen, 5. Juli(Eigener Drahtbericht.) Im Antwerpener Hafen brach am Sonnabend ein Teilstreik aus, der sich innerhalb 24 Stunden auf den ganzen Hafen erweiterte. In Anbetracht der weltwirtschaftlichen Bedeutung des Antwerpener Hofens ist damit vorläufig ein großer Teil der Einfuhr und Ausfuhr brachgelegt. Die Ursache des Streiks besteht in der Ablehnung einer Forderung der Docker um 5 Franken. Infolge des englischen Kohlenstreiks herrscht im Antwerpener Hasen schon seit Wochen eine außerordent- lich rege Tätigkeit, und um die Äohlentransporte zu beschleunigen, sahen sich die betreffenden Reeder veranlaßt, ihren Dockern eine tägliche Lohnerhöhung von 5 Franken zu bieten. Von den übrigen Reedern wurde das für alle Docker abgelehnt, und als dann die Gewerkschaften letzten Endes auch mit Rücksicht auf die starke Entwertung des Franken die längst angebrachte Forderung offiziell ausnahmen, ohne daß die Schiffsbesitzer darauf eingingen, kam der Streik zum Ausbruch. Am Dienstag soll sich eine Schiedskommission mit der Angelegenheit befassen. Ausgehoben« Sperre. Im»Schloß Weißens««" sind die zwischen dem Inhaber Ulrich und der Organisation der Gastwirts. gehilsen entstandenen Differenzen beigelegt und die Sperre auf- gehoben worden. Wirtschaft Schlechte Bilanz bei Hüttenwerke E. wilh. Sayser u. Eo� A..<5, Verlin. Die Beiliner Hüttenwerke von C. W. Kayser werden de- kanntlich saniert. Ihre Abschlußbilanz zum 31. Dezember 1925 ver- rät darüber aber noch nichts Günstiges. Im Gegenteil: sie ist denk- bar schlecht unter allen Gesichtspunkten. Der vorjährige Ge- w i n n von 179 000 M., der noch eine Dividende von 6 Proz. er. möglichte, hat sich in einen Verlust von 365 000 M. verkehrt, der ohne den Vortrag vom Vorjahr mit 53 000 M. noch entsprechend höher wäre. Allerdings braucht es sich nicht notwendig um echte B e t r i e b s v e r l u st e zu handeln: denn Unternehmungen, die saniert werden, weisen gern Bilanz Verluste aus, um das Kopital leichter herabsetzen zu können. Immerhin ist von dem guten Vorsatz des Geschäftsberichts, die Kosten zu senken, für 1925 noch nicht viel zu merken. Obwohl der Betriebsgewinn(741000 M.) um 260 000 M. niedriger ist(1925: 1,03 Millionen), find die Handlunasunkosten und Steuern um 90 000 M. gestiegen. Die ge- zahlten Zinsen sind mit dem enormen Betrag von 475 000 M. (über ein Fünftel des Aktienkapitals) ausgewiesen und gegen das Vorjahr fast verdoppelt. Die Abschreibungen sind sogar von 174 000 auf 152 000 M. gesenkt. Die Verschuldung ist stark gewochsen: von 2,75 auf 5,35 Millionen. Entsprechend ist der Wert der Waren und Vorräte von 2,19 auf 3,50 Millionen, der Gebäude- und Maschinenwert um rund 720 000 M. erhöht. In die Bilanz neu eingesetzt wurden Lizenzen im Betrag von 100 000 M. Die Reorganisation des Lünener Werkes mag Geld kosten: wenn die Verwaftung aber so weiter wirtschaften wird, wie 1925, ist kaum ab- zusehen, wann der neue Aufwand sich rentteren soll. Franz Seifferk n. Eo., JL-ffi.. Berlin. Die Armaturen- und Apparatefabrik Franz Seiffert u. Co., A.-G.. hat nach ihrem Ge- schöftsbericht für 1925 mit 1,22 gegen 1,25 Millionen Geschäii-über- schüfe noch etwa, schlechter abgeschlossen als im Vorjahr. Auch der ousqewissene Reingewinn mft 6400 M. ist kleiner(27 300 M.). Der Reingewinn wird wie im Lorjahr vorgetragen. Immerhin waren noch Abschreibungen möglich in so reichlicher Höhe, daß nicht nur die Neuzugänge voll, sondern auf Maschinen noch reichlich 10 Proz. abgeschrieben wurden. Im neuen Jahr wurde«in Grund- stück verkauft, wodurch ein« erhebliche Senkung der ousgenommenen Kredite eintreten wird. Die für 1925 verausgabten Zinsen sind mit über 30 000 M. angegeben. Solonifierung des Fernen Osten» itgehende Kolomsatt Gebieten der Sowjetunion liegen noch 18,7 Millionen Hektar unaus eine weitg Di« Sowjetregierung plant Kolomfatton des Fernen Ostens. In den ostlichen genutzten Bodens. Durch eine Kanaloerbindung zwischen Amur und Ozean, durch den Ausbau der Häfen Nikolajewsk, Da-Kastra, Olga usw., durch Eisenbohnen zwischen Lena und nach den Gold- bezirken von Iakutsk soll eine wirtschaftliche Erschließung und Bc- siedlung des Landes ermöglicht und befördert werden. Freilich wird vorläufig noch der Mangel an verfügbaren Mitteln die Durch- führung dieser großzügigen Pläne hinausschieben. Diskoalherabsehnng tu Dänemark. Die Nationalban! setzt ihren Diskontsatz um>/,% auf 5% herab. Der Privatdiskont wird ab morgen in gleichem Maße auf 5— d1/»% herabgesetzt werden. Sport. Revue« zu hoppegarken am Sovukag, dea 4. Zuli. 1. Rennen. 1. Misttal(2. Barga), 2. Nettelbeck(O. Schmidt)- Z. Fehrbellin(Haiine»). Toto.'22: 10. Platz: 12, 13, 13: 10. Ferner liefen: Engadin,.Konradin, Podargotz, Sallust, Nutria. 2. R e n n e n. 1. NarseS(Hayneii, 2. Optima!(O. Schmidt), 8. Hochstapler(B. TarraS). Toto: 36; 10. Platz: 15, 17, 14:10. Ferner liefen: Graburg, Galantuomo, Eiailbert, Regina II, Parnaß, Lump. Prima». Infolge Aewitter wurden die Rennen abgebrochen, da die Lahn unter Basier steht. Der Blitz schlug im Union-Sestüt ein. Vke öeutschen ffampfspiele in Köln. Die Stadt im Schmuck von Schwarzrotgold. Köln, 5. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag nahmen hier die zweiten deutschen Kampfspiele ihren Ansang. Aus �anz Deutschland waren- etwa 10 000 auswär- tige Sportler eingetroffen. Die Stadt prangt in Flaggen- schmuck.« Ueberall leuchten die neuen Reichsfarben schwarzrotgold, während die alten monarchistischen Farben fast kaum noch zum Vorschein kommen. Bemerkenswert ist, daß auch viele auswärtige K'äm p f f p i e l t e i l n e h m e r unter schwarzrotgoldener Fahne und mit schwarzrotgoldenen Abzeichen aufmarschierten. Die offizielle Eröffnung erfolgte am Sonntag nachmittag im Kölner Stadion mit dem Einmarsch der Teilnehmer an den Wettkämpfen, der ein imposantes Bild bot. Von den anwesenden Verttetern der Behörden begrüßte der Reichsinnen- minister Dr. Külz die Kampfspietteilnehmer. Außer ihm sprachen noch Oberbürgermeister Dr. Adenauer-Köln und der Vorsitzende des Deutschen Reichsausschufles für Leibesübungen Lewald Le» grüßungsworte. Als einziger Verband glaubte der Deutsche Hockey. Verband beim Einmarsch der Kampfteilnehmer ins Stadion die fchwarzweißrote Fahne zeigen zu' müssen. Das sportliche Programm wurde zunächst durch die Deutsche Tur- nerfchast bestritten, von der rund 1800 Personen zu Massenfrei. Übungen aufmarschierten. Di« Turnerinnen zeigten ebenfalls Frei- Übungen und Uebungen am Barren. Den Schluß des Sonntags bildete dos Fußbollwettfpiel um den deutschen Kampsspielpokol, zu- dein sich in den Vorwettbewerben am Sonnabend in Rheydt und Essen die Repräscntotivmannschasten des Westdeutschen Spielver- bandes und des Süddeutschen Verbandes qualifiziert hatten. Das Spiel bot ausgezeichneten Sport. In den kommenden Tagen wer- den die Wettkämpfe im Kölner Stadion und auf anderen Sport- Plötzen weiter geführt. Sie finden ihren Gipfel in den großen leichtathletischen Kämpfen am kommenden Sonnabend und Sonntag im Kölner Stadion. »erantweriN» wr P-Iittt:«r»« Ktattt: Wirtsibakt:«et», S»ter»»«: »ew-rkf»-kt,b-weguns: Xc. Cfctota; Feuilleton:»t. Z»tz»«»ikow,«: Lokole» und Eonflioe»; Kri»»«'Nidt:«nteiaen: r».»lock«: lämtli» in Berlin. ?-rloa: vorwärts-Verlaa<8. w. b. 6., Berlin. Druck: Borwäris-Buchdruckerek UN» L«rlaa»anltalt Paul Sinoer u. To.. Berlin 6« 68. LindenNrak« 6. ■5- HüDtJÜlM IHM Norden 10334—38 8'/4 Uhr Max Adalbert in Bas 8hel Die Komödie Bismarck 2414, 7516 S'l, Uhr: Week-end Tbuter a. lata. Tu kitte- S&Dder täfll. 8 Uhr «aftfvlet » derLel>»«> f«- HstiletiDrSe: Klile-SliDüer ■itsee• rrojrtzeiw I Reichshallen- Theater Abend» 8 Uhr Stettiner S8nger Neu! EiDUallbeiMeyer's Bvlinr Buiieiu in Ktrül. Dönbofi-Bretti Oul«.Girt.) Variete)— Konzern— Tanzl ü.lSOHoMd-DDdUDilparzBllEii □ Rute 8 ailf. an direkt an Stac!«;orst, ca. lS Min. von Birkenwerder. Bertliufer tägl. inr Restaurant »Alte» Bergfchloh- ai*s«c. Beetin Ct., ffiontachflr. 5 Wald und Wasser! Barzellen verkaust in Wendisch. Buchholz, Station Hold». Strecke 5>o»ie,swuster- hausen. per hLO bis 0,60 Mk. je nach Laae, bequeme Zahlungen. Schrittliche Anfragen erbelen Imag®. tn. b. H., Friedrtchstr. 58. Ispelen von 25« 30« 35 Pf. an Ricsenauswahl, herrliche Muster, Linoleum u. Wachstuche, Cocos- matten nur bester Qualität in großer Auswahl ¥}*_ J— ArHUeiiestra£e 36 a IX» LeUUC, Ecke EUasscr Strafec Küchen moderne Formen, beste Tischlerarbeit kauft man am blINgsten von der Spezialfabrik FELIX FLEISCHER KOchsnmSbelfabrik Berlin« Alte Jakobsirasse 75 Adolf Hoffmann Knorke Scfaulbamoreske mit Illattroiionen von Willi Steinen Preis 80 Pfc./ Porto 5 Pfe Vorr&Hg in allen Vorw€rf*-Aat£abe*teUen pe«"J. Enahtek. «nhlh* gnüt. mm rsmiwtlibiv keckl, litt. 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