Nr. 312 43. Jahrg. Ausgabe A r. 161 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich B, Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„ Vorwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Zeit" mit„ Sied Jung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. zeile 80 Pfennig. Reilamezeile 5, Reichsmark. Kleine Anzeig:" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. serite Wort Stellengesuche das 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buc staben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnentes Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8½ Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Dienstag, den 6. Juli 1926 Ein Krämervorschlag der Hohenzollern Sie wollen den Vergleich vom Oktober 1925. -= - = Die preußische Regierung wird sich wie Minister| nen Wege der Volfsentscheid wie auch die reichsder Volksentscheid wie auch die reichs präsident Braun im Landtag erklärte in den näch gesetzliche Regelung zu einem Ergebnis nicht sten Tagen mit dem Antrag der Deutschen Volks geführt haben, ist es mir Pflicht, nunmehr erneut die partei, schleunigst eine Vermögensauseinandersetzung Initiative zu ergreifen, um den Gegenstand der Bezwischen dem preußischen Staat und den Hohenzollern herbei unruhigung unseres öffentlichen Lebens endlich aus der Welt zu zuführen, befassen. Die allgemeine Auffassung aller schaffen, und ich erkläre mich daher hiermit bereit, Kabinettsmitglieder geht dahin, daß derartige Verhandlungen die Vergleichsverhandlungen auf der Grundlage nur durch die Initiative des Hohenzollern des Vertrages vom 12 Oktober 1925 möglichst bald hauses eingeleitet werden können und für den wieder aufzunehmen. In der Erwartung, daß die Preu Fall, daß ein Vergleichsvorschlag gemacht wird, Bische Staatsregierung auch ihrerseits von dem Wunsche geleitet ist, die preußische Regierung sofort zur Prüfung und einer Stel- zur Entspannung der politischen Lage und zum Wohle der Aulungnahme bereit ist. gemeinheit diese Angelegenheit tunlichst rasch zu einem für beide Teile zufriedenstellenden Abschluß zu bringen, darf ich wohl einer baldgefälligen Rücäußerung ergebenst entgegensehen und habe dieses Schreiben, um die Beruhigung anzubahnen, gleichzeitig der Bresse mitgeteilt, Der Generalbevollmächtigte gez. von Berg." Ein derartiger Vergleichsvorschlag muß natürlich disfutabel sein. Nun hat der Generalbevollmächtigte der Hohenzollern, Herr von Berg, das folgende Schreiben an die preußische Regierung gerichtet: Die neue Initiative der Hohenzollern, die von der Kölnischen Zeitung" geforderte Königliche Ta t" be: steht also im Beharren auf dem Vergleich vom 12. Oftober 1925, der die große Erregung des Volkes hervorgerufen hat. Sie entspricht, um mit der Kölnischen Zeitung" zu reden, den Anschauungen eines fleinen, feilschenden Krämers. ,, Die Preußische Staatsregierung wird mir bestätigen können, daß ich mich seit llebernahme der Vertretung des Königlichen Hauses unablässig, zuletzt durch den am 12. Oktober 1925 beider feits unterzeichneten Vergleich, bestrebt gezeigt habe, die Vermögensauseinandersetzung auch unter weitgehenden Ver: zichten, die bis zur Preisgabe von 83 Proz. der Vermögensmasse durch das Königliche Haus gegangen find, im Wege einer Ber ständigung durchzuführen. Die Preußische Staatsregierung wird Ein Vergleichs vorschlag ist das nicht. Auch in den mir weiter darin zustimmen, daß es sich angesichts der beklagens Kreisen der preußischen Regierungsparteien merten, aus anderen Gründen in unser schwer leidendes Bolt hin- betrachtet man es übereinstimmend als selbstverständ eingetragenen Erregungen in den legten Monaten für die Berlich, daß als Verhandlungsgrundlage nur ein Vorschlag in tretung des Königlichen Hauses, verbot, durch heraus treten mit neuen Vorschlägen absichtlichen Miz deutungen ausgefegt zu werden. Nachdem, aber die zur Abänderung des Bertrages vom 12. Oftober 1925 eingeschlageVerfassungskampf in Polen. Die Sozialisten gegen die reaktionären Regierungs vorschläge. Warschau, 5. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In der Sejmdebatte über die von der Regierung Bartel eingebrachten verfaffungändernden Gefehentwürfe hielt Genoffe Dai3nniti, der als ein persönlicher Freund Pilsudffis gilf, eine scharf ablehnende Rede, die großes Auffehen erregte. Daszynski stellte im Namen der polnischen sozialistischen Fraktion den Antrag, auf die erste Lesung der Gesetzentwürfe zu verzichten. Er erklärte unter anderem: Der große Mann, der die Mairevolution gemacht hat, schweigt jetzt. Allerlei kleine Sperlinge, die dabei seinen Mantel berührt haben, fprechen so laut, als ob sie alle Gedanken ihres Meisters kennen. So entstehen die größten Mißverständnisse. Die Boltsmasse versteht nicht, was mit der Mairevolution gefchehen ist. Polen ist voll der größten Hoffnungen und Aengste. Man hat den Eindruck, als ob die Rechtsparteien die Revolution gemacht haben. So reaffionär find die Vorschläge der Regierung und so revolutionär die Vorschläge der Rechtsparteien, welche die Verfaffung ändern wollen. Die Rede Daszynffis hat fiefen Eindrud gemacht, um jo mehr, als auch der Redner der Nationaldemokraten die Borschläge der Regierung fritifierte, wenn er auch gegen die erste Lesung feinen Einspruch erhob. Nach Beendigung der ersten Lefung wird der Kampf um die Verfaffungsreform im Ausschuß weitergeführt. Vor der Sanierungsdebatte. Keine Ausschaltung des Parlaments. – Wachsende Opposition links. Paris, 5. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Bom franzöfifchen Finanzministerium wird erklärt, daß die offiziellen Stellen von der angeblichen Anwesenheit Dr. Schachts in Paris feine Kenntnis hätten. Ebensowenig ist von dessen Absichten inbezug auf eine Aussprache über die Frankenstabilisierung etwas befannt. Für die am Dienstag beginnende große Finanzaussprache in der Kammer liegen bis jetzt 7 Interpellationen vor; vier von der Radikalsozialistischen Partei, eine von den Kommunisten, eine von den Sozialisten und der Rest von den übrigen Parteien. Im Namen der Sozialistischen Partei wird der Finanzspezialist Vincent Auriol die Entwürfe des Finanzministers bekämpfen. Außer dem Interpellanten haben sich noch 17 Redner eintragen lassen. Der Kabinettsrat hat am Montag morgen das Sanierungsprogramm endgültig fertiggestellt. Caillaur wird von der Kammer feine Bollmachten im Sinne der Poincaréschen Ermächtigungsgefeße verlangen, die das Barla ment vorübergehend ausschalten sollten. Er mird lediglich die Rammer bitten, ihm die Ausführung des Finanzjanierungsplanes in seinen Einzelheiten zu überlassen, die nach der einen Seite durch den Expertenbericht, nach der andern Seite durch die im VerFrage fommt, der über das Kompromiß der, ReFrage fommt, der über das kompromiß der Regierungsparteien des Reichstages. hinaus weiteres Entgegentommen im Intereffe des des Staates zeigt. lauf der Finanzaussprache in der Kammer zutage tretenden Wünsche begrenzt sein würden. Borgang aber dem Parlament in feinem Augenblick entzogen Die Kontrolle darüber würde bei diesem werden.. In den bürgerlichen Linkstreifen ist die Oppositions stimmung, die in den letzten Tagen etwas abgeflaut war, angesichts der Schamlosigkeit, mit der das Erpertenfomitee sich die Wünsche und Forderungen der Rechten zu eigen gemacht hat, wieder stärker aufgeflammt. Falls Caillaur fich nicht noch im legten Augenblick zu mesentlichen Aenderungen der Expertenvorschläge ent. schließen sollte, dürfte die Regierung vor der Kammer einen starten Widerstand finden. Der amerikanische Unabhängigkeitstag. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Mussolinis Wunderkur. Trucksystem und Mehrarbeit gegen die Wirtschaftskrise. Lugano, den 2. Juli. Rauh und kraftvoll" nennt ein römisches Faschistenblatf die Methode, mit der Mussolini dem staunenden Volk zu wissen tut, daß man ihm fünftighin sein Brot und sein Benzin mit Surrogaten, strecken" wird, seine Arbeitszeit um eine Stunde zu verlängern, und seine wichtigsten Lebensmittel durch den Arbeitgeber verkaufen wird. Die Taktik der Ueberrumpelung die typisch mussolinisch ist die der Heerführer anwendet, um die Nation einem nicht nur strengeren, sondern vor allem besser organisierten Leben s= rhythmus in technischer und produktiver Beziehung zuzuführen, zeigt sich bei näherer Ueberlegung als die beste." In der Tat sind die Maßnahmen derart, daß es gut ist, so wenig wie möglich über sie zu sprechen; die Oppositionsblätter, die sich diese melancholische Genugtuung eines Kommentars gönnen wollten, find am 30. Juni alle beschlagnahmt worden. Bei der Betrachtung der Regierungsmaßnahmen, die die Italiener zwingen sollen, mehr zu produzieren und weniger zu fonsumieren, muß man die, die wirklich Folgen für das wirtschaftliche Leben des Landes haben können, von den anderen trennen, die nur als Garnitur dienen. Zu diesen Schmuckstücken rechnen wir die verschiedenen Kommissionen für die rationelle. Kohlenverwertung, das Verbot, neue Luxuslokale und Schenken zu eröffnen und Luxusbauten ausguführen, sowie die Maßnahmen zur Bestrafung der Fälschung landwirtschaftlicher Produkte. Die Kommissionen hatten wir allezeit und die Bestrafungen auch. Die Luxuslokale sind in Ueberzahl vorhanden, wie die Schenken, so daß das Bublifum die Verweigerung neuer Konzessionen gar nicht, die Lokalbefizer sie als sehr angenehm empfinden werden. Jeder, der einen Lurusbau im Gange hat, wird ihn fortsetzen, feiner wird den geplanten Lurusbau aufgeben, um Arbeiterhäuſer zu bauen. Aber neben diesem Firlefanz, zu dem es leicht gewesen wäre, etwas Rationelles und Konfiftentes zu gesellen ( wie etwa das Einfuhrverbot von Edelsteinen und Lurustariat treffen, deren Durchführung den italienischen pelzen), haben wir Bestimmungen, die das Prole lianischen Faziendas zu beneiden. Zunächst die Berechtigung Arbeiter dahin bringen würde, seine Landsleute in den brajider Unternehmer, die Arbeitszeit um eine Stunde zu verlängern. Was soll das bedeuten, heute, wo die Baumwollspinner beschlossen haben, der Absazkrise durch Einstellung des Betriebs an einem Tage jeder Woche zu begeg nen? Heute, wo Betriebseinschränkungen und Entlassungen sich fühlbar machen? Die Bestimmung spricht nicht von Erhöhung auf neun Stunden, denn in vielen Betrieben wird heute schon neun oder auch zehn Stunden gearbeitet. Sie erhöht den normalen" Arbeitstag um eine Stunde, die daher nicht weiter als Ueberstunde bezahlt zu werden braucht. Wer an den normalen Arbeitstag noch eine oder zwei leberstunden anhängen will, soll das in Gottes Namen tun: von heute an fängt der Begriff der Ueberstunde fann bedeuten: 1. daß nicht länger gearbeitet wird, als bisher, jenseits der neun Stunden an. Die Bestimmung nur daß die neunte Stunde nicht mehr den Aufschlag der Ueberstunde einbringt, also Prellung der Arbeiter um die paar Centisimi; 2. daß viele Betriebe die Arbeitszeit ausdehnen, ohne höhere Produktion zu erzielen, also Ber teuerung der Produktionskosten und gesundheitliche Schädigung der Arbeiter; 3. daß die zugelegte neunte, zehnte oder elfte Stunde die Produktion steigert, bei gleichbleiben dem Absatz, also Entlassung jedes neunten oder zehnten Arbeiters. Im Falle 1 und 3 wird tatsäch lich die Produktion verbilligt, aber gleichzeitig wird die Kraft der inländischen Konsumenten, als welche die Arbeiter nun einmal in Rechnung gesetzt werden müſſen, vermindert. Diese Erwägung beeinflußt die faschistische Regierung nicht, weil sie bei ihrem Berufspatriotismus nur den auswärtigen Markt im Auge hat. Coolidge zitiert Pufendorf.. Philadelphia, 5. Juli.( WTB.) In einer Ansprache zur Feier des 150. Jahrestages der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung fagte Präsident Coolidge, zum Ablauf dieser 150 Jahre seien aus allen Teilen der Welt Leute nach Philadelphia wie zu einer hei ligen Stätte gepilgert, in dankbarer Anerkennung der Dienste, die wenige begnadete Männer hier der Menschheit erwiesen haben, Dienste, die so groß seien, daß sie noch immer eine hervorragende Unterstützung für die freien Regierungen in der Welt bilden. Mit Bezug auf die Ursachen der Revolution in Amerika erflärte Coolidge, man könne sich der Ueberzeugung nicht entziehen, daß der Geist der neuen 3ivilisation feinen Ursprung in Amerita habe. Was die Rechte der Persönlichkeit betreffe, sei Amerika fortgeschrittener gewesen als der Geist, der die Alte Welt beherrschte. Allgemein werde angnommen, daß französische Ideen einen Einfluß auf die politische Gedankenwelt Amerikas während der Revolutionstage gehabt hätten. Dies könne richtig sein, aber die wesentlichsten Gedanken der Unabhängigkeitserklärung fcien in den Kolonien schon nahezu zwei Menschenalter, vor der Entstehung der die Mitte des 18. Jahrhunderts charakterifierenden französischen politischen Philosophie Gegenstand öffentlicher Erörterung gewesen. Coolidge erinnerte weiter an die Rede des Geistlichen Thomas Hooker in Connecticut im Jahre 1638, in der dieser erklärte, das Fundament der Autorität liege in der freien Zustimmung des Bolkes. Weiter wies Präsident Coolidge auf die Beröffentlichungen des Geistlichen John Wise in Massachufetts aus den Jahren 1710 bis 1717 hin, die sich mit den Grundfäßen der bürgerlichen Regierugn befassen. Dieser Geistliche fei an fcheinend ein nenauer Renner der, politischen Schriften des 1632 in Sachsen geborenen Gelehrten Samuel Pufendorf gewesen. Die Unabhängigkeitserklärung sei das Ergebnis des im Bolte woh nenden Gefühls dafür, daß den geistigen Dingen der Vorzugrunde gelegt." Vom grünen Tische aus sieht sich das rang zufomme. Wenn mir, so erklärte Coolidge, nicht daran feft. halten, so wird alle unsere materielle Wohlfahrt, so über wältigend sie auch scheinen mag, in unseren Händen nur ein Sym. bol der Ohnmacht fein. system. Da hat der Faschismus in seiner Manie, die Welt Biel schwerer wiegt die Bestimmung über das Truckvom grünen Tisch aus umzugestalten, einen Punkt zu entdecken geglaubt, in dem Arbeiter- und Unternehmerinteressen folidarisch wären. Nämlich in dem niedrigen Stand der Lebensmittelpreise. Daher werden die Unternehmer aufgefordert, ihren Arbeitern die notwendigen Lebensmittel zu billigen Preisen zu liefern. Es wird dieser Tage eine Kommission gebildet werden, um schnell die Ausdehnung der Eröffnung von Berkaufsstellen von Seiten der Arbeitgeber zu erwägen, die die notwendigen Lebensmittel in guter Qualität und zu billige Preisen den eigenen Arbeitern und Angestellten liefern. Die von diesen Verkaufsstellen angewandten Preise werden für die Berechnung der Indernummern der Teuerungszulage fo an, als ob die Unternehmer für den Lebensmittelhandel den Zwischenhandel und seine Kosten ausschalten würden, die Arbeiter billig versorgen und daher billig produzieren, ohne die Lebenshaltung der Arbeiterschaft herabzudrücken. In der vielfarbigen Wirklichkeit aber wird sich etwas wiederholen, was wir in der Kriegswirtschaft mehrfach erlebten. Die Unternehmer, denen heute niemand hineinreden kann, werden billige Preise aufstellen, was ihnen dann Gott bei der Berechnung der Teuerungszulage vergelten wird. Für die billigen Preise werden sie entweder schlechte Ware geben, oder die Arbeiter nach dem Motto:„ Das ist gerade ausgegangen" versorgen. Wir werden wieder die Arbeiterfrauen anstehen sehen, damit sie ein Stückchen von der billigen Ware betom men, deren Zuschlag fie am nächsten Bahltag zahlen, nämlich durch den Abzug an der Teuerungszulage. Wenn es dem Faschismus darum zu tun war, die Zwischenhändler auszuschalten, warum hat er dann die Arbeiterkonsumvereine vernichtet, die das in jahrelanger Arbeit in vielen Gegenden längst verwirklicht hatten? Will er den Zwischenhändlerprofit den leidenden Unternehmer und Agrariern zuwenden, wie wird er sich dann die Sympathie jener Kreise erhalten, die bei den Plünderungen der Konsumvereine den Schwarzhemden zujubelten, nicht nur, weil sie einen Beuteanteil bekamen, sondern vor allem, weil man ihre Konkurrenten vernichtete? Und wie wird das verschiedene Preisniveau der Unternehmerverschleiße und der andern auf den Handel wirten? Wenn der Unternehmer wirklich ohne direkten Profit an den Waren die Lebensmittel verkauft und sich mit dem indirekten Profit der herabgesetzten Teuerungszulage begnügt, wie will man da verhindern, daß die Nicht arbeiter in den billigen Verkaufsstellen taufen oder gar daß die Arbeiter mit den Produkten Handel treiben? Man wird die Brot, Zucker, Milchkarte usw. wieder einführen müssen. Und all das, um eine Art volkswirtschaftlicher Schonung einzuführen, innerhalb deren Italien billig für das Ausland produziert! Die Pflicht, zum Benzin Alkohol zu mischen, greift nicht eben intensiv in die Dekonomie des Arbeiters ein. Das zu 15 Broz. mit minderwertigem Getreide gemischte Brot ist offenbar der Siegerpreis der Weizenschlacht", aber darüber weiß man nichts Genaueres, nur, daß der Getreidezoll nicht abgeschafft werden wird. " für die Gefallenen niedergelegt. Anschließend formierte sich der Festzug, an dem etwa 40 000 bis 50 000 Personen teilnahmen, zum Marsch durch die innere Stadt. Hindenburg O./5. vor dem Zusammenbruch. am Sonnabend auf das Volkshaus unternehmen wollten, befam| mit schwarzrotgoldenen Schleifen versehener Lorbeerkranz weithin sichtbar befestigt. Die Abendveranstaltung war eine republikanische ihnen allerdings sehr schlecht. Sie mußten ohne Erfolg abziehen. Weimar, 5. Juli.( Tul.) In der heutigen Sitzung des Thü- Riesenfundgebung, wie sie Leipzig seit Jahren nicht gesehen ringer Landtages beantragte der Abgeordnete Frölich hat. Etwa 60 000 bis 70 000 Menschen umfäumten den großen Platz. Am Sonntag vormittag wurde auf dem Südfriedhof ein Kranz ( S03). die Unterbrechung der Sizung und die Anberaumung einer zweiten Sizung, in der die Regierung zu den gestrigen Aus. schreitungen der Nationalsozialisten anläßlich ihres Parteitages in Weimar Stellung nehmen soll. Bei der Begründung feines Antrages erklärt Abg. Frölich wahrheitsgemäß, daß der Schuß auf den Polizeiwachtmeister Schmidt von einem Nationalsozialisten abgegeben worden sei. Abg. Dr. Dinter ruft dazwischen:„ Das war ja einer vom Roten Fronttämpferbund!" Auf Seiten der Linken entstand darauf eine große Erregung. Der Abgeordnete Bed( Komm.) sprang erregt auf Dr. Dinter zu und warf mit einem Löscher nach ihm, worauf ihn der Präsident von der Sigung ausschloß. Darauf warf der Abg. Tenner dem Präsidenten vor, daß er die Schandtaten der Bölfischen decke. Auch Tenner wurde hierauf vom Präsidenten von der Sigung ausgeschlossen. Bei der darauf folgenden Abstimmung wurde dann unter großem Tumult der Linken der Antrag des Abg. Frölich mit den Stimmen der Rechten abgelehnt. Republikanertage im Reich. Tagung in der Nordmark. Kiel, 5. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend und Kiel, 5. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonnabend und Sonntag hatte sich in Kiel das Reichsbanner Schwar3Rot- Gold zu einem Republikanischen Tag der Nordmark zu fammengefunden. Die Kundgebung war die größte und imposanteste, die bisher in Kiel gesehen worden ist. Am Sonntag nachmittag marschierte vom Egerzierplatz der imposante Zug, dessen Vorbeimarsch dreiviertel Stunden dauerte, durch die mit zahllosen schwarz rotgoldenen Fahnen geschmückten Straßen der Stadt nach der Krusekoppel. Hier sprachen Minister präsident Otto Braun und General Deimling. Die Rede des Ministerpräsidenten Braun war ein entschiedenes Bekenntnis zur Republik und zum Reichsbanner, und unter lebhaften Bravorufen habe, habe ich kein Wort zurückzunehmen. Ich erachte es als meine rief er aus:" Bon dem, was ich am Bundestag in Hamburg gesagt höchste staatspolitische Pflicht als Minister eines großen Staates, treu zum Reichsbanner, zur Republit und der fortschrittlichen Entwidlung zu stehen. General Deimling fand beißende Worte für die Gegner der Republik und ihre Farben. Er sagte u. a.:„ Ja, wenn alte Leute, die verkalkt find in ihren Gehirnen, beißende Worte für die Gegner der Republik und ihre Farben. Er ben schwarzweißroten Fahnen nachlaufen, so tann ich das begreifen. nach hinten durch die neue Zeit laufen, so sage ich mir, du bist mit deinen 73 Jahren noch viel jünger als diese Jungen." General Deimling betonte den Patriotismus des Reichsbanners und der Republik und forderte, die Republik müsse fester auftreten. Sie habe 3 Millionen Reichsbannerleute hinter sich, da brauche fie feinen Teufel zu fürchten. Dies die Maßnahmen, durch die, um mit einem rmischen Faschistenblatt zu sprechen, Italien ,, der Welt ein Beispiel gibt, das sein Ansehen erhöhen und unserem Lande die Aufmerksamkeit aller zulenten wird, die angesichts der zerstörenden Anarchie, Willen, Disziplin und diese Energie zu schätzen wiffen." Wie schade, daß man diesen Willen, diese Disziplin und diese Energie nicht exportieren tann! Das italienische Bolt gäbe sie billig her, sogar unter dem Selbst- Wenn aber junge Leute, besonders Akademiker, mit dem Kopf tostenpreise. Hakenkreuzradau in Weimar. Ausschreitung. Interpellation im Landtag. Weimar, 5. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Nationalfozialisten hielten am Sonntag in Weimar ihren Parteitag ab, wobei die Vertreter der Linkspresse nicht zugelassen wurden. Die Tagung selbst war völlig belanglos. Aber unglaublich benahmen sich die" Delegierten" in den Straßen Weimars. An verschiedenen Orten tam es zu Schlägereien, teilweise zwischen den Teilnehmern selbst. Ein Oberwachtmeister, der einen Streit schlichten wollte, wurde von hinten durch die Lunge geschossen und lebensgefährlich verletzt. Der Täter, ein junger Hitlergardist mit Hakenkreuzbinde, entfloh. Die Polizei hat am, Montag die Massenquartiere der Nationalsozialisten durchsucht and" Babel zahlreiche Schuß- und Stichwaffen befchlagnahmt. Die Wut der Nationalsozialisten war deshalb so groß, weil die Bevölkerung von ihrem Parteitag faum Notiz nahm. Die Zahl der schwarzweißroten Fahnen, die heraushingen, war verschwindend gering. Dafür benahmen sich die Festgäste" außergewöhnlich rüpelhaft gegen die Einwohner und ganz besonders gegen die Frauen und Mädchen. Solche mit Bubitöpfen wurden nicht nur in der unflätigsten Weise beschimpft, sondern auch geschlagen. Ein Ueberfall, den die Hakenkreuzler Das Unausgesprochene. Bon Frank Crane( New York). ( lebertragung von Mar Hayek.) Es gibt Gedanken, die von den Menschen nicht niedergeschrieben merden und die sie verbergen, als ob sie sich ihrer schämen müßten. Jeder Dichter und Schriftsteller hat Schauungen und Ideen, von denen er nicht berichtet, Befürchtungen, die er nicht ausspricht, Hoffnungen, Die er nicht äußert. Wenn seine schweigende Seele Stimme würde, welch ein Buch gäbe bas! Die Welt ist voll großer Berschweigungen. Es gibt eine buntle Mondeshälfte, die unbeleuchtet und also unsichtbar ist. Da sind die dichtgefäten Geheimnisse der Sterne. Wir empfan gen von ihnen nichts weiter als winzige Lichtfunken. Was geht auf jenen Welten vor, von denen viele über die Erde hinaus gewaltig find? Wir und das Sternenvolt bestaunen einander, ewig ftumm. Dein Hund sieht dich mit so forschenden Augen an. Wie gerne möchte er erfassen, was du denkst, was du meinst! Und er und das ganze Lierreich sind uns ein dunkler Abgrund. Was denken die Unter der spiegelnden Fläche des Ozeans lebt ein reicheres Leben als in der Luft. Und zwischen ihm und uns ist eine geschlossene Tür. Alles, was dort unten geschieht, ist undurchdringliches Geheimnis. Bienen und Vögel? Wir Menschen sind einer dem andern Rätsel. Und selbst im Beichtstuhl der Liebe wird ein Unausgesprochenes zurückgehalten. Da sind Dinge, die du noch keiner Menschenseele anvertraut haft. Eingebungen, die dein innerstes Ich dir zuflüstert, betörende Impulse, die du sogleich verdrängt haft. Ja, du weigerst dich fogar, dir felbst einzugestehen, daß du sie gehabt hast. Welch verbrecherische Kräfte, welch lockere Anarchie, welch wilde Kräfte find da, sie alle niedergeschlagen von den Alerten der Seele! Zwei, bie jahrelang Seite an Seite gelegen sind, haben geSpenstisch bleiche Gefangene der Erinnerung in ihren Herzen verborgen gehalten und in den Verließen des Geistes eingesperrt, Gefangene, die wie aus vergitterten Fenstern hervorguden, in Träumen oder trübsinnigen Augenbliden und die mit den Zweien sterben. Bir tennen nur die Oberfläche der Seelen, nur die Symbole der Dinge. Reiner von uns wohnte je der Vermählung des Waffer stoffes mit dem Sauerstoff oder der Geburt des Gewissens bei, leiner jah je den Tanz der Altome. Die bedeutenden Geschehnisse der Welt vollziehen sich hinter Schleiern. Manfred Fürst legt Gewicht auf die Feststellung, daß in der Erstaufführung von" Armut" im Lustspielhaus nicht( wie auf dem Theaterzettel und daher auch in den Zeitungsberichten irrtümlich angegeben war) M. Berger, sondern er, Manfred Fürft, die betreffende Rolle gespielt hat. Eine Kundgebung auf dem Neumarkt, wo Oberpräsident Kürbis die Ansprache hielt, beschloß die würdig verlaufene große republikanische Demonstration. Das Reichsbanner in Mitteldeutschland. Leipzig, 5. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold veranstaltete am Sonnabend und Sonntag in Leipzig einen Mitteldeutschen Republitanischen Tag. Tausend- und aber tausendfach waren aus ganz Mitteldeutschland Reichsbannerdelegationen nach Leipzig geströmt. Die Stadt zeigte reichlichen Flaggenschmud, und die Bevölkerung beteiligte sich an den Kundgebungen mit viel Aufmerksamkeit und Interesse. Die Veranstaltungen wurden am Sonnabend eingeleitet mit einer würdigen Totengebentfeier auf dem großen Augustus plat. Bom hohen Ratajalt loderten nach Schluß der Feier die Opferflammen. Vom Turm aus ehrten die Sprecher unsere Freiheits- und Barrikadenfämpfer von 1848. Arbeiterchöre unterstützten die würdige Feier. Am Schluß wurde am Turm ein großer Nochmals die Staatsbibliothek. Bor mehr als drei Wochen durfte ich an dieser Stelle mitteilen, daß ich Staatsbibliothekleseraspirantin bin. Leider ist es mir bis heute noch nicht gelungen, zur Staatsbibliothekleserin aufzurücken. Zwar habe ich mir alle erdenkliche Mühe gegeben; aber der profane Mensch denkt, und die Herren von der Staatsbibliothek lenten. Was half es, daß die ganze Redaktion geschlossen für mich eintrat und alle Mitglieder ihre Namen auf die Rückseite meiner Bürgschafts. erklärung setzten, daß man sogar Würden und Titel, wie„ Stadtver, ordneter und„ Hausbesizer" für meine Ehrlichkeit verpfändete? Einen Dred. Genau wie beim ersten Male gebieh in der Leihfartenausgabe der Dialog bis zu der Frage nach dem Ausweis, und genau wie beim ersten Male wollte der Herr den Ausweis dann doch nicht sehen. ,, Ach, Sie sind das?" Was fonnte ich anders, als freundlich lächelnd bestätigen, daß ich ich sei? Ja, für meine Bürgschaft sei der Borsteher der Staatsbibliothet zuständig, gleich links neben der Treppe. Gleich links neben der Treppe überraschte mich ein Herr mit einer überaus gründlichen Kenntnis meines vor drei Wochen veröffentlichten Artikels. Ich gestehe, daß mir das recht schmeichelhaft war. Man ist als Journalist so gewohnt, nur für den Augenblick zu schreiben, daß man schon beinahe erstaunt ist, wenn der Leser, der eben die Zeitung aus der Hand legt, noch zu sagen weiß, was darin stand. Um eine so eingehende Lektüre meiner Erzeugnisse aber von fo beachtenswerter Seite hätte mich sicher sogar ein angesehener Schriftsteller beneidet! Die Folgen kommunistischer Mißwirtschaft. Hindenburg( Oberschlesien), 5. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Im Hindenburger Stadtparlament ereignete fich heute ein in der Geschichte der oberschlesischen Städte einzigartiger Standal Der von dem Magistrat aufgestellte Haushaltsplan wurde Don sämtlichen Parteien einstimmig abgelehnt, weil die Steuern untragbar sind und der Etat auch sonst in feiner Weise den notwendigen Anforderungen entspricht. Dieses Bors tommnis stellt das Ergebnis einer jahrelangen fom. munistischen Mißwirtschaft dar, Die Kommunisten haben gemeinsam mit der Mieterpartei die absolute Mehrheit im Stadtparlament und haben es seit den letzten Kommunalwahlen im Mai 1924 verstanden, den Magistrat teils mit unfähigen Infolgedessen war, nachdem noch der Oberbürgermeister feit Monaten Leuten zu besetzen und teils die wichtigsten Bosten unbesetzt zu lassen. fchwer erkrankt ist, der Magistrat nicht mehr imstande, die Leitung der Geschäfte regelrecht zu führen. Der vollständige finanzielle Zusammenbruch der durch die kommunistische Mißwirtschaft ins Elend geführten Arbeitergemeinde läßt sich nur dadurch vermeiden, daß mit der größten Befchleunigung ein Staatskommiffar bestellt wird, der das Stadtparlament auflöst und bis zu der nach den Eingemeindungen stattfindenden Neuwahlen mit großer Vollmacht die Geschäfte der Kommune in Ordnung bringt. Diese Maßnahme ist um so notwendiger, als nunmehr auch der Vertreter des Bürgermeisters, ein befolbeter Stadtrat, der zweite Bürgermeister, der ein Kommunist sein sollte, ist von Severing nicht bestätigt worden, schwer ertranft ift. Die Maulkorbfraktion. Von Verbannten und unauffindbaren. Die kommunistische Reichstagsfraktion ist im allgemeinen gehor fam wie ein gut gezogener Pudel. Sie springt über jeden von der KPD.- Zentrale auf Moskauer Befehl vorgehaltenen Stod. Hopp, für die Pferdezüchter. Hopp, für die Hohenzollern. Die Dressur ist der Erfolg langer Erziehungsarbeit mit dem disziplinaren Maulforb. Wer nicht pariert, erhält ihn umgeschnallt als abschreckendes Beispiel für die Kollegen. Ruth Fischer erhielt ihn und den Verbannungsbefehl hinzu. Berbannung ist überhaupt ein beliebtes fommunistisches Dressurmittel. Es gibt in Rußland sehr angenehme Gegenden für solche Zwecke. Iwan Ka erzählt jedem, der es hören will, daß er nach Lappland verbannt werden sollte. Zur Organisierung der Renntiere. Schließlich habe man ihn wählen lassen. Er habe Desterreich gewählt, dann aber vorgezogen, im Lande zu bleiben. Es gibt auch eine Berbannung innerhalb Deutschlands für fommunistische Reichstagsabgeordnete. Die Betroffenen werden unauffindbar. Beispiel: Berner Scholem, dem jede Betätigung fowie die Ausübung seines Reichstagsmandats verboten worden ist. Erst wurde er still, und dann verschwand er. Andere lassen sich den Maulforb nicht willig umbinden, Beispiel Korsch. Die bespudt man von Mostau aus: Möge ihnen das Brot der Bourgeoisie wohl schmecken." Die anderen aber nehmen ihn an und springer über den Stod. Diese Uebung heißt: fommunistische Politik im Reichstag. ich selbstverständlich umgehend eine so ausgefüllte Karte einreichen, ohne weitere Diskussionen über die Benuzungsregeln der Staatsbibliothek heraufzubeschwören. Ich tue das weniger, weil ich an ein bekanntes Sprichwort dente, als weil ich sicher bin, daß es trotz aller Bemühungen mir nicht gelingen würde, etwa zu verstehen, weshalb ich des Bücherdiebstahls unverdächtiger bin, wenn eine Person auf der Borderseite der Karte für mich bürgt, als wenn sie das gemeinsam mit einem halben Dußend anderer auf der Rückseite der Karte tut. Nur eins möchte ich richtig stellen: der Herr Staatsbibliothekvorsteher erklärte, er begriffe meine Absicht, und auch deshalb lehne er die Sammelbürgschaft ab. Ich fürchte leider, daß er meine Absicht Trude E. Schulz. nicht verstanden hat, Sonst hätte er wohl die Bürgschaft boch an genommen Das neue Kunftverlags- Recht. Anstelle eines Berlagsgesetzes für bildende Kunst hatte die Reichsregierung einen Bertrag zwischen Kunstverlegern und Künstlern empfohlen. Während für Werke der Literatur und Musik die Gesetzgebung eingegriffen hat, waren so für die bildende Kunst die beiden Parteien auf eine per tragliche Einigung verwiesen. Die Verhandlungen, die sich bei den sehr entgegengesetzten Auffassungen durch viele Jahre hingezogen haben, sind jezt zu einem Abschluß getommen. Der Börsenverein der deutschen Buchhändler, zu dem die Fachvereinigungen der Kunstverleger gehören, auf der einen Seite und der Reichswirtschafts. verband bildender Künfte auf der anderen Seite haben dieser Tage im Berliner Künstlerhaus nach fünftägiger Verhandlungsdauer den Vertrag abgeschlossen. Der Vertrag soll als Unterlage in allen Streitfachen auf dem Gebiete des Kunstverlages dienen. Er ist vorläufig für 5 Jahre abgeschlossen. Der gefeßlose Zustand im Ber hältnis von Künstlern und Verlegern ist nun zu Ende, denn auch die Gerichte werden die Richtlinien ihren Entscheidungen zugrunde legen. Leider ließ sich dieser Herr aber durch meine gewissermaßen von ihm selbst produzierte Popularität nicht bestechen. Er befah mit kritischen Blicken die gelbe Bürgschaftskarte und erklärte, daß die auf der Rückseite stehenden Namen nicht als Bürgschaft anzusehen Die arbeitslofen Künffler in Berlin. Im Schöneberger Magiſtrat feien, und daß außerdem diese sämtlichen Vorwärts- Redakteure der Staatsbibliothet unbekannt wären. Mein bescheidener Einwand, daß ist von der Werkhilfe eine Eintragungsstelle für Erwerbslofenunter der auf der Borderseite der Karte verzeichnete Herr, dessen Bürgschaft ftügung beziehende Künstler eingerichtet worden. Im letzten Monat vor drei Wochen als unzureichend abgelehnt wurde, in einem anderen find im ganzen 1620 Künstler unterstützt worden, davon Schauspieler Falle unbeanstandet der Bibliothek hätte Bürgschaft leiſten dürfen, 513, Opernfänger 186, Maler 335, Bildhauer 87, Runstgewerbler 33, wurde durch eine überraschende Erklärung widerlegt: jenem anderen Graphiker 13, Architekten 17, Filmschauspieler 41, Schriftsteller 76, Herrn hätte man vermutlich auch ohne Bürgschaft eine Leih- Musiklehrer 67, Konzertfänger 53, Chorfänger 52, Rapellmeister 25, farte ausgestellt. ungefähr 30 neue Eintragungen. Die Werkhilfe, die in dieser kurzen Vortragsfünftler 28, Tanzlehrer 55, Artisten 15, Studierende der Mufit 10, Komponisten 6, Theaterdirettoren 2. Täglich erfolgen Beit schon viel für die Berliner Künstlerschaft geleistet hat durch Berteilung der vom Berliner Magistrat ausgefekten Summen zur Unterstützung der notleidenden Künstler( ungefähr sind monatlich über 300 000 Mart verteilt worden), hat sich auch besonders dadurch ein Berdienst erworben, daß sie versucht hat, die Kalamitäten der Notleidenden mit den Hauswirten zu ordnen. Selbst an einer so hohen Stelle dieses publikumfreundlichen StaatsImmerhin gab mir das vermutlich" in diesem Saße zu denken. instituts ist man sich über die Bestimmungen, die seine Benutzung regeln, nicht ganz klar. Allerdings erscheint mir das nach den Erfahrungen, die ich bisher dort sammeln durfte, nicht mehr allzu unverständlich. Sollte indessen irgend jemand meiner bescheidenen Hilfe bedürfen, so steht sie ihm gern zu Diensten. Aus meiner Bürg: schaftstarte tann man immerhin schon mit einiger Ausführlichkeit ersehen, was dort alles nicht erlaubt ist. Borläufig befindet sich diese Karte also wieder in meinem Befig. Ich erhielt sie zurück mit dem Bedeuten, daß, wenn der„ völlig unbekannte" Herr, der sich als Stadtverordneter unterzeichnet habe, seinen Namen auf die Vorderseite einer neu auszufüllenden Karte sehen würde, man das dann als zureichende Bürgschaft ansehen würde, Gerührt von soviel Entgegenkommen verabschiedete ich mich. Da ich notwendig Bücher aus der Staatsbibliothek brauche, werde In der Städfischen Oper schließt Sonntag die erfte Spielzeit mit einer Aufführung von„ Fatiniza". Die Wiedereröffnung findet am 4. September statt. Eine Sozialversicherung für bildende Künstler. Der Leiter des Wirt schaftsverbandes bildender Künstler, Genosse Marcus, arbeitet den Plan einer Sozialversicherung für bildende Künstler aus, um augenblidlich wirt. Ichaftlich noch gut daftehenden Künstlern die Möglichkeit zu geben, für Notzeiten gesichert zu sein. Die Zeme. Antisemitischer Wahnsinn vor Sem Ausschuß. Der Femeausschuß des Reichstags brachte gestern die Zeugenvernehmung im Falle Baur zum Abschluß. Es wurde zuerst der Zeuge S t r ö b e l, Landwirtschaflspraktikant, ver- nommen, der im Bureau des Blücher-Bundes beschäftigt war. Er war in der Mordnacht nicht zugegen und befand sich zur Zeit des Prozesses in französischer Gefangenschaft. Baur forderte ihn zu der Reise nach Norddeutschland aus, zu der das Reisegeld bei Machaus abgeholt werden sollte, wobei Ströbel den fran» zö fischen Major Richert sah. Der Zeug« erzählt dann von den Zwistigkeiten zwischen Baur und Zwengauer in Regensburg. Bon seinen Aussagen ist nur bemerkenswert die Mitteilung, daß Berger bei telephonischem Anruf nach Baur erklärt habe, Baur sei verreist, seine Rückkehr sei unbestimmt. In Wahrheit war er bereits ermordet. Dann wird es interessanter. Es erscheint Dr. Adolf Rüge. ehedem ein Haupt der antisemitischen Bewegung, der zunächst unter Aussetzung der Vereidigung vernommen wird. Er ist 45 Jahre alt, bezeichnet sich noch immer als Prioatdozent, ist aber, wie er sagt, durch Verbrecher an der Ausübung seiner Tätigkeit verhindert. Auf Antrag eines jüdischen Konsortiums sei er um seine Stelle im lschilosophischen Institut in Heidelberg gebracht worden. Ein ehr» licher deutscher Arzt hat dann aber festgestellt, daß er nicht geistes- krank fei. 1S23 ging er nach München, das infolge der Tätigkeit Poehners und der damals noch stark nationalen Reichswehr das Eldorado der vaterländischen Verbände war. Von Oberschlesien zurückgekehrt, brachte ihn der Regierunosbaumeister Schäfer in den Blücher-Bund. Er sollte die Leute durch Vorträge begeistern. Wovon er gelebt hat, weiß er angeblich selbst nicht. Poehner habe ihn vor Schäfer gewarnt, wegen dessen Beziehungen zu den Franzosen. Schäfer wollt« angeblich die vaterländischen Verbände reinigen, er ließ ober die anderen Leute für sich arbeiten und st eckte selb st das Geld ein. Rüg« hielt ihn für einen Ehrenmann. Der Zeuge ergeht sich dann in weitschweifigen Darlegungen über die Ver- Hältnisse in Bayern und muß von dem Vorsitzenden immer wieder daran erinnert werden, sich nur über Verrat und Feme zu äußern. Dabei ergeht sich Rüge in absurden Feststellungen. Eine Feme sei notwendig, sagt er z. D.. weil ein Volk, das keinen Lern in Gestalt einos Zusammenschlusses seiner besten Leute hat. kein Volk sei. sondern ein Dreckhaufen. Diesen Stand- punkt vertrete er heute noch. Auch die Juden hätten bekanntlich em« Feme. Sie Feme sti entsprechend dem altgermanischen Recht eine Organisation, welche Ge- richtsurteile fällt und ausführt. Es habe ein« solch« aber nie existirt. Der Verdacht, daß eine solche existiere, beruh« auf der Ermordung verschiedener, meist jüdischer Perjönlichteiten. In Wahrheit feien diese Morde aber nur das Aufflammen eines hochgesteigerten nationa» len Ehrgefühls.(!) Rüge besteht darauf, daß der Fall Schäfer ein- gehend erörtert wird. Im anderen Falle sei bewiesen, daß der Aus- schuß die Wahrheit verschleiern wolle. Schäfer hatte nach Rüge/ Schilderung in Schleißheim eine Organisation aus rein militärischer Grundlage und vertrat das Prinzip, daß jeder Verräter umgebracht werden müsse. Es sei ein Lager von Soldaten. Panzerautos, Maschinengewehren, usw. gewesen. Junge Leute habe man aus dem Berufe heraus- geholt, sie hätten sich dort mit Abschießen von Rehen und kriegerischen Scharmützeln beschäftigt, der Geist des Altioismus und Fanatismus habe unter ihnen geherrscht. Zwengauer, über den Rüge gegenüber neuerdings Richter ge- äußert hätten, daß er gornicht der Mörder fei, war nach Rüge ein zarter, sensibler, vornehmer, anständiger Mensch. Er habe unter dämonischem Einfluß gehandelt: der Dämon war Schäfer, der die Leute in geradezu blödsinniger Weise aufgeputscht habe. Er schildert dann, wie Baur als Ordonanz von Schäfer zu ihm geschickt wurde, wie er ihm die Wohnung„verpestete" und sich im Restaurant- wie ein Schwein benommen, habe. Auch die telephonische Mystifikation durch Baur-erwähnt er. Bei dem Hinweis des Vorsitzenden auf die Akten erklärt Buge mit erhobener Stimme: Die Akten sind alle gefälscht. Staats- anwalt Stumpf habe mit vollem Bewußtsein eine Fälschung vollzogen. Er erhält dafür eine Rüge des Vorsitzenden. Nach Baur sei Zwengauer von Schäfer zu ihm geschickt worden, angeblich erst nach der Mordtat, und gestand Rüge nach einigen Tagen das Verbrechen. Danach sei Zwengauer von dem Schäfer aus den Baur„abgestellt" worden, weil er ein Verräter sei. Damals spielte die Fuchs- Machaus-Affäre und Zwengauer wußte, daß Schäfer schwarze Liste führte über Leute, die zu beseitigen waren. Zu Ruges großer Freude fei Zwengauer aus dem Zuchthaus entkommen. Er habe zweifellos eine Femelat ausgeführt, denn im Bund Blücher Hobe es eine Femeorganisation gegeben, deren Haupt Schäfer war. Aus Fragen an Rüge wird verzichtet. Damit schließt Sie Vernehmung dieses seltsamen Zeugen, die den Eindruck bestätigt, daß es sich bei Rüge um einen Menschen handelt, besten Nervosstät und Einbildringsvermögen die Grenzen des Krank- haften streifen.— Rächst« Sitzung Dienstag vormittag. primo kommt nach Paris. Als Ehrengast der grostc« Truppenparade. Paris. 5. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Di« diesjährige Truppen- schau am 14. Juli, dem Nationalfest Frankreichs, in Longchamp soll besonder»„glänzend" ausfallen. Madrider Meldungen zufolge hat der Diktator Primo de Rioera seinen sehr wahrscheinlichen Besuch in Paris zu diesem Tage zugesagt. Der König Alfons wird durch feine Reise nach London zurückgehalten sein und der Truppenschau nicht beiwohnen. Dagegen werden der Sultan von Marokko und der Bey von Tunis in Pari» an- wesend sein. Um �lbesjmien. Englisch-italicnisch-französische Verständigung. Varls. S. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der italienische Bot- schaster In Paris hat am Sonntag eine offizielle Demarche beim Quai d'Orsay unternommen und mitgeteilt, daß das neue i a t i e- nisch-englischc Abessinienabkommen weder in poli- tischer noch in wirtschaftlicher Hinsicht gegen den Bertrag von 1906, der die Souveränität Abefsiniens schützt, verstoße. Der Quai d'Orsay hat im Anschluß daran in einem öfsentlichen Ecmmuniquä betont, eine Fortsetzung der P r e s s e p o l e m i k in Frankreich über die Abesiinienfrage sei nach dem Besuch des Botschafters gegen- st a n d s l o s geworden. Die Linksblätter greifen heute morgen den Quai d'Orsay scharf an und äußern den offiziellen Stellen gegenüber den L e r d o ch t, gegen Kompensationen bisher unbekannter Art die italienischen Expansionsbestrebungen in Abestinien zu begünstigen. Der„Quotidien" erklärt, daß Frank- reich in diesem Falle gegen den Quai d'Orsay Stellung nehmen und sich unker keinen Umständen dazu hergeben werde, an der U n t e r- jochung de» letzten freien Staate« in Afrika mitzu- Helsen.._ Roch keine Bestätigung der Wohl Dorpmüller». Die Minister- besprechung über die Frage des Reichsbahndirektors dauerte gestern bis 8 Uhr' abends. Endgültige Beschlüsse zu der Wahl Dorpmüllers zum Generaldirektor der Rcichsbahngejellschast sind noch nicht ge- faßt worden. Ein Antrag der Volkspartei.— D Der Landtag verabschiedete gestern, nachdem er einem An- trog auf eine Hilfsaktion für die Hochwasserschäden in Niederschlesien ohne Aussprach« zugestimmt hat, in allen drei Lesungen ein« Novelle zum Stempel st euergesetz, wonach der Tarif für Bollmachten zur Vornahme von Geschäften rechtlicher Natur 1» Proz. des Wertes des Gegenstandes, höchstens aber 1000 Mark betragen soll. Es folgt die zweite Beratung der Vorlage über die Einbringung staatlichen Bergwerks besitzes in die Preußag: hiermit verbunden ist die Beratung des Gesetzentwurfs über die Bereitstellung weiterer Geldmittel für die Ausgestaltung des staatlichen Besitzes an Bergwerksunternehmungen. Abg. Oslerrolh(Soz.) weist als Berichterstatter darauf hin, daß die Neugestaltung besonders mit Rücksicht aus die Ermöglichung einer richtigen Bilanzierung geboten erscheint. Im Ausschuß seien die Meinungen über die Vorlage auseinandergegangen Der mit zur Beratung gestellte zweite Gesetzentwurf fordert 30 Millionen, die verteilt werden sollen auf die Preußag, auf die Hibernia und auf die Bergwerksaktiengesellschaft Recklinghausen. Der Finanz- m i n i st e r wird ermächtigt, dieKreditmittelzubeschaffen, die einen Teilbetrag der bereits bewilligten 1S0-Millionenanleihe darstellen. Nach längerer Debatte findet ein Antrag der Sozialdemo- traten, des Zentrums und der Demokraten Annahme, wonach Aktienverpfändungen bei der Preußischen Staatsbank über 10 Millionen, bei sonstigen Geldgebern in jedem Falle der Zu- stimmung des Landtags bedürfen. Auch einer E n t- s ch l i e ß» n g Dr. v. T a m p e(D. Dp.) wurde zugestimmt, die in prioatwirtschaftiiche Gesellschaftsform übergeführten staatlichen Be- triebe anzuhalten, ihren Bedarf an langfristtgen Krediten durch Ber- mittlung des Staates zu decken. Mit diesen Aenderungen und unter Ablehnung aller anderen Abänderungsanträge verabschiedete das Haus mit großer Mehrheit beide Dorlagen. Der Gesetzentwurf, der weitere rund 32,8 Millionen für die Vollendung des ZNittellandkanals bereitstellt wurde nach ausführlicher Debatte einsti-mmlg in zweiter Lesung angenommen und anschließend in dritter Lesung verabschiedet. Annahme fanden auch die Entschließungen mit der von den Deutschnationalen beantragten Aenderung daß der Passus der die Errichtung eines Kanalbauomtes in Merseburg fest- legen wollte, gestrichen wird. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes, der die Stadt Biebrich, sowie die Landgemeinden Schierstein und Sonnenberg vom Landkreise Wiesbaden abtrennen und mit der Stadtgemeinde und dem Stadtkreise Wiesbaden verbinden will. Nach kurzer Besprechung erfolgt namentliche Abstimmung über einen Antrag der Koalitionsparteien, wonach die von der Regierung in ihrer Begründung für die Vorlage aufgestellten Be- dinqungen, unter denen die Eingemeindung erfolgen soll, direkt als Anlage des Gesetzes beigefügt werden sollen,.�nr Abstimmung geben nur 118 Abgeordnete der Antragssteller ihre Karte ab. Das Haus ist also wieder einmal beschlußunfähig. In einer auf sofort einberufenen neuen Sitzung setzt das Haus die dritte Etatsberatung mit der Aussprache zum Haushalt des Ministerpräsidenten und des Staats- Ministeriums fort. Abg. Dallmer(Dnat.) erklärt: Wenn man sehe, wie heute der Kampf gegen die nationalen Verbände geführt werde und auf der anderen Seit« die Behandlung des Reichsbanners beobachte, könne man nur von einem unleidlichen Terror sprechen, gegen den die Regierung nichts unternehm«.(!) In der heutigen Zeit der großen Arbeitslosigkeit ging« die stnduldsomkeit sogar so wett.'doß dem nicht lwks eingestellten Arbeiter sedes Recht verfagt werde.(!) Zu einem Ministerpräsidenten, unter dem solche Zustände möglich sind, könnten die Deutschnationalen kein Vertrauen haben.(Beisoll rechts.) Abg. Dr. v. Eampe(D. Vp.) betont, daß sein« Fraktion nicht beabsichtige, sich an einer politischen Diskussion beim Etat des Ministerpräsidenten zu beteiligen. Er wolle nur sprechen zu dem Antrage, den seine Fraktion in der Frag« der Auseinander. f e tz u n g über das Vermögen der früheren Fürsten eingebracht habe. Dieser Antrag solle lediglich den Zweck haben, Preußen zu veranlassen, die Initiative in dieser Frage zu ergreifen. Es fei höchst« Zeit, das öffentliche Leben von dieser Frag« zu befreien. Es kommt uns darauf an, daß tatsächlich von Preußen die Initiative ergnsfen wird, zunächst vom Standpunkt aus, daß Preußen ein Rechtsstaat ist, dann aber auch getragen von dem Ge- danken, daß das Recht von gestern nicht ohne weiteres das Recht von heute ist. Es gibt eine höhere Gerechtigkeit, die nicht vor den Parapgraphcn Halt macht, wenn sich die Verhältnisse so geändert hoben, wie dies geschehen ist. Aus Rücksicht auf die groß« Rot, die besteht, müssen wir auf der einen Seite dem Recht, auf der anderen Seit« aber auch anderen Gesichtspunkten Rechnung tragen, die Ich eben kurz skijzziert habe. Der Ministerpräsident würde sich ein Verdienst um den Staat erwerben, wenn er endlich dafür Sorg« trüge, daß diese Frage ge- regelt wird. Ministerpräsident vraun:. Auch die Staatsregierung hat ein Interesse daran, daß die von dem Herrn Abg. v. Campe soeben besprochene An- gelegenheit der Fürstenabfindung mit aller Beschleuniqung so ge- regelt wird, wie sie im Interesse des Staates liegt. Da» Staats- Ministerium wird sich daher demnächst mit der durch die Ablehnung de» Gesetzes über die Fürstenabfindung im Reichstage geschossenen neuen Lage beschästigen. Zu den Ausführungen des Herrn Redners der Deutschnationalen Volkspartei, der einige Worte über meine Stellung zur Land- Wirtschaft gesprochen hat, erkläre ich: Meine Stellung zur Landwirtschaft habe ich des öfteren hier dargelegt. Wenn ich indis- kret sein wollte, könnte ich Ihnen Briefe und Aeuße�ungen von Vertretern der Landwirtschaft, die der Deutsch- nationalen Volkspartel sehr nah« stehen, über mein Interesse für die Landwirtschast hier vorlesen, die doch etwas anders lauten als die Ausführungen von Rednern ihrer Partei von der Tribüne dieses Hauses.(Sehr gut! links.) Ich kann auch feststellen, wenn in der Tat hier und da Rot am Mann ist, daß eben gerade auch Herren aus Ihrer(nach rechte) Partei sich am ehesten an mich wenden und zwar stets mit der Einleitung, weil sie wüßten, daß ich Verständnis undInteress« für d i e Landwirtschaft habe.(Hört! hört! links.) Soweit es möglich war, ju helfen, habe Ich auch stets tatkräftig eingegriffen und geholfen. Was nun meine Vertretung auf landwirtschaftlichen Tagungen anlangt, so muß ich offen zugeben, daß bei der Art, wie auf vielen land- wirtschaftlichen Tagungen die Interessen der Landwirtschaft be- handelt werden, e» einem Vertreter der Regierung nicht sehr leicht ist, dort hinzugehen und teilzunehmen. Ich erinner« Sie daran daß selbst bei der letzten Tagung des Landwirtschastsrats. wo der frühere Reichskanzler Dr. Luther hinging, mit dem lebhaften Znteresse für die Sachen, die dort erörtert wurden, um die SIellung der Reichsregierung darzu- legen, der Reichskanzler schon in den Elnleilunqsreden sich derartig verletzt und angegriffen fühlte, daß er Abstand nehmen wollte, überhaupt zu reden, und er die Tagung verlosen wollte. Wenn das sogar Herrn Dr. Luther passierte, bitte ich Sie, sich vor- zustellen, wie es mir nach dieser Vorbereitung auf solch einer im Landtag. e Antwort des Ministerpräsidenten. Tagung gehen würde.(Heiterkeit links.) Daß ich da nicht sehr viel Neigung habe, bei meiner über aus stark in Anspruch ge- nommenen Zeit auch noch zu derartigen landwirtschaftlichen Tassün- gen zu gehen, können Sie verstehen. Aber ich glaube auch, daß man mich dort nicht gar zu sehr vermißt. Wenn die Herren sich daran gewöhnen, auf diesen landwirtschaftlichen Tagungen wirklich sachlich die Interessen der Landwirtschaft zu besprechen, bin ich jederzeit bereit, an solchen Versammlungen teilzunehmen. Es würde mir ein ganz besonderes Vergnügen sein, ein- mal auf solch einer landwirtschaftlichen Tagung meinen Stand- punkt zur Landwirtschast eingehend darzulegen. Ich glaube, daß viele der Herren dann endlich über meine Stellung ein anderes Bild bekämen, als das Zerrbild, das jetzt in der rechtsgerichteten Presse ihnen stets übermittelt wird.(Sehr gut! links.) was die ganz konkrete Frage der Vertretung aus der Tagung der Landwirtschasts- kammer der Rheinprovin; anlangt, so erkläre ich Ihnen ganz ofsen. daß ich nach den Angriffen, die der Präsident dieser Landwirt- schastskammer unberechtigt gegen Bertreler der Staatsregierung in letzter Zeit in der Oessenlltchkett gerichtet hat. es für ganz unmöglich hielt. Vertreter der Slaatsregierung zu Tagungen zu schicken, die unker Leitung dieses Herrn flehen.(Sehr richtig! links. Zurufe bei den Deutschnationalen.) Was meine Stellung zu den nationalen Verbänden anbelangt, so kann ich Ihnen erklären, wenn die Herren mich einmal einladen und mir auch die Gewähr geben wollen, daß ich dort so behandelt werde, wie man es als verständ- lich ansehen muh, und mir auch volle Redefreiheit geben wollen, bin ich gern bereit, auch zur Tagung der nationalen Verbände zu kommen und dort den Standpunkt der Staatsregierung darzulegen. (Sehr gut! links.) Mit dem Redner der Deutschiiattonalen verurteile ich jeden Terror im wirtschaftlichen und polttischen Leben. Ich verurteile— um einen Fall herauszugreifen—, daß in Braunschweig zwei Arbeiter durch den Terror ihrer Klassengenossen von der Arbeitsstelle verjagt worden sind. Ebenso verurteile ich den Terror, daß Hunderte von Arbeitern, nur weil sie ihr Staatsbürgerrecht beim Volksentscheid ausgeübt haben, von ihren Arbeitgebern brutal auf die Straße gesetzt worden sind.(Sehr gut! links.) Ich werde immer daran arbeiten, jeden Terror im öffentlichen Leben zu bekämpfen, mag er von rechts oder von links kommen. Erst wenn wir uns daran gewöhnt haben werden, jede politische Meinung, sei sie noch so abwegig, bei dem anderen zu achten, und uns darauf zu verlassen, daß mit geistigen Waffen die Argumente des Gegners bekämpft werden müssen, werden wir zu einer Gesundung des politischen Lebens kommen.(Beifall links und in �der Mitte.) Im Namen der sozialdev okratischen Fraktion gab alsdann Abg. Meier-Berlin folgende Erklärung ab:„Die sozialdemokratische Fraktion sieht keine Möglichkeit, auf den Boden des Antrags o. C a m p e zu treten. Wenn auch die Bemühungen um eine Regelung der Fürstenabfindungsfrage im Reiche bisher zu keinem Ergebnis geführt haben, so lassen doch die Erklärungen der Reichs- regierung und maßgebender Parteien wie auch die Verlängerung des Sperrgesetzes bis zum Ablauf des Jahres keinen Zweisel daran. daß beabsichtigt ist, die Frage der Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den ehemals regierenden Häusern durch einen Ätt der Reichsgesetzgebung endgültig zu erledigen. Diese Absichten durch landesrechtliches Vorgehen zu durchkreuzen, liegt u. E. kein genügender Anlaß vor. Der seinerzeit zwischen dem preußischen Slaatsministerium und den hohenzollern In Aussicht genommene Vergleich wäre von der Sozialdemokratie abgelehnt worden. Heute hat dieser Höpter» Aschoffsche Vergleichsentwurf ebenso wie der Südekumsche Ver« gleichsentwurf von 1919 nur noch historisches Interesse. Beide Verglcichsentwürfe waren für ihren Urheber und das prxu- bische Slaatsministerium osfenbar nur deshalb überhaupt chistu- tabel, weil die Rechtslage bei der Entscheidung durch die Gerichte für den Staat überaus ungünstig gestaltet war. Nachdem feststeht, daß 13 Millionen deutsche Wähler und Wählerinnen die entschädigungslos« Enteignung der ehemaligen Fürsten fordern, daß aber darüber hinaus bei allen Parteien mit Ausnahm« der äußersten Rechten die Uebcrzeugung Gemeingut geworden ist, daß die Auseinandersetzung des Staates mit dem ehemaligen Fürstenhaus nicht nach rein zivil rechtlichen Gesichtspunkten be- urteilt werden kann, sondern ein eminent politischer und staatsrechtlicher Akt ist, können die früheren Vergleichs- entwürfe überhaupt nicht in Betracht gezogen werden. Die von großen volksparteilichen Organen geforderte„königliche Geste des Verzichts' ist von den Hohenzollern und ihren Rechts- Vertretern bisher auch nicht imEntferntesten angedeutet worden. Aus allen diesen Gründen scheinen uns die Voraussetzungen für einen Vergleich zwischen der Republik Preußen und den Hohen- zollcrn gegenwärtig völlig zu fehlen. Wir werden uns aber nicht dagegen sträuben, wenn die Antragsteller es wünschen, ihren Antrag einem Ausschuß zu überweisen und sind bereit, dort näheres von ihnen darüber zu hören, wie sie sich einen solchen Vergleich als möglich vorstellen. Die sozialdemokrattsche Politik in der Frage der Fürsten- absindung ist vollkommen klar und einheitlich: Nachdem der Volts- entscheid nicht zum Erfolg der enlschädiqungslosen Enteignung ge- führt ha», hat die Sozialdemokratie die Vilich», einen möglichst großen Teil des strittigen Gutes für die Allgemeinheit zu retten und einen möglichst geringen Teil den ehemaligen Fürsten onhetm- fallen zu lassen. 3n diesem Sinne wird die gesamte Sozialdemokra- tische Partei wie bisher tätig sein." Abg. Bartels(Komm.) spricht der Regierung das schärfste Miß- trauen aus. Abg. Greßler(Dem). Erstaunlich ist der Antrag der Deutschen Volkspartei, der Preußen aufsordert, von sich aus einen Ausgleich in der Fürstenabfindung herbeizusühren. Es sei doch jeder Versuch bisher gescheitert.(Sehr richtig! rechts.) Wenn das Recht von jetzt nicht das Recht von heute ist, wie Herr v. Campe meint, so müßte jetzt eine reichsgesetzliche Rege- l u n g gefunden werden, die den Ländern es zuweist, die Ausein- andersetzung vorzunehmen. Die„Kölnische Zeitung" gibt im wcsent- lichen die Aufassnng der Voltspartei wieder. Auch sie hat in dieser Frage eine k'önigliche Tat vermißt!(Zurufe bei der D. Vpt.). Wir sind für Ueberrveisung des Antrages an den Hauptausschuß.) Nach Ausführungen des Abg. Bachem(Dnat.) und Ladendorff (W. Vg.) schließt die Besprechung. Um 7 Uhr oertagt das Haus die Weiterberatuna auf Dienstag 11 Uhr. Ein �lrbeiterjuflenüheim. Breslau, 5. Juli.(Eigener Drahtbericht.)»In Striegau, im Re- gierungsbezirk Breslau, wurde am Sonntag ein neues großes Arbeiter. Jugendheim eröffnet. Das neue nach modernen Grundsätzen erbaut« Gebäude, das zum Teil mit öffentlicher Unter- stützung errichtet wurde, bietet für den deutschen Osten einen ähnlichen Stützpunkt für die Wanderungen und das Bildungswesen der Arbeiterjugend, wie da» Heim Tännich der Arbeiterfugend in Thüringen. Die Eröffnung wurde durch den schlesischen Bezirks- leiter der Arbeiterjugend, den Genossen HeinrichZimmer.und durch den Leiter des neuen Verbandes der Freunde der schlesischen Arbeiter, Polizeipräsident a. D..Gen. Voigt, vorgenommen. Gewerkschaftsbewegung Generalversammlung der Bergarbeiter. Erster Berhandlungstag. Saarbrüden, 5. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Der erste Verhandlungstag der 25. Generalversammlung des Ber: bandes der Bergarbeiter Deutschlands war den Ge= schäftsberichten des Borsstandes, ihrer Diskussion und den dazu gestellten Anträgen vorbehalten. Husemann umriß in feinem Geschäftsbericht in großen flaren Linien zunächst die nationale und internationale Bergbaulage. Er zeigte die Folgen der Kräfteverschiebung in der Kraftstoffproduktion der Welt durch die befannten Erscheinungen des Bordringens der Braunkohle, des Erdöls und ging dann auf die törichte Preispolitik der Kartelle und Trusts ein, um so von diesen Erscheinungen die Schlußfolgerung abzuleiten, daß sich leider die Hoffnungen der Dresdener Generalversammlung des Jahres 1924 auf eine baldige Beiserung der allgemeinen Wirtschaftslage, insbesondere der Lage im Bergbau, nicht erfüllt haben. Er fennzeichnete scharf die In tätig feit und Unfähigkeit der bürgerlichen Regierung gegenüber der fatastrophalen Lage an der Ruhr und das Törichte des Versuchs, einer weiteren Absazkrise im Kohlenbergbau mit den verbrauchten Methoden der Verlängerung der Arbeitszeit, Senfung der Löhne und Verschlechterung der spnstigen Arbeitsbedingungen begegnen zu wollen. Spontanen Beifall fanden seine Worte, die er der Saar widmete: Wir Bergarbeiter fönnen nur münschen, daß die Währung in Frankreich stabilisiert wird und daß, was noch besser ist, möglichst bald der Zeitpunkt kommt, an dem die Regierungen und Bölfer einsehen, daß es für alle Teile besser ist, daß das Saargebiet bald wieder endgültig zu Deutschland kommt." Husemann berührte dann die Arbeit der Arbeitnehmervertreter in den Gemeinwirtschaftsförpern: Reichstalirat, Kalifyndikat, Reichsfohlenverband, Reichsfohlenrat und Kohlenjynditat und die Tätigkeit unserer Abgeordneten im Reichswirtschaftsrat, im Reichstag und in den Landtagen und stellte als Ergebnis feft: Ohne unseren Einfluß in diesen Vertretungen wäre die Lage der Arbeiterschaft weit schlimmer als sie heute schon ist. Besondere Schuld an der Lage im Bergbau träfe die Bergarbeiter, die der Organisation fern blieben und trotz aller Warnungen zu leberschichten drängen, so daß sie im Monat statt 24 und 25 30 und mehr Schichten verfahren. Die Mitgliederbewegung sei start dadurch gehemmt gewesen, daß es allein im Ruhrbergbau 200 000 Arbeitsloje gibt. Besondere Beachtung verdiene die volkswirtschaftliche Abteilung des Verbandes und ihre Zeitschrift Verband und Wirtschaft". Borgschulze Bochum gab anschließend ein sehr in struttives Referat über" Sozialpolitische Fragen". Er bedauerte, daß trop Reichsverfassung ein einheitliches Arbeitsrecht bis heute noch nicht geschaffen sei und eine Vereinheitlichung der Arbeitsrechtsgesetzgebung beständigen Anfeindungen der Unternehmer ausgesetzt sei. Die Lage der Sozialversicherung und ihr Mitglieder zuwachs bewiesen, daß eine weitgehende Proletarisierung früherer Mittelschichten eingetreten sei. Die Verbesserungen, die im Reichsfnappschaftsgesetz durchgeführt worden seien, wären nur möglich gemorden durch einen außerordentlich hartnäckigen Rampf gegen die Unternehmer, die mit eiserner Stirn den Abbau der Sozial politif durchzuführen versuchten. Der Kassenbericht des Haupttassierers Bittner fonnte die erfreuliche Tatsache feststellen, daß die Beitragseinnahmen im allgemeinen unter Beachtung der schweren Krise im Bergbau als befriedigend zu bezeichnen sind. Insbesondere stellte er an Hand der Beitragssteigerungen fest, daß der Verband in der 3eit der größten Rrife 1924/25 ffabil geblieben fei. Der vor Jahren aufgestellte Grundsay Ein Stundenlohn als Wochenbeitrag ist im ganzen Verbandsgebiet restlos durchgeführt und in einzelnen Bezirken bereits überholt. Der Verband hat in den beiden Berichtsjahren 1924/25 eine Rücklage von 2,1 milionen Mart gemacht und berechnet sein Gesamtver mögen heute auf 42 Millionen gegenüber 3 Millionen im Normaljahr 1913, menngleich sein Vermögen nicht die gleiche Liquidität besize wie im Jahre 1913. Die Diskussion am Nachmittag und die Antragsbesprechung ergaben das Bild eines starken inneren Lebens in den Verbands: reihen wie auch den unmittelbaren Eindruck einer erfreulichen Geschlossenheit des alten Verbandes. Die Siemensfirmen wälzen soziale Lasten ab. Wer über drei Wochen frank ist wird entlassen. Die Siemens Firmen machen seit langem große Reflame mit ihren Wohlfahrtseinrichtungen und mit ihrer sozialen Fürsorge, die sie ihren Arbeitnehmern angedeihen lassen. Wie fieht es in Wirklichkeit damit aus? In letzter Zeit geht man dazu über, Arbeitnehmer, die länger als drei Wochen frant sind, zu entlassen. Dies trifft speziell auf Arbeiter und Arbeiterinnen zu. In den Kündigungsschreiben, die diese Arbeiter erhalten, sagt die Firma zu, daß sich der Betreffende na ch wiederhergestellter Gesundheit in der Arbeiterannahme meiden möchte, es kann ihm dann evtl. erneut Arbeit nachgewiesen werden. Das geschieht jedoch nur in wenigen Fällen. Untersucht man, warum die Siemens- Firmen zu dieser Maßnahme schreiten, so muß man feststellen, daß es ihnen nur darauf ankommt, den geringfügigen Urlaub zu sparen, der den Arbeitern und Arbeiterinnen der Berliner Metallindustrie nach dem Tarifvertrag zusteht. Jeder Urlaubsanspruch, eines auf diese Art und Weise zur Entlassung Gekommenen, wird von der Firma brüst abgelehnt. Diese Entlassungen haben allerdings noch einen anderen Grund. Durch die in letzter Zeit in fast allen Betrieben durchgeführten Rationalisierungsmethoden, die beim deutschen Unternehmer lediglich darauf hinauslaufen, ein großes Quantum Mehrleistung bei noch niedrigeren Löhnen zu erzielen, ist der Gesundheitszustand der Be legschaft start herabgemindert worden. Das macht sich besonders in der Kranfenfasse bemerkbar, welche jetzt in erhöhtem Maße in Anspruch genommen wird. Die soziale Maß nahme" der Firma, jeden, der länger als drei Wochen frank ist, zu entlassen, bewirkt, daß jeder Arbeitnehmer eine Krankmeldung mög: licht vermeidet und sich trok Erkrankung bis zum legten Augenblick vor dem Zusammenbruch an die Arbeitsstätte schleppt. Die Folge davon ist, daß zwar die Krankenziffer im Laufe der Zeit finfen muß, mogegen sich ein An steigen der durchschnitt lichen Krankheitstage bemerkbar macht. Klagt ein Entlassener beim Gewerbegericht gegen seine Entlassung, so weist die Firma darauf hin, daß sie sich zur Ent faffung verpflichtet fühlte, weil sie den Arbeitspla ander meitig befehen mußte. Eine unbillige Härte" stellt ihre Handlungsweise nicht dar, da es dem Arbeitnehmer möglich sei, sich während seiner Krankheit nach anderer Arbeit umzusehen(!). Eine solche Methode, wie sie hier angewendet wird, ist äußerst verwerflich und unsozial. Es verstößt direkt gegen die guten Sitten, menn man einem Kranten zumutet, sich nach anderer Arbeit umzusehen. Es ist unmöglich, daß jemand, der frank ist, durch den Arbeitsnachweis vermittelt werden kann. Der Fall zeigt, daß die Sparsamkeit der Industrie, vornehmlich aber die der Siemens- Firmen, auf Kosten der Lebenshaltung und der Gesundheit der Arbeitnehmer geht. Bei der Arbeitnehmerschaft erfolgt Abbau auf Abbau, während in den höchsten Stellen der Geschäftsleitungen noch eine 3unahme der Direktoren zu verzeichnen ist. Eine unzulässige Anfrage? Fuhrunternehmer Schneidemühl hat die Kohlentransporte nach einem großen Krankenhause auszuführen. Den mit dem Abladen beschäftigten Arbeitern zahlte er einen Akkordlohn von 4 Pfg. für den Zentner. Als neuerdings ein solcher Kohlentransport ausgeführt wurde, erhielten die Arbeiter nur 3 Pf. für den Zentner. Verwundert fragten sie sich, was wohl der Grund für den bedeutenden Lohnabzug sein könnte, ob der Unternehmer vielleicht einen niedrigeren Preis wie früher von seinem Auftraggeber erhalte. Wäre es so, dann könnte man meinten die Arbeiter das Berhalten des Unternehmers vielleicht verstehen. Einer der Arbeiter fragte also bei einem Angestellten der Krankenhausver waltung an, welchen Preis sie dem Fuhrunternehmer zahle. Die gewünschte Auskunft erhielt der Arbeiter nicht, aber er murde. entlassen. Der Unternehmer hält es für ein schweres Vergehen, menn ein Arbeiter versucht, ihm in die Karten zu gucken. Aber so einfach, wie es sich der Unternehmer gedacht haben mag, war der Fall nicht erledigt. Der Entlassene war Mitglied des Betriebsrats und der Unternehmer hatte die Zustimmung des Betriebsrats zur Entlassung nicht eingeholt. Das Gewerbegericht, an das sich der entlassene Arbeiter wandte, hätte den Unternehmer ſelbſtverſtändlich zur Weiterzahlung des Lohnes verurteilen müssen, denn die Anfrage des Arbeiters bei der Krankenhausverwaltung ist keiner der in der Gewerbeordnung angeführten zur fristlosen Entlassung berechtigenden Gründe. Der Vorfizende, Magistratsrat Krause, bemühte sich aber, einen Bergleich zustande zu bringen, der denn auch dahin abgeschlossen wurde, daß der Kläger mit 200 Marf abgefunden wird. Magistratsrat Krause hatte, um die Parteien zum Vergleich zu bewegen, darauf hingewiesen, daß für den Kläger nicht mehr herauskommen tönne, wenn der Beklagte beim Arbeitsgericht den Antrag auf Zustimmung zur Entlassung des Betriebsratsmitgliedes( Klägers) stellen würde. Daß das Arbeitsgericht einem solchen Antrage zustimmen würde, scheint Magistratsrat Krause für selbstverständlich zu halten. Anders sind seine rechtsbelehrenden Ausführungen nicht zu verstehen. Wir meinen dagegen, das Verhalten des Klägers fann feinem unbefange nen Richter Beranlassung geben, sich für die Entlassung des Betriebsratsmitglieds zu entscheiden, denn wo liegt hier eine Berlegung der Pflichten des Betriebsrats. Der Arbeiter hat doch ohne Zweifel das Recht, sich zu erkundigen, ob eine Lohnherabsetzung durch eine etwaige Preisherabsetzung begründet ist oder nicht. Berlorengegangene Kaffenbücher. Am Montag, den 5. Juli, abends 7% Uhr, hat der Bezirksfassierer des Zimmererverbandes Karl Disin, wohnhaft Berlin NW., Birkenstr. 22, in der Straßenbahn Linie 3 an der Perleberger Ede Rathenower Straße ein Paket in grauem Papier, Inhalt zwei Kassenbücher mit Beitragsmarken vom Zimmererverband, liegen gelassen. Der ehrliche Finder wird gebeten, diese Bücher bei Ossin oder im Verbandsbureau, Engelufer 24/25, 3immer 50, abzugeben. Zentralverband der Zimmerer. Zahlstelle Berlin u. Umg. Freie Gewerkschaftsjugend. Heute, Dienstag, 6. Juli, 7½ Uhr, tagen die Gruppen: Landsberger Blag: Jugendheim Diestelmenerstr. 5. Heimbesprechung und Liederabend. Frankfurter Allee: Jugendheim Tilsiter Str. 4/5, 1 Treppe. Heimbesprechung, Diskussion: Sport und Rörperkultur". Lichtenberg: Jugendheim Doffeftr. 22. Heimbesprechung, Diskussion: Körperkultur". Treptow: Jugendheim Wildenbruchstr. 53/54. Heimbesprechung. Wir lesen aus R. Rwing: Die Geschichte der freien Gewerkschaften". Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Wir spielen im Freien. Oberschöneweide: Wir spielen auf dem Sportplas der Metallarbeiter an der Oberspree. Köpenick: Wir spielen auf dem Sportplak det Metallarbeiter an der Oberspree. Nordkreis trifft sich zum Baden in Plößensee um 6½ Uhr Amruner Ede Afrikanische Straße. AfA- Mitglieder der Geldschrankfabriken und Bauschlossereien.. Mittwoch, 7. Juli, 7% Uhr, in Haverlands Festfälen, Neue Friedrich- Ecke Rochstraße ,. Afa- Mitgliederversammlung. Stellungnahme zu dem neuen Rahmen- und Gehaltstarifvertrag. Butab. DWB. Zb. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Tb. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlaasanstalt Baul Ginaer u. Co.. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen". SAISON AUSVERKAUF Beginn 1. Juli Bis zur in fast allen Abteilungen Mengenabgabe vorbehalten HÄLFTE herabgesetzt sind die Preise Crepon bedruckt, ca. 100 cm brt., früher Meter bis 1,95, jetzt Frotté 68. für Kleider, ca. 100 cm breit. früher Meter bis 2,45, jetzt Pf. 110 vieler Waren in den bekannt guten Qualitäten bedr., gross. Aus90. Wollmusselin wahl, früher Meter bis 1,95, jetzt E Schotten Kammgarn, reine Wolle, ca. 100 cm br. Pf. 195 ca. 80 cm brt., mod. Druckmust., Mtr, 350 Bastseide Toile de soie# 690 ca. 120 brt., Bordür..indanthren gefärbt, Mtr. Strümpfe für Damen oder Herren- Socken, in guten Qualitäten.... Paar Strümpfe for, la qualitat, mit für Damen, SeidenDoppelsohle, Hochterse und Naht Socken für Herren, Mako, gemustert, Prima Qualität 95PL Paar 125 Hemdhosen 245 aus farbig. Batist, mit Spitze garniert Nachthemden 345 aus farbigem Batist... gestreift, Jumper kariert, Kunstseide mit Baumwolle..... aus Crêpe marocain, Ige. Aermel, mod.Muster. trüber bis 18,75, jetzt Kasaks Ein Posten 60 aus Vollvoile, Blumenmuster...... Mäntel 1175 a, durchgefärbt.stark. Hartplatte, mit Rindledergriff vermessingtem in 3 Gr. 790 Stadtkoffer 39°° in festen, haltbaren Qualitäten.... Sportanzug für Herren, 4tellig, m.Breches u. langer Hose 95 120115 in gutem Rips...... Ein Posten Coupékoffer Wochenendfahrt auf der Ostsee Sonnabend Sonntag, den 10./11. Juli Ausflug von Berlin nach Rügen und zurück 20° 00 875 1975 braun longrain Hartpl., gut. Pat.schlöss., sol. Metall3 Gr. 2903 9049 Sämtl. Kosten einbegriffen, wie Eisenbahnf. III. KL., Dampfertahrt, Verpflegung einschliesslich Trinkgeld. Familienbad. Ausführl. Prospekte in den Reisebüros der Warenhäuser Hermann Tietz Eleg.DamenStoff- Hausschuhe verschied. Farb., m.Absatz, gute Ausf f. Herren, braun u. schwarz, mitstarker Doppelsohle 90 50 40 Oberhemden 44 Perkal, gefütterte Faltenbrust, 1 weichen u. I steiten Kragen Wollhüte f.Herren, modern. Formen $ 290390 und Farben, Serie I, jetzt HERMANN TIETZ 150 Nr. 312 43.Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Schwere Unwetterkatastrophen überall. An der Unglücksstätte in Woltersdorf. Strahlende Mittagssonne leuchtet über Woltersdorf. Ein Wagenpark von Autos. Viel Bublifum aus allen Bevölkerungsschichten, darunter das unvermeidliche Heer der Photographen, stehen um eine große Trümmermaffe von Ziegelsteinen, zerbrochenen Stühlen, Tischen und aufgewühltem Erdreich. Ein haftiges Fragen von Mund zu Mund, ein Haschen nach Auskunft von Augenzeugen. Ein paar der Roten Frontkämpfer, die so tapfer bei den Rettungsarbeiten mit geholfen haben, berichten wenige Einzelheiten. Menschen, die ein schützend Dach suchten vor dem Wüten der Natur, fanden statt dessen einen gräßlichen Tod. Acht Frauen und fünf Kinder birgt das Leichenhaus, viele Verletzte sind in den Krankenhäusern untergebracht. Fürchterliche Schreie durchzitterten die Luft, als der Steinhagel der einstürzenden zwei Meter hohen Randmauer die Menschen unter sich begrub. Eine wilde Banif Hunderter von Menschen, die nach Rettung schrien, die flüchten wollten vor Tod und Verwundung. Vielen gelang es, aber viele waren als Opfer dieses furchtbaren Unglücks ausersehen. Die Randmauer, deren Einsturz dies gräßliche Unglück verursachte, bildete gleichsam den Abschluß nach der waldigen Anhöhe, die sich unmittelbar hinter der Regelbahn erhob. Große, starte Bäume, die ganz unversehrt geblieben sind, stehen in dichten Mengen. Der kolossale Absturz des regendurchwaschenen Erdreichs, durchwühlt von stärkster Gewitterentladung, riß die Mauer ein, und das einstürzende Dach im Verein mit den mächtigen Steinmassen begrub die darunter stehenden Menschen. Der Vorbau der Kegelbahn ist sogar erhalten geblieben, da die Wasser- und Erdmassen von der linken Seite hereinströmten und die zunächst liegenden Mauer- und Dachteile mit sich fortrissen. An der äußersten linken Seite der Kegelbahn befindet sich ein Ver faufstiost, der ebenfalls unversehrt blieb. Ebenso ist der Fußboden der Kegelbahn vollkommen intakt. Drüben am anderen Ufer, an der Endhaltestelle der Woltersdorfer Straßenbahn, hat der Wolkenbruch ebenfalls große Löcher ins Erdreich geriffen und auf der ganzen Strecke sind Straßenarbeiter mit dem Ausbessern der Wege beschäftigt. Ganz Woltersdorf bietet ein Bild schrecklichster Berwüftung. Regenmaffen haben tiefe Furchen in die Straßen geriffen, die für Fuhrwerk zum größten Teil unpassierbar sind. Die Chaussee hinter Woltersdorf ist auf einer Strecke von ungefähr 50 meter glatt meggerissen. Dieser Umstand cschwerte, wie gemeldet, den Transport der Verletzten ungemein. Es war unmöglich, die Kranken nach dem benachbarten Kalkberge zu schaffen und man war gezwungen, bis Köpenid zu fahren, was jedoch auch mit großen Schwierigkeiten verbunden war. Die Uns glücksstätte selbst läßt nicht annähernd die Größe und Tragik des Borfalles vermuten. Steine, Geröll und ein paar zerbrochene Stühle bilden die ganze Szenerie dieses erschütternden Dramas. Ein Mann mit bleichem, verstörtem Gesicht sucht nach einer Handtasche. Ein anderer, der die Frau verlor und dessen Jungen beide Beinz fehlen, fragt nach Schülermütze und Spazierstod feines Sohnes. Armselig, unwichtige Habseligkeiten und doch so teuer und wertvoll. Unendlich ergreifend wirkt dies. Man ist verstört und innerlich aufgewühlt ob dieser furchtbaren Tragödie. Die bisherige amtliche Totenliste. Bom Amtsvorsteher Woltersdorf wurde am Abend des gestrigen Montags folgende Liste der bei der Einsturzkatastrophe getöteten Personen ausgegeben: 1. Ehefrau Frieda Pochadt, Kniprodeftr. 9; 2. beren elfjähriger Sohn Willi Pochadt; 3. Ehefrau Anna ühl, Beppstraße 8; 4. Frau Elise Starke, Boppstraße 8; 5. Ehefrau fara Stupin, Teltower Str. 27; 6. der 14jährige Schüler Heinz Jädel, Ebertystr. 9; 7. Frau Helene Wilke, Neukölln, Stuttgarter Str. 17; 241 743 Der Wobbly. Bon B. Traven. Copyright by Buchmeister- Berlag, Berlin und Leipzig. 8. Ehefrau Meta Mattigfa, Mustauer Str. 20; 9. deren 10jähriges Töchterchen Helga Mattigka; 10. Frau Frieda Gebauer, Unionſtr. 6; refognofzierte Frau. Als 13. Todesopfer kommt die auf dem Trans. 11. Schüler Waldemar Perschke, Neue Königstr. 9; 12. eine noch nicht port nach Köpenid ihren Berlegungen erlegene Frau Marie Hoffmann, Stralauer Allee 17a, hinzu. Die Meldung von dem 14. Opfer scheint sich nicht zu bewahrheiten. liegenden Schwerverletzten sind bis auf Frau Wittmann außer Die in den Krankenhäusern Gefahr. Die Ursache Wasserdruck. - Die Unglücksstelle in Woltersdorf an der Regelbahn des Hotels Kranichsberg ist im Laufe des gestrigen Montags durch eine Behördenkammision einer Untersuchung unterzogen worden. Zugegen waren u. a. Amtsgerichtsrat Dr. Everth aus minger, der Regierungspräsident von Potsdam sowie Vertreter der Kalkberge, der Landrat des Kreises Niederbarnim Genosse SchlemLandjägerei, der Baupolizei und der technischen Referate des Regierungspräsidiums. Der Befund an Ort und Stelle sowie die Gutachten der mit der Leichenschau betrauten Aerzte, ferner die Vernehmungen einer Reihe von Augenzeugen führten zu der Feststellung, daß die Ursache der Katastrophe nicht in einem Blitzschlag in die Kegelbahn, wie das vielfach zuerst angenommen wurde, zu fuchen ist, sondern daß die den Kranichsberg herabstürzenden Waffermassen die Mauer der Kegelbahn unterspült und eingedrückt haben. Spuren eines Blitzschlages fonnten weder in den Mauertrümmern noch an den Toten entdeckt werden, die teils durch Schädel. hrüche oder schwere innere, Berlegungen, teils durch Erstick en ums Leben gekommen sind. Die Leichen sind inzwischen sämtlich zur Bestattung freigegeben worden, doch ist über die Beisegung noch feine endgültige Disposition getreffen worden. freiwillige Feuerwehr von Woltersdorf und Erfner konnte im Laufe des gestrigen Tages trotz angestrengtester Arbeit noch nicht alle Kellerwohnungen und Lagerräume in Woltersdorf, in die die Wassermassen eingedrungen waren, leerpumpen. Zur Wiederherstellung der verwüsteten Chausseen sind schleunigst Notstandsarbeiter herbeigeholt und bereits eingesetzt werden. Auch die privaten Schäden in jener Gegend sind nach den bisherigen Berichten ganz enorm. Eine Baufommission ist zurzeit dabei, die notwendigen Feststellungen über den Umfang der Berwüstungen zu treffen. Ein Augenzeugenbericht. Die Bon einem Augenzeugen, der nur wenige Meter von der Katastrophenſtelle entfernt stand, wird uns folgendes berichtet: Während der Nachmittagsstunden zog sich von Ralfberge her schweres Gewölf zusammen, das die ganze Gegend verfinsterte und auch bald das Gebiet um Woltersdorf herum erreicht hatte. Die ersten Bliz- und Donnerschläge waren die Mahnung für die vielen Tausende von Ausflüglern, die am Wasser in den ausgedehnten Waldgebieten lagerten, sich in Sicherheit zu bringen. Kurz nach den ersten elektrischen Entladungen fiel der erste Regen, der bald zu einem Wolfenbruch von unerhörter Gemalt anwuchs. Alles flüchtete und lief, Sachen und Kleidungsgegenstände zusammenraffend, um irgendwo ein Unterfommen, einen Schutz gegen den Regen zu finden. Die Restaurants in Woltersdorf waren bald mit Ausflüglern dicht gefüllt, völlig durchnäßt und teil weise ohne Schuhe und Strümpfe. Wo fich nur ein schützendes Dach bot, fuchten die Ausflügler darunter Unterkommen. So auch in der überdachten Regelbahn in dem Hotel am Kranichsberg. Die Kegelbahn liegt in einem Abhangeinschnitt. Von den Bergabhängen ergossen sich infolge des furchtbaren Wolkenbruches wahre Sturzbäche ins Tal und nahmen ihren Weg an der Kegelbahnmauer entlang und unterspülten diese. Plötzlich, es war vielleicht gegen 5 Uhr nachmittags, ertönte ein Poltern und Krachen. In demselben Augenblick stürzte das Dach und die Mauer der Kegelbahn ein, die Drunterstehenden unter sich begrabend. Entfezte Hilferufe und Angſtſchreie ertönten. Zwischen Balken und eingestürztem Mauerwerf lagen etwa 50 bis 60 Personen, eingeklemmt und schwerverletzt. Das Unglück spielte fich mit solcher Schnelligkeit ab, daß die Personen, die in anderen Schuhwinkeln des Lotals Unterkunft gefunden hatten, zunächst gar nicht wußten, 14. Als ich zur Stadt zurückkam, waren mir von meiner monatelangen Arbeit in den beiden Bäckereien gerade zwei Besos übriggeblieben. Was tun? Ich ging zum Casa, wo ich hoffte, Osuna zu finden. Aber er war nicht da. Bor zwölf ging er nicht zu Bett. Abends war ja das Leben am schönsten, wenn es fühl war und die Dienstag, 6. Juli 1926 was sich ereignet hatte. Die Schmerzensschreie der Opfer machten zunächst alles fopflos. Während die Toten im Saal des Hotels Kranichsberg notdürftig aufgebahrt wurden, um ihre Personalien zu ermitteln, wurde der Abtransport der annähernd 50 Verletzten organisiert, und zwar zunächst in Privatkraftwagen, die sofort zur Verfügung gestellt wurden. Leider gelang es nicht, die der schleunigen Hilfe Bedürftigen in das nahe gelegene Knappschaftslazarett Ralfberge zu bringen, da das Unwetter die dorthin führende Chauffee an einer Stelle vollkommen aufgerissen und unpassierbar gemacht hatte. Die Wagen kehrten infolgedessen wieder um und fuhren zum Bahnhof Erfner, wo die Verletzten in die Eisenbahn umgeladen und größtenteils zum Krankenhaus Köpenid trans portiert wurden. Neues Unwetter über Berlin. Das Unwetter, das am Sonntag über den Vororten an der Oberspree wütete und in Woltersdorf die furchtbare Einsturzfatastrophe zur Felge hatte, fand am gestrigen Nachmittag in Berlin seine Fortsetzung. In der fünften Nachmittagsstunde gingen über Groß- Berlin, besonders im Westen und in den westlichen Vororten wiederum zahlreiche Gewitter, in der Richtung von Westen nach Norden ziehend, mit wolfenbruchartigen Regengüssen nieder. Das Gewitter war von zahlreichen elektrischen Entladungen begleitet und an mehreren Stellen schlug der Blitz ein. Die Ueberschwemmungen waren so start, daß die Feuerwehr ununterbrochen zur Hilfe gerufen werden mußte. Die Branddirektion in Schöneberg fah sich sogar gezwungen, den Ausnahmezustand zu verhängen, d. h. auf jeden Alarm rückte nur ein Fahrzeug an die Gefahrstelle. So trafen beispielsweise in etwa 40 Minuten auf der Wilmersdorfer Wache nicht weniger als 70 Alarmmeldungen ein. Hauptsächlich kamen die Hilferufe ven Wohnungs- und Geschäftsinhabern, deren im Parterre oder im Keller gelegene Räume von den großen Wasserfluten überschwemmt wurden. In Wilmersdorf wurden besonders stark die Straßenzüge in der Augustastraße an der Bahnunterführung von dem Unwetter betroffen. Zahlreiche Kellerwohnungen wurden überflutet und große Waffermengen, die sich in Sturzbächen nach dem Wilmersdorfer Stadtteil zu ergoffen, richteten in den gärtnerischen Anlagen Berwüstungen an. Am Olivaer Plaz wurden die Kellerräume einer Apotheke unter Wasser gesetzt. Auch in der Uhlandstraße wurden Lagerräume eines großen Lebensmittelgeschäfts von den Wassermassen schwer heimgesucht. In Friedenau stand der Maibachplay zwischen der Handjern-, Ever-, Jjolde- und Bismardstraße in etwa 1 Meter Höhe vollständig unter Wasser. Die starke Ueberflutung ist größtenteils auf die Verstopfung der Gullis zurückzuführen. Der Verkehr stockte etwa dreiviertel Stunde lang an dieser Stelle vollständig und mußte durch Nebenstraßen umgeleitet werden. An einzelnen Stellen stand das Wasser bis über einen Meter hoch. Es ist unmöglich, bei der großen Zahl der Ueberflutungen genaue Ortsbezeichnungen zu geben. Aber nicht nur im Westen, sondern auch weiter im Süden, in Lichterfelde, Zehlendorf, Friedenau, Steglih und in Mariendorf gingen ungeheure Regenmengen, die größere Ueberschwemmungen zur Folge hatten, nieder. Wolkenmassen, die in nördlchier Richtung weiterzogen, richteten auch im Osten, in der Gegend der Frankfurter Allee erhebliche Ueberschwemmungen an, so daß der Verkehr zeitweise stockte. So wurde der große 3uschauerraum des Germaniapalastes in der Großen Frankfurter Allee vollständig unter Basier gesezt. Auch in den anliegenden Straßen drangen Wassermassen, die feinen genügenden Abfluß fanden und sich zu Seen stauten, in Kellerräume ein. Aus Spandau werden gleichfalls Ueberschwemmungen durch starke Regengüffe gemeldet. Köpenid in Ueberschwemmungsgefahr. Die Gestern wurde auch ein großer Teil der Berliner Feuerwehr mit Dampfsprizen nach Köpenick alarmiert, wo die Wuhle, ein Flüßchen, das in die Spree geht, mehrere hundert Meter weit nach beiden Ufern Wiesen und Wege übereindrangen. An den gefährdetsten Stellen wurden acht Berliner fchwemmt hatte und die Wassermengen in die anliegenden Häuser Motersprißen und einige Sprißen der Feuerwehren der umliegenden Ortschaften eingesetzt. Die Arbeiten werden zur Stunde mit großer oder man konnte sein Glück mit Siebzehn und vier" wagen. Eine Bank wurde von einem Chinesen gehalten, der Borstandsmitglied des Jockeiklubs war. Die Spielbank arbeitete unter dem Namen Jockeiklub, und sie war nur Mitgliedern des Jockeiflubs zugänglich. Mitglied des Jodeiflubs war man, fobald man den Saal betrat. Die Regierung schrieb zwar vor, daß jeder Besucher eine ausgeschriebene, auf seinen haben müsse. Aber nach dieser Ich bin alt genug und lange genug aus den Windeln, um zu wissen, daß niemand einen Zimmermann brauchte, und daß Mr. Mason nur nach einer Gelegenheit suchte, mich recht rasch hübschen Mädchen auf den Plazas promenierten, während Karte wurde nie jemand gefragt, jedenfalls nie ein Weißer. los zu werden, damit ich nicht etwa das Reisegeld von ihm verlange. Denn es war fein Zweifel, daß er den Mr. Wood beauftragt hatte, sich nach Pflückern umzusehen. Inzwischen aber hatte er indianische Pflücker angeworben, die es billiger machten, weil sie von Frijoles und Tortillas leben fonnten. Das ist der Trick, den sie mit den Arbeitslosen spielen. Ueberall wird angeworben, weil sie nicht wissen, wer kommt und wer nicht tommt. Ueberall hin, wo sie einen Bekannten haben, schreiben sie Briefe, daß sie Pflücker brauchen, und von überallher finden sich immer wieder Gutgläubige und Verhungernde, die den letzten Beso für die Bahnfahrt wagen. Der Farmer hat dann die Auswahl, sich die billigsten auszusuchen und den Pflückerlohn zu pressen, weil der arme Teufel nicht mehr fort fann; er muß pflücken, und wenn ihm nur drei Centavos für das Rilo geboten werden. Es war zwecklos, sich mit dem Mann lange herumzustreiten. Die einzige Abrechnung wäre gewesen, ihm ein paar in die Fresse zu hauen. Aber er hatte den Revolver in der hinteren Tasche, und Fausthiebe, auch wenn sie noch so gut gezielt find, bleiben gegenüber von Revolverfugeln zu sehr im Nachteil, als daß es sich lohnte, es mit der nackten Faust gegen nidelplattierte Bleikerne aufzunehmen. Auf keinem der Plazas sah ich Osuna. Also fonnte er nur im Spielsaal sein. Der Spielsaal war im oberen Stockwerf eines rgoßen Hauses, das zu ebener Erde eine Bar hatte. Im Spielsaal selbst wurden feine Getränke verabreicht. Es gab nur Eiswaffer, das man umsonst erhielt. Gesellschaftsfleidung war nicht vorgeschrieben. Ich ging hin, gerade wie ich war, ohne Jade und ohne Wefte. Den Leitern der Spielbant fam es nicht darauf an, was die Besucher auf dem Leibe hatten, sondern was sie in den Taschen hatten, und der, der ohne Jade und Beste erschien, konnte drei oder sechs oder gar neun Monate Drillerlohn in der Tasche haben. Je ver ölter und versprigter seine Hoſen, ſein Hemd und sein Hut, je perlehmter seine Stiefel waren, desto wahrscheinlicher war es, daß er zwei- oder treitausend Pesos lose in der Hosentasche trug und zur Spielbank kam, um diese Summe zu verdoppeln. Auf dem Treppenabsag war ein kleines Tischchen, wo zwei Männer saßen, die jeden, der hinaufging, beobachteten. Sie fannten jeden Besucher, und sie hatten ein feines Gedächtnis für die, denen der Besuch untersagt war, weil sie sich nicht zu benehmen verstanden. Es kam vor, daß jemand behauptete, der Banthalter habe ihn übervorteilt. Ohne zu Zur Station mußte ich sowieso zurüd. Da fonnte ich ja streiten, zahlte der Bankhalter die fünf, zehn oder zwanzig gut bei jenem Farmer einmal vorsprechen. Es war aber Pesos, um die der Streit ging, sofort aus, auch wenn die Bant schon so, wie ich vermutet hatte. Der Farmer brauchte keinen durchaus im Recht war. Aber der Mann durfte nie wieder 3immermann; er war selbst Zimmermann genug, um mit den Saal betreten. Die Bank betrog nicht. Es waren nur drei Beons sein Haus wunderschön und dauerhaft aufzubauen. immer die Gäste, die zu betrügen versuchten. Die Bank wußte, Immerhin, die Nachfrage nach Arbeit brachte mir ein gutes daß sie bessere Geschäfte machte, wenn sie grundehrlich spielte, Effen ein. Und der Farmer bestätigte mir auch, daß Karten und Würfel wechselte, sobald ein Spieler nur den Mr. Mason ein ganz niederträchtiger Lump sei und jedes leiſeſten Zweifel äußerte, als wenn sie versucht hätte, durch Jahr diesen Trick mit der Anwerbung von Pflückern voll- geschickte Manipulationen den Spielern das Geld aus der führe, um durch die arbeitsuchenden weißen Arbeiter noch Tasche zu holen. mehr auf die Pflückerlöhne der Indianer zu pressen. Denn diese armen Teufel, die faum eine andere Einnahme an Geld das ganze Jahr hindurch haben, werden ganz klein und duldsam gegenüber Lohnpreffungen, wenn sie selbst Weiße um diese Arbeit betteln gehen sehen. Der Saal war gedrängt voll. Und wären nicht die vielen Ventilatoren gewesen, würde eine unerträgliche Hike den Aufenthalt unmöglich gemacht haben. Es waren Tische da, an denen Roulette gespielt wurde, an anderen wurde gepokert, wieder an anderen gab es Meine Tante deine Tante" Nur von den Indianern verlangte man Karten zu sehen, aber die hatten keine, und deshalb wurde ihnen der Zutritt nicht erlaubt. Die farbige Rasse war durch die Chinesen reichlich vertreten, so reichlich, daß an manchen Abenden die Chinesen die Hälfte der Gäste ausmachten. Ich hatte schon richtig vermutet. Osuna war anwesend. Er stand an der Würfelbank, wo ein Loder spielte, der von der Bant angestellt und bezahlt wird, um an den Banktischen au spielen, wo augenblicklich feine Gäste find. Durch sein Spielen, bei dem er nach jedem Wurf den Einsatz erhöht und endlich Einsätze von fünfundzwanzig Pesos macht, lenkt er die Aufmerksamkeit von Spielgästen, die an anderen Tischen drängen, zu dieser Bank. Der hohe Einsatz macht die Leute aufgeregt, fie fommen näher, umdrängen den Tisch, um dan maghalsigen Spieler zu beobachten. Natürlich gewinnt der Spieler und verliert, genau nach den Gesezen des Spielerglücks. Aber es ist ja nicht sein Geld, es ist das Geld der Bank, das er seht. Und die Gäste wissen nicht, daß er zur Bank gehört und nur Anreizspiele macht. Aber es dauert nur wenige Minuten, und der Tisch ist von einem Dutzend erregter Männer belagert, die das Fallen der Würfel belauern und in ihrem Innern sofort die Kombinationen ausrechnen, in welchen Intervallen die Zahlen wiederkehren. Sobald sie glauben, die Kombination errechnet zu haben fangen, fie zu setzen an und spielen. Die Würfelbank, die vor kaum zehn Minuten nicht einen Spieler hatte, sondern müßig lag, nur mit dem Bankhalter hinter dem Tisch, ist jetzt der Mittelpunkt des Spielsaales. Jedes Feld ist drei- und viermal besetzt. Tante" müßig, und der Banthalter fonnte abrechnen, die Chips auswechseln und die neuen Kartenpacks aufschichten. Wenn er fertig war und der Bankhalter bei den Würfeln vor den Strömen des Schweißes zu feuchen begann, setzten bei der Tanten- Bank zwei Loder ein. Und allmählich ging der Würfelforb immer langsamer, weil immer langsamer und immer seltener hier gesezt wurde, während bei der Tante das Gedränge unheimlich wurde, ( Fortsetzung folgt.) Dadurch wurde die Bank mit Meine Tante deine Anstrengung fortgefekt, um eine neue Ratastrophe zu verhüter. Gleichfalls wurden mehrere Züge nach Mahlsdorf alarmiert, wo ein großes Wohnhaus in der Bahnstr. 44 wegen Unter. pülung einzustürzen drohte. Es müssen umfangreiche Absteifungen vorgenommen werden, um einen völligen Einsturz zu verhindern. Das Unwetter im Reich. Auch weitere große Teile Deutschlands find am Sonntag und Montag von wolfenbruchartigen Regenfällen heimgesucht worden. Ueber Coburg und Umgebung sind stundenlang solche Wassermassen niedergegangen, daß weite Strecken überschwemmt sind und der Straßenverkehr an vielen Orten unterbrochen wurde. Am Montag mußte sogar eine Schule geschlossen werden, weil die Schüler nicht mehr durch die überschwemmten Straßen famen. Die Bahnstrecken Coburg- Robach und Coburg- Roffach wurden so schwer beschädigt, daß der Verkehr zeitweise unterbrochen wurde. Auf der Strecke Magdeburg- Halle ereignete fich infolge der Wucht der Baffermassen ein Dammrutsch, so daß der Verkehr unterbunden wurde. Die Haltestelle Salbke ist vollkommen unter Wasser. Bon einem schmeren Unwetter wurde am Sonntag auch Passau und Umgebung heimgesucht. Die Waffermaffen richteten besonders im Mühl. tal und im Lindental großen Schaden an. Auch Chemnik und troffen, wobei ein furchtbarer Hagelschlag ganz besonders schweren Schaden anrichtete. In den Gemeinden Seiferig und Gesau bei Glauchau murden viele Häuser unter Wasser gesetzt. Auch in anderen Teilen Sachfens haben am Sonntag verheerende Ge Bei Festsetzung der Friedensmiete hat das miteinigungs.| rüd, zweimal Dampferfahrt und Mittagessen eingeldtoffen, Starken amt zu entscheiden, welcher Art die Mieträume sind, um darnach die Vergleichsräume zu bestimmen. Hatte der Vermieter oder Mieter ihm nach dem BGB. nicht obliegende Nebenleistungen oder Verpflichtungen vor dem 1. Juli 1914 übernommen so war die Uebernahme auf die Festsetzung der Höhe des Mietzinses offenbar von Einfluß, wenn sie einen Ber. mögenswert darstellt und im Einzelfalle besondere Umstände den Einfluß ausschließen.( 14. Mai 1926; 17. V. 48/26.) Einstweilige Anordnungen des Mieteinigungsamtes(§ 40 2bf. 5 des Mieterschutzgesetzes) unterliegen nicht der Rechtsbeschwerde. ( 14. Mai 1926; 17.. 52/26.) Bei Festsegugn der gesetzlichen Untermiete ist die wirtschaft liche Lage der Vertragsteile nicht zu berücksichtigen.( 14. Mai 1926; 17.. 43/26.) Die Genehmigung des Wohnungsamtes zum Wohnungs tausch ist nicht deshalb unwirksam, weil ein Tauschpartner die ihm in Tausch gegebenen Wohnräume nicht in Benutzung genommen hat, es sei denn, daß er überhaupt nicht die Absicht der Benutzung hatte und dies dem anderen Tauschpartner bei Erteilung der Gebei Damnih, Lüderigstraße 58, Buhlau, Krülstraße 1, Sinn, Stettiner Straße 30, 3iftner, Gneisenaustraße 25. Gleichzeitig weisen wir auf die Thüringenfahrt hin, wozu sich noch einige Teilnehmer melden fönnen, Auskunft erteilt Damniz. Der Prozeß des Amtsgerichtsrats. Der Antrag des Staatsanwalts: 15 Monate Zuchthaus. Der Breslauer Prozeß des Amtsgerichtsrats Josephson nähert sich schnell seinem Ende. Einen ganzen Tag lang wurde die eigentliche Täterin, die erste Geliebte Josephsons, die 32jährige Olga Rode stock vernommen. Umgebung wurde am Sonntag von einem schweren Unwetter be. Große Funktionärversammlung hätte, wie but, so würde ich fie faltblütig töten. Und dann foll er witterregen gewütet. Reichsbannerfest in Kottbus. 20 000 Reichsbannerleute anwesend. Rottbus, die alte Tuchmacherstadt, stand am Sonnabend und Sonntag ganz im Zeichen der schwarzrotgoldenen Fahnen. Der Gau Berlin- Brandenburg des Reichsbanners SchwarzRot- Gold veranstaltete hier sein erstes Gaufest. In den Nachmittagsstunden des Sonnabends verließ ein dicht mit Reichsbanner. leuten besetter Sonderzug den Görliger Bahnhof, nachdem bereits zirfa 20 Lastautes mit Anhänger die Reise nach Kottbus angetreten hatten. In Kottbus selbst wurde den ankommenden Kameraden ein prachtvoller Empfang bereitet. Mächtige, mit den Farben der Republit geschmückte Fahnenmasten boten am Bahnhof den ersten Willkommensgruß. Wie eingangs erwähnt, hatte die Stadt reich lichen Fahnenschmuck angelegt. Fast jedes Geschäftshaus und viele kleineren Läden zeigten die Reichsfahne oder die des preußischen Staates. Hier waren die Geschäftsleute nicht mehr so ängstlich wie in anderen Städten. Oft waren die Häuser hübsch und geschmackvoll befränzt. Am Sonntag tamen reich geschmüdt Laftkraftwagen auf Lastkraftwagen aus Berlin und vielen Orten der Mark an. Viele Kameraden hatten die infolge der Ueberschwemmung fast unpassierbaren Wege mit dem Rade befahren, um das Gaufest besuchen zu können. Die Republikaner Kottbus' hatten es sich nicht nehmen lassen, weitgehende Gastfreundschaft zu gewähren. Nach den sportlichen Wettkämpfen, die am Sonntagvormittag unter Leitung des Gausportmarts Saffen auf dem Turnplatz des Rottbusser Arbeiter- Turn- und Sportvereins ausgetragen wurden und den Sieg der Weddinger" brachten( fie errangen den Gau- Wanderpreis!), folgte in den Mittagsstunden auf dem Marktplaß das Schlagen des Reichsbannermarsches, ausgeführt von einem pielhundert röpfigen Tambourforps, im Beisein einer großen Menschenmenge. Den Höhepunkt erreichte der Bautag in den Nachmittagsstunden, als Genosse Scheidemann den mustergültigen Berbeimarsch der annähernd 20000 Reichsbanner. Hervorgeheben sei nach die Stiftung einer 1848 er Fahne, die dem Bauvorfigenden, Kam. Friz Koch, übergeben wurde: Kamerad Koch würdigte nach Dantesworten für die Stiftung in einer, furzen Ansprache die Bedeutung dieses Massenaufmarsches. Kamerad Stadtrat Nisch überbrachte den Gruß der sozialdemofratifihen Stadtverordnetenfrattion( stürmischer Beifall) und tellte unter lebhaften Pfui- Rufen der Menge mit, daß derselbe Ma gistrat der Stadt Kattbus, der noch vor acht Tagen fich an einem schwarzweißroteen Turnerfest beteiligt habe, es abgelehnt hat, das Reichsbanner effiziell zu begrüßen. Der Aufmarsch der Zehntausende wird in dem ganzen Spreewaldgau und der Niederlaufig einen machtvollen Eindruck hinterlassen. Teute abnahm, Beleidigung der Kirche. Vor dem Schöffengericht mitte hatte sich gestern der Schrift steller Ernst Friedrich wegen Beschimpfung der Ein richtungen der fatholischen Kirche, insbesondere des Zölibats zu verantworten. Ein früherer Termin war der Vertagung anheim gefallen, weil der Angeklagte den Vorsitzenden des Schöffengerichts, Amtsgerichtsrat Dr. Sternheim, als befangen abgelehnt hatte. Diese Ablehnung war inzwischen jedoch von der Straftammer, weil sie lediglich mit der Zugehörigkeit des Richters zur evangelischen Kirche begründet worden mar, als unberechtigt abgelehnt worden. F. wurde dem Antrag des Staatsanwalts gemäß zu dret Monaten Gefängnis verurteilt. wegen Beschimpfung der Reichswehr. Diese strafbare Gegen Friedrich ſtand sodann noch eine zweite Anklage Handlung soll durch Berbreitung eines Flugblattes verübt worden fein. Es stellte sich jedoch heraus, daß Friedrich wegen des Inhalts diefes Flugblattes bereits im Oktober 1924 mit drei Monaten Gefängnis bestraft worden ist. Auf Antrag des Staatsanwalts wurde diese Verhandlung vertagt. Taktvolle Hoteliers. Kamen da in diesen Tagen 60 deutsch- amerikanische Bäder. meister in Berlin an. Kein Wunder, daß die Hotelierseele ins techen geriet. Man mußte die Dollarbäder am Gefühl paden und so wurde mit Donnerhall das Sternenbanner gehißt, Eine Höflichkeitsformalität, die an sich durchaus nicht zu beanstanden wäre. Nun aber tommt der schlechte Wig: Die Mentalität dieser sonderbaren Deutschen ist unergründlich: Neben die amerikanische Nationalflagge feßten sie das Preußenbanner. G'lchamig, wie sie sind, die Herren schwarzweißroten Hoteliers, haben sie die deutsch- amerikanischen Bäcker nicht mit den Farben der Republik provoziert". Siehe Parkhotel, Fürstenhof! Groteste Patrioten, die vor der Auslandsflagge Kotau machen, während sie ihr LandesSymbol durch Boykott anflegeln. Eben nur in Deutschland möglich. Kammergerichtsentscheide in Mieterschutzsachen. Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt folgende neuere Rechtsentscheide des Kammergerichts in Mieterschußsachen bekannt: Auf Antrag des Wohnungsamtes fann die Zustimmung eines Vermieters zum Wohnungstausch(§ 8 des Wohnungsmangelgeleges) nicht ersetzt werden.( 22. April 1926; 17. 9. 29/26). Heute, Dienstag, den 6. Juli 1926, abends 7 Uhr, im Saalbau Friedrichshain Tagesordnung: Reichstag und Fürstenabfindung Referent: Reichstagsabgeordneter Artur Crispien Alle Parteifunktionäre und SPD.- Bertrauensleute der Gewerkschaften mit dem Ausweis für 1926 sind eingeladen. Mitgliedsbuch vorzeigen! Der Bezirksvorstand. nehmigung bekannt war. An dieser Rechtslage kann das Wohnungsamt durch Vorbehalte bi Erteilung dr Genehmigung nichts ändern. ( 14. Mai 1926; 17. V. 44/25.) Weil er zu wenig verdiente! Das Ende einer Ehe. Wie schon oft, hatten wieder einmal Chezwiftigkeiten zu einer Scheidungsklage geführt, und die Scheidungsflage erhöhte wieder die Ehezwiftigkeiten, die schließlich durch den unerwarteten Tod der Schwiegermutter ein trauriges Ende fanden. Und das kam so: Der Angeklagte Sch., der sich gestern vor dem Landgericht II zu verantworten hatte, ist ein 46jähriger gelernter Instrumentenmacher und augenblidlich Bahnbetriebsassistent. Er machte den Eindruck eines ernsten und gediegenen Menschen. Als er in seinem Beruf feine Arbeit mehr finden konnte, ging er zu der Frau S., die einen Obstfahn besaß, in Stellung. Im Jahre 1912 heiratete er die Tochter der Frau S., die er vom 7. Lebensjahre an fannte, und der Obst. fahn wurde nun auf den Namen seiner Frau umgeschrieben. Aus dem Kriege zurüdgefehrt, nahm er eine Anstellung auf der Bahn an. Der Obstfahn wurde verkauft und das Geld in Lichtenrade in einem Grundstück angelegt, das zur Hälfte auf seinen Namen und zur anderen Hälfte auf den Namen feiner Frau in den Grundbüchern eingetragen wurde. Dieser schien aber das Geld ihres Mannes zu gering. Zusammen mit der Schwiegermutter drang fie immer wieder in ihn, auch die andere Hälfte des Grundstückes auf ihren Namen zu überschreiben. Er sollte in ein Grundstücksgeschäft des Freundes feiner Frau eintreten. Das wollte er jedoch nicht. So entstanden 3mistigleiten. Die Frauen erflärten: Mir briefeln" ihn so lange, bis er geht. Er fühlte sich sogar bedroht und holte eines Tages die Bolizei, damit sie feiner Frau die Revolver abnehme. Geine Wäsche wurde nicht mehr in Ordnung gehalten, das Essen wurde immer schlechter, auch war feine Trau bei ihm in Berdacht ebelicher Untreue geraten. Schließlich reichte er die Scheibungstlage ein. Jegt sprachen die Eheleute überhaupt nicht mehr miteinander. ein. Jeht sprachen die Eheleute überhaupt nicht mehr miteinander. Er beföstigle sich außerhalb. Am 19. mai vorigen Jahres war nun Chefcheidungstermin im Landgericht. Die Frau hatte eine Gegen flage eingereicht und sie glaubte, ihres Erfolges sicher zu sein. Am 20. Mai tam der Mann vom Dienst erregt nach Haufe. Die Frau hatte die Gartenmöbel fortgeschafft. Er schaffte nun auch seinerseits einige Möbelstücke zu den Nachbarn, begann auch vor Wut die Laube zu zerstören. Als er ins Haus ging, geriet er in ein Handgemenge mit der Frau. Als diese um Hilfe rief, und die Schwiegermutter herbeieilte, erhielt lektere einen Stoß, daß sie die Treppe hinunterflog. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, daß ihm die Frau Pfeffer in die Augen gestreut habe. Die Schwiegermutter habe er aber nur versehentlich hinuntergestoßen, als sie ihn von hinten an den Rod faßte. Die Frau behauptete, fie habe die Pfefferdose erst geholt, um sich zu schüßen, als er Anstalten machte, sich an der Schwiegermutter zu vergreifen. Diese hatte sich aber die Arme gebrochen und eine Gehirnerschüt terung zugezogen, an der sie zwei Monate später star b. Die Antiage lautete auf Rörperverlegung mit Tobes= erfolg. Der Staatsanwalt beantragte für den Sch., der sonst im Leben stets ein sehr ruhiger, nüchterner und arbeitsamer Mensch Bewährungsfrist. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Hilde war, sechs Monate Gefängnis unter Verleihung einer brand hatte leichte Arbeit, das Gericht erkannte gemäß dem Antrage des Staatsanwalts. Gegen völkische Ritualmord"-Hehe. In den Unionsfestfälen in Berlin D. veranstaltete der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischens Glaubens am Dienstagabend eine start besuchte Bersammlung gegen die irrsinnige völtische Ritualmordheße, in der die Pfarrer Ernst Meering Breslau und Warnecke. Potsdam sprachen, Moering wandte sich mit aller Schärfe gegen die Verleumdungstaktik der Völlischen, die es in Breslau fogar fertig brachten, die scheußliche Bres= lauer Mordaffäre mit Ritualmordphantasien in Verbindung zu bringen. Die völkische Heße sei nicht ernst zu nehmen. Daß aber ein Organ der Deutschnationalen diesen Unfinn aufgegriffen habe, ohne ihn gebührend zurückzuweisen, fei charakteristisch für die Geiftes verfassung der Rechten. Warnecke wandte sich als Katholif gegen die antisemitischen Strupellosigkeiten und betonte, daß der Katholizismus jeglichen Raffenhaß entschieden ablehne. Rabbiner Dr. Sa lomonfti führte aus, daß die Häufung ven Verbrechen in der letzten Beit eine Folge der Grausamteiten des Krieges sei, der die Ehrfurcht vor dem Menschenleben vernichtet hätte. Eine Gesellschaftsfahrt durch die Ruppiner Schweiz veranstaltet der Touristenverein die Naturfteunde", Zentrale Wien, am Sonntag, den 11. Juli. Treffpunkt der Teilnehmer morgens 6 Uhr am Wartejaal dritter Klasse des Stettiner Bahnhofs. Die Fahrt geht mit der Bahn bis Neuruppin, von dort mit dem Dampfer über ben Ruppiner See nach Neue Stühle und Tornow. Von dort Wanderungen. Preis der Teilnehmerkarte 7 M. Bahnfahrt hin und zu Für die Reise Sie liebt ihn noch heute und behauptete, ihn nicht belaften wieder in Breslau besuchte, wie schlecht er zu ihr war, wie sie zu wollen und tat es trotzdem. Sie schilderte, wie sie ihn immer Treppen und Bahnhöfen nächtigte. Materielle Unterstützung soll er immer mehr und mehr die Macht über sich verlor, in Berlin auf ihr nicht gewährt haben. Immer wieder soll er über die Hesse geklagt und dabei auch geweint haben: fie bringe ihn noch durch den Prozeß um sein Amt. Dann wieder soll er ihr furz vor dem Ereignis gesagt haben: Wenn ich feine Stellung zu verlieren geraten haben, die Hesse von vorn zu erschießen und hinterher den Revolver in die Hand zu drücken, damit man annehme, sie habe fich felbst erschossen". Die Rodestod will sich auch für das geholt haben. Sie suchte die Heffe in ihrer Wohnung auf und Geld, das sie von Josephson erhalten hatte, Revolver und Patronen drückte viermal auf sie ab. Die Rodestock hatte auch besonders schwer barunter zu leiden, daß ihre Angehörigen, zwei Schwestern und ein Bruder, der ein hoher Beamter ist, sich völlig von ihr losgesagt hatten. Ihr Vater, ein anderer Bruder und sein Dnfel, sind übrigens durch Selbstmord aus dem Leben ge schieden. Geheimrat Dr. Reißer erstattete auch ein Gutachten über den Gesundheitszustand der Olga Rodestock. Sie sei zweifellos unter der Einwirtung all der Erschütterungen, die ihre Bekanntschaft mit Josephson bei ihr verursacht habe, geistig ertrantt. Ihre verstandesmäßige Aufnahmefähigkeit jei aber hierdurch nicht beeinträchtigt. Auch jei ihre Mertfähigkeit nicht gestört. Allerdings wäre es sehr gefährlich, eine Entscheidung allein auf Grund ihrer Aussagen zu fassen. Der der Rodestock, andererseits auf eine Reihe von psychologischen Staatsanwalt stügte sein Plaidoyer einerseits auf die Angaben Momenten. Er ist der Ansicht, daß Josephson einfach Ruhe haben wollte und gehofft hätte, die Rodestock würde nach der Ermordung der. Hesse sich das Leben nehmen. Dann wäre er eben beide los. Wenn die Bedrängnis, in der er sich befand, auch strafmildernd in Betracht falle, jo wirke straffchärfend der Umstand, daß er ein preußischer Richter war. Der Staatsanwalt beantragte deshalb ein Jahr drei Monate Buchthaus und fünf Jahre Ehr= verluft. Drei Monate Untersuchungshaft seien anzurechnen. Zwei Dachstuhlbrände. Eine größere 3ahl von Löschzugen der Feuerwehr wurde gestern abend gegen 7 Uhr nach der Liebenmalder Straße 33-35 gerufen, wo der Dachstuhl eines Doppelwohnhauses in Flammen stand. Es mußte etwa 2 Stunden lang aus 5 Rohren Wasser gegeben merden, bevor es gelang, das Feuer niederzufämpfen. Starte Rauchentmidlung er schwerte die Löschattion, so daß mit Rauchmasten gearbeitet werden mußte. Die Ablösch- und Aufräumungsarbeiten zogen fich bis in die Nachtstunde hin. Als Entstehungsurfache mird Blikschlag permutet, der in dem Gebält zündete. Ein weiterer fehr gefährlicher Dachstuhlbrand beschäftigte gestern nachmittag, turg nach 4 Uhr, die Berliner Feuerwehr in der Antiamer Straße 27, im Norden Berlins. Die Wehr war über eine Stunde an der Brandftelle tätig. Ein Teil des Dachstuhls wurde vernichtet. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Soniettheater in Stegli uffaff ber Sommerspielzeit gab es Rollos ofte Romte B. Mit folcher Operette von gestern ift es wie mit den Möbeln. Es fehlt einerseits das Batina des Antiken das sich allerdings in diesem Fall kaum bilden dürfte andererseits der Reiz der Neuheit. Die tolle Komteß ein dreizehnjähriges Enfant terrible- wurde von Frau Direktor verkörpert. Die göttliche Sarah Bernhard soll allerdings bis ins hohe Matronen. alter noch gemimt haben, aber sie war ganz abgesehen von der fünstlerischen Leistung immerhin sehr fchlant. Hier in Steglitz fehlte aber dies alles. Trotzdem gab es mit Hilfe der tatkräftigen Claque Stimmung, auch fehlten nicht die üblichen Blumenarrangements und es dauerte sogar bis Viertel vor Zwölf. Man sollte aber doch bei folchen Aufführungen berücksichtigen, daß Steglih immerhin dichte bei Berlin ist und daß das ohnehin theatermüde Publikum nur gutes vorgestellt zu kriegen wünscht. Dresdener Bant über Konjunktur und Arbeitslosigkeit. Benn vielfach darauf hingewiesen wird, daß der erhoffte Konjunkturaufschwung noch immer auf sich marte, daß vielmehr die neuerdings fchwung noch immer auf sich warte, daß vielmehr die neuerdings Rückschlag schließen lasse, so betont der soeebn erschienene Julibericht auf dem Arbeitsmartt eingetretene Verschlechterung eher auf einen der Dresdener Bank, daß die Ueberwindung der Krise nur sehr allmählich vor sich gehen kann. Die Erwerbslofenziffern seien nicht ausfordert die bisherige Entwicklung des Arbeitsmarktes aufmerksame Schlaggebend für die Beurteilung der Wirtschaftslage und sprechen gegen einen Bergleich mit der Borkriegszeit. Dessenungeachtet erBeobachtung, zumal die Erwerbslosenfürsorge, die nach amtlichen Angaben zurzeit eine jährliche Ausgabe von 1,2 mill. M. erfordert, eine außerordentliche Belastung der Boltswirtschaft darstellt. Solange der Umschichtungsprozeß auf der Produt tionsfeite nicht beendet und eine Stärtung der inneren Rauftraft nicht stattgefunden hat, fann mit einem entscheidenden Umschwung auf dem Arbeitsmartt nicht gerechnet werden. Im Gegensatz zu der Lage des Arbeitsmarktes deuten andere Anzeichen darauf hin, daß die langsame Besserung in verschiedenen Zweigen der Wirtschaft anhält. Die Universität der Schornsteinfeger. Der Zentralverband der Schornsteinfegermeister hat in der Baugewerksschule in Neukölln eine Fachschule für Schornsteinfeger eingerichtet. Hier foll jedem Gesellen die Möglichkeit gegeben werden, fich die theoretischen Kenntnisse zu erwerben, die er zur Ausübung seines Berufes bedarf. Insbesondere ist Gewicht darauf gelegt, die fa ch theoretischen Fragen zu lehren, die im Zusammenhang mit dem Fache des Schornsteinfegers stehen. So wird unter anderem auch Unterricht im Dächerbau erteilt. Gleichzeitig fann sich hier jeder Gefelle auf die meist erprüfung vorbereiten. Einen Einbruch bei der eigenen Firma verübte in Berlin der Geschäftsinhaber einer Kaffeerösterei, über die der Konturs_ver= hängt worden war. Die Geschäftsräume waren durch eine Treuhandgesellschaft verschlossen und versiegelt. Während der Prokurist der Treuhandgesellschaft sich in der Nacht in den Räumen der Firma aufhielt, suchte sich der Geschäftsinhaber Einlaß zu verschaffen. Der Prokurist alarmierte das Ueberfalltommando, das den Geschäftsinhaber entfernte. Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen! Auch davon, daß ihm durch Zerbrechen oder Auslaufen einer Mundwasserflasche die Wäsche verdorben oder unerwünscht, parfümiert" worden ist, daß ihm durch ein Stück schmieriger Rasier- oder Toilettenseife wichtige Schriftstücke zerweicht sind, oder daß eine Dose Schuhcreme aufgegangen und ein( schönes, weißes, Kleidungsstück total ruiniert hat. Wer sich diesen Gefahren nicht aussetzen will, verwende auf der Reise ausschließlich die praktische und im Gebrauch saubere, unzerbrechliche Tuben- Packung. In Frage kommen hauptsächlich folgende Artikel des täglichen Bedarfs; Zur Pflege des Mundes und der Zähne, außer der Chlorodont- Zahnbürste die herrlich erfrischende ChlorodontZahnpaste, Tube 1 M.,% Tube 60 Pfg. Zur Pflege der Haut und des Gesichts die edelste der Parfüm- Cremes, Creme Leodor als kühlende und heilende Creme gegen Sonnenbrand, 1 Tube 1.20 M.,%, Tube 75 Pfg. Zum Rasieren und Waschen die haarerweichende Rasierseife Leosira, zugleich auch als praktische Waschseife auf Touren geeignet,% Tube 1 M. In allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Proben dieser vorzüglichen Tubenpräparate erhalten Sie gegen Einsendung des seitlichen Abschnitts direkt von Leo- Werke, A.-G., Dresden- N.6 Hier abtrennen! Leo- Werke, A.-G., Dresden- N. 6. Senden Sie mir kostenfrei: 195 1 Probetube: für 10maligen Gebrauch ausreichend Name: Ort: Straße: Die Eröffnung der Zugspitzbahn. München, 5. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Bei Sonnenschein und Nebelwolken um die Felsengipfel des Wettersteins fand am Montag um die Mittagsstunde in der im idyllischen Bergwald gelegenen Talstation Obermoos die Eröffnungsfeier der 3ugipigbah n statt. An 300 Ehrengäste, darunter etwa 60 Pressepertreter aus Deutschland und Desterreich, waren durch Sonderzüge von München und Innsbruck nach Ehrwald gekommen, von wo sie im Auto zur Talstation befördert wurden, die geschmückt war mit den Farben Desterreichs und des Deutschen Reiches, Tirols und Bayerns und die von einer großen Menge Einheimischer und Touristen umlagert war. Unter den Ehrengästen befanden sich Vertreter der Reichsregierung, der preußischen und bayerischen Regierung, die öfterreichischen Bundesminister Schürff und Waber sowie die Landeshauptleute von Tirol und Vorarlberg, Bertreter der Technischen Hoch schulen Münchens und Dresdens, 3. Der Festalt wurde eingeleitet mit einer firchlichen Feier, an die eine Ansprache des Präsidenten der Zugspitzenbahn- Gesellschaft, Bür germeister Dr. Stern aus Reutte fich anschloß. Er betonte dabei, Faß die Zugspißenbahn hervorgegangen sei aus den Erfahrungen, die man mit der Seilbahntechnik während des Krieges in den öster reichischen Alpen vom Ortler- Karfrei gemacht hatte. Stern schloß mit einem Dant an die Erbauer und vor allem an die Ar beiterschaft, die mit unfäglichen Mühen und Blagen ihre beften Kräfte für die Bollendung des Wertes eingesetzt haben. Die Bug [ pigbahn sei ein leuchtendes Denkmal der Einheit und Kraft der beiden Reiche deutscher Nation. Beglückwünschungsworte des deutschen Gefandten in München als Vertreter der Reichsregierung enthielten u. a. den Wunsch, die Bahn möge ein weiteres Bindeglied fein zwischen den Ländern der verschwisterten deutschen Nationen. Im gleichen Sinne sprach auch Bundesminister Schürff, der die Zugspitzbahn als sichtbares Zeichen des Wiederaufbaues des wirtschaftlichen und po fitischen Lebens des deutschen Volkes feierte. Sein Glückwunsch galt einer größeren gemeinsamen deutschen Zukunft. Der Minister verlieh am Schlusse seiner Rede im Auftrag der österreichischen Regierung dem Präsidenten der Zugspizbahn- Gesellschaft, Bürgermeister Dr. Stern und dem Berliner Geheimrat Opiz das goldene Ehren zeichen der österreichischen Republit, dem Ingenieur Kleiner das filberne Ehrenzeichen und verschiedenen Ingenieuren und einem Arbeiter die goldene bzw. filberne Medaille für Berdienste für die Republit Desterreich. Mit dem Gedenken an diejenigen, die auf diesem Blaze der Arbeit bei der Erbauung der Bahn ihr Leben ver. loren haben, schloß die Feier. Im Laufe des Nachmittags wurden fämtliche Gäfte auf die Zugspige und wieder zurückgefahren. Alle äußerten sich voller Bewunderung und Begeisterung über das Wert. Beginn des Seedienstes Ostpreußen- Danzig. Bie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Vorschüsse auf die Getreideernte. Hohe Getreidepreise eine Gefahr der Aktion. Die vom Reichsbantpräsidenten Dr. Schacht auf der Darmstädter Tagung des Deutschen Landwirtschaftsrats angekündigte und vom Reichskanzler und Reichsernährungsminister mehrfach bestätigte Aktion zur Bevorschussung der Getreideernte wird durchgeführt. Nach den zwischen der Reichsbank und der Zentralgenossenschaftskaffe abschlossenen Verhandlungen erhalten Erzeuger, die den genossenschaft lichen Warenorganisationen Getreide verkaufen, auf die abgelieferten Mengen eine vorläufige Anzahlung von 60 Proz. des Wertes. Für diesen Betrag erhält der Verkäufer ein Wechselatzept der betreffenden Waren genossenschaft, das bei den genossenschaftlichen Kreditorganisationen bistontiert werden kann. Der Landwirt wird also Schuldner bei seiner genessenschaftlichen Kredit organisation, die auf die eingelieferten Getreidemengen bei der Warengenossenschaft ein Pfandrecht erhält. Das Geld zur Diskontierung der Afzepte erhält die Kreditgenossenschaft gegen Weitergabe der Afzepte von der Breußentaffe, die nötigenfalls die Wechselatzepte einmal prolongiert. Die Breußentasse ihrerseits fann die Akzepte eventuell an die Reichsbant weitergeben. Der endgültige Kaufpreis für das abgelieferte Getreide erfolgt durch Vereinbarung zwischen dem Erzeuger und der aufnehmenden Barengenossenschaft. Die Kosten follen möglichst niedrig gehalten werden. Die Lagergebühren und Spelen der genossenschaftlichen Warenanstalten dürfen das notmale Maß nicht überschreiten; die Kreditorganisationen dürfen insgesamt für Zinsen und Provisionen nicht mehr als 1½ Proz. über dem Reichsbankdiskont berechnen. Der Zweck der Attion liegt auf der Hand. Die deutschen Ge unter normalen Umständen auch ein Preisdruck ist, befreit werden. treideerzeuger sollen nach Möglichkeit von jedem Verkaufsdruck, der Sie wurde insbesondere unternommen, um die im Herbst und Winter fälligen Rückzahlungen von Rentenbank und sonstigen furzfristigen Kurssturz an der Börse. Die gestrige Börse zeigte fich troß günstiger Nachrichten unluftig und nahm vielfach Realisationen por. Die Warnungen von verschiedenen Seiten bezüglich des Kursniveaus haben die Spetu lation ängstlich gemacht. Die bevorzugten Märkte, Montan, Elettro, Chemische und Bankwerte standen unter dem größten Drud. Bochumer verloren beispielsweise 12% Proz. nur von einigen Bochumer verloren beispielsweise 12% Pro3. Nur von einigen Krediten zu erleichtern. Soweit das die Absicht ist, ist die Aktion sinnvoll. Bedenklich aber ist die zweifellos preissteigernde Wirkung. Durch die neue Aktion kommt die heutige Berkaufswirtschaft der Getreideproduzenten einem Getreidesyndikat immer näher; denn es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß diese Bevorschussung der Ernte zu einer Dauereinrichtung werden wird, und daß das Zusammenarbeiten der Warenverkaufsgenossenschaften und der Getreidehandelsgesellschaft auf Dauer dieselbe Rationierung des inländischen Getreidemarktes zu höchst möglichen Preisen zur Folge haben wird, wie sie bei aller Syndikatswirtschaft vorliegt. Wie immer in diesen Fällen hat den Vorteil auch hier der Großproduzent, dem die Stabilisierung und Hochhaltung der Preise am meisten nügt, und nicht der Mittel- und Kleinbauer, der vielfach mehr Selbstver braucher und Käufer als Verkäufer ist. Besonders bedenklich ist die preissteigernde Wirkung, weil sie die Wirksamkeit der eben wieberum erhöhten Getreibezöfte unterstreicht und infofern zugunsten des Großagrariertums den Verbrauch der Bolksmaffen mehr schädigt, als dem Kleinbauerntum genügt werden kann. Man muß überhaupt fragen, ob Stüßungsaktionen für die Landwirtschaft heute noch am Blaß sind. Für den Großproduzenten find fie Faulheitsprämien und Liebesgaben, dem Kleinprobuzenten nügen sie nichts und dem Konsumenten schaden sie. Es wird zu wenig beachtet, daß die 3insfäße für die Landwirtschaft bedeutend gesunken sind, und daß sich der Druck, der einmal auf der Landwirtschaft lag, bedeutend verringert hat. Ein Zeichen dafür ist, daß die Konturse und Geschäftsaufsichten in der Land44 Geschäftsaussichten im Januar ist die Zahl im Mai auf 13 bzw. wirtschaft immer stärker rückgängig sind. Von 29 Konkursen und 9 zurüdgegangen, während 1913 im monatlichen Durchschnitt allein 36 Konturfe zu verzeichnen waren. auch vertreibt, ist in der Hauptsache am Baumarkt interessiert. Sie erzielte bei einem Aktienkapital von 5 Millionen Mark einen Reingewinn von 267 871 Mart, aus dem eine Dividende von 5 Proz. zu Verteilung gelangt. Die Arbeiterverhältnisse sind bei dem Unternehmen stabil. Die Höhe der Belegschaft, 2000, perändert sich sehr wenig nach oben oder nach unten. Der Kaliabjah. G. m. b. 5. im Juni 1926 betrug 828 267 Doppelzentner Reintali. Der Absatz des Deutschen Kalisyndikats Minister für Handel und Gemerbe nach Abschluß der mit allen Be Spezialitäten waren die Kurse gebeffert, Jo Junghans und Sarotti. Der Gefamtabjah in den ersten 2 Monaten( Mai, Juni) bes laufenden Don teiligten gepflogenen Verhandlungen einen Fahrplan für den Seedienst Ostpreußen- Danzig angeordnet: Abfahrtstage Swinemünde: Sonnabend und Mittwoch; Ankunftstage in Danzig und Billau: Sonntag und Donnerstag, Abfahrtstage von Billau und Danzig: Montag und Freitag; Antunftstage in Eminemünde: Dienstag und Sonnabend. Die Fahrteröffnung für den Sommer 1926 wird unter Borauslegung befriedigender Probefahrt voraussichtlich am Sonn abend, den 17. Juli, mit dem neuerbauten Motorfahrgast. schiff Hansestadt Danzig"( betriebführende Reederei Norddeutscher Lloyd Bremen) und später mit dem Schwesterschiff Breußen"( betriebführende Reederei Stettiner Dampfschiffs- Gesellschaft 3. Braeunlich Gmbh., Stettin) erfolgen. Die vorübergehende Einstellung im Herbst erfolgt nach Ankunft in Swinemünde am 12. Oftober früh. Der Sängerchor Pankow 1919-, Mitglied d. ASV, gibt Dienstag, 6. Juli 7 Uhr am Schloß im Niederschönhausener Schloßpart ein Freifonzert. ist für geworden 347 Reintali gegen 0,450; der Geldmarkt ist wesentlich erleichtert, gibt aber dem Kurs- 1548 314 Doppelzeniner Reinfall in den ersten 2 Monaten des niveau feine Stüße. Am Devisenmarkt ist die Haltung nicht mesent- Düngerjahres 1925: 26. lich verändert. London- Paris 179%, aber London- Brüffel 185. Macht geht vor Recht. Eigentlich ein alter Sag in der fapitali ftischen Wirtschaft, aber er wurde von neuem bewiesen durch die Darlegungen, die Herr Stern in der Rahlbaum- Generalversammlung gab. Die Generalversammlung beschäftigte sich mit dem Umbau des Pstwerke Bazenhofer.Konzerns, über den wir in Nr. 273 berichtet baben. Stern, der seinerzeit die Intereffen der freien Rahlbaum. ftionäre gegen die Verwaltung verteidigte, gab befannt, mes. halb er seinen Widerstand aufgegeben habe. Der Aufsichtsrat von Schultheiß- Bazenhofer habe nämlich ganz deutlich erklärt, wenn die Auflösung des alten Bertrages nicht auf dem Wege der gütlichen Vereinbarung zu erreichen wäre, bann würden von der Schultheiß- Bahenhofer- Berwaltung feine Geldkosten ge scheut werden, um die Auflösung zu erzwingen. Er wollte ben Kahlbaum- Aktionären den Weg langwieriger Prozesses, die ja erwarten gewesen wären, ersparen. Zusammenlegung bei den Deutschen Werten. Zum Zwede weiterer Vereinfachung der Organisation ist der Betrieb der Deutschen Kraftfahrzeugmerte 2.-G. in Spandau, insbesondere die Fabritation des befannten D.Rabes, auf die Deutsche Industriewerfe A.-G. über tragen worden, deren Betrieb unmittelbar an die Anlagen der Kraftfahrzeugmerte angrenzt und deren Aktienkapital ebenso wie das der Kraftfahrzeugwerfe ganz im Besitz der BJAG., Bereinigte Industrie. unternehmungen 2.-G., ift. Stadt Breslau- Linke Hoffmann- Cauchhammer. Die städtischen Körperschaften haben beschlossen, von der Linke Hoffmann- Bauchhammer 2.-G. die Majorität der Rure des Steinkohlenbergwerks Bereinigte Gludsbilf- Friedenshoffnung zu Hermsdorf, Bezirt Breslau zu erwerben. Nach einem zwischen Stadt und Binie Hoffmann- Lauchhammer getroffenen Abkommen wird die Linke Hoffmann- Lauchhammer A.-G. mit dem Hauptteil des Kaufpreises eusschließlich im Interesse des Breslauer Werftes arbeiten lassen. und einer weiteren Steigerung der Arbeitslosigkeit in Breslau entgegen gewirkt werden. Vorträge, Vereine und Versammlungen. im Falle einer nichtgütlichen Zustimmung nach dieser Erklärung zu Dadurch sollen für das Wert neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefääfts ftelle: Berlin G. 14, Gebastianftr. 87/38, Sof 2 Tr. Mitte: Ramerabschaftsversammlungen: Di., b. 6., 8 Uhr, 1. Ram. Artillerieftr. 11. 5. Ram. Barnimitr. 13. Bien- Fahrer Fahrkarten eb a., b. 5., bei Dieke, Bonenstr. 19, abholen. Mi ,, d. 7., 8 Uhr, 3, Ram. Stallschreiberstr. 29. 6. Ram. Bonenftr. 19. Kreuzberg: Die Abteilungen und Jungmannschaften melben bis mi., d. 7, dem Kreisführer die Teilnehmerzahl für die Autofahrt am So., b. 10., nach Storkow. Fahrpreis 1,50 M. Abteilung 4 mi., b. 7., Berfammlung im Zukulluskeller, Bilhelmstr. 24; Abteilung 12 bei Giedentopf, Mustauer Str. 35. Charlottenburg: BerfammTung jämtlicher Wien- Fahrer Mt., b. 7., 8 Uhr, hei Schlicht, Spreeftr, 26, Steglig- Lichterfelde- Bankwig: 3m Juli fällt das Turnen aus. Am 18, Juli Bflichtveranstaltung nach Großbeeren. Antreten Aranolbplak. Lichterfelbe, 7 Uhr vormittags mit Must. Dienstag, 6, Juli, 8 Uhr, Bahlabend. Um 8 Uhr Werbeversammlung im Berein der Freibenter für Feuerbestattung. Ortsgruppe Bilmersdorf: Restaurant Rulka, Wilmersdorf. Lauenburger Str. 2, Ede Uhlandstraße. BorMandolinentiub Sonate 1907". Dienstag, 8% Uhr, im Restaurant ,, Rohrs. dorf", Rastanienallee 12. Damen und Herren als Mitspieler willkommen. Dienstag, Mansfelder Seimatverein Berlin( Gebirgs- und Seekreis). 6. Suli, 8 Uhr, in der Schultheiß- Bazenhofer- Brauerei, Chauffeeftr. 64. Lands leute willkommen, trag: Freibenter als Rulturorganisation". herzlich willkommen. Berliner Esperanto- Bereinigung. Dienstag, 6. Juli, 7-8 Uhr, im Café Softy, Botsdamer Plak, Sprechübungen für Funkhörer: ab 8 Uhr Konversation im Esperanto. Eintritt frei. Gruppe Moabit: Mittwoch, 7. Juli, 8 Uhr, im Restaurant Seydel, Jonasir, 5, Gründungsversammlung. Gruppe Norden: Freitag, 9. Juli, 8 Uhr, im Café Krüger, Kaftanienallee 2, Gründungsverfammfung. Elperanto- Freunde und Interessenten als Mitglieder oder Gäfte überall Arbeiter- Radio- Klub Deutschlands. Friebrichshain: Dienstag Barschauer Straße 59. Empfangsverfuche und Morfeturfus. Lichtenberg: Dienstag Scharnweber Ede Kronprinzenstraße, Charlottenburg: Dienstag Wieland Straße. Prenzlauer Berg: Donnerstag Schönhauser Allee 134b. Vortrag Augustin: Bom Schwachstrom aum Radio". Rottbuffer Tor: Donnerstag, Abalbertstr. 21. Schöneberg: Webbing: Donnerstag Bafewalter Str. 3. Donnerstag Gedanstr. 53. Bastelabend. Suboft: Donnerstag Gorauer Ede Görlizer Straße. Lichterfelbe- Off: Freitag Lorenzstr. 56. Gemeinsam mit Wilmersdorf. Reukölln: Freitag Bring- Handjern Ece Lessingstraße. Bortrag Fischer: Die fulturelle Bedeutung des Rundfunks für die Arbeiterschaft". Wilmersdorf: Freitag Auguftaftr. 18. Bortrag Glaat: Reganschluß". Reichsbund der Ariegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter. bliebenen. Ortsgruppe Süben: Mittwoch, 7, Juli, 8 Uhr, Mitgliederver. fammlung in Gliefings Festfälen, Waffertoritr. 68. Bortrag des Genossen Bitte über die materialistische Geschichtsauffaffung. Zur Lage im Hotelgewerbe. Die zum Aschinger- Konzern gehörende Berliner Hotelgesellschaft, die Eigentümerin der beiden Berliner Hotels Der Kaiserhof" und des Hotels Baltic" am Stettiner Bahnhof iſt, ſchließt ihre Bilanz vom 31. Dezember 1925 mit einem Reingewinn von 299 583 M., aus dem eine sechsprozentige Dividende zur Verteilung gelangt, ein Beweis, daß die berufsmäßige Klage über die hohen Steuern und über die ungünstige Wirkung der Polizeistunde auf das gastronomische Gewerbe feineswegs überall ihre Berechtigung habe. Nach den Mitteilungen in der Generalversammlung hat der Besuch in den letzten vier zuführen ist dies auf die Besserung der wirtschaftlichen Lage, aufländische Fabrikat der deutschen Handelsvertragspolitik für die Wochen etwas zugenommen. 60 Pro3. ber Zimmer ist belegt, zurückdie Börsenhausse und auf den Durchreiseverkehr aus der Provinz nach den Bädern und Kurorten. Konzentration im privaten Baugewerbe, Einer demnächst einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung der Allgemeinen Häuserbau- 2.- G. wird der Zusammenschluß mit den anderen Baubetrieben der Firma Adolf Sommerfeld Bauausführungen vorgeschlagen werden. Die Gesellschaft hat schon die Majorität der Terraingesellschaft am Neuen Botanischen Garten Aktiengesellschaft und befizt gleichzeitig maßgebenden Einfluß bei der Zehlendorf- West Häuserbau A.-G. nicht statt. Der Gesamtauftragsbestand beträgt nach Terrain Attiengesellschaft. Eine Kapitalserhöhung findet bei der erfolgtem Zusammenschluß rund 7 Millionen Mart. Rund 110 000 Quadratmeter Zehlendorfer Land sind mit Bauverpflichtung verfauft worden. Es sollen zirka 250, im Durchschnitt Bier- ZimmerWohnungen mit Nebengelaß und Garten, erbaut werden. Mit den umfangreichen Straßenbauvorarbeiten ist begonnen worden. Für das laufende Geschäftsjahr sind die Aussichten günstig. Wolf Netter u. Jacobi. Die Gesellschaft, die teils eine Dachgesellschaft für eine Reihe von eisenproduzierenden und eisenverarbei. tenden Unternehmungen ist, teils selbst produziert und ihre Produkte Lage der bayerischen Metall- und Spielwarenindustrie. Der Beschäftigungsgrad der bayerischen Metall und Spielwarenindu ftrie blieb im Mai und Juni 1926 weiterhin ruhig, insbesondere im Inlandsgeschäft und hat bei einer Reihe von Firmen nach gelassen, obmohl sich die Industrie mitten in der Exportsaison befinden sollte. Im allgemeinen reicht der Auftragsbestand nur noch für ganz turze 3ett, fodaß für die nächsten Wochen und Monate weitere Einschränkungen befürchtet werden müffen. Die Abfagverhältnisse werden durch die ständig wachsende ausländische Konturrenz weiterhin bedrohlich beeinflußt. Das aus. Metall- und Spielwarenindustrie war derart unbefriedigend, daß eine Aenderung faum erwartet werden kann, wenn sich die fommenden Abschlüsse mit anderen Staaten nicht wesentlich von den bisherigen unterscheiden. Die Gründung der Finanzierungsgesellschaft für das RussenWie von den Banten gemünscht, durch die geschäft steht bevor. liefernden Firmen. Die Berhandlungen führt der Reichsverband der Deutschen Industrie. Die Aftien sollen auf breitester Basis wird, bleibt abzuwarten. unter die Lieferfirmen verteilt werden. Wie die Sache funktionieren ..Arbed" fetzt fich in Argentinien feft. Wie aus Luremburg gemeldet wird, ist als direkte Folge der Reise des Präsidenten des Verwaltungsrates der Arbed", Barbansohn, nach Südamerika die Tatsache zu verzeichnen, daß die Arbeb" die Eisentonstruktionswerkstätten und Eisenhandlung Farsena in Buenos Aires, den weitaus größten Stahl tonsumenten Argentiniens, fäuflich ermorben hat. Dadurch ist der Arbed" maßgebender Einfluß auf den argentinischen Stahlmarkt zugesichert. Der Kaufpreis ist unbetannt. DIE NEUE ZIGARETTE! MASSARY PERLE y EINE ZIGARETTE VON RANG 43 URTEILEN SIE SELBST! Arbeiter Sport Das Arbeitersportfest in Wien. Als die österreichische Arbeiterschaft nach der im Jahre 1888 zu Hainfeld erfolgten Einigung an Macht und Einfluß gewann, schuf sie durch Gründung von Arbeiterbildungs= vereinen die Grundlage für viele der heute so mächtigen Organifationen. So hat in Wien der Arbeiterbildungsverein im Jahre 1893 eine Turnfettion geschaffen, aus der später der Allge meine Turnverein Wien wurde. Unfäglich langsam entstanden nach und nach Arbeiterturnvereine. Ursprünglich dem Deutschen Arbeiterturnerbund angeschlossen, wurde 1910 der Defter= reichische Arbeiterturnerbund gegründet, der seinen Gig in Aussig hatte. Während des Krieges ruhte die Vereinstätigkeit fast vollständig, aber in den darauffolgenden Jahren erfolgte ein ungeheurer Aufschwung. In den Arbeiterturnvereinen wird jezt auch sehr viel Leichtathletik sowie Rudern und Paddeln betrieben. Der Arbeitersfiverband besteht in seiner übergroßen Mahrheit aus Arbeiterturnern. Der Arbeiterrab fahrerbund wurde im Jahre 1898 gegründet und vereinigt heute in 406 Vereinen 25 000 Mitglieder. Der Arbeiter. athletenbund zählt in 126 Vereinen 8000 Mitglieder. Die jüngsten Bereinigungen sind der Osterreichische Arbeiterschach bund mit 4000 Mitgliedern und der Verband der Arbeiter= schützenvereine mit 2000 Mitgliedern in 18 Vereinen. All diese Verbände, auch die Naturfreunde" sind in dem im Jahre 1924 gegründeten Arbeiterbund für Sport und Körper pflege in Desterreich( Astö), der der Luzerner Sportinter nationale angeschlossen und für Desterreich oberste Sportbehörde ist. boote auf den See geschickt. " Besonders der Schlepper Willy" des Eigners Baul 3eich ner von der Dampfgenoffenschaft Spandau beteiligte sich in hervorragender Weise an dem Rettungswert, er fonnte 18 Gegelboote sammeln und von mehreren im Wasser treibenden gefenterten Booten die Insassen aus Lebensgefahr retten. Auch das Motorschiff„ Germania" stellte sich in dankenswerter Weise der Leitung des Rettungsdienstes des FSV. zur Verfügung. Dem raschen unermüdlichen Helfen ist es zu danken, daß kein Menschenleben zu beflagen ist. Leider ist größerer Materialschaden zu beklagen, den gutzumachen manchem geschädigten Sportgenossen in der heutigen schweren Zeit nicht leicht fallen dürfte. Kommenden Sonnabend 3 Uhr sowie Sonntag vor= mittag vor den offiziellen Wettfahrten finden die Rennen um den Herausforderungspreis der„ Spandauer Jollensegler" für die auch übe der starten werden. 15- Quadratmeter- Rennjollen statt, zu denen, außer Berliner Boote, Die Ruderer und Ranufahrer hatten ihre Regatta in Grünau angesetzt. Trotz des sehr unbeständigen Wetters am Sonntag fuhren viele Besucher, hinaus; Tribünen und Logen waren bald gefüllt und die Wettfahrten hätten beginnen fönnen, menn. nicht von oben ein Strich durch die Rechnung gemacht worden wäre. Als Auftakt zu den Hauptrennen fand ein Frauenstit rudern statt. Kaum daß die Boote im Wasser waren, fing es frisch fröhlich zu plätschern"' an. Rennen für Junioren. Mittlerweile hatte sich der Himmel Es folgte ein Bierer zu verzeichnenden Regengüsse gingen in Wolkenbrüche über. vollkommen überzogen und die bis dahin als leichte Niederschläge Rennen mußten fast 1½ Stunde vertagt werden. Schließlich brachte der Tag aber doch einen sportlich hochanerkennenswerten Erfolg. Einige Resultate: Die 1. Freie Rudervereinigung Breslau 8.32,2. 2. RB. Collegia 8.40. Frauenstilrudern: 1. RV. Collegia. 2. Ruderriege Fichte. Juniorvierer: Doppelvierer für Junioren: 1, Vereinigung der Ruderfreunde 8.42,7. RB. Borwärts 8.43,7. Doppelkajak( Scharpie Klaffe Ila): 1. Freie Schwimmer Charlotten. burg 6.11,3. 2. Freie Ranufahrer Schweiffterne 6.15,1. Vorwärts 8.37,2. 2. RV. Collegia 8.39. Leichter Bierer: 1. R. Doppelzweier o. St.: 1. Bichelsberger Rudergesellschaft 8.58,9. 2. Bereinigung der Ruderfreunde 9.39. Doppeltajat ( Rundspant Klaffe IVa): 1. Freie Ranufahrer Forst 6.8,1. 2. RV. Borwärts 6.15. Ueber den Beginn des Internationalen Arbeiter. sportfestes im Wien haben wir bereits in der Sonntags ausgabe des ,, Borwärts" berichtet. Ueber den Fortgang drahtet uns unser Sonderberichterstatter, daß am Sonntag vormittag bei herrlichem Wetter und starker Beteiligung das Stafetten= laufen quer durch Wien über die Hauptstraßen der Stadt bis an den Prater stattfand. Um 11 Uhr vormittags war eine ge= waltige Rundgebung der Jugendorganisationen auf für Senioren: 1. RB. Collegia 7.15,3. 2. RV. Borwärts 7.18. dem Rathausplay, wo eine Begrüßung der in den letzten Jahren den Jugendorganisationen beigetretenen Jugendlichen stattfand. Gleichzeitig trafen auch die Stafettenfahrer zu Rad aus Wien und Graz ein. An dieser Kundgebung nahmen etwa 10 000 Per sonen teil. Um 6 Uhr abends wurden die ausländischen Delegierten und das Festkomitee im Rathaus vom Bürgermeister, Genossen Seiß, empfangen und um 9 Uhr abends fand auf der Hohen Warte ein Riesenfeuerwert statt. Bierer für Anfänger: 1. RV. Freiheit 8.56,2. 2. RB. Borwärts 9.08,1. Einer für Ruderer: 1. Graf( Freie Rudervereinigung 1913) 10.8,4. 2. Mitat ( Bereinigung der Ruderfreunde) 10.12,2. Achter für Junioren: 1. RB. Borwärts 7.29. 2. RV. Freiheit 7.32,5. Einer für Ranufahrer: 1. Freie Ranufahrer Berlin 3.29,4. 2. Freie Schwimmer Charlottenburg 8.44,2. Achter Ein Turnfest in Nowawes. Die Kinder des 1. Bezirks in Halbe. aled mon Ein Es dersportfest des 1. Bezirks statt. Bereits am Sonnabend In Halbe bei Teupih fand am 26. und 27. Juni das Kin trafen 900 Kinder ein, weiterer 3uftrom tam mit Autos an. Am Nachmittag fand ein Dreif ampf statt, der von etwa 1000 Rindern bestritten wurde. Abends wurden Feiern in geschlossenen Räumen abgehalten. Sonntag früh 6 Uhr zog das Tambourforps durch die Straße um zu weden. Die meisten Kinder aber waren schon früher auf den Beinen. Nun ging es nach dem Sportplatz Die Freie Turn- und Sportvereinigung No zur Generalprobe. Die Vereine hatten fleißig geübt. mam es hielt fürzlich ihr diesjähriges Sportfest ab. Das Fest imposanter Fest zug, an der Spize ein 40 Mann starkes Be= wurde am Sonnabend eingeleitet durch einen Werbelauf 3irtstambourtorps und die Neuköllner Musikvon 100 Sportlern und einen Umzug des Tambourkorps. Ueber tapelle, leitete den Nachmittag ein. Reichen Beifall fanden die 600 Zuschauer fanden sich trotz des trüben Wetters auf den Sport- Freiübungen und die Sondervorführungen. plägen ein und folgten interessiert und beifallsfreudig den einzelnen folgten nun der Endkampf der Stafetten, ein HandballDarbietungen. Ueberaus großen Anflang fanden die massen- ipiel Adlershof- Niederschöneweide kombiniert gegen Bildau und pyramiden bei bengalischer Beleuchtung. Die Reigentänze ein Fußballspiel der Lichtenberger, diesmal mit dem Resultat der Frauenabteilung und das Turnen der Männer an den Ringen. 2: 1 für die erstgenannte Mannschaft. Faustball- und Trommelballspiele, Turnen der Frauen und Männer ant Barren umrahmten das Sonnabendprogramm. Am Sonntag herrschte von früh ab reger portbetrieb. Zahlreiche auswärtige Vereine hatten sich eingefunden, um an den Wettkämpfen teilzunehmen. Um 1 Uhr fand ein Demonstrationszug durch die Straßen statt. Ueber 500 Sportler, Fußballer, Segler, Schwerathleten gingen unter Vorantritt des Tombourforps in ihrem schmucken Sportdreß durch die Stadt, hunderte von Zuschauern an lockend. Am Nachmittag wurden die End kämpfe vor über 2000 Zuschauern ausgetragen. Spannende Kämpfe fah man besonders bei den 100- meter Läufen und den Stafetten. Einen blendenden Laufstil zeigte Rohmenat, Schöneberg, im 3000- Meter- Lauf, den er überlegen in 9,51,4 Minuten für sich entscheiden konnte. Zum Schluß fand ein Handball- und ein Fußballspiel von Nowawes gegen Neukölln bzw. Wader 20 I. statt. Ersteres verlor Nowames 1: 2, während im Fußballspiel Nowawes Wacker mit 6: 2, trotzdem Wader vor Halbzeit mit 2: 0 führte, schlagen fonnte. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg für die Arbeiter- Turn- und Sportbewegung in Romames. Arbeiter- Segel- und Ruderwettfahrten. Sturm auf Müggelsee und Dahme. Sportliche Beranstaltungen mit Rußland freigegeben. Auf die wiederholten Schreiben des Vorstandes des ArbeiterTurn: und Sportbundes hat nunmehr der Oberste Rat für physische Kultur in Mostau unter dem 14. Juni eine befriedigende Antwort gegeben. Es heißt in dem Schreiben unter anderem:„ Es ist uns bekannt, daß das frühere Mitglied unserer Internationale Bruno Lieste in einem seiner Berichte über die Aufgaben, der Roten Sportinternationale eine Anzahl Vorschläge unterbreitet hatte, darunter auch den Punkt 6, von welchem Ihr sprecht. Wir als Sektion der RSI. befunden, daß ein folcher Punft weder im Programm, noch in den Satzungen der RSI. existiert und von feinem der Kongreffe der RSI. angenommen worden ist. In den offiziellen Dokumenten der RSI. existiert ein solcher Punkt nicht." Darauf hat der Arbeiter- Turn- und Sportbund folgendes verfügt:„ Der Bundesvorstand hatte unter dem 22. Februar nach Moskau fonkrete Fragen wegen des Zusammenspielens mit russischen Mannschaften gestellt. Er erhielt darauf eine unflare Antwort. Auf ein unter dem 28.. April d. J. nach Moskau gesandtes Schreiben erhielten wir unter dem 18. Juni eine Antwort, die als zurzeit befriedigend anzusehen ist. Demzufolge erteilt der geschäftsführende Ausschuß die Erlaubnis, zur Durchführung von sportlichen Wettkämpfen mit Ruß land. Die Auswahl der Orte, in denen Russenspiele stattfinden fönnen, trifft der Bundesfußballausschuß." Die Jugend für die Bundesschule! An die gesamte Jugend des Arbeiter Turn- und Trog der schweren Not, die auf der Arbeiterschaft lastet, laufen zahlreiche Beträge ein. Die rührige Jugend des Leipziger Bezirkes, die den Anstoß zu der Sammlung gegeben hat, veranstaltete eine Morgenfeier, zu der rund tausend Jugendliche sich eingefunden hatten. 500 Mart war das Sammlungsergebnis. Delegiertenwahl zum Bundestag. Wie beim vorigen Bundestag, so ist es auch diesmal der Parteiliste der KPD.- Frattion gelungen, bei der Urmahl der Turnersparte der Provinz Brandenburg den Sieg zu erringen. Schuld daran trägt auch die Saumfeligkeit vieler Provinzvereine, von denen 44 überhaupt nicht wählten. Das Resultat ist folgendes: Männer: Dehlschläger 3500, M. Zeilinger 3298, Möllmer 3068, Bergmann 2901, Rienbaum 2807, Nitschke 2615 Stimmen. Außer diesen gewählten Delegierten erhielten Stengel 2371, Stühm 2348, Sänger 2336, Levin 2332, Conrad 2184, Hoffmann 890, Neumann 630, Regling 602, Matta 184 StimDie Frauen wählten E. 3 eilinger( 1466) und Sie= wert( 1007). Außerdem erhielt Tietz 564 Stimmen. men. Ein Sommerbad des Schwimmvereins„ Vorwärts". Nach unendlich langwierigen Verhandlungen und Bemühungen ist es dem Schwimmverein Vorwärts Berlin 1897 E. V. gelungen, auf dem gepachteten Gelände am Stichtanal in Neukölln ein eigenes schmuckes Häuschen zu errichten. Zur Einweihung dieses neuen erweiterten Sommerbades veranstaltete der Verein ein internes Schwimmfest, das trotz des Regens sehr gut besucht war. In den Wettkämpfen, die durchmeg mehrere Läufe mit 8 bis 12 Teilnehmern aufwiesen, gab es sehr scharfe Kämpfe, die zu einem großen Teil erst in den letzten Metern entschieden werden konnten. Rettungsvorführungen, HindernisAbwechselung im Programm. schwimmen und ein gut geschwommener Frauenreigen sorgten für Die Wasserballspiele: Jugend: Vorwärts- Norden gegen Brandenburg und Manner: Borwärts- Süden gegen Rathenow wurden von Vorwärts mad reichlich hartem Spiel mit 2: 0 bzw. 7: 1 gewonnen. Bundestage Deutscher Arbeitersportverbände. Der ArbeiterTurn- und Sportbund hält seine Tagung vom 25.- 27. Juli in Hamburg ab, der Arbeiterradfahrerbund Solidarität" vom 17.- 20. Juli in Karlsruhe, der Arbeiter= Athletenbund am 1. August in Berlin, der Arbeiterfchüßenbund am 15. August in Erfurt, die Naturfreunde" am 2. Oktober in Würzburg. Die Organisation der Arbeiter- Liebhaberphotographen, die Photogemeinschaft der Naturfreunde", veranstaltet allmonatlich Anfängerkurse, die die Teilnehmer in das Gebiet der Negativ- und Positivtechnik einführen. Hier wird dem photographierenden Arbeiter oder dem, der es werden will, Gelegenheit gegeben, sein Wissen in dieser Richtung zu erweitern, ohne Unkosten zu haben. Auskunft jeden Montag 8 Uhr im Jugendheim Eberty str. 12. Der nächste Kursus beginnt Donnerstag, 8. Juli 19 Uhr ebenphotographen erfahren näheres über Gummi-, Bromöl- und dort. Apparate sind mitzubringen. Fortgeschrittene LiebhaberPigmentorud. Kurse an jedem Montag. Berliner Arbeitersportler nach Lettland! Zum Länder. wettkampf in Lettland entsendet der Arbeiter- Turn- und Sportbund eine Leichtathletik- Mannschaft von 12 bis 15 Teilnehmern. Die Kämpfe finden Mitte August statt. Fußballrefultate vom 4. Juli. Jm Südwesten ist nun endlich auch der Bezirksmeister ermittelt. Zudenwalde I gelang es nach hartem Rampf, feinen Widersacher Frisch- Auf mit 2: 0 aus dem Felde zu schlagen. Jm Lichtenberg- I- Turnier scheint die Regie nicht flappen. Nachdem festgestellt war, daß der Plaz in der Rynaststraße nich: spielfähig war, einigte man sich auf den Plak in der Goßlerstraße. Berliner Sportverein 22 und Vorwärts- Hennigsdorf betraten als erste Mannschaften den Blak. Nach 10 Minuten tann Borwärts den ersten Treffer buchen. Jez: greift BSV. dauernd an. Eine förmliche Belagerung des Vorwärts- Tores findet ftatt, boch mangelt es den BGB.ern an dem notwendigen Torschuß. Erst in Der 32. Minute verwirkt der linke Verteidiger von Borwärts einen Elfme cr der von BGB. zuerst in sehr sportlicher Manier vorbeigetreten wird. Ded Stoß mußte wiederholt werden, da der Schiedsrichter noch nicht gepfiffen hatte. Beim zweitenmal verwandelte BGB. glatt.( War das die Absicht des Mittelmehr im Borteil, doch ändert sich am Resultat nichts. Bei Schluß der regulären Läufers beim ersten Stoß?) Während der zweiten Spielhälfte ift Vorwärts Spielzeit steht das Spiel 1: 1; deshalb muß Berlängerung eintreten. Vorwärts gelingt es dann auch nach 10 Minuten, den siegreichen Treffer zu erzielen. ben Gieg burchaus verdient. BGB. ist mehr Ruhe auf dem Blak und während Die weitaus fympathischere Mannschaft war Vorwärts- Hennigsdorf; fie haben bes Spiels au empfehlen. Das zweite Spiel, Lichtenberg I gegen Brandenburg 02, tonnte, da Brandenburg über die Plagverlegung nicht unterrichtet war, nicht stattfinden. Jn Röpenid trafen fich Astania und Nordiska. Die ersteren konnten mit 3: 1 als Gieger den Plak verlassen. Mit 2: 1 blieb die Freie Sportvereinigung Berlin XII über Spandau 03 fiegreich. Die Werbefpiele, die vom Arbeiter- Sportverein Retschendorf veranstaltet wurden, fielen dem Gewitter zum Opfer. Adler 08 mußte fich von Minerva mit 1: 2 geschlagen bekennnen. Mit demselben Resultat trennten sich Sportvereinigung 22 Teutonia Sieger. und Blau- Weiß. Eine hohe Abfuhr erhielt Sportklub Moabit; mit 0: 9 blieb Am Dienstag findet auf dem Sportplag in der Annast. ftraße das Turnier von Lichtenberg I seine Fortseßung. Es stehen sich Adlershof und Borwärts- Hennigsdorf gegenüber. Beginn des Spiels 27 Uhr. waltungsbezirt ihren Gig haben, werden ersucht, zu der nächsten Gigung am Arbeiter- Sport- und Kulturkartell Mitte. Alle Vereine, die im 1. BerMittwoch, 7. Juli, 7½ Uhr, in der Schule Gipsstr. 23 ihre Bertreter zu entsenden. Berliner Arbeiter- Schachklub. Abt. Lichterfelbe- Lankwig: Spielabend jeden für Anfänger. Gäste willkommen. Dienstag 28 Uhr bei Rattum, Lichterfelde, Bäteftr. 7. Kostenloser Unterricht Dem Wunsche einzelner Schachfreunde, auch in Südende eine Schachabteilung ins Leben zu rufen, nachfommend, ersuchen wir alle werftätigen Schachspieler, die an der Gründung einer Abteilung in Südende interessiert sind, ihre Adresse an Schachfreund A. Grothe, Stealik, Schüßenstr. 39, zu senden. Uhr, bei Beter, Wrangelstr. 125. Am Sonnabend, 10. Juli, 28 Uhr, ebenfalls bei Beter Kartellvorstandssikuna, vorher 26 Uhr Raffenrevision. Gruppensportfest 1. Kreis 1. Bezirk. Am 11. Juli findet in Adlershof auf Bezirkskartell 6 Kreuzberg. Nächste Kartellsigung Montag. 12. Juli, dem neuangelegten Blag des Arbeiter- Turnvereins au Adlershof, Selbigftraße, das 3. Gruppensportfest vom 1. Bezirk 1. Kreis, verbunden mit Blakweihe, statt. Der Auftakt zu den Wettfahrten am 4., 11. und 18. Juli auf dem Müggelsee war die Schleppfahrt der Segelboote der Gruppe West des Kreises Berlin durch die Stadt. Ein farbenfreudiges Bild bot sich dem Auge des Beschauers, der die schmucken Boote, alle beflaggt mit dem Stander der FSB., die Spree entlang durch Brelin fahren jah. Der einzige, der daran keine Freude Sportbundes ist vom Bundesjugendausschuß folgender Auf hatte, war der Wettergott, der die Segler beim Passieren der Mühlenruf zu einer Sammlung ergangen, deren Ertrag zum Ausbau des dammschleuse mit einem fräftigen Guß bedachte. Am Müggelsee, dem Schauplatz der sportlichen Kämpfe, begrüßten die" Freien Lehrfaales an der Bundesschule verwendet werden soll: Der Dienstag, 6. Juli, 28 Uhr, Jugendheim Ebertyftr. 12. Leseabend. Segler Müggelse e" die Gäste. Der Sonntag als erster Wett- stolze Bau der Arbeiter- Turn- und Sportschule geht seiner Bollenfahrttag brachte Kampfftimmung. Es stellten sich über 160 Segel- dung entgegen. Unsere Bäter legten im Jahre 1893 den Grundboote dem Starter. Von 11 Uhr ab schickte der Starter in drei stein zu diesem Bau durch Gründung des Arbeiter- Turn- und Sportbundes. Minuten Abstand die Boote über die Bahn. Die großen Boote mußten den Müggelsee dreimal runden, während für die kleinen die Bahnlänge auf zwei Runden festgelegt war., Bei einer flotten Brise von etwa fünf Sefundenmetern nahm die Wettfahrt einen raschen Verlauf. Besonders heiße Kämpfe spielten sich wie immer in den Klassen der 20-, 15- und 10- Quadratmeter- Rennjollen ab. In den beiden erstgenannten Klassen, gelang es den Gästen die Führung an sich zu reißen und den einheimischen Seglern den Weg zu zeigen, aber auch in den anderen Klassen gab es harte Kämpfe, bis die furz nach 2 Uhr einsetzende Wetterfatastrophe dem allen ein Ziel jezte. Die ersten Boote hatten kaum die Ziellinie passiert, als ein orfanartiger Sturm über den Müggelsee fegte, begleitet von wolkenbruchartigem Regen. der den ganzen See wie in Nebel hüllte. Sofort wurden alle verfügbaren Motor- Wille, wir sind die Tat." ,, Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu befizen." Jugendgenossen und Jugendgenoffinnen! Der Bundesvorstand hat aufgerufen zur Stiftung von Inneneinrichtungen. Wollen wir, die Jugend des Arbeiter- Turn- und Sportbundes, dabei beiseite stehen? Nein, nimmerdar! Wir wollen mithelfen, wollen mit gutem Beispiel vorangehen. Laßt uns mitfchaffen an der Vollendung des Werkes! Die Inneneinrichtung des Lehrsaales muß das herrliche Ergebnis unserer Mitarbeit sein. Dieser Lehrfaal muß unser Lehrsaal sein. Wir, die Jugend, wollen die Quelle des Wissens erobern; denn Wissen ist Macht! Wir, die Jugend des Leipziger Bezirks, rufen euch, die gesamte Bundesjugend, auf, mitzuarbeiten, daß nach dem Willen der Jugend, nach unserer Idee, eine Stätte der Geistes- und Körperkultur entstehe. Wir sind der Der zerstörende Einfluß auf die Gesundheit, die Stimmung, die Verdauung, den Schlaf sowie das Aussehen des Menschen ist groß. Vorzeitige Alterserscheinungen sind die Folge, müde Haltung, schlechte Laune, große Reizbarkeit und ein schlechtes Aussehen. Große und nachhaltige Erfolge haben Nerböse mit einer Biomalz- Nerven- Nähr- und Auffrischungsmethode mit Lecithin erzielt. Unser Lecithin ist patentiert. Es hat in langen Stoffwechselversuchen in der chemischen Abteilung des Rudolf- Birchow- Krankenhauses seine Feuerprobe bestanden. Wedding: Dienstag, 6. Juli, 8 Uhr, Seim Lütticher Str. 47/48. Touristenverein ,, Die Naturfreunde"( Zentrale Wien). Abt. Friedrichshain: Abt. Friedenau: Dienstag, 6. Juli, 29 Uhr, Jugendheim Offenbacher Str. 5a. Bortrag: Goethes Faust". Borher von 7-29 Uhr Spielen auf dem Schulsport. plak. Abt. Norben: Dienstag, 6. Juli, 8 Uhr, Heim Sonnenburger Str. 20, Rimmer 5. Geschäftliches, Unterhaltung. Abt. Tiergarten: Dienstag, 6. Juli, 8 Uhr, Heim Wiclefftr. 5, Rimmer 6. Spielen. Abt. Treptow: Dienstag, 6. Juli, 28 Uhr, Heim Elsenstr. 3. Lichtbildervortrag: ,, Baluschet". Abt. Bortrag: ,, Rörperkultur". Mufitgemeinschaft: Mittwoch, 7. Juli, 28 Uhr, bei Lehmann, Gaudnftr. 21, Uebunasstunde. Mitglieder, welche nach Noten spielen, find herzlich willkommen. Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 8. Juli, 28 Uhr, Seim Danziger Str. 23, Mitgliederversammlung. Abt. Lichtenberg: Donners. Abt. Südwest: Donnerstag, tag, 8. Juli, 28 Uhr, Treptow Spielwiese. 8. Juli, 7 Uhr, Volkspark Tempelhofer Feld. Abt. Reinidendorf: Donners. tag, 8. Juli, 8 Uhr, Monatsversammlung in Reinickendorf- Oft, Geebad. Ortsgruppe Berlin: Mittwoch, 7. Juli, 28 Uhr. Sophien- Erzeum, Bein meifterstr. 16/17, Funktionärsikung. Abt. Neukölln: Donnerstag, 8. Juli, 7 Uhr, Spielen Treptow, Wiese 4. 1 Jiu- Jitsu- Kurse. Die Sportliche Bereinigung Nord- Oft beginnt in ihren Abteilungen mit neuen Anfängerkursen im Jiu- Jitsu für Jugendliche und Erwachsene. Abt. Nordost: Montags und Donnerstags 7-10 Uhr abends Turnhalle Christburger Str. 7. Abt. Often: Dienstags 8-10 Uhr abends Turnhalle Ehrenbergstraße( Bhf. Warschauer Straße). nervöser Beschwerden Es ist wissenschaftlich unanfechtbar. Es ist restlos verdaulich, wohl. schmeckend und daher eine Nerven- Nahrung von denkbar größter Bollkommenheit. Ben also nervöse Beschwerden quälen und wer etwas Energisches tun will, der nehme Biomalz mit Lecithin. Man fühlt sich verjüngt, und ein friferes, blühenberes Ausieben legt Zeugnis davon ab, in wie tiefgreifender Weise diese Nährmethode auf das Wohlbefinden des ganzen Menschen einwirkt. Preis einer Dofe Biomalz 1,90 Mt, mit Eisen( zur Stärkung für Blutarme und Bleichfüchtige) 2,20 m., mit Ralt ertra( zur Stärkung für Lungenleidende) 2,50 Mt., mit Lebertran 2,50 Mt., mit Lecithin 5,- Mt. Biomalz- Schokolade je 100- Gramm- Tafel 60 Pf. und Biomalz- Bonbons, beftes Linberungsmittel bei Susten und Heiferteit. vorzüglicher Geschmad, je Beutel 30 Bf., Dose 50 Pf. Druckfachen toftenfrei von Gebr. Patermann, Zeltow- Berlin 10. 1] Dienstag 6. Juli 1926 Unterhaltung und Wissen Hans Hinkebein. Novelle von Mar Dortu. Wenn einer im Jahre 1862 geboren ist, dann eß er im Jahre 1924 rund 62 Jahre alt sein. Jawohl! Die Rechnung ftimmt ganz genau. Hans Hinkebein ist 62 Jahre alt. Wer ist Er? Je nun, Hans Hinkebein ist eben Hans Hintebein, denn er hinkt. Und die ganze Stadt nennt den alten Hinter: Hans Hinlebein. Aber beileibe nicht, menn er dabei ist, sonst schwillt an feiner grauen Stirne eine blaue Zornader an, und dann wehe! Hans Hinkebein ist jähzornig. Wie der Sturm fann er brausen. Brausen kann er wie der Gießbach in der Wutausklaman. Hans Hinkebein ist ein alter Fabritarbeiter, ein Hüttenarbeiter. Beim letzten Abbau mard auch er abgebaut. Er ist unbeweibt. Ein alter Riese ist er, allerdings ein hinfender Riefe. Diese Hinferei fam so. Beim Berladen von Stahlschienen fiel dem Hans eine Stahlschiene auf den Fuß, und zerquetschte Fleisch, Sehnen und Knochen. Den Fuß abschneiden? Nä, sagte Hans, der Fuß bleibt dran. Der Arzt aber: Dann bekommen sie einen hintenden Klumpfuß. Hans: Der Teufel hat auch einen. Der Arzt: Gut, wenn Sie Verwandtschaft zu ihm fühlen mir recht, ich kann den Fuß ja auch fitzen lassen. Das alles war vor etwa vierzig Jahren. Lang, lang ist's her. Aber Hans erinnert das alles, als wenn's gestern gewesen wäre; denn damals, nach dem Krankenhaus, da fing's an: Hans Hans Hintebein. Und vor lauter Verzweiflung hatte Hans fich bem Suff ergeben, erft dem ftillen Suff, dann dem öffentlichen Suff, und dann ward für ihn das fliegende Bort geprägt: Hans Hintebein, Laß' s Saufen fein. Ein gefährliches Ein böses Wort. Ein heimtüdisches Wort. Bort. Dreimal hatte Hans Hintebein wegen dieses gefährlichen Bortes bereits im Rahn gefeffen, er hatte zugeschlagen. Das leigte. mal faß man drei Monate in einem Rutsch ab. Brrr! Hans? Schaut ihm einmal ins Geficht. Ein schwarzes Stoppelfeld unten, eine graue Fabritmauer die Stirne. Die Naje ein flumpiger Wafferturm, der rot angestrichen ist. Die Lippen hart. Die Wangen eingefallen wie verschüttete Brummen. Aber das Auge, das Auge, das Auge ha, diefes Auge! Wohl, ein Säuferglanz liegt um das Auge her, aber das ist nicht das Bemerkenswerte; bemerkenswert, ja! höchst hedeutungsvoll ist: Was aus dem Auge herausleuchtet; mehr noch: Bedeutungsvoll ist, was aus dem Auge herausbrennt. Eine Flamure, eine Flamme, eine Flamme. Der Hans Hinklebein hat' ne Seele,' ne brennende Seele. Er ist cin echter Mensch, ein ganzer Mensch, ein wilder Mensch, ein guter Das alles fagt uns sein Mensch, ein fchöpferischer Mensch feelenbrennendes Auge. Hans Hintebein ein schöpferischer Mensch? Er ist so' n Etüd von' n Dichter. Und er fäuft?? Na, saufen denn die Dichter nicht alle? Jeder Dichter lebt doch im Rausche. Dichter berauschen sich an der Schönheit des Geins. Und wenn Hans Hinkebein früher wohl trant, um feine Galle zu beruhigen, dann tranf er zu anderer Beit, um in Stimmung zu fommen, um zu erleben, um Gefühle und Gedanken als schöne Stumdenwelt aufzubauen. Ja, ein hartes Schicksal, das Schicksal mit dem Klumpefuß. Darüber hatte er auch die Rite verloren. Die damalige Mariame Rupfermühl, längst aber verheiratete Frau Mariane Drehbaum. Reich ist sie geworden. Und herrisch. Der Mann is' n Großhändler in Explosivstoffen für Bergwerksbedarf. Für die Eisensteingruben. Ja, und einft hatte der Hans bem Maidchen Rife errötend nach geschaut, bevor das mit dem Fuße fam. Und als das mit dem Fuß da war, da hatte der Hans dem Maidchen Rife erbleichend nach geschaut. Denn er fühlte, fie mag dich nicht mehr, der Teufelsfuß Na, und die Rite war in Dienst gekommen, bei dem alten Groß rater Drehbaum; und der junge Drehbaum hatte ihr' n biden Bauch gemacht; und da er ein Feigling war, hatte er fie geheiratet-; nicht aus Liebe, nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil er fich vor dem Geschwätz der Leute fürchtete! Und die Rife ist bei dieser Heiraterei tiefst unglüdlich geworden; fie hat sich gerächt; sie hat die Hofen angezogen, sie ist ein Tyrann geworden, ein Tyrann mit Schnurrbart und Hand auf den Schlüsseln; Der Herr Großerplosivstoffhändler Alois Drehbaum ist nur' n Schatten feiner hand- unb trantfesten Frau. Jawohl, auch die Frau Mariane Drehbaum trinft. Da haben wir' s ja! So argumentiert Hans Hinfebein, fie trinkt aus Berzweiflung, weil sie mir nicht gefriegt hat. Ja, der Abbau, das war bös. Da fonnte man dann nicht mehr in den Schwarzen Affen" gehen und sein Edschöpfchen Wacholder trinten. Num hieß es: nüchtern sein. Nun hieß es: Hans Hinkebein, zieh du den Beibriemen strammer an. Jawohl, es tam bis zum Hungern. Das mar, als hans mal die Erwerbslofenunterstützung cuf einen einzigen Hieb verfoff. Er hatte ja teine Schuld, nä! Die Buben mit ihrem: Hans Hinlebein, Laß's Saufen fein. Da soll doch gleich der Deubel dreinschlagen. Die Buben! Buben! Diese Lästerzungen. Und immer die reichen Buben. armen Buben mudten sich nicht, die tannten Hansens Fauft. achteten den Hans Hinfebein, meil sie ihn fürchteten. Aber die reichen Menschen; D!' ne Bosheit is das mit die die haben weder Gott noch Menschenfurcht. Die Die Die -O Hans Hintebein, mas tochst du heute? Kartoffeln? Hans Hinke bein, mach Feuer.' s is fein Holz da. Hans Hintebein, nimms Bägelchen, und dann hinauf in den Bergwald, Holz holen, Holz stehlen; Selbsthilfe. Auf in den Staatsforst. Hans Hinkebein, der Staat, das ist die Form her um das Volt. Hans Hinkebein, der Staat: das bist du selbst. Auf geht's. Uebers hoppelige Basaltpflaster der alten Gebirgsstadt hin rollt Das Mägelchen, davor bas Kraftpferd, der Hans. Sein einer Fuß! Rozbliz, wie' n belgischer Pferdefuß. Gin belgischer Riefengaul, leider hinft er. Un fo'n Hintegaul vor'm Wagen, der nicht größer ist als ' ne Ziege. Hin geht die Fahrt über den Marktplays. Der alte Dom errötet, als er den Hans fieht, denn der Dom liebt den Hans, eine Liebe auf Gegenseitigkeit fage, mir teiner, daß der Stein fein Herz habe. O ja, da ist Berwandtschaft zwischen dem Seelenfunken des Hans Hinlebein und dem sehnenden Feuerfunten im Geftein des Doms. So etwas aber fühlt nur der Hans, der Träumer, der Seher, der Boet. Der Boet mit der grauen Fabrifftirne.( Borth folgt) " Ein Kreuzworträtsel. DEM DEUTSCHEN VOLKE Wo findet sich der Mann, der es- auflöst?! Das Totenschiff. Die Geschichte eines amerikanischen Seemanns. Das Hohelied und der Todesfang der Heizer und Kohlen trimmer im heißen Bauch des Schiffes, es wird gesungen von B. Traven in seinem„ Iotenschiff". Wer das Buch in die Hand nimmt, der liest es in atemloser Spannung durch bis zum Schluß. Das Schicksal eines Decarbeiters, der in Antwerpen an Land geht, um sich auszuleben und die Abfahrt seines Schiffes dabei versäumt. Der seine Raften Tustaloosa ist fort, deſſen Schiffbauer auch Menschen seien und nicht nur Hände". Mit dem Schiff zugleich „ den revolutionären Gedanken gehabt hatte, daß die Mannschaft find Papiere und Heuer davon, und nun beginnt die Tragikomödie feines heimlichen Abschiebens in der Nacht von einer Grenze zur anderen mit Hilfe der Obrigkeit. Von Belgien nach Holland, überall will man fich der Scherereien des lästigen Ausländers so entledigen, wie manche Dorfgemeinden die Leiche eines Bagabunden ins Nachbargebiet hinüberpraktizieren. Die Stärke Travens liegt darin, wir sie aus der Gedankenwelt des Seemanns miterleben müffen. wie er immer diese wechselnden Schicksale so miterleben läßt, daß Rach dem belgisch- holländischen Fangballipielen fährt er nach Paris, schwarz natürlich, macht er mit einem französischen Gefängnis Be tanntschaft. Er strebt dann nach Spanien zu und erlebt die unwahr fcheinlichsten Abenteuer in einem französischen Fort, wechselt nach Spanien herüber, und lebt in Barcelona von dem Abkochen gehen" auf den verschiedenen Schiffen. Hier begegnet ihm das Totenschiff Geeleuten. Und wie die Mannschaft, so jah auch das Schiff aus. Doritte" mit seinen verlumpten, abgeriffenen und verschwärten Ihm, der ohne Papiere nirgends anfam, wurde von der Voritte Arbeit angeboten, die er, abergläubisch wie in einer Art 3mang, annnimmt. Einmal auf dem Schiff, das aus aller Herren Länder Matrosen ohne Papiere an sich fettete und sie zu einer Art Fremdenlegion" zusammenschweißte, war er ihm wie die anderen verfallen. Eine dreckige, verlaufte Hölle, ein Schmuggelschiff, das Patronen flariert. Ein abscheulicher Fraß, stinkiges Trinkwasser, ein hartes als schwäbisches Pflaumenmuß und Gewehre als Corned Beef de Holzlager und Arbeit bis zum Umfallen als Kohlenschlepper, Aschenzieher und Meßbon zugleich. Wären nicht manchmal als Blendladung Bananen, Tomaten und Datteln, die Besagung würde am Eßefel verrecken. In der Hölle des Schiffsleibes, in qualmiger, öliger, unerträglich heißer Luft halten sie durch, die Ausgelöschten, Paßlofen, Heimatlofen. So tief tann tein Mensch sinken, als daß er nicht immer noch tiefer finten fönnte, so schweres fann fein Mensch erdulden, als daß er nicht noch schwereres ertragen tönnte. Hier ist es, wo der Geist des Menschen, der ihn über das Tier erhebt, ihn tief unter das Tier erniedrigt. Lafttiere laffen sich flaglos zu Tode peitschen, ehe sie überlastet aufstehen, doch der Mensch flammert fich an die Hoffnung. Und er arbeitet wie die anderen, versäuft feinen fleinen Borschuß auf die angeftandene Heuer wie die anderen, und von Tag zu Tag, von Woche zu Woche fühlt er Dred und Drud weniger. Und er bleibt mit seinem Kameraden Stanislaw auf dem Totenfchiff wie die anderen, selbst wo fich Gelegenheit zur Flucht bietet, eben megen dieser Heuer, die er doch nicht bekommt. Das Elend der Staatenlosigkeit, der fehlenden Papiere, flammert sie fest an dies Totenschiff, von dem sie wissen, das es über kurz oder lang für immer im Meer verschwinden wird und muß, zum Besten der Schiffsgesellschaft und zum Schaden der Versicherung. Doch Yoritte sollte nicht das Totenschiff von ihm und dem Polen werden, sondern die Empreß of Madagascar", die Kaiferin von Madagastar". Ein scheinbar gesundes englisches Schiff, das im Datar- Hafen am Aequator altes Eisen lädt. Sie fährt Leichen, die Kaiferin, ihre Mannschaften sprechen Dorikkisch, wie die auf der Dorikke, das ist ein aus allen Sprachen zusammengemischtes Schiffsenglisch. Oben Eeide, unten meide" ist das Schiff, das schon zweimal zu fentern versuchte, weil der Kasten statt zwölf Knoten nur vier Knoten hergab. Sie muß runter vom Wasser, um die Versicherung einzubringen. Meide, in die Nähe zu gehen!" Sie fangen an, ihr offenes TotenSchiff in Lumpen zu lieben. Es fährt so manches Schifflein da draußen freuz und quer; doch feines tann so verrufen sein, daß nicht manch anderes schlimmer mär'." Wie die beiden Kohlentrimmer durch den Hafen trotten, werden te überfallen und bewußtlos auf die Kaiserin" bracht, we fie Heizerdienste tun müssen. Das Effen ist gut, die beit gering, fie hielten sich eine Lufe flar, um beim Knirschen sofort rauf und raus zu tommen. Der Krach ließ nicht lange auf fich marten, die Raiferin" fuhr abseits von der Route auf eine Riffspalte. Der größie Teil der Mannschaft erjoff im Quartier. Die Rettungsboote zerschlagen Beilage des Vorwärts am Felsgestein, die beiden retten sich allein zurüd af das Totenschiff, bis auch dies durch den Anprall der Bogen zum Spielball des Meeres wird. Auf einer Schiffswand treiben fie, in Fieberdelirien; die Voritte erscheint ihnen als lodende Fata Morgana, hatte angemustert für große Fahrt, für ganz große Fahrt. Aber Stanislaw springt auf sie zu und versinkt für immer im Meer.., Er wie fonnte er nur mustern? Er hatte doch kein Seefahrtsbuch Eie würden ihn gleich wieder runterfeuern. Aber er fan nicht hoch. Der große Kapitän hatte ihn gemustert, und treu hatte er ihn gemustert, auch ohne Papiere. Komm, Stanislam Koslomiti, sagte der große Kapitän, fomm, ich mustere dich treu und ehrlich für große Fahrt. Laß nur die Papiere. Brauchit feine bei mir. Fährst Kannst du lesen, was über der Tür steht? Und Stanislam fagte: auf treuem und ehrlichem Schiff. Geh' zum Quartier, Stanislam. Ja, Rap'n. Wer hier eingeht, ist ledig aller Qualen." der Herausgabe diess Buches, das drucktechnisch eine wahre Freude Die Büchergilde Gutenberg, Berlin, hat sich mit macht, ein großes Berdienst erworben. Hier schenkte uns B. Traven, wie in seinen Baumwollpflückern", eine Dichtung aus der Welt des vor seiner Deflafsierung stehenden Arbeiters, die zum Heldengefang Sozialisten, seine Weltbetrachtung ist anarcho- syndikalistisch, ist staats. murde. Er sieht die Welt nicht mit den Augen des wissenschaftlichen feindlich, und doch wie er die Welt des Arbeiters ficht, ift von schönsten Sinne des Wortes. einer hinreißenden Stärke, ist Arbeiterdichtung im besten und Bruno Schönfant. " Süß- und Sauerkirsche. afien wildwachsend vorkommt. Die Süßkirsche soll von einer Pflanze abstammen, die in Klein Dort dürfte der Kirschbaum auch zuerst fultiviert worden sein. Wie es scheint, war er aber auch fchon im vierten Jahrhundert der vorchriftlichen Zeitrechnung in Griechenland heimisch, und von dort dürfte der Kirschbaum auch schon frühzeitig nach dem Süden Italiens eingeführt worden sein. Nun schrieb zwar Plinius der Aeltere einmal:„ Ehe Lucius Lucullus den Mithridates befiegt hatte, muchsen in Italien feine Kirschbäume. Bontusgebiet nach Italien, und er hat fich in weniger als 120 Jahren Im Jahre 680 nach Roms Erbauung brachte er der ersten aus dem bis Britannien verbreitet," aber dies mar zweifellos ein Irrtum. Aus anderen Quellen ist bekannt, daß der Kirschbaum längst in Italien heimisch war, ehe Lucius Lucullus im dritten mithridatischen Krieg feinen Sieg über Mithridates erfocht. Doch ist es immerhin möglich, daß in einigen Gegenden Italiens der von Griechenland eingeführte Baum schlecht gepflegt wurde, so daß der von Lucullus eingeführte Kirschbaum zunächst als ein ganz anderer Baum angesehen wurde. Im alten Rom soll auch einmal der Berjuch unternommen worden sein, ternlose Kirschen zu züchten, doch mußte dieser Verfuch mißlingen. Von Rom aus brang der Baum weiter nach dem Norden vor, und namentlich in den Rheingegenden soll sehr früh eine ziemlich ergiebige Kirschenfultur entstanden sein. Die Kirsche gehörte auch zu den Obstbäumen, die Karl der Große anzubauen befahl. Die Sauerkirsche scheint nicht von der gleichen Pflanze abzustammen wie die Süßtiriche. Die Urheimat der Sauertirsche weist auf einiige Gebiete in Transfautafien hin, mo noch heute ein wilder Kirschbaum mit fäuerlich schmeckenden Früchten wild wächst. Die Sauerkirsche dürfte denselben Weg gemacht haben wie die Süßkirsche. Sie tam von Asien nach Griechenland, wurde von dort aus weiter nach Rom verpflanzt und verbreitete sich von dort aus in die mehr nördlich gelegenen Länder Europas. Aus dem lateinischen Wort cerasus wurde in Frankreich cerise, in England cherry und in Deutschland Kirsche. Wie hoch ist das Luftreich? Die vielfachen Bersuche, sich in große Höhen über die Erdoberfläche hinauszubegeben, sind ausnahmslos gescheitert. Höchstens 12 Kilometer sind die äußerste Grenze, bis zu der sich der Mensch vorübergehend in das Luftreich zu erheben vermag. Die beiden Berliner Gelehrten Berson und Süring erreichten die Höhe von 10 800 Metere, aber im Zustande der Bewußtlosigkeit. Ron zwei englischen Luftschiffern, die 11 200 Meter hoch gelangten, starb der eine und der andere tam mit erfrorenen Gliedern zurüd. Auch die Befteigung der höchsten Berggipfel der Erde fand ihre Hauptschwierigkeit in der für die Atmung zu dünnen Luftschicht. Das Luftreich selbst ist jedoch noch bedeutend höher. Das läßt sich durch barometrische Höhenmessung feststellen, die nicht nur zur Messung von Bergeshöhen, sondern auch der Steighöhe von Ballons und Flugzeugen verwendet wird. Man hat dadurch noch in einer Höhe von 50 000 Metern einen verhältnismäßig starken Luftdrud festgestellt und ist zu der Annahme gelangt, daß das Luftreich eine Höhe von annähernd 250 Kilometern erreicht. Bei einem Ferngeschüß von 100 Rilometer Schußmeite muß das Geschoßz 30 000 Meter hoch fliegen, also eine nicht geringe Strece luftbünnen Raumes durchmeffen. WINKEL Der Sonntag Abend schien eine Art Stalienische Nacht" darstellen zu sollen. Der Berliner Sender hatte sich dazu den Mandolinenflub Napoli" verschrieben und ließ außerdem Karl Jöfen und Käte König allerlei Italienisches und Pseudoitalienisches fingen, und es war herzig und sooo romantisch und sooo füß. Run, man hätte sich diesen Edel- Kitsch immerhin gern gefallen laffen, wenn nicht in der letzten Zeit der Berliner Rundfunt uns mit Ritsch, oft gar nicht edel, den Magen gründlich verdorben hätte. Immerhin hielten wenigstens Sänger und Musiker diesmal ein eiträgliches Niveau. Der Schumann- Schubert Nachmittag indeffen fei gelobt, besonders die Biolin Darbietungen Francis Arannis, die Rudolf Schmidt trefflich begleitete. Intereſſant die Uebertragung des Haupttonzertes des 29. Mecklenburgischen Bundesfänger festes, recht gut gelang und gepflegten Chorgefang in die Welt flingen ließ von jenem Feftungshof in Dömiz, den wir aus Friz Reuters Festungstid" fennen, in der Dömiz die letzte Etappe war. Bon den Vorträgen waren die Ausführungen Dr. Billy Blumen. thals über„ Der Pessimismus und feine Ueberwindung" be achtenswert. Höchstes Lob aber verdiente die überaus lebendige und anschauliche Schilderung Ludwig Rapellers von der Fahrt auf einer D- 3ug- Maschine." war die Am Montagabend las Theodor Loos die Thomas Mannsche Rovelle Enttäuschung", nachdem ein Herr sich vergeblich bemüht unb 2iszi in fleinen Stompofitionen amb ebern bringen fofte, bollfommen unverständlich und erstarb dann gang. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 6. Juli. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 7.55 Uhr 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den Landwirt. 3.45 Uhr nachm.: Stunde mit Büchern. Horst Wolfram Geißler: Entweder- oder". Ida Boy- Ed: Gestern und morgen. Rudolf Presber: Haus Ithaka". Sophie Kloerß: Das lachende Haus. 5-6.30 Uhr abends: Konzert, Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 7 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Hochschulkurse). Abteilung Versicherungslehre. Prof. Dr. Alfred Manes: Streifzüge in die Versicherungswissenschaft ( Versicherungsstaatsaufsicht). 7.30 Uhr abends: Prof. Dr. Paul Graebner: Der Botanische Garten Berlin- Dahlem". kunde. Dr. Georg Wegener: Eine Wanderung durch deutsche abends: Hans- Bredow- Schule( Hochschulkurse). Abteilung HeimatGaus".( Das norddeutsche Flachland). 8.30 Uhr abends: Orchester-. konzert. Dvorák. Dirigent: Georg Széll von der Berliner Staatsoper. Unter Mitwirkung von. Prof. Gustav Havemann( Violine). 1. Sinfonie G- Dur Nr. 4. Allegro con brio, Adagio grazioso, Finale( Allegro ma non troppo). 2. Violinkonzert A- Moll: Allegro ma non troppo, Adagio ma non troppo. Allegro ma non troppo ( Professor Gustav Havemann). 3. Slawische Tänze: a) As- Dur, b) C- Dur( Berliner Funkorchester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen, Dienstag, den 6. Juli. 3-3.30 Uhr nachm.: C. M. Alfieri und Frl. v. Eyseren: Spanisch für Anfänger. 3.30-4 Uhr nachm.: Carola Lohde: der Techniker und die Dunkelkammer. 4-4.30 Uhr nachm.: Carola Lohde: Die Mitteilungen des Zentralinstitutes. Tücken des Objektivs oder, Wer hat Schuld?" 4.30-5 Uhr nachm.: 5-5.80 Uhr abends: Anni Macke: Das Volksmärchen. 8.30 Uhr abends: Uebertragung von Berlin. hatte, in zwei Sägen die Bedeutung des Dichters dem Hörer flar Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. zu machen. Mit müder, schleppender Stimme erzählte Loos das Schicksal dieses Menschen, dem das Leben nichts weiter bedeutet als eine einzige Enttäuschung, dem die Wirklichkeit blaß erscheint gegen über dem Bild, das die Phantasie entwirft. Das Thema, das Thomas Mann immer wieder behandelt, dem er in dem Problem des fünstlerischen Menschen leßte Form gibt, hier aber grotest gefaßt, ironisch untermalt. Vielleicht sprach Loos zu schwer, er machte aus diesem Enttäuschten einen Romantiler, der sich am Leben wundgestoßen hat, dessen Sehnsucht unvehüllt flackert, es fehlte die Ironie, die Berbiffenheit, das Kauzige. Loos behandelte die Novelle, als ob fie von Dostojewski stammte. Sonst stand der ganze Tag unter einem ungünstigen Stern. Nach einem eingehenden Bortrag Arel von Roblinstis über„ Die Bedeutung der Standesämter", in dem jogar die Kleidung bei Eheschließungen erörtert wurde, sprach Fred Hildenbrandt ein paar seiner Feuilletons, ein einfichtsloses Gewitter verhinderte aber jede Deutlichkeit der Uebertragung. Auch Mar Rostal mußte den Vortrag der Bufonischen Biolinsonate wegen Blizgefahr im Andante unterbrechen. Und nach einem verheißungsvollen Auftakt, zwei Mendelsohnfche Lieder ohne Worte, von Gisela Springer perlend gespielt, wurde die lebertragung des Abendkonzertes, das Mendelsohn, Weber, Chopin, Robert Franz Theater Lichtfpicle Biw. Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr: Darüber läßt sich reden Barliner Bilderbogen in 3 Akten Morgen Uhr: Darüber läßt sich reden Staats- Theater Opernhaus a. Platz d.Republ. 8 Uhr: Salome Deutsches Theater Norden 10334-38 Gastspieidirektion Kuhnert 8% Uhr Max Adalbert in Das Ekel Die Komödie Bismarck 2414, 7516 8 Uhr: Dixin Sarzwanderung vom 8.- 15. Auguft. Ber teilnehmen will, melbe fich recht balb im Jugendfekretariat. Amsterdambilder( W. Beiersdorf und M. Rein) Fönnen abgeholt wetben. Abteilungsmitgliederversammlungen heute 7% Uhr: Gesundbrunnen: Schule Gotenburger Str. 2. Senefelder Biertel: Schule Eberswalder Str. 10. Reinidenbarf- Dit: Geebab", Refibenaftr. 46. Buch bola: 20tal von Roffad, Sauptfit. 71. Brenzlauer Borftabt: Schule Danziger Str. 23. Borttag: Die Rirchenlehre und ihre Bragis für die Arbeiterbewegung". Rofenthaler Borstadt: Schule Elifabethkirchstr. 19. Frig- Reuter- Abend. Schönhauser Borstadt 1: Shule de Sauptstraße. Bortrag: Die Reichsverfaffung und ihre Bedeutung für Driesener Str. 22. Glasbrenner- Abend. Schöneberg 1: Jugendheim Rubens. uns". Rentölin 1: Jugendheim Hobrecht Ede Sanderstraße. Unfer Ban bern". Nieberschönhausen: Schule Blantenburger Str. 60. Bortrag: GAJ. und Rirche". Bechselnd bewölft. Wetterbericht der öffentlichen Wefferdienststelle für Berlin.( Nachbr. verb.) Noch warm, aber nicht schwül. Leichte Regenfälle. Fortschreitende Gewitterneigung. Für Deutschland: In Nordost- Deutschland woltig bis heiter. Sonst überall noch Regenfälle und Gewitterneigung. Ueberall ziemlich warm. Das dankbare Seifenpulver Deutsches Künstl.- Theater Tagl. 8 Uhr: Weck- en Der fröhliche ( Ueber'n Sonntag) Weinber Meifterboxer GD Größte& rgiebigkeit und hervorragende Waschwire kung! Dixin ist für jedes Waschverfahren geeignet Besonders vorteilhaft auch für Maschinenwäsche zu verwenden! Ohne Chlor Rose- Theater ( Gartenbühne) 51 Uhr: Konzert und bunter Tell. 8U: Es mg ein Barsch hinaus Frans Diener nimmt jeden Morgen eine Prife Stu kamp Salz Er schreibt uns wörtlich: Ich nehme Stuvkamp- Salz regelmäßig und bin überzeugt, daß es dazu beiträgt, den Körper elastisch und leistungsfäbig zu machen. Franz Diener." Aehnlich äußern sich viele prominente Sportsleute wie: Stellbrink, Wittig, Lorenz, Hahn, Bauer, Haymann, SamsonKörner, Breitensträter, Prenzel, Naujok, Heise, Otto Schmidt, Hans Luber und viele andere mehr, der beste Beweis für unsere Behauptung, daß STUVKAMP- SALZ der bewährte Wächter Ihrer Gesundheit ist. Original- Packungen zu M. 8.- und M. 2 in allem Apotheken und Drogerien erhältlich. Komische Oper 8 Dir. James Klein 81% Berlin ohne Hemd! Die gewaltigste Revue 200 Mitwirkende Sommerpreise Parteinachrichten Cinfendungen für diese Rubrif find Berlin SW 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. 7. Szcis Charlottenburg. Donnerstag, 8. Juli, 28 Uhr, Arcismitglieder. Derfammlung im Restaurant des Schillertheaters, Bismardfir. 110. Referent: Gentoffe Landsberg, M. b. R. Bortrag: Fürftenabfindung und Reichstag". 13. Rreis Tempelhof, Marienborf, Marienfelbe, Lichtenrade. Die ArbeiterGamariter veranstalten am Sonntag, 11. Juli, nachmittags 3 Uhr, in Graßls Gefellschaftshaus, Marienbori, Chauffeefte. 305, ihr Sommerfelt. Die Parteigeroffen unb genoffinnen werden gebeten, an dieser Beranstaltung teilzunehmen, da die Arbeiter- Samariter fich uns immer zur Berfügung stellen. 17. Streis Lichtenberg. Donnerstag, 8. Sulit, 7% Uhr, in der Bibliother Beichfelftr. 28 Gigung fämtlicher Ordner zum Sommerfest mit den Mitgliedern des Bildungsausschuffes. Alle Genoffen müssen unbedingt erscheinen. 18. Streis Pantow. Die für heute, Dienstag, Dorgesehene Areisdelegierten. verfammlung findet wegen der allgemeinen Funktionärversammlung erst am Mittmoch, 7. Juli, 7% Uhr, bei Mener, Türkisches Belt, Bankom, Breite Strake, fatt. Heute, Dienstag, den 6. Jufi: 7. L. Bilmersdorf. Die Bezirksführer werden ersucht, die Sammentfien fofort beim Raffierer Walter abzurechnen. 80. bt. Schöneberg. Pünktlich& Uhr wichtige Funktionärigung bei Gürlich. Sämtliche Funktionäre müssen unbedingt, erscheinen. Morgen, Mittwoch, den 7. Juli: 32.7 Uhr Borstandsfihung bei Aromphardt, Paul- Singer- Str. 49. Bichtige Tagesordnung. Alle Borstandsmitglieder fowie bie Gruppen- und Rommiffionsvertreter müffen erscheinen. Sämtliche 38. 6. 7 Uhr bei Busch, Tilfiter Str. 27, Funktionärsizung. fich noch in Sänden der Mitglieder befindlichen Abteilungsfahnen find so. fort bei Deifert, Matternstr. 1, abzuliefern, 84. Abt. Bankwig 8 Uhr Funktionärstzung bei Lehmann, Raiser- WilhelmStraße 29/31. 90. Abt. Reutös. 7% Uhr Funktionärfizung bei Schiffer, Donau Ede Beichfelstraße. 106. Abt. Johannisthal. 7 Uhr bei Gobin, Roonftr. 2, Sigung fämtlicher Funktionäre. EFF Achtung, Frauenwelt- Referinnen! Dampferfahrtkarten find restlos ausverkauft. 48. Abt. Donnerstag, 8. Juft, 8 Uhr, im Lotal Reller, Fürstenstr. 1, erweiterte Borstandsfizung. Jungfozialisten. Heute, Dienstag, den 6. Juli: Gruppe Lichtenberg: T½ Uhr im Jugendheim Parkaue 10 Ausspracheabend. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Gruppe Süben: 8 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Linbenstr. 3, Bortrag: Bürgerliche und proletarische Dichtung". Referent: Gustav Aleinert. Gäste willkommen, Maizena Säuglinge für Kinder das Nährmehl Kranke Unser Saison- Ausverkauf vom 1. bis 21. Juli in allen Abteilungen( außer Beleuchtungskörpern) verdoppelt Ihre Kaufkraft Großer Preisnachlaß; tellweise bis 50 Prozent ohne Rücksicht auf die Gestehungskosten, nur um einen Teil unseres großen Lagers zu räumen! P.Raddatz& Co. Barnowsky- Bühnen Sommerpreise Theater Höniggrätz.Str. T: Hasenheid.2110 8 Uhr: Gefallene Engel Komödienhans Tel.: Norden 6304 8 Uhr: Der Garten Eden Berliner Theater 81 Uhr: DonnerLessing- Tb. Theater d.Westens wetter, ganz famos Paul Henckel 8 Uhr: Residenz Theat. BO zum 517. Male: D. große Unbekannte 8 Uhr: Schneider Operette v. Suppe Fr. Julie 1. D. Stärkere Wibbel Barber, Grodtczinsky Sommerpr. 1-8 M. Kleine Sommeror Maria Maukirchen, Sussengath Th. am Kurfürstendamm Rontore Cedarf 8 Uhr: Witgl. d. Vollebih. Gewerk Kavalier Jack MH schaft., Reichsbanner gegen Auswels gute Plätze& 1,50, Operette in 3 Akten auch an Angehörige Musik von KleinesTh. Carita von Horst Sommerpr. 2-6 M JUERGENS Leckerbissen Central Theater Vorz. dieses zahit Uhr: Eva Bonheur 50% d. Kassenpr Schiller- Th Operettenspielzeit. & Uhr: Die leichte Isabell 8 Ilka Grüning Leipziger Straße 122/23 Unferem Abteilungsleiter 0. Wanski und Frau die herzlichffen Glüdwünsche zur Silberhochzeit. Die Genoffen b. 45. Abteilung. 9999990066eeeee Am 8. Juli verschieb nach hirzem schweren Leiben mein lieber Mann, unfer guter Bater. Schmieger und Großvater, ber Gastwirt Anton Rosinski im 64. Lebensjahre. Frau Martha Roflasti u. Rinder Solamarttstraße 13. Die Einäscherung findet am Mitt woch, den 7. Juli, nachm. 4 Uhr, in Baumschulenweg statt. Deutscher Metallarbeiter- Verband Rennen zu Strausberg Dienstag, den 6. Juli nachmittags 3 Uhr Verkäufe Sonber- Angebot. Zu wirklich billigen Breifen liefern wir unter Garantie für einwandfreies Material und gute Arbeit: Schlafzimmer, Speifezimmer, Herrengimmer, bei Rahlungserleichterung. Emmlers Möbelfabrik, 59, Rottbuffer bamm 25/26. Teilzahlung. Möbel feber Art. Ge ringe Anzahlung. bequeme Abzahlung. Möbelhaus Luifenstadt. Röpenider frake 77/78. Ede Brüdenstraße. Spelfezimmer 450.-, Rlubqarrituren 250.-, Ankleideschränke 120.-, Standuhren 95.- Ramerlina, RaftanienBeiterwagen, Schlauchwagen, Schub- allee 56. Rahlungserleichterung. Barren, Cingelräber, Adfen. Webern. Globus, Dresdenerftrake 55. Morisolas 12738. Teppiche, Dimanbeden, Tifabeden, Musikinstrumente Bianos preiswert. Bettvorleger, Säuferftoffe, prachtvolle Lint, Brunnenstraße 85. Auswahl, extra billige Gelegenheiten. Fischer, Botsdamerstraße 109. Bekleidungsstücke, Wasche usw Benig getragene Ravaliergarberobe von Milionären, ersten, Anwälten. Fabelhaft billige Breife. Empfehle Taidenmäntel, Baletots. Frads, Smo tings, Gebrodanaülge, Sofen. Klaviermacher Kaufgesuche Fahrräder kauft Linienftraße 19. Rabngebiffe, Silbersachen, 8inn, Blet, Quedilber, Goldschmelze Christionat, Röpeniderftraße 39( Adalbertstraße). Donnerstag, den 8. Jull, nachmittags Gehpelse Gelegenheitstäufe in neuer Verschiedenes 2 Uhe, imparterrefaal besBerbands- Garberobe. Beitester Bea Iohnend. haufes, Cinienfte. 83/85: Bothringerstraße 56, 1 Treppe, Rofen thaler Blas. Erwerbslosenversammlung Betragene Serrengarderoben Gefell. exanderplatz der Eifen, Metallformer und Berufsgenoffen. Allerfeinste Tagesordnung: 1. Berbands- und Ellie- Sänger Naturbutter Berufsangelegenheiten. 2 Erwerbslofen Tagl 8 br: 1.60.11.Qual.1,50 frage. 8. Distuffion Geldverkehr D Einlagegelber fucht Pfandleihe Lange, fchaftsanzüge für forpulente Fiauren Morigplag, Aschingerhaus. Gegr. 1895. Raunend billig. Stak, früher Waren trake, fekt Gormannstraße 25/26 unb Moriannen straks 26. Bettenverkauf! Rene 15,-1 19.501 Brachtvolle 25,-! 80,-! Sabbaune 39.501 Rinderbetten 8.75! Step heden! Tunbeden! Stores! Gardinen! Bett bardware! Nur Leibhaus Brunnen. trake 47. Galfpiel L. Qualität 1,40 Ohne Mitgliebsbuch ein Zutritt, DerDriginal Wegner, Berlin SO Sahlreiches und pinktliches Erscheinen mäfche! Alles footibilig! Reine Lom Magdebarger Mariannenstraße 34 wird erwartet. Elite- Sänger. Riesen- Allen benen, bie mei Branche der Widler, Jolierer Danksagung. nem lieben Mann Programm! Andreas Bode die und Jioliererinnen! Reichshallen- Theater Abends 8 Uhr Phönix- Handelsgesellschaft m. b. H Berlin SW 68, Ritterstr. 48. Fernspr: Dönhoff 8244. Varieté! Stettiner Sänger New! Ein Hausball bei Meyer's Perliner Burleske von Meyzel Dönhoff- Brettl( Saal a. Bart.) Konzert! Tanz! legte Chre erwiesen Möbel Patentmairagen Brimiffima, Metall achtschn Stargarderftrage haben, besonders dem Donnerstag, den 8. Juli, abends betten. Auflegematragen, Chaiselongues. Deutschen Berlehrs.hr, bei Döhling, Brunnenffe. 19: Balter, bund, der 103 bt. bergp9.Oberschöne weide und bem Svar Versammlung Derein Biene, auf die der in den Kleinbetrieben beschäff em Bege meinen Kolleginnen und Kollegen. innigften Dant Oberlchöneweibe, ben 5. Juli 1926. Bitme Elife Bod, geb. Schulz Die Tagesordnung wird in bar Berfammlung belanntgegeben. Um rege Beteiligung wieb erfucht. Die Ortsverwaltung. Spezialgeschäft. 58 bel- Borbet. Oranienie. 38( Morikbrige Breife für einfache und elegante plak). Fabrikgebäude. Aeußerst nie Schlafzimmer, Speisesimnier. Serrengim mer, Richen, Bücherschränke, Schreibtifche, Bilfetts, Anrichten, runbe Tifche Standuhren, afleideschränke, alle Gr. Ben, Sofas, Stubebetten. Eventuell Bahlungserleichterung. Arbeitsmarkt Stellenangebote Tüchtige Schuhmacher sucht zum sofortigen Eintritt Leiser, Reparaturwerkstatt, Gr. Frankfurter Str. 32, I Meldung ab 4 Uhr nachmittags