Abendausgabe Nr. 331 43. Jahrgang Ausgabe B Nr. 163 Bezugsbedingungen und Anzeigenprelle Find in der Morgenausgabe angegeben Redation: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlis Vorwürts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Freitag 16. Juli 1926 Berlas unb Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Bayerische Sabotage. Der bayerische Justizminister Gürtner gegen den Reichstagsausschuß. behält sich eine Entschließung über die Auslieferung vor. Es will dem Untersuchungsausschuß nur die Aften zur Verfügung stellen, die ihm opportun erscheinen. Der Ausschuß soll nur für die bayerische Regierung bequeme Tatsachen, nicht unbequeme Wahrheiten, feststellen. Die bayerische Regierung verfolgt die Tätigkeit| suchungsausschuß des Reichstags vorgelegt werden soll. Es des Femeuntersuchungsausschusses des Reichstags mit geSpannter Aufmertfamteit. Das ist nicht nur ihr Recht, sondern ihre Pflicht; denn sie müßte gegebenenfalls Ergebnisse dieser Tätigkeit zum Anlaß amtlicher Handlungen machen. Sie müßte helfen, Klarheit zu schaffen und sie müßte dem Recht zum Siege verhelfen gegen verbrecherische Handlungen, die bisher ungefühnt geblieben sind. Ob ihre Aufmerksamkeit diesem Ziele gilt, muß bezweifelt werden. Der Ministerpräsident hat im Gegenteil eine Beeinflussung der öffentlichen Meinung in Bayern gegen die Tätigkeit des Femeuntersuchungsausschusses angeordnet. Das läßt darauf schließen, daß der bayerischen Regierung eine Aufklärung unerwünscht ist. Diese Verfügung ein neuer bayerischer Borstoß gegen das verfassungsmäßige Recht des Reichsparlaments- verrät ein böses Gewissen. Herr Gürtner, der bayerische Justizminister muß befürchten, daß bayerische Behörden und Beamte bis zu den höchsten Stellen durch Aussagen und Aftenvorlage fompromittiert werden könnten. Er will fich jedenfalls vergewissern, ob in den Aften nichts steht, was beffer vertuscht werden müßte. Die bayerische Regierung unternimmt darüber hinaus Warum sonst der Vorbehalt, entgegen den flaren Voramtliche Schritte, um die Arbeit des Untersuchungsschriften der Verfassung Akten nicht an den Untersuchungsausschusses zu erschweren. Das bayerische Justizministe- ausschuß auszuliefern? rium hat am 11. Juni die folgende Verfügung erlassen: Nr. 30 081. München, den 11. Juni 1926. B. Staatsminifterium der Justiz. An die Herren Präsidenten der Oberlandesgerichte. Betreff: Untersuchungsausschüsse. Benn ein auf Grund des§ 52 der Verfassungsurkunde des Freistaates Bayern oder auf Grund des Art. 34 der Verfassung des Deutschen Reichs eingesezter Untersuchungsausschuß um die Uebersendung von Atten ersucht, oder Beamte zur Bernehmung vorladt, ist mit größter Beschleunigung auf dem Dienstwege, wenn aber besondere Eile geboten ist, unmittelbar, nötigenfalls fernmündlich oder telegraphisch dem Staatsministerium der Justiz hierüber zu berichten und dessen EntschlieBung abzuwarten. Hiervon ersuche ich ben Präfibenten der Landgerichte und, fo= weit es erforderlich erscheint, den Borständen der Amtsgerichte Renntnis zu geben. gez. Gürtner. Das bayerische Justizministerium will sich ein Ron trollrecht darüber sichern, welches Material dem Unter Das französische Ermächtigungsgeseh. Sechs Monate Regierungsvollmacht für Finanzfragen Paris, 16. Jufi.( Eigener Drahtbericht.) Die fommende Woche dürfte für das Schicksal der Regierung Caillaug- Briand und des Franken von einschneidender Bedeutung werden. Am Freitag vor. mittag wird endlich der Entwurf des Finanz- und Ermächti gungsgefeßes Caillaug' den Mitgliedern der Finanztommiffion der Rammer zugehen. Der Entwurf wird nur zwei Artikel enthalten. In dem einen erhält die Regierung Bollmacht, während sechs Monaten, bis zum 1. Januar 1927, fämtliche Finanzfragen in einem ihr genehmen Sinn auf dem Wege von Berordnungen zu regeln. Im zweiten Artikel wird die Regierung verpflichtet, spätestens sechs Monate nach Beröffenlichung der einzelnen Berordnungen diese dem Parlament zur Bestätigung vorzulegen. In Anhängen, die dem Gesezentwurf beigegeben find, wird der Rahmen scharf umgrenzt, in dem die Berordnungen ergehen fönnen. Die Mitglieder der Finanzfommission werden am Freitag nachmittag 4 Uhr zusammentreten, um einen mündlichen Vortrag Caillaug' über seine Finanz- und Vollmachtsentwürfe entgegenzunehmen. Caillaug scheint Wert darauf zu legen, angesichts des zunehmenden Frankensturzes die Aussprache möglichst zu beschleunigen. Er möchte, daß fein Gesezentwurf bereits im Laufe der nächsten Woche verabschiedet wird. Unter diesen Umständen fönnte Ende nächster Woche die Kammer in Ferien entlassen werden. Die Frage wird sein, ob sich die Rammer zu diesem schnellen Berfahren hergeben wird. In den Kreisen des Barlaments scheint allerdings in diesem Augenblid menig 2ust vorhanden zu sein, eine neue Ministertrise hervorzurufen. Außerdem hat der Abschluß des Londoner Schuldenabfommens in Baris einen günftigen Eindruck gemacht und die parlamentarische Stellung Caillaug' hat zweifellos dadurch gewonnen. So dürfte die Regierung bei einiger. maßen gschicktem Manövrieren fiegreich aus der Rammerdebatte her. vorgehen. Gute Aussichten für die Locarno- Zusagen. Paris, 16. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Wie wir erfahren, hat sich bei dem letzten Besuch des deutschen Botschafters von Hoesch bei Briand die Aussprache beinahe ausschließlich um die Deutschland in Locarno gemachten 3usagen in der Frage der Verminderung der Rheinlandbejagung gedreht, die bis heute noch ihrer Erfüllung harren. Die in Deutschland an Locarno geknüpften Hoffnungen dürften aber nach dieser Aussprache bald ihrer Erfüllung entgegengehen. Wenn sie bisher noch nicht verwirklicht sind, so find die Gründe dafür nicht in einem schlechten willen der franzö fischen Regierung und besonders Briands, eines überzeugten Anhängers einer deutsch- französischen Verständigung, zu suchen, sondern nur in der Tatsache, daß Briand und die französische Regierung über. haupt in den letzten Wochen von den Problemen derinneren Bolttik und der Frankenfrise über alle Maßen in Anspruch genommen waren. Oder soll die Verfügung nur dem Zwecke dienen, Herrn Gurtner zu informieren? Es eröffnet sich mit folcher Verfügung die Aussicht auf eine stille, aber nachhaltige Sabotage. Der Reichstagsausschuß fordert Aften an. Der bayerische Oberlandesgerichtspräsident berichtet an das Justiz ministerium. Das Justizministerium prüft den Fall, um seine ,, Entschließung" vorzubereiten. Dazu gehört unter Umständen, daß die Akten nicht an den Reichstagsausschuß, sondern an das bayerische Justizministerium gehen. Wie lange die Entschließung" des bayerischen Justizministeriums dann auf sich warten lassen wird, das weiß nur Herr Gürtner. Bis dahin fönnen andere, die Kompromittierung befürchten, längst ihre Entschließungen faffen. Ein trauriges Bild das: eine Regierung, die die Aufflärung empörender Verbrechen zu bremsen sucht! Das Recht des Untersuchungsausschusses. Der Artikel 34 der Reichsverfassung verpflichtet Gerichte und Berwaltungsbehörden, dem Ausschuß Atten auf Berlangen vorzulegen. Die Bestimmung lautet: " Die Gerichte und Verwaltungsbehörden find verpflichtet, den Ersuchen dieser. Ausschüsse um Beweismaterial Folge zu leisten; die Akten der Behörden sind ihnen auf Verlangen vorzulegen." Primo fordert den ständigen Ratssitz. Spanien will aber abwarten. Paris, 16. Juli.( WTB.) Primo de Rivera sprach gegenüber Breffevertretern von Spaniens Stellung zum Bolter bund. Dem Bertreter des Journal" erflärte er: Spanien hält seine Forderung nach einem ftändigen Sitz aufrecht, weil es fie für vollkommen gerechtfertigt ansieht, wird aber nichts vor der Septembertagung unternehmen, sondern abwarten, was in Genf vor sich gehen wird, und danach seine Entscheidung treffen. Nach dem„ Avenir" gab Primo de Rivera seiner Hoffnung Ausdruck, daß Spanien einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat während der Septembertagung zugebilligt erhalten werde; er sagte: Ministerpräsident Briand hat mir die formelle Bersicherung gegeben, daß er Spanien in Genf energisch unterstützen werde. Primo de Rivera äußerte sich auch über die Frage der fünf tigen Regierung Spaniens. Nach dem Journal" beftätigte er, daß er an die Organisierung eines WirtschaftsBarlaments dente, die im Monat November durchgeführt werden soll. Es handelt sich, sagte de Rivera, darum, eine neue Form des parlamentarischen Regimes, die der Er örterung gewisser wesentlicher Geseze, besonders der budgetären Bestimmungen angepaßt ist, zu organisieren. Die Haupt schwierigteit ist die Frage der Zufamemnſegung dieser Verfammlung und die Bestimmung des Wahlregimes, doch habe man ja 3eit, barüber nachzudenken. General de Rivera wird Freitag vormittag Baris verlassen. Er begibt sich nach Calais, um dort mit dem spanischen Königs. paar zusammenzutreffen. Die Rüdreise nach Spanien erfolgt als dann, ohne Paris nochmals zu berühren, auf direktem Bege. Amerika und die Schuldenregelung. Die deutschen Aenderungen und die Revision des Dawesplans. New Hort, 16. Juli.( TU.) Aus Anlaß der Berhandlungen des franzöfifchen Geschäftsträgers mit dem amerikanischen Schatzamt wird amtlich von neuem betont, daß Amerita auch weiterhin auf dem Standpunkt stehe, Anleihen an Frankreich nur dann zu gewähren, wenn das Schuld enabtommen ratifiziert worden wäre. Die Aeußerungen des deutschen Reichstanzlers sowie die Betrachtungen in der Germania" und im Bormärts über die Revision des Dames Planes werden in Amerita start be achtet. Die„ New York Times", die diese Aeußerungen wieder geben, leiten ihre Meldung folgendermaßen ein:" Deutschland be trachtet die englisch französische Schuldenregelung als ein Borgeplänfel im langen Kampfe um die Revision des Dames Blanes." Die Rede Churchills hat hier offenficht lich Unmillen erregt, obwohl a mtlicherseits teine Stellung bazu genommen wird. 3 Der Kampf um die Vollmachten. Caillaug weitgehende Wünsche. ( Bon unserem französischen Mitarbeiter..) Paris, 14. Juli. Der Kampf um die endgültige Stabilisierung des Franten ist jetzt in ein entscheidendes Stadium getreten. 3war ist der Kammer eine neue Frist dadurch gewährt worden, daß die Debatte über die von Caillaug einzubringenden Projekte erst in der nächsten Woche im Plenum stattfinden soll. Ursprünglich war angekündigt und tatsächlich auch geplant, daß diese Debatte schon diese Woche vor sich gehen follte. Durch die Londoner Berhandlungen und die Festlichleiten des Nationalfeiertages ließ fich aber die Verschiebung nicht vermeiden. Alle Parteien sind sich aber darüber klar, nicht vermeiden. Alle Parteien sind sich aber darüber klar, daß die Entscheidungen dringlich sind und feinen weiteren Aufschub mehr dulden. Ein weiterer Grund für die Verzögerung sind die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Ka binetts. Caillaug wollte seinem Gesezentwurf einen ausgesprochen diftatorischen Charakter verleihen. Er dachte an die Beschränkung auf einen einzigen Artikel, der die Stabilifierung des Franken als Ziel festlegt und im übrigen der Regierung für die ihr nötig erscheinenden Maßnahmen Blankovollmacht erteilen sollte. Die große Kammerdebatte der letzten Wochen hat aber gezeigt, daß eine überwältigende Mehrheit entschlossen war, eine solche B1antovollmacht zu vermeigern. Diese Stimmung in der Kammer entspringt nicht nur der Furcht vor dem eventuellen Gebrauch, den der von stürmischen inneren Widersprüchen gepeitschte Caillaug von ihr machen könnte, sondern auch grundsäglichen parlamentarischen Erwägungen. Dafür zeugt der demonstrative Beifall, den der Führer der sozialistischen Fraktion, Léon Blum, im ganzen Haufe fand, als er in einer Rede voll hinreißendem Pathos, die an die besten Reden von Jaurès erinnerte, der Regierung zurief: ,, Niemals werden wir Sozialisten uns dafür hergeben, der Regierung außerordentliche Bollmachten zu erteilen, die das Parlament ausschalten würden. Das heißt feineswegs, daß wir von gewissen parlamentarischen Prozeduren gerade begeistert wären. Wenn es fich nur um verwaltungstechnische Anpassungs maßnahmen untergeordneter Natur handeln würde, wenn es fich nur darum handelte, die Kammer von einigen wuchernden Organen zu befreien, o, dann wäre ich der Letzte, der sich dagegen wenden würde. Wenn es sich darum handelte, unsere Finanzgefeßgebung von dem Gestrüpp zu befreien, in dem sich niemand mehr zurechtfindet, ja, wenn es sich selbst darum handelte das ist wenigstens meine persönliche Meinung-, der Regierung die Vollmacht zu geben, ohne jedesmal die Kammer vorher darüber befragen zur müffen, gemiffe Steuern den jeweiligen Kursschwankungen oder richtiger dem Inder anzupassen, so würde ich das ebenfalls nicht verweigern. Wir haben weder den Fetischismus der Routine, noch den der parlamentarischen Tradition. Das haben wir schon bewiesen und werden es bei fommender Gelegenheit wieder beweisen. Aber von solchen Vorschlägen bis zur Abdan tung des Parlaments ist ein weiter Weg und nichts anderes verlangt man, wenn man die Abgeordneten auffordert, der Regierung das Recht zu übertragen, die Steuersäge selbständig fest zulegen oder Verpflichtungen gegenüber dem Auslande einzugehen. Damit verlangt man von Ihnen etwas, was zu gewähren Sie nicht das Recht haben. Man verlangt von Ihnen damit nicht nur eine ausdrüdliche Berlegung der Verfassung, sondern eine Berlegung der nationalen Souveränität, deren Bertreter Sie sind und die Sie nicht, als Herr und Meister, von fich auf andere übertragen fönnen." Nicht nur auf der Linken und im Zentrum, sondern bis tief in die Reihen der Rechten hinein fand diese unzweideutig demokratisch- parlamentarische Rede einen Beifall, der den Finanzminister Caillaug veranlaßte, sich in seiner zweiten Rede in bezug auf die von der Regierung verlangten außerordentlichen Vollmachten viel vorsichtiger auszubrüden, als er es in seiner ersten Rede getan hatte. Nach seiner Rückkehr aus London hat Caillaug wohl im berechtigten Gefühl, daß der glückliche Abschluß des neuen Schuldenvertrages mit England, der den in der letzten Woche in der Kammer von den Gegnern des Washing toner Schuldenabkommens formulierten Forderungen weitgehend gerecht wird, seine persönliche Stellung gestärkt hat, jezt durchbliden laffen, daß er nun doch ziemlich weitgehende Bollmachten zu verlangen gedente. Der Finanzminister berief fich dabei auf die Vorgänge in Belgien und auf die Stellungnahme des dortigen Ministeriums der heiligen Einigkeit" zugunsten der zeitweiligen Suspendierung gewisser parlamentarischer Grundrechte. Ministerpräsident Briand ist jedoch einstweilen noch der Ansicht, daß man die vom Parlament zu fordernde ,, Delegation" auf ein Minimum beschränken müsse, um nicht dem sicheren Sturz entgegenzugehen. Mehrere Minister haben sich in demselben Sinne ausgesprochen. Um diese innere Einigkeit" im Kabinett vor dem Zusammentritt der Finanztommiffion der Kammer herzustellen, mußte deren ursprünglich auf Dienstag anberaumte Sigung auf Freitag verschoben werden. Dadurch ist sofort der Eindruck eines neuen 3ögerns der Regierung hervorgerufen. So sehr man auch auf allen Seiten über den Abschluß des englischfranzösischen Schuldenabkommens befriedigt ist, so sehr ist man doch auch im bürgerlichen Lager darüber im klaren, daß dieses Abkommen nur dann günstige Folgen haben tann, wenn es sich in einen Gesamtfinanzplan einfügt. Weil man sich— zum ersten Male ernsthaft— in den verschiedenen Bevolkerungskreisen die Schicksalsfrage vorlegt, ob der französische Franken etwa den Weg der alten deutschen Papiermark gehen soll, weil die Nachrichten aus Belgien über angebliche Pläne der dortigen Regierung, den belgischen Pax Schwarzweißroter Kriegervereinsterror. 27 Ausschlüsse in Teutsch-Ghlau wegen Beteiligung am Volksentscheid. In Deutsch-Eylau sind 2 7 Mitglieder der dortigen Kriegervereine ausgeschlossen worden, weil sie am Tage des V o l k- e n t s ch e i d s von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht haben. Das Ausschlußschreiben hat, wie uns mitgeteilt wird. folgenden Wortlaut:. Kriegerverein. Deutsch-Eylau, den 12. Juli 1926. Wie festgestellt ist, haben Sie sich an der A b st i m m u n a am 20. Juni d. I. b e t e i l i g t. Da allein eine Beteiligung an der Ab- stimmung schon ein verstoß gegen die Weisungen unseres Verbandes Ist. würde eine Abstimmung mit Ja den Bestrebungen des Kyss- hauserbundes direkt widersprechen und unser Ansehen als vaterländi- Icher verband schwer geschädigt werden. Wir sind daher gezwungen, alle diejenigen, die bei der Abstim- mung mit I a gestimmt haben, aus unserem Verein a u s z u- schließen. Um Ihnen Gelegenheit zu geben, dem Vorstände über Ihr Ver- halten am 20. d. I. Auffchluß zu erteilen, werden Sie hiermit ge- beten, zu der am Sonnabend, den 17. Juli d. I., 8 Uhr abends, bei dem Kameraden Stolle, Bahnhosstr. 20, stattfindenden Vor- standssitzung zu erscheinen. Sollten Sie unentschuldigt nicht erscheinen, müssen wir annehmen. daß Sie mit I a gestimmt und sich dadurch außerhalb des Verbandes gestellt haben. Der Vorstand ist dann gezwungen, Ihren Ausschluß aus dem Verein ohne weiteres zu beschließen. Habedank, Vorsitzender. Schievelbeln, Schriftführer. Diese- Vorgehen deckt sich mit den Terrorakten der im K y s f- Häuserbund zusammengeschlossenen Kriegervereine auch an ande- ren Orten. Bemerkenswert am Schreiben ist, daß es zugibt, daß der Kyfshäuserbund schon die Beteiligung an dem Volksent- scheid als gegen die Bestrebungen des Verbandes gerichtet betrachtet. Er übt damit auf seine Mitglieder einen politischen Druck, der sich weder mit der angeblichen politischen Neutralität noch mit dem Geist der Verfassung verträgt. Er enthüllt darüber hinaus wieder einmal seine so oft abgeleugnete monarchistische Tendenz. Di« ausgeschlossenen Deutsch-Eylauer Mitglieder erleiden durch den Terrorakt des Vereins einen vermögensrechtlichen Nachteil, da sie des Sterbegelds in Höhe von 200 M. verlustig gehen. Die Opfer ihrer Ueberzeugung und des schwarz- weißroten Terrors sollten das Vorgehen der Äricgeroereine mit einer Zivilklage auf Entschädigung beantworten. Krach im Weimarer Landtag. Zwei Kommunisten ausgeschlossen. Weimar. 16. Juli.(WTB.) Im Thüringischen Land- t a g kam es heute bei Beratung des Etats der thüringischen Theater zu Lärmfzenen der Kommunisten. Als der Volksbildungsminister eine Beantwortung der Frag«, wie hoch der von den Nationalsozialisten für Ueberlassung des Deutschen Ratio- naltheaters in Weimar zu zahlende Mietsbetrag sei, und ob er schon bezahlt wurde, abwies und auf den schrist- liehen Bescheid der Regierung verwies. Zwei Kommunisten, die Ab- geordneten Fischer und Engert, wurden von der Sitzung ausgeschlossen. Als Engert sich weigert« den Sitzungssaal zu verlassen, hoS der Präsident unter Protest der Linken die Sitzung für«in« Stunde auf. Druckfehlerberichtigungen. In den letzten Zeilen des Artikels „Diktatur in Sicht?" des Genossen Hennann Müllen Franken(Don- nerstag-Morgenausgabe) muß es heißen:„für einen�Oiktator, dessen Mission doch aus p o l i z e i l i ch e m Gebiete ihr Ende finden müßte" (also nicht„politischem).— In der Besprechung der Ernennung Sir Ronals Lindsays zum Botschafter in Berlin(Freitag-Morgen- ausgäbe) muß es heißen:„Lindsay war lange Jahre Botschafter in Konstantinopel, d. h. auf einem für England ebenso wichtigen wie heiklen Posten"(also nicht„leichten"). Die„ungekrönte Königin". Der plötzliche Tod dcr'Sekretärin des englischen Oberkommissars von Mesopotamien wird von englischen Zeitungen gemeldet. Obfchon es in den letzten Jahren stiller um den Namen Miß GertrudBells geworden ist, hatte doch diese eigenartige Frau nie aufgehört, ihre Rolle als„ungekrönte Königin Mesopotamiens" zu spielen. Ohne Krankheit, schnell ist sie nun hinweggerafft worden, und das Wort, daß jeder Mensch zu ersetzen sei, wird sich auf sie nicht ohne weiteres anwenden lassen. England wird Miß Bell nicht so leicht verschmerzen— die arabischen Stämme aber auch nicht. Denn dieser Frau gelang es, was nur zu vielen männlichen Diplomaten schwer wird— eben Diplomat zu sein. Allerdings war sie das nicht zuerst durch eine Dialektik des Geistes, noch weniger durch eine Dialektik des Worte». Sondern sie w a r Engländerin und liebte den arabischen Orient. Hierin lag wohl das Geheimnis ihrer Wirk- samkeit. Doch mit Liebe allein macht man gewiß keine Politik. Miß Bell kannte die Länder, in denen sie wirkte, kannte Sprachen und Sitten, kannte und verstand die Menschen. Und diese Menschen der Wüste verstanden sie. Von früher Jugend an durchreiste sie das Land, studierte Volksbräuche, unternahm Ausgrabungen, war gern- gesehener Gast in den Zelten der wandernden Stämme. Hier genoß sie unbedingtes Vertrauen. Sie beherrschte die Werke der arabischen Dichter und trug sie vor, sie kannte auch die glänzende Vergangen- heit der Wüstenvölker. Diese Dinge, an denen das Herz der Bedu- inen hängt, waren auch ihr lieb und wichtig: von dieser Basis aus drang sie in das Voltsleben ein, auf dieser Basis aber erschloß sich ihr auch das arabische Volksleben freiwillig. Miß Bell hat trotz ihrer Diplomatenkarrierc das Vertrauen, das diese Menschen der Wüste ihr entgegenbrachten, nie mißbraucht oder getäuscht. Denn ihr ursprüngliches Ziel war die Diplomaten- laufbnhn keineswegs gewesen. Als Tochter eines der angesehensten englische» Eisenindustriellen konnte sie ihrer Liebhaberei nachgehen und in Oxford Geschichte und Archäologie studieren. Bald nach Ab- schluß ihres Examens zog es sie dann in den Orient, den sie immer wieder forschend durchreiste. Erst der Krieg führte sie aus lhrem Privatleben heraus. Ihre Bücher, in denen sie für eine Renaissance Arabiens eintrat, die aber auch einen ausgezeichneten politischen Blick verrieten, hatten wie ihr Wirken im Lande die maßgebenden Stellen rasch auf sie aufmerksam gemacht. Zuerst benützte man ihre Kenntnisse im Nachrichtendienst: 1920 wurde sie dann orientalische Sekretärin des englischen Oberkommissars in Bagdad, und man wußte, daß man gut beraten war, wenn man ihre Vorschläge befolgte. Es war«in offenes Geheimnis, daß die englische Politik in Vorder- und Mittel- ästen in der Hauptsache von Miß Bell gemacht wurde. Wenn die führenden arabischen Häuptlinge nach Bagdad kamen, um über poli- tische Angelegenheiten zu verhandeln� so wandten sie sich zuerst an sie, Auch das berühmt« Blaubuch über die Zioilverwaltung Mesopo- tamiens, das 1921 herausgegeben wurde, ist von Miß Bell versaßt. Mit dieser„ungekrönten Königin", wie Miß Bell genannt wurde, Ist sicher ein Mensch dahingegangen, dessen Leben reicher und wirkungsvoller war, als das sehr vieler„gekrönter". Trude E. Schulz. Landstreicher und Büchersammler. Die große Nationalbibljothet von Finnland, die vor kurzer Zeit neu geordnet wurde und in der Universität zu Helsingscrs untergebracht worden ist, ist, wie der finnische Professor Prjo Hirn in einer Festsitzung mitteilte, das Werk eine« Landstreichers, der zu den seltensten Originalen der Mensch- hcit gehörte. Dieser Landstreicher, Matti Potho, hat es nämlich im Laufe eines langen Lebens möglich geniacht, mit den wenigen Pfen- nigen, über die er verfügte, eine Bibliothek von ungeheurem Wert und großer Ausdehnung zusammenzubrinaen, da er von einer fast krankhaften Liebe zu Büchern und Kupferstichen erfüllt war. Matti Potho, ein Finne von Geburt, war von Hause aus Handwerker. Er war ein Mensch, der Seßhaftigkeit nicht kannte und ruhelos von Ort zu Ort umherstreifte, überall sein Handwerk im Umherziehen ausübend. Es lockte ihn aber weniger, in den verschiedenen Städten Kunden zu gewinnen, als vielmehr die Buchhandlungen und kleinen Geschäfte zu besuchen, in denen er vergrabene oder von ihren Be- sitzern verkannte Bücherschatze vermutete. Oft genug hat er in kleinen Marktplätzen eine Ernte an Büchern gehabt, um die ihn mancher große Sammler beneiden würde, der gewohnt ist, für teures Geld sich alle diejenigen Seltenheiten zu erwerben, die sein Herz begehrt. Dabei war Matti Potho von Hause aus ganz un- gebildet und konnte nicht einmal lesen und schreiben. Erst in späteren Jahren hat er dies gelernt. Erstaunlich ist, wie er ce durch angeborenes Talent oerstand, einen wertvollen Stich von einem weniger wert- vollen zu unterscheiden. Ebenso erstaunlich sst die Tatsache, mit welch ungeheurer Findigkeit er die größten Seltenheiten auf dein Büchermarkt herauszufinden verstand, ohne daß er dafür«ine be- sondere Vorbildung genossen hatte. Dazu hatte er ein unglaubliches Gedächtnis, so daß er sich noch nach Jahren erinnerte, wieviel Seiten ein bestimmtes Buch gehabt hatte, aus welchem Jabre es stammte und von welchem Drucker es gedruckt worden war. Dieses Gedächtnis ermöglichte es ihm, die verschiedenen Ausgaben mitcin- ander zu vergleichen und unter diesen allen dann die älteste heraus- zufinden und als wertvoll zu bezeichnen. Auf diese Weise hat er eine Riesenbibliothek von mehreren tausend Büchern zusammen- gebracht, die er dann der sinnischen Nationalbibliothek schenkte. Der Erfinder des Fußballspiels. Vierhundert Universitäten und höhere Lehranstalten in den Vereinigten Staaten haben beschlossen, das Gedächtnis an Walter Eamp durch eine feierliche Ehrung zu verherrlichen. Man hat für diesen Zweck bereits 300 000 Dollar durch Sammlungen zusammengebracht, und mit diesem Beirag konnte man dem großen Mann schon ein ansehnliches Denkmal errichten. Aber wer war eigentlich Walter Camp? Ein Staatsmann? Ein berühmter Erfinder, ein großer Dichter, oder etwa ein Wohltäter der Menschheit? Nein, nichts von alledcml Walter Eamp war, so sagen wenigstens die Amerikaner, nichts weiter als der Erfinder des Fußballspiels. Diese Behauptung steht allerdings auf schwachen Füßen. In Wahrheit ist das Spiel viel älter: es stand schon bei den alten Römern in hoher Blüte. In einem seiner Epigramme beschreibt bereits Martial ein Kugelspiel, bei dem sich die Mann- schaften richtige Kämpfe lieferten, reichlich Fußtritte und Fausthiebe austeilten und sich in der Hitze des Kampfes auf der Erde herum- wälzten. Aber abgesehen davon, bestreiten auch Iren und Eng- länder ihrerseits Walter Camp die Priorität der Entdeckung. Die Iren versichern, daß das Spiel auf ihrer Insel seit zweilausend Iahren auegeübt wurde, während die Engländer ihrerseits behaupten, daß es bei ihnen schon im zwölften Jahrhundert volkstümlich ge- wesen sei: es habe häufig genug Unfälle verursacht, so daß drei Könige nacheinander Verbote des Spiel erließen, das man als ein „Spiel des Teufels" bezeichnete. Kurz und gut, Walter Camp hat das Fußballspiel nicht erfunden. Auf diesem Gebiete etwas Neues zu erfinden, erscheint überhaupt so gut wie ausgeschlossen, denn fast alle Spiele sind mit mehr oder weniger bemerkenswerten Ver- änderungen aus ältester Zeit überliefert. Kinovorstellungen für Geisteskranke. In England hat man den Versuch gemacht, die geisteskranken Insassen einer bestimmten An- statt, soweit es ihr Zustand zuläßt, einmal wöchentlich ins Kino zu führen. Außerdem hat die Anstalt ein eigenes Kino beschafft, dessen Vorführungen gleichzeitig 200 bis 300 Zuschauer beiwohnen können. Der Besuch der Veranstaltungen soll eine außerordentlich günstige Wirkung aus den Gemütszustand der Kranken gehabt haben. Sie sind nachher fröhlicher, beschästtgen sich weniger mit ihren fixen Ideen und sind für andere Interessen zugänglicher. Am beliebtesten sind humoristische Filme, aber auch tragische Handlungen finden großes Interesse. Für den Besuch eines öffentlichen Kinos werden vorher eine Anzahl von Sitzreihen reserviert, und es wird ver- mieden, das übrige Publikum merken zu lassen, daß es sich um kranke Besucher handelt. Deshalb muß selbstverständlich bei solchen Be- suchen von der gleichmäßigen Anstaltskleidung abgesehen werden, und manchen weiblichen Patienten gibt dann die Frage der Be- schafsung geeigneter Kleidung eine günstige Ablenkung von ihren trankhasten Vorstellungen. Ausdeckung eines römischen Landhauses bei Eranenburg. Bei Erdarbeiten stieß man in der Nähe des deutschen Zollamtes Wyler auf alte Fundamente. Der Kustos für römische Altertümer am «v-wm-iolmissc»» in B�nn. Hoaen, stellte fest, daß es sich um Reste eines römischen Landhauses handelt, und zwar um eine größere Anlage, da der Baderaum außergewöhnlich große Maße zeigt. Besondere Altertüiner wurden nicht gefunden. Interessant ist. daß die Anlage an der schönsten Stelle der Höhen von Wyler, dicht an der deutsch-holländischen Grenze liegt. Die Anhänger de« vichter, Johanne, Schlaf, der vor allem au» seiner früheren gemeinsamen Arbelt mil Arno£