Nr. 322■» 43. �ahrg. Musgabe 3k Nr. 166 Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 3,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Arcuzband für Deutschland. Danzig, Saar» und Memelgcbiet. Desicrrcich. Litauen, Lurcmdurg 4,30 Reichsmark, für da, übrige Ausland S.SO Reichsmark pro Monat. Ter„Borwärts" mit der Sonntags- bcilage.Volk und Zeit" mit»Sied- lung und Kleingarten" sowie der Bcilage.Unterhaltuna und Wissen" und Frauendcilagc„lsraucnstimme" erscheint wochcntäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Tclcgramm-Adrcsse: «Sozialdemokrat Berlin" Sonntagsansgabe Derlinev VolksblÄkk (l5 PffenRBg� Anzeigenpreise: Die« i n l p a l t i g c Ronvareille» zeit« 30 Pfennig. Reklamezeile S,— Reichsmark.«Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2S Pfennig (zulöfssg zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, icdo« weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buch» stabcn zählen für zwei Worte. Arbcitsmarkt Zeile 00 Pfennig. gamilienanzeigen für Abonnenten Keile 40 Pfennig. Anzeigen für die nöchfte Nummer müssen bis 4V4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin EW 08, Linde»- strafte 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8 Ve Uhr früh bis 5 Ubr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat) fchen Partei Deutfchlands Neöaktion und Verlag: öerlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292—297. /ln öie öeutfthe /lrbeiterjugenö! Ein Mahnruf des Bundesausschusses des ADGB. Düsseldorf, 10. Juli. lEig. Drahtbericht.) Zur selben Zeit, in der der Bundesausschuß des ADGB. in Düsseldorf tagt, versammelt sich hier die G c w c r k s ch a f t s- jugend des Rhcinlandes und Westfalens, um in einer feierlichen Kundgebung am Sonntag, den 11. Juli, für den festen, unauflöslichen Zusammenhalt der jungen, ausstrebenden Generation mit den älteren Bor- kämpsern der Gewerkschaftsbewegung Zeugnis abzulegen. Bei Eröffnung der S i tz u n g a m z w e i t c n B e r h a n d- l u n g s t a g e faßte der Bundesausschuß einmütig den Beschluß, in einem Ausruf an die deutsche Arbeiterjugend den Iugendtag zu begrüßen. Der Aufruf lautet: Die deutschen Gewerkschaften können auf eine Geschichte van nahezu acht Jahrzehnten zurückblicken. Aber es find kaum 40 Jahre verflossen, seit die Gewerkschaften aus unscheinbaren, kaum beachte- tcn örtlichen Organisationen zu den mächtigen Zentraloerbändcn wurden, die in allen Städten und Gemeinden jetzt einen großen Teil der gesamten Arbeiterschaft in ihren Reihen vereinen. Die besten und weitblickendsten Elemente der deutschen Arbeiterschaft sind i n den Gewerkschasten zusammengeschlossen. Männer und grauen, die nicht nur ihrem eigenen vorteil nachjagen, sind im Bunde mit ihren Kameraden— Einer für alle und alle für einen! — die sich und den kommenden Geschlechtern ein sreies, nach außen sesicherte». in großen Kräften sittlicher und geistiger Kultur er- , hlasjenes Leben erkämpfen wollen. Ties erlebte Solidarität unter den Arbeitsbrüdern und-schwestern ist die sittliche Macht, der die Gewerkschaftsbewegung ihren Ausschwung verdankt. Genera- tionen von Arbeitern und Arbeiterinnen haben, mitgerissen von diesem Geist opferwilliger Kameradschaft, begeistert von der großen Idee einer Wirtschast, die von dem Grundsatz der Solidarität mit allen in ihr Tätigen beherrscht sein soll, unter harten Entbeh- rungen und schweren Kämpfen ihre ganze Krast eingeseht für einen großen Gedanken. Riemand wußte, ob diese Gedanken jemals Wirklichkeit werden würden. Die herrschenden Gewalten, die Gesamtheit der Unternehmer, der Staat, die Kirche, alle waren verbündet gegen den Aus st and der Armen und Ent- erbten, der im vergangenen Jahrhundert begann. Feinde ringsum und keine heiser, angewiesen aus die eigene Krast und den leidenschaftlichen Glauben an die Zukunft, in der auch der Arbeiter Mensch sein darf. frei von den drückendsten Sorgen des Alllogs, heimalbercchligl in seinem Lande, dessen gewiß, daß nicht schon der nächste Tag ihn und die Seinen mittellos der äußersten Rot überantworten wird. Dieser unbeirrbare Glaube der vergangenen Generalionen hat den Weg ins Freie gebahnt. Im Vergleich zu der Zeit, in der das Deutsche Reich gegründet wurde, ist ein gewaltiger Wandel in den Beziehungen von Kapital und Arbeit eingetreten. Die Alleinhcrr- schast der Unternehmer im Betriebe ist gebrochen, ihre Vorherrschast in Staat und Wirtschast ist bedroht. Die Organisation der Arbeit, die in den Gewerkschasten erstanden ist, hat in zähen jahrzehntelangen Angrissen den übermächtigen Gegner aus vielen Gebieten in die Defensive gedrängt. Es kann niemand mehr mit Ernst bezweisetn. daß die Zeit vorüber ist, in der das Kapital allein den unbestrittenen Anspruch erheben tonnte, die Wirtschast zu organisieren. Die Arbeit und ihre Vertreter, dieGewerkschasten, treten im ganzen Bereich der Wirtschaft mit dem Anspruch aus, gleichberechtigt an den Fragen der Wirtschaftspolitik wie der Wirtschaftsführung mitzuwirken. Der große Kampf um die Demokratisierung der Wirtschast ist eingeleitet, aber noch lange nicht abgeschlossen. Er bedarf zu seiner siegreichen Durchsührung des gleichen leidenschaftlichen, opferbereiten Willens, wie er die ältere Generation beseelte. Das junge Geschlecht muh das begonnene Werk der im Dienst der Bewegung ergraulen Männer und Frauen sortsehcn und vollenden. An euch, a n d i e Gewerkschastsjugend überall in Deutschland wendet sich der Bundesausschuß. an euch als die Bannerträger der Zukunft, als die Erben des von Vätern errungenen Besitzes. Seid euch der großen, durch seine ruhmvolle Kampstradition, durch die Treue und den Opsersinn von Willionen Arbeitern geheiligten Ausgabe bewußt, deren Durchsührung eurem Geist, eurem willen anvertraut ist! Behauptet euch, wie die alten Kämpfer es getan, jedem wider- st and zum Trotz! Gebt allen, die dem großen Gedanken der gewerkschaftlichen Solidarität noch fremd sind, ein leuchtendes vor- bild kameradschaftlicher Treue und zielbewußter Krast! Dann kann und muh mit euch, den Jungen, die ihr noch in der Blütezeit des Lebens steht, eine neue Epoche des Ausschwungs beginnen? Dann wird die Zeil anbrechen, in der ihr erntet aus dem Boden, den die alte Generation bereitet und eurer besonnenen pslege anvertraut hat: Jene echte Freiheit des Einzelnen, die allein durch die Interessen der Gemeinschaft, durch das Wohl des Volkes begrenzt wird, jene echte Volksgemeinschaft. in der jeder Einzelne sich als dienendes Glied dem Ganzen einordnet. Reichebannerankunst in Wien. Kundgebungen für die Vereinigung und gegen den Faschismus. Wien, Ist. Juli.(Eigener Drahtbcricht.) Den ganzen Samstag über, von den frühen Morgen- bis in die Abendstunden traf Sonderzug auf Sonderzug mit Angehörigen des Deutschen Reichsbanners in Wien ein. Ein Schiff mit Mb Reichsbanner- kameraden traf abends über Passau aus der Donau ein. Bei den Empfängen am West- und Nordbahnhof war jeweils eine große Menschenmenge zur Begrüßung der deutschen Gäste erschienen. Der Festausschuß des A r b e i t e r s p o r t f c st e s und der Republi- konische Schußbund hatte zu jedem Zuge Vertreter zum Empfang entsandt. Immer wieder wurde aus die Gemeinsamkeit der Ziele des Republikanischen Schutzbundes und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold hingewiesen und der Hoffnung Ausdruck gegeben. daß die Vereinigung von Deutschland und Oester- reich bald kommen möge. Eine eindrucksvolle internationale Kundgebung gegen den Faschismus fand am Abend in Weigels Katharina-Sälen bei dem ehemaligen kaiserlichen Schloß Schönbrunn statt. Außerdem waren auch Ärbeitersportlcr aus der T j ch c ch o s l o w a k c i. der Schweiz, Ungarn und Lettland anwesend. Dr. Deutsch begrüßte die Erschienenen im Namen des Republikanischen Schutz- bundcz, worauf Hölter mann- Magdeburg für das Reichsbanner die Versicherung abgab, daß die Republikaner aller Länder immer auf das Reichsbanner zählen konnten im Kampfe gegen die Real- tian. B r i d o u x überbrachte die Grüße der Luzerner Sportinter- nationale und der belgischen Verbände. Nach ihm sprachen noch Vertreter von Südslawien und Ungarn. Darauf ergriff im Namen der Sozialistischen Internationale Dr. Otto Bauer das Wort zu einem aussührlichen Vortrag über die Bedeutung der Abwehr- Organisation des Proletariats. Er schloß seine Ausführungen mit den Sätzen:«Nicht mit der Sehnsucht nach falschen Abenteuern, die der Arbeiterklasse nur Schoden bringen könnten, sondern mit dem Willen, das Errungene zu verteidigen und. wenn da, Heer der Arbeiterklasse mit seinen Mitteln kämvst und vorwärtsinarschier», ihm die Flanken zu decken, das ist die l.ihorische Aufgabe der Selbst- schutzverbände. Daher erkennt die Internationale in ihnen einen notwendigen Bestandteil der internationalen Arbeiterbewegung." Mit dem Trutzlied, von einem Männerchor gesungen: fand die machtvolle Kundgebung ihr Ende. Wien. 19. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Um Uhr kamen die Berliner Reichsbannerleute zu Schiff in Wien an und wurden h-rzlichst begrüßt. Caillaux' Hoffnung auf England. Unsichere politische Atmosphäre. Paris, 10. Juli.(Eigener Drahlbericht.) Die Finanz- entwü rsc und vollmachtsgesche Eaillaux' werden am Wonlag im„Journal ossiciel" verössentlicht und am selben Tage in der Kammer zur Verteilung gelangen. Ihre Beratung im Plenum wird sofort nach beendigter Prüfung durch die Finanzkommission, frühestens am Donnerstag nächster Woche beginnen. Räch ihrem knappen Sieg wird die Regierung die wenigen Ruhetage bis dahin ausnutzen müssen, um ihre so schwierige parlamentarische Stellung zu festigen und die Atmosphäre der Unsicher h e i l. die noch über die Haltung des Parlaments der Regierung gegenüber vorhanden ist und in der Abstimmung am Sonnabend morgen eine deutliche Illustration fand, zu zerstreuen. Deshalb beabsichtigte Eaillaux, sich am Montag im Flugzeug nach London zu begeben. Er hofft, die günstig stehenden Schul- denvcrhandlungen mit England zum Abschluß zu bringen. Wenn alles nach dem Wunsche des Finanzminifters geht, wird er am Dienstag mit dem abgeschlossenen Schuldenvertrog in der Tasche wieder in Paris sein. Fall, ihm das gelingt und er nach seiner Rückkehr der Kammer den erfolgreichen Abschluß der Schutdenvcrhandlungen in England ankündigen könnte, würde er ohne Zweifel seine parlamentarische Stellung bedeutend verbessern und für die bevorstehenden Abstimmungen auf eine größere Mehrheit als am Sonnabend früh rechnen können. Die unvermeidliche Teuerung. Paris. 10. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Indexziffer für die Großhandelspreise ist laut einer Statistik des Arbeitsministeriums gleichzeitig mit dem sinkenden Franken von 702 Ende Mai a u s 7 5 4 Ende Juni g c st i e g e n. Ende April betrug sie noch 654. Die Indexziffer für die Kleinhandeispreise stieg von 52 2 Ende Mai auf 544 End« Juni. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., öerlin EW. öS, Lindenstr.Z Postscheckkonto! Berlin 37 531— Bankkonto: Bank der Arbeiter,«nfteflellten und Beomie». Wall(Ii. 65: Diskonto-Gelelllchalt. Dcposttcnkasse Linde» str. 3. die Seflegten von morgen: Die Zukunft gehört der Völkervcrsöhnung. Man kann nicht gleichzeitig in feierlicher Ergriffenheit der Toten des Weltkriegs gedenken und die Mehrheit des Volkes beschimpfen. Man kann nicht das wahre Gemeinschaftsgefühl eines Volkes empfinden, wenn man eine Ehrung der Toten des Volkes zu einer Parteidemonstration herabwürdigt. Man entwürdigt eine Totenfeier, wenn man auf hämische Beschmutzung jener sinnt, die gegen eine parteipolitisch natio- nalistische Hetze am Denkmal der Toten die Stimme des Pro- teftes erheben. Der nationalistische Teil der Studentenschaft an der Berliner Universität, unterstützt von Universitätslehrern, hat die Errichtung und Enthüllung eines Denkmals für die im Weltkrieg gefallenen Studenten zu einer Demonstration natio- nalistischen Kriegs- und Vergeltungswillen gestaltet. Inviotis vidi victuri— den Unbesiegten die besiegten Sieger der Zukunft— so lautet die Inschrift des Denkmals, das gestern in der Berliner Universität enthüllt wurde. Eine geistreiche Inschrift, so meinte eine nationalistische Zeitung. Sie meinte nicht die Feinheit der Konstruktion des lateinischen Textes— sie meinte den Sinn. Die Sieger Der Zukunft! Der kommende Krieg, ein Rachefeldzug, der Geist der Rache in der akademischen Jugend, der Geist des Hasses und der Gewalt— das ist der Sinn dieser Inschrift. Ein Denkmal, das diese Inschrift trägt, gilt nicht den Voten, vor denen jeder sich beugt. Es gilt dem Geiste der Rache, gegen den die Stimme der Menschlichkeit sich empört. Die Bereinigung sozialdemokrotischer Studenten an der Berliner Universität hat ihre Teilnahme an der Feier der Ent- hüllung dieses Denkmals verweigert. Sie hat recht daran getan. Ihre Erklärung, die sie zur Begründung ihrer Weige- rung veröffentlichte, ist eine würdige Totenehrung: «Für uns bedeutet die Erinnerung an die Toten des Weltkrieges die tiefernste und eindringliche Mahnung, ein er- neutes Hereinbrechen so namenlosen Elends über unser Volk und die anderen Völker mit allen Mitteln zu ver- hüten. Wir wissen uns darin eins mit den Gefallenen, deren Tod nur dann einen Sinn Hot, wenn er das Blutopfer für eine bessere, befriedete Erde gewesen ist." So gedenken nicht nur die sozialdemokratischen Studenten, so gedenkt das Volk der Toten des Weltkriegs. 4° An der Feier der Enthüllung dieses Denkmals mit dieser Inschrift hat sich der nationalistische Revanchegeist aufs neue entzündet, mit ihm der Geist der Ueberhebung und der Be- schimpfung Andersdenkender, der die Nationalisten auszeichnet. Es war der Geist der nationalistischen Spaltung, der diese Inschrift diktiert hat. Er wollte keine gemeinschaftliche Totenfeier, er hatte erwartet, daß die Freunde des Friedens dieser Feier fernbleiben würden. Er wollte eine nationa- listische Demonstration, um die zu beschimpfen, die dieser Feier fernbleiben würden. In Stein gehauen steht aus dem Denkmal von Hugo Lederer die Verkündung des Rachegeistes, und die Presse der Nationalisten unterstreicht den Sinn für jene, die ihn nicht fassen sollten:„nicht ruhen und rasten, bis der Stachel aus der Seele entfernt, die Schmach getilgt, und Deutschland als Sieger im Kampf mit aller Not und Demütigung hervor» gegangen ist." Der Ruf nach Rache gegen den„Feind" er- hebt sich. Mit diesem„Feind" hat die amtliche deutsche Politik ein Friedensbündnis geschlossen. Sie sucht die Versöhnung, nicht die Rache. Sie strebt nach Verträgen und Bindungen, deren Sinn und Ziel in einem Worte ist: Nie wieder Krieg! Sollen diese Verträge und Bindungen einen Sinn haben, so muß die Jugend des deutschen Volkes zu ihnen stehen, und den großen sittlichen Gedanken, der sie trägt, innerlich erfassen. Auf dem Denkstein der gefallenen akademischen Jugend aber steht der Racheruf. Der Reichspräsident, der Reichskanzler, ein preußischer Minister— sie haben der Feier beigewohnt, die eine nationalistische Demonstration sein sollte. Die akademische Jugend aber, die sich zu'dem großen und erhabenen Werke der Völkerversöhnung bekennt, wird be- schimpft als pazifistisch verseucht. Ihre Vaterlandsliebe wird verdächtigt. Sie wird von dem Rektor der Berliner Univer- fität in öffentlicher Rede geschmäht— vor dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler, weil sie zum Sinn und zum Grundgedanken ihrer Politik sich bekennt. Ihre Gesinnung und ihre Vaterlandsliebe bedarf keiner Verteidigung gegen niedrige Angriffe. Die Würde und der sittliche Inhalt ihrer Erklärung schlägt die Schmähung durch den Rektor der Universität zu Boden. Die akademische Jugend, die im Namen der Völkerversöhnung dieser politisch einseitigen Feier ferngeblieben ist. vertritt die Jugend Deutschlands, die mit ihr eines Sinnes ist. Auf ihr ruht die Dauer und der Erfolg der deutschen Politik, deren Ziel die Verhinderung des Krieges ist. Darum, eben darum sind sie jener Feier ferngeblieben, an der Reichspräsident und Reichskanzler teilnahmen. „Den Unbesiegten die besiegten Sieger der Zurunst!" Die Inschrift enthüllt den Seelenzustand jenes Teiles der aka- demischen Jugend, der dem nationalistischen Rausche und dem Rachegedanken verfallen ist. Es spricht ein gewisser Stolz aus dieser Inschrift— jener Stolz, der die Inschrift geboren hat, die Wilhelm II. auf das Denkmal des römischen Erbauers der Saalburg setzen ließ: der Imperator der Deutschen dem Imperator der Römer! Jener Stolz, der einem anderen ein Denkmal setzte, um sich selbst noch bei Lebzeiten vor dem Verdienste ein Denkmal errichten zu können. Die Sieger der Zukunft! Das find wir, die akademische Jugend, die den nationalistischen Rachegedanken entzündet! Wir haben zwar nicht gesiegt, aber wir werden siegen— victuri, die da siegen werden. Die nationalistische Ueber- Hebung hat nicht den Toten des Weltkriegs, sie hat sich selbst ein Denkmal gesetzt. Sie gab vor, die Toten zu feiern— aber sie feierte in Wahrheit den Vortraum eines Sieges, den sie nicht erfochten hat, und den sie nicht erfechten wird, weil der Geist des Friedens und der Völkerversöhnung über den dunklen Rachegeist und das bewaffnete Gespenst des Krieges triumphieren wird. Voll Stolz blickt die nationalistische akademische Jugend aus jene Inschrift, die sie selbst, zwar nicht ihre Taten, aber ihre Träume von ihren Taten feiert. Es ist ein gewisser Stolz— aber ein Stolz ohne Opfer! » Die Sieger der Zukunft werden andere sein— nicht jene, die sich heute selbst einen Denkstein setzen. Der Sieg der Zukunft gehört jenen, die den Geist des kriegerischen Chau» vinismus in sich selbst besiegen, und nicht mehr die Würde eines Volkes am Schlachtenruhme messen. Die akademische Jugend, die die Wandlung des europäischen Denkens empfin- det und an ihr arbeitet, wird die künftige Führerin des Volkes sein. Der nationalistische Teil der akademischen Jugend blickt in die Vergangenheit, nicht in die Zukunft. Cr ist keine Hoff- nung des Volkes, sondern ein Hindernis auf seinem Wege zur wahren Freiheit. Er mag sich selbst einen Denkstein setzen, mag sich berauschen an einem Mut ohne Gefahr, einem Stolz ohne Opfer— die Zukunft birgt für ihn nur die nieder- drückende Erkenntnis, daß der neue Geist über ihre dunkle Racheideologie triumphieren wird. Die sich heute auf einem Denkmal aus Stein die Sieger der Zukunft nennen, werden dereinst die Besiegten sein. Preußen unü walüeck. Kündigung des Vertrages mit Preusten. Das preußische Staatsministerium hat den bestehenden Staats» ertragvon 1883 mit dem Freistaat Wal- deck, der im wesentlichen die Verwaltung Waldecks durch Preußen regelt, in einem vom Ministerpräsidenten Braun unterzeichneten Schreiben vom 29. Juni gekündigt. In dem an den Ländesausschuß gerichteten Schreiben des Ministe- riums heißt es: „Das preußische Staatsministerium kann die staatsrechtliche Lage des Landes Waldeck, wie sie sich hinsichtlich der Rechtsstellung des preußischen Staates aus dem zwischen Preußen und Wäldcck unter dem 2. März 1883 geschlossenen Vertrage wegen Fortführung der Verwaltung der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont durch Preußen und asts der in den Waldecker Gesetzen von 1919 und 1922 getroffenen vorläufigen Regelung ergibt, nicht länger für vereinbar mit den Er- fordernissen halten, die sich aus Artikel 17 der R e i ch s o e r- f a s s u n g für die Verfassung und Regierung eines Landes ergeben. Um dem Lande Waldeck die Möglichkeit zu geben, freivonjedem preußischen Einfluß seine Verfasiung und Regierungsform nach den Erfordernissen der Reichsvcrfassung zu gestalten, kündigt das preußische Staatsministerium hiermit die in dem Vertrag getroffenen Vereinbarungen gemäß Artikel 10 des Vertrages. (gez.) Braun, Ministerprästdent.� Theaterskanöal. Die Volksbühne erfreut sich des Rufes, das beste Theaterpublikum Berlins zu besitzen. Schauspieler und dramatische Autoren stimmen in dem Urteil überein, daß sie in keinem anderen Theater einer Zu- Hörerschaft begegnen, die mit so frischer und unbefangener Aufnahme- fahigkeit und mit so ernstem und ehrlichem Verständniswillen die künstlerischen Darbietungen auf sich wirken läßt, wie das Publikum der Volksbühne. Vor diesem Publikum sich zu produzieren— das hört man immer wieder— sei eine Freude. Selbst wo die Zu- schauer einmal nicht mitzugehen vermögen, ist die Form der Ab- lehnung eine so vornehme, daß sie den„Premierentigern� der bür- gerlichen Bühnen als Vorbild dienen könnte. Nun hat sich bei einer Aufführung Im TheateromBülow- platz der glücklicherweise sehr seltene, man kanp sagen unerhörte Theaterskandal ereignet. Wir haben im gestrigen Abendblatt schon kurz darüber berichtet. Die Sommerdirektion des Theaters spielt eine Posse, deren Erstaufführung bei Presse und Publikum einen starken Erfolg hatte und deren bisherige Wiederholungen lehr beifällig aufgenommen wurden. Ein leichtes Stück ohne hohe literarische Ansprüche, harmlos, ulkig und amüsant, wie es die Bühnen in der Sommerzelt zu geben pflegen. Die Vorstellungen der Sommerdirektion gehören im allgemeinen nicht zu den Theater- abenden, deren Besuch für die Mitglieder der regulären Volk». bühnenabteilungen bestimmt ist. Sie sind eine private Angelegenheit der Direktion, fast ausschließlich auf den Kassenverkauf gestellt. Daß es sich dabei niemals um wertlosen Plunder handelt, dafür bürgt sowohl die Person des Direktors Heinrich Rest, als auch die V«r. einsleitung der Volksbühne, die darauf achtet, daß auch die fommer- lichen Darbietungen ihres Theaters stets ein anständiges künstlerisches Niveau innehalten. Technische Gründe nötigten nun die Vereins- leitung diesesmal, die Sommerposse zwei Jugendsonderabteilungen der Volksbühne als letzten Theaterabend der Spielzeit zu bieten. Die Jugendlichen hatten den Wunsch geäußert. Zechs„Trunken« Schiff* zu sehen, dieser Wunsch ließ sich aber nicht erfüllen. Die Folge war Enttäuschung, und der Aerger gab sich während der Auf. führung in lauten Protestrufen kund. Ein Teil des Publikums nahm gegen die Jugendlichen Partei, und es entstand ein Lärm, der fast zu einem vorzeitigen Abbruch der Vorstellung geführt hätte. Daß unter den 180 000 Mitgliedern der Volksbühne sich eine kleine Anzahl findet, die gelegentlich von den traditionellen Ge- wohnheiten dieses Elitepublikums abweicht, wäre an sich nicht wunderbar. Daß diese kleine Anzahl aus Jugendlichen besteht, ist ein mildernder Umstand und mehr als das. Es ehrt die jungen Leute, daß sie ernste literarische Kost in jedem Fall einer leichten Unterhaltung vorziehen und daß sie sich selbst in der tropischen Hitze dieses Juliabends die Aufnahmefähigkeit für schwere dramatische Kunst zutrauen dürfen. Insofern kann die Volksbühne stolz auf ihvm Nachwuchs fein. Daß sich der jugendlich« Unwille aber in Da in dem Vertrage eine zweijährige Kündigungsfrist vorgesehen ist, tritt die Lösung des Vertragsoerhältnisses am 29. Juni 1928 in Kraft. Der Landesausschuß von Waldeck hat in seiner Sitzung vom 6. d. M. von der Kündigung Kenntnis genommen und gleichzeitig den Landesdirektor beauftragt, mit dem preußischen Staatsminister in Verhandlungen ein- zutreten. Mit dieser Kündigung ist die Frage der Selbständigkeit von Waldeck wieder akut geworden. Während die Linkspar- teien schon seit langem die Vereinigung Waldecks m i t Pr e u ß e n erstreben, suchen die Rechtsparteien mit allen Mitteln die Selbständigkeit Waldecks zu erlangen. Wie erinnerlich, hat sich der K r e i s Pyrmont(früher eine Enklave Waldecks in Preußen) bereits 1922 an Preußen angeschlossen, und es ist wahrscheinlich, daß die veränderten Umstände nun auch zu einem Anschluß Waldecks an Preußen führen werden, da schon rein finanziell die Einkünfte des Frei- staates Waldeck zur Bestreitung der Verwaltungskosten nicht ausreichen dürften. Straßenöemonftration für Naslow. Rebellion gegen die KPD.-Zentrale. Rote Fahnen mit dem Sowjetstern im Norden Berlins. Dele- gatlonen aus fast allen Bezirken der Groß-Berliner KPD., Jugend, Rote Frontkämpfer in langen Zügen. Zwei Musikkapellen. So gings gestern nachmittag nach Tegel hinaus. Nur wenige, die von den Bllrgerstetgen und den Fenstern auf den fahnenumwehten Zug blickten, ahnten, daß sie einem Schauspiel beiwohnten, das in seiner Art bisher einzig dasteht: einer kommunistischen Straßenkundgebung gegen die Zentrale der KPD. Die Ehrung galt nämlich keinem anderen als dem russischen Revolutionär M a s l o w. der gestern au» dem Tegeler Ge- f ä n g n i s entlassen werden sollte und über den Moskau den großen Bann verhängt hat. Am 8. Juli war in der»Roten Fahne* folgende offizielle Be- konntmachung zu lesen: Wie wir erfahren, haben einige Genossen Einladungen für eine Begrüßungsfeier anläßlich der Entlassung des Gen. M a s l o w aus dem Gefängnis versandt. Die Feier ist nicht von der Parteiorganisation veranstaltet. wir fordern darum alle Genossen auf, dieser Veranstaltung sern zu bleiben. Z. S. d. SPD. Trotz dieses Verbots des Zentralkomitees lange Züge mit roten Fahnen und Sowjetstern! Rote Frontkämpfer. Musikkapellen. Für Maslow! Gegen das Zentralkomitee der KPD.! Als der Zug in Tegel ankam, war Maslow indes schon fort. Er war nach der Stadtoogtei gebracht und von dort ent- lassen worden. Infolgedessen bewegte sich der Zug zurück nach dem Wedding, wo der kommunistische Reichstagsabgeordnete U r b a h n s eine Ansprache hielt, worauf sich der Zug auflöste. So meldet der„Rcichsdienst der Deutschen Presse*. Als am 14. Juni zweimalhunderttaufend Berliner Arbeiter, dem Ruf der Sozialdemokratie folgend, für den Volksentscheid demon- strierten, hatte die„Rote Fahne* den witzigen Einfall zu schreiben, es seien nur 60 000 gewesen, und diese 60 000 hätten„eigentlich* gegen die sozialdemokratischen Führer,„gegen di« Wels und Stampfer*, demonstriert. Gegen wen haben gestern Berliner Kommunisten, Rote Front- kämpfer mit Fahnen und Musik demonstriert? Wird die„Rote Fahne* dieses Geheimnis ihren Lesern verraten? Maslows Aufenthaltserlaubnis in Deutschland läuft in vierzehn Tagen ab. Maslow ist aufgefordert, nach Moskau zu kommen, um sich wegen seines„unwürdigen Verhaltens* In seinen Prozessen zu oerantworten. E» droht ihm also, wenn er aus Deutschland ab- geschoben wird, als politischem Flüchtling neue Verfolgung. Das wäre unseres Erachlens Grund genug, ihm ein Asylrecht in Deutsch- land zu gewähren. Formen äußerte, die im Theater des Berliner Proletariats sonst»n- erhört sind, ist eine Entgleisung, die ernste Rüge verdient. Wir hoffen, daß es den jungen Lärmmachern heute schon selber zum Bewußtsein gekommen ist, wie sehr ein so undiszipliniertes Ver- halten den Ruf der Volksbühne schädigen muß. Ihre Strafe haben sie übrigens bereits weg und zwar in einem Maß, das uns fast allzu streng erscheint. Von einigen burgettichen Zeitungsberichterstattern wurden sie irrtümlich für völkische Radaubrüder gehalten! Das ist bitter._ Slitzschlagverlehungen. Die schweren Gewitter der letzten Tage haben furchtbare Menschenopfer gefordert und uns die Gefahren, die mit solchen Naturerscheinungen verbunden sind, deutlich vor Augen gesührt. Am meisten ist natürlich beim Gewitter der Blitz zu fürchten, von dem durchschnittlich alliährlich etwa 1900 Menschen getötet oder beschädigt werden. Diese Verletzungen durch Blitzschlag haben sehr merkwürdige Eigenheiten, über die Dr. Max Grünewald in der Zeitschrift„Der Naturforscher* eingehend berichtet. Die menschliche Haut vermag zwar Elektrizität bis zu einem gewissen Grade zu leiten, aber wenn ihr durch den Blitz gewaltige Elektrizitätsmengen zugeführt werden, so verwandelt sich die Elektrizität innerhalb der Haut und der Zellen in Wärme, und durch die Erhitzung werden ganze Reihen von Zellen und Gewebsteilen zerstört. Es entstehen keine eigentlichen Brandwunden, sondern brandwundartige Schäden, durch die das Gewebe oft wie gekocht aussieht, manchmal wachsartig und ähnlich den Verletzungen bei Schüssen. Durch diese Eigenart der Verwun- dung ist es möglich, daß die Kleidung ganz unversehrt bleibt, während die Haut stark zerstört ist. Andererseits können durch den Blitzschlag auch die Kleidungsstücke sehr heiß werden und dann echte Brand- wunden aus der darunterliegenden Haut hervorrufen. Die elektrische Entladung, die in einer Reihe rasch aufeinanderfolgender, hin und her gehender Funken beim Blitzschlag erfolgt, ruft auf der Haut die sogenannten B l i tz f i g u r e n hervor, die manchmal sehr seltsame Formen haben, zunächst scharlachrot sind und allmählich blasser werden. Man hat im direkten Anschluß an eine Blitzschlagverletzung nicht selten Geistesstörungen beobachtet. Viele vom Blitz Getroffene wissen überhaupt nicht, wie sie zu den Verletzungen gekommen sind, und machen ganz falsche Angaben. Daß die Lähmung einzelner Körper- teile nach Stunden oder Tagen sich vollkommen bessert, wird nicht selten beobachtet. Liegt keine Verletzung eines Organs vor, so gehen die nervösen Erscheinungen nach einigen Tagen oder Wochen voll- kommen zurück. Die einmal vom Blitz Getroffenen zeigen aber später meist beim Auftreten eines Gewitters große Erregung und Aengstlich- keit. An den Augen kommt es durch den Blitzschlag zu Trübungen der Linse, an den Ohren zu vorübergehender Schwerhörigkeit oder Taubheit. Zahlreiche innere Störungen können auftreten. Der Tod kann durch die Versetzung lebenswichtiger Organe oder durch einen besonders heftigen Schock hervorgerufen werden. Die Kleidung eines vom Hitzschlag Getöteten zeigt meistens unregelmäßige Zerreißungen. Dabei kommen die merkwürdigsten Zufälle vor. So wurde z. B. einem Bauernburschen ein neuer Schaftstiefel vom Blitz vollkommen zerfetzt vom Fuß gerissen, während der Fuß selbst unverletzt blieb. Hitlers ausländische Gelder. Sensationelle Geständnisse HitlerS vor Gericht. Plauen, 10. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Vor dem Amts- gericht in Plauen i. V. fand am Freitag ein großer Prozeß statt, der sich mit der Unterstützung der nationalsozialistischen Bewegung durch ausländische Gelder beschäftigte. Im Prozeßverlauf wurde u. a. Adolf Hitler als Zeuge vernommen. Angeklagt war der Redakteur der Plouener.Volkszeitung* Genosse F ritsch, der in der Plauener Stadtverordnetenversammlung anläßlich eines scharfen Zusammenstoßes mit der völkischen Fraktion behauptet hatte, daß für die völkische Bewegung unter Kenntnis Hitlers ausländisches, darunter auch französisches Geld geflossen sei. Hitler hatte darauf- hin Privatklage eingereicht. Die Verteidigung, die von dem Reichs- tagsabgeordneten Dr. L e v i geführt wurde, konnte in der Beweis- aufnähme feststellen, daß die völkische Bewegung sehr wohl aus- ländisches Geld erhalten habe, hiller gestand als Zeuge ganz offen zu. daß zu jeuer Zeit, wo durch besonderes Reichsgesetz die Deoisenbeschlagnahme für die Reichsbank ausgesprochen war. die Hitler-Vewegung in Prag und Zürich Bankkonten unterhalten habe und damit gegen die Devisenbestimmungen verstieß. Hitler selbst gab zu, daß außer dem Blücherbund auch noch der Wikingbund französisches Geld erhalten habe. Die Sensation des Prozesses war die Vernehmung des früheren Landesleiters der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei von Württemberg Max Weber. Cr erklärte in bezug auf die Geldbeschaffung für die Par- tei, es hätten sich führende Parteigenossen wiederholt mißjällig dar- über geäußert, daß gerade Hitler selbst der schärf st e Trei- der in der Gewinnung ausländischer Geldmittel gewesen sei. Er berief sich dabei auf einen Brief, den Reichstagsabge- ordneter Feder an Hitler geschrieben habe, worin Hitler unter Hin- weis auf die Wirkung in der Oefsentlichkeit dringend gebeten wurde, sein Jagen nach ausländischem Geld einzustellen. Im Jahre 1923 habe man zwar die im Verwaltungsdienst angestellten Personen mit deutschem Papiergeld bezahlt. Dagegen seien die Offiziere der Sturmtruppen mit ausländischen Devisen, darunter schweizerischen Fronken und holländischen Gulden, bezahlt worden. Entgegen den Anträgen der Verteidigung wurde die Beweisaus- nähme dann geschlossen. Hitler und sein Anwalt versuchten, die Unterstützungen aus ausländischen Mitteln als harmlos hinzustellen. Das Gericht hat die Urteilsverkündung auf den kommenden Freitag angesetzt. Wie auch das Urteil ausfallen mag. so wird Hitler nicht behaupten können, daß er bei diesem Prozeh große Lorbeeren geerntet hat._ Milüerung ües§ 218. Gin Antrag im Rechtsausschust des Landtags. Der Rechtsausschuß des Landtags nahm am Senn- abend in seiner lebten Tagung vor dem Herbst in der Frage der Aufhebung der vielumstrittenen 88 218 bis 2 20 des Reichs- Strafgesetzbuches(Abtreibungsparagraphen) einen Zentrums- a n t r a g an, der eine Nachprüfung der vor dem 8. Juli 1926 ausgesprochenen Verurteilungen wegen Ab- treibung verlangt. Es soll nachgeprüft werden, ob mit Rücksicht auf die durch da- neue Reichegesetz eingetretenen Milderungen ein Gnadenerweis angebracht erscheint. Notwendig ist, wie das auch die sozialdemokrattsche Fraktion des Landtags gefordert hat. ein Gesetz über Gewährung von Straferlaß wegen Zuwiderhandlung gegen die 83 218 und 219, wonach alle Strafen, die bis zum Inkrafttreten der Novelle zu dem Abtreibungsparagraphen wegen Zuwiderhandlung gegen die 83 218 und 219 rechtskräftig erkannt worden sind, nebst den Nebenstrasen und den rückständigen Kosten erlassen werden, es sei denn, daß der wegen Zuwiderhandlung gegen den 8 219 Verurteilte durch die Straftat einen übermäßigen Gewinn erstrebt oder die Gesundheit der Schwangeren durch grobe Fahrlässigkeit geschädigt hat. Die Luxemburgische Regierung hat acht ausländisch« Kommu- nisten ausgewiesen. Sie hat es mit der Angst bekommen, als ein Führer der Kommunisten angekündigt hatte, sie würden der Bourgeoisie demnächst den Garaus machen. Zur Rettung der vom Blitzschlag Getroffenen muß der Verletzte zunächst an die frische Luft gebracht werden, und bei Atmungsstill- stand ist sofort mit künstlicher Atmung zu beginnen. Bei den Wieder- belebungsversuchen muß der Kopf des Verunglückten hochgelagert werden, damit nicht kleine Gcfäßzerreißungen im Gehirn durch das sich senkende Blut große Blutergüsse veranlassen. Dem Verunglückten muh zunächst Bettruhe und dann eine mehrwöchige Erholungszeit oerordnet werden. Der Nachfolger Oerings. Zum Nachfolger des Nationalökonomen Max Gering ist der Kieler Professor Dr. o. G o t t l- O tt i l i e n- feld ernannt worden, ein früherer österreichischer Offizier, der als Schüler von Knies und Erdmannsdörffcr sich den Staatswissenschaften widmete, Prioatdozent in Heidelberg, Brünn und München war und 1924 als ordentlicher Professor der Nachfolger Beckeraths in Kiel wurde. Er hat außer einer bemerkenswerten Arbeit über„Technik und Wirtschaft* einige methodologische Schriften ohne größere Be- deutung verfaßt und sich jedenfalls nie mit agrarpolitischen Fragen beschäftigt. Es scheint also, daß es der Berliner Universität nicht ge- lungen ist, einen einigennaßen vollwertigen Ersatz für Gering zu finden. Eine Riesenbrücke. Die zurzeit größte Spannwelte aller Drücken weist die neue Delawarebrücke in Philadelphia auf. die dort am 4. Juli anläßlich der ISO-Iahrseier der Unabhängigkeitserklärung dem Verkehr übergeben wurde. Ihre Mittelöffnung hat eine Weite von SZ3,7 Meter, die beiden Seitenösfnungen sind je 229 Meter weit. Die Brücke, die dem Straßenverkehr zwischen dem Franklin-Sguare und der Pearlstreet in Camden dient, ist eine Kabelhängebrücke— diese Bauart wird noch immer in Amerika bevorzugt und sowohl wirtschaftlich wie schönheitlich als überlegen angesehen. Parallele Fachwerkträger bewirken die Aussteifung. Ueber jeden dieser beiden Träger ist ein Kabel aus parallelen Drähten von 762 Millimeter Gesamtdurchmesser gespannt. Das Kabel übertrifft alle bisherigen Kabeldicken— die Kabel der Brooklynbrücke sind z. B. nur 460 Millimeter stark. Der Fahrdamm mit zwei Fußwegen wird von zwei Straßenbahngleisen begrenzt. Der Bau der Brücke hat fünf Jahre gedauert. Arabische Stenographie. Nach langen Studien ist e« dem Ingenieur Arian in Kairo gelungen, eine auf die Bedürfnisse der arabischen Sprache zugeschnittene Kurzschrist zu erfinden, die berufen sein dürfte, in der gesamten orientalischen Welt eine große Roll« zu spielen. Das System Arian, das auf den phonetischen Elementen der Sprachen aufgebaut ist, ist so abgefaßt, daß man es gleichzeitig im Armenischen, Persischen, Georgischen und Türkischen verwenden kann. Die ägyptische Regierung hat das System bereit» offiziell anerkannt und im Parlamentebctrieb eingeführt. Iviedererössnung de» Alünchener vilkerkundemase»««. In München ist daS Völkerkundimuseinn in den Räumen deZ ehemaligen Deutschen Museums wieder erSistiet worden. ES enthält jetzt auch ein Filmarchiv für vergleichende Völkerkunde. Kriegskrüppel als Kunsthandwerker. Die Londoner Presse berichtet begeistert über ein« Kuiistgewerbeautstellung, deren ISmIllche Wegenstände — bemalte Tischdecken, Kleider. Kimono». Sonnenschirm«— an» einer Genossenschaft stammen, die von Kriegskrupveln gegründet worden ist. Die Mitglieder der Genossenschast. 35 an der Zahl, besitzen zusammen nur SS lesund« Arm« und 42 gesunde Letne. KinanZstanöale in Oesterreich. Die Folgen christlichsozialer Finanzwirtschaft. Wien war in der letzten Woche der Schauplatz zweier Vorgänge, die die weitesten Kreise beunruhigten. Auf die Zentralbant der deutschen Sparkassen in Oesterreich erfolgte ein„Run", der um die Sicherheit ihrer Einlagen besorgten Sparer. Das gleiche war bei dem Ersten Wiener Konsumverein der Fall, von dem gemeldet wurde, daß er finanziell zusammengebrochen sei. Die Zentral- baut der deutschen Sparkassen ist das Zentralinstitut der österreichischen Sparkassen, ist aber zugleich auch die Zentralbank der österreichischen Raiffeisenge- nossenschaften. Der Erste Wiener Konsumverein ist eine bürgerliche Konfumentenorganisation, und zwar der größte der bürgerlichen Konsumvereine Oesterreichs. Es ist begreiflich, daß die Mitteilungen über die Schwierigkeiten der beiden Institute eine Panik auslösten. Inzwischen haben sich die Sparer durch das Eingreifen des österreichischen Staates beruhigt. Für die Oeffentlichkkeit aber war sie der Anlaß zu sensa- tionellen Enthüllungen, die in einer dramatischen Sitzung des Wiener Nationalrats durch die Rede des öfter- reichischen Genossen Danneberg ihren Höhepunkt fanden. Genosse Danneberg wies nach, daß die Schwierigkeiten der Zentralbank der deutschen Sparkassen nur das Schlußglied einer kaum glaublichen Finanzkorruption darstellt, durch die sich die in Oesterreich herrschende Christlichsoziale Partei die Finanzierung ihrer politischen Macht sicherte. Wenn auch nicht in demselben Maße, so erinnern die Vorgänge doch an ähnliche Dinge in Deutschland. Ganz ähnlich wie bei der Deutschen Raiffeisen- b a n k A.-G. der deutschnationale, so hat auch bei der Wiener Zentralbank der christlichsoziale Einfluß und das Verlangen nach gewinnbringenden Geschäften zu schweren Verlusten geführt. Die Verbrüderung mit der Steirer Bank, der Nieder- österreichischen Dauembank und der Oesterreichischen Industrie» und Handelsbank, denen christlichsoziale Abg eord- n e t e nahestanden, hat die christlichsoziale Leitung der Wiener Zentralbank zur Angliederung und Sanierung dieser Banken gezwungen, als sie vor dem Zusammenbruch standen. Außer- dem ist das Kapital der Wiener Zentralbank weitgehend in privatkapitalistische Großaktionärskreise übergegangen, so daß der großdeutsche Abgeordnete Dr. Wutte, der als der„st e i r i f ch e S t i n n e s" galt, bald der eigent- liche Herr der Bank war und die Bank ihren eigentlichen Zwecken immer mehr entfremdet wurde. Als die schwierige Lage der Wiener Zentralbank und die Gefahren für die öfter- reichische Kreditwirtschaft erkannt wurden, wurde von der österreichischen Nationalbonk sofort eine Sonierungsattion eingeleitet. Diese Sanierungsattion, um deretwillen die Nationalbank die beabsichtigte Diskontherabsetzung von 7'/£ auf 7 Proz. hinausschob und zu deren Durchführung sie auch Ver- bindungen mit der Deutschen Spartassen- und Girozentrale Berlin anknüpfte, wurde durch die Mitteilungen eines Wiener Sensationsblattes unterbrochen, worauf der Sturm auf die Bank erfolgte. Nicht ohne pikanten Beigeschmack ist die begründete Vermutung, daß private Wiener Groß- banken an den Indiskretionen beteiligt und, um das Ansehen der Sparkassen zu schädigen. Die österreichische Regierung hat nun im Wiener National- ratzweiGesetze eingebracht, um die Sanierung der beiden Institute in ruhige Bahnen zu lenken und die Wiederkehr ähn- sicher Dinge in Zukunft zu verhüten. Die Gesetze sehen eine Haftungserklärung der Regierung im Fall der Zentral» dank, die Einsetzung eines Staatskommissars, die Aussetzung der gerichtlichen Geltendmachung von Forderun- gen gegen die Bank bis zum 31. Oktober 1926 und die Schaf- fung eines Einlagensrcherungsfonds von 6v Mil- lionen Schilling vor. Die betreffenden Schuldverschreibungen sind von den Sparkassen Österreichs bis zu 5 Proz� ihres Einlagenbestandes zu übernehmen. Schließlich wird, offenbar mit Bezug auf den Ersten Wiener Konsumverein, festgelegt daß Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften kein« Kredit- genossenschaften sind und in Zukunft keine Vucheinlagen mehr annehmen dürfen. In der österreichischen Arbe terschaft herrscht über diese Gesetze, obwohl sie sich der Notwendigkeit des Ein- greifens nicht verschließt, mit Recht große Verbitte- r u n g. Sie haben die Folge, daß die einzelnen Sparkassen nun gezwungen werden, für die Finanzkorruption von Mit- gliedern der herrschenden Partei zu bluten. Außerdem soll ihren eigenen Konsumvereinen wegen des bürgerlichen Wiener Konsumvereins die Sparkasseneigenschaft entzogen werden. Sie fordern daher restlose Aufklärung in aller Oeffentlichkeit. sowie die finanzielle und juri- stische Haftbarmachung der Verantwortlichen. Wie im Nationalrat mitgeteilt wurde, konnten es die österreichischen Behörden selbst nicht verantworten, daß an die Deutsche Sparkassen- und Girozentrale vor restloser Klarstellung der Finanzlage herangetreten.wurde. Die Deutsche Sparkassen- und Girozentrale hat sich auch geweigert, sich an der Sanierung zu beteiligen, wenn nicht das Gesamtkapital der Wiener Zentralbank in öffentliche oder Sparkassenhände übergeführt wird. Ihr Interesse an der Sanierung ist natürlich lebhaft, da die österreichische Spar- kassenorganisation dem Deutschen Sparkassenoerband aus nachbarlichen Gründen als außerordentliches Mitglied an- gehört..? �rbeiterfthutz. Die Tagung des ADGB. in Düsseldorf. Am gestrigen, zweiten Tage der Bundesausschußsitzmig hielt der Präsident der Reichsarbeitsverwaltung, Dr. Syrup, einen Vortrag über die Förderung des Arbeiterschuhes. Der Vortragende führte aus: In allen Kulturländern breche sich mehr und mehr die Erkenntnis Bahn, daß der Schutz der Arbeiter gegen gesundheitliche und Lebensgefahren im Be- triebe eine soziale und wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Der Krieg hat zahlreiche Arbeiter in ihrer Gesundheit geschädigt und in ihrer Arbeitsfähigkeit beschränkt. Dreiviertel Millionen Kriegsbeschädigter befinden sich als Arbeitskräfte mit be- fchränkter Arbeitsfähigkeit unter der Arbeitnehmerfchaft Deutschlands. Aber auch die friedliche Betriebsarbeit berge große Gefahren für Leben und Gesundheit der Arbeiter. Im Jahre 1923 entfielen auf 24 Million« n versicherter Personen 4b0 000, die Unfälle erlitten hatten, von denen wiederum 77 000 eine Rente beziehen. 7500 Betriebsunfälle verliefen tödlich. An jedem Werktag erlitten 1500 Personen Unfälle im Betrieb«, von denen 230 eine Rente bekommen mußten. Von den tödlichen Un- fällen entfallen 25 auf einen Tag. Insgesamt beziehen 792 000 Per- s o n e n, die Betriebsunfälle erlitten haben, bzw. ihre Hinterbliebenen Renten aus der Unfallversicherung. Di« kapitalisiert« Unfallrentenlast beträgt rund3Milliarden Mark. Außer den Gefahren, die zu Unfällen führen, umgeben den Arbeiter im Be- trieb Gefahren anderer Art, die ihn durch Erkrankun- gen aller Art in seiner Gesundheit schädigen. Der Staat ist sich der Aufgab« bewußt, die Arbeitnehmer gegen die Gefahren für Gesundheit und Leben zu schützen. Was auf diesem Gebiete in den letzten Iahren geschehen ist, ist zwar nur Klein- arbeit, aber dennoch nicht ohne die gewünscht« Wirkung. Gesetz- liche Einzelbestimmungen können nicht mit dem technischen Wandel Schritt halten. Die als Rahmenvorschristen zu betrachtenden Gesetz« und Verordnungen des Staates bekommen ihre Bedeutung dadurch, daß die Gewerbeaufslchtsbeamten befugt find, ganz be- stimmt« Anordnungen in Form von polizeilichen Verfügungen zu treffen. Auch das im Entwurf vorliegende neue Arbeilsschuhgefeh will den Gewerbeaufsichtsbeamten das Recht sichern, selbständig poli- zeiliche Verfügungen zu erlassen. Das neu« Arbeitsschutzgesetz wird voraussichtlich den Betriebsschutz nicht nur verstärken, sondern er wird a us gedehnt werden auf Arbeiter und A n g« st e l l t« aller Art. Besondere Vorschriften werden nur erforderlich bleiben für die Arbeitnehmer in der Land« und For st Wirtschaft und in der Schiffahrt. Daneben bedient sich der Staat, um den Schutz der Arbeiter in den Betrieben in möglichst hohem Maße zu erreichen, der Berufs- genossenschaften. Diese tresfen ihre Maßnahmen mehr und mehr nach dem Gesichtspunkt, daß es nicht nur gilt, die Folgen der Unfälle zu heilen und zu hindern, sondern, daß e, wichtiger ist, den Unfällen vorzubeugen. Das Wlrtungsgebiet der Berufsgenosienschasten aus den Unfallschutz ist erweitert worden, indem verschieden« Berufskräst« in ihre Tätig- keit einbezogen worden sind. Es käme nun darauf an, die Arbeitgeber und Arbeit- nehmer selbst zur Mitwirkung bei der weiteren Förderung heranzuziehen. Di« Erscheinung, daß 78 Proz. aller Betriebs- unsäll« auf die Nichtbeachtung der Gefahren von beiden Seiten zurückzuführen sind, laste erkennen, wie hoch der Wert einer ver- ständigen Mitwirkung der Arbeiter bei der Verhütung der Unfälle zu schätzen ist. Die Möglichkeit zu solcher Mitwirkung ist f ü r d i e«m riebsrät« ein weites Gebiet fruchtbarer Tätigkeit. Aui der Arbeitgeberseit« sei in neuerer Zeit eine Steigerung des ßInterestes am Betriebsschutz zu verzeichnen. Man habe erkännj. dag jedes Aussetzen«ingearbeiteter Arbeitnehmer infolge eine» Unstekle» einen kostspieligen Betriebsausfall darstellt. Die jetzt in Angriff ge- »ommene Rationalisierung der Betriebswirtschaft werde womöglich neu«, bisher noch unbekannte Gefahren hervorrufen. Wenn wir zu einem ganz intensiven Betrieb kommen, erlange die Frage der Pausen, des Urlaubs usw. neu« Bedeutung auch unter dem Gesichtspunkt des Betriebsschutzes. Sei es nun die Auf- gab« der Arbeitgeber, sogenannte Schutzoorrichtun- gen bereitzustellen, so sei es die Aufgabe der Arbeit- nehmer, die Vorrichtungen zu benutzen. Es habe sich herausgestellt, daß die Vorrichtungen, die durch die Mitarbeit der Arbeitnehmer erstehen, stets die besten sind. In den nächsten Iahren erwartet der vortragende einen starken Antrieb auf dem Gebiet des Betriebsschutzes. Di« Gewerkschaften hätten die Aufgabe, dabei mitzuwirken. Der Arbeiter dürfe nicht nur Objekt dieser Bemühungen sein. In den Mittelpunkt aller Erwägun- gen über die Gestaltung der Betriebswirtschaft sei der Mensch zu stellen. Die Reichsarbeitsverwaltung fei bestrebt, unter den Arbeit- nehmern Aufklärung üb er die Betriebsgefahren zu oerbreiten. Der Bundesousschuß nahm die vom Bundesvorstand hierzu vor- gelegt« Entschließung einstimmig an:_„. „Der Bundesausschuß nimmt mit großem Intereste davon Kenntnis, daß der dem Arbeiterschutz gewidmete Teil d es Relchsarbeitsblattee und mit ihm die Sonderausgabe „Arbeiterschutz" künftig in erhöhtem Maße dem Verständnis und Gesichtskreis breiter Ärbeitnehmerkreif« angepaßt sei.� Da die Durchführung dieser Absicht wesentlich auf der größeren Verbreitung des Reichsarbeitsblattes und der Zeitschrift „Arbeiterschutz" in Arbeitnehmerkreisen und auf deren Mit- arbeit beruht, fordert der Bundesausschuß die ihm angeschlossenen Verbände auf, in ihren Reihen, besonders bei den B« t ri e b s- raten, Gewerkschaftsfunktionären und Arbeiter- sekretären für den BezugdeeReichsarbeltsblattes bzw. der Sonderausgabe„A r b« i t« r s ch u tz" zu werben und durch Mitarbeit Gedanken und Anregungen der Arbeitnehmerfchaft zu den praktischen Fragen des Arbeiterschutzes den Arbeiterschutz- organen weiterhin näher zu bringen." Im Anschluß daran nahm das Wort der Direktor de» Kaiser- Wilhelm-Instituts für Arbeitsphysiologie, Prof. Dr. Atzler- Berlin zu einem Bortrag über „Ausgaben und Ziele der Arbeitsphysiologie". Der Bortragende ging zunächst auf die periodischen Schwankungen der Leistungsfähigkeit ein und zeigte, daß die Alterskuroe der Leistung maßgebend von dem Grade der täglichen Ermüdung beeinflußt wird. Dies« Beeinflussung macht sich bei einem Berufe, der eine starke Durcharbeitung des gesamten Körpers erfordert, in viel geringerem Grade bemerkbar. Es wurde an Beispielen der Unterschied zwischen der Ermüdung des Muskels und der Ermüdung des nervösen Zen- tralorgans erörtert und darauf hingewiesen, daß bei der beruflichen Arbeit es in der Hauptsache auf die Ermüdung der nervösen Zentren ankommt. Der Rhythmus der Arbeit muß so gestaltet werden, daß in den Erholungsperioden ein voll- kommener Aufbau möglich ist. Gerade bei den Arbeitsformen, die sich auf ein enges anatomisches Feld beschränken, ist die Gefahr besonder» groß, daß sich bei dauernder Beanspruchung unter falschem Rhythmus eine chronische Ermüdung einstellt. Um diese Ermüdung»- schädigung zu bekämpfen, soll der Arbeitsprozeß dem Menschen an- gepaßt und den störenden Folgen der Ueberbeanspruchung einzelner Organbezirk« vorgebeugt werden. Es kommt darauf an, solche B e- tätigungsarten auszuschalten, die einen besonders hohen Ermüdungswert besitzen. Schließlich Ist es notwendig. die A r b« i t e n des Menschen unter gün st Igen Wirkung s- graben zu erledigen. Durch die Errungenschaften der Physiologie sind wir heute imstande, den Wirkungsgrad eine» Menschen mit absoluter Genauigkeit zu bestimmen. Wir können feststellen, wieviel organisches Brennmaterial in unserem Körper verbraucht wird, um eine bestimmte Arbeitsleistung zu vollziehen. Es ist mm der Weg geebnet, um die Arbelt des Menschen nach physiologischen / 7"'" Gesichtspunkten zu rationalisieren. .- Man geht dabei im Gegensatz zu Taylor auf ein Optimum aus, d. h. acch chohe Leistungen unter möglichst geringem Energieoer- brauch. Zum Schluß wies Prof. Atzler darauf hin, daß die wissen- schaftliche Erforschung de» schaffenden Menschen die einzig sichere Basis für eine rationelle Gestaltung des Arbeits- Prozesses bildet. Nur ist eines notwendig, daß die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die dieser junge Wissenszweig gewonnen hat. nicht in den staubigen Regalen der Bibliotheken abgelagert werden, son- dern daß ihnen durch die praktische Mitarbeit der im Leben stehen- den Organe. Leben eingeflößt wird. Leipart erinnerte daran, daß der Bundesausschuß beschlosien hat, in dasKuratorium desInstitutssür Arbeiterphysiologie einzutreten und auch«inen finanziellen Beitrag zu leisten. Der Senat der Kaiser-Wilhelm-Geselljchaft hat kürzlich beschlossen, an den Ausbau dieses Instituts heranzutreten. Es ist zu diesem Zweck eine Kommission gebildet worden, in der auch der Bundesvorstand vertreten ist. Di« Gewerkschaften, die an dem Fortgang der arbeitsphysiologischen Untersuchungen lebhast interessiert sind, werden sich auch für die Ausgestaltung des Instituts tatkrästig einsetzen. Der Direktor der Wirtschaftsschule In Düsseldorf, Dr. S e e l b a ch, gab dann einen interesianten Ueberblick über die Tätigkeit und die Einrichtungen der ihm unterstellten Schule. Ceipark gab dann den Bericht des Bundesvorstandes über die Tätigkeit in den abgelaufenen Monaten. Zunächst ging er in länge- ren Ausführungen, die von dem Vertreter des Verkehrsbundes, D ö h r i n g, unh dem Vertreter de» Bergarbeiterverbandes, M a r t- möller, wirkungsvoll ergänzt wurden, auf die von dem ADGB. den englischen Gewerkschaften gewährt« organisatorische und finanzielle U n t e r st ü tz u n g ein und wies die » völlige Haltlosigkeit der Angrisse der kommunistischen Presse gegen die deutschen verbände nach. Im Verlauf seiner Ausführungen kam Leipart noch auf die Bildung des Keramischen Bundes innerhalb des Fabrik- arbeiteroerbandes zu sprechen. Der Bundesvorstand hat gemäß den Brcslauer Kongreßbeschlüssen an den Verhandlungen mitgewirkt. Leipart dankte dem Borsitzenden der Glasarbeiter. G i r b i g, und dem Vorsitzenden der Porzellanarbeiter, W o l l m a n n, dafür, daß sie im Interesse der Gesamtbewegung sich für den Zusammenschluß ihrer Organisationen, die auf eine ruhmvolle Bergangenheit zurück- blicken können, mit dem Fabrikarbeiterverband einsetzten. Leipart erhielt die Zustimmung des Bundesausschusies zu dem Plan, einen zweiten Sekretär im Zentralarbeiter- s e k r e t a r i a t beim Bundesvorstand einzustellen. Für diesen Posten ist Kollege Backhaus gewonnen worden, der schon bis zum Jahre 1923 mehrere Jahre im Zentralarbeitersekretariat tätig war. Nach einigen weiteren geschäftlichen Mitteilungen schloß Leipart um 2 Uhr nachmittags die Sitzung. Vitos als Sieger ües pilsuAfki-putsches! Seine Partei ist jetzt die einzige regierungstreue... Warschau, 10. Juli.(Mtb.) Die politische Lage in Polen hat sich jetzt so entwickelt, daß sich das groteske Bild ergibt, daß keine politische Partei so gestärkt au» dem Mai-Putsch gegangen ist, wie die de» gestürzten Ministerpräsidenten wito». Die Piosten- park«i ist seit gestern ausgesprochene Regierungspartei, denn in den Ausschuhverhandlungen hat sich diese Partei a l» einzige mit dem verfassungsändernden Regierungsprojett vollständig einoerstan- den erklärt. Alle anderen Parteien verlangen noch gewiss« Ein- schränkungen, jedoch sind die Rechtsparteien grundsätzlich zu Entgegen- kommen bereit und scheinbar wird auch die Regierung in der Frage des' Wahlrechts den Rechtsparteien entgegenkommen. Die Parteien haben sich sogar damit einverstanden erklärt, daß die Regierung während der Sejmvertagung Verordnungen mit Gesetzeskraft erlassen kann. 3n Opposition sind heute ausschließlich die Parteien, die den pilsudski-putsch unterstützt haben und die die jetzige Regierung ans Ruder brachten. Zweifelhaft ist noch die Stellung der 3 ll d i s ch e n Fraktion.. Der Ministerpräsident verhandelte mit den Abgeordneten Hartglas-und Farbstein.7 Tollte es der Regierung gelingen, auch diese Grupp«' zür-llntersiützchig zu gewinnen, so würde mit Hilfe der Rechtsportelen uiih der Juden eine knappe Zweidrittelmehrheit erzielt werden können. Pilsudski dürfte aber feine Rolle als ernst zu nehmender Politiker mit diesem umgekehrten Erfolg seines Putsche? ausgespielt haben. Die Tangerfrage. Der Kampf um die Neuregelung deS internatioualen Statuts. Beim gegenwärtigen Besuch des spanischen Königs In London hat die englische Diplomatie versucht, die durch die Niederwerfung Abd el Krim» erfordersich gewordene Neuregelung des in» ternationalen Statuts von Tanger zu klären. Spanien erstrebt die Angliederung Tangers an die spanische Zone, also die Aufhebung de» internationalen Statuts. In- wieweit Frankreich dafür zu haben wäre, steht noch nicht fest und dürfte von den Kompensationen abhängen, die Spanien ihm im Rifgebiet zu machen bereit wäre. Aber England ist un- bedingt für Beibehaltung des internationalen(Charakters von Tanger und Umgebung und außerdem ist Italien bestrebt, bei dieser Neuregelung entscheidend mitzuwirken. Di« Interessen Italiens und Englands sind in dieser Frage verwandt und stehen den In- teressen Spaniens und vielleicht Frankreichs entgegen. Nun hat England gegenüber Spanien ein gewisses Druckmittel in der Hand, da die Regierung von Madrid ein« englische Anleihe benötigt. Aus Meldungen der„Times" und de»„Daily Telegraph" scheint hervorzugehen, daß e» England gelungen jst, durch ein Anleihe- versprechen Spanien von seinen Förderungen abzubringen und gleichzeitig Italiens grundsätzliche Zustimmung zu einer Neuregelung des Statuts zu erlangen. Mussolini und volpi. Der Rücktritt des Finanzministcrs wird dementiert. Rom, 10. Juli.(WTB.)„Popula d'Jtalia", das Organ Musio- linis, erklärt unter der Ueberschrist„Elende Manöver", daß die Gerüchte, die über einen Rücktritt des FInanzminsters Grafen Volpi oerbreitet werden, jeder Grundlage e n't b e h r e n. Diese Gerüchte würden offenbar in Umlauf gesetzt, um den Kurs der Lira zu schädigen. Volpi, der das v o l l e Ver- trauen Mussolinis genieße, bleibe in seinem Amte. Ob Mussolini auch da» volle Vertrauen Volpi» besitzt, ist eine andere Frage. Wenn der Finanzminister auch zu klug ist, um öffentlich gegen die Verschwendungssucht de» Faschismus Stellung zu nehmen. so ist es dennoch ein offenes Geheimnis, daß er über die auf finan- ziellem Gebiete herrschende heillose Mißwirtschost entsetzt ist, auf die der jetzige Rückgang des Lira-Kurses zurückzuführen ist.(R. d.„V.") Der Republikanische Richterbund veranstaltet au? Anlaß der Ausschließung des Senatspräsidenten Dr. Groß mann aus dem Preußischen Richteroerein am Montag, 12. Juli, abends 1% Uhr, im Sitzungssaal de» ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Str. 3, eine Kundgebung. Es werden sprechen: Rechtsanwalt, Iustizminister a. D. Otto Landsberg, Chefredakteur Otto N u s ch k e, Hoch- schulprofessor Dr. Walter Schücking, Rechtsanwalt Dr. Mar- garets Behrendt, Ministerialdireltor Dr. C. Falck, Rechts- anwalt Emil Roth und Kammergerichtsrat Dr. Orgler. Ein- ladungskarien find auf Wunsch im Anwaltsbureauii Friedrichstr. 48 (Fernsprecher: Dönhoff 3073), zu haben. Damen- Filzhüte£ Serie 1 1.90 Serie II 3.90 bin Posten Sl. IU. b'. 1°.-» KOCbC aus reinwollenen, Ueider aus bedruckt. Voll- gestreiften oder karierten voile. Statt 1 Stoffen, Statt Q*7 C 23.- bis 31.. 1D.UU IS- bis 29- C/.l O iiiistiiisiitiiisiiisisifiiiteitiMssssttsiisestsisstNtMiMsHisiiiiisisssaisHtteestitsissstitstsst» Eleg. Damenwäsche! sowie Bettwäsche ASie,[ im Preise errnkfligt i bis nm................. Jfijff TQ l Übcrlaken 2 Reihen Hohlsaum,*7] 150 x 260 cm. C/. I< Kissen Mxao™ 3. Ii Überlaken voxzso«s mit? X ttoklstem Q/ uid ümgetten.. Xwcc/I Brusthaltcr aus rosa Gummistoff.. Bademantel aus gestreiftem Frottierstoff... »M»«M«»»SS,,,,,,s ........ m IIHSIIIIllllimilirTTTTTTT I B E R L I N* C KCDN J GSTRASSE SPANDAUERSTR. SAISON-AUSVERKAUF 1.-21. 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Besondere Bedeutung verdient die Handlungsweise der Arbeit- geber durch die Tatsache, daß zurzeit die Angestellten des Einzel- Handels bis an die Grenze ihrer Krast angespannt sind, um die Saisonverkäufe günstig zu beenden. Als Belohnung für erhöhte Slrbeitsleistung der Abbau der Gehälter! Angestellte, seht ihr noch immer nicht, wohin der Weg geht? Interessant war, daß selb st Mitglieder der Tarif- kommission des Arbeitgeberoerbandes über die For- derung nicht unterrichtet waren, trotzdem man den Angestelltenorgani- fationen vorher gesagt hatte, daß die Tarifkommission schon seit einem halben Jahr gedrängt werde, die erhebliche Unter- bilanz der Betriebe durch Verringerung der Gehalts- fpesen auszugleichen. Die Angestelltenvertreter lehn- » ten es ab.über den Vorschlag der Arbeitgeber zu v e r h a n d e l n, da sie in demselben lediglich eine Provokation der Ange st eilten erblicken. Die Angestellten des Einzelhandels werden ersucht, in den nächsten Tagen mit besonderer Sorgfalt die Veröffentlichungen in der Presse zu beachten, damit sie jedem Ruf ihrer Organisation folgen können. Die erste Antwort auf die For- derungen der Arbeitgeber muß sein: Restloser Zusammen- schloß im Zentraloerband der Ange st eilten! Erfolgreicher Kampf gegen Unternehmerwillkür. Für die Arbeiterschaft sind zwei Gerichtsurteile von Bedeutung, die kürzlich im Buchdruckgewerde gefällt wurden. Im ersten Fall handelt es sich uin die unberechtigte V e r- öffentlichung des Ramens eines Berliner Luchdruckers auf der schwarzen L'ste der Unternehmer. Der betreffende Kollege erhob daraufhin bei dem zuständigen Amtsgericht Klage gegen den Verein Berliner Buch druckereibesitz er. Das Gericht verurteilte den Pnnzipalsoerein zur Zahlung einer Geldstrafe von 350 M. und zur Tragung der Gerichtskoste». Außerdem wurde dem Verein untersagt, künftig in der„Zeitschrist", den, Organ der Unteriiehmer, derartige Beröstentlichungen vorzu- nehmen. Die zweite gerichtliche Entscheidung gegen einen Unternehmer wurde in Koiiigsberg i. Pr. herbeigeshrt. Dort war vor mehr als zwei Jahren ein Betriebsratsobmann unrechtmäßig entlassen worden, obwohl gegen die Kündigung sofort Einspruch erhoben wurde. Dem Entlassenen wurde schließlich das Betreten der 13.-18. SA.: MMlonale gmerWastl ÄgitMiismlve 19. September: BietleijflürliunDertfeieröerinlernoflonJenierffiOflftsöeiDeoung Druckereiräume verboten. Trotzdem betrachtete sich der Kollege als zum Betrieb gebörig und wurde auch von den Betriebsangehörigen bei Wahlen zum Betriebsrat stets auf die Kandidatenliste gesetzt. Nunmehr ist nach der Entscheidung des angerufenen Gerichts die W i e d e r e i n st e l l u n g erfolgt. Da die seinerzeitige Entlassung nicht zu Recht erfolgt war, mußte die Firma den Lohn für die ganze Zeit von über zwei Jahren nachzahlen. Diese beide» gerichtlichen Entscheidungen lassen die Notwendig- keit der Ausnutzung aller Rechtsmittel durch die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft erkennen. Im letzten Fall ist ganz de- sonders ein erneuter Beweis dafür erbracht, daß durch zähen Wider- stand und solidarisches Zusammenhalten sehr wohl Erfolge für die Arbeiterschaft zu erringen sind. Die Lohnvorschlägc der britischen Berizwerksbesitzer. London. 10. Juli.(WTB.) Der Arbeiterkorrespondent des „Daily-Telegiaph" gibt eine Uebersicht über die neuen Lohnvor- schlüge, die die Bergwerksbefifier in den einzelnen Bezirken unter der Borausietzurig des Achtstundentages gemacht haben. Danach sind in 72%, Pröz. der Bezirke die Löhne genau so hoch wie vor dem Streik, in 4 Proz. der Bezirke sind die Löhne hoher und in 20 Proz. sind sie vermindert, während in den übrigen Bezirken die Vorschläge noch nicht bekannt find._ Hafcnarbcitcrstrcik in Libau. Riga. 10. Juli.(Mtb.) Wie die„Rigaische Rundschau" erfährt, sind die Hafcnarbeiier in Libau unerwartet m den Ausstand getreten. Sie haben beträchtliche Lohnerhöhungen gefordert. Verschärfung des New Vorkcr Untergrundbohnstreiks New Zork. 10. Juli.(WTB.) Die Arbeiter der Kraftwerke sind in großer Zahl dem Untergrundbahnerslreik beigetreten. World berichtet, daß 2000 Passagiere größere Strecken der Untergrund- bahn bis zu einem Notausgang zu Fuß zurücklegen mußten. Gesperrte Gaslwirtsbetkiebe. Wie uns der Zentralvsrband der Hotel-, Restaurant- und Caseangestellten mitteilt, sind folgende Gast- wirtsbetriebe für organisierte Arbeitnehmer gesperrt: R e u h c l g o- l a n d bei Rahnsdorf, Inhaber Fröhlich, Restaurant Rübezahl, Inhaber Oskar Müller, am Müggelsee. Achtung, Baudelegierte des Deutschen Baugewerksbundes. Am Dienstag, lZ. Juli, nachmittags 5 Uhr. im Dresdener»asino, Dres- deaer Sseahe 96, Baudclegiertenaerfammlnng sämtlicher Fachgruppen des Bau- gewerkslmndes. t. Bortrag de» godege» Silberschmidt:„Die Arbeitswsigteit im Baugewerbe". 2. Mitteilung betr. Zulistatistii. Die Baudelegiertea und Betriebsräte werden ersucht, pünktlich au erscheinen. Jede Baustelle unih»er. trete» sei»! Wo der Bmldeiegierte unserer Organisation nicht angehört, ist von den Zkolegen unserer O'ganisation aus der Bavsieile«in Vertrauensmann au bestellen. Berbandsbuch und Delegiertenkarte sind am Saaleingang vor» auaeigen. Ohne diese kein Zutritt. Der Bereinsoorstaad. m Bergmann, Berlin. Fraktions»ersammlnng sämtlicher Parteigenossen; f r-rj morgen, Montag, nachmittags 4 Uhr, bei Kroll, Sennigsdorser Ecke W -D Utrechtec Strafte. Erscheinen sämtlicher Eenofse» ist Pflicht. Diase, Reinickendorf. Morgen, Montag, nachmittags 4 Uhr, in der„Wart- bürg" Versammlung oller am 31. Mai entlassenen Arbeiter. Bericht von der Gläubigerversammlung. Ter Arbeiterrat. ssreie Sewerkschaftsjugend. Morgen. Montag. Uhr. Zusammenkunft der Druppenleimngen im Eiftungssaal des Metallarbeiterverbandes. Linien str. L31i3. „Die Zweige der Jugendbewegung und ihr Wirken". Wir setzen mit diesem Thema unsere Vortragsreihe Uber die Formen der Iugenddewegung und ihre Stellung in der heutige» Gesellschaft fort. Alle Iugendfunklionäre müssen pünktlich anwesend sein. Berbandsbuch und Funktionärausweis mitbringen. ZdA.'Beairkspersammlung. ikipenick: Morgen, Montag, S Uhr, Restaurant Auiopeter. Berliner Str. 27.„Das Wettrüsten der Rationen— die Gefahr für den Weltfrieden"(Bruno Lache). Iugendgruppe de» ZdA. Morgen, Montag, 7'i Uhr: Abteilung Rorden: Jugendheim Schule Danaiger Str. 23. Wir lesen proletarische Dichter. Verantwortlich für Politik: Ernst Reuter: Wirtschakt: Artur Saterau«: Eewerkschaflsbewegung: Fe. Etzkorn: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokales und Sonstiaes: Fritz»arstädt: Anaeinen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Lkrlaa: Botwäris-Berlaa G.m.b.H.. Berlin. Druck: Borwäris-Buchdruckerei und Beriaasonstalt Paul Einaer u. Co.. Berlin SW li8. Lindenstrake 3 Hieran 2 Beilagen,„Blick in die Biicheiwelt",..Unterhaltung und Wissen* und„Ans der Filmwell". Kr. 322 ♦ 4Z.�ahrgang 1« Seilage ües vorwärts Sonntag, „Di« Kinderreich« im Reisekorb/„Entbunden m der Boden- kammer"': das sind nur zwei Schlagzeilen aus den Lokolnach richten der letzten Wochen. Wie«in scharfes Schlaglicht zeigten sie wieder einmal das Elend der unehelichen Mütter auf. Da haben wir nun Schwangerenberatungsstellen von der Stadt ilnd von der Kranken- tasse,„soziale Fürsorge" und„Wohltätigkeit" in allen Schattierungen: und da liegt ein junges Weib in einem Bodenverschlag, in ihrer schwersten Stunde ohne Hilfe. In ihrer Verlassenheit und Angst zwängt sie das Neugeboren« in ein« Kiste, bricht ihm die Aermchen und verletzt das Kind so schwer, daß es wenige Stunden darauf stirbt. Nun ist das jung« Weib Polizeigefangene: jetzt hat sie eine klein« Zelle,«in Bett, Hilfe, wenn sie erkrankt und all« Tage Esten, mag es auch recht mager fein: ja jetzt... Wie heißt doch das schöne Wort, von dem Brunnen, den man zudeckt, wenn das Kind hinein- gefallen ist? War dem Elend der jungen Mutter wirklich nicht eher zu steuern, mußte ihm erst das Kind so zum Opfer werden? Wohin soll«in Mädel, das weßen der Schwangerschaft seine Stellung ver- liert, dem weder der Vater des Kindes, noch die eigenen Eltern zur Seit« stehen? Wie kann ihm über die schwere Zeit vor und nach der Entbindung geholfen werden? Der erste weg. Ach, wenn die wirtschaftlichen Verhältniste nicht so schlecht wären, so wäre die Sache für die werdenden Mütter, die dem Prole- tariat entstammen, nicht so verzweifelt. Denn erfreulicherweise hat das Volk ein« recht gesunde Ansicht von diesen Dingen: nach dem ersten Donnerwetter gab es meist eine schnell« Versöhnung, das alte Kinderbett wurde vom Boden geholt, und der unvorfchrifts- mäßige kleine Enkel wurde mestt gerade der..Verzug" Großvaters und Großmutters...„dafür kann doch det Kind nifcht! Und die Jrete is überhaupt blos in ihre Dußlichkeit dazu jekomm'n. Sone richtich raffinierten Meechens, d i e kriegen keene Kinder"... und damit war die Sache dann erledigt, bis Grete, oft genug, den Vater des Kindes heiratete. Das war mal... Heute ist es viel schlimmer, mögen die Eltern auch noch so oerständig sein. Denn mit dem Augenblick wo ihr Zustand offenbar wird, verliert die werdende Mutter fast stets ihre Stellung, ob sie nun Dienstmädchen. Ver- käuferin oder Stenotypistin ist. Zu Haus ist die Wohnung ohnehin überfüllt, eins oder das andre ist sicher schon arbeitslos: und Not macht hart. So geht die junge Mutter denn zur Schwangerenberatungsstelle ihres Bezirks. Kann sie nicht bei den Eltern bleiben oder wohnte sie schon allein, so wird man von dort aus zuerst ver- suchen, sie als..hausschwangere" in einer der zahlreichen Entbin- dungsanstalten unterzubringen: das heißt, gegen Uebernahm« von Hausarbeit haben die Schwangeren dort ungefähr 3 Monate lang freie Station und auch die Entbindung frei. Sehr oerschieden sind die Anforderungen, die hier an die werdende Mutter gestellt werden. Doch selbst im günstigsten Fall müsten sie andauernd auf den Beinen sein, selbst im güiiiiigiten Fall dauert ihre„Dieustbereitschast" den ganzen Tag. Die Behandlung durch die Schwestern ist nicht immer gut, besonders in den Heimen, die unmittelbar unter geistlichen Oberhirten stehen, läßt man die uneheliche Mutter noch oft fühlen, daß sie eine„Gefallene" sei, und alles, was an ihr getan wird, nur „lauter Gnade und Barmherzigkeit" ist. Und mit zusammengebissenen Zähnen läßt das Mädel die Behandlung über sich ergehen, denn— wo soll es sonst hin? Die Stadt übernahm noch bis vor kurzer Zeit erst für die letzten 14 Tag« vor der Entbindung die Kosten anderweitiger Unterbringung, auch für die Krankenkassen ist Schwan- fierschoft„im Sinn« des Gesetzes" keine Krankheit. Jetzt ist g>enig- lens erreicht worden, daß die Wohlfahrtsämter bei der durch Schwangerschaft verursachten Arbeitslosigkeit und Not eingreisen und die werdende Mutter eventuell gegen Zahlung in eines der leider nicht zu zahlreichen Heime unterbringen. Der von der Stadt ge- zahlte Satz ist 2 Mark pro Tag. Das ist so wenig, daß die ewiggn Klagen der Heiminsasien über die Monotonie der Kost nur zu be- greislich sind. Schwangere zwischen dem 4. und 7. Monat sind aber auf andere Weife kaum unterzubringen. Die Staüt als vormunü. Znr jedes unehelich geborene Kind tritt fehl automatisch der Bcrussvormund des Geburtsbezirks als Vormund ein. Regelmäßig macht die Wohlfahrtspflegerin in den Entbindungsanstalten die Runde, bewaffnet mit den großen Fragebogen, um genau den Kamen des Vaters und der Großeltern des neugebackenen Staats- bürgers festzustellen. Die Generaloormundschaft der Stadt ist ein« recht gut gedachte Sache: wer jedoch erlebt hat, mit welcher Takt- losigkeit manchtnal gegen Mädel, die kaum entbunden haben, vor- gegangen wird, wie„Wohlfahrtsämter" arbeitenden Müttern auch von dem kleinsten regelmäßigen Einkommen Rückzahlungen der bei Krankheit des Kindes usw. geleisteten Vorschüsi« abzupressen suchen. wird dringend wünschen, daß bei jedem Kinde gleichzeitig ein Gegen- vormund«mannt wird, der die Verhältnisse der Mutter genauer kennt, als dies dem Recherchenten des Jugendamtes möglich ist, und der hier als Mittels- und Vertrauensmann beider Teile, unbelastet von allem Schreibtram, wirkliche„soziale Fürsorgearbeit" leisten würde. Denn in der oft recht zusammengewürfelten Beamtenschaft dieser Aemter scheint dieser Begriff noch nicht recht Fuß gefaßt zu haben... Mutter und Rind. Das ist das letzte und schwerst« Problem: die Unterbringung der Wöchnerinnen mit den Kindem. Wie schlecht hier die Verhältnisse in Groß-Berlin liegen, kann man am besten daran ersehen, �daß das größte städtische heim, das lang« Zeit das einzige von der Stadt erhaltene war, über 60 Fmuen- und 60 Säuglingsbetten verfügt«: es ist das Charlottenburger Säuglings, und Mutterheim, Rüstern- allee. Nur noch ein Stadtbezirk, Friedenau, hat sich zur Errichtung eines gleichen, doch viel kleineren, Heime» aufgeschwungen. In den anderen Bezirken scheint für diese Aufgabe sozialer Fürsorge noch gar kein Verständnis vorhanden zu sein. In Wilmersdorf will man dem heim des Bundes für Mutterschuh, dem die ohnehin unzulängliche Mietwohnung gekündigt wurde, nicht einmal städtische Räume freimachen, trotzdem die aus dem Wilmersdorfer Krankenhaus ent- lasienen Mütter sogar privat bei einer alten Hebamme untergebracht werden müssen! Sonst sind die Mütter auf die Heime des Vater- ländischen Frauenoereins, auf die Heilsarmee, oder Vereine der verschiedensten konfessionellen und ethischen Einstellungen angewiesen. Do sind neben m»dern geleiteten Heimen noch Stätten„religiöser Fürsorge", in denen jede Mutter unterschiedslos mit„Du" angeredet wird, der Mund der Schwestern träuft zu jeder Zeit von„süßem Sanft- mutsöle", aber die Wöchnerinnen müssen arbeiten... arbeiten, so daß manchmal die Anstaltsleitung selbst einsieht, daß nur sehr robuste Naturen diesen Anforderungen gewachsen sind, und dann einen Aus- tausch mit weniger anspruchsvollen Heimen sucht. Ucbertiimmt die Stadt die Kosten der Unterbringung, so zahlt sie täglich 4,05 Mark für Mutter und Kind: die Höchstdauer der Unterbringung in diesen Wöchnerinnenheimen ist meist 6 Wochen. Dann muß sich die Mutter zumeist von ihrem Kinde trennen, wenn es ihr nicht gelang, in einem der Säuglingskrankenhäuser oder-Heim« als Amme unter- zukommen. Diese Ammen müssen Hausarbeit übernehmen und Milch abziehen: dafür dürfen sie das eigene Kind mindest zum Teil stillen, haben mit dem Kinde freie Station und erhalten zumeist«in kleines Taschengeld. Man hat nun ferner versucht, erwerbstätigen Müttern durch sogenannte„Muttecsiedlungen" ein längeres Zu- fammenleben mit ihrem Kinde zu ermöglichen. Leider ist dieser gute Gedanke bisher völlig der privaten Initiative überlassen worden; und teils durch den Mangel an Mitteln, teils durch die Verzerrung des guten Grundgedankens ins asketisch-klösterliche kann sich diese Idee nicht recht durchsetzen. Sehr zum Schaden der Kinder: denn es ist keine Frage, daß die Massenaufzucht, auch in dem bestgeleitetsten Säuglingsheim die Intelligenz und das Gefühlsleben des Kindes nicht so entwickelt, wie ein wenig Mutterliebe. Weil aber doch alle Der lvobblq. 29s Von B. Traven. ltopynedt by Buchmeister-Vcrlag. Berlin und Leipzig. Abends um neun stiegen wir auf einer kleinen Station. aus. Es war die Heimatstakion des Mr. Pratt. Wir gingen in die Kantina, die gleichzeitig das Hauptpostamt war. Mr. Pratt begrüßte den Kantinabesitzer, einen Senor Gomez. und stellte mich vor. Na, zu essen, was man woanders essen nennen würde, gibt es in solchen Kantinas nicht. Aber man kann nicht verhungern. Man kann sich das schönste Essen zusam- menstellen. Wir nahmen eine Büchse Vancouvcrsalm, einige Büchsen spanische Oelsardinen, einige Büchsen Wiener Würst- chen(gemacht in Chikago), eine Büchse Kraft-Käse(die Marke heißt Kraft, aber der Käse ist trotzdem gut und kräftig, wenn auch teuer wie ein Stück Gold), und endlich nahmen wir noch ein Paket Crackers, weil es Brot oder Brötchen nicht gibt. Was sollte�man damit auch auf dem Lande anfangen? Den Tag darauf ist es wie Stein oder völlig verschimmelt oder innen und außen voll von kleinen roten Ameisen. Diese Crackers sind viereckige Bisquits, so große wie eine Hand- fläche, und ich habe den Fabrikanten sehr stark im Verdacht, daß er mit diesen Crackers die Christen an den Geschmack der Matze gewöhnen will. Als mir mal jemand Matze zu kosten gab. sagte ich zu ihm:„Schwindeln Sie mich doch nicht an, das ist ja ein Klotz-Cracker." Ja, also so schmeckt das Zeug. Ent- l fetzlich nüchtern und nichtssagend. Aber, was anderes gibt es nicht. Und wenn man nicht zu den indianischen Tortillas hält, sind diese Crackers wohl das gesündeste Brot in den Tropen: denn europäisches oder gar deutsches Brot würde einem hier den Magen umdrehen und in einer Woche auf den Cementerio bringen. Der Cementerio ist der Platz, wo man hier die Toten begräbt, ein Platz, den man wo anders Friedhof nennt. Aber an Friedhof dachten wir nicht, denn wir machten uns mit dkm Tenor Gomez über seinen Bier- und Tequila- vorrat her. Wir waren zwar nach einer angemessenen Frist dann auch tot. jedoch nicht reif zum Begraben. Wir wickelten uns in unsere Decken und legten uns auf den Boden des Billardraumes in der KantWa. Senor Gomez hatte es besser. Er ging zu seiner Frau und lag weicher als wir. 18. Mit diesen Gedanken an eine Frau oder an die Frau im allgemeinen— so genau weiß ich das nicht mehr— schlief ich ein, und mit dem Gedanken an eine bestimmte Frau wurde ich"am nächsten Morgen geweckt. Diese Frau war Mrs. Pratt. Sie war vom Rancho mit dem Ford angekommen, um in der Kantina einiges einzukaufen. Bei dieser Gelegenheit fand sie ihren Ehegatten, den sie noch nicht erwartet hatte, und sie fand ihn in einer Verfassung, die sie am allerwenigsten erwartet hätte. Wie das immer so geht, solange die Welt aufgebaut ist, es ist stets der Unschuldige, der leiden muß. Ich war der Unschuldige, und ich mußte infolgedessen leiden. Mr. Pratt war das Muster eines Ehemannes, und ich, den er irgendwo im Schlamm aufgelesen hatte, war der nichtswürdige Bube, der ihn verlockt, verführt und ihn in den Sumpf geworfen hatte. Denn er, der brave Mr. Pxatt, tat so etwas nie. Als wir gingen, gab Mr. Pratt Senor Gomez einen Wink. Männer verstehen den Wink sofort, besonders wenn die beiden, zwischen denen der Wink ausgetauscht wird, Ehe- männer sind, die mit ihren Frauen gern in Frieden leben. „Sie hatten also soviele Oelsardinen und dann noch das und das und—" Der Wink kam wieder. „— und Sie hatten zwei kleine Flaschen Bier, und hier der Mr. Gale hatte vier. Ja, das ist alles. Ich habe die Flaschen genau angekreuzt." Mrs. Pratt war zufrieden mit Ihrem Gatten. Er konnte ja später das Schock Flaschen bezahlen, das da leer in der Ecks log. Er war dem Sefior Gomez ja gut. Aber ich kriegte einen Älick von Mrs. Pratt, der mich das Schlimmste befürchten ließ, und ich überlegte ernsthaft, ob es nicht besser sei, Mr. Pratt gleich hrer zu sagen, daß ich. auf den Kontrakt doch lieber verzichten wolle. Denn ich hatte ja etwa zwei Wochen, wenn nicht länger, im Hause der Mrs. Pratt zu leben. Solange konnte es dauern, bis der Transport ausblockiert war. Und was konnte mir diese Dame in jener langen Zeit alles anlun. Man denke, ich hatte ihren nüchternen, braven Ehegatten in eine Verfassung gebracht, daß er selbst jetzt, nach einigen Stunden Schlaf, noch kaum auf den Füßen stehen konnte und mit verglasten Augen in die Welt guckte. Man soll sich mit verheirateten Männern nicht einlassen. Das tut nie gut. Das ist eine ganz andere Rasse. Ich würde mich nicht wundern, wenn ich Senora Gomez nicht auch noch auf den Hals kriege. Dann aber laufe ich, das ist sicher; denn gegen Sefioras läßt es sich schwerer ankommen als gegen Missis. Deren Zungen- bänder sind viel geläufiger als die anglosächfifchen, und die Seäoras arbeiten viel intensiver und viel unvorsichtiger mit den Fingernägeln. Ich war deshalb recht froh, daß, Mrs. Pratt ihren sonst Nüchternen in den Ford bugsierte, sich an das Steuerrad setzte, einschaltete und abrasselte. Daß ich mit sollte und mit wollte, darum kümmerte sie sich nicht. Ich konnte ja laufen, die vierzehn Meilen, die der Rancho von der Station entfernt war. Aber der Gedanke daran gab mir eine ungeheure Schwungkraft, und mit dieser Schwungkraft setzte ich dem Ford nach, als Mrs Pratt die Kurve einbog, um auf den Weg zu kommen. Ich raffelte in die offene Klappe. Kopf zuerst. Die Schwungkraft hatte nicht ausgereicht, auch die Beine mit hineinzukriegen. Deshalb hingen die Beine lang heraus. Ich bin überzeugt, daß die Indianer, denen wir unterwegs begegneten, sicher glaubten, ich sei eine Anprobier- puppe, die Mrs. Pratt von der Bahn geholt habe. Viel- 'leicht glaubten sie noch ganz andere Dinge, vielleicht, daß Mrs. Platt mich überfahren habe und mich nun rasch nach dem Rancho schleppe, um mich dort einzuscharren. Wir kamen auf dem Rancho an. Aber niemand küm- werte sich um mich. Mrs. Pratt fuhr das Auto unter ein Strohdach und ließ es dort stehen. Ich hing noch immer in dieser unglücklichen Stellung in der Klappe. Endlich aber wurde mir diese Lage doch zu unbequem. Ich zerrte mich heraus und setzte mich in die Polster. Als ich erwachte, stand die Sonne tief. Ob sie aufgehend oder untergehend war, wußte' ich nicht, weil ich ja hier fremd war und die Himmelsgegenden nicht kannte. „Hallo, Sie da unten. Haben- Sie jetzt Ihren Suff aus- geschlafen?" rief da Mrs. Pratt von der Veranda des Rancho- Hauses herunter.„Sie scheinen mir ja gerade das richtige Hühnchen zu fein, das mein alter Esel da auf der Straße aufgelesen hat. Sie werden wohl mit der Herde am Panama- kanal landen, Sie Trunkenbold. Dem Himmel sei Dank, daß da der Kanal ist, sonst könnten wir der Herde bis nachBrasilicn nachlaufen. Wer'weiß, wo Sie mit ihr hingeraten. Kommen Sie rein zum Essen." (Fortsetzung folgt.) SJuglinysherme nicht ausreichen, fo ist man setzt auf eine» nicht unbedenklichen Ausweg verfallen. Man gibt die Sinder in Gruppen von ungefähr sechs in Pflege. Die Stadt zahlt pro Kind 45 Mark Pflegegeld im Monat, mit allen Nebenleistungen beträgt die Ver> gütung zirka SO Mark. Man kann nun eine einfache Rechnung mch machen: Es ist unmöglich, daß eine Person ohne Hilfe K Kinder be� treut. ordentlich säubert, wäscht, und, in der Großstadt, hinreichend in Lust und Sonne bringt. Dazu gehört dann noch eine Dreizimmer wohnung, die in. Berlin nicht unter 60 Marl zu haben ist... Von den 240 Mark, die übrig bleiben, müssen also noch 2 Erwachsene und 6 Kinder leben: man kann sich leicht ausrechnen, was da an materieller Sorgfalt, von Liebe ganz zu schweigen, auf jedes Kind kommen kann! -» In ländlicher Umgebung, wo am Haus der Pflegerin ein Gärt- chen Tummelplatz der Größeren, Luft- und Sonnenbad der Klei neren ist, wo die Wohnungsmieten erheblich niedriger sind, ließe sich eine derartige Ädee hier und da ohne Schaden für die Kinder viet leicht verwirklichen. Unter den Verhältnissem in denen wir m Berlin leben, besteht leider die große Gefahr, daß aus diesen„Nestern* Engelfabriken werden.-- Aber für die, die Säuglingspflege aus Büchern und unsere sozialen Verhältnisse vom grünen Tisch aus kennen gelernt haben, mag die Idee bestechend sein.— So bleibt dann in den meisten Fällen nur das große Heim für die Säuglinge und die Kleinkinde? bis zu zwei Jahren, aus dem die Kinder dann in „Familienpflege* untergebracht werden. Selbst im günstigsten Fill werden sie der Mutter entfremdet und wachsen meist heimatlos und wurzellos auf. *** • llnkerkunfksadresfen für Schwangere und Mütter. Bezirksamt I: Unterkunft für hilfsbedürftige Wöchnerinnen Berlin O., Blumenstraße S7. Mütter-, Kinder- und Wöchnerinnen- heim, Aufnahme ehelicher und unehelicher Schwangerer sowie von Müttern vom Tage ihrer Entlastung aus der Entbindungsanstalt an. Bezirksamt III: Drontheimer Str. 35, Heim des Vaterländischen FrauenvcreiNs. Aufnahme Schwangerer einen Monat vor der Eni bindung: Mütter können drei Monate noch der Entbindung mst ihren Kindern nn Heim bleiben. Wöchnerinnenheim der Heilsarmee, Reinickendorfer Str. SS. Aufnahme obdachloser Schwangerer und Wöchnerinnen. Zufluchtsheim St. Michael, Aufnahme von Schwangeren bis kurz vor der Entbindung. Bezirksamt IV: Heim Mutterhilfe, Schönhauser Allee 147, Auf» nähme von Schwangeremund Müttern mit Kindern. Fröbelstr. IS, Station für Schwangere und Wöchnerinnen im städtischen Obdach. Charlollenburg: Rüsternallee 24/26, Städtisches Säuglings» und Mütterheim. Aufnahme von Müttern mit ihren Säuglingen nach der Entlastung aus der Entbindungsanstalt. Wilmersdorf: Heim des Deutschen Bundes für Mutterschutz. Lankwitz: St. Monikastift, Ausnahme von Schwangeren vom dritten Monat der Schwangerschaft an. Entbindungsanstalt und Säuglingsheim. Südende: Anhalter Str. 6, Säuglingsheim der Dominitane- rinnen. 3 bis 4 Betten für Mütter. Neukölln: Städtisches Säuglings- und Mütterheim. Am Marien- dorfer Weg 28— 30. Lichtenberg: Möllendorfstr. 62— 69, Frauenheim des Deutschen Roten Kreuzes. Aufnahme von Schwangeren und Wöchnerinnen. Weißensee: Beh-Elimstistung(evangelisch), Däuglings-, Mütter» und Schwangerenaufnahme, Parkst?. 18/19. Kasteler Str. 2— 4a, Müttersiedlung, Aufnahme zu dauerndem Aufenthalt von Müttern und Kindern. Pankow: Breite Sr. 6, Müttersiedlung, Aufnahme von Müttern und Kindern zu dauerndem Aufenthalt. Rofenthal-Nordend: Schönhauser Str. 40/41, Heim Maria Frieden. Aufnahme von Schwangeren und Müttern. Mittag im Rosengarten. Das ist ein Duften und Blühen in den prächtigsten Farben und Formen und der schwere, süße Geruch verbreitet, im Verein mit den leuchtenden Sonnenstrahlen, eine schwüle, satte Treibhausluft. Mit- tag ist's, im Rosenhain des Tiergartens und die Natur spricht ihre blühende Sprache. In beiden Teichen blühen, wuchern fast, un- zählige Seerosen in weiß und rosa und bilden mit ihren tellerarttgen Blättern einen Bllltenteppich, daß man kaum die Wasserfläche sieht. Der Gärtner watet vorsichtig zwischen ihnen herum. Hier pflückt er ein welkes Blatt, dort stützt er eine zarte Blüte. Zu wirklich wirkt der sorgliche Beschützer dieser Wassernixen. Ein Rautendelein müßte, selbst blütengleich, ihre Schwestern hegen und pflegen. Es ist alles so zart, fo tropenhaft-geheimnisvoll, so unwirklich. Und hörte man nicht von draußen die AutoHupen stöhnen und die Straßenbahnen poltern, man wähnte sich im Garten eines verwunschenen Schlostes. Schön ist's hier— bis auf Eines: Inmitten eines üppigen Rosen- beetes prangt die Statue der verflossenen Landesmutter. Wie ein böser Tintenklecks im sauberen Reinschristheft. Sie erinnert an die allbekannten Gipsfiguren der italienischen Straßenhändler. Die geschnürte Taille erhöht noch den lächerlichen Eindruck. Den Eingang zu diesem duftenden Hain flankieren dichte, schwere Oleanderbllsche und heckenrosenumrantte Säulen. Und dann gibt's Rosen, nichts wie Rosen. Alle, alle sind sie da. Die ttesrote Marguerite d'Italie, fast ins Violette spielend, wie schwerer, alter Bordeaux, die stolze Marechal-Niel, vornehm in ihrem zarten Gelb, die Betty Uprichard, deren Knospe anfangs leuchtend rot, sich lachs- färben entfaltet. Die ätherisch-zarte Ophelia mit ihren weißrosa Blüten verbreitet einen schweren Duft, ähnlich den Tuberosen. Die irisierende Malmaison mit Blütenblättern gleich Chinaseide und viele, viele andere in- und ausländische Schönheiten. Den Hinter- grund schmücken Hortensien in ihren schönen, zarten Pastellfarben. Und die Sonne— soweit sie noch vorhanden— lagert auf den Blumen und entlockt ihnen all ihre Pracht und ihren Duft. Zur Mittagszeit sind die Bänke voll Menschen. Sie halten hier Mittags- rast und schließen ein wenig die Augen, denn die Sonne macht müde. Bald geht's wieder zurück an die Arbeit. Aber die kleine Pause in? Rosengarten tut doch wohl. Die Premiere L. war Schauspieler, dann Kabarettist und schließlich Journalist und Verleger. Zweimal ist er bereits wegen geringfügiger Betrüge- reien vorbestraft. Jetzt steht er vor Gericht wegen erneuten Betrugs. Seine Frau— er ist junger glücklicher Ehemann— sitzt im Zuhörer» räum. Er hatte die Schauspielerschule besucht und durste sich hinter- her in der Provinz selbst in großen Rollen produzieren. Vom Jahre 1920 bis 1923 versuchte er sein Heil aus den Kabarettbrettern, um dann Journalist zu werden. Im Jahre 192S gründet« er die Zeit- schrift„Die Premiere*— gedacht als große Programmzoitung, die durch eine weit ausgebaute Jnseratenabteilung nicht allein ihre Eri- stenz führen, sondern auch dem Verleger etwas abwerfen sollte. Es kam aber, wie oft im Leben, anders. Die Zeitschrift ging bald ein. Zuerst verpfändete er sie für 150 Mckrk einem guten Freunde, dann verkaufte er sie an einen Verlag für 250 Mk. ohne die ersten 150 Mk. zurückgezahlt zu haben. Nun sollte ein neues Unternehmen ihm auf die Beine helfen. Für eine Musikerschau warb er Interessenten, die sich hier verewigen lasten sollten. Er suchte in verschiedenen Cafe« Kapellmeister auf, ließ sich je nachdem 3 oder 5 Mk. Anzahlungen geben, besorgte Klischees, die Photographien erschienen aber nicht. Hinterher gelang es ihm doch, den Schaden ein wenig wett zu machen. Einige Photographien erblickten das Licht der.Welt. Es war aber zu spät. Die Strafanzeige wegen Betrugs war von den ge» schädigten Musikern bereits gestellt. Nun kamen auch feine anderen Verfehlungen an das Tageslicht: der betrügerische Verkauf seines Verlagsrechts und dgl. mehr.— Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte ihn zu sechs Wochen und verlieh ihm Bewährungsfrist unter dex Be- dingung, daß er den erfolgten Schaden wieder gutmach«. Der Angeklagte blickte glückstrahlend zu seiner Frau hinüber und ver- sprach dem Richter, der ihm gut zusprach, olles, was der nur wollte. Er wird sein Versprechen vielleicht halten, wenn er— einmal wirklich Geld hat. Sonst aber kann der ersten Premiere vor Gericht bald die nächste Vorstellung folgen._ Der Leuerwehrmarm als vranüstkster. Talen eines geistig Minderwertigen. In Dannenreich(Kreis Beskow-Storkow) brannte es fort' während— 25 mal in wenigen Monaten. Wer mag der Brand- stifter sein? Wohl hatte man den Arbeiter Karl S. von der che- mischen Fabrik Kuhnheim in Wildau im Verdacht. Aber wo die Be- weise hernehmen? Er war selbst Feuerwehrmannundbeim Löschen stets als erst er dabei. Im Mai v. I. brannte aber der Schuppen der Fabrik Kuhnheim nieder— das bedeutete einen Schaden von 12 000 M. Man nahm den S. ins Gebet. Er leugnete, man ließ ihn laufen. Im November entdeckte man zwei Brandherde: auf dem Dach des Kommergebäudes und des Konzentrationsgebäudes. Wäre ein Feuer entstanden, die Fabrik Kuhnheim und die anschließende andere Fabrik, die insgesamt 180 Arbeiter beschäftigten, wären in wenigen Minuten in Flammen aufgegangen. Nun war man auf der Hut. Aber schon wenige Tage später, am 2. Dezember, wieder holte sich das frevle Spiel. Wieder entdeckte man auf den Dächern glühende Kohlen, die in Lappen eingewickelt waren. Wer war nun der Uebeltäter? Man fand eine Fußspur, oerglich sie mit den Holzpantoffeln des S. und siehe da, sie paßten auf ein Haar. Man nahm sich ihn vor. Er leugnete: man redete ihm ins Gewissen, mobilisierte seine Frau, er brach zusammen und war g e st ä n d i g: den Schuppen angezündet und die beiden Brandsttfwngsversuche begangen zu hoben. Nur über seine Motive konnte man nichts in Erfahrung bringen. Er war bereits sechs Jahre in der Fabrik be- schäftigt, man war mit ihm zufrieden, es war ein gutmütiger Mensch und ordentlicher Arbeiter. Man stand wie vor einem Rätsel. Nur eine Vermutung kam auf: ein Arbeiter war in Unfrieden aus der Fabrik geschieden: mtt diesem verkehrte S. Ob der ihn zu den Brandstiftungen nicht angesttftet haben mag? Auch der Unter- suchungsrichter forschte nach Mottven. Und da erklärte plötzlich S., sein Stiefvater hätte ihn unter Drohungen veranlaßt, die Brandstiftungsverfuche zu begehen. Die Scheune habe dieser ober selber angesteckt, weil er sich geweigert hatte, das zu tun. Mit dem Stiefvater hat es fein« besondere Bewandtnis. Er war ein Landstreicher und Dieb und hatte sich schon seit Iahren in der Gegend nicht mehr sehen lasten. Seine Frau, Karl S.' Mutter, hatte er als ein bösartiger Trinker, jahrelang aufs schlimmste miß' handelt— fest zehn Jahren befand sie sich bereits im Irrenhaus. Die Kinder mußten auf Veranlassung des Stief» o a t e r s st e h l e n oder beim Bauern arbeiten, weil es zu Hause nichts zu essen gab. Die stärkste Erinnerung Karls von feiner Jugendzeit sind die Prügel zu Haufe und in der Schule. Er war ein schlechter Schüler und wurde ein beschränkter Mensch. Der Sach- verständige behauptete, sein geistiger Horizont wäre unge- fähr der eines zwölfjährigen Dorfjungen. Allgemein hieß es, er habe einen„Klaps*. Er heiratete ober eine Frau, die nicht viel mehr„Grips* hatte als er und hatte mit ihr sogar zwei Kinder— auch ein« Bereicherung der Menschheit. Den Stiefvater wollte er einige Male getroffen haben, als er zur Arbeit fuhr. Phantasiegebilde? Weshalb hat er nun feine Brandstiftungen begangen? Aus Lust a m ffeueranlegen? Beim Löschen des Schuppens, den er angesteckt hatte, war niemand so eifrig dabei, wie er selbst. Also weshalb die Brandstiftungen? Dieses G e- h e i m n i s löste auch die gestrige Gerichtsverhandlung nicht, auf der der Sachverständige Dr. Dürenfurth den Angeklagten für geistig in höchstem Grade minderwertig bezeichnete. Das Vorliegen einer Zwangshandlung im Sinne des§ 51 jedoch verneint. So verurteilte Ihn das Gericht unter Anrechnung von 8 Monaten Untersuchungshaft zu I Jahr 9 Monaten Zuchthaus, zu 5 Jahren Ehrverlust und zur Stellung unter Polizeiaufsicht. Vielleicht wäre es doch richttger gewesen, ihn für geisteskrank zu erklären und Ihn als gemeingefährlich einer Irrenanstalt zu überweisen. Auch ein„KinSerfreunS". Die sittlichen Verfehlungen des Schulhausmeisters Johann Keßler aus der Mädchenschule in der Hannoverschen Straße, die seinerzeit in der Oeffentlichkeit ungeheures Aufsehen erregten, wurden gestern vor dem Schöffengericht Mitte verhandelt. Wie noch in Erinnerung sein dürfte, hatte sich K., ein 56jährig«r, ver- heiratete? Mann mit erwachsenen Kindern, in den letzten zwei Iahren an einer großen Zahl von Schulmädchen der Schule, bei der er ieben Jahre tätig war,— er ist seit 1905 als Schulhausmeister bei )er Stadt Berlin beschäfttgt— in schamlosester Weise vergangen. Durch Geschenke, die sich zwischen 10 Pfennig und 1,50 Mark bewegten, lockte er die Kinder in die Turnhalle, in den Keller oder auf den Boden. Dabei war er so gewissenlos, sein Treiben In Gegen- wart von drei bis vier Kindern zu vollführen, tyt einem Mädchen hatte er sich nicht weniger als m neun Fällen vergangen. Nach seiner Be- hauptung seien ihm die Kinder nachgelaufen und hätten immer einen Groschen von ihm verlangt. Da der Angeklagte erklärt hatte. daß er die Straftaten nicht bestresten könne, hatte das Gericht von einer Ladung der Kinder Abstand genonimen. Der von dem Ange- klagten oersuchte Entlastungsb-weis, daß er in sinnloser Trunken- heit gehandelt habe, piißlang völlig. Das Schöffengericht war, wie Landgerichtsdirektor G a y l im Urteil aussprach, über das schamlose Treiben des Angeklagten an Kindern, die der Obhut der Schule, zu deren Beamten er gehörte, anvertraut waren, so empört, daß es die vom Staatsanwalt beantragte dreijährige Zuchthausstrafe für zu ge- ring erachtete und auf fünf.Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust erkannte._ Der Mann im Schornstein. Daß der„schwarze Mann*, der täglich auf den Dächern herum- paziert und die Esten reinigt, zuweilen in recht unangenehme Situationen kommen kann, zeigt ein Vorfall, der sich gestern nach- mittag auf dem Dach des Hauses R a u m e r st r. 40 im Norden Berlins abspielt«. Ging da ein Schornsteinfeger von Dach zu Dach, um die Mietshausschlot« zu säubern. Er verlor plötzlich den Halt, rutschte in«in« Schorn st einöffnung und konnte ich nicht selbst befreien. Bis auf feine Hilferuf« Hausbewohner auf. merkfam werden und die Feuerwehr alarmieren. Es wurde vorsichtig versucht, den„Mann im Schornstein* zu befreien. Es ge- lang nicht. Blieb schließlich nichts weiter übrig, als den Schorn- tein abzutragen, um den steckengebliebenen Schornsteinfeger aus seiner Loge zu befreien._ Belm Baden erknmken. Arn Freitag ereigneten sich wieder ein« größere Anzahl von schweren Wasserunsällen. Im Freibad Oberschönewetde ertrank der Arbeiter August Radetzti aus der Rigaer Str. 15 zu Berlin. Sein« Lnche konnte vom Reichswasserschutz noch nicht geborgen werden. Beim Boden in der Ruthe ertrank lnsolg««,n«s Herztrampfes der Arbetter Albert Schmähdicke aus Rehbrücke. In der Dahme bei Schmöck- w i tz, in der Nähe de» Vereins„Schmöckwitzer Segler� ertrank der 27jährige Kaufmann Ernst Lichtenberg au» der Bandelstr. 2 in Moabit. Lichtenberg konnte nach ganz kurzer Zeit geborgen werden, doch hatten Wiederbelebungsversuche keinen Erfolg. Ein hinzugerufener Arzt stellte den Tod infolge Herzschlages fest. Bei Köpenick, in der Nähe des Restaurant» Datdfdyll er» trank eine männliche Person, deren Personalien noch unbekannt sind. Der Unfall war von Ausflüglern vom Ufer aus beobachtet worden, die sofort den Reichswasterschutz alarmierten. Trotz eifrigen Euchens gelang es bis jetzt aber noch nicht,- die Leiche zu bergen. »Wohltun erfordert Selbstkritik.� Antwort an einen..Aachmann*. Diesen Sammelartikel m der Morgenausgabe des„Berliner Tageblattes* vom 10. Juli 1926 benutzt unter der Spitzmarke„Ver- sagende Krankenfürsorge* ein nach Ansicht des„Berliner Tageblattes" „bekannter Fachmann* nämlich Herr Dr. Scheyer, Vorsitzender des Groß-Berliner Aerztebundes, um wieder einmal Angrisse gegen die Berliner Kassen-Ambulatorien loszulassen. Wer ist dieser„Fachmann* Dr. Scheyer? Er ist einer jener sechs Sanitätsräte und Aerztestreiksührer, die unseren Lesern bekannt sini, well sie sich als„Gewerkschaftsführer* aus dem Streikfonds 15 000 Mark als Gratifikation für den verlorenen Streik zuschustern ließe. Wenn man mit solchen Summen zu rechnen gewohnt ist, wie Hc Sannätsrat Scheyer, dann findet man 8 bis 10 Goldmark für nw dringenden Nachtbesuch um 10 Uhr abends bei einem kranken Kr die ein Arzt einer Proletariersrau abknöpft, natürlich nicht für hoch. Wenn dagegen die Kaste, wie sich Herr Scheyer darüber l- klagt, auf Grund gesetzlicher Bestimmungen nur 4,80 Mk. dem M>- glied zurückerstatten darf, so ist natürlich die Kaste im Unrecht und nicht der Arzt, der ganz genau weiß, daß die Frau, deren Mann wo- möglich noch arbeitslos ist, nicht mehr zurückerhalten kann. Herr Scheyer erzählt uns dann weiter, daß, obwohl in den Ambulatorien „messt junge, unerprobte Anfänger stch befinden*(wohl hinsichtlich der Ausstellung hoher Aerzterechnungen. D. Red.), das Kind diesmal richtig behandelt wurde. Für wie unwissend Herr Dr. Scheyer die gebildeten Leser des„Berliner Tageblattes* einschätzt, beweist seine Forderung auf freie Arztwahl für alle Versicherten. Jeder Prole- tarier weiß, daß diese besteht, daß sie aber für die wohlsituierten Abonnenten des„Berliner Tageblattes*, denen Herr Scheyer hier sein gequältes um das Volkswohl bangendes Herz ausschüttet, nicht in Betracht kommt. Wie sich aber die unorganisierte, freie Arztwahl, die von den ftandestreuen Aerzten gefordert wird, bei den Familien- angehörigen der Kassen auswirken würde, darüber gibt der Geschäfts- bericht der AOK. Berlin Auskunft, der diese Mehrausgaben allein für Arzneimittel auf mindestens 3 Millionen Mark beziffert. Herr Dr. Scheyer glaubt bei den Lesern des„Berliner Tageblattes* noch weit größere Unkenntnis annehmen zu können, wenn er sich in A n- griffen gegen die Landesversicherungsanstalt er- geht. Er behauptet, daß sich ein leichter Lungenspitzenkatarrh inner- halb von acht bis zehn Wochen, solang« dauert es, bis ein Ver- fchickungsantrag genehmigt ist, so verschlimmert habe, daß ein Erfolg des Heilverfahrens stark in Frage gestellt sei. Der Schlußrefrain dieser Klagen gegen die Träger der öffentlichen Gesundheitspflege ist auch hier wieder, daß die Landesversicherungsanstalt zu wenige Aerzte habe. Wenn Heri Dr. Scheyer seinen Artikel überschrieben hätte: „Was muß geschehen, um unbeschäftigten standes- treuen Aerzten Arbeit zu schaffen?*, so wäre das die passende Ueberfchrist gewesen. Wir können ihm aber nur empfehlen, daß er und sein« Freunde auf die obenerwähnten Gratifikationen und die Geschäftsführer auf ihr lebenslängliches Iohresgehalt von nur 20 000 GM. verzichten, das sie im Interesse einer Hetze gegen die Krankenkasse zu beziehen scheinen, um vielen ihrer in Rot geratenen Kollegen aus den von der Allgemeinheit der Aerzte aufgebrachten Geldern wirksam zu helfen._ Feuer aus einem Spreekahn. Ein auf der Spree, an der Stro- lauer Straß« 44 verankerter Lastkahn, der mtt Preßkohlen beladen war, geriet gestern mittag kurz nach 2 Uhr in Brand. Die Feuer- wehr war etwa vier Stunden tättg. Nach längerem Wasser- aeben gelang es, das Feuer zu ersticken.. Etwa 150 Zentner angc- schwelte Preßkohlen mußten ins Freie befördert werden. Unter den einfahrenden Zug gefallen. Auf dem Bahnhof Ge- sundbrunnen ereignete sich gestern gegen 6 Uhr abends ein schwerer Unfall mit tödlichem Ausgang. Der Maurer Hermann Jahnke aus der Driesener Straße 8 stürzte wahrscheinlich infolge eines Schwin- delanfalles vor einen einfahrenden Ringbahnzug und wurde von diesem erfaßt. Das recht« Bein wurde ihm am Ober- lchenkei abgefahren. In schwerverletztem Zustand wurde I. in das Virchowkrankenhaus gebracht, wo er kurz nach der Einlieferung v e r st a r b. Die Beratungen des Berliner slädfischen haushalle» und d i e Stellung der einzelnen Parteien zum Etat wurden In der Juli-Nummer der Berliner Kommunalen Blätter eingehend behandelt. In einem wetteren Artikel „Zentrale und Bezirke* wird zu den erneut aufgetauchten Reorgani- fationsplänen ausführlich Stellung genommen. Dann behandelt diese Nummer noch den Ausbau der sozialdemokratischen kommunalen Berliner Tätigkeit und gibt Ausschluß über ein geplantes neues Ortsgesetz über die Zusan,- mensetzung der Bezirksämter. Zu unserer Notiz: Einbruch ins eigene Geschäsl vom 6. Juli dieses Jahre, die wir einer Korrespondenz entnommen hatten, teilt uns die Firma Borchardt u. Ouasebarth, Kasfeegroßbandlung, Berlin W. 66, Wilhelmstraße 92/3, die übrigens in der Notiz nicht genannt worden war, mit, daß über diese Firma Konkurs nicht verhängt war, sondern daß er durch Herrn Eduard Ouasebarth und den Gene- ralbevollmächtigten Herrn Hans Neumamr beantragt, aber nicht angenommen worden war. Die Geschäftsräume waren von einer Treuhandgesellschaft ni ch t versiegelt worden, denn es war vom Ge- richt noch gar keine eingesetzt. Auch ist es unzutreffend, daß das Ueberfallkommando den Geschäftsinhaber entfernt hat, vielmehr hatte der Inhaber, nachdem ihm durch einen innen anwesenden Polizei- beamten geöffnet worden war, die drei in seinen Räumen anwesen- den Herren schnellstens entfernt. Ein Stadlsekretär al» SUllichkeilsverbrecher. Zu dieser Mitteilung in Nr. 304, wonach ein Stadtseiretär wegen versuchten Sittlichkeitsverbrechens vom Schöffengericht Berlin-Lichtenberg zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, erhalten wir vom Magistrat nachstehende Aeußerung: S Der Angeklagte Ist von seinem Amte suspendiert worden, sobald seine Versehlungen der Behörde bekannt geworden waren. Das Disziplinarverfahren mit dem Ziel« der Dienst- «ntlastung kann nach dem Disziplinargesetz erst durchgeführt werden. wenn das Strafverfahren vor den ordentlichmr Gerichten recht»- kräftig abgeschlossen ist. Infolge der Errichtung der Einheitsgemeinde Groß-Berlin war der Magistrot verpflichtet, den Angeklagten von der Provinzialverwaltung. bei der er damals beschäftigt war, zu übernehmen: daß er vorbestraft war, war weder der Prooinsiol- Verwaltung noch dem Mogsstrat bekannt, da die Strafe im Straf- regsster gelöscht war Kabarett der Komiker. E, ist halt Juki, Saison rnort«. Kurt Bobitschek, Chef des Hauses und der Propaganda in einer Perlon. empfiehlt sich einem geehrten Publikum bestens. Zwischen Qualttöte- wäre gibt e, auch Ladenhüter. Prachtpoll Max Gülstorfs als vertrottelter Querulant in dem Tfchechow'lchen Einakter„Tin Heiratsantrag*. Fast eine lustige Shakespeare-Figur und man wird stark an Waßmann» Schneider Zettel Im„Sommernachtstraum* erinnert. Seine Partnerin Grete Scherk, der Wekbsteufel vom Zröhlichen Weinberg, auch hier eine Vertreterin dieser Spezies, ekundiert ihm trefflich. Im dürstigen Kinderkleidchen, mit unwahr- cheinlich dünnen Beinchen und langen Kinderarmen. ein rührendes Kind der Gosse, Älandine E b �n g« r.«sie piepst kindlich. 'chüchtern ihre Liedchen, halb Hanneie, halb Straßenbalg. Fem ist te, fast zu fein. Ein Modell nach Scisonschluß. Die anderen passen mehr oder minder in die Sauerc-Gurkenzett. Warum wohl! 5m„SSormörfs*(Nr. 309) fragten wir, warum wohl die Rundfunkankundigung der Theater, in der bisher von einer„Ttaatsoper am Königsplatz" gesprochen wurde, nach Um- nennung des„Konigsplatzes" in einen„Platz der Republik" keine „Staatsopxr am Platz der Republik", sondern nur eine„Staatsoper" kennt. Aus eine gegen diese Weglassung des„Platzes der Republik" sich richtende Beschwerde eines Rundfunk- teilnehmers hatte die Rundsunkgcsellschast geantwortet, es handle sich um einen sogenannten Reklamedurchspruch, der von der Staatsoper befahlt wird und sür den die Staatsopcr den Text vor- schreibt. Die Rundsunkgesellschast könne, versicherte sie, keine Aenderungen in dem Text vornehmen, und im übrigen sei es Wunsch der Auftraggeberin, nur kurz als„Staatsoper", im Gegensatz zu den Staotstheatern, genannt zu werden. Hierzu erhalten wir jetzt von Dr. Kapp, dem Dramaturgen der Staatsoper, diese Mitteilung:„Zu der in Nr. 309 Ihres Blattes in bezug auf die Rundfunkankündiaung der Siaat-oper auf- geworfenen Frage„Warum wohl?" sei hiermit richtiggestellt, daß von der Generaloerwaltung der Staatsoper keinerlei An- Weisung ausgegangen ist, den Zusatz„Am Platz der Republik" ivegzulassen. SSmtliche Theaterzettel, Wochenspielpläne, Plakate tragen, wie Sie unschwer feststellen können, diese Bezeichnung." Un- schwer können wir feststellen, datz ein vor uns liegendes Pro- groinmheft der Staatstheater, das am 4. Juli, reichlich lang« nach Umnennung des Platzes und noch Ausstellung der neuen Namen- tafeln, in der Staatsoper am Platz der Republik verkauft wurde, zwar auf dem eingehejteten Theaterzettel einen„Platz der Republik" nennt, aber auf dem Umschlag noch In Riesenlettern die Ausschrift„Oper am Königsplatz" trägt. Zu der Er- widerung, daß von der Generatverwallung der Staatsthcater„keiner- lei Anweisung" ergangen fei. in der Rundsunkankündigung den„Platz der Republik" wegzulassen, erfahren wir von der Rundsunkgesell- schaft, daß ihr die Retlamedurchsprüche der Staatstheater durch die „Deutsche Reichspostreklame G. m. b. H." zugehen. Die Rund- sunkges ellschaft wiederholt, daß sie die Durchsprüche in genau der Form veröffentlicht, die ihr durch die Reichspost- reklame übermittelt wird. Wir erwarten nun wieder eine Aeuherung der Reichspo st reklame und vielleicht auch des Reichspost- Ministeriums, das die bei ihm eingegangene Beschwerde jenes Rundfunktellnehmers zur Kenntnisnahme und weiteren Veranlassung an die Rundsunkgesellschast überw�fen hatte. Der die Staatsoper verteidigende Dramaturg Dr. Kapp hat es auch für nötig gehalten, näher zu begründen, warum es richtig fei, die Staatsoper nur noch Staatsoper zu nennen. Früher habe man in der Rund- sunkantündigung unterschieden„Staatsoper Unter den Linden" und „Oper am Königsplatz", nach Schließung des umzubauenden Opern- Hauses Unter den Linden habe man eine Zeitlang nur„Oper am Königsplotz" und später„Oper am Platz der Republik" als Bezeich- nung angegeben. Für Fremde aber sei nur„Staatsoper" ein klarer Äegrisf, wahrend jede andere Bezeichnung mißverständlich sein könne, und da die Staatsoper ja jetzt auf viele Monate tatsächlich nur im Hause am Platz der Republik spielen wird, so müsse bei allen An- kündigungen das Hauptgewicht auf das Wort„Staatsoper" gelegt werden. An dieser Begründung ist merkwürdig, daß die Angabe der L a g e des jetzt allein benutzten Operngebäudes„m ißverständ- I i ch" sein soll. Warum wohl mag die Furcht vor einer Mißverständ- lichtest erst entstanden sein, als der Platz nicht mehr„Königsplatz", sondern„Platz der Republik" hieß? Ebenso merkwürdig ist, daß dem Dramaturgen der Staatsoper. die„keinerlei Anweisung" zur Weg- lasfung des Platznamens gegeben haben soll, die Begründung und Entschuldigung dieser Maßnahm« so sehr am Herzen liegt. Er kommt zu dem öchluß, die Weglassung der„quasi Adressenangabe" im Rundfunk sei„eigentlich selbstverständlich". Die Rundfunkgesell- lcyaft hat, wie schon mitgeteilt, zweimal erklärt, daß s i e nichts im Tep geändert hat. Wir wollen abwarten, waschie Rcschspostreklam? sagen wird._ Neue Sonntagsrückfahrkarten von Berlin. Das amtliche Verzeichnis über die in B c r l im und Potsdam ausliegenden Sonntagsrückfahrkarten ist von der Reichs- l�nhndirektion Berlin neu ausgestellt worden. Durch Aufnahme einer Reihe weiterer Stationen hat das Netz der Ausflugkartcn eine wert- volle Ergänzung erfahren. Neu eingeführt worden sind iolgende Verbindungen: Von Berlin nach Dresden, Witten- berg, Guben, Feldberg(Mecklb g.), Waren(Mecklb g.), Schwedt o. O., Wörlitz, Lehnin und Havelberg. Die Ermäßigung gegenüber den gewöhnlichen Fahrpreisen beträgt bis 40 Proz. Die neuen Karten werden erstmalig am Sonnabend, den 10. Juli, ausgegeben. Die Fahrpreise sind aus den auf samt- lichen Bahnhöfen aushängenden Verzeichnissen zu ersehen. Die Sonntagsrückfahrkarten gellen für die Hinsohrt ab Sonnabend mittags 12 Uhr: die Rückfahrt braucht von der Ziel- oder einer Unlerwcgsstation neuerdings erst spätestens am Montag um 9 Uhr vormittags angetreten zu werden. parkeigeuosseni veachlel den in dieser Nummer des.vorwärts" ».«rösfenllichlen Artikel über unsere herbstjngendweihen. Meldet zur Schulentlassung kommende Kinder umgehend zur Zugendweihe an uud macht freunde und Bekannte daraus ausmerksam. vom Volksfest in Aalkenberg. 5n der richtigen Erkenntnis, daß die Tat mehr als das Wort gilt, wird die Ortsgruppe Berlin des Arbeiter-Abstinenten-Bundes auf dem am heutigen Sonntag in Falkenberg bei Grünau stattfindenden Volksfest in seinem in eigener Regie geführten Ausschank alkoholfreier Ge- tränte mit dem lustigen Namen.Zum guten Naß" erfrischende Limonaden und«ine Auswahl guter alkoholfreier Weine zu billigen Preisen zum Verkauf bringen. Gegen Alkoholmißbrauch und Rauschgifte. Wegen der starken Zunahme des Alkoholismus und des Gebrauchs anderer Rauschgifte beabsichtigt das H a u s, t g e s u n d h e i t s a m t im Zusammenarbei- ten mit den übrigen hierfür in Frage kommenden Stellen demnächst in größerem Umsange Bekämpfungsmaßnahmen fürsorge- rischer Natur zu treffen. Gewissermaßen als Einleitung hierzu wird demnächst im Zusammenwirken mit den alkoholgegnerischen Vereinen «in Kursus für die Helfer in der Trinkerfürsorge veranstaltet werden, der daneben zugleich der Ausbildung der beamteten Fürsorgepcr- sonen dienen soll._ Um den Sittlichkeitsverbrecher. Der Fall des Schneiders M ä tz i g oerdient noch einmal von prinzipieller weite aus beleuchtet zu'werden. Der Tatbestand sei in aller Kürze in die Erinnerung zurückgerufen. Mätzig, der Ueber- macht seines Triebes, der ihn immer wieder zum Sittlichkeitsoer- brecher werden ließ, voll bewußt, stellte an die Behörden wiederhast den Antrag, man möge ihm gestatten, sich einer Operation zu unterziehen, die ihm ein- für allemal von den ihn und seine Mitmenschen schädigenden Aeußerungen seines Geschlechtstriebes be- freien würde und ihn zu einem sozial tauglichen Menschen werden ließe. Er hoffte auch, daß er nach der Operation, nun unschädlich für die Allgemeinheit, eine mildere Strafe und Bewährungssrist er- halten würde. Seine vielen Anträge wurden aber sämtlich abschlägig beschieden. Dies war insofern schon ein Fehler, als es gerade im Interesse der Allgemeinheit lag, die augenblickliche Stimmung der Reue und die seste Absicht des Angeklagten auszunutzen und ihm die Möglichkeit zur Vornahme des operativen Eingrifss zu ge- währen. Es entsteht die prinzipielle Frage: Hatten die Behörden zu Recht gehandelt, als sie Mätzig an der Ausführung der Operation hinderten, und darf er auch ferner daran gehindert weren, falls er aus seiner Absicht beharren wollte. Einmal: Verspricht ein in Frage kommender operativer Einarisf Erfolg oder nicht? Die amerikani- schen und besonders die schweizerischen Ersahrungen auf diesem Gebiete lehren, daß die Operierten nur in einem ganz geringen Pro- zentsatz in irgendeiner Weise rückfällig werden. Die gleiche Er- sahrung hat auch der Leiter des Instituts für Sexualwissenschaften, Dr. Magnus Hirschfeld, gemacht, der etwa zwölf solcher Fälle beobachtet hat. Zum anderen: ist der operative Einarisf in Deutschland überhaupt gestattet? Es war in erster Linie Amerika, wo. das Unterbinden der Zeugungssähigkeit, wie auch die Entser- nung gewisser Drüsenträger für bestimmte Kategorien von Menschen, deren Nachkommenschast für die Allgemeinheit eine Last oder ein« Gefahr bedeuten konnten oder die selbst als gemeingesährlich an- erkannt wurden, in einer Reihe von Staaten unter gewissen Be- dingungen sür gesetzlich zulässig erklärt wurden. Das deutsche Straf- gesetzblich gestattet operative Eingriffe nur in dem Falle, wenn sie gesundheitlichen Zwecken dienen, ob sie auch aus volkshygienischen oder strossicherem Grunde erlaubt sein können, erscheint fraglick� Allerdings hat der Zwickauer Arzt Boeters von diesem GesichW punkte aus eine Reihe Operationen vorgenommen. Im Falle Mätzig waren aber die Grenzen für die Gründe eines operativen Eingriffs fließend— es wäre ein leichtes gewesen, nachzuweisen, daß dieser auch aus rein gesundheitlichen Gründen angezeigt erschien. Dr. Magnus Hirschfeld hatte sich für die Möglichkeit eines Eingrifss erklart. Sofern aber Mätzigs Wunsch mit den Forderungen des Strafgesetzbuches vereinbar ist, liegt kein gesetzlicher Grund vor, ihm dessen Erfüllung zu verwehren. Diese Frage sollte im Mini- sterium eingehend geprüft werden, da einmal das Nichtentsprechen des Mätzigschen Antrages eine Schädigung der Allgemeinheit, wie des Antragstellers selbst bedeutet und zum anderen die Behörden nächstens wieder vor dieselbe Frage gestellt werden können. Der moderne Standpunkt geht allerdings dahin, daß der operative Ein- griff nur in äußerst seltenen Fällen und nur als allerletztes Hilfs- mittel angezeigt ist. In Betracht kommen dauernd gemeingefährliche und sich selbst immer wieder schädigende Sexualvertkrccher, die sich Segen ihr« antisozialen Tendenzen selbst wehren wollen und für die er körperliche Bestandteil des Triebes für die Delikte nicht den Ausschlag gibt. Diesen Bedingungen entspricht aber Mäßigt Es ist abzuwarten, ob er seinen Antrag aus der Haft erneut und welchen Bescheid er von den Behörden erhält. Wien im Zeichen des Sportfestes. Zu dem Spoftfest sjnd die Teilnehmer nicht nur mit der Eisen- bahn oder in Lastautos gekommen.' Iunge'Bresl a u e r Arbeiter. sportler sind zu Fuß nach Wien gekommen, sie waren seit dem 28. Mai unterwegs, wollten das historische und das neue Wien sehen. Ein 20jähriger arbeitsloser Elektriker aus Hamburg ist am 17. Mai von seiner Heimatstadt aus nach Wien gezogen. Aus dem Rade waren angelangt Sportler aus Däne ma r k, Deutsch- l a n d und allen Gauen Oe st erreich?. Auf der Maria- h i l s e r st r a ß e, der zweitbedeutendsten Straße nächst dem Ring, flattern Fahnen in österreichischen und deutschen Farben. Das Arbeitersportsest hat sich die öffentliche Beachtung ge- sichert: was auf der Mariahilferstraße vorgeht, wa» dort durch Fahnen angezeigt wird, muh traditionsgemäß beachtet werden. Auf dem Verlagsgebäude der„A r b e i t e r- Z e i t u n g" sind zwei riesige rote Fahnen ausgezogen.— Der Donnerstag war der Tag der Jugend. Tausende Arbeiterkinder aus alleii Bezirken, soweit sie in den Turn- und Sportoereinigungen organisiert sind, marschierten eine Stunde lang>n Achterreihen um das grüne Oval des Trab- rennplatze s. Tausendc Hände von Erwachsenen klatschten und winkten der Jugend zu. R o t e F l a g g e n— es gibt hier keine anderen— grüßten die sozialistische Jugend. Musikkapellen des Schutzbundes und der Turnvereine gabeo den jungen Füßen den Takt an, einige Minuten darauf bewegten sich 3000 jugendliche Körper in geschmeidigen Uebungen. 3000 Mädchen folgten, biegsam und tänzerisch in ihren Bewegungen. Die„Roten F a l- k e n" wurden beim Einzug besonders begrüßt, es ist die aktivst« Gruppe der Jugend. In grau-grüner Bluse,«schlipx und Gürtel, fallen sie schon äußerlich aus. Im Rahmen des internationalen Arbeitersportfestee fand ein riesiger Fackelzug statt. Ganz Wien war aus den Beinen, Tausend« und aber Tausende Sportler aller Nationen fanden begeisterte Zu- stimmung und Anerkennung bei der Bevölkerung, die in dichtem Spalier den Zug passieren ließ. Der deutsche Reichstagsprösident Genosse L ö b e hielt eine Rede, in der er darauf hinwies, daß sich die Arbeitersportbewegung einen endgültigen Platz in der internationalen Arbeiterbewegung erobert hat. Auch ihr Kampf ist ein Kampf gegen den Kapitalismus, der die Schultern der Väter und Mütter niedergebeugt, ihre Arme entkräftet hat. Die Jugend muß sick, wieder aufrtchten, um ihre stolzen Ausgaben erfüllen zu können. Zu diesem Zweck stählen wir unsere Glieder, nicht zum Zweck eines neuen Krieges! Alle unser« Mühe hat nicht das Ziel, eine neue Kampffront herzustellen, sondern der Arbeiter- klasse Begeisterung und Kraft und einen gesunden Körper zu geben. Ein letztes Wort an meine Landsleute: Wenn wir die Stadt Wien sehen, denken wir daran, daß hier ein deutscher Volksstamm wohnt, der sich durch Selbstbestimmungsrecht vereinigen will mit dem großen deutschen Volk.(Stür- Mischer Beifall aus dem riesigen Platz.) Alle unsere Bestrebungen sind darauf gerichtet, die große Masse des werktätigen Volkes empor. zuführe». Dann sprach Dr. Deutsch, der ebenfalls das Selbst- bestimmungsrecht für das deutsche Volk in der Anschlußsrage forderte. Schließlich bewegte sich der riesige Fackelzug zum Hadelsplatz, wo nochmals Ansprachen gehalten wurden. Einsturz der Mainbrücke bei Ebensfeld. Der Schnellzug München— Verlin entgleist. c i ch t e n s e l s. 10. Juli.(WIS.) Infolge de» in der vergangenen Nacht niedergegangenen Gewitterregens und des dadurch hcrbeige- führten Hochwassers im Maintol brach die Brücke bei Ebens- f e l d zusammen, so daß der Zugverkehr aus der Hauptstrecke Lichte», sels— Bamberg unterbrochen ist. Plauen i. vogtl. 10. Juli.(MTB.) Bei der Emsahrt in Plauen auf dem Oberen Bahnhof entgleiste heute nacht der München— Berliner D-Zug 21 auf dem Bahnsteig kurz vor dem Halten mit beiden Lokomotiven, dem Postwagen und dem ersten Schlafwagen. Verletzt wurde niemand. Der Zug erlitt eine Stunde Vexspätung. Trier. 10. Juli.(WTB.) Gestern nachmittag ging über Hetze- roth und Foehren bei Trier ein äußerst heftiger Wolkenbruch nieder. Der Bahnhos Hetzeroth und die anschließende Bahnstrecke wurden in einer Länge von 1!4 Kilometern überflutet. Infolge der Unter- maschung und Abrutschungen und der teilweisen Zerstörung des Gewölbes eines. Durchlasses erlitt der Bahnkörper derartige Beschädigungen, daß beide Gleise unbenutzbar wurden. Der Personenzugvcrlehr, der um 4 Uhr nachmittags eingestellt wurde, konnte gegen 7� Uhr abends durch Umsteigen aus dem Gleise Cob- lenz-Trier wieder oorläusig aufgenommen werden. Der heutige Frühzug Trier-Coblenz konnte wieder ohne Umsteigen durchgeführt werden. Die beiden Gleise werden voraussichtlich nach zwei Tagen wieder regelrecht in Betrieb genommen werden. Weitere Hilfe für die Hochwassergeschädigte»:. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat de? Preußische Minister des Innern zur Linderung der ersten Not der in den Provinzen Oberschlesicn, N'iederschlesien, Brandenburg, Sachsen und Hannover durch dos Juni- Hochwasser Geschädigten weitere 2 Millionen RM. aus in- zwischen bereitgestellten Reichsmitteln den zuständigen Ober« Präsidenten zur schleunigen Verteilung überwiesen.* Unwetter in den Vereinigten Staaten. New park. 10. Juli.(WTB.) Ueber zwölf Personen wurden im mittleren Westen der Bereinigten Staaten durch Blitze bzw. durch Gewitter st ürme getötet. In mehreren Gegenden von Indiana und Michigan rissen Stürme die Dächer von den Häufern. Kleinere Gebäude wurden umgeworfen. Auf einer Insel"im Saint Josephs River entwurzelte ein Tornado Hundertc von Bäu- men. Drei Personen wurden dort getötet und einige vcr- legt. In E r j e in Pennsylvania hob der Sturm ein Zirkuszclt in die Höhe und warf es dann auf die Zuschauer nieder, unter denen eine Pamk entstand. Schwere Gewitter richtete» in verschiedenen Städten New Parks Verheerungen an. so in Batavia, über das allein vier Kcwitterzyklone hinwegbrauften. Hihewcllc über Amerika. Ein« vernichtende Hitzewelle geht gleichzeitig über Amerika. Das Thermometer stieg in New Pork weit über 90 Grad F a h r e ich e i t(32 Grad ffcistns); in C h j e a g o wurden 100 Grad (38 Grad Celsiisj überschritten, in Arizona und Teilen von Kalö sornicn sogar Temperaturen von über 125(51 Grad Celsius) Grad gemessen. In N c w B o r k übernachten Hunderttausende im Freien, am Strande von Coney Island allein etwa 130 000. Viele verbrachten die Nacht im Zentrolpark, andere versuchten, auf den Dächern der Häuser zu schmsen. Dabei sind drei Personen im Schlafe abgestürzt und getötet worden. Ungeheuer groß ist die Zahl der Hitzschläge. vortrage, vereine unö Versammlungen. SA w Reichsbanner„Schwarz Rot-Gold". (Sefiiäftäflelte: Berlin E. 14. ScdatlianNr. 37 38. Set 5 Te. Reuköltii Britz: 2. Rua 1. ÄnmcrabfdHifl Mo.,!>. 12., 8 Uhr, tzug» verlommiuna dci Lählc. Vilbrnbruch. ückc Wrlirstrabe. Biockewilchrr Brrci» Berlin und Umacbuntz. Ort«qi»ppc Charlottenbur-i: Millwod!. lt. Juli, in Sckmonn« Feftsälen, Chorlotlenburq,»charrenstr. 34. 8 Uhr. Monaisoerlammlun«. Bortrae de» Herrn Grotz übtr„Gallen» uni» Lcberkrancheiten". Gintritt irei. Gäste willkommen. Arbeiter. Radio-giub Dentlchland, e.®. G«schäft»stellc: Oranienstr. 182. Eeittfuet abends ab 6 Uhr, Friedrich, tzajn: Montag Warschauer Etr. SS. Bortra« iidrr Widerstvndsverstäiter und Morsen.— Lickte»bcra: Dienstag öcharnwebcr- Sete l>roupri»,enk>rotze. AusierordcntllGc Mitgliedervcrsomm» luni,.— Charlottrnd«,»! Dicnstao Wielandstr. 4.— Prenzlauer Berg: Don- nerstag. Schönhauser Alice l34h, Äuausltn:„Pom Schwachstrom zum NadiaC. — Nottbusscr Tor: Donner»!»» Adalbrrtstr. 21.—»edting: Donnerstag Pasc, maller Str. 3.— Lchitucberg: Donperstag Sedanstr. 53.— Südost: Donnerstag Eorouer acte Gärliher Strohe.— Lichterfelde-Vst: �reitog Lorenzstr. 5«.— Steutiiln: FreOag Priiiz-Kondic' n Sctc Lessingstrahe. Bostclabend.— Wilmcr». dort: greito.: Auouststr. 18. Mi:glicdernerlän>nilung. HUDonii«! iOu-Viiio.'O imcrnaiiui a«irupu ttcrmi 6a nislrlktu. Mard o ye 3a julio vespere ye 7 kloki eventot inempro-kunsid j dil R. H.O. en yanar- hemo Alte Jakobltraco 136 Omna kdi asistez Wetterbericht der ossentilche» weberbieastfleUe sür Berlin. sRachdr verb.) Zunächst mollig, mit oeicinzellen Regenschauern, später zeitweise auibeiternd und mäßig wmni— Für Leutschlond: In Wesldcutichland-uishciternd und meist trocken: in Oildeluschtand molkig und mäßige Rcgensälle, übergtbt inon nur dem Nachweis des Teutsch.MusikerverbondeS, Berlin 027, AndicnSstr. 21 lKönIgstadt«310, 4l)«g). AeschästSzett g bis ö. Sonntags lv bi« 2 Uhr. Aus Wunsch Vertreterbeslich Fortsetzung des Saison-Ausyerhaufs 1 roet.n alnzelnar 1 1 Po,,en I I' �atan|, poatan«arblgar Stldcerelklssen-\ Hg 5.95 Ä. 1 lg£kv, 1Hem dht0 3 c" 1 95 PrSgÖi Mvgo......»«UIIF I i°oy aS). tum K.ior(«n,\ t,,,,,'....... Ac.r m•Jt*J| Qualitäten,■» Pf,,| vawl w» 8pit>e, 2.95. fl» aj Fertige Betten graurot Inlatt ml« grauen Fedarn ..««.90 ..«0.75 .. 3.7» Bettwäsche MetallbeUstellen Oberbett.#•« Unterbett•• a Kissen..... Daunen- Oberbett -et, lila, 9»ie,«rali».»-»-y r Inlett indanthrenfartia mit fj »«inaeldauaia..... 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Satin rlche«Ä« � Bastseide mV Damen-Filzhut garniert Damen« Jumper mSü. Backflsch-Kleld Knaben-Waschanzug Garnitur B.takWd Oberhemd Herren-Garnitur ÄSS Kaffeedecke w�gÄr 6 Mundtücher Jacquard 2 Rolltücher Fenster- Garnitur Handschuhe Leder, ffirHetrta 6 Kaffeelöffel reraildert Radio-Kopfhörer 1 f«« Kaffeeservice TdiSffW Waschgarnitur gT3Ä.b. Taschenkamm Wand-Kaffeemühle Brotschneide- Maschina Waschtopf Perlen-Collier aimm�ioa und andere Artikel In fast allen Abteilungen «äiäMJ««- utisre Uno' d«? Sehen pie-da haben wir* es- sie hl(fers// in he/sses fassen!-7si es denn so Schwei* zu behalten? Äl Pers/7 wird nur kaÜ aufgelöst! Ulan nimmt einen Pimer verrührt Wert von 180 Millionen und einem Jnlandsabsatz von rund 60 Proz. des Gesamtabsaßcs bedeutet das eine Verteuerung der Düngewirlschaft um etwa 20— 25 Millionen Mark. Wir gehen in der Annahme nicht fehl, daß die Erhöhung der Inlandspreise den Auslandsabsaß steigern soll. Die Kaliindustrie ist übergründet: durch die Ouotenvergütungen bei der Stillegung von% der Schächte ist sie überkapitalisiert: durch falsche Voraussicht in der Absatz- gestaltung ist sie unrationell verschuldet: durch Ueber- inocstitionen ist die Leistungsfähigkeit auch der noch arbeitenden Werke mehrfach größer als ihre Absatzfähigkeit. Wenn heute eine Preiserhöhung gefordert wird, so ist das die Folge f a l- scher Wirtschaftsführung, vor der wir dauernd gewarnt haben. Praktisch bedeutet sie, da sie indirekt das Erträgnis des Auslandsabsatzes erhöhen soll, eine Sonderobgabe an die Kali- industrie, den die Landwirtschaft und die Konsumenten zu tragen haben. Herr Rosterg hat im Zlugust 1925 eine Dividende von 20 Proz. fest versprochen. Er war der Träger einer Politik der grundsätzlichen Preissenkung. Von beiden ist heute keine Rede mehr. Auch Herr Rosterg fordert heute Preiserhöhung. Sein„Führer- tum", das Kaliindustrie und Landwirtschast goldene Zeiten versprach, hat vor der Macht selbstverschuldeter Tatsachen kapituliert. Im Kali- syndikat herrschen diejenigen Gruppen, die bisher die preis- treibenden waren. Wir sind gespannt, was die deutsche Landwirtschaft als Nächstbeteiligte zu der beabsichtigten Preiserhöhung zu sagen hat. Von den Reichsbehörden erwarten wir, daß sie ihre Zustimmung versagen werden, bevor alle anderen Wege erschöpft und bevor alle Konsequenzen für die Gesamtwirtschaft auf das genaueste geprüft sind. Jedenfalls erscheint uns eine Preiserhöhung, wenn der Absatz gesteigert werden soll, auch bei der Kaliindustrie als ein ungeeignetes Mittel. Im übrigen wird bis zur Beschlußfassung über die neuen Kalipreisc noch manches ernste Wort zu reden sein. Neue �usüehnung üer Trustbewegung. Anglicdcrung von Pulver- und Kunstfeidenbetricbcn. Die I. G. F a r b e n i n d u st r i e(Anilintrust) streckt ihre Fang- arme immer weiter aus. Die schon seit lange bestehenden Gerüchte, daß er sich die Stamm gesellschaft des Köln-Rottwcil- Dynamitkonzerns, die Köln-Rottweil-A.-G. angliedern werde, wurden in der Generalversammlung durch den Aussichtsratsoorsitzen- den Louis Hagen bestätigt. Die Aktien von Köln-Rottweil werden gegen I. G. Farbenattien im Verhältnis 2: 1(auf 2 Rottweilaktien l Farbcnaktie) umgetauscht, die übrigen dem Köln-Rottweil-K.. �ern angeschlossenen Gesellschaften bleiben selbständig. So die Dynamit- Nobel A.-G., die Rhcinisch-Westfälische Sprengstoff A.-G. usw. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß es dem I. G. Farbenkonzer» in erster Linie um die K u n st s e i d« n a n- lagen der Köln-Rottweil A.-G. in Rottweil. Bobringen und Preumitz zu tun ist. Bekanntlich hat sich auch der Farben- trust der Kunstseideiiherstellung gewidmet und ist natürlich daran interessiert, einen möglichst großen Teil der deutschen Kunstseiden- fabrikation in einer Hand zu oereimgen. Nach dieser Richtung stellt die neue Angliederung des chemischen Großtrusts eine gewaltige Machrerweiterung dar. zumal der Farbentrust mit den Tochtergesell- schaften von Köln-Rottweil in ein enges Intereflengemeinschafts- Verhältnis tritt. Die westfälischen Gtnhlinteressen von Rombach. Bor einigen Tagen wurden Uebernahmeoerhandlungen zwischen dem Stahltrust und den Rombacher Hüttenwerken dementiert. Jetzt werden sie b e st ä t i g t und bereits weitgehend durch Einzel- heiten illustriert. Tatsache ist folgendes: Nach Stumm und Ehor- lvttenhütte nimmt der Stahltrust auch die Hauptwerke des Rombach- krnzerns auf. der bekanntlich hoch verschuldet ist und saniert werden muß. Ein Stück dieser Sanierung ist der V er tauf der west- sä tischen Hüttenwerke. Die Hochöfen und Werksanlagen in Bendorf, Bochum und Eisfeld gehen an den Stahltrust über, wie es heißt, gegen 15 Will. Dereinigte Stahlwerkeaktien. Die Vorräte werden übernonimen und in bar gezahlt. Für Rombach wird der Erlös auf etwa 20 Millionen geschätzt, ohne die Vorräte. Damit kann Rombach etwa die Hälfte seiner Schulden decken. Rombach bleiben die Kohleninteressen(Eoncordia), die sonstigen Aktienbeteiligungen und vielleicht auch die schleswig-holsteinischen Hüttenanlagen. Der zweite Akt der Rombachsanierung soll in einer Kapital- Zusammenlegung auf ein Achtel bestehen.(Aktienkapital 51 Mill.) Zur Beschaffung neuer Mittel wird dann wohl eine Kopitalerhöhung folgen. Dem Stahltrust wachsen neue Eisen- und Stahlquotcn zu. Deren Größe wird erst feststehen, wenn auch die Ucbernahme der holsteinischen Werke entschieden sein wird. vie Ernteaussichten. Die infolge der zahlreichen Unwetterkaiastrophen vielfach ge- hegten Befürchtungen für die bevorstehende Ernte scheinen nur teil- weise qerechtscrtigt zu sein Das Statistische Ncichsomt berichtet über den S a o t c» st a n d im Deutschen Reich Anfang Juli 1 926: Das bis zum letzten Drittel des Jun: anhaltende regnerische Wetter Hot durch die ungewöhnliche Stärke der Regciuüllc aus den Feldern vielerlei Schaden angerichtet. In manchen Gegenden des Reichs sind durch Hochwasser große Ueberschwemmungcn verursacht worden, die weite Flächen wertvollen Kulturlandes unter Wasser setzten und die darauf befindliche Ernte größtenteils vernichteten. Auf leichteren und höher gelegenen Böden haben die starken Niederschläge im Juni dagegen fast durchweg g ü n st i g auf die Weiterentwicklung der Saaten eingewirkt und deren Wachstum gut gesördert. Mit dem Nachlassen der Niederschläge zu Ende Juni ist euch sonst im allgemeinen wieder eine Besserung ein- getreten. Nach den Begutachtungen zu Anfang Juli kann der Stand der Halmfrüchte im ganzen— entgegen den gehegten Bcsürchtungen — als befriedigend bezeichnet werden. Mehr als die Halm- früchte haben unter dem nassen Iuniwetter die Hackfrüchte ge- litten, und zwar hauptsächlich die Spätkartoffeln, bei denen sich schon verschiedentlich Knollenfäule gezeigt hat. Die Rüben sind fast überall verpjlanzt und weisen ein gutes Wachstum auf. Sehr störend war die bisherige Witterung für die Ernte von Klee- und W i e s e n h e u._ Das Vermögen römisch-katholischer Ivohlsohrlsorganlsalionen. Wir hoben kürzlich über die 3-Millionen-Dollaranleihe berichtet, die die Caritasoerbändc der römisch- katholischen Kirche in New Port aufgenommen haben(ohne jede Kontrolle, wie wir wieder hervorheben wollen). Jetzt werden aus dem Anleiheprospckt Zahlen über das Bermögen bekannt, das hinter diesen Verbänden steht. Der Wert des Grund- und Gebäudebesitzes der Verbände beträgt nach den eigenen Angaben mindestens 300 Millionen Dollar oder über 1,2 Milliarden Mark. Die jährlichen Bruttoeinnahmen betragen s ch ä tz u n g s- weise 42 Millionen Dollar, das sind über 128 Millionen Mark. Da die Zlnlcihe 12 Millionen Mark beträgt und die Amerikaner immer ein bestimmtes Verhältnis zwischen Anlcihehöhe und Ver- mögen bezw. Einnahmen des Kreditnehmers verlangen, wird man annehmen können, daß das„Mindestens" und das„Schätzungs- weise" mit Absicht gewählte Unter grenzen sind. Weiter wird ausgeführt, daß die Einnahmen der Verbände mit keinerlei Ver- pflichtungen zu dem Dawes-Plan belastet sind und daß Kapital und Zinsen von allen bestehenden oder künftigen deutschen Steuern frei sind. Der Ertrag der Anleihe soll römisch-katholl- scheu Orgamsationen. Bistümern und Pfarrgemeinden in ganz Deutschland ausgeliehen werden. An dißfen Mitteilungen ist interessant, daß hier wohl zum erstenmal ein kleiner Einblick in die großen Vermögen möglich wird, die hinter einigen Einrichtungen der katholischen Kirche stehen. Lrichle Besserung am deutschen Eisenmarkt. Nach dem Bericht der Fachzeitschrist„Stahl und Eisen" hat die Lage des Ruhrkohlen- Marktes sich im Juni weiter gebessert. Die staatliche Stützungsaktion für das Siegerland und das Lahn- und Dillgebiet hat in diesen stark bedrohten Erzbergbaurevieren weitere Betriebseinschränkungen und Arheiterentla Hungen zunächst unnötig gemacht. Das Eisen- geschäft selbst war besonders nach oem Ausland hin etwas leb- hafter. Besonders konnte an Halbzeug mehr exportiert werden. Die Marktlage für Eisen wird im ganzen noch als unbefriedigend bezeichnet, da die Werke noch lange nicht ausreichend beschäftigt sind. Die Banken zahlen'/a Prozent weniger für Blonatsgeld! Mit Wirkung vom 9. Juli ab wird der Hobenzinssatz der Banken für Geld von 14 Tagen bis zu einem vollen Zeitmonat um.% Proz. auf 4% Proz. bei der Stempelvereinigung ermäßigt. Alle anderen Sätze bleiben, wie bereits gemeldet,'unverändert. Bei Depositen mit 14tägiger bis monatlicher Kündigung bleibt also die hohe Zins- spanne bestehen, aus der die Banken Nutzen ziehen! /ius öer Partei. ..Bücherwarte" und..Arbeiter-Bildung". Das soeben erschienene Iuliheft der.Bücherwarte" enthält einen höchst interessanten Aufsatz von Prof. Heinrich Eunow über„Wirtschastsgeschichte", in dem der derzeitige Stand der For- schungen auf diesem Gebiete geschildert und die wichtigst« ältere und neuere Literawr genannt wird. Daneben enthält das Heft zahl- reiche Besprechungen aus folgenden Gebieten: Agrarpolitik. Er- zählende Literatur, Länder- und Völkerkunde, Literaturgeschichte, Naturkunde, Politik, Rechts- und Staatswissenschast, Sozialpolitik und Voltswirtschast. Die Zeitschriftenschau ist in dieser Nummer den technischen und psychotechnischen Zeitschristen gewidmet. Für die in der praktischen Ocganisationsarbeit stehenden Genossen dürste vor allem die in der„A r b e i t e r- B i l d u n g" vcr- öffentlichte Vortragsdisposition des Genossen Dr. Alwin Saenger zur diesiährigen Dersassungsseicr von Interesse sein. Für Bibliothekare und Arbeiterbildner gibt Pros. Alfred Klein- b« r g in einem längeren Aufsatz„Handbücher über schöne Literawr" eme'Zusammenstellung großer und kleiner Nachschlagewerke, die über die erzählende Literawr unterrichten. Richard Weimann macht in einem Aufsatz„Die Vorbereitung unserer Winterarbeit" wichtige Vorschläge für den Ausbau der proletarischen Bildung?. arbeit, die weit über den engen Kreis der Bildungsfunttionäre von Interesse fein dürsten. Die.B ü ch e r w a r t e" mit Beilage„Arbeiter-Bildung" ist zum Preise von 1,50 Mark pro Vierteljahr durch die Post oder die Buchhandlungen zu beziehen. Einzelnummern kosten 73 Pfg. Bestellungen werden auch in allen„Vorwärts"-Speditionen ent- gegengenommen. Mit der Barkarole aus„H o f f m a n n s Erzählungen" und mit„Santa Lucia", dazu mit„Heb' immer Treu und Red- lichkeit" im Glockenspiel suchte man der langweiligen.Havel- fahrt" einige wirkungsvolle Effekte abzugewinnen. Warum soll schließlich bei dieser Hitze dem Verfasser etwas einfallen? Aber abgesehen davon, ist der Zweck dieser Art von Sendespielen nicht ein- zusehen. Die„Berliner Höfe" hatte man wenigstens für den Kur- fürstendamm zugestutzt, ein Bemühen,„des Schweißes der Edlen wert", doch ivas soll man nur mit dieser.Havelfahrt" anfangen? Hier fehlt Milieu, Atmosphäre, hier fehlt überhaupt alles, was eine Uebertragung irgendwie rechtfertigen könnte. Nein, das ist selbst für den Sommer zu wenig. Der Abend schloß mit einem bunten Teil. in dem Lotte Appels Rubinsteins„Melodie" mit warmer. gesättigter Stimme sang, während Karl Wallauer der Trojan- schen Weinrevue keine neuen Nuancen abgewinnen konnte, er begnügte sich mit einem gemütvollen Großvaterwn. Am Nachmittag zwei gute Vorträge, Fritz K a r st ä d t sprach anregend über„das Geheimnis der Wildenburg", die mit der Entstehung des Parzivals eng verknüpft ist. Max D e s s o i r setzte seinen Zyklus„Das Schassen des Künstlers" fort. In geschliffener Form erörterte er das Schossen des musikalischen Menschen. Dagegen blieb Leopold Lehmanns Referat„Ein Tag beim Reichspräsidenten" farblos, und auch Dr. Ecken er wußte nicht viel Neues und Wegbahnendes über„die Bedeutung der Luftschiffahrt" zu berichten. Das kunclkunkpl'oxi'gmm. Sonntag, den 11. Jali. 6.30—8 Uhr vorm.: Frnhtonzert des Blasorchesters Ksrl Woitechach. 1. Herold: Ouvertüre zur Oper.Zarnpa*. 2. Rirnrnor: Die Glocken von St. Malo, Gavotte. 3. Joh. Strauß: Kosen ans dem Süden. Walzer. 4. Gonnod; Fantasie ans der Oper„Marg i- .rete". 5. Siede: Apfelblüte, Intermezzo. 6. Morena:.Alles da"! Großes Schlaijerpotpourri. 7. Bncalossi: La Gitana. Walzer. 9. Kollo: So iuns komm'n wir nicht mehr zusammen, Marsch aus der Revue.Welle 505". Während der Pause:.Gymnastilr durch Rundfunk"(8. Tasr). 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 11.30—12.50 Uhr vorm.: Heitere Lieder. Chorkonzert des Blinden-Männereesanfr- vereins.Hoimstkläntre'. Dirigent: Akademischer Musikdirektor Paul Franke. 1. Löwe: Kloster Grabow(Ruckert). 2. a) M&dcheu mit den blauen Augen. Volkslied von der Nahe, bearbeitet von Becker, b) Tausche; Hüte dich! Volkslied, e) Uebermut. Volks. Ii ed. bearbeitet von Wohlgemuth, d) Heyne: DTTrschel(Aus den .Fliegenden Blattem"). 3. Lachner: Kanon. 4. Rathgeber: a) Bmder Liederlich(Aus dem Angsbnrger Tafelkonfektl, b) Zelter; Meister und Gesell(Nach J. K. Grübelt, c) Weinzierl: Heute ist heut(Bnurabach). 5. Kirch!: Stilleben(Eberl). 6. Zander: Tanz und Gesang(Goethe). 2.20 Uhr nachm.: Major a. D. v. Ru- dolphi:.Seltene Briefmarken und ihre Geschichte11. S Uhr nachm.: Hans-Bredow-Schule(Bildungskurse). Abteilung Landwirtschaft. Prof. Dr. E. Parow;„Die Verfütternng der Trockenkartoffeln im landwirtschaftlichen Betriebe*. 3.30 Uhr nachm.: Funkhoinzelmann:.Der Waldschmied fängt den Wichtelmann', von Hans Bodenstedt. Erzählt vom Funkheinzelmann.« 20 Uhr nachm.: Dr. Richard H. Stein:.Einführung zu der Uebertragung .Die Meistersinger von Nürnberg* aus der Staatsoper. 5— S.4S Uhr nachm.; Prauenlvrik. Thekla Lingen, Rezitation, unter Mitwirkung von Dr. James Simon, Klavier. Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und Filmdienst. 8.15 Uhr abends: Inhaltsangabe und Personenverzeichnis zu der Uebertragung aus der Staatsoper. 6.30 Uhr abends; Uebertragung aus der Staatsoper am Platz der Republik. Spielzeit 1925/26. 25, Uebertragung..Die Meistersinger von Nürnberg", von Richard Wagner. Personen: Hans Sachs, Schuster; Veit Pogner. Goldschmied; Kunz Vogelgesang, Kürschner; Kcmrad Nachtigall, Spengler; Sixtus Beckmesser, 5 Stadtschreiber; Fritz Kothner, Bäcker; Bathasar Zorn, Zinngießer; Ulrich Eißlinger. Würzkrämer; Augnstin Moser, Schneider; Hermann Ortel. Seifensieder; Hans Schwarz, Strumpfwirker: Hans Foltz, Kupferschmied; Walter von Stolzing, ein junger Ritter aus Franken; David, Sachsens Lehrbube; Eva, Pogners Tochter; Magdalena, Evas Amme: Ein Nachtwächter; Bürger und Frauen aller Zünfte, Gesellen. Lehrbuben, Mädchen, Volk. Schauplatz: Nürnberg: um die Mitte des 16. Jahrhunderte. 1. Aufzug: Im Innern der Katharinenkirche; 2. Aufzug: In den Straßen vor den Hänsern Pogners und Sachsens; 3. Aufzug: a) Sachsens Werkstatt. b) ein freier Wiesenplan an der Pegnitz. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. Danach: Tanzmusik(Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kerm- bach). Montag, den 12. Juli. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.10 Uhr.nachm.: Zehn Minuten für die Frau(Dorothea Goebeler:.Vom Reisegepäck der Seele*). 4.30 Uhr nachm.: Major a. D. Georg Schnarke:.Das Nachrichtenwesen im Altertum*. 5 Uhr nachm: Novellen: Friedrich Bethge liest ans eigenen Werken. 6.30—6.30 Uhr abends: Russische Volkslieder und Tänze, Anschließend: Ratschläge fürs Haus. Theater- und Filmdienst. 7 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Bildungskurse). Abteilung Technik. Ing. Joachim Boehmer: Technische Wochenplauderei. 7.25 Uhr abends: Dr. med. Rolf Friedlaender:„Der Wert der Leibesübungen*. 7 55 Uhr abends; Hans-Bredow-Schule(Hoch- schulkuree). Abteilung Kunstwissenschaft. Dr. Alfred Kuhn: -Neuzeitliche Malerei und Plastik in der Nationalgalerie zu Berlin (Die neuere Plastik von Maillol bis Bölling)*. 8.30 Uhr abends: Deutsche Reden. 1. Abend.(Luther— Goethe— Grülparzer— Lassalle— Bismarck— v. Unruh). Mitwirkende: Alfred Braun; Berliner Funkorchester, Dirigent: Dr. W. Buschkötter. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeit-» ansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. KSnigswusterhausen, Montag, den 12. Juli. 1.10—1.40 Uhr nachm.: Studienrat Friebel und Lektor Mannt Englisch für Schüler. 1.45— 1.55 Uhr nachm.; Mitteilungen des Reichsstädtebundes. 3— 3 30 Uhr nachm.; Studienrat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Anfänger. 3.30—4 Uhr nachm.; Stnd.- Kat Friebel und Lektor Mann: Englisch für Fortgeschrittene. 4— 4 30 Uhr nachm.: Prof. D. Dunkmann: Die statistischen Grundkräfte(Macht, Herrschaft. Autorität). 4.30—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 5— 5.30 Uhr nachm.: Helene Braun; Die Mutter und das spielende Kind. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Hamburg. Landcshnicr Leinen- u. Gebildweberei F. V. Grünfeld GrößtesSonderhaas/. Leinen a. Wdedte Berlin WS leipziger Straße 20—22 Zweigniederlassung: Köln Fabrik: Landeshai(Sehles.) 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So hat die Berliner Arbeiterschast sich für ihre Jugend in den Jugend- weihen die neue Form geschaffen und immer weiter entwickelt, die die Einsegung nicht bloß ersetzt, sondern hinter sich läßt. Von Jahr zu Jahr wächst daher die Schar der jungen Menschenkinder, die die Jugendweihe empfangen. Erste Künstler,' Arbcitersänger und Jugend wetteifern, die Feier würdig zu gestalten. Wenn mehr Arbeiter- eltern diese würdigen Feiern kennen würden, so ließen sie ihre Kinder nicht zur Einsegnung in die Kirche führen. Auch Gegner haben sich dem Eindruck der Jugendweihen nicht entziehen können. Wie schnell sind die Verwandten, um derentwillen viele Eltern, be- sonders Mütter, oft nicht ihre Einwilligung zur Jugendweihe geben wollen, gewonnen. Immer wieder hört man es. auch aus dem Munde der Verwandten vom Lande:»Daß das so feierlich sein würde, hätte ich nicht gedacht.* Alle Arbeitereltern sollten einmal Gelegenheit nehmen, einer Jugendweihe der Berliner Arbeiterschaft beizuwohnen und sie werden Freunde und Förderer dieser Form werden. « Da der Dorbereitungsunterricht für unsere Herbst- Jugendweihen am 12.. 19. und 26. September im August be- g-nnt, müssen die Anmeldungen unter gleichzeitiger Bezahlung von W1 Pf. Einschreibegebühr bis spätestens 20. d. M. in den nachstehen- den Stellen erfolgen: Site Betlfa fSrafit« eckxn'svieNt-ni-U Iuaendsekrrtariat Berlin. Lindenktr. S. 2. ßof. 2 StCTPen(Sinratet III, fleüffnrt von 9 dl» 4 Uhr, Mitt- nj!(Ss und Ärtitoti» von 9 dl» 7 Uhr. S. Zolevh. RW 21, Wilhelm-hav-ne- c.'ocfte 48(Spebttion): 9L Hönisch. R«, Miller., Ecke U«rechter Stroh, : S. Mücke. Sl 66, Barfu,fti. IS: P.«roll. Zt S6. Utrechter Str. 21 lliestaurant): Soffmann. N 5«. Lnchener Str. 8 sResiouranN: P. Dobrohlan». lli.77. Swinclnllnder Str. S fR-siaurontl: S. Ob». 91 39, AckerNr. 174 tSvedi. tioni: E. Serth. 3t 113.»reiscnhaaener Str. 22 sSveditwnl:«. Andersson, 3t 31, SWUsunder Str. 19: M scher. 91 20, Bastian»r. 7; SB.©übe, 9tO 18, H-ndsdere-r Allee 45, 1 Tr.: P. DSU. NO 56. lUnmanuellirchllr. 24 sSpedi- tioni: Arndt. O 17. Marlusstr. 36 sSpeditwni: M. W-rtmonn. O Z4.«Snia». hlroer Str. 37 sLadeni: L. Wittschuh, O 34. Peter od uvaer Str. 5 sRelwurantt: .9. Melle, v 34, Deter-bnnoer Ploh 4(Sveditioni: P. LIer. SO 26. Nounnn- i'-ah« 9 sNesiourant): Z. Petke. SO 36, Gloaau-r Str. 30. v. 4 Tr.: Böhm, SO 3«. Lauliher Plah 14—15 sSveditioni.— Mr Zrevt-w-Ba-mschnlenvie«! W. Kalles, Baumschulenwea. Schrvderstr. 16, 3 Tr.: E. Meckeldura, Trevtow, K-aetstr. SO(Spedition).— Mr Schönebera-Uriedea-»: ffran«lawitter, Schöne- derq. Avosiel-Dauluo-Str. 7: 9i. Petrie. Schöneber«. Ebersstr. 70: Rathwonn, Schöneder«. Bedioer Str. 27(Spedition): K. Schladt. Friedenau. Bach«. knah« 9:?rau Unaerer, SBilmeredorf, Hau aller Str. 43(Siedlun«).— glir Sanfjolh, Licht rrfclde B»b«tcgli»: Emil gieoe. Lichterfelde-Ost. Lorenullr. 15: «ari Echönmetter. Lichtertelde-Welt. Sändelvlatl 6: ffritl Hambur«. Steali», Echlohstr. 103: Wild. Skllbia. Steqlih. Rinastr. 7. Gartenholle 3 Tr.: Glluther Telaentren. Lanka, i». Eharlottenstr. 34.— ssllr Eharlottenbnr«(Schiller» Theater. Srolmansirahe): A. Sinrichsen. Barfreuther Str. 25»: ff. Schmidt. Nosinenftr. 4(Laden): Oskar Aorlti«. Sickinaenstr. 58: S.«ahen stein. Niebuhr. strafe 61: Bormörts�vedition Kaiserdamm 102, Gartenhaus 1 Tr.— Mr k'onkow«nb 19.«ret,(Aula des Lrurum» Bonkom. Görschstr. 42—44): «onfumverkaufsstellen P-nkom. SBvllankstr. 102, Berliner Str. 47 und Breit« e träfe 16:«oniumixriaufzsiellen ztiederschönhauscn, Kaiser-WilheUn�tr. 79 und«oiserivea 60. Sie Herbst- Zu gen dmeihe sie Eharlottrnhnr« findet am Sonntaa. de» 26. September, vormittags 11 Uhr, im Staatlichen Schiller-Theater. Bismarck- 't-ofc. am Knie, statt. Der Borbereitungsunterricht beginnt am Montag, den 16. August, nachmittag« von 4 bis 6 Uhr. im Jugendheim Roünenstraf« 4, vor« 1 Trepp«, und wiederholt stch an den folgenden Montagen. Anmeldungen nehmen entgeoen die erwärt«�-Speditionen Sesenheimor Str. 1, parterre: (loachinn.«oiseidomm 102: Schul». Drovsenstraft« 12, 1. Gartenhaus 3 Tr.; 0 sfeld, Tauroaaener Strafe 11: Puscniak. Augsburger Str. 47, parterre. und Zigorrengeschäft Schmidt. Rostnen straf« 4. Sozialistische sirbeltersugenö Groß-Seell«. Di« Lrrichtebogen fstr die Monate Aprll.Iunk müssen sofort dem Sekretariat «ingereicht werden. Sarzmanderuog oom 8.— 15. Slugust. Wer teilnehmen will, meld« stch recht b id im Zugendsekretariot. Achtung, Abtcilnngrleitrr! Rechnet die So nnenwend karten ah. Sichtung, Inge ndg« Nossen! Heute findet in ffalkenberg da- Volksfest statt! Morgen. Montag, abends 7�' Uhr: Moabit v: Semeindefchul« am Stephansploss. Vortrag:.Lugend nnd Krogstadtgefahren".— Slldost S..B.: Jugendheim Reichenherqer Str. 66. Bor- rz:..?ran»ös>stt>« sstevolution".— ffnedeno«: Jugendheim Osfenhachrr Str. 5». Tichtcradend.— Westen: Jugendheim Hauptitr, 15. Bortrog:„Demokratie oder Diktatur?"— jsalkrnbcrg: Jugendheim. Vortrag:„Geschichte der Arbeiter. Parteien di»»ur Kegenmort".— H«ri»»bors: Beim Genossen Prof. Neunzig. Neue Bismarckstrafe. Zehn-Winuten-Rcferatc. Einsendungen für dies« 9iubrik sind B-rlt» SW 68. Linde-straf- 3, parteinachrichten für Groß-Serlin stet» an da» Söezirlrsekretariat. 2. Hof, 2 Trep. recht». richte». 2.«reis Tiergarten. Montag, 12. Zuli, 8 Uhr,«rweiierl« Sreisvorstaud». stfun« bei«rüger. Putlifstr. 10. Erscheinen ist wegen der wichtigen Tagesordnnna unbedingt erforderlich. 5.«rei, ssriedrichohaia. Montag. 12. Zuli. 7% Uhr, in Schmidt, Gefell- schoftshaus, ssruchtstr. 38a. Funktionärstfung. Mitgliedsbuch und Funk- tionörtarte ist mitzubringen. 12.«rei» Steglif. Montag. 12. Juli, 8 Uhr,«reisvorstandssttmng an bekamt. ter Stelle. Die Bezirksfllhrer von Steglitz sind zu dieser Sitzung«in- geladen. heule. Sounlag. den 11. Zuli: 141. Abt. 9tose»thal.Ni«bersch»nhansen»Sest. Die Dartcizusannnenkllnfte für de» Monat Zuli fallen aus. Di« Beiträge werden durch Haustassierung erledigt. Morgen. Moulag. den 12. Juli: I. Slbi. luj Uhr hei Zantic, Artillerieftr. 11, Funktionärsttzung. Bücher zum Abrechnen mitbringen. 6. Abt. 7>4 Uhr bei Dodrohlaw, Swinemünder Str. 11, ssunktionitrsttzung. Alle Genossen mllssen wegen der wichtigen Tagesordnung erscheinen. 7. Abt. 7Va Uhr hei Bärwald«, Schleaelstr. 8, ssunktionärsitzung. 14. Abt. 7� Uhr bei Lauritzen. Putbusser Str. ll, wichtige ssunktionärsttzun«. 17. Abt. 7>4 Uhr bei Dose, Nordhafen 6. wichtige ssunktionörsttzung. 1». Slbt. 744 Uhr wichtig« Sitzung sämtlicher Funktionär« der Müller, Ufev» strafe 12. 19. Abt. 744 Uhr Funktionärsttzung bei Schrrpel. Eriinthaler Str. 18. 20. Slbt. 744 Uhr Junktim, lirsttzunq hei Pose,«oloniestr. 15. 21. Abt. 744 Uhr wichtige Funktionärsttzung bei«roll, Utrcchter Str. 21. 23. Abt. 744 Uhr bei Grunwalh. Kameruner Str. 19. Funktionllrsttzung. 24. Slbt. 744 Uhr bei Schlelff, Ehristburger Ecke SSinsstvafe, Funktionärsttzung. 27. Abt. 7H Uhr hei SBoosmann, Sleinrstr. 10. wichtige Funktionärsttzung. Alles Material muf mitgebracht werden. Neueinteilung der Bezirke. 28. Abt. 744 Uhr hei Büttner, Schwebter Str. 23, Sitzung sämtlicher Funk. tionitre. 3L Slbt. 8 Uhr bei Golbschmidt, Stolpisch« Str. 86. Funktionärsttzung mit de» Betrieb iv er krauensleuten. 41. Abt. 744 Uhr bei Schult. Marieuborler Str. 8. Funktionärsttzung. 44. Abt. 744 Uhr bei Ewald. Skolifer Str. 126. Eitzuna sämtlicher Funkti». näre. Betriebsncrtrauensleute und Elternbeiräte. Erscheinen ist unbedingt erforderlich. 45. Abt. 744 Uhr bei Zonekeit. Reichenberger Str. 78», Sitzung sämtlicher eicht. Sw« Genossen Funktionär«. Schriftliche Einladungen erfolgen ui müssen erscheinen. 46. Abt. 744 Uhr bei Elchholz. Eunrnstr. 23. Funktionärsttzung. 47. Slbt. 7'4 Uhr Funktionärsttzung bei Linke. SBalbemarstr. 65. 48. Slbt. 8 Uhr hei 9t«gling. Wassertorstr. 71, wichtig« FunktionäEltzuug. 53. Abt. Eharlottenbnrg. 8 Uhr bei Lur. Hutten skr. 2«. wichtige Funktionär. fitzung. Neukölln. 69. Slbt. 744 Uhr bei SSrose. Sand erste. 19. Funktionärsttzung.— 91. Slbt. 7 Uhr bei«öfter,«arlsg arten skr. 4. Funktionärsttzung.— 93. Slbt. 744 Uhr bei Thormählen. Hertzberqstr. 22, Funktionärsttzung. Die Bezirksfllhrer laden dazu bestimmt ein.— 95. Slbt. 744 Uhr bei Röfler, Steinmetzftr. 44, Sitzung sämtlicher Funktionär«. Zeder Bezirk mutz»er- treten sein. 1». Slbt. OberschineweS»«. 744 Uhr bei Imberg. SBilhelminenhofffr. 84. Funk. tionärsttzung. 124. Slbt. Mahlsdorf. 844 Uhr bei Breibau Sltznng sämtlicher Funktionäre. All« Senosse» mllssen unbedingt erscheinen. 137. Abt. Reinickendors-Beft. 744 Uhr im Bolkshan«. SchoEnmeberstr.»4, wichtig« Funktionärsttzung. Dieastag. den 13. Zuk: 8. Slbt. 8 Uhr bei Rickert. Steinmetzftr. 36». Sitzung des Festausschüsse, nnd der Funktionare. Di« Söezirtsfllhrer laden zu de» am Mittwoch. 14. Juli, stattfindenden Iahlobenden und zum Sommersest am 1. August in der Schlofdrauerei Schönebrrg ein. 19. Abt. 744 Uhr bei Trümper. Flensbnrger Str. 8. Funktionärsttzung. 13. Slbt. 744 Uhr bei Lausch, Stredow. Eck« Wiclefstraf«, BezirmfUhreisttzung. 19. Slbt. 3 Uhr bei Dähling, Brunnenstr. Ist. Funktionärsttzung. Slm 25. Juli, morgen» 744 Uhr. Dampferfahrt mit Slstustk von der Fennbrstcke nach Ferch. Teilnehm erdeitrag: Erwachsen« 1,60 M.,«inder 80 Pf.«arten stub bei den Haualassierern zu hoben. Do die Teilnehmerpahl beschränkt ist, bitten wir. stch rechtzeitig mit«arten zu versorgen. 37. Abt. 744 Uhr bei Pfeiffer. Sausburgikr. 2. Sitzung sämtlicher Funktionär«. Wichtig« Tagesordnung. Alle Funktionär« müssen daher unbedingt er» scheinen. 85. Abt. Tempelhof. 744 Uhr Iahlabend«. 2. nnd 8. SVzirk: Lokal Bnse, Werder. Ecke»ailcr-Wilhelm-Strafe. 6. SSezirk: Lokal Lange. Rlngbabu. straf« 4. Aliltwoch. de» 14. Zug: >. Skbt. 8 Uhr im Saal 8 de,«ewerkfchaftshause».«nqelufer 84«.»it. gliederoersammlun«. Vortrag:..Stach dem«olkseatscheid". Referent: Theodor«otzur. Di« Bezirksführer werde» ersucht, bestimmt dazu«inzu- laden. 11. Slbt. vi« Funktionärstfnng fällt aus. Die Bezirksfllhrer laben 9» der Mitgliederversammlung bei Berger. Levetzowstr. 21. bestimmt ein. 68. Slbt. Kaiense«. 8 Uhr bei Sondmann. SSestfälische Str. 42. Mitakkebev. Versammlung. Bortrag:„Erwerbslose und SPD." Steferent: Wilhelm Richter. Die Bezirksführer werden erfocht, einzuladen. 84. Slbt. Lankwitz. 8 Uhr bei Lehmann.«aiser.Wk1helm.Str. 29)81, Mit- aliederversammluna. Die Bezirksfllhrer laden dazu«in. ZungsoziaVstea. Alorgea, Montag, den 12. Zoll: Gruppe Südost: 8 Uhr im Feuerwehrhaus. Reichenberger Str. 86, Bortrag: „Da, Heidelberger Programm",(«in ergänzender UeberbNck al,«chluf bei Arbeitsgemeinschaft.) Leiter: Senoss« Tiemmann. * Arbeitegentiafchoft der»inderfreund»,«rei, Mitte: Rontaa. IS. ZuN. vstnktlich 8 Uhr. Helferstfung im Heim Blumenstr. 77. Stach Erledigung der Tagesordnung Einüben neuer Lieder. Liederbücher nicht vergessen. Zrauenoeranslalkurigen am Montag, den 12. ZulU III. Slbt. Bohnsdorf. Slusfluq nach dem Wendenschlof Waldesruh. Dort- selbst«osfeolochen. Trefsvunkt: nachmittags 2 Uhr am Bahnhof Grünau. Araueuveranftaltungen am Dienstag, den 13. Juli: 30. Slbt. 744 Uhr im Restaurant.L,rm Burgfrleden", Wichertstr. 69. Baw trag:„«örperpslege"(mit praktischen Vorführungen). Referentin: Lisa All recht. Gesihastkiche Mitteilungen. Die Firma Barr Sohn SL-®., Ehausseeftr. 29/30, bittet uns, mitzuteilen. daf st« di« von der Kundschaft im Saisonausverdauf gekauften Wintermäntel sowie Damen, und Herrenpelze bis zitt kälteren Zahreszeit kostenlos oufbewadtt. Der Salsou-usverk-uf bei Emil Lesonre. dem ältesten Teppichhans Berlins, feit 44 Zahrea nur Onanienstr. 158. Stühe Ntorifplatz. beginnt morgen. Sstontag. 12. Juli. Die allbekannt«, streng reelle Firma hat für den dicsiülirigen Saison. verlauf ganz aufergewöhnliche Preisherabsetzungen nieler Artilel ihrer Rieien. Inger vorgenommen und empfiehlt es stch. während de» Anzverlanis den Ein- kauf hei Lefdvre möglichst in den Vormittagsstunden zu machen, da der An» drang dort bekanntlich nachmittags sehr statt sein dürste. Gewinnauszug 4. Klasse 27. Preubilch-Süddeutsch« Klassen-Lotierle. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinn» gesalleu, und zwar se einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen l und ll 2. Ziehungstag v 10. ßuli 1926 On der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinn« zu l 00000 M. 26007» 2 Gewinne zu 5000 M. 130510 2 Gewinne zu 3000 M. 754 6 Gewinne zn 2000 M. 26718 66882 237301 6 Gewinne zu 1000 M. 186002 223981 280963 6 Gewinn« zu 800 M. 107815 116671 220232 10 Gewinn« zu 500 M. 20191 122382 140349 194810 229913 92 Gewinn- zu 400 M. 588 1675 16589 21298 35227 48261 49116 51940 51964 54680 59854 63523 72462 72616 91582 92134 93347 103813 118363 129780 132908 146249 155952 163285 169795 172751 181053 184443 184578 190949 198927 213098 223515 225850 226229 230897 231979 241086 247659 248912 262350 268520 280606 287144 297493 29X596 226 Gewinne zu 300 M. 6617 11147 13219 16300 16847 17411 19453 20484 24013 32574 37249 42163 44585 45406 46536 54017 61719 62264 66046 68279 73843 74263 75296 77018 77799 81040 82556 82817 83009 85154 87810 89063 89493 90687 91549 91741 92733 95315 96303 97217 101584 102375 102979 103682 109925 109964 112652 116297 117511 133293 136226 139271 140112 145978 146551 147232 168347 168936 170015 171427 171940 178735 179624 182722 185542 186356 188581 190735 196255 196596 198005 207794 210501 210908 212144 213768 216569 218227 218319 219099 219221 225899 239047 243484 245270 251167 251980 252631 253243 253853 254897 255222 255818 256017 259504 260955 262927 266119 268699 269460 269779 271422 272048 273960 277938 280256 287265 290379 292080 293198 294519 296843 298714 v» der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 N. gezogen 2 Gewinn« zu 50000 M. 73574 2 Gewinne zu 2000 M. 190647 2 Gewinn« zu 1000 M. 181843 4 Gewinne zu 800 M. 25290 109306 20 Gewinne zu 500 M. 75575 89852»24628 137999 149574 176261 130059 192043 246793 279977 66 Gewinne zu 400 M. 2522 6784 8931 14068 17545 22519 29410 41452 48941 51934 66056 71452 73838 90203 115653 >19143 119502 144491 147603 149882 151776 160429 161965 >70753 181423 183298 202884 238210 257423 263855 268324 271103 296567 230 Gewinn« zu 300 M. 335 2327 5967 6186 9984 15800 24287 27015 29265 32577 35513 37642 44821 48195 48977 50041 51322 51882 52146 57033 57472 68716 71833 72035 74228 76770 82749 83885 86572 88698 89282 90973 94402 95080 102832 105597 >06471 111265 112466 113576 121963 125738 129535 130483 130918 133498 137129 137936 138079 139600 141557 141576 143749 143901 144826 145225 146030 146473 152417 153769 155276 166386 167131 171428 181668 184408 185798 186425 188315 189972 202193 203595 204090 204735 207368 207489 207837 218288 219404 220906 223760 225711 230591 235880 238675 240996 241044 243109 244468 249645 252118 252328 252853 253174 254433 260069 263283 264582 266262 266894 268020 271745 272361 272372 272482 277023 280338 280763 281138 281700 287169 287326 289950 295850 298382 linM der(Müde- n. MiMdeiiei Filiale Graß Berlia DieuStag, den 13. Juli 1S2S, abends 7 Ubr. im Saale de« LerbandShauseS, Jvhannisstr. 14/15 ZMMlverslMlvltnig derAMneldettlebe Tagesordnung: Abschluß deS ManteltarifvertrogeS. Ilm bestimmtes und pünttlicheS Erscheine« wird gebeten. Mitgliedsbuch und Funttionätkarte find o!S Ausweis vorzuzeigen. Die Ortsverwaltuug. ERFIXDEB verlangt amsoast die wichtige Schrift oon Iip.Zng Curt Friedlaender Porto beilegen Perlag Die Palent-Welt" Berlin ZV 30, Speyererstr. 8 a Soitdenag 9«nihil litt V.liü 4.50 9 er„.'/,. uo 9 er»dl Uuer>/,_(Ja Norman nla, Nortorf(Holst)102 Mh»ttallaiteiter-strtiaiid Achluogl Achtung! moulag. de» 12. Zun. nad-mIHag» 2»Hr. im Gawerrlchaft» Haufe. (Eagclafcc 24.25: Erwerbslosenversammlung der Kolleginnen und Kollegen der Gürtler-, Metalldrücker und polierer-vranche. Tagesordnung:(. Erwerbsiosen» 'ragen. Referent: Etadtv.«oll. Peschke. 2. Verbands und Branchensragen 3 Verschiedene». Iahlreiche« Erscheinen wirb erwartet Mi: glied-duch undStempelkarte legitimiert. SIenoIag, den 13. Zuli.»bb» t Uhr, im Zimmer 26 be, Verba»b»hause», ciuleostr. 83,55: tm- Versammlung-*c aller Schmiede. Schmledehelfer, Meter. Aieterhelser der Elsen- konstrutttov-draache. Di« Tagerdnuna wirb i» bei Versammlung delanntgegeoen. BollzähUge, Erscheine» ist Psticht- Achlungl Achluugl ömmöslofe IRMMt! Mitiwoeh. be» 14 Zoll, nachrniitogo 1 Ahr. ia de»„Sophie»- Säie»". Sophteustr. 12/15: BC Versammlung aller erwerbslosen Mitglieder de» veutscheaMefallarbellerverbondes Tag e»or b nu ng: Die Wirtschaft- hche Lag, und die Ardeitslostgkeil Iutritl nur gegenBorzeiaung derStempel- larte und be» Mitgliedeouche«. Ol* OctaBcrmaUtuig. Ortskrankenkasse für das Manrergeverbe zu Berlin. Slchk»»g! B e ka an ti Slchluugt ___ B__ acb nagt Die»ahnörztlich« Behandlung wird von Montag, den 12. Zuli)»«. a» wieder in der eigene»«assenzahntlinlk, Haukeftr. 4, geleistet. Die Mitglieder und deren berechtigte Am gehörige find verpstichtet.»on diesem Tage an diese Iahnlltn» in Anspruch»u nehmen Die, gilt auch für solche Mitglieder und Angehörige, die z. fit in emer anderen «assenzahnklinit behandelt werden. Berlin, de» 10. Juli 1926. Der Ootffanb: v.«rllger 9t Freund Borsitzender. Schrifl/Ührer. Für Sommer- und ülnderfesle Papierraütien, Scberzsicben, nicmlnaNoiis- artiüeL Fenerwerk.Wadufadtela. Tombola-Sorümenle, Lose— Nieten. Numaernblocks OroBe Answahl. Billigste Preise. fohl% Weder KaeW. Spitielmarki 4-5 Hr. Verlane« SommerprelslUte Nr. S Betrifft Fritzi Massary Wir bringen Friizi Massary, die unvergleichliche 3-Pf.-Zigarette, jetzt auch ohne Mundstück in runden», vollem Formai in vornehmer, geschmackvoller Silber-Originalpackung * VI5 GUTEN ZIGARtTTEN w Unsar« Pralse für Hüllte harabgeietz>. 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'lellmsiigMe � ssiiilk» I» lirvirtt| hesteSeaditiiBgi TüdlligB Werkzeog- madierilreher aber nur so che verlan ri SHIIkJedK fterliner Str. 08 UfeltbiiDil deoltdier Roloniilen t V. sucht redegewandte Herren jeden Siaa- des als Aiauisitcure. Bewerbungen nur schrif illch Melcrouesirabc L Nummer statt Tüchtigkeit! Verfehlter Angriff auf den Arbeitsnachweis. Unter dl--ser Ueberschrift veröffentlicht die„Berliner Morgen- poft"(Nr 161) einen Leitartikel, der nur zu sehr geeignet ist, in der Oefsentlichkeit falsche Vorstellungen von den Mahnahmen auskommen zu lassen, die d i e Ge w e r k s ch a s t e n zur Behebung der Not der langfristig Arbeitslosen, insbesondere der älteren A n g e st e l l t e n, den gesetzgebenden Körpcrschasten vorgeschlagen haben, und die in der Hauptsache die Einfuhrung einer Meldepflicht der Arbeitgeber für die treiwcrdcnden Stellen und für die Chiffreanzeigen bezwecken. Ein von den Gewerkschaften gefordertes Gesetz über die Verlängerung der Kündigungsfristen für die älteren Angestellten ist dieser Tage mit rückwirkender Kraft zustande gekommen.(Es ist zu wünschen, dah auch für die alternden Arbeiter recht bald ähnliche Schutzbestim- mungen in Kraft treten.) In diese» Maßnahmen erblickt die„Berliner Morgenpost* eine „Bureaukratisierung der Arbeitsvermittlung*, durch die dem er- werbslojen Arbeiter und Angestellten„das Recht auf freie Arbeit- suche streitig gemacht werde*. Die Erwerbslosen würden in den Kontrollapparat einer Organisation hineingezwängt werden, die ihnen die Möglichkeit nehme, im Wege des sreien Stellenangebots, besonders aber im Wege der Chiffre-Annonce Arbeit zu erlangen. Wenn die„Berliner Morgenpost* von einem gesehlichcn verbot der Chiffre-Annonce spricht, so eilt sie damit den Tatsachen weit voraus. Vorläufig wird nur ein Mcldezwang für Ehiffreinserate gefordert, um im arbeitsmarktpolitischen und wirtschaftlichen Interesse eine bessere Uebersicht und Kontrolle über die vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten zu gewinnen. Würde das Chiffreinserat völlig ver- boten werden, so würde die Mehrzahl der Erwerbs- losen, aus die sich die Morgenpost beruft, dies durchaus nicht als ein Unglück betrauern: denn jeder Stellen- suchende Hot mehr oder weniger Ersahrungen mit den Chiffreinseraten gesammelt und weih daher, dah sich um eine durch Ehisfreinserat bekanntgegebene offene Stelle meistenteils Hunderte, ja Tauscnde von Beschäftigungssuchenden bewerben, so dah die Erfolgchancen nicht höher wie bei einem Lotteriespiele sind. Ostmals laufen auf Grund solcher Stellenaus- schreibunoen die Bewerbungen in solchen Massen ein, dah der Arbeitgeber technisch gar nicht in derLage ist, sie zu prüfen oder gar zu beantworten. Es werden dann gewöhnlich mehrere Britse st ichproben in ähig herausgegriffen, einige in die engere Wahl gezogen, um die Reflektanten schliehlich zu persönlicher Vorstellung zu oeranlassen. Wer dieses Glück hat, der wird sich vernünftigerweise keine großen Hoffnungen machen, denn er hat damit zu rechnen, dah der Arbeitgeber auf seine Bewerberreserven zurückgreift, falls die Gehaltsansprüche des sich Vorstellenden mit den Ansichten des Unternehmers etwa nicht übereinstimmen sollten. Nicht selten kommt es vor, daß der inserierende Prinzipal angesichts der Berge eingegangener Beworbungsgefuche den Mut verliert und sich dann an den zuständigen Arbeitsnachweis wendet. Welche Unsummen von Geld. Kraft und Zeit gehen durch das Chiffre- inseratenwcsen täglich verloren! In den Inseraten ist stets zur Bedingung gemacht, dah die Bewerbungen ausführlich abgefaßt werden; oftmals werden noch Lichtbild und die Abschriften sämtlicher Zeugnisse verlangt. Da auch Papier und Porto erforderlich sind, so werden dem Arbeit- suchenden Kosten verursacht, die aus d i e D a u e r unerschwinglich sind, so dah mit zunehmender Dauer der Erwerbs- lofigkeit das Schreiben auf Annoncen immer mehr zur Unmöglichkeit wird. Dem S t c l l e.o>su che«d e n wird zngenmlet, daß er dem voll rx�Kkb e k a n'ji t U n1< r n eh in e r gegenüber seine Ver- hälmisse äuseincmdersetzt, der mit den gemachten Angaben»ild dem überlassenen Lewerbungsmaterial Mißbrauch treiben kann, ohne dah der Bewerber sich dagegen zu schützen vermag. Schreibt ein noch in ungekündigter Stellung sich befindlicher auf eine Chiffre- unnoiice, so kann es passieren, daß er sich bei seinem eigenen Arbeit- geber bewirbt, der dann nichts eiligeres zu tun hat, als daraus seine Konsequenzen zu ziehen. Nicht zu den Seltenheiten gehören die Fälle, in denen sich hinter dem Chrissrelnserat Kaulionsschwindler und andere Betrüger verbergen, die sich nicht schämen, den Aermsten noch das Letzte abzunehmen. Die Landesarbeitsämter. die sich mit der Verfolgung solcher Angelegenheiten befassen, könnten da interessante Mitteilungen machen. Wenn die„Berliner Morgenpost" zur Verteidigung des Chiffre- Inseratenwesens anführt, daß es sich„seit Jahrzehnten bewähre*, so muh demgegenüber festgestellt werden, dah diese primitive F o r m der Stellenvermittlung ebenso wie die Umschau(das Wandern von Betrieb zu Betrieb zum Zwecke der direkten Nachfrage nach Arbeit, wie auch die direkte schriftliche Ansragc) in den letzten Jahren in dem Maße an Umfang v e r l o r en h a t, in welchen, die öffentlichen Arbeitsnachweise an Bedeutung gewonnen, und nach dem Entwicklungsgang des öffentlichen Arbeitsnachwsiswefens in der Nachkriegszeit unterliegt es keinem Zweifel, dah die Zeit nicht mehr fem ist, wo kür die Stellenvermittlung im Wege des Inserats kein Raum mehr vorhanden sein wird. Die Arbeitsvermittlung ist durch das seit dem 1. Oktober lg22 in Kraft befindliche Arbeitsnachweisgesetz geregelt. Dieses schreibt in seinem 8 40 vor, dah in erster Linie die Eignung des Stellensuchenden für die gemeldete offene Stelle zu berücksichtigen ist, alsdann kommen die wirtschaftlichen Ver- Hältnisse des Bewerbers in Betracht. Besonders bei der Ver- m i t t l u n g von Angestellten, an die die„Berliner Morgen- post* hauptsächlich gedacht Hot und die durch den geforderten Melde- zw an g für die Arbeitgeber zur Anmeldung offener Stellen bei den Arbeitsnachweisen gefördert werden soll, kann es gar nicht nach der Reihenfolge der Eintragung beim Arbeitsnachweis(Nummemfystem) gehen, da sonst leicht ein langfristig erwerbsloser Angestellter auf eine Stell« geschickt werden könnte, zu deren Ausfüllung feine Fähigkeiten nicht ausreichen würden. Di« Angestelltenvermittlung wird feit der gesetzlichen Re- gelung vielmehr in der Weise durchgeführt, dah die berufskundlich wie arbeitsnachweistechnisch gut ausgebildeten und mit den wichtigsten Fragen des Arbeitsrechts und der Volkswirtschaft wohl vertrauten, auf Privatdienstvertrag angestellten Arbeitsoermittler sich mit Hilfe der ihnen zu Gebote stehenden Mittel in jedem ein- z e l n« n Falle zunächst ein klares Bild von den Kenntnissen, Fähigkeiten und Verhältnissen des Arbeitsuchenden wie von den Er- fordernisien der zu besetzenden Stelle gewinnen. Dem Arbeit- geber wird nicht etwa«in bestimmter Arbeitsuchender aufoktroy- iert; ihm werden vielmehr zwei bis vier Bewerber zuge- wiesen, unter welchen er seine Wahl treffen kann. Erforderlichen- falls werden diesem Austraggeber weitere Vorschläge gemacht. Die Interessen der Parteien, der Arbeitgeber und der Angestellten, sind durch die gesetzlich vorgesehenen Fachausschüsse der öffentlichen Angestelltenvermittlungsstellen in weitgehender Weise gewahrt, in welchen die Vertreter der wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer Sitz und Stimm« haben und einen ausschlaggebenden Einfluß aus die Handhabung der Geschäft« im Nachweis ausüben. Von einem„Bureankratismus" im üblen Sinn« des Wortes kann nach alledem nicht die Rede sein, wohl aber muß gesagt werden, daß die Wirtschaft jetzt mehr denn je eine wohlorganisierte, nach dem Prinzip der kleinsten Mittel funktionierende Arbeitsvermittlung nötig hat, die sich auf deren Bedürsnisie einzustellen oermag und nach dem Grundsah der Leislungssähigkcil den rechten Mann an die rechte Stelle zu bringen versteht unter Be< rllcksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Einzelsalle, so- weit dies möglich ist. Ohne geregelte Arbeitsvermittlung wäre die Mehrzahl der Erwerbslosen auf dem Arbeitsmarkt heute hilflos; sie würde nicht die Möglichkeit haben, an die offenen Arbeitsstellen heranzukommen, und auch viele Unternehmungen wären oft in Ver, lcgenheit, wenn der Bedarf an qualifizierten Fachkräften, an welchen vielleicht im Augenblick Mangel herrscht, nicht der Arbeitsnachweis mit seinem bewährten zwischenörtlichen Ausgleich existierte. Wie viele Arbeitsuchende würden sich heute bei einer Konstanten von zwei Millionen Erwerbslosen im„freien Spiel der Kräfte* ohne die Hilfe des Arbeitsnachweises in einer hofsnungslosen Situation befinden! Die Behauptung, daß„der Kntastrophen-Sommer 1926* gerade „auf dem Arbeitsmarkte versagt* habe, klingt fast so, als wolle man den Arbeitsmarkt für die katastrophale Lage der Wirtschaft verantworliich machen. Der Arbeitsmarkt ist nur das Spiegelbild der Wirtschaft; jede Veränderung derselben wirkt sich auf jenem in klarer Weise aus. Wirtschaft und Ardeitetnatkt stehen in wechselseitigen Beziehungen; daher lassen sich aus den Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkle die Bewegungen der Wirtschaft genau er- kennen. Will man das Problem der Erwerbslosigkeit in Deutsch. land lösen, so wird man die Hauptursachen der schwierigen Wirt- schaftslage untersuchen und beseitigen müssen. Die Anregungen vieler Wirtschaftsführer weisen nach Amerika. Wohl denn! Lernen wir von Amerika, und stellen wir danach unsere Zoll-, Preis- und Lohnpolitik ein, damit die Kaufkraft im Lande wieder steige; dann wird ein aufnahinefähiger Jnlnnd-markt auch die Beschäftigung der meisten jetzt brachliegenden Arbeitskläste er- möglichen. Walter Siebert, Leiter der Fachabtcilung für Angestellte. Klagen gegen die Rcichsbahnvcrwaltung. Die Gewerkschaft deutscher Eisenbahnfahrbcamten führt eine Reihe von Klagen gegen die Hauptverwaltung der Deutschen Reichs. bahngesellschaft, in denen sie den Standpunkt vertritt, dah die Rück- Überführung von kündbaren Beamten ins Ar- beiterverhältnis ungesetzlich sei. Am 8. Juli hat die zuständige Kammer des Landgerichts I Berlin in erster Instanz über diese Klage zu entscheiden gehabt. Die Gewerkschaft ist mit ihrer Klage abgewiesen worden. Die Kammer begründet ihr Urteil damit, daß der Beamte wohl auf Zahlung seines Gehalts klagbar werden könne, daß aber die F e st st e l l u n g darüber, ob es sich überhaupt um die B e- amteneigenfchafl des Klägers handle, lediglich im V e r w a l- tungswege zu treffen sei. Die ordentlichen Gerichte könnten nur über vermögensrechtliche Ansprüche von Beamten entscheiden. Es sei anerkannter Verwaltungsgrundsatz, dah Kündigungen von Beamten nicht willkürlich ausgesprochen werden sollen, jedoch erwächst dem Beamten aus einer ohne zureichenden Grund erfolgten Kündigung kein Recht auf Anfechtung im Rechtswege. Dieser Grundsatz muß auch bei e i n e m M i h- brauch des Kündigungsrechts gelten. Der Kläger ist Reichsbahnbeamter geworden, damit ist ohne weiteres§ 2 4 des Reichsbahngesetzes anwendbar. Nach Ansicht der Kaminer besteht diese Rechtslage auch dann, wenn damit wohlerworbene Rechte der Kläger verletzt sein sollten, da das Eisenbahngesetz mit verfassungsändernder Mehrheit zustande gekommen ist. Die Reichsbahngesellschaft müsse ihre Personalpolitik so wirtschaftlich wie möglich gestalten. Daher sei es notwendig ge- wefen, den durch die Personalabbauverordnung geschaffenen Aus- n a h m e z u st a n d gegenüber den Reichsbahnbeamten über den Artikes 129 der Reichsverfassung hinaus noch zu erweitern. Der Zweck des Gesetzes ist demnach, den Abbau von Reichs- bahnbeamten im Interesse größerer Wirtschaftlichkeit dauernd zu ermöglichen. Di« Urteilsgründe stellen eine glatte Ungeheuerlichkeit dar.§ 24 des Reichsbahngesetzes gibt der Gesellschaft lediglich das Recht, „Reichsbahnbeamte auf Dienstposten von ae- ringerer Bewertung zu versetzen, wenn das dienstliche D e- d ü r f n i s es erfordert. Der Reichsbahnbeamte kann unter Vewilli- gung von Wartegeld einstweilen in den Ruhestand ver- jetzt werden.* Dieser Paragraph schränkt in keiner Form den Ar- titel 129 der Reichsoersassung, nach welchem den Beamten die wohl- erworbenen Rechte gewährleistet werden, ein. Die Urteilsbegründung spricht davon, dah die Verwaltung die RückÜberführung von Beamten ins Arbeiteroerhältnis und damit auch die Entlassung Tausender altbewährter Arbeiter der Reichsbahn anordnen kann und begründet diese Meinung mit der Not wen- digkeit der wirtschaftlichen Betriebssührung. Wird dieser Notwendigkeit etwa gedient durch die hohen Aufwen- düngen, welche die Reichsbahiwerwaltung für vollkommen unproduk- tive Zwecke, wie B a h n f ch u tz, Technische N o t h i l f e, P a n- zcrzüge, Sportklubs aller Art, Radioanlagen für Höhcrc Be- amte usw. vergeudet? Für solche Zwecke weist ja der letzte Jahresbericht der Reichsbahn die Kleinigkeit von 287 Millionen Mark aus. Dieselbe Kammer, welche dieses unverständliche Urteil fällte, war es auch, die die Klage der Tarifgewerkfchaften auf Anerkennung der Rechtsgültigkeit des Schiedsspruchs im Früh- jähr dieses Jahres abgewiesen hat. Es bedurfte erst der Anrufung des Reichsbahnschiedsgerichts, um durch dessen Spruch den Beweis zu erbringen, daß die Verwaltung der Reichsbahn den deutschen Gesetzen untersteht. Selbstverständlich werden sich auch mit der neuen Rechtslage die höheren Instanzen zu befassen haben, da von dem Ausgange dieses Prozesses nicht nur die Regelung der Rechtsverhältnisse der Reichsbahnbeamten, sondern der Beamten der unteren Besaldungsgruppen ini allgemeinen abhängt. Vielleicht wird sich das Reichskabinett unter Hinzuziehung des Herrn Dorpmüller mit der Sachlage be- schäftigen. Der Landarbeiter-Verband auf der„Gcsolei". Die„Gesolei" in Düsseldorf hat auch den Deutschen Landarbeiter. verband zur Beteiligung vcranlaht. Sein Ausstellungsraum ist nach einem.Bericht, der in der neuesten Nummer des„Landarbeiter* er- scheint, in. dem Ausstellung sgibäud« des Allgemeinen Deutschen> Gewerckschaftsbundes zu finden.......- Der Mittelpunkt der Ausstellung des Verbandes ist ein lebens- großer S ä e m a n n, von der Hand des Künstlers Nolle geschaffen. Aus der Hand des Säemanns gehen Fäden— Samen! ö-ncr an- deutend— zu den Eanorten auf einer davor befindlichen Relief- karte von Deutschland. Der Karte ist eine Erklärung beigefügt, die Kenntnis von der Ausbreitung des Deutschen Land- arbeiterverbandes gibt. Besonders interessant sind zwei große Modelle, die eine schlechte und eine gute Landar- beiterwohnung darstellen. Das schlechte Beispiel ist die natur- getreue Nachbildung einer Landarbeiteruntcrtunft im Kreise Gold- berg-Haynau in Schlesien. Das gut« Beispiel zeigt ein Land- arbeiterhaus, wie es von der Organisation er- strebt wird. Die Wände des Ausstellungsraumes sind auherdsm mit zahlreichen Abbildungen guter und schlechter Landarbeiter« Wohnungen bedeckt. Große statistische Darstellungen zeigen die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Land- und Forstarbeiter sowie der Schweizer in allen Teilen des Reiches. Es ist das erstemal in Deutschland, dah in dieser Weise die wirklichen Landarbeiteroerhält- nisse auf einer großen Ausstellung gezeigt werden. lGcwerkfchastliches sieh« auch 4. Seite Hauptblatt.) v�Miesen-ÄwsverlKBuf en unsere Läger wieder aufgefüllf!-w| Nur eine Auslese H• unserer Billiqkeü: Turn- und Slrandachuh braun Segeltucu mit brauner«v/n Onraralsohlc. sehr baltbar, U|| S(M2 1.90, 19-85 1.50......... 21-28 t/if1 Kinder weiss Leinen-Spangert- • ohuhe in prlmu Aua-490 tahrung, solange Vorrat* »1-85 3.90, 2/-80 2.90, 2VJ6 2.25, 23-81 X §| Kinde r-S pangenschuhe �» braun Eindbox in prima� Qualität, Q90 Relseschu Srima Satin, in vertohie- /\/V enen seb» n n Farben und US fl Mustern, giosse Aaswahl tsifPK Badeschuhe prima turblg badn. mit an--(75 genabterUummlsoble, In ver- 1 at'hledenen Ansf, jedes Paar X Seglerschuhe weiss togeltucti, mit anue< 90 Kos-en.r Urmmisohle,>912 I 8.50, 29-35 2.50...... 22-28 I. Damen-Leinen schuhe und Stiefel, i>a. weiss Leinen 4 90 In rersobied. 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Aber mußt du in der Werkstatt stehem Um dein stilles Sein der Räder Hast, Um den Flug der Hände dunkle Last, Wähn' ich meiner Mutter Weh zu sehen, Lange stehe ich, ein stummer Gast. Seh' ich dich am müden Abend eilen, Auf den Lippen einen leisen Sang, Fühl ich's: irgendwo ist Leid zu heilen, Und ich weiß, warum die Wolken weilen, Rote Wolken nach dem Niedergang. Die sich helfend noch um andre regen, Wissen nicht, wie eigene Hände wund. Liebend zuckt Gebet um herben Mund, Demut sprießt der Erde veifster Segen, Frohn der Frauen ist ein heil'ger Bund., Lehre mütterlich die jungen Scharen: Rot hält Volk gebückt, doch nicht gebeugt, Mütter wissen Volk vor Leid zu wahren, Mutig stehen Männer in Gefahren, Wenn die Liebe duldend Liebe zeugt. O so hilf das Weh der Erde wenden, Frau der Werkstatt, tief in Demut groß, Lächelnd noch in darbendem Verschwenden! Alles Wollen, Wirken und Vollenden Atmet Kraft aus ewigem Mutterschoß. Franz Rothenfelder. die Gattin. Eine Erzählung au» China von E. ZNaharam. (Deutsch von A. Wasserbaue r.)*) Höchstwahrscheinlich war der Hauptschuldige an seiner Derstim- uiung der Mond... So um die Zeit des beginnenden Neumondes wurden die Be< wegungen von Han-Dscho immer mehr nervi)» und hastig und seine dünnen, knochigen Hände zitterten merklich bei der Berührung der bloßen Haut seiner europäischen Kundinnen während des Anpro. bierens. Sonst stets gesprächig und munterer Stimmung, ging er in diesen Tag�n in düsterem Schweigen und mürrisch, einen großen Vorrat von Stecknadeln im Mund, mit den von ihm bedienten Domen um, ungeschickt legte er die zitternden Enden seines Zenti- meterstreifcns um die Taille, länger als gewöhnlich ließ er seine langen, dünnen Finger mit ihren schwarzen Nägeln auf der Büste der Damen ruhen, er war von dieser Berührung wie in einem stummen Taumel. Einige der Damen bemerkten instinktiv diese Ab- sonderlichkeiten und stießen ihn naserümpsend beiseite; anderen wieder war das gleichgültig, den messten aber stieg gar nicht der Ge- danke auf, daß dieser schmutzige Chinese mit dem abscheulichen Ge- misch von seinem. Rassengestank. Knoblauch und Bohnenöl, etwas Derartiges empfinden könne. Hierzu ist zu bemerken, daß sich Dan- Djcho gerade der letzterwähnten Klasse von Damen gegenüber am verwegensten benahm. Er spielte ihnen gegenüber vorzüglich die Rolle eines gefühllosen Wilden und erlaubte sich so während der Probe die gewagtesten Frechheiten. Spät nachts, als sich die Kameraden Don-Dschos schon auf den langen Schneidertischen zur Ruhe legten, begann er mit seinen Wan- derungen in der Stadt. An den Straßenecken, bei den Laternen, ver- steckten sich die Schatten der Polizisten: in dem Halbdunkel hallten die scharfen Laute der Rikscha-Träger. Die Alarmsignale der ein» herrasenden Autos ertönten und die Luft war von Rauchschwaden stickenden Benzins erfüllt. Pan-Dscho wanderte ziellos durch die dunklen Straßen, betrachtete alle und olles mit umflorten Augen, besuchte unterwegs Nachtschenken, die von grell bemalten Frauen und nachtschwärmenden Männern überfüllt waren, wo das ohren- zerreißende Winseln der Chud-sins(zweisaitige chinesische Geige), der Höllenklang von Kupfergongs und der betäubende Donner von Trommeln und Kastagnetten vom Nachtwind in alle Richtungen ge- tragen kvurde. Aber nirgends fand er Ruhe. Die Freudenmädchen lockten ihn, aber sie konnten ihn nicht befriedigen. Und so süß schien ihm dann sein in unerreichbarer Ferne liegendes Häuschen, umringt von den alten Gräbern seiner Borfahren, wo jetzt sein Dater und seine Mutter lebten: mit besonderer Innigkeit aber gedachte er seiner Ge- ipahlin, der kleinen Sü. Frühmorgens kehrte er in die Werkstätte zurück. Er setzte sich in eine finstere Ecke und beobachtete, wie das Dunkel immer grauer wurde, wie sich ine Chefin, die dicke Pu-Lin ankleidete: derb kratzte sie ihren alten, kaum verhüllten Körper mit ihren beiden Händen, er hörte das Schnarchen seiner Kameraden. Und immer wieder kehrten seine Gedanken zur kleinen Sü zurück. Bor seinem geistigen Auge sah er, wie sie im Gemüsegarten mit über der Brust gefalteten blauen Bauernjacke arbeitet«, oder ihm gerade in Gedanken mit ihren kleinen warmen Armen schmeichelte, er hörte ihre leisen Worte... Nach der Chefin erschien in dem Dunkel der Stube die dünne, zerbrechliche Gestalt ihrer Tochter Tschao-Ly, und dann standen die Arbeiter auf, einer nach dem anderen, gähnend, seufzend, hustend. Und, sich schläfrig kratzend, begann Don-Dscho mit seinen Ge- fährten zu arbeiten. Die Nähmaschinen lärmten, rauchend zischten die glühenden Bügeleisen und langsam kam das Leben wieder in die verschlafenen erdfahlen Gesichter. Als der Chef mit großer Slkkg- fall die Pakete mit Stoffmustern gesammelt und sich mit sinem großen Stoffballen auf die Suche nach neuen Kunden begeben hatte, wurde es noch und nach immer lustiger. Die schmächtige Tschao-Ly setzte sich mit ihrer Stickerei an das Kopfende des Tisches und reagierte munter auf die zynischen Scherze der Burschen, kokettiert« mit ollen und schüttelte ihre Stirnhaare, die, kurz geschnitten, übei� mandelförmigen Augen saßen. Ihr Haar war mit bunten Bändern, Metallkämmen und Agraffen geschmückt. Die Arbeiter kritisierten laut dl« europäischen Kunden, lachten über die sonderbaren Wünsche H Aus dem Almanach:„Aus Lem fernen Osten/ Eine interesiante Röntgenaufnahme. Eine vom �emeausschuß vorgenommene vurchleuchtung ües völkischen Abgeordneten und bayerischen Polizeiamtmanns J r i»üäee li'initlative", auf deutsch, ein Verkehrs- verein, der Autotouren durch dos Land arrangiert, es gibt ein Theater, in dem man italienische Operetten hören kann. Mein Herz, was willst du noch mehr? Und dann, wenn man alle diese zivilisatorischen Güter begriffen und genossen hat und zufrieden ist, daß die nicht ganz ungefährliche Gewohnheit der Blutrach« vor den Goldlitzen der Hotelportiers Halt gemacht hat, fällt einem schließlich ein, daß Korsika ja noch eine ganz große Sensation hat, eine Sensation, die sich Mister Hopkins und Mister Smith mit allen ihren Dollars nicht nach Frisco und Kalifornien holen können— die Erinnerungen an Napoleon. Die Erinnerungen an Napoleon sind nämlich weniger an die Denkmäler gebunden, die man ihm hier errichtet hat, sie werden vielmehr wach beim Anblick der Landschaft und mit der Kenntnis des Charakters der korsischen Menschen. Ich habe vor einiger Zeit in einem dicken Werk gelesen, daß das Genie Napoleons hauptsächlich zu erklären sei durch seine un» gewöhnlich« Schnelligkeit des Entschlusses. Es habe in seinem Leben nie einen Augenblick gegeben, in dem er nicht mit einem wunderbaren Instinkt sofort gewußt habe, was er tun solle. Die Schnelligkeit seines Entschlusses und die Sicherheit seines Instinkts feien feine hervorragendsten Eigenschaften gewesen. Das wird einem klar, wenn man die Bewohner dieses wunder- baren Gebirgslandes beobachtet, sie bleiben bei ihrem Käse und bei ihrem Olivenöl trotz aller Verfeinerung, die die Unzahl von Touristen in das Land gebracht hat. Ihre Hauptleidenschaft ist die Politik, es gibt nichts im Leben eine» Korsen, was dem Reiz einer politischen Diskussion gleich käme. Gegen Abend sieht man sie auf den Bänken de» Verkehrsvereins sitzen und an Hand der Zeitungen die großen und kleinen Welt- Probleme durchhecheln. Selbst wenn sie hinter einem Leichenwagen hergehen, habe ich sie eifrig debattieren gehört. Sie haben ein unbändiges Gefühl für persönliche Freiheit, des- halb lassen sie sich schwer in eine soziale Gemeinschaft einsögen. Die Angestellten in den Fabriken und größeren Kaufhäusern sind fast immer Franzosen. Die Stadt wird mit dem Korsen etwas Fremdes bleiben, am «ohfften fühlt er sich in einem kleinen Steinhaus im Winkel eines der gewaltigen Berge, die das Land durchziehen. Trotz des Wunsches nach äußerster Ungebundenheit ist nirgendwo auf der Welt der familiäre Zusammenhang so eng wie hier auf Korsika. Das erklärt zum Teil die Blutrache, denn die Beleidigung, die man einem Glied der Familie angetan hat, hat man der ganzen Familie angetan, und mit dem Tode des Uebeltäters allein ist dem Gerechtigkeitssinn des Korsen nicht genüge geschehen. Die ganze Sippe ist hierfür verantwortlich und muß daran glauben. Ein fast übereriebenes Verwandtschaftsgefühl allein konnte Napoleon dazu bringen, seine ziemlich unbegabten Brüder mit den Thronen Europas zu versorgen, ihn, der sonst immer die Klugheit besaß, den Begabtesten an die Spitze zu stellen und von dem das Wort geht, daß der einfachste Soldat den Marschallftab im Tornister trage.< Es gibt rigentlich in Ajaccio einen Mann, der noch populärer ist als Napoleon—— das ist Paoli, der korsische Nationalheld. Er befreite die Korsen von der Herrschaft der Genuesen, er wollte die Insel weder unter die Herrschast der Italiener noch der Franzosen bringen, er wollte Korsika den Korsen geben. Es gibt Korsen, die Napoleon hassen, die ihn einen Verräter nennen, weil er Korsita französisch gemacht hat. Sie lassen es gelten, daß der berühmteste Schlachtenheld Europas ein Sohn ihrer Berge gewesen ist, aber mft seiner Politik sind sie deshalb noch lange nicht einverstanden. Erstens aus Prinzip, weil nie ein Korse mit der Politik der anderen einverstanden ist, und dann, wie ich sagte, weil Napoleon die Franzosen ins Land geholt hat. Die Franzosen sind hier sehr mißbeliebt. In dem Hause, in dem Napoleon geboren wurde, packt einem der Gedanke, was den Böllern erspart geblieben wäre, wenn die Gattin eines Landadookaten nicht diesen Sohn geboren hätte. Die Erinnerungen an Lätitia interesiieren fast mehr als die an Napoleon. Die war ein« strenge und-- geizige Frau. Später, nach dem Zusammenbruch des kaiserlichen Sohnes, zeigte sich, daß sie soviel Geld erspart hotte, daß sie und ihre übrig gebliebenen Kinder davon leben konnten. Wenn man auf der Straße das Gesicht der Frauen genau an- sieht, ist es nicht schwer, die Züge der Lätitia hi«r und da wieder zu erkennen. Die Menschen— Männer und Frauen— sind hier von einem einheitlichen Typus, kleine Napoleons und kleine Lätitias. verpaffte Millionen. Der Lebenslauf einer Zigarette. Tabakernle.—»Aromatische Einkäufer-— Der labakm eisler.— 25 oe» schiedeve Tabake zu einer Zigarette.— Nur ausländische Tabak«.— Maschineller Werdegang.— Eine Maschine fertigt täglich ZS0 000 Zigaretten. «Genug» für einen Rauchrr, der täglich t0 Zigaretten raucht, tOO Zahre lang.) 'IIM mm dicke» ZigarcUcnmundstückp apier.— verteuernde Blechpackungen sind Mode.— Zehnerpackungen.— 25 Milliarde« Zigarette«.— Steuer. sorge« überall. Der Lebenslaus einer Zigarette ist viel komplizierter, als wir, die wir nur ihren„Tod" herbeiführen, es ahnen. Zuerst sind es hohe und niedrige Tabatpflanzen, die unter der glühenden Sonne Mazedoniens, Griechenlands, der Türkei, Serbiens und der amerika- nischen Staaten gedeihen und von geübten Händen der Tabakbauern oder Eingeborenen in groß« Körb«— blattweis«— gepflückt werden. Im allgemeinen gilt dabei der Grundsatz: Je kleiner da» Tabakblatt, je besser der Tabak. Di« einzelnen Blätter werden zu Tausenden und Millionen einzeln auseinandergelegt oder auf Bindfaden aneinander- gereiht, dann in großen Haufen durch die eigene Feuchtigkeit zum Gären gebracht und schließlich gepreßt und getrocknet. Di« großen Zigarettenfabriken haben dann ihre eigenen Aufkäufer, die in den Ursprungsländern ansässig sind, und die Tabake schmecken und für das richtige Aroma zusammenstellen. In großen Ballen kommen die gepreßten Tabakblätter in die Fabriken. Dort ist der Tabakmeister die wichtigste Persönlichkeit. Er macht hunderte von Probemischungen, bis- er die Mischung heraus hat, die ihm nach Aroma, Geschmack, Asche, Brand„richtig" erscheint. Eine derartige Zigarette umfaßt bei billigerer Ware etwa 18 ver- schieden« Sorten, bei teureren Marken etwa 23 bis 25 verschieden« Tabakarten. Hierbei sei bemerkt, daß selbst die allerbilligsten deutschen Zigaretten fast ausschließlich aus ausländischen Tabaken zusammen- gestellt werden. Wenn die richtige Mischung„gebraut" ist wird diese in großen Hausen aufgestapelt, nachdem die Blätter durch die Arbeiterinnen(in der Tabakindustrie wird fast nur mit Frauen gearbeitet) gelockert, sortiert und angefeuchtet sind. Isi der Tobak derart zweckmäßig vorbe- reitet, kommt er in die Schneidemaschine, wo die Blättchen mit sechs Atmosphären Druck gepreßt und in Fäserchen geschnitten werden. Dann kommt er in eine Entstaubungsanlage, die den unangenehmen Tabakstaub durch rotierende Trommeln auspreßt, und lagert dann 1 bis 2 Tage, damit er trockener, und dos eigen« Aroma reiyer wird. Nach allen diesen Vorbereitungen kommt der Tabak in ein« Zigarettenmaschine, die, ein« ungeheure Leistung, täglich 350 000 Zigaretten produzieren kann. Durch eine imgemein komplizierte Einrichtung läuft eine Rolle Zigarettenpapier und eine Rolle Gold-, Silber-, Stroh- oder Korkmundstückpapier mit. Das Messer schneidet ein Stückchen Mundstückpapier ab, ein kleiner Besen streicht Leim darauf, das weiche, geleimte Stück wird auf das weiß« Zigaretten- papier geschoben, wieder leimt«in kleiner Besen di« Seil« de» Papiers: dieses läuft nun aus die Tabaklinie, füllt sich, wird gedreht, geklebt, abgeschnitten. So in jeder Sekunde 12 Stück. Auf das Zigarettenpapier muß besonders geachtet werden. Es muß leicht brennbar sein, darf nicht schwarz werden, sondern soll sogar eigentlich, selbst beim Verkohlen, schneeweiß bleiben. Das de- liebteste Mundstückpapier ist wieder das Goldmundstück, wie vor dem Kriege, welches nur von einer deutschen Firma in Dresden durch ein Geheimoersahren in'/j«, Millimeter Dick« hergestellt wird. Di« fertigen Zigaretten werden nun wieder in«inen Raum ge- bracht, wo sie nochmals 48 Stunden trocknen können. Dann packen sie geschickte Arbeiterinnen in die Schachteln. Diese Arbeit wird noch meistenteils mit der Hand geleistet, weil hierfür noch kein« ganz zweckmäßig« Einrichtung erfunden wurde. Also. Erfinder, an die Arbeit! Sehr beliebt sind in Raucherkreisen die Blechpackungen geworden, obgleich dies« durchaus nicht günstiger sür die Zigaretten sind als Pappschachteln, sondern nur die Ware verteuern. Neuerdings ist die Nachfrage noch Zehnerpackungen sehr stark geworden. Di« Schließung und Banderolierung der Packungen geschieht wieder automatisch. Die gesamte Tabakindustrie hat im und nach dem Krieg« einen gewaltigen Aufschwung genommen. Die Zigarette ersetzte unseren Soldaten im Feld, und leider Gottes auch jetzt noch vielen eine Mahl- zeit. Sie ist, in ungeheurem Siegeslauf die Zigarre bei weitem über- holend, das Genußmittel unserer Zeit geworden, welches aus unserem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken ist. Man rechnet dabei auf den Konsum der Damen 15 bis 20 Proz. des Gesamt- bedarss. So oerpassen wir im Jahre in Deutschland allein«tiva 25 Milliarden Zigaretten: dos ergibt ungefähr einen Betrag von einer Milliarde Mark, der im wahrten Sinne des Wortes„in die Lust geblasen" ist. Neuerdings werden wieder, entgegen der letzten Vorkriegsmode der herben überseeischen Zigaretten, die leichten süßen Tabake, die aus den Balkanstaaten kommen, bevorzugt. Trotz all« den erreichten Erfolgen steht die Tabakindustrie doch sehr pessimistisch in die Zukunft. Denn ab I. Oktober kommt eine neue Tabaksteuer, die nach Ansicht der Industriellen für das ganze Gewerbe katastrophal werden dürfte. Dies« neue Verordnung setzt nämlich zwar die Banderolensteuer von 40 aus 20 Proz. herab, führt ober die Materialsteuer neu ein, die auf jedes Kilo Tabak S Mark Steuer beansprucht. Außerdem wird der Tabakeinsuhrzoll von 30 Mark auf 80 Mark pro Kilo erhöht. Diese neuen Steueroerordnungen werden noch Ansicht der führenden Industriellen die Produktion um zwei Drittel vermindern und werden auch dementsprechend zahlreiche Arbeiter und Angestellte entlassen werden müssen. So ist es ein langer und komplizierter Weg: Von den Tabak- pflanzen, die unter der glühenden Sonn« exotischer Länder zu Millionen emporwuchern, bis zu der zierlichen Zigarette in der Hand der mondänen Gesellschaftsdame. Heinz Liepmann. Schuhmacher als Gelehrte. In London wurde in diesen Tagen die kostbare Bibliothek von James Manjield versteigert, der ein Schuhmacher war. Daß die Schuster sich mit Literatur und Büchern beschäftigen, ist ja keine seltene Erscheinung. Coleridge hat be- hauptet, daß„die Schuhmacher der Welt eine größere Anzahl her- vorragender Männer geschenkt haben, als irgendein anderes Hand- werk", und wir brauchen ja nur an die beiden berühmtesten Schuster der deutschen Geistesgeschichte zu denken, an den Dichter Hans Sachs und an den Philosophen Jakob Böhme, um zu verstehen, wie be- deutende Geisteswerke auf dem Schusterschemel entstehen können. Ein Schuhmacher war auch der Gelehrte William Gissord, der sich als Herausgeber der„Ouaterly Review" einen Nomen machte. Zwei englische Admirale, Sir Cloudesley Shorel und SirShristopher Hynge, haben ihre Lausbahn al» Schuhmacher begonnen, und e» gibt eine groß« Anzahl englischer Dichter und Gelehrter, die mit Ahle und Pfriem angefangen haben. Besonders häufig find aber die Büchersammler unter den Schuhmachern. Der größte Sammler des 18. Jahrhunderts, James Lackington, war ein Schuhmacher: er eröffnete um die Mitte de» 18. Jahrhunderts einen„Nmpel der Musen", in dem er eine halbe Million Bücher zum Berkaus stellte. und rief eine Umwälzung im Londoner Buchhandel dadurch hervor, daß er da» Prinzip de» großen Umsätze, und kleinen Nutzens durchführte. Die Weltstadt London. Groß-London zählt 8 Millionen Ein- wohner, 2 Millionen mehr als der australische Kontinent beherbergt. Auf die Ouadratmeile kommen in London 11000 Einwohner, in Australien 2. Nach dem Steuerwert berechnet, würde man 60 Millionen Pfund brauchen, um die Häuser Londons auszukaufen. Die Straßen Londons haben eine Gesamtlänge von 2300 Meilen, ihre Unterhaltungskosten belausen sich aus 3 Millionen Pfund im Jahre. Das Telephon wurde im vergangene» Jahre 805 Millionen mal be- nutzt. ne 5 ZWhMgeÄrbeid' nnfi große ÄorgMt verbunöelimü reuherMchrung erforöert Sie öerÄnte folgenöe Sehanölung unö Sortierun öer DibaKblatter. Äiele wirö leü Jahrzehnten m unstrelr ebenen, MmchulatlonsöepotC oorgenommm unö gewährleistet gutes unö gejuuöes Rohmaterial.welches uns öie�> aretten- G. Fubon Sonntag 11. �uü 1926 Äus öec Deutsche Zilmproöuktion 1926. ' Daß die deutschen Filmsabrikonten heute noch immer wähnen. sie könnten eine reiche finanzielle Ernte in die Scheuern bringen. wenn sie ihr Unternehmen aus Manujtriptoerfasser stützen, deren geistige Potenz Eourths-Mahlersche Elaborate weit in den Schatten stellen, ist nur bester Beweis für die höchst bedauerliche Tatsache, dah die deutsche Filmindustrie von unbegabten Spekulanten über- wuchert ist, wo gerade im Augenblick Kopse, talentierte, weitsichtige und umsichtige Persönlichkeiten not täten. Eine Auslese unter den in den letzten Jahren verfilmten Sujets zu treffen, hält ungemein schwer, die Phantasielosigkeit der Manu- skriptversasser ist geradezu horrend. Nur wenigen Filmen liegt eine Handlung zugrunde, die von der Talentiertheit ihrer Autoren Zeugnis ablegt. Und diese Filme überragen auch den Durchschnitt um ein Beträchtliches. Es müßten also die deutschen.Filmfabrikanten darauf aus sein, Manuskripte zu erwerben, die der filmischen Be- arbeitung durch anerkannte Darsteller und Regisseure wert sind. Weit davon entfernt. Die Erfahrung lehrt, daß die Auswohl der Manuskripte einen Tiesstand der Fabrikation bloßlegt, der es ver- standlich macht, daß nur ein geringer Bruchteil der hergestellten Zrlme ein wirkliches Geschäft bedeuten, geschweige denn, daß der deutsche Film seinen Bormarsch auf dem Weltmarkt antreten kann. Wir schelten häufig über die Minderwertigkeit der amerika- nischen Sujets. Sind wir ehrlich, so werden wir auch den deutschen Manuskriptverfassern keine besonderen Fähigkeiten testieren können. Hierzuland gerod wie in Amenka überwiegt da» schematische Ar- beiten. Ein Film hat einmal einen großen Erfolg gehabt, gleich stürzen sich etliche Dutzend geschäftsgewandter Skribenten darauf, das anerkannte Sujet zu oariiren. Selbstverständlich stechen diese Baria- tionen gegenüber dem ersolggekrönten Filmwerk schlecht ob. Wie schlecht muß es um die deutsche Filmindustrie bestellt sein, wenn sie— wie das diesjährige Fabritationsprogramm lehrt— von der Verfilmung militärischer, nationalhistorischer Sujet» ihr Heil erwartet. Auf solche Weise läßt sich die Stagnation des Theater- besuch» kaum überwinden, vielmehr ist zu erwarten, daß sich weite Kreise der heutigen Theaterbesucher angewidert abwenden, bis die Zeil da ist. wo sich die deutsche Filmindustrie endlich zum Niveau durchgerungen hat. Doch es soll dem Leser nicht vorenthalten bleiben, die Titel einiger angekündigter Filme kennen zu lernen. Es werden gedreht: drei Marinefilme sdiefer verdammte Potemkin) festen",.Emden" und.die gesunkene Flotte"(Skagerrak) und eine stolze Serie.pa- triotischer" Spielfilme, unter anderem.Ich hatt' einen Kameraden". .Für ein freies Boterland",.Die dritte Eskadron",.Zopf und Schwert",.Annemarie und ihr Ulan",.Herbstmanöver"..Des Königs Befehl",.Die U Schillschen Offiziere". JDtt letzte Emquar. tierung",.PptsKam, die Tragödie einer Residenz"..Bismarck ll". .Lieb Vaterland, magst ruhig sein" usw. Zu wahrlich, unter den Auspizien solcher heroischer Filmwerke wird die deutsch» Filmindu- s.rie dem Vaterland einen großen Dienst erweisen. Die Krone des ganzen bildet wohl der mit großem Pomp aufgezogene.Ludooicus ganzen bildet wohl deiKmit großem Pomp aufgezogene.�udovicus- Re;".Fjlm. wobei die herrlich« lateinische Firmierung das beste dieses Tcndenzsilmes sein dürfte. Gewiß werden auch andere Filme gedreht, aber auch diese lassen sich unschwer in eine Schablone bringen. Den patriottfchen Filmen stehen die Operettcnsilme i dieser verdammte.Walzertraum") zurseite. Die ältesten Kalauer werden oerfilmt. Rur wenige, so der vom Leiter des.Goskino", dem Regisseur Rasumni gedrehte künstlerische Grohsilm(diese talennerten Ruften) versprechen ein beachtliches Niveau. Freuen wir uns auf die kommende FilmfaifonI Das«ine steht fest: Bevor die deutsche Filmindustrie den Weg nicht findet zum künstlerisch»» Manuskript, so lange wird der deutsche Film sein An- sehen im Inland« wie im Auslande kaum heben. Man bedauert nur die großen darstellerischen Kräfte, die sich für schlechte, banale und tendenziöse Filme einsetzen müssen. Die Zilme der Woche. -MaMe in Mika." (Alhambra.) Wenn einem der Stoff dieses Filius als literarisches Produkt vor die Augen käme, müßte man ihn als mustergültiges Exemplar der Hintertreppcnliteratur glatt ablehnen. Da der rzilm aus einer Bilderfvlge desteht, so wirkt er natürlich ander» als das Wort. Die unmittelbar sinnlichen Reize des Films sind eben ganz anderer Art al» die der Wortkunft. und so kann ein literarischer Kitsch sozusagen durch die bildliche Darstellung veredelt werden Bi» zu emem ge- wissen Grade ist das auch bei diesem italienischen Film der Fall. den Mario C a m a r i n i mst südländischer Braoour ausgezogen und F r ed e r i k offenbar für deutsche Gemüter gemildert hat. Man wird zwei Generationen zurückversetzt in ein italienisches Schloß, das hoch oben an der Küste thront Die junge Erbiil, eben aus dem Kloster zurückgekehrt, wird oon ihrem ungetreuen Vormund auf ein Segelschiff entführt, dort festgehalten und nach Afrika in den Harem eines Scheiks oerhandelt. Natürlich sind die Retter schon mit an Bord, der Matiose Maziste, d.'r über Riesenkräfte verfügt, und ein deutscher politischer Flüchtling, der unter seiner Matrosenbluse ein idealistisches Herz birgt. An Bord gibt es eine Meuterei dieser exem- planschen Mannschaft von Galgenvögeln, mit Hilfe Mazistes wird sie bezwungen. Der Kapitän stirbt, nicht ohne vorher bekehrt zu sein; aber an der afrikanischen Küste werden die Schutzpatrone des jungen Mädchens übertölpelt und eingesperrt. Als ihnen ihr Ausbruch ge- lingt, ist das Mädchen dem Scheit bereits überantwortet. Sie sprin- gen ins Meer, bestehen hundert Abenteuer und Gefahren, brechen tollkühn in den Harem ein, befreien die Gefangene und kehren mit ihr in die Heimat zurück. Der brave Deutsche erhält natürlich ihre Hand. In diese offenkundige Schundliteratur ist vom Regisseur viel landschaftliche Schönheit: die italienische Felsentüste, das weiß ge- blähte Segelschiff auf See, die afrikanische Palmenlandschaft hinein- verwoben. Für Bewegung und Spannung sorgen die Kämpfe unter den Matrosen und die Abenteuer in Afrika. In allen diesen bewährt P a g a n o, der Darsteller des Maziste, der bereit» zu einer stehen /Ukhiiig 1 Achtung! Uraufführung Dienstag, den 13. Juli 1926 des großen, neuen Emelka-Baycm-Fifans X VOfcg, Regie: Arthur Bergen mit• Dorothea Wieck, Harry Halm, Werner Fuctterer, Mary Parker usw. in der ALHAMBRA am Kurfiirstendamm Beilage ües vorwärts den Figur geworden ist, seine Bärenkräfte und sein gute» Herz. Wer an solchen Dingen seine Freude hat, wird voll auf seine Rechnung kommen. Es ist beste Ritter- und Räuberromantik, wenn er seine Gegner halbdutzendlveije niederschlägt oder, fein säuberlich zu Bün- deln verpackt, am Mast hochzieht. Secyl Tryan ist das anmutige junge Mädchen, die weidlich Gelegenheit hat, Angst und Schrecken auszudrücken. Daneben wären die Darsteller des idealistischen M«' trafen und des Kapitäns zu nennen. Vorher produzierte sich aus der Bühne gleichfalls ein starker Mann, der mit Eiern und Metallkugeln jonglierte, D. ,Stürme öes Schicksals." (Marmorhaus.) Neues erwartet man von dep Amerikanern nicht, man ist daher zufrieden, wenn sie all ihre mehr oder minder bewährten Eigenarten gut filmisch herausbringen. Und das tat der Regisseur Frank 21 0 y d. der mit außerordentlicher beruflicher Tüchtigkeit ein mit Handlungen überladenes Manuskript verfilmte. Den Inhalt und die Gründe all der Stürme und der Schicksale auszuzählen, würde etwas langatmig werden. Nur andeutungsweise sei berichtet, es kommen vor: ein Mord, eine Tötung auf der Flucht, drei Totschläge, ein tödlich ver- lausener Unglücksfall, ein Todesfall beim Rcttungswerk, eine äfient- liche Auspeitschung sowie drei Verhaftungen eines Unschuldigen. Zum Schluß ergeben sich als Patentlösung zwei glückliche Paare. Dabei hat der Autor wohlweislich alle Unholde sterben lassen, so daß die Guten auf der ganzen Linie triumphieren. Das ist eben Filmamcriko. Frank Lloyd machte sich mit ungeheurem Geschick jede Gelegenheit zu- nutze. Vorzüglich oerstand er es, die herbe Schönheit der britisch- amerikanischen Goldminendistrikte zu veranschaulichen: das ist Natur. die noch bezwungen werden muß. Dann das Leben und Treiben im Lager, in den emporblühenden Städten und aus den Gebirgspässen, die nur Mann für Mann und Schritt für Schritt zu passieren sind. Wir sehen die aufgeregten Goldgräber an ihrem Gerichtstag schnelle Justiz üben, gewahren, wie tausend Verlockungen durch Spiel und! Alkohol ins Land kommen, sind Zeugen, wie Hundeschlitten durch die Regionen de» ewigen Eises gejagt und Boote durch Stromschnellen gesteuert werden. Dabei, als scharf umrisjene Typen gezeichnet, lieben und hassen die Menschen, und ein Bruderpaar zankt sich wenigstens alle Biertelstunde einmal. Die Hauptdarstellerinnen waren- Anna Q. N i l s s 0 n und Viola D a n n a. Die erster« hat man � schon oft als kouragierte Frau in der Wildnis gesehen, der letfieren stand der leidende Zug gar nicht, während sie wieder alle Herzen gewann, sobald sie die kindliche Ursprünglichkeit spielen durste, e, h/ »Die Fürstin üer Niviera." (Schauburg.) Gewohnheitsgemäß wartet die Schauburg mit einem reich« Halligen Programm auf, dessen Varieteteil, sehr zu Recht, einen leb- hasten Beifall auslöste. Der Film»Die Fürstin der R i v i e r a" ruft allerlei Erinnerungen wach an»Die Fjncmzen des Großherzogs", an Harry Piel und noch an manches vorauf. gegangene Werk des Regisseurs Göza von Bolvary-Zahn.� Er ließ frühere Erfolge seine Richtlinien sein, auf Neuheiten sann er nicht. Dos Manuskript hält sich jenseits aller Wahrscheinlich- keilen, man soll nicht kritisch mit ihm abrechnen. Ellen Kürtl� kann sich glanzvoll in vielen Toiletten und den verschiedensten Masken zeigen, bi» sie. eine Abenteuerin, einen rechtmäßigen. Thronfolger heiratet. Den letzteren spielte Julius M e s|a r 0 s im vorgeschriebenen Liebhabertyp, während Hans Junker« mann, wie schon so oft,> als Hoftrottel durch feine»geist«, reichen" Gesichter di�e Zuschauer zum Lachen� zwang.—»3)ie Maske des Lopez", ein amerikanischer Film, führt dann nach dem wilden Westen. Dort, auf einer großen' Farm, lebt eine menschenfreundlich« Besitzerin, die entlassene Straf-- linge aufnimmt. Da Jack Taylor das bewußte Mädet auf den' ersten Blick liebt, versieht er sich mit den Papieren eines ent-' lassenen Sträflings und kommt so auf die Farm, wo er den Vieh- dieben das Handwerk legt. Natürlich bekommt er seine Liebste,> zumal es Silberkönig, dieses Prachtpferd, wünscht. Fred T h 0 m s e n kann wirklich mit ihm umgehen und alle begründeten Ansprüche aus die Leistungen des Pferdes werden wieder voll er-! füllt. Der ungenannte Regisseur erfaßte in der an und für sich recht wüsten Eowboy-Reitcrei manche reizvollen Momente njtd� brachte hübsche Bilder von Pferden.— g. j HAG Obwohl anfänsüch, gegen den coffeinfrfcien kTaffee mißtrauisch, bin, ich heute durch eigene.Versuche mit Kaffee Hag völlig bekehrt, sodaß Ich meinen nervösen und herzkranken Patienten den Kaktee Hag warm empfehle,- vor allem auch/.weiMas Aroma durch Coffeinentzug nicht gelitten, völlig erhallen Ist Dr. med. Kistler, Ueslal Beginn B| � H aison- Ausverkauf Hontgsfr. sa-M I.Stock Gerüstet wie noch nie- entschlossen wie Immer— das Menschenmöglichste zu leisten, sind diese Angebote weder In Auswahl und Qualität noch an Prelswürdlgkett zu übertreffen!(Nur meine bekannt hochwertigen Waren.) farbiger mmäer W 1 großer Posten hocheleganter weiter wou-rfaniei. eiwes angestaubt, mit pelzartigem Besatz html. 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T.:hascnheid.2II0 8'/. Uhr: Oetalleoe Engel KomOdlenhans TeU Norden 6304 8 Uhr Der Carten Ehen Central- Theater Uhr; Eva BoDbeor llka Grfining llllllllllllllllllllllllllllll Ufa-Palast«m Zoo imiiiiiiimiiiiimiinmi eioria-Palost Rangsettel 1.50 Parkatltattal Z.Logen.... 3.- iiiiiiiniiiiniiiiiiiimiiii KurfOrstendamm iiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniii Tauentzlenpalast i... i.eo u. S- iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiii Th.a.Nollendortpl. II. Rang.. 0.80 Parkett....1- I.Rang,..1.50 Loge..... 2.- Eilie-sander m tagt 8 aht: �«attlpkel M Im berCnflinoI Sfißt NatdibmOtr «C Eltt«-Unter. an Rtesen- Prolnunm! Reichshallen- Theater Anfang 8 Uhr Stettiner SSnger ..Hausball bei Meyer's" Vom 16. 7.'— Jl. 1.: GnlspM dn Dresdner Viklwia-Sänger Dönhoff-BrettHInli-CbhO Variete!- Moniert!— Tiinit Luna- Park Heute: Voll.SonnlagsSetrieb nur 10 Pf. Qr. Brillant-Feuerwerk etc. Artist. 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IIIIIIIIIIIIIIIII Letzte Woche i Buster Keaton Oer Mann mit den 1000 Bräuten lllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllll Die Derskatze lllinillllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Das indische 6rabmal I. Teil: Die Sendung des Joghi llllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllinilll Ufa-Sommer-Festspiele Die Nibelunsen I. Teil: Siegfried Aul dar Bühne; Szenen aus dar Opar „Siegfried" v. Rieh. Wagner Veralärktea Orchester Dirigent: Generalmusikdirektor J. Waghalter iiiiiiiiMiiiiittiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiinitiin Oer Zille-Film; Die Verrufenen llilllUlllllllilillllllllllllllllillllllllllllllll Ulla» Harvey, Harry Lietftk« Liebe u.Trcmpetenblasen llllllllllllllllllllllllililillllllllllllllllllllll Fridericus Rex III. und IV. Teil iiinitniniiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiMiiiii Emil Hanninga Alles für Geld iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiimiii Em« Jannings, LH Dagovtr Tartüff Auf der Bühne; Rokoko-Ballett iiiiiiiniiiiiiiiliiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiuin nia Nay, ailssacr, Jannlegs Tragödie der Liebe I. und II. Teil iillliiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiilll Warum sich scheiden lassen? «hluer-Th. OprtttMkiilelzelt. 8 Uhr: Süe&kAk �kaBett iiiiiiiiiHiiiiiiiiiinuiiiiniiiiiiiiiiiiiiiinii Tum Mix Der König der Gaukler iiiimimiiiiiiiiiiiiomiiiiiiiiiiiiiimimn SHERLOCK-CES. m.b.H. OPEt-NIEDER UA6E Alexanderstr. 27a, II. Hof, Tel. Kgst. 9610-12 Ib. im iDrfBistenilinin 8V, Uhr: Kayaller Jack Operette in 3 Akten Musik von Carlta von Horst Sommerpr. 2—6 M Deutsches »Bnstl.- Thester Tägl 8'/, Uhr- Der irAhUAe Weinherd Berliner Praler fastanien-AUee 7-9 Täglich: Internationales VarletC- Programm. Ant: Wochentags 7. Sonntags 4 U. 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Juli, starb nach langem, schwerem Leiden unser Borsitzender, der Drechsiermeister Adamerf Knodie Nachdem er 1912 als Borstandsmitglied eintrat, wurde ihm im Jahre 1914 das Amt-de» Borsch enden übertragen, welches er bis zu seinem Tobe mustergültig zum Wohle der Kasse zu führen verstanden haL Ehre sei seinem Andenken i Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. Zust, nachmittag» 4 Uhr, auf dem Heilig- Kreuz- Kirchhof, Mariendorf, Eisenacher Straße, statt. Der Vorslaad and die AndesleUlen der innandS'llrankenKasse der Dreduier- Zwandsinnund za Berlin TSS'enn Sie angeln hilft Ihnen die Fifchwittetung„Tlbetln iU gutem Fang.— Seit 30 Iahten glänzend ewährt.— Hervorragende Urteile erfahrener Fachleute.— Ein Versuch lohnt: die geringe Ausgabe macht sich reichlich bezahlt Dose mit Gebrauchsanweisung und Broschüre.Winke eine» Praktikers" M. 2,50 porto- und spesenfrei. Stet» frische Ware. Herold-Vaiwand Berlin-Steglilx 1. PmiHtt kntaln. hshdudkmto Bolii 3t(99 BrunnenstraOe 1 Frankf. 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