Menöausgabe Kr. 317 ♦ 43. Iahrgoog Ausgabe B Nr. 156 Beau9»b«6In«tiii«»B üb«nKlftiuntffi Ctib in txr HtüiBmaiuflttS« anotatb«« Reöaffion; STB. 66, L,»denstrab«» Fernsprecher: VSahost 292— 29t XeU'SdcefscSejlaldetnottaf Set Ha Verlinev Volktsvlstt (�10 Pfennig) Donnerstag S. Juli 192b «erla,»nd»»»«tienabtetlon«, »««attdieit>— 8 U»r ScrleaecSocnräcts-nec'or GmbH. Setlta MTB. 68. Liadenstrab« 6 vönhoff 292— tBX Zentralorgan der SozialdemokratiPchen Partei Deutfcblands Schlußsitzung im Lanötag. Kleine Vorlagen.— Erwerbslosenhilfe. Das Haus verabschiedet zunächst ohne Debatte eine Reihe Klemer Vorlagen, durch die weitere Staatsmittel bereitgestellt werden zum Bau eines Deiches in der Leybucht im Regierungsbezirk Aurich, zur Begradigung einer Außenmieie im Regierungsbezirk Schleswig, sürLandgewinnungsarbeitenanderRord» seeküste in den Regierungsbezirken Schleswig und Aurich. zur beschleunigten Kultivierung privater Heide- und Moorländereien durch den Staat sowie zur Ausführung von Bodenverbesserungen aus staatlichen Domänenoorwerken und anderen domänenfiskalischen Grundstücken. Bei der Borlage, die mehr als S Mllionen für den westeren Ausbau des Stettiner Hafens fordert, stellt Abg. Statt(komm.) einige technische Forderungen auf und verlangt, daß die bei den Hafenarbeiten in Stettin oerwendeten Erwerbs- losen die tariflichen Löhne erholten, und daß zur Linderung der örtlichen Erwerbslosigkeit nur Stettiner Arbeiter zu den Aus» bauten herangezogen werden. Die Kommunisten würden der Vor- läge zustimmen, well der Ausbau des Stettiner Hafens dem Wirt- schaftsoerkehr mit Sowjetrußland zugute komm«. Abg. Frau Zkoack(Dnat.) erinnert daran, daß der S t a a t, der mit der Stadt Stettin die Hafenbetrisbsgemeinschaft bildet, nicht die an dieses Kompagniegeschäft geknüpften Hoffnungen erfüllt habe. Auch jetzt wolle er nur gerade das dringend st Not- wendige zum Hofenausbau zugestehen. Unbedingt müsten im Laufe der nächsten Jahr« mehr Mittel für diese Zweck« bereitgestellt werden. Abg. Decker-Stettin(Soz.) schließt sich den Ausführungen der Borredner an und verweist darauf, daß durch die gegenwärtig« Bor- läge die Arbeiten wieder in Tang kommen würden» was die Stettiner Erwerbslosen besonders segimsreich empfänden. Für die Zukunft werde der Ausbau mehr zu fordern sein, wie dies ein progromma- lischer Ausschußantrag wolle. Abg. ZNctzenlhin fD. Vp.) verweist aus die seitherige Bevorzugung des D a n z i g e r vor dem Stettiner Hasen, die auf die billigen polnischen Eisenbahntarife zurückzuführen sei und ein Eintreten für Stettin dringend erforderlich mache. Abg. Meinecke(Dem.) begrüßt die Borlage und die Einig- k e i t aller Parteien bei ihrer Verabschiedung. Hoffentlich würde sich diese Einmütigkeit in Zukunft auch dann ergeben, wenn es gelte, dem Staatssäckel die notwendigen Mittel zuzuführen. Nach einem Schlußwort des Berichterstatters, Abgeordneten Kick- Höffes(Dnat.). wird die Vorlage endgültig mit großer Mehr- heit verabschiedet. Dazu findet«in Ausschußantrag An- nähme, der für das nächste Etatjahr neue Staatsmittel zum Ausbau des Stettiner Hafens fordert und verlangt, daß Stettin nicht schlechter gestellt werde als Hamburg. Angesichts der großen Arbeitslosigkeit soll der Bau der Kai- und Lade- schuppen möglichst ohne Unterbrechung durchgeführt und der Bau des Speichers so beschleunigt werden, daß für das laufende Jahr zwei Millionen verbaut werden. � Der Entwurf über Bereitstellung weiterer 400 üOO M. zur Ausführung von B o d en v e r b ess e ru ng eii a uf staatlichen Domanenwerten und anderen domänenfiskaltschen Grund- stücken wird ohne weitere Aussprache verabschiedet. Es folgt die Beratung des Urantrages Pieck(Komm.), wonach das Staatsministerium beauftragt werden soll, für ein« Bestrafung der im Falle Eppstei» für die Verletzung der Smmumtätsrechte verantwortlichen Beamten Sorge zu tragen. Abg. Bartels(Komm.) legt Berwahrung dagegen«in, daß man es unteren Exekutivbeamten überlasse, zu entscheiden, ob die Immunität in Frage komme. Abg. Grzesiuski(Soz.) ist der Ansicht, daß alle Sicherungen ge- troffen werden müssen, um die Immunität zu schützen. Der Stand- punkt des Reichsministers des Innern könne nicht be- friedigen. Die Angelegenheit Eppstein wird durch das vom Reichsinnen- Ministerium erstattet« Gutachlen für erledigt erklärt. Im Falle D ö r r, der aus der kommunistischen Fraktion ausgeschlossen ist, und gegen den Anklage wegen Unterschlagung erhoben ist, wird die T e> nehmigung zur Strafverfolgung erteilt. Im Falle Lademann wegen Gotteslästerung und in einer Reihe anderer Fälle wird die Genehmigung zur Strafverfolgung versagt. Es folgt die Beratung des Antrage» Graf v. Garnier(Dnat.), zur Linderung der ersten Not der durch die Hochwasserschäden im Hirschberger Tal Betroffenen eine sofortige erste Staats- beihllfe von 550 000 M. dem Regierungspräsidenten von Liegnitz zur Verfügung zu stellen sowie weitere Summen in Ratenzahlungen ver- sügbar zu machen. Nach kurzer Beratung wird der Ausschußantrag angenommen, den Antrag durch die zu den Hochwasserschäden bereits gefaßten Beschlüsse für erledigt zu erklären. Das Haus verabschiedet sodann den Entwurf über die Aufhebung veralteter Bestimmungen, die privatrechtlich« Baube- fchränkungen in der Provinz Hannover enthielten. Erwerbslosenhilfe. Es folgt die Beratung des kommunistischen Antrages, der for- dert, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß zur Linde- rang der Not der Erwerbslosen Maßnahmen ergriffen' weichen. So soll die Erwerbslosenfürsorge ausgebaut, die Unter- stützungssätze sollen um 50 Prozent erhöht werden. Es soll rein Unterschied bei Jugendlichen gemacht werden. Der Hauptausschuß hat unter Ablehnung der kommunistischen Forderungen am Mitt- woch abend den bereit» bekannten Beschluß gefaßt, der ein Pro- gramm vorgelegt zurAbhilfe. Insbesondere sollen Not- standsarbeiten ausgeführt werden. Die Erwerbslosenfür- sorge soll produktiv gemacht werden. Abg. Kilian(Komm.) berichtet über die Ausschußverhandlungen. In der Besprechung erklärt Abg. kollwih(Komm.), der Land- tag der Arbeiterfeinde habe die kommunistischen Anträge zur Steuerung der Erwerbslosennot abgelehnt. Die Abgeordneten be- kämen zwar ihre Diäten für die Ferien vorausgezahlt, aber sie wollten nicht einmal eine einmalige Beihilfe von 100 Mark für die Erwerbslosen zugestehen. Die in den Rechtsparteien vereinigten kapllalistifchen Vertreter wollten erreichen, daß die Erwerbslosen. wenn sie nicht Hungers sterben, auswandern.(Unruhe rechts.) Wg. Fries-Siegen(Soz.) meint, wenn mit R e d e n den Arbests- losen geholfen werden könnte, würd« die Rede des Abg. Kollwitz bei den Kommunisten.) Mit großer Mehrheit wird ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. Die Entscheidung über die zur Erwerbslosennot vorliegenden Ausschuß- und Aenderungsanträge wird zurückgestellt. Spanien unö die Natsfrage. Mr die Gleichberechtigung aller Ratsmitglieder. Madrid. 8. Juli.(MTB.) In einer Unterredung über den An- trag der spanischen Abordnung bei dem letzten Kongreß der Internationalen Vereinigung der Völkerbunds- l i g e n in Aberystwyth, besten Erörterung durch Stimmenmehrheit und zahlreiche Stimmenthaltungen, namentlich seitens Japans und Deutschlands, vertagt wurde, erklärte der Minister des Auswärtigen Tjanguas u. o. folgendes:»Das spanische Kabinett hält nochmals die Auffastung ausrecht, die ich in einem Bortrag vor der Akademie für Rechtswissenschaft dargelegt hrbe, nämlich, daß die ideale Zu. sammensetzung des Völkerbundsrates dem weltumfassenden und auf Gleichberechtigung begründeten Begriff einer derartigen Internationalen Gemeinschaft vollauf entspräche,«nn es in diesem Rate nur eine Art Mltglieoer gäbe, die von der Versammlung frei gewählt würden. Der von den Vertretern der spanischen Völker- bundsliga, einer privaten und der Regierung jernstehenden Organisa- tion. vorgebrachte Antrag war von demselben Geiste getragen. Das Verlangen Spaniens nach einem ständigen Sitz im Völker- bundsrat bleibt von der Voraussetzung abhängig, daß nach wie vor dieser Rat aus zwei Arten Mitglieder bestehe, da wir der Meinung sind, daß es in diesem Fall keinen Grund gebe, der die Uebergehung Spaniens rechtsertij)en würde. Spanien würde aber ohne Zögern die Auffassung der Gleichberechtigung unterstützen, wenn der gegenwärtige Zustand des Völkerbundes und die Absichten der verschiedenen Mitglieder, die während der S«p- tember-Tagung die Entscheidung herbeiführen werden, die Annahme dieser Formet erlauben."' Salüwin will selbst nach Senf gehen. Londou. 8. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Nach Gerüchten, die an, Mittwoch in den politischen Kreisen Londons umliefen, wird Ministerpräsident Baldwin selbst die englische Delegation auf der September-Bolloersammlung des Völkerbundes sühren. Außerdem soll Außenminister C Hamb erla in der Delegation angehören sawie die Herzogin von Atholl, die Uickerstaatssekretärm im ist. Die Machtstellung pilsuöstis. Schlich Belvedere als Residenz.— Geueralinspektenr im friede«.— Oberster Kriegsherr im Kriege. Warschau, 8. Juli.(MTB.) Auf Grund eines Ministerrats- beschlustes wurde dem Kriegsminister Marschall Pilsudski in seiner Eigenschaft als G e n e ra l i n s p e k t e u r der Armee das Schloß Belvedere samt seinen ausgedehnten Parkanlagen als Sitz zu- gewiesen. Hiermit tritt die Machtstellung Pilsudskis auch äußerlich in Erscheinung. Das bei der Mairevolution stark umkämpfte Schloß Belvedere ist seit Erschaffung der Republik Polen stets der Sitz des Staatsoberhauptes gewesen.(!) Pilsudski wird als Kriegsminister gleichzeitig im Gebäude des Kriegsministe- riums und als Präsident des Obersten Kriegsrats im Generalstabs- gebäude seine Amtsräume hoben. Als Generalinspekteur der Armee wird Pulsodski Im Kriegssalle oberster Ches de» polnischen Heer- Wesens._ Keine Lanütagsauflosung in Sapern. Revision des Dawesabkommens gefordert. Alünchen. Juli.(WTB.) In der heutigen P l e n a r- s i tz u n g des Bayerischen Landtags fand ein d e u t s ch n a t i o» naler Antrag einstimmige Annahme, der die bayerische Staat»- regierung ersucht, bei der Reichsregierung einleitende Schritte zur Ueberprüfung des Dowes-Gutachtens zu unter- nehmen. Nach kurzer Aussprache lehnte das Haus mit ollen Stimmen ge g e n die der Na t t o n a l s o z i a l i st e n. der S o z i o l d e m o- k r a t e n und der K o m m u n i st e n den nationalsozialistischen Antrag auf Auflösung des Bayerischen Landtages ob. Ohrfeigen für Streicher. vlünchen. 8. Juni.(WTB.) In den Wandelgängen des baye- rischen Landtages trat heute vormittag der sozialdemokratische Abg. Gerhard Bauer aus den notional-sozialistischen Abg. S t r e i- cher zu und versetzte ihm mehrere Ohrfeigen. Der Grund dazu dürste darin zu suchen sein, daß sich Bauer durch Angriffe in einem Artikel des»Türmer" beleidigt gefühlt hat. politische Zrauenschulung. Ein Verdienst des ReichSbildnugsansschnsses. Bon Anna Geyer. In der Sozialdemokratie wie in allen anderen Parteien hat sich eine Arbeitsteilung zwischen männlichen und weiblichen Mitgliedern herausgebildet, die die Mitarbeit der Frau vornehmlich auf Wohlfahrtspflege, Bevölke- rungspolitit und allenfalls Sozialpolitik be- schränkt. Ist auf diesen Gebieten der Fraueneinfmß stark, zum Teil sogar ausschlaggebend, so entspricht er in Fragen der allgemeinen Politik längst nicht der zahlen- mäßigen Stärke der Frauen. Das gilt für die innerpartei- liche wie für die öffentliche Tätigkeit, unserer Genossinnen. Die Gründe für die Beschränkung der politischen Frauenarbeit sind naheliegend. Ein großer Teil unserer Ge- nossinnen hat aus eigenem Erleben und eigener Not heraus ein ursprüngliches Interesse für alle wohlfahrtspflegerischen Arbeiten. Für sie führt der Weg zur Anteilnahme am öffent- lichen Leben über die Hilfsbereitschaft gegenüber den not- leidenden Klassengenosien. Um helfen zu können, suchen sie dann in zweiter Linie Einfluß auf die öffentlichen Angelegen- heiten zu gewinnen. Unendlich mühselige Kleinarbeit wird meistens von diesen Genossinnen geleistet. Ihrer Tüchtigkeit ist der Aufbau einer achtunggebietenden sozialistischen Organisation— der Arbeiterwohlfahrt— gelungen, in der heute ungefähr 130 000 Parteimitglieder, vornehmlich Frauen, tätig sind. Der Wohlfahrtsarbeit gegenüber empfinden die Frauen fast nie starke Hemmungen. Um so schwerer fällt es dagegen vielen Parteigenossinnen, ihre Hemmungen gegenüber der al l g em e i n- p o l i ti s ch e n Betätigung zu überwinden. Historisch betrachtet ist das sehr wohl zu ver- stehen. Im Gegenfaß zu den Männern sind fast alle Frauen aufgewachsen mit einem starken Gefühl ihrer politischen Minderwertigkeit. In den wenigen Iahren politischer Gleich- berechtigung ist es nur einem verhältnismäßig kleinen KrÄs von Lnrauen gelungen» dieses Minderwertigkeitsgefühls Herr zu werden. Ernste Arbeit und die Aneignung gründlicher Sachkenntnisse auf Spezialgebieten, das war im allgemeinen der Weg, den diese Frauen beschritten haben. Die solide, sachliche Arbeit dieser Frauen hat ihrer Tätigkeit die Achtung aller Vorurteilslosen gesichert. Der kecke Mut eines Drauflos- redens und Drauflosbehauptens ohne die ausreichenden Sach- kenntnisie„ziert" heute ungleich mehr Männer als Frauen. In allen Versammlungen wie in den Parlamenten und Frak- tionen läßt sich die Beobachtung machen, daß die Frauen im allgemeinen nur reden, wenn sie wirklich sachlich etwas zu sagen haben. Es liegt deshalb sowohl im Jnteresie der Parteigenossinnen wie der Partei selbst, wenn den Frauen die politischen Schulungsmöglichkeiten er» leichtert werden. Die Bedingungen zur Aneignung politischen Wissens sind für die Frauen des Proletariats ungünstiger als für die Männer, weil die Frauen zu einem Teil durch Berufs- und Hausarbeit stärker belastet sind, und weil die Nur-Haus- frauen einer besonders großen Energie bedürfen, um aus ihrer kleinlichen, in der Isolation des Einzelhaushalts verrichteten Tagesarbeit den Weg zu politischer Schulung zu finden. Es ist deshalb außerordentlich zu begrüßen, daß der Reichsausschuß für sozialistische Bildungs- arbeit in diesem Jahr damit begonnen hat, auch einen be- anderen Schulungskursus für Frauen zu veran- talten. Der Kursus hat in dem schön gelegenen Genossen- chaftsserienheim Friedrichroda in der Woche vom 27. Juni bis 4. Juli stattgefunden. Es bedeutete für viele Teilnehme- rinne» einen förmlichen Einschnitt in ihrem Leben, daß sie einmal eine Woche lang, befreit von den niederziehenden kleinen Sorgen des Alltags, sich selbst und ihrer geistigen Foctbildung leben konnten. Für die Tellyahme war em öchstalter von 40 Iahren festgesetzt, so daß es sich vorwiegend tige Funktionärinnen aus allen Parteibezirken nahmen an dem Kursus teil. Thema des Kursus war das Heidelberger Pro- gramm. Die Leitung lag in der Hand der Per- fasierin. Als Gastlehrer wirkten außerdem mit die Ge- Nossen A. Stein und Dr. Herz» Spandau sowie die Ge- nossinnen MarieJuchacz und Dr. HildegardWeg- scheider- Ziegler.' Außer den Vorträgen und Dis- kussionen über die einzelnen Teile des Heidelberger Pro- gramms wurden Uebungen im Disponieren von Reden und in Versammlungsberichterstattung für die Presie abgehalten. Die rein cheoretische Arbeit wurde also ergänzt durch prak- ttsche Unterweisungen. Nach dem übereinstimmenden Urteil aller Lehrer wie der Teilnehmerinnen selbst war der Kursus sehr erfolgreich. Es ist von ihm eine starke Belebung und Vertiefung der Agitationsarbeit unter den Frauen zu erwarten. Mit großem Lerneifer folgten die Genossinnen den Rednern auf politische Spezialgebiete, deren Wesen und Problematik zum Teil ihrem seitherigen Gesichtskreis vollkommen fern lagen. Hat sich den Teilnehmerinnen in den wenigen Tagen natürlich auch nicht die sozialistische Theorie in ihre mganzen Umfang erschlossen, so ist doch als sicher anzunehmen, daß viele an dem Kursus beteiligte Genossinnen ihre Scheu vor manchen Arbeitsge- bieten, wie etwa Wirtschafts-, Finanz- oder Steuerfragen, m ---v Zukunft leichter überwinden werden. Ihr Interesse an all- gemein-politlschen Fragen wurde geweckt. An einer mehrpolitischenArbeitderFrauen sind nicht nur die Frauen selbst interessiert, sondern in gleichem Maße auch die gesamte Partei. Ein großer Teil unserer Werbearbeit gilt den Frauen. Die Frauen sind ein wichtiges Retrutierungsgebiet für die sozialistische Arbeiterbewegung. Gegenwärtig ist nur etwa ein Fünftel unserer Parteimit- glieder weiblichen Geschlechts. Bei Wahlen stellen die Frauen die größere Hälfte der Wahlberechtigten. Ihre politische Er- kenntnis oder auch ihre mangelnde politische Aktivität hat bisher auf alle Wahlen in Deutschland bedeutungsvollen Ein- fluß ausgeübt. Je mehr sich unsere Ayitationsarbeit fern hält von den platteren Formen der Mitglieder- oder Wähler- werbung, desto nachhaltiger wird unser Erfolg sein."Unsere Werbearbeit unter den Frauen muß sich einerseits den be- sonderen Bedürfnissen und Neigungen der Frauen anpassen. Sic wird deshalb im allgemeinen leichter und erfolgreicher von Frauen verrichtet werden können. Andererseits wird sie nachhaltiger wirken, wenn sie in Formen erfolgt, die uns nicht nur für den Augenblick eine Wählerin oder ein Mitglied bringen, sondern die darüber hinaus das Interesse an der Politik und am Sozialismus zu wecken vermögen. Die Bor- aussetzung dafür ist eine gründliche Schulung der Agitatorin selbst, so wie sie jetzt in Friedrichroda begonnen und angeregt wurde. Es soll keineswegs mit besonderen Frauenkursen etwa eine Tendenz geweckt oder gefördert werden, die gegenwärtig in der bürgerlichen Frauenbewegung recht stark ist, und die sich ausspricht in einem unaufhörlichen Jammern darüber, daß es den Frauen bisher trotz ihrer Gleichberechti- gung nicht gelungen sei, in der Politik in eigener, weiblicher Weise mitgcstaltend zu wirken. Die bürgerliche Frauenbewe- gung hat in den Jahrzehnten bis zum Krieg einen großen Teil ihrer Arbeitskraft darauf verwenden müssen, den Frauen den Zutritt zu höheren Berufen zu erschließen. Sie mußte in jener Zeit die Eignung der Frauen für die damaligen „Männerberufe" und die Ebenbürtigkeit und Gleichwertigkeit der Frauen stark betonen. Als Reaktion auf jene Epoche der Vermännlichung erleben wir gegenwärtig in der bürgerlichen Frauenbewegung eine übermäßige Hervorkehrung der „weiblichen Eigenart". Ueberall wird nach ihren Auswirkungen gesucht. Auf dem Gebiete der allgemeinen Politik verläuft dieses Suchen natürlich resultatlos, denn hier spielen die wirtschaftlichen Verhältnisse, die in fast gleicher Weise auf Männer und Frauen einwirken, eine bedeutsamere Rolle, als die unter dem Gesichtspunkt der Politik geringen Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Eigenart. Für die sozialistische Frauenbewegung liegen diese Dinge von vornherein einfacber. Die Textilarbeiterin oder Wäsche- näherin brauchte nicht erst den Männern ihre Gleichwertig- leit zu beweisen. Sie braucht auch heute ihre weibliche Eigen- art in der Politik nicht allzu sehr zu betonen. Nur in der Agitationsarbeit unter den Frauen müssen die besonderen Schwierigkeiten für die Frauen berücksichtigt werden. Für die Frau liegen die äußeren Umstände für ihre politische Tätigkeit wie für ihre politische Schulung meistens unendlich viel ungünstiger. Der Hinweis auf die politische Gleichbe- rechtigung de»- Frau darf uns deshalb nicht daran hindern, in iefonderer Weise für die Gewinnung und Schulung der Frnüön tätig zu sein. Die Funktionärinnen haben ein be- sonders steiniges Feld zu bearbeiten. Sie müssen in ihrer aristigcn We terb-ldung gefördert werden. Bon ihrer Arbeit wird zu einem guten Teil der Erfolg unserer Partei abhängen. Das Selbbeftimmungsrecht des deutschen Volkes liegt zur größeren Hälfte in der Hand der Frauen. Der polnische Verfassungskampf. Der Sejm hat den Gesetze«!- wurf über die Verfassungsänderung an die Kommission verwiesen. Die Kommission wird bis zum 12. Juli den Gesetzentwurs durchberaten, so daß der Sejm um die Mitte des Monats die zweite Beratung auf- nehmen kann. Vir von öer Stempelakaöemie. Don Emil Rath. itedrwim de» neuesten Schlager«:- Ick bebe nischt mehr gu rempeln, ick jehe stempeln, stempeln... Run gehe auch ich zweimal wöchentlich in Kolleg auf die ..Stempelakademie". Prosaische Menschen nennen sie auch„Brüh- keller". Offiziell heißt es: Arbeitsnachweis. Wahrscheinlich, weil es dort nachweislich keine Arbeit gibt. Es ist überall das gleiche Bild: graues Gebäude, umlagert von mehr oder minder verschossenen, abgezehrten Gestalten, dunkle Gänge, ein Wirrwarr von Orientierungstaseln, Schalterfenster, davor endlos erscheinende Menschenketten. Auf den Treppen gehen zwei Menschen- ströme unaufhörlich auf und ab wie Eimer eines Ziehbrunnens. Dumpfe Hitze brütet überall, Schweißgeruch weht säuerlich durch die hallenden Flure. Hunderte, Tausende müssen tagtäglich abgefertigt werden. Ein- geweihte kennen ihren Weg, ihre Stunde, ihren Schalter. Aber die Neulinge— Verlegen lassen sie ihre Augen über Dutzende von Schildern schweifen, schließen sich zögernd einer der inzwischen doppelt so lang gewordenen Menschenketten an, um endlich, wenn ihnen das offene Schalterfenster lächelt, zu erfahren, daß sie sich am Schalter 4 und nicht am Schalter 7 einzufinden haben. Nichts ist vollkommen. .Hier fehlt das. Abgangszeugnis, dort stimmen zwei Daten nicht über- ein, hier muß die Jnoalidenkarte nachgeliefert werden» dort die Krankheitsbescheinigunch Und entmutigt gehen viele wieder nach Hause, die gehofft, daß sie sich In einem knappen Stündlein durch das Heer von Formularen, Anträgen und Bestimmungen hindurch- winden könnten— Und endlich ist der Stempelakademiker aufgenommen in die große, graue, gaüzenhumorige Gemeinschaft der Arbeitslosen: er empfängt seinie Kontrollkarte, in die zweimal in der Woche ein Stempel mit griechischen Zeichen hineingedruckt wird, und einmal in der Woche ist der„Tag des Herrn": Anweisungsstelle— Kaste: 1,62 M. für den Arbeitnehmer(dem man die Arbelt genommen), 55 Pfennig für die Ehefrau, und 33 Pfennig für jedes Kind. 33 Pfennig— das reicht gerade zu einem Liter Milch. Und man fragt sich, was ein Arbeitsloser wohl mit diesem akademischen Ge- holt beginnt. 1,62 Mark! Aufgerechnet: Etwa ein- Mark Miete täglich, ein Brot. 12 Pfennig für Heizung und Licht. 33 Wochen lang„trocken Karo schieben". Und dann? Ausgesteuert. Es gibt kein« Arbeit! Absolut nicht... Vor meinem Fenster wird gebaut.* Ein richtiges Wohnhaus mit drei, vier Zimmern pro Wohnung und gepfefferten Mieten. Sonst arbeiten an so einem Hause an zwanzig Maurer. Hier nur neun. Dafür aber Akkordarbeit. Der Polier in der weihen Jacke Maslow im Sanm Er soll nach Sibirien. Die„Rote Fahne" veröffentlicht heute in Fettdruck folgende Verlautbarung des Zentralkomitees der KPD.: „wie wir erfahren, haben einige Genosten Einladungen für eine Begrühuvgsfeier anläßlich der Entlastung des Genosten Mas- low au» dem Gefängnis versandt. Diese 5eier ist nicht von der Parleiorganlsation veranstaltet. wir fordern darum alle Genossen auf. dieser Veranstaltung fernzubleiben." Das ist die Begrüßung des großen Maslow, des Mär- eyrers der Weltrcvolution. des Mannes, von dem es in der„Roten Fahne" mit amerikanischer Reklame hieß: OhncMaslowismus keine Weltrevolution. Es kommt aber noch schöner. Bor diesem Dreckspritzer wird in großer Aufmachung ein Beschluß der „Internationalen Kontrollkommission" über die Verbrechen Maslows veröffentlicht. Das Femeurteil gegen ihn lautet: „Nach Prüfung de, stenographischen Protokolls über da« Auftreten de» Genosten Waslow vor Gericht ist die Zkk. zu dem Beschluß gekommen, daß fein verholten als Parteimitglied und besonders als eine» geistigen Führer» und Mitglied» de» ZfL nicht würdig war. Die Frage über seine Parteimitgliedschaft kann endgültig erst dann entschieden werden, wenn die ZKK. die Möglichkeit gehabt ha«, den Genossen Maslow persönlich zu vernehmen." Auf deutsch: Maslow soll nach Rußland kommen und dann na�i Sibirien verbannt werden. Er ist nicht deutscher Staatsangehöriger und nicht, wie Ruth Fischer, deutsche Reichs- tagsabgeordnete. Er kann also nicht, wie seine Gefährtin, iin Un- glück den Schutz der deutschen Botschaft«anrufen. Keine Hand wird sich für ihn rühren— und Maslow weiß das natür- lich. Er wird, davon sind wir überzeugt, nicht nach Rußland gehen. In ihm aber enstteht„der opportunistischen Schweinerei" der neuen kommunistischen Zentrole ein gefährlicher Geg- n e r. Man kann gespannt sein, ob sie mit ihm fertig wird. Die Tscheka-Methoden werden nämlich bei dem Gros der Ber- liner Arbeiter in der KPD. nicht oerfangen. Im übrigen ist der famose Beschluß der Internationalen Kontrollkommission nicht min- der ein Dokument der Schande, wie der Beschluß gegen Ruth Fischer. Die Art, wie hi:r nur zum Zwecke der Vernichtung eines unbequemen Gegners Verleumdung auf V e r l ä u in- eines unbequemen Gegners Verleumdung auf Verleum- d u n g gehäuft wird, muß jeden anständigen Menschen die Scham- röte ins Gesicht treiben. Kommunistischer Serliner öezirksparteitag. Aus dem Bericht eines Teilnehmers. In der kommunistischen„Arbeiterzeitung" veröffentlicht ein oppositioneller Delegierter einen Bericht über den Berliner Be- zirksparteitag der KPD. Der Bericht selbst ist zu um- sangreich, als daß wir ihn ganz bringen könnte». Aber zur Er- gänzung des sehr schweigsamen„Rote Fahne"-Bcrichts werden einige Auszüge doch ihr Gutes tun. Es heißt in diesem interestanten Doku- ment unter anderem: Auf diesem Bezirksparteitag wurden etwa 18 336 Mitglieder durch etwa 153 Delegierte oertreten. Der alte Brandleria- ner Wilhelm Pieck, der dieses Affentheater leitete, zeigte mit parlamentarischer Routine, wie man kaltlächelnd linke Minder- Helten abwürgt, ohne in der SPD. zu sein. Im Mittelpunkt- der ganzen Komödie stand das„politische Referat" des Transportarbeiters� Thälmonn,„des Mannes der schwieligen Faust", der sich zwei Stunden damit abquälte, zu ver- lesen, was ihm eine„leninistische Intellektuellen- große"(wahrscheinlich Ernst Meyer) vorher aufgeschrieben hatte. Ein wesentlicher Teil der Delegierten vertrieb sich, während der „arme Teddy" so manchen Schweißtropfen verlor, die Zeit auf angenehmere Art und Weise im Vorraum des Berliner Rathauses am„kalten Büfett", wußten doch alle, wie sie abstimmen sollten. Ab und zu bcmeitte man, wie der gerissene Ernst Meyer seine Gespräche im Vorraum abbrach und im Sitzungs- faal mit leisem Lächeln konstatierte, daß Teddy wohl mächtig in Schweiß, aber sonst noch bei Kräften war. treibt. Unbarmherzig schwül ist es. Aber sie rennen wie die Ameisen. Das Gepolter der Steins ist wie ein ununterbrochener Trommelwirbel. Sie rennen, stumm, schwitzend, emsig. Und vor dem durchbrochenen Zaun steht mit begehrlichem Blick eine Gruppe von Stempelakademikern. Preßt sich die Stirn wund an dem rauhen Holz, sieht mit starren Augen, wie andere Arbeiter sich abrackern. Stundenlang schauen sie zu. Dann geht wohl ab und zu einer vorüber mit feistem Bauch und fettem Genick, stößt den Nachbar in die Seite, räuspert sich und sagt vernehmlich: „Da lungert das faule Gesindel wieder herum. Sehen lieber zu, wenn andere schusten. Leben einen feinen Tag. Stecken die fette Unterstützung ein, schonen ihre Knochen. Unsereiner weiß nicht wo- hin vor lauter Rackerei. Man hat von seinen sechs Wochen Urlaub gar keinen Genuß. Ich weiß immer noch nicht, ob Schweiz oder...?" Wie war es doch in den... Werken? Hunderte von Arbeitern und Angestellten auf die Straße gesetzt. Mangel an Aufträgen, Ratio- nierung usw. Achselzucken. Und bald danach? Ueberstunden, Ueberschichten. Es gibt ja sooo wenig Arbeit in �Deutschland... Einige aber sind mehr als vollbeschäftigt! Hunger, Verzweiflung, Elend und Freitod. Sie streichen Tag sür Tag um die Stempel- akademie, sie saugen sich satt an dem dumpfen Geruch wimmelnder Menschen, die treppauf und treppab fließen wie ein grauer Strom. Die Grgel üröhnt, Sie Schreibmaschine klappert. Von Max Hochdorf. Im schweizerischen Einsiedeln, so die schwarze Jungfrau Jungfrau Maria ihr« Wunder tut. herrscht zu dieser Iulizeit festliche Begeisterung. Es kommen die Pilger aus der ganzen Welt, um zu- nächst am heilsamen Brunnen vor der Kirche ihre Kehle zu laben. Alles was krankt ist und Hoffnung hegt, saugt aus diesem Wunder- brunnen«inen Strahl Wasser. Es geschieht mit entzündetem Munde und brennendem Herzen. Läßt sich an den vierzehn Röhren neben der Hoffnung auch noch allerhand Ansteckung weitertragen, so achtet doch keiner der Gefahr. Jedermann glaubt nur, daß er schnell den Himmel zur Erde niederholen werde. Doch es geht nicht darum allein. Auch nicht darum, daß die frommen Zwerge von Einsiedeln, die an freigebige Pilger Apfelsinen und Knackmandeln verkaufen, vollkommen Allüren und majestätisches Gebühren der. imposanten Benediktiner angenommen haben. Die handelstüchtigen Zwerge mit dem schön entwickelten Wasserköpchen halten nämlich heut« noch bei dem schwierigsten Handel die breiten Hände patriarchalisch über dem durchaus wohlgenährten Leibe. Es geht auch nicht darum, daß die Pilger mit dem gedrückten Gewissen heute die Beichtstühle von Einsiedeln so begehrlich stürmen, als wenn alle Schätz« der Erde zu erbetteln und zu erobern wären. Es muß alltäglich ein richtiger priesterlicher Polizeidienst eingerichtet-Verden, damit der Sturm auf die Beichtstühle in würdigen Formen geschieht. Es geht auch nicht um die Orgel, die zu den Gebets, zeiten ihr« mächtige Stimme erhebt und zum gottgefälligen Lebenswandel mahnt. Es Es folgt dann eine Darstellung der auch von uns erwähntes naiven Renommistereien mit katholischen Bischöfen, die für die Kom, munist-n seien usw. Unter dem lebhaften Beifall der Handelsvertretungs« angestellten, welche zahlreich auf die Bühne beordert waren, endet die Rede des Leniniftcn-5)äuptlings. 2. Akt der Komödie: Pieck teilt unter höhnischem Grinsen mit, daß sich 47 Redner gemeldet haben, und schlägt vor, der Kürze halber, damit die Komödie nicht zu l a n g e d a ue r t, eine halbe Stunde sür die Weber-Kruppe, eine halbe Stunde sür die Urbahns-Gruppe und 13 Minuten Redezeit für die„Entschiedene Linke". Also wird beschlossen, denn dieser Parteitag beschließt alles, was die Drahtzieher wollen. Als U r b a h n s beginnt, verlassen 5 bis 6 der Z.-K.-Dele« gierten den Saal und erhole» sich om Bllfeit. Ein Bild wie im Reichstag. Urbahns beklagt sich über den Belagerungszustand?u der Partei. Die„Rote Fahne" verweigert die Annahme seiner Artikel: die Reichstagsfraktion läßt ihn im Reichstag nicht sprechen. Er beleuchtet dann kritisch die Vorgänge in England und Bolen. Ihm folgt Weber: Er beklagt sich, daß innerhalb der Partei die Erwerbslosen als ,.w i l d g e w o r d e n e Kleinbürger" und Mitglieder 2. Klaffe angesehen werden. Bezeichnend für den Parteitag ist die Tatsache, daß die Mehrzahl der Delegierten zusammen mit den H.-V.-Angestellten aus dei� Tribüne in lautes Gelächter ausbricht, als Weber empfiehlt, an Stelle schöner Reden und Kongresse unter Umständen den Gedanken eines 24 ständigen General st rclks zu erwägen. Jsicr Ehre einiger Anwesender muh gesagt werden, daß diesen die Schamröte ins Gesicht stieg. Eine neue Sensation! Das Wort erhält Thomas Bell/ Mitglied des Z.-K. der K. P. Englands. Scheinbar als Parade- pferd herbeigeholt. Pieck winkt. Die Anwesenden singen stehend die Internationale(Zwar hat der Parteitag eben noch bei dem Gedanken eines Generalstreiks vor Lachen gewiehert, aber so etwas hebt die Stimmung und trägt merkwürdig"zur Selbstbeweihräucherung bei.) Uelier eine halbe Stunde verteidigt der Redner in seiner Muttersprache die zweideutige Haltung der englischen Partei und wendet sich gegen die nach seiner Meinung äußerst leichtsinnige Kritik von Urbahns.(Zu diesem Zwecke war er wohl besonders bestellt.) Die Rede wird merkwürdigerweise sofort von einem Z.-K.- Bonzen in deutscher Sprache oerlesen, wohl ein Beweis dafür, daß sie schon fertig war. Die Diskussion wird fortgesetzt. Dengel vom Z.-K. provoziert in nicht mißzuverstchender Weise Urbahns, sodaßes zwischen beiden beinahe zu Tätlichkeiten kommt. Die restlichen 43 Redner fallen unter den Tisch, und Thälmann erhält sein Schlußwort, in welchem er laut nach scharfen Maß- nahmen gegen die Urbahns-Leute schreit. Zwei weitere bezahlte Sekretariate läßt sich die Leitung noch bewilligen, und dann erfolgt die Wahl der Bezirksleitung, in welche nach Ausschaltung der letzten linken ohne Ausnahme Rechte gewählt werden. Da die Linken bei icdcr Funktion demonstrativ einen eigenen, wenn auch aussichtslosen Kandidaten bringen, dauert den H.-D.-Angestellten aus der Tribüne die Sache zu lange, und man sängt an zu trampeln. Aber endlich ist auch diese Komödie überstanden, und nach kleinen Formalitäten wird der Parteitag geschlossen. Die„Rote Fahne" hütet sich sehr wohl, solche Einzelheiten über den Bezirksparteitag zu bringen. Sie kann überhaupt merk- würdig schweigsam sein. Auf jede Bemerkung reagiert sie mit Vorliebe, denn der Kampf mit der Sozialdemokratie ist schließlich doch ihr Lebenselement. Aber um die Angelegenheit Ruth Fischers geht sie in weitem Bogen herum. Sie findet wohl selber, daß deutsche Arbeiter sich schämen müßten, wenn sie an diese Knutenmcthoden erinnert werden. Faschistische Batulasorgen. Ein neues Dekret de? Finanzmlnisters verbietet die Ausfuhr von Banknoten und Schecks im Ausland zahl- burer Kreditbriefe. Ausländische Reisende dürfen höchstens 13 333 Lire mitiichuien. Uebertretungen werden mit Beschlagnahme der Summen sowie mit den üblichen Bußen bestraft. Folterungen in Tanger Auf eine Anfrage des englischen Ver- treters in der xeietzgebenden Versammlung vn Tanger über die Fol- terungen vn Angeklagten, erklärte der Borsitzende der internationalen Verwaltung, daß das Ergebnis der Disziplinaruntersuchung baldigst bekanntgegeben werde, l�s würden Maßnahmen getroffen, um eine Wiederholung derartiger Vorfälle zu verhindern. handelt sich allein um die Schreibmaschine in der Kirche von Einsiedeln, die das aufmerksame Ohr vernimmt, wie sie klappert und klappert denn, wenn die Orgel ausgedröhnt hat. Rechts neben dem Kathedralenhaupttor liegt das Pförtlein. hinter dem die Schreib- maschin« klappert. Links neben den Haupttor warten die bescheidenen Hebammen, um die Säuglinge zur Konserenz zu melden. O, diese fleißige, unermüdlich von einem unsittlichenMann ge- hämmerte Schreibmaschine im Herzen der Wallfahrtskirche, regiert von der schwarzen Madonna! Diese unsichtbare, doch so kräftig hör- bare Schreibmaschine ist das Sinnbild der Geschäftigkeit mit der hier gelockt wird zum Seelenbekenntnis und zum priefterlichen Geschäft. Das Geschäft der schwarzen Madonna kennt keine Krisis. Es wird tagtäglich überlaufen, und die Kaff« schwimmt über von Gold. Die Benediktiner von Einsiedeln sind sehr reick. Di« Pferde und Autos in ihren Ställen sind erste Klosie. Und die bäuerlichen Pilger aus dem Aargau. denen sie gerade begegnen, rissen Aug und Mäuler vor dieser Pracht auf. Sie dursten und sie sollten sich nicht den präch- tigen Gäulen und Schweinen nahen. Sie werden in respekwoller Entfernung robusten Knechten gehalten von Pferd und Schwein. Kurz, es wurde ihnen bedeutet, daß Reverenz und Bescheidenheit für den Laien, für den betenden, aufopfernden, gläubigen und hoff- nungsreichen Laien hier nur Pflicht und Ordnung sind. Und die Schreibmaschine regiert neben Orgel und Weihwedel. Die Schreibmaschine organisiert unermüdlich, modern und durchaus so, wie es sich für unsere heftig«, amerikanisierte Welt gebührt, das Heiligsein und die Landzeitschaft und denBeichtbetricb der majestäti- schen Venediktinersiedlung in den Bergen. 24 303 Kilometer in 33 Tagen geflogen. Der amerikanische Major Lester D. Gardner, der Sachverständig« der Handelskammer der Ver- einigten Staaten für die Lustschiffahrt, gehört zu denjenigen, die bisher die größten Erfahrungen mit dem Flugzeug gesammelt haben. Er hat bereits 23 Länder auf dem Luftwege besucht, 18 verschiedene Flugzeugtypen benutzt und ist mit 53 verschiedenen Fliegern gereist. Er ist gegenwärtig auf einer Welttour, bei der er bereits in 33 Tagen 24 333 Kilometer in Europa, Asien und Afrika überflogen hat. „In 73 Flugstunden," erklärte er.„habe ich eine Entfernung zurück- gelegt, die bei der Fahrt auf der Erde 737 Stunden in Anspruch nehmen würde." Das Geburtshaus Lenins. In der Stadt S i m b i r s k an der Wolga, die jetzt zu Ehren Lenins, der mit seinem bürgerlichen Namen bekanntlich Uljanow hieß, in Uljanowsk umbenannt worden ist, be- findet sich das Geburtshaus Lenins. Im Frühjahr d. I. wurde das Haus von innen und außen mit einem Farbstoff bestrichen, der es gegen jede Feuersgefahr sichert. Demnächst soll das Haus mit einer Zentralheizungsanlage versehen werden. Das Haus wird von durch- schnittlich 1533 Personen im Monat aus allen Gegenden Rußlands besucht. Beilegung der lndischcn Religlon»kämpfe. Um die Spannung zwiflbcn den Hindus und Mohanrmedanern in Indien beizulegen, sind Pundit, Malavyt und Naidu, die Präsidenten des lcgtjährigen Kongresi-s, zu Bciprcchungen zusammengekommen. Verschiedene Führer de- Hindus und Mohammedaner haben sich in die Provin- z-n begeben, um die E.ngkeit zwischen den Anhängern beider Reli- gioneu wieder herzustellcA. Kl'nö, Schule, Lanüarbelt. Bezeichnende Ziffern aus estpreutzen. Man schreibt uns: Das ausgezeichnete Buch von Frau Dr. Helene Simon: �Landwirtschaftliche Kindeturbeit" hat dazu geführt, daß der Kinder- crziehung und Behandlung auf dem Lande wieder mit größerem Interesse begegnet wird. Es liegen sogar schon zahlreiche Aufsätze von rechtsstehenden Kreisen vor, in denen auf die Notwendigkeit, hier reformierend zu wirken, mit aller Entschiedenheit hingewiesen wird. Mit Rücksicht auf diese Tatsache gewinnt ein Bericht große Bedeutung, den ein Schulfachmann an eine o st preußische Re- gierungs stelle über seine Beobachtungen im Schulwesen eines ostprcußischen Kreises— den Namen wollen wir aus bestimmten Gründen nicht nennen— erstattet hat. Der Bericht schildert zunächst, wie es mit der achtjährigen Schulzeit, die doch ein jedes deutsche Kind überstehen soll, i n Wirklichkeit aussieht. Danach wurden aus der Schule in R. im Laufe einiger Jahre 60 Kinder wegen Vollendung ihrer Schul- Pflicht entlassen. Von diesen Kinder gingen zur Schule: 7 Kinder 8 Jahre. 1 Kind 7 Jahre 11 Monate, 1 Kind 7 Jahre ö Monate, I Kind 7 Jahre 8 Monate, 2 Kinder 7 Jahre 6 Monate, 20 Kinder 7 Jahre 5 Monate, 7 Kinder 7 Jahre 4 Monate, 8 Kinder 7 Jahre 3 Monate, 1 Kind 7 Jahre 2 Monate und 12 Kinder 7 Zahre. Aus einer anderen Volksschule wurden 1924 und 1925 nach Vollendung der Schulpflicht 69 Kinder entlassen. Von diesen 69 Kindern gingen zur Schule: 12 Kinder 8 Jahre, 14 Kinder 7 Jahre 9 Monate, 32 Kinder 7 Jahre 6 Monate und 11 Kinder 7 Zahre. Eine weitere Volksschule entließ in den Jahren 1924 und 1926 242 Kinder. Von diesen gingen zur Schule: 62 Kinder 8 Jahre, 124 Kinder 7 Jahre 6 Monate, 56 Kinder 7 Jahre. An anderer Stelle des Berichtes werden dann Beispiele für die Differenz erbracht, die in manchen Orten zwischen der Zahl der erforderlichen 240 Unterrichtstage pro Jahr und den wirklich gezählten besteht. Die Beispiele besagen folgen- des: In P. war in 7 Jahren Schule an 1579 Tagen. Es fehlen, weil 7 Jahre eine Normalzahl von 1680 Togen ergeben, 83 Tage. In S. war in 7 Jahren Schule an 1531 Togen. Es fehlen hier 149 Tage. In K. war in 7 Jahren Schule an 1482 Tagen. Es fehlen 198 Tage. Der interessanteste Teil des Berichtes ist der, der sich über die Fernhaltung der Kinder vom Unterricht infolge der Verrichtung von Landarbeit ausläßt. Wir registrieren: In einer siebenklassigen Schule des Ortes B. fehlten wegen der Kartoffelernte: In der sechsten Klasse(siebenjährige Ki n d e r) am 21. September 1925 27 Proz., am 22. und 23. September 1925 je 25 Proz., in der dritten Klasse(zehnjährige Kinder) am 21. September 1925 21 Proz., am 22/ und 23. September 1925 je 25 Proz. und in der ersten Klasse(dreizehnjährige Kinder) am 21. September 1925 33 Proz., am 22. September« 1925 17 Proz. und am 23. September 20 Proz. Dann heißt es wörtlich: „Ein Amtsvorsteher veranlaßle. daß Kinder zur Strafe für Schuloersäumni» für jede Fehlslunde.n der Schule aus dem Acker des Guisherrn, aus dessen veronloisung und in dessen Interesse sie fehlten, eine Stunde unentgeltlich arbeiteten. Lehrer beurlauben Kinder„großzügig" zur Landarbeit, weil ihnen sonst wirtschaftliche Nachteile erwachsen. Gleichzeitig sind Wer und da soviel Kinder beurlaubt, daß der Lehrer vor teeren Bänken unterrichtet. Lehrer sind durch Landwirtschost und Bienenzucht, sowie durch mancherlei Nebenämter„stark" überlastet. Lehrer beschäftigen während der Unterrichtszeit Kinder in der eigenen Landwirtschaft sowie im eigenen Garten. Lehrer nehmen Urlaub zum Besuch des Pferde- und Fohlen- Marktes, zu Geflügelausstellungen usw."" Das sind Zustände, die an die schlimmsten Zeiten bäuerlicher Hörigkeit erinnern. Helsen kann nur ein Machtwort der zuständigen Behörde. Auch die Gemeindevertretungen und die Kreisparlamente sind nicht ganz ausgeschaltet. An ihnen liegt es, den Gang des ländlichen Schulwesens in schärfster Weise zu beobachten und rück- sichtslos einzugreifen, wenn sich Dinge ereignen, die aus Kosten eines geregelten Schulbctricbes gehen. Schimpfereien meterweise. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Die neueste Forderung der kommunistischen Zentrale ist die Schaffung von Einheitskomitees. Sozialdemokratische Arbeiter wer- den aufgefordert, ihren selbstgewählten Führern die Gefolgschaft zu versagen, um mit den Kommunisten zusammen die rote proletarische Einheitsfront zu bilden. Diese neue Einheitssronttaktik der KPD. ist ein ebenso unehr- lichcs Beginnen wie die kommunistischen Einheitssrontaktionen vom Jahre 1921/22 mit dem damals ausgestellten Aktionsprogramm. Den Beweis von Hinterhältigkeit und Unehrlichkeit liefert das kommunistische Zentralorgan die„Rote Fahne" Tag für Tag. In der Woche vom 25. Juni bis 1. Juli brachte die„Rote Fahne" 52 Artikel und einen Aufruf gegen die Sozialdemokratie. Diese Artikel hatten zusammen eine Länge von 14,69 Metern. Diese Er- zeugni�se kommunistischer Schriftstellerkunst trugen die Ueberschrist: „Doppelter Verrat der SPD."(„Rote Fahne" vom 25. Juni 1926). „Der SPD.-Verrat in Berlin"(„Rote Fahne" vom 25. Juni 1926). „Der SPD.-Verrat im Reichstag"(„Rote Fahne" vom 26. Juni 1926). „Die lächerlichen Verbesserungsanträge der SPD."(„Rote Fahne" vom 26. Juni 1926).' „Die Sozialdemokraten dulden die Mätressenabfindung"(„Rote Fahne" vom 1. Juli 1926). „Der Präsident Löbe schützt den Deserteur Wilhelm"(„Rote Fahne" vom 1. Juli 1926). Das ist nur eine kleine Blütenlese! In einem Hause ist der Schrecken aller Mieter die dauernd geifernde verleumderische Klatschbase. Diesen Rang nimmt die„Rote Fahne" unter den politischen Tageszeitungen ein. Wenn die Redaktion der„Roten Fahne" ihre antisozialdemo- kratische Propaganda mit demselben Fleiß Woche für Woche betreibt, wie in der oben genannten Zeit festgestellt wurde, so wird sie in einem Jahr 2684 Artikel in einer Länge von 758,68 Meter gegen die Sozialdemokratie bringen, �'bt sie sich in Zukunft nur noch ein wenig mehr Mühe, so wirt.I»Dg»-in Kilometer voll. Gegen primo üe Riveras Empfang. Paris, 8. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Als der Pariser Stadt- rat am Montag Kredite für den feierlichen Empfang ides Sultans von Marokko und des spanischen Diktators Primo de Rivcra für den 14. Juli bewilligte, protestierten die anwesenden Kommunisten und erklärten� daß die Kommunistische Partei entschlssscn sei. den Empfang beider Persönlichkeiten durch große Kundgebungen z» störe n. Der„Ouotidien" wirst deshalb heute die Frage auf, ob unter diesen Umständen Primo de Rivers den M u t haben werde, die französische Einladung nach Paris anzunehmen, l Straßenbahnzufammenftoß in Tempelhof. 19 Personen verletzt.— Die Wagen vollkommen zertrümmert. ?n Tempelhos ereignete sich heule früh um'A7 Ahr ein schwerer Slraßenbahnzusammcnsloß. bei dem nicht weniger als 19 Personen zum Teil erhebliche Verletzungen erlitten. II davon wurden in wagen des Rettungsamtes nach dem Arbankrankenhau» gebracht und acht nach Behandlung aus der Rettungsstelle in Tempelhos nach ihren Wohnungen entlassen. An der Halte stelle Parade st raße Ecke Berliner Straße stand ein Wagen der Linie 96 mit einem Anhänger. Beide Wagen waren sehr stark mit Arbeitern und Angestellten besetzt, die zu ihrer Arbeitsstätte fuhren. In dem Augenblick, als der Triebwagen sich wieder in Bewegung setzte, kam ein Triebwagen der Linie 199 K mit zwei stark besetzten Anhängen: angefahren. Der Führer dieses Wagens hatte damit gerechnet, daß der andere von der Haltestelle abfahrende Wagen schneller abfahren würde. Erst kurz vor der Haltestelle sah er, daß der Wagen immer noch langsam fuhr und zog daraus alle Bremsen, und zwar so stark, daß der Wagen ins Schleifen kam und auf den Anhänger der 96 auffuhr. Der Zusammenstoß erfolgte mit einer solchen Wucht, daß der Anhänger völlig zertrümmert wurde. Die Folgen waren entsetzlich. Der Fahrgäste bemächtigte sich eine Panik, liilfe- schrei gellten aus den Wagen. Biele Fahrgäste verfielen in Schrei- krämpfe und Nervenchocks. Aus dem zerstörten Wagen und aus dem Triebwagen der 199 E mußten 19 Personen, die stark blutende Per- letzungen davongetragen hotten, nach dem Urbankrankenhaus ge- bracht werden. Dort konnten nach Anlegung von Verbänden alle bis aus zwei wieder entlassen werden. Zwei Personen, Helmut Thiele und Richard Jordan aus Charlottenburg, die einen Nervenchock erlitten hatten, blieben im Krankenhaus. Die Namen der Verlehken. Bei dem Straßenbahnzusammenstoß in Tempelhos wurden folgende Personen verletzt: Helmut Thiele, Czarnikauer Straße 14(F u ß v e r l e tz u n- gen und Nervenchock): Richard Jordan, Charlottenburg, Krumme Straße 32(Nervenchock): Ida Schulz, Gubener Straße 12(Nerven- chock): Hermann Nick, Sorauer Straße 5(Kopfverletzungen): Willi Purschke, Weserstrahe(Quetschungen am Arm): Paul Gott schalt, Gerhardstraßc 23(Arnwcrletzungen): Wilhelm Clemens Schenier, Taerstraß«(Quetschungen des linken Armes): Heinrich Rusche, Novalisstraße 4(Schnittwunden am Kinn): Bincenz Kaphaun, Görlitzer Straße 70(Beinbruch): Julius I a n k o w s t i, Mirbachstraße 70(Handverlegungen): August Kur- mann, Blücherstraßc 26(Quetschungen am Kinn): Emil Heise. Kösliner Straße 16(Knieverletzungcn): Hermann Ernst, Weser- straße 43(Quetschungen an Brust und Rücken): Max Montau, Lichtenberg, Finowstraße 29(Zahnoerletzungen und Schlüsselbein- quetschung): Paul E ck a r d t, Bremer Straße 46(Knieverletzungen): Otto Schulz, Bergstraße 54(Handverletzungen): Franz Hasen- kops, Andreasstraße 53(Knieoerletzungen): Johannes Mittag, Lübbener Straße 26(Quetschungen): August Scharemba, Adat- bertstraße 15(Nervenchock). Sämtliche Verletzte, bis auf die schon angegebenen, konnten nach Anlegung von Verbänden in ihre Wohnungen entlassen werden. Nach Bekundungen der Betriestnspektion der Straßenbahn hat der Führer der 199 E die Gewalt über seinen Wagen verloren. Der Zusammenstoß muß sehr schnell erfolgt sein, da der Führer nicht einmal zur Unterstützung seiner Bremsen Sand gestreut hatte. An der Unfallstelle hat die Straße ein kleines Ge- fälle, das zweifellos an der Hestigkeit des Zusammenstoßes mst Schuld trug. Weitere Verkehrsunfälle. Am Donnerstag mittag gegen 12 Uhr wurde der 46 Jahre alte Dr. med. Arthur Stern aus der Augsbuger Straße 46. von der Straßenbahn der Linie 93 in der. Tauentzienstraße 13 beim Aufspringen während der Fahrt mitgeschleist. Er wurde mit einem rechten Oberschenkelbruch und Rippenbrüchen nach dem Kranken. hause in der Kalkreuthstrahe geschafft.— Infolge Reisendefektes stürzte gleichfalls am Mittag des gestrigen Tages vor dem Haufe Heerstraße 17/18 eine Autodroschke um, dessen Fahrer, der vicrundzwanzigjährige Fritz Mütze, Reinickendorfer Straß« 69 wohn- hast, mit einer Gehirnerschütterung in da» Westender Kranken- Haus gebracht werden mußte. Der Wagen mußte abgeschleppt werden.— Am Nachmittag gegen 4 Uhr wurde vor dem Hause Forst er Straße 52 der 12 Jahre alte Schüler Georg Frenze!, Forster Straße 49 wohnhast, von einem Per- sonenkraftwogen überfahren und mit inneren Ver- letzungen dem Urbankrankenhause zugeführt.— GegenAbend wurde der Radfahrer Erhard Kramp, 16 Jahre alt, Brunnenstraße 185 wohnhast, vor dem Hause Blllowstraße 18 von einem Personenkrast- wagen angefahren und zu Boden geworfen. Er wurde mit einer stark blutenden Wunde dem Elisabethkrankenhause zugeführt. Weil ihm gekündigt worden war! Attentat auf zwei Frauen mit Messer und Salzsäure. Zu einer aufregenden Szene, die trotz der frühen Morgenstunde eine große Menschenmenge anlockte, kam es heute um 6 Uhr in dem Hause Nikolaikirchplatz 7/8. Hier wohnt seit einer Reihe von Jahren die Schneiderin Hedwig Schirrmeister mit ihrer Mutter. Sie hatten früher ein Zimmer an einen 43 Jahre alten Maler Max Schäkel vermietet, dem Mieter aber bald g e- kündigt, weil er dem Trunk ergeben war. Bei seinem Auszug halle Schäkel die Wohnungsschlüssel nicht zurückgegeben. Heute morgen um 6 Uhr drang er in die Wohnung ein, beschimpfte die Frauen gröblich und stürzte sich, als sie ihn hinousweisen wollten, aus die Schirrmeister; er brachte ihr mehrere Messerstiche in die Brust, in den Kops und in den Leib bei und goß ihr aus einer Flasche Salzsäure in das Gesicht. Laut vor Schmerzen schreiend, gelang es der Berletzten, an dem Wüterich vorbeizukommen. Auf der Treppe brach sie aber schon blutüberströmt zusammen. Schäkel wandte sich jetzt gegen die Mutter und brachte ihr ebenfalls einen Messerstich in die Brust bei. Auch sie jlüchtete aus die Treppe hin- aus. Die anderen Hausbewohner hatten auf das Geschrei und die Hilferufe hin das Ueberfallkommando alarmiert. Schäkel hatte sich in der Wohnung eingeschlossen, so daß sie mit Gewalt geöffnet werden mußte. Der Tobende, der wieder betrunken war, wurde sofort in das Polizeipräsidium gebracht. Nachdem er wieder Herr seiner Sinne.war und vernommen wurde, erklärte er, daß er sich an nichts erinnern könne. Er hat den Ueberfall wahrschein- lich aus Wut über die Kündigung verübt, denn bis jetzt hatte er noch keine neue Wohnung gesunden. Die beiden schwer- oerletzten Frauen wurden in das Krankenhaus Am Urban gebracht, wo sie in sehr bedenklichem Zustande darniederliegen. Am schwersten ist Frau Schirrmeister betroffen, die die Sehkraft des linken Auges wohl einbüßen wird._ Zwei Todesopfer der kalkberger Fleischvergiftungen. wie erinnerlich, ereignete sich am 20. Juni in kalkberge nach dem Genuß on Schabefleisch eine Massenvergistung. weit über 100 Personen erkrankten, ver Vorfall trat nur durch das furchtbare Unglück in Woltersdors etwas zurück. Nunmehr kommt aus kalkberge die Irauerkunde, daß zwei Opfer der Vergiftung, eine 35 Jahre alte Frau Anna ZNarkoska und die 61 Jahre alte kiandwerkerssrau krause der Vergiftung erlegen sind. Die Unter- suchung hatte bekanntlich ergeben, daß da» Schabefleisch Paratyphus- bazillen enthielt. � Zaljche„tnoftaty* und Aufdeckung umfangreicher Zigarettenfätfchungen. Die Fälschung bekannter und gangbarer Zigarettenmarken scheint sich jetzt zu einem neuen Geschäftszweige zu entwickeln. Erst kürzlich wurde eine Fälscherwerkstatt in der Landsberger Straße ausgehoben. Jetzt ist es der Kriminalpolizei wieder gelungen, noch zwei derartige Unternehmen in vollem Betrieb zu überraschen. Wie gewöhnlich, sind es kleinere Fabriken, deren eigene Erzeugnisse nicht genügenden Absatz finden. Während des Tages drehen sie die eigenen Marten. Die Herstellung der Fälschungen erfolgt zur Nacht- zeit unter Beihilse der. Berwandten. So wird ein Ausplaudern durch die Arbeiter oermieden. Die gefälschten Zigaretten, die natür- lich minderwertige Tobake enthalten, werden hauptsächlich im Straßenhandel abgesetzt oder in die Provinz st ädte geliefert. Die eine der Fabriken, die in der vergangenen Nacht au»- gehoben wurden, gehört einem Kaufmann Paul H ö s e r in der Heinrich-Roller-Straße 13. Die Arbeitsräume liegen im zweiten Stock des Ouergebäudes. Nach längeren Beobachtungen drangen die Beamten hier überraschend ein und fanden an den laufenden Maschinen Höfer selbst, seinen Vater, seinen Sohn und seinen Schwager. Die Ertappten wurden so schnell überrumpelt, daß auch die falschen Stempel„M a s s a r y" beschlagnahmt werden konnten. 40000 Stück waren fertiggestellt und lagen zum Versand bereit. Schwieriger gestaltete sich das Eindringen in die zweite Werk- statt in der S t e t t i n e r Straße 55. die einem Richard Böttcher gehört. Hier mußten die Beamten mit Gewalt Zu- gang suchen und überraschten vier Mann, die schon 50000 Stück ,.J o s e t t i"- Marken angefertigt hatten. Das Geräusch der ein- dringenden Beamten hatte den Fälschern Zeit gelassen, den falschen Stempel rasch verschwinden zu lassen. Bei einer gründlichen Durch- suchung wurde er aber doch in der Hosentasche eines der Männer gefunden und ebenfalls beschlagnahmt. Ein Händler Wenk wartete schon daraus, seine Ware in Empfang zu nehmen und mußte nun mit den anderen zusammen den Weg ins Polizeipräsidium antreten. Da die Vermutung naheliegt, daß in den Betrieben auch mit Steuerbanderolen Betrügereien verübt worden sind, wurde die Steuerbehörde benachrichtiat. Kriminal- und Zollbeamte werden die Räume daraufhin nochmals eingehend durchsuchen,„ u � Ein Ermordeter? Von Vorübergehenden wurde heut« morgen gegen 8 Uhr an der Lichtensteinbrücke eine im Landwehrkanol lreibende männliche Leiche gesichtet und bald darauf an der unteren Freiarchenbrücke gelandet. Da die Leiche schwereVerletzungcn ausrrties, wurde die Mordkommission benachrichtigt. Die erste Besichtigung ließ es aber möglich erscheinen, daß die Wunden auf Verletzungen durch Dampferschrauben und Bootshaken zurückzuführen sind. Um schnelle Klarheit zu schassen, wurde der Tote in das Schauhaus gebracht, wo die Obduktion vorgenommen werden wird. Der Unbekannte ist etwa 55 bis 60 Jahre alt, 1,68 Meter groß und beleibt, hat kurzgeschnitte- nes graues Haar und ebensolchen Schnurrbart, lückenhoste Zähne und am rechten Zeigesinger eine T- s ö r m i g e Narbe. Die rechte Kopfseite zeigt mehrere klaffende Wunden, die linke Gesichtsseite eine stichartige Verletzung, die Oberlippe ist durch einen scharfen Schnitt gespalten. Auch am Unterleib befinden sich schwere Verletzungen. Die Leiche muß erst kurze Zeit im Wasser gelegen haben. Nachrichten zur Feststellung der Persönlichkeit sind an die Mordkommissign,, Bünger-Kiehling im Polizeipräsidium zu richten. Ermäßigte Eintrittspreise in der Treptow- Sternwarte. Aus Anlaß des dreißigjährigen Bestehens hat die Direktion die Eintritts- preise zu den Filmvorführungen und Lichtbildervorträgen herab- gesetzt, außerdem zahlen Kinder nur halbe Preise. Es finden folgende Darbietungen statt: Sonnabend, 10. Juli, 8 Uhr, Sonnlag, II, Juli, 4, 6 und 8 Uhr, Sonnabend, 17. Juli, 8 Uhr, Sonntag 18. Juli, 4, 6 und 8 Uhr:„Die Biene Maja und ihre Abenteuer"(Film nach dein gleichnamigen Buch von Waldemar Bonsels): Dienstag. 13. Juli, 8 Uhr:„Kampf mit dem Berge(Film): Mittwoch. 14. Juli, 8 Uhr: „Mit Auto und Kamera zwischen afrikanischem Großwild"(Film). Unwetter im Vogtland und in Franken. Ein furchtbares Unwetter ist gestern nachmittag über dem n ö r d> lichen Bogtland niedergegangen. Die Gegend um Krebes und Rüderitz ist durch wolkenbruchartigen Regen fast vollständig v e r w ü st e t. Zwischen Gutenfürst und Feilitzsch steht das Wasser 50 Zentimeter hoch. Der Bahnkörper der Strecke Plauen— Hof i st unterspült und der Eisenbahnverkehr mußte von gestern abend 6 Uhr bis heute früh 4 Uhr vollständig eingestellt werden. Der Güterverkehr auf dieser Strecke ruht zurzeit noch vollständig. Audi in Franken hat ein schweres Unwetter gehaust. Besonders ge- litten hat das Städtchen F e u ch t w a n g e n. In der Nähe des Bahn- Hofes Gützingen war der Bahndamm unterspült: der Zugverkehr wurde durch Umsteigen aufrechterhalten. Auch das W ö r» i tz � T a l stand u n t c r W a s s e r. Die Ortschaft Mosbach war völlig über- schwemmt. Das Eichsfeld von schwerem Unwetter ljeimszesucht. Kassel, 8. Juli.(WTB.) In der letzten Nacht ging über dem E i ch s s e l d ein schwerer Wolkenbruch nieder. In manchen Straßen stand das Wasser bis zu einem Meter hoch. Auf bi-m Friedhof sanken Gräber ein und stürzten Denkmäler um. Die 1 e t r e i d e- selber sind wie gewalzt. Auf den Kartoffelseldern liegen die Früchte, soweit sie nicht fortgeschwemmt wurden, offen am Boden. Weitere Meldungen von folgenschweren Unwettern liegen aus Göttingen, Schlotheim sowie aus Nordböhmen und der Lau- s i tz vor._ Ungeheure Ueberschwemmungen in Mexiko. Die immer weiter ansteigenden Wassermassen bedrohen eine Isolierung der Stadt Mexiko. Im Umkreis von fünf- zehn Kilometern von Mexiko sind die Eisenbahnschienen unter Wasser. Man bcsürchtet den Ausbruch einer Hungersnot. wenn es nicht gelingt, rasch größere Mengen von Lebensmitteln noch der Stadt zu bringen. Die Ernte auf den mexikanischen Hochebenen ist vollkommen vernichtet. Man schätzt den Schaden auf 10 bis 16 Millionen Pesos. Groß-berliner parteinachrichten. 512.25 Mark wurden von den Kollegen der Turbinenfobrik, Huttenstraße, für den Volksentscheid gesammelt und an die Kasse des Bezirksverbandes Berlin der SPD. abgeführt, worüber hierdurch mit bestem Dank quittiert wird. I. A.: A l e x P a g e l s. «>.»bt. Zem»tlh»l. Heute abend s Uhr im Restaurant Zur Linde, Werder-, Ecke iZriedrich-garl-Strahe, erweiterte Vorstandifihuns. vortrage, vereine und Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-Rok-Gold" G-kibäft-Nell»! Berlin 6. II. Sebaiiianstr.«7,38. Hot» It. Ortsgruppen mit 350 000 Not- Ijelfem übt dieser Generalstab Befehlsgewalt aus. Da dieses Heer ober bei weitem noch längst nicht den an die Technische Nothilfe etwa gestellten Anforderungen genügt, so entfalten die sogenannten W e r b est ä b e in ollen Orten Deutschlands auch weiterhin eine äißerst intensive Propaganda durch Vorträge, sie unterhalten ihre Mitglieder durch Planspiele, legen Waldbrände an(siehe Rendsburg), lassen diese mit Tannenzweigen löschen, organisiere» Kaffeekränzchen und ähnliches: Führerkurse werden fort- laufend abgehalten, Sanitätsmannschasten im Verein mit dem Roten Kreiiz' alldgebildet, Kraftfahrer� und'Telegraphefikurse veranstaltet, äld"gälte es den nächsten Weltkrieg vorzubereiten. Den geeigneten Boden für ihre„menschenfreundlichen" Bestrebungen findet die Tech- rtrjche Nöthilfe vornehmlich bei den U n t e r n e h m e r v e r- bänden aller Art. auf den Universitäten und landwirtschaftlichen Schulen, deren ochüler zum weitaus größten Teil Mitglieder der Technischen Nochilfe sind.(Siehe„Räder". Nr. 9, 1926.) die Verbindung mit den Arbeiigeberverbänden bestritten wird, bringen wir aus dem reichhaltigen Material die Ab- schrist eines Rundschreibens der Arbeitgegervereinigungen fiL Düsseldorf und Umgegend vom 10. März 1926, Nr. 52/26.: „An die Mitglieder! Betr.: Verkürzte und verbilligte Kraftwogenführerkurse der Tech- Nischen Nothilfe. Von der Technischen Nothilfe, Landesunterbezirk Düsseldorf, Vlücherstraße 4/6, werden verkürzte und verbilligte Kraftwagen- fuhrerkurse eingerichtet. Die Ausbildungskosten einschließlich Prü- fiing, Gebühren und Führerschein belaufen sich auf rund 140 M. gegen etwa 300 M. Zweck der Kurse ist, für die Technische Nothilfe ausgebildete Kraftfahrer als Mitglieder zu bekommen, welche oll- gemein sich der Technischen Nothilfe verpflichten wollen und speziell voch eine Sonderverpflichtung für Kraftfahrer für die Technische Nothilfe eingehen. Dieses ist zunächst Vor- b c dingung. Zu dieser abgekürzten Prüfung kommen in erster Linie technisch vorgebildete Herren in Betracht. Vor Beginn des Kursus muß eine kurze Norprüfwig bei der Kraftfahrabteilung der hiesigen Schutzpolizei abgelegt werden. Etwaige Interessenten wollen pch gefl. bei uns melden. Der Geschäftsführer gez.: Vormann.". lieber.„Die Räder" hinweg läuft die von der„Teno" ver- teugnete klingende Verbindung mit den Unlernehmerverbänden. Tie folgenden Sätze aus einem Rundschreiben des Reichsarbeitgeber- Verbandes deutscher Gemeinde- und Kommunalverwaltungen an seine Mitglieder, können von der„Teno" nicht bestritten werden: „Für den Zusammenhang der geworbenen, ausgewählten und eingeteilten Nothelfer hat sich die Zeitschrift der Technischen Not- Hilfe als unentbehrliches Bindeglied erwiesen. Es wird jedoch nicht dnmer möglich sein, die Nothelfer selbst zum Bezug der Zeitschrist zu veranlassen. Die an. der Einsatzbereitschaft der Technischen Not- Hilfe interessierten Kreise sind daher vielfach dazu über- gegangen, die Zeitschrist für die Nothelfer selb st zu b« st e l l e n oder ihnen den Bezug durch Bereititcllung von Mitteln zu ermöglichen. Wir beehren uns von Vorstehendem Kenntnis zu geben mit dem Anheimstellen zu erwägen, durch den dortigen Be- zirksverband einmal den angeschlossenen Dienststellen, die über die Organisation der Technischen Nothilfe unterrichtet sein müssen, den laufenden Bezug der Zeitschrift„Die Räder" zu empfehlen und zum anderen bei den Mitgliederverwaltungen anzuregen, für die an den Einsotzbereitschosten für die kommunalen Verwaltungen und Betriebe beteiligten Nothelfer die Zeitschrift zu halten oder Beträge dafür im Benehmen mit der jeweils zuständigen Nolhilfedienststell: zur ver fügung zu stellen." Di«.Teno" behauptet, sie arbeite nur mit den ihr zur Ver- fügung gestellten Reichsmitteln.„Private Geldquellen— auch nicht über den„Räder-Derlag"— werden für den Betrieb der Technischen Nothilfe nicht in Anspruch genommen. Der„Räder-Derlag" ist ein anerkannt gemeinnütziges und vollkommen selbständiges Unter- nehmen, dessen Erträgnisse ausschließlich zur Herausgabe der Zeit schrift„Die Räder" verwandt werden." Demgegenüber stellt die.Gewerkschaftszeitung" fest, daß di« Redaktion der„Räder" und der„Räder".Verlag, dieses„vollkommen selbständige" und.anerkannt gemeinnützige" Unternehmen sich im selben Haus« befindet, wo die Hauptstelle ihren Sitz hat.(Berlin. Steglitz. Birkbuschstraße IS.) Natürlich ein bloßer„Zufall". Di« „vollkommene Selbständigkeit" der„Räder" wird besonders illustriert dadurch, daß verantwortlich für den Verlag und die Schriftleitung Herr Erich Hampe, Mitglied des Hauptvorstandes der Teno, zeichnet. Nicht bestritten wird auch die Behauptung de« Abgeordneten Georg Schmidt im Reichstagsausschuß, wonach 16 000 E x e m- plare der Zeitschrist an die Industriellen verteilt worden sind mit dem Ersuchen, Stiftungsexemplare zum(Selbst- kosten?)-Preise von je 5 M. zu abonnieren. Ferner ist folgendes charakteristisch: der Obermeister Distel in der Vereinigung der Ham- burger Innungen empfahl durch Rundschreiben noch einem Vortroge des Landesunterbezirksleiters Trödler allen Innungsmftgliedern den Bezug mehrerer Exemplare oder Bereitstellung von Sliflungsbeikrägen an den.Räder'-Verlag. Dos ist sicher nur ein„Versehen", ist ober doch ein Beweis dafür, wie man auf Umwegen die klingende Verbindung mit dem Arbeit- geberlager herstellt. Der fragwürdige finanziellen.Unabhängigkeit' entspricht die„Neutralität" dieser„überparteilichen" Orgam- sation. So unterzog z. B. in der„eindrucksvollen" Kundgebung in der Universität Marburg der Volkswirt der Teno, Herr Schreiber- Stoltze, die Eingabe der Gewerkschaften an Regierung und Reichstag einer abfälligen Kritik, er betonte sogar den„erzieherischen Einfluß der Teno" bei wirtschaftlichen Kämpfen, d. h. er ergriff Partei für die Arbeitgeber, er machte sich zum Wortführer aus- schließlich ihrer Interessen. Es bleibt nur noch notwendig, darauf hinzuweisen, daß diese Art von Ausklärung tagtäglich auf K o st e n der deutschen Steuerzahler und fast ausschließlich im Arbeitgeberlager, vor allen möglichen Verwaltungen, im Landbund sowie in den Kreiskriegerverbänden, dem Stahlhelm usw. Haupt- und ehrenamtlich betrieben wird, um zu zeigen, wie die Teno sich voll- kommen zu einer Schuhtruppe einseitigster Profistoteressen und zu einer staatspolitisch Überaus gefährlichen Organisation entwickelt hat. In den Arbeitgeberver- bänden findet dies« Art von Betätigung voll« Würdigung. In Entschließungen wird deshalb der weitere Ausbau dieser für di« Interessen der Unternehmer so„segensreichen" Einrichtung gefordert. Sachliche Gründe für das Weiterbestehen kann die Haupt- stelle der Teno nicht anführen/weil es ihr seit Iahren an ge- cigneter Betätigung mangelt und die Gewerkschaften Notstands- arbeiten selbst verrichten. Da sie jedoch ihr Eigenleben unter allen Umständen weiterführen will, kann sie— bei ihrer ganzen Ein- stellung und reaktionären Führung— sich nur als' staatlich subventionierte und von Unternehmerseite ge- förderte Organisation gegen die Koalitionsfrei- hei und das Streikrecht der arbeitenden Klasse behaupten. Darum endlich fort mit der„Teno". Wie in der Vorkriegszeit muß auch jetzt wieder die Entscheidung über Art und Umfang von Notstandsarbeiten den Gewerkschaften überlassen werden. Tie Dampferpartie der„Vorwärts"-Redakteure. Ein« Betriebsversammlung der Schult h« iß- Patzenhofer- Brauerei, Abteilung Nordwest, Strömst raß«, befaßte sich insbesondere mit der Dampferpartie des Berliner Bier- fahrervereins a m 2 0. Juni, dem Tag« des Volksentscheids. Nachdem wir diesem Verein Gelegenheit gegeben haben, sein Ver- halten zu erklären, war die Angelegenheit für uns erledigt. Der Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter, Bezirk III, teilt uns jedoch mit, daß in dieser Betriebsoersammlung von einem Mitglied« des Vereins Berliner Bierfahrer die Behauptung ausgestellt wurde, daß an demselben Tage, also a m 2 0. Juni, schon morgens um 9.Uhr di« Redakteur« des„Vorwärts" mit ihrem Dampfer zu einem Ausflug abgefahren sind. Daraus wurde gefolgert, daß di« Teilnehmer(die Redakteure des„Vorwärts" also), doch schon min- bestens um H9 Uhr auf dem Dampfer gewesen sind.(Woraus sich der Schluß ergibt, als Zweck dieser Verdächtigung, die Vorwärtsredakteure seien nicht zur Abstimmung gegangen, seien weit größere Sünder als die Bierfahrer, die durch di« Verlegung der Abfahrtzeit ihres Dampfers ihren Mit- gliedern wenigstens Gelegenheit gegeben hätten, zur Abstimmung zu gehen.) „Sie können verstehen"— schreibt uns der Bezirksleiter Gautz —„daß bei der Einstellung eines großen Teils der Belegschaft diese Behauptung einen ziemlichen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat. Ich versprach der Versammlungsleitung, mich mit der Redaktion des „Vorwärts" in Verbindung zu setzen, um in dieser Frag« eine Klärung zu schaffen. Es wäre erwünscht, wenn Sie in dieser An- «die Richtigstellung in unserer Parteipresse BrlugtU würden." Ein Musterbeispiel für die Entstehung der berühmten See- schlangen, die in der Sauregurkenzeit besonders gut gedeihen. Es sst menschlich begreiflich, daß es in einer Betriebsversammlung der Bierbrauer, im Anschluß an die Arbeitszeit nicht ganz trocken zugeht. Bedauerlich dennoch, daß ein« so einfältiK Lüg«, einen„Sturm der Entrüstung" nicht gegen den Lügner, sondern gegen die Verdächtigten hervorruft. Di« Vorwärts-Redakteur« sollen tatsächlich früher einmal eine Dampferpartie gemacht hoben. Seit mindestens fünf Jahren ist das nicht mehr vorgekommen, also auch am 20. Juni nicht. Italiens Sabotage ües /lchtstunüentag-fibkommens. Genf, 7. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Beschluß der stalienischen Regierung, di« Arbeitszeit ohne Lohn zu- schlag von 8 auf 9 Stunden zu erhöhen, hat in den Kreisen des Internationalen Arbeitsamtes große Ueber- raschung und einen äußer st peinlichen Eindruck hervor- gerufen. Da Italien das Washingtoner Arbeitsabkommen bedingt ratifiziert hat und in den Bedingungsländern die Ratifikation nunmehr bevorsteht, hält man vielfach die Maßnohmen Italiens für einen Sabotageakt gegen die Ralifi- k a ti o n in anderen Ländern. Man erwartet jedoch bestimmt, daß Deutschland, Belgien, Frankreich und England die mehrfach versprochene baldige Ratifikation nicht mehr ver» zögern lassen werben. Ter Streik der Untergrundbahnangestellten in New Vorl. New Jork. 8. Juli.(MTB.) Der zweite Tag des Streiks der Untergrundbahnangestellten verlief ohne Zwischenfall. Obwohl die Züge überfüllt waren, konnten doch die meisten Leute ihre Arbeits- stätten erreichen. Etwa sechs Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Zahl der Streikenden stellt nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtzahl der Angestellten der Gesellschaft dar. New Jork. 8. Juli.(EP.) Etwa 40 Proz. der Untergrund- bahnen New Donks konnten im Laufe des gestrigen Tages wieder verkehren, besonders deshalb, weil arbeitswilliges Per- sonal aus Chicago und anderen Stödten mit Untergrund- bahnen, nach New Dort gesandt worden waren. Mus öer Partei. Max Grunwald gestorben. Genosse Max Grunwald ist nach längerem Leiden einem Herzschlag erlegen. Er war im Jahr« 1873 in Stolzenhagen in Pommern geboren, hatte Staatswissen- schasten studiert und war seit jungen Jahren Mitglied der Partei.■ 1901 wurde er Redakteur der„Tribüne" in Erfurt, die er zwei Jahre später verließ, um Sekretär der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion zu werden, in welchem Amt er bis 1912 verblieb. Zeit- weilig war er auch Archivar des Parteiarchio» und Stadtverord- neter. Eine besonders rührig» Tätigkeit entfaltete er auf dem Ge- biet des Bildungswesens als beliebter und geschätzter Lehrer an der Berliner Arbeiter-Bildungsschule und an der Gewerkschaftsschule. Literarische Arbeiten wie„Zur Einführung in Marx' Kapital" und „Goethe und die Arbeiter" geben von dieser Tätigkeit dauerndes Zeugnis. Das Begräbnis hat heute auf dem Stahnsdorf«? Friedhof stattgefunden. Einem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, geben wir von seinem Ableben und der Beerdigung Kenntnis. Sport. Brünier gewinnt den Groben Preis von Deutschland. Alle, die das gestrige er st« Abendrennen der Trep» tower Bahn besuchten, werden nach Beendigung des Programms den.Nudeltopp" mit einer gewissen Befriedigung verlassen hoben. Leider hatten die vielen Defekte, die olle Fahrer hinnehmen mußten, den Vorlauf des spannenden Rennens stark beeinträchtigt. Im Mittelpunkt des Programms stand der„Große Preis von Deutschland" über 100 Kilometer.(Zwei Läufe zu je 25 und ein Lauf zu 50 Kilometer.) Besetzt waren die Läufe mft S a w a l l, Bauer, Feja, Brünier und Maronnier. Schon gleich im e r st e n Lauf gab es spannende Kämpfe, die der Charlottenburger Bauer mit der Besetzung der Führung«nt- fesselte. Später mußte nach harten Kämpfen Bauer die Spitze an Brünier geben, der wiederum Sowall den Dortritt überlassen mußte. Nachdem S a w a l l erst die Spitze hatte, beendete er auch den Lauf in 23 Minuten 10,2 Sekunden als Sieger vor Brünier (260), Bauer(265), Maronnier(510) und Feja(2030 Meter zurück). Im weiteren Lauf siegte der„Charlottenburger" in 23 Minuten 32,2 Sekunden. Zweiter wurde Sawoll, der sich aus fünfter Position nach wahren Prachtlei st ungen bis zu Bauer ausschließen konnte und nur zehn Meter hinter dem Sieger das Ziel passierte. Brünier belegte den dritten Platz(180) vor Feja(810) und Maronnier(1130 Meter zurück). Im H a u p t l a u f über 50 Kilometer hagelte es Defekt«. Alle Fahrer bis auf Brünier mußten die Räder oder die Motore wechseln und verloren viel an Terrain. Trotzdem bekam das Publikum auch hier selten schöne Kämpfe zu sehen. Die Fahrweise der deutschen Vertreter fand ebenso großen Anklang, wie die des Franzosen Brünier. Daß Maronnier nicht so recht in den Kampf eingriff, mag wohl an der Unkenntnis der schwierigen Verhältnisse der Bahn gelegen haben. Den Hauptlauf holte sich Feja in 47 Minuten 26,3 Sekunden vor Brünier(140), Sawall(1460), Bauer(4470) und Maronnier (4560 Meter zurück). Im Gesamtklassement ging Brünier (99 420) als Sieger des„Großen Preises von Deutsch- land" hervor. Sowall holte sich den zweiten Plag(98 530). vor Feja(97 160), Bauer(95 265) und Maronnier(93800 Kilomeier gefahren). Das H a u p t f a h r e n für Flieger gewann der Däne Jensen vor Longardt, Häusler und Behrend, während das P r äm i e n- fahren sich Stolz vor Behrend. Meyer und Kalles sicherte. Lcraniwortlicki flir Volitik: Ernst Reut»! DirtsKaft: Artur Eateru»»: Dcw-rti'-ix-ft-beii-eauilg:»r. Etzkor»! Feuilleton: Dr. Zotzn«chiko»,«: Lokale, und Sonstiaes: Fr,»«arstadt:«n, einen: Ti.»loeke: in Berlin. Berlaa: Borwärts-Verlaa G. m. b. A.. Berlin. Druck: Borwärts-Buckdruckerei und Verlaasanstalt Dnnl Sinaer ll Co.. Berlin 623 68. Linden iwlke 3. Stocklaternen mit Licht u Stock Dtzd. 75 u. 90 PI. Packeln Dutzend 75 PI. Lampions von 5 PI an Raa. AMnzo(»lf jeder Art, Sorti- rcucrwcrlv mente von 1 M. an: Benralfeoer. 20,30 50 Pi. Wachatackeln. Papierballons, Mützen. Dutzend von 20 Pfennig an. Alle Vereins-Sommer- artlkel eebr blUlg. Seit 36 Jahren Markgrakenstr.»«(an der Llndenstr.j Marken-Zigaretten kaufen Sie am billigsten Tt eppe Berlin, Kaiser-Wilbelin-Str.32 Versand nach auswärts franko. Haben Sie Wanzen? So gcbraudvt Sie AlOtheSin• U ieVbarefc Spejlal- Mittel zur radikalen Vernichtung der we.n,en u deren Brnl.«diolut sicher u. schnellste Wtrlung Pr i« Fl. M 1,00. 2,50 u. 4.00. Sur allein echt bei Arthur Mottle,. 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