. . Nr. 328 43. Jahrg. sig udad De Ausgabe A nr. 169. sales. Bezugspreis. Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Vorwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Reit" mit„ GiedTung und Kleingarten" sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin" Mod 1 ind a publ Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblaff 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einspaltige Nonpareille. zeile 80 Brennig. Reklamezeibe 5,- Reichsmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedrukte Worte). jedes weitere Wort 12 fennig. Stellengesuche das erite Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buckftaben zählen für zwei Worke. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen his 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8½ Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Donnerstag, den 15. Juli 1926 Frankreich und Amerika. Berechtigte Entrüstung in Paris. Wie wir in unserer gestrigen Abendausgabe bereits mel-| Elysee bis zum Triumphbogen, wo die Parade stattfand, zu passieren deten, hat Genosse Vincent Auriol im Auftrage der hatte, aufgestellt und überschütteten ihn bei der Durchfahrt mit Gefozialistischen Kammerfraktion einen Antrag eingebracht, durch johle und schrillen Pfiffen. Es kam zu zahlreichen zu den die französische Regierung aufgefordert wird, ne ue Ber jammenstoßen zwischen den Manifestanten, den Zuschauern handlungen mit der amerikanischen Regierung aufzu- und der Polizei. Zahlreiche Kommunisten wurden mißhandelt. nehmen, damit dem bereits abgeschlossenen Schuldenab- Ueber hundert Berhaftungen wurden vorgenommen. fommen eine Transfertlaufel beigefügt werde, durch unter den Berhafteten befinden sich mehrere Spanier, die für die die stabilisierte französische Währung vor Erschütterun- Primo de Rivera beleidigende Flugzettel verteilten. Anschließend gen infolge der Jahreszahlungen ähnlich bewahrt bleibe mie an die Parade fand im Elysee unter dem Borfih des Präsidenten die Mark durch eine ähnliche Bestimmung des Dames- Plans. der Republik ein großes diplomatisches Frühstück statt. Es ist in der Tat geradezu un verständlich, daß die ame= Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65: Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Diktatur in Sicht? Von Hermann Müller- Franken. Ein überzeugter bürgerlicher Demokrat, der Leipziger Reichsanwalt Hermann Martin, hat vor kurzem unter dem Titel: Demokratie oder Diktatur?" im ,, Berlag für Politik und Wirtschaft" ein Buch erscheinen lassen, das schon deshalb die Lektüre lohnt, weil in ihm viel Material über die Diktaturperioden und Diktaturbestrebungen seit Cäsars Zeiten zusammengetragen ist. Martin ist stellvertretendes Mitglied des Staatsgerichtshofes zum Schuße der Republik. Die zum Schutze der Republik berufenen Richter nicht nur die am Staatsgerichtshofe- würden dieses Buch nicht ohne Nutzen lesen, wenn sie es lesen würden. Hingegen darf das Buch als Informationsquelle über die deutsche Sozialdemokratie nicht benutzt werden. In diesem Punkte ist das Buch außerordentlich oberflächlich. Martin ritanische Regierung dem im Kriege verbündeten Frankreich Belgiens Sozialisten und die Vollmachten. ist auch darin ein Fortschrittler von altem Schrot, daß er wie die gleiche Schußbestimmung nicht freiwillig gewährt hat, die dem besiegten Deutschland zugestanden wurde. Ueberhaupt ist die Behandlung, die Frankreich von seinen ehemaligen Bundesgenoffen im Weltkriege bei der Regelung der Kriegsschulden erfährt, alles andere als nobel. Relativ an= ständig verhält sich England, das selbst eine ungeheure Schuldenlast an Amerifa abzutragen hat und daher bis zu einem gewissen Grade berechtigt ist, sich an seine Gläubiger zu halten. Aber auch England hat es jetzt abgelehnt, Frankreich eine Transfertlaufel zu gewähren, sondern es hat sich nur dazu herbeigelaffen, in Privatbriefen von Churchill an Caillaux, die dem Schuldenabkommen beigefügt werden, zu versprechen, daß es Frankreich entgegenkommen werde, falls Deutschland mit seinen Reparationszahlungen in Verzug geraten sollte. = Zustimmung des Generalrats. Brüffel, 14. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Kammer beriet am Mittwoch den Gefeßzentwurf zur Erteilung außerordent licher Vollmachten an die Regierung und nahm ihn in erster Lesung an. Die endgültige Verabschiedung kann erst am Donnerstag erfolgen; die Zustimmung der Kammer ist jedoch nicht zweifelhaft. Gleichzeitig beriet der fozialistische Generalrat Der amerikanische Staatssekretär Mellon hingegen hat bisher ein solches Entgegenkommen ftrift abgelehnt. Die Forderung unserer französischen Genossen deckt sich voll- schränkung der Preffefreiheit benutzt werden könnten. fommen mit den Wünschen der Gesamtheit des französischen Boltes. Die Er bitterung, die in Frankreich über das Shylockartige Verhalten Ameritas herrscht, ist nicht nur erklärlich, sondern das muß gerade von deutscher Seite in aller Offenheit betont werden durchaus berech tigt. Die Art, wie das amerikanische Rapital unter Ausnuzung der finanziellen Vormachtstellung, die der Krieg und das blindwütige Verhalten der europäischen Mächte unterein ander ihm gesichert hat, nach einander alle europäischen Länder in seine wirtschaftliche Abhängigkeit zu bringen bestrebt ist, muß notwendigerweise unter den Bölfern des alten Kon tinents eine Stimmung erzeugen, die das amerikanische Bolk einst sehr bereuen wird, wenn erst die europäischen Völker sich auf ihre gemeinsamen Interessen befinnen. Für europäische Solidarität! Paris, 14. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Auf Anregung aus verschiedenen Ländern, besonders Skandinavien, Desterreich und Deutschland hin, hat am Dienstag zwischen einer Reihe namhafter Persönlichkeiten von internationaler Bedeutung, wie Painlevé, Lichtenberger, Rudolf Wissell, Thugutt und anderen, eine erste Aussprache im Carnegie- Institut stattgefunden zu dem Zwecke, innerhalb des Völkerbundes eine engere Gemeinschaft zur schärferen Betonung der europäischen Solidarität zu gründen. Es wurde beschlossen, ein Komitee zu ernennen, das eine Bersammlung für Ende August in Genf vorbereiten soll, in welcher diese europäische Föderation" endgültig fenftituiert und der Wortlaut eines Manifeftes an die Völker Europas ausgear beitet werden soll. der selige Eugen Richter bei der Sozialdemokratie überall Beichen der Mauserung sieht. Die Mauserung soll soweit vollendet sein, daß die Sozialdemokratie die rote Fahne zufammenrollt und das schwarzrotgoldene Banner entfaltet habe: Wer seine Farben wechselt, hat auch seine Gesinnung gewechselt."( Seite 254.) Martin sieht richtig, daß die Sozialdemokratie zum heutigen Volksstaat, den sie für die breiten Massen des Volkes auf friedlichem Wege erobern fann, an ders steht als zu dem Obrigkeitsstaat der Vergangenheit und infolgedeffen auch anders zu den Farben der Republit als zu der Fahne der Rathenau- Mörder. Aber Staatsfähne und Parteifahne sind doch zweierlei. Die Sozialdemokratie denkt nicht daran, ihre rote Fahne aufzugeben. Nach der November revolution weniger denn ie, denn die Sozialdemokratie ist durchaus nicht Martins Meinung, daß auch ohne Kriegsverlust und Revolution Deutschland so ganz allmählich sich zu einer Monarchie nach englischem Muster entwickelt haben würde. Ein furzer, siegreicher Krieg hätte in Deutschland sicher nicht die Demokratie, sondern. die Reaktion gestärkt. In diesem Falle hätte das Wort des liberalen Abgeordneten mest en aus den Tagen vor dem 70er Krieg ficher zuge troffen: Wenn dieser Krieg siegreich endet, wird man einem Mann meiner Denfungsart nicht mehr gestatten, auf dem Bürgersteig zu gehen." am Mittwoch ausführlich die politische Lage. Von verschiedenen Rednern wurden schwerwiegende Zweifel an der Richtig feit der eingeschlagenen Bolitit erhoben, sowohl vom allgemeinen Standpunkt der Frankensanierung aus, wie insbesondere vom Gefichtspunkt der Arbeiterpartei. Bandervelde beruhigte die vorge brachten Befürchtungen, indem er ausführte, daß die Bollmachten meber zur Erhöhung der Lohnsteuer noch zur Ein Weitere Garantien besinden darin, daß jeder fönigliche Erlaß die Unterschriften, aller Minister, also auch der vier sozialistischen, tragen müsje, daß ferner. obschon da's Parlament in die Ferien gege, die Seffion nicht als gefchloffen gelte, sondern das Parlament jederzeit vom Präsidenten wieder einberufen werden tönne, und daß licßlid der sozialistische Generalrat jederzeit von den sozialistischen Ministern Rechenschaft über die Handhabung der Bollmachten fordern könne. De Broudère hielt eine einliche Leser geschrieben. Er sucht deshalb reichlich mit Zitaten de udsvolle Kassandra Rede, warnte vor dem bisher eingeschlagenen Weg, weil er vom Standpunkt der Verfassung bedenklich sei und das parlamentarische System schwäche. Insbesondere dürften die Sozialisten nicht die Verantwortung mit übernehmen für eine Politik, in die sie stufenweise widerwillig hineingedrängt werden. Andere Redner bezweifelten, daß von den Vollmachten ein richtiger Gebrauch gemacht werden würde, zumal die Regierung von den Rechten, die sie bereits besize, um gegen die Valutagewinnler vorzugehen, feinen Gebrauch gemacht habe. Arbeitsminister Wauters zu handeln. Der Austritt der Sozialisten aus der Regierung würde 3 handelnn. Der Austritt der Sozialisten aus der Regierung würde die Lage sowohl für die Finanzen wie namentlich für die Arbeiter flaffe unbedingt wesentlich verschlimmern. Schließlich wurde die Parlamentsfraktion mit 38 gegen 10 Stimmen bei vier Enthaltungen ermächtigt, dem Ermächtigungsgesetz zuzustimmen. Der Generalrat stimmte außerdem dem Gefeßzentwurf über die Eisenbahnregie zu, nachdem er entsprechend den Forderungen des Generalrats von der Regierung abgeändert worden war. Das energische Auftreten von Regierung und Parlament hat in der Deffentlichkeit unzweifelhaft einen starken Eindrud gemacht, und die Erwartung ist allgemein, daß nunmehr energische Maßnahmen zur Abwehr der Valuta fatastrophe getroffen werden, über deren Natur aber vorläufig noch nicht viel Positives zu sagen ist. Caillaux und die Banken. Einsetzung eines Börsenüberwachungskomitees. Die Aushänge der Valutaschwankungen an den Paris, 14. Juli.( Eigener Drahtbericht.) In der Be Bankgeschäften, durch die Aufläufe verursacht und viel zur panit. sprechung, die am Dienstag abend nach der Rückkehr Cailartigen Stimmung unter der Bevölkerung beigetragen wurde, laug aus London zwischen ihm und den hauptsächlichsten Ver- find am Mittwoch verboten worden. Der Pfundkurs fant von tretern der Großbanten stattfand, soll, wie die Blätter am 217 am Dienstag auf 202% am Mittwoch. An der Börse fanden Mittwoch zu melden wissen, beschlossen worden sein, ein aus den starke Aktienkursstürze statt. Vertretern der Großbanken und Börsenmakler zusammengesetztes permanentes Komitee zu bilden, das den Pariser Markt zu übermachen haben wird. Den Vorsitz des Komitees führt der Gouver neur der Bank von Frankreich. Der 14. Juli in Paris. Kommunistische Kundgebung gegen Primo. Paris, 14. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Das französische Jationalfest ist am Mittwoch morgen bei prächtigem Wetter durch die übliche Truppenschau in Gegenwart des Präsidenten Doumergue, des Ministerpräsidenten Briand. sämtlicher Mitglieder der Regierung, des Sultans von Marokko, des spanischen Diktators Primo de Rivera und zahlreicher offizieller Bersönlichkeiten der politischen und diplomatischen Welt gefeiert worden. Die kommunisten hatten eine umfassende Manifestation gegen Primo de Rivera ins Werk gesetzt. Sie hatten sich auf dem ganzen Weg, den der Zug der offiziellen Persönlichkeiten vom Furchtbare Justiz in Smyrna. 12 Todesurteile- sofort vollstreckt. Smyrna, 14. Juli.( WTB.) Das Unabhängigkeitsgericht fällte heute das Urteil im Attentatsprozeß. Es verurteilte 3 um Tode die Abgeordneten Rusch di Pascha, Schüfri, Arif, Abidin, halisi, Dichanbulatt, 3ia hurchid und Hafiz Mehmed, ferner Edib, Rassim, Ismail, Busfuf, Abdul kadir und kara kemal. Der Prozeß gegen Rauf, Adnan und Rahmi wird in Angora fortgesetzt werden. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Konstantinopel, 14. Juli.( WTB.) Die wegen des Die wegen des komplotts gegen Mustapha Kemal Pascha z um Tode verurteilten Personen sind heute bei Tagesanbruch gehängt worden. Die Ernennung des Grafen Lerchenfeld zum deutschen Gesandten in Wien steht unmittelbar bevor. Doch Martin hat sein Buch in erster Linie für bürgeraus den Schriften Heinrich von Treitschkes zu wirken. Anregung zur Leftüre von Treitschke fann der bürgerlichen Jugend von heute nur dienlich sein. Sie fann aus ihm lernen, wie es in der sogenannten guten, alten Zeit in Deutschland wirklich aussah, in der die Patrioten eingeferfert wurden, und die Vorläufer der Grafen Weftarp und von der Golg die Einheit sabotierten und die Freiheit malträtierten. Als umgekehrt die Sozialdemokraten nach dem militärischen Zusammenbruch von 1918 von der deutschen Einheit und der deutschen Freiheit alles retteten, was überhaupt noch zu retten war, taten sie nur das schlechthin Selbstverständliche und begingen feine Sünde gegen den heiligen Geist des Margismus, wie Martin meint, für den Marrismus und Bolschemismus der gleiche Braten mit der gleichen Sauce sind. Aber lassen wir Treitschke, Julius Cäsar, Cromwell, Napoleon I. und III. und sogar das Direktorium Gayl- Minoug das trotz der Blütezeit der Inflation 1923 nicht zur Welt kam und aus dem schon deshalb nicht analog 1799 der erste Konsul erstehen konnte, ganz auf sich beruhen, und wenden wir uns den Fragen zu, um derentwillen Martin das Buch geschrieben hat, den Fragen: Gehen wir einem Staatsstreich entgegen? Wird 1926 der angekündigte Stahlhelmaufruhr fommen? Steht Hannibal wirklich vor den Toren? = Wir stimmen mit dem Verfasser darin überein, daß Vogel- Strauß Politit die schlechteste Politik ift. Wir halten es auch für möglich, daß sogenannte entschlossene Männer eines Tages, verlockt durch das italienische Beispiel, den Verfuch eines Staatsstreiches wagen fönnten. Welche politische Dummheit wäre in Deutschland unmöglich? Man denke an den Kapp- Putsch und an den verunglückten Münchener Bürgerbräu- Putsch vom November 1923. Doch Bersuch und Erfolg würden im Deutschland der Nachkriegszeit zmeierlei sei, vor allem für die Phantasten, die nicht nur den Staatsstreich, sondern auch die Befreiung vom Joche des Versailler Vertrages mollen. Martin überschätzt das Können entschlossener Männer unter den heute gegebenen Verhältnissen überhaupt. Es ist zum Beispiel völlig irrig, wenn Martin annimmt, daß die Revolution nicht triumphiert hätte, wenn die Regierenden 1918 der Gefahr ins Auge gesehen, oder wenn die in Kiel am 5. November 1918 vorhandenen 3000 Offiziere sich rechtzeitig zusammengeschlossen hätten. Was wäre da geschehen? Es wäre mehr Blut gefloffen, aber der Lauf der Geschichte wäre legten Endes nicht anders geworden. Als der Hohenzollernprinz Friedrich Leopold am 9. November 1918 auf seinem Glienicker Schloß die rote Fahne aufzog, wußte er Henau, daß damals kein Preußenbündler für die Monarchie auch nur einen Pfennig, geschweige denn Leben und Gesund- heit zu opfern bereit war. Seither haben die nationalistischen Verbände in Deutschland gewiß wieder Zulauf erhalten, weil die sogenannten Staatsmänner der Entente den Weltkrieg mit einem unerhörten Gewalwertrag ab- schloffen, der von der republikanischen Regierung— wie übrigens von jeder anderen auch— angenommen werden mußte, weil Deutschlands Kriegsgegner am Ende des Krieges infolge ihrer täglich wachsenden militärischen Ueberlegenheit jeden Frieden erzwingen konnten. Ludendorff wußte �.das schon Ende September 1918, als er vom Prinzen Max kategorisch den schleunigsten Abschluß eines Waffenstillstandes oerlangte. Die vaterländischen Verbände, insbesondere der Stahl- Helm, suchten in der Folgezeit sich nach einem ausländ!- schen Vorbilde auszuleben. Sie ahmten den Faschismus nach, nachdem Mussolinis Marsch auf Rom Erfolg gehabt hatte. Daher auch ihre Parole:„Deutschland den Frontsoldaten." Was steht hinter diesem Schlagwort? Sollten etwa die Frontsoldaten das doppelte Wahlrecht er- halten? Nein, denn jedes Pluralwahlrecht der Frontsoldaten käme den Sozialdemokraten und Kommunisten mehr zugute, als jeder anderen Partei. Oder soll dieses Schlagwort nur bedeuten, daß ein Führer der Frontsoldaten mit Diktatur- vollmachten in Deutschlands Politik und Wirtschaft Ordnung schaffen soll? Wer glaubt im Ernst, daß der Weg zu Deutsch- lands erfolgreicher Befreiung von fremdem Joche über den � blutigen Bürgerkrieg führt? Nationale Diktatur kann ,-im letzten Ziele nichts anderes bedeuten als Zerreißung des Verfailler Vertrages. Ein Diktator muß Glück haben und . darf nicht alt werden, sagt Martin. Wenn der verheißene Diktator aber nicht in kurzer Zeit dem deutschen Volke die ."Grenzen von 1914 wiedergeben könnte, würde er am Ende seines Lateins fein. Ein Diktator, der großen Worten nicht entsprechende Taten folgen läßt, wird persönlich mit seinem ' Kopfe haften, wenn er nicht wie Kapp rechtzeitig ein Flug- zeug nimmt und ins Ausland fliegt. Wir wollen gewiß keiner Vogel-Strauß-Politik das Wort ''reden. Wir kennen auch das Statut für den geplanten Stahl- Helmstaat, die Kundgebungen des alldeutschen Verbandes und l'die Artikel der„Deutschen Zeitung". Wir verkennen keines- . wegs die Gefahr, die in den militärisch aufgezogenen vater- ständischen Verbänden latent vorhanden ist. Sie können eines Tages schwerste Gefahren heraufbeschwören, vielleicht sogar sein Durcheinander erzeugen, das Deutschland eine neue Inflationszeit bringt, aber den Ver- ffailler Vertrag zerreißen, das können sie sn i ch t. Das geht über die Kraft jedes„starken Mannes". f Vom„Kaiserismus" hat die Welt ein für allemal genug. Der sstarke Mann wird aber der Exponent eines neuen deutschen Imperialismus fein, oder er wird nichts sein. Die Abwehr jedes Versuches der Einsetzung eines Dikta- tors hängt letzten Endes von der Konsolidierung der Staats- gewalt, dem Funktionieren der zum Schutz des Staates be- stellten Organe und von den demokratischen Gegenkräften ab, . die aus dem Volke selbst entwickelt werden können. Was der erste anbetrifft, so kommt es auf die Zuverlässigkeit der Schutz. Polizei und der Reichswehr an. Die Polizeimacht und die � Heeresverfassung sind durch den Dersailler Vertrag bestimmt. �Wer die Reichswehr nicht lediglich zu einer Schutztrupp/ der politischen Reaktion degradieren will— und das wollen ihre verantwortlichen Leiter gerade aus �Militärischen Gründen nicht—, der wird sie nicht in lfcharfen Gegensatz zu der Masie der deutschen Arbeiterschaft Ebringen. Schließlich ist der Ludendorff-Hitler-Kahr-Lossow- .Putsch mit daran gescheitert, daß die Reichswehr die Pläne der von der Münchener Regierung gedeckten Hochverräter nicht mitmachte. Darüber geben die Aussagen v. Lossows im Hitler-Prozeß Aufschluß. Herr v. Seeckt hat damals Herrn Seißer rechtzeitig erklärt, daß die Reichswehr d e n M a r s ch auf Berlin nicht dulden würde. Mit der Parallele Tprrhenische Küste. � Don Max Hochdorf. j'■ Hier ist gesegnetes Land. Ueberall zerbrechen die Hochgewäsier f Dämme und Deiche. Hier zwitschern die Löget in der Sonne und die . kranken Menschen lassen sich in den heißen Seesand eingraben, damit die brennende Erde ihnen die Lähmung aus den Gliedern saugt. Hier hat B ö ck l i n geträumt, wenn er die Mcereslandschaft, die ' er nie nach der Wirklichkeit, sondern stets noch der Phantasie auf . der Leinewand schäumen ließ, ausgrübelte. Hier hat eine der edelsten �deutschen Dichterinnen, Isolde Kurz, jahrelang ihre schöne, klang- j �°lle Sprache gepflegt. Dann wurde sie weggejagt, und heute noch will man nicht gutmachen, was der Krieg gesündigt hat. Hier wohnte mit einer geliebten Frau P u c c i n t, der zwar ! gern beim Wagnerschen Wohlklang Anleihe machte, die südlich dra- , piert und oerziert wurde, der aber doch die ganze Welt mit Herr- lichen Hymnen der Leidenschaft und des Schmelzes beschenkte. Hier hausten endlich in sehr großer Frömmigkeit, mitten in l schattenspendenden Pinienwäldern und in stöhlichen Schlössern mit "Grabkapellen und märchenhasten Weinkellern Bourbonen und Fürsten von Toscana. In naher Nachbarschaft wuchsen da auf die öfter- . reichische Kaiserin Zita und jene mannstolle Luise von Sachsen, die � heute in Brüssel ehemaligen Reichtum und vergangene Abenteuer- � feste beweint. Diese Prinzen, diese Prinzessinnen alle, die irgendwie ' auf der nicht siegreichen Kriegsseite gestanden hatten, wollten Schloß und Renten zurückhaben. Die Italiener haben heute zwar viel aus dem Sündenregister, man kann ihnen aber keine falsche Centimen- talität vorwerfen. Eine Fürstenabfindung gibt es für sie nicht. Sie nahmen den hohen und den allerhöchsten Herrschaften, was sie einst unter dem paradiesisch blauen Himmel an irdischen Herrlichkeiten besaßen. Sie kümmerten sich den Teufel um das Gejaule der Damen und Herren, die nun anderweitig auf Pump leben oder sich auf sonstige Bürgerart ihr Brot verdienen können. Es sei zum Zoll der Gerechtigkeit erzählt, daß manche das ganz gut verstehen. Landeinwärts vom Tyrrhcnischen Meere, und man gelangt in die Marmorbrüche nach Carrara. Altes Land, heiliges Stcinland, weil hierher schon Michelangelo kam, um die Blöcke für seine Werke auszusuchen. Man stelle sich den gewaltigen Florentiner vor in seiner Arbeitsunrast. Er glich, wie er da so, gebückt und vom inneren Kampfe ausgedörrt, ins Gebirge wanderte, durchaus einem der hageren Steinbrecher, die ihm helfen sollten. Der Marmorbruch ge- schieht noch heute nach»ktertümlicher, primitiver Art. Manches Menschenleben ging zugninde durch Pulverminen, die unvorsichtig entladen, durch Felsblöcke, deren Wucht und stürzendes Gewicht nicht rechtzeitig genug vermieden werden konnten. Und die Blöcke werden heute, genau wie vor einem halben Jahrtausend, von Ochsengespannen ins Tal geschleppt. Oft zwanzig bis dreißig in einem Gespann, und hoch oben, in der Gabelung jeder Deichsel, sitzt ein Treiber, der die zum Marsch auf Rom war es also nichts. Dabei war der Münchener Novemberputsch von 1923 stark begünstigt durch die Verzweiflung, die in der Zeit der größten Inflation weite Volkskreise erfaßt hatte. Seither hat sich einiges geändert. Die Anhänger Hitlers und v. Gräfes bekämpfen sich bis aufs Messer. An Ludendorffs„Patentlösung" glaubt kein Mensch mehr. Aus den Verfassungsparteien heraus entstand die starke Reichsbannerbewegung. Der vielgeschmähte Par- lamentarismus hat dem deutschen Volke wieder die Gold- Währung gebracht. Jeder fremde Besucher staunt über die Konsolidierung des deutschen Staatswesens, und das nach dem größten Staatsbantrott, den je ein Volk in der Geschichte angesagt hat. Das alles hat sich nicht unter einem Diktator vollzogen, sondern in der Amtszeit des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert, den die Nationalisten als früheren Sattlergesellen so oft höhnisch herabzusetzen versuchten. Wobei diese Herrschaften vergessen, daß ihr Ideal nur der Affe Musiolinis sein könnte. Mussolini, der kein Fachminister, kein Verwaltungsjurist, nicht einmal ein General war, sondern Volksschullehrer und Re- dakteur, übrigens zwei von den Bismarckdeutschen besonders niedrig eingeschätzte Berufe, und der in der Schweiz einst auch Tagelöhner, Maurer, Lastträger und Wegearbeiter war. Frei- lich würde vielleicht auch von deutschen Nationalisten«in Dolksschullehrer gefeiert, wenn er Musiolini nachplapperte: „Die Menschen sind der Freiheit müde. Sie haben mit ihr eine Orgie gefeiert." Haben die Menschen die Orgie mit der Freiheit vielleicht im Kriege gefeiert? Faschismus will doch Kriegserlebnis sein. Auch kommendes. Deshalb schon kann er für Deutschland niemals die gleiche Bedeutung erhalten. wie leider unter anderen Voraussetzungen für das arme italie- nische Volk von heute. Der Kampf der deutschen Nationalisten gilt in erster Linie dem Parlamentarismus. Mit Recht sagt Martin, daß die Nationalisten den Parlamentarismus meinen, wenn sie auf den Marxismus schlagen. Zu Bis- marcks und Bülows Zeiten war das Schlagwort:„Kampf gegen den Marrismus!" noch nicht erfunden. Vielleicht, weil damals schon Sombart und Herkner angeblich den Marxismus gänzlich widerlegt hotten! Dann wollte Hitler, der allerdings niemals mit der Wisienschaft eine Orgie gefeiert hat, der„Zerbreche? des Marxismus" werden. Statt dessen brach sein« eigene Bewegung zusammen. Der Front- soldat, der mit der Stallaterne den starken Mann sucht, hat in der Regel vom Marxismus überhaupt keine Ahnung. Aber die Rechte braucht solche Schlagworte, um von den wahren Zielen abzulenken. Zweck solcher Uebung ist Diskreditierung des Parlamentarismus, der, wie erinnerlich, noch unter Wil» Helm II. im Oktober 1018 durch den Prinzen Mar von Baden als notwendige Boraussetzung für die Erreichung jeden Frie- den? eingeführt wurde. Heute redet die Rechte an Feier- tagen für die Monarchie, ihr nächstes Ziel aber ist die autori- täre Republik. Die Republik von Weimar soll, ihren sozialen Tendenzen entkleidet, der Bourgeoisie und den Agrariern dienstbar gemacht und damit dem werktätigen Volke verekelt werden. Das ist die nächste und größte Gefahr. Ihr gilt es zu begegnen. Gelingt das, so wird eine reaktionäre Geldsacks« republik auch nicht das Sprungbrett abgeben können für einen Diktator, desien Mission doch auf politischem Gebiete ihr Ende finden müßte, weil seiner Betätigung auf außenpoliti- schem Gebiet die demokratischen Kräfte von fünf Weltteilen im Wege ständen._ Reichswehr und Schuhpolizei. Keine Polizeilichen Befugnisse der Reichswehr. Die Frage, ob die Reichswehr berechtigt ist, unter Umständen polizeiliche Befugnisse auszuüben, gehört zu den Problemen, die auch heute noch langwierige Kom- petenzkonflikte heraufbeschwören. Regierungsasiessor Dr. Jan ich, der dem preußischen Innenministerium zugeteilt ist, unterzieht die Streitfrage im Peitsche schwingt. Und der Block wird auch heute noch altertümlich primitiv zersägt. Ein Schneidedraht in eine Kerbe eingefügt, und dann wühlt sich und wälzt sich der Draht tagelang, eine Woche lang in das Gestein hinein, um schwerfällig und beinah hinterlistig das Ungeheuer des Feleblocks zu zersägen. Schuh dem Dodenseel Auf Veranlassung des Instituts für Seenforfchung und Seenbewirtschaftung in Langenargen sind Richt- linien für den Schutz der Bodenseeuser ausgearbeitet worden, deren Befolgung bei den Behörden der einzelnen Uferstaaten durchgesetzt werden soll. Es wird gefordert, daß im Interesie der Tier- und Pflanzenwelt gewisse Uferftreifen unter Bauoerbot gestellt werden, daß den Fischen ihre Laichplätze und den Dögeln ihr« Brutstätten erhalten bleiben, daß die Gebiet« am Seeufer von der Jagd ausge- schlössen sind, Usermauern nur bei unbedingter Notwendigkeit er- richtet werden, Flußregulierungen und Entwässerungsarbeiten auf die Erhaltung des Landschaftsblldes Rücksicht nehmen und ein« plan- mäßige Regelung des Bauschutzes am Ufer durchgeführt wird. Internationaler Kampf gegen die Verunreinigung der Luft. Nach einem Vortrag von Prof. I. Stoklafa(Prag) hat der Inter- nationale Kongreß für Forstwirtschaft in Rom eine Entschließung angenommen, in der auf die ständige Steigerung des Gehalts an schädlichen Gasen in der Luft von Industriegebieten. Bergwerken und Großstädten und auf die damit verbundene Gefahr für die Ent- Wickelung der Bevölkerung, der Pflanzen- und Tierwelt hingewiesen wird. Es wird angeregt, Versuchsstationen zu schaffen, die fest- stellen sollen, wie weit Menschen, Tiere und Pflanzen durch die in die Luft entweichenden Exhalationen von Industrieanlagen, Berg- werken und Hausfeuerungen ungünstig beeinflußt werden, innerhalb welcher Grenzen sich der Gehall der Luft an solchen Substanzen be- wegen darf, ohne zu schaden, und wieweit es in der Praxis möglich ist, die Rauchgase von diesen Bestandieilen zu befreien, ohne daß die Rentabilität der Unternehmungen dadurch beeinträchtigt wird. Zu diesem Zweck« wurde eine Internationale Kommission«ingesetzt, zu deren Vorsitzendem Prof. Stoklasa gewählt wurde, und der von Deutschen die Profesforen Wieler(Aachen) als 2. Vizepräsident, Lemmermann(Berlin) und Tiegs(Berlin-Dahlem) angehören. Eine römische kolossalslatue gefunden. Die Arbeiten zur Frei- legung der kaiserlichen Fora von Rom werden mit Eifer sortgesetzt. Es sind bereits 2S000 Kubikmeter Erde vom Forum des Auguftus und 10 000 vom Forum des Trojan weggeschafft worden. In dem Maße, in dem die Schuttmasien verschwinden, zeigt sich immer ein- dringlicher die grandiose Schönheit einer versunkenen Welt, die mit ihrer verwirrenden Fülle von Bögen, Toren und Säulen und Trep» pen den Beschauer erschüttert und zur Begeisterung hinreißt. Erst dieser Tag« wieder wurden bemerkenswerte Fund« bei dem sog. Tribu- nol links vom Marstempel gemacht. Dort fand man eine weitgedehnt« Kapelle oder richtiger gesagt ein Zimmer, das mit Friesen und Marmorwerken reich geschmückt ist und in dessen Mittelpunkt sich an der Hinteren Wand das Unterteil eine Statue befand, die noch die Spuren reicher Ornamente erkennen läßt. Diese Statue, die auf Grund der Ausmaße des Sockels eine Höhe von rund 12� Metern gehabt haben dürste, ist zweifellos als das Monument eines Helden Heft 13 der Zeitschrift für das Polizei- und Kriminalwesen „Polizei" einer eingehenden Untersuchung. Er macht darauf aufmerksam, daß schon vor dem Kriege die Polizei- gemalt des Militärs durch die preußische Verfaffung von 1850 auf ganz spezielle Fälle beschränkt war. Sie durste nur zur Unterdrückung innerer Unruhen und zur Ausführung der Gesetze in den vom Gesetze bestimmten Fällen und Formen und auf Requisition der Zivilbehörde verwendet werden. Die Weimarer Verfassung hat eine grund- legende Aenderung der Rechtslage geschaffen. Die Reichswehr ist im Gegensatz zu früher R e i ch s s a ch e ge- worden, die Polizei ist Aufgabe der Länder geblieben. Damit ist nach innen wie nach außen der Trennungsstrich scharf gezogen worden. Die Wehrmacht darf in die polizei- lichen Befugnisse der Länder nicht mehr selbständig eingreifen.. Auch Artikel 48 der Reichsverfassung gibt nach Ansicht des Verfasiers dazu keine Handhabe: Wo die Reichsexekutive wirtsam wird, übernimmt das Militär nicht die Ausübung polizeilicher Tätigkeit in Vertretung der Polizei, sondern tritt als besonderes Reichs» organ kraft Reichsrecht in besonderer Funktion auf. Dr. Jan ich kommt damit zu dem Urteil, daß die geltendenDienstoorschriften der Reichswehr, soweit sie Bestimmungen polizeilicher Art enthalten, die über den Rahmen der der Reichswehr zukommenden Anstaltspolizei hinausgehen, die Grenzen des Notwehrrechts überschreiten oder nicht lediglich für den Fall einer Reichsexekutive be- stimmt sind, nach außen keine rechtsverbindliche Kraft haben und keine polizeilichen Befugnisse der Reichs- wehr begründen können. Darüber hinaus ist aber auch das Recht auf die Anstalts- polizei innerhalb des eigenen Betriebes an gewisse Grenzen gebunden. Die Militärverwaltung unterliegt. wie jede andere öffentliche Anstalt, Reichspost, Reichsbahn usw., derallgemeinenPolizei. Das führt nicht selten zu Streitigkeiten mit der Militärverwaltung. Dr. I a n i ch führt dafür einige interessante Beispiele an: So hat sich z. B.«In Wehrkreiskommando, dessen Sitz In Preußen liegt, auf den Standpunkt gestellt, die Polizei habe kein Recht dazu, nach den Gründen zu forschen, die einen Angehörigen der Reichswehr zur Begehung eines Selbstmordes veranlaßt haben, und diese Auffassung damit begründet, daß es sich dabei um«ine innere Angelegenheit der Reichswehr handele. Ein« solche Auffassung wird als irrig abgelehnt werden müsien. Di« Aufklärung nicht- natürlicher Todesfälle ist Aufgabe der Polizei in ihrer Eiger.schast als gerichtlicher Polizei. Solange es ein« besondere Militärgerich:»« barkeit gab, konnten die Militärgerichtsbehörden etwa erforderliche Ermittelungen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Militär- organen anstellen. Nach Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit sind jedoch die ordentlichen Gerichtsbehörden auch für Angehörige der Reichswehr zuständig geworden: mit der Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte greift aber nach den allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen auch das Recht und die Pflichr der ordentlichen Polizei, derarttge Vorgänge gegebenenfalls aufzuklären, Platz. Schließlich sei noch der Versuch erwähnt, unter Berufung auf die Militärhoheit die Frag« der Schankgenehmigungs- pflicht von Militärkantinen und ähnlichen Einrichtungen ohne weiteres verneinend zu beantworten. Auch hierbei kann nach der gegenwärtigen Rechtslag« der Militärhoheit bei der Entscheidung keinerlei Bedeutung zukommen. Diese hat mangels eines ersichtlichen Zusammenhange» ganz auszuscheiden: die Entscheidung wird vielmehr an Hand der allgemeinen Bestimmungen der Gewerbeordnung zu erfolgen haben. Die Darlegungen Dr. Ianichs zeigen den grundlegenden Unterschied, der zwischen der Wehrmacht der K a i s e r z e i t und der Reichswehr der deutschen Republik besteht. Der alte Obriakeitsstaat ist beseitigt und mit ihm jene Art von Militär, die für sich ein Ausnahmerecht fordern zu dürfen glaubte. anzusprechen, der mit der Rechten eine Lanze hielt. Es handelt sich vielleicht um die Statue eine» zu göttlicher Würde erhobenen Kaisers. In diesem Falle könnte aber Augustu» selbst schwer in Frage kommen, da der Geschmack für Kolossalstatuen mehr dem zweiten als dem ersten Jahrhundert des Kaiserreichs angehört. Entwicklung des Postmcfen» in der Sowjetunion. Die Tele- araphenogentur der Sowjetunion berichtet über die Entwicklung de� Postwesens seit 1913 unter anderem: Infolge der ungenügende» Ausdehnung des Postverkehrsnctze» konnten in der Vorreoolutions- zeit nicht mehr als 3 Prozent der Ansiedlungen auf dem flachen Lande von den Postbehörden versorgt werden. Inzwischen ist das Institut der Dorfbriefträger— zu Fuß und zu Pferde— eingerichtet worden: ihr« Zahl beträgt zurzeit 12S00. Jeder Briefträger hat zweimal wöchentlich oder noch häufiger 6 bi» 7 bestimmte Dörfer nach einer sestgelegten Route, insgesamt im Umkreise von etwa 22 Kilometer zu bedienen. Gegenwärtig bedient die Post mehr als 200 000 Ansiedlungspunkte auf dem Lande und versorgt somit fast. 80 Prozent der Bevölkerung. Ueber die Verbreitung der Zeitungen in den Dörfern ist zu sagen, daß ein Zeitungsexemplar im Durch- schnitt auf 120 Dorfbewohner entfällt. Die Gesamtstrecke der Eisen- bahnpostlinien ist gegenüber dem Jahre 1913 um 20 000 Kilometer erweitert worden. Einen Luftverkehr gab es in der Vorreoolutions- zeit überhaupt nicht: gegenwärtig um, aßt derselbe 6300 Kilometer. Die bedeutendsten Punkte der Sowjetunion sind nunmehr durch Lustverkehrslinien verbunden. Für den Funkverkehr besitzt die Sowjetunion 49 Empfangs- und Sendestationen, sowie 283 große Empfangsstationen. Die Entwicklung des Funkverkehrs nimmt einen raschen Fortgang. Die Gesamtzahl der im Verkehriwesen beschäf- tigten Personen beträgt nunmehr 89 000 gegen 69 000 im Jahre 1913. Während sämtlich« Verkehrsarten 1913 einen Ertrag von 89 Millionen Rubel ergaben, ist im laufenden Jahre ein Gesamt- ertrag von 153 Millionen Rubel zu erwarten. Da» Publikum soll mitsingen. Ein großer Londoner Gesang- verein, die Community Singers" Association, hat sich vorgenommen. das Publikum, das sich während der Mittagspause auf den Geschäfts- straßen und in den Parks befindet, zum gemeinsamen Singen zu bringen. Der Verein selbst wird zunächst täglich um 1 Uhr in einem Kirchhof am Trafalgar-Square sich aufstellen und allgemein be- kannte Volkslieder vortragen. Eine besonder« Truppe unter den Mitgliedern ist dazu bestimmt, das Publikum zum Mitsingen zu an«. mieren. Der Mittagsgesang soll eine allgemeine Londoner Gewöhn- heit werden._ Za» JI«g verlia— peklag. In Kalan find der Inlvekteur der sowjet- russischen ZivUlustsabrt Palm und ein Vertreter der Deutschen Luslhansa einflelrofsen. Die beiden Herren haben bereit» sämtliche Flugplätze vom Baikallee b>» Kala» befichtiqt und Vorbereitungen wr den bevorstehenden Flug Berlin— Vettng getrossen. Die Flugplätze sollen sämUtch tu gutem Zustande gewesen sein. St. Alussoliul. Eine neue GIa»sabrii w Turin, dl« dieler Tage vom italienischen Innenminister eingeweiht wurde, hat ein farbige» Kirchen- senster angefertigt, da» Mussolini aus einem Wolkenthron, mit einem Ttrahlenkranz umgeben, zeigt. Da» Fenster ist Musiolini zum«elchent gemacht worden und soll in einem der ösientlichen Hebäude Vom» Aus- jicllung finden. Hinter Sowjet- Mauern. Hungerstreik des Genossen Kutschin. Die Auslandsvertretung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands hat die Nachricht bekommen, daß eines der hervorragend. sten Vorstandsmitglieder der Partei, der im Spätherbst 1924 verhaftete Genosse Georg Kutschin, im Zuchthausgefängnis in Saratow einen Hungerstreif erklärt hat. Genoffe Rutschin hat sich als junger Student vor bald zwanzig Jahren, in der Zeit der schlimmsten Reaktion, nach dem Zusammenbruch der ersten Revolution, der Partei ongeschlossen und ist seit jener Zeit unermüdlich im Kampfe um die Sache der Arbeiterklasse, um Fretheit und Sozialismus tätig. Seit 1915 gehört Rutschin dem Vorstand der Partei als einer seiner jüngsten Mitglieder an. Nach dem Sturz des Zarismus wurde Genosse Kutschin zum Borsigenden des Soldatenrates der XII. Armee, bald darauf zum Vorsitzenden des Soldatenrates der NW.- Front und zum Mitglied des Allrussischen Bollzugsrates der Sowjets gewählt. Im August 1917, als in Moskau die sogenannte„ Staatsversammlung", eine Art Vorparlament, einberufen wurde, trat hier Genosse Kutschin als Führer der gesamten Delegation der Frontsoldaten, dem General Kornilom, dem damaligen Befehlshaber der Front und dem zukünftigen Führer der Weißen Armee, entgegen. Nach der bolfchemistischen Revolution hat Genosse Kutschin die unerschütterliche Treue der Partei bewahrt und war unermüdlich in der Organisation der Arbeiterklasse tätig. Als im Jahre 1919 Kiew von den Weißen besetzt und die Arbeiterorganisationen der Ver folgungen seitens der weißen Diktatur ausgelegt wurden, trat Kutschin, zum Vorsitzenden des Kiewer Gewerkschaftsrates gewählt, mit ungebrochenem mut und mit zäher Energie der Reaktion entgegen, was allerdings die Bolschewisten nach ihrer Rückkehr nicht gehindert hat, Kutschin und mit ihm eine Gruppe führender Kiewer Sozialdemokraten und Gewerkschafter wegen eben dieser Tätigkeit als Legalisten zu verfolgen und ins Gefängnis zu werfen. Bald wurde aber Kiew von den Weißen wieder bedroht. Kutschin wurde freigelassen und trat bei einer von der Partei durchgeführten mobilisation ihrer mitglie. der in die Rote Armee ein, der er bis zum Ende des Bürgerkrieges angehörte. In den Jahren 1921 bis 1922 wurden die letzten legalen Organi. fationen der Partei mit den Mitteln des grausamsten Terrors vernichtet und die Partei allmählich zur völligen Umstellung auf ein illegales Dasein gezwungen. Genosse Kutschin wurde na ch Turkestan verbannt, ist bald geflüchtet und mit eiserner Energie widmet er sich der Wiederherstellung und dem Ausbau der Partei. Im Sommer 1924 tam er illegal ins Ausland, hat als Vertreter der russischen Sozialdemokratie an einer Sigung des Inter: nationalen Sozialistischen Bureaus in Wien teilgenommen und auch dem Wiener Internationalen Gewerkschaftskongreß beigewohnt und ist bald nach Rußland zurückgekehrt. Zwei Monate später gelang tit bald nach Rußland zurückgekehrt. Zwei Monate später gelang es endlich der Tscheka, den mit allen Hunden gehegten Führer der Sozialdemokratie zu verhaften. Durch Beschluß der Tscheka, ohne jegliche gerichtliche Berhandlung, wurde er zu einer selbst in Rußland beispiellosen Straje verurteilt": zehn Jahre Gefängnis mit strenger 3jolierung. Es sei nur erwähnt, daß selbst nach dem Sowjetrecht die Tscheka ( jegt die GPU.) nicht mehr als zu drei Jahren Gefäng nis„ verurteilen" darf und daß die Strafe von zehn Jahren Gefängnis mit ſtrenger Isolierung sonst nur im Falle der Begnadigung der zum Tode Berurteilten angewandt wird. Fast zwei Jahre sitzt bereits Genosse Kutschin in ftrenger Jfolierung. Jetzt hat er den Hungerstreit erklärt mit der For derung, ihn in irgendein anderes Gefängnis zu überführen und ihm dort den Verkehr mit anderen verhafteten Parteigenossen zu erlauben jewie seiner nach Zurtestan verbannten Frau zu gestatten, in derselben Stadt, wo er figen wird, zu wohnen. rept Für diese in ihrer Bescheidenheit fast unglaublich scheinenden Forderungen muß ein mutiger proletarischer Kämpfer wie Rutschin sein Leben aufs Spiel fezen. Flammende Sympathien des gesamten flassenbewußten Proletariats sind ihm sicher. Der Hitler- Skandal in Weimar. Dinter leugnet und verleumdet. Innenminister gegen Oberbürgermeister. Weimar, 14. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die Beratung der Großen Anfrage der Sozialdemokraten über die Ausschrei tungen beim Reichsparteitag der Nationalsozialisten fand am Mittwoch bei außerordentlich starter Befeßung der Tribünen statt. Dieser starte Besuch des Hauses veranlaßte den Führer der Nationalsozialisten Dinte r, wie der sozialdemokratische Redner, Genosse Frölich, mitteilen fonnte, zu der Taftit, alle Angriffe der Sozialdemokraten und Kommunisten ruhig über sich ergehen zu laffen, um nachher beide Parteien durch maßloses Schimpfen zu provozieren und auf der Linken einen Tumult zu entfachen. Auf diese Weise hoffte er, in der Deffentlichkeit den Eindruck zu erweden, als ob die Sezialdemokraten und Kommunisten sowohl im Landtag wie in den Straßen Weimars die Ruhestörer gewesen seien. Zunächst ging Dinter sehr zahm vor. Er gab zu, daß einzelne Zunächst ging Dinter sehr zahm vor. Er gab zu, daß einzelne Nationalfoziausten die Parteidisziplin gebrochen und den Anord. nungen der Polizei nicht Folge geleistet haben". Nach dieser lahmen Entschuldigung begann er aber mit Vorwürfen und lügnerischen Behauptungen und Verdrehungen gegen das Reichsbanner, die Sozialdemokraten und Kommunisten und selbstverständlich auch die Juden. Gegen Schluß seiner Rede versuchte Dinter, den Mord. versuch der Nationalisten an einem blauen Polizeibeamten von seinen Freunden ab. und den kommunisten zuzuwälzen. Dieser planmäßig organisierte Mord," rief er, gehört in die Rette der kommunistischen Politit!" Die Folge war ein ohrenbetäubender Tumult bei den Kommunisten. Einer der kommunistischen Abgeordneten ging mit erhobenr Faust auf den Redner los. Andere Abgeordnete sprangen dazwischen. Zahlreichen Ordnungsrufen und den Einwirkungen der Sozialdemokraten gelang es, die Kommunisten schließlich zu beruhigen. In der Beantwortung der Großen Anfrage" versuchte der Innenminister die Schuld an den Ausschreitungen zu verteilen. Einige Vorfälle feien auf das Schuldkonto der Nationalsozialisten zu fegen, so u. a. die Angriffe auf das Boltshaus. Bebauerlich seien die Angriffe von 15 Rationalsozialisten auf den Anhänger ber sozialistischen Arbeiterjugend, Frölich, und auf ein mit vier Mitgliedern des Jungdeutschen Ordens befeßtes Auto. Zur Beschönigung der Schuld der Nationalsozialisten nahm sich der Mi nister dann einige Fälle vor, die sich nach dem Parteitage ereignet haben, wobei er behauptete, die Kommunisten hätten planmäßig Brovokationen organisiert. Dem Weimarer Stadtrat und seinem Oberbürgermeister, der die Ausschreitungen der Nationalsozialisten scharf verurteilt und diese Verurteilung öffentlich hatte anschlagen laffen, ertlärte der Minister furz den Kampf. Aus der Aussprache, die mittags abgebrochen und auf Donners tag vertagt wurde, ist noch erwähnenswert, daß zwei der national fozialistischen Rabauhelden Berbrecher find, die wegen Diebstahls gerade abgestraft waren; einer war eben rechtzeitig zum National fozialistischen Parteitag nach 1½ Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden. " Drunter und drüber. Das wahre Gesicht der KPD. In der Kommunistischen Partei reißen die taktischen Debatten über den Kurs, den die Partei einschlagen soll, überhaupt nicht ab. Jede Woche versichert zwar die Rote Fahne", daß die Kommunistische Partei fefter und entschlossener denn je dasteht, alle Menschewisten, Disovisten, Reformisten und Anarchisten aus der Partei Gott sei Dant hinausbefördert feien und daß es jetzt nur noch flaffenbewußte, streng mostaufromme Revolutionäre in der KPD. gäbe. Ruth Fischer und Maslow sind ,, moralisch erledigt", alle Rechtsgefahren sind gebannt, Abweichungen fommen nicht mehr vor, die Partei marschiert, sie ist die Führerin des deutschen Proletariats. Sie führt nicht nur die Proleten, sie zwingt sogar schon die tatho lischen Bischöfe in ihren Bann. So steht es auf dem geduldigen Papier der Roten Fahne". In Wirklichkeit ist es etwas anders. Die Schwäbische Tagwach t" veröffentlicht den Situationsbericht der württembergischen Begirfsleitung vom 26. Juni, also neuesten Datums. Aus diesem Bericht erhält man ein ganz anderes Bild über die wir lichen Zustände in der KPD. Da der Bericht von den Kommunisten selber stammt, fann man getrost annehmen, daß er die Verhältnisse nicht übertrieben pessimistisch schildert. In diesem Bericht heißt es u. a.: Trotz des Abschlusses der Diskussion über den offenen Brief der Etfi haben sich in den letzten Monaten eine Reihe von Vorgängen im Bezirk abgespielt, die aufzeigen, daß die Partei weder politisch noch organisatorisch ein festgefügter Körper ist. Es find. wie die nachstehenden Tatsachen erhärten, feine persönlichen Entgleisungen einzelner Genossen, sondern Ber ſtöße von Gruppen sowohl politischer als auch organisatorischer Art. Politisch zeigten sich die allerſtärksten Widerstände gegen die Durchführung der Linie des offenen Briefes. Die Einheitsfrontfaktit. Diese wird von einer ganzen Reihe von Genossen in ganzen Gruppen immer wieder so aufgefaßt, als ob die Partei beim Bu sammengehen mit sozialdemokratischen Arbeitern Konzessionen zu machen hätte, die das politische Gesicht der Partei verwischen. Beispiele dafür sind folgende: Die Parole der Partet, Staatskredite an Betriebe nur zu gewähren, wenn diese verstaatlicht und unter Kontrolle der Betriebsräte und Gewerkschaften weitergeführt werden, wurde von den Genossen für falsch erklärt mit der Begründung, daß man mit unserer Kontrollforderung feine Staatsfrebite erhalten werde. In derselben Linie liegen die Vorgänge am 1. Mai in Eßlingen und Ludwigsburg, wo man, um die SPD. für den Maiumzug zu gewinnen, als Hauptredner einen rechtssozialdemokratischen Führer bestimmte, die Sowjetfahne entfernte und die Sowjetabzeichen mit weißen Tüchern verhüllte. In der Fortsetzung dieser Linie wurden bei der Fürftenenteignungskampagne dys sogenannte Einheitskomitees geschaffen in Stuttgart- Ost und Heslach, die unter Ausschaltung des Namens der Partei unter den Firmen Einheitskomitee Veranstaltungen durchführten, die sowohl in ihrer Art als auch in der Zusammensetzung dieser Einheitstomitees nur zum Ziel hatten, 20 Millionen beim Bolfsentscheid, d. h.. einen demokratischen Sieg. Das Ausbleiben dieses Sieges" hat diese Genoffen in eine Niederlageftimmung gebracht. Aber schon die Zusammensetzung dieser Einheitsfomitees zeigt, daß es ein Ablenken von der grundsäglichen Linie der Partei war und daß die Bildung dieser Einheitskomitees nur durchgeführt wurde, um einen Ersatz für die in den Betrieben zu bildenden, aber sabotierten Einheitskomitees zu bekommen. 50= genannte Einheitskomitees, in denen nur Kommunisten ſizen, felbſt wenn sie Organisationen vertreten, in denen es auch Sozialdemo fraten gibt, wie Gesangs- und Turnvereine usw., sind keine Einheitsfomitees, die die proletarischen Massen, die in den Betrieben stehen, erfaffen, sondern sind eine Ablenkung davon. Man braucht diesem Bilde nur noch hinzuzufügen, daß diefe Gruppen, die die obige Bolitif machen, geschworene Feinde der Betriebsorganisation der Partei sind und die mit ihrer politischen Arbeit, wie obige Beispiele aufzeigen, alles von den Betrieben ablenken und auf die Wohnorganisation hinlenken, und man hat das gesamte Bild einer starten oppurtunistischen Gruppe in der Partei. Weitere Erscheinungen von Opportunismus, der zu schlimmer Korruption ausartet, find folgende Vorgänge: In einigen Ortsgruppen bauen sich die kommunistischen Gemeinderäte Bohnhäuser, ohne daß sie zunächst im Besiz irgend welcher Barmittel sind. Sie nehmen dazu in Anspruch in erster welcher Barmittel sind. Linie den Staatsfrebit, der ihnen von fommunistischen Ab geordneten von der Wohnungskreditanstalt verschafft werden muß. in zweiter Linie bekommen sie dann einen Kredit in gleicher Höhe von der Gemeindekasse. Nimmt man dazu, daß in einem Falle sogar der Staat den Bauplay dazu stellte, und die 3ahlung stundete, und daß derselbe noch Banffredite in Anspruch nehmen mußte, und jetzt trotzdem vor der Tatsache steht, eine ganze Reihe von Handwerkern nicht bezahlen zu können, so haben wir das abgerundete Bild eines korrumpierten und unmöglich gemachten fommunistischen Vertreters. Der Ueberfall auf die Münchener Post". 29 Hitler- Leute zum Schadenersak verurteilt. München, 14. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Es ist bekannt, daß die vandalische Zerstörung der Münchener Post" in der Nacht des Hitler- Butsches weber im großen, noch in den foge nannten fleinen Hitler- Prozessen eine strafrechtliche Sühne gefunden hat, trotzdem sowohl die Anstifter als auch die ausführenden Leute genau ermittelt waren. Die Firma Birk u. Co. hat deshalb vor einiger Zeit gegen 33 Angefchuldigte 3ipiltlage ange. strengt, worauf nunmehr das Landgericht I Urteil erlassen hat. Unter Freispruch von vier Beschuldigten wurden in dem Urteil 29 als gefamtverbindlich zum Ersatz des nach gerichtlicher Feststellung angerichteten Schadens verurteilt. Unter den Verurteilten befindet sich u. a. der berüchtigte Bigarrenhändler Berchthold, der nach dem Hitler- Butsch ins Ausland geflüchtet war, nach seiner Rückkehr aber sofort wieder die Leitung der von Hitler neu aufge30genen Sturmabteilung, genannt Schutzstaffel, übernommen hat; ferner die bekannten Führer des Hitler.Stoßtrupps aus dem Jahre 1923, barunter auch der heutige nationalsozialistische Münchener Stadtrat Fiehler, von Beruf städtischer Verwaltungsarchitekt. Wie das Gericht in der Urteilsbegründung feststellte, ergibt sich aus den Aften mit voller Sicherheit, daß an jenem 8. November der noch im In unserer Landtagsfraktion gab es auch eine Reihe Dinge zu liquidieren Bis zum Herbst verflossenen Jahres existierte ein sogenanntes Fraktionssekretariat. Der verantwortliche Sekretär war Genoffe Karl Müller, der sich für diese Tätigkeit von der Fraktionskasse noch besondere Teuerungszulagen zahlen ließ, im Monat 525 Mart. Daneben war noch eine angeftellte Stenotypistin mit einem Monatsgehalt von 220 m. tätig. Diese Einrichtung war so überflüssig wie nur etwas, sie hot die Partei eine schöne Summe Geld gekostet, ohne den geringsten Erfolg für die Bartei zu haben. Trotz des Gefretariats verfäumten die Genoffen der Fraktion die elementarften Verpflichtungen. Die Fraktionsbeiträge wurden nur von einem Teil regelmäßig bezahlt, der Sekretär hat während seiner ganzen Sekretärszeit den auf Beschluß der 3. abzuführenden Beitrag von 10 Proz. des Gehalts an die Rote Hilfe nicht geleistet. Natürlich trug den Genossen, die das durchführten, feine Schmeicheleien ein, waren die Aufhebung dieses Korruptionsherdes vielmehr der Anlaß zu einer schlimmen persönlich en See gegen führende Mitglieder der BL. und der Fraktion. Die Bartei hat dabei gewonnen. Die Fraktion, die ehedem ihr Sekre= tariat nur durch Zuschuß der Parteikaffe aufrecht erhalten fonnte, führt jetzt monatlich 200 bis 300 m. an die Parteikasse und 250 M. an die Rote- Hilfe- Kaffe ab. Die Genossen der Landtagsfraktion Mitarbeit zugeteilt. Von der Mehrzahl der Unterbezirke fommen wurden während der Kampagne zum Bolfsentscheid den UB. zur Berichte, daß die Genossen ihre Pflicht nicht erfüllt haben, einer war während der ganzen Periode frant, ein anderer hat in der Ab| haltung von vier öffentlichen Versammlungen im ganzen Unterbezirk feine Tätigkeit als ausreichend betrachtet. In der Landtagsfraktion sind folgende Vorgänge zu erwähnen, die sich in den Gesamtrahmen einfügen: Der wegen Betrug und Unterschlagung und sonstigen Korruptionsgeschichten ausgeschloffene Eugen Haller ( Schwenningen), der nach seinem Austritt sofort in die Schwenninger Presse bürgerlicher und sozialdemokratischer Couleur den Kampf gegen die Partei aufnahm, der die Mitglieder des Untersuchungsausschusses, darunter drei Genossen des Landtags, öffentlich Lumpen und Ehrabschneider nannte, betrat nach einer Reihe von Monaten wieder den Sizungs faal. Bei seinem Erscheinen wurde er von den Genossen Karl Müller und Brönnle aufs herzlichste begrüßt. Haller rühmt sich in Schwenningen, wo er der dortigen Mitgliedschaft immer noch die größten Schwierigkeiten macht, dieser herzlichen Beziehungen. Genoffe Karl Müller, gegen den ein Schiedsgerichtsverfahren schwebt, ist seit Monaten im Landtag krank gemeldet, bezieht seine Diäten in vollem Umfange weiter. Er bewegt sich aber trotzdem hier in Stuttgart ganz offen in den Straßen der Stadt. Der Genosse Brönnle, der angeblich die Verwaltung des russischen Botschaftergebäudes hier in Händen hat, hat ihm nun in letzter Zeit fogar die Ausführung der Malerarbeiten in dieser Botschaft übertragen, obwohl Hunderte von arbeitslefen Malern, darunter gute Genoffen, seit Monaten am Hungerfuche nagen. lung in Stuttgart hat mit erdrückender Mehrheit beschloffen, die in Der Bezirksparteitag und vor ihm eine Delegiertenversammder ganzen Partei übliche und durchgeführte Bragis der tatsäch Lichen und juristischen Trennung von Druderei und Berlag auch in unserem Bezirk durchzuführen. Den Anstoß zu dieser Maßnahme gaben wiederholt erhobene Forderungen tei, 3. und BL. Eine bekannte Gruppe in der Partei benutzte des 3K. auf Abführung von 10 Prozent des Umsatzes an die Par Gerüchte der BL. und dem 3K. zu unterstellen, daß fie diese Gelegenheit, in der Aus ft reuung der verlogenster die Druckerei der Genossenschaft entreißen wollen. Von alledem war bis zur Stunde nirgends die Rede. Aber selbst wenn die Partei das wollte und die Mitgliedschaft im Bezirk würde das beschließen. so hat nicht eine fleine Gruppe in der Partei das Recht, sich als die alleinigen Hüter des Eigentums der Partei aufzustellen und die erdrückende Mehrheit der Partei als minderwertig zu betrachten. Diese Frage wird sich in den nächsten Tagen entscheiden, ob die drei Genossen, die sich seither weigerten, dem Verlangen der Partei nachzukommen, jeßt weiter sich gegen die Durchführung des Beschlusses des Bezirksparteitages stellen." Deutlicher fönnte auch ein Gegner nicht die Behauptung aufstellen, daß es in der Kommunistischen Partei drunter und drüber geht. Die württembergische Bezirksleitung erflärt, daß in der Fraktion„ iypische Kleinbürger" sigen, daß einzelne Organisationen standalöserweise wirklich ehrlich" eine Einheitsfront mit der Sozialdemokratie herstellen wollen. Die Mitgliedschaft in Stuttgart wehrt sich gegen den Bersuch, ihr die Druderei der Süddeutschen Arbeiterzeitung" zu ent reißen. Bahlreiche kommunistische Gemeinderäte werden für forrumpiert" erklärt, den Landtagsabgeordneten wird vorge worfen, daß sie ,, nicht ihre Pflicht tun". Man sieht, die Kommunistische Partei ist in ihrem Innern ein wüstes Durch. einander, so wie sie soeben der ausgeschlossene Reichstagsabgeordnete Stetter in seinen Artikeln in der„ Tagwacht" mit Recht gebrandmarkt hat. " Ausland befindliche Hauptmann Göhring dem Stoßtrupp Hitlers nachts 11 Uhr im Garten des Bürgerbräufellers den Befehl erteilt hat, zur Münchener Post" zu marschieren und sie zu zerstören. Dieser Befehl ist nach der lleberzeugung des Gerichts so laut und allgemein verständlich gegeben worden, daß er jedem der holds setzte sich ber Stoßtrupp nach Erhalt des Befehls fofort in Beteiligten hinreichend bekanntgeworden ist. Unter Führung Berchts Marsch zur Mindiener Post". Er bestand aus einer InfanterieLastkraftwageniruppe. die die„ Münchener Bost" im weiteren Umabteilung, einer Artillerie- uni Maschinengewehrabteilung und einer afttraftwageniruppe. Die die Münchener Bost" im weiteren Umfreis absperrie, worauf nach gewaltsamem Eindringen durch das Abperrungsgitter die Zerstörung des Betriebsgebäudes vorgenommen wurde. Der Deutsche pazififtische Studentenbund hält vom 15. bis 18. Juli feinen 5. Bundestag in Frankfurt a. M. ab. Die Tagung fammenarbeit der neuen Jugend unter besonderer Berücksichtigung beschäftigt sich mit Fragen der nationalen und internationalen Zu der Hochschulpolitik. Ein italienisches Siegesdenkmal wird in Bezen errichtet. Der König wohnte der Grundsteinlegung bei. Die deutsche Bevölkerung hielt sich fern. Das Bifum für Schweden fällt vom 1. Ottober ab fort. Gewerkschaftsbewegung Der 25. Bergarbeiterkongreß.d Ein Fazit. nahmen, daß die Stadt Berlin bzw. der verantwortliche Bauleiter,| bahnerperbände Deutschlands, Frankreichs, der Herr Dr. W., Menschenleben zu schützen verstehe. Da das leider nicht Tschechoslowakei, Belgiens, Hollands und Lurem= der Fall ist, wird hier die städtische Baupolizei aufgefordert, burgs sowie die Transportarbeiterverbände Deutscheinmal nach dem Rechten zu sehen. Für die Baukontrolleure lands, Belgiens und Hollands vertreten waren, bekräftigte ergibt sich auf diesem Bau ein außerordentlich reiches Arbeitsfeld, die bisherigen Beschlüsse und Maßnahmen der Leitung der ITF., damit diese Zustände endlich beseitigt werden. Wir nehmen an, daß mußte jedoch zu ihrem Bedauern feststellen, daß der diese Zeilen genügen, um auch dem Bauleiter das Gewissen dafür zu Transport und die Verschiffung von Steinkohle aus fontinentalen Ländern nach England nicht unterbunden werden können, solange Die 25. Generalversammlung des Verbandes der Berg- Schärfen, daß auch er die Unfallverhütungsvorschriften zu beachten hat. arbeiter Deutschlands, die jüngst in Saarbrüden tagte, nahm mehrere bedeutende Entschließungen an, die weit über den Rahmen des Bergbaues hinausgehendes allgemeines Inter effe für sich beanspruchen dürfen. 21 = Industrieverband der Lebensmittelarbeiter. Eine Mehrheit von Abstimmenden keine Mehrheit? Der Borsigende des Ortsvereins Berlin des Verbandes der Lebensmittel- und Getränkearbeiter Deutschlands, Genosse hodapp, erkläri unsere Schlußfolgerung in Nummer 311 des„ Borwärts": „ Die Mehrzahl der Mitglieder der drei Verbände hat sich also für Die Verschmelzung erklärt" als offenbar unrichtig und irreführen d. Hodapp argumentiert wie folgt: Die deutsche Wirtschaftsstruktur und die Weiterbildung der gemertschaftlichen Arbeiterorganisationen wird einschneidend getroffen von einer Entwicklung, wie sie durch die vom Hauptvorstand vorgelegte Entschließung gefördert werden soll: Der wachsenden Konzentration der Unternehmungen eine entsprechende Konzen tration der Arbeiterorganisationen gegenüberzustellen. Der Kongreß fordert in dieser einstimmig angenommenen Entschließung die Zusammenfassung aller im Berg„ Die Mehrzahl der Mitglieder der drei Verbände beträgt doch bau und seinen Nebenbetrieben beschäftigten nach Adam Riese mindestens 65 474. In der Tat haben sich nur Arbeiter zu einem Bergbau Industrie Berband 56 541( Es waren 56 681. D. Red.) für die Verschmelzung erklärt. und beauftragt die Organisationsleitung mit der Aufnahme von Nun fann man nicht sagen, gemeint ist selbstverständlich die MehrBerhandlungen mit den in Betracht kommenden Organisationen. zahl der Abstimmenden. Der größte Teil der Vorwärts"-Leser Faktisch bedeutet das eine sehr wesentliche Ausdehnung der Organilieft derartige Notizen unfritisch und ist daher der Meinung, es fationsbestrebungen des Verbandes auf bisher von ihm nicht erfaßte hätten sich in der Tat die Mehrzahl der Mitglieder der drei VerArbeiterkategorien. Es wäre müßig, hier noch ein Wort sowohl bände für die Verschmelzung erklärt, was nun einmal nicht richtig über die Notwendigkeit wie über die Vorzüge eines derartigen ist." Zusammenschlusses sagen zu wollen. Daß er aber bereits zum zweiten Wenn diese Auffassung, die offenbar von der Gegner Male eine Generalversammlung der deutschen Bergarbeiter beschaft gegen die Verschmelzung diktiert ist, so richtig wäre, wie sie schäftigt, zeigt immerhin, daß er aus dem Stadium der theoretischen falsch ist, dann müßte die Abstimmung in den Berbänden noch Beschlußfaffung in das der praktischen Wirklichkeit eingetreten ist. einmal vorgenommen werden. Denn es fann fein Mensch behaupten, Zur selben Zeit, da der Sekretär des englischen Bergarbeiter die 57 000 Mitglieder in den drei Verbänden, die sich an der Verbandes, J. Coof, mit dem Verbandskassierer Richardson unter Abstimmung nicht beteiligt haben, hätten sich für oder 11mgehung des deutschen Bergarbeiterfon gegen die Verschmelzung entschieden, wenn sie mitabgestimmt haben greffes in Saarbrücken und des Bundesausschusses des ADGB. würden. Man kann diese Abstinenten" mit dem gleichen Recht als in Düsseldorf nach Berlin fam, um mit den Vertretern des russischen Befürworter der Verschmelzung ansprechen da fie Bergarbeiterverbandes Schwarz und Akulow zu verhandeln und doch sonst dagegen gestimmt hätten wie als Gegner der Berneualte fommunistische Methoden des gewerkschaftlichen Kampfes zu schmelzung. Mit dem gleichen Recht, das heißt mit anderen Worten, befestigen, wurde in Saarbrücken auf dem Kongreß der deutschen man fann sie überhaupt nicht mitzählen, und deshalb Bergarbeiter recht klar und deutlich eine Absage an die zählen sie nicht mit. Nach demokratischen Begriffen, die in der fommunistischen Bergewaltigungsversuche er freien Gewerkschaftsbewegung auch heute noch im Kurse sind, hat derjenige, der verhindert ist, zu bequem oder zu faul ist, sich an einer Abstimmung zu beteiligen, feine Nummer. Wer sich seiber bei einer Entscheidung ausschaltet, hat seinen Anspruch ver wirft, dabei mitzureden. teilt. Husemann betonte in seinem Berichte:„ Wir werden uns auch in Zukunft gegen eine Unterstellung unseres Verbandes unter die Moskauer Diftatur zur Wehr jezen." Und obgleich im vorigen Jahre die ehemaligen Unionisten in den Verband aufgenommen worden, erwies sich die Opposition auf dem Kongreß als sehr bedeutungslos, bedeutungslos sowohl der Zahl nach als auch in dem Versuch einer eindrucksvollen Vertretung fommunistischer Ideengänge. Man kann die Auffassung mit Recht vertreten, daß Cook ein Besuch in Saarbrücken nichts hätte schaden können. Er würde dort zweifellos einen Begriff bekommen haben von der gewerkschaftlichen Schulung der übergroßen Mehrheit der deutschen Bergarbeiter, ihrer ruhig- abwägenden Art, über den Wert einer geschlossenen, einheitlichen Gewerkschaftsführung, wie auch über den Besensunter schied zwischen bolschemistischen und europäischen Gewerkschaften. Er hätte sich dann vielleicht in Berlin etwas weniger begeistert über die Russen geäußert, als er es dort zu tun für gut befand. Die Rongreßauffaffung über den gegenwärtigen Stand der Rohlenwirt. schaft unterstreicht noch einmal die bereits mehrfach veröffentlichten Forderungen der deutschen Bergarbeiter und der Bergarbeiter Internationale. Sie fordert gegenüber der Weltkohlenkrise eine planpolle internationale Bewirtschaftung des Rohlenreichtums und fämpft für die Lage Deutschlands besonders gegen die planlosen Betriebseinschränfungen und Stillegungen, die nach rein propit mirifchaftlichen Gesichtspunkten vorgenommen, die Rücksicht auf alle anderen Interessen vermissen lassen. Er unterſtützt dabei den im Reichstag eingebrachten Borschlag auf Ein fegung eines paritätischen Ausschusses mit dem Rechte der Prüfung. TH Auf dem Gebiete des Arbeiterrechts und der Arbeiter. fürsorge gab es mehrere sehr wertvolle Entschließungen, die sich aussprachen für ein allgemeines Arbeitszeitgefeß mit der Sieben stundenschicht im Bergbau, für den Ausbau der Tarifverträge, für die Schaffung einer Arbeitslosenversicherung und für die Selbitverwaltung der Versicherungen. Aus dem glänzenden Referate Sinzheimers über Grundlage und Grundrechte des Tarifvertrags sind zwei besonders feine Bemerkungen, die in ihrer allgemeinen Gültigkeit dennoch zugespizt erscheinen konnten gegen die tommunistischen Wirrköpfe, herauszuheben:„ Der Tarifper trag ist Klaffenfampf in überfester, verfeinerter Form, aber Klassenkampf und dann:" Macht muß hinter Recht stehen, damit das Recht Recht wird." Es ist ganz selbstverständlich, daß der Kongreß recht kräftig der Schon wiederholt auf Gewerkschaftskongressen vertretenen Meinung Ausdruck verlieh, daß eine Absazsteigerung und damit Aufschließung des inneren Marktes nur mit Erhöhung der Kauf fraft der Lohn- und Gehaltsempfänger zu erreichen sein wird, und daß daher die Parole der europäischen Unternehmer: Hohe Breise, tiefe Löhne und Gehälter, verlängerte Arbeitszeit" aufs schärfste bekämpft werden muß. Die 25. Generalversammlung des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands in Saarbrücken, die zugleich eine nationale Demonstration für die Rückkehr des deutschen Saargebietes zur deutschen Republik und zugleich eine internationale Rundgebung für Völkerverständigung und Völkerfrieden war, erwies erneut die Gewerkschaften als wesentlichen Faktor der Bolfs- und Weltwirtschaft. Die Baustelle der Kläranlage in Waßmannsdorf. Auf dem städtischen Bau der Kläranlage herrschen geradezu abscheuliche Zustände hinsichtlich der Unfallverhütung. Wieder ist ein Opfer der mangelhaften Abdeckung zu verzeichnen. Der Flechter 3. war mit dem Abtransport beschäftigt. Auf dem Steg, der mehr als mangelhaft abgedeckt war, stürzte X. herab in den Trichter und blieb an den Eisen im Innern des Trichters hängen. Außer starten Gesichtsverletzungen hat er zahlreiche Quetschungen erlitten, so daß er arbeitsunfähig wurde und weggebracht werden mußte. Es handelt sich hier um einen städtischen Bau. Man sollte annehmen, daß die Stadt Berlin bei ihren Bauten den Unfallverhütungsvorschriften doch mehr Beachtung fchenten müßte, als es besonders auf dieser Baustelle der Fall ist. Wir haben bisher feine Stellung dazu genommen, weil wir an1 die englischen Eisenbahner- und Transport= arbeiterverbände selbst nicht bereit sind, die Einfuhr und den Transport von Steinkohle zu verhindern oder zu verweigern. Durch den Tatbestand, daß die der Bergarbeiter Internationale angehörenden Bergarbeiter in allen Ländern weiterhin in uneingeschränktem Maße Kohle fördern, und daß die der TF. angehörenden englischen Transportarbeiter, Eisenbahner und Seeleute alle in- und ausländischen Kohlen behandeln und transportieren, wird es den fontinentalen Transporarbeiter und Eisenbahnerverbänden unmöglich gemacht, ihre Solidarität in derselben Weise zum Ausdruck zu bringen, wie dies in den ersten 14 Tagen des Monats Mai geschehen iſt. Die Haltung der Bergarbeiter unverändert. London, 14. Juli.( WTB.) Bei der Vertagung der heutigen Versammlung des Vollzugsausschusses des Bergarbeiterverbandes wurde mitgeteilt, daß nach den aus den verschiedenen Bezirken vorliegenden Berichten feine enderung in der Haltung der Bergleute eingetreten sei. Der Vollzugsausschuß wird morgen die Frage der Einberufung einer allgemeinen Delegierten= fonferenz erörtern. Vermittlungsversuche im Bergarbeiterkampf. London, 14. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch wurde im Zusammenhang mit dem Arbeitstampf im Bergbau eine Reihe von Schritten, und zwar von neutraler Seite, aufgenommen, die vermutlich selbst zu feinem unmittelbaren Erfolg führen werden, jedoch die seit Wochen abgebrochene Verhandlungs tätigkeit zwischen den Parteien und der Regierung wieder in Fluß bringen dürften. Als der Vorstand der Bergarbeiter zu feiner Sitzung zusammentrat, wurde er zunächst gebeten, eine Abordnung von führenden Mitgliedern der Quäfer Organisationen zu empfangen, die ihre Sympathie für die Bergarbeiter zum Ausdruc bringen wollten und außerdem anfragten, ob sie irgendwelche Schritte für die Bergarbeiter unternehmen könnten. Im Laufe des Tages fiderte durch, daß diese Abordnung vorher schon von den Bergbauunternehmern empfangen worden war, jedoch keine günſtige Aufnahme gefunden hatte. Der Vorstand der Bergarbeiter erhielt außerdem eine Einladung, sich am Mittwoch abend mit einer Reihe einflußreicher Führer der englischen Hochkirche sowie verschiedener Freikirchen zu treffen. Das Gerücht, daß an dieser Besprechung auch der Erzbischof Don Canterbury teilnehmen würde, dessen Vermittlungsformel während des Generalftreits eine bedeutende Rolle gespielt hatte, fand jedoch keine Bestätigung. Der Bergarbeitervorstand hat die Einladung angenommen und an dieser Besprechung teilgenommen. Ein Beispiel: Der Genosse hodapp ist seit vielen Jahren immer wieder alljährlich als Vorsitzender der Ortsverwaltung gewähit worden. Selbstverständlich nur von der Mehrheit der= jenigen Mitglieder, die jeweils in der Versammlung an wesend waren. Und das war ganz bestimmt oftmals weit weniger als die Hälfte der Gesamtmitgliederzahl der Ortsverwaltung. Benn nun ein Kollege und guter Freund" von Hodapp auf den Einfall gekommen wäre, die Wahl Hodapps deshalb anzuzweifeln, weil die Versammlungsmehrheit noch lange nicht die Mehrheit der Mitglieder der Ortsverwaltung bilde, dann wäre dieser Unglückswurm von der ganzen Versammlung mit Ausnahme etwa des einen oder anderen Wichtiger als dieser Schritt der kirchlichen Organisationen dürfte Querulanten ausgelacht worden. So wenig ernst würde eine der Beschluß des Generalrats sein, den Vorstand der BergMitgliederversammlung irgendeiner Gewerkschaft einen derartigen arbeiter zum Donnerstag zu einer gemeinsamen Be= Einwand nehmen, wie ihn Hodapp gegen das UrabstimmungsEinwand nehmen, wie ihn Hodapp gegen das Urabstimmungs- fprechung einzuladen. Offiziell gilt diese Besprechung Maßergebnis in der Verschmelzungsfrage macht, wobei er uns beschuldigt, nahmen für die Unterſtügung der Bergarbeiter im Sinne des jüngsten unrichtige und irreführende Angaben gemacht zu haben. Manifestes des Generalrats. Es kann jedoch als sicher gelten, daß Bir behaupten nach wie vor, daß 56 Proz. der Mitdarüber hinaus weitere Fragen wie die der Stellung des Bergglieder der drei Verbände sich an der Abstimmung bearbeitervorstandes zum Samuelschen Bericht zur Diskussion stehen feiligt haben, also über die Hälfte, und 77 Proz. der Abstimmenden für die Verschmelzung gestimmt haben. Wenn es den Mitgliedern der Verbände, die sich der Abstimmung enthielten, gleichgültig ist, ob die drei Berbände fich zu einem Verbande zusammenschließen oder nicht, so bilden sie bestimmt fein Hindernis für die Berschmelzung. Die eifrigsten, besten und treuesten Mitglieder der Verbände sind es, die von ihrem Etimmrecht in einer so wichtigen Frage Gebrauch machen, und ihre Mehrzahl56 681 gegen 16 514 ist entscheidend. Gewaltakt der Textilbarone in Bayern. Lohndruck froh Sozialministerium. München, 14. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Den vom banerischen Landesschlichter gefällten Schiedsspruch in der Tertil. industrie, der einen Lohnabbau von 3,75 Mart vorfah, hat das bayerische Sozialministerium nicht für verbindlich erklärt. Demgegenüber hat nunmehr die Textilindustrie be schlossen, den Schiedsspruch troßdem durchzuführen. In einem an seine Mitglieder gerichteten Rundschreiben des Verbandes süddeutscher Textilarbeiter, Landesgruppe Bayern, heißt es u. a.: Die Mitgliederversammlung unserer Landesgruppe vom 6. Juli hat folgenden bindenden Beschluß gefaßt: Der Schiedsspruch des Landesschlichters vom 11. Juni ist in sämtlichen Betrieben einheitlich durchzuführen. Die sämtlichen Mitgliederfirmen find verpflichtet, am 14. Juli in ihrem Betrieb einen Anschlag zur Kenntnis ihrer Arbeiterschaft zu bringen, wonach die neuen Löhne auf der allgemeinen Grundlage des Schiedsspruches mit Wirkung vom 1. August in Kraft gesezt werden. In Verhandlungen mit den Betriebsräten dürfen Zugeständnisse, die eine Ueberschreitung der neuen Lohnstaffel bedeuten, nicht gemacht werden." Bei diesem brutalen Diftat, das jegliches Verständnis für die Not der Zeit mit ihren steigenden Lebenshaltungskosten ver. miffen läßt, haben die Arbeitgeber die Rechnung ohne die Tertil arbeiterschaft gemacht. Jedenfalls ist damit zu rechnen, daß das Unternehmertum in der banerischen Textilindustrie zu dem Mittel der Aussperrung greifen wird, um die Arbeiterschaft zur Unterwerfung unter ihren Willen zu zwingen. Die Frage der Kohlentransporte nach England. Zunächst eine englische Angelegenheit. Bom Borstand des Deutschen Verkehrsbundes wird uns berichtet: Die ITF. beschäftigte sich in einer am Samstag, den 3. Juli, in Utrecht abgehaltenen und von Vertretern angeschlossener Berbände beschickten Konferenz nochmals eingehend mit der Frage, inwiefern die Eisenbahner: und Transport arbeiterorganisationen in der Lage find, den Transport und Export von Steinkohlen nach Enaland zu verhindern. Die Konferenz, auf der die Eisen. werden. AS In Rußland herrscht„ Ordnung"! Moskau, 14. Juli.( EP.) Infolge der Arbeitslosigkeit, der niedrigen Löhne und der Uebergriffe der örtlichen Stellen der kommunistischen Partei find in einigen Fabriforten des Mostauer Industriebezirks Unruhen ausge brochen. Die Truppen der Ticheta und Miliz griffen ein und stellten die Ordnung wieder her. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist nicht bekannt. Zum Streik der New Yorker Untergrundbahner.. Die Gesellschaft flagt auf Streifverbot und Schadenersah. New York, 14. Juli.( WTB.) Die Gesellschaft der Unter grundbahnen hat Klage gegen ihre ſtreifenden dewertschaftlich organisierten Angestellten erhoben. Sie fordert von ihnen die 3ahlung von 239 000 Dollar, die fie infolge des Streits an Einnahmen verloren habe. Die Geſellſchaft hat außerdem bei Gericht eine Verfügung gegen eine Fort sehung des Streits durch die Gewerkschaft und gegen die Einmischung" in ihre Angelegenheiten beantragt. Zweiundsechzia Bersonen, darunter der Vorsitzende der Gewerkschaft der Ausständigen, sind vor Gericht geladen. Diese Klage zeigt die ganze Unverschämtheit der Untergrundbahngesellschaft, die die Festlegung der Arbeitsbedingungen als ihre Angelegenheit erklärt, in die sich niemand einmischen dürfe, auch die Organisation ihrer Angestellten nicht. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Freie Gewerkschaftsjugend. Seute, Donnerstag, 7 Uhr, tagen die Gruppen: Lichtenberg: Jugenbheim Parkaue 10. Meinungsaustausch über unser Mitteilungsblatt. Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5. Brettspielabend. Tempelhof: Jugendheim Germaniaſtr. 4/6. Wir veranstalten einen Bettiner Abend". Südoften: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Besichtigung bes Gesundheitshauses. Gesundbrunnen: Jugendheim Gotenburger Str. 2. Mär. fische Sagen. Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Vortrag: Proletarische und bürgerliche Sportbewegung". Moabit: Bremer Ede Wiclefstraße. Erster Jahrestag unserer Gruppe. Mitte: Jugendheim Neue Königstr. 21. Vortrag: Bwed und Biele der FGJ." Heute spielen: Oberschöneweibe: MetallarbeiterSportplag an der Oberfpree. Renkölln: Bolkspark Hafenheide. Rorbring: Plaz an der einsamen Vappel. Treptow: Treptower Part, Wiese 8. Jugendgruppe bes 8DA. Heute, Donnerstag, 7½ Uhr, tagen folgende Abteilungen: Treptow: Jugendheim Wildenbruchstr. 54( Rinderhort). Bortrag: ,, Botanik". Hermannplag: Jugendheim Sobrechtstr. 34, Ede Sanderstraße. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenftr. 4. Vortrag: Neue Dichtung". Rörperkultur". Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Shilowski; Lotales und Sonstiges: Frik Raritädt: Anzeigen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co... Berlin GW 68. Lindenstraße 3. Sierau 1 Beilage und Unterhaltung und Wiffen". Dr. Oetker S Schokoladenspeise mit gehackten Mandeln ist ein Feinkost- Pudding von delikatem Geschmack, der auch von Männern gern gegessen wird. Angerichtet mit Dr. Oetker's Vanille- Soße trägt er jeder Hausfrau im Familienkreise und bei Gästen hohe Anerkennung ein. Die Herstellung ist einfach und schnell nach der jedem Päckchen aufgedruckten Anweisung. Dr. Oetker's Puddingpulver sind nur in Originalpackungen( niemals lose) mit der Schutzmarke„ Oetker's Hellkopf" in den einschlägigen Geschäften zu haben. 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Selbst die Berdienstmöglichkeiten, die sich für den Berufsreiter eröffneten, wurden den Engländern reserviert. Gegen diese Konkurrenz fann der Deutsche einfach nicht hoch, er galt und blieb als Stallmann und weiter nichts. Doch auch in A merita lebt dieser fleine, zähe. leichte Menschenschlag der Anglosachsen, und die Amerikaner wurden die Konkurrenten der Engländer. Der größte Umstürzler in der Renntechnik war der amerikanische Jodei Tod Sloan. Er schnallte die Bügel furz, lüftete das Gesäß, st and in den Bügeln und verlegte beim Reiten das ganze Gewicht auf die Vorderhand des Pferdes. Wie alle Neuerer, wurde auch er viel verhöhnt. Zuerst lachte man über den„ Affen im Sattel", dann aber wurde die Art feires Sizes eben der Jodeisih in Flachrennen. Inzwischen gelangte der Rennsport zu immer größerer wirtschaftlicher Bedeutung. Vor dem Kriege hatten wir bereits in Deutschland einen Stamm von Berufsreitern, der eine englische Schule durchgemacht hatte und etwas leistete. Dennoch hätte der deutsche Berufsreiter sich nicht so schnell durchgesetzt, wenn der Krieg die Inländer- Reiterfrage nicht zur Tagesfrage gemacht hätte. Hinzu kommt, daß der Boykett der belgischen, französischen und englischen Retter erst in diesen Tagen aufgehoben ist. Der Lehrling. C zeug nicht mehr wiegen. Biegt er weniger, stedt man ihm Bleiplatten in die Satteltaschen. Nur ein geringer Bruchteil der Lehrlinge wird Jodel. Unendliche viele fühlen sich berufen und ver schwindend wenige sind auserwählt. Die meisten bleiben Stall. Leute. Sind sie gewissenhaft, fönnen sie es mit der Zeit als Reisefuttermeister oder Futtermeister zu etwas bringen. Der Jocket. Jodel ist die internationale Bezeichnung für den Berufs rennreiter. Hat er reiterliches Talent( was sehr oft durch Generationen hindurch vererbt wird), Geistesgegen wart und ein niedriges Gewicht, dann kann sich, falls er Glüd hat, sein Beruf einträglich gestalten. Wirklich gut stehen fich nur die Jodeis, die bei reichen Rennstallbesitzern in festen Stellungen find. Das meiste Geld wird auf der Flachen" verdient, doch heißt es, daß stets 51-52 Kilo( mit Sattel und Zeug) reiten können. Das Gewicht niedrig zu halten ist eine Frage der förperlichen Be schaffenheit und der Selbstzucht. Der Jockeiberuf hat erhebliche moralische Gefahren, denn viele Spieler und Weiter, sowie recht fragwürdige Eristenzen versuchen es immer und immer wieder, im Verein mit jenen Damen, die das Leben angenehm und die Taschen leer machen, sich an den jungen Reiter zu flammern. Hat er aber erst einen bösen Anhang, dann endet er leicht als Tipster. Das heißt, er gibt für Geld und gute Worte Voraussagen. Selbstredend birgt die Rennbahn auch viele Unfallgefahren. Für gewöhn. lich ist der an und für sich seltenere Sturz im Flachrennen gefährlicher als der im Hindernisrennen. Auf der Flachen ist die Fahrt eine schnellere und das Rudel liegt enger zusammen. Ein Pferd tritt einen Menschen nicht, wenn es ausweichen kann. Auf der Rennbahn kann aber der Fall eintreten, daß ein Ausweichen unmöglich ist. Gegen Unfall ist der Jodei versichert. Trotz der vielen Gefahrenquellen sind jedoch die Todesopfer, gemessen an den ungeheuren Opfern der Arbeit, die Handarbeiter der verschiedenen Berufe bringen, relativ gering. Ausverkaufspsychose. Ausverkauf! Ausverkauf!-tönt es in allen Straßen entgegen, Trainern absolvieren. Die Lehrzeit muß mit Beginn des 22. Lebens- schillert es in allen Farben, sticht es aufdringlich in die Augen. In den Schaufenstern schlagen dem Straßenpassanten aufreizend die Preise entgegen, auf den Verkaufstischen türmen sich zu Bergen die Waren. Ausverkauf! Ausverkauf! Die Leute kommen in Maffen herbei, umlagern die Berkaufsstände und kaufen. Wer aber fein Geld hat? Der bleibt zu Hause oder wandert in den Kaufhäusern umher oder nimmt in einem unbewachten Augenblic irgendeine Kleinigkeit an sich. Das Menschengewühl machen sich die professio= nellen Diebe zunuze. Von fünfzehn Fällen vor dem Einzelrichter find fünf Ladendiebstähle. Der Jodeiberuf erfordert eine gründliche Ausbildung, und so beträgt die Lehrzeit mindestens 5 Jahre. Ausbilden darf nur ein Trainer, der die Erlaubnis von der Obersten Rennbehörde hat. Die Lizenz fann auch auf einen anderen Trainer übertragen werden, der Jockei kann mithin seine Lehrzeit bei zwei oder mehreren jahres des Lehrlings vollendet sein. Während der Lehrzeit wird freie Verpflegung gewährt, auch sorgt der Trainer für die Anschaffung von Reitstiefeln und Reithosen, meistens gibt er noch eine kleine Vergütung. An Reitgeldern erhalten die Lehrlinge in Flachrennen 15 m., in Hindernisrennen 20 M. Beim Siege wird diese Summe verdoppelt. Bon den Reitgeldern bekommt der Lehrling nur die Hälfte in seine Hände, das übrige Geld wird auf ein Sparkassenbuch eingezahlt, dessen Berwaltung dem Generalsekretär des„ ll nien- klubs" untersteht. Das Buch wird später dem frischgebackenen Jodei ausgehändigt. In besonderen Fällen findet natürlich eine vorherige Auszahlung statt. Um für den reiterlichen Nachwuchs zu sorgen, sind die Rennbahnen aur Abhaltung von Lehrlingsrennen verpflichtet. Als besonderer Anreiz gilt die Prämie von 300 M., die der Trainer erhält, wenn sein Lehrling drei Rennen im Mindestwerte von 2000 m. gegen Jockeis gewonnen hat. Reitet der Lehrling mit Jodeis gemeinfam, hat er drei Kilo gut. Von einem jungen Burschen verlangt man, daß er 40 Kilo reiten kann, d. h. er darf mit Sattel und Leder32] Der Wobbly. Von B. Traven. Copyright by Buchmeister- Verlag, Berlin und Leipzig. Sie hatten ein Grammophon, und wir tanzten beinahe jeden Abend. Ich tanzte zwar lieber mit dem indianischen Küchenmädchen aus mancherlei Gründen, aber Mrs. Pratt tanzte bei weitem beffer. Wir famen zu so guten Berhält iffen miteinander, daß sie mir eines abends in Gegenwart ihres Mannes ganz offen sagte, daß sie mich zu heiraten wünsche, falls ihr Mann stürbe oder sich scheiden ließe. Sie erklärte mir, gleichfalls in Gegenwart ihres Mannes, daß fie mich recht gern habe, und daß mein einziger Fehler das Saufen sei. Aber das sei kein unausrottbarer Fehler, und sie würde mir diesen Fehler schon bald austreiben und mir den Tequila so lange mit Petroleum mischen, bis ich mich davor efle. So habe sie ihrem Manne das Saufen auch abgewöhnt, dem Hurensohn. Mir war nicht bange davor. Das Resultat, das sie bei Mr. Pratt erzielt hatte, gab mir die Sicherheit, daß wenn ich Mrs. Pratt als nachgelassene Witwe eines Tages heiraten sollte, ich keine Sorge zu haben brauchte, daß ich den Tequila oder sonst etwas abschwören müßte. Wenn Mr. Pratt die Wege fand und er das Petroleum nicht herausschmeckte, was bei dem Tequila überhaupt schwer ist, weil er an und für sich nach Petroleum schmeckt, so würde ich wohl auch zu der einem Manne zukommenden Ration gelangen. Schließlich mußte man ja auch Bieh verkaufen in der Stadt, und da fonnte sie einem ja nicht immer nachlaufen, auch wenn sie mitreisen sollte. Nur nicht von Weibern sich unterfriegen laffen, wenn man etwas für notwendig und vernünftig hält. Es führt zu nichts Gutem und man gewöhnt sich nur Lafter an, die man nicht wieder los wird. ,, Entweder man fäuft oder man läuft mit anderen Weibsbildern herum," sagte mir Mr. Pratt. Eine Erholung von der Ehe muß der Mensch doch haben, wenn er das Leben ertragen will." Er hatte ganz recht. Am besten, man stellt der Frau vorher die Frage: ,, Soll ich zum Tequila halten oder lieber Sie wollte einen leichten Mantel haben. Denn der blaue, den sie an hat, ist gefüttert. Da steckte sie 22 Mart zu sich und begab sich in das Warenhaus. Sie ist aus angestellte und verdient bei freier Station 35 Mart monatlich. Sie probierte bei Wertheim einen Mantel an, dann einen zweiten! Ach, dieser paßt ja vorzüglich, und leicht ist er!" Aber schade, die 22 ersparten Mart herzugeben. Die Verkäuferin beMäuschen jagen?" Jedenfalls, wenn es dazu kommen sollte, daß es mit Mrs. Pratt und mir ernst wird, werde ich ihr diese Frage stellen. Dann habe ich von vornherein die Offenfive ergriffen, und sie kann sich entscheiden. Ich glaube dann nicht, daß sie mir den Tequila mit Petroleum mischen wird, sondern sie wird eine gute Sorte im Hause halten. Wenigstens für die Nachtkappe. Sie ist eine feine Frau, Mrs. Pratt. Ich lasse nichts auf fie fommen. Eine Frau, die mit dem wildesten Pferd fertig wird, die fluchen fann, daß sich ein Wachtmeister vor Scham in eine Erdhöhle verkriechen muß, die ihrem Manne alle Wünsche und jede Laune erfüllt wie er mir einmal vertraulich erzählte, ohne dabei seine Frau zu beleidigen vor der die indianischen Cowboys zittern und die Banditen nicht wagen, die Veranda zu betreten, eine Frau, die mir in Gegenwart ihres Mannes, den sie liebt, ganz fachlich erklärt, daß fie mich zu heiraten wünscht, wenn er stirbt, oder wenn er ihr fortläuft verflucht nochmal, eine solche Frau tann einem wohl bis in den tiefsten Busch und die fernsten Gedanken verfolgen, auch wenn man sich sonst nicht gerade viel aus dem treuzgottverfluchten Weibsvolt macht. ,, he, cantinero, una botella de tequila, eine ganze Flasche. Auf dein Wohl, Ethel Pratt. Ich besaufe mich jetzt auf deine Gesundheit. Der Petroleumgeschmad soll mich erinnern an erinnern annana ja, an dich, ganz wie du bist, an alles, was du haft. Salut, Ethel!" " Sie stand auf der Beranda und winkte mit der Hand: Biel Glück, Boy. Sind immer willkommen auf dem Rancho. He, Suarez, du Himmelhund, du verdreckter Sohn einer alten gottverfluchten alten Hure, siehst du denn nicht, daß der fchwarze Jungftier ausbricht, er bodt, der Hurensohn von einem Stier. Wo hast du denn deine stinkenden verfiAugen? Well, Bon, good- bye!" Ich schwenkte den Hut, und Gitano fegte ab mit mir. But 21. ob 20. Los ging das Geschrei und das Gejohle, das Zurufen, das Heulen und Schrillen der Indianer, das Pfeifen der kurzstieligen Beitschen, das Trampeln der Hufe, das Toben einer scheuwerdenden Kolonne, die plötzlich losrafte und einblockiert schäftigt fich mit einer anderen Dame. Schnell ergreift sie den Mantel und stürmt davon,... aber schon ist sie gefaßt. Bureau, Bolizeipräsidium, Borführung. Antrag des Staatsanwalts: 10 Tage Haft. Sie ist erft 20 Jahre alt, unbestraft 30 Mart Geldftrafe. Ihre Herrschaft will sie nicht mehr:" Sie war grob und Ich hatte viel zu viel zu arbeiten," meint sie unter Tränen. Die Wohlfahrtsstelle am Polizeipräsidium wird sich ihrer ungezogen." annehmen. „ Der Tisch war so umlagert." Da trat fie an ihn heran, nahm ein Paar Strümpfe und entfernte sich. Aber auch sie wurde sofort gefaßt. Jetzt weinte fie bitterlich. Sie hat aber schon mehr Warenhausdiebstähle auf dem Kerbholz, obgleich fie erst 23 Jahre alt ist. Das Gericht beurteilt den Fall milde: drei Monate Gefängnis das ist die Mindeststrafe. Auf Rückfall steht sonst Zuchthaus. Weil er Zigaretten haben mußte. man fann Auch ein Glas Bier fehlte dem Freund wieder fich ja nicht immer von Freunden aushalten lassen". Immer ohne einen Pfennig Taschengeld herumlaufen müssen und den Eltern endlos zur Last fallen, wo man 23 Jahre alt ist. Für einen Dreher Arbeit finden, ist augenblicklich unmöglich. Die Arbeitslosenunter Stübung langt kaum für das Koftgeld. Und da ging er ins KDM., zusammen mit seinem Freunde, der bereits mehrmals vorbestraft ist, und wollte unter Deckung seines Mantels drei Pyjamas fortschaffen und erst vor zehn Tagen das Gefängnis verlassen. Der unbestrafte K. .. wurde gefaßt. Auch der andere. Dieser hatte lassen und soll Bewährungsfrist erhalten, falls die Auskunft über befam einen Monat Gefängnis, wurde aus der Haft ent ihn günstig sein wird. Der andere erhielt sechs Monate Gefängnis. ihn günſtig sein wird. Der andere erhielt sechs Monate Gefängnis. Sechs Paar Strümpfe. Diefer war bereits neunmal verbestraft. Einmal mit zwei Jahren Gefängnis, auch ein anderes Mal mit zwei Jahren Gefängnis, und ist erst 30 Jahre alt, macht aber den Enidrud eines 3wanzigjährigen. Er hat zuletzt gearbeitet, wurde dann arbeitslos, hatte 10 m. wöchentliche Unterstützung, mußte sich verschiedenes anschaffen und entschloß sich zum Diebstahl. Der Staatsanwalt beantragt ein Jahr Zuchthaus. Nun wird er ganz aufgeregt: mit puterrotem Geficht fann er vor Stottern faum sprechen. Der Richter gibt ihm ein Jahr Gefängnis. Er ist zufrieden. Er Der Dilettant. der bat noch nie einen Warendiebstahl begangen und sollte beffer seine Hände davon lassen. Er tam in das Tieksche Waren haus, hob auf die Schulter einen Ballen Stoff von 55 Metern und wollte sich entfernen. Natürlich tam er nicht weit damit. Jegt wird er seine 5 Monate Gefängnis abfizen müssen. Er will Berufung einlegen. Ferienschwimmkurse im Freibad Plötensee. Einer Anregung des Stadtamtes für Leibesübungen folgend, Ferienschwimmkurse für Schulkinder eingerichtet, die sich reger Inanspruchnahme erfreuen. Ungefähr 40 Gruppen zu je zwölf bis fünfzehn Kinder werden vier Wochen lang durch Mitglieder der Schwimmvereinigung Berliner Lehrer im Schwimmen unter wiesen. Interessant ist dabei festzustellen, daß sich doppelt soviel Mädchen als Knaben an den Kursen beteiligen. Nach einem furzen theoretischen Unterricht, in dem besonders auf das richtige Atmen im Wasser hingewiesen wird und die Kinder überzeugt werden, daß sie von dem Wasser nichts zu befürchten haben, werden Trodenhat das Bezirksamt Bedding im Freibad Plößensee werden mußte, damit sie den Anschluß an den Haupttrupp nicht verliere. Den ersten Tag begleitete uns Mr. Pratt. Der erste Tag gehört mit zu den härtesten Tagen. Die Herde ist noch zu lose. Das Zusammengehörigkeitsgefühl stellt sich erst nach einigen Tagen des Transportes ein. Dann tennt die Herde die Leitstiere und bekommt den Geruch der Verwandtschaft zueinander. Dann bildet sich die Familie oder, eigentlich besser, das Bolt. Nach einigen Tagen weiß jedes Tier, das es hier zu diefem Trupp gehört, und sie bleiben zusamme Freilich darf man nicht glauben, daß sie so schon zu sammenbleiben wie eine Schafherde in Europa, die von einem Hirten und einem Hunde zusammengehalten wird. Solche Rinder, die ihr bisheriges Leben auf einer unermeßlichen Prärie verbracht haben, find an Räumlichkeiten gewöhnt. Sie drängen nicht aufeinander, sie streuen fortgesetzt. Die paar Hunde, die wir mithatten, fonnten nicht viel schaffen. Sie ermüdeten und waren nur für Kleinarbeit zu gebrauchen. Immerfort mußte blodiert und eingefreist werden. Ein unausgefeßtes Galoppieren und Schreien und Schrillen. Ich hatte eine Trillerpfeife als Signalpfeife für die Boys, und der Bormann hatte eine einfache Pfeife, damit man beide Signale unterscheiden konnte. Dem Bormann gab ich die Spitze, und ich nahm den Schwanz. In der Rückgarde übersieht man besser das ganze Feld des Transports. Es läßt sich beffer dirigieren, während die Front natürlich auch wieder ihre besonderen Kniffe verlangt. D, was für einen schöneren Anblick gibt es, als so eine Riesenherde gefunder, halbwilder Rinder! Dort vor einem trampt und stampft sie, die breiten Naden, die runden Leiber, die mächtigen stolzen Hörner. Das ist ein wogendes Meer voll unsagbarer Schönheit. Gigantische Stärke lebendiger Natur, gebändigt unter einem Willen. Und jedes Hörnerpaar ist ein Leben für sich, ein Leben mit eigenem Willen, eigenen Wünschen, eigenen Gedanken, eigenen Gefühlen. Bon der Höhe seines Pferdes aus überblickt man das Gewoge der Hörner und Nacken. Man könnte so von einem Rücken zum andern Rücken über die ganze Herde wandern bis zu den läutenden Stieren an der Front. ( Fortfehung folgt:)] 320 übungen auf dem schönen weißen Sande des Freibades vorge nommen. Dann geht es ins Wasser. Aehnlich wie die bekannte ,, bleierne Ente" nur auf dem Grund schwimmen kann, müssen auch die Kinder zunächst die lebungen im flachen Wasser verrichten. Die nachfolgenden Uebungen mit dem Schwimmgürtel zeigen dann bald die Fortschritte, die gemacht worden sind, und es dauert nicht allzu lange, bis sich die Kinder ohne jedes Hilfmsmittel über Wasser halten fönnen. Es entspricht einer alten Forderung der arbeitenden Bevölkerung und besonders der Arbeitersportler, daß sich die Schulen auch um den Schwimmunterricht fümmern. Der bescheidene Anfang mit den Ferienschwimmfursen sollte zu einem obligatorischen Schwimmunterricht gleich dem obligatorischen Turnunterricht ausgebaut werden. 30,2 Grad Hize? Am gestrigen Mittwoch war, wie nun entschieden, der bisher heißeste Tag des Jahres. Der Reford ist geschlagen! In den Mittagsstunden wurden 30,2 Grab gemessen. Abends um 8 Uhr stand das Thermometer noch immer auf 27 Grad. Auch die Nacht brachte taum eine merkliche Abkühlung. Mit weiterem Steigen der Temperatur ist, wie uns der Wetterdienst mit teilt, vorerst nicht zu rechnen. Die hohen Temperaturen dieser Tage merden sich jedoch vorerst halten. Für heute ist mit größtenteils heiterem, sehr warmem Wetter zu rechnen. Es besteht eine gwisse Gewitterneigung, die sich jedoch nur im Binnenlande aus mirken dürfte. Berlin wird nicht dapon berührt werden. In Südund Mitteldeutschland wird mit Gewitterbildungen gerechnet. Das Hoch, das zurzeit über Deutschland lagert, hat mit einigen Tiefstörungen zu rechnen. Die stärkste Störungsbildung dieser Art lagert. über Südfrankreich und zieht sich bis zum Oberrheintal hin. Diese lokalen Tiefs werden jedoch kaum größere Bedeutung erlangen. Borerst also: Fortdauer des heißen, sonnigen Wetters. Da ist nichts zu machen. Berliner Rettungswesen. berlichen Schritte unternommen, um die Arbeiter und Bejucher im Boltspart sowie die vielen Straßenpassanten gegen Gefahren an Leben und Gesundheit zu schützen. Es ist dringend zu hoffen, daß umgehend geeignete Maßnahmen zur Gefahrenabwendung getroffen werden. Das unbewachte Fahrrad. Täglich 30 bis 40 gestohlene Räder. Man tann faft von einer Fahrraddiebstahlepidemie sprechen: auch sonst bedeuten die Sommermonate stets eine reiche Ernte für die Fahrraddiebe- aber in diesem Jahre geht es besonders hoch her. 30 bis 40 Fahrräder sind es, die den Böse wichtern täglich zur Beute fallen, und nur etwa drei bis fünf Diebetonnen gefaßt werben größtenteils ohne Räder. sich ein anderes Rad. Das waren Gelegenheitsdiebe. Die beiden anderen sind es von Beruf. Ein alter Zuchthäusler, der erst vor nicht langer Zeit die Freiheit wiedergewonnen hatte, nimmt auf einem Hof das Rad und wird sofort gefaßt. Ein Jahr Zucht haus lautet die Quittung. Ein anderer, auch viel Vorbestrafter, weint bittere Tränen vor dem Richter; die Not habe ihn dazu ge zwungen, seine Frau läge frant, sein einjähriges Kind sei ohne Milch. Er habe im Treppenflur das Rad gesehen und es mitnehmen wollen. Und so geht es Tag für Tag. Den Radfahrern möge es aber als Warnung dienen, mit ihrem Eigentum sorgfältiger umzugehen und nicht zu vergessen, daß Gelegenheit Diebe macht. Vielleicht haben auch die recht, die fordern, daß jedes Rad, somit auch jeder Eigentümer, eine Legitimation für das Rad befize. Dann fönnte in jedem einzelnen Falle leicht nachgewiesen werden, daß das Rad unrechtmäßig erworben ist. Dämonische Triebe." die Sie treiben ihr Unwesen an Schulen, Banten, Bostämtern und anderen öffentlichen Gebäuden. Sie verstehen ihr Geschäft, besonders die gewerbsmäßigen Fahrraddiebe oder sonst alte Gannoven, die die Ein Aufsichtsbeamter, der unter Aufsicht gehört. Gelegenheit benutzen, ein Ding zu drehen. Das unbewachte Auf einen dämonischen Trieb" schob der wegen AmisverFahrrad bildet einen unwiderstehlichen Anreiz. Es ist ja die brechens angeklagte Oberpostsekretär Best seine Strafhandlungen. Sache eines Augenblicks, sich auf das Rad zu sehen und davon Er war Aufsichtsbeamter im inneren Dienst und hatte die Brief. zujagen. Im Großstadtbetriebe zwischen Autos, Omnibus und träger und Postschaffner zu tontrollieren, tat aber Straßenbahn ist es ein leichtes, zu verschwinden. Und besonders gerade das, was er verhindern sollte, denn es wurde ihm zur Last leicht wird die Arbeit des Diebes durch die Unachtsamkeit und den gelegt, daß er eine ganze Reihe von Briefen sich an Leichtsinn der Radler selbst. Sie denten gar nicht daran, das Rad geeignet, geöffnet und teilweise des Inhalts beraubt mit ins Haus zu nehmen, auch wenn dies möglich ist, oder habe. In zwanzig Fällen gab er sein Verschulden auch unummunden es durch ein Schloß zu sichern. Allerdins bedient sich der Dieb in zu, erklärte aber, daß er von einem unwiderstehlichen Zwange bediesem Falle einer 3 ange, mit der er die Kette im Nu durch herrscht worden sei, das Geheimnis der Briefe zu erforschen. Nachfnipft. Das erfordert aber schon mehr Zeit und eine größere dem er diesem dämonischen Triebe gefolgt und einen Brief geöffnet Dreiftigkeit. Doch gibt es auch schon Sicherungen, die für hatte, habe ihn der zufällig start erotisch- perverse Inhalt desselben eine 3ange unzugänglich sind. Da bliebe dem Dieb nichts derartig gereizt, in die Geheimnisse anderer einzubringen, daß er übrig, als das Rad auf die Schulter zu nehmen und davonzugehen. von einer förmlichen Sucht ergriffen worden sei und den Sinn für Das würde er aber nicht riskieren. Hat er sich aber, durch die Schuld Recht und Unrecht verloren habe. Er habe immer wieder Briefe des Eigentümers selbst, ohne Schwierigkeit auf das Rad geschwungen, öffnen müssen und das sogar in Gegenwart der Unterbeamten und so findet er schnell den Weg zum Hehler, der sich größtenteils auf auch noch, als er schon wußte, daß man ihn im Verdacht habe und gewissen Höfen, in der Gegend der Städtischen Pfandleihe, aufhält. daß er vom Oberpostdirektor beobachtet werde. Zufälligerweise Die Teile werden schnell vertauscht, es entsteht gleichsam ein neues waren aber in den Briefen auch fleinere Geldbeträge, Rad, das kurzerhand abgesetzt wird. Gelingt es auch, die Hehler fest der Angeklagte einfach in seine Tasche gesteckt hatte. Auch das gab zunehmen, so müssen sie bald wieder freigelassen werden, da ihnen er unumwunden zu, hatte dafür aber feine Erklärung, da er benichts nachgewiesen werben fann. Können sie nicht den recht stritt, daß ihn der Vermögensvorteil gereizt hätte. Wie das gemäßigen Erwerb der Räder nachweisen, so werden sie ihnen forttommen sei, wisse er selbst nicht. Seine Vermögenslage sei eine sehr genommen. Findet sich aber nicht der Eigentümer, so fanden sie glänzende gewesen und er habe wahrscheinlich nur nicht gewußt, schließlich in der Fundstelle. Was aber der Verlust des Rades für was er mit den fleinen Beträgen von 5 und 10 Mart anfangen den Arbeiter, der sich seiner für die Fahrt zur Arbeitsstelle bediente, sollte. Im ganzen sollen es nur etwa 60 Mart gewesen sein, die oder für den Jugendlichen, dessen einzige Freude es war, bedeutet, er gefunden habe. Der Angeklagte war zwanzig Jahre im tann man sich leicht vorstellen. Geld für ein anderes muß erst Dienst, hatte sich tadellos geführt und hatte auch tatsächlich keine mühselig erspart werden. Was geht das die Diebe an; ArbeitsNot gelitten. Kinder hatte er nicht und lebte mit seiner Frau bei den Schwiegereltern. Auch irgendwelche fostspieligen Bassionen auch Not veranlassen sie, sich der leichten Beute zu bemächtigen. ließen sich nicht nachweisen, so daß die Taten des Antlagten ein noch An einem einzigen Tage hatte am Montag erst der Schnell größeres psychologisches Rätsel bildeten. Oberarzt Dr. Stalinger, richter in der Dirdfenstraße drei Fahrrabbiebstähle zu der den Angeklagten in der Jrrenanstalt beobachtet hatte, hielt seine verhandeln. Den Tag vorher einen. Da war es ein Fürsorge Darstellungen, daß er unter Zwangsvorstellungen gehandelt habe, zögling, der aus der Anstalt durchgebrannt war und mittellos in auch nicht für unwahrscheinlich. Der Angeklagte habe ihm unum. der Großstadt h/ cumirrte er erhielt zwar vom Gericht eine kleine wunden alles eingestanden und sogar mehr als ihm nachgewiesen Gefängnisstrafe, wird aber in die Anstalt zurückgebracht werden. werden konnte. Der Sachverständige glaubt, daß Best durch zahlDann wieder war es ein junger Kunstgewerbeschüler aus dem Rhein reiche Kriegsverlegungen in seinem Nervensystem erschüt land, ein ebenso sympathischer wie leichtsinniger Bursche. Er hatte tert worden sei, lehnte aber das Vorliegen einer Geistesfrankheit auf seinem Rade eine Ferienfahrt an eine Dſtfeeſtadt zu seinen Beab, höchstens fönne eine verminderte zurechnungsfähigkeit in Berlin, nahm die Hilfe des Wohlfahrtsamtes nicht an und st a hl funden, die dem Angeflagten amtlich zugänglich gewesen seien. Durch wandten gemacht, man stahl ihm sein Rab, er fam nach Frage fommen. Der Anklagevertreter erblickte in den Briefen Ur die Vernichtung der Briefe habe er sich der Urkundenunterdrückung in gewinnsüchtiger Absicht schuldig gemacht, so daß§ 348 mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus zur Anwendung fommen müsse. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen fortgesetzter einfacher Amtsunterschlagung zu vier Monaten Gefängnis. Er erhielt auch für diese Strafe eine dreijährige Bewährungsfrist, und entsprechend einem Antrage des Verteidigers sah das Gericht von der vom Staatsanwalt verlangten Aberkennung der Fähigkeite zur Bekleidung öffentlicher Aemter ab. Der Angeklagte nahm das milde Urteil sofort an. Das Hauptgefundheitsamt der Stadt Berlin hatte die Vertreter der Preffe zu einer Besichtigung des in der Auguststraße unter gebrachten Depots des Städtischen Rettungsamtes eingeladen. In einer Besprechung, die voranging, berichtete Sanitätsrat Dr. Frant über den jezigen Stand des von ihm geleiteten städtischen Rettungswesen. Die Geldnot der Inflationsjahre hat auch hier als Hemmnis gewirft, aber trotz aller Schwierigkeiten konnte erreicht werden, daß die Einrichtungen des Rettungswesens ihre Leistungsfähigkeit behielten. In Berlin gibt es jetzt 42 Rettungsstellen, wovon 25 an Krankenhäuser angeschlossen sind und 17 selbständig bestehen. Zur ersten Hilfe bei Unfällen die Rettungslosigkeit und Arbeitsscheu, Gewohnheit und Leichtsinn, nicht selten stellen in Anspruch zu nehmen, ist im Laufe der Jahrzehnte allmählich zur Regel geworden. Heute weiß man in weiten Kreisen der Bevölkerung, wieviel für den Erfolg der Heilbehand. Tung davon abhängt, daß der erste Verband sachgemäß angelegt wird. Dem Rettungswesen, das aus den früheren Sanitätswachen und den Unfallstationen hervorgegangen ist, haben wir es zu danken, daß Wundinfektionen heute viel seltener vorkommen als vor Jahrzehnten. Von nicht geringerer Wichtigkeit sind die Krankentransporteinrichtungen des Rettungsamtes, die eine schnelle Ueberführung Berunglückter oder Erkrankter nach Krankenhäusern ermöglichen. Mit den jetzt 29 Rrantenautos des Rettungsamtes fönnen täglich 200 Krantentransporte ausgeführt werden. Zurzeit stellt sich der tägliche Durchschnitt ber Transportzahlen auf 180, und im ganzen Jahr 1925 war eine Gesamtzahl von 50 000 Transporten zu verzeichnen. Das Rüdgrat" des Rettungswesens ist die Nachweiszentrale, die Austumft über frei gewordene Betten der Krankenhäuser gibt und Bestellung von Rrantenwagen vermittelt. Was eine solche Einrichtung für eine Großstadt wie Berlin bedeutet, hat sich besonders bei Grippe epidemien gezeigt. Direktor Frant wurde auch um eine Aeußerung über bie Unfälle auf der Avus gebeten. Unsere Leser wissen, daß dabei. gerade bas städtische Rettungswesen sich durch rafche amb wertvolle Hilfeleistung ausgezeichnet hat. Direttor Frant ftellte noch einmal I fest, daß er vor Beginn des Rennens ganz aus eigenem Antrieb mit einem großen Krantenwagen zur Avus hinausgefahren ist, um bei etwaigen Unfällen sofort eingreifen zu können. Die für die Avus und für das Rennen in Betracht kommenden Verantwortlichen haben es unterlassen, das Rettungsamt vorher davon in Kenntnis zu sehen, daß hier eine Hilfsbereitschaft nötig werden fönnte. An Sanitätern und Aerzten habe es nicht gefehlt, meint Direttor Frant. Aber die Borkehrungen für den Transport feien nicht so gewesen, wie man fie bei einer solchen Beranstaltung fordern muß. Große Mieterückstände. In Hausbesizertreisen scheint es allmählich zu dämmern, daß der Schrei nach Erhöhung der Mieten weit über die Friedensmiete hinaus die denkbar verkehrteste Politik in der Mietzinsbildnug war. Die Hausbefizer müssen jegt zugeben, daß seit Jahren die Miete nicht so schlecht gezahlt wurde wie seit dem 1. Juli. Es ist natürlich übertrieben, wenn eine Mittagszeitung ver einigen Tagen schrieb, halb Berlin sei mit der Miete im Rüd stande. Die Rückstände sind immerhin sehr groß und begünstigen im Verkehr mit unnachfichtigen Hauswirten die Vermehrung der Räumungsflagen. Kurzsichtiges Eingehen auf unberechtigte Forde rungen der Hausbesizer müßte die herrschenden Zustände noch verschlimmern, solange Hunderttausende von Mietern feine Arbeit haben oder weniger verdienen, als zum Lebensunterhalt und zur Miete nötig ist. Die Hauswirte stehen auch finanziell feineswegs mehr so schlecht, wie sie es darstellen. Heute werfen sämtliche Großberliner Häuser Ueberschüsse ab. Bei einem einigermaßen in Ordnung gehaltenen Borderhause ohne Seiten. und Hintergebäude, mit 15-20 Mietern, beträgt der monatliche leberschuß durchschnittlich 120-150 m., bei gutem Eingang der Mieten jogar noch mehr. Die aus der Sozialnot herausgewachsenen Mieterückstände sind also immer noch zu ertragen. Die Mieter jollen darauf achten, daß sie möglichst nie mehr als für einen Monat Miete schuldig bleiben, da die Räumungsflagen jezt für den Hausmirt wesentlich ba amirt wesentlich erleichtert sind. Es fann schon auf Räumung ge flagt werden, wenn der Rückstand den Mietbetrag eines Monats um ein geringes übersteigt. Bur Abwendung der Klage und Räus mung fann der schuldige Gesamtbetrag nicht mehr im legten Ber. handlungstermin, sondern er muß spätestens innerhalb zweier Wochen nach Einleitung der Klage gezahlt werden. Ersaßraum wird nur noch selten zugebilligt, darf bei Klagen wegen erheblicher Belästigung überhaupt nicht mehr gewährt werden. Gegen Räu mungsurteile der Mietschöffengerichte ist zwar, um 3eit zu ge winnen, die Berufung beim Landgericht zulässig, aber erfahrungs. gemäß werden die meisten derartigen Berufungen verworfen. Die Wohnungsämter weisen in Räumungsfalle ein anderweites Unter. tommen, sofern sie ein solches überhaupt zur Verfügung haben, nie vor der Räumung, sondern allenfalls erst dann zu, wenn der Gerichtsvollzieher schon bei der Arbeit ist und die Möbel auf der Straße stehen. Im äußersten Notfalle kann die Polizeibehörde die ermittierte Familie in die alte Wohnung wieder einweisen, aber nur für ganz furze Zeit. Das geschieht natürlich sehr selten. WINKEL Eine Schattentemperatur von 29 Grad stimmt versöhnlich der geschmolzene, aufgelöste, strutturlose Mensch hat wenig Kraft mehr zur Opposition. Aber soll er, soll er wirklich das über sich ergehen lassen: moderne Meister der Orgel, die dazu noch nicht einmal Meister der Orgel find- oder rechnet etwa der Berliner Sender Maurice Ravel mit seiner für Klavier tomponierten Pavane pour une infante défunte" dazu? gewissermaßen als Borspeise zu einer gemischten Wochenübersicht"? Was hilft da, daß Friß wenneis Orgel spielen kann, daß er das Offertoire op. 104 Nr. 3 des hier selten gehörten Enrico Boffi mit warmer Eindring lichkeit interpretiert, daß er zu Karg Elert wie zu Reger das rechte Berhältnis findet? Drei Minuten nach seinen Darbietungen folgt das fröhlichste Musikdurcheinander, das man sich vorstellen fann. Hugo Wolf, Verdi, Sibelius, Puccini, Julius Weismann Herz, was begehrst du noch mehr? Für Bach, Mozart, Beethoven fehlte vermutlich die Zeit, sonst wären die wohl auch noch dazu gekommen. Sollte dieser Abend etwa den Untertitel geführt haben 1000 Worte Musit"? Man stellt sich die Belehrung durch den Rundfunt eigent lich anders vor. Das Programm des Nachmittagskonzertes war dieses Abends würdig. Von den Vorträgen verdienten die Ausführungen Hedwig Landsbergs über Goziale Krankenhaus fürsorge" Beachtung, da fie in bersichtlicher Weise die noch viel zu wenig bekannte Tätigkeit und Bedeutung der Krankenhausfürfor gerin erörterten. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 15. Juli.. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 12 Uhr mittags: Die Viertelstunde für den Landwirt. Bei einem 4 Uhr nachm.: Oberregierungsrat Dr. Hesse: Was soll der Laie von der Hypnose wissen?" 5-6.30 Uhr abends: Im Volkston. Anschließend: Ratschläge fürs Haus, Theater- und Filmdienst. 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. Dr. Schaedle: Verlustquellen in der technischen Arbeit". 7.25 Uhr abends:" Ernst Lemmer:" Die Bedeutung der Handelsverträge für die Arbeitnehmerschaft". 7.55 Uhr abends: Theodor Kappstein: Eine Mittelmeerfahrt( Athen)". 8.30 Uhr abends: Nach Feierabend". 1. Mendelssohn- Bartholdy: Ouver türe zu dem Singspiel Heimkehr aus der Fremde"( Berliner Funkorchester. Dirigent: Dr. W. Buschkötter). 2. a) Franz Abt: Die schönsten meiner Lieder, op. 441, Nr. 6( Dorothea Böttcher), b) Franz Abt: Mein Himmel auf Erden, op. 360, Nr. 3( Heinrich Pfeil), c) Franz Rieß: Himmlische Zeit( Jackson), d) Franz Rieß: Keine Sorg' um den Weg( Boise)( Dirk Magré, Baß. Am Flügel: Artur Andrae). 3. Paul Graener: Waldmusik, op. 22( Berliner Funkorchester). 4. a) Verglüht sind schon die Sterne, Volkslied, lied, d) Fr. Wagner: Im schönsten Wiesengrunde, e) Fr. Maier: b) Kischner: Die grünen Jäger, c) Der Jäger aus Kurpfalz, VolksWie eine wilde Ros' im Wald, f) In einem kühlen Grunde, Volkslied( Berliner Soloquartett: Kammersänger Kurt Schönert, Felix Borghorn, Kurt Siebert, Willi Ahrens, Max Spiegel, Bruno Loose, Ernst Schütz, Gustav Polzin, Dir.: Dr. A. Böhme). 5. Walter Niemann: Deutsches Waldidyll, op. 40( Berliner Funkorchester). 6. a) Beethoven: Abendlied( Rückert), b) Kuhlau: Nachtlied ( Claudius)( Berliner Soloquartett). 7. Robert Franz: a) Stille Sicherheit( Lenau), b) Nun die Schatten dunkeln( Geibel)( Dirk Magré, Baß). 8. Rob. Volkmann: Serenade Nr. 2( F- Dur) op. 63 ( Berliner Funkorchester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik ( Kapelle Kermbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). Königswusterhausen, Donnerstag, den 15. Juli. Westermann: Einheitskurzschrift. 3.30-4 Uhr nachm.: Ministerial3-3.30 Uhr nachm.: Professor Dr. Amsel und Oberschullehrer Die abirrenden Kugeln im Volkspark. Das Bezirksamt Neukölln teilt mit: In den Kreisen der Bevöl. terung ist in letzter Zeit eine Beunruhigung dadurch hervorgerufen worden, daß anläßlich der auf den Schießständen in der Hasen heide stattfindenden Schießübungen der Schußpolizei verschiedentlich abirrende Gewehrfugeln und Geschoßteile im Boltsübungen. 4-4.30 Uhr nachm.: Oberlehrer Conrad: Der Blinden und Sportpart Tempelhofer Feld sowie in dessen Umgebung eingeschlagen find. Das Bezirksamt hat jofort nach Bekannt werden dieser Borfommnisse bei den zuständigen Stellen die erfor rat Dr. Richter: Die wirtschaftliche Bedeutung der Leibesunterricht. 4.30-5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 5-5.30 Uhr nachm.: Mizi Donner: Wäscheschmuck und Merkzeichen. 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Chinesische Keramik. veranstaltet augenblicklich eine Ausstellung chinesischer Früh Das Kunsthaus Cassirer in der Nettelbedstraße teramit aus der T'ang- Epoche, d. h. aus der Zeit um 600 n. Chr. Hauptsächlich handelt es sich um Figuren, die dem Berstorbenen in das Grab mitgegeben wurden als Ersatz für die Menschenopfer, die oder halbhartem, schwachgebranntem Ton und mit teilweise noch gut man ihm ursprünglich darbrachte. Die Figuren sind aus weichem erhaltener Bemalung versehen. Man glaubt nicht an chinesischen Ürsprung, wenn man sich an die spätere, chinesische Plastit erinnert mit ihrem wilden, zerfeßten Umriß und ihrem ins Groteste ge steigerten Ausdrud. Um diese Figuren ist Stille, sie zeigen eine vollkommen geschlossene, ruhige Umrißlinie. Manche der Figuren tönnten von einem modernen Plastiker geschaffen sein, erinnern vielleicht an Barlach. Die Modellierung der Gesichter ist ganz weich, faum angedeutet, und doch ist alles voll Ausdruck. Die Tracht erinnert in ihren zarten Faltungen und ihrem Stil an das europäische Empire um 1800. Daneben Pferde, die beinahe naturalistisch anmuten, Abbilder des Lieblingstieres des Verstorbenen, und Gefäße, Basen und Teller, ohne jede Berzierung, allein durch die edel geführte Linie wirkend. Jedenfalls hilft diese Ausstellung erwählter, fünstlerischer Rostbarkeiten mit den Wahn zerstören, daß die früh chinesische Keramit nichts weiter war als das Produkt eines rohen Töpfergewerbes. Fortgesetzte Badeunfälle. Beim Baden im Freibad Blößen. Jee ertrant gestern abend gegen 27 Uhr der 21jährige Kaufmann Walter Habicht aus der Brunnenstr. 172. Obgleich es gelang, den Ertruntenen fofort zu bergen, blieben Wiederbelebungsversuche ohne Erfolg. Ein Arzt stellte den Ted infolge Herzschlags feft. Im Freibad Tivoli bei heiligensee verunglückte gestern abend der Arbeiter Reinhold Falte beim Abspringen vom Sprungbrett schwer. Er brach sich den rechten Arm und zog sich innere Verlegungen zu. Der Reichswasserschutz sorgte für seine UeberfühTung in ein Krankenhaus. Auch gestern vormittag ertrant im Freibad Oberschöne weide wieder ein Mann, dessen Personalien noch nicht festgestellt sind. Troß sofortiger Hilfe gelang es nicht, den Ertunkenen zu retten. Im Körnersee bei Mahlsdorf ertrant am Dienstag der 74jährige Schneidermeister Julius Müller aus der Birkenstraße 10 zu Kaulsdorf- Süd. m. verließ am Dienstagnachmittag seine Wohnung, um im Körnersee zu baden. Von hier tehrte er aber nicht zurück. Gestern früh wurden seine Kleidungsftüde und Wertsachen am Ufer liegend aufgefunden. Magistrats. beantte, die den See mit Netzen und Leinen absuchten, konnten die Leiche des Ertrunkenen bisher noch nicht bergen. 10. Juli, befinden sich die Geschäftsräume nicht mehr Schönholzer Str. 20, Die Urbeiter- Samariter- Kolonne Berlin e. V. teilt mit: Ab Sonnabend, sondern Berlin N 4, bröderstraße 9, Ferniprecher Norden 3340. Bei Anforderung um Gestellung von Samaritern biffen mir sich obiger Adresse zu bedienen. HAG Ich muß sagen, daß ich mit Kaffee Hag sehr zufrieden bin. Er hat ein vorzügliches Aroma, ist von besonderem Wohlgeschmack, ergiebig und ein echter Bohnenkaffee und kein Ersatz. Ich habe ihn wiederholt meinen Freunden empfohlen und verordnet, die gewöhnlichen Kaffee nicht mehr vertragen können. Dr. M. C. Auburn, N. V. 911 Der Wusterhausener Bär. verhaftet hatte. Im Polizeipräsidium war im Bernehmungsprotokoll Nichtbefolgen der Polizei durchstrichen und Widerstand" statt Ordner T. Sozialistische Bildungsfurje. In diesem Jahre hat der Reichsausschuß für soziali. Im Köllnischen Part, hinter dem Märkischen Museum, steht ein dessen hingeschrieben. Das Gericht Berlin- Mitte verurteilte den stische Bildungsarbeit den Versuch unternommen, neben von Grün umranttes, turmartiges Baumert mit der Inschrift Wosterhavsischer Baer, 1718. Auf der Mitte des Wehrs im Grünen Graben hinter Bastion VI erbaut und hieher versetzt 1893". In dieser Gegend führten die Befestigungswerke von Berlin vorüber, die in den Jahren 1658 bis 1675 angelegt wurden. Um die drei von der Befestigung eingeschlossenen Städte Berlin, Kölln und Friedrichswerder zogen sich zwei Gräben; auf der Nordostseite der Königsgraben, auf der südwestlichen der Grüne Graben. Der Königsgraben hatte den Lauf, den heute die Stadtbahn auf der Strede Jannowigbrüde bis Börse einnimmt, der Grüne Graben führte von der Waisenbrüde hinter der Wallstraße zum Spittelmarkt, Hausvogteiplah, Opernhaus, Kastanienwäldchen und dann zur Spree am Kupfergraben. Um das Wasser im Kriegsfalle je nach Bedürfnis des Ber teidigers spannen und ablassen zu können, waren auf jedem der beiden Gräben zwei Schleusen, Wehre oder Bäre nötig, je eins in der Nähe des Bunttes, wo der Graben aus der Spree sich abzweigt, und je eins da, wo er wiederum in die Spree mündet. Dier vier quer durch die beiden Gräben gelegten Wehre befanden Welche Lehren sind nun dem Vorfall zu entnehmen? Einmal ist es nicht richtig, wenn ein Beamter Ordner ebenso wie andere Leute" behandeln will und ein anderer geringschäßig meinte er wollte den Ordner machen". Zum andern: bedeutet es wirklich ein Nichtbefolgen der Anordnungen der Polizei, wenn der Leiter des Zuges den Namen des Leutnants wissen will? Und hätte es über haupt zu dem Vorfall, der unter Umständen böse Folgen hätte haben fönnen, zu fommen brauchen, wenn der Beamte, der den fächselnden Droner zur Rede stellte, etwas mehr Humor besessen hätte. Sprach doch letztens der Ministerialdirektor Dr. Abegg davon, daß den Beamten eine gute Portion Humor nicht schaden könnte. Während der Ferien- und Reisezeit kann der Vorwärts" auf jede Dauer allerorts bezogen werden. Touristen und Wanderer fordern das Zentral- Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei den Bahnhofsbuchhandlungen, Zeitungs- Kiosken, Buchhandlungen und sonstigen Verkaufsstellen. fich also im Königsgraben oben an der Stralauer Brücke, unten an der ehemaligen Herkulesbrüde beim jezigen Zirkus Busch, im Grünen Graben oben zwischen der Neuen Jakobstraße und der Splittgerbergaffe, unten zwischen der Singafademie und der Bauhof ſtraße. Solche Mehre bestanden aus massivem 3 bis 7 Meter startem Sommerfrischler Mauermert, je nach der Größe des Wasserdrucs. Sie waren mit engen Durchlässen versehen, in denen die Schüßen aufgezogen und niebergelaffen werden fonnten. Damit der belagernde Feind diefes re Mauerwerk nicht als eine Brücke zum Uebergang über den Graben benußen fonnte, war es oben wie ein Dach nach beiden Wasserseiten hin abgeschrägt. Das Wehr würde jedoch einen Steg für die Feinde geboten haben, wenn es diesen gelungen wäre, etwa in der Nacht die Aufmerksamkeit der Posten des Belagerten zu täuschen und rittlings einer hinter dem andern über die scharfe Rante rut schend, über den Graben zu gelangen. Deshalb wurde mitten auf das Behr ein runder steinerner Turm gefeßt, dessen Durchmesser so start sein muß, daß tein Mensch, ihn umflammernd, an ihm verbeikommen fonnte, so hoch, daß das Ueberflettern unmöglich war, aber auch wieder so niedrig, daß er, vom Belagerer eingeschoffen, nur einen geringen Teil des Grabens mit seinen Trümmern ausfüllte. Diese Maße zeigte der Wusterhausener Bär, ebenso der Friedrichsbär, der Unterbär des Königsgrabens in der Nähe des jezigen Zirkus Busch, wie aus alten Abbildungen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ersichtlich ist. An den Wehren wurden Mühlen angelegt, um das vorhandene Gefälle gewerblich auszunuzen. Am Wusterhausener Bär befand sich eine Mühle für die Weißgerber, die ursprünglich mit dem Bär an der Singatademie verbunden war, von hier jedoch wegen des ungenügenden Gefälles verlegt wurde. Der Wusterhausener Bär hat seinen Namen von der Landstraße nach Königswusterhausen, die in seiner Nähe vorüberführte. 1718 und 1801 wurde der Bär erneuert. Als um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Festungswerte entfernt wurden, kamen die Ufergelände der Gräben und die Bastionen zur Bebauung. Leider hatte man damals versäumt, diese Flächen freizuhalten und fie in Grünflächen umzuwandeln, wie in vielen anderen Städten. So wurde auch das Ufergelände des Grünen Grabens bebaut, der Graben felbst verengert, so daß schließlich der Wusterhausener Bär nicht mehr mitten im Graben, sondern auf dem Festland stand, und zwar auf dem Grundstück Neue Roßstraße 10. Als dieses Grundſtüd neu bebaut wurde, brach man den Bär ab und errichtete ihn im Röllnischen Part als eines der wenigen Wahrzeichen des alten Berlin. „ Nichtbefolgung der Polizei.or Zu wenig Humor! Eine äußerst lehrreiche Gerichtsverhandlung. Es wäre zu wünschen, daß das Ministerium des Innern oder der Polizeipräsident in allen Fällen, in denen Zusammenstöße mit der Polizei im Gerichts faal verhandelt werden, stets denfelben Referenten entfenden würden. So täme ein unschätzbares Material zusammen, das in hohem Maße geeignet wäre, etwaige Mißgriffe der Polizei in Zukunft zu vermeiden und ihr erlauben würde, die richtigen Wege in der Behand lung von Menfchen zu gehen... g Also diesmal war ein Zusammenstoß auf folgende Weise zustande gefomnien. Am 14. März hatte der Kuczinski- Ausschuß die Bevölkerung des 5. Bezirks( Osten) zur Demonstration für den Boltsentscheid aufgerufen. Der Zug bewegte sich, begleitet von seinen Ordnern und einem Polizeilaftauto mit einem 24töpfigen Kommando in muftergültiger Ordnung von der Weberwiese zur Warschauer Straße. Die Polizei hatte Befehl erhalten, die Straßen für den Trambahnverkehr frei zu halten. Neben der Musikkapelle der roten Fronttämpfer und auch weiter hinten marschierte auf den Straßen das Publikum. An der Ecke der Warschauer Straße erhielten sechs Schupoleute den Befehl, das Publikum zur Mittelpromenade abzu drängen. Unter den Ordnern war auch ein braver Sachse mit aufgewirbeltem Schnurrbart und etwas rundlichen Formen, der im Kriege vielleicht ein vorzüglicher Unteroffizier oder Feldwebel gemejen fein mag. Erfüllt von der Würde seines Ordnerberufs, strafte er unterwegs die Polizeibeamten, die ihn aufforderten, on näher an den Zug zu halten ,,, mit Berachtung". Als er nun von dem Schupobeamten an der Warschauer Straße in etwas fehr energischem Ton mit einer entsprechenden Berührung aufgefordert wurde, sich auf die Mittelpromenade zu begeben, sächselte er ihm entgegen: Hier find wir selbst Polizei". Darauf wurde er von dem Oberwachtmeister und einigen anderen Beamten angefaßt und auf das Auto gebracht. Bald darauf verließ er es für einige Augenblide und wurde wieder hinaufgesetzt. Das Publitum, erregt über die Festnahme des Droners, begann den Lastwagen und die Schupoleute zu bedrängen, die üblichen Schimpfworte ertönten, einer von den Schupoleuten wurde abgedrängt, der Leutnant Müller gab einen Schreckschuß, Gummitnüppel traten in Aftion einem Wort, die Stimmung wurde sehr erhitzt. Ein Ordner, der von der Spize des Zuges herbeigeeilt war und den Leutnant Müller unbebingt fprechen wollte, ebenso wie der Leiter des Zuges, der den Leutnant nach seinem Namen fragte, und noch ein anderer Ordner, der eine Frau zu beruhigen suchte, erhielten die Aufforderung, das Auto mitzubefteigen. Desgleichen auch ein Zivilift, der vorher noch einen Schlag mit dem Gummifnüppel erhalten hatte. Auf dem Revier wußte der Leutnant keinen Bescheid, weshalb er die Leute A 15159 mit lassen sich den„ Vorwärts" bei einer Aufenthaltszeit unter 14 Tagen per Kreuzband nachsenden. Das Porto beträgt wochentags 6 Pf., Sonntags 10 Pf( pro Woche 45 Pf.) Bei längerem Aufenthalt ist der ,, Vorwärts" durch Postüberweisung zu beziehen, welche die Hauptexpedition vornimmt. In diesem Falle kommen zu dem Abonnementsbetrage die Postbestellgebühren von 72 Pf. pro Monat. Wenn Nachsendung der Zeitung gewünscht wird, ist die in Frage kommende Ausgabestelle oder die Hauptexpedition des Vorwärts", Berlin SW68, Lindenstraße 3, möglichst eine Woche vorher zu benachrichtigen. Laubenkolonisten den Wochenkursen, die in fast allen Bezirken Deutschlands in der Sommerzeit abgehalten werden, spezielle Kurse für Funktionäre der Arbeiterbewegung zu veranstalten. So fand, wie im Vorwärts" erwähnt, vom 27. Juni bis 3. Juli in Friedrichroda" i. Th. ein Schulungskursus für Frauen statt, an dem 41 Genofsinnen aus fast allen Bezirken teilnahmen, die von ihren Organisations. leitungen zum Kursus delegiert waren. Thema des Kursus war: „ Das Heidelberger Programm", dessen einzelne Abschnitte in Vorträgen und praktischen Üebungen gründlich durchgesprochen wurden. Die Leitung lag in den Händen der Genossin Anna Geyer, die gleichzeitig auch die Fragen der Wirtschafts-, Sozial- und Finanz politik behandelte. Genofsin Marie Juchacz, die im Namen des Parteivorstandes den Kursus begrüßte, sprach über das Thema„ Die attive Frau in der Partei", Genosse A. Stein über den ,, Grundfäglichen Teil des Heidelberger Programms", Genosse Dr. Carl Herz über Verfassungs-, Verwaltungs- und Justizfragen". An alle Vorträge schloß sich eine lebhafte und oft sehr ausgedehnte Aussprache, die Gelegenheit gab, die wichtigsten Probleme der Gegenwart in den Kreis der Betrachtungen zu ziehen. An den Abenden fanden ferner praktische Unterweisungen in Abfassung von Reden fowie in Berichterstaltung über Bersammlungen statt. Die Arbeit eines jeden Tages wurde unter Führung der Genossin Lisa Albrecht mit Gymnastikunterricht eingeleitet, an dem sich fast alle Teilnehmerinnen mit großem Eifer beteiligten. So war dafür ges sorgt, daß neben der intensiven geistigen Arbeit auch die sportliche Betätigung und die körperliche Erholung nicht zu kurz tamen. Das Ergebnis war allerseits befriedigend; es fonnte am Schlusse des Rursus festgestellt werden, daß die Teilnehmerinnen aus der Arbeit der Schulungswoche zahlreiche Anregungen geschöpft hatten und mit dem vertieften Wissen zu ihrem Wirkungskreis in den Bezirken zu rückkehrten. wird der Vorwärts" durch Boten zugestellt. Genaue Bezeichnung Leitung lag in den Händen des Genossen A. Stein, als Lehrer der Laube ist jedoch erforderlich. Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Vorwärts- Verlag Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Von einem Laftkraftwagen totgefahren. Gestern abend gegen 7 Uhr wurde der elfjährige Schüler Alfred Schulz aus der Detleffstraße 1 in Hohenschönhausen vor dem Hause Hauptstraße 15 von einem& aftkraftwagen erfaßt und überfahren. Das Kind hatte so schwere Verlegungen erlitten, daß es bereits auf dem Wege zum Krankenhaus verstarb. Tages wurde die Feuerwehr nicht weniger als zehnmal nach verBienenschwärme in den Straßen Berlins. Während des gestrigen schiedenen Stadtteilen gerufen, in denen sich größere Bienenschwärme an Baltonen, Blumenfäften und Bäumen festgelegt hatten. Die Bienen wurden eingefangen und der Gartenbauschule zu Dahlem übergeben. Der Arbeitergesangverein Sangesluft" Grünau, Mitgl. d. A. S. B., ber anstaltet am Donnerstag, 15. Juli, im Restaurant von Baul Umann, Grünau, Walbschenke Schmödwiger Chauffee, abends 8 Uhr, einen Boltsliederabend heiteren und ernſten Inhalts bei freiem Entree. Die Uebungsstunden werden jeden Donnerstag, abends 8 Uhr, im Zolal von Jul. Werner, Copenider Str. 125, abgehalten. Von Köln nach Breslau im Lauf. Faft zu gleicher Zeit wie der Frauenfurfus fand in Wernigerode i. 5. ein Kursus für Parteiredakteure statt, der 12 Tage währte. 27 Redakteure, die von ihren Redaktionen delegiert waren, nahmen an dem Kursus teil, der der Erörterung der Probleme der Weltwirtschaft und Weltpolitit" gewidmet war. Die allgemeine wirften mit: Prof. B. Kuske, Dr. Friz Baade, Friz Naphtali und Hermann Müller. Ein Vortrag des Genossen Adolf Braun über das Wesen des sozialistischen Journalismus“ leitete den Kursus ein, der im Berlauf seiner Arbeiten nochmals Gelegenheit nahm, in eingehender Aussprache die Pflichten des sozialistischen Redakteurs zu erörtern. Die Themen, die im Kursus behandelt wurden, lauteten: B. Kuste: Die treibenden Kräfte der weltwirtschaftlichen Entwicklung",„ Die Entwicklung des europäischen Produktionssystems"," Die Beziehungen Europas zu den anderen Erdteilen"; F. Naphtali: Der Stand der internationalen Birt schaft"," Brobleme der Handelspolitik"; F. Baade: Probleme der internationalen Agrarwirtschaft"," Grundlagen eines Agrarpro gramms"; A. Stein: Rußland und der Bolschewismus"; einst und jetzt". Ferner wurden in einer Reihe von Vorträgen die 5. Müller Franten: Die sozialdemokratische Außenpolitit Probleme des wirtschaftlichen und politischen Internationalismus erörtert und in praktischen Uebungen Anleitungen für die Auswertung wirtschaftsstatistischen Materials gegeben. Auch in diesem Rurfus fonnte am Schluß festgestellt werden, daß die Teilnehmer zahlreiche Anregungen aus dem Kursus geschöpft haben und mit ge< feftigtem Wissen an ihre Arbeit zurückkehrten. Der Versuch, der vom Reichsausschuß unternommen wurde, fann als vollständig geglückt bezeichnet werden. " Ein Branting- Fonds in Schweden. Zur Erinnerung an ihren verstorbenen Führer Hjalmar Branting hat die schwedische Sozialdemokratie Sammlungen für einen Branting Fonds veranstaltet. Die Sammlungen hatten ein äußerst gutes Ergebnis; 92 000 schwedische Kronen gingen ein. Aus dem Fonds sollen der Bildungsarbeit der schwedischen Partei und der Gewerkschaften Gelber zufließen. Der Fonds soll durch weitere Sammlungen er gänzt und so verwaltet werden, daß er im Laufe von 10 Jahren eine halbe Million Kronen umfaßt. An den Deutschen Rampfspielen in Köln beteiligten sich auch die Sportleute der Polizei in erheblichem Maße. Zwei von Diesen, die Breslauer Polizeiwachtmeister Faulde und Baruffe, beab. fichtigen, nach Schluß ber Rampffpiele in Köln den Rüldweg von Rön nach Breslau innerhalb 10 Tagen im Laufe zurückzulegen. Da es sich um eine Entfernung von rund 800 Kilometern handelt, würden die beiden Sportsleute täglich eine Strede von fast 80 Kilometern zurückzulegen haben. In der Zeitschrift Deutscher Polizeisport"( Berlin W. 35) bittet der Bolizeiſportreferent des Kommandos der Breslauer Schußpolizei Parteinachrichten alle Polizeibehörden der Orte, die von den beiden Beamten berührt werden, diesen jede Hilfe und Unterstügung zukommen zu lassen. Eröffnung des Seedienstes nach Ostpreußen- Danzig. Amtlich wird mitgeteilt, daß die Eröffnungsfahrt des Seedienstes nach Ostpreußen- Danzig mit dem Motorschnellschiff Hanse stadt Danzig" bestimmt am Sonnabend, 17. Juli, abends 7 1hr 30 Min. von Swinemünde aus stattfinden wird. Schiffsunfall im Steffiner Haff. Auf dem Grabower Freistaden wurde nach einer Meldung aus Stettin eine mit zahlreichen Arbeitern beseite Fähre von einem in Laffan( im Haff) beheimateten Motorsegler gerammt und zum Kentern gebracht. 14 Berfonen fielen von der Fähre ins Wasser. Die meisten Personen vermochten sich an dem Beiboot des weiterfahrenden Motorseglers festzuhalten und wurden an Bord genom men. Drei Personen sind ertrunken. startete der Bilot Baptus mit einer Sportmaschine in Düsseldorf Ein Sportflugzeug verunglückt. Gestern abend furz vor 8 Uhr zum Ueberführungsflug nach Bonn. In einer scharfen Kurve am Südrande des Plakes, in der geringen Höhe von etwa 50 Meter, stürzte das Flugzeug ab. Der Führer Papius wurde getötet, der Begleiter, Monteur Reller, schwer verlegt. Es handelt sich um eine ausgesprochene Sportmaschine und fein Berfehrsflugzeug. Aus der Partei. Der Matteotti- Fonds. Der Aufforderung der Sozialistischen Arbeiterinternationale, einen internationalen Hilfsfonds für die Arbeiterbewegung in den Ländern ohne Demofratie zu schaffen, sind die meisten ausländischen sozialistischen Parteien durch Veranstaltungen von Sammlungen nachgekommen. In der ersten Juliwoche wurden diese Sammlungen abgeschlossen. Einige Parteien haben dem Fonds direkt aus Parteimitteln Beiträge überwiesen, so die schwedische 5000 Schwedentronen, die finn ländische 3000 finnische Mart, die deutsche 3000 Reichsmart. Einsendungen für diese Nubrik find Berlin SW 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, zu richten. Jungjozialisten. Heute, Donnerstag, 15. Juli: Gruppe Charlottenburg: 7% Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4. Schluß der Aussprache über den Auffaz von Sornung: Was ist Gozialisieru Gruppe Brenzlauer Berg: 8 Uhr im Jugendheim Danziger Str. 62 Bartrag: Die Krife der deutschen Wirtschaft". Referent: Dr. Otto Friedländer. Gäste willkommen. Gruppe Neukölln II: 8 Uhr auf dem Herzbergplag Treffpunkt au einem gemeinsamen Spaziergang. * Achtung, Arbeitsausschus! Seute, Donnerstag, 15. Juli, 6% Uhr, im Gaaf der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Arbeitsausschußfizung. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 3. Abt. Unfer lieber Genosse Frik König, Am Köllnischen Park 2, ist im mittags 12 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um recht rege Beteiligung. Alter von 57 Jahren verstorben. Einäscherung am Sonnabend, 17. Juli, Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Wanderleiterkonferens heute, Donnerstag, 15. Juli, 7% Uhr, Jugendheim 1. August. 3. Lichtbildervortrag Gen. Charlett: Geologisches Wandern". Heute, Donnerstag, 15. Juli, abends 7% Uhr: Schönhauser Vorftabt I: Schule Driesener Str. 22. 8ehn- Minuten- Referate. Schönhauser Vorstadt II: Schule Eberswalder Str. 10. Aussprache: ,, Gemeinfchaft und Reform". Südwest: Beteiligung am Lichtbildervortrag der WanderTeiter. Behlendorf: Südschule, Wilhelmstraße. Arbeiterjugend und Schund. Titeratur" Ertner: Jugendheim an der Rundsiedlung. Aussprache über: ,, Entstehung ber GAJ." Werbebezirk Kreuzberg: Rusammenkunft der Arbeitsgemeinschaft Bemmann in der Wohnung des Genoffen Heims, Martgrafenstr. 16. Lindenstr. 3. Tagesordnung: 1. Unsere Winterarbeit. 2. Der Wandertag am * Abteilung Südwest: Jugendheim Lindenstr. 3, 2. Sof, 3 St., Sonnabend, 17. Juli, 7 Uhr. Elternabend. Eltern. Barteigenoffen und-genoffinnen sowie Bekannte find herzlichst eingeladen. Wetterbericht der öffentlichen Welferdienststelle für Berlin.( Nachdr. verb.) Etwas Getpitternetgung, sonst better und wieder sehr warm. Für Deutschland: In Süd- und Mitteldeutschland strichweise Gewitter, überall sehr warm. EFRITZI MASSARY C unsere unverändert gehaltreiche 3 Pfennig- Zigarette bringen wir jetzt auch ohne Mundstück in rundem, vollem Format. Künstlerhände schufen ihr zu Ehren eine neue würdige Hülle:- Sie = erscheint erscheint im Silberkleide Kommunale oder private Gasversorgung? Gasmonopol der Ruhrzechen? Die Frage der Ferngasversorgung wird für die Industriebezirke des Rheinlandes und Westfalens und die am Ober rhein liegenden Länder von Tag zu Tag aktueller. Das Privatkapital wird durch die Kohlenkrise gezwungen, die bei der Kohlen verwertung, bei der Kofserzeugung gewonnenen Nebenpro dukte möglichst gewinnbringend und restlos abzusetzen. Schon bemühen sich die Zechen unter Führung des Thyffen Ron zerns, die Kohle möglichst restlos zu vergasen, ein Ziel, das durch die neuen technischen Einrichtungen erreicht worden ist und gleichzeitig alle durch Ferngasversorgung erreichbaren Städte mit Bechengas zu beliefern. Sie stoßen dabei auf die Regiebetriebe der Städte, die durch einen Tonzentrischen Angriff des Grubenkapitals und seiner Parteigänger beseitigt werden sollen, und sie finden dabei auch in zahlreichen bürgerlichen Stadtverordnetenmehrheiten und bei privatkapitalistischen Direktoren dieser Regiebetriebe starte Unterstügung. fahren Es ist nötig, die Oeffentlichkeit mehr als bisher auf die GeGasmonopolisierungsbestrebungen hinzuweisen. Schon in der Vortriegszeit versuchte das Ruhrkapital, die Ferngasversorgung bis zum Oberrhein auszudehnen, scheiterte aber damals an dem Widerstande der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion von Mannheim. Die erste Ferngasversorgung in Deutschland ging von den Gaswerfen Lübeck und Heidelberg aus, und seit dem Jahre 1903 hat diese Form der Gasbelieferung immer größere Kreise gezogen. Im Rheinland ging sie zunächst von den Gaswerken der Städte Krefeld und München- Gladbach aus, die ihr Absatzgebiet auf die benachbarten Gemeinden ausdehnten. Sehr bald löfte das Privatkapital die Regiebetriebe in der Ferngasversorgung ab. Durch Thyssen und Stinnes und das RWE. wurde die Ferngas versorgung immer mehr ausgebaut, so daß im rechtsrheinischen Teil der Rheinprovinz von Benrath bis zur holländiſen Grenze nur noch wenig Eigenbetriebe der Kommunen zu finden sind. Essen, Mülheim a. d. Ruhr, Münster, Hamborn, Barmen und zahlreiche andere Städte mit annähernd fünf Millionen Einwohnern werden heute aus zahlreichen Kofereien mit Ferngas versorgt. Der Krieg störte zunächst auch diese Erparfion, aber schon zwei Jahre nach Friedensschluß ging das Ruhrtapital aufs Ganze und versuchte, das Rheintal von Düsseldorf bis Mannheimin seine Gewalt zu bekommen. Man wollte Rofereien längs des Rheins errichten, so in der Nähe von Mannheim, bei Bonn und in Schierstein. Diese Kofereien sollten mit den neuen geplanten Hafenbauten in Verbindung gebracht werden, scheiterten aber, als diese Hafenbauten nicht zur Ausführung famen. Da rückte die Stadt Köln mit ihrem großen Hafenumbau und Hafenerweiterungsplan heraus, bei dem Thyssen ein Gelände von 300 Morgen mit gewaltigen industriellen Anlagen für den Absatz und die Verwertung seiner Kohle bebauen wollte. Das Schicksal dieses Unternehmens ist auch heute noch nicht entschieden; noch heute hofft Thyssen, die Stadt Köln mit seinem Gas zu versorgen und im Hafen von Köln eine große Koferei, eine moderne Düngerfabrik und technische Anlagen zur Ausbeutung der Nebenprodukte errichten zu können. In diesen Absichten wird er durch die im Jahre 1922 gegründete „ Studiengesellschaft zur Erforschung der Gasfernversorgung des Rheinlands" bestärkt, und es ist recht bezeichnend, daß an der Spitze dieser Studiengesellschaft der Generaldirektor der städtischen Werke in Köln, Herr Dr. Brenger, steht. Bei näherem Zusehen zeigt sich, daß die Ziele diefer Studiengesellschaft mit denen der Thyssen Werte identisch sind. In einer ausführlichen Denkschrift über Die Reorganisation der deutschen Zündholzindustrie. Ueber die kürzlich erfolgte Sanierungsaktion in der Zündholzindustrie wird uns von gut unterrichteter Seite geschrieben: Die Grundlage für die Gesundung der deutschen Zündholzindustrie bildet die am 12. Juli d. J. erfolgte Gründung der Deutschen Zündholzvertriebs- 2. G. zu Berlin, die die Aufgabe hat, die Produktion von Zündhölzern in Deutschland dem wirklichen Verbrauch jeweils anzupassen. Der Vertriebsgesellschaft sind = die schwedische Gruppe, die freien deutschen Fabrikanten und als Bertreterin der ihr angeschlossenen Konsumvereine die Großeinkaufs gesellschaft Deutscher Konsumvereine in Hamburg beigetreten. Sie hat cin Aktienkapital von 1 Million Mart, von dem die Hälfte von der schwedischen Gruppe, die andere Hälfte von den deutschen Interessenten, und zwar unter diesen in der Mehrheit von der Reichs Kredit Gesellschaft Attiengesellschaft, Berlin, übernommen worden ist. Der gesamte Bedarf der Konsumvereine in Zündholzern wird von der GEG. aus ihren eigenen Fabriken unbeschränkt gedeckt werden; in die Versorgung des sonstigen Marktes, die ausschließlich durch die Vertriebsgesellschaft geschieht, teilt sich die schwedische Gruppe und die Gruppe der freien deutschen Fabrikanten im Verhältnis von 65 Pro3.: 35 Pro 3. Die Unterverteilung der auf die deutschen Fabrikanten entfallenden 35 Broz. auf die einzelnen Betriebe ist Sache der deutschen Gruppe, die dafür einen allgemein anzuwendenden Schlüssel vereinbart hat. Die Vertriebsgesellschaft betreibt auch den Export deutscher Zündhölzer auf dem Weltmarkt. Da der Vertrag auf 25 Jahre abgeschlossen worden ist, mußten besondere Maßnahmen zur Sicherung der deutschen Konsu mentenintereffen getroffen werden. Die Reichsregie= rung hat deshalb einen entscheidenden Einfluß auf die Gestaltung der Preise, die im übrigen durch den Aufsichtsrat der Vertriebsgesellschaft nach der jeweiligen Martilage und den durchschnittlichen Produktionskosten festgesetzt werden. Die Aktien der Vertriebsgesellschaft dürfen auf Grund besonderen Vertrages nur mit 6 Proz. Dividende bedacht werden. Damit eine reibungslose Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen gewährleistet ist, sind alle nicht in den Händen der schwedi schen Gruppe ruhenden Aktien in einer AktienverwaltungsG. m. b. 5. zusammengeschlossen. So wird erreicht, daß die Wahlen zum Aufsichtsrat und die Wahl des unparteiischen Vorsitzenden des Aufsichtsrates immer im gegenseitigen Einverständnis erfolgen müſſen. Dem ersten Aufsichtsrat gehören unter dem Vorsitz des Herrn Direktor Hans Kraemer, Mitglied des Reichswirtschaftsrats, noch 10 Herren an, davon die Herren Generaldirektor Ivar Kreuger, Vertreter der Schwedengruppe, und Herr Fabrikant Mag Langbein, Riesa, Bertreter des Vereins Deutscher Zündholzfabrikanten, als stellvertretende Borsigende. Die anderen Herren find: Dr. Wilhelm Regendang, Berlin, Generalkonsul Walter Ahlström, Stockholm, Ingenieur Otto Hallström, Berlin, Direktor Thomas Schlyten, Berlin, fodann Herr Franz Hamberger, Rosenheim( Bayern), Herr Josef Bodden als Vertreter der GEG. und die Herren Bankdirektor Samuel Ritscher und Geheimrat Felix Heimann, als Vertreter der. Reichs- Kredit- Gesellschaft Aktiengesellschaft. Zu Geschäftsführern der Bertriebsgesellschaft mit gleichen Rechten Find Dr. A.Südefum, Berlin, und Generaldirektor Adolf Nau, Hamburg, ernannt worden. Das Schicksal der Regiebetriebe. die Gasfernversorgung des Rheintales wurde zunächst mit Recht darauf hingewiesen, daß die Kommunen heute nicht mehr auf die Erzeugung am eigenen Orte angewiesen seien, durch Kompression des Gases könne heute das Gas unter hohem Drud auf weite Entfernungen geleitet werden. Wenn dann aber in der Denkschrift weiter behauptet wurde, daß darum die Gassernversorgung des Rheintales von Düsseldorf bis Mannheim spruchreif geworden sei, fo vergessen die Herren denn doch, daß der ted Gasbezug mit wachsender Entfernung sich verteuert. Zur Aufwertung der Fabrik- und Werkkaffer. Die Durchführungsverordnung über die Guthabenaufwertung bei Fabrik- und Werkkassen, über die wir fürzlich berichteten, läßt folgende Gesamtregelung erkennen: Bis höchstens 25 Broz. wer den aufgewertet Guthaben aus Fabrik- und Werkkassen, wenn es sich um freiwillige Zuwendungen des Arbeitgebers handelt und wenn das Vermögen vom Betriebsvermögen getrennt verwaltet wurde. Nicht an die Grenze von 25 Pro3. gebunden ist die Aufwertung von Guthaben, die von Arbeitnehmern eingezahlt sind und die vom Betriebsvermögen nicht getrennt verwaltet wurden. Als freiwillige Zuwendungen des Arbeitgebers find Leistungen anzusehen, die ohne rechtliche Verpflichtung, ohne Gegenleistung und ohne Verkürzung der den Arbeitnehmern gewährten Leistungen“ erfolgt sind und die tatsächlich oder buchmäßig der Kaſſe ugeführt wurden. Das gilt auch für Schenkungen und Stiftungen. Gine getrennte Verwaltung wird dadurch nicht ausgeschlossen, daß das Kaffenvermögen dem Unternehmen in nicht erheblichem Umfang oder nur verhältnismäßig turze Zeit als Betriebsmittel zugeflossen ist". Außerdem ist es nicht recht ersichtlich, warum diese Ferngasversor. gung unbedingt in die Hände des Ruhrkapitals gelegt werden soll, wo doch technisch vorzüglich ausgebaute Gaswerte in Frankfurt, Mainz und Köln bestehen, die diese Funktionen ebenso gut über, nehmen können. Es kann sich also nur darum handeln, daß sie die Gaserzeugung und den Gaspreis in die Hände des Ruhrfapitals monopolisieren wollen. Im August 1925 versuchte die Gasfernversorgungs G. m. b. 5. zusammen mit dem Kölner Oberbürgermeister Dr. Adenauer, auch die Städte Mainz und Wiesbaden für die private Ferngasversorgung zu erwärmen. Da es sich aber auch in diesen Besprechungen bald zeigte, daß eine ergiebige Ferngasversorgung höchstens vom Ruhrgebiet bis nach Bonn reicht, wintten die Städte Mainz und Wiesbaden ab. Seitdem fonzentriert sich das Interesse des Ruhrkapitals hauptsächlich auf die Stadt Köln, wo um diese Frage noch heftige Kämpfe entbrennen werden, da der technische Leiter der städtischen Werke und der Kölner Oberbürger meister innerlich mit der privatkapitalistischen Kofserzeugung und Gasproduktion sympathisieren. Wir wollen nicht verkennen, daß das Ruhrkapital mit diesen Expansionsbestrebungen einen giften 3- lich. Rückständige Zinsen gelten als erlassen, soweit Zinsen gutDer Aufwertungsbetrag ist bis zum 1. Januar 1925 unverzinsfampf verficht, der mit dem geschrieben sind, bleibt es dabei. Ab 1. Januar 1925 beträgt der Zinssatz drei, ab 1. Januar 1928 fünf Prozent. Rüdgang der schwarzen Kohle zugunsten der Elektrizität, der Braunkohle und des Dels zu erklären ist. Nur ist immer wieder unbegreiflich, warum sich die technische Konzentration in den Händen des Privatfapitals ballen soll. Die Gemeinden müssen vor der Abhängig feit von privaten Unternehmungen dringend gewarnt werden. Die Monopolisierung der Gasfernversorgung würde den Kommunen nicht nur wertvolle Einnahmequellen nehmen, sondern auch steigende Breise der Kohle und ihrer Nebenprodukte bringen. Immer wieder wird behauptet, daß die Eigenerzeugung viel teurer zu stehen komme als die Belieferung mit Zechengas. Aber man wählt sich dabei bezeichnenderweise Vergleichsziffern aus mittleren oder veralteten Werfen aus, Biffern, die einige Jahre zurückliegen, so daß sie kein Bild von der wirklichen Leistungsfähigkeit größerer kommunaler Werke geben können. Die modernen Schrägofen: bautechnik eröffnet für die Kommune die Möglichkeit rentabler Erzeugung und befähigt sie, aus eigener Kraft fleinere, weniger leistungsfähige Gemeinden mit fommunalem Gas zu beliefern. Diese Möglichkeit muß noch mehr als bisher ausgebeutet werden. Aber noch mehr als das Gas selbst haben die bei der Verkokung gewonnenen Nebenprodukte, vor allem auch die Abwärme, die für die Elektrizitätserzeugung verwertet werden kann, ihre Zukunftsbedeutung. Darum begrüßen mir den energischen Widerstand, den die in den Gasbetrieben beschäftigten Arbeiter den Privatisierungsbestrebungen des Ruhrtapitals entgegensezen. Sie haben einen Gemeindevertreter von Rheinland, Westfalen und Hessen, die sich in unentbehrlichen Bundesgenoffen gefunden: die sozialdemokratischen einer Ronferenz einmütig auf den Standpunkt stellten, daß alle Gasbetriebe der privatkapitalistischen Ausbeutung entzogen und durch öffentlich rechtliche Rörperschaften betrieben werden müssen. Natürlich dürfen sich aber in feinem Falle fleinere Gemeinden aus lofalem Patriotismus der Ver forgung durch rentablere Großgaswerte der großen Kommunen verschließen. 5. 5. ihre Tätigkeit beginnen. Für die Zwischenzeit sind freie BereinBoraussichtlich wird die Vertriebsgesellschaft am 15. Auguft d. J. barungen zwischen den Beteiligten getroffen worden. Die Stellung der Konsumvereine. Die Berechnung der aufzuwertenden Guthaben erfolgt auf fol gende Beise: Stichtag für die Berechnung ist der 15. Juni 1922. Auszahlungen vor diesem Datum werden zum Nennwert( Bapter. mart) angerechnet. Diese Auszahlungen werden auf die letzte Gutschrift vor dem 15. Juni angerechnet. Guthaben, Ein- und Aus. zahlungen am 15. Juni und nach dem 15. Juni 1922 werden in Gold umgerechnet und angerechnet. Wer sein Guthaben nach dem 15. Juni 1922 ausbezahlt erhielt und dem Betriebe nicht mehr angehört, muß seine Forderung bis zum 31. Dezember 1926 beim Schuldner( Werk) anmelden. Ueber die Höhe der Aufwertung entscheidet im Streitfall die Aufwertungsstelle, die von jedem Unternehmer und jedem Kaffengläubiger angerufen werden kann. Die Anrufung der Aufwertungsstelle ist zu veröffentlichen und im Betrieb auszuhängen. Die Entscheidungen der Aufwertungsstelle gelten einheitlich für alle Gläubiger. Abgeschloffene Bergleiche fönnen für alle Gläubiger einer Kasse verbindlich erklärt werden. Das Verfahren ist in der Durchführungsverordnung ausführlich geregelt. Bis zu einem Aufwertungsbetrag von 50 M. fann drei Monate nach Rechtskraft der Entscheidung der Aufwertungsstelle die Auszahlung der Summe und der Zinsen verlangt werden. Grundfätzlich ist es mit der Auszahlung aber so, wie bei der übrigen Aufwertung: die Auszahlung kann von dem 1. Mai 1932 nicht verlangt werden. Unter Berücksichtigung der Lage des Schuldners kann die Auswertungsstelle aber anordnen, daß die Aufwertungs. beträge ganz oder zum Teil schon ab 1. Januar 1927, oder erſt nach 1932, spätestens jedoch bis 31. Dezember 1935 zu zahlen find. Ablösung der deutschen Länder- und Gemeindeanleihen. Alle dern, Gemeinden und Gemeindeverbänden festgelegt, daß zwischen Länder haben für die Ablösung der Papiermartanleihen von Ländem 2. August und dem 1. November dieses Jahres die Anmel Ablösung geltend gemacht werden muß. Für den Staat Preußen bung der betreffenden Anleihen erfolgen und der Anspruch auf fommen dabei nur Inflationsanleihen( 1921-1923) in Betracht, da die Borfriegsanleihen auf das Reich übergegangen sind, wie bei allen Ländern mit vordem eigenen Eisenbahnen. Für die Ablösung gelten folgende Säge des Goldwerts: 5 Prozent für die fünfprozentigen Schazanweisungen von 1921 12% Prozent im Falle des Altbesizes oder im Falle des Um und 1922. tausches gegen den gleichen Betrag der Schahzanweisungen von 1917 bam. 1918. 12% Prozent des Goldmartwertes der 7-15prozentigen Schatzanweisungen von 1923. Die Barablösung erfolgt ohne Rücksicht auf die Größe des Be sizes, insbesondere auch an solche Inhaber, deren Befiz 500 Goldinart nicht erreicht. Zinsen werden nicht vergütet. Im Nenn wert ausgedrückt gelten folgende Ablösungssäge: 500 Mark Nenneingelöst mit 1,75 Reichsmart; im Falle des Altbefizes oder im Falle des Umtausches gegen Schahzanweisungen von 1917 mit 4,35 fungen von 1922 werden eingelöst mit 0,35 Reichsmart; im Falle Reichsmart. 500 Mart Nennwert der fünfprozentigen Schazanweides Altbefizes oder im Falle des Umtausches gegen den gleichen Betrag von Schaganweisungen von 1918 mit 0,90 Reichsmart. Fünfzigtausend Mark Nennwert der 7-15prozentigen Schaganweifungen von 1923 werden einheitlich eingelöst mit je 1,15 Reichsmarf. Der Einlösungs betrag ist das Zweifache bzw. Fünffache der Ablösungsf ch ul d. Bei der Ablösung der auf Mart lautenden Schuldsche in darlehen können Altbefizer, die von der Bar. ablösung feinen Gebrauch machen wollen, zwischen dem 2. Auguſt leihe und Gewährung von Auslosungsrechten geltend machen; und und 1. November einen Anspruch auf Umtausch in Ablösungsanzwar unmittelbar bei der preußischen Staatsschuldenverwaltung in Berlin. Es muß jedoch ein Altbesißwert von 500 Gold mark vor. handen sein. Außerdem kommen infolge der Zinszahlung nur die Sätze der Ablösungs schuld in Frage. Zu der Beteiligung der Konsumvereine an der Verkaufsgesell- wert der fünfprozentigen Schazanweisungen von 1921 werden schaft der Zündholzindustrie schreibt uns die Großeinkaufs gesellschaft Deutscher Konsumvereine, Hamburg: Die Belieferung von Zündhölzern an die uns angeschlossenen Organisationen erfolgt wie bisher unmittelbar und für die Zukunft ausschließlich durch uns. Hinsichtlich der Preispolitit fonnte jede Bindung, sowohl für die GEG. bezüglich des Großhandelspreises, als auch für die Vereine betreffend Festsetzung des Kleinverkaufspreises vermieden werden. Die Versorgung aller uns angeschlossenen Bereine, die nunmehr ohne Ausnahme durch uns zu erfolgen hat, wird sichergestellt dadurch, daß der GEG. bei steigendem Bedarf sowohl der Ausbau und die Vergrößerung der bestehen den Betriebe, als auch die Errichtung oder der Ankauf weiterer Fabriken gestattet ist. Alle diese Rechte sind vertraglich fest gelegt. Die Gründung der Zündholz- Bertriebs- A.- G. machte sich notwendig, um einer Ueberfremdung der deutschen Industrie durch ausländisches Kapital wirksam entgegenzutreten. Eine Nichtbeteiligung seitens der GEG. hätte wahrscheinlich eine Zwangssyndizierung oder dergleichen im Gefolge gehabt. Die GEG. nimmt innerhalb der neugegründeten Zündholzvertriebs- A.- G. eine Sonderstellung ein, die es ermöglicht, ihrer bisherigen Bedeutung entsprechend auch weiterhin für die Bedarfsdedung der organisierten Berbraucher günstig und ungehindert zu wirken. Leichte Besserung in der Maschinenindustrie. schrieben: Noch feine allgemeine Entspannung. Bom Verein Deutscher Maschinenbau- Anstalten, dem Spizenverband der deutschen Maschinenindustrie, wird uns geletzte Monat des ersten Halbjahres 1926 nichts Wesentliches. Der An der Lage der deutschen Maschinenindustrie änderte auch der seit Beginn des Jahres beobachtete Verlauf der Wirtschaftsfurven letzte sich in gleicher Weise fort: Der Beschäftigungsgrad bewegte sich während des ganzen Halbjahres auf einer mittleren Monate brachten in regelmäßigem Wechsel fleine Abweichungen nach Linie von etwa 60 Pro 3. der Normalbeschäftigung. Die einzelnen unten und oben, wobei der Monat Juni etwas über dem Durchschnitt lag. Die Inlandsanfragen nahmen auch im Berichtsmonat wieder ein wenig zu. Die Anfragetätigkeit der Auslandsfundschaft erfuhr im Juni fogar eine stärkere Belebung als in den Bormonaten und erreichte damit einen seit Mitte vorigen Jahres nicht mehr beobachteten Stand. Dagegen ließen die im Juni zustande gefommenen Abschlüsse eine stärkere Geschäftsbelebung noch nicht erfennen. Der Auftragseingang aus dem Ausland bewegte sich zwar weiter auf der leicht nach oben gerichteten Linie, der Stand des Inlandsgeschäftes blieb aber unverändert. in der Maschinenindustrie auch am Ende des ersten Halbjahres 1926 Von einer allgemeinen Entspannung der Lage fann noch nicht gesprochen werden. Den Stimmen, die etwas hoffmungsvoller von den Zukunftsaussichten reden, steht eine Reihe anderer gegenüber, bie von unverändertem Tiefstand oder weiterer Berschlechterung der Lage berichten. Mittwoch wurde in Bern der deutsch- schweizerische Handelsvertrag Unterzeichnung des deutsch- schweizerischen Handelsvertrages. durch die Bevollmächtigten der beiden Staaten unter Ratifikationsvorbehalt unterzeichnet. Infernationale Automobilausstellung in Köln. Die Verhand lungen zwischen der Stadt Köln und dem Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie wegen der Veranstaltung einer Internationalen Automobilausstellung in Köln sind jetzt zum Abschluß ge= fommen. Nach dem Abkommen wird der Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie in Verbindung mit dem Messeamt Köln Lasttraftwagen und Spezialfahrzeuge in Köln ver im Frühjahr nächsten Jahres eine Internationale Ausstellung für anstalten; vorgesehen ist die Zeit vom 10. bis 20. März 1927. Die Kölner Ausstellung, die in Zukunft jedes Jahr wiederkehren soll, wird die erste internationale in Deutschland sein. Der Zementabsatz hat sich im zweiten Bierteljahr 1926 abermals gegenüber dem ersten Vierteljahr um 10 Broz. vermindert, nachdem bereis das erste Quartal 1926 einen erheblichen AbsatzBierteljahr 1925 rund 1,8 Millionen Tonnen zum Berfand ge rückgang gegenüber dem Vorjahr gebracht hat. Während im zweiten langten, waren es 1926 nur 1,6 Millionen Tonnen. Dabei ist, wie in anderen Industrien, die Beobachtung zu machen, daß der Export gegenüber dem Vorjahr sich nicht vermindert hat. Der Abfahrückgang liegt durchaus in den Verhältnissen des Binnenmarktes begründet. Diese Erscheinung beweist die seit langem von uns betonte Tatsache, daß die Dauertrife in Deutschland der Ausdrud einer bedenklichen Entwicklung ist, die stark unter dem Eindruck einer verkehrten Wirtschaftspolitit steht. Die Gefrierfleischeinfuhr. Wie von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, war für das dritte Quartal 1926 im Juni die Einfuhrbewilli gung für 21 000 Tonnen zollfreies Gefrierfleisch gegeben worden. Im August soll für den Monat September die zollfreie Einfuhr von weiteren 10 000 Tonnen bewilligt werden. Ab 1. September werden dann monatlich, wie in dem bekannten Vorschlag des Reichsernährungsministers vorgesehen ist, 10 000 Tonnen Ge frierfleisch zollfrei eingeführt, Donnerstag 15.�111926 Unterhaltung unö ÄVlssen Seilage ües vorwärts das ZinSetkinö. Vau Volkmar 3ro. Die Kellnerin im„Roten Igel" heißt Anna und ist so schmächtig. daß ihr« kleinen Hände zittern, wenn sie die Bierkrüge von der Tchant zu den Tischen schleppt. Sie ist nicht hübsch, nur ihre großen, dunklen, manchmal verweinten Augen sind schön. Sie ist auch nicht kokett wie andere Kellnerinnen und sie versteht nicht. Spähe zu machen, oder die kleinen Beamten und Handwerker, die ihr Bier im„Roten Igel" trinken, haben sie gern, necken sie viel und fragen oft, wenn sie unter Tränen lächelnd ihr Trinkgeld nimmt, ob sie den treulosen Schatz noch immer nicht vergesien habe und sich nicht mit einem von ihnen trösten wolle. Dann lachen sie alle, der dicke Gerber Baumonn wischt sich den Schaum vom Bart, poltert auf den Tisch und schreit, daß er so der richtige Kerl wäre,«in liebeskrankes 'Weibsbild zu trösten. Und die schmächtig« Anna lacht mit, denn sie braucht die Pfennige, die sie ihr dann aus den Tisch legen. Aber wenn sie oben in ihrer engen, niedrigen Kammer Uegt. drückt sie den Kopf in das blau, und rottariert« Kisten und schluchzt oft, bis sie vor Herzweh und Müdigkeit einschläft. Manchmal nimmt sie die Blechbüchse mit den ersparten Markscheinen und zählt und versteckt sie wieder sorgfältig unter dem Fußboden. Und jeden Morgen wartet sie bei der Türe des Schankzinnners, bis aus der Mietkaserne gegenüber die dicke Frau Lokomotivführers- gattin Müller mit der grünen Einkaufstasche und einem zweijährigen Jungen an der Hand tritt. Dann geht sie rasch hinüber und streichelt den Kleinen, der so große, dunkle Augen hat wie sie und gibt ihm jedesmal ein kleines Stück Schokolade oder ein paar Hafelnüste und weint oft, wenn der Klein« sein« Händchen nach ihren schmalen Wangen streckt. Er heißt Fritz und Frau Müller fand ihn an einem bitterkalten Februarabend in elenden Lumpen auf der Stiege sitzen. An sein rotgefrorenes Fäustchen war«in Fetzen Papier angebunden. auf dem ein« unglückliche Mutter ihr Kind guten Menschen empfahl, da sie seit vierzehn Togen ohne Obdach sei und mit dem Kleinen keinen Posten finde. Herr und Frau Müller nahmen ihn zu sich. All« Parteien des Hauses, bis auf die grobe Frau Bohie, die trinkt und keine Kinder mag, sind gut zu ihm, manche schenken ihm alte Puppen und Bilderbücher: aber die Kellnerin Anna vergöttert ihn. Sie küßt ihn oft aus die seidigen blonden Haare, läuft mit nassen Augen in die Wirtsstube zurück, putzt ihre Gläser in einem dunklen Winkel und weint ganz leise, damit sie niemand hört. Denn obwohl sie um geringen Lohn und schlechtes Esten dient, zittert sie bei jedem Scheltwort des Wirtes, der ein« lustige Kellnerin will, die den Gästen die Zeit vertreibt. Sie zittert auch vor der Wirtin, die oft von der Gicht geplagt wird und der dann nichts recht zu machen ist. Aber sie muß den Posten um jeden Preis behalten» damit sie jeden Morgen und manchmal auch Nachmittag den kleinen Fritz sehen kann, damit sie weiß, ob er an einem Regen- tage seinen warmen Mantel trägt, ob seine dicken Wänglein rot sind und ob er fröhlich ist. Bon diesen paar Minuten zehrt sie den ganzen Tag, und die halbe Stunde, in der sie jede Woche die Frau Müller besucht und dem Kleinen selbstgestrickt« Fäustlinge, Hemdlein und Strümpfe bringt, sind für sie ein so schmerzliches Glück, daß sie sich oft nachher an einem Sessel halten muß, wenn sie wieder bedient und Bier aus dem Schank trägt. Und jeden Abend lacht die arme, schmächtig« Anna mit, wenn sie wegen ihres Schatzes geneckt wird. Sie lacht und läßt sich auch von dem Gerber Baumann um die Taille nehmen. Denn sie braucht jeden Pfennig, weil sie hofft, daß sie dann doch eines Tages ihr Kind von der Frau Müller zurückholen kann. Wie— das weiß sie noch nicht: aber es ist ihr Glaube, von dem und für den sie lebt. /tos Nlussolinis /lrbeiterleben. Aus der Mustolini-Biogrophie. die Frau Margarete Sarfatti veröffentlicht, druckt ein römisches Faschiftenblott den nachstehenden Brief Mustolinis aus Lausanne ob, der das Datum „3. Oktober 1 90 2' trögt. Der heutige Ministerpräsident war damals 19 Jahre alt. Daß der«jährige die Erlaubnis zur Ber- öjientlichung dieses unerbaulichen äoeument bumain gegeben hat, ist befremdlich und dient seinerseits dazu, die anormale Geistes- bcfchaffenheit des Mannes zu beleuchten. Der Brief lautet in wortgetreuer Ueberfetzung: .Mein Freund! Was ich mich anschicke. Dir zu schreiben, sind Erinnerungen. Traurige Erinnerungen einer verzweifelten Jugend, die alle» oer- löschen steht, sogar das Ideal. Was die folgenden Seiten enthalten werden, wirst Du niemand sagen: nur eine Frau kennt meine Schmerzen, und Du, wenn Du dies geleson Host. Ich werde Dich nersluchen, we»m Du schwatzest. Diele meine Forderung der Ge- Heimhaltung wird Dir begreiflich erscheinen. Und jetzt fange ich an. Aus Gualtieri bin ich am Morgen des 9. Juli abgereist, nachdem ich niemand Zldien gesagt hatte, außer der Frau meines Herzens. Es war ein Mittwoch, von Parmo bis Mmland und von Mailand bis Ehiasto eine unerträgliche Hitze, zum Verrecken. Ehiasto, der erste republikanisch« Ort, beherbergte mich bis 10.50 Uhr abends. Beim Lesen des..Sccolo" hatte ich die Ueberraschung. von der Verhaftung meines Vaters zu erfahren, der bei Wahl- unruhen beteiligt war. Die Verhaftung machte mir nur deshalb Eindruck, weil, wenn ich in Gualtieri davon gewußt hätte, ich nicht nach der Schweiz, sondern nach Romaana gefahren wäre. Ich fand einen Reisegefährten, einen gewissen Tangherone aus PontremoN, wechselte mein italienisches Geld und stieg in den Zug, der am nächsten Morgen in Luzern halten sollte. 12 Stunden Fohrt. Der Wagen war voll von Italienern. Wirst Du es glauben? Ich stand fast die ganze Zeit am Fenster. Die Rächt war herrlich. Der Mond oing hinter den hohen, von Schnee weißen Bergen auf unter dem silbernen Lachen der Sterne. Der Lugoner See hatte magische Reflexe, wie eine polierte metallische Fläche, auf der unbekanntes verzaubertes Licht spielt. Der Gotthard erschien meinen Augen wie ein nachdenklicher, in sich gekehrter Riese, der der stählernen Schlange, die mich in schwindelnder Flucht unter neue Menschen trogen sollte, wohlwollend Durchzug gewährte. Im Wagen ichliefen alle, nur ich allein dachte. Was dachte ich in jener Nacht, die zwei Perioden meines Lebens schied? Ich erinnere mich nicht. Nur am Morgen— und das konnte von der körperlichen Ermüdung kommen— als wir durch die deuische Schweiz fuhren und ein novemberartiger Regen uns kalt� bewillkommnete, wie der Gruß eines Unglücklichen, dachte ich— und da« Herz.zog sich in mir zu- lammen— an die grünen Gefilde Italiens, die eine glühend« Sonne küßt... War das der erste Keim des Heimwehs? Vielleicht. In Luzern stieg ich um und nahm ein Billett nach Pverdon, verleitet durch meinen Reisegefährten, der mir eine Stellung bei einem Ber- wandten versprach, einem Stoffhändler. Um 11 Uhr kam ich in Aoerdon an: 36 Stunden Fahrt. Derstumpst und müde ging Ich in eine ärmlich» Kneipe, wo ich zum erstenmal Gelegenheit hatte, französisch zu sprechen. Ich aß. Dann zu dem italienischen Kauf- mann. Der redete mir den Kopf voll. Immerhin lud er mich zum Potemkin-Ersatz. was brauchen wir üen Potemkin-Zilm! Im vismar