flg. 332 ♦ 43. Fohrg. Ausgabe A Nr. 171 Bezugspreis. WöchtnMch TO Pfennig, nwnoMch B,— Reichsmark voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar» und Mrmelaebiet, Oesterreich, Litauen, Luxemburg 4.S0 Reichsmark, fllr das übrig« Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der.Vorwärts' mit der Sonntags- Beilage»Volk und Zeit' mit.Sied- lung und Kleingarten' sowie der Beilage.Unterhaltung und Wissen' und ssrouenbeilage.Frauenstimme' erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Lelegramm-Adresse: Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe Devlinev VolKsblsrfk (lO Pfennig) Anzeigenpreis:: Die einspaltige Nonpareille. zeile 50 Pfennig. Reklamezeil« 5,— Reichsmark..Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 25 Pfcnnra fzulässs» zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch- stabcn zählen für zwei Worte. Arbcitsmarkt Zeile 00 Pfennig. Familienanzcigcn für Abonnenten Zeile<0 Pfennig. Anzeigen fllr die nächste Nummer müssen bis VA Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. straheZ. abgegeben werden. Geöffnet von SVi Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat» fchen parte» Deutfchlands Neüaktion und Verlag: Serlin SW. öS, Linüenftraße Z Kernsprecher: Tönhoff 292-297. Sonnabend, den 17* Juli 1926 vorwärts-verlag G. m. b. fj.» Serlin SW. 68, Linöcnstr.Z Postscheckkonto: Berlin 57 55»— Bankkonto: Bank der Arbeite«, Angestellte» und Beamten. Wallstr.»5: Diskonto-Gesellschast. Dcpofitenkasse Lindcnstr. 5. Neue Zrankenpamk in Paris. M»k««tiws!om,«. Bevorstehendes Devisenankaufsverbot— Caillanx verlangt diktatorische Befugnisse Paris,»6. Juli.(Eigener Drahtbericht.) C o i l l a u x hat am Freitag von neuem die Vertreter der Großbanken zu sich berufen und ihnen in Erinnerung gebracht, daß jeglicher Ankauf von ausländischen Devisen zu anderen als Handelszwecken verboten ist. Strenge Strafen stehen für Zuwiderhandlungen in Aussicht. Der Franken ist am Freitag in den Vormittagsstunden und während der vörsensihung abermals stark zurückgegangen. Zn den Vormittagsstunden notierte der Franken 193,75 und stieg in den ersten Vachmittagsslunden aus 2 0 8,50. nachbörslich besserte sich aber der Franken erheblich aus, und in den Abendstunden notierte das Pfund nur noch 202. Zn der Börse dauert der Ansturm aus die französischen Papiere an. Ueber eine halbe Stunde lang konnten am Freitag nach Eröffnung der Börse zahlreiche Wertpapiere nicht notiert werden, so stark war die nachfrage. Im Innern der Börse selbst herrschte ein derartiges Gedränge, dojj beinahe kein Durchkommen mehr möglich war. * Die französischen Börsenpapiere sind durchweg außer- ordentlich unterbewerte!. Das französische Börsen- Publikum hat nämlich im Gegensatz zum deutschen bisher nicht erkannt, daß die Aktien„Sachwerte" darstellen, deren Papier- kurs sich in der Inflationszeit entsprechend der Verschlechte- rung der Währung erhöhen sollte. Erstklassige Bant- okiien haben einen Papierfrankenkurs, der zum Teil niedriger ist als der Friedenskurs. Diese elementarische börsentechn'-jche Erkenntnis scheint erst in den letzten Tagen dem Publikum eingeleuchtet zu haben. Seit Beginn dieser Woche hat eine gewaltige Aktienhausse eingesetzt, die in nächster Zeit noch anhalten dürfte. Caillaux' Ermächtigungsgesetze. Diktatorische Befugnisse.— Widerstände in der Kommission. Paris, 16. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Der Text der Finanzermächtigungsgesetze Caillaux' ist am Freitag veröffentlicht worden. Der Artikel 1 ermächtigt die Regierung, bis zum 30. November 1926 auf dem Wege von Dekreten alle Maß- nahmen vorzunehmen, die die Finanzgesundung und Stabilisierung der Währung erfordert. Artikel 2 verpflichtet die Regierung, bei Eröffnung der normalen Legislaturperiode von 1927 die vorgenom- mencn Dekrete dem Parlament zur Ratifizierung vor- zulegen. Die oft angekAndigten Anlagen, die dem Entwurf beigegeben werden sollten und in welchen die Regierung den Rahmen gen�i se st legen wollte, innerhalb dessen sie die Vollmachtdekrete spielen lassen will, hat Eaillaux im letzten Augenblick einfach wegsallcn lassen. Durch seine Blätter läßt er diese seine autokratische Hand- lungsweise dadurch entschuldigen, daß bei der stets wachsenden Frankenbaisse.keinerlei Zeit mit längeren Redensarten verloren gehen dürfe".(!) An Stelle der Anlagen ist dem Entwurf eine lange Begründung beigesügt, und die darin als unbedingt notwendig be- zeichneten Bollmachten gehen so weit, daß das Ennächtigungsgesetz Caillaux' so in der Tat einen diktatorischen Eharakter gewinnt. Unter anderem verlangt Caillaux das Recht, nach Belieben die Zolltarife Frankreichs umzuändern. Vor der F i n a n z k o m m i s f i o n hat Eaillaux am Freitag- nachmittag in einem mündlichen Vortrag seine Absichten des näheren erläutert. Er betonte besonders die notwendigkeit der Ratifizierung des Londoner und Washingtoner Abkommens als Voraussetzung jeglicher Währung? st abilisie- rung. Mit 15 gegen 10 Stimmen bei 13 Enthaltungen ist dann die Kommission zur Diskussion der Artikel übergegangen. Es scheint sich also innerhalb der Finanzkommission ein gewisser Wider- st a n d insbesondere gegen das Ennächtigungsgesetz geltend zu machen. Der Widerstand der Kommission wird aber einen anderen als rein platonischen Charakter nicht annehmen können, da Briand wie Caillaux entschlossen sind, im schlimmsten Falle über den Kopf der Kommission hinweg an das Parlament zu appel- l i e r e n. Die Regierung ist, unterstützt durch eine infolge der starken Frankenbaisse der letzten Tage sestzustellcnde Panikstimmung, überzeugt, eine Majorität für ihren Entwurf zu finden. Die Regie- rung wünscht die Prozedur so zu beschleunigen, daß bereit- am Sonnabend die Diskussion des Entwurfs vor der Kammer beginnen kann. , Genosse Severins wieöer im s?mte. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Der preußische winister des Znnern, Se v e r i n g. ist In Berlin eingetroffen und hol seine Amtstätigkeit in vollem Umfang wieder aufgenommen. Dadurch erledigen sich olle komblnatiouen über den angeblich bevorstehenden Rücktritt des Ministers._ Dr. 6cü Reichsjuftizminifter. Die Ernennung vollzogen. Amtlich wird mitgeteilt: Reichspräsident von Hindenburg hat auf Vorschlag des Herrn Reichskanzlers den Reichsminister a. D. Dr. Bell zum Reichsmini st er der Justiz ernannt und ihn gleichzeitig mit der Wahrung der Geschäfte des Reichsministers für die besetzten Gebiete beauftragt. * Die Ernennung Bells bedeutet den Abschluß langwieriger Verhandlungen zwischen den Koalitionsparteien, vor allen Dingen zwischen dem Zentrum und der Deutschen Volks- partei. Die Voltspartei hatte dagegen Einspruch erhaben, daß das Zentrum einen weiteren Mini st ersitz im Kabinett erhielt, weil das Zentrum angeblich bereits zu stark vertreten sei. Man kann als sicher annehmen, daß die Ernennung Bells nicht ohne Zugeständnisse an die Volkspartei erfolgt ist. Das Zugeständnis wird darin zu er- blicken sein, daß der Herr Dr. S ch m i d t, der Staatssekretär für die besetzten Gebiete, in seinem Amte bleibt. Dr. Schmidt hat sich bekanntlich durch seine provozierenden Reden im Rheinland nicht nur bei der Sozialdemokratie, sondern auch beim Zentrum vollständig unmöglich gemacht. Seine Ernennung zum Staatssekretär stieß außerdem auf heftigen Widerstand bei fast allen Parteien im Haushaltsaus- fchuß des Reichstags, wo festgestellt wurde, daß diese Er- nennung unter Verletzung des Etatsrechts des Reichstags erfolgt sei. Das Verbleiben des Dr. Schmidt, dem das Kabinett auf Grund der gegen ihn eingereichten sozial- demokratischen Beschwerden eine Rüge erteilte, wird zweifel- los noch zu lebhaften Auseinandersetzungen sowohl im Haus- haltsausschuß wie auch im Plenum des Reichstags führen. Einstweilen scheinen aber die Regierungsparteien der Mei- nung zu sein, daß die Ferien ihnen das Recht geben, alles beim alten zu lasten. Schützer von Zechprellern. Die Thüringer Regierung in Verlegenheit. Weimar, 16. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Bei Beratung des Theateretats im Thüringer Landtag fragten heute die Red�r der Opposition mehrfach nach der Miete des Nationalthea ters sür den nationalsozialistischen Parteitag am 3. und 1. Juli dieses Jahres. Der für die Antwort zuständige Bildungsminister, der Bolksparteiler Leutheußer, schwieg zu dieser Frage. Er schwieg auch, beharrlich weiter, als die Linke nach Schluß der Aus- spräche über den Etat in einer Geschästsordnungsdcbatte stürmisch Antwort auf ihre Fragen verlangte. Darauf setzte bei den Kommu- nisten heftiger Tumult ein. Sie schrien dem Minister das Wort «Korruption" und«Schieber" dutzendfach ins Geficht und riefen, mit den Fäusten auf den Pultdeckeln trommelnd:'«Antwon! Antwort!" Soweit man den.Präsidenten im Lärm verstehen konnte, schloß er zwei Kommunisten von der Sitzung aus. Während einer sofort den Saal verließ, weigerte sich der andere, nach der Antwort des Ministers rufend, das Parlament zu verlassen. Darauf hob der Präsident unter dem wütenden Lärm der Kommunisten die Sitzung auf. Nach Wiedereröffnung der Sitzung, eine Stunb« später, blieb die Re gierung abermals ohne Antwort. Der Landtag stimmte dann darüber ad, ob die Regierung Antwort zu erteilen habe und erklärte sich in seiner Rechtsmehrheit mit dem Schweigen einverstanden. Dagegen erhoben sich nunmehr die Nationalsozialisten und erklärten, daß sie bereits gezahlt hätten. Vor der Pause waren weder Nationalsozialisten noch Minister dazu imstande. In der einstündigen Pause, wird be- hauptet, haben Besprechungen zwischen dem Minister und den Nationalsozialisten und auch die Zahlung der 1500 Mark Miete stattgefunden. Hätte die Opposition des Landtags nicht auf Zahlung der 1500 Mark Miete gedrängt, so wäre es dein Land so gegangen wie den zahlreichen Gastwirten in Weimar, die um ihre �che von den Nationalspzialisten geprellt worden sind. Sela Kun alias Schwarz. Ans dem Budapester Kommunistenprozeß. Budapest. 16. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Di« Verhandlungen lm Kommuyistcnprozeß wurden am Freitag vormittag nach ein- tägiger Unterbrechung wieder aufgenommen. Der Angeklagte N« m e e erklärte, er habe erst bei der Polizei erfahren, daß der vor- tragend«„Schwarz" der Wiener BUdungsschule mit Bela Kun i d e n t i sch gewesen sei. In einer Rede am Niederrhein hat der Reichskanzler Marx die Schuld daran, daß es heute in Deutschland noch Leute gebe, die nicht an eine Versöhnung der Völker glauben wollten, in der Hauptsache den französischen Generalen zu- geschoben. Sicher würde sich der Hinweis empfehlen, daß die französischen Generale in Deutschland ganz vor- treffliche Partner haben, die bewußt oder unbewußt ihr Spiel unterstützen, aber die Charakterisierung, die� der Reichkanzler von der Politik maßgebender militärischer Kreise in Frankreich gegeben hat, bleibt deshalb doch auf jeden Fall richtig. Sie tragen ihr gutes Teil dazu bei, die Verständi- gungsbemühungen der Regierungen, wenn nicht zu durch- kreuzen, so doch zu erschweren und zu hemmen. Man braucht dabei nicht in erster Linie an die noch immer etwas mysteriösen und in ihrer Bedeutung noch nicht klar erkennbaren Roten oder Schreiben des Generals Walch zu denken. Weit ernster zu nehmen sind die Schwierigkeiten, die von dem französischen Generalstab einer Verringerung der Zahl der Besatzungstruppen in den Rheinlanden gemacht werden. Daß hier die berechtigten Erwartungen Deutschlands nicht erfüllt werden, trägt in der Tat wesentlich dazu bei, die Zweifel an dem ernsthaften Friedenswillen der Gegen- feite zu rechtfertigen. Die Verminderung der Besatzungsziffer gehörte bekannt- lich zu den während der Verhandlungen, von Locarno in Aussicht gestellten„Rückwirkungen", und selbst wenn man sich auf den Standpunkt stellt, daß die Verträge ja noch nicht in Kraft getreten seien, weil Deutschland noch nicht dem Völker- bund angehöre, so weiß man doch auch in Paris sehr genau, daß es nicht unsere Schuld ist, wenn wir noch vor der Türe stehen. Außerdem aber ist uns in den letzten Monaten des vergangenen Jahres immer wieder zum mindesten der Be- ginn der Rückwirkungen schon vor dem formellen Inkraft- treten der Abmachungen in Aussicht gestellt worden. Das französische Außenministerium hat dann weiter nichts dagegen einzuwenden gehabt, daß die deutsche Regierung den ihr ge- machten Zusagen eine Auslegung gab, nach der eine Redu- zierung der fremden Truppenkontingente auf das Maß der vor dem Kriege in den jetzt besetzten Gebieten unterhahenen deutschen Garnisonen in Betracht käme. Herr Briand hat sich auch stets zu den Anregungen, die ihm der deutsche Bot- schafter in Paris bei zahlreichen Gelegenheiten unterbreitete, grundsätzlich wohlwollend geäußert, aber geschehen ist bis zum heutigen Tage so gut wie nichts. Rur ein paar Forma- tionen, deren Größe gegenüber der Zahl der verbleibenden Truppen nicht ins Gewicht fällt, sind zurückgezogen, worden. Die Besatzungslast ruht in fgst unverminderter Schwere auf den Schultern der Bevölkerung der zweiten und der dritten Zone. Der französische Ministerpräsident hat bei den diploma- tischen Unterhaltungen selbst auf die Hindernisse hingewiesen, die seinen Absicyten durch die verantwortlichen militärischen Stellen bereitet würden, und wir wissen ja aus eigenster Er- fahrung, wie solche Organe geneigt und imstande sind, unter Hcrvorkehrung technischer Bedenken einer Politik, die ihnen nicht in den Kram paßt, Steine in den Weg zu rollen. Es ist auch zuzugeben, daß Briand in den letzten Monaten durch andere Sorgen sehr stark in Anspruch genommen war und es ihm deshalb an Zeit und an Kraft fehlte, den Militärs seinen Willen aufzuzwingen. Aber es wäre jetzt unter allen Umständen hohe Zeit, den Quertreibereien der Generale ein Ende iu machen, wenn nicht der ganze Erfolg von Locarno aufs Spiel gesetzt nzerden soll. In anderthalb Monaten tritt die Vollversammlung des Völkerbundes zusammen. Bis dahin muß Frankreich in der Bcsatzungsfrage seinen guten Willen bewiesen haben, da im andern Fall� viele von denen, die im letzten Jahre bei uns fllr die Völkerbundsidec gewonnen worden sind, aufs neue sehr mißtrauisch und bedenklich werden könnten. Mit un- sicheren Versprechungen kann sich Deutschland nicht mehr ab- finden lassen. Es hat das Reckt, Taten zu beanspruchen. Der gute Wille des französischen Ministerpräsidenten in Ehren, aber er mich zeigen, daß er stärker ist als die gegen seine politischen Absichten frondierende Marschallclique. An das Berliner Kabinett sind jedoch auch einige Fragen zu richten. Hat das Auswärtige Amt die französische Regierung mit allem wünschenswerten Nachdruck aus die Gefahren hinweisen lassen, die aus ihrer zögernden Haltung erwachsen? Soviel wir wissen, ist es willens, aus der Vesatzungsverminderung eine Art von Bedingung für den Eintritt in den Völkerbund zu machen. Wird man rechtzeitig die Oeffentlichkeit über den Stand der Dinge aufklären und es nicht darauf ankommen lasten, daß die nach Genf ent- sandten Vertreter das Thema anschneiden? Anderthalb Mo- nate sind keine lange Frist, und es empfiehlt sich wahrhaftig nicht, die Auseinandersetzungen über Bedingungen und Mög- lichkeiten bis zum letzten Moment zu vertagen und dann wieder eine Aufregung zu entfachen, die, wie es auch kommen mag, der Sache nicht dienlich sein kann. Man ist ja im allgemeinen für den September sehr opti» mistisch oder gibt sich doch den Anschein, es zu sein. Auch was die Lösung des Problems der Zusammensetzung des Rates anlangt. Ist da nun wirklich alles im Reinen und geordnet? Man hört von neuen Ansprüchen Polens und auch von Bemühungen>Italiens, die Abrede über die Zusammen- setzung des Rates wieder zu ändern oder doch den Geqenstand zu neuer Diskussion zu stellen. Es wäre wirklich sehr wünschenswert, daß wir sehr bald hierüber etwas Authen- tisches erführen und die Meinung der deutschen Regierung kennen lernten. Die parlamentarischen Ferien und die Ur- laubs- und Besichtigungsreisen der Minister würden es nicht rechtfertigen, das Volk im unklaren darüber zu lassen, was hinter den diplomatischen Kulissen vorgeht. Auch hier würde eine Vertagung aufklärender Mitteilungen bis unmittelbar vor dem Beginn der Völkerbundsversammlung unter Um- ständen verhängnisvolle Folgen nach sich ziehen, und die Re- gierung könnte den Vorwurf auf sich laden, daß auch sie nicht alles getan habe, was im Interesse der Verständigung hätte ' geschehen müssen, denn zur Sicherung des Friedens gehört es, daß das Volk rechtzeitig zur Mitwirkung bei der Beseitigung internationaler Schwierigkeiten und Mißverständnisse auf» gerufen wird. potemkin. Der Kampf um Zensurfreihcit. Durch das Verbot des P o t e m k i n- F i l m s ist der Kampf um die Z e n s u r f r e i H e i t auf der ganzen Linie entbrannt. Dieser Kampf wird nicht eher beendet werden, als bis das skandalöse Verbot wieder rückgängig gemacht worden ist und nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes die Freiheit für wirklich künstlerische Filme gesichert ist. In dem fanatischen Kampfe der Rechten gegen diesen Film passiert ihnen das Mißgeschick, daß sie aus dem amt- lichen Protokoll über die Verhandlungen der Film- �oberprüfstelle auch diejenigen Stellen wiedergeben, in denen 'mitgeteilt wird, daß dieser angeblich echt bolschewistische Film ausgerechnet in Ruhland nur mit größter Vor- ficht behandelt wird. Die„Tägliche Rundschau" schreibt: „Außerordentlich bezeichnend ist es, daß man den Film in Rußland selbst mit großer Vorsicht behandell. So hat der Vertreter des Reichskommissars für Ueberwachung der öffentlichen Ordnung in den Verhandlungen mitgeteilt, daß der Film in Ruhland selbst nur in ganz beschränktem Maße zur Verwendung gelangt. Zum erstenmal ist er am 15. Juni 1926 in der.Lswestija' ange- zeigt worden. Wie diese Zeitung berichtet, hat er bisher i n d e r Sowjet-Ukraine keine Zulassung gefunden. Der Ver- treter des Rcichskommissars bemerkte hierzu, diese Tatsache sei offen- bar darauf zurückzuführen, daß die russische Regierung mit Rück- ficht auf die politischen Schwierigkeiten beson- ders in Armee und Flotte es nicht für angezeigt bält. solche aufreizenden Darstellungen vorzu- führen. Auch der Sachverständige des Reichswehrministeriums hat auf diesen auffallenden Umstand hingewiesen. Der Potemkin- Film ist erst jetzt zur Vorführung im zweiten staatlichen Kino- theater in Moskau zugelassen worden. Das sei im Zusammenhang mit den jüngsten Pressenachrichten über Unruhen und Meutereien innerhalb der Roten Flotte ein �offensichtlicher Beweis dafür, daß in Rußland- Bedenken trage, diesen Film den eigenen Heeres- und Marineangehörigen vorzuführen." -■$ck>'en letzten Endes nur hervorgeht, daß der Kampf aller g�gen all« eingesetzt hat. Am schlechteste,, schneidet die B e- zirksleitung ab, die eigenmächtig den Ausschluß Stetters aus der Partei vollzog. Ihr wird unkommunistische» Verhalten vor- geworfen und an sie das Verlangen gestellt, innerhalb der Partei Demokratie und Distusstonsfreiheit zu gewähren. Die Mitglieder des Stadtteils Stuttgart-Ost verlangten, daß sämtliche Funktionäre des Bezirks im Interesse der Parteig�fundung ihre Aemter zur Versügung stellen. Die Eann statt er Partei- Mitglieder hatten in einer einstimmig angenommenen Entschließung der Bezirksleitung das schärfste Mißtrauen ausgesprochen und die Einsetzung einer Untersuchungskommisston, bestehend au» Kommu. nisten der Betriebe, beantragt. Die Ortsgruppe F« l l b a ch fordert ein Schiedsgericht und oerurteilt sowohl das Verhalten Stetters wie das der Bezirksleitung gegenüber der Mitgliedschaft. Gegenüber diesem Ansturm weiß sich die Bezirksleitung nicht mehr zu helfen. Sie gibt einige ihrer Fehler zu und bemerkt:„Die Genossen, die unter Billigung des Ausschlusses von Stetter den gleichzeitigen Rück- tritt der Bezirksleitung fordern, legen damit nur ein Lippen» bekenntnis für den Ausschluß ab; in Wirklichkeit aber ver- urteilen sie den Beschluß." Es ist als sicher anzunehmen, daß der Kampf innerhalb der Kommunistischen Partei'Württembergs nun erst recht be- ginnt. Es hat sich eben zuviel Unrat angesammelt. Ans das Ende ist die gesamte würUembergische Arbeiterschast außerordentlich gespannt. Der Sraunstbweiger Stahlhelmkonflikt. Rebellion gegen die BundcSleitung. Braunschweig. 16. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Im Braun- schweiger S t a h lh e l m herrscht jetzt offene Rebellion. Trotz- dem der Bundesleitung Magdeburg die Verfehlungen des Landes- verbandssührers U h l e n h a u t. Braunschwcig bekannt gegeben worden sind, hat die Bundesleitung sich hinter den Landesverbands- führer gestellt. Sie hat jetzt einen Oberstleutnant a. D. mit der Führung der Bezirksgruppe Braunschweig-Stadt beaustragt. Alle Mitglieder sollen einen Schein unterschreiben, in dem sie die Eni- scheidung der Bundesleitung anerkennen. Darauf haben die 1666 Mitglieder der Stahlhelmortsgruppe ihre abgesetzten zwanzig Kameradschastssührer wieder gewählt. Außerdem oeröfscntlichen sie heute folgende Anzeig« in den bürger- lichen Blättern der Stadt Braunschweig: „Der Bundcssllhrer Seldt« hat enschieden. Uhlenhaut ist nach Ansicht dt» Bundesführers ein Borwurf auf Grund der von den Kameradschostsführem der Lezirksgruppe Braunschweig-Stadt eingereichten Beschwerden nicht zu machen, ltr bleibt im Amte, trotzdem die Bejchwerdeschrift 47 Punkte enthält, die durch Eid von den Zeugen bewiesen werden und durch Akten ui�d Geschäftsbücher belegt sind. Der Stahlhelmgedanke steht zu hoch, als daß man es ruhig hinnehmen darf, wenn Personen über di« Sache ge» stellt werden. Der Sache kann man nur dienen, wenn Ordnung, Sitte und Ehre in den eigenen Reihen herrschen. Wir erkennen desholddieEntscheidungdesBundesführersnicht a n und können sür diese Entscheidung Verständnis nickst ausbringen. Nach wie vor treten wir vor jedem Richter den Wahrheitsbeweis für jeden der 47 Punkte der Beschwerde an. die in folgende Haupt- abschnitte eingeteilt war: 1. Eigenmächtige Handlungsweise gegen die Interessen des Stahlhelm, 2. wirtschaftliche Schädigung des Stahlhelm, 3. Unwohrhaftigkeit und Untreue,. 4. Lerstöße gegen Ehre und Gewissen. Die Bezirksgruppe Braunschweig-Stadt hat sich außer. halb des Landesoerband«» und der Bundesleitung gestellt. Ei« hat Am 1. Februar 1923 gab die Rcichsregierung im Reichsrat die Erklärung ab, daß sie über die Verwendung der von der Reichs- regierung verwalteten Fonds, an deren Verteilung die Länder ein Interesse haben, dem Reichsrat alljährlich eine Ueber- ficht vorlegen wird. In Verfolg dieser Zusage ist kürzlich als Reichs- ratsdrucksache die Uebersicht für das Rechnungsjahr 1925 dem Reichsrat zugegangen. Aus dieser bisher nicht bekanntgewordenen Uebersicht, die ein allgemeineres Interesse haben dürfte, machen wir nach einer von uns gefertigten Zusammenstellung die folgenden Angaben: In der Uebersicht wird Rechenschaft über die Verwendung von 21 verschiedenen Fonds im Gesamtbetrage von 57 433 666 M. gelegt. Don diesen entfallen: ein Fonds auf das Reichsarbeitsmini st erium mit 46666 M., zwei auf die Allgemeine F i n a n z v e r w a l t u n g mit 21 892 666 Mark, acht auf das Reichsministerium des Innern mit 6 614 666 M. und zehn aus das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit 29 487 666 M. Gliedert man die Fonds nach Ihrer Zweckbestimmung, so kommen auf soziale Ausgaben drei mit einem Gesamtbetrag von 21 932 666 M. Dieser Betrag ist aber im Rechnungsjahr 1925 nicht voll ausgegeben worden. Verausgabt wurden nur 15 967 666 Mark, der Rest von 5 965 666 M. wurde aus 1926 übertragen. Ueber die Gründe, die zu dieser befremdlichen Zurückhaltung geführt haben, schweigt die Denkschrift sich aus. Zwar sind im Gegensatz zu fast allen anderen Fonds die für soziale Zwecke zur Verfügung stehenden Mittel nur als„einmalige Ausgaben" bewilligt. Allein dieser Grund dürste für die Zurückhaltung eines Restbetrages von rund 6 Millionen Mark nicht maßgebend sein. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Reichstag im Bedarfsfälle die betrcssenden Fonds auch im Rechnungsjahr 1926 ausreichend dotiert haben würde, und daß, als im Jahre 1925 die„einmaligen" Mittel zur Verfügung gestellt wurden, jedermann annahm, daß die Beträge auch in voller Höhe benötigt würden. Es kommt hinzu, daß das Rechnungsjahr 1925 gerade in sozialer Hinsicht sich weit ungünstiger gestaltet hat, als bei der Veranschlagung und Bewilligung dieser Fonds anzunehmen war. Die Sparsamkeit gerade an chieser Stelle ist also in jeder Hinsicht unverständlich. Im einzelnen wurden für sozial« Zwecke verwendet: Für den Verband der Rechtsauskunftsstellen, den Deutschen Verein für bfsentliche und private Fürsorge, da» Archiv sür Wohlsahrtkpslege, das Bureau für Sozialpolitik, die Internationale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz und die deutsche Gesellschaft für Gewerbe- Hygiene im ganzen 46 666 IN. Die Kreditgemeinschast gemein- nütziger Selbsthilseorgonisationen Deutschlands zur Unterstützung ollgemeiner Einrichtungen der Arbeitssürsorge sür Erwerbs- beschränkt« und Selbsthilseeinrichtungen für hilfsbedürftige Volks- kreise erhielt 966 666 M., die Anstalten und Einrichtungen der pri- vaten Wohllahrtspslege durch die Spitzenverbände 8 226 666 M., die nicht organisierten Anstalten und Einrichtungen der privaten Wohl- sahrtspslege durch die Länder 329 666 M., sür die Entsendung von Kindern zum Heil- und Erholungsaufenthalt wurden 2 366 666 M., zur Bekämpfung der Tuberkulose unter dem Anstaltspslegepersonal 866 666 M. verausgabt usw. Der Förderung von Kulturbestrebungen im all- gemeinen dienten acht Fonds im Gesamtbetrage von 6 614 666 Mark. Im einzelnen standen für wissenschaftliche und künstlerische Zwecke 1 616 666 M. zur Verfügung. Hiervon wurden verausgabt für das Institut für ausländisches, öffentliches und Völkerrecht 276 666 M., zur Förderung der Theaterkultur 256 666 M., zur Förderung der künstlerischen Handwerkskultur 46 666 M., für wissenschaftliche Zwecke 247 966 M.. für künstle: ische Zwecke 262 666 M. Schule und Erziehungswesen wurde durch da» Reich mit 151 166 M., das Voltsbildungswesen mit 32 966 M. gefördert. Die Bestrebungen zur Förderung d'es Turn- und Sportwcsens tpurden mit 460 666 M. unterstützt. Aus diesem Betrag« erhielt die Zentralkommission sür Arbeitersport und Körperpflege 35 606 M. Zur Förderung der auf sittlicher Hebung des Volkes, insbesondere der Jugend, gerichteten Bestrebungen, soweit sie all- ihre Führer, die man durch Ausschluß auszuschalten versuchte, wiedergewählt. Dieses ist der Bundesleitung mitgeteilt worden. Die Vundesleitung hat die Folgerungen hieraus jedoch nicht gezogen. Im Gegenteil. Herr Uhlenhaut versucht seit Wochen, einzelne Personen zu sich herüberzuziehen, um durch«igen« Darstellungen die Einheit in der Bezirksgruppe Braunschweig-Stadt zu zertrümmern. Wir geben nicht zu, daß die Arbeit langer Jahre durch Zersplitterungsbestrebungenzerschlagen wird. Wir kämpfen für Ehre. WahrheitundRecht. Im Auftrag der zwanzig wiedergewählten Führer der Vezirtsgruppe Braun- schweig, gez. Rudolph." In dieser Erklärung wird also dem Führer de» Stahlhelm des Landesverbandes Braunschweig Unwohrhaftigkeit und U n- treu« nachgesagt. Der Bunde-führer Seldte soll übrigens nüt dem Landesverbandsführer Uhlenhaut eng liier t sein. Auf die weitere Entwicklung des Stahlhelmkonslikts in Braunschweig darf man mit Recht gespannt sein._ Polens verfaffungskampf. Polnische und deutsche Sozialiften gegen Regicrungs» Vorlage. Warschau, 16. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die heutige Plenar- sitzung des Sejm wurde durch den Referenten des Beriassungs- ausschusse» eingeleitet, der die Vorlage der Versassungsänderung und der Vollmachten für die Regierung begründete. In der Diskussion ergriff Abgeordneter Genosse WIdiankowski von der Polnischen Sozialistischen Partei das Wort und führte u. a. aus: Das vorliegende Projekt hat zum Zweck, die Schwächung der parlamentarischen Demokratie. Polen steht gegen- wärtig vor zwei Wegen, den: d«s demokratischen Parlamentarismus oder dem der ständigen Revolutionen und Staatsstreiche. Die polnischen Sozialisten stehen auf dem Standpunkt, daß der schmerzloseste Weg, dem Sozialismus zum Siege zu verhelfen, der parlamentarische Demokratismus ist. Abg. ktronlg(Deutsche Sozia- listische Arbeitspartei) führte namens der deutschen Vereinigung au», daß diese Partei als Folge des Maiumsturzes nicht die Aendc- rüng, sondern die Verwirklichung der Verfassung erwartete. Durch die beabsichtigt« Veränderung wurde nur der Reaktion die Möglichkeit gegeben, ihre Pläne zu verwirtlichen. So ist die Abschaffung des propcrtionellen Wahlrecht» gegen dieMinder. Helten gerichtet. Auf einen Zuruf erklärte Kronig: Er steh« dem Kamps der Polen in Deutschtand um ihre Rechte mit voller| gemeine Bedeutung haben, standen 266 666 M. zur Verfügung. Der Fonds zur Förderung der auf die gesundheit- liche Hebung des Volkes, insbesondere der Jugend, g e- richteten Bestrebungen, soweit sie allgemeine Bedeutuwg haben, war mit 2)4 Millionen Mark dotiert. Hieraus wurden für Zwecke der hygienischen Volksbelehrung, im besonderen der Reichs- gesundheitswoche, 322 696 M. verausgabt. Die Länder erhielten zur Förderung gesundheitlicher Ausgaben sür die nichtoersicherten Bs- völterungskreise 1 566 666 M., darunter Preußen 622 666 M., Bayern 212 666 M.. Baden 7566 M.. Hessen 146 666 M.. Oldenburg 11360 M. Zur Bekämpfung des Alkoholismus und der mit dem Alkoholisnius zusammenhängende» Gesundheitsschäden waren 1 446 660 M. vorgesehen. Zur Förderung der Erforschung und Bekämpfung menschlicher Krankheiten waren einmalig 166 666 Mark ausgeworfen und als einmaliger Beitrag zu den Unter- Haltungskosten der Reichsanstalt zur Bekämpfung der Säuglings- und Kleinkindersterblichkeit in Ehar- lottenburg war eine Summe von 126 666 M. vorgesehen. Nach der Reichsverfassung obliegt die Pflege der Kulturauf- gaben den einzelnen Ländern. Die Reichsregierung hat sich bisher denn auch zur Unterstützung solcher Aufgaben nur bereitgefunden, wenn und soweit die betreffenden Bestrebungen allgemeine Bedeutung haben und über den Vereich eines Landes hinausgressen. Aber selbst mit dieser Einschränkung und unter voller Berücksich- tigung der gespannten finanziellen Lage des Reichs wird man eine Auegabe von 6 Millionen für Kulturzwecke bei einem Reichsetat von rund 5,5 Milliarden, wie wir ihn im Jahre 1925 hatten, als geradezu minimal bezeichnen müssen. Für die einzelnen Unter- stützungszwecke kommen, wie aus den obigen Einzelangaben her- vorgeht, nur Vagatellbeträg« in Frage. Am freigebigsten ist das Reichsmini st erium sür Ernährung und Landwirtschaft bedacht worden. Ihm standen zehn verschiedene Fonds im Gesamtbeträge von 29)4 Mil- lionen Mark zur Verfügung. Der erheblichste Teil dieser Mittel war nach der Zweckbestimmung zu verwenden zur Förderung der landwirtschaftlichen Erzeugung und Unter- stühung wissenschaftlicher, technischer und ähn- licher allgemeiner Bestrebungen auf dem Ge- biete der Landwirtschaft. Es konnten ferner gewährt werden Beihilfen zur Förderung der bäuerlichen Wirtschafts- beratung und zur Einrichtung von Versuchsringen, sowie zur Ab- Haltung von Fortbildungskursen für Landwirtschaftslehrcr, Ver- suchsringleiter, Tierzuch.inspektoren, Saatzuchtinspettoren, sonstige Landwirtschastsbcrater, landwirtschaftliche Arbeiter und Angestellte. Zur Förderung der Binnen- und der S e e s ch i f s a h r t standen 45 660 bzw. 2114 600 M. zur Versügung. Zur Behebung der Not des Winzer st andcs»waren bereitgestellt 18 249 506 M. Hiervon wurden gezahlt an Preußen 2 738 600 M., an Bansrn 3 153 660 M.. Sachsen 84 006 M.. Württemberg 1789 500 M.. Baden 2 168 560 M., Thüringen 36 366 M., Hessen 2183 666 M. Eine genauere Betrachtung der„Gesamtübcrsicht über die Ver- wcndung der von der Rcichsregierung verwalteten Fonds, an derew Verteilung die Länder ein Interesse haben", ergibt also das folgende Bild: Dem Reichsarbeitsmini st erium, d. h. dem Ministerium, da» in erster Reihe mit sozialen Aufgaben besaßt ist, steht ein Fonds von 4 6 66 6 M. zur Verfügung. Zwei weitere „soziale" Fonds, die der Verwaltung des Finanzministeriums unter- stehen, sind nur zu einem Teil verausgabt. Rund 6 von rund 22 Millionen wurden für das nächste Jahr„erspart". Die Fond» für kulturelle Zwecke machen ungefähr 6,1 Prozent des Etats au«. Nur dem Reichsministenum für Ernährung und Landwirtschast stehen für die Zwecke, die es zu betreuen hat, besondere Fonds zur Verfügung. Die übrigen Ministerien müssen ohne solche Fond» auskommen. Die„Gcsamtübersicht" ist vom Finanzministerium sicherlich als eine rein sachliche, gänzlich unpolitische gedacht und zusammengestellt. Eine aufinerksamere Lektüre läßt auch in ihr das Bild unserer politischen Zustände und der Zusammensetzung des Parlaments erscheinen. Sympathie gegenüber, da es sich um dieselben Rechte handele, die von den Deutschen In Polen verlangt werden. Morgen wird die Debatte fortgesetzt, während die endgültige A b- st i m m u n g am Montag oder Dienstag stattfindet. Da« für heute angesetzte Expose des Premierministers ist aus eine der nächsten zehn Sitzungen verschoben worden. Augenscheinlich hat die Regierung keine Luft, ihre Pläne frühzeitig zu offenbaren. Cm überaeloufener GesanÜter. Kall Birk. Der„Reichsdienst der deutschen Presse" schreibt: Die baltische Presse beschäjtigt sich seit geraumer Zeit sehr ein- gehend mit dem Verhalten de» bisherigen est ländischen Ge- sandten in Moskau, Birk, der sich weigerte, dem Ruf der estländischen Regierung, von seinem Posten nach Estland zurückzu- kehren. Folge zu leisten. Schon sehr früh tauchten Vermutungen aus, daß der Gesandte Staatsgeheimnisse an Rußland verraten habe, dann wieder wollte man wissen, daß e» sich um Liebesabenteuer handele. Jetzt wird nun ein Brief des ehemali- gen Gesandten in der„Jswestija" veröffentlicht, in dem der Gesandte behauptet, daß der estländische Generalstab seine Leute beauftragt habe, aus ihn ein Attentat zu verüben. Des ferneren erklärt Herr Birk, daß er bei seiner Politik, die auf den Abschluß eines Garantieoertrages mit Rußland hingezielt habe, auf Widerstand beim estländischen Außenminister und bei dem Generalstab gestoßen wäre. Der„Revaler Bote" gibt dieses Schreiben unter der Ueber- schrift„Die Maske fällt" wieder und bemerkt in seinem Kam- mentar. daß nunmehr kein Zweifel mehr daran bestehen könne, daß Birk zu den Kommuni st en übergegangen sei. Das Blatt stellt dabei fest, daß es leider nicht der erste Beamte der estländischen Vertretung in der Sowjetunion sei, der zu den Kommunisten übergeh«, woraus man ersehen könne, wie außerordcnt- l!ch gefährlich der Boden in Moskau sei und wie gewandt die kom- munistische Propaganda arbeite. Der Vorfall hat im Baltikum eine starke Erregung hervorgerufen, die„Rigasche Rundschau" zählt ihn zu einem der größten diplomatischen Skandale der Geschichte, so daß er nicht mehr als interne Angelegenheit Estlands angesehen werden könne, sondern als gemeinsame Angelegenheit der baltischen Staaten, die insgesamt an der restlosen Liquidierung interessiert seien, betrachtet werden müsse. GeWeeMastsbswegung Die �rbeitszeitfrage üer Eisenbahner. Tins Konferenz der Vertrauensleute des E i n k, e i t s- verbände- der Eisenbahner Deutschlands beschästigte sich neben der Vereinbarung über die Durchführung des Schiedsspruches, ganz eingehend mit der A r b e i t s z e i t f r a g e. Der Referent Winkler ging davon aus, dah ein Erfolg der durch den Schiedsspruch vom März 1925 vorgesehenen Nachprüfung der Arbeits- zeit noch nicht vorliege. Ein auf Grund der abgeschlossenen Gut- achten von der Organisation bei der Hauptverwaltung gemachter Vor st oh zur Verbesserung �er Dienstdauervor- s ch r i f t e n blieb erfolglos. Ja, der Vertreter der Haupt- Verwaltung Dr. Fromm drohte sogar noch mit Berfchlechterunaen. Bei dieser Sachlage muß sich das Interesse der Eisenbahner auf die Beratung des Arbeiterschutzgesetzes richten. In dem der Oeffentlichkeit noch vorenthaltenen Entwurf soll in der Entrechtung der Eisenbahner wahrscheinlich ein weiterer Schritt gemacht werden. Es sei kein Geheimnis, daß bei der Londoner Berein- b a r u n g es mit eine der hauptsächlichsten Forderungen Deutsch- l a n d s war, die Eisenbahner aus dem Washingtoner Abkommen und damit au- der re ichsgesetzlichen Rege- lung derLlrbeitszeit auszunehmen. Diese offene B e- nachteillgung der Eisenbahner wurde von den Vertretern der anderen Länder zwar abgelehnt, man suchte aber der deutschen Vertretung durch die Bestimmungen zu den Artikeln 5 und 6 des Washingtoner Abkommens entgegenzukommen. Und besonders die Vereinbarung zum Artikel 14, wonach die Bestimmungen in einem Lande im Falle eines Krieges oder anderer Er» e i g n i f s e, welche die Landessicherheit gefährden, ausgehoben werden können, ist für die Eisenbahner eine Gefahr. Man denke nur daran, wie sich schon jetzt die Reich-bahngesellschast bei ihren selbstherrlichen Maßnahmen dem Personal gegenüber auf ihre „Swangsftellung als Reparationsobjekt" stützt und sogar die Reichs- regierung abschütteln will Das Eisenbahnpersonal muß sich aber einmütig w e h r en. wenn in dem Entwurf zum Arbeitcrschutzgesetz seine weitere Knechtung vorgesehen sein sollte. Entgegen dem klaren Wortlaut des Washingtoner Abkommen- will man die Eisenbahn- beamten gänzlich von der achtstündigen� Arbeitszeit ausnehmen. Das ist eine ungeheure Schädigung sowohl für die Beamten. als auch für die Arbeiter. Denn bekanntlich kann die Reichs- bahngesellfchafl auf Grund der„Perso" die A r b e it s z»i t der BeanitenauchnusdieArbeiter anwenden. Hunderttausende von Arbeitern würden also so mit einem Strich von der acht- stündigen Arbeitszeit ausgenommen. Daß die Eisenbahnarbeiter wenig auf den Schutz der Regierung rechnen können, zeige folgender Hinweis. Dem Washingtoner Ab- kommen zufolge sLlrtikel.5) müssen für Betriebszweige, in denen eine reine 48-Stunden-Woche nicht durchführbar ist, Arbeits- Pläne mit den Arbeitnehmerorganisationen v er- c i n b a-rt werden, die aber unter keinen Umständen eine Ueber- schreitung der 48stllndigcn Arbeitswoche enthalten dürfen. Hier will nun der Regierungsentwurs in Anlehnung an den Artikel 6. wonach Behörden nach Anhörung der Arbeiterverbände dauernde Ausnabinen zulassen können, bei Vorbereitungs- oder Hilfsarbeiten und D i e n st b c r e i t s ch a f t der Reichsbahngesellschaft das Recbt eincr Behörde zugestehen. Bei der jetzigen scharfinachcrischcn i-n st e l l u n g der Reichs- bahngcsellschaft erscheint es fast unmöglich, zu einer Vereinbarung zu kommen und die Folge wird sein, daß die Reichsbahngesellschoft das Recht erhält, in ihrem Betrieb, im» bekümmert um die reichsgesetzliche Arbeitszeit die Arbeitszeit selbstherrlich festzulegen. Dieser Anschlag gegen die Eisenbahner ist so ungeheuerlich, daß das gesamte Personal sich da- gegen aufbäumen muß, um ihn mit Hilfe der Oeffentlichkeit unmög- lich zu machen. In einer lebhaften Diskussion schlössen sich die Funktionäre dem Vortragenden durchaus an. Es wurde noch besonders darauf hingewiesen, daß schon jetzt im Interesse der Millionen Erwerbs- losen imEisenbahnbetriebdieachtstündigeArbeits- zeit eingeführt werden müßte, und man es nicht durch zehn- bis vier zehn st ündige Arbeitszeit ermöglicht, immer noch mehr Personal abzubauen. Die Konserenz nahm dann folgende Entschließung an. „Die versammelten Vertrauensleute des Einheit-verbandes der Eisenbahner Deutschlands Ortsgruppe Berlin, nehmen mit Eni- rüstung Kenntnis von der Absicht, die rechtliche Stellung des Eisen- bahnpersonals noch weiter zu verschlechtern. Ihre beabsichtigte direkte und indirekte Ausnahme auch vom zu erlassenen Arbeiter- schutzgesetz. ist ein offener Verfassungsbruch gegenüber den Eisen- bahnern. Die schon unter der Auswirkung des Dawes-Gesetzes durch Lohndruck und äußerst lange Arbeitszeit schwer leidende Berufs- gruppe soll hier noch stärker belastet werden. Die Versammelten erheben hiergegen hen allerschärfften Protest und oerlangen mit Nachdruck die gleiche rechtliche Behandlung wie die übrige deutsche Arbeiterschaft. Die Verbandsleituna wird beauftragt, mit aller Auf- merksamkeit die Beratung des Gesetzentwurfe- zu überwachen und jedem Versuch, das Eisenbahnpersonal weiter zu entrechten, mit Nachdruck entgegen zu treten. Die Versammelten rufen auch dem gesamten Reichsbahnpersonal zu, dem von der Regierung geplanten Vorgehen durch restlosen Z u- sammenschluß im E i n h e i t s v e r b a n d der Eisen- b a h n e r erfolgreich zu begegnen. Nur die Geschlossenheit des Personals vermag auch den Eisenbahnern die achtstündige Arbeits- zeit zu sichern."_ Nascher Gcschäftsvcrkauf. In der Montagausgabe des„Vorwärts"(Nr. 323) berichteten wir über eine Belegschaftsversammlung der Wäschcverleihfirma G e r st n e r u. Co., Heiligcgeiststr. 49. Am nächsten Morgen wurde der Belegschaft mitgeteilt, daß das Geschäft Montag nacht verkauft wurde, und zwar an die Wäscheverleihfirma M. Löwi, Eichen- dorffstr. 29, und„Apollo", Inhaber Julius Moser, Hollmann- straße 32. Dem Personal wurde gekündigt und anheimgestellt, so- sort auszuhören, am Abend werde der Lohn für die Kündigung?- srift ausgezahlt. Am Abend aber wurde den Gekündigten gesagt. sie- bekämen erst am Freitag ihr Geld. Am gestrigen Freitag wurde denn auch det Lohn für die abgelaufene Woche gezahlt, doch der Lohn für die zweite Kündigungswoche soll erst nächsten Freitag gezahlt werden. Ob es geschieht, bleibt nach allem abzuwarten. Die Entlassenen haben Klage beim Gewerbegericht erhoben. Die Firma Gerstner u. Co. hat so mit einem Schlage alle Beschwerden der Handtuchsahrcr und des kaufmännischen Personals erledigt. Differenzen in der fchlefifchen Landwirtschaft. Breslau. 16. Juli.(Eigener Drahtbericht.) In Schlesien droht infolge der Unnachgiebigkeil der Großagrarier gegenüber den Land- arbcitern die Gefahr eines Erntestreiks, der allen Anzeichen nach unmittelbar bevorzusteheir scheint. Vor kurzem wurde nach längeren Verhandlungen vom Schlichter für Nieder- schlesien eine Erhöhung des Stundenlohns der Landarbeiter von durchschnittlich 1� Pfennig aus« gesprochen. Die Arbeitgeber le h n t e n selbst diese bescheidene Zulage a b, ebenso die Verbindlichkeitserklärung durch das Reichs- arbeitsministerium. Sie erklärten rund heraus, die Landwirtschast könne zurzeit keinerlei Lohnerhöhung tragen. � Daraufhin haben jetzt sowohl der f r e i g e w e r k s ch a f t l i ch e wie der weit rechts stehende christliche Landarbeiter- verband den Antrag auf eine kleine E r n t e z u l a g e gestellt. Gefordert wurde für Frauen 49 Pfennig, für Männer 69 Pfennig pro Tag. Auch diese Forderung wurde vom Arbeitgeberverband für die Landwirtschaft abgelehnt, obwohl der Schlichter die Not- wendigkeit einer Lohnerhöhung iür die schlesischen Landarbeiter anerkannt hat. Freigewerkschastlicher und christlicher Landarbeiter- verband sind unter diesen Umständen der Aussasiung, daß sich ein Ernte streik schwer vermeiden lassen wird. Die Barlöhne in der schlesischen Landwirtschaft, die bis zu 8 Pfennig pro Stunde heruntergehen, sind so elend, daß sich die Er- regung unter den Landarbeitern schwer beruhigen lassen wird. Re- gierung und Schlichter bemühen sich noch um eine Einigung im Interesse der Volksernährung. Und NUN wieder Ueberfchichten! Dortmund. 16. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die Verwaltung der syndikatsreien Schachtanlagen G r i l l o und Grimberg der der Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G. gehörenden Zeche„M o n o- pol" hat von der Belegschaft das Verfahren von Ueber- schichten verlangt, um die tägliche Mehrfördcrung von 1990 Tonnen Kohlen zu leisten. Der Arbeiterrat hat einmütig a b- gelehnt, die Belegschaft zum Verfahren von Ueberschichten an- zuHallen. Es wurde darauf gedrängt, erwerbslose Bergarbeiter einzustellen, eine Forderung, der sich die Verwaltung wider- setzt._ Der Bollzugsausschuß der Bergarbeiter. eondon. 16. Juli.(MTB.) Nachdem der Vollzugsausschuß vt. BeWarbeiter den ganzen Bormittag beraten hatte, sind seine Mit» glieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Der Führer der Bergarbeiter. Cook, erklärte, daß sich die Lage nicht geändert habe und daß der Vollzugsausschuß nicht beschlossen habe, gegenwärtig eine Dcle- giertenoersammlung einzuberufen. Ein anderes Mitglied des Voll- zugsausschusses gab der Meinung Ausdruck, daß in der nächsten Woche neue Verhandlungen stattfinden würden, da der Vollzugs- ausschuß die Friedensoorschläge der anglikanischen Bischöfe mit einigen Abänderungen angenommen habe. Die Bischöfe würden die Vorschläge wahrscheinlich an die Regierung weiterleiten. Die Vor- schlüge sehen eine Wiederaufnahme der Arbeit zu den alten Be- dingungen für die Dauer von vier Monaten mit Hilfe �der Re- gierung vor und außerdem einen Schiedsspruch für den Fall, daß nach Ablauf dieser Frist keine Verständigung über Arbeitszeit und Löhne erzielt worden ist._ cudcgeest erkrankt. Amsterdam, 16. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Jan Oude- g e e st, der Vorsitzende des Internationalen Gewerkschaftsbundes, mußte sich zur Vornahme einer Operation in ein Amsterdamer Krankenhaus begeben. Es handelt sich um ein Leiden, das schon einmal vor einigen Jahren einen operativen Eingriff erforderte. ZicrantworNicki für Politik! Ernst Rnitrr: Wirtslbait: Brtnr Satcrnu,: Dewerkschaftsbeweaung: i?r. Etzkorn: tzeuillrton: Dr. Zohn Schikowoki: Lokalc» und Eonstiaes� ürit ttarstädt: Anzeiacu: Tb. Slockr: sämtlicii in Berlin. Verla«! Vorwärts-Vcrlaa G. m. b. 6., Betlin. Druck: Vorwärts-Buchdrückerel und Verlaasanstalt Paus Cinaer u. Co. Verlin EV? l-ü SindenstraKe S. Lim» 2 Vcilaaen und„lluterdaltuna und Willen'. ■• V■■...- Beginn 1, Juli in fast aiien Abteitungen Mengenabgabe vorbehalten BS« rur Hälft a Herabgesetzt sind die Preise igü JbUa J�dBä�yieSer Waren in den b e k a nn�u�j�Jtua�NJäten Trikotagen Strumpfwaren iiiiiiiiiHininiiniuniiiiiiiiiniiiiiininiiiiiniiiiiiiiKUfiiintiiiiniiiiiititiiiiniittniiiiuniiininRiiimiii Damen-Strümpfe 38 Damen-Strümpfe SjrM« Ä SS Kerren-Socken �......... 38 Herren-Socken SS Bamen-Waxche iiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii;niiiiiiiiiniiiininiiiiii!iiiminnniiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiimiimiiiiiiiiimiiiiiiiii!iiii Kemdhofen.d Unterkleider Sä 1M Damen-NachthemdenÄ� Damen-Hemdhosen b»«*.. 245 Damen-Schlüpfer au,.............. I45 florsenjacken 1 95 K ie iderstoffe Damen-Kleidung .................................................................. nmnmmnmnminnniimSim Musselinkleider„�75 ob lang. 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Der Waldreichtum der Neumark, der den Brennstoff lieferte, das Vorkommen von Raseneisenerz, die Wasserkraft der schnell fließenden Bäche und die Warthe als Beförderungsweg waren die Ursachen, daß sich in dieser Gegend eine so ausgedehnte Berhüttungs- und Eisenbearbeitungsindustrie entwickeln tonnte, die den An- sprüchen ihrer Zeit vollauf genügte. M neumärkischen Seen. Don Zanzhausen wandern wir an einer Reihe der prächtigsten! Seen weiter. Es sind Rinnenseen, tief eingeschnitten in das hügelige Gelände, von beträchtlicher Länge, jedoch von geringer Breite. Auch sie sind rings von Wald umgeben. Größere Sied- lungen treffen wir nicht, nur dann und wann ein Forsthaus, ein- gebettet in das Waldesgrün.' Einsamkeit und Stille umfangen den Wanderer, der die User dieser Seen bewandert; doppelt wohltuend empfunden von dem, der einige Tage dem Getümmel der Weitstadt entronnen ist. Am Kleinen und Großen Mieren» stubbensee, am Großen und Kleinen Lübbensee, am Z u ch e n s e e wandern wir hin. Abseits liegt das Dorf Mücken- bürg. Auf der Straße noch Berlinchen kommen wir zum Forst- Haus Rahmhütte. Wir stehen hier auf einer Wasserscheide: südlich fließt das Wasser zur Netze und Warthe und dann zur Oder, nördlich unmittelbar zur Oder. Die Senke, in der die Zanze fließt, in der die Seen liegen und in der weiter nördlich die Plöne ihren Lauf nimmt, durchzieht die ganze neumärkische Hochfläche-, sie läßt sich vom Netzebmch bei Gurkow bis zur Oder bei Stettin verfolgen. Wir wandern nun am Wuckensee weiter; auf dem Nordufer an- sangs einige riesige Eichen. Am Sandsee, am Langen Bruch und dem Kleinen Diebelssenn vorüber kommen wir schließlich zum Berlinchener See, dem Nipperwitz. Bom gegenüberliegenden Ufer Srüßt B e r l i n ch e n, das Endziel der Wanderung. Bereits in. einer irkunde vom 25. Januar 1278 wird die Stadt erwähnt, die früher den Namen Nyen Berlin, Berliniken oder auch Kleinen Berleiniken führte. Ein stiller Ort mit wenigen sauberen Straßen und schmucken Häuschen ist diese kleine Schwester der Reichshauptstadt. Jedoch, lebe wohl, Berlinchen, deine große Schwester läßt uns nicht los aus Ihren Banden, wir müssen zurück zu ihr. * Weglänge etwa 100 Kilometer, Zeitdauer öbiskTage. Kürstrin— Vietz 20 Kilometer, Bietz— Landsberg 25 Kilometer, Landsberg— Gurkow 25 Kilometer, Gurkow— Berlinchen 32 Kilometer. Rückfahrt von Berlinchen über Soldin und Küstrin. mark. Die Neumark ist ein für Ferienwanderungen gut geeignetes Gebiet der Mark Brandenburg. Hügel und Täler, Fließe, Ströme und Seen geben die mannigfachsten Landschaftsbilder. Laub- und Nadelwälder bedecken die Hochfläche; weite Bruchwiesen, abwechselnd init Aeckern, nehmen die Stromaue ein. Das mehrere Kilometer breite Warthe- und Netzebruch ist ein Teil des eiszeitlichen Thorn- Eberswalder Urstromtals; die sich nördlich davon erstreckenden Höhen gehören der großen südbaltischen Endmoräne des eiszeitlichen In- landeises an. Die menschlichen Siedlungen, Städte und große Dörfer, liegen besonders am Rande des Bruches. /lm Varthebruch. Wir beginnen unsere Ferienwanderung in Küstrin am Ein- fluß der Warthe in die Oder. Die Neustadt zeigt ein geschäftiges Treiben, im Gegensatz zur Altstadt, die inimer noch von der ehe- nach Sonnenburg. Bleiben wir jetzt am Talrand, so kommen wir über Klein-Kammin nach Bietz; steigen wir jedoch auf die Hochfläche hinaus, so führt der Weg über Willersdorf und Groß-Kammin dorthin. Bietz, an der Vietze gelegen, ist ein großer Flecken mit regem Handel und Gewerbe. In der Nähe befindet sich die Vietzer Schmelze, ein Eisenhüttenwerk, das 1754 angelegt wurde. Den An- laß zur Anlage dieses Werkes geben ausgedehnte Raseneisensteinlagcr an der weiter nördlich fliehenden Mietzel. Diese, in den märkischen Brüchen und Moorgebieten häufigen Eisenerzablagerungen haben auch in der Neumark eine verhältnismäßig stark entwickelte Eisen- industrie hervorgerufen. Dos Bietzer Eisenschmelzwerk in Verbindung mit einer Reihe von Hammerwerken, die an den weiter östlich von der Hochfläche herabeilenden Fließen Kladow, Zanze und Puls lagen, lieferten in ihren Anfangstagen mit den Harzer Werken in Thale und Zorge den gesamten Blechbedarf Preußens; außerdem waren sie stark an der Munitions- und Waffen- Versorgung des Heeres beteiligt. Auch Gußwaren, wie Oefen, Rosten und Platten wurden hergestellt. Jetzt werden hauptjäch- lich Maschinenteile gefertigt: das Raseneisenerz wird aber wohl nicht mehr verhüttet. Von Vietz geht die Wanderung nach Döllemsradung. Hier steigen wir in die herrlichen Wälder der Hochfläche. Der Weg ist oft etwas schwierig zu finden, da Wegweiser sehr selten sind und Wegzeichen gänzlich fehlen. Die Verschönerungs- oder Heimat- rundlichen Vereine der dortigen Gegend, besonders von Landsberg, würden sich den Dank vieler Wanderer erwerben, wenn sie f ü r die Wegbezeichnung mehr tun würden.- Die landschaftliche Schönheit dieses Gebiets verlohnt wohl eine beschauliche Wanderung. Vom 78 Meter hoben Horstberg bietet sich wieder eine prächtige Fernsicht über dos Warthebruch bis zu seinem Südrande, auf dem in bläulichem Dunst die Berge des Sternberqer Landes auftauchen, die deswegen auch die blauen Berge heißen. Auch Sonnenburg nahe dem Westende des Bruchs ist von hier noch einmal zu sehen. Der Weg führt an das im schönen Laubwald gelegene Forsthaus Spiegel vorüber. Bergauf, bergab, durch tief eingefurchte Schluchten kommen wir schließlich an einen Bach, der mehrere Mühlen treibt. Neben ihm führt die Chaussee talwärts nach dem großen Dorf Düh- rsng sh of. Die in dieser Gegend besonders stark zerklüftete Hoch- fläche steigt nördlich vom Ort bis zu 134 Meter(116 Meter über das Warthebruch) an. Wir können die Höhenwanderung bis Loppow fortsetzen, dann bringt uns die Chaussee über Wepritz nach Landsberg a. d. Warthe. Schon seit mehreren Jahr- Hunderten führt diese größte Stadt der Neumark ihren Zusatz zum Unterschied von den vielen anderen gleichnamigen deutschen Städten. Landsberg liegt an der Mündung der Kladow in die Warthe. Der Aufschüttungskegel, den das Fließ in jahrtausendelanger Arbeit ge- schassen hat, bildet den Grund der Stadt. Die Brückenvorstadt liegt jenseits der Warthe, durch Deiche vor Ueberschwemmungen geschützt. Die«rdgeschichtlichen Verhältnisie bedingten, daß Lands- berg nur an diesem Platz angelegt werden konnte. Stromaufwärts wird der überschwemmungssreic Landstreifen zwischen Warthe und Hochfläche zu schmal, stromaufwärts nahm das früher unwegsame Bruch den Zwischenraum ein. Der Flußhandel und die Schissahrt auf der Wasserstraße von der Ostsee nach Polen bilden auch heut? noch einen wichtigen Ernährungszweig: außerdem ist Landsberg Sitz einer ausgedehnten Industrie und zahlreicher Behörden. Durch die Zechower Straße verlosten wir Landsberg. Der Weg führt über Zechow und die Bergkolonie nach Zantoch. Die Warthe fließt hier ganz nahe am Abhang hin. Auf dem schmalen Ufcrstreisen sind Chaustee und Ostbahn angelegt worden. Die Hochfläche ragt bis zu 70 Meter(50 Meter über die Warthe) steil auf. Bei Zantoch mündet die Netze in die Warthe. Von den Höhen nördlich des Orts haben wir einen schönen Ausblick auf die Netzemllndung und das Warthe- bruch. Auf dem gegenüberliegenden Wartheufer deutet eine rund- liche flache Erhebung die Stellen an, auf der die ehemalig« Feste Zantoch, ein uraltes polnisches Schloß, lag. Es wird bereits 1236 erwähnt und besaß große Bedeutung in den Auseinander- setzungen zwischen den Polen und den Pommern und den Polen und den Deutschen. Der Weg führt nun durch das Bruch nach Gurkow. öer Zanze. In Gurkow haben wir die Zanze erreicht. Dom Bahnhof wandern wir nordwestlich zum Waldrand. Bald sind wir an der Zanze, die hier durch die schöne Friedeberger Stadtsorst fließt. In einem engen Waldtal schlängelt sich das Fließ hin. Laubwald und Nadelwald säumen die Hänge. Der Weg läuft auf halber Höhe. Bald tönt uns das Murmeln und Gurgeln des Wassers aus nächster Nähe, sein Spiegel blinkt durch das Laub der überhängenden Büsche, bald zieht die Zanze in größerer Entfernung ihre Bahn. Sie ge- hört mit zu den schönsten Fließen, nicht nur der Neumark, sondern der Mark Brandenburg überhaupt. Eine Wanderung ihr zur Seite lehrt uns alle stillen, verschwiegenen Reize kennen, die eine Wald- fließlandschaft nur bieten kann. Unwillkürlich verlangsamt sich unser Schritt, um in beschaulicher Wanderung(zwei Kilometer oder weniger in der Stunde) dieses schöne Gebiet so recht auskosten zu können. Wir kommen nach Zanzhammer, ein Hammerwerk, das 1784 angelegt, 1835 in eine Papiermühle und kurz vor Kriegs- ausbruch in eine Landwirtschafi umgewandelt wurde. Bald haben wir Z a n z t a l erreicht, an der Chaustee von Landsberg nach Friedeberg. Hier bestand ein Hammerwerk, das 1765 gegründet wurde, jetzt ist ein Sägewerk daraus geworden. Unermüdlich arbeitet das Gatter, seine Wege bahnend, durch das Herz der Wald- riefen.— Anfangs über Aecker, dann wieder durch Wald, wandern wir in gleicher Richtung etwa eine halbe Stunde weiter, dann geht es links ab zur Zanze, die jetzt durch ausgedehntes Wiesen- und Ackergelände fließt. Auf schönem Pfad, unmittelbar am Fließ, kommen wir am Wiesenbaus vorbei nach Zanzhausen. Das hier noch jetzt in Betrieb befindliche Hammerwerk wurde 1765 mit Zanz- thal zusammen gegründet. Ursprünglich war Zanzhausen eine vie Katastrophe. Müde sitzen die Fahrgäste des Vorortzuges Werder— Berlin in ihrem Abtell. Durch die geöffneten Fenster treibt auch die schnelle Bahnfahrt keinen Luftzug und die unerbittliche Nachmittagssonne tut ein übriges, um die Müdigkeit wachsen zu lassen. Solch eine Fahrt zwischen Erschöpften hat etwas Niederdrückendes. Der Ein- fluß dieser..Ermattungssuggestion" ist derart eindringlich, daß er auch den widerstandsfähigeren Zuschauer totsicher umwirft. In einer Ecke schnarcht jemand. Ein anderer scheint mit offenen Augen zu schlafen. Und auch jener energisch aussehende Herr, der so eifrig in seiner Mittagszeitung blättert, kämpft schwer an gegen die Müdigkeit. Kurz vor Zehlendorf-Mitte kommt Bewegung in den tiefen Frieden. Links begleitet eine' baumreiche Landstraße den Zug. Einsam steht ein Gehöft. Aber kaum zehn Meter von ihm entfernt drängen etwa fünfzig Menschen durcheinander. Zwei Autos liegen auf der Straße. Das eine mit zerbrochenen Vorder- rädern, schief auf der Seite, das andere völlig zertrümmert, nur noch ein Gewirr von Stangen und verbogenen Blechteilen. Sani- täter bemühen sich um etwas, das vielleicht einmal ein Mensch ge- wesen sein kann. Andere kommen mit einer Tragbahre. Der Zug rast unerbittlich weiter. Schon ist der düstere Spuk vorüber. Im Abteil ist Leben eingekehrt. Man drängt zum Fenster. Ver- mutungen, zwecklose Fragen, menschliche Anteilnahme, gepaart mit unangenehmer Neugier. Das geht so einige Minut«p. Sellsames, beklemmendes Gefühl, so im Guckkastenausschnitt ein Drama ge- sehen zu haben. Aber die Zeit eist weiter. Bald ist der Zug ist Friedenau. Merklich schwindet das Interesse an dem Unfall auf der Landstraße. Und als der Zug in den Potsdamer Bahnhof ein- fährt, hat man sich völlig beruhigt. Der Mann in der Ecke schläft Der lvobbly. 341 von B. Tranen. Copyright by Buchineister-Bcrlag. Berlin und Leipzig. Das Kälbchen war unser Liebling. Es war eine Freude, rührend mit anzusehen, wenn wir haltmachten und die Mutter herbeikam, u/n ihr Kindchen in Empfang zu nehmen. Sobald wir es vom Pferde ließen, war die Mutter da. S»e wußte. daß das Kälbchen im Transport ist, und sie hielt sich immer in der Nähe des Reiters, der es vor sich im Sattel hatte. Das war eine Schleckerei und Leckerei, eine Blökerei und eine Brummerei, wenn wir das Kälbchen der Alten an den Euter setzten. Die Alte brachte sich bald um vor Freude. Als das Kleine schwerer wurde, mußten wir es auf eines der Packmulas verladen. Es dauerte lange, ehe so ein Jung» tier marschieren kann. Hätten zu viele Kühe geworfen, dann wäre es uns nicht möglich gewesen, den Müttern diesen kleinen Liebesdienst zu erweisen. Aber es kam doch noch dreimal vor, und ich brachte es nicht fertig, die Kleinen zu töken. 21. Undankbar zu sein, ist eine Charaktereigenschaft der Menschen, die den Menschen so sehr Natur ist, daß man es am besten dabei bewenden läßt und sich deswegen nicht kränkt. Die Natur aber ist dankbar für jede Kleinigkeit, die man ihr erweist. Kein Tier und keine Pflanze vergißt den Trunk Wasser, den man ihnen spendet, oder die Handvoll Futter oder die Mütze voll Dünger, die man ihnen gab. So dankbar Zeigten sich auch die Kälbchen und die Mütter der Kälbchen für den Liebesdienst, den wir ihnen erwiesen hatten. Wir kamen an einen Fluß und weder wir, noch der Führer konnten eine Furt ausmachen. Weiter stromabwärts fanden wir eine Fähre. Aber der Fährmann forderte für jeden Kopf so viel, daß das Uebersetzen eine beträchtliche Summe ausgemacht haben würde. Solange man die hohen Fähr- und Brückengelder sparen kann, tut man es; weil noch genügend Brücken und Fähren kommen können, die man unbedingt gebrauchen muß, wenn der Strom zu breit oder zu reißend ist, oder wenn man an den Fluß nicht heran kann. Während ich mit dem Fährmann verhandelte, rastete die Herde etwa sechs Kilometer stromauf. Wir hielten hier für zwei Tage, weil vortreffliche Weide war und wir die Tiere einmal gründlich vollsaufen und gründlich baden lassen wollten. Sie müssen zuweilen baden, des Ungeziefers wegen, das beim Baden abstirbt. Die Tiere bleiben zu diesem Zweck stunden- lang im Flusse stehen, an Stellen, wo ihnen das Wasser bis zur Hälfte des Bauches reicht. Nun aber, nachdem die beiden Erholungstage vorüber waren, mußten wir den Fluß kreuzen. Die Herde mußte durch. Wir begannen zu treiben, aber sobald die Tiere den Boden verloren, kehrten sie zum Ufer zurück. Der Fluß war nicht sehr breit, hatte aber in der Mitte tiefe Rinnen. Endlich kam ich auf einen Gedanken. Wir hackten mit den Machetes Stämme ab, schälten Bast und bauten ein kleines leichtes Floß. Dann knüpften wir die Lassos zu einer langen Leine zusammen, und ein Indianer schwamnt hinüber zum andern Ufer mit dem Ende der Leine. Wir knüpften die Leine am Floß fest und machten eine zweite Leine an. Dann packt« ich eins der Kälbchen rauf, und drüben der Mann zog das Floß rüber und landete da Tierchen. Wir zogen mit unserer Leine das Floß zurück und das zweite Kälbchen wanderte rüber. Nach wenigen Minuten hatten wir alle vier Kälber auf der anderen Seite. Und als sie dort so ärmlich und wackelnd auf ihren mageren, stöckigen, hohen Beinen so allein standen, finden sie erbärmlich an zu blöken. Es war so kläglich. Und wenn uns schon das klägliche Blöken dieser kleinen hilflosen Geschöpfe zu Herzen ging, um wieviel mehr den Müttern. Kaum hatten die Kleinen ein paarmal geblökt, da setzte eine der Mütter ins Wasser und schwamm rüber. Gleich darauf folgten die anderen drei Mütter. Das Wieder- sehen war herzlich. Aber wir hatten keine Zeit, üns lange darum zu bekümmern: denn hier kriegten wir jetzt tüchtig Arbeit. Die Kühe drüben blökten nun auch, weil sie von der Herde getrennt waren. Sie fürchteten sich allein, und sie sehnten sich zurück nach ihrem Bolke. Die Stiere hörten das Blöken eine Weile, und dann machten sie den Uebergang. Der Leitstier war nicht dabei. Es waren jüngere Stiere, die offenbar glaubten, sie könnten dort drüben auf diese Weise ein eigenes neues Reich gründen, wo sie von den stärkeren Stieren nicht gestört würden. Nun aber erwachte hier die Eifersucht der größeren Stiere und auch der Leitstiere. Sie schnaubten und dann sausten sie los, um den naseweisen Grünlingen da drüben die Flötentöne beizu- bringen. Auf der Wasserfahrt aber kühlten sie ab, und als sie drüben waren, hatten sie die Lust zum Kämpfen verloren, trotzdem sie hier fo wütend geschnauft hatten. Aber die Stiere waren drüben und brüllten, und die Kühe hier auf dieser Seite hatten keine Lust, ihr ferneres Leben ohne Stiere zu verbringen. Und da sie gewöhnt waren, den Stieren immer und überall zu folgen, so folgten sie auch jetzt, und bald war das Wasser angefüllt mit schnaubenden, plantschenden, prusten- den Rindern, die sich bemühten, hinüberzukommen. Es war ein wildes Durcheinander von gehörnten Köpfen und schlagen- den und peitschenden Ungetümen. Manche kehrten wieder um, wenn es ihnen zu gefährlich schien. Und das war der Augenblick, wo wir eingreifen mußten. Es durfte nicht zur Manie werden, dieses Umkehren, sonst könnte die halbe Herde umkehren, weil sie ja keine Richtung im Wasser halten können, sondern nur drauf losplatschen und auf ein Ufer losgehen. Wir schrien und peitschten und setzten mit den Pferden rein und jagten die Tiere zusammen und immer rüber und rüber zur anderen Seite. Einzelne kamen ins Schwimmen und ins Treiben. Die hatten wir abzufangen und sie zum Ufer zu dirigieren. Drei gingen mir verloren, die abtrieben und die wir nicht holen konnten. Das war der ganze Derlust, denn ich bei diesem Uebersetzen hatte. Er war billig. Ofk wird es teurer. Die Verlorenen waren an sich nicht viel wert. Sie hatten uns schon auf dem Transport Schwierigkeiten gemacht. Sie gehörten zu den Schlappen. Und je kleiner man den Trupp der Marschhinker halten kann, um so besser. Wrr ließen die Tiere drüben wieder rasten und machten gleich Lager für die Nacht. In derselben Nacht wurde mir eine schöne Zweijährige von einem Jaguar gerissen. Es war so rasch und so lautlos zugegangen, daß niemand etwas gehört hatte. Wir sahen es am nächsten Morgen nur an-dem Kadaver und an den Fährten, was sich in der Nacht abgespielt hatte. (Fortsetzung folgt.) über We� Tndstation hinaus und der energisch aussehende Herr kämpft noch immer mit der Müdigkeit. Autotrümmer, Tragbahren und Sanitäter sind vergessen: eine kleine Erschütterung ist unter- ' gegangen in der tausendfachen Unruhe der Millionenstadt. Der falsche Namen. warum sie ihren wahren Aamea verschwiegen.> Der Name— ein unzertrennlicher Teil des Menschen, der Name— ein Fluch: der Name— eine Wohltat. Man kann ihn ändern, aber was Hilsts, man bleibt doch derselbe, auch in der neuen Haut. Wie die Vorfahren einen haben werden lasten, wozu die Umgebung einen gemacht, so muß man seinen Namen mst sich schleppen, wie man auch sein eigenes Ich mit sich schleppt. Und doch wie gern stöße man ihn manches Mal ab. Besonders, wenn '.man sich für ein Vergehen zu verantworten hat, die Polizei einen s sucht oder man steckbrieflich verfolgt wird. Das Strafregister ! notiert aber peinlich genau jede Kleinigkeit und läßt unbarmherzig ' das Geringste an den Tag kommen. Und immer wieder wird das i Sündenregister einem vorgehalten. Nicht immer zu Unrecht. � Was sollte nur werden, wenn ein jeder e!n unbeschriebenes Blatt : wäre. Hier ein paar Beispiele: Der Jürsorgezögling. Bald 21 Jahre, fürchtet er, in die Fürsorge zurück zu müssen und nennt sich bei der Verhaftung Hagedorn. Heißt aber Willy ; Köpfe. Einmal ließ er sich bereits in Hamburg auf einen falschen , Namen verurteilen— auf den seines Bruders Oskar. Auch diesmal � nannte er sich hinterher Oskar, mußte aber schließlich zugeben, nur ! der Willy zu sein. Sein Vergehen war gering. Er halle ge- ! b« t t e l t, um n i ch t st e h l e n zu müssen. Nun erhält er für den | falschen Namen 5 Wochen Gefängnis. Das Jugendamt will dafür | fcrgen, daß er in die F ü r s o r g e a n st a l t zurückgebracht wird. Der Strich junge. Auch dieser hat sich den Namen seines Bruders zugelegt. Es ist eine eigentümliche Sache mit dem Namen des Bruders. Viel- leicht treibt ihn die Sehnsucht dazu, so anständig, eben so an- gesehen in der Familie und bei Freunden zu sein wie jener. Der junge Tscheche wurde vom Schupömann auf einem Berliner Strich gestellt, weil er sich a u f f ä l l i g benahm. Eigentlich drohte 'ihm gar nichts. Das Polizeipräsidium hätte ihn laufen lasten müssen. Nun aber erhält er zwei Wochen Gefängnis. Man hätte sie chm erlassen sollen. Denn die Gesellschaft der Inhaf. tierten ist für solch' einen leichten Vogel nichts Richtiges. Auch in diesem Falle sollte sich jemand des jungen Menschen annehmen. Es war aber niemand zugegen im Gerichtssaal, der das hätte tun können. Die prostituierte. Sie ist natürlich unzählige Male vorbestraft. Wegen Nicht- stellung zur Kontrolle, wegen Betretens verbotener Straßen und j dergleichen mehr. Diesmal rumort in ihr sehr laut der im U e b e r- ! maß genossene Alkohol, und so randaliert auch sie auf der c Straße. Und wird festgenommen. Sie fürchtet, wegen ihrer Vorstrafen schärfer angefaßt zu werden. Da nennt sie einen falschen Namen. Er hilft ihr aber gar nichts. Die Polizei kennt f ihre Klienten zu gut. Auch die Heimliche dient der Göttin der Liebe— allerdings ohne Erlaubnis der Polizei. Was schert aber ! der Göttin der Liebe die Polizei? Die Polizei kümmert sich um so f mehr um ihre Priesterinnen. So muhte diese, als sie während einer Razzia in einem Hotel in Gesellschaft eines Herrn betroffen wurde, mtt zur P o l i z e i. Und da stellte sich heraus, daß sie g e s ch l e ch t s- krank war.. Wenn aber jemand, um seine Geschlechtskrankheit wissend,, feinen Partner msiziert, so steht daraus eine hohe Strafe. Der'-Ricliiucis kann jedoch sast n i e erbracht werden. Die Heim- lichAjf ürchtete aber bestraft zu werden oder in Zukunft gewerbsmäßige Unzucht treiben zu müssen und nannte deshalb einen falschen i Namen. Vielleicht hatte sie Angst, sie könnte ihre gesellschaftliche J Stellung verlieren. Wegen' des falschen Namens mußte sie bestraft ) werden, im übrigen durfte sie frei ausgehen. Der Obdachlose. Und was soll er tun, wenn seine Zeit um ist und er das Asyl ' für Obdachlose oerlassen muß? Da nennt er einen falschen � Namen, um einige Zeit länger ein Dach über seinem Kopf ! zu haben. Doch auch in' diesem Falle gelingt es größtenteils, den richtigen Namen festzustellen. Fingerabdrücke, Photographie und der- ! gleichen mehr bringt seinen wahren Namen ans Licht. Der Rück- > sä l l i g e hat dagegen Grund, seinen Namen zu verheimlichen, ' denn auf Rückfall steht Zuchthaus. Und waren der Rück- fälle mehrere, so droht eine schwere Zuchthausstrafe. Wenn aber argendwo det richtige Name festgestellt werden kann, so ist es in diesem Fall. Denn der Rückfällige ist ja bestimmt r e g i st r i e r t. . Er hoffte aber, nach der Protokollaufnahme sofort entlassen zu wer- den. Dann hätte man ihn suchen können. Und wa» tut's, wenn er ! auch einen falschen Namen genannt hat? Die paar Wochen Hast mehr, die zur Zuchthausstrafe hinzukommen, machen den Braten wahrlich nicht fett._ Filmzauber. - Ein f alscher Regisseur, der sich für den B e a u f- kragten großer bekannter Filmgesellschaften aus- . gibt,„engagiert" neuerdings wieder„Statisten" für angeblich in Arbeit genommene Großfilme. Er'- macht die jungen Leute darauf aufmerksam, daß die Ausnahmen nicht ungef ährlich sind und daß sie deshalb einer Unfallversicherung beitreten müssen. Den : Mitgliedsbeitrag, der zwischen 6 und 12 Mark schwankt, zieht i der„Regisseur der Einfachheit wegen gleich ein. Wenn die An- geworbenen dann am nächsten Tage zur Aufnahme erscheinen, er- fahren sie, daß sie geprellt worden sind. Die Filmgesellschaften haben auf die Ergreifung des Betrügers eine namhafte Be- l o h n u n g ausgesetzt. Mitteilungen, die geeignet sind, ihn un- i schädlich zu machen, nimmt Kriminalkommissar Dr. Wächter im ! Polizeipräsidium entgegen._____ Ein Reklamevortrag. In der gestrigen Monatsversammlung der Berliner Ortsgruppe des Einheitsverbandes sozialistischer Unternehmer, die in den Räumen des Holzarbesterverbande, ' stattfand, sprach Genosse G r u b e r t über das Thema:„Was ein jeder von neuzeitlicher Propaganda wissen sollte und was ein , sozialistischer Unternehmer davon wissen muß." Cr unter- > schied in seinem Vortrage zwischen Reklame, die da» Werben für Ware bedeutet, und der Propaganda, die dem Ein- fetzen für geistig« Werte gleichkommt. Häusig ist beides mit- einander verbunden. In einem geschichtlichen Rückblick über die Entstehung der Propaganda und Reklame wies Grubert darauf i hm. daß der liebe Gott der erste Reklamechef gewesen sei und daß die Glocken der Kirchen das Propagandasymbol für diese geworden ! seien. Auch die Heilsarmee habe es oerstanden, in außerordent- lich geschickter Weis« für ihre Ideen Propaganda zu machen. Wenn unsere Partei vor dem Kriege In den Propagandamethoden nicht aus der Höhe war, so lag es daran, daß es uns an geeig. . neten Kräften fehlte. Die Großindustrie und die Marken- ! industrie erkannten � sehr bald, welchen Wert die Reklame für den ,£ Umsatz hat und auch der Konsumoereinsbewegung kann man die ' Anerkennung nicht absprechen, daß sie es verstanden hat, in ge- , schickter Weise die Propaganda in den Dienst ihrer guten Sache zu stellen. Reklame hat nur dann Wert, wenn sie für eine gute Ware und für eine gute Sache gemacht wird. Eine minderwertige Ware hat durch eine große Reklame nur Verluste, da durch sie ja die Minderwertigkeit der War« bald überall bekannt wird. Zu fordern ist die W a h r h e i t. in der Reklame.- Di«: schreiende Reklame, die das Kennzeichen der ersten Reklam«. bestrebungen war, ist heute überwunden und durch die künstlerische Reklame ersetzt. Auch die Hochschulen haben sich der Einsicht nicht verschließen können, daß die Reklame ein sehr wesentlicher Teil der Betriebswirtschaft ist und deshalb auch hier durch Erteilung von Lehraufträgen an Reklamefachleute und Reklameverbraucher Rechnung getragen hat. Der Vorsitzende wies in der Aussprache auf die Wichtigkeit des Verbandes sozialistischer Unternehmer hin, die beabsichtigten, bei den Kaufmanns- und Gewerbegerichts- wählen als Partei aufzutreten und damit auch dem sozialen Geist in die Unternehmerschaft Eingang zu verschaffen suchen. ver mitleiöige öauernfänger. Eine Partie künnnelbläiichen. Ein Landwirt aus P o m m e rn hatte in Berlin Geschäfte zu erledigen und wollte vormittags heimreisen, verpaßte aber den Zug. Als er nun durch die Straßen schlenderte, wurde er von einem Unbekannten um Feuer für seine Zigarette gebeten. Man kam ins Gespräch, und es stellte sich heraus, daß sie Leidens- geführten waren. Auch der Andere hatte den Zug verpaßt und wartete auf die Fahrgelegenheit, um mit dem nächsten Zuge nach Stettin heimzufahren. Um sich die Zeit zu vertreiben, lud er den neuen Bekannten zu einer Tasse Kaffee ein und führte den Landwirt in ein Lokal in der Ar t i l l e r i e st r a ß e. Bald erschien nun ein anderer Gast, der am Nebentisch Platz nahm und bald«in Gespräch anknüpfte. Es dauerte nicht lange, so hatte der neu angekommene Gast ein Spiel Karten in der Hand, und der Landwirt verfolgte nun ein spannendes Spiel mit drei Karten zwischen den beiden. das sogenannt« Kümmelblättchen. Das Glück wechselte zwischen den Spielern, und es ging jedesmal um eine Lage Schnäpse. Natürlich mußte der Landmonn an den Lagen teilnehmen. Es dauerte nicht lange, da fühtte er sich benommen und weiß nun nicht mehr, was mit ihm weiter geschehen war. Er erinnert sich nur noch, daß sein erster Bekannter mit ihm das Lokal verließ. Dann stand er plötzlich allein in einer Straße. In der frischen Luft war er allmählich wieder zur Besinnung gekommen, und nun entdeckte er zu seinem Schrecken, daß ihm die gesamte Bar- s ch a f t in Höhe von über 1000 Mark fehlte. Schließlich gelang es ihm, das Lokal wieder aufzufinden, doch der Wirt wußte von nichts. Nachdem der Landmann aber mit einem Kriminalbeamten wieder gekommen war, erinnerte sich der Wirt, daß der Begleiter des Pommern ihm ja 7 00 Mark in einem Umschlag übergeben habe. Der Betreffende sei ein gelegentlicher Gast gewesen. den er aber nicht mehr kennen wollte, und er habe ihm erklärt, daß es ihm leid tue, jemand soviel Geld im Spiel abzunehmen, der es vielleicht sehr nötig brauchen könnte. Der Landmann bemerkte aber in diesem Augenblick, daß jemand durch einen Seitenausgang das Lokal verließ und erkannte in dem Flüchtenden seinen angeb- lichen Landsmann. Dieser wurde darauf im Flur des Nebenhauses gestellt. Er entpuppte sich als ein vielfach wegen Betruges und Diebstahl» vorbestrafter Josef Schneeganz, der auch noch«ine Strafhaft zu oerbüßen hatte. Der Landmann erinnerte sich nach- träglich, daß in den Schnäpsen etwas geschwommen habe, so daß die Anklage annahm, es fei ihm ein Betäubungsmittel bei- gemischt worden. Deshalb wurde Schneeganz wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen D i e b st a h l s angeklagt. Der Geschädigte konnte sich nämlich überhaupt nicht erinnern, selbst ge- sviett zu haben. Der Angeklagte spielte die Rolle des reumütigen Gewinners auch vor Gericht weiter, behauptete sogar, daß der Landmann zuerst das Kümmelblättchen auf das Tapet gebrocht hatte. Dieser aber versicherte unter Eid, daß er von diesem Spiel vorher gar keine Ahnung gehabt hätte. So dunkel die Vorgänge waren, konnte das Schöffengericht Mitte zu einer Verurteilung de» Schnee- ganz sich nicht entschließen und mußt« ihn freisprechen. Opfer-des Badens.. Am MIktwvch abend wurden im Freibad Wo nnsee die Kleidungsstücke. d«s Straßenbahnschaffners Josef Ka u.f au» der Kaiser-Friedrich-Straße 41 zu Eharlottenburg aufgefunden. Da K. in seine Wohnung nicht zurückkehrte, nahm man an, daß er un- bemerkt ertrunken sei. Gestern nachmittag gelang es. die Leiche des Ertrunkenen unweit des Freibades Wannsee zu bergen. K. wurde nach dem Leichenschauhaus Charlottenburg geschafft. In einem Tonstich bei der Ziegelei Lübars ertrank am F r e i t a g der 22jährige Schlosser Ernst Köper aus Berlin-Rosenthal, Sied- lung Eigene Scholl« 9. Wahrscheinlich hat K. einen Herzschlag erlitten. Sofort unternommene Bergungsversuche mit Fangleinen und Netzen blieben bisher ergebnislos.— Ein weiterer schwerer Badeunfall ereignete sich Donnerstag abend gegen 8 Uhr in der Badeanstalt Stubenrauchbrücke in der Oftmarkenftr. Z4 zu Johannisthal. Der sechzehnjährige Arbeiter Erich G o l d m a n n prang vom Dach der Badeanstalt in hie Spree, ohne wieder an die Oberfläche zu kommen. Man nimmt an, daß G. einem Herz- ch l a g zum Opfer gefallen ist. Seine Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden._ Zwei Reichsgerichtsurteile. An zwei Tagen hintereinander hat das Reichsgericht sich mit zwei schweren Verbrechen beschäftigt, deren Ausgang seiner- zeit nicht wenig überraschend kam. Mit einem Datermord tn Hamburg und der Ermordung eines jungen Mädchens durch den Studenten Meon in Darmstadt: im ersten Falle war ein Frei- p r u ch erfolgt, in letzterem ein Todesurteil. Das erste Urteil wurde bestätigt, da» zweite aufgehoben. Ein Vater, der Trinker ist, mißhandelt jahrelang Frau und Kinder. Der Sohn, der mit zärtlicher Liebe an der Mutter hängt, tritt wenn irgend möglich dazwischen— dann erhält er die P r ü g e l. Von einer Scheidung will die Frau nichts wissen. Verläßt sie den Mann, so fleht er sie solange, daß sie zu ihm zurückkehre, bis sie chließlich nachgibt. Die Polizei, an die die unglückliche Frau sich mehrmals wandte, kann ihr nicht helfen. Ein Ausweg scheint nicht möglich.— Einmal bereits war der Sohn, mit dem Revolver in der Hand, dem Vater entgegengetreten. Man hatte ihn gehindert, eine Absicht auszuführen. Da verprügelte wieder eines Tages der Later in Abwesenheit des Sohnes Mutter und Tochter. Am nächsten Morgen stellt« der Sohn den Dater zur Rede. Dieser drohte ihm. Da begleitete der jung« Mensch die Mutter zur Tante, kehrte nach Hause zurück, nahm den Revolver, begab sich in das Zimmer des Vaters, der noch im Bette lag, und ehe die Schwester Ihn daran hindern konnte, brachte er ihm einen tödlichen Schuß bei. Dann ging er zur Mutter und sagte Ihr:„Ich habe den Vater getötet, jetzt bist du gerettet." Das Gericht nahm Notstand an: der Sohn habe keinen anderen Ausweg gefunden: es bestand gegenwärtige Gefahr für Leib und Leben. Da» Reichs- [ericht schloß sich der Auffassung des Gerichts an und verwarf die Revision des Staatsanwalts. Es war dies eine menschliche, gerecht« Entscheidung. Der Student Meon hatte in D a r m st a d t einem jungen Mädchen für eine Nacht Gastfreundschaft gewährt und will am nächsten Morgen durch ihre Hänseleien in eine derartige Erregung leraten sein, daß er sie tötete. Ihr Geld nahm er an sich. Da» .Bericht glaubte e» mit einem Raubmord zu tun zu haben und ver- u r t e i l t e den Studenten zum Tode. Au» formellen Gründen hob das Reichsgericht das Urteil auf. Dieses entsprach auch wirklich nicht dem Gutachten der Sachverständigen und der ganzen Sachlage,— In diesem Zusammenhang muß auch dos aufgehobene Todesurteil gegen die Frankfurter Krankenschwester Flessa er, wähnt werden. Dieser Fall hatte ja auch in hohem Maße die offent- liche Meinung mobilisiert. Wegen eines geringen Formfehlers kam die Aufhebung des Urteils zustande. Naturlich war der Formfehler begangen worden, nicht zuletzt wird aber auch bei der Entscheidung des Reichsgerichts das Bewußtsein mitgespiett haben, daß da» Urteil ein Fehlurteil gewesen ist. Die Wege der Reichsgerichlsjprechung ind unerforfchlich. Es ist gut, daß die Reichsgerichtsräte nur Menschen sind, die hin und wieder auch anderen al» sor- melleu Gründen zugänglich sind. Zar yebaftg Ser Vohauagsaot. Der Deutsche Architektenbund für die Unternehmer. Der Deutsche A r ch i t e k t e n b u n d hat sich jetzt eingehend mit den Fragen der Wohnungswirtschaft befaßt und ist bei dieser anstrengenden Tätigkeit sogar zu Resultaten gekommen, die natürlich vollkommen der Initiative des Unternehmertums entsprechen. Man glaubt geradezu, einen radikalen Bau- Unternehmer reden zu hären, wenn in dieser Entschließung von Mietserhöhung in den Altwohnungen und von anderen schonen Dingen gesprochen wird. Dazu wird uns aus Leserkreisen geschrieben: Bestrebungen zur Errichtung von spekulativen Bauuntcr- nehmungen'sind jetzt mehr denn je an der Tagesordnung und würden sicher auch schon zu Gründungen geführt haben, wenn der Geldmarkt ein besserer wäre. Die der Mieterschast in u n- s o z i a l st e r Weise auserlegte Hauszinssteuer soll nach den Wünschen dieser Unternehmer mehr als bisher zum Wohnungsbau ver- wendet werden. Damit könnten wir uns einverstanden er- klären, würden aber Gefahr laufen, daß diese von der Mieterschaft aufzubringenden Baugelder eine schnellere Knechtung derselben zur Folge haben würde, wenn diese Gelder dem Unternehmer tum in bevorzugter Weise zur Verfügung gestellt würden. Die Wohnungszwangswirtschaft soll aufgehoben und das Mieter- schutzgesetz beseitigt werden, damit dem Untemehmertum der Weg zum Mietwucher wieder frei wird. Die gemeinnutzigen Wohnung-- fürsorgegesellschaften bekämpft man. weil sie sich zu einem nicht zu unterschätzenden Faktor in der Niedrighaltung der Mieten herausbilden werden. Die Mieterschaft ist es sich selbst und ihrer Nachkommenschast schuldig, sich an dem Ausbau der gemein- nützigen Wohnungssürsorgegesellschaften in weitestgehendem Maße zu beteiligen, damit sie unabhängig von dem speku- lativen Bauunternehmertum wird. Wenn nun behauptet wird, die Wohnungsnot werde erst dann ein Ende erreichen, wenn da» Baucn wieder ertragverfprechend sein wird, so ist das eine Irreführung der breiten Masse, worauf wir noch zurückkommen werden. Hierzu fordert man die weitere Erhöhung der Mieten in den Altwohnungcn, ohne zu berücksichtigen, daß ein großer Teil der Mieterschast schon jetzt nicht mehr in der Lage ist. die gegenwärtige Miete zu zahlen. Und deshalb ist es Aufgabe der Mieterschaft, sich in hervorragendem Maße am Wohnungsbau zu beteiligen, indem sie sich der g e m e' n- nützigen Wohnungssürsorge anschließt. Heute Ankunft des russischen Fliegers. Bereits gestern nachmittag erwartete man im Flughafen Tempelhof den russischen Flieger Schebanoff. besonders da Königsberg am Freitag vormittag die Nachricht verbreitete. Sche- banoff hätte mit seiner Maschine Königsberg bereits verlassen. Nach- her stellte sich die Meldung al, unrichtig heraus. Schebanoff, der, nach sieben st ündigenr Flug von Moskau kommend, gestern srüh Königsberg erreichte, verschob jedoch seinen Start auf Sonn- abend früh. Heute erwartet man ihn am Vormittag auf dem Tempelhofer Feld._ Der ausgeklärte„Steinwurf". Vor etwa zwei Monaten meldeten Fahrgäste eines Wannlee- zuges, daß unterwegs von Knaben«in Stein gegen den Zug g e- warfen worden sei, wobei eine Fensterscheibe in Trümmer gegangen und ein Fahrgast im Gesicht verletzt war- den sei. Die Nachforschungen blieben damals erfolglos. Jetzt hat der Vorfall eine überraschende Ausklärung gefunden. Die Beamten der Fahndungsinspektion der Kriminalpolizei verhafteten kürzlich«ine Bande von Taschendieben, die mit Vorliebe die Frc bäder, besonders in Wannsee. heimsuchten. Bei dem Verhör gaben die Festgenommenen an, daß sie vor zwei Monaten in Wonn�-' 400 M. erbeutet hatten und dann mit dem Zuge nach Berlln Hein- fuhren. Unterwegs kam es zwischen den Spießgesellen bei der V"- teilung des Geldes zu einer großen Prügelei. Im Eifer dcs Gefechtes schlug einer der Diebe mit der Faust statt auf seiner Gegner in die Fensterscheibe. Um für den angerichteten Schaden nicht haftbar gemacht zu werden, erfanden die Burschen das Märchen von dem Steinwurf. Auch die Verletzung des einen von ihnen rührte nicht von dem Stein, sondern von der kräftigen Hand eines Komplicen her. Gepäckbeförderung auf StrasienbahnmonatSkarten. Wiederholten Anregungen aus Kreisen der Gefchästswett foka«u�. führt die Berliner Straßenbahn-Betriebs-G. m. b. H. vom Monat August d. I. ob versuchsweise für Inhaber von Monatskarten Zusatzmarken für Mitnahme eines gebührenpflichtigen Gepäckstücks ein. Bisher mußten Monatskartenmhaber. die be- ruflich ein Gepäckstück mit sich führen, für die Gepäckbeförderung im Einzelfalle einen Fahrschein lösen, jetzt können sie die Beförderungs- gebühr für da» Gepäckstück durch Lösung einer Zusatzmarke zu ihrer Monatskarte monatlich begleichen Die Zusatzmarken werden, ent- sprechend dem Gettungsbereich der zugehörigen Monatskarte, für 1. 2. 3 und alle Linien ausgegeben: sie kosten 7,30, 10,50, 13,50 bzw. 18 M. Die Marken sind in sämtlichen Markenoerkaussstellen lose«r- hältlich und müssen auf die Vorderseite der Monatskarte, längs dem Lichtbilde fest aufgeklebt werden. Die Mitnahme eines Gepäckstücks kann natürlich nur beansprucht werden, soweit der nach den in den Wagen aushängenden allgemeinen Beförderungsbedingungen für die Mitnahme von Gepäckstücken bestimmte Teil des Wagens Platz bietet. Die Sonderzüge fahren bestimmt! Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, werden die für den kommenden Sonntag, 1 8. I u l i. vorgesehenen Sonderzüge 4. Klasse zu ermäßigten Fahr- preisen nach Misdroy und nach Dresd-en und der S ä ch s sis che n Schweiz bestimmt verkehren. Zu beiden Zügen sind noch Fahrkarten bei den Fahrkartenausgaben des Stettiner bzw. Anhalter Bahnhofs sowie bei den Ausgabestellen der vier MEN-Bureaus Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße, Kaufhaus des Westens und Unter den Linden 57/58 erhältlich. Anklageerhebung gegen die Leiter der Sanitätsübong. In der Unglücksfallsache bei der Sanitätsübung vom Roten Kreuz sind folgende Personen angeklagt: Lehrer D e h l o w, Sanitätsrat Dr. Pritzell, Eanitätsrat Dr. Keßler, alle aus Berlin. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung. Die Verhandlung findet im August vor dem Großen Potsdamer Schöffen- gericht statt. Für die Verhandlung, die Landgerichtsdirektor Dr. Westerkamp führen wird, find drei Tag� in Aussicht genommen. von einer Kraftdroschke totgefahren. Beim Ueberschreiten des Fahrdamme» vor dem Hause Friedrichstraße 28 in Friedrichshagen wurde gestern nachmittag der vierjährige Knabe Joachim Gärt- ner aus der Friedrichstraße 121 von einer Kraftdroschke er- faßt und überfahren. Ein sofort hinzugezogener Arzt konnte nur noch den inzwischen eingetretenen Tod feststellen. Die Schuld- frage bedarf noch der Klärung. Ein deutscher Dampfer aus hoher See in Brand. Im Hafen von Cherbourg sind Notsignale de» Hamburger Dampfers„Jsebeck" aufgefangen worden. Der Dampfer be« ludet sich 25 Meilen westlich von Cherbourg in Brand und ver- ucht, den Hafen von Cherbourg zu erreichen. Die Präfektur hat einen S ch n elldampfer zur Hilfelei st ung entsandt. Ein wetterer Schleppdampfer mit Löschmaterial wird vorbereitet. Explosionskataslrophe. Auf Zeche„Friedrich-Heinrich" in Camp- Lindfort bei Duisburg ereignete sich«in folgenschweres Unglück. Durch Explosion einer Sprengladung wurden vier Bergleute schwer verletzt. Sie wurden dem Krankenhau» Bethanien in Moers zu- geführt. Zwei sind ihre» Verletzungen inzwischen erlege». Soauabeaö 17. IuUl92S Unterhaltung unö �Dissen Vellage ües vorwärts von Liebe unö Hilter. Ans dem Nachlaß von Andrej Sobol. Sprecht mir nicht vom Frühling, ich hasie ihn. Er lauert den Unerfahrenen auf, spottet der grauen Haare, gleich einem Verführer flüstert er den Frauen unbescheidene Worte zu, stößt die Mädchen in den. Abgrund. Und die Mädchen gehen mit geschlossenen Augen gehorsam ins Verderben. Und Greise verführt er in Sockgassen. Vor 20 Iahren war's. Ich hatte eben erst nach neunmonallicher Hast das Gefängnis verlassen. Der blutige Abglanz des S. Januar hatte die Todesruh« meiner Einzelzelle aufgestört, mich zusammen- gerissen, und als ich im Frühjahr in meine Heimat zurückkehrte, war ich ein müder zerbrochener Mensch. Lange nachher reckte ich mich wieder empor. Doch davon ein ander Mal. Jetzt erzähle ich vom verwünschten Frühling, der mir meine Freude genommen. Und die Freude war licht gewesen. So licht wie ihre Zöpfe— lange und dicke—* so wundervoll wie ihre brennenden sechzehnjährigen Augen. Ich bin ihr alles. Bruder, Freund und Führer. Meine Tage verbrachte ich ganz mit ihr. Die morgendlichen Freuden des Früh- lings, die Frühlingsstille des Tages— Frühlingsregen, Frühlings- blühen— all dieses teilten wir.\ Wir lebten still, zurückgezogen. Unser winziges Städtchen kannte nicht, noch liebte es den Lärm. In den Morgenstunden saß ich bei meiner Arbeit.— Das Gefängnis hatte mich von der Universität losgerissen, doch die Revolution regte mich zu neuen Studien an.— Werotschka wirtschaftete im Hause und der Rest des Tages und der Abend gehörte uns beiden. Der Frühling entfaltete sich voller. Die Pappeln ersäuselten w ersten jungen Blättern— das unvergeßliche Säuseln unserer Pappeln— und Mitte Mai erschien in unserem Städtchen ein neuer Mensch, ein Verbannter. Das war ein kleiner hogerer Mensch von etwa 20 Iahren, rothaarig, ganz mit Sommersprossen bedeckt, nervös, hastig, mit einer etwa» kurzatmigen Stimme und seltsamen, dem sonstigen Gesichtsausdrucke widersprechenden beharrlichen Augen. Er kam zu uns mit einem Briefe der Petersburger Kameraden. Ich half ihm ein Zimmer mieten. Werotschka— das Nötige anschaffen. Er ward ein häufiger Gast, ein zu häufiger, und oer- wandte zuviel Aufmerksamkeit auf sie. Unsere gemeinsamen Abende gingen auf den Lauf. Aber die Pappeln rauschten und säuselten nach wie vor. Doch nicht die Vorige sah ich in Wera— richtiger: ich sah sie nicht, stundenlang abends. Doch einmal bemerkte ich, daß sie irgendwelche Kopeken vor mir verbarg. Es fiel mir nicht ein, mich darauf auszuschweigen und ich fragte: Was hast du da? Sie ward verlegen, sie antwortet« nicht. Ich verließ da» Zimmer. Ich murmelte dumpf vor mich hin: „So... so... Du versteckst dich.� Ich beherrschte mich nicht, trat eilig ins Zimmer und fand mühelos das Paket: Proklamationen, Broschüren. Steckte sie wieder hinein, gelangte vorsichtig schleichend in den Flur, trank gierig Wasser im Flur, aber dann suchte ich Wera.— Ich fand sie und verlor den Kopf. Ich ging hinter Werotschka her und rief: .Mein kleines Mädchen, kleine» Mädchen, glaube diesen Blättern nicht, zerreiß« sie, wirf sie fort." .Las ist ein süßes Gift. Wie wagt er es, sie dir zu geben, einem Kinde, einem Dummchen." Ich fand die Worte nicht. Ich geriet außer Atem und wand mich unter ihrer Entgegnung. Und es kam der Tag— und schon längst hätte ich sein Kommen voraussehen müssen—, daß sie mir sagte, bebend von Kopf bis zu Fuß, noch dünner werdend, noch schlanker: „Hör auf. Ich flehe dich an. Ich liebe ihn." Ich brach in Lachen aus— ich lachte lange, ich lachte wütend. „Ihnl Aber er ist doch ein Ungeheuer, ein Ungeheuer." Ich gab mir Mühe. .Schmächtig, ein Rothaariger." Wild schrie sie mir entgegen: „Wag es nicht, wag es nicht, du kennst ihn nicht, wenn er spricht, gewinnt er mein Herz, meine Seele." „Ein Ungeheuer"— wiederholte ich—„ein Ungeheuer. Du darfst ihn nicht lieben. Du Sonnenschein, du— Pappelchen. Und du küßt ihn. Dieses rothaarige Gesicht, diese Sommersprossen. Weißt du, wen man liebt? Die liebt man, die..." Ich stieß sie gegen den Diwan. Ich zwang sie, sich zu setzen. Ich riß die Bibel vom Buchständer, und das alte verlogene Buch rief ich zu Hilfe, um mit alter Lüge ewige Wahrheit der Liebe zu oerdecken..Höre,.. Da, höre zu. Wen man liebt..." Ich las nicht, ich schrie es hinaus: .Mein Freund gleicht einer Gemse oder einem jungen Hirsch. Da kommt er, springt einher." Las und wiederHolle von Sinnen. „Doch er ist ein Ungeheuer... Hör zu... Seine Wangen — sind ein duftender Blumengarten, Beete voll wohlriechender Pflanzen. Doch er hat abscheuliche und ekle Sommersprossen. Solche liebt man.— Hör zu. Sein Haupt ist eitel Gold... Seine Augen—.Tauben... Doch wen liebst du? Ein Ungeheuer ist er. Ein widerliches Ungeheuer." Sie entwand sich meinen Händen und die Bibel mit Füßen tretend, eille sie zur Tür— ohne Tuch, ganz so wie sie vor mir gestanden: dünn, mit herabgefallenem Zopfe, dünn, ganz dünn, gleich als wäre sie der grauen Erde entglitten gegen den fern sich verflüchtigenden Himmel. Auf der Schwelle verfing ich mich an einem Nagel. Das war lächerlich und dumm. Und der blöd« Nagel brachte mich zur Be- sinnung. Doch ihr nicht zu folgen, das oermochte ich nicht. Der Nothaarige wohnte nicht weit von uns. Da» Fenster seines Zimmerchens, halbwegs erblindet wie seine Augen, zwinkerte zwischen den Pappeln.— Ich eilte zu den Pappeln, ich stahl mich unter da» Fenster. Der ein« Flügel de, offenen Fenster» klirrte in meiner Hand, und zu einem kleinen elenden Knäuel erstarrt« ich unter dem Fenster.„Lieber...", hörte ich..Lieber. Wenn du wüßtest, wie ich dich liebe... Es Ist mir so schwer ohne dich. — Weißt du denn, wie sehr ich dich liebe! Deine Augen. Deine Lippen... Lieber, deine Augen... sind Tauben, deine Lippen — sind Blumen. Lieber, lege dein Haupt auf mein« Knie... dein goldene» Haupt..." Sprecht mir nicht vom Frühling. Wohl, Jahre sintz dahin- gegangen. Und viel süße Frühlingszeiten liegen hinter mir. Lange schon weill der Rote nicht mehr unter den Lebenden; im Jahre 1316, fast am Vorabend der Revolution kam er um. Männlich und schön während eines kühnen und heldenhaften Aufstandes der Sträflinge de» Zentralgesängnisses. Und gerade heute habe ich von Sarbarosia— Doornröschen. darbietet, den bunten Bauerntand, womit die Trachten gemeint sind, die Lust an Farbe, wie sie die Heiligenmalereien an Fassaden zeigen, kurz alles das, dem der Fremde, bejonders wenn er nicht Katholik ist, wirtlich fremd und rätselvoll gegenübersteht. Und es ist vielleicht auch wirklich nicht so einfach, mit dieser sinnenhaft animalischen Lebensart etwas anzufangen, die zwei scheinbare Gegensätze vereint: bigotte Frömmigkeit und strotzende Lebenslust, deren Bindeglied der Katholizismus ist. Ich erinnere mich gut meiner ersten Münchener Zeit. Damals wohnte ich in einem kleinen Vorort mit ausgesprochenem Dorf- 'arakter, in dem sedes Jahr eine ganze Woche Ablaß ist. Münchencr ürger und Bürgerinnen wallfahren— der Bequemlichkeit halber dem gegenüberliegenden vrachtvollen Wirtsgarten erklingt von einer Schmetterkapelle„Puppchcn, du bist mein Augenstern...' zum weißblauen bayerischen Himmel empor, und vom Hintergrunde des Garten her quieckt die Orgel eines Karussells zu lustigem Kinder- geschrei. Aus der Kirche kommt Weihrauchdunst, und aus der Straße vermählt er sich mit dem verlockenden Duft der Würstel- und Steckerfischbratereien. Das ist München, Altbayern im Still- lebenformat. Sinnenfreudige, gott- und weltbeflissene Daseinsfülle, die man in Deutschland in dieser Form nur einmal trifft. Meine geographische Zugehörigkeit zur Mainlinie macht mir das Eindringen in diese Sphäre wohl leichter und autorisiert mich vielleicht, einige schnellfertige Urteil« und Uebertreibungen etwas zurechtzurücken. Gewiß, München ist durch den seiner Physiognomie so widersprechenden Hitler-Rummel politisch in üble» Ruf gekommen. Das Danausisch-Spießerische. da» Ignorantentum haben es ungast- lich gemacht. Aber da» war sehr stark preußisch-junkerlicher(Luden- dorfsscher) Import und wird auch längst zugegeben. Die Diskussion über den Niedergang München» als Kunststadt ist heute schon eine öffentliche Angelegenheit geworden München ist auch«ine Bierstadt. Es trägt diesen Stempel, und da» ist«in Stück seiner Originalität, seiner Weltberühmtheit. Wie- viel von dem erzeugten Naß außerhalb Münchens, vor allem in Norddeutschland vertilgt wird, lei unerörtert. Es ist gewiß nicht wenig. Aber ein« Stadt von 670000 Einwohnern zu einem Säufer. gomorrha zu stempeln, dazu muß man entweder ein fanatischer Abstinent oder ein„Nichtbayer" sein, und zwar ein Nichtboyer, der die Gabe hat, die Einheimischen und Fremden, die iit den Bräus mehr oder weniger einträchtig beisammensitzcn, vielfach multipliziert zu sehen, was angesichts der Süssigkett des Münchener Bieres ent- schuldbar wäre. Münchens zurücksteht. Der Schwabe trinkt seinen Moscht, der Pfälzer, Rheinländer und Badenser seinen Wein, der von der Water- kante seinen stiefen Grog, und was in gewissen Gegenden an Schnaps gestülpt wird, darüber ließe sich manches Nachdenkliche sagen. Unsere sozialistischen Arbeiter in München, die freUich zum wenigsten Abstinenten sind, fühlen sick nicht beleidigt, wenn man sie Kapuaner nennt. Sie. die einen scharfen Kampf mit einer ver- schlagenen Reaktion führen, haben nur den Wunsch, oaß nicht außer- halb Bayerns Dinge geschrieben werden, die letzten Ende« da» Wafsenarsenal der Gegner füllen. Ich denke hier an gewisse, meist sehr verunglückte Karikaturen und Glossen, denen die Unkenntnis bayerischen Wesens aus der Stirn geschrieben steht, über die der Bayer lacht, wenn er Dialektausdrücke und Eigenarten so deplaciert wieoerfindet, daß sie den Pfeil der Lächerlichkeit auf den Schützen zurückprallen lassen. Wahrer Witz— und dieser liegt dem Bayern— verletzt nicht, sondern entwaffnet nur, weshalb der Bayer manches, was ihm am Norddeutschen..g'spaßig" dünkt, mit einer witzigen Berulkung übergeht. Er wirft sich aber nie als Belehrender auf, obwohl er manchem von unseren preußischen Gästen einen sehr guten Rat in bezug auf Bescheidenheit und Takt mitgeben könnte, denn die Sorte, von der hier die Rede ist. kennt man unter Tausenden heraus. Es gibt einen treffenden Witz, der das illustriert. Ein Fremder fragt am Münchcner Hauzitbahnhof einen Dienstmann nach dem Löwenbräu. Der weist ihm dre Richtung und sagt:„Da genga S' nur zua, da hör'n Sie s' scho."—„Wen?" fragte der Fremde, „die Löwen?"—„Na," erwidert der Münchener,„die Preiß'n." Wir Sozialisten reklamieren gern den wahren Föderalismus für uns. Wir können das. Aber das setzt voraus, daß wir die Stammcseigenheiten In ihren Fehlern gewiß nicht verbergen, doch ihren tieferen Sinn zu entdecken versuchen. Darauf kommt es an. Um auf den alten Bamberger zurückzukommen: noch immer ist Deutschland durch die Mainlinie In zwei Teile getrennt. Der Sü>>- deutsche läßt sich nicht gern« schulmeistern und schimpft darum aus die„Berliner". Das rührigere, geschäftigere Norddeutschland aber hält die oft etwas schwerere Art des Süddeutschen sür minderwertig, obwohl ein Blick auf das Gediegene, Harmonische und sehr Durch- dachte auf allen Gebieten die naturgewachsene Kultur sofort ins Auge springen lassen müßte. Reisen ist gut, aber Reisen mit forschenden Augen, mit grllnd- lichem Studium Man soll nicht die Tatsache, daß man in Bayern viele Kirchen, viel Bigotterie findet, einfach mit„Rücksiändigkest" abtun, sondern soll in den Geist dieser Erscheinungen eindringen. ihnen das Geheimnis ablauschen. Da dürste dann auch ein„Auf- geklärter" leichter mit ihnen fertig werden, wenn er sie nicht mit einer fixen Formel abtut. Und die Liebe am„Farbigen", am „Bauernstand" hat am Ende gar noch einen tieferen Sinn. Sie verrät einmal Phantasie, und die Kniehose, ein gesundes Kleidungs- stück, wird recht gern auch von Norddeutschen getragen. Wenn irgendein Fremder eine Bauerntracht komisch findet, so soll er doch die Freude des Trägers achten, der stolz daraus ist. daß große Maler wie Leibi und Desregger das Farbige. Volkstümliche an ihnen fesselte. So ließe sich noch manches über Stammeseigenart sogen, aber ich wollte nur einmal an ein heikles Thema rühren, um uns vor einer falschen Methode zu warnen: Nämlich die Originalität der Stämme, die:n sich, von Winkel zu Winkel, in Sprache. Sitte und Charakter vielfältig differenziert ist. die ein buntes Moso'k unseres Volkslebens bildet, nachlässig, oberflächlich oder gar verletzend zu behandeln. Leider ist es oft so. daß das eigene Volk sich nicht kennt. weil da» räumlich schon schwierig ist. Die Presse soll aber ver- tiefend, näherbringend wirken. Eben die Eigenarten nutzbringend zu entwickeln, ohne das Nationalbewußtsein zu hemmen, dos ist eine der Ausgaben, die wir im republikanischen Deutschland lösen müssen. Und die» gelingt nur, ivenn wir sie mit Verantwortungs- und Taktgefühl, wenn wir sie mit Einfühlungsvermögen anfassen. Im übrigen wandelt man nicht ungestraft unter Maßkrügen, wenn man nicht unter ihnen ausgewachsen ist. Z. « Beginn 1. lull Die letzten RestfbesMInde diu unserm Saison«Ausverkauf nochmals im Preise herabgesetzt! ginnuiiiiiiniiinniiiniiiiiiiiiiniiiiiiiiii RQStfdOStG H nnminniiinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiia r. HemdenlUCH starkUdig, so cm breit, jetzt Mtr. 38 4| 140 cm breit....... Jetzt Mtr. 85 4 1 Restposten Damenstrümpie.. jetzt paar 284 1"oiTHtr. Linon i-o cm bre» Restposten»eff ensoetten.. jetzt p-ar 35* Restpost. Hemden n. Hosen macoiarb., jetzt 1.75 UUaSCtimUSSOlin ca. so cm breit, Res�iaosten nnusseiin-Kassiis.. 4 58* ljjazedzajllkn-liazaüs.. 1.75 es. 1450 Mir, i93oa*Mtr. Rotinessei ca. 1700 Mtr. 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Bau-Konto(Baukosten b. 31. 12.23) 212850,- Projekt-Konfo.. 3 000,— Forderungen... 550,— 1 954,30 760,65 50- 91 068�5 Passiva Kreditoren- Konto. 4 415.— Konto d.Wohnungsfürsorge... 212 850— Hypothek- Konto I 87 000— Hypothek-Konto II 300.— Geschäftsanteil- Konto: Vermögen bei Beginn 1 400.— 19 Anteile je 200— 3 800- 5 200.— Gewinn..... 468,20 M. 31U 233.20 M. 31U 233�0_.. gewinn- a.TcrHMtrcdipnaD pr. 3l.Pez.i925 Ausgabe Unkosten-Konto. Gewinn..... 833,35 463.20 M. 1306.35 Einnahme Beitrags-Konto.. 1 300,— Zinsen-Konto. 6.55 M. 1 306,55 Per 31. Dezember 1925 hinzugetreten 19, ausgetreten keine. Gesamtzahl 26 Genossen mit M. 5 200,— Haftsumme. des Union-Klubs Berlin NW 7, Scbadowstr 8. Annahme von Vorwetten in der Zentrale, SchadowatraBe 8, in allen Berliner Filialen und bei den größ. Rennvereinen im Reiche Auszahlung der vollen Totalisatorquoten ohne jeden Abzug Schriftliche Aufträge u. Anträge auf kostenlose Errichtung von Konten sind nur an die Zentra.e zu richten. Telegramm- Adresse: Wettannahme Berlin, Scbadowstr sSllOO «KTter» *üiUungs-.B*b*lt- u.Beklamemtrken gegen Nachahmung gesetzt gesch. fertigt seit4S Jahr. als Spezialitit Conrad N Oll er Schkeuditz- Lei pzlR IZ. EilleMz» 9 Pfd. M 6,— frko. Dampfkäsefabrik Rendsburg. »Seit längerer Reit gebrauche ich ZHr Hlut- reiuiguagspulvee „5sltsrln". Wie ich sehe, tit her Erfolg berblüffend u. stellt alles o. mir Au- gewandle in den Hin- tergtunb- So wirkt Siltuil. 9R.U50. Rur 3 Schacht. St 4,25, m Drog.u.Apoth fonflb. OtloReiehel.BerliiU SO, Eisenbahnstr. 4. Restbestände und Reste zu Sensationspreisen Nur einige Beispiele: Wasch- Musseline tcMna AfoWw Vatw S0 V P>- Hemdentuch mittslf&dig, 80 em breit, Meter 'Pf. Frottiertuch adt /arbigen Streifen Stück{ n Badetuch w-S mxd fmU* Griß, 100 X KO,.. Bettgarnitur I DeAbttt, 2 KIsit in weiß Alle Klelder- stoffreste dmJchmf... A/Wae SA SA Handtücher Rein Leinen Dreü, 46X 100 cm ges. n. geh. >/. Damenhemd Renforce mit Stickerei St i ' Pf. 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Uever der gewoMgen Konzentratiensbewegung, die die Grün- dung des Stahltrusts in Deutschland ausgelöst hat, wird leicht übersehen, welche großen Interessen der Stahltrust im Nachbarlande L e st e r r c i ch unterhält und pslegt. Von der Oeffentlichkeit kaum bemerkt, hat in den letzten Wochen im Aufsichtsrat der Oesterreichi- schen Alpinen Montangesellschaft ein Wechsel stattgefunden, der den rheinisch- westfälischen Montantrust zum Herrn dieser größten nichtreichsdeutschen Montangesellschaft in Europa inacht. Die letzten Reste der Erinnerungen an die Castiglioni- Stinnes-Cpoche der Alpinen Montangesellschaft werden durch das Ausscheiden der Herren Berlhold(Schuckert), von Kirdorf(Gelsen- iirchen), Neubroch(Castiglioni), C. F. von Siemens(Siemens- Schuckert) ausgelöscht, und mit dem Vizepräsidium von Albert V ö g- I c r und Salemonsohn, den Aussichtsräten Fritz Thyssen, Dr. Fahrenhorst, Generaldirektor Flick tritt die Vereinigte Stahlwerke A.-G. ihre Herrschaft an. Sie teilt die Herrschaft nur mit Wilhelm Kux, dem Vertreter der Niederösicrrcichischen Eskomptegejellschaft, die für sich und andere Auslandsbeteiligte die österreichischen und Auslandsinteresscn in der Alpinen Montan vcr- tritt. Da mir der eben veröffentlichten Golderöffnungsbilanz zum 1. Januar 1925 und mit der Abschlußbilanz für 1925 die Alpine Montan auch äußerlich von ihrer stürmisch bewegten Vergangenheit Abschied niinmt, lohnt es sich, ihre frühere und heutige Bedeutung zu würdigen. Aufbau und Znslationsromanlit. Die Alpine Montan war schon in dem alten Oesterrcich-Ungarn die mächtig st e Montangesellschaft. 1881 durch Zusammen- fessung von einem Dutzend Erzgruben, Hütten und Fabriken gegrün- det, gestützt auf die gewaltigen, im Tagbau förderbaren steicrmär. reich-Ungarns das große Montangebilde der Donaumonarchie. Aber mit ihrem Zusammenbruch änderte sich alles für dic�Alpiue Montan. Mit einer monatlichen Stahlerzeugung von-42 009 Tonnen, einer Belegschaft von 17 000 Mann, einem Aktienkapital von 72 Mil- lionen Goldkronen konnte sie in dem neuen Oesterreich mit seinen OM- Millionen Einwohnern keinen Spielraum für ihre Leistungs- sähigkeit mehr finden. Dazu hatte die Inflationszeit ihre eigenen Gesetze. Die Alpine Montan wurde das Spekulationsob- f e k t macht, und proflthungriger Finanzkapitnlistcn, erst der cxpan- sionshungrige» italienischen Schwerindustrie und 5)ochfinanz, darauf des Wiener Inflationskönigs Castiglioni, und endlich von Hugo Stinnes. In dem gewaltigen Projekt des mitteleuropäischen Elek- tromontankonzerns, dem Stinnes durch die Gründung der Siemens- Rhein-Elbe-Schuckert-Union Ausdruck verlieh, sollte die Alpine Mon- t.'.ngesellschast, erweitert durch die Einflußsphären der Costiolioni- schen Aktienpakete, die Ausdehnung der Stinnesschen Nachsphäre auf ganz Europa einleiten. In der n-euiralcn Schweiz, dem Mittelpunkt iberftaotlicher Europapolitik der Kriegs- und Nachkriegszeit, enstand durch Castiglioni und Hugo Stinnes gemeinsam die Pro m o n- tana A.-G.: gedacht als europäische Holdinggesellschaft des größten .Konzentrationspro�esses. den die Geschichte des kapitalistischen Systems kennt. t)ie Spekulation mißlang: die Stabilisierung der österreichischen Krone stürzte Castiglioni, die Schaffung der Gold- mark stürzte Stinnes. Das Opfer war die Alpine Montangesellschaft. Die Zolgen: Technische Rückständigkeil und Verschuldung. Da durch die Aufteilung Oesterreichs der Binnenmarkt weit- o-'hend verloren, die Verbindung mit der Ostrauer Kohlenbasis und init den tschechischen Eisenwerken gestört war, hätte die gesamte Produktion neu ausgezogen, der Absatz neu erschlossen werden müssen. Daran hatte Castiglioni kein Interesse. Stinnes hatte dafür, trotz einiger Anläufe dazu, keine Zeit. Das einzige, was geschah, war die Ausdehnung der Kohlen- und Hütteninteressen durch den Er- werb der Majorität der Bismarckhütte und der Kattowitzer Bergbau- und Hütten- A.-G.: eine Trans- oktwn, die nur Sinn haben konnte, wenn der Stinnes-Plan gelang. Da'er mißlang, trat neben die technische Rückständigkcit nur noch eine große Verschuldung. Daß die Werke rückständig wurden. zeigt auch ein Bericht der Völkerbundsdelegierten Leyton und Prot. Rist vom Oktober 1925: die Höchstproduktion der Nachkriegszeit wurde 1923 erreicht. Aber sie betrug mit 20 850 Tonnen Stahl nur 55 Proz. von 1913. Die A r b e i t e r z a h l war von 17 000 im Jahre 1912 auf noch nicht 12 000 Oktober 1925 gesunken. Dabei war der Oktober noch günstig: in den Frühjahrmonaten 1925 war die Beleg- jchaft auf 9000 und 8000 Mann heruntergegangen Die Iahresförderung pro ErzHäuer war von 1134 sonnen 1913 auf 847 Tonnen vermindert. Ausdrücklich sagt der Bericht, daß in den letzten Jahren nicht viel zur Verbesserung d erWerke geschehen sei, die durchaus nicht als modern anzusprechen seien. Die Verwaltung wehrte sich dagegen: sie wies darauf Hin, daß inden vorhergehenden zwei Jahren iZb Mill. Pfund Sterling(zirka 30Mill. Mark) investiert worden seien. Aber die Bilanz für 1924, die Er- össnungsbilanz zum 1. Januar 1925 und die Abschlußbilanz für 1923 geben der Verwaltung Unrecht. Drei Bilanzen. Schon die Abschlußbilanz für 1924 hätte mit einem Verlust ge> endet, wenn man nicht durch Heranziehung von Reserven künst- lich einen kleinen Gewinn errechnet hätte. Die Golderöffnungs- bilanz zum 1. Januar 1925, die nach der neuen österreichischen Schillingswährung aufgestellt ist. zeigt eine große Verschuldung. Forderungen, Bankguthaben, Wechseln und Kassenbeständcn von insgesanit 14.12 Millionen stehen Schulden gegenüber von nicht weniger als 30 Millionen Schilling. Grst wenn man die gesamten Vorräte(14,08 Mill.) und den Effektenbesitz(10,50 Mill.) hinzu- nihnnt, werden die laufenden Schulden zur Not gedeckt. Obwohl der wertvolle Besitz der Bismarckhütte in der Vorkriegsbilanz noch nicht vorhanden war, obwohl der Bergbau- und Wcrksbesitz in der Vorkriegszeit schon stark abgeschrieben waren, kann heute nur ein Kapital von 60 Millionen Schilling, mit Reserven 102 Mill. Schilling ausgewiesen werden— das find rund 48 bzw 75 Millionen Gold- krönen— während das Vorkriegskapital allein an Stamm- oktien 72 Millionen Goldkronen betrug. Die technische Rück- ständigkeit und die Verschuldung führten also zu einer starken E n t- Wertung der Substanz. Die Entwertung ist viel größer, auch wenn man die Bildung offener und stiller Reserven berücksichtigt. als bei den entsprechenden deutschen Werken. Auch das Jahr 1925 läßt noch kaum die notwendige systema- tische Sanierung erkennen. Zwar stieg die Kohlenfördsrung gegen das Vorjahr um 20 Proz., die Roheisenprod'iktion um 43 Proz., die Rohstahlproduktion um 28 Proz. und die Walzwarenproduklion um 33 Proz.: aber das Verglcichsjahr 1924 war für die Alpine Mon- lan eines der allerschlechtesten Jahre, und die Borkrieg«1»istuiig wurde 1923 nicht entfernt erreicht. Das äußert sich auch in der Abschlußbilanz für 1925: Die ö-Milllonen-Dollaranleihe. die bei einer Schuldverpflichtung von 35,53 Mill. nur einen Erlös von 27,49 Mill. Schilling brachte, ermöglicht« zwar di« Verringerung der laufenden Schulden von 35,80 auf 22,80 Mill., erhöhte aber die Passivseite der Bilanz von 138.00 auf 100,59 Mill. Schilling. Die Aktiven sind weniger bei den lausenden Forderungen und Bank- guthaben, als durch die höhere Bewertung der Anlogen und Dar- räte gestiegen, also durch teilweise Auflöfuna stiller Reserven. Es wird ein Gewinn von 100 000 M. ausgewiesen, der natürlich vor- getragen wird. Der Einfluß des deukschen Stahltrusts. Erst die Entwicklung im Jahre 1920 läßt erkennen, daß die Sanierung der'Alpinen Montan in Fluh gekommen ist. Ilnverkenn- bar ist dabei die leitende Hand des deutschen Stahltrusts, der die Alpine Moittan offenbar in fein Montanprogromm einge- gliedert hat. Die Kohlenversorgung erfolgt in neuerer Zeit fast ausschließlich durch Deutschland. Wie gemeldet wurde, werden die Lieferungen nicht bar. sondern aus dem Effektenbesitz der Bismarck- Hütte bezahlt. Das Aktienpaket der Bismarckhütte wechselt so allmählich zum Stahltrust hinüber. Parallel dazu läuft der Verkauf der Poremba-Kohlengruben im Ostrau-Karwiner Gebiet an den tschechoslowakischen Staat. Der Erlös daraus, der auf eine Million Dollar angenommen wird, wird zur teilweisen Tilgung der Bankschulden verwendet. Das Ergebnis ist klar: die Alpine Montan wird finanziell auf gesunde Füße gestellt, die Kohlenbosis wird nach Deutschland verlagert, die Hüttenintcresien nach denen des Stahltrufts orientiert. Die Alpine ZKonlon wird zum südöstlichen Vorwerk des TNonianIrusts: wichtig als Abnehmer, unschädlich als Konkurrent, und von großer Bedeu. wng als Bundesgenosse für den Ausbau der markt- und Handels- politischen Machtstelluno des Stahttrusts. Für das letztere ist der Kampf Zeuge, den die Alpine Montan gegen die weiterverorbeitende Industrie Oesterreichs führt«, als diese der Alpinen Montan die Ge- solgschast für die Erhöhung der österreichischen E i s e n z ö l l e ver- weigerte. Wie die Geschichte der Ztlpinen Montan in den letzten 10 Iahren neben einer gewissen Tragik auch der Komik nicht entbehrt«, so gilt ähnliches für ihr heutiges Verhältnis zum deutschen Stahltrust. Die Vereinigte Stahlwerke A.-G. würden sich sehr dagegen verwahren, die Erben der Sttnnes-Castiglionischen Hinterlassenschaft zu sein. Tatsächlich aber führen sie das aus, was an den Stinnesschen Plänen realisierbar war, und sie stützen sich dabei auch auf di« materielle Macht, die Stinnes der Rhein-Elbe-Union über die Alpine Montan verschafft hotte. Die Sache ist geblieben: mir die Männer haben gewechselt. * In den letzten Tagen wurde gemeldet, daß die Vereinigte Stahl- werke A.-G. mit den W i t k o w i tz e r Eisenwerken- Prag wegen eines gegenseitigen Preisschutzes verhandle, d. h. wegen Aus- schluß der Preiskonkurrenz. Don den Dereinigten Stahl- werken wurde die Richtigkeit dieser Meldung verneint. Bezeichnender- weise wird aber hinzugefügt, daß es nach der kürzlich erfolgton Interessenahme der Stahlwerke an der Alpinen Montangesellschaft- Wien verständlich sei, daß man von dieser Seite das größte Interesse an einer Preisverstandigung mit der tschechoslowakischen Eisenindustrie habe. Das gelte insbesondere für die Hauptgruppe, die Witkowitzer Eisenwerke, die heute nicht nur auf dem Balkon eine führende IRolle spielt, sondern in diesem Jahre durch Werksausbau ihre Leistungsfähigkeit um etwa 20 Proz. gesteigert habe. The Erklärung unterst reicht nur dadurch, daß sie die Alpine Montan als Hauptinteressent an den Vereinbarungen bezeichnet, die große Bedeutung der Verbindung Stahllrust-Alpine Montan, da s>« als Beweis für die zunehmende Derftändigung über da? Zusammen- arbeiten der mitteleuropäischen Eisenindustrie angesehen werden muß und für die große Rolle, die der Stahltrust über die Mpine Montan dabei spielt. Das Prwatkapital im fowjetrnPsthen Handel. Nach Angaben des Handelskommiffariats der RSFSR. nimmt die Zahl der privaten Aktiengesellschaften immer mehr zu. Während 1922 nur zwei Aktiengesellschaften mit einem Kapital von 352 500 Rubel gegründet wurden, ergibt die weitere Entwicklung dos folgende Bild: 1923— 4 Aktiengesellschaften mit einem Kapital von 790 000 Rubel, 1924— 9 mit 1,7 Millionen und 1925— 19 Gesellschaften mit 2 095 000 Rubel Aktienkapital. Das Privatkapitol wird in der Regel in rein privat- wirtschaftlichen Gesellschaften und nur ungern in den ge- mischten Gesellschaften investiert. Bon dem Gefamtkopital von 0,5 Millionen Rubel arbeiten nämlich 5,5 in Privat- und nur 98 000 Rubel in gemischten Gesellschaften. Der Gesamtumsatz der privaten Gesellichaften betrug 1923/24— 7 Millionen Rubel im Warenein- und 7 Millionen"Rubel im Warenverkauf, im Jahre 1924/25 steigerten sich die Umsätze um 357,9 Proz., d. h. auf 50,1 Millionen Rubel.• Von dem gesamten Aktienkapital«ntsällt 19 Proz. aus den Manufakturwaren-, 18,9 Proz. auf den Lebensmittel-, 13,1 auf den Lederwaren-, 10 Proz. auf den Galanterie- Warenhandel usw.. Nach Zlnsicht des Handelskommiffariats der USFSR. hat die Zulassung des Privatkapitals zur Bildung von Aktiengesellschaften im allgemeinen recht günstige Ergebnisse gezeitigt und dient als eine der Maßnahmen für die Einwirkung auf den Privatmarkt. Zur Durchführung des Rusienkrediks wurde im Derwalmngs- gebäude des Reichsverbandes der deutschen Industrie am Freitag, den 10. d.M., die Industrie-Finonzierungs-Akti«-n- gefellfchaft Ost II(Jiago) gegründet. Die Gesellschaft hat in der Hauptsache den Zweck, die Diskontierung der longfrifti- gen W e ch s.e l, die deutsche Jndustriefirmen für die unter die Ausfallbürgschaft von Reich und Ländern fallenden Lieferungen nach Rußland auf die Russische Handelsvertretung gezogen haben, bei eincin Bankenkonsortium von deutschen Privat- und Staats- bankcn, das unter der Führung der Deutschen Bank steht, zu er- möglichen. In den ersten Aufsichtsrat wurde ein« Reihe promi- nenter Vertreter der deutschen Industrie gewählt. Der Reichsverband wird, sobald die Abmachungen mit dem Bankkonsortium im ein- .zelnen festliegen, die ihm angeschlossenen Verbände sowie die übrigen Spitzenvcrbände der Wirtschast genau über die Einzelheiten, die im Verkehr mit der Gesellschaft sowie mit dem Bankenkonsortium zu beobachten stnd, unterrichten. Bevor diese Einzelheiten festliegen, ist es zwecklos, mtt der neuen Gesellschaft m Verkehr zu treten. Der Güterverkehr der deukfchea Reich» bah« im Rloturk Zoui wurde durch starke Kohlenbesörderung gekennzeichnet. Auf den ar- beitstäglichen Durchschnitt entfielen bei 20 Arbeitstagen gegen 24 im Mai rund 125 000 gegen 120 000 Wagen im Vormonat. Die Ge- famtwagenstellung überstieg die des Vormonats um 200 000. Der starke Kohlenoerkehr erklärt sich aus der Steigerung des Absatzes wegen de» englischen D e rgo r b« i t e rst r e i k s und der zum 1. Juli bevorstehenden Kohlenpreiesteiaerung. Auch das Hochwasier verursachte Verkehrsabwanderung auf die Eisenbahn. Im Ruhr- bezirk wurden an einzelnen Tagen bi» zu 140 Srmderzüg« mtt Kohlen gefahren. Sehr stark war auch der Kohleuveriand aus Polnisch-Oberschlesien. Von dort wurden 450 000 Tonnen in zahlreichen Bedarsszügen abgelassen. Der Kohlentransport richtete sich zum großen Teil nach den Seehäfen. Aus den wichtigsten Kohlen- gebieten wurden 185 000 Wogen mehr als im Vormonat abbs- sördert. Die allgemeine Wirtschaftslage und das schlechte Wetter haben jedoch den Personenverkehr ungünstig beeinflußt. Nur die Besegung der beschleunigten Personenzüge ist allgemein stärker geworden. Die B e t r i e b s e r g c b n i s s e im M a i 19 2 0 zeigen folgendes Bild: Einnahmen aus dem Personenverkehr rund 128 Mill. M., aus dem Güterverkehr rund 209 Mill. M., sonstige Einnahmen 35 Mill., zusammen 372 Mill. M. Die Zlusgahen stellen sich auf 378,3 Mill. M., worunter die persönlichen Zlusgaben rubd 200,2 Mill. M. ausmachen. Die Deckung der Mehrausgabe ersalgtc durch Inanspruchnahme des Vortrages auf 1925. 40 Millionen neue preußische Schahonweisungen. Die Preußische Staatsbank(Seehandlung) hat namens eines kleinen Konsortiums von der preußischen Finonzverwaltung 40 000 000 RM. 01-prozentige preußische Schatzanweisungen, fällig zum Nennwert am 1. Ok- tober 1930, fest übernommen. Die Begebung erfolgt durch frei- händigen Verkauf. Der Beirag wird in erster Linie zur Begebung an Sparkassen und verwandte Institute gelangen. Der Verkauf an das Publikum erfolgt zum Kurse von 99,50 Proz. Au» dem Haufe Stinnes. Führe nicht die Stinnes-Flotte auf dem Rhein, im deutschen Wirtschaftsleben würde nicht mehr viel daran erinnern, daß es noch ein Haus Stinnes gib». Für die Oeffentlichkeit vollends ist feit dem vorjährigen Finonzkrach der Name Stinnes kaum mehr als eine Erinnerung: besonders da die Firma Stinnes nur noch als fast anonyme G. m. b. H. existiert. Aber moncherle, wird aus der Erinnerung wieder lebendig, wenn man den Generalversammlungsbericht der Kupfer- und Messingwerke A.-G. Elberfeld durchliest, eines derjopigen Werke, die Stinnes durch seine Aktienpakete beherrschte und desicn Liquidation gemeldet wird. Das Werk war noch der Aus- einandersetzung mit den Banken bei der Stinnes G. m. b. H. ge- blieben. Im September 1925 zog sich Herr Dr. Rogalski vom Barmer Bankverein, der bekanntlich Stinnes' Konzernbank werden sollt«, aus dem Aussichtsrat zurück. Di« Stinnes G. m. b. H.. die aus den aufgenommenen- Geldern auch die Kupfer- und Meising- werke A.-G. Elberfeld finanziert hotte, versuchte erst das Werk durch. Beschränkung aus die Stommbetricbe zu erhalten: dann suchte sie für Werk und Aktienpaket, sie besitzt fast das gesamte Aktien- kapital, einen Käufer. Beides mißlang. Inzwischen wuchsen die Verluste. Heute stehen einem Fabrikationsgewinn von 536 000 M. Verluste von 1.44 Millionen gegenüber: unter den Ausgaben b?» finden sich nicht weniger als 258 000 M. nachträgliche Sanie- rungs- und Abwicklungskosten und 020 000 M. Zinsen und Pank- spescn. Die Rhcinhutte schloß allein mit einem Verlust von 558 000 M. Von den 3 Millionen Kapital vertrat Amtsrichter o. D. Thomas, der Vertreter des Hauses Stinnes, in der Generoluer- sammlung allein 2,0 Millionen Mark. Mit 3 Millionen von 3,89 Millionen Schulden ist das Haus Stinnes zugleich Haupt- gläubigerin. Die Generalversammlung hatte also nur über den Willen des Hauses Stinnes zu beschließen, die kostspieligen Sanie- rungs- und Verkaufsbemühungen endgültig einzustellen, um bei günstiger Gelegeicheit ans dem Verkauf des Wracks zu retten, was zu retten ist. Da dos Haus Stinnes die Generalversammlung bc- herrschte, wurde entsprechend beschlossen. Monionlrusl— Rombacher Hüttenwerke. Der Montantrust hat die hauptsächlichen Rombachwerke gekauft. Darunter auch die hol- steinischen, lieber den Kauf liegt salgende Meldung vor: Dos Ab- kommen mit einem Konsortium unter Führung der vereinitzien Stahlwerke über den Verkauf der den Rombocher Hüttenwerken ge, hörenden Hüttenwerke in Bochum in Engers und in Rends- b u r g, ist nunmehr endollltig abgeschlossen worden. Der Kaufpreis für die Werke einschließlich der Bestände wird der Gesellschaft voraussichtlich einen Betrog von mehr als 20 Millionen RM. er- bringen. Hiermit wird die Rückzahlung eines großen Teiles der Schulden des Rombacher Konzerns ermöglicht. Eine fanlerungsbedürftige Porfümericfabrik. Es ist begreiflich, daß Luxusindustrien unter der heutigen Wirtschaftslage sehr schwer zu leiden habe». Besonders dann, wenn sie daraus eingestellt sind, einen großen Teil ihrer Ware im Auslande abzufetzen. Di« bekannte Parfumerie- und Seifenfabrik Gustav L o h f e hat sofort nach der Stabilifiernng versucht, ihre Auslandsbeziehungcn wieder oufzu- nehmen. Allerdings mit ziemlich negativem Erfolg. Sie hat z. L, in Argentinien große Zlufwendiingen f»r Reklame gemacht. Einen entsprechenden Umsatz konnte sie nicht erzielen, so daß ihr hieraus er- hebliche V e r l u st e erwuchsen. Zlugenblicklich ist das Auslands- geschäft nach den Mitteilungen der Verwaltung wieder anssteige»!), aber die Gesellschaft hat unter der scharfen Konkurrenz der fran- z ö s i i ch e n Industrie zu leiden, die infolge der Frankenbaisse in der Lage ist, niedrigere Preise auf allen Märkten zu stellen als andere Länder. Der I n l a n d s v e r b r a u ch Hot sich zwar-ruch gehoben,- imd die Umsätze haben nach den Mitteilungen der Per- waltung sogar die F r! e d e n s s ä tz« überschritten, aber die Steigerung" wird dadurch pehemmtz daß der deutsche Verbraucher, selbst wenn er dazu in der Loge ist, infolge der Unsicherheit der Zukunft nicht geneigt ist, für Luxusartikel große Auimendungen zu machen. Die Bilanz der mit einem Aktienkapital von 1.4 Millionen arbeitenden Firma schließt denn auch mit einem Verlust von 2.8 0 5 7 9 M., und es ist interessant festzustellen, daß die Gesellschaft in der Gewinn- und Derlustrechnuttg für Zinsen die Summe van 147 579 M. bucht, also 10 Proz. des Aktienkapitals, das bisher 1,4 Millionen Mark beträgt. Um die Unterbilanz zu Hgen, wird das Kapital im Verhältnis 5: 2, also auf 500 000 M.,- zu- sommengelegt, Dritte Znlernaliov.nle Bodenreform, und Frcihandelslagung in Kopenhagen..In der Zeit vom 20. bis 31. Juli dieses Jahres sindet, in Kopenhagen im Plenarsaal des dänischen Reichstags die Dritte Internationale Bodenreform- und Freihandelskonferenz statt. Das vielseitige und reichhaltige Programm läßt einen äußerst inter- essanten Verlaus der Tagung erwarten. Die enger« Tagung wird unterbrochen durch Fahrten in die Umgebung Kopenhagens sowie durch Besichtigungen von ausgcteillcn Gütern und von Volk-Hoch- schulen. Die Tagung wird abgeschlossen durch eine cRise nach Iüt- land, aus der insbesondere die Kultivierung van Oedland gezeigt werden soll. Nähere Auskunft erteilt Dr. A. Schwarz, Berlin' W. 8, Jägerstr, 01. lieber den deutsch-schweizerischen Handelsvertrag wird ein aus» föhrliches Kommunique verbreitet, das in großen Zügen die qeqen- seitigen Zugeständnisse bei diesem Vertrag beschreibt. Die all- gemein gehaltenen Angaben gestatten jedoch noch kein endgültiges Urteil über das Vertragswerk, auf das wir zu gegebener Zeit noch zrückkommen. Das Kommunique bemerkt über die voraussichtlichen Wirkungen des Abschlusses: Der Vertrag wird wesentlich dazu bei- tragen, die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz zu festigen. Er bildet damit den vorläufigen Schlußstein in der Kette der wirtschaftlichen Abkommen mjt der Schweiz: die begannen mit dem Nooemberabkommen 1924 über die Aufhebung der gegenseitigen Einfuhrbeschränkung, Der Bertrag sieht zwar erne Reihe von Zasiherabsetzungen vom dentscben ZMaris für wichtige Schwei w Erpartwaren vor Er eröffnet aber ins- keiondor« auch dem deutschen Exporthandel die Mög. lichk«it zu niedrigeren Zöllen als bisher und unter der Gewähr. daß der deutsche Export von den Zollerhöhungen des vorläufigen schweizerischen Generelzollterifs nicht getroffen wird, Geschäft« zu machen. Daniii wird namentlich«ine Förderung der sild» deutsche» Exportindustrie aerbrmden sein, die von jeher die Schweiz als ihr besonderes Absatzgebiet betrachtet hat. Sport. öreltensträter-pierre Charles la Treptow. Breikensträier zwingt Charles in vierler Runde zur Aufgabe. Vor etwa sieben- bis achtlausenb Zuschauern fand gestern abend auf der Treptower Radrennbahn der große Freiluftboxkamofabend mit einem gut zufammengestellten Programm statt, in dessen Mittelpunkt der Kampf des deutschen Ex- schwergewichtsmeisters Hans Breiten st räter mit dem belgischen Schwergewichtsmeister Pierre Charles stand. Beide Kämpfer wurden beim Erscheinen stürmisch begrüßt, und mit 26 Pfund Uebergeuncht und bedeutend größerer Reichweite geht der Belgier sehr aussichtsreich m den Kampf. Nach drei, ziemlich abwartenden Runden, wobei Pierre Charles das linke Auge ausgeschlagen wird, landet Brxltenströter bei seinem Gegner einen furchtbaren r e ch t e n K i n n h a k e n, der ihn bis acht zu Boden bringt. Breitem 8 räter nützt die Chance und trommelt auf Herz und Nieren des »elglers, der noch zweimal bis acht zu Boden muß und dann den Kampf völlig erschöpft aufgibt. Der Beifall war sehr groß. 0.» Jt.Rennen ans der RiUl-Ztrena. Am Sonntag, den 1 S. d. M t hält die Ortsgruppe Beilin der Deutschen Radsabrer-Union osfizlell ihren Einzug in die R ll t t- A r e n a und veranstaltet an ihrem ersten Renntage, der nachmittags»>/, Uhr beginnt, u. a.«in Zwei-Ttunden. RannlchastSrennen nach SechS-Tage-Art. welche« zum«ndenten an den vor Jahren verstorbenen Rennfabrwart der Ortsgruppe den Titel.Keorg- Weyer-ErinnerungSrennen* trägt.— Die Meldungen sind zahlreich ein- gegangen und bürgen Namen wie Dorn, Nickel. Klotz. Shmer. Sraffrmder. Evert, LIpte, Arndt, SieronSki, BeeSkow u. L. dafür, dotz guter Sport ge- boten wird._ fius öer Partei. Dr. Richard Fröhlich. Begründer der österreichischen Ab bewegung, Augenarzt und sozialistischer Gemeinderat in Z Reustadt, ist in der Nacht zum Freitag im Alter von 62 Jahren freiwillig au» dem Leben geschieden. Parteinachrichten für Groß-Serlin »insen düngen(fix dles« RudrU sind verlta SW SS. Lindenftratze i, stet» an da»«ezirtilekretoriot. & Has. X Xmp.«cht», zn richten. Heute, Sonnabend. 17. IuN: IM. Avt. Tegel. 8 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre. Tagenordnung: Drllndung»ine» Miele! verein». Familie aauoflug. All« Funktionäre müssen bestimmt erscheinen. Morgen, Sonntag, tS. 3ull: iL Alt. Eltern fahrt nach dem Nrieselong— Daldsc«. Parteigenossinnen und .genossen mit ihren Kindern sind herzlichst eingeladen. Treffpunkt früh 7 Uhr pünktlich Nahahof Gesundbrunnen, Eingang Bellermannstratz«. tut. Abt. Nicterschäneweide. Aueflug nach der Königsheid«. Treilvunkt nach» mittag» iü Uhr Sternvlatz, Johannisthal. Nachzügler treffen un» in dem k kannten Lokal im Walde. « Arbeitngrmeinschoft de» Kinderfreund«. Krei» Mitte: Montag, ltz. Juli. Kelferfahrt nach dem Tcufelelee im Grunewald. Treffpunkt nachmittags 5H Uhr am Bahnhof Börse. Nachzügler treffen sich abend, 7 Uhr ebenfall, am Bahn- Hof Böls«. Eingang Neu« Promenade. Badeanzüge nicht vergessen.— Gr»»»» Eharlotenbnrg: Di« Kinder trefsrn sich heute. Sonnabend, nachmittag« S Uhr, am Einaan» de» Familienbade» Westend zum Baden. Di« Kinder, die den Weg nicht kennen, kommen nachmittag» Xlb Uhr zur Tante Tkw«, Spandauer Strah« 17. Iranenveranstalwngen: t. Att. Montag. 19. Juli, gemütlich«, Beisammensein der Fennen im Art»»- Hof. Perlebergnr Str. XS. Am Abend gesellen sich die Genosse» dazu, um an den vortübrunaen im Garten zu ermäsitg'.en Veeifen(Korten noch an vor«ass, erhältlich) und evtl. am Tanzen für 20 Pf. teilzunehmen. Alle Genossinnen und Genossen sind herzlichst eingeladen. NX. Abt. Sharlottenbnrg. beut«. Sonnabend, FamNienauofiug. Kaffeekoch«» im Bolkapark Iungterndeide, Pamlloi""~... m Uhr im Lokal Lux. chutienstr. 2B. —....-------- L______ Don Sch reder. Treffpunkt: nachmittag» Die Feuilletons, die gestern nachmittag Ewald Wüsten la», sind lieb und nett, erinnern in ihrer mondänen, melancholischen an die Ski---- k" �— v«■——*■— 1— es. Aber| aerlich-solld.1..... WWW funk, der Im Grunde allgemeineren Interessen dienen sollte. Es wäre endlich an der Zeit, hier systematisch auszuwählen, denn allmählich fällt die ständige Dilettonterei auf die Nerven. Auch die Sängerin Emmy Sicora, die nachher fünf entzückende Kinderlieder von Reinicke fang, bleibt im Rundfunk ohne Wirkung. Hansi Freud b e r g spielte die Kinderszenen op. 15 von Schumann mit guter Technik, aber etwas seelenlos: Duschkötter dagegen bracht« mit dem Funkorchester Robert Bolkmanns fünf kleine Stücke in der 'Bearbeitung von Barnes und Hoffmann zart und ausgefeilt zum Dortrag. Schade, daß das gut gewählte Programm„Kinderland� nicht besser besetzt war. Der Abend hieß„Amerika". Leo Lanka entwarf ein Bild der modernen, amerikanischen Literatur, blieb aber bei den Porträts zu lange im rein Biographischen haften. Darauf sprach Tllla Duneux Kapitel aus Romanen des Kämpfer» und Anklägers Upton Sinclair und des erst vor kurzer Zeit auch in Europa bekannt gewordenen Sinclair Lewis, des vielleicht hoff- nungsoollsten, amerikanischen Romanciers, des Vertreters moderner Sachlichkeit, des unbeirrbaren, unpathetischen Schilderer» omerika- nlscher Menschen. Spezifisch Amerikanisches kaum— ober wo zeigt sich dieses auch in der Literatur oder in der Musik? Bei der Sin- fonie Paines denkt man oft an das Waldweben au»„Siegfried". wie überhaupt das Wert vollkommen noch europäischen Mustern ge- baut ist, auch Mac Dowell»„Indianische Suite" ist etwa in der Nähe von Grieg anzusiedeln, allerdings ist sie süßer, schmelzender, die Indianer werden hier mit einer beinah« Thatcaubriandschen Sentimentalität behandelt, es ist so, al» ob die Streicher in breiten Strichen die Schwermut der Prärie und des Waldes aufbauen wollen. Das �uncZfunkproxrsmm� Sonnabend, den 17..Juli. AuOsr dem übliehin Taffegpreframm« 12 Uhr mittapp: Die Viertelstunde für den Landwirt. 4.80 Uhr nachm.: Heine Stroh:„Vom Weeen der Kritik*. S bis 6.30 Uhr abends: Kachmitte£skeniert der Berliner Fnnkkapelle. Leitung: Konzertmeister Frans ▼. Szpanoweki Anschließend: Rateehlige fürs Hans, Theater� und Filmdienst. 7 Uhr abends: Dr. phil. et med. Georg Basohan. Stettin:„Aus den Kinderjahren der Menschheit*. 7 25 Uhr abends; Artnr Ziekler;„Vom fahrenden Scholaren zum Wardervopel(Fahrende Deute des Mittelalters)*. 7 65 Uhr abends: Dr. H. H. Kriiainzrer:.Der Pnlssohla* der Welt*. OSO Uhr abends.: Am Strands. Ein Hörbild. Repie: Alfred Braun. Anschließend: Dritte Bekanntpabe der neuesten Tnpesnachrichten. Zeitansaare. Wetterdienst, Sportnsehiiehten. Theater- und Filmdienat. 10.30—12 Uhr abends: Tanzmusik(Kapelle Kennbach. Leitung: Kapellmeister Otto Kermbach). KSnigswusterhausen, Sonnabend, den 17. Jolt. 1.10— 1.40 hr nachm.; Dr. Max Bnrekhardt: Musikalische Dar- bietnncen für Schüler. Volkslieder zur Laute. 3— 3.30 Uhr naehm.: Prof. Dr. Amsel und Obersehullebrer Weatermann: Einheitakn rasch rift. 8.30— 4 Uhr nachm.: Dr. W. O rädert: Die Auswirkunp des Volkstums in vier großen aeelischon Stilainheiten. 4—4.80 Uhr naehm; Dr. W. Grabert: Der Esprit franeais; Die ainbaitliebe und zusammenfassende OBenbarnnp des französi-ehen Wasens. 4.30— S Uhr naehm.: Mitteilungen des Zentralinstituteo. 6—3 30 Uhr naehm.: Else Steup: Bücher von Taten und Abenteuern. 3.30 Uhr abend»; Uebertrsponp ans Berlin. Sozlallstifche Arbeiterjugend Gro�S erlin. See Senass«. weldter auf der SanSetleiterbnfmnj am letzten Donnetsiag e»» Bersede» da» Leinwand fuueral des Lichtbild ap parate» mitgenommeu hat, wird gedeien. dasselbe sofort beim Sekretariat abzuliefern. Amstervamfahrer! Die letzte» Bilder de» Genossen Karl Tilch sind«in» Heule, Sonnabend, 17. Juli: eichtenhero-Mitt« und»West: Wochenendkursu» de» Werbebezirk» in Ticfense«. Treffpunkt«: 1. Gruppe AW Uhr Bahnhof Stralau-Rumwelsdura: 2. Gruppe I Uhr Bahnhof Llchtendergdf riedrichefelde! 3. Gruppe 9 Uhr Bahnhof Lichte». bezg-Frieb ricksfeld«. Weib- bezirk Pren�anee Berg: Treffpunkt zum Tachenendkursus üb«:: ..Proletarisch« Jugend und Politik" 7 Uhr abends. Abfahrt 7,28 Uhr nach Soffen; am Sonnlag 5 Uhr morgen». Absaht 5,28 Uhr nach gössen. Kvstcn 90 Pf. Decken mitbringen. Abteil«na Südwest: Jugendheim Linden str. 3. 2. Kos. 3 Tr., 7 Uhr, Eltern. abend. Elter», Parteizenosseu und-genossinnen sowie Bekannt« sind herzlichst eingeladen. Morgen. Sonnkag, 18. Infi: Schi»hanser Berstadt 1: EUernsahrt: Prieselang— Waldse«. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Eingang Bellermannftratze. Parteigenosse« und Frennd« sind herzlichst eingeladen.— Südwest: Nachmittagsspazirrgang. Treff- vunkt ollnktlich 2 Uhr vor dem Borwürls.— Steglitz I: Spaziergang mit an- schließendem Buben. Treffpunkt»achmiuag» 3 Uhr Keim. vortrage, vereine und Versammlungen« Reichsbanner»Schwarz- Rok-Gold". Ggfchüftastelle: Berlin S.U. Sebastianstr. 37 38. Kol? kr. »enoln-Britz: Druckfehlerberichtigung: Die ffamiliendampferfahrt Wder 1. Kameradschaft findet Sonntag, l. August, nicht Sonnlag. 18. ZuN, statt. L Kameradschaft, 1. gug. Mo., d. 19., 8 Uhr, bei Bockmann, Neuter- Eck« Lenauftratze. Monatsversammlung mit Borlrag dcs Dauvorsitzenden «am.»och Oder die politisch» Lag«. Kameradschaft Britz Mo., d. 19., Nestau- rent Ehausseeftr. 18»ameradschaftspersammlung. Neuwahl de» Borstandes.— Obrrfchüsewrid», Niederfchöseweid«»nd Johannisthal: Sonntag, d. 18.. nach. mittags 15i Uhr, Antreten auf dem Marktplatz in der Ralhausstrasil. Familien. ausNug»ach der Kluigsheit«.— Pankow(Kreis): Mo., d. 19„ Jii Uhr, ZSollankstr. 131. Abmarsch mit Tambourtorp» nach Schönholz. ArieUei-Saeiaiiter.Kelor»« Berlin e.V. Geschöfisstell«: 314, Schröder- stratz« 9. Telephon: Norden 3340. Montag, 19. Juli, Trj Uhr. In Schinlrls Festföle» Wngiiederpersanimlung der Kolonne Berlin. Boitrog über PSD. und ASB. Die eingetretenen Mitglieder können gegen gahlung de» Eintritts- gelbe» sowie de» ersten Monatsdeitragc» die Mitgliedsbücher und Armbinden am Saaleingoua in Smpfang nehmen, thne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Wer länger als drei Monate mit(einen Beiträge» im Rückstand« ist, hat keinen Antritt. Arbeitern«,«!» für Biochemie»nb Lebensreform i. B. B. Bezirk Mltte: Berlammlung Montag. 19. Zitli, 3 Uhr, bei Nenlwich. Linienstr. 195. Ncfcrat« über..Biochemie nnd Klassenkamps" und..Praktische Biochemie". Beratung ab 7 Uhr. Gäste willkommen. Freie Ausspracht örieflaften öer Redaktion. lt. S. 193 Etwa 10 Neichsmark und evtl. Schenkungesteuer.— M. s. 199. Wiih«lM»he»«ner Straße. Nur wenn ruhestörender Lärm vorliegt, kann dt» Mieter etwa» oeranlatz?»erden. Wenden Sie sich an die Polizei.— Da in Ihrem Fall»«in« stillschweigend« Pereinbarung anzunehmen rzung der 4 Pro», berechtigt.— A. K. 1909. zu sergen. DI, Unterhallsrent« ist dagegen Neichsmark.— W. s. 82. 1. Bei kinder- Jtgtn d Sander. ist. sind Für Kleidung usw. haben zahlen; sie betrögt monatlich st, sind Sie auch weiterhin zur Kürzung der« Pro,, berechtigt.— A. K. 190». -- MM'«>» Sicht .|... I| I........ loser Ehe gehöres zu den Erben der stberlebenb« Ehegatte und die Perwandten (fltern, Geschwiftee usw.) des verstorbenen Ehegatten. Sind Kinder vorhanden. so stnd Erben dies« und der stierledent« ehe-rük. 2 Da» richlct sich nach dem GÜIerstand«. in dem die Eltern leben. Beim gesetzlichen Güte: staube z.B. hat der Ehemann der Ehefrau da» eingebracht« Gut heraueingeden und über die«erwaltnn» Rechnung zu legen. 8. Nein.— F.». 57. l. u. 2. Ja. 3 Di« Zahlung tan« jederzeit gefordert werden.—«. Sch, 3 Nein.— »«igte, Edeetpstraße. Wohrnuigsfürfgraegesellschaft m. b. Sladl. hau»— U. S» dlelht nur der Klageweg llbrig.— G. B. 3 Geoen den Kirchenfteuerbefcheld mllsse»«ie Einspruch-inlegen.— F. S. In K. 98. Za. ofern e« sich um de» Zuschlag de« Gemeinde»ue Grundoermögenssteucr modelt.— z. B. Etz». Erhobt» Sir gegen Ihr« früher« verlobt» Klag« auf b-rousgabe der Gefchrnke.__ Wetterbericht der öffenMde» weklerdl-nststeste für Se-N»(Nnchdr.»erb.). Temperaturen wenig verändert,»rocken und piciiach bester.— Jjt ven.sch. la»»: lleberall Fortdauer des trockenen vielsach heiteren SommerwetlerS. ?Ad» einmal >» der Krruzzeilung. im vorwürt«»nd im Berliner Tageblast auf Kosten des An- geklagten delannt zu machen. Das Urteil ist oollstreckdar. Dar General l. H* oilene Beine d Flechten vatew ai linndi turtlch». hdn. SttznUfiB. Wnduin. ikuhi Hu Wieda. Inaplawr- M\ fes.'A. «i ah tatia ßt >. t c\ ■ da int- Uaw- UriDd |. fflami- _ nw Vulnsral-MGllsalbo 1 Schachtel 1 SO M,*r. Dom 3a SM. Tl(l. Dankschrelb. Aentl. Gutachten „IhreVulneral Heilsalhe ist eine aus- gtielehnete Salbe tllr Krampf- und Ader, esehwüre." Dr. 0, Stolle, Hll- «aukee, Amerika Alleiniger Psbrlkant Apethak. P. 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