Ur. 316 ♦ 43. Ausgabe A Nr. 163 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich S,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter ttrcuzband fllr Deutschland, Danzig, Saar- und Mcmelgcbiet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4L0 Reichsmark, fllr das llbrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Morgenausgabe Der.Vorwärts" mit der Sonntags- deilage»Volk und Zeil" mit.Sied- luna und Kleingarten" sowie der Beilage.Unterhaltung und Wissen" und Frauenbcilagc.ssrauenslimme" erscheint wochcntäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telogramm-Adrelse: .Sozialdemokrat Berlin" Derlinev VolksblÄtt Zcntralorgan der Sozialdemokrat! feb cn parte» Deutfchlands (lO Pfennig] Anzeigenpreise: Die etnlvaltigc Ronvarcille-- zcile 80 Psennig. Retlainczeile b.— Reichsmark..Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig fzulässig zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfle Wort lö Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte llber Iii Puch- flaben zählen fllr zwei Worte.. 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Dieser ließ auf dem Landtagsgebäude sofort die schwarzrotgoldene Flagge hissen. Sein deutschnationaler Amtsoorgängcr hatte die verfassungs- mäßigen Farben nach seiner Wahl einziehen und während der zwei- einhalbjährigen dcutschnationalen Herrschaft in Mecklenburg nicht mehr hissen lassen. Am Donnerstag, nachmittags um 3 Uhr, wird die Wahl der Regierung vor sich gehen. Es ist mit einem Minderheits- kabinett aus Sozialdemokraten und Demokra- t e n Zu rechnen. Die Wahl dürste mit Unterstützung der drei Kommuni st en erfolgen, von denen allerdings einer bis jetzl noch sich i n Hast bejindet. Auch die beiden anderen waren bis Dienstag mittag von Mecklenburg abwesend, weil sie wegen Hochverrats steckbrieflich verfolgt wurden. Von der Rechtsregierung Brandenstein, deren Rücktritt am Dienstag ossiziell erfolgt ist, war strengste Anweisung gegeben worden, sie bei der Einreise sofort zu verhasten. Man hatte zu diesem Zweck auf allen Chausseen Autofallen eingerichtet und auf den Bahnhöfen die Kriminalpolizei in erhöhte Alarmbereitschast versetzt. Es sollte unter allen Umständen versucht werden, die Linksmehrh?it zu verhindern. In diesem Bestreben hatte die Regierung Brandenstein einen vor» übergehenden Erfolg. Es gelang ihr, einen der Kommunisten, der am Mittwoch früh mit dem Zug in Schwerin eintraf, gegen Mittag verhasten zu lassen. Der Landtag beschloh aber wenige Stunden später die Aufhebung dieser Maßnahme, und da mit der Er- Öffnung des Plenums auch die Immunität der Abgeordneten wirk- sam wird, ist mit dieser politischen Maßnahme die Linksregierung nicht mehr zu verhindern. Der zweite Kommunist wohnte schon am Mittwoch der Sitzung bei. Es ist also damit zu rechnen, daß die Regierung aus zwei Sozialdemokraten und einem Demokraten am Donnerstag zustande kommt. Auf einstimmigen Beschluß hat die sozialdemokratische Fraktion als Ministerpräsidenten, der gleichzeitig Innenminister ist, den Genossen Schröder, und als Finanz- minister und Landwirtschastsminister den Genossen Asch in Vor- schlag gebracht, der bereits einmal dieses Amt verwaltete. Die Demokraten nominieren als Justiz- und Kultusminister den Studien- rat Dr. Möller. Die Mittelstandspartei hat a u s j e d c B e- teiligung an einer Linksregierung verzichtet, obwohl zwei von ihren drei Anhängern bei den ersten VerHand- lungen den Eindruck erweckten, daß sie zur Betestigung oder Unter- ftützung eines linksgerichteten Kabinetts bereit find. Auch die Volkspartei zeigte sich bei den wochenlangen Verhandlungen um die Bildung einer neuen Regierung völlig passiv. In dem Fall, daß sie die sozialdemokratischen Voraussetzungen fllr eine gemein- same Regie'rungsarbeit angenommen hätte, wäre es sicher möglich gewesen, an Stelle der in Aussicht stehenden Minderheitsregierung ein stabileres Kabinett zu setzen. Von den Demokraten sind diese Forderungen restlos angenommen worden. Sie laufen auf einen ausgesprochen republikanischen und sozialen Kurs hinaus. Vor allem sollen in der Schutzpolizei radikale Aende- rungen eintreten, so daß sie wieder zu einem Instrument der Republik wird und nicht, wie es in den letzten Iahren der Fall war, ein Organ der Reaktion bleibt. Abgesehen davon müssen natür- lich auch die Sünden der Justiz aus der Zeit der Regierung Brandenstein wieder gut gemacht werden. Wir«rinnern nur an den Grevesmühlener Prozeß. Eine ganze Reihe von Straf- aussetzungen und Begnadigungen sind unerläßlich: Aber auch das wird auf die Dauer nichts nützen, solange nicht in der Justiz- Verwaltung selbst ein anderer Geist einzieht. Die Mehrheit für das zwischen Sozialdemokraten und Demo- traten vereinbarte Linkskabinett ist sehr gering. Von SV Stimmen dürften 25 auf die Minister der Linken entfallen. Die 26. Stimme kommt nicht in Betracht, weil ein Kommunist im Zuchthaus eine dreijährige Strafe verbüßt. Man muß sich aber von vornherein klar darüber sein, daß die Stimmen der Kommunisten in der prak- tischen Politik eher aus der Seite der Opposition, als sür die Regie» rungsparteien zu zählen sind. Sozialisten gegen Caillaux. Kammerovation für Lson Blum. Paris, 7. Juli.(Eigener Drahtbericht.) War in der Finanz- debatte der Dienstag der große Tag Eaillaux', so ist am Mittwoch mit der Rede F r a n k l i n- B o u i l l o n s über das Washingtoner Schuldenabkommen und einer großzügigen Rede Leon Blums über das sozialistische Finanzprogramm die Initiative in die Hände seiner Gegner übergegangen. Gegenüber der sozialistischen Ausfassung kann Caillaux allerdings auf die Stimmen der Reaktion rechnen, hingegen sind sich in der Ablehnung des Washingtoner Schuldenabkommens so ziemlich alle Fraktionen einig. Mit gespannter Aufmerksamkeit erwartet, bestieg am Mittwoch nachmittag Leon Blum! die Tribüne und entwickelte in mehr als zweistündiger Rede seine und seiner Partei Argumente gegen das Regierungsprogramm. Er erklärte eingangs, daß die Kammer sich diesmal klar und un- zweideutig äußern und sich entscheiden müsse zwischen de in Sachverständigenbericht, dem Finanzprogramn, Bokanowski und dem der sozial! st ischen Partei. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Radikalsozialiften den Be- schlüssen des Rizzaer Parteitages entsprechend sich dem sozialistischen Programm anschließen werden. Diese Debatte, die eine historische Debatte sei, müsse unzweideutig mit der Festlegung eines klaren Textes enden, auf Grund dessen das Land die Richtlinien seiner zu- künstigen Finanzpolitik erkennen könne. Seit einem Jahre vertrete bereits die sozialistische Partei den Standpunkt, daß eine Gcsamllösung des Finanzproblems möglich sei. Heute sei plötzlich alle Welt ebenfalls dieser Ansicht. Deshalb werde die sozialistische Partei ihre Pläne mit umso größcrem Nachdruck denjenigen Caillaux' gegenüberstellen. Blum ging dann zu einer«'».gehenden Kritik der Pläne Caill ntr' über und griff dessen Stcuttproc-rarrn' c n. Was die d-. rcktcn Steuern anbelange, seien die Sozialisten darin einig, daß g e» wisse dieser Steuern herabgesetzt werden k ö n n t e ck. Man dürfe aber dafür nicht, wie hxr Finanzminister e» tun wolle, einfach die indirekten Steuern erhöhen. Eine derartige Politik würde» die Sozialisten mit allen Mitteln bekämpfen. Schars sprach sich Blum gegen die Uebertragung besonderer Vollmachten jsn die Regierung oder den Mnanzminist« aus; das würde eine»er- steckte Verletzung der Verfassung und der Volks» souveränität bedeuten. Das schwierigste Problem sei das des Schatzamtes. Zum vierten Male sage man der Kammer, daß Frank- reich am Vorabend einer Katastrophe stehe. Blum kritisierte dann eingehend den Sachverständigenbericht und stellte ihm das sozialistische Programm gegenüber, das zum Ausgangspunkt der Finanzsanierung eine Abgabe vom kapilal nimmt, deren Ertrag zur Tilgung der schwebenden Schuld Verwcn- dung finden soll, an Stelle der von der Regierung vorgeschlagenen Erhöhung der indirekten Steuern, welche die ganze Last der Stabil!- sierung auf die Schultern der verbrauchenden Massen abzuwälzen sucht. Ferner forderte Blum den energischsten und rücksichtslosesten Zugriff aus Einkommen und Vermögen. Blum schloß mit der Aufforderung an alle wahrhaft demokratischen Parteien, sich dem sozialistischen Programm anzuschließen. Als er die Tribüne verließ, erscholl aus allen Bänken der Linken und einem Teil des Zentrums ein enthusiastischer Beifall. Ein großer Teil der Abgeordneten erhob sich und brachte dem Redner eine Ovation dar.(Silche Kundgebu igen bedeuten leider im französischen Parlament keineswegs, daß die applaudierenden Abgeordneten auch fllr diese Vorschläge des Redners stimmen werden, sondern sie sind zum Teil nur eine Huldigung für seine rhetorische Leistung. Red. d.„Vorwärts".) Tic Protestkundgebung gegen Amerika doch gestattet. Paris, 7. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Das Verbot, das„aus Gründen internationaler Höflichkeit" von der Regierung gegen die Kundgebung der K r i e g s b e s ch ä d i g t e n v e r b ä n d e wegen des Washingtoner Schuldenabkommens erlassen worden ist, ist am Mittwoch angesichts der Empörung, die darüber in den be- teiligten Kreisen Platz gegriffen hatte, wieder ausgehoben worden. Die Verbände der Kriegsbejchädigten werden also am II. Juli gegen das Schuldenabkommen eine große Massen- demonstration veranstalten können, haben aber das Per- sprechen abgeben müssen, keinerlei Zwischenfälle zu provozieren. Neue defizitwirtschafi? Wie steht es mit den Reichsfinanzcn? Der Reichstag hat vergangene Woche eine 21 band e-' r u n g des Bankgesetzes beschlossen. Nach dem gelten- den Recht oerfügt die Reichsregierung bei der Reichsbank über einen ständigen Kredit von IVO Millionen Mark. Durch die Novelle zum Bankgesetz wird die Reichsbank er- mächtigt, dem Reiche einen Kredit bis zu 400 Millionen ein- zuräumcn, und zwar in der Form von Reichsschatzwechseln, wenn sie wenigstens eine gute private Unterschrift tragen. Zum ersten Male s?it der Stabilisierung der Währung will also das Reich wiederum Ausgaben'durch Kredite zu decken suchen, statt durch Steuern. Weshalb das geschieht, sagt die Begründung der Borlage: Die zum Schutze der Währung erforderlichen scharfen Kredit- r e st r i k t i o n e n der letzten Jahre haben' die deutsche lltzirlschaft in einen Zustand so starker Spannung versetzt, daß die Reichsregie- rung es für nötig gehalten hat, der Wirtschaft durch ein Programnr besonderer Steuerermäßigungen zu Hilfe zu kommen. Dieses Programm ist bereits in Vollzug gesetzt und wird natur- gemäße einen entsprechenden Rückgang der Steuerein- nahmen zur Folge haben. Hieraus wird sich die Notwendigkeit ergeben, wie in Friedenszeitcn den vorübergehenden Geldbedarf der Kassenvcrwaltung des Reichs bis zum Eingang bzw. bis zum Freiwerden der Steuern durch Ausgabe kurzfristiger Schatzwechsel zu befriedigen. Da. die Begründung der Regierung selbst auf den inneren Ausammenhang zwischen der Er- mäß.igung der Steuern und der Bergräße- rungdes Kreditbedarfs des Reiches hingewiesen hat, war der Anlaß zu einer Aussprache über die Finanzlage des Reiches gegeben. Selbstverständlich ließen sich die Deutsch- nationalen auch nicht die gute Gelegenheit zur Erhebung des Vorwurfs entgehen, daß jetzt eine leichtsinnige Finanzpolitik getrieben werde, und daß das Reich einer neuen Defizitwirt- schaft entgegen treibe. Der Reichsfinanzminister Dr. R e i n h o l d ist diesen Vorwürfen entschieden entgegengetreten. Er konnte mit gutem Recht darauf verweisen, daß schon lange vor Inangriffnahme der Steuermilderungen von dem früheren deutschnationalen Reichsfinanzminister v. S ch l i e b e n an die 2lusgabe von Schatzwechseln in. Höhe von 400 Millionen Reichsmark gedacht war und deshalb im Etat ein Zinsbetrag von 20 Millionen Mark vorgesehen ist. Reinhold hat ferner, gestützt auf die Einnahmen und Ausgaben der Monate April und Mai 1926, einen kleinen Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben errechnet. Er behauptet auch, der Reichshaushalt könne im« Etatjahre 1926 ohne Defizit abschließen, wenn zwei Grund- bedingungen erfüllt werden: 1. daß die wirtschaftliche Lage im Etatjahre keinen weiteren Rückschlag erleidet; 2. daß die Reichsregierung nicht zu neuen Ausgaben gedrängt werde. Die deutschnationalen Vorwürfe schießen zweifellos weit über das Ziel hinaus. Sie dienen auch in der Hauptsache agitatorischen Bedürfnissen und sollen die Unentbehrlichkeit der Deutschnationalen bei der Ordnung der Reichsfinanzen nachweisen. Anderseits ist die ernste Sorge u m die künftige Entwicklung der Finanzlage des Reiches nicht unbegründet, zumal der Reichsfinanz- minister Dr. Reinhold noch immer einem unbegründeten Optimismus zu huldigen scheint und die großen stillen Reserven, über die er bei seinem Amtsantritt verfügte, sich inzwischen erheblich verkleinert haben. Es ist auch unbestreitbar, daß die Absichten, die zu den Steuersenkungen des Frübjahrs veranlaßt haben, nicht er- reicht worden sind. Durch Steuermilderungen zur Wirtschafts- erleichterung zu kommen, war damals das Ziel. Diese Wirtschaftserleichterung ist nicht einge- treten, weil sie eben nicht allein hervorgerufen werden kann durch die Ermäßigung von Steuern. Und wenn Dr. Reinhold sich jetzt erneut zu der Auffassung bekannt hat, es bestünde zwar noch eine große Depression, die Wirtschaftskrise sei aber als überwunden anzusehen, so wird man sich dieser Meinung ebenso wenig anschließen können wie seinen fricheren ähn- lichen Prophezeiungen. Unter diesen Umständen sind heute Zweifel an der Zweckmäßigkeit der Steuermilderung noch berechtigter als im Frühjahr. Daß die Finanzlage des Reiches sehr gespannt ist, zeigt am besten ein Vergleich der Gesamteinnahmen d e s R e i ch e s in den ersten fünf Monaten der Jahre 1925 und 1926. Diese Zahlen sind jedenfalls weit beweiskräftiger als die Abschlüsse der Monate April und Mai des Jahres 19Zj) allein, zumal in ihnen die außerordentlichen Ausgaben nicht berücksichtigt sind, und erfahrungsgemäß die ersten Monate eines Etatsjahres stets geringere Ausgaben aufweisen als die späteren Monate. Es wurden vereinnahmt in Millionen Reichsmark:»gzz ,gzß Januar...... 768,8 668,5 Febrnar..... 648,1 446,7 Mär,...... 601,6 442,9 April...... 662,8 584,6 Mai....... 619,8 435,4 Insgesamt: 3282,1 2573,0 In Ben fünf Mottaterl Januar bis Mai 1926 tzaf diso das �Reich gegenüber dem Vorjahre eine Minderein- nähme von 709,1 Millionen Vlarf gehabt. Die Einnahmen find also um ein Fünftel zurückgegangen. Das ist um so bedeutsamer als sich hierin nur der Einfluß der Wirtschaftskrise ausdrückt. Denn die Steuermilderungen, die am 1. April 1926 in Kraft getreten sind, werden erst in den nächsten Monaten wirksam werden und einen weiteren Rückgang der Reichs- einnahmen herbeiführen. Besonders groß ist der Rückgang des Ertrages der Umsatzsteuer und der Lohnsteuer, Wie aus der folgenden Tabelle zu ersehen ist: Der Ertrag der Umsatz steuer ist also in den Monaten Januar bis Mai 1926 um etwa 40 Proz., der Ertrag der Lohnsteuer um etwa 30 Proz. niedriger als in den entsprechen- den Monaten des Jahres 1925. Bei Beurteilung dieser Zahlen ist zwar zu berücksichtigen, daß der Steuersatz bei der Umsatzsteuer 1925 IM- Proz., 1926 aber nur 1 bzw. 0,75 Proz. betrug. Bei der Lohnsteuer war der Freibetrag 1925 60 M. monallich, 1926 100 M. monatlich. Der Rückgang des Ertrags bei beiden Steuern ist aber wesentlich größer als die Herab- fetzung des Steuersatzes bzw. der Steuerbelastung. Auch hier ist der Steuerrückgang die F o l g e der W i r t s ch a f t s k r i s e. Untersuchen wir aber ferner, ob die beiden Voraussetzun- gen erfüllt werden können, die Dr. Reinhold als die Bor- bedingungen dafür ansieht, daß der Reichshaushalt im Jahre 1926 ohne Destzit abschließt. Dr. Reinhold hat die Frage bejaht, wenn erstens die wirtschaftliche Lage keinen weiteren Rückschlag erleidet. Ob diese Hoffnung in Erfüllung geht, wird man nach der Entwicklung der Verhält- nisse auf dem Arbeitsmarkt wohl bezweifeln müssen. Wie steht es aber mit der zweiten Voraussetzung, nämlich der Vermeidung neuer Ausgaben? Die unterstützende Erwerbslosenfürsorge tostet gegenwärtig 30 Millionen Mark monatlich aus Reichs- Mitteln. Da im Etat nur 200 Millionen für das ganz« Jahr «ingesetzt sind, dürfte hier, selbst wenn keine weitere Ver- schlechterung in der Wirtschaftslage eintritt, eine Nachforde- rung von 160 Millionen entstehen. Für die produktive Erwerbslosenfürsorge sind 100 Millionen vor- gesehen. Auch dieser Betrag wird bei der Durchführung des produktiven Erwerbslosenprogramms nicht ausreichen. Sicher ist ferner, daß durch die Vorzugsrenten der An- le i heal t best tz e r eine Mehrausgabe von 60 bis 100 Millionen Mark entsteht, da der Altbesitz nicht, wie ursprüng- lich geschätzt, 20 Milliarden, sondern mehr als 40 Milliarden beträgt. Auch für die Subventionen an Wirtschafts- gruppen, sowie für Entschädigungen an Auslandsdeutsche. Liquidationsgeschädigte usw werden weitere als im Etat vor- gesehene Mittel erforderlich. Liegt danach auch gegenwärtig kein unmittelbarer An- laß zu Besorgnis für die Stabilität der Reichsfinanzen vor, so wird man dennoch rechtzeitig Vorsorge treffen müssen, daß das Reich dauernd imstande bleibt, seine Pflichten gegenüber der Notlage von Wirtschaft und Volt zu erfüllen. Der Streit um Sie Reichsbahn. Der Standpunkt der Reichsregiernng und Preußens. Ein Teil der Rechtspresse veröffentlicht zu dem Streit des Reichs mit Preußen über die Besetzung eines freigewordenen Sitzes im Derwalwngsrat eine übereinstimmend als die.Auffassung der gierung erklärt darin, ein Vorschlagsrecht Preußens für d s e n und Mecklenburg hoben ihre alten Generaldirektoren be- hallen. Preußens Verkehrsmini st erium aber ist r e st- los aufgehoben worden. Wo bleibt das Wort des Reichskanz- lers, der als seine Aufgabe erklärt hat, freundliche Beziehungen zwi. scheu dem Reich und den Ländern zu pflegen. Ganz abgesehen vom Finanzausgleich und anderen Gegensätzen, liegt hier bei der Reichs- bahn eine Fülle von Beschwerden vor gegenüber der Politik des Reiches, die die Interessen und die Bedeutung Preußen» vernach- lässigen. wir erklären uns mit den Ausführungen des Ministerpräsidenten vollkommen einverstanden, wir fragen aber, besonder, fragen wir das Zentrum und die Deutschnationaien: würde Preußen so schlecht behandelt werden und gleich einer unbeachtlichen kleinen Organisation zurückgesetzt werden, wenn Preußen nicht durch die unglückselige Bestimmung der Weimarer Verfassung im Reichsrat in seiner Bedeutung geschwächt wäre? Alle unsere Versuche, Preußens Vertretung im Reichsrat eine größere Einheitlichkeit zu geben, sind verhindert worden. Dos In- teresse Preußens ersordert es, daß endlich Preußen die Bedeutung, die es beanspruchen kann und die es im Reichsrat nicht hat, dje es aber frühem im alten Reich besaß, gegeben wird.(Beijall recht».) Abg. Ladendorss(W. Vg.) teilt die Ansicht des Abg. Leinert, daß die Reichsregierung sich Bayern gegenüber eine solche Brüs- kieruna nicht erlaubt hätte. Dabei sei ohnePreußen das Reich überhaupt nicht aktionsfähig. Die Erklärung des Mi- nisterpräsidenten finde die volle Billigung der Wirtschaftlichen Vereinigung. Damit schließt die Debatte und die Große Anfrage ist erledigt. Es folgt dann die dritte Beratung des Haushalls des Finanz. Ministerium» und der allgemeinen Finanzverwaltung, die nichts Wesentliches ergibt, aber zu einer Fortsetzung der k o m m u- ni st isch-dcutsch nationalen Rüpels zenen führt, wo- bei die Kommunisten die Provokateure spielen. Es folgen die Abstimmungen. Beim Haushalt des Innenministeriums stimmen in einlacher Avstimmung die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartei, die Völkischen, die Wirtschastspartei und die Kommunisten geschlossen gegen die Bewilligung des Minister- geholt«, das im Hammelsprung mit 296 gegen 15 4 Stimmen bewilligt wird. Die einzelnen Kapitel und Titel zum Innenministerium werden gleichfalls angenommen. Beim Haushalt der Forst Verwaltung wird ein Antrag der Sozialdemokraten, Deutschen Volkspartei und Demokraten auf Einsetzung eines besonderen Ausschusses für die wirt- schaftlichen Verhältnisse der Forstbeamten und Waldarbeiter mit 195 gegen 186 Stimmen abgelehnt. Beim Gestütshaushalt findet ein deutschnationaler Antrag An- nähme, die erforderlichen Mittel zur Förderung des Absatzes von Pferden im Inland und zur Weiterführung eines Exports nach dem Ausland bereitzustellen. Zum Haushalt der Bergverwaltung wird der Hauptausschuhantrag angenommen, der ein Gesetz vcr- langt, das ein Einschreiten gegen nachlässige Beamte der Bergpolizei exmöglicht. Beim Haushalt der Handels- und Ge'werbeverwaltung findet einstimmige Annahme ein An- trag der Wirtschaftsparteien, bei der Deutschen Reichsbahngesell» schast dahin zu wirken, daß im Lebensmittelhandel das Gewicht sür kostenfreie mitzusührende Traglasten von 59 aus 199 Kilogramm erhöht wird. Wie beim Innenministerium beantragen auch beim Haushalt des S t a a t s m i n i st e r i u m s die Deutschnationalen Abstimmung über das Gehalt des Ministerpräsidenten. Das Gehalt wurde mit einer Mehrheit von etwa 39 Stimmen gegen Deutsch- nationale, Völkische, Wirtschastliche Bereinigung und Kommunisten bewilligt. Das Mißtrauensvotum der Kommunisten gegen das Staatsministerium wurde in namentlicher Abstimmung mit 298 gegen 127 Stimmen bei 29 Enthaltungen von Mitgliedern der Deutschen Volksprrtei und der Wirtschaftspartei abgelehnt. Für das Mißtrauen stimmten außer den Kommunisten die Deutsch- nationalen. Völkischen und Hannoveraner, ohne sich damit die Be- gründung des kommunistischen Antrages zu eigen machen zu wollen. Auch beim Kultushaushalt forderten die Deutschnatio- nalen Abstimmung über das Miniftergehalt mit dem gleichen Er- gebnis wie beim Haushalt des Ministerpräsidenten. Angenommen wurde der Antrag auf Erlaß eine» Schularztgesetzes. Mit 206 gegen 16S Stimmen wurde In namentlicher Abstimmung abgelehnt der sozialdemokratische Antrag aus Einschränkung der Prügelstrafe. Beim Wohlfahrtshaushalt wurde namentlich abge- stimmt über den Antrag der Kommunisten, der zur Linderung der Not der Erwerbslosen u. a. fordert, daß an alle verheirateten Erwerbslosen eine einmalige Beihilfe von 199 M., für jedes Familienmitglied eine solche von 19 M., für unverhei- ratete Erwerbslose eine Beihilfe von 59 M. gezahlt wird. Der An. trag wurde mit 142 gegen 229 Stimmen der bürgerlichen Parteien abgelehnt. Auch beim Finan zmini st erium wurde das Gehalt des Mnisters erst durch besondere Abstimmung bewilligt. Dafür stimmte neben den Regierungsparteien auch die Wirtschastspartei. Auch dieser Etat sowie die übrigen Etats wurden in dritter Lesung bewilligt. 3n der Schlußobstimmunq stimmten gegen Bewilligung des Ge- famlhaushaltes die Deutschnationalen, die völkischen, die Wirtschastliche Vereinigung und die Kommunisten. Es folgt die wegen des Einspruchs des Staatsrats notwendig gewordene nochmalige Beschlußfassung über die Novelle zum Schuhpolizeibeamlengeseh. Der Einspruch des Staatsrats richtet sich dagegen, daß nach der Novelle in Zukunft die Schupobeainten nur noch den recht- mäßigen Befehlen ihrer Vorgesetzten nachkommen sollen. In der Abstimmung erheben sich Kommunisten, Sozialdemo. traten, Demokraten und Zentrum geschlossen sür die Ausrechterhal- lung der Landtagsbeschlüsse. Präsident Bartels stellt fest, daß die nach der Verfasiung er- forderliche Zweidrittelmehrheit der anwesenden Abge- ordneten sich erhoben und für die Aufrechterhaltung der alten Be- schlüsse gestimmt habe, womit der Einspruch des Staatsrats hin- fällig ist.(Minutenlang anhaltender großer Lärm auf der Rechten, Rufe: Schiebung!) Lärmszenea. Präsident Bartels: Nach meiner Ueberzeugung und der des an- wesenden Beisitzers(des tommuniftstischen Abg. Hosfmann) haben sich zwei Drittel der anwesenden Abgeordneten, wie es von der Verfassung gewünscht wird, für den Gesetzentwurf erhoben.(Leb- haste Zustimmung links. Erneuter anhaltender Lärm recht». Stürmische Rufe: Wiederholen! Gegenkundgebung bei den Kommunisten.) Inzwischen ist der andere Beisitzer, der volksparteiliche Abg. M e tz e n t h i n am Präsidentenpult erschienen. Unter großem Lärm der Linken wiederholt Präsident Bartels die A b st i m- m u n g. Abermals erheben sich Kommunisten. Sozialdemotratry. Demokraten und Zentrum geschlossen sür da» Gefetz. Präsident Bartels: Das Bureau stellt erneut einstimmig fest, daß zwei Drittel der anwesenden Abgeordnet en sich für das Gesetz erhoben haben.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen links. Lärm und gegen den Abgeordneten Metzenthin qerichl.te Zurufe rechts.) Der Lärm dauert noch einige Minuten an, und auch dann noch, als das Haus, nachdem nunmehr der Einspruch des Staatsrats gegen die Novelle zum Schutzpolizeibeamtengesetz endgültig zurück- gewiesen ist, sich zur Fortsetzung der zweiten Beratung des Gesetz- entwurss llb-r die Erweiterung des Stadtkreises Wiesbaden' zuwendet. Ueber diesen Gesetzentwurf wird namentlich abgestimmt. Durch Obstruktion der Deutsch- nationalen und Kommunisten tonnte bereits in einer früheren Landtagssitzung die Entscheidung über diese Vorlage nicht herbeigeführt werden. Die heutige namentlich« Abstimmung ergibt die Annahme mit 219 gegen 6 Stimmen bei 44 Stimmenthaltungen in zweiter Lesung./ Die sofortige Vornahme der dritten Lesung scheitert geschäfts- ordnungsmäßig an dem Widerspruch der Kommunisten. Hierauf wird die namentliche Abstimmung über jenen Teil des Trennungsgesetzes für Ober- und Niederschlesien wiederholt, dessen Entscheidung in einer früheren Sitzung an der Obstruktion der Rechten und der Kommuniststen gescheitert war. Die heutige namentliche Abstimmung ergibt die Annahme der Ausschußbeschtüsie mit 293 gegen 39 Stimmen bei vier Enthaltungen. In zweiter Lesung wird dann die ganze Vor- löge verabschiedet. Gegen die sofortige Dornahme der dritten Lesung widersprechen die Deutschnationalen: sie muß daher ausge- setzt werden. Das Haus erledigt dann in zweiter und dritter Lesung eine Novelle zum Grundvermögen» st euer- Gesetz, nach der die bisher geltenden Bestimmungen bis zum 31. März 1927 verlängert werden sollen. 3n der Schlußabstimmung wird diese Vorlage mit 203 gegen 145 Stimmen angenommen. Nach Vi! Uhr oertagt sich das Hau» auf Donnerstag 19 Uhr vormsttags: Kleine Vorlagen, darunter Hochwasserschäden im HIrschberger Tal und Linderung der Erwerhzlosennot. /trbeitsminifterium» Erwerbslosenfürsorge Im Anschluß an die von der sozialdemokratischen Reichstag,- fraktion kurz vor der Vertagung im Reichstag vorgebrachten scharfen Beschwerden gegen die Versuche, in den Ländern hinten herum die Unterstützungssätze in der Erwerbslosenfürsorge abzubauen, gab am 1. Juli der Reichsarbcitsmlnister eine Erklärung ab. daß an den Sätzen nicht gerüttelt werden- dürfe. Er versprach daß ein besonderes Rundschreiben der Reichsregierung an die Länder ergehen werde, damit eine Verschlechterung der bisherigen Bezüge der Erwerbslosen verhütet werde. Dieses Rundschreiben ist wie wir hören, nunmehr an dieLänder gegangen. SewerMaDbswegung �iffl-Iunktionäre öer MetallinSustrie! der VV7NZ. den am 23. Zun! gefällten Schiedsspruch atigelehnt hat, finden nunmehr am Freitag, den S. Juli, Vergleichsverhandlungen entsprechend unserem Antrage aus Verbind- licherklärung des vorerwähnten Schiedsspruches statt. Am gleichen Tage, also am Freitag, den g. 3ull, abends 7'2 Uhr. ist in haoerlands Festsälen, tteue Friedrich-, Ecke Rochstraße, eine A s A- F u n k tionäroersommlung. Die Mitglieder des AsA-Metallkartells treffen sich im gleichen Lokal bereils um 6lA Uhr. Restlose Beteiligung aller Funktionäre erwartet bestimmt AsA-Metallkarlell: Günther. Lange, Rothe. Ein Stellenvermittlungsgefthäst. „Nach amerikanischem Muster." In Berlin W., Mogstr. 90, hat sich eine„Berliner Ver- mittlungstelle st e l l u n g s u che n d e r Kausleute und verwandter Berufe" ausgetan. Aus der Not der kaufmännischen Angestellten /wird die Untugend einer gewerbs- mäßigen Slellenvermittlung gemacht. Diese Stellcnvernmtluug scheint im Gegensag zu allen ösfentlichen und Berbandsnachweisen über so viele ofscne Stellen zu verfügen, daß sie die B e- Werber und Bewerberinnen um diese Stellen erst auf dem„nicht mehr ungewöhnlichen Wege" des Zeitungsinserats suchen muß und zwar in den Blättern, deren redaktioneller Teil für Dumme geschrieben wird und in deren Anzeigenteil stets D u m tn c g c- sucht werden. Nun, in der Not frißt der Teufel Fliegen und die armen Teufel von N i ch t m e h r a n g e st e l l t e n greifen in der Not auch zum.Lokal-Anzeiger" und sollen aus die verheißungsvollen Stellen- angebote hinein* Stellungsuchcnde, die die„Berliner Vermittlungsstelle" in der Motzstraße in Anspruch nehmen, können sich nur schriftlich mit ihr in Verbindung setzen und erhalten gegen Einsendung eines mit 10 Pf. frankierten Briefumschlags etliche Drucksachen. In dem Reklamezettel der„VcriniltlungssteUe" wird den Bewerbern mit- geteilt, daß es ihr gelungen ist, „der Zeit entsprechend, ein neues(nach amerikanischem Muster) System auf dem'Gebiete der Stellenvermittlung herauszubrmgen." Dieses System sei das einzig richtige und erspare Zeit und Geld,„was der Zeit entspricht". Der Bewerber soll die Fragebogen ausfüllen, sie mit Lichtbildern verschen und sie dann nebst zwei Zeugnisabschristen einsenden. Mit der Gcldcrsparung sieht es so au?i „Für unsere Bemühungen und Einholung der Rcscrcuzcn sowie eingehender Bearbeitung erheben wir eine Gebühr von 5 Reichsmark, welche für die Dauer eines Jahres gilt. Außerdem erheben wir nach erfolgter Vermittlung und Einstellung 1 P r o z. d c s e r st c n Monatgehaltes. Die 5 M. Eintragungsgebühr find mit dem Fragebogen und Zeugnisabschriften zusannnen ein- zusenden. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß wir erst dann mit der Vermittlung Ihrer Person beginnen können, wenn die Eintragungsgebühr von S Rcichsniark... bei uns eingegangen sind." Die H a u p t s a ch e bei diesem„neuen" System, das schon vor 80 Jahren alt war, sind offenbar die fünf Re i ch s m a r t. Vor dieser unnützen Ausgabe bleiben viele.Stellungsuchcnde von vorn- herein bewahrt, weil sie keine S M. mehr für dieses„amerikanische" System übrig haben. Immerhin gibt es nicht wenige, die bei den Eltern oder Bekannten die 5 M. austreiben, um sich eintragen zu lassen. Jedenfalls scheint es uns im Interesse der stellungsuchendcn Angestellten dringend notwendig, die„Vermittlungsstelle" in der Motzstraße einmal daraufhin anzusehen, wieviele Eintragungen zu je 5 M. sie zu verzeichnen hat und in wie- vielen Fällen sie Stellen tatsächlich vermittelt hat. Mit anderen Worten, od es sich um eine halbwegs einwandfreie gewerbsmäßige Stellenvermittlung handelt oder uin ein direktes Schwindeln nternehmcn, das es auf die niederträchtige Ausbeutung der Stellungslosen abgesehen hat. Obwohl den U n- organisierten, die erst durch Schaden klug werden wollen, es zu gönnen ist, daß sie mitunter Gelegenheit dazu hpben, so muß doch alles daran gesetzt werden, jedweder gemeinschädlichen Ausbeutung der Rot der Erwerbslosen gründlich zu steuern. Dazu gekört in erster Linie eine ständige scharfe Kontrolle der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung, solange diese Art der Stellenvermittlung noch geduldet werden muß, weiter aber ein Verbot aller Zisferanzcigen auf dem Arbeits- markt der Anzeigenplantagen. 1Z.-18.Sevl.: ZnkerMNMle MNkWstl.WWWnMe 19. September: Die deutschen orthopäüischen Werke. Wie human die Firma ist. Die DOW. in der Alexandrinenstraße, ein vom Staate ge- hegter und gepflegter Betrieb zur Anfertigung von künstlichen Armen und Beinen für unsere kriegs- und unsallverletzten Arbeits- brüd�r, teilten ihrer Belegschaft ani l. Juli durch Anschlag'mit, daß die mit der Betriebsvertretung vereinbarten Akkordpreislisten nicht inehr gültig seien. Gleichzeitig wurden neue Akkordpreis- l i st c n herausgegeben mit Abzügen von 10, 20, 30 ja 40 und ni c h r P r o z. Die wirtschastlichen Organisationen versuchten sofort dieses Ansinnen an die Belegschaft aus einem Verhandlung?- wege zu revidieren. Die Firma teilte jedoch mit. daß auch die vorgesetzte Behörde der DOW. die F e r t i g p r c i s e um 6 P r o z. gekürzt habe. Die Firma sei in ihren Abzügen noch human, da diese im Durchschnitt nicht viel über 40 P r o z. hinausgingen. Der Vertreter der Hauptverwaltung, Herr Dr. Vanfelow, machte ein wunderbares Rechenexempel, um d?n Beweis der Humanität erbringen zu können und zwar wie folgt: „Ein Arbeitsstück, das 100 M. als Fcrtigpreis beträgt, birgt 25 M. Arbeitslohn in sich; wenn nun der Hauptverwaltung 6 Proz. abgezogen werden, dann würde der Abzug bei diesem Arbeitsstück 0 M. betragen. Da die Firma aber im Durchschnitt nur 10 Proz. Abzug vornehme, würden dein Arbeiter bei diesem Stück nur 2,50 M. abgezogen werden und die DOW. müßte den Rest, d. h. 3,50 M. Verlust, tragen." Wenn nun aber statt 0 Proz. 26 Pro;, abgezogen würden, dann müßte der Arbeiter nach Ansicht der Firmenleitung noch eine Mark mitbringen, damit er dieses Arbeitsstück fertigstellen darf. Nachdem dieser staatliche Betrieb seine Ausnahme in eine der größten Arbeitgeberorganisationen, dem VBMI. beantragt hat, »uiß die Firma wohl �erst ihre Qualifikation als Mitglied dieser Arbeitgebergruppe beweisen? Sollte die Firma nicht in kürzerer Zeit von diesem unerhörten Anschlag auf die Lebenshalwng ihrer Belegschaft Abstand nehmen, werden sich ernste Konflikte nicht ver- meiden lassen.__ Lohnvcrhandlungcn in der belgischen Metallindustrie. Brüssel. 7. Juli.(MTB.) In der Gemischten Schiedskommission für die Metallindustrie wurde über Lohnerhöhungen ver- handelt. Die Arbeitgeber haben einer Lohnerhöhung ab 1. August im Prinzip z u g e st i m m t. Itcin Poststrcik in Frankreich. Paris. 7. Juli.(Eigener Drahtbcricht.) Die Gefahr eines Ge- neralstreiks der s r a n z ö s i sch e n P o st- u n d Te l cg r lr.p l) e n- a r b e> t e r lcheint oorläusig b e s e i t igt zu sein. Der seit Wochen verschleppte neue L o h n t a r i f ist am Dienstag vom Ministerrat geprüft worden und wird dann noch der Kammer zugehen. Attzge- sichts dieser ersten Genugtuung, die ihm geworden ist, hat der Ver- band der Postbeamten beschlossen, bis auf weiteres vom Streik ab-- zusehen._ Der Antwcrpencr Hascnstrcik geht weiter. Brüssel. 7. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Im A n t w e.r p e n e r Hafen st reik ist kein Fortschritt im Sinne einer Beilegung zu oerzeichnen. Die Unternehmer machten zwar Vorschläge für eine Lohnregelung, die aber hinter den Forderungen der Arbeiter weit zurückblieben und bei der Urabstimmung mit 5105 gegen„ 43 Stimmen abgelehnt wurden. Der Kampf dauert also fort, der Hasen liegt völlig still._ Die englische Regierung und der Achtstundentag. London. 7. Juli.(MTB.) liinsichtlich der ver änderten Haltung der Regierung in der Frage der D n r ch f ü h r u n g d e s Achtstunden-Arbei'tstages in der Kohlenindustrie meldet Reuter: Offenbar wünscht die Regierung sich die Freiheit vorzube- halten, ihre Stellungnahme einer erneuten Prüfung zu unterziehen, wenn es sich als sicher heraus st ellt, daß die in irgendeinem Revier von den Arbeitgebern vorgeschlage- nen Löhne zu niedrig sind. Die Regierung hatte Schritte zugunsten der Bergleute unternommen und setzt die Bemühungen sort. Zxgcndqruppc dc» 3Ml. Seilte, Donnerstag, Vi Uhr, versammeln sich die Adteitmiaeii- Treptow: Jugendheim Wildenbruchslr.»4(Kinderhort). Arbeitsgemeinschaft iidrt„Kommunistisches Manifest"(Dinse).— Hermann- plafc: Jugendheim Hobrechtstr. 34, Ecke Sanderstraßc. Vortrag:„Der Streik in England". Kewerkschaftsjugend. Heute, Donnersta-g. 7'.- Uhr, tagen die Gruppen: Lichtenberg: Jugendheim Parkaue 1». Liederabend.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5. Leseabend.— Tcmpclhof: Jugendheim Ger» maniastr.-t/S. Vortrag:. Darwinismus".— Südosten: Jugendheim Neichen- dergcr Str. 6�. Vortrag im freien:„Die Schundliteratur das Gift für die Jugend".— Gesundbrunnen: Jugendheim Gotenburger Str. 2. Diskussion: „Soziales Wandern".— Spandau: Jugendheim Lkndcnufer 1. Vortrag: „Die Entwicklung der Gewerkschaften nach dem Sozialistengesch".— Moabit: Bremer Ecke Wiclefstrafie. Vortrag:„Jugend und Sport".— Mitte: Jugend- heim Neue Königftr. 2l. Bunter Abend.— Oberschöncwcide spielt heute auf dem Metallarbcitersportplah an der Obersprce.— Neukölln spielt im Volks- park Hascnheide. Rordring auf dem Platz au der einsamen Pappel, Treptow im Treptower Park, Wiese 8. Die Sparkasse der Bank der Arbeiker, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9— 3 Uhr und 5— 7 Uhr, Sonnabends von 9— 1 Uhr geöffnet. Deraiilroortlidi filt Politik: Ernst Steinet: Wirtlchekt: A-tur Satern»,: (öeroeiklcheftsbewegung: i?r. Ehkorn: Feuilleton: Dr. John Schilowski: Lololes und Sonitiaes: Krih Karstadt: Anreiaen: Tb. Sloile: tamtljch in Berlin. Verlag: Vorwärts, Verlag G. m. b. Sj.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Veelaasanitalt Paul Sinaer u. Ca. Berlin SW b8. Lindenlteghe Z. Lierru 2 Beilagen,„Unterhaltung und Wille»- und„Frauenstimme-. Kölnisch Wasser f] Qt Kappus....gi.Flanchc Uk ÜÜ Glycctin-Rosenseife BeläcMag Augiög.. 5 SSÜclI ......"'II ITHULPIG—............... „ E R L 1 N* CWm KÖN I GSTRASSE SPAN DAUER STR. m 1.—21. Juli Trihot-Badcanzügc f.Damen„Goldfisch** mit Achsel- 1*7 trag., üsttelgr. X« i O Trifeot-Badcanzügc f.Hcncn„Goldfisch** mit farbig. O O C Einf.jMittelgr.e'C HerrcBifcHeidima Lüster-Sahko mit C /lA Aermelfutter".... statt 6.75 O.�xU WaSCh joppC offene Form. Falte von T«»che zu Ta.che C) CS statt 8.75 D.�U Tussor-Safeho Baumwolle-T C bastfarbig....Statt 8.50-9.75 D# l O Windjacke imprägn.,»t.9.85 5 Tennishose-.liVu"» 14.00 Relse'KoWer Kupccfeoffcr m. Einsatz, la Hartplatte. Vullcanfiberecken. Deckel- �7 Q/� schiene, 2 Zidgschl., 65u.70 cm l•c/V/ Kupcckoffcr Vulkanfiber m. Stoffutter u. Einsatz. Deckelschienc, 1 7 7 CI lederbcz-Mctallgr., 65,70,75 cm X i# i O Echte Japantaschen m.Lcdcrcckcn u.PIaidnemcn, �7 QO ca. 56 und 60 cm........... i•ZssJ Hutschachtel»u» Sperrholz mit Zugschloß und LedcrgrifF, 35 und 40 cm Durchmesser.. Wäschestoffe Madapolam 80cm breit, Mtr. 0.38 Linon 80 cm breit...... Mtr. 0.50 Wäschebatist so cm. Mtr. 0.60 Linon kür Bettwäacbe g 60cm breit............Mtr. W.OD 130 cm breit........... Mtr. 1*15 Pamenkleiglung Blusen au. einfarb. od. gestr. reinw.Stoff..Statt7.50bis 12." Kleider au» bedruckt. Stoffen, aualCrepp, Vollvoile oder Wollmuaselin*7 C.r\ itatt 9.50 bia 16.» i.DU Kleider au» vorzügl. Wollatoffen sowie Seidenatoffen............ I-T C.f\ statt 25." bia 45." i l.DU Morgenröche au» bedruck- rt tem Muaaelin.............. Wintermäntel in den Größen 42-44 aus mollig. Stoffen, z. T. mit\ Pelz bes.. 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Seilage öes Vorwärts voütterstag, 8.�vN16i6 imam •'«GZM --«®'£ß3fA In deutschen Imkerkreisen wird ein erbitterter Kampf geführt gegen die saubere Zunft der Honigfälscher und»Panischer. Der Krieg hat sie zur Blüte kommen lassen, aber diese Geister, die wir tn der Not riefen, werden wir nicht wieder los. Immer wieder tauchen Fälschungen derart raffinierter Art auf, daß die Landwirt- schaftskammern vieler Provinzen besonder« Institute für Honig- sorschungen unterhalten, die mit dem modernsten Rüstzeug der Wissenschaft den Fälschern zu Leibe rücken. Innnerhin gelangt nur ein ganz geringer Teil fraglicher Produkt« an diese Forschungsstellen und nur dadurch, daß jedermann mithilft, kann ein Erfolg erwartet werden. Die �halben*' und ö!e„ganzen� fälsche?. Man teilt die Fälschungen in zwei Gruppen«in. Einmal ent- halten sie zum Teil echten Honig, sind aber mit Sirup. Fruchtzucker, Dextrin, Leim usw.„gestreckt*. Auch Zusätze von Wasser find fest- gestellt, um das Gewicht zu erhöhen. Die zweite Gruppe umfaßt die vollkomnienen Fälschungen, die mit echtem Honig nichts gemein haben. Es sind das Kunstprodukt«, die zum Teil unter dem Namen „Biepochonig" laufen, dann aber unter das Nahrungsmittelgesetz fallen. Zum Teil sind es..Toselhonlge*. die vermittels einer ge- schickten Reklame geeignet sind, den Anschein zu erwecken, als habe man es mit einem Dienenprodukt zu tun. In Wirklichkeit sind es nur Kunsthonige, nur hübsch frisiert mit einem klingenden Namen. Nun«st es nicht so ganz einfach, die Stoffe, mit denen gefälscht wird, iestzustellen. Da, ist ja auch schließlich Sache der Wissenschaft, nicht der Hausfrau. Für sie kommt es darauf an, beim Kaus feststellen zu können, womit sie es zu tun hat. Ein Hausmittel, das in den meisten Fällen genügt, ist folgende«: Man löst etwas Honig in reinem Wasser. Diese Lösung muß ganz klar, höchsten» schwach getrübt sein, darf nicht schmierig erscheinen, weder säuerlich riechen noch schmecken, keinen Bodensatz bilden. Blaues Lackmuspapler färbt schwach rötlich darin. Guter Honig schmeckt würzig über die ganze Zunge wie guter Wein. Im flüssigen Zustande sei er klar und im Lichte schimmernd. Man denk« nun nicht etwa, nur flüssiger Honig ist echt. Jeder Honig wird einige Monate nach der Ernte fest, er kandiert. Dieser Zustand hat keinerlei nachteilige Wirkung auf die Güte, wie häufig angenommen wird. Will man die kandierte Masse wieder verflüssigen, so genügt es, den Behälter mit dem Honig in ein Wasserbad zu stellen, nur acht« man daraus, daß kein« Erhitzung über SV Grad Celsius eintritt: denn damit drückt man den Honigwert auf die Stuf« des gewöhnlichen Zuckers herab. ?ltislättöischer Honig. In letzter Zeit führt das Ausland, besonders Amerika, sehr viel Honig ei«. An sich wäre das«ine sehr gut« Sache, wenn die Qualität einwandfrei wäre. Leider jedoch wird er in einem derart unglaublich unsauberen Zustand geliefert, daß man das Grausen be- kommt, wenn man in solch ein« Honigtonn« hineinsieht. Es ist not- wendig die Mast« vor dem Bertauf zu klären und zu diesem Zweck erhitzt man den Honig stark, wobei sich all« Schmutzteil« am Boden oder an der Oberfläch« sammeln und entfernt werden können. Was allerdings das Erhitzen bedeutet, wisien wir bereits. Nun kommt ein kleines Rechenexempel. Ein Pfund Auslandshonig kostet zirka 50 Pfennig, ein Pfund deutscher Honig zirka 1,20 Mark en Uros. Nimmt ein gewissenloser Händler eine Mischung von% deutschen und % Auslandshonig vor, so teilt sich das Aroma des guten Honigs zum Teil dem erhitzten, wertlosen Honig bei. Di« Mischung tostet dem Händler zirka 53 Pfennig das Pfund. Durch geschickt« Reklame wird diese dann als garantiert reiner Bienenhonig für 1 Mark pro Pfund an den Mann gebracht, ein ideales Geschäft für den Händler. In der deutschen Imkerwelt stehen Bestrebungen vor dem Abschluß, ein Einheitshonlgglas und einen Garantlesl reisen dazu«inzuführen, der nur durch die Vereine zu beziehen ist, und der den Namen des betreffenden Imkers trägt, der den Honig geerntet hat. Durch dies« Maßnahme wird man dann endlich in der Lag« sein, allen Fälschun- gen und Surrogaten dm Platz anzuweisen, der ihnen zukommt. Man unterscheide also ganz scharf:„Reinen deukschen Blütenhonig", den echten, unverfälschten Honig, den nur der Im-er liefert. Sein Preis schwankt im Einzelverkauf zwischen 1,50 bis 1.80 Mark. Eine andere Qualität ist der.garantiert rein« Bienenhonig", der mit Auslandshonig gemischt fein kann und 1 Mark das Pfund kostet. Dann kommen die„Tafelhonig«*, die mit Bienenhonig«Bistens gar nichts zu tun haben, nie jedoch rein und ohne Zusätze sein dürsten. Das sicherste Schutzmittel vor Fälschungen ist: ZU« honlg aus Sannen kausen. am besten seinen Bedarf bei einem Imker decken. Man verlange für 1 M. keine Qualitätsware: denn bei den Preisen für Bienenwohnungen und Geräten kann kein Imker sein Erzeugnis zu diesem Preise abgeben. Die Zarbe ües Honigs. Kurz sei noch auf die verschiedenen Färbungen der Honig« hin- gewiesen. Da die Dienen ja nicht nur eine Blütenart befliegen. sondern immer dorther eintragen, wo sich ihnen gerade eine Quelle erschließt, wird man in den seltensten Fällen einen relncn Honig einer bestimmten Blütenart erhalten können. In der Heid«, wo zur Blütezeit der Erika kaum etwas andere» blüht, gibt es den reinen Heidchonig, der in der Farbe dunkelgelb bis braun und zähflüssig ist. Lindenhonig erscheint goldgelb in tiefer Tönung, Akazien- und Rapshonig fast wosserhell und dünnflüssig. Kandiert sebcn diese letztgenannten Arten weiß au«. Obstblütcnhonig ist hcllgoldgelb mit feinem, zartem Aroma: dieser Honig wird fast rein gewonnen. In Gegenden mit viel Tannenbestand gibt es ein dunkelgrüne« Produtt. Immer aber ist Klarheit und Schimmer im Lichte Be- dingung. Und nun auf zum Kampf gegen Betrug und Schwindel. Ersatz- Ersätze haben wir gerade genug genossen. Für unser gute» Geld wollen wir auch etwas Edles haben. , Sonntag an die Ostsee. Wie wir von der Reichsbahndirskticn Berlin erfahren, dürfte in Anbetracht des warmen Wetters und der bischerigen Nachfrage nach zu urteilen der für Sonmag, den 11. Juli, vorgeieheii« Sonderzug nach Eminem iinve-Heringsdorf voraussichtlich gefahren werden. Fahrkarten zu einem Preise von 9 M. bis Swinemüde, Ahlbeck und Heringsdorf 9,20 M., sind noch zu haben bei der Fahrkartenausgabe des Stettiner Bahn- Hofs und bei den vier Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reife- bureons im Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße, Kauf» hau» des Westens und Reisebureau Unter den Linden 57/58. INotorrodunfoll auf der Avus. Ein folgenschwerer Motorrad» Unfall ereignete sich gestern nachmittag auf der Avus im Grüns- wald. Der 30jährige Kaufmann Paul Kuttler au» der Rhein- straße 21 in Friedenau und fein Begleiter, der Kaufmann Karl Becker aus der Mauerstrahe 13/14 zu Berlin, die sich mit ihrem Motorrade auf dem Heimweg befanden, stürzten beim Nehmen einer Kurve und wurden erheblich verlegt. Sie mußten durch einen Wagen des städtischen Rettnngsan tes in das Westender Krankenhaus übergeführt werden. Leim Baden ertrunken. In der Spree bei Karolinenhof. un- weit von Köpenick, ertrank gestern nalbmittag um 1�5 Uhr der Illjährige Kaufmannsiehrling Franz K r e h n e r au» der Wefe?» straße 50 zu Neukölln. Der junge Mann ist wahrscheinlich infolge eines Herzschlages unlergegangcn. Dem Reichswosserfchutz ist es bisher noch nicht gelungen, die Leiche des Ertrunkenen zu bergen. sq Oer wobblq. von B. Tranen. Copjrigkt bj Buchmeister-Derlas Berlin und Leivtig. .Ja läßt sich auch gor nichts dagegen tun,* sagte ich. „Nein, die kriegen immer wieder Leute. Immer wieder andere. Immer wieder andere Dumme, immer wieder andere, die in der Stadt vor dem Verhungern stehen, und die ehrlich arbeiten wollen. Wir haben ja nun in einigen Staaten sehr tüchtige Gouverneure, die von den Arbeitern gewählt wurden. von den Sozialisten und von der Syndikatos. In San Luis Potosi und in Tamaulipas. Die Gouverneure haben nun vor kurzem in den Arbeiterversammlungen gesprochen und zu» gesagt, daß sie hier energisch eingreifen wollen. Der Gouver- neur von Tamaulipas arbeitet ein Dekret aus, daß jeder Baumwollfarmer fünfundzwanzig Pesos hinterlegen muß für jeden Pflücker, und daß er für jeden Plücker das Bahngeld für die Hin- und Rückreise bezahlen muß. Das ist wenigstens ein Anfang. Bis jetzt konnten die mit den armen Teufeln machen, was sie gerade wollten. Wenn sie dann keine Pflücker kriegen und überall herumschreien, daß ihnen die Ernte verfault, dann sagen sie. das Landarbeitersyndikat sei schuld und das müßte ausgerottet werden. Dann reden sie * von den faulen Indianern und den Peons, die lieber als Banditen leben, als daß sie anständig arbeiten wollen. Mich fängt keine? mit dem Schwindel. Baumwollpflücken? Ich? Ich denke nicht, daß Sie mich für einen solchen Dummkopf halten. Lieber stehlen oder krepieren. Haben Sie schon ein- mal hier einen armen Farmer gesehen? Ich nicht. In den ersten drei Iahren vielleicht, da geht es ihm etwas hart. Aber wenn er das Land erst einmal durch hat. dann ist es sicherer als eine Goldmine. Dann aber wollen sie auch gleich noch Diamantminen daraus inachen, dadurch, daß sie die Arbeiter um den Lohn betrügen. Cabrones!* Ich denke, daß Ofuna durchaus recht hatte. Und ich nahm mir vor. meine Laufbahn als Baumwollpflücker für immer abzuschließen. Es kam nichts dabei heraus. Und es war so zwecklos. Was kümmerte mich denn der Baumwoll» bedarf Europas? Wenn sie Baumwolle da drüben haben wollen, so mögen sie herüber kommen und sie sich selber ab- pflücken, damit sie einmal erfahren, was es heißt: Baumwolle pflücken. Mit dieser neuerkämpften Lebensweisheit belastet, ver- ließ ich Ofuna und ging rüder zu der Kaffeebar. um Kaffee ■JH trinken und zwei Hörnchen zu essen. Neben mir saß ein Amerikaner, ein älterer Mann, sicher Farmer. „Suchen Sie nach was?* fragte er, als ich über die Bar hin und her guckte. „Ja, nach dem Zucker," sagte ich. Er reichte mir die emaillierte Zuckerbüchse. „Das meinte ich eigentlich nicht, als ich fragte." sagte der Mann lächelnd.„Ich meinte vielmehr, ob Sie etwas ver- dienen wollen!" -„Das will ich immer," erwiderte ich. „Haben Sie schon mal Rinderherden blockiert? fragte er jetzt. „Ich bin auf einer Viehfarm groß geworden." „Dann habe ich Arbeit für Sie." „Ja?" „Eine Herde von tausend Köpfen, achtzig Stiere darunter, dreihundertfünfzig Meilen über Land bringen. Abgemacht?" „Abgemacht! Ich schlug in seine Hand.„Wo sehe ich Sie?" „Hotel Palacio. Um fünf. In der Halle." 1«. Viehherden können nicht so einfach mit der Dahn be- fördert werden. Das Land ist so groß, die Strecken sind so weit,. daß die Frachten die Herden auffressen. Das Füttern und Tränken hat gleichfalls seine Schwierigkeiten. Es muß herangeschafft werden zu den Stationen. Futterleute müssen angenommen werden. Durch den langen Transport geht das Vieh auch herunter. Es kann am Ende so kommen, daß der Viehzüchter noch draufzahlen darf, wenn die Reste der Herde am Bestimmungsmarkte angelangt sind. So bleibt nichts anderes übrig, als die Herden über Land zu treiben. In den europäischen Ländern ist das ein« ziem- lich einfache Sache. Aber hier gibt es keine Straßen. Es müssen Gebirge überstiegen werden, Sümpfe umgangen, Flüsse gekreuzt werden. Man muß stets Wasser zu finden verstehen, weil die Herden sonst zugrunde gehen, und man muß täglich Weidegründe erreichen. „Was, dreihunvertfünfzig Meilen?" fragte ich Mr. Pratt, als wir uns zur Verhandlung niedergesetzt hatten.„Lustlinie?" „Ja, Luftlinie." „Verflucht. Das können dann sechshundert Meilen werden." „Das glaube ich nicht." erwiderte Mr. Pratt.„Soweit ich Erkundigungen einziehen konnte, läßt es sich nahe an der Luftlinie halten." � „Was mit der Bezahlung?" fragte ich. „Sechs Pesos den Tag. Ich stelle Pferd und Sattelzeug. Beköstigen müssen sie sich selbst. Ich gebe Ihnen sechs von meinen Leuten mit, Indianer. Der Vormann, ein Halbblut, geht auch mit. Er ist ein ganz tüchtiger Mann. Verläßlich. Ich könnte ihm die Herde vielleicht anvertrauen. Aber besser nicht. Wenn er alles unterwegs verkauft und wegrennü kann ich nichts machen. Seine Frau und seine Einher wohnen bei mir auf dem Rancho. Aber das ist keine Sicherheit. Suchen Sie mal hier jemand im Lande. Und ich möchte Zhm auch nicht so viel Geld mitgeben. Ohne Geld kann ich ihn nicht abschicken: da sind so viele Ausgaben unterwegs. Es ist nicht gut, die Leute zu oerführen. Selber kann ich nicht so lange fortbleiben vom Ranchv. Wenn man es weiß, dauert es nicht lange, und die Banditen sind herum. Run hätte ich gern einen weißen Mann, der den Zug übernimmt." „Ob ich so ehrlich bin, wie Sie denken, das weiß ich nicht. Roch nicht," sagte ich lachend.„Ich verstehe es auch, mit einer Herde durchzubrennen. Sie haben mich doch gergds hier auf der Straße aufgegriffen." „Ich sehe mir die Leute ins Gesicht." sagte Mr. Pratt. „Aber, um ganz ehrlich zu sein: So auf gut Glück gehe ich ja nun auch nicht. Ich kenne Sie." „Sie mich? Ich wüßte nicht, woher." „Haben Sie denn nicht bei einem Farmer mit Namen Shine gearbeitet?" „Allerdings," bestätigte ich. „Da habe ich Sie gesehen. Sie gingen dann zu den Oel» leuten zur Ablösung eines Drillers. Ra?" „Stimmt. Ich erinnere mich aber nicht, daß ich Si« gesehen hätte." „Tut nichts. Aber Sie sehen, daß ich Sie kenne. Und Mr. Shines Wort, daß ich mich auf Sie verlassen kann, trotz- dem Sie sich immer um Streiksachen kümmern—" „Ich? Fällt mir gpr nicht ein. Was kann ich denn dafür, daß immer zufällig da, wo ich bin, die Hölle losgeht. Ich mische mich nie rein." „Lassen wir das beiseite. Bei mir haben Sic keine G«» legenheit. Sie haben den Kontrakt und sind kein Arbeiter. Sie übernehmen es, die Herde zu transportieren, und ich übernehme es. Ihnen das Geld vorzustrecken und Ihnen Tagesdiätcn zu zahlen." „Kontrakt? Ganz gut. Aber was mit der Kontvatt- Prämie?" fragte ich. �:■:''.(Fortsetzung sosgt.) Der Derlinee Etat genehmigt. Auf Grund einer Ermächtigung des preußischen Innenmini. steriums und des Finanzministeriums hat der O b c r p r ä s i d e n l als Aufsichtsbehörde für die Stadt Berlin den von den stadlischen Körperschaften beschlossenen Steuerverteilungsbeschluß für das(Etatsjahr 1926 genehmigt. Damit ist wie siir fast alle anderen preußischen Großstädte auch für Berlin der zwei- hundertprozentige Zuschlag zur staatlichen Grundvermögens st euer sowie die Erhöhung der Hundesteuer aus 60 ITC. für den ersten Hund genehmigt. Strittig bleibt noch die Frage der Rückwirkung der Grundver- mögenssteucrerhöhung vom 1. April d. 3. ab. Der Magistrat wird darüber in diesen Tagen Besckiluß fassen. � Auf Grund einer Notiz dos„Lokal-Anzeigers" hatte die„R o t e F a h n c" neulich in großer Aufmachung mitgeteilt, daß der Ober- Präsident den Etat der Stadt Berlin nicht genehmigen w ii r d e. Sie hatte daraus den Schluß gezogen, daß das Verhalten der sozialdemokratischen Rathansfraktion dadurch sä sbzuräum gc- führt sei. Wenn der Oberpiäsident die Stadt Berlin ohne Etat lasse und ihr die Mittel zur Durchführung ihrer haushaltswirtschllft ver- weigere, dann hätten auch die Stadtverordnctenfraktioncn mit gutem Gewissen eine gleiche verantwortungslose Politik treiben können. Richtig an der Meldung des„Lokal-Anzeigers" und an der Bemerkung der„Roten Fahne� war nur die seit langem be- kannte Tatfache, daß der Oberpräsident immer wieder auf eine E r höhung der st ä d t i sehen Werkstarise hindrängt. Bor ollem der billige Berliner Straßenbahn tarif hat es ihm angetan. Cr hat schon bei der letzten Genehmigung des Etats für 192ö darauf hingewiesen, daß IS Pfennige zu wenig seien. Der Oderpräsident zeigt sich in den Tariffragen von jeher den Gedankengänge» der privaten Konkurrcnzuntcrneh- münzen der Stadt sehr zugänglich, denen die billigen Tarife der kommunalen Betriebe ein Dorn im Auge sind. Die Hochbahn hat immer wieder über die Konkurrenz der Straßenbahn gejammert. Die sozialdemokratische Fraktion hat bei der Berätung der Dcckungsmöglichkeit für den Berliner Haushalt auch diese Frage erörtert. Sic war aber einmütig der Meinung, daß eine Erhöhung der Werkstarise eine aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen viel schwerere Belastung der Berliner Bevölkerung dar- stellt. Sie hat sich deshalb gegen alle diese Borschläge, die nament- lich von der B o l k s p a r t e i sehr warm unterstützt wurden, aus- gesprochen. Unerledigt ist durch diesen Genehmigungsbcschluß noch die viel wichtigere Frage der Genehmigung der neuen von den Kom- munisten, Sonaldemokraten und Zentrum beschlossenen ge- st a f f c l t e n Fr»ndsteuerordnung. Um sie wird zweifellos noch ein heftiger Kampf entbrennen, um so mehr, als die Durchführung dieser Grundsteuerstaffelung in Berlin nicht ohne Folgen auf die übrigen preußischen Großstädte sein könnte, hier muß init allem Nachdruck oerlangt werden, daß die Aufsichtsbehör- den dem Willen der Bevölkerung Rechnung tragen und die Mög- lichkeit schaffen, die kommunale Krundsteuerumlage nach den wirt- schaftlichcn Verhältnissen zu staffeln.?in diesem Punkte bietet sich eine wenn auch beschränkte Gelegenheit, die verhängnisvollen Wir- kungcn der� ununterbrochenen Miels st c'i gerungen, die eine Folge des deutsch nationalen Finanzaus- gleich? der Regierung Luther-Schielc-Schlicben sind, wenigstens etwas abzuschwächen. Die Widerstände, die sich bei den Aussichts- behörden dieser Neuregelung entgegenstellen, müssen unter allen Um- ständen beseitigt werden. Auch der preußische Landtag wird wobl nicht umhin können, die Berliner Anregungen auf sozialere Gestaltung der kommunalen Steucrbelastung nachdrücklichst zu unterstützen. veckeneinsturz in einem Treppenhaus. Als eine Tür zugeworfen wurde. Ein nicht alltäglicher Fall ereignete sich gestern nachmittag in dem hause W r a n g e l st r. 88. Vor einigen Tagen wurden auf dem Dach Reparaturarbeiten ausgeführt. Zerbrochene Ziegel und größere Mengen Schutt wurden auf dem obersten Treppenpodest gelagert. Als gestern nachmittag ein Kind auf dem Boden zu tun hatte, warf es heftig die Tür z»: durch die ft a r k c Erschütterung brach der ganze Treppen- o b s a tz, der stark überlastet war, ein und stürzte in die Tiefe. Wie durch ein Wunder blieb der Knabe unverletzt und kam mit dem bloßen schrecken davon. Glücklicherweise befanden stch auch keine Hausbewohner der obersten Etage auf der Treppe, so daß niemand verletzt wurde. Die Feuerwehr, die herbeigerufen wurde, nahm unter größten Vorsichtsmaßnahmen die Aufräumungsarbciten vor und brachte einige Versteifungen an. RaA, den bisherigen Fest- ste.lungen ist der Vorfall auf grobe Fahrlässigkeit zurückzuführen. Sn neuer„CcwerbsMeig'". Seimarbeit. Quittunnsmarken verkaufen. Kann Ehefrau ausführen. Vcrlagsanftalt �riedrichstr. 66. So lautete ein Inserat in einer Berliner Tageszeitung, das muh reranlaßte, die Adresse aufzusuchen. Ein gutes Geschäftshaus, in dem in der 3. Etage ein Zeitungsverlag domiziliert. Und zwar muß es ein ganz bedeutender Betrieb fein, denn eine groß« Anzahl- von Bureauräumen liegen an dem langgestreckten Korridor. Aus dem Anmeldezimmer werde ich ins Wartezimmer ge- führt, wo bereits 8 bis 11) Verdienst suchende beiderlei Geschlechts der Dinge harren, die da koimnen sollen. An der Wand ein Plakat, nach welchem„überlaute" Gespräche verboten sind. Es dauert eine Weile, dann beginnt die Abfertigung. Immer zwei auf einmal werden abgerufen, schließlich komme auch ich an die Reihe: "t einem äußerst dürftig ausgestatteten Bureauzimmer sitzt eine junge Dame, sehr selbstbewußt, kühl und herablassend. Ich darf mich setzen und nun eröffnet sie mir. daß ihr Verlag beabsichtige, einen möglichst großen Teil des Publikums an seinem Geschäftsbetrieb zu beteiligen. Und zwar folgendermaßen: Die Dame zeigt mir einige grün« Marken mit einem Männerkopf; sie sind etwas größer als Briefmarken und tragen das wohlgelungene Konter- fei des Inhabers. Diese Marken kosten das Stuck 50 Pf. und ich muß nim für einen größeren Betrag, mindestens 10 Mark— unter dieseni wird mir kein„Konto eröffnet"— von diesen Marken kaufen. Natürlich nur gegen bare Kasse, denn die Firma hat mit Kreditge- Währung leider schon üble Ersahrungen gemacht, sagte sie. Ich er- halte dabei einen Rabatt von 10 Proz. Und nun muß ich versuchen, diese Marken in meinen Bekanntenkreisen oder bei Fremden wieder an den Mann zu bringen, d. h., ich muß Leute suchen, die mir die Marken wieder abkaufen. Diese sind dann am„Reingewinn" des Verlages be- teil igt. Natürlich nur an den Zeitungsgeschäften und nicht an der„Rennivettgesellschaft"(eine solche betreibt der vielseitige Verlag »ämlich mich). Auf diese Weise können die Markenkäufer monatlich bis fiö Proz. des eingezahlten Geldes als Dividende verdienen. Großartig, das kommt doch noch über Klonte. Aber da hätte ich doch gar keine Veranlassung, diese hochlukratkvrn ,.Wert"-Marken an meine Bekannten„abzustoßen", diesen Rieseuoerdienst soll mau sich doch nicht entgehen lassen. Man bedenke 65 Proz.— und weniger! Was müssen die Leute an ihrem Blättchen verdienen, um solche Dividenden zahlen zu können. Wenn man da ein paar Tausend flüssig hätte: leider liegen alle meine Gelder fest auf der Bank— im Friedrichshain. Ich war völlig verzweifelt, denn daß ich meinen Bekannten den Riesenverdienst nicht zukommen lassen durfte, stand für mich fest. Ich hege auch starke Zweifel, ob sie überhaupt für diese Art„Markensammlung" zu haben sind: die Leute sind immer so mißtrauisch und denken gleich das Schlechteste. Eine Zeitlang saß ich in Gedanken versunken, allerhand abenteuerliche Pläne zur Be- schaffung des Kapitals durchzuckten mein Gehirn, bis mich die Stimme der Dame in die Wirklichkeit zurückrief Nur, um über- Haupt etwas zu sagen, erlaubte ich mir in aller Bescheidenheit und ehrerbietig nach den Garantien bezüglich des Gewinnanteils und hes eingezahlten Geldes zu fragen. Und mit einem bezaubernden, nachsichtigen Lächeln oF meines Kleinmuts, emScrie sie:„0, 5a genügt wohl schon der Name unseres Inhabers, A r t u r Keil!" Arwr Keil?.— Ach so!— Ja, der genügte mir allerdings! Raubüberfall auf öie Tante. Die haarbürsie als Mordwaffe. Der brutale Raubüberfall, den die 41jährige Näherin chelene Behling am 11. April d. I. auf ihre 74jährige Tante, die Näherin Mathilde Zander verübte, indem sie in unmenschlicher Weise den Kopf der Greisin mit einer chaorbürste bearbeitete, wurde jetzt vor dem Schwurgericht des Landgerichts II verhandelt. Gegen die rabiate Nichte lautete die Anklage auf versuchten Mord, vollendeten Raub und Fundunterschla- g u n g. Die Behling chohnte bei ihrer Tante in der Klixstraße, wo diese von einer Wohnung ein Zimmer abgemietet hatte. Dadurch hatte sie in Erfahrung gebracht, daß die alte Frau einen nicht un- erhebliche» Spargroschen besaß und in einer Tasche ihres Unter- rockes aufbewahrte. Da die Angeklagte ohne dauernd« Be- f ch ä f t i g u n g war, und infolgedessen in Not lebte, faßte sie den Entschluß, diesen Sporgroschen an sich zu bringen. Der Plan wurde mit ihrer Freundin Frau Marie Just besprochen, und diese erwartet« sie dann auf der Straße, als sie zur Ausführung des Raubes von ihr fortgegangen war. Der Raub erfolgte in der Weise, daß die Behling an der Korridortür« klingelte, und als die Tante geöffnet und mit ihr den Korridor betreten hatte, diese plötzlich z u Boden ft i e ß. Hierauf ergriff die Angeklagte eine Haarbürste und schlug damit unbarmherzig auf den Kopi der alten gebrechlichen Frau ein, die sich anfänglich heftig wehrte. Als die Greisin schließlich merkte, daß sie die Kräfte verließen, hatte sie noch den rettenden Gedanken, sich tot zu stellen. Sogleich ließ auch die Nichte von ihr ab, nahm den Spargroschen in Höhe von 455 Mark an sich und lief zu ihrer wartenden Freundin, der sie von dem Raub 430 Mark zur Aufbewahrung übergab. Erst gegen Abend wurde die Uebersallene von dem Wohnungsinhaber, der lautes Stöhnen aus dem Zimmer hörte, schwer verwundet aufgefunden und nach dem Krankenhaus gebracht. Währenddessen ivar die Angeklagte in der Wohnung erschienen, ruhig austretend und sehr erstaunt tuend, daß ihre Tante überfallen worden sei. Im Krankenhaus wurde fest- gestellt, daß der Kopf der Frau Zander in unglaublicher Weise zugerichtet worden und eine einzige Wunde war. Glücklicherweise hat die alte Frau trotzdem keinen dauernden Schaden davongetragen. Vor Gericht behauptete die Angeklagte, sie hätte ihre Tante nicht töten wollen, sondern habe sie nur so ge- schlagen, um sie„benommen" zu machen, um das Geld dann nehmen zu können. Im übrigen sei sie wie geistesabwesend gewesen, und erst wieder zur Besinmmg gekommen, als sie mit der Freundin zusammen war. Diese konnte nicht mehr zur Rechenschast gezogen werden, weil sie durch Selbstmord geendet hatte. Das Ge- richt kam auf Grund des ganzen Verhaltens der Angeklagten und der Ausführung der Tat zu einem Sckiuldig im Sinn« der Anklage. Die Behling, die sich außerdem einer Fundunterschlagung schuldig gemacht hatte, wurde.zu 6 Jahren 1 Tag Gefängnis ver- urteilt. Ein Fälschergenie. 500 Alark Tageseinnahme. Ein Meister der Fälschungen ist der liändler Hermann P o h l e nz, der mit einer Reihe von Helfern vor dem Schöffen- gericht Mitte wegen schwerer Urkundenfälschung und Betruges zum Nachteil der Stadt Berlin zur Verantwortung gezogen wurde. Pohlenz betreibt schon seit Jahren das Fälscherhandwerk. Er hat im Laufe der Jahre der Zwangswirtschaft alle Arten von städtischen Zuweisungskarten nachgeahmt und davon auf großem Fuße leben können, bis er vor einigen Jahren gefaßt und zu längerer Zucht- hausstrafe verurteilt wurde. Im Zuchthaus reifte ihm ein neuer Plan, und er warb auch unter seinen Zuchthausgenossen für sein künftiges Ge» fchäftsunternehmen bereits Mitarbeiter. Als ein Teil von diesen seine Strafe verbüßt hatte, hielt es den Erfinder des Planes auch nicht länger hinter den Gitterstäben, und er verschaffte sich eine ,.S t r a f u n t e r b r c ch u n g" auf dem Wege einer verwegenen Flucht aus dem Zuchthaus. Do die Zeit der Zwangs- bewirtfchaftung vorbei war und es keine Brot- und andere Lebens- mittelkarten mehr zu fälschen gab, verlegte er sich jetzt auf die Fälschung von Kohlen karten, die die Stadt Berlin in Höhe von je zwei Zentnern für Erwerbslose und Sozialrentner aus- gab. Die Fälschungen waren so geschickt sowohl gedruckt als auch gestempelt, daß es lange Zeit brauchte, bis man hinter den Schwindel kam. Pohlenz hotte inzwischen seinem Unternehmen einen derartigen Umfang gegeben, daß nicht nur ein Heer von Unterhändlern mit der Unterbringung der Kohlenkarten beschäftigt wurde, sondern daß sogar ein Straßenhandel damit stattfand. Mit Hilfe einer Kopier- presse wurden die Karten nachts in der Wohnung der Geliebten des Pohlenz, der Verkäuferin K. gedruckt, und Pohlenz soll damit nicht weniger als 500 M. an einem Tage verdient haben. Als Kriminalkommissar O u o st Pohlenz festnehmen tonnte, fand er bei ihm noch 2600 M. Ersparnisse, obwohl seine Freundin ihm kurz vorher erst mit 2000 M. ausgerückt war. Es waren min- mehr mit Pohlenz noch weitere sechs Personen mit angeklagt. Die Angeklagten waren g eständig. P o h l e n z erhielt ein Jahr sechs Monate Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr ein Monat. Nur die Verkäuferin K. erhielt als Verführte für die ihr zudiktierten sechs Monate Gefängnis als einzige Bcwährungck- lrist.__ Autounfall auf der Avus. Gestern nachmittag gegen 6 Uhr er- eignete sich an der Nordkurve der Avus ein schwerer Unfall. Während des Trainings der Rennwagen, die ihre Uebungsfahrten zum Großen Preis von Deutschland unternahmen, fuhr ein Privat- wagen in der Richtung Nikolassee an einen Kilometerstein. Der Führer hatte sich während der Fahrt nach einem der Renn- wagen umgesehen und dadurch die Herrschaft über das Steuer ver- loren. Der Kilometerstein riß die Vorderachse los, so daß sie bis an die Hinterachse geschleudert wurde. Der Führer des Wagens erlitt einen Nerve nchok und leichtere Hautabschürfungen. Fabrikbrand in der Ritterstraße. Gester» abend gegen 8 Uhr wurden mehrere Löschzüge dei Berliner Feuerwehr nach der R i t t e r st r a ß e 51 gerufen, wo in den Fabrikrömnen der Firma Schmidt u. Co. aus bisher noch unbekannter Ursache Feuer aus- gebrochen war. Die Löschaktion dauerte über 1% Stunden. Gegen 'A10 Uhr war die Hauptgefahr beseitigt. Ungewöhnlich starke Rauchentwicklung erschwene das Arbeiten der Mannschaften. Bedauerlicherweise ist wieder ein Feuerwehrmann schwer an Rauchvergiftung erkrankt und wird für einige Zeit dienst- unfähig sein. Eine Brandwache oerblieb an der Feuerstelle. Die Berliner Städtische Elektrizitätswerke A.-G. teilt mit: Die beiden schweren Störungen in der Berliner Strom- vers»rgung am Montag sind auf die schweren Gewitter zurückzuführen, die zweimal die Fernstromleitungen außer Betrieb gesetzt haben: das erste Mal für die Dauer von dreizehn Minuten, das zweite Mal von 4.35 bis 5.17 Uhr nachmittags, also auf zwei- undoierzig Minuten. Leider hat aus demselben Grunde die Fern- stromleiwng auch am Dienstag für reichlich eine halbe Stunde aus- gesetzt. „weil er zu wenig verdiente". Unter dieser Ueberschrift hotten wir am 5. Juli über einen Prozeß berichtet. Die darin genannte geschiedene Frau des am 5. d. M. vom Landgericht II wegen fahr- lässiger Körperverletzung mit Todeserfolg zu 6 Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist oerurteilten Bahnbetriebsossiftenten Sch. bittet uns, den Bericht über die Gerichtsverhandlung dahin zu berichtigen, daß nach ihrer Ansicht ihren Mann bei den entstandenen Ehe- I zwistigkeiten die größer« Schuld treffe als fi«. Luf alle CRnzeOjetk«! ihres langen Sck�eibens einzugehen, ist unmöglich. Ein kurzer Ge» richtsbericht kann nicht die photographische Wiedergabe einer Ge» richtsverhandlung sein. Im übrigen muhte der objektive Zuhörer' von der Gerichtsoerhandlung den Eindruck erhalte»! der im„Boc-. wärts" wiedergegeben ist. Den vollen Namen des Angeklagtem hatten wir mit Absicht verschwiegen. Don 1927 ab 24-Stunden,eit. Reichsbahn und Reichspost wollen mit dem kommenden Sommerfahrplan, also am 15. Mai 1 927, in ihrem inneren und äußeren Dienstverkehr die 24- Stunden-Zeit einführen. Die Fahrpläne des deutschen Luftverkehrs sind auf diesem Gebiete bereits vorgegangen, nachdem die Vier- irndzwanzigstundenzeit in einem großen Teil der europäischen Länder, wenigstens in den Fahrplänen, seit längerer Zeit eingesührf ist und sich insofern sehr gut bewährt hat, als eine Berwechslung zwischen den Vormittags- und Nachmittagsstunden in Wegfall kommt. Im gewöhnlichen Leben wird die bisherige Zeitrechnung: beibehalten, auch die Ziffernblätter an den Bahnhofs- und sonstigen: Uhren werden nicht geändert werden. Ein Sechzigjähriger. Ter ehemalige langjährige Kassierer des 2. Berliner ReichSIagSwahIkresies,(Senosse Gustav Schmidt, vollendet beute sein 60. Lebensjahr. Noch heute versieht er wie seit langen Jahren das Amt eines Zeitungsspcditcurs in unserer Filiale Bärwaldstrasie. Typographta. Die UebungZstunden Donnerstags vormittags fallen bis auf weiteres aus. ver Fortgang ües Wiener �lrbeiterfportfestes. Wien, 7. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch vor- mittag wurden auf dem Feftplatz des Internationalen Ar- b e i t e r f p o r t f e st e s auf einem besonders hergerichteten Podium die Konkurrenzen in Zweier- und Einerkun st fahren ausgetragen. Die Konkurrenz war sehr gut beschickt und brachte ausgezeichnete Leistungen. Sieger wurden im Zweierkunstfahren Gebrüder L e o n h a r d t- Ofsenboch o. M. mit 88 Punkten, vor den Brüdern S wob od a- Wien mit 80 Punkten. Die Leistung der Deutschen war eine überragende, daher auch ihr über- legenes Spiel. Auch im Einerfohren trug Deutschland den Sieg davon. Paul Lconhardt- Osfenbach a. M. siegte überlegen mit 81 Punkten vor Dominik S w o b o d a- Wien mit 67 Punkten. Das Publikum nahm lebhaften Anteil an den Darbietungen und überschüttete die Teilnehnier mit reichem Beifall. Am Vormittag fand auch das 50-Kilometer-Strabenrenncn nach S ch w c ch a t statt. Sieger wurde K ö t 1- Wien in 1: 26: 43 St. Der Sachse Eben st einer, der anfangs Erster war, blieb im Verlauf des Rennens zurück. Das Handballsreundschafts- spiel zwischen Ostdeutschland und Wien brachte den Wienern mit 9: 2 einen überlegenen Erfolg. Die aus Spielern der Städte Dresden und Elbing bestehende deutsche Mannschaft fand sich nicht recht zusammen, besonders die Hintermannschaft war sehr schwach. Im Wiener Parteihaus tagte am Mittwoch vormittag der Arbeitersamariterbund. Begrüßungsansprachen hielten � dabei der internationale Sportsekretär B r i d o u x, Dr. Deutsch für die Republik Oesterreich, Professor Tandler für die Gemeinde Wien, der Iugendsekretär Heinz für die Jugendorganisation. Der Versitzende des Deutschen Samariterbundes, Kretschmann, erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Bundes, der 37 000 Mit- glieder zählt. Am Nachmittag zog eine ungeheure Masse von Kindern in einem F est zu g vom Pratcrstern unter Begleitung von fünf Musikkapellen, einer Fahnen- und einer Trommler- und Pfeiferkompagnie inmitten eines dichten und jubelnden Spaliers durch den P rater. Alle de Taufende von Kindern hatten kleine rote Fahnen, die die„Arbeiterzeitung" gespendet hatte. Die Buben trugen kurze weiße Höschen mit roten Schärpen, die Mädchen blau« Röcke mit roten Schärpen. In geschlossenen Achter- reihen marschierten die Kinder, mit roten Nelken geschmückt, über eine Stunde lang durch die Hauptallce des Praters zur Trabrenn- bahn, wo sich ein großes Kinderschauturnen anschloß. Die Wiener„Dypographia" in Berlin. Der oltberühmte Gesangverein Wiener Buch- druck er trifft am Freitag, den 23. Juli, A5 Uhr nachmittags, am Anhalter Bahnhof ein. Abends 8 Uhr findet einEmpfangimReichstagc statt, Eintrittskorten zu 2,— Mk. im Bureau des Oefterreichisch-Deutschcn Volksbundes. Schloß Bellevue, Fernsprecher Moabit 684, und am Portal 5 des Rachstags. Am 24. Juli, abends 8 Uhr: KonzertinderPhilharmonie. Sonntag, den 25. Juli, mittags 12 Uhr, findet eine Groß- deutsche Anschlußkundgebung im Lu st garten unter Mitwirkung der„T y p o g r a p h i a". Gesangverein der Berliner Buchdrucker und Schristgießer, statt. Abends 8 Uhr am gleichen Tage Konzert in den Gesamträumen der„Neuen W c l t", Hasenheide. Es wird gebeten, den Wiener Dolksgenossen Frei- quartiere zur Verfügung zu stellen. Der größte Sahnhof Europas. Der am Ostrande des rhcinisch-westfälifchen Industriegebiets ge» legene Bahnhof Hamm, in Westfalen, stellt heute die um- fangreich st e Bahnhofsanlage Europas dar. Er be- sitzt eine Länge von 9,8 Kilometer und an der b r e i t e sten Stell« eine Entwicklung von 4 70 Meter. Die Anlagen dienen als Umstellbahnhof dem Zu- und Ausgang vom Industrie- gebiet für den Güterverkehr und zugleich als Einmündung von vier Strecken für den Personenverkehr mit täglicher Abfertigung von 263 Personenoezügen. Im Güterverkehr wurden im Mai täglich 5100 Wagen abgefertigt. Die Länge der 5iauptgleile beträgt 77 Kilometer, der Nebengleise 232 Kilometer. Auf den elektrisch betriebenen Stellwerken sind 1053 Hebel für Weichen. Fahr- straßen und Signale zu bedienen: mit den mechanischen Stellwerken sind 223 Drahtleiiungen von 15 Kilometer Länge für Weichen und Signale verbunden. Vom Ablaufberg werden mit einem Mann 32' Sammelgleise mit dem von Essenbahnrat Wagner konstruierten Ablaufstellwerk bedient und mit dem halben Hilfspersonal die doppelte Leistung gegen das frühere System durch die von Dr. Jng. Fröhlich konstruierte automatische Gleisbremse erreicht. Drei neue deutsche Riesendampser soll die H a p a g für ihren Amerikadienst zu bauen beabsichtigen. Die Schiffe sollen je 33 000 Tennen groß sein, also ungefähr dem Lloyddampfer„Eolumbus" entsprechen und auf Stapel gelegt werden, sobald der Dampfer „New Park", der letzte der vier Schiffe der Ballin-Klasse, fertig- gestellt sst. Das erste der neuen deutschen Schiffe soll den Namen �.Europa" tragen. Da die Baukosten für einen Luxusdampfer heute rund 900 bis 1000 M. pro Tonne betragen, würde es sich bei dem Bau von drei Schiffen dieser Größe um eine Summe von rund 100 Millionen Mark handeln. Der Bauauftrag soll natürlich deusschen Werften zugute kommen.« Sozialiftische flrbeiterjugenü Groß-Serlin. «cht»»«.»«zirr»»»�>a»d, Mitglieder! Heute, Donnerstag, pünktlich Ul,r, Sikuna. Die Berichtoboge» für die Monate April-Iuni piüsien sofort dem Sckre- toriot einacrcicht werden. Harjmanderang vom 8.— 15. August. Wer teilnehmen will, tneld« sich recht bald im Iuaendsekretariat. Amsteedamdilder(W. Beiersdorf und M. Rein) können abgeholt werden. Achtung. W«rbebe,irk,leiter und Bezirksvorstand,-fest, und Savderau«. schnh. Arbritogeweinschaften Abraham: Sonnabend/Sonntag, lo./ll. Juli, Fahrt zur Iugendtierderge Lindenhof bei Briesclana. Treffpunkt: Sonnobenb abend 6 Uhr pünktlich am Lehrter Bahnhof, Dasserseite lFernbahnhof). Räch. »ügler Sonntag früh 7?« Uhr ebenda. heule, Donnerstag, abends 7� lihr: Norden: Schule Putduffer Sir Z. Bortrag..Wo, ist Sozialiomuo?»— Schönhaulcr Borftadt II: Schule Eber-walder Str. 10. Vortrag:„chemein- fchaft und Reform".— Osten L.-B.: Jugendheim Ebertnstr. IL. Bortrag: „Die Sozialistisch« Iugendinternational».— Südwest: Jugendheim Linden. stroh« Z. Aussprache:„Unsere Fahrten".— Frieden om: Jugendheim Offen. bocher Str. li». Mitgliederversammlung.— Hagjbotft: Schule Schulstrohe. Bortmg:„Darum bin ich in der SA3.?" J ttr. 316 ♦ 43. Fahrgang 2. Seilage ües vorwärts Vonnerstag, S. Fuli 1426 Aufstieg und Niedergang der Textilindustrie. Wie falsche Unternehmerpolitik eine Industrie ruiniert. Es gab!n Deutschland Industrien, denen schon mit dem ersten Tage der Währungsstabilisierung eine schwere Krisenzeit vorge- zeichnet war. Das waren Industrien, denen der technische Fortschritt die Lage erschwert hatte, wie z. B. der Steinkohlenbergbau durch die Konkurrenz des Oels, der Elektrizität und der Wasserkrast, oder auch Industrien, denen die Uebcrstcigcrung des Produktions- und Verkehrsapparates auf lange Sicht große Auftragsmöglichkeiten nahm und die selbst eine große Ausdehnung erfahren hatten. Dazu gehörten die Waggon- und Lokomotivindnstrie, der Schissbmi, teilweise die Eisen- und Stahlindustrie und die Maschinenindustrie, wenigstens soweit sie Produktionsmittelindustrie ist. Zu ihnen gc- hörte n i cht die Textilindustrie. Der Fluch hemmungsloser Profitwirtschaft. Die deutsche Textilindustrie mußte nach der Inflation in Deutsch- land ein Absatzfeld vorfinden von qroßer, ständig steigender Aufnahmefähigkeit. Der Ärieg mit seiner Zwangsbcwirt- schaftung der Textilien, die Inslation mit ihrer ständigen Entwertung der Löhne und Gehälter hatte in der Versorgung der breiten Massen mit Wäsche und Kleidung gewaltige Lücken gerissen, die ausgefüllt werden mußten. Die Lohn- und Gehaltserhöhungen nach der In- flation mußten in allererster Linie der Textilindustrie zugute kommen, da nach dem Nahrungsbedarf der B e da r f an Kleidung und Wäsche der dringlichste ist. Außerdem mußten Teppiche, Vorhänge, Möbel- bezüge ersetzt werden; der relativ stark zunehmende Wohnungsbau mußte massenhaften Einrichtungsbedarf für die neugegründeten Hausstände bringen. Die Konjunktur, die daraus erwachsen mußte, konnte nachhaltig sein; denn der außerordentliche Bedarf zur Nachholung des Versäumten mußte die Textilindustrie günstiger stellen als andere Industriezweige. Die allgemeine Lage sür die Textilindustrie war also sehr günstig. Die Textilindustrie hatte nur zu ihrem Teile dafür zu sorgen, daß der vorhandene Bedarf auch wirksame Nachfrage werden tonnte. Die Mittel dazu hatte sie weitgehend in der Hand. Aber wie man es von den deutschen Unter- nehmern gewohnt ist, zog auch die Textilindustrie es vor, den Dauer vorteil großer Absätze dem Augenblicksoorteil überteuerter Preise zu opfern. Heute sind jin keiner Industrie Deutschlands der Auftragsmangel und die Arbeitslosigkeit so groß wie bei ihr, und wenn auch die letzten Wochen geringe Anzeichen der Besserung ver- muten ließen, so hat diese Besserung angesichts der steigenden Arbeits- losigkeit kaum Bestand. Gerade in der Textilindustrie war die Verteuerung in der Nach- inilationszcit durch Kartelle außerordentlich groß. Noch weniger bei den Endprodukten, die der Konsum aufnahm, als bei den Halb- fabrikaten, deren unsinnige Verteuerung zum Teil von den Weiter- verarbeitern und dem Handel getragen werden mußte. Was die Kartelle nicht verdarben, verdarben die Zölle, das zweite der kurzsichtigen Mittel, mit denen die Textilunternehmcr den Inlandsmarkt ruinierten. Die Zollvorteile und Einfuhrbeschrän- klingen der Kriegs- und Inflationszeit waren ihnen nicht genug. Bis zur Bekleidungsindustrie hinunter wurden im vorigen Jahre die Zölle erhöht oder Zölle neu geschaffen. Wir erinnern nur an die Feststellung von S. Schocken-Zrvickau Anfang dieses Jahres, wonach Kartelle und Zölle die Friedensspanne sür die Verarbeitung eines Kilogramms Baumwolle von 83 Pfg. auf 2,85 M. gesteigert hatten. Allerdings, diese unsinnige Preispolitik brachte Gewinne: die breiten Massen mußten kaufen, und weil ihr Bedarf dringender Bedarf war, zahlten sie die hohen Preise.. Noch liegen nicht von sämllichen Aktiengesellschaften der Textilindustrie die AbschMste für das Jahr 1925 vor. Aber obwohl das Jahr 1925 für die zweite Hälfte auch für die Textilindustrie schon als Krisenjahr anzusehen war, sind die D i v i d e n.d e n gegen das Vorjahr noch erhöht. Die Durchschnittsdioidende von 42 Gesellschaften, deren Abschlüsse vor- liegen und die Gewinne ausgeschüttet haben, ist von 7,38 Proz. im Jahre 1924 auf 8.30 Proz. im Jahre 1925 gestiegen. Mit Ausnahme der Jute, die für den Massenkonsum aber ohne Bedeutung ist. haben die Rohstoffe der Textilindustrie im Jahre 1925 große Pr e i s- abschlüge erfahren, von über einem Drittel bei Wolle und Baum- wolle, bis zu 50 Proz. bei Flachs. Wenn dieser Preissturz sür die vorhandenen Lagerbestände auch eine gewisse Entwertung bedeutete, so hätten sie doch die Voraussetzung zu einer bedeutenden Erweite- rung des Absatzes sein können. Aber auch diese Chance wurde versäumt. Die Wirkung: Massenarbeitslosigkeit. Die Folgen blieben nicht aus. Die Politik der Textilindustrie, Om hoher Preise und hoher Augenblicks gewinne willen den Käufer zu schlachten, stürzte die Textilindustrie in eine Krise, wie sie bei kluger Absatzpolitik niemals möglich gewesen wäre. Das deutlichste Bild davon gibt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit, die wir sür die einzelnen Branchen der Konjunkturstatistik des Deut- schen Textilarbeiteroerbandes entnehmen. In Pro- zentcn der Verbandsmitgliedcr waren arbeitslos und hatten Kurz- arbeit: Textilindustrie... davon: Seide undKunstseide. Wolle...... Baumwolle.... Wirkerei u. Stickerei. Gardinen, Spitzen. Tüll Teppiche und Plüsch. November IS2ö S.8 7.2 5,l 1.3 2,8 17,1 2.9 20,7 21,7 24,1 9,1 20,0 60,9 30,9 Danach waren im November vorigen Jahres in der g e- samten Textilindustrie noch 75,5 Proz. der Verbandsmitglieder voll beschäftigt: im Mai 1926 waren es nur noch 29,1 Proz. In der Bauniwollindustrie, der Hauptproduzentin für den Massen- bedarf, waren voll beschäftigt im November fast noch 90 Proz., im Mai dieses Jahres nur mehr 20,3 Proz. Geradezu katastrophal ist die Lage in der Industrie für Gardinen. Spitzen. Tüll, Häkelei und Stickerei, wo im Mai nur mehr 5 Proz. voll beschäftigt waren, während 95 Proz. arbeitslos waren oder in Kurz- arbeit standen. Für unsere Tabelle haben wir mit Absicht nur' die- jenigen Zweige der Textilindustrie ausgewählt, für die der Absatz bei den breiten Massen des Inlands entscheidend ist; das Ausmaß, in dem die Kaufkraft des Inlands versagt, ist erschütternd. Schleuderpreise im Inland und Ausland. 'Der Verbrauch an Rohstoffen durch die Textilindustrie zeigt das- selbe Bild. Die Einfuhr an Rohstoffen und Halbfabrikaten ist im 1. Vierteljahr 1926 gegen die gleiche Zeit des Vorjahres um 40 bis 60 Proz. zurückgegangen: E i n s u h r 1. Viertelsabr 192S 1. Vierteljahr 1926 Baumwolle..»'. 281 Mill. M. 171 Mill M. Wolle......, 251,. 133, Baumwollgarne, D• 91». 42,, Wollgarne..... 88.. 33,, Baumtvollgewobe.». 68 r. 30,„ Selbst wenn man die Senkung der Rohstoffpreise berücksichigt, ist der E i n s u h r r ü ck g a n g enorm. Hauptsächlich ist er aus dem M i n d e r v erb ra u ch des Inlands zu erklären. Dabei er- folgte seit spätestens Anfang dieses Jahres der Jnlandvcrkauj zu ständig sinkenden Preisen, die infolge der Konkurse und vielfacher Notoerkäuse vielfach zur Warenschleuderei geführt haben. Der Verkauf ins Ausland brachte keinerlei Ersatz. Der Export von Baum- und Wollgewebcn, Kleidung, Wäsche und sonstigen Textil- waren ist im 1. Vierteljahr 1926 gegen die entsprechende Zeit des Vorjahrs zwar etwas gestiegen, aber da auch hier vielfach geschleudert wurde, brachten die erhöhten Export mengen nicht den entsprechen- Baumwoll- und Wollgeweben, Kleidung, Wäsche und sonstigen Textil- industriellen nicht klüger sind als die deutschen und Zollschutz überall verlangen, wo sie ihn erreichen können. Aber es ist doch charakteri- stisch, daß dieses Verlangen gerade in d c r Zeit gestellt wurde, als die deutsche Textilindustrie ihien Export mit allen Mitteln forcieren mußte, weil der Jnlandsabsatz immer stärker versagte. Was wird werden? Heute ist der Textilindustrie endlich die entscheidende Bedeutung des Inlandsmarktes und der Kaufkraft der breiten Massen voll bewußt geworden. Man kann keinen Geschäftsbericht mehr zur Hand nehmen, ohne schon in den ersten Zeilxn auf Klagen über den katastrophalen Rückgang der Jnlandskaufkrast zu stoßen. Nicht bewußt aber ist den Textilindustriellen, daß sie das heutige Elend der Textilindustrie weitgehend selbst oerschuldet haben. Durch Ileberpreise, Ueberkartellierung und Zollerhöhungen haben sie selbst alle Grundlagen zerstört, die der Textilindustrie das Ueberstehen der deutschen Stabilisierungskrise erleichtert hätten. Leider ist nicht zu hoffen, daß die Unternehmer daraus lernen werden. Sie werden vor allem für eine vernünfrigc Lohn- und Arbeitszeitpolitik nichts profitieren, obwohl nur die höchsten Löhne und die größte Zahl von Beschöstigten den Inlandsmarkt wieder auf die Beine stellen können. Sie werden mit ihrem Lohndnick und der Arbeits- Zeitverlängerung fortzufahren versuchen wie bisher. Aber die Arbeiterschaft und die. Gewerkschaften werden daraus lernen müssen. Nicht nur sür ihren Zusammenschluß zu aktionskrästigen Verbänden für Lohn- und Soziolkämpfe. Die Wirtschaftspolitik Deutschlands braucht die aktive und er- fvlgreiche Einflußnahme der Gewerkschaften heute dringender als je. Die leere Geste für Sie Kleinbauern. Aus genossenschaftlichen Kreisen wird der.Konjunktur-Korre- spondenz" geschrieben: Die Deutsche Rentenbankkreditanstalt hat für genossenschaftlich organisierte Kleinlandwirte, die wegen der Kleinheit oder Zersplitterung ihres Besitzes oder wegen der unllber- sichtlichen Grundbuchverhältnisse aus Mitteln der Golddiskontbank- anleihe nicht beliehen werden konnten, einen langfristigen zu je ein Drittel am 1. Dezember 1928, 1929 und 1930 rückzahlbaren Kredit zur Verfügung gestellt. Diese Kredite werden wiederum durch die Preußische Z« ntr a l g e v o j s en s ch a f t st o s j e an die Ge- nossenschapen weitergel est ct. Der neue landwirtschaftliche Sonder- kredit in einer Gesamthähe von 5 Millionen Mark ist jetzt bewilligt worden trotz der wenig ersreulichcn Ersahrungen, die man allgemein mit derartigen Sonderkrcditen gemacht hat. Wenn man trotzdem auf dem wenig wünschenswerten Wege des Sonder- kredits auch diesmal wieder vorgeht, so liegen die Gründe dafür sicherlich weniger in wirtschaftlichen Erwägungen als in der Absicht begründet, mit diesem Sonderkredit eine neue schöne Geste gegen- über der Landwirtschast vorzunehmen. Daß diesem Kredit praktische Bedeutung zweifellos nicht zukommen kann, zeigt das Rund- schreiben, das von einer großen landwirtschaftlichen genosscnschaft- lichen Verbandskasse an ihre zirka 1000 angeschlossenen Mitglieder versandt wird. Dieser großen landwirtschaftlichen Verbandskasse ist von den bereitgestellten Mitteln ein Betrag vou 70 000 Mark(in Worten: Siebzigtausend Mark) zur Verfügung gestellt worden. In dem Rundschreiben werden die sehr umfang- reichen Vorschriften für die Abwicklung dieser Kredite bekannt- gegeben, und dann macht die Verbandskasse folgenden Zusatz: „Wir bemerken, daß uns offiziell von diesem Kredit erst am gestrigen Tage Kenntnis gegeben ist. Die vorzeitigen Ver- öffentlichungen dieses Kredits, bei denen immer von 9 Millionen Mark gesprochen ist, während zur Verteilung nur noch 5 Millionen Mark kommen, haben uns bereits eine Flut von Kredit- antrügen gebracht, die zu erfüllen. angesichts des aus die Provinz Hannover nun entfallenen winzigen Betrages eine lln- Möglichkeit darstellt. Wir bemerken noch, daß vorher bereits 4 Millionen Mark dieses Kredits an besondere N o t st a n d s- gebiete gegeben sind, wobei die Provinz Hannover ausgefallen ist. Es ist klar, daß bei dem für das ganze Reich bestimmten Betrage von 5 Millionen Mark mir wenige Kreditnehmer bedacht werden können. Wir bitten daher, uns Anträge nur in einem solchen Umfange einzureichen, wie er der Höhe dxr uns zur Ver- fügung stehenden Summe entspricht. Bei rund 1000 Genossen- schasten würden also auf jede Genossenschaft durchschnittlich 70 M. entfallen, wenn jede Genossenschast Anträge stellen würde." Dieses Rundschreiben einer mit der Durchführung dieser Kredit- aktion beauftragten Stelle zeigt am besten die ganze Wirtschaft- liche Unsinnigkeit eines solchen Kredits. Mit Recht wird man fragen, was denn die Genossenschast mit diesen 70 M., die ihr zustehen, ansangen soll und wem mit solchen lächerlichen Beträgen geHolsen ist. Die Allgemeinheit hat einen Anspruch darauf, zu wissen, wi e die Staatskredite verteilt werden. Saisonausverkäufe. Bei den jetzt stattfindenden Saisonausverkäufen kann man die Fest- stellung machen, daß sie an Umfang und an Intensität die früheren erheblich übertreffen. Die Beobachtung wurde von den Vertretern des Einzelhandels, mit denen sich einer unserer Mitarbeiter über dies- Dinge unterhielt, bestätigt und als Erklärung folgendes hinzugefügt. Die Mode geschäfte und Ateliers, die Ansang Mai ihre Saison beendigen und sonst Ende Mai, Ansang Juni den Ausverkauf der übrig gebliebenen Modelle vornahmen, sind durch das Vorgehen des Vereins gegen den unlauteren Wettbewerb gezwungen worden, ihre Ausverkäufe in die hierfür gesetzlich vorgeschriebenen Zeiten zu verlegen.'Eine Reihe von Spezialgeschäften hat die Zahl der angebotenen Artikel vergrößert, Hot neue Verkaufsstellen eingerichtet, hat dadurch mehr W a r e und ist genötigt, einen schnelleren Umschlag ihrer Waren mit allen nur möglichen Mitteln zu versuchen. Ferner hat die Kauf- kraft des Publikums, das bisher die Stammkundschaft der «besseren" Speziolgeschäfte bildete» erheblich nachgelassen. Die neuen Käuferschichten ober verlangen genau so wie in den Warenhäusern billige Gelegenheitskäufe. Diesem Druck mußten die Spezialgeschäste nachgeben. Es komnit noch die unsichere Situation beim Einkauf hinzu. Noch vor einem Jahr wurden nämlich die Einzelhändler durch die Konditionen der Lieferantenkartelle tyrannisiert. Heute stehen die Konditionen, wenn auch gemildert, zwar auf dem Papier, aber niemand hält sie. Solventen Einzelhändlern wird die Ware zn allen nur annehmbaren Zahlungsbedingungen aufgdrängt und der Einzelhändler muß sein Lager so schnell wie möglich räumen, um nicht auf zu teuer eingekaufter Ware, die er jetzt billiger haben kann, sitzen zu bleiben. Nun wurden derartige allgemeine Preis« Herabsetzungen, wie sie die Saisonausverkäufe mit sich bringen, vom Einzelhandel selbst bekämpft mit der Begründung, daß durch sie das Publikum das Vertrauen zur Reellität des Einzel- Handels vertleren müsse. Das Publikum müsse unwillkürlich zu der Ueberzeugung kommen, daß die Preisherabsetzungen von den Käufern getragen würden, die vorher Ware gekaust hätten. Preisherab- setzungen hätten nur bei bestimmten Anlässen und für bestimmte Warenkategorien(Modeartikel, besonders billiger Einkauf eines Warenpostens, schadhast gewordene Ware usw.) ihre Berechtigung. Die Folge sei, daß das Publikum seinen Bedarf nur noch bei Ge- legenheitsoerkäufen decke, daß ein normales Verkaufen überhaupt nicht mehr möglich wäre. Gekauft wurde sehr stark zu Anfang, jetzt hat der Käuferandrang etwas nachgelassen, aber er ist immer noch lebhaft. Sicherlich wäre er noch größer, wenn die falsche Zoll- und Wirtschafts- Politik der Regierung nicht ein Steigen der Kaufkraft der Massen verhindert hätte. Ein Eintreten für eine aktivere Be- tätigung im Sinne einer produktiven Lohnpolitik könne sich der Einzelhandel nicht leisten, weil er damit zu großen Angrissen ausgesetzt wäre, obwohl eine derartige Lohnpolitik im Interesse des Handels liegen würde. Stäöteanleihen und Wirtschaft. Mit großer Energie wenden sich viele Industrielle dagegen. daß die Städte Auslandsanleihen erhalten. Dadurch käme die Industrie zu kurz und das Geld, das den Gemeinden zu- fließe, würde in erster Linie sür unproduktive Zwecke ver- wandt. Dafür, daß die Kommunen diese ihnen zufließenden Mittel sür Austragserteilungen an die Wirtschaft benutzen, und damit zu ihrer Belebung beitragen, dafür gibt es unzählige Beweise. Auch in der Generalversammlung der Aktiengesellschaft für Be- ton- und Monierbau wurde daraus hingewiesen,, daß die Belebung des Geschäftes in den letzten vier Wochen aus behördlichen Aufträgen zu erklären sei. Die Gesellschaft habe den Auftrag, einen Wasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 30 000 Kubikmeter für das� Wasserwerk am Müggelsee zu bauen. Außerdem baue sie die Kanalisation in Wernigerode. Ferner habe sie den Bau einer Kaimauer im Kolberger Hafen in Austrag. Wegen anderer großer Bauten stehe sie in Unterhandlung und es sei zu erwarten, daß sie auch� diele Aufträge erhalte. Die Gesellschast schließt ihre Bilanz bei einem Grundkapital von 2,1 Mill'onen Mark mit einem Reingewinn von 4 3 296,34 Mark. Davon erhält der Aussichtsrat 8000 M Gewinnanteil. Der Rest von 35 296 M wird aus neue Rechnung vorgetragen. Wirkungen der Diskontherabsetzungen. Ob die Privatbanken die Senkung des Reichsbankdiskonts um Vt Prozent für Einlagen- und Kreditzinsen anwenden werden, kst noch nicht voll eMsthieden. Tie Frage ist von Bedeutung, weil dos Bestehenlasien der Ein- logenzinfen auf der bisherigen Höhe die Z i n s s p a n n e verrin« gern würde. Die Bereinigung der Berliner Großbanken hat bis- her jedenfalls nur die Kredit zinsen um% Prozent herabgesetzt und nur sür Einlagen bis zu 14 Tagen es bei dem alten Sag belassen. Für Einlagen bis 15 Tagen und länger steht die Ent- scheidung noch aus. Blieben auch diese auf ihrer alten Höhe, wozu die Banken nach ihren guten Börsengeschäften wohl fähig wären, so würde die Zinsspanne um'Vi Prozent verkleinert. Bon der Preußischen Staatsbank wird gemeldet, daß sie so ver- fahren hat; sie hat die Zinssätze für Einlagen nicht herabgesetzt. Belebung in der Schuhindustrie? Die Kölner Häuteauktion war aus allen Teilen des Reiches gut besucht. Auch sür Holland, Belgien und Amerika wurden größere Posten angesteigert. Die rege Noch! rage in allen Gattungen läßt auf eine Belebung in der Schuhindustrie schließen. Die Gebote erfolgten flott und es wurden Preissteigerungen im Ausmaß von fünf bis zwölf Prozent gegenüber der letzten Auktion im Monat Juni erzielt. Die Monopolbestrebungen des Rheinisch-Westfälischen Elektrizi. tätswerkes(RWE.) haben nunmehr auch, wie uns aus Köln ge- meldet wird, den südlichen Teil der Rheinprovinz stark beunruhigt. Die freien und chri st lichen Gewerkschaften von Trier und Umgebung haben eine Erklärung gegen diese Monopolbestrebungen veröfsentlicht, in der daraus hingewiesen wird, daß die Elektrizität die Grundlage der ganzen Wirtschaft sei und daß daher durch die Monopolisierung die Abhängigkeit eines ganzen Wirtschaftsgebietes von der Willkür und Macht einer Gruppe von Kapitalisten, deren Hauptinteressengebiet der Niederrhein ist, z:r Tatsache werde. Noch immer habe sich das Bestreben einzelner Unternehmer, einen bestimmten Wirtschaft-zwcig allein in die Hand zu bekommen, in der Wirtschaslslage der Völker als unheilvoll er- wiesen. Der Stadtverwaltung Trier sei es hoch anzurechnen, aß sie nicht gewillt ist, das Gebiet von Mosel und Saar auf Gedeih und Verderb an die Ruhr auszuliefern. Nicht zu verstehen sei es, wenn Reichstagsmitglieder in einer solchen hochwichtigen Frage in einer einzigen Sitzung, ohne vorher informiert gewesen zu sein, dem Vertrag des Rheinisch-Westsälischen Elektrizitätswerkes mit dem Landkreis Trier zugestimmt hätten. Staatliche Kohlengruben in Brandenburg. Dem preußischen Staat find zwei umsangreiche Felder von fast 4.'-4 Millionen Qua- dratmetern in den Kreisen Lebus und Veeskow-Storkow im Regie- rungsbezirk Frankfurt a. d. O. und Potsdam zum Abbau der d o r t lagernden Braunkohle von dem Oberbergamt in Halle zu- gesprochen worden. Zum deutsch-lettischen Handelsvertrag wird uns geschrieben: Mit dem Abschluß der lettländisch-dcutschen Verträge hat Lettland den Weg beschritfen, den die übrigen baltischen Staaten bereits vor ihm gegangen sind. So war z. B. E st l a n d der erste baltische Staat. der mit Deutschland einen Handelsvertrag geschlossen und sich zur Annullierung der früheren gegenseitigen Forderungen verstanden hat. Nun hat Lettland den Reigen geschlossen und somit das Vermächtnis seines verstorbenen Außenministers Maierowiz. der die Verständigung mit Deutschland in zäher Ausdauer jahrelang be- trieb, m die Tat umgesetzt. Nicht minder groß ist ober das Ver- dienst des deutschen Gesandten Dr. Köster, der von Anfang an für die Vertragsregelung Verständnis und Entgegenkommen zeigte und seit Jahr und Tag allen Rückschlägen zum Trotz das einmal ge- steckte Ziel unbeirrt oerfolgte. Der lettländisch-deutsche Vertrag bildet aber auch eine wichtige Etappe zur Wiederherstellung des ökonomischen Friedens in der ofteuropäisiben Wirt- schaft. Damit erlangt er eine Bedeutung, die über die Grenzen der beiden interessierten Staaten-weit hinausgeht. Generalversammlung öer Bergarbeiter. Dritter Verhandlungstag. Saarbrücken. 1. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der dritte Ber- hondlungstag der Generaloersammlung nahm ein Referat M a r t � m 0« l l e r s über„Erwerbslosenversicherung und Arbeitsnachweis"' und ein solches von Schudy über den Bergarbeiterschutz entgegen. Marrmoeller erklärte, datz die Gewerkschaften mit dem neuen Entwurf zur Erwerbs- losenoersicherung nicht einverstanden sein könnten. Grund- sätzlich stelle der Entwurf an Stell« der Fürsorge dicr eine Versicherung und schließe die Landarbeiter und die A n g e st e l l t e n mit einem Gehalt von mehr als 2700 Mark und auch die Kurzarbeiter nicht ein. Ebenso fehle im Entwurf der Rechtsanspruch der Versicherten auf die Leistungen, und be- denklich sei bei der heutigen Verschlechterung im Wirtschaftsleben der Passus, der keine Unter st ützung in dem Fall« zahlen will, wenn die Arbeitslosi gleit auf Streik oder Aus» s p e r r u n g zurückzuführen ist. Mit der Bemessung der Unter- stützung nach einem bestimmten Verhältnis zum Lohn erklärt« sich Martmoeller grundsätzlich einverstanden, verlangte aber die Herabsetzung der Höch st grenze auf 80 Proz. Von wesentlicher Bedeutung sei endlich die im Entwurf nicht geklärte Frage der Selbstverwaltung dieser sozialen Einrichtung. Gestützt auf fj 161 der Reichsverfassung und gestützt auf die Erklärung müsse man verlangen, daß maß- gebender Einfluß der Versicherten auf die Verwaltung einer der- artigen sozialen Einrichtung gegeben sei. Zum Schluß empfahl Mart- moeller die Annahme einer besonderen Entschließung, die vom Reich die Bereitstellung von Mitteln für die Länder zur Durch- führung des vom Reichstag entworfenen Arbeitsprogramms auf dem Gebiete der E r we rb s l ose n f ü rs o rg e verlangt. Das Referat S ch u d y s über den Bergarbeiterschutz wurde unterstützt durch eine Entschließung des Hauptvorstandes, der dagegen protestierte, daß durch die Verordnung des Reichsarbeits- Ministers vom 12. Mai 1S2S, wonach auf Grund des Z S47 der Reichsversicherungsordnung ein« Anzahl gewerblicher Derufskrank- heiten der Unfalloersicherung unterstellt worden sind, verschiedene Verusskrankheiten des Bergbaues vollständig übergangen wurden. Der Hauptvorstand nennt vor allem zwei: Nistssmus (Augenzittern) und Pncumonokoniose(Lungenversteinerung). Die neuesten Forschungen haben geradezu erschreckende Krantheitsbilder für diese Berufskrankheiten der Bergleute sowohl bezüglich ihrer Verbreitung wie ihres Verlaufs ergeben, und die 2S. Generaloersammlung verlangt daher, daß dies« Berusstrant- heiten unter die oben genannte Verordnung gestellt werden und damit der Unfallgesetzgebung unterliegen. Von besonderer Bedeutung sind noch einige Entschließun- gen, die vom Hauptvorstand eingebracht wurden und die sowohl für K« Volks- wie auch für dl« Weltwirtschaft von«ninenker Wichtig« keit sind. Die erste Entschließung besaßt sich, ausgehend von dem gestörten Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch als der tiefsten Ursache der Absatznot und unter Berücksichligung der Um- stellung in der Krastoersorgung der Welt und der sofortigen Aufnahm« des Konkurrenzkampfes auf allen Absatzmärkten des In- und Aus- landes mit den Bekrlebseinfchränkungen und Stillegungen und oerlangt die beschleunigte Durchführung der Reichstagsent- schließung vom 30. April 1926 betreffend die Prüfungs- und Schutz- maßnahmen und den in der Entschließung vorgesehenen paritätischen Ausschuß. Di« zweite Entschließung verlangt Absatz st e ige- rung durch Ausschließung des inneren Marktes, die ohne Erhöhung der Kaufkraft der Lohn- und Gehaltsempfänger nicht zu erreichen ist, und ruft die Kameraden des Bergbaues auf, mit aller Energie und Ausdauer den Kampf um die Verbesserung der Löhne zu führen. Die dritte Entschließung erblickt iy der Ratifizierung des Washingtoner Abkommens den Anfang einer erstrebenswerten internationalen Regelung der Arbeitszeit und verlangt von der Reichsregierung die alsbaldige Vorlage eines Arbeitszeitgesetzes mit der fiebenstündigen Schicht im Bergbau. Die vierte Entschließung endlich verlangt die Ver- vollkommnung und Weiterentwicklung der Tarifverträge und ihre fortschreitende Zusammenfassung zu größeren Gebiets- bzw. Reichstarifen._ Zur 5rage üer Saukontrolleure. Unter dieser Ueberschrist oerspritzt das Unternehmer-Fachblatt „Das Baugewerbe"' in Nr. 23 wieder einmal seine Galle gegen die Gewerkschaft«!», bzw. die aus diesen entnommenen Baukontrolleure. Seitdem die w c i t e r e E i n st e ll u n g von Baukontrolleuren für Berlin spruchreif geworden ist. haben die Unternehmerorgan«, insbesondere„Das Baugewerbe", jede Gelegenheit benützt, um die„Unfähigkeit"' der bau gewerb- lichen Arbeiter als Kontrolleure nachzuweisen. In Nr. 17 dieser Zeitschrift werden zwei Fälle al» Beweis dafür angeführt. Einmal handelt es sich um einen Rüster, der 12 bis 15 Jahre diese Arbeit verrichtet, der entgegen der besonderen An- Weisung des Poliers das Schutzgerüst nur mangelhaft absteifte, und die Mahnung eines Mitarbeiters mit ausfallenden Worten zurück- wies. Die Folge war, als er das Schutzgerüst betrat, um die Stirn- breiter zu befestigen, gab die Absteifung nach, er stürzte herab und ist an den Verletzungen verstorben. Im zweiten Falle schlug ein Zimmerer die Warnung des an- wefenden Unternehmers, das Stemmen wegen der Einsturzgefahr zu unterlassen, in den Wind und stemmte weiter. Der Einsturz erfolgte tatsächlich. Der Zimmerer wurde schwer verletzt. Diese beiden Fälle beweisen, so sagt der Artikelschreiber, daß es den Arbeitern an den nötigen Kenntnissen fehlt. Und fo mW) wefler orakelt:„langjährige praktische Arbeit sei noch kein Befähigung»- Nachweis zum Kontrollbeamten". So bedauerlich die beiden Fälle an sich sind, so ist e« geradezu albern, sie als„Beweis" für die„Unfähigkeit" der Arbetter für das Amt eines Baukontrolleurs heranzuziehen. Indes hört das Unter-- nehmerorgan das Wort„Baukontrolleur", dann gerät es iir Schreikrämpfe. Aus diesem Zustande heraus dürste der Artikel in Nr. 23„Dos Baugewerbe", verfaßt fein. In diesem werden die An- ordnungen eines Baukontrolleurs als u n f a l l f ö r d e r n d be- zeichnet. Um weiteren Behauptungen über die Unfehlbarkeit der Bau- kontrolleure zu begegnen, wollen wir unseren Lesern ein weiteres Beispiel aus der Praxis nicht vorenthalten. Einen technischen A u s s i ch t s b e a m t e n der Berufsgenossenschaft, der aus einem Bau in Spandau die Anbringung einer Dachd«cker- schutzrüstung anordnet«, wurde von den Dachdeckern ge- anwortet, der Baukontrolleur habe gesagt, es genüge, wenn sie sich anseilen. Als der technische Aussichtsbeamte auch dem zufällig dazu kommenden Baukontrolleur gegenüber auf seiner Forderung bestand, erwidert« dieser, daß sie von der Bau- polizei nicht so radbkal vorgehen wie die Berussge- n o s f e n s ch a f t." Auf eine Handvoll Verdrehungen kommt es dem Artikelschreiber nicht an. Er hält es just mit denen, die sagen: „Rur dick austragen, etwas bleibt doch kleben." Hot der technische Aufsichtsbeamte so berichtet, wie der Artikel- schreiber ihn in Nr. 23„Das Baugewerbe" zitiert, dann entspricht der Bericht des Aufsichtsbeamten nicht den Tatsachen. Abgesehen davon, daß der Baukontrolleur schon einige Tage früher, ehe der technisch« Aufsichtsbeamte den Bau gesehen hat, die Anbringung eines Schutzgerüstes von dem Vertreter des Unter- nehmers gefordert hat. ist der Sachverhalt wesentlich ander». als er von den Aussichtsbeamten der Nordöstl. Baugew.-Berufs, genossenfchast dargestellt ist. Das Nötige dazu wird die Bauleitung und der Baukontrolleur sagen können. Das Unternehmerorgan hat in seinem Uebereiser, den Gewerfchaften ein» auszuwischen, die Tätigkeit der B a u k o n t r o l l e u r e herabzusetzen. wieder einmal dan'eben gehauen. Die Anordnungen des erwähnten Baukontrolleurs sind durchaus derart gewesen, da» sie u n s a l l v c r h ü t e n d wirkten. Gesthästliche Mitteilungen. Ka»»fs»i«l-L«tterie. Die Z. Deutschen ftornoffpiele, da» ffroRe Sportfest de» deutschen Volke«, finden Anfang Juli in«titln statt. Sin« ganz neu. artige Veranstaltung wird die im Juli und Sird« August fällig««tampfspiel- Lotterie dringe». S» bändelt stch dicrbei um 1 800 Ovo Los« zu 1 M. dza>. »00 ovo Doppellose zu 2 M. Die Einrichtung der Doppellose, die sich bei der Preuliischen Staat«Iottcri« sedr bewödrt dat. wird bei einer sogenannten Geleaendeitilotteri« zum erstenmal«ingeslldrt. Da, So« zur ersten Ziehung Ist ohne Nachzahlung auch zur zweiten Ziehung berechtigt. Der Hitchstgeoinu auf ein Doppezlo» ist 200 000 M. ldezlit an Bilovplah 8 Uhr; DarOber 136t sidi reden hrllDtr Bildirbcjn in 3 Akten Morgen 6 Uhr; Dattiber läBtsidi reden Staats-Theater Opernhaus a. Platz d.Republ. 7Vi Uhr: Carmen IiMn Itiittr Norden 10334-38 («hflildintCoo Rthairt »'/. Uhr Max Adalbert in Das Skel Die Komödie Bismarck 24)4, 7316 8',. Uhr: Week-end (üeber'n Sonntag) � kWuer-Tn. Opirettmplelzilt. 8 Uhr; StieMMp "ckaBeee i�Lesslnfl-Tb. Paul Henckels zum 521. Male. Schneider Wibbel Berber. Gredlnuskj Sommerpr. 1-8 M. Mitgl d.Volkrbüh.Giverk tdufl, ReidisbuMT gegen Aiuenii galt Blähe 1 1 ,50. lodtanAngehinge .�KlelnesTh, Ledinln Vorz. dieses zahlt 50° o d Kass-�npr EUfe-sanger Tagt. 8 Uhr: «altspiet berCrtginal Mafidebmfi« �Eiiie-Uater. Riesen- Profiramm! Baniowsky-Sühnen Sommerpreise TNcaier HOnWörOlz.Slr. T.:Hasenheid.2110 S'/a Uhr; Getaliene Eogel Homöi-lenhans sei,; Norden 6304 8 Uhr Der Garten Eden _ Erst« Ziehung unwldsr-— ruf lieh am 17. und 19. Juli K Deutsche ampfspiellotterie mt Darm venesmuuk-am der den Losen un- deneftelen Hampfspiei- WertnmrKen bis 31. Dezember 19?« ist unnh- tinnttiD von den Gewinnen mlndesiens der Ersa>i des Lospreises«arontten 43880 6ewifne u. JPriale« In Warte ton Hart SOOOOO Hloniloawina aal all Cappella! I. Warte i. Wirk 200000 Htctistgawinn auf all Elazaliot I. Werte t. Mark lOOOOO ■60000 40000 S60000 2 Mau 1. Warte t.Jalk. »»er. usw. Elnzellos M. I.- Doppellos M. 2.- Oka» RaohsnhlBDg gfUdg Ur belda Uebungan. Parte asf Uilan(Or baMe ZMaapea 40 Pf. aitra GIDcksbrlcfe(r�p1X0"nn) pintchließi. Porto tu in Mark Lis�n f. 2 Ziehungen••Ulli Ueberau erhältlieh A MOLL WS. Berlin V 9g Leon6str.4| Pottscheckkonto Berlin 28328. Komische Oper 8J/« Dir. James Klein S1/» Die große Revue Berlin ohne Hemd! Allabendlich 9 30 Uhr Die sensationelle Einlage: Satans Brantnacht! lieber 200 Mit» irkende! Berliner Tbcaier s»/, Uhr: Banner wetter, gnm lamos IDeatemJesteDS 8 Uhr: Operette v. auppd Kleine Sommerpr Sonnt, nachm. 4: Dia groll Gabakanale Preise 0.80—3,50 Tb. in lorflnttidaimn 81/, Uhr: Kavalier Jack Operette in 3 Akten Musik von Carita von Horst Sommerpr. 2—6 M Mner frater Heute; Met Mstag Eialritt aal iH. Plih aal tag, 50 PfO. Katleekochen. Tgni Central- Theater Uhr: Eva Bonheoi Ilka QrGnlntc Rose-Theater (□artenbllhne) SVi Uhr: Konzert und bunter Teil. 'U,: k« rag IIa landi biatn Deutsches KBnstl.-Thesler Tägl SV« Uhr- Der(rAtmaie Residenz■ Tneoi. SV, Uhr: Frl. islie i. Dil Stirkire Maria Haakinhari. Siuaagitb Pianos zur Miete Ansbacher Str. I, EWalarfintnatrah befonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN In derG es a miaut läge des „Vorwirts" und trotzdem tibiuign Donnerstag, den 8. Juli nachmiktags 3 Uhr Iftmwimfawfjtm' Herr Dr. med. S. In S- bot mtt Cbcruicpet'S Medlztnat erzielt Per et an— w,«n» oerfiarft bei unreinem Teint prllchttge Erfolge Mt l— Zur DJadjbcnauMune ist Herda«reme besonders zu ernv'edleu, Zu haben in allen Apothefen, i und Parsümerlen. Drogerien «m Sonntag, den 4 Juli, ist unjet frllherer Mitardeiier. Kollege Raul Telske nach langer Stranlheit 4m 52. Leben». jähre»erstorben. Der Dahinge- schieden« hatte sich durch seinen Arbeitseifer das Vertrauen aller seiner Mitarbeiter erworden und werden wir ihm ein dauerndes An. denlen bewahren. Die Angestellten de» Deutschen Vertehrsbuude». Vezirfsoerwaltung(Lroij-Berlin. Sinöfditcung findet am Donnerstag, den 8. Juli, nachmittags 4 V, Uhr, im Krematorium Gerichtltr. statt. Keickisiidlien-Tkiester Anlang 8 Uhr Steltiner Sänger ..Haasbali hei lejer's" Tan IB. 7.-31. 7.: Cnhpial dar Dresdner Viktoria-Sänger Dönboli-Brettl itaal a. Gatt 1 Tnrleidt- Konzert)— Tanz! Direkt aus Spanien •Ingslreftan, ohne Zwlaehsnhandsl kommen zum Verkauft ] 9 755 �..Tarra�ona,.äs ca. 18% lg 130 19530 hl»* Malafia,.e.. ca. 18% lu. 1.50 garentitrt unverschnitten, ferner: 15000 Hr. KrankeDwein„Sanalo" sM.*euÄh. 1.90 25000 h�t.Apleiweilip.aa.ca.l4pöi.ir.0.75 ..... i«tkirJoliannIsb.D.K!rscliiy, ÜhrO.95 40000 mtkl 25 000 Ltr. Erdbeer-Bowle 1.05 Prima WciO' u. Rotweine für Fesflichkeiten KT 15, 95 Pt 1.15, 1.50,1.90 Fnichischanmweln Meln 1�:1.20 Nur durch Masseneinkauf bllllgato Prwlsa, dabei beste Ware. 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Krupp« Norden: Morgen. Freitag, Tsh Uhr, im Jugendheim Drihstraße, im Ledigenheim am Brunncnploß. Genosse Keßler kFGI.) spricht über „Sozialiiicrung und Sozialismus". Wegen wichtiger organisatorischer Mit- leilungen ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder Pflicht. Arauenoeranstaltungen: 4. greis Prenifiauer Berg. Die Genossinnen und Genossen, die fich an der Dampferfahrt beteiligen, treffen fich morgens VA Uhr Brandenburg» Ufer Ecke Brückenstraße. Fahnen mitbringen! 74. Abt. Zeblenborf. Freitag, s. Juli, früh 6>ch Uhr, Treffen am Bahnhof Zehlcndorf-Mitte. Gewartet wird nicht. 137. Abt. Reiaickendorf-Weft. Die Genossinnen, die fich an der Dampferfahrt beteiligen, treffen fich morgens 6?i Uhr Haltestelle Eichbornstraße und um 7 Uhr Ecke Berliner Straße. Achtung. Genossinnen! Zur Dampferfahrt am Freitag, 9. Juli, Fachaea uritbringen! • Arbeitsgemeinschaft der»i uderfreu»de. Gruppe Ritte: Nreistreffpunkt zur Dampferfahrt Freitag, 9. Juli, morgens 8 Uhr, an der Jannowitzbrücke. Fahnen und Wimpel find mitzubringen. Die gafperlctheaterspieler treffen fich VA Uhr in der Blumcnstroßc. Sterbetafel üer Groß-Serliner Partei-Grganifation 8. Abt. Roch lang», schwerer Krankheit verstarb am 5. Juli nitser Genosse Max Grunwald. Landgrafenstr. 3. Di« Bcerdigungsfeier findet heute, Donnerstag. 8. Juli, nachmittags ZZh Uhr, auf dem Friedhof in Eiahns- darf statt. 97. Abt. Reukäll». Am 8. Juli verstarb uns» Genosse Gustav Schneider, Leinessr. 52. Einäscherung heute. Dannerstag. 8. Juli, nauchmittags 121h Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. vortrage, vereine unö Versammlungen. /Tj* 5i Reichsbanner. S chwarz-Rot-Gold". Kefchäftsstelle: Berlin S. 14. Sebastianftr. 8738. Lok» Tr. Sauoorftand. So., d. 10., und Sonntag, d. 11., findet«in repu- *4* blikanischer Tag in Ladcbnrg statt. Wir bitten, diese Veranstaltung nach besten Kräften zu unterstüßen. Abfahrt Slctt. Vorortbhf. 1.40 Uhr oder 2,10 Uhr bis Bernau. Fahrpreis hin und zurück 80 Pf.— Achtung, Wien- Fahreel Die Wien-Fahr» treten am Anh. Bin. in der Möckernstraßo bis spätestens Hü Uhr vollzählig an.— isricdrichsbai»! Fr., d. 9.. Wien-Fahrer M- Uhr vormittags Askanischer Plaß. Ecke Bmiburg» Straße: dort Karten- ausgab-.— fiehlcndors: Do., d. 8.. 8 Uhr, Mitgl.-B-rs. b-i Schnorre. Vor- trag des Kam. Dr. Iänccke über„Faschismus. Nationalismus und Man- archismus"— Köpenick: Do., d. 8.. 8 Uhr, Wen-Fahrer Restaurant Fiebach, Müggelheimer Str. 2.— Obmschöneweidc. Riederschöneweide, Johannisthal: So., d. 10., 8 Uhr, im Lokal Räthel Monatsfißung. Neuwahl des Kamerad- schaftsführcrs. Gäste haben keinen Zutritt. Vorstandsstßung mit Gruppen- führ» eine Stunde früh».— Tegel: Fr., d. 8„ 8 Uhr. B»sammlung im Alten Krug, Sauptstr.. 14._ Filehner Landsmannschaft zn Berlin. Donrie'rstoq, 8. Juli. 8 Uhr. Jork- Bereinshaus, Oranienstr. 36. Gäste willkommen. Deutsche Landsmannschaft der Provinz Posen. Groß-Borlin. Vereins- stßung Donnerstag. 8. Juli, 8>n Uhr, in der Kindlbrau»«i Neukölln, Her- mannstr. 214.219.. Soz. Männer. Ehar Friedrich-Hain! Am Freitag, den S Inli findet die Vier- telsahres-Generat-Bersammlung abends VjS Uhr im Uebungslokal statt. Dl« Uebungs- stunde fällt dcmzufolze aus. Erscheinen all» Sangesbrüder ist Pflicht. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Mittwoch, den 7. Zusi. I.Rennen. 1. Nobclmann(Jentzsch), 2. CHcajar CO. Schmidt;, 3. Nikotin(Hahnes). Toto: 62: 10. Platz: 14. 13. 11:10. Fern» liefen: Goncza Gora, Marienbnrg, Finstcraarhorn, Rückgrat, Mädchentraunr. 2. Rennen. 1. Coriolan(Sahnest. 2. Portia(Ponce), 3. Senow (W. Tarras). Toto: 18: 10. Platz: 14. 20: 10. Ferner liefen: Maestoso. Die Königin, Ingo. 3. R e n n c n. 1. Ordonno(Hahnes), 2. Original(L. Varga), 3. Islam (Williams). Toto: 38:10. Platz: 18. 16. 18:10. Ferner liefen: Ausbund, Hoang ho, Gori, Formomus, Orgel, Chinaflor, Verona II, Weinhardt, Graziella. 4. Rennen. 1. Roland(Hahnes), 2. Theokrit(O. Schmidt). 3. Sisyphus(Ponce). Toto: 16: 10. Platz: 12, 18: 10. gerner lies: Nubia. 5. R e n n e n. 1. Oleander(2. Varga), 2. Grafenkrone(D. Schmidt). 3. Athanasse(Williams). Toto: 13: 10. Platz: 12. 18: 10. Ferner liefen: Torrero, Das Lied. 6. R e n n e n. 1. Döberitz(Jentzlch), 2. Schneewittchen(O. Schmidt). 3. 2issa(H. Brown). Toto: 50:10. Platz: 21, 14, 27: 10. Ferner li-fen: Völker, Glashäger, Aphrodite, Fegefeuer, Trianon. Aufbau, Ad hoc, Diana, Rosenracker, Westfale, Fanal. Vcrimede. 7. Rennen. 1. Fockcnbach.(W. TarraS), 2. Seravis(Williams). 3. Favoritin(Huguenin). Toto: 33: 10. Platz: 20, 17, 33: 10. Ferner liefen: Famen. Thaies.- Rivalin. Üliade, Favorit, Palladio, Blitzlicht, Fredi- gunde, Milon, Adonis, Exusu, Ivy. 8. R c n n e n. 1..Hochstapler(Schönfisch). 2. Gralsritter(O. Schmidt). 3. Aspasia sHahnes). Toto: 55:10. Platz: 17, 16. 13: 10. Ferner liefen: Formosa, Primas, Amaryllis, Gerber. Da» skark« belgische paar Dewols-Storkelynck wird am Sonnabend, abend im 3-Sttinden- Mannschasts-Rennew auf der Rütt-Arena zu finden fein. Die deutschen Farben werden u. a. Koch-Miethe, Huschke— Paul Kohl. Oskar T i e tz und G o l I e vertreten. Die, D c u t j ch e M e i l e" ist mit Oskar Rütt, Graue, Mühlbach usw. besetzt. Die Preise find trotz des� großen Programms mäßig gehalten. Jnnenraumplatz 1,25 M., sämtliche Sitzplätze aus der dem Ziel gegenüberliegenden Tribüne 2,— M. Zielseiten-Tribüne 3,— und 4,— M Wetterbericht der össenttichen Wetterdienststelle sür Perlin.(Rachdr. vcrb.) Weiterhin warm, wolkig bis heiter. Fortschreitende Neigung zu lokalen Gewittern.— Für Deutschland: In West- und Süddeutichland stär'crc Be- wölkung, sonst warm und freundlich bis heiter. Ueberall Fortbestand der Neigung zu lokalen Regenschauern und Gewittern. ohne Oanmen von 3.Vlark an. mit Knnt- AiMrllHlE Hchnknlatte 1 u.8 nark.— Teilzahlung gestattet 3 Jahre wertgehende Garantie. Zahnziehen bei Bestellung gratis. ■■; Danzigcr Straße 1— ZimmerHtraUe SO nalVcSiil LiUlsemstr. 37/ Cliurlbg., Sehlüterstr. 37 Beginn iL Juli in fast allen Abteilungen Mengenabgabe vorbehalten Bis zur HÄLFTE herabgesetzt sind die Preise I b vieler Waren in den bekannt guten Qualitäten dornen- Bekleidung Frauenkleid 390 mit langen Aermeln, reiche Farbenaaswahl.............. BCEeiCl aus Kunstseide. feache Karos(Baumwolle)............................... 075 H�rS aus Vollvoile, entzückende Blumenmnster.............................. I�IaSH A75 in reiner Wolle. in hübschen Formen..................... ,,, 3 Hft©S in guter Qualität, mit geschmackvoller Seitenpartie........................ 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