flg. 330 ♦ 4Z. Fahrg. Ausgabe � Nr. 170 Bezugspreis. WöchcnIIich 70 Pfennig, monatlich S.— Reichsmark voraus jabrbat. Untct«reu, band für Deutschland, Dan, ig, Eaar- und Mcmelgebiet. Oesterreich. Litauen. Luicmburg ,,S0 Reichsmark, sUr das übrige Ausland S.SV Reichsmark pro Monat. Der»Dorrrürts* mit der Sonntags. dcilage»Volk und Zeil' mit»Sied- lung und«leingartcn* sowie der Beilage»Untcrdaltuna und Wissen'' und Fraucnbeilage„Fraucnstimmr» erscheint wochcntäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegromm-Adressei »Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe Derliner VolKsblÄkk �10 pksnnig) Anzeigenpreise: Die einspaltige Ronparciür» zeile 80 Pfennig, Rellamczeile 6,— Reichsmark.»Kleine An, eigen' das fettgedruckte Wort?5 Pfennig fzulässia zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort lo Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» stadcn zählen für zwei Worte. Arbcitsmarkt«eile 80 Pfennig. gamilicnan, eigen iiir Abonnenten Keile<0 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis VA Ubr nachmittags im tdauptgeschäst, Berlin EW 68, Linden. strasteZ, abgegeben werden. Geöffnet von 8'.� Uhr früh bis S Uhr nachm. Zcntralorgan der Sozialdemokratifcbcn parte» Deutfchlands Reüaktion und Verlag: S erlin EW. öS, Änöenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff ÄS!S— SS7. Freitag, den 1«. Juli I»ü« vorwärts-verlag G.m.b.tz., öerlin SV). öS, Linüenstr.Z Postlchcckkonto: Berlin Z7 531— Bankkonto! Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallftr.«5! Diskonto-Gefellchatt. Dcpolitcnkafle Lindenftr. 3. Der Skanöal von Weimar. Abrechnung mit den Völkischen und ihren Regierungshelfern. Weimar, 16. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Bei der Fortberatung der Großen Anfragen über die nationalsozialistischen Ausschreitungen im Landtag bemühten sich die Rechtsparteien und Vinter, die für die Regierung und ihre Stellungnahme zu den Ereignissen vom 3. und 4. Juli vernichtende Kritik des Weimarer Stadtrates, die in den wichtigsten Stellen in Fettdruck hervor- gehoben, vom Oberbürgermeister verkündet an den Säulen an- geschlagen ist, als Folge einer Ueberrumpelung von links dar- zustellen. Ein demokratischer Landtagsabgeordneter, der gleichzeitig Mitglied des Stadtrates ist, stellte noch einmal fest, daß im Stadlrat von Weimar 20 bürgerlichen Stimmen 7 sozialdemokratische und 2 kommunistische gegenüberstehen. Riehl einmal der nationalsozialistische Vertreter hat unter dem unmittelbaren Eindruck der Aus- schrcitungen ein Wort der Verteidigung zu sagen gewußt. Der Bor- sitzende des Stadtrates, der Geheim« Staatsrat und frühere groß- herzoglich f a ch s e n- w e i m a r i s ch e Staats- und Kul- tusminister Unteutsch hat nicht nur der die Exzesse verurteilen- den Entschließung zugestimmt, sondern auch erklätt, daß er das Rationallheater niemals den Ralionalsozialisten als Mmister zur Verfügung gestellt hätte. Vinter wehrt« sich abermals mit Händen und Füßen gegen die Schuld seiner Leute, er ist mit der Erklärung vom Dienstag, die der Innenminister abgab, vollkommen zufrieden. In seiner Rede er- ging er sich wieder in vielen Allgemeinheiten, sagte dabei kenn- zeichnenderweise, daß Parlament seiner Auffassung nach von Parla- mentieren komm«, das heiße übersetzt„durch Reden lügen". U. a. führte er auch au», daß der nationalsoziaUstischen Bewegung bi» zum November 1923 aus allen möglichen Kreisen Geld zugeflossen sei, da die Geldgeber glaubten, daß die National- sozialisten die Monarchie wieder herstellen wollten. Nach dem 9. November 1923 habe dieser Geldstrom nachgelassen. Jetzt nehme er gern von allen Seiten Geld, da er die Pfennige unter den Nägeln vorkratzen müsse. Auf den Zuruf:„Auch von Juden?" antwortete er:„Ja, wenn ihm auch einmal sein Freund Rechts- anwalt P i n c u s gesagt habe, die Juden seien«ine Schweinebande." Den bekannten Berhä.rnissen Vinters entsprechend löste denn auch der Zuruf:„Na, wenn Sie Geld haben, bekommen die Mädels wenigstens ihre Alimente!" stürmisch« Heiterkeit aus. In wirkungsvoller Rede zerpflückte der Sozialdemokrat Frölich die Argumente Dinterz und des Innenministers. Man regiere in Thüringen nachweislich mit zweierlei Maß, und der Innen- minister lasie zu, daß man in den Straßen fing«:„Stellt Stresemann an die Wand!" Auf eine Frechheit Vinters antwortete noch der Abgeordnete Kieß(Soz.) mit einigen Erinnerungen. Er fragte Dinier, ob er sich des Studenten erinnere, der sich in Examensangst seinerzeit mit der Tochter eines besonders peinlichen Professors verlobte und als die Prüfung bestanden war, sich ä tempo wieder entlobte? Ob er sich des Arthur Dinier von 1994 erinnere, der«in franzosen- freundliches, gegen die Deutschen hetzendes Theaterstuck„Die Schmuggler" auf das Mühlhaufencr Theater brachte? Da werden deutsche Beamte verspottet und der Lächerlichkeit preisgegeben, und der Held des Stückes, der Deutsche für die französische Fremden- legion anwirbt, brüllt:„Vive!a Ffance! A bas la Pruisse!"(Es lebe Frankreich! Nieder mit Preußen!)„De Schwöbs müssen zum Ländle nüss!" Dieses Stück hat 60 bis 70 Aufführungen auf einem Pariser Theater erlebt, glänzende Kritiken der französischen natio- nalistischen Presse gehabt und Dinier.für sein« Deutschenseindlichkeit und seinen Deutschenhaß einen starken Batzen französischen Geldes eingebracht. Und das will Deutschnational-Bewußtsein lehren! Vinter erklärt« natürlich alles trotz der Beweise für jüdische Mache. Am Ende der Sitzung wurden alle Mißbilligungs- antrüge abgelehnt und der Regierung für ihre Haltung gegen- über den Nationalsozialisten, den Arauchrittern und Vagabunden der Straße vom 3. und 4. Juli noch«in Lob ausgesprochen. Ermächtigungsgesetz in Belgien. Mit übertvältigcndcr Mehrheit angenommen. v rüssel, 15. 3uli.(Eigener Drahtbericht.) Die Kammer nahm am Donnerstag mit 135 gegen 9 Stimmen, darunter eine sozial- demokratische, und bei 4 Enthaltungen(3 Sozialdemokraten. 1 christ- licher Demokrat) das Ermächligungsgeseh an. Arbeits- minisler Wauters brachte einen Gesetzentwurf zur Erhöhung der Altersrenten der Bergarbeiter ein. Neue Kunögebungen gegen primo. Pfeifen und Sifticrungcn. Poris, 15. Juli.(WTB.) Als der Zug mit dem S» l t a n v o n Marokko und dem Präsidenten der Republik bei der Rückkehr von der Einweihung der Moschee an der Kammer vorbeikam, wurde der Wagen, in dem sich Präsident Doumerguc und der Sultan von Marokko befanden, von den aus dem Treppenausgang der Kammer postierten k o m n> u n i st i s ch e n Abgeordneten mit Pfeifen und Rufen empsangen. Ihre Kundgebung wurde jedoch durch den Beifall der den anderen politischen Richtungen angehörenden Abgeordneten schnell zum Schweigen gebracht. Die Wachmannschaft -des Kammcrgebäudes wollte die Ordnung wieder herstellen, brauchte aber nicht inehr einzugreifen, da die kommunistischen Abgeordneten sich ins. Innere des Gebäudes zurückgezogen hatten. Auch in Fontai neblea u, das General Primo de Rivera heute nachmittag besuchte, ist es zu Kundgebungen gekommen. Einige Manifestanten, die Schmährute gegen den spanischen Minister- Präsidenten ausstießen, wurden s i st i e r t. ober nach Feststellung ihrer Namen wieder freigelassen. Das polnische verfassungskompromiß. Annäherung zwischen Regierung und Parteien. Warschau. 15. Juli.(OE.) Zwischen der Regierung und den Parteien hat während der Verhandlungen in der Sejmkommission über die Bersassungsänderungen und Sondervollmachten eine A n» Näherung ftattgefimden. Die Bersafsungskommission des Sejm nahm die Regierungsvorlage in der Kompromißfassung an. Danach sind nunmehr die V c r s a s s u n g s ä n d e r u n g e n. die eine Zwei- drittelmchrheit erfordern, von der Frage der Ermächti- gungen getrennt, für deren Erteilung eine einfache Mehrhiet genügt. Ferner sind die Bollmachten zeitlich bis zum Zusamnien- tritt des nächsten ncugewähltcn«cjms, spätestens bis zum 31. Ok- tober 1927 begrenzt. In sachlicher Hinsicht sind die Vollmachten dadurch eingeschränkt worden, daß sie aus solgende Angelegen- heilen nicht anwendbar sind: verfassungsmäßige Bcrantwor- t u n g der Regierung, Kriegserklärung, Handelsoer. träge, Budget, Staatsschulden. Schassung neuer M o- xopole. Stcucrcrhöhuutzcn. Tiejcr Weg wurde aus- drücklich zu dem Zweck gewählt, um die Erteilung der Sondervoll- machten an die Regierung, die vom Ministerpräsidenten Bartel als unerläßlich bezeichnet worden war, zu erleichtern. Immerhin sind noch nicht alle Klippen umschifft, denn für die Erteilung der Voll- machten genügt nunmehr zwar eine einfache Mehrheit, derartige Vollmachten können aber überhaupt nur dann erteilt werden, wenn die Ve r s a s s i n g selbst in einem Sinne geändert wird, der solche Vollmachten prinzipiell gestatten würde. Somit ist zwar nicht für die Erteilung der Vollmachten selber, aber für die Schaffung ihrer vcrsassungsrechtlichen Vorbedingung doch eine Zweidrittelmehrheit im Sejm erforderlich. Ob dies auch erreichbar ist, wird in der nächsten Woche entschieden werden. Tic„Jswcstija" über den Perfaffungsstreit in Polen. Warschau, 15. Juli.(OE.) Die„Jswestija" kommentiert die Debatte über die Verfassungsänderungen im polnischen Sejm und erinnert daran, daß sie bereits zwei Wochen nach dem Maiputsch Pilsudskis seiner Bewegung einen faschistischen Charakter zugesprochen hätten. Die Debatte in der Verfassungskommission des Sejm hätte diese Ausfassung vollauf bestätigt. Die polnische Linke sei von der Diktatur Pilsudskis enttäuscht. Der Marschall selbst habe sehr schnell den Weg zu einer Einigung mitdem Rechts- f l ü g c l der Bourgeoisie, gegen den der Staatsstreich im Mai unter- nommen wurde, gesunden. Die polnischen Rechtsparteien unter- stützen infolgedessen die Regierung Bartel-Pilsudski, was den Inten- tionen des Großkapitals völlig entspreche. tzanüelsvertrag mit der Tschechoslowakei. Beginn der Bcrhandlungen in Berlin. Amtlich wird, gemeldet Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei sind am Donnerstag in Berlin'begonnen worden. Die tschechoslowakische Delegation wurde von Ministerialdirektor Dr. Ritter vom Auswärtigen A m t im Namen der Reichsregierung herzlich willkommen geheißen, woraus der Gesandte der tschechoslowakischen Republik in Berlin, Dr. K r o f t a in ebenso herzlichen Ausführungen erwiderte. Die Beratungen der Delegation werden aus deutscher Seite von dem vortragenden Legationsrat Windel und von tschechoslowaki- scher Seite von dein Legationsrat im tschechischen Ministerium des Aeußeren, Dr. I b l, geführt, der bis vor kurzer Zeit bei der tschecho- slowakischen Gesandtschaft in Berlin mehrere Jahre tätig war. Die Verhandlungen sollen zunächst nur von kurzer Dauc r sein und sodann im Herbst sortgesetzt werden. Deutsche Beschwerden in Polnisch-Oberschlesien. Beim neutralen Präsidenten Calonder liegen 1300 Beschwerde» deutscher Eltern vor, die Klagen bei der Gemischten Kommission anstrengten, weil die Ausnahme ihrer Kinder in Minderheitsschulen verhindert wurde. Gras Lerchenfeld ist zum Gesandten des Deutschen Reiches in Wien ernannt worden. Gefährliche Tarifpolitik. Tns Versagen der Tchlichtungsausschüffe un� Schlichter. Die kollektive Regelung des Arbeitsverhältnisses ist während des Krieges und insbesondere nach dem Kriege von ausschlaggebender Bedeutung geworden. Die rechtliche Form ist der Tarifvertrag. In seinem normativen Teil soll er in umfassender Weise die Arbeitsbedingungen regeln, die automatisch zum Inhalt des einzelnen Arbeitsvertrages werden. Tarifrecht und Schlichtungsrecht sind die beiden Grund- pfeiler einer sozialen Tarifpolitik. Die Anwendung ist ent- scheidend für die soziale Funktion des Tarifvertrages. Als Teile des in der Reichsverfassung verheißenen einheitlichen, sozialen Arbeitsrechts obliegt auch ihnen der besondere SchutzderArbeitskraft. So ist gleichsam allen Teilen des Arbeitsrechts die soziale Funktion durch die Reichsver- fassung rorgeschrieben: Menschenschutz vor Güter» und Vermögensschutz. Schlichtungsausschüsse und Schlichter sind zum erheblichen Teil mit der Durchführung dieser Aufgabe betraut. In Zeiten sozialer Krisen hängt gerade von ihrer Wirksamkeit unge- heuer viel ab. Sie haben sich der ihnen gestellten Aufgabe bisher leider nicht gewachsen gezeigt. Im Gegenteil: i n vielen Fällen hat ihr Wirken zu den ver- hängnisvollsten sozialen Folgen geführt. Ein Besinnen auf die ihnen obliegende soziale Aufgabe ist ein dringendes Gebot in dieser Zeit der großen sozialen Rot. Es geht nicht an. mit dem organischen Kapital der Nation, das die lebendigen Arbeitskräfte sind, beispiellosen Raubbau zu treiben, um das tote Kapital zu schützen. Denn nichts anderes steckt hinter der Forderung, wenn immer wieder bei Tarifverhandlungen von den Unternehmern geltend ge- macht wird, daß auf die besondere Notlage, der Wirtschaft Rücksicht genommen werden soll. Dieses kapitalistische Denken hat dazu geführt, vor lauter Wirtschaft den lebendigen Men- schen zu übersehen. Das bedeutet nicht nur die Umkehrung jenes Verfassungsgrundsatzes, der die Arbeitskraft unter den besonderen Schutz des Reiches stellt: es bedeutet geradezu die Verhinderung der Wirtschaftsgesundung. Die Leistungs- fähigkeit einer Wirtschaft hängt von der Qualität ihrer Arbeits- kräste ab. Es ist deshalb geradezu die Aufgabe einer weit- sichtigen Tarifpolitik, den Lebens st andard nicht nur zu schützen, sondern zu erhöhen. Dgs mag kapitalisti- schem Denken unfaßbar sein: von den Schlichtungsausschüssen und Schlichtern muß jedoch verlangt werden, daß sie diesen sozialen Zusammenhang beachten und Gemeinwohl über privatkapitalistischen Eigennutz stellen. Das aber erfordert einen weitgehenden Schutz der Arbeitskraft sind Sicherung der Tarifverträge. Der Tarifvertrag ist die einzige Form, die das in der Verfassung zugesicherte Recht der Arbeiter und Angestellten, bei der Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen gleich- berechtigt mitzuwirken, gewährleistet. Es ist deshalb ganz unzulässig, wenn immer wieder von Schlichtungsausschüssen die Frage aufgeworfen wird, ob die Gewerkschaften legitimiert sind, den Tarifvertrag abzuschließen. Einmal sind die Or- ganisationen durch Artikel 16S der Reichsverfassung anerkannt, andererseits läßt auch das geltende Schlichtungsrecht diese Frage gar nicht zu. Es kommt nur darauf an, ob tariffähige Organisationen vorhanden sind. Daß dies bei den Gewerk- fchaften der Fall ist, steht außer Frage. Deshalb ist es in jedem Falle Pflicht der Schlichtungsausschüsse und Schlichter, beim Abschluß von Tarifverträgen Hilfe zu leisten, wie es der 8 3 der Schlichtungsvcrordnung vorschreibt. Die von den Volksbeapftragten erlassene Verordnung vom 23. Dezember 1918 hat in klassischer Kürze in zwei Grund- fragen klares Tarifrecht geschaffen: die Unabdingbar- keit der Tarifverträge und die Möglichkeit ihrer allge- meinen Berbindlicherklärung. Abgesehen von wenigen deutschen Richtern, die mit den unglaublichsten Rechts- Verdrehungen die Unabdingbarkeit aus der Welt interpretiert haben, ist die Unabdingbarkeit bisher ein unangetastetes soziales Gut geblieben. Die ganz wenigen Versuche einer anderen Auslegung blieben erfreulicherweise Einzelerscheinun- gen. Und da die Unternehmer auf dem Wege kühner Rechts- auslegung nicht zum Ziele kommen, wird jetzt systematisch der Versuch gemacht, durch Schlichtungsausschüsse und Schlichter abdingbare Tarifverträge zu schaffen, damit der Unternehmer freie Hand bei der Fest- setzung der Arbeitsbedingungen erhält. Solche Vorgänge sind zu verzeichnen in Berlin, in der Bremer Industrie, in der norddeutschen Textilindustrie, in der bayerischen Metall- industrie usw. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß es auch r e ch t l i ch u n zu l ä s f i g ist, wenn Schlichtungsaus- schuß oder Schlichter die gesetzlich gewährleistete Unabding-, barkeit durch die Aufnahme einer Bestimmung im Dorschlog für den Abschluß eines Tarifvertrages aufheben. Praktisch läuft eine solche Tätigkeit auf die Wahr- nehmung von Unternehmerinteressen auf Kosten der Arbeits- kraft hinaus. Es ist der alte Kampf der Unternehmer gegen die Tarifverträge und für die Selbstherrlichkeit der Unter- nehmer bei der Regelung der Arbeitsbedingungen. Wie sagte doch Herr v. Borsig, der Vorsitzende der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberoerbände:„Vor dem Tarifvertrag steht die Wirtschaft, der er zu dienen haj." Unter Wirtschast verstehen die Unternehmer sich selbst und ihren Geldbeutel. Und es erhöht nur den Reiz, wenn diese deutschen Idealisten im gleichen Atemzuge über den Materialismus der Arbeiter- bewegung schimpfen. Wir müssen verlangen, daß Schlichtungsausschüsse und •Schlichter sich ihrer sozialen Funktion beim Abschluß von Tarifverträgen bewußt werden und endlich ihre Aufgabe erfüllen, die Arbeitskraft zu schützen. Keine Klauseln, die die Unabdingbarkeit der Tarifverträge aufheben. Nor allen Dingen aber auch Schluß mit den Ver- schlechterungen derArbeitsbedingungen. Es ist ein Skandal, welches Entgegenkommen die Unternehmer bei den Schlichtungsausschüssen und Schlichtern finden, um die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Keine Gruppe der Arbeiter und Angestellten bleibt davon verschont. In Berlin, im Reich häufen sich nur so die Schiedssprüche mit Lohn- und Gehaltsabbau, Arbeitszeitoerlängerung, Urlaubsoer- türzung und Verschlechterung sonstiger Manteltarifbestimmun- gen. Metallarbeiter, Holzarbeiter, Bauarbeiter, Transport- arbeiter, kurz alle Arbeiterkategorien müssen sich gegen solche Bestrebungen wehren. Bei den Angestellten das gleiche Bild. Der Berliner Großhandel hat sämtliche Tarifverträge zu dem ausgesprochenen Zweck gekündigt, die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Im Berliner Einzelhandel die gleichen Be- strebungen. Bei äußerst geringem Personalbestand und an- gestrengtestcr Tätigkeit durch die verschiedenartigsten Aus- Verkäufe und weiße Wochen jetzt auch noch Gehaltsabbau, Urlaubsverkürzung und was sonst noch an Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen präsentiert wird. Es ist hoch st e Zeit, daß diesem grausamen Spiel ein Ende bereitet wird. Pflicht des Reichs- arbeitsministeriums ist es, Schlichter und Schlichtungsaus- .schösse darauf aufmerksam zu machen, daß sie dazu be- rufen sind, die Arbeiterschaft zu schützen. Die Arbeiter und Angestellten aber müssen begreifen, daß Stärkung der gewerkschaftlichen und politischen Organisation das Gebot der Stunde ist._ Unbequeme Wahrheitssuche. r Die bayerische Volksseele der Hugenberger. Der Beschluß des Femeausschusses des Reichs- � a g e s, im Oktober eine Reihe von Sitzungen aus Ersparnis- gründen in München abzuhalten, läßt die beleidigte bayerische Volksseele nicht zur Ruhe kommen. Die bedrohte„Eigen- ftaatlichkeit Bayerns" muß unter allen Umständen vor der Gefahr behütet werden, daß der Femeausschuß in die skanda- lösen Verhältnisse der bayerischen Ordnungszelle etwas mehr hineinleuchtet, als das den Nachfolgern der Putschregierung Kahr-Knilling lieb ist. Selbstverständlich— wie könnte es anders sein— finden die bayerischen Separatisten bei der Berliner Rechtsvresse die nötige Unterstützung. Der„Lokal- Anzeiger ereifert sich ganz im bayerisch-volksparteilichen Stil über den ver- haßten Femeausschuß. Er appelliert an die Rechtsparteien und an das Zentrum, daß sie unter allen Umständen die finsteren Absichten der Sozialdemokraten und Kommunisten, sich in München als„Revolutionstribunal" aufzuführen, ver- hindern müßten. Der„Lokal-Anzeiger" weiß offenbar die Dummheit seiner Leser gebührend einzuschätzen. Der Feme- ousschuß hat bekanntlich seinen Beschluß, in München zu tagen, mit den Stimmen der Rechten gegen die Stimmen der Linken gefaßt. Für die sozialdemokra- tischen Vertreter begründete der Abgeordnete Dr. Levi aus- stihrlich die Bedenken, die gegen eine Tagung in München sprächen. Trotzdem haben die Rechtsparteien sich für die Münchener Sitzungen entschieden. Die Bemerkungen des„Lotal-Anzeigers":„Sollten aber die Rechtsparteien auch nicht durchdringen, so würde ein solcher Schritt von ihnen wenigstens den Nutzen gehabt haben, Bayern zu zeigen, welchen Kreisen an den ständigen Verstimmungen zwischen dem Reich und Bayern liegt und welchen nicht", beweisen nur die Abneigung gegen den Femeausschuß, die ihre sehr guten Gründe hat. Nur durch die Arbeit des Femeausschusses ist der M o r d an G a r e i s aufgeklärt. Der Herrschaften wissen genau, daß ihnen noch weitere peinliche Ueberraschungen bevorstehen._ Akademische Freiheit. Ein Nachwort zum Fall Lessing. Man schreibt uns: Ueber das skandalöse Verhalten der Hanno- oerschen Studentenschaft gegen den Professor L e s s i n g sind durch das Beckersche Kompromiß die Akten geschlossen, nicht aber über die finanziellen und geistigen Drahtzieher und Förderer des völkischen Rowdytums, von welchem die akademische Freiheit mißbraucht wurde. Unter den Hochschullehrern, welche in erster Linie an der Meinung der akademischen Jugend mitschuldig er- scheinen, hat sich bekanntlich— eine Tatsache, welche durch seinen an den Thüringer Landtag gerichteten Brief bestätigt wird— der Jenenser Professor Plathe besonders hervorgetan. Mit diesem Verhalten stimmt auch die Art und Weise llberein, wie dieser Vertreter der Wissenschast sein Amt auffaßt und ausübt. Prof. Dr. Plathe. dessen persönliches Verhalten gegen seinen Lehrer Höckel seinerzeit schon unliebsames Aussehen erregt«, miß- braucht nicht nur seine amtliche Tätigkeit als Hochschuldozent für die Zwecke seines politischen Fanatismus, auch sonst scheut er sich nicht, die Wissenschaft zur Magd völkischer Rabulisterei zu erniedrigen. So findet sich im 1. Supplementband des„Zoologischen Anzeigers" unter den Verhandlungen der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, einer angesehenen Vereinigung zahlreicher Ge- lchrter des In- und Auslandes, ein Vortrag, den der Genannte ge- legenttich der 30. Jahresversammlung im Juni 1923 gehalten hat über„Jenaer Professoren als Förderer der Abstammungslehre". Hier leistet er sich zur Ehre deutscher Wistenschast, wie der Bericht sagt,„allerhand". So trägt die Schuld an einer Verzögerung jener Zusammenkunft nicht nur der Weltkrieg, sondern auch die„elende Revolution". Darauf muß Schiller, der Sänger der Frei- heit und Menschlichkeit, es sich gefallen lassen, von dem Heloten des Rassen-, Klassen- und Völkerhasses zum Mahner zur„völkischen— natürlich im Platheschen Sinn völkischen— und sittlichen Erneuerung Deutschlands" bestimmt zu werden. Und der gute O k e n, der be- kannte Naturphilosoph vom Anfang des vorigen Jahrhunderts, wird ihm zum Eideshelfer des Militarismus. Obzwar der Titel der heran- gezogenen Okenschen Schrift„Neue Bewaffnung, neues Frankreich, neues Deutschland"(1814 erschienen) alles andere vermuten läßt als eine Rachepredigt, so würde, nach Plathe, Oken doch,„lebte er in der jetzigen tieftraurigen Zeit, uns gewiß zurufen:„Ihr Zoologen, wißt, daß der Kampf ums Dasein die Lebewesen beherrscht, und daß jedes Volk dem Untergange geweiht ist, welches den gesunden Instinkt der Verteidigung seines Bodens und seiner heiligsten Güter ver- liert! Darum bekämpft daselendepazifistischeGeschwätz undeutscher Elemente, welche unser Volk ver- giften!" Eine in jedem Sinne„zoologische" Betrachtungsweisel Dieser Gewaltpolitiker und seine Gesinnungsfreunde an deutschen Hochschulen begrüßten die Ausschreitungen der hannoverschen Stu- dierenden gegen einrn politisch ihnen unangenehmen Dozenten mit Genugtuung. Wie sich die Zeiten geändert haben! Wie anders ver- führen doch in der Vorkriegszeit die Universttätsbehörden, wenn sie oppositionelle Regungen, selbst leisester Art, bei den Stu- denten zu spüren glaubten. Es war in den schönen Zeiten des Rektors Ahlwardt, eines Liebermann von Sonnenberg, des Dreschgrasen P ü ck l e r im Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Der„Verein deutscher Studenten", die Vorläufer der Hakenkreuzler, auf der einen, die„Freie wissenschaftliche Vereinigung" aus der anderen Seite, führten miteinander scharfe Kämpfe nach studentischer Art. Die Universitätsbehörden ließen die Sonne ihrer Gunst selbst- verständlich nach rechts strahlen, während man gegen die Freie wissen« schaftliche Vereinigung kalt und übelwollend sich zeigte. Als der hervorragende Parlamentarier Eduard Laster 1884 in Amerika einem Herzschlag erlegen war und nach der letzten Reise in die Heimat beigesetzt werden sollte, hielt die Freie wissenschaftliche Der- einigung es für ihre Pflicht, dem Ehrendoktor zweier deutscher Uni- versitäten, dem um die Gesetzgebung hochverdienten Manne in stu- dentischen Formen das legte Geleit zu geben. Kaum war dieser Frevel �ruchbar geworden, als der Vorstand sofort vor den Universitätsrichter Herrn Dande geladen und ihm von dem gestrengen ehemaligen Staatsanwalt aufs allerfchärstte die Be- teiligung an der Beisetzung als eine grobe Ungehörigkeit verwiesen wurde, wie sie im Wiederholungsfalle zur Relegation führen würde. Schüchterne Einsprüche der Sünder wurden durch schmetternde Drohungen niedergebrüllt. So verfuhr man damals mit Studenten, die eine selbstverständliche Ehrenpflicht am Grabe eines bedeutenden Mannes erfüllt hatten— lediglich weil der ein Gegner Bismarcks gewesen war. Heute nach der Revolution dürfen rechtsgerichtete studentische Fanatiker und Radaumacher die schwersten Verstöße gegen die Orb- nunz ungestraft verüben. Jeden der Teilnehmer aber an der Bei- setzung Lasters, zu denen auch der Verfasser gehört, hat man ge- kennzeichnet durch nachstehenden Vermerk auf dem Abgangs- Zeugnis: „Hinsichtlich seines Verhaltens auf der hiesigen Universität ist zu bemerken, daß er am 15. Februar 1884 von dem Rektor wegen vergehen» gegen die akademische Ordnung mit einem ver- weise bestraft worden ist." So ging man damals gegen angebliche„politische Demonstra- tionen" von innerlich freiheitlich gesonnenen Studierenden vor. Heute schließt ein demokratischer Minister ein Kompromiß mit studentischen Rüpeln, die nicht gerade einer Pflicht der Pietät genügt haben. SirRonalö �müsap- üMernons Nachfolger Von Konstantinopel nach Berlin. London. 15. Zuli.(WTS.) Der englische Botschafter in Konstanlinopel Sit Ronald Lindsay ist zum B o l s ch a s t e r in Berlin ernannt worden und der englische Gesandte in Prag. Sit George Russell Clerk zum Lotschaster in Sonstantinopel. Die Frage der Ersetzung des verdienstvollen Botschafters Lord d'Abernon durch eine jüngere Kraft ist seit min- bestens drei Iahren wiederholt erörtert worden, doch wurde ihre Lösung immer wieder hinausgeschoben. Nunmehr ist die Ernennung seines Nachfolgers offiziell. Sir Ronald Lindsay war lange Jahre Botschafter in Konstantinopel, d. h. auf einem für England ebenso wichtigen wie leichten Posten. Seine Ernennung zum Botschafter in Berlin be- deutet wohl eine besondere Anerkennung für das von ibm jüngst glücklich vollendete schwierige Wert des M o ss ul- Friedens zwischen London und Angora.. Kasernen für Wohlfahrtszwecke. Beschluß der Stadt Köln. Köln, 15. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Kölner Stadtver- ordnetenversammlung genehmigte in ihrer Donnerstogsitzung eine größere Vorlage, durch die die Kölner Kasernen zu sehr vor- teilhasten Bedingungen von der Stadt teils angekauft, teils ge- mietet werden. Die Stadtverwaltung hat die Absicht, die Räume in der Hauptsache für Aufgaben der Wohlfahrtspflege bereit- zustellen. So soll in einem großen Kasernenblock«in Siechen- und Soztalrentnerheim geschaffen werden, da» über 2000 Personen Unterkunft bieten wird. Die ehemalige Deutzer Kürassierkaserne soll zu einem großen Zentralmuseum für Vorgeschichte, Naturwissenschaften und Sozialhygiene ausgebaut werden. Außerdem soll heir das große Rheinische Museum untergebracht werden, das als Fortsetzung der Kölner Jahrtausend- ausstellung gedacht ist. Die britische Reichskonferenz ist auf den 3. Oktober nach London einberufen. königliche Republiken. Wenn jemand eine Reise macht, so kann er viel erzählen. Be- sonders aber dann, wenn er durch unsere herrliche deutsche kaiserliche und königliche Republik fährt. In D r e s- den gab ich auf dem Hauptbahnhos meinen Koffer auf und lieh ihn, da ich ein vorsichtiger Mensch bin, versichern. Auf dem Ouit- iungs- und Ausweiszettel prangte stolz uno gottesfürchtig:„K ö- niglich Sächsische Güterabfertigung". Der Wortlaut kann auch etwas anders gelautet haben, aber auf jeden Fall stand auf dem Wisch, den mir ein republikanischer Reichsbahnbeamter gab,„königlich". Ich zog beruhigt davon und wußte mein Gepäck in sicherer Obhut, denn unter Wilhelm 11. und Friedrich August ist mir nie etwas geklaut worden. Von Dresden fuhr ich über Leipzig nach Bad Kissingen. Dort wollte ich meine Gallensteine, die mich schon seit Iahren plagen, in ein besseres Dasein befördern. Nur mein Geld wurde ich los, die Gallensteine blieben mir treu. Doch das gehört nicht hierher. Bad Kissingen tiegt bekanntlich in der schönen Republik Bayern Verzeihung!— ich wollte schreiben: Königreich Bayern. Nach der Verfassung ist Bayern zurzeit ein republikanischer Volks- staat, aber nur der Verfassung nach und um die kümmern sich die verköniglichten Bayern herzlich wenig. In Bad Kis- singen ist königlich Trumps! Auf Schildern und Warnungs- tafeln, die in Parkanlagen stehen oder an Hauswänden kleben, ist klar und deutlich zu lesen: Königliche Badeverwaltung oder Königliches Kurkommissariat oder Königlicher Luitpoldpark oder Königliches Luitpoldbad usw. Dabei werden in jedem Jahre Bänke und Stühle, die sich in den Parkanlagen und der Wandelhalle befinden, neu gestrichen. Aber an die veralteten Schilder traut sich anscheinend ein echter könig- licher Kissmger nicht heran. An einer Tafel hatte ein Kurgast das „königlich" dick ausgestrichen. Einige Tage später sah man Radier- versuche, die aber erfolglos blieben. Ja, ja, was tut man nicht alles von wegen der angestammten Treue zum Herrscherhause. Ich habe manchen Ausländer gesehen, der mit einem Lächeln derartige Mätzchen las, die von republikanischen Staatsbeamten liebevoll ge- duldet werden. So sorgen wenigstens die Bayern dafür, daß die unsterbliche teutsche Michelhastigkeit immer wieder Lachobjekt der ganzen Welt wird. Nun aber kommt erst das Meisterstück Kissingens! Wie jedes deutsche Städtchen und Dorflein sein eigenes Kriegerdenkmal haben muß und dafür die Kriegskrüppel betteln schickt, hat sich auch Bad Kissingen eins zugelegt. Und was für eins'.! Es ist ein Kunstwerk von ganz besonderer Bedeutung und zeigt deutlich, aus welcher hohen Kulturstufe sich wieder unser Deutschland befindet. Das geschmackvolle Denkmal steht— leider etwas versteckt— an der Kirchhofsmauer, im Schutze einer katholischen Kapelle. Aus einem hohen Sockel bäumt sich vor Schmerzen ein„bayerischer" Low«, I» jeinem Leih steckt=5 o, wie stmüg ein von hinten hineingejagter Spieß. Der berühmte Dolchstoß von hinten als Ehrenmal für tote deutsche Krieger, die auch für Bayern ihr Leben Hingaben. Heil Bayern! Heit Kissingen!! Heil dem deutschen Künstler, der dieses Machwerk schuf!!! Und damit dem Denkmal nichts Böses geschehen kann, wird es von einem dicken Stacheldrahtzaun geschützt. Es ist nur gut, daß die deutschen Republikaner so schrecklich geduldig und gutmütig sind und derartige schäbige Mätzchen mit einem Lachen abtun. Denn, hätten die deutschen Republikaner diese Eigenschaft nicht, dann würde so mancher edle Teutsche ständig mit einer blauen Brille umherlausen und würde alle»„Königliche" und „Mit Gott für Kaiser und Reich" bei Nacht und Nebel spurlos verschwinden Erich Keßler. das öeethoven-denkmal. Die Bedingungen für die Ausschreibung zur Erlangung von Modcllentwürfen sür das Beethovcn-Denkmal sind jetzt endgültig sestgelegt. Das Denkmal soll bekanntlich voraussichtlich auf dem B ü l o w p l a tz, vor dem Hause der Volksbühne, Auf- stellung finden. Der Wettbewerb ist ein engerer, und zwar unter den Bildhauern Barlach, Belling, Breuer, Kolbe, Lederer, Monzel, Placzek und S ch a r f f. Die Gestaltung des Werkes wird dem Künstler überlassen. Ebenso steht es ihm frei, Vorschläge für die Umgestaltung des in Aussicht genommenen Platzes zu machen, soweit sich diese aus seinem Entwurf ergeben. Die Gcsamtkosten für die Beethoven-Ehrung sollen den Betrag von 120 000 Reichsmark nicht überschreiten. Die Wettbewerber dürfen für ihren Entwurf— etwa sür besten architektonischen Teil— nach freier Wahl einen Mitarbeiter heranziehen. Für die Aus- führung des Denkmals kann Bronze oder Stein in Aussicht ge- nommen werden. Der Künstler hat das für leinen Entwurf ge- dachte Material an seinem Modell zu kennzeichnen. Die Modelle sind im Maßstab 1 zu 3 der vom Künstler in Aussicht genommenen Ausführungsgröße, in Gips hergestellt, bis zum IS. Oktober 1926. nachmittags 1 Uhr. abzuliefern. Die Entscheidung über den Wettbewerb trifft ein Preisgericht, bestehend aus: Oberbürgermeister Böß, Bürgerdeoutierter Maler B a l u s ch e k, Stadtverordneter Kammergerichtsrat Dr. C a s p a r I, Bildhauer Prof. Gerstel, Bürgerdeputierter Geh. Baurat Dr. Ludw. Hosfmann, Stadtverordneter Horlitz, Bildhauer Prof. Fritz K l i m s ch, Bürgerdeoutierter Maler Prof. Lang. Hammer, Staatssekretär Schulz vom Reichsministerium des Innern, Bildhauer Prof. Kon st antin Starck, Ministerialrat Prof. Dr. W a e tz o l d t. Im Falle der Behinderung einzelner Preisrichter treten für diese aus der folgenden Aufzählung Stell- Vertreter in das Preisgericht ein, und zwar derart, daß eine Mehr- heit der Preisrichter aus Künstlern bestehen bleibt: Bürgermeister Scholtz, Stadtverordneter Geh. Iustizrat Dr. Dove, Bildhauer Prof. Kraus, Bildhauer Prof. I. Limburg. Magistratsoberbaurat Metz- dorss. Stadtrat Gäbel, Stadtverordneter Direktor Goß, Bildhauer Morin, M. d. R. Dr. Theodor Heuß, Bildhauer Pros. Wenck, Lande»- kunstkonservator Hiecke. Es bleibt der Bestimmung der Stadt Berlin vorbehalten, ob da» Denkmal nach einen, der Wettbewerbsentwürje ausgeführt werden soll. Nach erfolgter Entscheidung de» Preisgerichts werden die eingereichten Entwürfe acht Tage lang öffentlich ausgestellt. Der Stadtverordnetenversammlung ist eine entsprechende dringliche Vorlage über diese Beethoven-Ehrung zugegangen. Zur Opernhausfrage. Der Vorstand de» Berliner A r ch i- tekten- und Ingenieur-Vereins hat in seiner letzten Sitzung folgende Entschließung einstimmig angenommen:„Durch den Beschluß des Landtags vom 30. Juni 1926 ist die Entscheidung über das fernere Schicksal des Opernhausumbaues gefallen. Da- nach soll nunmehr der Vorschlag der Regierung zur Ausführung kommen, der einen beiderseitigen kurzen Anbau des Bühnenhauses vorsieht Gegen diesen Entwurf ist in einem langen unerfreulichen Pressefeldzug von der Akademie der Künste und dem Bund Deutscher Architekten Sturm gelausen worden, ohne daß die sachlichen Grund- lagen des Projekts, insbesondere die Berkehrsnotwendigkeiten, vor- her gebührend berücksichtigt werden sind. Der Architekten- und Ingenieur-Verein Berlin bedauert deshalb auf das lebhafteste, daß dieser Streit einen solchen Umfang in der Oesfentlichkeit annehmen konnte und daß die gesamte Presse, das Parlament und sogar der Reichspräsident damit befaßt worden sind. Dieser Streit ist auch ein Schulbeispiel dafür, daß die Groh-Berliner Städtebauaufgaben endlich einer starken führenden Hand bedürfen. Die Wahl de» Stadtbaurats, die sich schon endlos hinzieht, ist daher ein dringendes Erfordernis, dem schleunigst Rechnung getragen werden muß, wenn die Oesfentlichkeit nicht dauernd durch ähnliche Verkehr»- und Bauprobleme beunruhigt werden soll. Es ist einer Großstadt wie Berlin unwürdig, daß das Schicksal ihrer städtebaulichen und baukünstlerischen Gestaltung— wenn auch nur vorübergehend— nicht in den Händen eines fachuntundigen Techniker» liegt." Auch ein„gemeinnütziger" verein. Im neuesten Heft der Mit- teilungen des„Verbandes der konzertierenden Künstler Deutsch- lands" warnt die Verbandsleitung ihre Mitglieder vor Abschlüssen mit der Ortsgruppe Zeitz des Bühne n-D olksbundes. Der Bühnen-Volksbund ist bekanntlich der„chriftlich-notionale" Konkurrent des Volksbühnenbundes. Zum Direktor de» Städtischen Atulenw» la hell« wurde Dr. A l o i t S ch a r d t emannt. Schardt ist 1S8g geboren und bat in Berlin und «ürzburg Pbllosophie und Kunstgeschichte studiert In Berlin war er Assistent Justi« in der modernen Abteilung der Rationalgalerie im Krön- prinzenpalait. Durch seine Tätigkeit in Hellem: bei Dresden, wo er ln Gemeinschasl mit seiner Galtin. der bekannten Schauspielerin Mary Dietrich, ein Kulturinstitut nach neuem originellen Grundgedanlen errichtete und eine Aalerie moderner Meister zusammenbrachte, hat er sich in tunslinter- essierten Kreisen bekanntgemacht. Ein« denstche Gesomta»,gab, per Watt von Hermann Bong ist, wie der T. Aischer-Berlag in verlw mitteilt, in Vorbereitnng und soll zum Herbst erscheinen. Dam rnssrschen Theater. Ter RechenschastSbrricht LunatscharskiZ über die Theateriaiton in Moskau und Leningrad bezeichnet als das wichtigste Ereignis da« Drama„S a g m u t- von i« I e b o w. Da« Stück stellt einen unter dem Gesichtswinkel der Klassenkampstheorie gesehenen Konflikt im allen Babylon dar. Lunaticharskj ist überzeugt, datz deutsche Theater sich sür da» stuck tutrregirrm wert««. Deutsthnationale und Ms!anöer. Das Reichsarbeitsministerium gegen Genossen Hörsing. Genosse H ö r s i n g hat in einem Artikel, der am 14. Juli im„Vorwärts" erschien, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Tatsache gelenkt, daß hunderttausende von polnischen Landarbeitern in Deutschland arbeiten, während deutsche Landarbeiter ZU Hunderttausenden arbeitslos sind. Gegen seine Darstellung wendet sich nicht die Interessen- Vertretung der Großagrarier, sondern— das Reichs- arbeitsministerium. Es erklärt: „Im Jahre 1925 waren in ganz Deutschland insgesamt 278 800 ausländische Arbeiter zur Beschäftigung zugelassen oder im Besitz des Befreiungsscheins. Davon entfielen auf die Landwirtschaft 148 600, auf die Industrie 130 000. In diesen Zahlen sind ein- begriffen auch die Arbeiter in den Ländern, die das Legitimptions- verfahren nicht kennen, da die Einstellung und Beschäftigung aus- ländischer Arbeiter im ganzen Deutschen Reich der behördlichen Ge- nehmigung bedarf. Die in der Zusammenstellung unter Ziffer II angeführten 60 000 landwirtschaftlichen Arbeiter sind daher bereits in der Ziffer I enthalten. In der Zusammenstellung sind weiter unter Ziffer III 148000 Ausländer aufgeführt, die angeblich in Preußen ohne behördliche Genehmigung ar- b e i t e n. Es mag zutreffen, daß sich im Deutschen Reich aus- ländische Arbeiter befinden, die sich bisher der polizeilichen Kon- trolle entzogen haben. Ihre Zahl ist aber nur gering und wird dadurch aufgewogen, daß von der behördlichen Zulassung nicht in vollem Umfang Gebrauch gemacht wird. Die Zusammen- stellung erhöht weiter in Ziffer IV die Zahl der ausländischen Ar- beiter um 390 000 Kinder über 10 Jahre. Es widerspricht der Uebung, Kinder unter 14 Jahren als Boll- arbeiter zu rechnen. Die Zahl der Kinder beträgt im übrigen weit weniger. Eine in Preußen im Januar dieses Jahres vorgenommene landwirtschaftliche Bctricbskontrolle hat ergeben. daß auf etwa zwei Arbeiter über 14 Jahre ein Kind unter 14 Jahren kommt. Dabei hat diese Kontrolle gerade die kinderreichen aus- ländischen Landarbeitcrfamilien erfaßt, die über den Winter in Deutschland geblieben sind. Die landwirtschaftlichen Arbeiter, die im Frühjahr des Jahres als Wanderarbeiter nach Deutschland gekommen sind, höben keine Kinder mitgebracht. Das Verhältnis der land- wirtschaftlichen Wanderarbeiter über 14 Jahre zu den Kindern unter 14 Sohren ist infolgedessen zurzeit etwa so, daß auf drei bis vier Erwachsene ein Kind kommt. Hervorzuheben ist noch, daß die oben erwähnte Zahl von 130 000 ausländischen Industriearbeitern etwa zu 70 Proz. aus Deutschstämmigen besteht, die nur bedingt als Ausländer anzusehen sind und vornehmlich für die Erteilung von Befreiungsscheinen in Betracht kommen. Alles in allem ist somit festzustellen, daß die Zahl der beschäftigten ausländischen Arbeiter in Deutschland die Höhe von 278 600 tatsächlich nicht überschreitet, vielmehr kaum erreicht. Auch diese Ziffer ist allerdings höher als der gegenwärtigen Lage des Arbeits- Marktes entspricht. Aber Reich und Länder sind bemüht, eine wesentliche Senkung dieser Zahl herbeizuführen." Ob die beiden Schätzungszahlen Horsings, nämlich 148 000 Wanderarbeiter in Preußen ohne Legitimation und 390 000 Vollarbeitskräfte, die sich aus den Kindern der polnischen Wanderarbeiter rekrutieren, tatsächlich zu hoch sind, wie das Ministerium versichert, müssen wir doch sehr bezweifeln. Was die S ch w a r z a r b e i t.e r belrifjt« so hat Hörsing den Kreis O st e r b u r g als Grundlage für feine Berechnung herange- zogen, wo sich 352 ausländische Landarbeiter ohne Legitimation aufhielten. Wie wir vom Landarbeiterverband hören, gibt es eine ganze Reihe von Bezirken, wo selbst nach Auffassung bürger- licher Kreise eine ganze Menge Schwarzarbeiter be» schäftigt sind. Man schätzt sie auf 80 000 bis 100 000. Daß ferner die polnischen Landarbeiter auch jugendliche Arbeits- kräfte, die sie als ihre Kinder ausgeben, nach Deutschland hereinbringen, wird ebenfalls von den Sachkennern nicht be- stritten. Diese jugendlichen Landarbeiter sind sehr billig und deshalb den Gutsbesitzern besonders willkommen. Hörsings Schätzungen mögen zu hoch gegriffen sein. Allein, wie dem auch sein magj es bleibt von den Schätzungen Hörsings auf jeden Fall immer noch— leider— viel zu viel übrig. Es kann ja auch gar nicht anders sein; denn an allen Ecken und Enden werden polnische Landarbeiter und Landarbeiterinnen beschäftigt, wo im gleichen Ort deutsche Landarbeiter arbeitslos sind und wo also die Wohnungsfrage keine Rolle spielt. Die Gründe dafür sind bekannt. Die Gutsherren wollen Arbeits- sklaven— keine Arbeiter. Der Patriotismus üer LanÜwirte. Deutsche Landarbeiter hungern zugunsten der Aus- länder. Dem Reichstag lagen kürzlich Anträge vor, die von der Reichs- regierung ein f ch ä r f e re s Vorgehen gegen die Beschäftigung ausländischer Wanderarbeiter verlangen. In der den Anträgen beigegebenen Begründung wurde gesagt, daß es unver- antwortlich ist, ausländische Wanderarbeiter in einer Zeit zu be- schästigen, in der ein gewaltiges Heer von arbeitslosen deutschen Arbeitern vorhanden ist. Wie berechtigt dieses Vorgehen im Reichstag war, beweist das Material, das seitens der Gauleitung des Deutschen Landarbeiterver- bandes in Magdeburg gesammelt und kürzlich den zuständigen Re- gierungsstellen zugänglich gemacht wurde. Danach steht folgendes fest: Eine kürzlich in der Gemeinde Cochstedt, Kreis Liuedlin- bürg, vorgenommene Feststellung ergab die Beschäftigung von 60 männlichen und 107 weiblichen polnischen Ar- beitskräften. Zu derselben Zeit, als das festgestellt wurde, zählte die Gemeinde 46 arbeitslose deutsche Land- arbeiter und Landarbeiterinnen. Dazu kommt noch eine Anzahl erwerbsloser Industriearbeiter, die der Landarbeit kundig und auch gewillt sind, in der Landwirtschaft Beschäftigung anzunehmen. In der Gemeinde O t t l e b e n, Kreis Oschersleben, wurde festgestellt, daß17männlicheund67weiblichepolnische Arbeitskräfte beschäftigt werden und 17 deutsche Land- arbeiter erwerbslos sind. Auf dem Rittergut Kannenberg. Kreis Osterburg. wurden kürzlich 4 deutsche Landarbeiter entlassen, weil sie vor dem Schlichlungsausschuß die Zahlung der tariflichen Entlohnung durch- geseht hatten. Zu derselben Zeit, als die Entlassung erfolgte und die Landarbeiter in das Heer der Arbeitslosen gestoßen wurden, be- schästigte der Betrieb 36 polnische Arbeitskräfte. Die Nachforschungen in der Gemeinde Drakenstedt, Kreis Wolmirstedt, ergaben, daß die Arbeitgeber insgesamt 27 pol- nische Arbeitsträste beschäftigten, obwohl ihnen bekannt war, daß die Gemeinde 8 arbeitslose deutsche Land- arbeiter zählte. Mit solchen Feststellungen wird in der deutlichsten Weise ver- anschaulicht, was von den patriotischen Redensarten mancher land- wirtschaftlicher Unternehmer zu halten ist. Hier zeigt sich, daß erst der persönliche Borteil kommt und dann denkt man an die Pflege des Deutschtums und an das Mitempfinden mit der Notlage der Mitmenschen. Die Frage ist, wie sich die Fachausschüsse der zuständigen Arbeitsnachweise zu den Dingen stellen. Haben sie keine Kenntnis davon oder Wösten sie sich nicht den Zorn der Landwirte zuziehen? Beides wäre unverantwortlich und müßte die vorgesetzten Behörden zwingen, energisch Einspruch zu erheben. Der Deutsche Landarbeiterverband hat auf seiner letzten Generalversammlung salzenden Grundsatz zur Frage der Ausländerbeschäftigung beschlossen: „Auf deutschem Boden sollen in erster Linie deutsche Arbeiter beschäftigt werden. Ausländer sollen erst dann in Frage kommen, wenn ein tatsächlicher Bedarf festgestellt ist. Bei der Beschästi- gung der ausländischen Wanderarbeiter ist scharf darauf zu achten, daß sie unter denselben Bedingungen erfolgt, die für die deutschen Landarbeiter in Geltung sind." Pflicht aller verantwortlichen Angestellten und gerecht denken- den Kreise ist es, dafür einzutreten, daß dieser Grundsatz ein solcher jeder Reichsregierung und jeder mit der Ausländerbeschäftigung in Berührung kommenden Behörde wird. Zeugniszwong gegen Journalisten. Der Fall Lania und feine prinzipielle Bedeutung. Der Rechtsvertreter des Schriftstellers Lania, Genosse L e o i, hat an den preußischen Iustizminister die folgende Eingabe gerichtet: „Ich nehme Bezug auf meine wiederholten mündlichen und telephonischen Borstellungen in der Angelegenheit des Journalisten Leo Lania und erlaube mir nunmehr weiter folgendes vorzu- tragen: Wie bekannt, ist nunmehr gegen diesen auf Grund des Be- schluffes des Amtsgerichts Eharlottenburg vom 8. Oktober 1926 der Aollzug einer Haftstrafe von 20 Tagen Haft ange- ordnet worden. Ich habe bereits in den früheren Verhandlungen darauf hingewiesen, daß und aus welchen Gründen die Anwendung des Zeugniszwangsverfahrens gegen einen Journalisten in einem Falle wie diesem unzulässig sei. Wenn ich auch zugeben muß, daß der Wortlaut der Strafprozeßordnung dem Journalisten ein Recht zur Zeugnisverweigerung nicht gibt, wie es beispielsweise der Anwalt oder der Arzt hat und wie auch der Journalist es zweifellos auf Grund der ZPO. hat, so glaube ich, dürfte doch nicht außer acht gelassen werden, daß der Strafprozeh letzten Endes und, jedenfalls in der Theorie, die Ausgabe hat, gewisse sittliche Begriffe zu' verwirk- l i ch e n, und daß daher der Strafprozeh da aushört, wo er beginnt, sich mit sittlichen Anschauungen weiter Boltskreise und bestimmter Berufsorganisationen in Widerspruch zu setzen. Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, daß bei einer Neugestaltung der Strafprozeßordnung entsprechend der jetzigen sittlichen An- schauung aller in Betracht kommenden Kreise das Zeugnis- verweigerungsrecht des Journalisten geschriebe- nes Recht werden wird. Wenn die Gesetzgebung naturnot- wendigerweise der Herausbildung gewisser sittlicher Begriffe nach- eilt, nicht Schritt mit ihnen hält, so ist es Ausgabe einer ver- - nünftigen Rechtsanwendung, schon vor der Aenderung des ge- fchriebenen Rechtes diesen sittlichen Anschauungen Rechnung zu tragen. Dies um so mehr in einem Falle, wo die Anwendung der Zwangsmittel durchaus in das Belieben der Strafoer- folgungsbehörden gelegt ist. Halten die Strafver- solgungsbehördcn es nicht für opportun, einen Zeugen zu ver- nehmen, so können sie ohne weiteres und ohne irgend sich selbst in Widerspruch mit dem Gesetz zu setzen, auf dessen Vernehmung ver- zichten. Es ist also gerade in den Fällen des Zeugniszwanges durchaus nicht so, daß die Behörden sich auf eine ihnen etwa selbst unangenehme, aber starr vorgeschriebene Pflichterfüllung berufen können. Die Durchdrückung des Zeugniszwangsverfahrens in einem solchen Falle verrät vielmehr nichts anderes als bureaukrati- schen Starrsinn zum mindesten, wenn nicht schlimmere Mo- ti»e zugrunde liegen. Im vorliegenden Falle erlaube ich wir auf folgendes hinzuweisen. Ich glaube aus den früheren wiederholten Vor- stellungen im Justizministerium in dieser Angelegenheit entnommen zu haben, daß auch das Justizministerium die Anwendung des Zeugniszwangsverfahrens im gegenwärtigen Falle nicht eben als eine erfreuliche Erscheinung ansieht. Ich habe entsprechend der An- regung, die ich seinerzeit aus dem Justizministerium erhielt, mich mit Eingaben vom 17. August und vom 21. Ottober 1925 an die Staatsanwaltschaft in Halle gewendet. Ich tonnte auf Grund der Unterredungen, die ich im Justizministerium hatte, der Annahme sein, daß das Justizministerium feine Aus- sassung von der Anwendung des Zeugniszwangsverfahrens. gegen' einen Journalisten gegenüber der zuständigen Staatsanwaltschaft in Halle klarlegen würde, wozu dos Justizministerium ja bekanntlich gegenüber der Staatsanwaltschaft das volle Recht hat. Die Staats- anwaltfchaft selbst ist auf Grund des§ 196 der StrPO. durchaus in der Lage, beim Untersuchungsrichter auf die Abstellung des Zeugnis- zwange? hinzuwirken: erfahrungsgemäß finden solche Anträge der Staatsanwaltschaft bei dem Untersuchungsrichter volle Berücksichti- gung. Statt nun diesen, wie ich annehmen muß, ihm bekannten Intentionen des Justizministeriums Folge zu leisten, hat der Ober- staatsanwolt in Halle auf meine Eingabe vom 21. August 1925 mir mitgeteilt, daß er meine Eingabe an den Herrn Unter- suchungsrichter weitergereicht habe, „einen Antrag dazu habe ich nicht gestellt, da Herrn Lania in seiner Eigenschaft als Journalist ein Zeugnisverweigerungsrecht nicht zusteht". Auf meine wiederholte Eingabe hat mir der Ober- staatsanwolt in Halle mitgeteilt, daß sie ihm keinen Anlaß gäbe, von seinem Schreiben vom 21. August 1926 abzugehen. Im Gegensatz also zu den, wie ich annehme. In- tentionen des Justizministeriums hat der Oberstaats- anwalt in Halle eine Antragstellung aus Grund des K 196 StrPO. abgelehnt und jeder Kundige weiß, daß ein« solche Weitergabe in jener Lage des Verfahrens und unter Belllcksichtigung seiner besonderen Umstände nichts anderes ist als eine offene Billigung des angewandten Zeugniszwanges. Zu diesen allgemeinen Erwägungen kommt noch folgendes: Wie Herr Lania bereits mitgeteilt hat, ist er bereit, zu deschwören, daß er Kennini» von den in Frage stehenden Urkunden weder von dem Beschuldigten Domralh noch überhaupt von irgendeinem Beamten bekommen habe, daß ihm vielmehr die Nachricht aus völkischen Kreisen mitgeteilt worden sei. Die Preisgabe der Namen dieser Völkischen würde, wie bekannt ist, für die Betroffenen besondere Folgen haben. Ich verkenne den ernsten Willen der preußischen Justizverwaltung nicht, gegen gewisse Erscheinungen und Auswüchse der sogenannten illegalen Organisationen einzuschreiten. Ich kann mich aber nicht davon überzeugen, daß die preußische Justizverwaltung des einheitlichen Willens aller ihrer Organe in einem Maß« sicher sei, daß den einzelnen Staatsbürger gegen die Folgen solcher Auswüchse Sicherheit gewährt werden könne. Mit anderen Worten: Die Personen, die Herrn Lania insormiert haben. stehen bei ihrer Bekanntgabe in Gefahr, ernsten Schaden an Leib und Leben zu nehmen. Hiergegen kann ihnen vorläufig niemand Sicherheit gewähren, weder der Herr Oberstaatsanwalt in Halle noch der Herr Untersuchungsrichter. Unter diesen Umständen das Zeugniszwangsoerfahren durchzuführen, heißt nichts anderes, als Fememördern neue Opfer auf die Schlachtbant zu treiben. Ich weiß nicht, wie weit das preußische Justizministerium e» mit an- sehen kann, daß seine Organe dabei behilflich sind. Unter diesen Umständen bitte ich erneut und dringend, die Staatsanwaltschaft In Halle zu veranlassen, an den Herrn Unter- suchungsrichter mit den Anträgen ernstlich heranzu- treten, die geeignet sind, die weitere Fortführung des Zeugnis- Zwangsverfahrens zu unterbinden." Die Eingabe hat Bedeutung nicht nur für den Fall Lania. Es wird von Interesse sein, die Stellung d-s Justizministeriums zur Frage des Zeugniszwangs g-gen Journalisten kennen zu lernen. Zunächst freilich wäre es seine Aufgabe, die s t a n d a- löse Anwendung des Zeugniszwangs gegen Lania zu unter- binden, Arbeitsgemeinschaft �itler-yelö! Enthüllungen des völkischen Abgeordneten Dörfler. Rlünchen, 15. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Anläßlich einer Versammlung der Völkischen Freiheitspartei München im Februar dieses Jahres mit Gras Reventlow als Redner schrieb das Organ Hitlers, der„Völkische Beobachter" von der Fraktion des Völkischen Blocks im Bayerischen Landtag als von einer Gruppe der Stänkerer und Lcrrätergesindel. Das führte zu einer Beleidi- gungsklage von sieben völkischen Landtagsabgeordneten gegen Hitler und den verantwortlichen Redakteur seines Blattes, die am Donnerstag vor dem Amtsgericht in München verhandelt wurde. In einer einstündigen Rede gab Hitler selbst ein Bild der Zersplitterung innerhalb der völkischen Bewegung und betonte dabei, daß die heutigen völkischen Abgeordneten bei den Wahlen 1924 bindend auf seinen Namen gewählt worden seien und daß auch nur in seinem Namen Finanzierung der Wahl möglich gewesen sei. Für l>ie Kläger sprach der völkische Landtagsabgeordnete Dörfler, von Beruf Land- gerichtsrat. Dieser war in der Lage, mit Erlaubnis des gegen- wältigen Ministerpräsidenten Held folgende Sensation bekannt zu geben: Hitler war am Tage nach seiner Entlassung aus der Straf- anstalt Landsberg bei Held und bat um Begnadigung seiner Mit- gefangenen. Am anderen Tage sprach er noch einmal bei Held vor und erklärte sich bei dieser Gelegenheit bereit, seine Person der Bayerischen"V olkspar tei zur Verfügung zu stellen und dafür einzutreten, daß die auf der völkischen Liste ge- wäblten Abgeordneten sich an einer Regierung mit der Baye- rischen Volkspartei beteiligen würden. Bei der Wiedergab« dieser Begebenheit durch den Abgeordneten Dörfler wurde Hitler im Gerichtssaal außerordentlich aufgeregt und schlug wiederholt mit der Faust auf den Tisch, so daß er mehrmals vom Richter zur Ordnung aufgerufen wurde. In der weiteren Verhandlung wandte sich der Kläger Dörfler noch einmal persönlich an Hitler, wobei er erklärte:„Die nächsten Wahlen werden sowohl für uns vom völkischen Block als auch für Sie, Herr Hitler, ein großes Debacle bringen. Wir gehen aber dann wenigstens mit gutem Gewissen aus dem Landtag hinaus!" Hitler versuchte zum Schluß die fatale Angelegenheit seines Be- suches beim Ministerpräsidenten Dr. Held und sein Angebot an diesen zu vertuschen. Es blieb aber bei einem jämmerlichen Versuch. Hitler hatte außerdem einen auherorodentlich umfangreichen Beweisontrag mit nicht weniger als 50 benannten Zeugen dem Gericht übergeben, Es wurde deshalb die Verhandlung bis auf weiteres unter- brachen, um der Klägerpartei Gelegenheit zu geben, diesen Be- weisantrag zu studieren. Auch von.dieser Seite wurden dann rund 50 Zeugen benannt, darunter der Ministerpräsident Dr. H e l d. Der Rakoft-Prozeß. Aussagen gegen die Sozialdemokratie. Wien, 15. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag Hot in Budapest der große Monstreprozeß gegen den ehemaligen unga- rischen Volkskommissar Matthias und Genossen begonnen. Unter den Angeklagten befindet sich auch Stefan Vagi und Alada W e i s h a u s. Dieser hatte im Januar 1925 an einer von der Internationale in Wien einberufenen Konferenz teil- genommen, die den ungarischen Parteistreit zu schlichten versucht. Der Prozeß wird auch über die politische Stellung dieser Männer wie über die Richtung der abgesplitterten Partei- gruppe, die sich„Ungarländische sozialistische Arbeiterpartei" nennt, Klarheit bringen. Nicht weniger als 54 Angeklagte füllen den Saal. Auf den Tribünen befinden sich eine Reihe aus- fändischer Zuhörer, darunter auch der deutsche Rcichstagsabgeordnete Dr. Kurt R o f e n f e l d. Die beiden ersten Sitzungen sind nach der Feststellung der Personalien, die sich über Stunden hinzieht, fast ganz mit der Vernehmung Rakosis ausgefüllt. Rakosi spielt sich als N a t i o n a l b o l sch e w i st auf und benutzt seine Vernehmung zu einer stundenlangen Beschimpfung der ungarischen Sozialdemo. kratie, die Ungarn und ihre Mission verraten habe. Die„Nepszava". unser Budapester Parteiblatt, beschäftigt sich in einem„Verschwörung gegen die Sozialdemo- kratie" überschriebenen Artikel mit dem Prozeß. Sie tritt mit großer Entschiedenheit dafür ein, daß den Kommunisten die legale Tätigkeit gestattet werde und nimmt scharf gegen die Regie- rung Stellung, die Verbreiter von Flugschriften und Verfechtex von Ideen, die in der ganzen Welt frei für ihre Anschauungen werben können, als Hochverräter anklagt. Gleichzeitig betont sie, daß es der Regierung offenbar gar nicht so unangenehm sei. wenn ihr stärkster Gegner, die Sozialdemokratie, im Gerichtssaal ver- l e u m d e t und in den Kot gezogen werde. Sie fordert die Ein- stellung des unsinnigen Prozesses und erklärt, daß sich die Sozialdemokratische Partei stark genug fühlt, aus eigener Kraft und vor den Arbeitern selbst den Kampf gegen die kommunistische Brunnenvergijtung zu führen, OewerMastsbewegung Die Not der jugenülichen Erwerbslosen. Wie steht's mit der Fortbildung? Auf die besondere Notloge der ungelernten fugend- l i ch e n Erwerbslosen ist im Lause des letzten Halbjahres bei den verschiedensten Gelegenheiten hingewiesen worden. Trotzdem liegen bei der Fortbildung der jugendlichen Arbeitslosen die Tinge noch immer sehr im Argen. Der größte Teil der jugendlichen Arbeitslosen besteht aus ungebildeten Arbeitskrästen. Im Kriege wurde in der Schule nicht viel gelernt und in der Nachkriegszeit ging es schnell in irgendeinen Betrieb, damit rasch etwas Geld verdient wurde. Während der Inflationszeit bestand starke Nach- frage nach jugendlichen Hilfskräften. Das alles führte dazu, daß wir heute einen sehr hohen prozentsah ungelernter jugendlicher Arbeitskräste haben. Dazu kommt infolge der Rationalisierung eine scharfe Aus- lese und weitere Verringerung der an sich schon geringen Unter- bringungsmöglichkeiten. Die wenigen Kenntnisse und Fertigkeiten der ungelernten lugendlichen Arbeitslosen gehen infolge der monate- langen Untätigkeit völlig verloren. Die Gewerkschaften haben wiederholt mit Nachdruck sich für die Fortbildung und Umschulung der jugendlichen Arbeiter und Angestellten eingesetzt. Vom Staat sind für die Gemeinden, die Fortbildungsmöglichkeiten schassen, Zuschüsse zugesagt. Auch wurde die U n t e r st ü tz u n g für die Jugendliche» unter 16 Iahren, die sonst nichts bekommen, an die Beieiligung an Fortbildungskursen gebunden. Wie wir hören, sollen Lehrkräfte(auch Junglehrer, soweit sie sich eignen, und Di- slomlehrer) zur Verfügung stehen. In Düsseldorf hat das Experiment mit der Ausbildung der arbeitslosen Jugendlichen recht gute Ersolge erzielt und viel Anerkennung gefunden. Trotzdem kann man nichts darüber erfahren, wie sich z. B. in Preußen der Runderlaß des wohlfahrtsministeriums, der schon vor längerer Zeit hinausging, ausgewirkt hat. Man sollte meinen, daß jede Möglichkeit zur Entlastung des Arbeits- Marktes ergriffen werden würde. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Länder und Gemeinden sollten sich, nachdem sie die kostbare Gelegenheit der Vermehrung von Fortbildungskursen während der Schulferienzeit haben oerstreichen lassen, nun endlich dazu aufraffen, daß wenigstens im kommenden Winter die Fortbildung und Umschulung der Jugendlichen im großen Maß- stob durchgeführt wird. Eine solche systematische Ausbildung würde für Tausende der jugendlichen ungelernten Arbeitskräfte ein Segen sein. Will die Republik ihre» Nachwuchs verdummen und ocr- kommen lassen?_ Ucbcrstundcnunfug in der Filmindustrie. Vor dem Gewerbegericht Berlin klagte die Filmkleberin B. gegen die Firma Richard-Oswald-Film, Berlin, Friedrich- straße 12, wegep Bezahlung von Uebcrstunden. Sie verlangte für die Zeit vom 19. Mai bis 1. Juni 1926, also für insgesamt 11 Tage, in denen sie I2Z Ueberstunden geleistet hat, Bezahlung. Die Beklagte machte geltend, daß die Klägerin die ihr zugesicherten 5 Mark pro Woche als Pauschalsumme für geleistete Ueberstunden sich einzufordern vergessen hätte, die Firma aber jederzeit bereit sei, die Differenz in Höhe von 15 Mark sofort zu zahlen. Die Klägerin, vertreten durch die Film- gewcrkschast, machte geltend, daß nach ihrer Ausstellung von ihr bis zu 56 lausenden Arbeitsstunden verlangt wurden, auch an den Pfingstseiertagen muhte sie arbeiten. Ihre Arbeitszeit dehnte sich bis l Uhr nachts aus, so daß die Klägerin innerhalb 14 Tagen 4�4 Arbeitswochen zu je 46 Stunden gearbeitet hat. Es wurde geltend gemacht, daß eine solche Ausnutzung gegen den Manteloertrag der Industrie verstoße und somit die rechtliche Unterlage für die Be- Zahlung der Ueberstunden bestände. Das Gewerbegericht kam zu dem Beschluß, die Beklagte zu ver- urteilen, an die Klägerin für geleistete Ueberstunden 134,33 Mark zu zahlen._ Tic Entlohnung der Landarbeiterinnen. Wie die Landarbeiterinnen entlohnt werden, beweist erneut der Lohnzettel einer Landarbeiterin von dem Rittergut R e m st ä d t in Thüringen. Auf dem Lohnzettel sind folgende Angaben enthalten: Name:................. Lohn vom 17.— 23. April 1926. Wochenlobn............. M. Pf. 50 Siunden d..., M....... 8,— Abzüge: Krankengeld....... 0,66 M. Invalidenversicherung.... 0,25. Kaution.......... 1.—, 1,91 M. Summa: 6.09 Di. An Deputat erhalten die Mädchen wöchentlich ein Pfund Erbsen, ein. Pfund Reis, ein Pfund Grieß, drei Pfund Mehl, sieben Psund Brot, täglich einen halben Liter Milch, wöchenllich ein Pfund Butter und 25 Pfund Kartoffeln. Das versprochene Fleisch wird nicht ge l i e f e r t. Feuerungsmaterial wird auch nicht gegeben. Die gelieferten Kartoffeln waren so schlecht, daß man sie als menschliche Nahrung nicht mehr ansprechen darf. Als die Mädchen auf dem Gut Remstädt angesichts der nicht ein- gehaltenen Bedingungen den Kontrakt lösen wollten, alarmierte der Rittergutsbesitzer die Polizei, ließ einen Wagen anspannen und durch diesen die inzwischen auf den Bahnhof gegebenen Sachen wieder zurückholen. Die Mädchen selber wurden zunächst aus die Polizeiwache nach Gotha gebracht. Der Rittergutsbesitzer behielt das Kautionsgeld zurück. In dem vorliegenden Falle handelt es sich um s ch l e s i s ch e Landarbeiterinnen, die von der in Breslau bestehenden Vermittlungsstelle vermittelt wurden. Den Mädchen wurden eine Menge von Versprechungen gemacht mit dem Erfolg, daß sie einen Zettel unterschrieben. Was auf dem Zettel nach- träglich vermerkt wurde, haben sie nie erfahren. Bei solchen Vorgängen wundern sich die landwirtschaftlichen Unternehmer noch über die Unzufriedenheit der Landarbeiterinnen und über die in diesen Kreisen stark oerbreitete Absicht, der Land- arbeit völlig den Rücken zu kehren. Ist das nicht eine reichlich komische Einstellung? Die landwirtschaftlichen Unternehmer müßten schon zur Vermeidung von Blamagen von solchen Methoden endlich abkommen. Im übrigen wird es höchste Zeit, daß sich die Aermittlungs- institutionen um die von ihnen verinittelten landwirtschaftlichen Ar- beitskräste bekümmern und nachprüfen, ob sie nüist etwa willenlos den landwirtschaftlichen Unternehmern ausgesetzt sind. Verbindlich erklärter Schiedsspruch für den Westen. In dem Tarifsireit zwischen dem Arbeitgeberoerband der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke Rheinlands und Westfalens(AB.) und dem Deutschen Metallarbeiterverband in Essen, dem Christlichen Metallarbeiterverband in Duisburg, dem Zentraloerband der Arbeit- nehmer össentlicher Betriebe und Verwaltungen in Essen, dem Ge- werkverein deutscher Metallarbeiter(HD.) in Düsseldorf, dem Zentral- verband der Maschinisten und Heizer in Essen, dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter in Düsseldorf wird der Schiedsspruch vom 21. Juni 1926, der unter dem Vorsitz des ftellveriretenden Schlichters für den Bezirk Westfalen gefällt worden ist, gemäß Artikel 1 8 6 der«chlichtungsverordnung vom 30. November 1923 für verbindlich erklärt._ Aus der argenkinischcn Gcwcrkschaftsbcwcgunk. (JGB.) Der kürzlich in Buenos Aires abgehaltene Kongreß des kommunistisch-syndikalistischen Gcwerkschastsbundcs„Union Sindical Argentinia" hat neuerlich die Machtlosigkeit und den Sektarismus dieser Bewegung demonstriert.� Der größte Teil der Beratungen wurde durch persönlichen Streit und gegen- seit ige Beschimpfungen in Anspruch genommen: die Bc- ratungen selbst ließen erkennen, daß auf eine Aenderung dieses Zu- standes nicht zu rechnen ist. Bezeichnend für die Haltung des Kon- gresses ist, daß ein Vertreter des Typogrophenver- b a n d c s, trotzdem er seinen Beruf ausübt, nicht zugelassen wurde, weil er Gemeindcratsmitglied istt Von den 105 Organisationen, die zur Entsendung von Dele- gierten berechtigt sind, haben 60 insgesamt nicht mehr als 1717 Mitglieder, wahrend allein der bei dem Bund der freien Gewerkschaften angeschlossene Verband der Gemeindearbeiter 3098 Mitglieder zahlt. Einen erfreulichen Gegensatz zu der Großsprecherei dieses Kon- gresses bildeten die Verhandlungen der im Mai abgehaltenen Kon- greste der beiden Eisenbahnerverbände, die den Kern des neuen Gewerkschastsbundes bilden, dessen ernstes und praktisches Arbeiten zur Hossnung berechtigt, daß für die argentinische Gewerk- schastsbewegung eine Epoche zielbewußter, systematischer Gewerk- schaftsarbeit beginnt._ Ter Zug zur Stndt auch in Rußland. Moskau. 15. Juli.(TU.) Die Arbeitslosigkeit in den Gou- vernements K a l u g a und R j a s an nimmt ständig zu. Die Ge- werkschaften sind von Moskau aus angewiesen worden, A g i t a- toren nach den Dörfern hinauszusenden, um den Zu- ström der Landbevölkerung im Herbst nach den Städten abzu- halten. Sämtliche Arbeitsnachweise der Gouvernements berichten den Zentralstellen, daß sofortige Abhilfe mittels öffentlicher Ar- Veiten geschaffen werden müsse, da sonst die öffentliche Sicherheit gestört würde._ Die Arbeitslosigkeit in Dänemark ist in der vergangenen Woche um 383 Personen gestiegen und beträgt nunmehr 46 560. Der Zu- gang fällt in der Hauptsache aus die Textilarbeiter. (freie Sewcrkschafteixgead. fieulc. ftmloii,'Vi Uhr. tagen die Gruppen: Kermannplah: Jugendheim Sandcrstr. II, Ecke Hodrcchlflrahe. Wir gehen»ach dem Meiagardeilrrspoitplah.— Bedding: Jugendheim Gerichtstr. SSV.„Wider die Pfaffenherrschaft'.— vberfchiaeweide: Lausener Str. 2 titoter Gaol). Vortrag:„Die Frau in der Arbeiterbewegung". Zugendgruppe de, ZdA. Heute. Freitag, TVH Uhr. Veranstaltungen folgen. der Abteilungen: Osten: Jugendheim Große Franlfurtcr Str. u>«Zimmer K>. Vortrag:„Die Lebensgemeinschaft in der Ratur".— Südost: Jugendheim Reichcnbcrger Str. GG Vortrag:„Fordismus".— Südwest: Jugendheim Belle- Allianec-Etr.'10. Heimabend.- Spandau: Jugendheim Lindcnuscr 1. Lieder- abend(in Gemeinschaft mit Abteilung Charlottcnburgl. (Gewerkschostliches siehe auch 2. Vellage.) Verantwortlich für Politik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artnr Saternn,: Gewerkschaftsbewegung: Fr. Eftlor»: Feuilleton: Dr. Zohn Schikow»li: Lokales und Sonstiges: Frist starstädt: Anociaen: Tb. Stocke: samtlich in Berlin. Verlag: Lorwörts-Verlaa G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerel und Berlaasanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW eil. Lindenstrahe 3. Hierzu 2 Beilagen und„Unterhaltung und Wissen". A. WERTHEIM Leipziger Piaiz KAnigstraB* Kescnthalcr Strafte Moritzplatz Boa-Lie Zitronen- Gärungsgotränk Verkauf: Drogen-AbUMung Ausechank: Crfrfechungeraum /' CebensmiUel Soweit Vorrat. Leicht verderbi. Artikel können nicht zugesandt werden Frisches Fleisch Schmorfleisch— rf—d 90 p* Kalbskamm u.-Brust...«»> 72" Kalbsrücken.............> 80" Kalbskeule"d geteilt.,.. Pfand 90 pt. Hammel vorderfleisch 85« Schweinekamm-™.p'- las Starke Liesen................ 85" Gehacktes Fleisch......"»<» 75" Fettes Gefrierfleisch...."�50". Dose'/i Sellerie w Scheiben... 0.80 Preieelbeeren...... 0.80 Rindfleisch«.msch.neisdi 1.20 Gulasch>/> Dose 0.60»»- 35" Käse u. Butter Camembert voiifett. siud< 0.18 Steinbuscher...Pfand 0.95 Camembert'Ten«, siuck 0.58 Tilsiter voiifeit,..p/und 1.05 Tilsiter....... Pfand 0.58 Schweizer biyri»ch., Pfd.|.58 Allgäuer Stangen Pfand 0.64 Margarine..... Pfund 0.56 Edamer......."und 0.T2 Tafelbutter....Pfand 1.78 Holländer....."»nd 0.82 Tafelbutter"d. 1.98 Wein Preise für Vi Flasche einschUefilich Berliner GetrSnkesieuer. ohne Qla Edelapfelwein®™�bsl0.55 1922 Lieserer Niederb., ____...,»Ufflx. lordemd I.oll 1924 Nitteler Gipfel 1922 Erdener 1.45 (einer Bowlenmosel 0.80 Kncipweln 1923 Wöllsteiner'S« lÄo sang»"..che ah.... 0.90|92| Nier8tejner von und, 70 Tnttenheimer 1922 Piesporter Hohlweid Saarley kernig, stifng.. 1,10 mit Korkbrand Bischhöfl.« 1920 Deidesheimer Guten-'' berg bfam.ger Pfälzer.. 1.20 1.30 Hlnr fruthMfie mU la Raffinade. elntdille/iUdt G/o» Kirsch-, Zitronen-, Johannisbeersaft>-" 0.75 1.30 Himbeersaft"-sehe 0.30"--cn-|.40 Wein vom Faß UicT Borsdorfer Apfelwein 0.50 Johannisbeerwein,,� 0.90 tfah on i/fusv&rhauf Beginn 1. füll Letzter Tag Hiuiimiiiiiiiiimiiiiiimiiiiiiimiiiniiiiniiutiiiniiiiiiniiiiiuiiiiiiiiiit Sonnabend, 17. Juli Kr. 330 ♦ 43.Iahrgang 1. Seilage ües vorwärts ''■ Iii- Freitag, Ib.?llUl02ö Me Zahl der durch Deutschlands Gaue zigeunerhaft umher- ziehenden Bettler und Arbeitsuchenden erhält dauernd ungeahnten Zuwachs. Wenn in einem einzigen Asyl für Obdachlose in Berlin (der sogenannten Palme) nächtlich 43lK) bis 5000 Personen beiderlei Geschlechts übernachten, so kann man ruhig von einem Bettlerheer sprechen. Von Ort zu Ort, in Neinen und größeren Trupps, walzen sie auf Schusters Rappen, dort Quartier suchend, wo die strenge Ge- rechtigkeit sich am wenigsten bemerkbar macht. So sieht man sie ziehen von Norden nach Westen, von Osten nach Süden, kein Häuschen bleibt vor der fechtenden Armee geschützt. Wo gibt es heutzutage noch eine Klinke, die nicht täglich von Bettlern oder ..Kunden", wie der Fachausdruck lautet,„geputzt" wird? Oeffnen sich des Morgens die Asyle, so strömen sie daraus hervor, um sich beutespähend in die Straßen und Gassen der Stadt zu ergießen. Die Aelteren mit Tippelstock und vorväterlichem Ruckjack, in zu- s ammengebettelte Lumpen gehüllt. Die jüngere Generation ohne Bagage, in einer Garderobe, die auf den ernsthasten Versuch schließen läßt, anständig gekleidet zu erscheinen. Die Zusammensetzung der Settlerarmee. Die Belllerarmee beslehl aus allen möglichen Ständen, un- gelernten Arbeitern, durchgefallenen Studenten, versumpften Schau- spielern und Musikern, stellungslosen Kausleuten,.freiheitsdurstigen" Söhnen, erlassenen Strafgefangenen,— das Schicksal macht sie olle gleich und vereiuigt sie zu einer Menschenklasse für sich, die, oerachtet und oerbannt, ein kümmerliches Dasein fristet. Wenn auch die wirt- schaftliche Not die Quelle alles Uebels ist, so sind es natürlich zuerst die Ehoraklerschwachen, die aus dem brodelnden Leben abgesondert werden. Da es das Leben auf der Landstraße nicht so leicht macht, zu einem geordneten Lebenswandel zurückzukehren, sinkt der einmal Ausgestoßene immer tiefer und fühlt sich außerhalb der menschlichen Gesellschaft. Der Hunger überwindet m Anfang die Scham vor dem Bettelngehen, die Gewohnheit stumpft das Schamgefühl ab. Daß es vielen die größte Selbstverleugnung gekostet hat, um ein Mmosen zu bitten, soll gewiß nicht verkannt werden. Ist das Wetter einigermaßen günstig, so treibt es den Tippelbruder auf die Walz«. Die Bäcker und Fleischer in kleineren Städtchen und Ortschaften wissen ein Lied von ihnen zu erzählen. Auch die anderen Geschäfts- Isute werden von den.Ladenstoßern" nicht oerschont. Doch ist diese Tour nicht ganz gefahrlos, denn die Polizei wacht, und mancher ..Kunde", der von einer mitleidigen Fleischerseele ein„Ende" Wurst erbte, erhielt vou einem freundlichen Amtsrichter 14 Tage gratis das Brot dazu. �Vurchreisenöe." Am meisten wirbt der„Kunde" um die Gunst der Hausfrau. Es soll Hausfrauen geben, die behaupten, die Gegenwart eines Bettlers bereits zu wittern, bevor das zaghafte Klingeln an der Tür die Anwesenheit eines„Durchreifenden" bestätigt. In den ineisten Fällen erntet unser„Kunde" bei vorheriger„Witterung" einen Mißerfolg. Das ist dem Erfahrenen zu gut bekannt, weshalb er auch durch verschiedene Tricks seine Anwesenheit so lange ver- schleiert, bis ein unschuldiges Klingelzeichen die Nichtsahnende an die Tür lockt, nach deren Oeffnen dann der ungewünschte Gast in mehr oder weniger untertäniger Haltung seinen Vers hinbetet. „Herrgott, hört's heute denn gar nicht auf? Sie sind schon der fünfte!" sind die gebräuchlichsten Worte, durch die die Hausfrau ihrer Enttäuschung Lust verschafft. Aber Worte sind dem gewandten Bettler lieb: sie bieten ihm Gelegenheit zum„Anbeißen", wobei zuguterletzt doch etwas abfällt. Zweifelhaft für den Erfolg des Ansprechens find ihm dagegen die undurchdringlichen Sphinxgestchter, die sich manchmal wie ein Fragezeichen im Türspalt zeigen, um dann wortlos zu verschwinden. Hier muß nun die Menschenkenntnis und eine gewisse Kombination von Gehör und Verstand einsetzen, um dem„Kunden" ein unnützes Warten zu ersparen. Wie sehr die Menschenkenntnis in einem Bettler entwickelt ist, davon macht sich der Laie kaum eine Vorstellung. Die Polizei ist öolösatn. Am liebsten ist dem Fechtbruder natürlich bare Münze. Die Straßen, Plätze und Häuser, wo er Geld bekommt, sind ihm ziemlich genau bekannt, nur schade, daß der Grimmsche"(Kriminalpolizei) ihm auch des öfteren das Geschäft verdirbt und ihn„hochgehen" läßt. Das ist dann eben Künstlerpech, und sein Walzbruder, der trauernde Hinterbliebene, verkündet des Abends in der„Penne":„Ede ist ver- schütt gegangen." Im allgemeinen ist aber die Polizei sehr nachsichtig gegen die, die an Hand ihrer Papiere beweisen können, daß sie nicht zu den berufsmäßigen Bettlern gehören. Hin und wieder liest man von Bettlern, die sich bei der polizeilichen Visitation als In- haber einer größeren Geldsumme entpuppten. Diese In Lumpen gehüllten Schätze sind so seltsam wie ein Diamant in der Sleinwüste. Durchschnittlich ficht ein Bettler pro Tag 1,50 bis 2 Mark. Von diesem Gelde müssen die, welche nicht in Freiasylen übernachten, in erster Linie ihr Schlafgeld, 50 bis 80 Pfennig, entrichten. In zweiter Linie kommt die unvermeidliche Geldausgabe für Rauch- zwecke. Zuletzt wird noch etwas angewandt für einen Teller Abend- suppe, einen Hering oder ein Stück billigen Käse. Gewiß gibt es Bettler, die ein verhältnismäßig angenehmes Leben führen. Aber diese sind wenige— Lebenskünstler mit seltenem Mutterwitz und Geschäitsersahrung. Die meisten leben ein trauriges Dasein, nur gemildert durch die eigene Unbewußtheit gegenüber der trau- rigen Lage. » Die Abwanderung aus dem Geselsschaftsleben in das Reich der Straße wächst von Tag zu Tag. Die Behörden lassen es an An- strengungen nicht fehlen, um das Los der Aermsten der Armen nach Möglichkeit zu lindern. Obdachlosenasyl«, freiwillige Arbeits- onstalten, Reisevorschuß nach Arbeitsstellen, Freikarten für Mittag- essen usw., alles ist gewiß sehr lobenswert, aber dem Elend steuern diese Dinge kaum. Die Beseitigung des Bettlerunwesens ist auch nicht allein durch Zwangsmaßnahmen herbeizuführen, denn der Hunger hört auf keinen Befehl. Erst dann winkt denen in der Tiefe Erlösung vonihrem menschenunwürdigen Dasein, wenn alle Schlot« wieder rauchen und sämtliche Ma- schinen arbeiten. Mehr Züge aus der Stadtbahn. Von heute an tritt aus der Stadt- und Ringbahn an Wochentagen eine wesentliche Verbesserung der Zugoerbindungen ein. Während der Hauptverkehrszeit sind— wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt— auf den Strecken W e st e n d— H alenfee, W e st e n d— Charlottenburg und Lichtenberg— Friedrichsfelde— Schlesischer Bahnhof in den 15»Minutenfahrplan kleinere Pendelzüge eingeschaltet. Aus der Strecke Grünau— Südring bestehen wahrend des Vormittagsverkehrs von 1 Uhr bis 8.30 zwei Verbindungen, zeitweise während des starten Berufsverkehrs sogar vier Verbindungen. Ebenso verkehren von Grünau über Stadtbahn nach Grunewald während des Berufsverkehrs Zwischenzüge. Die dichte Zugfolge des Vormittags- und Nachmittagsbcrufsverkehrs ist auf der Ringbahn um eine Stunde ausgedehnt worden. Die Züge vom Nordring außerhalb des Berufsverkehrs werden über Hermannstraße hinaus bis Pots- damer Ringbahnhof durchgeführt. $5 Graö Fahrenheit. Es hat fast den Anschein, als solle Berlin mit semer gegen« wärttgen Hundstagstemperatur gegenüber dem Auslande zurückgesetzt werden. Ein deutschnationales Blatt gibt diesmal Amerika den Vorzug vor dem eigenen Vaterlande, indem es die in Hitze zerfließenden Berliner ermahnt, sich ein Bei- spiel an den New Vortern zu nehmen, die in edlem Duldergeist die Kleinigkeit von—„9 5 Grad Fahrenheit" ertragen. 32 Grad »nd 95 Grad sind allerdings ein Unterschied, zwischen Celsius und Fahrenheit macht es ober nur ganze drei Grad zugunsten der Amerikaner aus. Das ist gar nicht so schwer auszurechnen, und wer es nicht zu errechnen vermag, kann es sogar bequemerweise im Lexikon fix und fertig in Tabellenform finden. Bei den Sen- sationsblättern hat man offenbar solche altertümlichen Belastungen aus den Bibliotheken hinausgeworfen, und den Lesern traut man offenbar die Fähigkeit, selbst die kleine Umrechnung ausführen zu können oder den Besitz derarttger Bücher nicht zu. Auf jeden Fall haben diesmal die Amerikaner nicht allzu viel vor uns voraus. Es scheint auch fast, als halten sich in der großen Hitze die Berliner tapferer als die Leute jenseits des großen Wassers. In New Jork schläft man auf Balkons, Dächern und in Parts; bei uns haben die Herren erst jetzt angefangen, in Hemdsärmeln auf der Straße zu gehen. Wie nett könnte ein deutschnationales Blatt diese, von der unzweifelhaften Ueberlegenheit des deutschen Wesens zeugende Tatsache mit der lleberschrift versehen: Deutschland wieder einmal in der Well voran. Oder sollte das„völkische Hochgefühl" in der Hitze zusammengeschmolzen sein? Feuer in Tempelhof. Ein ganze» Gebäude ausgebrannl. Gestern abend gegen Vil Uhr wurden mehrere Löschzüge der Feuerwehr nach der Industriestraße 1/6 in Tempelhof alarmiert, wo auf dem Fabrikgelände der Schebere- K ar os s er!« A.- G. ein einstöckiges Gebäude in Flammen stand- In dem einstöckigen Gebäude, in dem umfangreiche Garde» robenlager der Arbeiter, sowie einige Wohnungen von Werksange st eilten untergebracht sind, war kurz vor �7 Uhr gus bisher noch unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen, das an den vielen leicht brennbaren Holzschränken reiche Nahrung fand und sich mit großer Schnelligkett ausbreitete. Bei Eintreffen der Wehren stand das Gebäude bereits in Fammen und starke Rauchmassen umlagerten die Brandstelle. Unter Leitung von Brand- direktor S t i e s e l d e i wurde mit mehreren Rohren größten Kalibers gegen das Feuer angekämpft, um zu verhindern, daß es auf die Karosseriewerkstätten. in denen wertvolles Material laaert. übergriff. Besonders günstig für die Löschaktion gestaltete sich der Ostwind, der die Flammen nach der entgegengefetzten Richtung ablenkte. Nach über einstündiger Tätigkeit gelang es, das Feuer zu lokalisieren und abzulöschen. Der Schaden ist immerhiy erheblich, da das gesamte Gebäude samt Dachstuhl vernichtet ist. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen. Um ZL9 Uhr konnten die Wehren unter Zurücklassung einer Brandwache wieder abrücken. Eine Untersuchung über die bisher noch un- bekannte Entstehungsursache ist eingeleitet. „Verkehrsfragcn!" i Zu dem Aufsatz„Die Durchführung des Kreis«' verkehr?" in der Abendausgabe des„Vorwärts" vom Donnerstag erhalten wir folgende Zuschrift: Daß nun eichlich der Verkehr zwischen Bülowstraße und Spittelmarkt automatisch durch Signallichter geregelt werden soll, ist sehr erfreulich. Weniger erfreulich ist, daß die Neuerung mir auf die Potsdamer und Leipziger Straße beschränkt bleiben soll. Schon vor etwa Jahresfrist betonte der„Vorwärts" die Notwendigkeit, den Verkehr amHallefchenTorebenfallsdurchoptifcheSignale zu leiten. Bis heute stehen noch immer zwei Polizeibeamte an den Straßenkreuzungen, getrennt durch die Belle-Alliance-Brücke, und„regeln" den Verkehr. Schlecht und recht, eben nur so, wie es durch ihre weilläufige Postierung möglich ist. Hier an dieser Stelle, die eine der b e l e b t e st e n in Berlin ist, könnten Signal« l i ch t e r W u n d e r w i r k e n. Die Anlag« ließe sich mit geringen Kosten durchführen, ein Verkehrsturm ist unnötig, di« Hoch- bahnüberführung bietet Raum für die Lichtkästen. Aehnlich liegen die Veichättnisse an der Kreuzung der Invaliden- und der Chaussee st raße. Die Lage der Straßen ist hier noch nicht einmal so kompliziert wie am Halleschen Tor, es handelt sich um eine einfache Straßenkreuzung. Aber der gewaltige Verkehr schreit direkt noch einer optischen Regelung. Oer lvobblq. As Doa B. Travea. C-wright br Buchmeister-Derlag. Berlin und Leipzig. Die Tiere brüllten ab und zu, oder zankten sich und stießen sich. Es wurde geschrien und gerufen. Die Glocken läuteten. Die Sonne lachte uitd glühte. Alles war grün. Das Land des ewigen Sommers. O, du schönes, o du wunderschönes, uraltes, sagen- und liederreiches Land Mexikol Deinesgleichen gibt es nicht wieder auf dieser Erde. Ich mußte singen. Und ich sang, was immer mir einfiel, Chorale und süße Volkslieder, Liebeslieder und Gassenhauer, Opernarien, Sauflieder und Dirnenlieder. Was kümmerte mich der Inhalt der Lieder? Was ging mich die Melodie der Lieder an? Ich sang aus froher, freier Herzensfreude. Und welch eine Zauberluft! Der heiße Odem des tropi- fchen Busches, die warme, schwüle Ausdünstung dieser Masse von wandernden Rindern, die schweren Wellen eines fernen Sumpfes die vom Winde getragen herüberwogten. Dicke Schwärnie summender Beißfliegen und anderer Insekten kreisten über der trottenden Heide, und dicke Schwaden schMernder grüner Fliegen folgten uns nach, um sofort über den Dünger herzufallen. In ganzen Völkern begleiteten uns Schwarzvögel, die sich auf die Rücken der Tiere niedersetzten, um die Zecken aus der Haut zu picken. Millionen von Lebewesen fanden ihre Nahrung durch diese gewaltige Herde. Leben und Leben, und überall nichts als Leben. Unser Marsch führte nun einige Tage über Landwege. Zu beiden Seiten waren die Felder und Weiden eingezäunt mit Stacheldraht. Umzäunte Weiden dürfen ohne ausdrück- liche Erlaubnis des Besitzers nicht eitzgebrochen werden. Unsere Herde mußte auf den Wegen weiden. Sie hatten reichlich zu fressen und wir trafen auch genügend Pfuhle an, die noch von der Regenzeit her mit Wasser gefüllt waren. Aber wenn Auto oder Fuhrwerke oder Karawanen die Wege passierten, gab es Arbeit. Wir mußten die Tiere zur Seite drängen. Dabei scheuten sie, brachen alis oder kehrten um und rasten einzeln oder in Trupps kilometerweit zurück, und wir hätten hinterher zu jagen und sie wieder zum Anschluß zu bringen. Viel schwerer war die Arbeit, lvenn wir auf offene Weiden kamen, wo anderes Vieh in großen Herden bereits weidete, oft ohne Aufsicht. Nicht immer, aber doch zuweilen mischen sich die Herden, und man muß sie lösen. Wir hatten einmal dreiviertel Tag zu arbeiten, um die Mischung zu lösen. Denn von dem fremden Vieh darf man nicht ein einziges Stück aus Versehen mitführen. Das gibt heillosen Spektakel. Ich und an letzter Stelle Mr. Pratt waren verantwortlich für Vieh, das durch unseren Transport einer anderen Herde verloren ging. Zuweilen wird man die fremden Tiere nicht ws. Sie wollen durchaus folgen..Vielleicht, daß sie den Stier mögen, oder daß sie den Geruch unserer Herde lieben. Ebenso kommt es vor, daß sich ein Stück unserer Herde mit einer weidenden Herde mischt und dort nicht mehr heraus will, sondern bei jener fremden Herde bleiben nröchte. Das soll man auch immer gleich wissen, daß man ein fremdes Stück in der eigenen Herde transportiert, oder daß ein eigenes Stück dort zurückgeblieben ist. Die Brandzeichen sind oft sehr ähnlich, oft sehr verwischt und unleserlich. Es ist dann gut, wenn man die eigene Herde gut erzogen hat, sie sich nicht mischt und die fremden Tiere ganz von selbst ausscheidet. Jagt man die fremde Herde beiseite, was der Vormann zu tun hatte mit Hilfe eines der Treiber, ehe unsere Herde kam. so konnte es doch auch off geschehen, daß einige Dutzend Köpfe der eigenen Herde glaubten, sie seien geineint, und mit der fremden Herde davonjagten. Dann wurde das Durch- einander beinahe unentwirrbar, und es kostete Schweiß und Kehlen, die von dem vielen Schreien rauh warm wie Sand- papier. Ein General braucht sich gar nichts auf feine Kunst ein- zubilden. Ein Armeekorps Soldaten über Land zu bringn, ist die reine Spielerei gegenüber der Arbeit, tausend Köpfe wild aufgewachsener Rinder durch unwegsames und halbzivilisiertes Land zu transportteren. Den Soldaten kann man sagen, was man von ihnen will, Rinderherden kann man nicht» jagen, da hat man alles selbst zu tun. Man ist Kommandant und Kommandierter in derselben Person. Gegen fünf Uhr des Nachmittags machten� wir in der�' Regel halt. Manchmal früher, manchmal später. Das hing davon ab, ob»vir Weide hatten und Wasser. Einen Tag können es die Tiere ohne Wasser aushalten, wenn sie frisches Gras haben, im Notfalle auch zwei Tage. Aber am dritten Tage wird die Sache bedenklich. Hatte ich keinen Führer bekommen können, oder war kein Wasser zu sehen, dann ließ ich die Tiere laufen. In den meisten Fällen fanden sie selbst Wasser. Aber das Wasser lag dann oft so, daß wir einen, zwei oder gar drei Tage, wenn nicht mehr in unserer Weg- linie verloren, weil wir ganz quer abwandern mußten. Wir bildeten zwei Lager des Nachts. Eines in Front, eines im Schwanz. Es wurde Feuer gemacht, Kaffee gekocht, Bohnen oder Reis gekocht, Brot gebacken und gettocknetes Fleisch dazu gegessen. Dann wickelten wir uns in unsere Decken und schliefen auf der glatten Erde, mit dem Kopf auf dem Sattel. Zwei Wachen mit Absösung stellte ich aus, um Tiger zu oerscheuchen, und um zu verhindern, daß einzelne Tiere ab- streuen. Unter dem Vieh gibt es ebenso gut Nachtbummler wie unter den Menschen.> Die Tiere sind auf, lange vor Sonnenaufgang und be- ginnen zu weiden. Wir ließen ihnen Zeit, und dann ging e» weiter. Mittags rasteten wir abermals, damit die Tiere sich etwas suchen konnten, und damit sie verdauen und käuen können. Bis jetzt hatte ich nur einen Stier verloren. Er hatte gekämpft und war so schwer gespießt wordeq, daß wir ihn abstechen mußten. Wir schnitten das beste Fleisch aus, schnitten es in schmale Streifen und trockneten es. Für den Verlust aber hatte eine Kuh ein Kalb bekommen, eine Nacht vorher« Das gibt eine neue Schwierigkeit. Das kleine Kälbchen kann den Marsch nicht mitmachen. Aber töten möchte man es auch nicht. Man möchte ihm gern sein junges freudiges Leben lassen, und fühlt auch mit der Mutter, die es so liebevoll beleckt und abschleckt. Was blieb übrig? Ich nahm das Kälbchen zu mir aufs Pferd, und wir wechselten ab: alle halbe Stunde nahm es ein anderer aufs Pferd, �,.(Fortsetzung folgt.) den Derkehrsangelegenheiten gehören auch die reichspost- eigenen Fernsprechautomaten. Ihre Unterbringung in den entlegensten Winkeln von Bahnhossräumen und Postanstolten und ihr verlotterter Zustand ist stadtbekannt, und das telephonierende Publikum hat sich damit abgefunden, a!s Kunde der Post so be- handelt zu werden. Nicht zu verstehen ist aber, wanim die Auto- myten immer noch sür Marken eingerichtet sind, die man natür- lich selten ade? nie bei sich führt. Wohl dem, der im Umkreis von einigen Kilometern eine solche Marke gegen 15 Neichspfennige eintauschen kann. Die Post könnte sich bei Eisenbahn und Hoch- da h n belehren lassen, dasi es schon Fahrkartenautomaten gibt, die auf zwei Zehnpsennigstücfe einen Fünfer herausgeben. Es fl£1.ld' Automaten, die aus ein Zehn- und ein Fünspsennigstück chrc JCiciisileiftiiiiq Dollbringcn. Vielleicht hat die Post bei der hohen Gebühr von 15 Pf. für ein Gespräch bald so viel erübrigt, daß sie solche verkehrerleichterndcn Automaten anschaffen kann. Die Er- nrngung, hierbei zu vsel Falschgeld zu erl>alten, kann kaum mehr in Frage kommen, wo die erwähnten Automaten schon lange ohne große Anstände sunktionieren und auch die Automatengesellschasten, die allerlei G c n» ß m i t t e l verkaufen, gute Geschäfte machen. Die Stadt Berlin hat vor kurzem die Genehmigung zur Aufstellung von einigen hundert F c r n s p r c ch h ä u s ch e n gegeben! vielleicht kann sie für ihre Bürger bei der Post in der Angelegenheit etwas �ugenöberatung. Eine dringende Mahnung. Die Jugend will beraten sein. Aber von wem? Der Er- ziehungsdirektor Berlins, Dr. K n a u t, hat erst vor kurzem er- klärt, daß in den Jugendämtern, besondere Jugendderatungestellen eingerichtet werden würden, wo die jungen Menschen sich Nat holen konnten in ihrer seelischen Not. Namen und Adresie brauchten sie da nicht zu nennen. Bielleicht wird mal eine Zeit kommen, wo die Jugend sich mit ihren Pubertätslciden an behördliche Stellen wenden wird— vorläufig wird sie dies noch nicht tun. Sie geht nicht gern in eine öffentliche Institution, wo sie unter fremden Menschen warten imiß, bis die Reibe an sie kommt. Sie meidet jede B l 0 ß st e l l u n g ihres Innersten. So werden die Berliner amtlichen Iugendbcratungkstcllen bei der Jugend wenig Glück haben. Eine kleine Feststellung liefert den Beweis dafür. Da gibt es in Berlin sei» einem Jahre eine„freie I u g e n d b c r a t u n g". Pädagogen, Aerztc, Jugendsürsorger, Leute der verschiedensten Berufe sind auf einem großen Plakat ausgezählt. In den Fort- vtldungsschulcn, Iugendlesestuben und einem Teil der Jugendämter und höheren Schulen— es wurde nicht überall gestattet ist das Plakat ausgehängt. E» heißt da unter anderem:„Wenn rhr in«eelcn- und Gewiisensnot seid und ollein keinen Ausweg findet, wenn ihr keinen Freund oder Verwandten hobt, �nit dem ihr euch aussprechen könnt, wenn ihr das Bedürfnis yabt, zur Klarheit über euch sefbst zu kommen und neuen Lebensmut zu ge- Winnen, so kommt zu uns." lind wieviele sind gekommen? Ins- gesamt etwa lt>0. lind von diesen>00 haben 60 von auswärts die Geschäftsstelle H. Pfingst, Berlin-Treptow, Moosdorf- straße>Z l. schriftlich um Rat angefragt— nur 40 Berliner befanden sich unter den Ratsuchenden. Der größte Teil der Hilfsbedürftigen hatte das eigentliche Pubcrtätsnlter schon hinter sich. Es soll hier nichts gegen die freie I u g c n d b e r a t u n g gesagt werde». Der gewählte Weg ist richtig, die Beratung wird sich schon durchsetzen. Mehr noch: läßt man sich von dmi Leiter der Geschäftsstelle die einzelnen Fälle erzählen, liest nion die eingegangenen Briefe, so begreift man erst, wie einsam diese jungen Menschen sind, wie hilflos in ihrer Not. Es schiene ja so einfach, den Arzt aufzusuchen. Sie tun es aber nicht in ihrer Scheu, sich preiszugeben. Deshalb allein schon ist es als Verdienst der freien Jugendberatung zu verzeichnen, daß sie eine Zentral- stelle geschaffen hat, an die die jungen Menschen aus aanz Deutsch- land sich wenden können. lind trotzdem: es gilt, die Beratung der Jugend näherzubringen. Diese wendet sich ungern an gänzlich un- bekannte, ihr fremde Menschen.. Es muß versucht werden, inner« halb bestimmter, miteinander verbundener Kreise von Jugendlichen — Sportorganisationen, Arbeiterjugend, Gewerkschaftsjugcnd usw. «-�besondere Beratungsstellen zu schaffen mit Jugend- b e r a t e r n, die den jungen Menschen bekannt sind und ihr Vertrauen genießen. Und neben diesen Beratungsstellen woge die freie Jugendberatung und die amtliche der Jugendämter chrc Arbeit tun. lleberall in Volksschulen, in Turnhallen, Jugendämtern und riortbilduiigsschnlen, in den höheren und Hochschulen, auf den Sport- Plätzen und in den verschiedenen ösfenilichen Lokalen müßte dem Bewußtsein der Jugendlichen der Gedanke der Jugend- be ratung nähergebracht werden. Schließlich spricht es sich her- um, der eine hört's vom andern. Sa wird es allmählich etwas ganz Natürliches, daß der junge Menjch in seiner Not sich an die Jugendberntnig wendet. Hat sie sich aber einmal eingebürgert, so wird dadurch viel Unheil verhütet werden. Ein merkwüröiges Büreßbuch. In deii Ortschaften des T e l t o w e r Kreises wird jetzt von den Gemeindebotcn der Orte ein Schriftstück ausgetragen, das„an den Gemeindevorstand wieder abgeliefert werden soll". Sieht man näher zu. so entpuppt sich die Sache als ein privates G e- f ch ä f t s s ch r e i b e n des Verlages des„T e l t o w e r Kreis- b l a t t e s". das sich auf diese bequeme und billige Weise das Material für ein Adreßbuch des Teltower Kreises besorgen will. Die gedruckte Aufforderung enthält drei Hinweise, nämlich' aus die kostenlose Ausnahme der Adressen der Einwohner in alphabetischer Ordnung, auf die ebenfalls kostenlose Auf- Zählung der Gewerbetreibenden in alphabetischer Orb- nuiig,� und auf einen Reklameteil, der die Gewerbetreibenden nach Branchen gesondert aufführt, dieses Mal allerdings gegen Bezah- lung- Natürlich bedeutet dieser Teil die Hauptsache, und das ganze rst gewissermaßen ein einfaches gutes Verfahren, denn die Behör- den liefern dem Setzer das fertige Manuskript. Die Frage ist nun rnteressänt, inwieweit ein solches pmvates G e s ch ä f t s un t e r- nehmen, dessen„politisch parteilose" Haltung von der Mehrzahl der Kreisinsassen abgelehnt wird, sich behördlicher Hilfe be- dienen kann. Das beigefügte Anschreiben enthält darüber folgende Sätze:„Durch weitgehende Unterstützung der Teltawer Kreisoerwal- tung sind wir in der Lage, ein genaues und übersichtliches Nach- schlagewert zu schaffen." Wenn der Kreistag seine Zustimmung zu solcher Werbe- Methode gegeben haben sollte, so hat er sich sicher doch nicht mit- schulhig gemacht an der Art der Ausführung. Daß das so mühelos zusammengestellte Adreßbuch zu den schlechten seiner Art gehören wird, zeigt diese einfachcBetrachtung: in der zweiten Gratis- rubrik„Gewerbetreibende" erfolgt die Aufzählung alphabetisch und nicht nach Berufen geordnet. Will also ein Interessent, z. B. die Buchbinder, kennen lernen, so hat er sämtliche Ortsregister selbst durchzusehen, denn die Ausfassung, daß der dritte bezahlle Teil lsickenlos sein wird, dürste wohl niemand hegen. So, wie das Adreß- buch geplant ist, erscheint es als eine bequeme Einnahme- quelle für..einen privaten Verlag, der scheinbar sich mächtig genug fühlt, alle offiziellen Stellen für sich arbeiten zu lasten. wieder zwei Personen beim Laden ertrunken. Neben dem Frei- bad Oberschoneweide �ertrank gestern vormittag in der Spree der Rangierer Ernst Hübner aus der Langen Straße 49 zu Berlin. Die Leiche konnte bisher vom Reichswasterfchutz noch nicht geborgen werden. Bei Hakenfelde, auf der„Insel Helgoland", ertrank gestern nachmittag der elfjährige Schüler Gerhard Leiticke aus der Friedrich-Ebcrt-Straße 15. Der Knabe konnte bereits nach fünf- zehn Minuten geborgen werden, doch blieben alle Wiederbelebung?- persuche der Feuerwehr und des Reichswasserschutzes ohne Erfolg. vie Unterschlagung. Ein Schulbeispiel, wie nicht geurteilt werden soll. Vor dem Einzelrichter steht ein 2 1-j ähriger Hamburger. Hornbrille, intelligente Sprache, höfliches, wohlerzogenes Benehmen, blasse Gesichtsfarbe. Man erfährt über ihn nichts, rein gar nichts — ach ja, in seinem Etrafregistcr ist eine Geldstrafe von 100 M. eingetragen für-eine Unterschlagung, begangen in Hamburg. Daß das Urteil bereits rechtskräftig ist, weiß er nicht: er wurde in seiner Abwesenheit verurteilt, lqt Berufung eingelegt, die ohne ihn verworfen wurde. Wer seine Eltern sind, was er gelernt, wie er sich entwickelt, wo er seine Unterschlagung begangen haben soll, weshalb er nach Berlin gekommen ist?— von all dem erfährt man rein gar nichts. Braucht denn der Richter das alles nicht zu wissen? Selbst das nicht, was er mit dem veruntreuten Gelds gemacht hat? Hier in Berlin hatte er am 1. Juli eine Stellung als Buch- Halter und Vertreter zum Abschluß von Versicherungen ange- nommeu. 25 M. bekam er als Vorschuß auf sein Gehalt und sollte seinem Chef Bescheid sagen, wenn er noch Geld brauchte. Seine Arbeit verrichtete er pünktlich, das Einkassieren von Geldern und ihr Abliefern besorgte er g c w i s s e n h a s t. Es waren unter Umständen Summen von über 1000 M. Am letzten Sonnabend hatte er bereits>200 M. im Austrage seines Arbeitgebers abgeliefert und sollte weitere Gelder einkassieren. Er k a m aber nicht wie- der, fehlte auch am Montag. Am Dienstag wurde er in einem Restaurant oerhastet. 40 M., die er einkassiert hatte, waren bereits verbraucht: er erklärte, er habe sie als Vorschuß für sich ver- braucht. Zwei Ouittungen, die am Ende des Monats fällig waren, hatte er durch einen Bekannten einzukassieren versucht. Die Kunden waren aber vom Chef bereits gewarnt worden. So stand er vor dem Richter unter Anklage der Unterschlagung. Der Staatsanwalt erweiterte sie aus versuchten Betrug hin- sichtlich der Quittungen, die er hatte einkassieren wollen und bcan- tragte sür jedes Delikt zwei Monate Gefängnis, zulammen drei Monate. Der Chef erklärte, er fei mit dem jungen Menschen sonst zufrieden gewesen, wenn er ihn um die 40 M. gebeten hätte, so wäre ihm die Bitte nicht abgeschlagen worden. Das Gericht ver- urteilte den Hamburger zu drei Monaten Gefängnis. Er nahm die Strafe nicht an. Sein Gesuch auf Hastentlassung wurde abgelehnt. Die Moral aus der Geschichte? So kann unter Um. ständen der vorläufig nur Leichtsinnige zum Verbrecher werden, der Gutmütige zum Rächer an der Gesellschaft. Ob Bewährungsirist in diesem Falle nicht am Platze gewesen wäre? Ob die soziale Gerichts- Hilfe nickt hätte eingreifen sollen� Ist mit solck' einem Verurteilten dem jungen Menschen oder der Gesellschaft gedient? Tcltsnine Irrfahrten zweier eclizeniäldc. Nach zweijährigem Suchen gelang es jetzt der Dienststelle L 5 der Kriminalpolizei, zwei Oclgemäldc, die im Jahre 192 4 abhanden gekommen waren, wiederzufinden. Damals gingen bei dem Umzug einer Kunsthandlung zwei Oelgemälde von hohem Werte verloren. Das eine stellte eine Madonna mit Kind dar, das andere die Ueberführung der Leiche Napoleons I. von St. Helena auf ein französisches Kriegsschiss. Man vermißte die Bilder gleich, doch alles Suchen auch auf dem Transportivagen blieb vergeblich. Man er- mittelte jetzt, daß sie in einer G a st w i r t s ch a f t in der Linien- straße hinge», wo sie beschlagnahint werden konnten. Es ergab sich nun, daß seinerzeit zwei Packer die Bilder unterschlagen und unter Lappen und Luinpen auf dem Wagen verborgen hatten. Je mehr sie zu suchen schienen, desto mehr schoben sie das gestohlene Gut nach unten. So wurde nichts gefunden. Die Bilder wurden zuerst in der Psörtn erlöge eines Hotels untergebracht, wo man sie, um sie vor profanen Blicken zu verbergen, mit einer Gardine verhüllte. Nur„Kunsthändler", d. h. in diesem Falle 5) e h l e r, dursten sie besichtigen. Als die Kriminalpolizei diesem Versteck auf die Spur kam, wurden die Gemälde sortgeschafst in eine Kneipe in der Brnnnenstraße, wo man sie ebenfalls„unter Ausschluß der Oesseiitlichkeit" aufhing. Bald hatten aber die Beamten auch dieses Lokal ermittelt. Den Dieben blieb nichts weiter übrig, als mit den Bildern wieder weiterzuwandern. In der Linienstraße wurden sie endlich erwischt. Die ungetreuen Packer wurden ermittelt und fest- genommen. Sie haben, wie sich jetzt herausstellte, nicht nur die Bilder entwendet, sondern außerdem zwei hölzerne Engels- figuren in wertvoller Schnitzarbeit, die je etwa einen Meter groß waren. Als es sich für die Diebe unmöglich erwies, diese Figuren an den Mann zu bringen, oerbrannte der eine der Packer sie in seinem Ofen, um die Briketts zu sparen. Die beiden� Ungetreuen wurden verhaftet._ Aus Not rückfällig geworden. Zweimal bereits hatte der Kaufmann Reinhold T a e g e n längere Freiheitsstrafen wegen Diebstahls erhasten. Nach Ber- büßung der letzten«Arafe wollte er aber, so versicherte er dem Schöffengericht Mitte, ein ordentliches Leben führen und sich von weiteren Strafen freihalten. Die Not hätte ihn aber wieder zum Dieb gemacht. Nur mit 2 0 Mark Hobe man ihn aus der Strashast entlassen, Arbeit konnte er nicht finden und außerdem beging er auch noch den Leichtsinn, ein junges Mädchen, die jetzige Mitangeklagte Hedwig Taegen. zu heiraten. Aus formalen Gründen wurde ihm die Erwerbslosenunterstützung entzogen. Schließlich konnte Taegen die Miete nickst mehr zahlen und hatte keinen Pfennig Geld. Vom Armenvorsteher wurde er abgewiesen. Als alle Sachen versetzt waren, entschloß er sich, die Mäntel und Pelze zu stehlen, die im Korridor der Pension hingen, in der er wohnte.„Wenn man vor der AUernatioe steht, auf die Straße geworfen zu werden und zu verhungern, denkt man nicht an die Folgen." Jedenfalls nahm der Angeklagte die Sachen und auch ein Fahrrad und verschwand damit, nachdem er seine Frau vorausgeschickt hatte. Der Angeklagte nahm alle Schuld auf sich, aber seine Frau mußte zugeben, daß sie einen Teil der Sachen verkauft hatte. Die Peirsionsinhaberin hat einen Schaden von 5 0 0 Mark erlitten, die Sachen ober waren für 51 Mk. ver- schleudert worden. Das Schäsiengericht berücksichtigte die Notlage des Angeklagten, aber a»ch die schweren Vorstrafen und er- kannte gegen Reiichold Taegen auf neun Monate Gesang- n i s. Die Ebesrou kam mit einem Monat davon und diese Strafe wurde durch die Untersuchungshaft als verbüßt betrachtet. Die Traucrfcicr für Gustav Rofenow. Am gestrigen Donnerstag nachmittag fand in der Kapelle dxg Neuen Luisen-Friedhofs in Westend die Trauerfeier für den am vorigen Sonntag bei dem Autorennen auf der Avus tödlich verunglückten Zeitnehmer, den 22iährigcii Elektrotechniker Gustav Rofenow aus Charlottenburg, statt. Eine große Trauerversammlung hatte sich eingefunden, darunter Vertreter des Automobilklubs von Deutschland und der Direktion der Avus, sowie Bertrcter der Feuerwehr. Kraftd'roschkenschmerze«. Am gestrigen Tage sind vom Polizeipräsidenten die neuen Zu- lassungsbedingungen für Kraftdroschken in einer Bekanntmachung veröffentlicht worden, von denen einige Bestim- mungen auch für die Oeffentlichkest von Interesse sein dürsten. So wird durch die neuen Bedinoiwgen bestimmt, daß in Zukunft nicht mehr offene Kraftdroschken, sondern nur noch ge- schlo ssene Wagen oder Landaulets mit aufklappbarem Verdeck zugelassen werden sollen. Des weiteren wird bestimmt, daß bei Kraftdroschken der Platz neben dem Kraftwagenführer nicht mehr vom Fahrgast eingenommen werden darf, und zwar wird diese Be- stimmung aus Gründen der Verkehrssicherheit getroffen. Der Plag neben dem Führer soll nur unter der Bedingung für den Fahrgast freigehalten werden, wenn eine Scheidewand bis über die Höhe des Steuerrades angebracht wird, damit auf diese Weise Unter- Haltungen zwischen Ehousseur wck Fahrgast onmZgNch gemacht:««»» den. Ferner werden die alten Bestimmungen der Droschte.a« ordnung von 1923 wieder ins Gedächtnis zurückgSrusen, na.p denen die Kraftdroschken keine Ausschmückung durch Stoffgardinen.. Vasen mit künitlichen Blumen usw. erhalten dürfen. Die Bestim- mung, daß in Zuklinst nur noch geschlossene Wagen oder Landaulets zugelassen werde» sollen, gründet sich auf eine allgemeine Erfahrung, die in den europäischen Graßstädten gemacht worden ist. Man hat nämlich festgestellt, daß sowohl aus gesundheitlichen wie aus verkehrstechnischen Gründen dem geschlossenen Wagen oder dem Landaulet durchaus der Vorzug zu geben ist. Für dos Publikum ist die Bestimmung noch von Wichtigkeit, nach der in Zu- kunst die roten Kreise auf der Windschutzscheibe, aus deren In- schrislen„Mitteltaxe" oder„Großtorif" die Torifftufe erkenntlich, war. in gort fall kommen. Die Kraftdroschken werden von setz' ab nur noch durch die B o rt e an ihrer Tariszugehörigkeit erkennbar sein, und zwar tragen die Droschken mit Mitteltarif zwei neben» einonderlaufende schwarzweiß gewürfelte Borten, während die Groß- krastdroschken deren drei ausweisen.. Wie wir hören, haben die K r a f t d r o s ch k e n b e s i tz e r- organisationen, insbesondere die Innung vereinigter Krastdroschen- besitzer an den Zulossungsbedingungen verschiedene Beanstandungen zu machen. So sind sie nicht mit der ausschließlichen Zulassung vo'jfc geschlossenen Droschken oder Landaulets einverstanden und betonen. daß die diesbezügliche Bestimmung des Polizeipräsidiums nicht genügend Rücksicht auf die Wünsch« der Fahrgäste nähme, die beson- ders bei der großen Hitze, wie sie augenblicklich beriicht, dem osfenen Wagen durchaus den Vorzug gäben. Auch die Bestimmung, daß der Platz neben dem Kraftwaqensührer frei bleiben oder durch eine Scheidewand getrennt werden solle, sei nicht zu billigen, da die vor- gesehene Scheidewand sür den Führer nur hinderlich st' und seine ©ichiucheit mehr beeinträchtige, als dies etwa nur ein Gespräch mi: dem Fahrgast der Fall sein könnt«. Schwerer Unfall aus einem caslkahn. Gestern nachmittag gegen 2 Uhr geriet der Schiffer Albert Schmidt aus Füchten- berg i. M. auf seinem an der Schulenburgbrücke liegenden Kahn mit dem rechten Bein in eine Drahtseilschlinge, als der Schleppdampier gerade anziehen wollte. Sch. wurde das Bein v o m K o r p' r getrennt. In schwer verletztem Zustande wurde er in das SpaZ- dauer Krankenhaus übergeführt. Opfer der Hitze. Nachdem erst gestern vormittag eine g r ö her e Anzahl von Personen infolge der anhaltenden großen Hitze Hitzschläge erlitten, wurden während des Nachmittags abermals sieben Personen von demselben Schicksal ereilt. Zwei von ihnen er- krankten so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten._ «fln aufsehenerregenüer Morö In Magdeburg. Verhaftung eine« Industriellen. Seit einigen Tagen waren in Magdeburg Plakate angeschlagen,. auf denen eine große Belohnung sür die Auffindung des am 10. Juli>925 verschwundenen Kaufmanns und Buchhalters Her- mann Helling ausgesetzt wurde. In dieser Angelegenheit teilt nunmehr ein Polszeibericht mit, daß in Groß-Rottmersleben in dem Schräderschen Hause die Leiche Hellings gesunden wurde. Es wurde bestätigt, was die Ermittlungen bereits ergeben hatten, hast ein vorheriges Verbrennen der Leiche versucht worden war., Mehrere Magdeburger Einwohner wurden festgenommen und be- finden sich in Untersuchungshaft. Wie die„Magdeburgische Zeitung" zu diesem Polizeibericht erklärt, wurden verhastet der Besitzer des Hauses, in dem die Leiche gefunden wurde, namens Schröder, serner ein gewisser Fischer und der KaufmannHaas, stell- vertretender Direktor der L. Haas Aktiengesell- s ch a f t i n M a g d e b u r g, die eine Maschinenhandlung und Kesiel- schmiede unterhält. Helling soll angeblich im Besitz von Kenntnissen gewesen sein, die der Firma Haas Nachteile und Unannehmlichkeiten hätten zufügen können, wenn sie bekannt geworden wären. Au» Mt diesem Grunde wurde Helling in ein Privotauto gelockt und ermordet. Einer der Täter soll bereits«in G e st ä it d tri s abgelegt haben. Im Interesse der noch andauernden Untersuchung— werden von der Polizei und vom Untersuchungsrichter gegenwäritZ weitere Einzelheiten nicht mitgeteilt. Schwere Autounfälle. Bei Beidersee am Petersberge ereignete sich nach einer Meldung aus Halle ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem La st automobil mit Anhänger und der Kleinbahn Wall- witz— W e t t i n. An einein durch keine Schranken kenMllch ge- machten Bahnübergang fuhr das Lastauto in die Lokomotive. Durch den starken Anprall wurden d i e M a s ch i n e und der Pack- wagen aus den Schienen gehoben. Das Auto wurde völlig zertrümmert. Der Führer des Kraftwagens, sein Mit- s a h r e r sowie drei weitere Personen wurden schwer verletzt.— Bei Gröbers stieß der Kraftwagen eines Halle- schen Fabrikanten in voller Fahrt gegen einen Baum- Während der Chauffeur mit nur geringen Verletzungen davonkam, wurde der Besitzer getötet. Das Unglück war dadurch verursacht worden, daß der Fabrikant, der während der Fahrt ge- schlafen hatte, beim Erwachen den Chauffeur angestoßen hatte, so daß diesem das Steuer zur Seite geschleudert wurde. Ein weiteres schweres Autounglück ereignete sich in der Näh« von E i s e n a ch. Ein mit acht Personen besetztes Amo raste in voller Fahrt-ebenfalls gegen einen Baum. Fünf der Insassen wurden so schwer verletzt, daß an ihrem Aus- kommen gezweifelt wird. Die anderen drei blieben unverletzt. Der Kraftwagen wurde vollkommen zertrümmert. Fischslerben im Spreewold. Wie in anderen Gegenden Deutsch. 9 lands, so sind auch die Gewässer des Spreewalds infolge de» jetzt langsam sollenden Hochwassers von einem großen Fisch- st e r b c n betroffen worden. Das Eindringen fremden, oerun- reinigten Wassers hat ungeheuren Schaden unter der Fischzucht des Sprecwalds hervorgerufeu. lleberall sieht man Massen von Fifch- leichen auf dem Wasser treiben, an deren schleuniger Beseitigung im Hinblick aus die bei der herrschenden Hitze drohenden Gefahren mit allen Kräften gearbeitet wird. Der entstandene Schaden ist sür die durch die Vernichtung der Heuernte ohnehin schwer getroffene De- oölkerung des Spreewaldes besonders empfindlich. vrandkalastrophe bei Donnuefchlngen. In der Nacht vom >4. zum 15. d. M. brannten in Oesingen vermutlich infolge Brandstlstung vier Wohn- und Wirtschaftsgebäude, das gemeinsame Anwesen zweier Tagelöhner, das Anwesen eines Tierheilkundigen und eines Landwirtes bis auf die Grundmauern nieder. Es konnte nur wenig gerettet werden, da das Feuer mit großer Geschwindigkeit um sich griff. Eisenbahnunsall in Hamburg. Das Ciscnbahnbetriebsamt in Hamburg teilt mit: Am 15. d. M. um 7,30 Uhr vormittags fuhr ein Rangierzug auf eine Gruppe von Wagen auf, die auf der Kammerbrücke standen. Drei Wogen entgleisten, zwei beladen« Wagen sielen in den Kammertanol. Auch der Rangiermeister stürzte in den Kanal, konnte aber gerettet werden. ZNannheim im Rundfunk. Nachdem die umfangreichen Senfcw versuche in dem neueingerichteten Mannheimer Rundfunk- Besprechungsraum das einwandfreie Funktionieren der Anlage er» wiesen haben, begann dieser Tage die Reihe der regelmäßigen Dar- bietungen. Hierunter interessiert vor ollem eine Vortragsreihe, die sich mit dem Wesen und den Werten der Stadt Mannheim befaßt. Als erster Redner sprach der Mannheimer Oberbürgermeister Dr. K u tz e r über das Thema �.Mannheims Stadtpersönlichkeit". Di« Darbietungen der Mannheimer Rundfunk-Besprechungsstelle werden jeweils über die Sender Stuttgart, Fraukiurt a. M. und Kassel oeo» breitet Gefthlechtstranke Kinöer. Geschlechtskranke Kinder, vielleicht die schwerste Anklage gegen unsere heutige Zeit. Einmal sind es die erblich mit Syphilis be- hasteten Säuglinge, die vorschul- und schulpflichtigen Kinder. Dann sind es aber die Gonorrhoekranken, injiziert von den Eltern. dank den unmöglichen Wohnungsvcrhältnissen— eine Gefahr für ihre Schul» und Spielkameraden. Die Zahl dieser Erkrankungen ist i m steten Steigen begriffen. Das gemeinsame Bett mit den Eltern, die gemeinsamen Waschtücher, die gemeinsamen Aborte tragen zu ihrer Verbreitung bei. Die Behandlung ist langwierig, die Geheilten müssen noch längere Zeit überwacht werden, ihr Schul- besuch bringt Gefahr für die Umgebung— wie ja auch die Tripper- kranken bei den gegebenen Wohnungsoerhöltnissen eine Gefahr bilden— das Kind bleibt geistig zurück. Dem mußte abgeholfen werden. Auch in dieser, wie in mancher anderen Beziehung Hot die Stadt Wien den Weg gewiesen. Sie hat das Problem der Be- Handlung und Heilung der geschlechtskranken Kinder unter Führung des Leiters des Wiener Wohlfahrtsamtes, des Genossen Pros. Tandler, der Lösung sehr nahe gebracht. Die Initiative ging aus von der dermatologisch durchgebildeten Kinderärztin Frau Rieder-Lustig. Die Beobachtungen, die sie im Spital gemacht hatte, führten sie zu dem Gedanken, daß es not- wendig sei, die geschlechtskranken Kinder von geschlechtskranken Er- wachfenen zu trennen. Sie hielten sich monatelang im ständigen Verkehr mit Prostituierten auf und wurden seelisch verwahrlost. Es galt,«in Kinderspital zu schaffen, das nicht allein therapeuti- ichen, sondern auch erzieherischen Gesichtspunkten gerecht wurde. Alle drei Altersstufen mußten berücksichtigt werden: die Säuglinge, die Dorfchulpslichtigen und die Schulpflichtigen. Die Stadt Wien stellte für das einzigartige Experiment einen Flügel des Zentral- Kinderheims zur Verfügung, das KOO Zöglinge beherbergt, gelegen an der Berioberie Wiens, mit wundervollem Ausblick aus die Berge. Hier wurden die geschlechtskranken Säuglinge— die mit erblicher Syphilis behafteten—, die nach der Ge- Kurt von der Mutter infiziert worden waren, untergebracht. Auch die stillenden Mütter sind zur Stelle. Die Säuglinge bleiben je nachdem ein oder 1% Jahre in den hellen, geräumigen Zimmern, verbringen einen großen Teil des Tages in den Liegeveranden und machen größtenteils einen runden gesunden Eindruck, Die Pflege tut geradezu Wunder. Dieses gilt für Kinder aller Altersstufen. Die Syphiliskranken sind von den Tripperkranken überall getrennt. Durch besondere Maßnahmen ist eine Uebertragung der Infektion aus andere Körperteile ausgeschlossen. Für Unter- und Oberkörper gibt es besondere Waschtücher: Klosetts fehlen gänzlich. Jedes Kind hat sein Geschirr. Gebadet wird nicht: statt dessen werden die Kinder einzeln geduscht. Auch sonst kommen die Forderungen der Hygiene zur peinlichen Durchführung. Die Pflege und Erziehung der 180 Kinder liegt 37 Schwestern ob. Teils sind sie als Kinder- gärtnerinnen ausgebildet. Es gibt wohl keine zweite Anstalt, wo erziehliche Einflüsse eines Erwachsenen sich aus so kleine Gruppen von Kindern verteilen, und deshalb in so hohem Maße individuell wirken können. Die Borschulpflichtigen werden im Kindergarten beschäftigt. Die Schlofräume sind von den Tagesräumen getrennt. Das Erziehuiigsprinzip kommt in jeder Hinsicht zur Geltung. Der frische, freie und frohe Gesichtsausdruck der Kinder wie ihre Zu- traustchkeit spricht eine beredte Sprache. Die besondere Sorge um das leibliche Wohl der Kinder führt aber zu einer ganz oußerordent- lichen Zutraulichkeit zu dem Pflege- und Erziehungspersonal. Man kann wohl sagen, daß die Kinder die Monate des Aufenthalts in der Anstall in idealen Verhältnissen verbringen. Es mag vielen von ihnen äußerst schwer fallen, sich hinterher an die allen Verhältnisse zu gewöhnen. Das gleiche gilt auch von den schulpflichtigen Kindern. Für diese, es sind im ganzen 35, ist eine Schule vorhanden. Die verschiedenen Altersstufen bedingen eine Teilung in zwei Gruppen: eine hat den Unterricht am Vormittag, die andere am Nachmittag. In das Schulzimmer werden die Kinder von der Schwester geleitet. Die Syphiliskranken sitzen von den Tripperkrankcn getrennt. Wenn ein Kind austreten muß, so wird nach der Schwester geläutet. Durch alle diese Mahnahmen wird erreicht, daß die verschiedenen Gruppen rrte miteinander in Berührung kommen. Eine Uebertragung der Infektion ist daher fast ausgeschlossen. Bedenkt man, daß die geschlechtskranken Kinder auch aus einer sittlich besonders verwahrlosten Umgebung kommen und daß der sechsmonatigen Behandlung eine einjährige Beobochtungszeit innerhalb der Abteilung folgt, so begreift man, daß dieses Spital auf Schulunterricht und Erziehung eingestellt sein muß. Die Kinder erfordern auch eine sehr individuelle Behandlung. So manches kleine Mädchen hat schon viel„erlebt" und bildet dadurch eine sitt- liche Gefahr für die AUersgenossen. Es muß nicht selten die erste Zeit von den anderen getrennt werden, bis es wieder Kind geworden ist. Die Sorge für das physische Wohl, die liebevolle Pflege macht die Pseglinge auch hier zutraulich und leicht beeinflußbar. Die Abteilung für geschlechtskranke Kinder, wohl einzig in ihrer Art. existiert erst seit IX Iahren. Sie ist noch im Ausbau be- oriifen. Entspricht sie in medizinischer Hinsicht auch den höchsten Anforderungen, so ist man bemüht, die Erziehungsmethoden zu ver- bessern. Für die Kleinkinder soll das Montessorifche Erziehungs- system eingeführt werden. Selbstverständlich kann die Abteilung nicht den gesamten Anforderungen der Stadt Wien entsprechen. Andererseits besteht auch kein gesetzlicher Zwang für die Ellcrn, ihre geschlechtskranken Kinder ins Krankenhaus zu geben. Sie ziehen es .........._--- und der ihren kranken Kindern gegenüber nachkommen wollten. Durch- wandert man die hellen Räume des Spitals, blickt man in die leuchtenden Augen und auf die roten Backen der runden Kinder- gesichtcr, so kann man sich eines Gedankens nicht erwehren: wie- viel unvernünftige Eltern gibt es, die aus dem Un- glück ihrer Kinder ein Geheimnis machen, anstatt sie hierher zu geben und sie gesund werden zu lassen, auch die Umgebung vor der Ansteckungsgefahr zu schützen. Und müssen die Kinder erst ge- schlechtskrank sein, um in diese wundervollen Aufzuchtbedingungen zu gelangen? Dos Spital für geschlechtskranke Kinder ist nicht allein eine medizinische, sondern auch eine sozialpädagogische An- gelegenheit. Augenblicklich befindet sich in der Kleinkinderabteilung ein reizendes vierjähriges Geschöpfchen, eine kleine Berlinerin, deren Eltern als Oesterreicher in Wien zuständig sind. Man sagte uns, daß die Kleine in Berlin im Krankenhaus wegen ihrer Wiener Zu- ständigkeit nicht aufgenommen worden wäre. So wurde sie von der Mutter nach Wien gebracht. Ich versprach der Kleinen als Onkel aus Berlin den Eltern einen Gruß zu überbringen. Hiermit tue ich es. Es geht ihrem Töchterchen ganz vorzüglich. Leo Roseuthal. ver Serllner Zremüenverkehr Im Juai. Starte Zunahme. Noch Mitteilung des Statistischen Amts der Stadt Berlin ist für den Monat Juni eine erhebliche Zunahme des Berliner Fremdenverkehrs zu oerzeichnen. Die Zahl der in Hotels, Gast- Höfen, Pensionen usw. gemeldeten Fremden ist von 122 1S6 im Mai auf 13 3 081 im Juni gesttegen, das bedeutet eine Z u- nähme um 10 88 5 oder 8,9. Prozent. Die durchschnittlich tägliche Zahl der Meldungen Gasthosssremder betrug im Juni mit 4436 fast 500 mehr als im Mai d. I. und 158 mehr als im Juni des Vorjahres. Von den Hotelgästen überhaupt waren 128 443 oder 06,5 Prozent in Europa staatsangehörig, von diesen waren 112 199 Deutsche und 16 244 Ausländer. 4450 Meldungen betrafen Staats- angehörige der vier fremden Erdteile, so daß— ohne die 188 Gemeldeten mit unbekannter Staatsangehörigkeit— im Berichtsmonat insgesamt 20 694 Ausländer gegenüber 15 419 im Vor- monat in Berliner Gaststätten Wohnung genommen hoben. Auch die Zahl der gemeldeten Deutschen hat sich mit 112 199 im Vergleich zum Mai um 5590 oder 5,2 Prozent er- höht: bei den europäischen Ausländern bettägt die Zunahmezisfer nicht weniger als 3842 oder 31 Prozent. Von den einzelnen euro- päischen Staaten weisen gegenüber dem Vormonat eine Steigerung der Zahl der Meldungen um mehr als 50 Prozent auf: Estland, Georgien, Griechenland, Island, Italien. Jugoslawien, das Memel- gebiet, Rumänien, Spanien— hier Hot sich die Zahl von 67 auf 173, das ist um 158,2 Prozent erhöht— und die Ukraine. Zu- nahmen um mehr als 20 Prozent bis zu 50 Prozent zeigen die Meldezisfern Staatsangehöriger aus: Belgien, Danzig, Finnland, Frankreich, Lettland, Litauen, den Niederlanden, Oesterreich, Polen, Rußland, Schweden, der Tschechoslowakei, der Türkei und Ungarn. Bulgarien und Liechtenstein sind mit 15 bzw. 2 die einzigen«uro- päischen Staaten, für welch« eine Abnahme der Zahl der Meldun- gen gegenüber Mai festzustellen ist, Australien mit 19 der. einzige fremde Erdteil. Aus Amerika, Asien und Afrika sind bedeutend höhere Besuchsziffern zu verzeichnen, die Steigerung beträgt hier 1295(47,5 Prozent) bzw. 134(58,3 Prozent) und 23(88,5 Prozent). Daß einzelne Nationen zeitweise besonders stark hier vertreten sind, ist häufig daraus zurückzuführen, daß ousländisch« Reisebureaus Gesellschaftsreisen nach Deutschland und dessen Hauptstadt veran- stalten._ Säuglingsfürsorge im Bezirk Friedrichshai». Dem Wunsche weiter Kreise der Bevölkerung wie auch der zu- ständigen Instanzen im Bezirk Friedrichshain wird endlich nach langen Verhandlungen stattgegeben, und eine zweite Säug- lingsfürsorgcstelle konnte im Bezirk errichtet werden. Bis- her verfügte das Jugendamt Friedrichshain nur über eine Fürsöravstelle in der Mirbachstraße, die dermaßen überlastet war, daß fast die Hälfte der Stadtbezirke— und zwar 35— von der Fürsorgestelle A des Bezirks Mitte mtt betreut werden mußten. Dem energischen Drängen unserer Genossen im Bezirksamt mußte schließlich auch der Magistrat nachgeben und die nötigen Mtttel zur Abstellung des vorhandenen Mißverhältnisses bewilligen. Gerade der südliche Teil des Bezirks— der von dem nördlichen durch den Straßenzug der Frankfurter Allee und der Großen Frank- furter Straße getrennt wird— wird von Schichten der Bevölkc- rung bewohnt, denen in der gegenwärtigen Zeit der Wirtschaits- krisc aus der wirtschaftlichen Notlage heraus eine Hisse von feiten der Behörden nur willkommen ist. Daneben möge nicht vergessen werden, daß gerade die Pflege des Säuglings und des Kleinkindes eine der w i ch t i g st e n Aufgaben der Gesund- heitspslege sein dürste, der sich vor allem auch die behördliche Ge- sundhettspstege nicht entziehen tonn. Daß die neue, vor kurzem eröffnete Säuglingsfürsorgestelle sehr stark in Anspruch genommen wird, erhellt schon, daß bereits in den ersten Tagen etwa 150 B e- suche täglich stattfanden. Es dürfte also der neuen Fürsorge- stelle Arbeit zur Genüge erwachsen, die der in der alten Stelle bis- her geleisteten in nichts nachsteht. Von dieser wurden im letzten Vierteljahr rund 5000 Säuglinge und 2700 K k e i n- linder betreut._ Leitsadca für Fuukssonäre der Mieterbewegung nennt sich ein handliches Büchlein, das Genosse Fritz Dzieyk im Auftrage des Reichsbundes Deutscher Mieteroereine(Verlag Berlin W. 35.'Pots- damer Str. 56) herausgegeben hat. Der Leitsaden enthält die sehr wichtigen und vielfach nicht genügend beachteten Mietrechtpara- graphen des Bürgerlichen Gesetzbuches, die Texte des Reichsmietcn- gesetzes vom 1. Juli 1923, des Gesetzes über Mieterschutz und Miet- cinigungsämter vom 1. Juni 1924 des Wohnungsmangelgesetzes vom 26. Juli 1923. Ferner einen Bettrag von Rechtsanwalt Dr. Scheerer über das geltende Wohnungsrecht, außerordentlich wichtige Ausführungen bzw. Anleitungen über das Verhalten der Mieter- Vertreter(Mieterbeisitzer) vor dem Mietgericht und dem Mieteini» gungsamt und schließlich eine Sammlung mietenrechtlich beachtens- werter Gerichtsentscheidungen. Auch dieses Handbuch zeichnet sich wie das vor einigen Jahren herausgekommene Handwörterbuch zum Reichsmietengesetz durch Uebersichtlichkeit und klaren leichtverständ- lichen Ausdnick aus und ist deshalb für die Mietervertreter uncnt» behrlich._ d!e moöerne Staüt. Zum Internationalen Wohnungs- und Städtebau« kongrcß. Zu dem in der Zett vom 14. bis 19. September 1926 in W l e n stattfindenden Internationalen Wohnungs» und Städtebaukongreß wird uns u. a. folgendes ge» schrieben: Noch im Beginn dieses Jahrhunderts verbanden die meisten Menschen mtt dem Begriff Städtebau nur recht unklare Vorstellungen. Man hiett den Städtebau für die einigermaßen uninteressante Obliegenheit des Ingenieurs und Geometers, dis dafür zu sorgen hätten, daß in den neuen Stadtteilen durch die An- läge ausreichend breiter Straßen den Bedürfnissen des modernen Verkehrs Rechnung getrogen und auch den Wohnungen der daran liegenden Häuser ausreichend Licht und Luft zugeführt werde. Seit- dem hat der Städtebau einen gewaltigen Aufschwung genommen. Die Architekten erkannten, daß sich ihnen hier die denkbar größten Aufgaben für baukünsllerische Schöpfungen boten. So zeigten dann auch vor dem Kriege die Städtebauausstellungen in Leipzig und Berlin ein Gesamtbild, das völlig von ästhetischen Gesichtspunkten bestimmt war. Da waren großzügige Platzanlagen mit monu» mentalen Gebäuden, möchtige Straßen mit sorgfältig durchgebildeten Fassaden zu bewundern, aber man spürte wenig Interesse dafür, wie wohl die Menschen hinter diesen Prunkfassaden leben mochten. Aus jener Zeit find uns— damals— vielbewunderte Prunkstraßcn erhalten, deren Häuser an der Rückseite nur enge Lichthöfe haben, so daß die kostspieligen Wohnungen nicht einmal den primitivsten Anfordenmgen der Wohnungshygicne genügen. Es war deshalb sehr zu begrüßen, daß auch die Hygienike« dem Städtebau ein wachsendes Interesse entgegenbrachten. Bei dem Studium der Zusammenhänge zwilchen Wohnung und Volksgesundheit kamen sie immer wieder zu der Folgerung, daß sich gesunde Wohnungsoerhältnisse nicht dann schaffen lassen, wenn man sein Interesse nur dem einzelnen Haus schenkt, sondern nur dann, wenn man die Forderungen zur Volks» gesundheit schon bei der Anlage der neuen Stadtteile, vor allen Dingen bei der Grünflächenpolitik der Städte berücksichtigt. So wurde der Städtebau zu dem wichtigsten sozialhygienischen Pro- blem unserer Zeit, an dessen Lösung die besten Fachleute aus den verschiedensten Berufsgruppen zusammenarbeiten. Den bedeutend» sten Foickschrttt brachte die G a r t e n st a d t b e w e g u n g, die von einer grundlegenden Kritik der bisherigen Großstadtentwicklung ausging und sich nicht wie die meisten anderen Beurteiler mit einer Kritik der Tetterscheinungen begnügte. Sie trat für eine De- Zentralisation der Großstadt ein, und es gelang ihr bereits nach kurzer Zeit, ihre weitgehenden Reformoorschläge durch die Gründung der ersten englischen Gartenstadt Letchworth zu ver- wirklichen. Noch fortschrittlicher ist die zweite nach dem Kriege errichtete Gartenstadt Welwyn. Hier ist nicht allein der gesamte Boden des Stadtgebietes mit seinen Wohnvierteln, seinen Geschäfts- und Industrievierteln und dem breiten landwirtschaftlichen Gürtel im Besitz einer gemeinnützigen Gründungsgesellschaft, so daß der gesamte Wertzuwachs der neu ensstehenden Gemeinde zugute kommt, sondern diese gemeinnützige Gründungsgesellschaft hat auch für den Häuser- und Straßenbau, für die Errichtung und Bewirtschaftung der Gasthäuser(Gotenburger System), für die gesamte Waren- Versorgung der Stadt und für die Bewirtschaftung des landwirt- schaftlichen Gürtels gemeinnützige Tochtergesellschaften gegründet. Es dürfte kaum eine andere Stadt der Welt geben, in der von vorn- herein der Gemeindesozialismus so weitgehend verwirk- licht wird wie hier. Die Gartenstadtbewegung hat nicht allein den englischen Städtebau, sondern auch den in Deutschland und in anderen Ländern stark beeinflußt. Das zeigte sich besonders auf den Städtebaukongressen nach dem Kriege. Schon auf der großen inter- nationalen Städtebauausstellung in Gotenburg(1923) traten die ästhetisch dekorativen Arbeiten der Städtebaukunst vollständig hinter den großzügigen Schöpfungen des Städtebaues und der Landes- Planung zurück. Die Errichtung von Wohnungen war den ent- werfenden Städtebauern nicht mehr ein bloßes Mittel, um interessante Straßen- und Platzgebilde zu schaffen, sondern man spürte es überall, daß nunmehr im Mittelpunktdes Städte- baues der Mensch steht, der Mensch, der in der Stadt arbeitet und wohnt und der in ihr auch teilhaben soll an dem, was Natur und Kultur zu bieten vermögen. Noch klarer trat diese Entwicklung auf dem Internationalen Städtebaukongreß in Amsterdam 1924 in Erscheinung, an welchem mehr als 500 Fachleute aus rund 20 verschiedenen Ländern teilnahmen. Eine einstimmig angenommene Entschließung bezeichnete die bisherige Entwicklung unserer Großstädte als unerwünscht, verlangte ihre Dezentralisation und eine großzügige Grünflächen- nurzi MAS SARY I I II jdd auth�ohne Mundstück in- rundem, vollem - förmatS Pfennig, veranschaulicht in dem neuen Silberkleide eindrucks voll den inneren Gehalf, sie ist und bleibt p alitik und befümporlefe für dichtbevölkerte Industriegebiete die Ausarbeitung von Landesplänen. Nicht minder wichtige Probleme werden den diesjährigen Städtebaukongreß beschäftigen, der in der Zeit vom 14. bis 19. Sep tember in Wien abgehalten wird. Als erster Punkt steht die Vodensrage in ihrer Beziehung zum Städtebau aus der Tages- ordnung. Aus den verschiedenen Ländern werden namhafte Fach- leut« schriftliche Vorbcrichte erstatten, die den Kongreßteilnehmern rechtzeitig vorher zugehen. Bon gleichem Interesse dürfte der zweite Beratungspunkt„Die rationelle Verteilung von Ein- familienhaus und Mehrfamilienhaus* sein. Die beiden letzten Tage des Kongresses werden einer Studienfahrt durch die schöne Wachau und der Besichtigung des alten Salzburg gewidmet fein. Auch dürfte sich«ine recht große Anzahl der Kongreßteilnehmer am 19. der n e u n t ä g i g e n Studienreise durch Deutschland anschließen, die im Auf- trag der internationalen Föderation die Deutsche Gartenstadtgesell- fchajj vorbereitet. Es ist die Besichtigung von München, Augsburg. Nürnberg. Rothenburg, Stuttgart, cheidelberg, Frankfurt a. W., Köln a. Rh. und Düsseldorf in Aussicht genommen.— Näher« Auskunft(Einladung usw.) erteilen das örtliche Kongreßbureau Wien l, Bartenstoig 7, und der Vorsitzende der Deutschen Garten- stadtgesellschaft, Bernhard Kampffmeyer, Dcrgisch-Gladbach bei Köln. 2er Umbau des Spittelmarktes. Der Magistrat hat bekanntlich vor einiger Zeit dem aus ver- kehrstechnischen Gründen dringend notwendig gewordenen Plan des Umbaues des Spittelmarktes zugestimwt. Die Rege- lung des Verkehrs ist dort durch die vielen Verkaufshäuscheo, die zum Teil aus der Inflation stammen und jeden Uebcrblich über den Platz unmöglich machen, so erschwert worden, daß man vor der nicht leicht zu lösenden Aufgabe stand, dem Spittelmarkt eine völlig andere Gestalt geben zu müssen. Nach dem Plane sollen s ä m t- liche Aufbauten und Bcrkaufshauschen auf dem Spittelmarkt v er s ch w i n d c n, auch das In der Mitte des Platzes befindliche Brunnenbecken, ein Geschenk Spindlers, soll a n anderer Stelle Aufstellung finden. Der Straßen- bahnoerkehr wird gleichfalls eine völlige Veränderung er- fahren, und zwar soll, ähnlich wie es bei anderen Plätzen Berlins schon durchgeführt oder nod) geplant ist. der Kreisverkehr einge- führt werden. Um den Spittelmarkt selbst zu entlasten, werden sämtliche Straßenbahnlinien, die nach der Köpenicker Straße fahren, aus der Seydelstraße herausgenommen und durch die Wallstrnße geleitet werden. Die Vorarbeiten Avr Durchführung des Projekts find nunmehr, wie wir erfahren, so weit gediehen, daß mit der Inangriffnahme der Bauarbeiten in allernächster Zeit gerechnet werden kann. Zu ihrer Ausführung werden zahlreiche Erdarbeilen notwendig werden, jedoch sollen die Arbeiten so beschleunigt werden, daß der gesamte Umbau noch in diesem Jahre zu Ende geführt und damit eine wesentliche Erleichterung des Verkehrs im Zentrum Berlins geschossen werden kann. Vom Freibad Qberschönewetde. Zu den verschiedenartigen Meldungen über Unglücksfälle im Freibad Oberschönewcide teilt das Bezirksamt Treptow mit, daß auf dem städtischen Freibadgrundstück in Oberschöneweide, Köpenicker Str. Z2«i« Rubrik find Berti» S««8, Lt-d-nstr-b« 3, stet, an da- Lczirlssetrrtarw:. 2. Hol, 2 Trep. recht», i» richten. bürgerliches Recht, Aufwertungsfragen usw. erleilt. Das Bureau der Rechtsauskunftsstelle befindet sich in der Ganghos er Straße (Bureaubaracke) und ist wie folgt geöffnet: Montag und Donnerstag non 3 bis 5 Uhr nachtuuttags, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormittags. Die Abfertigung der Aus- kunftsuchenden erfolgt wegen des Andranges auf Karten, die an allen Tagen außer Sonntags von 1l bis 1 Uhr und 6 bis 7 Uhr beim Pförtner des Rathauses ithauptportal) erhältlich sind. Die städtische Volksspeisung hat am 12. d. M. ein« neue Essenausgabestelle in der Naunynftr. 27 eröffnet, , mrth V-ii» S»irnabcnt>. 17. Juli, findet im Walhalla�tadlifiement. Weinb-raswos WA. ei» Sommf.fefl statt. Reben«onzert und anderen Sveeiallliilen Äutereten de» Berliner lllltru,». Kstr die»Inder»alvelic- tbeater veranstalte! von der Arbeitsgemeinschaft der Slnberfreuude des «reise». Eintritt i>0 Pf. Beginn nachmittags s Ustr. Wrr baten um rege Beteiligung. SSNe und Svmpatdifierende d-r,I-ch w-lllamme». 136.«bt. Reiut-k-ndoif-vst: Die Be-i'lssültrer und Bet!rlswfil-»r we�en er- sucht, die Teilnehmerlarjen zur Bainpserpartie umgehend beim Eenvs,ct. Paul Nagel. Rittlistr. 18. abzurechnen Z-nasozialiste». Sruvpe Reulvlln I: Der tvruppenabend sallt aus. Arbeitsgemeinschaft der»i-deisreunde.»reis Ritte- Sonnabend. Ii. ZuL. Somm-rl-st der Partei des 1. Kreises. Tresfpunlt sitr sämtliche Funltm. nitre nachmittag, Uhr vor dem Eingang de, Gartens. Die»aspevl«. fpieler treffen stch bereits nachmittags 4 Uhr-n der Blumen str. 77. Der Nachmittag brach:e mit Pony Ja eck el und Bertbold R e i ß i g Lieder und Duette zur Laute, Volkslieder aus Sachsen. Schwaben und Bayern und neue Wandervogellieder, sehr nett und sprühend im Vortrag, witzig und manchmal von Berthold Reißia zu belont burschikos gesungen. Der Abend war dagegen wieder ein musikalisches Mix-Pickles, allerdings dieses Mal bester zusammen- gestellt als sonst"üblich. Man vermied es, Opernbruchftücke mit Liedern und Waldhornsoli.zu einem einheitlichen Brei.zu verrühren. Im Gegenteil, man hielt ein anständiges, bürgerliches Niveau, man gab etwas Blaublümchen, etwas Lavendel, doch selbst ein Franz Abt bewahrt immor noch eine musikalisch tadellose Haltung. Das Berliner Funk-Orchester spielte Mendelssohn, Volkmann und Paul Graener, im Grunde doch zarte Sachen trotz Orchesterenthalwna für den Hausgebrauch, und der Bassist Dirk Magre sang Robert Franz, Abt und Franz Ries, die Stimme ist für den Dortrag von Liedern etwas zu schwer, der Ton wird nicht leicht und frei gegeben. er klingt stellenweise dick. Das Berliner Soloquartett sang Volkslieder mit kunstvoller Stimmführung. Leider war dabei die Uebertragung undeutlich. Im Ganzen ein harmoser, geschmackvoller und nicht weiter aufregender Abend. Das Rundfunkprogjamm. Freitag, den 16. Juli. A aller dem üblichen Taffesprogramm: 4 10 Uhr nachm.: Zehn Minuten für die Frau. HUdi nachm.: Kinderland. Anschließend: Ratechlige fürs Hans. Theater- und Filmdienet 6.50 Uhr abends: Hane-Breaow-Schule fBildungs- turse). Abteilung Gartenbau. Gartenbaudirektor Frita Zahn:.Die Gärten der Renaissance'. 7.20 Uhr abends Professor Cr. 0. Kallner:.Dürren'. 7.50 Uhr abends: Alired Schattmann:.Vom Werdegang einer Oper*, 8.S0 Uhr abends: Amerika, t Moderne amerikanische Epik(Leo Laaia, einleitende Worte: Till» Durieux, Rezitation'!. 3. Amerikanisch# Musik(Dirigent: Dr. W. Baach. kötter), a> Edward Alex Mae Dorell: Zweite indianische Suite, b> John Knowlas Peine: Sinfonie Nr. 1. op. 23. C-MoU(Berliner Funk Orchester), Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagcsnschrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst Königswusterhausen, Freitag, den 16. Juli. 1.10—1.40 Uhr nachm.: Karl Graef: Die Kunst des Sprechens für Schüler. 3— 3.30 Uhr nachm.: 0. M. Alfieri and Fräulein v. Eyseren; Spanisch für Anfänger. 3.30— 4 Uhr nachm: Laadss- schulrat Dr. Schwarz, Lübeck: Erdkundeuntemeht und Heimat 4— 4 30 Uhr nachm.: Landesschnlrat Dr. Schwarz, Lübeck: Die neuen Wege des Erdkundeunterriohts. 4.80—5 Uhr nachm.: Mitteilungen des Zentralinstitutes. 5—5.30 Uhr nachm.: Franziska Bruck; BlumenzusammensteUungen nach Art und Farbe. 7.30 bis 7.65 Uhr abends: Geh. Medizinalrat Professor Dr. Hahn: T�phus- erkrankung und Verhütung. 7.68— 8.20 Uhr abends: Professor Dr. Fleischmann: Wie schütze ich mich vor den Schädigungen der Sommerwärme 7 8.30 Uhr abends: Uebertragung aus Berlin. Sterbetafel üer Sroß-öerliner partei-Grganisation| 41,®t. linset lcnoiäb rigor Genosse, der Maurer Karl Ritzenhain,«löden. strebe 1, ist erat 13. Zuli tat Alter-rn 54 Jahren verstorben. Cutafäetuns am Sonnabend, 17. ZUfi. nachmittags 3 Uhr, im fltcmatonmn Baumschulenweg. Wir bitten um recht rege Beteiligung. Sozialistische �rbeiterjugenü Groß-Serlin. Lmsterdamfahrer! Di« lebten Bilder des Genossen Karl Tilch find ein- ��Achtrng. Abtellungskassierer! Deute, ffreiiay, von 5—7 Uhr, Abrechnung. heute. IreUag. 16. Zuli. abends 7X Uhr: «esnnbbtnnntn: 8 Uhr Kunktionärfitmng beim Genossen Ronnger. Bad- Ikrabe 13.— Webding t Ledigenheim Sdlönstedtstr. U BoUrag-,.Warum Ar- deitersvort?'—«-rbost II: Jugendheim Datytatr Sir. 62 Stutrag.„SSas dann uns der Sport sein?'— Rosenthal er Borstadt: Schule Gipsstr. As. Darwinsche Theorie.— Schönhauser Borstabt l: gunltwitSrsibung beim Genossen '" um.— Weihensee I: Jugendheim SoeWcftr. 157. Portragt fltej ein ...______„„Schriften Auslvrache über„Bunte eint,'unVittf.—«eihensee II: Schule Wörtstrobe."--r."" Abende'.— Osten ifr..«.: Jugendheim Diestelmeoerstr. Sik. Vortrag:„Aus der Praxis der Jugendfürsorge'.— Osten Str.'B.: Jugendheim Gossleritr. 51. Dortrag!„Reparationslasten und Dawesablommen.— Warschauee zliettcl. Abendspagtergan«. Trefipunlt 7 Uhr Warschauer Straße Ecke ffrantruetec Allee. -«chöneberg U: Jugendheim Snuptstr. 15. Löns-Abend— Eh-rlotkaburg. Rort- Juacndheim Rosinensir. 5. Bortrag:„Neuere Dichter.— S-lensee- Schule Zaachim-Kriedrich-Str.«S R. Vortrag:..vlmmel-tunde'.— Steglitz II. Jugendheim Salsteinische Str. 3. Vortrag:..Sowietrußland.-«e'tz: Ras. bau» Ebausseestr. 48. Vortrag:„Die neue Erziehung— RenUlln 1: Schule Rütlistrabe.«immer 59. Aussprache Uber„TagespoNtlk'.— Reniolln N: Jugendheim Bergstr. 2S. Bortrag:..Di« Verwaltung Berlins'.— Renttllu II: Jugendheim Rogatftr. 53. fiahrienberichte.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Strotze 5. Vortrag:„Der Wert des Wandern»'.—»anmschnlenweg- Jugendheim Ernstfir. 1«. Dortrag:..Die Arbeiterjugend und die heutige Gesellschaft». ordnung'.— Treptow: Borworts-Spedttion Graetzstr. 50. Bortrag:„Gemein- schastsgedanken'.— Riederschönhansen: Restaurant non Reibe. Dortrag:„SA... und Kirche'.— Spandau: Jugendheim Lindenuser 1. Bortrog:„Pan-Europa". «erbebe, ir?»renzberg: fireitag, 16. Juli, 8 Uhr. Jugendheim Lindensir 3 Uetunasabend für Sprechchor. Samtliche Gruppen müssen vertreten fein. Lichtenberg-Mitte und-West: Sonnabend, 17. Juli, Wochenendlursu» des Werbrberirls in Tiefenfee. Tref-ounkte: 1. Gruppe 4.20 Uhr Bahnhof Stralau- Rummelsbura:?. Eruvve« Uhr Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde: 3. Gruppe: » Uhr Bahnhof Lichtenderg-ffriedrichsfelde. Werbebegirk Prenzlauer Berg: Treffpunkt zum Wochenendkursus über: „Proletarische Jugend und Politik' am Sonnabend 7 Uhr abends. Abfahrt 7,28 Uhr nach Jossen: am Sonntag 5 Uhr morgens. Abfahrt 5,28 Uhr nach gössen. Tosten 95 Pf. Decken mitbringen. Abteilung Südwest: Jugendheim Linbenstr. 8, 2. Hof, 3 Tr.. Sonnabend. 17. Juli. 7 Uhr. Elternabend. Eltern. Parteigenossen und Genossinnen sowie Bekannte sind herzlichst eingeladen. Vorträge, vereine unö Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-Rok-Gokd''. Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Sebastianstr.' 37/38, Lok* Te. Witte: Sonntag, d. 13., morgens 7 Uhr, Antreten zur Autofahrt nach G rotzbeeren. Reuer Markt, ffahrgtld 90 Pf. Nachzügler fahren ob Anh. Bhf. noch Srotzbeeren.— Tiergarten: Beteiligung an der fiahnenweih» Erotzbeeren. Treffpunkt 9 Uhr Stratzenbahn nach Teltow.— ifriedrickMhain: ssr.. d. 13.. 7� Uhr. Mttgl.-Berf. Cameniussille, Memeler Strotze.— Steglitz, Lankwitz, stich, ersrlbe: Sonntag, h. 18.. morgens 7 Uhr. Wr.. b. 1».. 8 Uhr, MitgI..Berf.' bei Mertert, Martendorf, Scktützenstrotze.— Renkilln-Britz: Radfabter Sonntag, d. 13.. morgens 7 llhr.� Saale» Ecke llnstrutitratze zur ffahrr nach(Srotzbeeren.— Ltck-trnberg nebst' Untergruppen: Die für ssreitag angesetzten Jugsührer- und Zugsttzungen fallen aus. Dafür von Kttz— 7>b Uhr auf dem GSrtnerplotz. von 8—9 Uhr auf dem Travevlatz Ph-tzkonzert. Alle Kameraden haben stch für diese Zeit dort ein- zufinden.— Wwtzensee: Sonntag, d. 18., morgens 7 Uhr. Grüner Baum. Fahrt nach«rotzbeeren. Fahrgeld 1,70 M. per Bahn.— Reinick-ndprf fftreU): Sonntag, d. 18.. Fahrt nach Denniosdvrf. Abfahrt von Schönholz 12,44 Uhr. non Nernickenbork 12,49 Uhr, von Tegel 1.32 Uhr. Spielleute müssen antreten. wetterberichl der Sffenlltchen wellerdienststelle für Berlin. fRachdr. verb.l. Mätzlge Ablüblung mit stärkerer Bewölkung und lZetvilterneigung.— Für Veufichtond: Bon Norden nach Süden fortschreitende Abkühlung bei stärkerer Bewölkung, strichweise Gewitter. übergibt man nur dem Rachwei» d,s Deutsch. MusskervorbandeZ, Berlin GS7< «ndicuislr. 21 tzlönigstadt 4310, 404S). EelchästZzeit 9 bis 5, Sonntag» 10 bist 2 Uhr. Auf Wunsch Bertretcrbcsuch ISiTOßCfcll'iiQb � VlßlßQ AÜ- biS unsere Krease mm|eMse Zur Hälfte herabgesetzt. Große Posten umiiuuiiumimnuiuiiuiuiutiauiiiiiiiiumuinuiiuiiiiiuRHuAiuiti Damen-Hemden Wlschcstoff. mit Hohlsaum oder Spätre> ____ 95» Damen-Hemden« Trlgcrfbrm. mit reicher Stldicrdgemlcnmg| e%r v HemdHoscnaaa.-x. 1.75 mit Sttdicrd- f% AK. voUnt■■■, �.�3 Prlnzeftrikste Naamemdenffiaiüg!2-AS HoHnesiclaT�afSs 95« Hemdenlndi 39 et Louisianaindi ca. SS cm breit. Große Posten tuuiniuiuuiuiuiuuiiuinuiiiuiiuomunuiuiiimiinifiuBnnuofiiiQi Jumper Bgsitst.'"""' 2.90 Kl»»!»!»»!* Baumw-Musoetin. gedeckte� Q A Mmter.«noh fnU Wrilnn J.yu DamenSIrflmnle AB w. Damen-Slrflmple kflnstlicho Suide, mit Laufmaid>c.F1or- QC CTnd und �obla farbig oder Kbwarz..■ 7 J SfflInDlIioseg S S; 65?; Herren-Soften sa. 75« Herrep-Mefaiaflicn. 80». Bade-Anzfldc. 95 er Sfeppdedten■s,s,™9.85 Hcrren-Slrobhüle 2.45 Serlo' Seri« .3.90 Badeartikel Badekappen 38 Pf. Frottierhandtücher� 0.95 Badelaken.. 2.95 Bade-Cäpes guter KrloseUtoff. 9.85 Schuhwaren Pantoffel 95 Pf. TlimSChuhe mit«ngeeoMener OummUoble OtSCe 20-24 25—30 31-35 36-42 1.75 2.25 2.55 2.95 Turnschuhe mit CbromledenohU Gr55c 20-26_"-30 31-3} 34—42 1.65 1.95 2.25 2.75 4.000 SelbsfbiniSer T'48 pl 65 pf. 95 pe k cm. 2.500 Oberhemden Sari® t weiß, ungewaschen, Pikee-Einsatz.«A P und limschlagmansdxtlen........ Serla B durchgehend Perkai mit Kragen, gntefluaUtit.... 7.......... A Serla 3 gefütterte Faltenbruat, 1 weicher C 0�% und I steifer Kragen............ 9a W c. 4.000 Herren-Irihoiasen echt ägyptisch Mako, •ehr gutes, baltbaccs Fabrikat, 3 Größen lacken 2.25 Hoien 2.75 Oemden 3.75 JANDO BlfieededienÄÄ 1.28 Einsalzhemden sa 1.95 Belle-Alliance-Str. ♦ Gr. Frankfurter Str.» Brunnenstr. ♦ Kottbnsser Damm s Wilmersdorf er Str. !Tr. 330 ♦ 43. Jahrgang 2. Heilage öes vorwärts Zreitag, 1».?ull 1 Sinö die Löhne zu hoch? Von Professor E. Lederer- Heidelberg. In cincin vielbeachteten Vortrag, den Professor P i g o u vor kurzem über da? Lohnproblem hielt, wart er die Frage auf, ob nicht die hohe» Löhne in England die Ursache der Krise seien. Mit einer beneidenswerten Sicherheit suchte er die ökonomische Gcsamtlage auf eine Formel zu bringen. Bei der Aehnlichkeit, welche die deutsche Wirtschaftslage mit der englischen zeigt, emp- fichlt es sich, dieser Formel aus ihre Richtigkeit hin zu prüfen. Professor Pigou, einer der bedeutendsten englischen National- ökonomen, geht von dem unbestreitbaren Satz aus, datz die„n a t i o- n a l e Dividende", oder, wie wir zu sagen pflegen, das Sozialprodukt, die absolute Grenze für die Einkommensbildung sei. Wir können sogar weiter gehen und sagen, daß die G e s a m t e i n k o m- men der Volkswirtschaft, soweit sie in den Verbrauch übergehen, bei wachsender Bevölkerung auch nicht das ganze Sozialprodukt erschöpfen sollen. Denn wäre das der Fall, würde der Gesamtertrag der Arbeit von Jahr zu Jahr verbraucht, so wäre es nicht möglich, für die vermehrte Bevölkerung Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Der Bevölkerungszuwachs müßte also in den landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieben untergebracht werden, welche schon bisher voll besetzt waren, d. h. der Gesamt- ertragderArbeit müßte, auf den Kops gerechnet, sinken. Bei wachsender Bevölkerung ist also auch eine entsprechende K a p i- talneubildung zur Aufrechterhaltung des Lebensfußes der Bc- völkerung erforderlich. Nur über die Vermehrung des Sozialproduktes kann die Steige- rung der Lebenshallung und daher die Steigerung der Real- löhne gehen. Erfolgt eine solche Steigerung des Sozialprodukts nicht, werden nicht mehr Lebensmittel, mehr Textilwaren erzeugt, werden nicht mehr Häuser gebaut usw., so ist eine Erhöhung der Löhne nicht möglich. Die Lebenshaltung der Massen kann nicht steigen, ebenso kann eine Aenderung im Verteilungsschlüssel der Klassen keine wesentliche Aenderung bringen. Der Luxus- k o n s u m fei zu unbedeutend, um den Lohn„auch nur um einige Schillinge" zu erhöhen—, ein Gesichtspunkt, den schon L a s s a l l e in seiner berühmten Rede über die Bedeutung der indirekten Steuern hervorgehoben hat, und der auch heute noch, wenngleich nur ab- geschwächt, gilt. Pigou sagt nun: Da das Sozialprodukt beschränkt ist, müssen wir„unseren Rock noch dem Tuche zuschneiden", wir müssen jede Wirtschaftspolitik ablehnen, welche das Sozialprodukt noch ver- kleinert. Daher sind alle Monopole und Kartelle, welche ihre Ge- winne durch Einschränkung der Produktion erzielen oder vergrößern, zu verwerfen. Denn diese Einschränkung der Warenpro- duktion verringert den Konsumfonds. So weit, so gut. Pigou fügt hinzu, dasselbe gilt von den Gewerkschaften. In- sofern diese einen Lohn erzwingen mit Rücksicht auf gewisse An- sorderungcu für die Lebenshaltung, Und insofern sie sich nicht mit .ökonomischen Lohn" zufrieden geben, d. h. einem Lohn, der ge- stattet, die Gesamtheit der Arbeiter zu beschäftigen, so wird auch das Sozialprodukt verkleinert werden. Und Pigou glaubt, kurz gesagt, daß der größte Teil der Arbeitslosigkeit in Großbritannien auf eine solche erzwungene, durch die Gewerkschaften festgehaltene Lohnbildung zurückgeht. 3fl ober kein Unterschied zwischen der Preiserhöhung und der Lohnerhöhung? Zwischen der Politik des Kartells und der Gewerkschaft? Wenn das Kartell eine Einschränkung der Produktion durchführt, um die Preise erhöhen zu können, so ist damit in der Tat die„ n a t i o- n a l e Dividende" geschmälert. Wenn die Vereinigten Stahlwerke in Deutschland jetzt die Produktion aus 65 Proz. ihrer Kapazität festgesetzt haben(schon seit vielen Monaten!), so ist in der Tat damit eine Senkung der„nationalen Dividende" gegeben. Wenn nun die Löhne steigen, so mögen viele Unternehmungen mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Aber wie oft haben wir gehört, daß der private Unternehmer e l a st i s ch ist, daß er sich allen Be- dingungen des Marktes anzupassen weiß. Die Erhöhung des Lohnes bedeutet für ihn nicht mehr als die Steigerung des Roh- swsspreises oder Kohlenpreises. Sie zwingt ihn dazu, seinen Betrieb zu rationalisieren, sie stärkt die bessere« Betriebe, sjp beschleunigt den technischen und kommerziellen Fortschritt. Wie kann man also die Wirkung vergleichen mit derjenigen des Kartells, welche bewußt die Entfaltung der Produktion hemmen?.Dem Konsumenten bleibt bei sinkender Produktion nichts übrig, als seinen Konsum einzuschränken. Die Politik der Kartelle amputiert das Sozialprodukt. Die Lohnpolitik der Gewerkschaften aber hat die Tendenz, die Produktion der Gesamtoolkswirtschast zu steigern. Uebersieht denn Pigou, daß eine Lohnerhöhung zugleich mit dem Antrieb für eine Verbesserung der Produktion, für eine zweck- mäßigere Gestaltung des technischen Prozesses, eben in der g e st e i- g e rt en Massenkaufkraft auch den Markt schafft, welcher die Produktion wieder ausnehmen kann? Während eine Einschränkung der Produktion durch das Kartell eben definitiv ist? Eine jede Erschwerung der Produktion kann zugleich ein M o- tor für die Steigerung und ebenso für die V e r b e s s e- r l5n g der Produktion sein, eine jede Monopolorganisation als Ausschaltung der freien Konkurrenz hingegen schafft nur relativ günstige Bedingungen und zerstört oder schwächt daher den Antrieb zur Produktionsoerbesserung. Besonders gilt das vom Kartell, welches auch die schlechteren Betriebe mitzuschleppen trachtet. Natürlich, diese Wirkung höherer Löhne gilt nicht unbe- schränkt. Würden die Löhne sehr rasch und zu hoch steigen, so würde die Produktion plötzlich eingeschränkt werden müssen. Dann würde aber die große, ja katastrophale Arbeitslosigkeit zu einer Senkung der Löhne zwingen. Auch hier ist dafür gesorgt, daß das Monopol seine Macht nicht überspannen kann, ab- gesehen von der Konkurrenz der verwandten Betriebe, welche ja immer in gewissem Grade wirkt. Wenn also Pigou sagt, die Höhe der Löhne müsse sich durch die Gesamtsumme der Produktion bestimmen, so ist damit das Problem keineswegs erschöpft, denn wonach bestimmt sich wieder die Gesamtmasse des Sozialprodukls? Da beginnt doch er st die Frage! Und wir sehen heute nur soviel, daß die vorhandene» Produktionsmöglichkeiten keineswegs ausgenutzt werden, daß die modernsten und leistungsfähigsten Be- triebe selbst zur Einschränkung gezwungen sind(oder sich sreiwillig durch Organisation dazu zwingen). Nach den Thesen Pigous selbst könnte doch eine Verminderung der Warenproduktion nur die Folge eines zu großen Konsums der Arbeiterschaft sein, welcher die Kapitalisierung verhindert oder verlangsamt oder den Konsum der übrigen Schichten drosselt und deren Produktionssähigkeit lähmt. Nichts davon ist der Fall. Im Gegenteil, die S ch w i e r i g k e i t e n stamnien alle aus verfehlter Disposition über die Produktionsmittel(Folge des Krieges und der In- flation!) und aus mangelnder Kaufkraft, sowie schlechter Organi- sation der Erzeugung. Da die Produktionssähigkeit der europäischen Volks- wirtschaften(von Rußland abgesehen) im wesentlichen nicht g e- r i n g e r ist als vor dem Kriege, da in überraschender Weise gerade die Landwirtschafk sich sehr schnell erholt hat, da die Produktions- anlagen der Industrie im großen ganzen sogar eine wesentliche Ver- glößerung erfahren haben, so sind alle Voraussetzungen sür die Vorkriegslebenshallnng gegeben. Das ist ein überraschendes Ergebnis angesichts der schweren Zerstörungen des Krieges, aber ein Ergebnis, das nicht mehr angezweifelt werden kcknn. Und das schließtich seine Erklärung in den langen(beinahe 10) Iahren des Krieges und der Inflation findet, in denen durch„e r z w u n- genes Sparen", durch niedrige Reallöhne die Kriegsschulden ersetzt wurden. Wenn daher trotzdem Schwierigkeiten in der Produktion vorhanden sind, so liegen sie auf dem Felde der Organi- sation. Sie könnten durch Lohnmindcrungen höchstens partiell überwunden werden. Und die Arbeiterschaft hat keine Veranlassung, die Schwierigkeiten der Umstellung auf ihre eigenen Schultern zu nehmen. Sache der Unternehmer und ihrer Organisation ist es, das Sozialprodukt wieder aus die notwendige Höhe zu bringen, und für richtige proportionelle Erzeugung zu sorgen. Je länger dieser Prozeß dauert, um so mehr zeigt sich, daß die p r i v a t k a p i t a- listische Wirtschaft nicht imstande ist, ihre eigene Maschine zu beherrschen. Lanüwirtschast und Kalipreiserhöhung. Tie»Deutsche Tageszeitung" sagt Ja! Mit berechtigter Spannung durste die Oeffentlichkeit erwarten, wie sich die Organe der deutschen Landwirtschaft gegenüber der Forderung der Kaliindustrie nach Erhöhung der Düngerpreise ver- halten würden. Die„katastrophale Lage" der Landwirtschaft ist ein Schlagwort geworden, dem jeder Reichsminister sein« Reverenz er- weisen muß, wenn er nicht- süechten soll, von Laqdbund. und Groß-� agrariern mitsamt den Landwirtschafksräten mit'Haut und HaareM gefressen zu werden. In der Tat sind billige Gestehungspreis« fiir Düngemittel und Arbeitsinventar entscheidende Voraussetzungen für eine gesunde Landwirtschast, und man entsinnt sich noch, wie die offene Schere der Produktenpreise und der. landwirtschaftlichen Be- triebsbedarsspreise seinerzeit der Ausgangspunkt für die agrarische Schutz- und Subventionspolitik wurde, die immer neue Rekorde auf- stellt. Vom Staat wurde die Rentabilisierung der Landwirtschaft gefordert: der Rentabilisierung der Landwirtschaft dient die neu« Erhöhung der Schutzzölle und die Cornerung des Getreidemarkts, wie sie von der Getreidehandelsgesellschaft unter dem Vorspann der Warenhandelsgenossenschaften und der Erntelombardkredite betrieben wird: der„Rentabilisierung" der Landwirtschaft werden in der Han- delspolitil Industrien geopfert. Wäre es den politischen Matadoren der Agrarier Ernst mit der dauernden Rentabilisierung der Landwirtschaft, so daß diese einmal wieder auf eigenen Füßen stehen kann: das größte Befremden hätte den Bekenntnissen über die Lage der Kaliindustri« folgen müssen, mit Zahn und Kralle hätte um die neuen Kalipreis« gekämpft werden müssen: denn wieder ist bestätigt worden, daß es sich um keine geringere als um eine zwanzigprozentige Preiserhöhung handeln wird. Aber nichts von alledem. Ruhe ist im Blätterwald der Agrarier. Di«„Deutsche Tageszeitung" gab die Forderung der Kaliindustrie ganz kommentarlos wieder, und das leise Säuseln, zu dem sie sich jetzt versteht, ist eher ein Plädoyer für die Preiserhöhung als eine Würdigung der ernsten Lage, die die Preiserhöhung schafft, eher ein Schlafmittel für die Agrarier, als die Aufforderung, sich über die neue Ciluolion klar zu werden. Die„Deutsche Tages- Zeitung" variiert zwar mit Bezug auf die Rationalisierungsversuche in der Kaliindustrie da? bekannte Wort von der gelungenen Ope- ration und dem toten Patienten, aber sie bringt es fertig, sich die Behauptung der Kalinduftriellen einfach zu eigen zu machen, daß ohne die Rationalisierung die Kalipreise heute vielleicht doppelt so hoch wären. Aber sie begnügt sich nicht mit dieser deutlichen wohl- wollenden Empfehlung. Sie erklärt glatt, daß nicht die unratio- nell« Rationalisierung und die Verschuldung der Kaliindustrie deren heutige Loge verschuldet ho� sondern„an diesem Zusammenbruch der Hoffnungen"(der Kaliinoustrie. D. R.)„trägt die katastrophale Lage der Landwirtschaft die Schul d". Nicht die Zulässigkeit und Tragbarkeit der Preiserhöhung selbst will sie geprüft sehen, son- dern es wirb nur die Verantwortung dafür abgelehnt, wenn die Preiserhöhung eine weitere beträchtliche Minderung des Kali- absatzes bringen sollte. Die Gefährdung der Wirtschaftsintensität in der Landwirtschaft ist der„Deutschen Tageszeitung" also Hekuba. Endlich versteigt sie sich gar dazu, die Kaliindustrie noch um Ver» ständnis darum zu bitten,„daß sich die Landwirtschast für die Pro- paganda eines höheren Kalipreises nicht ins Zeug legt, w i e manche Kreise vielleicht anzunehmen geneigt sind." Dieses„wie manche Kreise vielleicht anzunehmen geneigt sind" spricht Bände. Es reißt den Schleier weg von dem Geheimnis» weshalb das Agrariertum sich so wohlwollend in der Frage oerhält und nicht den sonst fälligen„Ausschrei" der Landwirtschast organi- siert. Denn diese„manchen Kreise" sind die Kaliindustriellen selbst. Der Schacher verhindert das Geschäft. Wie sagte doch Geheimrat Kempner? Daß die Interessen der Landwirtschaft und der Kaliindustrie absolut parallel laufen. Ja, sie liefen parallel: bei den Zollverhandlungen, bei der Getreidehandelsgesellschaft, bei der Fi- nanzierung des Kalibezugs. Aber weil sie parallel liefen, weil sie zur Parallele zusammen gekuhhandelt wurden, deshalb ist heuke den Matadoren des Agrariertums das Maul verbunden und sie müssen der Landwirtschast plausibel machen, daß sie die Quittung der Kaliindustrie zu honorieren h a t. Die Intensität der landwirtschaftlichen Betriebssührung darf ruhig flöten gehen, wenn nur das vertraute Einverständnis der Kali- fürften und der Großagrarier, mit dem sie dem Konsumenten das Fell übLr die Ohren ziehen, nicht Schaden leidet. Mögen wenigstens die bäuerlichen Genossenschaften merken, welches schamlose Spiel hier mit der Volkswirtschaft und auch mit ihren eigenen Inter- essen gespielt wird, und mögen wenigstens ihre Vertreter bei den Verhandlungen die Ohren offen und steif halten. Der Großhandelsindex. Die aus den Stichtag des 14. Juli berechnete Großhandelsindex- zisfer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem 7. Juli um 0,4 Proz. auf 128,1 zurückgegangen. Von den Haupt- gruppe» gab die Indexziffer der Agrarerzcugnisse um 0,8 Proz. aus 130,0 nach, während die der Jndustriestosse um 0,2 Proz. auf 124,4 anzog. Die Absohkrise bei den Schuhfabriken. Der Schuhfabrik Eugen W a l l e r st e i n A.-G. in Osscnbach darf man immer besondere Aufmerksamkeit schenken. Nicht nur, weil sie eine der modernsten und leistungsfähigsten ist, wovon wir uns gelegentlich Überzeugen konnten, sondern auch weil ihr Vorstand E. Wallerstein da? Durch- schnittsmaß der Schnhsabrikanten überragt. Die Bilanz verrät zwar eine sorgfältige Geschästsfllhrung: wenn die VankverpflichtUbkien auch aus 120 000 M.(3l 000) erhöht und die Akzeptverpslichtungen von 48 000 auf 66 000 M. gestiegen sind, so ist das Unternehmen doch durchaus flüssig gehalten worden. Die Lieserantenschulden siird viel stärkr gesenkt(von 665 000 auf 373 000 M.), als die Bank- und Akzeptschulden g e st i e q e n sind Auch die Forderungen <887 000 gegen 675 000 M.) sind stärker e r h ö h t als das Bankkonto (71 000 gegen 106 000 im Vorjahr) und die Wertpapiere, Wechsel und Kassenbestände(62 000 gegen 93 000 M.) abnahmen. Die Warenbestände sind mit 882 000 M. gegen 1,24 Mill. sicher nicht zu hoch bewertet. Aber vom privatkapitalistischen Standpunkt hat der Abschluß einen Schönheitsfehler. Während die letzte Bilanz(übrigens ein Halbjahrsabschluß) noch 6 Proz. Dividende erlaubte, schließt dick zum 31. März 1926 mit einem Verlust von 6 0 585 M.(aus i,d«w Res»ro»f«,ds non.'18E 000 M. zu■* diel«*). Dieser privatkapita» l iftische Schrmheitssehle? hat volkswirtschaftliche Ursachen: und der Bericht nennr als Hauptursache die g e r i n g e Aufnahmefähig- keit des stark geschwächten deutschen Marktes. Es ist bedauerlich, daß die Verwaltung nicht aussührlicher über ihre Verkaufsersahrungen auf dem deutschen Markte spricht: denn gerade die Unternehmer der Konsum industrie könnten die Oessentlichkeit und ihre Kollegen in den anderen Industrien darüber belehren, warum unter der Kausunfähigkeit der Massen Beschäftigung und Nutzen aller anderen Industrien zurückgehen müssen und warum alle Ersparnismaßnahmen nichts fruchten können, wenn die Massenkauf- kraft nicht wieder steigt. Gerade weil bei Wallerstein auf ratio- »ellen Betrieb Wert gelegt wird, hätte die größere Ausführlichkeit des Berichts allen Beteiligten nur nützen können. Der versall der schweizerischen Slickereiindustrie. Die Ver- ormung der Verbraucher in vielen Staaten, das Ausscheiden wich- tiger Märkte, die hohen Schutzzölle, vor allen Dingen aber die Ein- sührung von Stickmaschinen in den bisherigen Absatzländern haben die schweizerische Stickereiindustrie in eine katastrophale Lage ge- stürzt. Die schweizerische Stickerciindustrie war Oualitätsindustrie. Bis zum Auskommen der A u t o m a t- S t i ck in a s ch i n e n konnte ihr im Ausland mit Ausnahme von Deutschland eine Konkurrenz nicht gemacht werden. Die Stickautomaten haben jedoch zum Ver- soll der Industrie, zur Entvölkerung ganzer Städte und Ortschaften, deren Einwohner sich mit Stickereiarbeiten beschäftigten, geführt. So hat zum Beispiel die Bevölkerungszahl der Stadt St. Gallen seit 1913 mn 13 561 Personen abgenommen. Zu gleicher Zeit ist in der Schweiz die K u n st s e i d e n i n d u st r i c vorgedrungen, welche bereits-5000'Arbeiter beschäftigt und erhebliche Mengen aus- führen kann. Diese neue, sich rasch entwickelnde Kunstseidenindustrie läßt sich vornehmlich in der Ostjchweiz nieder, wo sie sich in den geräumigen Stickereigebäudeu, die von ihren früheren Besitzern ver- lassen sind, gut einzurichten vermag. In der Besetzung der Stickerei- -ebäudc durch die Kunstseidesabriken spiegelt sich die neue Industrie- Entwicklung, die von der Handaibeit zur Maschinenfabrikation geht, wider. Deutsche Teekäuse in Japan. Im Jahre 1926 sind bisher von Deutschland 800 Tonnen Tee in Japan bestellt worden, was die größte Menge seit dem Kriegsende bedeutet. Die Gesamternte von Tee in Japan wird nach amtlichen Schätzungen aus 30 000 Tonnen beziffert, wovon etwa 60 Proz. nach Amerika gehen. kanold in der Tschechoslowakei. Der bekannte schwedische Scho- koladenfabrikaut Kanold, Göteborg, hat soeben die bisherige Süß- warensabrik Kanold u. Eo. in Prag unter Beteiligung der böhmischen Escompte Bank und Kreditanstalt in eine Aktiengesellschaft unter der Firma„Kanold u. Co. A.-G." umgewandelt. SALAMANftttA SALAMANDER Gewer�schQstsbewegung das versagen öer britischen Regierung. Mit der gesetzlichen Fe st legung des Achtstunden- tages für den Bergbau, die entgegen dem Empsehlungen der königlichen Kohlentommission erfolgt, hat sich die britische Regierung um den letzten Rest des bereits stark geschwundenen Prestiges gebracht. Das Resultat wird sein, daß sürderhin ihre Rolle als Vermittler voll- ständig unmöglich und damit die Lage auss empfindlichste verschärft wird. An diese Tatsache denken ohne Zweifel auch k a p i- t a l i st i s ch e Blätter, wenn sie u. a. sagen, die Regierung habe sich unglücklicherweise derart kompromittiert, daß sie nicht mehr intervenieren könne, auch wenn sie dazu die Macht hätte. Das Kabinett wird sich deshalb noch mehr als bisher auf seine unheilvolle Wirksamkeit hinter den Kulissen und auf Schleichwege verlegen müssen. Schon jetzt ist man sich in allen Lagern über die in Aussicht stehenden Hinterlisten klar. Wenn auch für den Augenblick im Interesse der Zersetzung der Bergarbeiter-Föderation ungefähr vier Fünfteln der Bergarbeiter bei verlängerter Arbeitszeit die Löhne des Monats April angeboten werden, so weih doch jeder Berg- arbeiter, daß über kurz oder lang eine allgemeine Lohnreduktion folgen muh, wenn nicht das Uebel an der Wurzel erfaßt und den Empfehlungen des Kohlenberichts zufolge eine große Anzahl unwirtschaftlicher Gruben ge- schlössen wird. Die weitere Ausrechterhaltung dieser Gruben, gegen die die Regierung nichts tut, kann nur den Zweck haben, d i e Löhne allgemein unter das Niveau herabzubringen, das die besseren Gruben aufrechtzuerhalten vermöchten. Die in den letzten Tagen erfolgte Wiedereröffnung sämtlicher Grüben auf Grundlage des Acht- stundentages war ein voller Mißerfolg. Rur in Warwickshire arbeiten nun 2500 Mann, davon 1300 für den Sicherheitsdienst, so daß insgesamt eigentlich nur 500 Mann mehr arbeiten als in der vergangenen Woche. Und dies trotzdem die von den Unternehmern in diesem Distrikt angebotenen Löhne höher sind als die Aprillöhne und bis Ende März nächsten Jahres in Kraft bleiben sollen! öesprechungen im Sergbaukonflikt. London, 15. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Bischöfe und kirchlichen Organisationen haben bei ihrer Zusammenkunft am Dienstag mit den Vertretern der Bergarbeiter diesen konkrete Vor- schlüge für eine Lösung der Bergbaukrise vorgelegt. Diese gehen .dahin, daß die Arbeit zunächst einmal aus Grund der vor dem Streit geltenden Arbeits- und Lohnbedingungen aufgenommen werden solle, und zwar für vier Monate, während welcher die Regierung durch S u b s i d i e n die Weiterbezahlung der vor dem 1. Mai geltenden Löhne ermöglichen solle. Während dieser Zeit soll versucht werden, ein Landesabkommen für den Bergbau zu treffen. Für den Fall, daß die Parteien während dieser Zeit zu keiner Verständigung kommen, soll die Entscheidung einem neutralen Schiedsrichter übertrage» werden. Diese Vor- schlüge der kirchlichen Organisationen lagen der Exetutiosltzung des Bergarbeiterverbandes am Donnerstag vor, und es verlautet, daß die Stellung der Bergarbeiter diesen Vorschlägen gegenüber nicht ungünstig ist. Im übrigen nahm die Exekutive am Donnerstag die Berichte aus den D i st r i k t e n entgegen, aus denen eindeutig hervorgeht, daß die Situation in sämtlichen Bergbau- distrikten unverändert entschlossen gegen jegliche Annahme von Lohn- kürzungcn und jeglicher Erhöhung der Arbeitszeit geblieben ist. Am Nachmittag fand eine Besprechung zwischen der Berg- orbeiter-Exekutive und dem G e n e r a l r a t der Gewerk- schasten statt, der um so größere Bedfutung zukommt, da es die erste Zusammenkunft der beiden Körperschaften seit dem Abbruch des Generalstreiks und der dadurch verursachten Entfrcm- dung der beiden Körperschaften war. lieber das Resultat besagt ein im Hauptquartier der Gewerkschasten ausgegebenes offizielles Kom- munique, daß der Generalrat den Bergarbeitern zu- gesagt habe, ihnen in ihrem Kampf alle möglichen finan- ziellcn Unter st ützungen zukommen zu lassen. Es wurde jedoch auch die Möglichkeit der Wiederauf- nah m c von Verhandlungen erörtert, ohne daß jedoch von irgendeiner Seite bestimmte Vorschläge gemacht worden wären. Das von einigen bürgerlichen Zeitungen verbreitete Gerücht, der Gene- ralrat sei von den Bergarbeitern zum Zwischenhändler zwischen Re- gierung und Bergarbeitern ausersehen, erübrigt sich für jeden, der die etwas gespannten Verhältnisse zwischen Generalrat und Berg- arbeiter-Exekutivc seit dem Abbruch Ses Generalstreiks kennt. In einer Rede betonte am Donnerstag der Vizepräsident der Untcrnehmerorganisation des Bergbaues, daß die Unterneh- m e c die Forderungen der Bergarbeiter, nämlich die Wiederauf- nähme der Arbeit auf Grund der vor der Aussperrung geltenden Bedingungen selbst dann nicht erfüllen können, wenn die Berg- arbeiter noch weitere sechs Monate nicht zur Arbeit zurückkehren. Der Ministerpräsident Baldwin hatte am Donnerstag eine Be- fprechuny mit dem mit der Kohlenfrage befaßten Ausschuß des Ministeriums, und es oerlautet, daß er sich am Wochenende bereit- halten werde, falls Unternehmer- oder Bergarbeiteroertreter ihn zu sehen wünschten. Im übrigen sind die eingangs erwähnten Vor- schlüge der Bischöfe in Regierungskreisen nicht günstig aufgenommen worden, da eine solche oiermonatliche Fortsetzung der Subsidien schätzungsweise 10 Millionen Pfund Sterling tosten würde. Sin Streich der Rossoni-Gewerkschaften. (J(BB.) Als wir über den arbeiterfeindlichen Beschluß der italienischen Diktatur-Regierung berichteten, durch den die Arbeitszeit von acht auf neun Stunden ver- längert wird, gaben wir der Vermutung Ausdruck, daß sich irgend- welcher Widerstand der faschistischen, staatlich pri- vileaierten Gewerkschaften ohne Zweifel nicht b e- merkbar machen werde. Die Sache liegt aber noch s ch l i m- m e r. Wie Mussolini einem Vertreter des englischen Blattes „Daily Mail" mitteilte, erfolgte diese Verschlechterung der Lage der Arbeiter mit Zustimmung, ja vielleicht auf An- regung des Leiters der faschistischen Gewerk- schasten, Rossoni. Mussolini führte aus, daß R o s s o n i, als er zu Rate gezogen wurde, erklärte,„die italienischen Arbeiter seien bereit, ohne besondere Entschädi- gung eine Stunde mehrzu arbeiten". Mussolini meinte sogar, daß der Beschluß der Regierung nicht allein ohne Opposition, sondern mit Enthusiasmus aufgenommen wurde, und daß die Arbeiter bereit seien, nicht nur eine Stunde, sondern zwei Stunden mehr zu arbeiten. ci, Und dieser Rossoni hat den Mut, auf den internationalen Arbeitskonserenzen in Genf die Anerkennung als Vertreter der italienischen Arbeiter zu verlangen. Daß die italienischen A r- b e i t e r anders denken als der von der Regierung eingesetzte Leiter der faschistischen Zwangsorganisationen, braucht wohf nicht besonders betont zu werden. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Genosse Voogs- g e e r d kann auf eine 25jährige Tätigkeit als besoldeter Sekretär des Allgemeinen Niederländischen Textilarbeiter- Verbandes zurückblicken. Schon bei dem großen Textilarbeiter- streik des Jahres 1902 war es ssiner umsichtigen Leitung des Der- bandes zu verdanken, daß die Bewegung nicht ergebnislos verlies. Einen großen moralischen Erfolg erzielte Voaasgeerd in den Kämpfen des Jahres 1923/24. Seitdem ist die Mitgliederzahl des Verbandes von 6000 auf 9000 gestiegen, das allgemein anerkannte Verdienst des Verbandsvorsitzenden. (Gewerkschaftliches sieh« auch 4. Seit« Hauptblatt.) /tos öer Partei. Die Verfolgung der armenischen Sozialisten. Einem Bericht der Auslandsvertretung der armenischen Sozia- listen zufolge sind neuerdings in Armenien zahllose Verhaftungen von Sozialisten durch die Bolschewiki vorgenommen worden. In E r i v a n allein sind 400 Genossen festgenommen worden, und ebenso viel auf dem Lande, während die amtlichen russischen Stellen nur eine Zahl von 70 zugeben. Ihr einziges„Verbrechen" besteht darin, daß sie sozialistische Literatur, die ihnen vom Ausland zu- gekommen war, verbreitet hatten. Die Bolschewiki sind entschlossen, die sozialdemokratische Bewegung in Armenien ebenso wie in Georgien auszurotten, und da ist ihnen kein Vorwand schlecht genug. — Inzwischen ist bei der Auslandsvertretung der armenischen Partei die Nachricht eingetroffen, daß verschiedene verhaftete Genossen in den Hungerstreik getreten waren, um eine behördliche Unter- suchung zu erzwingen. Als Antwort daraus ist der Befehl er- gangen, sie nach entlegenen Gegenden Rußlands zu deportieren. Arbeitersport. Korperkultur und Nacktheit. Die wärmere Jahreszeit bringt auch die Pflege des Sportes und der Körperkultur in vermehrtem Maße mit sich. In den letzten Jahren hat vor allem die Pslege der Körperkultur einen Auf- schwung erfahren, der beweist, daß man sich jetzt auch in allen irgendwie sporttreibenden Kreisen von dem Wert der damit ver- bundenen Uebungen überzeugt hat. Es wäre dringend zu wünschen, daß damit die Grundlage für eine ethische Durchdringung des Sportbetriebes geschaffen wird. Gerade Gymnastik und Körperkultur sind nicht nur den sport- lichen und gesundheitlichen Bedürfnissen der Menschheit dienstbar. Sie ragen weit über diese allgemeinen Begriffe hinaus. Hier trjtt insbesondere das für proletarische Kreise außerordentlich wichtige Moment der Massen- und Gemeinjchaftswirkung hinzu, dem Kulturbedürfnis der Arbeiterschaft auch in sportlicher Hinsicht durchaus entspricht. So haben auch wir in unserer Arbeit diesem „Zug der Zeit" unser Augenmerk in besonderem Maße zuzuwenden. Doch noch ein weiteres ist zu beachten, das ist die Frage der Nack t- heit oder der Nacktkultur. Sie wird in weiten Kreisen der proletarischen Organisationen seit Jahren schon praktisch geübt, nur ist man sich oft des rechten Weges nicht recht bewußt. Es ist nämlich durchaus falsch, diese Entwicklung aus den revolutionären Erscheinungen von 1918/19 herzuleiten. Die Nacktkultur hat ihretiesenWurzeln inden kulturellen Entwicklungstendenzen der Gesellschaft. Sie fand schon in früheren Jahren begeisterte Vor- kämpser. Die Zeit nach dem 9. November hat dieser Entwicklung nur neuen Antrieb gegeben, oft allerdings in verkehrter Richtung. Es ist bezeichnend, daß wiederum, wie seinerzeit bei der Gründung der Wandervogelbewegung, auch diese Bewegung ihre ersten An- Hänger in durchaus gutbürgerlichen und nationalen Kreisen fand. Das mag zum Teil aus der feineren Differenzierung des Gefühls- l e b e n s in jenen Schichten herzuleiten sein. Diese Tatsache aber verlangt auch in den Kreisen der Arbeiterbewegung besondere Beachtung, denn wenn es sich um eine revolutionäre Bewegung aus dem Gefühlsleben geboren handelt, so lassen sich diese Dinge nicht mit dem üblichen Maßstab des.Propaganda- und Agitationsmähigen mesien. Eine Pslege von Propaganda-Racktkultur, eine Zurschaustellung des reinen Körpers aus agitatorischen Gesichts- punkten heraus ist entschieden abzulehnen. Dabei wird der gute Kerngedanke nur diskreditiert, das gute Werk freiester Körper- pflege nur beschmutzt. Pslege der Nacktkultur ist in der Hauptsache Erziehungswert und kann in keiner Weise sportlichen Gesichts- § unkten dienstbar gemocht werden. Hier tritt das ä st h« t i s ch« loment der Pflege eines schönen Körpers in Aktion, das zweifellos auch in proletarischen Kreisen praktische Würdigung erfahren wird, aber nur dort, wo es angebracht ist, und wo geistig schon die nötige Vorbereitung geschaffen ist. Ungarische Anfzballspieler in verlin. Nachdem bisher nur russische Fußballspieler in Berlin gespielt haben, ist e» der Leitung der„Märkischen Spieloereinigung ge- lungen. eine ungarische Mannschaft nach hier zu verpflichten. Sämtliche internationalen Gegner waren bisher nur nach Dresden, Leipzig und Chemnitz geladen, während Berlin sich mit den Russen begnügen mußte. Nur Berlin sollte ohne diese Gegner ausgehen. Da ist es doppelt erfreulich, daß wir doch noch die Ungarn sehen sollen. Wenn es auch in Ungarn durch die ganze politische Lage keinen Arbeiter-Sportoerband in unserem Sinne gibt, so sind die Spieler doch alle gewerkschaftlich und politisch organisiert. E. M. T. K. nennt sich die Mannschaft, die gegen unsere Städtemannschast spielen wird. Der volle Name lautet:„Errscbeti Munkas Testndzö Kör". Die Mannschaft zeigte bei ihren Spielen im vorigen Jahr und auch in diesem Jahr, daß sie über eine beträcht- liche Spielstärte verfügt. So wurde am Sonnabend Leipzig-Preuhen mit 4:0 geschlagen. Auch Dresden-Potschappel mußte sich mit 2: 1 geschlagen bekennen. Die Mannschaften spielen in folgender Auf- stellung: Dudopefl:»ovalegk Äohn Sulai», »uloat Szkubl Vorya PItszio Schuck Tzende» Smolencky Denzer Bergmann Elender Schulz »Dllwitz Pilz Seelinger Barabuh gunie OiUItt Himmer Degener Bcciln t Das Spiel findet am Sonnabend abend» 6 Uhr 30 Min. statt, und zwar auf dem A d l e r- S p o r tp l a tz in der C h r i. st i a n i a st r a ß e. Vorher spielen die Schülermannschasten von Kreuzberg und Lichtenberg l. Wöhrend in Berlin die Ungarn spielen, fährt eine zweite Ber- liner Städtemannschast nach Görlitz, um gegen eine dor- tige Städtemannschast ein Spiel auszutragen.— Am Sonntag beginnt auf den, Sportplatz in der Koßlerstraße das Fußballturnier de» Sportoereins Stralau. Es spielen folgende Mannschaften: Hertha 22 gegen Vorwärts 20. Dann folgt Frilch-Frei gegen Bri- tannia-Lichtenberg und zum Schluß Treptower Ballspicl-Club gegen Rüstig-Dorwärts. Das erste Spiel beginnt nachmittags 3 Uhr. In der Christianiastraße stehen sich Teutonia und Futzballring um 5 Uhr gegenüber. Eintracht 25 spielt m Britz gegen Fichte 21.— Im Lichtenberg I-Turnier gelang e» Brandenburg 02 den Veran- stalter Lichtenberg I nüt 3: 1 aus dem Rennen zu werfen. Im End- spiel stehen sich am heutigen Freitag nun Adlershof und Branden- bürg 02 auf dem Sportplatz in der Kynastftraße gegenüber. Beginn des Spiels 6 Uhr._ Achtung! Wintersport! Die AWZ(Arbeiter-Wintersport- Interessengemeinschaft) Groß-Berlin veranstaltet, wie in den vorher- gehenden Iahren in großem Maßstabe auch diese» Jahr wieder Trockenkurse für Stilauf. Es wird darauf aufmerksam- gemacht, daß für Jugendliche au» anderen Arbeitersportvereinen die Kurse vollständig kostenfrei sind. Die Iugendleiter mögen jetzt schon Jugendgrup�en zu geschlossenen Kursen anmelden. Uebungsgerät wird gratis zur Verfugung gestellt. Da vom 1. August bis 31. De- zembcr Sperre für Mitgliederausnahme ist, empfiehlt es sich schon jetzt, sich als Mitglied der AWI eintragen zu lassen, da Mitglieder ebenfalls kostenfrei ausgebildet werden und sofort in den Genuß der Geräteversicherung konimen. Für Eislaus und Eishockey beginnen die Uebungen jedenfalls im Septembex wieder und wollen Jnter- esienten sich cbensalls jetzt schon anmelden. Anmeldung für Skilauf: Walter Biese, Köpenick. Mentzelstraßc 8. Anniel- dung für E i s l a u s' Walter Höcker, Berlin, Äeymestr. 4. Alle anderen Auskünfte erteilt die Geschäftsstelle: Walter Roack, Köpenick, Mentzelftrahe 8. Achtung. Rast! Alle in ssrage kommenden itartelloereine haben sofort, spAeste»» aber bis zum ZI. Juli, die noch nicht obgesithrten Seider S'f' tritt-karten und Festschriften vom RAST.>m St�ion Srunewaib aus Polt sche-ttonto Berlin 78 021«inzuzahlen oder an den �uolkassrerer z�mrich Mcn dors. Chorlottcnburg, Schlohstr. ZZ. scitcnfl. Z Tr., verkaufte Karten und Fcstsch'.iflcn bis zu demselben Datum � die<�schatls- stelle des Karlellverdandcs, an Robcrt OchlschlSzcr. �rrlrn NW, Hochstadle Straste 10. ablicsern. Nichlbcs°l«ung di-l-r Ausforderung bringt fllr die Ber eine Nachteil« mit nch. Der Seschilitsfllhrcnd« Ausschuh. iÄm, An die k.rt.llver.ia.»roh-Berlin«. Der Kartellocrband k°-bert alle hnn angeschlossenen Vereine aus. ssch vit e ncr �ne"d-l-gairon be m� abend zur Eröffnung des S. Bunbestaaes d es ,.Ard->ter�«th leren»hn«> Deutschlands" am Sonnabend, 31. IuN, 7 Uhr, in der Neuen Welt, Hai zu beteiligen. Oehlschläger. Zeiler... i* o,.t; «rf�ifr-�öbfcfcrcr.Diinb..Solidarität". Touren für SonntKg, Iv. o»*"- B-lU!. l«bt- Früh 4 Uhr Stienihse«. 12 Uhr Wll?gel..e Freibad Start Bülowstr 55—2. Abt.: 5 und 12 Uhr Gröbener See. Start Dleffcnbachstr. 36. -- 3. Abt.: 17., abends 61,. Ubr. Italienisch- Nacht I.Ä ö Uhr Dubroio. Start Laussher Plah.—«bt.- 5 Uhr S.dnhfec.£'-■ Wcberwicse— 5. Abt.: 5 Uhr KrUpclsee. 12 Uhr 8ross>nsce. Ctart 8anbe licroct Via«!— 6 Abt.: FrUH 6 Uhr Stienihs««. 72 Uhr Mahlshorf, Hildekrug. Start Schönhauser Allee lbt— 7. Abt.: F.Uh» Uhr Werbell.nlee. 1 Uhr Schönwalde Uber Schildow. S'art«olonlestr.«7.- 8. Abt.. 17., ootno» 6 Uhr 18., früh 4 Uhr, Groft-Glienickrr See. vtart Arminiusplatz. 9. Abt.. 17.. nachmittags 5 Uhr, Italienische Nach» in Sörblskrug. Todrn�cc Frllh 5 Uh- TodniKsee 1 Uhr Rudow. Lindenwi�tin. Start Schulstr. m.. 10. Abt.: Früh 7 Uhr Schnihcliagd. Lirschgarten Wald bürg..Start Eomenius» vlah.— 11. Abt.: 17. abends 6 Uhr. vcillgensre. Tivoli. Jtallenisch« Nacht. Start«lochplan.- 12. Abt. Motors-Hr«: 1,.. abends 6 Uhr. lS.. frllh 6»H.. Mroh-Dölln. Start Wethenlee S-iner-d-rser Strahe.- W- Jb»• W- HD«: 17.. abend- 7 Uhr, 18. W 5 Uhr W X S ««: Buckow�MörNsche' SÄ StattJ Ufc'rüh'�hnhos B-umschnwrw-g. Bahnfabrer Rückfahrkarten 2.7» M. ab Schlcssschen Bahnhof 6�6 Uhr.— Ortegr. Ri-berschönh-nrs-n: 17.. nachmittags 4 Uhr. Sctriplin. Start Berel, s lokal— Ortsqr. Lichtrnb«rq: 17.. nachmittags s Uhr, Buckow. Markif�c Schweiz. 6 Uhr früh Böhlee Start Traveplah.— vrtsgr. VnUw.ri.. abends 8 Uhr, Sommerfeld. Start Gaillorbstr. 52.— OMsgr. Tegel: Früb 7 Ubr Grabowlce. Start Schlieperstr. 64.— Bez. 2:«onntag. 18. Juli. Bezirksfcst in Köniaswusterbaulen. Nestaurant Schllhenhaus. Sammelstart 2 Uhr nachmittags In Wildau bei Dobian zur Korsofahrt mit Musik,«uns«, un» Rcigenfohren der besten Mannschaften, Gartenion,-rt 80 Pf.. Tanz u Pf. Abend»«rosser Fackelzug. � Artistenverein Uni-n.«itto-i°. Mitglied t-,«AB. Sonntag. 18. Juli. in der Kindl-Branerci, Sermannstrasse. grosse P-rielS.Darten.Vorftcllung. Ein- tritt auf allen Plässen 6» Pf., Kinder 2S Pf. r»nr>Nen»erein„Die R-tnrf'eund«'»zentrale Wien). Abt. ah-rlo't-nbnrg- Freitaa. 16. Juli.>48 Uhr. Im Iuoendhelm Sacielerstr. 16b.„Scinrrch Herne »Genossin Ellen Beidier).— Abt. Friedenau: ssrertag, 16. Juli.>»8 Uhr, Se:ur Offrnbachcr Str. 5». Portrgo:„Photographie und Safurireunb-»«. «esundbrunven: Freitag. 16. Juli. 8 Uhr. im Schill-rlvz-um, Pank. Ecke Böttcherstrasse. Gcschäitlichcs.- Abt. Tiidvst: Freitag. 16 Juli Uhr, Heim Reichcnberacr Str. 66 Heimabend,«indergrnppc 146—148 Uhr im Jugendheim— Abt. Rculölln: Während der Ferien ist das Helm Kopfstr.» geschlossen t dafür Freitags im Heim SSierkestr. 44. Freitag. 16. InN. 8 Uhr, ,.Veoetaricmus". Iugendgruppe im selben Raum H7— 8 Uhr.„Auo 3>coeI» Leben".— Abt. Tempelhof: Freitag. 16. Juli. 8 Uhr, im Marlendorfer Jugend- heim Dorfstrassc. Montag. 1». Juli. Lichtenrade. Kaiser-Wilhelm-Str. 78— AM Treptow: Wegen Renovierung bleibt das Heim Elienstr. 3 qcfchlossrn. Freitag, 16. Juli. Tretipunkt 7 Uhr Bahnhof Treptow.— Abt. Wedding: Frei- tag. 16. Juli. Scideabcnd. Tre'fpunkt'47 Übe See- Ecke Lütticher Strasse.— »-tnrwiss-nliwstl!»« Ab'.: Montag. 1». Juli. 8 Uhr, im Heim St-aiauer Strasse SS..Perschiebnno der Kontinente-.—«crbcbezirt Norden: Montag. 1». Juli, 7 Uhr Bezirkssshung unter Teilnahme aller angeschlossenen Ah. teilunoen bei Dressier, Swinemünde? Str. TZ.— Pbotvgemclnschalt: Montag, 19. Juli. 4-8 Uhr. in. Heim Sdertpstr. 12. Portriitvhotographic, B-rlchiüsse. Freie Schwimmer Eharlottenbn'p 94 E. B. Kanu- und Segelabteilunor Freilag, 16. Juli, 8 Uhr. Monatsvcrsammlung bei gippcl. Grün- Ecke Kirch- strassc. Arbeiter. Tpxrt-»ab Knltnrkartell Ehorlottcnbnrg. Montag. 19. Juli, 7 Uhr. Kartelldelcaiertenssssung bei Po.schel, Kaiscr-Fricdrich-Str. 82. Kraft, und Rlng'portverein„Eiche 1996*. Freitag, 16. Juli, 8 Uhr. veranstaltet der Verein in der Turnhalle Friedenstr. 17«iucn Kampfabend im Ringen. «rbeiter.Radf-hrer.Berein Gross. Berlin. Sonnabend. 17. Juli, früh 7 Uhr. nach Stettin. Abend» 7 Uhr nach Buckow. Märkisch« Schwei,. Sonntag, 18. Juli, nachmittag» 1 Uhr. nach Freibad Rahnsdorf. Start Waldemar stresse Ecke Marianncnplah. Gäste willkommen. Ar heiter. Radsi-drcr. Bund..Tolibaritöt". Ausschrelbnnn. Sonntag, 25. Juli. veranstaltet der Bezirk l sein nächste» Strassenrennen. Rennstrecke: Rnnd um den Teufcloscc Bahnhof Hcrrftrassc. Tenfelsice-Ehoussce, Kronvrinzessinncnweg an der Anusbohn entlang. S-vel-Thanssee. Seerstrassk. 21«ilometcr. Läng- der Strecke: 42 Kilometer. Die Strecke ist zweimal zu durchfahren. Start: Morgens 7>4 Uhr am Bahnhof Hecrllrassc, Teufelsiec-Ehaussee. Fiel: Herr- strass« am Bahnhof. Startbercchliat stnd sämtliche Reifengaltungen. WerM-q erfolgt in drei Klassen: 1. Altersfahrer vom 35. Jahre ab. 2. 18 bis 34 Jahre. 3. Jugend unter 18 Jahre»fährt nur 2 Kilometer). Gefahren wird nach den Zyrttfahrdestimmunxcn des ARB. Solidarität. Sammelstart morgens 6>4 Uhr- Kätferdamm 495», Restanrant Schinkel»kurz vor Bahnhof Heerltrosse). Mel» düngen mit Startgeld an: E. Karras. Morissftr. II/IS; F. Iafer, Eimplou- strossc 33. Starig« lb 50 Pf. Meldefchluss: 18. Juli. Ritglieder des Arbeiter-Athloten. Bunde« erhalten Vorzugskarlen für 5» Pf. �reservierter Pia«,) für die täglichen Veranstallungcn ber erwerbslosen Perus«. ortisten der IAL. in der Reuen Welt, Kasenheide, durch Kollegen Frohne, Gubener Str. 49, 4 Tr. Es wird dringend um Unterstüssung-dieser gemein- nüssigen Peranstoltungen gebeten. Verband Volk«i»lundhcit. Ortovercin Berlin. Freitag, 18. Juli. 8 Uhr. Diskussionsabend der Iugendgruppe im Heim Gosslerstr. 61»Nähe Warschauer Brücke). Thema:„Theater und Jugend-. Freie Aussprache. Gäste herzlich willkommen. Svorttlnb„Rater Stern- Eharlottenbnrn 1990. Sonnabend. 17. Juli, im Eden.Palast. tlharlottenburg, Kaiscr-Friedrich-Str. 24, Eommerfest, verdunden mit Städteringtampf Stettin— Ehorlattenburg. Anfang 7 Uhr. 3um Bezirksfest in Luckenwalde am Sonnabend, 17.. und Sonntag, 18. Juli. fährt der Sonderzug am Sonnabend ab Anhalter Bahnhof 2)4 Uhr nachmittag». Alle Fessteilnchmcr werden nochmals auf diesen iiug hingewiesen. Etwa SM Fah, karten stnd noch am Freitag. 16. Juli, bi, 7 Uhr, in der«steschäf's. stell-„Fichte-, kövemcker Strasse, und am Sonnabend, 17. Juli, von 1—2 Uhr im Wartesaal 4. Klasse des Anhalter Bahnhofs zu haben. Dortsrlbst ist auch Ausgabe der übrigen Korten. Rückfahrt de» Sonderzug«» von Luckenwalde Sonntag abend um 9 Uhr. juxtet wenn nidii Wäsche und Kleid in Einklang dazu stehen. Anziehend wirkt nur, wer an schönen Sommertagen fleckenloses, blütenweißes Kleid trägt. Sich so zu khiden, ist leicht, wenn Sie mit Perflor waschen. Es gibt ohne Mühe in kürzester Zeit schneeweiße Wäsche, nimmt jeden Fleck, macht dabei keine Löcher, da es ohne Schärfe ist wie mildeste Seife. »»III»» >»»»>»» »»»>»»» «»»»»»» Irettag IS. 7utt?H2H Unterhaltung unö AAissen Seilage ües vorwärts die Madonna. Skizze von Margrelh Menget. Malte stand vor dem Direktor, die Knie ein wenig zu sehr durch« gedrückt und mit einem leisen Frösteln, das über den ganzen Körper ging: so hörte er zu. Er begnff völlig, was der Direktor sagte. Natürlich, warum sollte Malte es auch nicht begreifen? Und warum sollte er nicht zustimmend nicken? Etwas anderes konnte man ja nicht tun, be- sonders, da der Direktor seine große weiße Hand auf Moltes runden Rücken legte. .Vierzehn Jahre/ dachte es dumpf staunend aus Malte,.vier- zehn Jahre/ In seiner Brust zerrte es plötzlich mit einem großen Schmerz, und Malte wußte, daß da drinnen das kranke Tier wieder wach war und lauerte. Es lauerte gierig, gleichsam, als hungerte es. Wie seltsam, es hungerte nach der weißlichen Lust, die durch das Werk ging und die kranken Tiere in die Lungen der Glasbläser jagte. Malte dachte sehnsüchtig an den feinen, fliegenden Glasstaub, den man eigentlich gar nicht sah, den er nur täglich geschluckt hatte in vierzehn langen Iahren. Malte wurde plötzlich sehr traurig. Die Stimme des Direktors fiel fremd und fern in diese Traurigkeit. Malte hörte noch einmal, daß die Zeiten so schlecht seien. Don drückender Wirtschaftslage sprach der Direktor und von großer Be- triebseinschränkung. Er hörte weiter, daß er. Malte, wohl der beste Arbeiter sei, aber er sei unverheiratet, der letzte, der überhaupt noch da sei; nun könne man beim besten Willen nicht anders, wahrschein- lich würden auch die Familienväter noch an die Reihe kommen, denn die ganze Röntgeninstrumentabteilung müsse geschlossen werden. „Gehen Sie in die nächste Großstadt, Malte/ riet der Direktor wohlwollend,.da ist noch eher etwas zu machen/ Er reichte ihm herzlich die Hand. Malte steckte die Papiere mechanisch in seine Tasche und ging langsam hinaus. Es regnete. Der warme Iuninachmittag war wie eine Schale, von der die schweren Tropfen überquollen mit einem glückhaften Seufzen. Die Vögel sangen trotz des Regens, und als Malte sich zurückwandte, sah er über dem weißen Gebäude des Exzelsiorwerkes die Sonne in einem rötlichen Dunste stehen. .Die Mutter ist tot, Gott sei Dank/ dachte Malte zärtlich und beruhigt,.und die Schwestern sind versorgt/ Er staunte wieder. .Ich bin also allein/ dachte er und lächelte beinahe. Am anderen Morgen fuhr Malte in die Stadt. Und schon, als er zum ersten Male durch die Straßen ging, packte ihn die Ver- zweiflung. Er begann zu laufen, schneller, immer schneller: er wurde in den rinnenden Stunden des Vormittags ein Gehetzter, dem ohne daß er es wußte undkääwiederrdgoevniumlhrdgumlhwyeni das Haar wirr um die Stirn hing. Er schlenkerte mit den Armen, ohne daß er es wußte, und stierte wild in ine unzähligen Gesichter der Menschen, die ihm entgegenkamen. Er hatte nie eine große Stadt gesehen. Seine kleine, grüne Heimai. mit dem weißen Kompler des Exzelsiorwerkes darinnen, war seine Welt. Und sie war eine Welt, in der Malte atmen konnte. In der er die Röhrchen und Instrumente blasen gelernt hatte, für die er dann seine sicheren Augen, seine tastenden, formenden Hände hergab und seine geduldige Lunge. Abends konnte Malte in dieser Welt schmale Wege gehen, er konnte sich nach den fernen Linien der blauen Berge sehnen, ohne daß er traurig davon wurde. Auch kleine Blumen konnte man pflücken und hie und da sah man einen Stern fallen. „Was tue ich hier/ dachte Malte entsetzt,.mein Gott, was tue ich hier?� Nach einigen Tagen wurde Malte sehr still. Er fragte nicht mehr, er hatte alles begriffen. Gleichgültig verließ er des Morgens seine Herberge, in der er untergekommen war, und schritt durch die Straßen bis zur alten Kaserne. Aus dem großen Kasernenhof stand Malte in den langen Reihen der Arbeitslosen. Zu denen gehörte er jetzt, und er hatte die Nummer 3887. Er stand stumpf zwischen den Menschen und hörte ihre harten oder trostlosen Reden, aber er selbst sprach nie ein Wort. Er fühlte, daß seine Seele langsam erlosch in diesem dunklen Heer der verzweifelten Herzen. Diese Menschen hier waren die Au»- gestoßenen, die Traurigsten. Sie hingen in der Lust über dem grauen Abgrund. Sie hatten einen Kopf und zwei Hände, die waren leben- dig und doch tot. Und dieser unsagbare Koloß von Händen und Köpfen bewegte sich täglich über den alten Kasernenhof, schlängelte sich die Treppen des Gebäudes empor, wo auf kleinen, weißen Korten das Dasein dieser Köpfe und Hände bescheinigt wurde. Auch Geld bekam der Koloß, ein wenig Geld, damit die Köpfe und Hände nicht vollends verschwanden, in den Abgrund sanken.— Ja, Malle hatte alles begriffen.— Des Nachmittags'wanderte er durch die Straßen, ohne Ziel, ohne Hast, gleichgültig. Er aß fast gar nicht». Und nachts schlief er wie ein Toter. In den nächsten Wochen bekam er zweimal einen Blutsturz. » Als Malte wieder aufstehen konnte, trug er von neuem die schmerzhafte Frage in seiner Brust. So konnte es doch nicht bleiben. Irgendwo mußte es doch ein Licht geben, eine Freude, ein Lächeln, auch hier in der großen Stadt. Er schritt aufmerksam durch die Straßen: ein ganz Wacher, ein Horchender, ein Hungernder, indc» die Luft warm um seine Stirn ging und der Autodunst ihn be- drängte. So ging er unentwegt, langsam, geduldig. Stunde für Stunde. � Sehr spät war es schon, als Malte plötzlich au» seinem Dahin- gleiten erwachte. Ihn fror auf einmal, und er hatte Hunger. Stehen- bleibend lehnte er sich erschöpft an die hohen Scheiben eine» Kaffee- Hauses. Seins Augen begannen starr und glänzend zu werden, al» er hineinschaute.„Das ist das Leben/ dachte er und weinte plötzlich. Er wußte nicht, wie es kam, aber er ging auf einmal durch eine offene Schiebetür, ging auf einmal mit leise wiegenden Schritten einher durch eine Woge gedämpften Lichtes, zwischen bunten. redenden Menschen, die beieinander saßen an kleinen Marmortischen. „Sonderbar/ dachte Malte und sah nach rechts und links in die ' lebenden Spiegelwände und sah auf seine grauen Schuhe, die auf dem roten Teppich sich lautlos fortbewegten. Er setzte stch und der Kellner brachte ihm bereitwillig alle Dinge, die' Malte in kindlicher Freude begshrte: Zigaretten, Kuchen, viel Kuchen, und Kognak. Blumen standen vor Malte, blaue, fremde Blumen, und er hätte beinahe wieder geweint, als er sie leise an- rührte. Musik begann zu erklingen, so schön hatte Malte sie nie gehört. Er starrte brennenden Auges hinauf: dort oben raste die Zigeunerkapelle, und Mattes klopfendes Herz hing wie ein ver- jlatterter Vogel zwischen den braunen Gesichtern, den roten Jacken und den auszuckenden Tönen.— Ein Mädchen lächelte ihm zu mit einem kleinen, bunten Ge- sichtchen, und als Malte demütig und krampfhaft zurücklächelte, kam es an seinen Tisch, setzte sich zu ihm und sprach mit leiser Stimme. Malte verstand die Worte nicht, aber muhte man nicht die klein« Gestalt ansehen oder in das lächelnde Gesicht, um glücklich zu werden, unbeschreiblich glücklich. Er mußte an die Madonna denken, die daheim in der Dorfkirche war, und deren Gesicht genau so ein buntes Lächeln trug, aber ein Lächeln voll Trost. Malte preßte die Hand gegen seine Brust und wußte plötzlich, daß die Liebe gekommen war, zum erstenmal zu ihm gekommen war, leuchtend und schön. Ueberwältigt von seinem Glück hustete er jäh aus und wunderte sich sehr, als es wieder geschah: als es von seinen Lippen rann in kleinen, roten Rinnen. Fassungslos schaute er aus sein Taschentuch und dann auf das Mädchen. Das war aufgestanden: abwehrend, enttäuscht und ein wenig erschrocken..Nicht fortgehen/ bettelte er Cin Denkmal. Die Sludentenschafk Hannover plant sicherem vernehmen nach ein Denkmal für die Opfer de» Lessing-Standal«. leise,„nicht fortgehen/ Das Mädchen bekam seltsame, starre Augen, ober ei setzte sich gehorsam wieder zu ihm und schaute schweigend zu den roten Jacken hinauf. * Malte erwachte plötzlich. Der Traum war aus. Er stierte auf den Teller mit den Kuchenresten, stierte in die Menschen und auf da» Mädchen, das vor ihm saß und ihn nicht mehr ansah. Grenzen- lose Wut ergriff ihn. Schlagen hätte er mögen, zuschlagen, irgend- wohin, blinden Auges, schreienden Mundes. Jäh und roh ergriff er die kleine Hand vor ihm..Wirst du jetzt mit mir gehen?' flüsterte er und hatte ein böse», lauerndes Gesicht. Sie nickte nur, so erstaunt war sie über den seltsamen Menschen und über stch selbst. Malte dachte nicht daran, daß er das Verzehrte bezahlen müsse, er hätte ja auch gor kein Geld gehabt. Und so folgte er dem Mädchen mit schwankenden Schritten, zitternd vor Schwäche. Draußen sahen sie sich in die Augen, und es war ein Schauen aus zwei fremden, fragenden, tastenden Welten, die in unbcgreis- lichem Geschehen einander gestreift hatten, und nur ein» gemeinsam wußten: den Hunger, den unsagbaren Hunger. „Wie heißt du?' lächelte das Mädchen mit roten, gemalten Lippen und sah plötzlich mütterlich aus.„Malte, Hans Malte/ flüsterte er heiser. Sie gingen schweigend durch die Straßen, Lange gingen sie so, und Malte konnte dieses Gehen ganz gut aushalten. Freude wuchs in seiner tranken Brust wie eine hohe weiße Blume.— Ninette begriff, daß sie wieder Dummheiten machte, aber sie konnte gor nicht andere, al» in ihren spitzen, hellen Schuhen neben ihm zu gehen und ein bißchen Traurigkeit, ein bißchen Neugierde und ein bißchen fremde, gleichsam verwunderte Sehnsucht zu spüren. « Sie waren nun schon draußen in den Vorstroßen, und es war eine warme und wunderbare Nacht, die ihnen entgegenkam. Ninette wunderte sich über die dunklen Bäume und über den schmalen Mond, der rötlich zwischen den Wolken hing, sie war noch nie zur Nacht aus der Stadt gekommen. Sie wanderten immer weiter auf eine Chaussee, von der recht» und links sich Wiesen zu breiten begannen. Sie wanderten so lange, bis Malte lautlos zu Boden sank. Er lag ganz still da, mit geschlossenen Augen und lächelndem Munde. Ninette kauerte sich zu ihm hin und bettete seinen Kops weich in ihren Schoß. Manchmal öffnete er die Augen, dann lächelt« Ninette und streichelte sein Haar.„Es Ist alles gut/ flüsterte sie einmal, als sie sah, wie die graue Furcht in seine Augen gekrochen kam. Als der Morgen wie ein blasses Wunder im Osten ausblühte. begann Malte zu phantasieren, aber nicht lange.„Madonna/ flüsterte er zuletzt,„Heiligste, Schönste.'— Dann schloß er die Augen. Ninette glaubte erst, daß er schliefe, sie"blieb lange regungslos sitzen und hatte die Arme fest um Malte gelegt. Plötzlich schrie sie auf, als sie den Toten ansah. Grauen packte sie. Bebend legte sie den Körper zurück ins taufeuchte Gras und rannte wie gejagt zur Stadt. Den ganzen langen Weg weinte sie. Eigentlich dachte sie nicht an Malte, aber um sich selbst weinte sie, un> ihre eigene Not, um Gewesenes, Verlorenes, Totes. Sie weint« noch, als sie in ihre kleine, graue Mansarde schlich. Ein müdes, fremdes Gesicht sah ihr aus dem Spiegel entgegen, desicn gemalter zarter Hauch von Tränen und Staub grausam entstellt wo''. Langsam streifte sie die schmutzigen und verdorbenen Stiesel ab— und das seidene, zerknitterte Kleid. Die kleine Ninette tonnte nicht anders, sie muhte von neuem weinen.„Ob sie ihn wohl jetzt schon gefunden haben?' dachte sie einmal. Sie sank auf ihr Bett und weinte sich in den Schlaf. Haartrachten einst unö jetzt. Don Gotthard Brodt. Aus Paris kam vor kurzem die Nachricht, daß verschiedene Damen dort mit aller Gewalt eine neue Haarsrisur— den sogenannten Barbarenschops— einführen wollen. Dabei wird das Haar in der Mitte des Kopse» einfach zu einem Schopf aufgebunden. Ob das schön ist, bleibe dahingestellt, nur soviel sei über die„neue" Mode verraten, daß sie vorläufig noch keinen Anklang gefunden hat, und daß sie bereits zur Zeit des römischen Sittenverfalls von den Römerinnen gepflegt wurde. Der Barbarenschopf verfügt also genau wie der sich immer weiter verbreitende Bubikops über ein ganz ansehnliches Alter. Doch darüber wollen wir uns hier nicht unterhalten, wir wollen diesmal hauptsächlich die Vergangenheit des Frauenhaares heraufbeschwören, und sein« Wandlungen, die es im Laufe der Jahr- hunderte bei den verschiedenen Kulturvölkern durchgemacht hat, ver- folgen. Aus den Schilderungen zeitgenössischer Schriftsteller und von den ausgegrabenen ägyptischen, griechischen und römischen Bildwerken wissen wir genau, wie die Frauen des klassischen Altertums sich zu frisieren pflegten. Wir wisien, daß bereits vor mehralsdrei- tausend Jahren in Aegypten der Bubikopf herrschte. und wir wisien serner, daß die Griechinnen, die ihrem Haar die sorgfältigste Pflege angedeihen ließen, sich aller größeren Künste- leien enthielten, und trotzdem tadellos wirkten. Bekanntlich drehten sie sich bereits künstliche Locken und legten Wert darauf, möglichst langes, dichtes und glänzendes Haar zu haben. Sie legten cs� gescheitelt über die Schläfen nach hinten, und banden es entweder über dem Scheitel oder am Hinterkopf zu einem Knoten zusammen. (Griechischer Knoten!) Die nötige Festigkeit erhielt die Frisur durch ein aus Goldfäden geknüpftes Netz oder Tuch. Die Römerinnen verfuhren bis zur Verfallzeit fast genau so. Erst mit dem Ueberhandnehmen des raffiniertesten Luxus auf allen Lebensgebieten ging die Einfachheit in der Toilette der schönen Römerinnen verloren. Selbst das herrliche blauschwarze Haar blieb nicht vor dem Schicksal bewahrt, durch künstliche Mittel st r o h« blond gefärbt zu werden. Wenn wir also jetzt in den deutschen Großstädten Damen mit strohgelben Haaren begegnen, so wissen wir, daß auch diese„neueste' deutsche Mode uralt ist. Zur näheren Orientierung sei gesagt, daß die erste Frau, die goldgelbe Haare trug, Popaca hieß und die Geliebte Kaiser Neros war. Während aber unsere Damen mit ihrem stumpfen für fünfzehn Mark gelbgefärbten oder gebleichten Haar herumlausen, wurde im alten Rom der beim Färben abhandengekommene Glanz durch reich- liches Bepudern mit Goldstaub wiederhergestellt. Kostbare, juwelen- geschmückte Nadeln vervollständigten den Kopfputz einer vornehmen Römerin. Hatte sie selbst nicht genug Haare, so kaufte sie den germanischen Frauen ihre echten goldgelben Haare ab, und flocht sie zwischen die eigenen. Bei den Germanen selbst und den Völkern im Norden Europa» ließen die Frauen ihr Haar ohne jeden Zwang frei herab- wallen. Bis zum zwölften Jahrhundert schmückten sie es nur mit dem— auch von den Männern getrogenen— Schapel, einem zackigen, oft mit Perle» und Edelsteinen" besetzten Reifen. Später faßte man es mit einer über Wangen und Kinn gelegten Binde zusammen oder flocht es in Zöpfen, die nach der wechselnden Mode bald über den Rücken, bald über die Schultern nach vorn herabfallen mußten. Dann kam die Zeit der sittsamen Häubchen, die das im Nacken aufgebundene Haar fast ganz verbargen, und eine Weile später d i e Epoche der turmhohen Frisuren. Was da mit Hilfe von untergelegten falschen Haaren, Polstern, Drahtgestellen usw. in bezug auf Höhe und Breite des Haargebäudes geschaffen wurde, ist geradezu unglaublich. Es gab Frisuren, die nahezu halb so hoch waren, wie die Trägerin selbst, und wir wundern uns noch heute, wenn wir irgendwo auf alten Kupferstichen derartigen Frisuren begegnen. Die Perücken und Turmfrisuren wurden durch den C h i g n o n, den unförmigen Haarwulst im Nacken, abgelöst, und ihm folgten jene koketten S t i r n l ö ck ch e n, die die große französische Revolution nachher hinwegfegte. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts herrschten dann bei den modernen europäischen' Frauen wieder die alten römischen Frisuren, die wir vorhin beschrieben haben, und derTituskopf, an den sich noch mancher gut entsinnen wird, da er um 1900 herum noch einmal seine Auferstehung feierte. Ihm folgten eine Unzahl beständig wechselnder Moden in der weiblichen Haartracht. Man gelangte wieder zu allerlei verkünstelten Aufbauten, die zumeist nicht nur unschön, sondern auch unkleidsam waren. Zu Anfang unseres Iahrunderts gaben dann die praktischen Engländerinnen den Anstoß zu der Haarmode, die sich bis zum Welt- kriege behauptete, und nach einigem hin und her vor kurzem durch den Bubikopf abgelöst wurde. Wie lange er herrschen wird, ist zurzeit noch nicht abzusehen. Die Sportsdamen und die meisten der im Berufsleben stehenden Frauen und Mädchen werden ihn wohl so bald nicht wieder aussterben lassen: denn nikgends zeigt sich die Frau so konservativ wie in der Beibehaltung der ihr einmal lieb gewordenen und vertrauten Frisur. von der sie die Ueberzeugung hat, daß sie allein zu ihrer äußeren Erscheinung paßt. Und außerdem ist gerade diese Kategorie Frauen durch ihre Lebensführung und Anschauung zu einer größeren Selb- ständigkeit gelangt, und sucht nun als Typus eigener Prägung ihre Individualität auch äußerlich zu betonen. Wir werden uns also den Bubikops in seinen verschiedenen Variationen noch einige Jahre gefallen lassen müssen. Der Vorsitzende der englischen Friseurvereinigemg teilte jedenfalls unlängst mit, daß es i n E n g l a n d mindestens sieben Millio- nen Damen gibt, die sich ihrer langen Haare ent- l e d i g t e n. Am größten ist der Prozentsatz der Kurzhaarigen in den wohlhabenden englischen Oberklasien, bei denen die Bubiköpfe etwa 90 Proz. aller Köpfe überhaupt ausmachen. Durch den Bubikopf haben übrigens die englischen Friseure im vergangenen Jahre 22 Millionen Pfund Sterling mehr verdient al» in den vorhergehenden! Man sieht, der Bubikopf ist nicht nur praktisch, sondern auch ein äußerst einträgliches Geschäft, und da man ebensoviel für wie gegen den Bubikopf sagen kann, ist es wohl am besten, sich mit den geschilderten Tatsachen abzufinden. VcrkanS soweit Vorrat Wurstwaren Kolonialwaren Kartoffelmehl pfd.lfaf. Tafelreis...... pfnndZ�pf. Weizengriess pmnd 27?'. Hartgriess..... pfnnd29pi. Eier-Ban4nude!n?i(!.48p(. Makkaroni...pfnnd 48p/. Krümelschokoladepid.85p'. Tafelöl Fi, 33, 60?/.. I00 ■Frisches Fleisch- 168 (en�enabgabe vorbehalten Hausm.-Süize P0>nd38p,. Berk Mettwurstpid ÖSp/. Speckwurst p/und 98?«. Jagdwurst... p/nid l3'J Mettwurst 1» Teewurst...... pmnd l70 Holsteiner™ p/6 l75 KflUmchnltzel............... p�d 200 KaMamni................ pomd 80? Knlbsrücken und-Brustp�d 85?«. Scliweineschultßrblntt..... pwad 1°° SChWeinebUUCll w Sedewea. P/e-d 1°° Sctiu/einehamni-Kotelett .P/ond 40 Kalbskeuien................ p/und 90?, Rasslßrkamm und Schuft..p«� 140 Hamnißl(riickß Rinne)... p/end 85?« Hammßldiinnung. tiommßikßuieH. .P/und 90?/. .... Pfund ICO PU. SCtimOrflßiSCho Knochen. P/und l20 Pu. Rouladßn.................P/und I40 Eisbßinß mitSpitzhßinß pmnd 50?,. Gefrierfleisch Pu. Ochsenbrust.......... pmnd 52?. Gehacklßs................... pmnd 70pl Pd. OChSßngUiUSCho.Knoeb.P/d. 70?/. Schu/ßinßhönfßgepdkelt...P/und 42p/. Pu. Gchsenschmorflßisch p/d. 90 c Frische Schu/einekönfe pmnd 46?/ Fische u. Räucherwaren Dorsclr...................... pmnd 6?/. ScheSBfisch...........> p/und 5eO-3€hS o. Kopf,«, ganz. tCclSdSidU o. Kopf, I, ganz. J■-Ä��PL Labande Schleie von m 1 ,0an Fs! 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